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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-08 23:42:27 -0800
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40298 ***
+
+PAUL BOLDT
+
+
+JUNGE PFERDE!
+JUNGE PFERDE!
+
+
+1914
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+Dies Buch
+wurde gedruckt im Januar 1914
+als elfter Band der Bücherei »Der jüngste
+Tag« bei Poeschel & Trepte in
+Leipzig
+
+
+Copyright 1914 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
+
+
+
+
+
+
+FRÜHJAHR
+
+
+ Die ganze Nacht durch kamen Wanderungen
+ Wie auf der Flucht, in sohlenloses Schreiten
+ Vermummt. Am Morgen bargen es die Weiten:
+ Nur Sturm schwimmt durch die dunkelen Waldungen.
+
+ Als wäre allem Licht ein Tor gesprungen,
+ Will es sich in die Aderbäume breiten,
+ Darin die Pulse spülen, Säfte gleiten
+ Wie Frühjahrströme durch die Niederungen.
+
+ Mein gutes Glück, märzlich dahergetänzelt.
+ Mädchen, gut, daß du Weib bist! Diese Stunde
+ Verlangt das. Küsse mich! O unsere Munde
+
+ Haben noch niemals um ihr Glück scharwenzelt.
+ Du -- du -- dein Haar riecht wie der frühe Wind
+ Nach weißer Sonne -- Sonne -- Sonne -- Wind.
+
+
+
+
+NÄCHTE ÜBER FINNLAND
+
+
+ Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten,
+ Und aus den Seen taucht das Nachtgespenst
+ Den gelben Kopf, von Feuerrauch gekränzt,
+ Den Sterngeruch der neuen Nacht zu kosten.
+
+ Zu weißen Pilzen filzen Fichtenpfosten,
+ Und Ast an Ast in zartem Lichte glänzt,
+ -- befrorne Linien -- Filigran umgrenzt,
+ Zieht die Kontur aus reinen, reifen Frosten.
+
+ Bis auf das alte, runde, schwarze Eis
+ Des Grundes sind die Flüsse zugefroren.
+ In Schuttmoränen glänzt der glatte Gneis
+
+ Und in den leuchtenden, polierten Mooren.
+ Die Krähen schreien ewig: Tag -- und Tat --
+ Nebel und Kälte fällt wie Sack und Saat.
+
+
+
+
+WEICHSEL
+
+
+ Ein Thema: Weichsel; blutsüßes Erinnern!
+ Der Strom bei Kulm verwildert in dem Bett.
+ Ein Mädchen, läuft mein Segel aufs Parkett
+ Aus Wellen, glänzend, unabsehbar, zinnern.
+
+ In Obertertia. Julitage flammen,
+ Bis du den Leib in helle Wellen scharrst.
+ Die Otter floh; mein weißes Lachen barst
+ Zwischen den Weiden, wo die Strudel schwammen.
+
+ Russische Flöße in den Abend ragend.
+ Die fremden Weiber, die am Feuer sitzen,
+ Bewirten mich: Schnaps und gestohlener Speck.
+
+ Wir ankern und die Alten bleiben weg.
+ Die Völlerei. Aus grausamen Antlitzen
+ Blitzt unser Blick, ins Weiberlachen schlagend.
+
+
+
+
+NÄCHTIGE SEEFAHRT
+
+
+ Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend
+ Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend.
+ Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend,
+ Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.
+
+ Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt.
+ Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn
+ Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn
+ Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.
+
+ Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt
+ Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler,
+ Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt
+
+ Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler
+ Stockt, steht, stößt einmal in die Runde
+ Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.
+
+
+
+
+FRIEDRICHSTRASSENDIRNEN
+
+
+ Sie liegen immer in den Nebengassen,
+ Wie Fischerschuten gleich und gleich getakelt,
+ Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt,
+ Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.
+
+ Im Strom der Menge, auf des Fisches Route.
+ Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug' spürt Tortur,
+ Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur
+ Und schnellt an Deck einer bemalten Schute,
+
+ Gespannt von Wollust wie ein Projektil!
+ Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide,
+ Gleich groben Küchenfrauen ohne viel
+
+ Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder
+ Den neuen Fang. Sie schnallen sich in Seide
+ Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.
+
+
+
+
+MITTAGS
+
+
+ Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake,
+ Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.
+ Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,
+ Als ob der Park von hellen Flammen blake.
+
+ Die schwere Mühle rudert strahlumwellt
+ In glattem Takt, daß sie den Abend hebe;
+ Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,
+ Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.
+
+ Orangewolken mit zitterndem Bauch,
+ Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.
+ Libellen flügeln, Falter, und verschollen
+ Summen die Bienen in dem Bohnenstrauch.
+
+ In deinen Adern glüht des Heliotrops
+ Arom, gekühlt von süßerem Jasmin,
+ Und durch die Nerven klingen Phantasien,
+ Bizarre Phantasien Félicien Rops'.
+
+ Im Walde schlägt der Keiler durstgequält
+ Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer.
+ Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,
+ In dem der Nacht erstickter Atem schwält.
+
+
+
+
+NACHT FÜR NACHT
+
+
+ Wie helle Raupen kriechen die Chausseen
+ Aus Wäldern über Berge in die Tale.
+ Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,
+ Still in der Abendröte blanken Seen.
+
+ Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,
+ Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.
+ Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.
+ Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.
+
+ Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,
+ Hell über jedem Garten. Und wie Gaze
+ Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.
+
+ Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase
+ Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. --
+ Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.
+
+
+
+
+RINDER
+
+
+ Verblichnes Grün der Weide deckt
+ Das Weiß und Schwarz der Herde.
+ Silhouetten, da und dort gesteckt,
+ Die Köpfe auf der Erde.
+
+ Die Wiese atmete nicht mehr,
+ Knirrte der Rinder Schlund;
+ Das Julilicht spritzte umher,
+ Die Wolken zogen, und
+
+ Unten geht ein fleischern Meer
+ Im grünen Klee spazieren.
+ Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière,
+ Humpeln von alten Tieren.
+
+ Im Grase lagert sich das Blöken.
+ Dumm scharrt des Stieres Huf.
+ Die Kälber jagen an den Pflöcken --
+ Melkmägde schallen voller Ruf.
+
+
+
+
+NORDWIND IM SOMMER
+
+
+ Vom Meere duftend fliegt der Wind ins Land.
+ Die dunklen Parke flattern in der Brise.
+ Kleehügel blühen vor dem Duft der Wiese;
+ Der Himmel steht, sich selber unbekannt,
+
+ Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren,
+ Wo Taubenflug aufspritzt, ein Wasserstrahl,
+ Wo Wolkenschatten rinnen in das Tal,
+ Fliegende Fische sind -- die Roggenähren.
+
+ Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite,
+ Und manchmal fliegen Reiher um den stummen,
+ Fischlosen See, auf dem die Bienen summen,
+ Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.
+
+ Ich galoppiere vor dem Sonnenschein,
+ Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden,
+ Und Sonnenfetzen um den Hals, nach Norden.
+ Ich werde mittags an dem Meere sein.
+
+
+
+
+DER TURMSTEIGER
+
+
+ Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff,
+ -- Die Erde war es und der Himmel oben,
+ An dem die Dohlen hingen und die Winde hoben --
+ Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.
+
+ Ihn schauderte. Er sah das Meer, er sah ein Schiff,
+ Das gelbe Wellen schaukelten und schoben
+ Und sah die Wellen, Wellen -- Wellen woben
+ An seinem unvollendeten Begriff.
+
+ Ein Wasserspeier sprang ihn an und bellte.
+ Er zitterte und faßte die Fiale,
+ Die knarrend brach; -- versteinert aber schnellte
+
+ Ein Teufel Witze auf die Kathedrale; --
+ Er hörte hin -- ein höllisches Finale:
+ Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.
+
+
+
+
+DIE SINTFLUT
+
+
+ Die Wolken wachsen aus den Horizonten
+ Und trinken Himmel mit den Regenhälsen.
+ Die Menschen bissen auf den höchsten Felsen
+ In weiße Stirnen, die nicht denken konnten,
+
+ Daß Läuse aus dem Meer, die See, krochen.
+ Im Abendsturm ertranken lange Pappeln. --
+ Sie hörten auf der Nacht die Sterne trappeln,
+ Die in dem All den warmen Erdrauch rochen.
+
+ Dann schwamm die Sonne in dem glatten Wasser.
+ Das Wasser fiel. Die See faulten ab.
+ Die Erde trug der Meere hellen Schurz.
+
+ Die Sterne standen, von Begierde blasser,
+ Mit dünnem Atem an des Ostens Kap.
+ Ein Stern sprang nach der Erde, sprang zu kurz.
+
+
+
+
+CAPRICCIO
+
+
+ Entlaubte Parke liegen treu wie Doggen
+ Hinter den Herrenhäusern, um zu wachen.
+ Schneestürme weiden, eine Herde Bachen.
+ Oft sind die Rehe auf dem jungen Roggen.
+
+ Und eine Wolke droht den Mond zu schänden.
+ Die Nacht hockt auf dem Park, der stärker rauscht.
+ Zwei alte Tannen winken, aufgebauscht,
+ Geheimnisvoll mit den harzigen Händen.
+
+ Die Toten sitzen in den nassen Nischen.
+ Auf einem Kirchenschlüssel bläst der eine,
+ Und alle lauschen, überkreuzte Beine,
+ Die Knochenhände eingeklemmt dazwischen.
+
+ Am großen, kalten Winterhimmel drohn
+ Vier Wolken, welche Pferdeschädeln gleichen.
+ Der Winde Brut pfeift in den hellen Eichen,
+ Daraus der gelbe Geier Mond geflohn.
+
+ Der Tod im Garten tritt jetzt aus dem Schatten
+ Der Tannen. Rasch. Das Schneelicht spritzt und glänzt.
+ Der Schrecken flattert breit um das Gespenst,
+ Das seinen Weg nimmt quer durch die Rabatten.
+
+ Zum Schloß. -- Dort ruft man: »Prosit Neujahr! Prost!«
+ Zu zwölfen sind sie, der Apostel Schar,
+ Und mit Champagner taufen sie das Jahr,
+ Umstellt vom Sturm, der auf den Dächern tost.
+
+ Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch.
+ Der Hitze Salven krachen vom Kamin.
+ Geruch der Weiber -- Trimethylamin,
+ Die Bäuche schwitzen in der großen Brunst.
+
+ Jetzt stehn sie auf. Das Stühlerücken schurrt.
+ Der Tod im Flur ist nicht gewohnt die Speisen.
+ Er hebt den Kopf gegen das kalte Eisen
+ Der Schlüsseltülle, schnuppert gierig, knurrt.
+
+ Kommt jemand? Still. Er hupft unter die Treppe.
+ An einem Fräulein zerrt ein Kavalier.
+ Der Tod schleicht hinterher, ein fletschend Tier
+ Aus Mond; das trägt der Dame Schleppe.
+
+ Sie kommen an die Gruft --: »Hier sind wir sicher!«
+ -- »Ich fürchte mich, oh, sind die Bäume groß!«
+ Der Tod schupst sie -- kein Schrei, sie quieken bloß --
+ Und läuft hinweg mit heftigem Gekicher. -- --
+
+ Es dämmert endlich. Mit Blutaugen stiert
+ Der Morgen hin. Im Saal zappelt ein Märchen.
+ Der Tod wühlt in den fetten, welken Pärchen,
+ Frißt sie wie Trüffeln, die ein Schwein aufspürt.
+
+
+
+
+IMPRESSION DU SOIR
+
+
+ Des Abends schwarze Wolkenvögel flogen
+ Im Osten auf vom Fluß der Horizonte.
+ Gärten vertropft in Nacht, die, als es sonnte,
+ Wie See grünten und den Wind einsogen.
+
+ Einsame Pappeln pressen ihre Schreie
+ Angst vor den Stürmen in die blonde Stille.
+ Schon saugen schwarze Munde Atem. -- Schrille
+ Fabrikenpfiffe. Menschen ziehn ins Freie.
+
+ Ein rotes Mohnfeld mit den schwarzen Köpfen,
+ Ragen die Schlote, einsam, krank und kahl.
+ Die Wolkenvögel, Eiter an den Kröpfen,
+
+ Wie Pelikane flattern sie zum Mahl.
+ Und als die Horizonte Dunkel schöpfen,
+ Wirft sich der Blitz heraus, der blanke Aal.
+
+
+
+
+BERLIN
+
+
+ Die Stimmen der Autos wie Jägersignale
+ Die Täler der Straße bewaldend ziehn.
+ Schüsse von Licht. Mit einem Male
+ Brennen die Himmel auf Berlin.
+
+ Die Spree, ein Antlitz wie der Tag,
+ Das glänzend meerwärts späht nach Rettern,
+ Behält der wilden Stadt Geschmack,
+ Auf der die Züge krächzend klettern.
+
+ Die blaue Nacht fließt in der Forst.
+ Sie fühlt, geblendet, daß du lebst.
+ Schnellzüge steigen aus dem Horst!
+ Der weiße Abend, den du webst,
+
+ Fühlt, blüht, verblättert in das All.
+ Ein Menschenhände-Fangen treibst du
+ Um den verklungnen Erdenball
+ Wie hartes Licht; und also bleibst du.
+
+ Wer weiß, in welche Welten dein
+ Erstarktes Sternenauge schien,
+ Stahlmasterblühte Stadt aus Stein,
+ Der Erde weiße Blume, Berlin.
+
+
+
+
+DER SCHNELLZUG
+
+
+ Es sprang am Walde auf in panischem Schrecke,
+ Die gelben Augen in die Nacht geschlagen. --
+ Die Weiche lärmt vom Hammerschlag der Wagen
+ Voll blanken Lärms, indes sie fern schon jagen
+
+ Im blinden Walde lauert an der Strecke
+ Die Kurve wach. Es schwanken die Verdecke.
+ Wie Schneesturm rennt der D-Zug durch die Ecke,
+ Und tänzelnd wiegen sich die schweren Wagen.
+
+ Der Nebel liegt, ein Lava, auf den Städten
+ Und färbt den Herbsttag grün. Auf weiter Reise
+ Wandert der Zug entlang den Kupferdrähten.
+
+ Der Führer fühlt den Schlag der Triebradkreise
+ Hinter dem Sternenkopfe des Kometen,
+ Der zischend hinfällt über das Geleise.
+
+
+
+
+HERBSTGEFÜHL
+
+
+ Der große, abendrote Sonnenball
+ Rutscht in den Sumpf, des Stromes schwarzen Eiter,
+ Den Nebel leckt. Schon fließt die Schwäre breiter,
+ Und trübe Wasser schwimmen in das Tal.
+
+ Ins finstre Laub der Eichen sinken Vögel,
+ Aasvögel mit den Scharlachflügeldecken,
+ Die ihre Fänge durch die Kronen strecken,
+ Und Schreien, Geierpfiff, fällt von der Höhe.
+
+ Ach, alle Wolken brocken Dämmerung!
+ Man kann den Schrei des kranken Sees hören
+ Unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung.
+
+ Wie Schuß, wie Hussah in den schwarzen Föhren
+ Ist alle Farbe! Von dem Fiebertrunk
+ Glänzen die Augen, die dem Tod gehören.
+
+
+
+
+PROSERPINA
+
+
+ Einsamer Pluto trage ich im Blute
+ Proserpina, nackend, mit blonden Haaren.
+ Unauslöschbar. Ich will mich mit ihr paaren,
+ Die ich in allem hellen Weib vermute.
+
+ Ich bin von ihren Armen lichtgefleckt
+ Im Rücken! Ihre Knie sind nervös,
+ Die Schenkel weiß, fleischsträhnig, ein Erlös
+ Des weißen Tages, der die Erde deckt.
+
+ In ihrem Haar bleibt etwas vom Verwehten
+ Des warmen Bluts. Ich liebe den Geruch!
+ Und nur die Zähne haben zuviel Fades
+
+ Wie Schulmädchen, sooft sie in den Bruch,
+ Den Brunnen ihres Frauenmundes treten,
+ Der meine Brünste tränkt -- Herden des Hades.
+
+
+
+
+DER DENKER
+
+
+ Nachmittag wird, und Wetter steigen schwarz
+ Herauf. Des Blitzes Ferse leuchtet im
+ Gewölk. Auf das Gebirge beißt voll Grimm
+ Der Donner, und Regen speien aus den Quarz.
+
+ Den Fuß den Felsgesteinen eingestemmt,
+ Die Augen abgewandt, als horche er,
+ So kommt er durch die Schründe, weglos, quer.
+ Zum weißen Urherrn in der Blitze Hemd.
+
+ Der Abgrund saugt Milliarden Zentner Himmel
+ In sich hinein. Der Weiße oben bleckt,
+ Zu dem er steigt. Durch Gletscher grün von Schimmel,
+
+ Des Riesen Bart, der von den Föhnen leckt.
+ Und schon reißt weit der Horizont entzwei, --
+ Blank, eben, schwangleich rauscht ins All ein Schrei.
+
+
+
+
+NOVEMBERABEND
+
+
+ Es weht. Das Abendgold ist eine Fahne,
+ Die von den Winden schon erbeutet wird.
+ Ein etwas Herbst in der Platane,
+ Ein gelles Chrom verweht, verwird.
+
+ In Wolken gleich verkohlten Stämmen
+ Riecht man die tote Sonne noch;
+ Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen --
+ Einsamkeiten kommen hoch.
+
+
+
+
+VORMORGENS
+
+
+ Schneeflocken klettern an den Fensterscheiben,
+ Auf meinem Schreibtisch schläft der Lampenschein,
+ Und hingestreute Bogen, weiß und rein,
+ Ich wollte wohl etwas von Versen schreiben.
+
+ Der Tag ist nah. Die Jalousien schurr'n,
+ Die letzten Sterne torkeln von den Posten.
+ Der Tag ist nah, den unbesternten Osten
+ Bevölkern Morgenwinde schon purpurn.
+
+ Und mich bewachsen Abende, beschatten
+ Die Jahre! O ich dunkle ein.
+ Das Gas singt in den Gassen Litanein,
+ Daß meine Augen so sehr früh ermatten.
+
+
+
+
+DIE DIRNE
+
+
+ Die Zähne standen unbeteiligt, kühl
+ Gleich Fischen an den heißen Sommertagen.
+ Sie hatte sie in sein Gesicht geschlagen
+ Und trank es -- trank -- entschlossen dies Gefühl
+
+ In sich zu halten, denn sie ward ein wenig
+ Wie früher Mädchen und erlitt Verführung;
+ Er aber spürte bloß Berührung,
+ Den Mund wie einen Muskel, mager, sehnig.
+
+ Und sollte glauben an ihr Offenbaren,
+ Und sah, wie sie dann dastand -- spiegelnackt --
+ Das Falsche, das Frisierte an den Haaren;
+
+ Und unwillig auf ihren schlechten Akt
+ Schlug er das Licht aus, legte sich zu ihr,
+ Mischend im Blut Entsetzen mit der Gier.
+
+
+
+
+DIE LIEBESFRAU
+
+
+ -- Nackt. Ich bin es nicht gewohnt.
+ Du wirst so groß und so weiß
+ Geliebte. Glitzernd wie Mond,
+ Wie der Mond im Mai.
+
+ Du bist zweibrüstig,
+ Behaart und muskelblank.
+ So hüftenrüstig
+ Und tänzerinnenschwank.
+
+ Gib dich her! Draußen fallen
+ Die Regen. Die Fenster sind leer,
+ Verbergen uns . . . -- allen, allen! --
+ Wieviel wiegt dein Haar. Es ist sehr schwer.
+
+ -- Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt
+ Küsse du mich mit deinen Lippen!
+ -- Frierst du? -- -- -- Du bist so kalt
+ Und tot in deinen hellen Rippen.
+ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
+
+
+
+
+DAS GESPENST
+
+
+ Wie weiß der Sommer ist! Wie Menschenlachen,
+ Das alle Tage in der Stadt verschwenden.
+ Häuserspaliere wachsen hoch zu Wänden
+ Und Wolkenfelsen, die mich kleiner machen.
+
+ In tausend Straßen liege ich begraben.
+ Ich folge dir stets ohne mich zu wenden.
+ O hielte ich dein Antlitz in den Händen,
+ Das meine kranke Augen vor sich haben.
+
+ Ich küßte es. Es küßte mich im Bette --:
+ -- Versprich, daß du mich morgen nicht mehr kennst!
+ -- Bist du nachts fleischern und ein Taggespenst?
+
+ -- Du locktest es ins Netz deiner Sonette.
+ -- Junger Polyp, dein Mund ist eine Klette.
+ -- Er wird dich beißen, wenn du ihn so nennst.
+ -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
+
+
+
+
+BERLINER ABEND
+
+
+ Spukhaftes Wandeln ohne Existenz!
+ Der Asphalt dunkelt und das Gas schmeißt sein
+ Licht auf ihn. Aus Asphalt und Licht wird Elfenbein.
+ Die Straßen horchen so. Riechen nach Lenz.
+
+ Autos, eine Herde von Blitzen, schrein
+ Und suchen einander in den Straßen.
+ Lichter wie Fahnen, helle Menschenmassen:
+ Die Stadtbahnzüge ziehen ein.
+
+ Und sehr weit blitzt Berlin. Schon hat der Ost,
+ Der weiße Wind, in den Zähnen den Frost,
+ Sein funkelnd Maul über die Stadt gedreht,
+ Darauf die Nacht, ein stummer Vogel, steht.
+
+
+
+
+HERBSTPARK
+
+
+ Die gelbe Krankheit herrscht. Wie Säufern fällt
+ Das Laub Ahornen aus den roten Schädeln,
+ Und Birken glühn gleich flinken Gassenmädeln
+ Im Arm der Winde auf dem schwarzen Feld.
+
+ Und wie die Hände einer Frau, die sinnt
+ Ihrem Gemahl nach und der starken Lust,
+ Ward weiße Sonne kühl! Du aber mußt
+ Der Nächte denken, die im Juni sind.
+
+ In diesen sternenbunten, sagt man, fror es.
+ Der Park ist so verstört. Aus beiden Teichen
+ Zittert die Stimme des gefleckten Rohres,
+
+ Wenn Wellen so vom seichten Sande schleichen.
+ Und Regen droht. In Kutten, stummen Chores,
+ Gehn Wolken um die großen, grünen Eichen.
+
+
+
+
+LINDEN
+
+
+ Mit Wald gepudert und Laternenschein,
+ Schreiten die Linden und ein paar Platanen
+ -- Unter den Bäumen sind sie Kurtisanen --
+ Den Mädchenstrom Kurfürstendamm hinein.
+
+ Ihr Wäldermädchen mit den Laubfrisuren --
+ Man muß wohl Wind sein, um euch zu umarmen.
+ Hübsche Dryaden, träumt ihr von den Farmen
+ Am Strom und Wiesen zwischen Weizenfluren?
+
+ Den Pfeil von Glühlicht in dem grünen Haar,
+ Aha! Ihr seid schon elegant geworden,
+ Jüdinnen, -- die ich liebte, ein Barbar,
+
+ Im Blut Unwetter und den wilden Norden.
+ Es schien der Mond, verlor sich ohne Rest,
+ Jetzt liegt er da, ein Ei, im Wolkennest.
+
+
+
+
+JUNGE PFERDE
+
+
+ Wer die blühenden Wiesen kennt
+ Und die hingetragene Herde,
+ Die, das Maul am Winde, rennt:
+ Junge Pferde! Junge Pferde!
+
+ Über Gräben, Gräserstoppel
+ Und entlang den Rotdornhecken
+ Weht der Trab der scheuen Koppel,
+ Füchse, Braune, Schimmel, Schecken!
+
+ Junge Sommermorgen zogen
+ Weiß davon, sie wieherten.
+ Wolke warf den Blitz, sie flogen
+ Voll von Angst hin, galoppierten.
+
+ Selten graue Nüstern wittern,
+ Und dann nähern sie und nicken,
+ Ihre Augensterne zittern
+ In den engen Menschenblicken.
+
+
+
+
+ERWACHSENE MÄDCHEN
+
+
+ Wer weiß seit Fragonard noch, was es heiße,
+ Zwei stracke Beine haben in dem Kleide;
+ Roben gefüllt von Fleisch, als ob die Seide
+ In jeder Falte mit dem Körper kreiße.
+
+ Aus dem Korsage fahren eure Hüften
+ Wie Bügeleisen in den Stoff der Röcke,
+ Darauf wie Bienen auf die Bienenstöcke
+ Unsere Blicke kriechen aus den Lüften.
+
+ Ihr jugendlichen Sonnen! Fleischern Licht!
+ Wir haben den Ehrgeiz der Allegorien
+ Und hübschen Dinge im Gedicht.
+
+ Ich will mit eurer Bettwärme Blumen ziehn!
+ Und einen kleinen Mond aus dem Urin,
+ Der sternenhell aus eurem Blute bricht!
+
+
+
+
+DIE SCHLAFENDE ERNA
+
+
+ Auf einer Ottomane aus Mohär
+ Liegt sie in Seidenröcken, eine Truhe
+ Voll Nacktheit, und ich denke voll Unruhe
+ An dein Geheimstes -- schönes Sekretär.
+
+ Die Frauen tuen Wundervolles in die Seide.
+ Am Knie beginnt es. Ich will es auspellen,
+ Wenn Küsse summen nach hautsüßen Stellen
+ Im Bett, daß wir nicht schlafen können beide.
+
+ Du großes Mädchen, die noch kleinen Brüste
+ Schmücken dich mir. Auf den geheimen Schmuck
+ Hast du die linke weiße Hand gelegt;
+
+ Ich dachte: Soll die eine, die sie trägt --
+ Die schwarze Blume welken von dem Druck?
+ Und nahm die Hand weg, die ich leise küßte.
+
+
+
+
+SINNLICHKEIT
+
+
+ Unter dem Monde liegt des Parks Skelett.
+ Der Wind schweigt weit. Doch wenn wir Schritte tun,
+ Beschwatzt der Schnee an deinen Stöckelschuhn
+ Der winterlichen Sterne Menuett.
+
+ Und wir entkleiden uns, seufzend vor Lust,
+ Und leuchten auf; du stehst mit hübschen Hüften
+ Und hellen Knien im Schnee, dem sehr verblüfften,
+ Wie eine schöne Bäuerin robust.
+
+ Wir wittern und die Tiere imitierend
+ Fliehn wir in den Alleen mit frischen Schrein.
+ Um deine Flanken steigt der Schnee moussierend.
+
+ Mein Blut ist fröhlicher als Feuerschein!
+ So rennen wir exzentrisches Ballett
+ Zum Pavillon hin durch die Tür ins Bett.
+
+
+
+
+MEINE JÜDIN
+
+
+ Du junge Jüdin, braune Judith, köstliche
+ Frucht der Erkenntnis, weißer Blütenfall:
+ Aus Kleidern steigst du nackt, ein All ins All,
+ Mit deinen Brüsten, Mythenfrau, du östliche.
+
+ Steige vom Sockel, Venus, aus zerballter
+ Wäsche, Jungweib! Wie Morgensonne blitzt
+ Dein Bauch -- und in der Schenkel Schatten sitzt
+ Wie Blüten saugend, fest, ein schwarzer Falter.
+
+ Und Schwarzes fällt aus den gelösten Schleifen
+ In den konkaven Nacken, wie Geruch.
+ Und die zu großen, graden Zähne blecken,
+
+ Als ob sie schon in Männerküssen stäken.
+ Der Blick hängt glänzend über dem Versuch,
+ Die Lippen über das Gebiß zu streifen.
+
+
+
+
+LIEBESMORGEN
+
+
+ Aus dem roten, roten Pfühl
+ Kriecht die Sonne auf die Dielen,
+ Und wir blinzeln nur und schielen
+ Nach uns, voller Lichtgefühl.
+
+ Wie die Rosa-Pelikane,
+ Einen hellen Fisch umkrallend,
+ Rissen unsere Lippen lallend
+ Kuß um Kuß vom weißen Zahne.
+
+ Und nun, eingerauscht ins weiche
+ Nachgefühl der starken Küsse,
+ Liegen wir wie junge Flüsse
+ Eng umsonnt in einem Teiche.
+
+ Und wir lächeln gleich Verzückten;
+ Lachen gibt der Garten wieder,
+ Wo die jungen Mädchen Flieder,
+ Volle Fäuste Flieder pflückten.
+
+
+
+
+MEIN FEBRUARHERZ
+
+
+ Als trügen Frauen in den Straußenfedern
+ Das junge Licht wie eine weiße Fahne,
+ Gehörten alle Häuser reichen Rhedern
+ Und wären Schiffe, schwimmt um die Altane
+
+ Die blaue Luft! Oh, jetzt in einem Kahne
+ Auf Wassern fahren, süßen Morgennebeln
+ Entgegensteuern, gleich dem leisen Schwane
+ Die Wellen teilend mit den schwarzen Hebeln!
+
+ Geh in die Leipzigerstraße! Geh ins Freie!
+ Schön ist die Wollust! Gott ein guter Junge.
+ Die Dirnen sommern brünstiger als Haie!
+
+ Ich habe Geld! Ich bin so schön im Schwunge.
+ Sonette aus Sonne kitzeln mir die Zunge!
+ In meiner Kehle sammeln sich die Schreie!
+
+
+
+
+ABENDAVENUE
+
+
+ Die Straße ist von Klängen überstrahlt,
+ Bewachsen von Phantasmen des Geruches,
+ Und Hüften in den Hülsen blauen Tuches,
+ Das aller Schritt zu Reiz zermalmt und mahlt.
+
+ Die Dirnen kommen, knarrend, Wollustfuder,
+ Und Bürgermädchen, die mit Reizen knausern;
+ Jungfräulein die, und andern, die schon mausern,
+ Gleitet ein Scharlachlächeln in den Puder.
+
+ Teufel! Wir werden wie die Pelikane
+ -- Wenn diese Mädchen uns mit Blicken füttern,
+ Gierig nach den Konturen und Profilen,
+
+ Die alle kommen, einzeln, momentane,
+ Und aus den fetten Rücken, aus den Müttern,
+ Bisweilen leise nach uns Jungen schielen.
+
+
+
+
+TIERGARTEN
+
+
+ Birken und Linden legen am Kanal
+ Unausgeruhtes sanft in seinen Spiegel.
+ Ins Nachtgewölbe rutscht der Mond, ein Igel,
+ Der Sterne jagt und frißt den Himmel kahl.
+
+ Mädchen sind da, und wir sind sehr vergnügt.
+ Ich schmeiße nach dem dicken Mond mit Steinen;
+ Die Betty küßt mich, und er soll nicht scheinen,
+ Weil Bella schweigt und naserümpfend rügt.
+
+ Die Sommerstädte liegen um den Park.
+ Es wird sehr hübsch! Der Süden wandert ein!
+ Die Sonne wächst! Wie nackte Männer stark
+
+ Schreiten die Tage, Frühjahr in den Hüften.
+ Die schwarzen Linden kommen überein,
+ Morgen zu grünen in den süßen Lüften!
+
+
+
+
+MÄDCHENNACHT
+
+
+ Der Mond ist warm, die Nacht ein Alkohol,
+ Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,
+ Und deine Nacktheit weht wie der Passat
+ Trocknend ins Mark.
+
+ Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.
+ Mich hungert so -- ich küsse deine Lippen.
+ Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,
+ Wenn du nicht geil bist!
+
+ -- Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen
+ Kupferner Lippen, und die Körper knacken!
+ Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken
+ Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.
+
+ Und als ich dir die weißen Knie und,
+ Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,
+ Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;
+ Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
+
+
+
+
+GUTEN TAG -- HELLE EVA!
+
+
+ Ich wollte mit dir jungem Weibe leben
+ Gern wie der Sturm auf einem hellen Meer,
+ Daß deine Hände sich wie Möwen heben,
+ Wie Strudel leuchten deine Brüste sehr.
+
+ Dein Fleisch ist Schnee, und schneereich bist du wie
+ Russische Winter. Mondrot leuchtet, blond,
+ Dein Haarkorb an des Nackens Horizont --
+ Du nackend Weib, du weiße Therapie!
+
+ Lange behielt ich deine Witterung
+ Und jagte hitzig hinter Dirnenrudeln,
+ Lustkrank, von Qual beweht. Doch du bliebst jung.
+
+ Auf deinen Rippen kreisen weiße Strudel;
+ Du bist ein Weib geworden -- puh -- fruchtbar,
+ Du blanker Bauch voll Blut und krautigem Haar.
+
+
+
+
+FRIEDRICHSTRASSENKROKI 3 UHR 20 NACHTS
+
+
+ Die Friedrichstraße trägt auf Stein
+ Die blassen Gewässer des Lichtes.
+ Die Dirnen umstehn mit Hirschgeweihn
+ Die Circe meines Gesichtes.
+
+ Ich schaue: -- Der Träume Phosphor rinnt
+ In zwei, vier Menschenaugen neu.
+ -- Wie eine Katze springt, gefleckt, der Wind
+ Zwischen des Asphalts Lichterstreu
+
+ Und trägt den fetten, weißen Rauch
+ Im Maul den jungen Winden ins Nest.
+ Er faßt die Dirnen an den Bauch
+ Und klemmt die dünnen Röcke fest.
+
+ -- Da sind Gesichter, lachen nett,
+ Daß alle Zähne blecken müssen;
+ Die Louis zeigen ihr Skelett,
+ Louise läßt mich ihres küssen.
+
+
+
+
+ANDERE JÜDIN
+
+
+
+I
+
+ Im Norden sind die Ebenen, da steigen
+ Die Ströme zitternd in das Meer,
+ Das sie verhüllt. Der Wind weht Wogen her.
+ Das Wasser schweigt, und die Sternbilder schweigen.
+
+ Du stiegst hinab mit deinem weißen, leisen
+ Lachen sprudelnd und deiner Brüste Schaum.
+ Antworte doch! Bist du noch in dem Raum,
+ Wo meiner Augen Vögel schreien, kreisen?
+
+
+II
+
+ Der Wind ist in den Eichen,
+ Die sich nach Westen legen
+ Und diesen kleinen, bleichen
+ Himmel zusammenfegen;
+
+ Ich atme schlecht! Ich zucke
+ So an der Luft! Untätig.
+ Mir ist vom steten Drucke
+ Nicht mehr viel Ich vorrätig.
+
+
+
+
+IN DER WELT
+
+
+ Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,
+ Die wie getroffen auseinander hinken.
+ Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,
+ Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.
+
+ Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.
+ Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.
+ Die Tage sterben weg, die weißen Greise.
+ Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
+
+
+
+
+ADIEU MÄDCHENLACHEN!
+
+
+ Sie nehmen Abschied, werden nicht vergessen
+ Die Wege, die sie jetzt gehn -- Du und Ich,
+ Zwei Lächeln nur, mit denen sich
+ Apokalyptische Gesichte messen.
+
+ O fälschte doch mein sicheres Gesicht!
+ Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig,
+ Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig:
+ -- Mein Hirn bellt auf -- brautnackt im Ampellicht.
+
+ Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein.
+ Was martert, mordet nicht mein wilder Freisinn!
+ O meine Mutter, weißhändige Greisin,
+ Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!
+
+
+
+
+NACH DER NACHT
+
+
+ Laternen, die den Regenabend führen,
+ Haben die Stadt, die glänzende, verraten.
+ Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem
+ Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.
+
+ Die Augen kriechen aus den Faltenlidern
+ Und spritzen einen Blick, der dich begießt.
+ Sie lachen sich das Kleid vom Bauch; du siehst
+ Die Brüste -- Krötenbäuche in den Miedern.
+
+ Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags.
+ Der Morgen senkte sich in dein Gesicht.
+ Es schlugen Uhren an, weckten das Licht.
+ Doggengebell des Turmuhrstundenschlags.
+
+ Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig.
+ O Wanderungen im Gestein der Stadt!
+ O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! --
+ Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.
+
+ Du schweigst. Hinter den dunklen Augen ruht
+ Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene.
+ Du lächelst, blickst -- und da betritt die Szene
+ Die Sonne, jugendlich, im Wolkenhut.
+
+
+
+
+DAS WIEDERSEHEN
+
+
+ Wie warnend leuchten schwarze Fensterscheiben.
+ Mystische Telefone knacken, knacken --:
+ Dastehst Du nahe mit beweinten Backen,
+ Plastik aus Rauch.
+ Ich drehe angstvoll mein Gesicht zum Nacken
+ Und steige zitternd aus aus euren Häusern.
+
+ Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein?
+ Ich mache langsam Schritte in Berlin.
+ Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien.
+ Ich habe keinen Wunsch, einer zu sein.
+
+
+
+
+MANN UND MENSCHFRAU
+
+
+ Der Park beleckt, ein grüner Katarakt,
+ Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen.
+ Du hast Angstaugen. Um die Fenster streifen
+ Ahorne braun und indianernackt.
+
+ Sturm hat die Nacht, die Negerin, gepackt.
+ -- Du wirst doch diese Herzart nicht begreifen.
+ Laß aus dir trinken, und ich werde reifen.
+ Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.
+
+ Du kriegst ein Kind. Ich werde einsam sterben
+ In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter.
+ Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.
+
+ Orient und Eden machst du gegenwärtig.
+ Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter.
+ Engel -- dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40298 ***
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-The Project Gutenberg EBook of Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt
-
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-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Junge Pferde! Junge Pferde!
-
-Author: Paul Boldt
-
-Release Date: July 22, 2012 [EBook #40298]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JUNGE PFERDE! JUNGE PFERDE! ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-
-
-
-PAUL BOLDT
-
-
-JUNGE PFERDE!
-JUNGE PFERDE!
-
-
-1914
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-Dies Buch
-wurde gedruckt im Januar 1914
-als elfter Band der Bücherei »Der jüngste
-Tag« bei Poeschel & Trepte in
-Leipzig
-
-
-Copyright 1914 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
-
-
-
-
-
-
-FRÜHJAHR
-
-
- Die ganze Nacht durch kamen Wanderungen
- Wie auf der Flucht, in sohlenloses Schreiten
- Vermummt. Am Morgen bargen es die Weiten:
- Nur Sturm schwimmt durch die dunkelen Waldungen.
-
- Als wäre allem Licht ein Tor gesprungen,
- Will es sich in die Aderbäume breiten,
- Darin die Pulse spülen, Säfte gleiten
- Wie Frühjahrströme durch die Niederungen.
-
- Mein gutes Glück, märzlich dahergetänzelt.
- Mädchen, gut, daß du Weib bist! Diese Stunde
- Verlangt das. Küsse mich! O unsere Munde
-
- Haben noch niemals um ihr Glück scharwenzelt.
- Du -- du -- dein Haar riecht wie der frühe Wind
- Nach weißer Sonne -- Sonne -- Sonne -- Wind.
-
-
-
-
-NÄCHTE ÜBER FINNLAND
-
-
- Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten,
- Und aus den Seen taucht das Nachtgespenst
- Den gelben Kopf, von Feuerrauch gekränzt,
- Den Sterngeruch der neuen Nacht zu kosten.
-
- Zu weißen Pilzen filzen Fichtenpfosten,
- Und Ast an Ast in zartem Lichte glänzt,
- -- befrorne Linien -- Filigran umgrenzt,
- Zieht die Kontur aus reinen, reifen Frosten.
-
- Bis auf das alte, runde, schwarze Eis
- Des Grundes sind die Flüsse zugefroren.
- In Schuttmoränen glänzt der glatte Gneis
-
- Und in den leuchtenden, polierten Mooren.
- Die Krähen schreien ewig: Tag -- und Tat --
- Nebel und Kälte fällt wie Sack und Saat.
-
-
-
-
-WEICHSEL
-
-
- Ein Thema: Weichsel; blutsüßes Erinnern!
- Der Strom bei Kulm verwildert in dem Bett.
- Ein Mädchen, läuft mein Segel aufs Parkett
- Aus Wellen, glänzend, unabsehbar, zinnern.
-
- In Obertertia. Julitage flammen,
- Bis du den Leib in helle Wellen scharrst.
- Die Otter floh; mein weißes Lachen barst
- Zwischen den Weiden, wo die Strudel schwammen.
-
- Russische Flöße in den Abend ragend.
- Die fremden Weiber, die am Feuer sitzen,
- Bewirten mich: Schnaps und gestohlener Speck.
-
- Wir ankern und die Alten bleiben weg.
- Die Völlerei. Aus grausamen Antlitzen
- Blitzt unser Blick, ins Weiberlachen schlagend.
-
-
-
-
-NÄCHTIGE SEEFAHRT
-
-
- Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend
- Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend.
- Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend,
- Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.
-
- Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt.
- Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn
- Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn
- Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.
-
- Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt
- Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler,
- Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt
-
- Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler
- Stockt, steht, stößt einmal in die Runde
- Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.
-
-
-
-
-FRIEDRICHSTRASSENDIRNEN
-
-
- Sie liegen immer in den Nebengassen,
- Wie Fischerschuten gleich und gleich getakelt,
- Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt,
- Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.
-
- Im Strom der Menge, auf des Fisches Route.
- Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug' spürt Tortur,
- Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur
- Und schnellt an Deck einer bemalten Schute,
-
- Gespannt von Wollust wie ein Projektil!
- Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide,
- Gleich groben Küchenfrauen ohne viel
-
- Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder
- Den neuen Fang. Sie schnallen sich in Seide
- Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.
-
-
-
-
-MITTAGS
-
-
- Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake,
- Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.
- Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,
- Als ob der Park von hellen Flammen blake.
-
- Die schwere Mühle rudert strahlumwellt
- In glattem Takt, daß sie den Abend hebe;
- Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,
- Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.
-
- Orangewolken mit zitterndem Bauch,
- Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.
- Libellen flügeln, Falter, und verschollen
- Summen die Bienen in dem Bohnenstrauch.
-
- In deinen Adern glüht des Heliotrops
- Arom, gekühlt von süßerem Jasmin,
- Und durch die Nerven klingen Phantasien,
- Bizarre Phantasien Félicien Rops'.
-
- Im Walde schlägt der Keiler durstgequält
- Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer.
- Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,
- In dem der Nacht erstickter Atem schwält.
-
-
-
-
-NACHT FÜR NACHT
-
-
- Wie helle Raupen kriechen die Chausseen
- Aus Wäldern über Berge in die Tale.
- Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,
- Still in der Abendröte blanken Seen.
-
- Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,
- Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.
- Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.
- Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.
-
- Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,
- Hell über jedem Garten. Und wie Gaze
- Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.
-
- Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase
- Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. --
- Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.
-
-
-
-
-RINDER
-
-
- Verblichnes Grün der Weide deckt
- Das Weiß und Schwarz der Herde.
- Silhouetten, da und dort gesteckt,
- Die Köpfe auf der Erde.
-
- Die Wiese atmete nicht mehr,
- Knirrte der Rinder Schlund;
- Das Julilicht spritzte umher,
- Die Wolken zogen, und
-
- Unten geht ein fleischern Meer
- Im grünen Klee spazieren.
- Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière,
- Humpeln von alten Tieren.
-
- Im Grase lagert sich das Blöken.
- Dumm scharrt des Stieres Huf.
- Die Kälber jagen an den Pflöcken --
- Melkmägde schallen voller Ruf.
-
-
-
-
-NORDWIND IM SOMMER
-
-
- Vom Meere duftend fliegt der Wind ins Land.
- Die dunklen Parke flattern in der Brise.
- Kleehügel blühen vor dem Duft der Wiese;
- Der Himmel steht, sich selber unbekannt,
-
- Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren,
- Wo Taubenflug aufspritzt, ein Wasserstrahl,
- Wo Wolkenschatten rinnen in das Tal,
- Fliegende Fische sind -- die Roggenähren.
-
- Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite,
- Und manchmal fliegen Reiher um den stummen,
- Fischlosen See, auf dem die Bienen summen,
- Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.
-
- Ich galoppiere vor dem Sonnenschein,
- Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden,
- Und Sonnenfetzen um den Hals, nach Norden.
- Ich werde mittags an dem Meere sein.
-
-
-
-
-DER TURMSTEIGER
-
-
- Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff,
- -- Die Erde war es und der Himmel oben,
- An dem die Dohlen hingen und die Winde hoben --
- Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.
-
- Ihn schauderte. Er sah das Meer, er sah ein Schiff,
- Das gelbe Wellen schaukelten und schoben
- Und sah die Wellen, Wellen -- Wellen woben
- An seinem unvollendeten Begriff.
-
- Ein Wasserspeier sprang ihn an und bellte.
- Er zitterte und faßte die Fiale,
- Die knarrend brach; -- versteinert aber schnellte
-
- Ein Teufel Witze auf die Kathedrale; --
- Er hörte hin -- ein höllisches Finale:
- Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.
-
-
-
-
-DIE SINTFLUT
-
-
- Die Wolken wachsen aus den Horizonten
- Und trinken Himmel mit den Regenhälsen.
- Die Menschen bissen auf den höchsten Felsen
- In weiße Stirnen, die nicht denken konnten,
-
- Daß Läuse aus dem Meer, die See, krochen.
- Im Abendsturm ertranken lange Pappeln. --
- Sie hörten auf der Nacht die Sterne trappeln,
- Die in dem All den warmen Erdrauch rochen.
-
- Dann schwamm die Sonne in dem glatten Wasser.
- Das Wasser fiel. Die See faulten ab.
- Die Erde trug der Meere hellen Schurz.
-
- Die Sterne standen, von Begierde blasser,
- Mit dünnem Atem an des Ostens Kap.
- Ein Stern sprang nach der Erde, sprang zu kurz.
-
-
-
-
-CAPRICCIO
-
-
- Entlaubte Parke liegen treu wie Doggen
- Hinter den Herrenhäusern, um zu wachen.
- Schneestürme weiden, eine Herde Bachen.
- Oft sind die Rehe auf dem jungen Roggen.
-
- Und eine Wolke droht den Mond zu schänden.
- Die Nacht hockt auf dem Park, der stärker rauscht.
- Zwei alte Tannen winken, aufgebauscht,
- Geheimnisvoll mit den harzigen Händen.
-
- Die Toten sitzen in den nassen Nischen.
- Auf einem Kirchenschlüssel bläst der eine,
- Und alle lauschen, überkreuzte Beine,
- Die Knochenhände eingeklemmt dazwischen.
-
- Am großen, kalten Winterhimmel drohn
- Vier Wolken, welche Pferdeschädeln gleichen.
- Der Winde Brut pfeift in den hellen Eichen,
- Daraus der gelbe Geier Mond geflohn.
-
- Der Tod im Garten tritt jetzt aus dem Schatten
- Der Tannen. Rasch. Das Schneelicht spritzt und glänzt.
- Der Schrecken flattert breit um das Gespenst,
- Das seinen Weg nimmt quer durch die Rabatten.
-
- Zum Schloß. -- Dort ruft man: »Prosit Neujahr! Prost!«
- Zu zwölfen sind sie, der Apostel Schar,
- Und mit Champagner taufen sie das Jahr,
- Umstellt vom Sturm, der auf den Dächern tost.
-
- Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch.
- Der Hitze Salven krachen vom Kamin.
- Geruch der Weiber -- Trimethylamin,
- Die Bäuche schwitzen in der großen Brunst.
-
- Jetzt stehn sie auf. Das Stühlerücken schurrt.
- Der Tod im Flur ist nicht gewohnt die Speisen.
- Er hebt den Kopf gegen das kalte Eisen
- Der Schlüsseltülle, schnuppert gierig, knurrt.
-
- Kommt jemand? Still. Er hupft unter die Treppe.
- An einem Fräulein zerrt ein Kavalier.
- Der Tod schleicht hinterher, ein fletschend Tier
- Aus Mond; das trägt der Dame Schleppe.
-
- Sie kommen an die Gruft --: »Hier sind wir sicher!«
- -- »Ich fürchte mich, oh, sind die Bäume groß!«
- Der Tod schupst sie -- kein Schrei, sie quieken bloß --
- Und läuft hinweg mit heftigem Gekicher. -- --
-
- Es dämmert endlich. Mit Blutaugen stiert
- Der Morgen hin. Im Saal zappelt ein Märchen.
- Der Tod wühlt in den fetten, welken Pärchen,
- Frißt sie wie Trüffeln, die ein Schwein aufspürt.
-
-
-
-
-IMPRESSION DU SOIR
-
-
- Des Abends schwarze Wolkenvögel flogen
- Im Osten auf vom Fluß der Horizonte.
- Gärten vertropft in Nacht, die, als es sonnte,
- Wie See grünten und den Wind einsogen.
-
- Einsame Pappeln pressen ihre Schreie
- Angst vor den Stürmen in die blonde Stille.
- Schon saugen schwarze Munde Atem. -- Schrille
- Fabrikenpfiffe. Menschen ziehn ins Freie.
-
- Ein rotes Mohnfeld mit den schwarzen Köpfen,
- Ragen die Schlote, einsam, krank und kahl.
- Die Wolkenvögel, Eiter an den Kröpfen,
-
- Wie Pelikane flattern sie zum Mahl.
- Und als die Horizonte Dunkel schöpfen,
- Wirft sich der Blitz heraus, der blanke Aal.
-
-
-
-
-BERLIN
-
-
- Die Stimmen der Autos wie Jägersignale
- Die Täler der Straße bewaldend ziehn.
- Schüsse von Licht. Mit einem Male
- Brennen die Himmel auf Berlin.
-
- Die Spree, ein Antlitz wie der Tag,
- Das glänzend meerwärts späht nach Rettern,
- Behält der wilden Stadt Geschmack,
- Auf der die Züge krächzend klettern.
-
- Die blaue Nacht fließt in der Forst.
- Sie fühlt, geblendet, daß du lebst.
- Schnellzüge steigen aus dem Horst!
- Der weiße Abend, den du webst,
-
- Fühlt, blüht, verblättert in das All.
- Ein Menschenhände-Fangen treibst du
- Um den verklungnen Erdenball
- Wie hartes Licht; und also bleibst du.
-
- Wer weiß, in welche Welten dein
- Erstarktes Sternenauge schien,
- Stahlmasterblühte Stadt aus Stein,
- Der Erde weiße Blume, Berlin.
-
-
-
-
-DER SCHNELLZUG
-
-
- Es sprang am Walde auf in panischem Schrecke,
- Die gelben Augen in die Nacht geschlagen. --
- Die Weiche lärmt vom Hammerschlag der Wagen
- Voll blanken Lärms, indes sie fern schon jagen
-
- Im blinden Walde lauert an der Strecke
- Die Kurve wach. Es schwanken die Verdecke.
- Wie Schneesturm rennt der D-Zug durch die Ecke,
- Und tänzelnd wiegen sich die schweren Wagen.
-
- Der Nebel liegt, ein Lava, auf den Städten
- Und färbt den Herbsttag grün. Auf weiter Reise
- Wandert der Zug entlang den Kupferdrähten.
-
- Der Führer fühlt den Schlag der Triebradkreise
- Hinter dem Sternenkopfe des Kometen,
- Der zischend hinfällt über das Geleise.
-
-
-
-
-HERBSTGEFÜHL
-
-
- Der große, abendrote Sonnenball
- Rutscht in den Sumpf, des Stromes schwarzen Eiter,
- Den Nebel leckt. Schon fließt die Schwäre breiter,
- Und trübe Wasser schwimmen in das Tal.
-
- Ins finstre Laub der Eichen sinken Vögel,
- Aasvögel mit den Scharlachflügeldecken,
- Die ihre Fänge durch die Kronen strecken,
- Und Schreien, Geierpfiff, fällt von der Höhe.
-
- Ach, alle Wolken brocken Dämmerung!
- Man kann den Schrei des kranken Sees hören
- Unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung.
-
- Wie Schuß, wie Hussah in den schwarzen Föhren
- Ist alle Farbe! Von dem Fiebertrunk
- Glänzen die Augen, die dem Tod gehören.
-
-
-
-
-PROSERPINA
-
-
- Einsamer Pluto trage ich im Blute
- Proserpina, nackend, mit blonden Haaren.
- Unauslöschbar. Ich will mich mit ihr paaren,
- Die ich in allem hellen Weib vermute.
-
- Ich bin von ihren Armen lichtgefleckt
- Im Rücken! Ihre Knie sind nervös,
- Die Schenkel weiß, fleischsträhnig, ein Erlös
- Des weißen Tages, der die Erde deckt.
-
- In ihrem Haar bleibt etwas vom Verwehten
- Des warmen Bluts. Ich liebe den Geruch!
- Und nur die Zähne haben zuviel Fades
-
- Wie Schulmädchen, sooft sie in den Bruch,
- Den Brunnen ihres Frauenmundes treten,
- Der meine Brünste tränkt -- Herden des Hades.
-
-
-
-
-DER DENKER
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- Nachmittag wird, und Wetter steigen schwarz
- Herauf. Des Blitzes Ferse leuchtet im
- Gewölk. Auf das Gebirge beißt voll Grimm
- Der Donner, und Regen speien aus den Quarz.
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- Den Fuß den Felsgesteinen eingestemmt,
- Die Augen abgewandt, als horche er,
- So kommt er durch die Schründe, weglos, quer.
- Zum weißen Urherrn in der Blitze Hemd.
-
- Der Abgrund saugt Milliarden Zentner Himmel
- In sich hinein. Der Weiße oben bleckt,
- Zu dem er steigt. Durch Gletscher grün von Schimmel,
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- Des Riesen Bart, der von den Föhnen leckt.
- Und schon reißt weit der Horizont entzwei, --
- Blank, eben, schwangleich rauscht ins All ein Schrei.
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-NOVEMBERABEND
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- Es weht. Das Abendgold ist eine Fahne,
- Die von den Winden schon erbeutet wird.
- Ein etwas Herbst in der Platane,
- Ein gelles Chrom verweht, verwird.
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- In Wolken gleich verkohlten Stämmen
- Riecht man die tote Sonne noch;
- Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen --
- Einsamkeiten kommen hoch.
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-VORMORGENS
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- Schneeflocken klettern an den Fensterscheiben,
- Auf meinem Schreibtisch schläft der Lampenschein,
- Und hingestreute Bogen, weiß und rein,
- Ich wollte wohl etwas von Versen schreiben.
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- Der Tag ist nah. Die Jalousien schurr'n,
- Die letzten Sterne torkeln von den Posten.
- Der Tag ist nah, den unbesternten Osten
- Bevölkern Morgenwinde schon purpurn.
-
- Und mich bewachsen Abende, beschatten
- Die Jahre! O ich dunkle ein.
- Das Gas singt in den Gassen Litanein,
- Daß meine Augen so sehr früh ermatten.
-
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-
-DIE DIRNE
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- Die Zähne standen unbeteiligt, kühl
- Gleich Fischen an den heißen Sommertagen.
- Sie hatte sie in sein Gesicht geschlagen
- Und trank es -- trank -- entschlossen dies Gefühl
-
- In sich zu halten, denn sie ward ein wenig
- Wie früher Mädchen und erlitt Verführung;
- Er aber spürte bloß Berührung,
- Den Mund wie einen Muskel, mager, sehnig.
-
- Und sollte glauben an ihr Offenbaren,
- Und sah, wie sie dann dastand -- spiegelnackt --
- Das Falsche, das Frisierte an den Haaren;
-
- Und unwillig auf ihren schlechten Akt
- Schlug er das Licht aus, legte sich zu ihr,
- Mischend im Blut Entsetzen mit der Gier.
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-
-DIE LIEBESFRAU
-
-
- -- Nackt. Ich bin es nicht gewohnt.
- Du wirst so groß und so weiß
- Geliebte. Glitzernd wie Mond,
- Wie der Mond im Mai.
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- Du bist zweibrüstig,
- Behaart und muskelblank.
- So hüftenrüstig
- Und tänzerinnenschwank.
-
- Gib dich her! Draußen fallen
- Die Regen. Die Fenster sind leer,
- Verbergen uns . . . -- allen, allen! --
- Wieviel wiegt dein Haar. Es ist sehr schwer.
-
- -- Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt
- Küsse du mich mit deinen Lippen!
- -- Frierst du? -- -- -- Du bist so kalt
- Und tot in deinen hellen Rippen.
- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
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-DAS GESPENST
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- Wie weiß der Sommer ist! Wie Menschenlachen,
- Das alle Tage in der Stadt verschwenden.
- Häuserspaliere wachsen hoch zu Wänden
- Und Wolkenfelsen, die mich kleiner machen.
-
- In tausend Straßen liege ich begraben.
- Ich folge dir stets ohne mich zu wenden.
- O hielte ich dein Antlitz in den Händen,
- Das meine kranke Augen vor sich haben.
-
- Ich küßte es. Es küßte mich im Bette --:
- -- Versprich, daß du mich morgen nicht mehr kennst!
- -- Bist du nachts fleischern und ein Taggespenst?
-
- -- Du locktest es ins Netz deiner Sonette.
- -- Junger Polyp, dein Mund ist eine Klette.
- -- Er wird dich beißen, wenn du ihn so nennst.
- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
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-BERLINER ABEND
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- Spukhaftes Wandeln ohne Existenz!
- Der Asphalt dunkelt und das Gas schmeißt sein
- Licht auf ihn. Aus Asphalt und Licht wird Elfenbein.
- Die Straßen horchen so. Riechen nach Lenz.
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- Autos, eine Herde von Blitzen, schrein
- Und suchen einander in den Straßen.
- Lichter wie Fahnen, helle Menschenmassen:
- Die Stadtbahnzüge ziehen ein.
-
- Und sehr weit blitzt Berlin. Schon hat der Ost,
- Der weiße Wind, in den Zähnen den Frost,
- Sein funkelnd Maul über die Stadt gedreht,
- Darauf die Nacht, ein stummer Vogel, steht.
-
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-HERBSTPARK
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- Die gelbe Krankheit herrscht. Wie Säufern fällt
- Das Laub Ahornen aus den roten Schädeln,
- Und Birken glühn gleich flinken Gassenmädeln
- Im Arm der Winde auf dem schwarzen Feld.
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- Und wie die Hände einer Frau, die sinnt
- Ihrem Gemahl nach und der starken Lust,
- Ward weiße Sonne kühl! Du aber mußt
- Der Nächte denken, die im Juni sind.
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- In diesen sternenbunten, sagt man, fror es.
- Der Park ist so verstört. Aus beiden Teichen
- Zittert die Stimme des gefleckten Rohres,
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- Wenn Wellen so vom seichten Sande schleichen.
- Und Regen droht. In Kutten, stummen Chores,
- Gehn Wolken um die großen, grünen Eichen.
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-LINDEN
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- Mit Wald gepudert und Laternenschein,
- Schreiten die Linden und ein paar Platanen
- -- Unter den Bäumen sind sie Kurtisanen --
- Den Mädchenstrom Kurfürstendamm hinein.
-
- Ihr Wäldermädchen mit den Laubfrisuren --
- Man muß wohl Wind sein, um euch zu umarmen.
- Hübsche Dryaden, träumt ihr von den Farmen
- Am Strom und Wiesen zwischen Weizenfluren?
-
- Den Pfeil von Glühlicht in dem grünen Haar,
- Aha! Ihr seid schon elegant geworden,
- Jüdinnen, -- die ich liebte, ein Barbar,
-
- Im Blut Unwetter und den wilden Norden.
- Es schien der Mond, verlor sich ohne Rest,
- Jetzt liegt er da, ein Ei, im Wolkennest.
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-JUNGE PFERDE
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- Wer die blühenden Wiesen kennt
- Und die hingetragene Herde,
- Die, das Maul am Winde, rennt:
- Junge Pferde! Junge Pferde!
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- Über Gräben, Gräserstoppel
- Und entlang den Rotdornhecken
- Weht der Trab der scheuen Koppel,
- Füchse, Braune, Schimmel, Schecken!
-
- Junge Sommermorgen zogen
- Weiß davon, sie wieherten.
- Wolke warf den Blitz, sie flogen
- Voll von Angst hin, galoppierten.
-
- Selten graue Nüstern wittern,
- Und dann nähern sie und nicken,
- Ihre Augensterne zittern
- In den engen Menschenblicken.
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-ERWACHSENE MÄDCHEN
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- Wer weiß seit Fragonard noch, was es heiße,
- Zwei stracke Beine haben in dem Kleide;
- Roben gefüllt von Fleisch, als ob die Seide
- In jeder Falte mit dem Körper kreiße.
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- Aus dem Korsage fahren eure Hüften
- Wie Bügeleisen in den Stoff der Röcke,
- Darauf wie Bienen auf die Bienenstöcke
- Unsere Blicke kriechen aus den Lüften.
-
- Ihr jugendlichen Sonnen! Fleischern Licht!
- Wir haben den Ehrgeiz der Allegorien
- Und hübschen Dinge im Gedicht.
-
- Ich will mit eurer Bettwärme Blumen ziehn!
- Und einen kleinen Mond aus dem Urin,
- Der sternenhell aus eurem Blute bricht!
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-DIE SCHLAFENDE ERNA
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- Auf einer Ottomane aus Mohär
- Liegt sie in Seidenröcken, eine Truhe
- Voll Nacktheit, und ich denke voll Unruhe
- An dein Geheimstes -- schönes Sekretär.
-
- Die Frauen tuen Wundervolles in die Seide.
- Am Knie beginnt es. Ich will es auspellen,
- Wenn Küsse summen nach hautsüßen Stellen
- Im Bett, daß wir nicht schlafen können beide.
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- Du großes Mädchen, die noch kleinen Brüste
- Schmücken dich mir. Auf den geheimen Schmuck
- Hast du die linke weiße Hand gelegt;
-
- Ich dachte: Soll die eine, die sie trägt --
- Die schwarze Blume welken von dem Druck?
- Und nahm die Hand weg, die ich leise küßte.
-
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-SINNLICHKEIT
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- Unter dem Monde liegt des Parks Skelett.
- Der Wind schweigt weit. Doch wenn wir Schritte tun,
- Beschwatzt der Schnee an deinen Stöckelschuhn
- Der winterlichen Sterne Menuett.
-
- Und wir entkleiden uns, seufzend vor Lust,
- Und leuchten auf; du stehst mit hübschen Hüften
- Und hellen Knien im Schnee, dem sehr verblüfften,
- Wie eine schöne Bäuerin robust.
-
- Wir wittern und die Tiere imitierend
- Fliehn wir in den Alleen mit frischen Schrein.
- Um deine Flanken steigt der Schnee moussierend.
-
- Mein Blut ist fröhlicher als Feuerschein!
- So rennen wir exzentrisches Ballett
- Zum Pavillon hin durch die Tür ins Bett.
-
-
-
-
-MEINE JÜDIN
-
-
- Du junge Jüdin, braune Judith, köstliche
- Frucht der Erkenntnis, weißer Blütenfall:
- Aus Kleidern steigst du nackt, ein All ins All,
- Mit deinen Brüsten, Mythenfrau, du östliche.
-
- Steige vom Sockel, Venus, aus zerballter
- Wäsche, Jungweib! Wie Morgensonne blitzt
- Dein Bauch -- und in der Schenkel Schatten sitzt
- Wie Blüten saugend, fest, ein schwarzer Falter.
-
- Und Schwarzes fällt aus den gelösten Schleifen
- In den konkaven Nacken, wie Geruch.
- Und die zu großen, graden Zähne blecken,
-
- Als ob sie schon in Männerküssen stäken.
- Der Blick hängt glänzend über dem Versuch,
- Die Lippen über das Gebiß zu streifen.
-
-
-
-
-LIEBESMORGEN
-
-
- Aus dem roten, roten Pfühl
- Kriecht die Sonne auf die Dielen,
- Und wir blinzeln nur und schielen
- Nach uns, voller Lichtgefühl.
-
- Wie die Rosa-Pelikane,
- Einen hellen Fisch umkrallend,
- Rissen unsere Lippen lallend
- Kuß um Kuß vom weißen Zahne.
-
- Und nun, eingerauscht ins weiche
- Nachgefühl der starken Küsse,
- Liegen wir wie junge Flüsse
- Eng umsonnt in einem Teiche.
-
- Und wir lächeln gleich Verzückten;
- Lachen gibt der Garten wieder,
- Wo die jungen Mädchen Flieder,
- Volle Fäuste Flieder pflückten.
-
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-MEIN FEBRUARHERZ
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- Als trügen Frauen in den Straußenfedern
- Das junge Licht wie eine weiße Fahne,
- Gehörten alle Häuser reichen Rhedern
- Und wären Schiffe, schwimmt um die Altane
-
- Die blaue Luft! Oh, jetzt in einem Kahne
- Auf Wassern fahren, süßen Morgennebeln
- Entgegensteuern, gleich dem leisen Schwane
- Die Wellen teilend mit den schwarzen Hebeln!
-
- Geh in die Leipzigerstraße! Geh ins Freie!
- Schön ist die Wollust! Gott ein guter Junge.
- Die Dirnen sommern brünstiger als Haie!
-
- Ich habe Geld! Ich bin so schön im Schwunge.
- Sonette aus Sonne kitzeln mir die Zunge!
- In meiner Kehle sammeln sich die Schreie!
-
-
-
-
-ABENDAVENUE
-
-
- Die Straße ist von Klängen überstrahlt,
- Bewachsen von Phantasmen des Geruches,
- Und Hüften in den Hülsen blauen Tuches,
- Das aller Schritt zu Reiz zermalmt und mahlt.
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- Die Dirnen kommen, knarrend, Wollustfuder,
- Und Bürgermädchen, die mit Reizen knausern;
- Jungfräulein die, und andern, die schon mausern,
- Gleitet ein Scharlachlächeln in den Puder.
-
- Teufel! Wir werden wie die Pelikane
- -- Wenn diese Mädchen uns mit Blicken füttern,
- Gierig nach den Konturen und Profilen,
-
- Die alle kommen, einzeln, momentane,
- Und aus den fetten Rücken, aus den Müttern,
- Bisweilen leise nach uns Jungen schielen.
-
-
-
-
-TIERGARTEN
-
-
- Birken und Linden legen am Kanal
- Unausgeruhtes sanft in seinen Spiegel.
- Ins Nachtgewölbe rutscht der Mond, ein Igel,
- Der Sterne jagt und frißt den Himmel kahl.
-
- Mädchen sind da, und wir sind sehr vergnügt.
- Ich schmeiße nach dem dicken Mond mit Steinen;
- Die Betty küßt mich, und er soll nicht scheinen,
- Weil Bella schweigt und naserümpfend rügt.
-
- Die Sommerstädte liegen um den Park.
- Es wird sehr hübsch! Der Süden wandert ein!
- Die Sonne wächst! Wie nackte Männer stark
-
- Schreiten die Tage, Frühjahr in den Hüften.
- Die schwarzen Linden kommen überein,
- Morgen zu grünen in den süßen Lüften!
-
-
-
-
-MÄDCHENNACHT
-
-
- Der Mond ist warm, die Nacht ein Alkohol,
- Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,
- Und deine Nacktheit weht wie der Passat
- Trocknend ins Mark.
-
- Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.
- Mich hungert so -- ich küsse deine Lippen.
- Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,
- Wenn du nicht geil bist!
-
- -- Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen
- Kupferner Lippen, und die Körper knacken!
- Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken
- Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.
-
- Und als ich dir die weißen Knie und,
- Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,
- Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;
- Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
-
-
-
-
-GUTEN TAG -- HELLE EVA!
-
-
- Ich wollte mit dir jungem Weibe leben
- Gern wie der Sturm auf einem hellen Meer,
- Daß deine Hände sich wie Möwen heben,
- Wie Strudel leuchten deine Brüste sehr.
-
- Dein Fleisch ist Schnee, und schneereich bist du wie
- Russische Winter. Mondrot leuchtet, blond,
- Dein Haarkorb an des Nackens Horizont --
- Du nackend Weib, du weiße Therapie!
-
- Lange behielt ich deine Witterung
- Und jagte hitzig hinter Dirnenrudeln,
- Lustkrank, von Qual beweht. Doch du bliebst jung.
-
- Auf deinen Rippen kreisen weiße Strudel;
- Du bist ein Weib geworden -- puh -- fruchtbar,
- Du blanker Bauch voll Blut und krautigem Haar.
-
-
-
-
-FRIEDRICHSTRASSENKROKI 3 UHR 20 NACHTS
-
-
- Die Friedrichstraße trägt auf Stein
- Die blassen Gewässer des Lichtes.
- Die Dirnen umstehn mit Hirschgeweihn
- Die Circe meines Gesichtes.
-
- Ich schaue: -- Der Träume Phosphor rinnt
- In zwei, vier Menschenaugen neu.
- -- Wie eine Katze springt, gefleckt, der Wind
- Zwischen des Asphalts Lichterstreu
-
- Und trägt den fetten, weißen Rauch
- Im Maul den jungen Winden ins Nest.
- Er faßt die Dirnen an den Bauch
- Und klemmt die dünnen Röcke fest.
-
- -- Da sind Gesichter, lachen nett,
- Daß alle Zähne blecken müssen;
- Die Louis zeigen ihr Skelett,
- Louise läßt mich ihres küssen.
-
-
-
-
-ANDERE JÜDIN
-
-
-
-I
-
- Im Norden sind die Ebenen, da steigen
- Die Ströme zitternd in das Meer,
- Das sie verhüllt. Der Wind weht Wogen her.
- Das Wasser schweigt, und die Sternbilder schweigen.
-
- Du stiegst hinab mit deinem weißen, leisen
- Lachen sprudelnd und deiner Brüste Schaum.
- Antworte doch! Bist du noch in dem Raum,
- Wo meiner Augen Vögel schreien, kreisen?
-
-
-II
-
- Der Wind ist in den Eichen,
- Die sich nach Westen legen
- Und diesen kleinen, bleichen
- Himmel zusammenfegen;
-
- Ich atme schlecht! Ich zucke
- So an der Luft! Untätig.
- Mir ist vom steten Drucke
- Nicht mehr viel Ich vorrätig.
-
-
-
-
-IN DER WELT
-
-
- Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,
- Die wie getroffen auseinander hinken.
- Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,
- Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.
-
- Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.
- Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.
- Die Tage sterben weg, die weißen Greise.
- Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
-
-
-
-
-ADIEU MÄDCHENLACHEN!
-
-
- Sie nehmen Abschied, werden nicht vergessen
- Die Wege, die sie jetzt gehn -- Du und Ich,
- Zwei Lächeln nur, mit denen sich
- Apokalyptische Gesichte messen.
-
- O fälschte doch mein sicheres Gesicht!
- Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig,
- Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig:
- -- Mein Hirn bellt auf -- brautnackt im Ampellicht.
-
- Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein.
- Was martert, mordet nicht mein wilder Freisinn!
- O meine Mutter, weißhändige Greisin,
- Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!
-
-
-
-
-NACH DER NACHT
-
-
- Laternen, die den Regenabend führen,
- Haben die Stadt, die glänzende, verraten.
- Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem
- Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.
-
- Die Augen kriechen aus den Faltenlidern
- Und spritzen einen Blick, der dich begießt.
- Sie lachen sich das Kleid vom Bauch; du siehst
- Die Brüste -- Krötenbäuche in den Miedern.
-
- Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags.
- Der Morgen senkte sich in dein Gesicht.
- Es schlugen Uhren an, weckten das Licht.
- Doggengebell des Turmuhrstundenschlags.
-
- Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig.
- O Wanderungen im Gestein der Stadt!
- O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! --
- Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.
-
- Du schweigst. Hinter den dunklen Augen ruht
- Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene.
- Du lächelst, blickst -- und da betritt die Szene
- Die Sonne, jugendlich, im Wolkenhut.
-
-
-
-
-DAS WIEDERSEHEN
-
-
- Wie warnend leuchten schwarze Fensterscheiben.
- Mystische Telefone knacken, knacken --:
- Dastehst Du nahe mit beweinten Backen,
- Plastik aus Rauch.
- Ich drehe angstvoll mein Gesicht zum Nacken
- Und steige zitternd aus aus euren Häusern.
-
- Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein?
- Ich mache langsam Schritte in Berlin.
- Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien.
- Ich habe keinen Wunsch, einer zu sein.
-
-
-
-
-MANN UND MENSCHFRAU
-
-
- Der Park beleckt, ein grüner Katarakt,
- Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen.
- Du hast Angstaugen. Um die Fenster streifen
- Ahorne braun und indianernackt.
-
- Sturm hat die Nacht, die Negerin, gepackt.
- -- Du wirst doch diese Herzart nicht begreifen.
- Laß aus dir trinken, und ich werde reifen.
- Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.
-
- Du kriegst ein Kind. Ich werde einsam sterben
- In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter.
- Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.
-
- Orient und Eden machst du gegenwärtig.
- Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter.
- Engel -- dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.
-
-
-
-
-
-
-
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-
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@@ -2,7 +2,7 @@
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-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
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<title>The Project Gutenberg eBook of Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt</title>
<!-- TITLE="Junge Pferde! Junge Pferde!" -->
<!-- AUTHOR="Paul Boldt" -->
@@ -110,41 +110,7 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Junge Pferde! Junge Pferde!
-
-Author: Paul Boldt
-
-Release Date: July 22, 2012 [EBook #40298]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JUNGE PFERDE! JUNGE PFERDE! ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
-
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40298 ***</div>
<div class="centerpic">
<img src="images/cover.jpg" alt="" />
@@ -164,7 +130,7 @@ KURT WOLFF VERLAG &bull; LEIPZIG<br />
<p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;">
Dies Buch<br />
wurde gedruckt im Januar 1914<br />
-als elfter Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste<br />
+als elfter Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste<br />
Tag&ldquo; bei Poeschel &amp; Trepte in<br />
Leipzig
</p>
@@ -177,7 +143,7 @@ Copyright 1914 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig
<h2 class="chapter" id="ch-1">
<a id="page-3" class="pagenum" title="3"></a>
-FRÜHJAHR</h2>
+FRÜHJAHR</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die ganze Nacht durch kamen Wanderungen</p>
@@ -187,53 +153,53 @@ FRÜHJAHR</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Als wäre allem Licht ein Tor gesprungen,</p>
-<p class="line">Will es sich in die Aderbäume breiten,</p>
-<p class="line">Darin die Pulse spülen, Säfte gleiten</p>
-<p class="line">Wie Frühjahrströme durch die Niederungen.</p>
+<p class="line">Als wäre allem Licht ein Tor gesprungen,</p>
+<p class="line">Will es sich in die Aderbäume breiten,</p>
+<p class="line">Darin die Pulse spülen, Säfte gleiten</p>
+<p class="line">Wie Frühjahrströme durch die Niederungen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Mein gutes Glück, märzlich dahergetänzelt.</p>
-<p class="line">Mädchen, gut, daß du Weib bist! Diese Stunde</p>
-<p class="line">Verlangt das. Küsse mich! O unsere Munde</p>
+<p class="line">Mein gutes Glück, märzlich dahergetänzelt.</p>
+<p class="line">Mädchen, gut, daß du Weib bist! Diese Stunde</p>
+<p class="line">Verlangt das. Küsse mich! O unsere Munde</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Haben noch niemals um ihr Glück scharwenzelt.</p>
-<p class="line">Du &mdash; du &mdash; dein Haar riecht wie der frühe Wind</p>
-<p class="line">Nach weißer Sonne &mdash; Sonne &mdash; Sonne &mdash; Wind.
+<p class="line">Haben noch niemals um ihr Glück scharwenzelt.</p>
+<p class="line">Du &mdash; du &mdash; dein Haar riecht wie der frühe Wind</p>
+<p class="line">Nach weißer Sonne &mdash; Sonne &mdash; Sonne &mdash; Wind.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-2">
<a id="page-4" class="pagenum" title="4"></a>
-NÄCHTE ÜBER FINNLAND</h2>
+NÄCHTE ÜBER FINNLAND</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten,</p>
+<p class="line">Die Nadelwälder dunkeln fort im Osten,</p>
<p class="line">Und aus den Seen taucht das Nachtgespenst</p>
-<p class="line">Den gelben Kopf, von Feuerrauch gekränzt,</p>
+<p class="line">Den gelben Kopf, von Feuerrauch gekränzt,</p>
<p class="line">Den Sterngeruch der neuen Nacht zu kosten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Zu weißen Pilzen filzen Fichtenpfosten,</p>
-<p class="line">Und Ast an Ast in zartem Lichte glänzt,</p>
+<p class="line">Zu weißen Pilzen filzen Fichtenpfosten,</p>
+<p class="line">Und Ast an Ast in zartem Lichte glänzt,</p>
<p class="line">&mdash; befrorne Linien &mdash; Filigran umgrenzt,</p>
<p class="line">Zieht die Kontur aus reinen, reifen Frosten.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bis auf das alte, runde, schwarze Eis</p>
-<p class="line">Des Grundes sind die Flüsse zugefroren.</p>
-<p class="line">In Schuttmoränen glänzt der glatte Gneis</p>
+<p class="line">Des Grundes sind die Flüsse zugefroren.</p>
+<p class="line">In Schuttmoränen glänzt der glatte Gneis</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und in den leuchtenden, polierten Mooren.</p>
-<p class="line">Die Krähen schreien ewig: Tag &mdash; und Tat &mdash;</p>
-<p class="line">Nebel und Kälte fällt wie Sack und Saat.
+<p class="line">Die Krähen schreien ewig: Tag &mdash; und Tat &mdash;</p>
+<p class="line">Nebel und Kälte fällt wie Sack und Saat.
</p>
</div>
@@ -242,60 +208,60 @@ NÄCHTE ÜBER FINNLAND</h2>
WEICHSEL</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Thema: Weichsel; blutsüßes Erinnern!</p>
+<p class="line">Ein Thema: Weichsel; blutsüßes Erinnern!</p>
<p class="line">Der Strom bei Kulm verwildert in dem Bett.</p>
-<p class="line">Ein Mädchen, läuft mein Segel aufs Parkett</p>
-<p class="line">Aus Wellen, glänzend, unabsehbar, zinnern.</p>
+<p class="line">Ein Mädchen, läuft mein Segel aufs Parkett</p>
+<p class="line">Aus Wellen, glänzend, unabsehbar, zinnern.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In Obertertia. Julitage flammen,</p>
<p class="line">Bis du den Leib in helle Wellen scharrst.</p>
-<p class="line">Die Otter floh; mein weißes Lachen barst</p>
+<p class="line">Die Otter floh; mein weißes Lachen barst</p>
<p class="line">Zwischen den Weiden, wo die Strudel schwammen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Russische Flöße in den Abend ragend.</p>
+<p class="line">Russische Flöße in den Abend ragend.</p>
<p class="line">Die fremden Weiber, die am Feuer sitzen,</p>
<p class="line">Bewirten mich: Schnaps und gestohlener Speck.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wir ankern und die Alten bleiben weg.</p>
-<p class="line">Die Völlerei. Aus grausamen Antlitzen</p>
+<p class="line">Die Völlerei. Aus grausamen Antlitzen</p>
<p class="line">Blitzt unser Blick, ins Weiberlachen schlagend.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-4">
<a id="page-6" class="pagenum" title="6"></a>
-NÄCHTIGE SEEFAHRT</h2>
+NÄCHTIGE SEEFAHRT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend</p>
-<p class="line">Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend.</p>
-<p class="line">Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend,</p>
-<p class="line">Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.</p>
+<p class="line">Die Winde sind von einem Möwen-Dutzend</p>
+<p class="line">Geschwänzt und schlagen durch die Luft, dumpf, pfeifend.</p>
+<p class="line">Und hart herrollend, seltsam vorwärtsgreifend,</p>
+<p class="line">Zerbraust das Meer, der Riffe Rücken putzend.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Es klatscht das Segel, patscht das Ruderblatt.</p>
<p class="line">Die gleichen Wogen streifen, weichen vorn</p>
-<p class="line">Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn</p>
-<p class="line">Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.</p>
+<p class="line">Und fallen hinten, wo der Möwen Zorn</p>
+<p class="line">Sie schmäht, matt, hingemäht, ins glatte Schwad.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Dann steift der Wind. Er gibt die Brise doppelt</p>
-<p class="line">Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler,</p>
+<p class="line">Und schmeißt die hellen Wasserhaufen steiler,</p>
<p class="line">Wie ein Pikeur die Meute noch gekoppelt</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler</p>
-<p class="line">Stockt, steht, stößt einmal in die Runde</p>
-<p class="line">Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.
+<p class="line">Voll Gier losläßt; allein der starke Keiler</p>
+<p class="line">Stockt, steht, stößt einmal in die Runde</p>
+<p class="line">Entblößter Zahnreihn und zerfetzt die Hunde.
</p>
</div>
@@ -306,27 +272,27 @@ FRIEDRICHSTRASSENDIRNEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Sie liegen immer in den Nebengassen,</p>
<p class="line">Wie Fischerschuten gleich und gleich getakelt,</p>
-<p class="line">Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt,</p>
-<p class="line">Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.</p>
+<p class="line">Vom Blick befühlt und kennerisch bemakelt,</p>
+<p class="line">Indes sie sich wie Schwäne schwimmen lassen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Im Strom der Menge, auf des Fisches Route.</p>
-<p class="line">Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug&rsquo; spürt Tortur,</p>
-<p class="line">Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur</p>
+<p class="line">Ein Glatzkopf äugt, ein Rotaug&rsquo; spürt Tortur,</p>
+<p class="line">Da schießt ein Grünling vor, hängt an der Schnur</p>
<p class="line">Und schnellt an Deck einer bemalten Schute,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Gespannt von Wollust wie ein Projektil!</p>
-<p class="line">Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide,</p>
-<p class="line">Gleich groben Küchenfrauen ohne viel</p>
+<p class="line">Die reißen sie aus ihm wie Eingeweide,</p>
+<p class="line">Gleich groben Küchenfrauen ohne viel</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder</p>
+<p class="line">Von Sentiment. Dann rüsten sie schon wieder</p>
<p class="line">Den neuen Fang. Sie schnallen sich in Seide</p>
-<p class="line">Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.
+<p class="line">Und steigen ernst mit ihrem Lächeln nieder.
</p>
</div>
@@ -336,68 +302,68 @@ MITTAGS</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Jetzt ruht der Tag am Himmel wie ein Krake,</p>
-<p class="line">Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.</p>
-<p class="line">Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,</p>
+<p class="line">Des blasses Maul die Wälder überschwemmt.</p>
+<p class="line">Laubbäume zittern in dem Sonnenhemd,</p>
<p class="line">Als ob der Park von hellen Flammen blake.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die schwere Mühle rudert strahlumwellt</p>
-<p class="line">In glattem Takt, daß sie den Abend hebe;</p>
-<p class="line">Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,</p>
-<p class="line">Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.</p>
+<p class="line">Die schwere Mühle rudert strahlumwellt</p>
+<p class="line">In glattem Takt, daß sie den Abend hebe;</p>
+<p class="line">Noch hält der leuchtende Kristall die Schwebe,</p>
+<p class="line">Der Azur aus dem leichten Lichte fällt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Orangewolken mit zitterndem Bauch,</p>
-<p class="line">Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.</p>
-<p class="line">Libellen flügeln, Falter, und verschollen</p>
+<p class="line">Die nachts den Flächenblitz gebären sollen.</p>
+<p class="line">Libellen flügeln, Falter, und verschollen</p>
<p class="line">Summen die Bienen in dem Bohnenstrauch.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In deinen Adern glüht des Heliotrops</p>
-<p class="line">Arom, gekühlt von süßerem Jasmin,</p>
+<p class="line">In deinen Adern glüht des Heliotrops</p>
+<p class="line">Arom, gekühlt von süßerem Jasmin,</p>
<p class="line">Und durch die Nerven klingen Phantasien,</p>
-<p class="line">Bizarre Phantasien Félicien Rops&rsquo;.</p>
+<p class="line">Bizarre Phantasien Félicien Rops&rsquo;.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Walde schlägt der Keiler durstgequält</p>
-<p class="line">Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer.</p>
-<p class="line">Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,</p>
-<p class="line">In dem der Nacht erstickter Atem schwält.
+<p class="line">Im Walde schlägt der Keiler durstgequält</p>
+<p class="line">Die hellen Zähne in das Holz der Kiefer.</p>
+<p class="line">Die tote Schonung raucht wie heißer Schiefer,</p>
+<p class="line">In dem der Nacht erstickter Atem schwält.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-7">
<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-NACHT FÜR NACHT</h2>
+NACHT FÜR NACHT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Wie helle Raupen kriechen die Chausseen</p>
-<p class="line">Aus Wäldern über Berge in die Tale.</p>
-<p class="line">Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,</p>
-<p class="line">Still in der Abendröte blanken Seen.</p>
+<p class="line">Aus Wäldern über Berge in die Tale.</p>
+<p class="line">Gestrandet liegen Wolken, groß wie Wale,</p>
+<p class="line">Still in der Abendröte blanken Seen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,</p>
+<p class="line">Der Tag versiegt. Bis ihn die Frühen speisen,</p>
<p class="line">Quillt schwarze Nacht aus allen Himmelsbronnen.</p>
<p class="line">Die Sterne scheinen, kleine, ferne Sonnen.</p>
-<p class="line">Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.</p>
+<p class="line">Der Teich im Hofe glänzt wie dunkles Eisen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,</p>
-<p class="line">Hell über jedem Garten. Und wie Gaze</p>
-<p class="line">Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.</p>
+<p class="line">Der Mond steht, wie ein Junge in der Pfütze,</p>
+<p class="line">Hell über jedem Garten. Und wie Gaze</p>
+<p class="line">Schimmert der Wald, des Berges blaue Mütze.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aus einer Kleinstadt ragt des Kirchturms Vase</p>
-<p class="line">Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. &mdash;</p>
-<p class="line">Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.
+<p class="line">Verschnörkelt aus der Giebeldächer Nippes. &mdash;</p>
+<p class="line">Schlaf hält die Menschen fest, steif, wie in Gips.
</p>
</div>
@@ -406,10 +372,10 @@ NACHT FÜR NACHT</h2>
RINDER</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Verblichnes Grün der Weide deckt</p>
-<p class="line">Das Weiß und Schwarz der Herde.</p>
+<p class="line">Verblichnes Grün der Weide deckt</p>
+<p class="line">Das Weiß und Schwarz der Herde.</p>
<p class="line">Silhouetten, da und dort gesteckt,</p>
-<p class="line">Die Köpfe auf der Erde.</p>
+<p class="line">Die Köpfe auf der Erde.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -421,16 +387,16 @@ RINDER</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Unten geht ein fleischern Meer</p>
-<p class="line">Im grünen Klee spazieren.</p>
-<p class="line">Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière,</p>
+<p class="line">Im grünen Klee spazieren.</p>
+<p class="line">Vom Hund umbellt. Zurück. Carrière,</p>
<p class="line">Humpeln von alten Tieren.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Grase lagert sich das Blöken.</p>
+<p class="line">Im Grase lagert sich das Blöken.</p>
<p class="line">Dumm scharrt des Stieres Huf.</p>
-<p class="line">Die Kälber jagen an den Pflöcken &mdash;</p>
-<p class="line">Melkmägde schallen voller Ruf.
+<p class="line">Die Kälber jagen an den Pflöcken &mdash;</p>
+<p class="line">Melkmägde schallen voller Ruf.
</p>
</div>
@@ -441,27 +407,27 @@ NORDWIND IM SOMMER</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Vom Meere duftend fliegt der Wind ins Land.</p>
<p class="line">Die dunklen Parke flattern in der Brise.</p>
-<p class="line">Kleehügel blühen vor dem Duft der Wiese;</p>
+<p class="line">Kleehügel blühen vor dem Duft der Wiese;</p>
<p class="line">Der Himmel steht, sich selber unbekannt,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren,</p>
+<p class="line">Ein weißer Fischer in den Roggenmeeren,</p>
<p class="line">Wo Taubenflug aufspritzt, ein Wasserstrahl,</p>
<p class="line">Wo Wolkenschatten rinnen in das Tal,</p>
-<p class="line">Fliegende Fische sind &mdash; die Roggenähren.</p>
+<p class="line">Fliegende Fische sind &mdash; die Roggenähren.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite,</p>
+<p class="line">Der Weißklee schmeißt den Junitag zur Seite,</p>
<p class="line">Und manchmal fliegen Reiher um den stummen,</p>
<p class="line">Fischlosen See, auf dem die Bienen summen,</p>
-<p class="line">Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.</p>
+<p class="line">Und nehmen zögernd ihren Flug ins Weite.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich galoppiere vor dem Sonnenschein,</p>
-<p class="line">Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden,</p>
+<p class="line">Auf weißem Pferde flatternd, Wind geworden,</p>
<p class="line">Und Sonnenfetzen um den Hals, nach Norden.</p>
<p class="line">Ich werde mittags an dem Meere sein.
</p>
@@ -472,10 +438,10 @@ NORDWIND IM SOMMER</h2>
DER TURMSTEIGER</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff,</p>
+<p class="line">Er fühlte plötzlich, daß es nach ihm griff,</p>
<p class="line">&mdash; Die Erde war es und der Himmel oben,</p>
<p class="line">An dem die Dohlen hingen und die Winde hoben &mdash;</p>
-<p class="line">Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.</p>
+<p class="line">Und fühlte, wie es ihn nun auch umpfiff.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -487,14 +453,14 @@ DER TURMSTEIGER</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Wasserspeier sprang ihn an und bellte.</p>
-<p class="line">Er zitterte und faßte die Fiale,</p>
+<p class="line">Er zitterte und faßte die Fiale,</p>
<p class="line">Die knarrend brach; &mdash; versteinert aber schnellte</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Teufel Witze auf die Kathedrale; &mdash;</p>
-<p class="line">Er hörte hin &mdash; ein höllisches Finale:</p>
-<p class="line">Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.
+<p class="line">Er hörte hin &mdash; ein höllisches Finale:</p>
+<p class="line">Er stürzte, fiel! Sein Schrei trieb hoch und gellte.
</p>
</div>
@@ -504,15 +470,15 @@ DIE SINTFLUT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die Wolken wachsen aus den Horizonten</p>
-<p class="line">Und trinken Himmel mit den Regenhälsen.</p>
-<p class="line">Die Menschen bissen auf den höchsten Felsen</p>
-<p class="line">In weiße Stirnen, die nicht denken konnten,</p>
+<p class="line">Und trinken Himmel mit den Regenhälsen.</p>
+<p class="line">Die Menschen bissen auf den höchsten Felsen</p>
+<p class="line">In weiße Stirnen, die nicht denken konnten,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Daß Läuse aus dem Meer, die See, krochen.</p>
+<p class="line">Daß Läuse aus dem Meer, die See, krochen.</p>
<p class="line">Im Abendsturm ertranken lange Pappeln. &mdash;</p>
-<p class="line">Sie hörten auf der Nacht die Sterne trappeln,</p>
+<p class="line">Sie hörten auf der Nacht die Sterne trappeln,</p>
<p class="line">Die in dem All den warmen Erdrauch rochen.</p>
</div>
@@ -524,7 +490,7 @@ DIE SINTFLUT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die Sterne standen, von Begierde blasser,</p>
-<p class="line">Mit dünnem Atem an des Ostens Kap.</p>
+<p class="line">Mit dünnem Atem an des Ostens Kap.</p>
<p class="line">Ein Stern sprang nach der Erde, sprang zu kurz.
</p>
</div>
@@ -535,82 +501,82 @@ CAPRICCIO</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Entlaubte Parke liegen treu wie Doggen</p>
-<p class="line">Hinter den Herrenhäusern, um zu wachen.</p>
-<p class="line">Schneestürme weiden, eine Herde Bachen.</p>
+<p class="line">Hinter den Herrenhäusern, um zu wachen.</p>
+<p class="line">Schneestürme weiden, eine Herde Bachen.</p>
<p class="line">Oft sind die Rehe auf dem jungen Roggen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und eine Wolke droht den Mond zu schänden.</p>
-<p class="line">Die Nacht hockt auf dem Park, der stärker rauscht.</p>
+<p class="line">Und eine Wolke droht den Mond zu schänden.</p>
+<p class="line">Die Nacht hockt auf dem Park, der stärker rauscht.</p>
<p class="line">Zwei alte Tannen winken, aufgebauscht,</p>
-<p class="line">Geheimnisvoll mit den harzigen Händen.</p>
+<p class="line">Geheimnisvoll mit den harzigen Händen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Toten sitzen in den nassen Nischen.</p>
-<p class="line">Auf einem Kirchenschlüssel bläst der eine,</p>
-<p class="line">Und alle lauschen, überkreuzte Beine,</p>
-<p class="line">Die Knochenhände eingeklemmt dazwischen.</p>
+<p class="line">Auf einem Kirchenschlüssel bläst der eine,</p>
+<p class="line">Und alle lauschen, überkreuzte Beine,</p>
+<p class="line">Die Knochenhände eingeklemmt dazwischen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Am großen, kalten Winterhimmel drohn</p>
-<p class="line">Vier Wolken, welche Pferdeschädeln gleichen.</p>
+<p class="line">Am großen, kalten Winterhimmel drohn</p>
+<p class="line">Vier Wolken, welche Pferdeschädeln gleichen.</p>
<p class="line">Der Winde Brut pfeift in den hellen Eichen,</p>
<p class="line">Daraus der gelbe Geier Mond geflohn.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der Tod im Garten tritt jetzt aus dem Schatten</p>
-<p class="line">Der Tannen. Rasch. Das Schneelicht spritzt und glänzt.</p>
+<p class="line">Der Tannen. Rasch. Das Schneelicht spritzt und glänzt.</p>
<p class="line">Der Schrecken flattert breit um das Gespenst,</p>
<p class="line">Das seinen Weg nimmt quer durch die Rabatten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Zum Schloß. &mdash; Dort ruft man: &bdquo;Prosit Neujahr! Prost!&ldquo;</p>
-<p class="line">Zu zwölfen sind sie, der Apostel Schar,</p>
+<p class="line">Zum Schloß. &mdash; Dort ruft man: &bdquo;Prosit Neujahr! Prost!&ldquo;</p>
+<p class="line">Zu zwölfen sind sie, der Apostel Schar,</p>
<p class="line">Und mit Champagner taufen sie das Jahr,</p>
-<p class="line">Umstellt vom Sturm, der auf den Dächern tost.
+<p class="line">Umstellt vom Sturm, der auf den Dächern tost.
</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">
<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch.</p>
+Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch.</p>
<p class="line">Der Hitze Salven krachen vom Kamin.</p>
<p class="line">Geruch der Weiber &mdash; Trimethylamin,</p>
-<p class="line">Die Bäuche schwitzen in der großen Brunst.</p>
+<p class="line">Die Bäuche schwitzen in der großen Brunst.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Jetzt stehn sie auf. Das Stühlerücken schurrt.</p>
+<p class="line">Jetzt stehn sie auf. Das Stühlerücken schurrt.</p>
<p class="line">Der Tod im Flur ist nicht gewohnt die Speisen.</p>
<p class="line">Er hebt den Kopf gegen das kalte Eisen</p>
-<p class="line">Der Schlüsseltülle, schnuppert gierig, knurrt.</p>
+<p class="line">Der Schlüsseltülle, schnuppert gierig, knurrt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Kommt jemand? Still. Er hupft unter die Treppe.</p>
-<p class="line">An einem Fräulein zerrt ein Kavalier.</p>
+<p class="line">An einem Fräulein zerrt ein Kavalier.</p>
<p class="line">Der Tod schleicht hinterher, ein fletschend Tier</p>
-<p class="line">Aus Mond; das trägt der Dame Schleppe.</p>
+<p class="line">Aus Mond; das trägt der Dame Schleppe.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Sie kommen an die Gruft &mdash;: &bdquo;Hier sind wir sicher!&ldquo;</p>
-<p class="line">&mdash; &bdquo;Ich fürchte mich, oh, sind die Bäume groß!&ldquo;</p>
-<p class="line">Der Tod schupst sie &mdash; kein Schrei, sie quieken bloß &mdash;</p>
-<p class="line">Und läuft hinweg mit heftigem Gekicher. &mdash; &mdash;</p>
+<p class="line">&mdash; &bdquo;Ich fürchte mich, oh, sind die Bäume groß!&ldquo;</p>
+<p class="line">Der Tod schupst sie &mdash; kein Schrei, sie quieken bloß &mdash;</p>
+<p class="line">Und läuft hinweg mit heftigem Gekicher. &mdash; &mdash;</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Es dämmert endlich. Mit Blutaugen stiert</p>
-<p class="line">Der Morgen hin. Im Saal zappelt ein Märchen.</p>
-<p class="line">Der Tod wühlt in den fetten, welken Pärchen,</p>
-<p class="line">Frißt sie wie Trüffeln, die ein Schwein aufspürt.
+<p class="line">Es dämmert endlich. Mit Blutaugen stiert</p>
+<p class="line">Der Morgen hin. Im Saal zappelt ein Märchen.</p>
+<p class="line">Der Tod wühlt in den fetten, welken Pärchen,</p>
+<p class="line">Frißt sie wie Trüffeln, die ein Schwein aufspürt.
</p>
</div>
@@ -619,28 +585,28 @@ Armleuchter flacken. Dampf von heißem Punsch.</p>
IMPRESSION DU SOIR</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Des Abends schwarze Wolkenvögel flogen</p>
-<p class="line">Im Osten auf vom Fluß der Horizonte.</p>
-<p class="line">Gärten vertropft in Nacht, die, als es sonnte,</p>
-<p class="line">Wie See grünten und den Wind einsogen.</p>
+<p class="line">Des Abends schwarze Wolkenvögel flogen</p>
+<p class="line">Im Osten auf vom Fluß der Horizonte.</p>
+<p class="line">Gärten vertropft in Nacht, die, als es sonnte,</p>
+<p class="line">Wie See grünten und den Wind einsogen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Einsame Pappeln pressen ihre Schreie</p>
-<p class="line">Angst vor den Stürmen in die blonde Stille.</p>
+<p class="line">Angst vor den Stürmen in die blonde Stille.</p>
<p class="line">Schon saugen schwarze Munde Atem. &mdash; Schrille</p>
<p class="line">Fabrikenpfiffe. Menschen ziehn ins Freie.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein rotes Mohnfeld mit den schwarzen Köpfen,</p>
+<p class="line">Ein rotes Mohnfeld mit den schwarzen Köpfen,</p>
<p class="line">Ragen die Schlote, einsam, krank und kahl.</p>
-<p class="line">Die Wolkenvögel, Eiter an den Kröpfen,</p>
+<p class="line">Die Wolkenvögel, Eiter an den Kröpfen,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie Pelikane flattern sie zum Mahl.</p>
-<p class="line">Und als die Horizonte Dunkel schöpfen,</p>
+<p class="line">Und als die Horizonte Dunkel schöpfen,</p>
<p class="line">Wirft sich der Blitz heraus, der blanke Aal.
</p>
</div>
@@ -650,38 +616,38 @@ IMPRESSION DU SOIR</h2>
BERLIN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Stimmen der Autos wie Jägersignale</p>
-<p class="line">Die Täler der Straße bewaldend ziehn.</p>
-<p class="line">Schüsse von Licht. Mit einem Male</p>
+<p class="line">Die Stimmen der Autos wie Jägersignale</p>
+<p class="line">Die Täler der Straße bewaldend ziehn.</p>
+<p class="line">Schüsse von Licht. Mit einem Male</p>
<p class="line">Brennen die Himmel auf Berlin.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Spree, ein Antlitz wie der Tag,</p>
-<p class="line">Das glänzend meerwärts späht nach Rettern,</p>
-<p class="line">Behält der wilden Stadt Geschmack,</p>
-<p class="line">Auf der die Züge krächzend klettern.</p>
+<p class="line">Das glänzend meerwärts späht nach Rettern,</p>
+<p class="line">Behält der wilden Stadt Geschmack,</p>
+<p class="line">Auf der die Züge krächzend klettern.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die blaue Nacht fließt in der Forst.</p>
-<p class="line">Sie fühlt, geblendet, daß du lebst.</p>
-<p class="line">Schnellzüge steigen aus dem Horst!</p>
-<p class="line">Der weiße Abend, den du webst,</p>
+<p class="line">Die blaue Nacht fließt in der Forst.</p>
+<p class="line">Sie fühlt, geblendet, daß du lebst.</p>
+<p class="line">Schnellzüge steigen aus dem Horst!</p>
+<p class="line">Der weiße Abend, den du webst,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Fühlt, blüht, verblättert in das All.</p>
-<p class="line">Ein Menschenhände-Fangen treibst du</p>
+<p class="line">Fühlt, blüht, verblättert in das All.</p>
+<p class="line">Ein Menschenhände-Fangen treibst du</p>
<p class="line">Um den verklungnen Erdenball</p>
<p class="line">Wie hartes Licht; und also bleibst du.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wer weiß, in welche Welten dein</p>
+<p class="line">Wer weiß, in welche Welten dein</p>
<p class="line">Erstarktes Sternenauge schien,</p>
-<p class="line">Stahlmasterblühte Stadt aus Stein,</p>
-<p class="line">Der Erde weiße Blume, Berlin.
+<p class="line">Stahlmasterblühte Stadt aus Stein,</p>
+<p class="line">Der Erde weiße Blume, Berlin.
</p>
</div>
@@ -692,58 +658,58 @@ DER SCHNELLZUG</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Es sprang am Walde auf in panischem Schrecke,</p>
<p class="line">Die gelben Augen in die Nacht geschlagen. &mdash;</p>
-<p class="line">Die Weiche lärmt vom Hammerschlag der Wagen</p>
-<p class="line">Voll blanken Lärms, indes sie fern schon jagen</p>
+<p class="line">Die Weiche lärmt vom Hammerschlag der Wagen</p>
+<p class="line">Voll blanken Lärms, indes sie fern schon jagen</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Im blinden Walde lauert an der Strecke</p>
<p class="line">Die Kurve wach. Es schwanken die Verdecke.</p>
<p class="line">Wie Schneesturm rennt der D-Zug durch die Ecke,</p>
-<p class="line">Und tänzelnd wiegen sich die schweren Wagen.</p>
+<p class="line">Und tänzelnd wiegen sich die schweren Wagen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Nebel liegt, ein Lava, auf den Städten</p>
-<p class="line">Und färbt den Herbsttag grün. Auf weiter Reise</p>
-<p class="line">Wandert der Zug entlang den Kupferdrähten.</p>
+<p class="line">Der Nebel liegt, ein Lava, auf den Städten</p>
+<p class="line">Und färbt den Herbsttag grün. Auf weiter Reise</p>
+<p class="line">Wandert der Zug entlang den Kupferdrähten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Führer fühlt den Schlag der Triebradkreise</p>
+<p class="line">Der Führer fühlt den Schlag der Triebradkreise</p>
<p class="line">Hinter dem Sternenkopfe des Kometen,</p>
-<p class="line">Der zischend hinfällt über das Geleise.
+<p class="line">Der zischend hinfällt über das Geleise.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-16">
<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-HERBSTGEFÜHL</h2>
+HERBSTGEFÜHL</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Der große, abendrote Sonnenball</p>
+<p class="line">Der große, abendrote Sonnenball</p>
<p class="line">Rutscht in den Sumpf, des Stromes schwarzen Eiter,</p>
-<p class="line">Den Nebel leckt. Schon fließt die Schwäre breiter,</p>
-<p class="line">Und trübe Wasser schwimmen in das Tal.</p>
+<p class="line">Den Nebel leckt. Schon fließt die Schwäre breiter,</p>
+<p class="line">Und trübe Wasser schwimmen in das Tal.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ins finstre Laub der Eichen sinken Vögel,</p>
-<p class="line">Aasvögel mit den Scharlachflügeldecken,</p>
-<p class="line">Die ihre Fänge durch die Kronen strecken,</p>
-<p class="line">Und Schreien, Geierpfiff, fällt von der Höhe.</p>
+<p class="line">Ins finstre Laub der Eichen sinken Vögel,</p>
+<p class="line">Aasvögel mit den Scharlachflügeldecken,</p>
+<p class="line">Die ihre Fänge durch die Kronen strecken,</p>
+<p class="line">Und Schreien, Geierpfiff, fällt von der Höhe.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ach, alle Wolken brocken Dämmerung!</p>
-<p class="line">Man kann den Schrei des kranken Sees hören</p>
-<p class="line">Unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung.</p>
+<p class="line">Ach, alle Wolken brocken Dämmerung!</p>
+<p class="line">Man kann den Schrei des kranken Sees hören</p>
+<p class="line">Unter der Vögel Schlag und gelbem Sprung.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wie Schuß, wie Hussah in den schwarzen Föhren</p>
+<p class="line">Wie Schuß, wie Hussah in den schwarzen Föhren</p>
<p class="line">Ist alle Farbe! Von dem Fiebertrunk</p>
-<p class="line">Glänzen die Augen, die dem Tod gehören.
+<p class="line">Glänzen die Augen, die dem Tod gehören.
</p>
</div>
@@ -754,27 +720,27 @@ PROSERPINA</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Einsamer Pluto trage ich im Blute</p>
<p class="line">Proserpina, nackend, mit blonden Haaren.</p>
-<p class="line">Unauslöschbar. Ich will mich mit ihr paaren,</p>
+<p class="line">Unauslöschbar. Ich will mich mit ihr paaren,</p>
<p class="line">Die ich in allem hellen Weib vermute.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ich bin von ihren Armen lichtgefleckt</p>
-<p class="line">Im Rücken! Ihre Knie sind nervös,</p>
-<p class="line">Die Schenkel weiß, fleischsträhnig, ein Erlös</p>
-<p class="line">Des weißen Tages, der die Erde deckt.</p>
+<p class="line">Im Rücken! Ihre Knie sind nervös,</p>
+<p class="line">Die Schenkel weiß, fleischsträhnig, ein Erlös</p>
+<p class="line">Des weißen Tages, der die Erde deckt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In ihrem Haar bleibt etwas vom Verwehten</p>
<p class="line">Des warmen Bluts. Ich liebe den Geruch!</p>
-<p class="line">Und nur die Zähne haben zuviel Fades</p>
+<p class="line">Und nur die Zähne haben zuviel Fades</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wie Schulmädchen, sooft sie in den Bruch,</p>
+<p class="line">Wie Schulmädchen, sooft sie in den Bruch,</p>
<p class="line">Den Brunnen ihres Frauenmundes treten,</p>
-<p class="line">Der meine Brünste tränkt &mdash; Herden des Hades.
+<p class="line">Der meine Brünste tränkt &mdash; Herden des Hades.
</p>
</div>
@@ -785,26 +751,26 @@ DER DENKER</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Nachmittag wird, und Wetter steigen schwarz</p>
<p class="line">Herauf. Des Blitzes Ferse leuchtet im</p>
-<p class="line">Gewölk. Auf das Gebirge beißt voll Grimm</p>
+<p class="line">Gewölk. Auf das Gebirge beißt voll Grimm</p>
<p class="line">Der Donner, und Regen speien aus den Quarz.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Den Fuß den Felsgesteinen eingestemmt,</p>
+<p class="line">Den Fuß den Felsgesteinen eingestemmt,</p>
<p class="line">Die Augen abgewandt, als horche er,</p>
-<p class="line">So kommt er durch die Schründe, weglos, quer.</p>
-<p class="line">Zum weißen Urherrn in der Blitze Hemd.</p>
+<p class="line">So kommt er durch die Schründe, weglos, quer.</p>
+<p class="line">Zum weißen Urherrn in der Blitze Hemd.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der Abgrund saugt Milliarden Zentner Himmel</p>
-<p class="line">In sich hinein. Der Weiße oben bleckt,</p>
-<p class="line">Zu dem er steigt. Durch Gletscher grün von Schimmel,</p>
+<p class="line">In sich hinein. Der Weiße oben bleckt,</p>
+<p class="line">Zu dem er steigt. Durch Gletscher grün von Schimmel,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Des Riesen Bart, der von den Föhnen leckt.</p>
-<p class="line">Und schon reißt weit der Horizont entzwei, &mdash;</p>
+<p class="line">Des Riesen Bart, der von den Föhnen leckt.</p>
+<p class="line">Und schon reißt weit der Horizont entzwei, &mdash;</p>
<p class="line">Blank, eben, schwangleich rauscht ins All ein Schrei.
</p>
</div>
@@ -821,9 +787,9 @@ NOVEMBERABEND</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In Wolken gleich verkohlten Stämmen</p>
+<p class="line">In Wolken gleich verkohlten Stämmen</p>
<p class="line">Riecht man die tote Sonne noch;</p>
-<p class="line">Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen &mdash;</p>
+<p class="line">Dann das Einatmen, Drängen, Dämmen &mdash;</p>
<p class="line">Einsamkeiten kommen hoch.
</p>
</div>
@@ -834,8 +800,8 @@ VORMORGENS</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Schneeflocken klettern an den Fensterscheiben,</p>
-<p class="line">Auf meinem Schreibtisch schläft der Lampenschein,</p>
-<p class="line">Und hingestreute Bogen, weiß und rein,</p>
+<p class="line">Auf meinem Schreibtisch schläft der Lampenschein,</p>
+<p class="line">Und hingestreute Bogen, weiß und rein,</p>
<p class="line">Ich wollte wohl etwas von Versen schreiben.</p>
</div>
@@ -843,14 +809,14 @@ VORMORGENS</h2>
<p class="line">Der Tag ist nah. Die Jalousien schurr&rsquo;n,</p>
<p class="line">Die letzten Sterne torkeln von den Posten.</p>
<p class="line">Der Tag ist nah, den unbesternten Osten</p>
-<p class="line">Bevölkern Morgenwinde schon purpurn.</p>
+<p class="line">Bevölkern Morgenwinde schon purpurn.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und mich bewachsen Abende, beschatten</p>
<p class="line">Die Jahre! O ich dunkle ein.</p>
<p class="line">Das Gas singt in den Gassen Litanein,</p>
-<p class="line">Daß meine Augen so sehr früh ermatten.
+<p class="line">Daß meine Augen so sehr früh ermatten.
</p>
</div>
@@ -859,16 +825,16 @@ VORMORGENS</h2>
DIE DIRNE</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Zähne standen unbeteiligt, kühl</p>
-<p class="line">Gleich Fischen an den heißen Sommertagen.</p>
+<p class="line">Die Zähne standen unbeteiligt, kühl</p>
+<p class="line">Gleich Fischen an den heißen Sommertagen.</p>
<p class="line">Sie hatte sie in sein Gesicht geschlagen</p>
-<p class="line">Und trank es &mdash; trank &mdash; entschlossen dies Gefühl</p>
+<p class="line">Und trank es &mdash; trank &mdash; entschlossen dies Gefühl</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In sich zu halten, denn sie ward ein wenig</p>
-<p class="line">Wie früher Mädchen und erlitt Verführung;</p>
-<p class="line">Er aber spürte bloß Berührung,</p>
+<p class="line">Wie früher Mädchen und erlitt Verführung;</p>
+<p class="line">Er aber spürte bloß Berührung,</p>
<p class="line">Den Mund wie einen Muskel, mager, sehnig.</p>
</div>
@@ -891,28 +857,28 @@ DIE LIEBESFRAU</h2>
<div class="poem">
<p class="line">&mdash; Nackt. Ich bin es nicht gewohnt.</p>
-<p class="line">Du wirst so groß und so weiß</p>
+<p class="line">Du wirst so groß und so weiß</p>
<p class="line">Geliebte. Glitzernd wie Mond,</p>
<p class="line">Wie der Mond im Mai.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du bist zweibrüstig,</p>
+<p class="line">Du bist zweibrüstig,</p>
<p class="line">Behaart und muskelblank.</p>
-<p class="line">So hüftenrüstig</p>
-<p class="line">Und tänzerinnenschwank.</p>
+<p class="line">So hüftenrüstig</p>
+<p class="line">Und tänzerinnenschwank.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Gib dich her! Draußen fallen</p>
+<p class="line">Gib dich her! Draußen fallen</p>
<p class="line">Die Regen. Die Fenster sind leer,</p>
<p class="line">Verbergen uns .&nbsp;.&nbsp;. &mdash; allen, allen! &mdash;</p>
<p class="line">Wieviel wiegt dein Haar. Es ist sehr schwer.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt</p>
-<p class="line">Küsse du mich mit deinen Lippen!</p>
+<p class="line">&mdash; Wo sind deine Küsse? Meine Kehle ist gegallt</p>
+<p class="line">Küsse du mich mit deinen Lippen!</p>
<p class="line">&mdash; Frierst du? &mdash; &mdash; &mdash; Du bist so kalt</p>
<p class="line">Und tot in deinen hellen Rippen.</p>
<p class="line">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
@@ -924,29 +890,29 @@ DIE LIEBESFRAU</h2>
DAS GESPENST</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Wie weiß der Sommer ist! Wie Menschenlachen,</p>
+<p class="line">Wie weiß der Sommer ist! Wie Menschenlachen,</p>
<p class="line">Das alle Tage in der Stadt verschwenden.</p>
-<p class="line">Häuserspaliere wachsen hoch zu Wänden</p>
+<p class="line">Häuserspaliere wachsen hoch zu Wänden</p>
<p class="line">Und Wolkenfelsen, die mich kleiner machen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In tausend Straßen liege ich begraben.</p>
+<p class="line">In tausend Straßen liege ich begraben.</p>
<p class="line">Ich folge dir stets ohne mich zu wenden.</p>
-<p class="line">O hielte ich dein Antlitz in den Händen,</p>
+<p class="line">O hielte ich dein Antlitz in den Händen,</p>
<p class="line">Das meine kranke Augen vor sich haben.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich küßte es. Es küßte mich im Bette &mdash;:</p>
-<p class="line">&mdash; Versprich, daß du mich morgen nicht mehr kennst!</p>
+<p class="line">Ich küßte es. Es küßte mich im Bette &mdash;:</p>
+<p class="line">&mdash; Versprich, daß du mich morgen nicht mehr kennst!</p>
<p class="line">&mdash; Bist du nachts fleischern und ein Taggespenst?</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">&mdash; Du locktest es ins Netz deiner Sonette.</p>
<p class="line">&mdash; Junger Polyp, dein Mund ist eine Klette.</p>
-<p class="line">&mdash; Er wird dich beißen, wenn du ihn so nennst.</p>
+<p class="line">&mdash; Er wird dich beißen, wenn du ihn so nennst.</p>
<p class="line">&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
</p>
</div>
@@ -957,22 +923,22 @@ BERLINER ABEND</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Spukhaftes Wandeln ohne Existenz!</p>
-<p class="line">Der Asphalt dunkelt und das Gas schmeißt sein</p>
+<p class="line">Der Asphalt dunkelt und das Gas schmeißt sein</p>
<p class="line">Licht auf ihn. Aus Asphalt und Licht wird Elfenbein.</p>
-<p class="line">Die Straßen horchen so. Riechen nach Lenz.</p>
+<p class="line">Die Straßen horchen so. Riechen nach Lenz.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Autos, eine Herde von Blitzen, schrein</p>
-<p class="line">Und suchen einander in den Straßen.</p>
+<p class="line">Und suchen einander in den Straßen.</p>
<p class="line">Lichter wie Fahnen, helle Menschenmassen:</p>
-<p class="line">Die Stadtbahnzüge ziehen ein.</p>
+<p class="line">Die Stadtbahnzüge ziehen ein.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und sehr weit blitzt Berlin. Schon hat der Ost,</p>
-<p class="line">Der weiße Wind, in den Zähnen den Frost,</p>
-<p class="line">Sein funkelnd Maul über die Stadt gedreht,</p>
+<p class="line">Der weiße Wind, in den Zähnen den Frost,</p>
+<p class="line">Sein funkelnd Maul über die Stadt gedreht,</p>
<p class="line">Darauf die Nacht, ein stummer Vogel, steht.
</p>
</div>
@@ -982,29 +948,29 @@ BERLINER ABEND</h2>
HERBSTPARK</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die gelbe Krankheit herrscht. Wie Säufern fällt</p>
-<p class="line">Das Laub Ahornen aus den roten Schädeln,</p>
-<p class="line">Und Birken glühn gleich flinken Gassenmädeln</p>
+<p class="line">Die gelbe Krankheit herrscht. Wie Säufern fällt</p>
+<p class="line">Das Laub Ahornen aus den roten Schädeln,</p>
+<p class="line">Und Birken glühn gleich flinken Gassenmädeln</p>
<p class="line">Im Arm der Winde auf dem schwarzen Feld.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und wie die Hände einer Frau, die sinnt</p>
+<p class="line">Und wie die Hände einer Frau, die sinnt</p>
<p class="line">Ihrem Gemahl nach und der starken Lust,</p>
-<p class="line">Ward weiße Sonne kühl! Du aber mußt</p>
-<p class="line">Der Nächte denken, die im Juni sind.</p>
+<p class="line">Ward weiße Sonne kühl! Du aber mußt</p>
+<p class="line">Der Nächte denken, die im Juni sind.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In diesen sternenbunten, sagt man, fror es.</p>
-<p class="line">Der Park ist so verstört. Aus beiden Teichen</p>
+<p class="line">Der Park ist so verstört. Aus beiden Teichen</p>
<p class="line">Zittert die Stimme des gefleckten Rohres,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wenn Wellen so vom seichten Sande schleichen.</p>
<p class="line">Und Regen droht. In Kutten, stummen Chores,</p>
-<p class="line">Gehn Wolken um die großen, grünen Eichen.
+<p class="line">Gehn Wolken um die großen, grünen Eichen.
</p>
</div>
@@ -1015,21 +981,21 @@ LINDEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Mit Wald gepudert und Laternenschein,</p>
<p class="line">Schreiten die Linden und ein paar Platanen</p>
-<p class="line">&mdash; Unter den Bäumen sind sie Kurtisanen &mdash;</p>
-<p class="line">Den Mädchenstrom Kurfürstendamm hinein.</p>
+<p class="line">&mdash; Unter den Bäumen sind sie Kurtisanen &mdash;</p>
+<p class="line">Den Mädchenstrom Kurfürstendamm hinein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ihr Wäldermädchen mit den Laubfrisuren &mdash;</p>
-<p class="line">Man muß wohl Wind sein, um euch zu umarmen.</p>
-<p class="line">Hübsche Dryaden, träumt ihr von den Farmen</p>
+<p class="line">Ihr Wäldermädchen mit den Laubfrisuren &mdash;</p>
+<p class="line">Man muß wohl Wind sein, um euch zu umarmen.</p>
+<p class="line">Hübsche Dryaden, träumt ihr von den Farmen</p>
<p class="line">Am Strom und Wiesen zwischen Weizenfluren?</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Den Pfeil von Glühlicht in dem grünen Haar,</p>
+<p class="line">Den Pfeil von Glühlicht in dem grünen Haar,</p>
<p class="line">Aha! Ihr seid schon elegant geworden,</p>
-<p class="line">Jüdinnen, &mdash; die ich liebte, ein Barbar,</p>
+<p class="line">Jüdinnen, &mdash; die ich liebte, ein Barbar,</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1044,29 +1010,29 @@ LINDEN</h2>
JUNGE PFERDE</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Wer die blühenden Wiesen kennt</p>
+<p class="line">Wer die blühenden Wiesen kennt</p>
<p class="line">Und die hingetragene Herde,</p>
<p class="line">Die, das Maul am Winde, rennt:</p>
<p class="line">Junge Pferde! Junge Pferde!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Über Gräben, Gräserstoppel</p>
+<p class="line">Über Gräben, Gräserstoppel</p>
<p class="line">Und entlang den Rotdornhecken</p>
<p class="line">Weht der Trab der scheuen Koppel,</p>
-<p class="line">Füchse, Braune, Schimmel, Schecken!</p>
+<p class="line">Füchse, Braune, Schimmel, Schecken!</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Junge Sommermorgen zogen</p>
-<p class="line">Weiß davon, sie wieherten.</p>
+<p class="line">Weiß davon, sie wieherten.</p>
<p class="line">Wolke warf den Blitz, sie flogen</p>
<p class="line">Voll von Angst hin, galoppierten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Selten graue Nüstern wittern,</p>
-<p class="line">Und dann nähern sie und nicken,</p>
+<p class="line">Selten graue Nüstern wittern,</p>
+<p class="line">Und dann nähern sie und nicken,</p>
<p class="line">Ihre Augensterne zittern</p>
<p class="line">In den engen Menschenblicken.
</p>
@@ -1074,30 +1040,30 @@ JUNGE PFERDE</h2>
<h2 class="chapter" id="ch-28">
<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a>
-ERWACHSENE MÄDCHEN</h2>
+ERWACHSENE MÄDCHEN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Wer weiß seit Fragonard noch, was es heiße,</p>
+<p class="line">Wer weiß seit Fragonard noch, was es heiße,</p>
<p class="line">Zwei stracke Beine haben in dem Kleide;</p>
-<p class="line">Roben gefüllt von Fleisch, als ob die Seide</p>
-<p class="line">In jeder Falte mit dem Körper kreiße.</p>
+<p class="line">Roben gefüllt von Fleisch, als ob die Seide</p>
+<p class="line">In jeder Falte mit dem Körper kreiße.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Aus dem Korsage fahren eure Hüften</p>
-<p class="line">Wie Bügeleisen in den Stoff der Röcke,</p>
-<p class="line">Darauf wie Bienen auf die Bienenstöcke</p>
-<p class="line">Unsere Blicke kriechen aus den Lüften.</p>
+<p class="line">Aus dem Korsage fahren eure Hüften</p>
+<p class="line">Wie Bügeleisen in den Stoff der Röcke,</p>
+<p class="line">Darauf wie Bienen auf die Bienenstöcke</p>
+<p class="line">Unsere Blicke kriechen aus den Lüften.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ihr jugendlichen Sonnen! Fleischern Licht!</p>
<p class="line">Wir haben den Ehrgeiz der Allegorien</p>
-<p class="line">Und hübschen Dinge im Gedicht.</p>
+<p class="line">Und hübschen Dinge im Gedicht.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich will mit eurer Bettwärme Blumen ziehn!</p>
+<p class="line">Ich will mit eurer Bettwärme Blumen ziehn!</p>
<p class="line">Und einen kleinen Mond aus dem Urin,</p>
<p class="line">Der sternenhell aus eurem Blute bricht!
</p>
@@ -1108,29 +1074,29 @@ ERWACHSENE MÄDCHEN</h2>
DIE SCHLAFENDE ERNA</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Auf einer Ottomane aus Mohär</p>
-<p class="line">Liegt sie in Seidenröcken, eine Truhe</p>
+<p class="line">Auf einer Ottomane aus Mohär</p>
+<p class="line">Liegt sie in Seidenröcken, eine Truhe</p>
<p class="line">Voll Nacktheit, und ich denke voll Unruhe</p>
-<p class="line">An dein Geheimstes &mdash; schönes Sekretär.</p>
+<p class="line">An dein Geheimstes &mdash; schönes Sekretär.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Frauen tuen Wundervolles in die Seide.</p>
<p class="line">Am Knie beginnt es. Ich will es auspellen,</p>
-<p class="line">Wenn Küsse summen nach hautsüßen Stellen</p>
-<p class="line">Im Bett, daß wir nicht schlafen können beide.</p>
+<p class="line">Wenn Küsse summen nach hautsüßen Stellen</p>
+<p class="line">Im Bett, daß wir nicht schlafen können beide.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du großes Mädchen, die noch kleinen Brüste</p>
-<p class="line">Schmücken dich mir. Auf den geheimen Schmuck</p>
-<p class="line">Hast du die linke weiße Hand gelegt;</p>
+<p class="line">Du großes Mädchen, die noch kleinen Brüste</p>
+<p class="line">Schmücken dich mir. Auf den geheimen Schmuck</p>
+<p class="line">Hast du die linke weiße Hand gelegt;</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich dachte: Soll die eine, die sie trägt &mdash;</p>
+<p class="line">Ich dachte: Soll die eine, die sie trägt &mdash;</p>
<p class="line">Die schwarze Blume welken von dem Druck?</p>
-<p class="line">Und nahm die Hand weg, die ich leise küßte.
+<p class="line">Und nahm die Hand weg, die ich leise küßte.
</p>
</div>
@@ -1141,15 +1107,15 @@ SINNLICHKEIT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Unter dem Monde liegt des Parks Skelett.</p>
<p class="line">Der Wind schweigt weit. Doch wenn wir Schritte tun,</p>
-<p class="line">Beschwatzt der Schnee an deinen Stöckelschuhn</p>
+<p class="line">Beschwatzt der Schnee an deinen Stöckelschuhn</p>
<p class="line">Der winterlichen Sterne Menuett.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und wir entkleiden uns, seufzend vor Lust,</p>
-<p class="line">Und leuchten auf; du stehst mit hübschen Hüften</p>
-<p class="line">Und hellen Knien im Schnee, dem sehr verblüfften,</p>
-<p class="line">Wie eine schöne Bäuerin robust.</p>
+<p class="line">Und leuchten auf; du stehst mit hübschen Hüften</p>
+<p class="line">Und hellen Knien im Schnee, dem sehr verblüfften,</p>
+<p class="line">Wie eine schöne Bäuerin robust.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1159,40 +1125,40 @@ SINNLICHKEIT</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Mein Blut ist fröhlicher als Feuerschein!</p>
+<p class="line">Mein Blut ist fröhlicher als Feuerschein!</p>
<p class="line">So rennen wir exzentrisches Ballett</p>
-<p class="line">Zum Pavillon hin durch die Tür ins Bett.
+<p class="line">Zum Pavillon hin durch die Tür ins Bett.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-31">
<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a>
-MEINE JÜDIN</h2>
+MEINE JÜDIN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Du junge Jüdin, braune Judith, köstliche</p>
-<p class="line">Frucht der Erkenntnis, weißer Blütenfall:</p>
+<p class="line">Du junge Jüdin, braune Judith, köstliche</p>
+<p class="line">Frucht der Erkenntnis, weißer Blütenfall:</p>
<p class="line">Aus Kleidern steigst du nackt, ein All ins All,</p>
-<p class="line">Mit deinen Brüsten, Mythenfrau, du östliche.</p>
+<p class="line">Mit deinen Brüsten, Mythenfrau, du östliche.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Steige vom Sockel, Venus, aus zerballter</p>
-<p class="line">Wäsche, Jungweib! Wie Morgensonne blitzt</p>
+<p class="line">Wäsche, Jungweib! Wie Morgensonne blitzt</p>
<p class="line">Dein Bauch &mdash; und in der Schenkel Schatten sitzt</p>
-<p class="line">Wie Blüten saugend, fest, ein schwarzer Falter.</p>
+<p class="line">Wie Blüten saugend, fest, ein schwarzer Falter.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und Schwarzes fällt aus den gelösten Schleifen</p>
+<p class="line">Und Schwarzes fällt aus den gelösten Schleifen</p>
<p class="line">In den konkaven Nacken, wie Geruch.</p>
-<p class="line">Und die zu großen, graden Zähne blecken,</p>
+<p class="line">Und die zu großen, graden Zähne blecken,</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Als ob sie schon in Männerküssen stäken.</p>
-<p class="line">Der Blick hängt glänzend über dem Versuch,</p>
-<p class="line">Die Lippen über das Gebiß zu streifen.
+<p class="line">Als ob sie schon in Männerküssen stäken.</p>
+<p class="line">Der Blick hängt glänzend über dem Versuch,</p>
+<p class="line">Die Lippen über das Gebiß zu streifen.
</p>
</div>
@@ -1201,31 +1167,31 @@ MEINE JÜDIN</h2>
LIEBESMORGEN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Aus dem roten, roten Pfühl</p>
+<p class="line">Aus dem roten, roten Pfühl</p>
<p class="line">Kriecht die Sonne auf die Dielen,</p>
<p class="line">Und wir blinzeln nur und schielen</p>
-<p class="line">Nach uns, voller Lichtgefühl.</p>
+<p class="line">Nach uns, voller Lichtgefühl.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie die Rosa-Pelikane,</p>
<p class="line">Einen hellen Fisch umkrallend,</p>
<p class="line">Rissen unsere Lippen lallend</p>
-<p class="line">Kuß um Kuß vom weißen Zahne.</p>
+<p class="line">Kuß um Kuß vom weißen Zahne.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und nun, eingerauscht ins weiche</p>
-<p class="line">Nachgefühl der starken Küsse,</p>
-<p class="line">Liegen wir wie junge Flüsse</p>
+<p class="line">Nachgefühl der starken Küsse,</p>
+<p class="line">Liegen wir wie junge Flüsse</p>
<p class="line">Eng umsonnt in einem Teiche.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und wir lächeln gleich Verzückten;</p>
+<p class="line">Und wir lächeln gleich Verzückten;</p>
<p class="line">Lachen gibt der Garten wieder,</p>
-<p class="line">Wo die jungen Mädchen Flieder,</p>
-<p class="line">Volle Fäuste Flieder pflückten.
+<p class="line">Wo die jungen Mädchen Flieder,</p>
+<p class="line">Volle Fäuste Flieder pflückten.
</p>
</div>
@@ -1234,27 +1200,27 @@ LIEBESMORGEN</h2>
MEIN FEBRUARHERZ</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Als trügen Frauen in den Straußenfedern</p>
-<p class="line">Das junge Licht wie eine weiße Fahne,</p>
-<p class="line">Gehörten alle Häuser reichen Rhedern</p>
-<p class="line">Und wären Schiffe, schwimmt um die Altane</p>
+<p class="line">Als trügen Frauen in den Straußenfedern</p>
+<p class="line">Das junge Licht wie eine weiße Fahne,</p>
+<p class="line">Gehörten alle Häuser reichen Rhedern</p>
+<p class="line">Und wären Schiffe, schwimmt um die Altane</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die blaue Luft! Oh, jetzt in einem Kahne</p>
-<p class="line">Auf Wassern fahren, süßen Morgennebeln</p>
+<p class="line">Auf Wassern fahren, süßen Morgennebeln</p>
<p class="line">Entgegensteuern, gleich dem leisen Schwane</p>
<p class="line">Die Wellen teilend mit den schwarzen Hebeln!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Geh in die Leipzigerstraße! Geh ins Freie!</p>
-<p class="line">Schön ist die Wollust! Gott ein guter Junge.</p>
-<p class="line">Die Dirnen sommern brünstiger als Haie!</p>
+<p class="line">Geh in die Leipzigerstraße! Geh ins Freie!</p>
+<p class="line">Schön ist die Wollust! Gott ein guter Junge.</p>
+<p class="line">Die Dirnen sommern brünstiger als Haie!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich habe Geld! Ich bin so schön im Schwunge.</p>
+<p class="line">Ich habe Geld! Ich bin so schön im Schwunge.</p>
<p class="line">Sonette aus Sonne kitzeln mir die Zunge!</p>
<p class="line">In meiner Kehle sammeln sich die Schreie!
</p>
@@ -1265,28 +1231,28 @@ MEIN FEBRUARHERZ</h2>
ABENDAVENUE</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Straße ist von Klängen überstrahlt,</p>
+<p class="line">Die Straße ist von Klängen überstrahlt,</p>
<p class="line">Bewachsen von Phantasmen des Geruches,</p>
-<p class="line">Und Hüften in den Hülsen blauen Tuches,</p>
+<p class="line">Und Hüften in den Hülsen blauen Tuches,</p>
<p class="line">Das aller Schritt zu Reiz zermalmt und mahlt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Dirnen kommen, knarrend, Wollustfuder,</p>
-<p class="line">Und Bürgermädchen, die mit Reizen knausern;</p>
-<p class="line">Jungfräulein die, und andern, die schon mausern,</p>
-<p class="line">Gleitet ein Scharlachlächeln in den Puder.</p>
+<p class="line">Und Bürgermädchen, die mit Reizen knausern;</p>
+<p class="line">Jungfräulein die, und andern, die schon mausern,</p>
+<p class="line">Gleitet ein Scharlachlächeln in den Puder.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Teufel! Wir werden wie die Pelikane</p>
-<p class="line">&mdash; Wenn diese Mädchen uns mit Blicken füttern,</p>
+<p class="line">&mdash; Wenn diese Mädchen uns mit Blicken füttern,</p>
<p class="line">Gierig nach den Konturen und Profilen,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die alle kommen, einzeln, momentane,</p>
-<p class="line">Und aus den fetten Rücken, aus den Müttern,</p>
+<p class="line">Und aus den fetten Rücken, aus den Müttern,</p>
<p class="line">Bisweilen leise nach uns Jungen schielen.
</p>
</div>
@@ -1298,60 +1264,60 @@ TIERGARTEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Birken und Linden legen am Kanal</p>
<p class="line">Unausgeruhtes sanft in seinen Spiegel.</p>
-<p class="line">Ins Nachtgewölbe rutscht der Mond, ein Igel,</p>
-<p class="line">Der Sterne jagt und frißt den Himmel kahl.</p>
+<p class="line">Ins Nachtgewölbe rutscht der Mond, ein Igel,</p>
+<p class="line">Der Sterne jagt und frißt den Himmel kahl.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Mädchen sind da, und wir sind sehr vergnügt.</p>
-<p class="line">Ich schmeiße nach dem dicken Mond mit Steinen;</p>
-<p class="line">Die Betty küßt mich, und er soll nicht scheinen,</p>
-<p class="line">Weil Bella schweigt und naserümpfend rügt.</p>
+<p class="line">Mädchen sind da, und wir sind sehr vergnügt.</p>
+<p class="line">Ich schmeiße nach dem dicken Mond mit Steinen;</p>
+<p class="line">Die Betty küßt mich, und er soll nicht scheinen,</p>
+<p class="line">Weil Bella schweigt und naserümpfend rügt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Sommerstädte liegen um den Park.</p>
-<p class="line">Es wird sehr hübsch! Der Süden wandert ein!</p>
-<p class="line">Die Sonne wächst! Wie nackte Männer stark</p>
+<p class="line">Die Sommerstädte liegen um den Park.</p>
+<p class="line">Es wird sehr hübsch! Der Süden wandert ein!</p>
+<p class="line">Die Sonne wächst! Wie nackte Männer stark</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Schreiten die Tage, Frühjahr in den Hüften.</p>
-<p class="line">Die schwarzen Linden kommen überein,</p>
-<p class="line">Morgen zu grünen in den süßen Lüften!
+<p class="line">Schreiten die Tage, Frühjahr in den Hüften.</p>
+<p class="line">Die schwarzen Linden kommen überein,</p>
+<p class="line">Morgen zu grünen in den süßen Lüften!
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-36">
<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a>
-MÄDCHENNACHT</h2>
+MÄDCHENNACHT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Der Mond ist warm, die Nacht ein Alkohol,</p>
-<p class="line">Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,</p>
+<p class="line">Der rasch erglühend mein Gehirn betrat,</p>
<p class="line">Und deine Nacktheit weht wie der Passat</p>
<p class="line">Trocknend ins Mark.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.</p>
-<p class="line">Mich hungert so &mdash; ich küsse deine Lippen.</p>
-<p class="line">Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,</p>
+<p class="line">Du hast ein weißes Fleischkleid angezogen.</p>
+<p class="line">Mich hungert so &mdash; ich küsse deine Lippen.</p>
+<p class="line">Ich reiße dir die Brüste von den Rippen,</p>
<p class="line">Wenn du nicht geil bist!</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">&mdash; Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen</p>
-<p class="line">Kupferner Lippen, und die Körper knacken!</p>
-<p class="line">Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken</p>
-<p class="line">Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.</p>
+<p class="line">&mdash; Küsse sind Funken, elektrisches Lechzen</p>
+<p class="line">Kupferner Lippen, und die Körper knacken!</p>
+<p class="line">Mit einem Sprunge sitzt mein Kuß im Nacken</p>
+<p class="line">Und frißt dein Bäumen und dein erstes Ächzen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und als ich dir die weißen Knie und,</p>
-<p class="line">Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,</p>
-<p class="line">Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;</p>
-<p class="line">Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
+<p class="line">Und als ich dir die weißen Knie und,</p>
+<p class="line">Dein Herz verlangend, allen Körper küßte,</p>
+<p class="line">Geriet mein Schröpfkopf unter deine Brüste;</p>
+<p class="line">Da drängte sich das Herz an meinen Mund.
</p>
</div>
@@ -1362,15 +1328,15 @@ GUTEN TAG &mdash; HELLE EVA!</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ich wollte mit dir jungem Weibe leben</p>
<p class="line">Gern wie der Sturm auf einem hellen Meer,</p>
-<p class="line">Daß deine Hände sich wie Möwen heben,</p>
-<p class="line">Wie Strudel leuchten deine Brüste sehr.</p>
+<p class="line">Daß deine Hände sich wie Möwen heben,</p>
+<p class="line">Wie Strudel leuchten deine Brüste sehr.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Dein Fleisch ist Schnee, und schneereich bist du wie</p>
<p class="line">Russische Winter. Mondrot leuchtet, blond,</p>
<p class="line">Dein Haarkorb an des Nackens Horizont &mdash;</p>
-<p class="line">Du nackend Weib, du weiße Therapie!</p>
+<p class="line">Du nackend Weib, du weiße Therapie!</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1380,7 +1346,7 @@ GUTEN TAG &mdash; HELLE EVA!</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Auf deinen Rippen kreisen weiße Strudel;</p>
+<p class="line">Auf deinen Rippen kreisen weiße Strudel;</p>
<p class="line">Du bist ein Weib geworden &mdash; puh &mdash; fruchtbar,</p>
<p class="line">Du blanker Bauch voll Blut und krautigem Haar.
</p>
@@ -1391,52 +1357,52 @@ GUTEN TAG &mdash; HELLE EVA!</h2>
FRIEDRICHSTRASSENKROKI 3&nbsp;UHR&nbsp;20 NACHTS</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Friedrichstraße trägt auf Stein</p>
-<p class="line">Die blassen Gewässer des Lichtes.</p>
+<p class="line">Die Friedrichstraße trägt auf Stein</p>
+<p class="line">Die blassen Gewässer des Lichtes.</p>
<p class="line">Die Dirnen umstehn mit Hirschgeweihn</p>
<p class="line">Die Circe meines Gesichtes.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ich schaue: &mdash; Der Träume Phosphor rinnt</p>
+<p class="line">Ich schaue: &mdash; Der Träume Phosphor rinnt</p>
<p class="line">In zwei, vier Menschenaugen neu.</p>
<p class="line">&mdash; Wie eine Katze springt, gefleckt, der Wind</p>
<p class="line">Zwischen des Asphalts Lichterstreu</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und trägt den fetten, weißen Rauch</p>
+<p class="line">Und trägt den fetten, weißen Rauch</p>
<p class="line">Im Maul den jungen Winden ins Nest.</p>
-<p class="line">Er faßt die Dirnen an den Bauch</p>
-<p class="line">Und klemmt die dünnen Röcke fest.</p>
+<p class="line">Er faßt die Dirnen an den Bauch</p>
+<p class="line">Und klemmt die dünnen Röcke fest.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">&mdash; Da sind Gesichter, lachen nett,</p>
-<p class="line">Daß alle Zähne blecken müssen;</p>
+<p class="line">Daß alle Zähne blecken müssen;</p>
<p class="line">Die Louis zeigen ihr Skelett,</p>
-<p class="line">Louise läßt mich ihres küssen.
+<p class="line">Louise läßt mich ihres küssen.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-39">
<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a>
-ANDERE JÜDIN</h2>
+ANDERE JÜDIN</h2>
<h3 class="no" id="no-39-1">I</h3>
<div class="poem">
<p class="line">Im Norden sind die Ebenen, da steigen</p>
-<p class="line">Die Ströme zitternd in das Meer,</p>
-<p class="line">Das sie verhüllt. Der Wind weht Wogen her.</p>
+<p class="line">Die Ströme zitternd in das Meer,</p>
+<p class="line">Das sie verhüllt. Der Wind weht Wogen her.</p>
<p class="line">Das Wasser schweigt, und die Sternbilder schweigen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du stiegst hinab mit deinem weißen, leisen</p>
-<p class="line">Lachen sprudelnd und deiner Brüste Schaum.</p>
+<p class="line">Du stiegst hinab mit deinem weißen, leisen</p>
+<p class="line">Lachen sprudelnd und deiner Brüste Schaum.</p>
<p class="line">Antworte doch! Bist du noch in dem Raum,</p>
-<p class="line">Wo meiner Augen Vögel schreien, kreisen?</p>
+<p class="line">Wo meiner Augen Vögel schreien, kreisen?</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-39-2">II</h3>
@@ -1450,9 +1416,9 @@ ANDERE JÜDIN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ich atme schlecht! Ich zucke</p>
-<p class="line">So an der Luft! Untätig.</p>
+<p class="line">So an der Luft! Untätig.</p>
<p class="line">Mir ist vom steten Drucke</p>
-<p class="line">Nicht mehr viel Ich vorrätig.
+<p class="line">Nicht mehr viel Ich vorrätig.
</p>
</div>
@@ -1463,41 +1429,41 @@ IN DER WELT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ich lasse mein Gesicht auf Sterne fallen,</p>
<p class="line">Die wie getroffen auseinander hinken.</p>
-<p class="line">Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,</p>
+<p class="line">Die Wälder wandern mondwärts, schwarze Quallen,</p>
<p class="line">Ins Blaumeer, daraus meine Blicke winken.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Mein Ich ist fort. Es macht die Sternenreise.</p>
<p class="line">Das ist nicht Ich, wovon die Kleider scheinen.</p>
-<p class="line">Die Tage sterben weg, die weißen Greise.</p>
+<p class="line">Die Tage sterben weg, die weißen Greise.</p>
<p class="line">Ichlose Nerven sind voll Furcht und weinen.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-41">
<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a>
-ADIEU MÄDCHENLACHEN!</h2>
+ADIEU MÄDCHENLACHEN!</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Sie nehmen Abschied, werden nicht vergessen</p>
<p class="line">Die Wege, die sie jetzt gehn &mdash; Du und Ich,</p>
-<p class="line">Zwei Lächeln nur, mit denen sich</p>
+<p class="line">Zwei Lächeln nur, mit denen sich</p>
<p class="line">Apokalyptische Gesichte messen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O fälschte doch mein sicheres Gesicht!</p>
-<p class="line">Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig,</p>
-<p class="line">Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig:</p>
+<p class="line">O fälschte doch mein sicheres Gesicht!</p>
+<p class="line">Die Furcht läuft in die Zukunft und sieht mutig,</p>
+<p class="line">Da liegst du, abgeküßt und schenkelblutig:</p>
<p class="line">&mdash; Mein Hirn bellt auf &mdash; brautnackt im Ampellicht.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein.</p>
+<p class="line">Die Schmerzen beißen in das Hirn hinein.</p>
<p class="line">Was martert, mordet nicht mein wilder Freisinn!</p>
-<p class="line">O meine Mutter, weißhändige Greisin,</p>
-<p class="line">Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!
+<p class="line">O meine Mutter, weißhändige Greisin,</p>
+<p class="line">Nimm mich zurück ins Nichtgeborensein!
</p>
</div>
@@ -1506,37 +1472,37 @@ ADIEU MÄDCHENLACHEN!</h2>
NACH DER NACHT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Laternen, die den Regenabend führen,</p>
-<p class="line">Haben die Stadt, die glänzende, verraten.</p>
-<p class="line">Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem</p>
-<p class="line">Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.</p>
+<p class="line">Laternen, die den Regenabend führen,</p>
+<p class="line">Haben die Stadt, die glänzende, verraten.</p>
+<p class="line">Eiweißer Eiter tropft im Lichteratem</p>
+<p class="line">Der Friedrichstraße, wo sich Dirnen rühren.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Augen kriechen aus den Faltenlidern</p>
-<p class="line">Und spritzen einen Blick, der dich begießt.</p>
+<p class="line">Und spritzen einen Blick, der dich begießt.</p>
<p class="line">Sie lachen sich das Kleid vom Bauch; du siehst</p>
-<p class="line">Die Brüste &mdash; Krötenbäuche in den Miedern.</p>
+<p class="line">Die Brüste &mdash; Krötenbäuche in den Miedern.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags.</p>
+<p class="line">Du flohst, und Vögel sangen für dich junitags.</p>
<p class="line">Der Morgen senkte sich in dein Gesicht.</p>
<p class="line">Es schlugen Uhren an, weckten das Licht.</p>
<p class="line">Doggengebell des Turmuhrstundenschlags.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig.</p>
+<p class="line">Du öffnest deinen Mund, der ist lichtzahnig.</p>
<p class="line">O Wanderungen im Gestein der Stadt!</p>
-<p class="line">O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! &mdash;</p>
-<p class="line">Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.</p>
+<p class="line">O Röcheln, Schreie, seelenquälend Rad! &mdash;</p>
+<p class="line">Es sprudelt aus der Morgenröte sahnig.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du schweigst. Hinter den dunklen Augen ruht</p>
-<p class="line">Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene.</p>
-<p class="line">Du lächelst, blickst &mdash; und da betritt die Szene</p>
+<p class="line">Das Hirn vom Krampf der tötenden Arsene.</p>
+<p class="line">Du lächelst, blickst &mdash; und da betritt die Szene</p>
<p class="line">Die Sonne, jugendlich, im Wolkenhut.
</p>
</div>
@@ -1551,13 +1517,13 @@ DAS WIEDERSEHEN</h2>
<p class="line">Dastehst Du nahe mit beweinten Backen,</p>
<p class="line">Plastik aus Rauch.</p>
<p class="line">Ich drehe angstvoll mein Gesicht zum Nacken</p>
-<p class="line">Und steige zitternd aus aus euren Häusern.</p>
+<p class="line">Und steige zitternd aus aus euren Häusern.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein?</p>
+<p class="line">Sind das die Häuser? Ist die Nacht aus Stein?</p>
<p class="line">Ich mache langsam Schritte in Berlin.</p>
-<p class="line">Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien.</p>
+<p class="line">Kein Mensch. Herabgestürzte Jalousien.</p>
<p class="line">Ich habe keinen Wunsch, einer zu sein.
</p>
</div>
@@ -1567,8 +1533,8 @@ DAS WIEDERSEHEN</h2>
MANN UND MENSCHFRAU</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Park beleckt, ein grüner Katarakt,</p>
-<p class="line">Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen.</p>
+<p class="line">Der Park beleckt, ein grüner Katarakt,</p>
+<p class="line">Das weiße Haus, in dem wir nach uns greifen.</p>
<p class="line">Du hast Angstaugen. Um die Fenster streifen</p>
<p class="line">Ahorne braun und indianernackt.</p>
</div>
@@ -1576,397 +1542,24 @@ MANN UND MENSCHFRAU</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Sturm hat die Nacht, die Negerin, gepackt.</p>
<p class="line">&mdash; Du wirst doch diese Herzart nicht begreifen.</p>
-<p class="line">Laß aus dir trinken, und ich werde reifen.</p>
-<p class="line">Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.</p>
+<p class="line">Laß aus dir trinken, und ich werde reifen.</p>
+<p class="line">Verdorrte Augen überschwemmt dein Akt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du kriegst ein Kind. Ich werde einsam sterben</p>
-<p class="line">In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter.</p>
-<p class="line">Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.</p>
+<p class="line">In braunen Muskeln und vom Tag gedörrter.</p>
+<p class="line">Jetzt könnten deine Arme mich entfärben.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Orient und Eden machst du gegenwärtig.</p>
-<p class="line">Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter.</p>
-<p class="line">Engel &mdash; dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.</p>
+<p class="line">Orient und Eden machst du gegenwärtig.</p>
+<p class="line">Wir wandeln nackt durch baumige Hirnörter.</p>
+<p class="line">Engel &mdash; dein weißer Bauch ist dunkelbärtig.</p>
</div>
</div>
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-<pre>
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-End of Project Gutenberg's Junge Pferde! Junge Pferde!, by Paul Boldt
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK JUNGE PFERDE! JUNGE PFERDE! ***
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
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