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@@ -0,0 +1,2037 @@
+The Project Gutenberg EBook of Prosastücke, by Robert Walser
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Prosastücke
+
+Author: Robert Walser
+
+Release Date: August 27, 2010 [EBook #33548]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PROSASTÜCKE ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Die auf den Deckelinnenseiten gedruckte Werbung für die »Schriften
+ für Schweizer Art und Kunst« wurde an das Ende des Textes verschoben.
+
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ ]
+
+
+
+
+ Prosastücke von
+ Robert Walser
+
+
+ [Illustration]
+
+
+ Schriften für Schweizer
+ Art und Kunst. 55
+
+ VERLAG RASCHER u. CIE, ZÜRICH
+ 1916
+
+
+
+
+ PROSASTÜCKE
+
+ von
+
+ ROBERT WALSER
+
+ 1917
+ VERLAG VON RASCHER & Cie IN ZÜRICH
+
+
+
+
+ Erstes und zweites Tausend.
+
+
+ Nachdruck verboten.
+
+ Übersetzungsrecht vorbehalten.
+
+ Copyright by Rascher & Co., Verlagsbuchhandlung in Zürich 1917.
+
+
+ Zürich
+
+ Buchdruckerei Züricher Post
+
+
+
+
+Das Seestück.
+
+
+Dieses Stück ist sehr einfach, es handelt von einem schönen Sommerabend
+und von vielen Leuten, die am Seeufer hin- und herpromenierten. Die
+Menschenmenge, unter der auch ich mich befand, war ausserordentlich. Die
+ganze Stadt schien zu spazieren. Wenn ich sage, dass der weite,
+nächtliche See einem schlummernden Helden glich, dessen Brust auch im
+Schlafe noch von Angelegenheiten der Kühnheit und der hohen Denkart
+bewegt sei, so drücke ich mich vielleicht etwas gewagt aus. Viele
+lichtergeschmückte Nachen bewegten sich im dunklen Wasser. Die Strassen
+und Nebenstrassen, die zum See führten, schienen mir Kanäle zu sein, und
+ich bildete mir mit Leichtigkeit ein, dass die Nacht eine venezianische
+Nacht sei. Heller Feuerschein loderte da und dort rötlich aus dem
+Schwarz auf, und nächtliche Menschengestalten spazierten in die hellen
+und in die dunklen Stellen. Es fehlte an Liebespaaren keineswegs, die
+sich hinter allerlei Dickicht zärtlich umarmten und küssten, und ebenso
+wenig fehlte es an kosender und lispelnder, an freundlich streichelnder
+und gleich einem plätschernden Gewässer rieselnder Nachtmusik. Der
+Halbmond in der Höhe glich, wie soll ich sagen, einer Wunde, woraus ich
+folgere, dass der schöne Körper der Nacht verwundet war, ähnlich wie
+eine schöne edle Seele verletzt und verwundet sein kann, und darum ihre
+Hoheit und Schönheit noch deutlicher offenbart. Im Leben, das roh und
+unedel ist, macht sich mitunter die verletzte edle Seele lächerlich,
+nicht aber in der Dichtkunst, und der Dichter lacht niemals über
+empfindlicher Seelen Verletzbarkeit. Da ich über eine gebogene Brücke
+ging, hörte ich von unten, aus dem Wasser, eine wundervolle Stimme zu
+mir heraufdringen, es war ein hellgekleidetes Mädchen in einer hier
+vorüberfahrenden Gondel, und ich und vielleicht noch ein Anderer, den
+die zarte Stimme ebenfalls interessierte, beugten uns über das Geländer,
+um auf den entzückenden Gesang mit angespannter Aufmerksamkeit zu
+lauschen, der im Zirkus oder im Konzertsaal, den die holde Nacht
+bildete, warm und hell verhallte. Wir Zwei oder Drei, die wir lauschten,
+gestanden uns, dass wir noch nie so schön singen gehört hätten, und wir
+sagten uns, dass das Lied der im beinahe unsichtbaren Nachen
+dahingleitenden liebenswürdigen Sängerin weniger durch Kunst und grosses
+gesangliches Können als vielmehr nur durch eine wunderbare
+Seelen-Anspannung und durch die Begeisterung eines lieben edlen Herzens
+gross sei. Wir sagten uns ferner, das heisst es fiel uns ein, zu denken,
+dass vielleicht, ja sogar sehr wahrscheinlich die junge Sängerin unten
+im dunklen Boot über die Kühnheit und Hochherzigkeit ihres Gesanges und
+wegen ihrer Fähigkeit, sich zu berauschen und zu begeistern, glühend
+erröte, und dass ihre reizende jugendfrohe und süsse Wange vor Scham
+über die Freiheit und über den Enthusiasmus des himmlischen gesanglichen
+Ergusses heftig brenne. Königspalastähnlich wurde das Lied und wuchs zu
+fabelhafter Grösse empor, dass man Prinzen und Prinzessinnen auf
+herrlich geschmückten Pferden vorübertanzen und -galoppieren zu sehen
+meinte. Alles verwandelte sich in tönendes Leben und in eine tönende
+Schönheit, und die ganze Welt erschien wie die Liebenswürdigkeit selber,
+und am Leben, am menschlichen Dasein gab es nichts mehr auszusetzen.
+Ganz besonders anziehend und schön war, wie das Mädchen so ihre zarte
+Seele singend preisgab, alle ihre Geheimnisse öffnete, hoch über sich
+selbst und über ihre Zurückhaltung, über alle anerzogene Sittsamkeit
+hinwegdrang, alles Denken und Sehnen offen aussprach, dass es, Heldinnen
+gleich, wie eine Gestalt in die Luft hinaufragte. Der Kampf, den das
+zarte Wesen mit der Schüchternheit und mit dem alltäglichen Benehmen
+kämpfte, ergab die schönste Klangfarbe, und auf den schamhaft-stolzen
+Klang lauschten, wie bereits gesagt, mehr Leute, die alle bedauerten,
+dass das Lied nun nach und nach in der Ferne sich verlor.
+
+
+
+
+Die italienische Novelle.
+
+
+Ich habe starke Ursache, mich zu fragen, ob eine Geschichte gefallen
+wird, die von zwei Leuten oder Leutchen, nämlich von einem reizenden
+netten Mädchen und von einem in seiner Art mindestens ebenso netten
+braven guten jungen Mann berichtet, die im schönsten und innigsten
+Freundschaftsverhältnis zu einander standen. Die zärtliche und
+leidenschaftliche Liebe, die sie gegenseitig fühlten, glich an Hitze der
+Sommersonne und an Reinheit und Keuschheit dem dezemberlichen Schnee.
+Ihr beidseitiges liebenswürdiges Vertrauen schien unerschütterlich, und
+die feurige unschuldige Neigung wuchs von Tag zu Tag wie eine
+wundervolle farben- und duftreiche Pflanze. Nichts schien den
+allerholdesten Zustand und das allerschönste Zutrauen stören zu können.
+Alles wäre schön und gut gewesen, wenn nur der brave gute liebe und
+junge Mann die italienische Novelle nicht so gut gekannt hätte. Die
+exakte Kenntnis jedoch von der Schönheit, Pracht und Herrlichkeit der
+italienischen Novelle machte ihn, wie der aufmerksame Leser sogleich
+erfahren wird, zum Schafskopf, raubte ihm für eine Zeitlang die Hälfte
+des gesunden Verstandes und veranlasste, zwang und nötigte ihn eines
+Tages, morgens oder abends, um acht, zwei oder sieben Uhr zu seiner
+Geliebten mit dumpfer Stimme zu sagen: »Du, höre, ich habe dir etwas zu
+sagen, etwas, das mich schon die längste Zeit drückt, plagt und foltert,
+etwas, das uns Beide vielleicht unglücklich machen wird. Ich darf es dir
+nicht verschweigen, ich muss, ich muss es dir sagen. Nimm allen deinen
+Mut und alle deine Festigkeit zusammen. Es kann sein, dass dich die
+Kunde von dem Schrecklichen und Furchtbaren tötet. O ich möchte mir
+tausend schallende Ohrfeigen geben und mir das Haar ausraufen.« Das arme
+Mädchen rief angstvoll aus: »Ich kenne dich nicht mehr. Was quält, was
+peinigt dich. Was ist es Schreckliches, das du mir bis dahin
+verheimlicht und das du mir anzuvertrauen hast. Heraus mit der Sprache
+auf der Stelle, damit ich weiss, was ich zu fürchten und was ich
+irgendwie noch zu hoffen habe. An Mut, das Härteste zu dulden und das
+Äusserste zu ertragen, fehlt es mir nicht.« -- Die so redete, zitterte
+freilich vor Angst am ganzen Körper, und das Unbehagen verbreitete eine
+tödliche Blässe über ihr liebreizendes, sonst so frisches und hübsches
+Gesicht. »Vernimm«, sagte der junge Mann, »dass ich leider nur ein zu
+gründlicher Kenner der italienischen Novelle bin und dass eben diese
+Wissenschaft unser Unglück ist.« -- »Wieso das, um Gotteswillen?«,
+fragte die Bedauernswürdige, »wie ist es möglich, dass Bildung und
+Wissenschaft uns trostlos machen und unser Glück zerstören können?«
+Worauf es ihm beliebte, zu erwidern: »Weil der Stil in der italienischen
+Novelle an Schönheit, Saft und Kraft einzig dasteht, und weil unsere
+Liebe keinen derartigen Stil aufzuweisen hat. Dieser Gedanke macht mich
+trostlos, und ich vermag an kein Glück mehr zu glauben.« Beide guten
+jungen Leute liessen zirka zehn Minuten lang oder etwas länger den Kopf
+und das Köpfchen hängen und waren völlig rat- und fassungslos. Nach und
+nach gewannen sie jedoch die Zuversicht und den verlorenen Glauben
+wieder zurück, und sie kamen wieder zur Besinnung. Sie rafften sich aus
+Trauer und Entmutigung auf, schauten einander freundlich in die Augen,
+lächelten und gaben sich die Hand, schmiegten sich eng zusammen, waren
+glücklicher und vertraulicher als je zuvor, indem sie sagten: »Wir
+wollen nach wie vor trotz allen stilvollen und prachtvollen
+italienischen Novellen Freude und Genuss aneinander haben und uns
+zärtlich lieben, so wie wir einmal sind. Wir wollen genügsam und
+zufrieden sein und uns um keine Vorbilder kümmern, die uns nur den
+Geschmack und das natürliche Vergnügen rauben. Schlicht und ehrlich
+aneinanderhängen und warm und gut sein ist besser als der schönste und
+vornehmste Stil, der uns gestohlen sein kann, nicht wahr.« Mit diesen
+fröhlichen Worten küssten sie sich auf das innigste, lachten über ihre
+lächerliche Mutlosigkeit und waren wieder zufrieden.
+
+
+
+
+Koffermann und Zimmermann.
+
+
+Ein bekannter und rühriger Verleger, unternehmungslustig wie er war,
+sagte eines schönen Tages zum Schriftsteller Koffermann: »Lieber
+Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen
+und reisen Sie, ohne dass Sie sich vorher lange besinnen, nach Japan.
+Haben Sie verstanden?« Der flinke und behende Koffermann, sogleich
+entschlossen, den schmeichelhaften Auftrag auszuführen, besann sich
+keine zehn Minuten lang, sondern machte sich auf die Beine, packte alle
+seine Gedanken und Utensilien in seinen Handkoffer, stieg in den
+Eisenbahnwagen und dampfte, reiste und fuhr ab nach dem berühmten und
+sehenswerten Lande Japan. Der Verleger oder Verlagsmann telephonierte
+einem mächtigen Zeitungsmann, er möchte so freundlich sein und es in die
+Zeitung setzen, dass Koffermann seinen Koffer gepackt habe und nach
+Japan abgeflogen und fortgeflutscht sei. Das las bald ein anderer
+Verleger oder Verlagsmann und er forderte den Schriftsteller Zimmermann
+auf, so rasch wie möglich zu ihm zu kommen, denn er habe ihm etwas
+Wichtiges zu sagen. Zimmermann war gerade damit beschäftigt, eine
+höfliche und weitläufige Ansprache an seine Katze zu halten, auch
+schlürfte er Thee, und rauchte er eine Cigarette, als der Brief
+anlangte, der ihm ankündigte, er solle zu seinem Verleger rennen, weil
+ihm derselbe etwas Wichtiges zu sagen habe. Er zog seinen bessern Anzug
+an, bürstete, säuberte, kämmte, wusch und verschönerte sich, wie es sich
+schickte, und marschierte in aller Seelenruhe zu seinem Geschäftsmann.
+»Lieber Zimmermann,« sagte derselbe zu Zimmermann, »ich weiss, dass Sie
+ein ruhiger Mensch sind, der seine Ruhe liebt! Jetzt aber müssen Sie aus
+aller Behaglichkeit heraus und mit der grössten Unruhe, Hast und
+Schleunigkeit nach der Türkei fliegen. Koffermanns Verleger hat
+Koffermann nach Japan entsandt, weshalb ich nun Sie, mein lieber
+Zimmermann, nach der Türkei senden muss. Haben Sie begriffen?«
+Zimmermann aber begriff nicht so leicht; er besass keine so leichte und
+flinke Auffassungsgabe wie Koffermann. Er bat sich eine Bedenkzeit von
+acht Tagen aus und ging wieder in sein Zimmer zurück, wo er sich ebenso
+vergnüglich wie nachdenklich auf seinen alten Reisekorb setzte, der
+unter der Last zu ächzen und zu seufzen begann, wie Reisekörbe bei
+solcher Gelegenheit zu tun pflegen. Zimmermann, der seine Ruhe und
+seinen stillen Aufenthalt im Zimmer liebte, war unfähig, von demselben
+Abschied zu nehmen. »Ich bin unfähig, vom Zimmer Abschied zu nehmen,
+auch ist mein Reisekorb alt, und es würde mir weh tun, ihn auf eine so
+weite Reise zu schicken,« schrieb Zimmermann seinem Geschäftsmann, »ich
+habe mir die Sache überlegt, und bitte Sie versichert zu sein, dass ich
+nicht nach der Türkei reisen kann. Ich eigne mich nicht dafür. Ich bin
+soeben in Gedanken eine halbe Stunde lang in der Türkei gewesen und habe
+es dort sehr langweilig gefunden. Mit dem ehemaligen Königreich Polen
+möchte ich es wohl eher probieren. Lassen Sie mich bitte Ihre Meinung
+wissen. Ich gebe Ihnen acht Tage Bedenkzeit. Nach Polen passe ich
+nämlich besser als nach der Türkei.« Der Verleger lachte, als er den
+Brief las und sagte: »Mit Zimmermann ist nichts anzufangen.«
+
+
+
+
+Der Flinke und der Faule.
+
+
+Ich gestehe, dass mich die Erfindung der Geschichte, die ich hier
+erzähle, die grösste Mühe gekostet hat, obwohl man vielleicht finden
+wird, dass sie ein wenig läppisch sei. Sie handelt von einem faulen
+Flinken und von einem flinken Faulen. Zu beachten ist, dass der Flinke
+mit all seiner eichhornhaften Flinkheit weit hinter des Faulen grober
+Faulheit zurückblieb, worüber er sich nicht wenig verwunderte, was recht
+sehr zu begreifen ist. Das Seltsame und Bemerkenswerte an der
+einfältigen und albernen Geschichte, die glücklicherweise nicht allzu
+lange und breite Umstände macht, ist, dass der Flinke im Grunde der
+Faule ist und der Faule im Grunde der Flinke, und zwar deshalb, weil der
+Flinke eigentlich leider nur zu flink war und weil der Faule mit der
+gesamten Summe seiner Faulheit sich glücklicher- oder unglücklicherweise
+glänzend bewährte, indem er gar nicht flink und dennoch, im Grunde, viel
+flinker war als der flinkste Flinke, während leider der Flinke mit dem
+ganzen Reichtum seiner Flinkheit und Behendigkeit zwar durchaus nicht
+faul und dennoch viel fäuler war als der fäulste Faule, was jedenfalls
+recht sehr bedauerlich ist. Der Flinke übertraf freilich den Faulen an
+regelrechter Flinkheit, aber er kam dennoch zu kurz und stand zuletzt
+weit hinter dem Faulen, welcher, falls wir uns nicht gröblich irren,
+freilich den Flinken hoch an Faulheit überragte, indem er faul war wie
+die personifizierte Faulheit, dennoch aber lange nicht so faul und viel
+flinker war, als der Flinke dachte, den er weit hinter sich liess und
+prächtig besiegte, über welchen ausserordentlichen Umstand der
+bedauernswürdige arme Flinke fast vor Schreck umkam. Dieses, mein bester
+Leser, ist die Geschichte vom Flinken und vom Faulen oder vom Faulen und
+vom Flinken, je nachdem du willst und wie es dir gefällt. Beurteile sie
+milde, belache sie und zürne nicht allzustark ihrem Verfasser, dem sie
+so fest im Kopf sass, dass er sich genötigt sah, sie niederzuschreiben,
+um sie loszubekommen.
+
+
+
+
+Der Maskenball.
+
+
+Einmal gab es einen Maskenball, der von vielen lebenslustigen und
+vergnügungsfröhlichen jungen Leuten besucht wurde, die sich alle hier
+einfanden, um recht aus der Seele und aus vollem Herzen glücklich zu
+sein, Sorgen und Kümmernisse auf ein paar Stunden zu vergessen, zu
+lachen, zu tändeln und zu tanzen und sich frei und leicht zu fühlen wie
+die ersten Menschen, die vom erbärmlichen Kampf ums Dasein und von der
+traurigen Jagd nach dem Erwerb noch überhaupt nichts wussten. Herrlich
+war der Anblick des von einem vorzüglichen Geschmack und von einem
+feinen und zarten Kunstsinn dekorierten, blumen- und bändergeschmückten
+Tanzsaales, dessen hohe Wände entzückende Wandmalereien deckten, die,
+man kann sagen, von demselben Geist und von derselben Erfindung waren
+wie die graziöse reizende Musik, die sommerregengleich von einem Podium
+herab in den Saal und in den heiteren Tanztumult niederrieselte und
+säuselte, damit die versammelten fröhlichen Menschen sich nach dem
+schmeichlerischen wellenhaften Takt ihrer süssen und angenehmen Melodien
+hin und her bewegten und drehten. Das tat denn auch alle Welt und es
+war ein blitzendes, geschmeidiges Gewoge, das da durcheinanderwogte. Auf
+die lächelnden Gesichter herab schimmerte der Strahl der Kerzen, deren
+blendendes Leuchten den Saal zu einem Zauberpalast machte. Alles war
+glücklich, alles lachte und scherzte. Neid, Bosheit und Missgunst und
+noch manche andere üblen Eigenschaften und bösen Empfindungen hatten
+keinen Einlass in das schöne Lokal gefunden, das lediglich von
+Heiterkeit, Behagen und Lebensfreude widerhallte und widerstrahlte.
+Jedoch waren alle Geräusche der Freude und des Vergnügens angenehm
+gedämpft, wie wenn alle Teilnehmer lebhaft gefühlt hätten, dass selbst
+im Rausch und im Entzücken der Mensch sich, aus Rücksicht und aus Liebe
+für seinen Mitmenschen, Zügel auferlegen muss, um die allgemeine
+Schönheit und das allgemeine Gefallen nicht zu verletzen. Gelächter
+vermischte sich mit Gläsergeklirr, das wie Silber an den Wänden
+widertönte. Schelmische Witze wurden gerissen, die niemanden
+beleidigten. Nur Dummköpfe und eitle hochmütige Menschen ärgern sich
+über einen guten Witz, der so gut ein Recht zu existieren hat wie der
+düstere, bittere Ernst; denn der liebe Gott gab uns nicht umsonst die
+liebenswürdige Fähigkeit, zu lachen und den Dingen die heitere und
+lustige Seite abzugewinnen.
+
+Solche Paare, die von der Anstrengung des Tanzens müde waren, zogen sich
+für eine Weile, um recht behaglich auszuruhen und sich an allerlei
+Erfrischungen zu erlaben, aus dem Getümmel in irgend eine reizend
+versteckte grüne weiche Plaudernische zurück, während andere Paare
+frisch sich in das anmutige Gewoge stürzten. Hier sah man Einen vor der
+Dame seines Herzens leidenschaftlich niederknien. An einer andern
+Stelle wieder suchte ein Tänzer seine entschwundene, im Gewirr
+verlorengegangene Tänzerin. Andern Ortes wieder erteilte eine Schöne
+ihrem bisher so dienstfertigen Galan und Ritter urplötzlich den
+Abschied, dass ihn die Bestürzung, in die er sich unvermuteterweise
+geworfen sah, zittern machte, und ihm die grausame Enttäuschung die
+Gesichtszüge verzerrte.
+
+Colombine, so nannte sich eine übermütige schelmische Tänzerin, die mit
+ihrer ans Unglaubliche grenzenden Tanzkunst die Bewunderung aller derer,
+die sie sahen, hervorrief. Sie tanzte ganz allein, als wenn es keinen
+Tänzer gegeben hätte, der fähig gewesen wäre, sie mit einigem
+gleichmässigem Geschick zu accompagnieren. Und doch gab es einen! Aber
+von diesem tollen Burschen reden wir später. Einstweilen neigen wir uns
+voll Staunen und Mitleid zu einem armen Narren herab, der, einer Statue,
+einem Steinbild ähnlich, in einem Winkel des Saales am Boden kauerte, wo
+er sich auf die ausgiebigste Art mit düsterer Philosophie, mit
+schrecklicher Betrachtung des Lebens abzugeben schien, ganz in Trauer,
+in Wehmut und in tödliche Melancholie gehüllt. Tausenderlei giftige
+Spitzfindigkeiten schienen den armen unglücklichen Menschen in diesen
+Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot
+oder Mehlmann hiess er, und er glich auf gewisse Art dem tödlich
+verwundeten Helden, der das Gefühl hat, dass er verbluten muss. Sein
+eigenes krankes Wesen war es vielleicht, das ihn hier im verlassenen
+Winkel an den Boden niederstreckte. Des armen tragischen Narren Wangen
+waren mit Mehl bestreut. Seine Lippen waren rot wie Rosen, aus seinen
+jungen dunkeln Augen drang ein unnennbarer Seelenschmerz, und die
+gefärbten Lippen lächelten ein graziöses und verzweifeltes Lächeln.
+»Schade um den jungen Mann!« musste der ausrufen, der ihn sah, aber es
+beachtete ihn niemand, dessen Kopf ein zierliches Dummkopfkäppchen
+schmückte, dass der Schmerz und der Gram noch lächerlich aussahen und
+der Hoffnungslosigkeit, dem Leid noch der Ausdruck frivoler Dummheit
+anhaften musste. Warum kam er hierher, wo alles lachte und tanzte? Was
+bezweckte er mit seinem unerfreulichen Auftreten? Was hoffte er von
+seiner Erscheinung? Vielleicht war er ehmals fröhlich gewesen. Jetzt
+aber war er todesmüd und matt. Denn von der Lebensmüdigkeit, die ihn
+erfüllte, redete die Sterbensblässe, die ihn bedeckte, deutlich. Wer
+versetzte ihm den Stoss? Sein eigener verderblicher Charakter selber?
+Hm! Kann sein.
+
+Angenehm oder unangenehm bemerkbar machte sich auf dem Maskenball durch
+ein höchst lächerliches Gehaben und Gebaren, das ihn zum vollkommenen,
+ganz und gar in der Schafsköpfigkeit ertrunkenen Schafskopf stempelte,
+ein zweiter und zwar ältlicher, sehr soignierter Narr. Vorhergehender
+Narr war sozusagen ein ernster Narr. Dieser aber gehörte zu der
+Kategorie der fraglos lächerlichen Narren. Himmlisch war der hohe,
+steife, feierliche Hut auf seinem ausgesprochenen Pantoffelheldkopf.
+Seine enorme Krawatte war grasgrün, seine gebogene lange Nase
+gesprenkelt mit roten und weissen Tupfen. Fabelhaft lächerlich war sein
+Beinkleid, mit welchem er offenbar zu imponieren hoffte. Die Handschuhe,
+die er trug, waren knallgelb und sein ganzes Auftreten zeugte von
+verblüffender Geschmacklosigkeit. Der Herr hiess Pantalone oder
+Hosenmann und wie es sich herausstellte, war er fürchterlich verliebt,
+der alte Racker, und zwar in wen?, ei ja doch, in die reizende
+Colombine, für die er ein verliebtes süsses Liebesbriefchen in der
+Tasche trug, um es der Schelmin bei günstiger Gelegenheit in der
+Einbildung zu übergeben, die ihm vorschwindelte, dass das schöne junge
+Mädchen Gefallen am alten, aber freilich schwerreichen Gecken finden
+werde, sobald der alte Torenknabe nur seine Börse öffnen würde. Hui!
+aber das Liebesbrieflein mit den üblen Anspielungen flog ihm um die Nase
+und wurde in tausend kleine Fetzen zerrissen, die wie Schneeflocken
+herumwirbelten, und Pantalone musste mit samt seinem gravitätischen
+imposanten Spazierstock gütig abspazieren und noch dazu eine ganze
+Salatschüssel voll Gelächter und spöttischer Bemerkungen aufessen.
+Ausgelacht und fortgeschickt zu werden ist wahrhaftig kein Leckerbissen.
+Drohungen ausstossend und Augen wild rollend verliess Hosenmann den
+Tanzsaal, und die Grazien riefen ihm nach: »Auf Nimmerwiedersehen.«
+
+Wir haben den tiefernsten und trauervollen Narren und dann den eitlen,
+albernen und spiessbürgerlichen Narren gesehen und wenn uns diese beiden
+interessiert haben, so wird uns gewiss nicht minder der dritte, nämlich
+der fröhliche kecke und übermütige, der schöne und glückliche Narr
+interessieren, das Ideal des Maskenballes, Hanswurst oder Harlekin mit
+der spitzbübischen frechen Pritsche, mit welcher er, leise alle Menschen
+neckend, im Saal herum tanzte, indem er alle, die ihn sahen, durch seine
+unschuldige antiloppenhafte Fröhlichkeit und Lustigkeit in helles
+Entzücken setzte. Sein leichtes Kleid oder Gewand klebte ihm nur so am
+jugendlich-schönen tänzerischen und turnerischen Körper, der die
+gewagtesten und zugleich anmutigsten Bewegungen ausführte, dass es eine
+Freude war, ihn tanzen und tändeln zu sehen. Dieser Bursche war der
+erklärte Liebling aller und er war im besondern der Geliebte der schönen
+Colombine, die mit ihm in treuer Anhänglichkeit und Liebe starb und
+lebte. Ihre Augen verfolgten jeden Augenblick seine liebenswürdige
+Gestalt, die bald erzkomisch stillstand, als sei Harlekin oder Hanswurst
+ein rechter Trottel, die aber bald wieder wie eine durch keinerlei
+Schwergewicht gehemmte Engelsgestalt sich vom Tanzboden loslöste und
+alsdann Wunder der Tanzkunst verrichtete, bald einem eilfertigen artigen
+Windhund, bald einem Wiesel, bald einem Eichhörnchen glich und immer
+voll bildhafter Schönheit war. Flog Hanswurst am schwermütig träumenden
+und kauernden armen Pierot vorbei, so versetzte er ihm mit seiner
+Narrenpritsche einen leichten kameradschaftlichen Schlag auf die
+Schulter und sprach flüchtig zu ihm: »Komm, sei doch vernünftig, du
+dauerst mich.« Hanswurst, dieser tolle Bursche, der mit seinen
+geschmeidigen Beinen alle Schwere und allen Erdenernst verspottete, war
+in seinem witzigen Übermut so schön, und in all seiner Ausgelassenheit
+so treuherzig, dass niemand im Saal auf den Einfall kam, ihm sein
+lustiges Wesen übel zu nehmen, vielmehr befreundete sich jedermann im
+Augenblick mit ihm, und es hatten ihn alle von Herzen gern. Aber der
+liebe Bursche selber auch hatte ein Gefühl und ein Herz und ein Denken
+für alle, das sahen und fühlten alle. Indem er witzelte und tändelte,
+blieb er immer eine freundliche und angenehme Erscheinung, und indem er
+lustig war, belustigte und ergötzte er die andern. Seine bildhübsche
+Gestalt und seine scherzhafte Einfalt verbreiteten tiefe Rührung, und
+wenn er in die Luft emporflog und tanzte, war er gross und bedeutend.
+Sein Glück machte alle andern glücklich. Sein Anblick war zugleich
+unterhaltend und wohltuend. Indem Hanswurst an sich selber und an sein
+eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der
+eigentümliche Umstand, dass er an alle andern dachte und dass er die
+Ursache vom allgemeinen Vergnügen war.
+
+
+
+
+Die Verlassene.
+
+
+Eisig kalter Wind brüllte und sauste durch die düsteren Strassen.
+Unbarmherziger Wind, und alles war finster, hoffnungslos und düster.
+Alle guten Eingebungen und alle guten Gedanken waren mir verloren, und
+ich selbst war verloren. Alles Gute, Milde und Schöne war hoffnungslos
+verloren. Die Seele war verloren. Alles kalt und tot, und die Welt
+gestorben. Alles Leben, alle Liebe und alles gute Denken waren wie vom
+finster brüllenden und tosenden Wind verschlungen, der wie ein
+gefrässiges Ungeheuer durch die hoffnungslosen, öden und leeren Strassen
+stürmte. Behaglichkeit und Geselligkeit waren wie für immer von der Erde
+verschwunden. Befriedigung und Freude schien es von nun an keine mehr
+geben zu können. Die langen Strassen voll scheusslicher Freudlosigkeit,
+voll entsetzlicher Leere zogen sich ins Ungeheure, ins Namenlose, ins
+Unendliche und ins Unfassbare hinaus, und endlos schienen
+Hoffnungslosigkeit und Lieblosigkeit zu sein. Kein Stern und kein
+freundlicher Mond waren am Himmel, das Furchtbare und Schreckliche war
+zur gähnenden Wirklichkeit geworden, und das Gerechte, Gute, Sanfte, ach
+du grosser Gott im Himmel, war nur noch ein bleicher, müder,
+nebelhafter Traum, wert, dass man ihn matt belächle. Und die Menschen
+waren arme, bleiche, kranke, sturmgejagte, ins Entsetzen
+hineingepeitschte Sklaven. Niemand traute mehr dem Andern. Nachbarliebe
+und Güte waren verschwunden, verloren, und die Wohnhäuser waren
+Schreckens- und Entsetzenshäuser, Stätten des erschütternden Hasses und
+des vernichtenden Mordes. Wild stürmte ich dahin, gejagt und getrieben
+von wilden Gewissensbissen, von schrecklicher Vorwürfen ungeheuerlich
+lodernder Feuersbrunst. Alles war verloren, ich hatte keinen einzigen
+guten Gedanken mehr. Arm und elend war ich, wie nie zuvor. Zerrissen im
+Innersten war ich, wie nie zuvor. Unglücklich, arm und elend, o, dass
+ich es noch einmal sage, war ich, wie nie zuvor. Der Sturmwind riss mir
+den Mantel empor, dass er sich über meinem Kopfe hochauftürmte, und ich
+glich auf der finstern mitternächtlichen Strasse in all der Finsternis
+und Düsternis dem fürchterlichen König Richard, dem ewigen Juden und dem
+Mörder Paricida. Ich war betrogen worden und war wieder selber Betrüger,
+ich war belogen worden und log wieder selber. Die Menschen hassten mich
+und ich hasste, verachtete die Hasser und Verächter. Sie hatten mich
+verraten und an den Verrätern übte ich selber wieder traurigen Verrat.
+Ein unendliches Sehnen nach Einfachheit, nach reiner Sitte, nach Treue
+und Liebe, nach Treuherzigkeit und nach Vertrauen, jagte mich umher, bis
+ich endlich ein trauriges verwahrlostes Armutshaus fand, in das ich
+eindrang.
+
+Obwohl das Haus einem Schlupfwinkel für Räuber und Verbrecher glich,
+trat ich dennoch ohne das geringste Zögern und mit guter Zuversicht
+hinein, denn ich musste mir sagen, dass ich nichts mehr zu verlieren
+hatte. Die verhärtete, eisenfeste, hoffnungsarme Seele war auf alles
+Schreckliche und Hässliche nur zu lang schon gefasst. Nicht von Ferne
+erwartete ich mehr irgend etwas Gutes und etwas Schönes. Kälte
+ringsumher und Kälte mitten im eigenen Herzen. Ich stieg das armselige,
+verwüstete, finstere Treppenhaus empor, auf einem Treppenabsatz kauerte
+ein armes junges Mädchen, dessen Haar ich mit der Hand streifte. Die
+Treppe war in ihrer ächzenden, stöhnenden, krachenden Verlottertheit
+furchtbar, denn mir war es, indem ich sie betrat, als sei sie die letzte
+aller Treppen, die Treppe, die zur Vernichtung, zur Verzweiflung, zum
+verzweiflungsvollen Selbstmord führen müsse. Trotzdem stieg ich empor,
+und ich erinnere mich, dass mir das elende Herz vor Bangigkeit zum
+Zerspringen klopfte und dass ich nach jedem kleinen Schritt innehielt,
+um mit angespannter Sorgfalt in all die Leere und in all die grausame
+kalte Finsternis hinein zu horchen und zu lauschen, aber es bewegte,
+regte, rührte sich in all der Entlegenheit und Einsamkeit nicht das
+Mindeste. Alles war totenstill im schrecklichen Haus der Armut. Im
+Bauche eines schlummernden Ungetümes konnte es nicht lautloser und
+stiller sein.
+
+Über die Wohnungstüre, an die ich endlich im Dunkel tappte, muss ich
+noch besonders reden, denn sie war nicht wie irgend eine andere
+beliebige Türe, sie war offen! Sonst sind Türen sorgfältig verschlossen,
+ja sogar manchmal oder vielmehr häufig, ängstlich zugeriegelt. Diese
+Türe hier war nur nachlässig angelehnt, so als verlohne sich in der
+ganzen Welt in Zukunft infolge überhandnehmender Gleichgültigkeit und
+Herzlosigkeit keinerlei Treue und behutsame Aufmerksamkeit und Sorgfalt
+mehr und so, als sei in Zukunft im menschlichen Leben alles, alles
+gänzlich gleichgültig, und so, als sei alles, alles lebensüberdrüssig,
+müd, abgestumpft, ruchlos, kalt und gleichgültig, und so, als sei es
+gleich geworden, ob noch ein Leben vorhanden sei oder ob alles tot,
+nackt und zerrissen sei, und ferner so, als sei jede feinere, zartere
+Gemütsbildung ein Ding der Undenkbarkeit und etwas völlig
+Nebensächliches und Überflüssiges geworden, und zuletzt so, als freute
+sich die geknickte, zertretene und entmenschte Menschheit gar noch über
+ihre Verwahrlosung, über ihre Zerstückelung und über die Verwüstung.
+Wüste hier und Wüste dort, doch das macht nichts. Es ist ja jetzt alles,
+alles, alles gleichgültig ... So ungefähr redete die wüste, müde,
+traurige Türe, die ich nicht zu öffnen brauchte, weil sie bereits offen
+war. Eine solche Türe hindert niemanden, in eine Wohnung einzudringen,
+und so drang ich denn in den Korridor hinein, Schritt für Schritt,
+äusserst behutsam und vorsichtig, und bei jedem Schritte fleissig
+lauschend.
+
+Vorhin die elende, traurige Treppe, dann die Türe, die nicht minder arm
+und elend war, und jetzt der dumpfe kalte Korridor, der ebenso arm, öd
+und elend war wie Treppe und Türe, ich selbst angestrengt auf das
+hervortretende Schrecknis lauschend, auf dessen Erscheinen ich gefasst
+war, weil ich mir sagte, dass an solchem Ort nichts anderes als
+Schreckliches zu erwarten sei, mein Dastehen in der entsetzlichen
+Erwartung dessen, was jetzt kommen musste: Ich darf wohl sagen, dass es
+einigen Mut brauchte, um den sinkenden, zusammenstürzenden Mut noch
+einigermassen aufrecht zu halten und in dieser Öde auszuharren, in
+diese Wüste und Öde weiter einzudringen. Plötzlich jedoch zitterte ein
+süsser zarter Lichtschein aus einer Ritze mir entgegen, und ich glaubte
+eine schöne hohe gelinde Liebesmelodie zu vernehmen von weit, weit her
+und doch auch wieder aus allernächster Nähe. Ich öffnete eine Türe und
+stiess einen Schrei des Entzückens, der entzückenreichen Überraschung
+aus. In einem lichten schönen warmen Zimmer oder Gelass sass eine Frau,
+und ich kannte sie von früheren Zeiten her und jetzt tönte von allen
+Seiten her frohe Freuden- und Trostmusik. Wie von allen offenen blauen
+Himmeln herab rauschte und rieselte das goldene, heitere Konzert, und
+Wälder, Wiesen und Felder schienen mir mit einmal nah, ich sah alle
+schönen, guten, befriedigenden lieben Farben, und die schöne Frau, die
+wie ein Engel aussah, lächelte mich freundlich und liebreich an, als sie
+mich elenden armen Wanderer, Umhergetriebenen erblickte. Alles war
+plötzlich wieder gut, eine sonnige, wonnige Jugendkraft stürzte über
+mein Wesen, und ich vergass mit einmal allen Gram, und alles Elend,
+aller Unglauben waren mit einmal dahin. Ja doch, das war der wunderbare,
+wenngleich düstere Ort, wo ich die herrliche Verlassene wiederfand, der
+Ort der Einsamkeit, wo ich die schöne Verlassene wiedersah. Das war sie,
+die himmlische Ausgestossene, die wunderbare Verfehmte, die himmlisch
+schöne Einsame und Verlassene. Ich eilte, hinreissendem Antrieb
+gehorchend und mich zu der schönen Bewegung beglückwünschend, zu ihr
+hin, zu der Frau, die hier in der Verstossenheit und in der Verfehmtheit
+hauste und kniete vor ihr nieder, und die Entzückende schaute mich gütig
+an. -- Sie tat nicht fremd. Ich war ihr gut. Ich war ihr recht. Sie
+zeigte sich über meine Gegenwart erfreut, und das freute mich unendlich.
+
+
+
+
+Die Mörderin.
+
+
+Es fällt mir ein, dass ich neulich mit einem Landwirt über den Berg
+ging. Wie wir so von allerlei Dingen plauderten, trat uns auf der
+Strasse, mitten im hübschen Bergdorf, eine stämmige Frau entgegen. Diese
+Bauernfrau war mir durch weiter nichts als durch ihre feste kerngesunde
+Erscheinung aufgefallen. Näher war mir nicht eingefallen, sie zu
+betrachten. Als die Frau an uns vorübergegangen war, hielt es der Wirt
+für erlaubt (worin er ganz recht hatte) die ruhige Bemerkung zu machen:
+»Der Frau, die da soeben an uns vorüberging, haben Sie gewiss nicht
+angemerkt, dass sie fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus hinter sich hat.«
+Erstaunt fragte ich: »Warum?« Mein Wirt beeilte sich mit Aussagen in
+keiner Weise. Es verging eine Pause, nach deren Verlauf er sagte: »Sie
+hat einst ihren Mann totgeschlagen.« Entsetzt erkundigte ich mich nach
+den näheren Umständen. Wieder schwieg der Landmann, der über den Berg
+ging, um seine Matten zu beschauen, eine kleine Weile, worauf er mit
+sonderbarer Behaglichkeit, als sei er ein überlegener Erzähler, und als
+erzähle er eine halbverschollene Ballade oder Schauergeschichte,
+Folgendes vorbrachte: »Eines Morgens trat sie mit einer Hacke oder Karst
+in der Hand in das Schlafzimmer ihres Mannes, der im Bett lag. Als
+derselbe die Augen aufmachte und sie so sah, fragte er, weil ihn
+offenbar die Hacke erschreckte: »Was willst du hier im Zimmer mit der
+Hacke?« Darauf erwiderte die Mörderin: »Das will ich dir eben jetzt
+zeigen.« Mit diesen furchtbaren, gewissermassen trocken-humoristischen
+Worten, holte sie zum Schlag aus und schlug ihm den Kopf ein.« Ich bat
+den Wirt, mir zu sagen, weshalb die Frau eine so grässliche Tat verübt
+habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er, »man hat es vergessen.
+Möglich ist, dass der Mann ein Trinker war, der nicht schaffen wollte
+und damit seine Ehefrau in die Erbitterung trieb.« Da ihn seine
+Absichten einen andern Weg als den, den ich verfolgte, gehen hiessen, so
+verabschiedete er sich, und ich ging allein weiter, indem ich über das
+Verbrechen noch allerlei stille Betrachtungen anstellte und mich
+besonders über das gute unbefangene Aussehen der Frau wunderte, die wir
+so still und ohne alles Auffallen an uns hatten vorbeigehen sehen, als
+sei sie nicht sie selbst, sondern eine beliebige Andere, nicht eine
+Mörderin, sondern irgend eine wackere rechtschaffene fleissige Frau.
+»Erstaunliche Kraft muss jedenfalls in ihr liegen«, dachte ich, »eine
+Untat und fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus und von allem dem nicht das
+geringste Kennzeichen zu offenbaren: Welche Summe von Unbeugsamkeit.« --
+
+
+
+
+Die Brüder.
+
+
+Darf ich dich, o du Guter, leise und gewiss ganz zaghaft an die Zeit
+erinnern, wo wir Beide, du als beginnender schaffender Maler und ich als
+heimlich beginnender angehender Poet, uns mit unserer jugendlich
+anstrebenden Kunstburschen- oder Kunstlehrlingschaft und was alles
+hübsch damit zusammenhing, zu S.... aufhielten? Meines Wissens schrieb
+und schickte ich dir, bevor ich in Person bei dir anlangte und
+auftauchte, ein ziemlich langes Sehnsuchts- und Freundschaftsgedicht,
+das du empfingest und mit Genuss lasest. Himmlisch dünkt mich das, wenn
+ich daran denke, obgleich es natürlich zum Lachen ist. Göttlich schön
+und gross ist es, junge Wangen und junge Lebensanschauungen zu haben,
+ein unaussprechliches Sehnen nach dem Leben zu empfinden und achtzehn
+Jahre alt zu sein, denn ungefähr so alt waren wir damals beide. Herrlich
+kamen mir die Residenzstadt S.... und du selbst vor; du warest in den
+Augen des frischen Ankömmlings nichts geringeres als ein imposanter
+Haupt- und Weltstädter. O wie sind jugendliche Unwissenheit und
+Unerfahrenheit schön! Was Gutes und Schönes erwirbt man denn eigentlich
+mit der Erfahrung? Sehr viel Wertvolles sicher nicht. Du geleitetest
+mich freundlich durch die Strassen in eine gewisse Gerbergasse hinein
+und dann hinein in die berühmte und sicher uns allen beiden
+unvergessliche Herberge zur Heimat, wo wir gemeinsam ein Zelt
+aufschlugen oder mit andern Worten eine Stube bezogen, um
+gemeinschaftlich darin zu wohnen und zu hausen, was sicher nur unser
+Vorteil und nicht unser Nachteil war. Entzückend, so schwöre und
+behaupte ich, sind erste kühne Künstler-Flugversuche, die mit öfteren
+Abstürzen verbunden sind. Aber ist das Hüte aus dem Fenster hinaus- und
+auf Passanten in die Strasse herabwerfen nicht vielleicht noch fast
+schöner als alles Malen, Musizieren und Dichten? Waren wir nicht im
+Hutwerfen erlesene erste Meister und wahre dämonische Virtuosen, und sah
+sich der gute freundliche Wirt oder Herbergsvater nicht genötigt, uns
+vor Fortsetzungen des reizenden Unfuges väterlich zu warnen? Ach es ist
+vielleicht, von einem gewissen Gesichtspunkt aus gesehen, hundert-, wenn
+nicht gar tausendmal schöner, seinen oder seines Bruders Hut aus dem
+Fenster fliegen und wirbeln zu lassen, damit Vorübergehende unten
+staunen, als ein vollendetes Gedicht zu schreiben, damit das liebe
+Publikum staune. Gab es nicht in unserer Kunststube eines schönen Tages
+einen überraschenden Hofpredigerbesuch, über den wir Beide einen Monat
+lang lachten? Ich stand gerade nackt da, dir als Modell zu einem Cäsars
+Leichnam beweinenden Markus Antonius dienend, als die Türe des Studier-
+und Aktzimmers unerwarteterweise aufging und dicht und urplötzlich vor
+uns strebenden armen Sündern wer stand? Der Herr Hofpfarrer. »O Gott,
+was muss ich mit meinen Augen erblicken? Was geht hier vor?« rief er aus
+und trat unverzüglich den Rückzug an, der in wilde Flucht ausartete. Wie
+gab uns das Entsetzen des guten Herrn, der künstlerischen Übungen
+offenbar fremd gegenüberstand, zu lachen. Lebten wir zwei Jünger und
+Brüder, Neulinge, Anfänglinge und Novizen nicht wie auf einer reizenden
+Freundschafts- und Verbrüderungsinsel, auf der alles gut und schön und
+sorglos ist, wo in ununterbrochenem freundlichem Gelispel und Gesäusel
+und in einem fortwährenden süssen Frieden die lebendigen Geschöpfe sich
+des zutrauenreichen, gütigen Daseins erfreuen, Himmel und Erde und
+Kreatur zusammengewachsen sind, und wo der Mensch so harmlos und
+gutherzig wächst und hinlebt vom Tag in die Nacht und von der Nacht in
+den Tag hinein wie die duftenden Blumen, die Pflanzen und die treuen
+guten Bäume. Wateten wir nicht ganze schöne Sonntage und sonstige Tage
+lang im üppig-grünen Landschaftsgras und in der göttlich weichen,
+träumerischen Mai-Landschaft umher, um dann da und dort unter blühenden
+Apfel- und Birnenbäumen vom Streifen und »Landschaften«, vom schwierigen
+Malen und Versemachen köstlich auszuruhen, wobei wir oft einzuschlummern
+geruhten wie Grafen und Fürsten, um später wieder zu erwachen wie
+Prinzen? Wir lasen noch nicht Verlaine, aber wir lasen dafür doch
+Heinrich Heine und Uhland, und die mundeten und schmeckten uns nicht
+schlecht. War nicht auch das freie gliedererfrischende Baden im Neckar
+herrlich und beglückte uns nicht in Dorfgasthäusern der Genuss von
+Birnenmost? Wenn wir vom kühnen Ausmarsch grässlich staubig und hungrig
+wieder in unsere Herberge zurückkamen, so bestellten wir ja bekanntlich
+jeweilen je einen Rostbraten mit gemischtem Salat für die Wanderer und
+Herren Gebrüder, worüber die ganze Stube höchlich staunte. Soupieren und
+dinieren grosse und reiche Herren reicher und besser als wir Zwei
+damals? Das finde ich sehr fraglich, denn für uns war der Rostbraten ein
+Götterschmaus nach trefflich überstandenen Wanderanstrengungen. Wie ist
+es schön, arm und jung und unbekannt zu sein. Wie gerne gäbe mancher
+Schwerberühmte seinen Ruhm und all sein Ansehen für einen Achtel oder
+auch nur Achtzigstel, für einen Drittel oder Dreissigstel des
+Jugendzustandes her. Die Jungen sehnen sich nach Ehre, Ruhm, Erfolg und
+Ansehen, aber die Berühmten und die Mächtigen sehnen sich wieder in das
+arme wilde Jugendsehnen und in das heisse beglückende Ringen mit der
+Existenz zurück. Der Erfolg macht nicht glücklich, aber es muss ja eine
+Arbeit und ein Streben auf dieser armen, widerspruchsvollen Erde sein.
+Es muss ja einen Ruhm und einen Reichtum geben, aber Ruhm und Reichtum
+vermögen nur niedrige und flache Seelen zu beglücken. Es muss auf dieser
+Erde ein ewiges Auf und Ab und eine ewige Niebefriedigung sein. Ist
+nicht auch dir, ganz so wie mir, die Gestalt der gütigen,
+liebenswürdigen Opernsängerin B... in Erinnerung geblieben, die die hohe
+Freundlichkeit hatte, uns zwei doch sicher ziemlich arme Teufel, wahre
+Muster und Vorbilder an Unbeachtetheit, zu einem graziösen
+schöngeistigen Tee huldreich einzuladen? Sprangen und liefen wir nicht
+eine Zeitlang fast allabendlich mittels uns vom gnädigen und freigebigen
+Freiherrn-Intendanten gütig verabreichten und freundlich gegönnten
+Freikarten in das schimmernde Hoftheater, wo wir unter zahlreichen
+andern reichen Stehparterregenüssen den Genuss hatten, die Eysoldt als
+zierliche Desdemona und den kraftvollen Matkowsky als dieselbe im Sturm
+der Mohreneifersucht tötenden und abmordenden Othello zu sehen, und gab
+es für uns etwas Höheres und Schöneres als das? Nicht von ferne! Und die
+dürren oder gedörrten Zwetschgen, die wie unglückliche arme Ertrunkene
+auf dem Mittagstisch im Teller voll Wasser schwammen, könnte es denkbar
+sein, dass du sie vergessen hättest oder dass du sie je würdest
+vergessen können? Ebenso des knorrigen Betknechtes und -Bruders Knoop
+schrille Andachtstimme und Worte? Was vermöchtest du mir
+entgegenzustellen, wenn ich auf die Tribüne der Beredsamkeit stiege und
+laut sagte, dass nach dem Gefühl derjenigen, die vermöge einer
+erreichten Altersstufe in das abendsonnen- und morgensonnenbeschienene
+Land der Vergangenheit blicken, vergangene schöne Stunden ein Heiligtum
+seien? Ergreift nicht dich auch Rührung bei dem Gedanken an das
+fröhliche Frühe, an das heitere Einst?
+
+
+
+
+Schüler und Lehrer.
+
+
+Ein Lehrer, den seine Schüler um seines lebhaften Wesens willen
+hochachteten und lieb hatten, ertappte eines Tages in der Stunde einen
+von denselben bei einer Schlingelei, worüber er ausserordentlich zornig
+wurde. Der Schüler, der das Unglück hatte, seines Lehrers Unmut in so
+hohem Mass auf sich zu lenken, war bis dahin der Lieblingsschüler des
+Mannes gewesen, den er unvorsichtigerweise tief gekränkt hatte, aber von
+nun an war er in des Lehrers Augen ein Abscheuling, den derselbe Tag für
+Tag vor der ganzen Klasse grausam herabsetzte und erbärmlich
+verprügelte, eine Behandlung, die der Erzürnte dem armen Jungen
+versprach pünktlich und getreulich fortzusetzen. Zweifellos hatte der
+Lehrer einen persönlichen Hass auf ihn geworfen, und der Erwachsene ging
+hierin dem Kleinen gegenüber zu weit. Der Knabe, der sich so urplötzlich
+aus dem weichen Sitz des Wohlwollens auf die harte Bank der Ungnade
+herabgeworfen und sich so unvermutetermassen vom gepriesenen Schüler in
+einen notorischen Bösewicht verwandelt sah, wusste sich nicht zu helfen.
+Nachdem er indessen durch Wochen so tapfer als er vermochte, das
+traurige Los eines gesunkenen Bevorzugten und die damit verbundene
+grausame und verachtungsvolle Behandlung ertragen hatte, griff er eines
+Tages, vom Bedürfnis gedrängt, eine Veränderung der schier
+unerträglichen Lage herbeizuführen, zur Feder und schrieb an seinen
+grimmigen Verfolger und Peiniger Folgendes: »Ich kann mich, da ich
+meinen lieben Eltern kein Geständnis machen darf, weil ich ihnen nicht
+zu den vielen Sorgen, die sie haben, noch eine neue bereiten will, an
+niemand anderes als an Sie selber wenden, um zu versuchen, ob es mir
+möglich sei, wieder einige Gunst von Ihnen zu erlangen. Vielleicht wird
+dieser Brief Sie veranlassen, aufzuhören, mich mit Schmach zu bedecken.
+Da ich, wie ich bereits sagte, meinen Eltern mein Leid nicht klagen
+kann, so klage ich es Ihnen. Da ich diejenigen nicht bitten will, mich
+in Schutz zu nehmen, die mich lieben, so trage ich die Bitte dem vor,
+der mich hasst und an mir seinen Zorn auslässt. Also bitte ich den um
+Schutz, dem ich schutzlos preisgegeben zu sein scheine und ersuche den
+um Schonung, der, weil er sich durch mein Betragen beleidigt fühlt,
+schonungslos mit mir verfährt. Ich habe den Mut, wie Sie sehen, dem mein
+Leid zu klagen, der es mir zufügt und dem meinen Schmerz anzuvertrauen,
+der ihn verursacht. An der Schule habe ich keine Freude mehr.« Der
+Lehrer, dem der Inhalt des Briefes allerlei zu betrachten und zu
+bedenken gab, verhielt sich gegenüber dem Schüler von da an wieder
+milder.
+
+
+
+
+Sohn und Mutter.
+
+
+Ein liebes, gutes Mütterchen, wahrhaftig: ich meine, man sollte ihr ein
+Denkmal errichten! führte durch fleissige Sparsamkeit und durch
+nächtelanges, emsiges Nähen die schöne Möglichkeit herbei, dass ihr
+Sohn, den sie fast wie einen Abgott liebte, die hohe Schule besuchen und
+sich dadurch die beste Bildung erwerben konnte. Merke dir, lieber
+aufmerksamer Leser, was nun geschah. Der grosse Sohn, Gegenstand der
+mütterlichen Aufopferung, blitzendes Juwel und köstlicher Edelstein von
+Sohn, machte freilich mit der Zeit so grosse Fortschritte, dass er in
+jungen Jahren schon hoch hinaufkletterte und es zu einer Stellung
+brachte, die ihm nicht nur erlaubte, die ihn vielmehr geradezu nötigte,
+sich aufzublasen, hochmütiges Wesen kalt und nachlässig zur Schau zu
+tragen und den grossen Herrn zu spielen, als welcher er sich rasch über
+seine arme bescheidene Herkunft hinwegsetzen lernte. Vorzüglich dickes,
+fettes und hochangesehenes Tier, wie man so sagt, fühlte er sich über
+alle kleinen engen Nöte des täglichen Lebens erhaben, und mit der stets
+höher und höher steigenden Wertschätzung der eigenen werten und
+wichtigen Person vergass er den mütterlichen Menschen. Das arme gute
+Mütterchen! Ei, die soll doch nur hübsch brav in ihrem Sorgen- und
+Dachstübchen stillsitzen, denn derlei Personen kann man ja unmöglich in
+die feine Gesellschaft einführen. In der hohen Atmosphäre und in den
+glänzenden Verhältnissen, in denen Emporkömmlinge leben, redet
+bekanntlich niemand ein Wörtchen über Kindesdankbarkeit und -Liebe. Von
+schwüler, genussreicher Liebe wird dort wohl gesprochen, aber über
+schlichte Liebe zuckt man bestenfalles mitleidig die stolze Achsel. Wenn
+wir nun auch den Fall setzen und annehmen, dass der grosse Sohn sein
+Mütterchen einmal habe besuchen wollen, so müssen wir doch sogleich
+bedenken, dass ein solcher Besuch unmöglich war, weil der Vortreffliche
+ja für den Eintritt in die Armutstube durch den engen ärmlichen Rahmen
+der bescheidenen Stubentüre viel zu breit und breitspurig, viel zu dick
+und zu geschwollen, viel zu stolz und zu reich war. Für den Stolz und
+für den Hochmut gibt es Palast- und hohe breite Salontüren. Mehr zu
+sagen, ist wohl überflüssig, und man wird schon verstehen, wie ich es
+meine. Der Weg zum Mütterchen und damit zur menschlichen Bescheidenheit
+war und blieb dem Parvenü versperrt, wegen des Rahmens und wegen der
+kleinlichen Verhältnisse, in die er sich wieder zu schicken gehabt
+hätte. Vielleicht erlaubt man mir die freilich scheinbar etwas
+gefühlvolle Bemerkung, dass ich grosse Lust hätte, zu sagen, ich wolle
+vor dem lieben alten Mütterchen niederknien und dass es mich fast
+hinreissen möchte, das Geld, das die Mutter für den stolzen Tölpel in
+mühseliger Nachtarbeit zusammenrackerte, ehrfürchtig zu küssen. Der
+Tölpel mag nur immerhin mit Seinesgleichen spazieren gehen, wo es ihm
+beliebt. Vor ihm und Seinesgleichen beuge ich mich nicht, und ich werde
+für ihn und Seinesgleichen weder eine Artigkeit, noch irgend eine
+Achtung übrig haben.
+
+
+
+
+Die böse Frau.
+
+
+Eine Frau, die eines Tages, so wie die Dinge lagen, den Traum, den sie
+sich von ihrem Leben machen zu dürfen gemeint hatte, begraben musste,
+weinte ganze lange Tage und Wochen lang über den Verlust desselben. Als
+sie aber endlich ihren Schmerz ausgeweint hatte, war sie, fast zu ihrem
+eigenen Erstaunen, eine böse Frau geworden, die von nun an kein so
+lebhaftes Bedürfnis mehr wie dieses hatte, andere Frauen recht bestürzt,
+verlegen und niedergeschlagen zu sehen, indem sie sie unglücklich zu
+machen versuchte. Sie fing mehr und mehr an, jedes fröhliche weibliche
+Gesicht zu hassen, weil sie sich durch jede glückliche Miene gekränkt
+und beleidigt fühlte. Es drängte sie, gegen jederlei Vergnügen, das sie
+erblickte, Ränke und Bosheitspläne zu schmieden, da jeder heitere
+Anblick ihr weh zu tun schien. Darf ein unglücklicher Mensch es im
+Menschenhass so weit treiben? Nun und nimmer! muss entschieden
+geantwortet werden. Die durch vielerlei Leid, durch gescheitertes
+Streben nach Lebensglück verdorbene böse Frau machte es sich zur
+traurigen Aufgabe, junge Mädchen mit jungen Männern geschickt
+zusammenzuführen, sie gegenseitig aufeinander aufmerksam zu machen, sie
+enger und enger zusammen zu befreunden und, wenn dann die holde
+Freundschaft ihr reif zu sein schien, dieselbe durch listige
+Verrätereien, rohe Künste, grausame Verleumdung und Verwirrung, wieder
+zu zerreissen. Der Anblick einer weinenden verratenen Angehörigen ihres
+Geschlechts tat ihr dann wohl und war für sie ein Genuss. So und ähnlich
+trieb sie es ziemlich lange, währenddessen die um ihre Freude und ihre
+Zufriedenheit betrogenen Mädchen sie für eine edle und feine Frau
+hielten. Nach und nach aber merkte jedermann, wie böse sie sei, und
+sobald die Leute sich hierüber Gewissheit verschafft hatten, so wurde
+die gefährliche Gesellschaft fortan sorgfältig vermieden, derart, dass
+die böse Frau bald keinerlei Gelegenheit mehr erhielt, Unglück
+anzustiften, Böses zu tun und Unfrieden und Unbehagen zu verbreiten.
+
+
+
+
+Berta.
+
+
+Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor einer Fabrik. Ihr
+Vorgesetzter, ein allerdings leider Gottes schon etwas ältlicher Herr,
+sehr galant natürlich, spielt, so ist mir neulich zufälliger Weise zu
+Ohren gekommen, da er den Tag über mit ihr in Berührung kommt, den
+Liebhaber bei ihr. Einmal tut er, als sei er verliebt in sie bis über
+die Ohren und ein anderes mal wieder gebärdet er sich wie der gestrenge
+Herr und Meister und behandelt das ganz gewiss nette Mädchen mit
+ausgesuchter Kälte. Ist das nicht entweder ein Schlaukopf oder aber
+einer, der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer und
+morgen ist er ein Verächter des weiblichen Geschlechtes, je nachdem es
+ihm zu passen scheint. Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art
+einzig da, es gibt ihrer mehr, die es genau so oder ähnlich machen. Zu
+der und der Stunde möchte er sie vor lauter Verliebtheit auf den Händen
+tragen, ihr vielleicht gar die Hand kniefällig küssen; zu einer andern
+Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu haben und alsdann kommt sie
+ihm nicht anders als ein armes Tröpfchen vor, das nicht wert ist, auch
+nur flüchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit betrachtet zu
+werden. O, so ein Schurke, so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und bald
+ist er Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit groben
+Vorgesetztentönen an; bald bettelt er mit flehender Miene und Stimme
+wieder um Gnade, ganz je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es
+nicht als Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten, dass jemand, der
+diese Art von Arbeit über sich zu nehmen entschlossen wäre, dem
+wetterwendischen Halunken einen gehörigen Puff gäbe. Gewiss sind
+hunderte von Menschen ganz meiner Meinung, wenn ich sage, dass der
+Spitzbube zehntausend Rippenstösse verdiente. Geht auf Verehrersfüssen
+und gleichzeitig noch auf andern Füssen. Ist er etwa ein Vierfüsser? Ich
+weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich, dass ich nächstens Berta
+raten werde, alles aufzubieten, damit sie sich den launenhaften Mann
+unterjoche. Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich Frau wäre,
+parieren!
+
+
+
+
+Die Wurst.
+
+
+An was denke ich? An eine Wurst denke ich. Es ist schrecklich.
+Jünglinge, Männer, die ihr dem Staate dient, auf die der Staat seine
+Hoffnung setzt, betrachtet mich sorgsam und nehmt an mir ein
+abschreckendes Exempel, denn ich bin tief gesunken. Ich vermag mich vom
+Gedanken nicht loszureissen, dass ich soeben noch eine Wurst besass, die
+nun für immer dahin ist. Ich zog sie aus dem Kleiderschrank hervor, und
+bei dieser Gelegenheit ass ich sie. Mit offenbar nur allzu aufrichtigem
+Behagen habe ich verzehrt, was noch vorhanden sein könnte, wenn ich es
+nicht vertilgt hätte. Vor wenigen Minuten war die beste saftigste Wurst
+noch leibhaftig da, doch jetzt ist durch leider nur allzu voreiliges
+Verzehren die wohlschmeckendste Wurst verschwunden, worüber ich
+untröstlich bin. Was soeben noch da war, ist fort und niemand bringt es
+mir jemals wieder. Ich ass, was ich nimmermehr so schnell hätte essen,
+was ich mir lieber nimmermehr so eilig hätte schmecken lassen sollen.
+Ich habe aufgegessen, was mir noch jetzt schmecken könnte, wenn ich der
+Begierde widerstanden hätte. Ich beklage tief, dass ich der Begierde
+nicht widerstanden habe und dass ich verbraucht habe, was vor wenigen
+Minuten noch frisch und rot zu meiner Verfügung stand, was aber nun und
+nimmermehr zu meiner Verfügung stehen wird, weil ich es voreilig
+verbrauchte. Ich habe Gebrauch gemacht, wovon ich noch jetzt Gebrauch
+machen könnte, wenn nicht vorgefallen wäre, was vorgefallen ist und was
+nicht wieder gut zu machen ist. Was dahin ist, könnte noch ruhig und
+friedlich da sein, und was auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen ist,
+könnte Appetit erwecken, doch das Appetit Erweckende ist dahin, und das
+beklage ich ehrlich, obschon ich einsehe, dass alles Klagen wenig oder
+gar nichts nützt. Was angetastet wurde, könnte unangetastet, was
+gegessen wurde, könnte unaufgegessen, was weggeschnappt wurde, könnte
+unaufgeschnappt sein, wenn ich vorsichtiger und enthaltsamer gewesen
+wäre, aber leider war ich weder enthaltsam noch vorsichtig, und das
+bedaure ich tief, obschon ich einsehe, dass Klage und Reue wenig oder
+gar nichts nützen. Was verschwunden ist, könnte vorhanden sein und was
+tot ist, könnte fröhlich leben. Was grausam zerbissen und zerstückt
+wurde, könnte ganz sein, aber es ist leider zerstückt, da hilft keine
+Klage. Was nicht mehr dient, könnte die besten Dienste leisten, und was
+weg und fort ist, würde mich noch jetzt mit seiner schönen Gegenwart
+erfreuen, wenn ich das Beklagenswerte nicht getan hätte, was ich mit
+leider nur zu viel Grund bedaure. Was, wie gesagt, fort ist, brauchte,
+wie gesagt, nicht bereits abhanden gekommen zu sein, wenn ich
+widerstandsfähiger und stärker gewesen wäre und bösen Neigungen entsagt
+hätte. Schlimme Begierden, ihr habt mich meiner Wurst beraubt. Ich habe
+gekostet, was als Kost noch fernerhin zu kosten wäre, wenn ich es
+ungekostet und ungenossen liegen gelassen hätte, worüber ich, wie ich
+bereits mehrfach sagte, trostlos bin, was ich nur immer wiederholen
+kann. Ich brachte mir eine Schlappe durch Probieren einer nur zu
+vorzüglichen Kost bei, die nun ausgekostet und ausprobiert ist, weil ich
+nicht enthaltsam gewesen bin, was ich bereue. Reue nützt nichts; sie
+macht den Wurst-Verlust eher grösser als kleiner, ich will daher
+versuchen, auf Reue zu verzichten, was aber jedenfalls sehr schwer ist,
+weil die Ursache, reuig zu sein, stark und gross ist. Ich habe mir eine
+Niederlage zugezogen, weil ich nicht aufgespart habe, was ich unbedingt
+hätte aufbewahren und in Acht nehmen sollen, was ich aber leider nicht
+in Acht nahm, obschon ich es kaum glaube, da ich immer des Glaubens war,
+dass ich stark und widerstandsfähig sei, worin ich mich aber scheinbar
+irrte, was mich schmerzt, obschon, wie gesagt, Reue offenbar gar nichts
+nützt. O, diese Wurst, ich schwöre, sie war herrlich. Wunderbar
+geräuchert war sie, und mit entzückenden Speckmocken war sie gespickt,
+und eine durchaus stattliche, annehmbare Länge hatte sie, und einen Duft
+hatte sie, so milde, so bestrickend, und eine Farbe hatte sie, so rot,
+so zart, und gekracht hatte sie, als ich sie zerbiss, ich höre noch
+jetzt beständig, wie sie krachte, und saftig war sie, etwas Saftigeres
+habe ich in meinem ganzen Leben nie gegessen, und dieses Saftige und
+Schmackhafte könnte noch jetzt schmackhaft und saftig sein, das Rote und
+Zarte noch jetzt rot und zart, das Wohlriechende noch jetzt
+wohlriechend, das Vorzügliche und Appetitliche noch jetzt vorzüglich und
+appetitlich, das Längliche und Runde noch jetzt rund und länglich, das
+Geräucherte noch jetzt geräuchert und das Speckgespickte noch jetzt mit
+Speck gespickt, wenn ich Geduld gehabt hätte. Ich könnte es noch jetzt
+krachen hören, wenn ich es nicht schon krachen gemacht hätte, und zu
+beissen gäbe es noch jetzt, was ich leider allzu schnell zerbiss.
+
+
+
+
+Der Junggeselle.
+
+
+Letzthin, beim Mittagessen, sagte mir mein täglicher Tischgenosse, der
+Herr Doktor G..., dass er soeben auf gewisse Art und Weise seinen
+liebsten Freund verloren habe. Auf meine Frage, wie das gekommen sei,
+antwortete und erzählte er, dass er soeben die Einladung zu seines
+Freundes Hochzeitsfeier erhalten habe, und er fügte mit gewissermassen
+traurig verschleierter Stimme bei, dass er mir eigentlich nichts weiter
+mehr zu sagen brauche, da damit schon alles gesagt sei. Er lächelte sein
+eigentümliches, sehr feines und gescheites Lächeln und machte eine
+kleine Pause, während deren er bestimmte aufdringliche Gedanken
+verdrängen zu wollen schien. Ich kannte den Doktor G... als eine zarte
+und, wie ich sagen möchte, empfindsame und poetische Natur. Er ist
+ausserordentlich gebildet und dazu ausserordentlich ungeschickt,
+weswegen ich ihn sehr hoch achte und sehr gern habe. An gewandten Leuten
+bemerkt man stets irgend etwas Gemeines. Doktor G... liest die Memoiren
+des Herzogs von Saint Simon und er begeistert sich für die majestätische
+Gestalt Ludwigs des Vierzehnten. Er schwärmt für Alexander den Grossen,
+und er findet den Emporkömmling Napoleon unerträglich. Die Frauen
+schätzen ihn, wie ich längst gemerkt habe, ziemlich gering, weil er
+nicht den Eindruck eines energischen Mannes macht. Ich dagegen, der ich
+ein Mann bin, finde ihn beachtenswert, weil er eine weiche Seele ist,
+und ich schätze ihn höher als zweitausend Energische, denn die Energie
+ist durch die Verbreitung von Büchern wie z. B. das Buch: »Wie werde ich
+energisch« ganz gemein geworden. Nachdem er, wie gesagt, eine Weile
+geschwiegen hatte, gestand er mir, dass er sich fast fürchte, bei der
+Hochzeit seines Freundes zugegen zu sein, dass er nichtsdestoweniger
+selbstverständlich der Einladung folgen werde, die ihm peinlich sei,
+weil er so wenig Ursache habe, sich über das Ereignis zu freuen. Er
+komme sich wie aus einer traulichen warmen Stube auf die kalte Strasse
+hinausgestellt vor, und er habe sich weniger auf eine Lustbarkeit als
+auf den Umstand gefasst zu machen, dass er auf unerfreuliche Weise mit
+seinem Innern werde kämpfen müssen. Er fühle sich so arm wie noch nie,
+es sei ihm zu Mut, als habe ihm irgend jemand einen rücksichtslosen
+Stoss versetzt, wodurch er sich in das traurige Bewusstsein geworfen
+sehe, das ihm sage, dass er sehr einsam geworden sei. Im übrigen sei ihm
+das alles sehr klar, und er verstehe alles sehr gut, weil sich alles
+ganz von selbst verstehe. »Alter, trockener Junggeselle«, murmelte er
+vor sich hin, und ich sah deutlich, wie seine Augen mit einmal voll
+Tränen waren. Ich muss gestehen, dass ich mich tüchtig über seine Trauer
+lustig machte, und ich gebe gern zu, dass das nicht sehr zart war.
+
+
+
+
+Zahnschmerzen.
+
+
+Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Zeitlang heftige Zahnschmerzen
+hatte. Um die Qualen zu betäuben, lief ich ins Feld hinaus und brüllte
+dort wie König Lear. Zu Hause beliebte es mir, gegen die Wand zu rennen
+und im Grimm einige wertvolle Stühle aus der Biedermeierzeit zu
+zerschlagen, aber das Zahnweh hörte deswegen keineswegs auf, vielmehr
+wurde das Übel von Stunde zu Stunde ärger. Des Nachts weckten die
+Schauderszenen, die ich veranstaltete, sämtliche Hausbewohner, es war
+ein Skandal. Der häufige Genuss von feinstem Cognac half wenig. Ich
+versetzte mir Hiebe ins Gesicht, ähnlich wie Sancho Panza, als er den
+Verlust seines Esels wahrnahm. Einmal brachte ich mir mit einem Messer
+eine allerdings glücklicherweise durchaus nicht lebensgefährliche Wunde
+bei, aber diese grobe Massnahme besserte an meinem Zustand nicht das
+Geringste, sondern schien die Folter nur noch zu verstärken. Endlich
+ging ich zum Zahnarzt, und zwar der lieben Billigkeit halber in eine
+zahntechnische Klinik, wo ich mich mit Vergnügen zu Studienzwecken
+hergab. Mein Mund wurde von der Hand eines Lehrfräuleins sorgfältig
+untersucht und hierauf begannen die Operationen. Ich darf wohl mit
+einiger Berechtigung sagen, dass ich Vieles sanft über mich ergehen
+liess und dass ich Allerlei mit starker Fassung hinnahm. Manches ertrug
+ich geduldig, doch von Zeit zu Zeit fand ich es für angebracht, einen
+ziemlich lauten Schrei auszustossen, was ich absichtlich tat, denn
+dadurch erreichte ich, dass der Meister herbeisprang, um mit seinem
+meisterlichen Können helfend einzugreifen, was für mich keine
+unerhebliche Wohltat war. In solchen Fällen zürnte mir freilich das
+Fräulein, und sie fand, dass es sehr unartig von mir sei, so starkes
+Geräusch zu verursachen. Ich erlaubte mir, ihr zu sagen, dass ich noch
+öfters schreien wolle, sobald man mir überflüssige Pein zufüge. Das sei
+gar nicht hübsch von mir, so zu reden, gab sie zurück. Ich kam nach und
+nach in einen ganz fröhlichen Verkehr mit ihr und einmal hatte sie den
+Einfall, mich zu fragen, was ich sei. Ich sei etwas wie Schriftsteller,
+erwiderte ich bescheiden. Sie rief laut in die zahnärztliche Stube
+hinaus: »Ich habe einen Schriftsteller,« worauf sämtliche Herren und
+Damen, darunter auch der Meister, herbeigeeilt kamen, um den
+eigenartigen Patienten behaglich zu betrachten. Ich wurde einer genauen
+Besichtigung unterworfen. »Wenn Sie Schriftsteller sind,« sagte der
+Meister, »dann sind Sie sicher einer von den ärmern, einer von denen,
+die ihr Leben lang erfolglos bleiben, denn das sieht man Ihnen deutlich
+an.« Ich musste über die feine Bemerkung lachen und erwiderte: »Ich bin
+allerdings arm und an Erfolglosigkeit hat es mir bis heute nie gefehlt,
+aber das Leben kann auch ohne Erfolg hübsch sein. Wenn ich nur wieder
+gesunde und schöne Zähne habe, was ich lebhaft hoffe, so springe ich
+herum, wie ein Hirsch und bin fröhlicher als mancher sogenannte
+Glückspilz.«
+
+
+
+
+Der andere Junggeselle.
+
+
+Ein anderer Junggeselle, einer der hartnäckigsten, die es je gab, ein
+Frauenfeind erster Güte und doch wieder absolut kein Frauenfeind,
+sondern ein ganz netter, artiger Mensch, der keinem weiblichen Wesen nur
+ein Haar krümmte, tat seine Sache, erfüllte auf das Eifrigste seine
+Obliegenheiten und war ehrlich, solid und lebensfröhlich. Das aber war
+es ja gerade, das Schurkische, nämlich, dass er fröhlich war, denn es
+gab Leute, die das unverzeihlich fanden. Es gab ehrenwerte und nette
+Leute, die der Meinung waren, dass der gute Junggeselle verpflichtet
+sei, sich unglücklich zu fühlen. Das war er jedoch keineswegs, sondern
+er lebte, wie gesagt, ganz vergnügt dahin und von Verzweifeln wegen
+seines Junggesellentums war bei ihm keine Spur. Der Junggeselle ahnte,
+dass er einige nette und achtenswerte Leute mit seiner Vergnügtheit und
+Zufriedenheit beleidige, und dass seine heitere unbefangene Existenz für
+diejenigen fast ein Ärgernis sei, die lebhaft wünschten, dass der
+Junggeselle an seinem Junggesellenwesen zerschelle. Allerlei nette und
+achtenswerte Leute trafen allerlei gefährliche kriegerische
+Vorkehrungen, um dem Unhold sanft oder unsanft auf den Leib zu rücken,
+ihm das edle Gleichgewicht zu rauben, die Seele zu erschüttern, den
+guten Glauben an sich selbst zu untergraben und seine Charakterfestigkeit
+zu nichte zu machen. Zahlreiche, wohlvorbereitete Angriffe wurden ins
+Werk gesetzt, um des Junggesellen zähes Selbstbewusstsein zu
+zerschmettern, doch es wurde nichts erreicht, denn der Schreckliche
+blieb unerschütterlich. Unerhörte Leckerbissen wurden der grausamen
+Bestie mit wir möchten sagen vollendeter Kunst vorgeworfen, aber das
+Ungeheuer verzichtete mit diebischem Vergnügen auf alle dargebotenen
+Genüsse, recht wohl wissend, dass es die liebliche Kost mit dem Verlust
+von Freiheit und Unabhängigkeit bezahlen müsse. Fallstricke wurden
+gelegt, Schlingen und Angeln säuberlich und appetitlich dargehalten,
+Fallgruben vorbereitet, schön mit Höflichkeiten und Artigkeiten
+zugedeckt, Netze wurden ausgestreckt, doch der Junggeselle fiel nicht in
+die Falle und stürzte nicht in die Grube, ging nicht in die Schlinge
+und rannte nicht ins Netz. Eine Dame, die sich besonders Mühe gegeben
+hatte, unsern guten und muntern Junggesellen zu entjunggesellen, schrieb
+ihm eines Tages voll Unmut und Ungnade: »Wissen Sie, dass Sie sehr
+unhöflich sind? Wissen Sie, dass es scharmante Leute gibt, die
+berechtigt sind, von Ihnen zu sagen, dass mit Ihnen nichts anzufangen
+sei? Wissen Sie, dass man allgemein über Ihr Betragen, das sehr
+absonderlich ist, die Achsel zuckt und den Kopf schüttelt? Man glaubte
+sich einreden zu dürfen, dass Sie unglücklich seien, nun sind Sie aber
+scheinbar ganz glücklich und vergnügt. Statt herzlich froh zu sein, dass
+reizende und nette Leute Sie aus dem Kerker des Junggesellenstandes zu
+erlösen versuchten, spötteln und lächeln Sie wohl gar noch! Das ist
+nicht fein, leben Sie wohl. Ich überlasse Sie der Menge von Vorwürfen,
+die Sie sich zu machen haben. Ihr Betragen muss von niemand anderem so
+aufrichtig bedauert werden, wie von Ihnen selber.« -- »Gnädige Frau«,
+schrieb der standhafte Junggeselle anmutig und manierlich zurück: »Ich
+vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen
+hätte. Gnädige Frau werden mir gütig erlauben, zu bemerken, dass ich mir
+unmöglich einreden darf, es habe irgend jemand an der rein menschlichen
+Verfassung, die ich vergegenwärtige, ein Interesse. Ich beklage die sehr
+unangenehme und bedauerliche Tatsache, dass sich nette und scharmante
+Leute meinethalb umsonst angestrengt haben; verantwortlich kann ich mich
+jedoch hiefür ganz unmöglich fühlen. Ich bin so frei, Sie daran zu
+erinnern, dass ich als Mann von einiger Bildung entschlossen sein muss,
+zu denken, ich sei fähig, für mein Wohlergehen jederzeit selber zu
+sorgen.«
+
+
+
+
+Schwendimann.
+
+
+Einmal war ein sonderbarer Mann. Hallo, hallo, was denn für ein
+sonderbarer Mann? Wie alt war er, und woher kam er? Das weiss ich nicht.
+So kannst du mir vielleicht sagen, wie er hiess? Er hiess Schwendimann.
+Aha, Schwendimann! Gut, sehr gut, très bien, très bien. Fahre also fort,
+wenn es dir gefällt und sage uns: was wollte denn der Schwendimann? Was
+er wollte? Hm, das wusste er wohl selber nicht recht. Er wollte nicht
+viel, aber er wollte etwas Rechtes. Was suchte, nach was forschte
+Schwendimann? Er suchte nicht viel, aber er suchte etwas Rechtes.
+Zerfahren, verloren in weiter Welt war er. So, so? Verloren? Aha,
+zerfahren! Grosser Gott, wo hinaus soll es denn mit dem armen Mann? Ins
+Nichts, ins All oder in was sonst? Bange Frage! Alle Leute schauten ihn
+fragend an, und er die Leute. O wie ängstlich, wie kläglich! Er ging so
+dahin, matt und schwerfällig, mit wankenden unsicheren Schritten, und
+die Schulkinder liefen ihm mutwillig nach und neckten und fragten ihn:
+»Was suchst du, Schwendimann?« Er suchte nicht viel, aber er suchte das
+Rechte. Mit der Zeit hoffte er das Rechte schon zu finden. »Das wird
+sich finden«, murmelte er in seinen zerzausten schwarzen Bart.
+Schwendimanns Bart war ganz struppig. So, so? Struppig? Sessa! Voilà!
+Ausgezeichnet. In der Tat! Hochinteressant! Mit eins und so stand er vor
+dem Rathaus. »Mir ist weder zu helfen noch zu raten«, sagte er, und da
+er seines Wissens im Rathaus nicht das geringste zu suchen hatte, so
+ging er sachte weiter und kam vor das Armenhaus. »Ich bin wohl arm,
+aber ich gehöre nicht ins Armenhaus«, dachte er und ging fleissig
+weiter, und nach einer Weile kam er unvermutet vor das Spritzenhaus. »Es
+brennt nirgends!« machte er und ging mürrisch weiter. Einige Schritte
+weiter kam das Pfandhaus. »Ich habe in Gottes weiter Welt nichts zu
+pfänden«, und eine kleine Strecke weiter das Badhaus. »Ich brauche nicht
+zu baden!« Als er nach einiger Zeit vor das Schulhaus kam, sagte er:
+»Die Zeiten, wo ich zur Schule gegangen bin, sind vorüber«, und ging
+leise weiter, indem er den sonderbaren Kopf schüttelte. »Mit der Zeit
+komme ich schon vor das rechte Haus«, sagte er. Nicht lange und so stand
+Meister Schwendimann vor einem grossen, finstern Gebäude. Es war das
+Zuchthaus. »Ich verdiene nicht Strafe, ich verdiene etwas Anderes«,
+sprach er dunkel vor sich hin und marschierte weiter und gelangte bald
+vor ein anderes Haus, nämlich vor das Krankenhaus, wo er sagte: »Ich bin
+nicht krank, ich bin anders. Ich habe keine Krankenpflege nötig, ich
+habe etwas ganz Anderes nötig.« Schwankend ging er weiter, heller,
+heiterer Tag war's, die Sonne blitzte und die hübschen Strassen waren
+voll Leute, und das Wetter war so säuberlich, so freundlich, aber
+Schwendimann achtete nicht auf das schöne Wetter. Da kam er vor das
+Elternhaus, vor das liebe Haus der Kindheit, vor sein Geburtshaus. »Ich
+möchte wohl wieder ein Kind sein und Eltern haben, aber die Eltern sind
+gestorben und die Kindheit kommt nicht wieder zurück.« Zögernd mit
+bedächtigen Schritten ging er weiter und sah das Ballhaus und nachher
+das Kaufhaus. Vor dem Tanzhaus sagte er: »Ich mag nicht tanzen«, und vor
+dem Kaufhaus: »Ich kaufe und verkaufe nichts.« Da wurde es allmählich
+Abend. Wohin gehörte denn eigentlich Schwendimann? Ins Arbeitshaus? Er
+hatte keine Lust mehr, zu arbeiten. Oder ins Freudenhaus? »Lust und
+Freude sind mir vergangen.« Nicht lange ging es und so stand er vor dem
+Gerichtshaus, und da sagte er: »Ich brauche keinen Richter, ich brauche
+etwas Anderes.« Vor dem Schlachthaus meinte er: »Ich bin kein
+Schlächter.« Im Pfarrhaus hatte er seines Bedünkens nichts zu schaffen,
+und im Schauspielhaus haben Leute wie Schwendimann kaum etwas zu suchen,
+auch ins Konzerthaus treten solche Leute nicht. Still und mechanisch
+ging er weiter, vermochte kaum die Augen offen zu behalten, so müde war
+er. Es war ihm, als schlafe er, als marschiere er im Schlafe. Wann
+kommst du wohl vor das rechte Haus, Schwendimann? -- Geduld, das wird
+sich finden. Er kam vor ein Trauerhaus. »Ich bin wohl traurig, aber ich
+gehöre nicht ins Trauerhaus« und ging weiter; kam vor das Gotteshaus und
+ging wortlos weiter und kam vor ein Gasthaus, wo er sprach: »Ich bin
+kein guter Gast, und niemand sieht mich gern,« und ging seinen Weg
+weiter. Endlich, nach beschwerlicher Wanderung, nachdem es schon dunkel
+geworden war, kam er vor das rechte Haus, und sobald er es sah, sagte
+er: »Endlich habe ich gefunden, was ich suche. Hier hinein gehöre ich.«
+Ein Gerippe stand an der Türe, er fragte: »Darf ich wohl hier eintreten,
+um auszuruhen?« Das Gerippe grinste auf das freundlichste und sagte:
+»Guten Abend, Schwendimann. Ich kenne dich wohl. Komm nur herein. Du
+bist willkommen.« Er trat in das Haus hinein, das am Ende jeder findet,
+und wo nicht nur für ihn, sondern für Alle Platz vorhanden ist, und wie
+er hineingekommen war, sank er um und war tot, denn er war ins
+Totenhaus gekommen, und hier hatte er Ruhe.
+
+
+
+
+Ich habe nichts.
+
+
+Sorglos und heiter, wie nur ein rechter Habenichts sein kann, wanderte
+eines Tages durch das schöne grüne Land ein guter Bursche mit einer
+dummen Nase. An Busch und Baum, an Haus und Hof vorbei, durch Wald und
+Feld ging er vergnügt, leicht, froh und nett dahin, und weil er ein so
+gutmütiges Gesicht hatte, so grüssten ihn alle Leute überaus freundlich,
+und das war natürlich dem Burschen nichts als recht. Er war aber auch
+einer, der es mit allen Geschöpfen, sei's Mensch, sei's Tier, herzlich
+gut meinte, und hold gesinnt war er der ganzen Welt, und das sahen ihm
+die Leute an, die ja immer sogleich alles von Weitem merken. Ehrbar und
+leise sagte er jedermann sein: Guten Abend, denn der schöne Edelknabe
+Abend schlich mit Goldhänden und Goldaugen bereits zwischen den Häusern
+und Bäumen herum, und aus nah und fern tönte der Klang der Glocken. Wie
+nun der Bursche an einer Wiese vorbeiging, streckte ihm ein Kälbchen
+seinen Kopf dar und gab ihm zu verstehen, dass es etwas von ihm haben
+wolle. Oder vielleicht wollte es Freundschaft mit ihm schliessen, ihm
+etwas sagen, ihm etwas von seinem Kälbchenleben erzählen. »Ich habe
+nichts, du gutes Tier. Gern gäbe ich dir etwas, wenn ich etwas hätte,«
+sagte der Bursche und ging weiter, aber im Weitergehen musste er
+immerfort an das Kälbchen denken, das etwas von ihm haben wollte. Etwas
+später ging er an einem prächtigen Bauernhaus vorbei, das am Waldrand
+lag. Da rannte mit lautem Gebell ein grosser Hund gegen ihn los, dass er
+ganz ängstlich wurde. Aber die Ängstlichkeit war überflüssig; der Hund
+sprang wohl hoch an ihm auf, aber nicht zornig, sondern freundlich, und
+das Gebell war die deutliche Kundgebung der Freude, und die gute Bäuerin
+hätte nicht nötig gehabt, dem Tier von weit her zuzurufen, es solle
+nicht Leute so unmanierlich anfallen. »Was willst du von mir, du gutes
+Tier? Ich sehe wohl, dass du etwas von mir haben möchtest, aber ich habe
+leider Gottes nichts. Gerne gäbe ich dir etwas, wenn ich etwas hätte,«
+sagte der Bursche, den der grosse Hund in den Buchenwald
+hineinbegleitete, als wolle er Freundschaft mit ihm schliessen und ihm
+von seinem Tierdasein allerlei erzählen. Als indessen der Hund sah, dass
+sein Freund weiter und weiter ging, hielt er mit Begleiten inne und
+kehrte wieder zum Bauernhaus und zu seiner Pflicht zurück, und der
+Bursche wanderte weiter, aber im Weiterwandern musste er immerfort an
+den Hund denken, der sich so zutraulich an ihn anschloss und der gewiss
+etwas von ihm haben wollte. Nach einer guten Weile, unten im Tale, traf
+der Bursche auf der schönen breiten Landstrasse eine Ziege an, die, als
+sie ihn sah, sogleich auf ihn zukam und sich ihm freundlich zugesellte,
+wie wenn sie ein freundschaftsbedürftiger Mensch wäre und ihm Vielerlei
+aus ihrem armen Ziegenleben hätte anvertrauen wollen. »Du möchtest wohl
+etwas von mir haben, aber ich habe nichts. Gerne gäbe ich dir etwas,
+wenn ich etwas hätte, du gutes Tier,« sagte er voll Mitleid und ging
+weiter, aber im Weitergehen musste er immerfort an die Tiere denken, die
+etwas von ihm haben wollten, an die Ziege, an den Hund und an das
+Kälbchen, die da Freundschaft mit ihm hatten schliessen und ihm von
+ihrem stummen, geduldigen, dumpfen Dasein hatten erzählen wollen, die
+keine Sprache haben und nicht reden können, die zum Nutzen der Menschen
+gefangen und geknechtet in der Welt stehen, denen er gut war, wie auch
+sie ihm wieder gut waren, die er von Herzen gern mit sich genommen
+hätte, die ihn vielleicht gerne weithin begleitet hätten, die er gerne
+aus dem engen armen Tierreich in eine freiere, bessere Existenz hätte
+hinüberziehen helfen mögen. »Aber ich bin ja nichts, kann ja nichts,
+habe in Gottes Namen nichts, und in dieser weiten grossen Welt bin ich
+nur ein armer, schwacher, machtloser Mensch,« sprach er, und wie er die
+Welt so schön sah, und wie er so an die Tiere dachte, und daran, dass er
+und alle seine Freunde, Menschen und Tiere, so hilflos seien, konnte er
+unmöglich weitergehen. Er legte sich, unweit von der Strasse, in die
+Wiese, um sich satt zu weinen, so ein dummer Bursche!
+
+
+
+
+BÜCHER-ANZEIGEN
+
+
+
+
+- VERLAG VON RASCHER & Co. IN ZÜRICH -
+
+
+Raschers Jahrbuch I
+
+Herausgegeben von KONRAD FALKE
+
+Volksausgabe. Preis broschiert Fr. 3.50, gebunden Fr. 4.80
+
+Aus dem Inhalt: CHARLOT STRASSER, Das Tanzfest im Kamesseh, Erinnerungen
+aus Japan (mit Abbildungen) - CARL FRIEDRICH WIEGAND, Trauermarsch
+(Gedicht) - ROBERT FAESI, Alfred Kerrs Theaterkritik - ADOLF FREY,
+Bergaufenthalt (Gedicht) - DOMINIK MÜLLER, Feliza (Novelle) - OSCAR
+WETTSTEIN, Bundespolitik - JOSEF VICTOR WIDMANN, Berner Geschichtli
+(3 Gedichte) - HANS SCHULER, Die Förderung des schweizer. Aussenhandels
+- CARL ALBERT LOOSLI, Der Hubbauer (Novelle) - JULIUS FREY, Die
+finanzielle Kriegsbereitschaft der Schweiz - ALFR. HUGGENBERGER, Das
+Höflein (Gedicht) - OTTO KOLLBRUNNER, Paraffinprothesen - GOTTFRIED
+BOHNENBLUST, Weltensturm (Gedicht) - MARIA WASER, Künstlerische
+Handschrift (mit Abbild.) - HANS MÜHLESTEIN, Wieder klar (Gedicht) -
+EDUARD FUETER, Eine natürliche Weltsprache - EMANUEL VON BODMANN,
+Herbstlicher Garten (Gedicht) - CARL ALBRECHT BERNOULLI, Nietzsches
+Lou-Erlebnis - MAX GEILINGER, Überraschung (Gedicht) - CARL FRIEDRICH
+WIEGAND, Detlev von Liliencron - HERMANN HESSE, Trauer (Gedicht) -
+HECTOR G. PRECONI, Die Legende von Gabriele d'Annunzio - CHARLOT
+STRASSER, Hochzeitscarmen (Gedicht) - etc. etc.
+
+
+Raschers Jahrbuch II
+
+Herausgegeben von KONRAD FALKE
+
+Preis broschiert Fr. 5.35, gebunden Fr. 6.70
+
+Aus dem Inhalt: MEINRAD LIENERT, Der kalte Brand - AD. FREY, Drei
+Gedichte - C. SPITTELER, Allegro und Compagnie - B. KOLLBRUNNER-LEEMANN,
+Deux Poésies - F. MOESCHLIN, Die Stadtmauer - C. A. LOOSLI, Gedichte
+eines Emmentalers - Dr. O. MESSMER, Die Gesetzmässigkeit des Stoffes und
+unser Gestaltungsverdienst - C. F. WIEGAND, Sechs Gedichte - H. G.
+PRECONI, Posten Vier - P. KAEGI, Das hohe Lied - Liebessang und -Spiel
+aus der »Königswoche« - Dr. E. ZIEGLER, Casanovas Bekehrung - R. FAESI,
+Drei Gedichte - K. FALKE, Großstadt - FR. CHIESA, Preghiera - Prof. Dr.
+W. WYSSLING, Die Elektrifikation der schweizerischen Bahnen - DOM.
+MÜLLER, Hühnersalon - J. BOSSHART, Im Rotbuchenlaub - CH. STRASSER,
+Vulkan Yzalco - H. GANZ, Reiseblatt - Prof. C. MOSER, Das Zürcher
+Kunsthaus. Mit einem Nachwort des Herausgebers - A. HUGGENBERGER, Peter
+Wenks Heimsuchung - K. FALKE, Trilogie der Liebe - FR. HOFER,
+Alpenmärchen - A. CASTELL, Der hohe Tag - G. RODENBACH, Das Kästchen -
+J. V. WIDMANN, Der Katechet - C. A. BERNOULLI, Boromäus-Enzyklika - P.
+ALTHEER, Erwartung - A. BAUR, Die wirtschaftliche Bedeutung der Form -
+J. REINHART, Am Mühlibach - H. ROELLI, Abend
+
+
+Raschers Jahrbuch für Schweizer Art und Kunst III
+
+Herausgegeben von KONRAD FALKE
+
+Illustriert. Preis broschiert Fr. 5.35, gebunden Fr. 6.70
+
+Aus dem Inhalt: TRAUGOTT GEERING, Die schweizerische Adriabahn - JAKOB
+CHRISTOPH HEER, Gedichte - GRETHE AUER, Das Antlitz der Hatschepsut -
+FRIDOLIN HOFER, Im Mondlicht lesend (Gedicht) - JOSEF VICTOR WIDMANN,
+Der Gorilla - JOHANNA SIEBEL, Ein neues Sein (Gedichte) - KONRAD FALKE,
+Drei Essays - MAX NUSSBERGER, Elegie - HECTOR G. PRECONI, Der Mann mit
+den sieben Seelen - ALFRED HUGGENBERGER, Die drei Wölfe (Gedicht) -
+WALTHER KÖHLER, Die Trennung von Staat und Kirche - ROBERT FAESI,
+Abendlieder - MARIA WASER, Unter dem Quittenbaum - PAUL ALTHEER, Kränze
+(Gedicht) - HERM. KURZ, Kapitalanlagen im Ausland - KONRAD FALKE, Im
+Reiche des Phlegethon - JAKOB SCHAFFNER, Der Fuchs (Novelle) - ROBERT
+JAKOB LANG, Jugend (Gedichte) - C. G. JUNG, Neue Bahnen der Psychologie
+- ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei
+Aufsätze) - CHARLOT STRASSER, Das Narrenhaus (Gedicht) - EMIL HÜGLI,
+Andreas Wyher (Novelle) - HEDWIG DIETZI-BION, Zwei Gedichte - ARNOLD
+NIGGLI und EDUARD KORRODI, Zwei Siebzigjährige (Friedrich Hegar und
+Josef Victor Widmann)
+
+
+I. Romane, Novellen und Essays.
+
+BARBAT, J., Nietzsche, Tendances et Problèmes Fr. 7.--
+
+BILLETER, Goethe's Wilhelm Meister's theatral. Sendung Fr. 2.--
+
+DICKENS, CHARLES, Weihnachtsabend. Ein Prachtband mit farbigen und
+schwarzen Illustrationen von Arthur Rackham, zirka Fr. 13.35
+
+ENDERLIN, FRITZ, Adolf Frey, Ein Kunsterlebnis Fr. 1.80
+
+ESCHER, Dr. KONRAD, Kunst, Krieg und Krieger zur Geschichte der
+Kriegsdarstellungen. Ein Prachtband mit 20 Bildertafeln, gebunden zirka
+Fr. 6.70
+
+FALKE, KONRAD, Drei Essays Fr. 1.--
+
+FALKE, KONRAD, Kainz als Hamlet, Ein Abend im Theater, gebunden Fr. 6.--
+
+FALKE, KONRAD, Wenn wir Toten erwachen, Ein Beitrag zur Kenntnis Ibsens
+Fr. 1.--
+
+FALKE, KONRAD, San Salvatore, Novelle, gebunden Fr. 3.60
+
+FAESI, ROBERT, Carl Spitteler, Eine Darstellung seiner dichterischen
+Persönlichkeit Fr. 1.70
+
+FEDERER, HEINRICH, Der Herrgott und der Schweizer, Legende Fr. --.70
+
+FEHR, Apostolo Zeno und seine Reform des Operntextes Fr. 4.65
+
+FESTSCHRIFT der Philologentage in Zürich, broschiert Fr. 6.-- gebunden
+Fr. 7.--
+
+GANZ, HANS, Peter das Kind, gebunden Fr. 4.--
+
+GOLDSCHMIDT, Dr. HUGO, Die Musikaesthetik des 18. Jahrhunderts Fr. 12.--
+
+GRIEDER, AD., Die Seide Fr. 2.--
+
+HUNZIKER, Dr. FRITZ, Glattfelden und Gottfried Kellers grüner Heinrich
+Fr. 4.--
+
+JAHRBUCH für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, hrsg. von Prof. Dr.
+Paul Ganz, illustriert, gebunden Fr. 8.70
+
+KESSER, HERM., Unteroffizier Hartmann, Novelle, mit einem
+Originalholzschnitt von Ernst Würtenberger Fr. 2.--
+
+MAEDER, Dr. ALPHONSE, Ferdinand Hodler. Eine Skizze der
+seelischen Entwicklung des Künstlers und seine Bedeutung für die
+schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen
+Fr. 2.70
+
+MARKUS, Dr., Geschichte der schweizerischen Zeitungspresse zur Zeit der
+Helvetik 1798-1803 Fr. 10.--
+
+MESSLENY, Prof. Dr. R., Genfer Maler, Heft I, illustriert Fr. 1.50
+
+SCHWEIZER. NOVELLEN- UND SKIZZENBUCH mit Beiträgen von Jakob Bosshart,
+Konrad Falke, Heinrich Federer, Charles Gos, Charlot Strasser, R. von
+Tavel, Robert Walser und Marie Waser, gebunden Fr. 5.35
+
+ODERMATT, ESTHER, Die Seppe, Eine Geschichte aus Unterwalden, gebunden
+Fr. 3.80
+
+RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. I, Volksausgabe,
+gebunden Fr. 4.80
+
+RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. II und III, von
+Konrad Falke, gebunden je Fr. 6.70
+
+RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. IV: Schweizer.
+Novellen- und Skizzenbuch, geb. Fr. 5.--
+
+RUDOLF, Dr. DORA, Konrad Meyer Fr. 3.--
+
+SIEBEL, JOHANNA, Odendahls, Roman in 1 Band gebunden Fr. 4.50
+
+STEIGER, Dr. A., Spittelers Sprachkunst Fr. --.80
+
+VALLOTTON, BENJAMIN, Familie Profit, Roman, deutsch von S. Fischer,
+gebunden Fr. 5.35
+
+Zu beziehen durch alle Buchhandlungen
+
+
+
+
+Schriften für Schweizer Art und Kunst
+
+
+Unter diesem Titel veröffentlicht der unterzeichnete Verlag eine
+Sammlung von Schriften in Broschüren- oder Buchform, in welcher vor
+allem nationale Fragen, die in der jetzigen Zeit das grösste Interesse
+beanspruchen, behandelt werden. Doch sollen auch rechtswissenschaftliche,
+nationalökonomische, philosophische, geschichtliche und
+literarisch-künstlerische Abhandlungen, Novellen und Gedichte in
+dieselbe aufgenommen werden, sofern ihnen allgemein schweizerische
+Bedeutung zukommt. Für die einzelnen Hefte ist kein einheitlicher Preis
+festgesetzt, damit nicht der Verfasser an einen bestimmten Umfang der
+Schrift gebunden ist. Die Redaktion der Sammlung übernimmt der Verleger,
+ohne jedoch zum Inhalt der einzelnen Broschüren Stellung zu nehmen.
+
+Heft 1 =KONRAD FALKE=, =Der schweizerische Kulturwille=. Ein Wort an die
+Gebildeten des Landes. Fr. 1.--
+
+Heft 2 =CARL SPITTELER=, =Unser Schweizer Standpunkt=. Vortrag, gehalten
+in der Neuen Helvet. Gesellschaft, Gruppe Zürich. 60 Cts.
+
+Heft 3 =Dr. EUGEN GROSSMANN=, Professor der Finanzwissenschaft an
+der Universität Zürich, =Die Deckung der schweizerischen
+Mobilisationskosten=. 80 Cts.
+
+Heft 4 =OSKAR HÖHN, Ingenieur=, =Ratschläge zur Berufswahl=. Eine
+nationale Frage, 60 Cts., billige Volksausgabe 30 Cts.
+
+Heft 5 =J. C. BLUNTSCHLI=, =Die schweizerische Nationalität=. Eine
+politische Studie, 60 Cts.
+
+Heft 6 =Professor Dr. LAUR=, =Industrie und Landwirtschaft=.
+
+Heft 7 =Dr. C. A. SCHMID=, =Internationale Armenfürsorge=. Eine
+nationale Frage, 50 Cts.
+
+Heft 8 =Professor Dr. LAUR=, =Die Wehrkraft des Schweizervolkes und der
+Bauernstand=. 60 Cts.
+
+Heft 9 =Dr. HANS TÖNDURY=, Professor an der Universität Genf,
+=Wirtschaftliche Unabhängigkeit=, 60 Cts.
+
+Heft 10 =Dr. ERNST GAGLIARDI=, =Die Entstehung der schweizerischen
+Neutralität=, 60 Cts.
+
+Heft 11/13 =Dr. ROBERT FAESI=, =Carl Spitteler=, eine Darstellung seiner
+dichterischen Persönlichkeit, Fr. 1.70.
+
+Heft 14/15 =Professor Dr. M. GROSSMANN=, =Nationale Forderungen an die
+schweizerische Mittelschule=. Fr. 1.--
+
+Heft 16/17 =KONRAD FALKE=, =Das demokratische Ideal und unsere nationale
+Erziehung=. Fr. 1.--
+
+Heft 18/19 =Dr. C. A. SCHMID=, =Unsere Fremdenfrage=, Fr. 1.20.
+
+Heft 20 =ED. BOOS-JEGHER=, =Unsere Absatzverhältnisse=, 80 Cts.
+
+Heft 21/23 =HELVETICUS=, =Die Schweizer. Bahnen, Posten und
+Telegraphen=, Fr. 2.--.
+
+Heft 24/25 =Dr. ROBERT DURRER=, =Kriegsbetrachtungen=, Fr. 1.--.
+
+Heft 26/27 =RAPPARD=, Professor an der Universität Genf, =Zur nationalen
+Verständigung=, Fr. 1.--.
+
+Heft 28 =KELLER, ADOLF=, Pfarrer, =Von der innern Erneuerung=, 60 Cts.
+
+Heft 29 =HUBER, Prof. Dr. Max=, =Der schweiz. Staatsgedanke=, 40 Cts.
+
+Heft 30 =FEDERER, Heinrich=, =Unser Herrgott u. der Schweizer=, 70 Cts.
+
+Heft 31/34 =MAEDER, Dr. ALPHONSE=, =Ferdinand Hodler=. Eine Skizze
+der seelischen Entwicklung des Künstlers und seine Bedeutung für die
+schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen,
+ca. Fr. 2.--
+
+Heft 35 =KARL SCHEURER u. Prof. Dr. LUCIEN GAUTIER=, =Pflicht und Wille=
+- =Devoir et Volonté= -- =Zofinger Stimmen= - =Paroles Zofingiens=,
+80 Cts.
+
+Heft 36/37 =Dr. HEINRICH FLACH=, Professor am kantonalen Lehrerseminar
+in Küsnacht-Zürich, =Die Bestrebungen der Helvetischen Gesellschaft des
+XVIII. Jahrh.= Fr. 1.20.
+
+Heft 38 =STOCKER O.=, Sekretär für Lehrstellenvermittlung in Basel,
+=Erfahrungen in der Berufsberatung=, 60 Cts.
+
+Heft 39/40 =Dr. C. BENZIGER-Bern=, =Schweiz. Verkehrsprobleme=, Fr. 1.
+
+Heft 41/42 =Dr. ERNST RÜST=, Professor an der kant. Handelsschule in
+Zürich, =Eine schweizerische Versuchsstätte und Beratungsstelle für
+Industrie und Gewerbe=, ca. Fr. 1.20.
+
+Heft 43 =Lieut. OSCAR BOSSHARDT=, Stabssekretär des Generals,
+=Durchhalten!= Schweizerpflichten -- Soldatenpflichten. 60 Cts.
+
+Heft 44/45 =GOTTFR. KELLER=, =Der Landvogt von Greifensee=, kart. ca.
+Fr. 1.--, in Geschenkband ca. Fr. 2.--
+
+Heft 46 =R. VON TAVEL=, =D'Glogge vo Nüechterswyl=, kart. ca. Fr. --.80,
+in Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 47/48 =KONRAD FALKE=, =Der Marienmaler=, kart. ca. Fr. --.80, in
+Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 49 =CHARLOT STRASSER=, =In Völker zerrissen=, kart. ca. Fr. --.80,
+in Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 50 =JAKOB BOSSHART=, =Das Erbteil=, kart. ca. Fr. --.80, in
+Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 51/52 =HELVETICUS=, =Aktuelle Fragen des Schweizerischen
+Gewerbestandes=, ca. Fr. 1.20
+
+Heft 53/54 =Prof. Dr. PAUL SEIPPEL=, =Helvetische Wahrheiten=, ca.
+Fr. 1.20
+
+Heft 55 =ROBERT WALSER=, =Prosastücke=, mit Umschlagzeichnung von =Karl
+Walser=, kart. ca. Fr. --.80, in Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 56/57 =CHARLES GOS=, =Ausgewählte Skizzen von der Grenzwacht=,
+kart. ca. Fr. --.80, in Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Heft 58 =MARIA WASER=, =Das Jätvreni=, kart. ca. Fr. --.80, in
+Geschenkband ca. Fr. 1.60
+
+Preis für 10 verschiedene Hefte bei =gleichzeitigem= Bezug Fr. 5.--
+
+=Abonnementspreis für je 10 Hefte Fr. 5.--=
+
+ * * * * *
+
+Spittelers Sprachkunst
+
+von
+
+=Dr. phil. A. STEIGER, Professor an der Kantonsschule in Zürich.= Preis
+80 Cts.
+
+ * * * * *
+
+Paul Seippel
+
+=Die heutigen Ereignisse vom Standpunkte der romanischen Schweiz.=
+60 Cts.
+
+ * * * * *
+
+=Das Völkerrecht und der Krieg 1914/15= von =Dr. jur. OTTO ZOLLER.=
+10 Druckbogen, Fr. 2.--
+
+ * * * * *
+
+=PAUL SEIPPEL=, =Les Evénements actuels vus de la Suisse Romande=,
+60 Cts.
+
+ * * * * *
+
+=PAUL WERNLE=
+
+=Gedanken eines Deutsch-Schweizers=, 60 Cts.
+
+ * * * * *
+
+=Zwei Jahre Zivil-Gesetzbuch=
+
+=Entscheide und Erfahrungen aus der Praxis einer ersten Instanz von Dr.
+jur. HANS FRITZSCHE, Gerichtschreiber am Bezirksgericht Horgen.=
+
+Preis Fr. 2.--
+
+ * * * * *
+
+=Die geschichtlichen Grundlagen des Weltkrieges von Dr. HERMANN BÄCHTOLD,
+Privatdozent der Geschichte an der Universität Basel=
+
+Preis Fr. 1.--
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ Koffermann, packen Sie sofort ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen
+ Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen
+
+ Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierrot
+ Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot
+
+ eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb und der
+ eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der
+
+ habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er »man hat es vergessen.
+ habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er, »man hat es vergessen.
+
+ vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend ein Vorwurf zu machen
+ vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen
+
+ - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde - (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei
+ - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei
+
+ RASCHERS JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. IV: Schweizer.
+ RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. IV: Schweizer.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Prosastücke, by Robert Walser
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PROSASTÜCKE ***
+
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+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/3/5/4/33548/
+
+Produced by Jana Srna
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
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+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
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+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
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+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
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+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
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+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
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+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
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+
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+<title>Prosastücke, by Robert Walser&mdash;A Project Gutenberg eBook</title>
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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Prosastücke, by Robert Walser
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Prosastücke
+
+Author: Robert Walser
+
+Release Date: August 27, 2010 [EBook #33548]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PROSASTÜCKE ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>,
+der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p>
+<p>Die auf den Deckelinnenseiten gedruckte Werbung für die »Schriften
+für Schweizer Art und Kunst« wurde an das Ende des Textes verschoben.</p>
+</div>
+
+<div id="text-block">
+
+<div class="figcenter" style="width: 362px;">
+<img src="images/cover.png" width="362" height="600" alt="Deckel" title="" />
+</div>
+
+<h1 class="page-break" style="margin: 6em auto 4em auto;">Prosastücke von<br/>
+Robert Walser</h1>
+
+<p class="center">Schriften für Schweizer<br/>
+Art und Kunst. 55</p>
+
+<hr style="width: 18em; margin: 2em auto;"/>
+
+<p class="center">VERLAG RASCHER u. CIE, ZÜRICH<br/>
+1916</p>
+
+
+<div class="figcenter page-break" style="width: 70px; margin: 6em auto;">
+<img src="images/f0002-image.png" width="70" height="73" alt="" title="" />
+</div>
+
+
+<p class="center page-break" style="font-size: larger; line-height: 2em;"><big>PROSASTÜCKE</big><br/>
+<small>von</small><br/>
+ROBERT WALSER</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 44px; margin-bottom: 4em;">
+<img src="images/f0004-image.png" width="44" height="70" alt="" title="" />
+</div>
+
+<p class="center">1917</p>
+
+<p class="center smcap">VERLAG VON RASCHER &amp; C<sup style="text-decoration: underline;">ie</sup> IN ZÜRICH</p>
+
+
+
+<p class="center page-break" style="margin-top: 6em;">Erstes und zweites Tausend.</p>
+
+
+<p class="center" style="margin-top: 4em;">Nachdruck verboten.</p>
+
+<p class="center">Übersetzungsrecht vorbehalten.</p>
+
+<p class="center">Copyright by Rascher &amp; Co., Verlagsbuchhandlung in Zürich 1917.</p>
+
+
+<p class="center" style="margin-top: 4em;">Zürich</p>
+
+<p class="center">Buchdruckerei Züricher Post</p>
+
+
+
+
+<div class="page-break">
+<a class="pagenum" name="Page_5" title="5"> </a>
+<h2>Das Seestück.</h2>
+</div>
+
+
+<p>Dieses Stück ist sehr einfach, es handelt von einem
+schönen Sommerabend und von vielen Leuten, die
+am Seeufer hin- und herpromenierten. Die Menschenmenge,
+unter der auch ich mich befand, war ausserordentlich.
+Die ganze Stadt schien zu spazieren.
+Wenn ich sage, dass der weite, nächtliche See einem
+schlummernden Helden glich, dessen Brust auch im
+Schlafe noch von Angelegenheiten der Kühnheit und
+der hohen Denkart bewegt sei, so drücke ich mich
+vielleicht etwas gewagt aus. Viele lichtergeschmückte
+Nachen bewegten sich im dunklen Wasser. Die Strassen
+und Nebenstrassen, die zum See führten, schienen mir
+Kanäle zu sein, und ich bildete mir mit Leichtigkeit
+ein, dass die Nacht eine venezianische Nacht sei.
+Heller Feuerschein loderte da und dort rötlich aus
+dem Schwarz auf, und nächtliche Menschengestalten
+spazierten in die hellen und in die dunklen Stellen.
+Es fehlte an Liebespaaren keineswegs, die sich hinter
+allerlei Dickicht zärtlich umarmten und küssten, und
+ebenso wenig fehlte es an kosender und lispelnder,
+an freundlich streichelnder und gleich einem plätschernden
+Gewässer rieselnder Nachtmusik. Der Halbmond
+in der Höhe glich, wie soll ich sagen, einer Wunde,
+woraus ich folgere, dass der schöne Körper der Nacht
+verwundet war, ähnlich wie eine schöne edle Seele
+verletzt und verwundet sein kann, und darum ihre
+Hoheit und Schönheit noch deutlicher offenbart. Im
+<a class="pagenum" name="Page_6" title="6"> </a>Leben, das roh und unedel ist, macht sich mitunter
+die verletzte edle Seele lächerlich, nicht aber in der
+Dichtkunst, und der Dichter lacht niemals über empfindlicher
+Seelen Verletzbarkeit. Da ich über eine gebogene
+Brücke ging, hörte ich von unten, aus dem
+Wasser, eine wundervolle Stimme zu mir heraufdringen,
+es war ein hellgekleidetes Mädchen in einer
+hier vorüberfahrenden Gondel, und ich und vielleicht
+noch ein Anderer, den die zarte Stimme ebenfalls
+interessierte, beugten uns über das Geländer, um auf
+den entzückenden Gesang mit angespannter Aufmerksamkeit
+zu lauschen, der im Zirkus oder im Konzertsaal,
+den die holde Nacht bildete, warm und hell verhallte.
+Wir Zwei oder Drei, die wir lauschten, gestanden
+uns, dass wir noch nie so schön singen gehört
+hätten, und wir sagten uns, dass das Lied der
+im beinahe unsichtbaren Nachen dahingleitenden liebenswürdigen
+Sängerin weniger durch Kunst und grosses
+gesangliches Können als vielmehr nur durch eine
+wunderbare Seelen-Anspannung und durch die Begeisterung
+eines lieben edlen Herzens gross sei. Wir
+sagten uns ferner, das heisst es fiel uns ein, zu denken,
+dass vielleicht, ja sogar sehr wahrscheinlich die junge
+Sängerin unten im dunklen Boot über die Kühnheit
+und Hochherzigkeit ihres Gesanges und wegen ihrer
+Fähigkeit, sich zu berauschen und zu begeistern,
+glühend erröte, und dass ihre reizende jugendfrohe
+und süsse Wange vor Scham über die Freiheit und
+über den Enthusiasmus des himmlischen gesanglichen
+Ergusses heftig brenne. Königspalastähnlich wurde
+das Lied und wuchs zu fabelhafter Grösse empor,
+dass man Prinzen und Prinzessinnen auf herrlich geschmückten
+Pferden vorübertanzen und -galoppieren
+<a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>zu sehen meinte. Alles verwandelte sich in tönendes
+Leben und in eine tönende Schönheit, und die ganze
+Welt erschien wie die Liebenswürdigkeit selber, und
+am Leben, am menschlichen Dasein gab es nichts
+mehr auszusetzen. Ganz besonders anziehend und
+schön war, wie das Mädchen so ihre zarte Seele singend
+preisgab, alle ihre Geheimnisse öffnete, hoch
+über sich selbst und über ihre Zurückhaltung, über
+alle anerzogene Sittsamkeit hinwegdrang, alles Denken
+und Sehnen offen aussprach, dass es, Heldinnen gleich,
+wie eine Gestalt in die Luft hinaufragte. Der Kampf,
+den das zarte Wesen mit der Schüchternheit und mit
+dem alltäglichen Benehmen kämpfte, ergab die schönste
+Klangfarbe, und auf den schamhaft-stolzen Klang
+lauschten, wie bereits gesagt, mehr Leute, die alle
+bedauerten, dass das Lied nun nach und nach in der
+Ferne sich verlor.</p>
+
+
+
+<h2>Die italienische Novelle.</h2>
+
+
+<p>Ich habe starke Ursache, mich zu fragen, ob eine
+Geschichte gefallen wird, die von zwei Leuten oder
+Leutchen, nämlich von einem reizenden netten Mädchen
+und von einem in seiner Art mindestens ebenso netten
+braven guten jungen Mann berichtet, die im schönsten
+und innigsten Freundschaftsverhältnis zu einander
+standen. Die zärtliche und leidenschaftliche Liebe,
+die sie gegenseitig fühlten, glich an Hitze der Sommersonne
+und an Reinheit und Keuschheit dem dezemberlichen
+Schnee. Ihr beidseitiges liebenswürdiges Vertrauen
+schien unerschütterlich, und die feurige unschuldige
+Neigung wuchs von Tag zu Tag wie eine wundervolle
+farben- und duftreiche Pflanze. Nichts schien
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>den allerholdesten Zustand und das allerschönste Zutrauen
+stören zu können. Alles wäre schön und gut
+gewesen, wenn nur der brave gute liebe und junge
+Mann die italienische Novelle nicht so gut gekannt
+hätte. Die exakte Kenntnis jedoch von der Schönheit,
+Pracht und Herrlichkeit der italienischen Novelle machte
+ihn, wie der aufmerksame Leser sogleich erfahren
+wird, zum Schafskopf, raubte ihm für eine Zeitlang
+die Hälfte des gesunden Verstandes und veranlasste,
+zwang und nötigte ihn eines Tages, morgens oder
+abends, um acht, zwei oder sieben Uhr zu seiner Geliebten
+mit dumpfer Stimme zu sagen: »Du, höre, ich
+habe dir etwas zu sagen, etwas, das mich schon die
+längste Zeit drückt, plagt und foltert, etwas, das uns
+Beide vielleicht unglücklich machen wird. Ich darf es
+dir nicht verschweigen, ich muss, ich muss es dir
+sagen. Nimm allen deinen Mut und alle deine Festigkeit
+zusammen. Es kann sein, dass dich die Kunde
+von dem Schrecklichen und Furchtbaren tötet. O ich
+möchte mir tausend schallende Ohrfeigen geben und
+mir das Haar ausraufen.« Das arme Mädchen rief
+angstvoll aus: »Ich kenne dich nicht mehr. Was quält,
+was peinigt dich. Was ist es Schreckliches, das du
+mir bis dahin verheimlicht und das du mir anzuvertrauen
+hast. Heraus mit der Sprache auf der Stelle,
+damit ich weiss, was ich zu fürchten und was ich
+irgendwie noch zu hoffen habe. An Mut, das Härteste
+zu dulden und das Äusserste zu ertragen, fehlt es
+mir nicht.« &ndash; Die so redete, zitterte freilich vor Angst
+am ganzen Körper, und das Unbehagen verbreitete
+eine tödliche Blässe über ihr liebreizendes, sonst so
+frisches und hübsches Gesicht. »Vernimm«, sagte der
+junge Mann, »dass ich leider nur ein zu gründlicher
+<a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>Kenner der italienischen Novelle bin und dass eben
+diese Wissenschaft unser Unglück ist.« &ndash; »Wieso das,
+um Gotteswillen?«, fragte die Bedauernswürdige, »wie
+ist es möglich, dass Bildung und Wissenschaft uns
+trostlos machen und unser Glück zerstören können?«
+Worauf es ihm beliebte, zu erwidern: »Weil der Stil
+in der italienischen Novelle an Schönheit, Saft und
+Kraft einzig dasteht, und weil unsere Liebe keinen
+derartigen Stil aufzuweisen hat. Dieser Gedanke macht
+mich trostlos, und ich vermag an kein Glück mehr
+zu glauben.« Beide guten jungen Leute liessen zirka
+zehn Minuten lang oder etwas länger den Kopf und
+das Köpfchen hängen und waren völlig rat- und fassungslos.
+Nach und nach gewannen sie jedoch die
+Zuversicht und den verlorenen Glauben wieder zurück,
+und sie kamen wieder zur Besinnung. Sie rafften sich
+aus Trauer und Entmutigung auf, schauten einander
+freundlich in die Augen, lächelten und gaben sich die
+Hand, schmiegten sich eng zusammen, waren glücklicher
+und vertraulicher als je zuvor, indem sie sagten:
+»Wir wollen nach wie vor trotz allen stilvollen und
+prachtvollen italienischen Novellen Freude und Genuss
+aneinander haben und uns zärtlich lieben, so wie wir
+einmal sind. Wir wollen genügsam und zufrieden
+sein und uns um keine Vorbilder kümmern, die uns
+nur den Geschmack und das natürliche Vergnügen
+rauben. Schlicht und ehrlich aneinanderhängen und
+warm und gut sein ist besser als der schönste und
+vornehmste Stil, der uns gestohlen sein kann, nicht
+wahr.« Mit diesen fröhlichen Worten küssten sie sich
+auf das innigste, lachten über ihre lächerliche Mutlosigkeit
+und waren wieder zufrieden.</p>
+
+
+
+<div>
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+<h2>Koffermann und Zimmermann.</h2>
+</div>
+
+
+<p>Ein bekannter und rühriger Verleger, unternehmungslustig
+wie er war, sagte eines schönen Tages
+zum Schriftsteller Koffermann: »Lieber Koffermann,
+packen Sie sofort <ins title="ihren">Ihren</ins> Koffer oder meinetwegen Köfferchen
+und reisen Sie, ohne dass Sie sich vorher lange
+besinnen, nach Japan. Haben Sie verstanden?« Der
+flinke und behende Koffermann, sogleich entschlossen,
+den schmeichelhaften Auftrag auszuführen, besann sich
+keine zehn Minuten lang, sondern machte sich auf
+die Beine, packte alle seine Gedanken und Utensilien
+in seinen Handkoffer, stieg in den Eisenbahnwagen
+und dampfte, reiste und fuhr ab nach dem berühmten
+und sehenswerten Lande Japan. Der Verleger oder
+Verlagsmann telephonierte einem mächtigen Zeitungsmann,
+er möchte so freundlich sein und es in die
+Zeitung setzen, dass Koffermann seinen Koffer gepackt
+habe und nach Japan abgeflogen und fortgeflutscht
+sei. Das las bald ein anderer Verleger oder Verlagsmann
+und er forderte den Schriftsteller Zimmermann
+auf, so rasch wie möglich zu ihm zu kommen, denn
+er habe ihm etwas Wichtiges zu sagen. Zimmermann
+war gerade damit beschäftigt, eine höfliche und weitläufige
+Ansprache an seine Katze zu halten, auch
+schlürfte er Thee, und rauchte er eine Cigarette, als
+der Brief anlangte, der ihm ankündigte, er solle zu
+seinem Verleger rennen, weil ihm derselbe etwas
+Wichtiges zu sagen habe. Er zog seinen bessern
+Anzug an, bürstete, säuberte, kämmte, wusch und
+verschönerte sich, wie es sich schickte, und marschierte
+in aller Seelenruhe zu seinem Geschäftsmann. »Lieber
+Zimmermann,« sagte derselbe zu Zimmermann, »ich
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>weiss, dass Sie ein ruhiger Mensch sind, der seine
+Ruhe liebt! Jetzt aber müssen Sie aus aller Behaglichkeit
+heraus und mit der grössten Unruhe, Hast und
+Schleunigkeit nach der Türkei fliegen. Koffermanns
+Verleger hat Koffermann nach Japan entsandt, weshalb
+ich nun Sie, mein lieber Zimmermann, nach der Türkei
+senden muss. Haben Sie begriffen?« Zimmermann
+aber begriff nicht so leicht; er besass keine so leichte
+und flinke Auffassungsgabe wie Koffermann. Er bat
+sich eine Bedenkzeit von acht Tagen aus und ging
+wieder in sein Zimmer zurück, wo er sich ebenso
+vergnüglich wie nachdenklich auf seinen alten Reisekorb
+setzte, der unter der Last zu ächzen und zu
+seufzen begann, wie Reisekörbe bei solcher Gelegenheit
+zu tun pflegen. Zimmermann, der seine Ruhe
+und seinen stillen Aufenthalt im Zimmer liebte, war
+unfähig, von demselben Abschied zu nehmen. »Ich
+bin unfähig, vom Zimmer Abschied zu nehmen, auch
+ist mein Reisekorb alt, und es würde mir weh tun,
+ihn auf eine so weite Reise zu schicken,« schrieb
+Zimmermann seinem Geschäftsmann, »ich habe mir
+die Sache überlegt, und bitte Sie versichert zu sein,
+dass ich nicht nach der Türkei reisen kann. Ich eigne
+mich nicht dafür. Ich bin soeben in Gedanken eine
+halbe Stunde lang in der Türkei gewesen und habe
+es dort sehr langweilig gefunden. Mit dem ehemaligen
+Königreich Polen möchte ich es wohl eher probieren.
+Lassen Sie mich bitte Ihre Meinung wissen. Ich gebe
+Ihnen acht Tage Bedenkzeit. Nach Polen passe ich
+nämlich besser als nach der Türkei.« Der Verleger
+lachte, als er den Brief las und sagte: »Mit Zimmermann
+ist nichts anzufangen.«</p>
+
+
+
+<div>
+<a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>
+<h2>Der Flinke und der Faule.</h2>
+</div>
+
+
+<p>Ich gestehe, dass mich die Erfindung der Geschichte,
+die ich hier erzähle, die grösste Mühe gekostet hat,
+obwohl man vielleicht finden wird, dass sie ein wenig
+läppisch sei. Sie handelt von einem faulen Flinken
+und von einem flinken Faulen. Zu beachten ist, dass
+der Flinke mit all seiner eichhornhaften Flinkheit weit
+hinter des Faulen grober Faulheit zurückblieb, worüber
+er sich nicht wenig verwunderte, was recht sehr zu
+begreifen ist. Das Seltsame und Bemerkenswerte an
+der einfältigen und albernen Geschichte, die glücklicherweise
+nicht allzu lange und breite Umstände
+macht, ist, dass der Flinke im Grunde der Faule ist
+und der Faule im Grunde der Flinke, und zwar deshalb,
+weil der Flinke eigentlich leider nur zu flink
+war und weil der Faule mit der gesamten Summe
+seiner Faulheit sich glücklicher- oder unglücklicherweise
+glänzend bewährte, indem er gar nicht flink und dennoch,
+im Grunde, viel flinker war als der flinkste
+Flinke, während leider der Flinke mit dem ganzen
+Reichtum seiner Flinkheit und Behendigkeit zwar
+durchaus nicht faul und dennoch viel fäuler war als
+der fäulste Faule, was jedenfalls recht sehr bedauerlich
+ist. Der Flinke übertraf freilich den Faulen an
+regelrechter Flinkheit, aber er kam dennoch zu kurz
+und stand zuletzt weit hinter dem Faulen, welcher,
+falls wir uns nicht gröblich irren, freilich den Flinken
+hoch an Faulheit überragte, indem er faul war
+wie die personifizierte Faulheit, dennoch aber lange
+nicht so faul und viel flinker war, als der Flinke
+dachte, den er weit hinter sich liess und prächtig besiegte,
+über welchen ausserordentlichen Umstand der
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>bedauernswürdige arme Flinke fast vor Schreck umkam.
+Dieses, mein bester Leser, ist die Geschichte
+vom Flinken und vom Faulen oder vom Faulen und
+vom Flinken, je nachdem du willst und wie es dir
+gefällt. Beurteile sie milde, belache sie und zürne nicht
+allzustark ihrem Verfasser, dem sie so fest im Kopf
+sass, dass er sich genötigt sah, sie niederzuschreiben,
+um sie loszubekommen.</p>
+
+
+
+<h2>Der Maskenball.</h2>
+
+
+<p>Einmal gab es einen Maskenball, der von vielen
+lebenslustigen und vergnügungsfröhlichen jungen Leuten
+besucht wurde, die sich alle hier einfanden, um recht
+aus der Seele und aus vollem Herzen glücklich zu sein,
+Sorgen und Kümmernisse auf ein paar Stunden zu
+vergessen, zu lachen, zu tändeln und zu tanzen und
+sich frei und leicht zu fühlen wie die ersten Menschen,
+die vom erbärmlichen Kampf ums Dasein und von
+der traurigen Jagd nach dem Erwerb noch überhaupt
+nichts wussten. Herrlich war der Anblick des von
+einem vorzüglichen Geschmack und von einem feinen
+und zarten Kunstsinn dekorierten, blumen- und bändergeschmückten
+Tanzsaales, dessen hohe Wände entzückende
+Wandmalereien deckten, die, man kann
+sagen, von demselben Geist und von derselben Erfindung
+waren wie die graziöse reizende Musik, die
+sommerregengleich von einem Podium herab in den
+Saal und in den heiteren Tanztumult niederrieselte
+und säuselte, damit die versammelten fröhlichen
+Menschen sich nach dem schmeichlerischen wellenhaften
+Takt ihrer süssen und angenehmen Melodien
+hin und her bewegten und drehten. Das tat denn auch
+<a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>alle Welt und es war ein blitzendes, geschmeidiges
+Gewoge, das da durcheinanderwogte. Auf die lächelnden
+Gesichter herab schimmerte der Strahl der Kerzen,
+deren blendendes Leuchten den Saal zu einem Zauberpalast
+machte. Alles war glücklich, alles lachte und
+scherzte. Neid, Bosheit und Missgunst und noch manche
+andere üblen Eigenschaften und bösen Empfindungen
+hatten keinen Einlass in das schöne Lokal gefunden,
+das lediglich von Heiterkeit, Behagen und Lebensfreude
+widerhallte und widerstrahlte. Jedoch waren
+alle Geräusche der Freude und des Vergnügens angenehm
+gedämpft, wie wenn alle Teilnehmer lebhaft
+gefühlt hätten, dass selbst im Rausch und im Entzücken
+der Mensch sich, aus Rücksicht und aus Liebe
+für seinen Mitmenschen, Zügel auferlegen muss, um
+die allgemeine Schönheit und das allgemeine Gefallen
+nicht zu verletzen. Gelächter vermischte sich mit Gläsergeklirr,
+das wie Silber an den Wänden widertönte.
+Schelmische Witze wurden gerissen, die niemanden
+beleidigten. Nur Dummköpfe und eitle hochmütige
+Menschen ärgern sich über einen guten Witz, der so
+gut ein Recht zu existieren hat wie der düstere, bittere
+Ernst; denn der liebe Gott gab uns nicht umsonst
+die liebenswürdige Fähigkeit, zu lachen und den
+Dingen die heitere und lustige Seite abzugewinnen.</p>
+
+<p>Solche Paare, die von der Anstrengung des Tanzens
+müde waren, zogen sich für eine Weile, um recht behaglich
+auszuruhen und sich an allerlei Erfrischungen
+zu erlaben, aus dem Getümmel in irgend eine reizend
+versteckte grüne weiche Plaudernische zurück, während
+andere Paare frisch sich in das anmutige Gewoge stürzten.
+Hier sah man Einen vor der Dame seines Herzens
+leidenschaftlich niederknien. An einer andern Stelle
+<a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>wieder suchte ein Tänzer seine entschwundene, im
+Gewirr verlorengegangene Tänzerin. Andern Ortes
+wieder erteilte eine Schöne ihrem bisher so dienstfertigen
+Galan und Ritter urplötzlich den Abschied,
+dass ihn die Bestürzung, in die er sich unvermuteterweise
+geworfen sah, zittern machte, und ihm die
+grausame Enttäuschung die Gesichtszüge verzerrte.</p>
+
+<p>Colombine, so nannte sich eine übermütige schelmische
+Tänzerin, die mit ihrer ans Unglaubliche grenzenden
+Tanzkunst die Bewunderung aller derer, die sie
+sahen, hervorrief. Sie tanzte ganz allein, als wenn
+es keinen Tänzer gegeben hätte, der fähig gewesen
+wäre, sie mit einigem gleichmässigem Geschick zu
+accompagnieren. Und doch gab es einen! Aber von
+diesem tollen Burschen reden wir später. Einstweilen
+neigen wir uns voll Staunen und Mitleid zu einem
+armen Narren herab, der, einer Statue, einem Steinbild
+ähnlich, in einem Winkel des Saales am Boden
+kauerte, wo er sich auf die ausgiebigste Art mit
+düsterer Philosophie, mit schrecklicher Betrachtung des
+Lebens abzugeben schien, ganz in Trauer, in Wehmut
+und in tödliche Melancholie gehüllt. Tausenderlei
+giftige Spitzfindigkeiten schienen den armen unglücklichen
+Menschen in diesen Zustand der Gebrochenheit
+und Zerrissenheit versetzt zu haben. <ins title="Pierrot">Pierot</ins> oder
+Mehlmann hiess er, und er glich auf gewisse Art dem
+tödlich verwundeten Helden, der das Gefühl hat, dass
+er verbluten muss. Sein eigenes krankes Wesen war
+es vielleicht, das ihn hier im verlassenen Winkel an
+den Boden niederstreckte. Des armen tragischen Narren
+Wangen waren mit Mehl bestreut. Seine Lippen waren
+rot wie Rosen, aus seinen jungen dunkeln Augen
+drang ein unnennbarer Seelenschmerz, und die gefärbten
+<a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>Lippen lächelten ein graziöses und verzweifeltes Lächeln.
+»Schade um den jungen Mann!« musste der ausrufen,
+der ihn sah, aber es beachtete ihn niemand, dessen
+Kopf ein zierliches Dummkopfkäppchen schmückte,
+dass der Schmerz und der Gram noch lächerlich aussahen
+und der Hoffnungslosigkeit, dem Leid noch
+der Ausdruck frivoler Dummheit anhaften musste.
+Warum kam er hierher, wo alles lachte und tanzte?
+Was bezweckte er mit seinem unerfreulichen Auftreten?
+Was hoffte er von seiner Erscheinung? Vielleicht war
+er ehmals fröhlich gewesen. Jetzt aber war er todesmüd
+und matt. Denn von der Lebensmüdigkeit, die
+ihn erfüllte, redete die Sterbensblässe, die ihn bedeckte,
+deutlich. Wer versetzte ihm den Stoss? Sein eigener
+verderblicher Charakter selber? Hm! Kann sein.</p>
+
+<p>Angenehm oder unangenehm bemerkbar machte
+sich auf dem Maskenball durch ein höchst lächerliches
+Gehaben und Gebaren, das ihn zum vollkommenen,
+ganz und gar in der Schafsköpfigkeit ertrunkenen
+Schafskopf stempelte, ein zweiter und zwar ältlicher,
+sehr soignierter Narr. Vorhergehender Narr war sozusagen
+ein ernster Narr. Dieser aber gehörte zu der
+Kategorie der fraglos lächerlichen Narren. Himmlisch
+war der hohe, steife, feierliche Hut auf seinem ausgesprochenen
+Pantoffelheldkopf. Seine enorme Krawatte
+war grasgrün, seine gebogene lange Nase gesprenkelt
+mit roten und weissen Tupfen. Fabelhaft lächerlich
+war sein Beinkleid, mit welchem er offenbar zu imponieren
+hoffte. Die Handschuhe, die er trug, waren
+knallgelb und sein ganzes Auftreten zeugte von verblüffender
+Geschmacklosigkeit. Der Herr hiess Pantalone
+oder Hosenmann und wie es sich herausstellte,
+war er fürchterlich verliebt, der alte Racker, und
+<a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>zwar in wen?, ei ja doch, in die reizende Colombine,
+für die er ein verliebtes süsses Liebesbriefchen in der
+Tasche trug, um es der Schelmin bei günstiger Gelegenheit
+in der Einbildung zu übergeben, die ihm
+vorschwindelte, dass das schöne junge Mädchen Gefallen
+am alten, aber freilich schwerreichen Gecken
+finden werde, sobald der alte Torenknabe nur seine
+Börse öffnen würde. Hui! aber das Liebesbrieflein
+mit den üblen Anspielungen flog ihm um die Nase
+und wurde in tausend kleine Fetzen zerrissen, die
+wie Schneeflocken herumwirbelten, und Pantalone
+musste mit samt seinem gravitätischen imposanten
+Spazierstock gütig abspazieren und noch dazu eine
+ganze Salatschüssel voll Gelächter und spöttischer
+Bemerkungen aufessen. Ausgelacht und fortgeschickt
+zu werden ist wahrhaftig kein Leckerbissen. Drohungen
+ausstossend und Augen wild rollend verliess Hosenmann
+den Tanzsaal, und die Grazien riefen ihm
+nach: »Auf Nimmerwiedersehen.«</p>
+
+<p>Wir haben den tiefernsten und trauervollen Narren
+und dann den eitlen, albernen und spiessbürgerlichen
+Narren gesehen und wenn uns diese beiden interessiert
+haben, so wird uns gewiss nicht minder der
+dritte, nämlich der fröhliche kecke und übermütige,
+der schöne und glückliche Narr interessieren, das Ideal
+des Maskenballes, Hanswurst oder Harlekin mit der
+spitzbübischen frechen Pritsche, mit welcher er, leise
+alle Menschen neckend, im Saal herum tanzte, indem
+er alle, die ihn sahen, durch seine unschuldige antiloppenhafte
+Fröhlichkeit und Lustigkeit in helles Entzücken
+setzte. Sein leichtes Kleid oder Gewand klebte ihm
+nur so am jugendlich-schönen tänzerischen und turnerischen
+Körper, der die gewagtesten und zugleich anmutigsten
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>Bewegungen ausführte, dass es eine Freude
+war, ihn tanzen und tändeln zu sehen. Dieser Bursche
+war der erklärte Liebling aller und er war im besondern
+der Geliebte der schönen Colombine, die mit ihm in
+treuer Anhänglichkeit und Liebe starb und lebte. Ihre
+Augen verfolgten jeden Augenblick seine liebenswürdige
+Gestalt, die bald erzkomisch stillstand, als sei
+Harlekin oder Hanswurst ein rechter Trottel, die aber
+bald wieder wie eine durch keinerlei Schwergewicht
+gehemmte Engelsgestalt sich vom Tanzboden loslöste
+und alsdann Wunder der Tanzkunst verrichtete, bald
+einem eilfertigen artigen Windhund, bald einem Wiesel,
+bald einem Eichhörnchen glich und immer voll bildhafter
+Schönheit war. Flog Hanswurst am schwermütig
+träumenden und kauernden armen Pierot vorbei, so
+versetzte er ihm mit seiner Narrenpritsche einen leichten
+kameradschaftlichen Schlag auf die Schulter und sprach
+flüchtig zu ihm: »Komm, sei doch vernünftig, du
+dauerst mich.« Hanswurst, dieser tolle Bursche, der
+mit seinen geschmeidigen Beinen alle Schwere und
+allen Erdenernst verspottete, war in seinem witzigen
+Übermut so schön, und in all seiner Ausgelassenheit
+so treuherzig, dass niemand im Saal auf den Einfall
+kam, ihm sein lustiges Wesen übel zu nehmen, vielmehr
+befreundete sich jedermann im Augenblick mit
+ihm, und es hatten ihn alle von Herzen gern. Aber
+der liebe Bursche selber auch hatte ein Gefühl und
+ein Herz und ein Denken für alle, das sahen und
+fühlten alle. Indem er witzelte und tändelte, blieb er
+immer eine freundliche und angenehme Erscheinung,
+und indem er lustig war, belustigte und ergötzte er
+die andern. Seine bildhübsche Gestalt und seine scherzhafte
+Einfalt verbreiteten tiefe Rührung, und wenn er
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>in die Luft emporflog und tanzte, war er gross und
+bedeutend. Sein Glück machte alle andern glücklich.
+Sein Anblick war zugleich unterhaltend und wohltuend.
+Indem Hanswurst an sich selber und an sein eigenes
+Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn <ins title="trieb">trieb,</ins>
+und der eigentümliche Umstand, dass er an alle andern
+dachte und dass er die Ursache vom allgemeinen
+Vergnügen war.</p>
+
+
+
+<h2>Die Verlassene.</h2>
+
+
+<p>Eisig kalter Wind brüllte und sauste durch die
+düsteren Strassen. Unbarmherziger Wind, und alles
+war finster, hoffnungslos und düster. Alle guten Eingebungen
+und alle guten Gedanken waren mir verloren,
+und ich selbst war verloren. Alles Gute, Milde
+und Schöne war hoffnungslos verloren. Die Seele war
+verloren. Alles kalt und tot, und die Welt gestorben.
+Alles Leben, alle Liebe und alles gute Denken waren
+wie vom finster brüllenden und tosenden Wind verschlungen,
+der wie ein gefrässiges Ungeheuer durch
+die hoffnungslosen, öden und leeren Strassen stürmte.
+Behaglichkeit und Geselligkeit waren wie für immer
+von der Erde verschwunden. Befriedigung und Freude
+schien es von nun an keine mehr geben zu können.
+Die langen Strassen voll scheusslicher Freudlosigkeit,
+voll entsetzlicher Leere zogen sich ins Ungeheure, ins
+Namenlose, ins Unendliche und ins Unfassbare hinaus,
+und endlos schienen Hoffnungslosigkeit und Lieblosigkeit
+zu sein. Kein Stern und kein freundlicher Mond
+waren am Himmel, das Furchtbare und Schreckliche
+war zur gähnenden Wirklichkeit geworden, und das
+Gerechte, Gute, Sanfte, ach du grosser Gott im Himmel,
+<a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>war nur noch ein bleicher, müder, nebelhafter Traum,
+wert, dass man ihn matt belächle. Und die Menschen
+waren arme, bleiche, kranke, sturmgejagte, ins Entsetzen
+hineingepeitschte Sklaven. Niemand traute mehr dem
+Andern. Nachbarliebe und Güte waren verschwunden,
+verloren, und die Wohnhäuser waren Schreckens- und
+Entsetzenshäuser, Stätten des erschütternden Hasses
+und des vernichtenden Mordes. Wild stürmte ich dahin,
+gejagt und getrieben von wilden Gewissensbissen,
+von schrecklicher Vorwürfen ungeheuerlich lodernder
+Feuersbrunst. Alles war verloren, ich hatte keinen
+einzigen guten Gedanken mehr. Arm und elend war
+ich, wie nie zuvor. Zerrissen im Innersten war ich,
+wie nie zuvor. Unglücklich, arm und elend, o, dass
+ich es noch einmal sage, war ich, wie nie zuvor. Der
+Sturmwind riss mir den Mantel empor, dass er sich
+über meinem Kopfe hochauftürmte, und ich glich auf
+der finstern mitternächtlichen Strasse in all der Finsternis
+und Düsternis dem fürchterlichen König Richard,
+dem ewigen Juden und dem Mörder Paricida. Ich war
+betrogen worden und war wieder selber Betrüger, ich
+war belogen worden und log wieder selber. Die
+Menschen hassten mich und ich hasste, verachtete
+die Hasser und Verächter. Sie hatten mich verraten
+und an den Verrätern übte ich selber wieder traurigen
+Verrat. Ein unendliches Sehnen nach Einfachheit,
+nach reiner Sitte, nach Treue und Liebe, nach
+Treuherzigkeit und nach Vertrauen, jagte mich umher,
+bis ich endlich ein trauriges verwahrlostes Armutshaus
+fand, in das ich eindrang.</p>
+
+<p>Obwohl das Haus einem Schlupfwinkel für Räuber
+und Verbrecher glich, trat ich dennoch ohne das geringste
+Zögern und mit guter Zuversicht hinein, denn
+<a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>ich musste mir sagen, dass ich nichts mehr zu verlieren
+hatte. Die verhärtete, eisenfeste, hoffnungsarme
+Seele war auf alles Schreckliche und Hässliche nur zu
+lang schon gefasst. Nicht von Ferne erwartete ich mehr
+irgend etwas Gutes und etwas Schönes. Kälte ringsumher
+und Kälte mitten im eigenen Herzen. Ich stieg
+das armselige, verwüstete, finstere Treppenhaus empor,
+auf einem Treppenabsatz kauerte ein armes junges
+Mädchen, dessen Haar ich mit der Hand streifte.
+Die Treppe war in ihrer ächzenden, stöhnenden,
+krachenden Verlottertheit furchtbar, denn mir war es,
+indem ich sie betrat, als sei sie die letzte aller Treppen,
+die Treppe, die zur Vernichtung, zur Verzweiflung,
+zum verzweiflungsvollen Selbstmord führen müsse.
+Trotzdem stieg ich empor, und ich erinnere mich, dass
+mir das elende Herz vor Bangigkeit zum Zerspringen
+klopfte und dass ich nach jedem kleinen Schritt innehielt,
+um mit angespannter Sorgfalt in all die Leere
+und in all die grausame kalte Finsternis hinein zu
+horchen und zu lauschen, aber es bewegte, regte,
+rührte sich in all der Entlegenheit und Einsamkeit
+nicht das Mindeste. Alles war totenstill im schrecklichen
+Haus der Armut. Im Bauche eines schlummernden
+Ungetümes konnte es nicht lautloser und
+stiller sein.</p>
+
+<p>Über die Wohnungstüre, an die ich endlich im Dunkel
+tappte, muss ich noch besonders reden, denn sie war
+nicht wie irgend eine andere beliebige Türe, sie war
+offen! Sonst sind Türen sorgfältig verschlossen, ja sogar
+manchmal oder vielmehr häufig, ängstlich zugeriegelt.
+Diese Türe hier war nur nachlässig angelehnt, so als
+verlohne sich in der ganzen Welt in Zukunft infolge
+überhandnehmender Gleichgültigkeit und Herzlosigkeit
+<a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a>keinerlei Treue und behutsame Aufmerksamkeit und
+Sorgfalt mehr und so, als sei in Zukunft im menschlichen
+Leben alles, alles gänzlich gleichgültig, und so,
+als sei alles, alles lebensüberdrüssig, müd, abgestumpft,
+ruchlos, kalt und gleichgültig, und so, als sei es gleich
+geworden, ob noch ein Leben vorhanden sei oder ob
+alles tot, nackt und zerrissen sei, und ferner so, als
+sei jede feinere, zartere Gemütsbildung ein Ding der
+Undenkbarkeit und etwas völlig Nebensächliches und
+Überflüssiges geworden, und zuletzt so, als freute sich
+die geknickte, zertretene und entmenschte Menschheit
+gar noch über ihre Verwahrlosung, über ihre Zerstückelung
+und über die Verwüstung. Wüste hier und
+Wüste dort, doch das macht nichts. Es ist ja jetzt
+alles, alles, alles gleichgültig ... So ungefähr redete
+die wüste, müde, traurige Türe, die ich nicht zu öffnen
+brauchte, weil sie bereits offen war. Eine solche Türe
+hindert niemanden, in eine Wohnung einzudringen,
+und so drang ich denn in den Korridor hinein, Schritt
+für Schritt, äusserst behutsam und vorsichtig, und bei
+jedem Schritte fleissig lauschend.</p>
+
+<p>Vorhin die elende, traurige Treppe, dann die Türe,
+die nicht minder arm und elend war, und jetzt der
+dumpfe kalte Korridor, der ebenso arm, öd und elend
+war wie Treppe und Türe, ich selbst angestrengt auf
+das hervortretende Schrecknis lauschend, auf dessen
+Erscheinen ich gefasst war, weil ich mir sagte, dass
+an solchem Ort nichts anderes als Schreckliches zu
+erwarten sei, mein Dastehen in der entsetzlichen Erwartung
+dessen, was jetzt kommen musste: Ich darf
+wohl sagen, dass es einigen Mut brauchte, um den
+sinkenden, zusammenstürzenden Mut noch einigermassen
+aufrecht zu halten und in dieser Öde auszuharren,
+<a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a>in diese Wüste und Öde weiter einzudringen.
+Plötzlich jedoch zitterte ein süsser zarter
+Lichtschein aus einer Ritze mir entgegen, und ich
+glaubte eine schöne hohe gelinde Liebesmelodie zu
+vernehmen von weit, weit her und doch auch wieder
+aus allernächster Nähe. Ich öffnete eine Türe und
+stiess einen Schrei des Entzückens, der entzückenreichen
+Überraschung aus. In einem lichten schönen
+warmen Zimmer oder Gelass sass eine Frau, und ich
+kannte sie von früheren Zeiten her und jetzt tönte
+von allen Seiten her frohe Freuden- und Trostmusik.
+Wie von allen offenen blauen Himmeln herab rauschte
+und rieselte das goldene, heitere Konzert, und Wälder,
+Wiesen und Felder schienen mir mit einmal nah, ich
+sah alle schönen, guten, befriedigenden lieben Farben,
+und die schöne Frau, die wie ein Engel aussah, lächelte
+mich freundlich und liebreich an, als sie mich elenden
+armen Wanderer, Umhergetriebenen erblickte. Alles
+war plötzlich wieder gut, eine sonnige, wonnige Jugendkraft
+stürzte über mein Wesen, und ich vergass mit
+einmal allen Gram, und alles Elend, aller Unglauben
+waren mit einmal dahin. Ja doch, das war der wunderbare,
+wenngleich düstere Ort, wo ich die herrliche
+Verlassene wiederfand, der Ort der Einsamkeit, wo
+ich die schöne Verlassene wiedersah. Das war sie,
+die himmlische Ausgestossene, die wunderbare Verfehmte,
+die himmlisch schöne Einsame und Verlassene.
+Ich eilte, hinreissendem Antrieb gehorchend und mich
+zu der schönen Bewegung beglückwünschend, zu ihr
+hin, zu der Frau, die hier in der Verstossenheit und
+in der Verfehmtheit hauste und kniete vor ihr nieder,
+und die Entzückende schaute mich gütig an. &ndash; Sie
+tat nicht fremd. Ich war ihr gut. Ich war ihr recht.
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a>Sie zeigte sich über meine Gegenwart erfreut, und
+das freute mich unendlich.</p>
+
+
+
+<h2>Die Mörderin.</h2>
+
+
+<p>Es fällt mir ein, dass ich neulich mit einem Landwirt
+über den Berg ging. Wie wir so von allerlei
+Dingen plauderten, trat uns auf der Strasse, mitten
+im hübschen Bergdorf, eine stämmige Frau entgegen.
+Diese Bauernfrau war mir durch weiter nichts als
+durch ihre feste kerngesunde Erscheinung aufgefallen.
+Näher war mir nicht eingefallen, sie zu betrachten.
+Als die Frau an uns vorübergegangen war, hielt es
+der Wirt für erlaubt (worin er ganz recht hatte) die
+ruhige Bemerkung zu machen: »Der Frau, die da soeben
+an uns vorüberging, haben Sie gewiss nicht angemerkt,
+dass sie fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus
+hinter sich hat.« Erstaunt fragte ich: »Warum?« Mein
+Wirt beeilte sich mit Aussagen in keiner Weise. Es
+verging eine Pause, nach deren Verlauf er sagte:
+»Sie hat einst ihren Mann totgeschlagen.« Entsetzt
+erkundigte ich mich nach den näheren Umständen.
+Wieder schwieg der Landmann, der über den Berg
+ging, um seine Matten zu beschauen, eine kleine
+Weile, worauf er mit sonderbarer Behaglichkeit, als
+sei er ein überlegener Erzähler, und als erzähle er
+eine halbverschollene Ballade oder Schauergeschichte,
+Folgendes vorbrachte: »Eines Morgens trat sie mit
+einer Hacke oder Karst in der Hand in das Schlafzimmer
+ihres Mannes, der im Bett lag. Als derselbe
+die Augen aufmachte und sie so sah, fragte er, weil
+ihn offenbar die Hacke erschreckte: »Was willst du
+hier im Zimmer mit der Hacke?« Darauf erwiderte
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a>die Mörderin: »Das will ich dir eben jetzt zeigen.«
+Mit diesen furchtbaren, gewissermassen trocken-humoristischen
+Worten, holte sie zum Schlag aus und
+schlug ihm den Kopf ein.« Ich bat den Wirt, mir zu
+sagen, weshalb die Frau eine so grässliche Tat verübt
+habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete <ins title="er">er,</ins> »man
+hat es vergessen. Möglich ist, dass der Mann ein
+Trinker war, der nicht schaffen wollte und damit seine
+Ehefrau in die Erbitterung trieb.« Da ihn seine Absichten
+einen andern Weg als den, den ich verfolgte,
+gehen hiessen, so verabschiedete er sich, und ich ging
+allein weiter, indem ich über das Verbrechen noch
+allerlei stille Betrachtungen anstellte und mich besonders
+über das gute unbefangene Aussehen der
+Frau wunderte, die wir so still und ohne alles Auffallen
+an uns hatten vorbeigehen sehen, als sei sie
+nicht sie selbst, sondern eine beliebige Andere, nicht
+eine Mörderin, sondern irgend eine wackere rechtschaffene
+fleissige Frau. »Erstaunliche Kraft muss
+jedenfalls in ihr liegen«, dachte ich, »eine Untat und
+fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus und von allem dem
+nicht das geringste Kennzeichen zu offenbaren: Welche
+Summe von Unbeugsamkeit.« &ndash;</p>
+
+
+
+<h2>Die Brüder.</h2>
+
+
+<p>Darf ich dich, o du Guter, leise und gewiss ganz
+zaghaft an die Zeit erinnern, wo wir Beide, du als
+beginnender schaffender Maler und ich als heimlich
+beginnender angehender Poet, uns mit unserer jugendlich
+anstrebenden Kunstburschen- oder Kunstlehrlingschaft
+und was alles hübsch damit zusammenhing, zu
+S.... aufhielten? Meines Wissens schrieb und schickte
+<a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a>ich dir, bevor ich in Person bei dir anlangte und auftauchte,
+ein ziemlich langes Sehnsuchts- und Freundschaftsgedicht,
+das du empfingest und mit Genuss
+lasest. Himmlisch dünkt mich das, wenn ich daran
+denke, obgleich es natürlich zum Lachen ist. Göttlich
+schön und gross ist es, junge Wangen und junge
+Lebensanschauungen zu haben, ein unaussprechliches
+Sehnen nach dem Leben zu empfinden und achtzehn
+Jahre alt zu sein, denn ungefähr so alt waren wir
+damals beide. Herrlich kamen mir die Residenzstadt
+S.... und du selbst vor; du warest in den Augen
+des frischen Ankömmlings nichts geringeres als ein
+imposanter Haupt- und Weltstädter. O wie sind
+jugendliche Unwissenheit und Unerfahrenheit schön!
+Was Gutes und Schönes erwirbt man denn eigentlich
+mit der Erfahrung? Sehr viel Wertvolles sicher nicht.
+Du geleitetest mich freundlich durch die Strassen in
+eine gewisse Gerbergasse hinein und dann hinein in
+die berühmte und sicher uns allen beiden unvergessliche
+Herberge zur Heimat, wo wir gemeinsam ein
+Zelt aufschlugen oder mit andern Worten eine Stube
+bezogen, um gemeinschaftlich darin zu wohnen und
+zu hausen, was sicher nur unser Vorteil und nicht
+unser Nachteil war. Entzückend, so schwöre und behaupte
+ich, sind erste kühne Künstler-Flugversuche,
+die mit öfteren Abstürzen verbunden sind. Aber ist
+das Hüte aus dem Fenster hinaus- und auf Passanten
+in die Strasse herabwerfen nicht vielleicht noch fast
+schöner als alles Malen, Musizieren und Dichten?
+Waren wir nicht im Hutwerfen erlesene erste Meister
+und wahre dämonische Virtuosen, und sah sich der
+gute freundliche Wirt oder Herbergsvater nicht genötigt,
+uns vor Fortsetzungen des reizenden Unfuges
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a>väterlich zu warnen? Ach es ist vielleicht, von einem
+gewissen Gesichtspunkt aus gesehen, hundert-, wenn
+nicht gar tausendmal schöner, seinen oder seines Bruders
+Hut aus dem Fenster fliegen und wirbeln zu
+lassen, damit Vorübergehende unten staunen, als ein
+vollendetes Gedicht zu schreiben, damit das liebe Publikum
+staune. Gab es nicht in unserer Kunststube
+eines schönen Tages einen überraschenden Hofpredigerbesuch,
+über den wir Beide einen Monat lang
+lachten? Ich stand gerade nackt da, dir als Modell
+zu einem Cäsars Leichnam beweinenden Markus Antonius
+dienend, als die Türe des Studier- und Aktzimmers
+unerwarteterweise aufging und dicht und
+urplötzlich vor uns strebenden armen Sündern wer
+stand? Der Herr Hofpfarrer. »O Gott, was muss ich
+mit meinen Augen erblicken? Was geht hier vor?«
+rief er aus und trat unverzüglich den Rückzug an, der
+in wilde Flucht ausartete. Wie gab uns das Entsetzen
+des guten Herrn, der künstlerischen Übungen offenbar
+fremd gegenüberstand, zu lachen. Lebten wir
+zwei Jünger und Brüder, Neulinge, Anfänglinge und
+Novizen nicht wie auf einer reizenden Freundschafts-
+und Verbrüderungsinsel, auf der alles gut und schön
+und sorglos ist, wo in ununterbrochenem freundlichem
+Gelispel und Gesäusel und in einem fortwährenden
+süssen Frieden die lebendigen Geschöpfe sich des
+zutrauenreichen, gütigen Daseins erfreuen, Himmel
+und Erde und Kreatur zusammengewachsen sind, und
+wo der Mensch so harmlos und gutherzig wächst und
+hinlebt vom Tag in die Nacht und von der Nacht in
+den Tag hinein wie die duftenden Blumen, die Pflanzen
+und die treuen guten Bäume. Wateten wir nicht ganze
+schöne Sonntage und sonstige Tage lang im üppig-grünen
+<a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a>Landschaftsgras und in der göttlich weichen,
+träumerischen Mai-Landschaft umher, um dann da und
+dort unter blühenden Apfel- und Birnenbäumen vom
+Streifen und »Landschaften«, vom schwierigen Malen
+und Versemachen köstlich auszuruhen, wobei wir oft
+einzuschlummern geruhten wie Grafen und Fürsten,
+um später wieder zu erwachen wie Prinzen? Wir
+lasen noch nicht Verlaine, aber wir lasen dafür doch
+Heinrich Heine und Uhland, und die mundeten und
+schmeckten uns nicht schlecht. War nicht auch das
+freie gliedererfrischende Baden im Neckar herrlich
+und beglückte uns nicht in Dorfgasthäusern der Genuss
+von Birnenmost? Wenn wir vom kühnen Ausmarsch
+grässlich staubig und hungrig wieder in unsere Herberge
+zurückkamen, so bestellten wir ja bekanntlich
+jeweilen je einen Rostbraten mit gemischtem Salat
+für die Wanderer und Herren Gebrüder, worüber die
+ganze Stube höchlich staunte. Soupieren und dinieren
+grosse und reiche Herren reicher und besser als wir
+Zwei damals? Das finde ich sehr fraglich, denn für
+uns war der Rostbraten ein Götterschmaus nach trefflich
+überstandenen Wanderanstrengungen. Wie ist es
+schön, arm und jung und unbekannt zu sein. Wie
+gerne gäbe mancher Schwerberühmte seinen Ruhm
+und all sein Ansehen für einen Achtel oder auch
+nur Achtzigstel, für einen Drittel oder Dreissigstel
+des Jugendzustandes her. Die Jungen sehnen sich
+nach Ehre, Ruhm, Erfolg und Ansehen, aber die Berühmten
+und die Mächtigen sehnen sich wieder in
+das arme wilde Jugendsehnen und in das heisse beglückende
+Ringen mit der Existenz zurück. Der Erfolg
+macht nicht glücklich, aber es muss ja eine Arbeit
+und ein Streben auf dieser armen, widerspruchsvollen
+<a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>Erde sein. Es muss ja einen Ruhm und einen
+Reichtum geben, aber Ruhm und Reichtum vermögen
+nur niedrige und flache Seelen zu beglücken. Es muss
+auf dieser Erde ein ewiges Auf und Ab und eine
+ewige Niebefriedigung sein. Ist nicht auch dir, ganz
+so wie mir, die Gestalt der gütigen, liebenswürdigen
+Opernsängerin B... in Erinnerung geblieben, die die
+hohe Freundlichkeit hatte, uns zwei doch sicher ziemlich
+arme Teufel, wahre Muster und Vorbilder an
+Unbeachtetheit, zu einem graziösen schöngeistigen
+Tee huldreich einzuladen? Sprangen und liefen wir
+nicht eine Zeitlang fast allabendlich mittels uns vom
+gnädigen und freigebigen Freiherrn-Intendanten gütig
+verabreichten und freundlich gegönnten Freikarten in
+das schimmernde Hoftheater, wo wir unter zahlreichen
+andern reichen Stehparterregenüssen den Genuss
+hatten, die Eysoldt als zierliche Desdemona und den
+kraftvollen Matkowsky als dieselbe im Sturm der
+Mohreneifersucht tötenden und abmordenden Othello
+zu sehen, und gab es für uns etwas Höheres und
+Schöneres als das? Nicht von ferne! Und die dürren
+oder gedörrten Zwetschgen, die wie unglückliche arme
+Ertrunkene auf dem Mittagstisch im Teller voll Wasser
+schwammen, könnte es denkbar sein, dass du sie vergessen
+hättest oder dass du sie je würdest vergessen
+können? Ebenso des knorrigen Betknechtes und -Bruders
+Knoop schrille Andachtstimme und Worte? Was vermöchtest
+du mir entgegenzustellen, wenn ich auf die
+Tribüne der Beredsamkeit stiege und laut sagte, dass
+nach dem Gefühl derjenigen, die vermöge einer erreichten
+Altersstufe in das abendsonnen- und morgensonnenbeschienene
+Land der Vergangenheit blicken,
+vergangene schöne Stunden ein Heiligtum seien? Ergreift
+<a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a>nicht dich auch Rührung bei dem Gedanken
+an das fröhliche Frühe, an das heitere Einst?</p>
+
+
+
+<h2>Schüler und Lehrer.</h2>
+
+
+<p>Ein Lehrer, den seine Schüler um seines lebhaften
+Wesens willen hochachteten und lieb hatten, ertappte
+eines Tages in der Stunde einen von denselben bei
+einer Schlingelei, worüber er ausserordentlich zornig
+wurde. Der Schüler, der das Unglück hatte, seines
+Lehrers Unmut in so hohem Mass auf sich zu lenken,
+war bis dahin der Lieblingsschüler des Mannes gewesen,
+den er unvorsichtigerweise tief gekränkt hatte,
+aber von nun an war er in des Lehrers Augen ein
+Abscheuling, den derselbe Tag für Tag vor der ganzen
+Klasse grausam herabsetzte und erbärmlich verprügelte,
+eine Behandlung, die der Erzürnte dem armen Jungen
+versprach pünktlich und getreulich fortzusetzen. Zweifellos
+hatte der Lehrer einen persönlichen Hass auf
+ihn geworfen, und der Erwachsene ging hierin dem
+Kleinen gegenüber zu weit. Der Knabe, der sich so
+urplötzlich aus dem weichen Sitz des Wohlwollens
+auf die harte Bank der Ungnade herabgeworfen und
+sich so unvermutetermassen vom gepriesenen Schüler
+in einen notorischen Bösewicht verwandelt sah, wusste
+sich nicht zu helfen. Nachdem er indessen durch
+Wochen so tapfer als er vermochte, das traurige Los
+eines gesunkenen Bevorzugten und die damit verbundene
+grausame und verachtungsvolle Behandlung
+ertragen hatte, griff er eines Tages, vom Bedürfnis
+gedrängt, eine Veränderung der schier unerträglichen
+Lage herbeizuführen, zur Feder und schrieb an seinen
+grimmigen Verfolger und Peiniger Folgendes: »Ich
+<a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a>kann mich, da ich meinen lieben Eltern kein Geständnis
+machen darf, weil ich ihnen nicht zu den
+vielen Sorgen, die sie haben, noch eine neue bereiten
+will, an niemand anderes als an Sie selber wenden, um
+zu versuchen, ob es mir möglich sei, wieder einige
+Gunst von Ihnen zu erlangen. Vielleicht wird dieser
+Brief Sie veranlassen, aufzuhören, mich mit Schmach
+zu bedecken. Da ich, wie ich bereits sagte, meinen
+Eltern mein Leid nicht klagen kann, so klage ich es
+Ihnen. Da ich diejenigen nicht bitten will, mich in
+Schutz zu nehmen, die mich lieben, so trage ich die
+Bitte dem vor, der mich hasst und an mir seinen
+Zorn auslässt. Also bitte ich den um Schutz, dem
+ich schutzlos preisgegeben zu sein scheine und ersuche
+den um Schonung, der, weil er sich durch mein
+Betragen beleidigt fühlt, schonungslos mit mir verfährt.
+Ich habe den Mut, wie Sie sehen, dem mein
+Leid zu klagen, der es mir zufügt und dem meinen
+Schmerz anzuvertrauen, der ihn verursacht. An der
+Schule habe ich keine Freude mehr.« Der Lehrer,
+dem der Inhalt des Briefes allerlei zu betrachten
+und zu bedenken gab, verhielt sich gegenüber dem
+Schüler von da an wieder milder.</p>
+
+
+
+<h2>Sohn und Mutter.</h2>
+
+
+<p>Ein liebes, gutes Mütterchen, wahrhaftig: ich
+meine, man sollte ihr ein Denkmal errichten! führte
+durch fleissige Sparsamkeit und durch nächtelanges,
+emsiges Nähen die schöne Möglichkeit herbei, dass
+ihr Sohn, den sie fast wie einen Abgott liebte, die
+hohe Schule besuchen und sich dadurch die beste
+Bildung erwerben konnte. Merke dir, lieber aufmerksamer
+<a class="pagenum" name="Page_32" title="32"> </a>Leser, was nun geschah. Der grosse Sohn,
+Gegenstand der mütterlichen Aufopferung, blitzendes
+Juwel und köstlicher Edelstein von Sohn, machte freilich
+mit der Zeit so grosse Fortschritte, dass er in
+jungen Jahren schon hoch hinaufkletterte und es zu
+einer Stellung brachte, die ihm nicht nur erlaubte, die
+ihn vielmehr geradezu nötigte, sich aufzublasen, hochmütiges
+Wesen kalt und nachlässig zur Schau zu
+tragen und den grossen Herrn zu spielen, als welcher
+er sich rasch über seine arme bescheidene Herkunft
+hinwegsetzen lernte. Vorzüglich dickes, fettes und
+hochangesehenes Tier, wie man so sagt, fühlte er sich
+über alle kleinen engen Nöte des täglichen Lebens
+erhaben, und mit der stets höher und höher steigenden
+Wertschätzung der eigenen werten und wichtigen
+Person vergass er den mütterlichen Menschen. Das
+arme gute Mütterchen! Ei, die soll doch nur hübsch
+brav in ihrem Sorgen- und Dachstübchen stillsitzen,
+denn derlei Personen kann man ja unmöglich in die
+feine Gesellschaft einführen. In der hohen Atmosphäre
+und in den glänzenden Verhältnissen, in denen Emporkömmlinge
+leben, redet bekanntlich niemand ein
+Wörtchen über Kindesdankbarkeit und -Liebe. Von
+schwüler, genussreicher Liebe wird dort wohl gesprochen,
+aber über schlichte Liebe zuckt man bestenfalles mitleidig
+die stolze Achsel. Wenn wir nun auch den Fall
+setzen und annehmen, dass der grosse Sohn sein
+Mütterchen einmal habe besuchen wollen, so müssen
+wir doch sogleich bedenken, dass ein solcher Besuch
+unmöglich war, weil der Vortreffliche ja für den Eintritt
+in die Armutstube durch den engen ärmlichen
+Rahmen der bescheidenen Stubentüre viel zu breit
+und breitspurig, viel zu dick und zu geschwollen, viel
+<a class="pagenum" name="Page_33" title="33"> </a>zu stolz und zu reich war. Für den Stolz und für den
+Hochmut gibt es Palast- und hohe breite Salontüren.
+Mehr zu sagen, ist wohl überflüssig, und man wird schon
+verstehen, wie ich es meine. Der Weg zum Mütterchen
+und damit zur menschlichen Bescheidenheit war
+und blieb dem Parvenü versperrt, wegen des Rahmens
+und wegen der kleinlichen Verhältnisse, in die er sich
+wieder zu schicken gehabt hätte. Vielleicht erlaubt
+man mir die freilich scheinbar etwas gefühlvolle Bemerkung,
+dass ich grosse Lust hätte, zu sagen, ich wolle
+vor dem lieben alten Mütterchen niederknien und
+dass es mich fast hinreissen möchte, das Geld, das
+die Mutter für den stolzen Tölpel in mühseliger Nachtarbeit
+zusammenrackerte, ehrfürchtig zu küssen. Der
+Tölpel mag nur immerhin mit Seinesgleichen spazieren
+gehen, wo es ihm beliebt. Vor ihm und Seinesgleichen
+beuge ich mich nicht, und ich werde für ihn und
+Seinesgleichen weder eine Artigkeit, noch irgend eine
+Achtung übrig haben.</p>
+
+
+
+<h2>Die böse Frau.</h2>
+
+
+<p>Eine Frau, die eines Tages, so wie die Dinge
+lagen, den Traum, den sie sich von ihrem Leben
+machen zu dürfen gemeint hatte, begraben musste,
+weinte ganze lange Tage und Wochen lang über den
+Verlust desselben. Als sie aber endlich ihren Schmerz
+ausgeweint hatte, war sie, fast zu ihrem eigenen Erstaunen,
+eine böse Frau geworden, die von nun an
+kein so lebhaftes Bedürfnis mehr wie dieses hatte,
+andere Frauen recht bestürzt, verlegen und niedergeschlagen
+zu sehen, indem sie sie unglücklich zu
+machen versuchte. Sie fing mehr und mehr an, jedes
+<a class="pagenum" name="Page_34" title="34"> </a>fröhliche weibliche Gesicht zu hassen, weil sie sich
+durch jede glückliche Miene gekränkt und beleidigt
+fühlte. Es drängte sie, gegen jederlei Vergnügen, das
+sie erblickte, Ränke und Bosheitspläne zu schmieden,
+da jeder heitere Anblick ihr weh zu tun schien. Darf
+ein unglücklicher Mensch es im Menschenhass so weit
+treiben? Nun und nimmer! muss entschieden geantwortet
+werden. Die durch vielerlei Leid, durch gescheitertes
+Streben nach Lebensglück verdorbene böse
+Frau machte es sich zur traurigen Aufgabe, junge
+Mädchen mit jungen Männern geschickt zusammenzuführen,
+sie gegenseitig aufeinander aufmerksam zu
+machen, sie enger und enger zusammen zu befreunden
+und, wenn dann die holde Freundschaft ihr reif
+zu sein schien, dieselbe durch listige Verrätereien,
+rohe Künste, grausame Verleumdung und Verwirrung,
+wieder zu zerreissen. Der Anblick einer weinenden
+verratenen Angehörigen ihres Geschlechts tat ihr dann
+wohl und war für sie ein Genuss. So und ähnlich
+trieb sie es ziemlich lange, währenddessen die um
+ihre Freude und ihre Zufriedenheit betrogenen Mädchen
+sie für eine edle und feine Frau hielten. Nach
+und nach aber merkte jedermann, wie böse sie sei, und
+sobald die Leute sich hierüber Gewissheit verschafft
+hatten, so wurde die gefährliche Gesellschaft fortan
+sorgfältig vermieden, derart, dass die böse Frau bald
+keinerlei Gelegenheit mehr erhielt, Unglück anzustiften,
+Böses zu tun und Unfrieden und Unbehagen zu verbreiten.</p>
+
+
+
+<h2>Berta.</h2>
+
+
+<p>Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor
+einer Fabrik. Ihr Vorgesetzter, ein allerdings leider
+<a class="pagenum" name="Page_35" title="35"> </a>Gottes schon etwas ältlicher Herr, sehr galant natürlich,
+spielt, so ist mir neulich zufälliger Weise zu
+Ohren gekommen, da er den Tag über mit ihr in
+Berührung kommt, den Liebhaber bei ihr. Einmal
+tut er, als sei er verliebt in sie bis über die Ohren
+und ein anderes mal wieder gebärdet er sich wie der
+gestrenge Herr und Meister und behandelt das ganz
+gewiss nette Mädchen mit ausgesuchter Kälte. Ist
+das nicht entweder ein Schlaukopf oder aber einer,
+der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer
+und morgen ist er ein Verächter des weiblichen
+Geschlechtes, je nachdem es ihm zu passen scheint.
+Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art
+einzig da, es gibt ihrer mehr, die es genau so oder
+ähnlich machen. Zu der und der Stunde möchte er
+sie vor lauter Verliebtheit auf den Händen tragen,
+ihr vielleicht gar die Hand kniefällig küssen; zu einer
+andern Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu
+haben und alsdann kommt sie ihm nicht anders als
+ein armes Tröpfchen vor, das nicht wert ist, auch
+nur flüchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit
+betrachtet zu werden. O, so ein Schurke,
+so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und bald ist er
+Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit
+groben Vorgesetztentönen an; bald bettelt er mit
+flehender Miene und Stimme wieder um Gnade, ganz
+je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es
+nicht als Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten,
+dass jemand, der diese Art von Arbeit über sich zu
+nehmen entschlossen wäre, dem wetterwendischen
+Halunken einen gehörigen Puff gäbe. Gewiss sind
+hunderte von Menschen ganz meiner Meinung, wenn
+ich sage, dass der Spitzbube zehntausend Rippenstösse
+<a class="pagenum" name="Page_36" title="36"> </a>verdiente. Geht auf Verehrersfüssen und gleichzeitig
+noch auf andern Füssen. Ist er etwa ein Vierfüsser?
+Ich weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich,
+dass ich nächstens Berta raten werde, alles aufzubieten,
+damit sie sich den launenhaften Mann unterjoche.
+Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich
+Frau wäre, parieren!</p>
+
+
+
+<h2>Die Wurst.</h2>
+
+
+<p>An was denke ich? An eine Wurst denke ich. Es
+ist schrecklich. Jünglinge, Männer, die ihr dem Staate
+dient, auf die der Staat seine Hoffnung setzt, betrachtet
+mich sorgsam und nehmt an mir ein abschreckendes
+Exempel, denn ich bin tief gesunken. Ich vermag
+mich vom Gedanken nicht loszureissen, dass ich
+soeben noch eine Wurst besass, die nun für immer
+dahin ist. Ich zog sie aus dem Kleiderschrank hervor,
+und bei dieser Gelegenheit ass ich sie. Mit offenbar
+nur allzu aufrichtigem Behagen habe ich verzehrt,
+was noch vorhanden sein könnte, wenn ich es nicht
+vertilgt hätte. Vor wenigen Minuten war die beste
+saftigste Wurst noch leibhaftig da, doch jetzt ist durch
+leider nur allzu voreiliges Verzehren die wohlschmeckendste
+Wurst verschwunden, worüber ich untröstlich
+bin. Was soeben noch da war, ist fort und niemand
+bringt es mir jemals wieder. Ich ass, was ich nimmermehr
+so schnell hätte essen, was ich mir lieber nimmermehr
+so eilig hätte schmecken lassen sollen. Ich habe
+aufgegessen, was mir noch jetzt schmecken könnte,
+wenn ich der Begierde widerstanden hätte. Ich beklage
+tief, dass ich der Begierde nicht widerstanden
+habe und dass ich verbraucht habe, was vor wenigen
+<a class="pagenum" name="Page_37" title="37"> </a>Minuten noch frisch und rot zu meiner Verfügung
+stand, was aber nun und nimmermehr zu meiner
+Verfügung stehen wird, weil ich es voreilig verbrauchte.
+Ich habe Gebrauch gemacht, wovon ich noch jetzt
+Gebrauch machen könnte, wenn nicht vorgefallen
+wäre, was vorgefallen ist und was nicht wieder gut
+zu machen ist. Was dahin ist, könnte noch ruhig
+und friedlich da sein, und was auf Nimmerwiedersehen
+verloren gegangen ist, könnte Appetit erwecken, doch
+das Appetit Erweckende ist dahin, und das beklage
+ich ehrlich, obschon ich einsehe, dass alles Klagen
+wenig oder gar nichts nützt. Was angetastet wurde,
+könnte unangetastet, was gegessen wurde, könnte unaufgegessen,
+was weggeschnappt wurde, könnte unaufgeschnappt
+sein, wenn ich vorsichtiger und enthaltsamer
+gewesen wäre, aber leider war ich weder
+enthaltsam noch vorsichtig, und das bedaure ich tief,
+obschon ich einsehe, dass Klage und Reue wenig
+oder gar nichts nützen. Was verschwunden ist, könnte
+vorhanden sein und was tot ist, könnte fröhlich leben.
+Was grausam zerbissen und zerstückt wurde, könnte
+ganz sein, aber es ist leider zerstückt, da hilft keine
+Klage. Was nicht mehr dient, könnte die besten
+Dienste leisten, und was weg und fort ist, würde
+mich noch jetzt mit seiner schönen Gegenwart erfreuen,
+wenn ich das Beklagenswerte nicht getan
+hätte, was ich mit leider nur zu viel Grund bedaure.
+Was, wie gesagt, fort ist, brauchte, wie gesagt, nicht
+bereits abhanden gekommen zu sein, wenn ich widerstandsfähiger
+und stärker gewesen wäre und bösen
+Neigungen entsagt hätte. Schlimme Begierden, ihr
+habt mich meiner Wurst beraubt. Ich habe gekostet,
+was als Kost noch fernerhin zu kosten wäre, wenn
+<a class="pagenum" name="Page_38" title="38"> </a>ich es ungekostet und ungenossen liegen gelassen
+hätte, worüber ich, wie ich bereits mehrfach sagte,
+trostlos bin, was ich nur immer wiederholen kann.
+Ich brachte mir eine Schlappe durch Probieren einer
+nur zu vorzüglichen Kost bei, die nun ausgekostet
+und ausprobiert ist, weil ich nicht enthaltsam gewesen
+bin, was ich bereue. Reue nützt nichts; sie macht
+den Wurst-Verlust eher grösser als kleiner, ich will
+daher versuchen, auf Reue zu verzichten, was aber
+jedenfalls sehr schwer ist, weil die Ursache, reuig zu
+sein, stark und gross ist. Ich habe mir eine Niederlage
+zugezogen, weil ich nicht aufgespart habe, was
+ich unbedingt hätte aufbewahren und in Acht nehmen
+sollen, was ich aber leider nicht in Acht nahm, obschon
+ich es kaum glaube, da ich immer des Glaubens
+war, dass ich stark und widerstandsfähig sei, worin
+ich mich aber scheinbar irrte, was mich schmerzt,
+obschon, wie gesagt, Reue offenbar gar nichts nützt.
+O, diese Wurst, ich schwöre, sie war herrlich. Wunderbar
+geräuchert war sie, und mit entzückenden Speckmocken
+war sie gespickt, und eine durchaus stattliche,
+annehmbare Länge hatte sie, und einen Duft hatte sie,
+so milde, so bestrickend, und eine Farbe hatte sie,
+so rot, so zart, und gekracht hatte sie, als ich sie
+zerbiss, ich höre noch jetzt beständig, wie sie krachte,
+und saftig war sie, etwas Saftigeres habe ich in
+meinem ganzen Leben nie gegessen, und dieses Saftige
+und Schmackhafte könnte noch jetzt schmackhaft und
+saftig sein, das Rote und Zarte noch jetzt rot und
+zart, das Wohlriechende noch jetzt wohlriechend, das
+Vorzügliche und Appetitliche noch jetzt vorzüglich
+und appetitlich, das Längliche und Runde noch jetzt
+rund und länglich, das Geräucherte noch jetzt geräuchert
+<a class="pagenum" name="Page_39" title="39"> </a>und das Speckgespickte noch jetzt mit Speck
+gespickt, wenn ich Geduld gehabt hätte. Ich könnte
+es noch jetzt krachen hören, wenn ich es nicht schon
+krachen gemacht hätte, und zu beissen gäbe es noch
+jetzt, was ich leider allzu schnell zerbiss.</p>
+
+
+
+<h2>Der Junggeselle.</h2>
+
+
+<p>Letzthin, beim Mittagessen, sagte mir mein täglicher
+Tischgenosse, der Herr Doktor G..., dass er
+soeben auf gewisse Art und Weise seinen liebsten
+Freund verloren habe. Auf meine Frage, wie das gekommen
+sei, antwortete und erzählte er, dass er soeben
+die Einladung zu seines Freundes Hochzeitsfeier
+erhalten habe, und er fügte mit gewissermassen traurig
+verschleierter Stimme bei, dass er mir eigentlich nichts
+weiter mehr zu sagen brauche, da damit schon alles
+gesagt sei. Er lächelte sein eigentümliches, sehr feines
+und gescheites Lächeln und machte eine kleine Pause,
+während deren er bestimmte aufdringliche Gedanken
+verdrängen zu wollen schien. Ich kannte den Doktor
+G... als eine zarte und, wie ich sagen möchte, empfindsame
+und poetische Natur. Er ist ausserordentlich
+gebildet und dazu ausserordentlich ungeschickt, weswegen
+ich ihn sehr hoch achte und sehr gern habe.
+An gewandten Leuten bemerkt man stets irgend
+etwas Gemeines. Doktor G... liest die Memoiren
+des Herzogs von Saint Simon und er begeistert sich
+für die majestätische Gestalt Ludwigs des Vierzehnten.
+Er schwärmt für Alexander den Grossen, und er findet
+den Emporkömmling Napoleon unerträglich. Die
+Frauen schätzen ihn, wie ich längst gemerkt habe,
+ziemlich gering, weil er nicht den Eindruck eines
+<a class="pagenum" name="Page_40" title="40"> </a>energischen Mannes macht. Ich dagegen, der ich ein
+Mann bin, finde ihn beachtenswert, weil er eine
+weiche Seele ist, und ich schätze ihn höher als zweitausend
+Energische, denn die Energie ist durch die
+Verbreitung von Büchern wie z.&nbsp;B. das Buch: »Wie
+werde ich energisch« ganz gemein geworden. Nachdem
+er, wie gesagt, eine Weile geschwiegen hatte,
+gestand er mir, dass er sich fast fürchte, bei der
+Hochzeit seines Freundes zugegen zu sein, dass er
+nichtsdestoweniger selbstverständlich der Einladung
+folgen werde, die ihm peinlich sei, weil er so wenig
+Ursache habe, sich über das Ereignis zu freuen. Er
+komme sich wie aus einer traulichen warmen Stube
+auf die kalte Strasse hinausgestellt vor, und er habe
+sich weniger auf eine Lustbarkeit als auf den Umstand
+gefasst zu machen, dass er auf unerfreuliche
+Weise mit seinem Innern werde kämpfen müssen.
+Er fühle sich so arm wie noch nie, es sei ihm zu
+Mut, als habe ihm irgend jemand einen rücksichtslosen
+Stoss versetzt, wodurch er sich in das traurige
+Bewusstsein geworfen sehe, das ihm sage, dass er
+sehr einsam geworden sei. Im übrigen sei ihm das
+alles sehr klar, und er verstehe alles sehr gut, weil
+sich alles ganz von selbst verstehe. »Alter, trockener
+Junggeselle«, murmelte er vor sich hin, und ich sah
+deutlich, wie seine Augen mit einmal voll Tränen
+waren. Ich muss gestehen, dass ich mich tüchtig über
+seine Trauer lustig machte, und ich gebe gern zu,
+dass das nicht sehr zart war.</p>
+
+
+
+<h2>Zahnschmerzen.</h2>
+
+
+<p>Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Zeitlang
+heftige Zahnschmerzen hatte. Um die Qualen zu betäuben,
+<a class="pagenum" name="Page_41" title="41"> </a>lief ich ins Feld hinaus und brüllte dort wie
+König Lear. Zu Hause beliebte es mir, gegen die
+Wand zu rennen und im Grimm einige wertvolle
+Stühle aus der Biedermeierzeit zu zerschlagen, aber
+das Zahnweh hörte deswegen keineswegs auf, vielmehr
+wurde das Übel von Stunde zu Stunde ärger.
+Des Nachts weckten die Schauderszenen, die ich veranstaltete,
+sämtliche Hausbewohner, es war ein Skandal.
+Der häufige Genuss von feinstem Cognac half wenig.
+Ich versetzte mir Hiebe ins Gesicht, ähnlich wie
+Sancho Panza, als er den Verlust seines Esels wahrnahm.
+Einmal brachte ich mir mit einem Messer eine
+allerdings glücklicherweise durchaus nicht lebensgefährliche
+Wunde bei, aber diese grobe Massnahme
+besserte an meinem Zustand nicht das Geringste,
+sondern schien die Folter nur noch zu verstärken.
+Endlich ging ich zum Zahnarzt, und zwar der lieben
+Billigkeit halber in eine zahntechnische Klinik, wo
+ich mich mit Vergnügen zu Studienzwecken hergab.
+Mein Mund wurde von der Hand eines Lehrfräuleins
+sorgfältig untersucht und hierauf begannen die Operationen.
+Ich darf wohl mit einiger Berechtigung sagen,
+dass ich Vieles sanft über mich ergehen liess und
+dass ich Allerlei mit starker Fassung hinnahm. Manches
+ertrug ich geduldig, doch von Zeit zu Zeit fand
+ich es für angebracht, einen ziemlich lauten Schrei
+auszustossen, was ich absichtlich tat, denn dadurch
+erreichte ich, dass der Meister herbeisprang, um mit
+seinem meisterlichen Können helfend einzugreifen,
+was für mich keine unerhebliche Wohltat war. In
+solchen Fällen zürnte mir freilich das Fräulein, und
+sie fand, dass es sehr unartig von mir sei, so starkes
+Geräusch zu verursachen. Ich erlaubte mir, ihr zu
+<a class="pagenum" name="Page_42" title="42"> </a>sagen, dass ich noch öfters schreien wolle, sobald
+man mir überflüssige Pein zufüge. Das sei gar nicht
+hübsch von mir, so zu reden, gab sie zurück. Ich
+kam nach und nach in einen ganz fröhlichen Verkehr
+mit ihr und einmal hatte sie den Einfall, mich zu
+fragen, was ich sei. Ich sei etwas wie Schriftsteller,
+erwiderte ich bescheiden. Sie rief laut in die zahnärztliche
+Stube hinaus: »Ich habe einen Schriftsteller,«
+worauf sämtliche Herren und Damen, darunter auch
+der Meister, herbeigeeilt kamen, um den eigenartigen
+Patienten behaglich zu betrachten. Ich wurde einer
+genauen Besichtigung unterworfen. »Wenn Sie Schriftsteller
+sind,« sagte der Meister, »dann sind Sie sicher
+einer von den ärmern, einer von denen, die ihr Leben
+lang erfolglos bleiben, denn das sieht man Ihnen deutlich
+an.« Ich musste über die feine Bemerkung lachen
+und erwiderte: »Ich bin allerdings arm und an Erfolglosigkeit
+hat es mir bis heute nie gefehlt, aber
+das Leben kann auch ohne Erfolg hübsch sein. Wenn
+ich nur wieder gesunde und schöne Zähne habe, was
+ich lebhaft hoffe, so springe ich herum, wie ein Hirsch
+und bin fröhlicher als mancher sogenannte Glückspilz.«</p>
+
+
+
+<h2>Der andere Junggeselle.</h2>
+
+
+<p>Ein anderer Junggeselle, einer der hartnäckigsten,
+die es je gab, ein Frauenfeind erster Güte und doch
+wieder absolut kein Frauenfeind, sondern ein ganz
+netter, artiger Mensch, der keinem weiblichen Wesen
+nur ein Haar krümmte, tat seine Sache, erfüllte auf
+das Eifrigste seine Obliegenheiten und war ehrlich,
+solid und lebensfröhlich. Das aber war es ja gerade,
+das Schurkische, nämlich, dass er fröhlich war, denn
+es gab Leute, die das unverzeihlich fanden. Es gab
+<a class="pagenum" name="Page_43" title="43"> </a>ehrenwerte und nette Leute, die der Meinung waren,
+dass der gute Junggeselle verpflichtet sei, sich unglücklich
+zu fühlen. Das war er jedoch keineswegs,
+sondern er lebte, wie gesagt, ganz vergnügt dahin
+und von Verzweifeln wegen seines Junggesellentums
+war bei ihm keine Spur. Der Junggeselle ahnte, dass
+er einige nette und achtenswerte Leute mit seiner
+Vergnügtheit und Zufriedenheit beleidige, und dass
+seine heitere unbefangene Existenz für diejenigen fast
+ein Ärgernis sei, die lebhaft wünschten, dass der
+Junggeselle an seinem Junggesellenwesen zerschelle.
+Allerlei nette und achtenswerte Leute trafen allerlei
+gefährliche kriegerische Vorkehrungen, um dem Unhold
+sanft oder unsanft auf den Leib zu rücken, ihm
+das edle Gleichgewicht zu rauben, die Seele zu erschüttern,
+den guten Glauben an sich selbst zu untergraben
+und seine Charakterfestigkeit zu nichte zu
+machen. Zahlreiche, wohlvorbereitete Angriffe wurden
+ins Werk gesetzt, um des Junggesellen zähes Selbstbewusstsein
+zu zerschmettern, doch es wurde nichts
+erreicht, denn der Schreckliche blieb unerschütterlich.
+Unerhörte Leckerbissen wurden der grausamen
+Bestie mit wir möchten sagen vollendeter
+Kunst vorgeworfen, aber das Ungeheuer verzichtete
+mit diebischem Vergnügen auf alle dargebotenen Genüsse,
+recht wohl wissend, dass es die liebliche Kost
+mit dem Verlust von Freiheit und Unabhängigkeit
+bezahlen müsse. Fallstricke wurden gelegt, Schlingen
+und Angeln säuberlich und appetitlich dargehalten,
+Fallgruben vorbereitet, schön mit Höflichkeiten und
+Artigkeiten zugedeckt, Netze wurden ausgestreckt,
+doch der Junggeselle fiel nicht in die Falle und stürzte
+nicht in die Grube, ging nicht in die Schlinge und
+<a class="pagenum" name="Page_44" title="44"> </a>rannte nicht ins Netz. Eine Dame, die sich besonders
+Mühe gegeben hatte, unsern guten und muntern Junggesellen
+zu entjunggesellen, schrieb ihm eines Tages
+voll Unmut und Ungnade: »Wissen Sie, dass Sie sehr
+unhöflich sind? Wissen Sie, dass es scharmante Leute
+gibt, die berechtigt sind, von Ihnen zu sagen, dass
+mit Ihnen nichts anzufangen sei? Wissen Sie, dass
+man allgemein über Ihr Betragen, das sehr absonderlich
+ist, die Achsel zuckt und den Kopf schüttelt?
+Man glaubte sich einreden zu dürfen, dass Sie unglücklich
+seien, nun sind Sie aber scheinbar ganz
+glücklich und vergnügt. Statt herzlich froh zu sein,
+dass reizende und nette Leute Sie aus dem Kerker
+des Junggesellenstandes zu erlösen versuchten, spötteln
+und lächeln Sie wohl gar noch! Das ist nicht fein,
+leben Sie wohl. Ich überlasse Sie der Menge von
+Vorwürfen, die Sie sich zu machen haben. Ihr Betragen
+muss von niemand anderem so aufrichtig bedauert
+werden, wie von Ihnen selber.« &ndash; »Gnädige
+Frau«, schrieb der standhafte Junggeselle anmutig und
+manierlich zurück: »Ich vermag nicht einzusehen, wie
+ich mir irgend <ins title="ein">einen</ins> Vorwurf zu machen hätte. Gnädige
+Frau werden mir gütig erlauben, zu bemerken,
+dass ich mir unmöglich einreden darf, es habe irgend
+jemand an der rein menschlichen Verfassung, die ich
+vergegenwärtige, ein Interesse. Ich beklage die sehr
+unangenehme und bedauerliche Tatsache, dass sich
+nette und scharmante Leute meinethalb umsonst angestrengt
+haben; verantwortlich kann ich mich jedoch
+hiefür ganz unmöglich fühlen. Ich bin so frei, Sie
+daran zu erinnern, dass ich als Mann von einiger
+Bildung entschlossen sein muss, zu denken, ich sei
+fähig, für mein Wohlergehen jederzeit selber zu sorgen.«</p>
+
+
+
+<div>
+<a class="pagenum" name="Page_45" title="45"> </a>
+<h2>Schwendimann.</h2>
+</div>
+
+
+<p>Einmal war ein sonderbarer Mann. Hallo, hallo,
+was denn für ein sonderbarer Mann? Wie alt war
+er, und woher kam er? Das weiss ich nicht. So kannst
+du mir vielleicht sagen, wie er hiess? Er hiess Schwendimann.
+Aha, Schwendimann! Gut, sehr gut, très bien,
+très bien. Fahre also fort, wenn es dir gefällt und
+sage uns: was wollte denn der Schwendimann? Was
+er wollte? Hm, das wusste er wohl selber nicht recht.
+Er wollte nicht viel, aber er wollte etwas Rechtes.
+Was suchte, nach was forschte Schwendimann? Er
+suchte nicht viel, aber er suchte etwas Rechtes. Zerfahren,
+verloren in weiter Welt war er. So, so? Verloren?
+Aha, zerfahren! Grosser Gott, wo hinaus soll
+es denn mit dem armen Mann? Ins Nichts, ins All
+oder in was sonst? Bange Frage! Alle Leute schauten
+ihn fragend an, und er die Leute. O wie ängstlich,
+wie kläglich! Er ging so dahin, matt und schwerfällig,
+mit wankenden unsicheren Schritten, und die Schulkinder
+liefen ihm mutwillig nach und neckten und
+fragten ihn: »Was suchst du, Schwendimann?« Er
+suchte nicht viel, aber er suchte das Rechte. Mit der
+Zeit hoffte er das Rechte schon zu finden. »Das
+wird sich finden«, murmelte er in seinen zerzausten
+schwarzen Bart. Schwendimanns Bart war ganz struppig.
+So, so? Struppig? Sessa! Voilà! Ausgezeichnet.
+In der Tat! Hochinteressant! Mit eins und so stand
+er vor dem Rathaus. »Mir ist weder zu helfen noch
+zu raten«, sagte er, und da er seines Wissens im
+Rathaus nicht das geringste zu suchen hatte, so ging
+er sachte weiter und kam vor das Armenhaus. »Ich
+<a class="pagenum" name="Page_46" title="46"> </a>bin wohl arm, aber ich gehöre nicht ins Armenhaus«,
+dachte er und ging fleissig weiter, und nach einer
+Weile kam er unvermutet vor das Spritzenhaus. »Es
+brennt nirgends!« machte er und ging mürrisch weiter.
+Einige Schritte weiter kam das Pfandhaus. »Ich habe
+in Gottes weiter Welt nichts zu pfänden«, und eine
+kleine Strecke weiter das Badhaus. »Ich brauche nicht
+zu baden!« Als er nach einiger Zeit vor das Schulhaus
+kam, sagte er: »Die Zeiten, wo ich zur Schule
+gegangen bin, sind vorüber«, und ging leise weiter,
+indem er den sonderbaren Kopf schüttelte. »Mit der
+Zeit komme ich schon vor das rechte Haus«, sagte er.
+Nicht lange und so stand Meister Schwendimann vor
+einem grossen, finstern Gebäude. Es war das Zuchthaus.
+»Ich verdiene nicht Strafe, ich verdiene etwas
+Anderes«, sprach er dunkel vor sich hin und marschierte
+weiter und gelangte bald vor ein anderes
+Haus, nämlich vor das Krankenhaus, wo er sagte:
+»Ich bin nicht krank, ich bin anders. Ich habe keine
+Krankenpflege nötig, ich habe etwas ganz Anderes
+nötig.« Schwankend ging er weiter, heller, heiterer Tag
+war's, die Sonne blitzte und die hübschen Strassen
+waren voll Leute, und das Wetter war so säuberlich,
+so freundlich, aber Schwendimann achtete nicht auf
+das schöne Wetter. Da kam er vor das Elternhaus,
+vor das liebe Haus der Kindheit, vor sein Geburtshaus.
+»Ich möchte wohl wieder ein Kind sein und
+Eltern haben, aber die Eltern sind gestorben und die
+Kindheit kommt nicht wieder zurück.« Zögernd mit
+bedächtigen Schritten ging er weiter und sah das Ballhaus
+und nachher das Kaufhaus. Vor dem Tanzhaus
+sagte er: »Ich mag nicht tanzen«, und vor dem Kaufhaus:
+»Ich kaufe und verkaufe nichts.« Da wurde es
+<a class="pagenum" name="Page_47" title="47"> </a>allmählich Abend. Wohin gehörte denn eigentlich
+Schwendimann? Ins Arbeitshaus? Er hatte keine Lust
+mehr, zu arbeiten. Oder ins Freudenhaus? »Lust und
+Freude sind mir vergangen.« Nicht lange ging es
+und so stand er vor dem Gerichtshaus, und da sagte
+er: »Ich brauche keinen Richter, ich brauche etwas
+Anderes.« Vor dem Schlachthaus meinte er: »Ich bin
+kein Schlächter.« Im Pfarrhaus hatte er seines Bedünkens
+nichts zu schaffen, und im Schauspielhaus
+haben Leute wie Schwendimann kaum etwas zu suchen,
+auch ins Konzerthaus treten solche Leute nicht. Still
+und mechanisch ging er weiter, vermochte kaum die
+Augen offen zu behalten, so müde war er. Es war
+ihm, als schlafe er, als marschiere er im Schlafe.
+Wann kommst du wohl vor das rechte Haus, Schwendimann?
+&ndash; Geduld, das wird sich finden. Er kam
+vor ein Trauerhaus. »Ich bin wohl traurig, aber ich
+gehöre nicht ins Trauerhaus« und ging weiter; kam
+vor das Gotteshaus und ging wortlos weiter und kam
+vor ein Gasthaus, wo er sprach: »Ich bin kein guter
+Gast, und niemand sieht mich gern,« und ging seinen
+Weg weiter. Endlich, nach beschwerlicher Wanderung,
+nachdem es schon dunkel geworden war, kam
+er vor das rechte Haus, und sobald er es sah, sagte
+er: »Endlich habe ich gefunden, was ich suche. Hier
+hinein gehöre ich.« Ein Gerippe stand an der Türe,
+er fragte: »Darf ich wohl hier eintreten, um auszuruhen?«
+Das Gerippe grinste auf das freundlichste
+und sagte: »Guten Abend, Schwendimann. Ich kenne
+dich wohl. Komm nur herein. Du bist willkommen.«
+Er trat in das Haus hinein, das am Ende jeder findet,
+und wo nicht nur für ihn, sondern für Alle Platz vorhanden
+ist, und wie er hineingekommen war, sank
+<a class="pagenum" name="Page_48" title="48"> </a>er um und war tot, denn er war ins Totenhaus gekommen,
+und hier hatte er Ruhe.</p>
+
+
+
+<h2>Ich habe nichts.</h2>
+
+
+<p>Sorglos und heiter, wie nur ein rechter Habenichts
+sein kann, wanderte eines Tages durch das schöne
+grüne Land ein guter Bursche mit einer dummen
+Nase. An Busch und Baum, an Haus und Hof vorbei,
+durch Wald und Feld ging er vergnügt, leicht,
+froh und nett dahin, und weil er ein so gutmütiges
+Gesicht hatte, so grüssten ihn alle Leute überaus
+freundlich, und das war natürlich dem Burschen nichts
+als recht. Er war aber auch einer, der es mit allen
+Geschöpfen, sei's Mensch, sei's Tier, herzlich gut
+meinte, und hold gesinnt war er der ganzen Welt,
+und das sahen ihm die Leute an, die ja immer sogleich
+alles von Weitem merken. Ehrbar und leise
+sagte er jedermann sein: Guten Abend, denn der
+schöne Edelknabe Abend schlich mit Goldhänden
+und Goldaugen bereits zwischen den Häusern und
+Bäumen herum, und aus nah und fern tönte der Klang
+der Glocken. Wie nun der Bursche an einer Wiese
+vorbeiging, streckte ihm ein Kälbchen seinen Kopf
+dar und gab ihm zu verstehen, dass es etwas von
+ihm haben wolle. Oder vielleicht wollte es Freundschaft
+mit ihm schliessen, ihm etwas sagen, ihm
+etwas von seinem Kälbchenleben erzählen. »Ich habe
+nichts, du gutes Tier. Gern gäbe ich dir etwas, wenn
+ich etwas hätte,« sagte der Bursche und ging weiter,
+aber im Weitergehen musste er immerfort an das
+Kälbchen denken, das etwas von ihm haben wollte.
+Etwas später ging er an einem prächtigen Bauernhaus
+<a class="pagenum" name="Page_49" title="49"> </a>vorbei, das am Waldrand lag. Da rannte mit
+lautem Gebell ein grosser Hund gegen ihn los, dass
+er ganz ängstlich wurde. Aber die Ängstlichkeit war
+überflüssig; der Hund sprang wohl hoch an ihm auf,
+aber nicht zornig, sondern freundlich, und das Gebell
+war die deutliche Kundgebung der Freude, und die
+gute Bäuerin hätte nicht nötig gehabt, dem Tier von
+weit her zuzurufen, es solle nicht Leute so unmanierlich
+anfallen. »Was willst du von mir, du gutes Tier?
+Ich sehe wohl, dass du etwas von mir haben möchtest,
+aber ich habe leider Gottes nichts. Gerne gäbe
+ich dir etwas, wenn ich etwas hätte,« sagte der Bursche,
+den der grosse Hund in den Buchenwald hineinbegleitete,
+als wolle er Freundschaft mit ihm schliessen
+und ihm von seinem Tierdasein allerlei erzählen. Als
+indessen der Hund sah, dass sein Freund weiter und
+weiter ging, hielt er mit Begleiten inne und kehrte
+wieder zum Bauernhaus und zu seiner Pflicht zurück,
+und der Bursche wanderte weiter, aber im Weiterwandern
+musste er immerfort an den Hund denken,
+der sich so zutraulich an ihn anschloss und der gewiss
+etwas von ihm haben wollte. Nach einer guten
+Weile, unten im Tale, traf der Bursche auf der schönen
+breiten Landstrasse eine Ziege an, die, als sie ihn
+sah, sogleich auf ihn zukam und sich ihm freundlich
+zugesellte, wie wenn sie ein freundschaftsbedürftiger
+Mensch wäre und ihm Vielerlei aus ihrem armen
+Ziegenleben hätte anvertrauen wollen. »Du möchtest
+wohl etwas von mir haben, aber ich habe nichts.
+Gerne gäbe ich dir etwas, wenn ich etwas hätte, du
+gutes Tier,« sagte er voll Mitleid und ging weiter,
+aber im Weitergehen musste er immerfort an die Tiere
+denken, die etwas von ihm haben wollten, an die
+<a class="pagenum" name="Page_50" title="50"> </a>Ziege, an den Hund und an das Kälbchen, die da
+Freundschaft mit ihm hatten schliessen und ihm von
+ihrem stummen, geduldigen, dumpfen Dasein hatten
+erzählen wollen, die keine Sprache haben und nicht
+reden können, die zum Nutzen der Menschen gefangen
+und geknechtet in der Welt stehen, denen er
+gut war, wie auch sie ihm wieder gut waren, die er von
+Herzen gern mit sich genommen hätte, die ihn vielleicht
+gerne weithin begleitet hätten, die er gerne aus
+dem engen armen Tierreich in eine freiere, bessere
+Existenz hätte hinüberziehen helfen mögen. »Aber ich
+bin ja nichts, kann ja nichts, habe in Gottes Namen
+nichts, und in dieser weiten grossen Welt bin ich nur
+ein armer, schwacher, machtloser Mensch,« sprach er,
+und wie er die Welt so schön sah, und wie er so an
+die Tiere dachte, und daran, dass er und alle seine
+Freunde, Menschen und Tiere, so hilflos seien, konnte
+er unmöglich weitergehen. Er legte sich, unweit von
+der Strasse, in die Wiese, um sich satt zu weinen, so
+ein dummer Bursche!</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 70px;">
+<img src="images/p0050-image.png" width="70" height="26" alt="" title="" />
+</div>
+
+
+
+<h2 class="page-break">BÜCHER-ANZEIGEN</h2>
+
+
+
+<p class="center page-break" style="font-size: larger; margin-top: 3em;">- VERLAG VON RASCHER &amp; Co. IN ZÜRICH -</p>
+
+<hr/>
+
+
+<p class="no-indent" style="float: right;">Herausgegeben von<br/>
+KONRAD FALKE</p>
+
+<p class="no-indent" style="font-size: 2em;">Raschers Jahrbuch I</p>
+
+<p class="center" style="font-size: smaller; clear: both;">Volksausgabe. Preis broschiert Fr.&nbsp;3.50, gebunden Fr.&nbsp;4.80</p>
+
+<p class="no-indent">Aus dem Inhalt: CHARLOT STRASSER, Das Tanzfest im Kamesseh,
+Erinnerungen aus Japan (mit Abbildungen) - CARL FRIEDRICH
+WIEGAND, Trauermarsch (Gedicht) - ROBERT FAESI, Alfred Kerrs
+Theaterkritik - ADOLF FREY, Bergaufenthalt (Gedicht) - DOMINIK
+MÜLLER, Feliza (Novelle) - OSCAR WETTSTEIN, Bundespolitik -
+JOSEF VICTOR WIDMANN, Berner Geschichtli (3 Gedichte) - HANS
+SCHULER, Die Förderung des schweizer. Aussenhandels - CARL
+ALBERT LOOSLI, Der Hubbauer (Novelle) - JULIUS FREY, Die finanzielle
+Kriegsbereitschaft der Schweiz - ALFR. HUGGENBERGER,
+Das Höflein (Gedicht) - OTTO KOLLBRUNNER, Paraffinprothesen -
+GOTTFRIED BOHNENBLUST, Weltensturm (Gedicht) - MARIA
+WASER, Künstlerische Handschrift (mit Abbild.) - HANS MÜHLESTEIN,
+Wieder klar (Gedicht) - EDUARD FUETER, Eine natürliche
+Weltsprache - EMANUEL VON BODMANN, Herbstlicher Garten (Gedicht)
+- CARL ALBRECHT BERNOULLI, Nietzsches Lou-Erlebnis -
+MAX GEILINGER, Überraschung (Gedicht) - CARL FRIEDRICH
+WIEGAND, Detlev von Liliencron - HERMANN HESSE, Trauer (Gedicht)
+- HECTOR&nbsp;G. PRECONI, Die Legende von Gabriele d'Annunzio -
+CHARLOT STRASSER, Hochzeitscarmen (Gedicht) - etc. etc.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="no-indent" style="float: right;">Herausgegeben von<br/>
+KONRAD FALKE</p>
+
+<p class="no-indent" style="font-size: 2em;">Raschers Jahrbuch II</p>
+
+<p class="center" style="font-size: smaller; clear: both;">Preis broschiert Fr.&nbsp;5.35, gebunden Fr.&nbsp;6.70</p>
+
+<p class="no-indent">Aus dem Inhalt: MEINRAD LIENERT, Der kalte Brand - AD. FREY,
+Drei Gedichte - C. SPITTELER, Allegro und Compagnie - B. KOLLBRUNNER-LEEMANN,
+Deux Poésies - F. MOESCHLIN, Die Stadtmauer
+- C.&nbsp;A. LOOSLI, Gedichte eines Emmentalers - Dr. O. MESSMER,
+Die Gesetzmässigkeit des Stoffes und unser Gestaltungsverdienst - C.&nbsp;F.
+WIEGAND, Sechs Gedichte - H.&nbsp;G. PRECONI, Posten Vier - P.
+KAEGI, Das hohe Lied - Liebessang und -Spiel aus der »Königswoche« -
+Dr. E. ZIEGLER, Casanovas Bekehrung - R. FAESI, Drei Gedichte -
+K. FALKE, Großstadt - FR. CHIESA, Preghiera - Prof. Dr. W. WYSSLING,
+Die Elektrifikation der schweizerischen Bahnen - DOM. MÜLLER,
+Hühnersalon - J. BOSSHART, Im Rotbuchenlaub - CH. STRASSER,
+Vulkan Yzalco - H. GANZ, Reiseblatt - Prof. C. MOSER, Das Zürcher
+Kunsthaus. Mit einem Nachwort des Herausgebers - A. HUGGENBERGER,
+Peter Wenks Heimsuchung - K. FALKE, Trilogie der
+Liebe - FR. HOFER, Alpenmärchen - A. CASTELL, Der hohe Tag -
+G. RODENBACH, Das Kästchen - J.&nbsp;V. WIDMANN, Der Katechet -
+C.&nbsp;A. BERNOULLI, Boromäus-Enzyklika - P. ALTHEER, Erwartung -
+A. BAUR, Die wirtschaftliche Bedeutung der Form - J. REINHART,
+Am Mühlibach - H. ROELLI, Abend</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="no-indent" style="float: right;">Herausgegeben von<br/>
+KONRAD FALKE</p>
+
+<p class="no-indent" style="font-size: 2em;">Raschers Jahrbuch<br/>
+für Schweizer Art und Kunst III</p>
+
+<p class="center" style="font-size: smaller; clear: both;">Illustriert. Preis broschiert Fr.&nbsp;5.35, gebunden Fr.&nbsp;6.70</p>
+
+<p class="no-indent">Aus dem Inhalt: TRAUGOTT GEERING, Die schweizerische Adriabahn
+- JAKOB CHRISTOPH HEER, Gedichte - GRETHE AUER,
+Das Antlitz der Hatschepsut - FRIDOLIN HOFER, Im Mondlicht
+lesend (Gedicht) - JOSEF VICTOR WIDMANN, Der Gorilla - JOHANNA
+SIEBEL, Ein neues Sein (Gedichte) - KONRAD FALKE,
+Drei Essays - MAX NUSSBERGER, Elegie - HECTOR&nbsp;G. PRECONI,
+Der Mann mit den sieben Seelen - ALFRED HUGGENBERGER, Die
+drei Wölfe (Gedicht) - WALTHER KÖHLER, Die Trennung von
+Staat und Kirche - ROBERT FAESI, Abendlieder - MARIA WASER,
+Unter dem Quittenbaum - PAUL ALTHEER, Kränze (Gedicht) -
+HERM. KURZ, Kapitalanlagen im Ausland - KONRAD FALKE,
+Im Reiche des Phlegethon - JAKOB SCHAFFNER, Der Fuchs (Novelle)
+- ROBERT JAKOB LANG, Jugend (Gedichte) - C.&nbsp;G. JUNG,
+Neue Bahnen der Psychologie - ALBERT FISCHLI, Abend im <ins title="Walde -">Walde</ins>
+(Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei Aufsätze) - CHARLOT
+STRASSER, Das Narrenhaus (Gedicht) - EMIL HÜGLI, Andreas
+Wyher (Novelle) - HEDWIG DIETZI-BION, Zwei Gedichte -
+ARNOLD NIGGLI und EDUARD KORRODI, Zwei Siebzigjährige
+(Friedrich Hegar und Josef Victor Widmann)</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="font-size: larger;">I. Romane, Novellen und Essays.</p>
+
+<table id="romane-novellen-essays" summary="Romane, Novellen und Essays">
+<tr>
+ <td lang="fr" xml:lang="fr">BARBAT, J., Nietzsche, Tendances et Problèmes</td>
+ <td class="ditto">Fr.</td>
+ <td class="price">7.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>BILLETER, Goethe's Wilhelm Meister's theatral. Sendung</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">2.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>DICKENS, CHARLES, Weihnachtsabend. Ein Prachtband
+ mit farbigen und schwarzen Illustrationen von Arthur
+ Rackham, zirka</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">13.35</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>ENDERLIN, FRITZ, Adolf Frey, Ein Kunsterlebnis</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">1.80</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>ESCHER, Dr. KONRAD, Kunst, Krieg und Krieger zur
+ Geschichte der Kriegsdarstellungen. Ein Prachtband
+ mit 20 Bildertafeln, gebunden zirka</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">6.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FALKE, KONRAD, Drei Essays</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">1.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FALKE, KONRAD, Kainz als Hamlet, Ein Abend im
+ Theater, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">6.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FALKE, KONRAD, Wenn wir Toten erwachen, Ein Beitrag
+ zur Kenntnis Ibsens</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">1.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FALKE, KONRAD, San Salvatore, Novelle, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">3.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FAESI, ROBERT, Carl Spitteler, Eine Darstellung seiner
+ dichterischen Persönlichkeit</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">1.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FEDERER, HEINRICH, Der Herrgott und der Schweizer,
+ Legende</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">&mdash;.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FEHR, Apostolo Zeno und seine Reform des Operntextes</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">4.65</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>FESTSCHRIFT der Philologentage in Zürich, broschiert</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">6.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="continued">gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">7.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>GANZ, HANS, Peter das Kind, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">4.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>GOLDSCHMIDT, Dr. HUGO, Die Musikaesthetik des 18.
+ Jahrhunderts</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">12.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>GRIEDER, AD., Die Seide</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">2.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>HUNZIKER, Dr. FRITZ, Glattfelden und Gottfried Kellers
+ grüner Heinrich</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">4.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>JAHRBUCH für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz,
+ hrsg. von Prof. Dr. Paul Ganz, illustriert, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">8.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>KESSER, HERM., Unteroffizier Hartmann, Novelle, mit einem
+ Originalholzschnitt von Ernst Würtenberger</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">2.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>MAEDER, Dr. ALPHONSE, Ferdinand Hodler. Eine Skizze
+ der seelischen Entwicklung des Künstlers und seine
+ Bedeutung für die schweizerisch-nationale Kultur, mit
+ 8 ganzseitigen Illustrationen</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">2.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>MARKUS, Dr., Geschichte der schweizerischen Zeitungspresse
+ zur Zeit der Helvetik 1798&ndash;1803</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">10.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>MESSLENY, Prof. Dr. R., Genfer Maler, Heft&nbsp;I, illustriert</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">1.50</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>SCHWEIZER. NOVELLEN- UND SKIZZENBUCH mit
+ Beiträgen von Jakob Bosshart, Konrad Falke, Heinrich
+ Federer, Charles Gos, Charlot Strasser, R. von
+ Tavel, Robert Walser und Marie Waser, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">5.35</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>ODERMATT, ESTHER, Die Seppe, Eine Geschichte aus
+ Unterwalden, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">3.80</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst,
+ Bd.&nbsp;I, Volksausgabe, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">4.80</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst,
+ Bd.&nbsp;II und III, von Konrad Falke, gebunden je</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">6.70</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td><ins title="RASCHERS">RASCHER'S</ins> JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst,
+ Bd.&nbsp;IV: Schweizer. Novellen- und Skizzenbuch, geb.</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">5.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>RUDOLF, Dr. DORA, Konrad Meyer</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">3.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>SIEBEL, JOHANNA, Odendahls, Roman in 1 Band gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">4.50</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>STEIGER, Dr. A., Spittelers Sprachkunst</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">&mdash;.80</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td>VALLOTTON, BENJAMIN, Familie Profit, Roman, deutsch
+ von S. Fischer, gebunden</td>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="price">5.35</td>
+</tr>
+</table>
+
+<p class="center">Zu beziehen durch alle Buchhandlungen</p>
+
+
+
+<p class="center" style="font-size: x-large; margin-top: 4em;">Schriften für Schweizer Art und Kunst</p>
+
+
+<p class="no-indent" style="font-size: smaller;">Unter diesem Titel veröffentlicht der unterzeichnete Verlag eine Sammlung von Schriften in
+Broschüren- oder Buchform, in welcher vor allem nationale Fragen, die in der jetzigen Zeit
+das grösste Interesse beanspruchen, behandelt werden. Doch sollen auch rechtswissenschaftliche,
+nationalökonomische, philosophische, geschichtliche und literarisch-künstlerische Abhandlungen,
+Novellen und Gedichte in dieselbe aufgenommen werden, sofern ihnen allgemein
+schweizerische Bedeutung zukommt. Für die einzelnen Hefte ist kein einheitlicher Preis
+festgesetzt, damit nicht der Verfasser an einen bestimmten Umfang der Schrift gebunden ist.
+Die Redaktion der Sammlung übernimmt der Verleger, ohne jedoch zum Inhalt der einzelnen
+Broschüren Stellung zu nehmen.</p>
+
+<table id="schriften" summary="Schriften für Schweizer Art und Kunst">
+<tr>
+ <td class="ditto">Heft</td>
+ <td class="number">1</td>
+ <td><b>KONRAD FALKE</b>, <b>Der schweizerische Kulturwille</b>. Ein
+ Wort an die Gebildeten des Landes. Fr.&nbsp;1.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">2</td>
+ <td><b>CARL SPITTELER</b>, <b>Unser Schweizer Standpunkt</b>. Vortrag,
+ gehalten in der Neuen Helvet. Gesellschaft, Gruppe Zürich. 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">3</td>
+ <td><b>Dr. EUGEN GROSSMANN</b>, Professor der Finanzwissenschaft
+ an der Universität Zürich, <b>Die Deckung der schweizerischen
+ Mobilisationskosten</b>. 80&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">4</td>
+ <td><b>OSKAR HÖHN, Ingenieur</b>, <b>Ratschläge zur Berufswahl</b>. Eine
+ nationale Frage, 60&nbsp;Cts., billige Volksausgabe 30&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">5</td>
+ <td><b>J.&nbsp;C. BLUNTSCHLI</b>, <b>Die schweizerische Nationalität</b>. Eine
+ politische Studie, 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">6</td>
+ <td><b>Professor Dr. LAUR</b>, <b>Industrie und Landwirtschaft</b>.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">7</td>
+ <td><b>Dr. C.&nbsp;A. SCHMID</b>, <b>Internationale Armenfürsorge</b>. Eine
+ nationale Frage, 50&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">8</td>
+ <td><b>Professor Dr. LAUR</b>, <b>Die Wehrkraft des Schweizervolkes
+ und der Bauernstand</b>. 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">9</td>
+ <td><b>Dr. HANS TÖNDURY</b>, Professor an der Universität Genf,
+ <b>Wirtschaftliche Unabhängigkeit</b>, 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">10</td>
+ <td><b>Dr. ERNST GAGLIARDI</b>, <b>Die Entstehung der schweizerischen
+ Neutralität</b>, 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">11/13</td>
+ <td><b>Dr. ROBERT FAESI</b>, <b>Carl Spitteler</b>, eine Darstellung seiner
+ dichterischen Persönlichkeit, Fr.&nbsp;1.70.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">14/15</td>
+ <td><b>Professor Dr. M. GROSSMANN</b>, <b>Nationale Forderungen
+ an die schweizerische Mittelschule</b>. Fr.&nbsp;1.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">16/17</td>
+ <td><b>KONRAD FALKE</b>, <b>Das demokratische Ideal und unsere
+ nationale Erziehung</b>. Fr.&nbsp;1.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">18/19</td>
+ <td><b>Dr. C.&nbsp;A. SCHMID</b>, <b>Unsere Fremdenfrage</b>, Fr.&nbsp;1.20.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">20</td>
+ <td><b>ED. BOOS-JEGHER</b>, <b>Unsere Absatzverhältnisse</b>, 80&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">21/23</td>
+ <td><b>HELVETICUS</b>, <b>Die Schweizer. Bahnen, Posten und Telegraphen</b>,
+ Fr.&nbsp;2.&mdash;.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">24/25</td>
+ <td><b>Dr. ROBERT DURRER</b>, <b>Kriegsbetrachtungen</b>, Fr.&nbsp;1.&mdash;.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">26/27</td>
+ <td><b>RAPPARD</b>, Professor an der Universität Genf, <b>Zur nationalen
+ Verständigung</b>, Fr.&nbsp;1.&mdash;.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">28</td>
+ <td><b>KELLER, ADOLF</b>, Pfarrer, <b>Von der innern Erneuerung</b>, 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">29</td>
+ <td><b>HUBER, Prof. Dr. Max</b>, <b>Der schweiz. Staatsgedanke</b>, 40&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">30</td>
+ <td><b>FEDERER, Heinrich</b>, <b>Unser Herrgott u. der Schweizer</b>, 70&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">31/34</td>
+ <td><b>MAEDER, Dr. ALPHONSE</b>, <b>Ferdinand Hodler</b>. Eine Skizze
+ der seelischen Entwicklung des Künstlers und seine Bedeutung
+ für die schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen,
+ ca. Fr.&nbsp;2.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">35</td>
+ <td><b>KARL SCHEURER u. Prof. Dr. LUCIEN GAUTIER</b>, <b>Pflicht
+ und Wille</b> - <b>Devoir et Volonté</b> &ndash; <b>Zofinger Stimmen</b> - <b>Paroles
+ Zofingiens</b>, 80&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">36/37</td>
+ <td><b>Dr. HEINRICH FLACH</b>, Professor am kantonalen Lehrerseminar
+ in Küsnacht-Zürich, <b>Die Bestrebungen der Helvetischen
+ Gesellschaft des XVIII. Jahrh.</b> Fr.&nbsp;1.20.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">38</td>
+ <td><b>STOCKER O.</b>, Sekretär für Lehrstellenvermittlung in Basel,
+ <b>Erfahrungen in der Berufsberatung</b>, 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">39/40</td>
+ <td><b>Dr. C. BENZIGER-Bern</b>, <b>Schweiz. Verkehrsprobleme</b>, Fr.&nbsp;1.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">41/42</td>
+ <td><b>Dr. ERNST RÜST</b>, Professor an der kant. Handelsschule in
+ Zürich, <b>Eine schweizerische Versuchsstätte und Beratungsstelle
+ für Industrie und Gewerbe</b>, ca. Fr.&nbsp;1.20.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">43</td>
+ <td><b>Lieut. OSCAR BOSSHARDT</b>, Stabssekretär des Generals,
+ <b>Durchhalten!</b> Schweizerpflichten &ndash; Soldatenpflichten. 60&nbsp;Cts.</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">44/45</td>
+ <td><b>GOTTFR. KELLER</b>, <b>Der Landvogt von Greifensee</b>,
+ kart. ca. Fr.&nbsp;1.&mdash;, in Geschenkband ca. Fr.&nbsp;2.&mdash;</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">46</td>
+ <td><b>R. VON TAVEL</b>, <b>D'Glogge vo Nüechterswyl</b>, kart. ca.
+ Fr.&nbsp;&mdash;.80, in Geschenkband ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">47/48</td>
+ <td><b>KONRAD FALKE</b>, <b>Der Marienmaler</b>, kart. ca. Fr.&nbsp;&mdash;.80,
+ in Geschenkband ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">49</td>
+ <td><b>CHARLOT STRASSER</b>, <b>In Völker zerrissen</b>, kart. ca.
+ Fr.&nbsp;&mdash;.80, in Geschenkband ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">50</td>
+ <td><b>JAKOB BOSSHART</b>, <b>Das Erbteil</b>, kart. ca. Fr.&nbsp;&mdash;.80, in
+ Geschenkband ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">51/52</td>
+ <td><b>HELVETICUS</b>, <b>Aktuelle Fragen des Schweizerischen
+ Gewerbestandes</b>, ca. Fr.&nbsp;1.20</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">53/54</td>
+ <td><b>Prof. Dr. PAUL SEIPPEL</b>, <b>Helvetische Wahrheiten</b>,
+ ca. Fr.&nbsp;1.20</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">55</td>
+ <td><b>ROBERT WALSER</b>, <b>Prosastücke</b>, mit Umschlagzeichnung
+ von <b>Karl Walser</b>, kart. ca. Fr.&nbsp;&mdash;.80, in Geschenkband ca.
+ Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">56/57</td>
+ <td><b>CHARLES GOS</b>, <b>Ausgewählte Skizzen von der Grenzwacht</b>,
+ kart. ca. Fr.&nbsp;&mdash;.80, in Geschenkband ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+<tr>
+ <td class="ditto">&bdquo;</td>
+ <td class="number">58</td>
+ <td><b>MARIA WASER</b>, <b>Das Jätvreni</b>, kart. ca. Fr.&nbsp;&mdash;.80, in Geschenkband
+ ca. Fr.&nbsp;1.60</td>
+</tr>
+</table>
+
+<p class="center" style="text-decoration: underline;">Preis für 10 verschiedene Hefte bei <b>gleichzeitigem</b> Bezug Fr.&nbsp;5.&mdash;</p>
+
+<p class="center" style="text-decoration: underline;"><b>Abonnementspreis für je 10 Hefte Fr.&nbsp;5.&mdash;</b></p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="font-size: x-large; text-decoration: underline; margin-bottom: 0;">Spittelers Sprachkunst</p>
+
+<p class="center" style="margin-top: 0;">von<br/>
+<b>Dr. phil. A. STEIGER, Professor an der Kantonsschule
+in Zürich.</b> Preis 80&nbsp;Cts.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="font-size: x-large; margin-bottom: 0;">Paul Seippel</p>
+
+<p class="center" style="margin-top: 0;"><b>Die heutigen Ereignisse vom Standpunkte der
+romanischen Schweiz.</b> 60&nbsp;Cts.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center"><b>Das Völkerrecht und der Krieg 1914/15</b><br/>
+von <b>Dr. jur. OTTO ZOLLER</b>. 10 Druckbogen, Fr.&nbsp;2.&mdash;</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center"><b>PAUL SEIPPEL</b>, <b lang="fr" xml:lang="fr">Les Evénements actuels vus de la
+Suisse Romande</b>, 60&nbsp;Cts.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center"><b>PAUL WERNLE</b><br/>
+<b>Gedanken eines Deutsch-Schweizers</b>, 60&nbsp;Cts.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center" style="font-size: x-large; margin-bottom: 0;"><b>Zwei Jahre Zivil-Gesetzbuch</b></p>
+
+<p class="center" style="margin-top: 0;"><b>Entscheide und Erfahrungen aus der Praxis einer ersten
+Instanz von Dr. jur. HANS FRITZSCHE, Gerichtschreiber
+am Bezirksgericht Horgen.</b><br/>
+Preis Fr.&nbsp;2.&mdash;</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="center"><b>Die geschichtlichen Grundlagen des Weltkrieges
+von Dr. HERMANN BÄCHTOLD, Privatdozent
+der Geschichte an der Universität Basel</b><br/>
+Preis Fr.&nbsp;1.&mdash;</p>
+
+<div class="figcenter page-break" style="width: 120px; margin-top: 8em;">
+<img src="images/q0006-image.png" width="120" height="125" alt="" title="" />
+</div>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Prosastücke, by Robert Walser
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PROSASTÜCKE ***
+
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
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+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+1.E.9.
+
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+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
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+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+active links or immediate access to the full terms of the Project
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+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
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+electronic work or group of works on different terms than are set
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
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+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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