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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:31 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Schleier der Pierrette + Pantomime in drei Bildern + +Author: Arthur Schnitzler + +Release Date: March 31, 2010 [EBook #31842] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + + + + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + + + + +Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt. Das Textbuch darf nur dann +zu Bühnenzwecken benützt werden, wenn vorher das Bühnenaufführungsrecht +durch unsere Vertreter Felix =Bloch= Erben (Adolf =Sliwinski= und +Ernst =Bloch=), =Berlin= NW., Luisenstraße 21, für Österreich-Ungarn +Dr. O. F. =Eirich=, =Wien=, II., Praterstraße 38, rechtmäßig erworben +wurde. + + =Arthur Schnitzler.= =Ernst von Dohnányi.= + + + + + DER SCHLEIER DER + PIERRETTE. + + PANTOMIME IN DREI BILDERN + + VON + + ARTHUR SCHNITZLER. + + MUSIK VON + + ERNST VON DOHNÁNYI. + + +Alle Rechte, insbesonders Aufführungs-, Nachdrucks- und Übersetzungsrecht + vorbehalten. + + Déposé à Paris. Déposé à Paris. + + Eigentum des Verlegers für alle Länder. + + LUDWIG DOBLINGER + (Bernhard Herzmansky) + + WIEN LEIPZIG PARIS + I., Dorotheergasse 10. Täubchenweg 21. Max Eschig + IX., 13 Rue Laffitte. + +Eigentum für Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland: *Carl Gehrmans +Musikförlag*, Stockholm. + +Copyright 1910 by *Ludwig Doblinger* (Bernhard Herzmansky), *Leipzig*. + +All performing rights strictly reserved. + + + + +*Personen.* + + + Pierrot. + Pierrette. + Pierrettens Vater. + Pierrettens Mutter. + Arlechino, Pierrettens Bräutigam. + Fred } Pierrots + Florestan } Freunde. + Annette. + Alumette. + Gigolo, ein junger Herr. + Ein dicker Klavierspieler. + Ein zweiter Klavierspieler. + Ein Geigenspieler. + Ein Klarinettist. + Diener des Pierrot. + Alte Herren, alte Damen } als + Junge Herren, junge Damen } Hochzeitsgäste. + +Ort und Zeit der Handlung: das Wien vom Beginn des vorigen Jahrhunderts. + +Erstes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + +Drittes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Rechts und links vom Zuschauer. + + + + +*I. Bild.* + + +Das Zimmer Pierrots. Bescheiden eingerichtet. Schreibtisch ungefähr Mitte, +mehr rechts. Davor Lehnsessel. Hinten rechts Divan. Weiter vorn an der +Wand ein Spinett mit Leuchtern. Noch weiter vorn eine Etagère, darüber +Bilder. Auf der Etagère Bücher. Ganz vorn rechts die Eingangstür. Vorne +links ein Wandspiegel, darunter eine Kommode, darauf zwei Leuchter und +eine kleine, leere Blumenvase. Links hinten ein Schrank. Vorne Tischchen, +Divan mit Lehne und zwei Sessel. Vorne mehr rechts das Bild Pierrettens +auf einer Staffelei. + +Im Hintergrund erkerartiger Ausbau mit großem Fenster. Ausblick auf die +Basteien und auf die Türme der Stadt. Nahe der Türe Kleiderhaken mit +Mantel und Hut Pierrots. Abenddämmerung. + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= (Kostüm: ein Gemisch des traditionellen Pierrot- und des +Altwiener Kostüms) sitzt vor dem Schreibtisch, den Kopf in beide Hände +gestützt. Steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Bleibt vor der +Staffelei stehen. Fleht das Bild Pierrettens an, droht dem Bilde, entfernt +sich grollend, kehrt zurück, sinkt vor dem Bilde nieder und schluchzt. +Steht auf, geht zum Schreibtische, öffnet eine Lade, entnimmt ihr +vertrocknete Blumen, Briefe, Bänder, streut alles auf die Tischplatte, +wühlt in den Andenken. + +Geht zum Fenster, öffnet es, bleibt eine Weile dort stehen. Sinkt auf den +Divan rechts vom Fenster und bleibt der Länge nach ausgestreckt liegen. + + +=Zweite Szene.= + +Es ist beinahe ganz dunkel geworden. Die Tür rechts öffnet sich, vom +Vorzimmer fällt ein ziemlich breiter Lichtschein über den Fußboden hin. + +=Der Diener= erscheint an der Tür. Durch eine Handbewegung lädt er die +Freunde und Freundinnen Pierrots ein einzutreten. + +=Fred, Florestan, Annette und Alumette= treten ein. + +Hinter ihnen ein kleiner, dicker Klavierspieler. + +=Fred, Florestan= fragen den Diener, wo sein Herr sei. + +=Annette, Alumette=, sehen sich neugierig im Zimmer um. + +=Der Diener= weist auf den Stuhl vor dem Schreibtische. + + Hier ist mein Herr gesessen.[A] + + [Fußnote A: Auch was im Text dialogartig gebracht ist, wird + selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt.] + +=Fred, Florestan.= + + Du siehst ja, daß er nicht da ist. Bring doch ein Licht. + +=Der Diener= holt einen Leuchter mit angezündeter Kerze aus dem Vorzimmer, +geht zum Schreibtische hin. + +=Fred, Florestan= folgen ihm. + +=Alumette= löscht die Kerze aus. + +=Florestan= verweist es ihr. + +=Diener= zündet wieder an. + +=Diener= vor dem Schreibtische. + + Hier ist er doch gesessen. + +=Alle fünf=, der Diener mit dem Leuchter voraus, machen einen Rundgang +durch das Zimmer, kommen zuletzt zum Divan, auf dem sie Pierrot entdecken. + +=Fred.= + + Ich will ihn rütteln. + +=Florestan= hält ihn zurück, zum Diener. + + Was ist denn mit deinem Herrn geschehen? + +=Diener= zuckt die Achseln. + +=Fred= kommt auf einen Gedanken, macht Florestan auf die Staffelei mit +Pierrettens Bild aufmerksam. + +=Florestan= versteht. + +=Annette, Alumette= stehen vor dem Divan und sind von Pierrot entzückt. + +=Fred, Florestan= haben ein zweites Licht angezündet und stehen vor dem +Bild Pierrettens. + +=Alumette zu Annette.= + + Ich werde Pierrot aufwecken. + +Sie will ihn an den Haaren zupfen. + +=Annette= hält sie zurück. + +=Alumette= beugt sich nieder und will Pierrot küssen. + +=Annette= hält sie zurück. + +=Fred, Florestan= treten von dem Bilde fort zu den zwei Mädchen. + +=Fred= gibt dem dicken Klavierspieler ein Zeichen, er möge sich hinsetzen +und spielen. + +=Der dicke Klavierspieler= ist bisher an der Tür gestanden, lächelnd und +zerstreut. + +=Pierrot= liegt noch immer bewegungslos. + +=Fred, Florestan= schicken den Diener hinaus. + +=Diener= ab. + + +=Dritte Szene.= + +=Der dicke Klavierspieler= hat sich an das Spinett gesetzt und beginnt +einen Walzer zu spielen. + +=Florestan, Alumette und Fred, Annette= tanzen miteinander. + +=Pierrot= wacht auf. Sieht um sich. Versteht nicht, was vorgegangen ist, +reibt sich die Augen. Springt auf, geht nach vorne. + +=Die beiden Paare= lassen sich nicht im Tanzen stören. + +=Florestan und Alumette= sinken endlich auf den kleinen Divan links am +Tischchen. + +=Fred und Annette= bleiben neben dem Spinett stehen. + +=Pierrot= ist an den Schreibtisch gelehnt. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= sehen ihn an und lachen. Gehen auf +ihn zu, als Paare, verbeugen sich. + +=Fred, Florestan= stellen ihre Damen vor. + +=Annette, Alumette= knixen zierlich. + +=Pierrot= verbeugt sich tief. + +=Fred.= + + Wir haben dich ja in einem netten Zustand gefunden. Was ist denn mit dir + geschehen? + +=Pierrot.= + + Fragt mich nicht. + +=Florestan= herzlich. + + Sag uns doch, was es gibt, vielleicht können wir dir helfen. + +=Pierrot.= + + Laßt nur, mir ist nicht zu helfen. + +=Fred.= + + Ich kann mir ja denken, es handelt sich um Pierrette. + +=Pierrot.= + + Laßt mich doch. + +=Annette, Alumette= eilen zu dem Bild hin, als wollten sie es von der +Staffelei entfernen. + +=Pierrot= ihnen nach, auf sie zu, beschützt das Bild. Steht mit +ausgebreiteten Armen davor. + +=Fred.= + + Er ist närrisch. Mit ihm ist nichts anzufangen. + +=Florestan= ergreift Pierrots Hände, entfernt ihn langsam von dem Bilde, +geleitet ihn dem Schreibtisch zu. + +=Fred.= + + Schlag dir die Sache aus dem Kopf, Pierrot, es ist nicht der Mühe wert, + sich um Pierrette zu kümmern. Komm mit uns. + +=Florestan.= + + Ja, komm mit uns. + +=Annette, Alumette= drängen sich an Pierrot. + + Komm mit uns. + +=Pierrot=, mit einer Gebärde des Widerwillens, befreit sich von den +andern. Setzt sich in den Stuhl am Schreibtisch. + +=Fred, Florestan= reden ihm weiter zu. + + Komm mit uns. Wir wollen uns unterhalten. Der Abend ist schön. Wir + wollen ins Freie. Wollen trinken, tanzen, küssen. + +=Pierrot= bleibt sitzen und schüttelt den Kopf. + +=Fred, Florestan= werden dringender. + +=Annette, Alumette= gesellen sich bittend und schmeichelnd hinzu. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= schließen einen Reigen um Pierrot, +umtanzen ihn. + +=Der dicke Klavierspieler= begleitet auf dem Spinett. + +=Pierrot= erhebt sich. Ärgerlich: + + Laßt mich in Ruhe. Ich ertrag es nicht länger. Ich kann das Spiel nicht + hören. Geht. + +Eilt zum Spinett, schlägt es heftig zu. Geht nach rückwärts zum Fenster +hin. + +=Der dicke Klavierspieler= ist zusammengefahren. + +=Fred, Annette, Florestan, Alumette= sehen einander an, fragend, +bedenklich, ärgerlich. + +=Florestan.= + + Lassen wir ihn. + +=Fred.= + + Hol ihn der Teufel. + +=Annette, Alumette.= + + Wie schade. + +=Pierrot.= + +Steht mit gekreuzten Armen am Fenster. + +=Die beiden Paare= verbeugen sich ironisch vor ihm und verlassen tanzend +das Zimmer. + +=Der dicke Klavierspieler= folgt ihnen. + + +=Vierte Szene.= + +=Pierrot= am Fenster, blickt teilnahmslos hinaus. + +=Diener= tritt ein. + +=Pierrot= bemerkt ihn nicht gleich. + +=Diener= tritt näher. + +=Pierrot=, ihm ein paar Schritte entgegen. + + Was willst du? + +=Diener.= + + Gnädiger Herr, ich möchte um Ausgang bitten. + +=Pierrot.= + + Warum? + +=Diener.= + + Ich bin verliebt und sehne mich danach mit meiner Angebeteten beisammen + zu sein. + +=Pierrot= wendet sich widerwillig ab. + +=Diener= bleibt stehen und wartet vergeblich auf Antwort. + +Nähert sich abermals bittend dem Pierrot. + +=Pierrot= wendet sich wieder zu ihm. + + Geh wohin du willst. + +=Diener= bedankt sich mit Emphase. + +=Pierrot= ungeduldig. + + Geh nur, geh nur endlich. + + +=Fünfte Szene.= + +=Pierrot= allein. Zum Schreibtisch. Wirft die Blumen und Briefe zu Boden. + +Geht auf und ab. Nimmt Mantel und Hut vom Haken. + + Ich will fort, wohin immer. Ins Freie, in die Einsamkeit – – + vielleicht in den Tod. + +Zum Fenster. Sieht hinab. Plötzlich wird er aufmerksam. Beugt sich weit +über die Brüstung. Fährt zurück. + + Ist es möglich? Nein, ich träume. + +Beugt sich wieder hinaus und verfolgt offenbar eine Gestalt, die sich +unter seinem Fenster an der Mauer des Hauses hinbewegt. Er beugt sich noch +weiter hinaus. Die Gestalt scheint ins Haustor getreten zu sein und ist +seinen Blicken entschwunden. + +Er tritt vom Fenster zurück in die Mitte des Zimmers in zweifelndem +Erstaunen. Er horcht. Kein Zweifel mehr, Schritte auf der Treppe. Er +stürzt ins Vorzimmer und verschwindet. + + +=Sechste Szene.= + +=Pierrot= noch im Mantel, doch ohne Hut, kommt mit Pierrette, die er an +beiden Händen gefaßt hält, ins Zimmer, höchstes Erstaunen in den Zügen. + +=Pierrette= (Altwiener Brautkleid mit Nuancen des Pierrettekostüms. +Myrtenkranz. Schleier um Haupt und Schultern), steht wie gelähmt da, +betrachtet Pierrot mit einem selig verstörten Blick. + +=Pierrot.= + + Träum ich, wach ich? Bist du's? Bin ich's? Wie ist es denn nur möglich, + daß du da bist? + +=Pierrette= bewegt leise den Kopf. + + Laß mich nur zur Besinnung kommen. Ja, ich bin hier. Bei dir. + +Sie beginnt zu schwanken. + +=Pierrot= hält sie in den Armen aufrecht, geleitet sie zu einem Sessel +hin, links vorne neben dem Tischchen. + +=Pierrette= sinkt in den Sessel. + +=Pierrot= sinkt vor Pierrette in die Knie, bedeckt ihre Hände mit Küssen. + + Nun ist alles wieder gut, da ich dich nur habe. Aber erkläre mir doch + endlich ... + +=Pierrette= sieht ihn mit stummen Augen an. + +=Pierrot= erhebt sich, schleudert den Mantel weg. + + So rede. Ich beschwöre dich. Woher kommst du? Ich verstehe ja nichts von + allem. + +=Pierrette= schweigt. Sieht angstvoll zum Fenster, als hätte sie ein +Geräusch gehört. + +=Pierrot= beruhigt sie, eilt zum Fenster, blickt hinab, schließt es. + +Eilt zur Türe, blickt ins Vorzimmer, schließt ab. Eilt wieder zu Pierrette +zurück. + +=Pierrette= hat sich erhoben und breitet Pierrot die Arme entgegen. + +=Pierrot= weicht vor ihr zurück, weist auf ihren Myrtenkranz, auf ihren +Schleier. + + Erkläre mir. Sprich endlich. + +=Pierrette= öffnet ihre Arme. + + Komm. + +Der Schleier gleitet ihr von den Schultern herab und bleibt vorne liegen. + +=Pierrot.= + + Nein, mir graut. Woher kommst du? + +=Pierrette.= + + Was kümmert dich das jetzt? Ich bin ja bei dir. + +=Pierrot= weist durch das Fenster hinaus. + + Aber was ist indessen mit dir geschehen da draußen in der Welt? + +=Pierrette.= + + Frage nicht. Das ist vorbei, ich bin jetzt bei dir und bleibe bei dir. + +Sie zieht aus ihrem Gürtel eine kleine Silberphiole. + + Sieh was ich mitgebracht habe. + +=Pierrot.= + + Was ist das? + +=Pierrette.= + + Das ist Gift. Wir wollen miteinander sterben. + +=Pierrot= nimmt ihr die Phiole aus der Hand. + + Wie, das sollen wir trinken? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot.= + + Warum sollen wir sterben? Komm, laß uns lieber fliehen. + +=Pierrette= schüttelt den Kopf. + +=Pierrot= führt sie zum Fenster hin. + + Sieh doch, wie schön die Welt ist. All dies ist unser. Komm, laß uns + fliehen. + +=Pierrette.= + + Fliehen? Nein! Wohin? Was sollen wir tun? Wir haben kein Geld. Es geht + nicht anders, wir müssen sterben. + +=Pierrot= schüttelt den Kopf. + +=Pierrette.= + + Wenn du nicht willst, so laß ich dich hier und werde wieder fortgehen. + Leb wohl. + +Sie wendet sich zu gehen. + +=Pierrot.= + + Bleib, bleib. + +=Pierrette.= + + Wozu? + +=Pierrot.= + + Es sei ... Wir werden dieses Gift trinken und werden zusammen sterben. + +Er umfaßt sie und geht mit ihr zum Divan links. + +=Pierrot und Pierrette= lassen sich nieder. + +=Pierrot= umarmt Pierrette heiß. + +=Pierrot= erhebt sich plötzlich. + +=Pierrette= bleibt sitzen und sieht Pierrot mit großen Augen an. + +=Pierrot= geht zum Schranke links hinten, öffnet ihn, nimmt zwei Flaschen +Wein und einige Gläser heraus. + +Bringt alles nach vorne und stellt es auf den Tisch. + +=Pierrette= steht gleichfalls auf, geht zum Schranke, nimmt Backwerk, +Früchte, Tischtuch, Teller, Eßzeug heraus. Sie deckt rasch den Tisch. + +=Pierrot= hilft ihr. + +=Beide= bewegen sich mit forcierter Lustigkeit. + +=Pierrette= nimmt Blumen aus ihrem Gürtel, eilt zur Kommode, steckt die +Blumen in die kleine Vase und bringt die Vase mit den Blumen auf den +Tisch. + +=Pierrot und Pierrette= hüpfen Arm in Arm durch das Zimmer, beleuchten es +festlich. Zünden die Kerzen auf dem Schreibtische, auf der Kommode, auf +dem Spinett an. + +=Pierrot= reicht Pierrette mit scherzhafter Würde den Arm und geleitet sie +zur Tafel. + +=Beide= nehmen auf dem Divan Platz, trinken und essen. + +=Pierrot= rückt näher an Pierrette heran. + +=Pierrette= schmiegt sich an Pierrot. + +Lang dauernde Umarmung. + +=Pierrot= erhebt sich plötzlich. + + Es ist Zeit – + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Pierrot= nimmt die Phiole und gießt in jedes von den beiden noch halb +gefüllten Weingläsern die Hälfte. + +Er erhebt das Glas, fordert Pierrette auf anzustoßen. + +=Pierrot und Pierrette= stoßen miteinander an. + +=Pierrette= setzt das Glas nieder. + +=Pierrot= ebenso. + +=Pierrette= geht langsam nach rückwärts. + +=Pierrot= folgt ihr. + +In der Nähe des Fensters umschlingen beide einander noch einmal. + +=Beide= umschlungen, langsam zurück zum Tischchen. + +=Pierrot.= + + Bist du bereit? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot= nimmt das Glas. + +=Pierrette= zögert. + +=Pierrot= lächelt verächtlich. + + Du hast ja doch nicht den Mut. Siehst du, ich dacht es. + +=Pierrette.= + + O Pierrot, glaub das nicht. Ich habe Mut. Nur einen Kuß noch, dann bin + ich bereit. + +=Beide= umarmen einander glühend. + +=Beide= setzen die Gläser an die Lippen und sehen einander lang in die +Augen. + +=Beide= neigen den Kopf nach rückwärts. + +=Pierrot= trinkt das Glas auf einen Zug aus. + +=Pierrette= hat keinen Tropfen über die Lippen gebracht. + +=Pierrot= sieht es, taumelt entsetzt zurück. + +=Pierrette= hat das Glas ein wenig von den Lippen entfernt, führt es +wieder an den Mund. + +=Pierrot= schlägt ihr das Glas verächtlich aus der Hand. Sinkt der Länge +nach nieder hinter der Staffelei (so, daß er für einen etwa Eintretenden +vorerst unsichtbar wäre). + +=Pierrette= steht wie starr da. + +Dann wirft sie sich vor Pierrot nieder, faßt ihn an, rüttelt ihn, küßt +ihn. Alles vergeblich. Sie nimmt das Glas vom Boden wieder auf, weist es +Pierrot. + + Sieh nur her, ich will's ja tun. + +Sie führt das Glas an die Lippen, merkt, daß es leer und zersplittert +ist. + +Sie steht auf, läuft im Zimmer hin und her, greift sich ratlos an den +Kopf, fühlt den Myrtenkranz, zuckt zusammen. + +Plötzlich glaubt sie ein Geräusch zu hören, eilt zum Fenster, kauert auf +den Divan nieder. + +Sie geht wieder nach vorn, zu Pierrot; schaut angstvoll auf ihn nieder. + + Du lebst, nicht wahr du lebst? So antworte doch, Pierrot! + +Sie beugt sich tiefer und immer tiefer zu ihm nieder, betrachtet ihn mit +wachsendem Schauder, bis sie endlich begreift, daß er tot ist. Von +Entsetzen gepackt, rennt sie zur Türe, reißt sie auf, stürzt davon. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause über zum zweiten Bild. + + + + +*II. Bild.* + + +Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von vorn +gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links hinten, im +vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen laufen rechts +und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben. + + +=Erste Szene.= + +=Hochzeitsgesellschaft.= + +=Eine Anzahl von Paaren= tanzt Walzer. + +=Ältere Damen und Herren= sitzen an den Seitenwänden. + +=Zwei Diener= hinter dem Buffet damit beschäftigt, Gästen Wein +einzuschenken und Backwerk vorzuteilen. + +=Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist= besorgen die Tanzmusik. + +=Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter= (kleine behagliche Leute) +stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gäste. + +=Arlechino= (der Bräutigam Pierrettens, groß, hager, nicht mehr jung, +Altwiener Kostüm, vollkommen schwarz, große weiße Blume im Knopfloch.) +düster und erregt, steht mit verschränkten Armen rechts vorne und schaut +dem Tanze zu. + +Der Walzer endet. + +=Die Paare= promenieren. + +=Vater und Mutter= treten in die Mitte des Saales. + +=Junge Herren= sprechen mit der Mutter. + +=Junge Damen= mit dem Vater. + +=Gigolo= der Tanzarrangeur, sehr jung, mit übertriebener Eleganz +gekleidet, eilt geschäftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald +bei den Musikern, bald bei einzelnen Tänzerinnen und Tänzern. + +=Einige Paare= zum Buffet. + +=Der Vater=, gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet. + +=Zwei junge Mädchen= treten zu Arlechino und sprechen lächelnd mit ihm. + +=Arlechinos= Antlitz bleibt düster. + +=Einige Gäste= stoßen mit Vater und Mutter an. + +=Der Vater= kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefüllten Gläsern, reicht ihm +das eine. + +=Der Vater= stößt mit Arlechino an, umarmt ihn dann. + +=Die Umstehenden= spenden Beifall (nicht Händeklatschen). + +=Gigolo= schlägt in die Hände, animiert die Herren, ihre Damen zu +engagieren, geschäftig im Saale hin und her. + +=Die Paare= stellen sich zu einer Quadrille bereit. + +=Gigolo= zu Arlechino. + + Sie müssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre + Braut. + +=Arlechino= nickt ernst, sieht sich im Saale um. + +Die Quadrille beginnt. + +=Gigolo= sieht, daß Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik Einhalt. + +=Arlechino= zu Gigolo. + + Sie sehen ja, Fräulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt + sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen. + +=Gigolo.= + + Keineswegs, das geht nicht. + +Er eilt zur Mutter. + + Herr Arlechino ist ohne Dame, Fräulein Pierrette ist nicht da. + +=Mutter= erstaunt, sieht sich im Saal um. + + Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich weiß schon, sie ist auf ihrem + Zimmer, kleidet sich an, macht sich für die Reise bereit. + +=Vater= ist herzugetreten. + + So geh doch hinauf und hole sie. + +=Mutter= rasch ab, rechts. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= intonieren ein Menuett. + +Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett. + +=Arlechino= geht indeß rückwärts in der Flucht der Säle bis weit nach +hinten, auf und ab. + +=Die Mutter= kommt zurück, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne. + + Pierrette ist nicht oben. + +=Vater.= + + Du bist verrückt. + +=Mutter.= + + Ich versichere dich, sie ist nicht oben. + +=Vater.= + + Wie ist denn das möglich? + +=Arlechino= steht plötzlich bei den beiden. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verlegen. + + Sie wird gleich kommen. + +=Arlechino= dringender. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verwirrt. + + Ich weiß es nicht. + +=Arlechino= faßt die Mutter am Arm. + +=Der Vater= will ihm das verwehren. + +=Arlechino= stampft auf den Boden. + + Wo ist Pierrette? + +=Die Paare= haben bemerkt, daß etwas vorgeht. + +=Die Tanzmusik= hört auf zu spielen. + +=Ein Paar= neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich +handelt, teilt es dem nächsten Paare mit. + +=Ein Paar= teilt es dem andern mit. + +Die Aufregung ist groß, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und +Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen. + +=Arlechino= droht. + + Ich werde fürchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anzünden. Ich + werde alle umbringen. + +=Gigolo= tritt hinzu. + + Gewiß ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht. + +Zu den Mädchen. + + Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch überall. + +=Die jungen Mädchen= entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige +über die Stiegen, laufen hin und her. + +=Die jungen Herren= stehen in Gruppen beisammen. + +=Arlechino= vorn, geht mit großen Schritten auf und ab. + +=Vater und Mutter=, rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwürfe. + +=Die jungen Mädchen= kommen nach und nach zurück. + + Wir haben Pierrette nicht gefunden. + +=Arlechino= wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlägt einige Gläser und +Flaschen. Vollführt drohende Gebärden gegen Vater und Mutter. Geht zum +Klavier, zertrümmert die Tasten, reißt den Musikern Violine und +Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann +eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten. + + +=Zweite Szene.= + +Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen. + +=Arlechino= faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt +in der Mitte stehen. + +=Die andern= erstaunen. + +=Einige= suchen näher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Vater und Mutter= suchen näher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Arlechino und Pierrette= mitten im Saal. + +=Die andern= in gemessener Entfernung. + +=Arlechino= zu Pierrette. + + Wo bist du gewesen? + +=Pierrette.= + + In meinem Zimmer oben. + +=Arlechino.= + + Das ist nicht wahr. + +=Pierrette.= + + Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten. + +=Arlechino.= + + Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten. + +=Pierrette.= + + Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Nein, zuerst mußt du mir antworten. + +=Pierrette.= + + Ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Zuerst antworte! + +=Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen=, treten näher, versuchen Arlechino +zu begütigen. + +=Arlechino= hört nicht auf sie. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente. + +=Gigolo.= + + Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen. + +=Die Musiker= beginnen zu spielen. Schnellpolka. + +Die Instrumente klingen schauerlich. + +=Gigolo= tritt in die Mitte des Saales. + + Tanzen, tanzen. + +=Pierrette= auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste. +Schmiegt sich näher an ihn heran. + +=Arlechino= betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr. + +Alles scheint wieder geordnet. + +Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr langsam +den toten Pierrot kommen. + +=Pierrette= hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher schreitenden +Pierrot. + +=Die andern= wissen nicht, was Pierrette ist. + +=Pierrot= schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen +und zerfließt in nichts. + +=Pierrette= weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich. + +=Die andern= beginnen wieder zu tanzen. + +=Pierrette= geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu +trinken. + +Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. +Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein. + +=Pierrette= taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin. + +=Arlechino= ihr nach. + +Der tote Pierrot verschwindet. + +=Arlechino.= + + Was hast du? Was ist dir? + +=Pierrette.= + + Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber. + +Sie schauert und will sich verhüllen. + +=Arlechino= plötzlich merkend. + + Elende ... + +=Die Tanzmusik= hört auf. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier Pierrette? + +=Pierrette= greift sich an Haupt und Schultern. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier? + +=Pierrette.= + + Ich weiß nicht. + +=Arlechino.= + + Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist + der Schleier? Wo warst du? + +=Pierrette.= + + Laß mich doch. + +=Arlechino.= + + Du mußt dir deinen Schleier zurückholen. + +=Pierrette.= + + Ich weiß nicht wo er ist. + +In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der +Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des +Saales stehen. + +=Pierrette= eilt dem toten Pierrot entgegen. + +=Arlechino= ihr nach, faßt sie bei der Hand. + +=Der tote Pierrot= mit dem Schleier entfernt sich wieder. + +=Pierrette= sucht den Schleier zu erhaschen. + +=Arlechino= hält sie ununterbrochen bei der Hand. + +=Pierrot= mit dem Schleier entschwindet. + +=Pierrette= dem Scheinbilde nach. + +=Arlechino= immer mit ihr. + +=Einige junge Herren= wollen nach. + +=Arlechino= wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild. + + + + +*III. Bild.* + + +=Dekoration des ersten.= + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei. + +Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd da. +Die Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen. + +Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer. + +Die Türe öffnet sich. + +=Arlechino und Pierrette= treten ein. + +=Arlechino= hält Pierrette bei der Hand. + +=Pierrette= eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch. + + Da ist er. Nun laß uns gehen. + +=Arlechino.= + + Nein. Wo bin ich hier? + +Er geht im Zimmer hin und her. + +Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot +nicht für tot, sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette. + + Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen? + +Er gewahrt die Reste des Mahls. + + Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in + den Armen gehalten. Wartet nur. + +Wieder zu Pierrot hin. + +=Pierrette= auf ihn zu, will ihn zurückhalten. + +=Arlechino= schleudert sie von sich. + +=Pierrette= schleicht sich zum Fenster. + +=Arlechino= kniet vor Pierrot nieder. + + Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf! + +Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn. + +=Der tote Pierrot= fällt schwer auf den Boden hin. + +=Arlechino= fährt entsetzt zurück. + +Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht. + + Hast du's gewußt? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Arlechino= geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück, +sieht sie lange an. + + Was soll ich mit dir tun? + +Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten +Pierrot hin, will ihn emporheben. + +=Pierrette= eilt entsetzt nach vorne. + +=Arlechino= weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt +ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke. + +=Pierrette= ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut +dem Beginnen des Arlechino zu. + +=Arlechino= setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in +zwei Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er +Pierrette mit einem teuflischen Lächeln herbei. + +=Pierrette= bleibt regungslos stehen. + +=Arlechino= erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch. + +=Pierrette= kommt langsam. + +=Arlechino= geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den +Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der +gefüllten Gläser in die Hand, stößt mit ihr an. + +=Pierrette= kann nicht trinken. + +=Arlechino.= + + So trink doch. + +=Pierrette= trinkt. + +=Arlechino= setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt +sie, sucht sie an sich zu ziehen. + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Arlechino= wird zärtlicher. + +=Pierrette= springt auf, ihr Sessel fällt um, sie flüchtet nach rückwärts +in die Fensterecke. + +=Arlechino= ihr nach, spielt den Verliebten. + + Ich bete dich an, meine Teure. + +Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen. + +=Pierrette= entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen +kommt. + +=Arlechino= hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm, +dann verbeugt er sich vor Pierrette. + + Du bist ja in guter Gesellschaft. + +Dann geht er zur Tür. + +=Pierrette= folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen. + +=Arlechino= wendet sich in der Türe nochmals um und verbeugt sich +höhnisch. + +=Pierrette= stürzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie. + +=Arlechino= schüttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Türe hinter +sich. + + +=Zweite Szene.= + +=Pierrette= poltert an die Tür. Eilt zum Fenster, reißt es auf. Sieht +Arlechino fortgehen, ruft ihn zurück. Er entschwindet ihren Blicken. +Wieder zur Tür, rüttelt, reißt, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht +nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder +gegenüber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, läuft davon. Kommt +wieder zurück. Nickt ihm zu. Gerät von neuem in Angst, schleicht längs der +Wände im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen verändern sich ins +Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn aus. +Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem Divan zu +ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und blickt ihm +ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst vor ihm, +dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. Sie hält +inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen. + +Poltern an der Türe. + +=Pierrette= ist beinahe atemlos, ihre Kräfte beginnen zu schwinden, ihre +Augen glänzen trübe, sie ist dem Verlöschen nahe. + +Neues, verstärktes Poltern. + +=Pierrette= sinkt zu Boden, tot. Zu Füßen des toten Pierrot. + +Die Türe wird erbrochen. + + +=Dritte Szene.= + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= treten ein. + +Der Morgen ist herangedämmert. Beginnender Sonnenaufgang. + +=Fred und Florestan= wenden sich lachend zu den Mädchen. Beide Paare +tänzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen was +geschehen ist und weichen entsetzt zurück. + +=Vorhang.= + +=Ende.= + + + + +[Anmerkungen zur Transkription: + + Gesperrt gesetzter Text wurde mit =gesperrter Text=, fett gesetzter Text + mit *fetter Text* ausgezeichnet. + + Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die + freundlicherweise von Austrian Literature Online + (http://www.literature.at) zur Verfügung gestellt wurden. + + Gegenüber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt + etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostüms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch + + original: verändern sich ins tanzartige. + etext: verändern sich ins Tanzartige.] + + +[Transcriber's Note: + + Spaced-out text has been replaced by =spaced-out text=, bold text by + *bold text*. + + This ebook is based on scanned images which have been generously made + available by Austrian Literature Online (http://www.literature.at). + + The following corrections were applied to the original text: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt + etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostüms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (no new paragraph) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (new paragraph added before) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch + + original: verändern sich ins tanzartige. + etext: verändern sich ins Tanzartige.] + + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + +***** This file should be named 31842-0.txt or 31842-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/8/4/31842/ + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/31842-0.zip b/31842-0.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..677e89b --- /dev/null +++ b/31842-0.zip diff --git a/31842-8.txt b/31842-8.txt new file mode 100644 index 0000000..4c76336 --- /dev/null +++ b/31842-8.txt @@ -0,0 +1,1765 @@ +Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Schleier der Pierrette + Pantomime in drei Bildern + +Author: Arthur Schnitzler + +Release Date: March 31, 2010 [EBook #31842] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + + + + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + + + + +Den Bhnen gegenber als Manuskript gedruckt. Das Textbuch darf nur dann +zu Bhnenzwecken bentzt werden, wenn vorher das Bhnenauffhrungsrecht +durch unsere Vertreter Felix =Bloch= Erben (Adolf =Sliwinski= und +Ernst =Bloch=), =Berlin=NW., Luisenstrae21, fr sterreich-Ungarn +Dr.O.F.=Eirich=, =Wien=, II.,Praterstrae38, rechtmig erworben +wurde. + + =Arthur Schnitzler.= =Ernst von Dohnnyi.= + + + + + DER SCHLEIER DER + PIERRETTE. + + PANTOMIME IN DREI BILDERN + + VON + + ARTHUR SCHNITZLER. + + MUSIK VON + + ERNST VON DOHNNYI. + + +Alle Rechte, insbesonders Auffhrungs-, Nachdrucks- und bersetzungsrecht + vorbehalten. + + Dpos Paris. Dpos Paris. + + Eigentum des Verlegers fr alle Lnder. + + LUDWIG DOBLINGER + (Bernhard Herzmansky) + + WIEN LEIPZIG PARIS + I.,Dorotheergasse10. Tubchenweg21. Max Eschig + IX.,13RueLaffitte. + +Eigentum fr Schweden, Norwegen, Dnemark und Finnland: *Carl Gehrmans +Musikfrlag*, Stockholm. + +Copyright 1910 by *Ludwig Doblinger* (Bernhard Herzmansky), *Leipzig*. + +All performing rights strictly reserved. + + + + +*Personen.* + + + Pierrot. + Pierrette. + Pierrettens Vater. + Pierrettens Mutter. + Arlechino, Pierrettens Brutigam. + Fred } Pierrots + Florestan } Freunde. + Annette. + Alumette. + Gigolo, ein junger Herr. + Ein dicker Klavierspieler. + Ein zweiter Klavierspieler. + Ein Geigenspieler. + Ein Klarinettist. + Diener des Pierrot. + Alte Herren, alte Damen } als + Junge Herren, junge Damen } Hochzeitsgste. + +Ort und Zeit der Handlung: das Wien vom Beginn des vorigen Jahrhunderts. + +Erstes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + +Drittes Bild: Zimmer des Pierrot. + +Rechts und links vom Zuschauer. + + + + +*I. Bild.* + + +Das Zimmer Pierrots. Bescheiden eingerichtet. Schreibtisch ungefhr Mitte, +mehr rechts. Davor Lehnsessel. Hinten rechts Divan. Weiter vorn an der +Wand ein Spinett mit Leuchtern. Noch weiter vorn eine Etagre, darber +Bilder. Auf der Etagre Bcher. Ganz vorn rechts die Eingangstr. Vorne +links ein Wandspiegel, darunter eine Kommode, darauf zwei Leuchter und +eine kleine, leere Blumenvase. Links hinten ein Schrank. Vorne Tischchen, +Divan mit Lehne und zwei Sessel. Vorne mehr rechts das Bild Pierrettens +auf einer Staffelei. + +Im Hintergrund erkerartiger Ausbau mit groem Fenster. Ausblick auf die +Basteien und auf die Trme der Stadt. Nahe der Tre Kleiderhaken mit +Mantel und Hut Pierrots. Abenddmmerung. + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= (Kostm: ein Gemisch des traditionellen Pierrot- und des +Altwiener Kostms) sitzt vor dem Schreibtisch, den Kopf in beide Hnde +gesttzt. Steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Bleibt vor der +Staffelei stehen. Fleht das Bild Pierrettens an, droht dem Bilde, entfernt +sich grollend, kehrt zurck, sinkt vor dem Bilde nieder und schluchzt. +Steht auf, geht zum Schreibtische, ffnet eine Lade, entnimmt ihr +vertrocknete Blumen, Briefe, Bnder, streut alles auf die Tischplatte, +whlt in den Andenken. + +Geht zum Fenster, ffnet es, bleibt eine Weile dort stehen. Sinkt auf den +Divan rechts vom Fenster und bleibt der Lnge nach ausgestreckt liegen. + + +=Zweite Szene.= + +Es ist beinahe ganz dunkel geworden. Die Tr rechts ffnet sich, vom +Vorzimmer fllt ein ziemlich breiter Lichtschein ber den Fuboden hin. + +=Der Diener= erscheint an der Tr. Durch eine Handbewegung ldt er die +Freunde und Freundinnen Pierrots ein einzutreten. + +=Fred, Florestan, Annette und Alumette= treten ein. + +Hinter ihnen ein kleiner, dicker Klavierspieler. + +=Fred, Florestan= fragen den Diener, wo sein Herr sei. + +=Annette, Alumette=, sehen sich neugierig im Zimmer um. + +=Der Diener= weist auf den Stuhl vor dem Schreibtische. + + Hier ist mein Herr gesessen.[A] + + [Funote A: Auch was im Text dialogartig gebracht ist, wird + selbstverstndlich nur pantomimisch ausgedrckt.] + +=Fred, Florestan.= + + Du siehst ja, da er nicht da ist. Bring doch ein Licht. + +=Der Diener= holt einen Leuchter mit angezndeter Kerze aus dem Vorzimmer, +geht zum Schreibtische hin. + +=Fred, Florestan= folgen ihm. + +=Alumette= lscht die Kerze aus. + +=Florestan= verweist es ihr. + +=Diener= zndet wieder an. + +=Diener= vor dem Schreibtische. + + Hier ist er doch gesessen. + +=Alle fnf=, der Diener mit dem Leuchter voraus, machen einen Rundgang +durch das Zimmer, kommen zuletzt zum Divan, auf dem sie Pierrot entdecken. + +=Fred.= + + Ich will ihn rtteln. + +=Florestan= hlt ihn zurck, zum Diener. + + Was ist denn mit deinem Herrn geschehen? + +=Diener= zuckt die Achseln. + +=Fred= kommt auf einen Gedanken, macht Florestan auf die Staffelei mit +Pierrettens Bild aufmerksam. + +=Florestan= versteht. + +=Annette, Alumette= stehen vor dem Divan und sind von Pierrot entzckt. + +=Fred, Florestan= haben ein zweites Licht angezndet und stehen vor dem +Bild Pierrettens. + +=Alumette zu Annette.= + + Ich werde Pierrot aufwecken. + +Sie will ihn an den Haaren zupfen. + +=Annette= hlt sie zurck. + +=Alumette= beugt sich nieder und will Pierrot kssen. + +=Annette= hlt sie zurck. + +=Fred, Florestan= treten von dem Bilde fort zu den zwei Mdchen. + +=Fred= gibt dem dicken Klavierspieler ein Zeichen, er mge sich hinsetzen +und spielen. + +=Der dicke Klavierspieler= ist bisher an der Tr gestanden, lchelnd und +zerstreut. + +=Pierrot= liegt noch immer bewegungslos. + +=Fred, Florestan= schicken den Diener hinaus. + +=Diener= ab. + + +=Dritte Szene.= + +=Der dicke Klavierspieler= hat sich an das Spinett gesetzt und beginnt +einen Walzer zu spielen. + +=Florestan, Alumette und Fred, Annette= tanzen miteinander. + +=Pierrot= wacht auf. Sieht um sich. Versteht nicht, was vorgegangen ist, +reibt sich die Augen. Springt auf, geht nach vorne. + +=Die beiden Paare= lassen sich nicht im Tanzen stren. + +=Florestan und Alumette= sinken endlich auf den kleinen Divan links am +Tischchen. + +=Fred und Annette= bleiben neben dem Spinett stehen. + +=Pierrot= ist an den Schreibtisch gelehnt. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= sehen ihn an und lachen. Gehen auf +ihn zu, als Paare, verbeugen sich. + +=Fred, Florestan= stellen ihre Damen vor. + +=Annette, Alumette= knixen zierlich. + +=Pierrot= verbeugt sich tief. + +=Fred.= + + Wir haben dich ja in einem netten Zustand gefunden. Was ist denn mit dir + geschehen? + +=Pierrot.= + + Fragt mich nicht. + +=Florestan= herzlich. + + Sag uns doch, was es gibt, vielleicht knnen wir dir helfen. + +=Pierrot.= + + Lat nur, mir ist nicht zu helfen. + +=Fred.= + + Ich kann mir ja denken, es handelt sich um Pierrette. + +=Pierrot.= + + Lat mich doch. + +=Annette, Alumette= eilen zu dem Bild hin, als wollten sie es von der +Staffelei entfernen. + +=Pierrot= ihnen nach, auf sie zu, beschtzt das Bild. Steht mit +ausgebreiteten Armen davor. + +=Fred.= + + Er ist nrrisch. Mit ihm ist nichts anzufangen. + +=Florestan= ergreift Pierrots Hnde, entfernt ihn langsam von dem Bilde, +geleitet ihn dem Schreibtisch zu. + +=Fred.= + + Schlag dir die Sache aus dem Kopf, Pierrot, es ist nicht der Mhe wert, + sich um Pierrette zu kmmern. Komm mit uns. + +=Florestan.= + + Ja, komm mit uns. + +=Annette, Alumette= drngen sich an Pierrot. + + Komm mit uns. + +=Pierrot=, mit einer Gebrde des Widerwillens, befreit sich von den +andern. Setzt sich in den Stuhl am Schreibtisch. + +=Fred, Florestan= reden ihm weiter zu. + + Komm mit uns. Wir wollen uns unterhalten. Der Abend ist schn. Wir + wollen ins Freie. Wollen trinken, tanzen, kssen. + +=Pierrot= bleibt sitzen und schttelt den Kopf. + +=Fred, Florestan= werden dringender. + +=Annette, Alumette= gesellen sich bittend und schmeichelnd hinzu. + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= schlieen einen Reigen um Pierrot, +umtanzen ihn. + +=Der dicke Klavierspieler= begleitet auf dem Spinett. + +=Pierrot= erhebt sich. rgerlich: + + Lat mich in Ruhe. Ich ertrag es nicht lnger. Ich kann das Spiel nicht + hren. Geht. + +Eilt zum Spinett, schlgt es heftig zu. Geht nach rckwrts zum Fenster +hin. + +=Der dicke Klavierspieler= ist zusammengefahren. + +=Fred, Annette, Florestan, Alumette= sehen einander an, fragend, +bedenklich, rgerlich. + +=Florestan.= + + Lassen wir ihn. + +=Fred.= + + Hol ihn der Teufel. + +=Annette, Alumette.= + + Wie schade. + +=Pierrot.= + +Steht mit gekreuzten Armen am Fenster. + +=Die beiden Paare= verbeugen sich ironisch vor ihm und verlassen tanzend +das Zimmer. + +=Der dicke Klavierspieler= folgt ihnen. + + +=Vierte Szene.= + +=Pierrot= am Fenster, blickt teilnahmslos hinaus. + +=Diener= tritt ein. + +=Pierrot= bemerkt ihn nicht gleich. + +=Diener= tritt nher. + +=Pierrot=, ihm ein paar Schritte entgegen. + + Was willst du? + +=Diener.= + + Gndiger Herr, ich mchte um Ausgang bitten. + +=Pierrot.= + + Warum? + +=Diener.= + + Ich bin verliebt und sehne mich danach mit meiner Angebeteten beisammen + zu sein. + +=Pierrot= wendet sich widerwillig ab. + +=Diener= bleibt stehen und wartet vergeblich auf Antwort. + +Nhert sich abermals bittend dem Pierrot. + +=Pierrot= wendet sich wieder zu ihm. + + Geh wohin du willst. + +=Diener= bedankt sich mit Emphase. + +=Pierrot= ungeduldig. + + Geh nur, geh nur endlich. + + +=Fnfte Szene.= + +=Pierrot= allein. Zum Schreibtisch. Wirft die Blumen und Briefe zu Boden. + +Geht auf und ab. Nimmt Mantel und Hut vom Haken. + + Ich will fort, wohin immer. Ins Freie, in die Einsamkeit -- -- + vielleicht in den Tod. + +Zum Fenster. Sieht hinab. Pltzlich wird er aufmerksam. Beugt sich weit +ber die Brstung. Fhrt zurck. + + Ist es mglich? Nein, ich trume. + +Beugt sich wieder hinaus und verfolgt offenbar eine Gestalt, die sich +unter seinem Fenster an der Mauer des Hauses hinbewegt. Er beugt sich noch +weiter hinaus. Die Gestalt scheint ins Haustor getreten zu sein und ist +seinen Blicken entschwunden. + +Er tritt vom Fenster zurck in die Mitte des Zimmers in zweifelndem +Erstaunen. Er horcht. Kein Zweifel mehr, Schritte auf der Treppe. Er +strzt ins Vorzimmer und verschwindet. + + +=Sechste Szene.= + +=Pierrot= noch im Mantel, doch ohne Hut, kommt mit Pierrette, die er an +beiden Hnden gefat hlt, ins Zimmer, hchstes Erstaunen in den Zgen. + +=Pierrette= (Altwiener Brautkleid mit Nuancen des Pierrettekostms. +Myrtenkranz. Schleier um Haupt und Schultern), steht wie gelhmt da, +betrachtet Pierrot mit einem selig verstrten Blick. + +=Pierrot.= + + Trum ich, wach ich? Bist du's? Bin ich's? Wie ist es denn nur mglich, + da du da bist? + +=Pierrette= bewegt leise den Kopf. + + La mich nur zur Besinnung kommen. Ja, ich bin hier. Bei dir. + +Sie beginnt zu schwanken. + +=Pierrot= hlt sie in den Armen aufrecht, geleitet sie zu einem Sessel +hin, links vorne neben dem Tischchen. + +=Pierrette= sinkt in den Sessel. + +=Pierrot= sinkt vor Pierrette in die Knie, bedeckt ihre Hnde mit Kssen. + + Nun ist alles wieder gut, da ich dich nur habe. Aber erklre mir doch + endlich... + +=Pierrette= sieht ihn mit stummen Augen an. + +=Pierrot= erhebt sich, schleudert den Mantel weg. + + So rede. Ich beschwre dich. Woher kommst du? Ich verstehe ja nichts von + allem. + +=Pierrette= schweigt. Sieht angstvoll zum Fenster, als htte sie ein +Gerusch gehrt. + +=Pierrot= beruhigt sie, eilt zum Fenster, blickt hinab, schliet es. + +Eilt zur Tre, blickt ins Vorzimmer, schliet ab. Eilt wieder zu Pierrette +zurck. + +=Pierrette= hat sich erhoben und breitet Pierrot die Arme entgegen. + +=Pierrot= weicht vor ihr zurck, weist auf ihren Myrtenkranz, auf ihren +Schleier. + + Erklre mir. Sprich endlich. + +=Pierrette= ffnet ihre Arme. + + Komm. + +Der Schleier gleitet ihr von den Schultern herab und bleibt vorne liegen. + +=Pierrot.= + + Nein, mir graut. Woher kommst du? + +=Pierrette.= + + Was kmmert dich das jetzt? Ich bin ja bei dir. + +=Pierrot= weist durch das Fenster hinaus. + + Aber was ist indessen mit dir geschehen da drauen in der Welt? + +=Pierrette.= + + Frage nicht. Das ist vorbei, ich bin jetzt bei dir und bleibe bei dir. + +Sie zieht aus ihrem Grtel eine kleine Silberphiole. + + Sieh was ich mitgebracht habe. + +=Pierrot.= + + Was ist das? + +=Pierrette.= + + Das ist Gift. Wir wollen miteinander sterben. + +=Pierrot= nimmt ihr die Phiole aus der Hand. + + Wie, das sollen wir trinken? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot.= + + Warum sollen wir sterben? Komm, la uns lieber fliehen. + +=Pierrette= schttelt den Kopf. + +=Pierrot= fhrt sie zum Fenster hin. + + Sieh doch, wie schn die Welt ist. All dies ist unser. Komm, la uns + fliehen. + +=Pierrette.= + + Fliehen? Nein! Wohin? Was sollen wir tun? Wir haben kein Geld. Es geht + nicht anders, wir mssen sterben. + +=Pierrot= schttelt den Kopf. + +=Pierrette.= + + Wenn du nicht willst, so la ich dich hier und werde wieder fortgehen. + Leb wohl. + +Sie wendet sich zu gehen. + +=Pierrot.= + + Bleib, bleib. + +=Pierrette.= + + Wozu? + +=Pierrot.= + + Es sei... Wir werden dieses Gift trinken und werden zusammen sterben. + +Er umfat sie und geht mit ihr zum Divan links. + +=Pierrot und Pierrette= lassen sich nieder. + +=Pierrot= umarmt Pierrette hei. + +=Pierrot= erhebt sich pltzlich. + +=Pierrette= bleibt sitzen und sieht Pierrot mit groen Augen an. + +=Pierrot= geht zum Schranke links hinten, ffnet ihn, nimmt zwei Flaschen +Wein und einige Glser heraus. + +Bringt alles nach vorne und stellt es auf den Tisch. + +=Pierrette= steht gleichfalls auf, geht zum Schranke, nimmt Backwerk, +Frchte, Tischtuch, Teller, Ezeug heraus. Sie deckt rasch den Tisch. + +=Pierrot= hilft ihr. + +=Beide= bewegen sich mit forcierter Lustigkeit. + +=Pierrette= nimmt Blumen aus ihrem Grtel, eilt zur Kommode, steckt die +Blumen in die kleine Vase und bringt die Vase mit den Blumen auf den +Tisch. + +=Pierrot und Pierrette= hpfen Arm in Arm durch das Zimmer, beleuchten es +festlich. Znden die Kerzen auf dem Schreibtische, auf der Kommode, auf +dem Spinett an. + +=Pierrot= reicht Pierrette mit scherzhafter Wrde den Arm und geleitet sie +zur Tafel. + +=Beide= nehmen auf dem Divan Platz, trinken und essen. + +=Pierrot= rckt nher an Pierrette heran. + +=Pierrette= schmiegt sich an Pierrot. + +Lang dauernde Umarmung. + +=Pierrot= erhebt sich pltzlich. + + Es ist Zeit -- + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Pierrot= nimmt die Phiole und giet in jedes von den beiden noch halb +gefllten Weinglsern die Hlfte. + +Er erhebt das Glas, fordert Pierrette auf anzustoen. + +=Pierrot und Pierrette= stoen miteinander an. + +=Pierrette= setzt das Glas nieder. + +=Pierrot= ebenso. + +=Pierrette= geht langsam nach rckwrts. + +=Pierrot= folgt ihr. + +In der Nhe des Fensters umschlingen beide einander noch einmal. + +=Beide= umschlungen, langsam zurck zum Tischchen. + +=Pierrot.= + + Bist du bereit? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Pierrot= nimmt das Glas. + +=Pierrette= zgert. + +=Pierrot= lchelt verchtlich. + + Du hast ja doch nicht den Mut. Siehst du, ich dacht es. + +=Pierrette.= + + O Pierrot, glaub das nicht. Ich habe Mut. Nur einen Ku noch, dann bin + ich bereit. + +=Beide= umarmen einander glhend. + +=Beide= setzen die Glser an die Lippen und sehen einander lang in die +Augen. + +=Beide= neigen den Kopf nach rckwrts. + +=Pierrot= trinkt das Glas auf einen Zug aus. + +=Pierrette= hat keinen Tropfen ber die Lippen gebracht. + +=Pierrot= sieht es, taumelt entsetzt zurck. + +=Pierrette= hat das Glas ein wenig von den Lippen entfernt, fhrt es +wieder an den Mund. + +=Pierrot= schlgt ihr das Glas verchtlich aus der Hand. Sinkt der Lnge +nach nieder hinter der Staffelei (so, da er fr einen etwa Eintretenden +vorerst unsichtbar wre). + +=Pierrette= steht wie starr da. + +Dann wirft sie sich vor Pierrot nieder, fat ihn an, rttelt ihn, kt +ihn. Alles vergeblich. Sie nimmt das Glas vom Boden wieder auf, weist es +Pierrot. + + Sieh nur her, ich will's ja tun. + +Sie fhrt das Glas an die Lippen, merkt, da es leer und zersplittert +ist. + +Sie steht auf, luft im Zimmer hin und her, greift sich ratlos an den +Kopf, fhlt den Myrtenkranz, zuckt zusammen. + +Pltzlich glaubt sie ein Gerusch zu hren, eilt zum Fenster, kauert auf +den Divan nieder. + +Sie geht wieder nach vorn, zu Pierrot; schaut angstvoll auf ihn nieder. + + Du lebst, nicht wahr du lebst? So antworte doch, Pierrot! + +Sie beugt sich tiefer und immer tiefer zu ihm nieder, betrachtet ihn mit +wachsendem Schauder, bis sie endlich begreift, da er tot ist. Von +Entsetzen gepackt, rennt sie zur Tre, reit sie auf, strzt davon. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause ber zum zweiten Bild. + + + + +*II. Bild.* + + +Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von vorn +gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links hinten, im +vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen laufen rechts +und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben. + + +=Erste Szene.= + +=Hochzeitsgesellschaft.= + +=Eine Anzahl von Paaren= tanzt Walzer. + +=ltere Damen und Herren= sitzen an den Seitenwnden. + +=Zwei Diener= hinter dem Buffet damit beschftigt, Gsten Wein +einzuschenken und Backwerk vorzuteilen. + +=Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist= besorgen die Tanzmusik. + +=Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter= (kleine behagliche Leute) +stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gste. + +=Arlechino= (der Brutigam Pierrettens, gro, hager, nicht mehr jung, +Altwiener Kostm, vollkommen schwarz, groe weie Blume im Knopfloch.) +dster und erregt, steht mit verschrnkten Armen rechts vorne und schaut +dem Tanze zu. + +Der Walzer endet. + +=Die Paare= promenieren. + +=Vater und Mutter= treten in die Mitte des Saales. + +=Junge Herren= sprechen mit der Mutter. + +=Junge Damen= mit dem Vater. + +=Gigolo= der Tanzarrangeur, sehr jung, mit bertriebener Eleganz +gekleidet, eilt geschftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald +bei den Musikern, bald bei einzelnen Tnzerinnen und Tnzern. + +=Einige Paare= zum Buffet. + +=Der Vater=, gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet. + +=Zwei junge Mdchen= treten zu Arlechino und sprechen lchelnd mit ihm. + +=Arlechinos= Antlitz bleibt dster. + +=Einige Gste= stoen mit Vater und Mutter an. + +=Der Vater= kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefllten Glsern, reicht ihm +das eine. + +=Der Vater= stt mit Arlechino an, umarmt ihn dann. + +=Die Umstehenden= spenden Beifall (nicht Hndeklatschen). + +=Gigolo= schlgt in die Hnde, animiert die Herren, ihre Damen zu +engagieren, geschftig im Saale hin und her. + +=Die Paare= stellen sich zu einer Quadrille bereit. + +=Gigolo= zu Arlechino. + + Sie mssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre + Braut. + +=Arlechino= nickt ernst, sieht sich im Saale um. + +Die Quadrille beginnt. + +=Gigolo= sieht, da Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik Einhalt. + +=Arlechino= zu Gigolo. + + Sie sehen ja, Frulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt + sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen. + +=Gigolo.= + + Keineswegs, das geht nicht. + +Er eilt zur Mutter. + + Herr Arlechino ist ohne Dame, Frulein Pierrette ist nicht da. + +=Mutter= erstaunt, sieht sich im Saal um. + + Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich wei schon, sie ist auf ihrem + Zimmer, kleidet sich an, macht sich fr die Reise bereit. + +=Vater= ist herzugetreten. + + So geh doch hinauf und hole sie. + +=Mutter= rasch ab, rechts. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= intonieren ein Menuett. + +Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett. + +=Arlechino= geht inde rckwrts in der Flucht der Sle bis weit nach +hinten, auf und ab. + +=Die Mutter= kommt zurck, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne. + + Pierrette ist nicht oben. + +=Vater.= + + Du bist verrckt. + +=Mutter.= + + Ich versichere dich, sie ist nicht oben. + +=Vater.= + + Wie ist denn das mglich? + +=Arlechino= steht pltzlich bei den beiden. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verlegen. + + Sie wird gleich kommen. + +=Arlechino= dringender. + + Wo ist Pierrette? + +=Mutter= verwirrt. + + Ich wei es nicht. + +=Arlechino= fat die Mutter am Arm. + +=Der Vater= will ihm das verwehren. + +=Arlechino= stampft auf den Boden. + + Wo ist Pierrette? + +=Die Paare= haben bemerkt, da etwas vorgeht. + +=Die Tanzmusik= hrt auf zu spielen. + +=Ein Paar= neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich +handelt, teilt es dem nchsten Paare mit. + +=Ein Paar= teilt es dem andern mit. + +Die Aufregung ist gro, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und +Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen. + +=Arlechino= droht. + + Ich werde frchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anznden. Ich + werde alle umbringen. + +=Gigolo= tritt hinzu. + + Gewi ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht. + +Zu den Mdchen. + + Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch berall. + +=Die jungen Mdchen= entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige +ber die Stiegen, laufen hin und her. + +=Die jungen Herren= stehen in Gruppen beisammen. + +=Arlechino= vorn, geht mit groen Schritten auf und ab. + +=Vater und Mutter=, rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwrfe. + +=Die jungen Mdchen= kommen nach und nach zurck. + + Wir haben Pierrette nicht gefunden. + +=Arlechino= wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlgt einige Glser und +Flaschen. Vollfhrt drohende Gebrden gegen Vater und Mutter. Geht zum +Klavier, zertrmmert die Tasten, reit den Musikern Violine und +Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann +eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten. + + +=Zweite Szene.= + +Wie Arlechino ganz rckwrts ist, tritt ihm Pierrette entgegen. + +=Arlechino= fat Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt +in der Mitte stehen. + +=Die andern= erstaunen. + +=Einige= suchen nher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Vater und Mutter= suchen nher zu treten. + +=Arlechino= weist sie fort. + +=Arlechino und Pierrette= mitten im Saal. + +=Die andern= in gemessener Entfernung. + +=Arlechino= zu Pierrette. + + Wo bist du gewesen? + +=Pierrette.= + + In meinem Zimmer oben. + +=Arlechino.= + + Das ist nicht wahr. + +=Pierrette.= + + Ich bin spazieren gegangen, drauen im Garten. + +=Arlechino.= + + Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten. + +=Pierrette.= + + Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Nein, zuerst mut du mir antworten. + +=Pierrette.= + + Ich will tanzen. + +=Arlechino.= + + Zuerst antworte! + +=Vater, Mutter, Gigolo, junge Mdchen=, treten nher, versuchen Arlechino +zu begtigen. + +=Arlechino= hrt nicht auf sie. + +=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen. + +=Die Musiker= verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente. + +=Gigolo.= + + Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen. + +=Die Musiker= beginnen zu spielen. Schnellpolka. + +Die Instrumente klingen schauerlich. + +=Gigolo= tritt in die Mitte des Saales. + + Tanzen, tanzen. + +=Pierrette= auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste. +Schmiegt sich nher an ihn heran. + +=Arlechino= betrachtet sie lang, umfat sie, tanzt mit ihr. + +Alles scheint wieder geordnet. + +Pltzlich sieht man von hinten, nur fr Pierrette sichtbar, sehr langsam +den toten Pierrot kommen. + +=Pierrette= hlt im Tanzen inne, weist entsetzt auf den nher schreitenden +Pierrot. + +=Die andern= wissen nicht, was Pierrette ist. + +=Pierrot= schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen +und zerfliet in nichts. + +=Pierrette= weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich. + +=Die andern= beginnen wieder zu tanzen. + +=Pierrette= geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu +trinken. + +Pltzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. +Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein. + +=Pierrette= taumelt zurck, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin. + +=Arlechino= ihr nach. + +Der tote Pierrot verschwindet. + +=Arlechino.= + + Was hast du? Was ist dir? + +=Pierrette.= + + Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorber. + +Sie schauert und will sich verhllen. + +=Arlechino= pltzlich merkend. + + Elende... + +=Die Tanzmusik= hrt auf. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier Pierrette? + +=Pierrette= greift sich an Haupt und Schultern. + +=Arlechino.= + + Wo ist dein Schleier? + +=Pierrette.= + + Ich wei nicht. + +=Arlechino.= + + Whrend du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist + der Schleier? Wo warst du? + +=Pierrette.= + + La mich doch. + +=Arlechino.= + + Du mut dir deinen Schleier zurckholen. + +=Pierrette.= + + Ich wei nicht wo er ist. + +In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der +Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des +Saales stehen. + +=Pierrette= eilt dem toten Pierrot entgegen. + +=Arlechino= ihr nach, fat sie bei der Hand. + +=Der tote Pierrot= mit dem Schleier entfernt sich wieder. + +=Pierrette= sucht den Schleier zu erhaschen. + +=Arlechino= hlt sie ununterbrochen bei der Hand. + +=Pierrot= mit dem Schleier entschwindet. + +=Pierrette= dem Scheinbilde nach. + +=Arlechino= immer mit ihr. + +=Einige junge Herren= wollen nach. + +=Arlechino= wendet sich um und verbietet, da man ihnen folge. + +=Vorhang.= + +Die Musik leitet ohne Pause ber zum dritten Bild. + + + + +*III. Bild.* + + +=Dekoration des ersten.= + + +=Erste Szene.= + +=Pierrot= liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei. + +Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, wei schimmernd da. +Die Kerzen grtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen. + +Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer. + +Die Tre ffnet sich. + +=Arlechino und Pierrette= treten ein. + +=Arlechino= hlt Pierrette bei der Hand. + +=Pierrette= eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hlt ihn hoch. + + Da ist er. Nun la uns gehen. + +=Arlechino.= + + Nein. Wo bin ich hier? + +Er geht im Zimmer hin und her. + +Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fhrt zurck, hlt aber Pierrot +nicht fr tot, sondern fr betrunken. Wendet sich zu Pierrette. + + Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen? + +Er gewahrt die Reste des Mahls. + + Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in + den Armen gehalten. Wartet nur. + +Wieder zu Pierrot hin. + +=Pierrette= auf ihn zu, will ihn zurckhalten. + +=Arlechino= schleudert sie von sich. + +=Pierrette= schleicht sich zum Fenster. + +=Arlechino= kniet vor Pierrot nieder. + + Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf! + +Er fat Pierrot bei den Schultern und schttelt ihn. + +=Der tote Pierrot= fllt schwer auf den Boden hin. + +=Arlechino= fhrt entsetzt zurck. + +Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht. + + Hast du's gewut? + +=Pierrette.= + + Ja. + +=Arlechino= geht berlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurck, +sieht sie lange an. + + Was soll ich mit dir tun? + +Kommt auf einen Einfall, lacht hhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten +Pierrot hin, will ihn emporheben. + +=Pierrette= eilt entsetzt nach vorne. + +=Arlechino= weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trgt +ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke. + +=Pierrette= ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut +dem Beginnen des Arlechino zu. + +=Arlechino= setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenber. Schenkt in +zwei Glser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er +Pierrette mit einem teuflischen Lcheln herbei. + +=Pierrette= bleibt regungslos stehen. + +=Arlechino= erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch. + +=Pierrette= kommt langsam. + +=Arlechino= geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den +Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der +gefllten Glser in die Hand, stt mit ihr an. + +=Pierrette= kann nicht trinken. + +=Arlechino.= + + So trink doch. + +=Pierrette= trinkt. + +=Arlechino= setzt sich neben Pierrette, drngt sich nher an sie, umfat +sie, sucht sie an sich zu ziehen. + +=Pierrette= schaudert zusammen. + +=Arlechino= wird zrtlicher. + +=Pierrette= springt auf, ihr Sessel fllt um, sie flchtet nach rckwrts +in die Fensterecke. + +=Arlechino= ihr nach, spielt den Verliebten. + + Ich bete dich an, meine Teure. + +Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen. + +=Pierrette= entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen +kommt. + +=Arlechino= hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm, +dann verbeugt er sich vor Pierrette. + + Du bist ja in guter Gesellschaft. + +Dann geht er zur Tr. + +=Pierrette= folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen. + +=Arlechino= wendet sich in der Tre nochmals um und verbeugt sich +hhnisch. + +=Pierrette= strzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie. + +=Arlechino= schttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Tre hinter +sich. + + +=Zweite Szene.= + +=Pierrette= poltert an die Tr. Eilt zum Fenster, reit es auf. Sieht +Arlechino fortgehen, ruft ihn zurck. Er entschwindet ihren Blicken. +Wieder zur Tr, rttelt, reit, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht +nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder +gegenber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, luft davon. Kommt +wieder zurck. Nickt ihm zu. Gert von neuem in Angst, schleicht lngs der +Wnde im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen verndern sich ins +Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn aus. +Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem Divan zu +ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und blickt ihm +ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst vor ihm, +dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. Sie hlt +inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen. + +Poltern an der Tre. + +=Pierrette= ist beinahe atemlos, ihre Krfte beginnen zu schwinden, ihre +Augen glnzen trbe, sie ist dem Verlschen nahe. + +Neues, verstrktes Poltern. + +=Pierrette= sinkt zu Boden, tot. Zu Fen des toten Pierrot. + +Die Tre wird erbrochen. + + +=Dritte Szene.= + +=Fred, Florestan, Annette, Alumette= treten ein. + +Der Morgen ist herangedmmert. Beginnender Sonnenaufgang. + +=Fred und Florestan= wenden sich lachend zu den Mdchen. Beide Paare +tnzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen was +geschehen ist und weichen entsetzt zurck. + +=Vorhang.= + +=Ende.= + + + + +[Anmerkungen zur Transkription: + + Gesperrt gesetzter Text wurde mit =gesperrter Text=, fett gesetzter Text + mit *fetter Text* ausgezeichnet. + + Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die + freundlicherweise von Austrian Literature Online + (http://www.literature.at) zur Verfgung gestellt wurden. + + Gegenber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verstndlich nur pantomimisch ausgedrckt + etext: wird selbstverstndlich nur pantomimisch ausgedrckt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefgt) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Whrend du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Whrend du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hlt ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hlt ihn hoch + + original: verndern sich ins tanzartige. + etext: verndern sich ins Tanzartige.] + + +[Transcriber's Note: + + Spaced-out text has been replaced by =spaced-out text=, bold text by + *bold text*. + + This ebook is based on scanned images which have been generously made + available by Austrian Literature Online (http://www.literature.at). + + The following corrections were applied to the original text: + + original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern + etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern. + + original: wird selbst verstndlich nur pantomimisch ausgedrckt + etext: wird selbstverstndlich nur pantomimisch ausgedrckt + + original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette= + etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette= + + original: =Florestan= und =Alumette= + etext: =Florestan und Alumette= + + original: =Fred= und =Annette= + etext: =Fred und Annette= + + original: Geh wohin du willst + etext: Geh wohin du willst. + + original: Pierrettekostums + etext: Pierrettekostms + + original: Sie beginnt zu schwanken. (no new paragraph) + etext: Sie beginnt zu schwanken. (new paragraph added before) + + original: reicht ihm das eine + etext: reicht ihm das eine. + + original: gibt den Musikern ein Zeichen, + etext: gibt den Musikern ein Zeichen. + + original: =Arlechino= ... Zuerst antworte! + etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte! + + original: mit verzweifelt bachantischer Geste + etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste + + original: Whrend du fort warst, ist dir dieser Schliere + etext: Whrend du fort warst, ist dir dieser Schleier + + original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hlt ihn hoch + etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hlt ihn hoch + + original: verndern sich ins tanzartige. + etext: verndern sich ins Tanzartige.] + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + +***** This file should be named 31842-8.txt or 31842-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/8/4/31842/ + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance +with this agreement, and any volunteers associated with the production, +promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, +harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, +that arise directly or indirectly from any of the following which you do +or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm +work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any +Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. + + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit https://pglaf.org + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/31842-8.zip b/31842-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..1f783cb --- /dev/null +++ b/31842-8.zip diff --git a/31842-h.zip b/31842-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..9daca3f --- /dev/null +++ b/31842-h.zip diff --git a/31842-h/31842-h.htm b/31842-h/31842-h.htm new file mode 100644 index 0000000..d106833 --- /dev/null +++ b/31842-h/31842-h.htm @@ -0,0 +1,2349 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + <title> + The Project Gutenberg eBook of Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + </title> + <style type="text/css"> + + p { margin-top: .75em; + text-align: justify; + margin-bottom: .75em; + } + + h1 { + text-align: center; + font-weight:normal; + clear: both; + margin-top: 1.5em; + margin-bottom: 1.5em; + } + + h2 { + text-align: center; + font-weight: normal; + clear: both; + margin-top: 1.5em; + margin-bottom: 1.5em; + line-height: 1.2em; + } + + h3 { + text-align: center; + font-weight: normal; + font-style: normal; + clear: both; + margin-top: 1.5em; + margin-bottom: 1.5em; + line-height: 1.2em; + } + + hr { + width: 100%; + margin-top: 1em; + margin-bottom: 2em; + margin-left: auto; + margin-right: auto; + clear: both; + } + + hr.fnsep { + width: 10%; + margin-left: 5%; + margin-bottom: 1em; + text-align: left; + } + + + body { + margin-left: 10%; + margin-right: 10%; + } + + em { + font-weight: normal; + font-style: normal; + text-decoration: none; + } + + small { + font-size: 90%; + } + + table { + margin-left: 3%; + margin-right: auto; + } + + p.title1 { + text-align: center; + font-size:1.6em; + } + + p.title2 { + text-align: center; + font-size: 1.3em; + margin-top: 2em; + } + + p.title3 { + text-align: center; + } + + p.speech { + margin-bottom: 1em; + margin-left: 5%; + } + + div.colleft { + float: left; + width: 50%; + } + + div.blockleft { + float: left; + width: 66%; + } + + div.blockright { + float: right; + width: 34%; + } + + div.note { + margin: 4em 10% 0 10%; + padding: 1em 1em 1em 1em; + background-color: #E0E0E0; + color: inherit; + font-size: smaller; + } + + div.note h2 { + text-align: left; + font-size: large; + font-weight:normal; + margin-top: 0em; + margin-bottom: 1em; + } + + div.note td { + text-align: left; + padding-left: 0.5em; + padding-right: 0.5em; + } + + div.note td.lastline { + padding-top: 0em; + padding-bottom: 1em; + } + + .clearcols { + clear: both; + } + + .pagenum { + position: absolute; + right: 1%; + font-size: x-small; + font-style: normal; + text-align: right; + } + + .figcenter { + margin-top: 2em; + margin-bottom: 2em; + margin-left: auto; + margin-right: auto; + text-align: center; + } + + .gesperrt { + letter-spacing: 0.25ex; + padding-left: 0.25ex; + } + + .centered { + text-align: center; + } + + .footnote { + margin-top: 1em; + margin-bottom: 3em; + margin-left: 5%; + margin-right: 10%; + font-size: 0.9em; + } + + .fnanchor { + vertical-align: super; + font-size: .6em; + } + + table.toc { + width: 33%; + line-height: 200%; + margin: auto; + } + + table.cast { + margin: auto; + } + + tr.toclvl1 { + font-weight: bold; + } + + tr.toclvl2 { + line-height: 150%; + } + + td.tocpagenum { + text-align: right; + } + + td.moustache { + padding-left: 0.25em; + padding-right: 0.25em; + font-size: 230% + } + + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Der Schleier der Pierrette + Pantomime in drei Bildern + +Author: Arthur Schnitzler + +Release Date: March 31, 2010 [EBook #31842] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + + + + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + + + + + +</pre> + + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_1" id="Page_1">[S. 1]</a></span>Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt. Das Textbuch darf nur dann +zu Bühnenzwecken benützt werden, wenn vorher das Bühnenaufführungsrecht +durch unsere Vertreter Felix <em class="gesperrt">Bloch</em> Erben (Adolf <em class="gesperrt">Sliwinski</em> und +Ernst <em class="gesperrt">Bloch</em>), <em class="gesperrt">Berlin</em> NW., Luisenstraße 21, für Österreich-Ungarn +Dr. O. F. <em class="gesperrt">Eirich</em>, <em class="gesperrt">Wien</em>, II., Praterstraße 38, rechtmäßig erworben wurde.</p> + +<div class="blockleft"> +<div class="colleft"> +<p class="centered"><em class="gesperrt">Arthur Schnitzler.</em></p> +</div> +</div> +<div class="blockright"> +<p class="centered"><em class="gesperrt">Ernst von Dohnányi.</em></p> +</div> + +<hr /> + +<h1>DER SCHLEIER DER<br /> +PIERRETTE.</h1> + +<p class="title2 gesperrt">PANTOMIME IN DREI BILDERN</p> + +<p class="title3">VON</p> + +<p class="title1">ARTHUR SCHNITZLER.</p> + +<p class="title2">MUSIK VON</p> + +<p class="title1">ERNST VON DOHNÁNYI.</p> + +<div class="figcenter"> +<img src="images/illu1.gif" alt="Ornament" title="" /> +</div> + +<p class="centered">Alle Rechte, insbesonders Aufführungs-, Nachdrucks- und Übersetzungsrecht +vorbehalten.</p> + +<div class="blockleft"> +<div class="colleft"> +<p class="centered">Déposé à Paris.</p> +</div> +</div> +<div class="blockright"> +<p class="centered">Déposé à Paris.</p> +</div> + +<p class="centered clearcols"><b>Eigentum des Verlegers für alle Länder.</b></p> + +<p class="title1 gesperrt">LUDWIG DOBLINGER</p> +<p class="centered"><b>(Bernhard Herzmansky)</b></p> + +<div class="blockleft"> +<div class="colleft"> +<p class="centered"><b>WIEN</b><br /> +I., Dorotheergasse 10.</p> +</div> +<p class="centered"><b>LEIPZIG</b><br /> +Täubchenweg 21.</p> +</div> +<div class="blockright"> +<p class="centered"><b>PARIS</b><br /> +Max Eschig<br /> +IX., 13 Rue Laffitte.</p> +</div> + +<p class="centered clearcols">Eigentum für Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland: <b>Carl Gehrmans +Musikförlag</b>, Stockholm.</p> + +<p class="centered">Copyright 1910 by <b>Ludwig Doblinger</b> (Bernhard Herzmansky), <b>Leipzig</b>.</p> + +<p class="centered">All performing rights strictly reserved.</p> + +<hr /> + +<h2>Inhalt.</h2> + +<table class="toc" summary="Inhaltsverzeichnis"> +<tr class="toclvl1"> + <td><a href="#Personen">Personen.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_2">2</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl1"> + <td><a href="#Bild_I">I. Bild.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_3">3</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_1">Erste Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_3">3</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_2">Zweite Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_4">4</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_3">Dritte Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_6">6</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_4">Vierte Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_9">9</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_5">Fünfte Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_10">10</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_I_6">Sechste Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_10">10</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl1"> + <td><a href="#Bild_II">II. Bild.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_17">17</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_II_1">Erste Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_17">17</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_II_2">Zweite Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_22">22</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl1"> + <td><a href="#Bild_III">III. Bild.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_26">26</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_III_1">Erste Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_26">26</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_III_2">Zweite Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_29">29</a></td> +</tr> +<tr class="toclvl2"> + <td><a href="#Szene_III_3">Dritte Szene.</a></td> + <td class="tocpagenum"><a href="#Page_30">30</a></td> +</tr> +</table> + +<hr /> + +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_2" id="Page_2">[S. 2]</a></span><a name="Personen" id="Personen"></a>Personen.</h2> + +<table class="cast" summary="Personen"> +<tr> + <td colspan="3">Pierrot.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Pierrette.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Pierrettens Vater.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Pierrettens Mutter.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Arlechino, Pierrettens Bräutigam.</td> +</tr> +<tr> + <td>Fred</td> + <td rowspan="2" class="moustache">}</td> + <td rowspan="2">Pierrots Freunde.</td> +</tr> +<tr> + <td>Florestan</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Annette.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Alumette.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Gigolo, ein junger Herr.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Ein dicker Klavierspieler.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Ein zweiter Klavierspieler.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Ein Geigenspieler.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Ein Klarinettist.</td> +</tr> +<tr> + <td colspan="3">Diener des Pierrot.</td> +</tr> +<tr> + <td>Alte Herren, alte Damen</td> + <td rowspan="2" class="moustache">}</td> + <td rowspan="2">als Hochzeitsgäste.</td> +</tr> +<tr> + <td>Junge Herren, junge Damen</td> +</tr> +</table> + +<p class="centered"><br /><br />Ort und Zeit der Handlung: das Wien vom Beginn des vorigen Jahrhunderts.</p> + +<p class="centered"><br />Erstes Bild: Zimmer des Pierrot.</p> +<p class="centered"><a name="Korr_S2-1" id="Korr_S2-1"></a>Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.</p> +<p class="centered">Drittes Bild: Zimmer des Pierrot.</p> + +<p class="centered"><br />Rechts und links vom Zuschauer.</p> + +<hr /> + +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[S. 3]</a></span><a name="Bild_I" id="Bild_I"></a>I. Bild.</h2> + +<p><small>Das Zimmer Pierrots. Bescheiden eingerichtet. Schreibtisch ungefähr +Mitte, mehr rechts. Davor Lehnsessel. Hinten rechts Divan. Weiter vorn +an der Wand ein Spinett mit Leuchtern. Noch weiter vorn eine Etagère, +darüber Bilder. Auf der Etagère Bücher. Ganz vorn rechts die +Eingangstür. Vorne links ein Wandspiegel, darunter eine Kommode, darauf +zwei Leuchter und eine kleine, leere Blumenvase. Links hinten ein +Schrank. Vorne Tischchen, Divan mit Lehne und zwei Sessel. Vorne mehr +rechts das Bild Pierrettens auf einer Staffelei.</small></p> + +<p><small>Im Hintergrund erkerartiger Ausbau mit großem Fenster. Ausblick auf die +Basteien und auf die Türme der Stadt. Nahe der Türe Kleiderhaken mit +Mantel und Hut Pierrots. Abenddämmerung.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_I_1" id="Szene_I_1"></a><em class="gesperrt">Erste Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrot</b> <small>(Kostüm: ein Gemisch des traditionellen Pierrot- und des +Altwiener Kostüms) sitzt vor dem Schreibtisch, den Kopf in beide Hände +gestützt. Steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Bleibt vor der +Staffelei stehen. Fleht das Bild Pierrettens an, droht dem Bilde, +entfernt sich grollend, kehrt zurück, sinkt vor dem Bilde nieder und +schluchzt. Steht auf, geht zum Schreib<span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[S. 4]</a></span>tische, öffnet eine Lade, +entnimmt ihr vertrocknete Blumen, Briefe, Bänder, streut alles auf die +Tischplatte, wühlt in den Andenken.</small></p> + +<p><small>Geht zum Fenster, öffnet es, bleibt eine Weile dort stehen. Sinkt auf +den Divan rechts vom Fenster und bleibt der Länge nach ausgestreckt +liegen.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_I_2" id="Szene_I_2"></a><em class="gesperrt">Zweite Szene.</em></h3> + +<p><small>Es ist beinahe ganz dunkel geworden. Die Tür rechts öffnet sich, vom +Vorzimmer fällt ein ziemlich breiter Lichtschein über den Fußboden hin.</small></p> + +<p><b>Der Diener</b> <small>erscheint an der Tür. Durch eine Handbewegung lädt er die +Freunde und Freundinnen Pierrots ein einzutreten.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan, Annette und Alumette</b> <small>treten ein.</small></p> + +<p><small>Hinter ihnen ein kleiner, dicker Klavierspieler.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>fragen den Diener, wo sein Herr sei.</small></p> + +<p><b>Annette, Alumette</b>, <small>sehen sich neugierig im Zimmer um.</small></p> + +<p><b>Der Diener</b> <small>weist auf den Stuhl vor dem Schreibtische.</small></p> + +<p class="speech">Hier ist mein Herr gesessen.<a id="noteref_1" name="noteref_1" href="#note_1" class="fnanchor">1</a></p> + +<p><b>Fred, Florestan.</b></p> + +<p class="speech">Du siehst ja, daß er nicht da ist. Bring doch ein Licht.</p> + +<p><b>Der Diener</b> <small>holt einen Leuchter mit angezündeter Kerze aus dem +Vorzimmer, geht zum Schreibtische hin.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[S. 5]</a></span></p> +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>folgen ihm.</small></p> + +<p><b>Alumette</b> <small>löscht die Kerze aus.</small></p> + +<p><b>Florestan</b> <small>verweist es ihr.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>zündet wieder an.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>vor dem Schreibtische.</small></p> + +<p class="speech">Hier ist er doch gesessen.</p> + +<p><b>Alle fünf</b>, <small>der Diener mit dem Leuchter voraus, machen einen Rundgang +durch das Zimmer, kommen zuletzt zum Divan, auf dem sie Pierrot +entdecken.</small></p> + +<p><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Ich will ihn rütteln.</p> + +<p><b>Florestan</b> <small>hält ihn zurück, zum Diener.</small></p> + +<p class="speech">Was ist denn mit deinem Herrn geschehen?</p> + +<p><b>Diener</b> <small>zuckt die Achseln.</small></p> + +<p><b>Fred</b> <small>kommt auf einen Gedanken, macht Florestan auf die Staffelei mit +Pierrettens Bild aufmerksam.</small></p> + +<p><b>Florestan</b> <small>versteht.</small></p> + +<p><b>Annette, Alumette</b> <small>stehen vor dem Divan und sind von Pierrot entzückt.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>haben ein zweites Licht angezündet und stehen vor dem +Bild Pierrettens.</small></p> + +<p><b>Alumette zu Annette.</b></p> + +<p class="speech">Ich werde Pierrot aufwecken.</p> + +<p><small>Sie will ihn an den Haaren zupfen.</small></p> + +<p><b>Annette</b> <small>hält sie zurück.</small></p> + +<p><b>Alumette</b> <small>beugt sich nieder und will Pierrot küssen.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[S. 6]</a></span><b>Annette</b> <small>hält sie zurück.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>treten von dem Bilde fort zu den zwei Mädchen.</small></p> + +<p><b>Fred</b> <small>gibt dem dicken Klavierspieler ein Zeichen, er möge sich hinsetzen +und spielen.</small></p> + +<p><b>Der dicke Klavierspieler</b> <small>ist bisher an der Tür gestanden, lächelnd und +zerstreut.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>liegt noch immer bewegungslos.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>schicken den Diener hinaus.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>ab.</small></p> + +<hr class="fnsep"/> + +<p class="footnote"><a id="note_1" name="note_1" href="#noteref_1">1.</a> Auch was im Text dialogartig gebracht ist, <a name="Korr_S4-1" id="Korr_S4-1"></a>wird +selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt.</p> + + +<h3><a name="Szene_I_3" id="Szene_I_3"></a><em class="gesperrt">Dritte Szene.</em></h3> + +<p><b>Der dicke Klavierspieler</b> <small>hat sich an das Spinett gesetzt und beginnt +einen Walzer zu spielen.</small></p> + +<p><a name="Korr_S6-1" id="Korr_S6-1"></a><b>Florestan, Alumette und Fred, Annette</b> <small>tanzen miteinander.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>wacht auf. Sieht um sich. Versteht nicht, was vorgegangen ist, +reibt sich die Augen. Springt auf, geht nach vorne.</small></p> + +<p><b>Die beiden Paare</b> <small>lassen sich nicht im Tanzen stören.</small></p> + +<p><a name="Korr_S6-2" id="Korr_S6-2"></a><b>Florestan und Alumette</b> <small>sinken endlich auf den kleinen Divan links am +Tischchen.</small></p> + +<p><b><a name="Korr_S6-3" id="Korr_S6-3"></a>Fred und Annette</b> <small>bleiben neben dem Spinett stehen.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>ist an den Schreibtisch gelehnt.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan, Annette, Alumette</b> <small>sehen ihn an und lachen. Gehen auf +ihn zu, als Paare, verbeugen sich.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>stellen ihre Damen vor.</small></p> + +<p><b>Annette, Alumette</b> <small>knixen zierlich.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[S. 7]</a></span><b>Pierrot</b> <small>verbeugt sich tief.</small></p> + +<p><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Wir haben dich ja in einem netten Zustand gefunden. Was ist denn mit dir +geschehen?</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Fragt mich nicht.</p> + +<p><b>Florestan</b> <small>herzlich.</small></p> + +<p class="speech">Sag uns doch, was es gibt, vielleicht können wir dir helfen.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Laßt nur, mir ist nicht zu helfen.</p> + +<p><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Ich kann mir ja denken, es handelt sich um Pierrette.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Laßt mich doch.</p> + +<p><b>Annette, Alumette</b> <small>eilen zu dem Bild hin, als wollten sie es von der +Staffelei entfernen.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>ihnen nach, auf sie zu, beschützt das Bild. Steht mit +ausgebreiteten Armen davor.</small></p> + +<p><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Er ist närrisch. Mit ihm ist nichts anzufangen.</p> + +<p><b>Florestan</b> <small>ergreift Pierrots Hände, entfernt ihn langsam von dem Bilde, +geleitet ihn dem Schreibtisch zu.</small></p> + +<p><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Schlag dir die Sache aus dem Kopf, Pierrot, es ist nicht der Mühe wert, +sich um Pierrette zu kümmern. Komm mit uns.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[S. 8]</a></span><b>Florestan.</b></p> + +<p class="speech">Ja, komm mit uns.</p> + +<p><b>Annette, Alumette</b> <small>drängen sich an Pierrot.</small></p> + +<p class="speech">Komm mit uns.</p> + +<p><b>Pierrot</b>, <small>mit einer Gebärde des Widerwillens, befreit sich von den +andern. Setzt sich in den Stuhl am Schreibtisch.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>reden ihm weiter zu.</small></p> + +<p class="speech">Komm mit uns. Wir wollen uns unterhalten. Der Abend ist schön. Wir +wollen ins Freie. Wollen trinken, tanzen, küssen.</p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>bleibt sitzen und schüttelt den Kopf.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan</b> <small>werden dringender.</small></p> + +<p><b>Annette, Alumette</b> <small>gesellen sich bittend und schmeichelnd hinzu.</small></p> + +<p><b>Fred, Florestan, Annette, Alumette</b> <small>schließen einen Reigen um Pierrot, +umtanzen ihn.</small></p> + +<p><b>Der dicke Klavierspieler</b> <small>begleitet auf dem Spinett.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>erhebt sich. Ärgerlich:</small></p> + +<p class="speech">Laßt mich in Ruhe. Ich ertrag es nicht länger. Ich kann das Spiel nicht +hören. Geht.</p> + +<p><small>Eilt zum Spinett, schlägt es heftig zu. Geht nach rückwärts zum Fenster +hin.</small></p> + +<p><b>Der dicke Klavierspieler</b> <small>ist zusammengefahren.</small></p> + +<p><b>Fred, Annette, Florestan, Alumette</b> <small>sehen einander an, fragend, +bedenklich, ärgerlich.</small></p> + +<p><b>Florestan.</b></p> + +<p class="speech">Lassen wir ihn.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[S. 9]</a></span><b>Fred.</b></p> + +<p class="speech">Hol ihn der Teufel.</p> + +<p><b>Annette, Alumette.</b></p> + +<p class="speech">Wie schade.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p><small>Steht mit gekreuzten Armen am Fenster.</small></p> + +<p><b>Die beiden Paare</b> <small>verbeugen sich ironisch vor ihm und verlassen tanzend +das Zimmer.</small></p> + +<p><b>Der dicke Klavierspieler</b> <small>folgt ihnen.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_I_4" id="Szene_I_4"></a><em class="gesperrt">Vierte Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrot</b> <small>am Fenster, blickt teilnahmslos hinaus.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>tritt ein.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>bemerkt ihn nicht gleich.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>tritt näher.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b>, <small>ihm ein paar Schritte entgegen.</small></p> + +<p class="speech">Was willst du?</p> + +<p><b>Diener.</b></p> + +<p class="speech">Gnädiger Herr, ich möchte um Ausgang bitten.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Warum?</p> + +<p><b>Diener.</b></p> + +<p class="speech">Ich bin verliebt und sehne mich danach mit meiner Angebeteten beisammen +zu sein.</p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>wendet sich widerwillig ab.</small></p> + +<p><b>Diener</b> <small>bleibt stehen und wartet vergeblich auf Antwort.</small></p> + +<p><small>Nähert sich abermals bittend dem Pierrot.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>wendet sich wieder zu ihm.</small></p> + +<p class="speech"><a name="Korr_S9-1" id="Korr_S9-1"></a>Geh wohin du willst.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[S. 10]</a></span><b>Diener</b> <small>bedankt sich mit Emphase.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>ungeduldig.</small></p> + +<p class="speech">Geh nur, geh nur endlich.</p> + + +<h3><a name="Szene_I_5" id="Szene_I_5"></a><em class="gesperrt">Fünfte Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrot</b> <small>allein. Zum Schreibtisch. Wirft die Blumen und Briefe zu +Boden.</small></p> + +<p><small>Geht auf und ab. Nimmt Mantel und Hut vom Haken.</small></p> + +<p class="speech">Ich will fort, wohin immer. Ins Freie, in die Einsamkeit – – vielleicht +in den Tod.</p> + +<p><small>Zum Fenster. Sieht hinab. Plötzlich wird er aufmerksam. Beugt sich weit +über die Brüstung. Fährt zurück.</small></p> + +<p class="speech">Ist es möglich? Nein, ich träume.</p> + +<p><small>Beugt sich wieder hinaus und verfolgt offenbar eine Gestalt, die sich +unter seinem Fenster an der Mauer des Hauses hinbewegt. Er beugt sich +noch weiter hinaus. Die Gestalt scheint ins Haustor getreten zu sein und +ist seinen Blicken entschwunden.</small></p> + +<p><small>Er tritt vom Fenster zurück in die Mitte des Zimmers in zweifelndem +Erstaunen. Er horcht. Kein Zweifel mehr, Schritte auf der Treppe. Er +stürzt ins Vorzimmer und verschwindet.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_I_6" id="Szene_I_6"></a><em class="gesperrt">Sechste Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrot</b> <small>noch im Mantel, doch ohne Hut, kommt mit Pierrette, die er an +beiden Händen gefaßt hält, ins Zimmer, höchstes Erstaunen in den Zügen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>(Altwiener Brautkleid mit Nuancen des <a name="Korr_S10-1" id="Korr_S10-1"></a>Pierrettekostüms. +Myrtenkranz. Schleier um Haupt und Schultern), steht wie gelähmt da, +betrachtet Pierrot mit einem selig verstörten Blick.</small></p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Träum ich, wach ich? Bist du's? Bin ich's? Wie ist es denn nur möglich, +daß du da bist?</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[S. 11]</a></span><b>Pierrette</b> <small>bewegt leise den Kopf.</small></p> + +<p class="speech">Laß mich nur zur Besinnung kommen. Ja, ich bin hier. Bei dir.</p> + +<p><small><a name="Korr_S11-1" id="Korr_S11-1"></a>Sie beginnt zu schwanken.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>hält sie in den Armen aufrecht, geleitet sie zu einem Sessel +hin, links vorne neben dem Tischchen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>sinkt in den Sessel.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>sinkt vor Pierrette in die Knie, bedeckt ihre Hände mit +Küssen.</small></p> + +<p class="speech">Nun ist alles wieder gut, da ich dich nur habe. Aber erkläre mir doch +endlich ...</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>sieht ihn mit stummen Augen an.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>erhebt sich, schleudert den Mantel weg.</small></p> + +<p class="speech">So rede. Ich beschwöre dich. Woher kommst du? Ich verstehe ja nichts von +allem.</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schweigt. Sieht angstvoll zum Fenster, als hätte sie ein +Geräusch gehört.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>beruhigt sie, eilt zum Fenster, blickt hinab, schließt es.</small></p> + +<p><small>Eilt zur Türe, blickt ins Vorzimmer, schließt ab. Eilt wieder zu +Pierrette zurück.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>hat sich erhoben und breitet Pierrot die Arme entgegen.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>weicht vor ihr zurück, weist auf ihren Myrtenkranz, auf ihren +Schleier.</small></p> + +<p class="speech">Erkläre mir. Sprich endlich.</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>öffnet ihre Arme.</small></p> + +<p class="speech">Komm.</p> + +<p><small>Der Schleier gleitet ihr von den Schultern herab und bleibt vorne +liegen.</small></p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Nein, mir graut. Woher kommst du?</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[S. 12]</a></span><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Was kümmert dich das jetzt? Ich bin ja bei dir.</p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>weist durch das Fenster hinaus.</small></p> + +<p class="speech">Aber was ist indessen mit dir geschehen da draußen in der Welt?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Frage nicht. Das ist vorbei, ich bin jetzt bei dir und bleibe bei dir.</p> + +<p><small>Sie zieht aus ihrem Gürtel eine kleine Silberphiole.</small></p> + +<p class="speech">Sieh was ich mitgebracht habe.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Was ist das?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Das ist Gift. Wir wollen miteinander sterben.</p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>nimmt ihr die Phiole aus der Hand.</small></p> + +<p class="speech">Wie, das sollen wir trinken?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ja.</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Warum sollen wir sterben? Komm, laß uns lieber fliehen.</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schüttelt den Kopf.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>führt sie zum Fenster hin.</small></p> + +<p class="speech">Sieh doch, wie schön die Welt ist. All dies ist unser. Komm, laß uns +fliehen.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Fliehen? Nein! Wohin? Was sollen wir tun? Wir haben kein Geld. Es geht +nicht anders, wir müssen sterben.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[S. 13]</a></span><b>Pierrot</b> <small>schüttelt den Kopf.</small></p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Wenn du nicht willst, so laß ich dich hier und werde wieder fortgehen. +Leb wohl.</p> + +<p><small>Sie wendet sich zu gehen.</small></p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Bleib, bleib.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Wozu?</p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Es sei ... Wir werden dieses Gift trinken und werden zusammen sterben.</p> + +<p><small>Er umfaßt sie und geht mit ihr zum Divan links.</small></p> + +<p><b>Pierrot und Pierrette</b> <small>lassen sich nieder.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>umarmt Pierrette heiß.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>erhebt sich plötzlich.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>bleibt sitzen und sieht Pierrot mit großen Augen an.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>geht zum Schranke links hinten, öffnet ihn, nimmt zwei Flaschen +Wein und einige Gläser heraus.</small></p> + +<p><small>Bringt alles nach vorne und stellt es auf den Tisch.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>steht gleichfalls auf, geht zum Schranke, nimmt Backwerk, +Früchte, Tischtuch, Teller, Eßzeug heraus. Sie deckt rasch den Tisch.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>hilft ihr.</small></p> + +<p><b>Beide</b> <small>bewegen sich mit forcierter Lustigkeit.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>nimmt Blumen aus ihrem Gürtel, eilt zur Kommode, steckt die +Blumen in die kleine Vase und bringt die Vase mit den Blumen auf den +Tisch.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[S. 14]</a></span><b>Pierrot und Pierrette</b> <small>hüpfen Arm in Arm durch das Zimmer, beleuchten es +festlich. Zünden die Kerzen auf dem Schreibtische, auf der Kommode, auf +dem Spinett an.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>reicht Pierrette mit scherzhafter Würde den Arm und geleitet +sie zur Tafel.</small></p> + +<p><b>Beide</b> <small>nehmen auf dem Divan Platz, trinken und essen.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>rückt näher an Pierrette heran.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schmiegt sich an Pierrot.</small></p> + +<p><small>Lang dauernde Umarmung.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>erhebt sich plötzlich.</small></p> + +<p class="speech">Es ist Zeit –</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schaudert zusammen.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>nimmt die Phiole und gießt in jedes von den beiden noch halb +gefüllten Weingläsern die Hälfte.</small></p> + +<p><small>Er erhebt das Glas, fordert Pierrette auf anzustoßen.</small></p> + +<p><b>Pierrot und Pierrette</b> <small>stoßen miteinander an.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>setzt das Glas nieder.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>ebenso.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>geht langsam nach rückwärts.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>folgt ihr.</small></p> + +<p><small>In der Nähe des Fensters umschlingen beide einander noch einmal.</small></p> + +<p><b>Beide</b> <small>umschlungen, langsam zurück zum Tischchen.</small></p> + +<p><b>Pierrot.</b></p> + +<p class="speech">Bist du bereit?</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[S. 15]</a></span><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ja.</p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>nimmt das Glas.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>zögert.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>lächelt verächtlich.</small></p> + +<p class="speech">Du hast ja doch nicht den Mut. Siehst du, ich dacht es.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">O Pierrot, glaub das nicht. Ich habe Mut. Nur einen Kuß noch, dann bin +ich bereit.</p> + +<p><b>Beide</b> <small>umarmen einander glühend.</small></p> + +<p><b>Beide</b> <small>setzen die Gläser an die Lippen und sehen einander lang in die +Augen.</small></p> + +<p><b>Beide</b> <small>neigen den Kopf nach rückwärts.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>trinkt das Glas auf einen Zug aus.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>hat keinen Tropfen über die Lippen gebracht.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>sieht es, taumelt entsetzt zurück.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>hat das Glas ein wenig von den Lippen entfernt, führt es +wieder an den Mund.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>schlägt ihr das Glas verächtlich aus der Hand. Sinkt der Länge +nach nieder hinter der Staffelei (so, daß er für einen etwa Eintretenden +vorerst unsichtbar wäre).</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>steht wie starr da.</small></p> + +<p><small>Dann wirft sie sich vor Pierrot nieder, faßt ihn an, rüttelt ihn, küßt +ihn. Alles vergeblich. Sie nimmt das Glas vom Boden wieder auf, weist es +Pierrot.</small></p> + +<p class="speech">Sieh nur her, ich will's ja tun.</p> + +<p><small>Sie führt das Glas an die Lippen, merkt, daß es leer und zersplittert +ist.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[S. 16]</a></span><small>Sie steht auf, läuft im Zimmer hin und her, greift sich ratlos an den +Kopf, fühlt den Myrtenkranz, zuckt zusammen.</small></p> + +<p><small>Plötzlich glaubt sie ein Geräusch zu hören, eilt zum Fenster, kauert +auf den Divan nieder.</small></p> + +<p><small>Sie geht wieder nach vorn, zu Pierrot; schaut angstvoll auf ihn +nieder.</small></p> + +<p class="speech">Du lebst, nicht wahr du lebst? So antworte doch, Pierrot!</p> + +<p><small>Sie beugt sich tiefer und immer tiefer zu ihm nieder, betrachtet ihn +mit wachsendem Schauder, bis sie endlich begreift, daß er tot ist. Von +Entsetzen gepackt, rennt sie zur Türe, reißt sie auf, stürzt davon.</small></p> + +<p class="centered"><br /><br /><em class="gesperrt">Vorhang.</em></p> + +<p class="centered"><small>Die Musik leitet ohne Pause über zum zweiten Bild.</small></p> + +<div class="figcenter"> +<img src="images/illu1.gif" alt="Ornament" title="" /> +</div> + + + +<hr /> +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[S. 17]</a></span><a name="Bild_II" id="Bild_II"></a>II. Bild.</h2> + + +<p><small>Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von +vorn gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links +hinten, im vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen +laufen rechts und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_II_1" id="Szene_II_1"></a><em class="gesperrt">Erste Szene.</em></h3> + +<p class="centered"><em class="gesperrt">Hochzeitsgesellschaft.</em></p> + +<p><b>Eine Anzahl von Paaren</b> <small>tanzt Walzer.</small></p> + +<p><b>Ältere Damen und Herren</b> <small>sitzen an den Seitenwänden.</small></p> + +<p><b>Zwei Diener</b> <small>hinter dem Buffet damit beschäftigt, Gästen Wein +einzuschenken und Backwerk vorzuteilen.</small></p> + +<p><b>Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist</b> <small>besorgen die Tanzmusik.</small></p> + +<p><b>Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter</b> <small>(kleine behagliche Leute) +stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gäste.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[S. 18]</a></span><b>Arlechino</b> <small>(der Bräutigam Pierrettens, groß, hager, nicht mehr jung, +Altwiener Kostüm, vollkommen schwarz, große weiße Blume im Knopfloch.) +düster und erregt, steht mit verschränkten Armen rechts vorne und schaut +dem Tanze zu.</small></p> + +<p><small>Der Walzer endet.</small></p> + +<p><b>Die Paare</b> <small>promenieren.</small></p> + +<p><b>Vater und Mutter</b> <small>treten in die Mitte des Saales.</small></p> + +<p><b>Junge Herren</b> <small>sprechen mit der Mutter.</small></p> + +<p><b>Junge Damen</b> <small>mit dem Vater.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>der Tanzarrangeur, sehr jung, mit übertriebener Eleganz +gekleidet, eilt geschäftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald +bei den Musikern, bald bei einzelnen Tänzerinnen und Tänzern.</small></p> + +<p><b>Einige Paare</b> <small>zum Buffet.</small></p> + +<p><b>Der Vater</b>, <small>gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet.</small></p> + +<p><b>Zwei junge Mädchen</b> <small>treten zu Arlechino und sprechen lächelnd mit ihm.</small></p> + +<p><b>Arlechinos</b> <small>Antlitz bleibt düster.</small></p> + +<p><b>Einige Gäste</b> <small>stoßen mit Vater und Mutter an.</small></p> + +<p><b>Der Vater</b> <small>kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefüllten Gläsern, <a name="Korr_S18-1" id="Korr_S18-1"></a>reicht +ihm das eine.</small></p> + +<p><b>Der Vater</b> <small>stößt mit Arlechino an, umarmt ihn dann.</small></p> + +<p><b>Die Umstehenden</b> <small>spenden Beifall (nicht Händeklatschen).</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>schlägt in die Hände, animiert die Herren, ihre Damen zu +engagieren, geschäftig im Saale hin und her.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[S. 19]</a></span><b>Die Paare</b> <small>stellen sich zu einer Quadrille bereit.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>zu Arlechino.</small></p> + +<p class="speech">Sie müssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre +Braut.</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>nickt ernst, sieht sich im Saale um.</small></p> + +<p><small>Die Quadrille beginnt.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>sieht, daß Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik +Einhalt.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>zu Gigolo.</small></p> + +<p class="speech">Sie sehen ja, Fräulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt +sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen.</p> + +<p><b>Gigolo.</b></p> + +<p class="speech">Keineswegs, das geht nicht.</p> + +<p><small>Er eilt zur Mutter.</small></p> + +<p class="speech">Herr Arlechino ist ohne Dame, Fräulein Pierrette ist nicht da.</p> + +<p><b>Mutter</b> <small>erstaunt, sieht sich im Saal um.</small></p> + +<p class="speech">Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich weiß schon, sie ist auf ihrem +Zimmer, kleidet sich an, macht sich für die Reise bereit.</p> + +<p><b>Vater</b> <small>ist herzugetreten.</small></p> + +<p class="speech">So geh doch hinauf und hole sie.</p> + +<p><b>Mutter</b> <small>rasch ab, rechts.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small><a name="Korr_S19-1" id="Korr_S19-1"></a>gibt den Musikern ein Zeichen.</small></p> + +<p><b>Die Musiker</b> <small>intonieren ein Menuett.</small></p> + +<p><small>Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[S. 20]</a></span><b>Arlechino</b> <small>geht indeß rückwärts in der Flucht der Säle bis weit nach +hinten, auf und ab.</small></p> + +<p><b>Die Mutter</b> <small>kommt zurück, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne.</small></p> + +<p class="speech">Pierrette ist nicht oben.</p> + +<p><b>Vater.</b></p> + +<p class="speech">Du bist verrückt.</p> + +<p><b>Mutter.</b></p> + +<p class="speech">Ich versichere dich, sie ist nicht oben.</p> + +<p><b>Vater.</b></p> + +<p class="speech">Wie ist denn das möglich?</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>steht plötzlich bei den beiden.</small></p> + +<p class="speech">Wo ist Pierrette?</p> + +<p><b>Mutter</b> <small>verlegen.</small></p> + +<p class="speech">Sie wird gleich kommen.</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>dringender.</small></p> + +<p class="speech">Wo ist Pierrette?</p> + +<p><b>Mutter</b> <small>verwirrt.</small></p> + +<p class="speech">Ich weiß es nicht.</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>faßt die Mutter am Arm.</small></p> + +<p><b>Der Vater</b> <small>will ihm das verwehren.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>stampft auf den Boden.</small></p> + +<p class="speech">Wo ist Pierrette?</p> + +<p><b>Die Paare</b> <small>haben bemerkt, daß etwas vorgeht.</small></p> + +<p><b>Die Tanzmusik</b> <small>hört auf zu spielen.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[S. 21]</a></span><b>Ein Paar</b> <small>neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich +handelt, teilt es dem nächsten Paare mit.</small></p> + +<p><b>Ein Paar</b> <small>teilt es dem andern mit.</small></p> + +<p><small>Die Aufregung ist groß, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und +Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>droht.</small></p> + +<p class="speech">Ich werde fürchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anzünden. Ich +werde alle umbringen.</p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>tritt hinzu.</small></p> + +<p class="speech">Gewiß ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht.</p> + +<p><small>Zu den Mädchen.</small></p> + +<p class="speech">Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch überall.</p> + +<p><b>Die jungen Mädchen</b> <small>entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige +über die Stiegen, laufen hin und her.</small></p> + +<p><b>Die jungen Herren</b> <small>stehen in Gruppen beisammen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>vorn, geht mit großen Schritten auf und ab.</small></p> + +<p><b>Vater und Mutter</b>, <small>rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwürfe.</small></p> + +<p><b>Die jungen Mädchen</b> <small>kommen nach und nach zurück.</small></p> + +<p class="speech">Wir haben Pierrette nicht gefunden.</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlägt einige Gläser und +Flaschen. Vollführt drohende Gebärden gegen Vater und Mutter. Geht zum +Klavier, zertrümmert die Tasten, reißt den Musikern Violine und +<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[S. 22]</a></span>Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann +eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_II_2" id="Szene_II_2"></a><em class="gesperrt">Zweite Szene.</em></h3> + +<p><small>Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt +in der Mitte stehen.</small></p> + +<p><b>Die andern</b> <small>erstaunen.</small></p> + +<p><b>Einige</b> <small>suchen näher zu treten.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>weist sie fort.</small></p> + +<p><b>Vater und Mutter</b> <small>suchen näher zu treten.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>weist sie fort.</small></p> + +<p><b>Arlechino und Pierrette</b> <small>mitten im Saal.</small></p> + +<p><b>Die andern</b> <small>in gemessener Entfernung.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>zu Pierrette.</small></p> + +<p class="speech">Wo bist du gewesen?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">In meinem Zimmer oben.</p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Das ist nicht wahr.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten.</p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen.</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[S. 23]</a></span><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Nein, zuerst mußt du mir antworten.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ich will tanzen.</p> + +<p><a name="Korr_S23-1" id="Korr_S23-1"></a><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Zuerst antworte!</p> + +<p><b>Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen</b>, <small>treten näher, versuchen Arlechino +zu begütigen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>hört nicht auf sie.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>gibt den Musikern ein Zeichen.</small></p> + +<p><b>Die Musiker</b> <small>verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente.</small></p> + +<p><b>Gigolo.</b></p> + +<p class="speech">Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen.</p> + +<p><b>Die Musiker</b> <small>beginnen zu spielen. Schnellpolka.</small></p> + +<p><small>Die Instrumente klingen schauerlich.</small></p> + +<p><b>Gigolo</b> <small>tritt in die Mitte des Saales.</small></p> + +<p class="speech">Tanzen, tanzen.</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>auf Arlechino zu, <a name="Korr_S23-2" id="Korr_S23-2"></a>mit verzweifelt bacchantischer Geste. +Schmiegt sich näher an ihn heran.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr.</small></p> + +<p><small>Alles scheint wieder geordnet.</small></p> + +<p><small>Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr +langsam den toten Pierrot kommen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher +schreitenden Pierrot.</small></p> + +<p><b>Die andern</b> <small>wissen nicht, was Pierrette ist.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen +und zerfließt in nichts.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[S. 24]</a></span><b>Pierrette</b> <small>weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich.</small></p> + +<p><b>Die andern</b> <small>beginnen wieder zu tanzen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu +trinken.</small></p> + +<p><small>Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet. +Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>ihr nach.</small></p> + +<p><small>Der tote Pierrot verschwindet.</small></p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Was hast du? Was ist dir?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber.</p> + +<p><small>Sie schauert und will sich verhüllen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>plötzlich merkend.</small></p> + +<p class="speech">Elende ...</p> + +<p><b>Die Tanzmusik</b> <small>hört auf.</small></p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Wo ist dein Schleier Pierrette?</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>greift sich an Haupt und Schultern.</small></p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Wo ist dein Schleier?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ich weiß nicht.</p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech"><a name="Korr_S24-1" id="Korr_S24-1"></a>Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist +der Schleier? Wo warst du?</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[S. 25]</a></span><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Laß mich doch.</p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Du mußt dir deinen Schleier zurückholen.</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ich weiß nicht wo er ist.</p> + +<p><small>In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der +Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des +Saales stehen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>eilt dem toten Pierrot entgegen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>ihr nach, faßt sie bei der Hand.</small></p> + +<p><b>Der tote Pierrot</b> <small>mit dem Schleier entfernt sich wieder.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>sucht den Schleier zu erhaschen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>hält sie ununterbrochen bei der Hand.</small></p> + +<p><b>Pierrot</b> <small>mit dem Schleier entschwindet.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>dem Scheinbilde nach.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>immer mit ihr.</small></p> + +<p><b>Einige junge Herren</b> <small>wollen nach.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge.</small></p> + +<p class="centered"><br /><br /><em class="gesperrt">Vorhang.</em></p> + +<p class="centered"><small>Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild.</small></p> + +<div class="figcenter"> +<img src="images/illu2.gif" alt="Ornament" title="" /> +</div> + + + +<hr /> +<h2><span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[S. 26]</a></span><a name="Bild_III" id="Bild_III"></a>III. Bild.</h2> + + +<p class="centered"><em class="gesperrt">Dekoration des ersten.</em></p> + + +<h3><a name="Szene_III_1" id="Szene_III_1"></a><em class="gesperrt">Erste Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrot</b> <small>liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei.</small></p> + +<p><small>Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd +da. Die Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen.</small></p> + +<p><small>Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer.</small></p> + +<p><small>Die Türe öffnet sich.</small></p> + +<p><b>Arlechino und Pierrette</b> <small>treten ein.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>hält Pierrette bei der Hand.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small><a name="Korr_S26-1" id="Korr_S26-1"></a>eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch.</small></p> + +<p class="speech">Da ist er. Nun laß uns gehen.</p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">Nein. Wo bin ich hier?</p> + +<p><small>Er geht im Zimmer hin und her.</small></p> + +<p><small>Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot +nicht für tot, sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette.</small></p> + +<p class="speech">Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen?</p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[S. 27]</a></span><small>Er gewahrt die Reste des Mahls.</small></p> + +<p class="speech">Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in +den Armen gehalten. Wartet nur.</p> + +<p><small>Wieder zu Pierrot hin.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>auf ihn zu, will ihn zurückhalten.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>schleudert sie von sich.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schleicht sich zum Fenster.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>kniet vor Pierrot nieder.</small></p> + +<p class="speech">Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf!</p> + +<p><small>Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn.</small></p> + +<p><b>Der tote Pierrot</b> <small>fällt schwer auf den Boden hin.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>fährt entsetzt zurück.</small></p> + +<p><small>Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht.</small></p> + +<p class="speech">Hast du's gewußt?</p> + +<p><b>Pierrette.</b></p> + +<p class="speech">Ja.</p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück, +sieht sie lange an.</small></p> + +<p class="speech">Was soll ich mit dir tun?</p> + +<p><small>Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten +Pierrot hin, will ihn emporheben.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>eilt entsetzt nach vorne.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt +ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[S. 28]</a></span><b>Pierrette</b> <small>ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut +dem Beginnen des Arlechino zu.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in +zwei Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er +Pierrette mit einem teuflischen Lächeln herbei.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>bleibt regungslos stehen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>kommt langsam.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den +Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der +gefüllten Gläser in die Hand, stößt mit ihr an.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>kann nicht trinken.</small></p> + +<p><b>Arlechino.</b></p> + +<p class="speech">So trink doch.</p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>trinkt.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt +sie, sucht sie an sich zu ziehen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>schaudert zusammen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>wird zärtlicher.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>springt auf, ihr Sessel fällt um, sie flüchtet nach rückwärts +in die Fensterecke.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>ihr nach, spielt den Verliebten.</small></p> + +<p class="speech">Ich bete dich an, meine Teure.</p> + +<p><small>Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen +kommt.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm, +dann verbeugt er sich vor Pierrette.</small></p> + +<p class="speech"><span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[S. 29]</a></span>Du bist ja in guter Gesellschaft.</p> + +<p><small>Dann geht er zur Tür.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>wendet sich in der Türe nochmals um und verbeugt sich +höhnisch.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>stürzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie.</small></p> + +<p><b>Arlechino</b> <small>schüttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Türe hinter +sich.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_III_2" id="Szene_III_2"></a><em class="gesperrt">Zweite Szene.</em></h3> + +<p><b>Pierrette</b> <small>poltert an die Tür. Eilt zum Fenster, reißt es auf. Sieht +Arlechino fortgehen, ruft ihn zurück. Er entschwindet ihren Blicken. +Wieder zur Tür, rüttelt, reißt, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht +nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder +gegenüber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, läuft davon. +Kommt wieder zurück. Nickt ihm zu. Gerät von neuem in Angst, schleicht +längs der Wände im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen <a name="Korr_S29-1" id="Korr_S29-1"></a>verändern +sich ins Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn +aus. Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem +Divan zu ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und +blickt ihm ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst +vor ihm, dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. +Sie hält inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen.</small></p> + +<p><small>Poltern an der Türe.</small></p> + +<p><b>Pierrette</b> <small>ist beinahe atemlos, ihre Kräfte beginnen zu schwinden, ihre +Augen glänzen trübe, sie ist dem Verlöschen nahe.</small></p> + +<p><small>Neues, verstärktes Poltern.</small></p> + +<p><span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[S. 30]</a></span><b>Pierrette</b> <small>sinkt zu Boden, tot. Zu Füßen des toten Pierrot.</small></p> + +<p><small>Die Türe wird erbrochen.</small></p> + + +<h3><a name="Szene_III_3" id="Szene_III_3"></a><em class="gesperrt">Dritte Szene.</em></h3> + +<p><b>Fred, Florestan, Annette, Alumette</b> <small>treten ein.</small></p> + +<p><small>Der Morgen ist herangedämmert. Beginnender Sonnenaufgang.</small></p> + +<p><b>Fred und Florestan</b> <small>wenden sich lachend zu den Mädchen. Beide Paare +tänzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen +was geschehen ist und weichen entsetzt zurück.</small></p> + +<p class="centered"><br /><br /><em class="gesperrt">Vorhang.</em></p> + +<p class="centered"><em class="gesperrt">Ende.</em></p> + +<div class="figcenter"> +<img src="images/illu3.gif" alt="Ornament" title="" /> +</div> + +<hr /> + +<div class="note"> +<h2>Anmerkungen zur Transkription:</h2> + +<p>Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die +freundlicherweise von Austrian Literature Online +(<a href="http://www.literature.at">http://www.literature.at</a>) zur Verfügung gestellt wurden.</p> + +<p>Die im Original <em class="gesperrt">gesperrt</em> dargestellten Rollennamen werden in dieser HTML-Version +<b>fett</b> wiedergegeben.</p> + +<p>Im Originalbuch ist kein Inhaltsverzeichnis enthalten. Für eine bessere Übersicht +wurde dieses hinzugefügt.</p> + +<p>Gegenüber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert:</p> + +<table summary="korrigierte Fehler"> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S2-1">S. 2 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S4-1">S. 4 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-1">S. 6 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Florestan, Alumette</b> und <b>Fred, Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Florestan, Alumette und Fred, Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-2">S. 6 (2)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Florestan</b> und <b>Alumette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Florestan und Alumette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-3">S. 6 (3)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Fred</b> und <b>Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Fred und Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S9-1">S. 9 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Geh wohin du willst</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Geh wohin du willst.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S10-1">S. 10 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Pierrettekostums</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Pierrettekostüms</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S11-1">S. 11 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz)</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt)</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S18-1">S. 18 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>reicht ihm das eine</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">reicht ihm das eine.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S19-1">S. 19 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>gibt den Musikern ein Zeichen,</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">gibt den Musikern ein Zeichen.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S23-1">S. 23 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Arlechino</b> ... Zuerst antworte!</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Arlechino.</b> ... Zuerst antworte!</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S23-2">S. 23 (2)</a></td> +<td>original:</td> +<td>mit verzweifelt bachantischer Geste</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">mit verzweifelt bacchantischer Geste</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S24-1">S. 24 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Während du fort warst, ist dir dieser Schliere</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Während du fort warst, ist dir dieser Schleier</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S26-1">S. 26 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S29-1">S. 29 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>verändern sich ins tanzartige.</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">verändern sich ins Tanzartige.</td> +</tr> +</table> + +</div> + +<div class="note"> +<h2>Transcriber's Note:</h2> + +<p>This ebook is based on scanned images which have been generously made +available by Austrian Literature Online (<a href="http://www.literature.at">http://www.literature.at</a>).</p> + +<p>Actors' names are printed <em class="gesperrt">spaced-out</em> in the original text. +Within this HTML version, they are reproduced in <b>bold</b>.</p> + +<p>The original book did not have a table of contents. +It has been added for the reader's convenience.</p> + +<p>The following corrections were applied to the original text:</p> + +<table summary="changes applied"> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S2-1">p. 2 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S4-1">p. 4 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-1">p. 6 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Florestan, Alumette</b> und <b>Fred, Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Florestan, Alumette und Fred, Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-2">p. 6 (2)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Florestan</b> und <b>Alumette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Florestan und Alumette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S6-3">p. 6 (3)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Fred</b> und <b>Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Fred und Annette</b></td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S9-1">p. 9 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Geh wohin du willst</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Geh wohin du willst.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S10-1">p. 10 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Pierrettekostums</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Pierrettekostüms</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S11-1">p. 11 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz)</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt)</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S18-1">p. 18 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>reicht ihm das eine</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">reicht ihm das eine.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S19-1">p. 19 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>gibt den Musikern ein Zeichen,</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">gibt den Musikern ein Zeichen.</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S23-1">p. 23 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td><b>Arlechino</b> ... Zuerst antworte!</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline"><b>Arlechino.</b> ... Zuerst antworte!</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S23-2">p. 23 (2)</a></td> +<td>original:</td> +<td>mit verzweifelt bachantischer Geste</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">mit verzweifelt bacchantischer Geste</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S24-1">p. 24 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>Während du fort warst, ist dir dieser Schliere</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">Während du fort warst, ist dir dieser Schleier</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S26-1">p. 26 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch</td> +</tr> +<tr> +<td rowspan="2" class="lastline"><a href="#Korr_S29-1">p. 29 (1)</a></td> +<td>original:</td> +<td>verändern sich ins tanzartige.</td> +</tr> +<tr> +<td class="lastline">ebook:</td> +<td class="lastline">verändern sich ins Tanzartige.</td> +</tr> +</table> + +</div> + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE *** + +***** This file should be named 31842-h.htm or 31842-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/8/4/31842/ + +Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made +from scans of public domain material at Austrian Literature +Online.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> + + diff --git a/31842-h/images/illu1.gif b/31842-h/images/illu1.gif Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..b5d7ad7 --- /dev/null +++ b/31842-h/images/illu1.gif diff --git a/31842-h/images/illu2.gif b/31842-h/images/illu2.gif Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..1b674e6 --- /dev/null +++ b/31842-h/images/illu2.gif diff --git a/31842-h/images/illu3.gif b/31842-h/images/illu3.gif Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..c2d8366 --- /dev/null +++ b/31842-h/images/illu3.gif diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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