diff options
Diffstat (limited to '44049-0.txt')
| -rw-r--r-- | 44049-0.txt | 8157 |
1 files changed, 8157 insertions, 0 deletions
diff --git a/44049-0.txt b/44049-0.txt new file mode 100644 index 0000000..0ff6264 --- /dev/null +++ b/44049-0.txt @@ -0,0 +1,8157 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 *** + + +--------------------------------------------------------------+ + | Anmerkungen zur Transkription: | + | | + | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform | + | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: | + | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George | + | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text | + | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. | + | | + | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am | + | Ende des Texts. | + | | + +--------------------------------------------------------------+ + + + + + Die Hessen + und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege + Gross-Britanniens gegen Amerika + 1776-1783 + + Von + Edward J. Lowell. + + Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers + von + O. C. Freiherrn von Verschuer + Major z. D. + + Mit 8 Plänen + + Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe. + + + Braunschweig und Leipzig + Verlag von Richard Sattler + 1902. + + + + + Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur + + Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff + in Dankbarkeit und Verehrung + gewidmet + von + dem Uebersetzer + + + + +Einleitung des Übersetzers. + + +In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen +Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen, +insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem +Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem +Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in +Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten +Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in +Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer +grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung +hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt +der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er +erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber +die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der +damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer +Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist, +die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein +solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung +und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch +unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges +in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und +Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe +des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen +Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein +sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der +Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem +Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit +England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider +-- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die +Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher +Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der +französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen +Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des +ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean +zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde +Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so +auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu +brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England +interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und +ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die +Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel« +bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen +Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf« +und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der +frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas +Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte. + +Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den +»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des +18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein +Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der +Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf +Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp +führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen. + +Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im +18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch +auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen +ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich +ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern +Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem +Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er +-- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen -- +besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor +ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren, +die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen, +und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit +gethan haben. + +Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von +Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die +der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die +bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird +in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder +weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die +Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen +wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen +müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat. + +_Frankfurt_ a. M., im März 1902. + + =v. Verschuer.= + + + + +Vorwort + + +Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für +Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern +nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt +erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden, +dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den +Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber +vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000 +Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als +29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als +12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem +amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche +Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte; +dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen, +die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben. +Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3 +Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse +Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq., +der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom +Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat. + +Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches +annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und +Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen +deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und +von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum +Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia +stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert +waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem +amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen. + +In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von +Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen +mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind +unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders +hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages +und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich +sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die +dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der +andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in +Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des +New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen +Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und +Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich +Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt +aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material +zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten +Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38 +Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die +Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu +benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des +Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so +würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen +Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch +Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es +aber mit Vorsicht gethan. + +Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der +Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die +Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie +Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher +Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu +geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen +Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck +habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen +Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder +Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren. + + =Der Verfasser.= + + + + +Inhalt. + + + Seite + Kapitel I. Die Fürsten 1 + + " II. Die Verträge 12 + + " III. Die Verträge vor dem Parlament 22 + + " IV. Die Soldaten 30 + + " V. Von Deutschland nach Amerika 37 + + " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41 + + " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme + von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov. + 1776 51 + + " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64 + + " IX. Der Winter 1777 75 + + " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90 + + " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98 + + " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108 + + " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120 + + " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129 + + " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145 + + " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September + und Oktober 1777 160 + + " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar + bis Juli 1778 170 + + " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174 + + " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180 + + " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187 + + " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195 + + " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208 + + " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216 + + " XXIV. Schluss 230 + + + Seite + =Anhang.= + + A. Quellen-Verzeichnis 241 + + B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244 + + C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach + Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht + zurückkehrten 248 + + D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und + Gefechten des Revolutionskrieges 250 + + + =Karten und Pläne.= + + 1. Schlacht von Long-Island 1776 48 + + 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64 + + 3. Affaire bei Trenton 1776 74 + + 4. Burgoynes Übergabe 1777 128 + + 5. Schlacht von Brandywine 1777 160 + + 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186 + + 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216 + + 8. Yorktown 1781 224 + + + + + Die Hessen + + und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege + Gross-Britanniens gegen Amerika + 1776-1783. + + + + +Kapitel I. + +Die Fürsten. + + +Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der +anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten, +sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte +Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer +Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben +möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild +vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem +XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf +den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und +konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des +französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die +Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es +war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die +3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die +Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie +betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse +Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren +eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel +trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in +der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name +»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde. +Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den +Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer +derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die +Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und +1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während +eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem +Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland +während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass +sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der +Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen +sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika +zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die +Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen, +6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000 +Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten. + +Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre +Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg +überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien. +Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein +Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von +Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von +Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die +Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik +des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der +Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit +von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen, +war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden. + +Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein +ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von +Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die +Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer +ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die +Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander. +Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen, +Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar +zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland, +neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser +standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300 +Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele +nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in +sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten +Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen +kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die +Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst +konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten +noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen +kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten +Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein +wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen, +aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie +Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei +jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und +Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System, +Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten +regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung. + +Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in +politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich +der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in +seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den +besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu +sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte +sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten +selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland +kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten +stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der +Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der +Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein +Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse +auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen, +selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern +würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer +Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden +erblich sind«. + +Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden +betrachten, die Söldner nach Amerika sandten. + +Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von +Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines +protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische +Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt +zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit +seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde. + +Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine +abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er +hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt +haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit +französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten +Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche +Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet. +Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben -- +die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache +korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine +Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen +am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben. + +Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner +zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas +gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen, +durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt, +bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000 +Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000 +Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil +wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des +grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den +Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an +seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um +allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er +sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei +seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen +und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach +Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene +herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne +und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen +mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in +gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde +zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach +Amerika schickten. + +Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs, +regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die +einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem +Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August +1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker +Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein +Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der +Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich +einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber, +ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau +standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben +gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in +Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich +nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu +unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den +seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und +gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die +Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem +Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von +Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien +1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London +vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler +Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den +eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in +Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«. +Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien +für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp, +dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der +Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der +Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die +nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht +erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein. + +Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl +Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der +Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land +hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in +Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr +kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen +durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen +oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es +war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer +Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr, +während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna +von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl +Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die +Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter +der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel +Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an +Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein +anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von +4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg +beendigt war. + +Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr +400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des +Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern +war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu +Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie +bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr +heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von +Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen +Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu +Grunde lag. + +Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den +Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im +Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und +Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner +Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen +Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie +ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war, +versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's +Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich +mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise +mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem +Fusse mit ihm. + +Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn +er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine +Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen. +Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche +zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei +Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie +sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten, +wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu +stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren +barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und +geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb +wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte +Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er +einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt +er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die +Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt +wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den +Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung +gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als +der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und +ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein +regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht +argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und +Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch +den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb. +Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon +habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese +Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der +Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner +Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des +Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind +nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu +Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte +sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene +Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie +werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der +Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.« + +Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren. +1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt, +Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er +verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der +Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner +sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und +zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches +Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde. + +Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas +menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend +nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und +dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden +anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches +sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde +in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer +anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet. + +Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth +geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei +seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute +waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353 +erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd. +erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und +Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine +Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb. + +Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck +ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land +hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt +aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land. +Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn +die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten. + +Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines +kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über +einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert +hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und +Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend +werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell +gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten +seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte +er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als +Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und +diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11 +Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste +er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten +sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen +in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es +hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot, +Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe +Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina +II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte, +fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz +für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose +Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in +Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt +hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers. + + + + +Kapitel II. + +Die Verträge. + + +Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den +deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika +ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem +Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und +während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich +zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die +höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten. +Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint, +dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und +General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende +Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint +jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der +auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit +seinem Agenten sehr zufrieden erklärte. + +Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt +hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen, +getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff +eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in +holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen +Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um +die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere +Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von +den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern. + +Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von +Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen +Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken +und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles +Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die +alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu +opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein +eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der +Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der +Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er +600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst, +verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für +Seine Majestät zu opfern. + +Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel +boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine +Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von +Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei +Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als +einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von +Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er +Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von +Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten +zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und +Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren +betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen +Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer +anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts. + +Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von +Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin +Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene +Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs +vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten +Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im +Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen, +um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches +Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie +bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog +sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr. +Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen, +mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die +Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm +jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde +die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr. +Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war +bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von +Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig +zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen +Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr +dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und +in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war +einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden +Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es +sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine +Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer +Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den +Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte +Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an +Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die +nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen. + +Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen +besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die +Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine +Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden +sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an +die übrige Armee gestellt wurden. + +Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel +Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4 +Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an +Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des +Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen, +und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei +Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In +Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se. +Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle +Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere. + +Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden, +da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses +Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen +entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet +werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei +dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in +dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht, +befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in +welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste +durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte +es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für +jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten +würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für +jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu +stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie +ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es +sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und +behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30 +Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom +Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des +Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die +Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe +von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und +11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist +wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in +Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den +Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht +wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem +Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht +angenehm gewesen wäre. + +Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er +unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass +er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde +der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis +mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen +Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben, +wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde. +Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute +bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es +sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden +liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der +Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig +auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde +derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also +30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien +waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder +108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein +weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der +Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die +er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der +Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass -- +abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben +fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch +bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der +Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika +geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch, +was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine +alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher +nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg. + +Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck, +Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen +nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten +ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für +England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in +den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach. + +Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren +Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen. +Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht. + +Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach +Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie +folgt zusammen aus: + + Braunschweig 5 723 + Hessen-Cassel 16 992 + Hessen-Hanau 2 422 + Anspach-Bayreuth 2 353 + Waldeck 1 225 + Anhalt-Zerbst 1 152 + -------------- + Zusammen: 29 867 + +Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach +Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554 +nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch +die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden, +diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von +denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten. + +Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den +deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals +beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal +dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III. +zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen +Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen +Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien +focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den +Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton +mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da +die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes +kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 +veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner +Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der +Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die +Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man +möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in +diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich +behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika +zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es +billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde +als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ +denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein +abscheuliches Verbrechen galt. + +Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas +über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff +waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich +Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der +Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend, +veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere +deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.« +Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier +der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der +Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die +Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent +einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der +gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel. +Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets +aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer +Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der +zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die +Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben +Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in +Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein +Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten +wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent +waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein +interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in +französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von +Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der +Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen +Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange +Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter +Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine +Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt +der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige +Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des +Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf +seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn +sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war +vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf +von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen +Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den +grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische +Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die +Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso +tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen. + +Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen +von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte. +»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er +an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die +Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger +Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das +aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts +überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben +abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn +man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die +königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben. +Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten +angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im +Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber +sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen +wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den +Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt +entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, +die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, +nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach +Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen +Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und +seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen +ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt +Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so +verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.« + +Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni +1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und +fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. +»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so +würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie +man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein +schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der +Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts +Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die +armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.« +Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von +Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte +sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre +lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die +Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des +Sturzes ihrer Dynastie.« + + + + +Kapitel III. + +Die Verträge vor dem Parlament. + + +Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen +Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine +Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen +deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte +schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von +Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde +Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu +strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien +wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen +Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite, +und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines +Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität, +welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die +Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum +bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories +im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs +sich befand. + +Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner +Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von +Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of +Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste +Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da +man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen +bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die +gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und +schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach +Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land +zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen. + +Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus +versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit +gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen +zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung +(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese +Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute, +die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen +Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von +Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein +Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren +Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft +noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen +Grund hätte zu zweifeln. + +Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der +Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu +zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen +seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das +Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens +das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der +vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte +die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel +kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen +könnte. + +Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen +ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss +stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des +Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in +das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter +Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der +Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl +der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen) +anvertraut würde.« + +Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge +abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten +gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz +Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt +eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr +Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld +unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der +wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven +werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte. + +Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen +Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit +der Nation so viel Geld gekostet hätte. + +Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in +Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht +Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000 +Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George +Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art +sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen +anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief: + +»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass +die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit +unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem +Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den +Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz +Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des +Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war +gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen. +Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man +möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu +bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu +treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der +Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die +Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen +müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an +Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen +Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine +zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der +nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen +Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den +Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn +ausgesetzt sein würde. + +Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den +Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so +weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an +dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen +würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher +meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät +eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden. + +Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich +hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten +Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben +obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie +Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung +anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten +werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und +dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken +werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig +und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.« + + [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt + worden. + +Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein +würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu +unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass +Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer, +so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei. + +Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen +Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen +abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden +Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass, +wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals +unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den +neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an +Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein +gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme, +die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt +würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was +würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder +ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu +Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir +wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu +bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, +unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf +oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht +wird.« + +Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen +Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando +eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht +ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden +könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten +zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General. + +Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der +Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren +Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von +schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so +offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche +ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der +Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen +Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika +notwendig erscheinen lässt.« + +Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er +persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr +er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn +man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen +Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten +Bedingungen fügen müsste. + +Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch +die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer +neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes +Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende +bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung +fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den +schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die +selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte +anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel +Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um +Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden. + +Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung +geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland -- +»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre +gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung +fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt +werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke +of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten +werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er +keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der +Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden +unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine +Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie +sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen +my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein +rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen +gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die +geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in +des Wortes schlimmster Bedeutung sind?« + +Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben, +wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in +der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen +abgelehnt. + +Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über +die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel +fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die +Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung« +waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte +von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden. + +Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen +anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der +Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in +dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische +Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im +Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten +verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist +ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte, +musste Lord North sie in Deutschland suchen. + +Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die +Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die +Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch +die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu +dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische +Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen. +Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war, +wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass +Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren +Streitigkeiten zu mischen. + + + + +Kapitel IV. + +Die Soldaten. + + +Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur +Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene +Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte +eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für +ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen +angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um +die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand +sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den +Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder +Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde +Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten, +doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen +Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der +Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat +wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach +durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss +dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland, +sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die +Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der +benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz +Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und +Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60 +Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit +dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem +andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele +Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten +Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch +erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, +aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher +Zeit. -- + +Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als +Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine +Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der +Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, +welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er +sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit +einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr +9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen. +»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier +übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige +grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren +Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt. +Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der +Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem +nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich +ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so +schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige +Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten +zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug: +niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; +Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den +Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten, +eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische +Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende +ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele +durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen +jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So +dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der +alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler +Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen +zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd +beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus +Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover, +ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein +Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein +kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem +Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte; +und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine +unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war +wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu +unser aller Befreiung.« + +Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf +den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. +»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend +die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus +erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und +1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir +über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die +Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald +wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und +besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden +müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen +verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht +der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser +Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. +Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar +nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber +sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach +Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen +waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig +ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem +niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise +grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss +deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft +werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die +sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen +geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.« + +Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise +etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren +Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen +über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm +geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte. +Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen +wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang +die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling +gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann +stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der +ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl +musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem +Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit +verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel +scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen +Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein +Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn +bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison +entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen, +welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten +ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein +preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten +verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die +preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher +Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der +Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der +Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein +wertvolles Verkaufsobject war. + +Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier +oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich +Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in +Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese +Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet, +muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her +marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm +ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann. +Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher +gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der +Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen, +dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier +müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben. +Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume +dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern. +Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine +Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen +ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück, +sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und +ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut +betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den +Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er +verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe +abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss. + +Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den +Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier +unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu +verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen. +Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein +Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert +gehalten wird. + +Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren +vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden +alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen +und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt, +welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter +als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus +alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen +waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen, +besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten +schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen. + +Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein +gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht +auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört +wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter +als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere +gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen +Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser +Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war. + +Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung +beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im +Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden +weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen +Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre +Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, +als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den +Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu +erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen +Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen +freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal +finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese +absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst +worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland +aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der +Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika +entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu +unterbrechen. + +Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die +in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie +helfen sollten zu unterdrücken. + + + + +Kapitel V. + +Von Deutschland nach Amerika. + + +Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die +Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark, +von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung, +eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann, +schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang +März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der +Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie +zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil +ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des +Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland. + +Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine +verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der +eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England +und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein +Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der +Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten +einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden. + +Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt +werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen +Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen, +dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse +Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem +Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu +passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass +deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen +opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen +dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig. + +Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung +hinterlassen: + +»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet +und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine +Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon +niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im +Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im +Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs +Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten +mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es +war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso +unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der +schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig +geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet! +und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum +satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die +Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck +und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und +zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb +mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck +mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am +Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte +noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen +Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als +Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch +mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten +Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch +erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an +Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei +französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den +Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin +gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika +die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu +schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das +schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass +heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach +einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit +fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor +man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten. +Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.« + +Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter +Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden +diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate +lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der +Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren +schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden +hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und +grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische +Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne +richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher +seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte +und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen, +weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen +Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur +Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren. + + + + +Kapitel VI. + +Die Schlacht von Long-Island, August 1776. + + +Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy +Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen +von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl +von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des +siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II. +ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den +Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern, +Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige +Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine +Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt +werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine +Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte, +rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was +dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.« + +Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir +William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und +30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams +Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus +13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann +einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im +bürgerlichen Leben gross geworden waren. + +Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit, +welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in +bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre +hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die +Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so +angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen +aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte, +unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner +waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und +die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen; +aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte +Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es +kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen +Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu +versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung +von Exzessen gegeben worden. + +Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die +Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde +unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und +Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten +die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im +folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, +giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch +folgten: + +»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long +Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran +und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es +an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote +Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste. +Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst +ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier). +Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der +zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler, +den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen +grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt +hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir +marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend +in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir +schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und +schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden, +von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als +Packpferd gab. + +»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer +Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen +sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler +wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch +und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an +und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen. +Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte +eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen +grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der +Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die +Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen +Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2 +Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten +Posten, wurde indessen wenig belästigt. + +»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und +schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung +gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber +durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die +Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben +sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie +erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts, +schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich +Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch +unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen, +als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht +mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen. + +»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts +sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die +Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei +Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder +angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten, +zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein +Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen +Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse +Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die +meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen +avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop +zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich. + +»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der +Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war +nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch +Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die +hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort +Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf +General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.« + +»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff +zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und +er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen. +Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General +von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung. +Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und +vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich +die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst +Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit +einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und +hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel +stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen +Kompagnien des Bataillons Linsingen.« + +Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur +von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum +der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush +aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir +William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den +linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und +ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner +gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im +Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war, +indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in +Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen. +Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter +wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General +Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug +deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht +Mann dem Tod oder der Gefangenschaft. + +Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück. + +»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit +meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der +Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur +Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu +einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie +vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen +genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich +die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso +gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf +gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr +als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General +waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der +bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die +Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde +hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden +sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100 +Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten +keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten +tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie +verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die +Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr +schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch +von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine +Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren +Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2] + + [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite + 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste + Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein, + wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant + von Grothausen. + +Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige +veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in +den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen +grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass, +hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen +zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die +Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in +Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so +starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung +ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch +angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie +von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind +wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die, +welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten, +gegen 20,000 Engländer und Deutsche. + +Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der +Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300 +Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist, +denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine +genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der +Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen +wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301 +Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere +und 23 Mann Verwundete. + +»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur +eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe +undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die +Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen +aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein. +Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie +unsere Kugeln und Bajonette fühlen.« + +Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale -- +Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab +von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere +gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als +der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere +der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und +vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr +beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten, +Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts +anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider +etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten, +die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten. +Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die +Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er +die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge, +den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben +150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken +sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah +schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete +dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm +ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er +sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der +Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten +schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber +nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen +niedermachte.« + +[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.] + +»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen, +der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und +hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier +spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer +Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der +einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den +Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt +nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei +dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie +Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser +Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit +ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne, +die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit +60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und +die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr +Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann +hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am +Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote +Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen, +die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute, +die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment +standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so +feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere +andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer +sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden, +und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit +war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr +schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt. + +Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und +Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen +sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die +Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass +sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge +dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen, +nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie +beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die +Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut +beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen +genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant +Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu +fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen +gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von +Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist. + +Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im +Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht +ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen; +nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den +East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden, +verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging +nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige +schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine +Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in +dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch +unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den +Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten +entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen +in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen +rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt +worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe +von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war. + + + + +Kapitel VII. + +Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington, +15. September bis 16. November 1776. + + +Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York +an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze +von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen +Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume +darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und +die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in +den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem +zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere +Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte, +waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte +der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der +Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories, +besonders unter den Reichen. + +Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York +verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen +von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang +an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde +der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt, +und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market. +Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je +gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und +Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge +und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und +mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der +hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit +Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der +besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht +ganz unberechtigt erscheinen lässt. + + [3] Lieutenant Hinrichs. + +Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von +New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die +Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende +Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die +königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge +Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess, +die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von +den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem +Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt, +(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer +Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die +Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich +bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese +marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte +Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt +Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem +alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am +nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale. + +Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die +neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm +sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens +Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee +zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht +Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die +Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese +schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei +guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen +Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von +Murray-Hill einer bessern Sache gedient. + +Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von +Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei +Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas +prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer +Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche +Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass +der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall +war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren +280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht, +in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen +verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei, +ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der +vergangenen Tage. + +Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche +Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der +Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen +waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten, +zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern, +welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten, +hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem +Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und +guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby +(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner +Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die +Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder, +zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder +und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger +Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es +ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte +behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im +Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer +Generallieutenant im Jahr 1834. + +Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen, +als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der +Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss +gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit +fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis +Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht +hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte +sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte, +St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers, +besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft +behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht +wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und +einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir +William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen +Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem +Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen +Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt +worden sei. + +Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand +Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche +Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott +verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die +Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt +worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass +mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten +hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber +verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und +Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die +beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind. + +Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der +grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist, +soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass +verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von +englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein +armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde, +bis er starb. + +Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner +Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons +Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen. +Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River +festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am +Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor +Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde +und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, +wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte +Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm +zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. +Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East +Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem +heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit +dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit +dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner +eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und +befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die +zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 +Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, +und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 +Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann +Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die +deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr +13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden +um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains +vorgingen. + +Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange +zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei +einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und +würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe +gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von +diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings +Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons +Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am +Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von +General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl +hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere +Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei +Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen +andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.« + +Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft +hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 +Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten +Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der +Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, +diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische +Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten +die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. +Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen +und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust +an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes +würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein +eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die +Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der +Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die +hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants +Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel +anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. +Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington. + +Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen +eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch +ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem +Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. +Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und +hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die +hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder +hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen +auf dem Berge. + +Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, +die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt +worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse +schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von +Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug +verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren +Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, +Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen +Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen +betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht +höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der +Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle +rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger +Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht +die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William +Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, +welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines +Krieges Wünschenswerten versehen war. + +Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage +lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. +Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White +Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die +amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer +neuen Idee zu. + +Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss +über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein +fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das +Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das +Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren +Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das +obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine +Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme +Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des +Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte +General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den +Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren +unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. +Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den +Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine +Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische +Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts +dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort +verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war +entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete +Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es +ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. +Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie +verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 +Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden +sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill +mit ein. + +Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir +William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 +Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, +welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war +aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach +New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei +Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter +Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. +Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis +die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben +einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf +Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer +hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und +Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die +Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen +Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles +Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der +in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich +zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts +Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und +behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung. + +Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu +attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf +und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. +Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete +sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. +Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein +Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen +oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute +sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die +Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die +Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! +Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle +stürzten sich wild durch einander auf das Fort los. + +Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die +die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen +von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen +englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein +weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie +die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie +feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies +kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten. +Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen +Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende +Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort +herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen +strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress +gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine +Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage +sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort +aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant +forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und +gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren +zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant +selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die +Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General +von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole +mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er +war damit zufrieden und ging mit mir.« + +Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn +zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der +Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und +Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als +120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber +ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. +Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und +Ausrüstungsstücke. + +Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, +indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen +gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein +würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie +die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, +Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit +Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die +Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel +weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die +Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.« + +Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den +Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden. +Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren +natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde +aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in +das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht +und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in +ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm +Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien, +und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier +erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine +Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König. + +Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg +hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, +weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung« +geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische +Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden +in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter +Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren. + +Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn +und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen +ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt. + + + + +Kapitel VIII. + +Trenton, 26. Dezember 1776. + + +Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine +ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am +20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein. +Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es +wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant +darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die +seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den +Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von +Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen +Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu +bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit, +ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren +eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an +dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte +ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee +missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu +vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord +Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4 +Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der +Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der +Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich +Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8. +Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen +alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand. +Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach +Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner +Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe +war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu +betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und +nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt +uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben +war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben +wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das +Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach +dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie +Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr +Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem +Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. +Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen, +und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im +Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere +Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.« + +[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.] + +Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder +aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden, +so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder +zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner +Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu +führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und +noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen +seiner Leute ablaufen würde. + +Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber +in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und +New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von +Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer +kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige +Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 +englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton +bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt, +welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war +von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen +Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet +bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material +gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um +die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte, +aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der +Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung +der ganzen Armee errang. + +Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von +Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf +beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine +Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen +Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien, +von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des +Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und +70 Mann. + +Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte, +er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für +einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine +Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen +rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er +hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen. +Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit +den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen, +leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er +Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem +übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch +New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille +gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er +dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische +Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der +ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie +mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige +Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles +Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach +Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre +haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische +Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen. +Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken, +um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten, +antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im +Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte +einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen, +dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging +nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären +Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und +hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall) +Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art +zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann +könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen +Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg +in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu +spät. + +Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten +Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten +zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die +Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,« +sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden +uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch +unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen +zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden +waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere +ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3 +Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur +grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem +Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein +Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben. + +Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der +Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem +Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des +25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen +Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der +Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf +Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich +wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden +Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das +Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach +Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant +Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war +nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt +worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an, +dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der +Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown +kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete, +den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht +darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte, +in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu +fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem +Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des +Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die +bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben +worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben, +im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die +Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde, +fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles +fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in +Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig +schlafen. + +Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die +Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager +auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten +nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu +machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder +Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18 +Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac +Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers +Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden +Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr +Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht +ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der +Leute, die zerrissene Schuhe trugen.« + +Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb +Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer +hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war +doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann, +die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während +der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher +glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der +Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt +wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die +Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie +niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so +voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die +Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie +hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der +Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden +Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab, +wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben +sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die +rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter +Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan +durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass +geworden wäre. + +»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem +Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste +genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« -- + +Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold +seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit +Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte, +die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah +hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die +Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt. + +»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington, +»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie +zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich +sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren +Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.« + +Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war +noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als +Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und +eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als +Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall +in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« +Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall +sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen +und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche +Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde +fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden +Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington +drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und +Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von +Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile +erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass +der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt, +sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind +wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er +hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon +auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte +avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen +richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. +Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der +Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu +bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania +zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt +wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens +mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er +versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen +wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern +und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition +der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den +Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen +waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden +deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die +Waffen. + +Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten +verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von +Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und +sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag. +Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke +besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle +und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen. +Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu +durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord +Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der +Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch +die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown. +Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh +zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse +postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem +über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl +derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem +ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf +23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden +wurden, erhöhten die Zahl auf 1000. + +Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer +und Entrüstung aufgenommen. + +Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand, +mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete +am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das +Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls +Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die +Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die +Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink +zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu. + +Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht, +dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin +gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden +sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände +gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche +wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten +Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern, +welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu +verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten. +Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit +grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre, +diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte, +bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch +eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der +Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen +die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von +Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit +seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der +hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische +Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden +können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, +dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner +Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir +William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach +von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass +die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin +beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise +verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden +verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein +früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig. +Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr +Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler, +wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung +auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung +seiner Untergebenen zu schreiben. + +[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE, + +welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000 +Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter +Oberst Rall stattfand. + +--< _Erklärung umseitig._ >--] + + A. Trenton. + + B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold). + + C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in + der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des + Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte. + + D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann. + + E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen + (Grothausen). + + F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps + vereinigten. + + G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und + wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von + Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen + wurde. + + I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde. + + K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken + sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die + Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren + bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf + stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der + Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der + Feind sie stark besetzte. + + L. Geschütze vom Regiment Lossberg. + + M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim + Regiment waren. + + N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert. + + O. Angriff des Feindes vom Wald aus. + + P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind. + + Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen. + + R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen. + + S. Geschütze der Rebellen. + + T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er + seine Befehle gab. + +Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem +numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet +werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen +Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass +ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von +Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem +Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den +britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer +Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden +könnten. + + + + +Kapitel IX. + +Der Winter 1777. + + +Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen +genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit +Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen +waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor +Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger +fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen +Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden +Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es +nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine +Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen +war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40 +Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und +hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes, +so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur +Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen +Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse +Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen. + +Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern +der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen +unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach +seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den +Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder +behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete +sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum +Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den +anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk +über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den +Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem +Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird. +Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks, +wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.« + +Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie +mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre +an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und +da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln +schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen +wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in +welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche +begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit +Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht +nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch +über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen +Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General +Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr +polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue +Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern +von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich +diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus +dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem +Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem +Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst +kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden. + +Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien +befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn +den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und +Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf +beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht +werden sollten. + +Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner +neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und +Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that +beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren +als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute +wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren +Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in +Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen +Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem +Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser +alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders +als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.« + +Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia +einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt +hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit +grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird +förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden +Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen +der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön, +zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und +ungezwungen waren.« + +16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den +Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich +unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine +Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr +abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren +darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, +Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit +Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal +beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet +haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor +Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall +überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns +war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden +eifersüchtig.« + +Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In +Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch +niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen +wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche +Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er +aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt, +zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er +persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich +so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von +Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde +auftreten mussten. + +Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte +Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein +müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und +vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft +und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen +Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren +Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die +Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte. + +Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die +Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal +in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu +sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie +kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und +wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen +die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen +Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber +wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere +amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns +in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte; +aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und +überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den +Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen, +wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze +amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum +der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise +anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit +scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine +Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass, +als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt +wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte +sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den +geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und +alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen +sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das +Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser +Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren +Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne +Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester +vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute +Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen, +wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte, +marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte +Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch +Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren +verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert, +während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung +wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele +Vergünstigungen. + +Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er +bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen. +Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein. +Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen +und erhielten Verpflegung und Lohn. + +So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben, +überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder +und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando +vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen +3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht +ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen +Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über +Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des +Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt, +bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7 +Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu +haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen +Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu +ergeben, anlockten. + +Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und +amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses +gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort +anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich +verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um +an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der +britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag +zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die +Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu +riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für +das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen +Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten. +Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle +Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr +morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei +Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten +ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische +Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber +schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire. +Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs, +welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den +grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy +und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein +Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine +Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung +Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen, +einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten. + +In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die +Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und +Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und +rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine +Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika +gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober. +Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen +speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067 +Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde +war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem +Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von +Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im +Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit, +an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie +manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln +zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen +breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen +haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die +Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und +sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon +hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings +»Hülfstruppen« I. S. 182). + +Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich +entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter +Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3 +Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte +einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die +zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung +umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über +Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown +abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die +Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von +2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt +in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über +welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu +beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut. + +Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook +glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich +bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen, +schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute +leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem +er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an +den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte. +Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her. +Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde +besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die +Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine +ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete. +Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit +den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der +Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen, +hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute +entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige +seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte, +dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen +warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute +entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte, +dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es +stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu +halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7 +Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und +ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden +Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen, +heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im +Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit +seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und +nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein +Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte +anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute +geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.« + +Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese +Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des +amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den +Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an +der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse +Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir +gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum, +denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um +das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines +dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins +meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die +ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich +los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten. +Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in +welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant +Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken, +bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich +den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von +einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin +meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und +wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen +her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.« +In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir +stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein +bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach: +»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte +einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften +als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein +ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche +Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän +Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter +Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden +mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook +getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand, +war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt. +Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen +wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit +seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben +erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit. +Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und +30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie +wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und +gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf +dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das +Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer +mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit +zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie +ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds +Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden +morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook +hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut +trotz aller Kugeln zurück. + +Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop +zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in +Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende +Geschichte: + +»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit +einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey +im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von +New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war. +Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen +Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene +Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen +umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante +und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl +gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als +möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber +schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit +grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem +Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht +gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen +Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu +unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben +Feldzug mit sich zu nehmen.« + +Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten +mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich +glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von +Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald +argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess. + +Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet, +infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem +Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von +Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen +aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister. +Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen +gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass +Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden +Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu +entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von +Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen +Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister +hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf +das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir +William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt +genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll +widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem +Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen +sein, um ihn abzuberufen. + +Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache +hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf +veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine +gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in +Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts +als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann +diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für +sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu +sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben +nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine +gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in +Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade +gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte, +aus Kummer und Sorge. + +Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen +des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate +New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester +County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus +Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser +Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe +kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die +aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und +die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war, +während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus +Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten +Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei, +auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16 +Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter +Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste +Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88 +Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt +werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am +14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten +Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in +Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000. +Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum +letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der +Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals, +auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit +schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben. + +Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht +erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese +wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität, +angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit, +unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich +vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren +und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu +teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie +nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre +Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf +den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers. + + + + +Kapitel X. + +Die Braunschweiger in Canada 1776. + + +Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von +England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen +Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel +befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im +Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt +worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben +konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein +Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel +sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität +zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte, +hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine +Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm +obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben +würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf +sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in +seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht +entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er +seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr +enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major +gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn +gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst +eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben, +aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines +Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich +in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel +von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit. + +Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an +England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem +Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die +Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland +zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in +welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten +Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser +Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von +Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem +braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er +bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage, +an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika +ausmarschierte. + +Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen +war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und +in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er +war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder +sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der +ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten +Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise. +Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich +gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich +muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich +also trösten und nicht murren.« + +General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade +an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden +zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in +See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des +braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die +einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300 +Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der +Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und +für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher +von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt, +viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren +so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £ +vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von +den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen +auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen +Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die +erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt. + +Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich +weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben, +-- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des +Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig. +Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf +den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank +gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt +Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr, +dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das +ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich +müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn +Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben. + +Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April +und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel +erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1 +englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300 +Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und +Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist +so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine +Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich +finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und +man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch +gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat +man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben +aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind +überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere +Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.« + +Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von +Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch +nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine +Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom +hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen« +Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See +die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4 +Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die +Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See +hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager +untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein +bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens +und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch +Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen. + +Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in +der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem +Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle +höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr +300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit +Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte, +den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff +der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und +verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den +englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen +angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände, +und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von +Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden +Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht +ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit +Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der +Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete. + +Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner +als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem +umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen, +und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter +Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze +Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der +Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist +nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause. +Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« -- + +Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake +Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der +Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese +vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das +doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen +englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter +Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt +waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober +1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem +westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11. +und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die +Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der +Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote +zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur +fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis +zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und +die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem +Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer +Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht. +Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch +ein anderes Boot gerettet. -- + +Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne +Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga +vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so +nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er +dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada +genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde, +doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu +hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere +Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich +nach der Nordspitze des Sees zurück. + +Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den +Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre. +Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die +Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu +lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt +hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten +empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den +Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war +und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten +waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe +hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen. + +Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen +und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute +waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln +gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam, +waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut. + +Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde +von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es +erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass +die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte +sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des +Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut +liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec +und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31. +Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale +gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und +Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde +geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich +Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König +Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden +hatten. + +Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières +jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu +erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20. +Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp +gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in +Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast +abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war +ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde +des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten. +»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize +durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen +baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer +natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen +wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und +italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder +zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind, +und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise, +mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni +1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger +eröffnete. + + + + +Kapitel XI. + +Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777. + + +Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu +vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von +denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein +Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in +jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren +wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur +See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den +Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch +und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger +als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht +verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem +Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf +meiner Reise aufrecht erhalten.« + +Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14. +Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man +mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr +unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt, +teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der +vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie +gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten +aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr +in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich +aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung +durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den +Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte, +fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen. +Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man +vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille +hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess +Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem +Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo +ich nur ein Bett fand. + +Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser +ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer +Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht +und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller +Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es +Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr +sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in +der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte +natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl +gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein, +und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des +Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf +den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns +befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch +ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen +machten.« + +Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent +vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer +Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich +von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der +Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie +sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er +eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab, +dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu +übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock +eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In +ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer +ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich +den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm +empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich +gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es +ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts +in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu +begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es +ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine +Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen +sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht +glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür +hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt, +nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich +geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere +anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese +hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte +ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen +befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere +mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.« + +Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen +Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann, +der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an +England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber +wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«, +schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man +hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen +sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim +Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir +einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu +sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen +war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier +(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass +man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte +mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen +dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen +hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.« + +»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf +englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken +würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women! +pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den +Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es +deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss +sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch, +und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England +von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich +nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu +sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit +ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen +aus.« + +Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt: +»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie +sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat, +erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten +Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren +Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt, +zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um +nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn +einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte +ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem +Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu +Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy +spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf +mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh +so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den +Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder. +Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam, +so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.« + +Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr +gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte, +und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in +Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin +den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich +mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war +angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom +mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London +zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den +folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein +ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von +welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu +gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte. +Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine +präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss +sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten +sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3 +Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin +links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende +des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und +gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich +frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich +gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die +Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als +stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich +heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde +darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich +sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22. +November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm +erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die +Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass, +da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so +beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses +versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist. +Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging +weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den +Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die +auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange +in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«, +erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England +bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja; +dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie +sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie +garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander +Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.« +»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke +Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.« + +»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört +hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach +der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war. +Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.« + +»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale +hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner +Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob +ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als +ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich +es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu +erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun +würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die +Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine +deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den +Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das +Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich +billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück. +Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen +erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich +besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und +mich oft grüssen lassen.« -- + +Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines +Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30 +Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach +einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt +von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit +ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen +nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie +konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee +im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières +zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein, +deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von +ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen +Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre: + +Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne +in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2 +Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt: +»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu +landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt +war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch +Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten +weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu +gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die +vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses, +welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich +bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu +Hilfe, so dass wir recht gut schliefen. + +Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit +hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht +erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen +Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte? +»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach +ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn +derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah. +Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben +über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches +höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche +zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil +die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das +Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich. +Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das +Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe +die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm +machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern +Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum +Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte, +nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in +grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die +Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen +Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr +erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch +nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm +daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu +machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe +aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich +war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass +wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das +Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab +mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er +alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten +haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst +von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später +nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und +Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm +Frühstück fertig zu werden.« + + + + +Kapitel XII. + +Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777. + + +Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers +und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur +der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und +General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug +von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement +getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über +die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen +der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England +vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut. + +Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay +beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre, +einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut +nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen +Ruf hatte.« + +Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich +nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr +gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der +wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das +Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel +beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne +ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise +Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und +dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit +widerfuhr. + +Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt +wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake +Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen +sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um +sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von +Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter +Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es +über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner +Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte +sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen. + +Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777 +4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke +3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der +Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter +die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich +die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf +4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton +belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen. +Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben +der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von +Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr +250 Provinziale. + +Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute +Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die +Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen +in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät +kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner +eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt +aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit +getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit +einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag +gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen. +Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus +Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«. + +Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte, +war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den +mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche, +indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den +Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake +Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga. +Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen +zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake +George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und +von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson +gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte +das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die +Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough +genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei +Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson +hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht +von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem +natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St. +Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall +liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich +von Whitehall. + +Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch +wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt, +dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George +deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte. +Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort +Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von +Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer +englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in +Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die +englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften +Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde. + +Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das +Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es +während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am +16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen +wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im +Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den +zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war, +wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde +sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein +neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence +gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer +Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche +eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die +Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem +Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien +mit eingeschlossen. + +Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777 +erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen +auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence. +Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St. +Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der +Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit +mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von +Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die +Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf +Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas +aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen, +welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden +genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, +die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich +bemüht hatten. + +Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton +zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf +den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen +Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner +bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der +Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu +Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr +Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler +und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die +Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies +war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte. + +Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber +die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört +hatten. + +Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das +Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden +wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal +Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche +Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher +die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in +Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber. + +Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass +Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts +zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die +Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten +Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George +Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte +der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer +und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen +mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte, +dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere +wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen +Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an +Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die +Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne, +sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden. + +Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein +Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf +Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte +Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits +Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den +braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen +canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel +vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine +Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh +aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde +auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die +britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende +Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die +Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches +in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder +Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert +werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort +Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde +die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die +Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die +Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber +Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von +grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den +Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens +wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so +dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement +abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St. +Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass +es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen +Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11. +August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374 +Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an. +Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte +Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss +zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele +erübrigen. + +Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge. + +Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5 +Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann +besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. +Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den +Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten +die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei +und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im +Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte. +Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die +Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr +glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint +nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben, +denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen, +wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den +Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an +demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken +Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar +Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig +gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf +Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der +Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant +Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab. +Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2 +kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch +legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn +die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg +war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung +Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer +Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene +Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden. +Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das +Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein +grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit +kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich +in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze +Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte +zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, +im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem +amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen. + +Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der +Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn +ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass +dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die +Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und +die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn, +welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden. +Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann +ohne Artillerie vorgeschoben hätte. + +Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf +einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr +morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen +Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und +geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute +Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen +Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des +Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde +ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um +3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der +Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und +Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2 +Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten +mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die +mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die +Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut +angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt +haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly +Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der +Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es +ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die +Braunschweiger gefangen genommen. + +Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der +Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner +vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus +Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging +und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem +Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der +in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt, +brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros +ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst +an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf +dem Rückzug befindlichen Deutschen traf. + +Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in +die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht +wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste. + +Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die +Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf +sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von +den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war. + +Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich +ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli +mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den +ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps +nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und +von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River. +Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von +einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte +dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung +mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee +bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800 +Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter +General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese +wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen +und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter +Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern +keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren +Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer +ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war +gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er +ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich +hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere +lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand +zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den +Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner, +denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde +gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger +als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits +tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort +Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers +Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um +eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und +plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die +Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem +Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen +zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen, +die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch +liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig +blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica +steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt +worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug +in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und +der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten +bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte. + +Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht. +Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen +Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die +Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den +Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach +Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im +Stich liess. + +Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas +niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her +und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte, +gebunden. + + + + +Kapitel XIII. + +Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777. + + +Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen +Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des +Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote +vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September +1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die +rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur +Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die +Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote +führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder +an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,« +schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese +königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten, +denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen. +Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde! +ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser +Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein +herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn +wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück +nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner, +ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im +Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine +Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und +Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten. +Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000 +wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug +aufzugeben. + +Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte +war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der +leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und +die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur +langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die +Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag +des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm, +nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit +einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine +Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf +beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht +kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen +Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und +überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder +zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber +ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320 +Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren +behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber +es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am +20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf +Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von +Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam. + +Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten +Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie +zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen +Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von +der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die +Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich +belobt. + +Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst +Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige +der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen, +war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden. + +Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war +ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören, +dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als +sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle +Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des +Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde. +Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und +sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten. + +Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und +zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete +Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von +ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen +waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die +Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören. + +Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel +wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider +zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem +feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das +amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so +nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören +konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die +Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden +Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom +andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen. + +Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom +10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine +Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne +sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne +Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden +sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn +veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der +Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery, +aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll +nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General +Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er +-- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt +wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde +ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote +als Spion gehängt. + +Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry +Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2 +Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa +angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson +stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment +gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen, +aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach +Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan +kam sengend und plündernd den Hudson hinauf. + +Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde +die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren +häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe +verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das +Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit. + +An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden +waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips, +Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend +am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke +zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte +zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der +Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und +Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage +nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass +während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung +zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss +am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat +befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer +Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind +erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte, +es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill +zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte +die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte +Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und +Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen, +erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich +bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden +könnte, den Rückzug antreten. + +Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um +10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8 +Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die +vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen +Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe +ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor -- +nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde +sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel, +die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den +englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den +Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage +von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche +Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, +Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf +dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands +Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet +zurückliessen. + +Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in +Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht. +Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich +genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und +der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit +wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt, +hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die +Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung +aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen. + +Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und +behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der +wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner. + +Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem +äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war +durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf +ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der +Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse +Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen +Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei +von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der +Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke +angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder +durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen. + +Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer +über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, +sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um +sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute +wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen +Führer in die Hände der Amerikaner geliefert. + +Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten +den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen +hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde. +Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit +seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das +Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute +schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde +tötlich gewesen wäre. + +Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. +Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall +war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden +die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson +übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser +beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt +hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel +inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am +siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7. +ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich +glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag +bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein +Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches +mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach +Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit +Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! +War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu +Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch +plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen +gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot +als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten +sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den +armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich +verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und +man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer +Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der +Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich +und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt: +»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft +seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor +Mistress Fraser!«« + +Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am +folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre +Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges +Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein +Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die +Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner, +die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter +dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer +der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet. + +Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel +kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen +wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war, +nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man +brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen. + +[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE. + +October 1777.] + +General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht +zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9. +besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten +sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen +diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen +des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit +war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen. + + + + +Kapitel XIV. + +Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777. + + +In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen +Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war +vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu +bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11. +machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm +sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich +vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die +englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen. + +Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu +sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu +beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind +anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und +auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte +deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage +abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und +durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber +keine Entscheidung getroffen. + +Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei +Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel +bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit +eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war +vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde +der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel +Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur +Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu +unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern +Morgen war die Armee vollkommen umzingelt. + +Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die +Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne +setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für +fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von +den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates +Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar +so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson +entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im +Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich +angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht +Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die +Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem +rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche +hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.) + +Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in +der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden +könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner +Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da +hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der +Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat +daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals +zur Verantwortung gezogen werden sollte. + +Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor: + +1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser +Lage kapituliert hätte. + +2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei. + +3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen. + +Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen +Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von +Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich +gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte +tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage +kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v. +Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte. + +Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten +Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte +Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die +Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und +Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es +für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu +retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn +alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu +müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position +gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden. + +Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer +Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig +gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager +geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier +hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu +verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies +wurde von General Gates bewilligt. + +Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische +Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen, +welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu +Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie +nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte, +nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu +ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen. + +General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen +andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass, +»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion, +Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die +Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre +Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich +kriegsgefangen ergeben sollte.« + +Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und +unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des +Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden, +das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung +marschieren sollten.« + +General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese +Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle +einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden +Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates +zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6. +Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die +Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als +sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf +aufgehoben. + +Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue +Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne +vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch +ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr +aus ihrer Position abmarschieren sollte. + +Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen +Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge +anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission, +bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und +diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch +hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles, +was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass +am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und +General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte +fortdauern. + +Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte +Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die +Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8 +Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach +schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene +andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie +grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal +ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten +sollte: + +»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter +arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald +die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren +gebrochen werden könne? + +2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass +sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so +vorteilhaften Akkord zu brechen? + +3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige +Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?« + +Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher +Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die +zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf, +dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und +dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die +Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer +gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage +war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die +Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar +alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des +Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer +Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen +feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen +Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so +bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine +Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und +bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.« + +Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht. +Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin +er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die +Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil +seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der +Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er, +Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich +nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die +amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates +scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu +sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke +wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso +wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde, +die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu +zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er +sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein. +Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein +würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen, +und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als +die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des +Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine +Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich +genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen. + +Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand +fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte. +Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und +bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille, +bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General +Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für +die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten, +verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung +einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den +Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort +George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es +Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und +unzuverlässige Nachricht hin zu brechen. + +Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch +darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der +Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen +könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne +schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete +Kapitulation an General Gates gesandt. + +Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass +nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der +Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt +worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6. +Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer +Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während +dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition, +betrug annähernd 9000 Köpfe. + +Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der +Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9. +Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe +Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie +denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der +General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den +Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte +jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich +mit seiner Maitresse amüsiert habe. + +Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10. +verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten, +»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch +zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den +Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher +gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.« +Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung +rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich +heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst +verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende +General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie +ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel +verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie +diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den +Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen +heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel +verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe +unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die +üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine +Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass +Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das +Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine +Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb +im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von +Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er +die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. -- +Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne, +in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen +bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück +gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es +nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle +des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist +mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht +in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die +in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis +dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes +Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von +Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert +Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben +erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne, +während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die +Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen +Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur +wenig gerechtfertigt. + +Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober +nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann +liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben +sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche +mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause +anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs +bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich +werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in +demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir +einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch +nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft +begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause, +worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde +glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität +sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir +wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo +ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf +der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze +Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr +als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun. + +Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern +Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten, +während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank +werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen, +was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war, +besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die +recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die +am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die +Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der +dem Ausgang am nächsten war. + +Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing +bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche +Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht +hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon +die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden, +wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen +und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre +gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen +durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen +hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und +dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel +mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon +gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke +der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend. +Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene +Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft +fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre. + +Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren +Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher +seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des +Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee +waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als +jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander +traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen +wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir +den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie +laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern +winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück +betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen. +Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm +oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein +Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben +wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten +übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu +besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab. + +Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der +Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer +Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere +Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu +bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher +herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf, +wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine +Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar +blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht +zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des +Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei +versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen +Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner +Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines +Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens, +mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken; +ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt +ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung +würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen +herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen +sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er +fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich +dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen +sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen. + +Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte +sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst +war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft +mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich +erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man +die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen; +während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit +davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen +einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine +Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward +wieder stille und wir mussten lachen. + +Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich +war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und +auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was +mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel +ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der +General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens +überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in +welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die +einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder +sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die +einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr +der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle +Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein, +da die Nächte so nasskalt waren. + +Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine +Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner +mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse +gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung +vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten. + +Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern +Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam +dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit +ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der +sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm +heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm +mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und +mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach +Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten +Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern. + +Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des +Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen +gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift +hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn +fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als +ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich +gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine +Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das +allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich +wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen +Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr +glücklich machten. + +An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und +begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines +Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann +flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht +zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen +grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim +Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme +ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.« + +Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren +auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals, +als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und +Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser +schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange +gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein +Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte +in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett +legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer +kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen +Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber +ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen. +Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich +bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann +sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich +wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern +Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen +Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf +einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu +brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber +endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und +dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher, +dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden +wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis +5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000 +zusammen zu bringen. + +Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und +ich nochmals in meinen Keller. + +An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen +Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte, +viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser +geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit +verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein +getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten, +schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit +einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu +essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu +mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen +anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu +nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger +widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich +mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können. + +Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten +sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten +das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute +Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer +Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie +bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz +für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.« + + + + +Kapitel XV. + +Die Braunschweiger in Gefangenschaft. + + +Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab, +wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als +Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits +sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer +Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft +berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch +gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum +verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese +Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine +unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die +Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen +könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden. +Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe +einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich +daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch +die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre. + +Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress +seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass +Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit +Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass +sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten +Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits +dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare +Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr +deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen, +hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner +Versprechungen zurückziehen. + +Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika +zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach +Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga +schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen +Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die +Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere +von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die +Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa +auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf +keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen. + +Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in +Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen +Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die +Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden +sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die +Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die +letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen +einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das +Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines +»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter +irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt, +der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die +braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort +gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem +Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen +dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur +gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben. + +Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger +durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war, +um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern +jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder +im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und +sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere. +»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,« +schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem +Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet +im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie +anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen +Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den +grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer +anlangt.« + +Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen +trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das +ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse +und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen +aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen +Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen +Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren +viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und +Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus +eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In +vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat +viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.« + +Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der +Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen +Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes. +Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie +mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren +Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen +zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam +ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen, +küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen +ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne +zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss +mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn +ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin, +»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser +Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General +Gates sähe.« + +Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen +Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak, +Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit +seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit +behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte +Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und +seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des +Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter +reden.« + +Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun +ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und +die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7. +November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen +in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu +machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner +ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre +Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und +Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk +zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser, +wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen, +dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen. + +Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen +Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte +Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die +ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen. + +»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und +gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche, +kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und +eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen +brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben +auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren +gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre +Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und +ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche +Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes +Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr +eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu +einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe. +Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines +herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf. +Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit +einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so +tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen. +Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein +kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art +gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen +Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen +eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art +gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht +Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine +schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg +entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder +liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten +uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt +wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren +die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern +erkennen konnte.« + +Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint, +dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die +letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in +New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es +fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm +guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch +beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre +Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren +Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede +mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu +werden. + +Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen +westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen +Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh. +Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch +Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird +als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe +Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der +Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein +Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet; +und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es +sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne +haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es +sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein +Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt, +sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse +entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.« + +Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner. +Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache +vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie +bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von +Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und +bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort +ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung +vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein +fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um +sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom +Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere +Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie +setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen +selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen. +Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte +ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der +General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich +mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von +Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit +und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn +wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings +es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen +Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den +Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige +Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter +der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor +andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter +einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht +ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten +englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen +Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um +den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind +sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer +fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer +Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in +Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen +kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben. +Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem +weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird +und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in +der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici +sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre +Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im +allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die +Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das +schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich +schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben +ist.« + +Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten +braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen +Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer +begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe +trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine +andere Beschäftigung zu haben. + +Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill +bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem +benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu +ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet +worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die +Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf +dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die +Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten +müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie +schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die +übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es +bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust +der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach +England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während +ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es +wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche +Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach +Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten +Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten, +bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu +thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine +Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und +Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab +Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser +Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die +Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten +aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es +sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen +Offizieren zur Bestrafung zu überantworten. + +Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit +eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte +nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese +begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer. +Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um +die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen +sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark +wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab +einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der +Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen +Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills +oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen +gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach +Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt, +dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen +Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr +ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs. +Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war +sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel +meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch +bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise +unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft +für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser +garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte +angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte, +unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer +einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen +ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag +glücklicherweise nicht angenommen ward.« + +»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des +Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu +eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess +absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er +entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen, +bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse +Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter +antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich +unseretwegen geniert hätte. + +»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von +mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und +Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf +als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen +wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der +herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse +ausgeführt wurde.« + +»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und +mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten +beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um +die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien, +als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten +unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz +sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das +ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute +hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, +dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm +entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.« + +»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen +brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder +herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine +Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu +befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die +Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge +Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst +herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine +Landung zu schwer gefallen sein würde.« + +Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston +verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem +langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete +auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche +gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der +Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General +Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr +viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles +zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen +können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch +im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis +schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke +ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot, +mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie +eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit +zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.« + +Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der +Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo +sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin, +ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da +ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr +schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« +Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase. +»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land +gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun +seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu +quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen +fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels +kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und +sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit +in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch +zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der +Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit, +holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der +Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann +fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner +Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin +diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte +er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht +anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und +praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede +geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und +machte eine gute Suppe davon. + +Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die +Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten +gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich +heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier +in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte, +indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes +Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.« +»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber +von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor +einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus: +»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen +schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete +es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an +und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das +fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.« + +Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia. +Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst +zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen +von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele +dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich +Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In +einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines +Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem +die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig +hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General +Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und +wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch +Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich, +der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt +worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs +von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die +Amerikaner zu Felde. + + + + +Kapitel XVI. + +Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777. + + +Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne +gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die +Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus +vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu +verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe +seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige +Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt, +als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen +Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3 +Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach +Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie +eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht +bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel +Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am +30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren +vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt +würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake +Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des +Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und +ohne feindliche Gegenwehr gelandet. + +[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.] + +Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein +heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere +ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner +wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die +Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen. + +Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des +Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt, +während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter +oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets +square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne +unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front +los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb +Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine +Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen. + +Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung +nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des +Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine +Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese +Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle +getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten +und Knyphausens Division anzugreifen. + +Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging +Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division +ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler +gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die +den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde, +welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der +Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben. +Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein. +Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um +Sullivans Rückzug zu decken. + +Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt +er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen +Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt, +aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag +seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste. + +An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen +Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und +hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden +erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr +Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für +sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die +mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen +Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner +ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern +weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade +zusammen genommen worden waren. + +Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag +neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden +vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu +besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des +Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor. +Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die +Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte, +hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes +zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das +Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt, +wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte +sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um +Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass +eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in +der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um +Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter +unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und +die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht +machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen +Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der +grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald. + +Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die +englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7 +englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im +Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach +der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die +Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete. + +Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu +stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung +unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26. +September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und +2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich +an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte +bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den +Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster. + +Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines +Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei +einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim +Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer +Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete +diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier +weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden +aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff +vorbereitet waren. + +Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen +Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der +General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu +belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington +bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten, +die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem +Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen +erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant +von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an +den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens +Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald +darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das +Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern +attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte +sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem +Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu +forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers, +ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer +wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis +gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der +feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der +Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind +sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen +Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so +hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher +auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert +und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah +keine weitere Verfolgung. + +»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen +und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf +sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind +angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er +vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr +gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn, +schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich +darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von +300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist +gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der +General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört +hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für +seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil +zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.« + +Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen +Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen +Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem +Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung. +Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische +Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf +dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des +gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren +Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren +beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle +diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem +Flusse war für die Briten sehr wesentlich. + +Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen +Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen +Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges +Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den +Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe +willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach +auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment +Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8 +Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen +Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur +Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort +anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem +General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte, +»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf +erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort +bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit +seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr +um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das +Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit +Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem +Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein +junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph +Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung +des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas +unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der +Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf +der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14 +Kanonen. + +Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die +Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet +seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete +die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern +bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der +Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe. + +Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf. +Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8 +Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem +Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken +gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware +ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den +grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein; +der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête +eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure +kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern +gemacht worden waren. + +Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine +Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen +alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer +Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt +vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem +Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und +einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen +hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten +ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen +erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. +Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich +verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die +Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen +sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant +von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am +nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe, +welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den +Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der +amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das +andere war in Brand gesteckt und verlassen worden. + +Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein +Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau +wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische +Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich +verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die +armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten +sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die +heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain +du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein +magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das +Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut, +die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch +aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie +noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es +ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer +Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte +keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann +seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der +Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein +französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich +zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der +Ehre.« + +Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und +unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen, +wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das +ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich +sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines +Monarchen.«[4] + + [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des + sterbenden Donop. + +Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen +Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten +37 Tote und Verwundete. + +Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger +die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen +Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage +und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15. +kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen. +Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman +mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort +herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten +hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite +Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die +Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in +Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen +gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer +zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass +Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20. +November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft +gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls +verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen +Wälle rasiert wurden. + + + + +Kapitel XVII. + +Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778. + + +Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben. +Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist +und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die +Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich +ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein +confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und +Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«. + +Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die +Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge +erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche +Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten, +»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden +Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde +Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der +halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne +Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist. + +Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger +verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der +hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten +Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der +Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und +stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen +hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei +oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und +alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der +Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben, +kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender +als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des +Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen +mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens +hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.« + +Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen +Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage +lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt, +gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf +Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte, +dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich +stille wieder nach Philadelphia zurück. + +Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen +Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden +zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die +Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt, +die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill +den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere +waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert. + +Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum +Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia +alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit +und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der +abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten +fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier. +Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung +gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll +von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die +Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde. + +Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier +veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen +vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette, +der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen. +Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika +verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und +Wreden von den Jägern. + +Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König +von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen +hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware +Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden +könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten: +»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und +Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter +dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber +mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.« + +Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die +aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten, +Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil +der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und +ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu +folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die +einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun +verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert +zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche +aber frohlockten im Stillen. + +Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York +nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach +New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen. +Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber +sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die +Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen +hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten. + +Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der +Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert +worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den +Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese +Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich. +Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über +Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills +nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor +der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die +Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die +New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der +Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni +war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an +den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen +vor. + +Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den +Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren. +Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den +zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch +Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande +war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. +Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein +wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde +zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in +die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum +Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck +dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem +Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli +erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach +New-York übergeführt wurde. + + + + +Kapitel XVIII. + +Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779. + + +Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war, +detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die +Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete +ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den +grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der +Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute +irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000 +Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und +wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es +lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in +Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen +wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt +wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm +er einige Regimenter aus der Besatzung heraus. + +Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die +Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so +war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr +scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das +Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten, +sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,« +schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser +gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen +ihre Furcht vor uns verschwinden.« + +Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die +grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die +Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden +auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach +Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es +standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und +Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das +vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes +Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree +und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und +richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen +war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken. + +Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy +war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um +nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika +geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er +beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig +des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die +Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise, +indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang +andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und +Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen +irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort +versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille +eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle +unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen. + +Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys +Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu +leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus +ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen +Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine +Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor +Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht, +landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei +Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an +Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus +ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und +schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich +anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den +britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence. + +Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen +ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten +Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz +zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein +Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht +anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen +verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die +Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten. +Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany +vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte +Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von +Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die +kleine Armee in Newport im Anzug. + +Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von +New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen +Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege +nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport. +Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 +Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen +diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde +alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die +dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in +Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine +sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der +grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung. + +Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich +aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen +erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat +Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2 +Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor +Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die +Schiffe hatten starken Schaden gelitten. + +Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden +nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf +Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen +wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz +erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen +der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den +Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere +Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im +Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu +lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam +Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor +Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um +ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten +der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück, +gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am +11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute. + +Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war +alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische +Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht +gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in +den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der +Besatzung, segelte die Flotte fort. + +Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von +Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend +des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer +folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt, +versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne +weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr +fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen +auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche. +Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1. +September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im +Hafen von Newport an. + +Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos +und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder +eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang +segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus +Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort +wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an +Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel, +Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier. +Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die +Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben +und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen. + +Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen +und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass +einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass +an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser +geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den +Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen +marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten +dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die +feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet. + + + + +Kapitel XIX. + +Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779. + + +Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte +einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg +gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden +Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt +New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen +Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von +Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu +keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der +Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. +Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen. + +Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von +New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der +britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem +Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit +Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende +sind: + +»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen +Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann +ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes +und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu +abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so +ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer +Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich; +sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es +ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist, +von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und +Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch +nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der +bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache +zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen +sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann +hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns) +der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir +einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache +der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem +Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so +sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in +New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben +wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind, +es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren +letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige +Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen, +nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das +viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst +zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist, +als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von +den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste +muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein +Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die +armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences +die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback, +eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen +Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann, +obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.« + +Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum +waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein, +einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den +wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das +Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde. + +Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den +Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31. +August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu +einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum +eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung +Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in +einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte, +überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die +Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps +kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das +Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen +Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester, +wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren +leichten Truppen standen. + +Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und +bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem +rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück +und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die +Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte +Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich +vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie +hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu +werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei +Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von +Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden. + +Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr +um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem +Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten +sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken +und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von +einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten +dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr +50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen +anderen durch die Büsche. + +Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass +die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem +Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen +Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische +und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und +der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und +unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs +gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie +gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden +sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm. + +Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der +eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und +andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer +geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen +und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt +wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse +Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie +in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit +weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen +Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten +sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache, +zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl +Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich +Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780 +bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer +Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island +weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine +Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen +Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit +grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene +Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege, +die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher +gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil +überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.« + +Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von +Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779. +»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor +etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren, +die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so +viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau +geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung +eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht +antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg +begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern +sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so +verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den +Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel +wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf +Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von +bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen +Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu +dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich +manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den +Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in +welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider +steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion +des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die +Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die +englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere +Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der +Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der +Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die +Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten +(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal +mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.« + +Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson +in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt +Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende +Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen +und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich +selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten +befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter +Oberstlieutenant Bushkirk besetzt. + +Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren +übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9 +Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die +ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf. +Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300 +Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen +Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu +fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht +bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen +war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das +Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung +unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor. +Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine +Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten +sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen +besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die +Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das +Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder +15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und +der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu +ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart +beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem +Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten, +und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich +Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt +hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die +Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm +ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu +versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war +nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber +jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung +der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der +Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet. + +[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL + +eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um +1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779. + +--< _Erklärung umseitig._ >--] + + A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen + von Bergen zur Deckung des Rückzuges. + + B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und + auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war, + die aber nicht zu Schuss kamen. + + D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische + Besatzung gefangen genommen wurde. + + E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier + mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei + Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten. + + + + +Kapitel XX. + +Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779. + + +Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von +Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen +Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war +Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter +Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in +Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen +genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter, +deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren, +traten nun wieder selbstständig auf. + +Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen +erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen +untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer +Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die +auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem +eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann, +einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich +an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1 +Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie. + +Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen +starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der +Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war +genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An +jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum +Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer +sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1 +Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies +sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44. +englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit +diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der +Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen +bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde. +Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge, +unerfahrene Burschen. + +Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und +12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches +den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des +Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die +Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast +unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk +gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab +und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin +und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im +Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu +vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand, +stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die +Kajüte geworfen wurden. + +Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone +nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich +über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese +Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der +gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die +fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch +(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte +durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem +Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus, +Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in +tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr +Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung +bewahrt. + +Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke, +rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles +was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder +wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt. +Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der +Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher +und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank, +um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu +ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr +schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur +thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über +Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff +wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen +der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein +Schiff zu ihrer Erlösung schicken. + +Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der +Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.« +Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am +kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas +beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller +zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen +wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie +ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen +auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu +teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch +wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar +kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches +Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein +Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun +wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See +zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in +beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über +Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord +zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und +Wiederholds kleiner Finger zerquetscht. + +Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede +Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und +mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes +festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4 +morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht +ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines +Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in +Stand setzen konnten. + +Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord, +erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand +konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte +Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald +helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und +ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor +sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte +ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch +und ist gesund.« + +Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der +Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem +Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte, +eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da +mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug +sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die +Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben +und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den +Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort +in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus +Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig +heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten. +Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie +wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in +Freiheit gesetzt. + +Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der +Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37° +19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von +Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine +Ahnung. + +Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden +nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin +gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn +sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren +Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die +Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und +Tags darauf noch einen am Vordermast. + +Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für +ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen +und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von +dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und +beteten für sich. + +Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte +leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen +zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren +Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten +könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten, +eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann +gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine +eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht +ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht +ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es +verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen. + +Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie +nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um +den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen +hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen +des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger +Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und +berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene. +Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe +seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen +und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden +gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und +stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie +sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn, +nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge +wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.« + +Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet +genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert. +Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie +erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und +das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder +Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins +Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging. +Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord +genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der +Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten. +Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der +Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass +der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte, +glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert. + +Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht. +Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia +und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden +ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück. + +Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und +Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich +nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts +Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom +Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und +nachher von amerikanischen Privateers genommen. + +Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des +Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es +wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage +lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen +Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff +ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine +Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei +Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen +wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den +Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt +und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu +haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am +folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach +New-York brachte. + + + + +Kapitel XXI. + +Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781. + + +Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die +Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war +deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu +machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord +George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen +schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche +Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt +werden würde. + +Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord- +und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die +Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den +letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern +konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den +betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur +Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht, +welches sehr wichtig war. + +Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant +Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an +dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes +Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook +verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer +Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, +die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten +ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche +Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren +Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet +betrug. + +Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die +meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel +Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen +zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt +man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den +neuen Baracken der Stadt einquartiert. + +Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über +die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen, +welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann +wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee +gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und +bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog +sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück. +Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten +verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte. + +Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten, +die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt, +war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein +Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt, +und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das +Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon +Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19. +Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst +zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich +und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen +von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück. + +Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei +verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen +Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten +waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten +die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem +derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls +Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese +Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt. + +Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf +d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden +alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach +Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit +den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von +Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte +Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den +Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die +französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden, +um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen +Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, +bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor +ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden +sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober +unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und +pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie +mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment +von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche +später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit +Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat +zerstreuten. + +Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen +Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte +verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von +ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus +Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4 +Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger +ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant +Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in +New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition +persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft, +konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt +war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780 +der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam, +fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 +hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang +Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau +genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna +fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim. +Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den +westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für +100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die +Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben +und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer +Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, +mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu +opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich +Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe +an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man +bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er +an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30 +Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren +Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando +der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo, +auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem +Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts +der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von +dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu +bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde +schliesslich gerettet. + +Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780, +um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie +wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen +Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons +Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten +die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu +fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von +Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo +Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische +Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem +Sand bei Charleston wie die Pilze empor. + +Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein +ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand +zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls +genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer +Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer +langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um +ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten +für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in +seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine +Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben +und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren +nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und +in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei, +der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand, +ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon +im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art +der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem +Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar. + +Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die +Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit +Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und +wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt, +die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem +und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt +zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen +der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere +Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher +Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl +sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber, +die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen +genommen. + +Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South +Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er +ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut +abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier +angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt +worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie +der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die +eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten. + +Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den +Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen +Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige +Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche +Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die +erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner +ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu +befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen +am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung. +Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf +Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des +Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören. + +Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war +Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben +Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander +segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral +Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe +zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das +Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab +und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein +Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und +unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein +langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen +mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in +Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern +beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt, +die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die +Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch +genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald +das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner +von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner +Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner +wegbeförderten. + +Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr +abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen +durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den +Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu +fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers +hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt. +Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von +hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen +ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass +einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren +gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch +Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James +Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen +Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten. +Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit +der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die +zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner +Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch +Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die +Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande +waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen +und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte +Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot +Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine +Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten +wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben +erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen +konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an +einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort +wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in +Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten +nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren. + +In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des +Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der +Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden, +lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien. +Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter +stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit +Pockenkranken. + +Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780 +wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die +Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals +abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt +wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen +und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen +Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen +sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf +Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation +marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen +türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten +sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt +hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und +bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so +stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die +Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee +wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und +eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der +Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf +265 Mann angegeben. + +Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der +reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen +Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der +bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut +eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf +Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig, +hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war +der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der +Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche +Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die +Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren, +waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die +die Hälfte der Bevölkerung ausmachten. + +Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von +ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der +Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren +die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren +frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter +unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich +gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen, +da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht. +Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige +verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York +ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und +Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft. + +Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die +hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben +zurück. + +Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am +weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt +waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und +Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die +Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November, +liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola +war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch +Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste, +die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste +man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch +Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei +Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen +Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem +waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die +Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte. + +Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur +Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer +Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei +Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen +England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der +spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer +Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der +Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake +Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton +Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit +Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und +die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie +zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000 +Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker, +und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet. + +Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober, +wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein +verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker +Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen +genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der +kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.« + +Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von +Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach +Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische +Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später +wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz, +überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern +zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen. +Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung +in Florida. + +Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300 +Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen +hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten +und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den +Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien +eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der +folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa +ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die +Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die +Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den +Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten +die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die +Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker +Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in +Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6 +und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk +ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. +Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem +Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische +Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse +Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und +am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf +und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach +New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen +Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die +Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die +Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden. + + + + +Kapitel XXII. + +New-York in den Jahren 1780 und 1781. + + +Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er +das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des +Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und +ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und +Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen +Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine +Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut +genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington +hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte +Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von +diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde +entzogen werden. + +Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und +Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem +New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die +fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord +Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in +Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von +denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. +Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch +Verstärkungen nach der Insel zu senden. + +Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen +Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele +Gefangene machten. + +Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung +hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern, +sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war +bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis, +die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese +Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der +Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen +verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400 +Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr +morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein +schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein +amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien +verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die +Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren +sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das +Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der +Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 +Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen +schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400 +Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung +herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem +Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende +Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren, +silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem +englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und +andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die +ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar +silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar +Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem +englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und +einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an +Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend +seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was +ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des +eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.« + +Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust +an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer +gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780 +wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf +New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen +folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen +regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte. +Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und +Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei +letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield +vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein +Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser +gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an +diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser +Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr +bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield +zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr +nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung, +wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der +Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und +schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden +verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber +erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55 +Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure +die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht +in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr +abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage +griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches +Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern +unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown +zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen +Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein +amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen, +ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe +unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt +das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man +kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder +sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit +einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes +zu melden.« + +Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den +hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen +Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens +Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden +Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche +Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen +Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei +Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7. +zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits +Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden +Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die +Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während +ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die +Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem +stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und +jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde +lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand +und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und +konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die +Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug. +Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem +englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown +Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, +bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen +und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke, +die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort +abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem +Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3 +Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am +Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem +Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich +ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge. + +Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry +Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der +übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der +Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige +Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein +Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein +Scharmützel gelten könnte. + +Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann +nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant +von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf +New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing +beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 +Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten +zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant +ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen +Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des +Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu +rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut +worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende +Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in +der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen +allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen +Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs +Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen« +gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den +Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn +festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter +dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung. + +Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen +dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten +ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die +Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste +Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in +Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg, +die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch +die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung +zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung +vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der +Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie +zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards +zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung +inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die +Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. +Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu +nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier, +nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der +Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement +Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die +amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer +Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische +Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet. + +Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau +mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die +Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich +darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische +Flotte von West-Indien ankommen würde. + +Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River +gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. +Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die +Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den +Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem +Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus +zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden, +die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit +Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der +Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines +höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu +gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war, +dieser Bewegung entgegen zu treten. + +Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht +gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer +Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich +jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den +Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden +veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit, +Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen, +und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia +zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold +erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100 +hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort, +dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold +steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem +Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf. + +Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu +stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen +Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe +genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die +Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der +Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer +Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem +unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom +Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere +Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von +Yorktown führten. + + + + +Kapitel XXIII. + +Der Feldzug im Süden im Jahre 1781. + + +Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden +sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess; +und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von +Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme +dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und +Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war +die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18. +überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen +später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings +Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg +umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen +regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden +getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen. + +[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.] + +Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen +Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von +100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth +in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston +abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen. + +Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von +Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General +Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt +worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die +Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des +Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee +abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton +mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen, +während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen +und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton +stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung +seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf +den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie +bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals +bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven +vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder +Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten +Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung. +Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen +Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton +sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die +Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde +gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde +zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100 +Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 +Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde +fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen +worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei +Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist +nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner +dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten. + +Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen +und gezwungen, den Abschied zu nehmen. + +Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande +bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass +er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar +aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren +Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich, +ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden. + +Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die +Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels +seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich +Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch +Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über +die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis +liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese +zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von +einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut, +während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben. + +Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis +nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur +Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000 +Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781 +entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus +Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem +Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines +ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als +Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry +Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der +ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die +dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt. +Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem +Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den +linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten +Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die +Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und +Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen +die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front +engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord +Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie +der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen +weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem +dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner +Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt +vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das +zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten +Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder +wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons +Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die +Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen +Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons +Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem +Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den +Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im +Stich lassen musste. + +Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an +diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es +stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell +gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen. +Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und +diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung +hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und +Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an +dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden +werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant +du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl +von Lord Cornwallis zu Teil wurde. + +Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der +Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen. + +Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er +gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu +marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten +musste er zurücklassen. + +Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde +Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September +hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen +gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs +geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten, +eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die +Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six +herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten +Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und +Wilmington. + +Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer +Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann, +einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York +ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm +nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen. +Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand +und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück. +Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit. +Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500 +Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den +Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die +von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem +Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann +nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über +einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und +auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen, +sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger +verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man +muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den +Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann +wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung +herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden. +Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe. +Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt +hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So +lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll +kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als +Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es +unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen. +Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General +sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung +nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200 +Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach +sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem +Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis +gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von +Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei +Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die +englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von +Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen, +diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen. + +Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei +Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von +New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu +übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe +Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach +seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf, +plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger +wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den +Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war, +die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo +sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im +Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips +an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die +Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte +kurz darauf den Verräter nach New-York zurück. + +Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb +Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North +Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er +Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine +Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm +einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden, +um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River +sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er +nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden, +sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt, +und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine +Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb +zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte +er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis +Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so +wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als +ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte +zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die +Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie +im mindesten gestört wurden. + +Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm +Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen +nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee +und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu +schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts +gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab +Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in +respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette +zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren. + +Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26. +Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der +britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne +angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen +Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner +eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war +schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner +wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden +Seiten. + +[Illustration: YORKTOWN. 1781. + +A. Redoute, von den Franzosen genommen. + +B. Redoute, von den Amerikanern genommen.] + +In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach +New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der +Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur +Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth +fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte +nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die +Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht +über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6. +Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die +Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen. +Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung +und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette. + +Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren +darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine +Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen +vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen +Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und +sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den +Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt +hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien +nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine +Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr +2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa +1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie +begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis +wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor. +Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich +nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein +fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten +anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück. +Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden +waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen. +Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75 +Mann. + +Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl +und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort +besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für +ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als +Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point +Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche +des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester. +Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig +daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette +sich abwartend verhielt und ihn beobachtete. + +Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die +französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den +Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im +Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und +französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben +gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die +Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den +North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation +eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von +Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee +befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es +dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter +Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des +Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen +Cornwallis vor. + +Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das +Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000 +Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam +sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse +war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte +1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5. +September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die +Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht +vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern +Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen +segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach +New-York. + +Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren, +marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von +Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte. +Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus +ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen +Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen +Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa +7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von +Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel +und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die +ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf +jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich +ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt. + +Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus +Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu +frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6. +Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann +das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung +dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort. + +Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der +Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner, +Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen +gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und +12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten +den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug +zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet +worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner +ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau +an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht +Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden. +Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre, +und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem +französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun, +»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu +gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus +Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu +leisten.« + +Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander. +Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf +sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner +halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd +fiel Lauzun in die Hände. + +Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane +hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis +verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief +Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft +beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte +jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach +seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über +die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde +ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand +dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale. + +In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei +Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten, +lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb +notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen +stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen +unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte +mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze +hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm +unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem +Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die +kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch +Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg +schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne +fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere. + +In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite +Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen +wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der +französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die +Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der +folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York +River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien +zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den +Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung +zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt +waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige +Garnison ihre alte Stärke behielt. + +Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht +und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17. +Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die +Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der +Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr +bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten +und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre +Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned +Upside Down.« + + + + +Kapitel XXIV. + +Schluss. + + +Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des +Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im +Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach +Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York, +General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am +14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783, +zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die +Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten +wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte +hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern +die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort +George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als +die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.« + +Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von +1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000 +Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht +worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg +beendet war. + +Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die +Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung +der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung +und Bekleidung und Ausrüstung. + +Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme +Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass +die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und +ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen. +Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit +einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes +war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem +Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit, +beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im +ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende +Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei +Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert +auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den +mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben +und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen. +Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton +überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden +sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute +hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit +Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die +kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau +die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den +Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man +würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges +die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine +Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen +verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand +zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister +abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss +stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte. +Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der +Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre +eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in +Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser +Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem +höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die +er keinen Einfluss hätte. + +Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den +höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus +Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein +hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein +ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in +ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der +englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und +beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen. +Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein +Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose, +Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du +bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer +verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den +englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben, +dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles +dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch +gelernt haben. + +Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt +werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges +Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre +später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen +Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem +ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von +mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein +französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war, +im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr +unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei +den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft +unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und +die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend +bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über +diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres +Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte +den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn +versichert, dass dies so gewesen wäre.« + +Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika +in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil +durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in +Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur +Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige +Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen +Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit +erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht +fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann, +der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier +Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die +Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu +fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben. +Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten +Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als +den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps +Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die +ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese +Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei +hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die +Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies +verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer +geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund +anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten +übergegangen sind. + +Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet +haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen. +Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann +stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April +1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel, +dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene +zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu +bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober +1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von +dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass +mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies +ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf +feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich +es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal +geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen, +zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch +einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem +er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese +Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe +darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits +eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da +ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese +Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober +desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass +Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten +veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn +Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein +Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage +erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in +seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt +hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des +Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich +Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,« +schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder +Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie +weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die +Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in +denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden +könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.« + +Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es +ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit +Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading +im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von +Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400 +Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren +bestanden hätte. + +Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten +anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit +zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu +dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im +Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen +Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff, +sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine +Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager +zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so +sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl +angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar +abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die +Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten +den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen +geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir +wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die +Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll, +denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig +Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion +auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend. + +Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die +deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie +angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder +eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt +Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von +Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und +Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories +vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den +Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie +vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie +materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General +Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion +zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah, +einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die +sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden. + +Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es +wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen +nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür +nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden +verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden. +Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied +genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den +Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag +als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der +englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog, +nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu +verraten. + +Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so +vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser +Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat +konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte +im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in +vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den +Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen +Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der +Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand +gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die +Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch +waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam +war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu +verachten. + +Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als +Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den +12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht +gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen, +viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der +Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische +Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von +Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist, +dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich +schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste +untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten. + +Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in +Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die +allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen +ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu +glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit +Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass +das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes +verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte. +Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig +ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf +an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde +das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des +Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an +Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer +Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem +Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr, +dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts +Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt +ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der +einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu +grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur +Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in +Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen +Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen +worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des +Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu +entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten +Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und +den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen +Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können. +Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold +gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen +gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen +hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts +der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu +rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er +beurteilt werden. + + + + +Anhang. + +A. Quellen-Verzeichnis. + +Gedruckte. + + + Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika. + Berlin 1864. + + Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874. + + Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869. + + Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von + Amerika. Leipzig 1871. + + Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879. + + Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von + Steuben. Berlin 1858. + + Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862. + + Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen + Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände. + + Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen + Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3 + Bände. + + Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801. + + Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung + der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778. + + F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen + Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776. + + Derselbe. Erste Fortsetzung. + + J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen + Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer + Männer. Schleswig 1798. + + Erste Folge derselben. Schleswig 1800. + + Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803. + + Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit + aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781. + + Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das + Jahr Christi 1779. Kassel. + + Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I. + Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18. + Jahrhundert. Leipzig 1880. + + Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg. + Kassel 1864. + + Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag + zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel + hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte + Auflage. Melsungen 1879. + + J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.) + + Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und + Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.) + (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.) + + August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und + politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782. + + Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände. + + Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen + Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände. + + Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen + von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848. + + J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786. + + Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776. + + Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von + Schlieffen verfasst sein.) + + +Manuskripte. + +(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in +Kassel.) + + 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von + Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai + 1784. + + 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte. + Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den + Regiments-Quartiermeister Carl Bauer. + + 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg. + Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch + aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten + Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5. + Oktober 1783. + + 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg + in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel). + + 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von + Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich, + den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt. + + 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps + während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in + North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der + Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das + Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten + retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika. + + 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80. + + 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment + von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776 + aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder + gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar. + + 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von + Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg, + von anno 1776 bis Ende 1783. + + 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit. + Pausch. + + (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.) + + 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments + vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782. + + (Aus dem Archiv in Marburg.) + + 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant + von Knyphausen an Serenissimum. + + + + +B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen. + + +Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach +Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf +Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine +Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit +noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier +Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps, +ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777 +wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in +Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder +siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark, +wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15 +Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3 +Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von +den Jägern waren einige beritten. + +Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt. +Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war +es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten +oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter +auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren +Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und +Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren +Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen +Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie +im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und +Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone +teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister +herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen +kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.) + + Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, + Brandywine, Redbank, Charleston.) + + Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.) + + Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.) + + Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div. + -- Fort Washington, Charleston.) + + Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown, + Newport, Springfield.) + + Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort + Washington, Newport, Springfield.) + + Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington, + Yorktown.) + + Regiment Prinz Carl. (Newport.) + + Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.) + + Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington, + Brandywine, Germantown, Springfield.) + + Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. -- + Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.) + + Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.) + + Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach; + 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort + Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.) + +Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete +das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember +desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und +von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte +Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und +an Gefangenen im September 1779 starke Verluste. + + Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. -- + Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.) + + Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton, + Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.) + + Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.) + + Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. -- + Savannah.) + + Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort + Washington, Newport, Charleston.) + + Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport, + Springfield.) + + Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei + jeder Operation beteiligt.) + + (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.) + + Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch + folgende deutsche Regimenter zugeteilt: + + Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.) + + Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.) + + Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.) + +(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden +Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen +Teil des Hessischen Jäger-Korps.) + +Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen +New-York diente, war zusammengesetzt aus dem + + Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.) + + Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2. + Stillwater, Saratoga.) + + Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der + Saratoga-Kampagne.) + + Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.) + + Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.) + + Regiment von Specht. (Saratoga.) + + Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.) + +Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser +Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei +Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von +1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777. + +Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers +Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada, +nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren. + + + + +C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika +gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten. + + + Braunschweig sandte 1776 4300 M. + im März 1777 224 " + April 1778 475 " + April 1779 286 " + Mai 1780 266 " + April 1782 172 " + -------- + Im Ganzen: 5723 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 " + -------- + Es kehrten nicht zurück: 3015 M. + + + Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M. + Dezember 1777 403 " + März 1779 993 " + Mai 1780 915 " + April 1781 915 " + April 1782 961 " + --------- + Im Ganzen: 16 992 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783 + und Frühjahr 1784: 10 492 " + --------- + Es kehrten nicht zurück: 6 500 M. + + + Hessen-Hanau sandte 2038 M. + Rekruten im April 1781 50 " + April 1782 334 " + -------- + Im Ganzen: 2422 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 " + -------- + Es kehrten nicht zurück: 981 M. + + + Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M. + im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 " + 1779 157 " + 1780 152 " + 1781 205 " + 1782 236 " + ------- + Im Ganzen: 2353 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 " + ------- + Es kehrten nicht zurück: 1170 M. + + + Waldeck sandte 1776 670 M. + April 1777 89 " + Februar 1778 140 " + Mai 1779 23 " + April 1781 144 " + April 1782 159 " + -------- + Im Ganzen: 1225 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 " + -------- + Es kehrten nicht zurück: 720 M. + + + Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M. + im April 1779 82 " + im Mai 1780 50 " + im April 1781 420 " + -------- + Im Ganzen: 1152 M. + Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 " + -------- + Es kehrten nicht zurück: 168 M. + + + Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M. + Es kehrten von diesen zurück 17 313 " + --------- + Es kehrten nicht zurück 12 554 M. + +Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen +Schätzung --: + + Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M. + Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 " + Desertiert 5000 " + -------- + 12554 M. + + + + +D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des +Revolutionskrieges. + + + Tot. Verw. Vermisst. + Long-Island 2 25 + 15. September 1776 2 16 + 16. September 1776 1 1 + Vom 9. bis 23. Oktober + (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23 + Fort Washington 56 276 + Trenton 17 78 + Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11 + Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?) + Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19 + Brandywine, Jäger 7 39 + " übrigen Hessen 2(?) 16(?) + Redbank 82 229 60 + Newport 19 96 13 + Stono Ferry 9(?) 34(?) + Charleston 11 62 + Springfield 25(?) 75(?) + Baton Rouge 25 8 + Pensacola 15(?) 45(?) + Guildford Court House 15 69 + Yorktown 53 131 + ------------------------- + Im Ganzen: 548 1652 127 M. + + + Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S. + + + + + + +--------------------------------------------------------------+ + | Anmerkungen zur Transkription: | + | | + | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier | + | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden | + | folgende Korrekturen vorgenommen: | + | | + | "Staaaten" in "Staaten" geändert. | + | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. | + | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. | + | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. | + | S. 19 "einer" in "eine" geändert. | + | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. | + | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. | + | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. | + | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. | + | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. | + | S. 36 "töden" in "töten" geändert. | + | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. | + | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. | + | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. | + | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. | + | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. | + | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. | + | S. 56 "or" in "oder" geändert. | + | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. | + | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. | + | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. | + | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. | + | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. | + | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. | + | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. | + | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. | + | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. | + | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. | + | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. | + | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. | + | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. | + | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. | + | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. | + | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. | + | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. | + | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. | + | S. 92 "1766" in "1776" geändert. | + | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. | + | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. | + | S. 98 "französche" in "französische" geändert. | + | S.107 "der" in "des" geändert. | + | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. | + | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. | + | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. | + | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. | + | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. | + | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. | + | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. | + | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. | + | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. | + | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. | + | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. | + | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. | + | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. | + | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. | + | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. | + | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. | + | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. | + | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. | + | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. | + | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. | + | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. | + | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. | + | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. | + | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. | + | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. | + | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. | + | | + +--------------------------------------------------------------+ + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen +Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 *** |
