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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:31 -0700 |
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| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:31 -0700 |
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diff --git a/31842-8.txt b/31842-8.txt new file mode 100644 index 0000000..4c76336 --- /dev/null +++ b/31842-8.txt @@ -0,0 +1,1765 @@ +Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Schleier der Pierrette + Pantomime in drei Bildern + +Author: Arthur Schnitzler + +Release Date: March 31, 2010 [EBook #31842] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + + + + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + + + + +Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt. Das Textbuch darf nur dann +zu Bühnenzwecken benützt werden, wenn vorher das Bühnenaufführungsrecht +durch unsere Vertreter Felix =Bloch= Erben (Adolf =Sliwinski= und +Ernst =Bloch=), =Berlin= NW., Luisenstraße 21, für Österreich-Ungarn +Dr. O. F. =Eirich=, =Wien=, II., Praterstraße 38, rechtmäßig erworben +wurde. + + =Arthur Schnitzler.= =Ernst von Dohnányi.= + + + + + DER SCHLEIER DER + PIERRETTE. + + PANTOMIME IN DREI BILDERN + + VON + + ARTHUR SCHNITZLER. + + MUSIK VON + + ERNST VON DOHNÁNYI. + + +Alle Rechte, insbesonders Aufführungs-, Nachdrucks- und Übersetzungsrecht + vorbehalten. + + Déposé à Paris. Déposé à Paris. + + Eigentum des Verlegers für alle Länder. + + LUDWIG DOBLINGER + (Bernhard Herzmansky) + + WIEN LEIPZIG PARIS + I., Dorotheergasse 10. Täubchenweg 21. Max Eschig + IX., 13 Rue Laffitte. + +Eigentum für Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland: *Carl Gehrmans +Musikförlag*, Stockholm. + +Copyright 1910 by *Ludwig Doblinger* (Bernhard Herzmansky), *Leipzig*. + +All performing rights strictly reserved. + + + + +*Personen.* + + + Pierrot. + Pierrette. + Pierrettens Vater. + Pierrettens Mutter. + Arlechino, Pierrettens Bräutigam. + Fred } Pierrots + Florestan } Freunde. + Annette. + Alumette. + Gigolo, ein junger Herr. + Ein dicker Klavierspieler. + Ein zweiter Klavierspieler. + Ein Geigenspieler. + Ein Klarinettist. + Diener des Pierrot. + Alte Herren, alte Damen } als + Junge Herren, junge Damen } Hochzeitsgäste. + +Ort und Zeit der Handlung: das Wien vom Beginn des vorigen Jahrhunderts. + +Erstes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + +Drittes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Rechts und links vom Zuschauer. + + + + +*I. Bild.* + + +Das Zimmer Pierrots. Bescheiden eingerichtet. Schreibtisch ungefähr Mitte, +mehr rechts. Davor Lehnsessel. Hinten rechts Divan. Weiter vorn an der +Wand ein Spinett mit Leuchtern. Noch weiter vorn eine Etagère, darüber +Bilder. Auf der Etagère Bücher. Ganz vorn rechts die Eingangstür. Vorne +links ein Wandspiegel, darunter eine Kommode, darauf zwei Leuchter und +eine kleine, leere Blumenvase. Links hinten ein Schrank. Vorne Tischchen, +Divan mit Lehne und zwei Sessel. Vorne mehr rechts das Bild Pierrettens +auf einer Staffelei. + +Im Hintergrund erkerartiger Ausbau mit großem Fenster. Ausblick auf die +Basteien und auf die Türme der Stadt. Nahe der Türe Kleiderhaken mit +Mantel und Hut Pierrots. Abenddämmerung. + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= (Kostüm: ein Gemisch des traditionellen Pierrot- und des +Altwiener Kostüms) sitzt vor dem Schreibtisch, den Kopf in beide Hände +gestützt. Steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Bleibt vor der +Staffelei stehen. Fleht das Bild Pierrettens an, droht dem Bilde, entfernt +sich grollend, kehrt zurück, sinkt vor dem Bilde nieder und schluchzt. +Steht auf, geht zum Schreibtische, öffnet eine Lade, entnimmt ihr +vertrocknete Blumen, Briefe, Bänder, streut alles auf die Tischplatte, +wühlt in den Andenken. + +Geht zum Fenster, öffnet es, bleibt eine Weile dort stehen. Sinkt auf den +Divan rechts vom Fenster und bleibt der Länge nach ausgestreckt liegen. + + +=Zweite Szene.= + +Es ist beinahe ganz dunkel geworden. Die Tür rechts öffnet sich, vom +Vorzimmer fällt ein ziemlich breiter Lichtschein über den Fußboden hin. + +=Der Diener= erscheint an der Tür. Durch eine Handbewegung lädt er die +Freunde und Freundinnen Pierrots ein einzutreten. + +=Fred, Florestan, Annette und Alumette= treten ein. + +Hinter ihnen ein kleiner, dicker Klavierspieler. + +=Fred, Florestan= fragen den Diener, wo sein Herr sei. + +=Annette, Alumette=, sehen sich neugierig im Zimmer um. + +=Der Diener= weist auf den Stuhl vor dem Schreibtische. + + Hier ist mein Herr gesessen.[A] + + [Fußnote A: Auch was im Text dialogartig gebracht ist, wird + selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt.] + +=Fred, Florestan.= + + Du siehst ja, daß er nicht da ist. Bring doch ein Licht. + +=Der Diener= holt einen Leuchter mit angezündeter Kerze aus dem Vorzimmer, +geht zum Schreibtische hin. + +=Fred, Florestan= folgen ihm. + +=Alumette= löscht die Kerze aus. + +=Florestan= verweist es ihr. + +=Diener= zündet wieder an. + +=Diener= vor dem Schreibtische. + + Hier ist er doch gesessen. + +=Alle fünf=, der Diener mit dem Leuchter voraus, machen einen Rundgang +durch das Zimmer, kommen zuletzt zum Divan, auf dem sie Pierrot entdecken. + +=Fred.= + + Ich will ihn rütteln. + +=Florestan= hält ihn zurück, zum Diener. + + Was ist denn mit deinem Herrn geschehen? + +=Diener= zuckt die Achseln. + +=Fred= kommt auf einen Gedanken, macht Florestan auf die Staffelei mit +Pierrettens Bild aufmerksam. + +=Florestan= versteht. + +=Annette, Alumette= stehen vor dem Divan und sind von Pierrot entzückt. + +=Fred, Florestan= haben ein zweites Licht angezündet und stehen vor dem +Bild Pierrettens. + +=Alumette zu Annette.= + + Ich werde Pierrot aufwecken. + +Sie will ihn an den Haaren zupfen. + +=Annette= hält sie zurück. + +=Alumette= beugt sich nieder und will Pierrot küssen. + +=Annette= hält sie zurück. + +=Fred, Florestan= treten von dem Bilde fort zu den zwei Mädchen. + +=Fred= gibt dem dicken Klavierspieler ein Zeichen, er möge sich hinsetzen +und spielen. + +=Der dicke Klavierspieler= ist bisher an der Tür gestanden, lächelnd und +zerstreut. + +=Pierrot= liegt noch immer bewegungslos. + +=Fred, Florestan= schicken den Diener hinaus. + +=Diener= ab. + + +=Dritte Szene.= + +=Der dicke Klavierspieler= hat sich an das Spinett gesetzt und beginnt +einen Walzer zu spielen. + +=Florestan, Alumette und Fred, Annette= tanzen miteinander. + +=Pierrot= wacht auf. Sieht um sich. Versteht nicht, was vorgegangen ist, +reibt sich die Augen. Springt auf, geht nach vorne. + +=Die beiden Paare= lassen sich nicht im Tanzen stören. + +=Florestan und Alumette= sinken endlich auf den kleinen Divan links am +Tischchen. + +=Fred und Annette= bleiben neben dem Spinett stehen. + +=Pierrot= ist an den Schreibtisch gelehnt. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= sehen ihn an und lachen. Gehen auf +ihn zu, als Paare, verbeugen sich. + +=Fred, Florestan= stellen ihre Damen vor. + +=Annette, Alumette= knixen zierlich. + +=Pierrot= verbeugt sich tief. + +=Fred.= + + Wir haben dich ja in einem netten Zustand gefunden. Was ist denn mit dir + geschehen? + +=Pierrot.= + + Fragt mich nicht. + +=Florestan= herzlich. + + Sag uns doch, was es gibt, vielleicht können wir dir helfen. + +=Pierrot.= + + Laßt nur, mir ist nicht zu helfen. + +=Fred.= + + Ich kann mir ja denken, es handelt sich um Pierrette. + +=Pierrot.= + + Laßt mich doch. + +=Annette, Alumette= eilen zu dem Bild hin, als wollten sie es von der +Staffelei entfernen. + +=Pierrot= ihnen nach, auf sie zu, beschützt das Bild. Steht mit +ausgebreiteten Armen davor. + +=Fred.= + + Er ist närrisch. Mit ihm ist nichts anzufangen. + +=Florestan= ergreift Pierrots Hände, entfernt ihn langsam von dem Bilde, +geleitet ihn dem Schreibtisch zu. + +=Fred.= + + Schlag dir die Sache aus dem Kopf, Pierrot, es ist nicht der Mühe wert, + sich um Pierrette zu kümmern. Komm mit uns. + +=Florestan.= + + Ja, komm mit uns. + +=Annette, Alumette= drängen sich an Pierrot. + + Komm mit uns. + +=Pierrot=, mit einer Gebärde des Widerwillens, befreit sich von den +andern. Setzt sich in den Stuhl am Schreibtisch. + +=Fred, Florestan= reden ihm weiter zu. + + Komm mit uns. Wir wollen uns unterhalten. Der Abend ist schön. Wir + wollen ins Freie. Wollen trinken, tanzen, küssen. + +=Pierrot= bleibt sitzen und schüttelt den Kopf. + +=Fred, Florestan= werden dringender. + +=Annette, Alumette= gesellen sich bittend und schmeichelnd hinzu. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= schließen einen Reigen um Pierrot, +umtanzen ihn. + +=Der dicke Klavierspieler= begleitet auf dem Spinett. + +=Pierrot= erhebt sich. Ärgerlich: + + Laßt mich in Ruhe. Ich ertrag es nicht länger. Ich kann das Spiel nicht + hören. Geht. + +Eilt zum Spinett, schlägt es heftig zu. Geht nach rückwärts zum Fenster +hin. + +=Der dicke Klavierspieler= ist zusammengefahren. + +=Fred, Annette, Florestan, Alumette= sehen einander an, fragend, +bedenklich, ärgerlich. + +=Florestan.= + + Lassen wir ihn. + +=Fred.= + + Hol ihn der Teufel. + +=Annette, Alumette.= + + Wie schade. + +=Pierrot.= + +Steht mit gekreuzten Armen am Fenster. + +=Die beiden Paare= verbeugen sich ironisch vor ihm und verlassen tanzend +das Zimmer. + +=Der dicke Klavierspieler= folgt ihnen. + + +=Vierte Szene.= + +=Pierrot= am Fenster, blickt teilnahmslos hinaus. + +=Diener= tritt ein. + +=Pierrot= bemerkt ihn nicht gleich. + +=Diener= tritt näher. + +=Pierrot=, ihm ein paar Schritte entgegen. + + Was willst du? + +=Diener.= + + Gnädiger Herr, ich möchte um Ausgang bitten. + +=Pierrot.= + + Warum? + +=Diener.= + + Ich bin verliebt und sehne mich danach mit meiner Angebeteten beisammen + zu sein. + +=Pierrot= wendet sich widerwillig ab. + +=Diener= bleibt stehen und wartet vergeblich auf Antwort. + +Nähert sich abermals bittend dem Pierrot. + +=Pierrot= wendet sich wieder zu ihm. + + Geh wohin du willst. + +=Diener= bedankt sich mit Emphase. + +=Pierrot= ungeduldig. + + Geh nur, geh nur endlich. + + +=Fünfte Szene.= + +=Pierrot= allein. Zum Schreibtisch. Wirft die Blumen und Briefe zu Boden. + +Geht auf und ab. Nimmt Mantel und Hut vom Haken. + + Ich will fort, wohin immer. Ins Freie, in die Einsamkeit -- -- + vielleicht in den Tod. + +Zum Fenster. Sieht hinab. Plötzlich wird er aufmerksam. Beugt sich weit +über die Brüstung. Fährt zurück. + + Ist es möglich? Nein, ich träume. + +Beugt sich wieder hinaus und verfolgt offenbar eine Gestalt, die sich +unter seinem Fenster an der Mauer des Hauses hinbewegt. Er beugt sich noch +weiter hinaus. Die Gestalt scheint ins Haustor getreten zu sein und ist +seinen Blicken entschwunden. + +Er tritt vom Fenster zurück in die Mitte des Zimmers in zweifelndem +Erstaunen. Er horcht. Kein Zweifel mehr, Schritte auf der Treppe. Er +stürzt ins Vorzimmer und verschwindet. + + +=Sechste Szene.= + +=Pierrot= noch im Mantel, doch ohne Hut, kommt mit Pierrette, die er an +beiden Händen gefaßt hält, ins Zimmer, höchstes Erstaunen in den Zügen. + +=Pierrette= (Altwiener Brautkleid mit Nuancen des Pierrettekostüms. +Myrtenkranz. Schleier um Haupt und Schultern), steht wie gelähmt da, +betrachtet Pierrot mit einem selig verstörten Blick. + +=Pierrot.= + + Träum ich, wach ich? Bist du's? Bin ich's? Wie ist es denn nur möglich, + daß du da bist? + +=Pierrette= bewegt leise den Kopf. + + Laß mich nur zur Besinnung kommen. Ja, ich bin hier. Bei dir. + +Sie beginnt zu schwanken. + +=Pierrot= hält sie in den Armen aufrecht, geleitet sie zu einem Sessel +hin, links vorne neben dem Tischchen. + +=Pierrette= sinkt in den Sessel. + +=Pierrot= sinkt vor Pierrette in die Knie, bedeckt ihre Hände mit Küssen. + + Nun ist alles wieder gut, da ich dich nur habe. Aber erkläre mir doch + endlich ... + +=Pierrette= sieht ihn mit stummen Augen an. + +=Pierrot= erhebt sich, schleudert den Mantel weg. + + So rede. Ich beschwöre dich. Woher kommst du? Ich verstehe ja nichts von + allem. + +=Pierrette= schweigt. Sieht angstvoll zum Fenster, als hätte sie ein +Geräusch gehört. + +=Pierrot= beruhigt sie, eilt zum Fenster, blickt hinab, schließt es. + +Eilt zur Türe, blickt ins Vorzimmer, schließt ab. Eilt wieder zu Pierrette +zurück. + +=Pierrette= hat sich erhoben und breitet Pierrot die Arme entgegen. + +=Pierrot= weicht vor ihr zurück, weist auf ihren Myrtenkranz, auf ihren +Schleier. + + Erkläre mir. Sprich endlich. + +=Pierrette= öffnet ihre Arme. + + Komm. + +Der Schleier gleitet ihr von den Schultern herab und bleibt vorne liegen. + +=Pierrot.= + + Nein, mir graut. Woher kommst du? + +=Pierrette.= + + Was kümmert dich das jetzt? Ich bin ja bei dir. + +=Pierrot= weist durch das Fenster hinaus. + + Aber was ist indessen mit dir geschehen da draußen in der Welt? + +=Pierrette.= + + Frage nicht. Das ist vorbei, ich bin jetzt bei dir und bleibe bei dir. + +Sie zieht aus ihrem Gürtel eine kleine Silberphiole. + + Sieh was ich mitgebracht habe. + +=Pierrot.= + + Was ist das? + +=Pierrette.= + + Das ist Gift. Wir wollen miteinander sterben. + +=Pierrot= nimmt ihr die Phiole aus der Hand. + + Wie, das sollen wir trinken? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot.= + + Warum sollen wir sterben? Komm, laß uns lieber fliehen. + +=Pierrette= schüttelt den Kopf. + +=Pierrot= führt sie zum Fenster hin. + + Sieh doch, wie schön die Welt ist. All dies ist unser. Komm, laß uns + fliehen. + +=Pierrette.= + + Fliehen? Nein! Wohin? Was sollen wir tun? Wir haben kein Geld. Es geht + nicht anders, wir müssen sterben. + +=Pierrot= schüttelt den Kopf. + +=Pierrette.= + + Wenn du nicht willst, so laß ich dich hier und werde wieder fortgehen. + Leb wohl. + +Sie wendet sich zu gehen. + +=Pierrot.= + + Bleib, bleib. + +=Pierrette.= + + Wozu? + +=Pierrot.= + + Es sei ... Wir werden dieses Gift trinken und werden zusammen sterben. + +Er umfaßt sie und geht mit ihr zum Divan links. + +=Pierrot und Pierrette= lassen sich nieder. + +=Pierrot= umarmt Pierrette heiß. + +=Pierrot= erhebt sich plötzlich. + +=Pierrette= bleibt sitzen und sieht Pierrot mit großen Augen an. + +=Pierrot= geht zum Schranke links hinten, öffnet ihn, nimmt zwei Flaschen +Wein und einige Gläser heraus. + +Bringt alles nach vorne und stellt es auf den Tisch. + +=Pierrette= steht gleichfalls auf, geht zum Schranke, nimmt Backwerk, +Früchte, Tischtuch, Teller, Eßzeug heraus. Sie deckt rasch den Tisch. + +=Pierrot= hilft ihr. + +=Beide= bewegen sich mit forcierter Lustigkeit. + +=Pierrette= nimmt Blumen aus ihrem Gürtel, eilt zur Kommode, steckt die +Blumen in die kleine Vase und bringt die Vase mit den Blumen auf den +Tisch. + +=Pierrot und Pierrette= hüpfen Arm in Arm durch das Zimmer, beleuchten es +festlich. Zünden die Kerzen auf dem Schreibtische, auf der Kommode, auf +dem Spinett an. + +=Pierrot= reicht Pierrette mit scherzhafter Würde den Arm und geleitet sie +zur Tafel. + +=Beide= nehmen auf dem Divan Platz, trinken und essen. + +=Pierrot= rückt näher an Pierrette heran. + +=Pierrette= schmiegt sich an Pierrot. + +Lang dauernde Umarmung. + +=Pierrot= erhebt sich plötzlich. + + Es ist Zeit -- + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Pierrot= nimmt die Phiole und gießt in jedes von den beiden noch halb +gefüllten Weingläsern die Hälfte. + +Er erhebt das Glas, fordert Pierrette auf anzustoßen. + +=Pierrot und Pierrette= stoßen miteinander an. + +=Pierrette= setzt das Glas nieder. + +=Pierrot= ebenso. + +=Pierrette= geht langsam nach rückwärts. + +=Pierrot= folgt ihr. + +In der Nähe des Fensters umschlingen beide einander noch einmal. + +=Beide= umschlungen, langsam zurück zum Tischchen. + +=Pierrot.= + + Bist du bereit? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot= nimmt das Glas. + +=Pierrette= zögert. + +=Pierrot= lächelt verächtlich. + + Du hast ja doch nicht den Mut. Siehst du, ich dacht es. + +=Pierrette.= + + O Pierrot, glaub das nicht. Ich habe Mut. Nur einen Kuß noch, dann bin + ich bereit. + +=Beide= umarmen einander glühend. + +=Beide= setzen die Gläser an die Lippen und sehen einander lang in die +Augen. + +=Beide= neigen den Kopf nach rückwärts. + +=Pierrot= trinkt das Glas auf einen Zug aus. + +=Pierrette= hat keinen Tropfen über die Lippen gebracht. + +=Pierrot= sieht es, taumelt entsetzt zurück. + +=Pierrette= hat das Glas ein wenig von den Lippen entfernt, führt es +wieder an den Mund. + +=Pierrot= schlägt ihr das Glas verächtlich aus der Hand. Sinkt der Länge +nach nieder hinter der Staffelei (so, daß er für einen etwa Eintretenden +vorerst unsichtbar wäre). + +=Pierrette= steht wie starr da. + +Dann wirft sie sich vor Pierrot nieder, faßt ihn an, rüttelt ihn, küßt +ihn. Alles vergeblich. Sie nimmt das Glas vom Boden wieder auf, weist es +Pierrot. + + Sieh nur her, ich will's ja tun. + +Sie führt das Glas an die Lippen, merkt, daß es leer und zersplittert +ist. + +Sie steht auf, läuft im Zimmer hin und her, greift sich ratlos an den +Kopf, fühlt den Myrtenkranz, zuckt zusammen. + +Plötzlich glaubt sie ein Geräusch zu hören, eilt zum Fenster, kauert auf +den Divan nieder. + +Sie geht wieder nach vorn, zu Pierrot; schaut angstvoll auf ihn nieder. + + Du lebst, nicht wahr du lebst? So antworte doch, Pierrot! + +Sie beugt sich tiefer und immer tiefer zu ihm nieder, betrachtet ihn mit +wachsendem Schauder, bis sie endlich begreift, daß er tot ist. Von +Entsetzen gepackt, rennt sie zur Türe, reißt sie auf, stürzt davon. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause über zum zweiten Bild. + + + + +*II. Bild.* + + +Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von vorn +gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links hinten, im +vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen laufen rechts +und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben. + + +=Erste Szene.= + +=Hochzeitsgesellschaft.= + +=Eine Anzahl von Paaren= tanzt Walzer. + +=Ältere Damen und Herren= sitzen an den Seitenwänden. + +=Zwei Diener= hinter dem Buffet damit beschäftigt, Gästen Wein +einzuschenken und Backwerk vorzuteilen. + +=Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist= besorgen die Tanzmusik. + +=Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter= (kleine behagliche Leute) +stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gäste. + +=Arlechino= (der Bräutigam Pierrettens, groß, hager, nicht mehr jung, +Altwiener Kostüm, vollkommen schwarz, große weiße Blume im Knopfloch.) +düster und erregt, steht mit verschränkten Armen rechts vorne und schaut +dem Tanze zu. + +Der Walzer endet. + +=Die Paare= promenieren. + +=Vater und Mutter= treten in die Mitte des Saales. + +=Junge Herren= sprechen mit der Mutter. + +=Junge Damen= mit dem Vater. + +=Gigolo= der Tanzarrangeur, sehr jung, mit übertriebener Eleganz +gekleidet, eilt geschäftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald +bei den Musikern, bald bei einzelnen Tänzerinnen und Tänzern. + +=Einige Paare= zum Buffet. + +=Der Vater=, gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet. + +=Zwei junge Mädchen= treten zu Arlechino und sprechen lächelnd mit ihm. + +=Arlechinos= Antlitz bleibt düster. + +=Einige Gäste= stoßen mit Vater und Mutter an. + +=Der Vater= kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefüllten Gläsern, reicht ihm +das eine. + +=Der Vater= stößt mit Arlechino an, umarmt ihn dann. + +=Die Umstehenden= spenden Beifall (nicht Händeklatschen). + +=Gigolo= schlägt in die Hände, animiert die Herren, ihre Damen zu +engagieren, geschäftig im Saale hin und her. + +=Die Paare= stellen sich zu einer Quadrille bereit. + +=Gigolo= zu Arlechino. + + Sie müssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre + Braut. + +=Arlechino= nickt ernst, sieht sich im Saale um. + +Die Quadrille beginnt. + +=Gigolo= sieht, daß Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik Einhalt. + +=Arlechino= zu Gigolo. + + Sie sehen ja, Fräulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt + sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen. + +=Gigolo.= + + Keineswegs, das geht nicht. + +Er eilt zur Mutter. + + Herr Arlechino ist ohne Dame, Fräulein Pierrette ist nicht da. + +=Mutter= erstaunt, sieht sich im Saal um. + + Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich weiß schon, sie ist auf ihrem + Zimmer, kleidet sich an, macht sich für die Reise bereit. + +=Vater= ist herzugetreten. + + So geh doch hinauf und hole sie. + +=Mutter= rasch ab, rechts. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= intonieren ein Menuett. + +Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett. + +=Arlechino= geht indeß rückwärts in der Flucht der Säle bis weit nach +hinten, auf und ab. + +=Die Mutter= kommt zurück, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne. + + Pierrette ist nicht oben. + +=Vater.= + + Du bist verrückt. + +=Mutter.= + + Ich versichere dich, sie ist nicht oben. + +=Vater.= + + Wie ist denn das möglich? + +=Arlechino= steht plötzlich bei den beiden. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verlegen. + + Sie wird gleich kommen. + +=Arlechino= dringender. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verwirrt. + + Ich weiß es nicht. + +=Arlechino= faßt die Mutter am Arm. + +=Der Vater= will ihm das verwehren. + +=Arlechino= stampft auf den Boden. + + Wo ist Pierrette? + +=Die Paare= haben bemerkt, daß etwas vorgeht. + +=Die Tanzmusik= hört auf zu spielen. + +=Ein Paar= neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich +handelt, teilt es dem nächsten Paare mit. + +=Ein Paar= teilt es dem andern mit. + +Die Aufregung ist groß, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und +Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen. + +=Arlechino= droht. + + Ich werde fürchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anzünden. Ich + werde alle umbringen. + +=Gigolo= tritt hinzu. + + Gewiß ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht. + +Zu den Mädchen. + + Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch überall. + +=Die jungen Mädchen= entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige +über die Stiegen, laufen hin und her. + +=Die jungen Herren= stehen in Gruppen beisammen. + +=Arlechino= vorn, geht mit großen Schritten auf und ab. + +=Vater und Mutter=, rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwürfe. + +=Die jungen Mädchen= kommen nach und nach zurück. + + Wir haben Pierrette nicht gefunden. + +=Arlechino= wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlägt einige Gläser und +Flaschen. Vollführt drohende Gebärden gegen Vater und Mutter. Geht zum +Klavier, zertrümmert die Tasten, reißt den Musikern Violine und +Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann +eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten. + + +=Zweite Szene.= + +Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen. + +=Arlechino= faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt +in der Mitte stehen. + +=Die andern= erstaunen. + +=Einige= suchen näher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Vater und Mutter= suchen näher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Arlechino und Pierrette= mitten im Saal. + +=Die andern= in gemessener Entfernung. + +=Arlechino= zu Pierrette. + + Wo bist du gewesen? + +=Pierrette.= + + In meinem Zimmer oben. + +=Arlechino.= + + Das ist nicht wahr. + +=Pierrette.= + + Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten. + +=Arlechino.= + + Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten. + +=Pierrette.= + + Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Nein, zuerst mußt du mir antworten. + +=Pierrette.= + + Ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Zuerst antworte! + +=Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen=, treten näher, versuchen Arlechino +zu begütigen. + +=Arlechino= hört nicht auf sie. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente. + +=Gigolo.= + + Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen. + +=Die Musiker= beginnen zu spielen. Schnellpolka. + +Die Instrumente klingen schauerlich. + +=Gigolo= tritt in die Mitte des Saales. + + Tanzen, tanzen. + +=Pierrette= auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste. +Schmiegt sich näher an ihn heran. + +=Arlechino= betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr. + +Alles scheint wieder geordnet. + +Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr langsam +den toten Pierrot kommen. + +=Pierrette= hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher schreitenden +Pierrot. + +=Die andern= wissen nicht, was Pierrette ist. + +=Pierrot= schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen +und zerfließt in nichts. + +=Pierrette= weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich. + +=Die andern= beginnen wieder zu tanzen. + +=Pierrette= geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu +trinken. + +Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. +Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein. + +=Pierrette= taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin. + +=Arlechino= ihr nach. + +Der tote Pierrot verschwindet. + +=Arlechino.= + + Was hast du? Was ist dir? + +=Pierrette.= + + Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber. + +Sie schauert und will sich verhüllen. + +=Arlechino= plötzlich merkend. + + Elende ... + +=Die Tanzmusik= hört auf. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier Pierrette? + +=Pierrette= greift sich an Haupt und Schultern. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier? + +=Pierrette.= + + Ich weiß nicht. + +=Arlechino.= + + Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist + der Schleier? Wo warst du? + +=Pierrette.= + + Laß mich doch. + +=Arlechino.= + + Du mußt dir deinen Schleier zurückholen. + +=Pierrette.= + + Ich weiß nicht wo er ist. + +In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der +Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des +Saales stehen. + +=Pierrette= eilt dem toten Pierrot entgegen. + +=Arlechino= ihr nach, faßt sie bei der Hand. + +=Der tote Pierrot= mit dem Schleier entfernt sich wieder. + +=Pierrette= sucht den Schleier zu erhaschen. + +=Arlechino= hält sie ununterbrochen bei der Hand. + +=Pierrot= mit dem Schleier entschwindet. + +=Pierrette= dem Scheinbilde nach. + +=Arlechino= immer mit ihr. + +=Einige junge Herren= wollen nach. + +=Arlechino= wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild. + + + + +*III. Bild.* + + +=Dekoration des ersten.= + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei. + +Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd da. +Die Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen. + +Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer. + +Die Türe öffnet sich. + +=Arlechino und Pierrette= treten ein. + +=Arlechino= hält Pierrette bei der Hand. + +=Pierrette= eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch. + + Da ist er. Nun laß uns gehen. + +=Arlechino.= + + Nein. Wo bin ich hier? + +Er geht im Zimmer hin und her. + +Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot +nicht für tot, sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette. + + Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen? + +Er gewahrt die Reste des Mahls. + + Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in + den Armen gehalten. Wartet nur. + +Wieder zu Pierrot hin. + +=Pierrette= auf ihn zu, will ihn zurückhalten. + +=Arlechino= schleudert sie von sich. + +=Pierrette= schleicht sich zum Fenster. + +=Arlechino= kniet vor Pierrot nieder. + + Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf! + +Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn. + +=Der tote Pierrot= fällt schwer auf den Boden hin. + +=Arlechino= fährt entsetzt zurück. + +Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht. + + Hast du's gewußt? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Arlechino= geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück, +sieht sie lange an. + + Was soll ich mit dir tun? + +Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten +Pierrot hin, will ihn emporheben. + +=Pierrette= eilt entsetzt nach vorne. + +=Arlechino= weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt +ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke. + +=Pierrette= ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut +dem Beginnen des Arlechino zu. + +=Arlechino= setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in +zwei Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er +Pierrette mit einem teuflischen Lächeln herbei. + +=Pierrette= bleibt regungslos stehen. + +=Arlechino= erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch. + +=Pierrette= kommt langsam. + +=Arlechino= geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den +Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der +gefüllten Gläser in die Hand, stößt mit ihr an. + +=Pierrette= kann nicht trinken. + +=Arlechino.= + + So trink doch. + +=Pierrette= trinkt. + +=Arlechino= setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt +sie, sucht sie an sich zu ziehen. + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Arlechino= wird zärtlicher. + +=Pierrette= springt auf, ihr Sessel fällt um, sie flüchtet nach rückwärts +in die Fensterecke. + +=Arlechino= ihr nach, spielt den Verliebten. + + Ich bete dich an, meine Teure. + +Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen. + +=Pierrette= entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen +kommt. + +=Arlechino= hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm, +dann verbeugt er sich vor Pierrette. + + Du bist ja in guter Gesellschaft. + +Dann geht er zur Tür. + +=Pierrette= folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen. + +=Arlechino= wendet sich in der Türe nochmals um und verbeugt sich +höhnisch. + +=Pierrette= stürzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie. + +=Arlechino= schüttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Türe hinter +sich. + + +=Zweite Szene.= + +=Pierrette= poltert an die Tür. Eilt zum Fenster, reißt es auf. Sieht +Arlechino fortgehen, ruft ihn zurück. Er entschwindet ihren Blicken. +Wieder zur Tür, rüttelt, reißt, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht +nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder +gegenüber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, läuft davon. Kommt +wieder zurück. Nickt ihm zu. Gerät von neuem in Angst, schleicht längs der +Wände im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen verändern sich ins +Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn aus. +Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem Divan zu +ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und blickt ihm +ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst vor ihm, +dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. Sie hält +inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen. + +Poltern an der Türe. + +=Pierrette= ist beinahe atemlos, ihre Kräfte beginnen zu schwinden, ihre +Augen glänzen trübe, sie ist dem Verlöschen nahe. + +Neues, verstärktes Poltern. + +=Pierrette= sinkt zu Boden, tot. Zu Füßen des toten Pierrot. + +Die Türe wird erbrochen. + + +=Dritte Szene.= + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= treten ein. + +Der Morgen ist herangedämmert. Beginnender Sonnenaufgang. + +=Fred und Florestan= wenden sich lachend zu den Mädchen. Beide Paare +tänzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen was +geschehen ist und weichen entsetzt zurück. + +=Vorhang.= + +=Ende.= + + + + +[Anmerkungen zur Transkription: + + Gesperrt gesetzter Text wurde mit =gesperrter Text=, fett gesetzter Text + mit *fetter Text* ausgezeichnet. + + Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die + freundlicherweise von Austrian Literature Online + (http://www.literature.at) zur Verfügung gestellt wurden. + + Gegenüber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt + etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostüms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch + + original: verändern sich ins tanzartige. + etext: verändern sich ins Tanzartige.] + + +[Transcriber's Note: + + Spaced-out text has been replaced by =spaced-out text=, bold text by + *bold text*. + + This ebook is based on scanned images which have been generously made + available by Austrian Literature Online (http://www.literature.at). + + The following corrections were applied to the original text: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt + etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostüms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (no new paragraph) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (new paragraph added before) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch + + original: verändern sich ins tanzartige. + etext: verändern sich ins Tanzartige.] + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + +***** This file should be named 31842-8.txt or 31842-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/8/4/31842/ + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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