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@@ -0,0 +1,8157 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 ***
+
+ +--------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription: |
+ | |
+ | Der Text wurde weitgehend in seiner Ursprungsform |
+ | belassen, auch in zweifelhaften Fällen wie: |
+ | "Bankroft", obwohl vermutlich jeweils George |
+ | Bancroft gemeint ist. Gesperrter und kursiver Text |
+ | ist als _Text_ markiert, Fettdruck als =Text=. |
+ | |
+ | Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich am |
+ | Ende des Texts. |
+ | |
+ +--------------------------------------------------------------+
+
+
+
+
+ Die Hessen
+ und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege
+ Gross-Britanniens gegen Amerika
+ 1776-1783
+
+ Von
+ Edward J. Lowell.
+
+ Uebersetzt mit Autorisation des Verfassers
+ von
+ O. C. Freiherrn von Verschuer
+ Major z. D.
+
+ Mit 8 Plänen
+
+ Zweite, um eine Einleitung vermehrte Ausgabe.
+
+
+ Braunschweig und Leipzig
+ Verlag von Richard Sattler
+ 1902.
+
+
+
+
+ Seinem ehemaligen Regiments-Kommandeur
+
+ Herrn Generalmajor z. D. von Gersdorff
+ in Dankbarkeit und Verehrung
+ gewidmet
+ von
+ dem Uebersetzer
+
+
+
+
+Einleitung des Übersetzers.
+
+
+In vorliegendem Buche will der Verfasser das Auftreten der »Deutschen
+Hilfstruppen« in Amerika einer genauen Beleuchtung unterwerfen,
+insbesondere will er den Legenden entgegentreten, die sich in seinem
+Vaterlande im Laufe der Zeit über die Hilfstruppen -- mit dem
+Sammelnamen »Hessen« bezeichnet -- gebildet haben. Seine Anschauungen in
+Betreff der Subsidien-Verträge mit England und der an diesen beteiligten
+Fürsten stimmen im allgemeinen mit den Ansichten weiter Kreise in
+Deutschland überein, viele urteilen bei weitem schärfer, aber bei einer
+grossen Menge werden die abfälligen Urteile nach verschiedener Richtung
+hin mehr oder weniger scharf bekämpft. Wie erklärt sich dieser Zwiespalt
+der Meinungen, und wie könnte er einigermassen überbrückt werden? Er
+erklärt sich m. E. hauptsächlich dadurch, dass viele Geschichtschreiber
+die Frage des sogenannten Soldatenhandels nicht genügend im Lichte der
+damaligen Zeit betrachten, und dass diese Frage bisher nicht in ihrer
+Vielseitigkeit und mit derjenigen Gründlichkeit behandelt worden ist,
+die zur Erlangung eines objektiven Urteils unbedingt notwendig ist. Ein
+solches Urteil wird nur erlangt werden können durch eine genaue Prüfung
+und Vergleichung der bereits vorhandenen und eine Untersuchung der noch
+unbenutzt liegenden Quellen, ferner durch gleichzeitiges
+in-Betrachtziehen der politischen und militärischen Verhältnisse und
+Zustände -- und ihrer Entwickelung -- in _allen_ Staaten, die im Laufe
+des 17. und 18. Jahrhunderts je an dem Überlassen von Truppen gegen
+Subsidien beteiligt gewesen sind, und schliesslich durch ein
+sich-Vertiefen in die Anschauungen der Zeit und zwar aller Kreise: der
+Fürsten, Landstände, Offiziere, Soldaten und des Volkes. Nur aus dem
+Geiste der Zeit heraus kann das Übereinkommen deutscher Fürsten mit
+England im Jahr 1776, können die Urteile der Zeitgenossen für und wider
+-- verstanden, erklärt werden. Von grosser Bedeutung aber ist die
+Thatsache, dass die Verträge mit England und das Auftreten deutscher
+Soldtruppen in Amerika in den Zeitabschnitt fallen, der der
+französischen Revolution vorausging. Hervorragende Geister der damaligen
+Zeit bemühten sich, weiten Kreisen in Europa bei Gelegenheit des
+ungewöhnlichen Falles der Verschickung deutscher Truppen über den Ozean
+zum Bewusstsein zu bringen: _was das Überlassen von Menschen an fremde
+Souveräne gegen Geld zu bedeuten habe!_ Wie in vielen andern Dingen so
+auch in dieser Frage beginnt sich ein Wandel in den Anschauungen Bahn zu
+brechen. Das was die Fürsten und die an den Verträgen mit England
+interessierten Kreise -- im Geiste ihrer Zeit, in ihren Ideen und
+ererbten Überlieferungen befangen, sowie unter Berufung auf die
+Reichsverfassung -- zu thun für Recht hielten, wird als »Menschenhandel«
+bezeichnet. So erklärt es sich, dass bei den Verträgen des Landgrafen
+Friedrich II. und der andern beteiligten Fürsten Ausdrücke wie »Verkauf«
+und »Seelenhandel« anfangen laut zu werden, während man zu Zeiten der
+frühern Subsidien-Verträge in dem Überlassen von Truppen etwas
+Althergebrachtes, nichts Unrechtes erblickte.
+
+Viel Aufsehen hat seiner Zeit das Buch von Friedrich Kapp über den
+»Soldatenhandel« erregt. Er nennt es »Beitrag zur Kulturgeschichte des
+18. Jahrhunderts.« Niemand wird den Wert, den es hat, bestreiten. Ein
+Buch aber, das sein Entstehen einer Tendenz verdankt, wie sie der
+Verfasser im Eingang zum Ausdruck bringt, kann unmöglich Anspruch auf
+Objektivität machen. Und wer eine so leidenschaftliche Sprache wie Kapp
+führt, kann nur ein einseitiges, kein gerechtes Urteil fällen.
+
+Wie wir sehen, stützt Lowell sein Urteil über die deutschen Zustände im
+18. Jahrhundert zum grossen Teil auf die Forschungen Kapps, sowie auch
+auf Seume (dessen Zeugnis aber ebenfalls nicht kritiklos hinzunehmen
+ist). Dieser Teil des L.schen Buches wird deshalb sicher -- wenngleich
+ihn eine völlig objektive Ausdrucksweise auszeichnet -- von einer spätern
+Geschichtschreibung berichtigt und ergänzt werden. Von unbestreitbarem
+Wert wird aber ebenso sicher der Hauptteil seines Buches sein, in dem er
+-- dank seiner umfassenden und gewissenhaften Quellenforschungen --
+besser, und nebenbei fesselnder, als irgend ein Geschichtschreiber vor
+ihm, uns erzählt, von welcher Art deutsche Offiziere und Soldaten waren,
+die in der »Neuen Welt« auftraten, welche Eindrücke sie von ihr bekamen,
+und dass sie unter den schwierigsten Verhältnissen ihre Schuldigkeit
+gethan haben.
+
+Zum Schluss möchte ich noch einmal darauf hinweisen: das Vermieten von
+Truppen ist eine Erscheinung im Laufe des 17. und 18. Jahrhunderts, die
+der Geschichte einer grossen Zahl von deutschen Staaten, darunter die
+bedeutendsten, angehört. Ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte wird
+in vorliegendem Buche in Erinnerung gebracht. Dunkel sah es mehr oder
+weniger in _allen_ deutschen Landen -- in mancher Hinsicht -- um die
+Zeit des letzten Viertels des 18. Jahrhunderts aus. Gleichzeitig wissen
+wir aber zu unserm Glück, dass dieses Dunkel einem Licht hat weichen
+müssen, das uns das 19. Jahrhundert gebracht hat.
+
+_Frankfurt_ a. M., im März 1902.
+
+ =v. Verschuer.=
+
+
+
+
+Vorwort
+
+
+Die Geschichte der deutschen Hülfstruppen, die im Revolutionskriege für
+Gross-Britannien fochten, hat von amerikanischen Geschichtsschreibern
+nicht den Grad von Beachtung gefunden, den ihre Wichtigkeit berechtigt
+erscheint zu verdienen. Es ist sehr viel Wesen davon gemacht worden,
+dass 7000 französische Soldaten und 19 000 französische Seeleute den
+Vereinigten Staaten bei der Belagerung von Yorktown beistanden, aber
+vergessen haben wir, dass eine Macht von zwischen 15 und 20 000
+Deutschen im Verlauf von 7 Jahren gegen uns kämpfte, dass mehr als
+29 000 zu diesem Zweck nach Amerika gebracht wurden, dass mehr als
+12 000 niemals nach Deutschland zurückkehrten. Ich weiss von keinem
+amerikanischen Geschichtsschreiber ausser Bankroft, der gründliche
+Studien über diesen Gegenstand in den Original-Quellen gemacht hätte;
+dem ganzen Charakter seines Werkes nach wäre es nicht angängig gewesen,
+die Geschichte der deutschen Truppen in ihren Einzelheiten zu schreiben.
+Doctor George Washington Greene hat interessante Auszüge aus 3
+Kapp'schen Büchern herausgegeben, und die Erzählungen der Baronesse
+Riedesel sind ins Englische übersetzt worden von William L. Stone Esq.,
+der auch den Teil von Eelkings »Leben von Riedesel«, welcher vom
+Revolutionskrieg handelt, übersetzt hat.
+
+Ich kann nicht behaupten, bei der Bearbeitung des vorliegenden Buches
+annähernd alle die sehr inhaltreichen Quellen, die die Bibliotheken und
+Archive in Deutschland enthielten, benutzt zu haben. Ich habe indessen
+deutsche Originalberichte von jedem wichtigen Engagement gefunden und
+von beinahe jedem Scharmützel im Revolutionskriege vom Jahr 1776 bis zum
+Ende, ausgenommen einige von den Gefechten, die in Carolina und Georgia
+stattfanden und in denen wenige, wenn überhaupt, Deutsche engagiert
+waren. Einige von diesen Berichten sind, glaube ich, niemals einem
+amerikanischen Schreiber vor Augen gekommen.
+
+In Deutschland haben die Verträge in Betreff der Überlassung von
+Hilfstruppen an Gross-Britannien und die Geschichte dieser Truppen
+mehr Beachtung gefunden als in Amerika. Zwei Geschichtsschreiber sind
+unter denen, die diesen Gegenstand behandelt haben, besonders
+hervorzuheben. Der eine ist Fritz Kapp, einst Mitglied des Reichstages
+und vordem in der Verbannung in Amerika. Diesem Buche verdanke ich
+sehr viel, direkt und indirekt, wegen der vielen Fingerzeige, die
+dasselbe enthält, besonders in den ersten fünf Kapiteln. Der
+andere Geschichtsschreiber ist Max von Eelking, Hauptmann in
+Sachsen-Meiningen'schen Diensten und korrespondierendes Mitglied des
+New-Yorker Geschichtsvereins. Seine zwei Werke, »Die deutschen
+Hilfstruppen im nordamerikanischen Befreiungskriege« und »Leben und
+Wirken des Herzoglich Braunschweigischen Generallieutenants Friedrich
+Adolf von Riedesel«, stellen die Geschichte vom deutschen Standpunkt
+aus dar. Hauptmann von Eelking stand ein sehr reichhaltiges Material
+zur Verfügung. Die Liste der für das erste Werk benutzten
+Handschriften (von denen viele Eigentum von Privatpersonen) enthält 38
+Nummern. Bei der Lebensbeschreibung von Riedesel hatte er die
+Erlaubnis, alle Briefe und Schriften, die der General hinterlassen, zu
+benutzen. Wenn Hauptmann von Eelking so viel Sorgfalt im Gebrauch des
+Materials als Fleiss in der Sammlung desselben entwickelt hätte, so
+würden seine Werke sehr wertvolle Beiträge zur amerikanischen
+Geschichte sein. Leider erleiden die Resultate seines Fleisses durch
+Ungenauigkeiten Einbusse. Ich habe ihn oft benutzen müssen, habe es
+aber mit Vorsicht gethan.
+
+Der Leser wird in diesem Buche Stellen finden, die mehr dem Gebiete der
+Biographie oder Anekdote als der reinen Geschichte angehören. Die
+Abenteuer von verhältnismässig unwichtigen Persönlichkeiten wie
+Wiederhold, Ewald oder Baronesse Riedesel sind mit ziemlicher
+Ausführlichkeit erzählt. Es war meine Aufgabe, einen Begriff davon zu
+geben, was für eine Art Leute die Hilfstruppen waren und was für einen
+Eindruck Amerika und die Amerikaner auf sie machten. Zu diesem Zweck
+habe ich mich nicht gescheut, scheinbar unbedeutenden, gewöhnlichen
+Stoff da zu verwenden, wo er charakteristisch geschienen hat, oder
+Meinungen und Beschreibungen anzuführen, die, obschon echt, irrig waren.
+
+ =Der Verfasser.=
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Seite
+ Kapitel I. Die Fürsten 1
+
+ " II. Die Verträge 12
+
+ " III. Die Verträge vor dem Parlament 22
+
+ " IV. Die Soldaten 30
+
+ " V. Von Deutschland nach Amerika 37
+
+ " VI. Die Schlacht von Long-Island 1776 41
+
+ " VII. Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme
+ von Fort Washington, 15. Sept.-16. Nov.
+ 1776 51
+
+ " VIII. Trenton, 26. Dez. 1776 64
+
+ " IX. Der Winter 1777 75
+
+ " X. Die Braunschweiger in Canada 1776 90
+
+ " XI. Baronin Riedesels Reise 1776 u. 77 98
+
+ " XII. Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777 108
+
+ " XIII. Stillwater, am 19. Sept. u. 7. Okt. 1777 120
+
+ " XIV. Saratoga, vom 11-16. Okt. 1777 129
+
+ " XV. Die Braunschweiger in Gefangenschaft 145
+
+ " XVI. Brandywine, Germantown und Redbank, September
+ und Oktober 1777 160
+
+ " XVII. Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar
+ bis Juli 1778 170
+
+ " XVIII. Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779 174
+
+ " XIX. Die Umgegend von New-York 1777-79 180
+
+ " XX. Wiederholds Reise -- eine Episode -- Sept. 1779 187
+
+ " XXI. Savannah, Charleston und Pensacola, 1778-1781 195
+
+ " XXII. New-York in den Jahren 1780 u. 81 208
+
+ " XXIII. Der Feldzug im Süden im Jahre 1781 216
+
+ " XXIV. Schluss 230
+
+
+ Seite
+ =Anhang.=
+
+ A. Quellen-Verzeichnis 241
+
+ B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen 244
+
+ C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach
+ Amerika gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht
+ zurückkehrten 248
+
+ D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und
+ Gefechten des Revolutionskrieges 250
+
+
+ =Karten und Pläne.=
+
+ 1. Schlacht von Long-Island 1776 48
+
+ 2. Operationen in New-Jersey und Pennsylvanien 1776 64
+
+ 3. Affaire bei Trenton 1776 74
+
+ 4. Burgoynes Übergabe 1777 128
+
+ 5. Schlacht von Brandywine 1777 160
+
+ 6. Überfall auf Paulus Hook 1779 186
+
+ 7. Lord Cornwallis Operationen im Süden 1781 216
+
+ 8. Yorktown 1781 224
+
+
+
+
+ Die Hessen
+
+ und die andern deutschen Hülfstruppen im Kriege
+ Gross-Britanniens gegen Amerika
+ 1776-1783.
+
+
+
+
+Kapitel I.
+
+Die Fürsten.
+
+
+Die Stadt Cassel ist für den durchreisenden Fremden eine der
+anziehendsten in Mitteldeutschland. Ihre Galerien, Parks und Gärten,
+sowie ihre grossen Paläste erregen Bewunderung und Staunen. Hier brachte
+Napoleon III. die Monate seiner Gefangenschaft zu inmitten einer
+Umgebung, die ihn an die Grossartigkeit von Versailles erinnert haben
+möchte, welche den Schöpfern dieser herrlichen Anlagen wohl als Vorbild
+vorschwebte. Die Anlagen und Schlösser rührten hauptsächlich aus dem
+XVIII. Jahrhundert her, als die Augen der meisten Fürsten von Europa auf
+den französischen Hof gerichtet waren; und kein Hof folgte eifriger und
+konsequenter, in äusserem Gepränge wenigstens, dem Beispiel des
+französischen Hofes, als der des Landgrafen von Hessen-Cassel. Die
+Ausgaben für alle diese Bauten und Parkanlagen waren ungeheuer, aber es
+war im allgemeinen Geld im Staatsschatz. Das Land jedoch war arm. Die
+3-400 000 Einwohner lebten hauptsächlich vom Ackerbau, während die
+Landgrafen Finanzmänner waren. Es war ein einträglicher Handel, den sie
+betrieben. Nach der Ware, die sie verkauften oder ausliehen, war grosse
+Nachfrage im damaligen Jahrhundert, wie in allen Jahrhunderten, es waren
+eben _Menschen_, mit denen die Landgrafen von Hessen-Cassel Handel
+trieben. Daher kam es, dass Landgraf Friedrich II. und seine Leute in
+der amerikanischen Geschichte eine Rolle spielten und dass der Name
+»Hessen« eine landläufige Bezeichnung in den Vereinigten Staaten wurde.
+Die Landgrafen nahmen es nicht sonderlich genau mit den Ländern und den
+Abnehmern, mit denen sie in Verbindung traten. 1687 stellte einer
+derselben 1000 Mann den Venetianern für Geld zur Verfügung, um gegen die
+Türken zu fechten. 1702 dienten 9000 Hessen unter den Seemächten und
+1706 waren 11 500 Mann in Italien. England war der beste Kunde. Während
+eines grossen Teils des XVIII. Jahrhunderts hatte es Hessen in seinem
+Sold. Ein Teil derselben war bei der Armee des Herzogs von Cumberland
+während des Prätendenten Invasion 1745, aber es ist festgestellt, dass
+sie sich zu fechten weigerten, um einen Vertrag wegen Auslieferung der
+Gefangenen zu erlangen. Es würde für viele von ihnen günstig gewesen
+sein, wenn sie sich aus demselben Grunde geweigert hätten nach Amerika
+zu gehen. So wenig spielte bei den Landgrafen der Patriotismus oder die
+Politik eine Rolle, dass im Jahre 1743 Hessen gegenüber Hessen standen,
+6000 Mann, die in der Armee des Königs Georg III. von England und 6000
+Mann, die im gegnerischen Heere des Kaiser Karl VII. dienten.
+
+Die Landgrafen von Hessen waren nicht die einzigen Fürsten, die ihre
+Truppen in fremden Sold gaben. Im amerikanischen Revolutionskrieg
+überliessen sechs deutsche Fürsten ihre Soldaten an Gross-Britannien.
+Diese waren Friedrich II., Landgraf von Hessen-Cassel, Wilhelm, sein
+Sohn, unabhängiger Graf von Hessen-Hanau, Carl I., Herzog von
+Braunschweig, Friedrich, Fürst von Waldeck, Carl Alexander, Markgraf von
+Anspach-Bayreuth und Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst. Die
+Handlungsweise dieser Fürsten stand in keinem Einklang mit der Politik
+des Kaiserreichs und dem sittlichen Empfinden der damaligen Zeit, der
+Kaiser aber hatte keine Macht es zu verhindern, denn die Abhängigkeit
+von denjenigen Teilen des Reiches, die ausserhalb seiner Erblande lagen,
+war wenig mehr wie nur dem Namen nach vorhanden.
+
+Die Karte von Deutschland im XVIII. Jahrhundert zeigt ein
+ausserordentliches Flickwerk. Ueber den nördlichen Theil des Landes, von
+Osten nach Westen, aber nicht in ununterbrochener Folge, ziehen sich die
+Gebiete des Königs von Preussen. Die österreichischen Erblande, in einer
+ziemlich kompakten Masse, nehmen die südöstliche Ecke ein. Ueber die
+Grenzen dieser zwei grossen Mächte hinaus liegt Alles durcheinander.
+Kurfürstentümer, Herzogtümer, Erzbistümer, Besitzungen von Markgrafen,
+Landgrafen, Fürsten und freien Städten sind unentwirrbar
+zusammengewürfelt. Es gab beinahe 300 souveräne Staaten in Deutschland,
+neben über 1400 Besitzungen des hohen Adels, die direkt unter dem Kaiser
+standen und viele Souveränitätsrechte hatten. Einige von diesen 300
+Staaten waren nicht grösser als Stadtgebiete von Neu-England, viele
+nicht grösser als amerikanische counties. Auch war keiner derselben in
+sich geschlossen, die Besitztümer waren meist aus getrennten
+Länderteilen zusammengesetzt. Jedes kleine Fürstentum hatte seinen
+kleinen Fürsten mit seinem Hof und seiner Armee zu unterhalten. Die
+Fürsten waren regelrecht despotisch. Die Ueberreste von dem, was einst
+konstitutionelle Versammlungen gewesen waren, bestanden in manchen Orten
+noch (Landstände), aber sie repräsentierten im besten Falle nur einen
+kleinen Teil der Bevölkerung. Die Städte wurden durch die privilegierten
+Klassen verwaltet. Auf dem Lande war den Bauern in einigen Gegenden ein
+wenig Freiheit in der Verwaltung ihrer Orts-Angelegenheiten belassen,
+aber im allgemeinen waren die Bauern nicht viel besser daran wie
+Leibeigene und Gegenstand der Tyrannei einer Horde von Beamten, die bei
+jeder Gelegenheit sich einmischten. Der Handel war durch Zölle und
+Abgaben gehemmt; jeder kleine Staat hatte sein eigenes Finanz-System,
+Handel und Industrie waren durch Monopole beschränkt. An einigen Orten
+regelten drückende Gesetze die Kleidung und Kost der Bevölkerung.
+
+Vor Eintritt in das letzte Viertel des Jahrhunderts hatten in
+politischer Beziehung bessere Verhältnisse Platz gegriffen. Friedrich
+der Grosse von Preussen und Joseph II. von Oesterreich waren, jeder in
+seiner Art, erleuchtete Fürsten, und ihr Beispiel hatte viele von den
+besseren Souveränen bewogen, einigermassen für das Wohl des Volkes zu
+sorgen. Der Einfluss der freiheitlichen Bewegung in Frankreich machte
+sich ebenfalls fühlbar. Aber die Ideen von politischer Freiheit hatten
+selbst bei den am weitesten vorgeschrittenen Geistern in Deutschland
+kaum Eingang gefunden. Die gute oder schlechte Gesinnung des Fürsten
+stand nicht _mehr_ unter dem Einfluss der öffentlichen Meinung als der
+Zustand des Wetters. Die Lehre vom passiven Gehorsam war an der
+Tagesordnung, obschon nicht völlig unbestritten. Wenn, wie ein
+Geschichtsschreiber in Betreff politischer Verhältnisse
+auseinandersetzte, es die Pflicht des Untergebenen wäre zu gehorchen,
+selbst wenn sein Fürst aus reiner Willkür sein Leben von ihm fordern
+würde, so kann man hoffen, dass es ebenso richtig war, wenn ein anderer
+Geschichtsschreiber sagte, dass »in fürstlichen Häusern alle Tugenden
+erblich sind«.
+
+Wir wollen nun etwas eingehender die speziellen Erben aller Tugenden
+betrachten, die Söldner nach Amerika sandten.
+
+Der bedeutendste von ihnen war Friedrich II., Landgraf von
+Hessen-Cassel. Dieser Fürst war der katholische Fürst eines
+protestantischen Landes. Seine erste Gemahlin war eine englische
+Prinzessin, eine Tochter Georg II. Sie hat sich bei seinem Uebertritt
+zum Katholizismus nur von ihm getrennt und nach Hanau zurückgezogen mit
+seinem vorzüglichen Sohn, von dem ich sogleich sprechen werde.
+
+Friedrich hatte in Cassel ein fröhliches Leben geführt. Er hatte eine
+abgedankte Maitresse des Herzogs von Bouillon zu sich genommen, aber er
+hielt nicht viel von der Treue und soll mehr als 100 Kinder gehabt
+haben. Es wurde ein französisches Theater und eine Oper mit
+französischem Ballet unterhalten. Französische Abenteurer mit guten
+Empfehlungen waren willkommen und erhielten selbst verantwortliche
+Stellungen im Staat. Der Hof war nach französischem Muster eingerichtet.
+Französisch war ebenfalls -- und ist es noch lange nachher geblieben --
+die Sprache der Fürsten, Hofmänner und Diplomaten. In dieser Sprache
+korrespondierte Friedrich der Grosse mit vielen seiner Verwandten, seine
+Schwester schrieb darin ihre Memoiren, und französisch wurde gesprochen
+am Hofe des kleineren Friedrich, welchen wir vor Augen haben.
+
+Zur Zeit der amerikanischen Revolution lebte der Landgraf mit seiner
+zweiten Frau. Er war ungefähr 60 Jahre alt und scheint damals etwas
+gesetzter geworden zu sein. Er war ein tüchtiger Regent. Seine Truppen,
+durch Konscription ausgehoben und nach preussischem System gedrillt,
+bestanden aus guten Soldaten. Seine Armee zählte im Jahre 1781 22,000
+Mann, während die Bevölkerung seiner Gebiete wenig mehr als 300,000
+Seelen betrug; aber viele Fremde wurden zum Dienen angeworben. Ein Teil
+wurde nicht ununterbrochen bei der Fahne gehalten, sondern während des
+grössten Teils des Jahres beurlaubt, um nur auf einige Wochen zu den
+Uebungen eingezogen zu werden. Friedrich nahm grosses Interesse an
+seiner Armee und korrespondierte mit seinen Offizieren in Amerika um
+allen seinen Einfluss nutzbringend fühlen zu lassen. Auch bekümmerte er
+sich um die inneren Angelegenheiten des Landes und hinterliess bei
+seinem Tode einen vollen Staatsschatz. Er gründete Schulen und Museen
+und liebte wie seine Vorfahren, Prachtbauten. Als er 12,000 Mann nach
+Amerika sandte, setzte er die Steuern für deren Hinterbliebene
+herunter, und, obschon diese, traurig und niedergeschlagen, ihre Söhne
+und Brüder, die jenseits des Ozeans für fremde Interessen kämpfen
+mussten, betrauerten, so verdient Friedrich von Hessen-Cassel in
+gewisser Hinsicht Nachsicht im Urteil, da er immerhin persönliche Würde
+zeigte und einer der wenigst scrupellosen Fürsten war, die Söldner nach
+Amerika schickten.
+
+Wilhelm, der älteste Sohn und voraussichtliche Erbe Landgraf Friedrichs,
+regierte während der Revolution die unabhängige Grafschaft Hanau, die
+einige Meilen östlich von Frankfurt am Main lag. Wilhelm stand seinem
+Vater nach an Würde, kam ihm aber gleich an Sinnlichkeit. Im August
+1775, als man in Deutschland von der Nachricht der Schlacht von Bunker
+Hill noch ganz erfüllt war, beeilte sich der Erbprinz, Georg III. ein
+Regiment anzubieten »ohne die geringsten Bedingungen«. Trotz der
+Beteuerung seiner uneigennützigsten Ergebenheit erhielt er schliesslich
+einen höhern Preis für den gestellten Mann als einer seiner Mitbewerber,
+ausgenommen seinen durchlauchtigen Vater. Die Höfe von Cassel und Hanau
+standen nicht auf gutem Fusse. Seitdem der Landgraf den Glauben
+gewechselt hatte, lebte er mit seiner Gemahlin und seinen Erben in
+Streit. Aber die Lebensweise seines ältesten Sohnes unterschied sich
+nicht sehr von seiner eigenen. Als Wilhelm ein natürliches Kind zu
+unterhalten hatte, schlug er den Preis eines jeden Sackes Salz, den
+seine Unterthanen von den Salzminen brachten, um einen Kreuzer auf und
+gab die so erhaltenen Einkünfte dem Kinde. Als seine Nebenkinder die
+Zahl 74 erreicht hatten, mussten die ärmeren seiner Unterthanen mit dem
+Salz sparsam umgehen. Einer seiner Bastarde war jener General von
+Haynau, welcher in österreichischen Diensten Grausamkeiten in Italien
+1849 beging, der in Brescia Frauen peitschen liess und nachher in London
+vom Pöbel misshandelt wurde. Wilhelms Maitresse war während vieler
+Jahre ein Fräulein von Schlotheim, die ihm zuerst entlief aber von den
+eigenen Eltern zurückgeschickt wurde. Nach den Worten einer Dame in
+Cassel »konnte der hessische Adel diesen Vorteil nicht entbehren«.
+Obschon der Fürst im Jahre einige 12,000 Pfund Sterling als Subsidien
+für die Sendung von Truppen nach Amerika erhielt, so glaubt doch Kapp,
+dass er keine Steuern erliess, ausser den Frauen und Kindern der
+Soldaten der Expedition oder solche Steuern, die vom Eigentum der
+Soldaten erhoben wurden, die weder Frauen noch Kinder hatten. Dass die
+nachher erwähnten Fürsten Steuern erlassen hatten, habe ich nicht
+erfahren, aber meine Quellen mögen lückenhaft sein.
+
+Herzog Carl I. regierte über Braunschweig-Lüneburg und der Erbprinz Carl
+Wilhelm Ferdinand hatte sich mit ihm in der Regierung vereinigt. Der
+Letztere hatte eine Schwester König Georg III. geheiratet. Das Land
+hatte nur ungefähr 150,000 Einwohner und die Fürsten waren tief in
+Schulden. Carl war verschwenderisch und der siebenjährige Krieg war sehr
+kostspielig gewesen. Es waren Versuche gemacht worden, den Finanzen
+durch Alchemie aufzuhelfen, aber das Gold war im Rauchfang verflogen
+oder hatte seinen Weg in die Taschen der Alchemisten genommen, denn es
+war keins in den Schmelztöpfen gefunden worden. Ein italienischer
+Theater-Direktor erhielt ein Salair von 30,000 Thalern jedes Jahr,
+während Lessing, der bereits der Autor von »Emilia Galotti« und »Minna
+von Barnhelm« war, als Archivar für eine Kleinigkeit diente. Prinz Carl
+Wilhelm Ferdinand war ein besserer Haushalter als sein Vater. Die
+Lotterie, ein in jener Zeit modernes Mittel um Geld zu machen, war unter
+der Leitung eines Staatsministers eingerichtet worden, und brachte viel
+Geld ein, denn obschon der Herzog von Braunschweig weniger pro Kopf an
+Subsidien für die Sendung von Soldaten nach Amerika als irgend ein
+anderer Fürst erhielt, so war er doch im Stande, für sein Korps von
+4300 Mann 160,000 Pfund in die Tasche zu stecken, bevor der Krieg
+beendigt war.
+
+Die kleinen Gebiete von Anspach und Bayreuth, die zusammen ungefähr
+400,000 Seelen enthielten, waren kurz vorher unter der Regierung des
+Markgrafen Carl Alexander vereinigt worden. Keines von beiden Ländern
+war unter seinen Souveränen glücklich gewesen. Beide Länder hatten zu
+Zweigen der grossen Hohenzollern-Familie gehört, deren Hauptlinie
+bereits in Preussen den Grund zu der Macht gelegt hatte, welche ihr
+heute den ersten Platz in Europa gegeben hat. Aber den Markgrafen von
+Anspach und Bayreuth fehlte die Geschicklichkeit, welche der rauhen
+Strenge König Friedrich Wilhelms, des Vaters Friedrichs des Grossen, zu
+Grunde lag.
+
+Von diesem Friedrich Wilhelm haben wir ein lebendiges Bild in den
+Memoiren seiner Tochter Wilhelmine. Wie er seine Kinder mit dem Stock im
+Zimmer herumjagte, wie Wilhelmine sich unter dem Bett verbarg und
+Friedrich im Kloset, wie der König grosse Soldaten liebte und seiner
+Gemahlin gegenüber tobte, ist da genau erzählt. Mit der ausdrücklichen
+Absicht, ihre Geschichte heiterer zu machen, erzählt die Prinzessin, wie
+ihr Vater, der im Allgemeinen der keuscheste der Monarchen war,
+versuchte, eine Hofdame auf der Treppe zu küssen und wie sie ihn in's
+Gesicht schlug, so dass seine Nase blutete. Wilhelmine vermählte sich
+mit einem Markgrafen von Bayreuth, und ihre Schwester Friederike Louise
+mit einem Markgrafen von Anspach; letztere aber lebte nicht auf gutem
+Fusse mit ihm.
+
+Dieser Markgraf von Anspach war gutmütig in seiner Weise und gütig, wenn
+er nicht schlecht gelaunt war. Er liebte es, seinen Dienern kleine
+Gnadenbeweise zu geben, und ihnen persönlich davon Mitteilung zu machen.
+Er erlaubte bereitwillig, den Kranken Leckerbissen aus seiner Küche
+zukommen zu lassen. Wenn er nicht betrunken war, so war er geneigt, bei
+Verbrechern die Todesstrafe in Freiheitsstrafe zu verwandeln, falls sie
+sich nicht eines so schrecklichen Verbrechens schuldig gemacht hatten,
+wie der Überredung von Soldaten, zu desertieren, an seinem Hof zu
+stehlen oder zu wilddieben; aber seine militärischen Exekutionen waren
+barbarisch. Der Markgraf war regelmässig in seinem Kirchenbesuch und
+geneigt, Kirchen, Schulen und Hospitäler zu gründen. Er wäre deshalb
+wohl von seinen Unterthanen geliebt worden, wenn nicht seine ungezähmte
+Laune, und die Excesse, in die sie ihn führte, gewesen wären. Als er
+einmal gehört hatte, dass seine Hunde nicht gut gefüttert wurden, ritt
+er zu dem Haus des Mannes, der sie in Verwahrung hatte, rief ihn an die
+Thür und erschoss ihn an der eigenen Thürschwelle. Als ein Gastwirt
+wegen eines kleinen Diebstahls geklagt hatte, liess der Markgraf den
+Dieb hängen. Im Jahre 1747 war ein Dienstmädchen ohne Untersuchung
+gehängt worden, weil es einem Soldaten zur Flucht verholfen hatte. Als
+der Markgraf eines Tages aus seinem Schloss ritt, hielt er still und
+ersuchte den Wachtposten, der der Stadtwache angehörte und kein
+regulärer Soldat war, um sein Gewehr. Der arme Bursche, der nicht
+argwöhnisch war, gab es her, worauf der Markgraf ihn einen Feigling und
+Schuft nannte und ihn von zwei Husaren an den Schwänzen der Pferde durch
+den Mühlteich schleifen liess, an welcher Behandlung der Mann starb.
+Einer seiner Stallmeister, mit Namen von Reitzenstein, obschon
+habsüchtig und verderbt, war beim Volke beliebt, weil er einigemal diese
+Excesse mässigte. Bei einer Gelegenheit machte ein Schafhirt mit der
+Herde nicht schnell genug Platz für den Markgrafen wodurch Seiner
+Durchlauchtigsten Hoheit Pferd scheute. Der Markgraf forderte des
+Stallmeisters Pistolen um den Burschen niederzuschiessen. »Sie sind
+nicht geladen,« antwortete von Reitzenstein. Indessen kurz bevor sie zu
+Hause anlangten, zog der Stallmeister beide Pistolen heraus und feuerte
+sie in die Luft. Paff! Paff! »Was ist los?« schrie der erschrockene
+Markgraf. »Mein gnädiger Herr,« antwortete der andere, »ich glaube, Sie
+werden diese Nacht viel besser schlafen, nachdem sie den Krach der
+Pistolen jetzt, als eine Stunde vorher gehört haben.«
+
+Es war sehr gefährlich, des Markgrafen Handlungsweise zu kritisieren.
+1740 war ein gewisser Christoph Wilhelm von Rauber angeschuldigt,
+Karrikaturen und Schmähschriften verbreitet zu haben. Deswegen war er
+verurteilt worden, sich auf den Mund zu schlagen, doch mit der
+Verschärfung, dass es für ihn der Scharfrichter thun sollte, ferner
+sollte er sehen, wie der Letztere seine Schmähschriften verbrannte, und
+zuletzt geköpft werden, welch letztere Strafe gnädig in lebenslängliches
+Gefängnis und Konfiskation umgewandelt wurde.
+
+Carl Alexander, der Sohn dieses grausamen Markgrafen scheint etwas
+menschlicher als sein Vater gewesen zu sein. Er war in seiner Jugend
+nach Utrecht geschickt worden, um Staats-Wissenschaften zu lernen und
+dann nach Italien, wahrscheinlich um sich fürstliche Tugenden
+anzueignen. Er kehrte, durch Ausschweifungen abgelebt, zurück, welches
+sein Vater dem Reisebegleiter, Rath Meyer Schuld gab. Der letztere wurde
+in Zelle eingekerkert, sein späteres Schicksal ist unbekannt. Einer
+anderen Erzählung zufolge wurde er in Altenkirchen hingerichtet.
+
+Im Jahre 1777 war Carl Alexander, der Markgraf von Anspach und Bayreuth
+geworden, tief in Schulden und entzückt durch die Gelegenheit zwei
+seiner Regimenter in fremden Sold zu geben. Rekruten und Ersatzleute
+waren in Zeitabschnitten hinausgesandt worden, bis eine Totalsumme 2353
+erreicht war, für deren Dienste der Markgraf mehr als 100,000 Pfd.
+erhielt. Carl Alexander war der letzte Markgraf von Anspach und
+Bayreuth. Im Jahre 1791 verkaufte er beide Länder an Preussen, für eine
+Pension, von welcher er nachher in England lebte, wo er 1806 starb.
+
+Neben den Markgrafen von Anspach scheinen die Fürsten von Waldeck
+ziemlich beachtenswert. Allerdings gebrauchten sie ihr kleines Land
+hauptsächlich als Domäne um Leute für den Holländischen Markt
+aufzuziehen, aber sie selbst fochten mit Auszeichnung für dasselbe Land.
+Das Ausrüsten von Truppen für Amerika war mehr ein Neben-Geschäft, denn
+die ganze ausgeschickte Anzahl betrug nur 1225 Soldaten.
+
+Friedrich August, Fürst von Anhalt-Zerbst, kann als die Karrikatur eines
+kleinen deutschen Fürsten seiner Zeit angesehen werden. Er regierte über
+einige 20,000 Seelen, aber man kann nicht sagen, dass er sie regiert
+hat, denn die letzten 30 Jahre seines Lebens brachte er in Basel und
+Luxemburg zu. Selbst da fand er, dass seine Unterthanen ihm störend
+werden könnten, und verbot bei Strafe der Entlassung, durch eine formell
+gedruckte Ordre, dass ihn einer seiner Beamten mit den Angelegenheiten
+seines Landes behelligte. Er war nicht übermässig streng, indessen hatte
+er auf der Insel Wangeroog einen Galgen errichten lassen als
+Schreckmittel für die Austern-Stehler. Seine Armee von 2000 Mann, und
+diese noch dazu mehr auf dem Papier, zählte nicht weniger als 11
+Obersten, doch als es dazu kam, 600 Mann nach Amerika zu senden, musste
+er über die Grenzen des Landes hinausgehen, um nicht nur Soldaten
+sondern auch Offiziere zu finden. Das kleine Fürstentum war so zu sagen
+in Kommission und wurde durch einige wenige Privat-Räte verwaltet. Es
+hatte weder Kunst noch Industrie, und hatte durch Krieg, Hungersnot,
+Pest und Hochwasser gelitten. Aber es war ein Land, das sehr hohe
+Beziehungen hatte. Die Schwester des Fürsten war die Kaiserin Catharina
+II von Russland. Der Fürst selbst, obschon er fern vom Lande wohnte,
+fühlte trotzdem die Höhe seiner Stellung und hatte ein mitfühlendes Herz
+für Monarchen, wo nicht für Unterthanen. Als er hörte, dass gottlose
+Franzosen ihren König Louis XVI enthauptet hatten, verfiel er in
+Melancholie, verweigerte Essen und Trinken und starb, wie er gelebt
+hatte, als Parodie, die Karrikatur eines königlichen Märtyrers.
+
+
+
+
+Kapitel II.
+
+Die Verträge.
+
+
+Aus den Verhandlungen zwischen dem Hof von Grossbritannien und den
+deutschen Fürsten zur Anwerbung von Soldtruppen für den Krieg in Amerika
+ist ersichtlich, wie begierig man auf beiden Seiten war, zu einem
+Resultat zu gelangen. England gebrauchte Leute, die Fürsten Geld, und
+während die Letzteren sich bemühten so hohe Subsidienbeträge wie möglich
+zu bekommen, war die Hauptsorge des Kabinets von Lord North, die
+höchstmögliche Anzahl von Soldaten ohne Verzögerung zu erhalten.
+Friedrich Kapp, der deutsche Geschichtsschreiber dieses Handels, meint,
+dass Colonel William Faucitt, der Britische Kommissionär und
+General-Bevollmächtigte in dieser ganzen Angelegenheit, zu weitgehende
+Zugeständnisse bei Aufstellung der Bedingungen machte. Dies scheint
+jedoch nicht die Ansicht des Earl of Suffolk, North's Sekretär der
+auswärtigen Angelegenheiten, gewesen zu sein, da er sich fortgesetzt mit
+seinem Agenten sehr zufrieden erklärte.
+
+Das britische Kabinet war in seinen Hoffnungen, die es darauf gesetzt
+hatte, im Sommer und Herbst 1775 20,000 Mann von Russland zu bekommen,
+getäuscht worden. Ebenso zerschlugen sich die Verhandlungen in betreff
+eines sogenannten Schottischen Regiments, das gegenwärtig in
+holländischen Diensten war. Fünf Bataillone Hannoverischer Unterthanen
+Georg III. wurden nach Gibraltar und Minorca schleunigst entsandt, um
+die Engländer, die in diesen Festungen als Besatzung dient, für andere
+Zwecke frei zu machen. So war keine andere Hülfe zu gewärtigen als von
+den kleinen unabhängigen deutschen Fürstentümern.
+
+Der Erbprinz von Hessen-Cassel, gleichzeitig regierender Graf von
+Hessen-Hanau, hatte geschrieben, um Seiner Majestät von England seinen
+Eifer und seine Ergebenheit -- »dem besten der Könige« -- auszudrücken
+und ihm die Dienste seines Regiments von 500 Mann anzubieten, »alles
+Landeskinder, die ich dem Schutze Euerer Majestät anvertraue, und die
+alle mit mir bereit sind, ihr Leben und Blut in Dero Diensten zu
+opfern.« Man darf aber nicht glauben, dass der Prinz daran dachte, sein
+eigenes kostbares Leben in Gefahr zu bringen, und der Ausdruck von der
+Opferfreudigkeit seiner Unterthanen war auch nur eine reine Phrase. Der
+Fürst von Waldeck schrieb im November 1775 in ähnlicher Art, indem er
+600 Mann anbot. Seine Offiziere und Soldaten, ebenso wie ihr Fürst,
+verlangten nichts besseres, als eine Gelegenheit zu finden, sich für
+Seine Majestät zu opfern.
+
+Der Herzog von Braunschweig-Lüneburg und der Landgraf von Hessen-Cassel
+boten zwar ihre Dienste nicht an, Colonel Faucitt fand aber keine
+Schwierigkeiten in Verhandlungen mit ihnen einzutreten. Der Markgraf von
+Anspach-Bayreuth machte im Herbste 1775 ein Anerbieten von zwei
+Bataillonen, aber der betreffende Vertrag mit ihm kam erst nach mehr als
+einem Jahre zu Stande, und im Oktober 1777 wurde mit dem Fürst von
+Anhalt-Zerbst ein Übereinkommen getroffen, für dessen Zustandekommen er
+Alles that, was in seinen Kräften stand. Anerbietungen von Truppen von
+Seiten des Kurfürsten von Baiern und des Herzogs von Württemberg führten
+zu keinem Resultat, einesteils wegen der schlechten Beschaffenheit und
+Ausrüstung der angebotenen Soldaten und andernteils, Letzteren
+betreffend, wegen der Schwierigkeiten, die Friedrich der Grosse wegen
+Durchpassierens seiner Besitztümer machte. Anerbietungen mehrerer
+anderer kleiner deutscher Fürsten führten zu nichts.
+
+Der Vertrag, der zuerst abgeschlossen wurde, war der mit dem Herzog von
+Braunschweig. Er ist datiert vom 9. Januar 1776. Der Herzog stellt darin
+Sr. Britannischen Majestät 3964 Mann Infanterie und 336 unberittene
+Dragoner zur Verfügung. Dies Korps sollte auf Kosten des Herzogs
+vollkommen ausgerüstet werden, ausgenommen die Pferde der leichten
+Kavallerie. Sie sollten von Braunschweig in zwei Teilen marschieren im
+Februar und März, und der König war verpflichtet Massnahmen zu treffen,
+um Desertionen während des Marsches durch Kurfürstlich Hannoversches
+Gebiet auf dem Wege zur Küste zu verhindern. Der König sollte sie
+bezahlen und verpflegen wie seine eigenen Soldaten, und der Herzog
+sollte sich verpflichten, sein Korps in den vollen Genuss der von Sr.
+Britannischen Majestät genehmigten Geld-Verpflegung gelangen zu lassen,
+mit andern Worten, den Leuten keine niedrigere Löhnung zu zahlen und die
+Differenz in die Tasche zu stecken. Die Britische Regierung traute ihm
+jedoch nicht. Von der Zeit der Ankunft der Truppen in Amerika an wurde
+die Löhnung direkt dorthin geschickt, um sie nicht durch die Hände Sr.
+Hoheit des Herzog gehen lassen zu müssen. Diese Vorsichtsmassregel war
+bei allen deutschen Hilfstruppen angewandt worden mit Ausnahme derer von
+Hessen-Cassel, dessen Landgraf es gelang, die Geldwirtschaft selbständig
+zu führen. Die Braunschweig'schen Soldaten sollten in Britischen
+Hospitälern gepflegt werden, und die Verwundeten, die nicht mehr
+dienstfähig wären, auf Kosten des Königs nach Europa transportiert und
+in einem Hafen der Elbe oder Weser gelandet werden. Der Herzog war
+einverstanden damit, die jährlich für das Korps notwendig werdenden
+Rekruten auszuheben, zu disziplinieren und auszurüsten, aber wenn es
+sich ereignen sollte, dass eins der Regimenter, Bataillone oder eine
+Kompagnie aussergewöhnlich Verlust erleiden sollte, entweder in einer
+Schlacht, bei einer Belagerung oder durch eine Epidemie, oder durch den
+Verlust eines Transportschiffes auf der Fahrt nach Amerika, so sollte
+Se. Britannische Majestät für den Schaden aufzukommen haben an
+Offizieren und Soldaten und die Kosten tragen für die Rekruten, die
+nötig würden, um die Korps wieder auf ihren alten Etat zu bringen.
+
+Der Herzog sollte die Offiziere ernennen und die vakanten Stellen
+besetzen. Er verpflichtete sich, dazu geeignete Leute zu wählen. Die
+Rechtspflege reservierte er für sich. Es wurde festgesetzt, dass seine
+Truppen nicht zu aussergewöhnlichen Dienstleistungen herangezogen werden
+sollten, die ausser Verhältnis ständen zu den Anforderungen, wie sie an
+die übrige Armee gestellt wurden.
+
+Der König von England verpflichtete sich, Seiner Hoheit unter dem Titel
+Werbegeld für jeden Soldaten den Betrag von 30 Kronen oder 7 Pfund 4
+Schilling 4-1/2 Pence zu zahlen. Ausserdem hatte er jährlich an
+Subsidien 11,517 L. 17 S. 1-1/2 P. vom Tage der Unterzeichnung des
+Vertrages an, so lange die Truppen in seinem Sold ständen, zu zahlen,
+und das doppelte dieser Summe (also 23,035 L. 14 S. 3 P.) noch zwei
+Jahre nach Rückkehr der Truppen in das Gebiet Seiner Hoheit. In
+Anbetracht der Eile, mit der die Truppen ausgerüstet waren, gewährte Se.
+Majestät den Sold für zwei Monate vor dem Ausrücken und übernahm alle
+Unkosten von der Zeit an nach dem Verlassen ihrer Standquartiere.
+
+Noch eine Bedingung in diesem Vertrage verdient hervorgehoben zu werden,
+da sie die wohlberechtigte Entrüstung aller derer erregt hat, die dieses
+Handeln mit Menschenblut verdammt haben. Es heisst darin: »Dem Herkommen
+entsprechend sollen drei Verwundete einem Gefallenen gleich gerechnet
+werden; für einen Gefallenen soll der Satz bezahlt werden, wie er bei
+dem Werbegeld für den Einzelnen festgesetzt ist.« Diese Clausel, die in
+dem darauf folgenden Vertrag mit Hessen-Cassel nicht verzeichnet steht,
+befindet sich in dem Vertrag mit Braunschweig in demselben Artikel, in
+welchem die Bedingung betreffs Vergütung für aussergewöhnliche Verluste
+durch Schlachten, Epidemien und Schiffbrüche enthalten ist. Man könnte
+es so verstehen, dass der König von England sich verpflichtete, für
+jeden Rekruten, der an Stelle eines gefallenen Braunschweigers treten
+würde, die Kosten tragen sollte, dass aber für jeden Deserteur oder für
+jeden an einer Krankheit verstorbenen der Herzog einen anderen Mann zu
+stellen hätte, es sei denn, dass eine ungewöhnlich verheerende Epidemie
+ausbräche. Aber wenn man der Sache diese Auslegung giebt, wie verhält es
+sich mit den »drei Verwundeten«? Kapp verwirft diese Erklärung, und
+behauptet, dass für neue Rekruten Werbegeld gezahlt wurde ausser den 30
+Kronen für die Gefallenen und Verwundeten, und dass dieses Blutgeld vom
+Fürsten in die Tasche gesteckt wurde, anstatt dass es die Familien des
+Gefallenen oder der Verwundete selbst erhielt. Jedenfalls steht die
+Thatsache fest, dass der Herzog von Braunschweig kontraktlich die Summe
+von ungefähr 35 Dollars für jeden, der in der Schlacht fallen würde, und
+11 Dollars 36 cent für jeden Verkrüppelten zu bekommen hatte. Es ist
+wahrscheinlich jetzt nicht mehr möglich nachzuweisen, wieviel England in
+Wirklichkeit hierfür ausgezahlt hat. Die Bezahlung war auf den
+Rechnungen, die dem Parlament von dem Kriegs-Ministerium eingereicht
+wurden, nicht in einzelnen Posten aufgeführt. Kapp glaubt, dass dem
+Kabinet die Kritik, die dieser Punkt herausgefordert haben würde, nicht
+angenehm gewesen wäre.
+
+Der Vertrag mit Hessen-Cassel, datiert vom 15. Januar 1776; er
+unterscheidet sich von dem mit Braunschweig hauptsächlich dadurch, dass
+er sich für den deutschen Hof günstiger stellte. In erster Linie wurde
+der König von Gross-Britannien veranlasst, ein Schutz- und Trutz-Bündnis
+mit dem Landgrafen von Hessen-Cassel zu schliessen. Die Hessischen
+Truppen sollten geschlossen unter der Führung ihres Generals bleiben,
+wenn nicht die Kriegsverhältnisse eine Teilung notwendig machen würde.
+Die Kranken sollten in der Pflege der eigenen Ärzte und anderer Leute
+bleiben, welche die Hessischen Generale zu ernennen hätten; und es
+sollte ihnen Alles, was der König seinen eigenen Truppen zu Teil werden
+liesse, ebenfalls zugestanden werden. Nach diesem Vertrage war der
+Landgraf verpflichtet, 12,000 Mann aufzubringen, sie vollständig
+auszurüsten und, wenn gewünscht auch Artillerie zuzuteilen. Es wurde
+derselbe Satz Werbegeld wie an den Herzog von Braunschweig gezahlt, also
+30 Kronen oder 7 £. 4 Sch. 4-1/2 Pfg. für jeden Mann. Die Subsidien
+waren jedoch im Verhältnis höher, sie betrugen 450,000 Kronen oder
+108,281 £ 5 Sch. pro Jahr und wurden (aber nicht verdoppelt) noch ein
+weiteres Jahr nach Rückkehr der Truppen nach Hessen gezahlt. Der
+Landgraf stellte später noch mehrere kleinere Kontingente auf, für die
+er besondere Verträge abschloss. Nach ungefährer Schätzung bestand der
+Vorteil, den der Landgraf über den Herzog erlangte, darin, dass --
+abgesehen von dem obenerwähnten Blutgeld, worüber genauere Angaben
+fehlen und abgesehen von den Sporteln, die die hohen Rivalen noch
+bekamen und wenn man nur das Werbegeld und die Subsidien rechnet -- der
+Landgraf von Hessen-Cassel mehr als das Doppelte für jeden nach Amerika
+geschickten Mann wie der Herzog von Braunschweig bekam. Hierzu kam noch,
+was ausserhalb des Vertrages lag, dass der Landgraf Ansprüche auf eine
+alte Schuld vom siebenjährigen Kriege her geltend machte, die früher
+nicht anerkannt worden war. Sie betrug 41,820 £. 14 Sch. 5 Pfg.
+
+Die Verträge mit den kleineren Staaten Hessen-Hanau, Waldeck,
+Anspach-Bayreuth und Anhalt-Zerbst unterschieden sich in den Grundzügen
+nicht von den oben beschriebenen. Keiner von ihnen war für die Fürsten
+ganz so günstig wie der Vertrag mit Cassel, keiner ganz so günstig für
+England wie der mit Braunschweig. Die Blutgeld-Klausel findet sich in
+den Verträgen mit Hanau und Waldeck, aber nicht in dem mit Anspach.
+
+Von Zeit zu Zeit wurden mit mehreren der oben erwähnten kleineren
+Fürsten Händel wegen Gestellung von Ersatzmannschaften abgeschlossen.
+Jäger und Scharfschützen waren besonders gesucht.
+
+Jedes Jahr wurden Rekruten zu den verschiedenen Truppenteilen nach
+Amerika gesandt. Die Gesamtsumme der Leute setzt sich nach Kapp wie
+folgt zusammen aus:
+
+ Braunschweig 5 723
+ Hessen-Cassel 16 992
+ Hessen-Hanau 2 422
+ Anspach-Bayreuth 2 353
+ Waldeck 1 225
+ Anhalt-Zerbst 1 152
+ --------------
+ Zusammen: 29 867
+
+Von diesen segelten etwas mehr als 18 000 Mann im Jahre 1776 nach
+Amerika. Von dieser Gesamtsumme von beinahe 30,000 Mann kehrten 12,554
+nicht wieder nach Deutschland zurück. Ausser den Kontingenten, die durch
+die Verträge mit den deutschen Fürsten nach Amerika gesandt wurden,
+diente noch eine gewisse Anzahl Deutscher in Englischen Regimentern, von
+denen einige Aushebungs-Stationen am Rhein hatten.
+
+Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den
+deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals
+beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal
+dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III.
+zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen
+Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen
+Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien
+focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den
+Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton
+mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da
+die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes
+kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778
+veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner
+Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der
+Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die
+Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man
+möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in
+diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich
+behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika
+zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es
+billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde
+als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ
+denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein
+abscheuliches Verbrechen galt.
+
+Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas
+über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff
+waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich
+Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der
+Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend,
+veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere
+deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.«
+Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier
+der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der
+Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die
+Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent
+einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der
+gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel.
+Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets
+aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer
+Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der
+zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die
+Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben
+Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in
+Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein
+Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten
+wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent
+waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein
+interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in
+französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von
+Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der
+Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen
+Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange
+Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter
+Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine
+Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt
+der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige
+Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des
+Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf
+seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn
+sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war
+vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf
+von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen
+Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den
+grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische
+Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die
+Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso
+tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.
+
+Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen
+von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte.
+»Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er
+an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die
+Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger
+Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das
+aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts
+überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben
+abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn
+man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die
+königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben.
+Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten
+angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im
+Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber
+sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen
+wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den
+Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt
+entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist,
+die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben,
+nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach
+Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen
+Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und
+seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen
+ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt
+Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so
+verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«
+
+Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni
+1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und
+fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen.
+»Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so
+würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie
+man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein
+schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der
+Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts
+Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die
+armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.«
+Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von
+Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte
+sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre
+lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die
+Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des
+Sturzes ihrer Dynastie.«
+
+
+
+
+Kapitel III.
+
+Die Verträge vor dem Parlament.
+
+
+Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen
+Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine
+Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen
+deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte
+schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von
+Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde
+Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu
+strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien
+wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen
+Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite,
+und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines
+Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität,
+welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die
+Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum
+bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories
+im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs
+sich befand.
+
+Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner
+Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von
+Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of
+Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste
+Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da
+man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen
+bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die
+gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und
+schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach
+Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land
+zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.
+
+Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus
+versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit
+gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen
+zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung
+(als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese
+Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute,
+die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen
+Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von
+Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein
+Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren
+Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft
+noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen
+Grund hätte zu zweifeln.
+
+Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der
+Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu
+zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen
+seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das
+Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens
+das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der
+vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte
+die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel
+kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen
+könnte.
+
+Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen
+ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss
+stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des
+Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in
+das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter
+Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der
+Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl
+der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen)
+anvertraut würde.«
+
+Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge
+abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten
+gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz
+Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt
+eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr
+Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld
+unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der
+wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven
+werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.
+
+Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen
+Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit
+der Nation so viel Geld gekostet hätte.
+
+Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in
+Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht
+Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000
+Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George
+Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art
+sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen
+anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:
+
+»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass
+die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit
+unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem
+Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den
+Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz
+Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des
+Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war
+gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen.
+Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man
+möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu
+bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu
+treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der
+Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die
+Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen
+müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an
+Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen
+Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine
+zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der
+nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen
+Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den
+Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn
+ausgesetzt sein würde.
+
+Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den
+Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so
+weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an
+dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen
+würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher
+meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät
+eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.
+
+Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich
+hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten
+Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben
+obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie
+Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung
+anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten
+werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und
+dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken
+werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig
+und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«
+
+ [1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt
+ worden.
+
+Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein
+würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu
+unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass
+Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer,
+so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.
+
+Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen
+Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen
+abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden
+Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass,
+wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals
+unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den
+neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an
+Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein
+gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme,
+die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt
+würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was
+würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder
+ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu
+Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir
+wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu
+bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein,
+unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf
+oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht
+wird.«
+
+Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen
+Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando
+eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht
+ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden
+könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten
+zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.
+
+Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der
+Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren
+Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von
+schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so
+offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche
+ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der
+Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen
+Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika
+notwendig erscheinen lässt.«
+
+Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er
+persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr
+er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn
+man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen
+Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten
+Bedingungen fügen müsste.
+
+Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch
+die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer
+neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes
+Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende
+bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung
+fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den
+schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die
+selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte
+anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel
+Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um
+Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.
+
+Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung
+geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland --
+»Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre
+gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung
+fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt
+werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke
+of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten
+werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er
+keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der
+Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden
+unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine
+Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie
+sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen
+my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein
+rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen
+gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die
+geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in
+des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«
+
+Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben,
+wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in
+der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen
+abgelehnt.
+
+Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über
+die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel
+fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die
+Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung«
+waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte
+von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.
+
+Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen
+anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der
+Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in
+dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische
+Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im
+Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten
+verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist
+ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte,
+musste Lord North sie in Deutschland suchen.
+
+Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die
+Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die
+Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch
+die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu
+dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische
+Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen.
+Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war,
+wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass
+Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren
+Streitigkeiten zu mischen.
+
+
+
+
+Kapitel IV.
+
+Die Soldaten.
+
+
+Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur
+Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene
+Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte
+eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für
+ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen
+angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um
+die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand
+sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den
+Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder
+Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde
+Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten,
+doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen
+Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der
+Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat
+wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach
+durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss
+dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland,
+sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die
+Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der
+benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz
+Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und
+Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60
+Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit
+dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem
+andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele
+Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten
+Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch
+erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden,
+aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher
+Zeit. --
+
+Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als
+Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine
+Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der
+Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren,
+welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er
+sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit
+einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr
+9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen.
+»Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier
+übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige
+grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren
+Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt.
+Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der
+Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem
+nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich
+ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so
+schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige
+Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten
+zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug:
+niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher;
+Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den
+Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten,
+eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische
+Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende
+ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele
+durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen
+jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So
+dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der
+alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler
+Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen
+zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd
+beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus
+Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover,
+ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein
+Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein
+kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem
+Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte;
+und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine
+unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war
+wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu
+unser aller Befreiung.«
+
+Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf
+den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus.
+»Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend
+die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus
+erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und
+1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir
+über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die
+Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald
+wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und
+besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden
+müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen
+verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht
+der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser
+Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen.
+Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar
+nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber
+sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach
+Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen
+waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig
+ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem
+niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise
+grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss
+deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft
+werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die
+sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen
+geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«
+
+Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise
+etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren
+Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen
+über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm
+geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte.
+Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen
+wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang
+die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling
+gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann
+stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der
+ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl
+musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem
+Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit
+verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel
+scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen
+Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein
+Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn
+bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison
+entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen,
+welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten
+ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein
+preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten
+verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die
+preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher
+Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der
+Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der
+Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein
+wertvolles Verkaufsobject war.
+
+Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier
+oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich
+Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in
+Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese
+Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet,
+muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her
+marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm
+ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann.
+Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher
+gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der
+Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen,
+dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier
+müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben.
+Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume
+dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern.
+Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine
+Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen
+ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück,
+sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und
+ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut
+betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den
+Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er
+verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe
+abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.
+
+Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den
+Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier
+unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu
+verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen.
+Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein
+Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert
+gehalten wird.
+
+Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren
+vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden
+alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen
+und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt,
+welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter
+als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus
+alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen
+waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen,
+besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten
+schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.
+
+Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein
+gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht
+auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört
+wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter
+als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere
+gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen
+Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser
+Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.
+
+Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung
+beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im
+Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden
+weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen
+Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre
+Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten,
+als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den
+Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu
+erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen
+Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen
+freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal
+finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese
+absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst
+worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland
+aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der
+Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika
+entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu
+unterbrechen.
+
+Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die
+in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie
+helfen sollten zu unterdrücken.
+
+
+
+
+Kapitel V.
+
+Von Deutschland nach Amerika.
+
+
+Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die
+Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark,
+von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung,
+eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann,
+schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang
+März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der
+Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie
+zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil
+ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des
+Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.
+
+Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine
+verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der
+eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England
+und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein
+Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der
+Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten
+einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.
+
+Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt
+werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen
+Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen,
+dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse
+Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem
+Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu
+passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass
+deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen
+opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen
+dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.
+
+Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung
+hinterlassen:
+
+»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet
+und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine
+Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon
+niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im
+Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im
+Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs
+Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten
+mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es
+war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso
+unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der
+schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig
+geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet!
+und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum
+satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die
+Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck
+und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und
+zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb
+mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck
+mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am
+Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte
+noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen
+Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als
+Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch
+mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten
+Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch
+erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an
+Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei
+französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den
+Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin
+gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika
+die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu
+schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das
+schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass
+heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach
+einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit
+fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor
+man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten.
+Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«
+
+Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter
+Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden
+diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate
+lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der
+Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren
+schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden
+hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und
+grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische
+Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne
+richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher
+seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte
+und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen,
+weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen
+Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur
+Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.
+
+
+
+
+Kapitel VI.
+
+Die Schlacht von Long-Island, August 1776.
+
+
+Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy
+Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen
+von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl
+von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des
+siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II.
+ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den
+Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern,
+Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige
+Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine
+Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt
+werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine
+Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte,
+rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was
+dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«
+
+Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir
+William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und
+30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams
+Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus
+13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann
+einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im
+bürgerlichen Leben gross geworden waren.
+
+Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit,
+welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in
+bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre
+hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die
+Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so
+angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen
+aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte,
+unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner
+waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und
+die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen;
+aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte
+Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es
+kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen
+Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu
+versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung
+von Exzessen gegeben worden.
+
+Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die
+Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde
+unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und
+Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten
+die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im
+folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde,
+giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch
+folgten:
+
+»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long
+Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran
+und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es
+an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote
+Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste.
+Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst
+ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier).
+Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der
+zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler,
+den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen
+grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt
+hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir
+marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend
+in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir
+schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und
+schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden,
+von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als
+Packpferd gab.
+
+»23. August. -- Heute Morgen früh wurde der rechte Flügel unserer
+Avantgarde angegriffen. Wir brachten 2 Geschütze in Stellung und warfen
+sie zurück. Es regnete Kugeln. Hauptmann Congreve und ein Konstabler
+wurden an meiner Seite verwundet, ein Engländer bekam einen Schuss durch
+und durch. Am Nachmittag griffen sie auf der linken Seite des Dorfes an
+und zündeten mehrere Häuser an, worauf wir uns in das Dorf zurückzogen.
+Lieutenant von Donop wurde an der Brust verwundet; die Kugel streifte
+eine Rippe. Ich avancierte auf dem rechten Flügel und besetzte einen
+grossen Garten mit 150 Mann Jägern und leichter Infanterie. Als der
+Feind von hier gewichen war, unterstützte ich Lieutenant von Donop. Die
+Rebellen besetzten die Strasse mit 2 Kanonen und unsere schottischen
+Hochländer bauten eine Batterie über den Weg mit Schiessscharten für 2
+Kanonen. Ich hatte diese Arbeit zu decken und hatte den äussersten
+Posten, wurde indessen wenig belästigt.
+
+»24. August. -- Ein heisser Tag. Die Rebellen näherten sich zweimal und
+schossen mit Haubitzen, so dass unsere gesamte Artillerie in Stellung
+gebracht werden musste. Um Mittag schlief ich ein wenig, wurde aber
+durch zwei Kanonenkugeln geweckt, die mich mit Erde bedeckten. Die
+Rebellen haben einige sehr gute Schützen, doch manche darunter haben
+sehr schlechte Gewehre. Aber sie sind listig wie die Jäger. Sie
+erklimmen Bäume, kriechen auf dem Bauch wohl 150 Schritte vorwärts,
+schiessen und gehen ebenso schnell wieder zurück. Sie machen sich
+Deckungen von Ästen etc. Aber heute hatten sie grosse Verluste durch
+unsere »Grünjacken«, denn wir lassen unsere Leute nicht eher schiessen,
+als bis sie einen Mann gut auf's Korn nehmen können, so dass sie nicht
+mehr wagen, irgend etwas gegen uns zu unternehmen.
+
+»25. August. -- Wir verbarrikadierten uns in dem Dorf; des nachts
+sollten sich unsere Jäger gehörig ausruhen. Gegen 2 Uhr weckten uns die
+Rebellen aus unserem Schlummer; wir beruhigten sie schnell mit zwei
+Kanonen und einigen Flintenschüssen. Heute wurden wir wieder
+angegriffen, aber nachdem mehrere von ihnen ins Gras gebissen hatten,
+zogen sie sich zurück. Long Island ist eine wunderschöne Insel, ein
+Arkadien. Die entzückendste Gegend, voll von Wiesen, Kornfeldern, allen
+Arten von Obstbäumen und gut gebauten Häusern. Es war noch eine grosse
+Menge Vieh da, obwohl die Rebellen eine Menge mitgenommen hatten. Die
+meisten der Einwohner waren aus ihren Behausungen geflohen. Die Rebellen
+avancierten mit Macht. General Cornwallis wollte Oberst Donop
+zurückziehen, aber er blieb wo er war und verschanzte sich.
+
+»26. August. -- An diesem Tag wurden wir sehr beunruhigt und während der
+Nacht fortwährend geweckt durch die Allarmierung der Vorposten. Dies war
+nicht durch Angriffe der Rebellen verursacht, sondern meistens durch
+Deserteure, die zu uns übergehen wollten; und wenn die Engländer und die
+hessischen Grenadiere sie herankommen hörten, gaben sie sofort
+Pelotonfeuer, falls sie nicht sofort eine Antwort bekamen. Heute traf
+General von Heister mit 6 Bataillonen bei uns ein.«
+
+»27. August. -- Unserm Oberst war versprochen worden, den ersten Angriff
+zu machen, doch er hörte, dass die Engländer heute angreifen würden, und
+er hatte weder gestern Abend noch heute Morgen einen Befehl bekommen.
+Gegen 10 Uhr standen wir unter den Waffen (der Oberst hatte mit General
+von Heister gesprochen) und gegen 11 waren wir alle in Schlachtordnung.
+Auf unserer rechten und linken Seite gingen die Engländer vor und
+vernichteten die, die wir zurückwarfen. Auf dem linken Flügel, wo ich
+die Avantgarde (50 Jäger und 20 Grenadiere) kommandierte, stand Oberst
+Block mit seinem Bataillon. Hinter mir hatte ich Kapitän Mallet mit
+einer Kompagnie als Reserve. Im Zentrum griff Hauptmann von Wrede an und
+hatte das Bataillon von Minnigerode hinter sich. Auf dem rechten Flügel
+stürmte Kapitän Lory vor, unterstützt durch die 3 übrig gebliebenen
+Kompagnien des Bataillons Linsingen.«
+
+Der Verfasser, der diese Formation der Truppen beschreibt, berichtet nur
+von der Brigade, in welcher er diente. Die Hessen, welche das Zentrum
+der britischen Streitkräfte bildeten, waren an der Strasse von Flatbush
+aufgestellt. Der rechte Flügel unter Clinton und Lord Percy, mit Sir
+William Howe, war früh am Morgen aufgebrochen und es gelang ihm, den
+linken Flügel der amerikanischen Stellung bei Bedford zu umfassen und
+ihnen in den Rücken zu kommen. Nachdem Heister zur Rechten Kanonendonner
+gehört hatte, befahl er den Angriff der Hessen. Die Schlacht war im
+Wesentlichen gewonnen und verloren, bevor der erste Schuss gefallen war,
+indem die Amerikaner überflügelt wurden. Die Letzteren sahen sich in
+Gefahr, von ihren befestigten Werken abgeschnitten zu werden und flohen.
+Einige ertranken im Gowanus Creek auf der Flucht. Zwei ganze Regimenter
+wären wahrscheinlich gefangen genommen, wenn sich nicht General
+Stirling mit fünf Kompagnien Marylanders, mit denen er den Rückzug
+deckte, geopfert hätte. Von diesen fünf Kompagnien entrannen nur acht
+Mann dem Tod oder der Gefangenschaft.
+
+Kehren wir zu dem Tagebuch unseres hessischen Offiziers zurück.
+
+»Meine Jäger waren so hitzig, dass ich, kaum im Wald angelangt, mich mit
+meiner Truppe allein befand. Ich kam in die Mitte des Lagers der
+Rebellen, wo sie noch waren; sah zu meiner Linken ihr grosses Lager, zur
+Rechten ein befestigtes Werk; vor mir formierten sich 50-60 Mann zu
+einer Kolonne. Aber wir liessen ihnen keine Zeit und schlugen sie
+vollständig zurück. Viele wurden getroffen und noch mehr gefangen
+genommen. Ich verlor nicht einen einzigen Mann, so sehr fürchteten sich
+die Rebellen vor unsern Jägern. Auf dem linken Flügel ging es ebenso
+gut. Wir verloren einige Leute; abgesehen von einem Jäger, der im Dorf
+gefallen war, hatten wir keinen Toten. Am ersten Tag machten wir mehr
+als 500 Gefangene, unter denen General Stirling und ein anderer General
+waren; Oberst Johnson war gefallen. General Stirling ist einer der
+bedeutendsten unter den Rebellen, der, das Schwert in der Hand, die
+Leute zwang, gegen ihren König zu kämpfen. So lange wir keine Pferde
+hatten, wurden die Gefangenen an die Geschütze gespannt, später wurden
+sie an Bord der Kriegsschiffe gebracht. In zwei Tagen hatten wir 1100
+Mann gefangen genommen. Die Rebellen sahen sehr zerlumpt aus und hatten
+keine Hemden an. Unsere Hessen marschierten wie Hessen; sie marschierten
+tadellos, und die Engländer wie die tapfersten und besten Soldaten, sie
+verloren daher mehr wie wir. Dies war ein glücklicher Tag für uns. Die
+Rebellen hatten eine sehr günstige Stellung im Wald und wir eine sehr
+schlechte am Dorfe Flatbush. Anfangs machten sie einen guten Gebrauch
+von ihrer Stellung, sie brannten ein Haus ab und legten Feuer an eine
+Scheune bei unseren Vorposten. Aber als wir sie angriffen in ihren
+Schlupfwinkeln, liefen sie, wie es der Pöbel immer macht.«[2]
+
+ [2] Nach »Die Neuesten Staatsbegebenheiten« 1777, Frankfurt a/M. Seite
+ 110-116. Der Brief, von welchem das oben Angegebene der grösste
+ Teil ist, scheint von einem Jägeroffizier geschrieben zu sein,
+ wahrscheinlich entweder von Major von Prüschenk oder Lieutenant
+ von Grothausen.
+
+Der Herausgeber des Frankfurter Magazins, welcher das Obige
+veröffentlicht, bemerkt, dass viele Briefe von hessischen Offizieren in
+den Zeitungen erschienen sind; dass diese Offiziere sich selbst einen
+grossen Teil des Verdienstes am Siege zuschreiben, und dass,
+hinsichtlich des wohlbekannten Wertes der hessischen Soldaten sie diesen
+zweifellos haben, aber dass einige von ihnen zu wenig die
+Widerstandsfähigkeit und die militärische Ausbildung der Amerikaner in
+Betracht ziehen, »so dass der Ruhm, einen Sieg über einen ein Drittel so
+starken Feind erfochten zu haben, kein so grosser ist.« Diese Bemerkung
+ist jedenfalls am Platz, und die Überlegenheit scheint nicht zu hoch
+angegeben zu sein. Washingtons Armee hatte vor der Schlacht die Linie
+von Kingsbridge bis Flatbush besetzt. Auf Long Island sind
+wahrscheinlich nicht mehr wie 8000 Amerikaner gewesen, während die,
+welche in vorderster Linie engagiert waren, nur 4 oder 5000 zählten,
+gegen 20,000 Engländer und Deutsche.
+
+Sir William Howe giebt in seinem offiziellen Rapport den Verlust der
+Amerikaner an Toten, Verwundeten Gefangenen und Ertrunkenen auf 3300
+Mann an. Bankroft glaubt aber, dass dies eine grosse Übertreibung ist,
+denn, wenn man dem Rapport von Washington Vertrauen schenkt und eine
+genaue Untersuchung anstellt, so erreicht der Gesamtverlust der
+Amerikaner nicht ganz die Zahl von 1000, von denen 3/4 gefangen genommen
+wurden. Der englische Verlust war, nach Howe, 17 Offiziere und 301
+Unteroffiziere und Gemeine. Die Hessen hatten 2 Tote sowie 2 Offiziere
+und 23 Mann Verwundete.
+
+»Der Feind,« schreibt Oberst von Heeringen, der Kommandeur
+eines hessischen Regimentes, »hatte vor seiner Front beinahe
+undurchdringliches Dickicht, befestigte Linien und Redouten. Die
+Schützen wurden meistens mit den Bajonetten an den Bäumen
+aufgespiesst. Dies furchtsame Volk flösst eher Mitleid wie Furcht ein.
+Sie gebrauchen 1/4 Stunde zum Laden, während dessen lassen wir sie
+unsere Kugeln und Bajonette fühlen.«
+
+Unter den Gefangenen, die die Hessen machten, waren zwei Generale --
+Sullivan und Stirling. Nichts legt ein so charakteristisches Zeugnis ab
+von dem Hass und der Verachtung seitens der hessischen Offiziere
+gegenüber den undisziplinierten rebellischen Truppen ihrer Gegner, als
+der Bericht von Heeringens über diese Generale und die anderen Offiziere
+der amerikanischen Armee. »John Sullivan war ein Rechtsgelehrter und
+vorher Diener, aber ein Mann von Geist, dessen Verlust die Rebellen sehr
+beklagen werden. Unter den Gefangenen sind viele sogenannte Obersten,
+Oberstlieutenants, Majors und andere Offiziere, die indess nichts
+anderes als Mechaniker, Schneider, Schuster, Perückenmacher, Schneider
+etc. sind. Einige von ihnen wurden gründlich gehauen von unseren Leuten,
+die solche Menschen keineswegs für Offiziere gelten lassen wollten.
+Sullivan wurde zu mir gebracht, ich untersuchte ihn und fand die
+Originalbefehle Washingtons bei ihm vor, aus denen hervorgeht, dass er
+die besten Truppen unter seinem Befehl hatte, dass Alles davon abhinge,
+den Wald zu halten, und dass er 8000 Mann stark war. Die Engländer haben
+150 Tote und Verwundete »(318 sagt Sir William Howe)«. Dies verdanken
+sie mehr ihrem ungeordnetem Angriff, als dem Wert des Feindes. Es sah
+schrecklich in dem Wald aus, da wenigstens 2000 Tote und Verwundete
+dalagen. Kolonel John von den Rebellen ist tot. Ein Grenadier nahm
+ihn gefangen und schenkte ihm grossmütig das Leben, sagte ihm aber, er
+sollte sich hinter das Bataillon begeben, welches folgte, da der
+Grenadier Schütze war. Jedoch der Oberst wollte ihn ermorden, von hinten
+schlauerweise; heimlich zog er eine Pistole heraus, streifte ihn aber
+nur am Arm, worauf der Letztere ihn mit 3 oder 4 Bajonettstichen
+niedermachte.«
+
+[Illustration: SCHLACHT VON LONG ISLAND August 1776.]
+
+»Unter den gefangen genommenen Offizieren fand ich nicht einen einzigen,
+der in fremden Diensten gewesen wäre. Sie sind nichts als Rebellen und
+hiesige Bürger. Schneider Graul würde eine bedeutende Rolle hier
+spielen.« Oberst von Heeringen findet es weit ehrenwerter, für anderer
+Völker Streitigkeiten zu kämpfen, als für die eigenen. Einem Mann, der
+einst Söldner war, konnte schon eher vergeben werden, wenn er zu den
+Rebellen gehörte. »Mylord Stirling ist ein échappé de famille und gilt
+nicht als Lord in England.« Er sieht dem Lord Granby ähnlich wie ein Ei
+dem andern. General Putnam ist Metzger von Profession. Er kommt mir wie
+Metzger Fischer in Rinteln vor. Die Rebellen desertieren in grosser
+Zahl; es ist gar nichts, Obersten, Oberstlieutenants und Majors mit
+ganzen Trupps von Leuten zu uns übergehen zu sehen. Die genommene Fahne,
+die von rotem Damast gemacht ist mit dem Motto »Liberty«, erschien mit
+60 Mann vor Ralls Regiment. Sie hatten alle ihre Gewehre umgekehrt und
+die Hüte unter dem Arm, fielen auf die Knie und baten flehentlich um ihr
+Leben. Kein Regiment ist richtig uniformiert oder bewaffnet. Jeder Mann
+hat eine schlechte Flinte, solche, mit denen die hessischen Bürger am
+Himmelfahrtstag ausrücken. Stirlings Regiment jedoch hatte blau und rote
+Uniform, war drei Bataillone stark und bestand meistens aus Deutschen,
+die sich aus Pennsylvaniern rekrutierten. Es waren grosse, schöne Leute,
+die vorzügliche englische Gewehre mit Bajonett hatten. Diesem Regiment
+standen die Engländer gegenüber und da diese sie für Hessen hielten, so
+feuerten sie nicht. Doch dieser Irrtum kostete sie Oberst Grant, mehrere
+andere Offiziere und 80 Mann. Sie bekamen eine Salve. Die Engländer
+sammelten sich, griffen mit dem Bajonett an, schlugen alles zu Boden,
+und was nicht massakriert war, wurde gefangen genommen. In kurzer Zeit
+war das ganze Regiment vernichtet. Die Artillerie der Rebellen ist sehr
+schlecht, die Kanonen meist von Eisen und auf Schiffskarren gesetzt.
+
+Es ist behauptet worden, dass in dieser Schlacht die Engländer und
+Hessen keinen Pardon gaben, wenn er verlangt wurde. Oberst von Heeringen
+sagt: »Die Engländer gaben selten Pardon und forderten beständig die
+Unsrigen auf, dasselbe zu thun.« Man sagt auch von den Amerikanern, dass
+sie geglaubt haben, die Hessen gäben keinen Pardon und dass sie infolge
+dessen mit einer eigentümlichen Verzweiflung gefochten haben sollen,
+nachdem sie alle Hoffnungen aufgegeben hatten. Die Thatsache, dass sie
+beiderseitig sich nicht verstanden, mag dahin geführt haben, die
+Möglichkeit der Übergabe zu verringern; auch mag zur Erhöhung der Wut
+beigetragen haben, dass einige Amerikaner die, welche sie gefangen
+genommen, verräterisch angegriffen hatten. »Sie waren,« sagt Lieutenant
+Rüffer in seinem Tagebuch, »so furchtsam, dass sie es vorzogen zu
+fallen, als Pardon anzunehmen, da ihre Generale und Offiziere ihnen
+gesagt hatten, sie würden gehängt.« Sicherlich der komischste Beweis von
+Feigheit, der jemals gegen Soldaten erbracht worden ist.
+
+Nach dem Verlust einer so wichtigen Stellung und von so vielen Leuten im
+Verhältnis zur Zahl seiner kleinen Armee, fand es Washington nicht
+ratsam, die Befestigungen von Brooklyn länger zu halten zu suchen;
+nachdem er gesehen hatte, dass die englische Flotte sich anschickte den
+East River in Besitz zu nehmen und seine Rückzugslinie abzuschneiden,
+verliess er Long Island in der Nacht vom 29. zum 30. August und ging
+nach New-York über, wohin alle Vorräte und Kanonen, ausgenommen einige
+schwere Geschütze, die im Schmutz stecken blieben, gebracht wurden. Eine
+Mythe durchlief die Reihen der Hessen, wonach ein Befehl Washingtons in
+dem eroberten Lager gefunden worden sei, welcher sagte, da es doch
+unmöglich sei, solchen grausamen und schrecklichen Feinden, wie den
+Hessen, Widerstand zu leisten, so möchte jeder sehen, wie er am besten
+entkommen könnte. Dies war also die erste Schlacht der deutschen Truppen
+in der neuen Welt. Die Verachtung, die sie vor einem solchen
+rebellischen und undisziplinierten Feinde hatten, war nur vermehrt
+worden, eine Verachtung, welche völlig auszurotten, nur eine lange Reihe
+von Kriegs- und Unglücksjahren im Stande war.
+
+
+
+
+Kapitel VII.
+
+Von der Okkupation von New-York bis zur Wegnahme von Fort Washington,
+15. September bis 16. November 1776.
+
+
+Es existiert nicht mehr Vieles, was den jetzigen Einwohner von New-York
+an die kleine Stadt erinnern könnte, die vor 100 Jahren an der Südspitze
+von Manhattan Island lag. Es war ein hübscher Ort, mit grossen bequemen
+Häusern, die meist von gelben Ziegelsteinen gebaut waren. Die Räume
+darin waren kärglich eingerichtet, der Fussboden mit Sand bestreut, und
+die Wände mit hohem, gemalten Täfelwerk versehen. Die Büffets, die in
+den besseren Häusern von solidem Mahagoni waren, waren mit glänzendem
+zinnernen Gerät besetzt, oft auch mit solidem Silber für besondere
+Gelegenheiten. Die Strassen waren krumm und hatten Rinnen in der Mitte,
+waren aber vollständig rein und mit Bäumen besetzt. Vor dem Kriege hatte
+der Ort über 20000 Einwohner gehabt, viele aber waren bei der
+Annäherung der streitenden Armeen geflohen. Es gab dort viele Tories,
+besonders unter den Reichen.
+
+Zur Zeit, als Washington sich von Brooklyn zurückzog, wurde New-York
+verteidigt durch ein permanentes Fort, mit Namen Fort George, im Westen
+von einer Batterie, und durch provisorische Werke, die am Ufer entlang
+an verschieden Stellen aufgeworfen waren. Im Norden, landeinwärts, wurde
+der Broadway in der Nähe des Bowling Green durch eine Schanze gesperrt,
+und eine zweite befand sich in der Gegend des heutigen Centre-Market.
+Jenseits der Befestigungen lag eine Gegend, »die schönste, die ich je
+gesehen habe,« sagt ein hessischer Offizier.[3] Kornfelder, Wiesen und
+Obstgärten bedeckten das reizende Gelände, und von den Gipfeln der Berge
+und Hügel schauten die alten Kolonialhäuser, jedes mit einer Piazza und
+mit einer Ballustrade umgeben, herab in die lächelnde Landschaft. Der
+hessische Lieutenant bezeichnet sie in seinem Enthusiasmus mit
+Schlössern. Doch in der That, es war eine Vornehmheit in der Bauart der
+besten Wohnhäuser der damaligen Zeit, welche diese Bezeichnung nicht
+ganz unberechtigt erscheinen lässt.
+
+ [3] Lieutenant Hinrichs.
+
+Trotz aller Anstrengungen Washingtons und des Kongresses, im Besitz von
+New-York zu bleiben, war die Stadt doch völlig widerstandsunfähig. Die
+Engländer hatten völlige Herrschaft über den Hafen, und eine bedeutende
+Übermacht zu Lande. Als infolgedessen am 15. September 1776 die
+königlichen Truppen auf der Insel landeten, war die einzige Sorge
+Washingtons, der mehrere Tage lang Waffen und Vorräte wegschaffen liess,
+die Nachhut seiner Armee in Marsch zu setzen, bevor ihm der Rückzug von
+den Engländern abgeschnitten werden konnte. Die Landung war unter dem
+Schutz von englischen Kriegsschiffen an einer Stelle, Kips Bay genannt,
+(in der Nähe der östl. 34. Strasse) ausgeführt worden. Unser hessischer
+Lieutenant nennt es 4 Meilen von New-York, er überschätzt aber die
+Entfernung. Die Hessen waren in der Avantgarde, und wie gewöhnlich
+bildeten sie die Jäger und die Grenadiere unter von Donop. Diese
+marschierte unmittelbar auf New-York, während die englische leichte
+Infanterie und die Highlanders sich beeilten, den Inselberg, oder jetzt
+Murrayhill, zu besetzen. Unterdessen zogen die Amerikaner unter dem
+alten Israel Putmann in Eile auf den Strassen ab, die dem North River am
+nächsten lagen, in der Richtung auf Bloomingdale.
+
+Der Landung der Briten war kein Widerstand geleistet worden. Die
+neuenglische Miliz, die dieselbe hätte etwas aufhalten können, benahm
+sich sehr schlecht, und zog sich die heftigste Missbilligung seitens
+Washingtons zu. Es wird erzählt, dass ein Teil der amerikanischen Armee
+zweifellos abgeschnitten worden wäre infolge dieser Panik, wenn nicht
+Mrs. Murray Sir William Howe durch ihre gastliche Aufnahme und die
+Anziehungskraft ihres alten Madeira aufgehalten hätte. Diese
+schätzenswerte Dame hielt den britischen General 2 Stunden lang bei
+guter Laune, während ihre zerlumpten und hungrigen Landsleute seinen
+Krallen entwischten. Niemals hat wohl die Gastfreundschaft von
+Murray-Hill einer bessern Sache gedient.
+
+Am 16. September fand ein heftiges Gefecht in der Nähe von
+Manhattanville statt. Ein Teil der britischen Infanterie und zwei
+Bataillone Highlanders wurden zurückgeschlagen und waren in einer etwas
+prekären Lage, als die allgegenwärtigen Jäger und Grenadiere zu ihrer
+Unterstützung heranrückten; ebenso waren einige andere deutsche
+Regimenter in Bewegung gesetzt worden. Washington, der fürchtete, dass
+der Feind eine grössere Truppenmacht, als es in Wirklichkeit der Fall
+war, vorschieben würde, ordnete den Rückzug an. Die Engländer verloren
+280 an Toten und Verwundeten, die Amerikaner ungefähr 60. Dies Gefecht,
+in dem die letzteren sich sehr gut benahmen und den Engländern einen
+verhältnismässig schweren Verlust beibrachten, trug wesentlich dazu bei,
+ihren Mut neu zu beleben nach den Rückzügen und Misserfolgen der
+vergangenen Tage.
+
+Der britische General hatte strengen Befehl gegeben, das persönliche
+Eigentum zu respektieren, worauf sofort die reichen Besitzer der
+Landhäuser, die bei Annäherung der königlichen Streitkräfte geflohen
+waren und ihre Besitzung dem Schutz der Dienerschaft anvertraut hatten,
+zurückzukehren anfingen. Lieutenant Hinrichs von den hessischen Jägern,
+welcher am 15. Sept. Befehl erhalten hatte, Plünderungen zu verhüten,
+hatte sich hierbei die Dankbarkeit der Einwohner erworben. Er war in dem
+Gefecht am 16. verwundet und gezwungen worden sich nach ruhiger und
+guter Pflege umzusehen. Er suchte Schutz bei einer Witwe, namens Ogylby
+(Ogilvie?) in der Nähe von Hornhook am East River, und sah zu seiner
+Befriedigung die ganze Familie sich wieder vereinigen nach der durch die
+Kriegsgefahren verursachten Trennung. Grossvater, -mutter, Enkelkinder,
+zusammen mit ihren schwarzen Sklaven und deren Kindern sahen sich wieder
+und umarmten sich mit so viel Herzlichkeit, dass unser gutherziger
+Lieutenant sehr gerührt wurde und eine fieberhafte Nacht verbrachte. Es
+ist unnötig zu erwähnen, dass seine Wirte ihn mit der grössten Güte
+behandelten. Er wurde von dieser wie von andern Wunden, die er im
+Verlauf der Revolution erhielt, geheilt und starb als preussischer
+Generallieutenant im Jahr 1834.
+
+Die Stadt New-York war nur fünf Tage in den Händen der Briten gewesen,
+als in der Nacht vom 20. zum 21. Septbr. in einer kleinen Schenke in der
+Nähe von Whitehall Slip Feuer ausbrach. Das Wetter war trocken und heiss
+gewesen. Starker Wind blies von Süd-West. Das Feuer breitete sich mit
+fürchterlicher Heftigkeit aus. Die Ostseite von Broadway war bis
+Exchange Place abgebrannt. Als der Wind sich nach Südosten gedreht
+hatte, sprang das Feuer von Broadway nach Morris Street über und dehnte
+sich bis Barclay Street aus, wobei die alte Trinity Church abbrannte,
+St. Pauls aber verschont blieb. Schliesslich wurde man Herr des Feuers,
+besonders durch die Anstrengungen von Soldaten und Seeleuten. Bankroft
+behauptet bestimmt, dass dies Feuer nicht durch Brandstiftung verursacht
+wurde; die Briten und Hessen aber waren damals anderer Ansicht und
+einige moderne Geschichtsschreiber schenken ihren Berichten Glauben. Sir
+William Howe stellte in seinem Bericht fest, dass an verschiedenen
+Stellen Feuer angelegt worden sei. Eelking sagt, dass Donop in seinem
+Tagebuch verzeichnet habe, dass der Brand von einem amerikanischen
+Oberst Namens Scott, der früher Advokat gewesen war, in Szene gesetzt
+worden sei.
+
+Dieser hätte dazu 40 verwegene Leute verwendet, die, mit allerhand
+Brennstoffen versehen, an verschiedene, im Besitz von Tories befindliche
+Häuser Feuer gelegt hätten. Dieser Geschichte zufolge wurde Scott
+verhaftet und der ganze Plan geschrieben bei ihm vorgefunden. Die
+Meinung derer, welche glauben, dass das Feuer von den Whigs angelegt
+worden sei, wird durch die zweifellose Thatsache bekräftigt, dass
+mehrere einflussreiche Amerikaner zur Verbrennung New-Yorks geraten
+hatten, und dass der Plan von Washington dem Kongress vorgelegt, aber
+verworfen wurde. Andrerseits lässt sich sagen, dass Panik und
+Leidenschaft, Geschichten von Brandlegung und Gewaltthätigkeiten, die
+beständigen Begleiterscheinungen einer grossen Feuersbrunst sind.
+
+Berichte, die aus damaliger Zeit stammen, sollte man immer mit der
+grössten Vorsicht aufnehmen. Die Geschichte, welche Scott betrifft, ist,
+soviel ich weiss, durchaus unbegründet. Nur soviel ist sicher, dass
+verschiedene Personen während des Umsichgreifens des Feuers von
+englischen Soldaten getötet worden sind, und Bankroft sagt, dass ein
+armer Mensch, der zu den Tories gehörte, an den Beinen aufgehängt wurde,
+bis er starb.
+
+Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner
+Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons
+Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen.
+Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River
+festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am
+Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor
+Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde
+und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point,
+wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte
+Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm
+zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt.
+Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East
+Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem
+heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit
+dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit
+dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner
+eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und
+befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die
+zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997
+Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen,
+und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670
+Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann
+Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die
+deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr
+13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden
+um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains
+vorgingen.
+
+Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange
+zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei
+einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und
+würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe
+gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von
+diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings
+Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons
+Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am
+Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von
+General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl
+hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere
+Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei
+Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen
+andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«
+
+Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft
+hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000
+Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten
+Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der
+Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss,
+diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische
+Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten
+die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges.
+Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen
+und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust
+an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes
+würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein
+eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die
+Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der
+Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die
+hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants
+Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel
+anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören.
+Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.
+
+Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen
+eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch
+ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem
+Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten.
+Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und
+hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die
+hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder
+hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen
+auf dem Berge.
+
+Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen,
+die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt
+worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse
+schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von
+Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug
+verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren
+Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst,
+Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen
+Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen
+betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht
+höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der
+Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle
+rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger
+Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht
+die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William
+Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee,
+welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines
+Krieges Wünschenswerten versehen war.
+
+Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage
+lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31.
+Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White
+Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die
+amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer
+neuen Idee zu.
+
+Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss
+über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein
+fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das
+Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das
+Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren
+Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das
+obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine
+Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme
+Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des
+Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte
+General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den
+Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren
+unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9.
+Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den
+Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine
+Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische
+Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts
+dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort
+verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war
+entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete
+Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es
+ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen.
+Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie
+verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000
+Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden
+sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill
+mit ein.
+
+Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir
+William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4
+Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige,
+welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war
+aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach
+New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei
+Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter
+Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde.
+Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis
+die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben
+einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf
+Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer
+hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und
+Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die
+Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen
+Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles
+Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der
+in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich
+zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts
+Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und
+behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.
+
+Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu
+attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf
+und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war.
+Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete
+sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen.
+Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein
+Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen
+oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute
+sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die
+Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die
+Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah!
+Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle
+stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.
+
+Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die
+die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen
+von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen
+englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein
+weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie
+die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie
+feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies
+kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten.
+Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen
+Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende
+Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort
+herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen
+strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress
+gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine
+Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage
+sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort
+aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant
+forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und
+gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren
+zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant
+selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die
+Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General
+von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole
+mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er
+war damit zufrieden und ging mit mir.«
+
+Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn
+zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der
+Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und
+Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als
+120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber
+ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren.
+Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und
+Ausrüstungsstücke.
+
+Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt,
+indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen
+gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein
+würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie
+die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen,
+Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit
+Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die
+Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel
+weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die
+Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«
+
+Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den
+Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden.
+Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren
+natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde
+aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in
+das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht
+und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in
+ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm
+Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien,
+und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier
+erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine
+Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.
+
+Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg
+hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb,
+weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung«
+geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische
+Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden
+in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter
+Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.
+
+Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn
+und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen
+ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.
+
+
+
+
+Kapitel VIII.
+
+Trenton, 26. Dezember 1776.
+
+
+Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine
+ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am
+20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein.
+Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es
+wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant
+darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die
+seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den
+Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von
+Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen
+Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu
+bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit,
+ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren
+eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an
+dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte
+ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee
+missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu
+vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord
+Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4
+Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der
+Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der
+Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich
+Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8.
+Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen
+alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand.
+Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach
+Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner
+Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe
+war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu
+betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und
+nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt
+uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben
+war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben
+wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das
+Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach
+dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie
+Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr
+Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem
+Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5.
+Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen,
+und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im
+Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere
+Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«
+
+[Illustration: OPERATIONEN IN NEW JERSEY UND PENNSYLVANIEN. 1776.]
+
+Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder
+aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden,
+so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder
+zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner
+Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu
+führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und
+noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen
+seiner Leute ablaufen würde.
+
+Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber
+in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und
+New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von
+Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer
+kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige
+Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20
+englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton
+bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt,
+welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war
+von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen
+Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet
+bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material
+gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um
+die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte,
+aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der
+Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung
+der ganzen Armee errang.
+
+Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von
+Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf
+beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine
+Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen
+Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien,
+von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des
+Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und
+70 Mann.
+
+Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte,
+er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für
+einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine
+Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen
+rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er
+hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen.
+Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit
+den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen,
+leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er
+Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem
+übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch
+New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille
+gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er
+dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische
+Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der
+ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie
+mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige
+Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles
+Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach
+Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre
+haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische
+Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen.
+Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken,
+um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten,
+antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im
+Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte
+einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen,
+dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging
+nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären
+Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und
+hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall)
+Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art
+zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann
+könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen
+Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg
+in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu
+spät.
+
+Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten
+Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten
+zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die
+Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,«
+sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden
+uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch
+unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen
+zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden
+waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere
+ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3
+Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur
+grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem
+Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein
+Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.
+
+Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der
+Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem
+Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des
+25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen
+Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der
+Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf
+Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich
+wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden
+Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das
+Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach
+Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant
+Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war
+nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt
+worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an,
+dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der
+Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown
+kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete,
+den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht
+darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte,
+in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu
+fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem
+Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des
+Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die
+bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben
+worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben,
+im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die
+Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde,
+fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles
+fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in
+Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig
+schlafen.
+
+Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die
+Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager
+auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten
+nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu
+machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder
+Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18
+Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac
+Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers
+Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden
+Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr
+Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht
+ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der
+Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«
+
+Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb
+Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer
+hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war
+doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann,
+die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während
+der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher
+glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der
+Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt
+wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die
+Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie
+niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so
+voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die
+Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie
+hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der
+Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden
+Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab,
+wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben
+sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die
+rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter
+Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan
+durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass
+geworden wäre.
+
+»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem
+Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste
+genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« --
+
+Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold
+seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit
+Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte,
+die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah
+hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die
+Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.
+
+»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington,
+»obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie
+zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich
+sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren
+Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«
+
+Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war
+noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als
+Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und
+eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als
+Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall
+in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?«
+Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall
+sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen
+und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche
+Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde
+fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden
+Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington
+drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und
+Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von
+Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile
+erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass
+der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt,
+sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind
+wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er
+hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon
+auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte
+avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen
+richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung.
+Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der
+Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu
+bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania
+zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt
+wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens
+mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er
+versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen
+wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern
+und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition
+der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den
+Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen
+waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden
+deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die
+Waffen.
+
+Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten
+verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von
+Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und
+sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag.
+Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke
+besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle
+und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen.
+Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu
+durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord
+Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der
+Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch
+die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown.
+Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh
+zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse
+postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem
+über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl
+derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem
+ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf
+23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden
+wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.
+
+Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer
+und Entrüstung aufgenommen.
+
+Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand,
+mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete
+am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das
+Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls
+Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die
+Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die
+Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink
+zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.
+
+Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht,
+dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin
+gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden
+sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände
+gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche
+wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten
+Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern,
+welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu
+verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten.
+Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit
+grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre,
+diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte,
+bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch
+eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der
+Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen
+die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von
+Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit
+seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der
+hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische
+Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden
+können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen,
+dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner
+Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir
+William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach
+von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass
+die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin
+beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise
+verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden
+verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein
+früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig.
+Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr
+Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler,
+wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung
+auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung
+seiner Untergebenen zu schreiben.
+
+[Illustration: PLAN VON DER AFFAIRE,
+
+welche am 26. Dec. 1776 bei TRENTON zwischen einem Corps von 6000
+Rebellen unter General Washington und einer Hessischen Brigade unter
+Oberst Rall stattfand.
+
+--< _Erklärung umseitig._ >--]
+
+ A. Trenton.
+
+ B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).
+
+ C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in
+ der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des
+ Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.
+
+ D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.
+
+ E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen
+ (Grothausen).
+
+ F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps
+ vereinigten.
+
+ G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und
+ wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von
+ Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen
+ wurde.
+
+ I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.
+
+ K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken
+ sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die
+ Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren
+ bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf
+ stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der
+ Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der
+ Feind sie stark besetzte.
+
+ L. Geschütze vom Regiment Lossberg.
+
+ M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim
+ Regiment waren.
+
+ N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.
+
+ O. Angriff des Feindes vom Wald aus.
+
+ P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.
+
+ Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.
+
+ R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.
+
+ S. Geschütze der Rebellen.
+
+ T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er
+ seine Befehle gab.
+
+Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem
+numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet
+werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen
+Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass
+ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von
+Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem
+Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den
+britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer
+Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden
+könnten.
+
+
+
+
+Kapitel IX.
+
+Der Winter 1777.
+
+
+Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen
+genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit
+Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen
+waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor
+Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger
+fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen
+Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden
+Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es
+nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine
+Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen
+war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40
+Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und
+hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes,
+so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur
+Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen
+Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse
+Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.
+
+Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern
+der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen
+unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach
+seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den
+Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder
+behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete
+sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum
+Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den
+anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk
+über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den
+Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem
+Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird.
+Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks,
+wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«
+
+Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie
+mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre
+an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und
+da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln
+schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen
+wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in
+welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche
+begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit
+Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht
+nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch
+über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen
+Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General
+Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr
+polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue
+Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern
+von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich
+diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus
+dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem
+Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem
+Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst
+kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.
+
+Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien
+befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn
+den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und
+Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf
+beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht
+werden sollten.
+
+Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner
+neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und
+Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that
+beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren
+als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute
+wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren
+Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in
+Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen
+Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem
+Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser
+alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders
+als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«
+
+Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia
+einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt
+hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit
+grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird
+förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden
+Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen
+der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön,
+zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und
+ungezwungen waren.«
+
+16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den
+Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich
+unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine
+Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr
+abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren
+darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee,
+Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit
+Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal
+beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet
+haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor
+Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall
+überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns
+war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden
+eifersüchtig.«
+
+Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In
+Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch
+niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen
+wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche
+Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er
+aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt,
+zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er
+persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich
+so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von
+Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde
+auftreten mussten.
+
+Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte
+Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein
+müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und
+vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft
+und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen
+Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren
+Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die
+Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.
+
+Die Soldaten erreichten Philadelphia einige Tage später als die
+Offiziere. Über ihren Empfang durch die Volksmenge schreibt ein Korporal
+in seinem Tagebuch: »Gross und Klein, Alt und Jung, standen da um zu
+sehen, was für eine Sorte Sterblicher wir wären. Als wir gerade vor sie
+kamen, sahen sie uns scharf an. Die alten Weiber schrien schrecklich und
+wollten uns erwürgen, weil wir nach Amerika gekommen wären, um ihnen
+die Freiheit zu rauben. Einige Andere brachten uns trotz allen
+Schimpfens Schnaps und Brod, um es uns zu geben, aber die alten Weiber
+wollten es nicht erlauben, und uns obendrein noch erwürgen. Unsere
+amerikanische Begleitmannschaft hatte von Washington Befehl erhalten uns
+in der Stadt überall herumzuführen, damit Jedermann uns sehen sollte;
+aber das Volk drängte sich in uns hinein mit grosser Wut und
+überwältigte beinahe die Begleitmannschaft, so dass, als wir uns den
+Baracken näherten, unser kommandierender Offizier sagte: »Liebe Hessen,
+wir wollen in diese Baracken marschieren.« Wir thaten es, und das ganze
+amerikanische Detachement musste dem wütenden Volke Einhalt thun. Warum
+der amerikanische Offizier seine Gefangenen in so liebevoller Weise
+anredete, scheint nicht klar, aber ein grosser Grad von Vertraulichkeit
+scheint sich zwischen ihnen ausgebildet zu haben. Eelking erzählt eine
+Geschichte, die aber, cum grano salis, aufgenommen werden muss, dass,
+als der Transport im Herbst 1777 von Lancaster nach Winchester geführt
+wurde, und an die Grenze von Virginia kam, die pennsylvanische Eskorte
+sich weigerte, weiter zu marschieren und nicht den Fuss auf den
+geheiligten Boden setzen wollte. In der That zerstreuten sie sich, und
+alle gingen nach Hause. Die Eskorte, die von Winchester hatte kommen
+sollen, um sie zu treffen, war nicht angekommen. Der Kapitän, der das
+Kommando über die Pennsylvanier gehabt hatte, war ein Mann von grosser
+Geistesgegenwart und Menschenkenntniss. Er sagte zu den Hessen, deren
+Zuneigung er durch seine Menschlichkeit gewonnen hatte, dass sie ohne
+Eskorte weiter marschieren müssten, da er selbst nach Winchester
+vorauseilen müsste. Er vertraute den Gefangenen und versprach ihnen gute
+Behandlung bei ihrer Ankunft. Darauf verliess er sie. Die Gefangenen,
+wenn man sie überhaupt so nennen kann, denen Niemand wehrte,
+marschierten weiter in guter Ordnung. Am dritten Tage kam der alte
+Kapitän mit einer virginischen Eskorte zurück und fand alle Hessen durch
+Namensaufruf zur Stelle, nur einige gewissenlose Engländer waren
+verschwunden. Die Deutschen wurden darauf alle mit Branntwein traktiert,
+während die englischen Gefangenen ihren Marsch ohne diese Erfrischung
+wieder aufnehmen mussten. Die Hessen erhielten fortan viele
+Vergünstigungen.
+
+Washington soll die Stimmung im Volke dadurch beruhigt haben, dass er
+bekannt gab, die Hessen seien gegen ihren Willen nach Amerika gekommen.
+Das Loos der Gefangenen scheint nicht übermässig hart gewesen zu sein.
+Viele der gemeinen Soldaten vermieteten sich als Knechte auf die Farmen
+und erhielten Verpflegung und Lohn.
+
+So viele als von Washingtons kleiner Armee dienstfähig blieben,
+überschritten in den letzten drei Tagen des Dezember den Delaware wieder
+und wurden schleunigst unter Cadwaladers und Mifflins Kommando
+vereinigt. Dadurch wurde ihre Zahl auf ungefähr 5000 gebracht, von denen
+3/5 des Militärdienstes unkundig waren. Gegen diese kleine Truppenmacht
+ging Cornwallis mit einer grösseren Zahl von britischen und hessischen
+Veteranen vor. Er kam mit seiner ganzen Streitmacht von Princeton über
+Maidenhead, trotz Donops Rat, in zwei Kolonnen auf beiden Seiten des
+Assanpink zu marschieren. Am 2. Januar 1777 fand ein Geplänkel statt,
+bei dem Lieutenant von Grothausen von den Jägern, welcher von Trenton 7
+Tage vorher entkommen war, ohne seine volle Schuldigkeit gethan zu
+haben, wie behauptet wurde, fiel. Eelking erzählt, dass er von einigen
+Scharfschützen erschossen wurde, welche ihn unter dem Vorwande sich zu
+ergeben, anlockten.
+
+Am Nachmittag des 2. Januar standen sich die englische und
+amerikanische Armee auf beiden Seiten des Assanpink-Flusses
+gegenüber. Vergeblich drängten unsere Offiziere Cornwallis, sofort
+anzugreifen. Die Sonne war im Untergehen, die Brücke war erfolgreich
+verteidigt worden, die englische Armee musste den Strom durchwaten, um
+an den Feind heranzukommen, und der Ausgang schien zweifelhaft. Der
+britische General entschloss sich, den Angriff auf den folgenden Tag
+zu verschieben. Washington wagte nicht, das Schicksal Amerikas auf die
+Widerstandsfähigkeit seiner undisziplinierten Milizen hin zu
+riskieren. Die Nacht war kalt und die Strassen in gutem Zustand für
+das Passieren der Artillerie. Es wurde Holz auf die amerikanischen
+Wachtfeuer gelegt und eine Wache zurückgelassen, um es zu unterhalten.
+Inzwischen marschierte die amerikanische Armee durch die helle
+Januarnacht ab, umging Lord Cornwallis linke Flanke und griff um 9 Uhr
+morgens 3 englische Regimenter zu Fuss und 3 Kompagnien zu Pferde bei
+Princeton an. Die Amerikaner warfen sie, töteten und verwundeten
+ungefähr 200 Mann und machten 230 Gefangene, unter denen 14 britische
+Offiziere waren. Der amerikanische Verlust an Leuten war gering, aber
+schwer an Offizieren infolge eines Unfalles bei Beginn der Affaire.
+Dieser Sieg bei Princeton war das letzte Ereignis des Feldzugs,
+welches den Namen einer Schlacht verdient. Die Briten verliessen den
+grössten Theil von New-Jersey und blieben nur in New-Brunswick, Amboy
+und Paulus Hook. Aber die Vorposten der beiden Armeen unterhielten ein
+Geplänkel den ganzen Winter hindurch. So wurde am 5. Januar 1777 eine
+Abteilung von 50 Waldeckern von einer an Zahl nicht stärkern Abteilung
+Milizen angegriffen, welche 8 oder 10 töteten und die Übrigen,
+einschliesslich 2 Offizieren, zu Gefangenen machten.
+
+In dieser scharmützelnden Art der Kriegführung nahmen, so weit es die
+Hessen betraf, die Jäger oder Chasseurs, wie sie die Engländer und
+Amerikaner nannten, den Hauptanteil. Sie waren gelernte Schützen und
+rekrutierten sich aus den Jägern und Forstleuten von Deutschland. Eine
+Kompagnie derselben war mit von Heister im August 1776 nach Amerika
+gekommen, eine zweite unter Kapitän Ewald mit von Knyphausen im Oktober.
+Sie hatten sich als so nützlich erwiesen, dass ihre Zahl durch einen
+speziellen Vertrag mit dem Landgraf während des Winters 1777 auf 1067
+Mann erhöht wurde, in 5 Kompagnien formiert, von denen eine zu Pferde
+war. Andere Kompagnien wurden von Hanau und Anspach besorgt. Nach dem
+Sommer 1777 war das Korps unter dem Befehl von Oberstlieutenant von
+Wurmb, aber die Kompagnien oder detachierten Teile fochten im
+Allgemeinen getrennt. Es gab wenige Operationen von einiger Wichtigkeit,
+an welchen die Jäger nicht Teil nahmen. Wir glauben gern, dass sie
+manche kühne und glückliche Streiche ausführten, müssen aber die Achseln
+zucken, wenn wir belehrt werden, dass die amerikanischen Milizen
+breitgeränderte Hüte trugen, welche sie über die Augen herunter gezogen
+haben sollen, um sie gegen Wind und Schnee zu schützen, so dass die
+Jäger imstande waren, sich bei hellem Tage an sie heranzuschleichen und
+sie niederzumachen oder zu entwaffnen, bevor sie eine Ahnung davon
+hatten. Diese Yankees sind gewöhnlich so sehr schläfrige Kerls (Eelkings
+»Hülfstruppen« I. S. 182).
+
+Ewald erzählt uns, dass zu Anfang des Jahres 1777 Lord Cornwallis sich
+entschloss Boundbrook in New-Jersey, welches von 1000 Amerikanern unter
+Oberst Butler gehalten wurde, zu überraschen. Der Angriff sollte in 3
+Kolonnen ausgeführt werden. Die erste unter General Mattheus sollte
+einen Scheinangriff auf die Front der amerikanischen Werke machen. Die
+zweite unter Cornwallis sollte über Somerset nach links Butlers Stellung
+umgehen und sie im Rücken fassen. Die dritte sollte rechts über
+Greenbrook marschierend, dem Feinde den Rückzug nach Morristown
+abschneiden. Ewald kommandierte die Avantgarde der 1. Division. Die
+Strasse von Raritan Landing nach Boundbrook, welche in einer Länge von
+2-1/2 Meilen an der linken Seite des Raritan River entlang führt, endigt
+in einen Damm über einen Morast. Durch diesen floss ein Bach, über
+welchen eine steinerne Brücke führte. Um die Brücke und den Damm zu
+beherrschen, hatten die Amerikaner eine Brücke gebaut.
+
+Die Division brach ungefähr um 2 Uhr morgens auf. Halbwegs Boundbrook
+glaubte Ewald, der wie gewöhnlich an der Spitze war, er sähe etwas sich
+bewegen. In der Hoffnung, eine feindliche Patrouille zu überraschen,
+schickte er einen Mann mit dem Befehl zurück, dass der Rest seiner Leute
+leise nachkommen sollte. Er wurde indessen entdeckt und angerufen. Indem
+er seine Leute mit leiser Stimme heranrief, avancierte er bis dicht an
+den Feind heran, der sich als ungefähr 30 Mann stark herausstellte.
+Diese gaben eine Salve ab und verschwanden, Ewald hinter ihnen her.
+Entgegen den Befehlen gaben die Jäger auch einige Schüsse ab. Es würde
+besser gewesen sein, sagt Ewald, ihnen langsam zu folgen, da sie die
+Jäger für eine gewöhnliche Patrouille gehalten haben mochten, eine
+ebensolche, wie man auf dieser Strasse beinahe jede Nacht begegnete.
+Ewald hoffte indessen, über den Damm und in die Redoute gleichzeitig mit
+den Amerikanern zu gelangen, aber die Entfernung war zu gross und der
+Tag brach an. Er war seiner Nase nachgegangen und hatte vergessen,
+hinter sich zu sehen, bis er ungefähr 100 Schritt von der Redoute
+entfernt, sich einem heftigen Feuer ausgesetzt sah, durch welches einige
+seiner Freiwilligen verwundet wurden. Dann sah er sich um und bemerkte,
+dass seine ganze Truppe aus 1 Lieutenant und 7 Mann bestand. Mit diesen
+warf er sich auf die Brücke, die kaum 40 Schritt von der Redoute
+entfernt war und deckte sich hinter die steinerne Brustwehr. Er hoffte,
+dass mehr von seiner Abteilung zur Unterstützung kommen würden, aber es
+stellte sich heraus, dass General Mattheus der Kolonne befohlen hatte zu
+halten, da er nicht unnötig Menschenleben opfern wollte. Ewalds 7
+Schützen unterhielten das Feuer auf die Schiessscharten der Redoute und
+ihr Feuer wurde lebhaft beantwortet, aber es wurde Niemand auf beiden
+Seiten getroffen. Nach kaum 1/4 Stunde hatten sie das Vergnügen,
+heftiges Feuer jenseits der Redoute zu hören, welche von Cornwallis im
+Rücken angegriffen war. Die Besatzung verliess das Werk, und Ewald mit
+seinem Lieutenant und 7 Mann ging vor um Besitz davon zu ergreifen, und
+nahm obendrein 12 Mann gefangen. »Aber«, sagt Ewald, »es war mein
+Fehler, dass Lord Cornwallis nur 150 Gefangene und 2 Kanonen machte
+anstatt 1000 Mann. Denn der Feind war durch das Feuer der Redoute
+geweckt und bekam Zeit, mit General Lincoln zusammen zu entkommen.«
+
+Hier möge noch eine andere Anekdote von Ewald folgen, die diese
+Campagne betrifft: »Als wir zu Anfang des Jahres 1777 während des
+amerikanischen Krieges in New-Brunswick in Jersey lagen, hatte ich den
+Befehl über das äusserste Ende der Piquetlinie bei Raritan Landing an
+der Strasse nach Boundbrook. Dieser Posten konnte nur durch grosse
+Wachsamkeit und den guten Willen und die Liebe der Jäger zu mir
+gehalten werden. Wir schlugen uns täglich mit den Amerikanern herum,
+denn wir waren nur eine Meile von einander entfernt. Eines Morgens um
+das Frühjahr herum, krochen die Amerikaner unter dem Schutze eines
+dicken Nebels so nahe an einen meiner Posten heran, dass sie eins
+meiner Piquets in demselben Moment erreichte, wie eine Patrouille, die
+ich vorgeschickt hatte, und die geworfen wurde. Sie stürzten auf mich
+los so schnell sie innerhalb 200 Schritt von mir konnten.
+Glücklicherweise war ein tiefeingeschnittener Weg zwischen uns, in
+welchen ich mich mit 16 Jägern hineinwarf, indem ich Lieutenant
+Hinrichs zurief, meine rechte Flanke mit dem Rest der Leute zu decken,
+bis Kapitän von Wreden mit seiner Kompagnie heraufkäme. Gerade als ich
+den eingeschnittenen Weg erreichte, erhielt ich heftiges Feuer von
+einem Regiment leichter Infanterie unter Oberst Buttler, woraufhin
+meine Leute, welche sonst brave Burschen waren, den Kopf verloren und
+wegliefen. Erstaunt, wie man wohl glauben mag, rief ich hinter ihnen
+her: »Ihr mögt zum Teufel rennen, aber ich bleibe hier allein stehen.«
+In diesem Moment bemerkte ich, dass ein Mann, Jäger Bauer, bei mir
+stehen geblieben war. Er antwortete: »Nein, Sie sollen nicht allein
+bleiben,« und er rief den Jägern, welche sich fort machten, nach:
+»Jungens, halt, ein Schuft, der wegläuft!« Nachdem er diese Worte
+einigemal nachgerufen hatte, kamen sie alle zurück und kämpften
+als brave Burschen. Die Amerikaner, welche fortwährend ein
+ununterbrochenes Feuer unterhalten hatten, waren die schreckliche
+Verlegenheit, in der ich gewesen war, nicht gewahr geworden. Kapitän
+Wreden und die leichte Infanterie von der englischen Garde unter
+Oberst Osborne kam zu unserer Unterstützung, und die Amerikaner wurden
+mit grossem Verlust zurückgeworfen und beinahe bis nach Boundbrook
+getrieben.« Jäger Bauer, der bei dieser Gelegenheit bei Ewald stand,
+war ein unbedeutend aussehender Bursche aus dem Anspacher Distrikt.
+Ewald hatte sich erst geweigert, ihn in seine Kompagnie einzustellen
+wegen seines Äussern, doch hatte er sich durch die Vorzüglichkeit
+seines Schiessens bewegen lassen ihn einzureihen. Kurz nach der oben
+erwähnten Affaire gab Bauer einen andern Beweis seiner Verwegenheit.
+Am Morgen des 25. Mai fiel Ewald mit einer Abteilung von 11 Jägern und
+30 Dragonern in einen Hinterhalt in der Nähe von Boundbrook. Sie
+wurden umzingelt und waren in Gefahr gefangen genommen zu werden, und
+gerade in diesem Moment stürzte Ewalds Pferd und der Kapitän lag auf
+dem Wege. Als die Jäger, die eine kleine Strecke entfernt waren, das
+Pferd ihres Kapitäns reiterlos auf sie loskommen sahen, erschien Bauer
+mit zwei Andern plötzlich, um den verletzten Offizier in Sicherheit
+zu bringen. Sie trugen ihn mitten im Kugelregen zurück, und als sie
+ihn an einen sicheren Ort gebracht hatten, bemerkte Bauer, dass Ewalds
+Hut fehlte. »Wir müssen ihn wiederkriegen, sagte er, »oder sie werden
+morgen den Hut unseres Hauptmanns im Triumph nach Boundbrook
+hineintragen.« Sie liefen wieder zurück und brachten wirklich den Hut
+trotz aller Kugeln zurück.
+
+Ewald versichert, dass Oberst Reed vor dem Überfall von Trenton Donop
+zweimal besuchte, unter dem Vorwand, Gefangene auszuwechseln, aber in
+Wirklichkeit um zu rekognoszieren. Er erzählt darüber die folgende
+Geschichte:
+
+»In derselben Weise kamen die beiden Obersten Hamilton und Schmidt mit
+einem Trompeter an den Posten, welchen ich bei New-Brunswick in Jersey
+im Anfang der Campagne von 1777 festhielt, nachdem General Howe von
+New-Brunswick nach Milztown vorgegangen und wieder zurückmarschiert war.
+Sie hatten unwichtige Briefe an General Grant von zwei englischen
+Offizieren seiner Brigade, welche am Tage vorher durch ihre eigene
+Schuld gefangen genommen worden waren, indem sie zum Vergnügen
+umhergeritten waren. Ich gab diesen beiden Herren, welche sehr elegante
+und höfliche Leute waren, zu verstehen, dass ich ihre Absicht wohl
+gemerkt hätte, und gab ihnen den wohlgemeinten Rat, sich so schnell als
+möglich fortzumachen und mich so bald nicht wieder zu besuchen. Hierüber
+schienen sie sehr erstaunt zu sein, befolgten aber meinen Rat mit
+grosser Eile. Ich würde sie sicherlich zur Verhaftung nach dem
+Hauptquartier mit verbundenen Augen geschickt haben, wenn ich nicht
+gewusst hätte, dass das Volk über eine so weise Massregel gegen
+Amerikaner gelacht haben würde. Das Beste wäre, wenn solche Herren zu
+unpassender Zeit mit Botschaften kommen, sie wenigstens für einen halben
+Feldzug mit sich zu nehmen.«
+
+Ich glaube nicht im mindesten, dass Hamilton zu den britischen Vorposten
+mit der Absicht gegangen war, die ihm hier unterstellt wird, und ich
+glaube sicher, es geschah, wenn er es that, ohne Mitwissen von
+Washington. Indessen hat man keinen Grund zu bezweifeln, dass ihm Ewald
+argwöhnte und ihn in der beschriebenen Weise entliess.
+
+Es wurden nun im Winter von 1776 auf 77 Unterhandlungen eingeleitet,
+infolge deren Generallieutenant von Heister abberufen wurde von dem
+Kommando über die hessischen Truppen und Generallieutenant von
+Knyphausen ihm folgte. Lord Suffolk hatte auf die Rückberufung gedrungen
+aus dem Grunde, weil Sir William Howe nicht zufrieden war mit Heister.
+Inwieweit Sir Williams Abneigung gegen ihn an rein persönlichen Gründen
+gelegen hat, oder in wieweit der Argwohn gerechtfertigt sein mag, dass
+Heister zu sehr »auf die Erhaltung der unter seinem Befehl stehenden
+Truppen« bedacht war, ist jetzt vielleicht nicht mehr möglich zu
+entscheiden. Aber wir wissen, dass Howe bereits vor der Affaire von
+Trenton mit Heister unzufrieden war, zu einer Zeit, als die englischen
+Verluste entschieden schwerer gewesen waren als die hessischen. Heister
+hatte durch den Vertrag zwischen dem König von England und dem Landgraf
+das Recht des unmittelbaren Befehls über ungefähr die Hälfte von Sir
+William Howes Armee. Die Abmachungen in dem Vertrage waren unbestimmt
+genug, um zu vielen Streitfragen Anlass zu geben. Heister soll
+widerspenstig gewesen sein. Jedenfalls kam er mit seinem
+Oberbefehlshaber nicht gut aus. Dies dürfte ein genügender Grund gewesen
+sein, um ihn abzuberufen.
+
+Die englische Regierung zog es vor, nicht offen mit dieser Sache
+hervorzutreten, sondern die Rückberufung wurde durch den Landgraf
+veranlasst auf Grund von Heisters Gesundheit und Alter und nur »für eine
+gewisse Zeit«. Es war aber wohl begreiflich, dass der alte General in
+Ungnade von dannen ging. Der Landgraf schreibt an Knyphausen: »Nichts
+als die vollkommene Vernachlässigung aller Ordnung und Disziplin kann
+diese Schande (von Trenton) über uns gebracht haben. Ich halte es für
+sehr nötig, über die Sache mit Generallieutenant von Heister zu
+sprechen, und seine Gesundheit ist obendrein für das Klima dort drüben
+nicht stark genug. Ich schreibe ihm deshalb, hierher zu kommen für eine
+gewisse Zeit und übertrage das Kommando ad interim über meine Truppen in
+Amerika auf Sie.« Heister verstand vollkommen, dass er in Ungnade
+gefallen war und starb zwei Monate, nachdem er Cassel erreicht hatte,
+aus Kummer und Sorge.
+
+Im Anfang des Frühjahrs 1777 beliefen sich die wirklichen Besitzungen
+des Königs von England auf amerikanischem Boden auf folgende: Im Staate
+New-York: die Insel im Hafen und etwa ein kleines Stück von West Chester
+County bei Kings Bridge. In New-Jersey: Amboy, New-Brunswick und Paulus
+Hook. In Rhode Island die eigentliche Insel. Aber die Wichtigkeit dieser
+Posten war ausser allem Verhältnis zu ihrer Ausdehnung. Sir William Howe
+kommandierte eine nach modernen Begriffen allerdings kleine Armee, die
+aber gross genug war um die von Washington an Zahl zu übertreffen, und
+die aus disziplinierten Truppen, darunter viele Veteranen, gebildet war,
+während die amerikanische Armee eine veränderliche, hauptsächlich aus
+Milizen bestehende Masse war. Der Kongress hatte an einem der letzten
+Tage des Jahres 1776 bestimmt, dass Washington bevollmächtigt sei,
+auszuheben, zu organisieren und mit Offizieren zu versehen: 16
+Bataillone Infanterie, 3000 Mann leichte Kavallerie, 3 Regimenter
+Artillerie und ein Korps von Ingenieuren. Aber diese Truppen, die erste
+Armee der vereinigten Staaten, als solche, zusammen mit den 88
+Bataillonen, welche gleichzeitig von den einzelnen Staaten aufgestellt
+werden sollten, existierten bis jetzt hauptsächlich auf dem Papier. Am
+14. März 1777 schreibt Washington an den Kongress: »Nach der genauesten
+Schätzung, welche ich machen kann, erreicht unsere Gesamtstärke in
+Jersey, welche augenblicklich dienstfähig ist, nicht die Zahl 3000.
+Diese, ausgenommen 981 Mann, sind Milizen und bleiben nur bis zum
+letzten dieses Monats zum Dienst verpflichtet. Die Truppen, die in der
+Ausbildung begriffen sind, belaufen sich, einschliesslich des Personals,
+auf ungefähr 1000.« Sir William Howes Armee kann zu dieser Zeit
+schwerlich weniger als 25 000 Mann betragen haben.
+
+Die Handvoll Leute, welche die Sache der Freiheit Amerikas aufrecht
+erhielt, war ohne Geld, ohne Kredit, oft ohne Kleidung. Gegen diese
+wurde die Kriegsmacht eines grossen Reiches gesetzt, die Loyalität,
+angefeuert durch eine alte Monarchie, einen unbegrenzten Kredit,
+unberechenbare Hülfsquellen. Eine zweite britische Armee bereitete sich
+vor, von Kanada aus mit der von Sir William Howe zusammen zu operieren
+und, indem sie die Hudson-Linie besetzte, das Land in zwei Teile zu
+teilen. Die Amerikaner konnten nicht auf fremde Hilfe rechnen, bis sie
+nicht die Fähigkeit, sich selbst zu helfen, gezeigt hätten. Ihre
+Hoffnung konnte sich nur gründen auf die eigene Standhaftigkeit, und auf
+den Genius und die patriotische Tapferkeit ihres grossen Führers.
+
+
+
+
+Kapitel X.
+
+Die Braunschweiger in Canada 1776.
+
+
+Das Braunschweigische Kontingent der deutschen Truppen, welches von
+England zur Unterdrückung der Revolte in ihren Nord-Amerikanischen
+Kolonien gedungen war, wurde von Baron Friedrich Adolph von Riedesel
+befehligt. Er stammte aus einer adeligen hessischen Familie und war im
+Jahre 1738 geboren. Im Alter von 15 Jahren war er nach Marburg geschickt
+worden, um Rechtswissenschaft zu studieren, obschon er kaum schreiben
+konnte und nur einige wenige lateinische Brocken gelernt hatte. Ein
+Bataillon hessischer Infanterie stand damals in Marburg, und Riedesel
+sah lieber den Soldaten zu, als dass er den Professoren der Universität
+zuhörte. Der Major, der die Bekanntschaft des Jungen gemacht hatte,
+hoffte ihn als Rekruten zu bekommen. Er gab Riedesel den Rat, in seine
+Kompagnie mit der Aussicht auf Avancement einzutreten und sagte ihm
+obendrein, dass er mit seinem Vater gut bekannt sei und an ihn schreiben
+würde, um seine Einwilligung zu diesem Plane zu erbitten. Kurz darauf
+sagte der Major zu Riedesel, dass er von seinem Vater gehört, er habe in
+seine Einstellung eingewilligt. Der Junge war über diese Nachricht
+entzückt und wurde sofort für den Dienst gemustert. Indessen, als er
+seinem Vater schrieb, um sich zu bedanken, erhielt er eine sehr
+enttäuschende Antwort. Baron von Riedesel hatte nie etwas von dem Major
+gehört und hätte nie seinem Sohn die Erlaubnis gegeben, den für ihn
+gewählten Beruf zu verlassen. Nun aber, da der junge Mann in den Dienst
+eingetreten sei, erforderte es die Ehre, seinen Farben treu zu bleiben,
+aber er brauchte auf keine weitere Unterstützung von Seiten seines
+Vaters zu rechnen. Es blieb dem jungen Riedesel nichts übrig, als sich
+in sein Schicksal zu fügen. Die ganze Angelegenheit ist nur ein Beispiel
+von dem deutschen Rekrutierungs-System der damaligen Zeit.
+
+Der Landgraf von Hessen-Cassel, hatte einige seiner Regimenter an
+England geliehen. Riedesel ging mit seinem Bataillon dorthin mit dem
+Rang als Fähnrich. Er war indessen nicht so lange dageblieben, um die
+Sprache vollkommen zu erlernen, denn sein Regiment war nach Deutschland
+zurückbeordert worden, um am siebenjährigen Kriege Teil zu nehmen, in
+welchem England mit Preussen und einige kleinere deutsche Staaten
+Frankreich, Österreich, Russland und Schweden gegenüberstand. Von dieser
+Zeit an war Riedesels Avancement rapide. Er wurde ein Günstling von
+Prinz Ferdinand und vertauschte den hessischen Dienst mit dem
+braunschweigischen. Beim Ausbruch der amerikanischen Revolution war er
+bis zum Range eines Obersten aufgestiegen und wurde General an dem Tage,
+an dem er an der Spitze des Kontingents aus Braunschweig nach Amerika
+ausmarschierte.
+
+Riedesel sah nichts Entehrendes in der Thätigkeit, zu der er berufen
+war. Er war Soldat von dem Typus, der dem 18. Jahrhundert eigen ist, und
+in militärischen Dingen kannte er nichts anderes als seine Befehle. Er
+war überdies ein zärtlicher Gatte und Vater, und seine Frau und Kinder
+sollten ihm nach der Neuen Welt nachfolgen, sobald es die Gesundheit der
+ersteren erlauben würde. »Liebste Frau,« schrieb er von seinem ersten
+Halt, »nie habe ich mehr gelitten, als heute früh bei meiner Abreise.
+Mein Herz brach mir, und hätte ich zurückgekonnt, wer weiss was ich
+gethan hätte! Aber, meine Liebe, Gott hat mir diesen Beruf gegeben, ich
+muss ihm folgen; Pflicht und Ehre verbinden mich dazu; man muss sich
+also trösten und nicht murren.«
+
+General Riedesel brach von Braunschweig am 22. Februar 1776 nach Stade
+an der Elbe auf, an der Spitze von 2282 Mann. Die Truppen wurden
+zwischen dem 12. und 17. März eingeschifft und gingen am 22. März in
+See. Es waren 77 Soldatenfrauen mit dieser Division. Der Rest des
+braunschweigischen Kontingents marschierte im Monat Mai nach Stade. Die
+einzelnen Teile zusammen beliefen sich auf die Gesamtsumme von 4300
+Mann. Das Regiment von Hessen-Hanau, 668 Mann stark, schloss sich der
+Expedition in Portsmouth an. Die Braunschweiger wurden besichtigt und
+für den englischen Dienst gemustert durch den Oberst Faucitt, welcher
+von dem Aussehen der Soldaten nicht befriedigt war. Viele waren zu alt,
+viele nur halbwüchsige Jungen. Die Uniformen der ersten Division waren
+so schlecht, dass die englische Regierung gezwungen war, Riedesel 5000 £
+vorzuschiessen, um die Leute in Portsmouth neu auszurüsten. Er wurde von
+den englischen Lieferanten betrogen, denn als man die Kisten mit Schuhen
+auf der See öffnete fand man Damenschuhe darin enthalten. Für einen
+Feldzug in Canada waren keine Mäntel vorgesehen. Neue Uniformen für die
+erste Division wurden im Laufe des Sommers nachgeschickt.
+
+Der General war von dem Geiste seiner Truppen sehr befriedigt. »Ich
+weiss die Zufriedenheit unserer Soldaten nicht genugsam zu beschreiben,
+-- -- alles ist munter und guter Dinge,« schreibt er von Bord des
+Schiffes aus an seinen alten Chef, Prinz Ferdinand von Braunschweig.
+Bald indessen gesellte sich die Seekrankheit zu der Unbequemlichkeit auf
+den vollgepfropften Schiffen. »Die Soldaten sind meistens alle seekrank
+gewesen. Die meisten sind es noch, wie auch meine Leute«, schreibt
+Riedesel an seine Frau von Dover aus. »Der arme Koch ist es so sehr,
+dass er gar nicht arbeiten, ja nicht einmal den Kopf aufheben kann. Das
+ist eine grosse Unbequemlichkeit für uns, denn Kapitän Foy und ich
+müssen unsere Küche selbst besorgen, welches Dich belustigen würde, wenn
+Du es sähest.« Vor Beendigung der Reise war das Wasser verdorben.
+
+Die Flotte von 30 Schiffen lichtete die Anker in Portsmouth am 4. April
+und kam vor Cap Gaspé am 16. Mai an, vor Quebec am 1. Juni. Riedesel
+erhielt hier das Kommando über ein besonderes Korps, welches aus 1
+englischen und 2 deutschen Bataillonen mit 150 Canadiern und 300
+Indianern bestand und den St. Lawrence-Strom entlang zwischen Quebec und
+Montreal postiert war. »Das hiesige Land wird Dir sehr gefallen; es ist
+so schön, wie es nur sein kann,« schreibt Riedesel am 8. Juni an seine
+Frau; und weiter sagt er am 28.: »Du wirst die Gegenden hier herrlich
+finden, nur schade, dass die Kolonien noch in ihrer Kindheit sind, und
+man also Gemüse, Obst und andere dergleichen zu einem guten Tisch
+gehörige Sachen sehr selten findet; Fleisch, Geflügel und Milch aber hat
+man im Ueberfluss. Die Häuser sind alle nur von einem Stockwerk, haben
+aber inwendig viele Zimmer und sind sehr reinlich. Die Einwohner sind
+überaus höflich und dienstfertig, und ich glaube nicht, dass unsere
+Bauern bei einer ähnlichen Gelegenheit sich so artig bezeigen würden.«
+
+Nachrichten bekam man zu jener Zeit so spät, dass die Niederlage von
+Montgomery und Arnold vor Quebec am 31. Dezember 1775 in England noch
+nicht bekannt war, als die Flotte von dort absegelte. Riedesel und seine
+Begleiter hörten erst davon auf ihrem Wege den St. Lawrence-Strom
+hinauf. Kurz nach ihrer Ankunft wurde Canada von den »rebellischen«
+Truppen bis zum Nordende von Lake Champlain gesäubert, auf welchem See
+die Amerikaner eine Flotte improvisirt hatten, bestehend aus 4
+Schaluppen, 8 »Gondolas« und 3 Ruder-Galleeren. Den Sommer brachten die
+Briten damit zu, Kriegs- und Transportschiffe zu bauen, um den See
+hinauf vorzudringen. Die Truppen wurden einquartiert oder in Lager
+untergebracht den St. Lawrence- und Richelieu-Fluss entlang, und nur ein
+bedeutendes Scharmützel vermochte die gewohnte Thätigkeit des Drillens
+und Schanzenbaues und des gleichzeitig fortschreitenden Bootsbaues durch
+Rückwärtsmarschieren zu unterbrechen.
+
+Am 23. Juni wohnte General Riedesel einer feierlichen Versammlung bei in
+der früheren Jesuitenkirche in Montreal von General Carleton, dem
+Gouverneur von Canada und den Häuptlingen der fünf Nationen. Alle
+höheren Offiziere der Armee waren dazu eingeladen worden und ungefähr
+300 Indianer waren anwesend. Die europäischen Offiziere waren mit
+Stühlen auf dem Chor der Kirche versehen, der Gouverneur in der Mitte,
+den Hut auf dem Kopfe. Die Indianer sassen auf Bänken im Mittelschiff
+der Kirche und rauchten ihre Pfeifen. -- Nachdem Reden gehalten und
+verdolmetscht waren, wurden die Dienste der Indianer durch den
+englischen General angenommen, und es wurden ihnen Stellungen
+angewiesen. Die Indianer reichten den europäischen Offizieren die Hände,
+und den Generalen Carleton, Burgoyne und Phillips wurden Skalpe von
+Rebellen geschenkt. Was die englischen Herren mit diesen reizenden
+Geschenken ihrer menschenfreundlichen Bundesgenossen thaten, ist nicht
+ersichtlich. Bei einer späteren Zusammenkunft, die General Carleton mit
+Indianern mehr von Westen her abhielt, erschien einer von diesen in der
+Uniform des General Braddock, welchen er getötet zu haben behauptete.
+
+Von Montreal sagt Riedesel: »Diese Stadt ist in der That etwas feiner
+als Quebec und hat ungefähr 1600 Häuser. Sie ist von nichts anderem
+umgeben als einer Mauer mit Schiessscharten für Kanonen und Musketen,
+und was man Citadelle nennt ist ein Blockhaus in sehr schlechter
+Verfassung. Diese Werke waren im Jahre 1736 angefangen worden. Die ganze
+Insel Montreal, gleichwie auch die Stadt gehören dem Seminar.... In der
+Nähe dieses Seminars ist der beste Garten von ganz Canada, aber er ist
+nicht besser angelegt, als der von einer Privatperson bei uns zu Hause.
+Sie haben die meisten Arten der europäischen Pflanzen hier.« --
+
+Schliesslich war am 9. September der Transport fertig, um auf dem Lake
+Champlain vorzudringen. Es war indessen notwendig, wegen der
+Kriegsfahrzeuge noch einen Monat länger zu warten. Sobald diese
+vollzählig waren, übertrafen sie die der Amerikaner um mehr als das
+doppelte, sowohl an Zahl als an Gewicht. Sie waren mit aufgegriffenen
+englischen Seeleuten bemannt, während die Schaluppen und Gondolas unter
+Benedict Arnold meistens von Nicht-Seeleuten bemannt und befehligt
+waren. Das Resultat war vorauszusehen. Arnold wählte am 10. Oktober
+1776 eine unvorteilhafte Stellung zwischen Valcour Island und dem
+westlichen Ufer des Sees. Hier bestand er einen ungleichen Kampf am 11.
+und von da entwischte er in der folgenden Nacht, verwegen durch die
+Linie der britischen Flotte hindurchschlüpfend. Am 13. wurde er in der
+Nähe der Insel der vier Winde von Carleton eingeholt. Einige der Boote
+zertrümmerten, andere wurden auf den Strand gesetzt und verbrannt; nur
+fünf entkamen. Arnold und sein Haufe bewiesen die grösste Tapferkeit bis
+zu Ende; aber Tapferkeit allein konnte den Mangel an Seetüchtigkeit und
+die Minderzahl nicht ausgleichen. Einige von den Deutschen nahmen an dem
+Seegefecht vom 11. teil, und eins der Schiffe, auf dem die Hanauer
+Artillerie war, wurde durch das amerikanische Feuer zum Sinken gebracht.
+Die Soldaten und Seeleute, welche es bemannten, wurden indessen durch
+ein anderes Boot gerettet. --
+
+Unmittelbar nach diesem Seekampf besetzte Carleton Crown Point ohne
+Gegenwehr. Streifparteien wurden bis in die Nähe von Ticonderoga
+vorgetrieben. Riedesel war am 22. oder 23. Oktober dieser Festung so
+nahe, dass er sie von einem Hügel aus vollkommen sehen konnte. Er
+dachte, sie könnte wohl leicht von der britischen Armee in Canada
+genommen werden, wenn die ganze Armee in Bewegung gesetzt werden würde,
+doch er rechnete die Stärke der eigentlichen Besatzung entschieden zu
+hoch. Sir Guy Carleton hielt es für zu spät, in diesem Herbst weitere
+Eroberungen zu unternehmen. Selbst Crown Point verliess er und zog sich
+nach der Nordspitze des Sees zurück.
+
+Die Truppen wurden in Winterquartiere gelegt, die Deutschen den
+Riechelieu-Fluss entlang und in die Umgebung des Sees St. Pierre.
+Riedesels Hauptquartier war in Trois-Rivières. Man bemühte sich, die
+Anwesenheit der Soldaten nicht zu schwer auf den Einwohnern lasten zu
+lassen, abgesehen von denen, die Sympathien mit den Rebellen gezeigt
+hatten. Eine strenge Disziplin wurde aufrecht erhalten. Die Soldaten
+empfingen ihre Verpflegung und fällten sich ihr Holz zum Feuern in den
+Wäldern. Die Arbeit des Tragens des Holzes, sobald es gefällt worden war
+und des Kochens scheint den Einwohnern obgelegen zu haben. Die Soldaten
+waren versehen mit langen Hosen von dickem Tuch, die bis hoch zum Leibe
+hinauf reichten, und mit warmen Fausthandschuhen und Kapuzen.
+
+Die zweite Braunschweigische Division war im September nach einer langen
+und stürmischen Ueberfahrt in Canada angelangt. Offiziere und Leute
+waren schliesslich auf halbe Ration von verdorbenen Lebensmitteln
+gesetzt worden. Als die Division von ungefähr 2000 Mann in Quebec ankam,
+waren 19 Mann gestorben und 131 krank an Scorbut.
+
+Der lange Canadische Winter brach unmittelbar darauf herein. Er wurde
+von Riedesel zur Ausbildung der Truppen verwendet wenn das Wetter es
+erlaubte, besonders zur Ausbildung im Schiessen. Er hatte bemerkt, dass
+die Amerikaner bessere Schützen als die Deutschen waren, und er bemühte
+sich eifrig, diesem Mangel bei seinen Soldaten abzuhelfen. Im Laufe des
+Winters reiste er über 1800 Meilen im Schlitten, um die zerstreut
+liegenden Detachements zu besichtigen, und um General Carleton in Quebec
+und Montreal seine Aufwartung zu machen. An ersterem Orte war er am 31.
+Dezember 1776, als ein feierlicher Gottesdienst in der Kathedrale
+gehalten wurde zum Andenken an die Befreiung der Stadt von Arnold und
+Montgomery an diesem Tag des vergangenen Jahres. Die Feierlichkeit wurde
+geleitet von dem Bischof, und 8 unglückliche Canadier mussten öffentlich
+Busse thun, mit Stricken um den Hals, und Gott, die Kirche und König
+Georg um Verzeihung bitten dafür, dass sie den Amerikanern beigestanden
+hatten.
+
+Während des zweiten Teils des Winters gab Riedesel in Trois-Rivières
+jede Woche einen Ball, teils um sich die Zuneigung der Einwohner zu
+erwerben, teils um seine Offiziere von Thorheiten abzuhalten. Der 20.
+Januar, der Geburtstag der Königin von England, wurde mit grossem Pomp
+gefeiert. 40 Gäste waren zum Diner geladen. Gesundheiten wurden in
+Champagner ausgebracht, und eine kleine Kanone wurde nach jedem Toast
+abgefeuert wie im ersten Akte von »Hamlet«. Am Nachmittag und Abend war
+ein Ball, zu welchem nicht weniger als 37 Damen erschienen. Diesen wurde
+des Abends ein Souper serviert, wobei ihnen die Herrn aufwarteten.
+»Demoiselle de Tonnencour«, schreibt ein Augenzeuge, »erhöhte ihre Reize
+durch ihre Juwelen, aber die arme Demoiselle R--e, in ihrem schäbigen
+baumwollenen Kleid, wurde vor vielen von uns vorgezogen wegen ihrer
+natürlichen und angenehmen Art und ihrer schönen Stimme. Sie müssen
+wissen, lieber Herr, dass die kanadischen Schönen französische und
+italienische Lieder an der Tafel singen, und dass bereits mehrere Lieder
+zu Ehren von General Riedesel geschrieben und komponiert worden sind,
+und dass diese oft in Trois-Rivières gesungen werden«. Auf diese Weise,
+mit Dienst und Vergnügen, gingen die Monate dahin bis zu Anfang Juni
+1777, wo sich eine ereignisreiche Campagne für die Braunschweiger
+eröffnete.
+
+
+
+
+Kapitel XI.
+
+Baronin Riedesels Reise 1776 und 1777.
+
+
+Die Baronin von Riedesel war aufgebrochen, um sich mit ihrem Gemahl zu
+vereinigen und hatte ihre drei kleinen Töchter mit sich genommen, von
+denen die Älteste erst 4 Jahre und 9 Monate alt war und die Jüngste ein
+Säugling von 10 Wochen. Die Reise von Deutschland nach Kanada war in
+jenen Tagen keine leichte Sache, sie war weder frei von unberechenbaren
+wie wirklichen Gefahren. »Man stellte mir nicht allein die Gefahren zur
+See vor, sondern sagte mir auch, dass wir besorgen müssten von den
+Wilden gefressen zu werden; dass man sich in Amerika mit Pferdefleisch
+und Katzen ernährte; und doch schreckte mich alles dieses noch weniger
+als der Gedanke, in ein Land zu kommen, wo ich die Sprache nicht
+verstand. Inzwischen war ich auf alles gefasst, und der Gedanke, meinem
+Manne zu folgen und meine Pflichten zu erfüllen, hat mich im ganzen Lauf
+meiner Reise aufrecht erhalten.«
+
+Die Baronin verliess Wolfenbüttel in der Nähe von Braunschweig am 14.
+Mai 1776 und reiste über Calais nach England. »In Mastricht warnte man
+mich, auf meiner Hut zu sein, weil die Wege durch Strassenräuber sehr
+unsicher gemacht wurden, deren in vierzehn Tagen 130 teils gehängt,
+teils auf andere Art hingerichtet worden, welches aber noch nicht der
+vierte Teil von denen wäre, die sich noch da befänden; und dass man sie
+gleich ohne weiteren Prozess auf den Landstrassen und an den Orten
+aufhinge, wo sie ihr Wesen trieben. Diese Nachrichten setzten mich sehr
+in Furcht, und ich nahm mir vor, nicht bei Nachtzeit zu reisen; da ich
+aber sehr schlechte Pferde bekam, so musste ich doch in der Dämmerung
+durch einen Wald, wo etwas hängendes mir durch das offene Fenster in den
+Wagen hineinschlug. Ich fasste darnach, und als ich etwas rauhes fühlte,
+fragte ich was es sei? -- Es war ein Gehängter mit wollenen Strümpfen.
+Noch ganz erschrocken darüber, wurde mir noch weit mehr angst, als man
+vor einem ganz einsam stehenden Hause in diesem nämlichen Walde stille
+hielt, wo die Postillons nicht weiter fahren wollten. Der Ort hiess
+Hune, ich werde es nie vergessen! Ein Mann von ziemlich verdächtigem
+Aussehen empfing uns und führte uns in eine sehr abgelegene Stube, wo
+ich nur ein Bett fand.
+
+Es war kalt, ich liess also Feuer in einem grossen Kamin machen; unser
+ganzes Abendbrod bestand in Thee und in sehr grobem Brode. Mein treuer
+Rockel (ihr alter Diener) kam zu mir mit einem sehr ängstlichen Gesicht
+und sagte mir: »Hier ist's nicht richtig! es ist da eine Kammer voller
+Gewehre, ich glaube die andern Leute sind aus; gewiss sind es
+Spitzbuben! Ich werde aber die Nacht vor ihrer Kammer mit meinem Gewehr
+sitzen und werde mein Leben teuer verkaufen. Der andere Bediente soll in
+der Kutsche sitzen auch mit seinem Gewehr.« Alles dieses machte
+natürlich meinen Schlaf nicht ruhig, ich hatte mich auf einen Stuhl
+gesetzt und den Kopf auf das Bett gelegt. Doch schlief ich endlich ein,
+und wie gross war mein Entzücken beim Erwachen, als man mir um 4 Uhr des
+Morgens zu sagen kam, dass alles zur Abreise fertig sei, und ich darauf
+den Kopf zum Fenster herausstreckte, und in dem Walde, worin wir uns
+befanden, eine Menge Nachtigallen um uns her bemerkte, welche durch
+ihren angenehmen Gesang mir alle meine überstandene Angst vergessen
+machten.«
+
+Solcher Art waren die Unbequemlichkeiten einer Reise auf dem Kontinent
+vor 100 Jahren. Wir werden gleich sehen, was für unangenehme Abenteuer
+Fremde in England zu gewärtigen hatten. Die Baronin gelangte glücklich
+von Calais hinüber nach Dover und erreichte London mit der Post. Der
+Hotelbesitzer in Calais hatte ihr gesagt, dass es nicht sicher für sie
+sei, allein zu reisen und, nachdem er so gethan hatte, als wenn er
+eifrig gesucht hätte, stellte er ihr einen Mann vor, von dem er vorgab,
+dass er ein Gentleman sei, der eingewilligt hätte, die Begleitung zu
+übernehmen. Dieser begleitete sie bis London, wo sie in dem 4. Stock
+eines Hotels einlogiert wurde, obwohl sie gute Räume verlangt hatte. In
+ihrem Tagebuch sagt sie: »Den Tag darauf kam mein Hauswirt mit einer
+ganz verschämten Miene zu mir und fragte mich sehr ehrerbietig, ob ich
+den Menschen kenne, mit welchem ich gekommen wäre, und den ich ihm
+empfohlen so gut zu bewirten (denn ich hatte es für unschicklich
+gehalten, ihn in London mit mir essen zu lassen). Ich sagte ihm, dass es
+ein Edelmann wäre, der auf die Bitte des Herrn Guilhaudin, meines Wirts
+in Calais, mir die Gefälligkeit erzeigt hätte, mich auf der Reise zu
+begleiten. Ha! erwiederte er, dies ist einer von seinen Streichen! Es
+ist ein Lohnbedienter, ein Erzgauner, den er dazu gebraucht, seine
+Geschäfte zu machen; und wie ich Sie mit diesem Menschen im Wagen sitzen
+sah, als Sie ankamen, so muss ich Ihnen bekennen, dass ich nicht
+glaubte, dass Sie das wären, wofür Sie sich ausgäben, und also dafür
+hielt, dass diese Stuben gut genug für Sie sein würden; da ich jetzt,
+nach den Leuten, die zu Ihnen kommen, urteilen kann, dass ich mich
+geirrt habe: so bitte ich Sie sehr um Verzeihung, und ersuche Sie andere
+anzunehmen, für welche Sie mir nicht mehr bezahlen sollen, als für diese
+hier; so sehr wünsche ich mein Versehen wieder gut zu machen. Ich dankte
+ihm und bat, dass er mich doch sobald als möglich von dem Menschen
+befreien sollte, der mir aber doch noch 4 oder 6 Guineen (ich erinnere
+mir nicht mehr genau wie viel es war) für seine Begleitung abforderte.«
+
+Baronin Riedesel hatte Bekannte in London getroffen unter anderen
+Schlieffen, den Gesandten des Landgrafen von Hessen-Cassel, den Mann,
+der das grösste Geschäft bei dem Verkauf von deutschen Truppen an
+England gemacht hatte. Sie verkehrte etwas in der Gesellschaft, war aber
+wegen ihrer kleinsten Tochter viel an das Haus gefesselt. »Eines Tages«,
+schreibt sie, »hatte ich eine unangenehme Geschichte in London. Man
+hatte mir gerathen, dass ich mir ein kleines Mäntelchen und Hut kaufen
+sollte, ohne welche ich nicht ausgehen könnte. Ich war zum Essen beim
+Herrn von Hinüber, dem hannöverischen Minister. Seine Frau schlug mir
+einen Spaziergang nach St. James vor, versäumte aber, mir vorher zu
+sagen, was in unserer Kleidung wider das englische Kostüm war. Gustchen
+war nach französischer Art gekleidet, trug einen kleinen Panier
+(Reifrock) und einen hübschen, kleinen, runden Hut. Ich bemerkte, dass
+man fast mit Fingern auf uns wies und fragte nach der Ursache. Sie sagte
+mir, ich hätte einen Fächer, welchen man mit einem Hut nicht tragen
+dürfe, und meine Kleine wäre zu geputzt, daher man uns für Franzosen
+hielte, die hier schlecht angeschrieben wären.«
+
+»Den Tag darauf ging ich wieder dahin, und wir waren alle ganz auf
+englische Art gekleidet, also glaubte ich, dass man uns nicht bemerken
+würde; ich irrte mich aber, denn ich hörte wieder rufen: French women!
+pretty girl! (Französinnen! hübsche Mädchen!) Ich fragte den
+Lohnbedienten, warum man uns für Französinnen hielt, und erfuhr, dass es
+deshalb wäre, weil ich meinen Kindern Bänder angesteckt hatte. Ich riss
+sie ab und steckte sie in die Tasche, aber man begaffte mich immer noch,
+und ich hörte, dass es wegen der Hüte war, welche die Kinder in England
+von einer anderen Form trugen. Ich sah daraus, wie nötig es war, sich
+nach der Sitte des Landes zu richten, um mit Annehmlichkeit dort zu
+sein, denn der Mob (Pöbel) läuft gleich zusammen, und wenn man sich mit
+ihm in Wortwechsel einlassen wollte, so setzte man sich Beschimpfungen
+aus.«
+
+Einige Tage später reiste die Baronin nach Bristol. Sie schreibt:
+»Gleich den Tag nach meiner Ankunft rief mich meine Wirtin zu einem (wie
+sie es nannte) allerliebsten Schauspiel. Wie ich ans Fenster trat,
+erblickte ich zwei nackte Menschen, die sich mit der grössten
+Erbitterung boxten. Ich sah wie ihr Blut floss und wie die Wuth in ihren
+Augen gemalt war. Zu wenig an einen solchen hässlichen Anblick gewöhnt,
+zog ich mich geschwind in den innersten Winkel des Hauses zurück, um
+nicht das Freudengeschrei zu hören, das die Zuschauer dabei machen, wenn
+einer einen Stoss bekommt. Während meines Aufenthalts in Bristol hatte
+ich einen unangenehmen Auftritt. Ich trug ein zitzenes Kleid mit einem
+Besatz von grünem Taft. Dieses mochte den Bristolern als etwas zu
+Fremdes aufgefallen sein, denn wie ich eines Tages mit Madame Foy
+spazieren ging, versammelten sich über 100 Matrosen um uns, wiesen auf
+mich mit Fingern und riefen: French whore! (französische Hure!) Ich floh
+so geschwind als möglich in das Haus eines Kaufmanns, und nahm den
+Vorwand dort etwas zu kaufen; mittlerweile verlief sich das Volk wieder.
+Das verleidete mir aber mein Kleid, und wie ich wieder nach Hause kam,
+so schenkte ich es meiner Köchin, ob es gleich noch ganz neu war.«
+
+Frau von Riedesel blieb 10 Monate in England. Ihr Gemahl hatte ihr
+gesagt, dass sie nicht ohne Begleitung einer andern Dame reisen sollte,
+und hatte ihr die oben erwähnte Mrs. Foy empfohlen, die sich auch in
+Canada mit ihrem Mann vereinigen wollte. Diese Dame liess die Baronin
+den ganzen Sommer 1776 hindurch warten und weigerte sich schliesslich
+mit ihr zu gehen. Es war spät im Herbst und der Baronin Riedesel war
+angerathen, die Überfahrt nicht zu wagen, da sie den St. Lawrence-Strom
+mit Eis gesperrt finden möchte. Sie kehrte infolgedessen nach London
+zurück, wo sie bei liebevollen Menschen gute Wohnung fand und den
+folgenden Winter zubrachte. Die Sorge für ihre Kinder zwang sie, ein
+ruhiges Leben zu führen. Indessen wurde sie bei Hof vorgestellt, von
+welcher Ceremonie sie folgenden Bericht macht: »Man riet mir, an Hof zu
+gehen, da die Königin geäussert hätte, dass sie mich gern sehen wollte.
+Ich liess mir also eine Hofrobe machen, und Lady George Germaine
+präsentierte mich. -- Es war am Neujahrstage 1777. Ich fand das Schloss
+sehr hässlich und altfränkisch möbliert. Die Damen und Herren stellten
+sich alle in das Audienzzimmer; hierauf kam der König, welcher 3
+Kavaliere vor sich gehen hatte, in das Zimmer. Ihm folgte die Königin
+links herum. Beide gehen keinen vorbei ohne ihm was zu sagen. Am Ende
+des Saals begegnen sie sich, machen sich eine grosse Reverenz, und
+gehen dann ein jeder von ihnen dahin, wo der Andere hergekommen ist. Ich
+frug Lady Germaine, was ich zu thun hätte, und ob der König, wie ich
+gehört hätte, alle Damen küsste? Nein, antwortete sie mir, bloss die
+Engländerinnen und Marquisen, und man hat nichts weiter zu thun, als
+stille auf seinem Platz stehen zu bleiben. Wie nun der König an mich
+heran kam, war ich sehr verwundert, dass er mich küsste, und wurde
+darüber feuerrot, weil es mir ganz unerwartet kam. Er fragte mich
+sogleich, ob ich Briefe von meinem Mann hätte? Ich sagte: Ja, am 22.
+November. Er ist wohl, erwiederte er, ich habe mich express nach ihm
+erkundigt, jedermann ist mit ihm zufrieden, und ich hoffe, dass ihm die
+Kälte nichts schaden wird. Ich antwortete, ich glaubte und hoffte, dass,
+da er in einem kalten Klima geboren wäre, ihm die Kälte nicht so
+beschwerlich fallen würde. Ich hoffe es auch, sagte er; allein dieses
+versichere ich Ihnen, dass die Luft daselbst sehr gesund und klar ist.
+Hierauf machte er mir noch einen sehr freundlichen Gruss und ging
+weiter. Als er weg war, sagte ich der Lady Germaine, dass ich durch den
+Kuss des Königs nun naturalisiert wäre. Hernach kam die Königin, die
+auch sehr freundlich gegen mich war und mich fragte, ob ich schon lange
+in London wäre? Ich sagte »2 Monat«. »Ich glaubte schon länger«,
+erwiederte sie. Ich antwortete, »in London nur so lange, aber in England
+bereits 7 Monat.« Sie fragte, ob es mir hier gefiele? Ich sagte »ja;
+dass ich aber doch sehr wünschte, erst in Canada zu sein«. »Fürchten Sie
+sich denn nicht«, frug sie weiter, »vor der See? Ich liebe sie
+garnicht.« »Ich auch nicht«, erwiederte ich, »allein es ist kein ander
+Mittel, meinen Mann wiederzusehen, und ich werde mit Freunden reisen.«
+»Ich bewundere ihren Muth«, sagte sie, »denn es ist eine starke
+Unternehmung und sehr beschwerlich, zumal mit 3 Kindern.«
+
+»Aus dieser Unterredung sah ich, dass sie schon mehr von mir gehört
+hatte, und es war mir daher lieb, dass ich an den Hof gegangen war. Nach
+der Cour sah ich alle königlichen Kinder, bis auf eins, das krank war.
+Es waren ihrer 10, die ich alle bildschön fand.«
+
+»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale
+hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner
+Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob
+ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als
+ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich
+es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu
+erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun
+würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die
+Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine
+deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den
+Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das
+Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich
+billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück.
+Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen
+erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich
+besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und
+mich oft grüssen lassen.« --
+
+Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines
+Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30
+Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach
+einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt
+von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit
+ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen
+nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie
+konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee
+im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières
+zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein,
+deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von
+ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen
+Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre:
+
+Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne
+in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2
+Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt:
+»Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu
+landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt
+war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch
+Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten
+weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu
+gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die
+vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses,
+welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich
+bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu
+Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.
+
+Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit
+hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht
+erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen
+Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte?
+»Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach
+ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn
+derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah.
+Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben
+über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches
+höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche
+zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil
+die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das
+Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich.
+Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das
+Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe
+die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm
+machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern
+Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum
+Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte,
+nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in
+grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die
+Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen
+Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr
+erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch
+nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm
+daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu
+machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe
+aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich
+war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass
+wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das
+Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab
+mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er
+alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten
+haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst
+von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später
+nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und
+Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm
+Frühstück fertig zu werden.«
+
+
+
+
+Kapitel XII.
+
+Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.
+
+
+Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers
+und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur
+der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und
+General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug
+von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement
+getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über
+die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen
+der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England
+vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.
+
+Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay
+beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre,
+einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut
+nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen
+Ruf hatte.«
+
+Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich
+nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr
+gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der
+wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das
+Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel
+beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne
+ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise
+Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und
+dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit
+widerfuhr.
+
+Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt
+wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake
+Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen
+sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um
+sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von
+Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter
+Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es
+über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner
+Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte
+sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.
+
+Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777
+4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke
+3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der
+Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter
+die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich
+die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf
+4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton
+belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen.
+Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben
+der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von
+Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr
+250 Provinziale.
+
+Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute
+Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die
+Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen
+in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät
+kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner
+eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt
+aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit
+getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit
+einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag
+gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen.
+Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus
+Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.
+
+Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte,
+war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den
+mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche,
+indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den
+Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake
+Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga.
+Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen
+zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake
+George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und
+von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson
+gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte
+das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die
+Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough
+genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei
+Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson
+hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht
+von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem
+natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St.
+Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall
+liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich
+von Whitehall.
+
+Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch
+wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt,
+dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George
+deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte.
+Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort
+Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von
+Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer
+englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in
+Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die
+englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften
+Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.
+
+Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das
+Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es
+während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am
+16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen
+wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im
+Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den
+zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war,
+wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde
+sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein
+neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence
+gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer
+Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche
+eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die
+Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem
+Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien
+mit eingeschlossen.
+
+Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777
+erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen
+auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence.
+Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St.
+Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der
+Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit
+mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von
+Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die
+Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf
+Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas
+aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen,
+welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden
+genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt,
+die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich
+bemüht hatten.
+
+Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton
+zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf
+den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen
+Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner
+bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der
+Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu
+Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr
+Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler
+und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die
+Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies
+war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.
+
+Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber
+die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört
+hatten.
+
+Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das
+Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden
+wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal
+Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche
+Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher
+die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in
+Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.
+
+Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass
+Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts
+zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die
+Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten
+Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George
+Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte
+der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer
+und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen
+mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte,
+dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere
+wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen
+Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an
+Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die
+Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne,
+sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.
+
+Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein
+Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf
+Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte
+Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits
+Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den
+braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen
+canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel
+vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine
+Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh
+aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde
+auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die
+britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende
+Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die
+Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches
+in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder
+Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert
+werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort
+Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde
+die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die
+Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die
+Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber
+Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von
+grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den
+Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens
+wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so
+dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement
+abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St.
+Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass
+es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen
+Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11.
+August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374
+Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an.
+Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte
+Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss
+zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele
+erübrigen.
+
+Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.
+
+Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5
+Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann
+besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden.
+Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den
+Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten
+die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei
+und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im
+Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte.
+Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die
+Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr
+glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint
+nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben,
+denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen,
+wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den
+Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an
+demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken
+Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar
+Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig
+gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf
+Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der
+Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant
+Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab.
+Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2
+kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch
+legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn
+die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg
+war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung
+Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer
+Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene
+Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden.
+Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das
+Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein
+grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit
+kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich
+in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze
+Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte
+zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss,
+im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem
+amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.
+
+Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der
+Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn
+ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass
+dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die
+Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und
+die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn,
+welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden.
+Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann
+ohne Artillerie vorgeschoben hätte.
+
+Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf
+einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr
+morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen
+Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und
+geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute
+Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen
+Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des
+Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde
+ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um
+3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der
+Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und
+Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2
+Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten
+mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die
+mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die
+Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut
+angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt
+haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly
+Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der
+Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es
+ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die
+Braunschweiger gefangen genommen.
+
+Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der
+Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner
+vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus
+Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging
+und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem
+Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der
+in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt,
+brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros
+ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst
+an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf
+dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.
+
+Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in
+die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht
+wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.
+
+Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die
+Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf
+sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von
+den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.
+
+Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich
+ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli
+mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den
+ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps
+nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und
+von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River.
+Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von
+einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte
+dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung
+mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee
+bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800
+Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter
+General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese
+wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen
+und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter
+Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern
+keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren
+Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer
+ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war
+gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er
+ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich
+hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere
+lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand
+zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den
+Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner,
+denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde
+gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger
+als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits
+tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort
+Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers
+Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um
+eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und
+plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die
+Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem
+Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen
+zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen,
+die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch
+liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig
+blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica
+steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt
+worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug
+in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und
+der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten
+bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
+
+Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht.
+Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen
+Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die
+Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den
+Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach
+Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im
+Stich liess.
+
+Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas
+niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her
+und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte,
+gebunden.
+
+
+
+
+Kapitel XIII.
+
+Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.
+
+
+Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen
+Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des
+Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote
+vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September
+1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die
+rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur
+Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die
+Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote
+führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder
+an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,«
+schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese
+königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten,
+denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen.
+Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde!
+ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser
+Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein
+herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn
+wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück
+nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner,
+ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im
+Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine
+Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und
+Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten.
+Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000
+wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug
+aufzugeben.
+
+Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte
+war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der
+leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und
+die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur
+langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die
+Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag
+des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm,
+nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit
+einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine
+Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf
+beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht
+kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen
+Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und
+überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder
+zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber
+ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320
+Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren
+behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber
+es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am
+20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf
+Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von
+Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam.
+
+Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten
+Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie
+zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen
+Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von
+der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die
+Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich
+belobt.
+
+Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst
+Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige
+der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen,
+war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.
+
+Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war
+ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören,
+dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als
+sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle
+Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des
+Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde.
+Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und
+sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten.
+
+Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und
+zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete
+Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von
+ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen
+waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die
+Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.
+
+Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel
+wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider
+zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem
+feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das
+amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so
+nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören
+konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die
+Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden
+Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom
+andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.
+
+Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom
+10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine
+Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne
+sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne
+Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden
+sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn
+veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der
+Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery,
+aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll
+nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General
+Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er
+-- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt
+wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde
+ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote
+als Spion gehängt.
+
+Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry
+Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2
+Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa
+angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson
+stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment
+gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen,
+aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach
+Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan
+kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
+
+Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde
+die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren
+häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe
+verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das
+Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
+
+An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden
+waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips,
+Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend
+am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke
+zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte
+zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der
+Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und
+Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage
+nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass
+während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung
+zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss
+am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat
+befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer
+Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind
+erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte,
+es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill
+zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte
+die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte
+Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und
+Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen,
+erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich
+bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden
+könnte, den Rückzug antreten.
+
+Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um
+10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8
+Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die
+vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen
+Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe
+ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor --
+nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde
+sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel,
+die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den
+englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den
+Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage
+von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche
+Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran,
+Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf
+dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands
+Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet
+zurückliessen.
+
+Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in
+Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht.
+Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich
+genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und
+der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit
+wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt,
+hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die
+Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung
+aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
+
+Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und
+behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der
+wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
+
+Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem
+äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war
+durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf
+ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der
+Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse
+Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen
+Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei
+von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der
+Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke
+angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder
+durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
+
+Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer
+über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber,
+sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um
+sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute
+wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen
+Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
+
+Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten
+den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen
+hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde.
+Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit
+seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das
+Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute
+schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde
+tötlich gewesen wäre.
+
+Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen.
+Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall
+war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden
+die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson
+übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser
+beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt
+hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel
+inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am
+siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7.
+ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich
+glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag
+bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein
+Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches
+mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach
+Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit
+Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War!
+War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu
+Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch
+plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen
+gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot
+als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten
+sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den
+armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich
+verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und
+man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer
+Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der
+Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich
+und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt:
+»Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft
+seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor
+Mistress Fraser!««
+
+Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am
+folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre
+Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges
+Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein
+Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die
+Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner,
+die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter
+dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer
+der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet.
+
+Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel
+kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen
+wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war,
+nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man
+brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen.
+
+[Illustration: BURGOYNE'S ÜBERGABE.
+
+October 1777.]
+
+General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht
+zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9.
+besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten
+sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen
+diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen
+des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit
+war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.
+
+
+
+
+Kapitel XIV.
+
+Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.
+
+
+In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen
+Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war
+vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu
+bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11.
+machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm
+sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich
+vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die
+englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen.
+
+Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu
+sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu
+beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind
+anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und
+auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte
+deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage
+abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und
+durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber
+keine Entscheidung getroffen.
+
+Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei
+Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel
+bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit
+eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war
+vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde
+der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel
+Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur
+Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu
+unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern
+Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.
+
+Am 13. Oktober wurde ein dritter Kriegsrat, dem auch die
+Regiments-Kommandeure beiwohnten, zusammenberufen. General Burgoyne
+setzte die Hoffnungslosigkeit der Situation auseinander. Nur noch für
+fünf Tage wären Vorräte vorhanden. Das ganze britische Lager könnte von
+den feindlichen Kartätschen und Flintenkugeln erreicht werden. Gates
+Armee hätte hinter einem morastigen Hohlweg Stellung genommen, und zwar
+so, dass, wenn Burgoyne angreifen wollte, er sich so weit vom Hudson
+entfernen müsste, dass die Amerikaner den Fluss überschreiten und ihn im
+Rücken angreifen würden. Selbst wenn man den Feind erfolgreich
+angegriffen und durchbrochen haben würde, so wären doch nicht
+Lebensmittel genug vorhanden, um nach Fort George zu gelangen. Die
+Stellung, welche die Armee nunmehr einnähme, wäre im Zentrum und auf dem
+rechten Flügel unhaltbar. (Dies war die Terrainstrecke, welche
+hauptsächlich von den Deutschen besetzt war.)
+
+Burgoyne erklärte, dass niemand anders als er selbst für die Lage, in
+der sich die Armee gegenwärtig befände, verantwortlich gemacht werden
+könnte, da er niemand um Rat gefragt, sondern nur Befolgung seiner
+Befehle gefordert habe. Riedesel dankte Burgoyne für diese Erklärung, da
+hierdurch jedermann überführt würde, dass er keinen Anteil an der
+Leitung der von der Armee ausgeführten Bewegungen gehabt hätte, und bat
+daher alle englischen Offiziere, ihm dieses zu bezeugen, wenn er jemals
+zur Verantwortung gezogen werden sollte.
+
+Hierauf legte Burgoyne dem Kriegsrat folgende Fragen vor:
+
+1. Ob in der Kriegsgeschichte Beispiele wären, dass eine Armee in dieser
+Lage kapituliert hätte.
+
+2. Ob in einer solchen Lage eine Kapitulation entehrend sei.
+
+3. Ob die Armee wirklich in der Lage sei, kapitulieren zu müssen.
+
+Auf die erste Frage antworteten alle, dass die Lage der sächsischen
+Armee bei Pirna, des Generals Fink bei Maxen und des Prinzen Moritz von
+Sachsen nicht so schlimm und hülflos gewesen wäre, als die, worin sich
+gegenwärtig die Armee befände; und dass niemand die Generäle hätte
+tadeln können, die, um ihre Armeen zu retten, in solcher Lage
+kapituliert hätten; ausser, dass der König von Preussen den General v.
+Fink, jedoch hauptsächlich aus persönlicher Ungnade, kassiert hätte.
+
+Auf die zweite Frage antworteten alle, dass aus den eben angeführten
+Gründen die Kapitulation nicht entehrend sein könne. Und auf die dritte
+Frage stimmten alle darin überein, dass, wenn der General Burgoyne die
+Möglichkeit sähe, den Feind anzugreifen, sie bereit wären, ihr Blut und
+Leben aufzuopfern; wenn dies aber nicht thunlich sei, so hielten sie es
+für besser, durch eine ehrenvolle Kapitulation dem Könige die Truppen zu
+retten, als durch ein noch längeres »Anstehen« Gefahr zu laufen, wenn
+alle Lebensmittel aufgezehrt wären, sich auf Diskretion ergeben zu
+müssen; oder aber, bei einem Angriff in dieser fehlerhaften Position
+gesprengt und dann einzeln aufgerieben zu werden.
+
+Nach dieser Erklärung setzte General Burgoyne den Entwurf zu einer
+Kapitulation auf, welcher vorteilhaft schien und daher einmütig
+gebilligt wurde. Hierauf wurde ein Tambour ins feindliche Lager
+geschickt um anzuzeigen, dass man am andern Tag einen Stabsoffizier
+hinüberschicken wolle, um mit General Gates Sachen von Wichtigkeit zu
+verhandeln, und während dieser Zeit um Waffenstillstand zu bitten. Dies
+wurde von General Gates bewilligt.
+
+Am 14. vormittags 10 Uhr wurde der Major Kingston in das amerikanische
+Lager hinübergeschickt, um die Vorschläge Burgoynes zu überbringen,
+welche in der Hauptsache darin bestanden, dass seine Armee sich zu
+Kriegsgefangenen, jedoch nur unter der Bedingung ergeben wolle, dass sie
+nach Boston geführt und von da nach England eingeschifft werden sollte,
+nachdem sie sich verpflichtet haben würde, in diesem Kriege, oder bis zu
+ihrer Auswechselung, nicht gegen die Amerikaner zu dienen.
+
+General Gates nahm aber diese Vorschläge nicht an, sondern setzte einen
+andern Kapitulations-Entwurf in 6 Artikeln auf, welcher besagte, dass,
+»da General Burgoynes Armee durch wiederholte Niederlagen, Desertion,
+Krankheit etc. zusammengeschmolzen sei, die Vorräte erschöpft, die
+Dienstpferde, Bagage, Zelte genommen oder zerstört seien, ihre
+Rückzugslinien verlegt und ihr Lager umgezingelt sei, sie sich
+kriegsgefangen ergeben sollte.«
+
+Der sechste Artikel besagte, dass »sobald dieser Vertrag gebilligt und
+unterzeichnet sei, die Truppen unter dem Befehl Seiner Exzellenz des
+Generals von Burgoyne in den Retranchements, in denen sie jetzt stünden,
+das Gewehr strecken und sodann nach dem Orte ihrer weiteren Bestimmung
+marschieren sollten.«
+
+General Burgoyne liess den Kriegsrat zusammenrufen und las diese
+Propositionen des General Gates vor. Die Offiziere erklärten alle
+einmütig, dass sie lieber Hungers sterben, als solche entehrenden
+Artikel eingehen wollten. Major Kingston wurde wieder zu General Gates
+zurückgeschickt, um ihm sagen zu lassen, dass, wenn er nicht von dem 6.
+Artikel ablassen würde, die Verhandlungen sofort abgebrochen würden; die
+Armee würde eher wie ein Mann einen Verzweiflungs-Coup ausführen, als
+sich diesem Artikel unterwerfen. Der Waffenstillstand wurde hierauf
+aufgehoben.
+
+Zu aller Erstaunen langten am folgenden Morgen (15. Oktober 1777) neue
+Vorschläge von General Gates an, worin er alle von Burgoyne
+vorgeschlagenen Artikel der Hauptsache nach billigte; es wurde nur noch
+ausgemacht, dass die Armee schon an demselben Tage nachmittags um 2 Uhr
+aus ihrer Position abmarschieren sollte.
+
+Diese plötzliche Veränderung erregte bei den englischen und deutschen
+Offizieren Misstrauen. Der Kriegsrat beschloss, Gates Vorschläge
+anzunehmen, wollte aber versuchen Zeit zu gewinnen. Eine Kommission,
+bestehend aus zwei Stabsoffizieren von jeder Seite, wurde ernannt, und
+diese verhandelte über verschiedene Kleinigkeiten, die den Artikeln noch
+hinzuzufügen waren, bis 11 Uhr nachts. Die Amerikaner bewilligten alles,
+was man von ihnen verlangte. Die Engländer ihrerseits versprachen, dass
+am andern Morgen die Kapitulation von General Burgoyne unterzeichnet und
+General Gates übersandt werden würde. Der Waffenstillstand sollte
+fortdauern.
+
+Dieselbe Nacht kam ein Überläufer und sagte aus, dass er durch dritte
+Hand erfahren habe, der englische General Clinton habe nicht allein die
+Verschanzung von den Highlands erobert, sondern sei auch schon vor 8
+Tagen bis nach Esopus vorgerückt und müsse aller Wahrscheinlichkeit nach
+schon in Albany angekommen sein. Burgoyne sowohl, wie verschiedene
+andere Offiziere wurden durch diese Nachricht so begeistert, dass sie
+grosse Lust bekamen, die Kapitulation zu brechen. Es wurde noch einmal
+ein Kriegsrat zusammenberufen, welcher folgende Fragen beantworten
+sollte:
+
+»1. Ob ein Traktat, der von bevollmächtigten Kommissarien finaliter
+arrangieret sei, noch nach dem Versprechen des Generals, solchen, sobald
+die Kommissarien alles applanieret, zu unterzeichnen, mit Ehren
+gebrochen werden könne?
+
+2. Ob die eingegangenen Nachrichten so hinlänglich sicher wären, dass
+sie ein Bewegungsgrund sein könnten, einen in unserer Lage so
+vorteilhaften Akkord zu brechen?
+
+3. Ob die Armee wohl noch munteren Geist genug hätte, ihre jetzige
+Stellung bis auf den letzten Mann zu verteidigen?«
+
+Auf die erste Frage erklärten 14 Offiziere gegen 8, dass ein solcher
+Traktat ohne Verletzung der Ehre nicht gebrochen werden könne. Über die
+zweite waren die Stimmen geteilt. Die Verneinenden stützten sich darauf,
+dass der Überbringer der Nachricht alles nur vom Hörensagen hätte, und
+dass, selbst wenn General Clinton wirklich in Esopus wäre, die
+Entfernung von da doch noch so gross sein würde, dass er ihnen in ihrer
+gegenwärtigen Lage doch nicht mehr helfen könnte. Auf die dritte Frage
+war die Antwort aller Offiziere vom linken Flügel bejahend; die
+Offiziere vom Zentrum und rechten Flügel antworteten aber, dass zwar
+alle Soldaten den grössten Mut bezeigen würden, wenn es zum Angriff des
+Feindes gehen sollte, dass aber, da ihnen allen das Fehlerhafte ihrer
+Position zu gut bekannt wäre, zu befürchten stände, sie würden einen
+feindlichen Angriff nicht ebenso aushalten. Da die braunschweigischen
+Truppen hauptsächlich das Zentrum und den rechten Flügel einnahmen, so
+bezieht sich auf diese Erklärung ihrer Offiziere wahrscheinlich eine
+Bemerkung Burgoynes in einem Privatbrief »die Deutschen entmutigt und
+bereit, bei dem ersten Feuer die Waffen zu strecken.«
+
+Um doch noch Zeit zu gewinnen, wurde ein letztes Mittel versucht.
+Burgoyne schrieb nämlich am 16. früh an General Gates einen Brief, worin
+er ihm erklärte, dass er in der vergangenen Nacht von Deserteuren die
+Nachricht erhalten habe, dass er, General Gates, einen ansehnlichen Teil
+seiner Armee nach Albany detachiert hätte und zwar im Laufe der
+Unterhandlungen; dies wäre ganz gegen Treue und Glauben und er,
+Burgoyne, würde die Kapitulation nicht eher unterzeichnen, bis sich
+nicht ein Offizier seines Stabes davon überzeugt haben würde, dass die
+amerikanische Armee drei bis viermal der englischen überlegen sei. Gates
+scheint schliesslich dieses Herumführen an der Nase müde geworden zu
+sein. Er liess als Antwort sagen, dass seine Armee noch dieselbe Stärke
+wie vorher und sogar noch Verstärkung bekommen hätte; dass er es ebenso
+wenig für politisch wie vielmehr seiner Ehre nachteilig halten würde,
+die Stärke seiner Armee einem von General Burgoynes Offizieren zu
+zeigen, und dass der General wohl bedenken möchte, was er thäte, wenn er
+sein Ehrenwort bräche; er würde für die Folgen verantwortlich sein.
+Gates fügte hinzu, dass, sobald die Kapitulation unterzeichnet sein
+würde, er bereit sei, dem General Burgoyne seine ganze Armee zu zeigen,
+und er stände mit seiner Ehre dafür, dass er sie viermal so stark als
+die Britische finden würde, ungerechnet die Truppen, die jenseits des
+Hudson postiert wären. Er könne aber jetzt nicht mehr länger als eine
+Stunde Zeit zur Antwort gestatten, und würde nach Verlauf derselben sich
+genötigt sehen, die strengsten Massregeln zu ergreifen.
+
+Hierauf wurde der Kriegsrat noch einmal zusammenberufen, und Niemand
+fand sich mehr, der dem General zum Brechen seines Wortes geraten hätte.
+Burgoyne zog die Generale Phillips und Riedesel allein auf die Seite und
+bat um ihren freundschaftlichen Rat. Beide schwiegen anfänglich stille,
+bis endlich der General Riedesel erklärte, dass wenn der General
+Burgoyne in England zur Verantwortung gezogen werden sollte, er nur für
+die Bewegungen, die die Armee in eine solche Lage gebracht hätten,
+verantwortlich sein könnte, und vielleicht wegen der ersten Eröffnung
+einer Kapitulation und deswegen, weil er nicht frühzeitig genug den
+Rückzug so weit gemacht, dass man Herr der Kommunikation mit dem Fort
+George geblieben wäre. Nun aber nach allen gethanen Schritten hielt es
+Riedesel noch viel gefährlicher, den Tractat auf eine ungewisse und
+unzuverlässige Nachricht hin zu brechen.
+
+Gleicher Meinung war der Brigadier Hamilton, der hinzu kam und auch
+darüber befragt wurde. General Phillips sagte nur, dass die Lage der
+Dinge eine derartige sei, dass er weder Rat noch Hilfe ausfindig machen
+könne. Nach vielem Überlegen hin und her entschloss sich Burgoyne
+schliesslich zu unterzeichnen, und hierauf wurde die unterzeichnete
+Kapitulation an General Gates gesandt.
+
+Es übergaben sich im Ganzen 5791 Mann. Riedesel hat festgestellt, dass
+nicht mehr als 4000 von diesen dienstfähig waren. Die Zahl der
+Deutschen, die sich ergaben ist von Eelking auf 2431 festgestellt
+worden, von denen die getötet, verwundet und vermisst wurden vom 6.
+Oktober an auf 1122. Der Gesamt-Verlust der Briten und ihrer
+Hilfstruppen an Toten, Verwundeten, Gefangenen und Deserteuren während
+dieser Kampagne, einschliesslich der Verluste von St. Legers Expedition,
+betrug annähernd 9000 Köpfe.
+
+Die Tage, welche der Uebergabe vorausgegangen waren, waren Tage der
+Verwirrung gewesen. Baronin Riedesel sagt, dass sie am Abend des 9.
+Oktober in Saratoga, nachdem sie während des ganzen Tages nur eine halbe
+Stunde zurückgelegt hatten, den General Phillips gefragt habe, warum sie
+denn den Rückzug nicht fortsetzten, da es doch noch Zeit wäre. Der
+General bewunderte ihre Entschlossenheit und wünschte, sie hätte den
+Befehl über die Armee. Dieselbe Dame erwähnt, dass Burgoyne die Hälfte
+jener verhängnisvollen Nacht singend und trinkend zugebracht und sich
+mit seiner Maitresse amüsiert habe.
+
+Die Armee war dem Elend und der Unordnung anheim gefallen. Am 10.
+verpflegte die Baronin mehr als 30 Offiziere aus ihren Privat-Vorräten,
+»denn wir hatten einen Koch, der, ob er gleich ein Erzschelm war, doch
+zu allem Rat wusste, und oft des Nachts kleine Flüsse passierte, um den
+Landleuten Hämmel, Hühner und Schweine zu stehlen, die er sich nachher
+gut bezahlen liess von uns, wie wir erst in der Folge erfahren haben.«
+Diese Vorräte waren nun erschöpft, und die Dame in ihrer Verzweiflung
+rief den General-Adjutanten, der ihr gerade in den Wurf kam, zu sich
+heran, er möchte Burgoyne über den grossen Mangel, an dem die in Dienst
+verwundeten Offiziere litten, in Kenntnis setzen. Der kommandierende
+General nahm dies gut auf, kam selbst zu ihr und dankte ihr, dass sie
+ihn an seine Pflicht erinnert hätte, und gab Befehl, dass Lebensmittel
+verteilt werden sollten. Die Baronin glaubte, dass Burgoyne ihr nie
+diese Einmischung verziehen habe. Es scheint mir, nach den
+Aufzeichnungen Beider, dass eher sie und ihr Gemahl als Burgoyne einen
+heimlichen Groll hegten. Die Denkschrift, welche General Riedesel
+verfasste und von seinen Offizieren gleich nach der Übergabe
+unterzeichnet wurde, ist eine lange Anklage gegen Burgoyne und legt die
+üblen Folgen dar, dass man den Schreiber nicht um Rat gefragt oder seine
+Pläne nicht pünktlich zur Ausführung gebracht habe. Es ist klar, dass
+Riedesel Burgoyne für das Unglück der Armee verantwortlich machte, das
+Unglück, welches ihm so zu Herzen ging, dass sein Körper und seine
+Gemütsstimmung längere Zeit ernstlich darunter litten. Burgoyne schrieb
+im Frühjahr 1778, bevor er Amerika verliess an den Herzog von
+Braunschweig und pries Riedesels grosse Fähigkeiten und die Art, wie er
+die Befehle seines vorgesetzten Offiziers ausgeführt hätte. --
+Hieraufhin schrieb Riedesel einen sehr freundlichen Brief an Burgoyne,
+in welchem er ihm in seinem und seiner Offiziere Namen für die ihnen
+bewiesene Güte dankte. »Wenn auch unsere Bemühungen nicht vom Glück
+gekrönt worden sind«, fährt er fort, »so wissen wir doch wohl, dass es
+nicht Ihr Fehler war, sondern dass die Armee ein Opfer der Wechselfälle
+des Krieges geworden ist.« Dieser einzige Ausdruck des Vertrauens ist
+mit dem, was Riedesel zu andern Zeiten und an anderer Stelle sagt, nicht
+in Einklang zu bringen. Die oben erwähnte militärische Denkschrift, die
+in dem Buch der Baronin veröffentlicht ist, ist ein genügender Beweis
+dafür. In demselben Sinne sind Riedesels Bemerkungen über Burgoynes
+Feldzugs-Bericht aufgefasst. Diese Bemerkungen, welche an den Herzog von
+Braunschweig und an seine Landsleute gerichtet waren, sind datiert
+Cambridge, 8. April 1778, etwas mehr als einen Monat später als der oben
+erwähnte Brief. Sie beklagen ausdrücklich, dass General Burgoyne,
+während er von Riedesel selbst mit Anerkennung spräche, über die
+Leistungen der Truppen leicht hinwegginge. Die Klagen des deutschen
+Generals in dieser Beziehung sind aber, Burgoynes Bericht nach, nur
+wenig gerechtfertigt.
+
+Doch wir müssen zur Baronin zurückkehren. Am Nachmittag des 10. Oktober
+nahmen die Amerikaner das Feuer auf die Engländer wieder auf. »Mein Mann
+liess mir sagen, dass ich mich unverzüglich nach einem Hause begeben
+sollte, welches nicht weit von da war. Ich setzte mich in die Kalesche
+mit meinen Kindern, und kaum sind wir im Begriff bei dem Hause
+anzukommen, so sehe ich an dem jenseitigen Ufer des Hudson-Flusses sechs
+bis sieben Menschen mit Flinten, die auf uns zielen. Fast unwillkürlich
+werfe ich die Kinder in den Fond der Kalesche und mich über sie; in
+demselben Augenblick schiessen die Kerle und zerschmettern hinter mir
+einem armen englischen Soldaten, der schon blessiert war und sich auch
+nach dem Hause retten wollte, einen Arm. Gleich nach unserer Ankunft
+begann eine fürchterliche Kanonade, welche grösstenteils nach dem Hause,
+worin wir Schutz gesucht, gerichtet war, vermutlich weil die Feinde
+glaubten, da sie viel Leute dorthin strömen sahen, dass die Generalität
+sich dort befände. Ach, es waren nichts als Verwundete oder Frauen! Wir
+wurden endlich genötigt, in einem Keller unsere Zuflucht zu nehmen, wo
+ich mich in eine Ecke unweit der Thür lagerte. Meine Kinder lagen auf
+der Erde, mit ihren Köpfen auf meinem Schooss. So blieben wir die ganze
+Nacht. Ein entsetzlicher Geruch, das Geschrei der Kinder, und noch mehr
+als alles dieses, meine Angst, verhinderten mich ein Auge zuzuthun.
+
+Den andern Morgen ging die Kanonade wieder an, aber von einer andern
+Seite. Ich riet, dass alle aus dem Keller ein wenig herausgehen möchten,
+während dessen ich ihn wollte reinigen lassen, weil wir sonst alle krank
+werden würden. Man folgte meinem Rat und liess von Vielen Hand anlegen,
+was bei der weitläufigen Arbeit höchst nötig war. Wie alles heraus war,
+besah ich mir unsern Zufluchtsort; es waren drei schöne Keller, die
+recht gut gewölbt waren. Ich that den Vorschlag, dass in den einen die
+am gefährlichsten blessierten Offiziere gebracht werden sollten; die
+Frauen sollten in dem andern sein, und alle Übrigen in dem dritten, der
+dem Ausgang am nächsten war.
+
+Ich hatte gut auskehren und mit Essig räuchern lassen, und man fing
+bereits an, jeder seinen Platz einzunehmen, als neue entsetzliche
+Kanonenschüsse alles wieder in Alarm brachten. Mehrere, die kein Recht
+hatten hineinzugehen, stürzten nach der Thüre. Meine Kinder waren schon
+die Kellertreppe hinunter, und wir hätten Alle können erdrückt werden,
+wenn Gott mir nicht Kräfte geschenkt hätte, mich vor die Thür zu stellen
+und mit ausgebreiten Armen allen den Eingang zu verwehren; sonst wäre
+gewiss jemand von uns zu Schaden gekommen. Elf Kanonenkugeln gingen
+durchs Haus und wir konnten sie deutlich über unsere Köpfe hinwegrollen
+hören. Einem armen Soldaten, dem man ein Bein abnehmen wollte und
+dieserhalb auf den Tisch gelegt hatte, nahm eine Kanonenkugel
+mittlerweile das andere Bein fort. Seine Kameraden waren alle davon
+gelaufen, und wie sie wieder zu ihm kamen, fanden sie ihn in einer Ecke
+der Stube, wo er sich vor Angst hingerollt hatte, und kaum noch athmend.
+Ich war mehr tot als lebendig, doch nicht so viel über unsere eigene
+Gefahr, als über die, in welcher mein Mann schwebte, der jedoch oft
+fragen liess, wie es uns ginge, und mir sagen liess, dass er wohl wäre.
+
+Der Major Harnich und seine Frau, eine Madame Rennels, die schon ihren
+Mann verloren hatte, die Frau des guten Lieutenants, der den Tag vorher
+seine Bouillon so gutherzig mit mir geteilt hatte, die Frau des
+Kommissars und ich, wir waren die einzigen Damen, die bei der Armee
+waren. Wir sassen eben zusammen und beklagten unser Schicksal, als
+jemand hereinkam und man sich in die Ohren flüsterte und sich einander
+traurig ansah. Ich bemerkte dieses und dass auf mich Blicke geworfen
+wurden, ohne dass mir weiter etwas gesagt ward. Dieses erweckte in mir
+den schrecklichen Gedanken, dass mein Mann geblieben sei. Ich schrie
+laut auf; man versicherte mich aber, dass dieses nicht sei, sondern
+winkte mir zu, dass den Mann der armen Lieutenantin dieses Unglück
+betroffen habe. Diese wurde auch einen Augenblick nachher herausgerufen.
+Der Mann war noch nicht tot, aber eine Kanonenkugel hatte ihm den Arm
+oben an der Schulter weggenommen. Wir hörten die ganze Nacht sein
+Winseln, welches doppelt und desto grausender in diesen Kellergewölben
+wiederhallte; und der Arme starb erst gegen Morgen. Wir brachten
+übrigens diese Nacht wie die vorige zu. Indessen kam mein Mann, mich zu
+besuchen, welches meinen Kummer linderte und mir wieder Mut gab.
+
+Den Morgen darauf fingen wir an, uns ein wenig besser einzurichten. Der
+Major Harnich und seine Frau und Madame Rennels machten sich in einer
+Ecke eine kleine Stube und Gardinen davor. Man wollte mir eine andere
+Ecke ebenso zurecht machen, ich zog aber vor, nahe an der Thür zu
+bleiben, da ich auf den Fall von Feuersgefahr daselbst eher
+herauskonnte. Ich liess eine Streu machen und legte meine Betten darauf,
+wo ich mit meinen Kindern schlief, nicht weit von uns schliefen meine
+Frauen. Gegenüber waren drei englische Offiziere einquartiert, die, zwar
+blessiert, jedoch entschlossen waren, im Fall des Rückzuges nicht
+zurückzubleiben. Einer derselben war ein Kapitain Green, Adjutant des
+Generals Phillips, ein sehr schätzbarer und artiger Mann. Alle drei
+versicherten mich mit einem Eide, dass sie im Fall eines schleunigen
+Rückzuges mich nicht verlassen und ein jeder von ihnen eines meiner
+Kinder mit auf sein Pferd nehmen wollte. Für mich stand eines von meines
+Mannes Pferden immer gesattelt bereit. Öfters war mein Mann Willens,
+mich, um mich der Gefahr zu entziehen, zu den Amerikanern zu schicken;
+ich stellte ihm aber vor, dass es noch ärger als alles, was ich jetzt
+ausstehen müsste, sein würde, mit Leuten zu sein, denen ich mit Schonung
+würde begegnen müssen, während dass mein Mann sich mit ihnen
+herumschlüge; er versprach mir also, dass ich ferner der Armee folgen
+sollte. Manchmal bekam ich jedoch in der Nacht die Angst, dass er
+fortmarschiert wäre, und kroch aus meinem Keller, um zuzusehen; wenn ich
+dann die Truppen in den schon kalten Nächten um die Feuer herumliegen
+sah, so konnte ich wieder ruhiger schlafen.
+
+Auch die mir anvertrauten Sachen verursachten mir viel Unruhe. Ich hatte
+sie alle vorne in meinem Corset stecken, weil mir immer so sehr angst
+war, etwas davon zu verlieren, und ich nahm mir fest vor, in Zukunft
+mich nicht mehr mit dergleichen zu befassen. Den dritten Tag fand ich
+erst Gelegenheit und einen Augenblick, um die Wäsche zu wechseln, da man
+die Gefälligkeit hatte, mir einen kleinen Winkel hierzu einzuräumen;
+während der Zeit standen meine drei vorerwähnten Offiziere nicht weit
+davon Schildwache. Einer dieser Herrn konnte sehr natürlich das Brüllen
+einer Kuh und Blöken eines Kalbes nachahmen: und wenn meine kleine
+Tochter Fritzchen des Nachts weinte, so machte er es ihr vor, sie ward
+wieder stille und wir mussten lachen.
+
+Unser Koch verschaffte uns Essen, aber es fehlte uns an Wasser; und ich
+war öfters genötigt, um nur den Durst zu löschen, Wein zu trinken und
+auch den Kindern welchen zu geben. Es war auch fast das einzige, was
+mein Mann zu sich nahm; welches endlich unsern treuen Jäger Rockel
+ängstigte, so dass er mir eines Tages sagte: »Ich befürchte, dass der
+General aus Besorgnis, in Gefangenschaft zu geraten, des Lebens
+überdrüssig ist, weil er so viel Wein trinkt.« Die beständige Gefahr, in
+welcher mein Mann schwebte, setzte mich in ewige Angst. Ich war die
+einzige unter allen den Frauen, deren Mann nicht geblieben war oder
+sonst ein Unglück gehabt hatte, und sagte mir daher oft: »Sollte ich die
+einzige Glückliche sein?« besonders, da mein Mann Tag und Nacht so sehr
+der Gefahr ausgesetzt war. Er kam keine Nacht in das Zelt und lag alle
+Nächte draussen beim Wachtfeuer. Das alles konnte schon sein Tod sein,
+da die Nächte so nasskalt waren.
+
+Da so grosser Mangel an Wasser bei uns war, so fanden wir endlich eine
+Soldatenfrau, die den Mut hatte, Wasser vom Flusse zu holen, was keiner
+mehr unternehmen wollte, weil der Feind alle Männer, die nach dem Flusse
+gingen, auf den Kopf schoss. Dieser Frau thaten sie nichts aus Achtung
+vor ihrem Geschlecht, wie sie uns selbst hernachmals sagten.
+
+Ich suchte mich dadurch zu zerstreuen, dass ich mich viel mit unsern
+Blessierten beschäftigte. Ich machte ihnen Thee und Kaffee und bekam
+dagegen tausend Segenswünsche. Oft teilte ich auch mein Mittagsessen mit
+ihnen. Eines Tages kam ein canadischer Offizier in unsern Keller, der
+sich kaum noch aufrecht erhalten konnte. Wir kriegten endlich von ihm
+heraus, dass er fast Hungers stürbe. Ich fand mich sehr glücklich, ihm
+mein Essen anbieten zu können, welches ihn wieder zu Kräften brachte und
+mir seine Freundschaft erwarb. Bei unserer nachmaligen Zurückkunft nach
+Canada lernte ich seine Familie kennen. Eine unserer grössten
+Beschwerden war der Geruch der Wunden, wenn sie anfingen zu eitern.
+
+Einst unternahm ich die Kur eines Majors Plumfield, Adjutanten des
+Generals Phillips, dem eine kleine Flintenkugel durch die beiden Backen
+gegangen war und ihm die Zähne zerschmettert und die Zunge gestreift
+hatte. Er konnte gar nichts im Munde behalten; die Materie erstickte ihn
+fast, und er war nicht im Stande, andere Nahrung zu sich zu nehmen als
+ein wenig Bouillon oder sonst etwas Flüssiges. Wir hatten Rheinwein. Ich
+gab ihm eine Bouteille, in der Hoffnung, dass die Säure des Weines seine
+Wunde reinigen würde. Er nahm immer etwas davon in den Mund, und das
+allein that so glückliche Wirkung, dass er geheilt wurde, wodurch ich
+wieder einen Freund mehr bekam. Und so hatte ich mitten in meinen
+Leiden- und Kummerstunden Augenblicke freudigen Genusses, die mich sehr
+glücklich machten.
+
+An einem dieser Tage wünschte General Phillips mich zu besuchen und
+begleitete meinen Mann, der täglich ein- oder zweimal mit Gefahr seines
+Lebens zu mir kam. Er sah unsere Lage und hörte mich meinen Mann
+flehentlich bitten, mich im Fall eines schleunigen Rückzuges nicht
+zurückzulassen, er redete mir selbst das Wort dabei, wie er meinen
+grossen Widerwillen sah, in den Händen der Amerikaner zu sein. Beim
+Weggehen sagte er zu meinem Manne: »Nein, um zehntausend Guineen komme
+ich nicht wieder hierher, denn mein Herz ist ganz zerrissen.«
+
+Indessen verdienten nicht alle, die bei uns waren, Mitleid. Es waren
+auch Feige darunter, die um nichts in dem Keller blieben und nachmals,
+als wir in die Gefangenschaft gerieten, sich recht gut in Reihe und
+Glied stellen und paradieren konnten. Wir blieben sechs Tage in dieser
+schrecklichen Lage. Endlich sprach man von Kapitulieren, da man zu lange
+gezaudert hatte und der Rückzug nun abgeschnitten war. Es wurde ein
+Waffenstillstand gemacht, und mein Mann, der ganz erschöpft war, konnte
+in dem Hause zum erstenmal seit geraumer Zeit sich wieder einmal zu Bett
+legen. Damit seine Ruhe gar nicht gestört wurde, hatte ich ihm in einer
+kleinen Stube ein gutes Bett machen lassen und legte mich mit meinen
+Kindern und meinen beiden Frauen in einem Saal daneben schlafen. Aber
+ungefähr um 1 Uhr in der Nacht kam jemand und verlangte ihn zu sprechen.
+Mit dem grössten Widerwillen sah ich mich genötigt, ihn aufzuwecken. Ich
+bemerkte, dass ihm die Botschaft nicht angenehm war, dass er den Mann
+sogleich nach dem Hauptquartier abfertigte und sich dann verdriesslich
+wieder niederlegte. Bald darauf liess der General Burgoyne alle andern
+Generale und Stabsoffiziere zu einem Kriegsrate, der gleich am frühen
+Morgen abgehalten werden sollte, zusammenberufen, in welchem er auf
+einen erhaltenen falschen Bericht vorschlug, die Kapitulation zu
+brechen, die bereits mit dem Feinde gemacht worden. Es wurde aber
+endlich entschieden, dass dieses weder thunlich noch ratsam sei; und
+dieses war ein Glück für uns, denn die Amerikaner sagten uns nachher,
+dass, wenn wir die Kapitulation gebrochen, wir alle massakriert worden
+wären, welches sie desto leichter thun konnten, da wir nicht über 4 bis
+5000 Mann stark waren und wir ihnen Zeit gelassen hatten, über 20 000
+zusammen zu bringen.
+
+Am 16. Oktober des Morgens musste mein Mann wieder auf seinen Posten und
+ich nochmals in meinen Keller.
+
+An diesem Tage wurde unter die Offiziere, welche bis dahin nur gesalzen
+Fleisch bekommen, das die Wunden der Blessierten sehr verschlimmerte,
+viel frisches Fleisch verteilet. Die gute Frau, welche uns immer Wasser
+geholt, machte eine treffliche Suppe davon. Ich hatte allen Appetit
+verloren und die ganze Zeit nichts zu mir genommen als eine in Wein
+getunkte Brotrinde. Die blessierten Offiziere, meine Unglücksgefährten,
+schnitten das beste Stück Rindfleisch ab und präsentierten es mir mit
+einem Teller Suppe. Ich sagte ihnen, ich wäre nicht vermögend etwas zu
+essen; da sie aber sahen, wie nötig es für mich war, etwas Nahrung zu
+mir zu nehmen, so erklärten sie, dass sie selbst nicht einen Bissen
+anrühren würden, bis ich ihnen das Vergnügen gemacht hätte, davon zu
+nehmen. Ich konnte ihren freundschaftlichen Bitten nicht länger
+widerstehen, worauf sie mir versicherten, dass es sie sehr glücklich
+mache, mir das erste Gute, was sie gehabt, anbieten zu können.
+
+Den 17. Oktober wurde die Kapitulation vollzogen, Die Generale verfügten
+sich zum amerikanischen General en chef Gates, und die Truppen streckten
+das Gewehr und ergaben sich zu Kriegsgefangenen. Nun bekam die gute
+Frau, welche uns mit Gefahr ihres Lebens Wasser geholt, den Lohn ihrer
+Dienste. Jeder warf ihr ganze Hände voll Geld in ihre Schürze, und sie
+bekam zusammen über 20 Guineen. In solchen Augenblicken scheint das Herz
+für Gefühle der Dankbarkeit empfänglich zu sein.«
+
+
+
+
+Kapitel XV.
+
+Die Braunschweiger in Gefangenschaft.
+
+
+Die Bedingungen, unter welchen sich Burgoynes Armee bei Saratoga ergab,
+wurden niemals erfüllt. Die Soldaten wurden im Wesentlichen als
+Kriegsgefangene behandelt. Dieses führte zu heftigen Klagen ihrerseits
+sowohl zu jener Zeit, wie von Seiten deutscher und englischer
+Geschichtsschreiber bis auf den heutigen Tag. Es wird von Bankroft
+berichtet, dass bei der Übergabe die Konvention von den Briten dadurch
+gebrochen worden sei, dass die Kriegskasse und anderes Staatseigentum
+verheimlicht worden sei, um welches die Vereinigten Staaten auf diese
+Weise betrogen wurden. Im November 1777 schrieb Burgoyne eine
+unüberlegte und grundlose Klage gegen die Verletzungen durch die
+Amerikaner und folgerte daraus, dass er den angeblichen Bruch benutzen
+könnte, sich und seine Regierung von allen Verpflichtungen zu entbinden.
+Burgoyne verweigerte auch, die notwendigen Listen aller in die Übergabe
+einbegriffenen Personen herauszugeben. Der Kongress weigerte sich
+daraufhin, seine Armee eher einzuschiffen als bis die Kapitulation durch
+die Regierung von Grossbritannien bestätigt wäre.
+
+Es scheint mir, dass in der Behandlung dieser Angelegenheit der Kongress
+seine Ehre und die des Landes nicht richtig wahrte. Es war richtig, dass
+Gates einen schlechten Handel gemacht hatte. Aber dieser Handel war mit
+Bewusstsein gemacht worden und Burgoynes Soldaten hatten dadurch, dass
+sie die Waffen streckten, die wichtigsten der ihnen auferlegten
+Bedingungen erfüllt. Es lag nunmehr den Amerikanern ob, auch ihrerseits
+dem Vertrage nachzukommen, und schlimmstenfalls eine offenbare
+Verletzung der untergeordneten Artikel der Kapitulation oder der sehr
+deutliche Beweis der Absicht auf englischer Seite, das Wort zu brechen,
+hätte den siegreichen Teil veranlasst haben sollen, die Erfüllung seiner
+Versprechungen zurückziehen.
+
+Während der Kongress gesonnen war, die deutschen Gefangenen in Amerika
+zu behalten, beeilte sich ihr eigener Fürst keineswegs, sie wieder nach
+Europa zurückzuerlangen. Auf die Nachricht der Kapitulation von Saratoga
+schrieb der Minister des Herzogs von Braunschweig an den englischen
+Kommissionär, dass man den Leuten, die sich ergeben hätten, die
+Rückkehr nach Deutschland verwehren sollte, damit sie nicht noch andere
+von der Einreihung in die Armee abschreckten. »Schickt die
+Übriggebliebenen auf eine Eurer Inseln in Amerika, steckt sie in Europa
+auf einer von Euren Inseln, wie z. B. auf der Insel Wight fest.« Auf
+keinen Fall durften die armen Teufel nach Hause kommen.
+
+Am 17. Oktober 1777 streckten General Burgoynes Soldaten die Waffen in
+Saratoga. Dies durften sie ohne Beisein irgend einer amerikanischen
+Truppenabteilung thun. General Riedesel hatte Befehl gegeben, dass die
+Fahnen der braunschweigischen Regimenter nicht überliefert werden
+sollten. Er liess die Fahnenstangen verbrennen und verbarg die
+Fahnentücher, indem er den Amerikanern gegenüber vorgab, dass die
+letzteren auch verbrannt wären. Er verbarg sie, bis die Gefangenen
+einige Zeit in Cambridge verweilt hatten und er die Baronin in das
+Geheimnis eingeweiht hatte. Frau von Riedesel nähte sie mit Hilfe eines
+»recht ehrlichen Schneiders« in eine Matratze ein, und es wurde unter
+irgend einem Vorwand ein Offizier durch die Linie nach New-York gesandt,
+der die Matratze als Teil seines Bettes mitnahm. So wurden die
+braunschweigischen Fahnen gerettet. Burgoyne hatte sein Ehrenwort
+gegeben, dass die Offiziere nichts von dem königlichen Eigentum in ihrem
+Privat-Gepäck mitnehmen würden. Vielleicht meinte man, dass die Fahnen
+dem Herzog von Braunschweig gehörten und nicht dem König, der sie nur
+gemietet hatte in Gemeinschaft mit den Verteidigern derselben.
+
+Nachdem die Waffen niedergelegt waren, marschierten die Braunschweiger
+durch das amerikanische Lager, wo die siegreiche Armee aufgestellt war,
+um sie zu empfangen. Nicht ein Regiment war richtig uniformiert, sondern
+jeder Mann war in den Kleidern, die er auf dem Feld, in der Kirche oder
+im Bierhaus trug. Aber sie standen da wie Soldaten, in guter Ordnung und
+sehr militärisch, zur grossen Verwunderung der deutschen Offiziere.
+»Die Leute standen so still, dass wir mit Erstaunen erfüllt wurden,«
+schreibt einer, »nicht ein Mann machte Miene auch nur mit seinem
+Nebenmanne zu sprechen. Ausserdem standen die Leute alle so aufgerichtet
+im Gliede, sahen so schön und kräftig aus, dass es ein Vergnügen war sie
+anzusehen, und wir alle waren verwundert über diesen schönen
+Menschenschlag..... In der That, Englisch-Amerika übertrifft den
+grössten Teil von Europa, was die Grösse und Schönheit seiner Männer
+anlangt.«
+
+Nur wenige Offiziere in Gates Armee trugen Uniformen, und diese wenigen
+trugen sie nach ihrer eigenen Fantasie, von irgend welchem Tuch, das
+ihnen in die Hände kam. Grosse und kleine Perrücken, schwarze, weisse
+und graue zierten oder verunzierten ihre Köpfe. Einige von ihnen sahen
+aus, als trügen sie ein ganzes Schaf auf ihren Schultern. Diese grossen
+Perrücken flössten, unserem Braunschweiger zufolge, dem gewöhnlichen
+Volk grosse Ehrfurcht ein. Unter den Trägern dieser Perrücken waren
+viele 50 bis 60 Jahre alt, und nunmehr zum ersten Mal in Reihe und
+Glied, zwar etwas schwerfällig ihrer Erscheinung nach, aber durchaus
+eifrig, ohne sich zu vernachlässigen, besonders in den Wäldern. »In
+vollkommenem Ernst,« sagt der deutsche Offizier, »diese ganze Nation hat
+viel natürliche Beanlagung zum Krieg und Soldatenleben.«
+
+Als die Truppen, die sich ergeben hatten, durch die Reihen der
+Amerikaner schritten, zeigte ihnen nicht ein Mann von der siegreichen
+Armee seine Missachtung oder verhöhnte sie wegen ihres Missgeschickes.
+Die Deutschen bezeugen insgesamt, dass Offiziere sowohl wie Soldaten sie
+mit Güte und Wohlwollen behandelten. General Gates lud alle höheren
+Offiziere in sein Zelt ein und behielt die Generäle zum Mittagessen
+zurück. Schuyler erwies Frau von Riedesel besondere Artigkeit. Er kam
+ihr entgegen, als sie in das Lager kam, hob ihre Kinder aus dem Wagen,
+küsste sie und half ihr aus dem Wagen aussteigen. Nach wenigen
+ermutigenden Worten führte er sie zu General Gates, mit dem sie Burgoyne
+zusammen stehen sah, der anscheinend auf ganz freundschaftlichem Fuss
+mit ihm stand. Er sagte zu ihr, dass sie keine Angst haben sollte, denn
+ihre Leiden hätten nun ein Ende. »Ich antwortete,« schreibt die Baronin,
+»ich würde freilich Unrecht haben, noch Besorgnisse zu haben, wenn unser
+Chef keine mehr hätte und ich ihn auf einem so guten Fuss mit General
+Gates sähe.«
+
+Schuyler hatte Frau von Riedesel und ihren Kindern in seinem eigenen
+Zelt ein Mittagessen auftragen lassen (»geräucherte Zunge, Beefsteak,
+Kartoffeln, gute Butter und Brod«), und sie verbrachte drei Tage mit
+seiner Familie in Albany, wo sie mit der grössten Freundlichkeit
+behandelt wurde. Burgoyne war auch Schuylers Gast in Albany. Er machte
+Entschuldigungen dem letzteren gegenüber, dass er ihm sein Haus und
+seine Scheunen in Saratoga verbrannt hätte. »Das ist das Schicksal des
+Krieges«, erwiderte der brave Mann, »lassen Sie uns davon nicht weiter
+reden.«
+
+Die Gefangenen oder »Konventionisten«, wie sie sich nannten, traten nun
+ihren Marsch durch Massachusetts hindurch an. Das Wetter war kalt und
+die Wege schlecht. Der Marsch dauerte vom 17. Oktober bis zum 7.
+November. An einigen Orten weigerten sich die Einwohner, die Gefangenen
+in ihre Häuser aufzunehmen, und an andern Orten, wo es nötig war Halt zu
+machen, waren nicht Häuser genug, um sie zu beherbergen. Die Einwohner
+ihrerseits beklagten sich, dass die durchmarschierenden Gefangenen ihre
+Gelände verbrannten, ihr Viehfutter unbrauchbar machten und Kleider und
+Möbel aus ihren Häusern stahlen. Von allen Seiten strömte das Landvolk
+zusammen, um die Gefangenen zu sehen und man drängte sich in die Häuser,
+wo sie einquartiert waren, bis die Offiziere anfingen zu argwöhnen,
+dass die Hauswirte Geld für dieses Schauspiel nähmen.
+
+Auf diese Weise sahen die Deutschen viel von der weiblichen
+Landbevölkerung, und derselbe Offizier, der die obenerwähnte
+Beschreibung der amerikanischen Soldaten verfasst hat, hat uns die
+ersten Eindrücke von Neu-Englands Frauen auf ihn hinterlassen.
+
+»Die Frauen in allen Gegenden von Boston bis New-York sind schlank und
+gerade gewachsen, wohlgenährt ohne plump zu sein. Sie haben hübsche,
+kleine Füsse, gute, kräftige Hände und Arme, eine sehr weisse Haut und
+eine sehr gesunde Gesichtsfarbe, sodass sie sich nicht zu malen
+brauchen. Kaum eine von denen, die ich gesehen habe, hatte Pockennarben
+auf dem Gesicht; denn das Impfen ist hier schon seit vielen Jahren
+gebräuchlich. Ihre Zähne sind sehr weiss, ihre Lippen schön und ihre
+Augen lebhaft und lachend. Obendrein haben sie natürliche und
+ungezwungene Manieren, eine freie und fröhliche Miene, eine natürliche
+Sicherheit im Auftreten. Sie geben viel auf Reinlichkeit und gutes
+Schuhwerk. Sie ziehen sich sehr hübsch an, aber ihre Kleider müssen sehr
+eng anliegen..... Sie locken ihr Haar jeden Tag, machen es von hinten zu
+einem Chignon zurecht und vorn über ein Kissen von mässiger Höhe.
+Gewöhnlich gehen sie barhäuptig aus, oder setzen höchstens ein kleines
+herzförmiges Ding oder irgend eine derartige Kleinigkeit auf ihren Kopf.
+Hier und da lässt eine Land-Nymphe ihr Haar fliegen und schmückt es mit
+einem Band. Obschon die Hütte, in der sie leben, ärmlich sein mag, so
+tragen sie doch einen seidenen Mantel und Handschuh, wenn sie ausgehen.
+Sie wissen sich sehr hübsch in den Mantel zu hüllen, so dass ein
+kleiner, weisser Ellbogen daraus hervorguckt. Dann tragen sie eine Art
+gut gearbeiteten Krempenhut, unter welchem sie mit ihren schelmischen
+Augen kokett hervorsehen. In den englischen Kolonien haben die Schönen
+eine Vorliebe für Mäntel von roter Seide oder Wolle. In dieser Art
+gekleidet, läuft, springt und tanzt das junge Mädchen umher, wünscht
+Ihnen einen »Guten Morgen« oder giebt, der Frage entsprechend, eine
+schnippische Antwort. So standen sie zu Dutzenden den ganzen Weg
+entlang, liessen uns Revue passieren, lachten mokant über uns oder
+liessen von Zeit zu Zeit eine boshafte Bemerkung fallen und händigten
+uns einen Apfel ein. Wir dachten erst, dass es Mädchen aus der Stadt
+wären oder wenigstens von der zweiten Klasse, aber keineswegs! Sie waren
+die Töchter von armen Bauern, die man an ihrer Kleidung als arme Bauern
+erkennen konnte.«
+
+Der Offizier fährt mit seinen sozialen Beobachtungen fort. Es scheint,
+dass in ganz Amerika die Männer den Frauen völlig unterthan sind. Die
+letzteren gebrauchen ihre Gewalt in Kanada zum Besten der Männer, in
+New-England aber zu ihrem Ruin. Die Frauen sind extravagant. Wie sie es
+fertig bekommen, den Männern so schwer zur Last zu fallen, ist unserm
+guten Deutschen ein Rätsel, da er sieht, dass sie weder kratzen, noch
+beissen, noch Ohnmachtsanfälle bekommen. Bei all diesem setzten sie ihre
+Hoffnung auf die britische Krone. Die Frauen tragen jetzt ihren
+Sonntagsstaat an den Wochentagen. Wenn es abgetragen ist, wird Friede
+mit Grossbritannien gemacht sein, um dann neu mit allem versorgt zu
+werden.
+
+Wir kommen nun zu den Negern. Diese findet man auf den meisten Farmen
+westlich von Springfield. Die schwarze Familie lebt in einem kleinen
+Hinterhaus. »Die Neger sind sehr fruchtbar hier, wie das übrige Vieh.
+Die Jüngeren werden sehr gut gefüttert, besonders während sie noch
+Kälber sind. Überdies ist die Sklaverei sehr erträglich. Der Neger wird
+als der Knecht des Bauern angesehen; die Negerin thut die ganze grobe
+Hausarbeit; und die schwarzen Kinder warten die weissen Kinder. Der
+Neger kann für seinen Herrn zu Felde ziehen, und so sieht man nicht ein
+Regiment, in welchem sich nicht eine grosse Anzahl Schwarzer befindet;
+und es giebt gutgewachsene, starke und stämmige Burschen unter ihnen. Es
+sind auch viele Familien freier Schwarzer hier, die gute Häuser inne
+haben, Mittel besitzen und ganz nach Art der andern Bewohner leben. Es
+sieht komisch genug aus, wenn Miss Negerin ihr wolliges Haar über ein
+Kissen zurechtfrisiert, einen kleinen Hut mit Krempe auf den Kopf setzt,
+sich in ihren Mantel hüllt und in diesem Putz die Strasse
+entlanggrätschelt mit einer Negersklavin, die hinter ihr herwatschelt.«
+
+Baronin Riedesel machte ihre ersten Beobachtungen über die Amerikaner.
+Sie erzählt, dass eines Nachts ihr Mann krank war, und dass die Wache
+vor seiner Thür trank und Lärm machte. Er schickte hinaus und liess sie
+bitten ruhig zu sein, worauf sie ihren Lärm noch verdoppelten. Frau von
+Riedesel ging darauf hinaus, sagte ihnen, dass ihr Mann krank sei und
+bat sie, sie möchten weniger Geräusch machen. Darauf waren sie sofort
+ruhig, »ein Beweis«, sagt die Baronin, »das diese Nation auch Achtung
+vor unserm Geschlecht hat.« Die Bürger-Offiziere waren den Deutschen ein
+fortwährendes Rätsel. Keine Geschichte war ihnen zu aussergewöhnlich, um
+sie zu glauben. »Ihre Generale, die uns begleiteten, waren zum Teil vom
+Schuster-Handwerk und machten an den Rasttagen Stiefel für unsere
+Offiziere, besserten auch wohl die Schuhe unserer Soldaten aus. Sie
+setzten einen grossen Wert auf das gemünzte Geld, welches bei ihnen
+selten war. Einem unserer Offiziere waren seine Stiefel ganz zerrissen.
+Er sah, dass ein amerikanischer General ein gutes Paar anhatte und sagte
+ihm zum Spass: »Ich gäbe ihm gern eine Guinee dafür.« Gleich stieg der
+General vom Pferde, nahm die Guinee, gab seine Stiefeln, und setzte sich
+mit des Offiziers zerrissenen Stiefeln wieder auf.« General von
+Riedesels Gemütsstimmung zu jener Zeit war durch mangelhafte Gesundheit
+und sein Missgeschick verbittert. Wir müssen dies berücksichtigen, wenn
+wir sein Urteil hören, welches er über die Amerikaner fällt. Allerdings
+es wird erwähnt, er habe gesagt, dass er nur einen amerikanischen
+Offizier in Cambridge getroffen, vor dem er Respekt gehabt habe. Von den
+Mitgliedern des General Court of Massachusetts macht er eine merkwürdige
+Schilderung. »Man sieht in diesen Männern genau den National-Charakter
+der Eingeborenen von Neu-England; vornehmlich zeichnen sie sich vor
+andern durch die Art sich zu kleiden aus. So behaupten sie alle unter
+einer überaus dicken, runden, gelblichen Stutzperrücke eine recht
+ehrenhafte Magistratsmiene. Ihre Kleider sind nach der ganz alten
+englischen Mode, darüber sie im Winter und Sommer einen blauen
+Roquelaure mit Ärmeln tragen, den sie mit einem ledernen Riemen fest um
+den Leib schnallen. Selten sieht man einen ohne Peitsche. Meistens sind
+sie alle untersetzter Natur und mittelmässig gross, sodass es schwer
+fällt, einen vom andern zu unterscheiden, wenn sie als Delegaten ihrer
+Townships zu dem Konsul von Boston gefordert werden, oder in
+Miliz-Angelegenheiten erscheinen müssen. Nicht der zehnte Teil von ihnen
+kann geschriebene Schrift lesen und noch weniger können sie schreiben.
+Diese Kunst ist ausser bei Leuten von der Feder nur allein bei dem
+weiblichen Geschlecht anzutreffen, welches überhaupt gut erzogen wird
+und daher die Herrschaft über die Männer mehr als eine andere Nation in
+der Welt zu behaupten weiss. Die Neu-Engländer wollen alle Politici
+sein, lieben daher die Tavernen und Grog-bowl, bei welchen sie ihre
+Geschäfte abthun, und vom Morgen bis in die Nacht trinken. Sie sind im
+allerhöchsten Grad neugierig, leichtgläubig und bis zur Raserei für die
+Freiheit eingenommen, dabei aber auch zugleich so blind, dass ihnen das
+schwere Joch der Sklaverei unter ihrem Kongress, worunter sie eigentlich
+schon jetzt zu sinken anfangen, bisher noch ganz unsichtbar geblieben
+ist.«
+
+Auf der andern Seite konnten die Amerikaner, wenn wir dem oben erwähnten
+braunschweigischen Offizier glauben wollen, nicht die gesellschaftlichen
+Verhältnisse ihrer Gefangenen verstehen. »Es war den Bewohnern schwer
+begreiflich zu machen,« sagt er, »dass unsere Offiziere kein Gewerbe
+trieben.« Sie hatten geglaubt, dass es Eigensinn von ihnen wäre, keine
+andere Beschäftigung zu haben.
+
+Die deutschen »Konventionisten« wurden in Baracken auf dem Winter Hill
+bei Cambridge, Massachusetts, untergebracht, die Engländer auf dem
+benachbarten Prospekt Hill. Diese Baracken waren von den Amerikanern zu
+ihrem eigenen Gebrauch während der Belagerung von Boston errichtet
+worden und waren von der leichtesten Bauart. Der Wind blies durch die
+Wände, der Regen sickerte durch das Dach, der Schnee lag in Haufen auf
+dem Fussboden. Holz und Stroh war nur sehr knapp vorhanden, und die
+Uniformen, die einen schweren Feldzug in der Wildnis hatten aushalten
+müssen, hingen in Fetzen an den frierenden Soldaten herunter. Sie
+schnitten die Schösse von ihren Röcken ab, um sich Flicken für die
+übrigen Kleidungsstücke davon zu machen. Selbst im Hospital war es
+bitter kalt. Hoffnung und Enttäuschungen erfüllten abwechselnd die Brust
+der Gefangenen, je nachdem die Verhandlungen wegen ihrer Rückkehr nach
+England wieder aufgenommen oder abgebrochen worden waren. Einmal während
+ihres dortigen Aufenthaltes kam die Hoffnung auf Befreiung, und es
+wurden von den Deutschen Vorbereitungen getroffen, die freundliche
+Flotte zu begrüssen, von den Amerikanern aber, ihre Gefangenen nach
+Quartieren mehr im Innern des Landes zu transportieren. Die grössten
+Leiden die vielleicht die Gefangenen auszustehen gehabt hatten,
+bestanden in der Eintönigkeit ihres Gefangenenlebens. Es gab nichts zu
+thun, denn ein wenig Exerzieren ohne Gewehre kann schwerlich eine
+Beschäftigung genannt werden. Wir erfahren aus den Journalen und
+Briefen der Offiziere die Folgen dieser Unthätigkeit. Es gab
+Streitigkeiten mit der amerikanischen Wacht-Besatzung. In dieser
+Hinsicht verhielten sich indessen die Deutschen etwas besser als die
+Engländer. Riedesels Sorgfalt, die Disziplin unter seinen Leuten
+aufrecht zu erhalten, hatte man bemerkt, und die Amerikaner machten es
+sich zur Gewohnheit jeden deutschen Delinquenten seinen eigenen
+Offizieren zur Bestrafung zu überantworten.
+
+Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit
+eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte
+nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese
+begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer.
+Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um
+die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen
+sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark
+wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab
+einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der
+Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen
+Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills
+oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen
+gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach
+Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt,
+dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen
+Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr
+ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs.
+Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war
+sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel
+meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch
+bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise
+unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft
+für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser
+garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte
+angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte,
+unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer
+einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen
+ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag
+glücklicherweise nicht angenommen ward.«
+
+»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des
+Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu
+eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess
+absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er
+entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen,
+bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse
+Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter
+antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich
+unseretwegen geniert hätte.
+
+»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von
+mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und
+Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf
+als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen
+wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der
+herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse
+ausgeführt wurde.«
+
+»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und
+mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten
+beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um
+die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien,
+als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten
+unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz
+sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das
+ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute
+hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten,
+dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm
+entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«
+
+»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen
+brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder
+herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine
+Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu
+befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die
+Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge
+Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst
+herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine
+Landung zu schwer gefallen sein würde.«
+
+Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston
+verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem
+langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete
+auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche
+gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der
+Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General
+Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr
+viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles
+zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen
+können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch
+im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis
+schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke
+ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot,
+mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie
+eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit
+zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«
+
+Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der
+Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo
+sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin,
+ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da
+ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr
+schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.«
+Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase.
+»Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land
+gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun
+seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu
+quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen
+fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels
+kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und
+sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit
+in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch
+zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der
+Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit,
+holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der
+Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann
+fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner
+Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin
+diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte
+er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht
+anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und
+praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede
+geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und
+machte eine gute Suppe davon.
+
+Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die
+Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten
+gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich
+heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier
+in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte,
+indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes
+Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.«
+»Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber
+von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor
+einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus:
+»Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen
+schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete
+es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an
+und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das
+fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«
+
+Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia.
+Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst
+zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen
+von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele
+dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich
+Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In
+einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines
+Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem
+die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig
+hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General
+Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und
+wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch
+Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich,
+der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt
+worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs
+von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die
+Amerikaner zu Felde.
+
+
+
+
+Kapitel XVI.
+
+Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.
+
+
+Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne
+gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die
+Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus
+vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu
+verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe
+seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige
+Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt,
+als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen
+Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3
+Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach
+Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie
+eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht
+bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel
+Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am
+30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren
+vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt
+würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake
+Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des
+Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und
+ohne feindliche Gegenwehr gelandet.
+
+[Illustration: SCHLACHT VON BRANDYWINE. Am 11. September 1777.]
+
+Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein
+heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere
+ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner
+wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die
+Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.
+
+Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des
+Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt,
+während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter
+oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets
+square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne
+unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front
+los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb
+Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine
+Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.
+
+Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung
+nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des
+Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine
+Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese
+Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle
+getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten
+und Knyphausens Division anzugreifen.
+
+Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging
+Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division
+ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler
+gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die
+den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde,
+welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der
+Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben.
+Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein.
+Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um
+Sullivans Rückzug zu decken.
+
+Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt
+er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen
+Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt,
+aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag
+seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.
+
+An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen
+Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und
+hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden
+erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr
+Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für
+sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die
+mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen
+Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner
+ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern
+weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade
+zusammen genommen worden waren.
+
+Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag
+neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden
+vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu
+besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des
+Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor.
+Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die
+Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte,
+hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes
+zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das
+Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt,
+wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte
+sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um
+Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass
+eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in
+der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um
+Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter
+unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und
+die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht
+machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen
+Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der
+grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.
+
+Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die
+englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7
+englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im
+Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach
+der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die
+Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.
+
+Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu
+stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung
+unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26.
+September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und
+2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich
+an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte
+bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den
+Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.
+
+Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines
+Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei
+einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim
+Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer
+Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete
+diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier
+weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden
+aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff
+vorbereitet waren.
+
+Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen
+Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der
+General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu
+belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington
+bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten,
+die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem
+Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen
+erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant
+von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an
+den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens
+Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald
+darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das
+Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern
+attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte
+sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem
+Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu
+forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers,
+ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer
+wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis
+gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der
+feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der
+Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind
+sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen
+Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so
+hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher
+auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert
+und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah
+keine weitere Verfolgung.
+
+»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen
+und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf
+sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind
+angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er
+vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr
+gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn,
+schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich
+darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von
+300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist
+gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der
+General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört
+hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für
+seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil
+zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«
+
+Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen
+Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen
+Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem
+Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung.
+Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische
+Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf
+dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des
+gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren
+Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren
+beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle
+diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem
+Flusse war für die Briten sehr wesentlich.
+
+Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen
+Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen
+Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges
+Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den
+Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe
+willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach
+auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment
+Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8
+Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen
+Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur
+Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort
+anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem
+General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte,
+»dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf
+erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort
+bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit
+seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr
+um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das
+Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit
+Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem
+Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein
+junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph
+Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung
+des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas
+unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der
+Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf
+der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14
+Kanonen.
+
+Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die
+Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet
+seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete
+die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern
+bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der
+Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.
+
+Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf.
+Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8
+Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem
+Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken
+gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware
+ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den
+grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein;
+der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête
+eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure
+kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern
+gemacht worden waren.
+
+Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine
+Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen
+alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer
+Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt
+vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem
+Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und
+einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen
+hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten
+ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen
+erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen.
+Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich
+verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die
+Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen
+sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant
+von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am
+nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe,
+welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den
+Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der
+amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das
+andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.
+
+Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein
+Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau
+wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische
+Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich
+verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die
+armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten
+sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die
+heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain
+du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein
+magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das
+Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut,
+die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch
+aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie
+noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es
+ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer
+Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte
+keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann
+seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der
+Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein
+französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich
+zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der
+Ehre.«
+
+Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und
+unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen,
+wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das
+ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich
+sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines
+Monarchen.«[4]
+
+ [4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des
+ sterbenden Donop.
+
+Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen
+Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten
+37 Tote und Verwundete.
+
+Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger
+die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen
+Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage
+und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15.
+kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen.
+Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman
+mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort
+herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten
+hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite
+Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die
+Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in
+Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen
+gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer
+zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass
+Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20.
+November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft
+gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls
+verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen
+Wälle rasiert wurden.
+
+
+
+
+Kapitel XVII.
+
+Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.
+
+
+Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben.
+Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist
+und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die
+Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich
+ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein
+confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und
+Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.
+
+Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die
+Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge
+erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche
+Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten,
+»eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden
+Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde
+Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der
+halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne
+Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.
+
+Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger
+verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der
+hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten
+Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der
+Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und
+stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen
+hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei
+oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und
+alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der
+Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben,
+kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender
+als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des
+Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen
+mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens
+hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«
+
+Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen
+Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage
+lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt,
+gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf
+Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte,
+dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich
+stille wieder nach Philadelphia zurück.
+
+Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen
+Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden
+zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die
+Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt,
+die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill
+den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere
+waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.
+
+Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum
+Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia
+alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit
+und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der
+abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten
+fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier.
+Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung
+gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll
+von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die
+Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.
+
+Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier
+veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen
+vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette,
+der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen.
+Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika
+verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und
+Wreden von den Jägern.
+
+Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König
+von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen
+hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware
+Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden
+könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten:
+»eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und
+Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter
+dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber
+mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«
+
+Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die
+aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten,
+Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil
+der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und
+ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu
+folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die
+einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun
+verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert
+zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche
+aber frohlockten im Stillen.
+
+Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York
+nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach
+New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen.
+Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber
+sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die
+Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen
+hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.
+
+Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der
+Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert
+worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den
+Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese
+Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich.
+Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über
+Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills
+nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor
+der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die
+Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die
+New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der
+Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni
+war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an
+den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen
+vor.
+
+Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den
+Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren.
+Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den
+zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch
+Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande
+war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern.
+Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein
+wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde
+zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in
+die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum
+Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck
+dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem
+Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli
+erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach
+New-York übergeführt wurde.
+
+
+
+
+Kapitel XVIII.
+
+Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.
+
+
+Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war,
+detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die
+Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete
+ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den
+grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der
+Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute
+irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000
+Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und
+wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es
+lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in
+Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen
+wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt
+wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm
+er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.
+
+Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die
+Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so
+war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr
+scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das
+Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten,
+sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,«
+schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser
+gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen
+ihre Furcht vor uns verschwinden.«
+
+Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die
+grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die
+Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden
+auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach
+Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es
+standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und
+Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das
+vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes
+Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree
+und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und
+richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen
+war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.
+
+Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy
+war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um
+nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika
+geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er
+beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig
+des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die
+Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise,
+indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang
+andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und
+Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen
+irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort
+versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille
+eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle
+unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.
+
+Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys
+Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu
+leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus
+ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen
+Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine
+Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor
+Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht,
+landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei
+Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an
+Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus
+ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und
+schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich
+anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den
+britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.
+
+Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen
+ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten
+Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz
+zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein
+Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht
+anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen
+verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die
+Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten.
+Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany
+vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte
+Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von
+Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die
+kleine Armee in Newport im Anzug.
+
+Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von
+New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen
+Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege
+nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport.
+Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74
+Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen
+diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde
+alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die
+dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in
+Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine
+sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der
+grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.
+
+Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich
+aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen
+erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat
+Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2
+Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor
+Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die
+Schiffe hatten starken Schaden gelitten.
+
+Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden
+nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf
+Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen
+wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz
+erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen
+der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den
+Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere
+Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im
+Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu
+lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam
+Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor
+Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um
+ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten
+der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück,
+gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am
+11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.
+
+Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war
+alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische
+Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht
+gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in
+den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der
+Besatzung, segelte die Flotte fort.
+
+Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von
+Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend
+des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer
+folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt,
+versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne
+weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr
+fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen
+auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche.
+Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1.
+September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im
+Hafen von Newport an.
+
+Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos
+und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder
+eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang
+segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus
+Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort
+wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an
+Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel,
+Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier.
+Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die
+Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben
+und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.
+
+Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen
+und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass
+einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass
+an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser
+geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den
+Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen
+marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten
+dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die
+feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.
+
+
+
+
+Kapitel XIX.
+
+Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.
+
+
+Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte
+einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg
+gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden
+Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt
+New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen
+Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von
+Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu
+keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der
+Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen.
+Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.
+
+Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von
+New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der
+britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem
+Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit
+Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende
+sind:
+
+»Nur um Dir einen Begriff von Amerika, oder vielmehr dem kleinen
+Teilchen von Amerika, so wir jetzo noch inne haben, zu machen: so kann
+ich nicht unterlassen zu rühmen, dass es ein recht schönes, angenehmes
+und ebenes Land, und New-York, obgleich der Teil nach der See zu
+abgebrannt ist, eine der schönsten und pläsantesten Seestädte ist, so
+ich noch gesehen habe. Denn die Häuser sind nicht nur alle englischer
+Façon, regulär und schön gebaut, mithin den wahrsten Palästen ähnlich;
+sondern sie sind auch alle tapeziert und aufs kostbarste ausmöbliert. Es
+ist deswegen Schade, dass dieses Land, welches auch sehr fruchtbar ist,
+von solchen b--schen Menschen bewohnt wird, die vor Wollust und
+Üppigkeit nicht gewusst, was sie haben anfangen wollen, und daher auch
+nichts anderem als ihrem Hochmut ihren Fall zu danken haben. Jeder, der
+bei uns ihre Partei nimmt und glaubt, sie hätten eine begründete Ursache
+zur Rebellion, sollte nur einmal zur Strafe eine zeitlang unter ihnen
+sein und dabei die hiesige Verfassung kennen (denn der schlechteste Mann
+hier kann, wenn er nur etwas thun will, leben wie der reichste bei uns)
+der würde gewiss bald aus einem andern Tone sprechen und mit mir
+einsehen, dass nicht die Not, wohl aber Frevel und Wollust die Ursache
+der ganzen Rebellion sei. Denn obgleich die meisten von verlaufenem
+Lumpengesindel, das von anderen Orten vertrieben worden, abstammen, so
+sind sie doch so hoffärtig hier und treiben aller Orten, zumalen aber in
+New-York einen solchen Staat, als wohl nirgend in der Welt getrieben
+wird. Z. B. so gehen die Weibsleute hier, so fast alle sehr schön sind,
+es seien, Schusters-, Schneiders- oder Tagelöhners-Frauen (deren
+letztere jedoch sehr wenig hier sind, weil fast jeder Mensch einige
+Neger als Sklaven zu seiner Bedienung hat) täglich in zitzenen,
+nesseltuchenen und seidenen Schlendern. Welcher Staat denn, da sie das
+viele Geld von den Truppen lösen, indem sie nicht ein Salzkorn umsonst
+zu geben brauchen, täglich zunimmt. Wobei dann nichts ärgerlicher ist,
+als dass diesem Volke, welches im Grunde noch lauter Rebellen sind, von
+den Soldaten auf expressen Befehl des Königs nicht nur auf das Artigste
+muss begegnet werden, sondern auch, wie schon gedacht worden, nicht ein
+Salzkorn umsonst abgefordert werden darf. Es müssten daher auch die
+armen Soldaten Hungers sterben, wenn ihnen nicht täglich für 3 Pences
+die Schiffskost geliefert würde, welche täglich aus 1 Pfund Zwieback,
+eingesalzenem aber fast ungeniessbarem Schweinefleisch, einigen muffigen
+Erbsen, etwas Hafermehl und etwas Rum besteht, welches sie dann,
+obgleich sehr viele davon ungesund werden, erhalten muss.«
+
+Bei den Scharmützeln und kleineren Unternehmungen um New-York herum
+waren die Hessen im Allgemeinen beteiligt und es mag der Mühe wert sein,
+einen Blick auf einige dieser Ereignisse zu werfen, bevor wir uns zu den
+wichtigeren Operationen in den Süd-Staaten wenden, durch welche das
+Schicksal des Landes schliesslich entschieden wurde.
+
+Im zweiten Teil des August 1778 wurde das Jäger-Korps auf den Spyt den
+Duyvels Hills, bei Courtland's Plantation postirt. In der Frühe des 31.
+August wurde ein Kapitän mit 150 Jägern, von denen 15 beritten waren, zu
+einer Rekognoszierung gegen Phillips House vorgeschickt. Sie hatten kaum
+eine halbe Stunde Weg zurückgelegt, als sie von einer Abteilung
+Amerikaner und Indianer unter dem Chevalier Armand, welcher sich in
+einer Schlucht rechts von der Strasse in Hinterhalt gelegt hatte,
+überrascht wurden. 16 Jäger wurden getötet, verwundet oder gefangen, die
+Übrigen entkamen. Oberst von Wurmb, welcher das Jäger-Korps
+kommandierte, eilte zur Unterstützung des Detachements, sobald er das
+Feuern hörte, herbei, aber Chevalier Armand zog sich mit seinen
+Gefangenen zurück und überschritt den Phillips Manor bei East Chester,
+wo die Oberstlieutenants Cathcart, Simcoe und Emmerich mit ihren
+leichten Truppen standen.
+
+Die Oberstlieutenants erfuhren, dass Armand im Anrücken sei und
+bereiteten sofort einen Hinterhalt vor. Simcoe und Cathcart auf dem
+rechten und linken Flügel, zogen ihre Infanterie in die Wälder zurück
+und stellten sich so auf, dass sie das Defilee beherrschten, welches die
+Amerikaner und Indianer passieren mussten. Emmerichs Infanterie hatte
+Aufstellung genommen, um den Angriff zu erwarten, mit dem Befehl, sich
+vor dem Feinde zurückzuziehen. Emmerich hatte sich mit der Kavallerie
+hinter einem Hügel aufgestellt, um sich auf den angreifenden Feind zu
+werfen, sobald er in die Falle gegangen wäre. Kapitän Ewald war mit zwei
+Kompagnien Jäger von Oberstlieutenant von Wurmb zur Unterstützung von
+Emmerichs Infanterie vorgeschickt worden.
+
+Der Plan der Oberstlieutenants war mit Erfolg gekrönt worden. Ungefähr
+um 4 Uhr nachmittags erschienen die Amerikaner und Indianer auf dem
+Gefechtsfeld. Emmerichs Plänkler zogen sich vor ihnen zurück und lockten
+sie in ein Feld von indianischem Korn, wo sie plötzlich in Front, Rücken
+und beiden Flanken angegriffen wurden. Alle Indianer mit Ausnahme von
+einem, welcher den Hergang erzählen sollte, wurden getötet. Sie gehörten
+dem Stockbridge-Stamme an und wurden von Sachem Neham geführt. Ungefähr
+50 Amerikaner wurden gefangen genommen, Armand aber entkam mit einigen
+anderen durch die Büsche.
+
+Eelking bemerkt bei dieser Gelegenheit, dass dies ein Beweis ist, dass
+die Amerikaner die Verwendung von indianischen Bundesgenossen in diesem
+Kriege ebensowenig verschmähten als die Briten. Man muss aber wohl einen
+Unterschied machen zwischen der Verwendung von Indianern gegen britische
+und deutsche Soldaten, wie sie von Seiten der Amerikaner geschah, und
+der Entsendung derselben gegen die Bewohner von einsamen Farmhäusern und
+unbeschützten Gehöften, wie es beständig von den Dienern des Königs
+gehandhabt wurde. Der Stockbridge-Stamm soll durch diese Expedition, wie
+gesagt wurde, so sehr gelitten haben und so völlig entmutigt worden
+sein, dass er keinen weiteren Anteil an dem Kriege nahm.
+
+Ewald beschränkte sich nicht nur auf Erzählungen, welche den Ruhm der
+eigenen Partei verherrlichen. Neben Berichten über Trenton, Redbank und
+andern wichtigen Begebenheiten, bei welchen Hessen oder Engländer
+geschlagen wurden, behandelt er in einem besondern Kapitel die kühnen
+und glücklichen Streiche, die von kleinen Abteilungen Amerikaner geführt
+wurden. So erzählt er uns, wie im Frühjahr 1777 die Briten eine grosse
+Menge Fourage in Sag Harbor auf Long-Island angesammelt hatten und wie
+in Beziehung hierauf Colonel Meigs von Guilford in Connecticut mit
+weniger als 200 Mann in Walfisch-Booten aufbrach. In einer stürmischen
+Nacht gingen sie über den Sund, zogen ihre Boote über das Land, setzten
+sie von neuem aus, landeten bei Sag Harbor, überfielen die Wache,
+zerstörten die Vorräte, verbrannten mehrere Schiffe, nahmen eine Anzahl
+Engländer gefangen, bestiegen ihre Boote wieder und erreichten glücklich
+Guilford. Eine ähnliche Landung wurde in der Cow Bay im November 1780
+bei hellem Tage ausgeführt. Im Jahr 1781 wurde ein braunschweigischer
+Major von seinem Quartier auf der Nordseite von Long-Island
+weggeschleppt. Es war in der That zur Gewohnheit geworden, dass kleine
+Häuflein Amerikaner auf der Insel landeten, die englischen und deutschen
+Soldaten ärgerten und die Tories plünderten. Diese Streifzüge wurden mit
+grosser Kühnheit ausgeführt und bilden, Ewald zufolge, eine vollkommene
+Widerlegung der Anschuldigungen wegen Mangels an Mut in diesem Kriege,
+die einigemal gegen die Amerikaner erhoben worden sind. »Der, welcher
+gegen diese Nation gekämpft hat,« sagt er, »wird von dem Gegenteil
+überzeugt sein und wird nicht mit Verachtung von ihr reden.«
+
+Ewald erzählt mit grosser Bewunderung die schneidige Wegnahme von
+Stony-Point durch die Amerikaner unter Anthony Wayne am 16. Juli 1779.
+»Verdienen diese Menschen nicht bewundert zu werden, welche noch vor
+etlichen Jahren Rechtsgelehrte, Ärzte, Geistliche oder Landwirte waren,
+die in so kurzer Zeit sich zu vortrefflichen Offizieren bildeten, die so
+viele von unserm Stande beschämen, welche unter den Waffen grau
+geworden, und denen himmelangst werden würde, wenn sie zur Ausführung
+eines solchen Plans den Auftrag erhielten? Man wird mir vielleicht
+antworten, dass diese Menschen von Natur mit grossen Talenten zum Krieg
+begabt worden sind. Dieses kann wohl der Fall bei einem oder dem andern
+sein, aber im Ganzen ist die Natur mit ihren Ritterschlägen nicht so
+verschwenderisch. Man erlaube mir, diese Leute erwählten nicht den
+Kriegsdienst als einen Zufluchtsort, so wie ihn gewöhnlich der Adel
+wählt, nicht als ein Zuchthaus für einen ungeratenen Sohn, der auf
+Akademien nichts hat lernen wollen, wie oft der Fall bei denen von
+bürgerlichem Stande ist; sondern sie wählten diesen Stand mit dem festen
+Vornehmen, sich auf alle Art zu beeifern, ihrem Vaterlande mit Nutzen zu
+dienen und sich durch Verdienste hervorzuthun. In Erstaunen bin ich
+manchmal geraten, wenn während dem damaligen Kriege etwas Gepäck von den
+Amerikanern uns in die Hände fiel, wie jeder elende Schnapsack, in
+welchem oft nur einige Hemden und ein Paar zerrissene Beinkleider
+steckten, mit militärischen Büchern angefüllt war, z. B. die Instruktion
+des Königs von Preussen an seine Generale, Thielkes Feld-Ingenieur, die
+Parteigänger Jenny, Grandmaison und dergleichen mehr, die alle in die
+englische Sprache übersetzt waren, sind mir hundert mal durch unsere
+Leute in die Hände geraten. Dieses war eine wahre Anzeige, dass der
+Offizier in dieser Armee im Lager den Krieg studiert, welches nicht der
+Fall bei den Gegnern der Amerikaner war, wo man wohl eher die
+Mantelsäcke mit Puderbeuteln, wohlriechenden Pomadenbüchsen, Karten
+(keine Land-, sondern Spielkarten), und dann wohl obendrein manchmal
+mit einigen Romanen oder Schauspielen angefüllt fand.«
+
+Die Briten behielten zwei oder drei Plätze auf der Westseite des Hudson
+in fortwährendem Besitz. Einer dieser Plätze war Paulus Hook, jetzt
+Jersey City. Der Hook war eine aus steinigen, felsigen Bergen bestehende
+Halbinsel und teils vom Hudson, teils von einem Sumpf, der von Bächen
+und Gräben durchschnitten war, umgeben. Die Stellung, die durch sich
+selbst stark war, war mit Palisaden, Blockhäusern und Redouten
+befestigt. Sie war von einem Bataillon New-Jersey-Tories unter
+Oberstlieutenant Bushkirk besetzt.
+
+Am 18. August 1779 wurde eine Abteilung von 40 Hessen mit 2 Offizieren
+übergesetzt, um die Besatzung von Paulus Hook zu verstärken, und um 9
+Uhr abends an jenem Tag brach Bushkirk zu einer Unternehmung gegen die
+ungefähr 14 Meilen entfernte neue Brücke über den Hackensack auf.
+Inzwischen näherte sich Major Henry Lee von Virginia mit ungefähr 300
+Mann, unterstützt von Lord Stirling mit weiteren 500 Mann, der neuen
+Brücke von der entgegengesetzten Richtung her, unter dem Vorwande zu
+fouragieren. Stirling machte hier Halt, Lee aber kam während der Nacht
+bis an Paulus Hook heran, indem er an Bushkirk unbemerkt vorbeigegangen
+war. Lee entsandte einen Offizier mit einer kleinen Abteilung gegen das
+Fort, um zu rekognoszieren. Der Offizier meldete, dass die Besatzung
+unbewacht zu sein scheine. Lee ging darauf mit seinem Detachement vor.
+Sie durchwateten die Gräben, drangen in das Fort ein und überfielen eine
+Anzahl Provinziale, die in einem Blockhaus schliefen. Darauf näherten
+sie sich dem zweiten Blockhaus, das von einer kleinen Abteilung Hessen
+besetzt war. »Wer da!« rief der Posten. »Stony Point!« antworteten die
+Amerikaner. Der Posten feuerte und machte dadurch Alarm, aber der das
+Blockhaus befehligende Unteroffizier musste sich mit 10 oder
+15 Mann ergeben. Lee überfiel und besetzte darauf die Haupt-Redoute, und
+der ganze Paulus Hook schien ihm schon zu gehören. Da hatten indessen zu
+ihrem Glück ungefähr 25 Hessen ihren Verstand und ihre Geistesgegenwart
+beisammen. Sie warfen sich in eine kleine Redoute, wo sie sich mit ihrem
+Kapitän und Major Sutherland, dem Kommandeur des Postens, vereinigten,
+und weigerten sich zu ergeben. Lee, der nicht gewusst hatte, dass sich
+Hessen in dem Fort befanden und der wahrscheinlich ihre Zahl überschätzt
+hatte, machte sich, noch ehe es Tag wurde, davon, ohne selbst die
+Kanonen zu vernageln oder das Kriegs-Material zu zerstören. Er nahm
+ungefähr 150 Gefangene mit. Lee hatte den Befehl erhalten, nicht zu
+versuchen, den Platz zu behaupten, und ein beschleunigter Rückzug war
+nötig, um nicht abgeschnitten zu werden; die 25 Hessen hatten aber
+jedenfalls durch ihr tapferes Verhalten die Wegnahme oder die Zerstörung
+der Vorräte und Werke in dem Fort verhindert und ihre Partei vor der
+Schmach einer vollkommenen Niederlage gerettet.
+
+[Illustration: PLAN VON DEM ÜBERFALL
+
+eines englischen Postens auf PAULUS HOOK in der Provinz New Jersey um
+1/2-2 Uhr in der Nacht vom 18. zum 19. October 1779.
+
+--< _Erklärung umseitig._ >--]
+
+ A. Annäherung und Stellung der Rebellen auf den Höhen
+ von Bergen zur Deckung des Rückzuges.
+
+ B. Angriff auf die Brücke und Blockhaus 1, 2 und 3 und
+ auf das Fort C das mit 7 Sechspfündern armiert war,
+ die aber nicht zu Schuss kamen.
+
+ D. Barracken, in denen die 110 Mann starke englische
+ Besatzung gefangen genommen wurde.
+
+ E. Schanze, welche ein hessischer Hauptmann, 1 Offizier
+ mit 25 Mann besetzt hielt, woraufhin die Rebellen bei
+ Tagesanbruch mit ihren Gefangenen den Rückzug antraten.
+
+
+
+
+Kapitel XX.
+
+Wiederholds Reise. Eine Episode -- September 1779.
+
+
+Am 4. September 1779 erhielten die Regimenter von Knyphausen und von
+Lossberg Befehl, sich mit all' ihrer Baggage und allen transportfähigen
+Kranken zur Einschiffung bereit zu halten. Ihr Bestimmungsort war
+Quebec, wovon die Truppe aber damals nichts wusste. Die Regimenter
+Knyphausen und Lossberg waren zwei von denen, die bei Trenton in
+Gefangenschaft geraten waren. Alle, die bei dieser Gelegenheit gefangen
+genommen waren, wurden wieder ausgewechselt, und die beiden Regimenter,
+deren Überreste zu einem kombinierten Bataillon formiert worden waren,
+traten nun wieder selbstständig auf.
+
+Wiederhold hatte eine Stelle als Kapitän im Regiment von Knyphausen
+erhalten. Die beiden Regimenter waren am 8. September auf 6 Schiffen
+untergebracht worden. Wiederholds Quartier war auf dem Triton, einer
+Brig, die mit 6 kleinen Kanonen und 2 swivels (ganz kleine Kanonen, die
+auf Gabeln ruhen) armiert. Die Brig war überfüllt und sehr unbequem
+eingerichtet, und hatte zuerst eine Bemannung von 7 Mann,
+einschliesslich des Kapitäns, Kochs und Stuarts. An Hessen befanden sich
+an Bord ein Oberstlieutenant, der krank war, 2 Kapitäns, 1 Lieutenant, 1
+Fähnrich und 1 Arzt, und beinahe 2 Kompagnien Infanterie.
+
+Die Brig ging am Abend des 9. September in See, kam aber sofort in einen
+starken Wind (gale) hinein und wurde von der Flotte getrennt. Der
+Kapitän, der keine Befehle wegen seines Reiseziels bekommen hatte, war
+genötigt, am Morgen des 10. wieder nach Sandy Hook zurückzusteuern. An
+jenem Tag kam ein Schiff in Sicht, und es wurden Vorbereitungen zum
+Angriff getroffen, für den Fall, dass es ein amerikanischer Privateer
+sein sollte. Die Kanonen wurden gereinigt und geladen, und 1
+Unteroffizier mit 6 Mann mit ihrer Bedienung betraut. Das Schiff erwies
+sich jedoch als ein freundliches, ein Transportschiff mit Teilen des 44.
+englischen Regiments an Bord. Der Triton segelte in Gemeinschaft mit
+diesem Schiff weiter und vereinigte sich am Morgen des 11. mit der
+Transport-Flotte, die aus 23 Transportschiffen und Handels-Schaluppen
+bestand und von 2 kleinen Schiffen mit 20 und 14 Kanonen bedeckt wurde.
+Von einem dieser Schiffe erhielt der Triton noch 2 Matrosen -- junge,
+unerfahrene Burschen.
+
+Die Flotte stach sofort nach Ankunft des Triton in See, und am 11. und
+12. verlief alles gut. Am 13. aber trat stürmisches Wetter ein, welches
+den 14. über andauerte. Am 15. nahm der Wind noch mehr zu und wurde des
+Abends zu einem wahren Orkan. Die Flotte wurde vollkommen zerstreut, die
+Nacht war stockfinster. Ungefähr um 9 Uhr abends brach der Hauptmast
+unter der untersten Querstange ab, und bevor dieser mit seinem Tauwerk
+gänzlich weggeräumt war, brach der Vordermast kurz über dem Verdeck ab
+und stürzte über Bord. Die Brig wurde nun, den Wellen preisgegeben, hin
+und hergeworfen und lag oft ganz auf der Seite. Während der Kapitän im
+Begriff war, ein Kajütenfenster mit einem darklight (Totenfenster) zu
+vernageln und Wiederhold mit einem Licht zu seiner Hilfe bei ihm stand,
+stürzte eine Welle mit solcher Gewalt hinein, dass beide kopfüber in die
+Kajüte geworfen wurden.
+
+Darauf entstand eine neue Gefahr. Auf dem Deck hatte sich eine Kanone
+nach der andern losgerissen, rollte hin und her und stürzte schliesslich
+über das Geländer in die See. Vier davon gingen nacheinander auf diese
+Weise verloren, nahmen sogar den grossen eisernen Kessel noch mit, der
+gross genug war, um für die ganze Schiffsbesatzung darin zu kochen. Die
+fünfte Kanone öffnete sich selbst durch Hin- und Herrollen die hatch
+(eine Öffnung im Verdeck), hob sich von ihrer Lafette ab und stürzte
+durch diese Öffnung in den untern Schiffsraum, wo sie auf eine dem
+Kapitän Wiederhold gehörende grosse Kiste fiel, die Wein, Spiritus,
+Essig, Senf und dergleichen enthielt. Die Kiste und ihr Inhalt wurde in
+tausend Stücke zerschmettert, aber sie hatte dem fallenden Geschützrohr
+Einhalt gethan und den Boden der Brig vor einer schweren Beschädigung
+bewahrt.
+
+Die sechste Kanone aber, gerade über der Kajüte auf dem Hinterdecke,
+rollte noch immer hin und her und hatte bereits das Steuerrad und alles
+was ihr in den Weg kam, zertrümmert. Vier von den Matrosen konnten oder
+wollten nicht mehr arbeiten und hatten sich in ihre Betten gelegt.
+Niemand anders wollte sich, aus Furcht zerquetscht zu werden, der
+Kanone nähern. Die Soldaten lagen unter Seufzen, Weinen oder Beten umher
+und erwarteten ihr letztes Stündlein. Der Oberstlieutenant war zu krank,
+um irgend etwas zu thun. Wiederhold versuchte nun seine Leute zu
+ermutigen und sagte ihnen, dass Gott, der sie in dieser grossen Gefahr
+schweben liesse, sie auch wieder daraus erlösen könnte, wenn jeder nur
+thun wollte was er könnte, zuerst versuchen zu helfen, die Kanone über
+Bord zu werfen und dann an den Pumpen zu arbeiten, um das Schiff
+wenigstens bis zum andern Morgen über Wasser zu halten; dann würde ihnen
+der Himmel wohl Hülfe senden und entweder besseres Wetter oder ein
+Schiff zu ihrer Erlösung schicken.
+
+Wiederholds eindringliches Zureden war zuerst erfolglos. Einige der
+Soldaten »waren ganz wie verstockt, andere antworteten sie seien krank.«
+Wiederhold stellte ihnen vor, dass er selbst schon seit vier Wochen am
+kalten Fieber litte, trotzdem hätte er, da niemand zur Rettung etwas
+beitragen wollte, sich herausgemacht, um etwas für die Erhaltung aller
+zu thun. Er zweifelte auch nicht, sagte er, dass Leute unter ihnen
+wären, die mehr Kräfte als er und so viel Liebe für ihn hätten, dass sie
+ihm folgen würden und thun, was er ihnen sagte. Er versprach, bei ihnen
+auf dem Verdeck zu bleiben, selbst Hand anzulegen und ihr Schicksal zu
+teilen, in der Hoffnung das Schiff und alles an Bord zu retten. Noch
+wollte niemand folgen, bis Wiederhold schliesslich rief: »Ist denn gar
+kein Unteroffizier da, der gesund ist, der Ambition und ein hessisches
+Herz hat, dass der mir folgen und helfen will?« Hierauf kamen ein
+Sergeant und zwei Korporals, denen etwa 15 bis 20 Mann folgten. »Nun
+wohlan,« sagt Wiederhold, »kommt, lasst uns erst die Kanone in die See
+zu schmeissen suchen.« Nach mehreren Versuchen, bei welchen sie in
+beständiger Gefahr waren zerquetscht zu werden oder mit der Kanone über
+Bord zu gehen, gelang es ihnen, ihrer Herr zu werden und sie über Bord
+zu werfen. Hierbei wurde einem Soldaten der Arm zweimal gebrochen und
+Wiederholds kleiner Finger zerquetscht.
+
+Nun fing die Arbeit an den Pumpe an, in Ablösungen von 4 Mann. Jede
+Ablösung konnte es aber nur jedesmal 6 oder 8 Minuten aushalten und
+mussten sich entweder anbinden oder an dem Stumpf des grossen Mastes
+festhalten, um nicht von den Wellen weggespült zu werden. Gegen 3 oder 4
+morgens aber brach die Pumpe und konnte in der Dunkelheit nicht
+ausgebessert werden, so dass sie sich mit Ausschöpfen vermittelst eines
+Eimers behelfen mussten, bis es Tag wurde und sie die Pumpe wieder in
+Stand setzen konnten.
+
+Während die Leute in der Dunkelheit arbeiteten, fiel ein Mann über Bord,
+erfasste aber im Fallen ein Tau und rief und schrie um Hilfe. Niemand
+konnte ihn sehen oder wusste, wo er war. »Wo bist du denn,« fragte
+Wiederhold. »Hier hänge ich an dem Schiff und wenn ihr mir nicht bald
+helft, so kann ich mich nicht länger halten, muss in die See fallen und
+ersaufen.« Seine Kameraden suchten an ihn heran zu kommen, aber bevor
+sie ihn erreichen konnten, war eine Welle geschwinder als sie und spülte
+ihn wieder an Bord; und Wiederhold sagt in seinem Tagebuch »er lebt noch
+und ist gesund.«
+
+Während aller dieser Arbeit bemerkte Wiederhold, dass der
+Schiffs-Kapitän und einige Bootsleute mit einer Laterne um die auf dem
+Schiffe befestigten Boote herumgingen und versuchten, wie er glaubte,
+eins davon los zu machen. Wiederhold fragte den Kapitän, was er denn da
+mache. »O, nichts,« antwortete dieser, »ich sehe nur, ob sie fest genug
+sind.« Unter irgend einem Vorwand bat ihn Wiederhold darauf, ihm die
+Laterne für einen Augenblick zu leihen, und nachdem er sie hergegeben
+und dieselbe einem Soldaten eingehändigt hatte, nahm Wiederhold den
+Kapitain am Arm, führte ihn in die Kajüte hinunter und setzte ihn dort
+in Arrest unter Bewachung von zwei Offizieren. Dies geschah aus
+Besorgnis, dass der Kapitän mit seinen Matrosen sich von der Brig
+heimlich entfernen und die Soldaten ihrem Schicksal überlassen könnten.
+Bei Tagesanbruch fand man die Boote von den Wellen völlig zerstört. Sie
+wurden über Bord geworfen und der Schiffs-Kapitän wurde wieder in
+Freiheit gesetzt.
+
+Am 16. September lies der Wind etwas nach und am 17. klärte sich der
+Himmel auf. Die Beobachtungen, die man um Mittag anstellte, ergaben 37°
+19' nördlicher Breite, so dass die Brig bis auf die Höhe der Kaps von
+Virginien nach Süden hin getrieben war. Von der Länge hatten sie keine
+Ahnung.
+
+Die losgerissenen Segelstangen, Taue und das zerbrochene Geländer wurden
+nun weggeräumt und der Schiffsboden untersucht, aber kein Leck darin
+gefunden. Die Soldaten kamen an Deck und trockneten ihre Kleider, denn
+sie hatten keinen trockenen Faden an sich, selbst nicht in ihren
+Tornistern, alles war mit Salzwasser und Schlamm durchnässt. Die
+Matrosen befestigten an dem Stumpf des Hauptmastes einen Hilfsmast, und
+Tags darauf noch einen am Vordermast.
+
+Am 19. wurde von den Mannschaften eine Betstunde abgehalten, um Gott für
+ihre Errettung aus Sturm und Not zu danken. Es wurde ein Lied gesungen
+und der 107. Psalm vorgelesen. Selbst die Matrosen, die kein Wort von
+dem, was die Deutschen redeten, verstanden, waren sehr andächtig und
+beteten für sich.
+
+Der Triton nahm langsam seinen Weg in nördlicher Richtung und hatte
+leidliches Wetter. Einige Schiffe kamen in Sicht, keins aber kam ihnen
+zu Hilfe. Wiederhold ersann einen Plan, wie er mit seinem kaum lenkbaren
+Wrack einem Privateer, der ihn angreifen würde, Widerstand leisten
+könnte. Er nahm sich vor, seine Leute unter Deck verborgen zu halten,
+eine Bootladung Amerikaner an Bord des Triton zu locken und sie dann
+gefangen zu nehmen. Der Privateer würde dann aus Besorgnis, seine
+eigenen Leute zu treffen, nicht feuern und das Schiff auch nicht
+ersteigen können wegen der überlegenen Zahl an Hessen. Es war vielleicht
+ein Glück für Wiederhold und die Seinigen, dass die Umstände es
+verhinderten, diesen ingenieusen Plan zur Ausführung bringen zu suchen.
+
+Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie
+nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um
+den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen
+hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen
+des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger
+Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und
+berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene.
+Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe
+seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen
+und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden
+gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und
+stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie
+sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn,
+nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge
+wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
+
+Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet
+genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert.
+Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie
+erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und
+das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder
+Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins
+Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging.
+Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord
+genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der
+Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten.
+Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der
+Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass
+der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte,
+glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
+
+Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht.
+Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia
+und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden
+ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
+
+Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und
+Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich
+nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts
+Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom
+Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und
+nachher von amerikanischen Privateers genommen.
+
+Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des
+Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es
+wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage
+lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen
+Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff
+ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine
+Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei
+Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen
+wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den
+Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt
+und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu
+haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am
+folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach
+New-York brachte.
+
+
+
+
+Kapitel XXI.
+
+Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
+
+
+Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die
+Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war
+deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu
+machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord
+George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen
+schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche
+Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt
+werden würde.
+
+Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord-
+und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die
+Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den
+letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern
+konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den
+betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur
+Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht,
+welches sehr wichtig war.
+
+Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant
+Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an
+dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes
+Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook
+verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer
+Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner,
+die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten
+ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche
+Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren
+Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet
+betrug.
+
+Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die
+meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel
+Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen
+zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt
+man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den
+neuen Baracken der Stadt einquartiert.
+
+Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über
+die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen,
+welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann
+wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee
+gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und
+bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog
+sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück.
+Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten
+verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
+
+Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten,
+die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt,
+war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein
+Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt,
+und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das
+Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon
+Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19.
+Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst
+zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich
+und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen
+von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
+
+Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei
+verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen
+Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten
+waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten
+die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem
+derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls
+Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese
+Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
+
+Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf
+d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden
+alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach
+Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit
+den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von
+Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte
+Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den
+Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die
+französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden,
+um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen
+Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen,
+bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor
+ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden
+sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober
+unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und
+pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie
+mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment
+von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche
+später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit
+Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat
+zerstreuten.
+
+Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen
+Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte
+verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von
+ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus
+Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4
+Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger
+ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant
+Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in
+New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition
+persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft,
+konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt
+war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780
+der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam,
+fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30
+hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang
+Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau
+genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna
+fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim.
+Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den
+westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für
+100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die
+Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben
+und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer
+Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag,
+mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu
+opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich
+Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe
+an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man
+bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er
+an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30
+Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren
+Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando
+der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo,
+auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem
+Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts
+der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von
+dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu
+bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde
+schliesslich gerettet.
+
+Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780,
+um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie
+wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen
+Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons
+Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten
+die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu
+fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von
+Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo
+Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische
+Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem
+Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
+
+Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein
+ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand
+zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls
+genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer
+Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer
+langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um
+ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten
+für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in
+seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine
+Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben
+und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren
+nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und
+in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei,
+der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand,
+ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon
+im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art
+der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem
+Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
+
+Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die
+Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit
+Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und
+wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt,
+die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem
+und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt
+zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen
+der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere
+Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher
+Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl
+sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber,
+die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen
+genommen.
+
+Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South
+Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er
+ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut
+abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier
+angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt
+worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie
+der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die
+eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
+
+Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den
+Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen
+Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige
+Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche
+Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die
+erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner
+ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu
+befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen
+am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung.
+Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf
+Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des
+Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
+
+Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war
+Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben
+Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander
+segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral
+Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe
+zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das
+Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab
+und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein
+Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und
+unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein
+langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen
+mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in
+Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern
+beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt,
+die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die
+Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch
+genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald
+das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner
+von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner
+Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner
+wegbeförderten.
+
+Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr
+abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen
+durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den
+Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu
+fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers
+hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt.
+Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von
+hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen
+ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass
+einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren
+gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch
+Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James
+Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen
+Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten.
+Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit
+der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die
+zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner
+Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch
+Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die
+Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande
+waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen
+und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte
+Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot
+Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine
+Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten
+wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben
+erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen
+konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an
+einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort
+wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in
+Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten
+nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
+
+In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des
+Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der
+Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden,
+lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien.
+Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter
+stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit
+Pockenkranken.
+
+Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780
+wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die
+Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals
+abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt
+wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen
+und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen
+Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen
+sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf
+Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation
+marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen
+türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten
+sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt
+hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und
+bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so
+stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die
+Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee
+wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und
+eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der
+Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf
+265 Mann angegeben.
+
+Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der
+reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen
+Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der
+bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut
+eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf
+Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig,
+hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war
+der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der
+Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche
+Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die
+Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren,
+waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die
+die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
+
+Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von
+ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der
+Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren
+die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren
+frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter
+unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich
+gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen,
+da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht.
+Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige
+verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York
+ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und
+Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
+
+Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die
+hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben
+zurück.
+
+Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am
+weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt
+waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und
+Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die
+Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November,
+liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola
+war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch
+Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste,
+die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste
+man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch
+Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei
+Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen
+Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem
+waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die
+Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.
+
+Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur
+Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer
+Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei
+Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen
+England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der
+spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer
+Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der
+Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake
+Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton
+Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit
+Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und
+die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie
+zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000
+Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker,
+und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.
+
+Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober,
+wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein
+verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker
+Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen
+genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der
+kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«
+
+Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von
+Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach
+Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische
+Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später
+wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz,
+überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern
+zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen.
+Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung
+in Florida.
+
+Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300
+Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen
+hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten
+und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den
+Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien
+eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der
+folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa
+ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die
+Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die
+Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den
+Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten
+die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die
+Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker
+Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in
+Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6
+und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk
+ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste.
+Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem
+Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische
+Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse
+Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und
+am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf
+und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach
+New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen
+Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die
+Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die
+Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.
+
+
+
+
+Kapitel XXII.
+
+New-York in den Jahren 1780 und 1781.
+
+
+Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er
+das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des
+Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und
+ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und
+Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen
+Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine
+Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut
+genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington
+hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte
+Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von
+diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde
+entzogen werden.
+
+Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und
+Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem
+New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die
+fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord
+Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in
+Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von
+denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten.
+Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch
+Verstärkungen nach der Insel zu senden.
+
+Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen
+Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele
+Gefangene machten.
+
+Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung
+hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern,
+sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war
+bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis,
+die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese
+Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der
+Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen
+verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400
+Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr
+morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein
+schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein
+amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien
+verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die
+Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren
+sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das
+Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der
+Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600
+Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen
+schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400
+Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung
+herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem
+Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende
+Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren,
+silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem
+englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und
+andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die
+ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar
+silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar
+Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem
+englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und
+einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an
+Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend
+seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was
+ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des
+eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«
+
+Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust
+an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer
+gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780
+wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf
+New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen
+folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen
+regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte.
+Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und
+Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei
+letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield
+vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein
+Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser
+gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an
+diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser
+Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr
+bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield
+zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr
+nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung,
+wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der
+Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und
+schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden
+verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber
+erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55
+Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure
+die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht
+in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr
+abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage
+griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches
+Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern
+unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown
+zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen
+Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein
+amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen,
+ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe
+unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt
+das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man
+kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder
+sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit
+einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes
+zu melden.«
+
+Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den
+hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen
+Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens
+Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden
+Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche
+Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen
+Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei
+Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7.
+zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits
+Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden
+Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die
+Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während
+ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die
+Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem
+stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und
+jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde
+lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand
+und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und
+konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die
+Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug.
+Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem
+englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown
+Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein,
+bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen
+und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke,
+die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort
+abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem
+Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3
+Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am
+Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem
+Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich
+ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.
+
+Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry
+Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der
+übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der
+Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige
+Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein
+Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein
+Scharmützel gelten könnte.
+
+Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann
+nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant
+von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf
+New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing
+beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200
+Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten
+zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant
+ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen
+Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des
+Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu
+rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut
+worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende
+Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in
+der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen
+allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen
+Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs
+Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen«
+gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den
+Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn
+festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter
+dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.
+
+Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen
+dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten
+ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die
+Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste
+Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in
+Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg,
+die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch
+die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung
+zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung
+vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der
+Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie
+zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards
+zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung
+inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die
+Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden.
+Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu
+nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier,
+nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der
+Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement
+Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die
+amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer
+Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische
+Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.
+
+Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau
+mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die
+Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich
+darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische
+Flotte von West-Indien ankommen würde.
+
+Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River
+gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet.
+Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die
+Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den
+Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem
+Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus
+zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden,
+die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit
+Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der
+Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines
+höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu
+gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war,
+dieser Bewegung entgegen zu treten.
+
+Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht
+gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer
+Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich
+jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den
+Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden
+veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit,
+Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen,
+und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia
+zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold
+erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100
+hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort,
+dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold
+steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem
+Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.
+
+Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu
+stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen
+Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe
+genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die
+Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der
+Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer
+Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem
+unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom
+Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere
+Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von
+Yorktown führten.
+
+
+
+
+Kapitel XXIII.
+
+Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.
+
+
+Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden
+sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess;
+und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von
+Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme
+dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und
+Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war
+die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18.
+überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen
+später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings
+Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg
+umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen
+regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden
+getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.
+
+[Illustration: LORD CORNWALLIS'S OPERATIONEN IM SÜDEN. 1781.]
+
+Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen
+Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von
+100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth
+in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston
+abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.
+
+Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von
+Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General
+Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt
+worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die
+Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des
+Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee
+abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton
+mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen,
+während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen
+und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton
+stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung
+seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf
+den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie
+bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals
+bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven
+vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder
+Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten
+Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung.
+Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen
+Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton
+sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die
+Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde
+gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde
+zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100
+Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75
+Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde
+fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen
+worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei
+Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist
+nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner
+dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.
+
+Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen
+und gezwungen, den Abschied zu nehmen.
+
+Nicht viele, die im Revolutionskriege gedient haben, haben ihrem Lande
+bessere Dienste geleistet wie er. Es wird eine Geschichte erzählt, dass
+er sich bei Winchester in dem Thal von Virginia ein Haus baute, und zwar
+aus Steinen, welche die hessischen Gefangenen meilenweit auf ihren
+Schultern hergeholt haben sollen. Diese Geschichte ist nicht unmöglich,
+ich habe sie aber in keiner deutschen Quelle bestätigt gefunden.
+
+Cornwallis war enttäuscht, aber nicht mutlos gemacht durch die
+Niederlage seines fähigsten Unterführers und beinahe eines Drittels
+seiner Soldaten. Am Tage nach dem Gefecht bei Cowpens vereinigte sich
+Leslies Division mit ihm. In wenigen Tagen marschierte er durch
+Nord-Carolina, indem sich Greene vor ihm zurückzog. Letzterer wurde über
+die Grenzen des Staates und über den Dan River gedrängt. Cornwallis
+liess an die Tories eine Aufforderung ergehen, sich zu erheben; diese
+zeigten sich auch dazu geneigt, eine Abteilung von ihnen wurde aber von
+einer Übermacht unter Henry Lee und Pickens angegriffen und zerstreut,
+während die andern entmutigt sich wieder nach Hause begaben.
+
+Schliesslich erhielt General Greene Verstärkungen, ging wieder vor bis
+nach Guildfield Court House in Nord-Carolina und bereitete sich zur
+Schlacht vor. Seine Armee bestand aus 1651 Continentals und über 2000
+Milizen. Lord Cornwallis befehligte 1875 Veteranen. Am 15. März 1781
+entwickelte Greene seine Armee in drei Linien. Die vorderste war aus
+Nord-Carolina-Milizen zusammengesetzt und in einem Wald hinter einem
+Gatter aufgestellt. Ein Teil dieser Linie stand an dem Rande eines
+ausgerodeten Stück Landes. Der linke Flügel derselben hatte als
+Unterstützung eine Abteilung von Schützen unter Oberstlieutenant Henry
+Lee und Oberst Campbell. Greenes zweite Linie, 300 Yards hinter der
+ersten, bestand aus Virginia-Milizen. Sie standen in dichtem Walde. Die
+dritte Linie war aus allen Continentals der Armee zusammengesetzt.
+Dieser Streitmacht gegenüber liess Lord Cornwallis nach einem
+Avantgarden-Geplänkel seine Armee in zwei Divisionen aufmarschieren. Den
+linken Flügel kommandierte Oberstlieutenant Webster, den rechten
+Brigade-General Leslie. Der rechte Flügel stiess zuerst auf die
+Nord-Carolina-Miliz, die bei dessen Annäherung zurückwich. Lee und
+Campbell mit ihren Schützen hielten tapfer aus. Die Briten gingen gegen
+die Virginia-Miliz vor. Die Engländer waren nun auf ihrer ganzen Front
+engagiert, und die Virginier verteidigten sich so tapfer, dass Lord
+Cornwallis genötigt war, seine Reserven heranzuholen. Die zweite Linie
+der Amerikaner wurde alsdann zurückgedrängt, und die Briten drangen
+weiter vor gegen die Continentals. Hierbei kamen die Engländer in dem
+dichten Wald in ziemliche Unordnung. Oberstlieutenant Webster mit seiner
+Brigade stiess zuerst auf die Continentals. Da er aber zu übereilt
+vorgegangen war, so wurde er zurückgeworfen bis hinter einen Ravin. Das
+zweite Maryland-Regiment jedoch war durch einen Angriff des zweiten
+Bataillons der englischen Garde durchbrochen worden; zwei 6-Pfünder
+wurden genommen. Das erste Maryland-Regiment und Oberst Washingtons
+Kavallerie attackierten die Garden, warfen sie zurück und nahmen die
+Geschütze wieder. Darauf feuerte Lieutenant Macleod von der britischen
+Artillerie mit zwei 3-Pfündern auf Freund und Feind. Washingtons
+Dragoner wurden geworfen. Webster ging wieder vor, unterstützt von einem
+Teil von Leslies Division, und General Greene trat mit seiner Armee den
+Rückzug an, indem er seine Geschütze, deren Pferde gefallen waren, im
+Stich lassen musste.
+
+Von den Hessen waren ein Jäger-Detachement und das Regiment von Bose an
+diesem Kampfe beteiligt. Dies Regiment stand auf dem rechten Flügel. Es
+stand während des ganzen Gefechts den Schützen unter Lee und Campbell
+gegenüber, die es mit grossem Ungestüm in Front und Rücken angriffen.
+Das Regiment hielt sich mit grosser Tapferkeit in seiner Stellung, und
+diente dem ersten Bataillon der englischen Garde, welches in Unordnung
+hatte zurückgehen müssen, als Aufnahme und Rückhalt. Eelking und
+Bancroft sprechen dem hessischen Regiment einen entscheidenden Anteil an
+dem Siege zu. Ein so bedeutender Anteil kann ihm kaum zugestanden
+werden, indessen verdienten die Soldaten und ihr Führer Oberstlieutenant
+du Puy vollkommen die ehrenvolle Erwähnung, die ihnen in dem Tagesbefehl
+von Lord Cornwallis zu Teil wurde.
+
+Das ganze Gefecht dauerte ungefähr zwei Stunden. Der ganze Verlust der
+Briten betrug 532 Mann, von denen 80 auf das Regiment von Bose kamen.
+
+Cornwallis Armee war durch diesen Sieg so zusammengeschmolzen, dass er
+gezwungen war, über die Grenzen Virginiens nach Wilmington zu
+marschieren, um ihr eine Rast zu verschaffen; die Schwerverwundeten
+musste er zurücklassen.
+
+Nachdem sich Lord Cornwallis bis zur Küste zurückgezogen hatte, wurde
+Greene Herr über die Staaten Nord- und Süd-Carolina. Vor Mitte September
+hatten die Amerikaner drei Schlachten verloren und drei Provinzen
+gewonnen. Nacheinander bei Camden, Ninety-six und Eutaw-Springs
+geschlagen, nahm Greene und die Parteigänger, die mit ihm cooperierten,
+eine Anzahl kleiner Posten durch Belagerung oder Sturm, führte die
+Kapitulation von Augusta und den Entsatz von Camden und Ninety-six
+herbei. Im Herbst 1781 hatten die Briten von den drei südlichsten
+Staaten nichts mehr im Besitz mit Ausnahme von Savannah, Charleston und
+Wilmington.
+
+Am 10. Dezember 1780 segelte Benedict Arnold, der nunmehr britischer
+Brigade-General war, an der Spitze von ungefähr 600 Mann,
+einschliesslich 100 hessische Jäger unter Kapitain Ewald, von New-York
+ab. Arnold erreichte den James-River Anfang Januar 1781. Dort stand ihm
+nichts als eine kleine Schaar Milizen unter Baron Steuben entgegen.
+Arnold steckte die Stadt Richmond mit ihren Vorräten an Tabak in Brand
+und zog sich wieder nach Portsmouth an der Mündung des James zurück.
+Nicht lange nachher gaben die Jäger einen neuen Beweis ihrer Tapferkeit.
+Am 19. März 1781 ging General Lafayette mit einer Abteilung von etwa 500
+Mann gegen die englische Stellung vor, zersprengte ein Picket von den
+Jägern und nahm es zum Teil gefangen und näherte sich der Stellung, die
+von Kapitain Ewald besetzt war. Diese war zuerst von einem
+Unteroffizier und 16 Mann gehalten worden. Der Kapitain und 19 Mann
+nahten eilig zu ihrer Unterstützung heran. Die Amerikaner mussten über
+einen schmalen Deich avancieren, der einige 30 Schritte lang war, und
+auf dem sie dicht gedrängt vorgingen. Jeder Schuss musste treffen,
+sodass neunundzwanzig totgeschossen oder verwundet wurden. Die Jäger
+verloren nur zwei Mann, und Lafayette musste sich zurückziehen. »Man
+muss nur bei solchen Gelegenheiten,« sagt Ewald, »die Hacken an den
+Stiefeln fest in die Erde schrauben und an kein Weichen denken, dann
+wird man selten Gegner finden, die uns aus solch einer Stellung
+herauswerfen.« Ewald war in diesem Gefecht am Knie verwundet worden.
+Eelking berichtet, dass Arnold nach demselben den Kapitain besucht habe.
+Ewald machte dem General Vorwürfe, dass er die Jäger nicht unterstützt
+hätte. Arnold erwiderte, er habe die Stellung für verloren gehalten. »So
+lange noch ein Jäger am Leben ist,« rief der Kapitain wütend aus, »soll
+kein -- Amerikaner über den Deich kommen.« Arnold, der sich noch als
+Amerikaner betrachtete, nahm dies übel und zeigte es dadurch, dass er es
+unterliess, das gute Verhalten der Jäger in dem Tagesbefehl zu erwähnen.
+Ewald beklagte sich hierüber bei Arnolds Adjutanten, worauf der General
+sich am folgenden Tage bei ihm entschuldigte und die Erwähnung
+nachträglich erfolgen liess. Inzwischen war Lafayette mit 1200
+Continentals nach Virginien beordert worden. Der junge General brach
+sofort mit einem Teil seiner Streitkräfte auf und liess Wayne mit dem
+Rest folgen. Zehn französische Kriegsschiffe sollten mit dem Marquis
+gemeinsam operieren. Diese trafen am 16. März unweit der Kaps von
+Virginien auf das englische Geschwader. Nach einem Gefecht von zwei
+Stunden segelte die französische Flotte nach Newport zurück, während die
+englische sich nach der Chesapeake-Bay begab. Die Verteidigung von
+Virginien hatte man ausschliesslich den Landtruppen überlassen müssen,
+diese zeigten sich aber dieser Aufgabe nicht gewachsen.
+
+Am 19. März segelte Generalmajor Phillips, derselbe, welcher bei
+Saratoga mit Burgoyne zusammen gefangen genommen worden war, von
+New-York, um das Kommando über die englischen Truppen in Virginien zu
+übernehmen. Er nahm 2000 Mann Verstärkungen mit, und beinahe dieselbe
+Zahl folgte sechs Wochen später. General Phillips machte bald nach
+seiner Ankunft einen Vorstoss von Portsmouth aus den James River hinauf,
+plünderte und steckte alles in Brand auf beiden Ufern, liess die Neger
+wegtransportieren und nach West-Indien verschiffen, zerstörte unter den
+Augen von Lafayette, der auf der Nordseite des Flusses geblieben war,
+die Magazine und setzte sich am 9. Mai in den Besitz von Petersburg, wo
+sich seine Armee mit der von Lord Cornwallis, die von Wilmington im
+Anmarsch war, vereinigen sollte. Vier Tage später starb General Phillips
+an einem heftigen Fieber und Arnold hatte wieder die Führung über die
+Armee. Am 20. jedoch traf Lord Cornwallis in Petersburg ein und sandte
+kurz darauf den Verräter nach New-York zurück.
+
+Cornwallis brach am 24. Mai von Petersburg auf, ging 25 Meilen unterhalb
+Richmond über den James River und war am 1. Juni bei Cooks Ford am North
+Anna-River in der Nähe von Hanover Court House. Von da schickte er
+Tarleton nach Charlottesville, wo der Landtag von Virginien seine
+Sitzungen abhielt. Tarleton sprengte den Landtag auseinander und nahm
+einige der Mitglieder gefangen. Inzwischen war Simcoe entsandt worden,
+um einige Magazine und Vorräte bei Point of Fork, wo der Rivanna-River
+sich in den James ergiesst, zu zerstören resp. in Besitz zu nehmen. Er
+nahm wahr, dass die Vorräte, die von General Steuben bewacht wurden,
+sich auf der Südseite des James River befanden. Es gab dort keine Furt,
+und Simcoe hatte nur einige kleine Boote. Er nahm deshalb seine
+Zuflucht zu einer Kriegslist. Indem er seine 400 Mann, die er halb
+zeigte, halb verborgen hielt, in einer langen Linie entwickelte, machte
+er Steuben glauben, dass sein Detachement die Avantgarde von Cornwallis
+Hauptarmee wäre. Und Steuben, der sich nicht überlegte, dass mit so
+wenig Kähnen zum Übersetzen eine ganze Armee kaum gefährlicher war als
+ein Detachement, zog sich unter Zurücklassung eines Teils seiner Vorräte
+zurück. 24 Mann wurden darauf über den Fluss gesetzt, und, während die
+Hälfte davon die Vorräte zerstörten, hielt der Rest Wache, ohne dass sie
+im mindesten gestört wurden.
+
+Lafayette ging nach Norden bis zum Rappahannock zurück, wo Wayne ihm
+Verstärkungen zuführte. Der Marquis wandte sich darauf in Eilmärschen
+nach Süden und Westen und postierte sich zwischen die britische Armee
+und die Vorräte des westlichen Teils des Staates. Er war jedoch noch zu
+schwach, um eine Schlacht wagen zu können. Cornwallis unternahm nichts
+gegen ihn, sondern wandte sich am 15. Juni der Küste zu. Dies gab
+Lafayette einen unstreitigen Vorteil. Er folgte Cornwallis in
+respektvoller Entfernung auf seinem Marsche. Die Armee unter Lafayette
+zählte zu jener Zeit 4500 Mann, von denen nur 1505 Reguläre waren.
+
+Es fanden auf diesem Rückmarsch nur zwei Gefechte statt; das eine am 26.
+Juni. Eine Abteilung unter Simcoe und Ewald, die die Arrieregarde der
+britischen Armee bildete, wurde von einem Detachement der Division Wayne
+angegriffen und teilweise überrascht. Die Briten und Hessen hatten gegen
+Mittag nicht weit von Williamsburg eine Rast gemacht, als die Amerikaner
+eine heftige Attacke auf sie unternahmen. Die Kavallerie jedoch war
+schnell aufgesessen, die Jäger an den Gewehren, und die Amerikaner
+wurden zurückgeschlagen mit einem Verlust von 30 oder 40 Mann auf beiden
+Seiten.
+
+[Illustration: YORKTOWN. 1781.
+
+A. Redoute, von den Franzosen genommen.
+
+B. Redoute, von den Amerikanern genommen.]
+
+In Williamsburg erhielt Lord Cornwallis den Befehl, 3000 Mann nach
+New-York zurückzusenden, welches Clinton durch die vereinigte Armee der
+Franzosen und Vereinigten Staaten bedroht glaubte. Um diesen Befehl zur
+Ausführung zu bringen, setzte Cornwallis seinen Marsch auf Portsmouth
+fort. Am 4. Juli verliess er sein Lager bei Williamsburg und marschierte
+nach Jamestown in der Absicht, den James-River zu überschreiten. Die
+Rangers unter Simcoe und die Jäger unter Ewald gingen in derselben Nacht
+über. Ein Teil der Baggage wurde am folgenden Tage übergesetzt. Am 6.
+Juli blieb Cornwallis mit der Armee in Jamestown, wo der General die
+Nachricht erhielt, dass Lafayette im Anmarsch sei, um ihn anzugreifen.
+Dies war, was Cornwallis wollte, denn er hatte eine günstige Stellung
+und eine viel grössere Zahl von regulären Truppen als Lafayette.
+
+Am Nachmittag des 6. Juli ging Lafayette vor, war aber noch im Unklaren
+darüber, ob die Hauptarmee von Lord Cornwallis oder nur seine
+Arriere-Garde auf dem linken Ufer des James wäre. Die Amerikaner gingen
+vorsichtig vor. Wayne griff mit ungefähr 500 Mann an. Die britischen
+Pickets hatten Befehl erhalten, hartnäckigen Widerstand zu leisten und
+sich dann zurückzuziehen. Ermutigt hierdurch, entwickelte Wayne auch den
+Rest seiner Brigade, sodass er mehr als 1000 Mann in Thätigkeit gesetzt
+hatte. Die übrigen Continentals der Armee folgten als Reserve. Es schien
+nunmehr Cornwallis der Augenblick zum Schlagen gekommen zu sein. Seine
+Armee war in zwei Treffen aufmarschiert. Das erste bestand aus ungefähr
+2500 Mann, das zweite, zu dem das Regiment von Bose gehörte, war etwa
+1000 Mann stark. Wayne und Lafayette merkten den Fehler, den sie
+begangen hatten und sahen, dass er am besten durch ein kühnes Wagnis
+wieder gut gemacht werden könnte. Wayne ging mit seiner Brigade vor.
+Dies brachte die Briten zum Stehen. Die feindlichen Reihen standen sich
+nur ungefähr 70 Yards gegenüber, und unterhielten gegenseitig ein
+fünfzehn Minuten langes heftiges Feuer. Da aber nunmehr die Briten
+anfingen die Amerikaner in der Flanke zu fassen, gingen letztere zurück.
+Zwei Geschütze, die den Braunschweigern bei Bennington abgenommen worden
+waren, mussten sie, da die Pferde totgeschossen waren, im Stich lassen.
+Der Verlust der Amerikaner wird auf 139 angegeben, der der Briten auf 75
+Mann.
+
+Nachdem Cornwallis in Portsmouth angekommen war, erhielt er Gegenbefehl
+und machte mit seiner ganzen Armee Halt. Er sollte Old Point Comfort
+besetzen und verteidigungsfähig einrichten, ebenso, wenn er es für
+ratsam hielte, einen andern Ort auf der Halbinsel, der sich als
+Marine-Station eignete. Nachdem sich aber die Ingenieure gegen Old Point
+Comfort ausgesprochen hatten, besetzte Cornwallis in der ersten Woche
+des August Yorktown und das gegenüber gelegene kleine Dorf Gloucester.
+Hier sammelte er schnell seine ganze Streitmacht und machte sich eilig
+daran, seine Stellung zur Verteidigung einzurichten, während Lafayette
+sich abwartend verhielt und ihn beobachtete.
+
+Gerade zu dieser Zeit war Washington benachrichtigt worden, dass die
+französische Flotte unter Count de Grasse sich anschickte, an den
+Operationen bei der Chesapeake Bay Anteil zu nehmen. Schnell und im
+Geheimen wurden Vorbereitungen getroffen, die amerikanische und
+französische Armee von New-York nach Virginien zu dirigieren. Wir haben
+gesehen, dass bereits am 18. August nach der City von New-York die
+Nachricht gekommen war, dass die Verbündeten im Begriff wären, den
+North-River zu überschreiten. Aus Mangel an Booten hatte diese Operation
+eine Woche gedauert. Sir Henry Clinton war aber, obwohl er von
+Washingtons Plan Kenntnis erhalten hatte, immer noch in der Idee
+befangen, als ob ein Angriff auf Staten Island beabsichtigt sei. Es
+dauerte bis zum 29., bis er über seinen Irrtum aufgeklärt wurde. Unter
+Zurücklassung von 4000 Mann unter General Heath zum Schutz des
+Hochlands, gingen Washington und Rochambeau in Eilmärschen gegen
+Cornwallis vor.
+
+Die verbündete Armee, die durch New-Jersey marschierte und von der das
+Schicksal des Krieges abhing, war sehr schwach. Sie bestand aus 4000
+Franzosen und 2000 Amerikanern. Nachdem Philadelphia passiert war, kam
+sie am 6. und 8. September 1781 in Head of Elk an. Der Count de Grasse
+war bereits mit 24 Schiffen in der Chesapeake Bay angekommen; er führte
+1700 Geschütze und 19 000 Seeleute mit sich. Ihm stellte sich am 5.
+September Admiral Graves mit einer geringern Streitmacht gegenüber. Die
+Schlacht dauerte zwei Stunden. Die Engländer gerieten, obwohl nicht
+vollkommen geschlagen, in einen Zustand, der sie zu jeder weitern
+Unternehmung gegen die Franzosen unfähig machte. Nach vier Tagen
+segelten sie unter Überlassung der Chesapeake Bay an de Grasse, nach
+New-York.
+
+Die Franzosen und Amerikaner, die von New-York gekommen waren,
+marschierten die Bay hinunter und vereinigten sich mit dem Korps von
+Lafayette und den französischen Truppen, die de Grasse gebracht hatte.
+Die vereinigte Armee bei Williamsburg bestand am 27. September 1781 aus
+ungefähr 7000 Franzosen, 5500 Continentals und 3500 virginischen
+Milizen. In den Reihen der Continentals waren Kompagnien von allen
+Staaten nördlich von Karolina. Die englische Armee in Yorktown war etwa
+7000 Mann stark. Von diesen gehörten nicht ganz 1100 dem Markgrafen von
+Anspach-Bayreuth, etwas mehr als 850 dem Landgrafen von Hessen-Cassel
+und der Rest, etwa 5000 Mann, dem König von Grossbritannien, welchem die
+ganze Armee Gehorsam gelobt hatte. Ungefähr 800 Seeleute fochten auf
+jeder Seite während der Belagerung. Die französische Flotte befand sich
+ausser Thätigkeit, dagegen waren die englischen Schiffe aktiv beteiligt.
+
+Yorktown bot keine starke Stellung; seine Verteidigung bestand nur aus
+Feldschanzen. Am 30. September 1781 gaben die Briten, vielleicht zu
+frühzeitig, ihre äussere Verteidigungslinie auf. In der Nacht zum 6.
+Oktober wurde die erste Parallele eröffnet. Am Nachmittag des 9. begann
+das Feuer aus der Parallele, und von da ab bis zum Ende der Belagerung
+dauerte die Kanonade beinahe ununterbrochen fort.
+
+Das erste Zusammentreffen, das stattfand, war ein Scharmützel an der
+Gloucester-Seite des Flusses, wo Simcoes Rangers, Tarletons Dragoner,
+Ewalds Jäger und ein englisches Regiment aufgestellt waren. Ihnen
+gegenüber standen mehr als 1000 Franzosen unter Choisy und de Lauzun und
+12 oder 1500 Milizen unter General Weedon. Tarleton und Simcoe hatten
+den Gebrauch der Karabiner bei ihrer Kavallerie verboten, und dies trug
+zu ihrer Niederlage bei. Am Morgen des 3. Oktober war Lauzun gemeldet
+worden, dass ausserhalb der Werke von Gloucester englische Dragoner
+ständen. Beim Vorgehen zu einer Rekognoszierung sah er eine hübsche Frau
+an der Thüre eines Hauses stehen, das am Wege lag. Lauzun müsste nicht
+Lauzun gewesen sein, wenn er vorübergegangen wäre, ohne sie anzureden.
+Sie teilte ihm mit, dass Tarleton eben bei ihr im Hause gewesen wäre,
+und den dringenden Wunsch geäussert hätte, »sich die Hand mit dem
+französischen Führer zu reichen«. »Ich versicherte ihr,« sagt Lauzun,
+»dass ich zu dem Zweck gekommen wäre, um ihm diese Befriedigung zu
+gewähren. Sie bedauerte mich sehr, indem sie, wie ich glaube, aus
+Erfahrung annahm, dass es unmöglich wäre, Tarleton Widerstand zu
+leisten.«
+
+Alsbald stiessen die französischen und englischen Dragoner aufeinander.
+Tarleton erhob seine Pistole und ging auf Lauzun los. Ein Zweikampf
+sollte beginnen, als Tarleton mit dem Pferde stürzte. Englische Dragoner
+halfen ihrem Obersten sich in Sicherheit zu bringen, aber sein Pferd
+fiel Lauzun in die Hände.
+
+Der 10. Oktober hatte eine tapfere That aufzuweisen. Major Cochrane
+hatte New-York in einem Walfischboot mit Depeschen für Lord Cornwallis
+verlassen. Er langte in der Chesapeake Bay bei hellem Tage an, lief
+Spiessruthen zwischen der französischen Flotte, die ihn lebhaft
+beschoss, und erreichte glücklich Yorktown. Dieser tapfere Mann sollte
+jedoch zum letzten Male solches Glück erlebt haben. Zwei Tage nach
+seiner Ankunft richtete er ein Geschütz mit eigener Hand. Als er über
+die Brustwehr sah, um die Wirkung seines Schusses zu beobachten, wurde
+ihm von einer Kanonenkugel der Kopf weggerissen. Lord Cornwallis stand
+dicht an seiner Seite und entging mit genauer Not demselben Schicksale.
+
+In der Nacht zum 11. Oktober wurde die zweite Parallele eröffnet. Zwei
+Redouten, gegenüber dem rechten Flügel der Stellung der Verbündeten,
+lagen in der Verlängerung dieser Parallele. Sie mussten deshalb
+notgedrungen genommen werden. Die grössere sollten die Franzosen
+stürmen; dieselbe war zum Teil mit Deutschen besetzt. Die Franzosen
+unter Befehl von Baron de Vioménil, wurden entdeckt und auf 120 Schritte
+mit Feuer empfangen. Es verging einige Zeit, bis ein Zugang zur Schanze
+hergestellt war, und als dieser passiert werden konnte, wurde der Sturm
+unternommen. 92 Franzosen fielen oder wurden verwundet bei diesem
+Angriff, der feindliche Verlust betrug 15 Tote und 50 Gefangene. Die
+kleinere Redoute wurde durch die Amerikaner genommen; sie wurde durch
+Herstellung eines Zuganges weniger aufgehalten, daher war ihr Erfolg
+schneller und mit geringeren Opfern erkämpft. 9 Mann von der Kolonne
+fielen, 31 wurden verwundet, darunter 5 Offiziere.
+
+In der Frühe des 16. Oktober wurde ein Ausfall gegen die zweite
+Parallele gemacht. Einige Augenblicke war er von Erfolg, einige Kanonen
+wurden vernagelt, aber die Briten wurden durch den Angriff der
+französischen Grenadiere alsbald wieder zurückgetrieben, und die
+Kanonen in einigen Stunden wieder gebrauchsfähig gemacht. In der
+folgenden Nacht machte Cornwallis den Versuch, seine Armee über den York
+River übersetzen zu lassen in der Absicht, zu versuchen, nach Virginien
+zu marschieren. Heftiger Wind und Regensturm, welcher alle Boote den
+Fluss hinuntertrieb, verhinderte ihn jedoch, diesen Plan zur Ausführung
+zu bringen, und die Truppen, welche bereits nach Gloucester übergesetzt
+waren, wurden am nächsten Morgen zurückgebracht, so dass die dortige
+Garnison ihre alte Stärke behielt.
+
+Die britische Artillerie war nunmehr vollkommen zum Schweigen gebracht
+und Cornwallis sah ein, dass er nicht länger aushalten konnte. Am 17.
+Oktober 1781 wurden die Verhandlungen eröffnet und am 19. die
+Kapitulation unterzeichnet und zwar unter Bedingungen, wie sie der
+Hauptsache nach General Lincoln in Charleston im vergangenen Jahr
+bewilligt waren. Am Nachmittag desselben Tages marschierten die Briten
+und Deutschen mit verhüllten Fahnen aus ihren Befestigungswerken, ihre
+Musikkorps den alten englischen Marsch spielend: »The World Turned
+Upside Down.«
+
+
+
+
+Kapitel XXIV.
+
+Schluss.
+
+
+Cornwallis Übergabe von Yorktown entschied das Schicksal des
+Revolutions-Krieges. Die Armeen ruhten während des Winters, und im
+Frühjahr 1782 kehrten die Generale Clinton und von Knyphausen nach
+Europa zurück. Sir Guy Carleton erhielt das Kommando in New-York,
+General-Lieutenant von Lossberg wurde Führer der hessischen Division. Am
+14. Dezember 1782 wurde Charleston geräumt, und am 25. November 1783,
+zwei Jahre nach dem Falle von Yorktown, segelten die letzten Hessen die
+Bai von New-York hinunter. »Ungefähr um zwei Uhr nachmittags lichteten
+wir die Anker,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »und als die Flotte
+hinunter nach Staten Island segelte, sahen wir, wie auf mehreren Häusern
+die amerikanische Flagge gehisst wurde. Keine war indessen auf Fort
+George zu sehen. Bei Sonnenuntergang passierten wir Sandy-Hook, und als
+die Nacht hereinbrach, verschwand das Land vor unsern Augen.«
+
+Die Stärke der deutschen Hilfstruppen, welche England in Amerika von
+1776-1783 verwendete, belief sich im Durchschnitt auf nahezu 20 000
+Mann. Im Laufe der Zeit waren ungefähr 30 000 Soldaten herübergebracht
+worden, und 17 313 kehrten nach Deutschland zurück, als der Krieg
+beendet war.
+
+Für die Dienste dieser Truppen bezahlte England an Subsidien an die
+Fürsten mehr als 1 770 000 Pfund Sterling. Dies kam hinzu zu der Löhnung
+der Soldaten und zu allen Ausgaben, ausgenommen der für die Aushebung
+und Bekleidung und Ausrüstung.
+
+Es kann daher keine Frage sein, dass für eine so bedeutende Geldsumme
+Gross-Britannien ausgezeichnete Soldaten erhielt. Es ist richtig, dass
+die Deutschen mehrmals mit Unglück gefochten haben, wenn sie allein und
+ohne Gemeinschaft mit englischen Truppen dem Feinde gegenüber standen.
+Breymanns Braunschweigern wurde es bei Bennington nicht möglich, mit
+einiger Schnelligkeit vorwärts zu kommen, aber die ganze Armee Burgoynes
+war sehr langsam in ihren Bewegungen. Dieser General spricht in einem
+Privatbrief über die Deutschen bei Saratoga »als entmutigt und bereit,
+beim ersten Schuss ihre Waffen wegzuwerfen«. Und doch hatten sie im
+ersten Teil der Kampagne mit Tapferkeit gefochten und hervorragende
+Dienste geleistet, sowohl bei Hubbardton als bei Freemans Farm. Bei
+Saratoga waren die braunschweigischen Regimenter am meisten exponiert
+auf der ganzen Linie gewesen. Wenden wir uns nun zu dem Kriege in den
+mittleren Staaten, so sehen wir, wie die Hessen den Hauptanteil haben
+und mit grosser Tapferkeit bei White Plains und Fort Washington kämpfen.
+Wir sehen sie, durch den Erfolg zu vertrauensselig gemacht, bei Trenton
+überrascht und bei Red Bank geschlagen. Bei der erstem Affaire wurden
+sie in Unordnung zurückgeworfen, ihr Führer getötet, und »die Leute
+hielten nirgends Stand«. Bei der letzteren Gelegenheit fochten sie mit
+Verzweiflung und verloren 371 Offiziere und Leute von einer Stärke, die
+kaum 2500 Mann überstieg. Es würde uns zu weit führen, wenn wir genau
+die Aktionen betrachten wollten, bei denen die Deutschen nicht den
+Hauptteil der Streitkräfte des Königs ausmachten, aber ich glaube, man
+würde finden, dass nur bei wenigen Gelegenheiten während des Feldzuges
+die hessischen Soldaten Mangel an Mut oder Disziplin zeigten. Eine
+Schwierigkeit war unvermeidlich bei dem Gebrauch von Truppen
+verschiedener Nationalitäten. Eifersucht und Feindschaft entstand
+zwischen Offizieren sowohl wie Soldaten. Wir haben gesehen, dass Heister
+abberufen wurde, weil er sich nicht mit Sir William Howe auf guten Fuss
+stellen konnte, und wie Riedesel sich durch Burgoyne verletzt fühlte.
+Die Briten wurden obendrein beschuldigt, bei Auswechselung der
+Gefangenen nicht unparteiisch gehandelt zu haben; sie hätten ihre
+eigenen Offiziere ausgewechselt, während sie die hessischen Offiziere in
+Gefangenschaft belassen hätten. Riedesel ging so weit, in dieser
+Angelegenheit an Washington zu schreiben, wurde aber von diesem
+höflichst darauf aufmerksam gemacht, dass dies eine Sache wäre, auf die
+er keinen Einfluss hätte.
+
+Wir können mit Bestimmtheit annehmen, dass die Eifersucht zwischen den
+höhern Offizieren von den Untergebenen geteilt wurde. In einem Brief aus
+Brookland (Brooklyn), datiert den 7. September 1776, schreibt ein
+hessischer Kaplan: »Unsere lieben Hessen lernten ihr schweres Dasein
+ertragen, und ich bemühte mich in meinen Gebeten und Predigten sie in
+ihrem christlichen Heldenmut zu bestärken. Die Langsamkeit der
+englischen Generale machte sie unmutig, aber noch mehr die stolzen und
+beleidigenden Blicke, welche die Engländer auf die Deutschen warfen.
+Dies führte oft zu blutigen Scenen. Ein Unteroffizier, zu dem ein
+Engländer bei einem gemeinschaftlichen Trunk sagte: »-- -- Du Franzose,
+Du nimmst unsern Sold«, antwortete ruhig: »Ich bin ein Deutscher und Du
+bist ein --.« Beide zogen blank, und der Engländer wurde so schwer
+verwundet, dass er starb. Der gute Deutsche wurde nicht nur durch den
+englischen General begnadigt, sondern es wurden auch Befehle gegeben,
+dass die Engländer die Deutschen wie Brüder behandeln sollten. Alles
+dies geschieht, seitdem unsere gelehrigen Deutschen ein wenig Englisch
+gelernt haben.
+
+Es darf indessen nicht zu viel Gewicht auf solche Geschichten gelegt
+werden, von denen viele zweifellos in Amerika während des Krieges
+Verbreitung fanden. »Es ist erstaunlich,« schreibt Ewald viele Jahre
+später, »was für einen Unsinn Deserteure oft erzählten, nur ihren neuen
+Freunden zu Gefallen, um dadurch eine gute Aufnahme zu erlangen. Nachdem
+ich in Yorktown in Gefangenschaft gekommen war und die Bekanntschaft von
+mehreren französischen Offizieren gemacht hatte, fragte mich ein
+französischer General, der damals Chef des Regiments de Deux Ponts war,
+im Vertrauen, ob die Hessen mit dem englischen Dienst nicht sehr
+unzufrieden wären, da es doch für sie sehr hart gewesen wäre, immer bei
+den gewagtesten Unternehmungen verwendet worden zu sein; dass sie oft
+unnötig geopfert wären; dass sie immer die schlechtesten Quartiere und
+die schlechteste Verpflegung bekommen hätten; dass sie ungenügend
+bezahlt worden wären und an allen Dingen Mangel gelitten hätten. Über
+diese Geschichte musste ich lachen und versicherte ihn, dass kein wahres
+Wort daran sei, gerade das Gegenteil sei der Fall gewesen. Dies setzte
+den General sehr in Erstaunen, denn jeder Deserteur hätte ihn
+versichert, dass dies so gewesen wäre.«
+
+Es ist mehrfach behauptet worden, dass die deutschen Soldaten in Amerika
+in grosser Zahl desertiert seien. Diese Behauptung ist nur zum Teil
+durch Thatsachen erwiesen worden. In der Zeit, als die ersten Hessen in
+Staten-Island ankamen, liess der Kongress Flugblätter, die sie zur
+Desertion aufforderten, unter ihnen verteilen. Washington betrieb einige
+Tage nach ihrer Landung sehr eifrig die Agitation mit diesen
+Flugblättern. Die darin gemachten Versprechungen wurden von Zeit zu Zeit
+erneuert. Eine Proklamation, datiert vom 29. April 1778, verspricht
+fünfzig Acker Land jedem Soldaten, der übergeht, und jeder Hauptmann,
+der vierzig Mann mitbringen würde, sollte achthundert Acker Wald, vier
+Ochsen, einen Bullen, zwei Kühe und vier Schweine bekommen. Die
+Deserteure sollten nicht gezwungen werden, auf amerikanischer Seite zu
+fechten, sondern sich sofort an die Bebauung ihrer Güter begeben.
+Diejenigen Offiziere indessen, die sich in die Armee der Vereinigten
+Staaten einreihen lassen würden, sollten einen Rang höher bekommen als
+den, den sie in ihrer frühern Armee bekleidet hatten, und bei Korps
+Verwendung finden, die nur aus Deutschen gebildet und die
+ausschliesslich zum Grenz- und Garnison-Dienst gebraucht würden. Diese
+Versprechungen waren nicht ganz ohne Erfolg. Im August 1778 kamen zwei
+hessische Lieutenants in das Lager Washingtons; sie sprachen die
+Möglichkeit aus, dass ihnen andere Offiziere nachfolgen würden. Dies
+verwirklichte sich jedoch nicht. Ewald behauptet, dass kein anderer
+geborener hessischer Offizier desertiert sei, ich habe aber Grund
+anzunehmen, dass einige Offiziere der kleineren deutschen Staaten
+übergegangen sind.
+
+Selbst unter den Gemeinen war die Desertion geringer, als man erwartet
+haben mochte. Sie war verhältnismässig gross unter den Kriegsgefangenen.
+Die Armee, die sich im Oktober 1777 bei Saratoga ergab, war 5791 Mann
+stark, von denen 2431 Deutsche waren. Von diesen waren bis zum 1. April
+1778 655 Engländer und 160 Deutsche desertiert. Es ist kein Zweifel,
+dass fortgesetzt Anstrengungen gemacht wurden, diese und jene Gefangene
+zum Desertieren und zur Einreihung in die amerikanische Armee zu
+bewegen. Aber Washington billigte dies durchaus nicht. Am 27. Oktober
+1776 schreibt er an den Präsidenten des Kongresses: »In einem Brief von
+dem »Board of War« inbetreff der Auswechselung wird erwähnt, dass
+mehrere Gefangene, die wir gemacht hätten, eingereiht worden wären. Dies
+ist eine Maassregel, die nicht gutgeheissen werden kann, obwohl auf
+feindlicher Seite das Beispiel dazu gegeben worden ist; auch halte ich
+es aus politischen Rücksichten nicht für gut. Doch da es nun mal
+geschehen ist, so überlasse ich es dem Kongress, ihnen anzuempfehlen,
+zurückzukehren oder nicht, wie sie es für gut befinden.« Und noch
+einmal, am 30., spricht er dem Board of War dieselbe Ansicht aus, indem
+er hinzufügt: »Bevor ich die Ehre hatte, mit Ihnen über diese
+Angelegenheit zu verhandeln, war ich entschlossen, dem General Howe
+darüber Vorstellungen zu machen. Wegen der wenigen Leute, die bereits
+eingereiht sind, möchte ich nicht, dass sie wieder entlassen werden, da
+ich fürchte, dass sie bestraft werden, aber ich wünschte, dass diese
+Praxis in Zukunft aufgegeben würde.« In einem Brief vom 8. Oktober
+desselben Jahres war er noch weiter gegangen, indem er sagte, dass
+Handwerker und andere Gefangene, die zu bleiben wünschten, sollten
+veranlasst werden, zurückzukehren. Am 12. März 1778 sagt er, dass, wenn
+Gefangene von den Amerikanern eingereiht worden wären, dies ohne sein
+Wissen geschehen wäre. »Wir haben immer gegen General Howe die Anklage
+erhoben und thun es noch,« schreibt er, »dass er die Einreihung der in
+seiner Hand befindlichen Gefangenen entweder befohlen oder erlaubt
+hätte, eine gesetzwidrige Handlung, die ganz und gar dem Geist des
+Auswechselungsvertrages widerspräche.« Einige Tage später beruft er sich
+Pulaski gegenüber auf den Kongress. »Ich habe ihn darauf hingewiesen,«
+schreibt Washington, »dass die Einreihung von Gefangenen oder
+Deserteuren durch einen kürzlichen Kongressbeschluss verboten ist. Wie
+weit der Kongress geneigt sein möchte, eine Ausnahme zu machen und die
+Erlaubnis zur Annahme von Gefangenen in einzelnen detachierten Korps, in
+denen solche Leute mit weniger Gefahr als in der Linie Verwendung finden
+könnten, bin ich nicht in der Lage auszusprechen.«
+
+Es ist wahrscheinlich, dass Pulaski Deserteure angenommen hat, und es
+ist Thatsache, dass der sogenannte Chevalier Armand (in Wirklichkeit
+Marquis de la Rouerie) es gethan hat. Wiederhold sah, als er in Reading
+im Anfang des Jahres 1780 in Gefangenschaft war, zwei Schwadronen von
+Armands Korps durch die Stadt passieren. Er giebt an, dass das Korps 400
+Mann stark gewesen wäre und vollkommen aus deutschen Deserteuren
+bestanden hätte.
+
+Am 22. Mai 1778 fasste der Kongress den Beschluss, die Staaten
+anzuweisen, alle Deserteure und Gefangenen als vom Milizdienst befreit
+zu erklären und ihnen zu verbieten, als Stellvertreter in der Miliz zu
+dienen. Am 29. desselben Monats soll ein eigenartiger Vorfall im
+Cambridge passiert sein. Einige braunschweigische Offiziere fingen einen
+Deserteur ab, einen der Gefangenen von Prospect Hill. Er war im Begriff,
+sich nach Watertown davon zu machen, wo Oberst Armand eine
+Rekrutierungs-Station hatte. Der arme Teufel wurde zum Lager
+zurückbefördert, und da er der erste war, den man gefangen hatte, so
+sollte an ihm ein Exempel statuiert werden. Er wurde an einen Pfahl
+angebunden und bekam 300 Peitschenhiebe. Dann wurde ihm das Haar
+abgeschnitten und so stiess man ihn als ehrlos aus der Armee aus. Die
+Amerikaner sollen diesem Schauspiel ruhig zugesehen haben, sie hätten
+den Mann freundlich bei sich aufgenommen und im Triumph von dannen
+geführt. Eelking schenkt dieser Geschichte keinen Glauben, und wir
+wollen hoffen, dass sie nicht wahr ist. Jedenfalls erwies sich die
+Bestrafung, wenn sie wirklich stattgefunden hat, als wenig effektvoll,
+denn im Laufe der nächsten fünf Monate desertierten einige fünfzig
+Braunschweiger, auch war der Verlust an Menschen infolge von Desertion
+auf dem Marsche nach Virginia sehr bedeutend.
+
+Einige der Desertionen unter den Gefangenen waren nur scheinbar. Die
+deutschen Gefangenen verliessen ihre traurigen Hütten, auf die sie
+angewiesen waren, und wanderten fort, in der Hoffnung, New-York oder
+eine der britischen Armeen zu erreichen. Am 18. Mai 1779 schreibt
+Gouverneur Clinton an Washington über »einen Alarm an der Grenze von
+Ulster County, der durch das Erscheinen von etwa 100 Indianern und
+Tories veranlasst worden war. Dort vereinigten sie sich mit 27 Tories
+vom Ostufer des Hudson-River, meistens hessische Deserteure von den
+Konventions-Truppen. Die plötzliche Versammlung der Miliz schreckte sie
+vor weiterem Vordringen in das Land ab und verhütete, dass sie
+materiellen Schaden anrichteten«. Und im Februar 1781 schrieb General
+Greene, dass 38 von einem 40 Mann starken Detachement von Armands Legion
+zum Feind übergegangen wären und dass Baron Steuben sich veranlasst sah,
+einigen von ihnen zu befehlen, sich zu ihren Regimentern zu begeben, die
+sich in Gefangenschaft in Charlottesville befanden.
+
+Wenn es wahr ist, wie der deutsche Schreiber behauptet, und wie es
+wirklich der Fall zu sein scheint, dass Desertionen unter den Deutschen
+nicht so oft vorkamen als unter den Engländern, so ist der Grund dafür
+nicht weit zu suchen. Die Truppen waren meistenteils in Gegenden
+verwandt worden, in denen die Einwohner kein Deutsch verstanden.
+Obendrein waren die »Hessen«, wie die Hilfstruppen ohne Unterschied
+genannt wurden, Gegenstand eines eigentümlichen Schreckens unter den
+Eingeborenen. Ihr Name mag vielleicht manchmal bis auf den heutigen Tag
+als eine Art Schimpfname in einigen Land-Distrikten gehört werden. Der
+englische Deserteur war von dem Moment an, wo er den roten Rock auszog,
+nicht zu erkennen. Der Deutsche konnte kein Wort sprechen, ohne sich zu
+verraten.
+
+Weder unter den Engländern noch unter den Deutschen war die Desertion so
+vorwiegend als unter den Amerikanern. Aber hierbei muss ein grosser
+Unterschied konstatiert werden. Der britische oder deutsche Soldat
+konnte nur zum Feind desertieren. Der amerikanische Milizsoldat kehrte
+im allgemeinen in seine Heimat zurück. Die revolutionäre Miliz glich in
+vieler Hinsicht mehr den Stämmen der schottischen Hochländer in den
+Bürgerkriegen des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts als modernen
+Soldaten. Sie kamen oder gingen, je nachdem der Patriotismus oder der
+Egoismus, der Enthusiasmus oder Entmutigung bei ihnen die Oberhand
+gewannen. Oft unerschrocken im Gefecht, waren sie auch oft die
+Veranlassung zu einer Panik, wie alle undisziplinierten Truppen; auch
+waren sie solch zügellose Burschen, dass es in gleicher Weise unratsam
+war für ihre Generale, ihnen zu trauen und für ihre Feinde, sie zu
+verachten.
+
+Wir haben gesehen, dass 17313 Deutsche, oder 58% von denen, die als
+Söldner herüber kamen, glücklich nach Europa zurückkehrten. Von den
+12554, die zurückblieben, ist nur ein kleiner Teil in der Schlacht
+gefallen oder an den Wunden gestorben, viele sind Krankheiten erlegen,
+viele desertiert, einige sind in Amerika zurückgeblieben, nachdem der
+Friede geschlossen war, mit Einwilligung der Behörden. Hessische
+Offiziere und Gemeine erhielten Land in Nova Scotia, und der Herzog von
+Braunschweig befahl mit einer Inhumanität, die bezeichnend für ihn ist,
+dass nicht nur Soldaten, die sich Verbrechen schuldig gemacht oder sich
+schlecht geführt hatten, sondern auch die, die körperlich zum Dienste
+untauglich waren, in Canada zurückgelassen werden sollten.
+
+Dem Landgraf von Hessen hat es nicht an Leuten gefehlt, die ihn in
+Schutz genommen haben. Diese berufen sich in erster Linie auf die
+allgemeine Schlechtigkeit der Amerikaner und auf das Verbrechen, gegen
+ihren König sich zu erheben, unter dessen Herrschaft sie nur zu
+glücklich gewesen wären; zweitens behaupten sie, dass das Handeln mit
+Soldaten den Gebräuchen des letzten Jahrhunderts entsprochen hätte, dass
+das Geld, das der Landgraf bekommen, im Interesse des Landes und Volkes
+verwandt worden wäre, und dass dieses den Handel gut geheissen hätte.
+Auf die erste Behauptung werde ich nur insoweit eingehen, als es nötig
+ist, ihren Mangel an Berechtigung nachzuweisen. Hätte sich der Landgraf
+an dem Revolutionskrieg nur um seines Zweckes willen beteiligt, so würde
+das Argument betreffend der Schlechtigkeit der Rebellen und des
+Verbrechens des Aufruhrs stichhaltig sein. Es verliert aber an
+Beweiskraft, wenn es auf einen Fürsten angewandt wird, der gemäss einer
+Politik, die in seiner Dynastie erblich war, seine Truppen dem
+Meistbietenden ausleiht. In Betreff des zweiten Arguments ist es wahr,
+dass die öffentliche Meinung in dem Gebrauch von Söldnern nichts
+Unmoralisches fand. Eine Nation, die in einen grossen Kampf verwickelt
+ist, wird sich sicherlich Hilfe holen dürfen, wo sie sie findet. Der
+einzelne Soldat des Glückes (soldier of fortune) ist lange mit zu
+grosser Nachsicht betrachtet worden. Aber Soldat des Glückes zu sein zur
+Stellvertretung, um aus seinem Blute Münzen schlagen zu lassen und in
+Gefahren zu kommen, an denen der, welcher den Vorteil geniesst, keinen
+Anteil nimmt, ist noch nie als eine würdige Beschäftigung angesehen
+worden. Und die, welche sagen, dass das hessische Volk den Handel des
+Landgrafen guthiess, verurteilen seine Unterthanen, ohne ihn selbst zu
+entschuldigen. Ein besseres Argument wurde von seinem Gesandten
+Schlieffen in der nahen Verwandtschaft zwischen dem englischen Hof und
+den Höfen von Hessen und Braunschweig gefunden. Die amerikanischen
+Provinzen hätten von einem hessischen Fürsten geerbt werden können.
+Hätten wir deshalb gesehen, dass hessische Soldaten in englischem Sold
+gegen amerikanische Rebellen ohne Geldentschädigung an den Landgrafen
+gekämpft hätten, so würde man glauben, dass sie aus politischen Gründen
+hinübergeschickt worden wären. Dies ist aber nicht möglich angesichts
+der Subsidien. Der Landgraf liess sich in einen nicht zu
+rechtfertigenden Handel ein und in dem Lichte dieses Handels muss er
+beurteilt werden.
+
+
+
+
+Anhang.
+
+A. Quellen-Verzeichnis.
+
+Gedruckte.
+
+
+ Friedrich Kapp. Der Soldatenhandel deutscher Fürsten nach Amerika.
+ Berlin 1864.
+
+ Derselbe. Dasselbe. Berlin 1874.
+
+ Derselbe. Geschichte der Deutschen im Staate New-York. New-York 1869.
+
+ Derselbe. Friedrich der Grosse und die Vereinigten Staaten von
+ Amerika. Leipzig 1871.
+
+ Derselbe. Aufsatz in Sybels Historische Zeitschrift. II. 6. 42. 1879.
+
+ Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Friedrich Wilhelm von
+ Steuben. Berlin 1858.
+
+ Derselbe. Leben des amerikanischen Generals Johann Kalb. Stuttgart 1862.
+
+ Max von Eelking. Die deutschen Hülfstruppen im nordamerikanischen
+ Befreiungskriege, 1776-1783. Hannover 1863. 2 Bände.
+
+ Derselbe. Leben und Wirken des Herzoglich Braunschweig'schen
+ Generallieutenants Friedrich Adolf von Riedesel. Leipzig 1856. 3
+ Bände.
+
+ Generalin von Riedesel. Die Berufsreise nach Amerika. Berlin 1801.
+
+ Christian Leiste. Beschreibung des britischen Amerika zur Ersparung
+ der englischen Karten. Wolfenbüttel 1778.
+
+ F. B. Melsheimer. Tagebuch von der Reise der braunschweig'schen
+ Auxiliar-Truppen von Wolfenbüttel nach Quebec. Minden 1776.
+
+ Derselbe. Erste Fortsetzung.
+
+ J. von Ewald. Belehrungen über den Krieg, besonders über den kleinen
+ Krieg, durch Beispiele grosser Helden und kluger und tapferer
+ Männer. Schleswig 1798.
+
+ Erste Folge derselben. Schleswig 1800.
+
+ Zweite und letzte Folge derselben. Schleswig 1803.
+
+ Briefe eines Reisenden über den gegenwärtigen Zustand von Kassel mit
+ aller Freiheit geschildert. Frankfurt und Leipzig 1781.
+
+ Hochfürstlich Hessen-Casselischer Staats- und Adresskalender auf das
+ Jahr Christi 1779. Kassel.
+
+ Karl Biedermann. Deutschland im 18. Jahrhundert. Band I.
+ Deutschlands politische, materielle und soziale Zustände im 18.
+ Jahrhundert. Leipzig 1880.
+
+ Ferdinand Pfister. Der nordamerikanische Unabhängigkeits-Krieg.
+ Kassel 1864.
+
+ Friedrich II. und die neuere Geschichtsschreibung. -- Ein Beitrag
+ zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldaten-Handel
+ hessischer Fürsten. Zweite, mit einer Beleuchtung Seumes vermehrte
+ Auflage. Melsungen 1879.
+
+ J. G. Seume. Sämtliche Werke. Leipzig 1835. (Mein Leben.)
+
+ Derselbe. Aufsatz in J. W. von Archenholtz's Neue Litteratur und
+ Völkerkunde. Für das Jahr 1789. Zweiter Band. (Hallifax 1782.)
+ (Schreiben aus Amerika nach Deutschland.)
+
+ August Ludwig Schlözers etc. Briefwechsel meist historischen und
+ politischen Inhalts. Göttingen 1780 bis 1782.
+
+ Derselbe. Staats-Anzeigen. 18 Bände.
+
+ Die neuesten Staatsbegebenheiten mit historischen und politischen
+ Anmerkungen. Frankfurt am Mayn und Mainz 1775. 1776. 1777. 3 Bände.
+
+ Karl Heinrich Ritter von Lang. Geschichte des vorletzten Markgrafen
+ von Brandenburg-Anspach. Anspach 1848.
+
+ J. B. Fischer. Geschichte von Anspach und Onolzbach. Anspach 1786.
+
+ Reglement für die hessische Infanterie. Kassel 1776.
+
+ Von den Hessen in Amerika, ihren Fürsten etc. 1782. (Soll von
+ Schlieffen verfasst sein.)
+
+
+Manuskripte.
+
+(Von Originalen oder Abschriften in der Königlichen Landesbibliothek in
+Kassel.)
+
+ 1. Journal von dem Hochlöbl. Hessischen Grenadier-olim-Bataillon von
+ Minnigerode, modo von Loewenstein vom 20. Januarii 1776 bis 17. Mai
+ 1784.
+
+ 2. Journal Hochfürstlichen Hessischen Grenadier-Bataillon Platte.
+ Vom 16. Februar 1776 bis 24. Mai 1784. Geführt durch den
+ Regiments-Quartiermeister Carl Bauer.
+
+ 3. Journal des Hochlöblichen Füsilier-Regimentes von Alt-Lossberg.
+ Geführt durch den Regiments-Quartier-Meister Heusser vom Ausmarsch
+ aus der Garnison Rinteln an bis zur Rückkunft des gedachten
+ Hochlöblichen Regiments aus Amerika vom 10. Merz 1776 bis den 5.
+ Oktober 1783.
+
+ 4. Geschichte von dem Hochlöblichen Füsilier-Regiment von Lossberg
+ in Form eines Tagebuchs, angefangen 1776-1783 (von Adjutant Piel).
+
+ 5. Journal vom Löblichen Garnisons-Regiment von Huyn, nachher von
+ Benning, de ao. 1776 bis medio November 1783, geführt durch mich,
+ den Regiments-Quartiermeister G. Kleinschmidt.
+
+ 6. Journal, geführt bei dem Hochlöblich Hessischen Feld-Jäger-Corps
+ während denen Campagnen der Königl. Grossbrittanischen Armee in
+ North-Amerika. Angefangen den 23. Juli 1777, von dem Tage wo der
+ Oberstlieutenant Ludwig Johann Adolf von Wurmb das Commando über das
+ Corps übernahm und geendigt den 20. April 1784, bei der erfolgten
+ retour derer sämtlich Hochfürstlich Hessischen Truppen aus Amerika.
+
+ 7. Tagebuch des Hauptmannes Wiederhold von 1776-80.
+
+ 8. Journal von dem Hochfürstl. Hessischen Hlöbl. Infanterie-Regiment
+ von Trümbach, modo General-Lieutenant von Bose, seines in ao. 1776
+ aus Hessen nach Amerika gethanen Ausmarsches, und in ao. 1783 wieder
+ gehabten Einmarsches zur Garnison Hofgeismar.
+
+ 9. Journal von dem Hochfürstlich Hessischen, des General-Major von
+ Knoblauch Löbl. Garnisons-Regiment, seit dem Amerikanischen Krieg,
+ von anno 1776 bis Ende 1783.
+
+ 10. Briefe des General-Majors von Riedesel. Tagebuch vom Capit.
+ Pausch.
+
+ (Aus der Bibliothek Seiner Hoheit des Fürsten von Waldeck.)
+
+ 11. Fragment eines Tagebuchs des Waldeck'schen Regiments
+ vom 11. April 1780 bis zum Juli 1782.
+
+ (Aus dem Archiv in Marburg.)
+
+ 12. Berichte Sr. Excellenz des Herrn General-Lieutenant
+ von Knyphausen an Serenissimum.
+
+
+
+
+B. Die hessischen Regimenter und ihre Namen.
+
+
+Der Landgraf von Hessen-Kassel schickte fünfzehn seiner Regimenter nach
+Amerika. Jedes Regiment bestand aus 650 Offizieren und Leuten in fünf
+Kompagnien. Vierzehn von diesen fünfzehn Regimentern hatten je eine
+Grenadier-Kompagnie abgeben müssen, und diese vierzehn Kompagnien mit
+noch zweien von des Landgrafen Leib-Garde waren zu vier
+Grenadier-Bataillonen zu 524 Köpfen formiert worden. Ein Jäger-Korps,
+ursprünglich aus zwei Kompagnien bestehend, begleitete die Armee. 1777
+wurde es nominell auf 1067 Köpfe vermehrt, aber ich glaube, in
+Wirklichkeit hat die Effektivstärke nie mehr wie sechs- oder
+siebenhundert betragen. Drei Kompagnien Artillerie, 588 Köpfe stark,
+wurden formiert, so dass die hessische Streitmacht aus 15
+Infanterie-Regimentern, 4 Bataillonen Grenadieren, 1 Jäger-Korps und 3
+Kompagnien Artillerie bestand. Kavallerie war nicht vorhanden, aber von
+den Jägern waren einige beritten.
+
+Ein hessisches Regiment wurde gewöhnlich nach seinem »Chef« benannt.
+Dieser »Chef« war manchmal der Oberst des Regiments, aber meistens war
+es ein Prinz oder höherer Offizier. Da die »Chefs« öfters wechselten
+oder versetzt wurden, so ist oft schwer, die Regimenter
+auseinanderzuhalten. Die Grenadier-Bataillone wurden nach ihren
+Oberstlieutenants benannt. Die folgende Liste der Regimenter und
+Bataillone, die in Amerika gedient haben, und die Änderung in ihren
+Namen, ist zum Teil einer Liste entnommen, die dem Wiederhold'schen
+Tagebuch in der Bibliothek in Kassel beigefügt ist. Ich glaube, dass sie
+im allgemeinen korrekt ist. Ich habe die Namen der Haupt-Schlachten und
+Expeditionen, an denen die einzelnen Regimenter und Bataillone
+teilgenommen haben, hinzugefügt. (Die Regimenter, die mit von Heister
+herübergekommen sind, sind mit »I. Div.«, die, welche mit von Knyphausen
+kamen, mit »II. Div.« bezeichnet.)
+
+ Gren.-Bat. von Linsingen. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill,
+ Brandywine, Redbank, Charleston.)
+
+ Gren.-Bat. von Block; 1777 von Lengerke. (Wie vorstehend.)
+
+ Gren.-Bat. von Minnigerode; 1780 von Loewenstein. (Wie vorstehend.)
+
+ Gren.-Bat. von Koehler; 1778 von Graff; 1782 von Platte. (II. Div.
+ -- Fort Washington, Charleston.)
+
+ Leib-Regiment. (I. Div. -- Chatterton Hill, Brandywine, Germantown,
+ Newport, Springfield.)
+
+ Regiment Landgraf (ab und zu Wutgenau genannt). (II. Div. -- Fort
+ Washington, Newport, Springfield.)
+
+ Regiment Erbprinz. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
+ Yorktown.)
+
+ Regiment Prinz Carl. (Newport.)
+
+ Regiment von Ditfurth. (I. Div. -- Newport, Charleston.)
+
+ Regiment von Donop. (I. Div. -- Long-Island, Fort Washington,
+ Brandywine, Germantown, Springfield.)
+
+ Füsilier-Regiment von Lossberg (auch von Alt-Lossberg). (I. Div. --
+ Long-Island, Chatterton Hill, Fort Washington, Trenton, Brandywine.)
+
+ Füsilier-Regiment von Knyphausen. (Wie vorstehend.)
+
+ Grenadier-Regiment Rall; 1777 von Woellwarth; 1778 von Trümbach;
+ 1779 d'Angelelli. (I. Div. -- Long-Island, Chatterton Hill, Fort
+ Washington, Trenton, Brandywine, Savannah.)
+
+Was von den drei letztgenannten nach Trenton übrig geblieben war, bildete
+das »Combinierte Bataillon« in der Kampagne von 1777. Im Dezember
+desselben Jahres wurden zwei Bataillone unter den Obersten von Loos und
+von Woellwarth formiert. Die drei Regimenter nahmen später ihre alte
+Formation wieder an; die beiden ersteren aber erlitten durch Sturm und
+an Gefangenen im September 1779 starke Verluste.
+
+ Regiment von Mirbach; 1780 von Jung-Lossberg. (I. Div. --
+ Long-Island, Fort Washington, Brandywine, Redbank.)
+
+ Regiment von Trümbach; 1778 von Bose. (I. Div. -- Fort Clinton,
+ Springfield, Guildford Court-House, Green-Spring, Yorktown.)
+
+ Garnisons-Regiment von Stein; 1778 von Seitz. (II. Div.)
+
+ Garnisons-Regiment von Wissenbach; 1780 von Knoblauch. (II. Div. --
+ Savannah.)
+
+ Garnisons-Regiment von Huyn; 1780 von Benning. (II. Div. -- Fort
+ Washington, Newport, Charleston.)
+
+ Garnisons-Regiment von Bünau. (II. Div. -- Fort Washington, Newport,
+ Springfield.)
+
+ Feld-Jäger-Korps. (Detachements von diesem Korps waren fast bei
+ jeder Operation beteiligt.)
+
+ (Die oben erwähnten Regimenter gehörten zu Hessen-Kassel.)
+
+ Der von Howe und Clinton kommandierten Armee waren ausserdem noch
+ folgende deutsche Regimenter zugeteilt:
+
+ Regiment Waldeck. (Fort Washington, Pensacola.)
+
+ Regiment Anspach. (Philadelphia, Newport, Springfield, Yorktown.)
+
+ Regiment Bayreuth. (Philadelphia, Newport, Yorktown.)
+
+(Die beiden zuletzt erwähnten wurden im allgemeinen die beiden
+Anspach'schen Regimenter genannt. Die Anspach'schen Jäger bildeten einen
+Teil des Hessischen Jäger-Korps.)
+
+Das Braunschweig'sche Kontingent, welches in Canada und im nördlichen
+New-York diente, war zusammengesetzt aus dem
+
+ Regiment Dragoner (zu Fuss). (Bennigton unter Baum.)
+
+ Bataillon Grenadiere. (Bennington unter Breymann, 1. Stillwater, 2.
+ Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment Prinz Friedrich. (Verblieb in Ticonderoga während der
+ Saratoga-Kampagne.)
+
+ Regiment von Riedesel. (1. Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment von Rhetz. (2. Kompagnie bei 1. Stillwater, Saratoga.)
+
+ Regiment von Specht. (Saratoga.)
+
+ Jäger-Bataillon oder Bataillon Barner. (1. Stillwater, Saratoga.)
+
+Das Hanauer Regiment und die Hanauer Artillerie befanden sich bei dieser
+Armee und teilten ihr Schicksal. Sie waren die einzigen Hessen bei
+Burgoynes Armee. Die Artillerie that gute Dienste in der Kampagne von
+1776 am Lake Champlain sowohl wie im Jahr 1777.
+
+Die Hanauer Jäger, wenigstens ein Teil derselben, nahmen an St. Legers
+Expedition Teil. Das Regiment von Anhalt-Zerbst erreichte Canada,
+nachdem die Feindseligkeiten in dieser Provinz vorüber waren.
+
+
+
+
+C. Übersicht über die Zahl der von jedem deutschen Staat nach Amerika
+gesandten Truppen und über die Zahl derer, die nicht zurückkehrten.
+
+
+ Braunschweig sandte 1776 4300 M.
+ im März 1777 224 "
+ April 1778 475 "
+ April 1779 286 "
+ Mai 1780 266 "
+ April 1782 172 "
+ --------
+ Im Ganzen: 5723 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 2708 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 3015 M.
+
+
+ Hessen-Kassel sandte 1776 12 805 M.
+ Dezember 1777 403 "
+ März 1779 993 "
+ Mai 1780 915 "
+ April 1781 915 "
+ April 1782 961 "
+ ---------
+ Im Ganzen: 16 992 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783
+ und Frühjahr 1784: 10 492 "
+ ---------
+ Es kehrten nicht zurück: 6 500 M.
+
+
+ Hessen-Hanau sandte 2038 M.
+ Rekruten im April 1781 50 "
+ April 1782 334 "
+ --------
+ Im Ganzen: 2422 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1441 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 981 M.
+
+
+ Anspach-Bayreuth sandte 1777 1285 M.
+ im Herbst desselben Jahres an Rekruten 318 "
+ 1779 157 "
+ 1780 152 "
+ 1781 205 "
+ 1782 236 "
+ -------
+ Im Ganzen: 2353 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 1183 "
+ -------
+ Es kehrten nicht zurück: 1170 M.
+
+
+ Waldeck sandte 1776 670 M.
+ April 1777 89 "
+ Februar 1778 140 "
+ Mai 1779 23 "
+ April 1781 144 "
+ April 1782 159 "
+ --------
+ Im Ganzen: 1225 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 505 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 720 M.
+
+
+ Anhalt-Zerbst sandte 1778 600 M.
+ im April 1779 82 "
+ im Mai 1780 50 "
+ im April 1781 420 "
+ --------
+ Im Ganzen: 1152 M.
+ Es kehrten zurück im Herbst 1783: 984 "
+ --------
+ Es kehrten nicht zurück: 168 M.
+
+
+ Gesamtsumme der Soldtruppen 29 867 M.
+ Es kehrten von diesen zurück 17 313 "
+ ---------
+ Es kehrten nicht zurück 12 554 M.
+
+Von den 12 554, die nicht zurückkehrten, sind -- nach meiner eigenen
+Schätzung --:
+
+ Gefallen oder an den Wunden gestorben 1200 M.
+ Gestorben durch Krankheit oder Unglücksfälle 6354 "
+ Desertiert 5000 "
+ --------
+ 12554 M.
+
+
+
+
+D. Verlustliste der Deutschen in den Haupt-Schlachten und Gefechten des
+Revolutionskrieges.
+
+
+ Tot. Verw. Vermisst.
+ Long-Island 2 25
+ 15. September 1776 2 16
+ 16. September 1776 1 1
+ Vom 9. bis 23. Oktober
+ (inkl. Chatterton Hill) 13 63 23
+ Fort Washington 56 276
+ Trenton 17 78
+ Assanpink (2. Jan. 1777) 4 11
+ Burgoynes Kampagne (6. Okt. 1777) 25(?) 75(?)
+ Scharmützel 3. Sept. 1777 1 19
+ Brandywine, Jäger 7 39
+ " übrigen Hessen 2(?) 16(?)
+ Redbank 82 229 60
+ Newport 19 96 13
+ Stono Ferry 9(?) 34(?)
+ Charleston 11 62
+ Springfield 25(?) 75(?)
+ Baton Rouge 25 8
+ Pensacola 15(?) 45(?)
+ Guildford Court House 15 69
+ Yorktown 53 131
+ -------------------------
+ Im Ganzen: 548 1652 127 M.
+
+
+ Druck von _Gottfr. Pätz_ in Naumburg a. S.
+
+
+
+
+
+ +--------------------------------------------------------------+
+ | Anmerkungen zur Transkription: |
+ | |
+ | Interpunktion wurde korrigiert, ohne hier |
+ | gesondert erwähnt zu werden. Im Text wurden |
+ | folgende Korrekturen vorgenommen: |
+ | |
+ | "Staaaten" in "Staaten" geändert. |
+ | S. 5 "Konspcription" in "Konscription" geändert. |
+ | S. 13 "datidrt" in "datiert" geändert. |
+ | S. 14 "Hessel" in "Hessen" geändert. |
+ | S. 19 "einer" in "eine" geändert. |
+ | S. 19 "seine" in "seiner" geändert. |
+ | S. 24 "abschliesen" in "abschliessen" geändert. |
+ | S. 28 "frühereren" in "früheren" geändert. |
+ | S. 28 "Whighs" in Whigs" geändert. |
+ | S. 34 "blos" in "bloss" geändert. |
+ | S. 36 "töden" in "töten" geändert. |
+ | S. 38 "verhältnissmässig" in "verhältnismässig" geändert. |
+ | S. 49 "Letzere" in "Letztere" geändert. |
+ | S. 49 "Pensylvaniern" in "Pennsylvaniern" geändert. |
+ | S. 54 "bliess" in "blies" geändert. |
+ | S. 55 "vorfunden" in "vorgefunden" geändert. |
+ | S. 56 "Manhatten" in "Manhattan" geändert. |
+ | S. 56 "or" in "oder" geändert. |
+ | S. 61 "bliessen" in "bliesen" geändert. |
+ | S. 61 "französich" in "französisch" geändert. |
+ | S. 62 "herausmarschiren" in "herausmarschieren" geändert. |
+ | S. 70 "Pensylvanischen" in "Pennsylvanischen" geändert. |
+ | S. 71 "zitterden" in "zitternden" geändert. |
+ | S. 71 "Abtheilung" in "Abteilung" geändert. |
+ | S. 73 "Annährung" in "Annäherung" geändert. |
+ | S. 77 "äussserte" in "äusserte" geändert. |
+ | S. 80 "Pensylvanier" in "Pennsylvanier" geändert. |
+ | S. 83 "gegehalten" in "gehalten" geändert. |
+ | S. 84 "Morgens" in "morgens" geändert. |
+ | S. 85 "Lieutnant" in "Lieutenant" geändert. |
+ | S. 85 "Anektode" in "Anekdote" geändert. |
+ | S. 87 "Triumpf" in "Triumph" geändert. |
+ | S. 87 "schell" in "schnell" geändert. |
+ | S. 88 "Oberfehlshaber" in "Oberbefehlshaber" geändert. |
+ | S. 89 "Knyphhusen" in "Knyphausen" geändert. |
+ | S. 91 "Erlaubniss" in "Erlaubnis" geändert. |
+ | S. 92 "1766" in "1776" geändert. |
+ | S. 93 "gezungen" in "gezwungen" geändert. |
+ | S. 95 "Planzen" in "Pflanzen" geändert. |
+ | S. 98 "französche" in "französische" geändert. |
+ | S.107 "der" in "des" geändert. |
+ | S.107 "dadadurch" in "dadurch" geändert. |
+ | S.120 "Lake-Champlain" in "Lake Champlain" geändert. |
+ | S.120 "grösten" in "grössten" geändert. |
+ | S.122 "zurükgeworfen" in "zurückgeworfen" geändert. |
+ | S.125 "Haubizen" in "Haubitzen" geändert. |
+ | S.151 "wenigsten" in "wenigstens" geändert. |
+ | S.151 "Grossbritanien" in "Grossbritannien" geändert. |
+ | S.152 "Geräuch" in "Geräusch" geändert. |
+ | S.154 "Winter-Hill" in "Winter Hill" geändert. |
+ | S.155 "grössen" in "grösseren" geändert. |
+ | S.155 "zurükzukommen" in "zurückzukommen" geändert. |
+ | S.158 "ich ich" in "ich" geändert. |
+ | S.167 "französicher" in "französischer" geändert. |
+ | S.168 "Galleren" in "Galeeren" geändert. |
+ | S.169 "Französich" in "Französisch" geändert. |
+ | S.188 "Tranportschiffen" in "Transportschiffen" geändert. |
+ | S.192 "Beoachtungen" in "Beobachtungen" geändert. |
+ | S.200 "Savanah" in "Savannah" geändert. |
+ | S.216 "nacher" in "nachher" geändert. |
+ | S.217 "detaschierte" in "detachierte" geändert. |
+ | S.223 "wegtranportieren" in "wegtransportieren" geändert. |
+ | S.223 "Limcoe" in "Simcoe" geändert. |
+ | S.224 "ükerlegte" in "überlegte" geändert. |
+ | S.229 "Wallfischboot" in "Walfischboot" geändert. |
+ | S.236 "Gefangeschaft" in "Gefangenschaft" geändert. |
+ | S.246 "letzgenannten" in "letztgenannten" geändert. |
+ | |
+ +--------------------------------------------------------------+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Hessen und die andern deutschen
+Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, by Edward Jackson Lowell
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 44049 ***