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+The Project Gutenberg EBook of Vergleichende Betrachtungen über neuere
+geometrische Forschungen, by Felix Klein
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Vergleichende Betrachtungen über neuere geometrische Forschungen
+
+Author: Felix Klein
+
+Release Date: November 16, 2011 [EBook #38033]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERGLEICHENDE BETRACHTUNGEN ***
+
+
+
+
+Produced by R.S.
+
+
+
+
+Vergleichende Betrachtungen über neuere geometrische Forschungen
+ Felix Klein
+ 1872
+
+ Erlangen
+ Verlag von Andreas Deichert
+
+Unter den Leistungen der letzten fünfzig Jahre auf dem Gebiete der
+Geometrie nimmt die Ausbildung der projectivischen[^1] Geometrie die
+erste Stelle ein. Wenn es anfänglich schien, als sollten die sogenannten
+metrischen Beziehungen ihrer Behandlung nicht zugänglich sein, da sie
+beim Projiciren nicht ungeändert bleiben, so hat man in neuerer Zeit
+gelernt, auch sie vom projectivischen Standpuncte aufzufassen, so dass
+nun die projectivische Methode die gesammte Geometrie umspannt. Die
+metrischen Eigenschaften erscheinen in ihr nur nicht mehr als
+Eigenschaften der räumlichen Dinge an sich, sondern als Beziehungen
+derselben zu einem Fundamental-Gebilde, dem unendlich fernen
+Kugelkreise.
+
+Vergleicht man mit der so allmählich gewonnenen Auffassungsweise der
+räumlichen Dinge die Vorstellungen der gewöhnlichen (elementaren)
+Geometrie, so entsteht die Frage nach einem allgemeinen Principe, nach
+welchem die beiden Methoden sich ausbilden konnten. Diese Frage
+erscheint um so wichtiger als sich neben die elementare und die
+projectivische Geometrie, ob auch minder entwickelt, eine Reihe anderer
+Methoden stellt, denen man dasselbe Recht selbständiger Existenz
+zugestehen muss. Dahin gehören die Geometrie der reciproken Radien, die
+Geometrie der rationalen Umformungen etc., wie sie in der Folge noch
+erwähnt und dargestellt werden sollen.
+
+Wenn wir es im Nachstehenden unternehmen, ein solches Princip
+aufzustellen, so entwickeln wir wohl keinen eigentlich neuen Gedanken,
+sondern umgränzen nur klar und deutlich, was mehr oder minder bestimmt
+von Manchem gedacht worden ist. Aber es schien um so berechtigter,
+derartige zusammenfassende Betrachtungen zu publiciren, als die
+Geometrie, die doch ihrem Stoffe nach einheitlich ist, bei der raschen
+Entwicklung, die sie in der letzten Zeit genommen hat, nur zu sehr in
+eine Reihe von beinahe getrennten Disciplinen zerfallen ist[^2], die
+sich ziemlich unabhängig von einander weiter bilden. Es lag dabei aber
+auch noch die besondere Absicht vor, Methoden und Gesichtspuncte
+darzulegen, welche von Lie und mir in neueren Arbeiten entwickelt
+wurden. Es haben unsere beiderseitigen Arbeiten, auf wie
+verschiedenartige Gegenstände sie sich auch bezogen, übereinstimmend auf
+die hier dargelegte allgemeine Auffassungsweise hingedrängt, so dass es
+eine Art von Nothwendigkeit war, auch einmal diese zu erörtern und von
+ihr aus die betr. Arbeiten nach Inhalt und Tendenz zu characterisiren.
+
+War bisher nur von geometrischen Forschungen die Rede, so sollen
+darunter mit verstanden sein die Untersuchungen über beliebig
+ausgedehnte Mannigfaltigkeiten, die sich, unter Abstreifung des für die
+rein mathemathische Betrachtung unwesentlichen räumlichen Bildes[^3],
+aus der Geometrie entwickelt haben[^4]. Es gibt bei der Untersuchung von
+Mannigfaltigkeiten eben solche verschiedene Typen, wie in der Geometrie,
+und es gilt, wie bei der Geometrie, das Gemeinsame und das
+Unterscheidende unabhängig von einander unternommener Forschungen
+hervorzuheben. Abstract genommen war es im Folgenden nur nöthig,
+schlechthin von mehrfach ausgedehnten Mannigfaltigkeiten zu reden; aber
+durch Anknüpfung an die geläufigeren räumlichen Vorstellungen wird die
+Auseinandersetzung einfacher und verständlicher. Indem wir von der
+Betrachtung der geometrischen Dinge ausgehen und an ihnen als einem
+Beispiele die allgemeinen Gedanken entwickeln, verfolgen wir den Gang,
+den die Wissenschaft in ihrer Ausbildung genommen hat, und den bei der
+Darstellung zu Grunde zu legen gewöhnlich das Vorteilhafteste ist. –
+
+Eine vorläufige Exposition des im Folgenden besprochenen Inhaltes ist
+hier wohl nicht möglich, da sich derselbe kaum in eine knappere Form[^5]
+fügen will; die Ueberschriften der Paragraphen werden den allgemeinen
+Fortschritt des Gedankens angeben. Ich habe zum Schlusse eine Reihe von
+Noten zugefügt, in welchen ich entweder, wo es im Interesse der
+allgemeinen Auseinandersetzung des Textes nützlich schien, besondere
+Punkte weiter entwickelt habe, oder in denen ich bemüht war, den
+abstract mathematischen Standpunkt, der für die Betrachtungen des Textes
+maßgebend ist, gegen verwandte abzugränzen.
+
+§.1. Gruppen von räumlichen Transformationen. Hauptgruppe. Aufstellung
+eines allgemeinen Problems.
+--------------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Der wesentlichste Begriff, der bei den folgenden Auseinandersetzungen
+nothwendig ist, ist der einer Gruppe von räumlichen Aenderungen.
+
+Beliebig viele Transformationen des Raumes[^6] ergeben zusammengesetzt
+immer wieder eine Transformation. Hat nun eine gegebene Reihe von
+Transformationen die Eigenschaft, dass jede Aenderung, die aus den ihr
+angehörigen durch Zusammensetzung hervorgeht, ihr selbst wieder
+angehört, so soll die Reihe eine Transformationsgruppe[^7] genannt
+werden.
+
+Ein Beispiel für eine Transformationsgruppe bildet die Gesammtheit der
+Bewegungen (jede Bewegung als eine auf den ganzen Raum ausgeführte
+Operation betrachtet). Eine in ihr enthaltene Gruppe bilden etwa die
+Rotationen um einen Punct[^8]. Eine Gruppe, welche umgekehrt die Gruppe
+der Bewegungen umfasst, wird durch die Gesammtheit der Collineationen
+vorgestellt. Die Gesammtheit der dualistischen Umformungen bildet
+dagegen keine Gruppe — denn zwei dualistische Umformungen ergeben
+zusammen wieder eine Collineation —, wohl aber wird wieder eine Gruppe
+erzeugt, wenn man die Gesammtheit der dualistischen mit der Gesammtheit
+der collinearen zusammenfügt[^9].
+
+Es gibt nun räumliche Transformationen, welche die geometrischen
+Eigenschaften räumlicher Gebilde überhaupt ungeändert lassen.
+Geometrische Eigenschaften sind nämlich ihrem Begriffe nach unabhängig
+von der Lage, die das zu untersuchende Gebilde im Raume einnimmt, von
+seiner absoluten Grösse, endlich auch von dem Sinne[^10], in welchem
+seine Theile geordnet sind. Die Eigenschaften eines räumlichen Gebildes
+bleiben also ungeändert durch alle Bewegungen des Raumes, durch seine
+Aehnlichkeitstransformationen, durch den Process der Spiegelung, sowie
+durch alle Transformationen, die sich aus diesen zusammensetzen. Den
+Inbegriff aller dieser Transformationen bezeichnen wir als die
+Hauptgruppe[^11] räumlicher Aenderungen; geometrische Eigenschaften
+werden durch die Transformationen der Hauptgruppe nicht geändert. Auch
+umgekehrt kann man sagen: Geometrische Eigenschaften sind durch ihre
+Unveränderlichkeit gegenüber den Transformationen der Hauptgruppe
+characterisirt. Betrachtet man nämlich den Raum einen Augenblick als
+unbeweglich etc., als eine starre Mannigfaltigkeit, so hat jede Figur
+ein individuelles Interesse; von den Eigenschaften, die sie als
+Individuum hat, sind es nur die eigentlich geometrischen, welche bei den
+Aenderungen der Hauptgruppe erhalten bleiben. Dieser hier etwas
+unbestimmt formulirte Gedanke wird im weiteren Verlaufe der
+Auseinandersetzung deutlicher erscheinen.
+
+Streifen wir jetzt das mathematisch unwesentliche sinnliche Bild ab, und
+erblicken im Raume nur eine mehrfach ausgedehnte Mannigfaltigkeit, also,
+indem wir an der gewohnten Vorstellung des Punctes als Raumelement
+festhalten, eine dreifach ausgedehnte. Nach Analogie mit den räumlichen
+Transformationen reden wir von Transformationen der Mannigfaltigkeit;
+auch sie bilden Gruppen. Nur ist nicht mehr, wie im Raume, eine Gruppe
+vor den übrigen durch ihre Bedeutung ausgezeichnet; jede Gruppe ist mit
+jeder anderen gleichberechtigt. Als Verallgemeinerung der Geometrie
+entsteht so das folgende umfassende Problem:
+
+Es ist eine Mannigfaltigkeit und in derselben eine Transformationsgruppe
+gegeben; man soll die der Mannigfaltigkeit angehörigen Gebilde
+hinsichtlich solcher Eigenschaften untersuchen, die durch die
+Transformationen der Gruppe nicht geändert werden.
+
+In Anlehnung an die moderne Ausdrucksweise, die man freilich nur auf
+eine bestimmte Gruppe, die Gruppe aller linearen Umformungen, zu
+beziehen pflegt, mag man auch so sagen:
+
+Es ist eine Mannigfaltigkeit und in derselben eine Transformationsgruppe
+gegeben. Man entwickele die auf die Gruppe bezügliche
+Invariantentheorie.
+
+Dies ist das allgemeine Problem, welches die gewöhnliche Geometrie nicht
+nur, sondern namentlich auch die hier zu nennenden neueren geometrischen
+Methoden und die verschiedenen Behandlungsweisen beliebig ausgedehnter
+Mannigfaltigkeiten unter sich begreift. Was besonders betont sein mag,
+ist die Willkürlichkeit, die hinsichtlich der Wahl der zu adjungirenden
+Transformationsgruppe besteht, und die daraus fliessende und in diesem
+Sinne zu verstehende gleiche Berechtigung aller sich unter die
+allgemeine Forderung subsumirenden Betrachtungsweisen.
+
+§.2. Transformationsgruppen, von denen die eine die andere umfasst,
+werden nach einander adjungirt. Die verschiedenen Typen geometrischer
+Forschung und ihr gegenseitiges Verhältniss.
+--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Da die geometrischen Eigenschaften räumlicher Dinge durch alle
+Transformationen der Hauptgruppe ungeändert bleiben, so ist es an und
+für sich absurd, nach solchen Eigenschaften derselben zu fragen, bei
+denen dies nur gegenüber einem Theile dieser Transformationen der Fall
+ist. Diese Fragestellung wird indess berechtigt, ob auch nur formal,
+wenn wir die räumlichen Gebilde in ihrer Beziehung zu fest gedachten
+Elementen untersuchen. Betrachten wir z. B., wie in der sphärischen
+Trigonometrie, die räumlichen Dinge unter Auszeichnung eines Punctes.
+Dann ist zunächst die Forderung: die unter Adjunction der Hauptgruppe
+invarianten Eigenschaften nicht mehr der räumlichen Dinge an sich,
+sondern des von ihnen mit dem gegebenen Puncte gebildeten Systems zu
+entwickeln. Aber dieser Forderung können wir die andere Form ertheilen:
+Man untersuche die räumlichen Gebilde an sich hinsichtlich solcher
+Eigenschaften, welche ungeändert bleiben durch diejenigen
+Transformationen der Hauptgruppe, welche noch stattfinden können, wenn
+wir den Punct fest halten. Mit anderen Worten: Es ist dasselbe, ob wir
+die räumlichen Gebilde im Sinne der Hauptgruppe untersuchen und ihnen
+den gegebenen Punct hinzufügen, oder ob wir, ohne ihnen irgend ein
+Gegebenes hinzuzufügen, die Hauptgruppe durch die in ihr enthaltene
+Gruppe ersetzen, deren Transformationen den bez. Punct ungeändert
+lassen.
+
+Es ist dies ein in der Folge häufig angewandtes Princip, das wir
+desshalb gleich hier allgemein formuliren wollen; etwa in der folgenden
+Weise:
+
+Es sei eine Mannigfaltigkeit und zu ihrer Behandlung eine auf sie
+bezügliche Transformationsgruppe gegeben. Es werde das Problem
+vorgelegt, die in der Mannigfaltigkeit enthaltenen Gebilde hinsichtlich
+eines gegebenen Gebildes zu untersuchen. So kann man entweder dem
+Systeme der Gebilde das gegebene hinzufügen, und es fragt sich dann nach
+den Eigenschaften des erweiterten Systems im Sinne der gegebenen Gruppe
+— oder, man lasse das System unerweitert, beschränke aber die
+Transformationen, die man bei der Behandlung zu Grunde legt, auf
+diejenigen in der gegebenen Gruppe enthaltenen, welche das gegebene
+Gebilde ungeändert lassen (und die nothwendig wieder eine Gruppe
+bilden). —
+
+Im Gegensatze zu der zu Anfang des Paragraphen aufgeworfenen Frage
+beschäftige uns nun die umgekehrte, die von Vornherein verständlich ist.
+Wir fragen nach denjenigen Eigenschaften räumlicher Dinge, welche bei
+einer Transformationsgruppe erhalten bleiben, die die Hauptgruppe als
+einen Theil umfasst. Jede Eigenschaft, die wir bei einer solchen
+Untersuchung finden, ist eine geometrische Eigenschaft des Dings an
+sich, aber das Umgekehrte gilt nicht. Bei der Umkehr tritt vielmehr das
+eben vorgetragene Princip in Kraft, wobei die Hauptgruppe nun die
+kleinere Gruppe ist. Wir erhalten so:
+
+Ersetzt man die Hauptgruppe durch eine umfassendere Gruppe, so bleibt
+nur ein Theil der geometrischen Eigenschaften erhalten. Die übrigen
+erscheinen nicht mehr als Eigenschaften der räumlichen Dinge an sich,
+sondern als Eigenschaften des Systems, welches hervorgeht, wenn man
+denselben ein ausgezeichnetes Gebilde hinzufügt. Dieses ausgezeichnete
+Gebilde ist (soweit es überhaupt ein bestimmtes[^12] ist) dadurch
+definirt, dass es, fest gedacht, dem Raume unter den Transformationen
+der gegebenen Gruppe nur noch die Transformationen der Hauptgruppe
+gestattet.
+
+In diesem Satze beruht die Eigenart der hier zu besprechenden neueren
+geometrischen Richtungen und ihr Verhältniss zur elementaren Methode.
+Sie sind dadurch eben zu characterisiren, dass sie an Stelle der
+Hauptgruppe eine erweiterte Gruppe räumlicher Umformungen der
+Betrachtung zu Grunde legen. Ihr gegenseitiges Verhältniss ist, sofern
+sich ihre Gruppen einschliessen, durch einen entsprechenden Satz
+bestimmt. Dasselbe gilt von den verschiedenen hier zu betrachtenden
+Behandlungsweisen mehrfach ausgedehnter Mannigfaltigkeiten. Es soll dies
+nun an den einzelnen Methoden gezeigt werden, wobei denn die Sätze, die
+in diesem und dem vorigen Paragraphen allgemein hingestellt wurden, ihre
+Erläuterung an concreten Gegenständen finden.
+
+§.3. Die projectivische Geometrie.
+----------------------------------
+
+Jede räumliche Umformung, die nicht gerade der Hauptgruppe angehört,
+kann dazu benutzt werden, um Eigenschaften bekannter Gebilde auf neue
+Gebilde zu übertragen. So verwerthen wir die Geometrie der Ebene für die
+Geometrie der Flächen, die sich auf die Ebene abbilden lassen; so
+schloss man schon lange vor dem Entstehen einer eigentlichen
+projectivischen Geometrie von den Eigenschaften einer gegebenen Figur
+auf Eigenschaften anderer, die durch Projection aus ihr hervorgingen.
+Aber die projectivische Geometrie erwuchs erst, als man sich gewöhnte,
+die ursprüngliche Figur mit allen aus ihr projectivisch ableitbaren als
+wesentlich identisch zu erachten und die Eigenschaften, welche sich beim
+Projiciren übertragen, so auszusprechen, dass ihre Unabhängigkeit von
+der mit dem Projiciren verknüpften Aenderung in Evidenz tritt. Hiermit
+war denn der Behandlung im Sinne von §.1 die Gruppe aller
+projectivischen Umformungen zu Grunde gelegt und dadurch eben der
+Gegensatz zwischen projectivischer und gewöhnlicher Geometrie
+geschaffen.
+
+Ein ähnlicher Entwicklungsgang, wie der hier geschilderte, kann bei
+jeder Art von räumlicher Transformation als möglich gedacht werden; wir
+werden noch öfter darauf zurückkommen. Er hat sich innerhalb der
+projectivischen Geometrie selbst noch nach zwei Seiten vollzogen. Die
+eine Weiterbildung der Auffassung geschah durch Aufnahme der
+dualistischen Umformungen in die Gruppe der zu Grunde gelegten
+Aenderungen. Für den heutigen Standpunct sind zwei einander dualistisch
+entgegenstehende Figuren nicht mehr als zwei unterschiedene sondern als
+wesentlich dieselben Figuren anzusehen. Ein anderer Schritt bestand in
+der Erweiterung der zu Grunde gelegten Gruppe collinearer und
+dualistischer Umformungen durch Aufnahme der bez. imaginären
+Transformationen. Dieser Schritt bedingt, dass man vorher den Kreis der
+eigentlichen Raumelemente durch Hinzunahme der imaginären erweitert habe
+— ganz dem entsprechend, wie die Aufnahme der dualistischen Umformungen
+in die zu Grunde gelegte Gruppe die gleichzeitige Einführung von Punct
+und Ebene als Raumelement nach sich zieht. Es ist hier nicht der Ort,
+auf die Zweckmässigkeit der Einführung imaginärer Elemente zu verweisen,
+durch welche allein der genaue Anschluss der Raumlehre an das einmal
+gewählte Gebiet algebraischer Operationen erreicht wird. Dagegen muss
+betont werden, dass der Grund für die Einführung eben in der Betrachtung
+algebraischer Operationen, nicht aber in der Gruppe der projectivischen
+und dualistischen Umformungen liegt. So gut wir uns bei den letzteren
+auf reelle Transformationen beschränken können, da schon die reellen
+Collineationen und dualistischen Transformationen eine Gruppe bilden; —
+so gut können wir imaginäre Raumelemente einführen, auch wenn wir nicht
+auf projektivischem Standpuncte stehen, und sollen es, sofern wir
+principiell algebraische Gebilde untersuchen.
+
+Wie man vom projectivischem Standpuncte aus die metrischen Eigenschaften
+aufzufassen hat, bestimmt sich nach dem allgemeinen Satze des
+vorangehenden Paragraphen. Die metrischen Eigenschaften sind als
+projectivische Beziehungen zu einem Fundamentalgebilde, dem unendlich
+fernen Kugelkreise[^13], zu betrachten, einem Gebilde, das die
+Eigenschaft hat, nur durch diejenigen Transformationen der
+projectivischen Gruppe, die eben auch Transformationen der Hauptgruppe
+sind, in sich überzugehen. Der so schlechthin ausgesprochene Satz bedarf
+noch einer wesentlichen Ergänzung, die der Beschränkung der gewöhnlichen
+Anschauungsweise auf reelle Raumelemente (und reelle Transformationen)
+entspricht. Man muss dem Kugelkreise, um diesem Standpuncte gerecht zu
+werden, noch das System der rellen Raumelemente (Puncte) ausdrücklich
+hinzufügen; Eigenschaften im Sinne der elementaren Geometrie sind
+projectivisch entweder Eigenschaften der Dinge an sich oder Beziehungen
+zu diesem Systeme der reellen Elemente, oder zum Kugelkreise oder
+endlich zu beiden.
+
+Es mag hier noch der Art gedacht werden, wie v. Staudt in seiner
+Geometrie der Lage[2] die projectivische Geometrie aufbaut — d. h.
+diejenige projectivische Geometrie, welche sich auf Zugrundelegung der
+Gruppe aller reeller projectivisch-dualistischer Umformung
+beschränkt[^14].
+
+Es ist bekannt, wie er dabei aus dem gewöhnlichen Anschauungsmaterial
+nur solche Momente herausgreift, die auch bei projectivischen
+Umformungen erhalten bleiben. Wollte man weiterhin zur Betrachtung auch
+metrischer Eigenschaften übergehen, so hätte man die letzteren geradezu
+als Beziehungen zum Kugelkreise einzuführen. Der so vervollständigte
+Gedankengang ist für die hier vorliegenden Betrachtungen insofern von
+grosser Bedeutung, als ein entsprechender Aufbau der Geometrie im Sinne
+jeder einzelnen der noch anzuführenden Methoden möglich ist.
+
+§.4. Uebertragung durch Abbildung.
+----------------------------------
+
+Ehe wir in der Besprechung der geometrischen Methoden, die sich neben
+die elementare und die projectivische Geometrie stellen, weiter gehen,
+mögen allgemein einige Betrachtungen entwickelt werden, die im Folgenden
+immer wieder vorkommen und zu denen die bisher berührten Dinge bereits
+hinreichend viele Beispiele liefern. Auf diese Erörterungen bezieht sich
+der gegenwärtige und der nächstfolgende Paragraph.
+
+Gesetzt, man habe eine Mannigfaltigkeit A unter Zugrundelegung einer
+Gruppe B untersucht. Führt man sodann A durch irgendwelche
+Transformation in eine andere Mannigfaltigkeit A' über, so wird aus der
+Gruppe B von Aenderungen, die A in sich transformirten, nunmehr eine
+Gruppe B', deren Transformationen sich auf A' beziehen. Dann ist es ein
+selbstverständliches Princip, dass die Behandlungsweise von A unter
+Zugrundelegung von B die Behandlungsweise von A' unter Zugrundelegung
+von B' ergibt, d. h. jede Eigenschaft, welche ein in A enthaltenes
+Gebilde mit Bezug auf die Gruppe B hat, ergibt eine Eigenschaft des
+entsprechenden Gebildes in A' mit Bezug auf die Gruppe B'.
+
+Lassen wir z. B. A eine gerade Linie, B die dreifach unendlich vielen
+linearen Transformationen bedeuten, welche dieselbe in sich überführen.
+Die Behandlungsweise von A ist dann eben diejenige, welche die neuere
+Algebra als Theorie der binären Formen bezeichnet. Nun kann man die
+gerade Linie auf einen Kegelschnitt A' der Ebene durch Protection von
+einem Puncte des letzteren aus beziehen. Aus den linearen
+Transformationen B der Geraden in sich selbst werden dann die linearen
+Transformationen B' des Kegelschnittes in sich selbst, wie man leicht
+zeigt, d. h. diejenigen Aenderungen des Kegelschnittes, welche mit den
+linearen Transformationen der Ebene, die den Kegelschnitt in sich
+überführen, verknüpft sind.
+
+Es ist nun aber nach dem Princip des zweiten Paragraphen[^15] dasselbe:
+nach der Geometrie auf einem Kegelschnitte zu fragen, wenn man sich den
+Kegelschnitt als fest denkt und nur auf diejenigen linearen
+Transformationen der Ebene achtet, welche ihn in sich überführen; oder
+die Geometrie auf dem Kegelschnitte zu studiren, indem man überhaupt die
+linearen Transformationen der Ebene betrachtet und sich den Kegelschnitt
+mit ändern lässt. Die Eigenschaften, welche wir an den Punctsystemen auf
+dem Kegelschnitte auffassten, sind mithin im gewöhnlichen Sinne
+projectivische. Die Verknüpfung der letzten Ueberlegung mit dem eben
+abgeleiteten Resultate gibt also:
+
+Binäre Formentheorie und projectivische Geometrie der Punctsysteme auf
+einem Kegelschnitte ist dasselbe, d. h. jedem binären Satze entspricht
+ein Satz über derartige Punctsysteme und umgekehrt[^16].
+
+Ein anderes Beispiel, welches geeignet ist, diese Art von Betrachtungen
+zu veranschaulichen, ist das folgende: Wenn man eine Fläche zweiten
+Grades mit einer Ebene durch stereographische Projection in Verbindung
+setzt, so tritt auf der Fläche ein Fundamentalpunct auf: der
+Projectionspunct, in der Ebene sind es zwei: die Bilder der durch den
+Projectionspunct gehenden Erzeugenden. Man zeigt nun ohne Weiteres: Die
+linearen Transformationen der Ebene, welche die beiden Fundamentalpuncte
+derselben ungeändert lassen, gehen durch die Abbildung in lineare
+Transformationen der Fläche zweiten Grades in sich selbst über, aber nur
+in diejenigen, welche den Projectionspunct ungeändert lassen. Unter
+linearen Transformationen der Fläche in sich selbst sind dabei
+diejenigen Aenderungen verstanden, welche die Fläche erfährt, wenn man
+lineare Raumtransformationen ausführt, welche die Fläche mit sich selbst
+zur Deckung bringen. Hiernach wird also die projectivische Untersuchung
+einer Ebene unter Zugrundelegung zweier Puncte und die projectivische
+Untersuchung einer Fläche zweiten Grades unter Zugrundelegung eines
+Punctes identisch. Die erstere ist nun — sofern man imaginäre Elemente
+mit in Betracht zieht — nichts Anderes, als die Untersuchung der Ebene
+im Sinne der elementaren Geometrie. Denn die Hauptgruppe der ebenen
+Transformationen besteht eben in den linearen Umformungen, welche ein
+Punctepaar (die unendlich fernen Kreispuncte) ungeändert lassen. Wir
+erhalten also schliesslich:
+
+Die elementare Geometrie der Ebene und die projectivische Untersuchung
+einer Fläche zweiten Grades unter Hinzunahme eines ihrer Puncte sind
+dasselbe.
+
+Diese Beispiele liessen sich beliebig vervielfachen[^17]; die beiden
+hier entwickelten sind gewählt worden, da wir in der Folge noch
+Gelegenheit haben werden, auf dieselben zurückzukommen.
+
+§.5. Von der Willkürlichkeit in der Wahl des Raumelements. Das Hessesche
+Uebertragungsprincip. Die Liniengeometrie.
+-------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Als Element der geraden Linie, der Ebene, des Raumes, überhaupt einer zu
+untersuchenden Mannigfaltigkeit kann statt des Punctes jedes in der
+Mannigfaltigkeit enthaltene Gebilde: die Punctgruppe, ev. die Curve, die
+Fläche u. s. w. verwandt werden[^18]. Indem über die Zahl willkürlicher
+Parameter, von denen man diese Gebilde abhängig setzen will, von
+Vornherein gar Nichts fest steht, erscheinen Linie, Ebene, Raum etc. je
+nach der Wahl des Elementes mit beliebig vielen Dimensionen behaftet.
+Aber so lange wir der geometrischen Untersuchung dieselbe Gruppe von
+Aenderungen zu Grunde legen, bleibt der Inhalt der Geometrie
+unverändert, das heißt, jeder Satz, der bei einer Annahme des
+Raumelements sich ergab, ist auch ein Satz bei beliebiger anderer
+Annahme, nur die Anordnung und Verknüpfung der Sätze ist geändert.
+
+Das Wesentliche ist also die Transformationsgruppe; die Zahl der
+Dimensionen, die wir einer Mannigfaltigkeit beilegen wollen, erscheint
+als etwas Secundäres.
+
+Die Verknüpfung dieser Bemerkung mit dem Princip des vorigen Paragraphen
+ergibt eine Reihe schöner Anwendungen, von denen hier einige entwickelt
+werden mögen, da diese Beispiele mehr als alle lange Auseinandersetzung
+geeignet scheinen, den Sinn der allgemeinen Betrachtung darzulegen.
+
+Die projectivische Geometrie auf der Geraden (die Theorie der binären
+Formen) ist nach dem vorigen Paragraphen mit der projectivischen
+Geometrie auf dem Kegelschnitte gleichbedeutend. Auf letzterem mögen wir
+jetzt statt des Punctes das Punctepaar als Element betrachten
+
+Die Gesammtheit der Punctepaare des Kegelschnitts lässt sich aber auf
+die Gesammtheit der Geraden der Ebene beziehen, indem man jede Gerade
+dem Punctepaare zuordnet, in welchem sie den Kegelschnitt trifft. Bei
+dieser Abbildung gehen die linearen Transformationen des Kegelschnitts
+in sich selbst in die linearen Transformationen der (aus Geraden
+bestehend gedachten) Ebene über, welche den Kegelschnitt ungeändert
+lassen. Ob wir aber die aus den letzteren bestehende Gruppe betrachten,
+oder die Gesammtheit der linearen Transformationen der Ebene zu Grunde
+legen und den zu untersuchenden Gebilden der Ebene den Kegelschnitt
+allemal hinzufügen, ist nach §.2 gleichbedeutend. Indem wir alle diese
+Ueberlegungen zusammen nehmen, haben wir:
+
+Die Theorie der binären Formen und die projectivische Geometrie der
+Ebene unter Zugrundelegung eines Kegelschnittes sind gleichbedeutend.
+
+Da endlich projectivische Geometrie der Ebene unter Zugrundelegung eines
+Kegelschnittes eben wegen der Gleichheit der Gruppe mit der
+projectivischen Maßgeometrie coincidirt, die man in der Ebene auf einen
+Kegelschnitt gründen kann[^19], so mögen wir auch so sagen:
+
+Die Theorie der binären Formen und die allgemeine projectivische
+Maßgeometrie in der Ebene sind dasselbe.
+
+Statt des Kegelschnitts in der Ebene können wir in der vorstehenden
+Betrachtung die Curve dritter Ordnung im Raume setzen etc., doch mag
+dies unausgeführt bleiben. Der hier dargelegte Zusammenhang zwischen der
+Geometrie der Ebene, weiterhin des Raumes oder einer beliebig
+ausgedehnten Mannigfaltigkeit deckt sich im Wesentlichen mit dem von
+Hesse vorgeschlagenen Uebertragungsprincipe [7].
+
+Ein Beispiel ganz ähnlicher Art ergibt die projectivische Geometrie des
+Raumes, oder, anders ausgedrückt, die Theorie der quaternären Formen.
+Fasst man die gerade Linie als Raumelement und ertheilt ihr, wie in der
+Liniengeometrie geschieht, sechs homogene Coordinaten, zwischen denen
+eine Bedingungsgleichung vom zweiten Grade Statt findet, so erscheinen
+die linearen und dualistischen Transformationen des Raumes als
+diejenigen linearen Transformationen der unabhängig gedachten sechs
+Veränderlichen, welche die Bedingungsgleichung in sich überführen. Durch
+eine Verknüpfung ähnlicher Ueberlegungen, wie sie soeben entwickelt
+wurden, erhält man hieraus den Satz:
+
+Die Theorie der quaternären Formen deckt sich mit der projectivischen
+Maßbestimmung in einer durch 6 homogene Veränderliche erzeugten
+Mannigfaltigkeit.
+
+Wegen der näheren Ausführung dieser Auffassung verweise ich auf einen
+demnächst in den Math. Annalen (Bd. VI) erscheinenden Aufsatz: „Ueber
+die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie"[8], sowie auf eine Note am
+Schlusse dieser Mittheilung[^20].
+
+Ich knüpfe an die vorstehenden Auseinandersetzungen noch zwei
+Bemerkungen, von denen die erste zwar schon implicite in dem Bisherigen
+enthalten ist, aber ausgeführt werden soll, weil der Gegenstand, auf den
+sie sich bezieht, zu leicht Missverständnissen ausgesetzt ist.
+
+Wenn wir beliebige Gebilde als Raumelemente einführen, so erhält der
+Raum beliebig viele Dimensionen. Wenn wir dann aber an der uns
+geläufigen (elementaren oder projectivischen) Anschauungsweise
+festhalten, so ist die Gruppe, welche wir für die mehrfach ausgedehnte
+Mannigfaltigkeit zu Grunde zu legen haben, von Vorne herein gegeben; es
+ist eben die Hauptgruppe bez. die Gruppe der projectivischen
+Umformungen. Wollten wir eine andere Gruppe zu Grunde legen, so müssten
+wir von der gewöhnlichen bez. der projectivischen Anschauung abgehen. So
+richtig es also ist, dass bei geschickter Wahl der Raumelemente der Raum
+Mannigfaltigkeiten von beliebig vielen Ausdehnungen repräsentirt, so
+wichtig ist es, hinzuzufügen, dass bei dieser Repräsentation entweder
+von Vorneherein eine bestimmte Gruppe der Behandlung der
+Mannigfaltigkeit zu Grunde zu legen ist, oder dass wir, wollen wir über
+die Gruppe verfügen, unsere geometrische Auffassung entsprechend
+auszubilden haben. — Es könnte, ohne diese Bemerkung, z. B. eine
+Repräsentation der Liniengeometrie in der folgenden Weise gesucht
+werden. Die Gerade erhält in der Liniengeometrie sechs Coordinaten; eben
+so viele Coefficienten besitzt der Kegelschnitt in der Ebene. Das Bild
+der Liniengeometrie würde also die Geometrie in einem
+Kegelschnittsysteme sein, das aus der Gesammtheit der Kegelschnitte
+durch eine quadratische Gleichung zwischen den Coefficienten
+ausgesondert wird. Das ist richtig, sowie wir als Gruppe der ebenen
+Geometrie die Gesammtheit der Transformationen zu Grunde legen, die
+durch lineare Umformungen der Kegelschnitts-Coefficienten repräsentirt
+werden, welche die quadratische Bedingungsgleichung in sich überführen.
+Halten wir aber an der elementaren bez. der projectivischen Auffassung
+der ebenen Geometrie fest, so haben wir eben kein Bild.
+
+Die zweite Bemerkung bezieht sich auf folgende Begriffsbildung. Sei im
+Raume irgend eine Gruppe, etwa die Hauptgruppe gegeben. So wähle man ein
+einzelnes räumliches Gebilde, etwa einen Punct, oder eine Gerade, oder
+auch ein Ellipsoid etc. aus und wende auf dasselbe alle Transformationen
+der Hauptgruppe an. Man erhält dann eine mehrfach unendliche
+Mannigfaltigkeit mit einer Anzahl von Dimensionen, die im Allgemeinen
+gleich der Zahl der in der Gruppe enthaltenen willkürlichen Parameter
+ist, die in besonderen Fällen herabsinkt, wenn nämlich das ursprünglich
+gewählte Gebilde die Eigenschaft besitzt, durch unendlich viele
+Transformationen der Gruppe in sich übergeführt zu werden. Jede so
+erzeugte Mannigfaltigkeit heiße mit Bezug auf die erzeugende Gruppe ein
+Körper[^21]. Wollen wir nun den Raum im Sinne der Gruppe untersuchen und
+dabei bestimmte Gebilde als Raumelemente auszeichnen, und wollen wir
+nicht, dass Gleichberechtigtes ungleichartig dargestellt werde, so
+müssen wir die Raumelemente ersichtlich so wählen, dass ihre
+Mannigfaltigkeit entweder selbst einen Körper bildet oder in Körper
+zerlegt werden kann. Von dieser evidenten Bemerkung soll später (§.9)
+eine Anwendung gemacht werden. Der Körper-Begriff selbst wird im
+Schlussparagraphen in Verbindung mit verwandten Begriffen noch einmal
+zur Sprache kommen.
+
+§.6. Die Geometrie der reciproken Radien. Die Interpretation von x+iy.
+----------------------------------------------------------------------
+
+Wir kehren mit diesem Paragraphen zur Besprechung der verschiedenen
+Richtungen der geometrischen Forschung zurück, wie sie in §§.2.3
+begonnen wurde.
+
+Als ein Seitenstück zu den Betrachtungsweisen der projectivischen
+Geometrie kann man in vielfacher Hinsicht eine Classe geometrischer
+Ueberlegungen betrachten, bei denen von der Umformung durch reciproke
+Radien fortlaufender Gebrauch gemacht wird. Es gehören hierher die
+Untersuchungen über die sog. Cycliden und anallagmatische Flächen, über
+die allgemeine Theorie der Orthogonalsysteme, ferner Untersuchungen über
+das Potential etc. Wenn man die in denselben enthaltenen Betrachtungen
+noch nicht gleich den projectivischen zu einer besonderen Geometrie
+zusammengefasst hat, die dann als Gruppe die Gesammtheit derjenigen
+Umformungen zu Grunde zu legen hätte, welche durch Verbindung der
+Hauptgruppe mit der Transformation durch reciproke Radien entstehen, so
+ist das wohl dem zufälligen Umstande zuzuschreiben, dass die genannten
+Theorien seither nicht im Zusammenhange dargestellt worden sind; den
+einzelnen Autoren, die in dieser Richtung arbeiteten, wird eine solche
+methodische Auffassung nicht fern gelegen haben.
+
+Die Parallele zwischen dieser Geometrie der reciproken Radien und der
+projectivischen ergibt sich, sowie einmal die Frage nach einem
+Vergleiche vorhanden ist, von selbst, und es mag daher nur ganz im
+Allgemeinen auf die folgenden Puncte aufmerksam gemacht werden:
+
+In der projectivischen Geometrie sind Punct, Gerade, Ebene die
+Elementar-Begriffe. Kreis und Kugel sind nur specielle Fälle von
+Kegelschnitt und Fläche zweiten Grades. Das unendlich Ferne der
+elementaren Geometrie erscheint als Ebene; das Fundamentalgebilde, auf
+welches sich die elementare Geometrie bezieht, ist ein unendlich ferner,
+imaginärer Kegelschnitt.
+
+In der Geometrie der reciproken Radien sind Punct, Kreis und Kugel die
+Elementarbegriffe. Gerade und Ebene sind specielle Fälle der letzteren,
+dadurch charakterisirt, dass sie einen, im Sinne der Methode übrigens
+nicht weiter ausgezeichneten Punct, den unendlich fernen Punct
+enthalten. Die elementare Geometrie erwächst, so wie man diesen Punct
+fest denkt.
+
+Die Geometrie der reciproken Radien ist einer Einkleidung fähig, welche
+sie neben die Theorie der binären Formen und die Liniengeometrie stellt,
+falls man die letzteren in der Weise behandelt, wie das im vorigen
+Paragraphen angedeutet wurde. Wir mögen zu diesem Zwecke die Betrachtung
+zunächst auf ebene Geometrie und also auf Geometrie der reciproken
+Radien in der Ebene[^22] beschränken.
+
+Es wurde bereits des Zusammenhangs gedacht, der zwischen der elementaren
+Geometrie der Ebene und der projectivischen Geometrie der mit einem
+ausgezeichneten Puncte versehenen Fläche zweiten Grades besteht (§.4).
+Sieht man von dem ausgezeichneten Puncte ab und betrachtet also die
+projectivische Geometrie auf der Fläche an sich, so hat man ein Bild der
+Geometrie der reciproken Radien in der Ebene. Denn man überzeugt sich
+leicht[^23], dass der Transformationsgruppe der reciproken Radien in der
+Ebene vermöge der Abbildung der Fläche zweiten Grades die Gesammtheit
+der linearen Transformationen der letzteren in sich selbst entspricht.
+Man hat also:
+
+Geometrie der reciproken Radien in der Ebene und projectivische
+Geometrie auf einer Fläche zweiten Grades ist dasselbe,
+
+und ganz entsprechend:
+
+Geometrie der reciproken Radien im Raume ist mit der projectivischen
+Behandlung einer Mannigfaltigkeit gleichbedeutend, die durch eine
+quadratische Gleichung zwischen fünf homogenen Veränderlichen
+dargestellt wird.
+
+Die Raumgeometrie ist also durch die Geometrie der reciproken Radien in
+ganz dieselbe Verbindung mit einer Mannigfaltigkeit von vier Dimensionen
+gesetzt, wie vermöge der Liniengeometrie mit einer Mannigfaltigkeit von
+fünf Ausdehnungen.
+
+Die Geometrie der reciproken Radien in der Ebene gestattet, sofern man
+nur auf reelle Transformationen achten will, noch nach einer anderen
+Seite eine interessante Darstellung, resp. Verwendung. Breitet man
+nämlich eine complexe Variable x+iy in gewöhnlicher Weise in der Ebene
+aus, so entspricht ihren linearen Transformationen die Gruppe der
+reciproken Radien, mit der erwähnten Beschränkung auf das Reelle. Die
+Untersuchung der Functionen einer complexen Veränderlichen, die
+beliebigen linearen Transformationen unterworfen gedacht ist, ist aber
+nichts Anderes, als was bei einer etwas abgeänderten Darstellungsweise
+Theorie der binären Formen genannt wird. Also:
+
+Die Theorie der binären Formen findet ihre Darstellung durch die
+Geometrie der reciproken Radien in der reellen Ebene, so zwar, dass auch
+die complexen Werthe der Variabeln repräsentirt werden.
+
+Von der Ebene mögen wir, um in den gewohnteren Vorstellungskreis der
+projectivischen Umformungen zu gelangen, zur Fläche zweiten Grades
+aufsteigen. Da wir nur reelle Elemente der Ebene betrachteten, ist es
+nicht mehr gleichgültig, wie man die Fläche wählt; sie ist ersichtlich
+nicht geradlinig zu nehmen. Insbesondere können wir uns dieselbe — wie
+man das zur Interpretation einer complexen Veränderlichen auch sonst
+thut — als Kugelfläche denken und erhalten so den Satz:
+
+Die Theorie der binären Formen complexer Variablen findet ihre
+Repräsentation in der projectivischen Geometrie der reellen Kugelfläche.
+
+Ich habe mir nicht versagen mögen, in einer Note[^24] noch
+auseinanderzusetzen, wie schön dieses Bild die Theorie der binären
+cubischen und biquadratischen Formen erläutert.
+
+§.7. Erweiterungen des Vorangehenden. Lies Kugelgeometrie.
+----------------------------------------------------------
+
+An die Theorie der binären Formen, die Geometrie der reciproken Radien
+und die Liniengeometrie, welche im Vorstehenden coordinirt und nur durch
+die Zahl der Veränderlichen unterschieden scheinen, lassen sich gewisse
+Erweiterungen knüpfen, die nun auseinandergesetzt werden mögen.
+Dieselben sollen einmal dazu beitragen, den Gedanken, dass die Gruppe,
+welche die Behandlungsweise gegebener Gebiete bestimmt, beliebig
+erweitert werden kann, an neuen Beispielen zu erläutern; dann aber ist
+namentlich die Absicht gewesen, Betrachtungen, welche Lie in einer
+neueren Abhandlung niedergelegt hat[^25], in ihrer Beziehung zu den hier
+vorgetragenen Ueberlegungen darzulegen. Der Weg, auf welchem wir zu Lies
+Kugelgeometrie gelangen, weicht insofern von dem von Lie eingeschlagenen
+ab, als Lie an liniengeometrische Vorstellungen anknüpft, während wir,
+um uns mehr der gewöhnlichen geometrischen Anschauung anzuschliessen und
+im Zusammenhange mit dem Vorhergehenden zu bleiben, bei den bez.
+Auseinandersetzungen eine geringere Zahl von Veränderlichen
+voraussetzen. Die Betrachtungen sind, wie bereits Lie selbst
+hervorgehoben hat (Göttinger Nachrichten 1871. N. 7, 22 [11]) von der
+Zahl der Variabeln unabhängig. Sie gehören dem grossen Kreise von
+Untersuchungen an, welche sich mit der projectivischen Untersuchung
+quadratischer Gleichungen zwischen beliebig vielen Veränderlichen
+beschäftigen, Untersuchungen, die wir bereits öfter berührt haben und
+die uns noch wiederholt begegnen werden (vergl. §.10 u. a.)
+
+Ich knüpfe an den Zusammenhang an, der zwischen der reellen Ebene und
+der Kugelfläche durch stereographische Projection hergestellt wird. Wir
+setzten bereits in §.5 die Geometrie der Ebene mit der Geometrie auf
+einem Kegelschnitte in Verbindung, indem wir der Geraden der Ebene das
+Punctepaar zuordneten, in welchem sie den Kegelschnitt trifft.
+Entsprechend können wir einen Zusammenhang zwischen der Raumgeometrie
+und der Geometrie auf der Kugel aufstellen, indem wir jeder Ebene des
+Raumes den Kreis zuordnen, in welchem sie die Kugel schneidet.
+Uebertragen wir dann durch stereographische Projection die Geometrie auf
+der Kugel von derselben auf die Ebene, wobei jeder Kreis in einen Kreis
+übergeht, so entsprechen einander also:
+
+- die Raumgeometrie, welche als Element die Ebene, als Gruppe
+ diejenigen linearen Transformationen benutzt, welche eine Kugel in
+ sich überführen;
+- die ebene Geometrie, deren Element der Kreis, deren Gruppe die
+ Gruppe der reciproken Radien ist.
+
+Die erstere Geometrie wollen wir nun nach zwei Seiten verallgemeinern,
+indem wir statt ihrer Gruppe eine umfassendere setzen. Die resultirende
+Erweiterung überträgt sich dann durch die Abbildung ohne Weiteres auf
+ebene Geometrie.
+
+Statt der linearen Transformationen des aus Ebenen bestehenden Raumes,
+welche die Kugel in sich überführen, liegt es nahe, entweder die
+Gesammtheit der linearen Transformationen des Raumes, oder die
+Gesammtheit der Ebenen-Transformationen des Raumes zu wählen, welche die
+Kugel ungeändert lassen, indem wir das eine Mal von der Kugel, das
+andere Mal von dem linearen Character der anzuwendenden Transformationen
+absehen. Die erste Verallgemeinerung ist ohne Weiteres verständlich und
+wir mögen sie also zuerst betrachten und in ihrer Bedeutung für ebene
+Geometrie verfolgen; auf die zweite kommen wir hernach zurück, wobei es
+sich denn zunächst darum handelt, die allgemeinste betreffende
+Transformation zu bestimmen.
+
+Die linearen Transformationen des Raumes haben die Eigenschaft gemein,
+Ebenenbüschel und Ebenenbündel wieder in solche überzuführen. Aber auf
+die Kugel übertragen ergibt das Ebenenbüschel ein Kreisbüschel, d. h.
+eine einfach unendliche Reihe von Kreisen mit gemeinsamen
+Schnittpunkten; das Ebenenbündel ergibt ein Kreisbündel, d. h. eine
+zweifach unendliche Schaar von Kreisen, die auf einem festen Kreise
+senkrecht stehen (dem Kreise, dessen Ebene die Polarebene des den Ebenen
+des geg. Bündels gemeinsamen Punctes ist). Den linearen Transformationen
+des Raumes entsprechen also auf der Kugel und weiterhin in der Ebene
+Kreistransformationen von der characteristischen Eigenschaft,
+Kreisbüschel und Kreisbündel in ebensolche überzuführen[^26]. Die ebene
+Geometrie welche die Gruppe der so gewonnenen Transformationen benutzt,
+ist das Bild der gewöhnlichen projectivischen Raumgeometrie. Als Element
+der Ebene wird man in dieser Geometrie nicht den Punct benutzen können,
+da die Puncte für die gewählte Transformationsgruppe keinen Körper
+bilden (§.5), sondern man wird die Kreise als Elemente wählen.
+
+Bei der zweiten Erweiterung, die wir nannten, gilt es zunächst die Frage
+nach der Art der bez. Transformationsgruppe erledigen. Es handelt sich
+darum, Ebenen-Transformationen zu finden, die aus jedem Ebenenbündel,
+dessen Scheitel auf der Kugel liegt, wieder ein solches Bündel machen.
+Wir mögen der kürzeren Ausdrucksweise wegen zunächst die Frage
+dualistisch umkehren und überdies einen Schritt in der Zahl der
+Dimensionen hinab gehen; wir wollen also nach Puncttransformationen der
+Ebene fragen, welche aus jeder Tangente eines gegebenen Kegelschnittes
+wiederum eine Tangente erzeugen. Zu dem Zwecke betrachten wir die Ebene
+mit ihrem Kegelschnitte als Bild einer Fläche zweiten Grades, die man
+von einem nicht auf ihr befindlichen Raumpuncte aus so auf die Ebene
+projicirt hat, dass der bez. Kegelschnitt die Uebergangscurve vorstellt.
+Den Tangenten des Kegelschnitts entsprechen die Erzeugenden der Fläche,
+und die Frage ist auf die andere zurückgeführt nach der Gesammtheit der
+Puncttransformationen der Fläche in sich selbst, bei denen die
+Erzeugenden Erzeugende bleiben.
+
+Solcher Transformationen gibt es nun zwar beliebig unendlich viele: denn
+man braucht nur den Punct der Fläche als Durchschnitt der Erzeugenden
+zweierlei Art zu betrachten und jedes der Geraden-Systeme beliebig in
+sich zu transformiren. Aber unter den Transformationen sind insbesondere
+die linearen. Nur auf diese wollen wir achten. Hätten wir nämlich nicht
+mit einer Fläche, sondern mit einer mehrfach ausgedehnten
+Mannigfaltigkeit zu thun, die durch eine quadratische Gleichung
+repräsentirt wird, so blieben nur die linearen Transformationen, die
+anderen kämen in Wegfall[^27].
+
+Diese linearen Transformationen der Fläche in sich selbst ergeben, durch
+(nicht stereographische) Projection auf die Ebene übertragen,
+zweideutige Puncttransformationen, vermöge deren aus jeder Tangente des
+Kegelschnittes, der die Uebergangscurve bildet, allerdings wieder eine
+Tangente wird, aus jeder anderen Geraden aber im Allgemeinen ein
+Kegelschnitt, der die Uebergangscurve doppelt berührt. Es lässt sich
+diese Transformationsgruppe passend characterisiren, wenn man auf den
+Kegelschnitt, der die Uebergangscurve bildet, eine projectivische
+Maßbestimmung gründet. Die Transformationen haben dann die Eigenschaft,
+Puncte, welche im Sinne der Maßbestimmung von einander eine Entfernung
+gleich Null haben, sowie Puncte, welche von einem anderen Puncte eine
+constante Entfernung haben, wieder in solche Puncte zu verwandeln.
+
+Alle diese Betrachtungen lassen sich auf beliebig viele Variabeln
+übertragen, insbesondere also für die ursprüngliche Fragestellung, die
+sich auf die Kugel und die Ebene als Element bezog, verwerthen. Man kann
+dem Resultate dabei eine besonders anschauliche Form geben, weil der
+Winkel, den zwei Ebenen im Sinne der auf eine Kugel gegründeten
+projectivischen Maßbestimmung mit einander bilden, mit dem Winkel gleich
+ist, den ihre Durchschnittskreise mit der Kugel im gewöhnlichen Sinne
+mit einander bilden.
+
+Wir erhalten also auf der Kugel und weiterhin auf der Ebene eine Gruppe
+von Kreistransformationen, welche die Eigenschaft haben, Kreise, die
+einander berühren (einen Winkel gleich Null einschliessen), sowie
+Kreise, die einen anderen Kreis unter gleichem Winkel schneiden, in eben
+solche Kreise überzuführen. In der Gruppe dieser Transformationen sind
+auf der Kugel die bez. linearen, in der Ebene die Transformationen der
+Gruppe der reciproken Radien enthalten.
+
+Die auf diese Gruppe zu gründende Kreisgeometrie ist nun das Analogon zu
+der Kugelgeometrie, wie sie Lie für den Raum entworfen hat, und wie sie
+bei Untersuchungen über Krümmung der Flächen von ausgezeichneter
+Bedeutung scheint. Sie schliesst die Geometrie der reciproken Radien in
+demselben Sinne in sich, wie letztere wieder die elementare Geometrie. —
+
+Die nunmehr gewonnenen Kreis-(Kugel-)Transformationen haben insbesondere
+die Eigenschaft, sich berührende Kreise (Kugeln) in eben solche
+überzuführen. Betrachtet man alle Curven (Flächen) als Umhüllungsgebilde
+von Kreisen (Kugeln), so werden in Folge dessen Curven (Flächen), die
+sich berühren, immer in wieder solche übergehen. Die fraglichen
+Transformationen gehören also in die Classe der später allgemein zu
+betrachtenden Berührungstransformationen, d. h. solcher Umformungen, bei
+denen Berührung von Punctgebilden eine invariante Beziehung ist. Die im
+vorliegenden Paragraphen zuerst erwähnten Kreistransformationen, denen
+man analoge Kugeltransformationen an die Seite stellen kann, sind keine
+Berührungstransformationen. —
+
+Wurden vorstehend die zweierlei Erweiterungen nur an die Geometrie der
+reciproken Radien angeknüpft, so gelten dieselben in entsprechender
+Weise für Liniengeometrie, überhaupt für die projectivische Untersuchung
+einer durch eine quadratische Gleichung ausgeschiedenen
+Mannigfaltigkeit, wie bereits angedeutet wurde, hier aber nicht weiter
+ausgeführt werden soll.
+
+§.8. Aufzählung weiterer Methoden, denen eine Gruppe von
+Puncttransformationen zu Grunde liegt.
+-----------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Elementare Geometrie, Geometrie der reciproken Radien und auch
+projectivische Geometrie, sofern man von den mit Wechsel des
+Raumelements verknüpften dualistischen Umformungen absieht, subsumiren
+sich als einzelne Glieder unter die grosse Menge von denkbaren
+Betrachtungsweisen, welche überhaupt Gruppen von Puncttransformationen
+zu Grunde legen. Wir mögen hier nur die folgenden drei Methoden, die
+hierin mit den genannten übereinstimmen, hervorheben. Sind diese
+Methoden auch lange nicht in dem Maße, wie die projectivische Geometrie,
+zu selbständigen Disciplinen entwickelt, so treten sie doch deutlich
+erkennbar in den neueren Untersuchungen auf.
+
+1. Die Gruppe der rationalen Umformungen.
+
+Bei rationalen Umformungen muss wohl unterschieden werden, ob dieselben
+für alle Puncte des Gebietes, in welchem man operirt, also des Raumes
+oder der Ebene etc., rational sind, oder nur für die Puncte einer in dem
+Gebiete enthaltenen Mannigfaltigkeit, einer Fläche, einer Curve. Nur die
+ersteren sind zu verwenden, wenn es gilt, im bisherigen Sinne eine
+Geometrie des Raumes, der Ebene zu entwerfen; die letzteren gewinnen von
+dem hier gegebenen Standpuncte aus erst Bedeutung, wenn Geometrie auf
+einer gegebenen Fläche, Curve studirt werden soll. Dieselbe
+Unterscheidung gilt bei der sogleich anzuführenden Analysis situs.
+
+Die seitherigen Untersuchungen, hier wie dort, haben sich aber
+wesentlich mit Transformationen der zweiten Art beschäftigt. Insofern
+dabei nicht die Frage nach der Geometrie auf der Fläche, der Curve war,
+es sich vielmehr darum handelte, Criterien zu finden, damit zwei
+Flächen, Curven in einander transformirt werden können, treten diese
+Untersuchungen aus dem Kreise der hier zu betrachtenden heraus. Der hier
+aufgestellte allgemeine Schematismus umspannt eben nicht die Gesammtheit
+mathematischer Forschung überhaupt, sondern er bringt nur gewisse
+Richtungen unter einen gemeinsamen Gesichtspunct.
+
+Für eine Geometrie der rationalen Umformungen, wie sie sich unter
+Zugrundelegung der Transformationen der ersten Art ergeben muss, sind
+bis jetzt erst die Anfänge vorhanden. Im Gebiete erster Stufe, auf der
+geraden Linie, sind die rationalen Umformungen mit den linearen
+identisch und liefern also nichts Neues. In der Ebene kennt man freilich
+die Gesammtheit der rationalen Umformungen (der Cremonaschen
+Transformationen), man weiss, dass sie sich durch Zusammensetzung
+quadratischer erzeugen lassen. Man kennt auch invariante Charactere der
+ebenen Curven: ihr Geschlecht, die Existenz der Moduln; aber eigentlich
+zu einer Geometrie der Ebene in dem hier gemeinten Sinne entwickelt sind
+diese Betrachtungen noch nicht. Im Raume ist die ganze Theorie noch erst
+im Entstehen begriffen. Von den rationalen Umformungen kennt man bis
+jetzt nur wenige und benutzt dieselben, um bekannte Flächen mit
+unbekannten durch Abbildung in Verbindung zu setzen. —
+
+2. Die Analysis situs.
+
+In der sog. Analysis situs sucht man das Bleibende gegenüber solchen
+Umformungen, die aus unendlich kleinen Verzerrungen durch
+Zusammensetzung entstehen. Auch hier muss man, wie bereits gesagt,
+unterscheiden, ob das ganze Gebiet, also etwa der Raum, als Object der
+Transformationen gedacht werden soll, oder nur eine aus ihm
+ausgesonderte Mannigfaltigkeit, eine Fläche. Die Transformationen der
+ersten Art sind es, die man einer Raumgeometrie würde zu Grunde legen
+können. Ihre Gruppe wäre wesentlich anders constituirt, als die bisher
+betrachteten es waren. Indem sie alle Transformationen umfasst, die sich
+aus reell gedachten unendlich kleinen Puncttransformationen
+zusammensetzen, trägt sie die principielle Beschränkung auf reelle
+Raumelemente in sich, und bewegt sich auf dem Gebiete der willkürlichen
+Function. Man kann diese Transformationsgruppe nicht ungeschickt
+erweitern, indem man sie noch mit den reellen Collineationen, die auch
+das unendlich Ferne modificiren, verbindet. —
+
+3. Die Gruppe aller Puncttransformationen.
+
+Wenn gegenüber dieser Gruppe keine Fläche mehr individuelle
+Eigenschaften besitzt, da jede in jede andere durch Transformationen der
+Gruppe übergeführt werden kann, so sind es höhere Gebilde, bei deren
+Untersuchung die Gruppe mit Vortheil Anwendung findet. Bei der
+Auffassung der Geometrie, wie sie hier zu Grunde gelegt ist, kann es
+gleichgültig sein, wenn diese Gebilde seither nicht sowohl als
+geometrische sondern nur als analytische betrachtet wurden, die
+gelegentlich geometrische Anwendung fanden, und wenn man bei ihrer
+Untersuchung Processe anwandte (wie eben beliebige
+Puncttransformationen), die man erst in neuerer Zeit bewusst als
+geometrische Umformungen aufzufassen begonnen hat. Unter diese
+analytischen Gebilde gehören vor allen die homogenen
+Differentialausdrücke, sodann auch die partiellen
+Differentialgleichungen. Bei der allgemeinen Discussion der letzteren
+scheint aber, wie in dem folgenden Paragraphen ausgeführt wird, die
+umfassendere Gruppe aller Berührungstransformationen noch vorteilhafter.
+
+Der Hauptsatz, der in der Geometrie, welche die Gruppe aller
+Puncttransformationen zu Grunde legt, in Geltung ist, ist der, dass eine
+Puncttransformation für eine unendlich kleine Partie des Raumes immer
+den Werth einer linearen Transformation hat. Die Entwickelungen der
+projectivischen Geometrie haben also nun ihren Werth für das
+Unendlichkleine, und hierin liegt, mag sonst die Wahl der Gruppe bei
+Behandlung von Mannigfaltigkeiten willkürlich sein — hierin liegt ein
+auszeichnender Character für die projectivische Anschauungsweise.
+
+Nachdem nun schon lange von dem Verhältnisse der Betrachtungsweisen, die
+einander einschliessende Gruppen zu Grunde legen, nicht mehr die Rede
+war, mag hier noch einmal ein Beispiel für die allgemeine Theorie des
+§.2 gegeben werden. Wir mögen uns die Frage vorlegen, wie denn vom
+Standpuncte „aller Puncttransformationen" projectivische Eigenschaften
+aufzufassen sind, wobei von den dualistischen Umformungen, die
+eigentlich mit zur Gruppe der projectivischen Geometrie gehören,
+abgesehen werden mag. Die Frage deckt sich dann mit der andern: durch
+welche Bedingung aus der Gesammtheit der Puncttransformationen die
+Gruppe der linearen ausgeschieden wird. Das Characteristische der
+letzteren ist, dass sie jeder Ebene eine Ebene zuordnen: sie sind
+diejenigen Puncttransformationen, vermöge deren die Mannigfaltigkeit der
+Ebenen (oder, was auf dasselbe hinaus kommt, der geraden Linien)
+erhalten bleibt. Die projectivische Geometrie ist aus der Geometrie
+aller Puncttransformationen ebenso durch Adjunction der Mannigfaltigkeit
+der Ebenen zu gewinnen, wie die elementare Geometrie aus der
+projectivischen durch Adjunction des unendlich fernen Kugelkreises.
+Insbesondere haben wir z. B. vom Standpuncte aller Puncttransformationen
+die Bezeichnung einer Fläche als einer algebraischen von einer gewissen
+Ordnung als eine invariante Beziehung zur Mannigfaltigkeit der Ebenen
+aufzufassen. Es wird dies recht deutlich, wenn man, mit Grassmann, die
+Erzeugung der algebraischen Gebilde an ihre lineale Construction knüpft.
+
+§.9. Von der Gruppe aller Berührungstransformationen.
+-----------------------------------------------------
+
+Berührungstransformationen sind zwar in einzelnen Fällen schon lange
+betrachtet; auch hat Jacobi bei analytischen Untersuchungen bereits von
+den allgemeinsten Berührungstransformationen Gebrauch gemacht; aber in
+die lebendige geometrische Anschauung wurden sie erst durch neuere
+Arbeiten von Lie eingeführt[^28]. Es ist daher wohl nicht überflüssig,
+hier ausdrücklich auseinanderzusetzen, was eine Berührungstransformation
+ist, wobei wir uns, wie immer, auf den Punctraum mit seinen drei
+Dimensionen beschränken.
+
+Unter einer Berührungstransformation hat man, analytisch zu reden, jede
+Substitution zu verstehen, welche die Variabel-Werthe x, y, z und ihre
+partiellen Differentialquotienten dz/dx = p, dz/dy = q durch neue x',
+y', z', p', q' ausdrückt. Dabei gehen, wie ersichtlich, sich berührende
+Flächen im Allgemeinen wieder in sich berührende Flächen über, was den
+Namen Berührungstransformation begründet. Die Berührungstransformationen
+zerfallen, wenn man vom Puncte als Raumelement ausgeht, in drei Classen:
+solche, die den dreifach unendlich vielen Puncten wieder Puncte zuordnen
+— das sind die eben betrachteten Puncttransformationen —, solche, die
+sie in Curven, endlich solche, die sie in Flächen überführen. Diese
+Eintheilung hat man insofern nicht als eine wesentliche zu betrachten,
+als bei Benutzung anderer dreifach unendlich vieler Raumelemente, etwa
+der Ebenen, allerdings wieder eine Theilung in drei Gruppen eintritt,
+die aber mit der Theilung, die unter Zugrundelegung der Puncte statt
+fand, nicht coincidirt.
+
+Wenden wir auf einen Punct alle Berührungstransformationen an, so geht
+er in die Gesammtheit aller Puncte, Curven und Flächen über. In ihrer
+Gesammtheit erst bilden also Puncte, Curven und Flächen einen Körper
+unserer Gruppe. Man mag daraus die allgemeine Regel abnehmen, dass die
+formale Behandlung eines Problems im Sinne aller
+Berührungstransformationen (also etwa die sogleich vorzutragende Theorie
+der partiellen Differentialgleichungen) eine unvollkommene werden muss,
+sowie man mit Punct- (oder Ebenen-) Coordinaten operirt, da die zu
+Grunde gelegten Raumelemente eben keinen Körper bilden.
+
+Alle in dem gen. Körper enthaltene Individuen als Raumelemente
+einzuführen, geht aber, will man in Verbindung mit den gewöhnlichen
+Methoden bleiben, nicht an, da deren Zahl unendlichfach unendlich ist.
+Hierin liegt die Notwendigkeit, bei diesen Betrachtungen nicht den
+Punct, nicht die Curve oder die Fläche, sondern das Flächenelement,
+d. h. das Werthsystem x, y, z, p, q als Raumelement einzuführen. Bei
+jeder Berührungstransformation wird aus jedem Flächenelemente ein neues;
+die fünffach unendlich vielen Flächenelemente bilden also einen Körper.
+
+Bei diesem Standpuncte muss man Punct, Curve, Fläche gleichmässig als
+Aggregate von Flächenelementen auffassen, und zwar von zweifach
+unendlich vielen. Denn die Fläche wird von ∞^2 Elementen bedeckt,
+die Curve von ebenso vielen berührt, durch den Punct gehen ∞^2
+hindurch. Aber diese zweifach unendlichen Aggregate von Elementen haben
+noch eine characteristische Eigenschaft gemein. Man bezeichne als
+vereinigte Lage zweier consecutiven Flächenelemente x, y, z, p, q und
+x+dx, y+dy, z+dz, p+dp, q+dq die Beziehung, welche durch
+dz - pdx - qdy = 0
+ dargestellt wird. So sind Punct, Curve, Fläche übereinstimmend zweifach
+unendliche Mannigfaltigkeiten von Elementen, deren jedes mit den einfach
+unendlich vielen ihm benachbarten vereinigt liegt. Dadurch sind Punct,
+Curve, Fläche gemeinsam characterisirt, und so müssen sie auch, wenn man
+die Gruppe der Berührungstransformationen zu Grunde legen will,
+analytisch repräsentirt werden.
+
+Die vereinigte Lage consecutiver Elemente ist eine bei beliebiger
+Berührungstransformation invariante Beziehung. Aber auch umgekehrt
+können die Berührungstransformationen definirt werden als diejenigen
+Substitutionen der fünf Veränderlichen x, y, z, p, q, vermöge deren die
+Relation dz-pdx-qdy=0 in sich selbst übergeführt wird. Der Raum ist also
+bei diesen Untersuchungen als eine Mannigfaltigkeit von fünf Dimensionen
+anzusehen und diese Mannigfaltigkeit hat man zu behandeln, indem man als
+Gruppe die Gesammtheit aller Transformationen der Variabeln zu Grunde
+legt, welche eine bestimmte Relation zwischen den Differentialen
+ungeändert lassen.
+
+Gegenstand der Untersuchung werden in erster Linie diejenigen
+Mannigfaltigkeiten, welche durch eine oder mehrere Gleichungen zwischen
+den Variabein dargestellt werden, d. h. die partiellen
+Differentialgleichungen erster Ordnung und ihre Systeme. Eine Hauptfrage
+wird, wie sich aus den Mannigfaltigkeiten von Elementen, die gegebenen
+Gleichungen genügen, einfach, zweifach unendliche Reihen von Elementen
+ausscheiden lassen, deren jedes mit einem benachbarten vereinigt liegt.
+Auf eine solche Frage läuft z. B. die Aufgabe der Lösung einer
+partiellen Differentialgleichung erster Ordnung hinaus. Man soll — so
+kann man sie formuliren — aus den vierfach unendlich vielen Elementen,
+die der Gleichung genügen, alle zweifach unendlichen Mannigfaltigkeiten
+der bewussten Art ausscheiden. Insbesondere die Aufgabe der
+vollständigen Lösung nimmt jetzt die präcise Form an: man soll die
+vierfach unendlich vielen Elemente, die der Gleichung genügen, auf eine
+Weise in zweifach unendlich viele derartige Mannigfaltigkeiten zerlegen.
+
+Ein Verfolg dieser Betrachtung über partielle Differentialgleichungen
+kann hier nicht in der Absicht liegen; ich verweise in Bezug hierauf auf
+die citirten Lieschen Arbeiten. Es sei nur noch hervorgehoben, dass für
+den Standpunct der Berührungstransformationen eine partielle
+Differentialgleichung erster Ordnung keine Invariante hat, dass jede in
+jede andere übergeführt werden kann, dass also namentlich die linearen
+Gleichungen nicht weiter ausgezeichnet sind. Unterscheidungen treten
+erst ein, wenn man zu dem Standpuncte der Puncttransformationen
+zurückgeht.
+
+Die Gruppen der Berührungstransformationen, der Puncttransformationen,
+endlich der projectivischen Umformungen lassen sich in einer
+einheitlichen Weise characterisiren, die ich hier nicht unterdrücken
+mag[^29]. Berührungstransformationen wurden bereits definirt als
+diejenigen Umformungen, bei denen die vereinigte Lage consecutiver
+Flächenelemente erhalten bleibt. Die Puncttransformationen haben dagegen
+die characteristische Eigenschaft, vereinigt gelegene consecutive
+Linienelemente in eben solche zu verwandeln: die linearen und
+dualistischen Transformationen endlich bewahren die vereinigte Lage
+consecutiver Connex-Elemente. Unter einem Connex-Elemente verstehe ich
+die Vereinigung eines Flächenelementes mit einem in ihm enthaltenen
+Linienelemente; consecutive Connexelemente heißen vereinigt gelegen,
+wenn nicht nur der Punct sondern auch das Linienelement des einen in dem
+Flächenelemente des anderen enthalten ist. Die (übrigens vorläufige)
+Bezeichnung: Connexelement bezieht sich auf die von Clebsch
+neuerdings[^30] in die Geometrie eingeführten Gebilde, welche durch eine
+Gleichung dargestellt werden, die gleichzeitig eine Reihe Punct-, eine
+Reihe Ebenen- und eine Reihe Liniencoordinaten enthalten, und deren
+Analoga in der Ebene Clebsch als Connexe bezeichnet.
+
+§.10. Ueber beliebig ausgedehnte Mannigfaltigkeiten.
+----------------------------------------------------
+
+Es wurde bereits wiederholt hervorgehoben, wie bei der Anknüpfung der
+bisherigen Auseinandersetzungen an die räumliche Vorstellung nur der
+Wunsch maßgebend war, die abstracten Begriffe durch Anlehnung an
+anschauliche Beispiele leichter entwickeln zu können. An und für sich
+sind die Betrachtungen von dem sinnlichen Bilde unabhängig und gehören
+dem allgemeinen Gebiete mathematischer Forschung an, das man als die
+Lehre von den ausgedehnten Mannigfaltigkeiten, oder (nach Grassmann)
+kurz als Ausdehnungslehre bezeichnet. Wie man die Uebertragung des
+Vorhergehenden vom Raume auf den blossen Mannigfaltigkeitsbegriff zu
+bewerkstelligen hat, ist ersichtlich. Es sei dabei nur noch einmal
+bemerkt, dass wir bei der abstracten Untersuchung, der Geometrie
+gegenüber, den Vortheil haben, die Gruppe von Transformationen, welche
+wir zu Grunde legen wollen, ganz willkürlich wählen zu können, während
+in der Geometrie eine kleinste Gruppe, die Hauptgruppe, von Vornherein
+gegeben war.
+
+Wir mögen hier nur die folgenden drei Behandlungsweisen, und auch diese
+ganz kurz berühren.
+
+1. Die projectivische Behandlungsweise oder die moderne Algebra
+(Invariantentheorie).
+
+Ihre Gruppe besteht in der Gesammtheit der linearen und dualistischen
+Transformationen der zur Darstellung des Einzelnen in der
+Mannigfaltigkeit verwendeten Veränderlichen; sie ist die
+Verallgemeinerung der projectivischen Geometrie. Es wurde bereits
+hervorgehoben wie diese Behandlungsweise bei der Discussion des
+unendlich Kleinen in einer um eine Dimension mehr ausgedehnten
+Mannigfaltigkeit zur Verwendung kommt. Sie schliesst die beiden noch zu
+nennenden Behandlungsweisen in dem Sinne ein, als ihre Gruppe die bei
+jenen zu Grunde zu legende Gruppe umfasst.
+
+2. Die Mannigfaltigkeit von constantem Krümmungsmaße.
+
+Die Vorstellung einer solchen erwuchs bei Riemann aus der allgemeineren
+einer Mannigfaltigkeit, in der ein Differentialausdruck der
+Veränderlichen gegeben ist. Die Gruppe besteht bei ihm aus der
+Gesammtheit der Transformationen der Variabeln, welche den gegebenen
+Ausdruck ungeändert lassen. Von einer andern Seite kommt man zur
+Vorstellung einer Mannigfaltigkeit von constanter Krümmung, wenn man im
+projectivischen Sinne auf eine zwischen den Veränderlichen gegebene
+quadratische Gleichung eine Maßbestimmung gründet. Bei dieser Weise
+tritt gegenüber der Riemannschen die Erweiterung ein, dass die Variabeln
+als complex gedacht werden; man mag hinterher die Veränderlichkeit auf
+das reelle Gebiet beschränken. Hierher gehören die grosse Reihe von
+Untersuchungen, die wir in §§. 5, 6, 7 berührt haben.
+
+3. Die ebene Mannigfaltigkeit.
+
+Als ebene Mannigfaltigkeit bezeichnet Riemann die Mannigfaltigkeit von
+constantem verschwindenden Krümmungsmaße. Ihre Theorie ist die
+unmittelbare Verallgemeinerung der elementaren Geometrie. Ihre Gruppe
+kann, — wie die Hauptgruppe der Geometrie — aus der Gruppe der
+projectivischen dadurch ausgeschieden werden, dass man ein Gebilde fest
+hält, welches durch zwei Gleichungen, eine lineare und eine
+quadratische, dargestellt wird. Dabei hat man zwischen Reellem und
+Imaginärem zu unterscheiden, wenn man sich der Form, unter der die
+Theorie gewöhnlich dargestellt wird, anschliessen will. Hierher zu
+rechnen sind vor Allem die elementare Geometrie selbst, dann z. B. die
+in neuerer Zeit entwickelten Verallgemeinerungen der gewöhnlichen
+Krümmungstheorie u. s. w.
+
+Schlussbemerkungen.
+-------------------
+
+Zum Schlusse mögen noch zwei Bemerkungen ihre Stelle finden, die mit dem
+bisher Vorgetragenen in enger Beziehung stehen; die eine betrifft den
+Formalismus, durch welche man die begrifflichen Entwicklungen den
+Vorangehenden repräsentiren will, die andere soll einige Probleme
+kennzeichnen, deren Inangriffnahme nach den hier gegebenen
+Auseinandersetzungen als wichtig und lohnend erscheint.
+
+Man hat der analytischen Geometrie häufig den Vorwurf gemacht, durch
+Einführung des Coordinatensystems willkürliche Elemente zu bevorzugen,
+und dieser Vorwurf trifft gleichmässig jede Behandlungsweise
+ausgedehnter Mannigfaltigkeiten, welche das Einzelne durch die Werthe
+von Veränderlichen characterisirt. War dieser Vorwurf bei der
+mangelhaften Art, mit der man namentlich früher die Coordinatenmethode
+handhabte, nur zu oft gerechtfertigt, so verschwindet er bei einer
+rationellen Behandlung der Methode. Die analytischen Ausdrücke, welche
+bei der Untersuchung einer Mannigfaltigkeit im Sinne einer Gruppe
+entstehen können, müssen, ihrer Bedeutung nach, von dem
+Coordinatensysteme, insofern es zufällig gewählt ist, unabhängig sein,
+und es gilt nun, diese Unabhängigkeit auch formal in Evidenz zu setzen.
+Dass dies möglich ist und wie es zu geschehen hat, zeigt die moderne
+Algebra, in der der formale Invariantenbegriff, um den es sich hier
+handelt, am deutlichsten ausgeprägt ist. Sie besitzt ein allgemeines und
+erschöpfendes Bildungsgesetz für invariante Ausdrücke und operirt
+principiell nur mit solchen. Die gleiche Forderung soll man an die
+formale Behandlung stellen, auch wenn andere Gruppen, als die
+projectivische, zu Grunde gelegt sind. Denn der Formalismus soll sich
+doch mit der Begriffsbildung decken, mag man nun den Formalismus nur als
+präcisen und durchsichtigen Ausdruck der Begriffsbildung verwerthen,
+oder will man ihn benutzen, um an seiner Hand in noch unerforschte
+Gebiete einzudringen. —
+
+Die Problemstellung, deren wir noch erwähnen wollten, erwächst durch
+einen Vergleich der vorgetragenen Anschauungen mit der sog. Galoisschen
+Theorie der Gleichungen.
+
+In der Galoisschen Theorie, wie hier, concentrirt sich das Interesse auf
+Gruppen von Aenderungen. Die Objecte, auf welche sich die Aenderungen
+beziehen, sind allerdings verschieden; man hat es dort mit einer
+endlichen Zahl discreter Elemente, hier mit der unendlichen Zahl von
+Elementen einer stetigen Mannigfaltigkeit zu thun. Aber der Vergleich
+lässt sich bei der Identität des Gruppenbegriffes doch weiter
+verfolgen[^31], und es mag dies hier um so lieber angedeutet werden, als
+dadurch die Stellung characterisirt wird, die man gewissen von Lie und
+mir begonnenen Untersuchungen[^32] im Sinne der hier entwickelten
+Anschauungen zuzuweisen hat.
+
+In der Galoisschen Theorie, wie sie z. B. in Serrets Traité d'Algèbre
+supérieure[19] oder in C. Jordans Traité des substitutions[20]
+dargestellt wird, ist der eigentliche Untersuchungsgegenstand die
+Gruppen- oder Substitutionstheorie selbst, die Gleichungstheorie fliesst
+aus ihr als eine Anwendung. Entsprechend verlangen wir eine
+Transformationstheorie, eine Lehre von den Gruppen, welche von
+Transformationen gegebener Beschaffenheit erzeugt werden können. Die
+Begriffe der Vertauschbarkeit, der Aehnlichkeit u. s. w. kommen, wie in
+der Substitutionstheorie, zur Verwendung. Als eine Anwendung der
+Transformationstheorie erscheint die aus der Zugrundelegung der
+Transformationsgruppen fliessende Behandlung der Mannigfaltigkeit.
+
+In der Gleichungstheorie sind es zunächst die symmetrischen Functionen
+der Coefficienten, die das Interesse auf sich ziehen, sodann aber
+diejenigen Ausdrücke, welche, wenn nicht bei allen, so durch eine
+grössere Reihe von Vertauschungen der Wurzeln ungeändert bleiben. Bei
+der Behandlung einer Mannigfaltigkeit unter Zugrundelegung einer Gruppe
+fragen wir entsprechend zunächst nach den Körpern (§.5), nach den
+Gebilden, die durch alle Transformationen der Gruppe ungeändert bleiben.
+Aber es gibt Gebilde, welche nicht alle aber einige Transformationen der
+Gruppe zulassen, und diese sind dann im Sinne der auf die Gruppe
+gegründeten Behandlung besonders interessant, sie haben ausgezeichnete
+Eigenschaften. Es kommt das also darauf hinaus, im Sinne der
+gewöhnlichen Geometrie symmetrische, reguläre Körper, Rotations- und
+Schraubenflächen auszuzeichnen. Stellt man sich auf den Standpunct der
+projectivischen Geometrie und verlangt insbesondere, dass die
+Transformationen, durch welche die Gebilde in sich übergehen,
+vertauschbar sein sollen, so kommt man auf die von Lie und mir in dem
+citirten Aufsatze[18] betrachteten Gebilde und auf das in §.6. desselben
+gestellte allgemeine Problem. Die dort in §§. 1, 3 gegebene Bestimmung
+aller Gruppen unendlich vieler vertauschbarer linearer Transformationen
+in der Ebene gehört als ein Theil in die soeben genannte allgemeine
+Transformationstheorie[^33].
+
+Noten.
+======
+
+I. Ueber den Gegensatz der synthetischen und analytischen Richtung in
+der neueren Geometrie.
+--------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Den Unterschied zwischen neuerer Synthese und neuerer analytischer
+Geometrie hat man zur Zeit nicht mehr als einen wesentlichen zu
+betrachten, da der gedankliche Inhalt sowohl als die Schlussweise sich
+auf beiden Seiten allmählich ganz ähnlich gestaltet haben. Daher wählen
+wir im Texte zur gemeinsamen Bezeichnung beider das Wort „projectivische
+Geometrie". Wenn die synthetische Methode mehr mit räumlicher Anschauung
+arbeitet und ihren ersten, einfachen Entwickelungen dadurch einen
+ungemeinen Reiz ertheilt, so ist das Gebiet räumlicher Anschauung der
+analytischen Methode nicht verschlossen, und man kann die Formeln der
+analytischen Geometrie als einen präcisen und durchsichtigen Ausdruck
+der geometrischen Beziehungen auffassen. Man hat auf der anderen Seite
+den Vortheil nicht zu unterschätzen, den ein gut angelegter Formalismus
+der Weiterforschung dadurch leistet, dass er gewissermaßen dem Gedanken
+vorauseilt. Es ist zwar immer an der Forderung festzuhalten, dass man
+einen mathematischen Gegenstand noch nicht als erledigt betrachten soll,
+so lange er nicht begrifflich evident geworden ist, und es ist das
+Vordringen an der Hand des Formalismus eben nur ein erster aber schon
+sehr wichtiger Schritt.
+
+II. Trennung der heutigen Geometrie in Disciplinen.
+---------------------------------------------------
+
+Wenn man z. B. beachtet, wie der mathematische Physiker sich durchgängig
+der Vortheile entschlägt, die ihm eine nur einigermaßen ausgebildete
+projectivische Anschauung in vielen Fällen gewähren kann, wie auf der
+anderen Seite der Projectiviker die reiche Fundgrube mathematischer
+Wahrheiten unberührt lässt, welche die Theorie der Krümmung der Flächen
+aufgedeckt hat, so muss man den gegenwärtigen Zustand des geometrischen
+Wissens als recht unvollkommen und als hoffentlich vorübergehend
+betrachten.
+
+III. Ueber den Werth räumlicher Anschauung.
+-------------------------------------------
+
+Wenn wir im Texte die räumliche Anschauung als etwas Beiläufiges
+bezeichnen, so ist dies mit Bezug auf den rein mathematischen Inhalt der
+zu formulirenden Betrachtungen gemeint. Die Anschauung hat für ihn nur
+den Werth der Veranschaulichung, der allerdings in pädagogischer
+Beziehung sehr hoch anzuschlagen ist. Ein geometrisches Modell z. B. ist
+auf diesem Standpuncte sehr lehrreich und interessant.
+
+Ganz anders stellt sich aber, die Frage nach dem Werthe der räumlichen
+Anschauung überhaupt. Ich stelle denselben als etwas selbständiges hin.
+Es gibt eine eigentliche Geometrie, die nicht, wie die im Texte
+besprochenen Untersuchungen, nur eine veranschaulichte Form abstracterer
+Untersuchungen sein will. In ihr gilt es, die räumlichen Figuren nach
+ihrer vollen gestaltlichen Wirklichkeit aufzufassen und (was die
+mathematische Seite ist) die für sie geltenden Beziehungen als evidente
+Folgen der Grundsätze räumlicher Anschauung zu verstehen. Ein Modell —
+mag es nun ausgeführt und angeschaut oder nur lebhaft vorgestellt sein —
+ist für diese Geometrie nicht ein Mittel zum Zwecke sondern die Sache
+selbst.
+
+Wenn wir so, neben und unabhängig von der reinen Mathematik, Geometrie
+als etwas Selbständiges hinstellen, so ist das an und für sich gewiss
+nichts Neues. Es ist aber wünschenswerth, diesen Gesichtspunct
+ausdrücklich einmal wieder hervorzuheben, da die neuere Forschung ihn
+fast ganz übergeht. Hiermit hängt zusammen, dass umgekehrt die neuere
+Forschung selten dazu verwendet wurde, wenn es galt, gestaltliche
+Verhältnisse räumlicher Erzeugnisse zu beherrschen, und doch scheint sie
+gerade in dieser Richtung sehr fruchtbar.
+
+IV. Ueber Mannigfaltigkeiten von beliebig vielen Dimensionen.
+-------------------------------------------------------------
+
+Dass der Raum, als Ort für Puncte aufgefasst, nur drei Dimensionen hat,
+braucht vom mathematischen Standpuncte aus nicht discutirt zu werden;
+ebenso wenig kann man aber vom mathematischen Standpuncte aus Jemanden
+hindern, zu behaupten, der Raum habe eigentlich vier, oder unbegränzt
+viele Dimensionen, wir seien aber nur im Stande, drei wahrzunehmen. Die
+Theorie der mehrfach ausgedehnten Mannigfaltigkeiten, wie sie je länger
+je mehr in den Vordergrund neuerer mathematischer Forschung tritt, ist,
+ihrem Wesen nach, von einer solchen Behauptung vollkommen unabhängig. Es
+hat sich in ihr aber eine Redeweise eingebürgert, die allerdings dieser
+Vorstellung entflossen ist. Man spricht, statt von den Individuen einer
+Mannigfaltigkeit, von den Puncten eines höheren Raumes etc. An und für
+sich hat diese Redeweise manches Gute, insofern sie durch Erinnern an
+die geometrischen Anschauungen das Verständniss erleichtert. Sie hat
+aber die nachtheilige Folge gehabt, dass in ausgedehnten Kreisen die
+Untersuchungen über Mannigfaltigkeiten mit beliebig vielen Dimensionen
+als solidarisch erachtet werden mit der erwähnten Vorstellung von der
+Beschaffenheit des Raumes. Nichts ist grundloser als diese Auffassung.
+Die betr. mathematischen Untersuchungen würden allerdings sofort
+geometrische Verwendung finden, wenn die Vorstellung richtig wäre, —
+aber ihr Werth und ihre Absicht ruht, gänzlich unabhängig von dieser
+Vorstellung, in ihrem eigenen mathematischen Inhalte.
+
+Etwas ganz anders ist es, wenn Plücker gelehrt hat, den wirklichen Raum
+als eine Mannigfaltigkeit von beliebig vielen Dimensionen aufzufassen,
+indem man als Element des Raumes ein von beliebig vielen Parametern
+abhängendes Gebilde (Curve, Fläche etc.) einführt (vergl. §.5 des
+Textes).
+
+Die Vorstellungsweise, welche das Element der beliebig ausgedehnten
+Mannigfaltigkeit als ein Analogon zum Puncte des Raumes betrachtet, ist
+wohl zuerst von Grassmann in seiner Ausdehnungslehre (1844, [17])
+entwickelt worden. Bei ihm ist der Gedanke völlig frei von der erwähnten
+Vorstellung von der Natur des Raumes; letztere geht auf gelegentliche
+Bemerkungen von Gauss zurück und wurde durch Riemanns Untersuchungen
+über mehrfach ausgedehnte Mannigfaltigkeiten, in welche sie mit
+eingeflochten ist, in weiteren Kreisen bekannt.
+
+Beide Auffassungsweisen — die Grassmannsche wie die Plückersche — haben
+ihre eigentümlichen Vorzüge; man verwendet sie beide, zwischen ihnen
+abwechselnd, mit Vortheil.
+
+V. Ueber die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie.
+----------------------------------------------------
+
+Die im Texte gemeinte projectivische Maßgeometrie coincidirt, wie neuere
+Untersuchungen gelehrt haben, dem Wesen nach mit der Maßgeometrie,
+welche unter Nicht-Annahme des Parallelen-Axioms entworfen werden kann
+und die zur Zeit unter dem Namen der Nicht-Euklidischen Geometrie
+vielfach besprochen und disputirt wird. Wenn wir im Texte diesen Namen
+überhaupt nicht berührt haben, so geschah es aus einem Grunde, der mit
+den in der vorstehenden Note gegebenen Auseinandersetzungen verwandt
+ist. Man verknüpft mit dem Namen Nicht-Euklidische Geometrie eine Menge
+unmathematischer Vorstellungen, die auf der einen Seite mit eben so viel
+Eifer gepflegt als auf der anderen perhorrescirt werden, mit denen aber
+unsere rein mathematischen Betrachtungen gar Nichts zu schaffen haben.
+Der Wunsch, in dieser Richtung etwas zur Klärung der Begriffe
+beizutragen, mag die folgenden Auseinandersetzungen motiviren.
+
+Die gemeinten Untersuchungen über Parallelentheorie haben mit ihren
+Weiterbildungen mathematisch nach zwei Seiten einen bestimmten Werth.
+
+Sie zeigen einmal — und dieses ihr Geschäft kann man als ein einmaliges,
+abgeschlossenes betrachten —, dass das Parallelenaxiom keine
+mathematische Folge der gewöhnlich vorangestellten Axiome ist, sondern
+dass ein wesentlich neues Anschauungselement, welches in den
+vorhergehenden Untersuchungen nicht berührt wurde, in ihm zum Ausdruck
+gelangt. Aehnliche Untersuchungen könnte man und sollte man mit Bezug
+auf jedes Axiom nicht nur der Geometrie durchführen; man würde dadurch
+an Einsicht in die gegenseitige Stellung der Axiome gewinnen.
+
+Dann aber haben uns diese Untersuchungen mit einem werthvollen
+mathematischen Begriffe beschenkt: dem Begriffe einer Mannigfaltigkeit
+von constanter Krümmung. Er hängt, wie bereits bemerkt und wie in §.10
+des Textes noch weiter ausgeführt ist, mit der unabhängig von aller
+Parallelentheorie erwachsenen projectivischen Maßbestimmung auf das
+Innigste zusammen. Wenn das Studium dieser Maßbestimmung an und für sich
+hohes mathematisches Interesse bietet und zahlreiche Anwendungen
+gestattet, so kommt hinzu, dass sie die in der Geometrie gegebene
+Maßbestimmung als speciellen Fall (Gränz-fall) umfasst und uns lehrt,
+dieselbe von einem erhöhten Standpuncte aufzufassen.
+
+Völlig unabhängig von den entwickelten Gesichtspunkten steht die Frage,
+welche Gründe das Parallelen-Axiom stützen, ob wir dasselbe als absolut
+gegeben — wie die Einen wollen — oder als durch Erfahrung nur
+approximativ erwiesen — wie die Anderen sagen — betrachten wollen.
+Sollten Gründe sein, das letztere anzunehmen, so geben uns die fragl.
+mathematischen Untersuchungen an die Hand, wie man dann eine exactere
+Geometrie zu construiren habe. Aber die Fragestellung ist offenbar eine
+philosophische, welche die allgemeinsten Grundlagen unserer Erkenntniss
+betrifft. Den Mathematiker als solchen interessirt die Fragestellung
+nicht, und er wünscht, dass seine Untersuchungen nicht als abhängig
+betrachtet werden von der Antwort, die man von der einen oder der
+anderen Seite auf die Frage geben mag.
+
+VI. Liniengeometrie als Untersuchung einer Mannigfaltigkeit von
+constantem Krümmungsmaße.
+-----------------------------------------------------------------------------------------
+
+Wenn wir Liniengeometrie mit der projectivischen Maßbestimmung in einer
+fünffach ausgedehnten Mannigfaltigkeit in Verbindung setzen, müssen wir
+beachten, dass wir in den geraden Linien nur die (im Sinne der
+Maßbestimmung) unendlich fernen Elemente der Mannigfaltigkeit vor uns
+haben. Es wird daher nöthig, zu überlegen, welchen Werth eine
+projectivische Maßbestimmung für ihre unendlich fernen Elemente hat, und
+das mag hier etwas auseinandergesetzt werden, um Schwierigkeiten, die
+sich sonst der Auffassung der Liniengeometrie als einer Maßgeometrie
+entgegen stellen, zu entfernen. Wir knüpfen diese Auseinandersetzungen
+an das anschauliche Beispiel, welches die auf eine Fläche zweiten Grades
+gegründete projectivische Maßbestimmung ergibt.
+
+Zwei beliebig angenommene Puncte des Raumes haben in Bezug auf die
+Fläche eine absolute Invariante: ihr Doppelverhältniss zu den beiden
+Durchschnittspuncten ihrer Verbindungsgeraden mit der Fläche. Rücken
+aber die beiden Puncte auf die Fläche, so wird dies Doppelverhältniss
+unabhängig von der Lage der Puncte gleich Null, ausser in dem Falle,
+dass die beiden Puncte auf eine Erzeugende zu liegen kommen, wo es
+unbestimmt wird. Dies ist die einzige Particularisation, die in ihrer
+Beziehung eintreten kann, wenn sie nicht zusammenfallen, und wir haben
+also den Satz:
+
+Die projectivische Maßbestimmung, welche man im Raume auf eine Fläche
+zweiten Grades gründen kann, ergibt für die Geometrie auf der Fläche
+noch keine Maßbestimmung.
+
+Hiermit hängt zusammen, dass man durch lineare Transformationen der
+Fläche in sich selbst drei beliebige Puncte derselben mit drei anderen
+zusammenfallen lassen kann[^34].
+
+Will man auf der Fläche selbst eine Maßbestimmung haben, so muss man die
+Gruppe der Transformationen beschränken, und dies erreicht man, indem
+man einen beliebigen Raumpunct (oder seine Polarebene) festhält. Der
+Raumpunct sei zunächst nicht auf der Fläche gelegen. So projicire man
+die Fläche von dem Puncte auf eine Ebene, wobei ein Kegelschnitt als
+Uebergangscurve auftritt. Auf diesen Kegelschnitt gründe man in der
+Ebene eine projectivische Maßbestimmung, die man dann rückwärts auf die
+Fläche überträgt[^35]. Dies ist eine eigentliche Maßbestimmung von
+constanter Krümmung und man hat also den Satz:
+
+Auf der Fläche erhält man eine solche Maßbestimmung, sowie man einen
+ausserhalb der Fläche gelegenen Punct festhält.
+
+Entsprechend findet man[^36]:
+
+Eine Maßbestimmung von verschwindender Krümmung erhält man auf der
+Fläche, wenn man für den festen Punct einen Punct der Fläche selbst
+wählt.
+
+Für alle diese Maßbestimmungen auf der Fläche sind die Erzeugenden der
+Fläche Linien von verschwindender Länge. Der Ausdruck für das
+Bogenelement auf der Fläche ist also für die verschiedenen Bestimmungen
+nur um einen Factor verschieden. Ein absolutes Bogenelement auf der
+Fläche gibt es nicht. Wohl aber kann man von dem Winkel sprechen, den
+Fortschreitungsrichtungen auf der Fläche mit einander bilden. —
+
+Alle diese Sätze und Betrachtungen können nun ohne Weiteres für
+Liniengeometrie benutzt werden. Für den Linienraum selbst existirt
+zunächst keine eigentliche Maßbestimmung. Eine solche erwächst erst,
+wenn wir einen linearen Complex fest halten, und zwar erhält sie
+constante oder verschwindende Krümmung, je nachdem der Complex ein
+allgemeiner oder ein specieller (eine Gerade) ist. An die Auszeichnung
+eines Complexes ist namentlich auch die Geltung eines absoluten
+Bogenelements geknüpft. Unabhängig davon sind die
+Fortschreitungsrichtungen zu benachbarten Geraden, welche die gegebene
+schneiden, von der Länge Null, und auch kann man von einem Winkel reden,
+den zwei beliebige Fortschreitungsrichtungen mit einander bilden[^37].
+
+VII. Zur Interpretation der binären Formen.
+-------------------------------------------
+
+Es mag hier der übersichtlichen Gestalt gedacht werden, welche, unter
+Zugrundelegung der Interpretation von x+iy auf der Kugelfläche, dem
+Formensysteme der cubischen und der biquadratischen binären Form
+ertheilt werden kann.
+
+Eine cubische binäre Form f hat eine cubische Covariante Q, eine
+quadratische Δ, und eine Invariante R[^38]. Aus f und Q setzt sich
+eine ganze Reihe von Covarianten sechsten Grades
+Q^2 + λ ⋅ Rf^2
+ zusammen, unter denen auch Δ^3 enthalten ist. Man kann
+zeigen[^39], dass jede Covariante der cubischen Form in solche Gruppen
+von sechs Puncten zerfallen muss. Insofern λ complexe Werthe
+annehmen kann, gibt es zweifach unendlich viele derselben.
+
+Das ganze so umgrenzte Formensystem kann auf der Kugel nun
+folgendermaßen repräsentirt werden. Durch geeignete lineare
+Transformation der Kugel in sich selbst bringe man die drei Puncte,
+welche f repräsentiren, in drei äquidistante Puncte eines grössten
+Kreises. Derselbe mag als Aequator bezeichnet sein; auf ihm haben die
+drei Puncte f die geographische Länge 0°, 120°, 240°. So wird Q durch
+die Puncte des Aequators mit der Länge 60°, 180°, 300°, Δ durch die
+beiden Pole vorgestellt. Jede Form Q^2+λ Rf^2 ist durch 6 Puncte
+repräsentirt, deren geographische Breite und Länge, unter α und
+β beliebige Zahlen verstanden, in dem folgenden Schema enthalten
+ist:
+
+(α, β), (α, 120+β), (α, 240+β) , (-α,
+-β), (-α, 120-β), (-α, 240-β)
+
+Verfolgt man diese Punctsysteme auf der Kugel, so ist es interessant, zu
+sehen, wie f und Q doppelt, Δ dreifach zählend aus denselben
+entsteht.
+
+Eine biquadratische Form f hat eine ebensolche Covariante H, eine
+Covariante sechsten Grades T, zwei Invarianten i und j. Besonders zu
+bemerken ist die Schaar biquadratischer Formen iH+λ jf, die alle
+zu dem nämlichen T gehören, und unter denen die drei quadratischen
+Factoren, in welche man T zerlegen kann, doppelt zählend enthalten sind.
+—
+
+Man lege jetzt durch den Mittelpunct der Kugel drei zu einander
+rechtwinklige Axen OX, OY, OZ. Ihre 6 Durchstosspuncte mit der Kugel
+bilden die Form T. Die 4 Puncte eines Quadrupels iH+λ jf sind,
+unter x, y, z Coordinaten eines beliebigen Kugelpunctes verstanden,
+durch das Schema
+
+ x, y, z,
+ x, -y, -z,
+ -x, y, -z,
+ -x, -y, z
+
+vorgestellt. Die vier Puncte bilden jedesmal die Ecken eines
+symmetrischen Tetraeders, dessen gegenüberstehende Seiten von den Axen
+des Coordinatensystems halbirt werden, wodurch die Rolle, welche T in
+der Theorie der biquadratischen Gleichungen als Resolvente von
+iH+λ jf spielt, gekennzeichnet ist.
+
+Erlangen im October 1872.
+
+* * * * *
+
+[1] C. Jordan, “Mémoire sur les groupes de mouvements.” In: Annali di
+Matematica pura et applicata 1896, 2, 167-215 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF02419610.
+
+[2] K. G. C. v. Staudt, Geometrie Der Lage, Fr. Korn, Nürnberg, 1847.
+
+[3] K. G. C. v. Staudt, Beiträge Zur Geometrie Der Lage. Erstes Heft,
+Fr. Korn, Nürnberg, 1856.
+
+[4] K. G. C. v. Staudt, Beiträge Zur Geometrie Der Lage. Zweites Heft,
+Fr. Korn, Nürnberg, 1857.
+
+[5] K. G. C. v. Staudt, Beiträge Zur Geometrie Der Lage. Drittes Heft,
+Fr. Korn, Nürnberg, 1860.
+
+[6] F. Klein, “Ueber Liniengeometrie und metrische Geometrie” In:
+Mathematische Annalen 1872, 5, 257-277 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01444841.
+
+[7] O. Hesse, “Ein Uebertragungsprinzip” In: Crelle’s Journal für die
+reine und angewandte Mathematik 1866, 66, 15-22 −
+http://gdz.sub.uni-goettingen.de/ru/dms/load/img/?PPN=PPN243919689_0066&DMDID=dmdlog6.
+
+[8] F. Klein, “Ueber die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie. Zweiter
+Aufsatz.” In: Mathematische Annalen 1873, 6, 112-145 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01443189.
+
+[9] P. Lejeune-Dirichlet, Vorlesungen Über Zahlentheorie, Vieweg,
+Braunschweig, 1863.
+
+[10] S. Lie, “Ueber Complexe, insbesondere Linien- und Kugel-Complexe,
+mit Anwendung auf die Theorie partieller Differential-Gleichungen.” In:
+Mathematische Annalen 1872, 5, 145-208 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01446331.
+
+[11] S. Lie, “Ueber diejenige Theorie eines Raumes mit beleibig vielen
+Dimensionen, die der Krümmungs-Theorie des gewöhnlichen Raumes
+entspricht.” In: Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der
+Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen 1871, 7,
+191-209 − http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1871.
+
+[12] H. Grassmann, Die Ausdehnungslehre, Enslin, Berlin, 1862.
+
+[13] S. Lie, “Zur Theorie partieller Differentialgleichungen erster
+Ordnung; insbesondere über eine Classification derselben.” In:
+Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften und der
+Georg-Augusts-Universität zu Göttingen 1872, 8, 473-490 −
+http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN252457072_1872.
+
+[14] A. Clebsch, “Ueber eine Fundamentalaufgabe der Invariantentheorie.”
+In: Mathematische Annalen 1872, 5, 427-434 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01442803.
+
+[15] A. Clebsch, “Ueber ein neues Grundgebilde der analysischen
+Geometrie.” In: Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der
+Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen 1872, 22,
+429-448 − http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1872.
+
+[16] A. Clebsch, “Ueber ein neues Grundgebilde der analysischen
+Geometrie der Ebene.” In: Mathematische Annalen 1872, 6, 203-215 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01443192.
+
+[17] H. Grassmann, Die Lineale Ausdehnungslehre / Ein Neuer Zweig Der
+Mathematik / Dargestellt Und Durch Anwendungen Auf Die Übrigen Zweige
+Der Mathematik, Wie Auch Auf Die Statik, Mechanik, Die Lehre Vom
+Magnetismus Und Die Krystallonomie Erläutert, O. Wigand, Leipzig, 1844.
+
+[18] F. und L. S. Klein, “Ueber diejenigen ebenen Curven, welche durch
+ein geschlossenes System von einfach unendlich vielen vertauschbaren
+linearen Transformationen in sich übergehen.” In: Mathematische Annalen
+1871, 3, 50-84 − http://dx.doi.org/10.1007/BF01443297.
+
+[19] J. A. Serret, Cours D’algèbre Supérieure, Gauthier-villard, Paris,
+1866.
+
+[20] C. Jordan, Traité Des Substitutions Et Des Équations Algébriques,
+Gauthier-villard, Paris, 1870.
+
+[21] A. Clebsch, Theorie Der Binären Algebraischen Formen, Teubner,
+Leipzig, 1872.
+
+[22] F. Klein, “Ueber eine geometrische Repräsentation der Resolventen
+algebraischer Gleichungen.” In: Mathematische Annalen 1871, 4, 346-358 −
+http://dx.doi.org/10.1007/BF01442600.
+
+[^1]: Vergl. Note I. des Anhangs.
+
+[^2]: Vergl. Note II
+
+[^3]: Vergl. Note III
+
+[^4]: Vergl. Note IV
+
+[^5]: Diese knappe Form ist ein Mangel der im Folgenden gegebenen
+ Darstellung, der das Verständniss, wie ich fürchte, wesentlich
+ erschweren wird. Aber dem hätte wohl nur durch eine sehr viel
+ weitere Auseinandersetzung abgeholfen werden können, in der die
+ Einzel-Theorien, die hier nur berührt werden, ausführlich entwickelt
+ worden wären.
+
+[^6]: Wir denken von den Transformationen immer die Gesammtheit der
+ räumlichen Gebilde gleichzeitig betroffen und reden desshalb
+ schlechthin von Transformationen des Raumes. Die Transformationen
+ können, wie z. B. die dualistischen, statt der Puncte andere
+ Elemente einführen; es wird dies im Texte nicht unterschieden.
+
+[^7]: Begriffsbildung wie Bezeichnung sind herübergenommen von der
+ Substitutionstheorie, in der nur an Stelle der Transformationen
+ eines continuirlichen Gebietes die Vertauschungen einer endlichen
+ Zahl discreter Grössen auftreten.
+
+[^8]: Camille Jordan hat alle Gruppen aufgestellt, die überhaupt in der
+ Gruppe der Bewegungen enthalten sind: Sur les groupes de mouvements.
+ Annali di Matematica. t. II[1]
+
+[^9]: Die Transformationen einer Gruppe brauchen übrigens durchaus
+ nicht, wie das bei den im Texte zu nennenden Gruppen allerdings
+ immer der Fall sein wird, in stetiger Aufeinanderfolge vorhanden zu
+ sein. Eine Gruppe bildet z. B. auch die endliche Reihe von
+ Bewegungen, die einen regelmässigen Körper mit sich selbst zur
+ Deckung bringen, oder die unendliche, aber discrete Reihe, welche
+ eine Sinuslinie sich selber superponiren.
+
+[^10]: Unter dem Sinne verstehe ich hier die Eigenschaft der Anordnung,
+ welche den Unterschied von der symmetrischen Figur (dem
+ Spiegelbilde) begründet. Ihrem Sinne nach unterschieden sind also
+ z. B. eine rechts- und eine linksgewundene Schraubenlinie.
+
+[^11]: Dass diese Transformationen eine Gruppe bilden, ist begrifflich
+ nothwendig.
+
+[^12]: Man erzeugt ein solches Gebilde beispielsweise, indem man auf ein
+ beliebiges Anfangselement, das durch keine Transformation der
+ gegebenen Gruppe in sich selbst überzuführen ist, die
+ Transformationen der Hauptgruppe anwendet.
+
+[^13]: Diese Anschauungsweise ist als eine der schönsten Leistungen von
+ Chasles zu betrachten; durch sie erst gewinnt die Eintheilung in
+ Eigenschaften der Lage und Eigenschaften des Maßes, wie man sie gern
+ an die Spitze der projectivischen Geometrie stellt, einen präcisen
+ Inhalt.
+
+[^14]: Den erweiterten Kreis, der auch imaginäre Umformungen umspannt,
+ hat v. Staudt erst in den „Beiträgen zur Geometrie der Lage"[3–5] zu
+ Grunde gelegt.
+
+[^15]: Wenn man will, ist hier das Princip unter etwas erweiterter Form
+ angewendet.
+
+[^16]: Statt des Kegelschnittes in der Ebene kann man mit gleichem
+ Erfolge eine Raumcurve dritter Ordnung einführen, überhaupt bei n
+ Dimensionen etwas Entsprechendes aufstellen
+
+[^17]: Bez. anderer Beispiele, sowie namentlich der Erweiterungen auf
+ mehr Dimensionen, deren die angeführten fähig sind, verweise ich auf
+ bez. Auseinandersetzungen in einem Aufsatze von mir[6] sowie auf die
+ sogleich noch zu nennenden Lieschen Arbeiten.
+
+[^18]: Vergl. Note III.
+
+[^19]: Vergl. Note V
+
+[^20]: Vergl. Note VI.
+
+[^21]: Ich wähle den Namen nach dem Vorgange von Dedekind, der in der
+ Zahlentheorie ein Zahlengebiet als Körper bezeichnet, wenn es aus
+ gegebenen Elementen durch gegebene Operationen entstanden ist
+ (Zweite Auflage von Dirichlets Vorlesungen [9].)
+
+[^22]: Geometrie der reciproken Radien auf der Geraden ist mit der
+ projectivischen Untersuchung der Geraden gleichbedeutend, da die
+ bez. Umformungen die nämlichen sind. Man kann daher auch in der
+ Geometrie der reciproken Radien von einem Doppelverhältnisse von
+ vier Puncten einer Geraden und weiterhin eines Kreises reden.
+
+[^23]: Vergleiche die bereits genannte Arbeit: Ueber Liniengeometrie und
+ metrische Geometrie. Math. Annalen Bd. V [6].
+
+[^24]: Vergl. Note VII.
+
+[^25]: Partielle Differentialgleichungen und Complexe. Math. Annalen
+ V.[10]
+
+[^26]: Diese Transformationen werden gelegentlich in Grassmanns
+ Ausdehnungslehre betrachtet (in der Auflage von 1862, [12] p. 278).
+
+[^27]: Projicirt man die Mannigfaltigkeit stereographisch, so erhält man
+ den bekannten Satz: In mehrfach ausgedehnten Gebieten (schon im
+ Raume) gibt es ausser den Transformationen, die sich in der Gruppe
+ der reciproken Radien befinden, keine conformen
+ Puncttransformationen. In der Ebene gibt es dagegen beliebig viele
+ andere. Vergl. auch die citirten Arbeiten von Lie ([10,11]).
+
+[^28]: Vergl. bes. die bereits citirte Arbeit[10]: Ueber partielle
+ Differentialgleichungen und Complexe. Math. Ann. V. Die im Texte
+ gegebenen Ausführungen betr. partielle Differentialgleichungen habe
+ ich wesentlich mündlichen Mittheilungen von Lie entnommen; vergl.
+ dessen Note[13]: Zur Theorie partieller Differentialgleichungen.
+ Göttinger Nachrichten. Oct. 1872.
+
+[^29]: Ich verdanke diese Definitionen einer Bemerkung von Lie.
+
+[^30]: Gött. Abhandlungen. 1872. (Bd. 17): Ueber eine Fundamentalaufgabe
+ der Invariantentheorie[14], sowie namentlich Gött. Nachrichten 1872.
+ Nr. 22: Ueber ein neues Grundgebilde der analytischen Geometrie der
+ Ebene[15,16].
+
+[^31]: Ich erinnere hier daran, dass Grassmann bereits in der Einleitung
+ zur ersten Auflage seiner Ausdehnungslehre (1844, [17]) die
+ Combinatorik und die Ausdehnungslehre parallelisirt.
+
+[^32]: Vergleiche den gemeinsamen Aufsatz: Ueber diejenigen ebenen
+ Curven, welche durch ein geschlossenes System von einfach unendlich
+ vielen vertauschbaren linearen Transformationen in sich übergehen,
+ Math. Annalen Bd. IV. [18].
+
+[^33]: Ich muss mir versagen, im Texte auf die Fruchtbarkeit
+ hinzuweisen, welche die Betrachtung unendlich kleiner
+ Transformationen in der Theorie der Differentialgleichungen hat. In
+ §.7. der citirten Arbeit haben Lie und ich gezeigt: Gewöhnliche
+ Differentialgleichungen, welche gleiche unendlich kleine
+ Transformationen zugeben, bieten gleiche
+ Integrationsschwierigkeiten. Wie die Betrachtungen für partielle
+ Differentialgleichungen zu verwerthen seien, hat Lie an
+ verschiedenen Orten, so bes. in dem früher genannten Aufsatze (Math.
+ Ann. V., [10]) an verschiedenen Beispielen auseinandergesetzt
+ (vergl. namentlich auch Mittheilungen der Academie zu Christiania.
+ Mai 1872.)
+
+[^34]: Diese Verhältnisse ändern sich bei der gew. Maßgeometrie; zwei
+ unendlich ferne Puncte haben für sie freilich eine absolute
+ Invariante. Der Widerspruch, den man in der Abzählung der linearen
+ Transformationen der unendlich fernen Fläche in sich selbst hiermit
+ finden könnte, erledigt sich dadurch, dass die unter ihnen
+ befindlichen Translationen und Aehnlichkeitstransformationen das
+ Unendlich-Ferne überhaupt nicht ändern.
+
+[^35]: Vergl. §.7 des Textes.
+
+[^36]: Vergl. §.4 des Textes.
+
+[^37]: Vergl. den Aufsatz: Ueber Liniengeometrie und metrische
+ Geometrie. Math. Ann. Bd. V. p. 271.[6]
+
+[^38]: Vergl. hiezu die betr. Abschnitte von Clebsch: Theorie der
+ binären Formen[21]
+
+[^39]: Durch Betrachtung der linearen Transformationen von f in sich
+ selbst, vergl. Math. Ann, IV. p. 352 [22]
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+-----------------------------
+
+Wir verwendeten ABBYY Mac für die OCR. Pandoc konvertierte nach plain text und HTML.
+
+Die Rechtschreibung wurde belassen (Ausnahmen: Maß/Mass, Genitiv-Apostroph), kleinere Fehler ausgebessert. Die Einzelnachweise wurden nachrecherchiert und, wo vorhanden, mit URL versehen und als bibtex-Datenbank verarbeitet.
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
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+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+<meta name="author" content="Felix Klein" />
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+<title>Vergleichende Betrachtungen über neuere geometrische
+Forschungen</title>
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+<pre>
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+The Project Gutenberg EBook of Vergleichende Betrachtungen über neuere
+geometrische Forschungen, by Felix Klein
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Vergleichende Betrachtungen über neuere geometrische Forschungen
+
+Author: Felix Klein
+
+Release Date: November 16, 2011 [EBook #38033]
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+Language: German
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+Character set encoding: UTF-8
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERGLEICHENDE BETRACHTUNGEN ***
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+Produced by R.S.
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+<div id="header">
+<h1 class="title">Vergleichende Betrachtungen über neuere
+geometrische Forschungen</h1>
+<h3 class="author">Felix Klein</h3>
+<h4 class="date">1872</h4>
+<h4 class="city">Erlangen</h4>
+<h4 class="publisher">Verlag von Andreas Deichert</h4>
+</div>
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+<center>
+<div class="figure"><img src="images/cover.png" width="50%" alt=
+"Cover" />
+<p class="caption"></p>
+</div>
+</center>
+<div id="TOC">
+<ul>
+<li><a href=
+"#gruppen-von-r.umlichen-transformationen.-hauptgruppe.-aufstellung-eines-allgemeinen-problems.">
+§.1. Gruppen von räumlichen Transformationen. Hauptgruppe.
+Aufstellung eines allgemeinen Problems.</a></li>
+<li><a href=
+"#transformationsgruppen-von-denen-die-eine-die-andere-umfasst-werden-nach-einander-adjungirt.-die-verschiedenen-typen-geometrischer-forschung-und-ihr-gegenseitiges-verh.ltniss.">
+§.2. Transformationsgruppen, von denen die eine die andere umfasst,
+werden nach einander adjungirt. Die verschiedenen Typen
+geometrischer Forschung und ihr gegenseitiges Verhältniss.</a></li>
+<li><a href="#die-projectivische-geometrie.">§.3. Die
+projectivische Geometrie.</a></li>
+<li><a href="#uebertragung-durch-abbildung.">§.4. Uebertragung
+durch Abbildung.</a></li>
+<li><a href=
+"#von-der-willk.rlichkeit-in-der-wahl-des-raumelements.-das-hessesche-uebertragungsprincip.-die-liniengeometrie.">
+§.5. Von der Willkürlichkeit in der Wahl des Raumelements. Das
+Hessesche Uebertragungsprincip. Die Liniengeometrie.</a></li>
+<li><a href=
+"#die-geometrie-der-reciproken-radien.-die-interpretation-von-xiy.">
+§.6. Die Geometrie der reciproken Radien. Die Interpretation von
+<span class=
+"math"><em>x</em> + <em>i</em><em>y</em></span>.</a></li>
+<li><a href=
+"#erweiterungen-des-vorangehenden.-lies-kugelgeometrie.">§.7.
+Erweiterungen des Vorangehenden. <em>Lie</em>s
+Kugelgeometrie.</a></li>
+<li><a href=
+"#aufz.hlung-weiterer-methoden-denen-eine-gruppe-von-puncttransformationen-zu-grunde-liegt.">
+§.8. Aufzählung weiterer Methoden, denen eine Gruppe von
+Puncttransformationen zu Grunde liegt.</a>
+<ul>
+<li><a href="#die-gruppe-der-rationalen-umformungen.">1. Die Gruppe
+der rationalen Umformungen.</a></li>
+<li><a href="#die-analysis-situs.">2. Die Analysis situs.</a></li>
+<li><a href="#die-gruppe-aller-puncttransformationen.">3. Die
+Gruppe aller Puncttransformationen.</a></li>
+</ul>
+</li>
+<li><a href=
+"#von-der-gruppe-aller-ber.hrungstransformationen.">§.9. Von der
+Gruppe aller Berührungstransformationen.</a></li>
+<li><a href="#ueber-beliebig-ausgedehnte-mannigfaltigkeiten.">§.10.
+Ueber beliebig ausgedehnte Mannigfaltigkeiten.</a>
+<ul>
+<li><a href=
+"#die-projectivische-behandlungsweise-oder-die-moderne-algebra-invariantentheorie.">
+1. Die projectivische Behandlungsweise oder die moderne Algebra
+(Invariantentheorie).</a></li>
+<li><a href=
+"#die-mannigfaltigkeit-von-constantem-kr.mmungsma.e.">2. Die
+Mannigfaltigkeit von constantem Krümmungsmaße.</a></li>
+<li><a href="#die-ebene-mannigfaltigkeit.">3. Die ebene
+Mannigfaltigkeit.</a></li>
+</ul>
+</li>
+<li><a href="#schlussbemerkungen.">Schlussbemerkungen.</a></li>
+<li><a href="#noten.">Noten.</a>
+<ul>
+<li><a href=
+"#i.-ueber-den-gegensatz-der-synthetischen-und-analytischen-richtung-in-der-neueren-geometrie.">
+I. Ueber den Gegensatz der synthetischen und analytischen Richtung
+in der neueren Geometrie.</a></li>
+<li><a href=
+"#ii.-trennung-der-heutigen-geometrie-in-disciplinen.">II. Trennung
+der heutigen Geometrie in Disciplinen.</a></li>
+<li><a href="#iii.-ueber-den-werth-r.umlicher-anschauung.">III.
+Ueber den Werth räumlicher Anschauung.</a></li>
+<li><a href=
+"#iv.-ueber-mannigfaltigkeiten-von-beliebig-vielen-dimensionen.">IV.
+Ueber Mannigfaltigkeiten von beliebig vielen Dimensionen.</a></li>
+<li><a href=
+"#v.-ueber-die-sogenannte-nicht-euklidische-geometrie.">V. Ueber
+die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie.</a></li>
+<li><a href=
+"#vi.-liniengeometrie-als-untersuchung-einer-mannigfaltigkeit-von-constantem-kr.mmungsma.e.">
+VI. Liniengeometrie als Untersuchung einer Mannigfaltigkeit von
+constantem Krümmungsmaße.</a></li>
+<li><a href="#vii.-zur-interpretation-der-bin.ren-formen.">VII. Zur
+Interpretation der binären Formen.</a></li>
+</ul>
+</li>
+</ul>
+</div>
+<p>Unter den Leistungen der letzten fünfzig Jahre auf dem Gebiete
+der Geometrie nimmt die Ausbildung der
+<em>projectivischen<sup><a href="#fn1" class="footnoteRef" id=
+"fnref1" name="fnref1">1</a></sup> Geometrie</em> die erste Stelle
+ein. Wenn es anfänglich schien, als sollten die sogenannten
+metrischen Beziehungen ihrer Behandlung nicht zugänglich sein, da
+sie beim Projiciren nicht ungeändert bleiben, so hat man in neuerer
+Zeit gelernt, auch sie vom projectivischen Standpuncte aufzufassen,
+so dass nun die projectivische Methode die gesammte Geometrie
+umspannt. Die metrischen Eigenschaften erscheinen in ihr nur nicht
+mehr als Eigenschaften der räumlichen Dinge an sich, sondern als
+Beziehungen derselben zu einem Fundamental-Gebilde, dem unendlich
+fernen Kugelkreise.</p>
+<p>Vergleicht man mit der so allmählich gewonnenen Auffassungsweise
+der räumlichen Dinge die Vorstellungen der gewöhnlichen
+(elementaren) Geometrie, so entsteht die Frage nach einem
+allgemeinen Principe, nach welchem die beiden Methoden sich
+ausbilden konnten. Diese Frage erscheint um so wichtiger als sich
+neben die elementare und die projectivische Geometrie, ob auch
+minder entwickelt, eine Reihe anderer Methoden stellt, denen man
+dasselbe Recht selbständiger Existenz zugestehen muss. Dahin
+gehören die Geometrie der reciproken Radien, die Geometrie der
+rationalen Umformungen etc., wie sie in der Folge noch erwähnt und
+dargestellt werden sollen.</p>
+<p>Wenn wir es im Nachstehenden unternehmen, ein solches Princip
+aufzustellen, so entwickeln wir wohl keinen eigentlich neuen
+Gedanken, sondern umgränzen nur klar und deutlich, was mehr oder
+minder bestimmt von Manchem gedacht worden ist. Aber es schien um
+so berechtigter, derartige zusammenfassende Betrachtungen zu
+publiciren, als die Geometrie, die doch ihrem Stoffe nach
+einheitlich ist, bei der raschen Entwicklung, die sie in der
+letzten Zeit genommen hat, nur zu sehr in eine Reihe von beinahe
+getrennten Disciplinen zerfallen ist<sup><a href="#fn2" class=
+"footnoteRef" id="fnref2" name="fnref2">2</a></sup>, die sich
+ziemlich unabhängig von einander weiter bilden. Es lag dabei aber
+auch noch die besondere Absicht vor, Methoden und Gesichtspuncte
+darzulegen, welche von <em>Lie</em> und mir in neueren Arbeiten
+entwickelt wurden. Es haben unsere beiderseitigen Arbeiten, auf wie
+verschiedenartige Gegenstände sie sich auch bezogen,
+übereinstimmend auf die hier dargelegte allgemeine Auffassungsweise
+hingedrängt, so dass es eine Art von Nothwendigkeit war, auch
+einmal diese zu erörtern und von ihr aus die betr. Arbeiten nach
+Inhalt und Tendenz zu characterisiren.</p>
+<p>War bisher nur von geometrischen Forschungen die Rede, so sollen
+darunter mit verstanden sein die Untersuchungen über beliebig
+ausgedehnte Mannigfaltigkeiten, die sich, unter Abstreifung des für
+die rein mathemathische Betrachtung unwesentlichen räumlichen
+Bildes<sup><a href="#fn3" class="footnoteRef" id="fnref3" name=
+"fnref3">3</a></sup>, aus der Geometrie entwickelt
+haben<sup><a href="#fn4" class="footnoteRef" id="fnref4" name=
+"fnref4">4</a></sup>. Es gibt bei der Untersuchung von
+Mannigfaltigkeiten eben solche verschiedene Typen, wie in der
+Geometrie, und es gilt, wie bei der Geometrie, das Gemeinsame und
+das Unterscheidende unabhängig von einander unternommener
+Forschungen hervorzuheben. Abstract genommen war es im Folgenden
+nur nöthig, schlechthin von mehrfach ausgedehnten
+Mannigfaltigkeiten zu reden; aber durch Anknüpfung an die
+geläufigeren räumlichen Vorstellungen wird die Auseinandersetzung
+einfacher und verständlicher. Indem wir von der Betrachtung der
+geometrischen Dinge ausgehen und an ihnen als einem Beispiele die
+allgemeinen Gedanken entwickeln, verfolgen wir den Gang, den die
+Wissenschaft in ihrer Ausbildung genommen hat, und den bei der
+Darstellung zu Grunde zu legen gewöhnlich das Vorteilhafteste ist.
+–</p>
+<p>Eine vorläufige Exposition des im Folgenden besprochenen
+Inhaltes ist hier wohl nicht möglich, da sich derselbe kaum in eine
+knappere Form<sup><a href="#fn5" class="footnoteRef" id="fnref5"
+name="fnref5">5</a></sup> fügen will; die Ueberschriften der
+Paragraphen werden den allgemeinen Fortschritt des Gedankens
+angeben. Ich habe zum Schlusse eine Reihe von Noten zugefügt, in
+welchen ich entweder, wo es im Interesse der allgemeinen
+Auseinandersetzung des Textes nützlich schien, besondere Punkte
+weiter entwickelt habe, oder in denen ich bemüht war, den abstract
+mathematischen Standpunkt, der für die Betrachtungen des Textes
+maßgebend ist, gegen verwandte abzugränzen.</p>
+<h2 id=
+"gruppen-von-r.umlichen-transformationen.-hauptgruppe.-aufstellung-eines-allgemeinen-problems.">
+<a href="#TOC">§.1. Gruppen von räumlichen Transformationen.
+Hauptgruppe. Aufstellung eines allgemeinen Problems.</a></h2>
+<p>Der wesentlichste Begriff, der bei den folgenden
+Auseinandersetzungen nothwendig ist, ist der einer <em>Gruppe</em>
+von räumlichen Aenderungen.</p>
+<p>Beliebig viele Transformationen des Raumes<sup><a href="#fn6"
+class="footnoteRef" id="fnref6" name="fnref6">6</a></sup> ergeben
+zusammengesetzt immer wieder eine Transformation. Hat nun eine
+gegebene Reihe von Transformationen die Eigenschaft, dass jede
+Aenderung, die aus den ihr angehörigen durch Zusammensetzung
+hervorgeht, ihr selbst wieder angehört, so soll die Reihe eine
+<em>Transformationsgruppe</em><sup><a href="#fn7" class=
+"footnoteRef" id="fnref7" name="fnref7">7</a></sup> genannt
+werden.</p>
+<p>Ein Beispiel für eine Transformationsgruppe bildet die
+Gesammtheit der Bewegungen (jede Bewegung als eine auf den ganzen
+Raum ausgeführte Operation betrachtet). Eine in ihr enthaltene
+Gruppe bilden etwa die Rotationen um einen Punct<sup><a href="#fn8"
+class="footnoteRef" id="fnref8" name="fnref8">8</a></sup>. Eine
+Gruppe, welche umgekehrt die Gruppe der Bewegungen umfasst, wird
+durch die Gesammtheit der Collineationen vorgestellt. Die
+Gesammtheit der dualistischen Umformungen bildet dagegen keine
+Gruppe — denn zwei dualistische Umformungen ergeben zusammen wieder
+eine Collineation —, wohl aber wird wieder eine Gruppe erzeugt,
+wenn man die Gesammtheit der dualistischen mit der Gesammtheit der
+collinearen zusammenfügt<sup><a href="#fn9" class="footnoteRef" id=
+"fnref9" name="fnref9">9</a></sup>.</p>
+<p>Es gibt nun räumliche Transformationen, welche die geometrischen
+Eigenschaften räumlicher Gebilde überhaupt ungeändert lassen.
+Geometrische Eigenschaften sind nämlich ihrem Begriffe nach
+unabhängig von der Lage, die das zu untersuchende Gebilde im Raume
+einnimmt, von seiner absoluten Grösse, endlich auch von dem
+Sinne<sup><a href="#fn10" class="footnoteRef" id="fnref10" name=
+"fnref10">10</a></sup>, in welchem seine Theile geordnet sind. Die
+Eigenschaften eines räumlichen Gebildes bleiben also ungeändert
+durch alle Bewegungen des Raumes, durch seine
+Aehnlichkeitstransformationen, durch den Process der Spiegelung,
+sowie durch alle Transformationen, die sich aus diesen
+zusammensetzen. Den Inbegriff aller dieser Transformationen
+bezeichnen wir als die <em>Hauptgruppe</em><sup><a href="#fn11"
+class="footnoteRef" id="fnref11" name="fnref11">11</a></sup>
+räumlicher Aenderungen; <em>geometrische Eigenschaften werden durch
+die Transformationen der Hauptgruppe nicht geändert</em>. Auch
+umgekehrt kann man sagen: <em>Geometrische Eigenschaften sind durch
+ihre Unveränderlichkeit gegenüber den Transformationen der
+Hauptgruppe characterisirt</em>. Betrachtet man nämlich den Raum
+einen Augenblick als unbeweglich etc., als eine starre
+Mannigfaltigkeit, so hat jede Figur ein individuelles Interesse;
+von den Eigenschaften, die sie als Individuum hat, sind es nur die
+eigentlich geometrischen, welche bei den Aenderungen der
+Hauptgruppe erhalten bleiben. Dieser hier etwas unbestimmt
+formulirte Gedanke wird im weiteren Verlaufe der Auseinandersetzung
+deutlicher erscheinen.</p>
+<p>Streifen wir jetzt das mathematisch unwesentliche sinnliche Bild
+ab, und erblicken im Raume nur eine mehrfach ausgedehnte
+Mannigfaltigkeit, also, indem wir an der gewohnten Vorstellung des
+Punctes als Raumelement festhalten, eine dreifach ausgedehnte. Nach
+Analogie mit den räumlichen Transformationen reden wir von
+Transformationen der Mannigfaltigkeit; auch sie bilden
+<em>Gruppen</em>. Nur ist nicht mehr, wie im Raume, eine Gruppe vor
+den übrigen durch ihre Bedeutung ausgezeichnet; jede Gruppe ist mit
+jeder anderen gleichberechtigt. Als Verallgemeinerung der Geometrie
+entsteht so das folgende umfassende Problem:</p>
+<p><em>Es ist eine Mannigfaltigkeit und in derselben eine
+Transformationsgruppe gegeben; man soll die der Mannigfaltigkeit
+angehörigen Gebilde hinsichtlich solcher Eigenschaften untersuchen,
+die durch die Transformationen der Gruppe nicht geändert
+werden.</em></p>
+<p>In Anlehnung an die moderne Ausdrucksweise, die man freilich nur
+auf eine bestimmte Gruppe, die Gruppe aller linearen Umformungen,
+zu beziehen pflegt, mag man auch so sagen:</p>
+<p><em>Es ist eine Mannigfaltigkeit und in derselben eine
+Transformationsgruppe gegeben. Man entwickele die auf die Gruppe
+bezügliche Invariantentheorie.</em></p>
+<p>Dies ist das allgemeine Problem, welches die gewöhnliche
+Geometrie nicht nur, sondern namentlich auch die hier zu nennenden
+neueren geometrischen Methoden und die verschiedenen
+Behandlungsweisen beliebig ausgedehnter Mannigfaltigkeiten unter
+sich begreift. Was besonders betont sein mag, ist die
+Willkürlichkeit, die hinsichtlich der Wahl der zu adjungirenden
+Transformationsgruppe besteht, und die daraus fliessende und in
+diesem Sinne zu verstehende gleiche Berechtigung aller sich unter
+die allgemeine Forderung subsumirenden Betrachtungsweisen.</p>
+<h2 id=
+"transformationsgruppen-von-denen-die-eine-die-andere-umfasst-werden-nach-einander-adjungirt.-die-verschiedenen-typen-geometrischer-forschung-und-ihr-gegenseitiges-verh.ltniss.">
+<a href="#TOC">§.2. Transformationsgruppen, von denen die eine die
+andere umfasst, werden nach einander adjungirt. Die verschiedenen
+Typen geometrischer Forschung und ihr gegenseitiges
+Verhältniss.</a></h2>
+<p>Da die geometrischen Eigenschaften räumlicher Dinge durch
+<em>alle</em> Transformationen der Hauptgruppe ungeändert bleiben,
+so ist es an und für sich absurd, nach solchen Eigenschaften
+derselben zu fragen, bei denen dies nur gegenüber einem Theile
+dieser Transformationen der Fall ist. Diese Fragestellung wird
+indess berechtigt, ob auch nur <em>formal</em>, wenn wir die
+räumlichen Gebilde in ihrer Beziehung zu fest gedachten Elementen
+untersuchen. Betrachten wir z.&nbsp;B., wie in der sphärischen
+Trigonometrie, die räumlichen Dinge unter Auszeichnung eines
+Punctes. Dann ist zunächst die Forderung: die unter Adjunction der
+Hauptgruppe invarianten Eigenschaften nicht mehr der räumlichen
+Dinge an sich, sondern des von ihnen mit dem gegebenen Puncte
+gebildeten Systems zu entwickeln. Aber dieser Forderung können wir
+die andere Form ertheilen: Man untersuche die räumlichen Gebilde an
+sich hinsichtlich solcher Eigenschaften, welche ungeändert bleiben
+durch diejenigen Transformationen der Hauptgruppe, welche noch
+stattfinden können, wenn wir den Punct fest halten. Mit anderen
+Worten: Es ist dasselbe, ob wir die räumlichen Gebilde im Sinne der
+Hauptgruppe untersuchen und ihnen den gegebenen Punct hinzufügen,
+oder ob wir, ohne ihnen irgend ein Gegebenes hinzuzufügen, die
+Hauptgruppe durch die in ihr enthaltene Gruppe ersetzen, deren
+Transformationen den bez. Punct ungeändert lassen.</p>
+<p>Es ist dies ein in der Folge häufig angewandtes Princip, das wir
+desshalb gleich hier allgemein formuliren wollen; etwa in der
+folgenden Weise:</p>
+<p>Es sei eine Mannigfaltigkeit und zu ihrer Behandlung eine auf
+sie bezügliche Transformationsgruppe gegeben. Es werde das Problem
+vorgelegt, die in der Mannigfaltigkeit enthaltenen Gebilde
+hinsichtlich eines gegebenen Gebildes zu untersuchen. <em>So kann
+man entweder dem Systeme der Gebilde das gegebene hinzufügen, und
+es fragt sich dann nach den Eigenschaften des erweiterten Systems
+im Sinne der gegebenen Gruppe — oder, man lasse das System
+unerweitert, beschränke aber die Transformationen, die man bei der
+Behandlung zu Grunde legt, auf diejenigen in der gegebenen Gruppe
+enthaltenen, welche das gegebene Gebilde ungeändert lassen (und die
+nothwendig wieder eine Gruppe bilden).</em> —</p>
+<p>Im Gegensatze zu der zu Anfang des Paragraphen aufgeworfenen
+Frage beschäftige uns nun die umgekehrte, die von Vornherein
+verständlich ist. Wir fragen nach denjenigen Eigenschaften
+räumlicher Dinge, welche bei einer Transformationsgruppe erhalten
+bleiben, die die Hauptgruppe als einen Theil umfasst. Jede
+Eigenschaft, die wir bei einer solchen Untersuchung finden, ist
+eine geometrische Eigenschaft des Dings an sich, aber das
+Umgekehrte gilt nicht. Bei der Umkehr tritt vielmehr das eben
+vorgetragene Princip in Kraft, wobei die Hauptgruppe nun die
+kleinere Gruppe ist. Wir erhalten so:</p>
+<p><em>Ersetzt man die Hauptgruppe durch eine umfassendere Gruppe,
+so bleibt nur ein Theil der geometrischen Eigenschaften erhalten.
+Die übrigen erscheinen nicht mehr als Eigenschaften der räumlichen
+Dinge an sich, sondern als Eigenschaften des Systems, welches
+hervorgeht, wenn man denselben ein ausgezeichnetes Gebilde
+hinzufügt. Dieses ausgezeichnete Gebilde ist (soweit es überhaupt
+ein bestimmtes<sup><a href="#fn12" class="footnoteRef" id="fnref12"
+name="fnref12">12</a></sup> ist) dadurch definirt, dass es, fest
+gedacht, dem Raume unter den Transformationen der gegebenen Gruppe
+nur noch die Transformationen der Hauptgruppe gestattet.</em></p>
+<p>In diesem Satze beruht die Eigenart der hier zu besprechenden
+neueren geometrischen Richtungen und ihr Verhältniss zur
+elementaren Methode. Sie sind dadurch eben zu characterisiren, dass
+sie an Stelle der Hauptgruppe eine erweiterte Gruppe räumlicher
+Umformungen der Betrachtung zu Grunde legen. Ihr gegenseitiges
+Verhältniss ist, sofern sich ihre Gruppen einschliessen, durch
+einen entsprechenden Satz bestimmt. Dasselbe gilt von den
+verschiedenen hier zu betrachtenden Behandlungsweisen mehrfach
+ausgedehnter Mannigfaltigkeiten. Es soll dies nun an den einzelnen
+Methoden gezeigt werden, wobei denn die Sätze, die in diesem und
+dem vorigen Paragraphen allgemein hingestellt wurden, ihre
+Erläuterung an concreten Gegenständen finden.</p>
+<h2 id="die-projectivische-geometrie."><a href="#TOC">§.3. Die
+projectivische Geometrie.</a></h2>
+<p>Jede räumliche Umformung, die nicht gerade der Hauptgruppe
+angehört, kann dazu benutzt werden, um Eigenschaften bekannter
+Gebilde auf neue Gebilde zu übertragen. So verwerthen wir die
+Geometrie der Ebene für die Geometrie der Flächen, die sich auf die
+Ebene abbilden lassen; so schloss man schon lange vor dem Entstehen
+einer eigentlichen projectivischen Geometrie von den Eigenschaften
+einer gegebenen Figur auf Eigenschaften anderer, die durch
+Projection aus ihr hervorgingen. Aber die projectivische Geometrie
+erwuchs erst, als man sich gewöhnte, die ursprüngliche Figur mit
+allen aus ihr projectivisch ableitbaren als wesentlich identisch zu
+erachten und die Eigenschaften, welche sich beim Projiciren
+übertragen, so auszusprechen, dass ihre Unabhängigkeit von der mit
+dem Projiciren verknüpften Aenderung in Evidenz tritt. Hiermit war
+denn der Behandlung im Sinne von §.1 <em>die Gruppe aller
+projectivischen Umformungen</em> zu Grunde gelegt und dadurch eben
+der Gegensatz zwischen projectivischer und gewöhnlicher Geometrie
+geschaffen.</p>
+<p>Ein ähnlicher Entwicklungsgang, wie der hier geschilderte, kann
+bei jeder Art von räumlicher Transformation als möglich gedacht
+werden; wir werden noch öfter darauf zurückkommen. Er hat sich
+innerhalb der projectivischen Geometrie selbst noch nach zwei
+Seiten vollzogen. Die eine Weiterbildung der Auffassung geschah
+durch Aufnahme der <em>dualistischen</em> Umformungen in die Gruppe
+der zu Grunde gelegten Aenderungen. Für den heutigen Standpunct
+sind zwei einander dualistisch entgegenstehende Figuren nicht mehr
+als zwei unterschiedene sondern als wesentlich dieselben Figuren
+anzusehen. Ein anderer Schritt bestand in der Erweiterung der zu
+Grunde gelegten Gruppe collinearer und dualistischer Umformungen
+durch Aufnahme der bez. <em>imaginären</em> Transformationen.
+Dieser Schritt bedingt, dass man vorher den Kreis der eigentlichen
+Raumelemente durch Hinzunahme der imaginären erweitert habe — ganz
+dem entsprechend, wie die Aufnahme der dualistischen Umformungen in
+die zu Grunde gelegte Gruppe die gleichzeitige Einführung von Punct
+und Ebene als Raumelement nach sich zieht. Es ist hier nicht der
+Ort, auf die Zweckmässigkeit der Einführung imaginärer Elemente zu
+verweisen, durch welche allein der genaue Anschluss der Raumlehre
+an das einmal gewählte Gebiet algebraischer Operationen erreicht
+wird. Dagegen muss betont werden, dass der Grund für die Einführung
+eben in der Betrachtung algebraischer Operationen, nicht aber in
+der Gruppe der projectivischen und dualistischen Umformungen liegt.
+So gut wir uns bei den letzteren auf reelle Transformationen
+beschränken können, da schon die reellen Collineationen und
+dualistischen Transformationen eine Gruppe bilden; — so gut können
+wir imaginäre Raumelemente einführen, auch wenn wir nicht auf
+projektivischem Standpuncte stehen, und sollen es, sofern wir
+principiell algebraische Gebilde untersuchen.</p>
+<p>Wie man vom projectivischem Standpuncte aus die metrischen
+Eigenschaften aufzufassen hat, bestimmt sich nach dem allgemeinen
+Satze des vorangehenden Paragraphen. Die metrischen Eigenschaften
+sind als projectivische Beziehungen zu einem Fundamentalgebilde,
+dem unendlich fernen Kugelkreise<sup><a href="#fn13" class=
+"footnoteRef" id="fnref13" name="fnref13">13</a></sup>, zu
+betrachten, einem Gebilde, das die Eigenschaft hat, nur durch
+diejenigen Transformationen der projectivischen Gruppe, die eben
+auch Transformationen der Hauptgruppe sind, in sich überzugehen.
+Der so schlechthin ausgesprochene Satz bedarf noch einer
+wesentlichen Ergänzung, die der Beschränkung der gewöhnlichen
+Anschauungsweise auf reelle Raumelemente (und reelle
+Transformationen) entspricht. Man muss dem Kugelkreise, um diesem
+Standpuncte gerecht zu werden, noch das System der rellen
+Raumelemente (Puncte) ausdrücklich hinzufügen; Eigenschaften im
+Sinne der elementaren Geometrie sind projectivisch entweder
+Eigenschaften der Dinge an sich oder Beziehungen zu diesem Systeme
+der reellen Elemente, oder zum Kugelkreise oder endlich zu
+beiden.</p>
+<p>Es mag hier noch der Art gedacht werden, wie <em>v. Staudt</em>
+in seiner Geometrie der Lage[2] die projectivische Geometrie
+aufbaut — d.&nbsp;h. diejenige projectivische Geometrie, welche
+sich auf Zugrundelegung der Gruppe aller reeller
+projectivisch-dualistischer Umformung beschränkt<sup><a href=
+"#fn14" class="footnoteRef" id="fnref14" name=
+"fnref14">14</a></sup>.</p>
+<p>Es ist bekannt, wie er dabei aus dem gewöhnlichen
+Anschauungsmaterial nur solche Momente herausgreift, die auch bei
+projectivischen Umformungen erhalten bleiben. Wollte man weiterhin
+zur Betrachtung auch metrischer Eigenschaften übergehen, so hätte
+man die letzteren geradezu als Beziehungen zum Kugelkreise
+einzuführen. Der so vervollständigte Gedankengang ist für die hier
+vorliegenden Betrachtungen insofern von grosser Bedeutung, als ein
+entsprechender Aufbau der Geometrie im Sinne jeder einzelnen der
+noch anzuführenden Methoden möglich ist.</p>
+<h2 id="uebertragung-durch-abbildung."><a href="#TOC">§.4.
+Uebertragung durch Abbildung.</a></h2>
+<p>Ehe wir in der Besprechung der geometrischen Methoden, die sich
+neben die elementare und die projectivische Geometrie stellen,
+weiter gehen, mögen allgemein einige Betrachtungen entwickelt
+werden, die im Folgenden immer wieder vorkommen und zu denen die
+bisher berührten Dinge bereits hinreichend viele Beispiele liefern.
+Auf diese Erörterungen bezieht sich der gegenwärtige und der
+nächstfolgende Paragraph.</p>
+<p>Gesetzt, man habe eine Mannigfaltigkeit A unter Zugrundelegung
+einer Gruppe B untersucht. Führt man sodann A durch irgendwelche
+Transformation in eine andere Mannigfaltigkeit A' über, so wird aus
+der Gruppe B von Aenderungen, die A in sich transformirten, nunmehr
+eine Gruppe B', deren Transformationen sich auf A' beziehen. Dann
+ist es ein selbstverständliches Princip, <em>dass die
+Behandlungsweise von A unter Zugrundelegung von B die
+Behandlungsweise von A' unter Zugrundelegung von B' ergibt</em>,
+d.&nbsp;h. jede Eigenschaft, welche ein in A enthaltenes Gebilde
+mit Bezug auf die Gruppe B hat, ergibt eine Eigenschaft des
+entsprechenden Gebildes in A' mit Bezug auf die Gruppe&nbsp;B'.</p>
+<p>Lassen wir z. B. A eine gerade Linie, B die dreifach unendlich
+vielen linearen Transformationen bedeuten, welche dieselbe in sich
+überführen. Die Behandlungsweise von A ist dann eben diejenige,
+welche die neuere Algebra als Theorie der binären Formen
+bezeichnet. Nun kann man die gerade Linie auf einen Kegelschnitt A'
+der Ebene durch Protection von einem Puncte des letzteren aus
+beziehen. Aus den linearen Transformationen B der Geraden in sich
+selbst werden dann die linearen Transformationen B' des
+Kegelschnittes in sich selbst, wie man leicht zeigt, d.&nbsp;h.
+diejenigen Aenderungen des Kegelschnittes, welche mit den linearen
+Transformationen der Ebene, die den Kegelschnitt in sich
+überführen, verknüpft sind.</p>
+<p>Es ist nun aber nach dem Princip des zweiten
+Paragraphen<sup><a href="#fn15" class="footnoteRef" id="fnref15"
+name="fnref15">15</a></sup> dasselbe: nach der Geometrie auf einem
+Kegelschnitte zu fragen, wenn man sich den Kegelschnitt als fest
+denkt und nur auf diejenigen linearen Transformationen der Ebene
+achtet, welche ihn in sich überführen; oder die Geometrie auf dem
+Kegelschnitte zu studiren, indem man überhaupt die linearen
+Transformationen der Ebene betrachtet und sich den Kegelschnitt mit
+ändern lässt. Die Eigenschaften, welche wir an den Punctsystemen
+auf dem Kegelschnitte auffassten, sind mithin im gewöhnlichen Sinne
+projectivische. Die Verknüpfung der letzten Ueberlegung mit dem
+eben abgeleiteten Resultate gibt also:</p>
+<p><em>Binäre Formentheorie und projectivische Geometrie der
+Punctsysteme auf einem Kegelschnitte ist dasselbe, d.&nbsp;h. jedem
+binären Satze entspricht ein Satz über derartige Punctsysteme und
+umgekehrt</em><sup><a href="#fn16" class="footnoteRef" id="fnref16"
+name="fnref16">16</a></sup>.</p>
+<p>Ein anderes Beispiel, welches geeignet ist, diese Art von
+Betrachtungen zu veranschaulichen, ist das folgende: Wenn man eine
+Fläche zweiten Grades mit einer Ebene durch stereographische
+Projection in Verbindung setzt, so tritt auf der Fläche ein
+Fundamentalpunct auf: der Projectionspunct, in der Ebene sind es
+zwei: die Bilder der durch den Projectionspunct gehenden
+Erzeugenden. Man zeigt nun ohne Weiteres: Die linearen
+Transformationen der Ebene, welche die beiden Fundamentalpuncte
+derselben ungeändert lassen, gehen durch die Abbildung in lineare
+Transformationen der Fläche zweiten Grades in sich selbst über,
+aber nur in diejenigen, welche den Projectionspunct ungeändert
+lassen. Unter linearen Transformationen der Fläche in sich selbst
+sind dabei diejenigen Aenderungen verstanden, welche die Fläche
+erfährt, wenn man lineare Raumtransformationen ausführt, welche die
+Fläche mit sich selbst zur Deckung bringen. Hiernach wird also die
+projectivische Untersuchung einer Ebene unter Zugrundelegung zweier
+Puncte und die projectivische Untersuchung einer Fläche zweiten
+Grades unter Zugrundelegung eines Punctes identisch. Die erstere
+ist nun — sofern man imaginäre Elemente mit in Betracht zieht —
+nichts Anderes, als die Untersuchung der Ebene im Sinne der
+elementaren Geometrie. Denn die Hauptgruppe der ebenen
+Transformationen besteht eben in den linearen Umformungen, welche
+ein Punctepaar (die unendlich fernen Kreispuncte) ungeändert
+lassen. Wir erhalten also schliesslich:</p>
+<p><em>Die elementare Geometrie der Ebene und die projectivische
+Untersuchung einer Fläche zweiten Grades unter Hinzunahme eines
+ihrer Puncte sind dasselbe.</em></p>
+<p>Diese Beispiele liessen sich beliebig vervielfachen<sup><a href=
+"#fn17" class="footnoteRef" id="fnref17" name=
+"fnref17">17</a></sup>; die beiden hier entwickelten sind gewählt
+worden, da wir in der Folge noch Gelegenheit haben werden, auf
+dieselben zurückzukommen.</p>
+<h2 id=
+"von-der-willk.rlichkeit-in-der-wahl-des-raumelements.-das-hessesche-uebertragungsprincip.-die-liniengeometrie.">
+<a href="#TOC">§.5. Von der Willkürlichkeit in der Wahl des
+Raumelements. Das Hessesche Uebertragungsprincip. Die
+Liniengeometrie.</a></h2>
+<p>Als Element der geraden Linie, der Ebene, des Raumes, überhaupt
+einer zu untersuchenden Mannigfaltigkeit kann statt des Punctes
+jedes in der Mannigfaltigkeit enthaltene Gebilde: die Punctgruppe,
+ev. die Curve, die Fläche u.&nbsp;s.&nbsp;w. verwandt
+werden<sup><a href="#fn18" class="footnoteRef" id="fnref18" name=
+"fnref18">18</a></sup>. Indem über die Zahl willkürlicher
+Parameter, von denen man diese Gebilde abhängig setzen will, von
+Vornherein gar Nichts fest steht, erscheinen Linie, Ebene, Raum
+etc. je nach der Wahl des Elementes mit beliebig vielen Dimensionen
+behaftet. <em>Aber so lange wir der geometrischen Untersuchung
+dieselbe Gruppe von Aenderungen zu Grunde legen, bleibt der Inhalt
+der Geometrie unverändert,</em> das heißt, jeder Satz, der bei
+einer Annahme des Raumelements sich ergab, ist auch ein Satz bei
+beliebiger anderer Annahme, nur die Anordnung und Verknüpfung der
+Sätze ist geändert.</p>
+<p>Das Wesentliche ist also die Transformationsgruppe; die Zahl der
+Dimensionen, die wir einer Mannigfaltigkeit beilegen wollen,
+erscheint als etwas Secundäres.</p>
+<p>Die Verknüpfung dieser Bemerkung mit dem Princip des vorigen
+Paragraphen ergibt eine Reihe schöner Anwendungen, von denen hier
+einige entwickelt werden mögen, da diese Beispiele mehr als alle
+lange Auseinandersetzung geeignet scheinen, den Sinn der
+allgemeinen Betrachtung darzulegen.</p>
+<p>Die projectivische Geometrie auf der Geraden (die Theorie der
+binären Formen) ist nach dem vorigen Paragraphen mit der
+projectivischen Geometrie auf dem Kegelschnitte gleichbedeutend.
+Auf letzterem mögen wir jetzt statt des Punctes das Punctepaar als
+Element betrachten</p>
+<p>Die Gesammtheit der Punctepaare des Kegelschnitts lässt sich
+aber auf die Gesammtheit der Geraden der Ebene beziehen, indem man
+jede Gerade dem Punctepaare zuordnet, in welchem sie den
+Kegelschnitt trifft. Bei dieser Abbildung gehen die linearen
+Transformationen des Kegelschnitts in sich selbst in die linearen
+Transformationen der (aus Geraden bestehend gedachten) Ebene über,
+welche den Kegelschnitt ungeändert lassen. Ob wir aber die aus den
+letzteren bestehende Gruppe betrachten, oder die Gesammtheit der
+linearen Transformationen der Ebene zu Grunde legen und den zu
+untersuchenden Gebilden der Ebene den Kegelschnitt allemal
+hinzufügen, ist nach §.2 gleichbedeutend. Indem wir alle diese
+Ueberlegungen zusammen nehmen, haben wir:</p>
+<p><em>Die Theorie der binären Formen und die projectivische
+Geometrie der Ebene unter Zugrundelegung eines Kegelschnittes sind
+gleichbedeutend.</em></p>
+<p>Da endlich projectivische Geometrie der Ebene unter
+Zugrundelegung eines Kegelschnittes eben wegen der Gleichheit der
+Gruppe mit der projectivischen Maßgeometrie coincidirt, die man in
+der Ebene auf einen Kegelschnitt gründen kann<sup><a href="#fn19"
+class="footnoteRef" id="fnref19" name="fnref19">19</a></sup>, so
+mögen wir auch so sagen:</p>
+<p><em>Die Theorie der binären Formen und die allgemeine
+projectivische Maßgeometrie in der Ebene sind dasselbe.</em></p>
+<p>Statt des Kegelschnitts in der Ebene können wir in der
+vorstehenden Betrachtung die Curve dritter Ordnung im Raume setzen
+etc., doch mag dies unausgeführt bleiben. Der hier dargelegte
+Zusammenhang zwischen der Geometrie der Ebene, weiterhin des Raumes
+oder einer beliebig ausgedehnten Mannigfaltigkeit deckt sich im
+Wesentlichen mit dem von <em>Hesse</em> vorgeschlagenen
+Uebertragungsprincipe [7].</p>
+<p>Ein Beispiel ganz ähnlicher Art ergibt die projectivische
+Geometrie des Raumes, oder, anders ausgedrückt, die Theorie der
+quaternären Formen. Fasst man die gerade Linie als Raumelement und
+ertheilt ihr, wie in der Liniengeometrie geschieht, sechs homogene
+Coordinaten, zwischen denen eine Bedingungsgleichung vom zweiten
+Grade Statt findet, so erscheinen die linearen und dualistischen
+Transformationen des Raumes als diejenigen linearen
+Transformationen der unabhängig gedachten sechs Veränderlichen,
+welche die Bedingungsgleichung in sich überführen. Durch eine
+Verknüpfung ähnlicher Ueberlegungen, wie sie soeben entwickelt
+wurden, erhält man hieraus den Satz:</p>
+<p><em>Die Theorie der quaternären Formen deckt sich mit der
+projectivischen Maßbestimmung in einer durch 6 homogene
+Veränderliche erzeugten Mannigfaltigkeit.</em></p>
+<p>Wegen der näheren Ausführung dieser Auffassung verweise ich auf
+einen demnächst in den Math. Annalen (Bd.&nbsp;VI) erscheinenden
+Aufsatz: „Ueber die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie"[8],
+sowie auf eine Note am Schlusse dieser Mittheilung<sup><a href=
+"#fn20" class="footnoteRef" id="fnref20" name=
+"fnref20">20</a></sup>.</p>
+<p>Ich knüpfe an die vorstehenden Auseinandersetzungen noch zwei
+Bemerkungen, von denen die erste zwar schon implicite in dem
+Bisherigen enthalten ist, aber ausgeführt werden soll, weil der
+Gegenstand, auf den sie sich bezieht, zu leicht Missverständnissen
+ausgesetzt ist.</p>
+<p>Wenn wir beliebige Gebilde als Raumelemente einführen, so erhält
+der Raum beliebig viele Dimensionen. Wenn wir dann aber an der uns
+geläufigen (elementaren oder projectivischen) Anschauungsweise
+festhalten, so ist die Gruppe, welche wir für die mehrfach
+ausgedehnte Mannigfaltigkeit zu Grunde zu legen haben, von Vorne
+herein gegeben; es ist eben die Hauptgruppe bez. die Gruppe der
+projectivischen Umformungen. Wollten wir eine andere Gruppe zu
+Grunde legen, so müssten wir von der gewöhnlichen bez. der
+projectivischen Anschauung abgehen. So richtig es also ist, dass
+bei geschickter Wahl der Raumelemente der Raum Mannigfaltigkeiten
+von beliebig vielen Ausdehnungen repräsentirt, so wichtig ist es,
+hinzuzufügen, <em>dass bei dieser Repräsentation entweder von
+Vorneherein eine bestimmte Gruppe der Behandlung der
+Mannigfaltigkeit zu Grunde zu legen ist, oder dass wir, wollen wir
+über die Gruppe verfügen, unsere geometrische Auffassung
+entsprechend auszubilden haben.</em> — Es könnte, ohne diese
+Bemerkung, z.&nbsp;B. eine Repräsentation der Liniengeometrie in
+der folgenden Weise gesucht werden. Die Gerade erhält in der
+Liniengeometrie sechs Coordinaten; eben so viele Coefficienten
+besitzt der Kegelschnitt in der Ebene. Das Bild der Liniengeometrie
+würde also die Geometrie in einem Kegelschnittsysteme sein, das aus
+der Gesammtheit der Kegelschnitte durch eine quadratische Gleichung
+zwischen den Coefficienten ausgesondert wird. Das ist richtig,
+sowie wir als Gruppe der ebenen Geometrie die Gesammtheit der
+Transformationen zu Grunde legen, die durch lineare Umformungen der
+Kegelschnitts-Coefficienten repräsentirt werden, welche die
+quadratische Bedingungsgleichung in sich überführen. Halten wir
+aber an der elementaren bez. der projectivischen Auffassung der
+ebenen Geometrie fest, so haben wir eben <em>kein</em> Bild.</p>
+<p>Die zweite Bemerkung bezieht sich auf folgende Begriffsbildung.
+Sei im Raume irgend eine Gruppe, etwa die Hauptgruppe gegeben. So
+wähle man ein einzelnes räumliches Gebilde, etwa einen Punct, oder
+eine Gerade, oder auch ein Ellipsoid etc. aus und wende auf
+dasselbe alle Transformationen der Hauptgruppe an. Man erhält dann
+eine mehrfach unendliche Mannigfaltigkeit mit einer Anzahl von
+Dimensionen, die im Allgemeinen gleich der Zahl der in der Gruppe
+enthaltenen willkürlichen Parameter ist, die in besonderen Fällen
+herabsinkt, wenn nämlich das ursprünglich gewählte Gebilde die
+Eigenschaft besitzt, durch unendlich viele Transformationen der
+Gruppe in sich übergeführt zu werden. Jede so erzeugte
+Mannigfaltigkeit heiße mit Bezug auf die erzeugende Gruppe ein
+<em>Körper</em><sup><a href="#fn21" class="footnoteRef" id=
+"fnref21" name="fnref21">21</a></sup>. Wollen wir nun den Raum im
+Sinne der Gruppe untersuchen und dabei bestimmte Gebilde als
+Raumelemente auszeichnen, und wollen wir nicht, dass
+Gleichberechtigtes ungleichartig dargestellt werde, <em>so müssen
+wir die Raumelemente ersichtlich so wählen, dass ihre
+Mannigfaltigkeit entweder selbst einen Körper bildet oder in Körper
+zerlegt werden kann.</em> Von dieser evidenten Bemerkung soll
+später (§.9) eine Anwendung gemacht werden. Der Körper-Begriff
+selbst wird im Schlussparagraphen in Verbindung mit verwandten
+Begriffen noch einmal zur Sprache kommen.</p>
+<h2 id=
+"die-geometrie-der-reciproken-radien.-die-interpretation-von-xiy.">
+<a href="#TOC">§.6. Die Geometrie der reciproken Radien. Die
+Interpretation von <span class=
+"math"><em>x</em> + <em>i</em><em>y</em></span>.</a></h2>
+<p>Wir kehren mit diesem Paragraphen zur Besprechung der
+verschiedenen Richtungen der geometrischen Forschung zurück, wie
+sie in §§.2.3 begonnen wurde.</p>
+<p>Als ein Seitenstück zu den Betrachtungsweisen der
+projectivischen Geometrie kann man in vielfacher Hinsicht eine
+Classe geometrischer Ueberlegungen betrachten, bei denen von der
+Umformung durch reciproke Radien fortlaufender Gebrauch gemacht
+wird. Es gehören hierher die Untersuchungen über die sog. Cycliden
+und anallagmatische Flächen, über die allgemeine Theorie der
+Orthogonalsysteme, ferner Untersuchungen über das Potential etc.
+Wenn man die in denselben enthaltenen Betrachtungen noch nicht
+gleich den projectivischen zu einer besonderen Geometrie
+zusammengefasst hat, <em>die dann als Gruppe die Gesammtheit
+derjenigen Umformungen zu Grunde zu legen hätte, welche durch
+Verbindung der Hauptgruppe mit der Transformation durch reciproke
+Radien entstehen</em>, so ist das wohl dem zufälligen Umstande
+zuzuschreiben, dass die genannten Theorien seither nicht im
+Zusammenhange dargestellt worden sind; den einzelnen Autoren, die
+in dieser Richtung arbeiteten, wird eine solche methodische
+Auffassung nicht fern gelegen haben.</p>
+<p>Die Parallele zwischen dieser Geometrie der reciproken Radien
+und der projectivischen ergibt sich, sowie einmal die Frage nach
+einem Vergleiche vorhanden ist, von selbst, und es mag daher nur
+ganz im Allgemeinen auf die folgenden Puncte aufmerksam gemacht
+werden:</p>
+<p>In der projectivischen Geometrie sind Punct, Gerade, Ebene die
+Elementar-Begriffe. Kreis und Kugel sind nur specielle Fälle von
+Kegelschnitt und Fläche zweiten Grades. Das unendlich Ferne der
+elementaren Geometrie erscheint als Ebene; das Fundamentalgebilde,
+auf welches sich die elementare Geometrie bezieht, ist ein
+unendlich ferner, imaginärer Kegelschnitt.</p>
+<p>In der Geometrie der reciproken Radien sind Punct, Kreis und
+Kugel die Elementarbegriffe. Gerade und Ebene sind specielle Fälle
+der letzteren, dadurch charakterisirt, dass sie einen, im Sinne der
+Methode übrigens nicht weiter ausgezeichneten Punct, den unendlich
+fernen Punct enthalten. Die elementare Geometrie erwächst, so wie
+man diesen Punct fest denkt.</p>
+<p>Die Geometrie der reciproken Radien ist einer Einkleidung fähig,
+welche sie neben die Theorie der binären Formen und die
+Liniengeometrie stellt, falls man die letzteren in der Weise
+behandelt, wie das im vorigen Paragraphen angedeutet wurde. Wir
+mögen zu diesem Zwecke die Betrachtung zunächst auf ebene Geometrie
+und also auf Geometrie der reciproken Radien in der
+Ebene<sup><a href="#fn22" class="footnoteRef" id="fnref22" name=
+"fnref22">22</a></sup> beschränken.</p>
+<p>Es wurde bereits des Zusammenhangs gedacht, der zwischen der
+elementaren Geometrie der Ebene und der projectivischen Geometrie
+der mit einem ausgezeichneten Puncte versehenen Fläche zweiten
+Grades besteht (§.4). Sieht man von dem ausgezeichneten Puncte ab
+und betrachtet also die projectivische Geometrie auf der Fläche an
+sich, so hat man ein Bild der Geometrie der reciproken Radien in
+der Ebene. Denn man überzeugt sich leicht<sup><a href="#fn23"
+class="footnoteRef" id="fnref23" name="fnref23">23</a></sup>, dass
+der Transformationsgruppe der reciproken Radien in der Ebene
+vermöge der Abbildung der Fläche zweiten Grades die Gesammtheit der
+linearen Transformationen der letzteren in sich selbst entspricht.
+Man hat also:</p>
+<p><em>Geometrie der reciproken Radien in der Ebene und
+projectivische Geometrie auf einer Fläche zweiten Grades ist
+dasselbe,</em></p>
+<p>und ganz entsprechend:</p>
+<p><em>Geometrie der reciproken Radien im Raume ist mit der
+projectivischen Behandlung einer Mannigfaltigkeit gleichbedeutend,
+die durch eine quadratische Gleichung zwischen fünf homogenen
+Veränderlichen dargestellt wird.</em></p>
+<p>Die Raumgeometrie ist also durch die Geometrie der reciproken
+Radien in ganz dieselbe Verbindung mit einer Mannigfaltigkeit von
+vier Dimensionen gesetzt, wie vermöge der Liniengeometrie mit einer
+Mannigfaltigkeit von fünf Ausdehnungen.</p>
+<p>Die Geometrie der reciproken Radien in der Ebene gestattet,
+sofern man nur auf <em>reelle</em> Transformationen achten will,
+noch nach einer anderen Seite eine interessante Darstellung, resp.
+Verwendung. Breitet man nämlich eine complexe Variable <span class=
+"math"><em>x</em> + <em>i</em><em>y</em></span> in gewöhnlicher
+Weise in der Ebene aus, so entspricht ihren linearen
+Transformationen die Gruppe der reciproken Radien, mit der
+erwähnten Beschränkung auf das Reelle. Die Untersuchung der
+Functionen einer complexen Veränderlichen, die beliebigen linearen
+Transformationen unterworfen gedacht ist, ist aber nichts Anderes,
+als was bei einer etwas abgeänderten Darstellungsweise Theorie der
+binären Formen genannt wird. Also:</p>
+<p><em>Die Theorie der binären Formen findet ihre Darstellung durch
+die Geometrie der reciproken Radien in der reellen Ebene, so zwar,
+dass auch die complexen Werthe der Variabeln repräsentirt
+werden.</em></p>
+<p>Von der Ebene mögen wir, um in den gewohnteren Vorstellungskreis
+der projectivischen Umformungen zu gelangen, zur Fläche zweiten
+Grades aufsteigen. Da wir nur reelle Elemente der Ebene
+betrachteten, ist es nicht mehr gleichgültig, wie man die Fläche
+wählt; sie ist ersichtlich nicht geradlinig zu nehmen. Insbesondere
+können wir uns dieselbe — wie man das zur Interpretation einer
+complexen Veränderlichen auch sonst thut — als Kugelfläche denken
+und erhalten so den Satz:</p>
+<p><em>Die Theorie der binären Formen complexer Variablen findet
+ihre Repräsentation in der projectivischen Geometrie der reellen
+Kugelfläche.</em></p>
+<p>Ich habe mir nicht versagen mögen, in einer Note<sup><a href=
+"#fn24" class="footnoteRef" id="fnref24" name=
+"fnref24">24</a></sup> noch auseinanderzusetzen, wie schön dieses
+Bild die Theorie der binären cubischen und biquadratischen Formen
+erläutert.</p>
+<h2 id="erweiterungen-des-vorangehenden.-lies-kugelgeometrie.">
+<a href="#TOC">§.7. Erweiterungen des Vorangehenden. <em>Lie</em>s
+Kugelgeometrie.</a></h2>
+<p>An die Theorie der binären Formen, die Geometrie der reciproken
+Radien und die Liniengeometrie, welche im Vorstehenden coordinirt
+und nur durch die Zahl der Veränderlichen unterschieden scheinen,
+lassen sich gewisse Erweiterungen knüpfen, die nun
+auseinandergesetzt werden mögen. Dieselben sollen einmal dazu
+beitragen, den Gedanken, dass die Gruppe, welche die
+Behandlungsweise gegebener Gebiete bestimmt, beliebig erweitert
+werden kann, an neuen Beispielen zu erläutern; dann aber ist
+namentlich die Absicht gewesen, Betrachtungen, welche <em>Lie</em>
+in einer neueren Abhandlung niedergelegt hat<sup><a href="#fn25"
+class="footnoteRef" id="fnref25" name="fnref25">25</a></sup>, in
+ihrer Beziehung zu den hier vorgetragenen Ueberlegungen darzulegen.
+Der Weg, auf welchem wir zu <em>Lie</em>s Kugelgeometrie gelangen,
+weicht insofern von dem von <em>Lie</em> eingeschlagenen ab, als
+<em>Lie</em> an liniengeometrische Vorstellungen anknüpft, während
+wir, um uns mehr der gewöhnlichen geometrischen Anschauung
+anzuschliessen und im Zusammenhange mit dem Vorhergehenden zu
+bleiben, bei den bez. Auseinandersetzungen eine geringere Zahl von
+Veränderlichen voraussetzen. Die Betrachtungen sind, wie bereits
+<em>Lie</em> selbst hervorgehoben hat (Göttinger Nachrichten 1871.
+N.&nbsp;7, 22 [11]) von der Zahl der Variabeln unabhängig. Sie
+gehören dem grossen Kreise von Untersuchungen an, welche sich mit
+der projectivischen Untersuchung quadratischer Gleichungen zwischen
+beliebig vielen Veränderlichen beschäftigen, Untersuchungen, die
+wir bereits öfter berührt haben und die uns noch wiederholt
+begegnen werden (vergl. §.10 u.&nbsp;a.)</p>
+<p>Ich knüpfe an den Zusammenhang an, der zwischen der reellen
+Ebene und der Kugelfläche durch stereographische Projection
+hergestellt wird. Wir setzten bereits in §.5 die Geometrie der
+Ebene mit der Geometrie auf einem Kegelschnitte in Verbindung,
+indem wir der Geraden der Ebene das Punctepaar zuordneten, in
+welchem sie den Kegelschnitt trifft. Entsprechend können wir einen
+Zusammenhang zwischen der Raumgeometrie und der Geometrie auf der
+Kugel aufstellen, indem wir jeder Ebene des Raumes den Kreis
+zuordnen, in welchem sie die Kugel schneidet. Uebertragen wir dann
+durch stereographische Projection die Geometrie auf der Kugel von
+derselben auf die Ebene, wobei jeder Kreis in einen Kreis übergeht,
+so entsprechen einander also:</p>
+<ul>
+<li>die Raumgeometrie, welche als Element die Ebene, als Gruppe
+diejenigen linearen Transformationen benutzt, welche eine Kugel in
+sich überführen;</li>
+<li>die ebene Geometrie, deren Element der Kreis, deren Gruppe die
+Gruppe der reciproken Radien ist.</li>
+</ul>
+<p>Die erstere Geometrie wollen wir nun nach zwei Seiten
+verallgemeinern, indem wir statt ihrer Gruppe eine umfassendere
+setzen. Die resultirende Erweiterung überträgt sich dann durch die
+Abbildung ohne Weiteres auf ebene Geometrie.</p>
+<p>Statt der linearen Transformationen des aus Ebenen bestehenden
+Raumes, welche die Kugel in sich überführen, liegt es nahe,
+entweder die Gesammtheit der linearen Transformationen des Raumes,
+oder die Gesammtheit der Ebenen-Transformationen des Raumes zu
+wählen, welche die Kugel ungeändert lassen, indem wir das eine Mal
+von der Kugel, das andere Mal von dem linearen Character der
+anzuwendenden Transformationen absehen. Die erste Verallgemeinerung
+ist ohne Weiteres verständlich und wir mögen sie also zuerst
+betrachten und in ihrer Bedeutung für ebene Geometrie verfolgen;
+auf die zweite kommen wir hernach zurück, wobei es sich denn
+zunächst darum handelt, die allgemeinste betreffende Transformation
+zu bestimmen.</p>
+<p>Die linearen Transformationen des Raumes haben die Eigenschaft
+gemein, Ebenenbüschel und Ebenenbündel wieder in solche
+überzuführen. Aber auf die Kugel übertragen ergibt das
+Ebenenbüschel ein Kreisbüschel, d.&nbsp;h. eine einfach unendliche
+Reihe von Kreisen mit gemeinsamen Schnittpunkten; das Ebenenbündel
+ergibt ein Kreisbündel, d.&nbsp;h. eine zweifach unendliche Schaar
+von Kreisen, die auf einem festen Kreise senkrecht stehen (dem
+Kreise, dessen Ebene die Polarebene des den Ebenen des geg. Bündels
+gemeinsamen Punctes ist). Den linearen Transformationen des Raumes
+entsprechen also auf der Kugel und weiterhin in der Ebene
+Kreistransformationen von der characteristischen Eigenschaft,
+Kreisbüschel und Kreisbündel in ebensolche
+überzuführen<sup><a href="#fn26" class="footnoteRef" id="fnref26"
+name="fnref26">26</a></sup>. <em>Die ebene Geometrie welche die
+Gruppe der so gewonnenen Transformationen benutzt, ist das Bild der
+gewöhnlichen projectivischen Raumgeometrie.</em> Als Element der
+Ebene wird man in dieser Geometrie nicht den Punct benutzen können,
+da die Puncte für die gewählte Transformationsgruppe keinen Körper
+bilden (§.5), sondern man wird die Kreise als Elemente wählen.</p>
+<p>Bei der zweiten Erweiterung, die wir nannten, gilt es zunächst
+die Frage nach der Art der bez. Transformationsgruppe erledigen. Es
+handelt sich darum, Ebenen-Transformationen zu finden, die aus
+jedem Ebenenbündel, dessen Scheitel auf der Kugel liegt, wieder ein
+solches Bündel machen. Wir mögen der kürzeren Ausdrucksweise wegen
+zunächst die Frage dualistisch umkehren und überdies einen Schritt
+in der Zahl der Dimensionen hinab gehen; wir wollen also nach
+Puncttransformationen der Ebene fragen, welche aus jeder Tangente
+eines gegebenen Kegelschnittes wiederum eine Tangente erzeugen. Zu
+dem Zwecke betrachten wir die Ebene mit ihrem Kegelschnitte als
+Bild einer Fläche zweiten Grades, die man von einem nicht auf ihr
+befindlichen Raumpuncte aus so auf die Ebene projicirt hat, dass
+der bez. Kegelschnitt die Uebergangscurve vorstellt. Den Tangenten
+des Kegelschnitts entsprechen die Erzeugenden der Fläche, und die
+Frage ist auf die andere zurückgeführt nach der Gesammtheit der
+Puncttransformationen der Fläche in sich selbst, bei denen die
+Erzeugenden Erzeugende bleiben.</p>
+<p>Solcher Transformationen gibt es nun zwar beliebig unendlich
+viele: denn man braucht nur den Punct der Fläche als Durchschnitt
+der Erzeugenden zweierlei Art zu betrachten und jedes der
+Geraden-Systeme beliebig in sich zu transformiren. Aber unter den
+Transformationen sind insbesondere die linearen. Nur auf diese
+wollen wir achten. Hätten wir nämlich nicht mit einer Fläche,
+sondern mit einer mehrfach ausgedehnten Mannigfaltigkeit zu thun,
+die durch eine quadratische Gleichung repräsentirt wird, so blieben
+nur die linearen Transformationen, die anderen kämen in
+Wegfall<sup><a href="#fn27" class="footnoteRef" id="fnref27" name=
+"fnref27">27</a></sup>.</p>
+<p>Diese linearen Transformationen der Fläche in sich selbst
+ergeben, durch (nicht stereographische) Projection auf die Ebene
+übertragen, zweideutige Puncttransformationen, vermöge deren aus
+jeder Tangente des Kegelschnittes, der die Uebergangscurve bildet,
+allerdings wieder eine Tangente wird, aus jeder anderen Geraden
+aber im Allgemeinen ein Kegelschnitt, der die Uebergangscurve
+doppelt berührt. Es lässt sich diese Transformationsgruppe passend
+characterisiren, wenn man auf den Kegelschnitt, der die
+Uebergangscurve bildet, eine projectivische Maßbestimmung gründet.
+Die Transformationen haben dann die Eigenschaft, Puncte, welche im
+Sinne der Maßbestimmung von einander eine Entfernung gleich Null
+haben, sowie Puncte, welche von einem anderen Puncte eine constante
+Entfernung haben, wieder in solche Puncte zu verwandeln.</p>
+<p>Alle diese Betrachtungen lassen sich auf beliebig viele
+Variabeln übertragen, insbesondere also für die ursprüngliche
+Fragestellung, die sich auf die Kugel und die Ebene als Element
+bezog, verwerthen. Man kann dem Resultate dabei eine besonders
+anschauliche Form geben, weil der Winkel, den zwei Ebenen im Sinne
+der auf eine Kugel gegründeten projectivischen Maßbestimmung mit
+einander bilden, mit dem Winkel gleich ist, den ihre
+Durchschnittskreise mit der Kugel im gewöhnlichen Sinne mit
+einander bilden.</p>
+<p>Wir erhalten also auf der Kugel und weiterhin auf der Ebene eine
+Gruppe von Kreistransformationen, welche die Eigenschaft haben,
+<em>Kreise, die einander berühren (einen Winkel gleich Null
+einschliessen), sowie Kreise, die einen anderen Kreis unter
+gleichem Winkel schneiden, in eben solche Kreise überzuführen.</em>
+In der Gruppe dieser Transformationen sind auf der Kugel die bez.
+linearen, in der Ebene die Transformationen der Gruppe der
+reciproken Radien enthalten.</p>
+<p>Die auf diese Gruppe zu gründende Kreisgeometrie ist nun das
+Analogon zu der <em>Kugelgeometrie</em>, wie sie <em>Lie</em> für
+den Raum entworfen hat, und wie sie bei Untersuchungen über
+Krümmung der Flächen von ausgezeichneter Bedeutung scheint. Sie
+schliesst die Geometrie der reciproken Radien in demselben Sinne in
+sich, wie letztere wieder die elementare Geometrie. —</p>
+<p>Die nunmehr gewonnenen Kreis-(Kugel-)Transformationen haben
+insbesondere die Eigenschaft, sich berührende Kreise (Kugeln) in
+eben solche überzuführen. Betrachtet man alle Curven (Flächen) als
+Umhüllungsgebilde von Kreisen (Kugeln), so werden in Folge dessen
+Curven (Flächen), die sich berühren, immer in wieder solche
+übergehen. Die fraglichen Transformationen gehören also in die
+Classe der später allgemein zu betrachtenden
+<em>Berührungstransformationen</em>, d.&nbsp;h. solcher
+Umformungen, bei denen Berührung von Punctgebilden eine invariante
+Beziehung ist. Die im vorliegenden Paragraphen zuerst erwähnten
+Kreistransformationen, denen man analoge Kugeltransformationen an
+die Seite stellen kann, sind keine Berührungstransformationen.
+—</p>
+<p>Wurden vorstehend die zweierlei Erweiterungen nur an die
+Geometrie der reciproken Radien angeknüpft, so gelten dieselben in
+entsprechender Weise für Liniengeometrie, überhaupt für die
+projectivische Untersuchung einer durch eine quadratische Gleichung
+ausgeschiedenen Mannigfaltigkeit, wie bereits angedeutet wurde,
+hier aber nicht weiter ausgeführt werden soll.</p>
+<h2 id=
+"aufz.hlung-weiterer-methoden-denen-eine-gruppe-von-puncttransformationen-zu-grunde-liegt.">
+<a href="#TOC">§.8. Aufzählung weiterer Methoden, denen eine Gruppe
+von Puncttransformationen zu Grunde liegt.</a></h2>
+<p>Elementare Geometrie, Geometrie der reciproken Radien und auch
+projectivische Geometrie, sofern man von den mit Wechsel des
+Raumelements verknüpften dualistischen Umformungen absieht,
+subsumiren sich als einzelne Glieder unter die grosse Menge von
+denkbaren Betrachtungsweisen, welche überhaupt Gruppen von
+Puncttransformationen zu Grunde legen. Wir mögen hier nur die
+folgenden drei Methoden, die hierin mit den genannten
+übereinstimmen, hervorheben. Sind diese Methoden auch lange nicht
+in dem Maße, wie die projectivische Geometrie, zu selbständigen
+Disciplinen entwickelt, so treten sie doch deutlich erkennbar in
+den neueren Untersuchungen auf.</p>
+<h3 id="die-gruppe-der-rationalen-umformungen."><a href="#TOC">1.
+Die Gruppe der rationalen Umformungen.</a></h3>
+<p>Bei rationalen Umformungen muss wohl unterschieden werden, ob
+dieselben für <em>alle</em> Puncte des Gebietes, in welchem man
+operirt, also des Raumes oder der Ebene etc., rational sind, oder
+nur für die Puncte einer in dem Gebiete enthaltenen
+Mannigfaltigkeit, einer Fläche, einer Curve. Nur die ersteren sind
+zu verwenden, wenn es gilt, im bisherigen Sinne eine Geometrie des
+Raumes, der Ebene zu entwerfen; die letzteren gewinnen von dem hier
+gegebenen Standpuncte aus erst Bedeutung, wenn Geometrie auf einer
+gegebenen Fläche, Curve studirt werden soll. Dieselbe
+Unterscheidung gilt bei der sogleich anzuführenden Analysis
+situs.</p>
+<p>Die seitherigen Untersuchungen, hier wie dort, haben sich aber
+wesentlich mit Transformationen der zweiten Art beschäftigt.
+Insofern dabei nicht die Frage nach der Geometrie auf der Fläche,
+der Curve war, es sich vielmehr darum handelte, Criterien zu
+finden, damit zwei Flächen, Curven in einander transformirt werden
+können, treten diese Untersuchungen aus dem Kreise der hier zu
+betrachtenden heraus. Der hier aufgestellte allgemeine Schematismus
+umspannt eben nicht die Gesammtheit mathematischer Forschung
+überhaupt, sondern er bringt nur gewisse Richtungen unter einen
+gemeinsamen Gesichtspunct.</p>
+<p>Für eine Geometrie der rationalen Umformungen, wie sie sich
+unter Zugrundelegung der Transformationen der ersten Art ergeben
+muss, sind bis jetzt erst die Anfänge vorhanden. Im Gebiete erster
+Stufe, auf der geraden Linie, sind die rationalen Umformungen mit
+den linearen identisch und liefern also nichts Neues. In der Ebene
+kennt man freilich die Gesammtheit der rationalen Umformungen (der
+<em>Cremona</em>schen Transformationen), man weiss, dass sie sich
+durch Zusammensetzung quadratischer erzeugen lassen. Man kennt auch
+invariante Charactere der ebenen Curven: ihr Geschlecht, die
+Existenz der Moduln; aber eigentlich zu einer Geometrie der Ebene
+in dem hier gemeinten Sinne entwickelt sind diese Betrachtungen
+noch nicht. Im Raume ist die ganze Theorie noch erst im Entstehen
+begriffen. Von den rationalen Umformungen kennt man bis jetzt nur
+wenige und benutzt dieselben, um bekannte Flächen mit unbekannten
+durch Abbildung in Verbindung zu setzen. —</p>
+<h3 id="die-analysis-situs."><a href="#TOC">2. Die Analysis
+situs.</a></h3>
+<p>In der sog. Analysis situs sucht man das Bleibende gegenüber
+solchen Umformungen, die aus unendlich kleinen Verzerrungen durch
+Zusammensetzung entstehen. Auch hier muss man, wie bereits gesagt,
+unterscheiden, ob das ganze Gebiet, also etwa der Raum, als Object
+der Transformationen gedacht werden soll, oder nur eine aus ihm
+ausgesonderte Mannigfaltigkeit, eine Fläche. Die Transformationen
+der ersten Art sind es, die man einer Raumgeometrie würde zu Grunde
+legen können. Ihre Gruppe wäre wesentlich anders constituirt, als
+die bisher betrachteten es waren. Indem sie alle Transformationen
+umfasst, die sich aus reell gedachten unendlich kleinen
+Puncttransformationen zusammensetzen, trägt sie die principielle
+Beschränkung auf reelle Raumelemente in sich, und bewegt sich auf
+dem Gebiete der willkürlichen Function. Man kann diese
+Transformationsgruppe nicht ungeschickt erweitern, indem man sie
+noch mit den reellen Collineationen, die auch das unendlich Ferne
+modificiren, verbindet. —</p>
+<h3 id="die-gruppe-aller-puncttransformationen."><a href="#TOC">3.
+Die Gruppe aller Puncttransformationen.</a></h3>
+<p>Wenn gegenüber dieser Gruppe keine Fläche mehr individuelle
+Eigenschaften besitzt, da jede in jede andere durch
+Transformationen der Gruppe übergeführt werden kann, so sind es
+höhere Gebilde, bei deren Untersuchung die Gruppe mit Vortheil
+Anwendung findet. Bei der Auffassung der Geometrie, wie sie hier zu
+Grunde gelegt ist, kann es gleichgültig sein, wenn diese Gebilde
+seither nicht sowohl als geometrische sondern nur als analytische
+betrachtet wurden, die gelegentlich geometrische Anwendung fanden,
+und wenn man bei ihrer Untersuchung Processe anwandte (wie eben
+beliebige Puncttransformationen), die man erst in neuerer Zeit
+bewusst als geometrische Umformungen aufzufassen begonnen hat.
+Unter diese analytischen Gebilde gehören vor allen die homogenen
+Differentialausdrücke, sodann auch die partiellen
+Differentialgleichungen. Bei der allgemeinen Discussion der
+letzteren scheint aber, wie in dem folgenden Paragraphen ausgeführt
+wird, die umfassendere Gruppe aller Berührungstransformationen noch
+vorteilhafter.</p>
+<p>Der Hauptsatz, der in der Geometrie, welche die Gruppe aller
+Puncttransformationen zu Grunde legt, in Geltung ist, ist der,
+<em>dass eine Puncttransformation für eine unendlich kleine Partie
+des Raumes immer den Werth einer linearen Transformation hat</em>.
+Die Entwickelungen der projectivischen Geometrie haben also nun
+ihren Werth für das Unendlichkleine, und hierin liegt, mag sonst
+die Wahl der Gruppe bei Behandlung von Mannigfaltigkeiten
+willkürlich sein — <em>hierin liegt ein auszeichnender Character
+für die projectivische Anschauungsweise</em>.</p>
+<p>Nachdem nun schon lange von dem Verhältnisse der
+Betrachtungsweisen, die einander einschliessende Gruppen zu Grunde
+legen, nicht mehr die Rede war, mag hier noch einmal ein Beispiel
+für die allgemeine Theorie des §.2 gegeben werden. Wir mögen uns
+die Frage vorlegen, wie denn vom Standpuncte „aller
+Puncttransformationen" projectivische Eigenschaften aufzufassen
+sind, wobei von den dualistischen Umformungen, die eigentlich mit
+zur Gruppe der projectivischen Geometrie gehören, abgesehen werden
+mag. Die Frage deckt sich dann mit der andern: durch welche
+Bedingung aus der Gesammtheit der Puncttransformationen die Gruppe
+der linearen ausgeschieden wird. Das Characteristische der
+letzteren ist, dass sie jeder Ebene eine Ebene zuordnen: sie sind
+diejenigen Puncttransformationen, vermöge deren die
+Mannigfaltigkeit der Ebenen (oder, was auf dasselbe hinaus kommt,
+der geraden Linien) erhalten bleibt. <em>Die projectivische
+Geometrie ist aus der Geometrie aller Puncttransformationen ebenso
+durch Adjunction der Mannigfaltigkeit der Ebenen zu gewinnen, wie
+die elementare Geometrie aus der projectivischen durch Adjunction
+des unendlich fernen Kugelkreises.</em> Insbesondere haben wir
+z.&nbsp;B. vom Standpuncte aller Puncttransformationen die
+Bezeichnung einer Fläche als einer algebraischen von einer gewissen
+Ordnung als eine invariante Beziehung zur Mannigfaltigkeit der
+Ebenen aufzufassen. Es wird dies recht deutlich, wenn man, mit
+<em>Grassmann</em>, die Erzeugung der algebraischen Gebilde an ihre
+lineale Construction knüpft.</p>
+<h2 id="von-der-gruppe-aller-ber.hrungstransformationen."><a href=
+"#TOC">§.9. Von der Gruppe aller
+Berührungstransformationen.</a></h2>
+<p>Berührungstransformationen sind zwar in einzelnen Fällen schon
+lange betrachtet; auch hat <em>Jacobi</em> bei analytischen
+Untersuchungen bereits von den allgemeinsten
+Berührungstransformationen Gebrauch gemacht; aber in die lebendige
+geometrische Anschauung wurden sie erst durch neuere Arbeiten von
+<em>Lie</em> eingeführt<sup><a href="#fn28" class="footnoteRef" id=
+"fnref28" name="fnref28">28</a></sup>. Es ist daher wohl nicht
+überflüssig, hier ausdrücklich auseinanderzusetzen, was eine
+Berührungstransformation ist, wobei wir uns, wie immer, auf den
+Punctraum mit seinen drei Dimensionen beschränken.</p>
+<p>Unter einer Berührungstransformation hat man, analytisch zu
+reden, jede Substitution zu verstehen, welche die Variabel-Werthe
+<span class="math"><em>x</em></span>, <span class=
+"math"><em>y</em></span>, <span class="math"><em>z</em></span> und
+ihre partiellen Differentialquotienten <span class=
+"math"><em>d</em><em>z</em> / <em>d</em><em>x</em> = <em>p</em></span>,
+<span class=
+"math"><em>d</em><em>z</em> / <em>d</em><em>y</em> = <em>q</em></span>
+durch neue <span class="math"><em>x</em>ʹ</span>, <span class=
+"math"><em>y</em>ʹ</span>, <span class="math"><em>z</em>ʹ</span>,
+<span class="math"><em>p</em>ʹ</span>, <span class=
+"math"><em>q</em>ʹ</span> ausdrückt. Dabei gehen, wie ersichtlich,
+sich berührende Flächen im Allgemeinen wieder in sich berührende
+Flächen über, was den Namen Berührungstransformation begründet. Die
+Berührungstransformationen zerfallen, wenn man vom Puncte als
+Raumelement ausgeht, in drei Classen: solche, die den dreifach
+unendlich vielen Puncten wieder Puncte zuordnen — das sind die eben
+betrachteten Puncttransformationen —, solche, die sie in Curven,
+endlich solche, die sie in Flächen überführen. Diese Eintheilung
+hat man insofern nicht als eine wesentliche zu betrachten, als bei
+Benutzung anderer dreifach unendlich vieler Raumelemente, etwa der
+Ebenen, allerdings wieder eine Theilung in drei Gruppen eintritt,
+die aber mit der Theilung, die unter Zugrundelegung der Puncte
+statt fand, nicht coincidirt.</p>
+<p>Wenden wir auf einen Punct alle Berührungstransformationen an,
+so geht er in die Gesammtheit aller Puncte, Curven und Flächen
+über. In ihrer Gesammtheit erst bilden also Puncte, Curven und
+Flächen einen <em>Körper</em> unserer Gruppe. Man mag daraus die
+allgemeine Regel abnehmen, dass die formale Behandlung eines
+Problems im Sinne aller Berührungstransformationen (also etwa die
+sogleich vorzutragende Theorie der partiellen
+Differentialgleichungen) eine unvollkommene werden muss, sowie man
+mit Punct- (oder Ebenen-) Coordinaten operirt, da die zu Grunde
+gelegten Raumelemente eben keinen Körper bilden.</p>
+<p>Alle in dem gen. Körper enthaltene Individuen als Raumelemente
+einzuführen, geht aber, will man in Verbindung mit den gewöhnlichen
+Methoden bleiben, nicht an, da deren Zahl unendlichfach unendlich
+ist. Hierin liegt die Notwendigkeit, bei diesen Betrachtungen nicht
+den Punct, nicht die Curve oder die Fläche, sondern das
+<em>Flächenelement</em>, d.&nbsp;h. das Werthsystem <span class=
+"math"><em>x</em></span>, <span class="math"><em>y</em></span>,
+<span class="math"><em>z</em></span>, <span class=
+"math"><em>p</em></span>, <span class="math"><em>q</em></span> als
+<em>Raumelement</em> einzuführen. Bei jeder
+Berührungstransformation wird aus jedem Flächenelemente ein neues;
+die fünffach unendlich vielen Flächenelemente bilden also einen
+Körper.</p>
+<p>Bei diesem Standpuncte muss man Punct, Curve, Fläche
+gleichmässig als Aggregate von Flächenelementen auffassen, und zwar
+von zweifach unendlich vielen. Denn die Fläche wird von
+<span class="math">∞<sup>2</sup></span> Elementen bedeckt, die
+Curve von ebenso vielen berührt, durch den Punct gehen <span class=
+"math">∞<sup>2</sup></span> hindurch. Aber diese zweifach
+unendlichen Aggregate von Elementen haben noch eine
+characteristische Eigenschaft gemein. Man bezeichne als
+<em>vereinigte Lage</em> zweier consecutiven Flächenelemente
+<span class="math"><em>x</em></span>, <span class=
+"math"><em>y</em></span>, <span class="math"><em>z</em></span>,
+<span class="math"><em>p</em></span>, <span class=
+"math"><em>q</em></span> und <span class=
+"math"><em>x</em> + <em>d</em><em>x</em></span>, <span class=
+"math"><em>y</em> + <em>d</em><em>y</em></span>, <span class=
+"math"><em>z</em> + <em>d</em><em>z</em></span>, <span class=
+"math"><em>p</em> + <em>d</em><em>p</em></span>, <span class=
+"math"><em>q</em> + <em>d</em><em>q</em></span> die Beziehung,
+welche durch<br />
+<span class=
+"math"><em>d</em><em>z</em> − <em>p</em><em>d</em><em>x</em> − <em>q</em><em>d</em><em>y</em> = 0</span><br />
+
+dargestellt wird. So sind Punct, Curve, Fläche übereinstimmend
+<em>zweifach unendliche Mannigfaltigkeiten von Elementen, deren
+jedes mit den einfach unendlich vielen ihm benachbarten vereinigt
+liegt</em>. Dadurch sind Punct, Curve, Fläche gemeinsam
+characterisirt, und so müssen sie auch, wenn man die Gruppe der
+Berührungstransformationen zu Grunde legen will, analytisch
+repräsentirt werden.</p>
+<p>Die vereinigte Lage consecutiver Elemente ist eine bei
+beliebiger Berührungstransformation invariante Beziehung. Aber auch
+umgekehrt können die Berührungstransformationen definirt werden
+<em>als diejenigen Substitutionen der fünf Veränderlichen
+<span class="math"><em>x</em></span>, <span class=
+"math"><em>y</em></span>, <span class="math"><em>z</em></span>,
+<span class="math"><em>p</em></span>, <span class=
+"math"><em>q</em></span>, vermöge deren die Relation <span class=
+"math"><em>d</em><em>z</em> − <em>p</em><em>d</em><em>x</em> − <em>q</em><em>d</em><em>y</em> = 0</span>
+in sich selbst übergeführt wird</em>. Der Raum ist also bei diesen
+Untersuchungen als eine Mannigfaltigkeit von fünf Dimensionen
+anzusehen und diese Mannigfaltigkeit hat man zu behandeln, indem
+man als Gruppe die Gesammtheit aller Transformationen der Variabeln
+zu Grunde legt, welche eine bestimmte Relation zwischen den
+Differentialen ungeändert lassen.</p>
+<p>Gegenstand der Untersuchung werden in erster Linie diejenigen
+Mannigfaltigkeiten, welche durch eine oder mehrere Gleichungen
+zwischen den Variabein dargestellt werden, d.&nbsp;h. <em>die
+partiellen Differentialgleichungen erster Ordnung und ihre
+Systeme</em>. Eine Hauptfrage wird, wie sich aus den
+Mannigfaltigkeiten von Elementen, die gegebenen Gleichungen
+genügen, einfach, zweifach unendliche Reihen von Elementen
+ausscheiden lassen, deren jedes mit einem benachbarten vereinigt
+liegt. Auf eine solche Frage läuft z.&nbsp;B. die Aufgabe der
+Lösung einer partiellen Differentialgleichung erster Ordnung
+hinaus. Man soll — so kann man sie formuliren — aus den vierfach
+unendlich vielen Elementen, die der Gleichung genügen, alle
+zweifach unendlichen Mannigfaltigkeiten der bewussten Art
+ausscheiden. Insbesondere die Aufgabe der vollständigen Lösung
+nimmt jetzt die präcise Form an: man soll die vierfach unendlich
+vielen Elemente, die der Gleichung genügen, auf eine Weise in
+zweifach unendlich viele derartige Mannigfaltigkeiten zerlegen.</p>
+<p>Ein Verfolg dieser Betrachtung über partielle
+Differentialgleichungen kann hier nicht in der Absicht liegen; ich
+verweise in Bezug hierauf auf die citirten <em>Lie</em>schen
+Arbeiten. Es sei nur noch hervorgehoben, dass für den Standpunct
+der Berührungstransformationen eine partielle Differentialgleichung
+erster Ordnung keine Invariante hat, dass jede in jede andere
+übergeführt werden kann, dass also namentlich die linearen
+Gleichungen nicht weiter ausgezeichnet sind. Unterscheidungen
+treten erst ein, wenn man zu dem Standpuncte der
+Puncttransformationen zurückgeht.</p>
+<p>Die Gruppen der Berührungstransformationen, der
+Puncttransformationen, endlich der projectivischen Umformungen
+lassen sich in einer einheitlichen Weise characterisiren, die ich
+hier nicht unterdrücken mag<sup><a href="#fn29" class="footnoteRef"
+id="fnref29" name="fnref29">29</a></sup>.
+Berührungstransformationen wurden bereits definirt als diejenigen
+Umformungen, bei denen die vereinigte Lage consecutiver
+Flächenelemente erhalten bleibt. Die Puncttransformationen haben
+dagegen die characteristische Eigenschaft, vereinigt gelegene
+consecutive Linienelemente in eben solche zu verwandeln: die
+linearen und dualistischen Transformationen endlich bewahren die
+vereinigte Lage consecutiver Connex-Elemente. Unter einem
+Connex-Elemente verstehe ich die Vereinigung eines Flächenelementes
+mit einem in ihm enthaltenen Linienelemente; consecutive
+Connexelemente heißen vereinigt gelegen, wenn nicht nur der Punct
+sondern auch das Linienelement des einen in dem Flächenelemente des
+anderen enthalten ist. Die (übrigens vorläufige) Bezeichnung:
+Connexelement bezieht sich auf die von <em>Clebsch</em>
+neuerdings<sup><a href="#fn30" class="footnoteRef" id="fnref30"
+name="fnref30">30</a></sup> in die Geometrie eingeführten Gebilde,
+welche durch eine Gleichung dargestellt werden, die gleichzeitig
+eine Reihe Punct-, eine Reihe Ebenen- und eine Reihe
+Liniencoordinaten enthalten, und deren Analoga in der Ebene
+<em>Clebsch</em> als Connexe bezeichnet.</p>
+<h2 id="ueber-beliebig-ausgedehnte-mannigfaltigkeiten."><a href=
+"#TOC">§.10. Ueber beliebig ausgedehnte
+Mannigfaltigkeiten.</a></h2>
+<p>Es wurde bereits wiederholt hervorgehoben, wie bei der
+Anknüpfung der bisherigen Auseinandersetzungen an die räumliche
+Vorstellung nur der Wunsch maßgebend war, die abstracten Begriffe
+durch Anlehnung an anschauliche Beispiele leichter entwickeln zu
+können. An und für sich sind die Betrachtungen von dem sinnlichen
+Bilde unabhängig und gehören dem allgemeinen Gebiete mathematischer
+Forschung an, das man als die Lehre von den ausgedehnten
+Mannigfaltigkeiten, oder (nach <em>Grassmann</em>) kurz als
+<em>Ausdehnungslehre</em> bezeichnet. Wie man die Uebertragung des
+Vorhergehenden vom Raume auf den blossen Mannigfaltigkeitsbegriff
+zu bewerkstelligen hat, ist ersichtlich. Es sei dabei nur noch
+einmal bemerkt, dass wir bei der abstracten Untersuchung, der
+Geometrie gegenüber, den Vortheil haben, die Gruppe von
+Transformationen, welche wir zu Grunde legen wollen, ganz
+willkürlich wählen zu können, während in der Geometrie eine
+kleinste Gruppe, die Hauptgruppe, von Vornherein gegeben war.</p>
+<p>Wir mögen hier nur die folgenden drei Behandlungsweisen, und
+auch diese ganz kurz berühren.</p>
+<h3 id=
+"die-projectivische-behandlungsweise-oder-die-moderne-algebra-invariantentheorie.">
+<a href="#TOC">1. Die projectivische Behandlungsweise oder die
+moderne Algebra (Invariantentheorie).</a></h3>
+<p>Ihre Gruppe besteht in der Gesammtheit der linearen und
+dualistischen Transformationen der zur Darstellung des Einzelnen in
+der Mannigfaltigkeit verwendeten Veränderlichen; sie ist die
+Verallgemeinerung der projectivischen Geometrie. Es wurde bereits
+hervorgehoben wie diese Behandlungsweise bei der Discussion des
+unendlich Kleinen in einer um eine Dimension mehr ausgedehnten
+Mannigfaltigkeit zur Verwendung kommt. Sie schliesst die beiden
+noch zu nennenden Behandlungsweisen in dem Sinne ein, als ihre
+Gruppe die bei jenen zu Grunde zu legende Gruppe umfasst.</p>
+<h3 id="die-mannigfaltigkeit-von-constantem-kr.mmungsma.e.">
+<a href="#TOC">2. Die Mannigfaltigkeit von constantem
+Krümmungsmaße.</a></h3>
+<p>Die Vorstellung einer solchen erwuchs bei <em>Riemann</em> aus
+der allgemeineren einer Mannigfaltigkeit, in der ein
+Differentialausdruck der Veränderlichen gegeben ist. Die Gruppe
+besteht bei ihm aus der Gesammtheit der Transformationen der
+Variabeln, welche den gegebenen Ausdruck ungeändert lassen. Von
+einer andern Seite kommt man zur Vorstellung einer Mannigfaltigkeit
+von constanter Krümmung, wenn man im projectivischen Sinne auf eine
+zwischen den Veränderlichen gegebene quadratische Gleichung eine
+Maßbestimmung gründet. Bei dieser Weise tritt gegenüber der
+<em>Riemann</em>schen die Erweiterung ein, dass die Variabeln als
+complex gedacht werden; man mag hinterher die Veränderlichkeit auf
+das reelle Gebiet beschränken. Hierher gehören die grosse Reihe von
+Untersuchungen, die wir in §§. 5, 6, 7 berührt haben.</p>
+<h3 id="die-ebene-mannigfaltigkeit."><a href="#TOC">3. Die ebene
+Mannigfaltigkeit.</a></h3>
+<p>Als ebene Mannigfaltigkeit bezeichnet <em>Riemann</em> die
+Mannigfaltigkeit von constantem verschwindenden Krümmungsmaße. Ihre
+Theorie ist die unmittelbare Verallgemeinerung der elementaren
+Geometrie. Ihre Gruppe kann, — wie die Hauptgruppe der Geometrie —
+aus der Gruppe der projectivischen dadurch ausgeschieden werden,
+dass man ein Gebilde fest hält, welches durch zwei Gleichungen,
+eine lineare und eine quadratische, dargestellt wird. Dabei hat man
+zwischen Reellem und Imaginärem zu unterscheiden, wenn man sich der
+Form, unter der die Theorie gewöhnlich dargestellt wird,
+anschliessen will. Hierher zu rechnen sind vor Allem die elementare
+Geometrie selbst, dann z.&nbsp;B. die in neuerer Zeit entwickelten
+Verallgemeinerungen der gewöhnlichen Krümmungstheorie
+u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+<h2 id="schlussbemerkungen."><a href=
+"#TOC">Schlussbemerkungen.</a></h2>
+<p>Zum Schlusse mögen noch zwei Bemerkungen ihre Stelle finden, die
+mit dem bisher Vorgetragenen in enger Beziehung stehen; die eine
+betrifft den Formalismus, durch welche man die begrifflichen
+Entwicklungen den Vorangehenden repräsentiren will, die andere soll
+einige Probleme kennzeichnen, deren Inangriffnahme nach den hier
+gegebenen Auseinandersetzungen als wichtig und lohnend
+erscheint.</p>
+<p>Man hat der analytischen Geometrie häufig den Vorwurf gemacht,
+durch Einführung des Coordinatensystems willkürliche Elemente zu
+bevorzugen, und dieser Vorwurf trifft gleichmässig jede
+Behandlungsweise ausgedehnter Mannigfaltigkeiten, welche das
+Einzelne durch die Werthe von Veränderlichen characterisirt. War
+dieser Vorwurf bei der mangelhaften Art, mit der man namentlich
+früher die Coordinatenmethode handhabte, nur zu oft gerechtfertigt,
+so verschwindet er bei einer rationellen Behandlung der Methode.
+Die analytischen Ausdrücke, welche bei der Untersuchung einer
+Mannigfaltigkeit im Sinne einer Gruppe entstehen können, müssen,
+ihrer Bedeutung nach, von dem Coordinatensysteme, insofern es
+zufällig gewählt ist, unabhängig sein, und es gilt nun, diese
+Unabhängigkeit auch <em>formal</em> in Evidenz zu setzen. Dass dies
+möglich ist und wie es zu geschehen hat, zeigt die moderne Algebra,
+in der der formale Invariantenbegriff, um den es sich hier handelt,
+am deutlichsten ausgeprägt ist. Sie besitzt ein allgemeines und
+erschöpfendes Bildungsgesetz für invariante Ausdrücke und operirt
+principiell nur mit solchen. Die gleiche Forderung soll man an die
+formale Behandlung stellen, auch wenn andere Gruppen, als die
+projectivische, zu Grunde gelegt sind. Denn der Formalismus soll
+sich doch mit der Begriffsbildung decken, mag man nun den
+Formalismus nur als präcisen und durchsichtigen Ausdruck der
+Begriffsbildung verwerthen, oder will man ihn benutzen, um an
+seiner Hand in noch unerforschte Gebiete einzudringen. —</p>
+<p>Die Problemstellung, deren wir noch erwähnen wollten, erwächst
+durch einen Vergleich der vorgetragenen Anschauungen mit der sog.
+<em>Galois</em>schen Theorie der Gleichungen.</p>
+<p>In der <em>Galois</em>schen Theorie, wie hier, concentrirt sich
+das Interesse auf <em>Gruppen</em> von Aenderungen. Die Objecte,
+auf welche sich die Aenderungen beziehen, sind allerdings
+verschieden; man hat es dort mit einer endlichen Zahl discreter
+Elemente, hier mit der unendlichen Zahl von Elementen einer
+stetigen Mannigfaltigkeit zu thun. Aber der Vergleich lässt sich
+bei der Identität des Gruppenbegriffes doch weiter
+verfolgen<sup><a href="#fn31" class="footnoteRef" id="fnref31"
+name="fnref31">31</a></sup>, und es mag dies hier um so lieber
+angedeutet werden, als dadurch die Stellung characterisirt wird,
+die man gewissen von <em>Lie</em> und mir begonnenen
+Untersuchungen<sup><a href="#fn32" class="footnoteRef" id="fnref32"
+name="fnref32">32</a></sup> im Sinne der hier entwickelten
+Anschauungen zuzuweisen hat.</p>
+<p>In der <em>Galois</em>schen Theorie, wie sie z.&nbsp;B. in
+<em>Serret</em>s Traité d'Algèbre supérieure[19] oder in C.
+<em>Jordan</em>s Traité des substitutions[20] dargestellt wird, ist
+der eigentliche Untersuchungsgegenstand die Gruppen- oder
+Substitutionstheorie selbst, die Gleichungstheorie fliesst aus ihr
+als eine Anwendung. Entsprechend verlangen wir eine
+<em>Transformationstheorie</em>, eine Lehre von den Gruppen, welche
+von Transformationen gegebener Beschaffenheit erzeugt werden
+können. Die Begriffe der Vertauschbarkeit, der Aehnlichkeit
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. kommen, wie in der Substitutionstheorie, zur
+Verwendung. Als eine Anwendung der Transformationstheorie erscheint
+die aus der Zugrundelegung der Transformationsgruppen fliessende
+Behandlung der Mannigfaltigkeit.</p>
+<p>In der Gleichungstheorie sind es zunächst die symmetrischen
+Functionen der Coefficienten, die das Interesse auf sich ziehen,
+sodann aber diejenigen Ausdrücke, welche, wenn nicht bei allen, so
+durch eine grössere Reihe von Vertauschungen der Wurzeln ungeändert
+bleiben. Bei der Behandlung einer Mannigfaltigkeit unter
+Zugrundelegung einer Gruppe fragen wir entsprechend zunächst nach
+den Körpern (§.5), nach den Gebilden, die durch alle
+Transformationen der Gruppe ungeändert bleiben. Aber es gibt
+Gebilde, welche nicht alle aber einige Transformationen der Gruppe
+zulassen, und diese sind dann im Sinne der auf die Gruppe
+gegründeten Behandlung besonders interessant, sie haben
+ausgezeichnete Eigenschaften. Es kommt das also darauf hinaus, im
+Sinne der gewöhnlichen Geometrie symmetrische, reguläre Körper,
+Rotations- und Schraubenflächen auszuzeichnen. Stellt man sich auf
+den Standpunct der projectivischen Geometrie und verlangt
+insbesondere, dass die Transformationen, durch welche die Gebilde
+in sich übergehen, vertauschbar sein sollen, so kommt man auf die
+von <em>Lie</em> und mir in dem citirten Aufsatze[18] betrachteten
+Gebilde und auf das in §.6. desselben gestellte allgemeine Problem.
+Die dort in §§. 1, 3 gegebene Bestimmung aller Gruppen unendlich
+vieler vertauschbarer linearer Transformationen in der Ebene gehört
+als ein Theil in die soeben genannte allgemeine
+Transformationstheorie<sup><a href="#fn33" class="footnoteRef" id=
+"fnref33" name="fnref33">33</a></sup>.</p>
+<h1 id="noten."><a href="#TOC">Noten.</a></h1>
+<h2 id=
+"i.-ueber-den-gegensatz-der-synthetischen-und-analytischen-richtung-in-der-neueren-geometrie.">
+<a href="#TOC">I. Ueber den Gegensatz der synthetischen und
+analytischen Richtung in der neueren Geometrie.</a></h2>
+<p>Den Unterschied zwischen neuerer Synthese und neuerer
+analytischer Geometrie hat man zur Zeit nicht mehr als einen
+wesentlichen zu betrachten, da der gedankliche Inhalt sowohl als
+die Schlussweise sich auf beiden Seiten allmählich ganz ähnlich
+gestaltet haben. Daher wählen wir im Texte zur gemeinsamen
+Bezeichnung beider das Wort „projectivische Geometrie". Wenn die
+synthetische Methode mehr mit räumlicher Anschauung arbeitet und
+ihren ersten, einfachen Entwickelungen dadurch einen ungemeinen
+Reiz ertheilt, so ist das Gebiet räumlicher Anschauung der
+analytischen Methode nicht verschlossen, und man kann die Formeln
+der analytischen Geometrie als einen präcisen und durchsichtigen
+Ausdruck der geometrischen Beziehungen auffassen. Man hat auf der
+anderen Seite den Vortheil nicht zu unterschätzen, den ein gut
+angelegter Formalismus der Weiterforschung dadurch leistet, dass er
+gewissermaßen dem Gedanken vorauseilt. Es ist zwar immer an der
+Forderung festzuhalten, dass man einen mathematischen Gegenstand
+noch nicht als erledigt betrachten soll, so lange er nicht
+begrifflich evident geworden ist, und es ist das Vordringen an der
+Hand des Formalismus eben nur ein erster aber schon sehr wichtiger
+Schritt.</p>
+<h2 id="ii.-trennung-der-heutigen-geometrie-in-disciplinen.">
+<a href="#TOC">II. Trennung der heutigen Geometrie in
+Disciplinen.</a></h2>
+<p>Wenn man z.&nbsp;B. beachtet, wie der mathematische Physiker
+sich durchgängig der Vortheile entschlägt, die ihm eine nur
+einigermaßen ausgebildete projectivische Anschauung in vielen
+Fällen gewähren kann, wie auf der anderen Seite der Projectiviker
+die reiche Fundgrube mathematischer Wahrheiten unberührt lässt,
+welche die Theorie der Krümmung der Flächen aufgedeckt hat, so muss
+man den gegenwärtigen Zustand des geometrischen Wissens als recht
+unvollkommen und als hoffentlich vorübergehend betrachten.</p>
+<h2 id="iii.-ueber-den-werth-r.umlicher-anschauung."><a href=
+"#TOC">III. Ueber den Werth räumlicher Anschauung.</a></h2>
+<p>Wenn wir im Texte die räumliche Anschauung als etwas Beiläufiges
+bezeichnen, so ist dies mit Bezug auf den rein mathematischen
+Inhalt der zu formulirenden Betrachtungen gemeint. Die Anschauung
+hat für ihn nur den Werth der Veranschaulichung, der allerdings in
+pädagogischer Beziehung sehr hoch anzuschlagen ist. Ein
+geometrisches Modell z.&nbsp;B. ist auf diesem Standpuncte sehr
+lehrreich und interessant.</p>
+<p>Ganz anders stellt sich aber, die Frage nach dem Werthe der
+räumlichen Anschauung überhaupt. Ich stelle denselben als etwas
+selbständiges hin. Es gibt eine eigentliche Geometrie, die nicht,
+wie die im Texte besprochenen Untersuchungen, nur eine
+veranschaulichte Form abstracterer Untersuchungen sein will. In ihr
+gilt es, die räumlichen Figuren nach ihrer vollen gestaltlichen
+Wirklichkeit aufzufassen und (was die mathematische Seite ist) die
+für sie geltenden Beziehungen als evidente Folgen der Grundsätze
+räumlicher Anschauung zu verstehen. Ein Modell — mag es nun
+ausgeführt und angeschaut oder nur lebhaft vorgestellt sein — ist
+für diese Geometrie nicht ein Mittel zum Zwecke sondern die Sache
+selbst.</p>
+<p>Wenn wir so, neben und unabhängig von der reinen Mathematik,
+Geometrie als etwas Selbständiges hinstellen, so ist das an und für
+sich gewiss nichts Neues. Es ist aber wünschenswerth, diesen
+Gesichtspunct ausdrücklich einmal wieder hervorzuheben, da die
+neuere Forschung ihn fast ganz übergeht. Hiermit hängt zusammen,
+dass umgekehrt die neuere Forschung selten dazu verwendet wurde,
+wenn es galt, gestaltliche Verhältnisse räumlicher Erzeugnisse zu
+beherrschen, und doch scheint sie gerade in dieser Richtung sehr
+fruchtbar.</p>
+<h2 id=
+"iv.-ueber-mannigfaltigkeiten-von-beliebig-vielen-dimensionen.">
+<a href="#TOC">IV. Ueber Mannigfaltigkeiten von beliebig vielen
+Dimensionen.</a></h2>
+<p>Dass der Raum, als Ort für Puncte aufgefasst, nur drei
+Dimensionen hat, braucht vom mathematischen Standpuncte aus nicht
+discutirt zu werden; ebenso wenig kann man aber vom mathematischen
+Standpuncte aus Jemanden hindern, zu behaupten, der Raum habe
+eigentlich vier, oder unbegränzt viele Dimensionen, wir seien aber
+nur im Stande, drei wahrzunehmen. Die Theorie der mehrfach
+ausgedehnten Mannigfaltigkeiten, wie sie je länger je mehr in den
+Vordergrund neuerer mathematischer Forschung tritt, ist, ihrem
+Wesen nach, von einer solchen Behauptung vollkommen unabhängig. Es
+hat sich in ihr aber eine Redeweise eingebürgert, die allerdings
+dieser Vorstellung entflossen ist. Man spricht, statt von den
+Individuen einer Mannigfaltigkeit, von den Puncten eines höheren
+Raumes etc. An und für sich hat diese Redeweise manches Gute,
+insofern sie durch Erinnern an die geometrischen Anschauungen das
+Verständniss erleichtert. Sie hat aber die nachtheilige Folge
+gehabt, dass in ausgedehnten Kreisen die Untersuchungen über
+Mannigfaltigkeiten mit beliebig vielen Dimensionen als solidarisch
+erachtet werden mit der erwähnten Vorstellung von der
+Beschaffenheit des Raumes. Nichts ist grundloser als diese
+Auffassung. Die betr. mathematischen Untersuchungen würden
+allerdings sofort geometrische Verwendung finden, wenn die
+Vorstellung richtig wäre, — aber ihr Werth und ihre Absicht ruht,
+gänzlich unabhängig von dieser Vorstellung, in ihrem eigenen
+mathematischen Inhalte.</p>
+<p>Etwas ganz anders ist es, wenn <em>Plücker</em> gelehrt hat, den
+wirklichen Raum als eine Mannigfaltigkeit von beliebig vielen
+Dimensionen aufzufassen, indem man als Element des Raumes ein von
+beliebig vielen Parametern abhängendes Gebilde (Curve, Fläche etc.)
+einführt (vergl. §.5 des Textes).</p>
+<p>Die Vorstellungsweise, welche das Element der beliebig
+ausgedehnten Mannigfaltigkeit als ein Analogon zum Puncte des
+Raumes betrachtet, ist wohl zuerst von <em>Grassmann</em> in seiner
+Ausdehnungslehre (1844, [17]) entwickelt worden. Bei ihm ist der
+Gedanke völlig frei von der erwähnten Vorstellung von der Natur des
+Raumes; letztere geht auf gelegentliche Bemerkungen von
+<em>Gauss</em> zurück und wurde durch <em>Riemann</em>s
+Untersuchungen über mehrfach ausgedehnte Mannigfaltigkeiten, in
+welche sie mit eingeflochten ist, in weiteren Kreisen bekannt.</p>
+<p>Beide Auffassungsweisen — die <em>Grassmann</em>sche wie die
+<em>Plücker</em>sche — haben ihre eigentümlichen Vorzüge; man
+verwendet sie beide, zwischen ihnen abwechselnd, mit Vortheil.</p>
+<h2 id="v.-ueber-die-sogenannte-nicht-euklidische-geometrie.">
+<a href="#TOC">V. Ueber die sogenannte Nicht-Euklidische
+Geometrie.</a></h2>
+<p>Die im Texte gemeinte projectivische Maßgeometrie coincidirt,
+wie neuere Untersuchungen gelehrt haben, dem Wesen nach mit der
+Maßgeometrie, welche unter Nicht-Annahme des Parallelen-Axioms
+entworfen werden kann und die zur Zeit unter dem Namen der
+Nicht-Euklidischen Geometrie vielfach besprochen und disputirt
+wird. Wenn wir im Texte diesen Namen überhaupt nicht berührt haben,
+so geschah es aus einem Grunde, der mit den in der vorstehenden
+Note gegebenen Auseinandersetzungen verwandt ist. Man verknüpft mit
+dem Namen Nicht-Euklidische Geometrie eine Menge unmathematischer
+Vorstellungen, die auf der einen Seite mit eben so viel Eifer
+gepflegt als auf der anderen perhorrescirt werden, mit denen aber
+unsere rein mathematischen Betrachtungen gar Nichts zu schaffen
+haben. Der Wunsch, in dieser Richtung etwas zur Klärung der
+Begriffe beizutragen, mag die folgenden Auseinandersetzungen
+motiviren.</p>
+<p>Die gemeinten Untersuchungen über Parallelentheorie haben mit
+ihren Weiterbildungen mathematisch nach zwei Seiten einen
+bestimmten Werth.</p>
+<p>Sie zeigen einmal — und dieses ihr Geschäft kann man als ein
+einmaliges, abgeschlossenes betrachten —, dass das Parallelenaxiom
+keine mathematische Folge der gewöhnlich vorangestellten Axiome
+ist, sondern dass ein wesentlich neues Anschauungselement, welches
+in den vorhergehenden Untersuchungen nicht berührt wurde, in ihm
+zum Ausdruck gelangt. Aehnliche Untersuchungen könnte man und
+sollte man mit Bezug auf jedes Axiom nicht nur der Geometrie
+durchführen; man würde dadurch an Einsicht in die gegenseitige
+Stellung der Axiome gewinnen.</p>
+<p>Dann aber haben uns diese Untersuchungen mit einem werthvollen
+mathematischen Begriffe beschenkt: dem Begriffe einer
+Mannigfaltigkeit von constanter Krümmung. Er hängt, wie bereits
+bemerkt und wie in §.10 des Textes noch weiter ausgeführt ist, mit
+der unabhängig von aller Parallelentheorie erwachsenen
+projectivischen Maßbestimmung auf das Innigste zusammen. Wenn das
+Studium dieser Maßbestimmung an und für sich hohes mathematisches
+Interesse bietet und zahlreiche Anwendungen gestattet, so kommt
+hinzu, dass sie die in der Geometrie gegebene Maßbestimmung als
+speciellen Fall (Gränz-fall) umfasst und uns lehrt, dieselbe von
+einem erhöhten Standpuncte aufzufassen.</p>
+<p>Völlig unabhängig von den entwickelten Gesichtspunkten steht die
+Frage, welche Gründe das Parallelen-Axiom stützen, ob wir dasselbe
+als absolut gegeben — wie die Einen wollen — oder als durch
+Erfahrung nur approximativ erwiesen — wie die Anderen sagen —
+betrachten wollen. Sollten Gründe sein, das letztere anzunehmen, so
+geben uns die fragl. mathematischen Untersuchungen an die Hand, wie
+man dann eine exactere Geometrie zu construiren habe. Aber die
+Fragestellung ist offenbar eine philosophische, welche die
+allgemeinsten Grundlagen unserer Erkenntniss betrifft. Den
+Mathematiker <em>als solchen</em> interessirt die Fragestellung
+nicht, und er wünscht, dass seine Untersuchungen nicht als abhängig
+betrachtet werden von der Antwort, die man von der einen oder der
+anderen Seite auf die Frage geben mag.</p>
+<h2 id=
+"vi.-liniengeometrie-als-untersuchung-einer-mannigfaltigkeit-von-constantem-kr.mmungsma.e.">
+<a href="#TOC">VI. Liniengeometrie als Untersuchung einer
+Mannigfaltigkeit von constantem Krümmungsmaße.</a></h2>
+<p>Wenn wir Liniengeometrie mit der projectivischen Maßbestimmung
+in einer fünffach ausgedehnten Mannigfaltigkeit in Verbindung
+setzen, müssen wir beachten, dass wir in den geraden Linien nur die
+(im Sinne der Maßbestimmung) unendlich fernen Elemente der
+Mannigfaltigkeit vor uns haben. Es wird daher nöthig, zu überlegen,
+welchen Werth eine projectivische Maßbestimmung für ihre unendlich
+fernen Elemente hat, und das mag hier etwas auseinandergesetzt
+werden, um Schwierigkeiten, die sich sonst der Auffassung der
+Liniengeometrie als einer Maßgeometrie entgegen stellen, zu
+entfernen. Wir knüpfen diese Auseinandersetzungen an das
+anschauliche Beispiel, welches die auf eine Fläche zweiten Grades
+gegründete projectivische Maßbestimmung ergibt.</p>
+<p>Zwei beliebig angenommene Puncte des Raumes haben in Bezug auf
+die Fläche eine absolute Invariante: ihr Doppelverhältniss zu den
+beiden Durchschnittspuncten ihrer Verbindungsgeraden mit der
+Fläche. Rücken aber die beiden Puncte auf die Fläche, so wird dies
+Doppelverhältniss unabhängig von der Lage der Puncte gleich Null,
+ausser in dem Falle, dass die beiden Puncte auf eine Erzeugende zu
+liegen kommen, wo es unbestimmt wird. Dies ist die einzige
+Particularisation, die in ihrer Beziehung eintreten kann, wenn sie
+nicht zusammenfallen, und wir haben also den Satz:</p>
+<p><em>Die projectivische Maßbestimmung, welche man im Raume auf
+eine Fläche zweiten Grades gründen kann, ergibt für die Geometrie
+auf der Fläche noch keine Maßbestimmung.</em></p>
+<p>Hiermit hängt zusammen, dass man durch lineare Transformationen
+der Fläche in sich selbst drei beliebige Puncte derselben mit drei
+anderen zusammenfallen lassen kann<sup><a href="#fn34" class=
+"footnoteRef" id="fnref34" name="fnref34">34</a></sup>.</p>
+<p>Will man auf der Fläche selbst eine Maßbestimmung haben, so muss
+man die Gruppe der Transformationen beschränken, und dies erreicht
+man, indem man einen beliebigen Raumpunct (oder seine Polarebene)
+festhält. Der Raumpunct sei zunächst nicht auf der Fläche gelegen.
+So projicire man die Fläche von dem Puncte auf eine Ebene, wobei
+ein Kegelschnitt als Uebergangscurve auftritt. Auf diesen
+Kegelschnitt gründe man in der Ebene eine projectivische
+Maßbestimmung, die man dann rückwärts auf die Fläche
+überträgt<sup><a href="#fn35" class="footnoteRef" id="fnref35"
+name="fnref35">35</a></sup>. Dies ist eine eigentliche
+Maßbestimmung von constanter Krümmung und man hat also den
+Satz:</p>
+<p><em>Auf der Fläche erhält man eine solche Maßbestimmung, sowie
+man einen ausserhalb der Fläche gelegenen Punct festhält.</em></p>
+<p>Entsprechend findet man<sup><a href="#fn36" class="footnoteRef"
+id="fnref36" name="fnref36">36</a></sup>:</p>
+<p><em>Eine Maßbestimmung von verschwindender Krümmung erhält man
+auf der Fläche, wenn man für den festen Punct einen Punct der
+Fläche selbst wählt.</em></p>
+<p>Für alle diese Maßbestimmungen auf der Fläche sind die
+Erzeugenden der Fläche Linien von verschwindender Länge. Der
+Ausdruck für das Bogenelement auf der Fläche ist also für die
+verschiedenen Bestimmungen nur um einen Factor verschieden. Ein
+absolutes Bogenelement auf der Fläche gibt es nicht. Wohl aber kann
+man von dem Winkel sprechen, den Fortschreitungsrichtungen auf der
+Fläche mit einander bilden. —</p>
+<p>Alle diese Sätze und Betrachtungen können nun ohne Weiteres für
+Liniengeometrie benutzt werden. Für den Linienraum selbst existirt
+zunächst keine eigentliche Maßbestimmung. Eine solche erwächst
+erst, wenn wir einen linearen Complex fest halten, und zwar erhält
+sie constante oder verschwindende Krümmung, je nachdem der Complex
+ein allgemeiner oder ein specieller (eine Gerade) ist. An die
+Auszeichnung eines Complexes ist namentlich auch die Geltung eines
+absoluten Bogenelements geknüpft. Unabhängig davon sind die
+Fortschreitungsrichtungen zu benachbarten Geraden, welche die
+gegebene schneiden, von der Länge Null, und auch kann man von einem
+Winkel reden, den zwei beliebige Fortschreitungsrichtungen mit
+einander bilden<sup><a href="#fn37" class="footnoteRef" id=
+"fnref37" name="fnref37">37</a></sup>.</p>
+<h2 id="vii.-zur-interpretation-der-bin.ren-formen."><a href=
+"#TOC">VII. Zur Interpretation der binären Formen.</a></h2>
+<p>Es mag hier der übersichtlichen Gestalt gedacht werden, welche,
+unter Zugrundelegung der Interpretation von <span class=
+"math"><em>x</em> + <em>i</em><em>y</em></span> auf der
+Kugelfläche, dem Formensysteme der cubischen und der
+biquadratischen binären Form ertheilt werden kann.</p>
+<p>Eine cubische binäre Form <span class="math"><em>f</em></span>
+hat eine cubische Covariante <span class="math"><em>Q</em></span>,
+eine quadratische <span class="math">Δ </span>, und eine Invariante
+<span class="math"><em>R</em></span><sup><a href="#fn38" class=
+"footnoteRef" id="fnref38" name="fnref38">38</a></sup>. Aus
+<span class="math"><em>f</em></span> und <span class=
+"math"><em>Q</em></span> setzt sich eine ganze Reihe von
+Covarianten sechsten Grades<br />
+<span class=
+"math"><em>Q</em><sup>2</sup> + <em>λ</em> ⋅ <em>R</em><em>f</em><sup>2</sup></span><br />
+
+zusammen, unter denen auch <span class="math">Δ <sup>3</sup></span>
+enthalten ist. Man kann zeigen<sup><a href="#fn39" class=
+"footnoteRef" id="fnref39" name="fnref39">39</a></sup>, dass jede
+Covariante der cubischen Form in solche Gruppen von sechs Puncten
+zerfallen muss. Insofern <span class="math"><em>λ</em></span>
+complexe Werthe annehmen kann, gibt es zweifach unendlich viele
+derselben.</p>
+<p>Das ganze so umgrenzte Formensystem kann auf der Kugel nun
+folgendermaßen repräsentirt werden. Durch geeignete lineare
+Transformation der Kugel in sich selbst bringe man die drei Puncte,
+welche <span class="math"><em>f</em></span> repräsentiren, in drei
+äquidistante Puncte eines grössten Kreises. Derselbe mag als
+Aequator bezeichnet sein; auf ihm haben die drei Puncte
+<span class="math"><em>f</em></span> die geographische Länge 0°,
+120°, 240°. So wird <span class="math"><em>Q</em></span> durch die
+Puncte des Aequators mit der Länge 60°, 180°, 300°, <span class=
+"math">Δ </span> durch die beiden Pole vorgestellt. Jede Form
+<span class=
+"math"><em>Q</em><sup>2</sup> + <em>λ</em><em>R</em><em>f</em><sup>2</sup></span>
+ist durch 6 Puncte repräsentirt, deren geographische Breite und
+Länge, unter <span class="math"><em>α</em></span> und <span class=
+"math"><em>β</em></span> beliebige Zahlen verstanden, in dem
+folgenden Schema enthalten ist:</p>
+<p>(<span class="math"><em>α</em></span>, <span class=
+"math"><em>β</em></span>), (<span class="math"><em>α</em></span>,
+<span class="math">120 + <em>β</em></span>), (<span class=
+"math"><em>α</em></span>, <span class=
+"math">240 + <em>β</em></span>) , (<span class=
+"math"> − <em>α</em></span>, <span class=
+"math"> − <em>β</em></span>), (<span class=
+"math"> − <em>α</em></span>, <span class=
+"math">120 − <em>β</em></span>), (<span class=
+"math"> − <em>α</em></span>, <span class=
+"math">240 − <em>β</em></span>)</p>
+<p>Verfolgt man diese Punctsysteme auf der Kugel, so ist es
+interessant, zu sehen, wie <span class="math"><em>f</em></span> und
+<span class="math"><em>Q</em></span> doppelt, <span class=
+"math">Δ </span> dreifach zählend aus denselben entsteht.</p>
+<p>Eine biquadratische Form <span class="math"><em>f</em></span>
+hat eine ebensolche Covariante <span class=
+"math"><em>H</em></span>, eine Covariante sechsten Grades
+<span class="math"><em>T</em></span>, zwei Invarianten <span class=
+"math"><em>i</em></span> und <span class="math"><em>j</em></span>.
+Besonders zu bemerken ist die Schaar biquadratischer Formen
+<span class=
+"math"><em>i</em><em>H</em> + <em>λ</em><em>j</em><em>f</em></span>,
+die alle zu dem nämlichen <span class="math"><em>T</em></span>
+gehören, und unter denen die drei quadratischen Factoren, in welche
+man <span class="math"><em>T</em></span> zerlegen kann, doppelt
+zählend enthalten sind. —</p>
+<p>Man lege jetzt durch den Mittelpunct der Kugel drei zu einander
+rechtwinklige Axen <span class="math"><em>O</em><em>X</em></span>,
+<span class="math"><em>O</em><em>Y</em></span>, <span class=
+"math"><em>O</em><em>Z</em></span>. Ihre 6 Durchstosspuncte mit der
+Kugel bilden die Form <span class="math"><em>T</em></span>. Die 4
+Puncte eines Quadrupels <span class=
+"math"><em>i</em><em>H</em> + <em>λ</em><em>j</em><em>f</em></span>
+sind, unter <span class="math"><em>x</em></span>, <span class=
+"math"><em>y</em></span>, <span class="math"><em>z</em></span>
+Coordinaten eines beliebigen Kugelpunctes verstanden, durch das
+Schema</p>
+<pre>
+<code> x, y, z,
+ x, -y, -z,
+-x, y, -z,
+-x, -y, z
+</code>
+</pre>
+<p>vorgestellt. Die vier Puncte bilden jedesmal die Ecken eines
+symmetrischen Tetraeders, dessen gegenüberstehende Seiten von den
+Axen des Coordinatensystems halbirt werden, wodurch die Rolle,
+welche <span class="math"><em>T</em></span> in der Theorie der
+biquadratischen Gleichungen als Resolvente von <span class=
+"math"><em>i</em><em>H</em> + <em>λ</em><em>j</em><em>f</em></span>
+spielt, gekennzeichnet ist.</p>
+<p><em>Erlangen</em> im October 1872.</p>
+<hr />
+<p>[1] C. Jordan, “Mémoire sur les groupes de mouvements.” In:
+<em>Annali di Matematica pura et applicata</em>
+<strong>1896</strong>, <em>2</em>, 167-215 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF02419610" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF02419610">http://dx.doi.org/10.1007/BF02419610</a>.</p>
+<p>[2] K. G. C. v. Staudt, <em>Geometrie Der Lage</em>, Fr. Korn,
+Nürnberg, <strong>1847</strong>.</p>
+<p>[3] K. G. C. v. Staudt, <em>Beiträge Zur Geometrie Der Lage.
+Erstes Heft</em>, Fr. Korn, Nürnberg, <strong>1856</strong>.</p>
+<p>[4] K. G. C. v. Staudt, <em>Beiträge Zur Geometrie Der Lage.
+Zweites Heft</em>, Fr. Korn, Nürnberg, <strong>1857</strong>.</p>
+<p>[5] K. G. C. v. Staudt, <em>Beiträge Zur Geometrie Der Lage.
+Drittes Heft</em>, Fr. Korn, Nürnberg, <strong>1860</strong>.</p>
+<p>[6] F. Klein, “Ueber Liniengeometrie und metrische Geometrie”
+In: <em>Mathematische Annalen</em> <strong>1872</strong>,
+<em>5</em>, 257-277 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01444841" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01444841">http://dx.doi.org/10.1007/BF01444841</a>.</p>
+<p>[7] O. Hesse, “Ein Uebertragungsprinzip” In: <em>Crelle’s
+Journal für die reine und angewandte Mathematik</em>
+<strong>1866</strong>, <em>66</em>, 15-22 − <a href=
+"http://gdz.sub.uni-goettingen.de/ru/dms/load/img/?PPN=PPN243919689_0066&amp;DMDID=dmdlog6"
+title=
+"http://gdz.sub.uni-goettingen.de/ru/dms/load/img/?PPN=PPN243919689_0066&amp;DMDID=dmdlog6">
+http://gdz.sub.uni-goettingen.de/ru/dms/load/img/?PPN=PPN243919689_0066&amp;DMDID=dmdlog6</a>.</p>
+<p>[8] F. Klein, “Ueber die sogenannte Nicht-Euklidische Geometrie.
+Zweiter Aufsatz.” In: <em>Mathematische Annalen</em>
+<strong>1873</strong>, <em>6</em>, 112-145 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01443189" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01443189">http://dx.doi.org/10.1007/BF01443189</a>.</p>
+<p>[9] P. Lejeune-Dirichlet, <em>Vorlesungen Über
+Zahlentheorie</em>, Vieweg, Braunschweig,
+<strong>1863</strong>.</p>
+<p>[10] S. Lie, “Ueber Complexe, insbesondere Linien- und
+Kugel-Complexe, mit Anwendung auf die Theorie partieller
+Differential-Gleichungen.” In: <em>Mathematische Annalen</em>
+<strong>1872</strong>, <em>5</em>, 145-208 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01446331" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01446331">http://dx.doi.org/10.1007/BF01446331</a>.</p>
+<p>[11] S. Lie, “Ueber diejenige Theorie eines Raumes mit beleibig
+vielen Dimensionen, die der Krümmungs-Theorie des gewöhnlichen
+Raumes entspricht.” In: <em>Nachrichten von der Königl.
+Gesellschaft der Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität
+zu Göttingen</em> <strong>1871</strong>, <em>7</em>, 191-209 −
+<a href=
+"http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1871"
+title=
+"http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1871">http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1871</a>.</p>
+<p>[12] H. Grassmann, <em>Die Ausdehnungslehre</em>, Enslin,
+Berlin, <strong>1862</strong>.</p>
+<p>[13] S. Lie, “Zur Theorie partieller Differentialgleichungen
+erster Ordnung; insbesondere über eine Classification derselben.”
+In: <em>Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der Wissenschaften
+und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen</em>
+<strong>1872</strong>, <em>8</em>, 473-490 − <a href=
+"http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN252457072_1872"
+title=
+"http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN252457072_1872">http://www.digizeitschriften.de/dms/img/?PPN=PPN252457072_1872</a>.</p>
+<p>[14] A. Clebsch, “Ueber eine Fundamentalaufgabe der
+Invariantentheorie.” In: <em>Mathematische Annalen</em>
+<strong>1872</strong>, <em>5</em>, 427-434 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01442803" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01442803">http://dx.doi.org/10.1007/BF01442803</a>.</p>
+<p>[15] A. Clebsch, “Ueber ein neues Grundgebilde der analysischen
+Geometrie.” In: <em>Nachrichten von der Königl. Gesellschaft der
+Wissenschaften und der Georg-Augusts-Universität zu Göttingen</em>
+<strong>1872</strong>, <em>22</em>, 429-448 − <a href=
+"http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1872"
+title=
+"http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1872">http://resolver.sub.uni-goettingen.de/purl?PPN252457072_1872</a>.</p>
+<p>[16] A. Clebsch, “Ueber ein neues Grundgebilde der analysischen
+Geometrie der Ebene.” In: <em>Mathematische Annalen</em>
+<strong>1872</strong>, <em>6</em>, 203-215 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01443192" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01443192">http://dx.doi.org/10.1007/BF01443192</a>.</p>
+<p>[17] H. Grassmann, <em>Die Lineale Ausdehnungslehre / Ein Neuer
+Zweig Der Mathematik / Dargestellt Und Durch Anwendungen Auf Die
+Übrigen Zweige Der Mathematik, Wie Auch Auf Die Statik, Mechanik,
+Die Lehre Vom Magnetismus Und Die Krystallonomie Erläutert</em>, O.
+Wigand, Leipzig, <strong>1844</strong>.</p>
+<p>[18] F. und L. S. Klein, “Ueber diejenigen ebenen Curven, welche
+durch ein geschlossenes System von einfach unendlich vielen
+vertauschbaren linearen Transformationen in sich übergehen.” In:
+<em>Mathematische Annalen</em> <strong>1871</strong>, <em>3</em>,
+50-84 − <a href="http://dx.doi.org/10.1007/BF01443297" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01443297">http://dx.doi.org/10.1007/BF01443297</a>.</p>
+<p>[19] J. A. Serret, <em>Cours D’algèbre Supérieure</em>,
+Gauthier-villard, Paris, <strong>1866</strong>.</p>
+<p>[20] C. Jordan, <em>Traité Des Substitutions Et Des Équations
+Algébriques</em>, Gauthier-villard, Paris,
+<strong>1870</strong>.</p>
+<p>[21] A. Clebsch, <em>Theorie Der Binären Algebraischen
+Formen</em>, Teubner, Leipzig, <strong>1872</strong>.</p>
+<p>[22] F. Klein, “Ueber eine geometrische Repräsentation der
+Resolventen algebraischer Gleichungen.” In: <em>Mathematische
+Annalen</em> <strong>1871</strong>, <em>4</em>, 346-358 − <a href=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01442600" title=
+"http://dx.doi.org/10.1007/BF01442600">http://dx.doi.org/10.1007/BF01442600</a>.</p>
+<div class="footnotes">
+<hr />
+<ol>
+<li id="fn1">
+<p>Vergl. Note I. des Anhangs. <a href="#fnref1" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn2">
+<p>Vergl. Note II <a href="#fnref2" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn3">
+<p>Vergl. Note III <a href="#fnref3" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn4">
+<p>Vergl. Note IV <a href="#fnref4" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn5">
+<p>Diese knappe Form ist ein Mangel der im Folgenden gegebenen
+Darstellung, der das Verständniss, wie ich fürchte, wesentlich
+erschweren wird. Aber dem hätte wohl nur durch eine sehr viel
+weitere Auseinandersetzung abgeholfen werden können, in der die
+Einzel-Theorien, die hier nur berührt werden, ausführlich
+entwickelt worden wären. <a href="#fnref5" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn6">
+<p>Wir denken von den Transformationen immer die Gesammtheit der
+räumlichen Gebilde gleichzeitig betroffen und reden desshalb
+schlechthin von Transformationen des Raumes. Die Transformationen
+können, wie z.&nbsp;B. die dualistischen, statt der Puncte andere
+Elemente einführen; es wird dies im Texte nicht unterschieden.
+<a href="#fnref6" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn7">
+<p>Begriffsbildung wie Bezeichnung sind herübergenommen von der
+<em>Substitutionstheorie</em>, in der nur an Stelle der
+Transformationen eines continuirlichen Gebietes die Vertauschungen
+einer endlichen Zahl discreter Grössen auftreten. <a href="#fnref7"
+class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn8">
+<p>Camille Jordan hat alle Gruppen aufgestellt, die überhaupt in
+der Gruppe der Bewegungen enthalten sind: Sur les groupes de
+mouvements. Annali di Matematica. t. II[1] <a href="#fnref8" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn9">
+<p>Die Transformationen einer Gruppe brauchen übrigens durchaus
+nicht, wie das bei den im Texte zu nennenden Gruppen allerdings
+immer der Fall sein wird, in stetiger Aufeinanderfolge vorhanden zu
+sein. Eine Gruppe bildet z.&nbsp;B. auch die endliche Reihe von
+Bewegungen, die einen regelmässigen Körper mit sich selbst zur
+Deckung bringen, oder die unendliche, aber discrete Reihe, welche
+eine Sinuslinie sich selber superponiren. <a href="#fnref9" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn10">
+<p>Unter dem Sinne verstehe ich hier die Eigenschaft der Anordnung,
+welche den Unterschied von der symmetrischen Figur (dem
+Spiegelbilde) begründet. Ihrem Sinne nach unterschieden sind also
+z.&nbsp;B. eine rechts- und eine linksgewundene Schraubenlinie.
+<a href="#fnref10" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn11">
+<p>Dass diese Transformationen eine Gruppe bilden, ist begrifflich
+nothwendig. <a href="#fnref11" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn12">
+<p>Man erzeugt ein solches Gebilde beispielsweise, indem man auf
+ein beliebiges Anfangselement, das durch keine Transformation der
+gegebenen Gruppe in sich selbst überzuführen ist, die
+Transformationen der Hauptgruppe anwendet. <a href="#fnref12"
+class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn13">
+<p>Diese Anschauungsweise ist als eine der schönsten Leistungen von
+<em>Chasles</em> zu betrachten; durch sie erst gewinnt die
+Eintheilung in Eigenschaften der Lage und Eigenschaften des Maßes,
+wie man sie gern an die Spitze der projectivischen Geometrie
+stellt, einen präcisen Inhalt. <a href="#fnref13" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn14">
+<p>Den erweiterten Kreis, der auch imaginäre Umformungen umspannt,
+hat <em>v. Staudt</em> erst in den „Beiträgen zur Geometrie der
+Lage"[3–5] zu Grunde gelegt. <a href="#fnref14" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn15">
+<p>Wenn man will, ist hier das Princip unter etwas erweiterter Form
+angewendet. <a href="#fnref15" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn16">
+<p>Statt des Kegelschnittes in der Ebene kann man mit gleichem
+Erfolge eine Raumcurve dritter Ordnung einführen, überhaupt bei
+<span class="math"><em>n</em></span> Dimensionen etwas
+Entsprechendes aufstellen <a href="#fnref16" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn17">
+<p>Bez. anderer Beispiele, sowie namentlich der Erweiterungen auf
+mehr Dimensionen, deren die angeführten fähig sind, verweise ich
+auf bez. Auseinandersetzungen in einem Aufsatze von mir[6] sowie
+auf die sogleich noch zu nennenden <em>Lie</em>schen Arbeiten.
+<a href="#fnref17" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn18">
+<p>Vergl.&nbsp;Note III. <a href="#fnref18" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn19">
+<p>Vergl. Note V <a href="#fnref19" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn20">
+<p>Vergl. Note VI. <a href="#fnref20" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn21">
+<p>Ich wähle den Namen nach dem Vorgange von <em>Dedekind</em>, der
+in der Zahlentheorie ein Zahlengebiet als Körper bezeichnet, wenn
+es aus gegebenen Elementen durch gegebene Operationen entstanden
+ist (Zweite Auflage von <em>Dirichlet</em>s Vorlesungen [9].)
+<a href="#fnref21" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn22">
+<p>Geometrie der reciproken Radien auf der Geraden ist mit der
+projectivischen Untersuchung der Geraden gleichbedeutend, da die
+bez. Umformungen die nämlichen sind. Man kann daher auch in der
+Geometrie der reciproken Radien von einem
+<em>Doppelverhältnisse</em> von vier Puncten einer Geraden und
+weiterhin eines Kreises reden. <a href="#fnref22" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn23">
+<p>Vergleiche die bereits genannte Arbeit: Ueber Liniengeometrie
+und metrische Geometrie. Math. Annalen Bd. V [6]. <a href=
+"#fnref23" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn24">
+<p>Vergl. Note VII. <a href="#fnref24" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn25">
+<p>Partielle Differentialgleichungen und Complexe. Math. Annalen
+V.[10] <a href="#fnref25" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn26">
+<p>Diese Transformationen werden gelegentlich in
+<em>Grassmann</em>s Ausdehnungslehre betrachtet (in der Auflage von
+1862, [12] p.&nbsp;278). <a href="#fnref26" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn27">
+<p>Projicirt man die Mannigfaltigkeit stereographisch, so erhält
+man den bekannten Satz: In mehrfach ausgedehnten Gebieten (schon im
+Raume) gibt es ausser den Transformationen, die sich in der Gruppe
+der reciproken Radien befinden, keine conformen
+Puncttransformationen. In der Ebene gibt es dagegen beliebig viele
+andere. Vergl. auch die citirten Arbeiten von <em>Lie</em>
+([10,11]). <a href="#fnref27" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn28">
+<p>Vergl. bes. die bereits citirte Arbeit[10]: Ueber partielle
+Differentialgleichungen und Complexe. Math. Ann. V. Die im Texte
+gegebenen Ausführungen betr. partielle Differentialgleichungen habe
+ich wesentlich mündlichen Mittheilungen von <em>Lie</em> entnommen;
+vergl. dessen Note[13]: Zur Theorie partieller
+Differentialgleichungen. Göttinger Nachrichten. Oct. 1872. <a href=
+"#fnref28" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn29">
+<p>Ich verdanke diese Definitionen einer Bemerkung von
+<em>Lie</em>. <a href="#fnref29" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn30">
+<p>Gött. Abhandlungen. 1872. (Bd. 17): Ueber eine
+Fundamentalaufgabe der Invariantentheorie[14], sowie namentlich
+Gött. Nachrichten 1872. Nr. 22: Ueber ein neues Grundgebilde der
+analytischen Geometrie der Ebene[15,16]. <a href="#fnref30" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn31">
+<p>Ich erinnere hier daran, dass <em>Grassmann</em> bereits in der
+Einleitung zur ersten Auflage seiner Ausdehnungslehre (1844, [17])
+die Combinatorik und die Ausdehnungslehre parallelisirt. <a href=
+"#fnref31" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn32">
+<p>Vergleiche den gemeinsamen Aufsatz: Ueber diejenigen ebenen
+Curven, welche durch ein geschlossenes System von einfach unendlich
+vielen vertauschbaren linearen Transformationen in sich übergehen,
+Math. Annalen Bd. IV. [18]. <a href="#fnref32" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn33">
+<p>Ich muss mir versagen, im Texte auf die Fruchtbarkeit
+hinzuweisen, welche die Betrachtung unendlich kleiner
+Transformationen in der Theorie der Differentialgleichungen hat. In
+§.7. der citirten Arbeit haben <em>Lie</em> und ich gezeigt:
+Gewöhnliche Differentialgleichungen, welche gleiche unendlich
+kleine Transformationen zugeben, bieten gleiche
+Integrationsschwierigkeiten. Wie die Betrachtungen für partielle
+Differentialgleichungen zu verwerthen seien, hat <em>Lie</em> an
+verschiedenen Orten, so bes. in dem früher genannten Aufsatze
+(Math. Ann. V., [10]) an verschiedenen Beispielen
+auseinandergesetzt (vergl. namentlich auch Mittheilungen der
+Academie zu Christiania. Mai 1872.) <a href="#fnref33" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn34">
+<p>Diese Verhältnisse ändern sich bei der gew. Maßgeometrie; zwei
+unendlich ferne Puncte haben für sie freilich eine absolute
+Invariante. Der Widerspruch, den man in der Abzählung der linearen
+Transformationen der unendlich fernen Fläche in sich selbst hiermit
+finden könnte, erledigt sich dadurch, dass die unter ihnen
+befindlichen Translationen und Aehnlichkeitstransformationen das
+Unendlich-Ferne überhaupt nicht ändern. <a href="#fnref34" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn35">
+<p>Vergl. §.7 des Textes. <a href="#fnref35" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn36">
+<p>Vergl. §.4 des Textes. <a href="#fnref36" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn37">
+<p>Vergl. den Aufsatz: Ueber Liniengeometrie und metrische
+Geometrie. Math. Ann. Bd. V. p. 271.[6] <a href="#fnref37" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn38">
+<p>Vergl. hiezu die betr. Abschnitte von <em>Clebsch</em>: Theorie
+der binären Formen[21] <a href="#fnref38" class=
+"footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+<li id="fn39">
+<p>Durch Betrachtung der linearen Transformationen von <span class=
+"math"><em>f</em></span> in sich selbst, vergl. Math. Ann, IV. p.
+352 [22] <a href="#fnref39" class="footnoteBackLink">↩</a></p>
+</li>
+</ol>
+</div>
+<h1>Anmerkungen zur Transkription</h1>
+<p>Wir verwendeten ABBYY Mac für die OCR. Pandoc konvertierte nach
+plain text und HTML.</p>
+<p>Die Rechtschreibung wurde belassen (Ausnahmen: Maß/Mass,
+Genitiv-Apostroph), kleinere Fehler ausgebessert. Die
+Einzelnachweise wurden nachrecherchiert und, wo vorhanden, mit URL
+versehen und als bibtex-Datenbank verarbeitet.</p>
+<p>Der markdown-Quelltext, die bibtex-Datenbank und alle anderen
+Hilfsdateien einschließlich der ursprünglichen Seitenbilder
+befinden sich auf github.com/rwst/book-klein-erlangen. Dort können
+Fehler gemeldet und gepatcht werden. R.S.</p>
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Vergleichende Betrachtungen übe
+ neuere geometrische Forschungen, by Felix Klein
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERGLEICHENDE BETRACHTUNGEN ***
+
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+works. See paragraph 1.E below.
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
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+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
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+Foundation
+
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+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+Literary Archive Foundation
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+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
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+status with the IRS.
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