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+Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Schleier der Pierrette
+ Pantomime in drei Bildern
+
+Author: Arthur Schnitzler
+
+Release Date: March 31, 2010 [EBook #31842]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE ***
+
+
+
+
+Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file made
+from scans of public domain material at Austrian Literature
+Online.)
+
+
+
+
+
+Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt. Das Textbuch darf nur dann
+zu Bühnenzwecken benützt werden, wenn vorher das Bühnenaufführungsrecht
+durch unsere Vertreter Felix =Bloch= Erben (Adolf =Sliwinski= und
+Ernst =Bloch=), =Berlin= NW., Luisenstraße 21, für Österreich-Ungarn
+Dr. O. F. =Eirich=, =Wien=, II., Praterstraße 38, rechtmäßig erworben
+wurde.
+
+ =Arthur Schnitzler.= =Ernst von Dohnányi.=
+
+
+
+
+ DER SCHLEIER DER
+ PIERRETTE.
+
+ PANTOMIME IN DREI BILDERN
+
+ VON
+
+ ARTHUR SCHNITZLER.
+
+ MUSIK VON
+
+ ERNST VON DOHNÁNYI.
+
+
+Alle Rechte, insbesonders Aufführungs-, Nachdrucks- und Übersetzungsrecht
+ vorbehalten.
+
+ Déposé à Paris. Déposé à Paris.
+
+ Eigentum des Verlegers für alle Länder.
+
+ LUDWIG DOBLINGER
+ (Bernhard Herzmansky)
+
+ WIEN LEIPZIG PARIS
+ I., Dorotheergasse 10. Täubchenweg 21. Max Eschig
+ IX., 13 Rue Laffitte.
+
+Eigentum für Schweden, Norwegen, Dänemark und Finnland: *Carl Gehrmans
+Musikförlag*, Stockholm.
+
+Copyright 1910 by *Ludwig Doblinger* (Bernhard Herzmansky), *Leipzig*.
+
+All performing rights strictly reserved.
+
+
+
+
+*Personen.*
+
+
+ Pierrot.
+ Pierrette.
+ Pierrettens Vater.
+ Pierrettens Mutter.
+ Arlechino, Pierrettens Bräutigam.
+ Fred } Pierrots
+ Florestan } Freunde.
+ Annette.
+ Alumette.
+ Gigolo, ein junger Herr.
+ Ein dicker Klavierspieler.
+ Ein zweiter Klavierspieler.
+ Ein Geigenspieler.
+ Ein Klarinettist.
+ Diener des Pierrot.
+ Alte Herren, alte Damen } als
+ Junge Herren, junge Damen } Hochzeitsgäste.
+
+Ort und Zeit der Handlung: das Wien vom Beginn des vorigen Jahrhunderts.
+
+Erstes Bild: Zimmer des Pierrot.
+
+Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.
+
+Drittes Bild: Zimmer des Pierrot.
+
+Rechts und links vom Zuschauer.
+
+
+
+
+*I. Bild.*
+
+
+Das Zimmer Pierrots. Bescheiden eingerichtet. Schreibtisch ungefähr Mitte,
+mehr rechts. Davor Lehnsessel. Hinten rechts Divan. Weiter vorn an der
+Wand ein Spinett mit Leuchtern. Noch weiter vorn eine Etagère, darüber
+Bilder. Auf der Etagère Bücher. Ganz vorn rechts die Eingangstür. Vorne
+links ein Wandspiegel, darunter eine Kommode, darauf zwei Leuchter und
+eine kleine, leere Blumenvase. Links hinten ein Schrank. Vorne Tischchen,
+Divan mit Lehne und zwei Sessel. Vorne mehr rechts das Bild Pierrettens
+auf einer Staffelei.
+
+Im Hintergrund erkerartiger Ausbau mit großem Fenster. Ausblick auf die
+Basteien und auf die Türme der Stadt. Nahe der Türe Kleiderhaken mit
+Mantel und Hut Pierrots. Abenddämmerung.
+
+
+=Erste Szene.=
+
+=Pierrot= (Kostüm: ein Gemisch des traditionellen Pierrot- und des
+Altwiener Kostüms) sitzt vor dem Schreibtisch, den Kopf in beide Hände
+gestützt. Steht auf und geht im Zimmer auf und ab. Bleibt vor der
+Staffelei stehen. Fleht das Bild Pierrettens an, droht dem Bilde, entfernt
+sich grollend, kehrt zurück, sinkt vor dem Bilde nieder und schluchzt.
+Steht auf, geht zum Schreibtische, öffnet eine Lade, entnimmt ihr
+vertrocknete Blumen, Briefe, Bänder, streut alles auf die Tischplatte,
+wühlt in den Andenken.
+
+Geht zum Fenster, öffnet es, bleibt eine Weile dort stehen. Sinkt auf den
+Divan rechts vom Fenster und bleibt der Länge nach ausgestreckt liegen.
+
+
+=Zweite Szene.=
+
+Es ist beinahe ganz dunkel geworden. Die Tür rechts öffnet sich, vom
+Vorzimmer fällt ein ziemlich breiter Lichtschein über den Fußboden hin.
+
+=Der Diener= erscheint an der Tür. Durch eine Handbewegung lädt er die
+Freunde und Freundinnen Pierrots ein einzutreten.
+
+=Fred, Florestan, Annette und Alumette= treten ein.
+
+Hinter ihnen ein kleiner, dicker Klavierspieler.
+
+=Fred, Florestan= fragen den Diener, wo sein Herr sei.
+
+=Annette, Alumette=, sehen sich neugierig im Zimmer um.
+
+=Der Diener= weist auf den Stuhl vor dem Schreibtische.
+
+ Hier ist mein Herr gesessen.[A]
+
+ [Fußnote A: Auch was im Text dialogartig gebracht ist, wird
+ selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt.]
+
+=Fred, Florestan.=
+
+ Du siehst ja, daß er nicht da ist. Bring doch ein Licht.
+
+=Der Diener= holt einen Leuchter mit angezündeter Kerze aus dem Vorzimmer,
+geht zum Schreibtische hin.
+
+=Fred, Florestan= folgen ihm.
+
+=Alumette= löscht die Kerze aus.
+
+=Florestan= verweist es ihr.
+
+=Diener= zündet wieder an.
+
+=Diener= vor dem Schreibtische.
+
+ Hier ist er doch gesessen.
+
+=Alle fünf=, der Diener mit dem Leuchter voraus, machen einen Rundgang
+durch das Zimmer, kommen zuletzt zum Divan, auf dem sie Pierrot entdecken.
+
+=Fred.=
+
+ Ich will ihn rütteln.
+
+=Florestan= hält ihn zurück, zum Diener.
+
+ Was ist denn mit deinem Herrn geschehen?
+
+=Diener= zuckt die Achseln.
+
+=Fred= kommt auf einen Gedanken, macht Florestan auf die Staffelei mit
+Pierrettens Bild aufmerksam.
+
+=Florestan= versteht.
+
+=Annette, Alumette= stehen vor dem Divan und sind von Pierrot entzückt.
+
+=Fred, Florestan= haben ein zweites Licht angezündet und stehen vor dem
+Bild Pierrettens.
+
+=Alumette zu Annette.=
+
+ Ich werde Pierrot aufwecken.
+
+Sie will ihn an den Haaren zupfen.
+
+=Annette= hält sie zurück.
+
+=Alumette= beugt sich nieder und will Pierrot küssen.
+
+=Annette= hält sie zurück.
+
+=Fred, Florestan= treten von dem Bilde fort zu den zwei Mädchen.
+
+=Fred= gibt dem dicken Klavierspieler ein Zeichen, er möge sich hinsetzen
+und spielen.
+
+=Der dicke Klavierspieler= ist bisher an der Tür gestanden, lächelnd und
+zerstreut.
+
+=Pierrot= liegt noch immer bewegungslos.
+
+=Fred, Florestan= schicken den Diener hinaus.
+
+=Diener= ab.
+
+
+=Dritte Szene.=
+
+=Der dicke Klavierspieler= hat sich an das Spinett gesetzt und beginnt
+einen Walzer zu spielen.
+
+=Florestan, Alumette und Fred, Annette= tanzen miteinander.
+
+=Pierrot= wacht auf. Sieht um sich. Versteht nicht, was vorgegangen ist,
+reibt sich die Augen. Springt auf, geht nach vorne.
+
+=Die beiden Paare= lassen sich nicht im Tanzen stören.
+
+=Florestan und Alumette= sinken endlich auf den kleinen Divan links am
+Tischchen.
+
+=Fred und Annette= bleiben neben dem Spinett stehen.
+
+=Pierrot= ist an den Schreibtisch gelehnt.
+
+=Fred, Florestan, Annette, Alumette= sehen ihn an und lachen. Gehen auf
+ihn zu, als Paare, verbeugen sich.
+
+=Fred, Florestan= stellen ihre Damen vor.
+
+=Annette, Alumette= knixen zierlich.
+
+=Pierrot= verbeugt sich tief.
+
+=Fred.=
+
+ Wir haben dich ja in einem netten Zustand gefunden. Was ist denn mit dir
+ geschehen?
+
+=Pierrot.=
+
+ Fragt mich nicht.
+
+=Florestan= herzlich.
+
+ Sag uns doch, was es gibt, vielleicht können wir dir helfen.
+
+=Pierrot.=
+
+ Laßt nur, mir ist nicht zu helfen.
+
+=Fred.=
+
+ Ich kann mir ja denken, es handelt sich um Pierrette.
+
+=Pierrot.=
+
+ Laßt mich doch.
+
+=Annette, Alumette= eilen zu dem Bild hin, als wollten sie es von der
+Staffelei entfernen.
+
+=Pierrot= ihnen nach, auf sie zu, beschützt das Bild. Steht mit
+ausgebreiteten Armen davor.
+
+=Fred.=
+
+ Er ist närrisch. Mit ihm ist nichts anzufangen.
+
+=Florestan= ergreift Pierrots Hände, entfernt ihn langsam von dem Bilde,
+geleitet ihn dem Schreibtisch zu.
+
+=Fred.=
+
+ Schlag dir die Sache aus dem Kopf, Pierrot, es ist nicht der Mühe wert,
+ sich um Pierrette zu kümmern. Komm mit uns.
+
+=Florestan.=
+
+ Ja, komm mit uns.
+
+=Annette, Alumette= drängen sich an Pierrot.
+
+ Komm mit uns.
+
+=Pierrot=, mit einer Gebärde des Widerwillens, befreit sich von den
+andern. Setzt sich in den Stuhl am Schreibtisch.
+
+=Fred, Florestan= reden ihm weiter zu.
+
+ Komm mit uns. Wir wollen uns unterhalten. Der Abend ist schön. Wir
+ wollen ins Freie. Wollen trinken, tanzen, küssen.
+
+=Pierrot= bleibt sitzen und schüttelt den Kopf.
+
+=Fred, Florestan= werden dringender.
+
+=Annette, Alumette= gesellen sich bittend und schmeichelnd hinzu.
+
+=Fred, Florestan, Annette, Alumette= schließen einen Reigen um Pierrot,
+umtanzen ihn.
+
+=Der dicke Klavierspieler= begleitet auf dem Spinett.
+
+=Pierrot= erhebt sich. Ärgerlich:
+
+ Laßt mich in Ruhe. Ich ertrag es nicht länger. Ich kann das Spiel nicht
+ hören. Geht.
+
+Eilt zum Spinett, schlägt es heftig zu. Geht nach rückwärts zum Fenster
+hin.
+
+=Der dicke Klavierspieler= ist zusammengefahren.
+
+=Fred, Annette, Florestan, Alumette= sehen einander an, fragend,
+bedenklich, ärgerlich.
+
+=Florestan.=
+
+ Lassen wir ihn.
+
+=Fred.=
+
+ Hol ihn der Teufel.
+
+=Annette, Alumette.=
+
+ Wie schade.
+
+=Pierrot.=
+
+Steht mit gekreuzten Armen am Fenster.
+
+=Die beiden Paare= verbeugen sich ironisch vor ihm und verlassen tanzend
+das Zimmer.
+
+=Der dicke Klavierspieler= folgt ihnen.
+
+
+=Vierte Szene.=
+
+=Pierrot= am Fenster, blickt teilnahmslos hinaus.
+
+=Diener= tritt ein.
+
+=Pierrot= bemerkt ihn nicht gleich.
+
+=Diener= tritt näher.
+
+=Pierrot=, ihm ein paar Schritte entgegen.
+
+ Was willst du?
+
+=Diener.=
+
+ Gnädiger Herr, ich möchte um Ausgang bitten.
+
+=Pierrot.=
+
+ Warum?
+
+=Diener.=
+
+ Ich bin verliebt und sehne mich danach mit meiner Angebeteten beisammen
+ zu sein.
+
+=Pierrot= wendet sich widerwillig ab.
+
+=Diener= bleibt stehen und wartet vergeblich auf Antwort.
+
+Nähert sich abermals bittend dem Pierrot.
+
+=Pierrot= wendet sich wieder zu ihm.
+
+ Geh wohin du willst.
+
+=Diener= bedankt sich mit Emphase.
+
+=Pierrot= ungeduldig.
+
+ Geh nur, geh nur endlich.
+
+
+=Fünfte Szene.=
+
+=Pierrot= allein. Zum Schreibtisch. Wirft die Blumen und Briefe zu Boden.
+
+Geht auf und ab. Nimmt Mantel und Hut vom Haken.
+
+ Ich will fort, wohin immer. Ins Freie, in die Einsamkeit -- --
+ vielleicht in den Tod.
+
+Zum Fenster. Sieht hinab. Plötzlich wird er aufmerksam. Beugt sich weit
+über die Brüstung. Fährt zurück.
+
+ Ist es möglich? Nein, ich träume.
+
+Beugt sich wieder hinaus und verfolgt offenbar eine Gestalt, die sich
+unter seinem Fenster an der Mauer des Hauses hinbewegt. Er beugt sich noch
+weiter hinaus. Die Gestalt scheint ins Haustor getreten zu sein und ist
+seinen Blicken entschwunden.
+
+Er tritt vom Fenster zurück in die Mitte des Zimmers in zweifelndem
+Erstaunen. Er horcht. Kein Zweifel mehr, Schritte auf der Treppe. Er
+stürzt ins Vorzimmer und verschwindet.
+
+
+=Sechste Szene.=
+
+=Pierrot= noch im Mantel, doch ohne Hut, kommt mit Pierrette, die er an
+beiden Händen gefaßt hält, ins Zimmer, höchstes Erstaunen in den Zügen.
+
+=Pierrette= (Altwiener Brautkleid mit Nuancen des Pierrettekostüms.
+Myrtenkranz. Schleier um Haupt und Schultern), steht wie gelähmt da,
+betrachtet Pierrot mit einem selig verstörten Blick.
+
+=Pierrot.=
+
+ Träum ich, wach ich? Bist du's? Bin ich's? Wie ist es denn nur möglich,
+ daß du da bist?
+
+=Pierrette= bewegt leise den Kopf.
+
+ Laß mich nur zur Besinnung kommen. Ja, ich bin hier. Bei dir.
+
+Sie beginnt zu schwanken.
+
+=Pierrot= hält sie in den Armen aufrecht, geleitet sie zu einem Sessel
+hin, links vorne neben dem Tischchen.
+
+=Pierrette= sinkt in den Sessel.
+
+=Pierrot= sinkt vor Pierrette in die Knie, bedeckt ihre Hände mit Küssen.
+
+ Nun ist alles wieder gut, da ich dich nur habe. Aber erkläre mir doch
+ endlich ...
+
+=Pierrette= sieht ihn mit stummen Augen an.
+
+=Pierrot= erhebt sich, schleudert den Mantel weg.
+
+ So rede. Ich beschwöre dich. Woher kommst du? Ich verstehe ja nichts von
+ allem.
+
+=Pierrette= schweigt. Sieht angstvoll zum Fenster, als hätte sie ein
+Geräusch gehört.
+
+=Pierrot= beruhigt sie, eilt zum Fenster, blickt hinab, schließt es.
+
+Eilt zur Türe, blickt ins Vorzimmer, schließt ab. Eilt wieder zu Pierrette
+zurück.
+
+=Pierrette= hat sich erhoben und breitet Pierrot die Arme entgegen.
+
+=Pierrot= weicht vor ihr zurück, weist auf ihren Myrtenkranz, auf ihren
+Schleier.
+
+ Erkläre mir. Sprich endlich.
+
+=Pierrette= öffnet ihre Arme.
+
+ Komm.
+
+Der Schleier gleitet ihr von den Schultern herab und bleibt vorne liegen.
+
+=Pierrot.=
+
+ Nein, mir graut. Woher kommst du?
+
+=Pierrette.=
+
+ Was kümmert dich das jetzt? Ich bin ja bei dir.
+
+=Pierrot= weist durch das Fenster hinaus.
+
+ Aber was ist indessen mit dir geschehen da draußen in der Welt?
+
+=Pierrette.=
+
+ Frage nicht. Das ist vorbei, ich bin jetzt bei dir und bleibe bei dir.
+
+Sie zieht aus ihrem Gürtel eine kleine Silberphiole.
+
+ Sieh was ich mitgebracht habe.
+
+=Pierrot.=
+
+ Was ist das?
+
+=Pierrette.=
+
+ Das ist Gift. Wir wollen miteinander sterben.
+
+=Pierrot= nimmt ihr die Phiole aus der Hand.
+
+ Wie, das sollen wir trinken?
+
+=Pierrette.=
+
+ Ja.
+
+=Pierrot.=
+
+ Warum sollen wir sterben? Komm, laß uns lieber fliehen.
+
+=Pierrette= schüttelt den Kopf.
+
+=Pierrot= führt sie zum Fenster hin.
+
+ Sieh doch, wie schön die Welt ist. All dies ist unser. Komm, laß uns
+ fliehen.
+
+=Pierrette.=
+
+ Fliehen? Nein! Wohin? Was sollen wir tun? Wir haben kein Geld. Es geht
+ nicht anders, wir müssen sterben.
+
+=Pierrot= schüttelt den Kopf.
+
+=Pierrette.=
+
+ Wenn du nicht willst, so laß ich dich hier und werde wieder fortgehen.
+ Leb wohl.
+
+Sie wendet sich zu gehen.
+
+=Pierrot.=
+
+ Bleib, bleib.
+
+=Pierrette.=
+
+ Wozu?
+
+=Pierrot.=
+
+ Es sei ... Wir werden dieses Gift trinken und werden zusammen sterben.
+
+Er umfaßt sie und geht mit ihr zum Divan links.
+
+=Pierrot und Pierrette= lassen sich nieder.
+
+=Pierrot= umarmt Pierrette heiß.
+
+=Pierrot= erhebt sich plötzlich.
+
+=Pierrette= bleibt sitzen und sieht Pierrot mit großen Augen an.
+
+=Pierrot= geht zum Schranke links hinten, öffnet ihn, nimmt zwei Flaschen
+Wein und einige Gläser heraus.
+
+Bringt alles nach vorne und stellt es auf den Tisch.
+
+=Pierrette= steht gleichfalls auf, geht zum Schranke, nimmt Backwerk,
+Früchte, Tischtuch, Teller, Eßzeug heraus. Sie deckt rasch den Tisch.
+
+=Pierrot= hilft ihr.
+
+=Beide= bewegen sich mit forcierter Lustigkeit.
+
+=Pierrette= nimmt Blumen aus ihrem Gürtel, eilt zur Kommode, steckt die
+Blumen in die kleine Vase und bringt die Vase mit den Blumen auf den
+Tisch.
+
+=Pierrot und Pierrette= hüpfen Arm in Arm durch das Zimmer, beleuchten es
+festlich. Zünden die Kerzen auf dem Schreibtische, auf der Kommode, auf
+dem Spinett an.
+
+=Pierrot= reicht Pierrette mit scherzhafter Würde den Arm und geleitet sie
+zur Tafel.
+
+=Beide= nehmen auf dem Divan Platz, trinken und essen.
+
+=Pierrot= rückt näher an Pierrette heran.
+
+=Pierrette= schmiegt sich an Pierrot.
+
+Lang dauernde Umarmung.
+
+=Pierrot= erhebt sich plötzlich.
+
+ Es ist Zeit --
+
+=Pierrette= schaudert zusammen.
+
+=Pierrot= nimmt die Phiole und gießt in jedes von den beiden noch halb
+gefüllten Weingläsern die Hälfte.
+
+Er erhebt das Glas, fordert Pierrette auf anzustoßen.
+
+=Pierrot und Pierrette= stoßen miteinander an.
+
+=Pierrette= setzt das Glas nieder.
+
+=Pierrot= ebenso.
+
+=Pierrette= geht langsam nach rückwärts.
+
+=Pierrot= folgt ihr.
+
+In der Nähe des Fensters umschlingen beide einander noch einmal.
+
+=Beide= umschlungen, langsam zurück zum Tischchen.
+
+=Pierrot.=
+
+ Bist du bereit?
+
+=Pierrette.=
+
+ Ja.
+
+=Pierrot= nimmt das Glas.
+
+=Pierrette= zögert.
+
+=Pierrot= lächelt verächtlich.
+
+ Du hast ja doch nicht den Mut. Siehst du, ich dacht es.
+
+=Pierrette.=
+
+ O Pierrot, glaub das nicht. Ich habe Mut. Nur einen Kuß noch, dann bin
+ ich bereit.
+
+=Beide= umarmen einander glühend.
+
+=Beide= setzen die Gläser an die Lippen und sehen einander lang in die
+Augen.
+
+=Beide= neigen den Kopf nach rückwärts.
+
+=Pierrot= trinkt das Glas auf einen Zug aus.
+
+=Pierrette= hat keinen Tropfen über die Lippen gebracht.
+
+=Pierrot= sieht es, taumelt entsetzt zurück.
+
+=Pierrette= hat das Glas ein wenig von den Lippen entfernt, führt es
+wieder an den Mund.
+
+=Pierrot= schlägt ihr das Glas verächtlich aus der Hand. Sinkt der Länge
+nach nieder hinter der Staffelei (so, daß er für einen etwa Eintretenden
+vorerst unsichtbar wäre).
+
+=Pierrette= steht wie starr da.
+
+Dann wirft sie sich vor Pierrot nieder, faßt ihn an, rüttelt ihn, küßt
+ihn. Alles vergeblich. Sie nimmt das Glas vom Boden wieder auf, weist es
+Pierrot.
+
+ Sieh nur her, ich will's ja tun.
+
+Sie führt das Glas an die Lippen, merkt, daß es leer und zersplittert
+ist.
+
+Sie steht auf, läuft im Zimmer hin und her, greift sich ratlos an den
+Kopf, fühlt den Myrtenkranz, zuckt zusammen.
+
+Plötzlich glaubt sie ein Geräusch zu hören, eilt zum Fenster, kauert auf
+den Divan nieder.
+
+Sie geht wieder nach vorn, zu Pierrot; schaut angstvoll auf ihn nieder.
+
+ Du lebst, nicht wahr du lebst? So antworte doch, Pierrot!
+
+Sie beugt sich tiefer und immer tiefer zu ihm nieder, betrachtet ihn mit
+wachsendem Schauder, bis sie endlich begreift, daß er tot ist. Von
+Entsetzen gepackt, rennt sie zur Türe, reißt sie auf, stürzt davon.
+
+=Vorhang.=
+
+Die Musik leitet ohne Pause über zum zweiten Bild.
+
+
+
+
+*II. Bild.*
+
+
+Ein Festsaal. Im Hintergrund eine weite Flucht von Zimmern, die von vorn
+gesehen leicht ansteigt. Festliche Beleuchtung. Buffet links hinten, im
+vorderen Saal. Rechts Klavier und Pulte. Gewundene Stiegen laufen rechts
+und links zwischen dem ersten und zweiten Saal nach oben.
+
+
+=Erste Szene.=
+
+=Hochzeitsgesellschaft.=
+
+=Eine Anzahl von Paaren= tanzt Walzer.
+
+=Ältere Damen und Herren= sitzen an den Seitenwänden.
+
+=Zwei Diener= hinter dem Buffet damit beschäftigt, Gästen Wein
+einzuschenken und Backwerk vorzuteilen.
+
+=Klavierspieler, Violinspieler und Klarinettist= besorgen die Tanzmusik.
+
+=Pierrettens Vater und Pierrettens Mutter= (kleine behagliche Leute)
+stehen am Buffet und bekomplimentieren die Gäste.
+
+=Arlechino= (der Bräutigam Pierrettens, groß, hager, nicht mehr jung,
+Altwiener Kostüm, vollkommen schwarz, große weiße Blume im Knopfloch.)
+düster und erregt, steht mit verschränkten Armen rechts vorne und schaut
+dem Tanze zu.
+
+Der Walzer endet.
+
+=Die Paare= promenieren.
+
+=Vater und Mutter= treten in die Mitte des Saales.
+
+=Junge Herren= sprechen mit der Mutter.
+
+=Junge Damen= mit dem Vater.
+
+=Gigolo= der Tanzarrangeur, sehr jung, mit übertriebener Eleganz
+gekleidet, eilt geschäftig im Saale hin und her, bald beim Buffet, bald
+bei den Musikern, bald bei einzelnen Tänzerinnen und Tänzern.
+
+=Einige Paare= zum Buffet.
+
+=Der Vater=, gut aufgelegt, geleitet zwei junge Damen zum Buffet.
+
+=Zwei junge Mädchen= treten zu Arlechino und sprechen lächelnd mit ihm.
+
+=Arlechinos= Antlitz bleibt düster.
+
+=Einige Gäste= stoßen mit Vater und Mutter an.
+
+=Der Vater= kommt auf Arlechino zu, mit zwei gefüllten Gläsern, reicht ihm
+das eine.
+
+=Der Vater= stößt mit Arlechino an, umarmt ihn dann.
+
+=Die Umstehenden= spenden Beifall (nicht Händeklatschen).
+
+=Gigolo= schlägt in die Hände, animiert die Herren, ihre Damen zu
+engagieren, geschäftig im Saale hin und her.
+
+=Die Paare= stellen sich zu einer Quadrille bereit.
+
+=Gigolo= zu Arlechino.
+
+ Sie müssen auch mittanzen, Herr Arlechino, engagieren Sie doch Ihre
+ Braut.
+
+=Arlechino= nickt ernst, sieht sich im Saale um.
+
+Die Quadrille beginnt.
+
+=Gigolo= sieht, daß Arlechino noch allein ist, gebietet der Musik Einhalt.
+
+=Arlechino= zu Gigolo.
+
+ Sie sehen ja, Fräulein Pierrette ist noch nicht da. Jedenfalls verweilt
+ sie auf ihrem Zimmer oben. Lassen Sie die Quadrille nur weiter gehen.
+
+=Gigolo.=
+
+ Keineswegs, das geht nicht.
+
+Er eilt zur Mutter.
+
+ Herr Arlechino ist ohne Dame, Fräulein Pierrette ist nicht da.
+
+=Mutter= erstaunt, sieht sich im Saal um.
+
+ Pierrette ist nicht da? Ach ja, ich weiß schon, sie ist auf ihrem
+ Zimmer, kleidet sich an, macht sich für die Reise bereit.
+
+=Vater= ist herzugetreten.
+
+ So geh doch hinauf und hole sie.
+
+=Mutter= rasch ab, rechts.
+
+=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen.
+
+=Die Musiker= intonieren ein Menuett.
+
+Die zur Quadrille gestellten Paare tanzen das Menuett.
+
+=Arlechino= geht indeß rückwärts in der Flucht der Säle bis weit nach
+hinten, auf und ab.
+
+=Die Mutter= kommt zurück, rasch zum Vater. Zieht ihn nach vorne.
+
+ Pierrette ist nicht oben.
+
+=Vater.=
+
+ Du bist verrückt.
+
+=Mutter.=
+
+ Ich versichere dich, sie ist nicht oben.
+
+=Vater.=
+
+ Wie ist denn das möglich?
+
+=Arlechino= steht plötzlich bei den beiden.
+
+ Wo ist Pierrette?
+
+=Mutter= verlegen.
+
+ Sie wird gleich kommen.
+
+=Arlechino= dringender.
+
+ Wo ist Pierrette?
+
+=Mutter= verwirrt.
+
+ Ich weiß es nicht.
+
+=Arlechino= faßt die Mutter am Arm.
+
+=Der Vater= will ihm das verwehren.
+
+=Arlechino= stampft auf den Boden.
+
+ Wo ist Pierrette?
+
+=Die Paare= haben bemerkt, daß etwas vorgeht.
+
+=Die Tanzmusik= hört auf zu spielen.
+
+=Ein Paar= neben der Gruppe Arlechino, Vater, Mutter, merkt worum es sich
+handelt, teilt es dem nächsten Paare mit.
+
+=Ein Paar= teilt es dem andern mit.
+
+Die Aufregung ist groß, alle gruppieren sich um Arlechino, Vater und
+Mutter, die jetzt in der Mitte des Saales stehen.
+
+=Arlechino= droht.
+
+ Ich werde fürchterliche Rache nehmen. Ich werde das Haus anzünden. Ich
+ werde alle umbringen.
+
+=Gigolo= tritt hinzu.
+
+ Gewiß ist das Haus noch nicht ordentlich durchsucht.
+
+Zu den Mädchen.
+
+ Suchen Sie doch alle, suchen Sie doch überall.
+
+=Die jungen Mädchen= entfernen sich nach den verschiedenen Seiten, einige
+über die Stiegen, laufen hin und her.
+
+=Die jungen Herren= stehen in Gruppen beisammen.
+
+=Arlechino= vorn, geht mit großen Schritten auf und ab.
+
+=Vater und Mutter=, rechts, ziemlich hinten, machen einander Vorwürfe.
+
+=Die jungen Mädchen= kommen nach und nach zurück.
+
+ Wir haben Pierrette nicht gefunden.
+
+=Arlechino= wird rasend vor Wut. Zum Buffet, zerschlägt einige Gläser und
+Flaschen. Vollführt drohende Gebärden gegen Vater und Mutter. Geht zum
+Klavier, zertrümmert die Tasten, reißt den Musikern Violine und
+Klarinette aus der Hand, zerschmettert sie und wirft sie zu Boden. Dann
+eilt er durch die Zimmerflucht nach hinten.
+
+
+=Zweite Szene.=
+
+Wie Arlechino ganz rückwärts ist, tritt ihm Pierrette entgegen.
+
+=Arlechino= faßt Pierrette bei der Hand, zieht sie nach vorne und bleibt
+in der Mitte stehen.
+
+=Die andern= erstaunen.
+
+=Einige= suchen näher zu treten.
+
+=Arlechino= weist sie fort.
+
+=Vater und Mutter= suchen näher zu treten.
+
+=Arlechino= weist sie fort.
+
+=Arlechino und Pierrette= mitten im Saal.
+
+=Die andern= in gemessener Entfernung.
+
+=Arlechino= zu Pierrette.
+
+ Wo bist du gewesen?
+
+=Pierrette.=
+
+ In meinem Zimmer oben.
+
+=Arlechino.=
+
+ Das ist nicht wahr.
+
+=Pierrette.=
+
+ Ich bin spazieren gegangen, draußen im Garten.
+
+=Arlechino.=
+
+ Du bist gesucht worden, du warst nicht im Hause und nicht im Garten.
+
+=Pierrette.=
+
+ Ich kann nichts andres antworten. Komm, ich will tanzen.
+
+=Arlechino.=
+
+ Nein, zuerst mußt du mir antworten.
+
+=Pierrette.=
+
+ Ich will tanzen.
+
+=Arlechino.=
+
+ Zuerst antworte!
+
+=Vater, Mutter, Gigolo, junge Mädchen=, treten näher, versuchen Arlechino
+zu begütigen.
+
+=Arlechino= hört nicht auf sie.
+
+=Gigolo= gibt den Musikern ein Zeichen.
+
+=Die Musiker= verweisen verzweifelt auf ihre ruinierten Instrumente.
+
+=Gigolo.=
+
+ Das macht nichts, spielt nur, es wird schon gehen.
+
+=Die Musiker= beginnen zu spielen. Schnellpolka.
+
+Die Instrumente klingen schauerlich.
+
+=Gigolo= tritt in die Mitte des Saales.
+
+ Tanzen, tanzen.
+
+=Pierrette= auf Arlechino zu, mit verzweifelt bacchantischer Geste.
+Schmiegt sich näher an ihn heran.
+
+=Arlechino= betrachtet sie lang, umfaßt sie, tanzt mit ihr.
+
+Alles scheint wieder geordnet.
+
+Plötzlich sieht man von hinten, nur für Pierrette sichtbar, sehr langsam
+den toten Pierrot kommen.
+
+=Pierrette= hält im Tanzen inne, weist entsetzt auf den näher schreitenden
+Pierrot.
+
+=Die andern= wissen nicht, was Pierrette ist.
+
+=Pierrot= schreitet mitten durch den Saal, bleibt vor Pierrette stehen
+und zerfließt in nichts.
+
+=Pierrette= weist die Erscheinung als Traumbild von sich, erholt sich.
+
+=Die andern= beginnen wieder zu tanzen.
+
+=Pierrette= geht mit Arlechino zum Buffet. Verlangt vom Diener etwas zu
+trinken.
+
+Plötzlich steht statt des Dieners der tote Pierrot hinter dem Buffet.
+Schenkt der Pierrette ein Glas Wein ein.
+
+=Pierrette= taumelt zurück, rast wie eine Verfolgte zum Klavier hin.
+
+=Arlechino= ihr nach.
+
+Der tote Pierrot verschwindet.
+
+=Arlechino.=
+
+ Was hast du? Was ist dir?
+
+=Pierrette.=
+
+ Nichts, nichts. Es geht schon wieder vorüber.
+
+Sie schauert und will sich verhüllen.
+
+=Arlechino= plötzlich merkend.
+
+ Elende ...
+
+=Die Tanzmusik= hört auf.
+
+=Arlechino.=
+
+ Wo ist dein Schleier Pierrette?
+
+=Pierrette= greift sich an Haupt und Schultern.
+
+=Arlechino.=
+
+ Wo ist dein Schleier?
+
+=Pierrette.=
+
+ Ich weiß nicht.
+
+=Arlechino.=
+
+ Während du fort warst, ist dir dieser Schleier verloren gegangen. Wo ist
+ der Schleier? Wo warst du?
+
+=Pierrette.=
+
+ Laß mich doch.
+
+=Arlechino.=
+
+ Du mußt dir deinen Schleier zurückholen.
+
+=Pierrette.=
+
+ Ich weiß nicht wo er ist.
+
+In diesem Augenblick erscheint der tote Pierrot mit dem Schleier in der
+Hand im Hintergrunde und kommt nur wenig nach vorn. Bleibt am Ende des
+Saales stehen.
+
+=Pierrette= eilt dem toten Pierrot entgegen.
+
+=Arlechino= ihr nach, faßt sie bei der Hand.
+
+=Der tote Pierrot= mit dem Schleier entfernt sich wieder.
+
+=Pierrette= sucht den Schleier zu erhaschen.
+
+=Arlechino= hält sie ununterbrochen bei der Hand.
+
+=Pierrot= mit dem Schleier entschwindet.
+
+=Pierrette= dem Scheinbilde nach.
+
+=Arlechino= immer mit ihr.
+
+=Einige junge Herren= wollen nach.
+
+=Arlechino= wendet sich um und verbietet, daß man ihnen folge.
+
+=Vorhang.=
+
+Die Musik leitet ohne Pause über zum dritten Bild.
+
+
+
+
+*III. Bild.*
+
+
+=Dekoration des ersten.=
+
+
+=Erste Szene.=
+
+=Pierrot= liegt tot hingestreckt auf dem Boden, hinter der Staffelei.
+
+Der Schleier liegt in der Mitte des dunkeln Zimmers, weiß schimmernd da.
+Die Kerzen größtenteils herabgebrannt, einige ganz erloschen.
+
+Die Szene bleibt einige Augenblicke vollkommen leer.
+
+Die Türe öffnet sich.
+
+=Arlechino und Pierrette= treten ein.
+
+=Arlechino= hält Pierrette bei der Hand.
+
+=Pierrette= eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch.
+
+ Da ist er. Nun laß uns gehen.
+
+=Arlechino.=
+
+ Nein. Wo bin ich hier?
+
+Er geht im Zimmer hin und her.
+
+Bald steht er vor der Leiche Pierrots, fährt zurück, hält aber Pierrot
+nicht für tot, sondern für betrunken. Wendet sich zu Pierrette.
+
+ Also das war es? Mit diesem Menschen warst du zusammen?
+
+Er gewahrt die Reste des Mahls.
+
+ Hier habt Ihr miteinander getafelt und getrunken. Hier hat er dich in
+ den Armen gehalten. Wartet nur.
+
+Wieder zu Pierrot hin.
+
+=Pierrette= auf ihn zu, will ihn zurückhalten.
+
+=Arlechino= schleudert sie von sich.
+
+=Pierrette= schleicht sich zum Fenster.
+
+=Arlechino= kniet vor Pierrot nieder.
+
+ Du Schurke, du Hund. Wer bist du denn? Antworte! Antworte! Steh auf!
+
+Er faßt Pierrot bei den Schultern und schüttelt ihn.
+
+=Der tote Pierrot= fällt schwer auf den Boden hin.
+
+=Arlechino= fährt entsetzt zurück.
+
+Er geht zu Pierrette, die regungslos am Fenster steht.
+
+ Hast du's gewußt?
+
+=Pierrette.=
+
+ Ja.
+
+=Arlechino= geht überlegend auf und ab. Kehrt wieder zu Pierrette zurück,
+sieht sie lange an.
+
+ Was soll ich mit dir tun?
+
+Kommt auf einen Einfall, lacht höhnisch auf. Tritt wieder zu dem toten
+Pierrot hin, will ihn emporheben.
+
+=Pierrette= eilt entsetzt nach vorne.
+
+=Arlechino= weist sie von sich, ergreift den Leichnam des Pierrot, trägt
+ihn zu dem Divan, lehnt ihn dort in die vordere Ecke.
+
+=Pierrette= ist entsetzt bis ans Ende des Zimmers geschlichen und schaut
+dem Beginnen des Arlechino zu.
+
+=Arlechino= setzt sich auf den Tisch dem Pierrot gegenüber. Schenkt in
+zwei Gläser ein, erhebt das eine, trinkt dem Pierrot zu. Dann winkt er
+Pierrette mit einem teuflischen Lächeln herbei.
+
+=Pierrette= bleibt regungslos stehen.
+
+=Arlechino= erhebt sich, winkt Pierrette gebieterisch.
+
+=Pierrette= kommt langsam.
+
+=Arlechino= geht ihr entgegen, reicht ihr in der Mitte des Zimmers den
+Arm, geleitet sie zu einem Sessel neben dem Tische, gibt ihr eins der
+gefüllten Gläser in die Hand, stößt mit ihr an.
+
+=Pierrette= kann nicht trinken.
+
+=Arlechino.=
+
+ So trink doch.
+
+=Pierrette= trinkt.
+
+=Arlechino= setzt sich neben Pierrette, drängt sich näher an sie, umfaßt
+sie, sucht sie an sich zu ziehen.
+
+=Pierrette= schaudert zusammen.
+
+=Arlechino= wird zärtlicher.
+
+=Pierrette= springt auf, ihr Sessel fällt um, sie flüchtet nach rückwärts
+in die Fensterecke.
+
+=Arlechino= ihr nach, spielt den Verliebten.
+
+ Ich bete dich an, meine Teure.
+
+Kniet nieder, versucht sie an sich und mit sich zu ziehen.
+
+=Pierrette= entflieht, bis sie links hinter den toten Pierrot zu stehen
+kommt.
+
+=Arlechino= hat sich erhoben, geht auf Pierrot zu, verbeugt sich vor ihm,
+dann verbeugt er sich vor Pierrette.
+
+ Du bist ja in guter Gesellschaft.
+
+Dann geht er zur Tür.
+
+=Pierrette= folgt seinen Bewegungen mit wachsendem Entsetzen.
+
+=Arlechino= wendet sich in der Türe nochmals um und verbeugt sich
+höhnisch.
+
+=Pierrette= stürzt ihm nach, wirft sich vor ihm auf die Knie.
+
+=Arlechino= schüttelt sie von sich ab, geht und versperrt die Türe hinter
+sich.
+
+
+=Zweite Szene.=
+
+=Pierrette= poltert an die Tür. Eilt zum Fenster, reißt es auf. Sieht
+Arlechino fortgehen, ruft ihn zurück. Er entschwindet ihren Blicken.
+Wieder zur Tür, rüttelt, reißt, vergeblich. Rennt im Zimmer umher, sucht
+nach irgend einem Ausgang. Findet keinen. Endlich bleibt sie wieder
+gegenüber dem toten Pierrot stehen. Sieht ihn lange an, läuft davon. Kommt
+wieder zurück. Nickt ihm zu. Gerät von neuem in Angst, schleicht längs der
+Wände im ganzen Zimmer hin und her. Ihre Bewegungen verändern sich ins
+Tanzartige. In ihren Augen spricht sich der beginnende Wahnsinn aus.
+Wieder ist sie hinter Pierrot, schleicht sich langsam hinter dem Divan zu
+ihm hervor. Sie ist in einer halb knienden Stellung vor ihm und blickt ihm
+ins Gesicht. Verbeugt sich vor ihm. Beginnt zu tanzen. Zuerst vor ihm,
+dann in immer weiterem Bogen, endlich im ganzen Zimmer herum. Sie hält
+inne, um dann mit erneuerter Kraft wieder weiter zu tanzen.
+
+Poltern an der Türe.
+
+=Pierrette= ist beinahe atemlos, ihre Kräfte beginnen zu schwinden, ihre
+Augen glänzen trübe, sie ist dem Verlöschen nahe.
+
+Neues, verstärktes Poltern.
+
+=Pierrette= sinkt zu Boden, tot. Zu Füßen des toten Pierrot.
+
+Die Türe wird erbrochen.
+
+
+=Dritte Szene.=
+
+=Fred, Florestan, Annette, Alumette= treten ein.
+
+Der Morgen ist herangedämmert. Beginnender Sonnenaufgang.
+
+=Fred und Florestan= wenden sich lachend zu den Mädchen. Beide Paare
+tänzeln Arm in Arm bis ganz nahe zu Pierrot und Pierrette hin, fassen was
+geschehen ist und weichen entsetzt zurück.
+
+=Vorhang.=
+
+=Ende.=
+
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Gesperrt gesetzter Text wurde mit =gesperrter Text=, fett gesetzter Text
+ mit *fetter Text* ausgezeichnet.
+
+ Dieses elektronische Buch basiert auf gescannten Bilddateien, die
+ freundlicherweise von Austrian Literature Online
+ (http://www.literature.at) zur Verfügung gestellt wurden.
+
+ Gegenüber der gedruckten Version wurden folgende Satzfehler korrigiert:
+
+ original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern
+ etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.
+
+ original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt
+ etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt
+
+ original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette=
+ etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette=
+
+ original: =Florestan= und =Alumette=
+ etext: =Florestan und Alumette=
+
+ original: =Fred= und =Annette=
+ etext: =Fred und Annette=
+
+ original: Geh wohin du willst
+ etext: Geh wohin du willst.
+
+ original: Pierrettekostums
+ etext: Pierrettekostüms
+
+ original: Sie beginnt zu schwanken. (Kein neuer Absatz)
+ etext: Sie beginnt zu schwanken. (Absatz vor dem Text eingefügt)
+
+ original: reicht ihm das eine
+ etext: reicht ihm das eine.
+
+ original: gibt den Musikern ein Zeichen,
+ etext: gibt den Musikern ein Zeichen.
+
+ original: =Arlechino= ... Zuerst antworte!
+ etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte!
+
+ original: mit verzweifelt bachantischer Geste
+ etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste
+
+ original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere
+ etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier
+
+ original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch
+ etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch
+
+ original: verändern sich ins tanzartige.
+ etext: verändern sich ins Tanzartige.]
+
+
+[Transcriber's Note:
+
+ Spaced-out text has been replaced by =spaced-out text=, bold text by
+ *bold text*.
+
+ This ebook is based on scanned images which have been generously made
+ available by Austrian Literature Online (http://www.literature.at).
+
+ The following corrections were applied to the original text:
+
+ original: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern
+ etext: Zweites Bild: Festsaal im Hause von Pierrettens Eltern.
+
+ original: wird selbst verständlich nur pantomimisch ausgedrückt
+ etext: wird selbstverständlich nur pantomimisch ausgedrückt
+
+ original: =Florestan, Alumette= und =Fred, Annette=
+ etext: =Florestan, Alumette und Fred, Annette=
+
+ original: =Florestan= und =Alumette=
+ etext: =Florestan und Alumette=
+
+ original: =Fred= und =Annette=
+ etext: =Fred und Annette=
+
+ original: Geh wohin du willst
+ etext: Geh wohin du willst.
+
+ original: Pierrettekostums
+ etext: Pierrettekostüms
+
+ original: Sie beginnt zu schwanken. (no new paragraph)
+ etext: Sie beginnt zu schwanken. (new paragraph added before)
+
+ original: reicht ihm das eine
+ etext: reicht ihm das eine.
+
+ original: gibt den Musikern ein Zeichen,
+ etext: gibt den Musikern ein Zeichen.
+
+ original: =Arlechino= ... Zuerst antworte!
+ etext: =Arlechino.= ... Zuerst antworte!
+
+ original: mit verzweifelt bachantischer Geste
+ etext: mit verzweifelt bacchantischer Geste
+
+ original: Während du fort warst, ist dir dieser Schliere
+ etext: Während du fort warst, ist dir dieser Schleier
+
+ original: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab hält ihn hoch
+ etext: eilt zu dem Schleier hin, beugt sich herab, hält ihn hoch
+
+ original: verändern sich ins tanzartige.
+ etext: verändern sich ins Tanzartige.]
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Schleier der Pierrette, by Arthur Schnitzler
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SCHLEIER DER PIERRETTE ***
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+Produced by Thorsten Kontowski and the Online Distributed
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+Online.)
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
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+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
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+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
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+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
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+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
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+approach us with offers to donate.
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+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
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+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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+
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