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Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Die auf den Deckelinnenseiten gedruckte Werbung für die »Schriften + für Schweizer Art und Kunst« wurde an das Ende des Textes verschoben. + + Im Original fett gedruckter Text wurde mit = markiert. + ] + + + + + Prosastücke von + Robert Walser + + + [Illustration] + + + Schriften für Schweizer + Art und Kunst. 55 + + VERLAG RASCHER u. CIE, ZÜRICH + 1916 + + + + + PROSASTÜCKE + + von + + ROBERT WALSER + + 1917 + VERLAG VON RASCHER & Cie IN ZÜRICH + + + + + Erstes und zweites Tausend. + + + Nachdruck verboten. + + Übersetzungsrecht vorbehalten. + + Copyright by Rascher & Co., Verlagsbuchhandlung in Zürich 1917. + + + Zürich + + Buchdruckerei Züricher Post + + + + +Das Seestück. + + +Dieses Stück ist sehr einfach, es handelt von einem schönen Sommerabend +und von vielen Leuten, die am Seeufer hin- und herpromenierten. Die +Menschenmenge, unter der auch ich mich befand, war ausserordentlich. Die +ganze Stadt schien zu spazieren. Wenn ich sage, dass der weite, +nächtliche See einem schlummernden Helden glich, dessen Brust auch im +Schlafe noch von Angelegenheiten der Kühnheit und der hohen Denkart +bewegt sei, so drücke ich mich vielleicht etwas gewagt aus. Viele +lichtergeschmückte Nachen bewegten sich im dunklen Wasser. Die Strassen +und Nebenstrassen, die zum See führten, schienen mir Kanäle zu sein, und +ich bildete mir mit Leichtigkeit ein, dass die Nacht eine venezianische +Nacht sei. Heller Feuerschein loderte da und dort rötlich aus dem +Schwarz auf, und nächtliche Menschengestalten spazierten in die hellen +und in die dunklen Stellen. Es fehlte an Liebespaaren keineswegs, die +sich hinter allerlei Dickicht zärtlich umarmten und küssten, und ebenso +wenig fehlte es an kosender und lispelnder, an freundlich streichelnder +und gleich einem plätschernden Gewässer rieselnder Nachtmusik. Der +Halbmond in der Höhe glich, wie soll ich sagen, einer Wunde, woraus ich +folgere, dass der schöne Körper der Nacht verwundet war, ähnlich wie +eine schöne edle Seele verletzt und verwundet sein kann, und darum ihre +Hoheit und Schönheit noch deutlicher offenbart. Im Leben, das roh und +unedel ist, macht sich mitunter die verletzte edle Seele lächerlich, +nicht aber in der Dichtkunst, und der Dichter lacht niemals über +empfindlicher Seelen Verletzbarkeit. Da ich über eine gebogene Brücke +ging, hörte ich von unten, aus dem Wasser, eine wundervolle Stimme zu +mir heraufdringen, es war ein hellgekleidetes Mädchen in einer hier +vorüberfahrenden Gondel, und ich und vielleicht noch ein Anderer, den +die zarte Stimme ebenfalls interessierte, beugten uns über das Geländer, +um auf den entzückenden Gesang mit angespannter Aufmerksamkeit zu +lauschen, der im Zirkus oder im Konzertsaal, den die holde Nacht +bildete, warm und hell verhallte. Wir Zwei oder Drei, die wir lauschten, +gestanden uns, dass wir noch nie so schön singen gehört hätten, und wir +sagten uns, dass das Lied der im beinahe unsichtbaren Nachen +dahingleitenden liebenswürdigen Sängerin weniger durch Kunst und grosses +gesangliches Können als vielmehr nur durch eine wunderbare +Seelen-Anspannung und durch die Begeisterung eines lieben edlen Herzens +gross sei. Wir sagten uns ferner, das heisst es fiel uns ein, zu denken, +dass vielleicht, ja sogar sehr wahrscheinlich die junge Sängerin unten +im dunklen Boot über die Kühnheit und Hochherzigkeit ihres Gesanges und +wegen ihrer Fähigkeit, sich zu berauschen und zu begeistern, glühend +erröte, und dass ihre reizende jugendfrohe und süsse Wange vor Scham +über die Freiheit und über den Enthusiasmus des himmlischen gesanglichen +Ergusses heftig brenne. Königspalastähnlich wurde das Lied und wuchs zu +fabelhafter Grösse empor, dass man Prinzen und Prinzessinnen auf +herrlich geschmückten Pferden vorübertanzen und -galoppieren zu sehen +meinte. Alles verwandelte sich in tönendes Leben und in eine tönende +Schönheit, und die ganze Welt erschien wie die Liebenswürdigkeit selber, +und am Leben, am menschlichen Dasein gab es nichts mehr auszusetzen. +Ganz besonders anziehend und schön war, wie das Mädchen so ihre zarte +Seele singend preisgab, alle ihre Geheimnisse öffnete, hoch über sich +selbst und über ihre Zurückhaltung, über alle anerzogene Sittsamkeit +hinwegdrang, alles Denken und Sehnen offen aussprach, dass es, Heldinnen +gleich, wie eine Gestalt in die Luft hinaufragte. Der Kampf, den das +zarte Wesen mit der Schüchternheit und mit dem alltäglichen Benehmen +kämpfte, ergab die schönste Klangfarbe, und auf den schamhaft-stolzen +Klang lauschten, wie bereits gesagt, mehr Leute, die alle bedauerten, +dass das Lied nun nach und nach in der Ferne sich verlor. + + + + +Die italienische Novelle. + + +Ich habe starke Ursache, mich zu fragen, ob eine Geschichte gefallen +wird, die von zwei Leuten oder Leutchen, nämlich von einem reizenden +netten Mädchen und von einem in seiner Art mindestens ebenso netten +braven guten jungen Mann berichtet, die im schönsten und innigsten +Freundschaftsverhältnis zu einander standen. Die zärtliche und +leidenschaftliche Liebe, die sie gegenseitig fühlten, glich an Hitze der +Sommersonne und an Reinheit und Keuschheit dem dezemberlichen Schnee. +Ihr beidseitiges liebenswürdiges Vertrauen schien unerschütterlich, und +die feurige unschuldige Neigung wuchs von Tag zu Tag wie eine +wundervolle farben- und duftreiche Pflanze. Nichts schien den +allerholdesten Zustand und das allerschönste Zutrauen stören zu können. +Alles wäre schön und gut gewesen, wenn nur der brave gute liebe und +junge Mann die italienische Novelle nicht so gut gekannt hätte. Die +exakte Kenntnis jedoch von der Schönheit, Pracht und Herrlichkeit der +italienischen Novelle machte ihn, wie der aufmerksame Leser sogleich +erfahren wird, zum Schafskopf, raubte ihm für eine Zeitlang die Hälfte +des gesunden Verstandes und veranlasste, zwang und nötigte ihn eines +Tages, morgens oder abends, um acht, zwei oder sieben Uhr zu seiner +Geliebten mit dumpfer Stimme zu sagen: »Du, höre, ich habe dir etwas zu +sagen, etwas, das mich schon die längste Zeit drückt, plagt und foltert, +etwas, das uns Beide vielleicht unglücklich machen wird. Ich darf es dir +nicht verschweigen, ich muss, ich muss es dir sagen. Nimm allen deinen +Mut und alle deine Festigkeit zusammen. Es kann sein, dass dich die +Kunde von dem Schrecklichen und Furchtbaren tötet. O ich möchte mir +tausend schallende Ohrfeigen geben und mir das Haar ausraufen.« Das arme +Mädchen rief angstvoll aus: »Ich kenne dich nicht mehr. Was quält, was +peinigt dich. Was ist es Schreckliches, das du mir bis dahin +verheimlicht und das du mir anzuvertrauen hast. Heraus mit der Sprache +auf der Stelle, damit ich weiss, was ich zu fürchten und was ich +irgendwie noch zu hoffen habe. An Mut, das Härteste zu dulden und das +Äusserste zu ertragen, fehlt es mir nicht.« -- Die so redete, zitterte +freilich vor Angst am ganzen Körper, und das Unbehagen verbreitete eine +tödliche Blässe über ihr liebreizendes, sonst so frisches und hübsches +Gesicht. »Vernimm«, sagte der junge Mann, »dass ich leider nur ein zu +gründlicher Kenner der italienischen Novelle bin und dass eben diese +Wissenschaft unser Unglück ist.« -- »Wieso das, um Gotteswillen?«, +fragte die Bedauernswürdige, »wie ist es möglich, dass Bildung und +Wissenschaft uns trostlos machen und unser Glück zerstören können?« +Worauf es ihm beliebte, zu erwidern: »Weil der Stil in der italienischen +Novelle an Schönheit, Saft und Kraft einzig dasteht, und weil unsere +Liebe keinen derartigen Stil aufzuweisen hat. Dieser Gedanke macht mich +trostlos, und ich vermag an kein Glück mehr zu glauben.« Beide guten +jungen Leute liessen zirka zehn Minuten lang oder etwas länger den Kopf +und das Köpfchen hängen und waren völlig rat- und fassungslos. Nach und +nach gewannen sie jedoch die Zuversicht und den verlorenen Glauben +wieder zurück, und sie kamen wieder zur Besinnung. Sie rafften sich aus +Trauer und Entmutigung auf, schauten einander freundlich in die Augen, +lächelten und gaben sich die Hand, schmiegten sich eng zusammen, waren +glücklicher und vertraulicher als je zuvor, indem sie sagten: »Wir +wollen nach wie vor trotz allen stilvollen und prachtvollen +italienischen Novellen Freude und Genuss aneinander haben und uns +zärtlich lieben, so wie wir einmal sind. Wir wollen genügsam und +zufrieden sein und uns um keine Vorbilder kümmern, die uns nur den +Geschmack und das natürliche Vergnügen rauben. Schlicht und ehrlich +aneinanderhängen und warm und gut sein ist besser als der schönste und +vornehmste Stil, der uns gestohlen sein kann, nicht wahr.« Mit diesen +fröhlichen Worten küssten sie sich auf das innigste, lachten über ihre +lächerliche Mutlosigkeit und waren wieder zufrieden. + + + + +Koffermann und Zimmermann. + + +Ein bekannter und rühriger Verleger, unternehmungslustig wie er war, +sagte eines schönen Tages zum Schriftsteller Koffermann: »Lieber +Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen +und reisen Sie, ohne dass Sie sich vorher lange besinnen, nach Japan. +Haben Sie verstanden?« Der flinke und behende Koffermann, sogleich +entschlossen, den schmeichelhaften Auftrag auszuführen, besann sich +keine zehn Minuten lang, sondern machte sich auf die Beine, packte alle +seine Gedanken und Utensilien in seinen Handkoffer, stieg in den +Eisenbahnwagen und dampfte, reiste und fuhr ab nach dem berühmten und +sehenswerten Lande Japan. Der Verleger oder Verlagsmann telephonierte +einem mächtigen Zeitungsmann, er möchte so freundlich sein und es in die +Zeitung setzen, dass Koffermann seinen Koffer gepackt habe und nach +Japan abgeflogen und fortgeflutscht sei. Das las bald ein anderer +Verleger oder Verlagsmann und er forderte den Schriftsteller Zimmermann +auf, so rasch wie möglich zu ihm zu kommen, denn er habe ihm etwas +Wichtiges zu sagen. Zimmermann war gerade damit beschäftigt, eine +höfliche und weitläufige Ansprache an seine Katze zu halten, auch +schlürfte er Thee, und rauchte er eine Cigarette, als der Brief +anlangte, der ihm ankündigte, er solle zu seinem Verleger rennen, weil +ihm derselbe etwas Wichtiges zu sagen habe. Er zog seinen bessern Anzug +an, bürstete, säuberte, kämmte, wusch und verschönerte sich, wie es sich +schickte, und marschierte in aller Seelenruhe zu seinem Geschäftsmann. +»Lieber Zimmermann,« sagte derselbe zu Zimmermann, »ich weiss, dass Sie +ein ruhiger Mensch sind, der seine Ruhe liebt! Jetzt aber müssen Sie aus +aller Behaglichkeit heraus und mit der grössten Unruhe, Hast und +Schleunigkeit nach der Türkei fliegen. Koffermanns Verleger hat +Koffermann nach Japan entsandt, weshalb ich nun Sie, mein lieber +Zimmermann, nach der Türkei senden muss. Haben Sie begriffen?« +Zimmermann aber begriff nicht so leicht; er besass keine so leichte und +flinke Auffassungsgabe wie Koffermann. Er bat sich eine Bedenkzeit von +acht Tagen aus und ging wieder in sein Zimmer zurück, wo er sich ebenso +vergnüglich wie nachdenklich auf seinen alten Reisekorb setzte, der +unter der Last zu ächzen und zu seufzen begann, wie Reisekörbe bei +solcher Gelegenheit zu tun pflegen. Zimmermann, der seine Ruhe und +seinen stillen Aufenthalt im Zimmer liebte, war unfähig, von demselben +Abschied zu nehmen. »Ich bin unfähig, vom Zimmer Abschied zu nehmen, +auch ist mein Reisekorb alt, und es würde mir weh tun, ihn auf eine so +weite Reise zu schicken,« schrieb Zimmermann seinem Geschäftsmann, »ich +habe mir die Sache überlegt, und bitte Sie versichert zu sein, dass ich +nicht nach der Türkei reisen kann. Ich eigne mich nicht dafür. Ich bin +soeben in Gedanken eine halbe Stunde lang in der Türkei gewesen und habe +es dort sehr langweilig gefunden. Mit dem ehemaligen Königreich Polen +möchte ich es wohl eher probieren. Lassen Sie mich bitte Ihre Meinung +wissen. Ich gebe Ihnen acht Tage Bedenkzeit. Nach Polen passe ich +nämlich besser als nach der Türkei.« Der Verleger lachte, als er den +Brief las und sagte: »Mit Zimmermann ist nichts anzufangen.« + + + + +Der Flinke und der Faule. + + +Ich gestehe, dass mich die Erfindung der Geschichte, die ich hier +erzähle, die grösste Mühe gekostet hat, obwohl man vielleicht finden +wird, dass sie ein wenig läppisch sei. Sie handelt von einem faulen +Flinken und von einem flinken Faulen. Zu beachten ist, dass der Flinke +mit all seiner eichhornhaften Flinkheit weit hinter des Faulen grober +Faulheit zurückblieb, worüber er sich nicht wenig verwunderte, was recht +sehr zu begreifen ist. Das Seltsame und Bemerkenswerte an der +einfältigen und albernen Geschichte, die glücklicherweise nicht allzu +lange und breite Umstände macht, ist, dass der Flinke im Grunde der +Faule ist und der Faule im Grunde der Flinke, und zwar deshalb, weil der +Flinke eigentlich leider nur zu flink war und weil der Faule mit der +gesamten Summe seiner Faulheit sich glücklicher- oder unglücklicherweise +glänzend bewährte, indem er gar nicht flink und dennoch, im Grunde, viel +flinker war als der flinkste Flinke, während leider der Flinke mit dem +ganzen Reichtum seiner Flinkheit und Behendigkeit zwar durchaus nicht +faul und dennoch viel fäuler war als der fäulste Faule, was jedenfalls +recht sehr bedauerlich ist. Der Flinke übertraf freilich den Faulen an +regelrechter Flinkheit, aber er kam dennoch zu kurz und stand zuletzt +weit hinter dem Faulen, welcher, falls wir uns nicht gröblich irren, +freilich den Flinken hoch an Faulheit überragte, indem er faul war wie +die personifizierte Faulheit, dennoch aber lange nicht so faul und viel +flinker war, als der Flinke dachte, den er weit hinter sich liess und +prächtig besiegte, über welchen ausserordentlichen Umstand der +bedauernswürdige arme Flinke fast vor Schreck umkam. Dieses, mein bester +Leser, ist die Geschichte vom Flinken und vom Faulen oder vom Faulen und +vom Flinken, je nachdem du willst und wie es dir gefällt. Beurteile sie +milde, belache sie und zürne nicht allzustark ihrem Verfasser, dem sie +so fest im Kopf sass, dass er sich genötigt sah, sie niederzuschreiben, +um sie loszubekommen. + + + + +Der Maskenball. + + +Einmal gab es einen Maskenball, der von vielen lebenslustigen und +vergnügungsfröhlichen jungen Leuten besucht wurde, die sich alle hier +einfanden, um recht aus der Seele und aus vollem Herzen glücklich zu +sein, Sorgen und Kümmernisse auf ein paar Stunden zu vergessen, zu +lachen, zu tändeln und zu tanzen und sich frei und leicht zu fühlen wie +die ersten Menschen, die vom erbärmlichen Kampf ums Dasein und von der +traurigen Jagd nach dem Erwerb noch überhaupt nichts wussten. Herrlich +war der Anblick des von einem vorzüglichen Geschmack und von einem +feinen und zarten Kunstsinn dekorierten, blumen- und bändergeschmückten +Tanzsaales, dessen hohe Wände entzückende Wandmalereien deckten, die, +man kann sagen, von demselben Geist und von derselben Erfindung waren +wie die graziöse reizende Musik, die sommerregengleich von einem Podium +herab in den Saal und in den heiteren Tanztumult niederrieselte und +säuselte, damit die versammelten fröhlichen Menschen sich nach dem +schmeichlerischen wellenhaften Takt ihrer süssen und angenehmen Melodien +hin und her bewegten und drehten. Das tat denn auch alle Welt und es +war ein blitzendes, geschmeidiges Gewoge, das da durcheinanderwogte. Auf +die lächelnden Gesichter herab schimmerte der Strahl der Kerzen, deren +blendendes Leuchten den Saal zu einem Zauberpalast machte. Alles war +glücklich, alles lachte und scherzte. Neid, Bosheit und Missgunst und +noch manche andere üblen Eigenschaften und bösen Empfindungen hatten +keinen Einlass in das schöne Lokal gefunden, das lediglich von +Heiterkeit, Behagen und Lebensfreude widerhallte und widerstrahlte. +Jedoch waren alle Geräusche der Freude und des Vergnügens angenehm +gedämpft, wie wenn alle Teilnehmer lebhaft gefühlt hätten, dass selbst +im Rausch und im Entzücken der Mensch sich, aus Rücksicht und aus Liebe +für seinen Mitmenschen, Zügel auferlegen muss, um die allgemeine +Schönheit und das allgemeine Gefallen nicht zu verletzen. Gelächter +vermischte sich mit Gläsergeklirr, das wie Silber an den Wänden +widertönte. Schelmische Witze wurden gerissen, die niemanden +beleidigten. Nur Dummköpfe und eitle hochmütige Menschen ärgern sich +über einen guten Witz, der so gut ein Recht zu existieren hat wie der +düstere, bittere Ernst; denn der liebe Gott gab uns nicht umsonst die +liebenswürdige Fähigkeit, zu lachen und den Dingen die heitere und +lustige Seite abzugewinnen. + +Solche Paare, die von der Anstrengung des Tanzens müde waren, zogen sich +für eine Weile, um recht behaglich auszuruhen und sich an allerlei +Erfrischungen zu erlaben, aus dem Getümmel in irgend eine reizend +versteckte grüne weiche Plaudernische zurück, während andere Paare +frisch sich in das anmutige Gewoge stürzten. Hier sah man Einen vor der +Dame seines Herzens leidenschaftlich niederknien. An einer andern +Stelle wieder suchte ein Tänzer seine entschwundene, im Gewirr +verlorengegangene Tänzerin. Andern Ortes wieder erteilte eine Schöne +ihrem bisher so dienstfertigen Galan und Ritter urplötzlich den +Abschied, dass ihn die Bestürzung, in die er sich unvermuteterweise +geworfen sah, zittern machte, und ihm die grausame Enttäuschung die +Gesichtszüge verzerrte. + +Colombine, so nannte sich eine übermütige schelmische Tänzerin, die mit +ihrer ans Unglaubliche grenzenden Tanzkunst die Bewunderung aller derer, +die sie sahen, hervorrief. Sie tanzte ganz allein, als wenn es keinen +Tänzer gegeben hätte, der fähig gewesen wäre, sie mit einigem +gleichmässigem Geschick zu accompagnieren. Und doch gab es einen! Aber +von diesem tollen Burschen reden wir später. Einstweilen neigen wir uns +voll Staunen und Mitleid zu einem armen Narren herab, der, einer Statue, +einem Steinbild ähnlich, in einem Winkel des Saales am Boden kauerte, wo +er sich auf die ausgiebigste Art mit düsterer Philosophie, mit +schrecklicher Betrachtung des Lebens abzugeben schien, ganz in Trauer, +in Wehmut und in tödliche Melancholie gehüllt. Tausenderlei giftige +Spitzfindigkeiten schienen den armen unglücklichen Menschen in diesen +Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot +oder Mehlmann hiess er, und er glich auf gewisse Art dem tödlich +verwundeten Helden, der das Gefühl hat, dass er verbluten muss. Sein +eigenes krankes Wesen war es vielleicht, das ihn hier im verlassenen +Winkel an den Boden niederstreckte. Des armen tragischen Narren Wangen +waren mit Mehl bestreut. Seine Lippen waren rot wie Rosen, aus seinen +jungen dunkeln Augen drang ein unnennbarer Seelenschmerz, und die +gefärbten Lippen lächelten ein graziöses und verzweifeltes Lächeln. +»Schade um den jungen Mann!« musste der ausrufen, der ihn sah, aber es +beachtete ihn niemand, dessen Kopf ein zierliches Dummkopfkäppchen +schmückte, dass der Schmerz und der Gram noch lächerlich aussahen und +der Hoffnungslosigkeit, dem Leid noch der Ausdruck frivoler Dummheit +anhaften musste. Warum kam er hierher, wo alles lachte und tanzte? Was +bezweckte er mit seinem unerfreulichen Auftreten? Was hoffte er von +seiner Erscheinung? Vielleicht war er ehmals fröhlich gewesen. Jetzt +aber war er todesmüd und matt. Denn von der Lebensmüdigkeit, die ihn +erfüllte, redete die Sterbensblässe, die ihn bedeckte, deutlich. Wer +versetzte ihm den Stoss? Sein eigener verderblicher Charakter selber? +Hm! Kann sein. + +Angenehm oder unangenehm bemerkbar machte sich auf dem Maskenball durch +ein höchst lächerliches Gehaben und Gebaren, das ihn zum vollkommenen, +ganz und gar in der Schafsköpfigkeit ertrunkenen Schafskopf stempelte, +ein zweiter und zwar ältlicher, sehr soignierter Narr. Vorhergehender +Narr war sozusagen ein ernster Narr. Dieser aber gehörte zu der +Kategorie der fraglos lächerlichen Narren. Himmlisch war der hohe, +steife, feierliche Hut auf seinem ausgesprochenen Pantoffelheldkopf. +Seine enorme Krawatte war grasgrün, seine gebogene lange Nase +gesprenkelt mit roten und weissen Tupfen. Fabelhaft lächerlich war sein +Beinkleid, mit welchem er offenbar zu imponieren hoffte. Die Handschuhe, +die er trug, waren knallgelb und sein ganzes Auftreten zeugte von +verblüffender Geschmacklosigkeit. Der Herr hiess Pantalone oder +Hosenmann und wie es sich herausstellte, war er fürchterlich verliebt, +der alte Racker, und zwar in wen?, ei ja doch, in die reizende +Colombine, für die er ein verliebtes süsses Liebesbriefchen in der +Tasche trug, um es der Schelmin bei günstiger Gelegenheit in der +Einbildung zu übergeben, die ihm vorschwindelte, dass das schöne junge +Mädchen Gefallen am alten, aber freilich schwerreichen Gecken finden +werde, sobald der alte Torenknabe nur seine Börse öffnen würde. Hui! +aber das Liebesbrieflein mit den üblen Anspielungen flog ihm um die Nase +und wurde in tausend kleine Fetzen zerrissen, die wie Schneeflocken +herumwirbelten, und Pantalone musste mit samt seinem gravitätischen +imposanten Spazierstock gütig abspazieren und noch dazu eine ganze +Salatschüssel voll Gelächter und spöttischer Bemerkungen aufessen. +Ausgelacht und fortgeschickt zu werden ist wahrhaftig kein Leckerbissen. +Drohungen ausstossend und Augen wild rollend verliess Hosenmann den +Tanzsaal, und die Grazien riefen ihm nach: »Auf Nimmerwiedersehen.« + +Wir haben den tiefernsten und trauervollen Narren und dann den eitlen, +albernen und spiessbürgerlichen Narren gesehen und wenn uns diese beiden +interessiert haben, so wird uns gewiss nicht minder der dritte, nämlich +der fröhliche kecke und übermütige, der schöne und glückliche Narr +interessieren, das Ideal des Maskenballes, Hanswurst oder Harlekin mit +der spitzbübischen frechen Pritsche, mit welcher er, leise alle Menschen +neckend, im Saal herum tanzte, indem er alle, die ihn sahen, durch seine +unschuldige antiloppenhafte Fröhlichkeit und Lustigkeit in helles +Entzücken setzte. Sein leichtes Kleid oder Gewand klebte ihm nur so am +jugendlich-schönen tänzerischen und turnerischen Körper, der die +gewagtesten und zugleich anmutigsten Bewegungen ausführte, dass es eine +Freude war, ihn tanzen und tändeln zu sehen. Dieser Bursche war der +erklärte Liebling aller und er war im besondern der Geliebte der schönen +Colombine, die mit ihm in treuer Anhänglichkeit und Liebe starb und +lebte. Ihre Augen verfolgten jeden Augenblick seine liebenswürdige +Gestalt, die bald erzkomisch stillstand, als sei Harlekin oder Hanswurst +ein rechter Trottel, die aber bald wieder wie eine durch keinerlei +Schwergewicht gehemmte Engelsgestalt sich vom Tanzboden loslöste und +alsdann Wunder der Tanzkunst verrichtete, bald einem eilfertigen artigen +Windhund, bald einem Wiesel, bald einem Eichhörnchen glich und immer +voll bildhafter Schönheit war. Flog Hanswurst am schwermütig träumenden +und kauernden armen Pierot vorbei, so versetzte er ihm mit seiner +Narrenpritsche einen leichten kameradschaftlichen Schlag auf die +Schulter und sprach flüchtig zu ihm: »Komm, sei doch vernünftig, du +dauerst mich.« Hanswurst, dieser tolle Bursche, der mit seinen +geschmeidigen Beinen alle Schwere und allen Erdenernst verspottete, war +in seinem witzigen Übermut so schön, und in all seiner Ausgelassenheit +so treuherzig, dass niemand im Saal auf den Einfall kam, ihm sein +lustiges Wesen übel zu nehmen, vielmehr befreundete sich jedermann im +Augenblick mit ihm, und es hatten ihn alle von Herzen gern. Aber der +liebe Bursche selber auch hatte ein Gefühl und ein Herz und ein Denken +für alle, das sahen und fühlten alle. Indem er witzelte und tändelte, +blieb er immer eine freundliche und angenehme Erscheinung, und indem er +lustig war, belustigte und ergötzte er die andern. Seine bildhübsche +Gestalt und seine scherzhafte Einfalt verbreiteten tiefe Rührung, und +wenn er in die Luft emporflog und tanzte, war er gross und bedeutend. +Sein Glück machte alle andern glücklich. Sein Anblick war zugleich +unterhaltend und wohltuend. Indem Hanswurst an sich selber und an sein +eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der +eigentümliche Umstand, dass er an alle andern dachte und dass er die +Ursache vom allgemeinen Vergnügen war. + + + + +Die Verlassene. + + +Eisig kalter Wind brüllte und sauste durch die düsteren Strassen. +Unbarmherziger Wind, und alles war finster, hoffnungslos und düster. +Alle guten Eingebungen und alle guten Gedanken waren mir verloren, und +ich selbst war verloren. Alles Gute, Milde und Schöne war hoffnungslos +verloren. Die Seele war verloren. Alles kalt und tot, und die Welt +gestorben. Alles Leben, alle Liebe und alles gute Denken waren wie vom +finster brüllenden und tosenden Wind verschlungen, der wie ein +gefrässiges Ungeheuer durch die hoffnungslosen, öden und leeren Strassen +stürmte. Behaglichkeit und Geselligkeit waren wie für immer von der Erde +verschwunden. Befriedigung und Freude schien es von nun an keine mehr +geben zu können. Die langen Strassen voll scheusslicher Freudlosigkeit, +voll entsetzlicher Leere zogen sich ins Ungeheure, ins Namenlose, ins +Unendliche und ins Unfassbare hinaus, und endlos schienen +Hoffnungslosigkeit und Lieblosigkeit zu sein. Kein Stern und kein +freundlicher Mond waren am Himmel, das Furchtbare und Schreckliche war +zur gähnenden Wirklichkeit geworden, und das Gerechte, Gute, Sanfte, ach +du grosser Gott im Himmel, war nur noch ein bleicher, müder, +nebelhafter Traum, wert, dass man ihn matt belächle. Und die Menschen +waren arme, bleiche, kranke, sturmgejagte, ins Entsetzen +hineingepeitschte Sklaven. Niemand traute mehr dem Andern. Nachbarliebe +und Güte waren verschwunden, verloren, und die Wohnhäuser waren +Schreckens- und Entsetzenshäuser, Stätten des erschütternden Hasses und +des vernichtenden Mordes. Wild stürmte ich dahin, gejagt und getrieben +von wilden Gewissensbissen, von schrecklicher Vorwürfen ungeheuerlich +lodernder Feuersbrunst. Alles war verloren, ich hatte keinen einzigen +guten Gedanken mehr. Arm und elend war ich, wie nie zuvor. Zerrissen im +Innersten war ich, wie nie zuvor. Unglücklich, arm und elend, o, dass +ich es noch einmal sage, war ich, wie nie zuvor. Der Sturmwind riss mir +den Mantel empor, dass er sich über meinem Kopfe hochauftürmte, und ich +glich auf der finstern mitternächtlichen Strasse in all der Finsternis +und Düsternis dem fürchterlichen König Richard, dem ewigen Juden und dem +Mörder Paricida. Ich war betrogen worden und war wieder selber Betrüger, +ich war belogen worden und log wieder selber. Die Menschen hassten mich +und ich hasste, verachtete die Hasser und Verächter. Sie hatten mich +verraten und an den Verrätern übte ich selber wieder traurigen Verrat. +Ein unendliches Sehnen nach Einfachheit, nach reiner Sitte, nach Treue +und Liebe, nach Treuherzigkeit und nach Vertrauen, jagte mich umher, bis +ich endlich ein trauriges verwahrlostes Armutshaus fand, in das ich +eindrang. + +Obwohl das Haus einem Schlupfwinkel für Räuber und Verbrecher glich, +trat ich dennoch ohne das geringste Zögern und mit guter Zuversicht +hinein, denn ich musste mir sagen, dass ich nichts mehr zu verlieren +hatte. Die verhärtete, eisenfeste, hoffnungsarme Seele war auf alles +Schreckliche und Hässliche nur zu lang schon gefasst. Nicht von Ferne +erwartete ich mehr irgend etwas Gutes und etwas Schönes. Kälte +ringsumher und Kälte mitten im eigenen Herzen. Ich stieg das armselige, +verwüstete, finstere Treppenhaus empor, auf einem Treppenabsatz kauerte +ein armes junges Mädchen, dessen Haar ich mit der Hand streifte. Die +Treppe war in ihrer ächzenden, stöhnenden, krachenden Verlottertheit +furchtbar, denn mir war es, indem ich sie betrat, als sei sie die letzte +aller Treppen, die Treppe, die zur Vernichtung, zur Verzweiflung, zum +verzweiflungsvollen Selbstmord führen müsse. Trotzdem stieg ich empor, +und ich erinnere mich, dass mir das elende Herz vor Bangigkeit zum +Zerspringen klopfte und dass ich nach jedem kleinen Schritt innehielt, +um mit angespannter Sorgfalt in all die Leere und in all die grausame +kalte Finsternis hinein zu horchen und zu lauschen, aber es bewegte, +regte, rührte sich in all der Entlegenheit und Einsamkeit nicht das +Mindeste. Alles war totenstill im schrecklichen Haus der Armut. Im +Bauche eines schlummernden Ungetümes konnte es nicht lautloser und +stiller sein. + +Über die Wohnungstüre, an die ich endlich im Dunkel tappte, muss ich +noch besonders reden, denn sie war nicht wie irgend eine andere +beliebige Türe, sie war offen! Sonst sind Türen sorgfältig verschlossen, +ja sogar manchmal oder vielmehr häufig, ängstlich zugeriegelt. Diese +Türe hier war nur nachlässig angelehnt, so als verlohne sich in der +ganzen Welt in Zukunft infolge überhandnehmender Gleichgültigkeit und +Herzlosigkeit keinerlei Treue und behutsame Aufmerksamkeit und Sorgfalt +mehr und so, als sei in Zukunft im menschlichen Leben alles, alles +gänzlich gleichgültig, und so, als sei alles, alles lebensüberdrüssig, +müd, abgestumpft, ruchlos, kalt und gleichgültig, und so, als sei es +gleich geworden, ob noch ein Leben vorhanden sei oder ob alles tot, +nackt und zerrissen sei, und ferner so, als sei jede feinere, zartere +Gemütsbildung ein Ding der Undenkbarkeit und etwas völlig +Nebensächliches und Überflüssiges geworden, und zuletzt so, als freute +sich die geknickte, zertretene und entmenschte Menschheit gar noch über +ihre Verwahrlosung, über ihre Zerstückelung und über die Verwüstung. +Wüste hier und Wüste dort, doch das macht nichts. Es ist ja jetzt alles, +alles, alles gleichgültig ... So ungefähr redete die wüste, müde, +traurige Türe, die ich nicht zu öffnen brauchte, weil sie bereits offen +war. Eine solche Türe hindert niemanden, in eine Wohnung einzudringen, +und so drang ich denn in den Korridor hinein, Schritt für Schritt, +äusserst behutsam und vorsichtig, und bei jedem Schritte fleissig +lauschend. + +Vorhin die elende, traurige Treppe, dann die Türe, die nicht minder arm +und elend war, und jetzt der dumpfe kalte Korridor, der ebenso arm, öd +und elend war wie Treppe und Türe, ich selbst angestrengt auf das +hervortretende Schrecknis lauschend, auf dessen Erscheinen ich gefasst +war, weil ich mir sagte, dass an solchem Ort nichts anderes als +Schreckliches zu erwarten sei, mein Dastehen in der entsetzlichen +Erwartung dessen, was jetzt kommen musste: Ich darf wohl sagen, dass es +einigen Mut brauchte, um den sinkenden, zusammenstürzenden Mut noch +einigermassen aufrecht zu halten und in dieser Öde auszuharren, in +diese Wüste und Öde weiter einzudringen. Plötzlich jedoch zitterte ein +süsser zarter Lichtschein aus einer Ritze mir entgegen, und ich glaubte +eine schöne hohe gelinde Liebesmelodie zu vernehmen von weit, weit her +und doch auch wieder aus allernächster Nähe. Ich öffnete eine Türe und +stiess einen Schrei des Entzückens, der entzückenreichen Überraschung +aus. In einem lichten schönen warmen Zimmer oder Gelass sass eine Frau, +und ich kannte sie von früheren Zeiten her und jetzt tönte von allen +Seiten her frohe Freuden- und Trostmusik. Wie von allen offenen blauen +Himmeln herab rauschte und rieselte das goldene, heitere Konzert, und +Wälder, Wiesen und Felder schienen mir mit einmal nah, ich sah alle +schönen, guten, befriedigenden lieben Farben, und die schöne Frau, die +wie ein Engel aussah, lächelte mich freundlich und liebreich an, als sie +mich elenden armen Wanderer, Umhergetriebenen erblickte. Alles war +plötzlich wieder gut, eine sonnige, wonnige Jugendkraft stürzte über +mein Wesen, und ich vergass mit einmal allen Gram, und alles Elend, +aller Unglauben waren mit einmal dahin. Ja doch, das war der wunderbare, +wenngleich düstere Ort, wo ich die herrliche Verlassene wiederfand, der +Ort der Einsamkeit, wo ich die schöne Verlassene wiedersah. Das war sie, +die himmlische Ausgestossene, die wunderbare Verfehmte, die himmlisch +schöne Einsame und Verlassene. Ich eilte, hinreissendem Antrieb +gehorchend und mich zu der schönen Bewegung beglückwünschend, zu ihr +hin, zu der Frau, die hier in der Verstossenheit und in der Verfehmtheit +hauste und kniete vor ihr nieder, und die Entzückende schaute mich gütig +an. -- Sie tat nicht fremd. Ich war ihr gut. Ich war ihr recht. Sie +zeigte sich über meine Gegenwart erfreut, und das freute mich unendlich. + + + + +Die Mörderin. + + +Es fällt mir ein, dass ich neulich mit einem Landwirt über den Berg +ging. Wie wir so von allerlei Dingen plauderten, trat uns auf der +Strasse, mitten im hübschen Bergdorf, eine stämmige Frau entgegen. Diese +Bauernfrau war mir durch weiter nichts als durch ihre feste kerngesunde +Erscheinung aufgefallen. Näher war mir nicht eingefallen, sie zu +betrachten. Als die Frau an uns vorübergegangen war, hielt es der Wirt +für erlaubt (worin er ganz recht hatte) die ruhige Bemerkung zu machen: +»Der Frau, die da soeben an uns vorüberging, haben Sie gewiss nicht +angemerkt, dass sie fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus hinter sich hat.« +Erstaunt fragte ich: »Warum?« Mein Wirt beeilte sich mit Aussagen in +keiner Weise. Es verging eine Pause, nach deren Verlauf er sagte: »Sie +hat einst ihren Mann totgeschlagen.« Entsetzt erkundigte ich mich nach +den näheren Umständen. Wieder schwieg der Landmann, der über den Berg +ging, um seine Matten zu beschauen, eine kleine Weile, worauf er mit +sonderbarer Behaglichkeit, als sei er ein überlegener Erzähler, und als +erzähle er eine halbverschollene Ballade oder Schauergeschichte, +Folgendes vorbrachte: »Eines Morgens trat sie mit einer Hacke oder Karst +in der Hand in das Schlafzimmer ihres Mannes, der im Bett lag. Als +derselbe die Augen aufmachte und sie so sah, fragte er, weil ihn +offenbar die Hacke erschreckte: »Was willst du hier im Zimmer mit der +Hacke?« Darauf erwiderte die Mörderin: »Das will ich dir eben jetzt +zeigen.« Mit diesen furchtbaren, gewissermassen trocken-humoristischen +Worten, holte sie zum Schlag aus und schlug ihm den Kopf ein.« Ich bat +den Wirt, mir zu sagen, weshalb die Frau eine so grässliche Tat verübt +habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er, »man hat es vergessen. +Möglich ist, dass der Mann ein Trinker war, der nicht schaffen wollte +und damit seine Ehefrau in die Erbitterung trieb.« Da ihn seine +Absichten einen andern Weg als den, den ich verfolgte, gehen hiessen, so +verabschiedete er sich, und ich ging allein weiter, indem ich über das +Verbrechen noch allerlei stille Betrachtungen anstellte und mich +besonders über das gute unbefangene Aussehen der Frau wunderte, die wir +so still und ohne alles Auffallen an uns hatten vorbeigehen sehen, als +sei sie nicht sie selbst, sondern eine beliebige Andere, nicht eine +Mörderin, sondern irgend eine wackere rechtschaffene fleissige Frau. +»Erstaunliche Kraft muss jedenfalls in ihr liegen«, dachte ich, »eine +Untat und fünfundzwanzig Jahre Zuchthaus und von allem dem nicht das +geringste Kennzeichen zu offenbaren: Welche Summe von Unbeugsamkeit.« -- + + + + +Die Brüder. + + +Darf ich dich, o du Guter, leise und gewiss ganz zaghaft an die Zeit +erinnern, wo wir Beide, du als beginnender schaffender Maler und ich als +heimlich beginnender angehender Poet, uns mit unserer jugendlich +anstrebenden Kunstburschen- oder Kunstlehrlingschaft und was alles +hübsch damit zusammenhing, zu S.... aufhielten? Meines Wissens schrieb +und schickte ich dir, bevor ich in Person bei dir anlangte und +auftauchte, ein ziemlich langes Sehnsuchts- und Freundschaftsgedicht, +das du empfingest und mit Genuss lasest. Himmlisch dünkt mich das, wenn +ich daran denke, obgleich es natürlich zum Lachen ist. Göttlich schön +und gross ist es, junge Wangen und junge Lebensanschauungen zu haben, +ein unaussprechliches Sehnen nach dem Leben zu empfinden und achtzehn +Jahre alt zu sein, denn ungefähr so alt waren wir damals beide. Herrlich +kamen mir die Residenzstadt S.... und du selbst vor; du warest in den +Augen des frischen Ankömmlings nichts geringeres als ein imposanter +Haupt- und Weltstädter. O wie sind jugendliche Unwissenheit und +Unerfahrenheit schön! Was Gutes und Schönes erwirbt man denn eigentlich +mit der Erfahrung? Sehr viel Wertvolles sicher nicht. Du geleitetest +mich freundlich durch die Strassen in eine gewisse Gerbergasse hinein +und dann hinein in die berühmte und sicher uns allen beiden +unvergessliche Herberge zur Heimat, wo wir gemeinsam ein Zelt +aufschlugen oder mit andern Worten eine Stube bezogen, um +gemeinschaftlich darin zu wohnen und zu hausen, was sicher nur unser +Vorteil und nicht unser Nachteil war. Entzückend, so schwöre und +behaupte ich, sind erste kühne Künstler-Flugversuche, die mit öfteren +Abstürzen verbunden sind. Aber ist das Hüte aus dem Fenster hinaus- und +auf Passanten in die Strasse herabwerfen nicht vielleicht noch fast +schöner als alles Malen, Musizieren und Dichten? Waren wir nicht im +Hutwerfen erlesene erste Meister und wahre dämonische Virtuosen, und sah +sich der gute freundliche Wirt oder Herbergsvater nicht genötigt, uns +vor Fortsetzungen des reizenden Unfuges väterlich zu warnen? Ach es ist +vielleicht, von einem gewissen Gesichtspunkt aus gesehen, hundert-, wenn +nicht gar tausendmal schöner, seinen oder seines Bruders Hut aus dem +Fenster fliegen und wirbeln zu lassen, damit Vorübergehende unten +staunen, als ein vollendetes Gedicht zu schreiben, damit das liebe +Publikum staune. Gab es nicht in unserer Kunststube eines schönen Tages +einen überraschenden Hofpredigerbesuch, über den wir Beide einen Monat +lang lachten? Ich stand gerade nackt da, dir als Modell zu einem Cäsars +Leichnam beweinenden Markus Antonius dienend, als die Türe des Studier- +und Aktzimmers unerwarteterweise aufging und dicht und urplötzlich vor +uns strebenden armen Sündern wer stand? Der Herr Hofpfarrer. »O Gott, +was muss ich mit meinen Augen erblicken? Was geht hier vor?« rief er aus +und trat unverzüglich den Rückzug an, der in wilde Flucht ausartete. Wie +gab uns das Entsetzen des guten Herrn, der künstlerischen Übungen +offenbar fremd gegenüberstand, zu lachen. Lebten wir zwei Jünger und +Brüder, Neulinge, Anfänglinge und Novizen nicht wie auf einer reizenden +Freundschafts- und Verbrüderungsinsel, auf der alles gut und schön und +sorglos ist, wo in ununterbrochenem freundlichem Gelispel und Gesäusel +und in einem fortwährenden süssen Frieden die lebendigen Geschöpfe sich +des zutrauenreichen, gütigen Daseins erfreuen, Himmel und Erde und +Kreatur zusammengewachsen sind, und wo der Mensch so harmlos und +gutherzig wächst und hinlebt vom Tag in die Nacht und von der Nacht in +den Tag hinein wie die duftenden Blumen, die Pflanzen und die treuen +guten Bäume. Wateten wir nicht ganze schöne Sonntage und sonstige Tage +lang im üppig-grünen Landschaftsgras und in der göttlich weichen, +träumerischen Mai-Landschaft umher, um dann da und dort unter blühenden +Apfel- und Birnenbäumen vom Streifen und »Landschaften«, vom schwierigen +Malen und Versemachen köstlich auszuruhen, wobei wir oft einzuschlummern +geruhten wie Grafen und Fürsten, um später wieder zu erwachen wie +Prinzen? Wir lasen noch nicht Verlaine, aber wir lasen dafür doch +Heinrich Heine und Uhland, und die mundeten und schmeckten uns nicht +schlecht. War nicht auch das freie gliedererfrischende Baden im Neckar +herrlich und beglückte uns nicht in Dorfgasthäusern der Genuss von +Birnenmost? Wenn wir vom kühnen Ausmarsch grässlich staubig und hungrig +wieder in unsere Herberge zurückkamen, so bestellten wir ja bekanntlich +jeweilen je einen Rostbraten mit gemischtem Salat für die Wanderer und +Herren Gebrüder, worüber die ganze Stube höchlich staunte. Soupieren und +dinieren grosse und reiche Herren reicher und besser als wir Zwei +damals? Das finde ich sehr fraglich, denn für uns war der Rostbraten ein +Götterschmaus nach trefflich überstandenen Wanderanstrengungen. Wie ist +es schön, arm und jung und unbekannt zu sein. Wie gerne gäbe mancher +Schwerberühmte seinen Ruhm und all sein Ansehen für einen Achtel oder +auch nur Achtzigstel, für einen Drittel oder Dreissigstel des +Jugendzustandes her. Die Jungen sehnen sich nach Ehre, Ruhm, Erfolg und +Ansehen, aber die Berühmten und die Mächtigen sehnen sich wieder in das +arme wilde Jugendsehnen und in das heisse beglückende Ringen mit der +Existenz zurück. Der Erfolg macht nicht glücklich, aber es muss ja eine +Arbeit und ein Streben auf dieser armen, widerspruchsvollen Erde sein. +Es muss ja einen Ruhm und einen Reichtum geben, aber Ruhm und Reichtum +vermögen nur niedrige und flache Seelen zu beglücken. Es muss auf dieser +Erde ein ewiges Auf und Ab und eine ewige Niebefriedigung sein. Ist +nicht auch dir, ganz so wie mir, die Gestalt der gütigen, +liebenswürdigen Opernsängerin B... in Erinnerung geblieben, die die hohe +Freundlichkeit hatte, uns zwei doch sicher ziemlich arme Teufel, wahre +Muster und Vorbilder an Unbeachtetheit, zu einem graziösen +schöngeistigen Tee huldreich einzuladen? Sprangen und liefen wir nicht +eine Zeitlang fast allabendlich mittels uns vom gnädigen und freigebigen +Freiherrn-Intendanten gütig verabreichten und freundlich gegönnten +Freikarten in das schimmernde Hoftheater, wo wir unter zahlreichen +andern reichen Stehparterregenüssen den Genuss hatten, die Eysoldt als +zierliche Desdemona und den kraftvollen Matkowsky als dieselbe im Sturm +der Mohreneifersucht tötenden und abmordenden Othello zu sehen, und gab +es für uns etwas Höheres und Schöneres als das? Nicht von ferne! Und die +dürren oder gedörrten Zwetschgen, die wie unglückliche arme Ertrunkene +auf dem Mittagstisch im Teller voll Wasser schwammen, könnte es denkbar +sein, dass du sie vergessen hättest oder dass du sie je würdest +vergessen können? Ebenso des knorrigen Betknechtes und -Bruders Knoop +schrille Andachtstimme und Worte? Was vermöchtest du mir +entgegenzustellen, wenn ich auf die Tribüne der Beredsamkeit stiege und +laut sagte, dass nach dem Gefühl derjenigen, die vermöge einer +erreichten Altersstufe in das abendsonnen- und morgensonnenbeschienene +Land der Vergangenheit blicken, vergangene schöne Stunden ein Heiligtum +seien? Ergreift nicht dich auch Rührung bei dem Gedanken an das +fröhliche Frühe, an das heitere Einst? + + + + +Schüler und Lehrer. + + +Ein Lehrer, den seine Schüler um seines lebhaften Wesens willen +hochachteten und lieb hatten, ertappte eines Tages in der Stunde einen +von denselben bei einer Schlingelei, worüber er ausserordentlich zornig +wurde. Der Schüler, der das Unglück hatte, seines Lehrers Unmut in so +hohem Mass auf sich zu lenken, war bis dahin der Lieblingsschüler des +Mannes gewesen, den er unvorsichtigerweise tief gekränkt hatte, aber von +nun an war er in des Lehrers Augen ein Abscheuling, den derselbe Tag für +Tag vor der ganzen Klasse grausam herabsetzte und erbärmlich +verprügelte, eine Behandlung, die der Erzürnte dem armen Jungen +versprach pünktlich und getreulich fortzusetzen. Zweifellos hatte der +Lehrer einen persönlichen Hass auf ihn geworfen, und der Erwachsene ging +hierin dem Kleinen gegenüber zu weit. Der Knabe, der sich so urplötzlich +aus dem weichen Sitz des Wohlwollens auf die harte Bank der Ungnade +herabgeworfen und sich so unvermutetermassen vom gepriesenen Schüler in +einen notorischen Bösewicht verwandelt sah, wusste sich nicht zu helfen. +Nachdem er indessen durch Wochen so tapfer als er vermochte, das +traurige Los eines gesunkenen Bevorzugten und die damit verbundene +grausame und verachtungsvolle Behandlung ertragen hatte, griff er eines +Tages, vom Bedürfnis gedrängt, eine Veränderung der schier +unerträglichen Lage herbeizuführen, zur Feder und schrieb an seinen +grimmigen Verfolger und Peiniger Folgendes: »Ich kann mich, da ich +meinen lieben Eltern kein Geständnis machen darf, weil ich ihnen nicht +zu den vielen Sorgen, die sie haben, noch eine neue bereiten will, an +niemand anderes als an Sie selber wenden, um zu versuchen, ob es mir +möglich sei, wieder einige Gunst von Ihnen zu erlangen. Vielleicht wird +dieser Brief Sie veranlassen, aufzuhören, mich mit Schmach zu bedecken. +Da ich, wie ich bereits sagte, meinen Eltern mein Leid nicht klagen +kann, so klage ich es Ihnen. Da ich diejenigen nicht bitten will, mich +in Schutz zu nehmen, die mich lieben, so trage ich die Bitte dem vor, +der mich hasst und an mir seinen Zorn auslässt. Also bitte ich den um +Schutz, dem ich schutzlos preisgegeben zu sein scheine und ersuche den +um Schonung, der, weil er sich durch mein Betragen beleidigt fühlt, +schonungslos mit mir verfährt. Ich habe den Mut, wie Sie sehen, dem mein +Leid zu klagen, der es mir zufügt und dem meinen Schmerz anzuvertrauen, +der ihn verursacht. An der Schule habe ich keine Freude mehr.« Der +Lehrer, dem der Inhalt des Briefes allerlei zu betrachten und zu +bedenken gab, verhielt sich gegenüber dem Schüler von da an wieder +milder. + + + + +Sohn und Mutter. + + +Ein liebes, gutes Mütterchen, wahrhaftig: ich meine, man sollte ihr ein +Denkmal errichten! führte durch fleissige Sparsamkeit und durch +nächtelanges, emsiges Nähen die schöne Möglichkeit herbei, dass ihr +Sohn, den sie fast wie einen Abgott liebte, die hohe Schule besuchen und +sich dadurch die beste Bildung erwerben konnte. Merke dir, lieber +aufmerksamer Leser, was nun geschah. Der grosse Sohn, Gegenstand der +mütterlichen Aufopferung, blitzendes Juwel und köstlicher Edelstein von +Sohn, machte freilich mit der Zeit so grosse Fortschritte, dass er in +jungen Jahren schon hoch hinaufkletterte und es zu einer Stellung +brachte, die ihm nicht nur erlaubte, die ihn vielmehr geradezu nötigte, +sich aufzublasen, hochmütiges Wesen kalt und nachlässig zur Schau zu +tragen und den grossen Herrn zu spielen, als welcher er sich rasch über +seine arme bescheidene Herkunft hinwegsetzen lernte. Vorzüglich dickes, +fettes und hochangesehenes Tier, wie man so sagt, fühlte er sich über +alle kleinen engen Nöte des täglichen Lebens erhaben, und mit der stets +höher und höher steigenden Wertschätzung der eigenen werten und +wichtigen Person vergass er den mütterlichen Menschen. Das arme gute +Mütterchen! Ei, die soll doch nur hübsch brav in ihrem Sorgen- und +Dachstübchen stillsitzen, denn derlei Personen kann man ja unmöglich in +die feine Gesellschaft einführen. In der hohen Atmosphäre und in den +glänzenden Verhältnissen, in denen Emporkömmlinge leben, redet +bekanntlich niemand ein Wörtchen über Kindesdankbarkeit und -Liebe. Von +schwüler, genussreicher Liebe wird dort wohl gesprochen, aber über +schlichte Liebe zuckt man bestenfalles mitleidig die stolze Achsel. Wenn +wir nun auch den Fall setzen und annehmen, dass der grosse Sohn sein +Mütterchen einmal habe besuchen wollen, so müssen wir doch sogleich +bedenken, dass ein solcher Besuch unmöglich war, weil der Vortreffliche +ja für den Eintritt in die Armutstube durch den engen ärmlichen Rahmen +der bescheidenen Stubentüre viel zu breit und breitspurig, viel zu dick +und zu geschwollen, viel zu stolz und zu reich war. Für den Stolz und +für den Hochmut gibt es Palast- und hohe breite Salontüren. Mehr zu +sagen, ist wohl überflüssig, und man wird schon verstehen, wie ich es +meine. Der Weg zum Mütterchen und damit zur menschlichen Bescheidenheit +war und blieb dem Parvenü versperrt, wegen des Rahmens und wegen der +kleinlichen Verhältnisse, in die er sich wieder zu schicken gehabt +hätte. Vielleicht erlaubt man mir die freilich scheinbar etwas +gefühlvolle Bemerkung, dass ich grosse Lust hätte, zu sagen, ich wolle +vor dem lieben alten Mütterchen niederknien und dass es mich fast +hinreissen möchte, das Geld, das die Mutter für den stolzen Tölpel in +mühseliger Nachtarbeit zusammenrackerte, ehrfürchtig zu küssen. Der +Tölpel mag nur immerhin mit Seinesgleichen spazieren gehen, wo es ihm +beliebt. Vor ihm und Seinesgleichen beuge ich mich nicht, und ich werde +für ihn und Seinesgleichen weder eine Artigkeit, noch irgend eine +Achtung übrig haben. + + + + +Die böse Frau. + + +Eine Frau, die eines Tages, so wie die Dinge lagen, den Traum, den sie +sich von ihrem Leben machen zu dürfen gemeint hatte, begraben musste, +weinte ganze lange Tage und Wochen lang über den Verlust desselben. Als +sie aber endlich ihren Schmerz ausgeweint hatte, war sie, fast zu ihrem +eigenen Erstaunen, eine böse Frau geworden, die von nun an kein so +lebhaftes Bedürfnis mehr wie dieses hatte, andere Frauen recht bestürzt, +verlegen und niedergeschlagen zu sehen, indem sie sie unglücklich zu +machen versuchte. Sie fing mehr und mehr an, jedes fröhliche weibliche +Gesicht zu hassen, weil sie sich durch jede glückliche Miene gekränkt +und beleidigt fühlte. Es drängte sie, gegen jederlei Vergnügen, das sie +erblickte, Ränke und Bosheitspläne zu schmieden, da jeder heitere +Anblick ihr weh zu tun schien. Darf ein unglücklicher Mensch es im +Menschenhass so weit treiben? Nun und nimmer! muss entschieden +geantwortet werden. Die durch vielerlei Leid, durch gescheitertes +Streben nach Lebensglück verdorbene böse Frau machte es sich zur +traurigen Aufgabe, junge Mädchen mit jungen Männern geschickt +zusammenzuführen, sie gegenseitig aufeinander aufmerksam zu machen, sie +enger und enger zusammen zu befreunden und, wenn dann die holde +Freundschaft ihr reif zu sein schien, dieselbe durch listige +Verrätereien, rohe Künste, grausame Verleumdung und Verwirrung, wieder +zu zerreissen. Der Anblick einer weinenden verratenen Angehörigen ihres +Geschlechts tat ihr dann wohl und war für sie ein Genuss. So und ähnlich +trieb sie es ziemlich lange, währenddessen die um ihre Freude und ihre +Zufriedenheit betrogenen Mädchen sie für eine edle und feine Frau +hielten. Nach und nach aber merkte jedermann, wie böse sie sei, und +sobald die Leute sich hierüber Gewissheit verschafft hatten, so wurde +die gefährliche Gesellschaft fortan sorgfältig vermieden, derart, dass +die böse Frau bald keinerlei Gelegenheit mehr erhielt, Unglück +anzustiften, Böses zu tun und Unfrieden und Unbehagen zu verbreiten. + + + + +Berta. + + +Berta arbeitet als fleissige Angestellte im Kontor einer Fabrik. Ihr +Vorgesetzter, ein allerdings leider Gottes schon etwas ältlicher Herr, +sehr galant natürlich, spielt, so ist mir neulich zufälliger Weise zu +Ohren gekommen, da er den Tag über mit ihr in Berührung kommt, den +Liebhaber bei ihr. Einmal tut er, als sei er verliebt in sie bis über +die Ohren und ein anderes mal wieder gebärdet er sich wie der gestrenge +Herr und Meister und behandelt das ganz gewiss nette Mädchen mit +ausgesuchter Kälte. Ist das nicht entweder ein Schlaukopf oder aber +einer, der nicht weiss, was er will. Heute ist er ein Verehrer und +morgen ist er ein Verächter des weiblichen Geschlechtes, je nachdem es +ihm zu passen scheint. Gewiss steht dieser Herr keineswegs in seiner Art +einzig da, es gibt ihrer mehr, die es genau so oder ähnlich machen. Zu +der und der Stunde möchte er sie vor lauter Verliebtheit auf den Händen +tragen, ihr vielleicht gar die Hand kniefällig küssen; zu einer andern +Zeit hingegen scheint er sich besonnen zu haben und alsdann kommt sie +ihm nicht anders als ein armes Tröpfchen vor, das nicht wert ist, auch +nur flüchtig mit einiger Freundlichkeit und Achtsamkeit betrachtet zu +werden. O, so ein Schurke, so ein Hauptkerl! Bald ist er Herr, und bald +ist er Diener bei ihr, bald schnauzt und knurrt er sie mit groben +Vorgesetztentönen an; bald bettelt er mit flehender Miene und Stimme +wieder um Gnade, ganz je nachdem er geruht, aufgelegt zu sein. Sollte es +nicht als Verdienst und als wichtige Aufgabe gelten, dass jemand, der +diese Art von Arbeit über sich zu nehmen entschlossen wäre, dem +wetterwendischen Halunken einen gehörigen Puff gäbe. Gewiss sind +hunderte von Menschen ganz meiner Meinung, wenn ich sage, dass der +Spitzbube zehntausend Rippenstösse verdiente. Geht auf Verehrersfüssen +und gleichzeitig noch auf andern Füssen. Ist er etwa ein Vierfüsser? Ich +weiss es nicht genau. So viel aber weiss ich, dass ich nächstens Berta +raten werde, alles aufzubieten, damit sie sich den launenhaften Mann +unterjoche. Teufel noch einmal, so einer sollte mir, wenn ich Frau wäre, +parieren! + + + + +Die Wurst. + + +An was denke ich? An eine Wurst denke ich. Es ist schrecklich. +Jünglinge, Männer, die ihr dem Staate dient, auf die der Staat seine +Hoffnung setzt, betrachtet mich sorgsam und nehmt an mir ein +abschreckendes Exempel, denn ich bin tief gesunken. Ich vermag mich vom +Gedanken nicht loszureissen, dass ich soeben noch eine Wurst besass, die +nun für immer dahin ist. Ich zog sie aus dem Kleiderschrank hervor, und +bei dieser Gelegenheit ass ich sie. Mit offenbar nur allzu aufrichtigem +Behagen habe ich verzehrt, was noch vorhanden sein könnte, wenn ich es +nicht vertilgt hätte. Vor wenigen Minuten war die beste saftigste Wurst +noch leibhaftig da, doch jetzt ist durch leider nur allzu voreiliges +Verzehren die wohlschmeckendste Wurst verschwunden, worüber ich +untröstlich bin. Was soeben noch da war, ist fort und niemand bringt es +mir jemals wieder. Ich ass, was ich nimmermehr so schnell hätte essen, +was ich mir lieber nimmermehr so eilig hätte schmecken lassen sollen. +Ich habe aufgegessen, was mir noch jetzt schmecken könnte, wenn ich der +Begierde widerstanden hätte. Ich beklage tief, dass ich der Begierde +nicht widerstanden habe und dass ich verbraucht habe, was vor wenigen +Minuten noch frisch und rot zu meiner Verfügung stand, was aber nun und +nimmermehr zu meiner Verfügung stehen wird, weil ich es voreilig +verbrauchte. Ich habe Gebrauch gemacht, wovon ich noch jetzt Gebrauch +machen könnte, wenn nicht vorgefallen wäre, was vorgefallen ist und was +nicht wieder gut zu machen ist. Was dahin ist, könnte noch ruhig und +friedlich da sein, und was auf Nimmerwiedersehen verloren gegangen ist, +könnte Appetit erwecken, doch das Appetit Erweckende ist dahin, und das +beklage ich ehrlich, obschon ich einsehe, dass alles Klagen wenig oder +gar nichts nützt. Was angetastet wurde, könnte unangetastet, was +gegessen wurde, könnte unaufgegessen, was weggeschnappt wurde, könnte +unaufgeschnappt sein, wenn ich vorsichtiger und enthaltsamer gewesen +wäre, aber leider war ich weder enthaltsam noch vorsichtig, und das +bedaure ich tief, obschon ich einsehe, dass Klage und Reue wenig oder +gar nichts nützen. Was verschwunden ist, könnte vorhanden sein und was +tot ist, könnte fröhlich leben. Was grausam zerbissen und zerstückt +wurde, könnte ganz sein, aber es ist leider zerstückt, da hilft keine +Klage. Was nicht mehr dient, könnte die besten Dienste leisten, und was +weg und fort ist, würde mich noch jetzt mit seiner schönen Gegenwart +erfreuen, wenn ich das Beklagenswerte nicht getan hätte, was ich mit +leider nur zu viel Grund bedaure. Was, wie gesagt, fort ist, brauchte, +wie gesagt, nicht bereits abhanden gekommen zu sein, wenn ich +widerstandsfähiger und stärker gewesen wäre und bösen Neigungen entsagt +hätte. Schlimme Begierden, ihr habt mich meiner Wurst beraubt. Ich habe +gekostet, was als Kost noch fernerhin zu kosten wäre, wenn ich es +ungekostet und ungenossen liegen gelassen hätte, worüber ich, wie ich +bereits mehrfach sagte, trostlos bin, was ich nur immer wiederholen +kann. Ich brachte mir eine Schlappe durch Probieren einer nur zu +vorzüglichen Kost bei, die nun ausgekostet und ausprobiert ist, weil ich +nicht enthaltsam gewesen bin, was ich bereue. Reue nützt nichts; sie +macht den Wurst-Verlust eher grösser als kleiner, ich will daher +versuchen, auf Reue zu verzichten, was aber jedenfalls sehr schwer ist, +weil die Ursache, reuig zu sein, stark und gross ist. Ich habe mir eine +Niederlage zugezogen, weil ich nicht aufgespart habe, was ich unbedingt +hätte aufbewahren und in Acht nehmen sollen, was ich aber leider nicht +in Acht nahm, obschon ich es kaum glaube, da ich immer des Glaubens war, +dass ich stark und widerstandsfähig sei, worin ich mich aber scheinbar +irrte, was mich schmerzt, obschon, wie gesagt, Reue offenbar gar nichts +nützt. O, diese Wurst, ich schwöre, sie war herrlich. Wunderbar +geräuchert war sie, und mit entzückenden Speckmocken war sie gespickt, +und eine durchaus stattliche, annehmbare Länge hatte sie, und einen Duft +hatte sie, so milde, so bestrickend, und eine Farbe hatte sie, so rot, +so zart, und gekracht hatte sie, als ich sie zerbiss, ich höre noch +jetzt beständig, wie sie krachte, und saftig war sie, etwas Saftigeres +habe ich in meinem ganzen Leben nie gegessen, und dieses Saftige und +Schmackhafte könnte noch jetzt schmackhaft und saftig sein, das Rote und +Zarte noch jetzt rot und zart, das Wohlriechende noch jetzt +wohlriechend, das Vorzügliche und Appetitliche noch jetzt vorzüglich und +appetitlich, das Längliche und Runde noch jetzt rund und länglich, das +Geräucherte noch jetzt geräuchert und das Speckgespickte noch jetzt mit +Speck gespickt, wenn ich Geduld gehabt hätte. Ich könnte es noch jetzt +krachen hören, wenn ich es nicht schon krachen gemacht hätte, und zu +beissen gäbe es noch jetzt, was ich leider allzu schnell zerbiss. + + + + +Der Junggeselle. + + +Letzthin, beim Mittagessen, sagte mir mein täglicher Tischgenosse, der +Herr Doktor G..., dass er soeben auf gewisse Art und Weise seinen +liebsten Freund verloren habe. Auf meine Frage, wie das gekommen sei, +antwortete und erzählte er, dass er soeben die Einladung zu seines +Freundes Hochzeitsfeier erhalten habe, und er fügte mit gewissermassen +traurig verschleierter Stimme bei, dass er mir eigentlich nichts weiter +mehr zu sagen brauche, da damit schon alles gesagt sei. Er lächelte sein +eigentümliches, sehr feines und gescheites Lächeln und machte eine +kleine Pause, während deren er bestimmte aufdringliche Gedanken +verdrängen zu wollen schien. Ich kannte den Doktor G... als eine zarte +und, wie ich sagen möchte, empfindsame und poetische Natur. Er ist +ausserordentlich gebildet und dazu ausserordentlich ungeschickt, +weswegen ich ihn sehr hoch achte und sehr gern habe. An gewandten Leuten +bemerkt man stets irgend etwas Gemeines. Doktor G... liest die Memoiren +des Herzogs von Saint Simon und er begeistert sich für die majestätische +Gestalt Ludwigs des Vierzehnten. Er schwärmt für Alexander den Grossen, +und er findet den Emporkömmling Napoleon unerträglich. Die Frauen +schätzen ihn, wie ich längst gemerkt habe, ziemlich gering, weil er +nicht den Eindruck eines energischen Mannes macht. Ich dagegen, der ich +ein Mann bin, finde ihn beachtenswert, weil er eine weiche Seele ist, +und ich schätze ihn höher als zweitausend Energische, denn die Energie +ist durch die Verbreitung von Büchern wie z. B. das Buch: »Wie werde ich +energisch« ganz gemein geworden. Nachdem er, wie gesagt, eine Weile +geschwiegen hatte, gestand er mir, dass er sich fast fürchte, bei der +Hochzeit seines Freundes zugegen zu sein, dass er nichtsdestoweniger +selbstverständlich der Einladung folgen werde, die ihm peinlich sei, +weil er so wenig Ursache habe, sich über das Ereignis zu freuen. Er +komme sich wie aus einer traulichen warmen Stube auf die kalte Strasse +hinausgestellt vor, und er habe sich weniger auf eine Lustbarkeit als +auf den Umstand gefasst zu machen, dass er auf unerfreuliche Weise mit +seinem Innern werde kämpfen müssen. Er fühle sich so arm wie noch nie, +es sei ihm zu Mut, als habe ihm irgend jemand einen rücksichtslosen +Stoss versetzt, wodurch er sich in das traurige Bewusstsein geworfen +sehe, das ihm sage, dass er sehr einsam geworden sei. Im übrigen sei ihm +das alles sehr klar, und er verstehe alles sehr gut, weil sich alles +ganz von selbst verstehe. »Alter, trockener Junggeselle«, murmelte er +vor sich hin, und ich sah deutlich, wie seine Augen mit einmal voll +Tränen waren. Ich muss gestehen, dass ich mich tüchtig über seine Trauer +lustig machte, und ich gebe gern zu, dass das nicht sehr zart war. + + + + +Zahnschmerzen. + + +Ich erinnere mich, dass ich einmal eine Zeitlang heftige Zahnschmerzen +hatte. Um die Qualen zu betäuben, lief ich ins Feld hinaus und brüllte +dort wie König Lear. Zu Hause beliebte es mir, gegen die Wand zu rennen +und im Grimm einige wertvolle Stühle aus der Biedermeierzeit zu +zerschlagen, aber das Zahnweh hörte deswegen keineswegs auf, vielmehr +wurde das Übel von Stunde zu Stunde ärger. Des Nachts weckten die +Schauderszenen, die ich veranstaltete, sämtliche Hausbewohner, es war +ein Skandal. Der häufige Genuss von feinstem Cognac half wenig. Ich +versetzte mir Hiebe ins Gesicht, ähnlich wie Sancho Panza, als er den +Verlust seines Esels wahrnahm. Einmal brachte ich mir mit einem Messer +eine allerdings glücklicherweise durchaus nicht lebensgefährliche Wunde +bei, aber diese grobe Massnahme besserte an meinem Zustand nicht das +Geringste, sondern schien die Folter nur noch zu verstärken. Endlich +ging ich zum Zahnarzt, und zwar der lieben Billigkeit halber in eine +zahntechnische Klinik, wo ich mich mit Vergnügen zu Studienzwecken +hergab. Mein Mund wurde von der Hand eines Lehrfräuleins sorgfältig +untersucht und hierauf begannen die Operationen. Ich darf wohl mit +einiger Berechtigung sagen, dass ich Vieles sanft über mich ergehen +liess und dass ich Allerlei mit starker Fassung hinnahm. Manches ertrug +ich geduldig, doch von Zeit zu Zeit fand ich es für angebracht, einen +ziemlich lauten Schrei auszustossen, was ich absichtlich tat, denn +dadurch erreichte ich, dass der Meister herbeisprang, um mit seinem +meisterlichen Können helfend einzugreifen, was für mich keine +unerhebliche Wohltat war. In solchen Fällen zürnte mir freilich das +Fräulein, und sie fand, dass es sehr unartig von mir sei, so starkes +Geräusch zu verursachen. Ich erlaubte mir, ihr zu sagen, dass ich noch +öfters schreien wolle, sobald man mir überflüssige Pein zufüge. Das sei +gar nicht hübsch von mir, so zu reden, gab sie zurück. Ich kam nach und +nach in einen ganz fröhlichen Verkehr mit ihr und einmal hatte sie den +Einfall, mich zu fragen, was ich sei. Ich sei etwas wie Schriftsteller, +erwiderte ich bescheiden. Sie rief laut in die zahnärztliche Stube +hinaus: »Ich habe einen Schriftsteller,« worauf sämtliche Herren und +Damen, darunter auch der Meister, herbeigeeilt kamen, um den +eigenartigen Patienten behaglich zu betrachten. Ich wurde einer genauen +Besichtigung unterworfen. »Wenn Sie Schriftsteller sind,« sagte der +Meister, »dann sind Sie sicher einer von den ärmern, einer von denen, +die ihr Leben lang erfolglos bleiben, denn das sieht man Ihnen deutlich +an.« Ich musste über die feine Bemerkung lachen und erwiderte: »Ich bin +allerdings arm und an Erfolglosigkeit hat es mir bis heute nie gefehlt, +aber das Leben kann auch ohne Erfolg hübsch sein. Wenn ich nur wieder +gesunde und schöne Zähne habe, was ich lebhaft hoffe, so springe ich +herum, wie ein Hirsch und bin fröhlicher als mancher sogenannte +Glückspilz.« + + + + +Der andere Junggeselle. + + +Ein anderer Junggeselle, einer der hartnäckigsten, die es je gab, ein +Frauenfeind erster Güte und doch wieder absolut kein Frauenfeind, +sondern ein ganz netter, artiger Mensch, der keinem weiblichen Wesen nur +ein Haar krümmte, tat seine Sache, erfüllte auf das Eifrigste seine +Obliegenheiten und war ehrlich, solid und lebensfröhlich. Das aber war +es ja gerade, das Schurkische, nämlich, dass er fröhlich war, denn es +gab Leute, die das unverzeihlich fanden. Es gab ehrenwerte und nette +Leute, die der Meinung waren, dass der gute Junggeselle verpflichtet +sei, sich unglücklich zu fühlen. Das war er jedoch keineswegs, sondern +er lebte, wie gesagt, ganz vergnügt dahin und von Verzweifeln wegen +seines Junggesellentums war bei ihm keine Spur. Der Junggeselle ahnte, +dass er einige nette und achtenswerte Leute mit seiner Vergnügtheit und +Zufriedenheit beleidige, und dass seine heitere unbefangene Existenz für +diejenigen fast ein Ärgernis sei, die lebhaft wünschten, dass der +Junggeselle an seinem Junggesellenwesen zerschelle. Allerlei nette und +achtenswerte Leute trafen allerlei gefährliche kriegerische +Vorkehrungen, um dem Unhold sanft oder unsanft auf den Leib zu rücken, +ihm das edle Gleichgewicht zu rauben, die Seele zu erschüttern, den +guten Glauben an sich selbst zu untergraben und seine Charakterfestigkeit +zu nichte zu machen. Zahlreiche, wohlvorbereitete Angriffe wurden ins +Werk gesetzt, um des Junggesellen zähes Selbstbewusstsein zu +zerschmettern, doch es wurde nichts erreicht, denn der Schreckliche +blieb unerschütterlich. Unerhörte Leckerbissen wurden der grausamen +Bestie mit wir möchten sagen vollendeter Kunst vorgeworfen, aber das +Ungeheuer verzichtete mit diebischem Vergnügen auf alle dargebotenen +Genüsse, recht wohl wissend, dass es die liebliche Kost mit dem Verlust +von Freiheit und Unabhängigkeit bezahlen müsse. Fallstricke wurden +gelegt, Schlingen und Angeln säuberlich und appetitlich dargehalten, +Fallgruben vorbereitet, schön mit Höflichkeiten und Artigkeiten +zugedeckt, Netze wurden ausgestreckt, doch der Junggeselle fiel nicht in +die Falle und stürzte nicht in die Grube, ging nicht in die Schlinge +und rannte nicht ins Netz. Eine Dame, die sich besonders Mühe gegeben +hatte, unsern guten und muntern Junggesellen zu entjunggesellen, schrieb +ihm eines Tages voll Unmut und Ungnade: »Wissen Sie, dass Sie sehr +unhöflich sind? Wissen Sie, dass es scharmante Leute gibt, die +berechtigt sind, von Ihnen zu sagen, dass mit Ihnen nichts anzufangen +sei? Wissen Sie, dass man allgemein über Ihr Betragen, das sehr +absonderlich ist, die Achsel zuckt und den Kopf schüttelt? Man glaubte +sich einreden zu dürfen, dass Sie unglücklich seien, nun sind Sie aber +scheinbar ganz glücklich und vergnügt. Statt herzlich froh zu sein, dass +reizende und nette Leute Sie aus dem Kerker des Junggesellenstandes zu +erlösen versuchten, spötteln und lächeln Sie wohl gar noch! Das ist +nicht fein, leben Sie wohl. Ich überlasse Sie der Menge von Vorwürfen, +die Sie sich zu machen haben. Ihr Betragen muss von niemand anderem so +aufrichtig bedauert werden, wie von Ihnen selber.« -- »Gnädige Frau«, +schrieb der standhafte Junggeselle anmutig und manierlich zurück: »Ich +vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen +hätte. Gnädige Frau werden mir gütig erlauben, zu bemerken, dass ich mir +unmöglich einreden darf, es habe irgend jemand an der rein menschlichen +Verfassung, die ich vergegenwärtige, ein Interesse. Ich beklage die sehr +unangenehme und bedauerliche Tatsache, dass sich nette und scharmante +Leute meinethalb umsonst angestrengt haben; verantwortlich kann ich mich +jedoch hiefür ganz unmöglich fühlen. Ich bin so frei, Sie daran zu +erinnern, dass ich als Mann von einiger Bildung entschlossen sein muss, +zu denken, ich sei fähig, für mein Wohlergehen jederzeit selber zu +sorgen.« + + + + +Schwendimann. + + +Einmal war ein sonderbarer Mann. Hallo, hallo, was denn für ein +sonderbarer Mann? Wie alt war er, und woher kam er? Das weiss ich nicht. +So kannst du mir vielleicht sagen, wie er hiess? Er hiess Schwendimann. +Aha, Schwendimann! Gut, sehr gut, très bien, très bien. Fahre also fort, +wenn es dir gefällt und sage uns: was wollte denn der Schwendimann? Was +er wollte? Hm, das wusste er wohl selber nicht recht. Er wollte nicht +viel, aber er wollte etwas Rechtes. Was suchte, nach was forschte +Schwendimann? Er suchte nicht viel, aber er suchte etwas Rechtes. +Zerfahren, verloren in weiter Welt war er. So, so? Verloren? Aha, +zerfahren! Grosser Gott, wo hinaus soll es denn mit dem armen Mann? Ins +Nichts, ins All oder in was sonst? Bange Frage! Alle Leute schauten ihn +fragend an, und er die Leute. O wie ängstlich, wie kläglich! Er ging so +dahin, matt und schwerfällig, mit wankenden unsicheren Schritten, und +die Schulkinder liefen ihm mutwillig nach und neckten und fragten ihn: +»Was suchst du, Schwendimann?« Er suchte nicht viel, aber er suchte das +Rechte. Mit der Zeit hoffte er das Rechte schon zu finden. »Das wird +sich finden«, murmelte er in seinen zerzausten schwarzen Bart. +Schwendimanns Bart war ganz struppig. So, so? Struppig? Sessa! Voilà! +Ausgezeichnet. In der Tat! Hochinteressant! Mit eins und so stand er vor +dem Rathaus. »Mir ist weder zu helfen noch zu raten«, sagte er, und da +er seines Wissens im Rathaus nicht das geringste zu suchen hatte, so +ging er sachte weiter und kam vor das Armenhaus. »Ich bin wohl arm, +aber ich gehöre nicht ins Armenhaus«, dachte er und ging fleissig +weiter, und nach einer Weile kam er unvermutet vor das Spritzenhaus. »Es +brennt nirgends!« machte er und ging mürrisch weiter. Einige Schritte +weiter kam das Pfandhaus. »Ich habe in Gottes weiter Welt nichts zu +pfänden«, und eine kleine Strecke weiter das Badhaus. »Ich brauche nicht +zu baden!« Als er nach einiger Zeit vor das Schulhaus kam, sagte er: +»Die Zeiten, wo ich zur Schule gegangen bin, sind vorüber«, und ging +leise weiter, indem er den sonderbaren Kopf schüttelte. »Mit der Zeit +komme ich schon vor das rechte Haus«, sagte er. Nicht lange und so stand +Meister Schwendimann vor einem grossen, finstern Gebäude. Es war das +Zuchthaus. »Ich verdiene nicht Strafe, ich verdiene etwas Anderes«, +sprach er dunkel vor sich hin und marschierte weiter und gelangte bald +vor ein anderes Haus, nämlich vor das Krankenhaus, wo er sagte: »Ich bin +nicht krank, ich bin anders. Ich habe keine Krankenpflege nötig, ich +habe etwas ganz Anderes nötig.« Schwankend ging er weiter, heller, +heiterer Tag war's, die Sonne blitzte und die hübschen Strassen waren +voll Leute, und das Wetter war so säuberlich, so freundlich, aber +Schwendimann achtete nicht auf das schöne Wetter. Da kam er vor das +Elternhaus, vor das liebe Haus der Kindheit, vor sein Geburtshaus. »Ich +möchte wohl wieder ein Kind sein und Eltern haben, aber die Eltern sind +gestorben und die Kindheit kommt nicht wieder zurück.« Zögernd mit +bedächtigen Schritten ging er weiter und sah das Ballhaus und nachher +das Kaufhaus. Vor dem Tanzhaus sagte er: »Ich mag nicht tanzen«, und vor +dem Kaufhaus: »Ich kaufe und verkaufe nichts.« Da wurde es allmählich +Abend. Wohin gehörte denn eigentlich Schwendimann? Ins Arbeitshaus? Er +hatte keine Lust mehr, zu arbeiten. Oder ins Freudenhaus? »Lust und +Freude sind mir vergangen.« Nicht lange ging es und so stand er vor dem +Gerichtshaus, und da sagte er: »Ich brauche keinen Richter, ich brauche +etwas Anderes.« Vor dem Schlachthaus meinte er: »Ich bin kein +Schlächter.« Im Pfarrhaus hatte er seines Bedünkens nichts zu schaffen, +und im Schauspielhaus haben Leute wie Schwendimann kaum etwas zu suchen, +auch ins Konzerthaus treten solche Leute nicht. Still und mechanisch +ging er weiter, vermochte kaum die Augen offen zu behalten, so müde war +er. Es war ihm, als schlafe er, als marschiere er im Schlafe. Wann +kommst du wohl vor das rechte Haus, Schwendimann? -- Geduld, das wird +sich finden. Er kam vor ein Trauerhaus. »Ich bin wohl traurig, aber ich +gehöre nicht ins Trauerhaus« und ging weiter; kam vor das Gotteshaus und +ging wortlos weiter und kam vor ein Gasthaus, wo er sprach: »Ich bin +kein guter Gast, und niemand sieht mich gern,« und ging seinen Weg +weiter. Endlich, nach beschwerlicher Wanderung, nachdem es schon dunkel +geworden war, kam er vor das rechte Haus, und sobald er es sah, sagte +er: »Endlich habe ich gefunden, was ich suche. Hier hinein gehöre ich.« +Ein Gerippe stand an der Türe, er fragte: »Darf ich wohl hier eintreten, +um auszuruhen?« Das Gerippe grinste auf das freundlichste und sagte: +»Guten Abend, Schwendimann. Ich kenne dich wohl. Komm nur herein. Du +bist willkommen.« Er trat in das Haus hinein, das am Ende jeder findet, +und wo nicht nur für ihn, sondern für Alle Platz vorhanden ist, und wie +er hineingekommen war, sank er um und war tot, denn er war ins +Totenhaus gekommen, und hier hatte er Ruhe. + + + + +Ich habe nichts. + + +Sorglos und heiter, wie nur ein rechter Habenichts sein kann, wanderte +eines Tages durch das schöne grüne Land ein guter Bursche mit einer +dummen Nase. An Busch und Baum, an Haus und Hof vorbei, durch Wald und +Feld ging er vergnügt, leicht, froh und nett dahin, und weil er ein so +gutmütiges Gesicht hatte, so grüssten ihn alle Leute überaus freundlich, +und das war natürlich dem Burschen nichts als recht. Er war aber auch +einer, der es mit allen Geschöpfen, sei's Mensch, sei's Tier, herzlich +gut meinte, und hold gesinnt war er der ganzen Welt, und das sahen ihm +die Leute an, die ja immer sogleich alles von Weitem merken. Ehrbar und +leise sagte er jedermann sein: Guten Abend, denn der schöne Edelknabe +Abend schlich mit Goldhänden und Goldaugen bereits zwischen den Häusern +und Bäumen herum, und aus nah und fern tönte der Klang der Glocken. Wie +nun der Bursche an einer Wiese vorbeiging, streckte ihm ein Kälbchen +seinen Kopf dar und gab ihm zu verstehen, dass es etwas von ihm haben +wolle. Oder vielleicht wollte es Freundschaft mit ihm schliessen, ihm +etwas sagen, ihm etwas von seinem Kälbchenleben erzählen. »Ich habe +nichts, du gutes Tier. Gern gäbe ich dir etwas, wenn ich etwas hätte,« +sagte der Bursche und ging weiter, aber im Weitergehen musste er +immerfort an das Kälbchen denken, das etwas von ihm haben wollte. Etwas +später ging er an einem prächtigen Bauernhaus vorbei, das am Waldrand +lag. Da rannte mit lautem Gebell ein grosser Hund gegen ihn los, dass er +ganz ängstlich wurde. Aber die Ängstlichkeit war überflüssig; der Hund +sprang wohl hoch an ihm auf, aber nicht zornig, sondern freundlich, und +das Gebell war die deutliche Kundgebung der Freude, und die gute Bäuerin +hätte nicht nötig gehabt, dem Tier von weit her zuzurufen, es solle +nicht Leute so unmanierlich anfallen. »Was willst du von mir, du gutes +Tier? Ich sehe wohl, dass du etwas von mir haben möchtest, aber ich habe +leider Gottes nichts. Gerne gäbe ich dir etwas, wenn ich etwas hätte,« +sagte der Bursche, den der grosse Hund in den Buchenwald +hineinbegleitete, als wolle er Freundschaft mit ihm schliessen und ihm +von seinem Tierdasein allerlei erzählen. Als indessen der Hund sah, dass +sein Freund weiter und weiter ging, hielt er mit Begleiten inne und +kehrte wieder zum Bauernhaus und zu seiner Pflicht zurück, und der +Bursche wanderte weiter, aber im Weiterwandern musste er immerfort an +den Hund denken, der sich so zutraulich an ihn anschloss und der gewiss +etwas von ihm haben wollte. Nach einer guten Weile, unten im Tale, traf +der Bursche auf der schönen breiten Landstrasse eine Ziege an, die, als +sie ihn sah, sogleich auf ihn zukam und sich ihm freundlich zugesellte, +wie wenn sie ein freundschaftsbedürftiger Mensch wäre und ihm Vielerlei +aus ihrem armen Ziegenleben hätte anvertrauen wollen. »Du möchtest wohl +etwas von mir haben, aber ich habe nichts. Gerne gäbe ich dir etwas, +wenn ich etwas hätte, du gutes Tier,« sagte er voll Mitleid und ging +weiter, aber im Weitergehen musste er immerfort an die Tiere denken, die +etwas von ihm haben wollten, an die Ziege, an den Hund und an das +Kälbchen, die da Freundschaft mit ihm hatten schliessen und ihm von +ihrem stummen, geduldigen, dumpfen Dasein hatten erzählen wollen, die +keine Sprache haben und nicht reden können, die zum Nutzen der Menschen +gefangen und geknechtet in der Welt stehen, denen er gut war, wie auch +sie ihm wieder gut waren, die er von Herzen gern mit sich genommen +hätte, die ihn vielleicht gerne weithin begleitet hätten, die er gerne +aus dem engen armen Tierreich in eine freiere, bessere Existenz hätte +hinüberziehen helfen mögen. »Aber ich bin ja nichts, kann ja nichts, +habe in Gottes Namen nichts, und in dieser weiten grossen Welt bin ich +nur ein armer, schwacher, machtloser Mensch,« sprach er, und wie er die +Welt so schön sah, und wie er so an die Tiere dachte, und daran, dass er +und alle seine Freunde, Menschen und Tiere, so hilflos seien, konnte er +unmöglich weitergehen. Er legte sich, unweit von der Strasse, in die +Wiese, um sich satt zu weinen, so ein dummer Bursche! + + + + +BÜCHER-ANZEIGEN + + + + +- VERLAG VON RASCHER & Co. IN ZÜRICH - + + +Raschers Jahrbuch I + +Herausgegeben von KONRAD FALKE + +Volksausgabe. Preis broschiert Fr. 3.50, gebunden Fr. 4.80 + +Aus dem Inhalt: CHARLOT STRASSER, Das Tanzfest im Kamesseh, Erinnerungen +aus Japan (mit Abbildungen) - CARL FRIEDRICH WIEGAND, Trauermarsch +(Gedicht) - ROBERT FAESI, Alfred Kerrs Theaterkritik - ADOLF FREY, +Bergaufenthalt (Gedicht) - DOMINIK MÜLLER, Feliza (Novelle) - OSCAR +WETTSTEIN, Bundespolitik - JOSEF VICTOR WIDMANN, Berner Geschichtli +(3 Gedichte) - HANS SCHULER, Die Förderung des schweizer. Aussenhandels +- CARL ALBERT LOOSLI, Der Hubbauer (Novelle) - JULIUS FREY, Die +finanzielle Kriegsbereitschaft der Schweiz - ALFR. HUGGENBERGER, Das +Höflein (Gedicht) - OTTO KOLLBRUNNER, Paraffinprothesen - GOTTFRIED +BOHNENBLUST, Weltensturm (Gedicht) - MARIA WASER, Künstlerische +Handschrift (mit Abbild.) - HANS MÜHLESTEIN, Wieder klar (Gedicht) - +EDUARD FUETER, Eine natürliche Weltsprache - EMANUEL VON BODMANN, +Herbstlicher Garten (Gedicht) - CARL ALBRECHT BERNOULLI, Nietzsches +Lou-Erlebnis - MAX GEILINGER, Überraschung (Gedicht) - CARL FRIEDRICH +WIEGAND, Detlev von Liliencron - HERMANN HESSE, Trauer (Gedicht) - +HECTOR G. PRECONI, Die Legende von Gabriele d'Annunzio - CHARLOT +STRASSER, Hochzeitscarmen (Gedicht) - etc. etc. + + +Raschers Jahrbuch II + +Herausgegeben von KONRAD FALKE + +Preis broschiert Fr. 5.35, gebunden Fr. 6.70 + +Aus dem Inhalt: MEINRAD LIENERT, Der kalte Brand - AD. FREY, Drei +Gedichte - C. SPITTELER, Allegro und Compagnie - B. KOLLBRUNNER-LEEMANN, +Deux Poésies - F. MOESCHLIN, Die Stadtmauer - C. A. LOOSLI, Gedichte +eines Emmentalers - Dr. O. MESSMER, Die Gesetzmässigkeit des Stoffes und +unser Gestaltungsverdienst - C. F. WIEGAND, Sechs Gedichte - H. G. +PRECONI, Posten Vier - P. KAEGI, Das hohe Lied - Liebessang und -Spiel +aus der »Königswoche« - Dr. E. ZIEGLER, Casanovas Bekehrung - R. FAESI, +Drei Gedichte - K. FALKE, Großstadt - FR. CHIESA, Preghiera - Prof. Dr. +W. WYSSLING, Die Elektrifikation der schweizerischen Bahnen - DOM. +MÜLLER, Hühnersalon - J. BOSSHART, Im Rotbuchenlaub - CH. STRASSER, +Vulkan Yzalco - H. GANZ, Reiseblatt - Prof. C. MOSER, Das Zürcher +Kunsthaus. Mit einem Nachwort des Herausgebers - A. HUGGENBERGER, Peter +Wenks Heimsuchung - K. FALKE, Trilogie der Liebe - FR. HOFER, +Alpenmärchen - A. CASTELL, Der hohe Tag - G. RODENBACH, Das Kästchen - +J. V. WIDMANN, Der Katechet - C. A. BERNOULLI, Boromäus-Enzyklika - P. +ALTHEER, Erwartung - A. BAUR, Die wirtschaftliche Bedeutung der Form - +J. REINHART, Am Mühlibach - H. ROELLI, Abend + + +Raschers Jahrbuch für Schweizer Art und Kunst III + +Herausgegeben von KONRAD FALKE + +Illustriert. Preis broschiert Fr. 5.35, gebunden Fr. 6.70 + +Aus dem Inhalt: TRAUGOTT GEERING, Die schweizerische Adriabahn - JAKOB +CHRISTOPH HEER, Gedichte - GRETHE AUER, Das Antlitz der Hatschepsut - +FRIDOLIN HOFER, Im Mondlicht lesend (Gedicht) - JOSEF VICTOR WIDMANN, +Der Gorilla - JOHANNA SIEBEL, Ein neues Sein (Gedichte) - KONRAD FALKE, +Drei Essays - MAX NUSSBERGER, Elegie - HECTOR G. PRECONI, Der Mann mit +den sieben Seelen - ALFRED HUGGENBERGER, Die drei Wölfe (Gedicht) - +WALTHER KÖHLER, Die Trennung von Staat und Kirche - ROBERT FAESI, +Abendlieder - MARIA WASER, Unter dem Quittenbaum - PAUL ALTHEER, Kränze +(Gedicht) - HERM. KURZ, Kapitalanlagen im Ausland - KONRAD FALKE, Im +Reiche des Phlegethon - JAKOB SCHAFFNER, Der Fuchs (Novelle) - ROBERT +JAKOB LANG, Jugend (Gedichte) - C. G. JUNG, Neue Bahnen der Psychologie +- ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei +Aufsätze) - CHARLOT STRASSER, Das Narrenhaus (Gedicht) - EMIL HÜGLI, +Andreas Wyher (Novelle) - HEDWIG DIETZI-BION, Zwei Gedichte - ARNOLD +NIGGLI und EDUARD KORRODI, Zwei Siebzigjährige (Friedrich Hegar und +Josef Victor Widmann) + + +I. Romane, Novellen und Essays. + +BARBAT, J., Nietzsche, Tendances et Problèmes Fr. 7.-- + +BILLETER, Goethe's Wilhelm Meister's theatral. Sendung Fr. 2.-- + +DICKENS, CHARLES, Weihnachtsabend. Ein Prachtband mit farbigen und +schwarzen Illustrationen von Arthur Rackham, zirka Fr. 13.35 + +ENDERLIN, FRITZ, Adolf Frey, Ein Kunsterlebnis Fr. 1.80 + +ESCHER, Dr. KONRAD, Kunst, Krieg und Krieger zur Geschichte der +Kriegsdarstellungen. Ein Prachtband mit 20 Bildertafeln, gebunden zirka +Fr. 6.70 + +FALKE, KONRAD, Drei Essays Fr. 1.-- + +FALKE, KONRAD, Kainz als Hamlet, Ein Abend im Theater, gebunden Fr. 6.-- + +FALKE, KONRAD, Wenn wir Toten erwachen, Ein Beitrag zur Kenntnis Ibsens +Fr. 1.-- + +FALKE, KONRAD, San Salvatore, Novelle, gebunden Fr. 3.60 + +FAESI, ROBERT, Carl Spitteler, Eine Darstellung seiner dichterischen +Persönlichkeit Fr. 1.70 + +FEDERER, HEINRICH, Der Herrgott und der Schweizer, Legende Fr. --.70 + +FEHR, Apostolo Zeno und seine Reform des Operntextes Fr. 4.65 + +FESTSCHRIFT der Philologentage in Zürich, broschiert Fr. 6.-- gebunden +Fr. 7.-- + +GANZ, HANS, Peter das Kind, gebunden Fr. 4.-- + +GOLDSCHMIDT, Dr. HUGO, Die Musikaesthetik des 18. Jahrhunderts Fr. 12.-- + +GRIEDER, AD., Die Seide Fr. 2.-- + +HUNZIKER, Dr. FRITZ, Glattfelden und Gottfried Kellers grüner Heinrich +Fr. 4.-- + +JAHRBUCH für Kunst und Kunstpflege in der Schweiz, hrsg. von Prof. Dr. +Paul Ganz, illustriert, gebunden Fr. 8.70 + +KESSER, HERM., Unteroffizier Hartmann, Novelle, mit einem +Originalholzschnitt von Ernst Würtenberger Fr. 2.-- + +MAEDER, Dr. ALPHONSE, Ferdinand Hodler. Eine Skizze der +seelischen Entwicklung des Künstlers und seine Bedeutung für die +schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen +Fr. 2.70 + +MARKUS, Dr., Geschichte der schweizerischen Zeitungspresse zur Zeit der +Helvetik 1798-1803 Fr. 10.-- + +MESSLENY, Prof. Dr. R., Genfer Maler, Heft I, illustriert Fr. 1.50 + +SCHWEIZER. 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Fischer, +gebunden Fr. 5.35 + +Zu beziehen durch alle Buchhandlungen + + + + +Schriften für Schweizer Art und Kunst + + +Unter diesem Titel veröffentlicht der unterzeichnete Verlag eine +Sammlung von Schriften in Broschüren- oder Buchform, in welcher vor +allem nationale Fragen, die in der jetzigen Zeit das grösste Interesse +beanspruchen, behandelt werden. Doch sollen auch rechtswissenschaftliche, +nationalökonomische, philosophische, geschichtliche und +literarisch-künstlerische Abhandlungen, Novellen und Gedichte in +dieselbe aufgenommen werden, sofern ihnen allgemein schweizerische +Bedeutung zukommt. Für die einzelnen Hefte ist kein einheitlicher Preis +festgesetzt, damit nicht der Verfasser an einen bestimmten Umfang der +Schrift gebunden ist. Die Redaktion der Sammlung übernimmt der Verleger, +ohne jedoch zum Inhalt der einzelnen Broschüren Stellung zu nehmen. + +Heft 1 =KONRAD FALKE=, =Der schweizerische Kulturwille=. Ein Wort an die +Gebildeten des Landes. Fr. 1.-- + +Heft 2 =CARL SPITTELER=, =Unser Schweizer Standpunkt=. Vortrag, gehalten +in der Neuen Helvet. Gesellschaft, Gruppe Zürich. 60 Cts. + +Heft 3 =Dr. EUGEN GROSSMANN=, Professor der Finanzwissenschaft an +der Universität Zürich, =Die Deckung der schweizerischen +Mobilisationskosten=. 80 Cts. + +Heft 4 =OSKAR HÖHN, Ingenieur=, =Ratschläge zur Berufswahl=. Eine +nationale Frage, 60 Cts., billige Volksausgabe 30 Cts. + +Heft 5 =J. C. BLUNTSCHLI=, =Die schweizerische Nationalität=. Eine +politische Studie, 60 Cts. + +Heft 6 =Professor Dr. LAUR=, =Industrie und Landwirtschaft=. + +Heft 7 =Dr. C. A. SCHMID=, =Internationale Armenfürsorge=. Eine +nationale Frage, 50 Cts. + +Heft 8 =Professor Dr. LAUR=, =Die Wehrkraft des Schweizervolkes und der +Bauernstand=. 60 Cts. + +Heft 9 =Dr. HANS TÖNDURY=, Professor an der Universität Genf, +=Wirtschaftliche Unabhängigkeit=, 60 Cts. + +Heft 10 =Dr. ERNST GAGLIARDI=, =Die Entstehung der schweizerischen +Neutralität=, 60 Cts. + +Heft 11/13 =Dr. ROBERT FAESI=, =Carl Spitteler=, eine Darstellung seiner +dichterischen Persönlichkeit, Fr. 1.70. + +Heft 14/15 =Professor Dr. M. GROSSMANN=, =Nationale Forderungen an die +schweizerische Mittelschule=. Fr. 1.-- + +Heft 16/17 =KONRAD FALKE=, =Das demokratische Ideal und unsere nationale +Erziehung=. Fr. 1.-- + +Heft 18/19 =Dr. C. A. SCHMID=, =Unsere Fremdenfrage=, Fr. 1.20. + +Heft 20 =ED. BOOS-JEGHER=, =Unsere Absatzverhältnisse=, 80 Cts. + +Heft 21/23 =HELVETICUS=, =Die Schweizer. Bahnen, Posten und +Telegraphen=, Fr. 2.--. + +Heft 24/25 =Dr. ROBERT DURRER=, =Kriegsbetrachtungen=, Fr. 1.--. + +Heft 26/27 =RAPPARD=, Professor an der Universität Genf, =Zur nationalen +Verständigung=, Fr. 1.--. + +Heft 28 =KELLER, ADOLF=, Pfarrer, =Von der innern Erneuerung=, 60 Cts. + +Heft 29 =HUBER, Prof. Dr. Max=, =Der schweiz. Staatsgedanke=, 40 Cts. + +Heft 30 =FEDERER, Heinrich=, =Unser Herrgott u. der Schweizer=, 70 Cts. + +Heft 31/34 =MAEDER, Dr. ALPHONSE=, =Ferdinand Hodler=. Eine Skizze +der seelischen Entwicklung des Künstlers und seine Bedeutung für die +schweizerisch-nationale Kultur, mit 8 ganzseitigen Illustrationen, +ca. Fr. 2.-- + +Heft 35 =KARL SCHEURER u. Prof. Dr. LUCIEN GAUTIER=, =Pflicht und Wille= +- =Devoir et Volonté= -- =Zofinger Stimmen= - =Paroles Zofingiens=, +80 Cts. + +Heft 36/37 =Dr. HEINRICH FLACH=, Professor am kantonalen Lehrerseminar +in Küsnacht-Zürich, =Die Bestrebungen der Helvetischen Gesellschaft des +XVIII. Jahrh.= Fr. 1.20. + +Heft 38 =STOCKER O.=, Sekretär für Lehrstellenvermittlung in Basel, +=Erfahrungen in der Berufsberatung=, 60 Cts. + +Heft 39/40 =Dr. C. BENZIGER-Bern=, =Schweiz. Verkehrsprobleme=, Fr. 1. + +Heft 41/42 =Dr. ERNST RÜST=, Professor an der kant. Handelsschule in +Zürich, =Eine schweizerische Versuchsstätte und Beratungsstelle für +Industrie und Gewerbe=, ca. Fr. 1.20. + +Heft 43 =Lieut. OSCAR BOSSHARDT=, Stabssekretär des Generals, +=Durchhalten!= Schweizerpflichten -- Soldatenpflichten. 60 Cts. + +Heft 44/45 =GOTTFR. KELLER=, =Der Landvogt von Greifensee=, kart. ca. +Fr. 1.--, in Geschenkband ca. Fr. 2.-- + +Heft 46 =R. VON TAVEL=, =D'Glogge vo Nüechterswyl=, kart. ca. Fr. --.80, +in Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 47/48 =KONRAD FALKE=, =Der Marienmaler=, kart. ca. Fr. --.80, in +Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 49 =CHARLOT STRASSER=, =In Völker zerrissen=, kart. ca. Fr. --.80, +in Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 50 =JAKOB BOSSHART=, =Das Erbteil=, kart. ca. Fr. --.80, in +Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 51/52 =HELVETICUS=, =Aktuelle Fragen des Schweizerischen +Gewerbestandes=, ca. Fr. 1.20 + +Heft 53/54 =Prof. Dr. PAUL SEIPPEL=, =Helvetische Wahrheiten=, ca. +Fr. 1.20 + +Heft 55 =ROBERT WALSER=, =Prosastücke=, mit Umschlagzeichnung von =Karl +Walser=, kart. ca. Fr. --.80, in Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 56/57 =CHARLES GOS=, =Ausgewählte Skizzen von der Grenzwacht=, +kart. ca. Fr. --.80, in Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Heft 58 =MARIA WASER=, =Das Jätvreni=, kart. ca. Fr. --.80, in +Geschenkband ca. Fr. 1.60 + +Preis für 10 verschiedene Hefte bei =gleichzeitigem= Bezug Fr. 5.-- + +=Abonnementspreis für je 10 Hefte Fr. 5.--= + + * * * * * + +Spittelers Sprachkunst + +von + +=Dr. phil. A. STEIGER, Professor an der Kantonsschule in Zürich.= Preis +80 Cts. + + * * * * * + +Paul Seippel + +=Die heutigen Ereignisse vom Standpunkte der romanischen Schweiz.= +60 Cts. + + * * * * * + +=Das Völkerrecht und der Krieg 1914/15= von =Dr. jur. OTTO ZOLLER.= +10 Druckbogen, Fr. 2.-- + + * * * * * + +=PAUL SEIPPEL=, =Les Evénements actuels vus de la Suisse Romande=, +60 Cts. + + * * * * * + +=PAUL WERNLE= + +=Gedanken eines Deutsch-Schweizers=, 60 Cts. + + * * * * * + +=Zwei Jahre Zivil-Gesetzbuch= + +=Entscheide und Erfahrungen aus der Praxis einer ersten Instanz von Dr. +jur. HANS FRITZSCHE, Gerichtschreiber am Bezirksgericht Horgen.= + +Preis Fr. 2.-- + + * * * * * + +=Die geschichtlichen Grundlagen des Weltkrieges von Dr. HERMANN BÄCHTOLD, +Privatdozent der Geschichte an der Universität Basel= + +Preis Fr. 1.-- + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + Koffermann, packen Sie sofort ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen + Koffermann, packen Sie sofort Ihren Koffer oder meinetwegen Köfferchen + + Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierrot + Zustand der Gebrochenheit und Zerrissenheit versetzt zu haben. Pierot + + eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb und der + eigenes Vergnügen dachte, wollte es der Geist, der ihn trieb, und der + + habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er »man hat es vergessen. + habe. »Es ist nicht bekannt«, antwortete er, »man hat es vergessen. + + vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend ein Vorwurf zu machen + vermag nicht einzusehen, wie ich mir irgend einen Vorwurf zu machen + + - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde - (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei + - ALBERT FISCHLI, Abend im Walde (Gedicht) - SCHÜLER ALS DICHTER (Zwei + + RASCHERS JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. IV: Schweizer. + RASCHER'S JAHRBUCH für Schweizer Art und Kunst, Bd. IV: Schweizer. + + ] + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Prosastücke, by Robert Walser + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK PROSASTÜCKE *** + +***** This file should be named 33548-8.txt or 33548-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/3/5/4/33548/ + +Produced by Jana Srna + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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