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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 02:44:47 -0700 |
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You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Ferien vom Ich + +Author: Paul Keller + +Release Date: May 23, 2009 [Ebook #28938] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + + + Paul Keller / Ferien vom Ich + + + + + + _PAUL KELLER_ + + Ferien vom Ich + + _ROMAN_ + + + Deutsche Buch-Gemeinschaft + _GMBH_ + + _BERLIN_ + + + + + + Einbandentwurf von Hanne Maria Rudert + + + + + + Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, der Verfilmung, der + Dramatisierung, des Nachdrucks und der Wiedergabe durch den Rundfunk, + vorbehalten + + _Copyright 1915_ + _by Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn / Breslau I_ + _Printed in Germany_ + + + + + + INHALTSVERZEICHNIS + + + Nach meiner Heimkehr 5 + Die feindlichen Städte 12 + Das Modebad 28 + Auf dem Weihnachtsberg 33 + Luise 58 + Samariterdienste 69 + In den Tagen des Werdens 77 + Das Kind 88 + Vorarbeiten 95 + Die „Neustädter Umschau“ 104 + Joachim 116 + Weihnachten 131 + Fügung 136 + Bauernanwerbung 142 + Der Journalist 161 + Die ersten Kurgäste 181 + Sommerabend 197 + Lorelei 220 + Die „krummbeinige Medizin“ 227 + In der Genovevenklause 233 + Die Schlacht bei Waltersburg 241 + Herbst 248 + Von der weiblichen Putzsucht 271 + und Herrn Pieseckes Leiden + Abschiedsabend 281 + Gerichtliches 288 + Aufklärungen 302 + Vom Bruder und seiner Frau 320 + Freund Stefenson 343 + Der Fuchs und die Sibylle 355 + Advent 367 + Hochzeit und Ende 375 + + + + + + + NACH MEINER HEIMKEHR + + +Der alte Johannisbrunnen rauscht wieder vor meinem Fenster. Hoch ragt das +Bild des Täufers; aus der ehernen Schale, die seine erhobene Hand hält, +plätschert das Wasser hinab ins steinerne Becken. In alter Zeit soll ein +heidnisches Heer an diesem Brunnen vorübergezogen sein; die Recken haben +den rauhen Nacken gebeugt und sind hier getauft worden. Am nächsten Tage +fielen alle in der Schlacht. Ihre Leichname blieben liegen unter den +dunklen Bäumen der Waldschlucht, da die Krieger heimtückisch erschlagen +wurden; aber am Abend, als die Sonne rot am Himmel brannte, kamen weiße +Schemen zum Stadttore herein, die hatten Kränze um die Stirnen und +lächelten wie Kinder. Als sie am Brunnen vorbeizogen, ließ der heilige +Baptista die eherne Taufschale fallen und faltete die Hände; denn diese +reinen Seelen brauchten kein Wasser der Gnade mehr. Die Gekränzten zogen +langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und als sie auf +der goldglänzenden Höhe standen, winkten sie noch einmal herab ins Tal und +zogen dann fort, weit über die rote Sonne hinaus, und der Heilige am +Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bückte er sich +nach der verlorenen Taufschale, und nun hält er sie wieder in erhobener +Hand seit vielen Jahrhunderten. + +Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die +Waltersburger haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden +Gauen und Städten; ihr romantisches Tal war immer so reich, daß sie +Fremdes nicht nötig hatten. + +Der Johannisbrunnen! In seinem Becken ließ ich als Kind meine Schifflein +schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins +Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande saß, +lächelte oft verächtlich über diese Reiserouten. Er war drei Jahre älter +als ich und schon Gymnasiast. Da verachtete er meine +Abcschützen-Geographie. Mit Schifflein spielte er nicht mehr; er liebte +nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er Fische aus Blech, die ein +eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem Magneten nach +ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, sagte +er: es läge am Wetter oder ich stände mit meinem infam weißen +Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische. + +Unterdes fuhren meine Schiffe nach Jerusalem oder ins Riesengebirge, und +oben auf dem grünen Balkon am Brunnenplatz saß unsere Mutter bei ihrer +Handarbeit und schaute manchmal zu uns herunter. + +Wie kommt es doch, daß Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen +können, daß er ihnen nicht lieber und größer ist als alle Küsten des +Ozeans? + +Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem grünen +Balkon ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmäßig zu +den Ferien. Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine +Ehe schloß mit jenem unselig schönen Mädchen, dem die Schönheit zum Fluche +gegeben war. Nach einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder +einem halben Jahre war ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage +machte, sie habe sich selbst mit einem Revolver in die Brust geschossen, +weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren Streit verlassen habe. + +Nur meine Mutter und ich wußten, daß sie log. Der Flüchtige aber kam nicht +heim, auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, daß er +außer gerichtlicher Verfolgung sei. + +Er floh nicht vor dem Gefängnis; er floh vor dem Grauen, das ihm sein +junges Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, die ihm ihre Aussage +brachte, nicht tilgen konnte. + +Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am +Balkonfenster und hörte auf das Plätschern des Johannisbrunnens. Sie +träumte von fernen Ufern, an denen ihr Herzenssohn weilen würde, von +Gestaden, zu denen es keine andere Verbindung gab als die sehnsüchtig hin +und her gehenden Gedanken. + +Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich +zur Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein. +Sie sah mich still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren Mund. +Da bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie +sprach mit Worten, die sie sich aus dem Herzen riß: + +„Geh fort ... in die Welt ... suche Joachim ... bringe ihn wieder!“ + +So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht +Geld genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt, +jetzt bei dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle großen +Häfen der Welt. + +Ich fand ihn erst im fünften Jahre meiner Wanderfahrt und wäre bei +flüchtiger Begegnung wohl an dem veränderten harten Mann mit dem fremden +Namen vorbeigegangen; aber ich traf ihn an Bord zwischen Rio und +Montevideo, da das Schiff tagelang nicht anhält, und wurde meiner Sache +gewiß, als der Fremdling sich plötzlich scheu verbarg und weder an Bord +noch bei den Mahlzeiten mehr sichtbar wurde. Da suchte ich ihn in seiner +Kajüte auf. Er öffnete auf mein Klopfen und bebte zusammen, als er mich +sah. Ich drängte ihn ohne weiteres in die Kajüte und schloß die Tür. + +„Ich will nur ein wenig mit dir reden, Joachim“, sagte ich und wunderte +mich über meine ruhige Stimme; „du wirst es mir nicht abschlagen können, +da ich an die fünf Jahre hinter dir her bin. Und daß ich auf dein Leben +und deine Entschlüsse keinen Einfluß habe, weiß ich von vornherein. Also +versteck dich nicht!“ + +„Was willst du?“ fragte er mühsam heraus. + +„Ich will nicht viel. Ich will dich nur bitten, du möchtest von Zeit zu +Zeit, so alle Jahre einmal um Weihnachten, an die Mutter schreiben.“ + +Da fiel er auf sein Bett und weinte rasend. Ich trat an das kleine runde +Kajütenfenster, an das die Wellen klatschten, und schaute hinaus auf die +rollende See. + + * + +Vorgestern bin ich nun heimgekommen nach Waltersburg zu meinem und seinem +silbernen Mütterchen. Ich muß schon „silbernes Mütterchen“ sagen; denn +nicht nur die Haare sind silbern, auch das Gesichtchen, auch die schmalen +Hände. Alles ist kostbar, edel und weiß an ihr. + +Sie fragte mich nur das eine: „Ist er gesund?“ + +Ich sagte ihr, was ich wußte, auch daß er ein braver Mensch geblieben sei, +woran wir beide niemals gezweifelt hatten. Dann, daß er in einer +geachteten Stellung und wohl ein reicher Mann sei oder es doch werde. +Darauf hörte sie kaum, sondern schlug die Händchen zusammen und jammerte: + +„Warum? Warum?“ + +Das war die schwere Frage, über deren richtige Beantwortung ich mir auf +der Heimreise den Kopf zerbrochen hatte. Ganze Abhandlungen hatte ich in +meinem Hirn ausgearbeitet, schlagende psychologische Begründungen für eine +Mutter, die fragt: Warum gibt mein Sohn keine Nachricht? Warum kommt er +nicht zurück? Warum läßt er mich in dieser furchtbaren Einsamkeit und +Qual? + +Da sagte ich ihr nur die wichtigsten Sätze, die Joachim gesprochen: + +„Ich hab wohl hundertmal geschrieben und tausendmal schreiben wollen. Aber +ich hab keinen Brief abgeschickt. Ich hatte eine schreckliche Angst, dann +schreibt ihr wieder, und dann halte ich’s nicht aus in der Fremde, dann +muß ich zurück in diese verfluchte Heimat.“ + +Sie war ein wenig betäubt über diese Worte; aber dann glomm eine Hoffnung +auf in ihren Augen, und sie sagte: + +„Aber jetzt wird er schreiben?“ + +„Ja, jetzt wird er schreiben; das ist das einzige, was ich nach meinem +langen Suchen erreicht habe.“ + +„Ich danke dir, lieber Fritz“, sagte sie und drückte mir schüchtern die +Hand. + + * + +Nun bin ich beinahe eine Woche zu Hause und fange an, mich glücklich zu +fühlen und zu freuen. Ich glaube, zu den Freuden, die schwer zu tragen +sind, gehört die Heimkehr aus fremden Landen. Und nicht bloß mir in meinem +besonderen Falle wird es so gehen, nein, allen, die lange draußen waren +und wieder nach Hause kommen. Es ist viel Scheu, viel Bangigkeit in der +Seele, die Quellen der Lust und des Schmerzes fließen zusammen wie in +einen tiefen Bronnen, aus dem erst langsam, wenn sich der zitternde +Spiegel beruhigt hat, das Himmelsgesicht des Glücks auftauchen kann. Es +gibt wohl keinen Heimkehrenden, der laut lachte, tanzte oder spränge. Ich +habe in fremden Ländern viele robuste Burschen gesehen, die in ihre Heimat +zurückkamen, und es war ganz gleich, welcher Farbe oder Rasse sie waren – +sie waren schüchtern und verlegen, gingen alle ein wenig mit +zusammengezogenen Schultern, sprachen seltsam leise und traten nicht fest +auf, als ob sie der Heimaterde nicht weh tun wollten. Sie mußten sich alle +in der Heimat erst wieder heimfinden. Es ist auch ganz natürlich: der +Star, der aus dem Süden an den heimischen Kasten kommt, pfeift auch nicht +am ersten Tage. Er schüttelt in der entwöhnten Luft erst sein Gefieder +zurecht. + + * + +Die Mutter steht immer am Fenster und schaut nach dem Briefträger aus. +Aber der Brief, auf den sie wartet, kommt nicht. Er könnte längst da sein. +Ich telegraphierte schon zweimal heimlich nach Rio. Es kam aber keine +Antwort. + +Und die Mutter steht und wartet. Ich versuchte es mit der alten Ausrede, +ein Brief könne verlorengehen, zumal auf so langem Wege. Aber die Mutter +schüttelte den Kopf und sagte: + +„Einen solchen Brief würde Gott behüten.“ + + + + + + DIE FEINDLICHEN STÄDTE + + +Ich muß versuchen, wieder lustiger zu sein. Herrgott, ich bin doch ein +junger Mensch, ich habe meine Aufgaben, und meine Kraft darf nicht in +sehnsüchtigem Suchen, am Trotz des Bruders zerschellen. Also will ich +heute gar nichts von ihm aufschreiben, sondern einmal die närrische +Geschichte von der Feindschaft der Waltersburger und der Neustädter zu +erzählen beginnen. + +Waltersburg ist eine in einem wunderschönen Talkessel gelegene Stadt von +2967 Einwohnern. Solches besagte die letzte Zählung. Der Personenstand +wies im letzten Jahrhundert immer ziemlich dieselbe Höhe auf; auf runde +3000 kam er nie hinauf. Da machte unser Bürgermeister, Herr Wilhelm +Bunkert, eine bedeutsame Stiftung: der dreitausendste Einwohner, der +Waltersburg Anno 1904 geschenkt würde, solle eine goldene Uhr bekommen, +Herrenuhr oder Damenuhr, je nachdem es ein männliches oder ein weibliches +Wesen beträfe, und diese Ehrengabe wolle er, der Bürgermeister, aus +eigenen Mitteln bestreiten. Die Sache stand im Stadtblatt und wurde viel +bewundert. Im nächsten Jahre kamen viele Kinder zur Welt; die Zählung +wurde nicht bloß vom Magistrat, sondern auch von der Bürgerschaft sehr +eifrig betrieben, und da die Einwohnerschaft auf 2998 stieg, entstand in +der zweiten Hälfte des Dezember zwischen der Frau Schneidermeister Lembke +und der Frau Schuhmachermeister Abelt eine bittere Feindschaft, da beide +hofften, noch vor Ablauf des Jahres eines Kindleins zu genesen. Am +30. Dezember gebar Frau Lembke eine Tochter. Ihr Mann, anstatt sich des +blühenden Töchterchens zu freuen, ging in die Schenke und betrank sich vor +Ärger, wie er sein Lebtag sich nicht betrunken hatte. Dem Ehepaar Abelt +aber klopfte das Herz. Am Silvesternachmittag gebar die Frau einen Sohn, +und der entzückte Vater stürzte nach dem Rathause und schrie: „Der +dreitausendste Einwohner! Der dreitausendste Einwohner!“ Im Vorzimmer des +Bürgermeisters aber begegnete dem Siegestrunkenen eine schwarze Gestalt. +Es war die Frau des Webers Michalke, die soeben den Tod ihres Mannes +angemeldet hatte. Da waren es wieder nur 2999. Der arme Schuster torkelte +gegen die Wand, und dumpf hallten die Silvesterglocken in die Nacht über +diese so wenig vom Glück begünstigte Stadt. + +Der Bürgermeister hielt sein Angebot auch für das kommende Jahr aufrecht, +und einige werdende Mütter wiegten sich in goldenen Hoffnungen. Aber der +Tod hielt reichere Ernte als sonst, auch zog der Barbier mit seiner +siebenköpfigen Familie nach Neustadt, und nun hielt der geizige erste +Ratsmann, Bäckermeister Schiebulke, es für den richtigen Zeitpunkt, sich +als einen Gönner der Stadt zu bezeigen und auch seinerseits für den +dreitausendsten Einwohner eine Prämie auszusetzen, und zwar ein neues +Fahrrad, je nachdem ein Herren- oder Damenrad. Die Sache kam ins +Stadtblatt, und die Bürger lachten. Ob Schiebulke vielleicht meine, ein +neugeborenes Kind könne radeln, wurde der Stifter befragt. Ob die andern +vielleicht meinten, ein neugeborenes Kind könne von einer Uhr die Zeit +ablesen, gab Schiebulke giftig zurück. Da setzte der Wirt vom „Goldenen +Löwen“, der ein reicher Mann und ein wenig ruhmsüchtig ist, einen +erschrecklich hohen Trumpf auf: + +„Goldene Uhr und Fahrrad“, sagte er, „sind gute Dinge. Nur leider die +Kinder wachsen langsam, und solche Dinge veralten schnell. Was allein +nicht veraltet, ist das Geld. Ich will meiner Vaterstadt meine Liebe +beweisen und lege 5000 Mark in die städtische Sparkasse für den +dreitausendsten Bürger, den Waltersburg in diesem Jahre erhält.“ So +lautete die Stiftung, die im Stadtblatt publiziert wurde und ungeheure +Aufregung hervorrief. + +Und da kam das Unerwartete, wie in solchen Fällen überhaupt meist etwas +Unerwartetes geschieht. + +Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Höhe von 2993 erreicht, als +der vor kurzem nach Neustadt übersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit +seiner Frau und seinen fünf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte +und glückstrahlend die goldene Uhr, das Fahrrad und die fünftausend Mark +für sich in Anspruch nahm, da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend +erreicht war. In Waltersburg brach eine Revolte aus. Man wollte den +frechen Barbier samt Weib und Kindern lynchen. Man schrie, das sei Betrug, +das gälte nicht, das sei ja ganz anders gemeint gewesen. Der Barbier, der +zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt gewesen war, bewahrte seine Ruhe, +und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist in Waltersburg, erklärte im +Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man es hören wollte, unter +Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: es handle sich hier um eine +öffentliche Auslobung, deren Inhalt durch den Barbier Heilmann erfüllt sei +und dem daher unzweifelhaft die drei ausgesetzten Prämien zufielen. + +Aller Ingrimm der Welt hätte an der Tatsache nichts geändert: Heilmann +bekam die Preise. + +O unglückliches Waltersburg! In der Stadt war dumpfe Trauer, Zorn und Haß, +und alle Männer gelobten, bei diesem Barbier sich nie den Bart schaben +oder die Haare schneiden zu lassen. + +Darauf rechnete aber der abgefeimte Schaumschläger gar nicht, sondern er +zog schon nach Ablauf eines Vierteljahres wieder nach Neustadt zurück und +nahm die Preise mit. + +Waltersburg zählte nach diesem Abzug 2993 Bewohner. Die Auslobungen wurden +nicht erneuert. Das ist nun einer der Fälle, aus denen das feindselige +Verhältnis zwischen Waltersburg und dem benachbarten Neustadt schon +einigermaßen erhellt. + + * + +Die Zeit meiner Abwesenheit hat an dem feindlichen Verhalten der beiden +Städte Waltersburg und Neustadt nichts geändert. Und doch ist Neustadt +eine Tochterstadt von Waltersburg, die beiden Orte sind in der Luftlinie +kaum drei Kilometer voneinander entfernt und nur durch den mäßig hohen +Weihnachtsberg getrennt. Nicht nur, daß die beiderseitigen +Gemeindekollegien miteinander in Hader liegen und sich die zwei +Stadtblättchen ständig befehden, der Haß gegen die Nachbarstadt bringt +auch noch heute die Köpfe der Waltersburger Stammtischphilister in +Gluthitze und überträgt sich sogar auf die Frauen und Kinder. + +Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat sich Waltersburg +eines geradezu paradiesischen Friedens erfreut. Die Hussiten sind an ihm +vorbeigezogen, die Horden des Dreißigjährigen Krieges haben vergessen, die +Stadt auszuplündern, so daß Waltersburg mit seinen damals 2000 Bewohnern +nach dem Westfälischen Frieden eine der volkreichsten Städte Deutschlands +war, ein Umstand, über den in der Stadtchronik des weiten und breiten +geredet wird; von den Fritzeschen Regimentern hat nur eines einmal drei +Tage lang in Waltersburg Station gemacht, was den Stoff für ein weiteres +Viertel der Chronik bildet, und auch die Siegerscharen Napoleons haben +keine besondere „_gloire_“ darin erblickt, die Stadtmauern von Waltersburg +zu berennen. So war das weiße Lamm in grünem Felde ein sehr angebrachtes +Wappentier für die friedfertige Stadt, und es gehörte schon die ganze +boshafte Niedertracht der Neustädter dazu, zu behaupten, weiland der +geistvolle Hohenstaufe Friedrich II. hätte den Waltersburgern das Lamm für +ihr Stadtwappen nur darum verliehen, weil er ihre ureigentümliche und +unausrottbare Schafköpfigkeit wohl erkannt habe. + +Solch grobe Beleidigung strafen die Waltersburger mit eiskalter +Verachtung; dagegen erhitzen sie sich noch heute sofort, wenn die Rede +einmal auf den Bahnbau kommt. + +Als nach dem siebziger Kriege sich in Deutschland die Eisenbahnen mehrten +wie nach einem fruchtbaren Regen im Garten die Würmer, hatte die Regierung +dem Rat angeboten, eine neue Hauptstrecke über Waltersburg zu führen, ja +die Stadt zu einem Eisenbahnknotenpunkt zu machen. Dieses Anerbieten hatte +die Bürgerschaft in die allerschwerste Sorge gestürzt. Sie sandten zum +Kaiser nach Berlin eine Deputation mit der Bitte, der Landesvater möge das +schwere Unheil, das den Frieden und die Ruhe der treuen Stadt Waltersburg +bedrohe, allergnädigst abwenden. Die Deputation wurde zwar nicht +empfangen, brachte aber in aller Stille ein kräftiges Wort mit heim, das +ein Geheimer Rat im Eisenbahnministerium gesprochen hatte, und das nicht +viel schmeichelhafter klang als die Neustädter Auslegung des Waltersburger +Wappentieres. + +Die Hauptsache war: die Bahn kam nicht nach Waltersburg. Sie wurde +jenseits des Weihnachtsberges, etwa sechs Kilometer von der Stadt +entfernt, vorbeigeführt. Daselbst wurde auch ein großer Bahnhof angelegt, +da sich in der Tat die Notwendigkeit herausgestellt hatte, an diesem Orte +einen Kreuzungspunkt zu errichten, und die Station führte, da sie doch +benannt werden mußte, den Namen „Waltersburg-Neustadt“. + +Die Waltersburger lachten. Sie hatten jetzt eine Eisenbahnstation, aber +diese Station konnte ihnen nichts anhaben. Später hat ein Dichter in der +„Neustädter Umschau“ ein Poem veröffentlicht, in dem es hieß: + + _„Die Waltersburger, die sind gar pfiffige Leut,_ + _Sie sind nicht nur pfiffig, sie sind grundgescheut,_ + _Sie haben eine Bahn, die woanders ’rum geht,_ + _Sie ham einen Geldschrank, der im Nachbarhaus steht;_ + _Sie füttern der Hasen und Rehe wohl viel,_ + _Doch treiben sie alle dem Nachbar vors Ziel;_ + _Sie sperr’n ihren Fluß, daß kein Fisch hineinschwimmt_ + _Und zuviel von dem sehr guten Wasser wegnimmt;_ + _Und wär’ mal ein Mäderle gerne geküßt,_ + _Da wartet’s, bis auswärts ein Kirmestanz ist.“_ + +Für dieses Gedicht hat sein Verfasser von den Neustädtern viel Lob und von +den Waltersburgern gelegentlich recht ordentliche Prügel geerntet. + +Neustadt verdankte seine Gründung einem trutzigen Bürger von Waltersburg, +dem Baumeister August Bunkert, der als einziger in der ganzen Stadt +Waltersburg Tag und Nacht geredet hatte, die so günstige Gelegenheit, +einen großen Bahnhof an die Stadt zu bekommen, nicht zu verpassen. Als er +mit seinen Ideen nicht durchdrang, im Gegenteil viel Anfeindung erfuhr, +die bis zu persönlichen Feindschaften ausartete, und sich insonderheit mit +seinem einzigen Bruder, Wilhelm Bunkert, der jetzt Bürgermeister von +Waltersburg ist und damals zu der Berliner Deputation gehörte, in bitterem +Hader entzweite, zog der Baurat aus dem Hause seiner Väter aus und baute +jenseits des Berges dicht neben den neuen Bahnhof ein großes Hotel, dem er +den Namen „Zur guten Hoffnung“ gab. Die „gute Hoffnung“ erwies sich +zunächst als schlecht; denn da das Hotel auf bloßem Felde stand, alle +Eisenbahnpassagiere aber fanden, daß sie in der menschenleeren Wald- und +Wiesengegend nichts zu suchen hätten und darum immer schleunigst +weiterfuhren, stand das Hotel Jahr und Tag leer, die wenigen Bahnbeamten +abgerechnet, die am Abend ihr Schöpplein tranken, und an August Bunkert +kroch langsam die Pleite heran. Die Waltersburger meinten, daß der +neuerungssüchtige Trotzkopf dieses Schicksal wohl verdient habe, aber zu +ihrer Ehre muß gesagt werden, daß Bunkert vielen leid tat und daß man dem +verlorenen Sohne gern verziehen und ihm auf die eine oder andere Art +wieder auf die Beine geholfen hätte, wenn es dem Ausreißer nur eingefallen +wäre, zurückzukommen, seinen Irrtum einzugestehen und die vorsichtige Art +der Waltersburger zu loben, die er ehedem so heftig angegriffen hatte. +August Bunkert aber dachte nicht daran, den Reuigen zu spielen, und auf +einen Brief seines bürgermeisterlichen Bruders, worin dieser fragte, ob er +denn auch den Rest seines schönen väterlichen Erbes noch vollends +verschleudern wolle, gab er keine Antwort. Da wurde er seinem Schicksal +überlassen. Dieses Schicksal gestaltete sich günstig. Die große +Bahnhofswirtschaft, die August Bunkert übertragen wurde, hielt ihn +zunächst über Wasser, und endlich gelang ihm der große Schlag. Er brachte +eine Gesellschaft von bedeutenden Geldleuten der Großstadt zusammen und +kaufte als deren Funktionär oder Generaldirektor, wie er sich lieber +nannte, alles Waltersburger Gelände auf, das jenseits des Weihnachtsberges +gelegen war. Die Waltersburger schlugen die Hände über den Köpfen +zusammen. Hundert Taler über den ortsüblichen Preis hinaus gab Bunkert für +jeden Morgen Feld-, Wald- oder Wiesenland, und die Besitzer beeilten sich, +ihre entlegenen Ländereien unter so glänzenden Bedingungen loszuwerden. +Innerhalb von eineinhalb Jahren besaß kein Waltersburger mehr jenseits des +Berges auch nur einen Halm. + +Die ganz Gewissenhaften aber schüttelten die Köpfe und sagten: Dieser +Bunkert lockt seinen Auftraggebern das Geld aus der Tasche; er ist ein +Hochstapler, und man sollte doch sehr überlegen, ob man den unangebrachten +Preis annehmen dürfe, den die neuen Besitzer aus dem Wald- und Wiesenland +nie und nimmer herauswirtschaften könnten. Doch auch diese ganz +Gewissenhaften beruhigten sich und nahmen das Geld. + +O du großmächtige Verwundernis! In dem prachtvollen Hochwald, den August +Bunkert erworben, an den grünen Wiesen, am Flußufer, den Weihnachtsberg +hinauf, entstand ein schmuckes Landhaus nach dem anderen, +Einfamilienhäuser, Sommerwohnungen, Baderäume, ein Kurhaus, eine +„Wandelhalle“ bauten sich auf, ein Basar für Lebensmittel, ein anderer für +„Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände“ wurde errichtet, Hunderte und aber +Hunderte von Arbeitern waren das ganze Jahr beschäftigt. Und alle Häuser +baute der Baumeister August Bunkert und wurde ein schwerreicher Mann. + +Noch staunten die Waltersburger, noch lachten einige spöttisch und +verächtlich, aber manch einer schwieg schon nachdenklich und dachte bei +sich: Was tut sich? Da erschien in den großen hauptstädtischen Blättern +ein Inserat: „Waltersburg-Neustadt, entzückend am Südabhange des 450 Meter +hohen Weihnachtsberges gelegen, mitten in prachtvollem Hochwald, in grünes +Wiesen- und Flußland gebettet, ein Paradies der Gesundheit und des +Naturgenusses, bei vorläufig nur fünf Mark pro Quadratmeter Bauland +(Anzahlung von 3000 Mark an) für alle, die sich ein Eigenheim gründen +wollen, eine nie wiederkehrende Gelegenheit. Nur fünfviertel Stunden von +der Hauptstadt entfernt. Großer Eisenbahnknotenpunkt. Haltestelle aller +Schnellzüge. Täglich zwölfmal Verbindung mit der Hauptstadt. Anfragen an +Generaldirektor Baumeister August Bunkert in Neustadt erbeten.“ + +Die Proklamation des Deutschen Reiches kann seinerzeit in Berlin keinen so +großen Eindruck gemacht haben wie dieses Inserat in Waltersburg. Die Leute +lachten, wimmerten, fuchtelten mit den Armen und waren voll neidischer +Beklommenheit. Am Abend saß ein ganzer Stammtisch im „Goldenen Löwen“ mit +der Kreide vor der Schiefertafel und wollte ausrechnen, wieviel ein Morgen +Land koste, wenn das Quadratmeter auf fünf Mark komme. Niemand kriegte es +heraus, und alle schimpften auf die neumodische Rechnungsart. Selbst den +Amtsrichter Knopf verließ seine akademische Bildung; er knurrte, er habe +ja nicht Mathematik studiert, und solche Aufgaben könne überhaupt immer +nur ein Volksschullehrer herauskriegen. Also schickte man nach dem Lehrer +Herder, und der erklärte: + +„Ein Morgen altes Maß ist ungefähr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat +10 000 Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter groß. +Kostet ein Quadratmeter fünf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel, +also 12 500 Mark.“ + +Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Männer, +die noch mit am Tische saßen, heftig mit den Fäusten auf den Tisch, und +zwar alle wie auf Kommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er +müsse sich täuschen. Der aber saß mit der Würde eines Mannes, der von der +Unverletzlichkeit und Beweiskraft der Zahl überzeugt ist. Sein ganzes +Wesen sagte: meine Rechnung stimmt. + +Da wurde zunächst eine große Stille. Dann sagte einer: „Wenn das wahr ist, +sind die Kerle große Gauner; 1000 Mark haben sie für den Morgen gegeben, +12 000 Mark verlangen sie.“ + +Schweigen. Nach fünf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten +Ziffern auf und sagte: + +„Sie arbeiten mit elf Prozent.“ + +„Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu“, bemerkte der +Erbscholtiseibesitzer Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter. + +Der schüttelte den Kopf, was in diesem Falle „ja“ und „nein“ heißen +konnte. Da ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte: + +„Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 +Mark verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent +Gewinn.“ + +Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Bäckermeister Schiebulke, der +gerade trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Grübeln. Seine +Seele wanderte zurück bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er: + +„Ja, natürlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent.“ + +Da hoben sich die Fäuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese +Überraschung war zu groß und schwer; die Hände sanken still herab ... + +Was die allergrößte Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg +zum großen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, +war auf dem besten Wege, ein aufblühender Badeort zu werden. Zwei +„Quellen“ waren entdeckt worden, von denen die eine „Kaisersprudel“, die +andere „Felsensprudel“ hieß, und die beide nach dem Gutachten eines +sachverständigen Professors aus der Hauptstadt „hervorragend radioaktiv“ +waren. Die Neustädter feierten Siegesfeste, während die Waltersburger vier +Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort „radioaktiv“ richtig aussprechen +konnten, und natürlich auch dann noch nicht wußten, was das sei. + +Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung +auch viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger +heimlich je drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im +„Löwen“ statt der sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe +abgehalten. Der Pfropfen der ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die +Decke. + +„Wie – wie bei Champagner“, stammelte Herr Hirsemann. + +„Blödsinn“, knurrte der Amtsgerichtsrat; „das is Kohlensäure; die is dem +Wasser eingepumpt; alles künstlich, nichts natürlich; ich kenn doch die +Wasserpfützen drüben – Betrug is es, glatter Betrug!“ So wartete man, bis +sich die Kohlensäure verflüchtet hatte, dann trank der Bäcker und sagte: + +„’s schmeckt ’n bissel salzig.“ + +„Weil Sie heut abend wieder Salzhering gegessen haben“, grollte der +Richter. + +„Salzig kann man nicht sagen“, meinte der Getreidekaufmann Schneider, +„sondern so mehr säuerlich!“ + +„Ja, weil Sie von gestern noch ’ne saure Schnauze haben“, zürnte Herr +Knopf. + +Unter solchen Umständen hätte der Löwenwirt, der auch mit probierte, mit +seiner Äußerung, das Wasser scheine ihm aber stark nach Schwefel zu +schmecken, zurückhalten sollen; denn der schlecht gelaunte Richter fuhr +ihn an: „Mensch, wenn Sie tagaus, tagein nischt anderes rauchen als Ihre +eigenen Zigarren, muß Ihnen natürlich alles nach Schwefel schmecken.“ +Darauf einigte man sich endlich: dieses Wasser schmecke wie jedes andere +gewöhnliche Brunnenwasser und sei keinen Pfifferling wert. + +Ganz kurze Zeit darauf gab es in Waltersburg eine neue Aufregung. Die +Neustädter hatten sich für ihr Bad einen Propagandachef engagiert. + +„Propagandachef!“ – Dieses Wort war in Waltersburg seit Erschaffung der +Welt noch nicht einmal ausgesprochen worden. Die Neustädter aber wußten +nicht bloß, daß es so etwas gäbe, sie engagierten es sogar. Und der +Propagandachef war ein Jude. Als das bekannt wurde, sagte der Bäcker +abends im „Löwen“: + +„Die Kerle in Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefühl.“ + +Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsächlich deswegen, weil er +immer widersprach: + +„Jude hin, Jude her! Es is ’n alter Witz, daß in den ganzen Antisemitismus +nich eher ’n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst +machen. Wenn die Neustädter ihre faule Sache deichseln wollen, mußten sie +’n Juden nehmen, ’n Christ ist viel zu dämlich dazu.“ + +Der Bäcker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden, +verließ er das Lokal. + +Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt. +Es war ein entzückend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit +reizenden bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen +pries Neustadt in so berückender Form, daß eigentlich jeder Mensch zu +bemitleiden war, der nicht augenblicklich seine Koffer packte und nach +Neustadt abreiste ... + + * + +Die feindlichen Städte! Vielleicht, daß mir der lustige Hader die Zeit +verkürzt. Von Zeit zu Zeit will ich etwas von ihm im Tagebuch +vermerken ... Joachim hat an die Mutter ein Telegramm gerichtet. „Ich kann +nicht mehr schweigen; ich grüße dich und Fritz. Aber schreibt mir keine +Briefe, telegraphiert nur, ob ihr gesund seid.“ + +Mit diesem Telegramm saß die Mutter am Tisch, als ich heute abend nach +Hause kam. Sie sprach nicht, sondern übergab mir nur wortlos die Depesche; +aber sie sah mich stolz und verklärt an, als wollte sie sagen: „Sieh, +solch einen guten Sohn habe ich!“ „Ich freue mich über Joachim“, sagte ich +und ließ sie allein. Von meinem Zimmer sah ich nach dem Johannisbrunnen +hinunter, dessen Wasser einförmig rann. + +Die Seele des fernen Bruders war immer noch krank. Er vertrug keine +Nachricht aus der Heimat. Heimat war ihm in Hölle gewandeltes Paradies. Es +gab einmal ein Weib, das er mehr liebte als alles, die Mutter mit +einbegriffen; es war einmal ein Freund, der ihm näher stand als der +Bruder, und es war eine schöne Stadt, die ihm lieber war als der +Geburtsort; das war Heidelberg. + +In Heidelberg hat ihn die Frau mit dem Freunde betrogen. + +Darüber kommt nun der Mann, der zwischen Rio und Montevideo hin und her +fährt, nicht mehr hinweg. + + + + + + DAS MODEBAD + + +Dieser 5. April war ein sehr merkwürdiger Tag. Ich war drüben in Neustadt +und besah mir den neuen Badeort; denn ich war mir immer noch nicht ganz im +klaren, ob ich Badearzt in Neustadt werden oder lieber die Praxis des +alten Sanitätsrats in Waltersburg übernehmen solle. Der Alte will sich zur +Ruhe setzen. Um die Wahrheit zu sagen, er sitzt eigentlich schon sein +ganzes Leben lang zur Ruhe. Den Waltersburgern fällt es niemals ein, krank +zu werden. Der alte Pfarrer hier, der etwas derber Art ist, sagt: „Wenn +einer nicht gerade unverschuldet verunglückt, ist es eine Schweinerei, +krank zu werden. Denn wenn einer vernünftig lebt, wird er eben nicht +krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus kommt, der nicht was ausfrißt.“ So +erschien dem Pfarrer der Sanitätsrat immer höchst überflüssig, wie +andererseits dem Sanitätsrat, der ein Freigeist ist, der Pfarrer +überflüssig erscheint. Persönlich aber vertragen sie sich recht gut, +spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen +gegenseitigen Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der +Amtsrichter, den Pfarrer und Sanitätsrat beide für überflüssig halten; +denn außer dem Schneider Hampel wird in Waltersburg niemals jemand +eingesperrt, und bei Hampel kommen in mageren Jahren auch höchstens drei +Wochen heraus. Der Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem +„Grüßfuß“, und der Sanitätsrat behauptet, daß der Richter seinem einzigen +„Kunden“ immer zu Neujahr gratuliere. Es ist also für einen, der keine +Sinekure sucht, nicht verlockend, Arzt oder Richter in Waltersburg zu +werden. Im Herzen wäre es mir aber immer noch lieber, mich in Waltersburg +niederzulassen, als nach Neustadt zu gehen, dessen Wunderquellen ich nicht +traue, und mich also dort gewissermaßen mitschuldig zu machen, den Leuten +das Geld aus der Tasche zu ziehen. + +Heute war ich drüben in Neustadt. Während der fünf Jahre meiner +Abwesenheit ist der Ort um das Doppelte gewachsen. Er ist mit +amerikanischer Rapidität emporgeschossen. Ich sah die Marmortempel über +den „Sprudeln“, die „Promenade“ mit ihren unendlich gepflegten, unendlich +bunten und unendlich langweiligen Blumenanlagen, die Kapelle, die das +„Polnische Lied“, den „Einzug der Gäste in die Wartburg“, das +„Frühlingslied“ von Mendelssohn, den neuesten Wiener Walzer und ein +unendlich albernes Potpourri spielte, das von allen Darbietungen dem +Publikum am besten zu gefallen schien, sah auch, wie der erste Geiger und +der Flötist an der Rampe des „Musikpavillons“ wie überall mit den +vorbeiflanierenden Mägdelein liebäugelten; ich sah auf den Estraden leerer +Restaurants Kellner lauern, die wie Bräutigame gekleidet waren oder wie +Leichenbitter, fünfunddreißig Gerichte auf ihrer Speisekarte, von denen +sicherlich nicht eines halb so gut schmeckte wie das, was Mutters alte +Köchin bereitet; ich sah eine „Wandelhalle“ mit Schauläden, in denen die +schönen und ach so „preiswerten“ Broschen prangen, die man den +Dienstmädchen als „Mitbringe“ schenkt und deren Goldglanz mindestens +anhält, bis das Mädchen am nächsten Quartal abzieht, sah schreiend bunte +Gläser mit der Aufschrift „Zum Andenken“ oder „_Souvenir de Neustadt_“, +Holzarbeiten, vom geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei +Bären auf einem Amboß pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele +Kunstgegenstände, bis ich zum Theater gelangte, wo ein Zettel verkündete, +daß ein vielversprechender Dichter (alle vielversprechenden Dichter +debütieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk „Geheimnisse von Neustadt“ +zur Aufführung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu deutsch: Georg +Schuster), der vielbeliebte erste Liebhaber der Bühne, die Hauptrolle +kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging ich in +ein Café und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie mir +das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der +schon immerfort nervös hin und her zappelte, knurrte den Kellner an, wie +lange er zum Donnerwetter noch auf die telephonische Verbindung mit +Breslau warten solle; ein Herr an einem anderen Tisch erzählte mit +unerträglicher Weitschweifigkeit seinem Nachbar alle Erscheinungen seiner +Krankheit, wofür sich dieser so interessierte, daß er während der Zeit des +Zuhörens das ganze Mittagsblatt durchschmökerte; drüben an der Wand +stritten zwei rote Köpfe laut über Nietzsche; eine vorübergehende Mutter +machte ihrer bleichsüchtigen Tochter Vorwürfe, daß sie ihren Brunnen statt +um fünf erst um fünfeinhalb Uhr getrunken habe, was natürlich furchtbar +schaden könne; Gents und noch viel mehr Pseudogents tänzelten vorüber, und +in der Kapelle drüben blies der Waldhornist zum Herz- und Steinerweichen: +„Das Meer erglänzte weit hinaus im lichten Abendscheine“. + +„Auch Sie, Fräulein Trude“, hörte ich einen vorbeiwandelnden Primaner zu +seiner sechzehnjährigen Begleiterin sagen, „haben mein Herz vergiftet, +zwar nicht durch Ihre Tränen, wohl aber durch Ihr Lachen.“ + +„Aber Herr Lempert“, sagte sie, und sie waren vorbei ... Ich bekam Heimweh +nach Waltersburg und ging. Draußen auf den Promenadengängen das gewohnte +Publikum; die galizische Jüdin mit etwas schmierigen Spitzen am +Halsausschnitt und den großen Brillanten in den Ohren; der Herr in dem +hocheleganten weißen Flanellanzug, der 23 Mark gekostet hat; der +„Künstler“, dessen Kraft wie bei Samson in der Fülle der Locken sitzt und +der sich vor dem Spiegel die wirkungsvollen Gerhart Hauptmannschen +Mundwinkel eingeübt hat; das knurrende Eheoberhaupt, das wo anders +hinstrebt, weil man auf dem Kurplatz nicht rauchen darf (warum, weiß weder +er noch sonst jemand; denn der Platz ist weit, und der Himmel ist hoch); +die flirtende Strohwitwe; der melancholisch und langsam schreitende +Einsame, der keinen Anschluß findet; das laute Mädchen, das immer zehn +Verehrer um sich hat und nie einen Mann kriegt; die Geschäftsfreunde, die +auch hier über ihre Alltagssorgen nicht hinauskommen; fachsimpelnde +Oberlehrer und lebenslustige Backfische, dazwischen die „Patienten“, die +gewissenhaft aus geschliffenen Gläsern das Neustädter Wunderwasser +schlürfen, als könnte es in vier Wochen gutmachen, was in vielen, vielen +Jahren krank ward. + +Ich war im klaren: Ich wollte nicht Badearzt werden. So wollte ich nach +Hause und wählte als Heimweg den Pfad über den Weihnachtsberg, der als +Grenzscheide zwischen Waltersburg und Neustadt liegt. + + + + + + AUF DEM WEIHNACHTSBERG + + +Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwürdiges Gasthaus. Es sieht aus wie +eine Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbrücke, +Butzenscheiben und was so dazu gehört. Das echteste von dem ganzen +romantischen Nest war der Wirt, der Eberhard hieß, weil er einen langen +Bart hatte, oder der sich einen langen Bart hatte wachsen lassen, weil er +Eberhard hieß. Die Waltersburger besuchten ihn an allen regenfreien +Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner luftigen Höhe so gute Tage, +daß ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard war für die +Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend lugten sie +ängstlich, sehnsüchtig und neugierig nach dem Gipfel des Weihnachtsberges +hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren Duftschleier um den +Gipfel hüllte, flammte da oben ein mächtiges Bergfeuer zum Himmel, und +eine Trompete blies langsam und feierlich herab ins Tal: „Vom Himmel hoch, +da komm ich her.“ + +„Er kommt, er kommt!“ stießen da die Kinder heraus, und die kleinsten +zitterten in seliger Angst. Vom Berge herab aber kam mit silbernem Geläut +der Knecht Ruprecht gefahren. Er thronte auf einem mit Tannenreis +prachtvoll verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die +wurden von seinen Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und +Paketchen beladen. Vom Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die +reichen wie die armen, die großen wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und +Großmütter standen hinter ihnen, und wenn der Knecht Ruprecht ankam, +winkten die Kinder mit den Händen, die Väter nahmen die Mützen ab, und die +Tanten und Großmütter machten tiefe, ehrfürchtige Knickse. Der Knecht +Ruprecht aber saß da auf seinem tannenbekränzten Thron wie ein König und +nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten Hand und +winkte mit der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und +Reichen, an die Gerechten und Ungerechten. + +Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die +Fackelträger, die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans +Tor. Mit lustigem Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg +hinauf, und die Leute kehrten heim, alle im Herzen froh und reich. + +Das war der Weihnachtsberg bis vor acht Jahren. Da kamen die Neustädter +und kauften Herrn Eberhard, der damals gerade ein wenig in Sorgen war, +sein Gasthaus für einen guten Preis ab. Die Neustädter machten aus der +alten edlen Burgherberge ein „Etablissement mit Burgruine, Aussichtsturm +und im übrigem allem Komfort“. Es wurden hölzerne Veranden mit großen +Fenstern an das alte Mauerwerk geklebt, der ganze schablonenhafte öde +Hotelbetrieb eingerichtet, und die Badezeitung faselte vom Fortschritt der +modernen Zeit. + +Daß schweres, reines Altgold in dünnes Flitterblech gewalzt wurde, +empfanden am meisten die Waltersburger Kinder, die am Weihnachtsabend +vergebens ausspähten nach dem leuchtenden Höhenfeuer und der süßen, +verheißungsvollen Melodie: „Vom Himmel hoch, da komm ich her.“ + +In Gedanken an alte, schöne Zeit stieg ich den Weihnachtsberg hinauf. So +sentimental war ich aber nicht, um dem neuen „Etablissement“ auszuweichen; +dazu war ich denn doch zu weit in der Welt herumgekommen und hatte zu viel +Schifflein scheitern sehen, um so eine Unglücksstelle feig zu umsegeln. +Ich kehrte in dem „Etablissement“ ein. In der großen Glasveranda waren +drei Kellner und ein Gast anwesend. + +Dieser einzige Gast saß am Fenster und guckte nicht auf, als ich zur Tür +hereintrat. Daraus erkannte ich, daß er kein Deutscher war. Im übrigen +genügte mir ein Blick zu meiner Orientierung. Ich erkenne den +Nordamerikaner so leicht unter allen Nationen heraus wie den Star unter +den bunten Finken. + +Soll ich hier das Bild wiederholen, das deutsche Karikaturisten malen, +wenn es gilt, einen „Uncle Sam“ zu zeichnen? Das kurzgeschorene Haar, den +glattrasierten, rasiermesserdünnen Mund, die etwas schlottrige Figur mit +den langen Beinen und fuchtelnden mageren Armen, die Stummelpfeife, den +karierten Anzug und diesen anderen Kram? Nein! Ich ging zweimal durch die +Stube, stellte fest, daß achtzehn Tische unbesetzt und einer besetzt war, +und setzte mich dann an den besetzten, dem Gaste gegenüber, ohne ihn zu +grüßen. Der andere blickte auch jetzt nicht auf. Er sah gelangweilt ins +Tal. Ich beachtete ihn auch nicht. + +Der Kellner kam, und ich machte meine Bestellung. Darauf war es ganz +still. + +Endlich blickte der Mann mir gegenüber auf und sagte, indem er nach +Neustadt hinunterwies: + +„Das ist ein sehr albernes Nest da unten!“ + +Er sprach englisch; aber ich entgegnete deutsch: + +„So kann man schon sagen. Es gefällt mir auch nicht.“ + +„Aber bei uns in Amerika werden Sie auch dumme Badeorte gefunden haben.“ + +„Woraus schließen Sie, daß ich in Amerika war?“ + +„Ich denke es mir.“ + +„So, so!“ + +Darauf schwiegen wir. Erst nach einem Weilchen nahm „Uncle Sam“ das +Gespräch wieder auf: + +„Sie halten nichts von unseren modernen Kurorten?“ + +„‚Nichts‘ kann ich nicht sagen. Es gibt zehn gute Kurorte und neunzig +unnütze. Das sage ich.“ + +„Und wie denken Sie sich einen ganz guten Kurort?“ + +Ich zuckte die Achseln. + +„Ich habe mir manchmal ein Bild ausgemalt, wenn ich als Schiffsarzt die +nötige Muße zu solchen Träumen hatte.“ + +„Sie sind Schiffsarzt?“ + +„Ich war es.“ + +Ich fand es nun angemessen, mich vorzustellen. Darauf wippte auch er ein +wenig vom Stuhle auf und sagte: + +„Mister Stefenson. Öl und Naphtha. Neuyork, Milwaukee, St. Louis und +Trinidad. Nun, wie ist das mit Ihrem Kurort?“ + +„Es ist gar nichts. Es ist ein Traum, eine verrückte Idee!“ + +„Verrückte Idee ist schön. Deutschland ist ein gutes Land, aber es leidet +einen sehr großen Mangel an verrückten Ideen. Es ist zu brav, es macht +zuviel nach. Den deutschen Unternehmungen fehlt die überraschende Pointe. +Der Amerikanismus ist besser.“ + +„Das sagen Sie so!“ + +„Es ist so.“ + +Ich war verstimmt und schwieg. + +„Nun?“ fragte er ungeduldig. + +„Mister Stefenson, wenn ich Ihnen meine Idee entwickeln wollte, würden wir +viel Zeit brauchen; am Schluß würden Sie mich doch nicht verstehen. So was +liegt Ihnen nicht.“ + +„Wir haben Zeit, ich werde Sie verstehen, und es liegt mir“, gab er zur +Antwort. + +Da kam ich in Laune und sagte: + +„Ich will es Ihnen in ganz kurzen Linien umreißen. Ich will mal annehmen, +meine Heilanstalt bestände schon und Mister Stefenson käme zu mir als +Kurgast.“ + +„Das ist gut! Das ist instruktiv!“ rief er. „Wie heißt Ihr Sanatorium?“ + +„Ferien vom Ich.“ + +„Wie?“ + +„Ferien vom Ich.“ + +„Das ist kein guter Name. Dabei kann man sich nichts denken. Das zieht +nicht.“ + +„Mister Stefenson, wenn Sie mir schon von vornherein widersprechen, werde +ich Ihnen kein Wort über meine Heilanstalt sagen. Daß Sie den Namen nicht +ohne weiteres begreifen, ist doch eben das Neue und Gute.“ + +„_Well_; ich sage nichts mehr. Ich höre.“ + +„Also: Irgendwo auf der Welt, sagen wir auf dem Ostabhang dieses +Weihnachtsberges bei Waltersburg, liegt die Heilanstalt ‚Ferien vom Ich‘. +Auch Mister Stefenson, der schon in vielen Kuranstalten und nie ganz +zufrieden gewesen war, hat von der Anstalt gehört und hauptsächlich darum, +weil es etwas Neues war, beschlossen, sie aufzusuchen. Er reist nach +Waltersburg. Mister Stefenson kommt mit sieben Koffern und zwei Dienern +an.“ + +Mein Gegenüber nickt. + +„Stimmt. Sie sind ein Gedankenleser.“ + +„Der Ankömmling findet in der Nähe von Waltersburg ein Gelände von Wald, +Hügeln, Gärten, ganz von einer hohen Mauer umschlossen, über die kein +Mensch hinwegsehen kann. Er merkt gleich: ah, an dieser Mauer ist die Welt +alle, hier ist eine Welt für sich. Die Mauer hat nur ein einziges Tor. +‚Ferien vom Ich‘ steht darüber. Mister Stefenson, der mit drei Wagen +ankommt, zieht die Schelle an der Pforte. Eine tiefe Glocke schlägt einmal +an. Da kommt von drinnen her ein Diener, der öffnet das Tor. Er ist nicht +in der weltüblichen Tracht, er trägt Pluderhosen, Sandalen an den Füßen, +eine weite, am Hals ausgeschnittene Bluse und ist barhäuptig. Vor +Stefenson macht er keine Verneigung, sondern sagt: ‚Lieber Freund, Sie +sind wohl wenig unterrichtet, sonst kämen Sie nicht mit solch unnötigem +Kram hier an. Seien Sie so gut, lassen Sie Ihre Diener und Ihr Gepäck +unten in Waltersburg oder sonstwo auf der Welt Unterkunft suchen und +kommen Sie ganz allein, wie Sie hier stehen, mit mir.‘ + +Mister Stefenson ärgert sich nicht wenig über diese Ansprache des +dienstbaren Geistes, aber er will hinter den ‚Trick‘ kommen, deshalb winkt +er seinem Gefolge ab und geht in das große Ferienheim des Lebens. Die +Pforte fällt hinter ihm zu. Sein Begleiter führt ihn eine Lindenallee +bergan. Rechts und links sind Wiesen und einige bebaute Ackerstücke. Am +Ende der Allee steht ein von Efeu umsponnenes Haus, so klein wie eine +Einsiedlerhütte. Das Häuschen hat nur ein einziges Zimmer, aber das ist +bequem hergerichtet, hat ein gutes Bett, einen Schreibtisch, schlichte, +aber geschmackvolle Möbel und gute Bilder an den Wänden. In dieses Zimmer +führt der Torwart den Mister Stefenson und sagt: ‚Hier bleiben Sie, lieber +Freund, zwei Tage und zwei Nächte. Lesen Sie die wenigen Blätter, die auf +dem Schreibtisch liegen, gut durch und schreiben Sie Ihre eigene Lebens- +und Leidensgeschichte auf, schreiben Sie auf, was Ihnen an sich selbst +nicht gefällt und warum Sie hierhergekommen sind. Nach zwei Tagen wird der +Arzt zu Ihnen kommen, wird lesen, was Sie geschrieben haben, und wird den +ganzen guten Mannes- und Freundeswillen haben, Ihnen zu dienen und zu +helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden +Sie sich mit den Blättern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab, +können Sie nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so +hängt hier am Nagel an der Tür ein Schlüssel, der die Pforte unten an der +Allee aufsperrt. Lassen Sie den Schlüssel von innen stecken und schlagen +Sie die Pforte von außen zu. Zu bezahlen haben Sie für das, was Sie +inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, daß Sie einmal dagewesen +sind.‘ + +So sagt der Torwart, und dann läßt er den verwunderten Herrn Stefenson +allein. + +Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen. +Ich kann hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blätter aufsagen, sondern nur +einige wenige Sätze hervorheben. ‚Betrachte dein Leben mit allem, was es +gebracht hat: Arbeiten, Erholungen, Genüssen, Sünden, als eine +Anstrengung, die dich müde gemacht hat und deine Kräfte zermürben wird. +Mache dich los von diesen Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Löse +dich zunächst los von dem Götzen, dem du alle Tage opferst, von deinem von +dir so zärtlich geliebten Ich. Entkleide diesen Götzen allen Tandes, den +du ihm mit großen Entbehrungen verschafft hast, seines wohlklingenden +Namens, seiner Genußsucht, seiner Herrschsucht über Geld und andere +Machtmittel.‘“ + +Hier unterbrach mich mein Zuhörer. + +„Bitte, sagen Sie das nicht mit so phrasenhaften, abstrakten Worten; sagen +Sie es einfacher und instruktiver!“ + +„Schön! Nehmen wir also an, daß jener Herr Stefenson die zwei Tage und +zwei Nächte in dem Einsiedlerhäuslein ausgehalten hat, ohne fortzulaufen. +Nach zwei Tagen kommt der Arzt. Herr Stefenson wird ihm entgegenrennen und +ohne jede Einleitung sagen: ‚Ich habe Ihre Blätter gelesen und muß Ihnen +sagen, Herr Doktor, daß mir die Sache zum Teil sehr abenteuerlich, zum +Teil sehr langweilig vorkommt. Warum soll ich zum Beispiel hier in dem +Ferienheim nicht mehr Stefenson heißen, sondern einen anderen Namen +haben?‘ + +‚Setzen Sie sich‘, wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die +Bank neben der Haustür drücken. + +‚Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.‘ + +Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr +Stefenson in den Tagen einsamer Einkehr in sich selbst über sein Leben +niedergeschrieben hat. ‚Ich werde die Blätter mitnehmen‘, sagt der Doktor, +‚und sie zu Haus noch einmal lesen, dann bekommen Sie Ihr Manuskript +zurück und können es selbst vernichten.‘ ‚Das ist so ähnlich wie bei +Lahmann‘, sagt Stefenson. ‚Ja‘, nickte der Doktor, ‚ich habe vieles von +Lahmann, der wieder vieles von Prießnitz und anderen hat. Wenn einer +hochkommen will, muß er immer auf die Schultern anderer steigen.‘ + +Der Arzt unterhält sich nun lange mit Mister Stefenson und erklärt ihm +auch, warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. ‚Sie +sind hier nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der – sagen +wir – John heißt; dieser John hat mit Herrn Stefenson gar nichts zu tun. +Herr Stefenson ist irgendwo in Neuyork, Milwaukee oder auf Trinidad, +zermartert sich dort sein Hirn um neue Gewinne, wird gelobhudelt, +befeindet, belogen, betrogen – arbeitet und amüsiert sich halb zu Tode, +hat mancherlei Schwächen, die sein Leben und vor allen Dingen seine Freude +am Leben verkürzen, kurz, ist trotz seiner Millionen ein armer, gehetzter +Mensch, während dieser John hier keinen liebedienernden Troß, keinen +vorteilssüchtigen Freund, aber auch keinen Feind hat, froh und sicher +unter seinesgleichen lebt und, wenn er mit einem Genossen im Garten +arbeitet, nicht weiß, ob dieser Mann draußen in der Welt ein Fürst oder +Minister oder ein kleiner Beamter ist. Sehen Sie, John, das ist ein ganz +köstlicher Humor, den wir hier betreiben. Wenn die Leute ihren Namen +abgelegt haben und auch alle die gleiche Tracht haben, kennt man den +Großen vom Kleinen nicht mehr heraus. Der Geist verrät sie nicht. Daß der +Patient während der Dauer der Kur seinen Namen ablegt, ist für den Erfolg +für uns eine große Hauptsache. Der Name ist meist die stärkste Kette, die +mit der Last und Lust des Alltags verbindet, sie muß in Ferientagen gelöst +werden. Und wäre der Name auch ein Schmuck, wie ja der Name eines guten +Kaufmanns gewiß ein kostbarer, schwer erworbener Schmuck ist – wer richtig +ruhen will, legt allen Schmuck ab. Weniger wichtig ist das Ablegen der +gewohnten Tracht, aber doch wichtig genug, bei uns zur Bedingung gemacht +zu werden. Und für uns hat es noch das eine Gute: Es hält uns alle +albernen Pfauen des Lebens vom Halse, vor allen Dingen eitles Weibervolk; +wer zu uns kommt und bei uns bleibt, der meint es ernst mit sich selbst. +Im übrigen hoffe ich, daß Ihnen unsere bequeme, gesunde Tracht gefallen +wird; auch unsere Damen sind sehr zufrieden mit ihr. + +Wovon Sie weiterhin erlöst werden müssen, ist das Geld. Sie haben während +Ihres ganzen hiesigen Aufenthalts mit Geld nichts zu tun. Was Sie bei sich +tragen, geben Sie an der Kasse ab, es wird Ihnen verwahrt und verzinst bis +zu Ihrem Austritt, abzüglich des Betrages für Ihren Kuraufenthalt. John, +der Feriengast, besitzt nicht einen Pfennig. Er braucht auch keinen +Pfennig, und er ist schon nach kurzer Zeit glücklich, nicht den ganzen Tag +über sich Hände entgegenstrecken zu sehen, auf die er Geld legen soll, wie +es Herrn Stefenson geschieht, bei dem die Bewegung nach der Brieftasche +schon automatisch geworden ist. John hat nur eine Tasche fürs Taschentuch +– Geld hat er nicht, Schlüssel, Messer, Taschentoilette, Füllfederhalter, +Notizbuch, Brieftasche, Taschenapotheke und aller andere Ballast wird über +Bord geworfen. + +Auch die Uhr! + +Es geht John gar nichts an, wie spät es ist, es ist gänzlich ohne +Interesse für ihn, ob es dreizehn Uhr siebzehn oder vierzehn Uhr +sechsundzwanzig ist, er braucht nicht zu hetzen, sich nicht zu ängstigen, +er hat Zeit, er kommt immer zurecht. Nur die Mahlzeiten darf er nicht +versäumen; aber zu ihnen ruft eine Glocke. Oh, Mister Stefenson, Sie +werden sehen, wie wohltuend das ist, wenn man nicht am Tage sechzigmal +nach der Uhr sehen muß! Die Uhr, die über dem Herzen schlägt, schlägt +schneller als das Herz, als wollte sie wie ein Schrittmacher zu immer +größerer Eile anspornen – und der Weg führt doch ans Ende des Lebens. +Warum sollen wir es so eilig haben, dorthin zu gelangen? Der Schrittmacher +wird bei uns außer Tätigkeit gesetzt. + +Da nun John mit Mister Stefenson rein gar nichts zu tun hat, geht es ihn +auch rein gar nichts an, was diesen amerikanischen Großkaufmann von +Weltereignissen aufregt und interessiert. Es geht John nichts an, ob +Stefensons Kurse fallen, was in den Parlamenten gekohlt wird oder was im +‚Völkerbund‘ für Schindluder getrieben wird, ja es geht ihn nicht einmal +das mindeste an, wer Weltmeister im Boxkampf geworden ist – kurz, John +liest keine Zeitungen. Auf dem Fragebogen, den Sie, Herr Stefenson, +auszufüllen hatten, steht: ‚Wie lange lesen Sie durchschnittlich täglich +über der Zeitung, wie lange also im Jahre?‘ Sie haben den täglichen +Zeitverbrauch auf dreiviertel Stunden, den jährlichen also auf 274 Stunden +berechnet. Wenn man den Tag mit neun Arbeitsstunden annimmt, verwenden Sie +aufs Zeitunglesen dreißig Tage, also einen ganzen Arbeitsmonat des Jahres. +Und dann kam auf dem Fragebogen die Aufforderung: ‚Schreiben Sie kurz +nieder, was Sie von Ihrer Zeitungslektüre aus dem vorigen und aus dem +vorvorigen Jahre noch wissen!‘ Was Sie vom vorigen Jahre noch wissen, +steht auf fünf kleinen Blättern, und Sie geben es ehrlich an, daß es Ihnen +schwere Mühe verursacht hat, diese fünf Blätter zu füllen. Vom vorvorigen +Jahre wußten Sie fast nichts mehr, nur ein paar ganz große Ereignisse +standen noch im Gedächtnis. Nun ist ja sicher, daß durch das Zeitunglesen +viel latenter, nur im Augenblick nicht bereiter Besitz erworben wird. Aber +Sie selbst müssen sich fragen, ob dieser Besitz die Aufwendung eines +ganzen Arbeitsmonats des Jahres wert ist. Das Zeitökonomische geht uns +übrigens hier nur in zweiter Linie an. Die Hauptsache ist uns: John darf +sich nicht das Frühstück verderben lassen, weil Herr Stefenson in +ebendemselben Augenblick aus der Zeitung einen giftigen Ärger über einen +Deputierten saugen würde, der nach seiner Meinung eine idiotische Rede +gehalten hat; John betrinkt sich nicht am Abend aus Freude darüber, daß +einer Konkurrenz von Mister Stefenson die Butter vom Brote gefallen ist; +John disputiert nicht eine Stunde lang darüber, ob das Bündnis zwischen +den Staaten Soundso zustande kommen wird oder nicht; kurz: John verzichtet +auf die Peitschenhiebe des Zeitungsstils. Er sagt sich so: Für Herrn +Stefenson aus Amerika mögen die nervenanstrengenden Dinge, die täglich in +der Zeitung stehen, wichtig, ja unerläßlich sein; denn Herr Stefenson +steht in der harten Schule des Lebens und kann sich um sein Pensum nicht +drücken; aber ich – o ich, John, ich habe Ferien, und die ganze Schule des +Lebens geht mich rein gar nichts an. + +Es kommt noch eins hinzu – John erzieht sich. Herr Stefenson meint, ohne +ihn ginge es nicht. Auch wenn er reist, auch wenn er in einem Bad ist, +behält er die Hauptfäden seiner geschäftlichen Angelegenheiten immer in +der Hand. Er läßt sich ellenlange Berichte schicken, er liest Zeitungen, +er kabelt, er regt sich auf, freut sich, wettert und ist eigentlich auch +auf Reisen immerfort zu Hause, immer im Joch. John pfeift sich eins. John +sagt: Wenn Herr Stefenson tot wäre, ginge es auch; folglich geht es auch, +wenn Herr Stefenson verreist ist. Vielleicht geht es sogar besser, als +wenn er zu Haus ist. Nur nicht zu eitel sein! Frisches Blut tut manchmal +gut, und vielleicht kann John Herrn Stefenson zu guter Letzt an der Hand +nehmen und sagen: Sei froh, daß du mal ausgeschieden warst, du hast +inzwischen glänzende Geschäfte gemacht, so wie ein Spieler meist gewinnt, +wenn er einem Vertreter auf einige Minuten seine Karten überläßt. + +Im Ferienheim gibt es täglich einen Anschlag, auf dem in wenig Zeilen die +Hauptereignisse des Tages mitgeteilt werden. Wer daraus schließt, daß er +über einen Punkt unbedingt weitere Auskunft haben müsse, der geht in die +Kanzlei, dort liegen dreißig Zeitungen. Kann sich der Betreffende bald +beruhigen, dann ist es gut; wenn das nicht der Fall ist, verläßt er die +Ferien und geht in die Lebensschule zurück. Bis jetzt sind nur drei +Prozent unserer Feriengäste nach der Kanzlei gekommen, um Zeitungen zu +lesen; die allermeisten lesen nicht einmal die Anschläge. Sie sind zu +ernst; sie sind wie auf einem fremden Stern; die Erdenereignisse gehen sie +auf einige Zeit gar nichts an. + +Und so wie mit den Zeitungen, ist es mit der Privatkorrespondenz. Sehen +Sie sich an, Herr Stefenson, wie es die Leute in den modernen Kurorten +treiben. Eine der allergrößten Hauptpersonen ist der Briefträger. Man kann +sein Erscheinen nicht erwarten. Vor jeder Ausgabe der Post zwanzig Minuten +Nervenvibrieren, innere Unruhe, gespannte Erwartung. Und der Erfolg? Ein +paar freuen sich; aber Herrn Mayer hat seine Frau geschrieben, daß sich +der Hausmeister ruppig benommen habe, und Herr Mayer ist auf Stunden in +menschenfresserischer Laune; das Töchterchen von Frau Ludwig ist vom Tisch +gepurzelt, und die Mutter telegraphiert, man solle gleich den Arzt +befragen, was ohnehin natürlich schon geschehen ist; Baron Erwin zieht die +Stirn in Falten, weil seine Isolde nicht geschrieben hat; der +Schriftsteller Niessen kriegt ein Romanmanuskript zurück und bricht fast +in Tränen aus über die Idiotie der betreffenden Redaktion; im Herzen der +blonden Else steckt eine Ansichtskarte ihres Referendars ein verzehrendes +Feuer der Sehnsucht an; der Geheime Oberregierungsrat bekommt das +Schreiben eines ‚Freundes‘, das ihm suggeriert, seine Stellung sei +erschüttert, und der Frau von Puttbus schreibt die Schneiderin ab. – Die +Ärzte können sicher rechnen, daß das, was sie in einer Woche aufbauen, +manchmal der Briefträger in zehn Minuten einreißen kann. + +Und deshalb wünscht das Ferienheim sehnlichst den Briefträger zum Kuckuck, +weil er die Ferienruhe stört, weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts +anderes steckt, als ermüdende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb +bitten wir unsere Feriengäste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns +lieb haben, wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im +Notfall an mich; alles Kleine laßt weg, erzählt es mir, wenn ich +heimkomme. Es wird mir dann lieb sein; es wird sein, als ob wir uns neu +gegeben wären. Bedenkt, daß mir von der Leitung des Ferienheims, wenn ich +in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, nahegelegt werden wird, das +Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich kann nicht +ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuß sitzt. + +Das ist eine scheinbar harte Maßregel des Ferienheims, die viele gehindert +hat, zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung +als richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen großen Teil seines +Erholungsaufenthaltes an ein Postbüro binden will, soll anderswo hingehen. + +Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite unseres +Heilverfahrens, das, was wir ausscheiden: Namen, Rang, Titel, moderne +Bekleidung, das Geld, die Uhr, die Zeitung, das unnütze Briefschreiben +oder, wenn Sie es krasser sagen wollen, Verwandtschafts- und +Bekanntschaftsfesseln. + +Sie merken schon, Mister John, daß ich an alte Klosterideale angeknüpft +habe. Nur, daß es sich eben nicht wie beim Kloster um die +Lebenseinrichtung überhaupt, sondern nur um eine Ferienpause des Lebens +handelt, und daß wir nicht aus religiösen, sondern aus sanitären +Beweggründen handeln. Zur Seelsorge sind wir weder befähigt noch berufen. +Aber – um auch diesen wichtigen Punkt zu berühren – wir empfehlen allen +denen, die noch eine religiöse Anschauung haben, aus reinster +Menschenfreundlichkeit, auf Grund dieser Anschauung einen recht tiefen +Herzensfrieden mit ihrem Herrgott zu machen; das ist die allergrößte +seelische und darum auch die allergrößte körperliche Wohltat. Ein Arzt, +der gehetzten Menschen Erquickung bieten wollte und diesen Punkt außer +acht ließe, wäre ein Stümper. Deshalb wird all unseren Feriengästen +Gelegenheit geboten sein, Gott zu dienen, wie sie es bedürfen. Daß wir uns +dabei jeder Einmischung in dieses ureigenste Gebiet des Menschen +enthalten, ist ganz selbstverständlich. + +Die ärztliche Behandlung wird natürlich für jeden Feriengast individuell +sein; für Schwerkranke ist das Ferienheim kaum, mehr für die Müden, für +die, die das Leben in seiner Hast und Hohlheit nicht mehr freut, für die, +die gern noch einmal mit frischen Kräften von vorn anfangen möchten. + +Für die Alkoholkranken, die Morphium- und Opiumsüchtigen hat man jetzt +draußen Entziehungskuren, die großen Segen bewirken; wir wollen hier allen +denen Entziehungskuren gewähren, die auf irgendeine Weise vom Leben +vergiftet sind. Ganz generell werden alle erlöst von allem Eitlen und +Hohlen ihres bisherigen Daseins, von der drückenden Last öffentlichen und +privaten Lebens, von unnützen Bedürfnissen; individuell sollen sie erlöst +werden von ihren Krankheiten, Lebenssünden und Lebensschwächen, von +unfruchtbarer Sorge, Angst und Reue, sollen Kraft im Frieden und die +kostbare Fähigkeit zur Freude wiedergewinnen. + +Wir scheiden aus dem Ferienheim die üblichen Vergnügungen aus. Sie finden +bei uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Früh-, Mittags- und +Abendkonzerte, keine Spielsäle, Taubenschießen, Theater- und +Varietévorstellungen, keine prunkhaften Umzüge und italienischen Nächte – +denn das alles ist nichts als anstrengende hohe Schule des Lebens und +betrügt alle die, die mit neuen Kräften nach Hause kommen wollen. Wir +suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder Beschäftigung in +frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige Gartenbeete +umgraben müssen, auch werden Sie sich gelegentlich am Fällen eines Baumes +oder am Holzsägen beteiligen müssen; es kann aber auch sein, daß Sie mal +einen Hecht angeln oder ein paar Körbe Äpfel pflücken müssen. Da Sie, wie +Ihre Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schöngeistiges Buch +gelesen haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und +einem Bändchen Lyrik nicht herumkommen. Während wir bei sogenannten +Leseratten Entziehungskuren machen, muß bei Ihnen in diesem Falle eine Art +Zwangsernährung einsetzen. + +Die körperliche Kost wird ganz Ihrem Befinden angemessen und natürlich gut +und schmackhaft sein. Alle Woche zweimal werden Sie sich das Abendbrot +selbst bereiten. Wie Sie das anstellen, ist Ihrer Phantasie überlassen. Im +großen Küchen- und Vorratshause finden Sie alle Rohmaterialien. Wir haben +gegenwärtig einen Feriengast, der draußen in der Welt eine Schar von +Dienern hat. Auch er muß sich das Abendbrot zweimal in der Woche selbst +bereiten. Anfangs wußte er nichts anderes, als daß er sich Brotstullen +schnitt, die entsetzlich dick und krumm gerieten, die Stullen mit Butter +beklebte und starke Wurstscheiben mit der Pelle darauf legte. Das nächste +Mal hatte er schon erluchst, wie man Kartoffeln an einem kleinen +Feldfeuerchen kocht, und hatte sich dazu einen Hering verschafft. Dann +ergänzte er seine Mahlzeit, indem er Radieschen aus der Erde zupfte, Nüsse +und Früchte von den Bäumen holte, und am vierten Abend, den er sich selbst +bereitete, lud er einen Freund und eine Freundin ein, war sehr stolz auf +sein Mahl und aß mit Genugtuung und Appetit. Das sind Kleinigkeiten, die +vielleicht wie Spielerei aussehen, aber doch einen Sinn haben. So werden +Sie sich z. B., wenn ein kühler Tag ist, das Feuer in Ihrem Ofen selbst +anzünden und unterhalten müssen. Hobelspäne und Reisig können Sie sich +leicht holen, das Holz müssen Sie selber hacken. Sie werden sehen, Mister +John, wie warm und goldig solch ein selbstentzündetes Feuer brennt, viel +wohliger, als wenn es ein Diener angefacht hätte. Ein volles Dutzend Mal +werden Sie die Kacheln abfühlen, wie sie nach und nach warm werden, mit +einer heimlichen, stillen Freude im Herzen. Und wenn am Abend Sie ein paar +andere Feriengäste besuchen, Leute, von denen Sie nicht wissen, wie sie +eigentlich heißen, wer und woher sie sind, von denen nichts anderes +bekannt ist, als daß es eben auch ernsthafte Menschen sind, die sich zu +einer Ferienpause des Lebens aufgerafft haben – wie schön wird es sein, +mit ihnen zu plaudern oder sich etwas zu erzählen und selbst auf das Feuer +zu achten. + +Gute Kammermusik werden Sie manchmal zu hören bekommen; doch nicht oft und +nicht viel. Aber zur Laute wird öfter gesungen werden, und manchmal wird +irgendwo ein Bläserchor stehen, und es wird sein, als ob Soldaten in der +Ferne marschierten, oder ein Waldhorn wird ins Tal schallen wie in alten, +romantischen Tagen. + +Sport dürfen Sie treiben: Reit- und Schwimmsport, Turnen im Luftbad, +Tennis- und Kegelspielen. Auch Karten spielen dürfen Sie, aber ohne Geld; +denn John hat keinen Pfennig in der Tasche, und wollte er sich mit seinen +Gegnern verabreden, ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel +zwanzig, und würde alles hinterher in bare Münze sauber umgerechnet, so +würde es wohl doch herauskommen, und das Spielernest würde energisch +ausgenommen werden. + +Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen +scheinen, ganz nach ärztlichem Befund. Wenn Sie mich nun fragen, wie lange +ein solcher Ferienaufenthalt währt, so muß ich Ihnen sagen, daß die +kürzeste Frist sechs Wochen beträgt, daß es aber sehr viel günstiger ist, +wenn die Ferienpause drei Monate oder noch länger dauert. Die ersten +vierzehn Tage werden Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren, +vielleicht am Heimweh leiden nach der eben abgelegten alten Haut. Sie +müssen erst heimisch werden, müssen das große Ferienglück erst ganz +fühlen, müssen die unaussprechlich süße Freude empfinden, wie Sie gesünder +und fröhlicher werden, dann erst kommt das Heil. + +Aber wenn Sie dann in die große, schwere Schule zurückgehen, werden Sie +mehr neue Kräfte, einen größeren Mut zum Leben mitnehmen, als wenn Sie +unterdes Mineralwasser getrunken, Reunions besucht und hundert Zeitungen +gelesen hätten. Mit einem Wort: Sie werden an die Ferien denken wie ein +Kind an die freie Spielwiese denkt, wenn es wieder in der Etagenwohnung +der Großstadt hinter seinen Aufgabenbüchern sitzt.‘ + +Mit diesen Worten endete der Arzt, der mit seinem neuen Patienten vor der +Tür des Einsiedlerhäuschens saß, seine Belehrung, und damit ende auch ich, +Mister Stefenson, den Aufschluß über das Ferienheim des Lebens, das nur in +meiner Phantasie lebt und wohl auch immer nur dort leben wird.“ + + * + +Ich schwieg, und der Mann, der mir gegenüber am Gasthaustisch saß, schwieg +auch. Er hatte die ganze Zeit, während der ich sprach, mit halb +abgewandtem Kopfe dagesessen und hinunter nach Neustadt gesehen. Endlich +stand Stefenson auf, nickte kurz mit dem Kopf, sagte: „Danke sehr! Guten +Abend!“, nahm seinen Hut und ging aus der Stube, nachdem er den Kellner +bezahlt hatte. Ich ließ ihn gehen. + + * + +Am nächsten Tage ließ sich Mister Stefenson bei mir in Waltersburg melden. + +„Guten Morgen“, sagte er; „ich muß Ihnen sagen, daß mir das gar nicht +paßt, daß ich John heißen soll.“ + +„Wieso – wieso?“ fragte ich verwundert. + +„Ja, das hat mich verdrossen. Ein Kerl namens John hat mich nämlich mal +furchtbar geärgert. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte. +Ich mag nicht John heißen. Ich habe mir ein Adreßbuch geben lassen und +nach einem einfachen, aber nicht zu häufigen Namen gesucht. Ich will +Zuschke heißen.“ + +„Sie wollen Zuschke heißen? Warum – wieso – wo wollen Sie Zuschke heißen?“ + +„In Ihrem Sanatorium natürlich – in Ihrem Ferienheim –“ + +„Aber, Mister Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein +Phantasiegebilde – eine Utopie –“ + +Da sah er mich fest an. + +„Es wird existieren; denn wir werden es zusammen begründen.“ + +Ich schlug die Hände zusammen. + + * + +Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschäftsmäßig, trocken, sogar ein +wenig mürrisch hat er mir auseinandergesetzt, wie er sich die +Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das +viele Geld, vor dessen Summe ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere +Zeit, auch das Volk hierzulande nicht geeignet sei für romantische +Sonderbarkeiten, wurde er zornig und sagte: + +„Wer eine Idee hat, soll an sie glauben, oder er soll gar nicht von ihr +sprechen.“ + +Er nahm mich in den Bann der großen Kühnheit und Sicherheit seiner Seele, +und ich willigte endlich ein. Zuletzt sagte Stefenson: + +„Einen Kontrakt wollen wir nicht machen. Ich gebe das Geld, Sie geben die +Idee und Ihre Kraft. Erzielt unser Unternehmen einen Gewinn, so werden wir +ihn gerechterweise teilen; wenn nicht, dann sind Sie ein schlechter Arzt, +und ich bin ein schlechter Geschäftsmann gewesen. Wir werden uns dann ohne +gegenseitige Hochachtung, aber auch ohne feindselige Gesten voneinander +trennen.“ + +Dann ging er. Ich saß an meinem Tisch, starrte die Platte an, lachte mal +auf, trommelte mit den Händen, lief durchs Zimmer, legte mich aufs Sofa, +rauchte Zigaretten und tat endlich was Vernünftiges – ich ging an die +frische Luft. + +So mag einem Feldherrn zumute sein, der zur Führung einer Kriegsarmee +berufen wird, oder einem Dichter, dessen großes Stück über die Bühne gehen +soll, oder einer jungen Mutter, die ihr erstes Kindlein geboren hat. Mit +einemmal das verwirklicht zu sehen, was bisher nur ein schöner Traum war, +mit einemmal vor die größte und liebste Aufgabe des Lebens gestellt sein – +wo wäre ein berauschenderes Glück? + +Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein über deinen +schrägen Dächern und alten Giebeln, wie schön singen die Spatzen am +Johannisbrunnen, wie freundlich und gesund schauen die Kinder aus! + +Warte nur, mein altes Waltersburg, für dich kommt, wie für das +Dornröschen, ein selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will +dich küssen mit einem heißen, so lebenspendenden Kuß, daß alle Starrheit +von dir fällt und du mitten in wonnigem Leben stehst! + +Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer +weltmodisch aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen – der Träumerglanz +soll in deinen Augen bleiben, der weiße Schimmer auf deiner Stirn, das +schöne, stille Lächeln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen +berühmt werden als eine Wohltäterin der Menschen. + +Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was +wertvoll in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Draußen +in der Welt, drüben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zuschauer nur, +stehe ich vor der bunten Bühne, und weil ich so lange und so oft +zuschaute, täuscht mich keine Kulisse mehr; ich weiß, hinter den bemalten +Wänden liegt unordentlich Gerümpel und geht rauhe Zugluft durch schlecht +schließende Türen. Langsam wanderte ich zum Eulentore hinaus. Es geht da +keine Chaussee; eine alte Landstraße führt ins Grüne. Am Hasenhügel setze +ich mich auf einen Stein. Mir gegenüber lag der Ostabhang des +Weihnachtsberges. Über den Fluß ging der Blick auf ein Hochplateau von +Wiese, Feld und Wald und stieg dann den Berg hinan. Das wäre der rechte +Ort für mein Ferienheim. + +Nur in Waltersburg kann ich den rechten Ort für mein Ferienheim finden, in +dieser freundlichen, närrischen, gesunden Stadt! + +Wie Moses schaute ich in mein Gelobtes Land. + + + + + + LUISE + + +Es ist ein Brief angekommen, der mir die überschäumende Freude des Tages +genommen hat. Die Pflegeeltern der Tochter Joachims haben geschrieben. Bei +dem Scheidungsprozeß wurde die kleine Luise dem Bruder zugesprochen. Da er +aber weltflüchtig wurde, geschah dem Kinde das, was vielen solchen +überzähligen armen Würmern geschieht – es kam „in Pflege“. Ein +„kinderloses, aber sehr kinderliebes, in durchaus geordneten Verhältnissen +lebendes Ehepaar in Berlin sucht Kind von besserer Abkunft gegen einmalige +Erziehungsbeihilfe als eigen anzunehmen“. + +Ich wußte, was für Tragödien sich hinter solchen Inseraten verbergen, wie +oft sie der Deckmantel elendester Gaunerei, schamlosester Ausnutzung sind. +Und damals war es das erstemal, daß ich meine Mutter nicht verstand. Sie +weigerte sich auf das entschiedenste, das Kind zu sich zu nehmen und zu +erziehen, und da ich immer wieder in sie drang und die Unschuld des Kindes +nicht verderben, seinen kleinen Leib nicht frieren und darben lassen +wollte in der Fremde, wurde die Mutter hart wie Eisen und sagte, ich +entehre sie mit meinen Vorstellungen und Bitten. Sie war zu tief gekränkt +in ihrer Frauenseele, sie haßte das Weib, das dieses Unheil angerichtet, +zu bitter, litt zu furchtbar unter dem Verlust des Lieblingssohnes, als +daß ihre sonst so gute, freundliche Art auch diesmal den rechten Weg hätte +finden können. Ja, sie sagte mir, daß sie die Bitte vom Vergeben aus ihrem +„Vaterunser“ gestrichen habe. Der Bruder war geflüchtet, ich mußte hinter +ihm herziehen, ein abenteuerliches Leben beginnen, um ihn zu suchen und +ihn schließlich nach fünf Jahren zu finden und zu einer ganz kurzen +Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise nicht +weiter kümmern, ich wußte nur, daß eine entfernte Verwandte das Mädchen zu +dem „kinderlieben“ Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten +fünfzehntausend Mark „Erziehungsbeihilfe“ als einmalige Abfindung bezahlt +und berichtet hatte, es scheine sich um außerordentlich honette und +christliche Leute zu handeln. + +Als ich Joachim in der Schiffskajüte gegenüber saß, indes draußen die +schwere See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, daß er an +die tiefsten Tiefen des Männerherzens rühren, daß er eine der +festverschlossenen Türen öffnen, und daß die Frage daraus hervortreten +werde: „Lebt das Kind noch?“ Joachim stellte die Frage nicht, und als ich +nach Hause kam und nach etwa zehn Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob +die kleine Luise am Leben sei, wandte sie sich ab und sagte hart: „Das +weiß ich nicht!“ + +Da fiel mir auf, daß die Mutter und Joachim sich sehr ähnlich seien. Ich +bin mehr nach dem Vater geschlagen. Der ist ein weicher Mann gewesen. Und +ich selbst bin wohl auch als Mann viel zu weich, stoße mir überall leicht +das Herz wund und werde wahrscheinlich einmal viel leichter unter die +Räder kommen, als es Joachim passieren könnte. + +Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief +geschrieben. Sie hat ihn aber nicht geöffnet, wie sie zehn oder mehr +andere Briefe, die von derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht +geöffnet, sondern ungelesen verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich +an mich genommen und ihn soeben gelesen. + +Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung +und noch elenderem Stil die Enthüllung niederster Schakalinstinkte, +Geldgier, Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte +feinere Leute einbildeten – sie setzten Kinder in die Welt, kümmerten sich +aber nicht um sie, sondern ließen sie anderen Leuten zur Last. Ob sich die +feine Gesellschaft je klar geworden sei, was es heiße, ein Kind +aufzuziehen? Zehntausend durchwachte Nächte und bei Tag keine ruhige +Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie fünfzehntausend Mark bezahlt +sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr christliche Leute, wie das +ganze Stadtviertel bezeugen könnte, und niemand etwas schuldig, aber die +anderen, die zehn Briefe nicht beantworten, was seien die? Das bißchen +Geld, das bezahlt worden sei, sei längst weg. Das hätten allein Doktor und +Apotheke verzehrt; denn wer weiß, was die Luise von ihren Eltern alles für +Krankheiten geerbt habe. Wenn sie, die Pflegeeltern, nicht so kinderliebe +Menschen wären, läge das Kind längst auf der Straße oder im Grabe. Sie +müßten ihr Letztes zusetzen, um das Mädchen zu erhalten. Aber nun habe das +ein Ende. Sie würden den ganzen Skandal in die Zeitung bringen und sich +auch an das Vormundschaftsgericht in Waltersburg wenden. Im übrigen seien +sie bereit, gegen Zahlung von weiteren zehntausend Mark das Mädchen in +Pflege zu behalten, obwohl Luise ein Kind sei, das nur Ärger bereite. + +Solches und noch Ärgeres enthielt der Brief. Ich trug ihn zur Mutter. + +„Lies den Brief!“ sagte ich. + +Sie schüttelte zornig den Kopf. + +„Du mußt ihn lesen, Mutter“, sagte ich todernst und in hartem Befehlston. + +Sie starrte mich an und wurde blaß. + +Ich legte den Brief auf den Tisch und verließ das Zimmer. + +Nach einer Stunde suchte ich die Mutter wieder auf. + +Sie lag auf dem Sofa und zuckte wie in Krämpfen. + +„Liebe, gute Mutter“, sagte ich und streichelte ihren frühgebleichten +Scheitel. + +„Ändere es, Fritz“, sagte sie mühsam, „ändere es; tue, was du willst, aber +ändere es – es ist entsetzlich!“ + +Schmerz und Grauen schüttelten sie. + +Ich küßte ihr die Hand und sagte: „Ich fahre mit dem nächsten Zuge nach +Berlin.“ + + * + +Der Zug rollte sein einförmiges Lied durch die ebene Landschaft. Es regnet +fein, glitzernde Tröpfchen zittern an den Fensterscheiben und rinnen +schließlich in schmalen Bächlein herab. Keiner meiner Fahrtgenossen +spricht ein Wort. Mir ist das recht lieb. Ich bin in einer trostlosen +Stimmung. + +Ferien vom Ich! Ein Erlösungswort für gequälte Menschen, eine +Zufluchtsstätte für müde Herzen, eine friedliche Insel im brandenden +Ozean, und ich der Lotse, der halb zerschellte Schiffe nach dem Hafen +geleitet. Bitterer Spott über mich selbst quillt mir im Herzen auf. Wenn +nun einer meiner Kurgäste mich einmal befragt: Wie bist du eigentlich dazu +gekommen, solch ein Prophet des Friedens zu sein, wer lieh dir den Talar? +Bist du selber so ein harmonischer Mensch, hast du gesiegt über die Unrast +der Zeit und die Kämpfe deines eigenen Herzens? Hast du zunächst alle +diejenigen, die dir durch verwandtschaftliche Bande nahestehen, so in den +Frieden gerettet, daß du nun ausgehen kannst, um fremdem Volk zu helfen? + +Oh, seht ihn nur an, den Propheten, den Friedensapostel! Seht nur, wie er +im Eisenbahnwagen sitzt und endlich versuchen will, ein Kind, das ihm +durch die Bande des Blutes ganz nahesteht, vor völliger Verwahrlosung zu +retten; fragt ihn nur nach seiner Mutter, die in Tränen zu Hause sitzt, +fragt ihn nach dem einzigen Bruder, der in Gram und Haß verschollen ist – +fragt ihn nach alldem und wundert euch dann, daß dieser Mann einer großen +Gemeinde freiwillig seine Bauhilfe anbieten will, während ihm der Regen +und der Wind durch die Löcher seiner eigenen Giebel dringen. Wie ein +Geistlicher ist er, der gegen die Sünde predigt und selbst ein arger +Sünder ist, wie ein Richter, der einen Verbrecher straft und den selber +eine geheime Schuld drückt, wie ein Arzt, der andere dem Tode entreißen +will und der selber dem Tode geweiht ist! + + * + +Berlin N. Eine der Proletarierstraßen, von denen jede einzelne mehr +Einwohner hat als ganz Waltersburg. Fünfstöckige Häuser. Im Erdgeschoß +Geschäfte mit billigen Waren, in jedem zweiten oder dritten Hause eine +„Restauration“, in deren Fenster Würste hängen und Schnapsflaschen stehen. +Auf den Bürgersteigen und dem Fahrdamm ein Gewühl schreiender, blasser +Kinder. Schlecht genährte Frauen, dicke Bierkutscher, schmale +Schreiberlein, modisch, aber windig gekleidete junge Mädchen, schwatzende +Weiber, mit Lastkarren daherkeuchende Männer, hie und da ein Faulenzer, +der zum Fenster herausliegt, die Arme auf ein Kissen stützt und den +Stumpfsinn in Reinkultur zeigt, Köter von unbestimmbarer Rasse, wie +wahnwitzig schellende Straßenbahnen, Autos, Droschken, Lastwagen, Radler, +dicke, stauberfüllte Luft, an jeder Straßenecke ein bärbeißiger Schutzmann +– Berlin N. + +Das war das „Milieu“, in dem meine Nichte Luise bisher aufgewachsen war. +Ich ging vom Stettiner Bahnhof aus auf die Suche nach ihrer Wohnung. An +einer Straßenecke bot mir ein Kind Schnürbänder zum Kaufe an. Ein kleines, +blasses Mädchen war es. Ich sah sie an und trat einen Schritt zurück. „Wie +heißt du denn?“ + +Das Kind erschrak und sagte ängstlich: „Luise!“ + +„Wie heißt du noch? Wie ist dein anderer Name?“ + +Noch ein verängstigter Blick, und das Mädchen rannte, so schnell es nur +konnte, davon. Ich fühlte es wie Lähmung in meinen Gliedern, aber ich +eilte dem Kinde nach. Bei einer Tornische holte ich es ein und faßte es am +Arm. + +„Fürchte dich nicht, Luise. Ich tue dir nichts.“ + +Das Mädchen brach in Tränen aus. + +„Sperren Sie mich nicht ein!“ + +„Warum soll ich dich denn einsperren?“ + +„Weil ich – weil ich – die Schuhbänder – Sie sind ein Geheimer ...“ + +Das Kind weinte noch lauter. + +„Hallo! Seht nur da! Was hat denn der mit dem Mädel? Warum weint denn det +Mädel? Haut ihn! Das is so eener! Wird er gleich das Kind in Ruh’ lassen!“ + +Ich war im Nu von einer Rotte Menschen umstellt. Einige Rowdies nahmen +eine drohende Haltung an, Männer murrten, ein Weib kreischte mich an: + +„Pfui über so ’nen Spitzel – ’n armes Mächen, wat sich ’n paar Jroschen +verdient, feste zu nehmen ...“ + +„Is ja jar keen Jeheimer, is ja ’n solcher! Haut ihn!“ + +Die kleine Luise entschlüpfte mir, ein Schutzmann kam breit wie ein +Hilfskreuzer auf die Gruppe zugesegelt, die alsbald um ihn und mich einen +mehrfachen Belagerungsring schloß. + +„Was ist los?“ fragte der Gesetzeshüter. + +„Er hat ’n kleines Jöhr belästigt – er hat ’n Kind jemißhandelt – er hat +ihr blutig jeschlagen – er hat jesagt, er is ’n Jeheimer, aber er is ’n +Lump.“ + +Der Schutzmann stand wie ein Fels. + +„Wer sind Sie?“ + +Ich zog eine Legitimationskarte heraus. + +„Was ist geschehen, Herr Doktor?“ fragte der Schutzmann, nachdem er die +Karte gelesen. + +„Doktor – ’n Doktor is er – amputieren will er ihr – Versuchskarnickel +braucht er, det Schwein ...“ + +„Ruhe!“ donnerte der Schutzmann. „Was ist geschehen?“ + +„Ich will es gern sagen“, antwortete ich, „aber nicht vor diesen Leuten, +die die Sache nichts angeht.“ + +Ein wüstes Geschrei antwortete mir; immer mehr Volk sammelte sich an. + +„Kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse mit mir“, riet der Sicherheitsmann. + +„Jawohl!“ sagte ich, und wir durchbrachen die Kette. + +Niemand konnte mich schützen, daß ich ein paar Püffe und Stöße erhielt. +Ein Trupp johlte hinter uns her, wurde aber durch ein Pferd, das auf der +Straße gefallen, in seinem Interesse abgelenkt, und ich war mit dem +Schutzmann allein. Wir traten in einen Hauseingang, und ich gab ihm eine +kurze Aufklärung. Als er den Namen der Pflegeeltern Luises gehört hatte, +sagte der Schutzmann: + +„Der Mann is ’n Tagedieb und die Frau ’ne Schlampe. Da sehen Sie man, daß +Sie det Wurm da abkriejen.“ + +Ich dankte ihm, und wir trennten uns. Einen Augenblick überlegte ich noch, +ob ich zuvor einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen solle, aber dann ging ich +direkt nach Luises Wohnung. Ein Hinterhaus von vielen Stockwerken. Auf dem +Hofe spielten Kinder im Staub der Stubendecken, die geklopft wurden. Die +Treppe war dunkel und schmutzig. Im dritten Stockwerk las ich den Namen +von Luises Pflegeeltern. Ich läutete zweimal, dann kam ein zaghafter +Kindertritt, die Tür wurde geöffnet, ein entsetzter Schrei, die Tür flog +wieder zu. Ich läutete abermals. Ein großer, starker Mann erschien. Er +trug einen Christusbart, ziemlich lange Haare und stak in einem schwarzen, +wenig sauberen Rock. Später erfuhr ich, daß der Mann „Prediger“ bei +irgendeiner neuen Sekte war. + +Er wollte mich erst mit einer hochmütigen Miene mustern, aber plötzlich +wurde sein Gesicht scheinheilig freundlich, und mit ölglatter Stimme sagte +er: + +„Ah, Herr Oberkommissar, ich hab schon gehört – weiß schon – der Herr +Polizeiinspektor haben meine Pflegetochter beim Handel erwischt – aber ich +kann bei meiner Ehre versichern – Herr Inspektor ich bin unschuldig – ich +verbiete dem Mädel aufs strengste – haben es ja auch gottlob nicht nötig – +aber sehen Sie, Herr Inspektor, so’n hergelaufenes Kind von schlechter +Abkunft, das man so aus purem Mitleid (ich bin Oberprediger bei der +Gemeinde der Jünger von Kapernaum), das man so aus christlicher +Barmherzigkeit aufzieht und das doch nicht gerät, weil der Feind sein +Unkraut unter den Weizen sät, das stiehlt sich nun ’n Jroschen, kauft sich +Schuhbänder oder Streichhölzer oder was weiß ich und verkauft sie, um zu +naschen – natürlich nur, um zu naschen ...“ + +Das Geschwafele erstarb an meiner wortlosen Ruhe. + +„Was wünschen der Herr Inspektor – ich würde den Herrn Inspektor gern in +die Wohnung bitten, aber meine Frau ist zufällig heute noch nicht mit dem +Aufräumen fertig ...“ + +Da sprach ich endlich. + +„Sie irren – ich bin kein Polizeimann – ich bin der Onkel der kleinen +Luise.“ + +„Sie sind – Sie sind – ach so – ach so – der sind Sie ...“ + +Er brach in ein meckeriges Lachen aus. + +„Ich will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sie schlechter Kerl!“ rief ich +außer mir. + +„Sie wollen mich – was wollen Sie?“ + +Sein Gesicht veränderte sich. Eine zynische Frechheit machte sich auf +seinen Zügen breit. + +„Was wollen Sie!“ brüllte er. „So ’n Balg – so ’n unsauberer Balg – und +Sie wollen noch – ah, wenn Sie mir was zu sagen haben, schreiben Sie es +mir; ich bin für Sie nicht zu sprechen – verstehen Sie – für Sie nicht zu +sprechen; denn ich bin ein anständiger Mensch!“ + +Die Tür fiel ins Schloß. Ich blieb allein stehen; ich fürchtete, nun würde +die kleine Luise drin zu schreien anfangen. + +Aber es blieb still. Nur eine Tür krachte noch zu. + +Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab. + + + + + + SAMARITERDIENSTE + + +So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz, +Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glück, daß dem Weltverbesserer doch +noch das Kehren vor der eigenen Tür einfiel, ehe er an die große Mission +ging, anderen zu helfen. + +Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz +besonders verlassen, zu dem sie in ihren Kümmernissen und Nöten kommen, +dem sie es überlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben, +der Geld borgen muß, wenn die andern nichts haben, der immer schieben, +immer unterstützen, immer aushelfen muß. Den Starken als Stütze der +Schwachen kann man ihn nennen, wenn man es ideal ausdrücken will; sonst +kann man auch kurz sagen: der Lastesel. Nachgerade kam es mir vor, als ob +ich in unserer Familie diesen Ehrenposten bekleidete. + +Ich kann nicht behaupten, daß ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder +dachte, als ich durch den Staub des Hofes nach der Straße zurückflüchtete. +Was an diesem Kinde geschah, war jahrelange Sünde. Auch an die Mutter +dachte ich nicht ohne Bitterkeit. Sie war in diesem Augenblick nicht mein +silbernes Mütterchen, sie war eine reine, aber selbstgerechte Frau, die +nicht stark genug war, der Schuld mit Herzenstapferkeit ins Auge zu sehen +und auf dem Schlachtfeld der Sünde Samariterdienste zu tun, sondern eine, +die sich ängstlich in ihrer wohlumhüteten Sauberkeit hielt, mehr bekümmert +um sich selbst als um das, was draußen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte +nicht Lust, das alles so hinzunehmen, ich wollte meine Meinung sagen. Was +sollte ich denn tun, ich einzelnstehender Mann? Es würde schwer genug +halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von Pflegevater war zum +gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die Erziehungsrechte waren an +ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Güte gewissermaßen abzukaufen, dazu +fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem abgefeimten +Schuft an den Leib zu gehen, würde schwer genug sein. Das Nächste war, +einen Anwalt zu befragen. + + * + +In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke +und grübelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte +mich jemand auf die Schulter. + +„Sie sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es nötig!“ + +Es war Mister Stefenson, der also zu mir sprach. Ich war ganz erstaunt, +ihn so plötzlich hier in Berlin zu sehen. + +„Ferien vom Ich sollten Sie machen!“ wiederholte er. + +„Von wem erfuhren Sie denn, daß ich hier bin? Von meiner Mutter?“ + +„Von wem anders sollte ich es wissen? Sie sind in Familienangelegenheiten +hier – wegen einer kleinen Nichte – wollen sie in eine andere Pension +bringen – ja, lieber Doktor, das gefällt mir nicht!“ + +„Was gefällt Ihnen nicht?“ + +„Daß Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden.“ + +„Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache.“ + +„Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit für solche Dinge. +Es paßt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem +Ferienheim gehöre vor allen Dingen die Erlösung von drückenden familiären +Fesseln. Ist das keine Fessel, die Sie am Fuß schleppen? Jetzt, wo wir in +der allerschwersten Gedankenarbeit stehen müßten, fahren Sie einem kleinen +Mädel nach. Was liegt der Welt an dem kleinen Mädel? An Ihrem Ferienheim +soll ihr etwas liegen.“ + +„Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht +miteinander verbunden, daß Sie in dieser Weise mit mir reden dürfen.“ + +„Ich darf“, sagte er phlegmatisch. „Ich habe in Ihnen so etwas wie einen +Propheten gesehen – die Propheten gehen aber in die Wüste, ehe sie +öffentlich auftreten, nicht nach Berlin – die Apostel verlassen Weib und +Kind – der Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rückwärts schauen, +er sagt: Was schert mich Weib, was schert mich Kind? Der Familiensimpel +bleibt immer ein mittelmäßiger Kerl.“ + +Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, +sah auf einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte +dann: „Sie haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im +ganzen sind Sie doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll +und am Fuß eine Beule hat, wird er danach trachten, daß ihm erst ein Arzt +die Beule öffnet und die Wunde säubert und verbindet, ehe er marschiert. +Sonst bleibt er eben am Wege liegen. So geht es mir auch. Ich muß mir erst +diese Angelegenheit mit meiner kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich +an unsere Aufgabe gehen kann.“ + +„Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse – morgen vormittag +zwischen neun und elf. Um elfeinhalb können wir dann unsere Beratung +haben.“ + +„So rasch geht das nicht.“ + +„Wie lange kann es denn dauern?“ + +„Wohl einige Wochen oder auch Monate.“ + +Herr Stefenson lächelte sanftmütig. + +„Das ist sehr schön! Ja, dann sind Sie wohl so freundlich, mich nach +einigen Monaten gelegentlich wissen zu lassen, mit wem Sie schließlich Ihr +Sanatorium begründet haben. Ich bin gar nicht abgeneigt, mir dann einen +Prospekt schicken zu lassen. Für jetzt, guten Abend!“ + +Er verließ mich. Ich sah ihm nach, als er aus dem Zimmer ging, und wußte, +daß es aus war mit meinem Lebenstraume. Ich saß ganz still, und ich weiß +jetzt nicht mehr, was ich damals alles dachte. Ich wußte in jener Stunde +nur, es war aus, um eines kleinen Mädchens willen, das ich kaum auf zwei +Minuten lang gesehen hatte – aus! Dieser Mann, der vor zwei Tagen so viel +Geld auf eine Idee von mir setzen wollte, hielt mich nun für einen +Schwachkopf. Aber auf so elende Weise durften wir uns nicht trennen. Rasch +warf ich einige Zeilen auf eine Karte, ich müsse Herrn Stefenson noch +einmal sprechen, nicht um ihn umzustimmen, daran dächte ich nicht, sondern +um nicht ganz ungerechtfertigt zu scheiden. Ich schickte Stefenson durch +einen Kellner die Karte, und er kam auch bald persönlich. + +„Mister Stefenson – es ist nichts Geschäftliches mehr, nur etwas rein +Menschliches. Es ist darum, daß wir uns jetzt ohne gegenseitige +Hochachtung, aber doch auch ohne beleidigende Gesten trennen wollen, wie +Sie selbst einmal gesagt haben. Haben Sie noch zehn Minuten Zeit für +mich?“ + +Er nickte, und ich erzählte ihm ohne alle Umschweife die Tragödie Joachims +und seines Kindes, und wie ich das Mädchen heute draußen auf der +Ackerstraße getroffen hatte. Mir wurde das Herz warm beim Erzählen, aber +Stefenson blieb ganz gleichgültig. Zuletzt sagte er: + +„Es ist eine traurige Geschichte, die Sie da erzählt haben, aber sie kommt +alle Tage vor. Es ist gar nichts Neues. Ich habe die Geschichte auch +erlebt. Aber etwas Interessantes ist dabei: Sind Sie wirklich fünf Jahre +lang hinter Ihrem Bruder her gewesen?“ + +„Ja, ich fand ihn nicht eher.“ + +„Hm! – Sagen Sie, wollen wir den Abend noch zusammenbleiben? Ich möchte +den „Sommernachtstraum“ in der deutschen Aufführung ansehen. Kommen Sie +mit? Sie haben es doch wohl nicht so eilig nach Hause?“ + +Ich wußte, daß ich bei diesem Manne verspielt hatte, aber ich nahm die +Einladung an. Er sagte, er habe nun noch Geschäfte, wir würden uns im +Theater treffen. Damit händigte er mir eine Theaterkarte ein und verließ +mich. – + +Mendelssohns Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ huschte und zwitscherte an +mir vorüber, Shakespeares unsterbliches Werk reinster Fröhlichkeit tat +sich in glänzender Darstellung vor mir auf, aber ich saß wie ein +Geistesabwesender auf meinem Platze. Der Stuhl neben mir war leer +geblieben. Stefenson war nicht erschienen. Der Märchenwald, durch den die +Elfen huschten, blaute vor meinen Augen; aber ich dachte an den Wald an +dem Abhang des Waltersburger Weihnachtsberges. + +Pyramus und Thisbe trieben ihren grotesken Spaß. Da dröhnte von meiner +Logentür her tiefes Gelächter. Stefenson stand dort. Er beachtete mich +nicht, er schaute nur vergnügt nach der Bühne und lachte so laut, daß er +die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. + +Die nächste Pause kam. Da setzte sich Stefenson neben mich und sagte zur +Entschuldigung seines späten Kommens: + +„Manche Geschäfte wickeln sich in Berlin sehr langsam ab.“ + +Nach dem Theater fuhren wir nach einem Restaurant. Nachdem wir gegessen +hatten, sagte Stefenson ganz unvermittelt: + +„Die Luise habe ich flottgemacht. Zuviel Schwierigkeiten habe ich mit dem +alten Gauner nicht gehabt. Der Hauswirt war gerade bei ihm und drängte um +die Miete; da machte es der Kerl um dreihundert Mark. Er gab alles +schriftlich, was ich wünschte. Mit Anwälten ist das nichts. Das ist teuer +und umständlich. Mit dreihundert Mark war alles in zwanzig Minuten +gemacht, und ich hatte das Kind. Dann war ich um eine Pflegeschwester aus. +Das hat länger gedauert. Das hat unsinnig lange gedauert. Die ganze schöne +Eselsszene habe ich im Theater verpaßt. Die Pflegeschwester ist nun mit +der Luise in unserem Hotel. Nummer 187 wohnen sie. Bald fahren sie nach +einem Erziehungsinstitut in Thüringen. Es ist mir empfohlen worden. Da +wird ja wohl die Luise körperlich und seelisch zurechtgestutzt werden.“ + +Ich schlug wieder einmal die Hände zusammen. + +„Guter Herr Stefenson, das haben Sie getan?“ + +„Ich bitte, exaltieren Sie sich nicht! Eine Zeitlang wird die Luise in dem +Institut bleiben, und dann kann sie zu uns in das Ferienheim kommen – so +als eine Art – als eine Art Einweihungsengel.“ + +Mich würgte es in der Kehle. + +„Sie wollen das Heim doch mit mir gründen?“ + +„Ja“, sagte er ganz ruhig, „ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte +gefallen. Natürlich nicht das Sentimentale, aber daß sie fünf Jahre lang +die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer +ist zu gebrauchen.“ + + * + +Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein +wüster Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht. + +Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, daß er mich für keinen +Philosophen halte, auch nicht für das, was man einen lebensklugen Menschen +nenne, und was ich als Arzt tauge, könne er nicht beurteilen. Er halte +mich für einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem +als vielmehr eine Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung +ist etwas Gezeugtes, Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist +Lebewesen, Problem ist Mechanik. Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung +ganz ausgestalten und ihm vertrauensvoll übergeben. Was ausführbar sei, +werde ausgeführt werden, das andere werde als blauer Dampf in die Höhe +ziehen und auch als Wölklein am Himmel noch schön sein. + + + + + + IN DEN TAGEN DES WERDENS + + +Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es +geht alles so verblüffend schnell bei ihm, daß er, wenn ein anderer noch +bei den ersten Erwägungen und Bedenken stände, schon am Ende ist. Freilich +kommt dazu, daß er Glück hat. Das Gelände am Ostabhang des +Weihnachtsberges steht zum Verkauf. Es gehört einem Manne, der, wie Hans +im Glück, ständig seinen Besitz vertauschte. Dieses Gut hat er gegen +große, sehr ertragreiche Steinbrüche umgetauscht, die Steinbrüche gegen +eine Fabrik, die noch besser war, und so ist es langsam bergab gegangen, +und Herr Stefenson mit seinem großen Geldbeutel hat wenig Schwierigkeiten +gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen gedauert, dann +war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar groß ist, von Stefenson +gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem früheren Schiffsarzt die +Gänsehaut ankommt. + +„Nun ist das Gelände da, nun muß die Gemeinde errichtet werden“, sagte +Stefenson sehr einfach. „In einem Jahre müssen sämtliche Häuser stehen.“ + +„In einem Jahre?“ + +„Ja! Die Deutschen brauchen, wenn sie einen Dom bauen wollen, vierhundert +Jahre, der Amerikaner braucht, wenn er eine Stadt baut, sechs Monate.“ + +„Es ist dann aber auch danach.“ + +„Ob es danach ist oder nicht, ist gleich“, erwiderte Stefenson verdrossen. +„Jedenfalls habe ich für die ganze Chose nicht mehr Zeit. Ich muß nach +Neuyork, nach Milwaukee, nach Trinidad. Sehen Sie sich das Gelände an und +machen Sie Ihren Plan. Ich werde auch einen Plan machen. Ich brauche drei +Tage Zeit dazu.“ + +„Ich würde drei Jahre dazu brauchen, aber um Ihretwillen werde ich in +sechs Wochen mit meinem Plane fertig sein.“ + +Er wandte sich finster ab. Drei Tage lang lief er auf dem erworbenen +Gelände umher, zeichnete, machte Notizen und ging mir aus dem Wege. Am +vierten Tage teilte er mir auf einer Postkarte mit, er habe einen kleinen +Abstecher nach Sizilien unternommen. Ich war froh darüber und ging nun +daran, mein Ferienheim im Plane zu entwerfen. + +Das Gelände kannte ich genau. Die meisten meiner Bubenstreiche hatten in +jenem Walde gespielt; auf jenen Wiesenrainen war ich als Student +tausendmal gegangen. Eines war zu vermeiden – alle Gleichförmigkeit. Eine +Villa neben die andere zu bauen, ein Logierhaus wie das andere, alles in +zimperlich geordneten Gärten, wo man kaum einen Fuß hineinzusetzen wagt +wie in die gute Stube einer peinlichen, eitlen Hausfrau, das sollte uns +gewiß nicht einfallen, ganz abgesehen von Basaren, Hotels, Restaurants, +Plätzen und Straßen großstädtischer Art. + +Im Mittelpunkt der Ferienheimat soll das Rathaus liegen. Es soll ein +großer, geräumiger Bau altdeutschen Stils sein. Der Bürgermeister wird +darin wohnen; denn einen solchen wird uns wohl das Gesetz auferlegen; aber +auch die Sprechzimmer der Ärzte sollen im Rathaus untergebracht sein, +ebenso die Verwaltungsräume, die Kasse, die Nachtwächterstuben. Auch einen +großen ehrwürdigen Saal soll das Rathaus haben, in dem die Feriengäste +manchmal zu einer Feierstunde nationaler, künstlerischer oder geselliger +Art geladen werden. In diesem Rathaus wird auch das „verbotene Zimmer“ mit +den Zeitungen sein. Ein Posten wird davor Wache halten und nur diejenigen +einlassen, die eine Karte vorzeigen, und eine solche Karte wird jedem +während der Dauer des Ferienaufenthaltes nur zweimal gewährt werden. + +Das Rathaus wird am Lindenplatz liegen, dort, wo die große Linde mitten +auf der Wiese steht. So oft auch die Dichter vom Platz unter der Linde und +vom Tanz mit dem schönen Kinde und dem Traum im Abendwinde gesungen haben, +mir ist die alte Weise nicht zu abgeleiert, ich will das fröhliche Glück +vergangener Tage neu erstehen lassen. + +Am Lindenplatz, dem Rathaus gegenüber, soll die Lindenherberge liegen, +unser größtes Gasthaus. Das Modell muß man in schönen deutschen Städten +suchen, etwa in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann +ist es für unsere Zwecke auszugestalten. Eine Bauernschenke denke ich mir, +ein Herrenstübchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lieder zur +Laute gesungen werden. Öfter als einmal in der Woche darf sich niemand in +einer der drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus +zu gehen, ist fürwahr genug für einen Kurgast. Es darf sich auch keiner +einbilden, daß er etwa nur Bauer oder ein Herr oder nur Sänger zur Klampfe +sei – er muß alles sein wollen und sein können, und wenn er dreimal in der +Woche „ausgehen“ will, dann muß er eben jedesmal in eine andere Abteilung, +und das Braunbier, das in der Bauernschenke ein biederer Wirt mit seiner +Gattin ausschenkt, muß ihm ebenso munden wie der Wein, den ein schönes +Mädchen im Poetenwinkel kredenzt. + +Ein Kaffeehaus werden wir auch haben; denn sonst bekämen wir keinen +österreichischen Kurgast. In diesem Kaffeehaus wird alles zu haben sein, +was ein Wiener Kaffeehaus auszeichnet, von der drangvollen Fülle bis zum +Zigarettendampf, nur keine Zeitungen. + +Vielleicht wird mir mancher ob meiner großen Toleranz gegen Tabak und +selbst gegen Alkohol zürnen, aber ich sorge dafür, daß alles im Lot +bleibt. + +Da in den Wirtschaftsräumen umsonst nichts geschenkt wird, da aber auch +keiner der Gäste einen Pfennig Geld in der Tasche hat, sind alle genötigt, +ihre Zeche recht schön und breit an die schwarze Tafel ankreiden zu +lassen, und das gibt nicht nur eine gute Selbstkontrolle, sondern +garantiert auch eine gewisse öffentliche Aufsicht. Alle aber, denen der +ärztliche Befund solche Genüsse verbietet, können sich unten am Fluß in +der Fischerklause, dem zweiten Gasthaus, bei alkoholfreiem Getränk des +Lebens freuen, und es stehen auch verschiedene Selter- und Milchhäuslein +im Gelände, alle bedient von dazu verordneten Damen aus der +Kurgesellschaft. Denn das ist eine wesentliche Seite meines +Gesundungsheims, daß alle Kurgäste, soweit es ihr Zustand erlaubt und +wünschenswert erscheinen läßt, arbeiten müssen. Aus faulem Nichtstun sproß +noch in den allerseltensten Fällen ein Heil. Nein, es werden alle +Mitglieder unserer Gemeinde tätig sein, und dadurch werden sich auch die +Kosten vermindern, zu denen der einzelne beizutragen hat. Daß ein guter +Bestand geübten Personals immer dasein muß, ist selbstverständlich. Aber +wenn ich z. B. für den Poetenwinkel drei Kellnerinnen brauche, wird eine, +die aufsichtführende und bestimmende, eine Berufskellnerin, die zwei +Helferinnen werden Damen aus der Kurgesellschaft sein, und es wird mich +gar nicht beirren, einer jungen Gräfin solchen Schankdienst auf eine Woche +aufzuerlegen. Wem es nicht paßt, der geht! Wir werden alle unsere Gäste +mit Liebe und Hochachtung behandeln, aber keinen umdienern und keinen +anzulocken oder zu halten suchen. Wir werden mit dem Phlegma der Starken +allen Widerständen begegnen. + +Jeder Kurgast wird sich wöchentlich mindestens einmal dem Arzt vorstellen +und neben sonstiger Kurverordnung die Arbeit vorgeschrieben erhalten, die +er in nächster Woche zu leisten hat. Die Verwaltung wird dem +Ärztekollegium rechtzeitig etwa mitteilen: Wir brauchen für nächste Woche +fünfundvierzig landwirtschaftliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sechzehn +Forstarbeiter, neun Gärtnergehilfen, vier Angler, zwei Jäger, neun +Obstpflücker, vierzehn Erbsenleser, sechzehn Mann für Wegebesserung, +sieben Viehhüter, ein Streichquartett, vierzehn Kellnerinnen und +Milchverschleißerinnen, sechs Kegelaufsetzer, zehn Hilfskutscher, zwölf +Wäschebleicherinnen, drei Nachtwächter, acht Frauen zum Spielen mit +Kindern von vier Jahren aufwärts, _ad libitum_ Künstler und Artisten, +Dichter, Rezitatoren, Musiker, Sänger, Schnellmaler, Turner, +Zauberkünstler und ähnliches, 168 Küchengehilfen für je drei Stunden +täglich, zwanzig Mann für Haushälterarbeiten (vier Stunden), fünf Boten +(Radler), einen Mann für die Festrede am Sonntag, dazu einen gemischten +Festchorus von beliebiger Stärke, zwei Laternenanzünder, zehn Frauen oder +Männer für die Vorbereitung des nächsten Waldfestes, zehn +Hilfsbriefträger, zwanzig Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen für die +Anlegung und Bepflanzung des neuen Philosophenplatzes, sechs Damen, die +das Kühemelken und Käsebereiten erlernen wollen, einen Vorsitzenden und +vier Beisitzer (zwei männliche und zwei weibliche) für unser privates +Friedensgericht. + +Solches etwa wird die Kurverwaltung beantragen. Was davon in Erfüllung +geht, hängt natürlich nicht von den Bedürfnissen der Kurverwaltung, +sondern von dem Befund des Ärztekollegiums ab, und der schönste Erfolg +wird es sein, wenn alle Aufgaben durch freiwillige Meldung der Feriengäste +gedeckt werden. Daß die Arbeit immer nur im Rahmen der eigentlichen Kur, +immer nur stundenweise geleistet werden darf, ist selbstverständlich. Das +Ferienheim ist ein Arbeitshaus idealster Art, es macht die Arbeit zur Lust +und Quelle der Genesung und würgt den alten Drachen ab, dessen Pestatem +die Welt vergiftet: daß körperliche Arbeit das Mal der Minderwertigkeit +trage. Das Ferienheim wird das Gegenteil lehren und beweisen, indem es +gerade durch körperliche Tätigkeit gesunde, glückliche Menschen schafft. +So wird alle Verwaltungs- und Büroarbeit als viel zu anstrengend unseren +Gästen niemals zugemutet werden. Aber mit den Muskeln arbeiten, tätig +sein, sichtbare Werte mit seinen zehn Fingern schaffen sollen alle, und +selbst den Faulenzern und Drohnen des Lebens, die vielleicht nur durch die +Romantik des Heims, durch die Neugier angelockt werden, soll, wenn sie +guten Willens sind, ein besseres Bild der Menschenfreude ins Herz geprägt +werden. + +Hinter dem Rathause, von ihm durch einen kleinen Schlag schöner Tannen +getrennt, beginnt die Bäderstraße. Es werden da in gesonderten Häusern die +Wannen- und Schwimmbäder, die elektrischen und die Dampfbäder +eingerichtet; an sie reihen sich in dichtem Kiefernwald die Luft- und +Sonnenbäder und die Planschwiesen. + +Parallel mit der Bäderstraße geht der „Stille Weg“. Es stehen da +freundliche Häuslein für solche Gäste, die einer größeren ärztlichen +Beaufsichtigung und vermehrter Pflege bedürfen, die ihnen von +Berufspflegerinnen zuteil wird. Alle anderen Gäste wohnen „draußen“. Es +wird nicht zuviel auf Pülverlein und übermäßiges Wassergepansch, auch +nicht arg viel auf Hantelturnen und Massage gegeben werden, sondern auf +tüchtige körperliche Arbeit und frohen Sinn. Daher werden die meisten +Kurgäste in Bauernwirtschaften wohnen. Wenn wir von diesem Riesengelände +nur zwei Dritteile zur Feldbebauung anwenden, können wir sechzig große +Bauernwirtschaften zu je hundert Morgen Land einrichten; auf jeder +Besitzung können vier Pferde, dreißig Stück Rindvieh, Hühner, Gänse, +Enten, Tauben, Kaninchen, Hunde, Katzen, Bienen sein, und alle diese Tiere +sollen von den Feriengästen gepflegt werden, immer unter Leitung +sachverständiger Personen. Denn der Herr und König des ganzen Hofes wird +der Bauer sein. Möge es uns gelingen, tüchtige Bauern zu finden, die nicht +nur den Pflug zu führen wissen, sondern die kernige Menschen sind voll +Biederkeit und froher Laune, derber Herzlichkeit und aufrechten Sinnes. +Wer nicht anderweitig abkommandiert ist, arbeitet auf dem Hofe, wo er +wohnt, nach Anweisung des Bauern oder der Bäuerin, immer nur pflichtmäßig +zwei bis vier Stunden am Tage. Wer etwas darüber tun will und darf, soll +es tun. + +Oh, wie werden die Leute am „Stillen Weg“, die ihr Zustand vom Glück der +Arbeit ausschließt, sich sehnen, „hinaus“zuziehen in die gesunde, frische, +befreiende Tätigkeit; wie glücklich werden sie sein, wenn ihnen der Arzt +eines Tages sagt: Mein Lieber, du bist nun so weit, als schwacher +Hilfskämpe mitzutun, darfst auf einen Bauernhof, darfst zunächst mal die +Tauben füttern, den Hühnerstall nach Eiern absuchen und den Hund prügeln, +wenn er eine Wurst gestohlen hat, und wenn auch das zu schwer ist, +aufpassen, ob in den Nistkästen Sperlinge oder Stare wohnen. + + * + +An die Bauernhöfe knüpfe ich meine größte Hoffnung. Ich möchte die in +glitzernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit +wenigstens in Ferienwochen heimführen. Es soll und es muß gelingen. Alle, +die einmal Ferien vom Ich machen, die als neue, als ganz andere Menschen, +losgelöst von allem, was sie drückte und knickte, auf einige selige Wochen +zum Ausgangspunkte, zum Mutterschoß unseres Kulturlebens zurückkehrten, +zum Bauern-, Hirten- und Fischerleben – sie müssen mit gesünderem Herzblut +in ihr Leben zurückkehren, sie müssen mehr gewinnen als durch +Mineralwasser und Bäderzerstreuung. + +Die Hirten, Fischer und Jäger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da +einer kommt, der vor dem Revolver stand, weil er überreizt war, der soll +oben an der Ginsterheide die Kühe hüten. Den ganzen Tag wird er aufmerksam +sein müssen, daß die Bullen sich nicht bekämpfen und daß glücksduselige +Muttertiere mit ihren mutwilligen Kälbern nicht den nahen Klee +zerstampfen, und abends wird der Mann einsam vor einem wohlig +ausgestatteten Hirtenhäuslein sitzen, die wiederkäuenden Tiere werden um +ihn sein, und die Sterne werden über ihm wandern und ewige Worte zu ihm +reden; es wird aus Verlassenheit und Gram ganz mählich Ruhe und Frieden +werden, und in den Menschenhaß wird sich die Sehnsucht einschleichen: +„Nächsten Sonnabend, wenn ich Urlaub habe, gehe ich in die Lindenherberge +und sehe lustigen Menschen zu!“ + +Oh, wie ich nach guten Bauern, so werde ich nach guten Ärzten suchen +müssen. Nicht ihr ärztliches Wissen ist für mich in der Hauptsache +maßgebend. Ob sie gute Psychologen, ob sie tiefe Menschenfreunde sind, +danach werde ich fragen. Die Jäger – ach, die Jäger, wird es wohl heißen, +sind sowieso gesund. Die zu uns kommen, sind es nicht. Nur die +Stubenhocker werde ich auf die Pürsche schicken und nur die Zappeligen und +Unruhigen auf den Rehbock mit dem bestimmten Geheiß, einen zu erlegen. Wie +sie da ruhig sitzen werden, heute drei, morgen fünf Stunden lang. Immer +vergebens. Und die Mücken werden stechen, und der Tau wird fallen. Und sie +werden nicht schimpfen dürfen, wie sie es sonst tun. + +So auch mit den Fischern. Die Aufgeregten werden so lange angeln, bis sie +befriedigende Beute bringen. Wessen Aufmerksamkeit wochenlang auf eine +Federspule gerichtet gewesen ist, der hat sich ausgeruht und singt abends +im Poetenwinkel sein Lied als einer der Andächtigsten der Lebensfreude. + +Bauernhäuser, Fischerhütten, Jäger- und Hirtenhäuslein, das werden in der +Hauptsache die Wohnstätten meines Ferienheims sein. Das ist eigentlich +mein ganzes Programm. Ich kann es keiner hochmögenden Kommission +einreichen, aber eben darum hoffe ich, daß es gut ist. Im übrigen bekenne +ich frei, daß ich mich auf Architektenkunststücke nicht verstehe. + +Ich habe trotzdem auf einer großen Karte unser ganzes Gelände +aufgezeichnet und überall vermerkt, wo ein Bauernhof stehen soll, auch die +Grenzen seines Bezirks bestimmt; ich habe die Hirtenhäuslein, die +Milchstuben, die Fischerbuden angegeben, und zwischen all dem Hin und Her +führen Stege und Landstraßen, alle krumm und winkelig, aber angemessen +dem, was an Hebung und Senkung des Terrains und was an Baumschlägen, +Hecken, Bächlein, Wald und Wiesenland da ist. Eine Umwallung werden wir +kaum brauchen, das Plateau hebt sich gen Waltersburg natürlich ab, nur an +der einen Stelle, wo das Gelände nach der Stadt eben übergeht, wollen wir +eine Mauer und eine Pforte errichten. Neben der Pforte soll unser +„Zeughaus“ stehen. Dort wird der Ankömmling, der sich entschlossen hat, +unsere Ferien zu üben, in seiner Zivilkleidung hineingehen, Kleider, Uhr, +Geld, alles, was er bei sich trägt, auch seinen Namen, ablegen, als neuer +Mensch, neugekleideter Feriengast ein neues Leben beginnen. + +Das ist mein Plan. Ich weiß nicht, ob er so ausgeführt werden kann, ich +weiß nur, daß er so ausgeführt werden sollte. + + + + + + DAS KIND + + +Mitten in der Arbeit taucht viel öfter, als mir lieb ist, das Bild der +kleinen Luise vor mir auf. Am Morgen nach dem Theaterabend, als ich das +Kind im Hotel fand, war es ganz verängstigt, zitterte und weinte. Auf alle +Fragen sagte es immer nur: „Ich will heim!“ Zu den Schindern ins Elend +wollte es zurück, weil es dort zu Hause war. Vor Stefenson und mir +fürchtete sich die Kleine, und auch vor der fremden Schwester scheute sie +sich. Ich wollte sie streicheln, aber sie wich mir aus und duckte sich. +Das arme Ding hat wohl in seinem Leben schon viel Prügel bekommen. Ich +sagte freundlich zu ihr: + +„Luise, fürchte dich doch nicht. Sieh mal, ich meine es gut mit dir, ich +bin ja mit dir verwandt; ich bin dein Onkel.“ + +Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm +erschien, um mit ihr verwandt zu sein. Ob sie einen Vater oder eine Mutter +oder eine Großmutter habe, wie andere Kinder, danach fragte sie nicht. Es +war auch besser; denn ich hätte ihr sagen müssen: „Nein, das hast du alles +nicht; du hast nur einen Onkel.“ Während ich mir noch vergeblich Mühe gab, +ein klein wenig das Zutrauen von Luise zu gewinnen, erschien Stefenson mit +einem Diener, der ein großes Paket schleppte. Das Paket legte der +Amerikaner vor dem Kinde auf den Tisch und sagte: + +„So, da habe ich dir ein bißchen Spielkram gekauft!“ Es war eine kleine +Weihnachtsausstellung von allerhand Spielzeug: Puppen, eine kleine Wiege, +Hampelmänner, Kreisel, Schachteln mit geschnitzten Tieren, Baukasten und +viele Kleinigkeiten. Sogar eine Knallpistole war dabei. Dem Kinde entfuhr +ein kleiner Schrei seligen Erschreckens, es erhob die Händchen, tastete +schüchtern nach einer Puppe, zuckte aber zurück. Da fuhr sie Stefenson an: +„Nun, du kleine Gans, so greif doch zu! Das ist alles dein. Das mußt du +nehmen. Damit mußt du spielen, sonst setzt es was ab!“ + +Auf diesen rauhen Ton war Luise offenbar gut eingerichtet. Sie fing +gehorsam an zu spielen. Nach fünf Minuten kam ein leises Lachen, das +Gesichtchen erhellte sich, und ich sah noch deutlicher als gestern beim +ersten schreckhaften Begegnen in Joachims Züge, sah in Joachims Augen. Ich +erinnere mich nicht, je ein kleines Mädchen gesehen zu haben, das so +auffallend dem Bilde ihres Vaters glich, wie Luise meinem Bruder ähnlich +ist. Wir hatten vielerlei in Berlin zu tun und blieben acht Tage dort. Am +fünften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte: + +„Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel wären, ob ich +vielleicht ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das fällt mir gar nicht +ein, dein Vater zu sein. Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn +gesagt, ich bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden.“ + +Ich wußte schon, daß Luise in großer Liebe und Dankbarkeit an Stefenson +hing. Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fürsorge tat +ihr wohl. + +So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thüringen fahren und +wir nach Waltersburg zurückkehren mußten, schmerzlich für das Kind. Nur +der Abschied von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise +inzwischen auch zu mir ganz freundlich gestellt hatte. + +Als wir im Eisenbahnwagen saßen, sagte Stefenson: „Die Gefühlsduselei mit +dem Kinde hört nun auf. Dazu haben wir keine Zeit.“ + +Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter +mit fragenden Augen entgegen. + +„Ich habe das Kind in saubere Verhältnisse gebracht“, sagte ich ihr und +ging in mein Zimmer. Die Mutter fragte nicht mehr, und ich erzählte +nichts. Wir fühlten beide, wie sich eine eiskalte Wand zwischen uns +aufrichtete. Nach drei Tagen sagte die Mutter, Joachim habe geschrieben, +es gehe ihm gut. Mir war dabei, als ob sie von einem fremden Menschen +erzählte, dessen Schicksal mich nichts angehe. + + * + +Die Zeichnungen, der Aufbau meines großen Ferienheims nahmen mich fortan +ganz in Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glückstage, Tage voll +Fruchtbarkeit, Hoffnung, Kraftgefühl. Und doch stahl sich Luises Bild bei +Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei +verlorenen Arbeitstagen läge nicht viel, Stefenson säße sicher weit unten +in Palermo oder Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwägungen saß ich in +einem Schnellzuge nach Thüringen. + +Ich hatte die Freude, daß mir Luise vertrauensvoll und dankbar +entgegenkam, und daß sie sich schüchtern an mich schmiegte, als ich sie +auf die Stirn küßte. + +Die würdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze +Zeit, als daß das Kind sich schon in ihm völlig fremde Kultur ganz hätte +fügen können; aber Luise zeige so gute körperliche und geistige Anlagen, +daß sie hoffe, das Kind würde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt +lag an der Promenade der hübschen thüringischen Stadt. Als ich das Haus +verließ, saß gegenüber dem Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es +blieb mir gar keine Zeit, mich groß zu erstaunen, sondern er trat mir +gleich entgegen und sagte mürrisch: + +„Ich finde das sehr merkwürdig von Ihnen, daß Sie auch jetzt noch Zeit zu +solchen Exkursionen haben.“ „Ach, Mister Stefenson“, entgegnete ich +heiter, „ich dachte, Sie wären Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach +Sizilien.“ + +„Sticheln Sie nicht“, entgegnete er finster; „ich bin nicht nach Sizilien +gefahren zum Amüsement oder um einem kleinen Gänschen nachzureisen, +sondern um in aller Ruhe die Pläne für unser Ferienheim machen zu können. +Wenn ich nun Pech gehabt habe mit den drei Plänen, die ich gemacht habe, +weil ich den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt +und den dritten in Luzern überhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte +ich doch gehofft, Sie würden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu +bleiben und zu arbeiten.“ + +„Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig.“ + +„Ah – das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?“ + +„Was er kostet, wie er balanciert, weiß ich nicht. Das ist nicht meine +Sache. Ich bin kein Kaufmann. Wofür sind Sie da?“ + +„Fürs Geldgeben!“ + +Er schüttelte melancholisch den Kopf. + +„Ihr Plan ist unrentabel“, sagte er düster. + +„Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzählen. Ein +Schlächter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer +führte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte +der Schlächter: ‚Aber Mensch, wie kann ich Ihnen für ein so elendes Tier +so viel Geld geben, wie Sie verlangen?‘ – ‚Sachte‘, sagte der Bauer, ‚das +hier ist nur der Rübenraum, die Kuh steht erst hinter der nächsten Tür.‘“ + +„Was gehen mich Ihre verdammten deutschen Witze an?“ grollte Stefenson. + +„Fahren wir erst nach Hause“, entgegnete ich. „Und vorher können Sie ja +mal die kleine Luise besuchen. Sie macht sich heraus.“ + +„Das fällt mir nicht ein“, sagte Stefenson kalt. „Ich hasse diese deutsche +Sentimentalität.“ + +So fuhren wir nach Hause. Ich übergab Stefenson meine Zeichnungen und +schriftlichen Ausführungen. Er nahm sie mit nach Neustadt, wo er immer +noch in einem Hotel wohnte. Nach fünf Tagen suchte ich ihn zu sprechen. Es +hieß, Mister Stefenson sei verreist. Eine Viertelstunde etwa dachte ich +darüber nach, wohin Stefenson wohl sein könne. Dann telegraphierte ich an +die Vorsteherin des Instituts in Thüringen: + +„Ist Mister Stefenson noch dort?“ + +Am Abend kam die Antwort: + +„Stefenson war hier, ist aber eben zurückgereist.“ + +Darauf machte ich mir das Vergnügen, zum Neustädter Bahnhof zu gehen und +den Zug zu belauern, von dem ich vermutete, daß er Herrn Stefenson +mitführen würde. Ich hatte den Zeitpunkt ganz richtig aus dem Kursbuch +festgestellt. + +Als Stefenson die Bahnsperre passierte, trat ich ihm plötzlich entgegen, +und er war nicht weniger erschrocken als ich, da ich ihn plötzlich auf der +Promenadenbank in Thüringen traf. + +„Guten Abend, Mister Stefenson“, sagte ich, „wie geht es der kleinen +Luise?“ + +„Wieso – wieso – Luise – was geht mich das Gänschen an?“ versuchte er sich +herauszulügen. + +Ich blickte ihn freundlich an und sagte: + +„Die Frau Vorsteherin, die ich telegraphisch anfragte, sagte mir, daß Sie +dort waren.“ + +Da hustete er. + +„Wissen Sie was“, sagte er zornig, „es ist nicht schön, daß Sie mir +nachspionieren. Was geht mich das Gänschen an? Aber da Sie schon mal so +ein Spion sind, will ich Ihnen sagen, ich kann für diese Schwäche nichts. +Meine Mutter war eine Deutsche.“ + + + + + + VORARBEITEN + + +Es ist ein halbes Jahr her, seit ich die letzte Eintragung in mein +Tagebuch machte. Im Mai war es, als Stefenson erschnoben hatte, daß ich +ein Tagebuch führe und darin manches über den Ausbau unseres Ferienheims, +aber auch über seine eigene Person niedergeschrieben habe. Seit der Zeit +quälte er mich, ihm das Tagebuch einmal zur Lektüre zu überlassen. Er war +neugierig wie ein Backfisch, und es nützten mich alle Versuche nichts, ihm +klarzumachen, daß es – gelinde gesagt – sehr indiskret sei, Einblick in +ein fremdes Tagebuch zu verlangen. Es dauerte so lange, bis er die +Aufzeichnungen in Händen hatte. Dieser Mensch ist ein ganz wunderliches +Gemisch von Kindlichkeit und halsstarriger Energie. + +Nach drei Tagen gab mir Stefenson das Tagebuch zurück und sagte, indem er +ein sauersüßes Lächeln zwischen seinen dünnen Lippen zerquetschte: „Sie +haben mich sehr schlecht charakterisiert.“ + +„Dieses Urteil sah ich voraus, Mister Stefenson; die Fortsetzung des +Tagebuches werden Sie auch nicht zu sehen bekommen.“ + +Er machte eine Handbewegung, die bedeuten sollte, daran liege ihm auch +nichts, und ging wieder nach seinem „Büro“. Dieses besteht aus einer +Holzbude, in der ein langer roher Tisch, einige Brettstühle, ein +Kleiderhaken und der Telephonapparat die ganze Ausrüstung bilden. Der +Tisch ist mit Papieren aller Art bedeckt. Hier liegen die kostbaren Pläne +unserer Ferienhäuser, sind Aktenstöße, stehen Modelle. In einem Nebenraume +klappern ein paar Schreibmaschinen. Stefenson sagte mir einmal, +Schreibmaschinenklappern und Telephongeschelle sei ihm die schönste Musik. + +In dem Büro sind unsere Beratungen. Dorthin müssen Architekten, +Maurermeister, Lieferanten aller Art, Verwaltungsbeamte, Stellungsuchende +zum Vortrag kommen. Anfangs hatte Stefenson die Absicht, mich von den +Hauptkonferenzen mit den Bauleuten auszuschließen oder mir doch eine rein +zuhörende Rolle zuzuweisen. Als ich ihm aber energisch sagte, er scheine +vorzuhaben, ein schleudriges Klein-Chicago zu errichten, das sich ganz gut +für Engros-Schweineschlächterei, aber nicht für mein romantisches +Ferienheim eignen möge, wurde er immer stiller und ließ mich nach und nach +mit den Architekten selbständig wirken. Nur das Tempo der Arbeit bestimmte +er, und das stand immer auf Volldampf. Der Mann arbeitet selbst von +morgens fünf Uhr bis nachts um elf, ohne irgendwelche Ermüdung zu zeigen. +Stefenson leitet seine Verhandlungen meisterhaft; keine Kleinigkeit +entgeht ihm. Sobald ein Thema angeschlagen ist, wird es Schritt für +Schritt erledigt. Kein Abweichen vom Wege ist erlaubt. Das +Dazwischenwerfen einer aufblitzenden, abseits liegenden Idee ist streng +verpönt, kein unfruchtbares Durcheinandergerede gestattet, sondern +planmäßige, geordnete Arbeit wird geleistet, Für und Wider werden kurz +beleuchtet, Nebensächlichkeiten unter den Tisch fallen gelassen, der +Beschluß knapp und fast immer schriftlich gefaßt; dann wird aber auch im +Verlauf der weiteren Verhandlungen auf den erledigten Punkt nie wieder +zurückgegriffen. So wußte man am Schluß solcher Verhandlungen immer: das +stand zur Beratung, das ist beschlossen, so und so, dann und dann muß es +ausgeführt werden. Stefensons Gehirn hat eine wohlgeordnete Registratur, +und etwas schwärmerisch angelegte Leute wie ich, denen leicht die Gedanken +durcheinander purzeln, können viel von solchem Manne lernen. Nur darf +Stefenson meine romantische und philanthropische Idee nicht aus dem Auge +lassen, und das tut er auch nicht. Stefenson und ich sind in vielen Dingen +die reinsten Antipoden; aber ich schätze es als Glück, mit einem so klaren +Kopf zusammen zu arbeiten, wenn ich auch manchmal einen wilden Zorn über +seine Kaltschnäuzigkeit habe. So ist der Mann. Wir vertragen uns und haben +Händel miteinander – je nachdem. Ich glaube, ich werde gut fahren, wenn +ich mit Stefenson gleichen Kurs halte. Es gibt kaum ein größeres Unglück +auf der Welt, als sich mit dummen oder schwachen Menschen zu verbinden, +und kaum einen größeren Vorteil, als einen klugen Freund. + + * + +Als unsere Idee bekannt wurde, war die Physiognomie der Waltersburger +ungefähr die eines Kalbes, das zum ersten Male donnern hört. Die Leute +wunderten sich rasend. Sie steckten die Köpfe zusammen, redeten viel auf +den Bierbänken und kamen doch, da sie immer nur Gerüchtsbrocken sammeln +konnten, zu keinem klaren Bilde. + +Den Ausschlag soll der Amtsrichter gegeben haben, der sich dahin geäußert +hat: es scheine sich um eine Art Verrücktenanstalt im großen zu handeln; +den nötigen Spleen scheine ich von der Weltreise mit heimgebracht zu +haben, und was etwa fehle, habe Mister Stefenson aus seinem reichen Vorrat +an Tollheit ergänzt. + +Günstig war uns von Anfang an die Stimmung der Waltersburger gar nicht. Zu +dem neidischen und verärgerten Gefühl, das einem unerwarteten Werk vom +lieben Publikum immer gespendet wird, gesellte sich ein ganz besonderer +Verdruß. Stefenson hatte erklärt, daß er eine ganz neue Gemeinde begründen +werde mit einem eigenen Bürgermeister und einer Verwaltung, die alles im +Umkreise Bekannte in den tiefsten Schatten stellen werde. + +Darüber waren die Waltersburger wütend. Nachdem ihnen schon die Neustädter +untreu geworden und der Mutterstadt gewaltig über den Kopf gewachsen +waren, sollte sich hier auf ehemaligem Waltersburger Grund und Boden +abermals ein neues Gemeinwesen auftun, das den Bestand Waltersburgs +verkürzte und die eigene Stadt in immer kümmerlichere Unberühmtheit +drängte. Waltersburg war wie eine Mutter von mittelmäßigen Anlagen, die +sich ärgert, wenn ihre Töchter in der Gesellschaft Glück haben. + +Eitel waren die Waltersburger immer. In der Pfarrkirche ist ein Altarbild, +das angeblich von Tintoretto stammt. Ein begüterter Graf, der ehemals hier +residierte, soll es von einer Pilgerfahrt mitgebracht haben. Die Echtheit +des Bildes ist zweifelhaft, nur nicht für die Waltersburger, die das +Gemälde zu den Meisterwerken Tintorettos rechnen. (Tintoretto, „das +Färberchen“, hat bekanntlich neben ausgezeichneten Stücken viel +Mittelmäßiges, ja Schleudriges geleistet.) Als ein großes neues +Reisehandbuch erschien, waren die Waltersburger neugierig, ob ihr +Tintoretto zwei Sterne oder nur einen haben werde. Die Enttäuschung war +groß; denn ganz Waltersburg mitsamt seinem Tintoretto wurde in dem +Handbuche überhaupt nicht erwähnt. Der Schrei der Empörung, den damals der +gebildete Teil der Stadt ausstieß, hat noch heute ein Echo in vielen +Herzen. + +Für uns kam bald ein Umschwung. Stefenson berief eine Versammlung nach dem +Saale des größten Waltersburger Hotels, den „Drei Raben“. Er lud zu dieser +„freien Zusammenkunft, in der er Aufschlüsse über seine Neugründung geben +werde“, nicht nur den Magistrat und alle Honoratioren mit ihren Damen, +sondern auch je einen Schuster, Schneider, Bäcker, wie alle anderen +Handwerkszweige mit ihren Frauen. „Es muß wie bei der Arche Noahs sein“, +sagte er gut gelaunt, „von jeder Art ein Pärchen.“ Der Erfolg war schwach. +Einzelne zwar priesen Herrn Stefenson wegen seiner gerechten +unparteiischen Art, aber andere rümpften außerordentlich stark die Nasen, +und als die Versammlung begann, zeigte es sich, daß fast gar keine Frauen +da waren. Die Frau Provisor und die Frau Kanzleirat hatten entrüstet +erklärt, man könne sich doch nicht mit Krethi und Plethi zusammensetzen, +und fast alle anderen „Damen der Gesellschaft“ hatten sich dieser +Auffassung angeschlossen. Die Weiber der Handwerksleute aber hatten sich +„geniert“, zu kommen. Aber auch die Männer waren nur in schwacher Anzahl +erschienen. Der Magistrat ließ sich durch einen Beisitzer vertreten. Am +meisten freute es mich, daß der Lehrer Herder da war. Er wurde auch zum +Leiter der Versammlung gewählt. Stefenson hielt eine Rede. Er spricht die +deutsche Sprache ohne jeden fremden Akzent. Denn nicht nur seine Mutter +ist eine Deutsche gewesen; ich habe unterdes herausgekriegt, daß +Stefensons Vater zwar ein Stockamerikaner von reinster Monroedoktrin war, +daß aber sein Großvater bis zu seinem dreißigsten Lebensjahre in Hamburg +gelebt hat und bis dahin Georg Stefan hieß. Stefenson hat rein deutsches +Blut in sich. + +Der „Mister“ sprach. Er sagte, über die Idee seiner geplanten Kuranstalt +wolle er nicht reden; diese sei ein so unerhörtes, geniales Problem (dabei +trat er mich grob auf den Fuß!), daß er es im Rahmen einer so kurzen +Aussprache nicht erläutern könne. Waltersburg habe zwar keine hervorragend +günstige Lage und werde von vielen anderen Orten auch durch den Reiz der +Umgebung wesentlich übertroffen (Gebrumm in der Versammlung), aber sein +Freund und ärztlicher Beirat sei ja, wie alle wüßten, ein Waltersburger +Kind, und so habe er dem Freund zuliebe dieses Gelände für die Ausführung +seiner Idee gewählt. Er gehöre zu den Leuten, die sich eher das eigene +Hemd ausziehen, als daß sie zugeben, daß der Freund friere. (Frau +Postschaffner Hempel verließ entrüstet das Lokal.) „Kommen Sie gut nach +Hause, Frauchen!“ ruft ihr Stefenson nach. (Abermaliges Gebrumm. +Postschaffner Hempel erhebt sich, sagt in halblauter Entrüstung: „Das ist +ja kolossal!“ und stampft seiner Ehehälfte nach.) „Also“, fährt Stefenson +ruhig fort, „was mir eine Hauptsache zu sein scheint: ich beabsichtige +nicht, eine neue politische Gemeinde zu gründen; ich werde meine Siedelung +unter den amtlichen Schutz des Magistrats von Waltersburg stellen.“ +(Freudige Verblüffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit +den Fingern auf den Tisch.) „Ja“, geht Stefensons Rede weiter, „wir werden +unserem Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen +‚Kuranstalt Waltersburg: Ferien vom Ich‘ geben, und der Schnickschnack vom +sogenannten modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst +zerstieben vor der glorreichen Waltersburger Neugründung. (Der Beisitzer +springt auf, beurlaubt sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und +stürmt aus dem Saal.) Mitbürger von Waltersburg! Damen und Herren! (Von +den Damen ist nur noch die phlegmatische Gärtnersfrau Bächel anwesend.) Es +macht mich glücklich, daß Sie in solcher Anzahl erschienen sind. Etwas +Erfreuliches kann ich Ihnen mitteilen. Ich erwarte, daß binnen zwei Jahren +unsere Kuranstalt etwa zwei Dritteile Ihrer gesamten Gemeindesteuern +tragen wird, so daß Ihre bisherigen hundertzwanzig Prozent auf vierzig +Prozent herabsinken werden. (Erschrecktes Aufatmen, dann lautes Bravo. +Bäckermeister Schiebulke und Klempner Geldermann stürzen im +Geschwindschritt von Siegesboten auf die Straße.) Ja, aber, meine sehr +teuren Mitbürger, auch Opfer werde ich von Ihnen verlangen müssen. +(Kunstpause des Redners. Bedrücktes Schweigen der Zuhörer.) Wir haben +nicht Zeit, der Verwirklichung unserer Idee sehr viel Zeit zu widmen; wir +müssen die Aufgabe im Sturm nehmen. Binnen Jahresfrist muß alles fix und +fertig sein. Sie werden begreifen, daß dafür ein Heer von Architekten, +Bauleitern, Maurern, Zimmerleuten, Tapezierern, Töpfern, Tischlern, +Glasern, Klempnern, Schmieden, Schlossern, Stubenmalern, Gärtnern und +Hilfsarbeitern aller Art nötig sein wird, nicht zu rechnen die Legion +derer, die diese Schar versorgt mit Nahrungsmitteln, mit Kleidern, +Schuhen, Mützen und Wäsche. Ja, liebe Waltersburger Mitbürger, Ihre ganze +prächtige Kaufmannschaft, alle Ihre Handwerkerkreise muß ich mobil machen, +um meiner Aufgabe gerecht zu werden, alle werden ihren Betrieb +verzehnfachen müssen ...“ + +Der Redner hielt inne; denn die Zuhörerschaft keuchte zu laut. Die +Erregung stieg aufs höchste. Da kam die von Stefenson ganz leichthin +gesagte, aber bis ins Mark treffende Schlußbemerkung: „Ich möchte mit +Waltersburger Bürgern Abkommen treffen. Was das Finanzielle anbelangt, so +wird nichts auf Ziel entnommen, sondern alles immer sofort bar bezahlt +werden.“ + +Da war es aus. Alles erhob sich; selbst die dicke Gärtnersfrau wappelte +sich empor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. + +Ein Handwerker stieg auf einen Stuhl. + +„Das ist gut!“ rief er; „das ist famos! Herr Stefenson lebe hoch!“ + +„Hoch!“ schrien die paar Männlein, die noch da waren. Im selben Augenblick +stürzte der Beisitzer in den Saal. + +„Der Herr Bürgermeister“, keuchte er, „der Herr Bürgermeister, der bis +jetzt leider verhindert war, kommt selbst.“ + +Stefenson nickte ihm lächelnd zu. Da wurde es lebhaft auf der Treppe, +Männer und Frauen aller Gesellschaftsschichten füllten den Saal. Eine +halbe Stunde lang stand Stefenson steif und still, und als alle da waren, +auch der Bürgermeister, sagte er: + +„Ich habe dem, was ich vor Ihnen, sehr geehrte Herrschaften, über meine +Neugründung heute ausgeführt habe, nun nichts mehr hinzuzufügen.“ + +Worauf sich der Leiter der Versammlung, Lehrer Herder, erhob und in einer +glänzenden Erfassung der Situation sagte: + +„Ich schließe die Sitzung!“ + + + + + + DIE „NEUSTÄDTER UMSCHAU“ + + +In Neustadt erscheint ein Blättchen, die „Neustädter Umschau“. Es kommt +wöchentlich zweimal heraus in einem Umfang, daß eine einzige Nummer +genügt, ein Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen +Redakteur suchte, versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es +meldeten sich drei Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben +ehemalige Lehrer, ein „sehr gebildeter“ Schlossermeister, davongejagte +Seminaristen, freie Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der +Verleger wählte von der ganzen Rotte den Unfähigsten, einen +herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber _Doctor juris_ war, was in der +„Umschau“ mit Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die „Umschau“ +in der Art, daß er in seiner nüchternen Tagesstunde, die vormittags nach +seinem jeweiligen Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustädter Kurhauses +den Stoff für die nächste Nummer aus großstädtischen Zeitungen abschreibt. +Einen lokalen Teil hat die „Umschau“ kaum; jedenfalls war er stets äußerst +jämmerlich. Desto mehr fiel es auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, +wenn auch dreist geschriebene Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim +brachte. + +Der erste Artikel beschäftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgeführt, +daß ich nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse +Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen +habe, um auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden +Menschheit meine ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, +mit dem ich zu tun gehabt hätte, wäre die Seekrankheit gewesen, und da +sich gegen diese bekanntlich überhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja +sicher ganz am Platze gewesen. Mein Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum +Ausruhen gehabt, daß ich (wahrscheinlich unter dem verheerenden Einfluß +der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt „Ferien vom Ich“ gekommen +sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse schicken, mir auch +sonst alle mögliche Förderung angedeihen lassen; denn das moderne Weltbad +spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es wäre nur zu +bedauern, wenn sich die Neugründung nicht bis zum nächsten Fasching +hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnügungsprogramm von Neustadt +würde es sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit +hieße: Morgen Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt „Ferien vom Ich“. +Ängstliche seien versichert, daß ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu +befürchten ist, da sich dieser in der Waltersburger Anstalt nur ganz +harmlos und kindlich äußere. + + * + +Das war der Begrüßungsartikel, der meiner Gründung von dem +freundnachbarlichen Neustadt zuteil wurde. Stefenson brachte ihn mir +persönlich. Er beobachtete mich, als ich ihn las. + +„Niedlich!“ sagte ich; „ich hätte das den Kerlen gar nicht zugetraut.“ + +„Na, sehen Sie“, atmete Stefenson auf, „es freut mich, daß Sie nicht +entrüstet sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen +wollen. Der Artikel ist wirklich nett.“ + +Eine der nächsten Nummern der „Umschau“ beschäftigte sich mit Mister +Stefenson. Es hieß darin, nach authentischen Auskünften aus Amerika sei +Mister Stefenson, der bekanntlich das Waltersburger +Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der merkwürdigsten +Geschäftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Seine +geschäftliche Laufbahn habe Stefenson als Küchenboy in einem Hotel vierten +Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Löffel, über den jenes +Hotel verfügte, eines Tages verschwand und ganz zufällig in der +Pappschachtel, die des jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, +aufgefunden wurde, wohin er auf eine Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz +unerklärliche Art gekommen wäre, sei der vielversprechende junge Mann nach +Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom Unglück verfolgt worden. +Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm den Jüngling wegen +angeblichen Pferdediebstahls hingen, riß und also gewissermaßen ein +Zeichen vom Himmel für die Unschuld des Gerichteten vorlag, hätten die +barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fürchterlich +geprügelt, daß Stefenson zwei künstliche Rippen als Andenken an jenes +Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die +Waltersburger im Begriff ständen, zu ihrem Ehrenbürger zu machen, sei +ebenfalls recht bewegt und reich an Zwischenfällen gewesen. Stefenson sei +einmal als Kutscher bei einem großen Petroleumtransport engagiert gewesen. +Dieser Transport sei von Indianern überfallen, die ganze Begleitmannschaft +tot- und sämtliche Petroleumfässer entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson +sei am Leben geblieben, da er so vorsichtig war, bei der herannahenden +Gefahr als erster zu fliehen. Es habe sich nun so gefügt, daß Stefenson am +nächsten Tage zwei abenteuernde, reiche, aber recht dumme Kerls in einer +benachbarten Stadt getroffen und diese vertraulich auf ein Gelände +aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke Petroleumquellen vorhanden +seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem er die Spuren des +Überfalls gründlich beseitigt hatte, auf das Gelände geführt, allwo noch +ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen hätten sich +bereit erklärt, an Stefenson zunächst mal fünfhundert Pfund zu zahlen, +damit er alles Nötige für die Erschließung der Quellen in die Wege leite. +Als sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst überlegt habe, +hätte er sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, müsse er an der +Ergiebigkeit des Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern +lieber weitere unnötige Kosten ersparen und, ohne sich erst durch „Good +bye“ und andere Abschiedsförmlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago +verschwinden. + +Die fünfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), +die Stefenson mitgenommen habe, hätten die Basis für seine weiteren +geschäftlichen Unternehmungen gebildet, für Unternehmungen, die nicht +weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei +Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermögen gekommen. Da aber die +engherzigen amerikanischen Richter öfters an Herrn Stefensons +Geschäftsusancen Anstoß genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen +Manne trotz der geradezu luxuriösen Ausstattung der amerikanischen +Gefängnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall +gekommen, sein Wirkungsfeld vorübergehend mal nach Deutschland zu +verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das +weiße Lamm im grünen Felde in ihrem Wappen führe. + +Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in große Aufregung. +Stefenson verstand mich nicht. + +„Es ist wahr“, sagte er; „der Artikel könnte farbenreicher gehalten sein, +die Geschehnisse sind etwas nüchtern gegeben, aber, mein Lieber, der +heutige Geschmack verpönt das Allzukrasse. Ich finde den Artikel +ausgezeichnet, viel, viel besser als den, der neulich über Sie in dieser +Zeitung stand.“ + +„Stefenson!“ schrie ich ihn an; „sehen Sie denn nicht ein, daß uns dieser +Zeilenschmierer, dieser Süffling unmöglich macht? Jetzt bleibt nicht +anderes mehr übrig, jetzt müssen Sie den Mann verklagen.“ + +„Ja, glauben Sie, daß ich toll bin?“ entgegnete Stefenson. Ich erzählte +ihm, was schon der Artikel über mich für allerhand Unheil angerichtet +habe. Nicht bloß, daß sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe +geweint habe, ich hätte gehört, wie die Leute hinter mir zischelten. +„Stefenson, unseren guten Ruf müssen wir behalten, sonst sind wir +ruiniert.“ + +„Guten Ruf?“ verwunderte er sich. „Wie kann man seinen guten Ruf behalten, +wenn man Geschäfte macht? Das ist doch unmöglich. Er wird einem doch +selbstverständlich kaputt gemacht. Wenigstens äußerlich – in der +gegnerischen Presse – das ist ja unausbleiblich. Darüber regt man sich +doch nicht auf!“ + +Ein Brüllen tönte von der Straße herauf. + +„Der Pferdedieb! – Der Löffelstehler! – Der Petroleumstänker! Raus, raus!“ + +Stefenson lugte durch die Gardine. + +„Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstädtisch. +Petroleumstänker ist bei der Kürze der Zeit schon ein ganz gut geprägter +Zuruf!“ + +„Stefenson, es geht nicht – Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie +sind hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren.“ + +„Desto besser.“ + +„Die Geschäftsleute werden nicht mehr liefern.“ + +„Gegen bar werden sie bestimmt liefern.“ + +„Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen +Artikel nicht Zeile für Zeile in öffentlichem Gerichtsverfahren als Lüge +brandmarken.“ + +„Das soll mir gewiß nicht einfallen“, lachte er. + +Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. +Das Lärmen auf der Straße wurde indes lauter, die demonstrierende Schar +wurde größer. Da verließ mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen +Zylinderhut bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg +betroffen und gab eine Gasse frei, dann lärmten die Leute hinter Stefenson +her. Ich war so verbittert, daß ich wohl eine Stunde lang planlos vor der +Stadt am Bache hin und her ging, ehe ich Stefensons Büro aufsuchte. + +„Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?“ fragte er gleich bei +meinem Eintritt. „Seinen Kontrakt mit mir hat er gelöst. Der Esel! Mir hat +er einen großen Gefallen getan; denn ich weiß einen tüchtigeren und +billigeren Mann, als er ist, und bin froh, daß ich ihn loswurde. Glück muß +man haben!“ Er rieb sich die Hände. + +„Mister Stefenson“, sagte ich ernst; „wir werden wohl unsere Kontrakte +alle lösen müssen. Denn obwohl ich natürlich von dem Schundartikel eines +verkommenen Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, +daß unsere Situation hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem +Schmutz, der auf Sie geworfen wurde, reinigen. Wir vermögen nicht ohne die +Achtung unserer Mitbürger zu bestehen. Wir werden unmöglich!“ + +Stefenson ging mit großen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner +pechschwarzen Zigarre. Ganz milde sagte er dann: + +„Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren – meine Mutter war ja +auch ’ne Deutsche ...“ + +„Und Ihr Großvater väterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg“, wollte +ich dazwischenwerfen, verschluckte es aber. + +„Ja, also die Deutschen“, fuhr Stefenson fort, „bilden sich was ein auf +den Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Völker, +gar nicht haben. Schön – ich gebe zu, Sie haben Dichter, die +ausgezeichneten Humor haben, und auch deutsche Geisteszivilisten sind +vielfach mit einer beträchtlichen Dosis von Humor begabt. Aber das ist +alles so – entschuldigen Sie – so sparsam, so auf Kleinbetrieb, auf +Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Große geht, der fehlt Ihren +Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anständiger Mann +sein Geld und seine Zeit auf eine große, aber sehr wackelige Sache setzt, +und es kommt so ’n Preßäffchen und kläfft was von Pferdedieb und +Petroleumstänker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat +doch der Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn +der Leser nur ein bißchen Hirnschmalz hat, fällt’s ihm nicht ein, ein Wort +zu glauben. Aber er tut so, als ob er’s glaubte, er mimt mit in der +Maskerade und amüsiert sich dabei königlich. Und der, dem der Feldzug +gilt, wird ein bekannter, ein berühmter, ein reicher Mann. So sind alle +zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht hat, die Leser, die +eine amüsante Frühstückslektüre gehabt haben, und der Mann, der +angegriffen worden ist und seinen Profit hat. Ich sage Ihnen, in Amerika +ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu +erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Öffentlichkeit +angehangen zu werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem +Grunde des Vertrauens seiner Mitbürger. Aber der Humor, Mensch, der Humor +darf nicht fehlen!“ + +„Wir in Deutschland haben einen anderen Humor“, sagte ich und war froh, +daß es so ist. + +Da kam einer unserer Bauführer und meldete kleinlaut, daß wahrscheinlich +fast alle unsere Arbeiter kündigen würden. Als er gegangen war, saß +Stefenson gesenkten Hauptes am Tisch. + +„Werden Sie nun begreifen“, fragte ich, „daß Sie die gerichtliche Klage +anstrengen _müssen_, daß es absolut Zwang für uns ist?“ + +„Ich kann die Leute nicht verklagen“, sagte Stefenson schwermütig. + +„Sie können nicht?“ fragte ich betroffen. „Warum können Sie nicht?“ + +„Weil ich den Artikel über Sie und über mich selbst geschrieben habe.“ + +Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand. + +„Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in +das Neustädter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist +billig. Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der +Verleger, so daß sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in +ihrem Blatte recht kräftig zu beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte +so durch zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger +Stadtblatt ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustädter +„Umschau“ loslassen. Das sollte so hübsch hinüber und herüber gehen, bis +zuerst die Provinz- und dann die hauptstädtische Presse davon Notiz nahm +und im bunten Teil Auszüge brächte, etwa unter der Überschrift: ‚Der Sturm +im Wasserglase‘ oder ‚Krieg der Zaunkönige‘ oder ‚Ein Mordsskandal in +Dingsda‘ oder so ähnlich. Da hätte nun das große Publikum auf einmal etwas +von uns gehört, hätte die bittere Pille unserer Idee in der Verzuckerung +sensationellen Humors geschluckt, und überall hätte man von uns und +unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir wären durchgewesen. +Diese ganze schöne Propagandaidee hätte mich etwa lumpige tausend Mark +gekostet, und nun fällt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute +zusammen.“ + +Ich kam aus der Verblüffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, +was zu tun sei. + +Es stellte sich heraus, daß Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen +Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, daß also +Beleg- und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile +einen kurzen Artikel für unser „Waltersburger Tageblatt“. Er lautete: + +„Einen fürchterlichen Reinfall haben die Neustädter erlebt. Ihre +weitverbreitete ‚Umschau‘ hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein +Druckfehler) Schauermären über die Unternehmer der in Waltersburg zu +begründenden großen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu +grotesker Dummheit. Während das gebildete Waltersburger Publikum diese +klatschfetten Zeitungsenten als solche natürlich sofort erkannt hat, +sollen sie gewissen Neustädter Kreisen über die Maßen gemundet haben. Denn +der Haß gegen das aufblühende Waltersburg ist zu groß, als daß nicht auch +die eselhafteste Lüge, wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet +ist, in Neustadt Glauben fände. Wie schwer der Reinfall ist, möge +folgender Aufschluß bekunden: Mister Stefenson hat der von ihm +hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmähten Stadt ‚mit dem +weißen Lamm als Wappentier‘, eine Genugtuung geben wollen, indem er die +Neustädter Bevölkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen ließ. Mister +Stefenson hat – wie vorliegende Dokumente beweisen – die beiden +aufsehenerregenden Artikel, die natürlich von A bis Z erfunden sind, +nämlich selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn +Redakteur und Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der +‚Neustädter Umschau‘ veröffentlicht. So viel war ihm der Spaß wert. Die +Neustädter aber mögen nun die Zoologie nach einem für sie passenden +Wappentier gefälligst selbst durchforschen.“ + +Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drückte er mir die +Hand. + +„Ich danke Ihnen“, sagte er anerkennend; „Sie sind gar nicht so +unamerikanisch.“ + + * + +Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, +daß ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so +fabelhaft schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten +mich oft, und wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und +lärmen hörte, dachte ich daran, wie schön es war, als noch die stillen +Raine durch grüne Felder liefen. Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, +Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich fühlte mich auf diesen Bauplätzen +außerordentlich unbehaglich, und wenn ein schöner Baum zum Opfer fallen +muß, bereitet es mir Schmerz, als ob einem unschuldigen Freund ein großes +Unrecht geschähe. + +Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein +Haus immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich +glaube, ich sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, +wie ich es träume. Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. +Erst, wenn „aufgeräumt“ sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu +gefallen. + +Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im +Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft +werden. + + + + + + JOACHIM + + +Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: „Treffe drei Uhr fünfzig +nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim.“ Das Telegramm war +frühmorgens in Berlin aufgegeben. + +Erst langsam begriff ich, daß da etwas Wunderliches geschah, daß mein +verschollener Bruder plötzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiß durchs +Herz, und ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzählen. Aber +ich ging zuerst zu Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgültig: + +„Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab.“ + +„Ich weiß nicht, wie ich’s mit der Mutter machen soll.“ + +„Der Mutter würde ich vorläufig nichts sagen. Sie wissen ja noch nicht, +warum Ihr Bruder heimkommt. Also sprechen Sie erst mit ihm.“ + +Diesem Rate folgte ich. Schon kurz nach drei Uhr war ich auf dem Bahnhof. +Ich verbrachte qualvolle Minuten des Wartens. Als aber der Zug einlief, +war ich ganz ruhig. Ich sah Joachim an einem Fenster stehen und winkte ihm +zu. Als er ausgestiegen war, sagte ich: + +„Willkommen, Joachim; ich freue mich, daß du gekommen bist.“ + +Sein Gesicht war bleich, und die Hand, die er mir gab, war feucht. + +„Weiß es die Mutter?“ + +„Nein. Ich wollte erst mit dir sprechen.“ + +„Das ist gut. Ich kann wohl am besten hier in einem Hotel unterkommen. Ich +heiße Harton, verstehst du, Doktor Harton aus Baltimore.“ + +Er sprach mit einem Gepäckträger; dann fuhren wir nach einem Hotel. + +Unterwegs fragte ich ihn: + +„Bist du gesund?“ + +„Ja – oder auch nein – ach Gott, ich weiß es selbst nicht.“ + +Ich wollte Joachim erst Zeit lassen, sich zu waschen und ein wenig +auszuruhen, aber er nötigte mich bald mit auf sein Zimmer. Auf seinem +Reisekoffer saß er, den Mantel noch um die Schultern, und sprach mit +gepreßter, etwas stoßender Stimme: + +„Da bin ich nun doch hierhergekommen. Ich hätte es nie für möglich +gehalten. Aber als wir anfingen Briefe zu wechseln, verlor ich meine +Sicherheit – das Heimweh – das quälende Heimweh ...“ + +Ich trat ans Fenster und sah auf die Straße. + +„Fritz!“ + +Ich wandte mich ihm wieder zu. + +„Fritz, warum habt ihr eigentlich dieses Attentat – nun ja, ich muß schon +Attentat sagen, es hat mich ja ganz wehrlos gemacht – warum habt ihr +eigentlich diese Geschichte mit dem Tagebuch gemacht?“ + +„Was für eine Geschichte mit dem Tagebuch?“ + +„Nun, daß du mir durch diesen Mister Stefenson, der ja wohl mit dir +geschäftlich verbunden ist, dein Tagebuch über Waltersburg hast schicken +lassen.“ + +„Ich dir mein – hast du denn mein Tagebuch geschickt erhalten?“ + +„Ja, natürlich. Nicht das Original, aber eine Maschinenabschrift.“ + +„Oh, dieser Mensch – dieser Stefenson!“ + +„Weißt du gar nichts darum?“ + +„Nichts! Gar nichts! Stefenson hat sich zwar mal meine kleinen +Aufzeichnungen entliehen; aber ich habe geglaubt, das geschehe nur aus +purer Neugier. Nun hat er eine Abschrift machen lassen und sie dir +geschickt.“ + +„Ja. Ich bekam die Blätter im Juli. Ein Vierteljahr lang habe ich es +ausgehalten, sie ungelesen in einer Schublade zu verwahren; ich habe sie +manchmal verbrennen wollen, aber nicht den Mut dazu aufgebracht, und habe +sie endlich doch gelesen, täglich wieder gelesen, bis meine Kraft alle +war, so daß ich notdürftig meine Angelegenheiten ordnete, und – und nun +eben da bin.“ + +„Das haben meine wenigen Aufzeichnungen zuwege gebracht?“ fragte ich +verwundert. + +„Ja, du weißt nicht, was das heißt, keine Heimat mehr zu haben. Die +anderen Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue +Heimat, neue Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfühlen. Ich habe +nichts von alledem gesucht und bin ganz losgelöst von aller Wurzelerde +gewesen. Da ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von +dem alten Nest Waltersburg, nicht die Berichte über die Mutter, selbst die +Geschichten über das Spießertum in der Heimat haben eine – nun ja, ich +gestehe es – eine rasende Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann +auch das – auch das – aber lassen wir das!“ + +Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht über +die Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah, +in wie schwerer Erregung der Mann schon war, und hütete mich, dieses +ernsteste Thema nun zur Sprache zu bringen. + +Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, riß dann +plötzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich +mit hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend: + +„Ach Gott, ich bin doch froh, daß ich hier bin.“ + +Wir reichten uns stumm die Hände. + +Dann sagte ich: + +„Nun, Joachim, wollen wir uns aber freuen und als Männer beraten, was zu +tun ist.“ + +Er sah mich von der Seite an. + +„Du weißt wohl natürlich auch nicht, daß mich Mister Stefenson als zweiten +Arzt für dein Sanatorium berufen hat?“ + +„Hat er das?“ + +„Ja, allerdings nur unter der Bedingung, daß mir deine Idee von den Ferien +vom Ich eingeht. Und sie geht mir ein, mein Junge; sie ist vernünftig und +fruchtbar; ich gratuliere dir dazu!“ + +Eine rote Welle schlug mir ins Gesicht. + +„Schönen Dank, Joachim. Du weißt, wie sehr ich dich immer mir für +überlegen gehalten habe.“ + +Er winkte, schwermütig den Kopf schüttelnd, ab. Dann setzte er sich mir +gegenüber und ergriff wieder meine Hand. + +„Sieh mal, Junge, daß du mich nun fünf Jahre lang gesucht hast – das – nun +ja, es gibt eben Schulden, die sich nicht bezahlen lassen. Was nun aus mir +wird, weiß ich nicht. Ich will allen Starrsinn ablegen; ich will mich mal +ganz wieder von den Wellen der Heimat treiben lassen, ich will auch gutem +Rat zugänglich sein. Aber ich möchte nicht erkannt werden; ich möchte +nicht, daß all der Schwatz und Klatsch – ach, laß uns die heilige Stunde +nicht durch schmutzige Erinnerung verderben. Wenn es möglich wäre, daß ich +als Doktor Harton aus Baltimore vor den Leuten gälte, sähe ich mir gern +auf einige Zeit das Leben in der Heimat an. Da kam mir der Vorschlag +dieses kuriosen Mister Stefenson, als Arzt in eure Anstalt einzutreten, +ganz gelegen. Jeder legt dort seinen Namen ab, jeder lebt unerkannt seinen +Tag, jeder ist fern von dem glücksfeindlichen Schwarm, der einem aus der +Vergangenheit nachdringt, kurz, lieber Fritz, ich möchte der erste sein, +der in deiner Zufluchtsstätte Ferien macht von seinem Ich.“ + +Beide Hände streckte ich dem Bruder entgegen. Wie ein offenbares Zeichen +himmlischen Segens für meine Gründung stand der langvermißte Bruder vor +mir als erster und willkommenster Gast meines Ferienheims. Wie konnte sich +ein Glück herrlicher fügen! In dem überströmenden Gefühl des Augenblicks +sagte ich: + +„Joachim, du hast diese Stunde eine heilige genannt. Zürne mir nicht, wenn +ich dich nun noch bitte: sprich auch ein einziges gutes Wort von der +kleinen Luise.“ + +Da wurde sein Gesicht finster. + +„Ich kann noch nicht – laß mir Zeit!“ + +Und ich schwieg. Es wurde still in der Stube. Der Abend dunkelte durch die +Fenster. Allmählich aber kam die Unterhaltung wieder auf. Wir entwarfen +Pläne für die nächste Zukunft. + + * + +Als wir nach mehreren Stunden nach dem Speisesaal des Hotels kamen, saß +dort Mister Stefenson. Ich ging sofort auf ihn zu und sagte: + +„Mister Stefenson, das ist sicher: Sie sind einer der größten Prachtkerle +der Welt. Da ist er – mein Bruder Joachim – den Sie heimgezaubert haben.“ + +Stefenson antwortete mir nicht, schüttelte aber dem Bruder herzlich die +Hand. + +„Das ist schön, daß Sie gekommen sind. Hergezaubert habe ich Sie zwar +nicht; denn ein Mann wie Sie läßt sich nicht herzaubern. Aber daß Sie +gekommen sind und uns bei unserem Bau helfen wollen, ist ein Glück; denn +Ihr Bruder hat zwar Phantasie und auch sonst brauchbare Eigenschaften, +aber im ganzen ist er ein Schwärmer.“ + +„Danke, Mister Stefenson!“ + +„O bitte!“ + +Wir setzten uns zusammen. Stefenson kam sofort aufs Geschäftliche. + +„Sehen Sie, Doktor Harton, den ganzen Bau, wo wir die elektrischen Bäder, +überhaupt alle klinischen und medizinischen Einrichtungen unterbringen +wollen, habe ich trotz des Widerspruchs meines geehrten Kompagnons bis +jetzt nur in den Außenumrissen fertiggestellt; die endgültige innere +Einrichtung sollte bleiben, bis Sie kämen; denn Sie haben in solchen +Dingen große Erfahrung, da Sie sich schon zweimal organisatorisch sehr +bewährt haben.“ + +„Woher wissen Sie das?“ + +„Na, ich habe mich doch selbstverständlich in mehreren guten +Auskunftsbüros über Sie erkundigt. Wenn Sie nichts getaugt hätten, hätte +ich mich doch auch nicht um Sie bemüht. Aber wir brauchen Sie! Deshalb +schickte ich Ihnen das Tagebuch.“ + +Verärgert fuhr ich den Krämer an: + +„Sie haben also wieder nur ans Geschäftliche gedacht?“ + +„Na selbstverständlich, Sie verwundertes Unschuldslamm! Woran soll man +denken als ans Geschäftliche, wenn man ein nicht gar zu schlechter +Kaufmann ist?“ + +Joachim lächelte; mir aber stürzte wieder einmal ein gläsernes Tempelchen +ein, in das ich meinen Götzen Stefenson gesetzt hatte. + +Stefenson nahm nun meinen Bruder ganz in Anspruch. Er fragte über tausend +Dinge aus Amerika. Ich schwieg. Vielleicht war es ganz gut, daß der durch +die Heimkehr äußerst aufgeregte Bruder zunächst durch die trostlos +nüchternen Schwadronaden dieses Kaufmanns Stefenson abgelenkt wurde. + +Wir hatten schon Abendbrot gegessen, als sich Stefenson verabschiedete. Er +erzählte, er habe einen kleinen Neffen. Der Vater sei tot, die Mutter an +einen gefühllosen Mann wieder verheiratet, der dem sechsjährigen Knaben +ein Stiefvater sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in +Hamburg. Er wolle den Knaben, der Georg heiße, mal probeweise zu sich +nehmen; vielleicht, daß etwas aus ihm würde. Die Gründung einer so neuen +Gemeinde mit allem ihrem Drum und Dran müsse ja auf einen Jungen einen +tiefen Eindruck machen und ihm fürs ganze Leben einige stählerne +Gerüstschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also mit dem Nachtzug +reisen, und er hätte es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof begleitete, da er +wegen der Vertretung manches Geschäftliche mit mir noch zu erledigen habe, +womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der Straße waren, +sagte Stefenson: „Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie mir nicht +hinterher wieder aus dem Häuschen fallen und alles verderben. Also, mein +kleiner Neffe, der Georg, ist nämlich gar kein Junge, sondern ein Mädchen +– er ist die kleine Luise.“ + +„Stefenson, Sie sind toll!“ + +„Nein. Ich bin vernünftig. Die kleine Luise muß Ferien von ihrem Ich +machen. Als Mädel ist es ihr hundsmiserabel gegangen, ausgenommen die +letzten dreiviertel Jahr, wo sie in dem Institut war, aber auch dort mehr +Strenge als Liebe, mehr Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus soll +sie aus ihrer Haut, ein Junge werden, Courage kriegen, dieses Ducken +abgewöhnen, wenn eine Hand nach ihr faßt; nein, sich selbst ’rumhauen mit +Buben und Straßenbösewichten und immer bei mir sein und da eine gerechte +Behandlung haben.“ + +Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Großes an +meinem Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum +Aufschieben seiner Idee zu bewegen. Er schlug es rund ab. + +Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in +dem Thüringer Institut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es +in der Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewußtsein +seiner Kraft und seines eigenen Wertes zu erziehen. + +Ich wußte, daß Mister Stefenson in die kleine Luise vernarrter war, als je +ein Vater oder Großvater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter +irgendeinem Vorwand einmal nach Thüringen verschwunden; das Mädchen hatte +sich an den Mann, den sie als ihren liebevollsten Freund erkannte, +jedenfalls dankbar angeschlossen, und dem alten Seehund, den +wahrscheinlich nie eine zärtliche Hand gestreichelt hatte, tat diese +Kindesliebe so wohl, daß er diesmal auf allen kaufmännischen Vorteil +vergaß und wie ein verliebter Narr handelte. + +Mochte er es tun! + +Stefenson reiste ab. + + ------------------------------------------------------- + +Wie hatte er gesagt? Keine Gewalt der Erde wird mich hindern, das Kind +zunächst mal in der Tracht eines Knaben zu erziehen. + +Drei Tage nach Stefensons Abreise bekam ich einen Brief von ihm. + + + + + + +„Mein Lieber! Die Idee, Luise als Knaben zu kleiden, habe ich aufgegeben. +Denn sie will nicht. Sie heult, daß sie ein Junge werden soll. Auch die +Haare mag sie nicht abgeschnitten kriegen. Da ist nichts zu machen; Luise +bleibt ein Mädel. Hier lasse ich sie aber nicht; sie hat es viel zu +schlecht. Ich will mal sehen, daß ich das Kind zunächst in Neustadt +unterbringen kann. Ich weiß da eine gute Familie, die mir den Gefallen +gegen Entschädigung tun wird. Und ich kann dann die Erziehung täglich +beaufsichtigen. Diskretion Ehrensache, namentlich gegen Ihren Bruder, der +mir für die Erziehung des nur außerordentlich geschickt zu behandelnden +Kindes nicht geeignet erscheint. Wir kommen Montag mit irgendeinem Zug. Am +Bahnhof zu erwarten brauchen Sie uns nicht. + + Stefenson.“ + + + + + + + * + +Am nächsten Tage sollte ich Joachim zum Heimweg abholen und hatte +versprochen, vorher die Mutter zu unterrichten. + +Wir saßen beim Frühstück zusammen; ich versuchte ein paar Anläufe, brachte +aber die Botschaft nicht heraus. Die Mutter verwunderte sich sehr. Dann +machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. Als ich zurückkam, stand die +Mutter am Fenster und schaute wie so oft dem Sprudeln des Johannisbrunnens +zu. Die ersten Schneeflocken flogen durch die Luft und hüllten den Platz +in traulichen weißen Schimmer; aber die Sehnsucht dieser Frau ging wieder +in die Weite, und sie sah nichts von der silbernen Pracht um sich her. + +Auch ich war jahrelang in der Fremde. Doch ich war überzeugt, die Mutter +hatte kaum einmal an mich gedacht, wenn sie an Joachim siebenmal dachte. +Ich ging an ihrer Tür vorbei nach meinem Zimmer. Da saß ich, bis es hohe +Zeit war, nach Neustadt aufzubrechen, um zur verabredeten Stunde dort zu +sein. Endlich sagte ich mir, daß ich ein Geselle von kindischer Eifersucht +sei, und ging in das Zimmer der Mutter. + +„Ich habe dir etwas mitzuteilen, Mutter; erschrick nicht!“ sagte ich, und +die nervöse Frau erschrak natürlich aufs schwerste. + +„Es handelt sich um Joachim!“ + +„Um Gottes willen – ist ihm etwas passiert – ist er in Not – willst du zu +ihm fahren?“ + +Ich mußte lächeln. Zu ihm fahren! – Daß ich damit mein Lebenswerk +aufgegeben hätte, daran dachte die Mutter nicht. + +„Es ist nichts Schlimmes, Mutter; es ist etwas Gutes, was ich dir von +Joachim zu sagen habe.“ + +„Sage es mir, Fritz, will er – will er nach Hause kommen?“ + +„Ja, er kommt schon heute.“ + +Da stieß sie einen Schrei aus, dann weinte sie laut, schlug in die +Händchen, rannte durchs Zimmer und sprach laute Dankesworte zu Gott, der +ihr das größte Glück beschieden habe, das es für sie gebe. Als sie etwas +ruhiger wurde, fragte sie: + +„Und er ist ganz von selbst gekommen, oder hast du ihm noch einmal +geschrieben, daß er kommen soll?“ + +Ich schüttelte den Kopf. + +„Ganz von selbst gekommen“, sagte sie selig; „der treue Sohn!“ + +In trockenem Tone entgegnete ich: + +„Mutter, es wird lange dauern, ehe ich mit Joachim eintreffe, den ich in +Neustadt abhole. Erst in der Dämmerung kommen wir. Inzwischen rege dich +nicht allzusehr auf und vergiß nicht, deinen Baldriantee zu trinken.“ + +Das nahm sie ungnädig auf. + +„Baldriantee – wie kannst du jetzt von so etwas reden. Ich werde natürlich +mit nach Neustadt fahren.“ + +„Nein, Mutter; Joachim wird nur unter der Bedingung hier leben, daß er von +den Leuten nicht erkannt wird. Deshalb wird er als Arzt in meine +Kuranstalt eintreten.“ + +„Und nicht bei mir wohnen?“ + +„Nein, er wird im Ferienheim wohnen.“ + +„O – o du nimmst ihn mir?“ + +„Ich nehme ihn dir nicht –“, entgegnete ich unwillig; „mache mit Joachim +selbst ab, wie ihr es halten wollt; ich werde mich da nicht einmischen.“ + +Ich ging verdrossen meines Weges. Aber draußen im Winterwalde wurde mein +Herz wieder warm; ich war glücklich. Immer, wenn ich mich glücklich fühle, +habe ich Lust, etwas Gutes zu tun. Heute fiel mir nichts anderes ein, als +daß ich bald eine Anzahl von Futterplätzen und Nistkästen für die Vögel in +meinem Ferienheim anbringen würde, auch auf die Gefahr hin, als Gäste +lauter Sperlinge zu mir zu ziehen. + +Die Mutter! – Nun würde sie wohl das Haus von unterst zuoberst kehren und +alle Leckerbissen bereiten, die sie auftreiben konnte. Wahrscheinlich +würde sie meine beiden geräumigen Zimmer für Joachim einrichten und mich +nach der Giebelstube umquartieren. Ich war schon wieder eifersüchtig und +voll häßlichen Mißtrauens, und es fiel mir ein, daß es besser wäre, sich +auf Mutter und Bruder zu besinnen, wenn man was Gutes tun will, als auf +die Spatzen ... + +Es lag dichter Nebel auf der Chaussee, als ich mit Joachim heimging. Nicht +einmal die Kuppe des Weihnachtsberges war zu erkennen. Die Heimat hatte +ihr Haupt verhüllt wie eine schmollende Frau. Und Joachim ging stumm und +betreten neben mir her, fast wie ein Sünder. Er war auch ein solcher; denn +er hatte sein Herz verhärtet, und alle Herzensverhärtung ist Sünde. + + „Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand + Kommt wieder heim aus fremdem Land. + Sein Haar ist bestaubt, sein Antlitz verbrannt, + Von wem wird der Bursch wohl zuerst erkannt?“ + +Es war ganz, wie es Vogl in seinem alten, hübschen Gedichte schildert: die +Leute kannten Joachim nicht mehr. Er war schon in seinen letzten +Studentenjahren selten zu Hause gewesen, als verheirateter Mann fast gar +nicht, und dann kamen die Auslandsjahre, da sein Kopfhaar dünn und sein +Bart dicht wurde und die Zeit die große Retouche an seinem Gesicht vollzog +– er war ein anderer geworden. + +In sieben Jahren soll sich der Körper des Menschen ganz erneuern. So +wanderte jetzt kein Atom dessen mehr nach der Heimat zurück, was vor +sieben Jahren auszog. Hätte Joachim keine Seele gehabt, so wäre wirklich +ein ganz fremder, ein ganz anderer Mensch nach Hause gekommen. Dem Bäcker +Schiebulke begegneten wir. Er war Joachims Angelkamerad gewesen. Jetzt +fühlte er sich geehrt, daß ich ihn auf der Straße anhielt, und eilte gewiß +alsbald ins nächste Gasthaus mit der Kunde, daß ein Dr. Harton aus Neuyork +angekommen sei als zweiter Arzt für das Ferienheim, und es müßten doch +schon massenhaft Kurgäste angemeldet sein, wenn man schon einen zweiten +Arzt brauche. + +Auch der alte Sanitätsrat lief uns in den Weg. Er war zwar nicht gut auf +mich zu sprechen, aber er ging doch nicht an uns vorbei und begrüßte den +„Herrn Kollegen von drüben“, den ich ihm vorstellte. + +Auch die Frau Provisor, von der erzählt wurde, sie hätte, als sich Joachim +verlobte, mit negativem Erfolg zwei Schachteln schwedische Streichhölzer +abgelutscht, um ihr gebrochenes Herz zum Schweigen zu bringen, sah den +ehemals Heißbegehrten jetzt nur neugierig an und ging vorüber. + +So näherten wir uns dem Johannisplatz. Joachims Schritte wurden kleiner +und langsamer, sein Stock stampfte hart auf das Pflaster. Irgendwo stand +wohl jetzt der Mond; denn der Nebel über dem Johannisplatz war +durchsichtig und silberhell. + +„Der alte Brunnen!“ sagte Joachim leise; „es ist merkwürdig, daß meine +Gedanken meist um den alten Brunnen gingen, wenn ich an die Heimat +dachte.“ + +Nun näherten wir uns dem Vaterhause und standen am Brunnenrand; da blickte +wirklich wie in alten Kindertagen die Mutter auf uns herab. + +Joachim stützte sich auf das Gemäuer, und weiße Tropfen aus der Schale +Baptistas besprengten seine Hand wie mit einem Weihwasser, ehe er in das +Heiligtum seines Vaterhauses eintrat. + +Ich stieg mit ihm die Treppe hinauf und öffnete nach leisem Klopfen die +Tür zur Mutter. + +Ich sah noch, wie beide mit leisem Aufschluchzen die Arme ausbreiteten, +schloß die Tür und blieb draußen. + + + + + + WEIHNACHTEN + + +Stefenson ist an dem von ihm angegebenen Tage nach Hause gekommen. Auf +meine Frage nach der kleinen Luise entgegnete er grob, ich solle mich +nicht in seine Privatangelegenheiten mischen; hätte ich mich früher nicht +um das Kind gekümmert, wo es das Mädel nötig gehabt hätte, so sei meine +Anteilnahme jetzt völlig überflüssig. Das gleiche könne er auch nur mit +Bezug auf meinen Bruder sagen; er hätte sich jetzt schon Vorwürfe über +dessen Berufung gemacht. Da könnten bloß Schwierigkeiten entstehen. + +„Mister Stefenson“, sagte ich, „Sie benehmen sich wie ein Drache, der die +verwunschene Jungfrau behütet.“ + +„Drache hin, Drache her; ich geb’ sie nicht heraus“, knurrte er. + +„Das sollen Sie ja gar nicht; wir überlassen Ihnen ja das Kind.“ + +„Wirklich?“ + +„Wirklich!“ + +„Na, dann ist es gut!“ + + ------------------------------------------------------- + +Stefenson hat die Waltersburger zu einem Festabend im großen Theatersaal +des neuen Rathauses berufen (der Name Rathaus ist beibehalten worden, +obwohl wir keinen eigenen Bürgermeister haben werden). Dieser Theatersaal +ist Hals über Kopf fertiggestellt worden. Er könnte schöner sein. Aber er +ist geräumig, und die Akustik ist gut. Auch ist eine hübsche +Liebhaberbühne da. Sonst sieht es im Rathaus noch sehr wild aus, und es +gehörte viel Tannenreisig dazu, um die unfertigen Wände, Kalkkübel und +Schutthaufen zu maskieren, die in der Nähe des Treppenhauses einen +unschönen Anblick bieten. + +Der Lehrer Herder hat ein Melodram geschaffen. Der Mann dichtet, +komponiert und malt. Über braven Dilettantismus geht es bei Herder +nirgends hinaus, aber er schafft für den Hausbedarf brauchbare, gefällige +Sächelchen. + +Die Einladung ist wieder an alle Volkskreise ergangen nach dem Noahrezept: +„Von jeder Art zwei Pärchen.“ Dazu sind alle Kinder geladen, die zum +großen Teil bei dem Melodram mitspielen. Die Tatsache, daß die Kleinen auf +Stefensons Kosten die Gewänder geliefert erhielten, die zu ihren Rollen +gehören, hat dem Spender vollends die Sympathie der Stadt verschafft. + +Der Festsaal war denn auch beängstigend voll – zugleich für Joachim die +große Probe, ob er erkannt werden würde oder nicht. + +Er wurde nicht erkannt. Die Leute betrachteten ihn mit der Neugier, die +dem überseeischen Arzt galt, von dessen Ankunft sie alsbald mit der +gläubigen deutschen Ausländerverehrung gesagt hatten, nun müsse es +wirklich eine gute Kuranstalt werden, da sogar ein amerikanischer Arzt +mittue. Von der Zeit an schienen den Waltersburgern die Neustädter +geschlagen; denn Neustadt hatte nur deutsche Ärzte. + +Ich besuchte diese harmlose Weihnachtsfeier mit erregtem Herzen. Einige +Tage vor dem Festabend war mir Herder begegnet und hatte mir mitgeteilt, +daß nun in seinem Melodram sogar die eigene Nichte von Herrn Stefenson +eine Hauptrolle übernehmen und ein kleines Liedchen singen würde. Ich +verbarg mühsam meinen Schrecken. + +Herder erzählte weiter: + +„Ich habe mit der Kleinen – die Leute sagen, es sei die Tochter des +amerikanischen Petroleumkönigs – eine Probe gemacht. Sie hat eine +allerliebste Stimme, aber sie erscheint etwas schüchtern.“ + +Ich verabschiedete mich und ging sofort zu Mister Stefenson. + +„Es ist unerhört ...“ + +Er wußte augenblicklich, was ich meinte. + +„Gar nichts ist unerhört“, unterbrach er mich rauh. „Die Nichte von Mister +Stefenson kann auftreten und singen, wo sie will. Sie muß auftreten, sie +muß ihre Schüchternheit überwinden. He, Sie scheinen mir ein schöner +Psychologe zu sein, wenn Sie solche Momente außer acht lassen wollen.“ + +Was hatte es für Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun mußte eben +durchgehalten werden ... + +Die Mutter saß mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an +der Bühne. Ich sah und hörte kaum etwas von dem Melodram, von dem Gewimmel +von Zwergen, Kobolden, Nußknackern, Pfefferkuchenmännlein, Tiergestalten, +Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum üblichen +Weihnachtsstück gehören; ich wartete mit Herzklopfen auf den +Weihnachtsengel, als dessen Darstellerin Miß Stefenson aus Chikago auf dem +riesigen roten Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte +„Bild“ übrig, nun mußte Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen. + +Der Vorhang hob sich. – Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit +ihrem Kind, Joseph, die Hirten, die drei Könige; rings in Anbetung +versunken knieten Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmännlein. Es war alles +in halber Nacht, nur von einem mattroten Schein erhellt. + +Da erschien plötzlich ein Licht über der Grotte, ein wunderschönes +Engelein trat in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen: + + „Vom Himmel hoch, da komm ich her + Und bring euch allen frohe Mär: + Geboren ist in Davids Stadt + Er, der des Lebens Fülle hat.“ + +Die Mutter saß wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und +drückte sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die +ganze Gemeinde saß in Andacht. + +Joachim war ganz gleichmütig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: + +„Mister Stefenson, Ihre Nichte ist ein reizendes Kind!“ + + ------------------------------------------------------- + +Die Mutter wollte sofort nach Hause. Ich begleitete sie. Wir gingen stumm +in dem Menschenstrom. Erst als wir daheim angelangt waren und die Lampe +angezündet hatten, sah mich die Mutter voller Angst an. + +„Fritz – das Kind – dieses Kind ...“ + +Ich sah ihr ernst in die Augen und schwieg. + +„Fritz – sage mir – ist es – ist es? ...“ + +„Ja. Es ist Luise.“ + +Da sank sie auf das Sofa und verbarg den Kopf. Ich trat zu ihr. Nicht ohne +Bitterkeit sagte ich: + +„Mutter, du brauchst dich nicht zu ängstigen, das Kind wird dir nie +Ungelegenheiten machen; es ist in Mister Stefensons Pflege gut +aufgehoben.“ + +So wollte ich gehen. Aber ich brachte es doch nicht fertig. Ich blieb am +Tische sitzen. Nach langer Zeit, in der nichts zu hören war als das leise +Singen der Lampe und der Schlag unserer Standuhr, stützte die Mutter den +Kopf auf den Tisch und sagte müde: + +„Das Kind ist Joachim ähnlicher, als er sich jetzt selbst ist!“ + +Nach einem Weilchen meinte sie: + +„Es wird wohl keine Möglichkeit geben, daß ich das Kind zu mir nehme?“ + +„Nein, Mutter, es gibt keine solche Möglichkeit mehr!“ Damit ging ich nach +meinem Zimmer. + + + + + + FÜGUNG ...! + + +Joachim wohnt jetzt in der Lindenherberge, wo schon einige Zimmer +fertiggestellt sind und auch der Küchenbetrieb schon im Gange ist. Im +Rathaus gegenüber haust Stefenson. Er hat seine Arbeitstätigkeit noch +vermehrt und, wie er mir sagte, keine Zeit mehr, Luises willen täglich +nach Neustadt zu fahren und sich um das „Gänschen“ zu kümmern. So wolle er +das Mädel lieber zu sich nehmen. Das sei ihm zwar sehr störend, aber was +wolle er machen? Er hätte auch gefunden, daß die Pflegeeltern in Neustadt +die Sache mit Luise nicht recht verständen. Ich grunzte. Sonst sagte ich +nichts ... + +Die weitere Ausgestaltung unserer Riesenanstalt schritt mit größter +Schnelligkeit vor sich. Da sagte Mister Stefenson eines Tages zu mir: + +„Und nun, mein Lieber, ist es die allerhöchste Zeit, daß wir an die +Bauernrequirierung gehen. Zehn Höfe sind fast fertig, das Vieh ist rasch +zu beschaffen, ebenso die Haus- und Ackergeräte, aber das Bauernvolk, das +uns einpaßt, das will gesucht sein. Ich hatte anfangs an Agenten gedacht, +aber das ist nichts; die gehen bloß auf ihre Provision aus und schicken +uns Schinder und Plunder auf den Hals. Haben Sie also die Freundlichkeit, +sich in einen Vieh- oder Getreidehändler oder, wenn Ihnen das besser +liegt, in einen Gütermakler zu verwandeln und mich morgen auf der +Bauernsuche zu begleiten.“ + +Nun, diese Aufgabe paßte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glück +zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. +Schaftstiefel, englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit +Hirschhornknöpfen und grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, +ein seidenes Tüchlein um den Hals, eine Lodenmütze, das war meine +Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die Bauern Zutrauen entgegen, da +vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine „Juden oder +Winkeladvokaten“, die sie übers Ohr hauen wollen. + +Es wäre alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am nächsten Morgen, als +die Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht hätte. + +Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange +Reise mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedächte, daß uns das Mädel nur +stören und aufhalten würde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit. + +„Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel“, sagte die Kleine mit einem Anflug +von schnippischem Ton. + +„Sie macht sich heraus; sie fängt an, Courage zu kriegen“, sagte der +„Pappa“ anerkennend. + + ------------------------------------------------------- + +Auf einer größeren Station stiegen wir während des Zugaufenthaltes aus, um +dem Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthändlers +waren, näherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich +an, dann das Kind, faßte es blitzschnell an der Hand, riß es an sich und +küßte es wie rasend. + +Das Mädel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: „Aber Madame, +was tun Sie?“, und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige +Leute eilten herbei; es gab gewaltiges Aufsehen. + +„Zurück in den Wagen!“ rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. +Bald saßen wir im Abteil, und die Tür flog zu. + +Draußen schrie eine gellende Stimme: + +„Es ist mein Kind – es ist mein Kind – laßt mich zu meinem Kinde! Luise! +Luise!“ + +Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen +fest; der aufsichtführende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte +Auskunft. Ich stieg aus, stellte mich vor und sprach einige aufklärende +Sätze. Zuletzt sagte ich: + +„Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf +dieses Kind habe!“ + +Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach +leise auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhängenden +Armen, heftig schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: „Haben Sie +einen gesetzlichen Anspruch auf jenes Mädchen?“ + +Da schüttelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser +Wagenfenster, dann verließ die Frau den Bahnhof. + +„Wer war die böse Frau?“ fragte Luise verängstigt. + +„Eine Verrückte“, sagte Stefenson rauh. + +„Wird sie nie wieder zu mir kommen?“ + +„Nein, nie wieder!“ + +Wie lange doch der Aufenthalt noch währte! Die Leute spazierten draußen +und gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. +Endlich setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er +den Bahnhof verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da +gab es einen gewaltigen Ruck und Stoß, und der Zug stand. + +Ich riß das Fenster auf. Von der Lokomotive sprang der Heizer ab, +Schaffner eilten den Bahnsteig entlang – ein Schaffner kam zurück und gab +uns Auskunft ... + +Über das Feld rannte jene Frau ... + +Das Weib hatte sich dicht hinter dem Bahnhof auf die Schienen geworfen, +und der Lokomotivführer hatte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen +gebracht. + +Luise war auf die Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenster. + +„Da rennt sie – da rennt die böse Frau!“ rief das Kind. + +„Laß das verrückte Weib!“ knirschte Stefenson. + +Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog über die Fluren, frierende Vögel saßen +auf den Telegraphendrähten, alles, was draußen war, fror, die Bäume und +die Berge, die Tiere und die Menschen. + +Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmähter +Mutterliebe im Herzen durch die kalte Flur, das Kind hatte sich vor ihr +entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmäht. + +Stefenson saß finster in seiner Ecke. + +Das Kind begann wieder zu sprechen. + +„Alle verrückten Menschen sind sehr böse.“ + +Da brummte sie Stefenson an: + +„Das kann man nicht sagen, du Gänschen! Manche Menschen können nicht mal +richtig dafür, daß sie verrückt sind.“ + +„Wieso nicht?“ + +„Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den großen Menschen von +Tausenden kaum einer richtig.“ + +„Du hast aber gesagt, sie ist verrückt, und du hast es böse gesagt“, +verharrte das Kind. + +„Dann habe ich eben eine Dummheit gesagt. Denn ich kenne die Frau nicht +und kann daher auch nicht wissen, ob sie verrückt oder böse ist.“ + +„Böse ist sie“, wiederholte Luise; „denn sie hat mich sehr gequetscht und +mich auch in die Wange gebissen. Sie soll nicht wiederkommen.“ + +Grau rann der Regen über das Wagenfenster. + +All unsere frohe Laune war dahin. Schwache, gedrückte Menschen, saßen wir +da im Zuge, der uns schnell davonführte und eine große Strecke zwischen +uns und die Sünderin legte, die uns gestört hatte in unserer +Behaglichkeit, und die wir daher nicht rasch und rauh genug abschütteln +konnten. + +Der göttliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie hätte er wohl +gehandelt in meinem Falle? Hätte er die Arme beiseitegestoßen, sich einen +Beamten kommen lassen und sich hinter „gesetzliches Recht“ verschanzt? +Wäre er dann weitergefahren, fast hinweg über den zuckenden Leib, und +hätte er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit +hochmütigem Abscheu in der Seele? Oder wäre ihr der Meister nachgegangen, +hätte sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein +Zweiglein vom verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein +wenig goldene Kindesliebe für die Zukunft verheißen? + +Ferien vom Ich! + +Ich werde mich vor allen Dingen erlösen müssen von allem kalten Hochmut +des Herzens und allem auch noch so „gesetzmäßigen“ Zurückstoßen der +Schwachen und Schuldigen ... + + + + + + BAUERNANWERBUNG + + +In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar +ergebnislose Besuche auf den umliegenden Dörfern. Wie die Werber für eine +Freiwilligenlegion kamen wir uns vor. Auf der Landstraße trafen wir aber +eines Tages ein Bäuerlein, das in einem großen bunten Taschentuch +allerhand Waren eingepackt trug, die es wohl auf dem Markte erstanden +hatte. + +Ich schaute den Bauern prüfend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges +Gesicht. Und der Mann ging zu Fuß und trug sein kleines Paket. Das war +einer für uns. An die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht +wenden, die hätten uns ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine +Landwirte mußten es sein, die auf ihrer engen Scholle ein kümmerliches +Leben führten und froh waren, in eine gute Pachtung zu kommen. + +Stefenson hielt das Pferd an. + +„Wollen Sie mitfahren?“ + +„Nee!“ antwortete der Bauer. + +„Warum denn nicht?“ + +Das Bäuerlein wies auf unseren lahmen Mietsgaul. + +„Der Schimmel zieht mich nich; ich wieg’ ’n Zentner!“ + +„Sie haben wohl schönere Pferde?“ + +„Nee, ich hab bloß drei Zugkühe. Aber su schnell wie der Schimmel traben +se ooch.“ + +„Hören Sie mal, Gevatter“, sagte ich, „Sie foppen uns. Das Pferd hat viel +Geld gekostet.“ + +Er meckerte. + +„Na, da mußt ihr schöne tumme Kerle sein.“ + +Lachend ging er neben unserem Wagen her, und wir fragten ihn ein wenig +über die Gegend aus. Bald kam ein Straßengasthaus, und ich lud den Bauern +ein, mit uns einzukehren und ein Glas mit uns zu trinken. + +„Nu“, sagte er, „das kann ich schon. Aber ich sag’s Ihn’ gleich ehrlich: +zu holen is bei mir nischt. Würfeln tu ich nich, und billig zu verkoofen +hab ich ooch nischt! Keene Kuh, kee Schwein, kee Getreide und ooch keene +alten Schränke und zinnernen Teller.“ + +„Warum vermuten Sie denn, daß wir Ihnen was abschachern wollen?“ + +„Ja, da müßt man doch euch Stadtjuden nich kenn’. Umsunst gebt ihr doch +eenem fremden Bauer keen Schnaps zum besten.“ + +„Da haben Sie ganz recht“, sagte Stefenson; „wir wollen etwas von Ihnen. +Wir wollen _alles_ von Ihnen: Ihre Wirtschaft, Ihre Kühe, Schweine und +Hühner und sogar Sie selber und Ihre Frau und Ihre Kinder.“ + +Der Bauer brach in helles Gelächter aus. + +„Hatt’ ich mir’s doch gleich gedacht, daß Sie der Menschenfresser sind.“ + +„Also den nehmen wir bestimmt!“ sagte Stefenson zu mir, wie wenn eine Ware +zum Verkauf stände. + +„Mich nehmen Sie?“ vergnügte sich der Bauer. „Sie sein ja der ulkigste +Kerle von der Welt.“ + +Stefenson zog die Stirne kraus. Drinnen setzte er sich dem Bäuerlein an +dem rohen Tisch der Schankstube gegenüber, nahm ein Notizbuch heraus und +sagte: + +„Wie heißen Sie?“ + +„Ich? – Mit’m Familiennam’ su wie mei Vater und mit’m Vornamen wie +Napoleon.“ + +„Mensch, wie heißen Sie! Ich muß das wissen. Es handelt sich um eine +Angelegenheit, die für Sie wichtiger ist als für uns. Sie werden schon +alles erfahren. Also, wie heißen Sie?“ + +„Wie heißen _Sie_ denn?“ fragte der Bauer zurück. Stefenson wurde +ungeduldig. + +„Wenn Sie es denn wissen müssen – ich bin Mister Stefenson aus Amerika, +ein sehr reicher Mann.“ + +„Da könn’ Se lachen! Deswegen haben Se wahrscheinlich ooch so’n scheenes +Pferd.“ + +„Dummer Kerl!“ sagte Stefenson verdrossen und stand auf. + +Der Bauer lachte. + +„Nu hat a sich erst richtig vorgestellt, und nu steht er auf.“ + +Es war Zeit, daß ich mich ins Mittel legte. Der Mann mußte wissen, um was +es sich handelte, sonst war mit ihm nicht zu reden. Freilich war es nicht +leicht, so einer naiven Haut die Idee von den Ferien vom Ich klarzumachen. +Ich versuchte das auf folgende Weise: + +„He, lieber Freund, haben Sie schon irgendmal einen Städter kennengelernt, +der richtig arbeitet?“ + +„Nee. Die Städter sein olles faule Luder. Se könn’ Heringe oder Leinwand +oder Pillen verkoofen oder in a Stuben sitzen und kritzeln, aber arbeiten +könn’ se nicht. Se schlafen ja olle bis um sieben.“ + +„Da haben Sie recht. Und glauben Sie, daß so ein Leben, wie es die Städter +führen, gesund ist?“ + +„Miserablig ungesund is es! Se sehn ju olle aus wie Quargschnitten, und +Kräfte ham se nich die Spur. Se verfauln reeneweg.“ + +„Bravo! Was Arbeit ist und was Gesundheit ist, weiß nur der Bauer. Nun +wissen Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten.“ + +„Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich +lieber zu Hause.“ + +„Schön. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollständig. Wenn man +nun aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind, +nein, wo lauter Bauernhöfe wären und wo die Städter, die eine Kur machen +wollen, mal auf dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten +müßten, das würde doch den Schlingeln gesund sein – nicht wahr?“ + +„Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schön hüten und +arbeiten. Wenn se aufs Dorf komm’n, saufen se einem bloß die gute Milch +weg und fressen die scheensten Birn’ von a Bäumen. Sonst tun se nischt.“ + +„Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der +Stadt mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesünder werden +wollen. Das ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt.“ + +„Die Doktors verstehn alle nischt, die Schäfer sind klüger.“ + +„Das mag wohl sein; aber der Doktor, der das ausgeknobelt hat, der +versteht schon seine Sache. Sehn Sie, kurz heraus: es soll eine Kuranstalt +gemacht werden, die hat vierzig Bauernhöfe, und auf allen Höfen sollen die +Kurgäste arbeiten. Und der Mann, der jene Anstalt gründet, ist eben jener +Herr dort.“ + +„Der? – Vierzig Bauernhöfe? – Se sind wohl nicht recht bei sich?“ + +„Doch – doch – ich werd’ Sie doch nicht belügen.“ + +„Wie heißt er? Mister? Mister – Ausmister!“ + +Er lachte über seinen Witz. + +„Mister bedeutet ‚Herr‘. Weil er eben ein Amerikaner ist.“ + +Da erhob sich der Bauer. Er rief Stefenson an, der an einem anderen Tisch +der kleinen Luise eine Schinkenstulle zerteilte. + +„Sie, Herr Mister, komm’n Se mal her! Zeigen Se mal Ihr Portemonnaie!“ + +Ich zwinkerte Stefenson zu, den Wunsch zu erfüllen. Stefenson warf +schweigend seine dicke Brieftasche auf den Tisch. + +„Bitte!“ sagte er phlegmatisch. + +Der Bauer rührte sich nicht. + +„Na, nu kucken Sie mal nach, was drin ist!“ ermunterte ich ihn. + +„Ich werd’ mich schön hüten; nachher sagen Se, es fehlt was!“ + +Mißtrauisch wie ein alter Fuchs vor der Falle, so saß der Bauer vor der +Brieftasche. Da schlug ich die Tasche auf und entnahm ihr blaue und braune +Schätze. Der Bauer schaute wie in ein Wunderland von Reichtum. Aber er +rückte beiseite. + +„Wenn Se su reiche Herr’n sind, warum setzen Se sich da zu mir armen +Schlucker? Zum Ausstoppen bin ich mir viel zu schade.“ + +Ich gab die Brieftasche an Stefenson zurück und redete dem neuen Freunde +gut zu. Ich erklärte ihm genau, was wir mit ihm vorhätten, wie er als +Pächter auf einen unserer Höfe ziehen solle, wie wir ihm die günstigsten +Bedingungen einräumen und ihm seine eigene Wirtschaft zu gutem Preise +abkaufen würden, falls er sie nicht anderweit günstig los würde. Wie ein +König solle er auf seinem Gute hausen. Die Kurgäste sollten unter seiner +Leitung arbeiten und sich an seiner guten Laune erfreuen. Ich kriegte +heraus, daß der Bauer Emil Barthel hieß, noch nicht ganz fünfzig Jahre alt +war, ein gesundes Eheweib, namens Susanne, sowie zwei kräftige Söhne und +zwei Töchter besaß, daß von den vier Kindern aber drei auswärts in Dienst +standen, da er sie auf seiner kleinen Wirtschaft nicht beschäftigen und +ernähren konnte. + +„Na, sehen Sie, Barthel, es wäre doch schön, wenn Sie alle Ihre Kinder bei +sich haben und ganz für sich arbeiten könnten. Da wäre doch auch was +zurückzulegen.“ + +Er saß nachdenklich da. + +„Stoppen Se mich wirklich nich aus?“ + +„Ich denke nicht daran.“ + +„Wie kommen Se denn gerade auf mich?“ + +„Na, wir haben Sie eben getroffen, und Sie gefallen uns.“ + +„Dabei bin ich doch dem Herrn Mister grob gekommen.“ + +„Das schadet nichts. Den Kurgästen werden Sie auch manchmal grob kommen +müssen. Das gehört zur Kur.“ + +„Sind Sie auch so eener, der dort Bauer wird?“ + +„Nein, ich bin der Doktor, der alles ausgetiftelt hat.“ + +„’n Doktor sind Se? So sehn Se aber nich aus!“ + +„Hm! Nun, so ein Doktor wie die andern bin ich auch nicht. Mehr so ’n +halber Schäfer.“ + +„Oh, das wär nich schlecht! Aber ich glaub’s nich; ich kann’s nich +glauben!“ + +Ich zog einen Umschlag mit Photographien aus der Tasche. + +„Jetzt werd’ ich Ihnen mal Bilder von unseren Höfen zeigen. Da – das ist +ein Wohnhaus.“ + +„Das? – Das is ja ’n Schloß!“ + +„Ja, wir haben schöne Wohnhäuser. Sie sollen ja mit Ihrer Familie nicht +allein in dem Hause wohnen; es sollen ja auch noch zwanzig Kurgäste drin +Platz haben.“ + +„Dunnerwetter!“ + +„Und das ist die große Wohnstube, und so sieht der Kuhstall aus und so die +Scheuer.“ + +Er atmete schwer. + +„Wie groß ist denn die Wirtschaft?“ + +„Hundert Morgen.“ + +Da verdüsterte sich seine Stirn. + +„Warum halten Sie mich denn zum Affen? So ’ne große Sache kann ich doch +nich pachten; da gehört doch Geld dazu.“ + +„Gar kein Geld! Nur, daß Sie fleißig sind und alles gut in Ordnung halten. +Wir werden ebenso auf unsere Rechnung kommen wie Sie; denn, sehen Sie, die +Äcker rentieren sich doch, und was die Wirtschaft nicht bringt, bringen +die Kurgäste.“ + +„Nu ja, die werd’n ja überall behumpst.“ + +Der Mann betrachtete mich wie einen Zauberer, der Märchendinge vor ihm +ausbreitete. Zuletzt erklärte er sich bereit, mit uns nach seinem Dorfe zu +fahren und mit seiner Susanne Rücksprache zu nehmen. + +Unterwegs sprach ich noch viel auf Emil Barthel ein. Er antwortete fast +nicht mehr. Vor seiner kleinen Wirtschaft hielten wir. Das Wohnhaus hatte +nur ein Erdgeschoß mit hohem Dach; Stall und Scheuer waren klein, aber es +war ein Blumengärtlein vor dem Hause und alles sauber und freundlich. Ein +behäbiges Weib in blauer Schürze trat vor die Tür, als Barthel vom Wagen +kletterte: + +„Nee, Emil“, sagte sie, „da haste nu sugar Fuhrgelegenheit gehabt und +kummst su spät! Dabei sull a de Medizin fürs kranke Mädel hol’n.“ + +„Mutter“, meinte Emil, „wenn du mit sulchen Kerlen fährst, bleibste +kleben. Sieh dir bluß den Schimmel an; der hat zwee eingeleimte Hulzbeene. +Aber ’s sind amerikanische Millionäre, die haben vierzig Pauergüter und +lauter Schlösser.“ + +Susanne lachte gutmütig. + +„A hat een’ sitzen“, meinte sie. „Na, kumm ock rein!“ + +„Frau Barthel“, rief ich ihr zu, „Ihr Mann wird Ihnen viel zu erzählen +haben. Glauben Sie nur, es ist kein Spaß, es ist Ernst. Wir fahren jetzt +ins Gasthaus, und in etwa zwei Stunden werden wir mal zu Ihnen kommen. Wir +müssen mit Ihnen ein ernstes Wort reden, und es wird Sie nicht reuen.“ + +Die Frau schüttelte verwundert den Kopf; ihr Gatte Emil aber tippte erst +ihr, dann sich an den Kopf, nahm sie am Arme und zog sie ins Haus. + + ------------------------------------------------------- + +Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl +bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil +Barthel. + +„Nee, komm’n Se wirklich?“ fragte er; „ich hatte gedacht, ’s wär alles +bloß Ulk.“ + +Die Stube war niedrig, aber sauber, und über den Tisch war ein großes +buntes Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer +Papiertüte Zigarren an, von denen ich vermutete, daß sie aus dem +Dorfkramladen zu fünf Pfennig das Stück gekauft seien. Mit Schadenfreude +sah ich zu, wie Stefenson, der von früh bis in die Nacht eine Havanna nach +der andern schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug +heranmachte. + +„Nun, mein lieber Barthel, möchte ich zunächst etwas feststellen: es +handelt sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spaß, zu dem wir uns +wahrhaftig nicht so viel Zeit nehmen würden, noch um einen Betrug.“ + +„Also ist es tatsächlich wahr?“ sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. +Sein Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede: + +„Sehn Sie, meine Herr’n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben – +man kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfällt – nu, so muß ich +Ihn’n ehrlich sagen: das Ding gefällt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute +werd’n nich kommen. Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll’n – +woll’n se sich amüsieren. Da woll’n se doch nich Kühe melken und ackern. +Meine Herr’n, Se haben keene Ahnung, was das für schwere Arbeit is. Vor +solcher Arbeit haben sich die Stadtleute immer gedrückt. Aber gesetzt den +Fall, se kämen doch – da wär’s noch viel schlechter. Denn warum? Die +Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, daß die mir auf dem Hofe was +helfen könnten? Die gragelten mir doch bloß im Wege ’rum. Die quatschten +und quasselten doch bloß.“ + +„Die fielen einem ja in die Puttermilch!“ lachte Frau Susanne. + +„Die täten ja alles bloß mit Glacéhandschuh’n machen woll’n“, ergänzte der +Mann. + +„Donner!“ schrie da Stefenson jähzornig und hieb die Faust auf den Tisch, +daß aus seiner Fünfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, „nun ist’s +aber genug. Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? +Müssen Sie sich unsere Köpfe zerbrechen, ob unsere Gründung eine Pleite +ist oder nicht? Haben Sie nicht bloß zu gewinnen? Das allerbeste ist ...“ + +„Das allerbeste is, Se gehn wieder!“ sagte Barthel seelenruhig. Und nun +wären wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen +worden, wenn es nicht im selben Augenblick an die Tür geklopft hätte und +zwei Damen über die Schwelle getreten wären. Eine kleine zartgliedrige +Braune und eine große Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man +das in dem Dämmerlichte der niederen Bauernstube feststellen konnte. Die +Kleinere sagte, daß sie von der Erkrankung des Barthelschen Kindes gehört +habe und mal nachfragen wolle; sie sehe aber, daß gerade Besuch da sei, +und wolle nicht stören. + +Ach, erwiderte die Frau, von Störung sei keine Rede; denn das seien zwei +ganz fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen +hätten und die auch gleich gingen. Trotzdem fühlte sich die gute Mutter +Barthel bemüßigt, uns die kleine Sprecherin vorzustellen. „Das ist nämlich +unsere Lehrerin, Fräulein Annelies von Grill.“ + +Anneliese von Grill! Ein prüfender Blick in die großen braunen Augen, und +ich hatte die Identität mit dem kleinen Majorstöchterlein festgestellt, +das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich – da ich +acht Jahre älter war – immer etwas onkelhaft begönnert hatte. Nun stand +ich ihr lachend gegenüber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich +sei. Da erkannte sie auch mich, und es gab ein fröhliches Wiedersehen und +große Verwunderung über die Umstände, unter denen es geschah. Ihre +Lebensgeschichte war kurz: der Vater früh gestorben, die Mutter auf eine +kleine Pension angewiesen und knapp imstande, aus ihr eine Lehrerin zu +machen, die nun vertretungsweise in diesem Dorfe angestellt war. + +Auf einmal fragte die sehr wohllautende Altstimme der Blondine: + +„Das ist doch nicht etwa der Doktor von dem Waltersburger Sanatorium +Ferien vom Ich?“ + +„Allerdings, meine Gnädigste, dieser Doktor bin ich.“ + +Das Mädchen brach in klingendes, lautes Gelächter aus. + +„Also, das sag ich Ihnen, wenn mir die Wahl gelassen worden wäre, wen ich +sehen wolle, Sie oder den Kaiser von Hinterindien in all seiner Pracht und +Herrlichkeit – ich hätte mich für Sie entschieden.“ + +„Ich freue mich, daß ich Ihnen so interessant bin“, sagte ich. + +„Oh, interessant ist gar kein Ausdruck. Wir stehen Kopf über Sie! Jetzt +fehlte bloß noch, daß jener Herr dort der Mister Stefenson aus Amerika +wäre.“ + +„Das ist er!“ mischte sich Emil Barthel ein, „es ist der Herr Mister aus +Amerika.“ + +Stefenson verneigte sich phlegmatisch. + +„Also, Herrschaften, dann müssen Sie schon erlauben, daß wir uns etwas +zusammensetzen und diese kostbare Begegnung genießen.“ + +Dieses Mädchen hatte einen burschikosen Ton an sich, und ich bat Anneliese +von Grill, uns zunächst mal mit ihr bekannt zu machen. Die Blonde stellte +sich aber selbst vor. + +„Ich bin eine nach meiner eigenen Meinung außerordentlich begabte +Opernsängerin ohne Engagement, gegenwärtig zu Besuch bei meiner Freundin +Anneliese, um in der paradiesischen Einsamkeit dieses winterlichen Dorfes +Ferien vom Ich zu machen. Mit Künstlernamen bin ich Irmingard Schwarzeneck +genannt, bürgerlich höre ich auf den Namen Eva Bunkert und bin die Tochter +des Baumeisters August Bunkert in Neustadt.“ + +Wir sahen der Tochter unseres grimmigsten Konkurrenten aus der feindlichen +Nachbarstadt verdutzt in das strahlende Gesicht, und das Mädchen brach +wieder in fröhliches Lachen aus. + +„Es scheint, daß wir Sie sehr belustigen, mein gnädiges Fräulein.“ + +„Außerordentlich! Ist es nicht immer lustig, wenn Waltersburg und Neustadt +aufeinanderplatzen?“ + +Wir nahmen Platz und saßen alle um den runden Bauerntisch. Emil Barthel +sagte: + +„Siehste Mutter, du hast gesagt, es sind Schwinler, und ich hab gesagt, +höchstwahrscheinlich, aber man kann ja nich wissen, und da hab ich wieder +mal recht gehabt.“ + +„Und nun, Herrschaften“, rief Fräulein Bunkert, „es mag so indiskret sein, +wie es wolle, ich muß wissen, was Sie hier bei Vater und Mutter Barthel zu +tun haben; ich sterbe sonst vor Neugier.“ + +Und Stefenson – ach, Stefenson betrachtete das Mädchen mit unverhohlenem +Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei „sein Typ“. Groß, schlank, +blond, übermütig. Da gehe er halt auch mal aus sich ’raus. + +Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes +wahrster Bedeutung, mit allen Künsten, Listen und Teufeleien des +Weibervolks ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstürme auf den +biederen Stefenson. Damals, sagte sie, als er die Neustädter mit den +Zeitungsartikeln hineingelegt habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer +Vaterstadt gelyncht zu werden, gesagt: dieser Mann sei zum Küssen. (Bei +diesen Worten schlug Stefenson die Augen nieder und zog seinen dünnen Mund +gewaltig in die Breite.) Daß er, Stefenson, in einer so öden +Spießergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen so grandiosen Ulk wie +dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste Witz der +Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwährende +Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching _ad +infinitum_. + +Und diese schweren Beleidigungen unserer großen erhabenen Idee ließ +Stefenson über sich ergehen, zuckte kaum manchmal die Schultern, und er +lächelte ... der Verräter. + +„Meine Gnädige“, warf ich dazwischen, „Sie dürften über unser Ferienheim +denn doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst.“ + +„Ja, gerade, daß Sie es ernst meinen, ist ja das Gute“, erwiderte sie. +„Ein Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz.“ + +„Das ist eine sehr kluge Sentenz“, stimmte der verräterische Stefenson +bei. Ich war empört. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, +blieb an der Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott +das Weib erschuf, hat sich der Teufel sicher gefreut. + +Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie +war freundlich, es lag viel Güte auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch +in ihren großen Augen das schöne Lichtlein harmlosen Schalks. Während +Stefenson und Eva Bunkert eine lärmende, von vielem Gelächter +unterbrochene Unterhaltung führten, sprach ich leise mit Anneliese von +ihrem und meinem Leben, und es kam ein stilles Behagen über mich in der +schlichten Bauernstube. + +„Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?“ fragte ich. + +„Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute.“ + +„Glauben Sie, daß es recht wäre, wenn wir sie für uns gewinnen?“ + +„Ich werde ihnen gut zureden, daß sie Ihr Angebot annehmen. Es wird gewiß +beide Teile nicht reuen.“ + +„Ich danke Ihnen!“ + +„Also, hören Sie, Herr Mister Barthel“, lachte unterdes Eva Bunkert; „wenn +Sie das Angebot von Mister Stefenson abweisen wollten, wären Sie, mit +Respekt gesagt, ein Riesenochse. So ein Glück schneit Ihnen nie wieder ins +Haus.“ + +Emil Barthel zuckte verlegen die Schultern. + +„Ich möcht ja; aber die Mutter sagt ...“ + +„Gar nischt sagt sie“, fuhr Frau Barthel dazwischen, „aber er – er hat die +Herren, ehe die Fräuleins kamen, direkt ’rausschmeißen wollen.“ + +Emil Barthel schwur, daß das nie in seiner Absicht gelegen habe, und es +gab einen ehelichen Streit. + +Mitten in den Auseinandersetzungen erschien ein altes Weib. + +„Jees, jees“, jammerte es, „die Emma hat su viel Hitze und klagt immer +mehr über a Hals.“ + +Emma war die zwölfjährige Tochter Barthels. Ich erfuhr, daß das Kind über +Halsschmerzen geklagt habe, und der Schäfer, ein heilkundiger Mann, +Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die +Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt. + +„Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde“, bat mich Anneliese, „es +sind bereits drei Diphtheriefälle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt +haben wir hier nicht.“ + +So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstüblein, wo das +Kind in hohem Fieber lag. + +Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorläufige +Verhaltungsmaßregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im +nächsten Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst übernehmen konnte. +Ein Radler fuhr mit der Botschaft los. Das Mädel ist dann auch gerettet +worden, und Barthel hat nachträglich drei Mark Strafe zahlen müssen, weil +er dem Schäfer, der die Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, +einige Ohrfeigen als Honorar ausgezahlt hat. + +Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurückkehrten, fanden wir +Stefenson und die schöne Eva in angeregtester Unterhaltung. Für das +erkrankte Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon +wieder. + +Eva hatte mit Stefenson verabredet, daß sie mit Anneliese gleich nach der +Eröffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen +wollte. Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloß +bis ersten April, und daß sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, +sei vorläufig sicher, also könnten sie beide kommen. + +„Und Ihr Vater?“ fragte ich. + +„Ach, mein Vater darf natürlich davon nichts wissen, der ist ja wütend auf +Sie. Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, daß er +meint, ich sei wer weiß wo. Und bei Ihnen werde ich die Grünzeugfrau +Emilie Knautschke sein.“ + +Ich beschloß, dieses Mädchen, das in die ernste Männerfreundschaft +zwischen Stefenson und mir einen so lauten Lachton mischte und unsere +große Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschädlich zu machen. + +Wie ich das tun sollte, wußte ich nicht. + +Aber ich hatte Glück. Die Tür öffnete sich, und ein dünnes Stimmchen +zirpte herein: + +„Pappa, wie lange bleibst du denn? Ich muß immerfort allein in dem dummen +Gasthaus sitzen.“ + +Luise war es, die wir im Wirtshaus zurückgelassen hatten. + +Stefenson sprang auf und eilte nach der Tür. + +„Kindchen, auf dich hatt’ ich ja ganz vergessen. Aber geh hier hinaus! In +diesem Haus ist Diphtherie.“ + +Er schob Luise besorgt auf die Straße. Eva Bunkerts Gesicht wurde etwas +ernster. + +„Ach, Herr Stefenson ist verheiratet?“ + +Ich war so boshaft, zweimal mit dem Kopf zu nicken. + +Da räusperte sich Eva Bunkert und sagte, es sei wohl jetzt Zeit, nach +Hause zu gehen. + +Ich hielt sie nicht auf. Es kam zum allgemeinen Aufbruch. Draußen auf der +Straße schmiegte sich die kleine Luise dicht und zärtlich an Stefenson an +und schmollte mit ihrem „lieben Pappa“, der sie im Stiche gelassen hatte. + +Und Stefenson, ob er auch nach Eva Bunkert hinschielte, trat nicht zu ihr +und sagte vor den Ohren des Kindes: „Ich bin nicht ihr Vater!“ + +Nein, er hielt stand dem Vaternamen gegenüber, den er sich selbst gegeben +hatte. Er verleugnete das Kind nicht. Da hatte ich ihn wieder gern. + +Als wir allein waren, sagte Stefenson: + +„Das hätte nun alles so gut in unser Programm gepaßt, und nun ist nichts +zum Abschluß gekommen.“ + +Ich erwiderte: + +„Diese Eva Bunkert ist eine ganz gute Erscheinung; aber ich fürchte, sie +würde unserer Sache schaden.“ + +„Schaden?“ fuhr er auf. „Nützen! Glauben Sie mit Sentimentalität, alten +Rückständigkeiten und mit Duckmäusertum noch was auszurichten? Glauben +Sie, daß ein schönes Gesicht, eine gute Figur, ein beweglicher Geist des +Deibels sind? Oh, ich sage Ihnen, wenn wir die moderne Welt und ihre +Schädlichkeiten besiegen wollen, müssen wir verflucht modern sein. Mit +noch so ehrwürdigen Armbrustpfeilen geht keiner mehr an gegen die +Schnellfeuergeschütze der neuen Zeit.“ + +Wir blieben noch einen Tag in diesem Dorfe und trafen die Mädchen wieder. +Beide waren gleichmäßig freundlich. Stefenson widmete sich ganz der +schönen Eva und sprach mit mir oder Anneliese kaum ein Wort. + + + + + + DER JOURNALIST + + +Nun ist’s ein Jahr her, seit die Verwirklichung meiner Idee von dem großen +Ferienheim keimte und wuchs. Jetzt nähert sie sich der Reife. Anfang +Februar gab es eine Sensation. Stefenson reiste nach Amerika zurück. Da +höhnten die Neustädter, dem sei wohl im letzten Augenblick doch angst und +bange geworden vor seiner übergenialen Neugründung, und nun käme der +Zusammenbruch. Ich blieb ganz ruhig; denn ich wußte, daß alles gut +vorgesorgt war und Stefenson nur nach Hause fuhr, um seine dortigen +dringendsten Geschäfte in Ordnung zu bringen. + +Die kleine Luise wollte der Amerikaner mit auf die Reise nehmen. Erst nach +den ernstesten Vorhaltungen, die beinahe in Feindseligkeiten ausarteten, +ließ er das Kind zu Hause. Aber Neid und Zorn war in seinem Herzen, und +zwar nicht nur wegen des Kindes. + +„Ich bin begierig, wie Sie sich gegen Fräulein Eva Bunkert benehmen +werden, wenn sie nun kommen wird, um unser Heim zu beschauen. Ich fürchte, +Sie werden den rechten Ton nicht treffen.“ + +Ich lächelte. + +„Fürchten Sie, daß ich zu abweisend oder zu entgegenkommend sein könnte? +Eva Bunkert ist ein sehr schönes Mädchen.“ + +„Ich bitte Sie“, sprach er herb, „daß Sie sich mit Fräulein Bunkert weder +in der einen noch in der anderen Art zuviel beschäftigen, sondern mir +diese ausgezeichnete Akquisition für unsere Kuranstalt persönlich +überlassen.“ + +„Ich überlasse Ihnen diese Akquisition“, sagte ich großmütig und +feierlich. Darauf knurrte er, vor Mitte Mai könne er keinesfalls zurück +sein. + +Als ich ihn zum Zuge begleitete, wünschte ich aufrichtig, er möge bald +zurückkommen ... + + ------------------------------------------------------- + +Vor drei Tagen ist nun unser Freund Emil Barthel mit seiner Susanne und +seinen Kindern bei uns eingezogen. Er hat den Forellenhof dicht unten am +Bach übernommen. Des Staunens seiner Leute war gar kein Ende. Sie gingen +bedrückt durch die großen, neuen, so behaglich ausgestatteten Räume wie +Fremde, die ein merkwürdiges prächtiges Haus betrachten. Aber sie werden +in diese Räume hineinwachsen. Der Bauer hat uns schon wesentliche Dienste +erwiesen. Er bezeichnete uns Kameraden und Bekannte, die sich als Pächter +unserer Höfe eignen würden, und ob wir auch kaum den dritten Teil davon +gebrauchen konnten, so gaben uns die ausgewählten Leute wieder die +Adressen neuer Kandidaten, so daß unsere zwanzig Höfe besiedelt sind. Der +andere Teil des Geländes wird von den alten früheren Dominialgebäuden aus +bewirtschaftet. + +Es geht alles schnell, ruhig und sicher, wo ein zielbewußter Wille und wo +– Geld da ist. + +Manche unserer Höfe haben herkömmliche poetische Namen, wie Forellenhof, +Erlenhof, Grundhof, Hof am Hange, Berghof, Sonnenhof, aber es gibt auch +eine Waldschölzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmühle, eine +Genovevenklause, eine große und eine kleine Einsiedelei, ein Haus „über +den sieben Bergen“, ein „_Old Nigger home_“ (nach Stefensons Wunsch), eine +Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein +Knusperhäuschen, eine Kassubenhütte, ein Zigeunerlager und eine +Räuberhöhle. + +Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen +Dingen, aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk +ausgewählt, und das dichtet in seiner kräftigen Seele so viel zusammen, +daß sich alsbald allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen +werden, schneller als der Efeu wächst, den wir an mancher Wand +einpflanzten, oder als das Moos wuchert, das wir auf schräge Dächer +legten. + +Das größte Glück ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des +erschütternden Titanenjubels, der Gottes Brust durchloht hat, als er im +Glanz von Millionen Sonnen die Schöpfung vor sich sah. + +Auch ich bin nie so glücklich gewesen wie in dieser Zeit der Gründung +unseres Heims, nie so selig, gläubig und am Leben hängend, nicht einmal in +der Kinderzeit, die doch alle Tage Schöpferjubel bringt, und sei die +Veranlassung auch nur eine gelungene kleine Schanze im Bach oder die zum +erstenmal geglückte Schleife des Schuhbandes. + + ------------------------------------------------------- + +Die Mädchen sind gekommen. Gestern. Sie kamen am Vormittag und wollten +schon mit dem ersten Abendzuge wieder abreisen trotz der Einladung, ein +paar Tage dazubleiben und bei Frau Susanne im Forellenhof zu wohnen. + +Eva Bunkert war zurückhaltender als bei unserer ersten Begegnung. Sie +konnte es sich zwar nicht versagen, nach Betrachtung des Baches, der an +Barthels Hof vorbeifließt, zu behaupten, in diesem Gewässer lebe keine +einzige Forelle, weshalb der daranliegende Hof wahrscheinlich +„Forellenhof“ heiße, aber es sei ja bekannt, daß Namen fast immer +täuschen, wie zum Beispiel körperlich etwas zurückgebliebene Männlein mit +Vorliebe Siegfried hießen oder oft keifende Xanthippen mit den holden +Namen Mariechen oder Trautchen begabt seien. + +Nach dieser Abschweifung ins Schnippische wurde das Mädchen ernster. Sie +betrachtete den großen Forellenhof von innen und außen und sagte mit einem +Seufzer: + +„Es ist schön hier. Ich glaube, man kann in einem solch einfachen Hofe +glücklicher sein als in einem prunkenden Hotel. Wenn ich es einrichten +kann, werde ich wirklich einmal hier Ferien vom Ich machen.“ + +„Ich möchte es wohl auch“, sagte die kleine Anneliese, „aber für mich ist +so etwas viel zu teuer.“ + +„Du, meine Liebe“, lachte Eva Bunkert, „du müßtest ganz andere Ferien vom +Ich haben – Weltstadtleben, Theater, Bälle, Autofahrten – man muß das +haben, was einem fehlt.“ + +„Mir würde nichts fehlen in solchem Frieden“, sagte die kleine Braune. + +Ich ging mit den Mädchen durch unser Gelände, führte sie nach dem Rathaus, +nach der Lindenherberge, den „Stillen Weg“ hinab über die Genovevenklause, +und als ich nach der Waldschölzerei weiter wollte, passierten wir das +Zeughaus und das große Eingangstor. Dort gab es eine Auseinandersetzung +zwischen einem fremden Herrn und dem Türschließer. Der Herr, der im +Reiseanzug war und eine kleine Handtasche trug, verlangte in ungestümer +Weise mich zu sprechen, während der Diener entgegnete, der Herr Doktor sei +aufs dringendste und unabkömmlichste beschäftigt, und unsere Anstalt würde +überhaupt erst am ersten Mai eröffnet. Der Fremde ließ sich nicht +abweisen, und als er mich erblickte, rief er: + +„Ich möchte wetten, daß jener Herr der Doktor ist!“ Damit schob er den +Diener beiseite und kam auf mich zu. + +„Gestatten Sie, mein Herr, eine kurze Viertelstunde?“ + +„Sie sehen, ich habe Besuch!“ + +„Jawohl – es tut mir auch leid, Sie stören zu müssen, aber ich habe nur +eine Viertelstunde Zeit. Wenn ich mich vorstellen darf: George Brown, +Mitarbeiter der ‚Staatsbürgerzeitung‘ in Neuyork. Ihr Geschäftsfreund +Mister Stefenson hat mich persönlich gebeten, Sie zu besuchen und Ihnen +dieses Schreiben zu überreichen.“ + +Er übergab mir einen Brief, den ich mit Erlaubnis der Damen öffnete und +stellenweise vorlas: + + + + + + + „Neuyork, den 25. März. + Mein Lieber! + +Sie wollen nie recht zugeben, daß ich Sie genau kenne, aber mein Spürsinn +ist, was Sie anlangt, so groß, daß ich hier viel tausend Meilen von Ihnen +prophezeie, ohne besorgt zu sein, einen Irrtum zu begehen: Wenn Sie diesen +Brief durch Mister Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen +Eva Bunkert und Annelies von Grill einen sehr vergnügten Spaziergang durch +unser Heim machen. Ich beglückwünsche Sie dazu und bitte, mich den +Herrschaften zu empfehlen. + +Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht +rücksichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie hätten gerade +Besuch und daher keine Zeit für ihn. Denn Mister Brown ist einer der +einflußreichsten Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus +Amerika für unsere nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas +merkwürdige Anstalt recht nötig haben. + +Grüßen Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gänschen +sehnt, aber noch nicht weiß, wann er zurückkehren kann. + + Stefenson.“ + + + + + + +Ich schaute verwundert auf Brown, den Überbringer dieser seltsamen +Epistel. Brown war ein Fünfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart +sowie die gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas +geschniegelt modern, die Wangen, wie mir schien, wohl ein wenig +geschminkt. Irgend etwas an dem Mann kam mir bekannt vor, auch in seiner +heiser klingenden Stimme. Vielleicht war ich ihm mal drüben begegnet. Ich +fragte ihn, ob er auf dem letzten großen Pressekongreß in Baltimore, den +ich besucht hatte, gewesen sei, und er erwiderte, daß er daselbst eine +Rede gehalten hätte. Daher die matte Erinnerung. + +Die Mädchen verwunderten sich nicht weniger über die seltsame Prophezeiung +in dem Stefensonschen Briefe als ich. Ich sagte, ich könne mir das +überraschende Eintreffen einer solchen Voraussage nur dadurch erklären, +daß Stefenson vermutet habe, die Damen befänden sich für längere Zeit in +unserem Heim, ich mache mir wahrscheinlich öfters das Vergnügen, sie +auszuführen, und es könne sich wohl so fügen, daß uns Mister Brown +zusammen anträfe. Daraufhin weissage ein Mann wie Stefenson eben +darauflos. Treffe es nicht ein, schade es nicht, treffe es aber infolge +seines Glückes ein, sei es ein guter Bluff. + +Brown schüttelte den Kopf. + +„Mister Stefenson ist kein Bluffer, er weiß immer, was er sagt.“ + +„Sie kennen Mister Stefenson persönlich?“ fragte Eva Bunkert mit +unverhohlenem Interesse. + +„Mein gnädiges Fräulein“, erwiderte Brown, „ich kenne alles, was man in +Neuyork und den Staaten kennen muß.“ + +„Und Mister Stefenson gehört zu dem, was man in Amerika kennen muß?“ + +„Ja, er gehört dazu.“ + +Der Journalist schloß sich unserem Rundgang an. Meist verhielt er sich +schweigend, sprach über das, was er sah, weder Lob noch Tadel aus, bat +nur, sich von Zeit zu Zeit eine Notiz machen zu dürfen, und stellte +außerordentlich sachverständige Fragen, Fragen, die ich, sobald sie sich +in technische Einzelheiten verliefen, oft gar nicht beantworten konnte. +Das _Nigger-Home_ gefiel dem Amerikaner. Es war düster in der niederen +Stube; wir zündeten ein paar matt brennende Petroleumlampen, die an den +Wänden hingen, an, um die Illusion zu verbessern. + +„Nun müßte jemand einen Niggersang anstimmen“, sagte Brown. + +Da stand auch schon Eva Bunkert, an die Wand gelehnt, schränkte die Arme +über der Brust und begann mit wohllautender Stimme zu singen: + + _„Way down upon Swaney ribber_ + _Far far away ..._ + _There’s, where my heart is turning ebber,_ + _There’s, where the old folks stay ...“_ + +Sie sang dieses schwermütigste aller Heimatlieder mit tiefer innerer +Bewegung, und Mister Brown summte mit näselndem Tone die Begleitung dazu, +so wie es die Neger tun, wenn fern der Heimat einer der Ihrigen an der +Wand lehnt und das innerste Weh der weltverschlagenen, geknechteten Seele +im Liede ausströmen läßt. Dann summen sie alle mit, die Körper werden +regungslos, und die großen, heißen Augen starren ins gelbe Licht der +matten Lampen ... + +Wir gingen weiter und kamen an den Hof am Hange. Dort steht eine große +Buche, um die eine Bank läuft. Von hier aus kann man unsere ganze +Siedelung überschauen. Warmes Frühlingslicht spielte durch laue Luft, die +Zweige trugen alle die kurzen, grünen Kinderkleidchen erster Jugend, die +Vögel waren heimgekommen und übten in abgerissenen Trillern und Läufen das +große Lebens- und Liebeslied des Maien ein. Da wurde mir das Herz weit. +Unsere Siedelung war schön, keine langweilige Linie in ihr, kein +Steinkoloß, keine Erinnerung an geschniegeltes, ödes Geputztsein, sondern +Heimatlichkeit, Wärme, Frieden. + +„Wenn man das sieht“, sagte die kleine Anneliese, „meint man, hier werden +immer nur gute Menschen wohnen können. Es ist alles rein und gut; +schlechten Leuten würde hier das Herz springen.“ + +Ich war ihr dankbar und sagte: + +„Aber es soll doch eine Zufluchtstätte werden für solche, die nicht +glücklich sind, auch wenn sie durch eigene Schuld unglücklich geworden +sind.“ + +„Ich finde“, sagte Eva Bunkert, „in dem Ganzen ist ungeheuer viel +Kindliches.“ + +„Das ist ein hohes Lob, mein Fräulein, was Sie da sprechen“, meinte Mister +Brown; „Genialität ist nie etwas anderes als das Ursprüngliche, das +Kindhafte. Sie glauben gar nicht, wie kindlich unsere guten amerikanischen +Humoristen sind. Ganz im Ernst! Sehen Sie deren Tier- und Kinderbilder an, +es ist alles geschaut mit den abgeklärten Augen des ernsten Mannes und +alles gefühlt mit dem Herzen des kleinen Buben.“ + +„Stefenson ist ein Genie“, sagte Eva Bunkert warm. + +„Das will ich nicht sagen“, entgegnete Brown, „er ist nur das Werkzeug; +der Schöpfer der ganzen Idee ist, wenn ich recht unterrichtet bin, der +Herr Doktor, der mit uns auf dieser Bank sitzt.“ + +Ich wehrte das Lob ab, und Eva Bunkert sagte: + +„Wohl, der Doktor hatte die Idee, hatte den Traum in der Seele, aber +Stefenson hatte den Mut, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich +möchte sagen, der Doktor hat ein schönes Motiv in die Welt gesungen, und +Stefenson hat ein herrliches Lied daraus geschaffen.“ + +„Sie sprechen sehr gut und lieb von meinem Landsmann“, sagte Mister Brown +gerührt. + +„Oh“, rief Eva Bunkert, „ich schwärme für Stefenson. Es hat mir noch nie +ein Mann solchen Eindruck gemacht wie er, obwohl er der Konkurrent meines +Vaters ist. Erst recht deshalb! Ich mag die Leute nicht leiden, die sich +nur für die Freunde und Gönner ihrer eigenen Sippschaft begeistern +können.“ + +Da wurde auch die kleine Braune munter. + +„Ja“, seufzte sie, „es ist schade, daß Mister Stefenson verheiratet ist! +Er wäre der erste, der bei der stolzen Eva Bunkert wirklich Glück hätte!“ + +„Du Plappermaul!“ zürnte Eva, reckte aber den Kopf hoch. „Nun, ich leugne +es nicht: der Mann gefällt mir. Weil er eben ein so ganzer Mann ist. Vom +Heiratenwollen aber ist gar keine Rede.“ + +„Er wäre keine schlechte Partie“, meinte ich. + +„Eben deshalb!“ sagte Eva trotzig. „Ich will mal keine gute Partie, ich +will einen Mann heiraten!“ + +„Ich wußte gar nicht, daß Stefenson verheiratet ist“, warf Mister Brown +ein. + +„Wie? Und Sie wollen ihn so genau kennen?“ + +„Oh – ich als anständiger Journalist kümmere mich um das, was Stefenson +für das Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhältnisse. Ich +habe nie gehört, daß Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz +gleichgültig.“ + +„Der Herr Doktor hat es uns gesagt“, erwiderte das Mädchen. + +Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, daß ich erschrocken +aufschaute und ihn ansah. Und ich blickte – in Stefensons Augen. So klar, +in so deutlichem Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von +hundert Gelegenheiten her kannte, wenn dem jähzornigen Manne die Galle +überlief, was oft genug geschah. + +Ein wüster Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein +amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer +vorzüglichen Maske getäuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich +sah wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr +los. Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so +entlarve ich dich; bilde dir nicht ein, mit einem bißchen +Detektivschlauheit deutsche Gimpel zu fangen. + +Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen. + +„Der Mann mag seine Vorzüge haben“, sagte ich, „aber wo viel Licht ist, +ist auch viel Schatten. So ist Stefenson – ich sage das ruhig, obwohl er +mein Freund ist – ungeheuer eitel!“ + +„Das ist kein Schade“, fiel Eva ein; „viele große Männer sind eitel: viele +Staatsmänner, viele Geistliche, alle Dichter – selbst solche, denen man es +gar nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was +heißt überhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, +auch in kleinen Äußerlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde +Eitelkeit. Eine andere kann Mister Stefenson gar nicht haben.“ + +Da lachte Mister Brown. + +„Oh!“ sagte er, „was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, daß er, wenn +er sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schönen Bild eine kleine +Verneigung macht, ehe er sich einseift.“ + +„Ich denke, Sie kümmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben“, rief +Eva verärgert. + +„Gewiß nicht“, sagte der Journalist, „aber manches fliegt einem halt so +zu. Wenn es Spaß macht: ich kenne noch ganz andere Schwächen Ihres +Geschäftsfreundes.“ + +„Danke!“ wehrte Eva ab, „es macht gar keinen Spaß!“ + +Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das +Dümmste, auf Stefenson zu schimpfen; denn er würde dann noch weit heftiger +auf sich selbst schimpfen. Das mußte ich doch von seinen Artikeln her +wissen. Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht +scheren. + +Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe. + +„Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hieß sie nicht +Luise?“ + +Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer +seiner edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht +zum Bewußtsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. +So stark war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich +Stefenson war, als Stefenson zu entlarven. + +„Allerdings“, entgegnete ich meiner Nachbarin, „Stefensons Tochter heißt +Luise. Das Kind hängt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus +mit auf die Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war +auch sehr gut; denn das Kind ist nicht wohl.“ + +„Wieso nicht wohl?“ fragte Mister Brown, und das in einer solch +erschreckten Weise, daß ich jetzt meiner Sache völlig sicher war. + +„Ah, so – so ...“, entgegnete ich gleichmütig, „bei Kindern findet sich +leicht mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen.“ + +„Ich finde“, sagte Mister Brown scharf, „wenn ein Mann, wie Stefenson, ein +einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu +machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt.“ + +„Von ernstlicher Erkrankung habe ich nicht gesprochen“, entgegnete ich +ruhig, und diese Bemerkung war auch sehr angebracht; denn im selben +Augenblick stürmte die kleine Luise mit zwei Bauernbengeln unter großem +Hallo aus dem nahen Walde. Das Mädel hat sich bei uns inzwischen völlig +eingerichtet, und von Schüchternheit ist gar keine Rede mehr. Jetzt kam +sie auf mich zugestürmt. + +„Ach, Onkel – ich wußte gar nicht, daß du hier oben bist. Wir spielen +gerade Haschen.“ + +Anneliese liebkoste das Kind, und Eva Bunkert kniff es in die Wangen, daß +es quiekte. Aufmerksam betrachtete Eva die Züge Luisens. + +„Von ihrem Vater hat sie gar nichts“, sagte sie, „sie muß ganz nach der +Mutter sein.“ + +„Im Gegenteil“, entgegnete ich, „das Kind ist das ganze Abbild des +Vaters.“ + +„Dann habe ich auf ihn vergessen“, sagte Eva mit fast trauriger Stimme. + +Mister Brown atmete schwer. Ein so schwefelgelb giftiger Blick schoß um +den Buchenstamm herum auf mich zu, daß ich meiner Sache immer gewisser +wurde. Und was hatte dieser Journalist gesagt? Er habe es sehr eilig, nur +eine Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon über zwei Stunden +da, und es wurde Abend. Wahrscheinlich würde dieser „Mister Brown“ +plötzlich entdecken, daß er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu +verweilen. Nun wandte er sich Luise zu. Aber es kam nicht so, wie ich +dachte. Mister Brown legte ohne jede wärmere Gefühlsbewegung dem Kinde die +Hand auf den Kopf und sagte mit der üblichen Kinderfreundlichkeit: + +„Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von +dir erzählen. Bist du sehr krank gewesen?“ + +„Pappa soll bald wiederkommen“, antwortete die Kleine. + +„Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?“ + +„Wieso? Ich bin nie krank!“ + +„Aber hast wohl müssen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?“ + +„Nein, ich bin alle Tage draußen herumgerannt; ich war gar nicht eine +einzige Stunde krank.“ + +„Hm!“ + +Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fühlte mich in der Rolle des +blamierten Europäers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die +Mädchen schlenderten mit dem Kinde voraus, und ich folgte mit Mister Brown +in einiger Entfernung. Jetzt wollte ich dem Fuchs an den Kragen. + +„Ich finde eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Ihnen, Mister Brown, und +meinem Freunde Stefenson. Sie haben dieselben Augen, dieselbe Nase, +dasselbe Kinn und dieselbe Sprache, ja sogar dieselbe Art, sich zu +räuspern. Ist das nicht merkwürdig?“ + +„Sehr merkwürdig!“ entgegnete Brown. „Ein Schnorrer drüben hat mir mal +gesagt, ich sähe Kaiser Wilhelm ähnlich. Dem habe ich es noch halb und +halb geglaubt und ihm fünf Prozent dessen geschenkt, um was er mich +anpumpen wollte, aber eine Ähnlichkeit zwischen mir und Stefenson hat noch +niemand herausgefunden. Ich bin Ihnen übrigens für die gute Absicht, mir +etwas Angenehmes sagen zu wollen, sehr verbunden.“ + +Er schaute mich an, und ich blickte in ein stockfremdes Gesicht. Auch +glaubte ich trotz des Abenddämmerns genau feststellen zu können, daß +dieser Bart nicht angeklebt, daß diese Haare keine Perücke seien. So wurde +ich an meiner Entdeckung irre, und da ich einen zweiten Hineinfall nicht +erleben wollte, sagte ich: „Gott, man kann sich täuschen!“ Da blieb er +stehen, sah mich an und sagte: + +„Sie haben mich wohl gar für Stefenson selbst gehalten, der Ihnen in einer +Ferienmaske was vormimt? Dem alten Knaben wäre ein solcher Streich +zuzumuten, he?“ + +„Aber nein – aber nein! So ähnlich sind Sie ihm nun doch nicht.“ + +„Nun, möglich ist alles auf der Welt. Hauptsächlich bei Ferien vom Ich!“ +sagte Brown vergnügt. + +Und er lachte. Es war ein fremdes Lachen. + +Unterwegs begegnete uns ein Telegraphenbote. Er überreichte mir ein +Kabeltelegramm, das aus Milwaukee kam und lautete: + +„Verbindung mit X-Bankverein gelöst; weitere Zahlungen durch Dresdner +Bank. Stefenson.“ + +Die Verhandlungen, von dem Bankverein, mit dem wir bis jetzt gearbeitet +hatten, zur Dresdner Bank überzugehen, schwebten schon einige Zeit, und +dieses Telegramm belehrte mich nun, daß Stefenson in Milwaukee und nicht +in Waltersburg war. Meine Phantasie hatte mir wieder einmal einen Streich +gespielt ... + +Während ich den Telegraphenboten abfertigte und das Telegramm las, war +Mister Brown den Mädchen nachgegangen, hatte die kleine Luise an den +Händen gefaßt und tanzte mit ihr „Ringel-Ringel-Reihen“. Die lange +Schlottergestalt nahm sich dabei merkwürdig genug aus, das Kind jauchzte, +kam fast außer Atem, schlug zum Schluß entzückt in die Händchen und sagte: + +„Er tanzt genau so schön wie Pappa!“ + +„Alle Amerikaner tanzen so schön, mein Mäuschen“, sagte Brown und küßte +das Kind auf die Stirn. Dann zog er die Uhr und sagte: + +„Der Zug, mit dem ich zurückfahren wollte, ist ja nun längst fort. Sie +waren so liebenswürdig, mich sehr lange dazubehalten. Den nächsten Zug +aber darf ich nicht versäumen. Ich muß morgen in Berlin und übermorgen in +Hamburg sein. Mein diesmaliges europäisches Gastspiel ist aus.“ + +„Sie haben nur den kleinsten Teil unserer Siedelung gesehen, Mister +Brown.“ + +„Oh – ich habe genug gesehen. Den Geist – den Kern! Ich bitte Sie, mir +Ihren ausführlichen Prospekt mitzugeben. Daraus werde ich mich +informieren, und Sie werden sehen, daß ich am treffendsten das kritisieren +werde, was ich nicht gesehen habe.“ + +Am Rathausplatz trennte er sich von uns. Ein Angestellter geleitete ihn +zur Pforte, wo sein Wagen hielt. Eva Bunkert sah ihm lange nach. + +„Es ist merkwürdig“, sagte sie; „er hat mich ungeheuer an Stefenson +erinnert.“ + +„O nein“, meinte die kleine harmlose Anneliese, „Mister Stefenson ist doch +ganz anders, viel jünger und auch viel hübscher.“ + +„Trotzdem! Was meinen Sie, Doktor?“ + +Ich zuckte die Achseln. + +„Die Amerikaner haben alle dieselbe Art, sich zu geben.“ + +„Das trifft es nicht“, sagte Eva nachdenklich. Und auch ich geriet wieder +ins Grübeln. + +„Ich glaube, es ist immer etwas unheimlich, wenn man nicht weiß, mit wem +man spricht. Aber das wird ja in Ihrem Heim immer so sein, die Leute +werden nie wissen, mit wem sie sprechen. Werden sie da nicht vorsichtig, +ängstlich, unsicher werden?“ + +„Gewiß nicht. Gesetzt den Fall, dieser Mister Brown sei der verkappte +Mister Stefenson gewesen, wie es ja tatsächlich den Anschein hatte ...“ + +„Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?“ rief Eva erschreckt. +„Und ich hätte dann so – so – von Stefenson gesprochen ...“ + +„Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er +heute früh dort an mich aufgab.“ + +„Gott sei Dank!“ + +„Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim +verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen +wäre, wäre die Partie unehrlich gewesen. Wir hätten ihn nicht erkannt, +wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird +den andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Ängstlichkeit, +sondern ein Mut zur Offenherzigkeit sein, der unerhört ist in der Welt. +Die Menschen werden Wahrheiten hören, die sie niemals vernähmen, wenn sie +ihren Namen und Stand sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen +dürfen in einer Weise, die niemals möglich wäre, wenn sie ihre wirkliche +Persönlichkeit dafür einsetzen müßten.“ + +„Ach ja“, seufzte Eva Bunkert, „die gröbsten und rücksichtslosesten +Rezensenten sind die anonymen oder pseudonymen.“ + +„Der Friede dieses Ortes wird alle Schärfe mildern, wird aus der +Rücksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus ätzender Grobheit klare +Wahrheit werden lassen.“ + +„Sie meinen es gut mit den Menschen“, sagte gerührt die kleine Anneliese +und sah mich mit ihren großen, braunen Augen dankbar an. + +Ich aber – ich weiß nicht warum – schaute nach der schönen Blonden hin. +Ich glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg. + +Die Mädchen blieben im Forellenhofe. + +Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich +auf den Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich +dachte an vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr grübelte ich über +der Frage: War er’s? War er’s nicht? + +Am übernächsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe +Handschrift aufwiesen. Der eine Brief war von Stefenson und kam aus +Milwaukee; er enthielt allerhand geschäftliche Weisungen sowie die +Mitteilung, daß er, Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa +zurückkehren könne. Der andere Brief war von Mister Brown, trug den +Poststempel Hamburg und meldete, daß der Journalist im Begriff stehe, nach +Amerika zurückzukehren, sich noch einmal für die freundliche Aufnahme +bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit Interesse gelesen habe. + +Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen +glichen sich außerordentlich. Hätte man je einen der großen geschwungenen +Buchstaben aus den Briefen ausgeschnitten, man hätte eine Kongruenz +feststellen können. + +Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst: + +„Ach, es ist doch gut, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat!“ + + + + + + DIE ERSTEN KURGÄSTE + + +Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eröffnet worden. Die Feier war schlicht. +Lehrer Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu +dichten, zu komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus +Waltersburgern, unseren Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und +fünfzehn Kurgästen. Von diesen fünfzehn Kurgästen genießen zehn Freikur, +und von diesen zehn sind sieben Schauspieler ohne Sommerengagement. +Stefenson sandte ein längeres Glückwunschtelegramm aus St. Louis. + +Fünfzehn Kurgäste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, +die wir gemacht hatten. Ich telegraphierte das klägliche Ergebnis nach +Amerika und erhielt von Stefenson die Antwort: „Hatte ich mir gedacht!“ + +Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln über die Höfe zu verstreuen, +sondern einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschölzerei +zu geben. Die Schauspieler aber schwärmten nicht für Feld- und Waldarbeit; +sie wünschten mehr dekorative Posten. Fünf von den sieben wollten +Nachtwächter sein, einer bot sich als Hilfsbriefträger an, wobei seine +Tätigkeit gleich Null gewesen wäre, und einer sagte mit mildem +Augenaufschlag, er könne sich nur als Krankenpfleger glücklich fühlen. Wir +hatten aber keine Kranken. + +Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Großknecht, +den er bereits hatte, dem „langen Ignaz“, noch einen zweiten Knecht ein +und sagte zu mir: „Ich hab es Ihn’n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute +sein olle faule Luder. Mit den is nischt anzufangen.“ + +„Geduld, Barthel, Geduld!“ + +Der Anfang war wirklich kläglich. Zwar sang Egin Harold, der als +Nachtwächter bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsänger +war), das + + „Hört, ihr Herr’n, und laßt euch sagen, + Die Uhr hat eben zehn geschlagen!“ + +mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel +empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine hübsche blonde Magd +hatte: „Gute Nacht, du mein herziges Kindl“, um 1 Uhr droben am Hange: +„Ihr lichten Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ...“; +um 2 Uhr: „Steh ich in finstrer Mitternacht“, und von 3 Uhr an: +„Morgenlicht leuchtend im rosigen Schein ...“ + +Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesänge so tief ergriffen, daß +sie alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde über +den Nachtwächter wegen nächtlicher Ruhestörung. Als nun Egin Harold von +dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den +Hofhund loslassen, wenn der Wächter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der +Magd nicht einstelle, quittierte der beleidigte Künstler seinen Posten und +übergab die Abzeichen seiner Würde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten +Hagen Korrundt, wobei er mit einiger Abänderung des Lohengrintextes sang: + + „Den Spieß, dies Horn, den Pelz will ich dir geben. + Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken, + Der Spieß im wilden Kampf dir Mut verleiht, + Doch in dem Pelze sollst du mein gedenken, + Der jetzt auch dich aus Schmach und Not befreit.“ + +Die „Schmach und Not“, aus der Hagen Korrundt befreit wurde, bestand +darin, daß er, der ein starker Mann war, ein paar Stunden am Tag dem +Waldschölzer hatte helfen müssen, Bäume zu fällen. Jetzt war er als +Nachtwächter vom Tagesdienst befreit. Abends um zehn Uhr bestieg Hagen +einen großen Granitblock, den er den „Fafnerstein“ getauft hatte, stand +malerisch dort oben in seinem wilden Zottelpelz mit seinem langen Spieße +und seinem funkelnden Horn, sang mit dröhnendem Baß die Stunde, kletterte +dann vom Fafnerstein wieder herab und ging schlafen. + +Die Kur bekam Herrn Hagen Korrundt sehr gut. Er erzählte mir in der +Sprechstunde, daß er früher an einem chronischen Hungergefühl, das +wahrscheinlich auf nervöser Grundlage beruhte, gelitten habe. Seit er aber +bei uns sei, sei er aller Beschwerden ledig. Als ich daraufhin der Köchin +in der Waldschölzerei ein Lob erteilte, sagte das Weiblein nur zwei Worte: + +„Er frißt!“ – + +Es ist ein Schauspieler da, der mit seinem wirklichen Namen Eduard +Käsenapf heißt. Als Künstler nennt er sich Guido Janello, bei uns aber, da +er doch nicht erkannt sein darf, Knut Waterstream. + +Dieser Knut Waterstream ist dünner als ein Regengerinnsel. Ich schickte +ihn zur Arbeit in die Gärtnerei. Einiges erzählte mir der Gärtner, einiges +beobachtete ich selbst, wie Knut arbeitete. Er sollte dürres Laub +zusammenrechen und flüsterte den braunen Blättern zu: + + „So wie ein Blatt vom Wipfel fällt, + So geht ein Leben aus der Welt, + Die Vögel singen weiter!“ + +Stützte sich auf den Rechenstiel und stand eine Viertelstunde lang in +melancholischer Betrachtung über die Verwelkbarkeit des Laubes und anderer +irdischer Dinge. Darauf übergab er dem Gärtner den Rechen und sagte: + +„Tun _Sie_ dieses Totengräbergeschäft; ich vermag es nicht!“ + +Ein andermal sollte Knut ein Beet ausjäten. Er ging siebenmal mit düsterem +Antlitz um das Beet herum, spreizte dann alle zehn Finger über dies neue +verruchte Arbeitsfeld und deklamierte: + + „Giftiges Kraut, gesäet mitten unter den Weizen, + O du teuflische Saat, wie bist du vom Feinde gestreut! + Satanas hat sich dein Korn in höllischen Scheuern gestapelt, + Hat mit beklaueten Fingern diese Aussaat verrichtet, + Daß du nun wucherst und wächst; dem güldenen Weizen zum Schaden, + Daß du die Sonne ihm stiehlst, den nächtlichen Tau der Gestirne. + Weiche, du teuflische Brut, verkrieche dich tief in den Boden, + Krieche zur Hölle zurück, zum Satan, von dem du gekommen, + Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge, + Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!“ + +Daraufhin hat der Gärtner Herrn Knut Waterstream belehrt, daß das, was er +als Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und daß sich +gegen das Unkraut mit Beschwörungen nichts ausrichten lasse. Man müsse das +Zeug Stück für Stück mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe +es nicht. + +„Lieber Freund“, hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme +erwidert, „wir verstehen uns nicht!“ + +Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen. + + * + +Es soll der Sänger mit dem König gehen. Sänger hatten wir von Anfang an +genug; am 10. Mai kam der König an. Ein wirklicher König war es zwar +nicht, aber immerhin der Bruder eines regierenden Fürsten, eine Hoheit. Um +diese Zeit versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz +an dreihundert Zeitungen: + +„Der Andrang nach der Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ zu Waltersburg, der +besten und originellsten Heilstätte der Welt, ist enorm. Die ermüdete +Intelligenz flüchtet in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt +kommen auf ein Weilchen zurück ins grünbelaubte Mutterhaus der Natur. +Künstler von Weltruf, Mitglieder europäischer Regentenhäuser sind bei uns +eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein Heldentenor, der vergötterte Liebling +allen Volkes, bei uns als schlichter Nachtwachtmann mit funkelndem Speer +und silbernem Horn durch die im Sternenschein liegenden Gassen schreitet, +die Stunden singend, wie es in alten Tagen geschah, oder wenn er einer +heimlich geliebten schlummernden Dame sein Troubadourlied singt; wie +rührend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust und mit nie ermüdender +Emsigkeit seine Gärtnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, wenn der +Allerhöchstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf dessen +Stimmungen die Welt achtet, im demütigen Bauernkleide, von niemand +erkannt, seiner ländlichen Tätigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt +‚Ferien vom Ich‘ ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg über das +Unglück, ist ein Paradies auf Erden!“ + +Als ich diesen Erguß in den Zeitungen las, wußte ich: auch unser Levisohn +war ein Dichter. Einer von blühender Phantasie. + +Hoheit kam zu mir und fragte: + +„Sagen Sie mal, Doktor, ist denn unter den paar Männchen, die hier bei +Ihnen ’rumkrauchen, etwa der König von England oder von Italien drunter?“ + +„Gewiß nicht, Hoheit.“ + +„Ja, wer ist denn da mit dem Allerhöchstgeborenen Herrn gemeint, auf +dessen Stimmungen die Welt achtet?“ + +„Ew. Hoheit selbst.“ + +Hoheit prusteten los und kriegten einen Hustenanfall. Nachher sagten +Hoheit: + +„Verfluchter Kerl, der Levisohn; er macht was aus einem!“ – + +Der Erfolg der Levisohnschen Reklamenotiz war riesenhaft. Es wurden +achtzigtausend Prospekte von uns eingefordert, und es meldeten sich über +dreitausend Kurgäste an. Ob der nachtwächternde Heldentenor oder der +ackerbauende Fürst die größere Anziehung ausübte, war nicht zu +entscheiden. Flugs erschien in Hunderten von Zeitungen folgende Notiz: + +„Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘, Waltersburg. In einer Woche 83 000 Menschen, +die an die Pforten unseres Heims anklopften!!! Auf absehbare Zeit können +wir trotz unserer riesigen Anlagen neue Gäste nicht aufnehmen, da jeder +unserer Feriengäste ganz individuell behandelt werden muß. Vornotierungen +aber zulässig.“ + +Diese hochmütige Kürze tat noch größere Wunder. Unser Büro konnte die +Berge von Zuschriften nicht im geringsten mehr bewältigen. Ich +telegraphierte unsere fabelhaften Erfolge nach Amerika. Und wieder traf +die Antwort ein: „Hatte ich mir gedacht!“ + + * + +Hoheit ist ein recht liebenswürdiger Kurgast. Hoheit ist überhaupt einer, +der seiner zu großen Nachsicht gegen sich selbst die Erschlaffung seiner +Nerven verdankt. Wir Ärzte drücken das höflich aus: Er hat zu konzentriert +gelebt. Es ist schön, daß wir unsere fachmännischen Ausdrucksformen haben; +denn es würde sich stilistisch nicht gut ausnehmen, wenn man sagte: Hoheit +ist vielleicht eine ganz gute Haut, aber ein bißchen Schweinekerl und +Liederjan! + +Also, Hoheit haben zu konzentriert gelebt und sind vielleicht nur zu uns +gekommen, weil sie hier ein Feld für originelle Extravaganzen wittert. +Rares wittert. Alles andere liegt hinter diesem Mann, schwere +Familienratsbeschlüsse, unfreiwillige Reise um die Erde, zeitweilige +Verwendung in den Kolonien, Aussöhnung mit dem Familienchef, abermaliges +Fallen in Ungnade, morganatische Ehe, Scheidung, Schulden, +Zeitungsskandale und was so zum Bilde des tollen Prinzen gehört. + +Drei Tage hat Hoheit in der Besinnungseinsiedelei zugebracht und mir einen +Lebensbericht eingereicht, über dem mir die Haare zu Berge gestanden +haben, obwohl ich als Arzt und Weltumsegler ja gerade nicht unerfahren und +prüde bin. Am Schluß stand: er habe sich eigentlich erschießen wollen, +aber er könne ja noch mal diese „neue Chose“ probieren, ob ihm noch ein +bißchen Geschmack am Leben beizubringen sei. Das Leben komme ihm so eklig +und wertlos vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, für den man keine +Zwiebel mehr zu kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle +Arbeit tun und bitte, mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am +wohlsten gewesen, wenn ihm gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr +und Familienoberhaupt, ein paar Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf +Sekunden das Gefühl gehabt, daß er und sein Leben noch ernst genommen +werden können. Heißen wolle er Max Piesecke. – + +„Also, lieber Piesecke“, sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; „daß Sie +ein großer Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu +sagen. Höchstwahrscheinlich läßt sich mit Ihnen nichts mehr anfangen. +Erschießen werden Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber +miserabel zugrunde gehen werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werden +die Wände auskratzen, ehe Sie hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie – ich +glaube, ungefällig sind Sie nicht. Sie haben auch noch Sinn für Humor. +Nun, Piesecke, es wäre doch ein kolossaler Witz, wenn aus Ihnen noch mal +ein brauchbarer Kerl würde! He? Sie müssen selbst darüber lachen! Und für +mich wäre es gut – wegen Ihrer Familie. Also versuchen wir’s halt. +Gelingt’s, freue ich mich; gelingt’s nicht, schmeiße ich Sie ’raus!“ + +„Wahrscheinlich werden Sie mich ’rausschmeißen!“ sagte Piesecke +nachdenklich. + +„Sie sind ein schlechter Pessimist, Piesecke! Sehen Sie, wenn Sie ein +bißchen Philosophie im Leibe hätten, müßten sie wissen: es gibt keinen +grimmigeren Spaß, als ein Pessimist zu sein und über den Pessimismus zu +lachen!“ + +„Wie? Bitte, schreiben Sie mir den Satz auf!“ + +„Gern!“ + +Ich schrieb den Satz auf einen Zettel, übergab ihn Piesecke und sagte: + +„Stecken Sie sich dieses Wertpapier in Ihre Jackentasche und verlieren Sie +es nicht! Und nun werde ich Ihnen noch etwas sagen, Piesecke! Sie werden +höchstwahrscheinlich nach acht Tagen bei uns ausreißen wollen. Sie sind +gar nicht imstande, bei uns zu bleiben und das Gesundungsleben +durchzuführen. Dazu fehlt Ihnen die Willenskraft. Und um nicht +unnützerweise acht Tage lang meine Zeit mit Ihnen zu vergeuden, werden wir +einen notariell aufgenommenen Kontrakt machen. Er wird kurz sein und +lauten: + +Falls ich nicht ein Jahr lang im Waltersburger Kurheim ‚Ferien vom Ich‘ +aushalte oder mich den Anordnungen des dirigierenden Arztes nicht füge, +zahle ich eine Million Mark Reugeld.“ + +„Was?“ schrie Max Piesecke. „Wenn ich so etwas tue und mein Bruder erfährt +es, schlägt er mich tot!“ + +„Schön! Dann habe ich nicht mehr nötig, Sie zu kurieren.“ + +Piesecke sank in sich zusammen. + +„Ich bin immer Erpressern in die Hände gefallen“, jammerte er. + +„Morgen nachmittag 4½ Uhr wird der Notar hier sein“, entgegnete ich ruhig; +„Sie werden dann entweder das von mir aufgesetzte Abkommen unterzeichnen +oder Ihrer Wege gehen.“ + +„Ferien vom Ich!“ stöhnte Piesecke; „ich habe gar keinen Willen mehr.“ + +Am nächsten Tage, um 4,35 Uhr, unterschrieb vor dem Notar, meinem +Vertrauten, Max Piesecke das von mir gewünschte Abkommen mit seinem +hochfürstlichen Namen. + +„Nun passen Sie mal auf, Piesecke“, sagte ich, „jetzt wird noch was aus +Ihnen!“ + + ------------------------------------------------------- + +All unsere Höfe sind mit Kurgästen besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen, +daß wir die Wahl hätten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der +Reihenfolge der Anmeldungen nach. Ich habe von früh bis spät Arbeit, +obwohl unser Ärztekollegium immer größer wird. Es lastet zuviel +Geschäftliches auf mir. Das drückt auf die Seele; denn ich bin kein +Kaufmann. Was tut mir doch dieser Stefenson an, daß er gerade jetzt, wo er +hier am nötigsten wäre, in Amerika sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an +ihn schrieb und telegraphierte, er kommt nicht zurück. Immer die gleiche +Antwort: „Ich bin hier noch unabkömmlich.“ + +Unser Direktor – ein früherer Offizier – ist zum Glück ein tüchtiger Mann. +Es ist Schwung in seinen Gedanken, er hat Initiative und Spürsinn. Wie ein +guter Jagdhund ist er, er hat’s in der Nase, wenn er über das weite +Gelände unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen +Furche ein verborgener Erfolg aufzustöbern ist. Er ist aus dem Holz, aus +dem die guten Feldherren, Diplomaten, Kaufleute geschnitzt sind. Die +leitet alle ein unfaßbarer Instinkt, eine Art sechster Sinn, den andere +Leute nicht haben. + +Der Direktor heißt von Brüsen und wird wegen seines würdevollen Auftretens +von den Kurgästen „der Herr Präsident“, von den Angestellten aber „der +Direks“ genannt. Oft habe ich bei seinen Maßnahmen das Gefühl: genau so +würde Stefenson gehandelt haben. Brüsen ist auch von Stefenson angestellt +worden. Mein Geschäftsfreund hat den Offizier a. D. mal irgendwo +kennengelernt, sich mit ihm etwa zwei Stunden unterhalten, dabei – wie er +schrieb – gefunden, „daß sich dieser Mann zwei verschiedene Dinge auf +einmal vorstellen könne, was nur sehr wenig Menschen vermöchten“, daß er +ferner „zu klug sei, um die Alltagsklugheit zu haben“, daß er nicht in den +Doppelsohlenstiefeln ängstlicher Vorsicht einherstampfe, in denen man von +hundert Schnellfüßlern überholt werde, und daß er von guter, zäher +Geistesmuskulatur sei. So hat sich Stefenson die Adresse dieses Herrn +gemerkt und ihn für uns nun an den Tag gezogen. + +Es ist ein Glück, daß dieser Direktor da ist. Was täte ich ohne ihn? Einen +Entscheid fällt er fast nie sofort. Er will, wenn es sich um wichtigere +Angelegenheiten handelt, immer einen Tag oder doch einige Stunden +Bedenkzeit. Dann steht aber auch seine Meinung felsenfest. Und er +entscheidet immer so, wie ich annehmen möchte, daß Stefenson entschieden +haben würde, auch manchmal in Dingen, die viel Geld kosten, so waghalsig, +so wurstig, so ohne Skrupel, wie es eben nur ein reicher Mann kann, der so +fest steht, daß er weiß: ich kann nicht fallen, komme, was wolle. Ein +paarmal sah ich den Direktor scheu von der Seite an. War er etwa gar ... + +Das war krasser Unfug. Dieser kleine Schwarzbart mit dem runden Bäuchlein +war bestimmt nicht der große, hagere Stefenson. Auch in dem Journalisten +Brown hätte ich nichts anderes vermuten sollen als eben den Mister Brown. + +Ich muß mich wahrhaftig erst in die Ausführung meiner eigenen Idee von der +Unpersönlichkeit meiner Kurgäste gewöhnen. Es wird mir schwer, in dem +Nachtwächter Korrundt nicht den Opernsänger zu sehen, ja, es wird mir +sogar schwer, unsere verbummelte Hoheit mit Piesecke anzureden. Dabei ist +doch der Mann wirklich mehr Piesecke als Hoheit. Ich bekümmere mich +absichtlich nicht um die Personalien der Kurgäste, die ich nicht selbst +behandle, sehe keine unserer Geheimlisten ein, soweit ich es nicht als +leitender Arzt tun muß. So begegne ich Menschen auf unseren Wegen, sehe +Leute in unseren Gärten und auf unseren Feldern arbeiten, von denen ich +nicht weiß, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie gehen, von denen mir +nur bekannt ist, daß sie aus einer drückenden Enge entflohen sind in das +Reich unserer grünen Gesundheit. + +Der Sekretär, der unsere Statistik macht, sagte mir, daß neunzig Prozent +unserer Kurgäste aus Großstädten kommen. Ich glaube das gern. Die +Großstadt ist keine gute Mutter. Dazu sind ihre Arme und Hände zu steinern +hart, ist ihre Sprache zu laut und liebeleer, sind ihre Sinne zu +flunkerig, sind ihre Wünsche ohne Heimlichkeitssinn zu sehr auf den +Engrosramsch der Genüsse gerichtet, ist ihr Aufputz zu sehr abgespart den +wahren Bedürfnissen ihrer Kinder. Von den Palasträumen ihrer Verwaltung +aus regiert diese Stiefmutter Großstadt ihre Familie, die zum größten Teil +in dumpfen Winkeln hockt und in engen Kammern schläft; in ihren glänzenden +Parkanlagen dürfen barfüßige Jungen und zerlumpte Mädchen spazierengehen. +Wie die niederträchtigste Amme, die ihren unruhigen Zögling mit Schnaps +betäubt, errichtet sie in all ihren Vorstädten Destille neben Destille. +Und wenn die Kinder gar zuviel darben und zu murren beginnen, schenkt +ihnen diese „Mutter“ Großstadt einige Bonbons „öffentlicher Fürsorge“ oder +billiger Lustbarkeit, Bonbons, die nicht satt, stark und gesund machen +können, sondern nur den Magen ansäuern und die Zähne des Willens und +Charakters verderben. + +Wann endlich wird die Menschheit des trügerischen Schimmers müde sein, in +Scharen ausziehen aus dem ungesunden Hause der Stiefmutter Großstadt und +im großen Ferien machen von diesem jammervollen Ich? + + ------------------------------------------------------- + +Heut ist ein Unglück passiert. Annelies von Grill und Eva Bunkert wollten +als Kurgäste zu uns kommen und beim Forellenbauer wohnen. Der Bauer hatte +seinen Spazierwagen nach dem Bahnhof geschickt zur Abholung. Sein Knecht, +der lange Ignaz, spielte den Kutscher. Aber auch Piesecke fuhr mit. Hoheit +will sich in die Geheimnisse der Kunst einweihen lassen, ein Bauerngefährt +auf einem etwas holperigen Feldweg mit Geschick zu leiten. Auf dem +Rückwege ist dann das Unheil geschehen. Piesecke hat kutschiert und gerade +dort, wo der Weg eine steile Böschung hat, umgeworfen. Die Damen sind den +Abhang hinuntergekugelt, die beiden Kutscher desgleichen, und die scheu +gewordenen Pferde haben den umgekippten Wagen hinter sich hergeschleift +und greulich zugerichtet. + +Von den vier abgepurzelten Personen hat sich der Knecht Ignaz zuerst +erhoben. Er hat sich erst die Glieder zurechtgeschlenkert, dann die +Wahlstatt überschaut und darauf zunächst mal dem unglücklichen Piesecke +ein paar ungeheure Ohrfeigen versetzt. Darauf ist Ignaz den Pferden +nachgerannt, hat sie zum Stehen gebracht, sich überzeugt, daß mit dem +Wagen nicht weiterzufahren sei, und ist dann zu den Damen zurückgekehrt. +Annelies ist außer dem Schreck nichts passiert, die schöne Eva hat sich +einen Fuß verstaucht. Ignaz hat die holde Blonde auf seinen kräftigen +Buckel laden und nach Hause tragen wollen, doch das hat sie abgelehnt. +Piesecke hat nichts zu sagen gewußt als: „Pardon, pardon, es ist mir +dieses alles sehr fatal.“ + +Schließlich hat Eva dem Knechte befohlen, ein Pferd auszuspannen, sie +hinaufzuheben, und ist so halb lachend, halb weinend bei uns eingeritten. + +Am selben Tage noch kam Hoheit zu mir, um wegen der erhaltenen Ohrfeigen +Beschwerde zu führen. Er sei – so sagte er – immerhin ein Kurgast, und +Ignaz sei ein gemieteter Knecht. Er müsse gegen solche Behandlung Protest +einlegen. + +Ich aber sagte: „Piesecke, ich habe so viel Wichtiges zu tun, daß ich mich +wirklich nicht darum kümmern kann, wenn sich mal zwei unserer Kutscher +prügeln.“ + +Darauf erhellte sich Pieseckes Gesicht, und er sagte: „Jawohl, ich sehe es +ein! Wenn ich mich körperlich werde gekräftigt haben, werde ich ihm die +Ohrfeigen zurückgeben.“ + +„Das müssen Sie“, erwiderte ich; „das gebe ich Ihnen auf; das werde ich +Ihnen direkt in die Kurverordnung schreiben, lieber Piesecke!“ + + + + + + SOMMERABEND + + +Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum +Hirtenhaus, aber ehe ich mich’s versah, schlenderte ich doch wieder zum +Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich müsse mich um mein Sorgenkind +Piesecke bekümmern, und so nebenbei könne ich ja nach Eva fragen, deren +kranker Fuß allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Mädchen saß +vor der Haustür auf der grüngestrichenen Bank und putzte Gemüse. Sie heißt +hier einfach „Hanne“. Einen Familiennamen führt sie nicht, ebensowenig wie +Anneliese, die sich in „Bärbel“ umgetauft hat. + +Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das +schöne Mädchen, eine weiße Taube saß auf der Rückenlehne der Bank, ein +goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Äuglein zu dem Mädchen empor, +wartend, ob für ihn etwas abfalle. Dann kam der große Zottelhund, wedelte +mit seinem buschigen Schwanz den Hahn gutmütig, aber bestimmt zur Seite, +nahm dessen Platz ein und saß in stummer Bewunderung vor der schönen Frau. + +Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Mädchen hin, das war +Piesecke, der an der Stalltür lehnte und eine Sense in der Hand hielt. Oh, +den armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die +Augen und seufzte einmal so laut, daß man es über den Hof hinweg hörte. +Ich ärgerte mich über den Menschen. + +Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltür +heraus, gab dem träumenden Piesecke einen Stoß in den Rücken, daß er samt +seiner Sense in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief: + +„Schlaf nicht, du Döskopp! Mach, daß du aufs Kleefeld kommst!“ + +Die schöne Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte +mit seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltür herum +und ging dann niedergeschlagen über den Hof. Am Tor traf er mich. + +„Das ist eine Gemeinheit“, sagte er und hatte Tränen in den Augen. + +„Piesecke“, tröstete ich ihn, „ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt +vorfiel. Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres +Ferienheims. Der Knecht Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche +Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich werde energisch mit dem Bauern +reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe unterbringen?“ + +„Um Gottes willen nicht“, rief Piesecke erschrocken; „ich – ich – da +hielte ich’s ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich – ich hab +mich ja schon so – so – an den Grobian gewöhnt.“ + +Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon. + +Ich begrüßte eben die blonde „Hanne“, da trat auch schon der Bauer Barthel +aus der Haustür. Das war mir nicht lieb, und so sagte ich ein bißchen +unwirsch: + +„Barthel, das geht aber nicht, daß Sie Knechte mieten, die unsere Kurgäste +verprügeln. Denken Sie mal, wenn das in der Öffentlichkeit bekannt würde! +Da käme niemand mehr zu uns. Den langen Ignaz müssen Sie entlassen.“ + +„Ich kann nich, Herr Dukter“, erwiderte Barthel achselzuckend. „Ma kriegt +so schwer ’n gutten Knecht. Kurgäste kriegt ma zehnmal leichter wie ’n +Knecht. Und a Ignaz, den kenn ich vu Jugend uff, das is a ganzer Kerle. +Der schofft’s! Wos sull ich machen, jetzt, wu die Ernte kummt? Ich kann +doch nich die Ernte mit ’m Piesecke machen! Se sullten mal zusehn, Herr +Dukter, wenn der Piesecke Gras haut. Bluß die Spitzen schneid’t a ab, de +Sense fuchtelt immer in der Luft ’rum. Oder sie bleibt in eem +Maulwurfhaufen stecken. Es ist jämmerlich!“ + +„Wie lange wird denn Herr Piesecke hierbleiben?“ fragte Hanne. + +„Das dürfte ich eigentlich nicht sagen“, erwiderte ich, „aber ich glaube +ein ganzes Jahr!“ + +„Um Gott’s willen!“ stöhnte Barthel. „A Jahr lang! Da hat mir der Kerl ’n +ganzen Hof ruiniert. Was soll ooch so’n Sargfabrikant von der +Bauernwirtschaft verstehen.“ + +„Wieso – Sargfabrikant?“ + +Barthel lächelte überlegen. + +„Eener vom Grundhofe kennt ihn. Piesecke is Sargfabrikant in Hannover und +heeßt eegentlich Robert Ebbing. Ich hab das vom Sargfabrikanten gleich +geglaubt; denn ’n sehr traurigen Eindruck macht a doch. Aber ich hab mir +gesagt, a muß doch da was von der Tischlerei verstehn. Da sollt a mir +vorgestern ’ne Kiste zunageln. Das hätten Se sehn müssen! Olle Nägel krumm +oder in die Luft gekloppt. Das weeß ich: in een Sarg, den der Piesecke +gemacht hat, leg ich mich amal nich! Eh da die Sänger mit ‚Es ist bestimmt +in Gottes Rat‘ fertig wären, bräch der Boden und ich läg draußen!“ + +„Also, das alles glaub ich nicht“, warf die blonde Hanne lachend ein; +„Piesecke stammt aus einer besseren Familie; das merkt man ihm schon an.“ + +Ich zuckte die Achseln. + +„Es darf hier ein jeder vermuten, was er will.“ + +„Meinetwegen mag er sein, was er Lust hat“, sagte Barthel brummig; +„Hauptsache, ich wär ihn los.“ + +„Geduld, Barthel, Geduld!“ + +„Geduld braucht ma mächtig viel mit den Städtern. Also fünfundzwanzig +Stück Kurgäste hab ich jetzt. Außer mit der kleen’n Bärbel hab ich mit +allen Schererei. Na, ich brumm nicht etwa, Herr Dukter; für die Ärgerei +mit a Städtern bin ich ja da und hab ich mein feines Auskumm’. Ich sag +bloß: Ärger machen se alle.“ + +„Aber doch nicht ich!“ rief Hanne. + +„Sie ooch“, sagte Barthel melancholisch; „meine Alte is uff Sie +eifersüchtig.“ + +„Barthel!“ + +Dem Mädchen blieb der hübsche Mund offenstehen. + +„Ja, ja, ich hab ihr zwar gutt zugeredt und gesagt: Alte Schraube, es paßt +sich nich, daß du uff deine alten Tage eifersüchtig wirst. Aber se sagt, +es paßt sich nich, daß ich su oft mit Ihn’n plaudere, und ich tät Augen +machen.“ + +„Was täten Sie machen?“ + +„Augen! Nu ja, ich kann doch nich als Blindekuh vor Ihn’n stehn!“ + +Das Mädchen machte ein erheuchelt ernstes Gesicht. + +„Also, Barthel, diese Augen lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde Ihre +Frau Gemahlin zur Rechenschaft ziehen.“ + +„Um Gottes willen nich! Wenn das ’rumkummt, schrei’n ja die Leute Feuer!“ + +Da trat Frau Susanne Barthel aus der Haustür. + +„Hatt’ ich mir’s nich geducht? Steht a nich schon wieder?“ sagte sie. + +„Ja, Frau Barthel“, rief Eva, „und er macht Augen auf mich!“ + +„Nich wahr, Fräulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spaß an dem alten Esel?“ + +Das Weiblein fing an zu lachen, daß ihr die Augen tränten. + +„Also, wenn der Augen macht“, schluchzte sie unter Lachen, „da kommt keen +gestoch’nes Kalb dagegen auf.“ + +„Weib“, schrie Barthel erbost; „du bist eifersüchtig. Du hast keen’n Grund +dazu!“ + +„Nee, nee“, schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Händen; „du +kannst um de ganze Welt ’rum Augen machen, ’s fällt keener druff ’rein!“ + +Und sie ging vergnügt ins Haus zurück. Barthel stopfte ob des +vernichtenden Urteils über seine männliche Anziehungskraft die Hände in +die Hosentaschen und sagte: + +„Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut +war, lacht se mich immer aus.“ + +„Seien Sie doch froh, Barthel, daß Sie eine so lustige Frau haben.“ + +„Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se +nich! Sie sind nicht verheirat’t. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn +se flennt, oder wenn se mit Tellern schmeißt, oder wenn sie furtlooft, +könn’n Se sich immer noch Ihren Kopp ufsetzen; aber wenn se lacht, sind Se +geliefert.“ + +Nach dieser Bemerkung hob der Philosoph aus dem Volke den Kopf und lachte +selber. Und ich benutzte die Gelegenheit und bat Barthel, mir seine +Meinung über seine Kurgäste mitzuteilen. Sowenig ich mich sonst um den +Stand der von mir persönlich nicht behandelten Kurgäste kümmere – wer auf +dem Forellenhof lebt, weiß ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht +zugestehn, aber ich glaube oft, daß ich selbst „Augen“ auf die schöne Eva +Bunkert mache, die hier „Hanne“ heißt. Und wenn ich ehrlich sein will, ist +das auch der Grund, warum ich gerade die Besucherliste des Forellenhofes +kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt: + +„Also, Barthel, schießen Sie mal los mit Ihrem Ärger über unsere +Kurgäste.“ + +Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte +auf einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenüber. Er machte sein +philosophisches Gesicht und sagte: + +„Ärger kann man’s eigentlich nich nennen, man muß mehr sagen, keen +richtigen Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der ärgert +mich wirklich. Das is ’n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Särge gemacht, +zuviel Geld eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel +der Lempert. Also, in dessen Kurverordnung, die er mir als ’m Hausherrn +doch abgeben muß, steht: Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz +wecken. Lempert brummt nich amal. Um dreiviertel weckt Ignaz wieder. +Lempert schreit: a sull die Schnauze halten! Um sechse geh ich selber und +hau an die Tür. Lempert schmeißt seine Stiefel dagegen und schreit, ich +sull mich zum Teufel scheren. Um viertel sieben trommeln wir beide so an +die Tür, daß ’s ganze Haus wackelt, ’s rührt sich nischt. Um halb sieben +droh’n wir, die Tür einzuhauen. Da kummt Lempert hinter uns die Treppe +’rauf und fragt seelenvergnügt, warum wir eigentlich vor seiner Tür so +eenen Skandal machen; a wär doch schon lange munter. Is der Kerl heimlich +uffgestanden und hat die Tür von außen verschlossen. Nächsten Tag dieselbe +Chose. Um halb sechs Ignaz (Lempert brummt), um dreiviertel sechs Ignaz +(Schnauze halten!), um sechs ich (er schmeißt mit Stiefeln). ‚Jetzt, +Ignaz‘, sag ich, ‚is Schluß, jetzt steht er heimlich uff.‘ Um neune is ’n +Bote vom Rathaus bei mir, warum der Lempert nich zur Kur gekommen sei? +Schläft der Vagabund noch! Da soll ma sich nich ärgern!“ + +Lempert war ein Rechtsanwalt aus Leipzig. + +„Fahren Sie fort, Barthel. Schildern Sie mir noch einige Ihrer Kurgäste.“ + +„Also, da ist der Emmerich, der komponiert mir ’n ganzen Hof voll. Auf’m +neubehobelten Kartoffelwagen hat a ’n ganzes Brett vollkomponiert, er +komponiert die Hausflurwände voll, er komponiert ans Butterfaß, er +komponiert auf die Tischtücher, er hat sogar (entschuldigen, Fräulein +Hanne!) auf den Klosettdeckel einen Rundgesang komponiert. So ein +verrücktes Huhn is das! Ich hab’n gefragt, ob er Kapellmeister oder Kantor +war, da hat er gesagt: Nee, er wär Gesanglehrer in eener +Taubstummenanstalt. Von sein’n Schülern ließe er seine Kompositionen +aufführen. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so ’n Schmierfinke +wie der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der +behauptet, er wäre 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a +seinen tausendsten Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den nächsten +Tag tät er dann sterben, da könnten wir gleich zum Begräbnis dableiben. +Die Sache hätte sich so zugetragen, daß er vor etwa tausend Jahren ’n +mächtiger König gewesen wär; aber er hätt’ ’n Verbrechen begangen, und da +hätt’ ’n een sehr kräftiger Fluch getroffen, und da hätt’ er gleich nach +seinem Tode sich immer wieder aus ’m Grabe ’rausbuddeln und in anderer +Gestalt ’n neues Leben beginnen müssen, und es sei immer sehr bergab +gegangen mit sein’n diversen Leben, bis er zuletzt hätte als deutscher +Maler auf die Welt gemußt. Da sei das Maß seiner Buße voll geworden, und +er dürft jetzt definitiv sterben. Also – was hat dieser Methusalem +gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. ’s erstemal kommt’s in +Gebrauch. Schneeweißes Buchenholz. Da schüttet meine Frau Rüben in das +Schaff, pfeift ’m Methusalem und sagt: ‚Methusalem, stampfen Se mal die +Rüben hübsch klein!‘ Was macht er? Er beguckt sich das schöne weiße +Schaff, dreht’s um, schüttet die Rüben aufs Pflaster und malt auf ’n +auswendigen Boden vom Schaff meine Alte. Die is nu immer wieder +hergelaufen gekommen, hat gelacht und geschimpft auf den Methusalem, und +er hat sie immer angeguckt und drauflos gestrichelt. Da is se ausgerückt +und er ’s Schaff sich über’n Kopf gestülpt und immer hinter der Susanne +her. Und wo er sie erwischte, schnell ihr ins Gesicht geguckt und ’n paar +Striche gemacht. Und dann ging die Jagd von neuem an. Das nennt sich nu +landwirtschaftlicher Betrieb bei uns!“ + +„Hat denn der Methusalem die Zeichnung fertiggestellt?“ + +„Freilich! Fünf Tage lang is a mit sein’m Schaff auf ’m Kopp hinter der +Susanne wie wahnsinnig hergewest. Se is ganz außer Atem gekommen und hat +gesagt, a müßt wirklich ’n sehr schwerer Verbrecher sein. Aber das Bild is +nu fertig. Ich sag Ihn’n, su ’ne alte Eule haben Se Ihrer Lebtage noch +nicht gesehen.“ + +„Kann man das Bild nicht mal sehn? Sie haben dieses Schaff hoffentlich +nicht wieder als Schaff benutzt?“ + +„Nee! Meine Alte hat das Bild abscheuern woll’n, aber da haben alle +Kurgäste Lärm gemacht.“ + +„Die Zeichnung ist köstlich!“ warf Eva ein. + +„Wo ist denn das Schaff?“ + +„Oben in seiner Stube hat’s der Methusalem eingeschlossen. Aber ich hab ja +’n zweiten Schlüssel.“ + +„Holen Sie’s mal!“ + +„Wenn mich die Susanne erwischt, kommt sie gleich mit der Schmierseife und +der Scheuerbürste hinter mir hergesaust.“ + +„Holen Sie es. Wir stehen Posten.“ + +Ich wußte, daß dieser Methusalem ein bekannter ausgezeichneter +Karikaturist war. Als Barthel mit dem Schaff ankam und ich die Zeichnung +sah, war ich entzückt. Ich sah ein Meisterwerk! Diese ganze pfiffige, +durchtriebene, lachlustige, dicke Susanne lebte, atmete, schimpfte, +lachte, kommandierte, pfiff auf der Zeichnung. + +„Es ist herrlich“, rief ich; „es ist zum Küssen schön!“ + +„Weib!“ schrie da Barthel begeistert, „Weib, komm ’raus, der Doktor will +dir ’n Kuß geben.“ + +Susanne kam heraus, sah das Schaff, kreischte, versuchte einen wilden +Angriff auf ihr Bildnis und erstarrte, als ich ihr sagte, wenn Herr +Stefenson die Zeichnung sähe, würde er wahrscheinlich ein- oder +zweitausend Mark dafür zahlen. + +Die erblaßte Susanne rief: + +„Ich kann doch keene so scheußliche alte Schachtel sein wie die da!“ + +„Das ist keine scheußliche alte Schachtel“, sagte Eva freundlich; „das ist +eine sehr liebe, lustige Muttel!“ + +„Siehste, Alte“, höhnte Barthel, „wenn du um die ganze Welt reistest, ’s +könnte dich keen Maler schöner uffmalen, als du eben bist. Aber ich bin +nich eifersüchtig, wenn ooch der Methusalem fünf Tage hinter dir hergerast +is wie verrückt.“ + +Mit dieser rachsüchtigen Bemerkung schlug Barthel seine Gattin aus dem +Felde. + +„Holdrioho hoho!“ jodelte einer draußen vor dem Tore. + +„Um Himmels willen“, rief Barthel, „das is der Methusalem. Wenn der spürt, +daß ich in seiner Stube gewest bin! Der tausendjährige Kerl hat Kräfte wie +’n Bär.“ + +Und Barthel nahm das Schaff auf den Kopf und verschwand eilends im Hause. + +Eva-Hanne sagte: + +„Ich hab immer gern in meinem Leben gelacht, aber so viel wie in den drei +Wochen, da ich hier bin, noch nie.“ + +„Lachen ist gesund.“ + +„Ganz gewiß. Ich sehe, wie alle um mich her täglich gesünder und heiterer +werden. Heiter kann man es zwar nicht nennen, mehr ausgelassen.“ + +„Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg +zu dem Berge der Gesundheit und des Glückes, die Heiterkeit ist der +letzte, klare Gipfel. Zu ihm gelangen wir spät, erst, wenn wir lange und +mühevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden +ist, erst, wenn unsere Augen weithin sehen können, über alle Tiefen, die +unter uns, und alle Höhen, die über uns waren.“ + +„Sind Sie selbst schon auf der Höhe?“ + +„Ich gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die +Hand ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!“ + +„Vielleicht ist’s gut so“, meinte Eva nachdenklich; „wenn Sie selbst schon +oben ständen, könnten Sie nichts anderes als winken. Und da würde sich +mancher sagen: was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist +wohl in Not und fürchtet sich allein dort oben?“ + +„Ich finde, Fräulein Eva, daß wir uns gut verstehn!“ + +Ich sah ihr heiß in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber +kühl. Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz +schlurfte vorbei. Er brummte einen Gruß und rückte kaum am Hut. + +„Ein unfreundlicher Mensch“, sagte ich, nur um etwas zu reden. „Wenn er +nur nicht mal Unheil anrichtet!“ + +„Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich.“ + +„Holdrioho hoho!“ jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl +erschien, der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren +gefahren. + +„Das ist Methusalem“, belehrte mich Eva; „er bringt die dicke Cenzi vom +Felde heim.“ + +Cenzi war – wie ich wußte – die Gattin eines Berliner Bankiers. In ihrem +Dirndlkostüm sah sie ein wenig schnurrig aus. Methusalem fuhr seine holde +Last bis in die Mitte des Hofes, kommandierte „Alles aussteigen!“ und +kippte den Schubkarren um. Cenzi quiekte, überkugelte sich zweimal, kam +dann jauchzend auf uns zu in einer merkwürdigen Gangart, die etwa so +aussah, wie wenn eine Ente den Trippelschritt einer Taube versucht, und +sagte: + +„Denken Sie, der schlechte Mensch; auf dem Schubkarren fährt er mich, aber +zeichnen mag er mich nicht!“ Methusalem schnitt ein Gesicht hinter ihr, +das deutlich ausdrückte: „Lohnt nicht den Faßboden!“ Dann sagte er: „Ich +bin kein Zeichner; ich bin ein Feldarbeiter. Und das Schubkarrenfahren ist +wichtiger für Sie, Cenzi, als das Geporträtiertwerden. Sie haben drei +Heukappen auf einen Platz zusammengetragen und waren daher mit Recht so +erschöpft, daß Sie per Achse nach Hause gebracht werden mußten.“ + +„Er ist über so viele Steine hinweggefahren“, klagte Cenzi; „ich bin +buchstäblich wie gerädert.“ + +„Das wird besser werden, Cenzi“, tröstete Methusalem, „wenn unser Vater +Barthel erst einen Schubkarren mit Federung und Gummirad angeschafft hat. +Es ist ein Skandal, daß er noch keinen solchen besitzt. Er ist ein +rückständiger Landwirt.“ + +„Oh, Sie Spötter!“ flötete Cenzi; „aber passen Sie auf, morgen habe ich +wieder drei Pfund abgenommen. Denken Sie, Herr Doktor, neun Pfund habe ich +bei Ihnen in zwei Wochen abgenommen, und das ohne jede Medizin.“ + +Sie setzte sich zu mir und wollte mich in den Zauber eines Gesprächs über +ihren Gesundheitszustand verwickeln; ich aber sagte, sie möge das alles +ihrem Arzt in der Sprechstunde mitteilen. Da war sie denn auch zufrieden. + +Ein Hilfsbriefträger erschien. Er übergab Eva einen Brief. Den Brief hatte +die Reichspost mit der richtigen Adresse im Rathaus abgegeben. Dort war +der Brief in einen neuen Umschlag gesteckt und mit „Hanne – Forellenhof“ +adressiert worden. So hatte ihn der Hilfsbriefträger überbracht. Er blieb +nach dieser Amtshandlung wartend stehen. + +„Nanu, Briefträger“, sagte Methusalem, „Sie warten wohl auf ’n Trinkgeld? +Sie wissen doch, daß wir alle in diesen gesegneten Landen nicht ’n roten +Heller in der Tasche haben.“ + +„Eine Zigarre möcht ich gern“, sagte der Briefträger. + +„Gibt’s nicht“, schimpfte Barthel aus der Haustür heraus. „Drei Stück sull +a bloß am Tage roochen, und die kriegt a ooch täglich geliefert. Nu is a +extra Briefträger geworden, daß a in a Höfen um Tabak rumschnorr’n kann.“ + +Der Briefträger (er war im Zivilleben Fabrikbesitzer im westfälischen +Industriebezirk) machte einen niedergeschlagenen Eindruck. + +„Drei Stück so leichte Zigarrchen ist ja nichts für einen, der ein starker +Raucher gewesen ist“, sagte er. + +„Die drei Dingerchen hole ich mir früh um sieben ab und verrauch sie alle +drei nach dem Frühstück. Und dann habe ich den ganzen Tag nichts.“ + +„Trösten Sie sich“, sagte Barthel grob, „vielleicht werden Sie ooch noch +gescheidt um ’n Kopp!“ + +Nur die dicke Cenzi war mitleidig. Sie hatte sich eben eine Zigarette +angesteckt und sagte: + +„Briefträger, ich krieg bloß zwei Stück am Tag. Aber Sie dürfen einmal +dran ziehen.“ + +Sie steckte dem Briefträger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich +gierig daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, daß er +binnen Sekunden die ganze Zigarette aufgefressen hätte, wenn Cenzi sie ihm +nicht entrissen hätte. + +„Den laß ich nie wieder ziehen!“ sagte sie empört. + +Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhig geworden. + +„Er ist von meinem Vater“, sagte sie leise zu mir. + +„Begleiten Sie mich bis zum Tor!“ + +„Also“, fuhr sie fort, während wir langsam gingen und sie sich auf mich +stützte, „hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt +nicht lesen. Ich weiß, daß er nichts Erfreuliches enthält, und ich will +mir den schönen Abend nicht verderben.“ + +So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz +neuen Form wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei uns +zur Kur, und der Vater protestierte. Anders konnte es nicht sein. + +„Es wäre sehr, sehr schade, wenn Sie unser Heim verlassen müßten“, sagte +ich und fühlte, daß eine heiße Angst in mir aufstieg. + +Sie sah finster zu Boden. + +Dann riß sie den Brief auf. + +„Ich will nicht feig sein!“ + +Sie las – las – staunte. Dann reichte sie mir den Brief. + +„Oh! Das hätte ich nicht gedacht! Lesen Sie!“ + +„Liebes Kind! Es ist ja nicht nett von Dir, daß Du hinter meinem Rücken +ins Lager unseres sogenannten Feindes übergegangen bist. Aber die Sache +kann sich noch gut zurechtschieben. Die Neustädter, deren ganzer Sache ich +auf die Beine geholfen habe, machen mir schon seit langem das Leben sauer +und möchten mich nach und nach übrig machen. Nun erhielt ich gestern von +Mister Stefenson aus Amerika einen Brief, in dem er mich anfragt, ob ich +geneigt sei, den Bau der noch fehlenden zwanzig Höfe in der Waltersburger +Kuranstalt zu übernehmen und auch fernerhin die baulichen Unternehmungen +dort zu leiten. In diesem Falle möge ich mit der Waltersburger Direktion, +die verständigt sei, in Verbindung treten. Ich bin nach Lage der +Verhältnisse gar nicht abgeneigt, der Sache näherzutreten, und freue mich +jetzt, daß Du bereits Dein Interesse für das jedenfalls sehr +aussichtsreiche Waltersburger Unternehmen bekundet hast. In den nächsten +Tagen werden wir uns sehen.“ + +Ich gab Eva den Brief zurück. + +„Sie werden nicht glauben, daß ich eine Ahnung von diesen geschäftlichen +Dingen gehabt habe“, sagte sie ängstlich. + +„Gewiß nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewußt.“ + +Ihre Stirn war finster. + +„Es ist schwer für mich, das zu sagen – aber Sie sollen mich nicht falsch +beurteilen; es gefällt mir nicht von meinem Vater, daß er von den +Neustädtern zu den Waltersburgern übergeht. Er hätte drüben Stange halten +müssen – jetzt erst recht!“ + +„Braves, liebes Mädel!“ dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen: + +„Sie sind ja auch zu uns gekommen!“ + +„Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom +Forellenhof. Ich schade den Neustädtern nichts. Aber mein Vater – der +Gründer von allem! Wenn der übertritt!“ + +„Fräulein Eva, Ihr Vater ist wohl längst da drüben nicht mehr ganz mit dem +Herzen dabei. Seine ursprünglichen Waldheime sind dem öden Hotelbetrieb +gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger +Geschäftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein +Feld neuer Tätigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von +ihm, wenn er zusagt.“ + +„Sie sind ein lieber Mensch“, sagte sie dankbar, und meine Augen flammten +auf, und auf einen Augenblick war es mir, als flöge meine Seele einem +seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein +seliger Taumel faßte mich ... + +Draußen an der Tür erhob sich ein Singen: + + „Abend wird es wieder; + Über Wald und Feld + Säuselt Frieden nieder, + Und es ruht die Welt.“ + +Das alte Abendlied wurde von vierstimmigem Chor gesungen. Da öffnete der +lange Ignaz das Tor. Er hatte in der Nische gelehnt, und ich hatte ihn +vorher gar nicht gesehen. Vielleicht hatte er alles gehört, was wir +gesprochen hatten. Jetzt blickte er mich mit finsterem Gesicht an. Aber +ich beachtete ihn gar nicht. Ich sah auf die Sänger, die durchs Tor zogen. +Sensen und Rechen trugen sie über die Schultern, alle mit Feldblumen +geschmückt, voran schritt Emmerich, der Chormeister, mit einem mit +Kornblumen geschmückten Taktstock: + + „Nur der Bach ergießet + Sich am Felsen dort, + Und er braust und fließet + Immer, immerfort. + + So in deinem Streben + Bist, mein Herz, auch du, + Gott nur kann dir geben + Wahre Abendruh!“ + +Als letzte in der Reihe kamen die kleine Luise und eine Frau, die das Kind +an der Hand führte. Diese Frau war wohl noch jung; sie war von hoher, +schöner Figur. Das Gesicht konnte ich nicht sehen, weil das bunte +Kopftuch, das sie trug, weit vorgeschoben war. Luise, die jetzt sehr +häufig auf dem Forellenhofe war, schmiegte sich dicht an ihre Begleiterin. + +„Wie heißt die Frau, mit der Luise geht?“ fragte ich Eva. + +„Sie nennt sich Magdalena, ist sehr still und bleibt fast immer für sich +allein. Aber das Kind hängt an ihr.“ + +Behutsam zog ich mein Notizbuch. Dort hatte ich die Kurgäste des +Forellenhofes verzeichnet. + +„Magdalena ..., geschiedene Frau Kaufmann Agnes Blassing aus Aachen, +behandelnder Arzt Dr. Michael“, stand dort verzeichnet. + +Das Abendlied verklang; die Leute zerstreuten sich an der Brunnenröhre +oder am Bach; die meisten aber zogen doch vor, ihre Abendtoilette auf dem +Zimmer zu besorgen. + +Draußen auf der Straße knarrte noch ein Wagen. Trotzdem schloß der lange +Ignaz das Tor. Das war eine neue Heimtücke von ihm; denn vor dem Tor stand +Piesecke mit einem Fuder Klee und wußte nicht, wie er es anstellen solle, +die Zügel der Pferde, von denen eines sehr unruhig war, nicht loszulassen +und doch an das Tor zu klopfen. + +So schrie er: „Es ist zu! Es ist zu! Bitte, machen Sie gefälligst auf!“ +und es klang wie ein jammernder Hilferuf. Die Leute, die noch im Hofe +waren, lachten, und niemand dachte daran, Piesecke in seiner Not +beizustehen. Da eilte die kleine braune Anneliese über den Hof und +versuchte das schwere Tor zu öffnen. Ich half ihr dabei, und ich sah zum +erstenmal, wie reizend dieses Mädchen war. Wie eine süße, junge, rote +Rose! Ihre Sternenaugen grüßten mich wieder so freundlich, und ich +glaubte, zu ihrem Herzen würde ich den Weg wohl leichter finden als zum +Herzen dieser stolzen Eva. Und sah doch wieder zu dieser Eva hin. + +Nun sollte zur Abendmahlzeit gerufen werden. In anderen Höfen geschah das +durch eine Glocke. Hier im Forellenhof trat Emmerich mit seiner Leibgarde +auf. Vier Mann, zwei mit Becken, einer mit einer Trommel, einer mit einer +Pauke. Dieser Tischruf war so gewaltig, daß die Leute drunten in +Waltersburg wußten, wann im Forellenhof gegessen wurde. Damit aber auch +der lyrische Teil dieser Emmerichschen Kunstleistung nicht fehle, wurde +ein Kanon gesungen, den Emmerich gedichtet und komponiert hatte: + + „Lobt den Herrn, hat’s zu bedeuten, + Wenn zur Ruh die Glocken läuten, + Doch dabei nicht zu vergessen, + Kommt zum Essen! Kommt! Kommt!“ + +Die vier Sänger sangen diesen Kanon mit tiefem Gefühl. Bald sammelten sich +die Abendgäste an der großen Tafel im Garten. Emil Barthel saß an der +Spitze und präsidierte. Es gab Bratkartoffeln, Milch, Weißkäse, Butter und +Brot, grünen Salat, frische Kirschen und Haselnüsse. Dieses Abend-„Menu“ +habe ich glatt von Lahmann im „Weißen Hirsch“ übernommen, weil es kein +besseres gibt. + +Piesecke behauptete, wenn er Milch, Kirschen, grünen Kopfsalat und +Weißkäse zusammen äße, bekäme er auch zusammen die Ruhr, den Typhus und +die Cholera. Er war deshalb mit noch einem anderen Kurgast an einen +Extratisch gesetzt und bekam besondere Kost. Nach vierzehn Tagen, als +Piesecke sah, daß die Gäste am „Normaltisch“ sich sehr wohl fühlten, wurde +er seiner Einsamkeit überdrüssig und verlangte zu den anderen. + +Ich aß an diesem Abend mit im Forellenhof, und ich hatte große Freude, zu +sehen, wie herrlich es den Leuten schmeckte. Auch die Tischgespräche, die +geführt wurden, gefielen mir. Weit weg war alles gespreizte, verlogene +Getue, weit weg aller Phrasenklüngel, alles ästhetisierende Jongleurtum, +alle pseudophilosophische Geistreichelei, jede auch noch so versteckte +Prahlerei mit wirklichen oder vermeintlichen Werten aus dem früheren +Leben. + +Der dicke Franzel erzählte dem dürren Heinrich (einem Zoologen aus +München), daß er drei Maulwürfe erlegt habe, worauf Heinrich entrüstet +erklärte, das sei eine ungeheure Dummheit, da der Maulwurf als +Insektenvertilger und nachweislicher Nichtpflanzenfresser niemals ein +Würzelchen der Wiese, dagegen aber täglich so viel schädliche Engerlinge +verspeise, wie er selbst schwer sei. Vater Barthel, zum Schiedsrichter +angerufen, entschied: „Den Büchern nach ist der Maulwurf sehr nützlich, +aber dem Bauernverstande nach schlagen wir ihn tot. Von wegen seiner +Haufen!“ Heinrich zuckte die Schultern und sagte, es werde wohl auch in +diesen finsteren Aberglauben noch einmal Licht kommen. Vom Ausroden zweier +Weiden erzählte einer, vom Pflanzen von Sellerie ein Mädchen, von der +Aussaat von Winterrettich und Wirsing eine andere. Die meisten sprachen +von der lustigen Heuernte, von dem rotblühenden Kleefeld oder von dem +Wiesenwässerlein, über das eine neue schmale Brücke mit einem birkenen +Geländer gelegt worden war. Bäuerliche Themen, manchmal mehr altklug +behandelt, wie Kinder schwätzen, als wirklich erfahren, wie Vater Barthel +war, der aber sehr wohlwollend alles anhörte. Weil es an St. Barnabas +geregnet habe, erklärte ein Rheinländer, würden die Trauben dieses Jahr +von selbst ins Faß schwimmen, und wie das Wetter am Johannistag sei, so +würde es bis Michaeli sein, behauptete ein anderer. Ich sah mir die Leute +an, die so sprachen. Sie gehörten alle zu den gebildeten Schichten der +Bevölkerung. Würden sie je in ihrem eigenen Leben solche Unterhaltung +führen, so wären sie Sonderlinge, als komische Käuze, vielleicht als +albern gebrandmarkt. Hier wären sie lächerlich, wenn sie von hoher +Politik, von gesellschaftlichen Ereignissen und Beziehungen, von +künstlerischen oder philosophischen Streitfragen zu reden begännen. + +Diese Leute haben wirklich alle Ferien vom Ich gemacht. Und ich sehe, daß +ich meine Idee nicht bis in die Einzelheiten selber auszudenken brauche; +hier dichten alle mit an dem großen Sturmlied, das wir gegen den Jammer +unseres modernen Lebens anstimmen wollen; hier hilft jeder bauen an der +Brücke, die über den Strudel der Zeit zu dem stillen Eiland des Friedens +führt, hier stützt einer den andern. Betrachtet den Soldaten, der schwer +beladen sein junges Leben in täglich vielstündigem mühseligem Marsch gegen +die Feuerschlünde der Feinde schleppt – er würde auf seiner furchtbaren +Reise erlahmen, liegenbleiben, verzweifeln nach der dritten oder vierten +Stunde, wenn er allein wäre. Aber der Rhythmus der Masse hält seine +Glieder im Gang; am klingenden Bewußtsein der Gegenwart von tausend +anderen hält er sich aufrecht. + +So ist es hier auch. Nimm den einzelnen Kulturmenschen, setze ihn in eine +Bauernstube, heiße ihn leben und arbeiten, wie es ein Bauer tut, und das +Heimweh packt ihn am achten Tage und treibt ihn davon. Mit Hunderten, ja +mit Tausenden seinesgleichen aber ist er glücklich, legt er alle Tage +Strecken auf dem Wege der Gesundheit zurück, deren er sonst nie fähig +wäre, kommt er trotz aller Anfeindung durch sein bequemes, verzärteltes, +tyrannisches Ich zum Siege. + + + + + + LORELEI + + +Mein Bruder Joachim guckte über den Gartenzaun. Und als sich die +Gesellschaft auflöste zum Abendspaziergang, fügte es sich leicht, daß Eva +und Annelies, Joachim und ich uns zusammenschlossen. Im Poetenwinkel der +Lindenherberge standen die Fenster offen, da sangen zwei junge Männer zur +Laute: + + „Rosenbusch holderblüh, + Wenn i mei Mädle g’sieh –“ + +Wir blieben stehen und hörten zu. Die Sänger reichten zwei volle Gläser +zum Fenster heraus, und unsere Mädchen nippten daran und lachten. + +Annelies hatte meinem Bruder zugetrunken, und es war mir schon +aufgefallen, wie seine sonst so ernsten Augen aufleuchteten. Dann, als der +fröhliche Singsang überging in „Drauß’ ist alles so prächtig, und es ist +mir so wohl“, bemerkte ich, daß Joachim heimlich nach Annelieses Hand +faßte, die ihm das Mädchen traumverloren überließ. + +Eva stand ans Fenster gelehnt. Der Duft der Wiese schlug mir schwer in die +Sinne. Glühwürmchen funkelten durchs Gras. Droben im einsamen Hirtenhaus +blies auf seinem Waldhorn der freiwillig Verbannte, dessen Liebesleiden +ich kenne, Eichendorffs traurige Weise: + + „Sie hat einen andern genommen, + Ich war draußen in Schlacht und Sieg, + Nun ist alles anders gekommen, + Ich wollt’, es wär’ wieder Krieg!“ + +Über die Wiese gingen zwei langsam dahin. Die Frau vom Forellenhof, die +sich Magdalena nannte, und die kleine Luise. Das Kind erkannte mich und +eilte auf mich zu. Die Frau blieb abgewandt stehen. Da rief die Kleine: + +„Magdalena, Magdalena, kommen Sie doch her! Hier wird so schön gesungen!“ + +Die Frau schüttelte den Kopf, wandte sich aber doch langsam um. Und ob es +auch schon dämmrig war, der Abend hatte mich scharf sehend gemacht; ich +sah, daß das Weib, das dort einsam auf der Wiese stand, Joachims erste +Frau, Luises Mutter, war. + +Der Bruder aber sah sie nicht, und seine Augen waren gehalten, und er +erkannte auch sein Kind noch immer nicht. Langsam tastete wieder seine +weltmüde und doch immer noch glücksuchende Rechte nach der kleinen +Anneliese keuscher Hand. + +„Magdalena, kommen Sie hierher!“ rief das Kind abermals und dringend. + +Die aber schüttelte den Kopf und ging davon. + +Das Kind schmiegte sich an mich; vom Berge her klang noch immer die +Melodie des Eichendorffliedes, und ich sah den Bruder an und hörte aus dem +Klange des Hornes die Worte: + + „Ich aber war weit schon gegangen, + Jetzt sieht sie mich nimmermehr.“ + + ------------------------------------------------------- + +Die Nacht war schwüler als der Abend. Es war, als ob von irgendwoher heiße +Gewitterluft über unsere Häupter getragen würde. Ich saß wach am Fenster. +Als ich heimgekommen war, hatte ich einen Brief von Stefenson gefunden. Er +machte mir Mitteilung, daß er an den Baumeister Bunkert geschrieben habe +und ihm die Leitung unserer ferneren baulichen Unternehmungen übertragen +wolle. Dann kam der inhaltsschwere Satz des Briefes: „Ich verhehle Ihnen +nicht, lieber Freund, daß meine tiefe Neigung für Fräulein Eva Bunkert, +deren ich mir inzwischen ganz klar geworden bin, mich zu dem Angebot an +ihren Vater geleitet hat. Dieser Neigung werden Sie – dessen versichert +mich Ihre ehrliche Freundschaft – immer Rechnung tragen.“ + +Wie schwül die Nacht war, wie unruhevoll die Seele, schmerzlicher Wünsche, +heißer Angst, tiefer Niedergeschlagenheit voll, da das schöne Traumbild +von Liebe und Glück von drohendem Wetterleuchten überstrahlt an meinem +Himmel stand. + +Da bäumte sich der Wille im jungen Herzen auf, und ich sagte mir: Oho, +mein Freund, wie kommst du dazu, mir den Verzicht auf meine junge Liebe zu +befehlen? Steht dieses Recht in unserem Kontrakt? Ist Liebe ein Schacher, +in dem du mich überbieten kannst? Bist du mein Herr und ich dein Sklave, +dem du befehlen kannst: Laß ab von jenem Mädchen, das ich für mich will! +Oder, wenn du es auf die Freundschaft hinausspielen willst: wo war je in +der Welt Freundschaft stärker als Liebe, wo wäre sie im Kampfe mit ihr +nicht unterlegen? + +Komm nur zurück, alter Geschäftemacher, und kämpfe um die Braut! Wenn du +zu lange ausbleibst, wirst du sie als die Meine finden und sie mir gewiß +nicht mehr entreißen. + +So wollte ich das Recht auf mein Lebensglück wahren. Aber neben dem Willen +saß der Zweifel. Ich wußte, daß Evas Herz viel mehr zu Stefenson neigte +als zu mir. Ich war wohl für das Glück der Liebe nicht bestimmt. Niemals +im Leben hatte es mir ernsthaft gewinkt. Vielleicht war ich zu scheu, zu +verträumt meinen Lebenspfad gegangen. Auch die kleine Anneliese, die +junge, rote Rose, hatte ich übersehen. + +Nun streckte der Bruder die Hand nach ihr, und auf der Wiese stand des +Bruders Weib und sah mit verlorenen Augen nach ihm hin. + +Auch da fühlte ich ein böses Wetter aufsteigen. + + ------------------------------------------------------- + +Das ist doch ein kostbares Geschenk, das der Herrgott seinen Erdenkindern +machte: die Arbeit. Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das +dir den Tag grau färbt und deine Nächte qualvoll macht, geh zur Arbeit, zu +der herben, tüchtigen Frau, sie wird dich mit so klaren Augen anschauen, +mit so morgenheller Stimme zu dir sprechen, daß du das Haupt hochheben und +tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst; bist du +einem Irrlicht nachgegangen und auf sumpfigem Pfad von Schlingpflanzen +tiefer Verzagtheit umschlungen worden, rufe die Arbeit, die tüchtige Frau, +sie wird dich mit derber Hand herausziehen aus deiner Bedrängnis und dich +wieder auf eine feste Straße stellen; hast du Güter verloren, welcher Art +es immer sei, wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen +und leere Herzen immer neu zu füllen vermag; sind dir alle +Unterhalterinnen des Lebens überdrüssig geworden, laß die Arbeit an deinem +Tisch sitzen bis zum letzten Tage deiner Kraft! + +Denn sie ist deine beste Freundin; sie schützt deine Gesundheit, sie +stärkt deine Muskeln; sie würzt dir das Mahl und salzt es, daß es nicht +faule; sie spricht dir alle Tage aufmunternde Worte über deinen Wert ins +Ohr und hütet dich doch vor Übermut durch kleine oder große Mißerfolge; +sie gibt dir für deine Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu +deinem Becher den rechten Durst und schließt dir alle Abende mit leisem +Finger die Lider! + + ------------------------------------------------------- + +So bin ich durch die Arbeit über meine Zweifel und Leiden hinweggekommen, +so sind meine Eigenwünsche still geworden und wie kleine Heimatbächlein +hineingerieselt in den großen Strom des Willens zum Dienst der +Allgemeinheit. + +Von dem lasse ich mich tragen. Manchmal gluckst noch ein silbernes +Stimmlein alter Sehnsucht auf; aber es verklingt, und ich freue mich der +starken Alltagswelle, die mein Schiff trägt. + +Von den Patienten, die zu mir kommen und ihre Lebensberichte vor mir +ausbreiten, haben die meisten an der Liebe gelitten. Männer wie Frauen. +Denn nicht immer sitzt auf dem Felsen am Fluß die Lorelei und in dem +scheiternden Kahn unten der Mann; oft schwimmt die Lore unten, und der +Mann sitzt oben, wenn er sich auch nicht sein „golden Haar“ kämmt, sondern +vielleicht nur einen schwarzen Bart streicht. Die Tragik ist immer die +gleiche: der Kahn kippt um. Steht man dann als Leibes- und Seelenarzt am +Ufer und wirft seinen Rettungsring aus, so ist das ein aufregendes, aber +schönes Geschäft, und ich denke, nach und nach wird sich bei mir die +Aufregung in eine milde Seelenheiterkeit umwandeln. Habe ich so ein +pudelnasses Menschenkind, das im romantischen Rheinstrom der Liebe +verunglückte, ans Land gezogen, so lasse ich es erst ein wenig zu Atem +kommen, und dann forsche ich es langsam aus, ob die (oder der), so auf dem +Felsen gedudelt hat, nicht auch mancherlei Schwächen haben möge, und wird +die Frage ein wenig zähneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter, +bis sich ergibt, daß die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, +eigentlich minderwertig, hingegen der (oder die), so in dem Kahn umkippte, +wesentlich wertvoller sei, weshalb die ganze Unglücksfahrt eine Torheit +gewesen, nach welcher man klüger geworden und gottlob ans feste Land und +in trockene Kleider gekommen sei. + +In den meisten Fällen hilft meine Methode; sie führt durch das Türlein: +„Er ist es nicht wert, daß ich mich opfere“, in den Garten der Gesundung. + +Einige Fälle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, daß immer nur +auf die Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt. +Die stehen dann wie verloren und verzürnt in dem lustigen Ferienheim vom +Ich, werden zuerst auf einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton +wehe tut, aber wo eine kleine feste Pflicht sie aufrecht hält, und +steigen, wenn die Lebenssehnsucht wieder erwacht, Stufe um Stufe ins Tal +zurück. + + + + + + DIE „KRUMMBEINIGE MEDIZIN“ + + +Meine Kurmittel sind nicht ganz gewöhnlicher Art. Es gibt Ärzte, die den +Sitz alles Übels im Magen suchen; andere begeistern sich für die Leber; +wieder andere schwören auf warme Füße; ganz alte, bequeme Knaben geben +immer zum Schwitzen ein oder verordnen Laxiermittel; wieder andere sagen, +außer mit Chinin, Digitalis und Quecksilber sei überhaupt nichts +anzufangen; diese werden von den Wasserdoktoren „Giftmischer“ genannt, und +alle werden von den Homöopathen verachtet. Ich misch mich da nicht ein; +ich sage: ihr habt alle recht, und der, der am wenigsten tut, tut am +meisten. + +Meine Kuranstalt Ferien vom Ich ist etwas Neues, und es sind auch meine +Kurverordnungen teilweise sehr neu. So habe ich in der kurzen Zeit meiner +hiesigen Praxis meinen Patienten in einundfünfzig Fällen die Anschaffung +eines Dackels verordnet. Der Dackelhund als Heilmittel ist in der +medizinischen Wissenschaft gewißlich ein Novum, aber er ist gleicherzeit – +das kühne Bild ist in Tagebuchaufzeichnungen erlaubt – nichts anderes als +ein Ei des Kolumbus. Ich habe selbst seit Jahren einen Dackelhund (in +Amerika drüben nennen sie ihn _german __dog_), er heißt „Spezi“, weil er +mir in der Tat ein Spezialfreund geworden ist, und ich kenne die +gesundheitsfördernden und erziehlichen Werte seiner Gegenwart zu gut, als +daß ich in meiner Nächstenliebe nicht auch anderen das Glück eines solchen +Besitzes gönnen sollte. Eine wissenschaftliche Arbeit schreibe ich ja hier +nicht; nur eine Tagebuchplauderei. Aber ich will eine erweiterte Abschrift +dieses Kapitels meinen Kollegen geben, die ein wenig die Nase über den +„Chef“ rümpfen, der so viele „krummbeinige Medizin“ verordnet, daß neulich +sechsundzwanzig Dackel auf dem Lindenplatze eine Art Generalversammlung +abhielten und greulichen Unfug verübten. (Dr. Fristen hat mir damals +gekündigt mit der Begründung, daß er ein ernst zu nehmender Arzt sei, und +ich habe ihn ohne Trauer ziehen lassen. Hol der Fuchs alle Spießer, die +nur ihr Schuleinmaleins ableiern können!) + +Einen Dackel verordne ich zunächst demjenigen, bei dem ich als Pfahlwurzel +seiner Leiden zu große Eigenliebe erkenne. Die gewöhnt ihm der Hund +alsbald gründlich ab. Kein noch so eingefleischter Nietzschianer behauptet +auf die Dauer seinem Dackel gegenüber die „Herrchen“-Natur. + +Das „Herrchen“ ist der Dackel; da kann einer dagegen tun, was er will; es +nutzt alles nichts. Zum Beispiel: Der Philosoph, in schwere Gedanken +versunken, strebt auf seinem Abendspaziergang gen Westen. Der begleitende +Dackel – einen Igel erschnuppernd – biegt gen Süden ab. Der Philosoph wird +sich anfangs um den kläffenden Köter ganz und gar nicht kümmern; aber dann +wird er pfeifen – einmal, zweimal, dreimal leise – dann laut, immer lauter +rufen, drohen, die Fäuste ballen, toben, aus seiner schweren Gedankenbahn +geschleudert werden, umkehren, gen Süden wallen und Betrachtungen darüber +anstellen, ob nun ein Dachshund oder ein Igel das widerborstigere Tier +sei. Der notgedrungene Gleitflug aus der luftarmen Höhe eisigen Denkens +ist durch einen Dackel ertrotzt. + +Gut so – in den Ferien vom Ich! + +Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines +elenden Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenüber mit der +ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn +in hundert Runzeln, die Ohren hängend, den Schwanz melancholisch +eingeklemmt, die Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd, +stöhnend, so wird der Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen, +mit dem Vieh auf die Straße flüchten und sich nicht schlecht wundern, daß +der scheinheilige Jämmerling plötzlich wie ein Berserker der Lebenslust +umherrast. Etwas abfärben wird es schon. Das nächste Mal, wenn er und der +Dachs so trübselig einander gegenübersitzen, wird sich der Misanthrop +selbst nicht recht trauen und auf die Straße gehen. + +Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und +keinen bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den +ersehnten Tyrannen, den sie pflegen und füttern kann. + +Die kleinliche, ordnungswütige Hausfrau, die ihrem Mann wegen eines +Zigarrenstäubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte, +bis sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhält als +Antwort auf ihre entrüstete Klage, daß ihr das „entsetzliche Vieh“ die +Hausschuhe verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch +geknabbert habe, die Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die +Hausschuhe und gestickten Decken seien im Universum von nur +nebensächlicher Bedeutung, und ohne Dackel könne sie nicht gesund werden. + +Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt +im verschlossenen Briefe mitteilte, sie brächte ihre Nachbarschaft durch +ihr ewiges Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen +Dachshund verordnet. + +Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und +verheult, daß ihr die Drahtkommode zur Unmöglichkeit wurde. + +Allen den sehr nervösen Herren, die zu mir kommen und von denen ich weiß, +daß sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit draußen in der Welt als +Richter oder Examinatoren auf arme Opferlämmer losgelassen werden, +verordne ich einen Dackel und bitte sie, sich seiner künftighin auch vor +ihren Amtshandlungen zu bedienen. Ich denke dabei an die Wirkung milde +ableitender Mittel. Einer, der einen Hund gestreichelt hat, kann keinen +Menschen ohne äußerste Not zu Boden schlagen, auch wenn seine Nerven noch +so ruiniert sind. + +Ferien vom Ich! + +Das ist so die fieberstillende Wirkung der „krummbeinigen Medizin“. Aber +der Dachs wirkt auch stärkend und aufbauend. + +Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen +Dachshund. Nach acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle +Kreaturen, ein „untreues Luder“. Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer +seinem tierischen Instinkt nach, geradeso, wie es die Menschen täten! Vier +Wochen darauf war der Mann bekehrt. Er sagte mir: + +„Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich +zwei Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit +schmutzigen Pfoten und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er +treuherzig sagte: Liebes Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauselöcher, +in die ich schnuppern möchte, aber es ist doch am schönsten bei dir! Das +ist immerhin eine gewisse Treue!“ + +Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes, +hoffärtiges Gebaren haben, denen, die „sich tun“, wie die Leute sagen. Es +sind ihrer sehr viele. Wer „tut sich“ heutzutage nicht? Der Dichterling, +der reiche Kaufmann, der Herr Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen +nur einen Dackel ans Bein, der sie an den Hosen oder am Humpelrock zerrt, +gleich ist ihre Hoheit dahin. + +Man kann nicht geziert, nicht unnatürlich tun und sein, wenn man mit einem +Dackel geht. Das rustikale Viehzeug verdirbt allen aufgeblasenen Stil, +zerrt einen widerwillig in die Natürlichkeit zurück. + +Gewiß, der Dackel ist ein stobiger Philister, ein täppischer Biedermeier, +ein Kleinbürger, aber auch ein Nihilist gegen alle Gespreiztheit, ein +genialer Spötter. + +Ich wüßte nicht, warum ich ihn nicht als ein Heilmittel gegen mancherlei +Gebrechen unserer Zeit in unseren Kurplan einsetzen sollte! + + + + + + IN DER GENOVEVENKLAUSE + + +Die Genovevenklause ist frei geworden. Den Sommer über wohnte eine Witwe +mit ihrem Söhnchen darin. Eine vornehme Dame, die nach dem Untergang ihres +Eheglücks aus ihrer bunten Gesellschaft in die Einsamkeit der Klause +flüchtete. Das Häuslein ist halb in den Berg hineingebaut, ein Kreuz ist +über dem Felsen, der Bach fließt vorbei, ein zahmes Reh grast vor seiner +Tür. Es vertritt die Hirschkuh der Legende. Dort bei der Genovevenklause +ist meist tiefe Stille; nur ein schmaler Fußweg führt zu ihr hin, und es +ist dort recht einsam. Nur die Heimwehfluh mit dem Hirtenhaus ist ebenso +still. + +Nun ist die Frau fortgezogen. Sie mußte in die Welt zurück und hatte +Tränen in den Augen, als sie Abschied nahm. + +„Wenn das Grab meines Gatten hier wäre, möchte ich nie mehr ausziehen aus +der lieben Klause“, sagte sie. + +„Sie müssen es wegen Ihres Sohnes“, entgegnete ich ihr; „Sie dürfen keinen +Schmerzensreich, keinen Parsival aus ihm machen; Sie müssen ihn +vorbereiten für das Leben.“ + +„Mir graut vor dem Leben“, sagte Frau Herzeleide und zog davon! ... + +Heute war ich in der Direktion. Der Direktor war nicht anwesend, und ich +mußte ein wenig warten. Da kam sie zur Tür herein – Magdalena vom +Forellenhof –, die Frau meines Bruders Joachim. Als sie mich sah, erschrak +sie und strebte zur Tür wieder hinaus. Ich hielt sie zurück. + +„Was wünschen Sie, Magdalena? Der Herr Direktor wird gleich hier sein. +Warten Sie nur einige Minuten!“ + +Sie war äußerst verwirrt. + +„Ich wollte – ich möchte – ich wollte nur anfragen, ob es vielleicht +möglich sei, daß ich in die Genovevenklause ziehen könnte, da sie frei +geworden ist.“ + +„Gefällt es Ihnen nicht mehr auf dem Forellenhof?“ + +Sie wich aus. + +„Ich möchte sehr gern in tiefere Einsamkeit.“ + +„Ist Ihr Arzt damit einverstanden?“ + +„Ja.“ + +Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn +gefahren. + +„Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen +recht ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort +steht. Ich werde schon dafür sorgen, daß Sie die Klause bekommen.“ + +„Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich möchte Ihnen +meinetwegen den Weg nicht zumuten.“ + +„Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!“ + +Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blaß, und ihre +Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz +gefärbt; das veränderte sie am meisten. Aber auch der früher so rosige +Teint war verloren; die Haut schimmerte blaß und feucht; die Kinderaugen, +die so übermütig blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare +Schönheit noch, aber sie blickten müde und traurig. + +Während wir so gingen, sprach ich über harmlose Dinge, über die Ernte, +über Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt +hinter mir und vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den +schmalen Pfad kamen, atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht +mehr nebeneinander gehen. Sie bestand darauf, daß ich voranschritt. + +So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erlösers, und ich dachte +an jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und +mir nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich +nicht grausam sein. Diese Frau war so müde, so geschlagen; sie brauchte +keine Strafe mehr. + +„Magdalena“, sagte ich, „ich habe gehört, daß Sie gern mit unserer kleinen +Luise gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen +hier nicht fehlen?“ + +Sie seufzte schwer. + +„Ja, es wird mir fehlen. Aber auf dem Forellenhof nimmt es jetzt meist das +junge Fräulein, die Bärbel, und mir hat Luise versprochen, daß sie mich +alle Tage besuchen will. Sie spielt gern mit dem Reh.“ + +„Und Sie haben dem Kinde auch viele Geschichten erzählt?“ + +„Ja, sie hört gerne Märchen.“ + +„Haben Sie auch mit ihr gelesen, geschrieben und gerechnet?“ + +„Ja, ich tue das sehr gern.“ + +„Hm.“ + +Ich machte eine Pause. + +Dann sagte ich: + +„Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin +austoben. Aber als ständiges Unterkommen hätte ich für die Kleine gern ein +stilles Heim. Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen +in Pflege.“ + +Da schrie sie kurz und jäh auf. + +„Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine große Gnade!“ + +Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: „Ich werde es tun.“ + +Nun faßte sie mich an den Händen; ihr ganzer Körper bebte. + +„Eine Gnade!“ wiederholte sie. „Ich bin so verlassen, und ich habe das +Kind so lieb!“ + +Sie ließ mich los, legte einen Arm über die Augen, trat ein wenig zurück +und stand so ein Weilchen still da. Plötzlich begann sie bitterlich zu +weinen. + +„Was ist Ihnen, Magdalena?“ + +„Es geht nicht; es geht nicht!“ schluchzte sie; „wenn Sie – wenn Sie +wüßten, wer ich bin, würden Sie mir das Kind nicht übergeben. Ich bin eine +– eine schlechte Frau!“ + +Ich ging zu der Unglücklichen, legte einen Arm um ihre Schultern und sagte +erschüttert: + +„Du bekommst das Kind doch, obwohl ich weiß, wer du bist!“ + +Sie prallte zurück. + +„Sie wissen – wer ich ...“ + +„Ja, Käthe, ich hab dich erkannt!“ + +Da warf sie die Arme in die Luft, stieß einen Schrei aus und verschwand um +den Felsen in den Wald. + +Ich eilte ihr nach und holte sie mit Mühe ein. + +„Wenn Joachim mich erkennt, schlägt er mich tot!“ wimmerte sie. + +„Er erkennt dich nicht. Niemand kennt dich außer mir. Und ich werde dich +schützen!“ + +Sie mußte sich an mir festhalten, als ich sie zur Klause zurückführte. +Dort setzte ich sie auf die Bank vor der Haustür und streichelte ihren +Scheitel. + +„Jetzt sind Sie wieder Magdalena, und ich bin wieder der Herr Doktor. Wir +kennen uns nicht. Das, was jetzt hier geschah, ist nicht gewesen! Morgen +früh bringe ich das Kind. Beruhigen Sie sich, Magdalena, fürchten Sie +nichts, ängstigen Sie sich nicht. Das Kind darf sich ja nicht wundern. Es +soll ja eine heitere, zufriedene Pflegerin haben. Auf Wiedersehen!“ + +Ich ließ sie allein. + + ------------------------------------------------------- + +Meine Mutter hat sich um Luise wenig mehr gekümmert. Sie hat wohl sicher +Tag und Nacht an das Kind gedacht, aber nicht nach ihm gefragt. Sie hat +keine Freude an dem Mädchen, sie liebt es nicht; sein Dasein aber regt sie +auf, läßt sie leiden. + +Die Mutter kommt kaum alle zwei oder drei Wochen einmal zu mir heraus. Ich +glaube nicht, daß sie an meiner Schöpfung viel Freude hat. Sie ist von +stockkonservativer Natur; alles Neue erscheint ihr verdächtig. + +Ein- oder zweimal hat die Mutter aber doch Luise flüchtig wiedergesehen. +Sie ist dann in schwere Aufregung geraten. Und eines Septembertags, kurz +nachdem das Kind in der Genovevenklause untergebracht worden war, sagte +die Mutter zu mir: + +„Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob es nicht unrecht ist, Joachim die +Anwesenheit seines Kindes zu verheimlichen.“ + +„Quäle dich nicht, Mutter! Joachim hat bis jetzt dem Kinde seine +Anwesenheit auch verheimlicht, ja das Kind nicht einmal wissen lassen, daß +er überhaupt existiert.“ + +„Du sprichst immer recht lieblos von deinem Bruder!“ + +„Ich spreche so, wie ich nach seinem Verhalten sprechen muß!“ + +Sie wandte sich beiseite, und ihre feine Gestalt zitterte in Zorn und +Trotz. + +„Ich werde Joachim aufklären!“ sagte sie bestimmt. + +„Das wirst du nicht tun, liebe Mutter! Du wirst mit mir warten, bis +Joachim menschlich wieder so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner +Vaterpflicht zu erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner +Tochter geworden ist. Laß ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem völlig +verfehlten Ichleben.“ + +„Er ist schuldlos an seinem Unglück!“ + +„Nein! Er ist nicht ohne Schuld.“ + +„Fritz!“ + +„Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen +maßlosen Haß viel tiefer ins Unglück gebracht, als ein kluger Mensch, der +sich beherrschen kann, nötig hatte, und er hat sich gegen sein Kind +schäbig benommen.“ + +„Das ist unerhört, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim +bestimmt aufklären.“ + +„Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wird jetzt noch nicht mit +dem Kinde zusammenleben wollen.“ + +„Nun, so müßte man eben das Mädchen vorläufig noch nach einer guten +Pension bringen.“ + +„Das würde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung nötig wäre, würde +Luise hierbleiben, und Joachim würde von mir entlassen werden.“ + +„Entlassen?“ + +„Ja, es hat sich so gefügt, daß Joachim gegenwärtig mein Angestellter ist. +Er hat einen sehr kurzfristigen Vertrag.“ + +„Du bist maßlos hochmütig und lieblos!“ + +„Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben.“ + +„Berufe dich nicht auf dein Herz“, sagte sie, „du hast keines!“ + +Und sie ging. + +Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter +wegen, die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, +weil ich rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens +befreit in Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe +im Ichleben, im Familienjammer. + +Und da dämmerte mir, daß es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, +daß ich in freiem, ungestörtem Zölibat meiner großen Idee am besten dienen +könne, Herz und Sinne zwar leer von manchem Glück bleiben würden, aber Arm +und Fuß frei von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum +Vorwärtsschreiten und Handeln. + +Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und +sagte ihr, daß ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstände. +Sie schüttelte zwar das schöne Köpfchen, aber sie ließ sich von mir +küssen, und ich stieg fröhlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange +traurig sein; mein Herz wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich +abwendet vom sonnenleeren Nordhimmel. + + + + + + DIE SCHLACHT BEI WALTERSBURG + + +Jeder deutsche Kurort hat seine „Sensation der Saison“, so wie jedes +Affentheater seine „größte Attraktion der Gegenwart“ hat. Auch unser +Ferienheim hatte seine Sensation. + +Anton, der älteste Sohn des Waldschulzen, will Pauline, die älteste +Tochter des Forellenbauern, heiraten, und es hat sich darum eine heiße +Schlacht entsponnen. + +Die Sache hat eine romantische Vorgeschichte gehabt. Das jungfräuliche +Herz Paulinens pendelte. Es pendelte zwischen unserem Schulzensohne und +einem jungen Gastwirt aus Neustadt hin und her, und so gerieten die beiden +Kavaliere in die übliche Rivalenwut und vergerbten sich bei guter +Gelegenheit die beiderseitigen Felle. Bis dahin wäre alles in Ordnung +gewesen; aber nun mischte sich Piesecke ein und brachte romantischen +Schwung in die Geschichte. Piesecke war eines Sommertags in Neustadt +gewesen und hatte sein Rößlein in der kleinen Ausspannung des dortigen +Paulinenverehrers untergestellt. Von ungefähr hatte er dann von der +Sommerlaube im Gärtchen aus das Gespräch zweier Neustädter Burschen +belauscht, die sich verschworen, mit ihrem Freund, dem Gastwirt, und noch +zwei anderen am nächsten Mittwoch gen Waltersburg zu ziehen, und falls sie +in der Dämmerung am Gartenzaun des Forellenbauern den Schulzensohn im +traulichen Gespräch mit Pauline erwischten, diesen greulich zu verbleuen, +auch sonst an umherschweifendem Burschenvolk des verhaßten Waltersburg ihr +Mütchen zu kühlen. + +Als Piesecke solches hörte, kam sein fürstliches Blut in Wallung. +(Piesecke stammt aus einer Heldenfamilie. Sein Urgroßvater hatte als +General in fünf Treffen gegen Napoleon I. nicht gesiegt!) Während er nun +gen Waltersburg heimfuhr, entwarf Piesecke einen Feldzugsplan, wie dem +Anschlag der Neustädter siegreich zu begegnen und die Ehre Waltersburgs zu +retten sei. Er warb zunächst ein Heer. In dasselbe traten mit großer +Begeisterung außer dem Schulzensohn der Komponist Emmerich sowie der Maler +Methusalem vom Forellenhof, auch der Sänger Hagen Korrundt, der immer noch +bei uns nachtwächterte, und die gegenwärtigen Insassen unserer +Räuberhöhle. Diese letzteren waren vier fragwürdige Gestalten, die sich +Schinderhannes, Karaseck, Jaromir und Moor nannten, ein faules, +unordentliches Leben führten und nun froh waren, daß sie einmal etwas +Rechtes zu tun bekamen. Acht Mann und er, Piesecke, als Anführer gegen +fünf Neustädter – mit dieser beträchtlichen Übermacht, hauptsächlich aber +durch seine überlegene Strategie, hoffte der Nachkomme des +Napoleonbekämpfers den Sieg zu erringen. + +In der Räuberhöhle hat Piesecke seinen Plan entwickelt. Die Schlacht +sollte nicht am Gartenzaune stattfinden; denn erstens überlasse ein guter +Feldherr die Wahl des Schlachtfeldes nie seinem Gegner, sondern bestimme +selbst, wo er sich schlagen wolle, und zweitens könnte am Gartenzaun Vater +Barthel oder Frau Susanne dazukommen, und dann gäbe es ein Malheur. Anton +sollte vielmehr im Abendscheine mit seiner Braut weiter den Wiesenweg gen +Waltersburg hinabwandeln bis zweihundert Schritt hinter die nächste +Waldecke und daselbst dicht am Bach abwarten, bis er von den lauernden +Neustädtern angefallen würde. Alsbald würde er ihm mit noch sechs Mann zu +Hilfe eilen, die überraschten Neustädter würden – die Übermacht erkennend +und bedrückt durch ihr schlechtes Gewissen – die Flucht hinab gen +Waltersburg ergreifen wollen, aber da würden Moor und Schinderhannes, die +weiter unten in den Hinterhalt gelegt würden, hervorbrechen, den +Neustädtern den Weg verlegen und – die ganze Rasselbande sei gefangen. Er +wolle ein für die Neustädter sehr demütigendes Dokument aufsetzen, das die +Gefangenen unterzeichnen und in dem sie ihre völlige Niederlage zugeben +müßten, und dieses Dokument solle in der Räuberhöhle unter Glas und Rahmen +aufbewahrt werden als ein Zeichen, daß der langjährige Kampf zwischen +Waltersburg und Neustadt mit dem endgültigen Sieg der Waltersburger +geendet habe. Dem unbequemen Mitbewerber um Pauline aber werde man zu +einem unfreiwilligen Bad im Bach verhelfen, wodurch alle wärmeren Gefühle, +die die Jungfrau etwa in ihrem Herzen noch für den Gastwirt hegen sollte, +abgekühlt werden würden; denn er, Piesecke, wisse aus seinem eigenen +bewegten Leben aus vielen Fällen, daß nichts so sicher die Liebe des +Weibes ertötet, als wenn der Geliebte vor ihr lächerlich wird. + +Während dieser Ausführungen hatte Emmerich bereits auf dem Tisch einen +Siegesmarsch komponiert und Methusalem auf der einen weißgetünchten Wand +die Umrisse zu einem Triptychon großen Umfangs entworfen. Die Seitenteile +des Bildes sollten die „Tücke“ und der „Kampf“ heißen, das Mittelstück +aber „Der Sieg“. + +Die „Tücke“ würde Anton und Pauline im Dämmerlicht dahinwandelnd und von +den Neustädter Unholden belauert zeigen, der „Kampf“ eine besonders +dramatische Szene aus der Waldschlacht darstellen und das Mittelstück den +Sieg Waltersburgs in großer Apotheose feiern. Das Mittelstück war schon +etwas ausgeführt. Im Hintergrund der Forellenhof, auf einem Roß Piesecke +als Triumphator voranreitend, ihm folgend Anton und Pauline mit Kränzen im +Haar; als nächstes Paar die Vertreter der Künste, Emmerich mit der Harfe +und Methusalem selbst mit einem Farbentopf und Pinsel, zuletzt die +bärenhäutigen Kriegsgenossen. + +Und nun mußte die ganze Kriegsgenossenschaft stundenlang stillsitzen, da +der Maler sie zeichnete. Emmerich benutzte die Zeit, ihnen seinen +Siegesmarsch, zu dem er rasch eine Textunterlage geschaffen hatte, +einzuüben. + +„So“, sagte nach einer Stunde Methusalem, „der Sieg ist ganz und die Tücke +teilweise gesichert; fehlt bloß der Kampf.“ + +„Der wird gigantisch!“ rief Piesecke. + +Die Sache verlief nicht ganz programmäßig. Zwar gingen die Neustädter +wirklich in die Falle und überfielen Anton zweihundert Meter jenseits der +Waldecke, aber die Kerle rissen nicht – wie vorausgesehen – durch die +Übermacht erschreckt und ihr böses Gewissen beunruhigt aus, sondern +blieben da, und da sie sehr handfeste Burschen waren, verhieben sie die +Waltersburger jämmerlich. Das kam aber daher, daß sich die in Anrechnung +gebrachte Übermacht Waltersburgs alsbald in eine faktische Minorität +verwandelte; denn der Feldherr Piesecke wurde gleich bei Beginn der +Schlacht dadurch kampfunfähig gemacht, daß ihn ein riesenhafter Neustädter +Bräuknecht in die Höhe hob und in den Bach warf; Methusalem konnte sich an +dem Ringen auch nicht beteiligen, da er etwas abseits stehen und die Szene +mit dem Bleistift in rasender Geschwindigkeit in seinem Skizzenbuch +verewigen mußte, und der Musiker Emmerich fühlte sich dazu berufen, +ebenfalls abseits zu stehen und den Mut seiner Kameraden durch Absingung +seiner Siegeshymne anzufeuern. So kämpften nur der Sänger Hagen Korrundt, +der Bräutigam Anton und die Raubgesellen Karaseck und Jaromir, die aber – +da sie in ihrem Privatberuf Wiener Gigerls waren – gegen die rohe Gewalt +der Neustädter Raufer nicht aufkamen. Es gab fürchterliche Prügel, und der +Maler Methusalem rettete Waltersburgs Ruhm nur dadurch, daß er +nachträglich seine Schlachtskizze umkehrte, wodurch alle, die unten lagen, +nach oben kamen, und umgekehrt. Moor und Schinderhannes, die hundert Meter +weiter unten im Hinterhalt lagen, um den Neustädtern den Rückzug +abzuschneiden, hörten den Skandal, lugten um die Baumstämme, kamen aber +nicht zu Hilfe, da sie doch eben im Hinterhalt zu liegen hatten. + +Wer weiß, wie schrecklich diese Schlacht bei Waltersburg noch ausgelaufen +wäre, wenn nicht eine starke auswärtige Macht sich eingemischt hätte. +Durch den Wald erscholl plötzlich eine scharfe Stimme: + +„Pauline! Pauline!“ + +Pauline hatte bis jetzt an einer Birke gelehnt und zu einem Vierteil mit +Entsetzen, zu drei Vierteilen aber mit Stolz zugesehen, welch grauses +Männerwerk da für sie und um sie getan wurde. Als sie nun aber die rufende +Stimme hörte, schrie sie: + +„Um Himmels willen, die Mutter! Macht, daß ihr fortkommt!“ + +Drauf rissen erst die beiden Bräutigame aus, und mit ihnen verlor sich +rasch ihr Anhang. Pauline eilte nach Hause zu und bekam von ihrer +energischen Mama ein paar Ohrfeigen, weil sie sich „herumgetrieben“ habe; +alles Mannesvolk aber flüchtete gen Waltersburg. + +Und da hat es sich begeben, daß der Neustädter Gastwirt, der den Rückzug +der anderen deckte, als er sich außer Frau Susannes Ruf- und Sehweite +fühlte, doch noch in die Hände der Waltersburger fiel. Sechs Mann haben +ihn gefangengenommen und ihn nochmals verprügeln wollen. Aber Methusalem +hat gesagt: + +„Pst! Man darf sich an einem geschlagenen tapferen Feinde nicht +versündigen! Man soll ihn vielmehr ehren. Deshalb werde ich dem Feinde +jetzt mit der schönen grünen Farbe, die ich in diesem Fläschchen habe, +einen Lorbeerzweig auf die Stirn malen.“ + +Der Gastwirt hat mit Händen und Füßen geschlagen, aber sechs Kerle haben +ihn gehalten, und Methusalem hat ihm einen Lorbeerzweig auf die Stirn +gemalt. Mit Ölfarbe! + +Der Gastwirt hat sich in Neustadt nicht mehr sehen lassen können und nach +drei Tagen Selbstmordgedanken gehabt. Da hat ihm Methusalem ein Mittel +geschickt, durch das er die unerwünschte Ehrung abwaschen konnte. + +Aus dem Triptychon ist nichts geworden. Nur eine schöne Bleistiftskizze +von Methusalem, auf der alle Waltersburger oben liegen, ist unseren +Sammlungen einverleibt und zeugt von der Schlacht auf unseren Gemarkungen, +die sich gegen den Erbfeind Neustadt abgespielt hat. + +Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor +Nässe, und alle Schwachheit und Feigheit der Kämpfenden sowie die +Niedertracht der nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit +einem einzigen, aus seinem hochfürstlichen Mund hervorzischenden Wort +charakterisiert: + +„Plebs!“ + + + + + + HERBST + + +Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn +ich es überschaue, erfüllt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der +äußeren Erfolge wegen. Unser Unternehmen steht glänzend da. Wir haben +lange nicht alle aufnehmen können, die zu uns kommen wollten. Die Ernte +auf den Feldern und in den Gärten war gut, unsere Bauern sind zufrieden, +und unsere Kassen und Kasten sind gefüllt. Vieles, ja das meiste, verdankt +dieser äußere Erfolg der glänzenden Organisation, die Stefenson dem Ganzen +gegeben hat und die er von Amerika aus geleitet und weiter ausgebaut hat, +wenn auch der Sonderling noch immer nicht nach Europa zurückgekehrt ist. + +Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, daß kaum +einer unserer Kurgäste ohne großen gesundheitlichen Gewinn von uns +fortgezogen ist. Das bestätigt meine eigene Erfahrung, das bestätigen +meine Kollegen, das sagen vor allem unsere Kurgäste selbst, die schweren +Herzens Abschied nehmen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem +Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld zurückerhalten, liegen diese Dinge kalt +und fremd in ihren Händen, und wenn sie im „Zeughaus“ ihre eigenen Kleider +wieder anlegen und, ohne noch einmal umkehren zu dürfen, durch die große +Hinterpforte auf die Straße gelassen werden, wo der Wagen wartet, stehen +die meisten befangen da wie ängstliches Volk, das zum ersten Male in die +Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch haben sie sich in ihren +Ferien vom Ich gefühlt. + +Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und +sagen, daß sie draußen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft +gehörten Einwand begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, +theatralische Sache, so beklagten sie alle diejenigen, die nicht wüßten, +wie herzstärkend und verjüngend die Rückkehr zu kindlicher Schlichtheit +sei und wie sie gerade vom Theatralischen erlöse, von der bösen, so +raffiniert eingeübten und so schwer zu spielenden, immer aber im tiefsten +Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ... + +Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte +ärztliche Kunst sowie durch die Gemütsruhe und Herzensheiterkeit, die sie +umfing, die besten Erfolge gehabt. + +Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Fröhlichkeit stirbt deswegen +nicht aus. + +Diese großen Kinder der Welt fühlen hier alle die tiefe Schönheit des +Herbstes, von dem sie früher nichts wußten, als daß mit seiner Ankunft +„Neuanschaffungen“ nötig seien, die Gasrechnungen höher wurden und die +Theater- und Konzertsaison beginne. + + ------------------------------------------------------- + +Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgäste will ich +schildern, wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verläuft. + +Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern +rüttelt und welkes Laub und dürre Zweige an die Scheiben warf, hat sich +das Menschlein fest in die Decke gehüllt und mit großen Augen ins Dunkle +gestarrt. Langsam ist seine Phantasie an Bord eines schwarzen +Wolkenschiffes gegangen, das durch das kalte Meer des Himmels fuhr zu +einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand am Steuer des Schiffes; +müde, schweigende Seelen lehnten oder saßen an seinen Bordwänden. Lautlos +glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und wilde Gänse +schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie große +Möwen, und ihr weißes Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter +dem Wolkenschiff war der große Ozean der Luft. Menschenhäuser lagen wie +Muscheln auf dem Meeresgrund, die Wälder standen wie seltsames wirres +Gewächs wilder Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine +Insel, um die das Wolkenschiff herumschwimmen mußte. Von der Insel glimmte +das Licht einer Berghütte her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem +Strandhaus. Ein Felsen ragte auf wie eine Klippe, an der ein +unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. Das Luftmeer rollte, grollte, +stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der Nacht hin und her. Die +wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schönheit. Immerzu, immerzu +ging es vorwärts. Da drang ein Läuten aus der Tiefe. Irgendein Vineta lag +drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun wurde ein lichter +Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weißen Berge des Morgens. +Und im Morgenlande lag die Heimat. + +Da fielen dem Träumer die Augen zu – er stieg herab von dem dunklen Schiff +–, stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, +und die guten Freunde kamen und schüttelten ihm die Hände. + +Er erzählte ihnen, wo er gewesen sei. + +Da klopfte es an die Tür. + +„Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!“ + +Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf +einem Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im +Ferienheim, richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe. + +Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein +feiner Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wäre es wohlig, noch eine oder +zwei Stunden zu schlafen. Ach, bloß noch ein paar Minuten! Sacht beginnt +„Gottfried“ wieder einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das +Bewußtsein vom letzten Faden lösen will, schrickt er auf und springt mit +beiden Beinen aus dem Bett. Er wird sich doch nicht von dem Barthel – dem +Bauern – einen Meldezettel an den Arzt schreiben lassen wie ein +Schuljunge, der was „pexiert“ hat, von seinem Lehrer. Dieser Barthel ist +ein ganz netter Kerl, aber er „klemmt“ einen sofort, falls man über die +Hausordnung hinweggeht. Und es ist so blöd, sich dann beim Doktor +entschuldigen zu müssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch in die alten +Pennälerängste zurücksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen hält man +sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das +Waschwasser ist kalt. Warmes müßte extra verordnet werden. Und man schämt +sich hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Bedürfnisse +erkennen lassen will. Es paßt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe +heißt. Eigentlich war’s doch schön im Traume, so plötzlich zu Hause zu +sein. Wie sie alle zärtlich und besorgt waren und nach den Augen schauten, +ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier war das anders, hier hieß es nicht +wünschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war’s ja nicht, wenn man manchmal +ein bißchen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts von Hause erfuhr. +Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die erste +Nachricht. „Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter +Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, daß Du +Dich völlig erholst. Mit treuen Grüßen Dein Weib und Deine Kinder.“ Das +war alles. Es war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der +Kurdirektion; aber Details fehlten gänzlich. Ob nun Fritzchen im +Griechischen auf das volle „Genügend“ gekommen war, ob Lenchen während der +Ferien zum Großvater reiste, ob der Kollege Neumann sich wirklich den +Adlerorden erschlichen hatte, wer Stadtverordnetenvorsteher geworden war, +wie die Elektrizitätsaktien standen – ah, kein Wort! Das ging ihn +wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried Stumpe. Auf die +gewohnte Anrede „Herr Amtsgerichtsrat“ hatte er beinahe völlig vergessen. +Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war einfach Gottfried. + +„Gottfried“, hatte gestern die dicke Susanne gesagt, „helfen Se mir mal +meine Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muß die Butterrechnung +schreiben.“ + +So wurde man sogar zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen. „Man“, +der Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft überhaupt dieses Weib, die Susanne, die +Brille verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art +Soldatengurt gestiftet, daran hängt wie eine kleine Säbelscheide das +Brillenfutteral. Da soll sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber +sie trägt das Koppel nicht, sie hat es dem Methusalem um die Ohren +schlagen wollen. + +Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel +Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von +hinten. Er sagt, er hätte einen interessanten Rücken. + +Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von +ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er längst +aufgegeben. + +Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete +Dackel, verbeißt sich in die herabhängenden Hosenträger und zieht und +zerrt daran. „Man“ macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten +ausschlagen wollen, verliert dabei seinen Pantoffel und bemerkt, daß der +Dackel die Hosenträger jählings losläßt, sich auf den Pantoffel stürzt und +mit ihm unter dem Bett verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der +Pantoffel gehört der Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. +Einfach oktroyiert! Er hat Hunde nie leiden mögen. Schon gar nicht als +Schlafkumpane. Er hat sie immer als wandelnde Flohfabriken verabscheut. +Methusalem hat neulich einen „wissenschaftlichen“ Vortrag im Rathaussaal +gehalten und vorher durch öffentlichen Anschlag angekündigt. Das Thema +lautete: „Kann der Mensch (_homo sapiens_) von dem Hunde (_canis +familiaris_) einen Floh (_pulex irretans_) erhalten?“ Er – Amtsgerichtsrat +_Dr._ – nein, Gottfried Stumpe, hat den Blödsinn nicht mitmachen wollen. +Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und – +um die Zeit totzuschlagen – hingehen wollen. Aber da hat es geheißen: Der +Saal sei überfüllt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am +Rathaus eine „Rezension“ des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor +Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natürlich Blech! Am +Schluß hat es da geheißen: „So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, +hinreißenden Art aufs überzeugendste nach, daß Hunde- und Menschenfloh +zwei ganz verschiedene Spezien sind, daß es einem Hundefloh niemals +einfalle, die schön behaarten Jagdgründe seiner tierischen Pfründe +freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten Parkett der Menschenhaut +unglücklich zu debutieren; daß dem Hundefloh das tierische Blut viel +besser munde als das menschliche; daß ein bei einem Menschen gefundener +Hundefloh eine außerordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten darstelle, +der höllisch an Heimweh leide, kurz, daß wohl ein Dackel von einem +Menschen einen Floh bekommen könne, aber nicht umgekehrt. Eine Resolution, +die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehörige der +Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, daß ein _pulex +irretans_ vom _canis familiaris_ freiwillig zum _homo sapiens_ übergehe, +auszurotten, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die +ohnmächtige geringe Opposition wurde ausgelacht.“ + +Das war also ein „wissenschaftlicher Vortrag“ in diesen Ferien vom Ich. + +Verrückt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die +Plätze! + +Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt – +mit elenden Plüschüberresten in der Schnauze – höchst durchtrieben unter +dem Bett hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun +Keile oder nicht? + +Er schlägt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen. + +Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Früher würde er gekollert +haben. Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten +sehr egal sind. + +Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter +dem Bett, dann kommt er näher, macht ein äußerst treuherziges Gesicht, +wedelt mit dem Schwanze und bietet das Bild unverdächtigster +Harmlosigkeit. Gottfried sieht ihn an, beschließt, die abscheuliche +Heuchelei zu übersehen und sagt einfach und gelassen: + +„Du bist ein Schweinekerl!“ + +Der Dackel blinzelt nach dem Fuße, auf dem sein „Herrchen“ in bloßen +Socken steht, nimmt den „Schweinekerl“ als etwas ganz Selbstverständliches +hin und springt dann zärtlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in +die Höhe. Und der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so +lose sitzt wie ein viel zu weiter Anzug. + +„Gottfried, mähren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkälten +sich!“ + +Das war Vater Barthel. „Mähren“ hatte er gesagt. Der Mann war nicht +satisfaktionsfähig. Wenn ihm früher mal einer „Mähren Sie nicht so lange“ +gesagt hätte! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel _contra_ Karsubke +wegen eines Objektes von drei Mark und fünfzig Pfennig neun Termine +ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte! + +Tja – Ferien vom Ich! + +Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen +erleuchtet. Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum +ist es wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, +sehen alle aus wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust – +halbbeleuchtete Höhlengesichter, die sich an den dunkel bleibenden Wänden +doch hell abheben. Alles im Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, +ein Wissen und Bekennen: draußen ist Nacht. Alles andere grellere Licht +lügt den Tag vor. + +Im Hausflur unten sagt die hübsche Magd Emilie: „Hoppla!“, weil Herr +Gottfried an ihre Milchkanne stößt. Und dann tritt er in die große +Bauernstube. Da umfängt ihn das ganze große Behagen des zu früh Erwachten, +der in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um +den Tisch sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, +andere löffeln Milchsuppe. Er suppt. Susanne muß ihm den hübschen, +wahrhaft künstlerisch geformten Napf zweimal füllen. Die +Frühstücksunterhaltung ist spärlich und nüchtern wie überall. Zu Hause +würde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung dazu lesen. Das bißchen +Koffein würde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber daß er die Zeitung +wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknüllt an die Wand schmeißen würde +– das wäre schlimmer. Hier gibt’s keine Zeitung. Es geht auch so. Sollten +Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist’s ihm völlig egal, +wer dabei zugrunde geht, gleichgültiger als der vom Dackel zernagte +Latschen. + +Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein „Sauwetter“ würde er zu +Hause sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und +auf dem schnellsten Wege zur Straßenbahn trachten, um zum Gericht zu +fahren. + +Hier – Gottfried Stumpe – oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel +besser, und er hat Dünger fahren müssen. Die Arbeit verteilt Vater +Barthel. Gottfried glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls – +das steht fest – dieser Methusalem wird immer bevorzugt. Ist’s schön und +warm, daß er auf dem Kartoffelfelde Allotria mit dem Weibsvolk treiben +kann, geht er hinaus; regnet es und bläst der Wind, wird er zu häuslichen +Arbeiten verwandt. Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. +– nein, Gottfried Stumpe, hätte nie gedacht, es nötig zu haben, sich um +das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne +bemühen zu müssen. Er verschmäht auch alle Liebedienerei, um sich +Vergünstigungen zu verschaffen. Dieser Methusalem – er ist ja sonst ein +netter Kerl – ist schon fünf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; +denn er soll Frau Susanne auf einem Schaffboden in einer fabelhaft +geschmeichelten Weise porträtiert haben, daß er, trotz gelegentlicher +Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. Denn Susannes Bild hängt +jetzt in einer Münchener Ausstellung; das schmeichelt natürlich solch +alter Schachtel gewaltig. + +Die dicke Lene drüben am Nachbartisch – Gottfried müßte sich furchtbar +täuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt +hätte – sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei über seine +Uhrkette, die ein klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet +hat. Aber Barthel, der ein geriebener Patron ist, merkt den Braten und +sagt: + +„Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schön; aber Rüben abkloppen +müssen Sie heute trotzdem.“ + +„Es ist so furchtbar kalt!“ stöhnt die Dicke. + +„Lene“, belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; „es is kalt, das is wahr. +Aber Sie sind hier, um dünner zu werden, und Kälte zieht die Körper +zusammen.“ + +Sämtliche Frühstücksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als +er Dünger fahren mußte, hat er sich bloß damit getröstet, daß es die +Arbeiter auf dem Rübenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rüben aus +dem naßkalten, manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu „klopfen“, +damit überflüssige Erde abfällt, und sie für den Wagen zu sammeln, ist an +solchen Regentagen keine schöne Arbeit und nichts weniger als Manikure. +Die Finger werden blaurot. Nur Pulswärmer helfen etwas. Scheußlich. Er – +Gottfried – freut sich auf seine Düngerfuhre. Da pendelt er so langsam +neben seinen beiden nachdenklichen Rößlein einher, und der Ammoniakgeruch, +den seine Ladung ausströmt, stört ihn nicht. Der soll sogar ausgezeichnet +gesund für die Lungen sein. + +„Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!“ hört er Vater Barthel weiter +reden. + +Richtig! Es regnete – folglich blieb Methusalem im Trockenen. + +Gottfried haßte in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den +Kollegen gehaßt hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche +Leute verstehen es eben, immer „nach oben“ zu schielen. + +„Oben“ – das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne. + +Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei. + +„Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein +Bild auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!“ + +Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern +fleißig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Briefträger in die +Stube. Er hatte eine riesige Tasche umgehängt, und in dieser Tasche +steckte ein einziger Brief. + +„Herrn Methusalem auf dem Forellenhof.“ + +Methusalem öffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie +ohnmächtig auf die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. +Barthel hob den auf den Fußboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne +weiteres vor: + + + + + + + „Sehr geehrter Herr! + +Ihre von der gesamten Fachkritik glänzend beurteilte Zeichnung ‚Bäuerin +auf dem Schaffboden‘ ist heute für den Preis von fünftausend Mark verkauft +worden. + + Die Ausstellungsleitung.“ + + + + + + +Große allgemeine Verwundernis. + +Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors +Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte: + +„Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, daß du so ’ne interessante +Frau bist!“ + +Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers. + +„Kinder“, sprach er mit zerknirschter Stimme, „ihr alle kennt mich und +werdet daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes +Jahr bin ich alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun +werd’ ich plötzlich ein Krösus. Daß ich in der kurzen Spanne Zeit meines +irdischen Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben +kann, werdet ihr einsehen. Und doch muß sie mangels jeglicher Leibeserben +weggeschafft werden. Ihr könnt glauben, daß dieser Fall mein Gemüt hart +bedrückt. Doch werden wir Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu +feiern, bis ich von dem Alp des Geldes erlöst bin.“ + +Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über +Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere +widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging +Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin +und her. + +„Denken Sie doch, Frau Susanne – fünftausend Mark – in München auf der +Ausstellung! Für Ihr Bild!“ + +„Ruhe!“ kommandierte Barthel. „Wir müssen wieder an ernste Dinge denken. +Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr’n ’runter nach Waltersburg +zum Kaufmann Scholz und hol’n das Fäßchen Heringe ab, das ich bestellt +hab. Lassen Sie sich’s aber recht festbinden, daß es nicht ’runterkugelt!“ + +„Jawohl!“ + +„Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen.“ + +Vierstimmiger piepsiger Frauenchor: + +„Jawohl!“ + +„Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann +Henschel werden Äppel pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe werden die +Äppel nach der Äppelkammer tragen.“ + +Septett: „Jawohl!“ + +„Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im +Winkel wird helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; +Piesecke kommt zwei Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, +Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias +Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene und Joachim Hans von Ziethen +helfen beim Rübenabkloppen. Fehlt noch jemand?“ + +Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein Gottfried Stumpe, erhob sich. + +„Ich!“ + +„Ach so – Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Rübenabkloppen.“ + +Gottfried erblaßte. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hörte nur noch mit +beißendem Ingrimm, daß Barthel den Methusalem aus Anlaß seines Briefes +einen Tag beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurück. + +„Nimmermehr!“ rief er pathetisch, „denn sehen Sie, Vater Barthel, eine +ungeheure Lebenslust, ein Kraftüberschuß durchströmt plötzlich meinen fast +tausendjährigen Leib. Ich komme mir vor wie ein Fünfunddreißiger. Wo soll +ich hin mit der Freud? Austoben muß ich mich. Und das kann ich nur, wenn +ich Holz hacke. Ich will keinen Urlaub, ich hacke Holz!“ + +Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklärte Barthel das Frühstück für +aufgehoben. Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den +Badehäusern, um ihre „Anwendungen“ zu machen. Auch Gottfried Stumpe +schritt hinaus in den fein sprühenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. +Auf seinem Kurzettel stand heute ein zehn Minuten langes Bedampfen des +Magens (er litt an Magennerven), dann ein Bürstbad mit nachfolgendem +kühlen Abguß. Was so die Nervösen bekommen! Früher war er auch massiert +worden und hatte im Gymnastiksaale turnen müssen. Jetzt fiel das weg. +Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anständiger Behandlung. +Jetzt mußte er einfach arbeiten. Rüben abkloppen. Mit Mägden und alten +Weibern zusammen. Scheußlich! + +Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen ließ. +Daß man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! +Solche Schweinerei, wie Rüben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich +nicht mit! Man reiste aber nicht ab. Man wußte, daß sich die Kurverwaltung +aus einer Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf +warteten, neu eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei +dem Gedanken: sie brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war +nicht zu leugnen, daß man hier absolut von Grund auf gesünder wurde. + +Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann mußte er sich +nach der kühlen Abgießung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte +er eine halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses +verpusten. + +Dann aber mußte er unwiderruflich aufs Feld. + +Rüben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Sprühregen aufhörte. Ein +einziger Trost war, daß bei solchem Wetter das Äpfelpflücken vom nassen +Baum auch kein Heidenspaß war. + +Wie kämen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel +dazu, daß sie ... + +Neid und Mißgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich +oft schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch +schon zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und +gekollert, mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja +mit Weib und Kind. Die Fliege an der Wand ärgerte ihn, das Klopfen des +Regens ans Fenster regte ihn auf. Jetzt – wer diesen Dackel und diesen +Vater Barthel vertrug, ohne tobsüchtig zu werden, mußte schon sehr gesund +sein. + +Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom +Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem +er wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen +an einem Waldrande getroffen, jeder mit einem Körbchen und einem Messer +bewaffnet, hatten einander gegenübergestanden und gelacht. Dann hatten sie +sich einander vorbestellt: „Emanuel Geibel vom Sonnenhof – Gottfried +Stumpe vom Forellenhof. Freut mich! Freut mich!“ Und am sonnigen Waldrande +gesessen und geschwatzt. Allmählich aber waren sie in zivilisiertes +Gespräch gekommen, auf Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, +auf hohe, schließlich auf ganz hohe Politik, dann noch höher hinauf auf +die Kunst, haben sogar einen etwas torkeligen Aufstieg in metaphysische +Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen der Philosophie und Religion +verklettert und sind dann mit einem waghalsigen Sprung auf die letzte +Gipfelhöhe der Menschheit gesetzt – auf den im Blauschnee glitzernden, +aller gewöhnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar der +heiligen Jurisprudenz. + +Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel +entpuppte sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter +Verstandesmensch, als einer, der nicht nur über den Hanswurst, den +jetzigen Justizminister, spottete, der mit seinem geistigen Zwergenmaß die +Riesenschleppe des Ministertalars gar zu possierlich schleifte, sondern +der auch an die Dogmen der anerkanntesten juristischen Größen mit geradezu +souveräner Überlegenheit die Sonde legte. Wie er allein über Liszt +urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, daß der Mann, der sich unter dem +Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Größe der +Rechtswissenschaft war, hoffentlich der künftige Minister. Dann würde +vieles an den unhaltbaren verrotteten Zuständen der heutigen Rechtspflege +gebessert werden. So beschloß der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber +gar keine, als eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern +reden zu lassen und ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise durchschimmern zu +lassen, daß er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige +Gegenströmungen ins Dunkle gestellt worden sei und gewissermaßen auch +etwas mit der Jurisprudenz zu tun habe; drittens privatim sich als +Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie Emanuel Geibels zu erwerben. Das +alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel sogar mit ihm Brüderschaft +gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen Verstand ein +poetisches Gemüt, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen hatte, von +denen jedes mit Schwefelsäure getränkt war, konnte plötzlich +traumversunken stehenbleiben und seufzen: + + „Oh, darum ist der Lenz so schön + Mit Duft und Strahl und Lied, + Weil singend über Tal und Höh’n + So bald er weiterzieht.“ + +Oder, weil ihm eben einfiel, daß gar nicht Frühlingszeit sei: + + „Herbstlich sonnige Tage, + Mir beschieden zur Lust, + Euch mit leiserem Schlage + Grüßt die atmende Brust. + Oh, wie waltet die Stunde + Nun in seliger Ruh; + Jede schmerzende Wunde + Schließet leise sich zu.“ + +Der eiskalt schließende Jurist hatte sich ganz in die süßen, goldenen +Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des +Dichters Namen für seine Ferien vom Ich gewählt. Die Gegensätze berührten +sich auch hier. + +Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem +feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgießung „trocken lief“. Die Begegnung +war nicht ganz zufällig. Gottfried wußte, daß Emanuel abreiste. Er habe +nur sechs Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er könne nicht länger +abkommen. Natürlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kräfte. + +Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum „Zeughaus“ hinunter. + +„Nun gehe ich da hinein“, sagte Emanuel traurig, „und komme nicht mehr +durch diese Tür in unser liebes Heim zurück, sondern trete auf der anderen +Seite in meinem Weltanzug auf die Straße hinaus, die ins kalte Leben +zurückführt. Ach, mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, +wir wären jetzt oben im Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern +gehabt.“ + +Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder +vom Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben: + + „Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt, + Das ist ein großes Leiden, + Wie’s größ’res nimmer gibt; + + Es klingt das Wort so traurig gar: + Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar! + Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt.“ + +Wohl verwunderte sich Gottfried über diese große Zartheit, aber sie packte +ihn, und die Augen wurden ihm feucht. + +Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite würde er nun +hinaus auf die Straße treten, die aus diesen friedlichen Ferien +zurückführt in die harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus +herum und gelangte durch ein Seitenpförtlein ebenfalls hinaus auf die +Straße. Er wollte den Freund noch einmal sehen. Mochte er zu spät auf +Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei. + +Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast hätte ihn Gottfried in dem +nüchternen Reiseanzug nicht erkannt. + +„Ah, da bist du noch!“ + +„Ja, ich wollte dich noch einmal sehen.“ + +„Das ist lieb von dir!“ + +Emanuel zog die Uhr – eine einfache silberne Taschenuhr. + +„Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zählt +Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da dürfen einem +nur eine Glocke oder der Großknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spät +es ist. Und dann das Geld, das bedrückt mich am meisten. Was soll ich mit +den paar Kröten tun? Mir eine Burg des Glücks davon bauen? Lieber Gott!“ + +„Du wirst noch hoch hinauf kommen!“ tröstete ihn Gottfried. + +„Nein!“ sagte Emanuel bitter. „Da drinnen, da ist es ja geboten, über das +eigene Ich zu schweigen. Aber hier draußen auf der Landstraße will ich +mich dir gegenüber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Hätt’ gern +studiert. Aber wie ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da mußte +ich abgehen von der Schule. Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretär +am Amtsgericht zu H.“ + +„Emanuel!“ + +Gottfried rang die Hände ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser +Ministerstürzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstürzler von +oben! Ein Sub – sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch +wüßte! + +„Emanuel!“ + +Gottfried stand so verdattert da, daß in die weichen Züge Emanuel Geibels +wieder die essigsaure Schärfe trat, die aber doch nur zu den resignierten +Worten führte: + +„Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel – wer wir +draußen sind, braucht uns nicht mehr zu kümmern, braucht Sie nicht zu +genieren.“ + +„Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein“, sagte Gottfried noch ganz benommen. + +„Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche +Kur zu wünschen“, sagte Emanuel höflich, verneigte sich, ergriff seine +kleine Handtasche und wollte gehen. + +Da aber hatte ihn Gottfried am Arm. + +„Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde – auch draußen –, verstehst du? +Von dem blödsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden.“ + +Emanuel setzte die Handtasche auf die Straße. + +„Ich danke dir!“ sagte er schlicht, aber in tiefer Freude. + +Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, +das jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Rübenfelde. +Da waren die Leute fleißig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, +der auch zum Rüben „abkloppen“ kommandiert war, sprang in kühnen +Husarensprüngen über ein lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich +warm zu machen, in Wirklichkeit aber – wie der Amtsgerichtsrat mit +neidischem Grimm bei sich feststellte –, um sich von der Arbeit zu +drücken. + +Zehn Minuten später sprang er mit über das Feuer, bis von ferne die +Gestalt Barthels auftauchte. + +Da begaben sich die beiden Drückeberger schleunigst an die Arbeit. + + + + + + VON DER WEIBLICHEN PUTZSUCHT UND HERRN PIESECKES LEIDEN + + +Gestern vormittag traf ich die kleine Luise, die sich eben von einem +Haufen spielender Kinder trennte. + +„Willst du schon aufhören zu spielen, Luise? Die Sonne scheint doch so +schön.“ + +„Ich will zu meiner Mamma.“ + +„Zu deiner Mamma?“ + +„Ja, nach Hause!“ + +„Sagst du zu Magdalena jetzt Mamma?“ + +„Ja. Alle Kinder haben eine Mamma. Ich will auch eine haben. Meine Mamma +soll Magdalena sein.“ + +„Hast du deine Mamma lieb?“ + +„Lieber wie dich!“ + +Das klang nicht frech, nur tief überzeugt. + +„So. Hm. Lieber wie mich! Das glaube ich gern. Ihr spielt wohl schön +zusammen?“ + +„Nein, wir schneidern. Wir machen ein Kleid für mich. Aber es paßt immer +nicht richtig, weil Mamma das Schneidern nicht gelernt hat, und da will +uns jetzt die Selma kein neues Zeug mehr geben.“ + +Selma ist die Beherrscherin unserer weiblichen Schneiderei, eine etwas +schwierige Alte. Das Mädchen ging neben mir her. Mit großer Munterkeit +sagte sie: + +„Wenn Pappa Stefenson da wäre, würde er die Selma mächtig ausschimpfen, +weil sie sagt, es ist zu teuer, wenn man für ein Kinderkleid vierzig Mark +verbuttert und nichts zustande kriegt. Ach, es wird doch so schön! Wir +nähen alle Tage neue Schleifen dran.“ + +„Ich werde mit der Selma sprechen.“ + +„Ja? Wirst du wirklich? Fürchtest du dich nicht? Dann sage ihr, wir müssen +ein Meter schottische Seide haben und unten ein bißchen Pelzbesatz. Ich +hab mir’s so ausgedacht: oben an dem Kleid will ich einen Matrosenkragen, +in der Mitte will ich schottische Seide und unten Pelzbesatz. Das wird +sehr fein!“ + +„Ja, das glaube ich. Will das deine Mamma auch so?“ + +„Mamma will so, wie ich will.“ + +Das war das Mädel, das vor einem Jahr in der Berliner Ackerstraße +Schnürbänder verkaufte! Die Erinnerung an diese elende Vergangenheit ist +in ihr völlig erloschen. Gut so! Und auch ihre Kleiderwünsche verstand +ich. Die Kinder hupfen bei uns alle in einer gesunden, einfachen Tracht +umher. Aber ein Mädchen hatte geprahlt, es hätte zu Hause ein +Matrosenkleid, ein anderes hatte sich mit einem Kleide mit schottischer +Seide großgetan, ein drittes sogar von Pelzbesatz gefabelt. So war in +Luise der Wunsch entstanden, alle diese Herrlichkeit in einem einzigen +Kleid zu vereinigen. Die Weibermode setzt über die höchsten Mauern, die +man um ein Ferienheim ziehen kann. Dagegen läßt sich nichts tun. Auch +unsere weibliche Ferienkleidung wird mit tausend Spitzfindigkeiten +„modernisiert“ und „stilisiert“. Was man allein mit einer heimlich +angebrachten Sicherheitsnadel alles „raffen“ kann, wieviel „Schick“ man +durch solch einfache Mittel in die vorgeschriebene Gewandung bringen kann, +grenzt ans Wunderbare. Wenn in meinem Ferienheim überhaupt mal ein +Aufstand entstehen sollte, wird es eine Frauenrevolution sein. Anfangs +wollte ich für alle weiblichen Feriengäste ein und dieselbe Tracht. Aber +selbst Selma, die, eine Aszetin an Einfachheit und an Grobheit, einem +preußischen Kammerunteroffizier, der Helme und Stiefel „anprobiert“, weit +überlegen ist, kam mir schließlich mit dem Vorschlag, vier verschiedene +„Modelle“ müßten eingeführt werden, eines für die Dicken, eines für die +Dünnen, eines für die Langen, eines für die Kleinen. Damit habe ich mich +einverstanden erklärt; inzwischen ist bereits noch durchgesetzt worden, +daß die Blonden blaue, die Schwarzen rote Blusen bekommen. + +Für die kühlen Abende werden farbige Umschlagtücher geliefert. Oh, wie +groß sind die Wunder der Schöpfung! Manche unserer Damen drapieren das +Tuch vom Gürtel abwärts um den Kleiderrock, die meisten tragen das Tuch +rechts oder links über die Schulter malerisch geworfen, andere machen sich +eine „ungarische Schürze“ daraus, wieder andere eine Muff; Turbane um den +Kopf werden ebenso geschickt aus dem Tuch hergestellt wie schlichte +Nonnenschleier; einige tragen das zusammengelegte Tuch nur über dem Arm, +und einige wenige greifen auf den ursprünglichen Zweck zurück, die +schlagen das Tuch um die Schultern. + +Dr. Michael hat die Putzsucht der Frauen für eine unheilbare Krankheit +erklärt. Ich bin nicht seiner Meinung. Diese Putzsucht ist keine +Krankheit, sondern eine Naturnotwendigkeit; das Weib muß sich putzen, so +wie sich das Kätzchen beschlecken muß. + + ------------------------------------------------------- + +Neulich kam Piesecke zu mir, außerhalb der Sprechstunde. Er war noch +erregter, als er sonst oft ist, und sprach zunächst eine Menge wirres Zeug +durcheinander, aus dem hervorgehen sollte, daß er der unglücklichste +Mensch der Welt sei. Ich unterbrach ihn. + +„Piesecke, ich glaube jedes Wort, was Sie sagen, aber sprechen Sie +langsamer! Sprechen Sie recht gelassen! Sagen Sie mir ohne alle +Umschweife, was los ist.“ + +Er rang die Hände ineinander und jammerte: + +„Ach Gott, ich liebe sie, ich liebe sie!“ + +„Wen? Mich?“ + +„Ach, doch nicht Sie, sondern sie!“ + +„Also Hanne vom Forellenhof.“ + +„Woher wissen Sie ...?“ + +„Ich weiß es. Sie haben sich oft genug auffällig benommen.“ + +„Und wissen Sie auch, daß sie fortzieht?“ + +„Ja, morgen nachmittag. Sie hat ein gutes Engagement an ein Stadttheater +bekommen.“ + +„Ich ertrag es nicht; oh, ich ertrag es nicht. Sehen Sie, Herr Doktor, Sie +können machen mit mir, was Sie wollen, Sie können der beste Arzt der Welt +sein, Sie können hundert Sanatorien für mich bauen, wenn mich dieses +Mädchen verläßt, bin ich verloren.“ + +„Gruselig!“ + +„Was sagten Sie?“ + +„Gruselig!“ + +„Herr Doktor, spotten Sie nicht! Diesen Verlust ertrage ich wirklich +nicht; er bedeutet mein Ende.“ + +„Dann wird in Ihrer Landeszeitung ein schöner Nekrolog über Sie +erscheinen.“ + +Er war empört. + +„Sie haben kein Herz für mich. Aber es ist gut, daß Sie von unserer +Landeszeitung gesprochen haben. Schließlich bin ich doch ein Prinz!“ + +„Hier nicht! Hier sind Sie Piesecke.“ + +„Das weiß ich; aber ich vergesse nicht, was ich draußen bin. O nein! Sehen +Sie, und das habe ich ihr gesagt.“ + +„Was? Wem?“ + +„Der Hanne habe ich gesagt, daß ich ein Prinz bin.“ + +„Sie sind wohl verrückt geworden, Piesecke. Auf solche Indiskretionen +steht die Strafe der Entlassung aus unserer Anstalt.“ + +„Schimpfen Sie nicht, Herr Doktor; ich bin heute schon genug ausgeschimpft +worden.“ + +„Was hat denn Fräulein Hanne zu Ihrer Quasselei gesagt?“ + +„Ausgelacht hat sie mich. Sie hält mich für einen Sargfabrikanten aus +Hannover. Stellen Sie sich vor, Herr Doktor, ausgerechnet für einen +Sargfabrikanten hält sie mich.“ + +„Das Geschäft eines Sargfabrikanten ist ein sehr ehrbares.“ + +„Ach Gott, nun sind Sie auch noch gegen mich. Und ich hatte meine ganze +Hoffnung auf Sie gesetzt. Sie sollten ja Fräulein Hanne sagen, daß ich +wirklich ein Prinz bin und daß sie ein Engagement an unserer Hofoper +annehmen soll.“ + +„Was hätten denn Sie davon, wenn Fräulein Hanne in Ihrer Residenzstadt +sänge und Sie inzwischen hier bei uns Dünger fahren müßten?“ + +„Ich hatte gehofft, Sie würden mich für ein paar Wintermonate beurlauben.“ + +„Daran denke ich nicht im Traume. Bis zum Mai bleiben Sie laut unserer +Abmachung hier. Das entspricht auch ganz den Intentionen Ihres Herrn +Bruders, des regierenden Fürsten.“ + +Piesecke saß gebrochen vor mir. + +„Mit mir ist’s alle“, sagte er tonlos. + +„Mit Ihnen war es alle, mein Lieber, als Sie zu uns kamen. Inzwischen +haben Sie sich aber bei uns einen ganz netten Fonds neuer Lebenskraft +gesammelt.“ + +Er schüttelte trostlos den Kopf. + +„Wohl bin ich gesundheitlich vorwärts gekommen; aber das nützt mir alles +nichts mehr – ich muß sterben. Es gibt Dinge, die ein Mensch nicht +verwinden kann.“ + +Ich stand auf. + +„Entschuldigen Sie, Piesecke, aber das Mittagessen wartet auf mich. Ich +hab Hunger. Wenn Sie also aus dem Leben scheiden wollen, gehaben Sie sich +wohl! Es freut mich, Sie mal kennengelernt zu haben. Mahlzeit!“ + +Da faßte ihn der Zorn. + +„O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach +‚Mahlzeit‘, wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose +Mensch, der ich im Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da muß ich +Ihnen sagen, daß Ihr Sanatorium eine Mördergrube ist.“ + +„I, der Dauz!“ + +„Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue +Kurgast auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?“ + +„Nein!“ + +„Ein Geheimpolizist aus meiner Vaterstadt ist er. Ich habe ihn +wiedererkannt; denn ich hatte früher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich +gedacht, er sei hergeschickt, um mich zu überwachen. Denn er hat mich +früher schon mal überwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er +mir gesagt, daß er auf den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er +wird den Beweis erbringen, daß Ignaz ein langgesuchter Raubmörder ist, ein +früherer Fleischergeselle.“ + +Ich setzte mich wieder. + +„Also, Piesecke, ist das wahr?“ + +„Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?“ + +„Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich nie. Aber täuscht sich auch Herr +Steiner nicht?“ + +„Das weiß ich nicht. Er wartet noch etwas vom Gericht ab – ich glaube, +Fingerabdrücke oder so etwas – und dann will er zur Verhaftung schreiten.“ + +Mir wurde unbehaglich. + +„Haben Sie auch eine Auseinandersetzung mit dem langen Ignaz gehabt?“ + +„Jawohl. Er will mich umbringen.“ + +„Bitte, erzählen Sie!“ + +„Er hat mich schon immer verfolgt und gemißhandelt; er ist ein sehr roher +Kerl. Wie ich nun Fräulein Hanne das gesagt hab, daß – nun, daß ich eben +doch ein Prinz bin, glaubte ich, ich sei mit ihr und mit Vater Barthel +allein in der großen Stube. Auf einmal kommt der lange Ignaz hinter dem +Ofen hervor, hat grüngelbe Augen und packt mich an der Kehle. Ich habe +mich gewehrt; aber wenn Vater Barthel und Fräulein Eva mir nicht geholfen +hätten, hätte mich der Kerl erwürgt. Wir haben dann den Mordgesellen zur +Tür hinausgeworfen, aber er hat gedroht, er werde mich schon erwischen.“ + +„Hm. Also, lieber Piesecke, ich gebe Ihnen gern zu, daß mir dieser Knecht +Ignaz auch in hohem Grade unheimlich und widerlich ist. Ist er ein Schuft, +der sich in mein ehrliches, sauberes Heim eingeschlichen hat, dann werde +ich der erste sein, ihn den Behörden ausliefern zu helfen. Aber auch wenn +er nicht der von den Gerichten Gesuchte ist, wird der brutale Mensch +entfernt werden. Das verspreche ich Ihnen.“ Piesecke sank schon wieder in +sich zusammen. + +„Ach, selbst dieser Raubgesell ist in die blonde Eva verliebt. Und ich +soll sie verlieren! Mag mich doch der Ignaz umbringen. Dann ist es +wenigstens alle mit mir. Ich habe niemand, niemand, der mich gern hat, +nicht einmal einen guten Freund!“ + +Da tat er mir leid. + +„Piesecke“, sagte ich, „das dürfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten +Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, daß ich +Ihnen etwas sage, was noch niemand von mir gehört hat. Auch ich, Piesecke, +habe die schöne Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewünscht, +als daß sie meine Frau werde.“ + +Er starrte mich an. + +„Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?“ + +„Weil sie mich nicht will.“ + +„Sie nicht will?“ wiederholte er verwundert. „Sie will nicht mal Sie, und +da soll sie mich wollen?“ + +Es lag eine rührende Demut in dem Ton, in dem er das sagte. + +„Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an +sich selbst denken, soll man nur denken: Werde du glücklich! Es ist etwas +Großes und Schönes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es +gibt Frauen, die das Glück oder vielmehr das Unglück haben, daß alle +Männer sich in sie verlieben, und gerade das Leben solcher Frauen bleibt +oftmals ganz leer. Wir wollen unserer Eva wünschen, daß sie glücklich +wird, und wir zwei wollen zusammenhalten.“ + +Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmütigen Augen schauten mich +feucht an. + +„Ich glaube, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!“ + +„Ich habe Sie gern, Piesecke“, sagte ich und legte ihm fest die Hand auf +die Schulter. + + + + + + ABSCHIEDSABEND + + +Am Abend ging ich nach dem Forellenhofe. Die schöne „Hanne“ nahm Abschied +von uns. Von Mai an war das Mädchen bei uns, und jetzt, da es gehen +wollte, war mir’s, als schwänden Sommer und Sonne dahin, und es könne nun +nichts mehr geben als graue Tage. Ich litt wie Piesecke; ich jammerte nur +nicht so. Aber auch vielen anderen Leuten ging Evas Abschied nahe; ich +hörte, daß die dicke Susanne schon tagelang mit rot verquollenen Augen +herumlaufe. + +Wenn der November kam, würden sich wahrscheinlich unsere Kurgäste an Zahl +vermindern; dann wollte ich auch mal ausspannen, wollte für ein paar +Wochen Ferien machen. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, daß ich dann +wahrscheinlich nach einer großen Stadt reisen würde, nach Berlin oder +Wien. Ich bin nun schon so lange in dieser Einfachheit und in diesem +ruhigen Frieden, daß ich mich wahrhaftig manchmal sehne, in einer +elektrischen Straßenbahn zu fahren, ein gutes Theater zu besuchen, mal in +einem vornehmen Restaurant zu speisen. Es kann gar nicht anders sein: wenn +der Doktor aus dem Friedensidyll einmal Ferien vom Ich machen will, muß er +in Glanz und Lärm hinein. _Variatio delectat._ Ich nehme es unseren Bauern +nicht übel, daß sie sich zuweilen Sonntags nach Neustadt +hinüberschleichen, um dort ins Kino zu gehen, und die hämischen +Bemerkungen der „Neustädter Umschau“ über diesen Fall beweisen nur, daß +das Blatt keine Ahnung von dem Abwechselungsbedürfnis des Menschen hat. +Wer immer im Lärm sitzt, wird stumpf, wer immer in der Stille ist, auch; +nur die wechselnde Welle trägt des Menschen Schiff. + +Daß mich neben diesen Erwägungen auch der Gedanke leitete, ich könne meine +Ferienreise vorteilhaft über die Stadt verlegen, wo Eva diesen Winter +singen würde, wollte ich mir kaum zugestehen. Denn ich hatte doch ein Ende +gemacht mit meiner Liebe; ich wußte doch recht gut, daß ich nicht eher ein +idealer Leiter dieses Ferienheims sein würde, als ich nicht selbst von +allen persönlichen Banden und Sorgen befreit war, daß ich immer noch +selbst zu sehr in der alten Haut steckte ... + +Die große Stube im Forellenhof war dicht besetzt mit Menschen. Viel alte +Freunde kamen, um sich von Eva zu verabschieden. Ein paar Kränze von +Astern hingen an den Wänden, die letzten Rosen des Gartens blühten auf dem +Tisch. Wenn ein Kurgast von uns Abschied nimmt, erhält er als Andenken ein +Album überreicht, in dem einige gute Bilder nach Radierungen, +Heliogravüren, Aquarellen und Zeichnungen von unserem Heim enthalten sind, +außerdem aber eine Anzahl Photographien, auf denen der betreffende Gast in +irgendeiner Situation, die er miterlebt hat, verewigt ist. Denn +photographiert wird bei uns viel. Bei der Arbeit, vor dem Bauernhaus, beim +Feldfeuerchen, bei irgendeinem Ulk, beim Waldfest, beim Kirchgang, bei +tausend anderen Gelegenheiten wird von unseren Kurgästen photographiert. +Und jeder, der auf einem Bilde freiwillig oder unfreiwillig mit +aufgenommen ist, bekommt einen Abzug in sein Album geklebt. + +Eva bekam ein Album in vier Bänden. Sie war sehr lange bei uns, und es +hatten gar zu viele Amateure nachgesucht, wenigstens eine ihrer Aufnahmen +in Evas Album zu bringen. Methusalem hatte einige reizende +Bleistiftskizzen beigesteuert. Die letzte war ein Stimmungsbild von der +Landstraße, die unten am Zeughaus vorbeiführt, zeigte einen im Abendschein +entschwindenden Wagen und hatte die Unterschrift: + +„Die Sonne geht unter.“ + +Auch du, mein Sohn Brutus? – Es fiel mir auf, wie lustig Methusalem sein +wollte, wie zerstreut er war, wie gemacht heute sein Lachen klang. – + +Eva saß im Scheine der großen Hängelampe und durchblätterte das Album. Sie +sagte nicht viel, aber mit einem Male rannen große Tränen über ihre +Wangen. Dann wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte: + +„Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese +Bücher sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle +sind drin – nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem +einzigen Bilde? Mir ist das aufgefallen.“ + +Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drückte die Wange gegen die +Kacheln des Ofens. „So ein ekliger Kerl, wie ich, ist nicht für Bilder“, +sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen +darin. + +„Es tut mir leid, Ignaz“, sagte Eva freundlich; „Sie waren gut und treu zu +mir!“ + +Da ging der Knecht stumm zur Tür hinaus. Ich sah, wie der Kurgast +„Steiner“, von dem ich nun wußte, daß er ein Detektiv war, dem langen +Ignaz mit einem messerscharfen Blick nachschaute. + +Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fäßchen Moselwein angezapft und +hielt eine Rede: + +„Meine Damens und Herr’n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern +anders. Es is ein ernster Abend, weil Fräul’n Hanne fortzieht, und deshalb +hab ich Sie zu einem Gläschen Wein eingeladen, und ich wünsche, daß er +Ihnen allen recht wohl bekommen möge. Wir sind alle sehr traurig; denn wir +verlieren Fräul’n Hanne sehr, sehr ungern.“ + +Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, +daß sie sich zur Tür hinaus retten mußte. Auch Barthel fuhr mit der Hand +nach den Augenwinkeln. + +„Sehen Sie, meine Herr’n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang – +ich kann das wohl jetzt ruhig sagen – is sie wegen Fräul’n Hanne und mir +eifersüchtig gewesen. Aber es war bloß blinder Lärm; ich weiß doch, was +ich mir schuldig bin!“ + +Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das +Taschentuch vor den Mund. + +„Sehen Sie, meine Damens und Herr’n, mit einem Hausvater, wie ich, ist das +ein reines Elend, obwohl es mir gut geht. Denn sehen Sie, die Leute, die +hierherkommen, verstehen alle rein gar nichts, und die meisten sind sehr +faul und haben das Arbeiten nich gelernt. Ich muß sie erst alle mühsam +zurechtstutzen. Und wenn man dann mal so ’ne Perle bekommt wie die Hanne, +die so famos Butter machen kann, und sie zieht wieder fort, dann ...“ + +Mit Barthels Fassung war es aus. Er weinte in sein rot geblümtes +Taschentuch und konnte schließlich nur noch sagen: + +„Nun trinken wir halt auf Fräul’n Hannes ihre Gesundheit!“ + +Das Mädchen war sehr bewegt. Es wurden noch einige kurze Ansprachen von +Gästen gehalten, die Hanne feierten und in denen auch Vater Barthel +unmäßig viel Weihrauch gestreut wurde, und schließlich mußte Hanne singen. +Sie war ruhiger geworden, stimmte ihre Laute und sang mit ihrer zarten, +lieblichen Stimme das Lied, das aller Abschiedslieder Krone ist und +bleiben wird: + + „Morgen muß ich fort von hier + Und muß Abschied nehmen –“ + +Während des Liedes öffnete sich leise die Tür. Der lange Ignaz schlich +sich herein, lehnte den Kopf an die Wand und preßte die Hände an die weiße +Mauer. + +Die Lampe flackerte; die Spätherbstrosen blühten auf dem Tisch. + +Als Eva das Lied beendet hatte, stürzte plötzlich einer vor, warf sich dem +Mädchen zu Füßen und rief: + +„Gehen Sie nicht fort – gehen Sie nicht fort, Fräulein Hanne; ich muß +sonst sterben!“ + +Es war Piesecke. Und da sah ich auch schon, wie sich der lange Ignaz +umdrehte, wie ein wilder, giftiger Blick über Piesecke und das erschreckte +Mädchen hinfuhr, und im nächsten Augenblick hatte Ignaz den zarten +Piesecke erfaßt, schleuderte ihn sich wie einen Sack über die Schulter und +verschwand mit ihm durch die Tür. + +„Daß kein Unglück geschieht!“ rief ich und eilte nach. In aufgeschreckter +Unordnung drängte alles nach dem Hofe. Dort hatte der starke Ignaz den +zappelnden Piesecke bereits mit gewaltiger Wucht auf den großen +Düngerhaufen geworfen. Es war dem so schmählich Behandelten weiter kein +körperliches Unheil zugestoßen; aber ich war doch so erzürnt ob der neuen +Gewalttat des Knechtes und der Störung unserer schönen Stimmung, daß ich +sagte: + +„Ignaz, Sie gehen jetzt schlafen! Und morgen früh werden Sie Ihr Bündel +schnüren. Dafür werde ich sorgen!“ + +Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurück +und traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurückgeblieben war und +ein Blättchen Papier, auf dem Fingerabdrücke zu sehen waren, sorgsam mit +den schwachen Spuren verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfäuste an der +weißen Mauer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Beamte +in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat +auf den Knecht zu und sagte: + +„Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!“ + +Die Umstehenden starrten den Sprecher an. + +„Was wollen Sie, Herr Steiner?“ fragte der Bauer Barthel erschrocken. + +„Ich heiße nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine +Legitimation in der Tasche. Ich bitte, daß mir Gelegenheit gegeben wird, +den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz +aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Waltersburg zu +transportieren.“ + +Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen – und plötzlich +schlug er mit beiden Fäusten um sich, machte sich Platz und verschwand +blitzschnell im dunklen Hofe. + +„Haltet ihn!“ rief der Polizeimann; „er ist ein lange gesuchter +Raubmörder!“ + +Wir schrien alle, wir rannten. Ich stieß mit Barthel zusammen und machte +meinem Grimme Luft. + +„Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir längst +unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von +Jugend auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande über uns.“ + +„Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir“, wimmerte Barthel, +„ich konnte nicht anders!“ Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel. + + + + + + GERICHTLICHES + + +Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es. +Alles flatterte wirr durcheinander in Aufregung und Angst. Alle Höfe +öffneten sich, von Mund zu Mund flog die Kunde, auf dem Forellenhof sei +ein Raubmörder ertappt worden, aber entwichen. Der lange Ignaz! Die Weiber +kreischten und schauten neugierig aus Fenstern und Türen, die Männer +wagten sich mit Stöcken bewaffnet fünfzig Meter vors Haus, ihre Frauen +jammerten von der Haustür aus über diese Tollkühnheit und riefen die +Männer zurück – es war abscheulich! Der Löw’ ist los, und alles verliert +den Verstand. Nur einige Mutige stürmten hinaus, den Unhold zu fangen, +taten sich zu Gruppen zusammen, bewaffneten sich in der Eile, so gut sie +konnten. + +Ich schüttelte in der nebligen Abendluft erst meine Gedanken zurecht, +sagte mir, daß die Verfolgung bei dieser Rabenfinsternis ganz aussichtslos +sei, und ging nach der Direktion, um den Direktor zu sprechen. Er war +nicht zu finden. Dafür traf ich den Geheimpolizisten an. Er stand am +Telephon. Nach Waltersburg telephonierte er, nach dem Neustädter Bahnhof, +nach zehn anderen Stationen im Umkreis, nach der Provinzialhauptstadt. +Immer dasselbe: „Im Ferienheim Waltersburg hat sich unter dem falschen +Namen Ignaz Scholz, genannt der lange Ignaz, der Raubmörder +Fleischergeselle Josef Wiczorek aufgehalten. Ist soeben nach erfolgter +Verhaftung entwichen.“ + +Darauf folgte genaue Beschreibung und Aufforderung zur abermaligen +Verhaftung. + +Ich saß ganz zerschlagen auf dem Schreibtischstuhl unseres Direktors, der +immer noch nicht aufzufinden war, und hörte zu, wie „Herr Steiner“ +telephonierte. Er schnarrte mit seiner scharfen Polizeistimme die Schande +meines lieben Ferienheims in alle Winde. Endlich war er fertig. Er wandte +sich an mich. + +„Herr Doktor, Sie sind der verantwortliche Leiter dieses Sanatoriums?“ + +„Nur vom ärztlichen Standpunkt aus verantwortlich.“ + +„Und wer trägt die Verantwortung für die gesetzliche Ordnung?“ + +„Mister Stefenson und in seiner Vertretung Direktor von Brüning.“ + +„Wo ist der Direktor?“ + +„Ich weiß es nicht.“ + +„Wo ist Mister Stefenson?“ + +„In Amerika.“ + +Der Polizeimann notierte alles in seinem Buch. + +„Was ist Ihnen von diesem angeblichen Knecht Ignaz Scholz bekannt, Herr +Doktor?“ + +Ich sagte ihm, daß mir dieser Knecht Ignaz allerdings persönlich stark +unsympathisch gewesen sei, daß ich aber – außer einigen Grobheiten oder +auch Roheiten, die er begangen – keine Veranlassung gehabt habe, den +Menschen für einen Verbrecher zu halten, zumal mir der Bauer Barthel, dem +ich vertraue, erklärt habe, er kenne Ignaz von Jugend auf als ehrlichen +Menschen. + +„Dieser sogenannte Ignaz hieß laut Anmeldung Scholz?“ + +„Jawohl, Ignaz Scholz.“ + +„Hm! Wenn einer schon Scholz heißt! Jeder Scholz verkrümelt sich unter der +Masse der Scholze wie ein Körnlein im Sand des Meeres. Ich möchte Sie +bitten, Herr Doktor, mich vorläufig nicht zu verlassen.“ + +„Das soll doch nicht heißen ...“ + +„Das soll nur heißen, daß ich Ihrer in jedem Augenblick bedürfen könnte.“ + +Der Ton, den der Polizist anschlug, verletzte mich, aber ich fühlte mich +ganz wehrlos, als der Mann seine amtlichen Vollmachten vor mir +ausbreitete. + +„Ich möchte nur bemerken, Herr Doktor, daß ein Kurort wie der Ihrige, wo +niemand unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu großartiger +Schlupfwinkel für verfolgte Verbrecher ist.“ + +Was sollte ich erwidern? Daß in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia +sich jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen +könne? Ich unterließ es. + +„Kommen Sie!“ + +Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein +strenges Wort sagen, da wurde die Tür aufgerissen, und Piesecke trat ein. +Flugs stand der „Geheime“ stramm und schlug die Hacken zusammen. Piesecke +sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war +schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm er dem Polizeimann gegenüber eine +echte Herrenhaltung an und sprach in einem so völlig veränderten Ton, daß +ich seine Stimme nicht wiedererkannte: + +„Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?“ + +„Melde Euer Hoheit untertänigst, der Knecht Ignaz ist identisch mit dem +Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen +Meister ermordet und beraubt hat.“ + +„Woher wissen Sie das?“ + +„Die Verdachtsgründe häuften sich: das Signalement des Steckbriefes +stimmt, eine Prüfung der Fingerabdrücke gab die Gewißheit.“ + +Piesecke sah den Mann durchdringend an. + +„Ich kenne Sie! Als Kriminalbeamter haben Sie nicht allzuviel getaugt; da +sind Sie dazu auserlesen worden, Späherdienste am Hofe zu leisten. Auch +jetzt sind Sie hierhergekommen, um mich zu beobachten. Ich habe Sie +gestellt; Sie sagten mir, Sie seien nur des Knechtes wegen da. Aber das +ist Schwindel. Sie sind meinetwegen da. Ja oder nein? Diese Geschichte mit +dem Knecht ist nur Ausrede.“ + +„Ich darf Euer Hoheit darüber keine Auskunft erteilen.“ + +Piesecke lachte verächtlich. + +„Unser Hausminister hat patente Leute. Am dritten Tage, als Sie da waren, +habe ich Sie erkannt trotz Ihres falschen Namens und Ihrer Maske. Also +berichten Sie nach Hause, es sei mir völlig egal, ob Sie hier seien oder +nicht; falls Sie mir zu lästig fielen, so könnte ich mich vergessen und +Ihnen gelegentlich die Peitsche um die Ohren knallen.“ + +Der Polizeimann wurde dunkelrot. + +„Haben Sie verstanden, was Sie dem Minister berichten sollen?“ + +„Zu Befehl, Hoheit!“ + +„Wenn Sie nun dazu ausersehen sind, mich zu belauern, wie kommen Sie dazu, +hier eine außerhalb Ihrer Bestimmungen liegende polizeiliche Handlung, wie +die Verhaftung dieses Knechtes, vorzunehmen?“ + +„Ich berichtete meinen Verdacht an den Ersten Staatsanwalt und erhielt die +nötigen Vollmachten.“ + +„Dagegen läßt sich wohl nichts tun?“ + +Diese Frage war an mich gerichtet. + +„Nein – nichts!“ + +„Wie urteilen Sie über diesen Fall, Herr Doktor?“ + +„Es ist ein Unglück für unsere junge Anstalt. Aber es liegt uns natürlich +fern, der Festnahme eines Verbrechers irgendwelche Hindernisse zu +bereiten.“ + +„Selbstverständlich! Ich begreife nur den Bauern Barthel nicht. Er ist +doch ein ehrlicher Mann, und er hat doch versichert, den langen Ignaz von +Jugend auf zu kennen. Haben Sie dafür eine Erklärung, Herr Doktor?“ + +„Nein! Ich bin um so bestürzter, als Barthel mir nach der Verhaftung eben +sagte: ich möge ihm nicht zürnen, er habe nicht anders gekonnt. Ich sage +das ganz offen vor Ihnen, Herr Kommissar, damit Sie sehen, daß von hier +aus nichts verschleiert wird.“ + +Der Kommissar verneigte sich. + +„Hoheit“ preßte die Lippen aufeinander. + +„Hm! Ich will nicht wünschen, daß dem guten Barthel da eine Tragik +erwachse, daß dieser sogenannte Ignaz vielleicht ein Freund oder gar ein +naher Verwandter von ihm ist, den er in seiner Gutmütigkeit versteckt hat. +Und Sie, Kommissar, Sie brauchen mir das von vorhin nicht übermäßig +übelzunehmen. Schreiben Sie also dem Minister: Se. Hoheit ist bei besserer +Gesundheit und hat daher einen Aufpasser nicht mehr nötig. Jetzt will ich +Sie nicht mehr aufhalten. Wohin wollen Sie zunächst?“ + +„Nach dem Forellenhof zurück, den Bauer Barthel zu vernehmen oder +eventuell ebenfalls zu verhaften.“ + +„Schön, wir werden Sie begleiten, wenn Ihnen das zulässig erscheint.“ + +„Ich bitte untertänigst um die Begleitung, Hoheit.“ + +Der Kommissar öffnete die Tür, stand stramm, und „Hoheit“ ging in lässig +vornehmer Haltung an ihm vorbei. + +Ein kleiner Anlaß von draußen aus der alten Welt, und durch die +Bauernjacke schimmerte der hochgeborene Herr. Ich aber als Arzt freute +mich trotz meiner gedrückten Stimmung, als ich sah, daß durch seine +Gesundung langsam aus dem Piesecke wieder ein Prinz wurde, ja, ich hätte +das Wort „Piesecke“ jetzt nicht zu sagen, nicht einmal zu denken gewagt. + +Im Forellenhof war schwerste Bestürzung. Die dicke Susanne lag kurz und +krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemühten sich um sie. +Barthel war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den +Wänden hingen die Asternkränze. + +„Welch ein entsetzlicher Abschluß!“ klagte Eva. + +Ich betrachtete die Fingerabdrücke an der Wand. Sie waren deutlich. Der +lange Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer +besorgt. Der Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte: + +„Es tut mir leid; aber ich muß zurück zur Direktion und von den Behörden +telephonisch auch die Verhaftung des der Begünstigung dringend +verdächtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern.“ + +Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er: + +„Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getäuscht habe, glaube ich an nichts +mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!“ + +Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich: + +„Ich werde morgen früh mit Einverständnis unseres bevollmächtigten +Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden +Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die +Anstalt zu verlassen.“ + +Er antwortete nicht. Ich dachte daran, daß er durch seinen Kniefall vor +der schönen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlaß zu all +diesen Scherereien geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst +daran; denn er sagte: + +„Ich weiß, daß ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl +überhaupt keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!“ + +Ich wandte mich ab, trat zum Tisch und zerpflückte gedankenlos eine Rose. + +Da tat sich die Tür auf. Barthel erschien. Verstört. Als er den Kommissar +sah, wollte er zurück, aber der Polizist war bereits an seiner Seite. +Susanne begann zu schreien, und ich war froh, als sie und alle Frauen das +Zimmer verlassen mußten. + +Als wir allein waren, wurde Barthel verhaftet. Er sank ganz gebrochen auf +die Bank am Ofen. + +„Die Schande! Die Schande! Ach, hätt’ ich es nicht getan!“ + +Der Kommissar schritt zum sofortigen Verhör. + +„Barthel, Sie haben behauptet, den Knecht Ignaz von Jugend auf zu kennen. +Ist das wahr?“ + +Barthel rührte sich nicht. + +„Heißt dieser Knecht in Wahrheit Ignaz Scholz?“ + +In Barthels Gesicht kam ein verstockter Ausdruck. Er schwieg. + +„Wollen Sie mir nicht Rede stehen, Barthel?“ + +Keine Antwort. + +„Sie machen sich unglücklich. Warum antworten Sie nicht?“ + +„Ich kann nicht!“ + +Nun wandte ich mich an Barthel. + +„Lieber Barthel, denken Sie nicht ein ganz klein wenig an den guten Ruf +unserer Kuranstalt? Habe ich es nicht immer gut mit Ihnen gemeint? Warum +bereiten Sie mir diese schwere Ungelegenheit?“ + +Da begann er zu weinen. + +„Ich kann es nicht mehr ändern. Verzeihen Sie mir ...!“ + +Ein Knecht wurde aufgefordert, ein Pferd vor einen Wagen zu schirren. +Darauf fuhr der Kommissar mit Barthel nach dem Waltersburger +Amtsgerichtsgefängnis. Frau Susanne lag in Schreikrämpfen, auch die +anderen Frauen weinten laut. Ich verließ den Forellenhof. In allen Stuben +unserer Ferienanstalt brannte Licht. Ich wußte, in den meisten erörterte +man die sofortige Abreise. Ich ging nach der Direktion. Der Direktor war +noch immer nicht aufzufinden. So setzte ich mich in seinen +Schreibtischstuhl und starrte ohne eigentlich klare Gedanken ins Licht der +Lampe. Draußen kehrten kleine Trupps von Verfolgern zurück. Sie hatten von +dem Flüchtling nichts entdeckt, wie zu erwarten gewesen war. Kurz nach +zehn Uhr läutete das Telephon. Verbindung von Neustadt. + +„Der polizeilich gesuchte Josef Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, ist +soeben, als er in einen Wagen vierter Klasse des neun Uhr siebenundvierzig +Minuten hier abgehenden Personenzuges steigen wollte, verhaftet +worden ...“ + +Ich sandte nach dem Prinzen, bestellte einen Wagen, und wir fuhren nach +Neustadt. Auf der Polizei wurde uns weiter keine Auskunft erteilt, als daß +Wiczorek eingesperrt sei und wir alles Weitere abzuwarten hätten. + +Wir blieben in Neustadt über Nacht. Am nächsten Morgen stand in der +„Neustädter Umschau“ ein Artikel mit der zentimetergroß gedruckten +Überschrift „Kuranstalt Waltersburg ein Hehlernest???“ + +Mit der ganzen Niederträchtigkeit, deren der vertrottelte Redakteur dieses +Blättchens fähig war, hetzte er gegen unsere Anstalt. Alle +Spießerinstinkte, alle Philisterbedenken, alles Kopfschütteln +beschränkter, phantasieloser Köpfe wurde gegen die Grundidee unserer +Kuranstalt wieder lebendig; die Schimpferei begann wieder, der alte +lendenlahme Spott humpelte neu auf den Plan. Der Artikel endete +schließlich mit einer schamlosen Denunziation: + +„Das Gesetz, das bei uns in Neustadt heilig gehalten wird, verbietet uns, +zu behaupten, daß sich die ‚Kuranstalt Waltersburg Ferien vom Ich‘ infolge +ihrer mehr als eigentümlichen Einrichtungen, wie Verbot, den eigenen Namen +zu führen, die eigene Kleidung zu tragen usw., zu einem Zufluchtsort +lichtscheuen Gesindels auswächst. Immerhin wird der aufsehenerregende +Fall, daß sich ein Raubmörder auf einem der besuchtesten ‚Höfe‘ des +‚Ferienheims‘ mit Wissen des Bauern monatelang verstecken und daselbst +allerhand Roheiten ausüben konnte, zu schwersten Bedenken Anlaß geben, +denen sich auch die Behörden nicht werden verschließen können.“ + +Ich sah unser Heim aufs schwerste bedroht, sah eine fürchterliche Waffe in +der Hand unserer Feinde. Eben wollte ich den Fall an Stefenson kabeln, da +wurden wir zur Polizei beschieden. Es handelte sich, wie uns eröffnet +wurde, um eine Konfrontation mit dem gestern Verhafteten, der plötzlich +behaupte, weder der gesuchte Raubmörder Josef Wiczorek noch der Knecht +Ignaz Scholz zu sein. + +Da mich der Polizeibeamte persönlich kannte, hatte ich nicht notwendig, +mich zu legitimieren, wurde aber aufgefordert, Herrn Pieseckes +Persönlichkeit festzustellen, und zwar nach seinem wahren Namen und Stand, +nicht nach dem Pseudonym, das er bei uns führte. So sagte ich: „Se. Hoheit +Prinz Ernst Friedrich von ...“ + +„Ist das – ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?“ fragte der Beamte nicht ohne +Bewegung. + +„Nicht nur sein Ernst, sondern sogar sein Ernst Friedrich“, sagte Piesecke +hohnvoll und hielt dem Beamten seinen Siegelring hin. „Kennen Sie dieses +Wappen?“ + +Der Beamte sah auf das Wappen mit der Krone, stand auf und verneigte sich +tief. + +Da erschienen zwei Gerichtsdiener mit dem Verhafteten. + + ------------------------------------------------------- + +Ich faßte mir an den Kopf: ich glaubte eine Wahnvorstellung zu haben. Der +da eintrat, war – Mister Stefenson. + +„Stefenson“, rief ich, „Stefenson, wie kommen Sie ...“ + +„Melde gehorsamst, Herr Rat“, sagte der eine der Gerichtsdiener, „der +Gefangene hat eine Perücke und den Bart abgenommen, hat sich gewaschen und +sieht jetzt auf einmal ganz anders aus als gestern abend.“ + +„Wer ist dieser Mann?“ fragte der Beamte mit einem Blick auf mich. + +„Es ist Mister Stefenson, mein Kompagnon, der Begründer unseres +Ferienheims“, brachte ich heraus. + +Ich mußte mich setzen. + +„Und wer behaupten Sie selbst zu sein, Verhafteter?“ + +„Ich behaupte dasselbe wie der Herr Doktor“, sagte dieser gelassen; +„allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Ich war und gelte noch als +Mister John Stefenson, Kaufmann aus Neuyork, Chikago, Trinidad; aber ich +habe mich unterdessen auf meine rein deutsche Abstammung besonnen und +heiße mit Genehmigung der hohen deutschen Behörden seit etwa vierzehn +Tagen Johannes Stefan – Stefan, wie meine hanseatischen Vorfahren seit +etwa vierhundert Jahren geheißen haben.“ + +Der Beamte fing an, an den Fingern abzuzählen: + +„Josef Wiczorek – Ignaz Scholz – John Stefenson – Johannes Stefan – und +hier Prinz Ernst Friedrich – ich möchte die Herren ernsthaft darauf +aufmerksam machen, daß das Gericht von Neustadt keine Waltersburger +Spielerei, sondern eine staatliche Behörde ist, die nicht mit sich spaßen +läßt.“ + +Der Beamte hatte ja ganz recht. Ich beteuerte ihm nochmals, daß ich in dem +Manne, wenn er auch wirklich mit dem gestern verhafteten angeblichen Josef +Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, identisch sei, zweifelsfrei meinen +Kompagnon John Stefenson wiedererkenne. + +„Und Sie wollen in der ganzen Zeit, da sich dieser Mann bei Ihnen +aufhielt, keine Ahnung gehabt haben, wer er eigentlich ist?“ + +„Ich habe in der Tat von Stefensons Anwesenheit in Waltersburg nicht das +mindeste gewußt, sondern während all der Monate mit Stefenson nach Amerika +telegraphisch und brieflich verhandelt.“ + +„Sie kennen doch aber die Schrift Ihres Kompagnons?“ fragte der Beamte +weiter. „Waren die amerikanischen Briefe in dieser Schrift geschrieben?“ + +„Jawohl!“ + +„Wie ist das möglich?“ wurde der Verhaftete gefragt. + +Der zuckte die Achseln und sagte verbindlich: + +„Das ist Geschäftsgeheimnis!“ + +„Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, entgegnete der Beamte ernst, +„und Ihnen zeigen, daß hier kein Ort für Maskeraden ist.“ + +Da wurde zum Glück „Herr Steiner“, unser Geheimpolizist, gemeldet. Der +Kommissar verneigte sich tief vor Piesecke und darauf mit etwa zehn +Prozent dieser Verneigung vor uns anderen insgesamt und sagte: + +„Herr Rat, es ist mir soeben auf meine gestrige Meldung von der +zuständigen Staatsanwaltschaft der telegraphische Bescheid zugegangen, daß +der gesuchte Wiczorek vorgestern in Braunschweig verhaftet worden, daß +seine Identität festgestellt ist und auch bereits ein Geständnis vorliegt. +Ich bitte also, den Knecht Ignaz Scholz aus der Haft zu entlassen, da sich +der Verdacht, der zu seiner Verhaftung führte, als unbegründet erwiesen +hat.“ + +Stefenson lächelte freundlich. Der Richter machte ein enttäuschtes +Gesicht. + +Es gab noch allerlei Formelkram zu erledigen, dann wurden wir alle, +Stefenson eingeschlossen, entlassen. + + + + + + AUFKLÄRUNGEN + + +Auf der Straße trat der Kommissar an den Prinzen heran und sagte: + +„Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst um Verzeihung wegen der Behelligung.“ + +Hoheit legte dem Manne huldvoll die Hand auf die Schulter. + +„Mein Lieber, ich hab gar nischt gegen Sie. Aber tun Sie mir ’nen +Gefallen: reisen Sie ab. Sie sind hier übrig. Lenken Sie mal die +Aufmerksamkeit des Ministers auf den Prinzen Emanuel. Der scheint mir ein +lockeres Huhn und der Beaufsichtigung sehr bedürftig zu sein. Er ist +gegenwärtig in Syrakus. Sie haben keine Ahnung, Mann, wie schön es in +Syrakus ist. Da machen Sie sich mal nützlich! Glückliche Reise und viel +Vergnügen!“ + +Der Kommissar reiste ab ... + +Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war +zunächst nach seiner Zelle zurückgegangen und hatte uns durch einen +Gerichtsdiener sagen lassen, wir möchten im „Hotel Bristol“ auf ihn +warten. Nach einer reichlichen Stunde kam er. In mir war inzwischen das +Gefühlsbarometer hinaufgeschnellt und heruntergestürzt, vom Glutwetter der +Bewunderung bis zum Regensturm der Wut – hin und her, her und hin. Ich +konnte diesem unberechenbaren Manne gegenüber niemals zu ruhiger +Beurteilung kommen. Schließlich beschloß ich, ihm offene Feindschaft +anzusagen. + +Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob +er eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme: + +„Dieser Redakteur von der ‚Neustädter Umschau‘ ist ein schwerfälliger +Kopf. Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In +meinem Artikel von gestern abend waren mehrere Dummheiten.“ + +„Ah – Sie haben den Artikel über Ihre Verhaftung in der Umschau selbst +geschrieben?“ + +„Na, selbstverständlich. Der Trunkenbold kann’s doch nicht. Als ich so +unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunächst nach der Redaktion +des feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und +natürlich auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich +da festnehmen lassen. Der Artikel über die Verhaftung war eher fertig als +die Verhaftung selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen +schuldig.“ + +Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression über +mir, und ich sagte: + +„Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu +geben und zu handeln, ist so überaus merkwürdig, daß ich nicht mehr +mitkann, sondern Ihnen aufs ernsthafteste erklären muß ...“ + +„Ein Extrablatt!“ + +Ein Bote stürmte ins Zimmer. + +„Bitte, lesen Sie!“ sagte Stefenson ruhig. + +Die „Neustädter Umschau“ vertrieb ein Extrablatt. Es war ungefähr ein +halbes Quadratmeter groß und enthielt in Fettdruck die Nachricht: + +„_Ehrenerklärung._ + +Die ‚Neustädter Umschau‘, immer bemüht, ohne nach rechts oder links zu +schauen, lediglich der Wahrheit die Ehre zu geben, erklärt: Die gestrige +Verhaftung des Waltersburger Knechts ist zu Unrecht erfolgt. Der als +‚Raubmörder Wiczorek‘ von einem übereifrigen Beamten (dessen amtliche +Maßregelung bevorsteht!!) hier auf dem Bahnhof verhaftete Mann war kein +anderer als der geniale Gründer der Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ selbst, +Herr John Stefenson – oder, wie er in Begeisterung für sein angestammtes +reines Deutschtum sich jetzt mit Bewilligung unserer Behörden nennt, Herr +Stefan! Dieser Multimillionär, dessen Einfluß in Amerika unbegrenzt ist, +hat in der demütigen Gestalt eines Bauernknechts (nicht als Kurgast) den +ganzen Sommer über in Waltersburg gelebt, alle Lasten, Mühen und +Zurücksetzungen des von ihm gewählten geringen Standes getragen, um +unerkannt die Probe auf sein gigantisches Exempel zu machen, um als +Fremdling, selbst von seinem nächsten Freunde unerkannt, von unten her +sein Werk zu prüfen. Diese Prüfung ist so glücklich ausgefallen, daß +Stefan mit Freuden in die irrtümlich verhängte Haft ging. Den Neustädter +Behörden zollt er für ihre Gewissenhaftigkeit alle verdiente Anerkennung. +Heute morgen neuneinhalb Uhr stellte sich bei den Behörden der +unbegründete Verdacht heraus. Der wahre Josef Wiczorek sitzt – laut +amtlicher Depesche – in Braunschweig in Untersuchung; der bei uns +Verhaftete wurde nicht nur von dem leitenden Arzt von Waltersburg, sondern +auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst Friedrich von ... als Herr Stefenson +identifiziert. Die ‚Neustädter Umschau‘, deren Devise ‚Ehre und Wahrheit‘ +ist, scheut sich nicht – _errare humanum est_ – ihren gestrigen Artikel +Wort für Wort zurückzunehmen.“ + +„Diesen Artikel haben Sie wohl auch diktiert?“ fragte der Prinz. + +Stefenson nickte. + +„Ja, direkt dem Setzer. Ich hab noch die Korrektur gelesen, ehe ich +hierherkam.“ + +„Sie sind ein smarter Kerl!“ sagte Hoheit voll Anerkennung. „Nu sagen Sie +mir bloß, was haben Sie gegen mich gehabt? Warum haben Sie mich immer so +miserabel behandelt? Noch gestern haben Sie mich auf den Mist geworfen, +direkt auf den Mist. Ist das anständig?“ + +Stefenson zuckte die Schultern. Dann sagte er mit aufrichtiger Wärme: + +„Sehen Sie mal, lieber Piesecke – ich möchte Sie der Einfachheit halber +noch mal so nennen –, ich hab gar nichts gegen Sie gehabt! Im Gegenteil! +Sie haben mir besser gefallen und mehr imponiert als die meisten anderen. +Nur, daß Sie so hinter meiner Braut her waren, das konnte ich mir nicht +gefallen lassen.“ + +„Hinter Ihrer Braut?“ + +„Ja, also sagen wir: hinter der Forellenhof-Hanne! Mit der werde ich mich +heute oder morgen verloben.“ + +Piesecke prustete los und sagte lachend: + +„Also Ignaz oder Stefan oder Wiczorek oder Stefenson oder wie Sie sonst +heißen mögen – mir ist ja das ganz egal –, da werden Sie kein Glück haben! +Die Hanne mag keinen; nicht mal den Herrn Doktor da hat sie gemocht.“ + +„Also haben Sie doch –?“ fragte Stefenson mit einem Blick auf mich. + +„Gar nichts habe ich“, sagte ich zornig. „Gar nichts! Im übrigen möchte +ich um einige kurze Aufschlüsse bitten, von denen es abhängen wird, ob ich +noch länger an diesem Tisch sitzenbleibe oder nicht.“ + +„Oho – oho! Also, was ist aufzuschließen?“ + +„Waren Sie der Journalist Brown, der im Mai zu uns kam?“ + +„Ja, natürlich war ich der! Aber Sie hätten mich doch damals beinahe +erkannt. Deshalb habe ich ja meine Maske geändert und bin als Knecht Ignaz +wiedergekommen.“ + +„Wie kamen Sie damals dazu, mir den seltsamen Brief zu geben?“ + +„Na, den hatte ich doch selbst geschrieben, in der Annahme, Sie mit den +beiden Mädchen zu treffen. Wäre meine Voraussetzung nicht zugetroffen, so +hätte ich eben den Brief in der Tasche behalten. Das war doch nur Bluff.“ + +„Wie konnten Sie aber in der ganzen Zeit Briefe aus Amerika an mich +schreiben, da Sie doch bei uns waren?“ + +„Es gibt Kabel, lieber Freund, durch die man anordnen kann, was zu +schreiben ist.“ + +„Und Ihre Handschrift? Ich bekam fast alle Briefe handschriftlich, nur +wenige in Maschinenschrift.“ + +„Ja, da habe ich in einem meiner Büros einen Spezialisten, der meine +Handschrift so täuschend nachmachen kann, daß ich selbst nicht zu +unterscheiden vermag, was von mir oder von ihm geschrieben ist. Ein +goldehrlicher Mann, einem anderen dürfte man die Ausübung der äußerst +gefährlichen Kunst nicht gestatten. Na, sehen Sie, es gibt für einen +Großkaufmann wie mich täglich mindestens zwei Dutzend Anlässe, wo er +handschriftlich schreiben muß: an Verwandte und gute Freunde, wo +Maschinenschrift zu kalt wirkt; an Geschäftsgenossen, mit denen man intime +Dinge verhandeln will, die kein Angestellter wissen darf; an alle Leute, +die etwas darauf geben, wenn ein vielbeschäftigter Mann sich die Mühe und +Zeit nimmt, einen handschriftlichen Brief zu senden; schließlich an alle +offenen und verkappten Autographenjäger – für sie alle ist Mister Jenkins +da, und er machte seine Sache für zweitausend Dollar im Jahre geschickt +und reell. Er hat auch in Ihrem Falle sehr brav gearbeitet.“ + +„Großartig! Großartig!“ klatschte der Prinz in die Hände. Mein Barometer +aber fiel auf Sturm. „Ihr Verhältnis zu Bauer Barthel“, sagte ich kalt, +„brauchen Sie mir nun nicht mehr zu erklären. Er hat gewußt, wer Sie +waren, deshalb hielt er Sie, deshalb log er, er kenne Sie von Jugend auf; +deshalb hat er Sie sogar gestern nicht verraten.“ + +„Stimmt! Aber das dürfen Sie dem Barthel nicht übelnehmen. Wir haben ein +schriftliches Abkommen, laut dessen er fünfhundert Mark an mich hätte +zahlen müssen, falls er mich je verraten hätte. Denken Sie mal – +fünfhundert Mark! Es ist klar, daß sich da Barthel lieber einsperren +läßt.“ + +„Hat sonst noch jemand auf dem Forellenhof Sie gekannt?“ + +„Nein. Auch Susanne nicht.“ + +„Das ist mir lieb. Aber der Direktor Brüning hat Sie gekannt und sich +wahrscheinlich stets heimlich mit Ihnen besprochen. Deshalb erschienen mir +alle seine Anordnungen immer so von Ihrem Geiste diktiert.“ + +„Auch das ist richtig. Ich war nur der lange Ignaz, aber in Wirklichkeit +leitete ich die ganze Anstalt durch den Direktor. Wir hatten alle Tage +eine kleine Konferenz. Ich war immer von allem unterrichtet. Außer Barthel +und dem Direktor hat aber niemand gewußt, wer ich war, nicht mal die +kleine Luise, und das ist mir schwer geworden.“ + +Seine Augen schimmerten warm bei dem Gedenken des Kindes, und das Wort, +das ich über seine Abgefeimtheit sprechen wollte, unterblieb. So sagte ich +nur kühl und gemessen: + +„Wollen Sie mir sagen, Herr Stefenson, warum Sie diese ganze Komödie mit +uns gespielt haben?“ + +„Komödie?“ verwunderte er sich; „wieso Komödie? Darf in den Ferien vom Ich +nicht jeder auftreten, wie er will? Ist das nicht Ihre eigene Idee? Und +was meinen Sie, was ich selbst von dieser Idee, die mir gefiel und für die +ich viel Geld gewagt habe, gehabt hätte, wenn ich als Mister Stefenson +dageblieben wäre? Der Direktor wäre ich gewesen, einen langweiligen +Verwaltungsposten hätte ich gehabt, nichts von dem Zauber trauten +Geborgenseins, den unsere Anstalt spendet, hätte ich genießen können. +Nein, am eigenen Leibe wollte ich ausprobieren, wie es tut, wenn man +Ferien macht vom Ich. Deshalb wurde ich Bauernknecht. Ich habe mich +wohlgefühlt als ‚langer Ignaz‘, ich habe beobachtet, erlauscht, geprüft +von unten her, was an unserer Sache ist, ob sie absurd, phantastisch, +unfruchtbar, oder ob sie im Kern echt und gut ist, und ich hatte das Glück +zu sehen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Nicht nur die gute +geschäftliche Bilanz, die ich erwartet hatte, hat mich belehrt, daß ich +mich unserer Gründung freuen darf, sondern das, was ich sah und hörte, als +ich unerkannt mitten unter den Feriengästen war.“ + +„Sie haben auch mich prüfen wollen?“ sagte ich. + +„Ja, auch Sie! Ganz natürlich. Ich werde wieder nach Amerika zurück +müssen, weil leider meine Ferien aus sind, und ich will wissen, wem ich +das Werk hier, ich kann sagen den Liebling unter all meinen +Unternehmungen, den einzigen Ausflug ins Romantische, den ich je gemacht +habe, hinterlasse. Ich kann ruhig scheiden. Ich werde jetzt wirklich +hinübergehen. Weil ich muß! Weil mich die Pflicht ruft. Ich weiß, das Heim +ist in guten Händen. Und eines, lieber Freund, vergesse ich Ihnen mein +Lebtag nicht. Es gab einen Sommerabend, an dem Sie die Hände ausstreckten +nach der schönen Hanne. An diesem Abend fanden Sie meinen Brief, in dem +ich Ihnen sagte, daß ich Fräulein Eva Bunkert, die Forellenhof-Hanne, als +meine Braut betrachte. Und seit diesem Abend sind Sie dem Mädchen aus dem +Wege gegangen. Sehen Sie, das habe ich auch nur als Knecht Ignaz erfahren +können, daß ich an Ihnen so einen treuen Freund habe. Das allein lohnt ein +halbes Jahr Bauernarbeit.“ + +Er sprach mit großer, ehrlicher Wärme. Ich aber sagte: „Sie täuschen sich. +Ich hätte das Mädel zu gewinnen gesucht; aber ich wußte, daß sie immer nur +an Sie dachte, daß Ihnen ihr Herz gehört.“ + +„Ist das möglich? Ist das möglich? Fräulein Hanne will wirklich ...“ + +Der Prinz sank in sich zusammen. Er war plötzlich wieder vollständig +Piesecke. + + ------------------------------------------------------- + +Es ist noch viel geredet worden; ich weiß nicht mehr, was alles. +Schließlich habe ich Stefenson recht geben müssen, daß er sich unerkannt +unter unser kurioses Völklein mischte. Was sollte er sich nicht +überzeugen, wie seine Gründung wirkte? Ich überwand meinen Unmut, so gut +ich konnte, aber ein Stachel blieb, daß Barthel und der Direktor mehr +gewußt hatten als ich. Eine Freundschaft zwischen Stefenson und mir wollte +ich nicht mehr gelten lassen. + +Piesecke schlich sich ins Heim zurück, ohne uns. Er wollte weiterhin +Piesecke sein, und vergebens zerbrachen sich unsere Kurgäste die Köpfe, +wer der in der „Neustädter Umschau“ genannte Prinz sein möge. Der +„Verdacht“ blieb schließlich auf einem Referendar sitzen, der im Grundhof +wohnte und sich die Rolle des heimlichen Herzogs wohlgefallen ließ. Dieser +Referendar lehnte alle grobe Arbeit von nun an ab. Die Damen waren +entzückt über seine hocharistokratischen Hände. Sie rühmten die edle +Zurückhaltung in Ton und Gebärde, die Güte, die nie zur Vertraulichkeit +wird, sondern immer Güte bleibt, die Sprache, die trotz ihres leise +verschleierten Timbers und ihrer entgegenkommenden Art doch unabweisbare +Befehle gibt, die Augen, die so wissend, so durch den Höhenblick von +Jugend auf geschärft zu blicken wußten; sie rühmten selbst kleine +Nonchalancen, die sich eben nur der unter dem Kronenhimmel Geborene +gestattet. Dieser Mann lachte und lächelte nicht; er zuckte nur mit den +Mundwinkeln. Er sagte nicht „nein“ zu irgendeinem Verlangen, sondern +dieses Verlangen erstarb von selbst vor einem einzigen Faltenwölkchen, das +sich auf der Stirn des Hohen bildete; er konnte aber auch durch ein +einziges freundliches Lidersenken gewähren, „ja“ sagen, wie kein anderer +Mensch „ja“ zu sagen vermag. + +Keine Erziehung führt zu solcher Haltung. Kein Emporkömmling kann sie +erlernen. Rasse! Vererbung von Herreninstinkten durch Jahrhunderte! Das +ist’s! Und der heimliche Herzog ging in schlichter, leutseliger Würde +durch das Gewimmel aller derer, die ihm täglich in den Weg zu laufen +wußten. Er empfing keine Besuche – er erteilte Audienzen; er plauderte +nicht – er hielt Cercle. + +Mir machte alles dies so viel Spaß, daß ich den Direktor ersuchte, dem +heimlichen Herzog noch auf weitere zwei Wochen die wesentlich +erleichterten Zahlungsbedingungen zu gewähren; denn der Referendar hatte +bisher nur gelegentlich geringe Remunerationen genossen, und sein Vater, +der ein biederer Sattlermeister war, hatte auch nicht viel Geld übrig. + +Das alles hatte mit ihrem Artikel die „Neustädter Umschau“ getan. An +Piesecke dachte kein Mensch ... + +Barthel, der Heimtücker, war inzwischen auch aus der Haft entlassen +worden. Er ließ sich bei mir melden, aber es wurde ihm gesagt, ich sei +nicht zu sprechen. Da kam er nach einer Stunde mit seiner Susanne wieder. + +„Herr Doktor“, sagte Susanne mit kirschrotem Kopf, „daß er ein Lump ist, +weiß ich. Unsern guten Herrn Doktor so zu beschwindeln wegen lumpiger +tausend Taler, die er jetzt von Ignaz, der ja Stefenson gewesen ist, +Schweigegeld kriegt. Was soll uns das Geld? Was geht uns Herr Stefenson +an? Wir halten uns an unseren guten Herrn Doktor. Aber was das schlimmste +ist, mich hat er auch beschwindelt mit dem langen Ignaz. So ein Lump! Sein +eigenes Weib belügt er. Ich hab ihm nie getraut, nie im Leben! Nicht über +den Weg! Aber jetzt laß ich mich scheiden; er hat gesessen, und mit einem +Zuchthäusler hat eine anständige Frau nichts zu tun.“ + +Was blieb mir übrig, als für den in erbärmlichem Zustand dastehenden +Barthel Partei zu ergreifen und der empörten Susanne gut und mild +zuzureden? Sie wollte aber auf keinen Zuspruch hören. Sie blieb dabei, sie +müsse sich scheiden lassen, da er „gesessen“ habe. Schließlich weinte sie. + +„Und was er für ein Liedrian ist, Herr Doktor!“ schluchzte die brave Frau. +„Für die tausend Taler, die er jetzt von Stefenson kriegt, will er sich +eine Dreschmaschine kaufen, wo ich ihm doch sage, daß er das Geld lieber +in die Sparkasse tragen soll.“ Da erkannte ich, daß das Barthelsche +Eheglück noch nicht hoffnungslos verloren war, und ich entließ die beiden, +indem ich sie meines Wohlwollens versicherte. + + ------------------------------------------------------- + +Ich saß allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht +kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte +– war das traurig, war es komisch, war es erbärmlich? Sollte ich lachen, +sollte ich zürnen? + +Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog? + +Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr +Vertrauen geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte? + +Sollte ich mich ärgern über den Barthel, weil er profitsüchtig gewesen +war? + +Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, +liebe Leute. Nur das Leben schüttelte die Menschen durcheinander, wie ein +Kind die Steinchen schüttelt, die es in ein Säcklein gesammelt hat. Wenn +es eine Reibung gibt, was schadet es? Ein Krümlein alter, weicher +Heimaterde bröckelt ab, und der Stein schimmert durch, hart und +widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine Reibung mehr schaden, kann +ihn nur glätten. + +Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes +Käferwürmlein konnte an dir zehren! Ich möchte dich ja halten, denn du +bist gut und weich, aber das Leben schüttelt zu hart. Doch ich bin +getrost, ein gut Teil Krümlein werden mir bleiben, darauf will ich mich +heimlich betten, und die glatte Fläche wird nur nach außen sein ... Als am +nächsten Morgen die blonde Hanne in mein Zimmer trat, pochte mein Herz +nicht rascher, als käme eine Patientin. Wohl war das Mädchen blasser, als +ich es je gesehen. + +„Sie kommen sich verabschieden, Eva?“ + +„Ja. In zwei Stunden fährt drüben in Neustadt mein Zug ab.“ + +Wir schwiegen beide. Plötzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich +hätte hingehen mögen, um über ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es +nicht. + +„Eva, Sie wissen, daß Stefenson hier ist – daß er die ganze Zeit hier +war?“ + +Sie nickte. + +„Er hat wohl mit Ihnen gesprochen?“ + +Da stand sie auf. Tränenlos, zornig sagte sie: + +„Ja, er hat mit mir gesprochen. Er war so dreist, mich um meine Hand zu +bitten. Ein halbes Jahr lang hat er neben mir gewohnt, ohne daß ich ihn +kannte, hat mich beobachtet, belauert, geprüft, ob ich wohl – der hohen +Ehre würdig sei, seine Gattin zu werden, ob ich nicht am Ende ein +kokettes, leichtfertiges Weib sei, das heut dem, morgen jenem zulächelt; +er hat diese Prüfung angestellt, weil ich beim Theater bin, weil ich keine +der unter hermetischem Verschluß stehenden Misses von Neuyork bin, die +heimlich oft liederlich genug sind; er hat mich, ohne daß ich es wußte, +geprüft, und ist nun so gnädig, mir zu sagen: du hast deine Prüfung +bestanden. Aber ich – ich werfe ihm sein Diplom vor die Füße! Was ist denn +die Liebe? Liebe ist doch blindes Vertrauen. Welcher Mann hat denn eine +Garantie? Das Mädchen, der Vater, die Mutter, alle Muhmen und Vettern +können ihn belügen, wenn sie wollen, er ist machtlos dagegen. Der Mann muß +das Mädchen sehen, er muß wie von einer himmlischen Erleuchtung geführt +sagen: Du bist rein, ich lege meine Ehre und mein Glück in deine Hände. +Sonst ...“ + +Sie sank weinend auf den Stuhl zurück. + +Hochauf loderte der glimmende Funke meiner Liebe wieder zu diesem schönen +Mädchen, als ich so sein ehrliches weibliches Empfinden sah. In +plötzlicher Müdigkeit stützte ich den Kopf in die Hände. + +Ich zwang die Welle in meinem Herzen. Es wurde ganz still in mir. Eine +unheimliche, aber große Stille. Wie in der Wüste. Nur von ferne hörte ich +die Tränen rinnen, wie Wasser einer fremden Oase. Ich hätte lange so mit +dem aufgestützten Haupt sitzen mögen. Wieviel Zeit verging, weiß ich +nicht. Da hörte ich Evas Stimme. + +„Haben Sie keinen guten Rat für mich, lieber Freund?“ + +„Lieber Freund!“ Unter allen Gestirnen, die an unserem Himmel flimmern, +ist dieses Wort wohl eines der hellsten. Aber wenn es ein Weib sagt, das +man liebt, bekommt dieser Stern ein überweißes Licht, ist wie ein Schimmer +aus einer Welt, die in Eiseskälte untergeht. + +„Warum sagen Sie nichts? Wissen Sie nicht einmal als Arzt etwas zu sagen?“ + +Da erhob ich mich. + +„Wohl, liebe Eva! Ich glaube, ich kann Ihnen die Sache richtig +auseinandersetzen.“ + +Ich war über mich selbst verwundert. Wie ein trockener, etwas pedantischer +Magister sprach ich: + +„Sehen Sie, Eva, Sie stecken zu tief in der Romantik! Sie denken sich den +Freiersmann so wie Lohengrin, der als Fremdling ans Ufer steigt, die +Holde, die von aller Welt geächtet wird, an der Hand nimmt und sagt: Frei +aller Schuld ist Elsa von Brabant. Und drei Minuten später: Elsa, ich +liebe dich! Unser Stefenson ist nicht von dieser Schwanenritterart, er +fährt auf dem Passagierdampfer, ist hausbacken, nüchtern, verfährt +vorsichtig.“ + +„Verstellen Sie sich doch nicht, lieber Freund! Das ist doch nicht Ihre +Art, so zu sprechen!“ + +„Doch, doch! Es ist ganz meine Art, so zu sprechen! Eva, ich will Ihnen +ehrlich folgendes sagen: Stefenson hat nicht nur Sie prüfen wollen, +sondern auch mich, auch unsere ganze Anstalt. Er schätzt wahrscheinlich +drei Dinge: Erstens das Geld, das er für ein Unternehmen anlegt (und das +ist ihm als Kaufmann durchaus nicht übelzunehmen), zweitens seine +Geschäftsfreunde, unter denen er keine unfähigen Gesellen haben will (auch +das ist ohne weiteres zu billigen), und drittens die Liebe oder die Ehe, +in welcher Richtung er durchaus klar sehen will. Die Beurteilung dieses +dritten Punktes wage ich nicht, da ich von Liebe nichts verstehe.“ + +In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Stefenson erschien. + +„Ich bitte um Entschuldigung“, sagte er, „und versichere, daß ich an der +Tür nicht gehorcht habe. Ich entlasse Dienstmädchen ob solch schmählicher +Schwäche. Aber der Herr Doktor hat so deutlich gepredigt, daß jedermann, +der den anstoßenden Korridor entlang ging, Wort für Wort verstehen mußte. +Darf ich mir zu der Sache das Wort erlauben?“ + +„Bitte!“ + +„Erstens mal das Geld. Schön! Ich schätze es! Ich halte es für einen sehr +guten Freund. Für einen, der nicht nur die Stube ausmöbliert und das Essen +schafft, sondern auch für einen, der einem eine vernünftige Körperpflege +gönnt, der die Theater und Museen aufschließt, einen in der Welt +herumführt, der gestattet, sich gegen ärmere Mitmenschen anständig zu +benehmen, der den Doktor ruft, wenn man krank ist, und der einem +schließlich ein Denkmal setzt, wenn sich kein Mensch um den Grabhügel +bekümmert, ja, für den einzigen Freund, der einem, wenn man zum Beispiel +in der Wut eine Gewalttat begangen hat und ins Zuchthaus oder sonst ins +Elend gekommen ist, hinterher wieder die Hand reicht und zu einem +ordentlichen Leben zurückverhilft. Ein gutes Bankdepot ist wirklich ein +außerordentlich reeller Freund. Nur dumme Kerle und verärgerte arme +Schlucker können es leugnen. + +Zweitens: Geschäftsfreunde dürfen noch eher in mäßigen Grenzen unreell als +dumm, rückständig, faul oder sonstwie borniert sein. + +Drittens: Jeder Mensch, der ein Pferd kauft, das er übermorgen +weiterverkaufen oder schlachten lassen kann, überlegt es nach zwanzig +Rücksichten. Einer, der eine Frau nimmt, die er zeit seines Lebens auf dem +Halse behält, und der weniger vorsichtig verfährt, ist ein Dummian.“ + +Stefenson brachte diese Sätze ohne alle Gemütsbewegung vor, wie einer, der +unwiderlegbare Behauptungen aufstellt. + +Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen. + +Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte kühl: + +„Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber +ich – ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!“ + +Sie verließ das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach. + +Sie gab keine Antwort mehr. + +Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zündete sich eine Zigarre an und +sagte nach einer Weile: + +„Das ist daneben gegangen!“ + +„Ja, ganz daneben!“ + +„Sie freuen sich wohl?“ + +„Ach, ich kann nicht sagen, daß ich verärgert bin.“ + +„Das kann ich mir denken!“ + +Darauf zündete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenüber +und rauchten dicke Wolken. + +„Was war denn eigentlich los?“ fragte Stefenson. + +„Nun“, sagte ich, „Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib.“ + + + + + + VOM BRUDER UND SEINER FRAU + + +Mit Eva Bunkert verließ uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend +hatte sie sich nicht beteiligt. Es hieß, „Bärbel“ sei nicht wohl und habe +sich zeitig zur Ruhe gelegt. Wie mein Bruder mit dem Mädchen stand, wußte +ich nicht. Joachim war verschlossener als je. Am Abend des Tages aber, da +die Mädchen abgereist waren, kam er zu mir. + +Ganz unvermittelt sagte er: „Fritz, ich möchte fort. Morgen oder +übermorgen.“ + +„Fort? Wohin?“ + +„Wieder hinüber.“ + +„Nach Amerika?“ + +„Ja.“ + +Ich sah ihn schweigend an. + +Da sagte er: + +„Du hast wohl bemerkt, daß ich eine Neigung für Fräulein Anneliese hatte. +Ich hoffte, es könnte mir ein neues Glück in der Heimat erblühen. Diese +Hoffnung hat mich betrogen – wie alle anderen.“ + +„Ist es aus zwischen euch?“ + +„Ja. Das Mädchen hing an mir, und es war alles verabredet für baldige +Hochzeit. Da hielt ich mich gestern für verpflichtet, ihr mein Leben zu +schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere +gesagt. Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie +bleibt dabei, daß sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht +heiraten dürfe. Du weißt wohl warum?“ + +„Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe.“ + +Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren – ich ließ ihn reden und +toben. + +Zuletzt sagte er: + +„Und ich weiß nicht einmal, ob dieses – dieses Weib noch lebt.“ + +Ich blieb still. + +„Weißt du etwas von ihr? Weißt du, ob sie noch lebt?“ + +„Sie lebt.“ + +Er stöhnte. Ich merkte, wie sehnsüchtig er auf den Tod seiner Frau gehofft +hatte. + +„Und – das Kind, wo ist es?“ + +„Es ist bei seiner Mutter.“ + +„Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?“ + +„Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr.“ + +Er lachte rauh und ergoß eine Flut schwerster Schimpfworte über seine +Frau. Wieder ließ ich ihn reden und toben. Zuletzt stieß er hervor: + +„Wo hält sich das Scheusal auf?“ + +„Deine Frau? Das sage ich dir nicht.“ + +„Das _mußt_ du mir sagen!“ + +„Nein, Joachim, ich sage es dir nicht!“ + +Er ballte die Fäuste und trat mit dem Fuß auf. Dann ließ er die Arme +schlaff hängen und sagte in feindseligem Ton: + +„Gut! Was ich wissen will, werde ich auch ohne dich erfahren.“ + +Ohne Gruß verließ er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten über die +Wiese gehen. Das war der Mann, dem ich fünf Jahre lang um die ganze Welt +nachgereist war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun würde ich eine +solche Familienaufgabe nicht mehr übernehmen. Ich öffnete nicht einmal das +Fenster, um ihm nachzurufen. + +Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging +schwer. Ich war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz +benommen. Es fiel mir ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber +die wußte ja auch nichts von Katharina, die bei uns Magdalena hieß, hatte +keine Ahnung von ihrer Anwesenheit hier im Heim. Es wurde spät. Ich wollte +nur noch meine letzte Zigarre ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie +gleichmütig mich der Abschied des Bruders ließ! Freilich, die Mutter würde +wieder sehr mit mir zürnen. Aber ich konnte das nicht ändern. Ich war +aller Familiensimpelei müde geworden. + +Wie ich noch so still dasaß, hörte ich auf einmal jemand den Korridor +entlang eilen. + +Die Tür wurde aufgerissen. + +Magdalena stand vor mir. + +Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstört. + +„Helfen Sie – helfen Sie – sie haben mir das Kind genommen.“ + +„Was? Was sagst du, Käthe?“ + +„Das Kind haben sie mir genommen – Luise – o Gott!“ + +„Wer hat es genommen?“ + +„Er – Joachim – er ist mit einem fremden Mann gekommen – sie haben das +Kind fortgeschleppt – meine Luise – meine Luise!“ + +Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl nötigen. + +„Nein, kommen Sie bald – sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen +gehabt – eine Stunde ist es wohl schon her, daß sie mit dem Kinde fort +sind – ich habe die Kammertür nicht aufgekriegt – kommen Sie schnell – +schnell!“ + +Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie +durch einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte +ihm den Weg gewiesen? + +Plötzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu +verraten, daß Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wußte, wo +das Kind war, fanden sie auch die Frau. + +Oh, ich Tor! Ich sah, daß Käthe am Halse rote Striemen hatte. + +„Hat er dir etwas getan, Käthe? Hat er dich etwa gar geschlagen?“ + +„Ich weiß es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!“ + +Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem +Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entführt. Der brutale +Kerl! Ein wütender Haß gegen ihn schlug in mir auf. + +„Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!“ + +„Nenn mich nicht Herr Doktor, Käthe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte. +Ich werde dir helfen, so gut ich irgend kann.“ + +Demütig und furchtsam wie ein geprügelter Hund stand sie vor mir. + +Ich zog mir den Mantel an. + +„Ich bitte dich, Käthe, geh nach Hause. Du kannst nichts tun. Ich werde +mich sofort auf die Suche machen.“ + +„Ich kann nicht nach Hause gehen; ich muß Luise suchen –“ + +Mit irrsinnig flimmernden Augen sah sie mich an. + +„Du kannst nichts tun, Käthe. Ich werde sofort hinab zu meiner Mutter +gehen, dort werde ich wahrscheinlich Joachim treffen und mit ihm +abrechnen.“ + +„Ich will mit. Ich fürchte mich nicht, wenn sie mich auch schlagen.“ + +„Du mußt mir jetzt gehorchen, Käthe! Sonst verdirbst du alles; sonst kann +ich dir nicht helfen!“ + +Da senkte sie stumm den Kopf. + +Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der +Genovevenklause abbog, gebot ich der Frau, nach Hause zu gehen und zu +warten, bis ich ihr Nachricht brächte. Sie schlich davon. Aber als ich den +Berg hinabeilte, merkte ich, daß mir von ferne ein Schatten folgte. + +Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustür stand offen. Ich +eilte nach dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, +ohne anzuklopfen. Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In +offener Feindseligkeit blickten wir uns an. + +„Wo ist das Kind? Wo ist Luise?“ + +„Nicht hier.“ + +„Wo ist die Mutter?“ + +„Auch nicht hier.“ + +„Willst du mir sagen, wo beide sind?“ + +„Nein! Aber ich will dir sagen, daß ich das Mädchen der Obhut des +Frauenzimmers, dem du es übergeben, entrissen und in eigene Erziehung +genommen habe. Morgen früh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das +ist mein Recht. Das Kind gehört mir.“ + +Ich konnte vor Zorn kaum sprechen. + +„Ah – und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Häuser +einzubrechen und ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?“ + +„Das tat ich nur, um sie zu hindern, hinter uns herzuschreien und Skandal +zu erregen. Um allen Skandal zu vermeiden, bringt Mutter das Kind schon +jetzt nach auswärts.“ + +„Oh, wie bist du rücksichtsvoll! Du willst keinen Skandal. Du vergissest +nur das eine: daß es ein großer Skandal ist, wenn man sich benimmt wie ein +Bandit!“ + +„Hüte dich nur!“ + +„Ich fürchte mich nicht vor deiner Brutalität. Ich kann dich – wenn es mir +beliebt – wegen der Schandtat eines Einbruchs in eines unserer +verschlossenen Häuser jeden Augenblick einsperren lassen. Ich werde es +höchstwahrscheinlich auch tun und mich um keinerlei Skandal kümmern.“ + +„Du nimmst in sehr merkwürdiger Weise Partei für jenes Weib.“ + +„Ja, sie steht trotz ihres Fehltritts gerechtfertigter, ich will ruhig +sagen, viel anständiger vor meinen Augen als du!“ + +„Das bitte ich mir zu beweisen“, sagte er heiser vor Wut. Er setzte sich +auf eine Tischkante; ich lehnte an einem Schrank ihm gegenüber. + +„Ich erinnere dich daran, Joachim, daß das schöne Mädchen, das Katharina +hieß, damals zwar deine blinde, wahnsinnige Leidenschaft erregt, aber daß +sie dich niemals geliebt hat, daß sie so ehrlich war, es dir zu sagen.“ + +„Hör auf damit!“ + +„Nein, da liegt die Wurzel zu allem Unheil, das kam. Als du von dem +Mädchen abgewiesen warst, tatest du das, was du immer tatest, wenn du +einen Wunsch durchaus durchsetzen wolltest, du hingst dich an die +Kleiderrockfalten der Mutter.“ + +Er sprang herunter vom Tisch und trat drohend vor mich. + +„Benimm dich immerhin auch in dieser Stunde noch mit einigem Anstand, +Joachim! Du hast mir so viel von meinem Leben genommen, fünf volle +blühende Jahre, daß ich ein Recht habe, dich als meinen Schuldner zu +betrachten und endlich mit dir abzurechnen.“ + +Er wich zurück, lachte verächtlich und trat ans Fenster. + +„Ich habe dich nicht aufgefordert, mir zu folgen.“ + +„Nein, aber die Mutter hat es getan, die dich von Kind auf zu einem +jämmerlichen Egoisten erzogen hat.“ + +„Sag noch ein Wort gegen die Mutter, und ich halte mich nicht länger!“ + +„Du sprichst wie ein Raufbold, Joachim, und ich schäme mich für dich. Wie +ich innerlich zur Mutter stehe, geht daraus hervor, daß ich auf ihren +stillen Wunsch hin, dich wiederzuhaben, meine Jugend opferte. Aber nicht +davon wollte ich sprechen, sondern von deinem Verhältnis zu Katharina. Das +Mädchen sagte dir damals, daß seine Liebe einem anderen gehöre, deinem +Freunde ...“ + +„Hör auf – ich ertrage das nicht!“ + +„Ich weiß, trotz deiner Brutalität anderen gegenüber bist du, was die +eigene werte Person anlangt, sehr feinfühlig; nicht einmal eine +wahrheitsgemäße Aussprache erträgst du. Aber ich erspare sie dir nicht. +Ich halte dir den Spiegel vor, damit du weißt, wenn du von hier +fortziehst, daß es jemand auf der Welt gibt, der keine Spur von Mitleid, +ja nicht einmal von Achtung mehr für dich hat, und das ist dein Bruder, +der dich unter allen Menschen auf der Welt am besten kennt.“ + +Er erwiderte nichts mehr; er starrte mich nur an. Ich setzte kaltblütig +die Abrechnung fort. + +„Du wandtest dich damals an die Mutter, und die Mutter setzte bei den +Eltern des Mädchens alle Hebel für dich ein. Die Leute hatten sechs +Töchter. Eine von ihnen versorgt zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Du +warst approbierter Arzt, der andere, dein Freund, ein vermögens- und +aussichtsloser Kandidat. Da wurde dem Mädel Tag und Nacht zugesetzt, bis +sie dich nahm. Das war in diesem Falle die Grundlage für die schwere +Ja-Frage am Altar nach dem ‚freien, ungezwungenen, selbst ungenötigten +Willen‘.“ + +Joachim war in einen Sofawinkel gesunken. Mir war das Herz so kalt und +leicht wie einem Staatsanwalt, der auf „schuldig“ plädiert. + +„Während du die Flitterwochen hieltest, ging dein Freund beinahe zugrunde. +Nach einem Jahre hieß es, er habe sich beruhigt. Er kam zu euch. Die alte +Sehnsucht trieb ihn. Und da geschah Katharinas Unglück. Du warst natürlich +in deiner Ehre sehr tief verletzt. Ich sah das ein. Erst jetzt begreife +ich, daß in jener Ehe deine Gattenehre nicht von Gottes, sondern von +Mutters und Geldsacks Gnaden war. Das Weib hat gefehlt, ohne Zweifel. +Zweimal. Nicht nur, als sie dir die Ehe brach, sondern schon, als sie die +Ehe mit dir einging. Aber du und die Mutter – und wir alle, die wir +schürend oder doch stillschweigend mitgewirkt haben, sind wir Gerechte? +Leute, die Steine aufheben dürfen? Oder Pharisäer, die verdienen, die +Geißel des Messias ins Gesicht zu bekommen? + +Katharina hat ihre Schuld gebüßt. Nicht durch deinen rohen Revolverschuß, +nicht dadurch, wie sie dich vor Gericht reinwusch, indem sie aussagte, sie +habe sich die Wunde selbst zugefügt. Nein, mit aber tausend Tränen. Erst +jetzt weiß ich, wie ihr Mutterherz gehungert hat, wie sie durch all die +Jahre nach dem Kinde gesucht hat. Dieses Weib hat vielleicht an einem Tag +und in einer Nacht mehr gelitten und heißer zum Himmel gerufen als du in +der ganzen Zeit. Jetzt auf einmal erscheinst du wieder in der ganzen +Pracht und Herrlichkeit deines gesetzmäßigen Richtertums und beginnst +deine Brutalitäten aufs neue. Und deshalb, sage ich, ist deine Frau ein +hundertmal anständigerer Mensch, als du bist!“ + +Er stand auf, zuckte ein wenig mit den Armen durch die Luft, als ob er +reden wolle, setzte sich aber wieder. Ich behielt ihn scharf im Blick und +fuhr fort: + +„Das ist die Abrechnung, die deine Frau betrifft. Da kommst du immer noch +gut dabei weg, weil nicht nur dein eigenes, sondern auch das andere Konto +belastet ist. Nun komme ich auf dein Verhältnis zu deinem Kinde zu +sprechen. Und da – nichts für ungut, lieber Bruder – hast du dich glattweg +benommen wie ein Lump. Das Tier bekümmert sich um sein Junges, trägt ihm +die besten Bissen zu, sorgt für seine Sicherheit. Du hast für deine eigene +Sicherheit gesorgt, die besten Bissen selbst gegessen, dem Kinde nicht +einen Pfennig, nicht ein armseliges Spielzeug, nicht ein Wort oder einen +Blick gegönnt. Der verkommenste Proletarier, der von zehn Mark, die er +verdient, neun versäuft und eine Mark seiner Familie gibt, ist ein +besserer Vater, als du bist, denn du hast auch die zehnte Mark für dich +genommen.“ + +„Die Mutter ...“, ächzte Joachim. + +„Ja, die Mutter hat die sogenannten Erziehungsgelder gezahlt. Nebenbei +gesagt, nicht nur von deinem, auch von meinem Erbteil. Ich wundere mich, +daß ich so etwas sagen kann; aber alle Sentimentalität ist mir +wahrscheinlich abhanden gekommen. Wir alle haben gefehlt, auch ich! Ich +hätte dir nicht nachlaufen, ich hätte mich lieber um das Kind kümmern +sollen. Aber ich war ein unerfahrener, wehleidiger Geselle. Ich bin erst +jetzt, da ich ein großes Werk angefangen habe, dazu gekommen, die Dinge, +die um mich her sind, klar und leidenschaftslos zu sehen und zu +beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du weder +deiner Frau noch deinem Kinde gegenüber im Recht. Du hast dich bis jetzt +unbarmherzig zurückgehalten und bist plötzlich brutal hervorgetreten, als +deine neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigeführte Band, das +Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues +zu schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist +enttäuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten +Kindes nicht bessern; denn einen unfähigeren Erzieher, als du bist, kann +es nicht geben!“ + +Joachim erhob sich. + +„Meinst du, daß ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?“ + +„Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim.“ + +„Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?“ + +„Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt.“ + +„So werde ich gehen; ich verschmähe es, weiter mit dir zusammen zu sein.“ + +„Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal +zu betreten. Außerdem ist es nach deinem brutalen Verhalten +selbstverständlich, daß du als Arzt von uns entlassen bist.“ + +Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe +hinab. Ich konnte mir zunächst über das, was ich gesprochen hatte, keine +klare Rechenschaft geben. + +Ich hatte nur ein Gefühl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz +abräumen gekonnt. + +Jetzt fiel unten die Haustür zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl +eine mondscheinlose Nacht und die Straßenbeleuchtung sehr kümmerlich war. +Joachim ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male löste sich dort +ein Schatten los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls +für meine Person. Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, +aufeinander einsprachen, wie das Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich +dann vor dem Bruder auf die Knie warf, wie er sie emporriß. Sie klammerte +sich fest an seinen Arm; er versuchte sich loszulösen; sie rangen +miteinander. + +Ich riß das Fenster auf. + +„Katharina“, rief ich hinunter, „sei vernünftig!“ + +Sie hörte nicht, ließ nicht los, schließlich rang sie weiter mit ihm, und +ich hörte sie um das Kind bitten. Sie standen dicht am Brunnenrand. Da gab +Joachim dem Weibe einen gewaltigen Stoß, sie taumelte zurück und fiel über +den niederen Brunnenrand ins Wasser. + +Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang; +dann beugte er sich über das Becken. + +Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon. + +Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgängen sprachlos +zugesehen, dann war ich mit einigen Sätzen unten auf dem Markte. Joachim +stand noch am alten Fleck. + +„Ah“, lachte er, „du hast zugesehen – da wirst du wohl jetzt behaupten, +ich hätte das Weib ertränken wollen.“ + +„Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurückgestoßen, und sie +ist unglücklich gefallen.“ + +„Na also! Ich lasse mich auf der Straße nicht anfallen, verstehst du? Eure +Komödien verfangen nicht bei mir!“ + +„Joachim, wir müssen ihr nach, wir müssen sie suchen.“ + +„Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?“ + +„Joachim, sie muß völlig durchnäßt sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist +halb irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglück +passieren!“ + +Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Haus zurück. Ich +sah ihm nach, hörte, wie er von innen den Haustürschlüssel umdrehte. Dann +eilte ich die Straße hinunter, in der ich Katharina hatte verschwinden +sehen. + +Ich rannte durch die ganze Stadt, auch teilweise hinaus auf die +Landstraßen. Es verging wohl eine Stunde und mehr Zeit; ich fand nichts. +Es hatte angefangen zu regnen, und es blies ein rauher Wind. Endlich sah +ich ein, daß ich allein nichts ausrichten könne. Ich eilte hinauf nach +unserem Heim, überzeugte mich, wie ich schon angenommen hatte, daß die +Genovevenklause leer sei, weckte dann Stefenson, Barthel, Piesecke und +noch einige andere verläßliche Leute, und wir gingen nach verschiedenen +Richtungen auf die Suche. + +Morgens drei Uhr kehrte ich todmüde nach Hause zurück. Die anderen waren +auch noch nicht lange da. Niemand hatte eine Spur von Katharina +entdeckt ... + +Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau +gebracht. Ein Waltersburger Bauer, der zeitig nach Neustadt fahren wollte, +hatte am Chausseerand ein bewußtloses Weib gefunden und an ihrer Kleidung +erkannt, daß sie zu uns gehörte. Er hatte die völlig durchnäßte Frau auf +das Stroh seines Wägelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke +zugedeckt. + +Ich ließ die Bewußtlose nach einem unserer Krankenzimmer am „Stillen Weg“ +schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verständigte ich über das +Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere ärztlichen Maßnahmen. Wir +verhehlten uns beide nicht, daß wir vor einer sehr ernsten Aufgabe +standen. Sämtliche Männer, die um das traurige Vorkommnis wußten, auch der +Bauer, gelobten Stillschweigen. + +Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug +sie die Augen auf. Sie lächelte mich an, ohne daß sie bei klarer Besinnung +war, und sagte: + +„Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Sünden!“ + +Die Augen fielen wieder zu, öffneten sich aber bald aufs neue. + +„Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz müde war und auf die Straße fiel, +ist sie zu mir gekommen.“ + +Dann wieder tiefe Bewußtlosigkeit. + +Gegen Mittag ließ sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blaß und +rang die Händchen ineinander. + +„Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?“ + +Ich sah sie streng an. + +„Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind +zu entreißen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewußt, daß Joachim +in die Klause eindringen wollte?“ + +„Nein, ich habe ihm bloß gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts +erfahren, bis er Luise brachte.“ + +„Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?“ + +„Ich – ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir +wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim +wollte auch bald am Morgen fort.“ + +Ich dachte daran, wie sicher der mütterliche Instinkt die unglückliche +Katharina geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie +zusammengebrochen. + +„Was wird nun werden?“ fragte die Mutter. „Wie steht es?“ + +„Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder +schreiben, daß sein sehnlichster Wunsch, diese Frau möge sterben, +wahrscheinlich in Erfüllung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen.“ + +Die Mutter weinte. + +„Fritz, du mußt nicht so von ihm denken. Er hat doch auch viel gelitten. +Gestern hat er unrecht gehandelt. Er ist dann die ganze Nacht wach +geblieben, und ich glaube, wenn die Frau jetzt stirbt, wird es sein +Gewissen sehr bedrücken. Er ist ja deswegen auch noch nicht abgereist.“ + +Ich lachte. + +„Hab keine Sorge, Mutter, Joachims Gewissen ist recht robust.“ + +„Ihr werdet euch nie verstehen.“ + +„Nein. Niemals! Mit solch einem Kerl niemals!“ Sie saß noch ein Weilchen +da. Ich fand kein gutes Wort für Joachim, auch nicht für sie, fragte auch +nicht, was die beiden wohl nun mit Luise vorhätten, und so ging sie ... + +Unsere Patientin war schwer krank, und eine heftig einsetzende +Lungenentzündung nahm uns bei der schlechten Beschaffenheit des Herzens +fast alle Hoffnung. + +Am zweiten Tage abends wurde von Waltersburg aus wieder nach Katharinas +Befinden gefragt. Ich schrieb auf einem Zettel: + +„Joachim mag sich noch etwas gedulden; es ist bald aus.“ + +Am selben Abend hörte ich draußen vor den Fenstern ein helles +Kinderlachen. Da sah ich Luise draußen. Stefenson hatte das Mädel um den +Hals gefaßt und führte sie die Straße herauf. + +Ich ging hinaus. Das Kind stürzte auf mich zu. + +„Onkel, lieber Onkel“, rief es selig; „denke dir, Pappa ist wieder da.“ + +Stefenson strahlte über das ganze Gesicht. Er flüsterte mir zu: + +„Es ist nicht so gegangen, wie ich wollte. Ich hatte mir einen genialen +Plan zurechtgelegt, dem Kerl das Mädel zu nehmen; da gab er es leider +freiwillig her.“ + +Das Kind klammerte sich an mich. + +„Onkel, lieber Onkel, laß doch nicht mehr den bösen Mann zu mir kommen. +Ich hab so schreckliche Angst vor ihm!“ + +Ich sagte ihr nicht, daß der „böse Mann“ ihr Vater sei. Es gibt +Hunderttausende von Kindern, für die der eigene Vater der „böse Mann“ ist. +Die männlichen Schweine fressen zuweilen den eigenen Nachwuchs auf; ich +schätze menschliche Väter, die ihrer Kinder Jugendglück vergiften, noch um +einige Grade niedriger ein als die selbstsüchtigen Borstentiere. Denn im +Schweinekoben ist der Schmerz kurz, bei lieblosen Menschenerziehern dehnt +er sich Jahr für Jahr. + +„Kommt der böse Mann wieder?“ + +„Nein, Luise, er kommt nicht mehr!“ + +„Dann mußt du der Magdalena sagen, daß wir nicht mehr in der +Genovevenklause wohnen wollen; wir wollen lieber wieder in den Forellenhof +ziehen.“ + +„Hast du Magdalena lieb, Luise?“ + +„Ja, ich will wieder zu ihr. Wo ist sie?“ + +„Sie ist jetzt krank; aber vielleicht wird sie wieder gesund.“ + +„Sie wird doch nicht sterben?“ fragte das Kind weinerlich. + +„Nein, Herzchen“, sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen +Stefenson und ich mit dem Kinde den „Stillen Weg“ entlang ... + +Keinem unter allen Sündern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht +wie den Unbarmherzigen. Was er für sie hat, ist die „ewige Finsternis, wo +Heulen und Zähneknirschen ist“. Diese Höllenstrafe trifft die +Unbarmherzigen schon auf dieser Welt. Denn Unbarmherzigkeit ist +Finsternis, und Haß heult und knirscht mit den Zähnen und ist verbannt von +allem Frieden und allem Glück. + +In diesem Lichte sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der +röchelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre heißen Hände sich die Wand +hinaufkrallen sah, ihren qualvollen Husten hörte, schickte ich auf neue +Anfrage aus Waltersburg einen Zettel an Joachim: + +„Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebräuchen vertraut. Freue +dich, deine Frau hängt am Marterpfahl!“ + +Daraufhin ließ er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ... + +In ihren Fieberträumen schrie die Frau immer wieder: + +„Taufe mich, heiliger Johannes, taufe mich!“ + +Und sie jammerte nach dem Kinde. + +Als sie das erstemal bei klarem Bewußtsein war, als sich der Fieberblick +in Angst und Todestraurigkeit verlor, wußte sie nichts zu sagen als: +„Luise ist fort!“ + +Da sah ich sie lächelnd an. + +„Nein, liebe Käthe, Luise ist hier. Du bist nur jetzt noch krank; du +bildest dir bloß ein, daß Luise fort ist.“ + +„Ich – ich bilde es mir bloß ein?“ + +Ein kleines, halb irres Lachen flog um ihren Mund. + +„Ich bilde es mir bloß ein!“ + +„Ja, liebe Käthe – du denkst das bloß so ...“ + +„Ich denke es bloß so? Wo ist denn Luise? Warum ist sie denn nicht bei +mir?“ + +„Sieh nur, Käthe, du bist krank; das Kind lärmt zu sehr. Du weißt doch, +wie es lärmt.“ + +„Es ist so schön, wenn es lärmt!“ + +Und sie lächelte lieb und seltsam und schlief ein. + + ------------------------------------------------------- + +Es ging auf die Krisis zu. Wie das so ist in solchen Fällen: das Befinden +schwankte; einmal ging es der Kranken etwas besser, ein anderes Mal wieder +war es ganz zum Verzweifeln. Immer der eine Satz: „Wenn das Herz aushält, +dann ...“ + +Ja, wenn! + +Am siebenten Tage ließen wir Luise zu der Kranken. Wir hatten Luise wohl +vorbereitet. + +„Du darfst nicht schreien oder weinen oder lärmen. Du darfst nur ganz +leise auf den Zehen ans Bett gehen, der Magdalena die Hand küssen und +sagen: ‚Mamma, ich hab dich lieb!‘“ + +So hat es das Mädchen getan. Die Kranke lag mit verklärtem Gesicht, und in +ihren Augen war ein Strahlen, als ob ihr der Himmel offenstände. + +Als das Kind das Zimmer verlassen hatte, ging ein Frösteln über den Körper +des Weibes: + +„Es ist alles nicht wahr gewesen – ich hab das Furchtbare nur geträumt – +Luise ist wirklich da ...!“ + + ------------------------------------------------------- + +Am zehnten Tage wußten wir, daß Katharina am Leben bleiben würde. Freilich +würde sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung +nicht in Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es würde ein sehr +stilles Leben sein, was Katharina fortan führen müßte. + +Am hellen Mittag trat mir auf dem „Stillen Weg“ der Bruder entgegen. Er +gesellte sich zu mir, ohne daß wir uns die Hände reichten. + +„Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?“ fragte er mit offener Furcht in den +Augen. + +„Ja, es ist überwunden!“ + +Da atmete er auf. + +„Ich habe schwere Tage und Nächte hinter mir“, sagte er etwas stockend; +„deine Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch +deine Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient.“ + +Ich antwortete nicht. Er fuhr fort: + +„Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Käthe zu einer Zeit, wo du es für +angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu übergeben. Er ist offen; +du sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthält nichts als einen kurzen +Abschied, und daß wir jetzt, durch Land und Meer für immer getrennt, ohne +Feindschaft aneinander denken wollen.“ + +Ich wandte den Kopf zur Seite. + +„Und Luise?“ + +„Luise werde ich ihr lassen.“ + +Wir gingen schweigend nebeneinander hin. Dann sagte er: + +„Daß ich von dem Kinde ohne Abschied fortgehen muß, fällt mir sehr schwer. +Du wirst es nicht glauben; aber es ist wahr. Das Kind würde sich fürchten, +wenn es mich wiedersähe. Ich bitte, daß du dich weiter des Mädchens +annimmst. Mit einem Kapital werde ich es ausstatten. Willst du die Sache +übernehmen?“ + +„Ja.“ + +„Ich danke dir!“ + +Wieder gingen wir ein Stückchen wortlos weiter. + +„Ich könnte nun gehen, Fritz; aber das Schwerste habe ich noch zu sagen.“ + +Ich sah ihn fragend an. Da brachte er heraus: + +„Die Mutter will mit mir nach Amerika.“ + +Ich blieb stehen. + +„Du mußt nicht glauben, Fritz, daß ich Mutter dazu überredet habe. Sie hat +es von selbst gewollt.“ + +„Ja, ich kann es mir denken.“ + +Etwas unendlich Bitteres quoll mir durch die Seele. + +„Wann wollt ihr denn fort?“ + +„Morgen. Die Mutter läßt dich fragen, wann sie sich von dir verabschieden +kann. Willst du am Nachmittag zu ihr hinunterkommen?“ + +Ich mußte erst ein paarmal Atem holen, dann sagte ich: + +„Ja, ich werde kommen.“ + +Joachim blieb stehen. + +„So habe ich dir alles gesagt, Fritz. Nun kann ich mich von dir +verabschieden. Wenn du zu Mutter kommst, werde ich euch nicht stören, +werde ich schon fort sein.“ + +Es wurde ihm schwer. + +„Leb wohl, Fritz; hab keinen Groll mehr gegen mich. Ich danke dir für +alles Gute – auch, daß du mich fünf Jahre lang gesucht hast – auch, daß du +neulich so mit mir gesprochen hast.“ + +Die Stimme stockte ihm, und auch ich brachte es kaum heraus, als ich +sagte: + +„Behüte dich Gott, Joachim!“ + +Als er sich schon abgewandt und die ersten Schritte gemacht hatte, +erscholl jenseits eines kleinen Gebüsches das selige Kinderlachen Luises. + +Joachim wandte sich noch einmal um. + +„Ist sie das?“ + +Ich nickte mit dem Kopf. + +Da legte er die Hand über die Augen und ging schwer und langsam den Berg +hinab. + +Und noch einmal erscholl das Lachen des spielenden Kindes hinter ihm her. + + + + + + FREUND STEFENSON + + +Nun war es vorbei. Ich stieg von Neustadt aus den Weihnachtsberg hinauf. +Der Zug, der meine Mutter in die weite Welt davongeführt hatte, war längst +nicht mehr zu sehen. Der Bruder war schon gestern bis zur +Provinzialhauptstadt vorangereist; ich hatte ihn nicht mehr getroffen. + +Die Bitterkeit war aus meiner Seele gewichen und hatte einer stillen +Trauer Platz gemacht. Die letzten Stunden, die ich mit meiner Mutter +verlebt hatte, waren voll reinster Liebe gewesen, ohne Eifersucht, ohne +Neid, ohne Groll auf den Bruder, um dessentwillen sie mich und die alte +Heimat verließ. Joachim sollte nicht wieder einsam und verbittert durch +die Welt irren; die Mutter wollte nicht wieder Tag für Tag sehnsüchtig am +Fenster stehen und auf das schwermütige Plätschern des Johannesbrunnens +lauschen. + +Mich wußte sie in Sicherheit, mit einer großen Aufgabe betraut, die mein +Herz ausfüllen würde. So ging sie mit dem anderen, dem Einsamen. + +Es war weiblich, es war mütterlich; es konnte wohl nicht anders sein. + +Aber wie ich auf die andere Seite des Weihnachtsberges kam und mein altes +Waltersburg liegen sah, den Marktplatz mit dem Brunnen und mein +verlassenes Vaterhaus, da setzte ich mich todmüde an den Wegrand ins welke +Gras. Ich barg das Gesicht in den Händen und saß lange so. + +Als ich endlich aufblickte, sah ich mir gegenüber auf dem anderen Wegrande +Stefenson sitzen. Ich war unwillig, daß er sich so angeschlichen hatte, +aber er kam mir mit teilnehmendem Gesicht, ganz ohne seine sonstige +spöttische Art, entgegen, so daß mein Ärger verflog. + +Stefenson setzte sich neben mich und legte mir die Hand aufs Knie: + +„Sehen Sie, alter Junge, so was tut weh. Das begreife ich. Aber da müssen +Sie auch begreifen, daß ich Sie nicht allein lassen kann, daß ich mich um +Sie kümmern muß. Ich bitte Sie, daß Sie mir einige Minuten zuhören. Sie +brauchen mir gar nicht zu sagen, was für Gefühle Sie bewegen, aber ich +bitte Sie, mir zu erlauben, daß ich als Ihr Freund zu diesen Gefühlen +Stellung nehme. Zunächst mal, ob Ihrer Mutter der Aufenthaltswechsel auch +bekommen wird. Daran denken Sie ja wohl an erster Stelle. Nun, ich meine, +sie ist von guter Natur; Rio ist ein ganz gesunder Wohnort; Ihr Bruder ist +Arzt, der sie ständig überwachen kann; außerdem ist er in der Lage, ihr +das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, dann, Ihre Mutter sieht +einmal die Welt. Nicht mehr mit der Aufnahmefähigkeit, der Spannkraft, dem +Überschwang der Jugend, aber mit dem ganzen Hochgenuß, mit dem ein reifer, +feiner Kopf die Schönheiten dieser alten Erde betrachten kann. Und gar Rio +de Janeiro! Dort hören die Tauben die Vögel singen, dort sehen die Blinden +die Blumen blühen; das wissen Sie ja selbst, Ihre Mutter wird leben wie im +Paradies. Aber das wird freilich alles nicht hindern, daß sie das Heimweh +bekommen wird – nach dem alten Nest da unten – nach dem Hause am Brunnen – +auch nach Ihnen. Schütteln Sie nur nicht den Kopf, lieber Freund; eine +Mutter liebt immer am meisten das ihrer Kinder, das nicht bei ihr ist. Und +da denken Sie nur daran, daß sie eines schönen Tages wieder dasein wird. +Inzwischen lassen Sie unten in dem Hause am Markt alles, wie es ist; +lassen Sie alle Tage die Möbel wischen, alle sechs Wochen frische Gardinen +aufstecken, im Winter die Stuben heizen, im Sommer die Polster einmotten, +auch Kupfer und Zinn in der Küche putzen und den Kanari gut im Futter +halten, damit Ihre Mutter alles in Ordnung findet, wenn sie wiederkommt.“ + +„Stefenson“, sagte ich dankbar, „Sie sind ein seelenguter Mensch.“ + +Das verdroß ihn. Er sagte zunächst gar nichts, spuckte dann mit großem +Geschick bis zum gegenüberliegenden Wegrand und meinte endlich in gänzlich +verändertem Tone: + +„Sie verstehen mich immer noch nicht. Das müssen Sie doch wissen, daß so +’n alter Fuchs wie ich immer seine Hintergedanken hat, wenn er mal ’nen +Abstecher ins Gefühlsmäßige macht. Zum Beispiel jetzt habe ich gerade ein +wichtiges Geschäft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie +wenigstens zustimmen müssen, und da ist es mir natürlich verdrießlich, +wenn Sie in verkaterter Stimmung sind.“ + +„Und deswegen suchten Sie mich zu trösten?“ + +„Ja, nur deswegen!“ + +Ich lächelte. Er sah es und wurde erbost. + +„Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre +Familienangelegenheiten an? Glauben Sie, daß ich mich bei meinen tausend +Geschäftsfreunden darum kümmern kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder +haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob die Motten in ihre Möbel kommen +oder ihr Kanarienvogel verhungert? Hätt’ ich viel zu tun. Aber wenn zwei +Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der eine von ihnen +Zahnschmerzen hat, hat der andere dafür zu sorgen, daß der Zahn gezogen +oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose.“ + +Ich lächelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts. + +Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen: + +„Wenn Sie etwas Geschäftssinn hätten, hätten Sie mich längst gefragt, um +was für ein Geschäft es sich handelt.“ + +„So sagen Sie es mir – bitte!“ + +Er war verstimmt. + +„Nun, ich kann ja den Weihnachtsberg auch ohne Sie von den Neustädtern +zurückkaufen.“ + +„Den Weihnachtsberg wollen Sie zurückkaufen?“ + +„Ich sagte es Ihnen eben. Wir müssen unser Heim bis zum Gipfel des Berges +ausdehnen, sonst spucken uns die Neustädter auf den Kopf.“ + +„Sie werden den wichtigsten Aussichtspunkt nie hergeben.“ + +„Trösten Sie sich. Wozu habe ich in der ‚Neustädter Umschau‘ seit drei +Wochen Artikel gegen den Weihnachtsberg veröffentlicht? Zum Beispiel, daß +sein Besuch von Neustadt aus außerordentlich zu wünschen übrig lasse, weil +der viel bequemer zu erreichende Ochsenkopf eine viel bessere Aussicht +bietet, daß die Rentabilität außerordentlich gering sei, die Pächter +nichts zu leisten vermöchten und solchen Kram mehr. Die Neustädter sind +bereits mürbe. Denn sie sind wieder mal im Dalles. Nun habe ich vorgestern +einen Artikel gebracht, man solle den Weihnachtsberg, wenn sich eine gute +Gelegenheit böte, an irgendeine neutrale Person je eher je besser +verkaufen, damit er ja nicht mal in Waltersburger Hände fiele, was die +Konkurrenz drüben stärken würde.“ + +„Was bezwecken Sie damit?“ + +„Daß mein Vertrauensmann, der sich als Privater um den Kauf der +Weihnachtsbergkuppe bemüht, die Sache billig bekommt. In vierzehn Tagen, +denke ich, können wir oben einziehen.“ + +Wir waren inzwischen aufgestanden und stiegen langsam den Berg hinab. +Stefenson sprach immerfort von seinen Plänen und brachte es wirklich +zuwege, daß meine Bangigkeit nachließ und ich ihm wenigstens mit halber +Aufmerksamkeit zuhörte. Er begleitete mich bis in mein Arbeitszimmer. Dort +sagte Stefenson: + +„Nun gestehen Sie es sich mal selber, lieber Freund: die ganze Zeit, da +unser Heim besteht, haben Sie, der die Lehre von den Ferien vom Ich +erfunden und gepredigt hat, selbst mit Haut und Haaren mitten im dicksten +Ichleben gesteckt. Hauptsächlich wegen Ihrer Familienangelegenheiten. +Jetzt erst, wo sich alles in Frieden löst, werden Sie Ihrer Idee ganz und +mit Freuden dienen können. Sie lehren selbst: in den Ferien vom Ich los +von der Familie! Deshalb habe ich auch von Anfang an gemeint, wenigstens +einer von uns beiden müsse ganz ohne Familie sein.“ + +„Und welcher von uns beiden soll das sein?“ + +„Sie!“ + +Fast hätte ich über den alten Egoisten lachen müssen. + +„Sie wären aber doch viel geeigneter, Stefenson; denn Sie sind doch schon +ohne Familie.“ + +„Sie vergessen, daß ich eine Braut habe.“ + +„Eva Bunkert? Ich meine, dieser Verlobtenstand ist einseitig.“ + +Er lachte. + +„Bah – wegen der Auskneiferei – wegen dieser Marotte? Ich habe an Eva +einen vernünftigen Brief geschrieben, habe ihr gesagt, ich würde ihr gern +nachreisen, wenn es nicht zu dumm wäre, und wenn ich Zeit dazu hätte. Sie +solle ja nicht annehmen, daß ich jetzt plötzlich an ihrem Theater als +Coiffeur, Portier, Kulissenschieber oder dergleichen auftauchen würde, um +sie weiter zu beobachten. Das würde abgeschmackt sein; denn ich mache +keinen Witz zweimal. Im übrigen liebte ich sie unverändert weiter und +überließe ihr, zu bestimmen, wann unsere Hochzeit sein solle. Diesen Brief +habe ich vor acht Tagen geschrieben und noch keine Antwort. Das ist doch +ein sehr günstiges Zeichen.“ + +„Ich würde dieses Zeichen anders auslegen.“ + +„Nein. Sie grämt sich. Sie kann gar nicht schreiben. Wäre ich ihr egal, +hätte sie mir einen schnippischen, und wäre sie ein oberflächliches Weib, +sofort einen freundlichen Verzeihungsbrief geschrieben. So ist sie ein +braves Mädel, das mich liebt, und schreibt gar nicht.“ + +„Es kann schon so sein“, sagte ich müde; „ich hoffe, daß es Eva gut geht!“ + +„Nun, so ... so ... Vor fünf Tagen hat sie das erstemal auf der Oper +gesungen. Zwei Kritiker haben sie bestehen lassen; einer hat sie etwas +mitgenommen. Mit dem habe ich mich telephonisch verbinden lassen. Ich habe +den Mann aufgeklärt, um was es sich handelt – so in großen Zügen natürlich +–, und ihm gesagt, daß er mir einen Riesengefallen tun würde, wenn er +Fräulein Eva Bunkert nach Strich und Faden verrisse und an der Oper +unmöglich mache. Meine eventuelle Erkenntlichkeit für ihn habe ich dem +Kritiker wirklich nur ganz diskret und delikat angedeutet. Trotzdem hat +mir der Grobian gesagt, es sei schade, daß sich telephonisch keine +Ohrfeigen austeilen ließen; im übrigen sei Fräulein Bunkert ein +außerordentlich hoffnungsvolles Talent. Das habe ich davon. Nun wird sie +auch dieser Kerl loben. Ach, du lieber Gott, die deutschen +Zeitungsschreiber sind sehr verschiedener Art.“ + +„Und Sie fürchten gar nicht, daß Eva Bunkert Ihnen verlorengehen könnte?“ + +„Nicht eine Minute. Sie hat gebissen. Ich halte sie fest. Wenn sie noch +ein wenig herumzappeln will, kann ich ihr den Spaß ja gönnen.“ + +So purzelte Stefensons draufgängerische, frische Art durch den bangsten +Tag meines Lebens. Und als ich am nächsten Morgen nach tiefem Schlaf +erwachte, fühlte ich mich gesund und munter, stark genug, dem Leben ins +Auge zu schauen und mit Lust und Freude an meinem schönen Werke weiter zu +schaffen. + + ------------------------------------------------------- + +Etwa drei Wochen später besuchte mich Stefenson wieder in meinem +Arbeitszimmer. Auf dem Tische lag die neueste Nummer der „Neustädter +Umschau“. + +„Ich habe diesmal nichts drin“, sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. +Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riß er die Augen auf, trat +ans Fenster. + +„Haben Sie schon – haben Sie schon gelesen?“ fragte er aufgeregt. + +„Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar +nicht hineingeschaut.“ + +„Da – da ...“ + +Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las: + +„Verlobung. Die Opernsängerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen +Baurats August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn +des herzoglichen Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. – Eine +rasche Künstlerkarriere!“ + +„Da haben wir’s“, sagte ich. „Die Sache ist in der Tat sehr rasch +gegangen.“ + +„Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen +wissen?“ brüllte Stefenson. + +„Ja, was soll ich in meiner Überraschung dazu sagen? Es tut mir natürlich +leid um Sie!“ + +„Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu +tun. Ich verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, daß ich diese Gans los +bin. Ich bin auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses +flatterige Ding mit ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer +zu, immer zu! Was verliere ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich +bei ihm in Taschentücher mit einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen +kann, deshalb gibt sie mich auf. Einen Mann wie mich, der diese bankerotte +Bauratstochter gegen alle Vernunftgründe geliebt hat und sie heiraten +wollte, gibt sie auf!“ + +Er sank in einen Stuhl. Sein Schmerz war maßlos. Aber ich blieb kühl. + +„Lieber Freund“, sagte ich, „es ist sicher für unsere Gründung ganz gut, +wenn Sie familienlos bleiben, wenn Sie Ihre Selbständigkeit, den ruhigen, +klaren Blick ...“ + +„Halten Sie den Mund! Kommen Sie mir nicht mit solchem Blödsinn. Satt hab +ich’s, satt. Meinetwegen mag die ganze Geschichte hier zum Teufel gehen. +Mir liegt an nichts mehr etwas, an gar nichts mehr!“ + +Er wand sich in dem Lehnstuhl, in dem er saß, wie in Krämpfen. Ich stellte +mich ans Fenster und zündete mir eine Zigarre an. Da knirschte er: + +„Sprechen Sie wenigstens; sagen Sie etwas zu mir. Das kann ich doch wohl +verlangen.“ + +„Sie lassen mich ja nicht zu Worte kommen, Stefenson. Und dann, ich weiß +selbst nicht, was ich zu der Sache sagen soll.“ + +„Jawohl, Sie machen sich eben nichts aus mir. Sonst könnten Sie sich jetzt +nicht so pomadig eine Zigarre anzünden. Schöner Freund! Glauben Sie denn, +daß sie mit dem Grafen, diesem neunmal gehörnten Kerl, glücklich sein +wird?“ + +„Das kann ich nicht beurteilen.“ + +„Das müssen Sie beurteilen können! Sie müssen wissen, daß solche +sogenannten Mesalliancen nie zum Glück führen, daß dieses Weib im Hause +ihres gräflichen Gatten als Eindringling entweder gar nicht zugelassen +oder _sub_ Luder behandelt werden wird, daß der Mann ihrer überdrüssig +sein wird, wenn ihre Schönheit verblüht, daß sie dann im Elend sitzen +wird.“ + +„Das kann schon alles so kommen, es kann aber auch anders sein. Es kommt +ganz auf den Mann an. Prophezeien kann niemand, höchstens unsere alte +Wahrsagerin unten in Waltersburg.“ + +„Wollen Sie mich verspotten? Sich über mich lustig machen? Ist das Ihre +Freundschaft?“ Er war wütend. + +„Lieber Stefenson, Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Was immer ich auch jetzt +sagen möchte, würde Ihnen nicht gefallen. Warten wir also ab, bis Sie sich +etwas beruhigt haben, und daß Sie dann ganz auf mich rechnen können, +wissen Sie ja doch!“ + +„Ich werde mich nie beruhigen“, sagte er. „Über das komme ich nicht weg!“ + +Wohl zehn Minuten vergingen, während deren Stefenson im Zimmer auf und ab +schritt. Manchmal blieb er stehen, sprach leise mit sich selbst oder +fuchtelte mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er: + +„Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwähnten?“ + +„Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten +Zollhaus, kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger +Weg, ein Weib, das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie +nennt sich nach ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heißt, wie alt sie +ist, weiß kein Mensch. Für fünfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den +Bürgern, Bauern und Köchinnen die Zukunft.“ + +„Und stimmt es, was sie sagt?“ + +„Ja, das weiß ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft +nicht gekümmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fünfundzwanzig +Pfennig zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt, +wir würden bald eine mächtige Tracht Prügel bekommen. Und das ist auch +eingetroffen. Es kam nämlich heraus, daß wir die fünfundzwanzig Pfennig +zur Sibylle getragen hatten, und wir bekamen Prügel dafür.“ + +Ich wußte, daß Stefenson abergläubisch war. Viele sonst sehr kluge +Menschen sind es. Stefenson fing an einem Freitag kein Geschäft an, es +beunruhigte ihn, wenn eine Katze über seinen Weg lief, und er hatte immer +ein altes Hufeisen auf seinem Schreibtische liegen. Er stammte ja auch aus +Amerika, wo der Aberglaube zu Hause ist. Jetzt fühlte er das Bedürfnis, +sich ein wenig zu rechtfertigen, und sagte: + +„Es ist durchaus falsch, alle Hellseherei von vornherein als Unsinn zu +erklären. Es können da Naturkräfte wirken, die wir nicht kennen.“ + +„Gewiß – gewiß!“ + +Er versank wieder in tiefe Traurigkeit. + +„Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, +sie möge doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen +wolle, daß ein Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten +wolle, zu deren gründlichster Prüfung berechtigt sei, so solle sie halt +denken, daß es mir doch auch Spaß gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich +eine unerkannte Rolle zu spielen, und daß ich doch eigentlich als Knecht +Ignaz um sie gedient habe wie Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von +diesem Brief glaubte ich, er sei eigentlich zu deutsch, zu sentimental. +Aber es war mir so ums Herz, und so schickte ich ihn ab. Der Brief wird +gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen sein.“ + +Es schüttelte ihn vor Schmerz und Zorn. + + + + + + DER FUCHS UND DIE SIBYLLE + + +Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe +windbrüchiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum +Hause der Sibylle schlängelte. Das kleine Anwesen sah schäbig und +unordentlich aus. Die Tür stieß einen grämlichen Quieker aus, als ich +eintrat. Der Hausflur war finster, aber in dem daranstoßenden Zimmer, +dessen Fenster mit buntem Kattun verhängt waren, brannte eine kleine +Lampe. Die „Sibylle“ erhob sich und kam mir entgegen. Mit krummem Rücken, +auf einen Stock gestützt, hob sie ihr verrunzeltes Gesicht, das in dem +trüben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu mir empor. + +„Wird er kommen?“ fragte sie. + +„Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kräftig +eingeredet. Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten +Sie sich genau an unsere Abmachungen.“ + +„Jawohl!“ nickte das Weib. + +Ich mußte eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefaßt hatte, +beinahe auf. Noch zweimal hatte Stefenson heute von der Wahrsagerin +angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwürdige Fälle erzählt, in +denen die Voraussagungen der Sibylle in verblüffender Weise eingetroffen +waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten +verlassen, da sah ich den alten Fuchs um die Wegkrümmung treten und +vorsichtig umherspähen. + +„Er kommt!“ sagte ich zu der Sibylle durch die Tür. „Nun machen Sie Ihre +Sache gut.“ + +Fünf Minuten später hörte ich nebenan Stefenson eintreten. + +„Guten Abend“, sagte er etwas verlegen. „Ich komme mal zu Ihnen. Sie +brauchen sich deswegen nicht etwa einzubilden, daß ich auf Ihren Quatsch +etwas gebe; aber ich habe von Ihnen gehört, und da will ich mal einen +Versuch machen – der Wissenschaft halber, verstehen Sie?“ + +Die Sibylle rührte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in +ein geflicktes Umschlagetuch gehüllt, vor Stirn und Augen hatte sie einen +grünen Lichtschirm, über dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das +alte Weib betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte +kein Wort. + +„Nun?“ mahnte Stefenson ungeduldig. + +Keine Antwort. + +„Ja, wollen Sie nun gefälligst mit mir sprechen?“ brauste der Amerikaner +auf. + +„Scheren Sie sich hinaus!“ krächzte die Alte. + +„Wa–as?“ + +„Hinausscheren sollen Sie sich!“ wiederholte der häßliche Rabe. + +„Das ist stark!“ sagte Stefenson verblüfft. „Nun bleibe ich natürlich +hier!“ + +Er schob sich den wackligen Stuhl, der an der Wand lehnte, zurecht und sah +mit stoischer Ruhe zu, wie das alte Weib ihre Karten mischte und legte, +ohne ihn auch nur im geringsten zu beachten. Ich vergnügte mich an meinem +Guckloche königlich. + +Endlich stand Stefenson auf, legte auf die Tischkante eine Münze und sagte +mit erzwungener Höflichkeit: + +„Madame, ich möchte gern durch Ihre Kunst meine Zukunft erfahren.“ + +„Warten Sie!“ schnarrte der Rabe. + +Und Stefenson wartete. Sibylle betrachtete indes unverwandt ihre Karten. +Endlich schien sie fertig zu sein. Sie warf einen Blick auf das Geldstück +und sagte: „Auf zwanzig Mark kann ich nicht herausgeben. Es kostet +fünfundzwanzig Pfennig.“ + +„Behalten Sie nur das Goldstück“, erwiderte Stefenson. Da schnipste sie +mit dem Finger die Münze vom Tische hinab auf den Fußboden und kreischte +wütend: + +„Fünfundzwanzig Pfennig kostet es!“ + +Stefenson kramte in einer Westentasche und legte fünfundzwanzig Pfennig +auf den Tisch. + +„Stecken Sie das Goldstück ein!“ befahl die Alte. Stefenson leuchtete mit +Streichhölzern gehorsam den Fußboden ab, bis er die Goldmünze fand, und +steckte sie ein. Darauf mischte Sibylle die Karten, ließ Stefenson dreimal +abheben und sagte: + +„Sie sind neunundvierzig Jahre alt!“ + +Stefenson lachte ärgerlich. + +„Neununddreißig bin ich.“ + +„So sehen Sie nicht aus!“ + +Darauf wurden die Karten auf den Tisch gebreitet. + +„Richtig – erst neununddreißig“, sagte die Wahrsagerin. + +„Am 14. April geboren.“ + +„Das stimmt!“ rief Stefenson verblüfft. + +„Es stimmt alles, was ich sage“, knurrte die Alte. + +„Sie haben weder Vater noch Mutter, Bruder noch Schwester. Sie sind nicht +aus diesem Lande, Sie sind über das Wasser gekommen.“ + +Stefenson setzte sich staunend auf den Stuhl. + +„Sie sind sehr reich“, fuhr die Alte fort, „und werden immer reicher +werden; aber Sie haben Unglück in der Liebe.“ + +„Ja“, murmelte Stefenson. + +„Ihre Braut heiratet einen anderen.“ + +„Ist das wahr?“ + +„Ja. Aber Sie sind selbst schuld; Sie haben Ihre Braut schlecht behandelt +und sie betrogen.“ + +Stefenson stöhnte leise. Die Alte fuhr fort: + +„Wenn Sie sich mit dem neuen Bräutigam Ihrer Braut duellieren, werden Sie +ihn töten.“ + +„A–ah!“ + +„Ja, aber es wird Ihnen schlimm ergehen, weil er ein vornehmer Herr ist, +und das Mädchen wird doch einen anderen nehmen.“ + +„Wird sie glücklich werden?“ fragte Stefenson. + +„Sie wird mit jedem Manne glücklich werden, den sie nimmt. Nur mit Ihnen +wäre sie unglücklich geworden.“ + +„Das ist nicht wahr!“ rief Stefenson. + +„Das ist ebenso wahr, als daß Sie nach einem Jahre eine reiche +Amerikanerin heiraten werden.“ + +„Schwindel!“ rief Stefenson erbost. „Ich werde nie eine andere heiraten. +Sie schwafeln da einen ungeheuren Blödsinn zusammen!“ + +„Scheren Sie sich hinaus!“ kreischte der Rabe wütend und klappte die +Karten zusammen. + +„Ich bitte, daß Sie weitersprechen“, beruhigte sich Stefenson gewaltsam. + +Die Alte aber erhob sich und humpelte der Nachbartür zu. + +„Bleiben Sie da“, rief Stefenson; „ich habe doch fünfundzwanzig Pfennig +bezahlt.“ + +Sie gab keine Antwort, verschwand hinter der Tür und schob den Riegel vor. + +In diesem Augenblick sprang ich im Nebenzimmer aus dem Fenster hinaus in +den Garten, ging ums Haus herum und trat durch den Flur in die +Vorderstube. + +Als Stefenson und ich uns sahen, prallten wir voreinander zurück. + +„Sie – Doktor?“ + +„Sie – Stefenson?“ + +Er lachte außerordentlich verlegen. Leise sagte er: „Aber wissen Sie – nur +der Wissenschaft halber ...“ + +„Ja – ich natürlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon +dran?“ + +„Ja. Und es hat merkwürdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat +sich abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr +erfahren.“ + +„Wenn es Sie nicht stört, warte ich mit.“ + +Ich sah, daß ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich +auf den Tisch und ließ die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging; +es wurde langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tür der anderen +Stube geklopft, aber keine Antwort erhalten. Endlich hörten wir drin ein +Gekrabbele. + +„Sind Sie noch da?“ krächzte die Sibylle. + +„Jawohl!“ antwortete Stefenson. + +Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte: + +„Ich werde Ihnen für Ihre fünfundzwanzig Pfennig jetzt noch zeigen, wie +Ihre künftige Frau aussieht, und dann scheren Sie sich endlich fort.“ + +„Ich will nichts wissen von einer künftigen Frau, ich bleibe ledig!“ +widersprach Stefenson. „Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir noch +auf einige Fragen Auskunft.“ + +„Nein!“ brummte der Rabe. „Sie werden nur noch Ihre künftige Frau sehen!“ + +Die Tür sprang auf, und in ihrer Öffnung stand Eva Bunkert in ihrer ganzen +strahlenden Schönheit. Stefenson faßte sich an den Kopf. + +„Eva!“ + +„Ja, ich bin’s!“ sagte das Mädchen, blieb stehen und lachte. + +„Wie ist das möglich? Wie ist das nur möglich?“ Stefenson machte den +Eindruck verdattertster Hilflosigkeit. Da sprang ich vom Tisch herunter, +brach in Gelächter aus und schrie jubelnd: + +„Wir haben einen alten, sehr alten Fuchs gefangen. Horrido!“ + +Eva hatte glührote Wangen. Sie trat auf den wie angewurzelt dastehenden, +staunenden Stefenson zu, reichte ihm die Hand und sagte mit warmem Ton in +der Stimme: + +„Mein Lieber, Sie werden mir wegen dieser Komödie nicht zürnen. Eine +kleine Strafe wenigstens hatten Sie für Ihre Ignazmaskerade doch wohl +verdient.“ + +„Ich verstehe nichts – nichts von allem“, stammelte Stefenson. Da griff +ich ein. + +„Also, lieber, alter Fuchs, ich will Ihnen alles kurz erklären, was jetzt +Ihr in eine Wolfsgrube gefallener Verstand doch nicht von selber findet! +Die Sibylle, die Sie befragt haben, war niemand anders als Fräulein Eva +selbst.“ + +„Oh – oh – und die wirkliche Sibylle?“ + +„Sitzt in der Dachkammer und hat uns gegen Geld und gute Worte ihr +Amtslokal mal vorübergehend überlassen. Ist das nicht gut?“ + +Er sagte nicht, daß das „gut“ sei. Ganz förmlich wandte er sich an Eva. + +„Mein gnädiges Fräulein, es ist ja recht, recht liebenswürdig, daß Sie mit +mir zu scherzen belieben; aber ich darf wohl einigermaßen erstaunt sein, +da ich erst heute morgen in der Zeitung –“ + +Ich griff wieder ein. + +„Die ‚Neustädter Umschau‘ war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, +verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich +geschrieben, habe sie in die ‚Umschau‘ lanciert, aber nicht etwa in die +ganze Auflage, sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei +mir abgegeben werden. Da ist eben für diese zwei Nummern im Satzspiegel +eine kleine Änderung gemacht worden.“ + +„So ist wohl alles gar nicht wahr?“ + +„Nein, es ist nicht wahr“, sagte Eva und wurde in dem Maße röter, als +Stefenson bleicher wurde. Ich fürchtete mit einem Male, der Scherz könne +noch schief ausgehen, und sagte deshalb: + +„Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekränkte Unschuld. Da +wären Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der +Ignazgeschichte und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. +Ihr Sündenregister ist in dieser Hinsicht so groß, daß unsere kleine List +eine äußerst gelinde Strafe ist.“ + +„Und – und der Graf Simmern – und der herzogliche Kammerherr?“ + +„Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns +existieren doch gar nicht.“ + +„Ah – so ist das gewesen? Die Anzeige war gefälscht, und die Wahrsagerin +waren Sie selbst. – Es – es ist ja sehr witzig! Gnädiges Fräulein, Sie +haben die alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine +große Schauspielerin.“ + +Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst träte. Ich sagte: + +„Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die +Tracht eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsängerin mal in das +Habit einer Wahrsagerin schlüpft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch +selbstverständlich.“ + +Seine Augen irrten umher. + +„Ich fürchte, die wirkliche Sibylle wird sich in der Bodenkammer erkälten. +Man sollte sie jetzt herunterrufen.“ + +Die Stimmung wurde frostig. Ich sah, daß Evas rote Wangen verblichen. In +diesem Augenblick humpelte die wirkliche Sibylle ins Zimmer. Sie lachte +albern und blinzelte verlangend mit den Augen. + +„Na, Sibylle“, sagte Stefenson, „Sie werden ja von den Herrschaften schon +bezahlt sein; da haben Sie auch von mir noch ein Trinkgeld.“ + +Er legte ein Fünfzigpfennigstück auf den Tisch. Die Alte fauchte +unzufrieden; mir ging die Laune aus. „Gehen wir hinaus!“ sagte ich. Ich +half Eva den Mantel umlegen und fühlte, wie das Mädchen erregt war. +Schweigend stiegen wir den Berg hinauf. Ich hatte einen mächtigen Groll +auf Stefenson. Er selber hänselte alle Welt, aber einen Scherz gegen seine +eigene hohe Person vertrug er nicht. Da hatte mir nun in all den Wochen +die schöne Eva brieflich ihren Liebeskummer geklagt, ich hatte ihr langsam +den Zorn gegen Stefenson, den sie der Ignazmaskerade wegen hegte, +ausgeredet, sie hatte endlich den Brief mit der Stelle von Jakob, der um +Rahel dient, erhalten, war dadurch gerührt, heimlich in Waltersburg +angekommen und hatte sich in der Wohnung ihres Vaters, unseres jetzigen +Baurats, versteckt. Liebesselig und voller Sehnsucht. Ich, der das Mädchen +selbst geliebt hatte, war mit mir fertig geworden, guter Laune zu sein und +ihr zu einem unschuldigen Racheplan gegen den Geliebten zu helfen. Nun +scheiterte alles am Hochmut dieses Hansnarren. + + ------------------------------------------------------- + +Wir waren kurz vor dem Grundhof, da blieb Stefenson plötzlich stehen und +fing unbändig an zu lachen. Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein +Kollern. + +„Also“, sagte er, „nun haben sie den Fuchs gefangen, und da sie ihn in der +Falle haben, machen sie beleidigte Gesichter, weil der Gefangene knurrt, +was doch selbstverständlich ist. Lieber Doktor, Freund und Menschenkenner, +bitte, gehen Sie mal freundlichst voran bis zur Lindenherberge und +erwarten Sie uns im Poetenwinkel. Wir kommen langsam nach.“ + +Ich ging voran, und als die beiden anderen im Poetenwinkel eintrafen, sah +ich in ihnen ein glückliches Paar. + + ------------------------------------------------------- + +Es war noch nicht spät, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengäste +noch alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der +Herbergsvater besaß, angestoßen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher +zu mir: + +„Daß der Kerl von der ‚Umschau‘ zwei Mark für die Zeile der gefälschten +Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschämt. Eine Mark wäre +auch genug gewesen.“ + +„Woher wissen Sie den Preis?“ + +„Na, ich war doch drüben in der Redaktion.“ + +„In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?“ + +„Ja, natürlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die ‚Umschau‘ +die große Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger +Überredungskunst und einigen Papiergeldes den ganzen schönen Schwindel +heraus.“ + +„Das ist infam!“ rief ich. + +„Er hat alles gewußt“, sagte fassungslos die schöne Eva. + +„Jawohl, alles!“ schmunzelte Stefenson. „Dann, als ich von Neustadt +zurückkam, ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der +so ganz geschickt und ganz und gar unauffällig suggerierte, ich solle doch +durchaus mal zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was +dahinter! Da werden die Schlauberger mit dir wohl noch was vorhaben. Und +ich ging zu der alten Sibylle.“ + +„Er hat mich sofort erkannt“, klagte Eva. „So schlecht habe ich gespielt.“ + +„Du hast herrlich gespielt!“ rief Stefenson. „Du bist eine große +Künstlerin. Die Sprache – zum Fürchten; das Äußere – zum Schlechtwerden. +Zum Beispiel diese borstigen Warzen an Kinn und Hals. Ich habe nie eine +schrecklichere Theaterhexe gesehen.“ + +„Es ist aus mit meiner Bühnenlaufbahn“, sagte Eva. „Das ist die +furchtbarste Kritik, die ich bekommen konnte. Ich kann ihm nie, nie was +vormachen!“ + +„Nein“, sagte Stefenson mit großer Befriedigung, „und weil ich jetzt weiß, +daß du mir nie etwas vormachen kannst, heirate ich dich. Ich heirate dich +mit großer innerer Ruhe und mit sehr großem Vergnügen!“ + +Daß uns aber auch diesmal der alte Fuchs übertölpelt hatte, ärgerte mich +so, daß mir der gute Wein nicht mehr schmeckte. + + + + + + ADVENT + + +Es ist nun still geworden bei uns. Stefenson ist nach Amerika hinüber, um +in Eile seiner künftigen Frau ein Heim zu bereiten. Diesmal ist er +wirklich abgereist; ein Vertrauensmann von mir hat ihn in Hamburg an Bord +gehen sehen. Eva wohnt zwar bei ihrem Vater, hält sich aber allermeist im +Forellenhof auf, der ihre zweite Heimat geworden ist. Der Bauer Barthel +hat seit dem Abenteuer seiner Verhaftung an Reputation etwas eingebüßt und +steht jetzt ganz unter dem Regiment der dicken Susanne; aber der alte +Friede ist wiedergekehrt. + +Nur ein wenig still ist es. Methusalem und Emmerich, die lustigen +Burschen, haben auch längst schweren Herzens von uns Abschied nehmen +müssen, um in ihr bürgerliches Leben zurückzukehren, und Piesecke ist vom +Forellenhof fortgezogen. Er wohnt jetzt in der Waldschölzerei. Er sagte +mir, „er habe an Barthel und Susanne mit der Zeit ein Haar gefunden“ und +wolle auch Eva aus dem Wege gehen. In Wirklichkeit hegt sein +leichtbewegliches Herz bereits eine neue Sehnsucht, und diese Sehnsucht +wohnt in der Waldschölzerei. Sie heißt Agathe. + +„Lieber Herr Doktor“, sagte er dieser Tage zu mir, „wenn mich die kleine +Agathe will, dann möchte ich sie heiraten und mit ihr immer hier bei Ihnen +im Heim bleiben. Vielleicht kann ich mich mit etwas Kapital beteiligen und +eine kleine Stellung, so als Subdirektor oder ähnlich, bekommen. Ich +möchte nicht wieder fort von hier; die große Welt hat allen Reiz für mich +verloren.“ + +„Wir wollen abwarten und überlegen, lieber Piesecke.“ + +„Ich soll immer abwarten, nie handeln“, sagte er betrübt. + +„Sie haben eben in Ihrem früheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber +Freund. Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien.“ + +Da fügte er sich. – + +Mit dem schweizerischen Namen „Heimwehfluh“ ist eines unserer kleinen +Anwesen benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die +Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Käthe mit ihrem Kinde. +Die Frau ist blaß und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Mühe +durchsetzen können, daß sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise +ganz allein sein. + +Das Mädchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht, +zu anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie drängt es oft dazu, aber +das Kind bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen +Paradies der Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschichten, +die Mutter spielt so schön, wie niemand spielen kann, die Mutter macht +selbst das Lernen zur Lust. + +Käthe und das Kind sind noch die einzigen Kameraden, die ich hier habe. +Sie stören mich nicht. Ich weiß, daß sie im Frieden sind und daß sie mir, +wenn ich frage, wie es ihnen geht, immer nur die eine Antwort geben +werden: „Es geht uns gut!“ Es ist schön, Menschen zu begegnen, die sagen, +daß es ihnen gut gehe; es ist wie ein herzstärkender Blick auf ein +heiteres Gelände, der sich bei einer so lieben Antwort auftut. + +Im Forellenhof wird jetzt viel geschneidert, gestrickt, gebastelt. Eva +schafft an ihrer Ausstattung, und alles Weibsvolk ist ganz närrisch, ihr +dabei zu helfen. Es ist sehr heimlich in der großen Bauernstube. Der Wind +zieht um die Giebel oder pfeift auf dem Schornstein wie auf einer großen +Flöte, der Regen knistert am Fenster, das Feuer flackert im Herd, die alte +Uhr geht freundlich ihren Weg hin und her mit ihrem Schlenkerbein. +Manchmal erzählt eine der Frauen eine Geschichte, manchmal rattert eine +Nähmaschine, manchmal spielt Vater Barthel auf der Ziehharmonika, oft +kommt einer von den „Mannsvölkern“ in die Stube, schüttelt sich wie ein +Pudel, wärmt sich am Ofen und sagt etwas Nettes oder etwas Dummes, über +das gelacht werden kann. Was bei der Hausarbeit herauskommt, kann ich +nicht beurteilen. Eva wird eine sehr reiche Frau sein, aber vielleicht +sind ihr einmal diese mit recht verschiedenartigem Talent im Ferienheim +gestickten Monogramme und Schneidereien lieb und wert ... + +Ich bekam eben einen Eilbrief von Methusalem aus München: + + + + + + + „Lieber Doktor! + +Unser Freund Stefenson (wo hätte ich den Heimtücker in dem langen Ignaz +vermutet!) hat mich von Amerika aus mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, +die äußeren Feierlichkeiten seines Hochzeitsfestes in Regie zu nehmen. +Trotz meines hohen Alters will ich die Aufgabe übernehmen. (Notabene: Was +sagen Sie als Mediziner dazu, daß ich mit neunhundertachtundneunzig und +dreiviertel Jahren noch einen Weisheitszahn kriege?) Also übernehmen! Die +bewilligten Mittel sind generös. Man könnte damit alle Einwohner eines +deutschen Herzogtums drei Tage lang freihalten. Ich werde mit einem +Bruchteil des Geldes auskommen, und das Fest wird dennoch glänzend sein. +Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer an einer Taubstummenanstalt +und auch sonst ein berühmter Musiker, übernimmt den musikalischen Teil. +Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines großen +deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhöchste +Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon +morgen; sagen Sie Frau Susanne, daß ich vor Sehnsucht nach ihr brenne, +durch welch schöne Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu +heizen, und bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festausschuß +einzutreten. + + Ihr getreuer Methusalem. + +Nachschrift! Ich habe heute aus Freude, so bald nach dem geliebten +Waltersburg zurückkehren zu können, bereits fünf Purzelbäume in meinem +Bett geschlagen. Ich finde das zwar unpatriarchalisch, aber es mußte sein! + + Methusalem.“ + + + + + + +Frau Susanne strahlte, als ich ihr Methusalems baldige Ankunft +verkündigte, und rannte spornstreichs nach dem Kohlenkasten. Sie kann +ihren ältesten Sohn nicht lieber haben als diesen Maler, der sie doch +ständig ärgert und über den sie ständig schimpft. + +Mit Piesecke dagegen hatte ich Schwierigkeiten. + +„Ich lehne ab, dem Festausschuß beizutreten“, sagte er kalt, als ich ihm +Methusalems Brief vorgelesen hatte. „Denn erstens, dieser Stefenson, der +mich als Knecht Ignaz gemißhandelt hat, verdient von mir keine +Gefälligkeit, und diese Eva auch nicht. Was aber Methusalem und Emmerich +anbelangt, so habe ich mich einmal mit ihnen eingelassen und die +traurigsten Erfahrungen mit ihnen gemacht.“ + +„Lieber Piesecke“, sagte ich, „Sie werden sich das noch überlegen. Was +Stefenson anlangt, so sind Sie eine viel zu große Natur, um nachträgerisch +zu sein. Und mit Methusalem und Emmerich dürfen Sie sich ruhig verbinden. +Ich gebe zu, daß sich die beiden in der Waltersburger Schlacht feig und +schäbig benommen haben. Während Sie kämpften, hat der eine gezeichnet, der +andere seine Hymne gesungen. In den Kampf eingegriffen haben sie beide +nicht, obwohl es ihre Pflicht war. Sie sind eben keine Helden. Ein Fest +aber ist keine Schlacht; da werden die zwei ihren Mann stellen. Im übrigen +gebe ich Ihnen zu bedenken, daß, falls Sie sich fernhielten, Fräulein +Agathe aus der Waldschölzerei den schweren Verdacht schöpfen könnte, Sie +hätten Ihren Gram um die verlorene Eva immer noch nicht verwunden.“ + +„Oh“, rief da Piesecke, „den hab ich gründlich verwunden. Aber Sie haben +recht, der Verdacht läge nahe. Also mache ich mit!“ + +Schon am nächsten Morgen kehrten unter ungeheurem Hallo Methusalem und +Emmerich nach dem Ferienheim zurück. Eine Stunde später fand die erste +„Geheime Sitzung des intimeren Festausschusses“, bestehend aus Methusalem, +Emmerich und Piesecke, statt. Ich hatte bescheiden angefragt, ob ich eine +beratende Stimme im Ausschuß haben dürfte, dieses war aber abgelehnt +worden. + + ------------------------------------------------------- + +Was hatten wir für einen schönen Heiligen Abend! Auch über die Festtage +war unsere Anstalt mit Gästen gut besetzt, aber die Leute waren alle kurz +vor dem Christabend etwas stiller geworden. Ich merkte, wie viele an +Heimweh litten. Durch einen besonderen Anschlag war rechtzeitig +bekanntgegeben worden, daß jeder Feriengast ein Paket nach Hause senden +und ein solches von Hause erbitten solle. In den letzten Tagen trafen +viele solche Liebesgaben bei uns ein. Sie wurden in der Direktion +aufgestapelt. Wie nun der Abend kam am 24. Dezember, dieser heilig-süße +Abend, an dem alle Herzen anders gehen als sonst, ritt auf schneeweißem +Roß Knecht Ruprecht von Haus zu Haus. Hinter ihm fuhren in einem mit +Silber, Gold und Tannengrün geschmückten Schlitten vier Engelein, von +denen eines die kleine Luise war, dann kam ein Bläserchor, zuletzt +stampften Zwerge und Waldgeister durch den Schnee, die schleppten alle +Pakete auf den Schultern und taten, als ob sie schwer daran zu tragen +hätten. + +Vor jedem Bauernhof wurde haltgemacht. In der großen Stube brannte der +Christbaum; Knecht Ruprecht trat ins Zimmer und sagte seinen +Weihnachtsgruß, die Engelchen sangen ein Lied, der Bläserchor blies vor +dem Hause einen Choral, und die Zwerge und Waldgeister schleppten Pakete +herbei – Grüße aus der Heimat. + +Da hat keinem von unseren Feriengästen die Weihnachtsstimmung gefehlt. + +Auch ich hatte meine Weihnachtsfreude. Am Nachmittag erhielt ich ein +Kabeltelegramm von der Mutter aus Rio: + +„Sehne mich nach dir. Grüße von Joachim und mir an dich, Luise, Käthe und +die Heimat. Eure Mutter.“ + +Frieden auf Erden! Ich ging nach der Heimwehfluh. Käthe saß am Fenster, +spähte nach dem Lichtschein der Fackeln, die den Schlitten begleiteten, +darin ihr Kind saß, und hörte auf die alten Weihnachtslieder, die aus dem +Tale klangen. + +Ich gab ihr das Telegramm. Sie las es und wurde zum ersten Male wieder ein +wenig rot im Gesicht. + +„Schenke es mir zu Weihnachten“, bat sie. + +„Ich habe es dir ja gebracht.“ + +Ich blieb bei ihr, wollte Luises Rückkehr abwarten. + +Da sagte sie im Laufe des Abends: + +„Ich weiß wohl, daß es nicht mehr allzu lange mit mir dauern kann. Aber +sage mir, ob ich übers Jahr zu Weihnachten noch leben werde.“ + +„Bestimmt, Käthe.“ + +Da trat ein Lächeln auf ihre Züge. + +„Das ist noch eine lange Zeit zum Glücklichsein!“ + + + + + + HOCHZEIT UND ENDE + + +Stefensons Hochzeit fand am späten Nachmittag des ersten Christfeiertages +in aller Stille in der Waltersburger Kirche statt. Nur Evas Vater und ich +waren als Trauzeugen gegenwärtig. Wir waren nicht über den Marktplatz, +sondern auf einem Umweg nach der Kirche gefahren. So war das von +Methusalem angeordnet worden. Auf demselben Wege, den wir gekommen, mußten +wir auch wieder nach Hause fahren. Ich merkte, daß Stefenson verwundert +war. Die heilige Handlung in der Kirche hatte ihn gerührt, und er hatte +wohl erwartet, daß es von der Kirche direkt nach dem Marktplatz zu einer +stimmungsvollen großen Weihnachts- und Hochzeitsapotheose gehen würde. + +Wir fuhren aber nach dem Heim zurück, und zwar nach dem „Rathaus“, und +wurden dort im großen Saal von zahlreichen Feriengästen erwartet. Das +Brautpaar wurde mit Heilrufen empfangen und zu seinen Ehrensitzen +geleitet. Ein schönes Mädchen mit roten Rosen im Haar überreichte den zwei +Glücklichen einen goldenen, mit Wein gefüllten Pokal, das +Hochzeitsgeschenk des Heimes, und sprach dazu Verse, die ein im Heim +anwesender Dichter geschaffen hatte: + + „Alles Wünschen geht zur Ruh: + Du bist ich, und ich bin du! + All dein Schmerz und Leid ist mein, + All mein Gut und Glück sind dein! + Wo dein Fuß geht, ist mein Ziel, + Was zum Dienst dir, ist mein Spiel; + Deine Blumen pflanze ich, + Deine Tänze tanze ich; + Ich will deinen Kummer klagen, + Du sollst meine Kränze tragen; + Ich kann nimmer müde sein, + Ehe du nicht schlummerst ein; + Ja, mein Gott grüßt mich von fern, + Strahlt auf dich ein goldner Stern.“ + +So sprach der Dichter in den Ferien vom Ich zu dem Brautpaar. + +Schöne Lieder wurden gesungen, die Musikmeister Emmerich eingeübt hatte. +Ansprachen wurden gehalten von unserem Direktor, von je einem Vertreter +der Kurgäste wie der Angestellten, schließlich sprach auch ich ein paar +Freundesworte. + +Stefenson war bewegt, als er für die Liebe, die er erfuhr, dankte, als er +sagte, er habe in diesem deutschen Tale den Frieden gefunden, den er +drüben im Lande der rücksichtslosen Dollarjagd niemals gekannt hatte. Hier +habe er nach einem Leben voll Aufregung, Überarbeit und gelegentlichen +wilden Genüssen nicht nur Ferien, sondern Feierabend gemacht. Er wisse +jetzt, da er die Frau seines Herzens gefunden habe, daß ein höheres Glück +ihm Gott nicht mehr geben könne, und so wolle er drüben in Amerika seine +Beziehungen klug und vorsichtig zu lösen suchen und dann ganz nach +Deutschland ziehen, das ja doch seine wahre Heimat sei. + + * + +„Und nun“, kommandierte Methusalem, „großer Festkorso auf den +Weihnachtsberg.“ + +Draußen war es stockdunkel; die Straßenbeleuchtung war ausgeschaltet; aber +Fackeln und Laternen leuchteten phantastisch, und der Schnee schimmerte. +Wohl fünfzig Schlitten hielten da. Dem Zuge voran leuchtete eine riesige, +ballonartige Laterne, die an hohen Stangen getragen wurde. Auf der einen +Seite zeigte die Ballonhülle das liebliche Bild der „Hanne vom +Forellenhof“, auf der anderen eine scheußlich anzusehende, aber genial +gezeichnete Karikatur Stefensons. Ein Meisterstück Methusalems. + +Vom Berg herab kam uns viel Volk entgegen; die Leute trugen Laternen mit +transparenten Bildern: Methusalem hatte sich selbst verewigt, als +tausendjährigen Greis voller Güte und Abgeklärtheit, Emmerich war von +einem Mückenschwarm fliegender Noten, Violinschlüssel, Kreuzen, +Auflösungszeichen und Fermaten umgeben, die dicke Susanne strahlte in +zinnoberrotem Licht und schimpfte fürchterlich, als sie ihr Konterfei sah, +Barthel als gefesselter Verbrecher war zu sehen, Levisohn mit einer +riesigen Reklametrompete, Piesecke als Gott Mars in furchtbarer Rüstung, +schließlich auch mein etwas ins Sentimentale karikierter Kopf, den ein +Kranz von heulenden, bellenden, hochnäsigen, sich Flöhe schabenden Dackeln +lieblich umrahmte. Lauter Meisterwerke des liebenswürdigen Greises und +Vergnügungsleiters Methusalem. + +Als wir der Weihnachtsburg näher kamen, erstrahlte sie in farbigen +Lichtern, Böllerschüsse hallten über Berg und Tal, und ein Chor blies vom +grauen Turme herab: + + „O du fröhliche, o du selige, + Gnadenbringende Weihnachtszeit.“ + +Gleich hinterher aber: + + „Wenn Weihnachten ist, + Wenn Weihnachten ist, + Dann kommt zu uns der heil’ge Christ; + Bringt jedem eine Muh, + Bringt jedem eine Mäh, + Bringt jedem eine wunderschöne Schnätterättättä!“ + +Unter den Klängen dieser großen Hymne der Fröhlichkeit zogen wir in die +Weihnachtsburg ein. + +Der große mit Tannenreis ausgeschmückte Saal der Weihnachtsburg füllte +sich mit Menschen; Bräutigam und Braut waren zunächst nicht zu sehen. Nach +etwa einer halben Stunde aber erschienen beide auf einer kleinen Empore. +Sie hatten ihre hochzeitlichen Kleider abgetan und waren in phantastischen +Kostümen, er als Winterkönig, sie als Königin. Regie Methusalem! + +Mit donnerstimmigem Heilruf wurde das Brautpaar begrüßt. Holdselig +lächelnd grüßte die Braut in den Saal; steif und ungelenk verneigte sich +Stefenson. Er fühlte sich als Winterkönig sichtlich unbehaglich. Der Thron +stand auf einer amphitheatralisch ansteigenden Bühne. Ich selbst war als +„Kammerherr“ neben Stefenson plaziert. + +Scheinwerfer warfen auf uns wechselnde Lichter. Atemlos stand das +schlichte Bergvolk. Alle Märchen- und Himmelsträume schienen vor ihm +erfüllt. Feierliche Weisen erklangen, und dann sprach nicht der +Winterkönig Stefenson, wie alle vermutet hatten, sondern Herr Methusalem +sprach, der die Tracht eines mittelalterlichen Notarius angelegt hatte. Er +entfaltete ein Pergament und verkündete: „Edles Gefolge des Königs und der +Frau Königin! Ich als Kanzellarius Seiner Majestät König Stefensons des +Ganzgroßen und Hochdero majestätischer Gemahlin Hanne der Einzigen +verkünde, damit es männiglich erfahre, feierlich, öffentlich und +unwiderruflich folgendes: + +Wir, Stefenson der Ganzgroße und Höchstmeine erlauchte Gemahlin Hanne, +wollen, daß dieser glückliche Tag ein Andenken hinterlasse. Darum machen +wir für Waltersburg eine Stiftung von hunderttausend Mark mit der +Bestimmung, daß alljährlich ein Drittel der Stiftungszinsen alten +bedürftigen Eheleuten, ein zweites Drittel den Waltersburger Schulkindern +zugute komme; das dritte und letzte Drittel aber ist zu +Hochzeitsgeschenken für die in jedem Jahr Heiratenden bestimmt, von +welcher Stiftung sich keines, auch nicht das wohlhabendste Brautpaar +ausschließen soll, auch wenn es nur ein Blumensträußchen annimmt; den +ärmeren aber soll ein guter Happen für den Nestbau gegeben werden.“ + +Eine brausende Welle des Beifalls donnerte durch den Saal. + +Ich sah verwundert auf Stefenson und flüsterte ihm zu: + +„Wissen Sie etwas von dieser Stiftung?“ + +„Kein Wort! Der Kerl verschenkt mein Vermögen.“ + +Mir wurde doch etwas schwül. Oh, dieser Methusalem – dieser Regisseur! + +Methusalem fuhr fort: + +„Stefenson fragt nicht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank. +Nur Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er +mit euch leben und schaffen für das Gedeihen seiner Gründung, für den Ruhm +Waltersburgs, für das Heil der Menschheit. Nun wißt ihr vielleicht alle, +daß unter den vielen Geplagten, die in der harten Schule des Lebens müde +und krank geworden, hier in dieses schöne Tal kommen, um Ferien zu machen, +einer daherhumpelte, von langer, langer Reise, auf der er Arbeit und Mühe +in erträglichem Maße, Verkennung und Not in Überfülle, echtes Glück und +wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes Leben war lang, er war +Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Methusalem Freude und Friede. +Methusalem ist der Leiter dieses Festes, Methusalem ist aller Weltweisheit +und Welterfahrung voll, darum soll auch die Stiftung, die Stefenson heute +macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern Methusalem-Stiftung heißen.“ + +Das Volk staunte. + +„Auch das noch!“ sagte Stefenson neben mir. + +„Ja, es ist frech; außer den fünftausend Mark, die Methusalem neulich für +Susannes Bild erhielt, hat er sicher nicht einen roten Heller. Und macht +eine Methusalem-Stiftung von hunderttausend Mark!“ + +Da erhob sich Stefenson zur Rede. Tiefe Stille. + +„Meine lieben Waltersburger, von allem, was Methusalem an meiner Statt +hier gesagt hat, muß ich nur einem widersprechen, das betrifft die +Stiftung.“ + +Bestürzung. Schweigen. + +„Methusalem, mein bevollmächtigter Hochzeitskanzler, hat sich in einem +Irrtum befunden, den ich berichtige. Die Stiftungssumme beträgt nämlich +nicht einhunderttausend Mark, sondern dreihunderttausend Mark!“ + +Erst Stille. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut +stand auf, der Bräutigam sprach auf sie ein, während die Leute lärmten; +die Augen der glückseligen Braut glänzten, sie schmiegte sich fest an den +Arm des starken Mannes. Methusalem stand mit eigentümlichem, fast +weinerlichem Lächeln daneben. Stefenson verschaffte sich wieder Gehör. + +„Bürger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen, +alles andere bleibt, wie es der weise Methusalem angeordnet hat, die +Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung.“ + +Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er +fünfunddreißig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe +neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Und zwar nicht so wie +ein tausendjähriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreißiger +gelegentlich mal heult. + + ------------------------------------------------------- + +Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die +Koffer des Brautpaares schaffen lassen. Dort kleidete sich das Paar, als +sich der Trubel verlaufen hatte, zur Reise an. Dann fahren sie noch heute +mit dem Nachtzuge davon. + +Wir waren in der Wohnstube der Mutter. Ein paar nahestehende Freunde waren +da. + +Zum Abschied sagte Stefenson zu mir: + +„Es gibt kein besseres Band, das Freundschaft bindet, als das gemeinsame +Schaffen an einem erfolgreichen Werke. So werden wir zwei immer gute +Freunde sein. Wir wollen ‚du‘ zueinander sagen wie Brüder!“ + +Ich schlug in die dargereichte Hand. + +„Wann kommst du wieder?“ + +„Ich weiß es noch nicht; ich weiß nicht, wie und wann ich drüben loskomme. +Aber loskommen werde ich. Was ich dann tue, kann ich noch nicht sagen. +Vielleicht tauchen eines Tages zwei Feriengäste bei euch auf, irgendein +Herr Schulze mit Frau, und vielleicht kommen dir diese Gäste bekannt vor. +Ich werde nie anders denn als Gast im Ferienheim einkehren; ich will diese +meine Lieblingsschöpfung mir nicht zum Verwaltungsbezirke, nicht zum +Arbeitsgebiete werden lassen, sondern hier soll mir eine Ferienzuflucht, +eine glückliche Heimat für immer bewahrt sein.“ + +Eva hörte ihm zu und war ihm dankbar für diese Worte. O ja, diese beiden +paßten zu einer Ehe, der starke Mann und das schöne, fröhliche Weib. + +„Du freilich, lieber Freund, du hast hier keine Ferien; du hast hier deine +Arbeitsstätte. Und wenn du einmal ausspannen willst, dann kommst du zu +uns, dann fahren wir mit dir, der dann der Stille entronnen ist, dorthin, +wo die Welt laut und bunt ist. Dort machst du dann Ferien von deinem +stillen Ich, und wenn du nach Hause zurückkehrst, wird dir das alltägliche +Leben wieder schmackhaft sein.“ + +„Ja, so wollen wir es halten!“ + +„Nun denn, so wären wir wohl für diesmal hier fertig.“ + +Stefenson zog ein Notizbuch heraus und blätterte darin. Sein Gesicht bekam +wieder die alte Geschäftsmiene. + +„Halt, da ist noch etwas zu erledigen. Ich habe mir mal als Knecht Ignaz +von dem Schuhmacher Röhricht die Stiefel besohlen lassen. Er hat auf die +Rechnung geschrieben: Sohlen und zwei Absätze zwei Mark und fünfundachtzig +Pfennig, hat aber nur einen Absatz zu machen gehabt. Ich habe ihm daher +fünfundzwanzig Pfennig abziehen wollen, und wir haben so lange gestritten, +bis ich inzwischen verhaftet wurde und dann alles das andere kam. So steht +der Posten noch offen. Ich bitte, erledige das, lieber Freund! Aber nicht +zwei Mark und fünfundachtzig Pfennig, sondern nur zwei Mark und sechzig +Pfennige, hörst du wohl? Ein Knecht kann nicht fünfundzwanzig Pfennig +umsonst hergeben. Vergiß es nicht! Röhricht heißt der Mann, Hintermarkt +15, drei Stiegen.“ + +Ein vergnügtes Lachen tönte aus der Ecke von meiner Mutter Sofa. + +„Was lachen Sie denn, Piesecke?“ + +„Ja, Pardon, Herr Stefenson, aber erst dreihunderttausend Mark verschenken +und dann wegen fünfundzwanzig Pfennig – so in der Abschiedsstunde – das – +das ist – Pardon – merkwürdig!“ + +„Gar nicht merkwürdig, lieber Piesecke. Weil ich immer die Rechnungen auf +die Fünfundzwanzig-Pfennig-Bilanz geprüft habe, kann ich mal gelegentlich +dreihunderttausend Mark verschenken.“ + +„Sehr – sehr kaufmännisch! Sehr lehrreich!“ + +„Jawohl! Aber nicht für Sie! Für Sie wäre das zu unfürstlich.“ + +Wenig fehlte, so wären auch in letzter Stunde die alten Gegner, der +rechnende Kaufmann und der leichtfertige Fürstensohn, noch aneinander +geraten. Die dicke Susanne wälzte sich zwischen beide und löschte mit +einer Flut von Abschiedstränen den entstehenden Brand. + + ------------------------------------------------------- + +Sie sind alle fort. In tiefer Stille liegt der Marktplatz. Ich öffne das +Fenster. Die Luft ist milder geworden. Am hocherhobenen Arm des heiligen +Baptista hängt ein glitzernder schwerer Eiszapfen wie ein Schwert. Am +Himmel stehen zwischen dem Gewölk ein paar freundliche Sterne. Im +Schneemantel schaut der Heilige herüber zu mir. Suchen seine Augen die +kleine, feine Frau, die sonst so oft zu ihm hinüberträumte? + +Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den +alten Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der großen Stube um, und +es ist mir auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause +gekommen ist, wenn Vater und Mutter nicht da sind. So schließe ich das +Fenster. Unschlüssig bleibe ich noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich +die Uhr auf, fühle noch einmal an den Ofen. Endlich lösche ich die Lampe +aus und tappe die Treppe hinab ... + +Ich habe jetzt große Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der +Freund mit der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die +anderen lustigen Käuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und +ganz allein auf dem Marktplatz von Waltersburg. Schließlich ist der alte +Baptista jetzt noch mein einziger, ständiger Freund hierzulande. + +Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die +stille Frau auf der Heimwehfluh sich noch ihres Kindes freuen wird, ein, +zwei, drei Jahre ...? Ob dann, wenn sie Ferien macht für immer, die kleine +Anneliese, die jetzt als Schullehrerin in einem verlassenen Gebirgsdorfe +lebt, doch noch Joachims Frau werden und übers Meer zu ihm ziehen wird? +Und ob dann die Mutter heimkehren wird in ihre schöne alte Stube? Lauter +Fragen ohne Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschluß wie +ein Theaterstück oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von +neuem. + +So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu +meinem Werk. + +Eine köstliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im öden +Walde. Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen +kommt aus den Bauernhöfen. Alle Leute, die mir begegnen, grüßen mich oder +rufen mir freundlich zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin +ich zu Hause. + +In der Wüste sah ich einmal einen Mann mit gefüllten Wasserschläuchen am +Brunnen der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane +fieberglühend auf sie zuschleppte. Da dachte ich, es müsse schön sein, mit +gefüllten Wasserschläuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein +wie jener Mann. Alle, die zu mir kommen von der heißen Straße des Alltags, +will ich laben aus dem kühlen Brunnen, den ich grub. + +Dann wird es mir so gut ergehen, daß ich nichts anderes vom Leben mehr +verlangen will; denn es ist die größte Lust des Lebens, anderen die Last +des Lebens zu erleichtern. + + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Das Inhaltsverzeichnis wurde von der letzten Seite an den Beginn versetzt. + +Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Wörter in Antiqua +(bis auf den Titel „Dr.“ und römische Zahlen) und gesperrte Wörter sind +durch Unterstrich („_“) gekennzeichnet. + +Korrektur offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 27: doppeltes „freue“ entfernt. + Seite 43: „Stefensohn“ in „Stefenson“ geändert. + Seite 75: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Die Luise habe + ich flottgemacht.“). + Seite 91: „mit“ in „mir“ geändert. + Seite 97: „philantropische“ in „philanthropische“ geändert. + Seite 101: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „des Magistrats + von Waltersburg stellen“) + Seite 103: doppeltes „und“ entfernt (vor „in einer glänzenden + Erfassung“) + Seite 118: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Das haben“). + Seite 128: „umqartieren“ in „umquartieren“ geändert. + Seite 145: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „bis um + sieben.“) + Seite 164: „Xantippen“ in „Xanthippen“ geändert. + Seite 170: „reckt“ in „reckte“ geändert. + Seite 238: „Widersehen“ in „Wiedersehen“ geändert. + Seite 243: „Rauberhöhle“ in „Räuberhöhle“ geändert. + Seite 244: „Apothese“ in „Apotheose“ und „den“ in „der“ (nach + „Vertreter“) geändert. + Seite 254: „überzeugenste“ in „überzeugendste“ geändert. + Seite 261: „Hentschel“ in „Henschel“ geändert. + Seite 309: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Wieso + Komödie?“) + Seite 347: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „stärken + würde.“) + Seite 377: „Lewinsohn“ in „Levisohn“ geändert. + +Nicht korrigiert wurden Varianten wie „Chicago“/“Chikago“, +„debutieren“/„debütieren“, „Annelies“/„Anneliese“ oder „anderen“/„andern“. + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + CREDITS + + +May 23, 2009 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Norbert H. Langkau, Stefan Cramme and the Online Distributed + Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + A WORD FROM PROJECT GUTENBERG + + +This file should be named 28938-0.txt or 28938-0.zip. + +This and all associated files of various formats will be found in: + + + http://www.gutenberg.org/dirs/2/8/9/3/28938/ + + +Updated editions will replace the previous one — the old editions will be +renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg™ electronic works to protect the Project +Gutenberg™ concept and trademark. 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Its business office is located at 809 North +1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information +can be found at the Foundation’s web site and official page at +http://www.pglaf.org + +For additional contact information: + + + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + + Section 4. + + + Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation + + +Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without wide spread +public support and donations to carry out its mission of increasing the +number of public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form accessible by the widest array of equipment +including outdated equipment. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg™ +concept of a library of electronic works that could be freely shared with +anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg™ +eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright +notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance +with any particular paper edition. + +Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook’s eBook +number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed +(zipped), HTML and others. + +Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the +old filename and etext number. 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\ No newline at end of file diff --git a/28938-0.zip b/28938-0.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..1910101 --- /dev/null +++ b/28938-0.zip diff --git a/28938-8.txt b/28938-8.txt new file mode 100644 index 0000000..3055bcd --- /dev/null +++ b/28938-8.txt @@ -0,0 +1,11288 @@ +The Project Gutenberg EBook of Ferien vom Ich by Paul Keller + + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no +restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Ferien vom Ich + +Author: Paul Keller + +Release Date: May 23, 2009 [Ebook #28938] + +Language: German + +Character set encoding: ISO 8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + + + Paul Keller / Ferien vom Ich + + + + + + _PAUL KELLER_ + + Ferien vom Ich + + _ROMAN_ + + + Deutsche Buch-Gemeinschaft + _GMBH_ + + _BERLIN_ + + + + + + Einbandentwurf von Hanne Maria Rudert + + + + + + Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, der Verfilmung, der + Dramatisierung, des Nachdrucks und der Wiedergabe durch den Rundfunk, + vorbehalten + + _Copyright 1915_ + _by Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn / Breslau I_ + _Printed in Germany_ + + + + + + INHALTSVERZEICHNIS + + + Nach meiner Heimkehr 5 + Die feindlichen Städte 12 + Das Modebad 28 + Auf dem Weihnachtsberg 33 + Luise 58 + Samariterdienste 69 + In den Tagen des Werdens 77 + Das Kind 88 + Vorarbeiten 95 + Die "Neustädter Umschau" 104 + Joachim 116 + Weihnachten 131 + Fügung 136 + Bauernanwerbung 142 + Der Journalist 161 + Die ersten Kurgäste 181 + Sommerabend 197 + Lorelei 220 + Die "krummbeinige Medizin" 227 + In der Genovevenklause 233 + Die Schlacht bei Waltersburg 241 + Herbst 248 + Von der weiblichen Putzsucht 271 + und Herrn Pieseckes Leiden + Abschiedsabend 281 + Gerichtliches 288 + Aufklärungen 302 + Vom Bruder und seiner Frau 320 + Freund Stefenson 343 + Der Fuchs und die Sibylle 355 + Advent 367 + Hochzeit und Ende 375 + + + + + + + NACH MEINER HEIMKEHR + + +Der alte Johannisbrunnen rauscht wieder vor meinem Fenster. Hoch ragt das +Bild des Täufers; aus der ehernen Schale, die seine erhobene Hand hält, +plätschert das Wasser hinab ins steinerne Becken. In alter Zeit soll ein +heidnisches Heer an diesem Brunnen vorübergezogen sein; die Recken haben +den rauhen Nacken gebeugt und sind hier getauft worden. Am nächsten Tage +fielen alle in der Schlacht. Ihre Leichname blieben liegen unter den +dunklen Bäumen der Waldschlucht, da die Krieger heimtückisch erschlagen +wurden; aber am Abend, als die Sonne rot am Himmel brannte, kamen weiße +Schemen zum Stadttore herein, die hatten Kränze um die Stirnen und +lächelten wie Kinder. Als sie am Brunnen vorbeizogen, ließ der heilige +Baptista die eherne Taufschale fallen und faltete die Hände; denn diese +reinen Seelen brauchten kein Wasser der Gnade mehr. Die Gekränzten zogen +langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und als sie auf +der goldglänzenden Höhe standen, winkten sie noch einmal herab ins Tal und +zogen dann fort, weit über die rote Sonne hinaus, und der Heilige am +Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bückte er sich +nach der verlorenen Taufschale, und nun hält er sie wieder in erhobener +Hand seit vielen Jahrhunderten. + +Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die +Waltersburger haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden +Gauen und Städten; ihr romantisches Tal war immer so reich, daß sie +Fremdes nicht nötig hatten. + +Der Johannisbrunnen! In seinem Becken ließ ich als Kind meine Schifflein +schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins +Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande saß, +lächelte oft verächtlich über diese Reiserouten. Er war drei Jahre älter +als ich und schon Gymnasiast. Da verachtete er meine +Abcschützen-Geographie. Mit Schifflein spielte er nicht mehr; er liebte +nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er Fische aus Blech, die ein +eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem Magneten nach +ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, sagte +er: es läge am Wetter oder ich stände mit meinem infam weißen +Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische. + +Unterdes fuhren meine Schiffe nach Jerusalem oder ins Riesengebirge, und +oben auf dem grünen Balkon am Brunnenplatz saß unsere Mutter bei ihrer +Handarbeit und schaute manchmal zu uns herunter. + +Wie kommt es doch, daß Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen +können, daß er ihnen nicht lieber und größer ist als alle Küsten des +Ozeans? + +Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem grünen +Balkon ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmäßig zu +den Ferien. Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine +Ehe schloß mit jenem unselig schönen Mädchen, dem die Schönheit zum Fluche +gegeben war. Nach einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder +einem halben Jahre war ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage +machte, sie habe sich selbst mit einem Revolver in die Brust geschossen, +weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren Streit verlassen habe. + +Nur meine Mutter und ich wußten, daß sie log. Der Flüchtige aber kam nicht +heim, auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, daß er +außer gerichtlicher Verfolgung sei. + +Er floh nicht vor dem Gefängnis; er floh vor dem Grauen, das ihm sein +junges Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, die ihm ihre Aussage +brachte, nicht tilgen konnte. + +Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am +Balkonfenster und hörte auf das Plätschern des Johannisbrunnens. Sie +träumte von fernen Ufern, an denen ihr Herzenssohn weilen würde, von +Gestaden, zu denen es keine andere Verbindung gab als die sehnsüchtig hin +und her gehenden Gedanken. + +Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich +zur Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein. +Sie sah mich still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren Mund. +Da bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie +sprach mit Worten, die sie sich aus dem Herzen riß: + +"Geh fort ... in die Welt ... suche Joachim ... bringe ihn wieder!" + +So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht +Geld genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt, +jetzt bei dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle großen +Häfen der Welt. + +Ich fand ihn erst im fünften Jahre meiner Wanderfahrt und wäre bei +flüchtiger Begegnung wohl an dem veränderten harten Mann mit dem fremden +Namen vorbeigegangen; aber ich traf ihn an Bord zwischen Rio und +Montevideo, da das Schiff tagelang nicht anhält, und wurde meiner Sache +gewiß, als der Fremdling sich plötzlich scheu verbarg und weder an Bord +noch bei den Mahlzeiten mehr sichtbar wurde. Da suchte ich ihn in seiner +Kajüte auf. Er öffnete auf mein Klopfen und bebte zusammen, als er mich +sah. Ich drängte ihn ohne weiteres in die Kajüte und schloß die Tür. + +"Ich will nur ein wenig mit dir reden, Joachim", sagte ich und wunderte +mich über meine ruhige Stimme; "du wirst es mir nicht abschlagen können, +da ich an die fünf Jahre hinter dir her bin. Und daß ich auf dein Leben +und deine Entschlüsse keinen Einfluß habe, weiß ich von vornherein. Also +versteck dich nicht!" + +"Was willst du?" fragte er mühsam heraus. + +"Ich will nicht viel. Ich will dich nur bitten, du möchtest von Zeit zu +Zeit, so alle Jahre einmal um Weihnachten, an die Mutter schreiben." + +Da fiel er auf sein Bett und weinte rasend. Ich trat an das kleine runde +Kajütenfenster, an das die Wellen klatschten, und schaute hinaus auf die +rollende See. + + * + +Vorgestern bin ich nun heimgekommen nach Waltersburg zu meinem und seinem +silbernen Mütterchen. Ich muß schon "silbernes Mütterchen" sagen; denn +nicht nur die Haare sind silbern, auch das Gesichtchen, auch die schmalen +Hände. Alles ist kostbar, edel und weiß an ihr. + +Sie fragte mich nur das eine: "Ist er gesund?" + +Ich sagte ihr, was ich wußte, auch daß er ein braver Mensch geblieben sei, +woran wir beide niemals gezweifelt hatten. Dann, daß er in einer +geachteten Stellung und wohl ein reicher Mann sei oder es doch werde. +Darauf hörte sie kaum, sondern schlug die Händchen zusammen und jammerte: + +"Warum? Warum?" + +Das war die schwere Frage, über deren richtige Beantwortung ich mir auf +der Heimreise den Kopf zerbrochen hatte. Ganze Abhandlungen hatte ich in +meinem Hirn ausgearbeitet, schlagende psychologische Begründungen für eine +Mutter, die fragt: Warum gibt mein Sohn keine Nachricht? Warum kommt er +nicht zurück? Warum läßt er mich in dieser furchtbaren Einsamkeit und +Qual? + +Da sagte ich ihr nur die wichtigsten Sätze, die Joachim gesprochen: + +"Ich hab wohl hundertmal geschrieben und tausendmal schreiben wollen. Aber +ich hab keinen Brief abgeschickt. Ich hatte eine schreckliche Angst, dann +schreibt ihr wieder, und dann halte ich's nicht aus in der Fremde, dann +muß ich zurück in diese verfluchte Heimat." + +Sie war ein wenig betäubt über diese Worte; aber dann glomm eine Hoffnung +auf in ihren Augen, und sie sagte: + +"Aber jetzt wird er schreiben?" + +"Ja, jetzt wird er schreiben; das ist das einzige, was ich nach meinem +langen Suchen erreicht habe." + +"Ich danke dir, lieber Fritz", sagte sie und drückte mir schüchtern die +Hand. + + * + +Nun bin ich beinahe eine Woche zu Hause und fange an, mich glücklich zu +fühlen und zu freuen. Ich glaube, zu den Freuden, die schwer zu tragen +sind, gehört die Heimkehr aus fremden Landen. Und nicht bloß mir in meinem +besonderen Falle wird es so gehen, nein, allen, die lange draußen waren +und wieder nach Hause kommen. Es ist viel Scheu, viel Bangigkeit in der +Seele, die Quellen der Lust und des Schmerzes fließen zusammen wie in +einen tiefen Bronnen, aus dem erst langsam, wenn sich der zitternde +Spiegel beruhigt hat, das Himmelsgesicht des Glücks auftauchen kann. Es +gibt wohl keinen Heimkehrenden, der laut lachte, tanzte oder spränge. Ich +habe in fremden Ländern viele robuste Burschen gesehen, die in ihre Heimat +zurückkamen, und es war ganz gleich, welcher Farbe oder Rasse sie waren - +sie waren schüchtern und verlegen, gingen alle ein wenig mit +zusammengezogenen Schultern, sprachen seltsam leise und traten nicht fest +auf, als ob sie der Heimaterde nicht weh tun wollten. Sie mußten sich alle +in der Heimat erst wieder heimfinden. Es ist auch ganz natürlich: der +Star, der aus dem Süden an den heimischen Kasten kommt, pfeift auch nicht +am ersten Tage. Er schüttelt in der entwöhnten Luft erst sein Gefieder +zurecht. + + * + +Die Mutter steht immer am Fenster und schaut nach dem Briefträger aus. +Aber der Brief, auf den sie wartet, kommt nicht. Er könnte längst da sein. +Ich telegraphierte schon zweimal heimlich nach Rio. Es kam aber keine +Antwort. + +Und die Mutter steht und wartet. Ich versuchte es mit der alten Ausrede, +ein Brief könne verlorengehen, zumal auf so langem Wege. Aber die Mutter +schüttelte den Kopf und sagte: + +"Einen solchen Brief würde Gott behüten." + + + + + + DIE FEINDLICHEN STÄDTE + + +Ich muß versuchen, wieder lustiger zu sein. Herrgott, ich bin doch ein +junger Mensch, ich habe meine Aufgaben, und meine Kraft darf nicht in +sehnsüchtigem Suchen, am Trotz des Bruders zerschellen. Also will ich +heute gar nichts von ihm aufschreiben, sondern einmal die närrische +Geschichte von der Feindschaft der Waltersburger und der Neustädter zu +erzählen beginnen. + +Waltersburg ist eine in einem wunderschönen Talkessel gelegene Stadt von +2967 Einwohnern. Solches besagte die letzte Zählung. Der Personenstand +wies im letzten Jahrhundert immer ziemlich dieselbe Höhe auf; auf runde +3000 kam er nie hinauf. Da machte unser Bürgermeister, Herr Wilhelm +Bunkert, eine bedeutsame Stiftung: der dreitausendste Einwohner, der +Waltersburg Anno 1904 geschenkt würde, solle eine goldene Uhr bekommen, +Herrenuhr oder Damenuhr, je nachdem es ein männliches oder ein weibliches +Wesen beträfe, und diese Ehrengabe wolle er, der Bürgermeister, aus +eigenen Mitteln bestreiten. Die Sache stand im Stadtblatt und wurde viel +bewundert. Im nächsten Jahre kamen viele Kinder zur Welt; die Zählung +wurde nicht bloß vom Magistrat, sondern auch von der Bürgerschaft sehr +eifrig betrieben, und da die Einwohnerschaft auf 2998 stieg, entstand in +der zweiten Hälfte des Dezember zwischen der Frau Schneidermeister Lembke +und der Frau Schuhmachermeister Abelt eine bittere Feindschaft, da beide +hofften, noch vor Ablauf des Jahres eines Kindleins zu genesen. Am +30. Dezember gebar Frau Lembke eine Tochter. Ihr Mann, anstatt sich des +blühenden Töchterchens zu freuen, ging in die Schenke und betrank sich vor +Ärger, wie er sein Lebtag sich nicht betrunken hatte. Dem Ehepaar Abelt +aber klopfte das Herz. Am Silvesternachmittag gebar die Frau einen Sohn, +und der entzückte Vater stürzte nach dem Rathause und schrie: "Der +dreitausendste Einwohner! Der dreitausendste Einwohner!" Im Vorzimmer des +Bürgermeisters aber begegnete dem Siegestrunkenen eine schwarze Gestalt. +Es war die Frau des Webers Michalke, die soeben den Tod ihres Mannes +angemeldet hatte. Da waren es wieder nur 2999. Der arme Schuster torkelte +gegen die Wand, und dumpf hallten die Silvesterglocken in die Nacht über +diese so wenig vom Glück begünstigte Stadt. + +Der Bürgermeister hielt sein Angebot auch für das kommende Jahr aufrecht, +und einige werdende Mütter wiegten sich in goldenen Hoffnungen. Aber der +Tod hielt reichere Ernte als sonst, auch zog der Barbier mit seiner +siebenköpfigen Familie nach Neustadt, und nun hielt der geizige erste +Ratsmann, Bäckermeister Schiebulke, es für den richtigen Zeitpunkt, sich +als einen Gönner der Stadt zu bezeigen und auch seinerseits für den +dreitausendsten Einwohner eine Prämie auszusetzen, und zwar ein neues +Fahrrad, je nachdem ein Herren- oder Damenrad. Die Sache kam ins +Stadtblatt, und die Bürger lachten. Ob Schiebulke vielleicht meine, ein +neugeborenes Kind könne radeln, wurde der Stifter befragt. Ob die andern +vielleicht meinten, ein neugeborenes Kind könne von einer Uhr die Zeit +ablesen, gab Schiebulke giftig zurück. Da setzte der Wirt vom "Goldenen +Löwen", der ein reicher Mann und ein wenig ruhmsüchtig ist, einen +erschrecklich hohen Trumpf auf: + +"Goldene Uhr und Fahrrad", sagte er, "sind gute Dinge. Nur leider die +Kinder wachsen langsam, und solche Dinge veralten schnell. Was allein +nicht veraltet, ist das Geld. Ich will meiner Vaterstadt meine Liebe +beweisen und lege 5000 Mark in die städtische Sparkasse für den +dreitausendsten Bürger, den Waltersburg in diesem Jahre erhält." So +lautete die Stiftung, die im Stadtblatt publiziert wurde und ungeheure +Aufregung hervorrief. + +Und da kam das Unerwartete, wie in solchen Fällen überhaupt meist etwas +Unerwartetes geschieht. + +Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Höhe von 2993 erreicht, als +der vor kurzem nach Neustadt übersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit +seiner Frau und seinen fünf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte +und glückstrahlend die goldene Uhr, das Fahrrad und die fünftausend Mark +für sich in Anspruch nahm, da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend +erreicht war. In Waltersburg brach eine Revolte aus. Man wollte den +frechen Barbier samt Weib und Kindern lynchen. Man schrie, das sei Betrug, +das gälte nicht, das sei ja ganz anders gemeint gewesen. Der Barbier, der +zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt gewesen war, bewahrte seine Ruhe, +und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist in Waltersburg, erklärte im +Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man es hören wollte, unter +Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: es handle sich hier um eine +öffentliche Auslobung, deren Inhalt durch den Barbier Heilmann erfüllt sei +und dem daher unzweifelhaft die drei ausgesetzten Prämien zufielen. + +Aller Ingrimm der Welt hätte an der Tatsache nichts geändert: Heilmann +bekam die Preise. + +O unglückliches Waltersburg! In der Stadt war dumpfe Trauer, Zorn und Haß, +und alle Männer gelobten, bei diesem Barbier sich nie den Bart schaben +oder die Haare schneiden zu lassen. + +Darauf rechnete aber der abgefeimte Schaumschläger gar nicht, sondern er +zog schon nach Ablauf eines Vierteljahres wieder nach Neustadt zurück und +nahm die Preise mit. + +Waltersburg zählte nach diesem Abzug 2993 Bewohner. Die Auslobungen wurden +nicht erneuert. Das ist nun einer der Fälle, aus denen das feindselige +Verhältnis zwischen Waltersburg und dem benachbarten Neustadt schon +einigermaßen erhellt. + + * + +Die Zeit meiner Abwesenheit hat an dem feindlichen Verhalten der beiden +Städte Waltersburg und Neustadt nichts geändert. Und doch ist Neustadt +eine Tochterstadt von Waltersburg, die beiden Orte sind in der Luftlinie +kaum drei Kilometer voneinander entfernt und nur durch den mäßig hohen +Weihnachtsberg getrennt. Nicht nur, daß die beiderseitigen +Gemeindekollegien miteinander in Hader liegen und sich die zwei +Stadtblättchen ständig befehden, der Haß gegen die Nachbarstadt bringt +auch noch heute die Köpfe der Waltersburger Stammtischphilister in +Gluthitze und überträgt sich sogar auf die Frauen und Kinder. + +Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat sich Waltersburg +eines geradezu paradiesischen Friedens erfreut. Die Hussiten sind an ihm +vorbeigezogen, die Horden des Dreißigjährigen Krieges haben vergessen, die +Stadt auszuplündern, so daß Waltersburg mit seinen damals 2000 Bewohnern +nach dem Westfälischen Frieden eine der volkreichsten Städte Deutschlands +war, ein Umstand, über den in der Stadtchronik des weiten und breiten +geredet wird; von den Fritzeschen Regimentern hat nur eines einmal drei +Tage lang in Waltersburg Station gemacht, was den Stoff für ein weiteres +Viertel der Chronik bildet, und auch die Siegerscharen Napoleons haben +keine besondere "_gloire_" darin erblickt, die Stadtmauern von Waltersburg +zu berennen. So war das weiße Lamm in grünem Felde ein sehr angebrachtes +Wappentier für die friedfertige Stadt, und es gehörte schon die ganze +boshafte Niedertracht der Neustädter dazu, zu behaupten, weiland der +geistvolle Hohenstaufe Friedrich II. hätte den Waltersburgern das Lamm für +ihr Stadtwappen nur darum verliehen, weil er ihre ureigentümliche und +unausrottbare Schafköpfigkeit wohl erkannt habe. + +Solch grobe Beleidigung strafen die Waltersburger mit eiskalter +Verachtung; dagegen erhitzen sie sich noch heute sofort, wenn die Rede +einmal auf den Bahnbau kommt. + +Als nach dem siebziger Kriege sich in Deutschland die Eisenbahnen mehrten +wie nach einem fruchtbaren Regen im Garten die Würmer, hatte die Regierung +dem Rat angeboten, eine neue Hauptstrecke über Waltersburg zu führen, ja +die Stadt zu einem Eisenbahnknotenpunkt zu machen. Dieses Anerbieten hatte +die Bürgerschaft in die allerschwerste Sorge gestürzt. Sie sandten zum +Kaiser nach Berlin eine Deputation mit der Bitte, der Landesvater möge das +schwere Unheil, das den Frieden und die Ruhe der treuen Stadt Waltersburg +bedrohe, allergnädigst abwenden. Die Deputation wurde zwar nicht +empfangen, brachte aber in aller Stille ein kräftiges Wort mit heim, das +ein Geheimer Rat im Eisenbahnministerium gesprochen hatte, und das nicht +viel schmeichelhafter klang als die Neustädter Auslegung des Waltersburger +Wappentieres. + +Die Hauptsache war: die Bahn kam nicht nach Waltersburg. Sie wurde +jenseits des Weihnachtsberges, etwa sechs Kilometer von der Stadt +entfernt, vorbeigeführt. Daselbst wurde auch ein großer Bahnhof angelegt, +da sich in der Tat die Notwendigkeit herausgestellt hatte, an diesem Orte +einen Kreuzungspunkt zu errichten, und die Station führte, da sie doch +benannt werden mußte, den Namen "Waltersburg-Neustadt". + +Die Waltersburger lachten. Sie hatten jetzt eine Eisenbahnstation, aber +diese Station konnte ihnen nichts anhaben. Später hat ein Dichter in der +"Neustädter Umschau" ein Poem veröffentlicht, in dem es hieß: + + _"Die Waltersburger, die sind gar pfiffige Leut,_ + _Sie sind nicht nur pfiffig, sie sind grundgescheut,_ + _Sie haben eine Bahn, die woanders 'rum geht,_ + _Sie ham einen Geldschrank, der im Nachbarhaus steht;_ + _Sie füttern der Hasen und Rehe wohl viel,_ + _Doch treiben sie alle dem Nachbar vors Ziel;_ + _Sie sperr'n ihren Fluß, daß kein Fisch hineinschwimmt_ + _Und zuviel von dem sehr guten Wasser wegnimmt;_ + _Und wär' mal ein Mäderle gerne geküßt,_ + _Da wartet's, bis auswärts ein Kirmestanz ist."_ + +Für dieses Gedicht hat sein Verfasser von den Neustädtern viel Lob und von +den Waltersburgern gelegentlich recht ordentliche Prügel geerntet. + +Neustadt verdankte seine Gründung einem trutzigen Bürger von Waltersburg, +dem Baumeister August Bunkert, der als einziger in der ganzen Stadt +Waltersburg Tag und Nacht geredet hatte, die so günstige Gelegenheit, +einen großen Bahnhof an die Stadt zu bekommen, nicht zu verpassen. Als er +mit seinen Ideen nicht durchdrang, im Gegenteil viel Anfeindung erfuhr, +die bis zu persönlichen Feindschaften ausartete, und sich insonderheit mit +seinem einzigen Bruder, Wilhelm Bunkert, der jetzt Bürgermeister von +Waltersburg ist und damals zu der Berliner Deputation gehörte, in bitterem +Hader entzweite, zog der Baurat aus dem Hause seiner Väter aus und baute +jenseits des Berges dicht neben den neuen Bahnhof ein großes Hotel, dem er +den Namen "Zur guten Hoffnung" gab. Die "gute Hoffnung" erwies sich +zunächst als schlecht; denn da das Hotel auf bloßem Felde stand, alle +Eisenbahnpassagiere aber fanden, daß sie in der menschenleeren Wald- und +Wiesengegend nichts zu suchen hätten und darum immer schleunigst +weiterfuhren, stand das Hotel Jahr und Tag leer, die wenigen Bahnbeamten +abgerechnet, die am Abend ihr Schöpplein tranken, und an August Bunkert +kroch langsam die Pleite heran. Die Waltersburger meinten, daß der +neuerungssüchtige Trotzkopf dieses Schicksal wohl verdient habe, aber zu +ihrer Ehre muß gesagt werden, daß Bunkert vielen leid tat und daß man dem +verlorenen Sohne gern verziehen und ihm auf die eine oder andere Art +wieder auf die Beine geholfen hätte, wenn es dem Ausreißer nur eingefallen +wäre, zurückzukommen, seinen Irrtum einzugestehen und die vorsichtige Art +der Waltersburger zu loben, die er ehedem so heftig angegriffen hatte. +August Bunkert aber dachte nicht daran, den Reuigen zu spielen, und auf +einen Brief seines bürgermeisterlichen Bruders, worin dieser fragte, ob er +denn auch den Rest seines schönen väterlichen Erbes noch vollends +verschleudern wolle, gab er keine Antwort. Da wurde er seinem Schicksal +überlassen. Dieses Schicksal gestaltete sich günstig. Die große +Bahnhofswirtschaft, die August Bunkert übertragen wurde, hielt ihn +zunächst über Wasser, und endlich gelang ihm der große Schlag. Er brachte +eine Gesellschaft von bedeutenden Geldleuten der Großstadt zusammen und +kaufte als deren Funktionär oder Generaldirektor, wie er sich lieber +nannte, alles Waltersburger Gelände auf, das jenseits des Weihnachtsberges +gelegen war. Die Waltersburger schlugen die Hände über den Köpfen +zusammen. Hundert Taler über den ortsüblichen Preis hinaus gab Bunkert für +jeden Morgen Feld-, Wald- oder Wiesenland, und die Besitzer beeilten sich, +ihre entlegenen Ländereien unter so glänzenden Bedingungen loszuwerden. +Innerhalb von eineinhalb Jahren besaß kein Waltersburger mehr jenseits des +Berges auch nur einen Halm. + +Die ganz Gewissenhaften aber schüttelten die Köpfe und sagten: Dieser +Bunkert lockt seinen Auftraggebern das Geld aus der Tasche; er ist ein +Hochstapler, und man sollte doch sehr überlegen, ob man den unangebrachten +Preis annehmen dürfe, den die neuen Besitzer aus dem Wald- und Wiesenland +nie und nimmer herauswirtschaften könnten. Doch auch diese ganz +Gewissenhaften beruhigten sich und nahmen das Geld. + +O du großmächtige Verwundernis! In dem prachtvollen Hochwald, den August +Bunkert erworben, an den grünen Wiesen, am Flußufer, den Weihnachtsberg +hinauf, entstand ein schmuckes Landhaus nach dem anderen, +Einfamilienhäuser, Sommerwohnungen, Baderäume, ein Kurhaus, eine +"Wandelhalle" bauten sich auf, ein Basar für Lebensmittel, ein anderer für +"Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände" wurde errichtet, Hunderte und aber +Hunderte von Arbeitern waren das ganze Jahr beschäftigt. Und alle Häuser +baute der Baumeister August Bunkert und wurde ein schwerreicher Mann. + +Noch staunten die Waltersburger, noch lachten einige spöttisch und +verächtlich, aber manch einer schwieg schon nachdenklich und dachte bei +sich: Was tut sich? Da erschien in den großen hauptstädtischen Blättern +ein Inserat: "Waltersburg-Neustadt, entzückend am Südabhange des 450 Meter +hohen Weihnachtsberges gelegen, mitten in prachtvollem Hochwald, in grünes +Wiesen- und Flußland gebettet, ein Paradies der Gesundheit und des +Naturgenusses, bei vorläufig nur fünf Mark pro Quadratmeter Bauland +(Anzahlung von 3000 Mark an) für alle, die sich ein Eigenheim gründen +wollen, eine nie wiederkehrende Gelegenheit. Nur fünfviertel Stunden von +der Hauptstadt entfernt. Großer Eisenbahnknotenpunkt. Haltestelle aller +Schnellzüge. Täglich zwölfmal Verbindung mit der Hauptstadt. Anfragen an +Generaldirektor Baumeister August Bunkert in Neustadt erbeten." + +Die Proklamation des Deutschen Reiches kann seinerzeit in Berlin keinen so +großen Eindruck gemacht haben wie dieses Inserat in Waltersburg. Die Leute +lachten, wimmerten, fuchtelten mit den Armen und waren voll neidischer +Beklommenheit. Am Abend saß ein ganzer Stammtisch im "Goldenen Löwen" mit +der Kreide vor der Schiefertafel und wollte ausrechnen, wieviel ein Morgen +Land koste, wenn das Quadratmeter auf fünf Mark komme. Niemand kriegte es +heraus, und alle schimpften auf die neumodische Rechnungsart. Selbst den +Amtsrichter Knopf verließ seine akademische Bildung; er knurrte, er habe +ja nicht Mathematik studiert, und solche Aufgaben könne überhaupt immer +nur ein Volksschullehrer herauskriegen. Also schickte man nach dem Lehrer +Herder, und der erklärte: + +"Ein Morgen altes Maß ist ungefähr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat +10 000 Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter groß. +Kostet ein Quadratmeter fünf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel, +also 12 500 Mark." + +Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Männer, +die noch mit am Tische saßen, heftig mit den Fäusten auf den Tisch, und +zwar alle wie auf Kommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er +müsse sich täuschen. Der aber saß mit der Würde eines Mannes, der von der +Unverletzlichkeit und Beweiskraft der Zahl überzeugt ist. Sein ganzes +Wesen sagte: meine Rechnung stimmt. + +Da wurde zunächst eine große Stille. Dann sagte einer: "Wenn das wahr ist, +sind die Kerle große Gauner; 1000 Mark haben sie für den Morgen gegeben, +12 000 Mark verlangen sie." + +Schweigen. Nach fünf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten +Ziffern auf und sagte: + +"Sie arbeiten mit elf Prozent." + +"Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu", bemerkte der +Erbscholtiseibesitzer Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter. + +Der schüttelte den Kopf, was in diesem Falle "ja" und "nein" heißen +konnte. Da ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte: + +"Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 +Mark verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent +Gewinn." + +Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Bäckermeister Schiebulke, der +gerade trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Grübeln. Seine +Seele wanderte zurück bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er: + +"Ja, natürlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent." + +Da hoben sich die Fäuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese +Überraschung war zu groß und schwer; die Hände sanken still herab ... + +Was die allergrößte Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg +zum großen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, +war auf dem besten Wege, ein aufblühender Badeort zu werden. Zwei +"Quellen" waren entdeckt worden, von denen die eine "Kaisersprudel", die +andere "Felsensprudel" hieß, und die beide nach dem Gutachten eines +sachverständigen Professors aus der Hauptstadt "hervorragend radioaktiv" +waren. Die Neustädter feierten Siegesfeste, während die Waltersburger vier +Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort "radioaktiv" richtig aussprechen +konnten, und natürlich auch dann noch nicht wußten, was das sei. + +Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung +auch viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger +heimlich je drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im +"Löwen" statt der sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe +abgehalten. Der Pfropfen der ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die +Decke. + +"Wie - wie bei Champagner", stammelte Herr Hirsemann. + +"Blödsinn", knurrte der Amtsgerichtsrat; "das is Kohlensäure; die is dem +Wasser eingepumpt; alles künstlich, nichts natürlich; ich kenn doch die +Wasserpfützen drüben - Betrug is es, glatter Betrug!" So wartete man, bis +sich die Kohlensäure verflüchtet hatte, dann trank der Bäcker und sagte: + +"'s schmeckt 'n bissel salzig." + +"Weil Sie heut abend wieder Salzhering gegessen haben", grollte der +Richter. + +"Salzig kann man nicht sagen", meinte der Getreidekaufmann Schneider, +"sondern so mehr säuerlich!" + +"Ja, weil Sie von gestern noch 'ne saure Schnauze haben", zürnte Herr +Knopf. + +Unter solchen Umständen hätte der Löwenwirt, der auch mit probierte, mit +seiner Äußerung, das Wasser scheine ihm aber stark nach Schwefel zu +schmecken, zurückhalten sollen; denn der schlecht gelaunte Richter fuhr +ihn an: "Mensch, wenn Sie tagaus, tagein nischt anderes rauchen als Ihre +eigenen Zigarren, muß Ihnen natürlich alles nach Schwefel schmecken." +Darauf einigte man sich endlich: dieses Wasser schmecke wie jedes andere +gewöhnliche Brunnenwasser und sei keinen Pfifferling wert. + +Ganz kurze Zeit darauf gab es in Waltersburg eine neue Aufregung. Die +Neustädter hatten sich für ihr Bad einen Propagandachef engagiert. + +"Propagandachef!" - Dieses Wort war in Waltersburg seit Erschaffung der +Welt noch nicht einmal ausgesprochen worden. Die Neustädter aber wußten +nicht bloß, daß es so etwas gäbe, sie engagierten es sogar. Und der +Propagandachef war ein Jude. Als das bekannt wurde, sagte der Bäcker +abends im "Löwen": + +"Die Kerle in Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefühl." + +Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsächlich deswegen, weil er +immer widersprach: + +"Jude hin, Jude her! Es is 'n alter Witz, daß in den ganzen Antisemitismus +nich eher 'n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst +machen. Wenn die Neustädter ihre faule Sache deichseln wollen, mußten sie +'n Juden nehmen, 'n Christ ist viel zu dämlich dazu." + +Der Bäcker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden, +verließ er das Lokal. + +Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt. +Es war ein entzückend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit +reizenden bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen +pries Neustadt in so berückender Form, daß eigentlich jeder Mensch zu +bemitleiden war, der nicht augenblicklich seine Koffer packte und nach +Neustadt abreiste ... + + * + +Die feindlichen Städte! Vielleicht, daß mir der lustige Hader die Zeit +verkürzt. Von Zeit zu Zeit will ich etwas von ihm im Tagebuch +vermerken ... Joachim hat an die Mutter ein Telegramm gerichtet. "Ich kann +nicht mehr schweigen; ich grüße dich und Fritz. Aber schreibt mir keine +Briefe, telegraphiert nur, ob ihr gesund seid." + +Mit diesem Telegramm saß die Mutter am Tisch, als ich heute abend nach +Hause kam. Sie sprach nicht, sondern übergab mir nur wortlos die Depesche; +aber sie sah mich stolz und verklärt an, als wollte sie sagen: "Sieh, +solch einen guten Sohn habe ich!" "Ich freue mich über Joachim", sagte ich +und ließ sie allein. Von meinem Zimmer sah ich nach dem Johannisbrunnen +hinunter, dessen Wasser einförmig rann. + +Die Seele des fernen Bruders war immer noch krank. Er vertrug keine +Nachricht aus der Heimat. Heimat war ihm in Hölle gewandeltes Paradies. Es +gab einmal ein Weib, das er mehr liebte als alles, die Mutter mit +einbegriffen; es war einmal ein Freund, der ihm näher stand als der +Bruder, und es war eine schöne Stadt, die ihm lieber war als der +Geburtsort; das war Heidelberg. + +In Heidelberg hat ihn die Frau mit dem Freunde betrogen. + +Darüber kommt nun der Mann, der zwischen Rio und Montevideo hin und her +fährt, nicht mehr hinweg. + + + + + + DAS MODEBAD + + +Dieser 5. April war ein sehr merkwürdiger Tag. Ich war drüben in Neustadt +und besah mir den neuen Badeort; denn ich war mir immer noch nicht ganz im +klaren, ob ich Badearzt in Neustadt werden oder lieber die Praxis des +alten Sanitätsrats in Waltersburg übernehmen solle. Der Alte will sich zur +Ruhe setzen. Um die Wahrheit zu sagen, er sitzt eigentlich schon sein +ganzes Leben lang zur Ruhe. Den Waltersburgern fällt es niemals ein, krank +zu werden. Der alte Pfarrer hier, der etwas derber Art ist, sagt: "Wenn +einer nicht gerade unverschuldet verunglückt, ist es eine Schweinerei, +krank zu werden. Denn wenn einer vernünftig lebt, wird er eben nicht +krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus kommt, der nicht was ausfrißt." So +erschien dem Pfarrer der Sanitätsrat immer höchst überflüssig, wie +andererseits dem Sanitätsrat, der ein Freigeist ist, der Pfarrer +überflüssig erscheint. Persönlich aber vertragen sie sich recht gut, +spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen +gegenseitigen Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der +Amtsrichter, den Pfarrer und Sanitätsrat beide für überflüssig halten; +denn außer dem Schneider Hampel wird in Waltersburg niemals jemand +eingesperrt, und bei Hampel kommen in mageren Jahren auch höchstens drei +Wochen heraus. Der Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem +"Grüßfuß", und der Sanitätsrat behauptet, daß der Richter seinem einzigen +"Kunden" immer zu Neujahr gratuliere. Es ist also für einen, der keine +Sinekure sucht, nicht verlockend, Arzt oder Richter in Waltersburg zu +werden. Im Herzen wäre es mir aber immer noch lieber, mich in Waltersburg +niederzulassen, als nach Neustadt zu gehen, dessen Wunderquellen ich nicht +traue, und mich also dort gewissermaßen mitschuldig zu machen, den Leuten +das Geld aus der Tasche zu ziehen. + +Heute war ich drüben in Neustadt. Während der fünf Jahre meiner +Abwesenheit ist der Ort um das Doppelte gewachsen. Er ist mit +amerikanischer Rapidität emporgeschossen. Ich sah die Marmortempel über +den "Sprudeln", die "Promenade" mit ihren unendlich gepflegten, unendlich +bunten und unendlich langweiligen Blumenanlagen, die Kapelle, die das +"Polnische Lied", den "Einzug der Gäste in die Wartburg", das +"Frühlingslied" von Mendelssohn, den neuesten Wiener Walzer und ein +unendlich albernes Potpourri spielte, das von allen Darbietungen dem +Publikum am besten zu gefallen schien, sah auch, wie der erste Geiger und +der Flötist an der Rampe des "Musikpavillons" wie überall mit den +vorbeiflanierenden Mägdelein liebäugelten; ich sah auf den Estraden leerer +Restaurants Kellner lauern, die wie Bräutigame gekleidet waren oder wie +Leichenbitter, fünfunddreißig Gerichte auf ihrer Speisekarte, von denen +sicherlich nicht eines halb so gut schmeckte wie das, was Mutters alte +Köchin bereitet; ich sah eine "Wandelhalle" mit Schauläden, in denen die +schönen und ach so "preiswerten" Broschen prangen, die man den +Dienstmädchen als "Mitbringe" schenkt und deren Goldglanz mindestens +anhält, bis das Mädchen am nächsten Quartal abzieht, sah schreiend bunte +Gläser mit der Aufschrift "Zum Andenken" oder "_Souvenir de Neustadt_", +Holzarbeiten, vom geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei +Bären auf einem Amboß pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele +Kunstgegenstände, bis ich zum Theater gelangte, wo ein Zettel verkündete, +daß ein vielversprechender Dichter (alle vielversprechenden Dichter +debütieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk "Geheimnisse von Neustadt" +zur Aufführung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu deutsch: Georg +Schuster), der vielbeliebte erste Liebhaber der Bühne, die Hauptrolle +kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging ich in +ein Café und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie mir +das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der +schon immerfort nervös hin und her zappelte, knurrte den Kellner an, wie +lange er zum Donnerwetter noch auf die telephonische Verbindung mit +Breslau warten solle; ein Herr an einem anderen Tisch erzählte mit +unerträglicher Weitschweifigkeit seinem Nachbar alle Erscheinungen seiner +Krankheit, wofür sich dieser so interessierte, daß er während der Zeit des +Zuhörens das ganze Mittagsblatt durchschmökerte; drüben an der Wand +stritten zwei rote Köpfe laut über Nietzsche; eine vorübergehende Mutter +machte ihrer bleichsüchtigen Tochter Vorwürfe, daß sie ihren Brunnen statt +um fünf erst um fünfeinhalb Uhr getrunken habe, was natürlich furchtbar +schaden könne; Gents und noch viel mehr Pseudogents tänzelten vorüber, und +in der Kapelle drüben blies der Waldhornist zum Herz- und Steinerweichen: +"Das Meer erglänzte weit hinaus im lichten Abendscheine". + +"Auch Sie, Fräulein Trude", hörte ich einen vorbeiwandelnden Primaner zu +seiner sechzehnjährigen Begleiterin sagen, "haben mein Herz vergiftet, +zwar nicht durch Ihre Tränen, wohl aber durch Ihr Lachen." + +"Aber Herr Lempert", sagte sie, und sie waren vorbei ... Ich bekam Heimweh +nach Waltersburg und ging. Draußen auf den Promenadengängen das gewohnte +Publikum; die galizische Jüdin mit etwas schmierigen Spitzen am +Halsausschnitt und den großen Brillanten in den Ohren; der Herr in dem +hocheleganten weißen Flanellanzug, der 23 Mark gekostet hat; der +"Künstler", dessen Kraft wie bei Samson in der Fülle der Locken sitzt und +der sich vor dem Spiegel die wirkungsvollen Gerhart Hauptmannschen +Mundwinkel eingeübt hat; das knurrende Eheoberhaupt, das wo anders +hinstrebt, weil man auf dem Kurplatz nicht rauchen darf (warum, weiß weder +er noch sonst jemand; denn der Platz ist weit, und der Himmel ist hoch); +die flirtende Strohwitwe; der melancholisch und langsam schreitende +Einsame, der keinen Anschluß findet; das laute Mädchen, das immer zehn +Verehrer um sich hat und nie einen Mann kriegt; die Geschäftsfreunde, die +auch hier über ihre Alltagssorgen nicht hinauskommen; fachsimpelnde +Oberlehrer und lebenslustige Backfische, dazwischen die "Patienten", die +gewissenhaft aus geschliffenen Gläsern das Neustädter Wunderwasser +schlürfen, als könnte es in vier Wochen gutmachen, was in vielen, vielen +Jahren krank ward. + +Ich war im klaren: Ich wollte nicht Badearzt werden. So wollte ich nach +Hause und wählte als Heimweg den Pfad über den Weihnachtsberg, der als +Grenzscheide zwischen Waltersburg und Neustadt liegt. + + + + + + AUF DEM WEIHNACHTSBERG + + +Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwürdiges Gasthaus. Es sieht aus wie +eine Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbrücke, +Butzenscheiben und was so dazu gehört. Das echteste von dem ganzen +romantischen Nest war der Wirt, der Eberhard hieß, weil er einen langen +Bart hatte, oder der sich einen langen Bart hatte wachsen lassen, weil er +Eberhard hieß. Die Waltersburger besuchten ihn an allen regenfreien +Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner luftigen Höhe so gute Tage, +daß ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard war für die +Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend lugten sie +ängstlich, sehnsüchtig und neugierig nach dem Gipfel des Weihnachtsberges +hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren Duftschleier um den +Gipfel hüllte, flammte da oben ein mächtiges Bergfeuer zum Himmel, und +eine Trompete blies langsam und feierlich herab ins Tal: "Vom Himmel hoch, +da komm ich her." + +"Er kommt, er kommt!" stießen da die Kinder heraus, und die kleinsten +zitterten in seliger Angst. Vom Berge herab aber kam mit silbernem Geläut +der Knecht Ruprecht gefahren. Er thronte auf einem mit Tannenreis +prachtvoll verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die +wurden von seinen Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und +Paketchen beladen. Vom Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die +reichen wie die armen, die großen wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und +Großmütter standen hinter ihnen, und wenn der Knecht Ruprecht ankam, +winkten die Kinder mit den Händen, die Väter nahmen die Mützen ab, und die +Tanten und Großmütter machten tiefe, ehrfürchtige Knickse. Der Knecht +Ruprecht aber saß da auf seinem tannenbekränzten Thron wie ein König und +nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten Hand und +winkte mit der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und +Reichen, an die Gerechten und Ungerechten. + +Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die +Fackelträger, die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans +Tor. Mit lustigem Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg +hinauf, und die Leute kehrten heim, alle im Herzen froh und reich. + +Das war der Weihnachtsberg bis vor acht Jahren. Da kamen die Neustädter +und kauften Herrn Eberhard, der damals gerade ein wenig in Sorgen war, +sein Gasthaus für einen guten Preis ab. Die Neustädter machten aus der +alten edlen Burgherberge ein "Etablissement mit Burgruine, Aussichtsturm +und im übrigem allem Komfort". Es wurden hölzerne Veranden mit großen +Fenstern an das alte Mauerwerk geklebt, der ganze schablonenhafte öde +Hotelbetrieb eingerichtet, und die Badezeitung faselte vom Fortschritt der +modernen Zeit. + +Daß schweres, reines Altgold in dünnes Flitterblech gewalzt wurde, +empfanden am meisten die Waltersburger Kinder, die am Weihnachtsabend +vergebens ausspähten nach dem leuchtenden Höhenfeuer und der süßen, +verheißungsvollen Melodie: "Vom Himmel hoch, da komm ich her." + +In Gedanken an alte, schöne Zeit stieg ich den Weihnachtsberg hinauf. So +sentimental war ich aber nicht, um dem neuen "Etablissement" auszuweichen; +dazu war ich denn doch zu weit in der Welt herumgekommen und hatte zu viel +Schifflein scheitern sehen, um so eine Unglücksstelle feig zu umsegeln. +Ich kehrte in dem "Etablissement" ein. In der großen Glasveranda waren +drei Kellner und ein Gast anwesend. + +Dieser einzige Gast saß am Fenster und guckte nicht auf, als ich zur Tür +hereintrat. Daraus erkannte ich, daß er kein Deutscher war. Im übrigen +genügte mir ein Blick zu meiner Orientierung. Ich erkenne den +Nordamerikaner so leicht unter allen Nationen heraus wie den Star unter +den bunten Finken. + +Soll ich hier das Bild wiederholen, das deutsche Karikaturisten malen, +wenn es gilt, einen "Uncle Sam" zu zeichnen? Das kurzgeschorene Haar, den +glattrasierten, rasiermesserdünnen Mund, die etwas schlottrige Figur mit +den langen Beinen und fuchtelnden mageren Armen, die Stummelpfeife, den +karierten Anzug und diesen anderen Kram? Nein! Ich ging zweimal durch die +Stube, stellte fest, daß achtzehn Tische unbesetzt und einer besetzt war, +und setzte mich dann an den besetzten, dem Gaste gegenüber, ohne ihn zu +grüßen. Der andere blickte auch jetzt nicht auf. Er sah gelangweilt ins +Tal. Ich beachtete ihn auch nicht. + +Der Kellner kam, und ich machte meine Bestellung. Darauf war es ganz +still. + +Endlich blickte der Mann mir gegenüber auf und sagte, indem er nach +Neustadt hinunterwies: + +"Das ist ein sehr albernes Nest da unten!" + +Er sprach englisch; aber ich entgegnete deutsch: + +"So kann man schon sagen. Es gefällt mir auch nicht." + +"Aber bei uns in Amerika werden Sie auch dumme Badeorte gefunden haben." + +"Woraus schließen Sie, daß ich in Amerika war?" + +"Ich denke es mir." + +"So, so!" + +Darauf schwiegen wir. Erst nach einem Weilchen nahm "Uncle Sam" das +Gespräch wieder auf: + +"Sie halten nichts von unseren modernen Kurorten?" + +"'Nichts' kann ich nicht sagen. Es gibt zehn gute Kurorte und neunzig +unnütze. Das sage ich." + +"Und wie denken Sie sich einen ganz guten Kurort?" + +Ich zuckte die Achseln. + +"Ich habe mir manchmal ein Bild ausgemalt, wenn ich als Schiffsarzt die +nötige Muße zu solchen Träumen hatte." + +"Sie sind Schiffsarzt?" + +"Ich war es." + +Ich fand es nun angemessen, mich vorzustellen. Darauf wippte auch er ein +wenig vom Stuhle auf und sagte: + +"Mister Stefenson. Öl und Naphtha. Neuyork, Milwaukee, St. Louis und +Trinidad. Nun, wie ist das mit Ihrem Kurort?" + +"Es ist gar nichts. Es ist ein Traum, eine verrückte Idee!" + +"Verrückte Idee ist schön. Deutschland ist ein gutes Land, aber es leidet +einen sehr großen Mangel an verrückten Ideen. Es ist zu brav, es macht +zuviel nach. Den deutschen Unternehmungen fehlt die überraschende Pointe. +Der Amerikanismus ist besser." + +"Das sagen Sie so!" + +"Es ist so." + +Ich war verstimmt und schwieg. + +"Nun?" fragte er ungeduldig. + +"Mister Stefenson, wenn ich Ihnen meine Idee entwickeln wollte, würden wir +viel Zeit brauchen; am Schluß würden Sie mich doch nicht verstehen. So was +liegt Ihnen nicht." + +"Wir haben Zeit, ich werde Sie verstehen, und es liegt mir", gab er zur +Antwort. + +Da kam ich in Laune und sagte: + +"Ich will es Ihnen in ganz kurzen Linien umreißen. Ich will mal annehmen, +meine Heilanstalt bestände schon und Mister Stefenson käme zu mir als +Kurgast." + +"Das ist gut! Das ist instruktiv!" rief er. "Wie heißt Ihr Sanatorium?" + +"Ferien vom Ich." + +"Wie?" + +"Ferien vom Ich." + +"Das ist kein guter Name. Dabei kann man sich nichts denken. Das zieht +nicht." + +"Mister Stefenson, wenn Sie mir schon von vornherein widersprechen, werde +ich Ihnen kein Wort über meine Heilanstalt sagen. Daß Sie den Namen nicht +ohne weiteres begreifen, ist doch eben das Neue und Gute." + +"_Well_; ich sage nichts mehr. Ich höre." + +"Also: Irgendwo auf der Welt, sagen wir auf dem Ostabhang dieses +Weihnachtsberges bei Waltersburg, liegt die Heilanstalt 'Ferien vom Ich'. +Auch Mister Stefenson, der schon in vielen Kuranstalten und nie ganz +zufrieden gewesen war, hat von der Anstalt gehört und hauptsächlich darum, +weil es etwas Neues war, beschlossen, sie aufzusuchen. Er reist nach +Waltersburg. Mister Stefenson kommt mit sieben Koffern und zwei Dienern +an." + +Mein Gegenüber nickt. + +"Stimmt. Sie sind ein Gedankenleser." + +"Der Ankömmling findet in der Nähe von Waltersburg ein Gelände von Wald, +Hügeln, Gärten, ganz von einer hohen Mauer umschlossen, über die kein +Mensch hinwegsehen kann. Er merkt gleich: ah, an dieser Mauer ist die Welt +alle, hier ist eine Welt für sich. Die Mauer hat nur ein einziges Tor. +'Ferien vom Ich' steht darüber. Mister Stefenson, der mit drei Wagen +ankommt, zieht die Schelle an der Pforte. Eine tiefe Glocke schlägt einmal +an. Da kommt von drinnen her ein Diener, der öffnet das Tor. Er ist nicht +in der weltüblichen Tracht, er trägt Pluderhosen, Sandalen an den Füßen, +eine weite, am Hals ausgeschnittene Bluse und ist barhäuptig. Vor +Stefenson macht er keine Verneigung, sondern sagt: 'Lieber Freund, Sie +sind wohl wenig unterrichtet, sonst kämen Sie nicht mit solch unnötigem +Kram hier an. Seien Sie so gut, lassen Sie Ihre Diener und Ihr Gepäck +unten in Waltersburg oder sonstwo auf der Welt Unterkunft suchen und +kommen Sie ganz allein, wie Sie hier stehen, mit mir.' + +Mister Stefenson ärgert sich nicht wenig über diese Ansprache des +dienstbaren Geistes, aber er will hinter den 'Trick' kommen, deshalb winkt +er seinem Gefolge ab und geht in das große Ferienheim des Lebens. Die +Pforte fällt hinter ihm zu. Sein Begleiter führt ihn eine Lindenallee +bergan. Rechts und links sind Wiesen und einige bebaute Ackerstücke. Am +Ende der Allee steht ein von Efeu umsponnenes Haus, so klein wie eine +Einsiedlerhütte. Das Häuschen hat nur ein einziges Zimmer, aber das ist +bequem hergerichtet, hat ein gutes Bett, einen Schreibtisch, schlichte, +aber geschmackvolle Möbel und gute Bilder an den Wänden. In dieses Zimmer +führt der Torwart den Mister Stefenson und sagt: 'Hier bleiben Sie, lieber +Freund, zwei Tage und zwei Nächte. Lesen Sie die wenigen Blätter, die auf +dem Schreibtisch liegen, gut durch und schreiben Sie Ihre eigene Lebens- +und Leidensgeschichte auf, schreiben Sie auf, was Ihnen an sich selbst +nicht gefällt und warum Sie hierhergekommen sind. Nach zwei Tagen wird der +Arzt zu Ihnen kommen, wird lesen, was Sie geschrieben haben, und wird den +ganzen guten Mannes- und Freundeswillen haben, Ihnen zu dienen und zu +helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden +Sie sich mit den Blättern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab, +können Sie nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so +hängt hier am Nagel an der Tür ein Schlüssel, der die Pforte unten an der +Allee aufsperrt. Lassen Sie den Schlüssel von innen stecken und schlagen +Sie die Pforte von außen zu. Zu bezahlen haben Sie für das, was Sie +inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, daß Sie einmal dagewesen +sind.' + +So sagt der Torwart, und dann läßt er den verwunderten Herrn Stefenson +allein. + +Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen. +Ich kann hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blätter aufsagen, sondern nur +einige wenige Sätze hervorheben. 'Betrachte dein Leben mit allem, was es +gebracht hat: Arbeiten, Erholungen, Genüssen, Sünden, als eine +Anstrengung, die dich müde gemacht hat und deine Kräfte zermürben wird. +Mache dich los von diesen Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Löse +dich zunächst los von dem Götzen, dem du alle Tage opferst, von deinem von +dir so zärtlich geliebten Ich. Entkleide diesen Götzen allen Tandes, den +du ihm mit großen Entbehrungen verschafft hast, seines wohlklingenden +Namens, seiner Genußsucht, seiner Herrschsucht über Geld und andere +Machtmittel.'" + +Hier unterbrach mich mein Zuhörer. + +"Bitte, sagen Sie das nicht mit so phrasenhaften, abstrakten Worten; sagen +Sie es einfacher und instruktiver!" + +"Schön! Nehmen wir also an, daß jener Herr Stefenson die zwei Tage und +zwei Nächte in dem Einsiedlerhäuslein ausgehalten hat, ohne fortzulaufen. +Nach zwei Tagen kommt der Arzt. Herr Stefenson wird ihm entgegenrennen und +ohne jede Einleitung sagen: 'Ich habe Ihre Blätter gelesen und muß Ihnen +sagen, Herr Doktor, daß mir die Sache zum Teil sehr abenteuerlich, zum +Teil sehr langweilig vorkommt. Warum soll ich zum Beispiel hier in dem +Ferienheim nicht mehr Stefenson heißen, sondern einen anderen Namen +haben?' + +'Setzen Sie sich', wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die +Bank neben der Haustür drücken. + +'Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.' + +Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr +Stefenson in den Tagen einsamer Einkehr in sich selbst über sein Leben +niedergeschrieben hat. 'Ich werde die Blätter mitnehmen', sagt der Doktor, +'und sie zu Haus noch einmal lesen, dann bekommen Sie Ihr Manuskript +zurück und können es selbst vernichten.' 'Das ist so ähnlich wie bei +Lahmann', sagt Stefenson. 'Ja', nickte der Doktor, 'ich habe vieles von +Lahmann, der wieder vieles von Prießnitz und anderen hat. Wenn einer +hochkommen will, muß er immer auf die Schultern anderer steigen.' + +Der Arzt unterhält sich nun lange mit Mister Stefenson und erklärt ihm +auch, warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. 'Sie +sind hier nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der - sagen +wir - John heißt; dieser John hat mit Herrn Stefenson gar nichts zu tun. +Herr Stefenson ist irgendwo in Neuyork, Milwaukee oder auf Trinidad, +zermartert sich dort sein Hirn um neue Gewinne, wird gelobhudelt, +befeindet, belogen, betrogen - arbeitet und amüsiert sich halb zu Tode, +hat mancherlei Schwächen, die sein Leben und vor allen Dingen seine Freude +am Leben verkürzen, kurz, ist trotz seiner Millionen ein armer, gehetzter +Mensch, während dieser John hier keinen liebedienernden Troß, keinen +vorteilssüchtigen Freund, aber auch keinen Feind hat, froh und sicher +unter seinesgleichen lebt und, wenn er mit einem Genossen im Garten +arbeitet, nicht weiß, ob dieser Mann draußen in der Welt ein Fürst oder +Minister oder ein kleiner Beamter ist. Sehen Sie, John, das ist ein ganz +köstlicher Humor, den wir hier betreiben. Wenn die Leute ihren Namen +abgelegt haben und auch alle die gleiche Tracht haben, kennt man den +Großen vom Kleinen nicht mehr heraus. Der Geist verrät sie nicht. Daß der +Patient während der Dauer der Kur seinen Namen ablegt, ist für den Erfolg +für uns eine große Hauptsache. Der Name ist meist die stärkste Kette, die +mit der Last und Lust des Alltags verbindet, sie muß in Ferientagen gelöst +werden. Und wäre der Name auch ein Schmuck, wie ja der Name eines guten +Kaufmanns gewiß ein kostbarer, schwer erworbener Schmuck ist - wer richtig +ruhen will, legt allen Schmuck ab. Weniger wichtig ist das Ablegen der +gewohnten Tracht, aber doch wichtig genug, bei uns zur Bedingung gemacht +zu werden. Und für uns hat es noch das eine Gute: Es hält uns alle +albernen Pfauen des Lebens vom Halse, vor allen Dingen eitles Weibervolk; +wer zu uns kommt und bei uns bleibt, der meint es ernst mit sich selbst. +Im übrigen hoffe ich, daß Ihnen unsere bequeme, gesunde Tracht gefallen +wird; auch unsere Damen sind sehr zufrieden mit ihr. + +Wovon Sie weiterhin erlöst werden müssen, ist das Geld. Sie haben während +Ihres ganzen hiesigen Aufenthalts mit Geld nichts zu tun. Was Sie bei sich +tragen, geben Sie an der Kasse ab, es wird Ihnen verwahrt und verzinst bis +zu Ihrem Austritt, abzüglich des Betrages für Ihren Kuraufenthalt. John, +der Feriengast, besitzt nicht einen Pfennig. Er braucht auch keinen +Pfennig, und er ist schon nach kurzer Zeit glücklich, nicht den ganzen Tag +über sich Hände entgegenstrecken zu sehen, auf die er Geld legen soll, wie +es Herrn Stefenson geschieht, bei dem die Bewegung nach der Brieftasche +schon automatisch geworden ist. John hat nur eine Tasche fürs Taschentuch +- Geld hat er nicht, Schlüssel, Messer, Taschentoilette, Füllfederhalter, +Notizbuch, Brieftasche, Taschenapotheke und aller andere Ballast wird über +Bord geworfen. + +Auch die Uhr! + +Es geht John gar nichts an, wie spät es ist, es ist gänzlich ohne +Interesse für ihn, ob es dreizehn Uhr siebzehn oder vierzehn Uhr +sechsundzwanzig ist, er braucht nicht zu hetzen, sich nicht zu ängstigen, +er hat Zeit, er kommt immer zurecht. Nur die Mahlzeiten darf er nicht +versäumen; aber zu ihnen ruft eine Glocke. Oh, Mister Stefenson, Sie +werden sehen, wie wohltuend das ist, wenn man nicht am Tage sechzigmal +nach der Uhr sehen muß! Die Uhr, die über dem Herzen schlägt, schlägt +schneller als das Herz, als wollte sie wie ein Schrittmacher zu immer +größerer Eile anspornen - und der Weg führt doch ans Ende des Lebens. +Warum sollen wir es so eilig haben, dorthin zu gelangen? Der Schrittmacher +wird bei uns außer Tätigkeit gesetzt. + +Da nun John mit Mister Stefenson rein gar nichts zu tun hat, geht es ihn +auch rein gar nichts an, was diesen amerikanischen Großkaufmann von +Weltereignissen aufregt und interessiert. Es geht John nichts an, ob +Stefensons Kurse fallen, was in den Parlamenten gekohlt wird oder was im +'Völkerbund' für Schindluder getrieben wird, ja es geht ihn nicht einmal +das mindeste an, wer Weltmeister im Boxkampf geworden ist - kurz, John +liest keine Zeitungen. Auf dem Fragebogen, den Sie, Herr Stefenson, +auszufüllen hatten, steht: 'Wie lange lesen Sie durchschnittlich täglich +über der Zeitung, wie lange also im Jahre?' Sie haben den täglichen +Zeitverbrauch auf dreiviertel Stunden, den jährlichen also auf 274 Stunden +berechnet. Wenn man den Tag mit neun Arbeitsstunden annimmt, verwenden Sie +aufs Zeitunglesen dreißig Tage, also einen ganzen Arbeitsmonat des Jahres. +Und dann kam auf dem Fragebogen die Aufforderung: 'Schreiben Sie kurz +nieder, was Sie von Ihrer Zeitungslektüre aus dem vorigen und aus dem +vorvorigen Jahre noch wissen!' Was Sie vom vorigen Jahre noch wissen, +steht auf fünf kleinen Blättern, und Sie geben es ehrlich an, daß es Ihnen +schwere Mühe verursacht hat, diese fünf Blätter zu füllen. Vom vorvorigen +Jahre wußten Sie fast nichts mehr, nur ein paar ganz große Ereignisse +standen noch im Gedächtnis. Nun ist ja sicher, daß durch das Zeitunglesen +viel latenter, nur im Augenblick nicht bereiter Besitz erworben wird. Aber +Sie selbst müssen sich fragen, ob dieser Besitz die Aufwendung eines +ganzen Arbeitsmonats des Jahres wert ist. Das Zeitökonomische geht uns +übrigens hier nur in zweiter Linie an. Die Hauptsache ist uns: John darf +sich nicht das Frühstück verderben lassen, weil Herr Stefenson in +ebendemselben Augenblick aus der Zeitung einen giftigen Ärger über einen +Deputierten saugen würde, der nach seiner Meinung eine idiotische Rede +gehalten hat; John betrinkt sich nicht am Abend aus Freude darüber, daß +einer Konkurrenz von Mister Stefenson die Butter vom Brote gefallen ist; +John disputiert nicht eine Stunde lang darüber, ob das Bündnis zwischen +den Staaten Soundso zustande kommen wird oder nicht; kurz: John verzichtet +auf die Peitschenhiebe des Zeitungsstils. Er sagt sich so: Für Herrn +Stefenson aus Amerika mögen die nervenanstrengenden Dinge, die täglich in +der Zeitung stehen, wichtig, ja unerläßlich sein; denn Herr Stefenson +steht in der harten Schule des Lebens und kann sich um sein Pensum nicht +drücken; aber ich - o ich, John, ich habe Ferien, und die ganze Schule des +Lebens geht mich rein gar nichts an. + +Es kommt noch eins hinzu - John erzieht sich. Herr Stefenson meint, ohne +ihn ginge es nicht. Auch wenn er reist, auch wenn er in einem Bad ist, +behält er die Hauptfäden seiner geschäftlichen Angelegenheiten immer in +der Hand. Er läßt sich ellenlange Berichte schicken, er liest Zeitungen, +er kabelt, er regt sich auf, freut sich, wettert und ist eigentlich auch +auf Reisen immerfort zu Hause, immer im Joch. John pfeift sich eins. John +sagt: Wenn Herr Stefenson tot wäre, ginge es auch; folglich geht es auch, +wenn Herr Stefenson verreist ist. Vielleicht geht es sogar besser, als +wenn er zu Haus ist. Nur nicht zu eitel sein! Frisches Blut tut manchmal +gut, und vielleicht kann John Herrn Stefenson zu guter Letzt an der Hand +nehmen und sagen: Sei froh, daß du mal ausgeschieden warst, du hast +inzwischen glänzende Geschäfte gemacht, so wie ein Spieler meist gewinnt, +wenn er einem Vertreter auf einige Minuten seine Karten überläßt. + +Im Ferienheim gibt es täglich einen Anschlag, auf dem in wenig Zeilen die +Hauptereignisse des Tages mitgeteilt werden. Wer daraus schließt, daß er +über einen Punkt unbedingt weitere Auskunft haben müsse, der geht in die +Kanzlei, dort liegen dreißig Zeitungen. Kann sich der Betreffende bald +beruhigen, dann ist es gut; wenn das nicht der Fall ist, verläßt er die +Ferien und geht in die Lebensschule zurück. Bis jetzt sind nur drei +Prozent unserer Feriengäste nach der Kanzlei gekommen, um Zeitungen zu +lesen; die allermeisten lesen nicht einmal die Anschläge. Sie sind zu +ernst; sie sind wie auf einem fremden Stern; die Erdenereignisse gehen sie +auf einige Zeit gar nichts an. + +Und so wie mit den Zeitungen, ist es mit der Privatkorrespondenz. Sehen +Sie sich an, Herr Stefenson, wie es die Leute in den modernen Kurorten +treiben. Eine der allergrößten Hauptpersonen ist der Briefträger. Man kann +sein Erscheinen nicht erwarten. Vor jeder Ausgabe der Post zwanzig Minuten +Nervenvibrieren, innere Unruhe, gespannte Erwartung. Und der Erfolg? Ein +paar freuen sich; aber Herrn Mayer hat seine Frau geschrieben, daß sich +der Hausmeister ruppig benommen habe, und Herr Mayer ist auf Stunden in +menschenfresserischer Laune; das Töchterchen von Frau Ludwig ist vom Tisch +gepurzelt, und die Mutter telegraphiert, man solle gleich den Arzt +befragen, was ohnehin natürlich schon geschehen ist; Baron Erwin zieht die +Stirn in Falten, weil seine Isolde nicht geschrieben hat; der +Schriftsteller Niessen kriegt ein Romanmanuskript zurück und bricht fast +in Tränen aus über die Idiotie der betreffenden Redaktion; im Herzen der +blonden Else steckt eine Ansichtskarte ihres Referendars ein verzehrendes +Feuer der Sehnsucht an; der Geheime Oberregierungsrat bekommt das +Schreiben eines 'Freundes', das ihm suggeriert, seine Stellung sei +erschüttert, und der Frau von Puttbus schreibt die Schneiderin ab. - Die +Ärzte können sicher rechnen, daß das, was sie in einer Woche aufbauen, +manchmal der Briefträger in zehn Minuten einreißen kann. + +Und deshalb wünscht das Ferienheim sehnlichst den Briefträger zum Kuckuck, +weil er die Ferienruhe stört, weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts +anderes steckt, als ermüdende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb +bitten wir unsere Feriengäste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns +lieb haben, wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im +Notfall an mich; alles Kleine laßt weg, erzählt es mir, wenn ich +heimkomme. Es wird mir dann lieb sein; es wird sein, als ob wir uns neu +gegeben wären. Bedenkt, daß mir von der Leitung des Ferienheims, wenn ich +in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, nahegelegt werden wird, das +Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich kann nicht +ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuß sitzt. + +Das ist eine scheinbar harte Maßregel des Ferienheims, die viele gehindert +hat, zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung +als richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen großen Teil seines +Erholungsaufenthaltes an ein Postbüro binden will, soll anderswo hingehen. + +Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite unseres +Heilverfahrens, das, was wir ausscheiden: Namen, Rang, Titel, moderne +Bekleidung, das Geld, die Uhr, die Zeitung, das unnütze Briefschreiben +oder, wenn Sie es krasser sagen wollen, Verwandtschafts- und +Bekanntschaftsfesseln. + +Sie merken schon, Mister John, daß ich an alte Klosterideale angeknüpft +habe. Nur, daß es sich eben nicht wie beim Kloster um die +Lebenseinrichtung überhaupt, sondern nur um eine Ferienpause des Lebens +handelt, und daß wir nicht aus religiösen, sondern aus sanitären +Beweggründen handeln. Zur Seelsorge sind wir weder befähigt noch berufen. +Aber - um auch diesen wichtigen Punkt zu berühren - wir empfehlen allen +denen, die noch eine religiöse Anschauung haben, aus reinster +Menschenfreundlichkeit, auf Grund dieser Anschauung einen recht tiefen +Herzensfrieden mit ihrem Herrgott zu machen; das ist die allergrößte +seelische und darum auch die allergrößte körperliche Wohltat. Ein Arzt, +der gehetzten Menschen Erquickung bieten wollte und diesen Punkt außer +acht ließe, wäre ein Stümper. Deshalb wird all unseren Feriengästen +Gelegenheit geboten sein, Gott zu dienen, wie sie es bedürfen. Daß wir uns +dabei jeder Einmischung in dieses ureigenste Gebiet des Menschen +enthalten, ist ganz selbstverständlich. + +Die ärztliche Behandlung wird natürlich für jeden Feriengast individuell +sein; für Schwerkranke ist das Ferienheim kaum, mehr für die Müden, für +die, die das Leben in seiner Hast und Hohlheit nicht mehr freut, für die, +die gern noch einmal mit frischen Kräften von vorn anfangen möchten. + +Für die Alkoholkranken, die Morphium- und Opiumsüchtigen hat man jetzt +draußen Entziehungskuren, die großen Segen bewirken; wir wollen hier allen +denen Entziehungskuren gewähren, die auf irgendeine Weise vom Leben +vergiftet sind. Ganz generell werden alle erlöst von allem Eitlen und +Hohlen ihres bisherigen Daseins, von der drückenden Last öffentlichen und +privaten Lebens, von unnützen Bedürfnissen; individuell sollen sie erlöst +werden von ihren Krankheiten, Lebenssünden und Lebensschwächen, von +unfruchtbarer Sorge, Angst und Reue, sollen Kraft im Frieden und die +kostbare Fähigkeit zur Freude wiedergewinnen. + +Wir scheiden aus dem Ferienheim die üblichen Vergnügungen aus. Sie finden +bei uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Früh-, Mittags- und +Abendkonzerte, keine Spielsäle, Taubenschießen, Theater- und +Varietévorstellungen, keine prunkhaften Umzüge und italienischen Nächte - +denn das alles ist nichts als anstrengende hohe Schule des Lebens und +betrügt alle die, die mit neuen Kräften nach Hause kommen wollen. Wir +suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder Beschäftigung in +frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige Gartenbeete +umgraben müssen, auch werden Sie sich gelegentlich am Fällen eines Baumes +oder am Holzsägen beteiligen müssen; es kann aber auch sein, daß Sie mal +einen Hecht angeln oder ein paar Körbe Äpfel pflücken müssen. Da Sie, wie +Ihre Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schöngeistiges Buch +gelesen haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und +einem Bändchen Lyrik nicht herumkommen. Während wir bei sogenannten +Leseratten Entziehungskuren machen, muß bei Ihnen in diesem Falle eine Art +Zwangsernährung einsetzen. + +Die körperliche Kost wird ganz Ihrem Befinden angemessen und natürlich gut +und schmackhaft sein. Alle Woche zweimal werden Sie sich das Abendbrot +selbst bereiten. Wie Sie das anstellen, ist Ihrer Phantasie überlassen. Im +großen Küchen- und Vorratshause finden Sie alle Rohmaterialien. Wir haben +gegenwärtig einen Feriengast, der draußen in der Welt eine Schar von +Dienern hat. Auch er muß sich das Abendbrot zweimal in der Woche selbst +bereiten. Anfangs wußte er nichts anderes, als daß er sich Brotstullen +schnitt, die entsetzlich dick und krumm gerieten, die Stullen mit Butter +beklebte und starke Wurstscheiben mit der Pelle darauf legte. Das nächste +Mal hatte er schon erluchst, wie man Kartoffeln an einem kleinen +Feldfeuerchen kocht, und hatte sich dazu einen Hering verschafft. Dann +ergänzte er seine Mahlzeit, indem er Radieschen aus der Erde zupfte, Nüsse +und Früchte von den Bäumen holte, und am vierten Abend, den er sich selbst +bereitete, lud er einen Freund und eine Freundin ein, war sehr stolz auf +sein Mahl und aß mit Genugtuung und Appetit. Das sind Kleinigkeiten, die +vielleicht wie Spielerei aussehen, aber doch einen Sinn haben. So werden +Sie sich z. B., wenn ein kühler Tag ist, das Feuer in Ihrem Ofen selbst +anzünden und unterhalten müssen. Hobelspäne und Reisig können Sie sich +leicht holen, das Holz müssen Sie selber hacken. Sie werden sehen, Mister +John, wie warm und goldig solch ein selbstentzündetes Feuer brennt, viel +wohliger, als wenn es ein Diener angefacht hätte. Ein volles Dutzend Mal +werden Sie die Kacheln abfühlen, wie sie nach und nach warm werden, mit +einer heimlichen, stillen Freude im Herzen. Und wenn am Abend Sie ein paar +andere Feriengäste besuchen, Leute, von denen Sie nicht wissen, wie sie +eigentlich heißen, wer und woher sie sind, von denen nichts anderes +bekannt ist, als daß es eben auch ernsthafte Menschen sind, die sich zu +einer Ferienpause des Lebens aufgerafft haben - wie schön wird es sein, +mit ihnen zu plaudern oder sich etwas zu erzählen und selbst auf das Feuer +zu achten. + +Gute Kammermusik werden Sie manchmal zu hören bekommen; doch nicht oft und +nicht viel. Aber zur Laute wird öfter gesungen werden, und manchmal wird +irgendwo ein Bläserchor stehen, und es wird sein, als ob Soldaten in der +Ferne marschierten, oder ein Waldhorn wird ins Tal schallen wie in alten, +romantischen Tagen. + +Sport dürfen Sie treiben: Reit- und Schwimmsport, Turnen im Luftbad, +Tennis- und Kegelspielen. Auch Karten spielen dürfen Sie, aber ohne Geld; +denn John hat keinen Pfennig in der Tasche, und wollte er sich mit seinen +Gegnern verabreden, ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel +zwanzig, und würde alles hinterher in bare Münze sauber umgerechnet, so +würde es wohl doch herauskommen, und das Spielernest würde energisch +ausgenommen werden. + +Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen +scheinen, ganz nach ärztlichem Befund. Wenn Sie mich nun fragen, wie lange +ein solcher Ferienaufenthalt währt, so muß ich Ihnen sagen, daß die +kürzeste Frist sechs Wochen beträgt, daß es aber sehr viel günstiger ist, +wenn die Ferienpause drei Monate oder noch länger dauert. Die ersten +vierzehn Tage werden Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren, +vielleicht am Heimweh leiden nach der eben abgelegten alten Haut. Sie +müssen erst heimisch werden, müssen das große Ferienglück erst ganz +fühlen, müssen die unaussprechlich süße Freude empfinden, wie Sie gesünder +und fröhlicher werden, dann erst kommt das Heil. + +Aber wenn Sie dann in die große, schwere Schule zurückgehen, werden Sie +mehr neue Kräfte, einen größeren Mut zum Leben mitnehmen, als wenn Sie +unterdes Mineralwasser getrunken, Reunions besucht und hundert Zeitungen +gelesen hätten. Mit einem Wort: Sie werden an die Ferien denken wie ein +Kind an die freie Spielwiese denkt, wenn es wieder in der Etagenwohnung +der Großstadt hinter seinen Aufgabenbüchern sitzt.' + +Mit diesen Worten endete der Arzt, der mit seinem neuen Patienten vor der +Tür des Einsiedlerhäuschens saß, seine Belehrung, und damit ende auch ich, +Mister Stefenson, den Aufschluß über das Ferienheim des Lebens, das nur in +meiner Phantasie lebt und wohl auch immer nur dort leben wird." + + * + +Ich schwieg, und der Mann, der mir gegenüber am Gasthaustisch saß, schwieg +auch. Er hatte die ganze Zeit, während der ich sprach, mit halb +abgewandtem Kopfe dagesessen und hinunter nach Neustadt gesehen. Endlich +stand Stefenson auf, nickte kurz mit dem Kopf, sagte: "Danke sehr! Guten +Abend!", nahm seinen Hut und ging aus der Stube, nachdem er den Kellner +bezahlt hatte. Ich ließ ihn gehen. + + * + +Am nächsten Tage ließ sich Mister Stefenson bei mir in Waltersburg melden. + +"Guten Morgen", sagte er; "ich muß Ihnen sagen, daß mir das gar nicht +paßt, daß ich John heißen soll." + +"Wieso - wieso?" fragte ich verwundert. + +"Ja, das hat mich verdrossen. Ein Kerl namens John hat mich nämlich mal +furchtbar geärgert. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte. +Ich mag nicht John heißen. Ich habe mir ein Adreßbuch geben lassen und +nach einem einfachen, aber nicht zu häufigen Namen gesucht. Ich will +Zuschke heißen." + +"Sie wollen Zuschke heißen? Warum - wieso - wo wollen Sie Zuschke heißen?" + +"In Ihrem Sanatorium natürlich - in Ihrem Ferienheim -" + +"Aber, Mister Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein +Phantasiegebilde - eine Utopie -" + +Da sah er mich fest an. + +"Es wird existieren; denn wir werden es zusammen begründen." + +Ich schlug die Hände zusammen. + + * + +Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschäftsmäßig, trocken, sogar ein +wenig mürrisch hat er mir auseinandergesetzt, wie er sich die +Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das +viele Geld, vor dessen Summe ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere +Zeit, auch das Volk hierzulande nicht geeignet sei für romantische +Sonderbarkeiten, wurde er zornig und sagte: + +"Wer eine Idee hat, soll an sie glauben, oder er soll gar nicht von ihr +sprechen." + +Er nahm mich in den Bann der großen Kühnheit und Sicherheit seiner Seele, +und ich willigte endlich ein. Zuletzt sagte Stefenson: + +"Einen Kontrakt wollen wir nicht machen. Ich gebe das Geld, Sie geben die +Idee und Ihre Kraft. Erzielt unser Unternehmen einen Gewinn, so werden wir +ihn gerechterweise teilen; wenn nicht, dann sind Sie ein schlechter Arzt, +und ich bin ein schlechter Geschäftsmann gewesen. Wir werden uns dann ohne +gegenseitige Hochachtung, aber auch ohne feindselige Gesten voneinander +trennen." + +Dann ging er. Ich saß an meinem Tisch, starrte die Platte an, lachte mal +auf, trommelte mit den Händen, lief durchs Zimmer, legte mich aufs Sofa, +rauchte Zigaretten und tat endlich was Vernünftiges - ich ging an die +frische Luft. + +So mag einem Feldherrn zumute sein, der zur Führung einer Kriegsarmee +berufen wird, oder einem Dichter, dessen großes Stück über die Bühne gehen +soll, oder einer jungen Mutter, die ihr erstes Kindlein geboren hat. Mit +einemmal das verwirklicht zu sehen, was bisher nur ein schöner Traum war, +mit einemmal vor die größte und liebste Aufgabe des Lebens gestellt sein - +wo wäre ein berauschenderes Glück? + +Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein über deinen +schrägen Dächern und alten Giebeln, wie schön singen die Spatzen am +Johannisbrunnen, wie freundlich und gesund schauen die Kinder aus! + +Warte nur, mein altes Waltersburg, für dich kommt, wie für das +Dornröschen, ein selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will +dich küssen mit einem heißen, so lebenspendenden Kuß, daß alle Starrheit +von dir fällt und du mitten in wonnigem Leben stehst! + +Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer +weltmodisch aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen - der Träumerglanz +soll in deinen Augen bleiben, der weiße Schimmer auf deiner Stirn, das +schöne, stille Lächeln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen +berühmt werden als eine Wohltäterin der Menschen. + +Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was +wertvoll in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Draußen +in der Welt, drüben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zuschauer nur, +stehe ich vor der bunten Bühne, und weil ich so lange und so oft +zuschaute, täuscht mich keine Kulisse mehr; ich weiß, hinter den bemalten +Wänden liegt unordentlich Gerümpel und geht rauhe Zugluft durch schlecht +schließende Türen. Langsam wanderte ich zum Eulentore hinaus. Es geht da +keine Chaussee; eine alte Landstraße führt ins Grüne. Am Hasenhügel setze +ich mich auf einen Stein. Mir gegenüber lag der Ostabhang des +Weihnachtsberges. Über den Fluß ging der Blick auf ein Hochplateau von +Wiese, Feld und Wald und stieg dann den Berg hinan. Das wäre der rechte +Ort für mein Ferienheim. + +Nur in Waltersburg kann ich den rechten Ort für mein Ferienheim finden, in +dieser freundlichen, närrischen, gesunden Stadt! + +Wie Moses schaute ich in mein Gelobtes Land. + + + + + + LUISE + + +Es ist ein Brief angekommen, der mir die überschäumende Freude des Tages +genommen hat. Die Pflegeeltern der Tochter Joachims haben geschrieben. Bei +dem Scheidungsprozeß wurde die kleine Luise dem Bruder zugesprochen. Da er +aber weltflüchtig wurde, geschah dem Kinde das, was vielen solchen +überzähligen armen Würmern geschieht - es kam "in Pflege". Ein +"kinderloses, aber sehr kinderliebes, in durchaus geordneten Verhältnissen +lebendes Ehepaar in Berlin sucht Kind von besserer Abkunft gegen einmalige +Erziehungsbeihilfe als eigen anzunehmen". + +Ich wußte, was für Tragödien sich hinter solchen Inseraten verbergen, wie +oft sie der Deckmantel elendester Gaunerei, schamlosester Ausnutzung sind. +Und damals war es das erstemal, daß ich meine Mutter nicht verstand. Sie +weigerte sich auf das entschiedenste, das Kind zu sich zu nehmen und zu +erziehen, und da ich immer wieder in sie drang und die Unschuld des Kindes +nicht verderben, seinen kleinen Leib nicht frieren und darben lassen +wollte in der Fremde, wurde die Mutter hart wie Eisen und sagte, ich +entehre sie mit meinen Vorstellungen und Bitten. Sie war zu tief gekränkt +in ihrer Frauenseele, sie haßte das Weib, das dieses Unheil angerichtet, +zu bitter, litt zu furchtbar unter dem Verlust des Lieblingssohnes, als +daß ihre sonst so gute, freundliche Art auch diesmal den rechten Weg hätte +finden können. Ja, sie sagte mir, daß sie die Bitte vom Vergeben aus ihrem +"Vaterunser" gestrichen habe. Der Bruder war geflüchtet, ich mußte hinter +ihm herziehen, ein abenteuerliches Leben beginnen, um ihn zu suchen und +ihn schließlich nach fünf Jahren zu finden und zu einer ganz kurzen +Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise nicht +weiter kümmern, ich wußte nur, daß eine entfernte Verwandte das Mädchen zu +dem "kinderlieben" Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten +fünfzehntausend Mark "Erziehungsbeihilfe" als einmalige Abfindung bezahlt +und berichtet hatte, es scheine sich um außerordentlich honette und +christliche Leute zu handeln. + +Als ich Joachim in der Schiffskajüte gegenüber saß, indes draußen die +schwere See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, daß er an +die tiefsten Tiefen des Männerherzens rühren, daß er eine der +festverschlossenen Türen öffnen, und daß die Frage daraus hervortreten +werde: "Lebt das Kind noch?" Joachim stellte die Frage nicht, und als ich +nach Hause kam und nach etwa zehn Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob +die kleine Luise am Leben sei, wandte sie sich ab und sagte hart: "Das +weiß ich nicht!" + +Da fiel mir auf, daß die Mutter und Joachim sich sehr ähnlich seien. Ich +bin mehr nach dem Vater geschlagen. Der ist ein weicher Mann gewesen. Und +ich selbst bin wohl auch als Mann viel zu weich, stoße mir überall leicht +das Herz wund und werde wahrscheinlich einmal viel leichter unter die +Räder kommen, als es Joachim passieren könnte. + +Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief +geschrieben. Sie hat ihn aber nicht geöffnet, wie sie zehn oder mehr +andere Briefe, die von derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht +geöffnet, sondern ungelesen verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich +an mich genommen und ihn soeben gelesen. + +Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung +und noch elenderem Stil die Enthüllung niederster Schakalinstinkte, +Geldgier, Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte +feinere Leute einbildeten - sie setzten Kinder in die Welt, kümmerten sich +aber nicht um sie, sondern ließen sie anderen Leuten zur Last. Ob sich die +feine Gesellschaft je klar geworden sei, was es heiße, ein Kind +aufzuziehen? Zehntausend durchwachte Nächte und bei Tag keine ruhige +Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie fünfzehntausend Mark bezahlt +sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr christliche Leute, wie das +ganze Stadtviertel bezeugen könnte, und niemand etwas schuldig, aber die +anderen, die zehn Briefe nicht beantworten, was seien die? Das bißchen +Geld, das bezahlt worden sei, sei längst weg. Das hätten allein Doktor und +Apotheke verzehrt; denn wer weiß, was die Luise von ihren Eltern alles für +Krankheiten geerbt habe. Wenn sie, die Pflegeeltern, nicht so kinderliebe +Menschen wären, läge das Kind längst auf der Straße oder im Grabe. Sie +müßten ihr Letztes zusetzen, um das Mädchen zu erhalten. Aber nun habe das +ein Ende. Sie würden den ganzen Skandal in die Zeitung bringen und sich +auch an das Vormundschaftsgericht in Waltersburg wenden. Im übrigen seien +sie bereit, gegen Zahlung von weiteren zehntausend Mark das Mädchen in +Pflege zu behalten, obwohl Luise ein Kind sei, das nur Ärger bereite. + +Solches und noch Ärgeres enthielt der Brief. Ich trug ihn zur Mutter. + +"Lies den Brief!" sagte ich. + +Sie schüttelte zornig den Kopf. + +"Du mußt ihn lesen, Mutter", sagte ich todernst und in hartem Befehlston. + +Sie starrte mich an und wurde blaß. + +Ich legte den Brief auf den Tisch und verließ das Zimmer. + +Nach einer Stunde suchte ich die Mutter wieder auf. + +Sie lag auf dem Sofa und zuckte wie in Krämpfen. + +"Liebe, gute Mutter", sagte ich und streichelte ihren frühgebleichten +Scheitel. + +"Ändere es, Fritz", sagte sie mühsam, "ändere es; tue, was du willst, aber +ändere es - es ist entsetzlich!" + +Schmerz und Grauen schüttelten sie. + +Ich küßte ihr die Hand und sagte: "Ich fahre mit dem nächsten Zuge nach +Berlin." + + * + +Der Zug rollte sein einförmiges Lied durch die ebene Landschaft. Es regnet +fein, glitzernde Tröpfchen zittern an den Fensterscheiben und rinnen +schließlich in schmalen Bächlein herab. Keiner meiner Fahrtgenossen +spricht ein Wort. Mir ist das recht lieb. Ich bin in einer trostlosen +Stimmung. + +Ferien vom Ich! Ein Erlösungswort für gequälte Menschen, eine +Zufluchtsstätte für müde Herzen, eine friedliche Insel im brandenden +Ozean, und ich der Lotse, der halb zerschellte Schiffe nach dem Hafen +geleitet. Bitterer Spott über mich selbst quillt mir im Herzen auf. Wenn +nun einer meiner Kurgäste mich einmal befragt: Wie bist du eigentlich dazu +gekommen, solch ein Prophet des Friedens zu sein, wer lieh dir den Talar? +Bist du selber so ein harmonischer Mensch, hast du gesiegt über die Unrast +der Zeit und die Kämpfe deines eigenen Herzens? Hast du zunächst alle +diejenigen, die dir durch verwandtschaftliche Bande nahestehen, so in den +Frieden gerettet, daß du nun ausgehen kannst, um fremdem Volk zu helfen? + +Oh, seht ihn nur an, den Propheten, den Friedensapostel! Seht nur, wie er +im Eisenbahnwagen sitzt und endlich versuchen will, ein Kind, das ihm +durch die Bande des Blutes ganz nahesteht, vor völliger Verwahrlosung zu +retten; fragt ihn nur nach seiner Mutter, die in Tränen zu Hause sitzt, +fragt ihn nach dem einzigen Bruder, der in Gram und Haß verschollen ist - +fragt ihn nach alldem und wundert euch dann, daß dieser Mann einer großen +Gemeinde freiwillig seine Bauhilfe anbieten will, während ihm der Regen +und der Wind durch die Löcher seiner eigenen Giebel dringen. Wie ein +Geistlicher ist er, der gegen die Sünde predigt und selbst ein arger +Sünder ist, wie ein Richter, der einen Verbrecher straft und den selber +eine geheime Schuld drückt, wie ein Arzt, der andere dem Tode entreißen +will und der selber dem Tode geweiht ist! + + * + +Berlin N. Eine der Proletarierstraßen, von denen jede einzelne mehr +Einwohner hat als ganz Waltersburg. Fünfstöckige Häuser. Im Erdgeschoß +Geschäfte mit billigen Waren, in jedem zweiten oder dritten Hause eine +"Restauration", in deren Fenster Würste hängen und Schnapsflaschen stehen. +Auf den Bürgersteigen und dem Fahrdamm ein Gewühl schreiender, blasser +Kinder. Schlecht genährte Frauen, dicke Bierkutscher, schmale +Schreiberlein, modisch, aber windig gekleidete junge Mädchen, schwatzende +Weiber, mit Lastkarren daherkeuchende Männer, hie und da ein Faulenzer, +der zum Fenster herausliegt, die Arme auf ein Kissen stützt und den +Stumpfsinn in Reinkultur zeigt, Köter von unbestimmbarer Rasse, wie +wahnwitzig schellende Straßenbahnen, Autos, Droschken, Lastwagen, Radler, +dicke, stauberfüllte Luft, an jeder Straßenecke ein bärbeißiger Schutzmann +- Berlin N. + +Das war das "Milieu", in dem meine Nichte Luise bisher aufgewachsen war. +Ich ging vom Stettiner Bahnhof aus auf die Suche nach ihrer Wohnung. An +einer Straßenecke bot mir ein Kind Schnürbänder zum Kaufe an. Ein kleines, +blasses Mädchen war es. Ich sah sie an und trat einen Schritt zurück. "Wie +heißt du denn?" + +Das Kind erschrak und sagte ängstlich: "Luise!" + +"Wie heißt du noch? Wie ist dein anderer Name?" + +Noch ein verängstigter Blick, und das Mädchen rannte, so schnell es nur +konnte, davon. Ich fühlte es wie Lähmung in meinen Gliedern, aber ich +eilte dem Kinde nach. Bei einer Tornische holte ich es ein und faßte es am +Arm. + +"Fürchte dich nicht, Luise. Ich tue dir nichts." + +Das Mädchen brach in Tränen aus. + +"Sperren Sie mich nicht ein!" + +"Warum soll ich dich denn einsperren?" + +"Weil ich - weil ich - die Schuhbänder - Sie sind ein Geheimer ..." + +Das Kind weinte noch lauter. + +"Hallo! Seht nur da! Was hat denn der mit dem Mädel? Warum weint denn det +Mädel? Haut ihn! Das is so eener! Wird er gleich das Kind in Ruh' lassen!" + +Ich war im Nu von einer Rotte Menschen umstellt. Einige Rowdies nahmen +eine drohende Haltung an, Männer murrten, ein Weib kreischte mich an: + +"Pfui über so 'nen Spitzel - 'n armes Mächen, wat sich 'n paar Jroschen +verdient, feste zu nehmen ..." + +"Is ja jar keen Jeheimer, is ja 'n solcher! Haut ihn!" + +Die kleine Luise entschlüpfte mir, ein Schutzmann kam breit wie ein +Hilfskreuzer auf die Gruppe zugesegelt, die alsbald um ihn und mich einen +mehrfachen Belagerungsring schloß. + +"Was ist los?" fragte der Gesetzeshüter. + +"Er hat 'n kleines Jöhr belästigt - er hat 'n Kind jemißhandelt - er hat +ihr blutig jeschlagen - er hat jesagt, er is 'n Jeheimer, aber er is 'n +Lump." + +Der Schutzmann stand wie ein Fels. + +"Wer sind Sie?" + +Ich zog eine Legitimationskarte heraus. + +"Was ist geschehen, Herr Doktor?" fragte der Schutzmann, nachdem er die +Karte gelesen. + +"Doktor - 'n Doktor is er - amputieren will er ihr - Versuchskarnickel +braucht er, det Schwein ..." + +"Ruhe!" donnerte der Schutzmann. "Was ist geschehen?" + +"Ich will es gern sagen", antwortete ich, "aber nicht vor diesen Leuten, +die die Sache nichts angeht." + +Ein wüstes Geschrei antwortete mir; immer mehr Volk sammelte sich an. + +"Kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse mit mir", riet der Sicherheitsmann. + +"Jawohl!" sagte ich, und wir durchbrachen die Kette. + +Niemand konnte mich schützen, daß ich ein paar Püffe und Stöße erhielt. +Ein Trupp johlte hinter uns her, wurde aber durch ein Pferd, das auf der +Straße gefallen, in seinem Interesse abgelenkt, und ich war mit dem +Schutzmann allein. Wir traten in einen Hauseingang, und ich gab ihm eine +kurze Aufklärung. Als er den Namen der Pflegeeltern Luises gehört hatte, +sagte der Schutzmann: + +"Der Mann is 'n Tagedieb und die Frau 'ne Schlampe. Da sehen Sie man, daß +Sie det Wurm da abkriejen." + +Ich dankte ihm, und wir trennten uns. Einen Augenblick überlegte ich noch, +ob ich zuvor einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen solle, aber dann ging ich +direkt nach Luises Wohnung. Ein Hinterhaus von vielen Stockwerken. Auf dem +Hofe spielten Kinder im Staub der Stubendecken, die geklopft wurden. Die +Treppe war dunkel und schmutzig. Im dritten Stockwerk las ich den Namen +von Luises Pflegeeltern. Ich läutete zweimal, dann kam ein zaghafter +Kindertritt, die Tür wurde geöffnet, ein entsetzter Schrei, die Tür flog +wieder zu. Ich läutete abermals. Ein großer, starker Mann erschien. Er +trug einen Christusbart, ziemlich lange Haare und stak in einem schwarzen, +wenig sauberen Rock. Später erfuhr ich, daß der Mann "Prediger" bei +irgendeiner neuen Sekte war. + +Er wollte mich erst mit einer hochmütigen Miene mustern, aber plötzlich +wurde sein Gesicht scheinheilig freundlich, und mit ölglatter Stimme sagte +er: + +"Ah, Herr Oberkommissar, ich hab schon gehört - weiß schon - der Herr +Polizeiinspektor haben meine Pflegetochter beim Handel erwischt - aber ich +kann bei meiner Ehre versichern - Herr Inspektor ich bin unschuldig - ich +verbiete dem Mädel aufs strengste - haben es ja auch gottlob nicht nötig - +aber sehen Sie, Herr Inspektor, so'n hergelaufenes Kind von schlechter +Abkunft, das man so aus purem Mitleid (ich bin Oberprediger bei der +Gemeinde der Jünger von Kapernaum), das man so aus christlicher +Barmherzigkeit aufzieht und das doch nicht gerät, weil der Feind sein +Unkraut unter den Weizen sät, das stiehlt sich nun 'n Jroschen, kauft sich +Schuhbänder oder Streichhölzer oder was weiß ich und verkauft sie, um zu +naschen - natürlich nur, um zu naschen ..." + +Das Geschwafele erstarb an meiner wortlosen Ruhe. + +"Was wünschen der Herr Inspektor - ich würde den Herrn Inspektor gern in +die Wohnung bitten, aber meine Frau ist zufällig heute noch nicht mit dem +Aufräumen fertig ..." + +Da sprach ich endlich. + +"Sie irren - ich bin kein Polizeimann - ich bin der Onkel der kleinen +Luise." + +"Sie sind - Sie sind - ach so - ach so - der sind Sie ..." + +Er brach in ein meckeriges Lachen aus. + +"Ich will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sie schlechter Kerl!" rief ich +außer mir. + +"Sie wollen mich - was wollen Sie?" + +Sein Gesicht veränderte sich. Eine zynische Frechheit machte sich auf +seinen Zügen breit. + +"Was wollen Sie!" brüllte er. "So 'n Balg - so 'n unsauberer Balg - und +Sie wollen noch - ah, wenn Sie mir was zu sagen haben, schreiben Sie es +mir; ich bin für Sie nicht zu sprechen - verstehen Sie - für Sie nicht zu +sprechen; denn ich bin ein anständiger Mensch!" + +Die Tür fiel ins Schloß. Ich blieb allein stehen; ich fürchtete, nun würde +die kleine Luise drin zu schreien anfangen. + +Aber es blieb still. Nur eine Tür krachte noch zu. + +Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab. + + + + + + SAMARITERDIENSTE + + +So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz, +Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glück, daß dem Weltverbesserer doch +noch das Kehren vor der eigenen Tür einfiel, ehe er an die große Mission +ging, anderen zu helfen. + +Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz +besonders verlassen, zu dem sie in ihren Kümmernissen und Nöten kommen, +dem sie es überlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben, +der Geld borgen muß, wenn die andern nichts haben, der immer schieben, +immer unterstützen, immer aushelfen muß. Den Starken als Stütze der +Schwachen kann man ihn nennen, wenn man es ideal ausdrücken will; sonst +kann man auch kurz sagen: der Lastesel. Nachgerade kam es mir vor, als ob +ich in unserer Familie diesen Ehrenposten bekleidete. + +Ich kann nicht behaupten, daß ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder +dachte, als ich durch den Staub des Hofes nach der Straße zurückflüchtete. +Was an diesem Kinde geschah, war jahrelange Sünde. Auch an die Mutter +dachte ich nicht ohne Bitterkeit. Sie war in diesem Augenblick nicht mein +silbernes Mütterchen, sie war eine reine, aber selbstgerechte Frau, die +nicht stark genug war, der Schuld mit Herzenstapferkeit ins Auge zu sehen +und auf dem Schlachtfeld der Sünde Samariterdienste zu tun, sondern eine, +die sich ängstlich in ihrer wohlumhüteten Sauberkeit hielt, mehr bekümmert +um sich selbst als um das, was draußen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte +nicht Lust, das alles so hinzunehmen, ich wollte meine Meinung sagen. Was +sollte ich denn tun, ich einzelnstehender Mann? Es würde schwer genug +halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von Pflegevater war zum +gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die Erziehungsrechte waren an +ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Güte gewissermaßen abzukaufen, dazu +fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem abgefeimten +Schuft an den Leib zu gehen, würde schwer genug sein. Das Nächste war, +einen Anwalt zu befragen. + + * + +In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke +und grübelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte +mich jemand auf die Schulter. + +"Sie sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es nötig!" + +Es war Mister Stefenson, der also zu mir sprach. Ich war ganz erstaunt, +ihn so plötzlich hier in Berlin zu sehen. + +"Ferien vom Ich sollten Sie machen!" wiederholte er. + +"Von wem erfuhren Sie denn, daß ich hier bin? Von meiner Mutter?" + +"Von wem anders sollte ich es wissen? Sie sind in Familienangelegenheiten +hier - wegen einer kleinen Nichte - wollen sie in eine andere Pension +bringen - ja, lieber Doktor, das gefällt mir nicht!" + +"Was gefällt Ihnen nicht?" + +"Daß Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden." + +"Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache." + +"Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit für solche Dinge. +Es paßt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem +Ferienheim gehöre vor allen Dingen die Erlösung von drückenden familiären +Fesseln. Ist das keine Fessel, die Sie am Fuß schleppen? Jetzt, wo wir in +der allerschwersten Gedankenarbeit stehen müßten, fahren Sie einem kleinen +Mädel nach. Was liegt der Welt an dem kleinen Mädel? An Ihrem Ferienheim +soll ihr etwas liegen." + +"Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht +miteinander verbunden, daß Sie in dieser Weise mit mir reden dürfen." + +"Ich darf", sagte er phlegmatisch. "Ich habe in Ihnen so etwas wie einen +Propheten gesehen - die Propheten gehen aber in die Wüste, ehe sie +öffentlich auftreten, nicht nach Berlin - die Apostel verlassen Weib und +Kind - der Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rückwärts schauen, +er sagt: Was schert mich Weib, was schert mich Kind? Der Familiensimpel +bleibt immer ein mittelmäßiger Kerl." + +Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, +sah auf einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte +dann: "Sie haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im +ganzen sind Sie doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll +und am Fuß eine Beule hat, wird er danach trachten, daß ihm erst ein Arzt +die Beule öffnet und die Wunde säubert und verbindet, ehe er marschiert. +Sonst bleibt er eben am Wege liegen. So geht es mir auch. Ich muß mir erst +diese Angelegenheit mit meiner kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich +an unsere Aufgabe gehen kann." + +"Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse - morgen vormittag +zwischen neun und elf. Um elfeinhalb können wir dann unsere Beratung +haben." + +"So rasch geht das nicht." + +"Wie lange kann es denn dauern?" + +"Wohl einige Wochen oder auch Monate." + +Herr Stefenson lächelte sanftmütig. + +"Das ist sehr schön! Ja, dann sind Sie wohl so freundlich, mich nach +einigen Monaten gelegentlich wissen zu lassen, mit wem Sie schließlich Ihr +Sanatorium begründet haben. Ich bin gar nicht abgeneigt, mir dann einen +Prospekt schicken zu lassen. Für jetzt, guten Abend!" + +Er verließ mich. Ich sah ihm nach, als er aus dem Zimmer ging, und wußte, +daß es aus war mit meinem Lebenstraume. Ich saß ganz still, und ich weiß +jetzt nicht mehr, was ich damals alles dachte. Ich wußte in jener Stunde +nur, es war aus, um eines kleinen Mädchens willen, das ich kaum auf zwei +Minuten lang gesehen hatte - aus! Dieser Mann, der vor zwei Tagen so viel +Geld auf eine Idee von mir setzen wollte, hielt mich nun für einen +Schwachkopf. Aber auf so elende Weise durften wir uns nicht trennen. Rasch +warf ich einige Zeilen auf eine Karte, ich müsse Herrn Stefenson noch +einmal sprechen, nicht um ihn umzustimmen, daran dächte ich nicht, sondern +um nicht ganz ungerechtfertigt zu scheiden. Ich schickte Stefenson durch +einen Kellner die Karte, und er kam auch bald persönlich. + +"Mister Stefenson - es ist nichts Geschäftliches mehr, nur etwas rein +Menschliches. Es ist darum, daß wir uns jetzt ohne gegenseitige +Hochachtung, aber doch auch ohne beleidigende Gesten trennen wollen, wie +Sie selbst einmal gesagt haben. Haben Sie noch zehn Minuten Zeit für +mich?" + +Er nickte, und ich erzählte ihm ohne alle Umschweife die Tragödie Joachims +und seines Kindes, und wie ich das Mädchen heute draußen auf der +Ackerstraße getroffen hatte. Mir wurde das Herz warm beim Erzählen, aber +Stefenson blieb ganz gleichgültig. Zuletzt sagte er: + +"Es ist eine traurige Geschichte, die Sie da erzählt haben, aber sie kommt +alle Tage vor. Es ist gar nichts Neues. Ich habe die Geschichte auch +erlebt. Aber etwas Interessantes ist dabei: Sind Sie wirklich fünf Jahre +lang hinter Ihrem Bruder her gewesen?" + +"Ja, ich fand ihn nicht eher." + +"Hm! - Sagen Sie, wollen wir den Abend noch zusammenbleiben? Ich möchte +den "Sommernachtstraum" in der deutschen Aufführung ansehen. Kommen Sie +mit? Sie haben es doch wohl nicht so eilig nach Hause?" + +Ich wußte, daß ich bei diesem Manne verspielt hatte, aber ich nahm die +Einladung an. Er sagte, er habe nun noch Geschäfte, wir würden uns im +Theater treffen. Damit händigte er mir eine Theaterkarte ein und verließ +mich. - + +Mendelssohns Ouvertüre zum "Sommernachtstraum" huschte und zwitscherte an +mir vorüber, Shakespeares unsterbliches Werk reinster Fröhlichkeit tat +sich in glänzender Darstellung vor mir auf, aber ich saß wie ein +Geistesabwesender auf meinem Platze. Der Stuhl neben mir war leer +geblieben. Stefenson war nicht erschienen. Der Märchenwald, durch den die +Elfen huschten, blaute vor meinen Augen; aber ich dachte an den Wald an +dem Abhang des Waltersburger Weihnachtsberges. + +Pyramus und Thisbe trieben ihren grotesken Spaß. Da dröhnte von meiner +Logentür her tiefes Gelächter. Stefenson stand dort. Er beachtete mich +nicht, er schaute nur vergnügt nach der Bühne und lachte so laut, daß er +die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. + +Die nächste Pause kam. Da setzte sich Stefenson neben mich und sagte zur +Entschuldigung seines späten Kommens: + +"Manche Geschäfte wickeln sich in Berlin sehr langsam ab." + +Nach dem Theater fuhren wir nach einem Restaurant. Nachdem wir gegessen +hatten, sagte Stefenson ganz unvermittelt: + +"Die Luise habe ich flottgemacht. Zuviel Schwierigkeiten habe ich mit dem +alten Gauner nicht gehabt. Der Hauswirt war gerade bei ihm und drängte um +die Miete; da machte es der Kerl um dreihundert Mark. Er gab alles +schriftlich, was ich wünschte. Mit Anwälten ist das nichts. Das ist teuer +und umständlich. Mit dreihundert Mark war alles in zwanzig Minuten +gemacht, und ich hatte das Kind. Dann war ich um eine Pflegeschwester aus. +Das hat länger gedauert. Das hat unsinnig lange gedauert. Die ganze schöne +Eselsszene habe ich im Theater verpaßt. Die Pflegeschwester ist nun mit +der Luise in unserem Hotel. Nummer 187 wohnen sie. Bald fahren sie nach +einem Erziehungsinstitut in Thüringen. Es ist mir empfohlen worden. Da +wird ja wohl die Luise körperlich und seelisch zurechtgestutzt werden." + +Ich schlug wieder einmal die Hände zusammen. + +"Guter Herr Stefenson, das haben Sie getan?" + +"Ich bitte, exaltieren Sie sich nicht! Eine Zeitlang wird die Luise in dem +Institut bleiben, und dann kann sie zu uns in das Ferienheim kommen - so +als eine Art - als eine Art Einweihungsengel." + +Mich würgte es in der Kehle. + +"Sie wollen das Heim doch mit mir gründen?" + +"Ja", sagte er ganz ruhig, "ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte +gefallen. Natürlich nicht das Sentimentale, aber daß sie fünf Jahre lang +die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer +ist zu gebrauchen." + + * + +Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein +wüster Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht. + +Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, daß er mich für keinen +Philosophen halte, auch nicht für das, was man einen lebensklugen Menschen +nenne, und was ich als Arzt tauge, könne er nicht beurteilen. Er halte +mich für einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem +als vielmehr eine Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung +ist etwas Gezeugtes, Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist +Lebewesen, Problem ist Mechanik. Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung +ganz ausgestalten und ihm vertrauensvoll übergeben. Was ausführbar sei, +werde ausgeführt werden, das andere werde als blauer Dampf in die Höhe +ziehen und auch als Wölklein am Himmel noch schön sein. + + + + + + IN DEN TAGEN DES WERDENS + + +Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es +geht alles so verblüffend schnell bei ihm, daß er, wenn ein anderer noch +bei den ersten Erwägungen und Bedenken stände, schon am Ende ist. Freilich +kommt dazu, daß er Glück hat. Das Gelände am Ostabhang des +Weihnachtsberges steht zum Verkauf. Es gehört einem Manne, der, wie Hans +im Glück, ständig seinen Besitz vertauschte. Dieses Gut hat er gegen +große, sehr ertragreiche Steinbrüche umgetauscht, die Steinbrüche gegen +eine Fabrik, die noch besser war, und so ist es langsam bergab gegangen, +und Herr Stefenson mit seinem großen Geldbeutel hat wenig Schwierigkeiten +gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen gedauert, dann +war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar groß ist, von Stefenson +gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem früheren Schiffsarzt die +Gänsehaut ankommt. + +"Nun ist das Gelände da, nun muß die Gemeinde errichtet werden", sagte +Stefenson sehr einfach. "In einem Jahre müssen sämtliche Häuser stehen." + +"In einem Jahre?" + +"Ja! Die Deutschen brauchen, wenn sie einen Dom bauen wollen, vierhundert +Jahre, der Amerikaner braucht, wenn er eine Stadt baut, sechs Monate." + +"Es ist dann aber auch danach." + +"Ob es danach ist oder nicht, ist gleich", erwiderte Stefenson verdrossen. +"Jedenfalls habe ich für die ganze Chose nicht mehr Zeit. Ich muß nach +Neuyork, nach Milwaukee, nach Trinidad. Sehen Sie sich das Gelände an und +machen Sie Ihren Plan. Ich werde auch einen Plan machen. Ich brauche drei +Tage Zeit dazu." + +"Ich würde drei Jahre dazu brauchen, aber um Ihretwillen werde ich in +sechs Wochen mit meinem Plane fertig sein." + +Er wandte sich finster ab. Drei Tage lang lief er auf dem erworbenen +Gelände umher, zeichnete, machte Notizen und ging mir aus dem Wege. Am +vierten Tage teilte er mir auf einer Postkarte mit, er habe einen kleinen +Abstecher nach Sizilien unternommen. Ich war froh darüber und ging nun +daran, mein Ferienheim im Plane zu entwerfen. + +Das Gelände kannte ich genau. Die meisten meiner Bubenstreiche hatten in +jenem Walde gespielt; auf jenen Wiesenrainen war ich als Student +tausendmal gegangen. Eines war zu vermeiden - alle Gleichförmigkeit. Eine +Villa neben die andere zu bauen, ein Logierhaus wie das andere, alles in +zimperlich geordneten Gärten, wo man kaum einen Fuß hineinzusetzen wagt +wie in die gute Stube einer peinlichen, eitlen Hausfrau, das sollte uns +gewiß nicht einfallen, ganz abgesehen von Basaren, Hotels, Restaurants, +Plätzen und Straßen großstädtischer Art. + +Im Mittelpunkt der Ferienheimat soll das Rathaus liegen. Es soll ein +großer, geräumiger Bau altdeutschen Stils sein. Der Bürgermeister wird +darin wohnen; denn einen solchen wird uns wohl das Gesetz auferlegen; aber +auch die Sprechzimmer der Ärzte sollen im Rathaus untergebracht sein, +ebenso die Verwaltungsräume, die Kasse, die Nachtwächterstuben. Auch einen +großen ehrwürdigen Saal soll das Rathaus haben, in dem die Feriengäste +manchmal zu einer Feierstunde nationaler, künstlerischer oder geselliger +Art geladen werden. In diesem Rathaus wird auch das "verbotene Zimmer" mit +den Zeitungen sein. Ein Posten wird davor Wache halten und nur diejenigen +einlassen, die eine Karte vorzeigen, und eine solche Karte wird jedem +während der Dauer des Ferienaufenthaltes nur zweimal gewährt werden. + +Das Rathaus wird am Lindenplatz liegen, dort, wo die große Linde mitten +auf der Wiese steht. So oft auch die Dichter vom Platz unter der Linde und +vom Tanz mit dem schönen Kinde und dem Traum im Abendwinde gesungen haben, +mir ist die alte Weise nicht zu abgeleiert, ich will das fröhliche Glück +vergangener Tage neu erstehen lassen. + +Am Lindenplatz, dem Rathaus gegenüber, soll die Lindenherberge liegen, +unser größtes Gasthaus. Das Modell muß man in schönen deutschen Städten +suchen, etwa in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann +ist es für unsere Zwecke auszugestalten. Eine Bauernschenke denke ich mir, +ein Herrenstübchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lieder zur +Laute gesungen werden. Öfter als einmal in der Woche darf sich niemand in +einer der drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus +zu gehen, ist fürwahr genug für einen Kurgast. Es darf sich auch keiner +einbilden, daß er etwa nur Bauer oder ein Herr oder nur Sänger zur Klampfe +sei - er muß alles sein wollen und sein können, und wenn er dreimal in der +Woche "ausgehen" will, dann muß er eben jedesmal in eine andere Abteilung, +und das Braunbier, das in der Bauernschenke ein biederer Wirt mit seiner +Gattin ausschenkt, muß ihm ebenso munden wie der Wein, den ein schönes +Mädchen im Poetenwinkel kredenzt. + +Ein Kaffeehaus werden wir auch haben; denn sonst bekämen wir keinen +österreichischen Kurgast. In diesem Kaffeehaus wird alles zu haben sein, +was ein Wiener Kaffeehaus auszeichnet, von der drangvollen Fülle bis zum +Zigarettendampf, nur keine Zeitungen. + +Vielleicht wird mir mancher ob meiner großen Toleranz gegen Tabak und +selbst gegen Alkohol zürnen, aber ich sorge dafür, daß alles im Lot +bleibt. + +Da in den Wirtschaftsräumen umsonst nichts geschenkt wird, da aber auch +keiner der Gäste einen Pfennig Geld in der Tasche hat, sind alle genötigt, +ihre Zeche recht schön und breit an die schwarze Tafel ankreiden zu +lassen, und das gibt nicht nur eine gute Selbstkontrolle, sondern +garantiert auch eine gewisse öffentliche Aufsicht. Alle aber, denen der +ärztliche Befund solche Genüsse verbietet, können sich unten am Fluß in +der Fischerklause, dem zweiten Gasthaus, bei alkoholfreiem Getränk des +Lebens freuen, und es stehen auch verschiedene Selter- und Milchhäuslein +im Gelände, alle bedient von dazu verordneten Damen aus der +Kurgesellschaft. Denn das ist eine wesentliche Seite meines +Gesundungsheims, daß alle Kurgäste, soweit es ihr Zustand erlaubt und +wünschenswert erscheinen läßt, arbeiten müssen. Aus faulem Nichtstun sproß +noch in den allerseltensten Fällen ein Heil. Nein, es werden alle +Mitglieder unserer Gemeinde tätig sein, und dadurch werden sich auch die +Kosten vermindern, zu denen der einzelne beizutragen hat. Daß ein guter +Bestand geübten Personals immer dasein muß, ist selbstverständlich. Aber +wenn ich z. B. für den Poetenwinkel drei Kellnerinnen brauche, wird eine, +die aufsichtführende und bestimmende, eine Berufskellnerin, die zwei +Helferinnen werden Damen aus der Kurgesellschaft sein, und es wird mich +gar nicht beirren, einer jungen Gräfin solchen Schankdienst auf eine Woche +aufzuerlegen. Wem es nicht paßt, der geht! Wir werden alle unsere Gäste +mit Liebe und Hochachtung behandeln, aber keinen umdienern und keinen +anzulocken oder zu halten suchen. Wir werden mit dem Phlegma der Starken +allen Widerständen begegnen. + +Jeder Kurgast wird sich wöchentlich mindestens einmal dem Arzt vorstellen +und neben sonstiger Kurverordnung die Arbeit vorgeschrieben erhalten, die +er in nächster Woche zu leisten hat. Die Verwaltung wird dem +Ärztekollegium rechtzeitig etwa mitteilen: Wir brauchen für nächste Woche +fünfundvierzig landwirtschaftliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sechzehn +Forstarbeiter, neun Gärtnergehilfen, vier Angler, zwei Jäger, neun +Obstpflücker, vierzehn Erbsenleser, sechzehn Mann für Wegebesserung, +sieben Viehhüter, ein Streichquartett, vierzehn Kellnerinnen und +Milchverschleißerinnen, sechs Kegelaufsetzer, zehn Hilfskutscher, zwölf +Wäschebleicherinnen, drei Nachtwächter, acht Frauen zum Spielen mit +Kindern von vier Jahren aufwärts, _ad libitum_ Künstler und Artisten, +Dichter, Rezitatoren, Musiker, Sänger, Schnellmaler, Turner, +Zauberkünstler und ähnliches, 168 Küchengehilfen für je drei Stunden +täglich, zwanzig Mann für Haushälterarbeiten (vier Stunden), fünf Boten +(Radler), einen Mann für die Festrede am Sonntag, dazu einen gemischten +Festchorus von beliebiger Stärke, zwei Laternenanzünder, zehn Frauen oder +Männer für die Vorbereitung des nächsten Waldfestes, zehn +Hilfsbriefträger, zwanzig Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen für die +Anlegung und Bepflanzung des neuen Philosophenplatzes, sechs Damen, die +das Kühemelken und Käsebereiten erlernen wollen, einen Vorsitzenden und +vier Beisitzer (zwei männliche und zwei weibliche) für unser privates +Friedensgericht. + +Solches etwa wird die Kurverwaltung beantragen. Was davon in Erfüllung +geht, hängt natürlich nicht von den Bedürfnissen der Kurverwaltung, +sondern von dem Befund des Ärztekollegiums ab, und der schönste Erfolg +wird es sein, wenn alle Aufgaben durch freiwillige Meldung der Feriengäste +gedeckt werden. Daß die Arbeit immer nur im Rahmen der eigentlichen Kur, +immer nur stundenweise geleistet werden darf, ist selbstverständlich. Das +Ferienheim ist ein Arbeitshaus idealster Art, es macht die Arbeit zur Lust +und Quelle der Genesung und würgt den alten Drachen ab, dessen Pestatem +die Welt vergiftet: daß körperliche Arbeit das Mal der Minderwertigkeit +trage. Das Ferienheim wird das Gegenteil lehren und beweisen, indem es +gerade durch körperliche Tätigkeit gesunde, glückliche Menschen schafft. +So wird alle Verwaltungs- und Büroarbeit als viel zu anstrengend unseren +Gästen niemals zugemutet werden. Aber mit den Muskeln arbeiten, tätig +sein, sichtbare Werte mit seinen zehn Fingern schaffen sollen alle, und +selbst den Faulenzern und Drohnen des Lebens, die vielleicht nur durch die +Romantik des Heims, durch die Neugier angelockt werden, soll, wenn sie +guten Willens sind, ein besseres Bild der Menschenfreude ins Herz geprägt +werden. + +Hinter dem Rathause, von ihm durch einen kleinen Schlag schöner Tannen +getrennt, beginnt die Bäderstraße. Es werden da in gesonderten Häusern die +Wannen- und Schwimmbäder, die elektrischen und die Dampfbäder +eingerichtet; an sie reihen sich in dichtem Kiefernwald die Luft- und +Sonnenbäder und die Planschwiesen. + +Parallel mit der Bäderstraße geht der "Stille Weg". Es stehen da +freundliche Häuslein für solche Gäste, die einer größeren ärztlichen +Beaufsichtigung und vermehrter Pflege bedürfen, die ihnen von +Berufspflegerinnen zuteil wird. Alle anderen Gäste wohnen "draußen". Es +wird nicht zuviel auf Pülverlein und übermäßiges Wassergepansch, auch +nicht arg viel auf Hantelturnen und Massage gegeben werden, sondern auf +tüchtige körperliche Arbeit und frohen Sinn. Daher werden die meisten +Kurgäste in Bauernwirtschaften wohnen. Wenn wir von diesem Riesengelände +nur zwei Dritteile zur Feldbebauung anwenden, können wir sechzig große +Bauernwirtschaften zu je hundert Morgen Land einrichten; auf jeder +Besitzung können vier Pferde, dreißig Stück Rindvieh, Hühner, Gänse, +Enten, Tauben, Kaninchen, Hunde, Katzen, Bienen sein, und alle diese Tiere +sollen von den Feriengästen gepflegt werden, immer unter Leitung +sachverständiger Personen. Denn der Herr und König des ganzen Hofes wird +der Bauer sein. Möge es uns gelingen, tüchtige Bauern zu finden, die nicht +nur den Pflug zu führen wissen, sondern die kernige Menschen sind voll +Biederkeit und froher Laune, derber Herzlichkeit und aufrechten Sinnes. +Wer nicht anderweitig abkommandiert ist, arbeitet auf dem Hofe, wo er +wohnt, nach Anweisung des Bauern oder der Bäuerin, immer nur pflichtmäßig +zwei bis vier Stunden am Tage. Wer etwas darüber tun will und darf, soll +es tun. + +Oh, wie werden die Leute am "Stillen Weg", die ihr Zustand vom Glück der +Arbeit ausschließt, sich sehnen, "hinaus"zuziehen in die gesunde, frische, +befreiende Tätigkeit; wie glücklich werden sie sein, wenn ihnen der Arzt +eines Tages sagt: Mein Lieber, du bist nun so weit, als schwacher +Hilfskämpe mitzutun, darfst auf einen Bauernhof, darfst zunächst mal die +Tauben füttern, den Hühnerstall nach Eiern absuchen und den Hund prügeln, +wenn er eine Wurst gestohlen hat, und wenn auch das zu schwer ist, +aufpassen, ob in den Nistkästen Sperlinge oder Stare wohnen. + + * + +An die Bauernhöfe knüpfe ich meine größte Hoffnung. Ich möchte die in +glitzernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit +wenigstens in Ferienwochen heimführen. Es soll und es muß gelingen. Alle, +die einmal Ferien vom Ich machen, die als neue, als ganz andere Menschen, +losgelöst von allem, was sie drückte und knickte, auf einige selige Wochen +zum Ausgangspunkte, zum Mutterschoß unseres Kulturlebens zurückkehrten, +zum Bauern-, Hirten- und Fischerleben - sie müssen mit gesünderem Herzblut +in ihr Leben zurückkehren, sie müssen mehr gewinnen als durch +Mineralwasser und Bäderzerstreuung. + +Die Hirten, Fischer und Jäger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da +einer kommt, der vor dem Revolver stand, weil er überreizt war, der soll +oben an der Ginsterheide die Kühe hüten. Den ganzen Tag wird er aufmerksam +sein müssen, daß die Bullen sich nicht bekämpfen und daß glücksduselige +Muttertiere mit ihren mutwilligen Kälbern nicht den nahen Klee +zerstampfen, und abends wird der Mann einsam vor einem wohlig +ausgestatteten Hirtenhäuslein sitzen, die wiederkäuenden Tiere werden um +ihn sein, und die Sterne werden über ihm wandern und ewige Worte zu ihm +reden; es wird aus Verlassenheit und Gram ganz mählich Ruhe und Frieden +werden, und in den Menschenhaß wird sich die Sehnsucht einschleichen: +"Nächsten Sonnabend, wenn ich Urlaub habe, gehe ich in die Lindenherberge +und sehe lustigen Menschen zu!" + +Oh, wie ich nach guten Bauern, so werde ich nach guten Ärzten suchen +müssen. Nicht ihr ärztliches Wissen ist für mich in der Hauptsache +maßgebend. Ob sie gute Psychologen, ob sie tiefe Menschenfreunde sind, +danach werde ich fragen. Die Jäger - ach, die Jäger, wird es wohl heißen, +sind sowieso gesund. Die zu uns kommen, sind es nicht. Nur die +Stubenhocker werde ich auf die Pürsche schicken und nur die Zappeligen und +Unruhigen auf den Rehbock mit dem bestimmten Geheiß, einen zu erlegen. Wie +sie da ruhig sitzen werden, heute drei, morgen fünf Stunden lang. Immer +vergebens. Und die Mücken werden stechen, und der Tau wird fallen. Und sie +werden nicht schimpfen dürfen, wie sie es sonst tun. + +So auch mit den Fischern. Die Aufgeregten werden so lange angeln, bis sie +befriedigende Beute bringen. Wessen Aufmerksamkeit wochenlang auf eine +Federspule gerichtet gewesen ist, der hat sich ausgeruht und singt abends +im Poetenwinkel sein Lied als einer der Andächtigsten der Lebensfreude. + +Bauernhäuser, Fischerhütten, Jäger- und Hirtenhäuslein, das werden in der +Hauptsache die Wohnstätten meines Ferienheims sein. Das ist eigentlich +mein ganzes Programm. Ich kann es keiner hochmögenden Kommission +einreichen, aber eben darum hoffe ich, daß es gut ist. Im übrigen bekenne +ich frei, daß ich mich auf Architektenkunststücke nicht verstehe. + +Ich habe trotzdem auf einer großen Karte unser ganzes Gelände +aufgezeichnet und überall vermerkt, wo ein Bauernhof stehen soll, auch die +Grenzen seines Bezirks bestimmt; ich habe die Hirtenhäuslein, die +Milchstuben, die Fischerbuden angegeben, und zwischen all dem Hin und Her +führen Stege und Landstraßen, alle krumm und winkelig, aber angemessen +dem, was an Hebung und Senkung des Terrains und was an Baumschlägen, +Hecken, Bächlein, Wald und Wiesenland da ist. Eine Umwallung werden wir +kaum brauchen, das Plateau hebt sich gen Waltersburg natürlich ab, nur an +der einen Stelle, wo das Gelände nach der Stadt eben übergeht, wollen wir +eine Mauer und eine Pforte errichten. Neben der Pforte soll unser +"Zeughaus" stehen. Dort wird der Ankömmling, der sich entschlossen hat, +unsere Ferien zu üben, in seiner Zivilkleidung hineingehen, Kleider, Uhr, +Geld, alles, was er bei sich trägt, auch seinen Namen, ablegen, als neuer +Mensch, neugekleideter Feriengast ein neues Leben beginnen. + +Das ist mein Plan. Ich weiß nicht, ob er so ausgeführt werden kann, ich +weiß nur, daß er so ausgeführt werden sollte. + + + + + + DAS KIND + + +Mitten in der Arbeit taucht viel öfter, als mir lieb ist, das Bild der +kleinen Luise vor mir auf. Am Morgen nach dem Theaterabend, als ich das +Kind im Hotel fand, war es ganz verängstigt, zitterte und weinte. Auf alle +Fragen sagte es immer nur: "Ich will heim!" Zu den Schindern ins Elend +wollte es zurück, weil es dort zu Hause war. Vor Stefenson und mir +fürchtete sich die Kleine, und auch vor der fremden Schwester scheute sie +sich. Ich wollte sie streicheln, aber sie wich mir aus und duckte sich. +Das arme Ding hat wohl in seinem Leben schon viel Prügel bekommen. Ich +sagte freundlich zu ihr: + +"Luise, fürchte dich doch nicht. Sieh mal, ich meine es gut mit dir, ich +bin ja mit dir verwandt; ich bin dein Onkel." + +Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm +erschien, um mit ihr verwandt zu sein. Ob sie einen Vater oder eine Mutter +oder eine Großmutter habe, wie andere Kinder, danach fragte sie nicht. Es +war auch besser; denn ich hätte ihr sagen müssen: "Nein, das hast du alles +nicht; du hast nur einen Onkel." Während ich mir noch vergeblich Mühe gab, +ein klein wenig das Zutrauen von Luise zu gewinnen, erschien Stefenson mit +einem Diener, der ein großes Paket schleppte. Das Paket legte der +Amerikaner vor dem Kinde auf den Tisch und sagte: + +"So, da habe ich dir ein bißchen Spielkram gekauft!" Es war eine kleine +Weihnachtsausstellung von allerhand Spielzeug: Puppen, eine kleine Wiege, +Hampelmänner, Kreisel, Schachteln mit geschnitzten Tieren, Baukasten und +viele Kleinigkeiten. Sogar eine Knallpistole war dabei. Dem Kinde entfuhr +ein kleiner Schrei seligen Erschreckens, es erhob die Händchen, tastete +schüchtern nach einer Puppe, zuckte aber zurück. Da fuhr sie Stefenson an: +"Nun, du kleine Gans, so greif doch zu! Das ist alles dein. Das mußt du +nehmen. Damit mußt du spielen, sonst setzt es was ab!" + +Auf diesen rauhen Ton war Luise offenbar gut eingerichtet. Sie fing +gehorsam an zu spielen. Nach fünf Minuten kam ein leises Lachen, das +Gesichtchen erhellte sich, und ich sah noch deutlicher als gestern beim +ersten schreckhaften Begegnen in Joachims Züge, sah in Joachims Augen. Ich +erinnere mich nicht, je ein kleines Mädchen gesehen zu haben, das so +auffallend dem Bilde ihres Vaters glich, wie Luise meinem Bruder ähnlich +ist. Wir hatten vielerlei in Berlin zu tun und blieben acht Tage dort. Am +fünften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte: + +"Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel wären, ob ich +vielleicht ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das fällt mir gar nicht +ein, dein Vater zu sein. Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn +gesagt, ich bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden." + +Ich wußte schon, daß Luise in großer Liebe und Dankbarkeit an Stefenson +hing. Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fürsorge tat +ihr wohl. + +So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thüringen fahren und +wir nach Waltersburg zurückkehren mußten, schmerzlich für das Kind. Nur +der Abschied von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise +inzwischen auch zu mir ganz freundlich gestellt hatte. + +Als wir im Eisenbahnwagen saßen, sagte Stefenson: "Die Gefühlsduselei mit +dem Kinde hört nun auf. Dazu haben wir keine Zeit." + +Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter +mit fragenden Augen entgegen. + +"Ich habe das Kind in saubere Verhältnisse gebracht", sagte ich ihr und +ging in mein Zimmer. Die Mutter fragte nicht mehr, und ich erzählte +nichts. Wir fühlten beide, wie sich eine eiskalte Wand zwischen uns +aufrichtete. Nach drei Tagen sagte die Mutter, Joachim habe geschrieben, +es gehe ihm gut. Mir war dabei, als ob sie von einem fremden Menschen +erzählte, dessen Schicksal mich nichts angehe. + + * + +Die Zeichnungen, der Aufbau meines großen Ferienheims nahmen mich fortan +ganz in Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glückstage, Tage voll +Fruchtbarkeit, Hoffnung, Kraftgefühl. Und doch stahl sich Luises Bild bei +Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei +verlorenen Arbeitstagen läge nicht viel, Stefenson säße sicher weit unten +in Palermo oder Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwägungen saß ich in +einem Schnellzuge nach Thüringen. + +Ich hatte die Freude, daß mir Luise vertrauensvoll und dankbar +entgegenkam, und daß sie sich schüchtern an mich schmiegte, als ich sie +auf die Stirn küßte. + +Die würdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze +Zeit, als daß das Kind sich schon in ihm völlig fremde Kultur ganz hätte +fügen können; aber Luise zeige so gute körperliche und geistige Anlagen, +daß sie hoffe, das Kind würde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt +lag an der Promenade der hübschen thüringischen Stadt. Als ich das Haus +verließ, saß gegenüber dem Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es +blieb mir gar keine Zeit, mich groß zu erstaunen, sondern er trat mir +gleich entgegen und sagte mürrisch: + +"Ich finde das sehr merkwürdig von Ihnen, daß Sie auch jetzt noch Zeit zu +solchen Exkursionen haben." "Ach, Mister Stefenson", entgegnete ich +heiter, "ich dachte, Sie wären Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach +Sizilien." + +"Sticheln Sie nicht", entgegnete er finster; "ich bin nicht nach Sizilien +gefahren zum Amüsement oder um einem kleinen Gänschen nachzureisen, +sondern um in aller Ruhe die Pläne für unser Ferienheim machen zu können. +Wenn ich nun Pech gehabt habe mit den drei Plänen, die ich gemacht habe, +weil ich den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt +und den dritten in Luzern überhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte +ich doch gehofft, Sie würden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu +bleiben und zu arbeiten." + +"Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig." + +"Ah - das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?" + +"Was er kostet, wie er balanciert, weiß ich nicht. Das ist nicht meine +Sache. Ich bin kein Kaufmann. Wofür sind Sie da?" + +"Fürs Geldgeben!" + +Er schüttelte melancholisch den Kopf. + +"Ihr Plan ist unrentabel", sagte er düster. + +"Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzählen. Ein +Schlächter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer +führte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte +der Schlächter: 'Aber Mensch, wie kann ich Ihnen für ein so elendes Tier +so viel Geld geben, wie Sie verlangen?' - 'Sachte', sagte der Bauer, 'das +hier ist nur der Rübenraum, die Kuh steht erst hinter der nächsten Tür.'" + +"Was gehen mich Ihre verdammten deutschen Witze an?" grollte Stefenson. + +"Fahren wir erst nach Hause", entgegnete ich. "Und vorher können Sie ja +mal die kleine Luise besuchen. Sie macht sich heraus." + +"Das fällt mir nicht ein", sagte Stefenson kalt. "Ich hasse diese deutsche +Sentimentalität." + +So fuhren wir nach Hause. Ich übergab Stefenson meine Zeichnungen und +schriftlichen Ausführungen. Er nahm sie mit nach Neustadt, wo er immer +noch in einem Hotel wohnte. Nach fünf Tagen suchte ich ihn zu sprechen. Es +hieß, Mister Stefenson sei verreist. Eine Viertelstunde etwa dachte ich +darüber nach, wohin Stefenson wohl sein könne. Dann telegraphierte ich an +die Vorsteherin des Instituts in Thüringen: + +"Ist Mister Stefenson noch dort?" + +Am Abend kam die Antwort: + +"Stefenson war hier, ist aber eben zurückgereist." + +Darauf machte ich mir das Vergnügen, zum Neustädter Bahnhof zu gehen und +den Zug zu belauern, von dem ich vermutete, daß er Herrn Stefenson +mitführen würde. Ich hatte den Zeitpunkt ganz richtig aus dem Kursbuch +festgestellt. + +Als Stefenson die Bahnsperre passierte, trat ich ihm plötzlich entgegen, +und er war nicht weniger erschrocken als ich, da ich ihn plötzlich auf der +Promenadenbank in Thüringen traf. + +"Guten Abend, Mister Stefenson", sagte ich, "wie geht es der kleinen +Luise?" + +"Wieso - wieso - Luise - was geht mich das Gänschen an?" versuchte er sich +herauszulügen. + +Ich blickte ihn freundlich an und sagte: + +"Die Frau Vorsteherin, die ich telegraphisch anfragte, sagte mir, daß Sie +dort waren." + +Da hustete er. + +"Wissen Sie was", sagte er zornig, "es ist nicht schön, daß Sie mir +nachspionieren. Was geht mich das Gänschen an? Aber da Sie schon mal so +ein Spion sind, will ich Ihnen sagen, ich kann für diese Schwäche nichts. +Meine Mutter war eine Deutsche." + + + + + + VORARBEITEN + + +Es ist ein halbes Jahr her, seit ich die letzte Eintragung in mein +Tagebuch machte. Im Mai war es, als Stefenson erschnoben hatte, daß ich +ein Tagebuch führe und darin manches über den Ausbau unseres Ferienheims, +aber auch über seine eigene Person niedergeschrieben habe. Seit der Zeit +quälte er mich, ihm das Tagebuch einmal zur Lektüre zu überlassen. Er war +neugierig wie ein Backfisch, und es nützten mich alle Versuche nichts, ihm +klarzumachen, daß es - gelinde gesagt - sehr indiskret sei, Einblick in +ein fremdes Tagebuch zu verlangen. Es dauerte so lange, bis er die +Aufzeichnungen in Händen hatte. Dieser Mensch ist ein ganz wunderliches +Gemisch von Kindlichkeit und halsstarriger Energie. + +Nach drei Tagen gab mir Stefenson das Tagebuch zurück und sagte, indem er +ein sauersüßes Lächeln zwischen seinen dünnen Lippen zerquetschte: "Sie +haben mich sehr schlecht charakterisiert." + +"Dieses Urteil sah ich voraus, Mister Stefenson; die Fortsetzung des +Tagebuches werden Sie auch nicht zu sehen bekommen." + +Er machte eine Handbewegung, die bedeuten sollte, daran liege ihm auch +nichts, und ging wieder nach seinem "Büro". Dieses besteht aus einer +Holzbude, in der ein langer roher Tisch, einige Brettstühle, ein +Kleiderhaken und der Telephonapparat die ganze Ausrüstung bilden. Der +Tisch ist mit Papieren aller Art bedeckt. Hier liegen die kostbaren Pläne +unserer Ferienhäuser, sind Aktenstöße, stehen Modelle. In einem Nebenraume +klappern ein paar Schreibmaschinen. Stefenson sagte mir einmal, +Schreibmaschinenklappern und Telephongeschelle sei ihm die schönste Musik. + +In dem Büro sind unsere Beratungen. Dorthin müssen Architekten, +Maurermeister, Lieferanten aller Art, Verwaltungsbeamte, Stellungsuchende +zum Vortrag kommen. Anfangs hatte Stefenson die Absicht, mich von den +Hauptkonferenzen mit den Bauleuten auszuschließen oder mir doch eine rein +zuhörende Rolle zuzuweisen. Als ich ihm aber energisch sagte, er scheine +vorzuhaben, ein schleudriges Klein-Chicago zu errichten, das sich ganz gut +für Engros-Schweineschlächterei, aber nicht für mein romantisches +Ferienheim eignen möge, wurde er immer stiller und ließ mich nach und nach +mit den Architekten selbständig wirken. Nur das Tempo der Arbeit bestimmte +er, und das stand immer auf Volldampf. Der Mann arbeitet selbst von +morgens fünf Uhr bis nachts um elf, ohne irgendwelche Ermüdung zu zeigen. +Stefenson leitet seine Verhandlungen meisterhaft; keine Kleinigkeit +entgeht ihm. Sobald ein Thema angeschlagen ist, wird es Schritt für +Schritt erledigt. Kein Abweichen vom Wege ist erlaubt. Das +Dazwischenwerfen einer aufblitzenden, abseits liegenden Idee ist streng +verpönt, kein unfruchtbares Durcheinandergerede gestattet, sondern +planmäßige, geordnete Arbeit wird geleistet, Für und Wider werden kurz +beleuchtet, Nebensächlichkeiten unter den Tisch fallen gelassen, der +Beschluß knapp und fast immer schriftlich gefaßt; dann wird aber auch im +Verlauf der weiteren Verhandlungen auf den erledigten Punkt nie wieder +zurückgegriffen. So wußte man am Schluß solcher Verhandlungen immer: das +stand zur Beratung, das ist beschlossen, so und so, dann und dann muß es +ausgeführt werden. Stefensons Gehirn hat eine wohlgeordnete Registratur, +und etwas schwärmerisch angelegte Leute wie ich, denen leicht die Gedanken +durcheinander purzeln, können viel von solchem Manne lernen. Nur darf +Stefenson meine romantische und philanthropische Idee nicht aus dem Auge +lassen, und das tut er auch nicht. Stefenson und ich sind in vielen Dingen +die reinsten Antipoden; aber ich schätze es als Glück, mit einem so klaren +Kopf zusammen zu arbeiten, wenn ich auch manchmal einen wilden Zorn über +seine Kaltschnäuzigkeit habe. So ist der Mann. Wir vertragen uns und haben +Händel miteinander - je nachdem. Ich glaube, ich werde gut fahren, wenn +ich mit Stefenson gleichen Kurs halte. Es gibt kaum ein größeres Unglück +auf der Welt, als sich mit dummen oder schwachen Menschen zu verbinden, +und kaum einen größeren Vorteil, als einen klugen Freund. + + * + +Als unsere Idee bekannt wurde, war die Physiognomie der Waltersburger +ungefähr die eines Kalbes, das zum ersten Male donnern hört. Die Leute +wunderten sich rasend. Sie steckten die Köpfe zusammen, redeten viel auf +den Bierbänken und kamen doch, da sie immer nur Gerüchtsbrocken sammeln +konnten, zu keinem klaren Bilde. + +Den Ausschlag soll der Amtsrichter gegeben haben, der sich dahin geäußert +hat: es scheine sich um eine Art Verrücktenanstalt im großen zu handeln; +den nötigen Spleen scheine ich von der Weltreise mit heimgebracht zu +haben, und was etwa fehle, habe Mister Stefenson aus seinem reichen Vorrat +an Tollheit ergänzt. + +Günstig war uns von Anfang an die Stimmung der Waltersburger gar nicht. Zu +dem neidischen und verärgerten Gefühl, das einem unerwarteten Werk vom +lieben Publikum immer gespendet wird, gesellte sich ein ganz besonderer +Verdruß. Stefenson hatte erklärt, daß er eine ganz neue Gemeinde begründen +werde mit einem eigenen Bürgermeister und einer Verwaltung, die alles im +Umkreise Bekannte in den tiefsten Schatten stellen werde. + +Darüber waren die Waltersburger wütend. Nachdem ihnen schon die Neustädter +untreu geworden und der Mutterstadt gewaltig über den Kopf gewachsen +waren, sollte sich hier auf ehemaligem Waltersburger Grund und Boden +abermals ein neues Gemeinwesen auftun, das den Bestand Waltersburgs +verkürzte und die eigene Stadt in immer kümmerlichere Unberühmtheit +drängte. Waltersburg war wie eine Mutter von mittelmäßigen Anlagen, die +sich ärgert, wenn ihre Töchter in der Gesellschaft Glück haben. + +Eitel waren die Waltersburger immer. In der Pfarrkirche ist ein Altarbild, +das angeblich von Tintoretto stammt. Ein begüterter Graf, der ehemals hier +residierte, soll es von einer Pilgerfahrt mitgebracht haben. Die Echtheit +des Bildes ist zweifelhaft, nur nicht für die Waltersburger, die das +Gemälde zu den Meisterwerken Tintorettos rechnen. (Tintoretto, "das +Färberchen", hat bekanntlich neben ausgezeichneten Stücken viel +Mittelmäßiges, ja Schleudriges geleistet.) Als ein großes neues +Reisehandbuch erschien, waren die Waltersburger neugierig, ob ihr +Tintoretto zwei Sterne oder nur einen haben werde. Die Enttäuschung war +groß; denn ganz Waltersburg mitsamt seinem Tintoretto wurde in dem +Handbuche überhaupt nicht erwähnt. Der Schrei der Empörung, den damals der +gebildete Teil der Stadt ausstieß, hat noch heute ein Echo in vielen +Herzen. + +Für uns kam bald ein Umschwung. Stefenson berief eine Versammlung nach dem +Saale des größten Waltersburger Hotels, den "Drei Raben". Er lud zu dieser +"freien Zusammenkunft, in der er Aufschlüsse über seine Neugründung geben +werde", nicht nur den Magistrat und alle Honoratioren mit ihren Damen, +sondern auch je einen Schuster, Schneider, Bäcker, wie alle anderen +Handwerkszweige mit ihren Frauen. "Es muß wie bei der Arche Noahs sein", +sagte er gut gelaunt, "von jeder Art ein Pärchen." Der Erfolg war schwach. +Einzelne zwar priesen Herrn Stefenson wegen seiner gerechten +unparteiischen Art, aber andere rümpften außerordentlich stark die Nasen, +und als die Versammlung begann, zeigte es sich, daß fast gar keine Frauen +da waren. Die Frau Provisor und die Frau Kanzleirat hatten entrüstet +erklärt, man könne sich doch nicht mit Krethi und Plethi zusammensetzen, +und fast alle anderen "Damen der Gesellschaft" hatten sich dieser +Auffassung angeschlossen. Die Weiber der Handwerksleute aber hatten sich +"geniert", zu kommen. Aber auch die Männer waren nur in schwacher Anzahl +erschienen. Der Magistrat ließ sich durch einen Beisitzer vertreten. Am +meisten freute es mich, daß der Lehrer Herder da war. Er wurde auch zum +Leiter der Versammlung gewählt. Stefenson hielt eine Rede. Er spricht die +deutsche Sprache ohne jeden fremden Akzent. Denn nicht nur seine Mutter +ist eine Deutsche gewesen; ich habe unterdes herausgekriegt, daß +Stefensons Vater zwar ein Stockamerikaner von reinster Monroedoktrin war, +daß aber sein Großvater bis zu seinem dreißigsten Lebensjahre in Hamburg +gelebt hat und bis dahin Georg Stefan hieß. Stefenson hat rein deutsches +Blut in sich. + +Der "Mister" sprach. Er sagte, über die Idee seiner geplanten Kuranstalt +wolle er nicht reden; diese sei ein so unerhörtes, geniales Problem (dabei +trat er mich grob auf den Fuß!), daß er es im Rahmen einer so kurzen +Aussprache nicht erläutern könne. Waltersburg habe zwar keine hervorragend +günstige Lage und werde von vielen anderen Orten auch durch den Reiz der +Umgebung wesentlich übertroffen (Gebrumm in der Versammlung), aber sein +Freund und ärztlicher Beirat sei ja, wie alle wüßten, ein Waltersburger +Kind, und so habe er dem Freund zuliebe dieses Gelände für die Ausführung +seiner Idee gewählt. Er gehöre zu den Leuten, die sich eher das eigene +Hemd ausziehen, als daß sie zugeben, daß der Freund friere. (Frau +Postschaffner Hempel verließ entrüstet das Lokal.) "Kommen Sie gut nach +Hause, Frauchen!" ruft ihr Stefenson nach. (Abermaliges Gebrumm. +Postschaffner Hempel erhebt sich, sagt in halblauter Entrüstung: "Das ist +ja kolossal!" und stampft seiner Ehehälfte nach.) "Also", fährt Stefenson +ruhig fort, "was mir eine Hauptsache zu sein scheint: ich beabsichtige +nicht, eine neue politische Gemeinde zu gründen; ich werde meine Siedelung +unter den amtlichen Schutz des Magistrats von Waltersburg stellen." +(Freudige Verblüffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit +den Fingern auf den Tisch.) "Ja", geht Stefensons Rede weiter, "wir werden +unserem Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen +'Kuranstalt Waltersburg: Ferien vom Ich' geben, und der Schnickschnack vom +sogenannten modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst +zerstieben vor der glorreichen Waltersburger Neugründung. (Der Beisitzer +springt auf, beurlaubt sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und +stürmt aus dem Saal.) Mitbürger von Waltersburg! Damen und Herren! (Von +den Damen ist nur noch die phlegmatische Gärtnersfrau Bächel anwesend.) Es +macht mich glücklich, daß Sie in solcher Anzahl erschienen sind. Etwas +Erfreuliches kann ich Ihnen mitteilen. Ich erwarte, daß binnen zwei Jahren +unsere Kuranstalt etwa zwei Dritteile Ihrer gesamten Gemeindesteuern +tragen wird, so daß Ihre bisherigen hundertzwanzig Prozent auf vierzig +Prozent herabsinken werden. (Erschrecktes Aufatmen, dann lautes Bravo. +Bäckermeister Schiebulke und Klempner Geldermann stürzen im +Geschwindschritt von Siegesboten auf die Straße.) Ja, aber, meine sehr +teuren Mitbürger, auch Opfer werde ich von Ihnen verlangen müssen. +(Kunstpause des Redners. Bedrücktes Schweigen der Zuhörer.) Wir haben +nicht Zeit, der Verwirklichung unserer Idee sehr viel Zeit zu widmen; wir +müssen die Aufgabe im Sturm nehmen. Binnen Jahresfrist muß alles fix und +fertig sein. Sie werden begreifen, daß dafür ein Heer von Architekten, +Bauleitern, Maurern, Zimmerleuten, Tapezierern, Töpfern, Tischlern, +Glasern, Klempnern, Schmieden, Schlossern, Stubenmalern, Gärtnern und +Hilfsarbeitern aller Art nötig sein wird, nicht zu rechnen die Legion +derer, die diese Schar versorgt mit Nahrungsmitteln, mit Kleidern, +Schuhen, Mützen und Wäsche. Ja, liebe Waltersburger Mitbürger, Ihre ganze +prächtige Kaufmannschaft, alle Ihre Handwerkerkreise muß ich mobil machen, +um meiner Aufgabe gerecht zu werden, alle werden ihren Betrieb +verzehnfachen müssen ..." + +Der Redner hielt inne; denn die Zuhörerschaft keuchte zu laut. Die +Erregung stieg aufs höchste. Da kam die von Stefenson ganz leichthin +gesagte, aber bis ins Mark treffende Schlußbemerkung: "Ich möchte mit +Waltersburger Bürgern Abkommen treffen. Was das Finanzielle anbelangt, so +wird nichts auf Ziel entnommen, sondern alles immer sofort bar bezahlt +werden." + +Da war es aus. Alles erhob sich; selbst die dicke Gärtnersfrau wappelte +sich empor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. + +Ein Handwerker stieg auf einen Stuhl. + +"Das ist gut!" rief er; "das ist famos! Herr Stefenson lebe hoch!" + +"Hoch!" schrien die paar Männlein, die noch da waren. Im selben Augenblick +stürzte der Beisitzer in den Saal. + +"Der Herr Bürgermeister", keuchte er, "der Herr Bürgermeister, der bis +jetzt leider verhindert war, kommt selbst." + +Stefenson nickte ihm lächelnd zu. Da wurde es lebhaft auf der Treppe, +Männer und Frauen aller Gesellschaftsschichten füllten den Saal. Eine +halbe Stunde lang stand Stefenson steif und still, und als alle da waren, +auch der Bürgermeister, sagte er: + +"Ich habe dem, was ich vor Ihnen, sehr geehrte Herrschaften, über meine +Neugründung heute ausgeführt habe, nun nichts mehr hinzuzufügen." + +Worauf sich der Leiter der Versammlung, Lehrer Herder, erhob und in einer +glänzenden Erfassung der Situation sagte: + +"Ich schließe die Sitzung!" + + + + + + DIE "NEUSTÄDTER UMSCHAU" + + +In Neustadt erscheint ein Blättchen, die "Neustädter Umschau". Es kommt +wöchentlich zweimal heraus in einem Umfang, daß eine einzige Nummer +genügt, ein Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen +Redakteur suchte, versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es +meldeten sich drei Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben +ehemalige Lehrer, ein "sehr gebildeter" Schlossermeister, davongejagte +Seminaristen, freie Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der +Verleger wählte von der ganzen Rotte den Unfähigsten, einen +herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber _Doctor juris_ war, was in der +"Umschau" mit Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die "Umschau" +in der Art, daß er in seiner nüchternen Tagesstunde, die vormittags nach +seinem jeweiligen Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustädter Kurhauses +den Stoff für die nächste Nummer aus großstädtischen Zeitungen abschreibt. +Einen lokalen Teil hat die "Umschau" kaum; jedenfalls war er stets äußerst +jämmerlich. Desto mehr fiel es auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, +wenn auch dreist geschriebene Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim +brachte. + +Der erste Artikel beschäftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgeführt, +daß ich nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse +Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen +habe, um auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden +Menschheit meine ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, +mit dem ich zu tun gehabt hätte, wäre die Seekrankheit gewesen, und da +sich gegen diese bekanntlich überhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja +sicher ganz am Platze gewesen. Mein Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum +Ausruhen gehabt, daß ich (wahrscheinlich unter dem verheerenden Einfluß +der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt "Ferien vom Ich" gekommen +sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse schicken, mir auch +sonst alle mögliche Förderung angedeihen lassen; denn das moderne Weltbad +spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es wäre nur zu +bedauern, wenn sich die Neugründung nicht bis zum nächsten Fasching +hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnügungsprogramm von Neustadt +würde es sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit +hieße: Morgen Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt "Ferien vom Ich". +Ängstliche seien versichert, daß ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu +befürchten ist, da sich dieser in der Waltersburger Anstalt nur ganz +harmlos und kindlich äußere. + + * + +Das war der Begrüßungsartikel, der meiner Gründung von dem +freundnachbarlichen Neustadt zuteil wurde. Stefenson brachte ihn mir +persönlich. Er beobachtete mich, als ich ihn las. + +"Niedlich!" sagte ich; "ich hätte das den Kerlen gar nicht zugetraut." + +"Na, sehen Sie", atmete Stefenson auf, "es freut mich, daß Sie nicht +entrüstet sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen +wollen. Der Artikel ist wirklich nett." + +Eine der nächsten Nummern der "Umschau" beschäftigte sich mit Mister +Stefenson. Es hieß darin, nach authentischen Auskünften aus Amerika sei +Mister Stefenson, der bekanntlich das Waltersburger +Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der merkwürdigsten +Geschäftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. Seine +geschäftliche Laufbahn habe Stefenson als Küchenboy in einem Hotel vierten +Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Löffel, über den jenes +Hotel verfügte, eines Tages verschwand und ganz zufällig in der +Pappschachtel, die des jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, +aufgefunden wurde, wohin er auf eine Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz +unerklärliche Art gekommen wäre, sei der vielversprechende junge Mann nach +Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom Unglück verfolgt worden. +Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm den Jüngling wegen +angeblichen Pferdediebstahls hingen, riß und also gewissermaßen ein +Zeichen vom Himmel für die Unschuld des Gerichteten vorlag, hätten die +barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fürchterlich +geprügelt, daß Stefenson zwei künstliche Rippen als Andenken an jenes +Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die +Waltersburger im Begriff ständen, zu ihrem Ehrenbürger zu machen, sei +ebenfalls recht bewegt und reich an Zwischenfällen gewesen. Stefenson sei +einmal als Kutscher bei einem großen Petroleumtransport engagiert gewesen. +Dieser Transport sei von Indianern überfallen, die ganze Begleitmannschaft +tot- und sämtliche Petroleumfässer entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson +sei am Leben geblieben, da er so vorsichtig war, bei der herannahenden +Gefahr als erster zu fliehen. Es habe sich nun so gefügt, daß Stefenson am +nächsten Tage zwei abenteuernde, reiche, aber recht dumme Kerls in einer +benachbarten Stadt getroffen und diese vertraulich auf ein Gelände +aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke Petroleumquellen vorhanden +seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem er die Spuren des +Überfalls gründlich beseitigt hatte, auf das Gelände geführt, allwo noch +ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen hätten sich +bereit erklärt, an Stefenson zunächst mal fünfhundert Pfund zu zahlen, +damit er alles Nötige für die Erschließung der Quellen in die Wege leite. +Als sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst überlegt habe, +hätte er sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, müsse er an der +Ergiebigkeit des Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern +lieber weitere unnötige Kosten ersparen und, ohne sich erst durch "Good +bye" und andere Abschiedsförmlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago +verschwinden. + +Die fünfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), +die Stefenson mitgenommen habe, hätten die Basis für seine weiteren +geschäftlichen Unternehmungen gebildet, für Unternehmungen, die nicht +weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei +Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermögen gekommen. Da aber die +engherzigen amerikanischen Richter öfters an Herrn Stefensons +Geschäftsusancen Anstoß genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen +Manne trotz der geradezu luxuriösen Ausstattung der amerikanischen +Gefängnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall +gekommen, sein Wirkungsfeld vorübergehend mal nach Deutschland zu +verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das +weiße Lamm im grünen Felde in ihrem Wappen führe. + +Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in große Aufregung. +Stefenson verstand mich nicht. + +"Es ist wahr", sagte er; "der Artikel könnte farbenreicher gehalten sein, +die Geschehnisse sind etwas nüchtern gegeben, aber, mein Lieber, der +heutige Geschmack verpönt das Allzukrasse. Ich finde den Artikel +ausgezeichnet, viel, viel besser als den, der neulich über Sie in dieser +Zeitung stand." + +"Stefenson!" schrie ich ihn an; "sehen Sie denn nicht ein, daß uns dieser +Zeilenschmierer, dieser Süffling unmöglich macht? Jetzt bleibt nicht +anderes mehr übrig, jetzt müssen Sie den Mann verklagen." + +"Ja, glauben Sie, daß ich toll bin?" entgegnete Stefenson. Ich erzählte +ihm, was schon der Artikel über mich für allerhand Unheil angerichtet +habe. Nicht bloß, daß sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe +geweint habe, ich hätte gehört, wie die Leute hinter mir zischelten. +"Stefenson, unseren guten Ruf müssen wir behalten, sonst sind wir +ruiniert." + +"Guten Ruf?" verwunderte er sich. "Wie kann man seinen guten Ruf behalten, +wenn man Geschäfte macht? Das ist doch unmöglich. Er wird einem doch +selbstverständlich kaputt gemacht. Wenigstens äußerlich - in der +gegnerischen Presse - das ist ja unausbleiblich. Darüber regt man sich +doch nicht auf!" + +Ein Brüllen tönte von der Straße herauf. + +"Der Pferdedieb! - Der Löffelstehler! - Der Petroleumstänker! Raus, raus!" + +Stefenson lugte durch die Gardine. + +"Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstädtisch. +Petroleumstänker ist bei der Kürze der Zeit schon ein ganz gut geprägter +Zuruf!" + +"Stefenson, es geht nicht - Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie +sind hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren." + +"Desto besser." + +"Die Geschäftsleute werden nicht mehr liefern." + +"Gegen bar werden sie bestimmt liefern." + +"Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen +Artikel nicht Zeile für Zeile in öffentlichem Gerichtsverfahren als Lüge +brandmarken." + +"Das soll mir gewiß nicht einfallen", lachte er. + +Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. +Das Lärmen auf der Straße wurde indes lauter, die demonstrierende Schar +wurde größer. Da verließ mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen +Zylinderhut bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg +betroffen und gab eine Gasse frei, dann lärmten die Leute hinter Stefenson +her. Ich war so verbittert, daß ich wohl eine Stunde lang planlos vor der +Stadt am Bache hin und her ging, ehe ich Stefensons Büro aufsuchte. + +"Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?" fragte er gleich bei +meinem Eintritt. "Seinen Kontrakt mit mir hat er gelöst. Der Esel! Mir hat +er einen großen Gefallen getan; denn ich weiß einen tüchtigeren und +billigeren Mann, als er ist, und bin froh, daß ich ihn loswurde. Glück muß +man haben!" Er rieb sich die Hände. + +"Mister Stefenson", sagte ich ernst; "wir werden wohl unsere Kontrakte +alle lösen müssen. Denn obwohl ich natürlich von dem Schundartikel eines +verkommenen Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, +daß unsere Situation hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem +Schmutz, der auf Sie geworfen wurde, reinigen. Wir vermögen nicht ohne die +Achtung unserer Mitbürger zu bestehen. Wir werden unmöglich!" + +Stefenson ging mit großen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner +pechschwarzen Zigarre. Ganz milde sagte er dann: + +"Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren - meine Mutter war ja +auch 'ne Deutsche ..." + +"Und Ihr Großvater väterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg", wollte +ich dazwischenwerfen, verschluckte es aber. + +"Ja, also die Deutschen", fuhr Stefenson fort, "bilden sich was ein auf +den Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Völker, +gar nicht haben. Schön - ich gebe zu, Sie haben Dichter, die +ausgezeichneten Humor haben, und auch deutsche Geisteszivilisten sind +vielfach mit einer beträchtlichen Dosis von Humor begabt. Aber das ist +alles so - entschuldigen Sie - so sparsam, so auf Kleinbetrieb, auf +Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Große geht, der fehlt Ihren +Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anständiger Mann +sein Geld und seine Zeit auf eine große, aber sehr wackelige Sache setzt, +und es kommt so 'n Preßäffchen und kläfft was von Pferdedieb und +Petroleumstänker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat +doch der Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn +der Leser nur ein bißchen Hirnschmalz hat, fällt's ihm nicht ein, ein Wort +zu glauben. Aber er tut so, als ob er's glaubte, er mimt mit in der +Maskerade und amüsiert sich dabei königlich. Und der, dem der Feldzug +gilt, wird ein bekannter, ein berühmter, ein reicher Mann. So sind alle +zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht hat, die Leser, die +eine amüsante Frühstückslektüre gehabt haben, und der Mann, der +angegriffen worden ist und seinen Profit hat. Ich sage Ihnen, in Amerika +ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu +erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Öffentlichkeit +angehangen zu werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem +Grunde des Vertrauens seiner Mitbürger. Aber der Humor, Mensch, der Humor +darf nicht fehlen!" + +"Wir in Deutschland haben einen anderen Humor", sagte ich und war froh, +daß es so ist. + +Da kam einer unserer Bauführer und meldete kleinlaut, daß wahrscheinlich +fast alle unsere Arbeiter kündigen würden. Als er gegangen war, saß +Stefenson gesenkten Hauptes am Tisch. + +"Werden Sie nun begreifen", fragte ich, "daß Sie die gerichtliche Klage +anstrengen _müssen_, daß es absolut Zwang für uns ist?" + +"Ich kann die Leute nicht verklagen", sagte Stefenson schwermütig. + +"Sie können nicht?" fragte ich betroffen. "Warum können Sie nicht?" + +"Weil ich den Artikel über Sie und über mich selbst geschrieben habe." + +Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand. + +"Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in +das Neustädter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist +billig. Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der +Verleger, so daß sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in +ihrem Blatte recht kräftig zu beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte +so durch zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger +Stadtblatt ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustädter +"Umschau" loslassen. Das sollte so hübsch hinüber und herüber gehen, bis +zuerst die Provinz- und dann die hauptstädtische Presse davon Notiz nahm +und im bunten Teil Auszüge brächte, etwa unter der Überschrift: 'Der Sturm +im Wasserglase' oder 'Krieg der Zaunkönige' oder 'Ein Mordsskandal in +Dingsda' oder so ähnlich. Da hätte nun das große Publikum auf einmal etwas +von uns gehört, hätte die bittere Pille unserer Idee in der Verzuckerung +sensationellen Humors geschluckt, und überall hätte man von uns und +unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir wären durchgewesen. +Diese ganze schöne Propagandaidee hätte mich etwa lumpige tausend Mark +gekostet, und nun fällt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute +zusammen." + +Ich kam aus der Verblüffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, +was zu tun sei. + +Es stellte sich heraus, daß Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen +Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, daß also +Beleg- und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile +einen kurzen Artikel für unser "Waltersburger Tageblatt". Er lautete: + +"Einen fürchterlichen Reinfall haben die Neustädter erlebt. Ihre +weitverbreitete 'Umschau' hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein +Druckfehler) Schauermären über die Unternehmer der in Waltersburg zu +begründenden großen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu +grotesker Dummheit. Während das gebildete Waltersburger Publikum diese +klatschfetten Zeitungsenten als solche natürlich sofort erkannt hat, +sollen sie gewissen Neustädter Kreisen über die Maßen gemundet haben. Denn +der Haß gegen das aufblühende Waltersburg ist zu groß, als daß nicht auch +die eselhafteste Lüge, wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet +ist, in Neustadt Glauben fände. Wie schwer der Reinfall ist, möge +folgender Aufschluß bekunden: Mister Stefenson hat der von ihm +hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmähten Stadt 'mit dem +weißen Lamm als Wappentier', eine Genugtuung geben wollen, indem er die +Neustädter Bevölkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen ließ. Mister +Stefenson hat - wie vorliegende Dokumente beweisen - die beiden +aufsehenerregenden Artikel, die natürlich von A bis Z erfunden sind, +nämlich selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn +Redakteur und Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der +'Neustädter Umschau' veröffentlicht. So viel war ihm der Spaß wert. Die +Neustädter aber mögen nun die Zoologie nach einem für sie passenden +Wappentier gefälligst selbst durchforschen." + +Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drückte er mir die +Hand. + +"Ich danke Ihnen", sagte er anerkennend; "Sie sind gar nicht so +unamerikanisch." + + * + +Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, +daß ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so +fabelhaft schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten +mich oft, und wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und +lärmen hörte, dachte ich daran, wie schön es war, als noch die stillen +Raine durch grüne Felder liefen. Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, +Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich fühlte mich auf diesen Bauplätzen +außerordentlich unbehaglich, und wenn ein schöner Baum zum Opfer fallen +muß, bereitet es mir Schmerz, als ob einem unschuldigen Freund ein großes +Unrecht geschähe. + +Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein +Haus immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich +glaube, ich sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, +wie ich es träume. Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. +Erst, wenn "aufgeräumt" sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu +gefallen. + +Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im +Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft +werden. + + + + + + JOACHIM + + +Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: "Treffe drei Uhr fünfzig +nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim." Das Telegramm war +frühmorgens in Berlin aufgegeben. + +Erst langsam begriff ich, daß da etwas Wunderliches geschah, daß mein +verschollener Bruder plötzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiß durchs +Herz, und ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzählen. Aber +ich ging zuerst zu Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgültig: + +"Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab." + +"Ich weiß nicht, wie ich's mit der Mutter machen soll." + +"Der Mutter würde ich vorläufig nichts sagen. Sie wissen ja noch nicht, +warum Ihr Bruder heimkommt. Also sprechen Sie erst mit ihm." + +Diesem Rate folgte ich. Schon kurz nach drei Uhr war ich auf dem Bahnhof. +Ich verbrachte qualvolle Minuten des Wartens. Als aber der Zug einlief, +war ich ganz ruhig. Ich sah Joachim an einem Fenster stehen und winkte ihm +zu. Als er ausgestiegen war, sagte ich: + +"Willkommen, Joachim; ich freue mich, daß du gekommen bist." + +Sein Gesicht war bleich, und die Hand, die er mir gab, war feucht. + +"Weiß es die Mutter?" + +"Nein. Ich wollte erst mit dir sprechen." + +"Das ist gut. Ich kann wohl am besten hier in einem Hotel unterkommen. Ich +heiße Harton, verstehst du, Doktor Harton aus Baltimore." + +Er sprach mit einem Gepäckträger; dann fuhren wir nach einem Hotel. + +Unterwegs fragte ich ihn: + +"Bist du gesund?" + +"Ja - oder auch nein - ach Gott, ich weiß es selbst nicht." + +Ich wollte Joachim erst Zeit lassen, sich zu waschen und ein wenig +auszuruhen, aber er nötigte mich bald mit auf sein Zimmer. Auf seinem +Reisekoffer saß er, den Mantel noch um die Schultern, und sprach mit +gepreßter, etwas stoßender Stimme: + +"Da bin ich nun doch hierhergekommen. Ich hätte es nie für möglich +gehalten. Aber als wir anfingen Briefe zu wechseln, verlor ich meine +Sicherheit - das Heimweh - das quälende Heimweh ..." + +Ich trat ans Fenster und sah auf die Straße. + +"Fritz!" + +Ich wandte mich ihm wieder zu. + +"Fritz, warum habt ihr eigentlich dieses Attentat - nun ja, ich muß schon +Attentat sagen, es hat mich ja ganz wehrlos gemacht - warum habt ihr +eigentlich diese Geschichte mit dem Tagebuch gemacht?" + +"Was für eine Geschichte mit dem Tagebuch?" + +"Nun, daß du mir durch diesen Mister Stefenson, der ja wohl mit dir +geschäftlich verbunden ist, dein Tagebuch über Waltersburg hast schicken +lassen." + +"Ich dir mein - hast du denn mein Tagebuch geschickt erhalten?" + +"Ja, natürlich. Nicht das Original, aber eine Maschinenabschrift." + +"Oh, dieser Mensch - dieser Stefenson!" + +"Weißt du gar nichts darum?" + +"Nichts! Gar nichts! Stefenson hat sich zwar mal meine kleinen +Aufzeichnungen entliehen; aber ich habe geglaubt, das geschehe nur aus +purer Neugier. Nun hat er eine Abschrift machen lassen und sie dir +geschickt." + +"Ja. Ich bekam die Blätter im Juli. Ein Vierteljahr lang habe ich es +ausgehalten, sie ungelesen in einer Schublade zu verwahren; ich habe sie +manchmal verbrennen wollen, aber nicht den Mut dazu aufgebracht, und habe +sie endlich doch gelesen, täglich wieder gelesen, bis meine Kraft alle +war, so daß ich notdürftig meine Angelegenheiten ordnete, und - und nun +eben da bin." + +"Das haben meine wenigen Aufzeichnungen zuwege gebracht?" fragte ich +verwundert. + +"Ja, du weißt nicht, was das heißt, keine Heimat mehr zu haben. Die +anderen Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue +Heimat, neue Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfühlen. Ich habe +nichts von alledem gesucht und bin ganz losgelöst von aller Wurzelerde +gewesen. Da ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von +dem alten Nest Waltersburg, nicht die Berichte über die Mutter, selbst die +Geschichten über das Spießertum in der Heimat haben eine - nun ja, ich +gestehe es - eine rasende Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann +auch das - auch das - aber lassen wir das!" + +Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht über +die Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah, +in wie schwerer Erregung der Mann schon war, und hütete mich, dieses +ernsteste Thema nun zur Sprache zu bringen. + +Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, riß dann +plötzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich +mit hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend: + +"Ach Gott, ich bin doch froh, daß ich hier bin." + +Wir reichten uns stumm die Hände. + +Dann sagte ich: + +"Nun, Joachim, wollen wir uns aber freuen und als Männer beraten, was zu +tun ist." + +Er sah mich von der Seite an. + +"Du weißt wohl natürlich auch nicht, daß mich Mister Stefenson als zweiten +Arzt für dein Sanatorium berufen hat?" + +"Hat er das?" + +"Ja, allerdings nur unter der Bedingung, daß mir deine Idee von den Ferien +vom Ich eingeht. Und sie geht mir ein, mein Junge; sie ist vernünftig und +fruchtbar; ich gratuliere dir dazu!" + +Eine rote Welle schlug mir ins Gesicht. + +"Schönen Dank, Joachim. Du weißt, wie sehr ich dich immer mir für +überlegen gehalten habe." + +Er winkte, schwermütig den Kopf schüttelnd, ab. Dann setzte er sich mir +gegenüber und ergriff wieder meine Hand. + +"Sieh mal, Junge, daß du mich nun fünf Jahre lang gesucht hast - das - nun +ja, es gibt eben Schulden, die sich nicht bezahlen lassen. Was nun aus mir +wird, weiß ich nicht. Ich will allen Starrsinn ablegen; ich will mich mal +ganz wieder von den Wellen der Heimat treiben lassen, ich will auch gutem +Rat zugänglich sein. Aber ich möchte nicht erkannt werden; ich möchte +nicht, daß all der Schwatz und Klatsch - ach, laß uns die heilige Stunde +nicht durch schmutzige Erinnerung verderben. Wenn es möglich wäre, daß ich +als Doktor Harton aus Baltimore vor den Leuten gälte, sähe ich mir gern +auf einige Zeit das Leben in der Heimat an. Da kam mir der Vorschlag +dieses kuriosen Mister Stefenson, als Arzt in eure Anstalt einzutreten, +ganz gelegen. Jeder legt dort seinen Namen ab, jeder lebt unerkannt seinen +Tag, jeder ist fern von dem glücksfeindlichen Schwarm, der einem aus der +Vergangenheit nachdringt, kurz, lieber Fritz, ich möchte der erste sein, +der in deiner Zufluchtsstätte Ferien macht von seinem Ich." + +Beide Hände streckte ich dem Bruder entgegen. Wie ein offenbares Zeichen +himmlischen Segens für meine Gründung stand der langvermißte Bruder vor +mir als erster und willkommenster Gast meines Ferienheims. Wie konnte sich +ein Glück herrlicher fügen! In dem überströmenden Gefühl des Augenblicks +sagte ich: + +"Joachim, du hast diese Stunde eine heilige genannt. Zürne mir nicht, wenn +ich dich nun noch bitte: sprich auch ein einziges gutes Wort von der +kleinen Luise." + +Da wurde sein Gesicht finster. + +"Ich kann noch nicht - laß mir Zeit!" + +Und ich schwieg. Es wurde still in der Stube. Der Abend dunkelte durch die +Fenster. Allmählich aber kam die Unterhaltung wieder auf. Wir entwarfen +Pläne für die nächste Zukunft. + + * + +Als wir nach mehreren Stunden nach dem Speisesaal des Hotels kamen, saß +dort Mister Stefenson. Ich ging sofort auf ihn zu und sagte: + +"Mister Stefenson, das ist sicher: Sie sind einer der größten Prachtkerle +der Welt. Da ist er - mein Bruder Joachim - den Sie heimgezaubert haben." + +Stefenson antwortete mir nicht, schüttelte aber dem Bruder herzlich die +Hand. + +"Das ist schön, daß Sie gekommen sind. Hergezaubert habe ich Sie zwar +nicht; denn ein Mann wie Sie läßt sich nicht herzaubern. Aber daß Sie +gekommen sind und uns bei unserem Bau helfen wollen, ist ein Glück; denn +Ihr Bruder hat zwar Phantasie und auch sonst brauchbare Eigenschaften, +aber im ganzen ist er ein Schwärmer." + +"Danke, Mister Stefenson!" + +"O bitte!" + +Wir setzten uns zusammen. Stefenson kam sofort aufs Geschäftliche. + +"Sehen Sie, Doktor Harton, den ganzen Bau, wo wir die elektrischen Bäder, +überhaupt alle klinischen und medizinischen Einrichtungen unterbringen +wollen, habe ich trotz des Widerspruchs meines geehrten Kompagnons bis +jetzt nur in den Außenumrissen fertiggestellt; die endgültige innere +Einrichtung sollte bleiben, bis Sie kämen; denn Sie haben in solchen +Dingen große Erfahrung, da Sie sich schon zweimal organisatorisch sehr +bewährt haben." + +"Woher wissen Sie das?" + +"Na, ich habe mich doch selbstverständlich in mehreren guten +Auskunftsbüros über Sie erkundigt. Wenn Sie nichts getaugt hätten, hätte +ich mich doch auch nicht um Sie bemüht. Aber wir brauchen Sie! Deshalb +schickte ich Ihnen das Tagebuch." + +Verärgert fuhr ich den Krämer an: + +"Sie haben also wieder nur ans Geschäftliche gedacht?" + +"Na selbstverständlich, Sie verwundertes Unschuldslamm! Woran soll man +denken als ans Geschäftliche, wenn man ein nicht gar zu schlechter +Kaufmann ist?" + +Joachim lächelte; mir aber stürzte wieder einmal ein gläsernes Tempelchen +ein, in das ich meinen Götzen Stefenson gesetzt hatte. + +Stefenson nahm nun meinen Bruder ganz in Anspruch. Er fragte über tausend +Dinge aus Amerika. Ich schwieg. Vielleicht war es ganz gut, daß der durch +die Heimkehr äußerst aufgeregte Bruder zunächst durch die trostlos +nüchternen Schwadronaden dieses Kaufmanns Stefenson abgelenkt wurde. + +Wir hatten schon Abendbrot gegessen, als sich Stefenson verabschiedete. Er +erzählte, er habe einen kleinen Neffen. Der Vater sei tot, die Mutter an +einen gefühllosen Mann wieder verheiratet, der dem sechsjährigen Knaben +ein Stiefvater sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in +Hamburg. Er wolle den Knaben, der Georg heiße, mal probeweise zu sich +nehmen; vielleicht, daß etwas aus ihm würde. Die Gründung einer so neuen +Gemeinde mit allem ihrem Drum und Dran müsse ja auf einen Jungen einen +tiefen Eindruck machen und ihm fürs ganze Leben einige stählerne +Gerüstschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also mit dem Nachtzug +reisen, und er hätte es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof begleitete, da er +wegen der Vertretung manches Geschäftliche mit mir noch zu erledigen habe, +womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der Straße waren, +sagte Stefenson: "Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie mir nicht +hinterher wieder aus dem Häuschen fallen und alles verderben. Also, mein +kleiner Neffe, der Georg, ist nämlich gar kein Junge, sondern ein Mädchen +- er ist die kleine Luise." + +"Stefenson, Sie sind toll!" + +"Nein. Ich bin vernünftig. Die kleine Luise muß Ferien von ihrem Ich +machen. Als Mädel ist es ihr hundsmiserabel gegangen, ausgenommen die +letzten dreiviertel Jahr, wo sie in dem Institut war, aber auch dort mehr +Strenge als Liebe, mehr Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus soll +sie aus ihrer Haut, ein Junge werden, Courage kriegen, dieses Ducken +abgewöhnen, wenn eine Hand nach ihr faßt; nein, sich selbst 'rumhauen mit +Buben und Straßenbösewichten und immer bei mir sein und da eine gerechte +Behandlung haben." + +Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Großes an +meinem Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum +Aufschieben seiner Idee zu bewegen. Er schlug es rund ab. + +Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in +dem Thüringer Institut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es +in der Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewußtsein +seiner Kraft und seines eigenen Wertes zu erziehen. + +Ich wußte, daß Mister Stefenson in die kleine Luise vernarrter war, als je +ein Vater oder Großvater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter +irgendeinem Vorwand einmal nach Thüringen verschwunden; das Mädchen hatte +sich an den Mann, den sie als ihren liebevollsten Freund erkannte, +jedenfalls dankbar angeschlossen, und dem alten Seehund, den +wahrscheinlich nie eine zärtliche Hand gestreichelt hatte, tat diese +Kindesliebe so wohl, daß er diesmal auf allen kaufmännischen Vorteil +vergaß und wie ein verliebter Narr handelte. + +Mochte er es tun! + +Stefenson reiste ab. + + ------------------------------------------------------- + +Wie hatte er gesagt? Keine Gewalt der Erde wird mich hindern, das Kind +zunächst mal in der Tracht eines Knaben zu erziehen. + +Drei Tage nach Stefensons Abreise bekam ich einen Brief von ihm. + + + + + + +"Mein Lieber! Die Idee, Luise als Knaben zu kleiden, habe ich aufgegeben. +Denn sie will nicht. Sie heult, daß sie ein Junge werden soll. Auch die +Haare mag sie nicht abgeschnitten kriegen. Da ist nichts zu machen; Luise +bleibt ein Mädel. Hier lasse ich sie aber nicht; sie hat es viel zu +schlecht. Ich will mal sehen, daß ich das Kind zunächst in Neustadt +unterbringen kann. Ich weiß da eine gute Familie, die mir den Gefallen +gegen Entschädigung tun wird. Und ich kann dann die Erziehung täglich +beaufsichtigen. Diskretion Ehrensache, namentlich gegen Ihren Bruder, der +mir für die Erziehung des nur außerordentlich geschickt zu behandelnden +Kindes nicht geeignet erscheint. Wir kommen Montag mit irgendeinem Zug. Am +Bahnhof zu erwarten brauchen Sie uns nicht. + + Stefenson." + + + + + + + * + +Am nächsten Tage sollte ich Joachim zum Heimweg abholen und hatte +versprochen, vorher die Mutter zu unterrichten. + +Wir saßen beim Frühstück zusammen; ich versuchte ein paar Anläufe, brachte +aber die Botschaft nicht heraus. Die Mutter verwunderte sich sehr. Dann +machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. Als ich zurückkam, stand die +Mutter am Fenster und schaute wie so oft dem Sprudeln des Johannisbrunnens +zu. Die ersten Schneeflocken flogen durch die Luft und hüllten den Platz +in traulichen weißen Schimmer; aber die Sehnsucht dieser Frau ging wieder +in die Weite, und sie sah nichts von der silbernen Pracht um sich her. + +Auch ich war jahrelang in der Fremde. Doch ich war überzeugt, die Mutter +hatte kaum einmal an mich gedacht, wenn sie an Joachim siebenmal dachte. +Ich ging an ihrer Tür vorbei nach meinem Zimmer. Da saß ich, bis es hohe +Zeit war, nach Neustadt aufzubrechen, um zur verabredeten Stunde dort zu +sein. Endlich sagte ich mir, daß ich ein Geselle von kindischer Eifersucht +sei, und ging in das Zimmer der Mutter. + +"Ich habe dir etwas mitzuteilen, Mutter; erschrick nicht!" sagte ich, und +die nervöse Frau erschrak natürlich aufs schwerste. + +"Es handelt sich um Joachim!" + +"Um Gottes willen - ist ihm etwas passiert - ist er in Not - willst du zu +ihm fahren?" + +Ich mußte lächeln. Zu ihm fahren! - Daß ich damit mein Lebenswerk +aufgegeben hätte, daran dachte die Mutter nicht. + +"Es ist nichts Schlimmes, Mutter; es ist etwas Gutes, was ich dir von +Joachim zu sagen habe." + +"Sage es mir, Fritz, will er - will er nach Hause kommen?" + +"Ja, er kommt schon heute." + +Da stieß sie einen Schrei aus, dann weinte sie laut, schlug in die +Händchen, rannte durchs Zimmer und sprach laute Dankesworte zu Gott, der +ihr das größte Glück beschieden habe, das es für sie gebe. Als sie etwas +ruhiger wurde, fragte sie: + +"Und er ist ganz von selbst gekommen, oder hast du ihm noch einmal +geschrieben, daß er kommen soll?" + +Ich schüttelte den Kopf. + +"Ganz von selbst gekommen", sagte sie selig; "der treue Sohn!" + +In trockenem Tone entgegnete ich: + +"Mutter, es wird lange dauern, ehe ich mit Joachim eintreffe, den ich in +Neustadt abhole. Erst in der Dämmerung kommen wir. Inzwischen rege dich +nicht allzusehr auf und vergiß nicht, deinen Baldriantee zu trinken." + +Das nahm sie ungnädig auf. + +"Baldriantee - wie kannst du jetzt von so etwas reden. Ich werde natürlich +mit nach Neustadt fahren." + +"Nein, Mutter; Joachim wird nur unter der Bedingung hier leben, daß er von +den Leuten nicht erkannt wird. Deshalb wird er als Arzt in meine +Kuranstalt eintreten." + +"Und nicht bei mir wohnen?" + +"Nein, er wird im Ferienheim wohnen." + +"O - o du nimmst ihn mir?" + +"Ich nehme ihn dir nicht -", entgegnete ich unwillig; "mache mit Joachim +selbst ab, wie ihr es halten wollt; ich werde mich da nicht einmischen." + +Ich ging verdrossen meines Weges. Aber draußen im Winterwalde wurde mein +Herz wieder warm; ich war glücklich. Immer, wenn ich mich glücklich fühle, +habe ich Lust, etwas Gutes zu tun. Heute fiel mir nichts anderes ein, als +daß ich bald eine Anzahl von Futterplätzen und Nistkästen für die Vögel in +meinem Ferienheim anbringen würde, auch auf die Gefahr hin, als Gäste +lauter Sperlinge zu mir zu ziehen. + +Die Mutter! - Nun würde sie wohl das Haus von unterst zuoberst kehren und +alle Leckerbissen bereiten, die sie auftreiben konnte. Wahrscheinlich +würde sie meine beiden geräumigen Zimmer für Joachim einrichten und mich +nach der Giebelstube umquartieren. Ich war schon wieder eifersüchtig und +voll häßlichen Mißtrauens, und es fiel mir ein, daß es besser wäre, sich +auf Mutter und Bruder zu besinnen, wenn man was Gutes tun will, als auf +die Spatzen ... + +Es lag dichter Nebel auf der Chaussee, als ich mit Joachim heimging. Nicht +einmal die Kuppe des Weihnachtsberges war zu erkennen. Die Heimat hatte +ihr Haupt verhüllt wie eine schmollende Frau. Und Joachim ging stumm und +betreten neben mir her, fast wie ein Sünder. Er war auch ein solcher; denn +er hatte sein Herz verhärtet, und alle Herzensverhärtung ist Sünde. + + "Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand + Kommt wieder heim aus fremdem Land. + Sein Haar ist bestaubt, sein Antlitz verbrannt, + Von wem wird der Bursch wohl zuerst erkannt?" + +Es war ganz, wie es Vogl in seinem alten, hübschen Gedichte schildert: die +Leute kannten Joachim nicht mehr. Er war schon in seinen letzten +Studentenjahren selten zu Hause gewesen, als verheirateter Mann fast gar +nicht, und dann kamen die Auslandsjahre, da sein Kopfhaar dünn und sein +Bart dicht wurde und die Zeit die große Retouche an seinem Gesicht vollzog +- er war ein anderer geworden. + +In sieben Jahren soll sich der Körper des Menschen ganz erneuern. So +wanderte jetzt kein Atom dessen mehr nach der Heimat zurück, was vor +sieben Jahren auszog. Hätte Joachim keine Seele gehabt, so wäre wirklich +ein ganz fremder, ein ganz anderer Mensch nach Hause gekommen. Dem Bäcker +Schiebulke begegneten wir. Er war Joachims Angelkamerad gewesen. Jetzt +fühlte er sich geehrt, daß ich ihn auf der Straße anhielt, und eilte gewiß +alsbald ins nächste Gasthaus mit der Kunde, daß ein Dr. Harton aus Neuyork +angekommen sei als zweiter Arzt für das Ferienheim, und es müßten doch +schon massenhaft Kurgäste angemeldet sein, wenn man schon einen zweiten +Arzt brauche. + +Auch der alte Sanitätsrat lief uns in den Weg. Er war zwar nicht gut auf +mich zu sprechen, aber er ging doch nicht an uns vorbei und begrüßte den +"Herrn Kollegen von drüben", den ich ihm vorstellte. + +Auch die Frau Provisor, von der erzählt wurde, sie hätte, als sich Joachim +verlobte, mit negativem Erfolg zwei Schachteln schwedische Streichhölzer +abgelutscht, um ihr gebrochenes Herz zum Schweigen zu bringen, sah den +ehemals Heißbegehrten jetzt nur neugierig an und ging vorüber. + +So näherten wir uns dem Johannisplatz. Joachims Schritte wurden kleiner +und langsamer, sein Stock stampfte hart auf das Pflaster. Irgendwo stand +wohl jetzt der Mond; denn der Nebel über dem Johannisplatz war +durchsichtig und silberhell. + +"Der alte Brunnen!" sagte Joachim leise; "es ist merkwürdig, daß meine +Gedanken meist um den alten Brunnen gingen, wenn ich an die Heimat +dachte." + +Nun näherten wir uns dem Vaterhause und standen am Brunnenrand; da blickte +wirklich wie in alten Kindertagen die Mutter auf uns herab. + +Joachim stützte sich auf das Gemäuer, und weiße Tropfen aus der Schale +Baptistas besprengten seine Hand wie mit einem Weihwasser, ehe er in das +Heiligtum seines Vaterhauses eintrat. + +Ich stieg mit ihm die Treppe hinauf und öffnete nach leisem Klopfen die +Tür zur Mutter. + +Ich sah noch, wie beide mit leisem Aufschluchzen die Arme ausbreiteten, +schloß die Tür und blieb draußen. + + + + + + WEIHNACHTEN + + +Stefenson ist an dem von ihm angegebenen Tage nach Hause gekommen. Auf +meine Frage nach der kleinen Luise entgegnete er grob, ich solle mich +nicht in seine Privatangelegenheiten mischen; hätte ich mich früher nicht +um das Kind gekümmert, wo es das Mädel nötig gehabt hätte, so sei meine +Anteilnahme jetzt völlig überflüssig. Das gleiche könne er auch nur mit +Bezug auf meinen Bruder sagen; er hätte sich jetzt schon Vorwürfe über +dessen Berufung gemacht. Da könnten bloß Schwierigkeiten entstehen. + +"Mister Stefenson", sagte ich, "Sie benehmen sich wie ein Drache, der die +verwunschene Jungfrau behütet." + +"Drache hin, Drache her; ich geb' sie nicht heraus", knurrte er. + +"Das sollen Sie ja gar nicht; wir überlassen Ihnen ja das Kind." + +"Wirklich?" + +"Wirklich!" + +"Na, dann ist es gut!" + + ------------------------------------------------------- + +Stefenson hat die Waltersburger zu einem Festabend im großen Theatersaal +des neuen Rathauses berufen (der Name Rathaus ist beibehalten worden, +obwohl wir keinen eigenen Bürgermeister haben werden). Dieser Theatersaal +ist Hals über Kopf fertiggestellt worden. Er könnte schöner sein. Aber er +ist geräumig, und die Akustik ist gut. Auch ist eine hübsche +Liebhaberbühne da. Sonst sieht es im Rathaus noch sehr wild aus, und es +gehörte viel Tannenreisig dazu, um die unfertigen Wände, Kalkkübel und +Schutthaufen zu maskieren, die in der Nähe des Treppenhauses einen +unschönen Anblick bieten. + +Der Lehrer Herder hat ein Melodram geschaffen. Der Mann dichtet, +komponiert und malt. Über braven Dilettantismus geht es bei Herder +nirgends hinaus, aber er schafft für den Hausbedarf brauchbare, gefällige +Sächelchen. + +Die Einladung ist wieder an alle Volkskreise ergangen nach dem Noahrezept: +"Von jeder Art zwei Pärchen." Dazu sind alle Kinder geladen, die zum +großen Teil bei dem Melodram mitspielen. Die Tatsache, daß die Kleinen auf +Stefensons Kosten die Gewänder geliefert erhielten, die zu ihren Rollen +gehören, hat dem Spender vollends die Sympathie der Stadt verschafft. + +Der Festsaal war denn auch beängstigend voll - zugleich für Joachim die +große Probe, ob er erkannt werden würde oder nicht. + +Er wurde nicht erkannt. Die Leute betrachteten ihn mit der Neugier, die +dem überseeischen Arzt galt, von dessen Ankunft sie alsbald mit der +gläubigen deutschen Ausländerverehrung gesagt hatten, nun müsse es +wirklich eine gute Kuranstalt werden, da sogar ein amerikanischer Arzt +mittue. Von der Zeit an schienen den Waltersburgern die Neustädter +geschlagen; denn Neustadt hatte nur deutsche Ärzte. + +Ich besuchte diese harmlose Weihnachtsfeier mit erregtem Herzen. Einige +Tage vor dem Festabend war mir Herder begegnet und hatte mir mitgeteilt, +daß nun in seinem Melodram sogar die eigene Nichte von Herrn Stefenson +eine Hauptrolle übernehmen und ein kleines Liedchen singen würde. Ich +verbarg mühsam meinen Schrecken. + +Herder erzählte weiter: + +"Ich habe mit der Kleinen - die Leute sagen, es sei die Tochter des +amerikanischen Petroleumkönigs - eine Probe gemacht. Sie hat eine +allerliebste Stimme, aber sie erscheint etwas schüchtern." + +Ich verabschiedete mich und ging sofort zu Mister Stefenson. + +"Es ist unerhört ..." + +Er wußte augenblicklich, was ich meinte. + +"Gar nichts ist unerhört", unterbrach er mich rauh. "Die Nichte von Mister +Stefenson kann auftreten und singen, wo sie will. Sie muß auftreten, sie +muß ihre Schüchternheit überwinden. He, Sie scheinen mir ein schöner +Psychologe zu sein, wenn Sie solche Momente außer acht lassen wollen." + +Was hatte es für Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun mußte eben +durchgehalten werden ... + +Die Mutter saß mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an +der Bühne. Ich sah und hörte kaum etwas von dem Melodram, von dem Gewimmel +von Zwergen, Kobolden, Nußknackern, Pfefferkuchenmännlein, Tiergestalten, +Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum üblichen +Weihnachtsstück gehören; ich wartete mit Herzklopfen auf den +Weihnachtsengel, als dessen Darstellerin Miß Stefenson aus Chikago auf dem +riesigen roten Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte +"Bild" übrig, nun mußte Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen. + +Der Vorhang hob sich. - Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit +ihrem Kind, Joseph, die Hirten, die drei Könige; rings in Anbetung +versunken knieten Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmännlein. Es war alles +in halber Nacht, nur von einem mattroten Schein erhellt. + +Da erschien plötzlich ein Licht über der Grotte, ein wunderschönes +Engelein trat in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen: + + "Vom Himmel hoch, da komm ich her + Und bring euch allen frohe Mär: + Geboren ist in Davids Stadt + Er, der des Lebens Fülle hat." + +Die Mutter saß wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und +drückte sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die +ganze Gemeinde saß in Andacht. + +Joachim war ganz gleichmütig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: + +"Mister Stefenson, Ihre Nichte ist ein reizendes Kind!" + + ------------------------------------------------------- + +Die Mutter wollte sofort nach Hause. Ich begleitete sie. Wir gingen stumm +in dem Menschenstrom. Erst als wir daheim angelangt waren und die Lampe +angezündet hatten, sah mich die Mutter voller Angst an. + +"Fritz - das Kind - dieses Kind ..." + +Ich sah ihr ernst in die Augen und schwieg. + +"Fritz - sage mir - ist es - ist es? ..." + +"Ja. Es ist Luise." + +Da sank sie auf das Sofa und verbarg den Kopf. Ich trat zu ihr. Nicht ohne +Bitterkeit sagte ich: + +"Mutter, du brauchst dich nicht zu ängstigen, das Kind wird dir nie +Ungelegenheiten machen; es ist in Mister Stefensons Pflege gut +aufgehoben." + +So wollte ich gehen. Aber ich brachte es doch nicht fertig. Ich blieb am +Tische sitzen. Nach langer Zeit, in der nichts zu hören war als das leise +Singen der Lampe und der Schlag unserer Standuhr, stützte die Mutter den +Kopf auf den Tisch und sagte müde: + +"Das Kind ist Joachim ähnlicher, als er sich jetzt selbst ist!" + +Nach einem Weilchen meinte sie: + +"Es wird wohl keine Möglichkeit geben, daß ich das Kind zu mir nehme?" + +"Nein, Mutter, es gibt keine solche Möglichkeit mehr!" Damit ging ich nach +meinem Zimmer. + + + + + + FÜGUNG ...! + + +Joachim wohnt jetzt in der Lindenherberge, wo schon einige Zimmer +fertiggestellt sind und auch der Küchenbetrieb schon im Gange ist. Im +Rathaus gegenüber haust Stefenson. Er hat seine Arbeitstätigkeit noch +vermehrt und, wie er mir sagte, keine Zeit mehr, Luises willen täglich +nach Neustadt zu fahren und sich um das "Gänschen" zu kümmern. So wolle er +das Mädel lieber zu sich nehmen. Das sei ihm zwar sehr störend, aber was +wolle er machen? Er hätte auch gefunden, daß die Pflegeeltern in Neustadt +die Sache mit Luise nicht recht verständen. Ich grunzte. Sonst sagte ich +nichts ... + +Die weitere Ausgestaltung unserer Riesenanstalt schritt mit größter +Schnelligkeit vor sich. Da sagte Mister Stefenson eines Tages zu mir: + +"Und nun, mein Lieber, ist es die allerhöchste Zeit, daß wir an die +Bauernrequirierung gehen. Zehn Höfe sind fast fertig, das Vieh ist rasch +zu beschaffen, ebenso die Haus- und Ackergeräte, aber das Bauernvolk, das +uns einpaßt, das will gesucht sein. Ich hatte anfangs an Agenten gedacht, +aber das ist nichts; die gehen bloß auf ihre Provision aus und schicken +uns Schinder und Plunder auf den Hals. Haben Sie also die Freundlichkeit, +sich in einen Vieh- oder Getreidehändler oder, wenn Ihnen das besser +liegt, in einen Gütermakler zu verwandeln und mich morgen auf der +Bauernsuche zu begleiten." + +Nun, diese Aufgabe paßte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glück +zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. +Schaftstiefel, englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit +Hirschhornknöpfen und grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, +ein seidenes Tüchlein um den Hals, eine Lodenmütze, das war meine +Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die Bauern Zutrauen entgegen, da +vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine "Juden oder +Winkeladvokaten", die sie übers Ohr hauen wollen. + +Es wäre alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am nächsten Morgen, als +die Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht hätte. + +Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange +Reise mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedächte, daß uns das Mädel nur +stören und aufhalten würde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit. + +"Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel", sagte die Kleine mit einem Anflug +von schnippischem Ton. + +"Sie macht sich heraus; sie fängt an, Courage zu kriegen", sagte der +"Pappa" anerkennend. + + ------------------------------------------------------- + +Auf einer größeren Station stiegen wir während des Zugaufenthaltes aus, um +dem Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthändlers +waren, näherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich +an, dann das Kind, faßte es blitzschnell an der Hand, riß es an sich und +küßte es wie rasend. + +Das Mädel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: "Aber Madame, +was tun Sie?", und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige +Leute eilten herbei; es gab gewaltiges Aufsehen. + +"Zurück in den Wagen!" rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. +Bald saßen wir im Abteil, und die Tür flog zu. + +Draußen schrie eine gellende Stimme: + +"Es ist mein Kind - es ist mein Kind - laßt mich zu meinem Kinde! Luise! +Luise!" + +Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen +fest; der aufsichtführende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte +Auskunft. Ich stieg aus, stellte mich vor und sprach einige aufklärende +Sätze. Zuletzt sagte ich: + +"Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf +dieses Kind habe!" + +Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach +leise auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhängenden +Armen, heftig schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: "Haben Sie +einen gesetzlichen Anspruch auf jenes Mädchen?" + +Da schüttelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser +Wagenfenster, dann verließ die Frau den Bahnhof. + +"Wer war die böse Frau?" fragte Luise verängstigt. + +"Eine Verrückte", sagte Stefenson rauh. + +"Wird sie nie wieder zu mir kommen?" + +"Nein, nie wieder!" + +Wie lange doch der Aufenthalt noch währte! Die Leute spazierten draußen +und gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. +Endlich setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er +den Bahnhof verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da +gab es einen gewaltigen Ruck und Stoß, und der Zug stand. + +Ich riß das Fenster auf. Von der Lokomotive sprang der Heizer ab, +Schaffner eilten den Bahnsteig entlang - ein Schaffner kam zurück und gab +uns Auskunft ... + +Über das Feld rannte jene Frau ... + +Das Weib hatte sich dicht hinter dem Bahnhof auf die Schienen geworfen, +und der Lokomotivführer hatte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen +gebracht. + +Luise war auf die Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenster. + +"Da rennt sie - da rennt die böse Frau!" rief das Kind. + +"Laß das verrückte Weib!" knirschte Stefenson. + +Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog über die Fluren, frierende Vögel saßen +auf den Telegraphendrähten, alles, was draußen war, fror, die Bäume und +die Berge, die Tiere und die Menschen. + +Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmähter +Mutterliebe im Herzen durch die kalte Flur, das Kind hatte sich vor ihr +entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmäht. + +Stefenson saß finster in seiner Ecke. + +Das Kind begann wieder zu sprechen. + +"Alle verrückten Menschen sind sehr böse." + +Da brummte sie Stefenson an: + +"Das kann man nicht sagen, du Gänschen! Manche Menschen können nicht mal +richtig dafür, daß sie verrückt sind." + +"Wieso nicht?" + +"Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den großen Menschen von +Tausenden kaum einer richtig." + +"Du hast aber gesagt, sie ist verrückt, und du hast es böse gesagt", +verharrte das Kind. + +"Dann habe ich eben eine Dummheit gesagt. Denn ich kenne die Frau nicht +und kann daher auch nicht wissen, ob sie verrückt oder böse ist." + +"Böse ist sie", wiederholte Luise; "denn sie hat mich sehr gequetscht und +mich auch in die Wange gebissen. Sie soll nicht wiederkommen." + +Grau rann der Regen über das Wagenfenster. + +All unsere frohe Laune war dahin. Schwache, gedrückte Menschen, saßen wir +da im Zuge, der uns schnell davonführte und eine große Strecke zwischen +uns und die Sünderin legte, die uns gestört hatte in unserer +Behaglichkeit, und die wir daher nicht rasch und rauh genug abschütteln +konnten. + +Der göttliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie hätte er wohl +gehandelt in meinem Falle? Hätte er die Arme beiseitegestoßen, sich einen +Beamten kommen lassen und sich hinter "gesetzliches Recht" verschanzt? +Wäre er dann weitergefahren, fast hinweg über den zuckenden Leib, und +hätte er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit +hochmütigem Abscheu in der Seele? Oder wäre ihr der Meister nachgegangen, +hätte sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein +Zweiglein vom verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein +wenig goldene Kindesliebe für die Zukunft verheißen? + +Ferien vom Ich! + +Ich werde mich vor allen Dingen erlösen müssen von allem kalten Hochmut +des Herzens und allem auch noch so "gesetzmäßigen" Zurückstoßen der +Schwachen und Schuldigen ... + + + + + + BAUERNANWERBUNG + + +In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar +ergebnislose Besuche auf den umliegenden Dörfern. Wie die Werber für eine +Freiwilligenlegion kamen wir uns vor. Auf der Landstraße trafen wir aber +eines Tages ein Bäuerlein, das in einem großen bunten Taschentuch +allerhand Waren eingepackt trug, die es wohl auf dem Markte erstanden +hatte. + +Ich schaute den Bauern prüfend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges +Gesicht. Und der Mann ging zu Fuß und trug sein kleines Paket. Das war +einer für uns. An die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht +wenden, die hätten uns ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine +Landwirte mußten es sein, die auf ihrer engen Scholle ein kümmerliches +Leben führten und froh waren, in eine gute Pachtung zu kommen. + +Stefenson hielt das Pferd an. + +"Wollen Sie mitfahren?" + +"Nee!" antwortete der Bauer. + +"Warum denn nicht?" + +Das Bäuerlein wies auf unseren lahmen Mietsgaul. + +"Der Schimmel zieht mich nich; ich wieg' 'n Zentner!" + +"Sie haben wohl schönere Pferde?" + +"Nee, ich hab bloß drei Zugkühe. Aber su schnell wie der Schimmel traben +se ooch." + +"Hören Sie mal, Gevatter", sagte ich, "Sie foppen uns. Das Pferd hat viel +Geld gekostet." + +Er meckerte. + +"Na, da mußt ihr schöne tumme Kerle sein." + +Lachend ging er neben unserem Wagen her, und wir fragten ihn ein wenig +über die Gegend aus. Bald kam ein Straßengasthaus, und ich lud den Bauern +ein, mit uns einzukehren und ein Glas mit uns zu trinken. + +"Nu", sagte er, "das kann ich schon. Aber ich sag's Ihn' gleich ehrlich: +zu holen is bei mir nischt. Würfeln tu ich nich, und billig zu verkoofen +hab ich ooch nischt! Keene Kuh, kee Schwein, kee Getreide und ooch keene +alten Schränke und zinnernen Teller." + +"Warum vermuten Sie denn, daß wir Ihnen was abschachern wollen?" + +"Ja, da müßt man doch euch Stadtjuden nich kenn'. Umsunst gebt ihr doch +eenem fremden Bauer keen Schnaps zum besten." + +"Da haben Sie ganz recht", sagte Stefenson; "wir wollen etwas von Ihnen. +Wir wollen _alles_ von Ihnen: Ihre Wirtschaft, Ihre Kühe, Schweine und +Hühner und sogar Sie selber und Ihre Frau und Ihre Kinder." + +Der Bauer brach in helles Gelächter aus. + +"Hatt' ich mir's doch gleich gedacht, daß Sie der Menschenfresser sind." + +"Also den nehmen wir bestimmt!" sagte Stefenson zu mir, wie wenn eine Ware +zum Verkauf stände. + +"Mich nehmen Sie?" vergnügte sich der Bauer. "Sie sein ja der ulkigste +Kerle von der Welt." + +Stefenson zog die Stirne kraus. Drinnen setzte er sich dem Bäuerlein an +dem rohen Tisch der Schankstube gegenüber, nahm ein Notizbuch heraus und +sagte: + +"Wie heißen Sie?" + +"Ich? - Mit'm Familiennam' su wie mei Vater und mit'm Vornamen wie +Napoleon." + +"Mensch, wie heißen Sie! Ich muß das wissen. Es handelt sich um eine +Angelegenheit, die für Sie wichtiger ist als für uns. Sie werden schon +alles erfahren. Also, wie heißen Sie?" + +"Wie heißen _Sie_ denn?" fragte der Bauer zurück. Stefenson wurde +ungeduldig. + +"Wenn Sie es denn wissen müssen - ich bin Mister Stefenson aus Amerika, +ein sehr reicher Mann." + +"Da könn' Se lachen! Deswegen haben Se wahrscheinlich ooch so'n scheenes +Pferd." + +"Dummer Kerl!" sagte Stefenson verdrossen und stand auf. + +Der Bauer lachte. + +"Nu hat a sich erst richtig vorgestellt, und nu steht er auf." + +Es war Zeit, daß ich mich ins Mittel legte. Der Mann mußte wissen, um was +es sich handelte, sonst war mit ihm nicht zu reden. Freilich war es nicht +leicht, so einer naiven Haut die Idee von den Ferien vom Ich klarzumachen. +Ich versuchte das auf folgende Weise: + +"He, lieber Freund, haben Sie schon irgendmal einen Städter kennengelernt, +der richtig arbeitet?" + +"Nee. Die Städter sein olles faule Luder. Se könn' Heringe oder Leinwand +oder Pillen verkoofen oder in a Stuben sitzen und kritzeln, aber arbeiten +könn' se nicht. Se schlafen ja olle bis um sieben." + +"Da haben Sie recht. Und glauben Sie, daß so ein Leben, wie es die Städter +führen, gesund ist?" + +"Miserablig ungesund is es! Se sehn ju olle aus wie Quargschnitten, und +Kräfte ham se nich die Spur. Se verfauln reeneweg." + +"Bravo! Was Arbeit ist und was Gesundheit ist, weiß nur der Bauer. Nun +wissen Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten." + +"Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich +lieber zu Hause." + +"Schön. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollständig. Wenn man +nun aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind, +nein, wo lauter Bauernhöfe wären und wo die Städter, die eine Kur machen +wollen, mal auf dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten +müßten, das würde doch den Schlingeln gesund sein - nicht wahr?" + +"Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schön hüten und +arbeiten. Wenn se aufs Dorf komm'n, saufen se einem bloß die gute Milch +weg und fressen die scheensten Birn' von a Bäumen. Sonst tun se nischt." + +"Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der +Stadt mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesünder werden +wollen. Das ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt." + +"Die Doktors verstehn alle nischt, die Schäfer sind klüger." + +"Das mag wohl sein; aber der Doktor, der das ausgeknobelt hat, der +versteht schon seine Sache. Sehn Sie, kurz heraus: es soll eine Kuranstalt +gemacht werden, die hat vierzig Bauernhöfe, und auf allen Höfen sollen die +Kurgäste arbeiten. Und der Mann, der jene Anstalt gründet, ist eben jener +Herr dort." + +"Der? - Vierzig Bauernhöfe? - Se sind wohl nicht recht bei sich?" + +"Doch - doch - ich werd' Sie doch nicht belügen." + +"Wie heißt er? Mister? Mister - Ausmister!" + +Er lachte über seinen Witz. + +"Mister bedeutet 'Herr'. Weil er eben ein Amerikaner ist." + +Da erhob sich der Bauer. Er rief Stefenson an, der an einem anderen Tisch +der kleinen Luise eine Schinkenstulle zerteilte. + +"Sie, Herr Mister, komm'n Se mal her! Zeigen Se mal Ihr Portemonnaie!" + +Ich zwinkerte Stefenson zu, den Wunsch zu erfüllen. Stefenson warf +schweigend seine dicke Brieftasche auf den Tisch. + +"Bitte!" sagte er phlegmatisch. + +Der Bauer rührte sich nicht. + +"Na, nu kucken Sie mal nach, was drin ist!" ermunterte ich ihn. + +"Ich werd' mich schön hüten; nachher sagen Se, es fehlt was!" + +Mißtrauisch wie ein alter Fuchs vor der Falle, so saß der Bauer vor der +Brieftasche. Da schlug ich die Tasche auf und entnahm ihr blaue und braune +Schätze. Der Bauer schaute wie in ein Wunderland von Reichtum. Aber er +rückte beiseite. + +"Wenn Se su reiche Herr'n sind, warum setzen Se sich da zu mir armen +Schlucker? Zum Ausstoppen bin ich mir viel zu schade." + +Ich gab die Brieftasche an Stefenson zurück und redete dem neuen Freunde +gut zu. Ich erklärte ihm genau, was wir mit ihm vorhätten, wie er als +Pächter auf einen unserer Höfe ziehen solle, wie wir ihm die günstigsten +Bedingungen einräumen und ihm seine eigene Wirtschaft zu gutem Preise +abkaufen würden, falls er sie nicht anderweit günstig los würde. Wie ein +König solle er auf seinem Gute hausen. Die Kurgäste sollten unter seiner +Leitung arbeiten und sich an seiner guten Laune erfreuen. Ich kriegte +heraus, daß der Bauer Emil Barthel hieß, noch nicht ganz fünfzig Jahre alt +war, ein gesundes Eheweib, namens Susanne, sowie zwei kräftige Söhne und +zwei Töchter besaß, daß von den vier Kindern aber drei auswärts in Dienst +standen, da er sie auf seiner kleinen Wirtschaft nicht beschäftigen und +ernähren konnte. + +"Na, sehen Sie, Barthel, es wäre doch schön, wenn Sie alle Ihre Kinder bei +sich haben und ganz für sich arbeiten könnten. Da wäre doch auch was +zurückzulegen." + +Er saß nachdenklich da. + +"Stoppen Se mich wirklich nich aus?" + +"Ich denke nicht daran." + +"Wie kommen Se denn gerade auf mich?" + +"Na, wir haben Sie eben getroffen, und Sie gefallen uns." + +"Dabei bin ich doch dem Herrn Mister grob gekommen." + +"Das schadet nichts. Den Kurgästen werden Sie auch manchmal grob kommen +müssen. Das gehört zur Kur." + +"Sind Sie auch so eener, der dort Bauer wird?" + +"Nein, ich bin der Doktor, der alles ausgetiftelt hat." + +"'n Doktor sind Se? So sehn Se aber nich aus!" + +"Hm! Nun, so ein Doktor wie die andern bin ich auch nicht. Mehr so 'n +halber Schäfer." + +"Oh, das wär nich schlecht! Aber ich glaub's nich; ich kann's nich +glauben!" + +Ich zog einen Umschlag mit Photographien aus der Tasche. + +"Jetzt werd' ich Ihnen mal Bilder von unseren Höfen zeigen. Da - das ist +ein Wohnhaus." + +"Das? - Das is ja 'n Schloß!" + +"Ja, wir haben schöne Wohnhäuser. Sie sollen ja mit Ihrer Familie nicht +allein in dem Hause wohnen; es sollen ja auch noch zwanzig Kurgäste drin +Platz haben." + +"Dunnerwetter!" + +"Und das ist die große Wohnstube, und so sieht der Kuhstall aus und so die +Scheuer." + +Er atmete schwer. + +"Wie groß ist denn die Wirtschaft?" + +"Hundert Morgen." + +Da verdüsterte sich seine Stirn. + +"Warum halten Sie mich denn zum Affen? So 'ne große Sache kann ich doch +nich pachten; da gehört doch Geld dazu." + +"Gar kein Geld! Nur, daß Sie fleißig sind und alles gut in Ordnung halten. +Wir werden ebenso auf unsere Rechnung kommen wie Sie; denn, sehen Sie, die +Äcker rentieren sich doch, und was die Wirtschaft nicht bringt, bringen +die Kurgäste." + +"Nu ja, die werd'n ja überall behumpst." + +Der Mann betrachtete mich wie einen Zauberer, der Märchendinge vor ihm +ausbreitete. Zuletzt erklärte er sich bereit, mit uns nach seinem Dorfe zu +fahren und mit seiner Susanne Rücksprache zu nehmen. + +Unterwegs sprach ich noch viel auf Emil Barthel ein. Er antwortete fast +nicht mehr. Vor seiner kleinen Wirtschaft hielten wir. Das Wohnhaus hatte +nur ein Erdgeschoß mit hohem Dach; Stall und Scheuer waren klein, aber es +war ein Blumengärtlein vor dem Hause und alles sauber und freundlich. Ein +behäbiges Weib in blauer Schürze trat vor die Tür, als Barthel vom Wagen +kletterte: + +"Nee, Emil", sagte sie, "da haste nu sugar Fuhrgelegenheit gehabt und +kummst su spät! Dabei sull a de Medizin fürs kranke Mädel hol'n." + +"Mutter", meinte Emil, "wenn du mit sulchen Kerlen fährst, bleibste +kleben. Sieh dir bluß den Schimmel an; der hat zwee eingeleimte Hulzbeene. +Aber 's sind amerikanische Millionäre, die haben vierzig Pauergüter und +lauter Schlösser." + +Susanne lachte gutmütig. + +"A hat een' sitzen", meinte sie. "Na, kumm ock rein!" + +"Frau Barthel", rief ich ihr zu, "Ihr Mann wird Ihnen viel zu erzählen +haben. Glauben Sie nur, es ist kein Spaß, es ist Ernst. Wir fahren jetzt +ins Gasthaus, und in etwa zwei Stunden werden wir mal zu Ihnen kommen. Wir +müssen mit Ihnen ein ernstes Wort reden, und es wird Sie nicht reuen." + +Die Frau schüttelte verwundert den Kopf; ihr Gatte Emil aber tippte erst +ihr, dann sich an den Kopf, nahm sie am Arme und zog sie ins Haus. + + ------------------------------------------------------- + +Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl +bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil +Barthel. + +"Nee, komm'n Se wirklich?" fragte er; "ich hatte gedacht, 's wär alles +bloß Ulk." + +Die Stube war niedrig, aber sauber, und über den Tisch war ein großes +buntes Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer +Papiertüte Zigarren an, von denen ich vermutete, daß sie aus dem +Dorfkramladen zu fünf Pfennig das Stück gekauft seien. Mit Schadenfreude +sah ich zu, wie Stefenson, der von früh bis in die Nacht eine Havanna nach +der andern schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug +heranmachte. + +"Nun, mein lieber Barthel, möchte ich zunächst etwas feststellen: es +handelt sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spaß, zu dem wir uns +wahrhaftig nicht so viel Zeit nehmen würden, noch um einen Betrug." + +"Also ist es tatsächlich wahr?" sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. +Sein Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede: + +"Sehn Sie, meine Herr'n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben - +man kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfällt - nu, so muß ich +Ihn'n ehrlich sagen: das Ding gefällt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute +werd'n nich kommen. Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll'n - +woll'n se sich amüsieren. Da woll'n se doch nich Kühe melken und ackern. +Meine Herr'n, Se haben keene Ahnung, was das für schwere Arbeit is. Vor +solcher Arbeit haben sich die Stadtleute immer gedrückt. Aber gesetzt den +Fall, se kämen doch - da wär's noch viel schlechter. Denn warum? Die +Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, daß die mir auf dem Hofe was +helfen könnten? Die gragelten mir doch bloß im Wege 'rum. Die quatschten +und quasselten doch bloß." + +"Die fielen einem ja in die Puttermilch!" lachte Frau Susanne. + +"Die täten ja alles bloß mit Glacéhandschuh'n machen woll'n", ergänzte der +Mann. + +"Donner!" schrie da Stefenson jähzornig und hieb die Faust auf den Tisch, +daß aus seiner Fünfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, "nun ist's +aber genug. Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? +Müssen Sie sich unsere Köpfe zerbrechen, ob unsere Gründung eine Pleite +ist oder nicht? Haben Sie nicht bloß zu gewinnen? Das allerbeste ist ..." + +"Das allerbeste is, Se gehn wieder!" sagte Barthel seelenruhig. Und nun +wären wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen +worden, wenn es nicht im selben Augenblick an die Tür geklopft hätte und +zwei Damen über die Schwelle getreten wären. Eine kleine zartgliedrige +Braune und eine große Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man +das in dem Dämmerlichte der niederen Bauernstube feststellen konnte. Die +Kleinere sagte, daß sie von der Erkrankung des Barthelschen Kindes gehört +habe und mal nachfragen wolle; sie sehe aber, daß gerade Besuch da sei, +und wolle nicht stören. + +Ach, erwiderte die Frau, von Störung sei keine Rede; denn das seien zwei +ganz fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen +hätten und die auch gleich gingen. Trotzdem fühlte sich die gute Mutter +Barthel bemüßigt, uns die kleine Sprecherin vorzustellen. "Das ist nämlich +unsere Lehrerin, Fräulein Annelies von Grill." + +Anneliese von Grill! Ein prüfender Blick in die großen braunen Augen, und +ich hatte die Identität mit dem kleinen Majorstöchterlein festgestellt, +das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich - da ich +acht Jahre älter war - immer etwas onkelhaft begönnert hatte. Nun stand +ich ihr lachend gegenüber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich +sei. Da erkannte sie auch mich, und es gab ein fröhliches Wiedersehen und +große Verwunderung über die Umstände, unter denen es geschah. Ihre +Lebensgeschichte war kurz: der Vater früh gestorben, die Mutter auf eine +kleine Pension angewiesen und knapp imstande, aus ihr eine Lehrerin zu +machen, die nun vertretungsweise in diesem Dorfe angestellt war. + +Auf einmal fragte die sehr wohllautende Altstimme der Blondine: + +"Das ist doch nicht etwa der Doktor von dem Waltersburger Sanatorium +Ferien vom Ich?" + +"Allerdings, meine Gnädigste, dieser Doktor bin ich." + +Das Mädchen brach in klingendes, lautes Gelächter aus. + +"Also, das sag ich Ihnen, wenn mir die Wahl gelassen worden wäre, wen ich +sehen wolle, Sie oder den Kaiser von Hinterindien in all seiner Pracht und +Herrlichkeit - ich hätte mich für Sie entschieden." + +"Ich freue mich, daß ich Ihnen so interessant bin", sagte ich. + +"Oh, interessant ist gar kein Ausdruck. Wir stehen Kopf über Sie! Jetzt +fehlte bloß noch, daß jener Herr dort der Mister Stefenson aus Amerika +wäre." + +"Das ist er!" mischte sich Emil Barthel ein, "es ist der Herr Mister aus +Amerika." + +Stefenson verneigte sich phlegmatisch. + +"Also, Herrschaften, dann müssen Sie schon erlauben, daß wir uns etwas +zusammensetzen und diese kostbare Begegnung genießen." + +Dieses Mädchen hatte einen burschikosen Ton an sich, und ich bat Anneliese +von Grill, uns zunächst mal mit ihr bekannt zu machen. Die Blonde stellte +sich aber selbst vor. + +"Ich bin eine nach meiner eigenen Meinung außerordentlich begabte +Opernsängerin ohne Engagement, gegenwärtig zu Besuch bei meiner Freundin +Anneliese, um in der paradiesischen Einsamkeit dieses winterlichen Dorfes +Ferien vom Ich zu machen. Mit Künstlernamen bin ich Irmingard Schwarzeneck +genannt, bürgerlich höre ich auf den Namen Eva Bunkert und bin die Tochter +des Baumeisters August Bunkert in Neustadt." + +Wir sahen der Tochter unseres grimmigsten Konkurrenten aus der feindlichen +Nachbarstadt verdutzt in das strahlende Gesicht, und das Mädchen brach +wieder in fröhliches Lachen aus. + +"Es scheint, daß wir Sie sehr belustigen, mein gnädiges Fräulein." + +"Außerordentlich! Ist es nicht immer lustig, wenn Waltersburg und Neustadt +aufeinanderplatzen?" + +Wir nahmen Platz und saßen alle um den runden Bauerntisch. Emil Barthel +sagte: + +"Siehste Mutter, du hast gesagt, es sind Schwinler, und ich hab gesagt, +höchstwahrscheinlich, aber man kann ja nich wissen, und da hab ich wieder +mal recht gehabt." + +"Und nun, Herrschaften", rief Fräulein Bunkert, "es mag so indiskret sein, +wie es wolle, ich muß wissen, was Sie hier bei Vater und Mutter Barthel zu +tun haben; ich sterbe sonst vor Neugier." + +Und Stefenson - ach, Stefenson betrachtete das Mädchen mit unverhohlenem +Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei "sein Typ". Groß, schlank, +blond, übermütig. Da gehe er halt auch mal aus sich 'raus. + +Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes +wahrster Bedeutung, mit allen Künsten, Listen und Teufeleien des +Weibervolks ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstürme auf den +biederen Stefenson. Damals, sagte sie, als er die Neustädter mit den +Zeitungsartikeln hineingelegt habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer +Vaterstadt gelyncht zu werden, gesagt: dieser Mann sei zum Küssen. (Bei +diesen Worten schlug Stefenson die Augen nieder und zog seinen dünnen Mund +gewaltig in die Breite.) Daß er, Stefenson, in einer so öden +Spießergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen so grandiosen Ulk wie +dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste Witz der +Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwährende +Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching _ad +infinitum_. + +Und diese schweren Beleidigungen unserer großen erhabenen Idee ließ +Stefenson über sich ergehen, zuckte kaum manchmal die Schultern, und er +lächelte ... der Verräter. + +"Meine Gnädige", warf ich dazwischen, "Sie dürften über unser Ferienheim +denn doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst." + +"Ja, gerade, daß Sie es ernst meinen, ist ja das Gute", erwiderte sie. +"Ein Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz." + +"Das ist eine sehr kluge Sentenz", stimmte der verräterische Stefenson +bei. Ich war empört. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, +blieb an der Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott +das Weib erschuf, hat sich der Teufel sicher gefreut. + +Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie +war freundlich, es lag viel Güte auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch +in ihren großen Augen das schöne Lichtlein harmlosen Schalks. Während +Stefenson und Eva Bunkert eine lärmende, von vielem Gelächter +unterbrochene Unterhaltung führten, sprach ich leise mit Anneliese von +ihrem und meinem Leben, und es kam ein stilles Behagen über mich in der +schlichten Bauernstube. + +"Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?" fragte ich. + +"Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute." + +"Glauben Sie, daß es recht wäre, wenn wir sie für uns gewinnen?" + +"Ich werde ihnen gut zureden, daß sie Ihr Angebot annehmen. Es wird gewiß +beide Teile nicht reuen." + +"Ich danke Ihnen!" + +"Also, hören Sie, Herr Mister Barthel", lachte unterdes Eva Bunkert; "wenn +Sie das Angebot von Mister Stefenson abweisen wollten, wären Sie, mit +Respekt gesagt, ein Riesenochse. So ein Glück schneit Ihnen nie wieder ins +Haus." + +Emil Barthel zuckte verlegen die Schultern. + +"Ich möcht ja; aber die Mutter sagt ..." + +"Gar nischt sagt sie", fuhr Frau Barthel dazwischen, "aber er - er hat die +Herren, ehe die Fräuleins kamen, direkt 'rausschmeißen wollen." + +Emil Barthel schwur, daß das nie in seiner Absicht gelegen habe, und es +gab einen ehelichen Streit. + +Mitten in den Auseinandersetzungen erschien ein altes Weib. + +"Jees, jees", jammerte es, "die Emma hat su viel Hitze und klagt immer +mehr über a Hals." + +Emma war die zwölfjährige Tochter Barthels. Ich erfuhr, daß das Kind über +Halsschmerzen geklagt habe, und der Schäfer, ein heilkundiger Mann, +Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die +Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt. + +"Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde", bat mich Anneliese, "es +sind bereits drei Diphtheriefälle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt +haben wir hier nicht." + +So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstüblein, wo das +Kind in hohem Fieber lag. + +Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorläufige +Verhaltungsmaßregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im +nächsten Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst übernehmen konnte. +Ein Radler fuhr mit der Botschaft los. Das Mädel ist dann auch gerettet +worden, und Barthel hat nachträglich drei Mark Strafe zahlen müssen, weil +er dem Schäfer, der die Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, +einige Ohrfeigen als Honorar ausgezahlt hat. + +Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurückkehrten, fanden wir +Stefenson und die schöne Eva in angeregtester Unterhaltung. Für das +erkrankte Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon +wieder. + +Eva hatte mit Stefenson verabredet, daß sie mit Anneliese gleich nach der +Eröffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen +wollte. Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloß +bis ersten April, und daß sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, +sei vorläufig sicher, also könnten sie beide kommen. + +"Und Ihr Vater?" fragte ich. + +"Ach, mein Vater darf natürlich davon nichts wissen, der ist ja wütend auf +Sie. Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, daß er +meint, ich sei wer weiß wo. Und bei Ihnen werde ich die Grünzeugfrau +Emilie Knautschke sein." + +Ich beschloß, dieses Mädchen, das in die ernste Männerfreundschaft +zwischen Stefenson und mir einen so lauten Lachton mischte und unsere +große Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschädlich zu machen. + +Wie ich das tun sollte, wußte ich nicht. + +Aber ich hatte Glück. Die Tür öffnete sich, und ein dünnes Stimmchen +zirpte herein: + +"Pappa, wie lange bleibst du denn? Ich muß immerfort allein in dem dummen +Gasthaus sitzen." + +Luise war es, die wir im Wirtshaus zurückgelassen hatten. + +Stefenson sprang auf und eilte nach der Tür. + +"Kindchen, auf dich hatt' ich ja ganz vergessen. Aber geh hier hinaus! In +diesem Haus ist Diphtherie." + +Er schob Luise besorgt auf die Straße. Eva Bunkerts Gesicht wurde etwas +ernster. + +"Ach, Herr Stefenson ist verheiratet?" + +Ich war so boshaft, zweimal mit dem Kopf zu nicken. + +Da räusperte sich Eva Bunkert und sagte, es sei wohl jetzt Zeit, nach +Hause zu gehen. + +Ich hielt sie nicht auf. Es kam zum allgemeinen Aufbruch. Draußen auf der +Straße schmiegte sich die kleine Luise dicht und zärtlich an Stefenson an +und schmollte mit ihrem "lieben Pappa", der sie im Stiche gelassen hatte. + +Und Stefenson, ob er auch nach Eva Bunkert hinschielte, trat nicht zu ihr +und sagte vor den Ohren des Kindes: "Ich bin nicht ihr Vater!" + +Nein, er hielt stand dem Vaternamen gegenüber, den er sich selbst gegeben +hatte. Er verleugnete das Kind nicht. Da hatte ich ihn wieder gern. + +Als wir allein waren, sagte Stefenson: + +"Das hätte nun alles so gut in unser Programm gepaßt, und nun ist nichts +zum Abschluß gekommen." + +Ich erwiderte: + +"Diese Eva Bunkert ist eine ganz gute Erscheinung; aber ich fürchte, sie +würde unserer Sache schaden." + +"Schaden?" fuhr er auf. "Nützen! Glauben Sie mit Sentimentalität, alten +Rückständigkeiten und mit Duckmäusertum noch was auszurichten? Glauben +Sie, daß ein schönes Gesicht, eine gute Figur, ein beweglicher Geist des +Deibels sind? Oh, ich sage Ihnen, wenn wir die moderne Welt und ihre +Schädlichkeiten besiegen wollen, müssen wir verflucht modern sein. Mit +noch so ehrwürdigen Armbrustpfeilen geht keiner mehr an gegen die +Schnellfeuergeschütze der neuen Zeit." + +Wir blieben noch einen Tag in diesem Dorfe und trafen die Mädchen wieder. +Beide waren gleichmäßig freundlich. Stefenson widmete sich ganz der +schönen Eva und sprach mit mir oder Anneliese kaum ein Wort. + + + + + + DER JOURNALIST + + +Nun ist's ein Jahr her, seit die Verwirklichung meiner Idee von dem großen +Ferienheim keimte und wuchs. Jetzt nähert sie sich der Reife. Anfang +Februar gab es eine Sensation. Stefenson reiste nach Amerika zurück. Da +höhnten die Neustädter, dem sei wohl im letzten Augenblick doch angst und +bange geworden vor seiner übergenialen Neugründung, und nun käme der +Zusammenbruch. Ich blieb ganz ruhig; denn ich wußte, daß alles gut +vorgesorgt war und Stefenson nur nach Hause fuhr, um seine dortigen +dringendsten Geschäfte in Ordnung zu bringen. + +Die kleine Luise wollte der Amerikaner mit auf die Reise nehmen. Erst nach +den ernstesten Vorhaltungen, die beinahe in Feindseligkeiten ausarteten, +ließ er das Kind zu Hause. Aber Neid und Zorn war in seinem Herzen, und +zwar nicht nur wegen des Kindes. + +"Ich bin begierig, wie Sie sich gegen Fräulein Eva Bunkert benehmen +werden, wenn sie nun kommen wird, um unser Heim zu beschauen. Ich fürchte, +Sie werden den rechten Ton nicht treffen." + +Ich lächelte. + +"Fürchten Sie, daß ich zu abweisend oder zu entgegenkommend sein könnte? +Eva Bunkert ist ein sehr schönes Mädchen." + +"Ich bitte Sie", sprach er herb, "daß Sie sich mit Fräulein Bunkert weder +in der einen noch in der anderen Art zuviel beschäftigen, sondern mir +diese ausgezeichnete Akquisition für unsere Kuranstalt persönlich +überlassen." + +"Ich überlasse Ihnen diese Akquisition", sagte ich großmütig und +feierlich. Darauf knurrte er, vor Mitte Mai könne er keinesfalls zurück +sein. + +Als ich ihn zum Zuge begleitete, wünschte ich aufrichtig, er möge bald +zurückkommen ... + + ------------------------------------------------------- + +Vor drei Tagen ist nun unser Freund Emil Barthel mit seiner Susanne und +seinen Kindern bei uns eingezogen. Er hat den Forellenhof dicht unten am +Bach übernommen. Des Staunens seiner Leute war gar kein Ende. Sie gingen +bedrückt durch die großen, neuen, so behaglich ausgestatteten Räume wie +Fremde, die ein merkwürdiges prächtiges Haus betrachten. Aber sie werden +in diese Räume hineinwachsen. Der Bauer hat uns schon wesentliche Dienste +erwiesen. Er bezeichnete uns Kameraden und Bekannte, die sich als Pächter +unserer Höfe eignen würden, und ob wir auch kaum den dritten Teil davon +gebrauchen konnten, so gaben uns die ausgewählten Leute wieder die +Adressen neuer Kandidaten, so daß unsere zwanzig Höfe besiedelt sind. Der +andere Teil des Geländes wird von den alten früheren Dominialgebäuden aus +bewirtschaftet. + +Es geht alles schnell, ruhig und sicher, wo ein zielbewußter Wille und wo +- Geld da ist. + +Manche unserer Höfe haben herkömmliche poetische Namen, wie Forellenhof, +Erlenhof, Grundhof, Hof am Hange, Berghof, Sonnenhof, aber es gibt auch +eine Waldschölzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmühle, eine +Genovevenklause, eine große und eine kleine Einsiedelei, ein Haus "über +den sieben Bergen", ein "_Old Nigger home_" (nach Stefensons Wunsch), eine +Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein +Knusperhäuschen, eine Kassubenhütte, ein Zigeunerlager und eine +Räuberhöhle. + +Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen +Dingen, aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk +ausgewählt, und das dichtet in seiner kräftigen Seele so viel zusammen, +daß sich alsbald allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen +werden, schneller als der Efeu wächst, den wir an mancher Wand +einpflanzten, oder als das Moos wuchert, das wir auf schräge Dächer +legten. + +Das größte Glück ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des +erschütternden Titanenjubels, der Gottes Brust durchloht hat, als er im +Glanz von Millionen Sonnen die Schöpfung vor sich sah. + +Auch ich bin nie so glücklich gewesen wie in dieser Zeit der Gründung +unseres Heims, nie so selig, gläubig und am Leben hängend, nicht einmal in +der Kinderzeit, die doch alle Tage Schöpferjubel bringt, und sei die +Veranlassung auch nur eine gelungene kleine Schanze im Bach oder die zum +erstenmal geglückte Schleife des Schuhbandes. + + ------------------------------------------------------- + +Die Mädchen sind gekommen. Gestern. Sie kamen am Vormittag und wollten +schon mit dem ersten Abendzuge wieder abreisen trotz der Einladung, ein +paar Tage dazubleiben und bei Frau Susanne im Forellenhof zu wohnen. + +Eva Bunkert war zurückhaltender als bei unserer ersten Begegnung. Sie +konnte es sich zwar nicht versagen, nach Betrachtung des Baches, der an +Barthels Hof vorbeifließt, zu behaupten, in diesem Gewässer lebe keine +einzige Forelle, weshalb der daranliegende Hof wahrscheinlich +"Forellenhof" heiße, aber es sei ja bekannt, daß Namen fast immer +täuschen, wie zum Beispiel körperlich etwas zurückgebliebene Männlein mit +Vorliebe Siegfried hießen oder oft keifende Xanthippen mit den holden +Namen Mariechen oder Trautchen begabt seien. + +Nach dieser Abschweifung ins Schnippische wurde das Mädchen ernster. Sie +betrachtete den großen Forellenhof von innen und außen und sagte mit einem +Seufzer: + +"Es ist schön hier. Ich glaube, man kann in einem solch einfachen Hofe +glücklicher sein als in einem prunkenden Hotel. Wenn ich es einrichten +kann, werde ich wirklich einmal hier Ferien vom Ich machen." + +"Ich möchte es wohl auch", sagte die kleine Anneliese, "aber für mich ist +so etwas viel zu teuer." + +"Du, meine Liebe", lachte Eva Bunkert, "du müßtest ganz andere Ferien vom +Ich haben - Weltstadtleben, Theater, Bälle, Autofahrten - man muß das +haben, was einem fehlt." + +"Mir würde nichts fehlen in solchem Frieden", sagte die kleine Braune. + +Ich ging mit den Mädchen durch unser Gelände, führte sie nach dem Rathaus, +nach der Lindenherberge, den "Stillen Weg" hinab über die Genovevenklause, +und als ich nach der Waldschölzerei weiter wollte, passierten wir das +Zeughaus und das große Eingangstor. Dort gab es eine Auseinandersetzung +zwischen einem fremden Herrn und dem Türschließer. Der Herr, der im +Reiseanzug war und eine kleine Handtasche trug, verlangte in ungestümer +Weise mich zu sprechen, während der Diener entgegnete, der Herr Doktor sei +aufs dringendste und unabkömmlichste beschäftigt, und unsere Anstalt würde +überhaupt erst am ersten Mai eröffnet. Der Fremde ließ sich nicht +abweisen, und als er mich erblickte, rief er: + +"Ich möchte wetten, daß jener Herr der Doktor ist!" Damit schob er den +Diener beiseite und kam auf mich zu. + +"Gestatten Sie, mein Herr, eine kurze Viertelstunde?" + +"Sie sehen, ich habe Besuch!" + +"Jawohl - es tut mir auch leid, Sie stören zu müssen, aber ich habe nur +eine Viertelstunde Zeit. Wenn ich mich vorstellen darf: George Brown, +Mitarbeiter der 'Staatsbürgerzeitung' in Neuyork. Ihr Geschäftsfreund +Mister Stefenson hat mich persönlich gebeten, Sie zu besuchen und Ihnen +dieses Schreiben zu überreichen." + +Er übergab mir einen Brief, den ich mit Erlaubnis der Damen öffnete und +stellenweise vorlas: + + + + + + + "Neuyork, den 25. März. + Mein Lieber! + +Sie wollen nie recht zugeben, daß ich Sie genau kenne, aber mein Spürsinn +ist, was Sie anlangt, so groß, daß ich hier viel tausend Meilen von Ihnen +prophezeie, ohne besorgt zu sein, einen Irrtum zu begehen: Wenn Sie diesen +Brief durch Mister Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen +Eva Bunkert und Annelies von Grill einen sehr vergnügten Spaziergang durch +unser Heim machen. Ich beglückwünsche Sie dazu und bitte, mich den +Herrschaften zu empfehlen. + +Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht +rücksichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie hätten gerade +Besuch und daher keine Zeit für ihn. Denn Mister Brown ist einer der +einflußreichsten Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus +Amerika für unsere nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas +merkwürdige Anstalt recht nötig haben. + +Grüßen Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gänschen +sehnt, aber noch nicht weiß, wann er zurückkehren kann. + + Stefenson." + + + + + + +Ich schaute verwundert auf Brown, den Überbringer dieser seltsamen +Epistel. Brown war ein Fünfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart +sowie die gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas +geschniegelt modern, die Wangen, wie mir schien, wohl ein wenig +geschminkt. Irgend etwas an dem Mann kam mir bekannt vor, auch in seiner +heiser klingenden Stimme. Vielleicht war ich ihm mal drüben begegnet. Ich +fragte ihn, ob er auf dem letzten großen Pressekongreß in Baltimore, den +ich besucht hatte, gewesen sei, und er erwiderte, daß er daselbst eine +Rede gehalten hätte. Daher die matte Erinnerung. + +Die Mädchen verwunderten sich nicht weniger über die seltsame Prophezeiung +in dem Stefensonschen Briefe als ich. Ich sagte, ich könne mir das +überraschende Eintreffen einer solchen Voraussage nur dadurch erklären, +daß Stefenson vermutet habe, die Damen befänden sich für längere Zeit in +unserem Heim, ich mache mir wahrscheinlich öfters das Vergnügen, sie +auszuführen, und es könne sich wohl so fügen, daß uns Mister Brown +zusammen anträfe. Daraufhin weissage ein Mann wie Stefenson eben +darauflos. Treffe es nicht ein, schade es nicht, treffe es aber infolge +seines Glückes ein, sei es ein guter Bluff. + +Brown schüttelte den Kopf. + +"Mister Stefenson ist kein Bluffer, er weiß immer, was er sagt." + +"Sie kennen Mister Stefenson persönlich?" fragte Eva Bunkert mit +unverhohlenem Interesse. + +"Mein gnädiges Fräulein", erwiderte Brown, "ich kenne alles, was man in +Neuyork und den Staaten kennen muß." + +"Und Mister Stefenson gehört zu dem, was man in Amerika kennen muß?" + +"Ja, er gehört dazu." + +Der Journalist schloß sich unserem Rundgang an. Meist verhielt er sich +schweigend, sprach über das, was er sah, weder Lob noch Tadel aus, bat +nur, sich von Zeit zu Zeit eine Notiz machen zu dürfen, und stellte +außerordentlich sachverständige Fragen, Fragen, die ich, sobald sie sich +in technische Einzelheiten verliefen, oft gar nicht beantworten konnte. +Das _Nigger-Home_ gefiel dem Amerikaner. Es war düster in der niederen +Stube; wir zündeten ein paar matt brennende Petroleumlampen, die an den +Wänden hingen, an, um die Illusion zu verbessern. + +"Nun müßte jemand einen Niggersang anstimmen", sagte Brown. + +Da stand auch schon Eva Bunkert, an die Wand gelehnt, schränkte die Arme +über der Brust und begann mit wohllautender Stimme zu singen: + + _"Way down upon Swaney ribber_ + _Far far away ..._ + _There's, where my heart is turning ebber,_ + _There's, where the old folks stay ..."_ + +Sie sang dieses schwermütigste aller Heimatlieder mit tiefer innerer +Bewegung, und Mister Brown summte mit näselndem Tone die Begleitung dazu, +so wie es die Neger tun, wenn fern der Heimat einer der Ihrigen an der +Wand lehnt und das innerste Weh der weltverschlagenen, geknechteten Seele +im Liede ausströmen läßt. Dann summen sie alle mit, die Körper werden +regungslos, und die großen, heißen Augen starren ins gelbe Licht der +matten Lampen ... + +Wir gingen weiter und kamen an den Hof am Hange. Dort steht eine große +Buche, um die eine Bank läuft. Von hier aus kann man unsere ganze +Siedelung überschauen. Warmes Frühlingslicht spielte durch laue Luft, die +Zweige trugen alle die kurzen, grünen Kinderkleidchen erster Jugend, die +Vögel waren heimgekommen und übten in abgerissenen Trillern und Läufen das +große Lebens- und Liebeslied des Maien ein. Da wurde mir das Herz weit. +Unsere Siedelung war schön, keine langweilige Linie in ihr, kein +Steinkoloß, keine Erinnerung an geschniegeltes, ödes Geputztsein, sondern +Heimatlichkeit, Wärme, Frieden. + +"Wenn man das sieht", sagte die kleine Anneliese, "meint man, hier werden +immer nur gute Menschen wohnen können. Es ist alles rein und gut; +schlechten Leuten würde hier das Herz springen." + +Ich war ihr dankbar und sagte: + +"Aber es soll doch eine Zufluchtstätte werden für solche, die nicht +glücklich sind, auch wenn sie durch eigene Schuld unglücklich geworden +sind." + +"Ich finde", sagte Eva Bunkert, "in dem Ganzen ist ungeheuer viel +Kindliches." + +"Das ist ein hohes Lob, mein Fräulein, was Sie da sprechen", meinte Mister +Brown; "Genialität ist nie etwas anderes als das Ursprüngliche, das +Kindhafte. Sie glauben gar nicht, wie kindlich unsere guten amerikanischen +Humoristen sind. Ganz im Ernst! Sehen Sie deren Tier- und Kinderbilder an, +es ist alles geschaut mit den abgeklärten Augen des ernsten Mannes und +alles gefühlt mit dem Herzen des kleinen Buben." + +"Stefenson ist ein Genie", sagte Eva Bunkert warm. + +"Das will ich nicht sagen", entgegnete Brown, "er ist nur das Werkzeug; +der Schöpfer der ganzen Idee ist, wenn ich recht unterrichtet bin, der +Herr Doktor, der mit uns auf dieser Bank sitzt." + +Ich wehrte das Lob ab, und Eva Bunkert sagte: + +"Wohl, der Doktor hatte die Idee, hatte den Traum in der Seele, aber +Stefenson hatte den Mut, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich +möchte sagen, der Doktor hat ein schönes Motiv in die Welt gesungen, und +Stefenson hat ein herrliches Lied daraus geschaffen." + +"Sie sprechen sehr gut und lieb von meinem Landsmann", sagte Mister Brown +gerührt. + +"Oh", rief Eva Bunkert, "ich schwärme für Stefenson. Es hat mir noch nie +ein Mann solchen Eindruck gemacht wie er, obwohl er der Konkurrent meines +Vaters ist. Erst recht deshalb! Ich mag die Leute nicht leiden, die sich +nur für die Freunde und Gönner ihrer eigenen Sippschaft begeistern +können." + +Da wurde auch die kleine Braune munter. + +"Ja", seufzte sie, "es ist schade, daß Mister Stefenson verheiratet ist! +Er wäre der erste, der bei der stolzen Eva Bunkert wirklich Glück hätte!" + +"Du Plappermaul!" zürnte Eva, reckte aber den Kopf hoch. "Nun, ich leugne +es nicht: der Mann gefällt mir. Weil er eben ein so ganzer Mann ist. Vom +Heiratenwollen aber ist gar keine Rede." + +"Er wäre keine schlechte Partie", meinte ich. + +"Eben deshalb!" sagte Eva trotzig. "Ich will mal keine gute Partie, ich +will einen Mann heiraten!" + +"Ich wußte gar nicht, daß Stefenson verheiratet ist", warf Mister Brown +ein. + +"Wie? Und Sie wollen ihn so genau kennen?" + +"Oh - ich als anständiger Journalist kümmere mich um das, was Stefenson +für das Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhältnisse. Ich +habe nie gehört, daß Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz +gleichgültig." + +"Der Herr Doktor hat es uns gesagt", erwiderte das Mädchen. + +Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, daß ich erschrocken +aufschaute und ihn ansah. Und ich blickte - in Stefensons Augen. So klar, +in so deutlichem Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von +hundert Gelegenheiten her kannte, wenn dem jähzornigen Manne die Galle +überlief, was oft genug geschah. + +Ein wüster Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein +amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer +vorzüglichen Maske getäuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich +sah wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr +los. Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so +entlarve ich dich; bilde dir nicht ein, mit einem bißchen +Detektivschlauheit deutsche Gimpel zu fangen. + +Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen. + +"Der Mann mag seine Vorzüge haben", sagte ich, "aber wo viel Licht ist, +ist auch viel Schatten. So ist Stefenson - ich sage das ruhig, obwohl er +mein Freund ist - ungeheuer eitel!" + +"Das ist kein Schade", fiel Eva ein; "viele große Männer sind eitel: viele +Staatsmänner, viele Geistliche, alle Dichter - selbst solche, denen man es +gar nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was +heißt überhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, +auch in kleinen Äußerlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde +Eitelkeit. Eine andere kann Mister Stefenson gar nicht haben." + +Da lachte Mister Brown. + +"Oh!" sagte er, "was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, daß er, wenn +er sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schönen Bild eine kleine +Verneigung macht, ehe er sich einseift." + +"Ich denke, Sie kümmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben", rief +Eva verärgert. + +"Gewiß nicht", sagte der Journalist, "aber manches fliegt einem halt so +zu. Wenn es Spaß macht: ich kenne noch ganz andere Schwächen Ihres +Geschäftsfreundes." + +"Danke!" wehrte Eva ab, "es macht gar keinen Spaß!" + +Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das +Dümmste, auf Stefenson zu schimpfen; denn er würde dann noch weit heftiger +auf sich selbst schimpfen. Das mußte ich doch von seinen Artikeln her +wissen. Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht +scheren. + +Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe. + +"Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hieß sie nicht +Luise?" + +Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer +seiner edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht +zum Bewußtsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. +So stark war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich +Stefenson war, als Stefenson zu entlarven. + +"Allerdings", entgegnete ich meiner Nachbarin, "Stefensons Tochter heißt +Luise. Das Kind hängt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus +mit auf die Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war +auch sehr gut; denn das Kind ist nicht wohl." + +"Wieso nicht wohl?" fragte Mister Brown, und das in einer solch +erschreckten Weise, daß ich jetzt meiner Sache völlig sicher war. + +"Ah, so - so ...", entgegnete ich gleichmütig, "bei Kindern findet sich +leicht mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen." + +"Ich finde", sagte Mister Brown scharf, "wenn ein Mann, wie Stefenson, ein +einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu +machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt." + +"Von ernstlicher Erkrankung habe ich nicht gesprochen", entgegnete ich +ruhig, und diese Bemerkung war auch sehr angebracht; denn im selben +Augenblick stürmte die kleine Luise mit zwei Bauernbengeln unter großem +Hallo aus dem nahen Walde. Das Mädel hat sich bei uns inzwischen völlig +eingerichtet, und von Schüchternheit ist gar keine Rede mehr. Jetzt kam +sie auf mich zugestürmt. + +"Ach, Onkel - ich wußte gar nicht, daß du hier oben bist. Wir spielen +gerade Haschen." + +Anneliese liebkoste das Kind, und Eva Bunkert kniff es in die Wangen, daß +es quiekte. Aufmerksam betrachtete Eva die Züge Luisens. + +"Von ihrem Vater hat sie gar nichts", sagte sie, "sie muß ganz nach der +Mutter sein." + +"Im Gegenteil", entgegnete ich, "das Kind ist das ganze Abbild des +Vaters." + +"Dann habe ich auf ihn vergessen", sagte Eva mit fast trauriger Stimme. + +Mister Brown atmete schwer. Ein so schwefelgelb giftiger Blick schoß um +den Buchenstamm herum auf mich zu, daß ich meiner Sache immer gewisser +wurde. Und was hatte dieser Journalist gesagt? Er habe es sehr eilig, nur +eine Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon über zwei Stunden +da, und es wurde Abend. Wahrscheinlich würde dieser "Mister Brown" +plötzlich entdecken, daß er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu +verweilen. Nun wandte er sich Luise zu. Aber es kam nicht so, wie ich +dachte. Mister Brown legte ohne jede wärmere Gefühlsbewegung dem Kinde die +Hand auf den Kopf und sagte mit der üblichen Kinderfreundlichkeit: + +"Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von +dir erzählen. Bist du sehr krank gewesen?" + +"Pappa soll bald wiederkommen", antwortete die Kleine. + +"Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?" + +"Wieso? Ich bin nie krank!" + +"Aber hast wohl müssen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?" + +"Nein, ich bin alle Tage draußen herumgerannt; ich war gar nicht eine +einzige Stunde krank." + +"Hm!" + +Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fühlte mich in der Rolle des +blamierten Europäers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die +Mädchen schlenderten mit dem Kinde voraus, und ich folgte mit Mister Brown +in einiger Entfernung. Jetzt wollte ich dem Fuchs an den Kragen. + +"Ich finde eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Ihnen, Mister Brown, und +meinem Freunde Stefenson. Sie haben dieselben Augen, dieselbe Nase, +dasselbe Kinn und dieselbe Sprache, ja sogar dieselbe Art, sich zu +räuspern. Ist das nicht merkwürdig?" + +"Sehr merkwürdig!" entgegnete Brown. "Ein Schnorrer drüben hat mir mal +gesagt, ich sähe Kaiser Wilhelm ähnlich. Dem habe ich es noch halb und +halb geglaubt und ihm fünf Prozent dessen geschenkt, um was er mich +anpumpen wollte, aber eine Ähnlichkeit zwischen mir und Stefenson hat noch +niemand herausgefunden. Ich bin Ihnen übrigens für die gute Absicht, mir +etwas Angenehmes sagen zu wollen, sehr verbunden." + +Er schaute mich an, und ich blickte in ein stockfremdes Gesicht. Auch +glaubte ich trotz des Abenddämmerns genau feststellen zu können, daß +dieser Bart nicht angeklebt, daß diese Haare keine Perücke seien. So wurde +ich an meiner Entdeckung irre, und da ich einen zweiten Hineinfall nicht +erleben wollte, sagte ich: "Gott, man kann sich täuschen!" Da blieb er +stehen, sah mich an und sagte: + +"Sie haben mich wohl gar für Stefenson selbst gehalten, der Ihnen in einer +Ferienmaske was vormimt? Dem alten Knaben wäre ein solcher Streich +zuzumuten, he?" + +"Aber nein - aber nein! So ähnlich sind Sie ihm nun doch nicht." + +"Nun, möglich ist alles auf der Welt. Hauptsächlich bei Ferien vom Ich!" +sagte Brown vergnügt. + +Und er lachte. Es war ein fremdes Lachen. + +Unterwegs begegnete uns ein Telegraphenbote. Er überreichte mir ein +Kabeltelegramm, das aus Milwaukee kam und lautete: + +"Verbindung mit X-Bankverein gelöst; weitere Zahlungen durch Dresdner +Bank. Stefenson." + +Die Verhandlungen, von dem Bankverein, mit dem wir bis jetzt gearbeitet +hatten, zur Dresdner Bank überzugehen, schwebten schon einige Zeit, und +dieses Telegramm belehrte mich nun, daß Stefenson in Milwaukee und nicht +in Waltersburg war. Meine Phantasie hatte mir wieder einmal einen Streich +gespielt ... + +Während ich den Telegraphenboten abfertigte und das Telegramm las, war +Mister Brown den Mädchen nachgegangen, hatte die kleine Luise an den +Händen gefaßt und tanzte mit ihr "Ringel-Ringel-Reihen". Die lange +Schlottergestalt nahm sich dabei merkwürdig genug aus, das Kind jauchzte, +kam fast außer Atem, schlug zum Schluß entzückt in die Händchen und sagte: + +"Er tanzt genau so schön wie Pappa!" + +"Alle Amerikaner tanzen so schön, mein Mäuschen", sagte Brown und küßte +das Kind auf die Stirn. Dann zog er die Uhr und sagte: + +"Der Zug, mit dem ich zurückfahren wollte, ist ja nun längst fort. Sie +waren so liebenswürdig, mich sehr lange dazubehalten. Den nächsten Zug +aber darf ich nicht versäumen. Ich muß morgen in Berlin und übermorgen in +Hamburg sein. Mein diesmaliges europäisches Gastspiel ist aus." + +"Sie haben nur den kleinsten Teil unserer Siedelung gesehen, Mister +Brown." + +"Oh - ich habe genug gesehen. Den Geist - den Kern! Ich bitte Sie, mir +Ihren ausführlichen Prospekt mitzugeben. Daraus werde ich mich +informieren, und Sie werden sehen, daß ich am treffendsten das kritisieren +werde, was ich nicht gesehen habe." + +Am Rathausplatz trennte er sich von uns. Ein Angestellter geleitete ihn +zur Pforte, wo sein Wagen hielt. Eva Bunkert sah ihm lange nach. + +"Es ist merkwürdig", sagte sie; "er hat mich ungeheuer an Stefenson +erinnert." + +"O nein", meinte die kleine harmlose Anneliese, "Mister Stefenson ist doch +ganz anders, viel jünger und auch viel hübscher." + +"Trotzdem! Was meinen Sie, Doktor?" + +Ich zuckte die Achseln. + +"Die Amerikaner haben alle dieselbe Art, sich zu geben." + +"Das trifft es nicht", sagte Eva nachdenklich. Und auch ich geriet wieder +ins Grübeln. + +"Ich glaube, es ist immer etwas unheimlich, wenn man nicht weiß, mit wem +man spricht. Aber das wird ja in Ihrem Heim immer so sein, die Leute +werden nie wissen, mit wem sie sprechen. Werden sie da nicht vorsichtig, +ängstlich, unsicher werden?" + +"Gewiß nicht. Gesetzt den Fall, dieser Mister Brown sei der verkappte +Mister Stefenson gewesen, wie es ja tatsächlich den Anschein hatte ..." + +"Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?" rief Eva erschreckt. +"Und ich hätte dann so - so - von Stefenson gesprochen ..." + +"Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er +heute früh dort an mich aufgab." + +"Gott sei Dank!" + +"Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim +verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen +wäre, wäre die Partie unehrlich gewesen. Wir hätten ihn nicht erkannt, +wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird +den andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Ängstlichkeit, +sondern ein Mut zur Offenherzigkeit sein, der unerhört ist in der Welt. +Die Menschen werden Wahrheiten hören, die sie niemals vernähmen, wenn sie +ihren Namen und Stand sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen +dürfen in einer Weise, die niemals möglich wäre, wenn sie ihre wirkliche +Persönlichkeit dafür einsetzen müßten." + +"Ach ja", seufzte Eva Bunkert, "die gröbsten und rücksichtslosesten +Rezensenten sind die anonymen oder pseudonymen." + +"Der Friede dieses Ortes wird alle Schärfe mildern, wird aus der +Rücksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus ätzender Grobheit klare +Wahrheit werden lassen." + +"Sie meinen es gut mit den Menschen", sagte gerührt die kleine Anneliese +und sah mich mit ihren großen, braunen Augen dankbar an. + +Ich aber - ich weiß nicht warum - schaute nach der schönen Blonden hin. +Ich glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg. + +Die Mädchen blieben im Forellenhofe. + +Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich +auf den Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich +dachte an vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr grübelte ich über +der Frage: War er's? War er's nicht? + +Am übernächsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe +Handschrift aufwiesen. Der eine Brief war von Stefenson und kam aus +Milwaukee; er enthielt allerhand geschäftliche Weisungen sowie die +Mitteilung, daß er, Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa +zurückkehren könne. Der andere Brief war von Mister Brown, trug den +Poststempel Hamburg und meldete, daß der Journalist im Begriff stehe, nach +Amerika zurückzukehren, sich noch einmal für die freundliche Aufnahme +bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit Interesse gelesen habe. + +Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen +glichen sich außerordentlich. Hätte man je einen der großen geschwungenen +Buchstaben aus den Briefen ausgeschnitten, man hätte eine Kongruenz +feststellen können. + +Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst: + +"Ach, es ist doch gut, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat!" + + + + + + DIE ERSTEN KURGÄSTE + + +Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eröffnet worden. Die Feier war schlicht. +Lehrer Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu +dichten, zu komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus +Waltersburgern, unseren Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und +fünfzehn Kurgästen. Von diesen fünfzehn Kurgästen genießen zehn Freikur, +und von diesen zehn sind sieben Schauspieler ohne Sommerengagement. +Stefenson sandte ein längeres Glückwunschtelegramm aus St. Louis. + +Fünfzehn Kurgäste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, +die wir gemacht hatten. Ich telegraphierte das klägliche Ergebnis nach +Amerika und erhielt von Stefenson die Antwort: "Hatte ich mir gedacht!" + +Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln über die Höfe zu verstreuen, +sondern einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschölzerei +zu geben. Die Schauspieler aber schwärmten nicht für Feld- und Waldarbeit; +sie wünschten mehr dekorative Posten. Fünf von den sieben wollten +Nachtwächter sein, einer bot sich als Hilfsbriefträger an, wobei seine +Tätigkeit gleich Null gewesen wäre, und einer sagte mit mildem +Augenaufschlag, er könne sich nur als Krankenpfleger glücklich fühlen. Wir +hatten aber keine Kranken. + +Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Großknecht, +den er bereits hatte, dem "langen Ignaz", noch einen zweiten Knecht ein +und sagte zu mir: "Ich hab es Ihn'n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute +sein olle faule Luder. Mit den is nischt anzufangen." + +"Geduld, Barthel, Geduld!" + +Der Anfang war wirklich kläglich. Zwar sang Egin Harold, der als +Nachtwächter bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsänger +war), das + + "Hört, ihr Herr'n, und laßt euch sagen, + Die Uhr hat eben zehn geschlagen!" + +mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel +empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine hübsche blonde Magd +hatte: "Gute Nacht, du mein herziges Kindl", um 1 Uhr droben am Hange: +"Ihr lichten Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ..."; +um 2 Uhr: "Steh ich in finstrer Mitternacht", und von 3 Uhr an: +"Morgenlicht leuchtend im rosigen Schein ..." + +Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesänge so tief ergriffen, daß +sie alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde über +den Nachtwächter wegen nächtlicher Ruhestörung. Als nun Egin Harold von +dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den +Hofhund loslassen, wenn der Wächter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der +Magd nicht einstelle, quittierte der beleidigte Künstler seinen Posten und +übergab die Abzeichen seiner Würde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten +Hagen Korrundt, wobei er mit einiger Abänderung des Lohengrintextes sang: + + "Den Spieß, dies Horn, den Pelz will ich dir geben. + Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken, + Der Spieß im wilden Kampf dir Mut verleiht, + Doch in dem Pelze sollst du mein gedenken, + Der jetzt auch dich aus Schmach und Not befreit." + +Die "Schmach und Not", aus der Hagen Korrundt befreit wurde, bestand +darin, daß er, der ein starker Mann war, ein paar Stunden am Tag dem +Waldschölzer hatte helfen müssen, Bäume zu fällen. Jetzt war er als +Nachtwächter vom Tagesdienst befreit. Abends um zehn Uhr bestieg Hagen +einen großen Granitblock, den er den "Fafnerstein" getauft hatte, stand +malerisch dort oben in seinem wilden Zottelpelz mit seinem langen Spieße +und seinem funkelnden Horn, sang mit dröhnendem Baß die Stunde, kletterte +dann vom Fafnerstein wieder herab und ging schlafen. + +Die Kur bekam Herrn Hagen Korrundt sehr gut. Er erzählte mir in der +Sprechstunde, daß er früher an einem chronischen Hungergefühl, das +wahrscheinlich auf nervöser Grundlage beruhte, gelitten habe. Seit er aber +bei uns sei, sei er aller Beschwerden ledig. Als ich daraufhin der Köchin +in der Waldschölzerei ein Lob erteilte, sagte das Weiblein nur zwei Worte: + +"Er frißt!" - + +Es ist ein Schauspieler da, der mit seinem wirklichen Namen Eduard +Käsenapf heißt. Als Künstler nennt er sich Guido Janello, bei uns aber, da +er doch nicht erkannt sein darf, Knut Waterstream. + +Dieser Knut Waterstream ist dünner als ein Regengerinnsel. Ich schickte +ihn zur Arbeit in die Gärtnerei. Einiges erzählte mir der Gärtner, einiges +beobachtete ich selbst, wie Knut arbeitete. Er sollte dürres Laub +zusammenrechen und flüsterte den braunen Blättern zu: + + "So wie ein Blatt vom Wipfel fällt, + So geht ein Leben aus der Welt, + Die Vögel singen weiter!" + +Stützte sich auf den Rechenstiel und stand eine Viertelstunde lang in +melancholischer Betrachtung über die Verwelkbarkeit des Laubes und anderer +irdischer Dinge. Darauf übergab er dem Gärtner den Rechen und sagte: + +"Tun _Sie_ dieses Totengräbergeschäft; ich vermag es nicht!" + +Ein andermal sollte Knut ein Beet ausjäten. Er ging siebenmal mit düsterem +Antlitz um das Beet herum, spreizte dann alle zehn Finger über dies neue +verruchte Arbeitsfeld und deklamierte: + + "Giftiges Kraut, gesäet mitten unter den Weizen, + O du teuflische Saat, wie bist du vom Feinde gestreut! + Satanas hat sich dein Korn in höllischen Scheuern gestapelt, + Hat mit beklaueten Fingern diese Aussaat verrichtet, + Daß du nun wucherst und wächst; dem güldenen Weizen zum Schaden, + Daß du die Sonne ihm stiehlst, den nächtlichen Tau der Gestirne. + Weiche, du teuflische Brut, verkrieche dich tief in den Boden, + Krieche zur Hölle zurück, zum Satan, von dem du gekommen, + Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge, + Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!" + +Daraufhin hat der Gärtner Herrn Knut Waterstream belehrt, daß das, was er +als Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und daß sich +gegen das Unkraut mit Beschwörungen nichts ausrichten lasse. Man müsse das +Zeug Stück für Stück mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe +es nicht. + +"Lieber Freund", hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme +erwidert, "wir verstehen uns nicht!" + +Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen. + + * + +Es soll der Sänger mit dem König gehen. Sänger hatten wir von Anfang an +genug; am 10. Mai kam der König an. Ein wirklicher König war es zwar +nicht, aber immerhin der Bruder eines regierenden Fürsten, eine Hoheit. Um +diese Zeit versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz +an dreihundert Zeitungen: + +"Der Andrang nach der Kuranstalt 'Ferien vom Ich' zu Waltersburg, der +besten und originellsten Heilstätte der Welt, ist enorm. Die ermüdete +Intelligenz flüchtet in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt +kommen auf ein Weilchen zurück ins grünbelaubte Mutterhaus der Natur. +Künstler von Weltruf, Mitglieder europäischer Regentenhäuser sind bei uns +eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein Heldentenor, der vergötterte Liebling +allen Volkes, bei uns als schlichter Nachtwachtmann mit funkelndem Speer +und silbernem Horn durch die im Sternenschein liegenden Gassen schreitet, +die Stunden singend, wie es in alten Tagen geschah, oder wenn er einer +heimlich geliebten schlummernden Dame sein Troubadourlied singt; wie +rührend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust und mit nie ermüdender +Emsigkeit seine Gärtnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, wenn der +Allerhöchstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf dessen +Stimmungen die Welt achtet, im demütigen Bauernkleide, von niemand +erkannt, seiner ländlichen Tätigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt +'Ferien vom Ich' ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg über das +Unglück, ist ein Paradies auf Erden!" + +Als ich diesen Erguß in den Zeitungen las, wußte ich: auch unser Levisohn +war ein Dichter. Einer von blühender Phantasie. + +Hoheit kam zu mir und fragte: + +"Sagen Sie mal, Doktor, ist denn unter den paar Männchen, die hier bei +Ihnen 'rumkrauchen, etwa der König von England oder von Italien drunter?" + +"Gewiß nicht, Hoheit." + +"Ja, wer ist denn da mit dem Allerhöchstgeborenen Herrn gemeint, auf +dessen Stimmungen die Welt achtet?" + +"Ew. Hoheit selbst." + +Hoheit prusteten los und kriegten einen Hustenanfall. Nachher sagten +Hoheit: + +"Verfluchter Kerl, der Levisohn; er macht was aus einem!" - + +Der Erfolg der Levisohnschen Reklamenotiz war riesenhaft. Es wurden +achtzigtausend Prospekte von uns eingefordert, und es meldeten sich über +dreitausend Kurgäste an. Ob der nachtwächternde Heldentenor oder der +ackerbauende Fürst die größere Anziehung ausübte, war nicht zu +entscheiden. Flugs erschien in Hunderten von Zeitungen folgende Notiz: + +"Kuranstalt 'Ferien vom Ich', Waltersburg. In einer Woche 83 000 Menschen, +die an die Pforten unseres Heims anklopften!!! Auf absehbare Zeit können +wir trotz unserer riesigen Anlagen neue Gäste nicht aufnehmen, da jeder +unserer Feriengäste ganz individuell behandelt werden muß. Vornotierungen +aber zulässig." + +Diese hochmütige Kürze tat noch größere Wunder. Unser Büro konnte die +Berge von Zuschriften nicht im geringsten mehr bewältigen. Ich +telegraphierte unsere fabelhaften Erfolge nach Amerika. Und wieder traf +die Antwort ein: "Hatte ich mir gedacht!" + + * + +Hoheit ist ein recht liebenswürdiger Kurgast. Hoheit ist überhaupt einer, +der seiner zu großen Nachsicht gegen sich selbst die Erschlaffung seiner +Nerven verdankt. Wir Ärzte drücken das höflich aus: Er hat zu konzentriert +gelebt. Es ist schön, daß wir unsere fachmännischen Ausdrucksformen haben; +denn es würde sich stilistisch nicht gut ausnehmen, wenn man sagte: Hoheit +ist vielleicht eine ganz gute Haut, aber ein bißchen Schweinekerl und +Liederjan! + +Also, Hoheit haben zu konzentriert gelebt und sind vielleicht nur zu uns +gekommen, weil sie hier ein Feld für originelle Extravaganzen wittert. +Rares wittert. Alles andere liegt hinter diesem Mann, schwere +Familienratsbeschlüsse, unfreiwillige Reise um die Erde, zeitweilige +Verwendung in den Kolonien, Aussöhnung mit dem Familienchef, abermaliges +Fallen in Ungnade, morganatische Ehe, Scheidung, Schulden, +Zeitungsskandale und was so zum Bilde des tollen Prinzen gehört. + +Drei Tage hat Hoheit in der Besinnungseinsiedelei zugebracht und mir einen +Lebensbericht eingereicht, über dem mir die Haare zu Berge gestanden +haben, obwohl ich als Arzt und Weltumsegler ja gerade nicht unerfahren und +prüde bin. Am Schluß stand: er habe sich eigentlich erschießen wollen, +aber er könne ja noch mal diese "neue Chose" probieren, ob ihm noch ein +bißchen Geschmack am Leben beizubringen sei. Das Leben komme ihm so eklig +und wertlos vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, für den man keine +Zwiebel mehr zu kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle +Arbeit tun und bitte, mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am +wohlsten gewesen, wenn ihm gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr +und Familienoberhaupt, ein paar Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf +Sekunden das Gefühl gehabt, daß er und sein Leben noch ernst genommen +werden können. Heißen wolle er Max Piesecke. - + +"Also, lieber Piesecke", sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; "daß Sie +ein großer Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu +sagen. Höchstwahrscheinlich läßt sich mit Ihnen nichts mehr anfangen. +Erschießen werden Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber +miserabel zugrunde gehen werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werden +die Wände auskratzen, ehe Sie hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie - ich +glaube, ungefällig sind Sie nicht. Sie haben auch noch Sinn für Humor. +Nun, Piesecke, es wäre doch ein kolossaler Witz, wenn aus Ihnen noch mal +ein brauchbarer Kerl würde! He? Sie müssen selbst darüber lachen! Und für +mich wäre es gut - wegen Ihrer Familie. Also versuchen wir's halt. +Gelingt's, freue ich mich; gelingt's nicht, schmeiße ich Sie 'raus!" + +"Wahrscheinlich werden Sie mich 'rausschmeißen!" sagte Piesecke +nachdenklich. + +"Sie sind ein schlechter Pessimist, Piesecke! Sehen Sie, wenn Sie ein +bißchen Philosophie im Leibe hätten, müßten sie wissen: es gibt keinen +grimmigeren Spaß, als ein Pessimist zu sein und über den Pessimismus zu +lachen!" + +"Wie? Bitte, schreiben Sie mir den Satz auf!" + +"Gern!" + +Ich schrieb den Satz auf einen Zettel, übergab ihn Piesecke und sagte: + +"Stecken Sie sich dieses Wertpapier in Ihre Jackentasche und verlieren Sie +es nicht! Und nun werde ich Ihnen noch etwas sagen, Piesecke! Sie werden +höchstwahrscheinlich nach acht Tagen bei uns ausreißen wollen. Sie sind +gar nicht imstande, bei uns zu bleiben und das Gesundungsleben +durchzuführen. Dazu fehlt Ihnen die Willenskraft. Und um nicht +unnützerweise acht Tage lang meine Zeit mit Ihnen zu vergeuden, werden wir +einen notariell aufgenommenen Kontrakt machen. Er wird kurz sein und +lauten: + +Falls ich nicht ein Jahr lang im Waltersburger Kurheim 'Ferien vom Ich' +aushalte oder mich den Anordnungen des dirigierenden Arztes nicht füge, +zahle ich eine Million Mark Reugeld." + +"Was?" schrie Max Piesecke. "Wenn ich so etwas tue und mein Bruder erfährt +es, schlägt er mich tot!" + +"Schön! Dann habe ich nicht mehr nötig, Sie zu kurieren." + +Piesecke sank in sich zusammen. + +"Ich bin immer Erpressern in die Hände gefallen", jammerte er. + +"Morgen nachmittag 4½ Uhr wird der Notar hier sein", entgegnete ich ruhig; +"Sie werden dann entweder das von mir aufgesetzte Abkommen unterzeichnen +oder Ihrer Wege gehen." + +"Ferien vom Ich!" stöhnte Piesecke; "ich habe gar keinen Willen mehr." + +Am nächsten Tage, um 4,35 Uhr, unterschrieb vor dem Notar, meinem +Vertrauten, Max Piesecke das von mir gewünschte Abkommen mit seinem +hochfürstlichen Namen. + +"Nun passen Sie mal auf, Piesecke", sagte ich, "jetzt wird noch was aus +Ihnen!" + + ------------------------------------------------------- + +All unsere Höfe sind mit Kurgästen besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen, +daß wir die Wahl hätten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der +Reihenfolge der Anmeldungen nach. Ich habe von früh bis spät Arbeit, +obwohl unser Ärztekollegium immer größer wird. Es lastet zuviel +Geschäftliches auf mir. Das drückt auf die Seele; denn ich bin kein +Kaufmann. Was tut mir doch dieser Stefenson an, daß er gerade jetzt, wo er +hier am nötigsten wäre, in Amerika sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an +ihn schrieb und telegraphierte, er kommt nicht zurück. Immer die gleiche +Antwort: "Ich bin hier noch unabkömmlich." + +Unser Direktor - ein früherer Offizier - ist zum Glück ein tüchtiger Mann. +Es ist Schwung in seinen Gedanken, er hat Initiative und Spürsinn. Wie ein +guter Jagdhund ist er, er hat's in der Nase, wenn er über das weite +Gelände unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen +Furche ein verborgener Erfolg aufzustöbern ist. Er ist aus dem Holz, aus +dem die guten Feldherren, Diplomaten, Kaufleute geschnitzt sind. Die +leitet alle ein unfaßbarer Instinkt, eine Art sechster Sinn, den andere +Leute nicht haben. + +Der Direktor heißt von Brüsen und wird wegen seines würdevollen Auftretens +von den Kurgästen "der Herr Präsident", von den Angestellten aber "der +Direks" genannt. Oft habe ich bei seinen Maßnahmen das Gefühl: genau so +würde Stefenson gehandelt haben. Brüsen ist auch von Stefenson angestellt +worden. Mein Geschäftsfreund hat den Offizier a. D. mal irgendwo +kennengelernt, sich mit ihm etwa zwei Stunden unterhalten, dabei - wie er +schrieb - gefunden, "daß sich dieser Mann zwei verschiedene Dinge auf +einmal vorstellen könne, was nur sehr wenig Menschen vermöchten", daß er +ferner "zu klug sei, um die Alltagsklugheit zu haben", daß er nicht in den +Doppelsohlenstiefeln ängstlicher Vorsicht einherstampfe, in denen man von +hundert Schnellfüßlern überholt werde, und daß er von guter, zäher +Geistesmuskulatur sei. So hat sich Stefenson die Adresse dieses Herrn +gemerkt und ihn für uns nun an den Tag gezogen. + +Es ist ein Glück, daß dieser Direktor da ist. Was täte ich ohne ihn? Einen +Entscheid fällt er fast nie sofort. Er will, wenn es sich um wichtigere +Angelegenheiten handelt, immer einen Tag oder doch einige Stunden +Bedenkzeit. Dann steht aber auch seine Meinung felsenfest. Und er +entscheidet immer so, wie ich annehmen möchte, daß Stefenson entschieden +haben würde, auch manchmal in Dingen, die viel Geld kosten, so waghalsig, +so wurstig, so ohne Skrupel, wie es eben nur ein reicher Mann kann, der so +fest steht, daß er weiß: ich kann nicht fallen, komme, was wolle. Ein +paarmal sah ich den Direktor scheu von der Seite an. War er etwa gar ... + +Das war krasser Unfug. Dieser kleine Schwarzbart mit dem runden Bäuchlein +war bestimmt nicht der große, hagere Stefenson. Auch in dem Journalisten +Brown hätte ich nichts anderes vermuten sollen als eben den Mister Brown. + +Ich muß mich wahrhaftig erst in die Ausführung meiner eigenen Idee von der +Unpersönlichkeit meiner Kurgäste gewöhnen. Es wird mir schwer, in dem +Nachtwächter Korrundt nicht den Opernsänger zu sehen, ja, es wird mir +sogar schwer, unsere verbummelte Hoheit mit Piesecke anzureden. Dabei ist +doch der Mann wirklich mehr Piesecke als Hoheit. Ich bekümmere mich +absichtlich nicht um die Personalien der Kurgäste, die ich nicht selbst +behandle, sehe keine unserer Geheimlisten ein, soweit ich es nicht als +leitender Arzt tun muß. So begegne ich Menschen auf unseren Wegen, sehe +Leute in unseren Gärten und auf unseren Feldern arbeiten, von denen ich +nicht weiß, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie gehen, von denen mir +nur bekannt ist, daß sie aus einer drückenden Enge entflohen sind in das +Reich unserer grünen Gesundheit. + +Der Sekretär, der unsere Statistik macht, sagte mir, daß neunzig Prozent +unserer Kurgäste aus Großstädten kommen. Ich glaube das gern. Die +Großstadt ist keine gute Mutter. Dazu sind ihre Arme und Hände zu steinern +hart, ist ihre Sprache zu laut und liebeleer, sind ihre Sinne zu +flunkerig, sind ihre Wünsche ohne Heimlichkeitssinn zu sehr auf den +Engrosramsch der Genüsse gerichtet, ist ihr Aufputz zu sehr abgespart den +wahren Bedürfnissen ihrer Kinder. Von den Palasträumen ihrer Verwaltung +aus regiert diese Stiefmutter Großstadt ihre Familie, die zum größten Teil +in dumpfen Winkeln hockt und in engen Kammern schläft; in ihren glänzenden +Parkanlagen dürfen barfüßige Jungen und zerlumpte Mädchen spazierengehen. +Wie die niederträchtigste Amme, die ihren unruhigen Zögling mit Schnaps +betäubt, errichtet sie in all ihren Vorstädten Destille neben Destille. +Und wenn die Kinder gar zuviel darben und zu murren beginnen, schenkt +ihnen diese "Mutter" Großstadt einige Bonbons "öffentlicher Fürsorge" oder +billiger Lustbarkeit, Bonbons, die nicht satt, stark und gesund machen +können, sondern nur den Magen ansäuern und die Zähne des Willens und +Charakters verderben. + +Wann endlich wird die Menschheit des trügerischen Schimmers müde sein, in +Scharen ausziehen aus dem ungesunden Hause der Stiefmutter Großstadt und +im großen Ferien machen von diesem jammervollen Ich? + + ------------------------------------------------------- + +Heut ist ein Unglück passiert. Annelies von Grill und Eva Bunkert wollten +als Kurgäste zu uns kommen und beim Forellenbauer wohnen. Der Bauer hatte +seinen Spazierwagen nach dem Bahnhof geschickt zur Abholung. Sein Knecht, +der lange Ignaz, spielte den Kutscher. Aber auch Piesecke fuhr mit. Hoheit +will sich in die Geheimnisse der Kunst einweihen lassen, ein Bauerngefährt +auf einem etwas holperigen Feldweg mit Geschick zu leiten. Auf dem +Rückwege ist dann das Unheil geschehen. Piesecke hat kutschiert und gerade +dort, wo der Weg eine steile Böschung hat, umgeworfen. Die Damen sind den +Abhang hinuntergekugelt, die beiden Kutscher desgleichen, und die scheu +gewordenen Pferde haben den umgekippten Wagen hinter sich hergeschleift +und greulich zugerichtet. + +Von den vier abgepurzelten Personen hat sich der Knecht Ignaz zuerst +erhoben. Er hat sich erst die Glieder zurechtgeschlenkert, dann die +Wahlstatt überschaut und darauf zunächst mal dem unglücklichen Piesecke +ein paar ungeheure Ohrfeigen versetzt. Darauf ist Ignaz den Pferden +nachgerannt, hat sie zum Stehen gebracht, sich überzeugt, daß mit dem +Wagen nicht weiterzufahren sei, und ist dann zu den Damen zurückgekehrt. +Annelies ist außer dem Schreck nichts passiert, die schöne Eva hat sich +einen Fuß verstaucht. Ignaz hat die holde Blonde auf seinen kräftigen +Buckel laden und nach Hause tragen wollen, doch das hat sie abgelehnt. +Piesecke hat nichts zu sagen gewußt als: "Pardon, pardon, es ist mir +dieses alles sehr fatal." + +Schließlich hat Eva dem Knechte befohlen, ein Pferd auszuspannen, sie +hinaufzuheben, und ist so halb lachend, halb weinend bei uns eingeritten. + +Am selben Tage noch kam Hoheit zu mir, um wegen der erhaltenen Ohrfeigen +Beschwerde zu führen. Er sei - so sagte er - immerhin ein Kurgast, und +Ignaz sei ein gemieteter Knecht. Er müsse gegen solche Behandlung Protest +einlegen. + +Ich aber sagte: "Piesecke, ich habe so viel Wichtiges zu tun, daß ich mich +wirklich nicht darum kümmern kann, wenn sich mal zwei unserer Kutscher +prügeln." + +Darauf erhellte sich Pieseckes Gesicht, und er sagte: "Jawohl, ich sehe es +ein! Wenn ich mich körperlich werde gekräftigt haben, werde ich ihm die +Ohrfeigen zurückgeben." + +"Das müssen Sie", erwiderte ich; "das gebe ich Ihnen auf; das werde ich +Ihnen direkt in die Kurverordnung schreiben, lieber Piesecke!" + + + + + + SOMMERABEND + + +Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum +Hirtenhaus, aber ehe ich mich's versah, schlenderte ich doch wieder zum +Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich müsse mich um mein Sorgenkind +Piesecke bekümmern, und so nebenbei könne ich ja nach Eva fragen, deren +kranker Fuß allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Mädchen saß +vor der Haustür auf der grüngestrichenen Bank und putzte Gemüse. Sie heißt +hier einfach "Hanne". Einen Familiennamen führt sie nicht, ebensowenig wie +Anneliese, die sich in "Bärbel" umgetauft hat. + +Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das +schöne Mädchen, eine weiße Taube saß auf der Rückenlehne der Bank, ein +goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Äuglein zu dem Mädchen empor, +wartend, ob für ihn etwas abfalle. Dann kam der große Zottelhund, wedelte +mit seinem buschigen Schwanz den Hahn gutmütig, aber bestimmt zur Seite, +nahm dessen Platz ein und saß in stummer Bewunderung vor der schönen Frau. + +Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Mädchen hin, das war +Piesecke, der an der Stalltür lehnte und eine Sense in der Hand hielt. Oh, +den armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die +Augen und seufzte einmal so laut, daß man es über den Hof hinweg hörte. +Ich ärgerte mich über den Menschen. + +Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltür +heraus, gab dem träumenden Piesecke einen Stoß in den Rücken, daß er samt +seiner Sense in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief: + +"Schlaf nicht, du Döskopp! Mach, daß du aufs Kleefeld kommst!" + +Die schöne Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte +mit seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltür herum +und ging dann niedergeschlagen über den Hof. Am Tor traf er mich. + +"Das ist eine Gemeinheit", sagte er und hatte Tränen in den Augen. + +"Piesecke", tröstete ich ihn, "ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt +vorfiel. Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres +Ferienheims. Der Knecht Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche +Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich werde energisch mit dem Bauern +reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe unterbringen?" + +"Um Gottes willen nicht", rief Piesecke erschrocken; "ich - ich - da +hielte ich's ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich - ich hab +mich ja schon so - so - an den Grobian gewöhnt." + +Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon. + +Ich begrüßte eben die blonde "Hanne", da trat auch schon der Bauer Barthel +aus der Haustür. Das war mir nicht lieb, und so sagte ich ein bißchen +unwirsch: + +"Barthel, das geht aber nicht, daß Sie Knechte mieten, die unsere Kurgäste +verprügeln. Denken Sie mal, wenn das in der Öffentlichkeit bekannt würde! +Da käme niemand mehr zu uns. Den langen Ignaz müssen Sie entlassen." + +"Ich kann nich, Herr Dukter", erwiderte Barthel achselzuckend. "Ma kriegt +so schwer 'n gutten Knecht. Kurgäste kriegt ma zehnmal leichter wie 'n +Knecht. Und a Ignaz, den kenn ich vu Jugend uff, das is a ganzer Kerle. +Der schofft's! Wos sull ich machen, jetzt, wu die Ernte kummt? Ich kann +doch nich die Ernte mit 'm Piesecke machen! Se sullten mal zusehn, Herr +Dukter, wenn der Piesecke Gras haut. Bluß die Spitzen schneid't a ab, de +Sense fuchtelt immer in der Luft 'rum. Oder sie bleibt in eem +Maulwurfhaufen stecken. Es ist jämmerlich!" + +"Wie lange wird denn Herr Piesecke hierbleiben?" fragte Hanne. + +"Das dürfte ich eigentlich nicht sagen", erwiderte ich, "aber ich glaube +ein ganzes Jahr!" + +"Um Gott's willen!" stöhnte Barthel. "A Jahr lang! Da hat mir der Kerl 'n +ganzen Hof ruiniert. Was soll ooch so'n Sargfabrikant von der +Bauernwirtschaft verstehen." + +"Wieso - Sargfabrikant?" + +Barthel lächelte überlegen. + +"Eener vom Grundhofe kennt ihn. Piesecke is Sargfabrikant in Hannover und +heeßt eegentlich Robert Ebbing. Ich hab das vom Sargfabrikanten gleich +geglaubt; denn 'n sehr traurigen Eindruck macht a doch. Aber ich hab mir +gesagt, a muß doch da was von der Tischlerei verstehn. Da sollt a mir +vorgestern 'ne Kiste zunageln. Das hätten Se sehn müssen! Olle Nägel krumm +oder in die Luft gekloppt. Das weeß ich: in een Sarg, den der Piesecke +gemacht hat, leg ich mich amal nich! Eh da die Sänger mit 'Es ist bestimmt +in Gottes Rat' fertig wären, bräch der Boden und ich läg draußen!" + +"Also, das alles glaub ich nicht", warf die blonde Hanne lachend ein; +"Piesecke stammt aus einer besseren Familie; das merkt man ihm schon an." + +Ich zuckte die Achseln. + +"Es darf hier ein jeder vermuten, was er will." + +"Meinetwegen mag er sein, was er Lust hat", sagte Barthel brummig; +"Hauptsache, ich wär ihn los." + +"Geduld, Barthel, Geduld!" + +"Geduld braucht ma mächtig viel mit den Städtern. Also fünfundzwanzig +Stück Kurgäste hab ich jetzt. Außer mit der kleen'n Bärbel hab ich mit +allen Schererei. Na, ich brumm nicht etwa, Herr Dukter; für die Ärgerei +mit a Städtern bin ich ja da und hab ich mein feines Auskumm'. Ich sag +bloß: Ärger machen se alle." + +"Aber doch nicht ich!" rief Hanne. + +"Sie ooch", sagte Barthel melancholisch; "meine Alte is uff Sie +eifersüchtig." + +"Barthel!" + +Dem Mädchen blieb der hübsche Mund offenstehen. + +"Ja, ja, ich hab ihr zwar gutt zugeredt und gesagt: Alte Schraube, es paßt +sich nich, daß du uff deine alten Tage eifersüchtig wirst. Aber se sagt, +es paßt sich nich, daß ich su oft mit Ihn'n plaudere, und ich tät Augen +machen." + +"Was täten Sie machen?" + +"Augen! Nu ja, ich kann doch nich als Blindekuh vor Ihn'n stehn!" + +Das Mädchen machte ein erheuchelt ernstes Gesicht. + +"Also, Barthel, diese Augen lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde Ihre +Frau Gemahlin zur Rechenschaft ziehen." + +"Um Gottes willen nich! Wenn das 'rumkummt, schrei'n ja die Leute Feuer!" + +Da trat Frau Susanne Barthel aus der Haustür. + +"Hatt' ich mir's nich geducht? Steht a nich schon wieder?" sagte sie. + +"Ja, Frau Barthel", rief Eva, "und er macht Augen auf mich!" + +"Nich wahr, Fräulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spaß an dem alten Esel?" + +Das Weiblein fing an zu lachen, daß ihr die Augen tränten. + +"Also, wenn der Augen macht", schluchzte sie unter Lachen, "da kommt keen +gestoch'nes Kalb dagegen auf." + +"Weib", schrie Barthel erbost; "du bist eifersüchtig. Du hast keen'n Grund +dazu!" + +"Nee, nee", schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Händen; "du +kannst um de ganze Welt 'rum Augen machen, 's fällt keener druff 'rein!" + +Und sie ging vergnügt ins Haus zurück. Barthel stopfte ob des +vernichtenden Urteils über seine männliche Anziehungskraft die Hände in +die Hosentaschen und sagte: + +"Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut +war, lacht se mich immer aus." + +"Seien Sie doch froh, Barthel, daß Sie eine so lustige Frau haben." + +"Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se +nich! Sie sind nicht verheirat't. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn +se flennt, oder wenn se mit Tellern schmeißt, oder wenn sie furtlooft, +könn'n Se sich immer noch Ihren Kopp ufsetzen; aber wenn se lacht, sind Se +geliefert." + +Nach dieser Bemerkung hob der Philosoph aus dem Volke den Kopf und lachte +selber. Und ich benutzte die Gelegenheit und bat Barthel, mir seine +Meinung über seine Kurgäste mitzuteilen. Sowenig ich mich sonst um den +Stand der von mir persönlich nicht behandelten Kurgäste kümmere - wer auf +dem Forellenhof lebt, weiß ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht +zugestehn, aber ich glaube oft, daß ich selbst "Augen" auf die schöne Eva +Bunkert mache, die hier "Hanne" heißt. Und wenn ich ehrlich sein will, ist +das auch der Grund, warum ich gerade die Besucherliste des Forellenhofes +kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt: + +"Also, Barthel, schießen Sie mal los mit Ihrem Ärger über unsere +Kurgäste." + +Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte +auf einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenüber. Er machte sein +philosophisches Gesicht und sagte: + +"Ärger kann man's eigentlich nich nennen, man muß mehr sagen, keen +richtigen Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der ärgert +mich wirklich. Das is 'n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Särge gemacht, +zuviel Geld eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel +der Lempert. Also, in dessen Kurverordnung, die er mir als 'm Hausherrn +doch abgeben muß, steht: Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz +wecken. Lempert brummt nich amal. Um dreiviertel weckt Ignaz wieder. +Lempert schreit: a sull die Schnauze halten! Um sechse geh ich selber und +hau an die Tür. Lempert schmeißt seine Stiefel dagegen und schreit, ich +sull mich zum Teufel scheren. Um viertel sieben trommeln wir beide so an +die Tür, daß 's ganze Haus wackelt, 's rührt sich nischt. Um halb sieben +droh'n wir, die Tür einzuhauen. Da kummt Lempert hinter uns die Treppe +'rauf und fragt seelenvergnügt, warum wir eigentlich vor seiner Tür so +eenen Skandal machen; a wär doch schon lange munter. Is der Kerl heimlich +uffgestanden und hat die Tür von außen verschlossen. Nächsten Tag dieselbe +Chose. Um halb sechs Ignaz (Lempert brummt), um dreiviertel sechs Ignaz +(Schnauze halten!), um sechs ich (er schmeißt mit Stiefeln). 'Jetzt, +Ignaz', sag ich, 'is Schluß, jetzt steht er heimlich uff.' Um neune is 'n +Bote vom Rathaus bei mir, warum der Lempert nich zur Kur gekommen sei? +Schläft der Vagabund noch! Da soll ma sich nich ärgern!" + +Lempert war ein Rechtsanwalt aus Leipzig. + +"Fahren Sie fort, Barthel. Schildern Sie mir noch einige Ihrer Kurgäste." + +"Also, da ist der Emmerich, der komponiert mir 'n ganzen Hof voll. Auf'm +neubehobelten Kartoffelwagen hat a 'n ganzes Brett vollkomponiert, er +komponiert die Hausflurwände voll, er komponiert ans Butterfaß, er +komponiert auf die Tischtücher, er hat sogar (entschuldigen, Fräulein +Hanne!) auf den Klosettdeckel einen Rundgesang komponiert. So ein +verrücktes Huhn is das! Ich hab'n gefragt, ob er Kapellmeister oder Kantor +war, da hat er gesagt: Nee, er wär Gesanglehrer in eener +Taubstummenanstalt. Von sein'n Schülern ließe er seine Kompositionen +aufführen. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so 'n Schmierfinke +wie der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der +behauptet, er wäre 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a +seinen tausendsten Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den nächsten +Tag tät er dann sterben, da könnten wir gleich zum Begräbnis dableiben. +Die Sache hätte sich so zugetragen, daß er vor etwa tausend Jahren 'n +mächtiger König gewesen wär; aber er hätt' 'n Verbrechen begangen, und da +hätt' 'n een sehr kräftiger Fluch getroffen, und da hätt' er gleich nach +seinem Tode sich immer wieder aus 'm Grabe 'rausbuddeln und in anderer +Gestalt 'n neues Leben beginnen müssen, und es sei immer sehr bergab +gegangen mit sein'n diversen Leben, bis er zuletzt hätte als deutscher +Maler auf die Welt gemußt. Da sei das Maß seiner Buße voll geworden, und +er dürft jetzt definitiv sterben. Also - was hat dieser Methusalem +gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. 's erstemal kommt's in +Gebrauch. Schneeweißes Buchenholz. Da schüttet meine Frau Rüben in das +Schaff, pfeift 'm Methusalem und sagt: 'Methusalem, stampfen Se mal die +Rüben hübsch klein!' Was macht er? Er beguckt sich das schöne weiße +Schaff, dreht's um, schüttet die Rüben aufs Pflaster und malt auf 'n +auswendigen Boden vom Schaff meine Alte. Die is nu immer wieder +hergelaufen gekommen, hat gelacht und geschimpft auf den Methusalem, und +er hat sie immer angeguckt und drauflos gestrichelt. Da is se ausgerückt +und er 's Schaff sich über'n Kopf gestülpt und immer hinter der Susanne +her. Und wo er sie erwischte, schnell ihr ins Gesicht geguckt und 'n paar +Striche gemacht. Und dann ging die Jagd von neuem an. Das nennt sich nu +landwirtschaftlicher Betrieb bei uns!" + +"Hat denn der Methusalem die Zeichnung fertiggestellt?" + +"Freilich! Fünf Tage lang is a mit sein'm Schaff auf 'm Kopp hinter der +Susanne wie wahnsinnig hergewest. Se is ganz außer Atem gekommen und hat +gesagt, a müßt wirklich 'n sehr schwerer Verbrecher sein. Aber das Bild is +nu fertig. Ich sag Ihn'n, su 'ne alte Eule haben Se Ihrer Lebtage noch +nicht gesehen." + +"Kann man das Bild nicht mal sehn? Sie haben dieses Schaff hoffentlich +nicht wieder als Schaff benutzt?" + +"Nee! Meine Alte hat das Bild abscheuern woll'n, aber da haben alle +Kurgäste Lärm gemacht." + +"Die Zeichnung ist köstlich!" warf Eva ein. + +"Wo ist denn das Schaff?" + +"Oben in seiner Stube hat's der Methusalem eingeschlossen. Aber ich hab ja +'n zweiten Schlüssel." + +"Holen Sie's mal!" + +"Wenn mich die Susanne erwischt, kommt sie gleich mit der Schmierseife und +der Scheuerbürste hinter mir hergesaust." + +"Holen Sie es. Wir stehen Posten." + +Ich wußte, daß dieser Methusalem ein bekannter ausgezeichneter +Karikaturist war. Als Barthel mit dem Schaff ankam und ich die Zeichnung +sah, war ich entzückt. Ich sah ein Meisterwerk! Diese ganze pfiffige, +durchtriebene, lachlustige, dicke Susanne lebte, atmete, schimpfte, +lachte, kommandierte, pfiff auf der Zeichnung. + +"Es ist herrlich", rief ich; "es ist zum Küssen schön!" + +"Weib!" schrie da Barthel begeistert, "Weib, komm 'raus, der Doktor will +dir 'n Kuß geben." + +Susanne kam heraus, sah das Schaff, kreischte, versuchte einen wilden +Angriff auf ihr Bildnis und erstarrte, als ich ihr sagte, wenn Herr +Stefenson die Zeichnung sähe, würde er wahrscheinlich ein- oder +zweitausend Mark dafür zahlen. + +Die erblaßte Susanne rief: + +"Ich kann doch keene so scheußliche alte Schachtel sein wie die da!" + +"Das ist keine scheußliche alte Schachtel", sagte Eva freundlich; "das ist +eine sehr liebe, lustige Muttel!" + +"Siehste, Alte", höhnte Barthel, "wenn du um die ganze Welt reistest, 's +könnte dich keen Maler schöner uffmalen, als du eben bist. Aber ich bin +nich eifersüchtig, wenn ooch der Methusalem fünf Tage hinter dir hergerast +is wie verrückt." + +Mit dieser rachsüchtigen Bemerkung schlug Barthel seine Gattin aus dem +Felde. + +"Holdrioho hoho!" jodelte einer draußen vor dem Tore. + +"Um Himmels willen", rief Barthel, "das is der Methusalem. Wenn der spürt, +daß ich in seiner Stube gewest bin! Der tausendjährige Kerl hat Kräfte wie +'n Bär." + +Und Barthel nahm das Schaff auf den Kopf und verschwand eilends im Hause. + +Eva-Hanne sagte: + +"Ich hab immer gern in meinem Leben gelacht, aber so viel wie in den drei +Wochen, da ich hier bin, noch nie." + +"Lachen ist gesund." + +"Ganz gewiß. Ich sehe, wie alle um mich her täglich gesünder und heiterer +werden. Heiter kann man es zwar nicht nennen, mehr ausgelassen." + +"Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg +zu dem Berge der Gesundheit und des Glückes, die Heiterkeit ist der +letzte, klare Gipfel. Zu ihm gelangen wir spät, erst, wenn wir lange und +mühevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden +ist, erst, wenn unsere Augen weithin sehen können, über alle Tiefen, die +unter uns, und alle Höhen, die über uns waren." + +"Sind Sie selbst schon auf der Höhe?" + +"Ich gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die +Hand ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!" + +"Vielleicht ist's gut so", meinte Eva nachdenklich; "wenn Sie selbst schon +oben ständen, könnten Sie nichts anderes als winken. Und da würde sich +mancher sagen: was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist +wohl in Not und fürchtet sich allein dort oben?" + +"Ich finde, Fräulein Eva, daß wir uns gut verstehn!" + +Ich sah ihr heiß in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber +kühl. Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz +schlurfte vorbei. Er brummte einen Gruß und rückte kaum am Hut. + +"Ein unfreundlicher Mensch", sagte ich, nur um etwas zu reden. "Wenn er +nur nicht mal Unheil anrichtet!" + +"Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich." + +"Holdrioho hoho!" jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl +erschien, der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren +gefahren. + +"Das ist Methusalem", belehrte mich Eva; "er bringt die dicke Cenzi vom +Felde heim." + +Cenzi war - wie ich wußte - die Gattin eines Berliner Bankiers. In ihrem +Dirndlkostüm sah sie ein wenig schnurrig aus. Methusalem fuhr seine holde +Last bis in die Mitte des Hofes, kommandierte "Alles aussteigen!" und +kippte den Schubkarren um. Cenzi quiekte, überkugelte sich zweimal, kam +dann jauchzend auf uns zu in einer merkwürdigen Gangart, die etwa so +aussah, wie wenn eine Ente den Trippelschritt einer Taube versucht, und +sagte: + +"Denken Sie, der schlechte Mensch; auf dem Schubkarren fährt er mich, aber +zeichnen mag er mich nicht!" Methusalem schnitt ein Gesicht hinter ihr, +das deutlich ausdrückte: "Lohnt nicht den Faßboden!" Dann sagte er: "Ich +bin kein Zeichner; ich bin ein Feldarbeiter. Und das Schubkarrenfahren ist +wichtiger für Sie, Cenzi, als das Geporträtiertwerden. Sie haben drei +Heukappen auf einen Platz zusammengetragen und waren daher mit Recht so +erschöpft, daß Sie per Achse nach Hause gebracht werden mußten." + +"Er ist über so viele Steine hinweggefahren", klagte Cenzi; "ich bin +buchstäblich wie gerädert." + +"Das wird besser werden, Cenzi", tröstete Methusalem, "wenn unser Vater +Barthel erst einen Schubkarren mit Federung und Gummirad angeschafft hat. +Es ist ein Skandal, daß er noch keinen solchen besitzt. Er ist ein +rückständiger Landwirt." + +"Oh, Sie Spötter!" flötete Cenzi; "aber passen Sie auf, morgen habe ich +wieder drei Pfund abgenommen. Denken Sie, Herr Doktor, neun Pfund habe ich +bei Ihnen in zwei Wochen abgenommen, und das ohne jede Medizin." + +Sie setzte sich zu mir und wollte mich in den Zauber eines Gesprächs über +ihren Gesundheitszustand verwickeln; ich aber sagte, sie möge das alles +ihrem Arzt in der Sprechstunde mitteilen. Da war sie denn auch zufrieden. + +Ein Hilfsbriefträger erschien. Er übergab Eva einen Brief. Den Brief hatte +die Reichspost mit der richtigen Adresse im Rathaus abgegeben. Dort war +der Brief in einen neuen Umschlag gesteckt und mit "Hanne - Forellenhof" +adressiert worden. So hatte ihn der Hilfsbriefträger überbracht. Er blieb +nach dieser Amtshandlung wartend stehen. + +"Nanu, Briefträger", sagte Methusalem, "Sie warten wohl auf 'n Trinkgeld? +Sie wissen doch, daß wir alle in diesen gesegneten Landen nicht 'n roten +Heller in der Tasche haben." + +"Eine Zigarre möcht ich gern", sagte der Briefträger. + +"Gibt's nicht", schimpfte Barthel aus der Haustür heraus. "Drei Stück sull +a bloß am Tage roochen, und die kriegt a ooch täglich geliefert. Nu is a +extra Briefträger geworden, daß a in a Höfen um Tabak rumschnorr'n kann." + +Der Briefträger (er war im Zivilleben Fabrikbesitzer im westfälischen +Industriebezirk) machte einen niedergeschlagenen Eindruck. + +"Drei Stück so leichte Zigarrchen ist ja nichts für einen, der ein starker +Raucher gewesen ist", sagte er. + +"Die drei Dingerchen hole ich mir früh um sieben ab und verrauch sie alle +drei nach dem Frühstück. Und dann habe ich den ganzen Tag nichts." + +"Trösten Sie sich", sagte Barthel grob, "vielleicht werden Sie ooch noch +gescheidt um 'n Kopp!" + +Nur die dicke Cenzi war mitleidig. Sie hatte sich eben eine Zigarette +angesteckt und sagte: + +"Briefträger, ich krieg bloß zwei Stück am Tag. Aber Sie dürfen einmal +dran ziehen." + +Sie steckte dem Briefträger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich +gierig daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, daß er +binnen Sekunden die ganze Zigarette aufgefressen hätte, wenn Cenzi sie ihm +nicht entrissen hätte. + +"Den laß ich nie wieder ziehen!" sagte sie empört. + +Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhig geworden. + +"Er ist von meinem Vater", sagte sie leise zu mir. + +"Begleiten Sie mich bis zum Tor!" + +"Also", fuhr sie fort, während wir langsam gingen und sie sich auf mich +stützte, "hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt +nicht lesen. Ich weiß, daß er nichts Erfreuliches enthält, und ich will +mir den schönen Abend nicht verderben." + +So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz +neuen Form wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei uns +zur Kur, und der Vater protestierte. Anders konnte es nicht sein. + +"Es wäre sehr, sehr schade, wenn Sie unser Heim verlassen müßten", sagte +ich und fühlte, daß eine heiße Angst in mir aufstieg. + +Sie sah finster zu Boden. + +Dann riß sie den Brief auf. + +"Ich will nicht feig sein!" + +Sie las - las - staunte. Dann reichte sie mir den Brief. + +"Oh! Das hätte ich nicht gedacht! Lesen Sie!" + +"Liebes Kind! Es ist ja nicht nett von Dir, daß Du hinter meinem Rücken +ins Lager unseres sogenannten Feindes übergegangen bist. Aber die Sache +kann sich noch gut zurechtschieben. Die Neustädter, deren ganzer Sache ich +auf die Beine geholfen habe, machen mir schon seit langem das Leben sauer +und möchten mich nach und nach übrig machen. Nun erhielt ich gestern von +Mister Stefenson aus Amerika einen Brief, in dem er mich anfragt, ob ich +geneigt sei, den Bau der noch fehlenden zwanzig Höfe in der Waltersburger +Kuranstalt zu übernehmen und auch fernerhin die baulichen Unternehmungen +dort zu leiten. In diesem Falle möge ich mit der Waltersburger Direktion, +die verständigt sei, in Verbindung treten. Ich bin nach Lage der +Verhältnisse gar nicht abgeneigt, der Sache näherzutreten, und freue mich +jetzt, daß Du bereits Dein Interesse für das jedenfalls sehr +aussichtsreiche Waltersburger Unternehmen bekundet hast. In den nächsten +Tagen werden wir uns sehen." + +Ich gab Eva den Brief zurück. + +"Sie werden nicht glauben, daß ich eine Ahnung von diesen geschäftlichen +Dingen gehabt habe", sagte sie ängstlich. + +"Gewiß nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewußt." + +Ihre Stirn war finster. + +"Es ist schwer für mich, das zu sagen - aber Sie sollen mich nicht falsch +beurteilen; es gefällt mir nicht von meinem Vater, daß er von den +Neustädtern zu den Waltersburgern übergeht. Er hätte drüben Stange halten +müssen - jetzt erst recht!" + +"Braves, liebes Mädel!" dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen: + +"Sie sind ja auch zu uns gekommen!" + +"Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom +Forellenhof. Ich schade den Neustädtern nichts. Aber mein Vater - der +Gründer von allem! Wenn der übertritt!" + +"Fräulein Eva, Ihr Vater ist wohl längst da drüben nicht mehr ganz mit dem +Herzen dabei. Seine ursprünglichen Waldheime sind dem öden Hotelbetrieb +gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger +Geschäftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein +Feld neuer Tätigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von +ihm, wenn er zusagt." + +"Sie sind ein lieber Mensch", sagte sie dankbar, und meine Augen flammten +auf, und auf einen Augenblick war es mir, als flöge meine Seele einem +seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein +seliger Taumel faßte mich ... + +Draußen an der Tür erhob sich ein Singen: + + "Abend wird es wieder; + Über Wald und Feld + Säuselt Frieden nieder, + Und es ruht die Welt." + +Das alte Abendlied wurde von vierstimmigem Chor gesungen. Da öffnete der +lange Ignaz das Tor. Er hatte in der Nische gelehnt, und ich hatte ihn +vorher gar nicht gesehen. Vielleicht hatte er alles gehört, was wir +gesprochen hatten. Jetzt blickte er mich mit finsterem Gesicht an. Aber +ich beachtete ihn gar nicht. Ich sah auf die Sänger, die durchs Tor zogen. +Sensen und Rechen trugen sie über die Schultern, alle mit Feldblumen +geschmückt, voran schritt Emmerich, der Chormeister, mit einem mit +Kornblumen geschmückten Taktstock: + + "Nur der Bach ergießet + Sich am Felsen dort, + Und er braust und fließet + Immer, immerfort. + + So in deinem Streben + Bist, mein Herz, auch du, + Gott nur kann dir geben + Wahre Abendruh!" + +Als letzte in der Reihe kamen die kleine Luise und eine Frau, die das Kind +an der Hand führte. Diese Frau war wohl noch jung; sie war von hoher, +schöner Figur. Das Gesicht konnte ich nicht sehen, weil das bunte +Kopftuch, das sie trug, weit vorgeschoben war. Luise, die jetzt sehr +häufig auf dem Forellenhofe war, schmiegte sich dicht an ihre Begleiterin. + +"Wie heißt die Frau, mit der Luise geht?" fragte ich Eva. + +"Sie nennt sich Magdalena, ist sehr still und bleibt fast immer für sich +allein. Aber das Kind hängt an ihr." + +Behutsam zog ich mein Notizbuch. Dort hatte ich die Kurgäste des +Forellenhofes verzeichnet. + +"Magdalena ..., geschiedene Frau Kaufmann Agnes Blassing aus Aachen, +behandelnder Arzt Dr. Michael", stand dort verzeichnet. + +Das Abendlied verklang; die Leute zerstreuten sich an der Brunnenröhre +oder am Bach; die meisten aber zogen doch vor, ihre Abendtoilette auf dem +Zimmer zu besorgen. + +Draußen auf der Straße knarrte noch ein Wagen. Trotzdem schloß der lange +Ignaz das Tor. Das war eine neue Heimtücke von ihm; denn vor dem Tor stand +Piesecke mit einem Fuder Klee und wußte nicht, wie er es anstellen solle, +die Zügel der Pferde, von denen eines sehr unruhig war, nicht loszulassen +und doch an das Tor zu klopfen. + +So schrie er: "Es ist zu! Es ist zu! Bitte, machen Sie gefälligst auf!" +und es klang wie ein jammernder Hilferuf. Die Leute, die noch im Hofe +waren, lachten, und niemand dachte daran, Piesecke in seiner Not +beizustehen. Da eilte die kleine braune Anneliese über den Hof und +versuchte das schwere Tor zu öffnen. Ich half ihr dabei, und ich sah zum +erstenmal, wie reizend dieses Mädchen war. Wie eine süße, junge, rote +Rose! Ihre Sternenaugen grüßten mich wieder so freundlich, und ich +glaubte, zu ihrem Herzen würde ich den Weg wohl leichter finden als zum +Herzen dieser stolzen Eva. Und sah doch wieder zu dieser Eva hin. + +Nun sollte zur Abendmahlzeit gerufen werden. In anderen Höfen geschah das +durch eine Glocke. Hier im Forellenhof trat Emmerich mit seiner Leibgarde +auf. Vier Mann, zwei mit Becken, einer mit einer Trommel, einer mit einer +Pauke. Dieser Tischruf war so gewaltig, daß die Leute drunten in +Waltersburg wußten, wann im Forellenhof gegessen wurde. Damit aber auch +der lyrische Teil dieser Emmerichschen Kunstleistung nicht fehle, wurde +ein Kanon gesungen, den Emmerich gedichtet und komponiert hatte: + + "Lobt den Herrn, hat's zu bedeuten, + Wenn zur Ruh die Glocken läuten, + Doch dabei nicht zu vergessen, + Kommt zum Essen! Kommt! Kommt!" + +Die vier Sänger sangen diesen Kanon mit tiefem Gefühl. Bald sammelten sich +die Abendgäste an der großen Tafel im Garten. Emil Barthel saß an der +Spitze und präsidierte. Es gab Bratkartoffeln, Milch, Weißkäse, Butter und +Brot, grünen Salat, frische Kirschen und Haselnüsse. Dieses Abend-"Menu" +habe ich glatt von Lahmann im "Weißen Hirsch" übernommen, weil es kein +besseres gibt. + +Piesecke behauptete, wenn er Milch, Kirschen, grünen Kopfsalat und +Weißkäse zusammen äße, bekäme er auch zusammen die Ruhr, den Typhus und +die Cholera. Er war deshalb mit noch einem anderen Kurgast an einen +Extratisch gesetzt und bekam besondere Kost. Nach vierzehn Tagen, als +Piesecke sah, daß die Gäste am "Normaltisch" sich sehr wohl fühlten, wurde +er seiner Einsamkeit überdrüssig und verlangte zu den anderen. + +Ich aß an diesem Abend mit im Forellenhof, und ich hatte große Freude, zu +sehen, wie herrlich es den Leuten schmeckte. Auch die Tischgespräche, die +geführt wurden, gefielen mir. Weit weg war alles gespreizte, verlogene +Getue, weit weg aller Phrasenklüngel, alles ästhetisierende Jongleurtum, +alle pseudophilosophische Geistreichelei, jede auch noch so versteckte +Prahlerei mit wirklichen oder vermeintlichen Werten aus dem früheren +Leben. + +Der dicke Franzel erzählte dem dürren Heinrich (einem Zoologen aus +München), daß er drei Maulwürfe erlegt habe, worauf Heinrich entrüstet +erklärte, das sei eine ungeheure Dummheit, da der Maulwurf als +Insektenvertilger und nachweislicher Nichtpflanzenfresser niemals ein +Würzelchen der Wiese, dagegen aber täglich so viel schädliche Engerlinge +verspeise, wie er selbst schwer sei. Vater Barthel, zum Schiedsrichter +angerufen, entschied: "Den Büchern nach ist der Maulwurf sehr nützlich, +aber dem Bauernverstande nach schlagen wir ihn tot. Von wegen seiner +Haufen!" Heinrich zuckte die Schultern und sagte, es werde wohl auch in +diesen finsteren Aberglauben noch einmal Licht kommen. Vom Ausroden zweier +Weiden erzählte einer, vom Pflanzen von Sellerie ein Mädchen, von der +Aussaat von Winterrettich und Wirsing eine andere. Die meisten sprachen +von der lustigen Heuernte, von dem rotblühenden Kleefeld oder von dem +Wiesenwässerlein, über das eine neue schmale Brücke mit einem birkenen +Geländer gelegt worden war. Bäuerliche Themen, manchmal mehr altklug +behandelt, wie Kinder schwätzen, als wirklich erfahren, wie Vater Barthel +war, der aber sehr wohlwollend alles anhörte. Weil es an St. Barnabas +geregnet habe, erklärte ein Rheinländer, würden die Trauben dieses Jahr +von selbst ins Faß schwimmen, und wie das Wetter am Johannistag sei, so +würde es bis Michaeli sein, behauptete ein anderer. Ich sah mir die Leute +an, die so sprachen. Sie gehörten alle zu den gebildeten Schichten der +Bevölkerung. Würden sie je in ihrem eigenen Leben solche Unterhaltung +führen, so wären sie Sonderlinge, als komische Käuze, vielleicht als +albern gebrandmarkt. Hier wären sie lächerlich, wenn sie von hoher +Politik, von gesellschaftlichen Ereignissen und Beziehungen, von +künstlerischen oder philosophischen Streitfragen zu reden begännen. + +Diese Leute haben wirklich alle Ferien vom Ich gemacht. Und ich sehe, daß +ich meine Idee nicht bis in die Einzelheiten selber auszudenken brauche; +hier dichten alle mit an dem großen Sturmlied, das wir gegen den Jammer +unseres modernen Lebens anstimmen wollen; hier hilft jeder bauen an der +Brücke, die über den Strudel der Zeit zu dem stillen Eiland des Friedens +führt, hier stützt einer den andern. Betrachtet den Soldaten, der schwer +beladen sein junges Leben in täglich vielstündigem mühseligem Marsch gegen +die Feuerschlünde der Feinde schleppt - er würde auf seiner furchtbaren +Reise erlahmen, liegenbleiben, verzweifeln nach der dritten oder vierten +Stunde, wenn er allein wäre. Aber der Rhythmus der Masse hält seine +Glieder im Gang; am klingenden Bewußtsein der Gegenwart von tausend +anderen hält er sich aufrecht. + +So ist es hier auch. Nimm den einzelnen Kulturmenschen, setze ihn in eine +Bauernstube, heiße ihn leben und arbeiten, wie es ein Bauer tut, und das +Heimweh packt ihn am achten Tage und treibt ihn davon. Mit Hunderten, ja +mit Tausenden seinesgleichen aber ist er glücklich, legt er alle Tage +Strecken auf dem Wege der Gesundheit zurück, deren er sonst nie fähig +wäre, kommt er trotz aller Anfeindung durch sein bequemes, verzärteltes, +tyrannisches Ich zum Siege. + + + + + + LORELEI + + +Mein Bruder Joachim guckte über den Gartenzaun. Und als sich die +Gesellschaft auflöste zum Abendspaziergang, fügte es sich leicht, daß Eva +und Annelies, Joachim und ich uns zusammenschlossen. Im Poetenwinkel der +Lindenherberge standen die Fenster offen, da sangen zwei junge Männer zur +Laute: + + "Rosenbusch holderblüh, + Wenn i mei Mädle g'sieh -" + +Wir blieben stehen und hörten zu. Die Sänger reichten zwei volle Gläser +zum Fenster heraus, und unsere Mädchen nippten daran und lachten. + +Annelies hatte meinem Bruder zugetrunken, und es war mir schon +aufgefallen, wie seine sonst so ernsten Augen aufleuchteten. Dann, als der +fröhliche Singsang überging in "Drauß' ist alles so prächtig, und es ist +mir so wohl", bemerkte ich, daß Joachim heimlich nach Annelieses Hand +faßte, die ihm das Mädchen traumverloren überließ. + +Eva stand ans Fenster gelehnt. Der Duft der Wiese schlug mir schwer in die +Sinne. Glühwürmchen funkelten durchs Gras. Droben im einsamen Hirtenhaus +blies auf seinem Waldhorn der freiwillig Verbannte, dessen Liebesleiden +ich kenne, Eichendorffs traurige Weise: + + "Sie hat einen andern genommen, + Ich war draußen in Schlacht und Sieg, + Nun ist alles anders gekommen, + Ich wollt', es wär' wieder Krieg!" + +Über die Wiese gingen zwei langsam dahin. Die Frau vom Forellenhof, die +sich Magdalena nannte, und die kleine Luise. Das Kind erkannte mich und +eilte auf mich zu. Die Frau blieb abgewandt stehen. Da rief die Kleine: + +"Magdalena, Magdalena, kommen Sie doch her! Hier wird so schön gesungen!" + +Die Frau schüttelte den Kopf, wandte sich aber doch langsam um. Und ob es +auch schon dämmrig war, der Abend hatte mich scharf sehend gemacht; ich +sah, daß das Weib, das dort einsam auf der Wiese stand, Joachims erste +Frau, Luises Mutter, war. + +Der Bruder aber sah sie nicht, und seine Augen waren gehalten, und er +erkannte auch sein Kind noch immer nicht. Langsam tastete wieder seine +weltmüde und doch immer noch glücksuchende Rechte nach der kleinen +Anneliese keuscher Hand. + +"Magdalena, kommen Sie hierher!" rief das Kind abermals und dringend. + +Die aber schüttelte den Kopf und ging davon. + +Das Kind schmiegte sich an mich; vom Berge her klang noch immer die +Melodie des Eichendorffliedes, und ich sah den Bruder an und hörte aus dem +Klange des Hornes die Worte: + + "Ich aber war weit schon gegangen, + Jetzt sieht sie mich nimmermehr." + + ------------------------------------------------------- + +Die Nacht war schwüler als der Abend. Es war, als ob von irgendwoher heiße +Gewitterluft über unsere Häupter getragen würde. Ich saß wach am Fenster. +Als ich heimgekommen war, hatte ich einen Brief von Stefenson gefunden. Er +machte mir Mitteilung, daß er an den Baumeister Bunkert geschrieben habe +und ihm die Leitung unserer ferneren baulichen Unternehmungen übertragen +wolle. Dann kam der inhaltsschwere Satz des Briefes: "Ich verhehle Ihnen +nicht, lieber Freund, daß meine tiefe Neigung für Fräulein Eva Bunkert, +deren ich mir inzwischen ganz klar geworden bin, mich zu dem Angebot an +ihren Vater geleitet hat. Dieser Neigung werden Sie - dessen versichert +mich Ihre ehrliche Freundschaft - immer Rechnung tragen." + +Wie schwül die Nacht war, wie unruhevoll die Seele, schmerzlicher Wünsche, +heißer Angst, tiefer Niedergeschlagenheit voll, da das schöne Traumbild +von Liebe und Glück von drohendem Wetterleuchten überstrahlt an meinem +Himmel stand. + +Da bäumte sich der Wille im jungen Herzen auf, und ich sagte mir: Oho, +mein Freund, wie kommst du dazu, mir den Verzicht auf meine junge Liebe zu +befehlen? Steht dieses Recht in unserem Kontrakt? Ist Liebe ein Schacher, +in dem du mich überbieten kannst? Bist du mein Herr und ich dein Sklave, +dem du befehlen kannst: Laß ab von jenem Mädchen, das ich für mich will! +Oder, wenn du es auf die Freundschaft hinausspielen willst: wo war je in +der Welt Freundschaft stärker als Liebe, wo wäre sie im Kampfe mit ihr +nicht unterlegen? + +Komm nur zurück, alter Geschäftemacher, und kämpfe um die Braut! Wenn du +zu lange ausbleibst, wirst du sie als die Meine finden und sie mir gewiß +nicht mehr entreißen. + +So wollte ich das Recht auf mein Lebensglück wahren. Aber neben dem Willen +saß der Zweifel. Ich wußte, daß Evas Herz viel mehr zu Stefenson neigte +als zu mir. Ich war wohl für das Glück der Liebe nicht bestimmt. Niemals +im Leben hatte es mir ernsthaft gewinkt. Vielleicht war ich zu scheu, zu +verträumt meinen Lebenspfad gegangen. Auch die kleine Anneliese, die +junge, rote Rose, hatte ich übersehen. + +Nun streckte der Bruder die Hand nach ihr, und auf der Wiese stand des +Bruders Weib und sah mit verlorenen Augen nach ihm hin. + +Auch da fühlte ich ein böses Wetter aufsteigen. + + ------------------------------------------------------- + +Das ist doch ein kostbares Geschenk, das der Herrgott seinen Erdenkindern +machte: die Arbeit. Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das +dir den Tag grau färbt und deine Nächte qualvoll macht, geh zur Arbeit, zu +der herben, tüchtigen Frau, sie wird dich mit so klaren Augen anschauen, +mit so morgenheller Stimme zu dir sprechen, daß du das Haupt hochheben und +tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst; bist du +einem Irrlicht nachgegangen und auf sumpfigem Pfad von Schlingpflanzen +tiefer Verzagtheit umschlungen worden, rufe die Arbeit, die tüchtige Frau, +sie wird dich mit derber Hand herausziehen aus deiner Bedrängnis und dich +wieder auf eine feste Straße stellen; hast du Güter verloren, welcher Art +es immer sei, wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen +und leere Herzen immer neu zu füllen vermag; sind dir alle +Unterhalterinnen des Lebens überdrüssig geworden, laß die Arbeit an deinem +Tisch sitzen bis zum letzten Tage deiner Kraft! + +Denn sie ist deine beste Freundin; sie schützt deine Gesundheit, sie +stärkt deine Muskeln; sie würzt dir das Mahl und salzt es, daß es nicht +faule; sie spricht dir alle Tage aufmunternde Worte über deinen Wert ins +Ohr und hütet dich doch vor Übermut durch kleine oder große Mißerfolge; +sie gibt dir für deine Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu +deinem Becher den rechten Durst und schließt dir alle Abende mit leisem +Finger die Lider! + + ------------------------------------------------------- + +So bin ich durch die Arbeit über meine Zweifel und Leiden hinweggekommen, +so sind meine Eigenwünsche still geworden und wie kleine Heimatbächlein +hineingerieselt in den großen Strom des Willens zum Dienst der +Allgemeinheit. + +Von dem lasse ich mich tragen. Manchmal gluckst noch ein silbernes +Stimmlein alter Sehnsucht auf; aber es verklingt, und ich freue mich der +starken Alltagswelle, die mein Schiff trägt. + +Von den Patienten, die zu mir kommen und ihre Lebensberichte vor mir +ausbreiten, haben die meisten an der Liebe gelitten. Männer wie Frauen. +Denn nicht immer sitzt auf dem Felsen am Fluß die Lorelei und in dem +scheiternden Kahn unten der Mann; oft schwimmt die Lore unten, und der +Mann sitzt oben, wenn er sich auch nicht sein "golden Haar" kämmt, sondern +vielleicht nur einen schwarzen Bart streicht. Die Tragik ist immer die +gleiche: der Kahn kippt um. Steht man dann als Leibes- und Seelenarzt am +Ufer und wirft seinen Rettungsring aus, so ist das ein aufregendes, aber +schönes Geschäft, und ich denke, nach und nach wird sich bei mir die +Aufregung in eine milde Seelenheiterkeit umwandeln. Habe ich so ein +pudelnasses Menschenkind, das im romantischen Rheinstrom der Liebe +verunglückte, ans Land gezogen, so lasse ich es erst ein wenig zu Atem +kommen, und dann forsche ich es langsam aus, ob die (oder der), so auf dem +Felsen gedudelt hat, nicht auch mancherlei Schwächen haben möge, und wird +die Frage ein wenig zähneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter, +bis sich ergibt, daß die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, +eigentlich minderwertig, hingegen der (oder die), so in dem Kahn umkippte, +wesentlich wertvoller sei, weshalb die ganze Unglücksfahrt eine Torheit +gewesen, nach welcher man klüger geworden und gottlob ans feste Land und +in trockene Kleider gekommen sei. + +In den meisten Fällen hilft meine Methode; sie führt durch das Türlein: +"Er ist es nicht wert, daß ich mich opfere", in den Garten der Gesundung. + +Einige Fälle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, daß immer nur +auf die Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt. +Die stehen dann wie verloren und verzürnt in dem lustigen Ferienheim vom +Ich, werden zuerst auf einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton +wehe tut, aber wo eine kleine feste Pflicht sie aufrecht hält, und +steigen, wenn die Lebenssehnsucht wieder erwacht, Stufe um Stufe ins Tal +zurück. + + + + + + DIE "KRUMMBEINIGE MEDIZIN" + + +Meine Kurmittel sind nicht ganz gewöhnlicher Art. Es gibt Ärzte, die den +Sitz alles Übels im Magen suchen; andere begeistern sich für die Leber; +wieder andere schwören auf warme Füße; ganz alte, bequeme Knaben geben +immer zum Schwitzen ein oder verordnen Laxiermittel; wieder andere sagen, +außer mit Chinin, Digitalis und Quecksilber sei überhaupt nichts +anzufangen; diese werden von den Wasserdoktoren "Giftmischer" genannt, und +alle werden von den Homöopathen verachtet. Ich misch mich da nicht ein; +ich sage: ihr habt alle recht, und der, der am wenigsten tut, tut am +meisten. + +Meine Kuranstalt Ferien vom Ich ist etwas Neues, und es sind auch meine +Kurverordnungen teilweise sehr neu. So habe ich in der kurzen Zeit meiner +hiesigen Praxis meinen Patienten in einundfünfzig Fällen die Anschaffung +eines Dackels verordnet. Der Dackelhund als Heilmittel ist in der +medizinischen Wissenschaft gewißlich ein Novum, aber er ist gleicherzeit - +das kühne Bild ist in Tagebuchaufzeichnungen erlaubt - nichts anderes als +ein Ei des Kolumbus. Ich habe selbst seit Jahren einen Dackelhund (in +Amerika drüben nennen sie ihn _german __dog_), er heißt "Spezi", weil er +mir in der Tat ein Spezialfreund geworden ist, und ich kenne die +gesundheitsfördernden und erziehlichen Werte seiner Gegenwart zu gut, als +daß ich in meiner Nächstenliebe nicht auch anderen das Glück eines solchen +Besitzes gönnen sollte. Eine wissenschaftliche Arbeit schreibe ich ja hier +nicht; nur eine Tagebuchplauderei. Aber ich will eine erweiterte Abschrift +dieses Kapitels meinen Kollegen geben, die ein wenig die Nase über den +"Chef" rümpfen, der so viele "krummbeinige Medizin" verordnet, daß neulich +sechsundzwanzig Dackel auf dem Lindenplatze eine Art Generalversammlung +abhielten und greulichen Unfug verübten. (Dr. Fristen hat mir damals +gekündigt mit der Begründung, daß er ein ernst zu nehmender Arzt sei, und +ich habe ihn ohne Trauer ziehen lassen. Hol der Fuchs alle Spießer, die +nur ihr Schuleinmaleins ableiern können!) + +Einen Dackel verordne ich zunächst demjenigen, bei dem ich als Pfahlwurzel +seiner Leiden zu große Eigenliebe erkenne. Die gewöhnt ihm der Hund +alsbald gründlich ab. Kein noch so eingefleischter Nietzschianer behauptet +auf die Dauer seinem Dackel gegenüber die "Herrchen"-Natur. + +Das "Herrchen" ist der Dackel; da kann einer dagegen tun, was er will; es +nutzt alles nichts. Zum Beispiel: Der Philosoph, in schwere Gedanken +versunken, strebt auf seinem Abendspaziergang gen Westen. Der begleitende +Dackel - einen Igel erschnuppernd - biegt gen Süden ab. Der Philosoph wird +sich anfangs um den kläffenden Köter ganz und gar nicht kümmern; aber dann +wird er pfeifen - einmal, zweimal, dreimal leise - dann laut, immer lauter +rufen, drohen, die Fäuste ballen, toben, aus seiner schweren Gedankenbahn +geschleudert werden, umkehren, gen Süden wallen und Betrachtungen darüber +anstellen, ob nun ein Dachshund oder ein Igel das widerborstigere Tier +sei. Der notgedrungene Gleitflug aus der luftarmen Höhe eisigen Denkens +ist durch einen Dackel ertrotzt. + +Gut so - in den Ferien vom Ich! + +Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines +elenden Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenüber mit der +ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn +in hundert Runzeln, die Ohren hängend, den Schwanz melancholisch +eingeklemmt, die Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd, +stöhnend, so wird der Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen, +mit dem Vieh auf die Straße flüchten und sich nicht schlecht wundern, daß +der scheinheilige Jämmerling plötzlich wie ein Berserker der Lebenslust +umherrast. Etwas abfärben wird es schon. Das nächste Mal, wenn er und der +Dachs so trübselig einander gegenübersitzen, wird sich der Misanthrop +selbst nicht recht trauen und auf die Straße gehen. + +Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und +keinen bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den +ersehnten Tyrannen, den sie pflegen und füttern kann. + +Die kleinliche, ordnungswütige Hausfrau, die ihrem Mann wegen eines +Zigarrenstäubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte, +bis sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhält als +Antwort auf ihre entrüstete Klage, daß ihr das "entsetzliche Vieh" die +Hausschuhe verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch +geknabbert habe, die Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die +Hausschuhe und gestickten Decken seien im Universum von nur +nebensächlicher Bedeutung, und ohne Dackel könne sie nicht gesund werden. + +Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt +im verschlossenen Briefe mitteilte, sie brächte ihre Nachbarschaft durch +ihr ewiges Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen +Dachshund verordnet. + +Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und +verheult, daß ihr die Drahtkommode zur Unmöglichkeit wurde. + +Allen den sehr nervösen Herren, die zu mir kommen und von denen ich weiß, +daß sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit draußen in der Welt als +Richter oder Examinatoren auf arme Opferlämmer losgelassen werden, +verordne ich einen Dackel und bitte sie, sich seiner künftighin auch vor +ihren Amtshandlungen zu bedienen. Ich denke dabei an die Wirkung milde +ableitender Mittel. Einer, der einen Hund gestreichelt hat, kann keinen +Menschen ohne äußerste Not zu Boden schlagen, auch wenn seine Nerven noch +so ruiniert sind. + +Ferien vom Ich! + +Das ist so die fieberstillende Wirkung der "krummbeinigen Medizin". Aber +der Dachs wirkt auch stärkend und aufbauend. + +Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen +Dachshund. Nach acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle +Kreaturen, ein "untreues Luder". Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer +seinem tierischen Instinkt nach, geradeso, wie es die Menschen täten! Vier +Wochen darauf war der Mann bekehrt. Er sagte mir: + +"Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich +zwei Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit +schmutzigen Pfoten und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er +treuherzig sagte: Liebes Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauselöcher, +in die ich schnuppern möchte, aber es ist doch am schönsten bei dir! Das +ist immerhin eine gewisse Treue!" + +Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes, +hoffärtiges Gebaren haben, denen, die "sich tun", wie die Leute sagen. Es +sind ihrer sehr viele. Wer "tut sich" heutzutage nicht? Der Dichterling, +der reiche Kaufmann, der Herr Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen +nur einen Dackel ans Bein, der sie an den Hosen oder am Humpelrock zerrt, +gleich ist ihre Hoheit dahin. + +Man kann nicht geziert, nicht unnatürlich tun und sein, wenn man mit einem +Dackel geht. Das rustikale Viehzeug verdirbt allen aufgeblasenen Stil, +zerrt einen widerwillig in die Natürlichkeit zurück. + +Gewiß, der Dackel ist ein stobiger Philister, ein täppischer Biedermeier, +ein Kleinbürger, aber auch ein Nihilist gegen alle Gespreiztheit, ein +genialer Spötter. + +Ich wüßte nicht, warum ich ihn nicht als ein Heilmittel gegen mancherlei +Gebrechen unserer Zeit in unseren Kurplan einsetzen sollte! + + + + + + IN DER GENOVEVENKLAUSE + + +Die Genovevenklause ist frei geworden. Den Sommer über wohnte eine Witwe +mit ihrem Söhnchen darin. Eine vornehme Dame, die nach dem Untergang ihres +Eheglücks aus ihrer bunten Gesellschaft in die Einsamkeit der Klause +flüchtete. Das Häuslein ist halb in den Berg hineingebaut, ein Kreuz ist +über dem Felsen, der Bach fließt vorbei, ein zahmes Reh grast vor seiner +Tür. Es vertritt die Hirschkuh der Legende. Dort bei der Genovevenklause +ist meist tiefe Stille; nur ein schmaler Fußweg führt zu ihr hin, und es +ist dort recht einsam. Nur die Heimwehfluh mit dem Hirtenhaus ist ebenso +still. + +Nun ist die Frau fortgezogen. Sie mußte in die Welt zurück und hatte +Tränen in den Augen, als sie Abschied nahm. + +"Wenn das Grab meines Gatten hier wäre, möchte ich nie mehr ausziehen aus +der lieben Klause", sagte sie. + +"Sie müssen es wegen Ihres Sohnes", entgegnete ich ihr; "Sie dürfen keinen +Schmerzensreich, keinen Parsival aus ihm machen; Sie müssen ihn +vorbereiten für das Leben." + +"Mir graut vor dem Leben", sagte Frau Herzeleide und zog davon! ... + +Heute war ich in der Direktion. Der Direktor war nicht anwesend, und ich +mußte ein wenig warten. Da kam sie zur Tür herein - Magdalena vom +Forellenhof -, die Frau meines Bruders Joachim. Als sie mich sah, erschrak +sie und strebte zur Tür wieder hinaus. Ich hielt sie zurück. + +"Was wünschen Sie, Magdalena? Der Herr Direktor wird gleich hier sein. +Warten Sie nur einige Minuten!" + +Sie war äußerst verwirrt. + +"Ich wollte - ich möchte - ich wollte nur anfragen, ob es vielleicht +möglich sei, daß ich in die Genovevenklause ziehen könnte, da sie frei +geworden ist." + +"Gefällt es Ihnen nicht mehr auf dem Forellenhof?" + +Sie wich aus. + +"Ich möchte sehr gern in tiefere Einsamkeit." + +"Ist Ihr Arzt damit einverstanden?" + +"Ja." + +Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn +gefahren. + +"Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen +recht ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort +steht. Ich werde schon dafür sorgen, daß Sie die Klause bekommen." + +"Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich möchte Ihnen +meinetwegen den Weg nicht zumuten." + +"Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!" + +Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blaß, und ihre +Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz +gefärbt; das veränderte sie am meisten. Aber auch der früher so rosige +Teint war verloren; die Haut schimmerte blaß und feucht; die Kinderaugen, +die so übermütig blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare +Schönheit noch, aber sie blickten müde und traurig. + +Während wir so gingen, sprach ich über harmlose Dinge, über die Ernte, +über Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt +hinter mir und vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den +schmalen Pfad kamen, atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht +mehr nebeneinander gehen. Sie bestand darauf, daß ich voranschritt. + +So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erlösers, und ich dachte +an jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und +mir nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich +nicht grausam sein. Diese Frau war so müde, so geschlagen; sie brauchte +keine Strafe mehr. + +"Magdalena", sagte ich, "ich habe gehört, daß Sie gern mit unserer kleinen +Luise gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen +hier nicht fehlen?" + +Sie seufzte schwer. + +"Ja, es wird mir fehlen. Aber auf dem Forellenhof nimmt es jetzt meist das +junge Fräulein, die Bärbel, und mir hat Luise versprochen, daß sie mich +alle Tage besuchen will. Sie spielt gern mit dem Reh." + +"Und Sie haben dem Kinde auch viele Geschichten erzählt?" + +"Ja, sie hört gerne Märchen." + +"Haben Sie auch mit ihr gelesen, geschrieben und gerechnet?" + +"Ja, ich tue das sehr gern." + +"Hm." + +Ich machte eine Pause. + +Dann sagte ich: + +"Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin +austoben. Aber als ständiges Unterkommen hätte ich für die Kleine gern ein +stilles Heim. Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen +in Pflege." + +Da schrie sie kurz und jäh auf. + +"Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine große Gnade!" + +Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: "Ich werde es tun." + +Nun faßte sie mich an den Händen; ihr ganzer Körper bebte. + +"Eine Gnade!" wiederholte sie. "Ich bin so verlassen, und ich habe das +Kind so lieb!" + +Sie ließ mich los, legte einen Arm über die Augen, trat ein wenig zurück +und stand so ein Weilchen still da. Plötzlich begann sie bitterlich zu +weinen. + +"Was ist Ihnen, Magdalena?" + +"Es geht nicht; es geht nicht!" schluchzte sie; "wenn Sie - wenn Sie +wüßten, wer ich bin, würden Sie mir das Kind nicht übergeben. Ich bin eine +- eine schlechte Frau!" + +Ich ging zu der Unglücklichen, legte einen Arm um ihre Schultern und sagte +erschüttert: + +"Du bekommst das Kind doch, obwohl ich weiß, wer du bist!" + +Sie prallte zurück. + +"Sie wissen - wer ich ..." + +"Ja, Käthe, ich hab dich erkannt!" + +Da warf sie die Arme in die Luft, stieß einen Schrei aus und verschwand um +den Felsen in den Wald. + +Ich eilte ihr nach und holte sie mit Mühe ein. + +"Wenn Joachim mich erkennt, schlägt er mich tot!" wimmerte sie. + +"Er erkennt dich nicht. Niemand kennt dich außer mir. Und ich werde dich +schützen!" + +Sie mußte sich an mir festhalten, als ich sie zur Klause zurückführte. +Dort setzte ich sie auf die Bank vor der Haustür und streichelte ihren +Scheitel. + +"Jetzt sind Sie wieder Magdalena, und ich bin wieder der Herr Doktor. Wir +kennen uns nicht. Das, was jetzt hier geschah, ist nicht gewesen! Morgen +früh bringe ich das Kind. Beruhigen Sie sich, Magdalena, fürchten Sie +nichts, ängstigen Sie sich nicht. Das Kind darf sich ja nicht wundern. Es +soll ja eine heitere, zufriedene Pflegerin haben. Auf Wiedersehen!" + +Ich ließ sie allein. + + ------------------------------------------------------- + +Meine Mutter hat sich um Luise wenig mehr gekümmert. Sie hat wohl sicher +Tag und Nacht an das Kind gedacht, aber nicht nach ihm gefragt. Sie hat +keine Freude an dem Mädchen, sie liebt es nicht; sein Dasein aber regt sie +auf, läßt sie leiden. + +Die Mutter kommt kaum alle zwei oder drei Wochen einmal zu mir heraus. Ich +glaube nicht, daß sie an meiner Schöpfung viel Freude hat. Sie ist von +stockkonservativer Natur; alles Neue erscheint ihr verdächtig. + +Ein- oder zweimal hat die Mutter aber doch Luise flüchtig wiedergesehen. +Sie ist dann in schwere Aufregung geraten. Und eines Septembertags, kurz +nachdem das Kind in der Genovevenklause untergebracht worden war, sagte +die Mutter zu mir: + +"Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob es nicht unrecht ist, Joachim die +Anwesenheit seines Kindes zu verheimlichen." + +"Quäle dich nicht, Mutter! Joachim hat bis jetzt dem Kinde seine +Anwesenheit auch verheimlicht, ja das Kind nicht einmal wissen lassen, daß +er überhaupt existiert." + +"Du sprichst immer recht lieblos von deinem Bruder!" + +"Ich spreche so, wie ich nach seinem Verhalten sprechen muß!" + +Sie wandte sich beiseite, und ihre feine Gestalt zitterte in Zorn und +Trotz. + +"Ich werde Joachim aufklären!" sagte sie bestimmt. + +"Das wirst du nicht tun, liebe Mutter! Du wirst mit mir warten, bis +Joachim menschlich wieder so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner +Vaterpflicht zu erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner +Tochter geworden ist. Laß ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem völlig +verfehlten Ichleben." + +"Er ist schuldlos an seinem Unglück!" + +"Nein! Er ist nicht ohne Schuld." + +"Fritz!" + +"Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen +maßlosen Haß viel tiefer ins Unglück gebracht, als ein kluger Mensch, der +sich beherrschen kann, nötig hatte, und er hat sich gegen sein Kind +schäbig benommen." + +"Das ist unerhört, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim +bestimmt aufklären." + +"Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wird jetzt noch nicht mit +dem Kinde zusammenleben wollen." + +"Nun, so müßte man eben das Mädchen vorläufig noch nach einer guten +Pension bringen." + +"Das würde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung nötig wäre, würde +Luise hierbleiben, und Joachim würde von mir entlassen werden." + +"Entlassen?" + +"Ja, es hat sich so gefügt, daß Joachim gegenwärtig mein Angestellter ist. +Er hat einen sehr kurzfristigen Vertrag." + +"Du bist maßlos hochmütig und lieblos!" + +"Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben." + +"Berufe dich nicht auf dein Herz", sagte sie, "du hast keines!" + +Und sie ging. + +Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter +wegen, die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, +weil ich rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens +befreit in Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe +im Ichleben, im Familienjammer. + +Und da dämmerte mir, daß es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, +daß ich in freiem, ungestörtem Zölibat meiner großen Idee am besten dienen +könne, Herz und Sinne zwar leer von manchem Glück bleiben würden, aber Arm +und Fuß frei von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum +Vorwärtsschreiten und Handeln. + +Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und +sagte ihr, daß ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstände. +Sie schüttelte zwar das schöne Köpfchen, aber sie ließ sich von mir +küssen, und ich stieg fröhlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange +traurig sein; mein Herz wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich +abwendet vom sonnenleeren Nordhimmel. + + + + + + DIE SCHLACHT BEI WALTERSBURG + + +Jeder deutsche Kurort hat seine "Sensation der Saison", so wie jedes +Affentheater seine "größte Attraktion der Gegenwart" hat. Auch unser +Ferienheim hatte seine Sensation. + +Anton, der älteste Sohn des Waldschulzen, will Pauline, die älteste +Tochter des Forellenbauern, heiraten, und es hat sich darum eine heiße +Schlacht entsponnen. + +Die Sache hat eine romantische Vorgeschichte gehabt. Das jungfräuliche +Herz Paulinens pendelte. Es pendelte zwischen unserem Schulzensohne und +einem jungen Gastwirt aus Neustadt hin und her, und so gerieten die beiden +Kavaliere in die übliche Rivalenwut und vergerbten sich bei guter +Gelegenheit die beiderseitigen Felle. Bis dahin wäre alles in Ordnung +gewesen; aber nun mischte sich Piesecke ein und brachte romantischen +Schwung in die Geschichte. Piesecke war eines Sommertags in Neustadt +gewesen und hatte sein Rößlein in der kleinen Ausspannung des dortigen +Paulinenverehrers untergestellt. Von ungefähr hatte er dann von der +Sommerlaube im Gärtchen aus das Gespräch zweier Neustädter Burschen +belauscht, die sich verschworen, mit ihrem Freund, dem Gastwirt, und noch +zwei anderen am nächsten Mittwoch gen Waltersburg zu ziehen, und falls sie +in der Dämmerung am Gartenzaun des Forellenbauern den Schulzensohn im +traulichen Gespräch mit Pauline erwischten, diesen greulich zu verbleuen, +auch sonst an umherschweifendem Burschenvolk des verhaßten Waltersburg ihr +Mütchen zu kühlen. + +Als Piesecke solches hörte, kam sein fürstliches Blut in Wallung. +(Piesecke stammt aus einer Heldenfamilie. Sein Urgroßvater hatte als +General in fünf Treffen gegen Napoleon I. nicht gesiegt!) Während er nun +gen Waltersburg heimfuhr, entwarf Piesecke einen Feldzugsplan, wie dem +Anschlag der Neustädter siegreich zu begegnen und die Ehre Waltersburgs zu +retten sei. Er warb zunächst ein Heer. In dasselbe traten mit großer +Begeisterung außer dem Schulzensohn der Komponist Emmerich sowie der Maler +Methusalem vom Forellenhof, auch der Sänger Hagen Korrundt, der immer noch +bei uns nachtwächterte, und die gegenwärtigen Insassen unserer +Räuberhöhle. Diese letzteren waren vier fragwürdige Gestalten, die sich +Schinderhannes, Karaseck, Jaromir und Moor nannten, ein faules, +unordentliches Leben führten und nun froh waren, daß sie einmal etwas +Rechtes zu tun bekamen. Acht Mann und er, Piesecke, als Anführer gegen +fünf Neustädter - mit dieser beträchtlichen Übermacht, hauptsächlich aber +durch seine überlegene Strategie, hoffte der Nachkomme des +Napoleonbekämpfers den Sieg zu erringen. + +In der Räuberhöhle hat Piesecke seinen Plan entwickelt. Die Schlacht +sollte nicht am Gartenzaune stattfinden; denn erstens überlasse ein guter +Feldherr die Wahl des Schlachtfeldes nie seinem Gegner, sondern bestimme +selbst, wo er sich schlagen wolle, und zweitens könnte am Gartenzaun Vater +Barthel oder Frau Susanne dazukommen, und dann gäbe es ein Malheur. Anton +sollte vielmehr im Abendscheine mit seiner Braut weiter den Wiesenweg gen +Waltersburg hinabwandeln bis zweihundert Schritt hinter die nächste +Waldecke und daselbst dicht am Bach abwarten, bis er von den lauernden +Neustädtern angefallen würde. Alsbald würde er ihm mit noch sechs Mann zu +Hilfe eilen, die überraschten Neustädter würden - die Übermacht erkennend +und bedrückt durch ihr schlechtes Gewissen - die Flucht hinab gen +Waltersburg ergreifen wollen, aber da würden Moor und Schinderhannes, die +weiter unten in den Hinterhalt gelegt würden, hervorbrechen, den +Neustädtern den Weg verlegen und - die ganze Rasselbande sei gefangen. Er +wolle ein für die Neustädter sehr demütigendes Dokument aufsetzen, das die +Gefangenen unterzeichnen und in dem sie ihre völlige Niederlage zugeben +müßten, und dieses Dokument solle in der Räuberhöhle unter Glas und Rahmen +aufbewahrt werden als ein Zeichen, daß der langjährige Kampf zwischen +Waltersburg und Neustadt mit dem endgültigen Sieg der Waltersburger +geendet habe. Dem unbequemen Mitbewerber um Pauline aber werde man zu +einem unfreiwilligen Bad im Bach verhelfen, wodurch alle wärmeren Gefühle, +die die Jungfrau etwa in ihrem Herzen noch für den Gastwirt hegen sollte, +abgekühlt werden würden; denn er, Piesecke, wisse aus seinem eigenen +bewegten Leben aus vielen Fällen, daß nichts so sicher die Liebe des +Weibes ertötet, als wenn der Geliebte vor ihr lächerlich wird. + +Während dieser Ausführungen hatte Emmerich bereits auf dem Tisch einen +Siegesmarsch komponiert und Methusalem auf der einen weißgetünchten Wand +die Umrisse zu einem Triptychon großen Umfangs entworfen. Die Seitenteile +des Bildes sollten die "Tücke" und der "Kampf" heißen, das Mittelstück +aber "Der Sieg". + +Die "Tücke" würde Anton und Pauline im Dämmerlicht dahinwandelnd und von +den Neustädter Unholden belauert zeigen, der "Kampf" eine besonders +dramatische Szene aus der Waldschlacht darstellen und das Mittelstück den +Sieg Waltersburgs in großer Apotheose feiern. Das Mittelstück war schon +etwas ausgeführt. Im Hintergrund der Forellenhof, auf einem Roß Piesecke +als Triumphator voranreitend, ihm folgend Anton und Pauline mit Kränzen im +Haar; als nächstes Paar die Vertreter der Künste, Emmerich mit der Harfe +und Methusalem selbst mit einem Farbentopf und Pinsel, zuletzt die +bärenhäutigen Kriegsgenossen. + +Und nun mußte die ganze Kriegsgenossenschaft stundenlang stillsitzen, da +der Maler sie zeichnete. Emmerich benutzte die Zeit, ihnen seinen +Siegesmarsch, zu dem er rasch eine Textunterlage geschaffen hatte, +einzuüben. + +"So", sagte nach einer Stunde Methusalem, "der Sieg ist ganz und die Tücke +teilweise gesichert; fehlt bloß der Kampf." + +"Der wird gigantisch!" rief Piesecke. + +Die Sache verlief nicht ganz programmäßig. Zwar gingen die Neustädter +wirklich in die Falle und überfielen Anton zweihundert Meter jenseits der +Waldecke, aber die Kerle rissen nicht - wie vorausgesehen - durch die +Übermacht erschreckt und ihr böses Gewissen beunruhigt aus, sondern +blieben da, und da sie sehr handfeste Burschen waren, verhieben sie die +Waltersburger jämmerlich. Das kam aber daher, daß sich die in Anrechnung +gebrachte Übermacht Waltersburgs alsbald in eine faktische Minorität +verwandelte; denn der Feldherr Piesecke wurde gleich bei Beginn der +Schlacht dadurch kampfunfähig gemacht, daß ihn ein riesenhafter Neustädter +Bräuknecht in die Höhe hob und in den Bach warf; Methusalem konnte sich an +dem Ringen auch nicht beteiligen, da er etwas abseits stehen und die Szene +mit dem Bleistift in rasender Geschwindigkeit in seinem Skizzenbuch +verewigen mußte, und der Musiker Emmerich fühlte sich dazu berufen, +ebenfalls abseits zu stehen und den Mut seiner Kameraden durch Absingung +seiner Siegeshymne anzufeuern. So kämpften nur der Sänger Hagen Korrundt, +der Bräutigam Anton und die Raubgesellen Karaseck und Jaromir, die aber - +da sie in ihrem Privatberuf Wiener Gigerls waren - gegen die rohe Gewalt +der Neustädter Raufer nicht aufkamen. Es gab fürchterliche Prügel, und der +Maler Methusalem rettete Waltersburgs Ruhm nur dadurch, daß er +nachträglich seine Schlachtskizze umkehrte, wodurch alle, die unten lagen, +nach oben kamen, und umgekehrt. Moor und Schinderhannes, die hundert Meter +weiter unten im Hinterhalt lagen, um den Neustädtern den Rückzug +abzuschneiden, hörten den Skandal, lugten um die Baumstämme, kamen aber +nicht zu Hilfe, da sie doch eben im Hinterhalt zu liegen hatten. + +Wer weiß, wie schrecklich diese Schlacht bei Waltersburg noch ausgelaufen +wäre, wenn nicht eine starke auswärtige Macht sich eingemischt hätte. +Durch den Wald erscholl plötzlich eine scharfe Stimme: + +"Pauline! Pauline!" + +Pauline hatte bis jetzt an einer Birke gelehnt und zu einem Vierteil mit +Entsetzen, zu drei Vierteilen aber mit Stolz zugesehen, welch grauses +Männerwerk da für sie und um sie getan wurde. Als sie nun aber die rufende +Stimme hörte, schrie sie: + +"Um Himmels willen, die Mutter! Macht, daß ihr fortkommt!" + +Drauf rissen erst die beiden Bräutigame aus, und mit ihnen verlor sich +rasch ihr Anhang. Pauline eilte nach Hause zu und bekam von ihrer +energischen Mama ein paar Ohrfeigen, weil sie sich "herumgetrieben" habe; +alles Mannesvolk aber flüchtete gen Waltersburg. + +Und da hat es sich begeben, daß der Neustädter Gastwirt, der den Rückzug +der anderen deckte, als er sich außer Frau Susannes Ruf- und Sehweite +fühlte, doch noch in die Hände der Waltersburger fiel. Sechs Mann haben +ihn gefangengenommen und ihn nochmals verprügeln wollen. Aber Methusalem +hat gesagt: + +"Pst! Man darf sich an einem geschlagenen tapferen Feinde nicht +versündigen! Man soll ihn vielmehr ehren. Deshalb werde ich dem Feinde +jetzt mit der schönen grünen Farbe, die ich in diesem Fläschchen habe, +einen Lorbeerzweig auf die Stirn malen." + +Der Gastwirt hat mit Händen und Füßen geschlagen, aber sechs Kerle haben +ihn gehalten, und Methusalem hat ihm einen Lorbeerzweig auf die Stirn +gemalt. Mit Ölfarbe! + +Der Gastwirt hat sich in Neustadt nicht mehr sehen lassen können und nach +drei Tagen Selbstmordgedanken gehabt. Da hat ihm Methusalem ein Mittel +geschickt, durch das er die unerwünschte Ehrung abwaschen konnte. + +Aus dem Triptychon ist nichts geworden. Nur eine schöne Bleistiftskizze +von Methusalem, auf der alle Waltersburger oben liegen, ist unseren +Sammlungen einverleibt und zeugt von der Schlacht auf unseren Gemarkungen, +die sich gegen den Erbfeind Neustadt abgespielt hat. + +Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor +Nässe, und alle Schwachheit und Feigheit der Kämpfenden sowie die +Niedertracht der nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit +einem einzigen, aus seinem hochfürstlichen Mund hervorzischenden Wort +charakterisiert: + +"Plebs!" + + + + + + HERBST + + +Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn +ich es überschaue, erfüllt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der +äußeren Erfolge wegen. Unser Unternehmen steht glänzend da. Wir haben +lange nicht alle aufnehmen können, die zu uns kommen wollten. Die Ernte +auf den Feldern und in den Gärten war gut, unsere Bauern sind zufrieden, +und unsere Kassen und Kasten sind gefüllt. Vieles, ja das meiste, verdankt +dieser äußere Erfolg der glänzenden Organisation, die Stefenson dem Ganzen +gegeben hat und die er von Amerika aus geleitet und weiter ausgebaut hat, +wenn auch der Sonderling noch immer nicht nach Europa zurückgekehrt ist. + +Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, daß kaum +einer unserer Kurgäste ohne großen gesundheitlichen Gewinn von uns +fortgezogen ist. Das bestätigt meine eigene Erfahrung, das bestätigen +meine Kollegen, das sagen vor allem unsere Kurgäste selbst, die schweren +Herzens Abschied nehmen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem +Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld zurückerhalten, liegen diese Dinge kalt +und fremd in ihren Händen, und wenn sie im "Zeughaus" ihre eigenen Kleider +wieder anlegen und, ohne noch einmal umkehren zu dürfen, durch die große +Hinterpforte auf die Straße gelassen werden, wo der Wagen wartet, stehen +die meisten befangen da wie ängstliches Volk, das zum ersten Male in die +Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch haben sie sich in ihren +Ferien vom Ich gefühlt. + +Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und +sagen, daß sie draußen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft +gehörten Einwand begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, +theatralische Sache, so beklagten sie alle diejenigen, die nicht wüßten, +wie herzstärkend und verjüngend die Rückkehr zu kindlicher Schlichtheit +sei und wie sie gerade vom Theatralischen erlöse, von der bösen, so +raffiniert eingeübten und so schwer zu spielenden, immer aber im tiefsten +Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ... + +Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte +ärztliche Kunst sowie durch die Gemütsruhe und Herzensheiterkeit, die sie +umfing, die besten Erfolge gehabt. + +Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Fröhlichkeit stirbt deswegen +nicht aus. + +Diese großen Kinder der Welt fühlen hier alle die tiefe Schönheit des +Herbstes, von dem sie früher nichts wußten, als daß mit seiner Ankunft +"Neuanschaffungen" nötig seien, die Gasrechnungen höher wurden und die +Theater- und Konzertsaison beginne. + + ------------------------------------------------------- + +Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgäste will ich +schildern, wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verläuft. + +Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern +rüttelt und welkes Laub und dürre Zweige an die Scheiben warf, hat sich +das Menschlein fest in die Decke gehüllt und mit großen Augen ins Dunkle +gestarrt. Langsam ist seine Phantasie an Bord eines schwarzen +Wolkenschiffes gegangen, das durch das kalte Meer des Himmels fuhr zu +einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand am Steuer des Schiffes; +müde, schweigende Seelen lehnten oder saßen an seinen Bordwänden. Lautlos +glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und wilde Gänse +schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie große +Möwen, und ihr weißes Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter +dem Wolkenschiff war der große Ozean der Luft. Menschenhäuser lagen wie +Muscheln auf dem Meeresgrund, die Wälder standen wie seltsames wirres +Gewächs wilder Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine +Insel, um die das Wolkenschiff herumschwimmen mußte. Von der Insel glimmte +das Licht einer Berghütte her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem +Strandhaus. Ein Felsen ragte auf wie eine Klippe, an der ein +unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. Das Luftmeer rollte, grollte, +stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der Nacht hin und her. Die +wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schönheit. Immerzu, immerzu +ging es vorwärts. Da drang ein Läuten aus der Tiefe. Irgendein Vineta lag +drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun wurde ein lichter +Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weißen Berge des Morgens. +Und im Morgenlande lag die Heimat. + +Da fielen dem Träumer die Augen zu - er stieg herab von dem dunklen Schiff +-, stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, +und die guten Freunde kamen und schüttelten ihm die Hände. + +Er erzählte ihnen, wo er gewesen sei. + +Da klopfte es an die Tür. + +"Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!" + +Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf +einem Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im +Ferienheim, richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe. + +Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein +feiner Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wäre es wohlig, noch eine oder +zwei Stunden zu schlafen. Ach, bloß noch ein paar Minuten! Sacht beginnt +"Gottfried" wieder einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das +Bewußtsein vom letzten Faden lösen will, schrickt er auf und springt mit +beiden Beinen aus dem Bett. Er wird sich doch nicht von dem Barthel - dem +Bauern - einen Meldezettel an den Arzt schreiben lassen wie ein +Schuljunge, der was "pexiert" hat, von seinem Lehrer. Dieser Barthel ist +ein ganz netter Kerl, aber er "klemmt" einen sofort, falls man über die +Hausordnung hinweggeht. Und es ist so blöd, sich dann beim Doktor +entschuldigen zu müssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch in die alten +Pennälerängste zurücksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen hält man +sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das +Waschwasser ist kalt. Warmes müßte extra verordnet werden. Und man schämt +sich hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Bedürfnisse +erkennen lassen will. Es paßt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe +heißt. Eigentlich war's doch schön im Traume, so plötzlich zu Hause zu +sein. Wie sie alle zärtlich und besorgt waren und nach den Augen schauten, +ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier war das anders, hier hieß es nicht +wünschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war's ja nicht, wenn man manchmal +ein bißchen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts von Hause erfuhr. +Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die erste +Nachricht. "Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter +Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, daß Du +Dich völlig erholst. Mit treuen Grüßen Dein Weib und Deine Kinder." Das +war alles. Es war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der +Kurdirektion; aber Details fehlten gänzlich. Ob nun Fritzchen im +Griechischen auf das volle "Genügend" gekommen war, ob Lenchen während der +Ferien zum Großvater reiste, ob der Kollege Neumann sich wirklich den +Adlerorden erschlichen hatte, wer Stadtverordnetenvorsteher geworden war, +wie die Elektrizitätsaktien standen - ah, kein Wort! Das ging ihn +wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried Stumpe. Auf die +gewohnte Anrede "Herr Amtsgerichtsrat" hatte er beinahe völlig vergessen. +Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war einfach Gottfried. + +"Gottfried", hatte gestern die dicke Susanne gesagt, "helfen Se mir mal +meine Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muß die Butterrechnung +schreiben." + +So wurde man sogar zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen. "Man", +der Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft überhaupt dieses Weib, die Susanne, die +Brille verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art +Soldatengurt gestiftet, daran hängt wie eine kleine Säbelscheide das +Brillenfutteral. Da soll sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber +sie trägt das Koppel nicht, sie hat es dem Methusalem um die Ohren +schlagen wollen. + +Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel +Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von +hinten. Er sagt, er hätte einen interessanten Rücken. + +Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von +ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er längst +aufgegeben. + +Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete +Dackel, verbeißt sich in die herabhängenden Hosenträger und zieht und +zerrt daran. "Man" macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten +ausschlagen wollen, verliert dabei seinen Pantoffel und bemerkt, daß der +Dackel die Hosenträger jählings losläßt, sich auf den Pantoffel stürzt und +mit ihm unter dem Bett verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der +Pantoffel gehört der Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. +Einfach oktroyiert! Er hat Hunde nie leiden mögen. Schon gar nicht als +Schlafkumpane. Er hat sie immer als wandelnde Flohfabriken verabscheut. +Methusalem hat neulich einen "wissenschaftlichen" Vortrag im Rathaussaal +gehalten und vorher durch öffentlichen Anschlag angekündigt. Das Thema +lautete: "Kann der Mensch (_homo sapiens_) von dem Hunde (_canis +familiaris_) einen Floh (_pulex irretans_) erhalten?" Er - Amtsgerichtsrat +_Dr._ - nein, Gottfried Stumpe, hat den Blödsinn nicht mitmachen wollen. +Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und - +um die Zeit totzuschlagen - hingehen wollen. Aber da hat es geheißen: Der +Saal sei überfüllt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am +Rathaus eine "Rezension" des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor +Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natürlich Blech! Am +Schluß hat es da geheißen: "So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, +hinreißenden Art aufs überzeugendste nach, daß Hunde- und Menschenfloh +zwei ganz verschiedene Spezien sind, daß es einem Hundefloh niemals +einfalle, die schön behaarten Jagdgründe seiner tierischen Pfründe +freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten Parkett der Menschenhaut +unglücklich zu debutieren; daß dem Hundefloh das tierische Blut viel +besser munde als das menschliche; daß ein bei einem Menschen gefundener +Hundefloh eine außerordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten darstelle, +der höllisch an Heimweh leide, kurz, daß wohl ein Dackel von einem +Menschen einen Floh bekommen könne, aber nicht umgekehrt. Eine Resolution, +die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehörige der +Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, daß ein _pulex +irretans_ vom _canis familiaris_ freiwillig zum _homo sapiens_ übergehe, +auszurotten, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die +ohnmächtige geringe Opposition wurde ausgelacht." + +Das war also ein "wissenschaftlicher Vortrag" in diesen Ferien vom Ich. + +Verrückt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die +Plätze! + +Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt - +mit elenden Plüschüberresten in der Schnauze - höchst durchtrieben unter +dem Bett hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun +Keile oder nicht? + +Er schlägt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen. + +Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Früher würde er gekollert +haben. Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten +sehr egal sind. + +Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter +dem Bett, dann kommt er näher, macht ein äußerst treuherziges Gesicht, +wedelt mit dem Schwanze und bietet das Bild unverdächtigster +Harmlosigkeit. Gottfried sieht ihn an, beschließt, die abscheuliche +Heuchelei zu übersehen und sagt einfach und gelassen: + +"Du bist ein Schweinekerl!" + +Der Dackel blinzelt nach dem Fuße, auf dem sein "Herrchen" in bloßen +Socken steht, nimmt den "Schweinekerl" als etwas ganz Selbstverständliches +hin und springt dann zärtlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in +die Höhe. Und der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so +lose sitzt wie ein viel zu weiter Anzug. + +"Gottfried, mähren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkälten +sich!" + +Das war Vater Barthel. "Mähren" hatte er gesagt. Der Mann war nicht +satisfaktionsfähig. Wenn ihm früher mal einer "Mähren Sie nicht so lange" +gesagt hätte! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel _contra_ Karsubke +wegen eines Objektes von drei Mark und fünfzig Pfennig neun Termine +ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte! + +Tja - Ferien vom Ich! + +Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen +erleuchtet. Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum +ist es wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, +sehen alle aus wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust - +halbbeleuchtete Höhlengesichter, die sich an den dunkel bleibenden Wänden +doch hell abheben. Alles im Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, +ein Wissen und Bekennen: draußen ist Nacht. Alles andere grellere Licht +lügt den Tag vor. + +Im Hausflur unten sagt die hübsche Magd Emilie: "Hoppla!", weil Herr +Gottfried an ihre Milchkanne stößt. Und dann tritt er in die große +Bauernstube. Da umfängt ihn das ganze große Behagen des zu früh Erwachten, +der in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um +den Tisch sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, +andere löffeln Milchsuppe. Er suppt. Susanne muß ihm den hübschen, +wahrhaft künstlerisch geformten Napf zweimal füllen. Die +Frühstücksunterhaltung ist spärlich und nüchtern wie überall. Zu Hause +würde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung dazu lesen. Das bißchen +Koffein würde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber daß er die Zeitung +wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknüllt an die Wand schmeißen würde +- das wäre schlimmer. Hier gibt's keine Zeitung. Es geht auch so. Sollten +Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist's ihm völlig egal, +wer dabei zugrunde geht, gleichgültiger als der vom Dackel zernagte +Latschen. + +Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein "Sauwetter" würde er zu +Hause sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und +auf dem schnellsten Wege zur Straßenbahn trachten, um zum Gericht zu +fahren. + +Hier - Gottfried Stumpe - oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel +besser, und er hat Dünger fahren müssen. Die Arbeit verteilt Vater +Barthel. Gottfried glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls - +das steht fest - dieser Methusalem wird immer bevorzugt. Ist's schön und +warm, daß er auf dem Kartoffelfelde Allotria mit dem Weibsvolk treiben +kann, geht er hinaus; regnet es und bläst der Wind, wird er zu häuslichen +Arbeiten verwandt. Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. +- nein, Gottfried Stumpe, hätte nie gedacht, es nötig zu haben, sich um +das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne +bemühen zu müssen. Er verschmäht auch alle Liebedienerei, um sich +Vergünstigungen zu verschaffen. Dieser Methusalem - er ist ja sonst ein +netter Kerl - ist schon fünf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; +denn er soll Frau Susanne auf einem Schaffboden in einer fabelhaft +geschmeichelten Weise porträtiert haben, daß er, trotz gelegentlicher +Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. Denn Susannes Bild hängt +jetzt in einer Münchener Ausstellung; das schmeichelt natürlich solch +alter Schachtel gewaltig. + +Die dicke Lene drüben am Nachbartisch - Gottfried müßte sich furchtbar +täuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt +hätte - sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei über seine +Uhrkette, die ein klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet +hat. Aber Barthel, der ein geriebener Patron ist, merkt den Braten und +sagt: + +"Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schön; aber Rüben abkloppen +müssen Sie heute trotzdem." + +"Es ist so furchtbar kalt!" stöhnt die Dicke. + +"Lene", belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; "es is kalt, das is wahr. +Aber Sie sind hier, um dünner zu werden, und Kälte zieht die Körper +zusammen." + +Sämtliche Frühstücksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als +er Dünger fahren mußte, hat er sich bloß damit getröstet, daß es die +Arbeiter auf dem Rübenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rüben aus +dem naßkalten, manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu "klopfen", +damit überflüssige Erde abfällt, und sie für den Wagen zu sammeln, ist an +solchen Regentagen keine schöne Arbeit und nichts weniger als Manikure. +Die Finger werden blaurot. Nur Pulswärmer helfen etwas. Scheußlich. Er - +Gottfried - freut sich auf seine Düngerfuhre. Da pendelt er so langsam +neben seinen beiden nachdenklichen Rößlein einher, und der Ammoniakgeruch, +den seine Ladung ausströmt, stört ihn nicht. Der soll sogar ausgezeichnet +gesund für die Lungen sein. + +"Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!" hört er Vater Barthel weiter +reden. + +Richtig! Es regnete - folglich blieb Methusalem im Trockenen. + +Gottfried haßte in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den +Kollegen gehaßt hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche +Leute verstehen es eben, immer "nach oben" zu schielen. + +"Oben" - das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne. + +Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei. + +"Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein +Bild auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!" + +Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern +fleißig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Briefträger in die +Stube. Er hatte eine riesige Tasche umgehängt, und in dieser Tasche +steckte ein einziger Brief. + +"Herrn Methusalem auf dem Forellenhof." + +Methusalem öffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie +ohnmächtig auf die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. +Barthel hob den auf den Fußboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne +weiteres vor: + + + + + + + "Sehr geehrter Herr! + +Ihre von der gesamten Fachkritik glänzend beurteilte Zeichnung 'Bäuerin +auf dem Schaffboden' ist heute für den Preis von fünftausend Mark verkauft +worden. + + Die Ausstellungsleitung." + + + + + + +Große allgemeine Verwundernis. + +Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors +Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte: + +"Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, daß du so 'ne interessante +Frau bist!" + +Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers. + +"Kinder", sprach er mit zerknirschter Stimme, "ihr alle kennt mich und +werdet daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes +Jahr bin ich alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun +werd' ich plötzlich ein Krösus. Daß ich in der kurzen Spanne Zeit meines +irdischen Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben +kann, werdet ihr einsehen. Und doch muß sie mangels jeglicher Leibeserben +weggeschafft werden. Ihr könnt glauben, daß dieser Fall mein Gemüt hart +bedrückt. Doch werden wir Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu +feiern, bis ich von dem Alp des Geldes erlöst bin." + +Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über +Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere +widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging +Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin +und her. + +"Denken Sie doch, Frau Susanne - fünftausend Mark - in München auf der +Ausstellung! Für Ihr Bild!" + +"Ruhe!" kommandierte Barthel. "Wir müssen wieder an ernste Dinge denken. +Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr'n 'runter nach Waltersburg +zum Kaufmann Scholz und hol'n das Fäßchen Heringe ab, das ich bestellt +hab. Lassen Sie sich's aber recht festbinden, daß es nicht 'runterkugelt!" + +"Jawohl!" + +"Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen." + +Vierstimmiger piepsiger Frauenchor: + +"Jawohl!" + +"Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann +Henschel werden Äppel pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe werden die +Äppel nach der Äppelkammer tragen." + +Septett: "Jawohl!" + +"Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im +Winkel wird helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; +Piesecke kommt zwei Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, +Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias +Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene und Joachim Hans von Ziethen +helfen beim Rübenabkloppen. Fehlt noch jemand?" + +Herr Amtsgerichtsrat Dr. - nein Gottfried Stumpe, erhob sich. + +"Ich!" + +"Ach so - Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Rübenabkloppen." + +Gottfried erblaßte. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hörte nur noch mit +beißendem Ingrimm, daß Barthel den Methusalem aus Anlaß seines Briefes +einen Tag beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurück. + +"Nimmermehr!" rief er pathetisch, "denn sehen Sie, Vater Barthel, eine +ungeheure Lebenslust, ein Kraftüberschuß durchströmt plötzlich meinen fast +tausendjährigen Leib. Ich komme mir vor wie ein Fünfunddreißiger. Wo soll +ich hin mit der Freud? Austoben muß ich mich. Und das kann ich nur, wenn +ich Holz hacke. Ich will keinen Urlaub, ich hacke Holz!" + +Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklärte Barthel das Frühstück für +aufgehoben. Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den +Badehäusern, um ihre "Anwendungen" zu machen. Auch Gottfried Stumpe +schritt hinaus in den fein sprühenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. +Auf seinem Kurzettel stand heute ein zehn Minuten langes Bedampfen des +Magens (er litt an Magennerven), dann ein Bürstbad mit nachfolgendem +kühlen Abguß. Was so die Nervösen bekommen! Früher war er auch massiert +worden und hatte im Gymnastiksaale turnen müssen. Jetzt fiel das weg. +Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anständiger Behandlung. +Jetzt mußte er einfach arbeiten. Rüben abkloppen. Mit Mägden und alten +Weibern zusammen. Scheußlich! + +Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen ließ. +Daß man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! +Solche Schweinerei, wie Rüben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich +nicht mit! Man reiste aber nicht ab. Man wußte, daß sich die Kurverwaltung +aus einer Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf +warteten, neu eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei +dem Gedanken: sie brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war +nicht zu leugnen, daß man hier absolut von Grund auf gesünder wurde. + +Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann mußte er sich +nach der kühlen Abgießung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte +er eine halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses +verpusten. + +Dann aber mußte er unwiderruflich aufs Feld. + +Rüben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Sprühregen aufhörte. Ein +einziger Trost war, daß bei solchem Wetter das Äpfelpflücken vom nassen +Baum auch kein Heidenspaß war. + +Wie kämen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel +dazu, daß sie ... + +Neid und Mißgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich +oft schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch +schon zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und +gekollert, mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja +mit Weib und Kind. Die Fliege an der Wand ärgerte ihn, das Klopfen des +Regens ans Fenster regte ihn auf. Jetzt - wer diesen Dackel und diesen +Vater Barthel vertrug, ohne tobsüchtig zu werden, mußte schon sehr gesund +sein. + +Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom +Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem +er wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen +an einem Waldrande getroffen, jeder mit einem Körbchen und einem Messer +bewaffnet, hatten einander gegenübergestanden und gelacht. Dann hatten sie +sich einander vorbestellt: "Emanuel Geibel vom Sonnenhof - Gottfried +Stumpe vom Forellenhof. Freut mich! Freut mich!" Und am sonnigen Waldrande +gesessen und geschwatzt. Allmählich aber waren sie in zivilisiertes +Gespräch gekommen, auf Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, +auf hohe, schließlich auf ganz hohe Politik, dann noch höher hinauf auf +die Kunst, haben sogar einen etwas torkeligen Aufstieg in metaphysische +Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen der Philosophie und Religion +verklettert und sind dann mit einem waghalsigen Sprung auf die letzte +Gipfelhöhe der Menschheit gesetzt - auf den im Blauschnee glitzernden, +aller gewöhnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar der +heiligen Jurisprudenz. + +Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel +entpuppte sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter +Verstandesmensch, als einer, der nicht nur über den Hanswurst, den +jetzigen Justizminister, spottete, der mit seinem geistigen Zwergenmaß die +Riesenschleppe des Ministertalars gar zu possierlich schleifte, sondern +der auch an die Dogmen der anerkanntesten juristischen Größen mit geradezu +souveräner Überlegenheit die Sonde legte. Wie er allein über Liszt +urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, daß der Mann, der sich unter dem +Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Größe der +Rechtswissenschaft war, hoffentlich der künftige Minister. Dann würde +vieles an den unhaltbaren verrotteten Zuständen der heutigen Rechtspflege +gebessert werden. So beschloß der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber +gar keine, als eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern +reden zu lassen und ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise durchschimmern zu +lassen, daß er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige +Gegenströmungen ins Dunkle gestellt worden sei und gewissermaßen auch +etwas mit der Jurisprudenz zu tun habe; drittens privatim sich als +Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie Emanuel Geibels zu erwerben. Das +alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel sogar mit ihm Brüderschaft +gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen Verstand ein +poetisches Gemüt, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen hatte, von +denen jedes mit Schwefelsäure getränkt war, konnte plötzlich +traumversunken stehenbleiben und seufzen: + + "Oh, darum ist der Lenz so schön + Mit Duft und Strahl und Lied, + Weil singend über Tal und Höh'n + So bald er weiterzieht." + +Oder, weil ihm eben einfiel, daß gar nicht Frühlingszeit sei: + + "Herbstlich sonnige Tage, + Mir beschieden zur Lust, + Euch mit leiserem Schlage + Grüßt die atmende Brust. + Oh, wie waltet die Stunde + Nun in seliger Ruh; + Jede schmerzende Wunde + Schließet leise sich zu." + +Der eiskalt schließende Jurist hatte sich ganz in die süßen, goldenen +Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des +Dichters Namen für seine Ferien vom Ich gewählt. Die Gegensätze berührten +sich auch hier. + +Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem +feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgießung "trocken lief". Die Begegnung +war nicht ganz zufällig. Gottfried wußte, daß Emanuel abreiste. Er habe +nur sechs Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er könne nicht länger +abkommen. Natürlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kräfte. + +Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum "Zeughaus" hinunter. + +"Nun gehe ich da hinein", sagte Emanuel traurig, "und komme nicht mehr +durch diese Tür in unser liebes Heim zurück, sondern trete auf der anderen +Seite in meinem Weltanzug auf die Straße hinaus, die ins kalte Leben +zurückführt. Ach, mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, +wir wären jetzt oben im Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern +gehabt." + +Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder +vom Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben: + + "Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt, + Das ist ein großes Leiden, + Wie's größ'res nimmer gibt; + + Es klingt das Wort so traurig gar: + Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar! + Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt." + +Wohl verwunderte sich Gottfried über diese große Zartheit, aber sie packte +ihn, und die Augen wurden ihm feucht. + +Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite würde er nun +hinaus auf die Straße treten, die aus diesen friedlichen Ferien +zurückführt in die harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus +herum und gelangte durch ein Seitenpförtlein ebenfalls hinaus auf die +Straße. Er wollte den Freund noch einmal sehen. Mochte er zu spät auf +Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei. + +Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast hätte ihn Gottfried in dem +nüchternen Reiseanzug nicht erkannt. + +"Ah, da bist du noch!" + +"Ja, ich wollte dich noch einmal sehen." + +"Das ist lieb von dir!" + +Emanuel zog die Uhr - eine einfache silberne Taschenuhr. + +"Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zählt +Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da dürfen einem +nur eine Glocke oder der Großknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spät +es ist. Und dann das Geld, das bedrückt mich am meisten. Was soll ich mit +den paar Kröten tun? Mir eine Burg des Glücks davon bauen? Lieber Gott!" + +"Du wirst noch hoch hinauf kommen!" tröstete ihn Gottfried. + +"Nein!" sagte Emanuel bitter. "Da drinnen, da ist es ja geboten, über das +eigene Ich zu schweigen. Aber hier draußen auf der Landstraße will ich +mich dir gegenüber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Hätt' gern +studiert. Aber wie ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da mußte +ich abgehen von der Schule. Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretär +am Amtsgericht zu H." + +"Emanuel!" + +Gottfried rang die Hände ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser +Ministerstürzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstürzler von +oben! Ein Sub - sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch +wüßte! + +"Emanuel!" + +Gottfried stand so verdattert da, daß in die weichen Züge Emanuel Geibels +wieder die essigsaure Schärfe trat, die aber doch nur zu den resignierten +Worten führte: + +"Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel - wer wir +draußen sind, braucht uns nicht mehr zu kümmern, braucht Sie nicht zu +genieren." + +"Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein", sagte Gottfried noch ganz benommen. + +"Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche +Kur zu wünschen", sagte Emanuel höflich, verneigte sich, ergriff seine +kleine Handtasche und wollte gehen. + +Da aber hatte ihn Gottfried am Arm. + +"Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde - auch draußen -, verstehst du? +Von dem blödsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden." + +Emanuel setzte die Handtasche auf die Straße. + +"Ich danke dir!" sagte er schlicht, aber in tiefer Freude. + +Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, +das jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Rübenfelde. +Da waren die Leute fleißig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, +der auch zum Rüben "abkloppen" kommandiert war, sprang in kühnen +Husarensprüngen über ein lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich +warm zu machen, in Wirklichkeit aber - wie der Amtsgerichtsrat mit +neidischem Grimm bei sich feststellte -, um sich von der Arbeit zu +drücken. + +Zehn Minuten später sprang er mit über das Feuer, bis von ferne die +Gestalt Barthels auftauchte. + +Da begaben sich die beiden Drückeberger schleunigst an die Arbeit. + + + + + + VON DER WEIBLICHEN PUTZSUCHT UND HERRN PIESECKES LEIDEN + + +Gestern vormittag traf ich die kleine Luise, die sich eben von einem +Haufen spielender Kinder trennte. + +"Willst du schon aufhören zu spielen, Luise? Die Sonne scheint doch so +schön." + +"Ich will zu meiner Mamma." + +"Zu deiner Mamma?" + +"Ja, nach Hause!" + +"Sagst du zu Magdalena jetzt Mamma?" + +"Ja. Alle Kinder haben eine Mamma. Ich will auch eine haben. Meine Mamma +soll Magdalena sein." + +"Hast du deine Mamma lieb?" + +"Lieber wie dich!" + +Das klang nicht frech, nur tief überzeugt. + +"So. Hm. Lieber wie mich! Das glaube ich gern. Ihr spielt wohl schön +zusammen?" + +"Nein, wir schneidern. Wir machen ein Kleid für mich. Aber es paßt immer +nicht richtig, weil Mamma das Schneidern nicht gelernt hat, und da will +uns jetzt die Selma kein neues Zeug mehr geben." + +Selma ist die Beherrscherin unserer weiblichen Schneiderei, eine etwas +schwierige Alte. Das Mädchen ging neben mir her. Mit großer Munterkeit +sagte sie: + +"Wenn Pappa Stefenson da wäre, würde er die Selma mächtig ausschimpfen, +weil sie sagt, es ist zu teuer, wenn man für ein Kinderkleid vierzig Mark +verbuttert und nichts zustande kriegt. Ach, es wird doch so schön! Wir +nähen alle Tage neue Schleifen dran." + +"Ich werde mit der Selma sprechen." + +"Ja? Wirst du wirklich? Fürchtest du dich nicht? Dann sage ihr, wir müssen +ein Meter schottische Seide haben und unten ein bißchen Pelzbesatz. Ich +hab mir's so ausgedacht: oben an dem Kleid will ich einen Matrosenkragen, +in der Mitte will ich schottische Seide und unten Pelzbesatz. Das wird +sehr fein!" + +"Ja, das glaube ich. Will das deine Mamma auch so?" + +"Mamma will so, wie ich will." + +Das war das Mädel, das vor einem Jahr in der Berliner Ackerstraße +Schnürbänder verkaufte! Die Erinnerung an diese elende Vergangenheit ist +in ihr völlig erloschen. Gut so! Und auch ihre Kleiderwünsche verstand +ich. Die Kinder hupfen bei uns alle in einer gesunden, einfachen Tracht +umher. Aber ein Mädchen hatte geprahlt, es hätte zu Hause ein +Matrosenkleid, ein anderes hatte sich mit einem Kleide mit schottischer +Seide großgetan, ein drittes sogar von Pelzbesatz gefabelt. So war in +Luise der Wunsch entstanden, alle diese Herrlichkeit in einem einzigen +Kleid zu vereinigen. Die Weibermode setzt über die höchsten Mauern, die +man um ein Ferienheim ziehen kann. Dagegen läßt sich nichts tun. Auch +unsere weibliche Ferienkleidung wird mit tausend Spitzfindigkeiten +"modernisiert" und "stilisiert". Was man allein mit einer heimlich +angebrachten Sicherheitsnadel alles "raffen" kann, wieviel "Schick" man +durch solch einfache Mittel in die vorgeschriebene Gewandung bringen kann, +grenzt ans Wunderbare. Wenn in meinem Ferienheim überhaupt mal ein +Aufstand entstehen sollte, wird es eine Frauenrevolution sein. Anfangs +wollte ich für alle weiblichen Feriengäste ein und dieselbe Tracht. Aber +selbst Selma, die, eine Aszetin an Einfachheit und an Grobheit, einem +preußischen Kammerunteroffizier, der Helme und Stiefel "anprobiert", weit +überlegen ist, kam mir schließlich mit dem Vorschlag, vier verschiedene +"Modelle" müßten eingeführt werden, eines für die Dicken, eines für die +Dünnen, eines für die Langen, eines für die Kleinen. Damit habe ich mich +einverstanden erklärt; inzwischen ist bereits noch durchgesetzt worden, +daß die Blonden blaue, die Schwarzen rote Blusen bekommen. + +Für die kühlen Abende werden farbige Umschlagtücher geliefert. Oh, wie +groß sind die Wunder der Schöpfung! Manche unserer Damen drapieren das +Tuch vom Gürtel abwärts um den Kleiderrock, die meisten tragen das Tuch +rechts oder links über die Schulter malerisch geworfen, andere machen sich +eine "ungarische Schürze" daraus, wieder andere eine Muff; Turbane um den +Kopf werden ebenso geschickt aus dem Tuch hergestellt wie schlichte +Nonnenschleier; einige tragen das zusammengelegte Tuch nur über dem Arm, +und einige wenige greifen auf den ursprünglichen Zweck zurück, die +schlagen das Tuch um die Schultern. + +Dr. Michael hat die Putzsucht der Frauen für eine unheilbare Krankheit +erklärt. Ich bin nicht seiner Meinung. Diese Putzsucht ist keine +Krankheit, sondern eine Naturnotwendigkeit; das Weib muß sich putzen, so +wie sich das Kätzchen beschlecken muß. + + ------------------------------------------------------- + +Neulich kam Piesecke zu mir, außerhalb der Sprechstunde. Er war noch +erregter, als er sonst oft ist, und sprach zunächst eine Menge wirres Zeug +durcheinander, aus dem hervorgehen sollte, daß er der unglücklichste +Mensch der Welt sei. Ich unterbrach ihn. + +"Piesecke, ich glaube jedes Wort, was Sie sagen, aber sprechen Sie +langsamer! Sprechen Sie recht gelassen! Sagen Sie mir ohne alle +Umschweife, was los ist." + +Er rang die Hände ineinander und jammerte: + +"Ach Gott, ich liebe sie, ich liebe sie!" + +"Wen? Mich?" + +"Ach, doch nicht Sie, sondern sie!" + +"Also Hanne vom Forellenhof." + +"Woher wissen Sie ...?" + +"Ich weiß es. Sie haben sich oft genug auffällig benommen." + +"Und wissen Sie auch, daß sie fortzieht?" + +"Ja, morgen nachmittag. Sie hat ein gutes Engagement an ein Stadttheater +bekommen." + +"Ich ertrag es nicht; oh, ich ertrag es nicht. Sehen Sie, Herr Doktor, Sie +können machen mit mir, was Sie wollen, Sie können der beste Arzt der Welt +sein, Sie können hundert Sanatorien für mich bauen, wenn mich dieses +Mädchen verläßt, bin ich verloren." + +"Gruselig!" + +"Was sagten Sie?" + +"Gruselig!" + +"Herr Doktor, spotten Sie nicht! Diesen Verlust ertrage ich wirklich +nicht; er bedeutet mein Ende." + +"Dann wird in Ihrer Landeszeitung ein schöner Nekrolog über Sie +erscheinen." + +Er war empört. + +"Sie haben kein Herz für mich. Aber es ist gut, daß Sie von unserer +Landeszeitung gesprochen haben. Schließlich bin ich doch ein Prinz!" + +"Hier nicht! Hier sind Sie Piesecke." + +"Das weiß ich; aber ich vergesse nicht, was ich draußen bin. O nein! Sehen +Sie, und das habe ich ihr gesagt." + +"Was? Wem?" + +"Der Hanne habe ich gesagt, daß ich ein Prinz bin." + +"Sie sind wohl verrückt geworden, Piesecke. Auf solche Indiskretionen +steht die Strafe der Entlassung aus unserer Anstalt." + +"Schimpfen Sie nicht, Herr Doktor; ich bin heute schon genug ausgeschimpft +worden." + +"Was hat denn Fräulein Hanne zu Ihrer Quasselei gesagt?" + +"Ausgelacht hat sie mich. Sie hält mich für einen Sargfabrikanten aus +Hannover. Stellen Sie sich vor, Herr Doktor, ausgerechnet für einen +Sargfabrikanten hält sie mich." + +"Das Geschäft eines Sargfabrikanten ist ein sehr ehrbares." + +"Ach Gott, nun sind Sie auch noch gegen mich. Und ich hatte meine ganze +Hoffnung auf Sie gesetzt. Sie sollten ja Fräulein Hanne sagen, daß ich +wirklich ein Prinz bin und daß sie ein Engagement an unserer Hofoper +annehmen soll." + +"Was hätten denn Sie davon, wenn Fräulein Hanne in Ihrer Residenzstadt +sänge und Sie inzwischen hier bei uns Dünger fahren müßten?" + +"Ich hatte gehofft, Sie würden mich für ein paar Wintermonate beurlauben." + +"Daran denke ich nicht im Traume. Bis zum Mai bleiben Sie laut unserer +Abmachung hier. Das entspricht auch ganz den Intentionen Ihres Herrn +Bruders, des regierenden Fürsten." + +Piesecke saß gebrochen vor mir. + +"Mit mir ist's alle", sagte er tonlos. + +"Mit Ihnen war es alle, mein Lieber, als Sie zu uns kamen. Inzwischen +haben Sie sich aber bei uns einen ganz netten Fonds neuer Lebenskraft +gesammelt." + +Er schüttelte trostlos den Kopf. + +"Wohl bin ich gesundheitlich vorwärts gekommen; aber das nützt mir alles +nichts mehr - ich muß sterben. Es gibt Dinge, die ein Mensch nicht +verwinden kann." + +Ich stand auf. + +"Entschuldigen Sie, Piesecke, aber das Mittagessen wartet auf mich. Ich +hab Hunger. Wenn Sie also aus dem Leben scheiden wollen, gehaben Sie sich +wohl! Es freut mich, Sie mal kennengelernt zu haben. Mahlzeit!" + +Da faßte ihn der Zorn. + +"O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach +'Mahlzeit', wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose +Mensch, der ich im Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da muß ich +Ihnen sagen, daß Ihr Sanatorium eine Mördergrube ist." + +"I, der Dauz!" + +"Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue +Kurgast auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?" + +"Nein!" + +"Ein Geheimpolizist aus meiner Vaterstadt ist er. Ich habe ihn +wiedererkannt; denn ich hatte früher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich +gedacht, er sei hergeschickt, um mich zu überwachen. Denn er hat mich +früher schon mal überwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er +mir gesagt, daß er auf den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er +wird den Beweis erbringen, daß Ignaz ein langgesuchter Raubmörder ist, ein +früherer Fleischergeselle." + +Ich setzte mich wieder. + +"Also, Piesecke, ist das wahr?" + +"Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?" + +"Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich nie. Aber täuscht sich auch Herr +Steiner nicht?" + +"Das weiß ich nicht. Er wartet noch etwas vom Gericht ab - ich glaube, +Fingerabdrücke oder so etwas - und dann will er zur Verhaftung schreiten." + +Mir wurde unbehaglich. + +"Haben Sie auch eine Auseinandersetzung mit dem langen Ignaz gehabt?" + +"Jawohl. Er will mich umbringen." + +"Bitte, erzählen Sie!" + +"Er hat mich schon immer verfolgt und gemißhandelt; er ist ein sehr roher +Kerl. Wie ich nun Fräulein Hanne das gesagt hab, daß - nun, daß ich eben +doch ein Prinz bin, glaubte ich, ich sei mit ihr und mit Vater Barthel +allein in der großen Stube. Auf einmal kommt der lange Ignaz hinter dem +Ofen hervor, hat grüngelbe Augen und packt mich an der Kehle. Ich habe +mich gewehrt; aber wenn Vater Barthel und Fräulein Eva mir nicht geholfen +hätten, hätte mich der Kerl erwürgt. Wir haben dann den Mordgesellen zur +Tür hinausgeworfen, aber er hat gedroht, er werde mich schon erwischen." + +"Hm. Also, lieber Piesecke, ich gebe Ihnen gern zu, daß mir dieser Knecht +Ignaz auch in hohem Grade unheimlich und widerlich ist. Ist er ein Schuft, +der sich in mein ehrliches, sauberes Heim eingeschlichen hat, dann werde +ich der erste sein, ihn den Behörden ausliefern zu helfen. Aber auch wenn +er nicht der von den Gerichten Gesuchte ist, wird der brutale Mensch +entfernt werden. Das verspreche ich Ihnen." Piesecke sank schon wieder in +sich zusammen. + +"Ach, selbst dieser Raubgesell ist in die blonde Eva verliebt. Und ich +soll sie verlieren! Mag mich doch der Ignaz umbringen. Dann ist es +wenigstens alle mit mir. Ich habe niemand, niemand, der mich gern hat, +nicht einmal einen guten Freund!" + +Da tat er mir leid. + +"Piesecke", sagte ich, "das dürfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten +Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, daß ich +Ihnen etwas sage, was noch niemand von mir gehört hat. Auch ich, Piesecke, +habe die schöne Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewünscht, +als daß sie meine Frau werde." + +Er starrte mich an. + +"Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?" + +"Weil sie mich nicht will." + +"Sie nicht will?" wiederholte er verwundert. "Sie will nicht mal Sie, und +da soll sie mich wollen?" + +Es lag eine rührende Demut in dem Ton, in dem er das sagte. + +"Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an +sich selbst denken, soll man nur denken: Werde du glücklich! Es ist etwas +Großes und Schönes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es +gibt Frauen, die das Glück oder vielmehr das Unglück haben, daß alle +Männer sich in sie verlieben, und gerade das Leben solcher Frauen bleibt +oftmals ganz leer. Wir wollen unserer Eva wünschen, daß sie glücklich +wird, und wir zwei wollen zusammenhalten." + +Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmütigen Augen schauten mich +feucht an. + +"Ich glaube, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!" + +"Ich habe Sie gern, Piesecke", sagte ich und legte ihm fest die Hand auf +die Schulter. + + + + + + ABSCHIEDSABEND + + +Am Abend ging ich nach dem Forellenhofe. Die schöne "Hanne" nahm Abschied +von uns. Von Mai an war das Mädchen bei uns, und jetzt, da es gehen +wollte, war mir's, als schwänden Sommer und Sonne dahin, und es könne nun +nichts mehr geben als graue Tage. Ich litt wie Piesecke; ich jammerte nur +nicht so. Aber auch vielen anderen Leuten ging Evas Abschied nahe; ich +hörte, daß die dicke Susanne schon tagelang mit rot verquollenen Augen +herumlaufe. + +Wenn der November kam, würden sich wahrscheinlich unsere Kurgäste an Zahl +vermindern; dann wollte ich auch mal ausspannen, wollte für ein paar +Wochen Ferien machen. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, daß ich dann +wahrscheinlich nach einer großen Stadt reisen würde, nach Berlin oder +Wien. Ich bin nun schon so lange in dieser Einfachheit und in diesem +ruhigen Frieden, daß ich mich wahrhaftig manchmal sehne, in einer +elektrischen Straßenbahn zu fahren, ein gutes Theater zu besuchen, mal in +einem vornehmen Restaurant zu speisen. Es kann gar nicht anders sein: wenn +der Doktor aus dem Friedensidyll einmal Ferien vom Ich machen will, muß er +in Glanz und Lärm hinein. _Variatio delectat._ Ich nehme es unseren Bauern +nicht übel, daß sie sich zuweilen Sonntags nach Neustadt +hinüberschleichen, um dort ins Kino zu gehen, und die hämischen +Bemerkungen der "Neustädter Umschau" über diesen Fall beweisen nur, daß +das Blatt keine Ahnung von dem Abwechselungsbedürfnis des Menschen hat. +Wer immer im Lärm sitzt, wird stumpf, wer immer in der Stille ist, auch; +nur die wechselnde Welle trägt des Menschen Schiff. + +Daß mich neben diesen Erwägungen auch der Gedanke leitete, ich könne meine +Ferienreise vorteilhaft über die Stadt verlegen, wo Eva diesen Winter +singen würde, wollte ich mir kaum zugestehen. Denn ich hatte doch ein Ende +gemacht mit meiner Liebe; ich wußte doch recht gut, daß ich nicht eher ein +idealer Leiter dieses Ferienheims sein würde, als ich nicht selbst von +allen persönlichen Banden und Sorgen befreit war, daß ich immer noch +selbst zu sehr in der alten Haut steckte ... + +Die große Stube im Forellenhof war dicht besetzt mit Menschen. Viel alte +Freunde kamen, um sich von Eva zu verabschieden. Ein paar Kränze von +Astern hingen an den Wänden, die letzten Rosen des Gartens blühten auf dem +Tisch. Wenn ein Kurgast von uns Abschied nimmt, erhält er als Andenken ein +Album überreicht, in dem einige gute Bilder nach Radierungen, +Heliogravüren, Aquarellen und Zeichnungen von unserem Heim enthalten sind, +außerdem aber eine Anzahl Photographien, auf denen der betreffende Gast in +irgendeiner Situation, die er miterlebt hat, verewigt ist. Denn +photographiert wird bei uns viel. Bei der Arbeit, vor dem Bauernhaus, beim +Feldfeuerchen, bei irgendeinem Ulk, beim Waldfest, beim Kirchgang, bei +tausend anderen Gelegenheiten wird von unseren Kurgästen photographiert. +Und jeder, der auf einem Bilde freiwillig oder unfreiwillig mit +aufgenommen ist, bekommt einen Abzug in sein Album geklebt. + +Eva bekam ein Album in vier Bänden. Sie war sehr lange bei uns, und es +hatten gar zu viele Amateure nachgesucht, wenigstens eine ihrer Aufnahmen +in Evas Album zu bringen. Methusalem hatte einige reizende +Bleistiftskizzen beigesteuert. Die letzte war ein Stimmungsbild von der +Landstraße, die unten am Zeughaus vorbeiführt, zeigte einen im Abendschein +entschwindenden Wagen und hatte die Unterschrift: + +"Die Sonne geht unter." + +Auch du, mein Sohn Brutus? - Es fiel mir auf, wie lustig Methusalem sein +wollte, wie zerstreut er war, wie gemacht heute sein Lachen klang. - + +Eva saß im Scheine der großen Hängelampe und durchblätterte das Album. Sie +sagte nicht viel, aber mit einem Male rannen große Tränen über ihre +Wangen. Dann wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte: + +"Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese +Bücher sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle +sind drin - nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem +einzigen Bilde? Mir ist das aufgefallen." + +Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drückte die Wange gegen die +Kacheln des Ofens. "So ein ekliger Kerl, wie ich, ist nicht für Bilder", +sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen +darin. + +"Es tut mir leid, Ignaz", sagte Eva freundlich; "Sie waren gut und treu zu +mir!" + +Da ging der Knecht stumm zur Tür hinaus. Ich sah, wie der Kurgast +"Steiner", von dem ich nun wußte, daß er ein Detektiv war, dem langen +Ignaz mit einem messerscharfen Blick nachschaute. + +Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fäßchen Moselwein angezapft und +hielt eine Rede: + +"Meine Damens und Herr'n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern +anders. Es is ein ernster Abend, weil Fräul'n Hanne fortzieht, und deshalb +hab ich Sie zu einem Gläschen Wein eingeladen, und ich wünsche, daß er +Ihnen allen recht wohl bekommen möge. Wir sind alle sehr traurig; denn wir +verlieren Fräul'n Hanne sehr, sehr ungern." + +Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, +daß sie sich zur Tür hinaus retten mußte. Auch Barthel fuhr mit der Hand +nach den Augenwinkeln. + +"Sehen Sie, meine Herr'n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang - +ich kann das wohl jetzt ruhig sagen - is sie wegen Fräul'n Hanne und mir +eifersüchtig gewesen. Aber es war bloß blinder Lärm; ich weiß doch, was +ich mir schuldig bin!" + +Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das +Taschentuch vor den Mund. + +"Sehen Sie, meine Damens und Herr'n, mit einem Hausvater, wie ich, ist das +ein reines Elend, obwohl es mir gut geht. Denn sehen Sie, die Leute, die +hierherkommen, verstehen alle rein gar nichts, und die meisten sind sehr +faul und haben das Arbeiten nich gelernt. Ich muß sie erst alle mühsam +zurechtstutzen. Und wenn man dann mal so 'ne Perle bekommt wie die Hanne, +die so famos Butter machen kann, und sie zieht wieder fort, dann ..." + +Mit Barthels Fassung war es aus. Er weinte in sein rot geblümtes +Taschentuch und konnte schließlich nur noch sagen: + +"Nun trinken wir halt auf Fräul'n Hannes ihre Gesundheit!" + +Das Mädchen war sehr bewegt. Es wurden noch einige kurze Ansprachen von +Gästen gehalten, die Hanne feierten und in denen auch Vater Barthel +unmäßig viel Weihrauch gestreut wurde, und schließlich mußte Hanne singen. +Sie war ruhiger geworden, stimmte ihre Laute und sang mit ihrer zarten, +lieblichen Stimme das Lied, das aller Abschiedslieder Krone ist und +bleiben wird: + + "Morgen muß ich fort von hier + Und muß Abschied nehmen -" + +Während des Liedes öffnete sich leise die Tür. Der lange Ignaz schlich +sich herein, lehnte den Kopf an die Wand und preßte die Hände an die weiße +Mauer. + +Die Lampe flackerte; die Spätherbstrosen blühten auf dem Tisch. + +Als Eva das Lied beendet hatte, stürzte plötzlich einer vor, warf sich dem +Mädchen zu Füßen und rief: + +"Gehen Sie nicht fort - gehen Sie nicht fort, Fräulein Hanne; ich muß +sonst sterben!" + +Es war Piesecke. Und da sah ich auch schon, wie sich der lange Ignaz +umdrehte, wie ein wilder, giftiger Blick über Piesecke und das erschreckte +Mädchen hinfuhr, und im nächsten Augenblick hatte Ignaz den zarten +Piesecke erfaßt, schleuderte ihn sich wie einen Sack über die Schulter und +verschwand mit ihm durch die Tür. + +"Daß kein Unglück geschieht!" rief ich und eilte nach. In aufgeschreckter +Unordnung drängte alles nach dem Hofe. Dort hatte der starke Ignaz den +zappelnden Piesecke bereits mit gewaltiger Wucht auf den großen +Düngerhaufen geworfen. Es war dem so schmählich Behandelten weiter kein +körperliches Unheil zugestoßen; aber ich war doch so erzürnt ob der neuen +Gewalttat des Knechtes und der Störung unserer schönen Stimmung, daß ich +sagte: + +"Ignaz, Sie gehen jetzt schlafen! Und morgen früh werden Sie Ihr Bündel +schnüren. Dafür werde ich sorgen!" + +Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurück +und traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurückgeblieben war und +ein Blättchen Papier, auf dem Fingerabdrücke zu sehen waren, sorgsam mit +den schwachen Spuren verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfäuste an der +weißen Mauer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Beamte +in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat +auf den Knecht zu und sagte: + +"Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!" + +Die Umstehenden starrten den Sprecher an. + +"Was wollen Sie, Herr Steiner?" fragte der Bauer Barthel erschrocken. + +"Ich heiße nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine +Legitimation in der Tasche. Ich bitte, daß mir Gelegenheit gegeben wird, +den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz +aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Waltersburg zu +transportieren." + +Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen - und plötzlich +schlug er mit beiden Fäusten um sich, machte sich Platz und verschwand +blitzschnell im dunklen Hofe. + +"Haltet ihn!" rief der Polizeimann; "er ist ein lange gesuchter +Raubmörder!" + +Wir schrien alle, wir rannten. Ich stieß mit Barthel zusammen und machte +meinem Grimme Luft. + +"Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir längst +unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von +Jugend auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande über uns." + +"Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir", wimmerte Barthel, +"ich konnte nicht anders!" Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel. + + + + + + GERICHTLICHES + + +Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es. +Alles flatterte wirr durcheinander in Aufregung und Angst. Alle Höfe +öffneten sich, von Mund zu Mund flog die Kunde, auf dem Forellenhof sei +ein Raubmörder ertappt worden, aber entwichen. Der lange Ignaz! Die Weiber +kreischten und schauten neugierig aus Fenstern und Türen, die Männer +wagten sich mit Stöcken bewaffnet fünfzig Meter vors Haus, ihre Frauen +jammerten von der Haustür aus über diese Tollkühnheit und riefen die +Männer zurück - es war abscheulich! Der Löw' ist los, und alles verliert +den Verstand. Nur einige Mutige stürmten hinaus, den Unhold zu fangen, +taten sich zu Gruppen zusammen, bewaffneten sich in der Eile, so gut sie +konnten. + +Ich schüttelte in der nebligen Abendluft erst meine Gedanken zurecht, +sagte mir, daß die Verfolgung bei dieser Rabenfinsternis ganz aussichtslos +sei, und ging nach der Direktion, um den Direktor zu sprechen. Er war +nicht zu finden. Dafür traf ich den Geheimpolizisten an. Er stand am +Telephon. Nach Waltersburg telephonierte er, nach dem Neustädter Bahnhof, +nach zehn anderen Stationen im Umkreis, nach der Provinzialhauptstadt. +Immer dasselbe: "Im Ferienheim Waltersburg hat sich unter dem falschen +Namen Ignaz Scholz, genannt der lange Ignaz, der Raubmörder +Fleischergeselle Josef Wiczorek aufgehalten. Ist soeben nach erfolgter +Verhaftung entwichen." + +Darauf folgte genaue Beschreibung und Aufforderung zur abermaligen +Verhaftung. + +Ich saß ganz zerschlagen auf dem Schreibtischstuhl unseres Direktors, der +immer noch nicht aufzufinden war, und hörte zu, wie "Herr Steiner" +telephonierte. Er schnarrte mit seiner scharfen Polizeistimme die Schande +meines lieben Ferienheims in alle Winde. Endlich war er fertig. Er wandte +sich an mich. + +"Herr Doktor, Sie sind der verantwortliche Leiter dieses Sanatoriums?" + +"Nur vom ärztlichen Standpunkt aus verantwortlich." + +"Und wer trägt die Verantwortung für die gesetzliche Ordnung?" + +"Mister Stefenson und in seiner Vertretung Direktor von Brüning." + +"Wo ist der Direktor?" + +"Ich weiß es nicht." + +"Wo ist Mister Stefenson?" + +"In Amerika." + +Der Polizeimann notierte alles in seinem Buch. + +"Was ist Ihnen von diesem angeblichen Knecht Ignaz Scholz bekannt, Herr +Doktor?" + +Ich sagte ihm, daß mir dieser Knecht Ignaz allerdings persönlich stark +unsympathisch gewesen sei, daß ich aber - außer einigen Grobheiten oder +auch Roheiten, die er begangen - keine Veranlassung gehabt habe, den +Menschen für einen Verbrecher zu halten, zumal mir der Bauer Barthel, dem +ich vertraue, erklärt habe, er kenne Ignaz von Jugend auf als ehrlichen +Menschen. + +"Dieser sogenannte Ignaz hieß laut Anmeldung Scholz?" + +"Jawohl, Ignaz Scholz." + +"Hm! Wenn einer schon Scholz heißt! Jeder Scholz verkrümelt sich unter der +Masse der Scholze wie ein Körnlein im Sand des Meeres. Ich möchte Sie +bitten, Herr Doktor, mich vorläufig nicht zu verlassen." + +"Das soll doch nicht heißen ..." + +"Das soll nur heißen, daß ich Ihrer in jedem Augenblick bedürfen könnte." + +Der Ton, den der Polizist anschlug, verletzte mich, aber ich fühlte mich +ganz wehrlos, als der Mann seine amtlichen Vollmachten vor mir +ausbreitete. + +"Ich möchte nur bemerken, Herr Doktor, daß ein Kurort wie der Ihrige, wo +niemand unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu großartiger +Schlupfwinkel für verfolgte Verbrecher ist." + +Was sollte ich erwidern? Daß in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia +sich jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen +könne? Ich unterließ es. + +"Kommen Sie!" + +Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein +strenges Wort sagen, da wurde die Tür aufgerissen, und Piesecke trat ein. +Flugs stand der "Geheime" stramm und schlug die Hacken zusammen. Piesecke +sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war +schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm er dem Polizeimann gegenüber eine +echte Herrenhaltung an und sprach in einem so völlig veränderten Ton, daß +ich seine Stimme nicht wiedererkannte: + +"Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?" + +"Melde Euer Hoheit untertänigst, der Knecht Ignaz ist identisch mit dem +Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen +Meister ermordet und beraubt hat." + +"Woher wissen Sie das?" + +"Die Verdachtsgründe häuften sich: das Signalement des Steckbriefes +stimmt, eine Prüfung der Fingerabdrücke gab die Gewißheit." + +Piesecke sah den Mann durchdringend an. + +"Ich kenne Sie! Als Kriminalbeamter haben Sie nicht allzuviel getaugt; da +sind Sie dazu auserlesen worden, Späherdienste am Hofe zu leisten. Auch +jetzt sind Sie hierhergekommen, um mich zu beobachten. Ich habe Sie +gestellt; Sie sagten mir, Sie seien nur des Knechtes wegen da. Aber das +ist Schwindel. Sie sind meinetwegen da. Ja oder nein? Diese Geschichte mit +dem Knecht ist nur Ausrede." + +"Ich darf Euer Hoheit darüber keine Auskunft erteilen." + +Piesecke lachte verächtlich. + +"Unser Hausminister hat patente Leute. Am dritten Tage, als Sie da waren, +habe ich Sie erkannt trotz Ihres falschen Namens und Ihrer Maske. Also +berichten Sie nach Hause, es sei mir völlig egal, ob Sie hier seien oder +nicht; falls Sie mir zu lästig fielen, so könnte ich mich vergessen und +Ihnen gelegentlich die Peitsche um die Ohren knallen." + +Der Polizeimann wurde dunkelrot. + +"Haben Sie verstanden, was Sie dem Minister berichten sollen?" + +"Zu Befehl, Hoheit!" + +"Wenn Sie nun dazu ausersehen sind, mich zu belauern, wie kommen Sie dazu, +hier eine außerhalb Ihrer Bestimmungen liegende polizeiliche Handlung, wie +die Verhaftung dieses Knechtes, vorzunehmen?" + +"Ich berichtete meinen Verdacht an den Ersten Staatsanwalt und erhielt die +nötigen Vollmachten." + +"Dagegen läßt sich wohl nichts tun?" + +Diese Frage war an mich gerichtet. + +"Nein - nichts!" + +"Wie urteilen Sie über diesen Fall, Herr Doktor?" + +"Es ist ein Unglück für unsere junge Anstalt. Aber es liegt uns natürlich +fern, der Festnahme eines Verbrechers irgendwelche Hindernisse zu +bereiten." + +"Selbstverständlich! Ich begreife nur den Bauern Barthel nicht. Er ist +doch ein ehrlicher Mann, und er hat doch versichert, den langen Ignaz von +Jugend auf zu kennen. Haben Sie dafür eine Erklärung, Herr Doktor?" + +"Nein! Ich bin um so bestürzter, als Barthel mir nach der Verhaftung eben +sagte: ich möge ihm nicht zürnen, er habe nicht anders gekonnt. Ich sage +das ganz offen vor Ihnen, Herr Kommissar, damit Sie sehen, daß von hier +aus nichts verschleiert wird." + +Der Kommissar verneigte sich. + +"Hoheit" preßte die Lippen aufeinander. + +"Hm! Ich will nicht wünschen, daß dem guten Barthel da eine Tragik +erwachse, daß dieser sogenannte Ignaz vielleicht ein Freund oder gar ein +naher Verwandter von ihm ist, den er in seiner Gutmütigkeit versteckt hat. +Und Sie, Kommissar, Sie brauchen mir das von vorhin nicht übermäßig +übelzunehmen. Schreiben Sie also dem Minister: Se. Hoheit ist bei besserer +Gesundheit und hat daher einen Aufpasser nicht mehr nötig. Jetzt will ich +Sie nicht mehr aufhalten. Wohin wollen Sie zunächst?" + +"Nach dem Forellenhof zurück, den Bauer Barthel zu vernehmen oder +eventuell ebenfalls zu verhaften." + +"Schön, wir werden Sie begleiten, wenn Ihnen das zulässig erscheint." + +"Ich bitte untertänigst um die Begleitung, Hoheit." + +Der Kommissar öffnete die Tür, stand stramm, und "Hoheit" ging in lässig +vornehmer Haltung an ihm vorbei. + +Ein kleiner Anlaß von draußen aus der alten Welt, und durch die +Bauernjacke schimmerte der hochgeborene Herr. Ich aber als Arzt freute +mich trotz meiner gedrückten Stimmung, als ich sah, daß durch seine +Gesundung langsam aus dem Piesecke wieder ein Prinz wurde, ja, ich hätte +das Wort "Piesecke" jetzt nicht zu sagen, nicht einmal zu denken gewagt. + +Im Forellenhof war schwerste Bestürzung. Die dicke Susanne lag kurz und +krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemühten sich um sie. +Barthel war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den +Wänden hingen die Asternkränze. + +"Welch ein entsetzlicher Abschluß!" klagte Eva. + +Ich betrachtete die Fingerabdrücke an der Wand. Sie waren deutlich. Der +lange Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer +besorgt. Der Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte: + +"Es tut mir leid; aber ich muß zurück zur Direktion und von den Behörden +telephonisch auch die Verhaftung des der Begünstigung dringend +verdächtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern." + +Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er: + +"Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getäuscht habe, glaube ich an nichts +mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!" + +Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich: + +"Ich werde morgen früh mit Einverständnis unseres bevollmächtigten +Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden +Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die +Anstalt zu verlassen." + +Er antwortete nicht. Ich dachte daran, daß er durch seinen Kniefall vor +der schönen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlaß zu all +diesen Scherereien geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst +daran; denn er sagte: + +"Ich weiß, daß ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl +überhaupt keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!" + +Ich wandte mich ab, trat zum Tisch und zerpflückte gedankenlos eine Rose. + +Da tat sich die Tür auf. Barthel erschien. Verstört. Als er den Kommissar +sah, wollte er zurück, aber der Polizist war bereits an seiner Seite. +Susanne begann zu schreien, und ich war froh, als sie und alle Frauen das +Zimmer verlassen mußten. + +Als wir allein waren, wurde Barthel verhaftet. Er sank ganz gebrochen auf +die Bank am Ofen. + +"Die Schande! Die Schande! Ach, hätt' ich es nicht getan!" + +Der Kommissar schritt zum sofortigen Verhör. + +"Barthel, Sie haben behauptet, den Knecht Ignaz von Jugend auf zu kennen. +Ist das wahr?" + +Barthel rührte sich nicht. + +"Heißt dieser Knecht in Wahrheit Ignaz Scholz?" + +In Barthels Gesicht kam ein verstockter Ausdruck. Er schwieg. + +"Wollen Sie mir nicht Rede stehen, Barthel?" + +Keine Antwort. + +"Sie machen sich unglücklich. Warum antworten Sie nicht?" + +"Ich kann nicht!" + +Nun wandte ich mich an Barthel. + +"Lieber Barthel, denken Sie nicht ein ganz klein wenig an den guten Ruf +unserer Kuranstalt? Habe ich es nicht immer gut mit Ihnen gemeint? Warum +bereiten Sie mir diese schwere Ungelegenheit?" + +Da begann er zu weinen. + +"Ich kann es nicht mehr ändern. Verzeihen Sie mir ...!" + +Ein Knecht wurde aufgefordert, ein Pferd vor einen Wagen zu schirren. +Darauf fuhr der Kommissar mit Barthel nach dem Waltersburger +Amtsgerichtsgefängnis. Frau Susanne lag in Schreikrämpfen, auch die +anderen Frauen weinten laut. Ich verließ den Forellenhof. In allen Stuben +unserer Ferienanstalt brannte Licht. Ich wußte, in den meisten erörterte +man die sofortige Abreise. Ich ging nach der Direktion. Der Direktor war +noch immer nicht aufzufinden. So setzte ich mich in seinen +Schreibtischstuhl und starrte ohne eigentlich klare Gedanken ins Licht der +Lampe. Draußen kehrten kleine Trupps von Verfolgern zurück. Sie hatten von +dem Flüchtling nichts entdeckt, wie zu erwarten gewesen war. Kurz nach +zehn Uhr läutete das Telephon. Verbindung von Neustadt. + +"Der polizeilich gesuchte Josef Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, ist +soeben, als er in einen Wagen vierter Klasse des neun Uhr siebenundvierzig +Minuten hier abgehenden Personenzuges steigen wollte, verhaftet +worden ..." + +Ich sandte nach dem Prinzen, bestellte einen Wagen, und wir fuhren nach +Neustadt. Auf der Polizei wurde uns weiter keine Auskunft erteilt, als daß +Wiczorek eingesperrt sei und wir alles Weitere abzuwarten hätten. + +Wir blieben in Neustadt über Nacht. Am nächsten Morgen stand in der +"Neustädter Umschau" ein Artikel mit der zentimetergroß gedruckten +Überschrift "Kuranstalt Waltersburg ein Hehlernest???" + +Mit der ganzen Niederträchtigkeit, deren der vertrottelte Redakteur dieses +Blättchens fähig war, hetzte er gegen unsere Anstalt. Alle +Spießerinstinkte, alle Philisterbedenken, alles Kopfschütteln +beschränkter, phantasieloser Köpfe wurde gegen die Grundidee unserer +Kuranstalt wieder lebendig; die Schimpferei begann wieder, der alte +lendenlahme Spott humpelte neu auf den Plan. Der Artikel endete +schließlich mit einer schamlosen Denunziation: + +"Das Gesetz, das bei uns in Neustadt heilig gehalten wird, verbietet uns, +zu behaupten, daß sich die 'Kuranstalt Waltersburg Ferien vom Ich' infolge +ihrer mehr als eigentümlichen Einrichtungen, wie Verbot, den eigenen Namen +zu führen, die eigene Kleidung zu tragen usw., zu einem Zufluchtsort +lichtscheuen Gesindels auswächst. Immerhin wird der aufsehenerregende +Fall, daß sich ein Raubmörder auf einem der besuchtesten 'Höfe' des +'Ferienheims' mit Wissen des Bauern monatelang verstecken und daselbst +allerhand Roheiten ausüben konnte, zu schwersten Bedenken Anlaß geben, +denen sich auch die Behörden nicht werden verschließen können." + +Ich sah unser Heim aufs schwerste bedroht, sah eine fürchterliche Waffe in +der Hand unserer Feinde. Eben wollte ich den Fall an Stefenson kabeln, da +wurden wir zur Polizei beschieden. Es handelte sich, wie uns eröffnet +wurde, um eine Konfrontation mit dem gestern Verhafteten, der plötzlich +behaupte, weder der gesuchte Raubmörder Josef Wiczorek noch der Knecht +Ignaz Scholz zu sein. + +Da mich der Polizeibeamte persönlich kannte, hatte ich nicht notwendig, +mich zu legitimieren, wurde aber aufgefordert, Herrn Pieseckes +Persönlichkeit festzustellen, und zwar nach seinem wahren Namen und Stand, +nicht nach dem Pseudonym, das er bei uns führte. So sagte ich: "Se. Hoheit +Prinz Ernst Friedrich von ..." + +"Ist das - ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?" fragte der Beamte nicht ohne +Bewegung. + +"Nicht nur sein Ernst, sondern sogar sein Ernst Friedrich", sagte Piesecke +hohnvoll und hielt dem Beamten seinen Siegelring hin. "Kennen Sie dieses +Wappen?" + +Der Beamte sah auf das Wappen mit der Krone, stand auf und verneigte sich +tief. + +Da erschienen zwei Gerichtsdiener mit dem Verhafteten. + + ------------------------------------------------------- + +Ich faßte mir an den Kopf: ich glaubte eine Wahnvorstellung zu haben. Der +da eintrat, war - Mister Stefenson. + +"Stefenson", rief ich, "Stefenson, wie kommen Sie ..." + +"Melde gehorsamst, Herr Rat", sagte der eine der Gerichtsdiener, "der +Gefangene hat eine Perücke und den Bart abgenommen, hat sich gewaschen und +sieht jetzt auf einmal ganz anders aus als gestern abend." + +"Wer ist dieser Mann?" fragte der Beamte mit einem Blick auf mich. + +"Es ist Mister Stefenson, mein Kompagnon, der Begründer unseres +Ferienheims", brachte ich heraus. + +Ich mußte mich setzen. + +"Und wer behaupten Sie selbst zu sein, Verhafteter?" + +"Ich behaupte dasselbe wie der Herr Doktor", sagte dieser gelassen; +"allerdings mit einer kleinen Einschränkung. Ich war und gelte noch als +Mister John Stefenson, Kaufmann aus Neuyork, Chikago, Trinidad; aber ich +habe mich unterdessen auf meine rein deutsche Abstammung besonnen und +heiße mit Genehmigung der hohen deutschen Behörden seit etwa vierzehn +Tagen Johannes Stefan - Stefan, wie meine hanseatischen Vorfahren seit +etwa vierhundert Jahren geheißen haben." + +Der Beamte fing an, an den Fingern abzuzählen: + +"Josef Wiczorek - Ignaz Scholz - John Stefenson - Johannes Stefan - und +hier Prinz Ernst Friedrich - ich möchte die Herren ernsthaft darauf +aufmerksam machen, daß das Gericht von Neustadt keine Waltersburger +Spielerei, sondern eine staatliche Behörde ist, die nicht mit sich spaßen +läßt." + +Der Beamte hatte ja ganz recht. Ich beteuerte ihm nochmals, daß ich in dem +Manne, wenn er auch wirklich mit dem gestern verhafteten angeblichen Josef +Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, identisch sei, zweifelsfrei meinen +Kompagnon John Stefenson wiedererkenne. + +"Und Sie wollen in der ganzen Zeit, da sich dieser Mann bei Ihnen +aufhielt, keine Ahnung gehabt haben, wer er eigentlich ist?" + +"Ich habe in der Tat von Stefensons Anwesenheit in Waltersburg nicht das +mindeste gewußt, sondern während all der Monate mit Stefenson nach Amerika +telegraphisch und brieflich verhandelt." + +"Sie kennen doch aber die Schrift Ihres Kompagnons?" fragte der Beamte +weiter. "Waren die amerikanischen Briefe in dieser Schrift geschrieben?" + +"Jawohl!" + +"Wie ist das möglich?" wurde der Verhaftete gefragt. + +Der zuckte die Achseln und sagte verbindlich: + +"Das ist Geschäftsgeheimnis!" + +"Wir werden der Sache auf den Grund gehen", entgegnete der Beamte ernst, +"und Ihnen zeigen, daß hier kein Ort für Maskeraden ist." + +Da wurde zum Glück "Herr Steiner", unser Geheimpolizist, gemeldet. Der +Kommissar verneigte sich tief vor Piesecke und darauf mit etwa zehn +Prozent dieser Verneigung vor uns anderen insgesamt und sagte: + +"Herr Rat, es ist mir soeben auf meine gestrige Meldung von der +zuständigen Staatsanwaltschaft der telegraphische Bescheid zugegangen, daß +der gesuchte Wiczorek vorgestern in Braunschweig verhaftet worden, daß +seine Identität festgestellt ist und auch bereits ein Geständnis vorliegt. +Ich bitte also, den Knecht Ignaz Scholz aus der Haft zu entlassen, da sich +der Verdacht, der zu seiner Verhaftung führte, als unbegründet erwiesen +hat." + +Stefenson lächelte freundlich. Der Richter machte ein enttäuschtes +Gesicht. + +Es gab noch allerlei Formelkram zu erledigen, dann wurden wir alle, +Stefenson eingeschlossen, entlassen. + + + + + + AUFKLÄRUNGEN + + +Auf der Straße trat der Kommissar an den Prinzen heran und sagte: + +"Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst um Verzeihung wegen der Behelligung." + +Hoheit legte dem Manne huldvoll die Hand auf die Schulter. + +"Mein Lieber, ich hab gar nischt gegen Sie. Aber tun Sie mir 'nen +Gefallen: reisen Sie ab. Sie sind hier übrig. Lenken Sie mal die +Aufmerksamkeit des Ministers auf den Prinzen Emanuel. Der scheint mir ein +lockeres Huhn und der Beaufsichtigung sehr bedürftig zu sein. Er ist +gegenwärtig in Syrakus. Sie haben keine Ahnung, Mann, wie schön es in +Syrakus ist. Da machen Sie sich mal nützlich! Glückliche Reise und viel +Vergnügen!" + +Der Kommissar reiste ab ... + +Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war +zunächst nach seiner Zelle zurückgegangen und hatte uns durch einen +Gerichtsdiener sagen lassen, wir möchten im "Hotel Bristol" auf ihn +warten. Nach einer reichlichen Stunde kam er. In mir war inzwischen das +Gefühlsbarometer hinaufgeschnellt und heruntergestürzt, vom Glutwetter der +Bewunderung bis zum Regensturm der Wut - hin und her, her und hin. Ich +konnte diesem unberechenbaren Manne gegenüber niemals zu ruhiger +Beurteilung kommen. Schließlich beschloß ich, ihm offene Feindschaft +anzusagen. + +Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob +er eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme: + +"Dieser Redakteur von der 'Neustädter Umschau' ist ein schwerfälliger +Kopf. Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In +meinem Artikel von gestern abend waren mehrere Dummheiten." + +"Ah - Sie haben den Artikel über Ihre Verhaftung in der Umschau selbst +geschrieben?" + +"Na, selbstverständlich. Der Trunkenbold kann's doch nicht. Als ich so +unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunächst nach der Redaktion +des feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und +natürlich auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich +da festnehmen lassen. Der Artikel über die Verhaftung war eher fertig als +die Verhaftung selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen +schuldig." + +Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression über +mir, und ich sagte: + +"Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu +geben und zu handeln, ist so überaus merkwürdig, daß ich nicht mehr +mitkann, sondern Ihnen aufs ernsthafteste erklären muß ..." + +"Ein Extrablatt!" + +Ein Bote stürmte ins Zimmer. + +"Bitte, lesen Sie!" sagte Stefenson ruhig. + +Die "Neustädter Umschau" vertrieb ein Extrablatt. Es war ungefähr ein +halbes Quadratmeter groß und enthielt in Fettdruck die Nachricht: + +"_Ehrenerklärung._ + +Die 'Neustädter Umschau', immer bemüht, ohne nach rechts oder links zu +schauen, lediglich der Wahrheit die Ehre zu geben, erklärt: Die gestrige +Verhaftung des Waltersburger Knechts ist zu Unrecht erfolgt. Der als +'Raubmörder Wiczorek' von einem übereifrigen Beamten (dessen amtliche +Maßregelung bevorsteht!!) hier auf dem Bahnhof verhaftete Mann war kein +anderer als der geniale Gründer der Kuranstalt 'Ferien vom Ich' selbst, +Herr John Stefenson - oder, wie er in Begeisterung für sein angestammtes +reines Deutschtum sich jetzt mit Bewilligung unserer Behörden nennt, Herr +Stefan! Dieser Multimillionär, dessen Einfluß in Amerika unbegrenzt ist, +hat in der demütigen Gestalt eines Bauernknechts (nicht als Kurgast) den +ganzen Sommer über in Waltersburg gelebt, alle Lasten, Mühen und +Zurücksetzungen des von ihm gewählten geringen Standes getragen, um +unerkannt die Probe auf sein gigantisches Exempel zu machen, um als +Fremdling, selbst von seinem nächsten Freunde unerkannt, von unten her +sein Werk zu prüfen. Diese Prüfung ist so glücklich ausgefallen, daß +Stefan mit Freuden in die irrtümlich verhängte Haft ging. Den Neustädter +Behörden zollt er für ihre Gewissenhaftigkeit alle verdiente Anerkennung. +Heute morgen neuneinhalb Uhr stellte sich bei den Behörden der +unbegründete Verdacht heraus. Der wahre Josef Wiczorek sitzt - laut +amtlicher Depesche - in Braunschweig in Untersuchung; der bei uns +Verhaftete wurde nicht nur von dem leitenden Arzt von Waltersburg, sondern +auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst Friedrich von ... als Herr Stefenson +identifiziert. Die 'Neustädter Umschau', deren Devise 'Ehre und Wahrheit' +ist, scheut sich nicht - _errare humanum est_ - ihren gestrigen Artikel +Wort für Wort zurückzunehmen." + +"Diesen Artikel haben Sie wohl auch diktiert?" fragte der Prinz. + +Stefenson nickte. + +"Ja, direkt dem Setzer. Ich hab noch die Korrektur gelesen, ehe ich +hierherkam." + +"Sie sind ein smarter Kerl!" sagte Hoheit voll Anerkennung. "Nu sagen Sie +mir bloß, was haben Sie gegen mich gehabt? Warum haben Sie mich immer so +miserabel behandelt? Noch gestern haben Sie mich auf den Mist geworfen, +direkt auf den Mist. Ist das anständig?" + +Stefenson zuckte die Schultern. Dann sagte er mit aufrichtiger Wärme: + +"Sehen Sie mal, lieber Piesecke - ich möchte Sie der Einfachheit halber +noch mal so nennen -, ich hab gar nichts gegen Sie gehabt! Im Gegenteil! +Sie haben mir besser gefallen und mehr imponiert als die meisten anderen. +Nur, daß Sie so hinter meiner Braut her waren, das konnte ich mir nicht +gefallen lassen." + +"Hinter Ihrer Braut?" + +"Ja, also sagen wir: hinter der Forellenhof-Hanne! Mit der werde ich mich +heute oder morgen verloben." + +Piesecke prustete los und sagte lachend: + +"Also Ignaz oder Stefan oder Wiczorek oder Stefenson oder wie Sie sonst +heißen mögen - mir ist ja das ganz egal -, da werden Sie kein Glück haben! +Die Hanne mag keinen; nicht mal den Herrn Doktor da hat sie gemocht." + +"Also haben Sie doch -?" fragte Stefenson mit einem Blick auf mich. + +"Gar nichts habe ich", sagte ich zornig. "Gar nichts! Im übrigen möchte +ich um einige kurze Aufschlüsse bitten, von denen es abhängen wird, ob ich +noch länger an diesem Tisch sitzenbleibe oder nicht." + +"Oho - oho! Also, was ist aufzuschließen?" + +"Waren Sie der Journalist Brown, der im Mai zu uns kam?" + +"Ja, natürlich war ich der! Aber Sie hätten mich doch damals beinahe +erkannt. Deshalb habe ich ja meine Maske geändert und bin als Knecht Ignaz +wiedergekommen." + +"Wie kamen Sie damals dazu, mir den seltsamen Brief zu geben?" + +"Na, den hatte ich doch selbst geschrieben, in der Annahme, Sie mit den +beiden Mädchen zu treffen. Wäre meine Voraussetzung nicht zugetroffen, so +hätte ich eben den Brief in der Tasche behalten. Das war doch nur Bluff." + +"Wie konnten Sie aber in der ganzen Zeit Briefe aus Amerika an mich +schreiben, da Sie doch bei uns waren?" + +"Es gibt Kabel, lieber Freund, durch die man anordnen kann, was zu +schreiben ist." + +"Und Ihre Handschrift? Ich bekam fast alle Briefe handschriftlich, nur +wenige in Maschinenschrift." + +"Ja, da habe ich in einem meiner Büros einen Spezialisten, der meine +Handschrift so täuschend nachmachen kann, daß ich selbst nicht zu +unterscheiden vermag, was von mir oder von ihm geschrieben ist. Ein +goldehrlicher Mann, einem anderen dürfte man die Ausübung der äußerst +gefährlichen Kunst nicht gestatten. Na, sehen Sie, es gibt für einen +Großkaufmann wie mich täglich mindestens zwei Dutzend Anlässe, wo er +handschriftlich schreiben muß: an Verwandte und gute Freunde, wo +Maschinenschrift zu kalt wirkt; an Geschäftsgenossen, mit denen man intime +Dinge verhandeln will, die kein Angestellter wissen darf; an alle Leute, +die etwas darauf geben, wenn ein vielbeschäftigter Mann sich die Mühe und +Zeit nimmt, einen handschriftlichen Brief zu senden; schließlich an alle +offenen und verkappten Autographenjäger - für sie alle ist Mister Jenkins +da, und er machte seine Sache für zweitausend Dollar im Jahre geschickt +und reell. Er hat auch in Ihrem Falle sehr brav gearbeitet." + +"Großartig! Großartig!" klatschte der Prinz in die Hände. Mein Barometer +aber fiel auf Sturm. "Ihr Verhältnis zu Bauer Barthel", sagte ich kalt, +"brauchen Sie mir nun nicht mehr zu erklären. Er hat gewußt, wer Sie +waren, deshalb hielt er Sie, deshalb log er, er kenne Sie von Jugend auf; +deshalb hat er Sie sogar gestern nicht verraten." + +"Stimmt! Aber das dürfen Sie dem Barthel nicht übelnehmen. Wir haben ein +schriftliches Abkommen, laut dessen er fünfhundert Mark an mich hätte +zahlen müssen, falls er mich je verraten hätte. Denken Sie mal - +fünfhundert Mark! Es ist klar, daß sich da Barthel lieber einsperren +läßt." + +"Hat sonst noch jemand auf dem Forellenhof Sie gekannt?" + +"Nein. Auch Susanne nicht." + +"Das ist mir lieb. Aber der Direktor Brüning hat Sie gekannt und sich +wahrscheinlich stets heimlich mit Ihnen besprochen. Deshalb erschienen mir +alle seine Anordnungen immer so von Ihrem Geiste diktiert." + +"Auch das ist richtig. Ich war nur der lange Ignaz, aber in Wirklichkeit +leitete ich die ganze Anstalt durch den Direktor. Wir hatten alle Tage +eine kleine Konferenz. Ich war immer von allem unterrichtet. Außer Barthel +und dem Direktor hat aber niemand gewußt, wer ich war, nicht mal die +kleine Luise, und das ist mir schwer geworden." + +Seine Augen schimmerten warm bei dem Gedenken des Kindes, und das Wort, +das ich über seine Abgefeimtheit sprechen wollte, unterblieb. So sagte ich +nur kühl und gemessen: + +"Wollen Sie mir sagen, Herr Stefenson, warum Sie diese ganze Komödie mit +uns gespielt haben?" + +"Komödie?" verwunderte er sich; "wieso Komödie? Darf in den Ferien vom Ich +nicht jeder auftreten, wie er will? Ist das nicht Ihre eigene Idee? Und +was meinen Sie, was ich selbst von dieser Idee, die mir gefiel und für die +ich viel Geld gewagt habe, gehabt hätte, wenn ich als Mister Stefenson +dageblieben wäre? Der Direktor wäre ich gewesen, einen langweiligen +Verwaltungsposten hätte ich gehabt, nichts von dem Zauber trauten +Geborgenseins, den unsere Anstalt spendet, hätte ich genießen können. +Nein, am eigenen Leibe wollte ich ausprobieren, wie es tut, wenn man +Ferien macht vom Ich. Deshalb wurde ich Bauernknecht. Ich habe mich +wohlgefühlt als 'langer Ignaz', ich habe beobachtet, erlauscht, geprüft +von unten her, was an unserer Sache ist, ob sie absurd, phantastisch, +unfruchtbar, oder ob sie im Kern echt und gut ist, und ich hatte das Glück +zu sehen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Nicht nur die gute +geschäftliche Bilanz, die ich erwartet hatte, hat mich belehrt, daß ich +mich unserer Gründung freuen darf, sondern das, was ich sah und hörte, als +ich unerkannt mitten unter den Feriengästen war." + +"Sie haben auch mich prüfen wollen?" sagte ich. + +"Ja, auch Sie! Ganz natürlich. Ich werde wieder nach Amerika zurück +müssen, weil leider meine Ferien aus sind, und ich will wissen, wem ich +das Werk hier, ich kann sagen den Liebling unter all meinen +Unternehmungen, den einzigen Ausflug ins Romantische, den ich je gemacht +habe, hinterlasse. Ich kann ruhig scheiden. Ich werde jetzt wirklich +hinübergehen. Weil ich muß! Weil mich die Pflicht ruft. Ich weiß, das Heim +ist in guten Händen. Und eines, lieber Freund, vergesse ich Ihnen mein +Lebtag nicht. Es gab einen Sommerabend, an dem Sie die Hände ausstreckten +nach der schönen Hanne. An diesem Abend fanden Sie meinen Brief, in dem +ich Ihnen sagte, daß ich Fräulein Eva Bunkert, die Forellenhof-Hanne, als +meine Braut betrachte. Und seit diesem Abend sind Sie dem Mädchen aus dem +Wege gegangen. Sehen Sie, das habe ich auch nur als Knecht Ignaz erfahren +können, daß ich an Ihnen so einen treuen Freund habe. Das allein lohnt ein +halbes Jahr Bauernarbeit." + +Er sprach mit großer, ehrlicher Wärme. Ich aber sagte: "Sie täuschen sich. +Ich hätte das Mädel zu gewinnen gesucht; aber ich wußte, daß sie immer nur +an Sie dachte, daß Ihnen ihr Herz gehört." + +"Ist das möglich? Ist das möglich? Fräulein Hanne will wirklich ..." + +Der Prinz sank in sich zusammen. Er war plötzlich wieder vollständig +Piesecke. + + ------------------------------------------------------- + +Es ist noch viel geredet worden; ich weiß nicht mehr, was alles. +Schließlich habe ich Stefenson recht geben müssen, daß er sich unerkannt +unter unser kurioses Völklein mischte. Was sollte er sich nicht +überzeugen, wie seine Gründung wirkte? Ich überwand meinen Unmut, so gut +ich konnte, aber ein Stachel blieb, daß Barthel und der Direktor mehr +gewußt hatten als ich. Eine Freundschaft zwischen Stefenson und mir wollte +ich nicht mehr gelten lassen. + +Piesecke schlich sich ins Heim zurück, ohne uns. Er wollte weiterhin +Piesecke sein, und vergebens zerbrachen sich unsere Kurgäste die Köpfe, +wer der in der "Neustädter Umschau" genannte Prinz sein möge. Der +"Verdacht" blieb schließlich auf einem Referendar sitzen, der im Grundhof +wohnte und sich die Rolle des heimlichen Herzogs wohlgefallen ließ. Dieser +Referendar lehnte alle grobe Arbeit von nun an ab. Die Damen waren +entzückt über seine hocharistokratischen Hände. Sie rühmten die edle +Zurückhaltung in Ton und Gebärde, die Güte, die nie zur Vertraulichkeit +wird, sondern immer Güte bleibt, die Sprache, die trotz ihres leise +verschleierten Timbers und ihrer entgegenkommenden Art doch unabweisbare +Befehle gibt, die Augen, die so wissend, so durch den Höhenblick von +Jugend auf geschärft zu blicken wußten; sie rühmten selbst kleine +Nonchalancen, die sich eben nur der unter dem Kronenhimmel Geborene +gestattet. Dieser Mann lachte und lächelte nicht; er zuckte nur mit den +Mundwinkeln. Er sagte nicht "nein" zu irgendeinem Verlangen, sondern +dieses Verlangen erstarb von selbst vor einem einzigen Faltenwölkchen, das +sich auf der Stirn des Hohen bildete; er konnte aber auch durch ein +einziges freundliches Lidersenken gewähren, "ja" sagen, wie kein anderer +Mensch "ja" zu sagen vermag. + +Keine Erziehung führt zu solcher Haltung. Kein Emporkömmling kann sie +erlernen. Rasse! Vererbung von Herreninstinkten durch Jahrhunderte! Das +ist's! Und der heimliche Herzog ging in schlichter, leutseliger Würde +durch das Gewimmel aller derer, die ihm täglich in den Weg zu laufen +wußten. Er empfing keine Besuche - er erteilte Audienzen; er plauderte +nicht - er hielt Cercle. + +Mir machte alles dies so viel Spaß, daß ich den Direktor ersuchte, dem +heimlichen Herzog noch auf weitere zwei Wochen die wesentlich +erleichterten Zahlungsbedingungen zu gewähren; denn der Referendar hatte +bisher nur gelegentlich geringe Remunerationen genossen, und sein Vater, +der ein biederer Sattlermeister war, hatte auch nicht viel Geld übrig. + +Das alles hatte mit ihrem Artikel die "Neustädter Umschau" getan. An +Piesecke dachte kein Mensch ... + +Barthel, der Heimtücker, war inzwischen auch aus der Haft entlassen +worden. Er ließ sich bei mir melden, aber es wurde ihm gesagt, ich sei +nicht zu sprechen. Da kam er nach einer Stunde mit seiner Susanne wieder. + +"Herr Doktor", sagte Susanne mit kirschrotem Kopf, "daß er ein Lump ist, +weiß ich. Unsern guten Herrn Doktor so zu beschwindeln wegen lumpiger +tausend Taler, die er jetzt von Ignaz, der ja Stefenson gewesen ist, +Schweigegeld kriegt. Was soll uns das Geld? Was geht uns Herr Stefenson +an? Wir halten uns an unseren guten Herrn Doktor. Aber was das schlimmste +ist, mich hat er auch beschwindelt mit dem langen Ignaz. So ein Lump! Sein +eigenes Weib belügt er. Ich hab ihm nie getraut, nie im Leben! Nicht über +den Weg! Aber jetzt laß ich mich scheiden; er hat gesessen, und mit einem +Zuchthäusler hat eine anständige Frau nichts zu tun." + +Was blieb mir übrig, als für den in erbärmlichem Zustand dastehenden +Barthel Partei zu ergreifen und der empörten Susanne gut und mild +zuzureden? Sie wollte aber auf keinen Zuspruch hören. Sie blieb dabei, sie +müsse sich scheiden lassen, da er "gesessen" habe. Schließlich weinte sie. + +"Und was er für ein Liedrian ist, Herr Doktor!" schluchzte die brave Frau. +"Für die tausend Taler, die er jetzt von Stefenson kriegt, will er sich +eine Dreschmaschine kaufen, wo ich ihm doch sage, daß er das Geld lieber +in die Sparkasse tragen soll." Da erkannte ich, daß das Barthelsche +Eheglück noch nicht hoffnungslos verloren war, und ich entließ die beiden, +indem ich sie meines Wohlwollens versicherte. + + ------------------------------------------------------- + +Ich saß allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht +kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte +- war das traurig, war es komisch, war es erbärmlich? Sollte ich lachen, +sollte ich zürnen? + +Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog? + +Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr +Vertrauen geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte? + +Sollte ich mich ärgern über den Barthel, weil er profitsüchtig gewesen +war? + +Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, +liebe Leute. Nur das Leben schüttelte die Menschen durcheinander, wie ein +Kind die Steinchen schüttelt, die es in ein Säcklein gesammelt hat. Wenn +es eine Reibung gibt, was schadet es? Ein Krümlein alter, weicher +Heimaterde bröckelt ab, und der Stein schimmert durch, hart und +widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine Reibung mehr schaden, kann +ihn nur glätten. + +Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes +Käferwürmlein konnte an dir zehren! Ich möchte dich ja halten, denn du +bist gut und weich, aber das Leben schüttelt zu hart. Doch ich bin +getrost, ein gut Teil Krümlein werden mir bleiben, darauf will ich mich +heimlich betten, und die glatte Fläche wird nur nach außen sein ... Als am +nächsten Morgen die blonde Hanne in mein Zimmer trat, pochte mein Herz +nicht rascher, als käme eine Patientin. Wohl war das Mädchen blasser, als +ich es je gesehen. + +"Sie kommen sich verabschieden, Eva?" + +"Ja. In zwei Stunden fährt drüben in Neustadt mein Zug ab." + +Wir schwiegen beide. Plötzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich +hätte hingehen mögen, um über ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es +nicht. + +"Eva, Sie wissen, daß Stefenson hier ist - daß er die ganze Zeit hier +war?" + +Sie nickte. + +"Er hat wohl mit Ihnen gesprochen?" + +Da stand sie auf. Tränenlos, zornig sagte sie: + +"Ja, er hat mit mir gesprochen. Er war so dreist, mich um meine Hand zu +bitten. Ein halbes Jahr lang hat er neben mir gewohnt, ohne daß ich ihn +kannte, hat mich beobachtet, belauert, geprüft, ob ich wohl - der hohen +Ehre würdig sei, seine Gattin zu werden, ob ich nicht am Ende ein +kokettes, leichtfertiges Weib sei, das heut dem, morgen jenem zulächelt; +er hat diese Prüfung angestellt, weil ich beim Theater bin, weil ich keine +der unter hermetischem Verschluß stehenden Misses von Neuyork bin, die +heimlich oft liederlich genug sind; er hat mich, ohne daß ich es wußte, +geprüft, und ist nun so gnädig, mir zu sagen: du hast deine Prüfung +bestanden. Aber ich - ich werfe ihm sein Diplom vor die Füße! Was ist denn +die Liebe? Liebe ist doch blindes Vertrauen. Welcher Mann hat denn eine +Garantie? Das Mädchen, der Vater, die Mutter, alle Muhmen und Vettern +können ihn belügen, wenn sie wollen, er ist machtlos dagegen. Der Mann muß +das Mädchen sehen, er muß wie von einer himmlischen Erleuchtung geführt +sagen: Du bist rein, ich lege meine Ehre und mein Glück in deine Hände. +Sonst ..." + +Sie sank weinend auf den Stuhl zurück. + +Hochauf loderte der glimmende Funke meiner Liebe wieder zu diesem schönen +Mädchen, als ich so sein ehrliches weibliches Empfinden sah. In +plötzlicher Müdigkeit stützte ich den Kopf in die Hände. + +Ich zwang die Welle in meinem Herzen. Es wurde ganz still in mir. Eine +unheimliche, aber große Stille. Wie in der Wüste. Nur von ferne hörte ich +die Tränen rinnen, wie Wasser einer fremden Oase. Ich hätte lange so mit +dem aufgestützten Haupt sitzen mögen. Wieviel Zeit verging, weiß ich +nicht. Da hörte ich Evas Stimme. + +"Haben Sie keinen guten Rat für mich, lieber Freund?" + +"Lieber Freund!" Unter allen Gestirnen, die an unserem Himmel flimmern, +ist dieses Wort wohl eines der hellsten. Aber wenn es ein Weib sagt, das +man liebt, bekommt dieser Stern ein überweißes Licht, ist wie ein Schimmer +aus einer Welt, die in Eiseskälte untergeht. + +"Warum sagen Sie nichts? Wissen Sie nicht einmal als Arzt etwas zu sagen?" + +Da erhob ich mich. + +"Wohl, liebe Eva! Ich glaube, ich kann Ihnen die Sache richtig +auseinandersetzen." + +Ich war über mich selbst verwundert. Wie ein trockener, etwas pedantischer +Magister sprach ich: + +"Sehen Sie, Eva, Sie stecken zu tief in der Romantik! Sie denken sich den +Freiersmann so wie Lohengrin, der als Fremdling ans Ufer steigt, die +Holde, die von aller Welt geächtet wird, an der Hand nimmt und sagt: Frei +aller Schuld ist Elsa von Brabant. Und drei Minuten später: Elsa, ich +liebe dich! Unser Stefenson ist nicht von dieser Schwanenritterart, er +fährt auf dem Passagierdampfer, ist hausbacken, nüchtern, verfährt +vorsichtig." + +"Verstellen Sie sich doch nicht, lieber Freund! Das ist doch nicht Ihre +Art, so zu sprechen!" + +"Doch, doch! Es ist ganz meine Art, so zu sprechen! Eva, ich will Ihnen +ehrlich folgendes sagen: Stefenson hat nicht nur Sie prüfen wollen, +sondern auch mich, auch unsere ganze Anstalt. Er schätzt wahrscheinlich +drei Dinge: Erstens das Geld, das er für ein Unternehmen anlegt (und das +ist ihm als Kaufmann durchaus nicht übelzunehmen), zweitens seine +Geschäftsfreunde, unter denen er keine unfähigen Gesellen haben will (auch +das ist ohne weiteres zu billigen), und drittens die Liebe oder die Ehe, +in welcher Richtung er durchaus klar sehen will. Die Beurteilung dieses +dritten Punktes wage ich nicht, da ich von Liebe nichts verstehe." + +In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Stefenson erschien. + +"Ich bitte um Entschuldigung", sagte er, "und versichere, daß ich an der +Tür nicht gehorcht habe. Ich entlasse Dienstmädchen ob solch schmählicher +Schwäche. Aber der Herr Doktor hat so deutlich gepredigt, daß jedermann, +der den anstoßenden Korridor entlang ging, Wort für Wort verstehen mußte. +Darf ich mir zu der Sache das Wort erlauben?" + +"Bitte!" + +"Erstens mal das Geld. Schön! Ich schätze es! Ich halte es für einen sehr +guten Freund. Für einen, der nicht nur die Stube ausmöbliert und das Essen +schafft, sondern auch für einen, der einem eine vernünftige Körperpflege +gönnt, der die Theater und Museen aufschließt, einen in der Welt +herumführt, der gestattet, sich gegen ärmere Mitmenschen anständig zu +benehmen, der den Doktor ruft, wenn man krank ist, und der einem +schließlich ein Denkmal setzt, wenn sich kein Mensch um den Grabhügel +bekümmert, ja, für den einzigen Freund, der einem, wenn man zum Beispiel +in der Wut eine Gewalttat begangen hat und ins Zuchthaus oder sonst ins +Elend gekommen ist, hinterher wieder die Hand reicht und zu einem +ordentlichen Leben zurückverhilft. Ein gutes Bankdepot ist wirklich ein +außerordentlich reeller Freund. Nur dumme Kerle und verärgerte arme +Schlucker können es leugnen. + +Zweitens: Geschäftsfreunde dürfen noch eher in mäßigen Grenzen unreell als +dumm, rückständig, faul oder sonstwie borniert sein. + +Drittens: Jeder Mensch, der ein Pferd kauft, das er übermorgen +weiterverkaufen oder schlachten lassen kann, überlegt es nach zwanzig +Rücksichten. Einer, der eine Frau nimmt, die er zeit seines Lebens auf dem +Halse behält, und der weniger vorsichtig verfährt, ist ein Dummian." + +Stefenson brachte diese Sätze ohne alle Gemütsbewegung vor, wie einer, der +unwiderlegbare Behauptungen aufstellt. + +Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen. + +Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte kühl: + +"Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber +ich - ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!" + +Sie verließ das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach. + +Sie gab keine Antwort mehr. + +Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zündete sich eine Zigarre an und +sagte nach einer Weile: + +"Das ist daneben gegangen!" + +"Ja, ganz daneben!" + +"Sie freuen sich wohl?" + +"Ach, ich kann nicht sagen, daß ich verärgert bin." + +"Das kann ich mir denken!" + +Darauf zündete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenüber +und rauchten dicke Wolken. + +"Was war denn eigentlich los?" fragte Stefenson. + +"Nun", sagte ich, "Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib." + + + + + + VOM BRUDER UND SEINER FRAU + + +Mit Eva Bunkert verließ uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend +hatte sie sich nicht beteiligt. Es hieß, "Bärbel" sei nicht wohl und habe +sich zeitig zur Ruhe gelegt. Wie mein Bruder mit dem Mädchen stand, wußte +ich nicht. Joachim war verschlossener als je. Am Abend des Tages aber, da +die Mädchen abgereist waren, kam er zu mir. + +Ganz unvermittelt sagte er: "Fritz, ich möchte fort. Morgen oder +übermorgen." + +"Fort? Wohin?" + +"Wieder hinüber." + +"Nach Amerika?" + +"Ja." + +Ich sah ihn schweigend an. + +Da sagte er: + +"Du hast wohl bemerkt, daß ich eine Neigung für Fräulein Anneliese hatte. +Ich hoffte, es könnte mir ein neues Glück in der Heimat erblühen. Diese +Hoffnung hat mich betrogen - wie alle anderen." + +"Ist es aus zwischen euch?" + +"Ja. Das Mädchen hing an mir, und es war alles verabredet für baldige +Hochzeit. Da hielt ich mich gestern für verpflichtet, ihr mein Leben zu +schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere +gesagt. Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie +bleibt dabei, daß sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht +heiraten dürfe. Du weißt wohl warum?" + +"Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe." + +Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren - ich ließ ihn reden und +toben. + +Zuletzt sagte er: + +"Und ich weiß nicht einmal, ob dieses - dieses Weib noch lebt." + +Ich blieb still. + +"Weißt du etwas von ihr? Weißt du, ob sie noch lebt?" + +"Sie lebt." + +Er stöhnte. Ich merkte, wie sehnsüchtig er auf den Tod seiner Frau gehofft +hatte. + +"Und - das Kind, wo ist es?" + +"Es ist bei seiner Mutter." + +"Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?" + +"Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr." + +Er lachte rauh und ergoß eine Flut schwerster Schimpfworte über seine +Frau. Wieder ließ ich ihn reden und toben. Zuletzt stieß er hervor: + +"Wo hält sich das Scheusal auf?" + +"Deine Frau? Das sage ich dir nicht." + +"Das _mußt_ du mir sagen!" + +"Nein, Joachim, ich sage es dir nicht!" + +Er ballte die Fäuste und trat mit dem Fuß auf. Dann ließ er die Arme +schlaff hängen und sagte in feindseligem Ton: + +"Gut! Was ich wissen will, werde ich auch ohne dich erfahren." + +Ohne Gruß verließ er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten über die +Wiese gehen. Das war der Mann, dem ich fünf Jahre lang um die ganze Welt +nachgereist war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun würde ich eine +solche Familienaufgabe nicht mehr übernehmen. Ich öffnete nicht einmal das +Fenster, um ihm nachzurufen. + +Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging +schwer. Ich war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz +benommen. Es fiel mir ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber +die wußte ja auch nichts von Katharina, die bei uns Magdalena hieß, hatte +keine Ahnung von ihrer Anwesenheit hier im Heim. Es wurde spät. Ich wollte +nur noch meine letzte Zigarre ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie +gleichmütig mich der Abschied des Bruders ließ! Freilich, die Mutter würde +wieder sehr mit mir zürnen. Aber ich konnte das nicht ändern. Ich war +aller Familiensimpelei müde geworden. + +Wie ich noch so still dasaß, hörte ich auf einmal jemand den Korridor +entlang eilen. + +Die Tür wurde aufgerissen. + +Magdalena stand vor mir. + +Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstört. + +"Helfen Sie - helfen Sie - sie haben mir das Kind genommen." + +"Was? Was sagst du, Käthe?" + +"Das Kind haben sie mir genommen - Luise - o Gott!" + +"Wer hat es genommen?" + +"Er - Joachim - er ist mit einem fremden Mann gekommen - sie haben das +Kind fortgeschleppt - meine Luise - meine Luise!" + +Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl nötigen. + +"Nein, kommen Sie bald - sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen +gehabt - eine Stunde ist es wohl schon her, daß sie mit dem Kinde fort +sind - ich habe die Kammertür nicht aufgekriegt - kommen Sie schnell - +schnell!" + +Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie +durch einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte +ihm den Weg gewiesen? + +Plötzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu +verraten, daß Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wußte, wo +das Kind war, fanden sie auch die Frau. + +Oh, ich Tor! Ich sah, daß Käthe am Halse rote Striemen hatte. + +"Hat er dir etwas getan, Käthe? Hat er dich etwa gar geschlagen?" + +"Ich weiß es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!" + +Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem +Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entführt. Der brutale +Kerl! Ein wütender Haß gegen ihn schlug in mir auf. + +"Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!" + +"Nenn mich nicht Herr Doktor, Käthe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte. +Ich werde dir helfen, so gut ich irgend kann." + +Demütig und furchtsam wie ein geprügelter Hund stand sie vor mir. + +Ich zog mir den Mantel an. + +"Ich bitte dich, Käthe, geh nach Hause. Du kannst nichts tun. Ich werde +mich sofort auf die Suche machen." + +"Ich kann nicht nach Hause gehen; ich muß Luise suchen -" + +Mit irrsinnig flimmernden Augen sah sie mich an. + +"Du kannst nichts tun, Käthe. Ich werde sofort hinab zu meiner Mutter +gehen, dort werde ich wahrscheinlich Joachim treffen und mit ihm +abrechnen." + +"Ich will mit. Ich fürchte mich nicht, wenn sie mich auch schlagen." + +"Du mußt mir jetzt gehorchen, Käthe! Sonst verdirbst du alles; sonst kann +ich dir nicht helfen!" + +Da senkte sie stumm den Kopf. + +Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der +Genovevenklause abbog, gebot ich der Frau, nach Hause zu gehen und zu +warten, bis ich ihr Nachricht brächte. Sie schlich davon. Aber als ich den +Berg hinabeilte, merkte ich, daß mir von ferne ein Schatten folgte. + +Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustür stand offen. Ich +eilte nach dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, +ohne anzuklopfen. Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In +offener Feindseligkeit blickten wir uns an. + +"Wo ist das Kind? Wo ist Luise?" + +"Nicht hier." + +"Wo ist die Mutter?" + +"Auch nicht hier." + +"Willst du mir sagen, wo beide sind?" + +"Nein! Aber ich will dir sagen, daß ich das Mädchen der Obhut des +Frauenzimmers, dem du es übergeben, entrissen und in eigene Erziehung +genommen habe. Morgen früh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das +ist mein Recht. Das Kind gehört mir." + +Ich konnte vor Zorn kaum sprechen. + +"Ah - und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Häuser +einzubrechen und ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?" + +"Das tat ich nur, um sie zu hindern, hinter uns herzuschreien und Skandal +zu erregen. Um allen Skandal zu vermeiden, bringt Mutter das Kind schon +jetzt nach auswärts." + +"Oh, wie bist du rücksichtsvoll! Du willst keinen Skandal. Du vergissest +nur das eine: daß es ein großer Skandal ist, wenn man sich benimmt wie ein +Bandit!" + +"Hüte dich nur!" + +"Ich fürchte mich nicht vor deiner Brutalität. Ich kann dich - wenn es mir +beliebt - wegen der Schandtat eines Einbruchs in eines unserer +verschlossenen Häuser jeden Augenblick einsperren lassen. Ich werde es +höchstwahrscheinlich auch tun und mich um keinerlei Skandal kümmern." + +"Du nimmst in sehr merkwürdiger Weise Partei für jenes Weib." + +"Ja, sie steht trotz ihres Fehltritts gerechtfertigter, ich will ruhig +sagen, viel anständiger vor meinen Augen als du!" + +"Das bitte ich mir zu beweisen", sagte er heiser vor Wut. Er setzte sich +auf eine Tischkante; ich lehnte an einem Schrank ihm gegenüber. + +"Ich erinnere dich daran, Joachim, daß das schöne Mädchen, das Katharina +hieß, damals zwar deine blinde, wahnsinnige Leidenschaft erregt, aber daß +sie dich niemals geliebt hat, daß sie so ehrlich war, es dir zu sagen." + +"Hör auf damit!" + +"Nein, da liegt die Wurzel zu allem Unheil, das kam. Als du von dem +Mädchen abgewiesen warst, tatest du das, was du immer tatest, wenn du +einen Wunsch durchaus durchsetzen wolltest, du hingst dich an die +Kleiderrockfalten der Mutter." + +Er sprang herunter vom Tisch und trat drohend vor mich. + +"Benimm dich immerhin auch in dieser Stunde noch mit einigem Anstand, +Joachim! Du hast mir so viel von meinem Leben genommen, fünf volle +blühende Jahre, daß ich ein Recht habe, dich als meinen Schuldner zu +betrachten und endlich mit dir abzurechnen." + +Er wich zurück, lachte verächtlich und trat ans Fenster. + +"Ich habe dich nicht aufgefordert, mir zu folgen." + +"Nein, aber die Mutter hat es getan, die dich von Kind auf zu einem +jämmerlichen Egoisten erzogen hat." + +"Sag noch ein Wort gegen die Mutter, und ich halte mich nicht länger!" + +"Du sprichst wie ein Raufbold, Joachim, und ich schäme mich für dich. Wie +ich innerlich zur Mutter stehe, geht daraus hervor, daß ich auf ihren +stillen Wunsch hin, dich wiederzuhaben, meine Jugend opferte. Aber nicht +davon wollte ich sprechen, sondern von deinem Verhältnis zu Katharina. Das +Mädchen sagte dir damals, daß seine Liebe einem anderen gehöre, deinem +Freunde ..." + +"Hör auf - ich ertrage das nicht!" + +"Ich weiß, trotz deiner Brutalität anderen gegenüber bist du, was die +eigene werte Person anlangt, sehr feinfühlig; nicht einmal eine +wahrheitsgemäße Aussprache erträgst du. Aber ich erspare sie dir nicht. +Ich halte dir den Spiegel vor, damit du weißt, wenn du von hier +fortziehst, daß es jemand auf der Welt gibt, der keine Spur von Mitleid, +ja nicht einmal von Achtung mehr für dich hat, und das ist dein Bruder, +der dich unter allen Menschen auf der Welt am besten kennt." + +Er erwiderte nichts mehr; er starrte mich nur an. Ich setzte kaltblütig +die Abrechnung fort. + +"Du wandtest dich damals an die Mutter, und die Mutter setzte bei den +Eltern des Mädchens alle Hebel für dich ein. Die Leute hatten sechs +Töchter. Eine von ihnen versorgt zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Du +warst approbierter Arzt, der andere, dein Freund, ein vermögens- und +aussichtsloser Kandidat. Da wurde dem Mädel Tag und Nacht zugesetzt, bis +sie dich nahm. Das war in diesem Falle die Grundlage für die schwere +Ja-Frage am Altar nach dem 'freien, ungezwungenen, selbst ungenötigten +Willen'." + +Joachim war in einen Sofawinkel gesunken. Mir war das Herz so kalt und +leicht wie einem Staatsanwalt, der auf "schuldig" plädiert. + +"Während du die Flitterwochen hieltest, ging dein Freund beinahe zugrunde. +Nach einem Jahre hieß es, er habe sich beruhigt. Er kam zu euch. Die alte +Sehnsucht trieb ihn. Und da geschah Katharinas Unglück. Du warst natürlich +in deiner Ehre sehr tief verletzt. Ich sah das ein. Erst jetzt begreife +ich, daß in jener Ehe deine Gattenehre nicht von Gottes, sondern von +Mutters und Geldsacks Gnaden war. Das Weib hat gefehlt, ohne Zweifel. +Zweimal. Nicht nur, als sie dir die Ehe brach, sondern schon, als sie die +Ehe mit dir einging. Aber du und die Mutter - und wir alle, die wir +schürend oder doch stillschweigend mitgewirkt haben, sind wir Gerechte? +Leute, die Steine aufheben dürfen? Oder Pharisäer, die verdienen, die +Geißel des Messias ins Gesicht zu bekommen? + +Katharina hat ihre Schuld gebüßt. Nicht durch deinen rohen Revolverschuß, +nicht dadurch, wie sie dich vor Gericht reinwusch, indem sie aussagte, sie +habe sich die Wunde selbst zugefügt. Nein, mit aber tausend Tränen. Erst +jetzt weiß ich, wie ihr Mutterherz gehungert hat, wie sie durch all die +Jahre nach dem Kinde gesucht hat. Dieses Weib hat vielleicht an einem Tag +und in einer Nacht mehr gelitten und heißer zum Himmel gerufen als du in +der ganzen Zeit. Jetzt auf einmal erscheinst du wieder in der ganzen +Pracht und Herrlichkeit deines gesetzmäßigen Richtertums und beginnst +deine Brutalitäten aufs neue. Und deshalb, sage ich, ist deine Frau ein +hundertmal anständigerer Mensch, als du bist!" + +Er stand auf, zuckte ein wenig mit den Armen durch die Luft, als ob er +reden wolle, setzte sich aber wieder. Ich behielt ihn scharf im Blick und +fuhr fort: + +"Das ist die Abrechnung, die deine Frau betrifft. Da kommst du immer noch +gut dabei weg, weil nicht nur dein eigenes, sondern auch das andere Konto +belastet ist. Nun komme ich auf dein Verhältnis zu deinem Kinde zu +sprechen. Und da - nichts für ungut, lieber Bruder - hast du dich glattweg +benommen wie ein Lump. Das Tier bekümmert sich um sein Junges, trägt ihm +die besten Bissen zu, sorgt für seine Sicherheit. Du hast für deine eigene +Sicherheit gesorgt, die besten Bissen selbst gegessen, dem Kinde nicht +einen Pfennig, nicht ein armseliges Spielzeug, nicht ein Wort oder einen +Blick gegönnt. Der verkommenste Proletarier, der von zehn Mark, die er +verdient, neun versäuft und eine Mark seiner Familie gibt, ist ein +besserer Vater, als du bist, denn du hast auch die zehnte Mark für dich +genommen." + +"Die Mutter ...", ächzte Joachim. + +"Ja, die Mutter hat die sogenannten Erziehungsgelder gezahlt. Nebenbei +gesagt, nicht nur von deinem, auch von meinem Erbteil. Ich wundere mich, +daß ich so etwas sagen kann; aber alle Sentimentalität ist mir +wahrscheinlich abhanden gekommen. Wir alle haben gefehlt, auch ich! Ich +hätte dir nicht nachlaufen, ich hätte mich lieber um das Kind kümmern +sollen. Aber ich war ein unerfahrener, wehleidiger Geselle. Ich bin erst +jetzt, da ich ein großes Werk angefangen habe, dazu gekommen, die Dinge, +die um mich her sind, klar und leidenschaftslos zu sehen und zu +beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du weder +deiner Frau noch deinem Kinde gegenüber im Recht. Du hast dich bis jetzt +unbarmherzig zurückgehalten und bist plötzlich brutal hervorgetreten, als +deine neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigeführte Band, das +Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues +zu schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist +enttäuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten +Kindes nicht bessern; denn einen unfähigeren Erzieher, als du bist, kann +es nicht geben!" + +Joachim erhob sich. + +"Meinst du, daß ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?" + +"Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim." + +"Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?" + +"Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt." + +"So werde ich gehen; ich verschmähe es, weiter mit dir zusammen zu sein." + +"Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal +zu betreten. Außerdem ist es nach deinem brutalen Verhalten +selbstverständlich, daß du als Arzt von uns entlassen bist." + +Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe +hinab. Ich konnte mir zunächst über das, was ich gesprochen hatte, keine +klare Rechenschaft geben. + +Ich hatte nur ein Gefühl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz +abräumen gekonnt. + +Jetzt fiel unten die Haustür zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl +eine mondscheinlose Nacht und die Straßenbeleuchtung sehr kümmerlich war. +Joachim ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male löste sich dort +ein Schatten los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls +für meine Person. Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, +aufeinander einsprachen, wie das Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich +dann vor dem Bruder auf die Knie warf, wie er sie emporriß. Sie klammerte +sich fest an seinen Arm; er versuchte sich loszulösen; sie rangen +miteinander. + +Ich riß das Fenster auf. + +"Katharina", rief ich hinunter, "sei vernünftig!" + +Sie hörte nicht, ließ nicht los, schließlich rang sie weiter mit ihm, und +ich hörte sie um das Kind bitten. Sie standen dicht am Brunnenrand. Da gab +Joachim dem Weibe einen gewaltigen Stoß, sie taumelte zurück und fiel über +den niederen Brunnenrand ins Wasser. + +Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang; +dann beugte er sich über das Becken. + +Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon. + +Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgängen sprachlos +zugesehen, dann war ich mit einigen Sätzen unten auf dem Markte. Joachim +stand noch am alten Fleck. + +"Ah", lachte er, "du hast zugesehen - da wirst du wohl jetzt behaupten, +ich hätte das Weib ertränken wollen." + +"Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurückgestoßen, und sie +ist unglücklich gefallen." + +"Na also! Ich lasse mich auf der Straße nicht anfallen, verstehst du? Eure +Komödien verfangen nicht bei mir!" + +"Joachim, wir müssen ihr nach, wir müssen sie suchen." + +"Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?" + +"Joachim, sie muß völlig durchnäßt sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist +halb irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglück +passieren!" + +Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Haus zurück. Ich +sah ihm nach, hörte, wie er von innen den Haustürschlüssel umdrehte. Dann +eilte ich die Straße hinunter, in der ich Katharina hatte verschwinden +sehen. + +Ich rannte durch die ganze Stadt, auch teilweise hinaus auf die +Landstraßen. Es verging wohl eine Stunde und mehr Zeit; ich fand nichts. +Es hatte angefangen zu regnen, und es blies ein rauher Wind. Endlich sah +ich ein, daß ich allein nichts ausrichten könne. Ich eilte hinauf nach +unserem Heim, überzeugte mich, wie ich schon angenommen hatte, daß die +Genovevenklause leer sei, weckte dann Stefenson, Barthel, Piesecke und +noch einige andere verläßliche Leute, und wir gingen nach verschiedenen +Richtungen auf die Suche. + +Morgens drei Uhr kehrte ich todmüde nach Hause zurück. Die anderen waren +auch noch nicht lange da. Niemand hatte eine Spur von Katharina +entdeckt ... + +Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau +gebracht. Ein Waltersburger Bauer, der zeitig nach Neustadt fahren wollte, +hatte am Chausseerand ein bewußtloses Weib gefunden und an ihrer Kleidung +erkannt, daß sie zu uns gehörte. Er hatte die völlig durchnäßte Frau auf +das Stroh seines Wägelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke +zugedeckt. + +Ich ließ die Bewußtlose nach einem unserer Krankenzimmer am "Stillen Weg" +schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verständigte ich über das +Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere ärztlichen Maßnahmen. Wir +verhehlten uns beide nicht, daß wir vor einer sehr ernsten Aufgabe +standen. Sämtliche Männer, die um das traurige Vorkommnis wußten, auch der +Bauer, gelobten Stillschweigen. + +Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug +sie die Augen auf. Sie lächelte mich an, ohne daß sie bei klarer Besinnung +war, und sagte: + +"Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Sünden!" + +Die Augen fielen wieder zu, öffneten sich aber bald aufs neue. + +"Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz müde war und auf die Straße fiel, +ist sie zu mir gekommen." + +Dann wieder tiefe Bewußtlosigkeit. + +Gegen Mittag ließ sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blaß und +rang die Händchen ineinander. + +"Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?" + +Ich sah sie streng an. + +"Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind +zu entreißen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewußt, daß Joachim +in die Klause eindringen wollte?" + +"Nein, ich habe ihm bloß gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts +erfahren, bis er Luise brachte." + +"Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?" + +"Ich - ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir +wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim +wollte auch bald am Morgen fort." + +Ich dachte daran, wie sicher der mütterliche Instinkt die unglückliche +Katharina geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie +zusammengebrochen. + +"Was wird nun werden?" fragte die Mutter. "Wie steht es?" + +"Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder +schreiben, daß sein sehnlichster Wunsch, diese Frau möge sterben, +wahrscheinlich in Erfüllung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen." + +Die Mutter weinte. + +"Fritz, du mußt nicht so von ihm denken. Er hat doch auch viel gelitten. +Gestern hat er unrecht gehandelt. Er ist dann die ganze Nacht wach +geblieben, und ich glaube, wenn die Frau jetzt stirbt, wird es sein +Gewissen sehr bedrücken. Er ist ja deswegen auch noch nicht abgereist." + +Ich lachte. + +"Hab keine Sorge, Mutter, Joachims Gewissen ist recht robust." + +"Ihr werdet euch nie verstehen." + +"Nein. Niemals! Mit solch einem Kerl niemals!" Sie saß noch ein Weilchen +da. Ich fand kein gutes Wort für Joachim, auch nicht für sie, fragte auch +nicht, was die beiden wohl nun mit Luise vorhätten, und so ging sie ... + +Unsere Patientin war schwer krank, und eine heftig einsetzende +Lungenentzündung nahm uns bei der schlechten Beschaffenheit des Herzens +fast alle Hoffnung. + +Am zweiten Tage abends wurde von Waltersburg aus wieder nach Katharinas +Befinden gefragt. Ich schrieb auf einem Zettel: + +"Joachim mag sich noch etwas gedulden; es ist bald aus." + +Am selben Abend hörte ich draußen vor den Fenstern ein helles +Kinderlachen. Da sah ich Luise draußen. Stefenson hatte das Mädel um den +Hals gefaßt und führte sie die Straße herauf. + +Ich ging hinaus. Das Kind stürzte auf mich zu. + +"Onkel, lieber Onkel", rief es selig; "denke dir, Pappa ist wieder da." + +Stefenson strahlte über das ganze Gesicht. Er flüsterte mir zu: + +"Es ist nicht so gegangen, wie ich wollte. Ich hatte mir einen genialen +Plan zurechtgelegt, dem Kerl das Mädel zu nehmen; da gab er es leider +freiwillig her." + +Das Kind klammerte sich an mich. + +"Onkel, lieber Onkel, laß doch nicht mehr den bösen Mann zu mir kommen. +Ich hab so schreckliche Angst vor ihm!" + +Ich sagte ihr nicht, daß der "böse Mann" ihr Vater sei. Es gibt +Hunderttausende von Kindern, für die der eigene Vater der "böse Mann" ist. +Die männlichen Schweine fressen zuweilen den eigenen Nachwuchs auf; ich +schätze menschliche Väter, die ihrer Kinder Jugendglück vergiften, noch um +einige Grade niedriger ein als die selbstsüchtigen Borstentiere. Denn im +Schweinekoben ist der Schmerz kurz, bei lieblosen Menschenerziehern dehnt +er sich Jahr für Jahr. + +"Kommt der böse Mann wieder?" + +"Nein, Luise, er kommt nicht mehr!" + +"Dann mußt du der Magdalena sagen, daß wir nicht mehr in der +Genovevenklause wohnen wollen; wir wollen lieber wieder in den Forellenhof +ziehen." + +"Hast du Magdalena lieb, Luise?" + +"Ja, ich will wieder zu ihr. Wo ist sie?" + +"Sie ist jetzt krank; aber vielleicht wird sie wieder gesund." + +"Sie wird doch nicht sterben?" fragte das Kind weinerlich. + +"Nein, Herzchen", sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen +Stefenson und ich mit dem Kinde den "Stillen Weg" entlang ... + +Keinem unter allen Sündern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht +wie den Unbarmherzigen. Was er für sie hat, ist die "ewige Finsternis, wo +Heulen und Zähneknirschen ist". Diese Höllenstrafe trifft die +Unbarmherzigen schon auf dieser Welt. Denn Unbarmherzigkeit ist +Finsternis, und Haß heult und knirscht mit den Zähnen und ist verbannt von +allem Frieden und allem Glück. + +In diesem Lichte sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der +röchelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre heißen Hände sich die Wand +hinaufkrallen sah, ihren qualvollen Husten hörte, schickte ich auf neue +Anfrage aus Waltersburg einen Zettel an Joachim: + +"Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebräuchen vertraut. Freue +dich, deine Frau hängt am Marterpfahl!" + +Daraufhin ließ er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ... + +In ihren Fieberträumen schrie die Frau immer wieder: + +"Taufe mich, heiliger Johannes, taufe mich!" + +Und sie jammerte nach dem Kinde. + +Als sie das erstemal bei klarem Bewußtsein war, als sich der Fieberblick +in Angst und Todestraurigkeit verlor, wußte sie nichts zu sagen als: +"Luise ist fort!" + +Da sah ich sie lächelnd an. + +"Nein, liebe Käthe, Luise ist hier. Du bist nur jetzt noch krank; du +bildest dir bloß ein, daß Luise fort ist." + +"Ich - ich bilde es mir bloß ein?" + +Ein kleines, halb irres Lachen flog um ihren Mund. + +"Ich bilde es mir bloß ein!" + +"Ja, liebe Käthe - du denkst das bloß so ..." + +"Ich denke es bloß so? Wo ist denn Luise? Warum ist sie denn nicht bei +mir?" + +"Sieh nur, Käthe, du bist krank; das Kind lärmt zu sehr. Du weißt doch, +wie es lärmt." + +"Es ist so schön, wenn es lärmt!" + +Und sie lächelte lieb und seltsam und schlief ein. + + ------------------------------------------------------- + +Es ging auf die Krisis zu. Wie das so ist in solchen Fällen: das Befinden +schwankte; einmal ging es der Kranken etwas besser, ein anderes Mal wieder +war es ganz zum Verzweifeln. Immer der eine Satz: "Wenn das Herz aushält, +dann ..." + +Ja, wenn! + +Am siebenten Tage ließen wir Luise zu der Kranken. Wir hatten Luise wohl +vorbereitet. + +"Du darfst nicht schreien oder weinen oder lärmen. Du darfst nur ganz +leise auf den Zehen ans Bett gehen, der Magdalena die Hand küssen und +sagen: 'Mamma, ich hab dich lieb!'" + +So hat es das Mädchen getan. Die Kranke lag mit verklärtem Gesicht, und in +ihren Augen war ein Strahlen, als ob ihr der Himmel offenstände. + +Als das Kind das Zimmer verlassen hatte, ging ein Frösteln über den Körper +des Weibes: + +"Es ist alles nicht wahr gewesen - ich hab das Furchtbare nur geträumt - +Luise ist wirklich da ...!" + + ------------------------------------------------------- + +Am zehnten Tage wußten wir, daß Katharina am Leben bleiben würde. Freilich +würde sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung +nicht in Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es würde ein sehr +stilles Leben sein, was Katharina fortan führen müßte. + +Am hellen Mittag trat mir auf dem "Stillen Weg" der Bruder entgegen. Er +gesellte sich zu mir, ohne daß wir uns die Hände reichten. + +"Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?" fragte er mit offener Furcht in den +Augen. + +"Ja, es ist überwunden!" + +Da atmete er auf. + +"Ich habe schwere Tage und Nächte hinter mir", sagte er etwas stockend; +"deine Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch +deine Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient." + +Ich antwortete nicht. Er fuhr fort: + +"Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Käthe zu einer Zeit, wo du es für +angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu übergeben. Er ist offen; +du sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthält nichts als einen kurzen +Abschied, und daß wir jetzt, durch Land und Meer für immer getrennt, ohne +Feindschaft aneinander denken wollen." + +Ich wandte den Kopf zur Seite. + +"Und Luise?" + +"Luise werde ich ihr lassen." + +Wir gingen schweigend nebeneinander hin. Dann sagte er: + +"Daß ich von dem Kinde ohne Abschied fortgehen muß, fällt mir sehr schwer. +Du wirst es nicht glauben; aber es ist wahr. Das Kind würde sich fürchten, +wenn es mich wiedersähe. Ich bitte, daß du dich weiter des Mädchens +annimmst. Mit einem Kapital werde ich es ausstatten. Willst du die Sache +übernehmen?" + +"Ja." + +"Ich danke dir!" + +Wieder gingen wir ein Stückchen wortlos weiter. + +"Ich könnte nun gehen, Fritz; aber das Schwerste habe ich noch zu sagen." + +Ich sah ihn fragend an. Da brachte er heraus: + +"Die Mutter will mit mir nach Amerika." + +Ich blieb stehen. + +"Du mußt nicht glauben, Fritz, daß ich Mutter dazu überredet habe. Sie hat +es von selbst gewollt." + +"Ja, ich kann es mir denken." + +Etwas unendlich Bitteres quoll mir durch die Seele. + +"Wann wollt ihr denn fort?" + +"Morgen. Die Mutter läßt dich fragen, wann sie sich von dir verabschieden +kann. Willst du am Nachmittag zu ihr hinunterkommen?" + +Ich mußte erst ein paarmal Atem holen, dann sagte ich: + +"Ja, ich werde kommen." + +Joachim blieb stehen. + +"So habe ich dir alles gesagt, Fritz. Nun kann ich mich von dir +verabschieden. Wenn du zu Mutter kommst, werde ich euch nicht stören, +werde ich schon fort sein." + +Es wurde ihm schwer. + +"Leb wohl, Fritz; hab keinen Groll mehr gegen mich. Ich danke dir für +alles Gute - auch, daß du mich fünf Jahre lang gesucht hast - auch, daß du +neulich so mit mir gesprochen hast." + +Die Stimme stockte ihm, und auch ich brachte es kaum heraus, als ich +sagte: + +"Behüte dich Gott, Joachim!" + +Als er sich schon abgewandt und die ersten Schritte gemacht hatte, +erscholl jenseits eines kleinen Gebüsches das selige Kinderlachen Luises. + +Joachim wandte sich noch einmal um. + +"Ist sie das?" + +Ich nickte mit dem Kopf. + +Da legte er die Hand über die Augen und ging schwer und langsam den Berg +hinab. + +Und noch einmal erscholl das Lachen des spielenden Kindes hinter ihm her. + + + + + + FREUND STEFENSON + + +Nun war es vorbei. Ich stieg von Neustadt aus den Weihnachtsberg hinauf. +Der Zug, der meine Mutter in die weite Welt davongeführt hatte, war längst +nicht mehr zu sehen. Der Bruder war schon gestern bis zur +Provinzialhauptstadt vorangereist; ich hatte ihn nicht mehr getroffen. + +Die Bitterkeit war aus meiner Seele gewichen und hatte einer stillen +Trauer Platz gemacht. Die letzten Stunden, die ich mit meiner Mutter +verlebt hatte, waren voll reinster Liebe gewesen, ohne Eifersucht, ohne +Neid, ohne Groll auf den Bruder, um dessentwillen sie mich und die alte +Heimat verließ. Joachim sollte nicht wieder einsam und verbittert durch +die Welt irren; die Mutter wollte nicht wieder Tag für Tag sehnsüchtig am +Fenster stehen und auf das schwermütige Plätschern des Johannesbrunnens +lauschen. + +Mich wußte sie in Sicherheit, mit einer großen Aufgabe betraut, die mein +Herz ausfüllen würde. So ging sie mit dem anderen, dem Einsamen. + +Es war weiblich, es war mütterlich; es konnte wohl nicht anders sein. + +Aber wie ich auf die andere Seite des Weihnachtsberges kam und mein altes +Waltersburg liegen sah, den Marktplatz mit dem Brunnen und mein +verlassenes Vaterhaus, da setzte ich mich todmüde an den Wegrand ins welke +Gras. Ich barg das Gesicht in den Händen und saß lange so. + +Als ich endlich aufblickte, sah ich mir gegenüber auf dem anderen Wegrande +Stefenson sitzen. Ich war unwillig, daß er sich so angeschlichen hatte, +aber er kam mir mit teilnehmendem Gesicht, ganz ohne seine sonstige +spöttische Art, entgegen, so daß mein Ärger verflog. + +Stefenson setzte sich neben mich und legte mir die Hand aufs Knie: + +"Sehen Sie, alter Junge, so was tut weh. Das begreife ich. Aber da müssen +Sie auch begreifen, daß ich Sie nicht allein lassen kann, daß ich mich um +Sie kümmern muß. Ich bitte Sie, daß Sie mir einige Minuten zuhören. Sie +brauchen mir gar nicht zu sagen, was für Gefühle Sie bewegen, aber ich +bitte Sie, mir zu erlauben, daß ich als Ihr Freund zu diesen Gefühlen +Stellung nehme. Zunächst mal, ob Ihrer Mutter der Aufenthaltswechsel auch +bekommen wird. Daran denken Sie ja wohl an erster Stelle. Nun, ich meine, +sie ist von guter Natur; Rio ist ein ganz gesunder Wohnort; Ihr Bruder ist +Arzt, der sie ständig überwachen kann; außerdem ist er in der Lage, ihr +das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, dann, Ihre Mutter sieht +einmal die Welt. Nicht mehr mit der Aufnahmefähigkeit, der Spannkraft, dem +Überschwang der Jugend, aber mit dem ganzen Hochgenuß, mit dem ein reifer, +feiner Kopf die Schönheiten dieser alten Erde betrachten kann. Und gar Rio +de Janeiro! Dort hören die Tauben die Vögel singen, dort sehen die Blinden +die Blumen blühen; das wissen Sie ja selbst, Ihre Mutter wird leben wie im +Paradies. Aber das wird freilich alles nicht hindern, daß sie das Heimweh +bekommen wird - nach dem alten Nest da unten - nach dem Hause am Brunnen - +auch nach Ihnen. Schütteln Sie nur nicht den Kopf, lieber Freund; eine +Mutter liebt immer am meisten das ihrer Kinder, das nicht bei ihr ist. Und +da denken Sie nur daran, daß sie eines schönen Tages wieder dasein wird. +Inzwischen lassen Sie unten in dem Hause am Markt alles, wie es ist; +lassen Sie alle Tage die Möbel wischen, alle sechs Wochen frische Gardinen +aufstecken, im Winter die Stuben heizen, im Sommer die Polster einmotten, +auch Kupfer und Zinn in der Küche putzen und den Kanari gut im Futter +halten, damit Ihre Mutter alles in Ordnung findet, wenn sie wiederkommt." + +"Stefenson", sagte ich dankbar, "Sie sind ein seelenguter Mensch." + +Das verdroß ihn. Er sagte zunächst gar nichts, spuckte dann mit großem +Geschick bis zum gegenüberliegenden Wegrand und meinte endlich in gänzlich +verändertem Tone: + +"Sie verstehen mich immer noch nicht. Das müssen Sie doch wissen, daß so +'n alter Fuchs wie ich immer seine Hintergedanken hat, wenn er mal 'nen +Abstecher ins Gefühlsmäßige macht. Zum Beispiel jetzt habe ich gerade ein +wichtiges Geschäft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie +wenigstens zustimmen müssen, und da ist es mir natürlich verdrießlich, +wenn Sie in verkaterter Stimmung sind." + +"Und deswegen suchten Sie mich zu trösten?" + +"Ja, nur deswegen!" + +Ich lächelte. Er sah es und wurde erbost. + +"Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre +Familienangelegenheiten an? Glauben Sie, daß ich mich bei meinen tausend +Geschäftsfreunden darum kümmern kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder +haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob die Motten in ihre Möbel kommen +oder ihr Kanarienvogel verhungert? Hätt' ich viel zu tun. Aber wenn zwei +Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der eine von ihnen +Zahnschmerzen hat, hat der andere dafür zu sorgen, daß der Zahn gezogen +oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose." + +Ich lächelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts. + +Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen: + +"Wenn Sie etwas Geschäftssinn hätten, hätten Sie mich längst gefragt, um +was für ein Geschäft es sich handelt." + +"So sagen Sie es mir - bitte!" + +Er war verstimmt. + +"Nun, ich kann ja den Weihnachtsberg auch ohne Sie von den Neustädtern +zurückkaufen." + +"Den Weihnachtsberg wollen Sie zurückkaufen?" + +"Ich sagte es Ihnen eben. Wir müssen unser Heim bis zum Gipfel des Berges +ausdehnen, sonst spucken uns die Neustädter auf den Kopf." + +"Sie werden den wichtigsten Aussichtspunkt nie hergeben." + +"Trösten Sie sich. Wozu habe ich in der 'Neustädter Umschau' seit drei +Wochen Artikel gegen den Weihnachtsberg veröffentlicht? Zum Beispiel, daß +sein Besuch von Neustadt aus außerordentlich zu wünschen übrig lasse, weil +der viel bequemer zu erreichende Ochsenkopf eine viel bessere Aussicht +bietet, daß die Rentabilität außerordentlich gering sei, die Pächter +nichts zu leisten vermöchten und solchen Kram mehr. Die Neustädter sind +bereits mürbe. Denn sie sind wieder mal im Dalles. Nun habe ich vorgestern +einen Artikel gebracht, man solle den Weihnachtsberg, wenn sich eine gute +Gelegenheit böte, an irgendeine neutrale Person je eher je besser +verkaufen, damit er ja nicht mal in Waltersburger Hände fiele, was die +Konkurrenz drüben stärken würde." + +"Was bezwecken Sie damit?" + +"Daß mein Vertrauensmann, der sich als Privater um den Kauf der +Weihnachtsbergkuppe bemüht, die Sache billig bekommt. In vierzehn Tagen, +denke ich, können wir oben einziehen." + +Wir waren inzwischen aufgestanden und stiegen langsam den Berg hinab. +Stefenson sprach immerfort von seinen Plänen und brachte es wirklich +zuwege, daß meine Bangigkeit nachließ und ich ihm wenigstens mit halber +Aufmerksamkeit zuhörte. Er begleitete mich bis in mein Arbeitszimmer. Dort +sagte Stefenson: + +"Nun gestehen Sie es sich mal selber, lieber Freund: die ganze Zeit, da +unser Heim besteht, haben Sie, der die Lehre von den Ferien vom Ich +erfunden und gepredigt hat, selbst mit Haut und Haaren mitten im dicksten +Ichleben gesteckt. Hauptsächlich wegen Ihrer Familienangelegenheiten. +Jetzt erst, wo sich alles in Frieden löst, werden Sie Ihrer Idee ganz und +mit Freuden dienen können. Sie lehren selbst: in den Ferien vom Ich los +von der Familie! Deshalb habe ich auch von Anfang an gemeint, wenigstens +einer von uns beiden müsse ganz ohne Familie sein." + +"Und welcher von uns beiden soll das sein?" + +"Sie!" + +Fast hätte ich über den alten Egoisten lachen müssen. + +"Sie wären aber doch viel geeigneter, Stefenson; denn Sie sind doch schon +ohne Familie." + +"Sie vergessen, daß ich eine Braut habe." + +"Eva Bunkert? Ich meine, dieser Verlobtenstand ist einseitig." + +Er lachte. + +"Bah - wegen der Auskneiferei - wegen dieser Marotte? Ich habe an Eva +einen vernünftigen Brief geschrieben, habe ihr gesagt, ich würde ihr gern +nachreisen, wenn es nicht zu dumm wäre, und wenn ich Zeit dazu hätte. Sie +solle ja nicht annehmen, daß ich jetzt plötzlich an ihrem Theater als +Coiffeur, Portier, Kulissenschieber oder dergleichen auftauchen würde, um +sie weiter zu beobachten. Das würde abgeschmackt sein; denn ich mache +keinen Witz zweimal. Im übrigen liebte ich sie unverändert weiter und +überließe ihr, zu bestimmen, wann unsere Hochzeit sein solle. Diesen Brief +habe ich vor acht Tagen geschrieben und noch keine Antwort. Das ist doch +ein sehr günstiges Zeichen." + +"Ich würde dieses Zeichen anders auslegen." + +"Nein. Sie grämt sich. Sie kann gar nicht schreiben. Wäre ich ihr egal, +hätte sie mir einen schnippischen, und wäre sie ein oberflächliches Weib, +sofort einen freundlichen Verzeihungsbrief geschrieben. So ist sie ein +braves Mädel, das mich liebt, und schreibt gar nicht." + +"Es kann schon so sein", sagte ich müde; "ich hoffe, daß es Eva gut geht!" + +"Nun, so ... so ... Vor fünf Tagen hat sie das erstemal auf der Oper +gesungen. Zwei Kritiker haben sie bestehen lassen; einer hat sie etwas +mitgenommen. Mit dem habe ich mich telephonisch verbinden lassen. Ich habe +den Mann aufgeklärt, um was es sich handelt - so in großen Zügen natürlich +-, und ihm gesagt, daß er mir einen Riesengefallen tun würde, wenn er +Fräulein Eva Bunkert nach Strich und Faden verrisse und an der Oper +unmöglich mache. Meine eventuelle Erkenntlichkeit für ihn habe ich dem +Kritiker wirklich nur ganz diskret und delikat angedeutet. Trotzdem hat +mir der Grobian gesagt, es sei schade, daß sich telephonisch keine +Ohrfeigen austeilen ließen; im übrigen sei Fräulein Bunkert ein +außerordentlich hoffnungsvolles Talent. Das habe ich davon. Nun wird sie +auch dieser Kerl loben. Ach, du lieber Gott, die deutschen +Zeitungsschreiber sind sehr verschiedener Art." + +"Und Sie fürchten gar nicht, daß Eva Bunkert Ihnen verlorengehen könnte?" + +"Nicht eine Minute. Sie hat gebissen. Ich halte sie fest. Wenn sie noch +ein wenig herumzappeln will, kann ich ihr den Spaß ja gönnen." + +So purzelte Stefensons draufgängerische, frische Art durch den bangsten +Tag meines Lebens. Und als ich am nächsten Morgen nach tiefem Schlaf +erwachte, fühlte ich mich gesund und munter, stark genug, dem Leben ins +Auge zu schauen und mit Lust und Freude an meinem schönen Werke weiter zu +schaffen. + + ------------------------------------------------------- + +Etwa drei Wochen später besuchte mich Stefenson wieder in meinem +Arbeitszimmer. Auf dem Tische lag die neueste Nummer der "Neustädter +Umschau". + +"Ich habe diesmal nichts drin", sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. +Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riß er die Augen auf, trat +ans Fenster. + +"Haben Sie schon - haben Sie schon gelesen?" fragte er aufgeregt. + +"Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar +nicht hineingeschaut." + +"Da - da ..." + +Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las: + +"Verlobung. Die Opernsängerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen +Baurats August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn +des herzoglichen Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. - Eine +rasche Künstlerkarriere!" + +"Da haben wir's", sagte ich. "Die Sache ist in der Tat sehr rasch +gegangen." + +"Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen +wissen?" brüllte Stefenson. + +"Ja, was soll ich in meiner Überraschung dazu sagen? Es tut mir natürlich +leid um Sie!" + +"Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu +tun. Ich verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, daß ich diese Gans los +bin. Ich bin auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses +flatterige Ding mit ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer +zu, immer zu! Was verliere ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich +bei ihm in Taschentücher mit einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen +kann, deshalb gibt sie mich auf. Einen Mann wie mich, der diese bankerotte +Bauratstochter gegen alle Vernunftgründe geliebt hat und sie heiraten +wollte, gibt sie auf!" + +Er sank in einen Stuhl. Sein Schmerz war maßlos. Aber ich blieb kühl. + +"Lieber Freund", sagte ich, "es ist sicher für unsere Gründung ganz gut, +wenn Sie familienlos bleiben, wenn Sie Ihre Selbständigkeit, den ruhigen, +klaren Blick ..." + +"Halten Sie den Mund! Kommen Sie mir nicht mit solchem Blödsinn. Satt hab +ich's, satt. Meinetwegen mag die ganze Geschichte hier zum Teufel gehen. +Mir liegt an nichts mehr etwas, an gar nichts mehr!" + +Er wand sich in dem Lehnstuhl, in dem er saß, wie in Krämpfen. Ich stellte +mich ans Fenster und zündete mir eine Zigarre an. Da knirschte er: + +"Sprechen Sie wenigstens; sagen Sie etwas zu mir. Das kann ich doch wohl +verlangen." + +"Sie lassen mich ja nicht zu Worte kommen, Stefenson. Und dann, ich weiß +selbst nicht, was ich zu der Sache sagen soll." + +"Jawohl, Sie machen sich eben nichts aus mir. Sonst könnten Sie sich jetzt +nicht so pomadig eine Zigarre anzünden. Schöner Freund! Glauben Sie denn, +daß sie mit dem Grafen, diesem neunmal gehörnten Kerl, glücklich sein +wird?" + +"Das kann ich nicht beurteilen." + +"Das müssen Sie beurteilen können! Sie müssen wissen, daß solche +sogenannten Mesalliancen nie zum Glück führen, daß dieses Weib im Hause +ihres gräflichen Gatten als Eindringling entweder gar nicht zugelassen +oder _sub_ Luder behandelt werden wird, daß der Mann ihrer überdrüssig +sein wird, wenn ihre Schönheit verblüht, daß sie dann im Elend sitzen +wird." + +"Das kann schon alles so kommen, es kann aber auch anders sein. Es kommt +ganz auf den Mann an. Prophezeien kann niemand, höchstens unsere alte +Wahrsagerin unten in Waltersburg." + +"Wollen Sie mich verspotten? Sich über mich lustig machen? Ist das Ihre +Freundschaft?" Er war wütend. + +"Lieber Stefenson, Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Was immer ich auch jetzt +sagen möchte, würde Ihnen nicht gefallen. Warten wir also ab, bis Sie sich +etwas beruhigt haben, und daß Sie dann ganz auf mich rechnen können, +wissen Sie ja doch!" + +"Ich werde mich nie beruhigen", sagte er. "Über das komme ich nicht weg!" + +Wohl zehn Minuten vergingen, während deren Stefenson im Zimmer auf und ab +schritt. Manchmal blieb er stehen, sprach leise mit sich selbst oder +fuchtelte mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er: + +"Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwähnten?" + +"Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten +Zollhaus, kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger +Weg, ein Weib, das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie +nennt sich nach ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heißt, wie alt sie +ist, weiß kein Mensch. Für fünfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den +Bürgern, Bauern und Köchinnen die Zukunft." + +"Und stimmt es, was sie sagt?" + +"Ja, das weiß ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft +nicht gekümmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fünfundzwanzig +Pfennig zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt, +wir würden bald eine mächtige Tracht Prügel bekommen. Und das ist auch +eingetroffen. Es kam nämlich heraus, daß wir die fünfundzwanzig Pfennig +zur Sibylle getragen hatten, und wir bekamen Prügel dafür." + +Ich wußte, daß Stefenson abergläubisch war. Viele sonst sehr kluge +Menschen sind es. Stefenson fing an einem Freitag kein Geschäft an, es +beunruhigte ihn, wenn eine Katze über seinen Weg lief, und er hatte immer +ein altes Hufeisen auf seinem Schreibtische liegen. Er stammte ja auch aus +Amerika, wo der Aberglaube zu Hause ist. Jetzt fühlte er das Bedürfnis, +sich ein wenig zu rechtfertigen, und sagte: + +"Es ist durchaus falsch, alle Hellseherei von vornherein als Unsinn zu +erklären. Es können da Naturkräfte wirken, die wir nicht kennen." + +"Gewiß - gewiß!" + +Er versank wieder in tiefe Traurigkeit. + +"Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, +sie möge doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen +wolle, daß ein Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten +wolle, zu deren gründlichster Prüfung berechtigt sei, so solle sie halt +denken, daß es mir doch auch Spaß gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich +eine unerkannte Rolle zu spielen, und daß ich doch eigentlich als Knecht +Ignaz um sie gedient habe wie Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von +diesem Brief glaubte ich, er sei eigentlich zu deutsch, zu sentimental. +Aber es war mir so ums Herz, und so schickte ich ihn ab. Der Brief wird +gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen sein." + +Es schüttelte ihn vor Schmerz und Zorn. + + + + + + DER FUCHS UND DIE SIBYLLE + + +Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe +windbrüchiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum +Hause der Sibylle schlängelte. Das kleine Anwesen sah schäbig und +unordentlich aus. Die Tür stieß einen grämlichen Quieker aus, als ich +eintrat. Der Hausflur war finster, aber in dem daranstoßenden Zimmer, +dessen Fenster mit buntem Kattun verhängt waren, brannte eine kleine +Lampe. Die "Sibylle" erhob sich und kam mir entgegen. Mit krummem Rücken, +auf einen Stock gestützt, hob sie ihr verrunzeltes Gesicht, das in dem +trüben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu mir empor. + +"Wird er kommen?" fragte sie. + +"Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kräftig +eingeredet. Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten +Sie sich genau an unsere Abmachungen." + +"Jawohl!" nickte das Weib. + +Ich mußte eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefaßt hatte, +beinahe auf. Noch zweimal hatte Stefenson heute von der Wahrsagerin +angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwürdige Fälle erzählt, in +denen die Voraussagungen der Sibylle in verblüffender Weise eingetroffen +waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten +verlassen, da sah ich den alten Fuchs um die Wegkrümmung treten und +vorsichtig umherspähen. + +"Er kommt!" sagte ich zu der Sibylle durch die Tür. "Nun machen Sie Ihre +Sache gut." + +Fünf Minuten später hörte ich nebenan Stefenson eintreten. + +"Guten Abend", sagte er etwas verlegen. "Ich komme mal zu Ihnen. Sie +brauchen sich deswegen nicht etwa einzubilden, daß ich auf Ihren Quatsch +etwas gebe; aber ich habe von Ihnen gehört, und da will ich mal einen +Versuch machen - der Wissenschaft halber, verstehen Sie?" + +Die Sibylle rührte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in +ein geflicktes Umschlagetuch gehüllt, vor Stirn und Augen hatte sie einen +grünen Lichtschirm, über dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das +alte Weib betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte +kein Wort. + +"Nun?" mahnte Stefenson ungeduldig. + +Keine Antwort. + +"Ja, wollen Sie nun gefälligst mit mir sprechen?" brauste der Amerikaner +auf. + +"Scheren Sie sich hinaus!" krächzte die Alte. + +"Wa-as?" + +"Hinausscheren sollen Sie sich!" wiederholte der häßliche Rabe. + +"Das ist stark!" sagte Stefenson verblüfft. "Nun bleibe ich natürlich +hier!" + +Er schob sich den wackligen Stuhl, der an der Wand lehnte, zurecht und sah +mit stoischer Ruhe zu, wie das alte Weib ihre Karten mischte und legte, +ohne ihn auch nur im geringsten zu beachten. Ich vergnügte mich an meinem +Guckloche königlich. + +Endlich stand Stefenson auf, legte auf die Tischkante eine Münze und sagte +mit erzwungener Höflichkeit: + +"Madame, ich möchte gern durch Ihre Kunst meine Zukunft erfahren." + +"Warten Sie!" schnarrte der Rabe. + +Und Stefenson wartete. Sibylle betrachtete indes unverwandt ihre Karten. +Endlich schien sie fertig zu sein. Sie warf einen Blick auf das Geldstück +und sagte: "Auf zwanzig Mark kann ich nicht herausgeben. Es kostet +fünfundzwanzig Pfennig." + +"Behalten Sie nur das Goldstück", erwiderte Stefenson. Da schnipste sie +mit dem Finger die Münze vom Tische hinab auf den Fußboden und kreischte +wütend: + +"Fünfundzwanzig Pfennig kostet es!" + +Stefenson kramte in einer Westentasche und legte fünfundzwanzig Pfennig +auf den Tisch. + +"Stecken Sie das Goldstück ein!" befahl die Alte. Stefenson leuchtete mit +Streichhölzern gehorsam den Fußboden ab, bis er die Goldmünze fand, und +steckte sie ein. Darauf mischte Sibylle die Karten, ließ Stefenson dreimal +abheben und sagte: + +"Sie sind neunundvierzig Jahre alt!" + +Stefenson lachte ärgerlich. + +"Neununddreißig bin ich." + +"So sehen Sie nicht aus!" + +Darauf wurden die Karten auf den Tisch gebreitet. + +"Richtig - erst neununddreißig", sagte die Wahrsagerin. + +"Am 14. April geboren." + +"Das stimmt!" rief Stefenson verblüfft. + +"Es stimmt alles, was ich sage", knurrte die Alte. + +"Sie haben weder Vater noch Mutter, Bruder noch Schwester. Sie sind nicht +aus diesem Lande, Sie sind über das Wasser gekommen." + +Stefenson setzte sich staunend auf den Stuhl. + +"Sie sind sehr reich", fuhr die Alte fort, "und werden immer reicher +werden; aber Sie haben Unglück in der Liebe." + +"Ja", murmelte Stefenson. + +"Ihre Braut heiratet einen anderen." + +"Ist das wahr?" + +"Ja. Aber Sie sind selbst schuld; Sie haben Ihre Braut schlecht behandelt +und sie betrogen." + +Stefenson stöhnte leise. Die Alte fuhr fort: + +"Wenn Sie sich mit dem neuen Bräutigam Ihrer Braut duellieren, werden Sie +ihn töten." + +"A-ah!" + +"Ja, aber es wird Ihnen schlimm ergehen, weil er ein vornehmer Herr ist, +und das Mädchen wird doch einen anderen nehmen." + +"Wird sie glücklich werden?" fragte Stefenson. + +"Sie wird mit jedem Manne glücklich werden, den sie nimmt. Nur mit Ihnen +wäre sie unglücklich geworden." + +"Das ist nicht wahr!" rief Stefenson. + +"Das ist ebenso wahr, als daß Sie nach einem Jahre eine reiche +Amerikanerin heiraten werden." + +"Schwindel!" rief Stefenson erbost. "Ich werde nie eine andere heiraten. +Sie schwafeln da einen ungeheuren Blödsinn zusammen!" + +"Scheren Sie sich hinaus!" kreischte der Rabe wütend und klappte die +Karten zusammen. + +"Ich bitte, daß Sie weitersprechen", beruhigte sich Stefenson gewaltsam. + +Die Alte aber erhob sich und humpelte der Nachbartür zu. + +"Bleiben Sie da", rief Stefenson; "ich habe doch fünfundzwanzig Pfennig +bezahlt." + +Sie gab keine Antwort, verschwand hinter der Tür und schob den Riegel vor. + +In diesem Augenblick sprang ich im Nebenzimmer aus dem Fenster hinaus in +den Garten, ging ums Haus herum und trat durch den Flur in die +Vorderstube. + +Als Stefenson und ich uns sahen, prallten wir voreinander zurück. + +"Sie - Doktor?" + +"Sie - Stefenson?" + +Er lachte außerordentlich verlegen. Leise sagte er: "Aber wissen Sie - nur +der Wissenschaft halber ..." + +"Ja - ich natürlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon +dran?" + +"Ja. Und es hat merkwürdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat +sich abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr +erfahren." + +"Wenn es Sie nicht stört, warte ich mit." + +Ich sah, daß ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich +auf den Tisch und ließ die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging; +es wurde langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tür der anderen +Stube geklopft, aber keine Antwort erhalten. Endlich hörten wir drin ein +Gekrabbele. + +"Sind Sie noch da?" krächzte die Sibylle. + +"Jawohl!" antwortete Stefenson. + +Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte: + +"Ich werde Ihnen für Ihre fünfundzwanzig Pfennig jetzt noch zeigen, wie +Ihre künftige Frau aussieht, und dann scheren Sie sich endlich fort." + +"Ich will nichts wissen von einer künftigen Frau, ich bleibe ledig!" +widersprach Stefenson. "Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir noch +auf einige Fragen Auskunft." + +"Nein!" brummte der Rabe. "Sie werden nur noch Ihre künftige Frau sehen!" + +Die Tür sprang auf, und in ihrer Öffnung stand Eva Bunkert in ihrer ganzen +strahlenden Schönheit. Stefenson faßte sich an den Kopf. + +"Eva!" + +"Ja, ich bin's!" sagte das Mädchen, blieb stehen und lachte. + +"Wie ist das möglich? Wie ist das nur möglich?" Stefenson machte den +Eindruck verdattertster Hilflosigkeit. Da sprang ich vom Tisch herunter, +brach in Gelächter aus und schrie jubelnd: + +"Wir haben einen alten, sehr alten Fuchs gefangen. Horrido!" + +Eva hatte glührote Wangen. Sie trat auf den wie angewurzelt dastehenden, +staunenden Stefenson zu, reichte ihm die Hand und sagte mit warmem Ton in +der Stimme: + +"Mein Lieber, Sie werden mir wegen dieser Komödie nicht zürnen. Eine +kleine Strafe wenigstens hatten Sie für Ihre Ignazmaskerade doch wohl +verdient." + +"Ich verstehe nichts - nichts von allem", stammelte Stefenson. Da griff +ich ein. + +"Also, lieber, alter Fuchs, ich will Ihnen alles kurz erklären, was jetzt +Ihr in eine Wolfsgrube gefallener Verstand doch nicht von selber findet! +Die Sibylle, die Sie befragt haben, war niemand anders als Fräulein Eva +selbst." + +"Oh - oh - und die wirkliche Sibylle?" + +"Sitzt in der Dachkammer und hat uns gegen Geld und gute Worte ihr +Amtslokal mal vorübergehend überlassen. Ist das nicht gut?" + +Er sagte nicht, daß das "gut" sei. Ganz förmlich wandte er sich an Eva. + +"Mein gnädiges Fräulein, es ist ja recht, recht liebenswürdig, daß Sie mit +mir zu scherzen belieben; aber ich darf wohl einigermaßen erstaunt sein, +da ich erst heute morgen in der Zeitung -" + +Ich griff wieder ein. + +"Die 'Neustädter Umschau' war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, +verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich +geschrieben, habe sie in die 'Umschau' lanciert, aber nicht etwa in die +ganze Auflage, sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei +mir abgegeben werden. Da ist eben für diese zwei Nummern im Satzspiegel +eine kleine Änderung gemacht worden." + +"So ist wohl alles gar nicht wahr?" + +"Nein, es ist nicht wahr", sagte Eva und wurde in dem Maße röter, als +Stefenson bleicher wurde. Ich fürchtete mit einem Male, der Scherz könne +noch schief ausgehen, und sagte deshalb: + +"Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekränkte Unschuld. Da +wären Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der +Ignazgeschichte und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. +Ihr Sündenregister ist in dieser Hinsicht so groß, daß unsere kleine List +eine äußerst gelinde Strafe ist." + +"Und - und der Graf Simmern - und der herzogliche Kammerherr?" + +"Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns +existieren doch gar nicht." + +"Ah - so ist das gewesen? Die Anzeige war gefälscht, und die Wahrsagerin +waren Sie selbst. - Es - es ist ja sehr witzig! Gnädiges Fräulein, Sie +haben die alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine +große Schauspielerin." + +Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst träte. Ich sagte: + +"Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die +Tracht eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsängerin mal in das +Habit einer Wahrsagerin schlüpft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch +selbstverständlich." + +Seine Augen irrten umher. + +"Ich fürchte, die wirkliche Sibylle wird sich in der Bodenkammer erkälten. +Man sollte sie jetzt herunterrufen." + +Die Stimmung wurde frostig. Ich sah, daß Evas rote Wangen verblichen. In +diesem Augenblick humpelte die wirkliche Sibylle ins Zimmer. Sie lachte +albern und blinzelte verlangend mit den Augen. + +"Na, Sibylle", sagte Stefenson, "Sie werden ja von den Herrschaften schon +bezahlt sein; da haben Sie auch von mir noch ein Trinkgeld." + +Er legte ein Fünfzigpfennigstück auf den Tisch. Die Alte fauchte +unzufrieden; mir ging die Laune aus. "Gehen wir hinaus!" sagte ich. Ich +half Eva den Mantel umlegen und fühlte, wie das Mädchen erregt war. +Schweigend stiegen wir den Berg hinauf. Ich hatte einen mächtigen Groll +auf Stefenson. Er selber hänselte alle Welt, aber einen Scherz gegen seine +eigene hohe Person vertrug er nicht. Da hatte mir nun in all den Wochen +die schöne Eva brieflich ihren Liebeskummer geklagt, ich hatte ihr langsam +den Zorn gegen Stefenson, den sie der Ignazmaskerade wegen hegte, +ausgeredet, sie hatte endlich den Brief mit der Stelle von Jakob, der um +Rahel dient, erhalten, war dadurch gerührt, heimlich in Waltersburg +angekommen und hatte sich in der Wohnung ihres Vaters, unseres jetzigen +Baurats, versteckt. Liebesselig und voller Sehnsucht. Ich, der das Mädchen +selbst geliebt hatte, war mit mir fertig geworden, guter Laune zu sein und +ihr zu einem unschuldigen Racheplan gegen den Geliebten zu helfen. Nun +scheiterte alles am Hochmut dieses Hansnarren. + + ------------------------------------------------------- + +Wir waren kurz vor dem Grundhof, da blieb Stefenson plötzlich stehen und +fing unbändig an zu lachen. Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein +Kollern. + +"Also", sagte er, "nun haben sie den Fuchs gefangen, und da sie ihn in der +Falle haben, machen sie beleidigte Gesichter, weil der Gefangene knurrt, +was doch selbstverständlich ist. Lieber Doktor, Freund und Menschenkenner, +bitte, gehen Sie mal freundlichst voran bis zur Lindenherberge und +erwarten Sie uns im Poetenwinkel. Wir kommen langsam nach." + +Ich ging voran, und als die beiden anderen im Poetenwinkel eintrafen, sah +ich in ihnen ein glückliches Paar. + + ------------------------------------------------------- + +Es war noch nicht spät, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengäste +noch alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der +Herbergsvater besaß, angestoßen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher +zu mir: + +"Daß der Kerl von der 'Umschau' zwei Mark für die Zeile der gefälschten +Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschämt. Eine Mark wäre +auch genug gewesen." + +"Woher wissen Sie den Preis?" + +"Na, ich war doch drüben in der Redaktion." + +"In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?" + +"Ja, natürlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die 'Umschau' +die große Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger +Überredungskunst und einigen Papiergeldes den ganzen schönen Schwindel +heraus." + +"Das ist infam!" rief ich. + +"Er hat alles gewußt", sagte fassungslos die schöne Eva. + +"Jawohl, alles!" schmunzelte Stefenson. "Dann, als ich von Neustadt +zurückkam, ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der +so ganz geschickt und ganz und gar unauffällig suggerierte, ich solle doch +durchaus mal zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was +dahinter! Da werden die Schlauberger mit dir wohl noch was vorhaben. Und +ich ging zu der alten Sibylle." + +"Er hat mich sofort erkannt", klagte Eva. "So schlecht habe ich gespielt." + +"Du hast herrlich gespielt!" rief Stefenson. "Du bist eine große +Künstlerin. Die Sprache - zum Fürchten; das Äußere - zum Schlechtwerden. +Zum Beispiel diese borstigen Warzen an Kinn und Hals. Ich habe nie eine +schrecklichere Theaterhexe gesehen." + +"Es ist aus mit meiner Bühnenlaufbahn", sagte Eva. "Das ist die +furchtbarste Kritik, die ich bekommen konnte. Ich kann ihm nie, nie was +vormachen!" + +"Nein", sagte Stefenson mit großer Befriedigung, "und weil ich jetzt weiß, +daß du mir nie etwas vormachen kannst, heirate ich dich. Ich heirate dich +mit großer innerer Ruhe und mit sehr großem Vergnügen!" + +Daß uns aber auch diesmal der alte Fuchs übertölpelt hatte, ärgerte mich +so, daß mir der gute Wein nicht mehr schmeckte. + + + + + + ADVENT + + +Es ist nun still geworden bei uns. Stefenson ist nach Amerika hinüber, um +in Eile seiner künftigen Frau ein Heim zu bereiten. Diesmal ist er +wirklich abgereist; ein Vertrauensmann von mir hat ihn in Hamburg an Bord +gehen sehen. Eva wohnt zwar bei ihrem Vater, hält sich aber allermeist im +Forellenhof auf, der ihre zweite Heimat geworden ist. Der Bauer Barthel +hat seit dem Abenteuer seiner Verhaftung an Reputation etwas eingebüßt und +steht jetzt ganz unter dem Regiment der dicken Susanne; aber der alte +Friede ist wiedergekehrt. + +Nur ein wenig still ist es. Methusalem und Emmerich, die lustigen +Burschen, haben auch längst schweren Herzens von uns Abschied nehmen +müssen, um in ihr bürgerliches Leben zurückzukehren, und Piesecke ist vom +Forellenhof fortgezogen. Er wohnt jetzt in der Waldschölzerei. Er sagte +mir, "er habe an Barthel und Susanne mit der Zeit ein Haar gefunden" und +wolle auch Eva aus dem Wege gehen. In Wirklichkeit hegt sein +leichtbewegliches Herz bereits eine neue Sehnsucht, und diese Sehnsucht +wohnt in der Waldschölzerei. Sie heißt Agathe. + +"Lieber Herr Doktor", sagte er dieser Tage zu mir, "wenn mich die kleine +Agathe will, dann möchte ich sie heiraten und mit ihr immer hier bei Ihnen +im Heim bleiben. Vielleicht kann ich mich mit etwas Kapital beteiligen und +eine kleine Stellung, so als Subdirektor oder ähnlich, bekommen. Ich +möchte nicht wieder fort von hier; die große Welt hat allen Reiz für mich +verloren." + +"Wir wollen abwarten und überlegen, lieber Piesecke." + +"Ich soll immer abwarten, nie handeln", sagte er betrübt. + +"Sie haben eben in Ihrem früheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber +Freund. Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien." + +Da fügte er sich. - + +Mit dem schweizerischen Namen "Heimwehfluh" ist eines unserer kleinen +Anwesen benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die +Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Käthe mit ihrem Kinde. +Die Frau ist blaß und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Mühe +durchsetzen können, daß sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise +ganz allein sein. + +Das Mädchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht, +zu anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie drängt es oft dazu, aber +das Kind bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen +Paradies der Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschichten, +die Mutter spielt so schön, wie niemand spielen kann, die Mutter macht +selbst das Lernen zur Lust. + +Käthe und das Kind sind noch die einzigen Kameraden, die ich hier habe. +Sie stören mich nicht. Ich weiß, daß sie im Frieden sind und daß sie mir, +wenn ich frage, wie es ihnen geht, immer nur die eine Antwort geben +werden: "Es geht uns gut!" Es ist schön, Menschen zu begegnen, die sagen, +daß es ihnen gut gehe; es ist wie ein herzstärkender Blick auf ein +heiteres Gelände, der sich bei einer so lieben Antwort auftut. + +Im Forellenhof wird jetzt viel geschneidert, gestrickt, gebastelt. Eva +schafft an ihrer Ausstattung, und alles Weibsvolk ist ganz närrisch, ihr +dabei zu helfen. Es ist sehr heimlich in der großen Bauernstube. Der Wind +zieht um die Giebel oder pfeift auf dem Schornstein wie auf einer großen +Flöte, der Regen knistert am Fenster, das Feuer flackert im Herd, die alte +Uhr geht freundlich ihren Weg hin und her mit ihrem Schlenkerbein. +Manchmal erzählt eine der Frauen eine Geschichte, manchmal rattert eine +Nähmaschine, manchmal spielt Vater Barthel auf der Ziehharmonika, oft +kommt einer von den "Mannsvölkern" in die Stube, schüttelt sich wie ein +Pudel, wärmt sich am Ofen und sagt etwas Nettes oder etwas Dummes, über +das gelacht werden kann. Was bei der Hausarbeit herauskommt, kann ich +nicht beurteilen. Eva wird eine sehr reiche Frau sein, aber vielleicht +sind ihr einmal diese mit recht verschiedenartigem Talent im Ferienheim +gestickten Monogramme und Schneidereien lieb und wert ... + +Ich bekam eben einen Eilbrief von Methusalem aus München: + + + + + + + "Lieber Doktor! + +Unser Freund Stefenson (wo hätte ich den Heimtücker in dem langen Ignaz +vermutet!) hat mich von Amerika aus mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, +die äußeren Feierlichkeiten seines Hochzeitsfestes in Regie zu nehmen. +Trotz meines hohen Alters will ich die Aufgabe übernehmen. (Notabene: Was +sagen Sie als Mediziner dazu, daß ich mit neunhundertachtundneunzig und +dreiviertel Jahren noch einen Weisheitszahn kriege?) Also übernehmen! Die +bewilligten Mittel sind generös. Man könnte damit alle Einwohner eines +deutschen Herzogtums drei Tage lang freihalten. Ich werde mit einem +Bruchteil des Geldes auskommen, und das Fest wird dennoch glänzend sein. +Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer an einer Taubstummenanstalt +und auch sonst ein berühmter Musiker, übernimmt den musikalischen Teil. +Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines großen +deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhöchste +Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon +morgen; sagen Sie Frau Susanne, daß ich vor Sehnsucht nach ihr brenne, +durch welch schöne Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu +heizen, und bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festausschuß +einzutreten. + + Ihr getreuer Methusalem. + +Nachschrift! Ich habe heute aus Freude, so bald nach dem geliebten +Waltersburg zurückkehren zu können, bereits fünf Purzelbäume in meinem +Bett geschlagen. Ich finde das zwar unpatriarchalisch, aber es mußte sein! + + Methusalem." + + + + + + +Frau Susanne strahlte, als ich ihr Methusalems baldige Ankunft +verkündigte, und rannte spornstreichs nach dem Kohlenkasten. Sie kann +ihren ältesten Sohn nicht lieber haben als diesen Maler, der sie doch +ständig ärgert und über den sie ständig schimpft. + +Mit Piesecke dagegen hatte ich Schwierigkeiten. + +"Ich lehne ab, dem Festausschuß beizutreten", sagte er kalt, als ich ihm +Methusalems Brief vorgelesen hatte. "Denn erstens, dieser Stefenson, der +mich als Knecht Ignaz gemißhandelt hat, verdient von mir keine +Gefälligkeit, und diese Eva auch nicht. Was aber Methusalem und Emmerich +anbelangt, so habe ich mich einmal mit ihnen eingelassen und die +traurigsten Erfahrungen mit ihnen gemacht." + +"Lieber Piesecke", sagte ich, "Sie werden sich das noch überlegen. Was +Stefenson anlangt, so sind Sie eine viel zu große Natur, um nachträgerisch +zu sein. Und mit Methusalem und Emmerich dürfen Sie sich ruhig verbinden. +Ich gebe zu, daß sich die beiden in der Waltersburger Schlacht feig und +schäbig benommen haben. Während Sie kämpften, hat der eine gezeichnet, der +andere seine Hymne gesungen. In den Kampf eingegriffen haben sie beide +nicht, obwohl es ihre Pflicht war. Sie sind eben keine Helden. Ein Fest +aber ist keine Schlacht; da werden die zwei ihren Mann stellen. Im übrigen +gebe ich Ihnen zu bedenken, daß, falls Sie sich fernhielten, Fräulein +Agathe aus der Waldschölzerei den schweren Verdacht schöpfen könnte, Sie +hätten Ihren Gram um die verlorene Eva immer noch nicht verwunden." + +"Oh", rief da Piesecke, "den hab ich gründlich verwunden. Aber Sie haben +recht, der Verdacht läge nahe. Also mache ich mit!" + +Schon am nächsten Morgen kehrten unter ungeheurem Hallo Methusalem und +Emmerich nach dem Ferienheim zurück. Eine Stunde später fand die erste +"Geheime Sitzung des intimeren Festausschusses", bestehend aus Methusalem, +Emmerich und Piesecke, statt. Ich hatte bescheiden angefragt, ob ich eine +beratende Stimme im Ausschuß haben dürfte, dieses war aber abgelehnt +worden. + + ------------------------------------------------------- + +Was hatten wir für einen schönen Heiligen Abend! Auch über die Festtage +war unsere Anstalt mit Gästen gut besetzt, aber die Leute waren alle kurz +vor dem Christabend etwas stiller geworden. Ich merkte, wie viele an +Heimweh litten. Durch einen besonderen Anschlag war rechtzeitig +bekanntgegeben worden, daß jeder Feriengast ein Paket nach Hause senden +und ein solches von Hause erbitten solle. In den letzten Tagen trafen +viele solche Liebesgaben bei uns ein. Sie wurden in der Direktion +aufgestapelt. Wie nun der Abend kam am 24. Dezember, dieser heilig-süße +Abend, an dem alle Herzen anders gehen als sonst, ritt auf schneeweißem +Roß Knecht Ruprecht von Haus zu Haus. Hinter ihm fuhren in einem mit +Silber, Gold und Tannengrün geschmückten Schlitten vier Engelein, von +denen eines die kleine Luise war, dann kam ein Bläserchor, zuletzt +stampften Zwerge und Waldgeister durch den Schnee, die schleppten alle +Pakete auf den Schultern und taten, als ob sie schwer daran zu tragen +hätten. + +Vor jedem Bauernhof wurde haltgemacht. In der großen Stube brannte der +Christbaum; Knecht Ruprecht trat ins Zimmer und sagte seinen +Weihnachtsgruß, die Engelchen sangen ein Lied, der Bläserchor blies vor +dem Hause einen Choral, und die Zwerge und Waldgeister schleppten Pakete +herbei - Grüße aus der Heimat. + +Da hat keinem von unseren Feriengästen die Weihnachtsstimmung gefehlt. + +Auch ich hatte meine Weihnachtsfreude. Am Nachmittag erhielt ich ein +Kabeltelegramm von der Mutter aus Rio: + +"Sehne mich nach dir. Grüße von Joachim und mir an dich, Luise, Käthe und +die Heimat. Eure Mutter." + +Frieden auf Erden! Ich ging nach der Heimwehfluh. Käthe saß am Fenster, +spähte nach dem Lichtschein der Fackeln, die den Schlitten begleiteten, +darin ihr Kind saß, und hörte auf die alten Weihnachtslieder, die aus dem +Tale klangen. + +Ich gab ihr das Telegramm. Sie las es und wurde zum ersten Male wieder ein +wenig rot im Gesicht. + +"Schenke es mir zu Weihnachten", bat sie. + +"Ich habe es dir ja gebracht." + +Ich blieb bei ihr, wollte Luises Rückkehr abwarten. + +Da sagte sie im Laufe des Abends: + +"Ich weiß wohl, daß es nicht mehr allzu lange mit mir dauern kann. Aber +sage mir, ob ich übers Jahr zu Weihnachten noch leben werde." + +"Bestimmt, Käthe." + +Da trat ein Lächeln auf ihre Züge. + +"Das ist noch eine lange Zeit zum Glücklichsein!" + + + + + + HOCHZEIT UND ENDE + + +Stefensons Hochzeit fand am späten Nachmittag des ersten Christfeiertages +in aller Stille in der Waltersburger Kirche statt. Nur Evas Vater und ich +waren als Trauzeugen gegenwärtig. Wir waren nicht über den Marktplatz, +sondern auf einem Umweg nach der Kirche gefahren. So war das von +Methusalem angeordnet worden. Auf demselben Wege, den wir gekommen, mußten +wir auch wieder nach Hause fahren. Ich merkte, daß Stefenson verwundert +war. Die heilige Handlung in der Kirche hatte ihn gerührt, und er hatte +wohl erwartet, daß es von der Kirche direkt nach dem Marktplatz zu einer +stimmungsvollen großen Weihnachts- und Hochzeitsapotheose gehen würde. + +Wir fuhren aber nach dem Heim zurück, und zwar nach dem "Rathaus", und +wurden dort im großen Saal von zahlreichen Feriengästen erwartet. Das +Brautpaar wurde mit Heilrufen empfangen und zu seinen Ehrensitzen +geleitet. Ein schönes Mädchen mit roten Rosen im Haar überreichte den zwei +Glücklichen einen goldenen, mit Wein gefüllten Pokal, das +Hochzeitsgeschenk des Heimes, und sprach dazu Verse, die ein im Heim +anwesender Dichter geschaffen hatte: + + "Alles Wünschen geht zur Ruh: + Du bist ich, und ich bin du! + All dein Schmerz und Leid ist mein, + All mein Gut und Glück sind dein! + Wo dein Fuß geht, ist mein Ziel, + Was zum Dienst dir, ist mein Spiel; + Deine Blumen pflanze ich, + Deine Tänze tanze ich; + Ich will deinen Kummer klagen, + Du sollst meine Kränze tragen; + Ich kann nimmer müde sein, + Ehe du nicht schlummerst ein; + Ja, mein Gott grüßt mich von fern, + Strahlt auf dich ein goldner Stern." + +So sprach der Dichter in den Ferien vom Ich zu dem Brautpaar. + +Schöne Lieder wurden gesungen, die Musikmeister Emmerich eingeübt hatte. +Ansprachen wurden gehalten von unserem Direktor, von je einem Vertreter +der Kurgäste wie der Angestellten, schließlich sprach auch ich ein paar +Freundesworte. + +Stefenson war bewegt, als er für die Liebe, die er erfuhr, dankte, als er +sagte, er habe in diesem deutschen Tale den Frieden gefunden, den er +drüben im Lande der rücksichtslosen Dollarjagd niemals gekannt hatte. Hier +habe er nach einem Leben voll Aufregung, Überarbeit und gelegentlichen +wilden Genüssen nicht nur Ferien, sondern Feierabend gemacht. Er wisse +jetzt, da er die Frau seines Herzens gefunden habe, daß ein höheres Glück +ihm Gott nicht mehr geben könne, und so wolle er drüben in Amerika seine +Beziehungen klug und vorsichtig zu lösen suchen und dann ganz nach +Deutschland ziehen, das ja doch seine wahre Heimat sei. + + * + +"Und nun", kommandierte Methusalem, "großer Festkorso auf den +Weihnachtsberg." + +Draußen war es stockdunkel; die Straßenbeleuchtung war ausgeschaltet; aber +Fackeln und Laternen leuchteten phantastisch, und der Schnee schimmerte. +Wohl fünfzig Schlitten hielten da. Dem Zuge voran leuchtete eine riesige, +ballonartige Laterne, die an hohen Stangen getragen wurde. Auf der einen +Seite zeigte die Ballonhülle das liebliche Bild der "Hanne vom +Forellenhof", auf der anderen eine scheußlich anzusehende, aber genial +gezeichnete Karikatur Stefensons. Ein Meisterstück Methusalems. + +Vom Berg herab kam uns viel Volk entgegen; die Leute trugen Laternen mit +transparenten Bildern: Methusalem hatte sich selbst verewigt, als +tausendjährigen Greis voller Güte und Abgeklärtheit, Emmerich war von +einem Mückenschwarm fliegender Noten, Violinschlüssel, Kreuzen, +Auflösungszeichen und Fermaten umgeben, die dicke Susanne strahlte in +zinnoberrotem Licht und schimpfte fürchterlich, als sie ihr Konterfei sah, +Barthel als gefesselter Verbrecher war zu sehen, Levisohn mit einer +riesigen Reklametrompete, Piesecke als Gott Mars in furchtbarer Rüstung, +schließlich auch mein etwas ins Sentimentale karikierter Kopf, den ein +Kranz von heulenden, bellenden, hochnäsigen, sich Flöhe schabenden Dackeln +lieblich umrahmte. Lauter Meisterwerke des liebenswürdigen Greises und +Vergnügungsleiters Methusalem. + +Als wir der Weihnachtsburg näher kamen, erstrahlte sie in farbigen +Lichtern, Böllerschüsse hallten über Berg und Tal, und ein Chor blies vom +grauen Turme herab: + + "O du fröhliche, o du selige, + Gnadenbringende Weihnachtszeit." + +Gleich hinterher aber: + + "Wenn Weihnachten ist, + Wenn Weihnachten ist, + Dann kommt zu uns der heil'ge Christ; + Bringt jedem eine Muh, + Bringt jedem eine Mäh, + Bringt jedem eine wunderschöne Schnätterättättä!" + +Unter den Klängen dieser großen Hymne der Fröhlichkeit zogen wir in die +Weihnachtsburg ein. + +Der große mit Tannenreis ausgeschmückte Saal der Weihnachtsburg füllte +sich mit Menschen; Bräutigam und Braut waren zunächst nicht zu sehen. Nach +etwa einer halben Stunde aber erschienen beide auf einer kleinen Empore. +Sie hatten ihre hochzeitlichen Kleider abgetan und waren in phantastischen +Kostümen, er als Winterkönig, sie als Königin. Regie Methusalem! + +Mit donnerstimmigem Heilruf wurde das Brautpaar begrüßt. Holdselig +lächelnd grüßte die Braut in den Saal; steif und ungelenk verneigte sich +Stefenson. Er fühlte sich als Winterkönig sichtlich unbehaglich. Der Thron +stand auf einer amphitheatralisch ansteigenden Bühne. Ich selbst war als +"Kammerherr" neben Stefenson plaziert. + +Scheinwerfer warfen auf uns wechselnde Lichter. Atemlos stand das +schlichte Bergvolk. Alle Märchen- und Himmelsträume schienen vor ihm +erfüllt. Feierliche Weisen erklangen, und dann sprach nicht der +Winterkönig Stefenson, wie alle vermutet hatten, sondern Herr Methusalem +sprach, der die Tracht eines mittelalterlichen Notarius angelegt hatte. Er +entfaltete ein Pergament und verkündete: "Edles Gefolge des Königs und der +Frau Königin! Ich als Kanzellarius Seiner Majestät König Stefensons des +Ganzgroßen und Hochdero majestätischer Gemahlin Hanne der Einzigen +verkünde, damit es männiglich erfahre, feierlich, öffentlich und +unwiderruflich folgendes: + +Wir, Stefenson der Ganzgroße und Höchstmeine erlauchte Gemahlin Hanne, +wollen, daß dieser glückliche Tag ein Andenken hinterlasse. Darum machen +wir für Waltersburg eine Stiftung von hunderttausend Mark mit der +Bestimmung, daß alljährlich ein Drittel der Stiftungszinsen alten +bedürftigen Eheleuten, ein zweites Drittel den Waltersburger Schulkindern +zugute komme; das dritte und letzte Drittel aber ist zu +Hochzeitsgeschenken für die in jedem Jahr Heiratenden bestimmt, von +welcher Stiftung sich keines, auch nicht das wohlhabendste Brautpaar +ausschließen soll, auch wenn es nur ein Blumensträußchen annimmt; den +ärmeren aber soll ein guter Happen für den Nestbau gegeben werden." + +Eine brausende Welle des Beifalls donnerte durch den Saal. + +Ich sah verwundert auf Stefenson und flüsterte ihm zu: + +"Wissen Sie etwas von dieser Stiftung?" + +"Kein Wort! Der Kerl verschenkt mein Vermögen." + +Mir wurde doch etwas schwül. Oh, dieser Methusalem - dieser Regisseur! + +Methusalem fuhr fort: + +"Stefenson fragt nicht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank. +Nur Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er +mit euch leben und schaffen für das Gedeihen seiner Gründung, für den Ruhm +Waltersburgs, für das Heil der Menschheit. Nun wißt ihr vielleicht alle, +daß unter den vielen Geplagten, die in der harten Schule des Lebens müde +und krank geworden, hier in dieses schöne Tal kommen, um Ferien zu machen, +einer daherhumpelte, von langer, langer Reise, auf der er Arbeit und Mühe +in erträglichem Maße, Verkennung und Not in Überfülle, echtes Glück und +wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes Leben war lang, er war +Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Methusalem Freude und Friede. +Methusalem ist der Leiter dieses Festes, Methusalem ist aller Weltweisheit +und Welterfahrung voll, darum soll auch die Stiftung, die Stefenson heute +macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern Methusalem-Stiftung heißen." + +Das Volk staunte. + +"Auch das noch!" sagte Stefenson neben mir. + +"Ja, es ist frech; außer den fünftausend Mark, die Methusalem neulich für +Susannes Bild erhielt, hat er sicher nicht einen roten Heller. Und macht +eine Methusalem-Stiftung von hunderttausend Mark!" + +Da erhob sich Stefenson zur Rede. Tiefe Stille. + +"Meine lieben Waltersburger, von allem, was Methusalem an meiner Statt +hier gesagt hat, muß ich nur einem widersprechen, das betrifft die +Stiftung." + +Bestürzung. Schweigen. + +"Methusalem, mein bevollmächtigter Hochzeitskanzler, hat sich in einem +Irrtum befunden, den ich berichtige. Die Stiftungssumme beträgt nämlich +nicht einhunderttausend Mark, sondern dreihunderttausend Mark!" + +Erst Stille. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut +stand auf, der Bräutigam sprach auf sie ein, während die Leute lärmten; +die Augen der glückseligen Braut glänzten, sie schmiegte sich fest an den +Arm des starken Mannes. Methusalem stand mit eigentümlichem, fast +weinerlichem Lächeln daneben. Stefenson verschaffte sich wieder Gehör. + +"Bürger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen, +alles andere bleibt, wie es der weise Methusalem angeordnet hat, die +Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung." + +Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er +fünfunddreißig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe +neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Und zwar nicht so wie +ein tausendjähriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreißiger +gelegentlich mal heult. + + ------------------------------------------------------- + +Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die +Koffer des Brautpaares schaffen lassen. Dort kleidete sich das Paar, als +sich der Trubel verlaufen hatte, zur Reise an. Dann fahren sie noch heute +mit dem Nachtzuge davon. + +Wir waren in der Wohnstube der Mutter. Ein paar nahestehende Freunde waren +da. + +Zum Abschied sagte Stefenson zu mir: + +"Es gibt kein besseres Band, das Freundschaft bindet, als das gemeinsame +Schaffen an einem erfolgreichen Werke. So werden wir zwei immer gute +Freunde sein. Wir wollen 'du' zueinander sagen wie Brüder!" + +Ich schlug in die dargereichte Hand. + +"Wann kommst du wieder?" + +"Ich weiß es noch nicht; ich weiß nicht, wie und wann ich drüben loskomme. +Aber loskommen werde ich. Was ich dann tue, kann ich noch nicht sagen. +Vielleicht tauchen eines Tages zwei Feriengäste bei euch auf, irgendein +Herr Schulze mit Frau, und vielleicht kommen dir diese Gäste bekannt vor. +Ich werde nie anders denn als Gast im Ferienheim einkehren; ich will diese +meine Lieblingsschöpfung mir nicht zum Verwaltungsbezirke, nicht zum +Arbeitsgebiete werden lassen, sondern hier soll mir eine Ferienzuflucht, +eine glückliche Heimat für immer bewahrt sein." + +Eva hörte ihm zu und war ihm dankbar für diese Worte. O ja, diese beiden +paßten zu einer Ehe, der starke Mann und das schöne, fröhliche Weib. + +"Du freilich, lieber Freund, du hast hier keine Ferien; du hast hier deine +Arbeitsstätte. Und wenn du einmal ausspannen willst, dann kommst du zu +uns, dann fahren wir mit dir, der dann der Stille entronnen ist, dorthin, +wo die Welt laut und bunt ist. Dort machst du dann Ferien von deinem +stillen Ich, und wenn du nach Hause zurückkehrst, wird dir das alltägliche +Leben wieder schmackhaft sein." + +"Ja, so wollen wir es halten!" + +"Nun denn, so wären wir wohl für diesmal hier fertig." + +Stefenson zog ein Notizbuch heraus und blätterte darin. Sein Gesicht bekam +wieder die alte Geschäftsmiene. + +"Halt, da ist noch etwas zu erledigen. Ich habe mir mal als Knecht Ignaz +von dem Schuhmacher Röhricht die Stiefel besohlen lassen. Er hat auf die +Rechnung geschrieben: Sohlen und zwei Absätze zwei Mark und fünfundachtzig +Pfennig, hat aber nur einen Absatz zu machen gehabt. Ich habe ihm daher +fünfundzwanzig Pfennig abziehen wollen, und wir haben so lange gestritten, +bis ich inzwischen verhaftet wurde und dann alles das andere kam. So steht +der Posten noch offen. Ich bitte, erledige das, lieber Freund! Aber nicht +zwei Mark und fünfundachtzig Pfennig, sondern nur zwei Mark und sechzig +Pfennige, hörst du wohl? Ein Knecht kann nicht fünfundzwanzig Pfennig +umsonst hergeben. Vergiß es nicht! Röhricht heißt der Mann, Hintermarkt +15, drei Stiegen." + +Ein vergnügtes Lachen tönte aus der Ecke von meiner Mutter Sofa. + +"Was lachen Sie denn, Piesecke?" + +"Ja, Pardon, Herr Stefenson, aber erst dreihunderttausend Mark verschenken +und dann wegen fünfundzwanzig Pfennig - so in der Abschiedsstunde - das - +das ist - Pardon - merkwürdig!" + +"Gar nicht merkwürdig, lieber Piesecke. Weil ich immer die Rechnungen auf +die Fünfundzwanzig-Pfennig-Bilanz geprüft habe, kann ich mal gelegentlich +dreihunderttausend Mark verschenken." + +"Sehr - sehr kaufmännisch! Sehr lehrreich!" + +"Jawohl! Aber nicht für Sie! Für Sie wäre das zu unfürstlich." + +Wenig fehlte, so wären auch in letzter Stunde die alten Gegner, der +rechnende Kaufmann und der leichtfertige Fürstensohn, noch aneinander +geraten. Die dicke Susanne wälzte sich zwischen beide und löschte mit +einer Flut von Abschiedstränen den entstehenden Brand. + + ------------------------------------------------------- + +Sie sind alle fort. In tiefer Stille liegt der Marktplatz. Ich öffne das +Fenster. Die Luft ist milder geworden. Am hocherhobenen Arm des heiligen +Baptista hängt ein glitzernder schwerer Eiszapfen wie ein Schwert. Am +Himmel stehen zwischen dem Gewölk ein paar freundliche Sterne. Im +Schneemantel schaut der Heilige herüber zu mir. Suchen seine Augen die +kleine, feine Frau, die sonst so oft zu ihm hinüberträumte? + +Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den +alten Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der großen Stube um, und +es ist mir auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause +gekommen ist, wenn Vater und Mutter nicht da sind. So schließe ich das +Fenster. Unschlüssig bleibe ich noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich +die Uhr auf, fühle noch einmal an den Ofen. Endlich lösche ich die Lampe +aus und tappe die Treppe hinab ... + +Ich habe jetzt große Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der +Freund mit der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die +anderen lustigen Käuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und +ganz allein auf dem Marktplatz von Waltersburg. Schließlich ist der alte +Baptista jetzt noch mein einziger, ständiger Freund hierzulande. + +Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die +stille Frau auf der Heimwehfluh sich noch ihres Kindes freuen wird, ein, +zwei, drei Jahre ...? Ob dann, wenn sie Ferien macht für immer, die kleine +Anneliese, die jetzt als Schullehrerin in einem verlassenen Gebirgsdorfe +lebt, doch noch Joachims Frau werden und übers Meer zu ihm ziehen wird? +Und ob dann die Mutter heimkehren wird in ihre schöne alte Stube? Lauter +Fragen ohne Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschluß wie +ein Theaterstück oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von +neuem. + +So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu +meinem Werk. + +Eine köstliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im öden +Walde. Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen +kommt aus den Bauernhöfen. Alle Leute, die mir begegnen, grüßen mich oder +rufen mir freundlich zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin +ich zu Hause. + +In der Wüste sah ich einmal einen Mann mit gefüllten Wasserschläuchen am +Brunnen der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane +fieberglühend auf sie zuschleppte. Da dachte ich, es müsse schön sein, mit +gefüllten Wasserschläuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein +wie jener Mann. Alle, die zu mir kommen von der heißen Straße des Alltags, +will ich laben aus dem kühlen Brunnen, den ich grub. + +Dann wird es mir so gut ergehen, daß ich nichts anderes vom Leben mehr +verlangen will; denn es ist die größte Lust des Lebens, anderen die Last +des Lebens zu erleichtern. + + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Das Inhaltsverzeichnis wurde von der letzten Seite an den Beginn versetzt. + +Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Wörter in Antiqua +(bis auf den Titel "Dr." und römische Zahlen) und gesperrte Wörter sind +durch Unterstrich ("_") gekennzeichnet. + +Korrektur offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 27: doppeltes "freue" entfernt. + Seite 43: "Stefensohn" in "Stefenson" geändert. + Seite 75: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor "Die Luise habe + ich flottgemacht."). + Seite 91: "mit" in "mir" geändert. + Seite 97: "philantropische" in "philanthropische" geändert. + Seite 101: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach "des Magistrats + von Waltersburg stellen") + Seite 103: doppeltes "und" entfernt (vor "in einer glänzenden + Erfassung") + Seite 118: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor "Das haben"). + Seite 128: "umqartieren" in "umquartieren" geändert. + Seite 145: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach "bis um + sieben.") + Seite 164: "Xantippen" in "Xanthippen" geändert. + Seite 170: "reckt" in "reckte" geändert. + Seite 238: "Widersehen" in "Wiedersehen" geändert. + Seite 243: "Rauberhöhle" in "Räuberhöhle" geändert. + Seite 244: "Apothese" in "Apotheose" und "den" in "der" (nach + "Vertreter") geändert. + Seite 254: "überzeugenste" in "überzeugendste" geändert. + Seite 261: "Hentschel" in "Henschel" geändert. + Seite 309: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor "Wieso + Komödie?") + Seite 347: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach "stärken + würde.") + Seite 377: "Lewinsohn" in "Levisohn" geändert. + +Nicht korrigiert wurden Varianten wie "Chicago"/"Chikago", +"debutieren"/"debütieren", "Annelies"/"Anneliese" oder "anderen"/"andern". + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + CREDITS + + +May 23, 2009 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Norbert H. Langkau, Stefan Cramme and the Online Distributed + Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + A WORD FROM PROJECT GUTENBERG + + +This file should be named 28938-8.txt or 28938-8.zip. + +This and all associated files of various formats will be found in: + + + http://www.gutenberg.org/dirs/2/8/9/3/28938/ + + +Updated editions will replace the previous one -- the old editions will be +renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works to protect the Project +Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} concept and trademark. 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It exists because of the +efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks +of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance +they need, is critical to reaching Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}'s goals and ensuring +that the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection will remain freely available for +generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation was created to provide a secure and permanent future for +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} and future generations. To learn more about the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations +can help, see Sections 3 and 4 and the Foundation web page at +http://www.pglaf.org. + + + Section 3. + + + Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the state of +Mississippi and granted tax exempt status by the Internal Revenue Service. +The Foundation's EIN or federal tax identification number is 64-6221541. +Its 501(c)(3) letter is posted at +http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. Contributions to the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full +extent permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. +S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at 809 North +1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information +can be found at the Foundation's web site and official page at +http://www.pglaf.org + +For additional contact information: + + + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + + Section 4. + + + Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation + + +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} depends upon and cannot survive without wide spread +public support and donations to carry out its mission of increasing the +number of public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form accessible by the widest array of equipment +including outdated equipment. 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Gottl. Korn / + Breslau I</span><br /><span style="font-style: italic">Printed in Germany</span></p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page387">[pg 387]</span><a name="Pg387" id="Pg387" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc1" id="toc1"></a><a name="pdf2" id="pdf2"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Inhaltsverzeichnis</span></h1> + <table summary="This is a table" cellspacing="0" class="tei tei-table" style="margin-bottom: 1.00em"><colgroup span="3"></colgroup><tbody><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Nach meiner Heimkehr</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg005" class="tei tei-ref" style="text-align: right">5</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Die feindlichen Städte</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg012" class="tei tei-ref" style="text-align: right">12</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Das Modebad</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg028" class="tei tei-ref" style="text-align: right">28</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Auf dem Weihnachtsberg</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg033" class="tei tei-ref" style="text-align: right">33</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Luise</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg058" class="tei tei-ref" style="text-align: right">58</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Samariterdienste</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg069" class="tei tei-ref" style="text-align: right">69</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">In den Tagen des Werdens</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg077" class="tei tei-ref" style="text-align: right">77</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Das Kind</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg088" class="tei tei-ref" style="text-align: right">88</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Vorarbeiten</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg095" class="tei tei-ref" style="text-align: right">95</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Die „Neustädter Umschau“</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg104" class="tei tei-ref" style="text-align: right">104</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Joachim</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg116" class="tei tei-ref" style="text-align: right">116</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Weihnachten</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg131" class="tei tei-ref" style="text-align: right">131</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Fügung</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg136" class="tei tei-ref" style="text-align: right">136</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Bauernanwerbung</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg142" class="tei tei-ref" style="text-align: right">142</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Der Journalist</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg161" class="tei tei-ref" style="text-align: right">161</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Die ersten Kurgäste</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg181" class="tei tei-ref" style="text-align: right">181</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Sommerabend</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg197" class="tei tei-ref" style="text-align: right">197</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Lorelei</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg220" class="tei tei-ref" style="text-align: right">220</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Die „krummbeinige Medizin“</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg227" class="tei tei-ref" style="text-align: right">227</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">In der Genovevenklause</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg233" class="tei tei-ref" style="text-align: right">233</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Die Schlacht bei Waltersburg</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg241" class="tei tei-ref" style="text-align: right">241</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Herbst</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg248" class="tei tei-ref" style="text-align: right">248</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Von der weiblichen Putzsucht<br />  und Herrn Pieseckes Leiden</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg271" class="tei tei-ref" style="text-align: right">271</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Abschiedsabend</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg281" class="tei tei-ref" style="text-align: right">281</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Gerichtliches</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg288" class="tei tei-ref" style="text-align: right">288</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Aufklärungen</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg302" class="tei tei-ref" style="text-align: right">302</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Vom Bruder und seiner Frau</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg320" class="tei tei-ref" style="text-align: right">320</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Freund Stefenson</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg343" class="tei tei-ref" style="text-align: right">343</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Der Fuchs und die Sibylle</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg355" class="tei tei-ref" style="text-align: right">355</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Advent</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg367" class="tei tei-ref" style="text-align: right">367</a></td> + </tr><tr class="tei tei-row"> + <td class="tei tei-cell">  </td> + <td class="tei tei-cell">Hochzeit und Ende</td> + <td class="tei tei-cell" style="text-align: right"><a href="#Pg375" class="tei tei-ref" style="text-align: right">375</a></td> + </tr></tbody></table> + + </div> + </div> + <div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page5">[pg 5]</span><a name="Pg005" id="Pg005" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc3" id="toc3"></a><a name="pdf4" id="pdf4"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Nach meiner Heimkehr</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der alte Johannisbrunnen rauscht wieder vor meinem Fenster. Hoch ragt das Bild + des Täufers; aus der ehernen Schale, die seine erhobene Hand hält, plätschert + das Wasser hinab ins steinerne Becken. In alter Zeit soll ein heidnisches Heer + an diesem Brunnen vorübergezogen sein; die Recken haben den rauhen Nacken + gebeugt und sind hier getauft worden. Am nächsten Tage fielen alle in der + Schlacht. Ihre Leichname blieben liegen unter den dunklen Bäumen der + Waldschlucht, da die Krieger heimtückisch erschlagen wurden; aber am Abend, als + die Sonne rot am Himmel brannte, kamen weiße Schemen zum Stadttore herein, die + hatten Kränze um die Stirnen und lächelten wie Kinder. Als sie am Brunnen + vorbeizogen, ließ der heilige Baptista die eherne Taufschale fallen und faltete + die Hände; denn diese reinen Seelen brauchten kein Wasser der Gnade mehr. Die + Gekränzten zogen langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und + als sie auf der goldglänzenden Höhe standen, winkten sie noch einmal herab ins + Tal und zogen dann fort, weit über die rote Sonne hinaus, und der Heilige am + Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bückte er sich nach <span class="tei tei-pb" id="page6">[pg 6]</span><a name="Pg006" id="Pg006" class="tei tei-anchor"></a>der verlorenen Taufschale, und nun hält er sie wieder in erhobener + Hand seit vielen Jahrhunderten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die Waltersburger + haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden Gauen und Städten; + ihr romantisches Tal war immer so reich, daß sie Fremdes nicht nötig hatten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Johannisbrunnen! In seinem Becken ließ ich als Kind meine Schifflein + schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins + Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande saß, lächelte + oft verächtlich über diese Reiserouten. Er war drei Jahre älter als ich und + schon Gymnasiast. Da verachtete er meine Abcschützen-Geographie. Mit Schifflein + spielte er nicht mehr; er liebte nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er + Fische aus Blech, die ein eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem + Magneten nach ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, + sagte er: es läge am Wetter oder ich stände mit meinem infam weißen + Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unterdes fuhren meine Schiffe nach Jerusalem oder ins Riesengebirge, und oben + auf dem grünen Balkon am Brunnenplatz saß unsere Mutter bei ihrer Handarbeit und + schaute manchmal zu uns herunter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie kommt es doch, daß Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen können, + daß er ihnen nicht lieber und größer ist als alle Küsten des Ozeans? </p> + <span class="tei tei-pb" id="page7">[pg 7]</span><a name="Pg007" id="Pg007" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem grünen Balkon + ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmäßig zu den Ferien. + Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine Ehe schloß mit + jenem unselig schönen Mädchen, dem die Schönheit zum Fluche gegeben war. Nach + einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder einem halben Jahre war + ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage machte, sie habe sich selbst mit + einem Revolver in die Brust geschossen, weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren + Streit verlassen habe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nur meine Mutter und ich wußten, daß sie log. Der Flüchtige aber kam nicht heim, + auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, daß er außer + gerichtlicher Verfolgung sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er floh nicht vor dem Gefängnis; er floh vor dem Grauen, das ihm sein junges + Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, die ihm ihre Aussage brachte, + nicht tilgen konnte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am Balkonfenster + und hörte auf das Plätschern des Johannisbrunnens. Sie träumte von fernen Ufern, + an denen ihr Herzenssohn weilen würde, von Gestaden, zu denen es keine andere + Verbindung gab als die sehnsüchtig hin und her gehenden Gedanken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich zur + Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein. Sie sah mich + still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren <span class="tei tei-pb" id="page8">[pg 8]</span><a name="Pg008" id="Pg008" class="tei tei-anchor"></a>Mund. Da + bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie sprach mit + Worten, die sie sich aus dem Herzen riß: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Geh fort ... in die Welt ... suche Joachim ... bringe ihn wieder!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht Geld + genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt, jetzt bei + dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle großen Häfen der Welt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich fand ihn erst im fünften Jahre meiner Wanderfahrt und wäre bei flüchtiger + Begegnung wohl an dem veränderten harten Mann mit dem fremden Namen + vorbeigegangen; aber ich traf ihn an Bord zwischen Rio und Montevideo, da das + Schiff tagelang nicht anhält, und wurde meiner Sache gewiß, als der Fremdling + sich plötzlich scheu verbarg und weder an Bord noch bei den Mahlzeiten mehr + sichtbar wurde. Da suchte ich ihn in seiner Kajüte auf. Er öffnete auf mein + Klopfen und bebte zusammen, als er mich sah. Ich drängte ihn ohne weiteres in + die Kajüte und schloß die Tür. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will nur ein wenig mit dir reden, Joachim“, sagte ich und wunderte mich + über meine ruhige Stimme; „du wirst es mir nicht abschlagen können, da ich an + die fünf Jahre hinter dir her bin. Und daß ich auf dein Leben und deine + Entschlüsse keinen Einfluß habe, weiß ich von vornherein. Also versteck dich + nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was willst du?“ fragte er mühsam heraus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will nicht viel. Ich will dich nur bitten, du <span class="tei tei-pb" id="page9">[pg 9]</span><a name="Pg009" id="Pg009" class="tei tei-anchor"></a>möchtest von + Zeit zu Zeit, so alle Jahre einmal um Weihnachten, an die Mutter schreiben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da fiel er auf sein Bett und weinte rasend. Ich trat an das kleine runde + Kajütenfenster, an das die Wellen klatschten, und schaute hinaus auf die + rollende See. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vorgestern bin ich nun heimgekommen nach Waltersburg zu meinem und seinem + silbernen Mütterchen. Ich muß schon „silbernes Mütterchen“ sagen; denn nicht nur + die Haare sind silbern, auch das Gesichtchen, auch die schmalen Hände. Alles ist + kostbar, edel und weiß an ihr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie fragte mich nur das eine: „Ist er gesund?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sagte ihr, was ich wußte, auch daß er ein braver Mensch geblieben sei, woran + wir beide niemals gezweifelt hatten. Dann, daß er in einer geachteten Stellung + und wohl ein reicher Mann sei oder es doch werde. Darauf hörte sie kaum, sondern + schlug die Händchen zusammen und jammerte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum? Warum?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war die schwere Frage, über deren richtige Beantwortung ich mir auf der + Heimreise den Kopf zerbrochen hatte. Ganze Abhandlungen hatte ich in meinem Hirn + ausgearbeitet, schlagende psychologische Begründungen für eine Mutter, die + fragt: Warum gibt mein Sohn keine Nachricht? Warum kommt er nicht zurück? Warum + läßt er mich in dieser furchtbaren Einsamkeit und Qual? </p> + <span class="tei tei-pb" id="page10">[pg 10]</span><a name="Pg010" id="Pg010" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sagte ich ihr nur die wichtigsten Sätze, die Joachim gesprochen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich hab wohl hundertmal geschrieben und tausendmal schreiben wollen. Aber ich + hab keinen Brief abgeschickt. Ich hatte eine schreckliche Angst, dann schreibt + ihr wieder, und dann halte ich’s nicht aus in der Fremde, dann muß ich zurück in + diese verfluchte Heimat.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie war ein wenig betäubt über diese Worte; aber dann glomm eine Hoffnung auf in + ihren Augen, und sie sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber jetzt wird er schreiben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, jetzt wird er schreiben; das ist das einzige, was ich nach meinem langen + Suchen erreicht habe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich danke dir, lieber Fritz“, sagte sie und drückte mir schüchtern die Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun bin ich beinahe eine Woche zu Hause und fange an, mich glücklich zu fühlen + und zu freuen. Ich glaube, zu den Freuden, die schwer zu tragen sind, gehört die + Heimkehr aus fremden Landen. Und nicht bloß mir in meinem besonderen Falle wird + es so gehen, nein, allen, die lange draußen waren und wieder nach Hause kommen. + Es ist viel Scheu, viel Bangigkeit in der Seele, die Quellen der Lust und des + Schmerzes fließen zusammen wie in einen tiefen Bronnen, aus dem erst langsam, + wenn sich der zitternde Spiegel beruhigt hat, das Himmelsgesicht des Glücks + auftauchen kann. Es gibt wohl keinen Heimkehrenden, der laut lachte, tanzte oder + <span class="tei tei-pb" id="page11">[pg 11]</span><a name="Pg011" id="Pg011" class="tei tei-anchor"></a>spränge. Ich habe in fremden Ländern viele robuste Burschen + gesehen, die in ihre Heimat zurückkamen, und es war ganz gleich, welcher Farbe + oder Rasse sie waren – sie waren schüchtern und verlegen, gingen alle ein wenig + mit zusammengezogenen Schultern, sprachen seltsam leise und traten nicht fest + auf, als ob sie der Heimaterde nicht weh tun wollten. Sie mußten sich alle in + der Heimat erst wieder heimfinden. Es ist auch ganz natürlich: der Star, der aus + dem Süden an den heimischen Kasten kommt, pfeift auch nicht am ersten Tage. Er + schüttelt in der entwöhnten Luft erst sein Gefieder zurecht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter steht immer am Fenster und schaut nach dem Briefträger aus. Aber der + Brief, auf den sie wartet, kommt nicht. Er könnte längst da sein. Ich + telegraphierte schon zweimal heimlich nach Rio. Es kam aber keine Antwort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und die Mutter steht und wartet. Ich versuchte es mit der alten Ausrede, ein + Brief könne verlorengehen, zumal auf so langem Wege. Aber die Mutter schüttelte + den Kopf und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Einen solchen Brief würde Gott behüten.“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page12">[pg 12]</span><a name="Pg012" id="Pg012" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc5" id="toc5"></a><a name="pdf6" id="pdf6"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Die feindlichen Städte</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich muß versuchen, wieder lustiger zu sein. Herrgott, ich bin doch ein junger + Mensch, ich habe meine Aufgaben, und meine Kraft darf nicht in sehnsüchtigem + Suchen, am Trotz des Bruders zerschellen. Also will ich heute gar nichts von ihm + aufschreiben, sondern einmal die närrische Geschichte von der Feindschaft der + Waltersburger und der Neustädter zu erzählen beginnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Waltersburg ist eine in einem wunderschönen Talkessel gelegene Stadt von 2967 + Einwohnern. Solches besagte die letzte Zählung. Der Personenstand wies im + letzten Jahrhundert immer ziemlich dieselbe Höhe auf; auf runde 3000 kam er nie + hinauf. Da machte unser Bürgermeister, Herr Wilhelm Bunkert, eine bedeutsame + Stiftung: der dreitausendste Einwohner, der Waltersburg Anno 1904 geschenkt + würde, solle eine goldene Uhr bekommen, Herrenuhr oder Damenuhr, je nachdem es + ein männliches oder ein weibliches Wesen beträfe, und diese Ehrengabe wolle er, + der Bürgermeister, aus eigenen Mitteln bestreiten. Die Sache stand im Stadtblatt + und wurde viel bewundert. Im nächsten Jahre kamen viele Kinder zur Welt; die + Zählung wurde nicht bloß vom <span class="tei tei-pb" id="page13">[pg 13]</span><a name="Pg013" id="Pg013" class="tei tei-anchor"></a>Magistrat, sondern auch von der + Bürgerschaft sehr eifrig betrieben, und da die Einwohnerschaft auf 2998 stieg, + entstand in der zweiten Hälfte des Dezember zwischen der Frau Schneidermeister + Lembke und der Frau Schuhmachermeister Abelt eine bittere Feindschaft, da beide + hofften, noch vor Ablauf des Jahres eines Kindleins zu genesen. Am 30. Dezember + gebar Frau Lembke eine Tochter. Ihr Mann, anstatt sich des blühenden + Töchterchens zu freuen, ging in die Schenke und betrank sich vor Ärger, wie er + sein Lebtag sich nicht betrunken hatte. Dem Ehepaar Abelt aber klopfte das Herz. + Am Silvesternachmittag gebar die Frau einen Sohn, und der entzückte Vater + stürzte nach dem Rathause und schrie: „Der dreitausendste Einwohner! Der + dreitausendste Einwohner!“ Im Vorzimmer des Bürgermeisters aber begegnete dem + Siegestrunkenen eine schwarze Gestalt. Es war die Frau des Webers Michalke, die + soeben den Tod ihres Mannes angemeldet hatte. Da waren es wieder nur 2999. Der + arme Schuster torkelte gegen die Wand, und dumpf hallten die Silvesterglocken in + die Nacht über diese so wenig vom Glück begünstigte Stadt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bürgermeister hielt sein Angebot auch für das kommende Jahr aufrecht, und + einige werdende Mütter wiegten sich in goldenen Hoffnungen. Aber der Tod hielt + reichere Ernte als sonst, auch zog der Barbier mit seiner siebenköpfigen Familie + nach Neustadt, und nun hielt der geizige erste Ratsmann, Bäckermeister + Schiebulke, es für den richtigen Zeitpunkt, sich als einen Gönner der Stadt zu + bezeigen und auch seinerseits für den <span class="tei tei-pb" id="page14">[pg 14]</span><a name="Pg014" id="Pg014" class="tei tei-anchor"></a>dreitausendsten Einwohner + eine Prämie auszusetzen, und zwar ein neues Fahrrad, je nachdem ein Herren- oder + Damenrad. Die Sache kam ins Stadtblatt, und die Bürger lachten. Ob Schiebulke + vielleicht meine, ein neugeborenes Kind könne radeln, wurde der Stifter befragt. + Ob die andern vielleicht meinten, ein neugeborenes Kind könne von einer Uhr die + Zeit ablesen, gab Schiebulke giftig zurück. Da setzte der Wirt vom „Goldenen + Löwen“, der ein reicher Mann und ein wenig ruhmsüchtig ist, einen erschrecklich + hohen Trumpf auf: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Goldene Uhr und Fahrrad“, sagte er, „sind gute Dinge. Nur leider die Kinder + wachsen langsam, und solche Dinge veralten schnell. Was allein nicht veraltet, + ist das Geld. Ich will meiner Vaterstadt meine Liebe beweisen und lege 5000 Mark + in die städtische Sparkasse für den dreitausendsten Bürger, den Waltersburg in + diesem Jahre erhält.“ So lautete die Stiftung, die im Stadtblatt publiziert + wurde und ungeheure Aufregung hervorrief. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und da kam das Unerwartete, wie in solchen Fällen überhaupt meist etwas + Unerwartetes geschieht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Höhe von 2993 erreicht, als der + vor kurzem nach Neustadt übersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit seiner Frau + und seinen fünf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte und glückstrahlend + die goldene Uhr, das Fahrrad und die fünftausend Mark für sich in Anspruch nahm, + da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend erreicht war. In Waltersburg brach eine + Revolte aus. Man <span class="tei tei-pb" id="page15">[pg 15]</span><a name="Pg015" id="Pg015" class="tei tei-anchor"></a>wollte den frechen Barbier samt Weib und Kindern + lynchen. Man schrie, das sei Betrug, das gälte nicht, das sei ja ganz anders + gemeint gewesen. Der Barbier, der zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt + gewesen war, bewahrte seine Ruhe, und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist + in Waltersburg, erklärte im Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man + es hören wollte, unter Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: es handle + sich hier um eine öffentliche Auslobung, deren Inhalt durch den Barbier Heilmann + erfüllt sei und dem daher unzweifelhaft die drei ausgesetzten Prämien zufielen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aller Ingrimm der Welt hätte an der Tatsache nichts geändert: Heilmann bekam die + Preise. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> O unglückliches Waltersburg! In der Stadt war dumpfe Trauer, Zorn und Haß, und + alle Männer gelobten, bei diesem Barbier sich nie den Bart schaben oder die + Haare schneiden zu lassen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf rechnete aber der abgefeimte Schaumschläger gar nicht, sondern er zog + schon nach Ablauf eines Vierteljahres wieder nach Neustadt zurück und nahm die + Preise mit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Waltersburg zählte nach diesem Abzug 2993 Bewohner. Die Auslobungen wurden nicht + erneuert. Das ist nun einer der Fälle, aus denen das feindselige Verhältnis + zwischen Waltersburg und dem benachbarten Neustadt schon einigermaßen erhellt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <span class="tei tei-pb" id="page16">[pg 16]</span><a name="Pg016" id="Pg016" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Zeit meiner Abwesenheit hat an dem feindlichen Verhalten der beiden Städte + Waltersburg und Neustadt nichts geändert. Und doch ist Neustadt eine + Tochterstadt von Waltersburg, die beiden Orte sind in der Luftlinie kaum drei + Kilometer voneinander entfernt und nur durch den mäßig hohen Weihnachtsberg + getrennt. Nicht nur, daß die beiderseitigen Gemeindekollegien miteinander in + Hader liegen und sich die zwei Stadtblättchen ständig befehden, der Haß gegen + die Nachbarstadt bringt auch noch heute die Köpfe der Waltersburger + Stammtischphilister in Gluthitze und überträgt sich sogar auf die Frauen und + Kinder. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat sich Waltersburg eines + geradezu paradiesischen Friedens erfreut. Die Hussiten sind an ihm + vorbeigezogen, die Horden des Dreißigjährigen Krieges haben vergessen, die Stadt + auszuplündern, so daß Waltersburg mit seinen damals 2000 Bewohnern nach dem + Westfälischen Frieden eine der volkreichsten Städte Deutschlands war, ein + Umstand, über den in der Stadtchronik des weiten und breiten geredet wird; von + den Fritzeschen Regimentern hat nur eines einmal drei Tage lang in Waltersburg + Station gemacht, was den Stoff für ein weiteres Viertel der Chronik bildet, und + auch die Siegerscharen Napoleons haben keine besondere „<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">gloire</span></span>“ darin erblickt, die Stadtmauern von Waltersburg zu berennen. + So war das weiße Lamm in grünem Felde ein sehr angebrachtes Wappentier für die + friedfertige Stadt, und es gehörte schon die ganze boshafte Niedertracht der + Neustädter <span class="tei tei-pb" id="page17">[pg 17]</span><a name="Pg017" id="Pg017" class="tei tei-anchor"></a>dazu, zu behaupten, weiland der geistvolle Hohenstaufe + Friedrich II. hätte den Waltersburgern das + Lamm für ihr Stadtwappen nur darum verliehen, weil er ihre ureigentümliche und + unausrottbare Schafköpfigkeit wohl erkannt habe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Solch grobe Beleidigung strafen die Waltersburger mit eiskalter Verachtung; + dagegen erhitzen sie sich noch heute sofort, wenn die Rede einmal auf den + Bahnbau kommt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als nach dem siebziger Kriege sich in Deutschland die Eisenbahnen mehrten wie + nach einem fruchtbaren Regen im Garten die Würmer, hatte die Regierung dem Rat + angeboten, eine neue Hauptstrecke über Waltersburg zu führen, ja die Stadt zu + einem Eisenbahnknotenpunkt zu machen. Dieses Anerbieten hatte die Bürgerschaft + in die allerschwerste Sorge gestürzt. Sie sandten zum Kaiser nach Berlin eine + Deputation mit der Bitte, der Landesvater möge das schwere Unheil, das den + Frieden und die Ruhe der treuen Stadt Waltersburg bedrohe, allergnädigst + abwenden. Die Deputation wurde zwar nicht empfangen, brachte aber in aller + Stille ein kräftiges Wort mit heim, das ein Geheimer Rat im Eisenbahnministerium + gesprochen hatte, und das nicht viel schmeichelhafter klang als die Neustädter + Auslegung des Waltersburger Wappentieres. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Hauptsache war: die Bahn kam nicht nach Waltersburg. Sie wurde jenseits des + Weihnachtsberges, etwa sechs Kilometer von der Stadt entfernt, vorbeigeführt. + Daselbst wurde auch ein großer Bahnhof angelegt, da <span class="tei tei-pb" id="page18">[pg 18]</span><a name="Pg018" id="Pg018" class="tei tei-anchor"></a>sich in der + Tat die Notwendigkeit herausgestellt hatte, an diesem Orte einen Kreuzungspunkt + zu errichten, und die Station führte, da sie doch benannt werden mußte, den + Namen „Waltersburg-Neustadt“. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Waltersburger lachten. Sie hatten jetzt eine Eisenbahnstation, aber diese + Station konnte ihnen nichts anhaben. Später hat ein Dichter in der „Neustädter + Umschau“ ein Poem veröffentlicht, in dem es hieß: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">„Die Waltersburger, die sind gar pfiffige Leut,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie sind nicht nur pfiffig, sie sind grundgescheut,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie haben eine Bahn, die woanders ’rum geht,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie ham einen Geldschrank, der im Nachbarhaus steht;</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie füttern der Hasen und Rehe wohl viel,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Doch treiben sie alle dem Nachbar vors Ziel;</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie sperr’n ihren Fluß, daß kein Fisch hineinschwimmt</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Und zuviel von dem sehr guten Wasser wegnimmt;</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Und wär’ mal ein Mäderle gerne geküßt,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left; margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Da wartet’s, bis auswärts ein Kirmestanz ist.“</span></div> + </div> + <span class="tei tei-pb" id="page19">[pg 19]</span><a name="Pg019" id="Pg019" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Für dieses Gedicht hat sein Verfasser von den Neustädtern viel Lob und von den + Waltersburgern gelegentlich recht ordentliche Prügel geerntet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Neustadt verdankte seine Gründung einem trutzigen Bürger von Waltersburg, dem + Baumeister August Bunkert, der als einziger in der ganzen Stadt Waltersburg Tag + und Nacht geredet hatte, die so günstige Gelegenheit, einen großen Bahnhof an + die Stadt zu bekommen, nicht zu verpassen. Als er mit seinen Ideen nicht + durchdrang, im Gegenteil viel Anfeindung erfuhr, die bis zu persönlichen + Feindschaften ausartete, und sich insonderheit mit seinem einzigen Bruder, + Wilhelm Bunkert, der jetzt Bürgermeister von Waltersburg ist und damals zu der + Berliner Deputation gehörte, in bitterem Hader entzweite, zog der Baurat aus dem + Hause seiner Väter aus und baute jenseits des Berges dicht neben den neuen + Bahnhof ein großes Hotel, dem er den Namen „Zur guten Hoffnung“ gab. Die „gute + Hoffnung“ erwies sich zunächst als schlecht; denn da das Hotel auf bloßem Felde + stand, alle Eisenbahnpassagiere aber fanden, daß sie in der menschenleeren Wald- + und Wiesengegend nichts zu suchen hätten und darum immer schleunigst + weiterfuhren, stand das Hotel Jahr und Tag leer, die wenigen Bahnbeamten + abgerechnet, die am Abend ihr Schöpplein tranken, und an August Bunkert kroch + langsam die Pleite heran. Die Waltersburger meinten, daß der neuerungssüchtige + Trotzkopf dieses Schicksal wohl verdient habe, aber zu ihrer Ehre muß gesagt + werden, daß Bunkert vielen leid tat und daß man dem verlorenen <span class="tei tei-pb" id="page20">[pg 20]</span><a name="Pg020" id="Pg020" class="tei tei-anchor"></a>Sohne gern verziehen und ihm auf die eine oder andere Art wieder auf die Beine + geholfen hätte, wenn es dem Ausreißer nur eingefallen wäre, zurückzukommen, + seinen Irrtum einzugestehen und die vorsichtige Art der Waltersburger zu loben, + die er ehedem so heftig angegriffen hatte. August Bunkert aber dachte nicht + daran, den Reuigen zu spielen, und auf einen Brief seines bürgermeisterlichen + Bruders, worin dieser fragte, ob er denn auch den Rest seines schönen + väterlichen Erbes noch vollends verschleudern wolle, gab er keine Antwort. Da + wurde er seinem Schicksal überlassen. Dieses Schicksal gestaltete sich günstig. + Die große Bahnhofswirtschaft, die August Bunkert übertragen wurde, hielt ihn + zunächst über Wasser, und endlich gelang ihm der große Schlag. Er brachte eine + Gesellschaft von bedeutenden Geldleuten der Großstadt zusammen und kaufte als + deren Funktionär oder Generaldirektor, wie er sich lieber nannte, alles + Waltersburger Gelände auf, das jenseits des Weihnachtsberges gelegen war. Die + Waltersburger schlugen die Hände über den Köpfen zusammen. Hundert Taler über + den ortsüblichen Preis hinaus gab Bunkert für jeden Morgen Feld-, Wald- oder + Wiesenland, und die Besitzer beeilten sich, ihre entlegenen Ländereien unter so + glänzenden Bedingungen loszuwerden. Innerhalb von eineinhalb Jahren besaß kein + Waltersburger mehr jenseits des Berges auch nur einen Halm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die ganz Gewissenhaften aber schüttelten die Köpfe und sagten: Dieser Bunkert + lockt seinen Auftraggebern das Geld aus der Tasche; er ist ein Hochstapler, und + <span class="tei tei-pb" id="page21">[pg 21]</span><a name="Pg021" id="Pg021" class="tei tei-anchor"></a>man sollte doch sehr überlegen, ob man den unangebrachten + Preis annehmen dürfe, den die neuen Besitzer aus dem Wald- und Wiesenland nie + und nimmer herauswirtschaften könnten. Doch auch diese ganz Gewissenhaften + beruhigten sich und nahmen das Geld. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> O du großmächtige Verwundernis! In dem prachtvollen Hochwald, den August Bunkert + erworben, an den grünen Wiesen, am Flußufer, den Weihnachtsberg hinauf, entstand + ein schmuckes Landhaus nach dem anderen, Einfamilienhäuser, Sommerwohnungen, + Baderäume, ein Kurhaus, eine „Wandelhalle“ bauten sich auf, ein Basar für + Lebensmittel, ein anderer für „Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände“ wurde + errichtet, Hunderte und aber Hunderte von Arbeitern waren das ganze Jahr + beschäftigt. Und alle Häuser baute der Baumeister August Bunkert und wurde ein + schwerreicher Mann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Noch staunten die Waltersburger, noch lachten einige spöttisch und verächtlich, + aber manch einer schwieg schon nachdenklich und dachte bei sich: Was tut sich? + Da erschien in den großen hauptstädtischen Blättern ein Inserat: + „Waltersburg-Neustadt, entzückend am Südabhange des 450 Meter hohen + Weihnachtsberges gelegen, mitten in prachtvollem Hochwald, in grünes Wiesen- und + Flußland gebettet, ein Paradies der Gesundheit und des Naturgenusses, bei + vorläufig nur fünf Mark pro Quadratmeter Bauland (Anzahlung von 3000 Mark an) + für alle, die sich ein Eigenheim gründen wollen, eine nie wiederkehrende + Gelegenheit. Nur fünfviertel Stunden von der Hauptstadt entfernt. Großer <span class="tei tei-pb" id="page22">[pg 22]</span><a name="Pg022" id="Pg022" class="tei tei-anchor"></a>Eisenbahnknotenpunkt. Haltestelle aller Schnellzüge. Täglich + zwölfmal Verbindung mit der Hauptstadt. Anfragen an Generaldirektor Baumeister + August Bunkert in Neustadt erbeten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Proklamation des Deutschen Reiches kann seinerzeit in Berlin keinen so + großen Eindruck gemacht haben wie dieses Inserat in Waltersburg. Die Leute + lachten, wimmerten, fuchtelten mit den Armen und waren voll neidischer + Beklommenheit. Am Abend saß ein ganzer Stammtisch im „Goldenen Löwen“ mit der + Kreide vor der Schiefertafel und wollte ausrechnen, wieviel ein Morgen Land + koste, wenn das Quadratmeter auf fünf Mark komme. Niemand kriegte es heraus, und + alle schimpften auf die neumodische Rechnungsart. Selbst den Amtsrichter Knopf + verließ seine akademische Bildung; er knurrte, er habe ja nicht Mathematik + studiert, und solche Aufgaben könne überhaupt immer nur ein Volksschullehrer + herauskriegen. Also schickte man nach dem Lehrer Herder, und der erklärte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ein Morgen altes Maß ist ungefähr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat 10 000 + Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter groß. Kostet ein + Quadratmeter fünf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel, also 12 500 Mark.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Männer, die noch + mit am Tische saßen, heftig mit den Fäusten auf den Tisch, und zwar alle wie auf + Kommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er müsse sich täuschen. Der + aber saß mit der Würde <span class="tei tei-pb" id="page23">[pg 23]</span><a name="Pg023" id="Pg023" class="tei tei-anchor"></a>eines Mannes, der von der Unverletzlichkeit + und Beweiskraft der Zahl überzeugt ist. Sein ganzes Wesen sagte: meine Rechnung + stimmt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da wurde zunächst eine große Stille. Dann sagte einer: „Wenn das wahr ist, sind + die Kerle große Gauner; 1000 Mark haben sie für den Morgen gegeben, 12 000 Mark + verlangen sie.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Schweigen. Nach fünf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten Ziffern + auf und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie arbeiten mit elf Prozent.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu“, bemerkte der Erbscholtiseibesitzer + Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der schüttelte den Kopf, was in diesem Falle „ja“ und „nein“ heißen konnte. Da + ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 Mark + verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent Gewinn.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Bäckermeister Schiebulke, der gerade + trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Grübeln. Seine Seele + wanderte zurück bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, natürlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da hoben sich die Fäuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese Überraschung + war zu groß und schwer; die Hände sanken still herab ... </p> + <span class="tei tei-pb" id="page24">[pg 24]</span><a name="Pg024" id="Pg024" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was die allergrößte Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg zum + großen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, war auf dem + besten Wege, ein aufblühender Badeort zu werden. Zwei „Quellen“ waren entdeckt + worden, von denen die eine „Kaisersprudel“, die andere „Felsensprudel“ hieß, und + die beide nach dem Gutachten eines sachverständigen Professors aus der + Hauptstadt „hervorragend radioaktiv“ waren. Die Neustädter feierten Siegesfeste, + während die Waltersburger vier Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort + „radioaktiv“ richtig aussprechen konnten, und natürlich auch dann noch nicht + wußten, was das sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung auch + viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger heimlich je + drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im „Löwen“ statt der + sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe abgehalten. Der Pfropfen der + ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die Decke. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie – wie bei Champagner“, stammelte Herr Hirsemann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Blödsinn“, knurrte der Amtsgerichtsrat; „das is Kohlensäure; die is dem Wasser + eingepumpt; alles künstlich, nichts natürlich; ich kenn doch die Wasserpfützen + drüben – Betrug is es, glatter Betrug!“ So wartete man, bis sich die + Kohlensäure verflüchtet hatte, dann trank der Bäcker und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „’s schmeckt ’n bissel salzig.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page25">[pg 25]</span><a name="Pg025" id="Pg025" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weil Sie heut abend wieder Salzhering gegessen haben“, grollte der Richter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Salzig kann man nicht sagen“, meinte der Getreidekaufmann Schneider, „sondern + so mehr säuerlich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, weil Sie von gestern noch ’ne saure Schnauze haben“, zürnte Herr Knopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unter solchen Umständen hätte der Löwenwirt, der auch mit probierte, mit seiner + Äußerung, das Wasser scheine ihm aber stark nach Schwefel zu schmecken, + zurückhalten sollen; denn der schlecht gelaunte Richter fuhr ihn an: „Mensch, + wenn Sie tagaus, tagein nischt anderes rauchen als Ihre eigenen Zigarren, muß + Ihnen natürlich alles nach Schwefel schmecken.“ Darauf einigte man sich endlich: + dieses Wasser schmecke wie jedes andere gewöhnliche Brunnenwasser und sei keinen + Pfifferling wert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ganz kurze Zeit darauf gab es in Waltersburg eine neue Aufregung. Die Neustädter + hatten sich für ihr Bad einen Propagandachef engagiert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Propagandachef!“ – Dieses Wort war in Waltersburg seit Erschaffung der Welt + noch nicht einmal ausgesprochen worden. Die Neustädter aber wußten nicht bloß, + daß es so etwas gäbe, sie engagierten es sogar. Und der Propagandachef war ein + Jude. Als das bekannt wurde, sagte der Bäcker abends im „Löwen“: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Kerle in Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefühl.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsächlich deswegen, weil er immer + widersprach: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page26">[pg 26]</span><a name="Pg026" id="Pg026" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jude hin, Jude her! Es is ’n alter Witz, daß in den ganzen Antisemitismus nich + eher ’n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst machen. + Wenn die Neustädter ihre faule Sache deichseln wollen, mußten sie ’n Juden + nehmen, ’n Christ ist viel zu dämlich dazu.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bäcker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden, verließ + er das Lokal. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt. Es war + ein entzückend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit reizenden + bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen pries Neustadt in so + berückender Form, daß eigentlich jeder Mensch zu bemitleiden war, der nicht + augenblicklich seine Koffer packte und nach Neustadt abreiste ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die feindlichen Städte! Vielleicht, daß mir der lustige Hader die Zeit verkürzt. + Von Zeit zu Zeit will ich etwas von ihm im Tagebuch vermerken ... Joachim hat an + die Mutter ein Telegramm gerichtet. „Ich kann nicht mehr schweigen; ich grüße + dich und Fritz. Aber schreibt mir keine Briefe, telegraphiert nur, ob ihr gesund + seid.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit diesem Telegramm saß die Mutter am Tisch, als ich heute abend nach Hause + kam. Sie sprach nicht, sondern übergab mir nur wortlos die Depesche; aber sie + sah mich stolz und verklärt an, als wollte sie sagen: „Sieh, solch einen guten + Sohn habe ich!“ „Ich <a name="corr026" id="corr026" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">freue</span> mich über Joachim“, + sagte ich und ließ sie allein. + <span class="tei tei-pb" id="page27">[pg 27]</span><a name="Pg027" id="Pg027" class="tei tei-anchor"></a>Von meinem Zimmer sah ich nach dem Johannisbrunnen hinunter, dessen Wasser + einförmig rann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Seele des fernen Bruders war immer noch krank. Er vertrug keine Nachricht + aus der Heimat. Heimat war ihm in Hölle gewandeltes Paradies. Es gab einmal ein + Weib, das er mehr liebte als alles, die Mutter mit einbegriffen; es war einmal + ein Freund, der ihm näher stand als der Bruder, und es war eine schöne Stadt, + die ihm lieber war als der Geburtsort; das war Heidelberg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In Heidelberg hat ihn die Frau mit dem Freunde betrogen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darüber kommt nun der Mann, der zwischen Rio und Montevideo hin und her fährt, + nicht mehr hinweg. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page28">[pg 28]</span><a name="Pg028" id="Pg028" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc7" id="toc7"></a><a name="pdf8" id="pdf8"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das Modebad</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dieser 5. April war ein sehr merkwürdiger Tag. Ich war drüben in Neustadt und + besah mir den neuen Badeort; denn ich war mir immer noch nicht ganz im klaren, + ob ich Badearzt in Neustadt werden oder lieber die Praxis des alten Sanitätsrats + in Waltersburg übernehmen solle. Der Alte will sich zur Ruhe setzen. Um die + Wahrheit zu sagen, er sitzt eigentlich schon sein ganzes Leben lang zur Ruhe. + Den Waltersburgern fällt es niemals ein, krank zu werden. Der alte Pfarrer hier, + der etwas derber Art ist, sagt: „Wenn einer nicht gerade unverschuldet + verunglückt, ist es eine Schweinerei, krank zu werden. Denn wenn einer + vernünftig lebt, wird er eben nicht krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus + kommt, der nicht was ausfrißt.“ So erschien dem Pfarrer der Sanitätsrat immer + höchst überflüssig, wie andererseits dem Sanitätsrat, der ein Freigeist ist, der + Pfarrer überflüssig erscheint. Persönlich aber vertragen sie sich recht gut, + spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen gegenseitigen + Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der Amtsrichter, den + Pfarrer und Sanitätsrat beide für überflüssig halten; denn außer dem Schneider + Hampel wird <span class="tei tei-pb" id="page29">[pg 29]</span><a name="Pg029" id="Pg029" class="tei tei-anchor"></a>in Waltersburg niemals jemand eingesperrt, und bei + Hampel kommen in mageren Jahren auch höchstens drei Wochen heraus. Der + Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem „Grüßfuß“, und der + Sanitätsrat behauptet, daß der Richter seinem einzigen „Kunden“ immer zu Neujahr + gratuliere. Es ist also für einen, der keine Sinekure sucht, nicht verlockend, + Arzt oder Richter in Waltersburg zu werden. Im Herzen wäre es mir aber immer + noch lieber, mich in Waltersburg niederzulassen, als nach Neustadt zu gehen, + dessen Wunderquellen ich nicht traue, und mich also dort gewissermaßen + mitschuldig zu machen, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Heute war ich drüben in Neustadt. Während der fünf Jahre meiner Abwesenheit ist + der Ort um das Doppelte gewachsen. Er ist mit amerikanischer Rapidität + emporgeschossen. Ich sah die Marmortempel über den „Sprudeln“, die „Promenade“ + mit ihren unendlich gepflegten, unendlich bunten und unendlich langweiligen + Blumenanlagen, die Kapelle, die das „Polnische Lied“, den „Einzug der Gäste in + die Wartburg“, das „Frühlingslied“ von Mendelssohn, den neuesten Wiener Walzer + und ein unendlich albernes Potpourri spielte, das von allen Darbietungen dem + Publikum am besten zu gefallen schien, sah auch, wie der erste Geiger und der + Flötist an der Rampe des „Musikpavillons“ wie überall mit den vorbeiflanierenden + Mägdelein liebäugelten; ich sah auf den Estraden leerer Restaurants Kellner + lauern, die wie Bräutigame gekleidet waren oder wie Leichenbitter, fünf<span class="tei tei-pb" id="page030">[pg 030]</span>unddreißig Gerichte auf ihrer Speisekarte, von denen sicherlich + nicht eines halb so gut schmeckte wie das, was Mutters alte Köchin bereitet; ich + sah eine „Wandelhalle“ mit Schauläden, in denen die schönen und ach so + „preiswerten“ Broschen prangen, die man den Dienstmädchen als „Mitbringe“ + schenkt und deren Goldglanz mindestens anhält, bis das Mädchen am nächsten + Quartal abzieht, sah schreiend bunte Gläser mit der Aufschrift „Zum Andenken“ + oder „<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Souvenir de Neustadt</span></span>“, Holzarbeiten, vom + geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei Bären auf einem Amboß + pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele Kunstgegenstände, bis ich zum + Theater gelangte, wo ein Zettel verkündete, daß ein vielversprechender Dichter + (alle vielversprechenden Dichter debütieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk + „Geheimnisse von Neustadt“ zur Aufführung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu + deutsch: Georg Schuster), der vielbeliebte erste Liebhaber der Bühne, die + Hauptrolle kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging + ich in ein Café und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie + mir das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der schon + immerfort nervös hin und her zappelte, knurrte den Kellner an, wie lange er zum + Donnerwetter noch auf die telephonische Verbindung mit Breslau warten solle; ein + Herr an einem anderen Tisch erzählte mit unerträglicher Weitschweifigkeit seinem + Nachbar alle Erscheinungen seiner Krankheit, wofür sich dieser so interessierte, + daß er während der Zeit des Zuhörens das ganze <span class="tei tei-pb" id="page31">[pg 31]</span><a name="Pg031" id="Pg031" class="tei tei-anchor"></a>Mittagsblatt + durchschmökerte; drüben an der Wand stritten zwei rote Köpfe laut über + Nietzsche; eine vorübergehende Mutter machte ihrer bleichsüchtigen Tochter + Vorwürfe, daß sie ihren Brunnen statt um fünf erst um fünfeinhalb Uhr getrunken + habe, was natürlich furchtbar schaden könne; Gents und noch viel mehr + Pseudogents tänzelten vorüber, und in der Kapelle drüben blies der Waldhornist + zum Herz- und Steinerweichen: „Das Meer erglänzte weit hinaus im lichten + Abendscheine“. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Auch Sie, Fräulein Trude“, hörte ich einen vorbeiwandelnden Primaner zu seiner + sechzehnjährigen Begleiterin sagen, „haben mein Herz vergiftet, zwar nicht durch + Ihre Tränen, wohl aber durch Ihr Lachen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber Herr Lempert“, sagte sie, und sie waren vorbei ... Ich bekam Heimweh nach + Waltersburg und ging. Draußen auf den Promenadengängen das gewohnte Publikum; + die galizische Jüdin mit etwas schmierigen Spitzen am Halsausschnitt und den + großen Brillanten in den Ohren; der Herr in dem hocheleganten weißen + Flanellanzug, der 23 Mark gekostet hat; der „Künstler“, dessen Kraft wie bei + Samson in der Fülle der Locken sitzt und der sich vor dem Spiegel die + wirkungsvollen Gerhart Hauptmannschen Mundwinkel eingeübt hat; das knurrende + Eheoberhaupt, das wo anders hinstrebt, weil man auf dem Kurplatz nicht rauchen + darf (warum, weiß weder er noch sonst jemand; denn der Platz ist weit, und der + Himmel ist hoch); die flirtende Strohwitwe; der melancholisch und langsam + schreitende Einsame, der keinen Anschluß findet; das laute Mädchen, das immer + zehn <span class="tei tei-pb" id="page32">[pg 32]</span><a name="Pg032" id="Pg032" class="tei tei-anchor"></a>Verehrer um sich hat und nie einen Mann kriegt; die + Geschäftsfreunde, die auch hier über ihre Alltagssorgen nicht hinauskommen; + fachsimpelnde Oberlehrer und lebenslustige Backfische, dazwischen die + „Patienten“, die gewissenhaft aus geschliffenen Gläsern das Neustädter + Wunderwasser schlürfen, als könnte es in vier Wochen gutmachen, was in vielen, + vielen Jahren krank ward. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war im klaren: Ich wollte nicht Badearzt werden. So wollte ich nach Hause + und wählte als Heimweg den Pfad über den Weihnachtsberg, der als Grenzscheide + zwischen Waltersburg und Neustadt liegt. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page33">[pg 33]</span><a name="Pg033" id="Pg033" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc9" id="toc9"></a><a name="pdf10" id="pdf10"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Auf dem Weihnachtsberg</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwürdiges Gasthaus. Es sieht aus wie eine + Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbrücke, Butzenscheiben + und was so dazu gehört. Das echteste von dem ganzen romantischen Nest war der + Wirt, der Eberhard hieß, weil er einen langen Bart hatte, oder der sich einen + langen Bart hatte wachsen lassen, weil er Eberhard hieß. Die Waltersburger + besuchten ihn an allen regenfreien Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner + luftigen Höhe so gute Tage, daß ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard + war für die Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend + lugten sie ängstlich, sehnsüchtig und neugierig nach dem Gipfel des + Weihnachtsberges hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren + Duftschleier um den Gipfel hüllte, flammte da oben ein mächtiges Bergfeuer zum + Himmel, und eine Trompete blies langsam und feierlich herab ins Tal: „Vom Himmel + hoch, da komm ich her.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er kommt, er kommt!“ stießen da die Kinder heraus, und die kleinsten zitterten + in seliger Angst. Vom Berge herab aber kam mit silbernem Geläut der Knecht <span class="tei tei-pb" id="page34">[pg 34]</span><a name="Pg034" id="Pg034" class="tei tei-anchor"></a>Ruprecht gefahren. Er thronte auf einem mit Tannenreis prachtvoll + verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die wurden von seinen + Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und Paketchen beladen. Vom + Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die reichen wie die armen, die großen + wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und Großmütter standen hinter ihnen, und + wenn der Knecht Ruprecht ankam, winkten die Kinder mit den Händen, die Väter + nahmen die Mützen ab, und die Tanten und Großmütter machten tiefe, ehrfürchtige + Knickse. Der Knecht Ruprecht aber saß da auf seinem tannenbekränzten Thron wie + ein König und nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten + Hand und winkte mit der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und + Reichen, an die Gerechten und Ungerechten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die Fackelträger, + die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans Tor. Mit lustigem + Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg hinauf, und die Leute kehrten + heim, alle im Herzen froh und reich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war der Weihnachtsberg bis vor acht Jahren. Da kamen die Neustädter und + kauften Herrn Eberhard, der damals gerade ein wenig in Sorgen war, sein Gasthaus + für einen guten Preis ab. Die Neustädter machten aus der alten edlen + Burgherberge ein „Etablissement mit Burgruine, Aussichtsturm und im übrigem + allem Komfort“. Es wurden hölzerne Veranden mit großen Fen<span class="tei tei-pb" id="page35">[pg 35]</span><a name="Pg035" id="Pg035" class="tei tei-anchor"></a>stern an + das alte Mauerwerk geklebt, der ganze schablonenhafte öde Hotelbetrieb + eingerichtet, und die Badezeitung faselte vom Fortschritt der modernen Zeit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Daß schweres, reines Altgold in dünnes Flitterblech gewalzt wurde, empfanden am + meisten die Waltersburger Kinder, die am Weihnachtsabend vergebens ausspähten + nach dem leuchtenden Höhenfeuer und der süßen, verheißungsvollen Melodie: „Vom + Himmel hoch, da komm ich her.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In Gedanken an alte, schöne Zeit stieg ich den Weihnachtsberg hinauf. So + sentimental war ich aber nicht, um dem neuen „Etablissement“ auszuweichen; dazu + war ich denn doch zu weit in der Welt herumgekommen und hatte zu viel Schifflein + scheitern sehen, um so eine Unglücksstelle feig zu umsegeln. Ich kehrte in dem + „Etablissement“ ein. In der großen Glasveranda waren drei Kellner und ein Gast + anwesend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dieser einzige Gast saß am Fenster und guckte nicht auf, als ich zur Tür + hereintrat. Daraus erkannte ich, daß er kein Deutscher war. Im übrigen genügte + mir ein Blick zu meiner Orientierung. Ich erkenne den Nordamerikaner so leicht + unter allen Nationen heraus wie den Star unter den bunten Finken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Soll ich hier das Bild wiederholen, das deutsche Karikaturisten malen, wenn es + gilt, einen „Uncle Sam“ zu zeichnen? Das kurzgeschorene Haar, den + glattrasierten, rasiermesserdünnen Mund, die etwas schlottrige Figur mit den + langen Beinen und fuchtelnden mageren Armen, die Stummelpfeife, den karierten + Anzug und diesen an<span class="tei tei-pb" id="page36">[pg 36]</span><a name="Pg036" id="Pg036" class="tei tei-anchor"></a>deren Kram? Nein! Ich ging zweimal durch die + Stube, stellte fest, daß achtzehn Tische unbesetzt und einer besetzt war, und + setzte mich dann an den besetzten, dem Gaste gegenüber, ohne ihn zu grüßen. Der + andere blickte auch jetzt nicht auf. Er sah gelangweilt ins Tal. Ich beachtete + ihn auch nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Kellner kam, und ich machte meine Bestellung. Darauf war es ganz still. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Endlich blickte der Mann mir gegenüber auf und sagte, indem er nach Neustadt + hinunterwies: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist ein sehr albernes Nest da unten!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sprach englisch; aber ich entgegnete deutsch: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So kann man schon sagen. Es gefällt mir auch nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber bei uns in Amerika werden Sie auch dumme Badeorte gefunden haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Woraus schließen Sie, daß ich in Amerika war?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich denke es mir.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So, so!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf schwiegen wir. Erst nach einem Weilchen nahm „Uncle Sam“ das Gespräch + wieder auf: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie halten nichts von unseren modernen Kurorten?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „‚Nichts‘ kann ich nicht sagen. Es gibt zehn gute Kurorte und neunzig unnütze. + Das sage ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und wie denken Sie sich einen ganz guten Kurort?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe mir manchmal ein Bild ausgemalt, wenn ich als Schiffsarzt die nötige + Muße zu solchen Träumen hatte.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page37">[pg 37]</span><a name="Pg037" id="Pg037" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind Schiffsarzt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich war es.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich fand es nun angemessen, mich vorzustellen. Darauf wippte auch er ein wenig + vom Stuhle auf und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson. Öl und Naphtha. Neuyork, Milwaukee, St. Louis und Trinidad. + Nun, wie ist das mit Ihrem Kurort?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist gar nichts. Es ist ein Traum, eine verrückte Idee!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Verrückte Idee ist schön. Deutschland ist ein gutes Land, aber es leidet einen + sehr großen Mangel an verrückten Ideen. Es ist zu brav, es macht zuviel nach. + Den deutschen Unternehmungen fehlt die überraschende Pointe. Der Amerikanismus + ist besser.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das sagen Sie so!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist so.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war verstimmt und schwieg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun?“ fragte er ungeduldig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson, wenn ich Ihnen meine Idee entwickeln wollte, würden wir viel + Zeit brauchen; am Schluß würden Sie mich doch nicht verstehen. So was liegt + Ihnen nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wir haben Zeit, ich werde Sie verstehen, und es liegt mir“, gab er zur Antwort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da kam ich in Laune und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will es Ihnen in ganz kurzen Linien umreißen. Ich will mal annehmen, meine + Heilanstalt bestände schon und Mister Stefenson käme zu mir als Kurgast.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page38">[pg 38]</span><a name="Pg038" id="Pg038" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist gut! Das ist instruktiv!“ rief er. „Wie heißt Ihr Sanatorium?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ferien vom Ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ferien vom Ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist kein guter Name. Dabei kann man sich nichts denken. Das zieht nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson, wenn Sie mir schon von vornherein widersprechen, werde ich + Ihnen kein Wort über meine Heilanstalt sagen. Daß Sie den Namen nicht ohne + weiteres begreifen, ist doch eben das Neue und Gute.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Well</span></span>; ich sage nichts mehr. Ich höre.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also: Irgendwo auf der Welt, sagen wir auf dem Ostabhang dieses + Weihnachtsberges bei Waltersburg, liegt die Heilanstalt ‚Ferien vom Ich‘. Auch + Mister Stefenson, der schon in vielen Kuranstalten und nie ganz zufrieden + gewesen war, hat von der Anstalt gehört und hauptsächlich darum, weil es etwas + Neues war, beschlossen, sie aufzusuchen. Er reist nach Waltersburg. Mister + Stefenson kommt mit sieben Koffern und zwei Dienern an.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mein Gegenüber nickt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stimmt. Sie sind ein Gedankenleser.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Ankömmling findet in der Nähe von Waltersburg ein Gelände von Wald, Hügeln, + Gärten, ganz von einer hohen Mauer umschlossen, über die kein Mensch hinwegsehen + kann. Er merkt gleich: ah, an dieser Mauer ist die Welt alle, hier ist eine Welt + für sich. Die Mauer hat nur ein einziges Tor. ‚Ferien vom Ich‘ steht dar<span class="tei tei-pb" id="page39">[pg 39]</span><a name="Pg039" id="Pg039" class="tei tei-anchor"></a>über. Mister Stefenson, der mit drei Wagen ankommt, zieht die + Schelle an der Pforte. Eine tiefe Glocke schlägt einmal an. Da kommt von drinnen + her ein Diener, der öffnet das Tor. Er ist nicht in der weltüblichen Tracht, er + trägt Pluderhosen, Sandalen an den Füßen, eine weite, am Hals ausgeschnittene + Bluse und ist barhäuptig. Vor Stefenson macht er keine Verneigung, sondern sagt: + ‚Lieber Freund, Sie sind wohl wenig unterrichtet, sonst kämen Sie nicht mit + solch unnötigem Kram hier an. Seien Sie so gut, lassen Sie Ihre Diener und Ihr + Gepäck unten in Waltersburg oder sonstwo auf der Welt Unterkunft suchen und + kommen Sie ganz allein, wie Sie hier stehen, mit mir.‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mister Stefenson ärgert sich nicht wenig über diese Ansprache des dienstbaren + Geistes, aber er will hinter den ‚Trick‘ kommen, deshalb winkt er seinem Gefolge + ab und geht in das große Ferienheim des Lebens. Die Pforte fällt hinter ihm zu. + Sein Begleiter führt ihn eine Lindenallee bergan. Rechts und links sind Wiesen + und einige bebaute Ackerstücke. Am Ende der Allee steht ein von Efeu umsponnenes + Haus, so klein wie eine Einsiedlerhütte. Das Häuschen hat nur ein einziges + Zimmer, aber das ist bequem hergerichtet, hat ein gutes Bett, einen + Schreibtisch, schlichte, aber geschmackvolle Möbel und gute Bilder an den + Wänden. In dieses Zimmer führt der Torwart den Mister Stefenson und sagt: ‚Hier + bleiben Sie, lieber Freund, zwei Tage und zwei Nächte. Lesen Sie die wenigen + Blätter, die auf dem Schreibtisch liegen, gut durch und schreiben Sie Ihre <span class="tei tei-pb" id="page40">[pg 40]</span><a name="Pg040" id="Pg040" class="tei tei-anchor"></a>eigene Lebens- und Leidensgeschichte auf, schreiben Sie auf, was + Ihnen an sich selbst nicht gefällt und warum Sie hierhergekommen sind. Nach zwei + Tagen wird der Arzt zu Ihnen kommen, wird lesen, was Sie geschrieben haben, und + wird den ganzen guten Mannes- und Freundeswillen haben, Ihnen zu dienen und zu + helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden Sie + sich mit den Blättern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab, können Sie + nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so hängt hier am Nagel + an der Tür ein Schlüssel, der die Pforte unten an der Allee aufsperrt. Lassen + Sie den Schlüssel von innen stecken und schlagen Sie die Pforte von außen zu. Zu + bezahlen haben Sie für das, was Sie inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, + daß Sie einmal dagewesen sind.‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So sagt der Torwart, und dann läßt er den verwunderten Herrn Stefenson allein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen. Ich kann + hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blätter aufsagen, sondern nur einige wenige + Sätze hervorheben. ‚Betrachte dein Leben mit allem, was es gebracht hat: + Arbeiten, Erholungen, Genüssen, Sünden, als eine Anstrengung, die dich müde + gemacht hat und deine Kräfte zermürben wird. Mache dich los von diesen + Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Löse dich zunächst los von dem Götzen, + dem du alle Tage opferst, von deinem von dir so zärtlich geliebten Ich. + Entkleide diesen Götzen allen Tandes, den du ihm mit großen Entbehrungen + verschafft hast, seines wohlklingenden Na<span class="tei tei-pb" id="page41">[pg 41]</span><a name="Pg041" id="Pg041" class="tei tei-anchor"></a>mens, seiner Genußsucht, + seiner Herrschsucht über Geld und andere Machtmittel.‘“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hier unterbrach mich mein Zuhörer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bitte, sagen Sie das nicht mit so phrasenhaften, abstrakten Worten; sagen Sie + es einfacher und instruktiver!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schön! Nehmen wir also an, daß jener Herr Stefenson die zwei Tage und zwei + Nächte in dem Einsiedlerhäuslein ausgehalten hat, ohne fortzulaufen. Nach zwei + Tagen kommt der Arzt. Herr Stefenson wird ihm entgegenrennen und ohne jede + Einleitung sagen: ‚Ich habe Ihre Blätter gelesen und muß Ihnen sagen, Herr + Doktor, daß mir die Sache zum Teil sehr abenteuerlich, zum Teil sehr langweilig + vorkommt. Warum soll ich zum Beispiel hier in dem Ferienheim nicht mehr + Stefenson heißen, sondern einen anderen Namen haben?‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> ‚Setzen Sie sich‘, wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die Bank + neben der Haustür drücken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> ‚Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr Stefenson in + den Tagen einsamer Einkehr in sich selbst über sein Leben niedergeschrieben hat. + ‚Ich werde die Blätter mitnehmen‘, sagt der Doktor, ‚und sie zu Haus noch einmal + lesen, dann bekommen Sie Ihr Manuskript zurück und können es selbst vernichten.‘ + ‚Das ist so ähnlich wie bei Lahmann‘, sagt Stefenson. ‚Ja‘, nickte der Doktor, + ‚ich habe vieles von Lahmann, der wieder vieles von Prießnitz und anderen hat. + Wenn <span class="tei tei-pb" id="page42">[pg 42]</span><a name="Pg042" id="Pg042" class="tei tei-anchor"></a>einer hochkommen will, muß er immer auf die Schultern anderer + steigen.‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Arzt unterhält sich nun lange mit Mister Stefenson und erklärt ihm auch, + warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. ‚Sie sind hier + nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der – sagen wir – John + heißt; dieser John hat mit Herrn Stefenson gar nichts zu tun. Herr Stefenson ist + irgendwo in Neuyork, Milwaukee oder auf Trinidad, zermartert sich dort sein Hirn + um neue Gewinne, wird gelobhudelt, befeindet, belogen, betrogen – arbeitet und + amüsiert sich halb zu Tode, hat mancherlei Schwächen, die sein Leben und vor + allen Dingen seine Freude am Leben verkürzen, kurz, ist trotz seiner Millionen + ein armer, gehetzter Mensch, während dieser John hier keinen liebedienernden + Troß, keinen vorteilssüchtigen Freund, aber auch keinen Feind hat, froh und + sicher unter seinesgleichen lebt und, wenn er mit einem Genossen im Garten + arbeitet, nicht weiß, ob dieser Mann draußen in der Welt ein Fürst oder Minister + oder ein kleiner Beamter ist. Sehen Sie, John, das ist ein ganz köstlicher + Humor, den wir hier betreiben. Wenn die Leute ihren Namen abgelegt haben und + auch alle die gleiche Tracht haben, kennt man den Großen vom Kleinen nicht mehr + heraus. Der Geist verrät sie nicht. Daß der Patient während der Dauer der Kur + seinen Namen ablegt, ist für den Erfolg für uns eine große Hauptsache. Der Name + ist meist die stärkste Kette, die mit der Last und Lust des Alltags verbindet, + sie muß in Ferientagen gelöst werden. Und <span class="tei tei-pb" id="page43">[pg 43]</span><a name="Pg043" id="Pg043" class="tei tei-anchor"></a>wäre der Name auch ein + Schmuck, wie ja der Name eines guten Kaufmanns gewiß ein kostbarer, schwer + erworbener Schmuck ist – wer richtig ruhen will, legt allen Schmuck ab. Weniger + wichtig ist das Ablegen der gewohnten Tracht, aber doch wichtig genug, bei uns + zur Bedingung gemacht zu werden. Und für uns hat es noch das eine Gute: Es hält + uns alle albernen Pfauen des Lebens vom Halse, vor allen Dingen eitles + Weibervolk; wer zu uns kommt und bei uns bleibt, der meint es ernst mit sich + selbst. Im übrigen hoffe ich, daß Ihnen unsere bequeme, gesunde Tracht gefallen + wird; auch unsere Damen sind sehr zufrieden mit ihr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wovon Sie weiterhin erlöst werden müssen, ist das Geld. Sie haben während Ihres + ganzen hiesigen Aufenthalts mit Geld nichts zu tun. Was Sie bei sich tragen, + geben Sie an der Kasse ab, es wird Ihnen verwahrt und verzinst bis zu Ihrem + Austritt, abzüglich des Betrages für Ihren Kuraufenthalt. John, der Feriengast, + besitzt nicht einen Pfennig. Er braucht auch keinen Pfennig, und er ist schon + nach kurzer Zeit glücklich, nicht den ganzen Tag über sich Hände + entgegenstrecken zu sehen, auf die er Geld legen soll, wie es Herrn <a name="corr043" id="corr043" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Stefenson</span> + geschieht, bei dem die Bewegung nach der Brieftasche schon automatisch geworden + ist. John hat nur eine Tasche fürs Taschentuch – Geld hat er nicht, Schlüssel, + Messer, Taschentoilette, Füllfederhalter, Notizbuch, Brieftasche, + Taschenapotheke und aller andere Ballast wird über Bord geworfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch die Uhr! </p> + <span class="tei tei-pb" id="page44">[pg 44]</span><a name="Pg044" id="Pg044" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es geht John gar nichts an, wie spät es ist, es ist gänzlich ohne Interesse für + ihn, ob es dreizehn Uhr siebzehn oder vierzehn Uhr sechsundzwanzig ist, er + braucht nicht zu hetzen, sich nicht zu ängstigen, er hat Zeit, er kommt immer + zurecht. Nur die Mahlzeiten darf er nicht versäumen; aber zu ihnen ruft eine + Glocke. Oh, Mister Stefenson, Sie werden sehen, wie wohltuend das ist, wenn man + nicht am Tage sechzigmal nach der Uhr sehen muß! Die Uhr, die über dem Herzen + schlägt, schlägt schneller als das Herz, als wollte sie wie ein Schrittmacher zu + immer größerer Eile anspornen – und der Weg führt doch ans Ende des Lebens. + Warum sollen wir es so eilig haben, dorthin zu gelangen? Der Schrittmacher wird + bei uns außer Tätigkeit gesetzt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da nun John mit Mister Stefenson rein gar nichts zu tun hat, geht es ihn auch + rein gar nichts an, was diesen amerikanischen Großkaufmann von Weltereignissen + aufregt und interessiert. Es geht John nichts an, ob Stefensons Kurse fallen, + was in den Parlamenten gekohlt wird oder was im ‚Völkerbund‘ für Schindluder + getrieben wird, ja es geht ihn nicht einmal das mindeste an, wer Weltmeister im + Boxkampf geworden ist – kurz, John liest keine Zeitungen. Auf dem Fragebogen, + den Sie, Herr Stefenson, auszufüllen hatten, steht: ‚Wie lange lesen Sie + durchschnittlich täglich über der Zeitung, wie lange also im Jahre?‘ Sie haben + den täglichen Zeitverbrauch auf dreiviertel Stunden, den jährlichen also auf 274 + Stunden berechnet. Wenn man den Tag mit neun Arbeitsstunden annimmt, verwenden + Sie aufs Zei<span class="tei tei-pb" id="page45">[pg 45]</span><a name="Pg045" id="Pg045" class="tei tei-anchor"></a>tunglesen dreißig Tage, also einen ganzen Arbeitsmonat + des Jahres. Und dann kam auf dem Fragebogen die Aufforderung: ‚Schreiben Sie + kurz nieder, was Sie von Ihrer Zeitungslektüre aus dem vorigen und aus dem + vorvorigen Jahre noch wissen!‘ Was Sie vom vorigen Jahre noch wissen, steht auf + fünf kleinen Blättern, und Sie geben es ehrlich an, daß es Ihnen schwere Mühe + verursacht hat, diese fünf Blätter zu füllen. Vom vorvorigen Jahre wußten Sie + fast nichts mehr, nur ein paar ganz große Ereignisse standen noch im Gedächtnis. + Nun ist ja sicher, daß durch das Zeitunglesen viel latenter, nur im Augenblick + nicht bereiter Besitz erworben wird. Aber Sie selbst müssen sich fragen, ob + dieser Besitz die Aufwendung eines ganzen Arbeitsmonats des Jahres wert ist. Das + Zeitökonomische geht uns übrigens hier nur in zweiter Linie an. Die Hauptsache + ist uns: John darf sich nicht das Frühstück verderben lassen, weil Herr + Stefenson in ebendemselben Augenblick aus der Zeitung einen giftigen Ärger über + einen Deputierten saugen würde, der nach seiner Meinung eine idiotische Rede + gehalten hat; John betrinkt sich nicht am Abend aus Freude darüber, daß einer + Konkurrenz von Mister Stefenson die Butter vom Brote gefallen ist; John + disputiert nicht eine Stunde lang darüber, ob das Bündnis zwischen den Staaten + Soundso zustande kommen wird oder nicht; kurz: John verzichtet auf die + Peitschenhiebe des Zeitungsstils. Er sagt sich so: Für Herrn Stefenson aus + Amerika mögen die nervenanstrengenden Dinge, die täglich in der Zeitung stehen, + wichtig, ja unerläßlich sein; denn Herr Stefenson <span class="tei tei-pb" id="page46">[pg 46]</span><a name="Pg046" id="Pg046" class="tei tei-anchor"></a>steht in der + harten Schule des Lebens und kann sich um sein Pensum nicht drücken; aber ich – + o ich, John, ich habe Ferien, und die ganze Schule des Lebens geht mich rein gar + nichts an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es kommt noch eins hinzu – John erzieht sich. Herr Stefenson meint, ohne ihn + ginge es nicht. Auch wenn er reist, auch wenn er in einem Bad ist, behält er die + Hauptfäden seiner geschäftlichen Angelegenheiten immer in der Hand. Er läßt sich + ellenlange Berichte schicken, er liest Zeitungen, er kabelt, er regt sich auf, + freut sich, wettert und ist eigentlich auch auf Reisen immerfort zu Hause, immer + im Joch. John pfeift sich eins. John sagt: Wenn Herr Stefenson tot wäre, ginge + es auch; folglich geht es auch, wenn Herr Stefenson verreist ist. Vielleicht + geht es sogar besser, als wenn er zu Haus ist. Nur nicht zu eitel sein! Frisches + Blut tut manchmal gut, und vielleicht kann John Herrn Stefenson zu guter Letzt + an der Hand nehmen und sagen: Sei froh, daß du mal ausgeschieden warst, du hast + inzwischen glänzende Geschäfte gemacht, so wie ein Spieler meist gewinnt, wenn + er einem Vertreter auf einige Minuten seine Karten überläßt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Ferienheim gibt es täglich einen Anschlag, auf dem in wenig Zeilen die + Hauptereignisse des Tages mitgeteilt werden. Wer daraus schließt, daß er über + einen Punkt unbedingt weitere Auskunft haben müsse, der geht in die Kanzlei, + dort liegen dreißig Zeitungen. Kann sich der Betreffende bald beruhigen, dann + ist es gut; wenn das nicht der Fall ist, verläßt er die Ferien und geht in die + <span class="tei tei-pb" id="page47">[pg 47]</span><a name="Pg047" id="Pg047" class="tei tei-anchor"></a>Lebensschule zurück. Bis jetzt sind nur drei Prozent unserer + Feriengäste nach der Kanzlei gekommen, um Zeitungen zu lesen; die allermeisten + lesen nicht einmal die Anschläge. Sie sind zu ernst; sie sind wie auf einem + fremden Stern; die Erdenereignisse gehen sie auf einige Zeit gar nichts an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und so wie mit den Zeitungen, ist es mit der Privatkorrespondenz. Sehen Sie sich + an, Herr Stefenson, wie es die Leute in den modernen Kurorten treiben. Eine der + allergrößten Hauptpersonen ist der Briefträger. Man kann sein Erscheinen nicht + erwarten. Vor jeder Ausgabe der Post zwanzig Minuten Nervenvibrieren, innere + Unruhe, gespannte Erwartung. Und der Erfolg? Ein paar freuen sich; aber Herrn + Mayer hat seine Frau geschrieben, daß sich der Hausmeister ruppig benommen habe, + und Herr Mayer ist auf Stunden in menschenfresserischer Laune; das Töchterchen + von Frau Ludwig ist vom Tisch gepurzelt, und die Mutter telegraphiert, man solle + gleich den Arzt befragen, was ohnehin natürlich schon geschehen ist; Baron Erwin + zieht die Stirn in Falten, weil seine Isolde nicht geschrieben hat; der + Schriftsteller Niessen kriegt ein Romanmanuskript zurück und bricht fast in + Tränen aus über die Idiotie der betreffenden Redaktion; im Herzen der blonden + Else steckt eine Ansichtskarte ihres Referendars ein verzehrendes Feuer der + Sehnsucht an; der Geheime Oberregierungsrat bekommt das Schreiben eines + ‚Freundes‘, das ihm suggeriert, seine Stellung sei erschüttert, und der Frau von + Puttbus schreibt die Schneiderin ab. – Die Ärzte können sicher rechnen, daß <span class="tei tei-pb" id="page48">[pg 48]</span><a name="Pg048" id="Pg048" class="tei tei-anchor"></a>das, was sie in einer Woche aufbauen, manchmal der Briefträger in + zehn Minuten einreißen kann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und deshalb wünscht das Ferienheim sehnlichst den Briefträger zum Kuckuck, weil + er die Ferienruhe stört, weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts anderes + steckt, als ermüdende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb bitten wir + unsere Feriengäste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns lieb haben, + wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im Notfall an mich; + alles Kleine laßt weg, erzählt es mir, wenn ich heimkomme. Es wird mir dann lieb + sein; es wird sein, als ob wir uns neu gegeben wären. Bedenkt, daß mir von der + Leitung des Ferienheims, wenn ich in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, + nahegelegt werden wird, das Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich + kann nicht ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuß sitzt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist eine scheinbar harte Maßregel des Ferienheims, die viele gehindert hat, + zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung als + richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen großen Teil seines + Erholungsaufenthaltes an ein Postbüro binden will, soll anderswo hingehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite unseres Heilverfahrens, das, + was wir ausscheiden: Namen, Rang, Titel, moderne Bekleidung, das Geld, die Uhr, + die Zeitung, das unnütze Briefschreiben oder, wenn Sie es krasser sagen wollen, + Verwandtschafts- und Bekanntschaftsfesseln. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page49">[pg 49]</span><a name="Pg049" id="Pg049" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie merken schon, Mister John, daß ich an alte Klosterideale angeknüpft habe. + Nur, daß es sich eben nicht wie beim Kloster um die Lebenseinrichtung überhaupt, + sondern nur um eine Ferienpause des Lebens handelt, und daß wir nicht aus + religiösen, sondern aus sanitären Beweggründen handeln. Zur Seelsorge sind wir + weder befähigt noch berufen. Aber – um auch diesen wichtigen Punkt zu berühren + – wir empfehlen allen denen, die noch eine religiöse Anschauung haben, aus + reinster Menschenfreundlichkeit, auf Grund dieser Anschauung einen recht tiefen + Herzensfrieden mit ihrem Herrgott zu machen; das ist die allergrößte seelische + und darum auch die allergrößte körperliche Wohltat. Ein Arzt, der gehetzten + Menschen Erquickung bieten wollte und diesen Punkt außer acht ließe, wäre ein + Stümper. Deshalb wird all unseren Feriengästen Gelegenheit geboten sein, Gott zu + dienen, wie sie es bedürfen. Daß wir uns dabei jeder Einmischung in dieses + ureigenste Gebiet des Menschen enthalten, ist ganz selbstverständlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die ärztliche Behandlung wird natürlich für jeden Feriengast individuell sein; + für Schwerkranke ist das Ferienheim kaum, mehr für die Müden, für die, die das + Leben in seiner Hast und Hohlheit nicht mehr freut, für die, die gern noch + einmal mit frischen Kräften von vorn anfangen möchten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Für die Alkoholkranken, die Morphium- und Opiumsüchtigen hat man jetzt draußen + Entziehungskuren, die großen Segen bewirken; wir wollen hier allen denen + Entziehungskuren gewähren, die auf irgendeine Weise vom <span class="tei tei-pb" id="page50">[pg 50]</span><a name="Pg050" id="Pg050" class="tei tei-anchor"></a>Leben + vergiftet sind. Ganz generell werden alle erlöst von allem Eitlen und Hohlen + ihres bisherigen Daseins, von der drückenden Last öffentlichen und privaten + Lebens, von unnützen Bedürfnissen; individuell sollen sie erlöst werden von + ihren Krankheiten, Lebenssünden und Lebensschwächen, von unfruchtbarer Sorge, + Angst und Reue, sollen Kraft im Frieden und die kostbare Fähigkeit zur Freude + wiedergewinnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir scheiden aus dem Ferienheim die üblichen Vergnügungen aus. Sie finden bei + uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Früh-, Mittags- und Abendkonzerte, keine + Spielsäle, Taubenschießen, Theater- und Varietévorstellungen, keine prunkhaften + Umzüge und italienischen Nächte – denn das alles ist nichts als anstrengende + hohe Schule des Lebens und betrügt alle die, die mit neuen Kräften nach Hause + kommen wollen. Wir suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder + Beschäftigung in frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige + Gartenbeete umgraben müssen, auch werden Sie sich gelegentlich am Fällen eines + Baumes oder am Holzsägen beteiligen müssen; es kann aber auch sein, daß Sie mal + einen Hecht angeln oder ein paar Körbe Äpfel pflücken müssen. Da Sie, wie Ihre + Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schöngeistiges Buch gelesen + haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und einem Bändchen + Lyrik nicht herumkommen. Während wir bei sogenannten Leseratten Entziehungskuren + machen, muß bei Ihnen in diesem Falle eine Art Zwangsernährung einsetzen. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page51">[pg 51]</span><a name="Pg051" id="Pg051" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die körperliche Kost wird ganz Ihrem Befinden angemessen und natürlich gut und + schmackhaft sein. Alle Woche zweimal werden Sie sich das Abendbrot selbst + bereiten. Wie Sie das anstellen, ist Ihrer Phantasie überlassen. Im großen + Küchen- und Vorratshause finden Sie alle Rohmaterialien. Wir haben gegenwärtig + einen Feriengast, der draußen in der Welt eine Schar von Dienern hat. Auch er + muß sich das Abendbrot zweimal in der Woche selbst bereiten. Anfangs wußte er + nichts anderes, als daß er sich Brotstullen schnitt, die entsetzlich dick und + krumm gerieten, die Stullen mit Butter beklebte und starke Wurstscheiben mit der + Pelle darauf legte. Das nächste Mal hatte er schon erluchst, wie man Kartoffeln + an einem kleinen Feldfeuerchen kocht, und hatte sich dazu einen Hering + verschafft. Dann ergänzte er seine Mahlzeit, indem er Radieschen aus der Erde + zupfte, Nüsse und Früchte von den Bäumen holte, und am vierten Abend, den er + sich selbst bereitete, lud er einen Freund und eine Freundin ein, war sehr stolz + auf sein Mahl und aß mit Genugtuung und Appetit. Das sind Kleinigkeiten, die + vielleicht wie Spielerei aussehen, aber doch einen Sinn haben. So werden Sie + sich z. B., wenn ein kühler Tag ist, das Feuer in Ihrem Ofen selbst anzünden und + unterhalten müssen. Hobelspäne und Reisig können Sie sich leicht holen, das Holz + müssen Sie selber hacken. Sie werden sehen, Mister John, wie warm und goldig + solch ein selbstentzündetes Feuer brennt, viel wohliger, als wenn es ein Diener + angefacht hätte. Ein volles Dutzend Mal werden Sie die Kacheln abfühlen, wie sie + <span class="tei tei-pb" id="page52">[pg 52]</span><a name="Pg052" id="Pg052" class="tei tei-anchor"></a>nach und nach warm werden, mit einer heimlichen, stillen + Freude im Herzen. Und wenn am Abend Sie ein paar andere Feriengäste besuchen, + Leute, von denen Sie nicht wissen, wie sie eigentlich heißen, wer und woher sie + sind, von denen nichts anderes bekannt ist, als daß es eben auch ernsthafte + Menschen sind, die sich zu einer Ferienpause des Lebens aufgerafft haben – wie + schön wird es sein, mit ihnen zu plaudern oder sich etwas zu erzählen und selbst + auf das Feuer zu achten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gute Kammermusik werden Sie manchmal zu hören bekommen; doch nicht oft und nicht + viel. Aber zur Laute wird öfter gesungen werden, und manchmal wird irgendwo ein + Bläserchor stehen, und es wird sein, als ob Soldaten in der Ferne marschierten, + oder ein Waldhorn wird ins Tal schallen wie in alten, romantischen Tagen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sport dürfen Sie treiben: Reit- und Schwimmsport, Turnen im Luftbad, Tennis- und + Kegelspielen. Auch Karten spielen dürfen Sie, aber ohne Geld; denn John hat + keinen Pfennig in der Tasche, und wollte er sich mit seinen Gegnern verabreden, + ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel zwanzig, und würde alles + hinterher in bare Münze sauber umgerechnet, so würde es wohl doch herauskommen, + und das Spielernest würde energisch ausgenommen werden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen scheinen, + ganz nach ärztlichem Befund. Wenn Sie mich nun fragen, wie lange ein solcher + Ferienaufenthalt währt, so muß ich Ihnen sagen, daß die kürzeste Frist sechs + Wochen beträgt, daß es aber sehr viel <span class="tei tei-pb" id="page53">[pg 53]</span><a name="Pg053" id="Pg053" class="tei tei-anchor"></a>günstiger ist, wenn die + Ferienpause drei Monate oder noch länger dauert. Die ersten vierzehn Tage werden + Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren, vielleicht am Heimweh leiden + nach der eben abgelegten alten Haut. Sie müssen erst heimisch werden, müssen das + große Ferienglück erst ganz fühlen, müssen die unaussprechlich süße Freude + empfinden, wie Sie gesünder und fröhlicher werden, dann erst kommt das Heil. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber wenn Sie dann in die große, schwere Schule zurückgehen, werden Sie mehr + neue Kräfte, einen größeren Mut zum Leben mitnehmen, als wenn Sie unterdes + Mineralwasser getrunken, Reunions besucht und hundert Zeitungen gelesen hätten. + Mit einem Wort: Sie werden an die Ferien denken wie ein Kind an die freie + Spielwiese denkt, wenn es wieder in der Etagenwohnung der Großstadt hinter + seinen Aufgabenbüchern sitzt.‘ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit diesen Worten endete der Arzt, der mit seinem neuen Patienten vor der Tür + des Einsiedlerhäuschens saß, seine Belehrung, und damit ende auch ich, Mister + Stefenson, den Aufschluß über das Ferienheim des Lebens, das nur in meiner + Phantasie lebt und wohl auch immer nur dort leben wird.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schwieg, und der Mann, der mir gegenüber am Gasthaustisch saß, schwieg auch. + Er hatte die ganze Zeit, während der ich sprach, mit halb abgewandtem Kopfe + dagesessen und hinunter nach Neustadt gesehen. Endlich stand Stefenson auf, + nickte kurz mit dem Kopf, sagte: „Danke sehr! Guten Abend!“, nahm seinen Hut und + <span class="tei tei-pb" id="page54">[pg 54]</span><a name="Pg054" id="Pg054" class="tei tei-anchor"></a>ging aus der Stube, nachdem er den Kellner bezahlt hatte. Ich + ließ ihn gehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am nächsten Tage ließ sich Mister Stefenson bei mir in Waltersburg melden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Guten Morgen“, sagte er; „ich muß Ihnen sagen, daß mir das gar nicht paßt, daß + ich John heißen soll.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso – wieso?“ fragte ich verwundert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, das hat mich verdrossen. Ein Kerl namens John hat mich nämlich mal + furchtbar geärgert. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte. Ich mag + nicht John heißen. Ich habe mir ein Adreßbuch geben lassen und nach einem + einfachen, aber nicht zu häufigen Namen gesucht. Ich will Zuschke heißen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wollen Zuschke heißen? Warum – wieso – wo wollen Sie Zuschke heißen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „In Ihrem Sanatorium natürlich – in Ihrem Ferienheim –“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber, Mister Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein + Phantasiegebilde – eine Utopie –“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sah er mich fest an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es wird existieren; denn wir werden es zusammen begründen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schlug die Hände zusammen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschäftsmäßig, trocken, sogar ein wenig + mürrisch hat er mir aus<span class="tei tei-pb" id="page55">[pg 55]</span><a name="Pg055" id="Pg055" class="tei tei-anchor"></a>einandergesetzt, wie er sich die + Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das viele + Geld, vor dessen Summe ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere Zeit, auch + das Volk hierzulande nicht geeignet sei für romantische Sonderbarkeiten, wurde + er zornig und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wer eine Idee hat, soll an sie glauben, oder er soll gar nicht von ihr + sprechen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er nahm mich in den Bann der großen Kühnheit und Sicherheit seiner Seele, und + ich willigte endlich ein. Zuletzt sagte Stefenson: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Einen Kontrakt wollen wir nicht machen. Ich gebe das Geld, Sie geben die Idee + und Ihre Kraft. Erzielt unser Unternehmen einen Gewinn, so werden wir ihn + gerechterweise teilen; wenn nicht, dann sind Sie ein schlechter Arzt, und ich + bin ein schlechter Geschäftsmann gewesen. Wir werden uns dann ohne gegenseitige + Hochachtung, aber auch ohne feindselige Gesten voneinander trennen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann ging er. Ich saß an meinem Tisch, starrte die Platte an, lachte mal auf, + trommelte mit den Händen, lief durchs Zimmer, legte mich aufs Sofa, rauchte + Zigaretten und tat endlich was Vernünftiges – ich ging an die frische Luft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So mag einem Feldherrn zumute sein, der zur Führung einer Kriegsarmee berufen + wird, oder einem Dichter, dessen großes Stück über die Bühne gehen soll, oder + einer jungen Mutter, die ihr erstes Kindlein geboren hat. Mit einemmal das + verwirklicht zu sehen, was bisher nur <span class="tei tei-pb" id="page56">[pg 56]</span><a name="Pg056" id="Pg056" class="tei tei-anchor"></a>ein schöner Traum war, mit + einemmal vor die größte und liebste Aufgabe des Lebens gestellt sein – wo wäre + ein berauschenderes Glück? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein über deinen schrägen + Dächern und alten Giebeln, wie schön singen die Spatzen am Johannisbrunnen, wie + freundlich und gesund schauen die Kinder aus! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Warte nur, mein altes Waltersburg, für dich kommt, wie für das Dornröschen, ein + selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will dich küssen mit einem + heißen, so lebenspendenden Kuß, daß alle Starrheit von dir fällt und du mitten + in wonnigem Leben stehst! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer + weltmodisch aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen – der Träumerglanz soll + in deinen Augen bleiben, der weiße Schimmer auf deiner Stirn, das schöne, stille + Lächeln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen berühmt werden als + eine Wohltäterin der Menschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was wertvoll + in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Draußen in der Welt, + drüben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zuschauer nur, stehe ich vor der + bunten Bühne, und weil ich so lange und so oft zuschaute, täuscht mich keine + Kulisse mehr; ich weiß, hinter den bemalten Wänden liegt unordentlich Gerümpel + und geht rauhe Zugluft durch schlecht schließende Türen. Langsam wanderte ich + zum Eulentore hinaus. Es geht da keine Chaussee; eine alte <span class="tei tei-pb" id="page57">[pg 57]</span><a name="Pg057" id="Pg057" class="tei tei-anchor"></a>Landstraße führt ins Grüne. Am Hasenhügel setze ich mich auf einen Stein. Mir + gegenüber lag der Ostabhang des Weihnachtsberges. Über den Fluß ging der Blick + auf ein Hochplateau von Wiese, Feld und Wald und stieg dann den Berg hinan. Das + wäre der rechte Ort für mein Ferienheim. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nur in Waltersburg kann ich den rechten Ort für mein Ferienheim finden, in + dieser freundlichen, närrischen, gesunden Stadt! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie Moses schaute ich in mein Gelobtes Land. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page58">[pg 58]</span><a name="Pg058" id="Pg058" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc11" id="toc11"></a><a name="pdf12" id="pdf12"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Luise</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist ein Brief angekommen, der mir die überschäumende Freude des Tages + genommen hat. Die Pflegeeltern der Tochter Joachims haben geschrieben. Bei dem + Scheidungsprozeß wurde die kleine Luise dem Bruder zugesprochen. Da er aber + weltflüchtig wurde, geschah dem Kinde das, was vielen solchen überzähligen armen + Würmern geschieht – es kam „in Pflege“. Ein „kinderloses, aber sehr + kinderliebes, in durchaus geordneten Verhältnissen lebendes Ehepaar in Berlin + sucht Kind von besserer Abkunft gegen einmalige Erziehungsbeihilfe als eigen + anzunehmen“. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte, was für Tragödien sich hinter solchen Inseraten verbergen, wie oft + sie der Deckmantel elendester Gaunerei, schamlosester Ausnutzung sind. Und + damals war es das erstemal, daß ich meine Mutter nicht verstand. Sie weigerte + sich auf das entschiedenste, das Kind zu sich zu nehmen und zu erziehen, und da + ich immer wieder in sie drang und die Unschuld des Kindes nicht verderben, + seinen kleinen Leib nicht frieren und darben lassen wollte in der Fremde, wurde + die Mutter hart wie Eisen und sagte, ich entehre sie mit meinen Vorstellungen + und Bitten. Sie war zu tief gekränkt in ihrer Frauen<span class="tei tei-pb" id="page59">[pg 59]</span><a name="Pg059" id="Pg059" class="tei tei-anchor"></a>seele, sie + haßte das Weib, das dieses Unheil angerichtet, zu bitter, litt zu furchtbar + unter dem Verlust des Lieblingssohnes, als daß ihre sonst so gute, freundliche + Art auch diesmal den rechten Weg hätte finden können. Ja, sie sagte mir, daß sie + die Bitte vom Vergeben aus ihrem „Vaterunser“ gestrichen habe. Der Bruder war + geflüchtet, ich mußte hinter ihm herziehen, ein abenteuerliches Leben beginnen, + um ihn zu suchen und ihn schließlich nach fünf Jahren zu finden und zu einer + ganz kurzen Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise + nicht weiter kümmern, ich wußte nur, daß eine entfernte Verwandte das Mädchen zu + dem „kinderlieben“ Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten fünfzehntausend + Mark „Erziehungsbeihilfe“ als einmalige Abfindung bezahlt und berichtet hatte, + es scheine sich um außerordentlich honette und christliche Leute zu handeln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als ich Joachim in der Schiffskajüte gegenüber saß, indes draußen die schwere + See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, daß er an die tiefsten + Tiefen des Männerherzens rühren, daß er eine der festverschlossenen Türen + öffnen, und daß die Frage daraus hervortreten werde: „Lebt das Kind noch?“ + Joachim stellte die Frage nicht, und als ich nach Hause kam und nach etwa zehn + Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob die kleine Luise am Leben sei, wandte + sie sich ab und sagte hart: „Das weiß ich nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da fiel mir auf, daß die Mutter und Joachim sich sehr ähnlich seien. Ich bin + mehr nach dem Vater ge<span class="tei tei-pb" id="page60">[pg 60]</span><a name="Pg060" id="Pg060" class="tei tei-anchor"></a>schlagen. Der ist ein weicher Mann gewesen. + Und ich selbst bin wohl auch als Mann viel zu weich, stoße mir überall leicht + das Herz wund und werde wahrscheinlich einmal viel leichter unter die Räder + kommen, als es Joachim passieren könnte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief geschrieben. + Sie hat ihn aber nicht geöffnet, wie sie zehn oder mehr andere Briefe, die von + derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht geöffnet, sondern ungelesen + verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich an mich genommen und ihn soeben + gelesen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung und noch + elenderem Stil die Enthüllung niederster Schakalinstinkte, Geldgier, + Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte feinere Leute + einbildeten – sie setzten Kinder in die Welt, kümmerten sich aber nicht um sie, + sondern ließen sie anderen Leuten zur Last. Ob sich die feine Gesellschaft je + klar geworden sei, was es heiße, ein Kind aufzuziehen? Zehntausend durchwachte + Nächte und bei Tag keine ruhige Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie + fünfzehntausend Mark bezahlt sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr + christliche Leute, wie das ganze Stadtviertel bezeugen könnte, und niemand etwas + schuldig, aber die anderen, die zehn Briefe nicht beantworten, was seien die? + Das bißchen Geld, das bezahlt worden sei, sei längst weg. Das hätten allein + Doktor und Apotheke verzehrt; denn wer weiß, was die Luise von ihren Eltern + alles für Krankheiten geerbt habe. Wenn sie, die Pflegeeltern, <span class="tei tei-pb" id="page61">[pg 61]</span><a name="Pg061" id="Pg061" class="tei tei-anchor"></a>nicht so kinderliebe Menschen wären, läge das Kind längst auf der Straße oder im + Grabe. Sie müßten ihr Letztes zusetzen, um das Mädchen zu erhalten. Aber nun + habe das ein Ende. Sie würden den ganzen Skandal in die Zeitung bringen und sich + auch an das Vormundschaftsgericht in Waltersburg wenden. Im übrigen seien sie + bereit, gegen Zahlung von weiteren zehntausend Mark das Mädchen in Pflege zu + behalten, obwohl Luise ein Kind sei, das nur Ärger bereite. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Solches und noch Ärgeres enthielt der Brief. Ich trug ihn zur Mutter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lies den Brief!“ sagte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie schüttelte zornig den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du mußt ihn lesen, Mutter“, sagte ich todernst und in hartem Befehlston. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie starrte mich an und wurde blaß. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich legte den Brief auf den Tisch und verließ das Zimmer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach einer Stunde suchte ich die Mutter wieder auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie lag auf dem Sofa und zuckte wie in Krämpfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Liebe, gute Mutter“, sagte ich und streichelte ihren frühgebleichten Scheitel. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ändere es, Fritz“, sagte sie mühsam, „ändere es; tue, was du willst, aber + ändere es – es ist entsetzlich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Schmerz und Grauen schüttelten sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich küßte ihr die Hand und sagte: „Ich fahre mit dem nächsten Zuge nach Berlin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <span class="tei tei-pb" id="page62">[pg 62]</span><a name="Pg062" id="Pg062" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Zug rollte sein einförmiges Lied durch die ebene Landschaft. Es regnet fein, + glitzernde Tröpfchen zittern an den Fensterscheiben und rinnen schließlich in + schmalen Bächlein herab. Keiner meiner Fahrtgenossen spricht ein Wort. Mir ist + das recht lieb. Ich bin in einer trostlosen Stimmung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ferien vom Ich! Ein Erlösungswort für gequälte Menschen, eine Zufluchtsstätte + für müde Herzen, eine friedliche Insel im brandenden Ozean, und ich der Lotse, + der halb zerschellte Schiffe nach dem Hafen geleitet. Bitterer Spott über mich + selbst quillt mir im Herzen auf. Wenn nun einer meiner Kurgäste mich einmal + befragt: Wie bist du eigentlich dazu gekommen, solch ein Prophet des Friedens zu + sein, wer lieh dir den Talar? Bist du selber so ein harmonischer Mensch, hast du + gesiegt über die Unrast der Zeit und die Kämpfe deines eigenen Herzens? Hast du + zunächst alle diejenigen, die dir durch verwandtschaftliche Bande nahestehen, so + in den Frieden gerettet, daß du nun ausgehen kannst, um fremdem Volk zu helfen? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oh, seht ihn nur an, den Propheten, den Friedensapostel! Seht nur, wie er im + Eisenbahnwagen sitzt und endlich versuchen will, ein Kind, das ihm durch die + Bande des Blutes ganz nahesteht, vor völliger Verwahrlosung zu retten; fragt ihn + nur nach seiner Mutter, die in Tränen zu Hause sitzt, fragt ihn nach dem + einzigen Bruder, der in Gram und Haß verschollen ist – fragt ihn nach alldem + und wundert euch dann, daß dieser Mann einer großen Gemeinde freiwillig seine + Bauhilfe anbieten will, <span class="tei tei-pb" id="page63">[pg 63]</span><a name="Pg063" id="Pg063" class="tei tei-anchor"></a>während ihm der Regen und der Wind durch + die Löcher seiner eigenen Giebel dringen. Wie ein Geistlicher ist er, der gegen + die Sünde predigt und selbst ein arger Sünder ist, wie ein Richter, der einen + Verbrecher straft und den selber eine geheime Schuld drückt, wie ein Arzt, der + andere dem Tode entreißen will und der selber dem Tode geweiht ist! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Berlin N. Eine der Proletarierstraßen, von denen jede einzelne mehr Einwohner + hat als ganz Waltersburg. Fünfstöckige Häuser. Im Erdgeschoß Geschäfte mit + billigen Waren, in jedem zweiten oder dritten Hause eine „Restauration“, in + deren Fenster Würste hängen und Schnapsflaschen stehen. Auf den Bürgersteigen + und dem Fahrdamm ein Gewühl schreiender, blasser Kinder. Schlecht genährte + Frauen, dicke Bierkutscher, schmale Schreiberlein, modisch, aber windig + gekleidete junge Mädchen, schwatzende Weiber, mit Lastkarren daherkeuchende + Männer, hie und da ein Faulenzer, der zum Fenster herausliegt, die Arme auf ein + Kissen stützt und den Stumpfsinn in Reinkultur zeigt, Köter von unbestimmbarer + Rasse, wie wahnwitzig schellende Straßenbahnen, Autos, Droschken, Lastwagen, + Radler, dicke, stauberfüllte Luft, an jeder Straßenecke ein bärbeißiger + Schutzmann – Berlin N. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war das „Milieu“, in dem meine Nichte Luise bisher aufgewachsen war. Ich + ging vom Stettiner Bahnhof aus auf die Suche nach ihrer Wohnung. An einer <span class="tei tei-pb" id="page64">[pg 64]</span><a name="Pg064" id="Pg064" class="tei tei-anchor"></a>Straßenecke bot mir ein Kind Schnürbänder zum Kaufe an. Ein + kleines, blasses Mädchen war es. Ich sah sie an und trat einen Schritt zurück. + „Wie heißt du denn?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Kind erschrak und sagte ängstlich: „Luise!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie heißt du noch? Wie ist dein anderer Name?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Noch ein verängstigter Blick, und das Mädchen rannte, so schnell es nur konnte, + davon. Ich fühlte es wie Lähmung in meinen Gliedern, aber ich eilte dem Kinde + nach. Bei einer Tornische holte ich es ein und faßte es am Arm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fürchte dich nicht, Luise. Ich tue dir nichts.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädchen brach in Tränen aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sperren Sie mich nicht ein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum soll ich dich denn einsperren?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weil ich – weil ich – die Schuhbänder – Sie sind ein Geheimer ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Kind weinte noch lauter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hallo! Seht nur da! Was hat denn der mit dem Mädel? Warum weint denn det Mädel? + Haut ihn! Das is so eener! Wird er gleich das Kind in Ruh’ lassen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war im Nu von einer Rotte Menschen umstellt. Einige Rowdies nahmen eine + drohende Haltung an, Männer murrten, ein Weib kreischte mich an: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pfui über so ’nen Spitzel – ’n armes Mächen, wat sich ’n paar Jroschen + verdient, feste zu nehmen ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Is ja jar keen Jeheimer, is ja ’n solcher! Haut ihn!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die kleine Luise entschlüpfte mir, ein Schutzmann kam breit wie ein Hilfskreuzer + auf die Gruppe zugesegelt, die <span class="tei tei-pb" id="page65">[pg 65]</span><a name="Pg065" id="Pg065" class="tei tei-anchor"></a>alsbald um ihn und mich einen + mehrfachen Belagerungsring schloß. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was ist los?“ fragte der Gesetzeshüter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er hat ’n kleines Jöhr belästigt – er hat ’n Kind jemißhandelt – er hat ihr + blutig jeschlagen – er hat jesagt, er is ’n Jeheimer, aber er is ’n Lump.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Schutzmann stand wie ein Fels. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wer sind Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zog eine Legitimationskarte heraus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was ist geschehen, Herr Doktor?“ fragte der Schutzmann, nachdem er die Karte + gelesen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Doktor – ’n Doktor is er – amputieren will er ihr – Versuchskarnickel + braucht er, det Schwein ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ruhe!“ donnerte der Schutzmann. „Was ist geschehen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will es gern sagen“, antwortete ich, „aber nicht vor diesen Leuten, die die + Sache nichts angeht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein wüstes Geschrei antwortete mir; immer mehr Volk sammelte sich an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse mit mir“, riet der Sicherheitsmann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ sagte ich, und wir durchbrachen die Kette. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Niemand konnte mich schützen, daß ich ein paar Püffe und Stöße erhielt. Ein + Trupp johlte hinter uns her, wurde aber durch ein Pferd, das auf der Straße + gefallen, in seinem Interesse abgelenkt, und ich war mit dem Schutzmann allein. + Wir traten in einen Hauseingang, und ich gab ihm eine kurze Aufklärung. Als er + <span class="tei tei-pb" id="page66">[pg 66]</span><a name="Pg066" id="Pg066" class="tei tei-anchor"></a>den Namen der Pflegeeltern Luises gehört hatte, sagte der + Schutzmann: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Mann is ’n Tagedieb und die Frau ’ne Schlampe. Da sehen Sie man, daß Sie + det Wurm da abkriejen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich dankte ihm, und wir trennten uns. Einen Augenblick überlegte ich noch, ob + ich zuvor einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen solle, aber dann ging ich direkt + nach Luises Wohnung. Ein Hinterhaus von vielen Stockwerken. Auf dem Hofe + spielten Kinder im Staub der Stubendecken, die geklopft wurden. Die Treppe war + dunkel und schmutzig. Im dritten Stockwerk las ich den Namen von Luises + Pflegeeltern. Ich läutete zweimal, dann kam ein zaghafter Kindertritt, die Tür + wurde geöffnet, ein entsetzter Schrei, die Tür flog wieder zu. Ich läutete + abermals. Ein großer, starker Mann erschien. Er trug einen Christusbart, + ziemlich lange Haare und stak in einem schwarzen, wenig sauberen Rock. Später + erfuhr ich, daß der Mann „Prediger“ bei irgendeiner neuen Sekte war. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wollte mich erst mit einer hochmütigen Miene mustern, aber plötzlich wurde + sein Gesicht scheinheilig freundlich, und mit ölglatter Stimme sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah, Herr Oberkommissar, ich hab schon gehört – weiß schon – der Herr + Polizeiinspektor haben meine Pflegetochter beim Handel erwischt – aber ich kann + bei meiner Ehre versichern – Herr Inspektor ich bin unschuldig – ich verbiete + dem Mädel aufs strengste – haben es ja auch gottlob nicht nötig – aber sehen + Sie, <span class="tei tei-pb" id="page67">[pg 67]</span><a name="Pg067" id="Pg067" class="tei tei-anchor"></a>Herr Inspektor, so’n hergelaufenes Kind von schlechter + Abkunft, das man so aus purem Mitleid (ich bin Oberprediger bei der Gemeinde der + Jünger von Kapernaum), das man so aus christlicher Barmherzigkeit aufzieht und + das doch nicht gerät, weil der Feind sein Unkraut unter den Weizen sät, das + stiehlt sich nun ’n Jroschen, kauft sich Schuhbänder oder Streichhölzer oder was + weiß ich und verkauft sie, um zu naschen – natürlich nur, um zu naschen ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Geschwafele erstarb an meiner wortlosen Ruhe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was wünschen der Herr Inspektor – ich würde den Herrn Inspektor gern in die + Wohnung bitten, aber meine Frau ist zufällig heute noch nicht mit dem Aufräumen + fertig ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sprach ich endlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie irren – ich bin kein Polizeimann – ich bin der Onkel der kleinen Luise.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind – Sie sind – ach so – ach so – der sind Sie ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er brach in ein meckeriges Lachen aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sie schlechter Kerl!“ rief ich außer mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wollen mich – was wollen Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sein Gesicht veränderte sich. Eine zynische Frechheit machte sich auf seinen + Zügen breit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was wollen Sie!“ brüllte er. „So ’n Balg – so ’n unsauberer Balg – und Sie + wollen noch – ah, wenn Sie mir was zu sagen haben, schreiben Sie es mir; ich + bin für Sie nicht zu sprechen – verstehen Sie – für + <span class="tei tei-pb" id="page68">[pg 68]</span><a name="Pg068" id="Pg068" class="tei tei-anchor"></a>Sie nicht zu sprechen; denn ich bin ein anständiger Mensch!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Tür fiel ins Schloß. Ich blieb allein stehen; ich fürchtete, nun würde die + kleine Luise drin zu schreien anfangen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber es blieb still. Nur eine Tür krachte noch zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page69">[pg 69]</span><a name="Pg069" id="Pg069" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc13" id="toc13"></a><a name="pdf14" id="pdf14"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Samariterdienste</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz, + Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glück, daß dem Weltverbesserer doch noch + das Kehren vor der eigenen Tür einfiel, ehe er an die große Mission ging, + anderen zu helfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz besonders + verlassen, zu dem sie in ihren Kümmernissen und Nöten kommen, dem sie es + überlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben, der Geld borgen + muß, wenn die andern nichts haben, der immer schieben, immer unterstützen, immer + aushelfen muß. Den Starken als Stütze der Schwachen kann man ihn nennen, wenn + man es ideal ausdrücken will; sonst kann man auch kurz sagen: der Lastesel. + Nachgerade kam es mir vor, als ob ich in unserer Familie diesen Ehrenposten + bekleidete. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich kann nicht behaupten, daß ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder dachte, + als ich durch den Staub des Hofes nach der Straße zurückflüchtete. Was an diesem + Kinde geschah, war jahrelange Sünde. Auch an die Mutter dachte ich nicht ohne + Bitterkeit. Sie war in diesem Augenblick nicht mein silbernes Mütterchen, sie + war eine <span class="tei tei-pb" id="page70">[pg 70]</span><a name="Pg070" id="Pg070" class="tei tei-anchor"></a>reine, aber selbstgerechte Frau, die nicht stark genug + war, der Schuld mit Herzenstapferkeit ins Auge zu sehen und auf dem Schlachtfeld + der Sünde Samariterdienste zu tun, sondern eine, die sich ängstlich in ihrer + wohlumhüteten Sauberkeit hielt, mehr bekümmert um sich selbst als um das, was + draußen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte nicht Lust, das alles so hinzunehmen, + ich wollte meine Meinung sagen. Was sollte ich denn tun, ich einzelnstehender + Mann? Es würde schwer genug halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von + Pflegevater war zum gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die + Erziehungsrechte waren an ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Güte gewissermaßen + abzukaufen, dazu fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem + abgefeimten Schuft an den Leib zu gehen, würde schwer genug sein. Das Nächste + war, einen Anwalt zu befragen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke und + grübelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte mich jemand + auf die Schulter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es nötig!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war Mister Stefenson, der also zu mir sprach. Ich war ganz erstaunt, ihn so + plötzlich hier in Berlin zu sehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ferien vom Ich sollten Sie machen!“ wiederholte er. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page71">[pg 71]</span><a name="Pg071" id="Pg071" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Von wem erfuhren Sie denn, daß ich hier bin? Von meiner Mutter?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Von wem anders sollte ich es wissen? Sie sind in Familienangelegenheiten hier + – wegen einer kleinen Nichte – wollen sie in eine andere Pension bringen – + ja, lieber Doktor, das gefällt mir nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was gefällt Ihnen nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daß Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit für solche Dinge. Es + paßt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem Ferienheim + gehöre vor allen Dingen die Erlösung von drückenden familiären Fesseln. Ist das + keine Fessel, die Sie am Fuß schleppen? Jetzt, wo wir in der allerschwersten + Gedankenarbeit stehen müßten, fahren Sie einem kleinen Mädel nach. Was liegt der + Welt an dem kleinen Mädel? An Ihrem Ferienheim soll ihr etwas liegen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht miteinander + verbunden, daß Sie in dieser Weise mit mir reden dürfen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich darf“, sagte er phlegmatisch. „Ich habe in Ihnen so etwas wie einen + Propheten gesehen – die Propheten gehen aber in die Wüste, ehe sie öffentlich + auftreten, nicht nach Berlin – die Apostel verlassen Weib und Kind – der + Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rückwärts schauen, er sagt: Was + schert mich Weib, was schert mich <span class="tei tei-pb" id="page72">[pg 72]</span><a name="Pg072" id="Pg072" class="tei tei-anchor"></a>Kind? Der Familiensimpel bleibt + immer ein mittelmäßiger Kerl.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, sah auf + einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte dann: „Sie + haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im ganzen sind Sie + doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll und am Fuß eine Beule + hat, wird er danach trachten, daß ihm erst ein Arzt die Beule öffnet und die + Wunde säubert und verbindet, ehe er marschiert. Sonst bleibt er eben am Wege + liegen. So geht es mir auch. Ich muß mir erst diese Angelegenheit mit meiner + kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich an unsere Aufgabe gehen kann.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse – morgen vormittag + zwischen neun und elf. Um elfeinhalb können wir dann unsere Beratung haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So rasch geht das nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie lange kann es denn dauern?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wohl einige Wochen oder auch Monate.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Herr Stefenson lächelte sanftmütig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist sehr schön! Ja, dann sind Sie wohl so freundlich, mich nach einigen + Monaten gelegentlich wissen zu lassen, mit wem Sie schließlich Ihr Sanatorium + begründet haben. Ich bin gar nicht abgeneigt, mir dann einen Prospekt schicken + zu lassen. Für jetzt, guten Abend!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er verließ mich. Ich sah ihm nach, als er aus dem Zimmer ging, und wußte, daß es + aus war mit meinem Lebenstraume. Ich saß ganz still, und ich weiß jetzt nicht + <span class="tei tei-pb" id="page73">[pg 73]</span><a name="Pg073" id="Pg073" class="tei tei-anchor"></a>mehr, was ich damals alles dachte. Ich wußte in jener Stunde + nur, es war aus, um eines kleinen Mädchens willen, das ich kaum auf zwei Minuten + lang gesehen hatte – aus! Dieser Mann, der vor zwei Tagen so viel Geld auf eine + Idee von mir setzen wollte, hielt mich nun für einen Schwachkopf. Aber auf so + elende Weise durften wir uns nicht trennen. Rasch warf ich einige Zeilen auf + eine Karte, ich müsse Herrn Stefenson noch einmal sprechen, nicht um ihn + umzustimmen, daran dächte ich nicht, sondern um nicht ganz ungerechtfertigt zu + scheiden. Ich schickte Stefenson durch einen Kellner die Karte, und er kam auch + bald persönlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson – es ist nichts Geschäftliches mehr, nur etwas rein + Menschliches. Es ist darum, daß wir uns jetzt ohne gegenseitige Hochachtung, + aber doch auch ohne beleidigende Gesten trennen wollen, wie Sie selbst einmal + gesagt haben. Haben Sie noch zehn Minuten Zeit für mich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er nickte, und ich erzählte ihm ohne alle Umschweife die Tragödie Joachims und + seines Kindes, und wie ich das Mädchen heute draußen auf der Ackerstraße + getroffen hatte. Mir wurde das Herz warm beim Erzählen, aber Stefenson blieb + ganz gleichgültig. Zuletzt sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist eine traurige Geschichte, die Sie da erzählt haben, aber sie kommt alle + Tage vor. Es ist gar nichts Neues. Ich habe die Geschichte auch erlebt. Aber + etwas Interessantes ist dabei: Sind Sie wirklich fünf Jahre lang hinter Ihrem + Bruder her gewesen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich fand ihn nicht eher.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page74">[pg 74]</span><a name="Pg074" id="Pg074" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm! – Sagen Sie, wollen wir den Abend noch zusammenbleiben? Ich möchte den + „Sommernachtstraum“ in der deutschen Aufführung ansehen. Kommen Sie mit? Sie + haben es doch wohl nicht so eilig nach Hause?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte, daß ich bei diesem Manne verspielt hatte, aber ich nahm die Einladung + an. Er sagte, er habe nun noch Geschäfte, wir würden uns im Theater treffen. + Damit händigte er mir eine Theaterkarte ein und verließ mich. – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mendelssohns Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ huschte und zwitscherte an mir + vorüber, Shakespeares unsterbliches Werk reinster Fröhlichkeit tat sich in + glänzender Darstellung vor mir auf, aber ich saß wie ein Geistesabwesender auf + meinem Platze. Der Stuhl neben mir war leer geblieben. Stefenson war nicht + erschienen. Der Märchenwald, durch den die Elfen huschten, blaute vor meinen + Augen; aber ich dachte an den Wald an dem Abhang des Waltersburger + Weihnachtsberges. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Pyramus und Thisbe trieben ihren grotesken Spaß. Da dröhnte von meiner Logentür + her tiefes Gelächter. Stefenson stand dort. Er beachtete mich nicht, er schaute + nur vergnügt nach der Bühne und lachte so laut, daß er die Aufmerksamkeit des + Publikums auf sich zog. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die nächste Pause kam. Da setzte sich Stefenson neben mich und sagte zur + Entschuldigung seines späten Kommens: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Manche Geschäfte wickeln sich in Berlin sehr langsam ab.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page75">[pg 75]</span><a name="Pg075" id="Pg075" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach dem Theater fuhren wir nach einem Restaurant. Nachdem wir gegessen hatten, + sagte Stefenson ganz unvermittelt: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><a name="corr075" id="corr075" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„Die</span> Luise habe ich flottgemacht. Zuviel Schwierigkeiten habe ich mit dem alten + Gauner nicht gehabt. Der Hauswirt war gerade bei ihm und drängte um die Miete; + da machte es der Kerl um dreihundert Mark. Er gab alles schriftlich, was ich + wünschte. Mit Anwälten ist das nichts. Das ist teuer und umständlich. Mit + dreihundert Mark war alles in zwanzig Minuten gemacht, und ich hatte das Kind. + Dann war ich um eine Pflegeschwester aus. Das hat länger gedauert. Das hat + unsinnig lange gedauert. Die ganze schöne Eselsszene habe ich im Theater + verpaßt. Die Pflegeschwester ist nun mit der Luise in unserem Hotel. Nummer 187 + wohnen sie. Bald fahren sie nach einem Erziehungsinstitut in Thüringen. Es ist + mir empfohlen worden. Da wird ja wohl die Luise körperlich und seelisch + zurechtgestutzt werden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schlug wieder einmal die Hände zusammen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Guter Herr Stefenson, das haben Sie getan?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte, exaltieren Sie sich nicht! Eine Zeitlang wird die Luise in dem + Institut bleiben, und dann kann sie zu uns in das Ferienheim kommen – so als + eine Art – als eine Art Einweihungsengel.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mich würgte es in der Kehle. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wollen das Heim doch mit mir gründen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja“, sagte er ganz ruhig, „ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte + gefallen. Natürlich nicht das Senti<span class="tei tei-pb" id="page76">[pg 76]</span><a name="Pg076" id="Pg076" class="tei tei-anchor"></a>mentale, aber daß sie fünf Jahre + lang die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer + ist zu gebrauchen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein wüster + Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, daß er mich für keinen + Philosophen halte, auch nicht für das, was man einen lebensklugen Menschen + nenne, und was ich als Arzt tauge, könne er nicht beurteilen. Er halte mich für + einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem als vielmehr eine + Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung ist etwas Gezeugtes, + Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist Lebewesen, Problem ist Mechanik. + Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung ganz ausgestalten und ihm + vertrauensvoll übergeben. Was ausführbar sei, werde ausgeführt werden, das + andere werde als blauer Dampf in die Höhe ziehen und auch als Wölklein am Himmel + noch schön sein. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page77">[pg 77]</span><a name="Pg077" id="Pg077" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc15" id="toc15"></a><a name="pdf16" id="pdf16"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">In den Tagen des Werdens</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es geht + alles so verblüffend schnell bei ihm, daß er, wenn ein anderer noch bei den + ersten Erwägungen und Bedenken stände, schon am Ende ist. Freilich kommt dazu, + daß er Glück hat. Das Gelände am Ostabhang des Weihnachtsberges steht zum + Verkauf. Es gehört einem Manne, der, wie Hans im Glück, ständig seinen Besitz + vertauschte. Dieses Gut hat er gegen große, sehr ertragreiche Steinbrüche + umgetauscht, die Steinbrüche gegen eine Fabrik, die noch besser war, und so ist + es langsam bergab gegangen, und Herr Stefenson mit seinem großen Geldbeutel hat + wenig Schwierigkeiten gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen + gedauert, dann war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar groß ist, von + Stefenson gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem früheren Schiffsarzt + die Gänsehaut ankommt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun ist das Gelände da, nun muß die Gemeinde errichtet werden“, sagte Stefenson + sehr einfach. „In einem Jahre müssen sämtliche Häuser stehen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page78">[pg 78]</span><a name="Pg078" id="Pg078" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „In einem Jahre?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja! Die Deutschen brauchen, wenn sie einen Dom bauen wollen, vierhundert Jahre, + der Amerikaner braucht, wenn er eine Stadt baut, sechs Monate.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist dann aber auch danach.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ob es danach ist oder nicht, ist gleich“, erwiderte Stefenson verdrossen. + „Jedenfalls habe ich für die ganze Chose nicht mehr Zeit. Ich muß nach Neuyork, + nach Milwaukee, nach Trinidad. Sehen Sie sich das Gelände an und machen Sie + Ihren Plan. Ich werde auch einen Plan machen. Ich brauche drei Tage Zeit dazu.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich würde drei Jahre dazu brauchen, aber um Ihretwillen werde ich in sechs + Wochen mit meinem Plane fertig sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wandte sich finster ab. Drei Tage lang lief er auf dem erworbenen Gelände + umher, zeichnete, machte Notizen und ging mir aus dem Wege. Am vierten Tage + teilte er mir auf einer Postkarte mit, er habe einen kleinen Abstecher nach + Sizilien unternommen. Ich war froh darüber und ging nun daran, mein Ferienheim + im Plane zu entwerfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Gelände kannte ich genau. Die meisten meiner Bubenstreiche hatten in jenem + Walde gespielt; auf jenen Wiesenrainen war ich als Student tausendmal gegangen. + Eines war zu vermeiden – alle Gleichförmigkeit. Eine Villa neben die andere zu + bauen, ein Logierhaus wie das andere, alles in zimperlich geordneten Gärten, wo + man kaum einen Fuß hineinzusetzen wagt wie in die gute Stube einer peinlichen, + eitlen Hausfrau, das sollte uns gewiß <span class="tei tei-pb" id="page79">[pg 79]</span><a name="Pg079" id="Pg079" class="tei tei-anchor"></a>nicht einfallen, ganz + abgesehen von Basaren, Hotels, Restaurants, Plätzen und Straßen großstädtischer + Art. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Mittelpunkt der Ferienheimat soll das Rathaus liegen. Es soll ein großer, + geräumiger Bau altdeutschen Stils sein. Der Bürgermeister wird darin wohnen; + denn einen solchen wird uns wohl das Gesetz auferlegen; aber auch die + Sprechzimmer der Ärzte sollen im Rathaus untergebracht sein, ebenso die + Verwaltungsräume, die Kasse, die Nachtwächterstuben. Auch einen großen + ehrwürdigen Saal soll das Rathaus haben, in dem die Feriengäste manchmal zu + einer Feierstunde nationaler, künstlerischer oder geselliger Art geladen werden. + In diesem Rathaus wird auch das „verbotene Zimmer“ mit den Zeitungen sein. Ein + Posten wird davor Wache halten und nur diejenigen einlassen, die eine Karte + vorzeigen, und eine solche Karte wird jedem während der Dauer des + Ferienaufenthaltes nur zweimal gewährt werden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Rathaus wird am Lindenplatz liegen, dort, wo die große Linde mitten auf der + Wiese steht. So oft auch die Dichter vom Platz unter der Linde und vom Tanz mit + dem schönen Kinde und dem Traum im Abendwinde gesungen haben, mir ist die alte + Weise nicht zu abgeleiert, ich will das fröhliche Glück vergangener Tage neu + erstehen lassen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am Lindenplatz, dem Rathaus gegenüber, soll die Lindenherberge liegen, unser + größtes Gasthaus. Das Modell muß man in schönen deutschen Städten suchen, etwa + in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann ist es für unsere + Zwecke auszugestalten. <span class="tei tei-pb" id="page80">[pg 80]</span><a name="Pg080" id="Pg080" class="tei tei-anchor"></a>Eine Bauernschenke denke ich mir, ein + Herrenstübchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lieder zur Laute + gesungen werden. Öfter als einmal in der Woche darf sich niemand in einer der + drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus zu gehen, ist + fürwahr genug für einen Kurgast. Es darf sich auch keiner einbilden, daß er etwa + nur Bauer oder ein Herr oder nur Sänger zur Klampfe sei – er muß alles sein + wollen und sein können, und wenn er dreimal in der Woche „ausgehen“ will, dann + muß er eben jedesmal in eine andere Abteilung, und das Braunbier, das in der + Bauernschenke ein biederer Wirt mit seiner Gattin ausschenkt, muß ihm ebenso + munden wie der Wein, den ein schönes Mädchen im Poetenwinkel kredenzt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Kaffeehaus werden wir auch haben; denn sonst bekämen wir keinen + österreichischen Kurgast. In diesem Kaffeehaus wird alles zu haben sein, was ein + Wiener Kaffeehaus auszeichnet, von der drangvollen Fülle bis zum + Zigarettendampf, nur keine Zeitungen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vielleicht wird mir mancher ob meiner großen Toleranz gegen Tabak und selbst + gegen Alkohol zürnen, aber ich sorge dafür, daß alles im Lot bleibt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da in den Wirtschaftsräumen umsonst nichts geschenkt wird, da aber auch keiner + der Gäste einen Pfennig Geld in der Tasche hat, sind alle genötigt, ihre Zeche + recht schön und breit an die schwarze Tafel ankreiden zu lassen, und das gibt + nicht nur eine gute Selbstkontrolle, sondern garantiert auch eine gewisse + öffentliche Aufsicht. Alle aber, denen der ärztliche Befund solche Genüsse + verbietet, <span class="tei tei-pb" id="page81">[pg 81]</span><a name="Pg081" id="Pg081" class="tei tei-anchor"></a>können sich unten am Fluß in der Fischerklause, dem + zweiten Gasthaus, bei alkoholfreiem Getränk des Lebens freuen, und es stehen + auch verschiedene Selter- und Milchhäuslein im Gelände, alle bedient von dazu + verordneten Damen aus der Kurgesellschaft. Denn das ist eine wesentliche Seite + meines Gesundungsheims, daß alle Kurgäste, soweit es ihr Zustand erlaubt und + wünschenswert erscheinen läßt, arbeiten müssen. Aus faulem Nichtstun sproß noch + in den allerseltensten Fällen ein Heil. Nein, es werden alle Mitglieder unserer + Gemeinde tätig sein, und dadurch werden sich auch die Kosten vermindern, zu + denen der einzelne beizutragen hat. Daß ein guter Bestand geübten Personals + immer dasein muß, ist selbstverständlich. Aber wenn ich z. B. für den + Poetenwinkel drei Kellnerinnen brauche, wird eine, die aufsichtführende und + bestimmende, eine Berufskellnerin, die zwei Helferinnen werden Damen aus der + Kurgesellschaft sein, und es wird mich gar nicht beirren, einer jungen Gräfin + solchen Schankdienst auf eine Woche aufzuerlegen. Wem es nicht paßt, der geht! + Wir werden alle unsere Gäste mit Liebe und Hochachtung behandeln, aber keinen + umdienern und keinen anzulocken oder zu halten suchen. Wir werden mit dem + Phlegma der Starken allen Widerständen begegnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Jeder Kurgast wird sich wöchentlich mindestens einmal dem Arzt vorstellen und + neben sonstiger Kurverordnung die Arbeit vorgeschrieben erhalten, die er in + nächster Woche zu leisten hat. Die Verwaltung wird dem Ärztekollegium + rechtzeitig etwa mitteilen: Wir brauchen für <span class="tei tei-pb" id="page82">[pg 82]</span><a name="Pg082" id="Pg082" class="tei tei-anchor"></a>nächste Woche + fünfundvierzig landwirtschaftliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sechzehn + Forstarbeiter, neun Gärtnergehilfen, vier Angler, zwei Jäger, neun Obstpflücker, + vierzehn Erbsenleser, sechzehn Mann für Wegebesserung, sieben Viehhüter, ein + Streichquartett, vierzehn Kellnerinnen und Milchverschleißerinnen, sechs + Kegelaufsetzer, zehn Hilfskutscher, zwölf Wäschebleicherinnen, drei + Nachtwächter, acht Frauen zum Spielen mit Kindern von vier Jahren aufwärts, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">ad libitum</span></span> Künstler und Artisten, Dichter, + Rezitatoren, Musiker, Sänger, Schnellmaler, Turner, Zauberkünstler und + ähnliches, 168 Küchengehilfen für je drei Stunden täglich, zwanzig Mann für + Haushälterarbeiten (vier Stunden), fünf Boten (Radler), einen Mann für die + Festrede am Sonntag, dazu einen gemischten Festchorus von beliebiger Stärke, + zwei Laternenanzünder, zehn Frauen oder Männer für die Vorbereitung des nächsten + Waldfestes, zehn Hilfsbriefträger, zwanzig Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen + für die Anlegung und Bepflanzung des neuen Philosophenplatzes, sechs Damen, die + das Kühemelken und Käsebereiten erlernen wollen, einen Vorsitzenden und vier + Beisitzer (zwei männliche und zwei weibliche) für unser privates + Friedensgericht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Solches etwa wird die Kurverwaltung beantragen. Was davon in Erfüllung geht, + hängt natürlich nicht von den Bedürfnissen der Kurverwaltung, sondern von dem + Befund des Ärztekollegiums ab, und der schönste Erfolg wird es sein, wenn alle + Aufgaben durch freiwillige Meldung der Feriengäste gedeckt werden. Daß die + Arbeit <span class="tei tei-pb" id="page83">[pg 83]</span><a name="Pg083" id="Pg083" class="tei tei-anchor"></a>immer nur im Rahmen der eigentlichen Kur, immer nur + stundenweise geleistet werden darf, ist selbstverständlich. Das Ferienheim ist + ein Arbeitshaus idealster Art, es macht die Arbeit zur Lust und Quelle der + Genesung und würgt den alten Drachen ab, dessen Pestatem die Welt vergiftet: daß + körperliche Arbeit das Mal der Minderwertigkeit trage. Das Ferienheim wird das + Gegenteil lehren und beweisen, indem es gerade durch körperliche Tätigkeit + gesunde, glückliche Menschen schafft. So wird alle Verwaltungs- und Büroarbeit + als viel zu anstrengend unseren Gästen niemals zugemutet werden. Aber mit den + Muskeln arbeiten, tätig sein, sichtbare Werte mit seinen zehn Fingern schaffen + sollen alle, und selbst den Faulenzern und Drohnen des Lebens, die vielleicht + nur durch die Romantik des Heims, durch die Neugier angelockt werden, soll, wenn + sie guten Willens sind, ein besseres Bild der Menschenfreude ins Herz geprägt + werden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hinter dem Rathause, von ihm durch einen kleinen Schlag schöner Tannen getrennt, + beginnt die Bäderstraße. Es werden da in gesonderten Häusern die Wannen- und + Schwimmbäder, die elektrischen und die Dampfbäder eingerichtet; an sie reihen + sich in dichtem Kiefernwald die Luft- und Sonnenbäder und die Planschwiesen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Parallel mit der Bäderstraße geht der „Stille Weg“. Es stehen da freundliche + Häuslein für solche Gäste, die einer größeren ärztlichen Beaufsichtigung und + vermehrter Pflege bedürfen, die ihnen von Berufspflegerinnen zuteil wird. Alle + anderen Gäste wohnen „draußen“. Es wird <span class="tei tei-pb" id="page84">[pg 84]</span><a name="Pg084" id="Pg084" class="tei tei-anchor"></a>nicht zuviel auf + Pülverlein und übermäßiges Wassergepansch, auch nicht arg viel auf Hantelturnen + und Massage gegeben werden, sondern auf tüchtige körperliche Arbeit und frohen + Sinn. Daher werden die meisten Kurgäste in Bauernwirtschaften wohnen. Wenn wir + von diesem Riesengelände nur zwei Dritteile zur Feldbebauung anwenden, können + wir sechzig große Bauernwirtschaften zu je hundert Morgen Land einrichten; auf + jeder Besitzung können vier Pferde, dreißig Stück Rindvieh, Hühner, Gänse, + Enten, Tauben, Kaninchen, Hunde, Katzen, Bienen sein, und alle diese Tiere + sollen von den Feriengästen gepflegt werden, immer unter Leitung + sachverständiger Personen. Denn der Herr und König des ganzen Hofes wird der + Bauer sein. Möge es uns gelingen, tüchtige Bauern zu finden, die nicht nur den + Pflug zu führen wissen, sondern die kernige Menschen sind voll Biederkeit und + froher Laune, derber Herzlichkeit und aufrechten Sinnes. Wer nicht anderweitig + abkommandiert ist, arbeitet auf dem Hofe, wo er wohnt, nach Anweisung des Bauern + oder der Bäuerin, immer nur pflichtmäßig zwei bis vier Stunden am Tage. Wer + etwas darüber tun will und darf, soll es tun. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oh, wie werden die Leute am „Stillen Weg“, die ihr Zustand vom Glück der Arbeit + ausschließt, sich sehnen, „hinaus“zuziehen in die gesunde, frische, befreiende + Tätigkeit; wie glücklich werden sie sein, wenn ihnen der Arzt eines Tages sagt: + Mein Lieber, du bist nun so weit, als schwacher Hilfskämpe mitzutun, darfst auf + einen Bauernhof, darfst zunächst mal die Tauben füttern, den Hühner<span class="tei tei-pb" id="page85">[pg 85]</span>stall nach Eiern absuchen und den Hund prügeln, wenn er eine Wurst gestohlen + hat, und wenn auch das zu schwer ist, aufpassen, ob in den Nistkästen Sperlinge + oder Stare wohnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> An die Bauernhöfe knüpfe ich meine größte Hoffnung. Ich möchte die in + glitzernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit + wenigstens in Ferienwochen heimführen. Es soll und es muß gelingen. Alle, die + einmal Ferien vom Ich machen, die als neue, als ganz andere Menschen, losgelöst + von allem, was sie drückte und knickte, auf einige selige Wochen zum + Ausgangspunkte, zum Mutterschoß unseres Kulturlebens zurückkehrten, zum Bauern-, + Hirten- und Fischerleben – sie müssen mit gesünderem Herzblut in ihr Leben + zurückkehren, sie müssen mehr gewinnen als durch Mineralwasser und + Bäderzerstreuung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Hirten, Fischer und Jäger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da einer + kommt, der vor dem Revolver stand, weil er überreizt war, der soll oben an der + Ginsterheide die Kühe hüten. Den ganzen Tag wird er aufmerksam sein müssen, daß + die Bullen sich nicht bekämpfen und daß glücksduselige Muttertiere mit ihren + mutwilligen Kälbern nicht den nahen Klee zerstampfen, und abends wird der Mann + einsam vor einem wohlig ausgestatteten Hirtenhäuslein sitzen, die wiederkäuenden + Tiere werden um ihn sein, und die Sterne werden über ihm wandern und ewige Worte + zu ihm reden; es wird <span class="tei tei-pb" id="page86">[pg 86]</span><a name="Pg086" id="Pg086" class="tei tei-anchor"></a>aus Verlassenheit und Gram ganz mählich Ruhe + und Frieden werden, und in den Menschenhaß wird sich die Sehnsucht + einschleichen: „Nächsten Sonnabend, wenn ich Urlaub habe, gehe ich in die + Lindenherberge und sehe lustigen Menschen zu!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oh, wie ich nach guten Bauern, so werde ich nach guten Ärzten suchen müssen. + Nicht ihr ärztliches Wissen ist für mich in der Hauptsache maßgebend. Ob sie + gute Psychologen, ob sie tiefe Menschenfreunde sind, danach werde ich fragen. + Die Jäger – ach, die Jäger, wird es wohl heißen, sind sowieso gesund. Die zu + uns kommen, sind es nicht. Nur die Stubenhocker werde ich auf die Pürsche + schicken und nur die Zappeligen und Unruhigen auf den Rehbock mit dem bestimmten + Geheiß, einen zu erlegen. Wie sie da ruhig sitzen werden, heute drei, morgen + fünf Stunden lang. Immer vergebens. Und die Mücken werden stechen, und der Tau + wird fallen. Und sie werden nicht schimpfen dürfen, wie sie es sonst tun. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So auch mit den Fischern. Die Aufgeregten werden so lange angeln, bis sie + befriedigende Beute bringen. Wessen Aufmerksamkeit wochenlang auf eine + Federspule gerichtet gewesen ist, der hat sich ausgeruht und singt abends im + Poetenwinkel sein Lied als einer der Andächtigsten der Lebensfreude. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Bauernhäuser, Fischerhütten, Jäger- und Hirtenhäuslein, das werden in der + Hauptsache die Wohnstätten meines Ferienheims sein. Das ist eigentlich mein + ganzes Programm. Ich kann es keiner hochmögenden Kommission einreichen, aber + eben darum hoffe ich, daß es <span class="tei tei-pb" id="page87">[pg 87]</span><a name="Pg087" id="Pg087" class="tei tei-anchor"></a>gut ist. Im übrigen bekenne ich frei, + daß ich mich auf Architektenkunststücke nicht verstehe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich habe trotzdem auf einer großen Karte unser ganzes Gelände aufgezeichnet und + überall vermerkt, wo ein Bauernhof stehen soll, auch die Grenzen seines Bezirks + bestimmt; ich habe die Hirtenhäuslein, die Milchstuben, die Fischerbuden + angegeben, und zwischen all dem Hin und Her führen Stege und Landstraßen, alle + krumm und winkelig, aber angemessen dem, was an Hebung und Senkung des Terrains + und was an Baumschlägen, Hecken, Bächlein, Wald und Wiesenland da ist. Eine + Umwallung werden wir kaum brauchen, das Plateau hebt sich gen Waltersburg + natürlich ab, nur an der einen Stelle, wo das Gelände nach der Stadt eben + übergeht, wollen wir eine Mauer und eine Pforte errichten. Neben der Pforte soll + unser „Zeughaus“ stehen. Dort wird der Ankömmling, der sich entschlossen hat, + unsere Ferien zu üben, in seiner Zivilkleidung hineingehen, Kleider, Uhr, Geld, + alles, was er bei sich trägt, auch seinen Namen, ablegen, als neuer Mensch, + neugekleideter Feriengast ein neues Leben beginnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist mein Plan. Ich weiß nicht, ob er so ausgeführt werden kann, ich weiß + nur, daß er so ausgeführt werden sollte. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page88">[pg 88]</span><a name="Pg088" id="Pg088" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc17" id="toc17"></a><a name="pdf18" id="pdf18"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Das Kind</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mitten in der Arbeit taucht viel öfter, als mir lieb ist, das Bild der kleinen + Luise vor mir auf. Am Morgen nach dem Theaterabend, als ich das Kind im Hotel + fand, war es ganz verängstigt, zitterte und weinte. Auf alle Fragen sagte es + immer nur: „Ich will heim!“ Zu den Schindern ins Elend wollte es zurück, weil es + dort zu Hause war. Vor Stefenson und mir fürchtete sich die Kleine, und auch vor + der fremden Schwester scheute sie sich. Ich wollte sie streicheln, aber sie wich + mir aus und duckte sich. Das arme Ding hat wohl in seinem Leben schon viel + Prügel bekommen. Ich sagte freundlich zu ihr: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Luise, fürchte dich doch nicht. Sieh mal, ich meine es gut mit dir, ich bin ja + mit dir verwandt; ich bin dein Onkel.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm erschien, um + mit ihr verwandt zu sein. Ob sie einen Vater oder eine Mutter oder eine + Großmutter habe, wie andere Kinder, danach fragte sie nicht. Es war auch besser; + denn ich hätte ihr sagen müssen: „Nein, das hast du alles nicht; du hast nur + einen Onkel.“ Während ich mir noch vergeblich Mühe gab, ein klein <span class="tei tei-pb" id="page89">[pg 89]</span><a name="Pg089" id="Pg089" class="tei tei-anchor"></a>wenig das Zutrauen von Luise zu gewinnen, erschien Stefenson mit einem Diener, + der ein großes Paket schleppte. Das Paket legte der Amerikaner vor dem Kinde auf + den Tisch und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So, da habe ich dir ein bißchen Spielkram gekauft!“ Es war eine kleine + Weihnachtsausstellung von allerhand Spielzeug: Puppen, eine kleine Wiege, + Hampelmänner, Kreisel, Schachteln mit geschnitzten Tieren, Baukasten und viele + Kleinigkeiten. Sogar eine Knallpistole war dabei. Dem Kinde entfuhr ein kleiner + Schrei seligen Erschreckens, es erhob die Händchen, tastete schüchtern nach + einer Puppe, zuckte aber zurück. Da fuhr sie Stefenson an: „Nun, du kleine Gans, + so greif doch zu! Das ist alles dein. Das mußt du nehmen. Damit mußt du spielen, + sonst setzt es was ab!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auf diesen rauhen Ton war Luise offenbar gut eingerichtet. Sie fing gehorsam an + zu spielen. Nach fünf Minuten kam ein leises Lachen, das Gesichtchen erhellte + sich, und ich sah noch deutlicher als gestern beim ersten schreckhaften Begegnen + in Joachims Züge, sah in Joachims Augen. Ich erinnere mich nicht, je ein kleines + Mädchen gesehen zu haben, das so auffallend dem Bilde ihres Vaters glich, wie + Luise meinem Bruder ähnlich ist. Wir hatten vielerlei in Berlin zu tun und + blieben acht Tage dort. Am fünften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel wären, ob ich vielleicht + ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das fällt mir gar nicht ein, dein Vater + zu sein. <span class="tei tei-pb" id="page90">[pg 90]</span><a name="Pg090" id="Pg090" class="tei tei-anchor"></a>Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn gesagt, ich + bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte schon, daß Luise in großer Liebe und Dankbarkeit an Stefenson hing. + Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fürsorge tat ihr wohl. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thüringen fahren und wir + nach Waltersburg zurückkehren mußten, schmerzlich für das Kind. Nur der Abschied + von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise inzwischen auch zu mir ganz + freundlich gestellt hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir im Eisenbahnwagen saßen, sagte Stefenson: „Die Gefühlsduselei mit dem + Kinde hört nun auf. Dazu haben wir keine Zeit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter mit + fragenden Augen entgegen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe das Kind in saubere Verhältnisse gebracht“, sagte ich ihr und ging in + mein Zimmer. Die Mutter fragte nicht mehr, und ich erzählte nichts. Wir fühlten + beide, wie sich eine eiskalte Wand zwischen uns aufrichtete. Nach drei Tagen + sagte die Mutter, Joachim habe geschrieben, es gehe ihm gut. Mir war dabei, als + ob sie von einem fremden Menschen erzählte, dessen Schicksal mich nichts angehe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Zeichnungen, der Aufbau meines großen Ferienheims nahmen mich fortan ganz in + Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glückstage, Tage voll Fruchtbar<span class="tei tei-pb" id="page091">[pg 091]</span>keit, Hoffnung, Kraftgefühl. Und doch stahl sich Luises Bild bei + Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei verlorenen + Arbeitstagen läge nicht viel, Stefenson säße sicher weit unten in Palermo oder + Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwägungen saß ich in einem Schnellzuge nach + Thüringen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich hatte die Freude, daß mir Luise vertrauensvoll und dankbar entgegenkam, und + daß sie sich schüchtern an mich schmiegte, als ich sie auf die Stirn küßte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die würdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze Zeit, + als daß das Kind sich schon in ihm völlig fremde Kultur ganz hätte fügen können; + aber Luise zeige so gute körperliche und geistige Anlagen, daß sie hoffe, das + Kind würde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt lag an der Promenade der + hübschen thüringischen Stadt. Als ich das Haus verließ, saß gegenüber dem + Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es blieb mir gar keine Zeit, mich + groß zu erstaunen, sondern er trat <a name="corr091" id="corr091" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">mir</span> gleich entgegen + und sagte mürrisch: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich finde das sehr merkwürdig von Ihnen, daß Sie auch jetzt noch Zeit zu + solchen Exkursionen haben.“ „Ach, Mister Stefenson“, entgegnete ich heiter, „ich + dachte, Sie wären Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach Sizilien.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sticheln Sie nicht“, entgegnete er finster; „ich bin nicht nach Sizilien + gefahren zum Amüsement oder um einem kleinen Gänschen nachzureisen, sondern um + in aller Ruhe die Pläne für unser Ferienheim machen zu können. Wenn ich nun Pech + gehabt habe mit den drei <span class="tei tei-pb" id="page92">[pg 92]</span><a name="Pg092" id="Pg092" class="tei tei-anchor"></a>Plänen, die ich gemacht habe, weil ich + den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt und den dritten + in Luzern überhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte ich doch gehofft, Sie + würden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu bleiben und zu arbeiten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah – das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was er kostet, wie er balanciert, weiß ich nicht. Das ist nicht meine Sache. + Ich bin kein Kaufmann. Wofür sind Sie da?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fürs Geldgeben!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schüttelte melancholisch den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ihr Plan ist unrentabel“, sagte er düster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzählen. Ein + Schlächter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer + führte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte der + Schlächter: ‚Aber Mensch, wie kann ich Ihnen für ein so elendes Tier so viel + Geld geben, wie Sie verlangen?‘ – ‚Sachte‘, sagte der Bauer, ‚das hier ist nur + der Rübenraum, die Kuh steht erst hinter der nächsten Tür.‘“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was gehen mich Ihre verdammten deutschen Witze an?“ grollte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fahren wir erst nach Hause“, entgegnete ich. „Und <span class="tei tei-pb" id="page93">[pg 93]</span><a name="Pg093" id="Pg093" class="tei tei-anchor"></a>vorher können + Sie ja mal die kleine Luise besuchen. Sie macht sich heraus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das fällt mir nicht ein“, sagte Stefenson kalt. „Ich hasse diese deutsche + Sentimentalität.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So fuhren wir nach Hause. Ich übergab Stefenson meine Zeichnungen und + schriftlichen Ausführungen. Er nahm sie mit nach Neustadt, wo er immer noch in + einem Hotel wohnte. Nach fünf Tagen suchte ich ihn zu sprechen. Es hieß, Mister + Stefenson sei verreist. Eine Viertelstunde etwa dachte ich darüber nach, wohin + Stefenson wohl sein könne. Dann telegraphierte ich an die Vorsteherin des + Instituts in Thüringen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist Mister Stefenson noch dort?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am Abend kam die Antwort: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson war hier, ist aber eben zurückgereist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf machte ich mir das Vergnügen, zum Neustädter Bahnhof zu gehen und den Zug + zu belauern, von dem ich vermutete, daß er Herrn Stefenson mitführen würde. Ich + hatte den Zeitpunkt ganz richtig aus dem Kursbuch festgestellt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als Stefenson die Bahnsperre passierte, trat ich ihm plötzlich entgegen, und er + war nicht weniger erschrocken als ich, da ich ihn plötzlich auf der + Promenadenbank in Thüringen traf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Guten Abend, Mister Stefenson“, sagte ich, „wie geht es der kleinen Luise?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso – wieso – Luise – was geht mich das Gänschen an?“ versuchte er sich + herauszulügen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich blickte ihn freundlich an und sagte: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page94">[pg 94]</span><a name="Pg094" id="Pg094" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Frau Vorsteherin, die ich telegraphisch anfragte, sagte mir, daß Sie dort + waren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da hustete er. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wissen Sie was“, sagte er zornig, „es ist nicht schön, daß Sie mir + nachspionieren. Was geht mich das Gänschen an? Aber da Sie schon mal so ein + Spion sind, will ich Ihnen sagen, ich kann für diese Schwäche nichts. Meine + Mutter war eine Deutsche.“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page95">[pg 95]</span><a name="Pg095" id="Pg095" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc19" id="toc19"></a><a name="pdf20" id="pdf20"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Vorarbeiten</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist ein halbes Jahr her, seit ich die letzte Eintragung in mein Tagebuch + machte. Im Mai war es, als Stefenson erschnoben hatte, daß ich ein Tagebuch + führe und darin manches über den Ausbau unseres Ferienheims, aber auch über + seine eigene Person niedergeschrieben habe. Seit der Zeit quälte er mich, ihm + das Tagebuch einmal zur Lektüre zu überlassen. Er war neugierig wie ein + Backfisch, und es nützten mich alle Versuche nichts, ihm klarzumachen, daß es – + gelinde gesagt – sehr indiskret sei, Einblick in ein fremdes Tagebuch zu + verlangen. Es dauerte so lange, bis er die Aufzeichnungen in Händen hatte. + Dieser Mensch ist ein ganz wunderliches Gemisch von Kindlichkeit und + halsstarriger Energie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach drei Tagen gab mir Stefenson das Tagebuch zurück und sagte, indem er ein + sauersüßes Lächeln zwischen seinen dünnen Lippen zerquetschte: „Sie haben mich + sehr schlecht charakterisiert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dieses Urteil sah ich voraus, Mister Stefenson; die Fortsetzung des Tagebuches + werden Sie auch nicht zu sehen bekommen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page96">[pg 96]</span><a name="Pg096" id="Pg096" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er machte eine Handbewegung, die bedeuten sollte, daran liege ihm auch nichts, + und ging wieder nach seinem „Büro“. Dieses besteht aus einer Holzbude, in der + ein langer roher Tisch, einige Brettstühle, ein Kleiderhaken und der + Telephonapparat die ganze Ausrüstung bilden. Der Tisch ist mit Papieren aller + Art bedeckt. Hier liegen die kostbaren Pläne unserer Ferienhäuser, sind + Aktenstöße, stehen Modelle. In einem Nebenraume klappern ein paar + Schreibmaschinen. Stefenson sagte mir einmal, Schreibmaschinenklappern und + Telephongeschelle sei ihm die schönste Musik. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In dem Büro sind unsere Beratungen. Dorthin müssen Architekten, Maurermeister, + Lieferanten aller Art, Verwaltungsbeamte, Stellungsuchende zum Vortrag kommen. + Anfangs hatte Stefenson die Absicht, mich von den Hauptkonferenzen mit den + Bauleuten auszuschließen oder mir doch eine rein zuhörende Rolle zuzuweisen. Als + ich ihm aber energisch sagte, er scheine vorzuhaben, ein schleudriges + Klein-Chicago zu errichten, das sich ganz gut für Engros-Schweineschlächterei, + aber nicht für mein romantisches Ferienheim eignen möge, wurde er immer stiller + und ließ mich nach und nach mit den Architekten selbständig wirken. Nur das + Tempo der Arbeit bestimmte er, und das stand immer auf Volldampf. Der Mann + arbeitet selbst von morgens fünf Uhr bis nachts um elf, ohne irgendwelche + Ermüdung zu zeigen. Stefenson leitet seine Verhandlungen meisterhaft; keine + Kleinigkeit entgeht ihm. Sobald ein Thema angeschlagen ist, wird es Schritt für + Schritt erledigt. Kein Abweichen vom Wege <span class="tei tei-pb" id="page97">[pg 97]</span><a name="Pg097" id="Pg097" class="tei tei-anchor"></a>ist erlaubt. Das + Dazwischenwerfen einer aufblitzenden, abseits liegenden Idee ist streng verpönt, + kein unfruchtbares Durcheinandergerede gestattet, sondern planmäßige, geordnete + Arbeit wird geleistet, Für und Wider werden kurz beleuchtet, Nebensächlichkeiten + unter den Tisch fallen gelassen, der Beschluß knapp und fast immer schriftlich + gefaßt; dann wird aber auch im Verlauf der weiteren Verhandlungen auf den + erledigten Punkt nie wieder zurückgegriffen. So wußte man am Schluß solcher + Verhandlungen immer: das stand zur Beratung, das ist beschlossen, so und so, + dann und dann muß es ausgeführt werden. Stefensons Gehirn hat eine wohlgeordnete + Registratur, und etwas schwärmerisch angelegte Leute wie ich, denen leicht die + Gedanken durcheinander purzeln, können viel von solchem Manne lernen. Nur darf + Stefenson meine romantische und <a name="corr097" id="corr097" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">philanthropische</span> Idee nicht aus dem Auge lassen, + und das tut er auch nicht. Stefenson und ich sind in vielen Dingen die reinsten + Antipoden; aber ich schätze es als Glück, mit einem so klaren Kopf zusammen zu + arbeiten, wenn ich auch manchmal einen wilden Zorn über seine Kaltschnäuzigkeit + habe. So ist der Mann. Wir vertragen uns und haben Händel miteinander – je + nachdem. Ich glaube, ich werde gut fahren, wenn ich mit Stefenson gleichen Kurs + halte. Es gibt kaum ein größeres Unglück auf der Welt, als sich mit dummen oder + schwachen Menschen zu verbinden, und kaum einen größeren Vorteil, als einen + klugen Freund. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <span class="tei tei-pb" id="page98">[pg 98]</span><a name="Pg098" id="Pg098" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als unsere Idee bekannt wurde, war die Physiognomie der Waltersburger ungefähr + die eines Kalbes, das zum ersten Male donnern hört. Die Leute wunderten sich + rasend. Sie steckten die Köpfe zusammen, redeten viel auf den Bierbänken und + kamen doch, da sie immer nur Gerüchtsbrocken sammeln konnten, zu keinem klaren + Bilde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Den Ausschlag soll der Amtsrichter gegeben haben, der sich dahin geäußert hat: + es scheine sich um eine Art Verrücktenanstalt im großen zu handeln; den nötigen + Spleen scheine ich von der Weltreise mit heimgebracht zu haben, und was etwa + fehle, habe Mister Stefenson aus seinem reichen Vorrat an Tollheit ergänzt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Günstig war uns von Anfang an die Stimmung der Waltersburger gar nicht. Zu dem + neidischen und verärgerten Gefühl, das einem unerwarteten Werk vom lieben + Publikum immer gespendet wird, gesellte sich ein ganz besonderer Verdruß. + Stefenson hatte erklärt, daß er eine ganz neue Gemeinde begründen werde mit + einem eigenen Bürgermeister und einer Verwaltung, die alles im Umkreise Bekannte + in den tiefsten Schatten stellen werde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darüber waren die Waltersburger wütend. Nachdem ihnen schon die Neustädter + untreu geworden und der Mutterstadt gewaltig über den Kopf gewachsen waren, + sollte sich hier auf ehemaligem Waltersburger Grund und Boden abermals ein neues + Gemeinwesen auftun, das den Bestand Waltersburgs verkürzte und die eigene Stadt + in immer kümmerlichere Unberühmtheit drängte. Waltersburg war wie eine Mutter + von mittelmäßigen Anlagen, <span class="tei tei-pb" id="page99">[pg 99]</span><a name="Pg099" id="Pg099" class="tei tei-anchor"></a>die sich ärgert, wenn ihre Töchter in + der Gesellschaft Glück haben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eitel waren die Waltersburger immer. In der Pfarrkirche ist ein Altarbild, das + angeblich von Tintoretto stammt. Ein begüterter Graf, der ehemals hier + residierte, soll es von einer Pilgerfahrt mitgebracht haben. Die Echtheit des + Bildes ist zweifelhaft, nur nicht für die Waltersburger, die das Gemälde zu den + Meisterwerken Tintorettos rechnen. (Tintoretto, „das Färberchen“, hat + bekanntlich neben ausgezeichneten Stücken viel Mittelmäßiges, ja Schleudriges + geleistet.) Als ein großes neues Reisehandbuch erschien, waren die Waltersburger + neugierig, ob ihr Tintoretto zwei Sterne oder nur einen haben werde. Die + Enttäuschung war groß; denn ganz Waltersburg mitsamt seinem Tintoretto wurde in + dem Handbuche überhaupt nicht erwähnt. Der Schrei der Empörung, den damals der + gebildete Teil der Stadt ausstieß, hat noch heute ein Echo in vielen Herzen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Für uns kam bald ein Umschwung. Stefenson berief eine Versammlung nach dem Saale + des größten Waltersburger Hotels, den „Drei Raben“. Er lud zu dieser „freien + Zusammenkunft, in der er Aufschlüsse über seine Neugründung geben werde“, nicht + nur den Magistrat und alle Honoratioren mit ihren Damen, sondern auch je einen + Schuster, Schneider, Bäcker, wie alle anderen Handwerkszweige mit ihren Frauen. + „Es muß wie bei der Arche Noahs sein“, sagte er gut gelaunt, „von jeder Art ein + Pärchen.“ Der Erfolg war schwach. Einzelne zwar priesen Herrn Stefenson wegen + seiner gerechten unpar<span class="tei tei-pb" id="page100">[pg 100]</span><a name="Pg100" id="Pg100" class="tei tei-anchor"></a>teiischen Art, aber andere rümpften + außerordentlich stark die Nasen, und als die Versammlung begann, zeigte es sich, + daß fast gar keine Frauen da waren. Die Frau Provisor und die Frau Kanzleirat + hatten entrüstet erklärt, man könne sich doch nicht mit Krethi und Plethi + zusammensetzen, und fast alle anderen „Damen der Gesellschaft“ hatten sich + dieser Auffassung angeschlossen. Die Weiber der Handwerksleute aber hatten sich + „geniert“, zu kommen. Aber auch die Männer waren nur in schwacher Anzahl + erschienen. Der Magistrat ließ sich durch einen Beisitzer vertreten. Am meisten + freute es mich, daß der Lehrer Herder da war. Er wurde auch zum Leiter der + Versammlung gewählt. Stefenson hielt eine Rede. Er spricht die deutsche Sprache + ohne jeden fremden Akzent. Denn nicht nur seine Mutter ist eine Deutsche + gewesen; ich habe unterdes herausgekriegt, daß Stefensons Vater zwar ein + Stockamerikaner von reinster Monroedoktrin war, daß aber sein Großvater bis zu + seinem dreißigsten Lebensjahre in Hamburg gelebt hat und bis dahin Georg Stefan + hieß. Stefenson hat rein deutsches Blut in sich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der „Mister“ sprach. Er sagte, über die Idee seiner geplanten Kuranstalt wolle + er nicht reden; diese sei ein so unerhörtes, geniales Problem (dabei trat er + mich grob auf den Fuß!), daß er es im Rahmen einer so kurzen Aussprache nicht + erläutern könne. Waltersburg habe zwar keine hervorragend günstige Lage und + werde von vielen anderen Orten auch durch den Reiz der Umgebung wesentlich + übertroffen (Gebrumm in der Versammlung), <span class="tei tei-pb" id="page101">[pg 101]</span><a name="Pg101" id="Pg101" class="tei tei-anchor"></a>aber sein Freund und + ärztlicher Beirat sei ja, wie alle wüßten, ein Waltersburger Kind, und so habe + er dem Freund zuliebe dieses Gelände für die Ausführung seiner Idee gewählt. Er + gehöre zu den Leuten, die sich eher das eigene Hemd ausziehen, als daß sie + zugeben, daß der Freund friere. (Frau Postschaffner Hempel verließ entrüstet das + Lokal.) „Kommen Sie gut nach Hause, Frauchen!“ ruft ihr Stefenson nach. + (Abermaliges Gebrumm. Postschaffner Hempel erhebt sich, sagt in halblauter + Entrüstung: „Das ist ja kolossal!“ und stampft seiner Ehehälfte nach.) „Also“, + fährt Stefenson ruhig fort, „was mir eine Hauptsache zu sein scheint: ich + beabsichtige nicht, eine neue politische Gemeinde zu gründen; ich werde meine + Siedelung unter den amtlichen Schutz des Magistrats von Waltersburg <a name="corr101" id="corr101" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">stellen.“</span> + (Freudige Verblüffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit den + Fingern auf den Tisch.) „Ja“, geht Stefensons Rede weiter, „wir werden unserem + Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen ‚Kuranstalt + Waltersburg: Ferien vom Ich‘ geben, und der Schnickschnack vom sogenannten + modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst zerstieben vor der + glorreichen Waltersburger Neugründung. (Der Beisitzer springt auf, beurlaubt + sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und stürmt aus dem Saal.) Mitbürger + von Waltersburg! Damen und Herren! (Von den Damen ist nur noch die phlegmatische + Gärtnersfrau Bächel anwesend.) Es macht mich glücklich, daß Sie in solcher + Anzahl erschienen sind. Etwas Erfreuliches kann ich Ihnen mitteilen. Ich <span class="tei tei-pb" id="page102">[pg 102]</span>erwarte, daß binnen zwei Jahren unsere Kuranstalt etwa zwei + Dritteile Ihrer gesamten Gemeindesteuern tragen wird, so daß Ihre bisherigen + hundertzwanzig Prozent auf vierzig Prozent herabsinken werden. (Erschrecktes + Aufatmen, dann lautes Bravo. Bäckermeister Schiebulke und Klempner Geldermann + stürzen im Geschwindschritt von Siegesboten auf die Straße.) Ja, aber, meine + sehr teuren Mitbürger, auch Opfer werde ich von Ihnen verlangen müssen. + (Kunstpause des Redners. Bedrücktes Schweigen der Zuhörer.) Wir haben nicht + Zeit, der Verwirklichung unserer Idee sehr viel Zeit zu widmen; wir müssen die + Aufgabe im Sturm nehmen. Binnen Jahresfrist muß alles fix und fertig sein. Sie + werden begreifen, daß dafür ein Heer von Architekten, Bauleitern, Maurern, + Zimmerleuten, Tapezierern, Töpfern, Tischlern, Glasern, Klempnern, Schmieden, + Schlossern, Stubenmalern, Gärtnern und Hilfsarbeitern aller Art nötig sein wird, + nicht zu rechnen die Legion derer, die diese Schar versorgt mit Nahrungsmitteln, + mit Kleidern, Schuhen, Mützen und Wäsche. Ja, liebe Waltersburger Mitbürger, + Ihre ganze prächtige Kaufmannschaft, alle Ihre Handwerkerkreise muß ich mobil + machen, um meiner Aufgabe gerecht zu werden, alle werden ihren Betrieb + verzehnfachen müssen ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Redner hielt inne; denn die Zuhörerschaft keuchte zu laut. Die Erregung + stieg aufs höchste. Da kam die von Stefenson ganz leichthin gesagte, aber bis + ins Mark treffende Schlußbemerkung: „Ich möchte mit Waltersburger Bürgern + Abkommen treffen. Was das Finanzielle <span class="tei tei-pb" id="page103">[pg 103]</span><a name="Pg103" id="Pg103" class="tei tei-anchor"></a>anbelangt, so wird nichts + auf Ziel entnommen, sondern alles immer sofort bar bezahlt werden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da war es aus. Alles erhob sich; selbst die dicke Gärtnersfrau wappelte sich + empor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Handwerker stieg auf einen Stuhl. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist gut!“ rief er; „das ist famos! Herr Stefenson lebe hoch!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hoch!“ schrien die paar Männlein, die noch da waren. Im selben Augenblick + stürzte der Beisitzer in den Saal. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Herr Bürgermeister“, keuchte er, „der Herr Bürgermeister, der bis jetzt + leider verhindert war, kommt selbst.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson nickte ihm lächelnd zu. Da wurde es lebhaft auf der Treppe, Männer und + Frauen aller Gesellschaftsschichten füllten den Saal. Eine halbe Stunde lang + stand Stefenson steif und still, und als alle da waren, auch der Bürgermeister, + sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe dem, was ich vor Ihnen, sehr geehrte Herrschaften, über meine + Neugründung heute ausgeführt habe, nun nichts mehr hinzuzufügen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Worauf sich der Leiter der Versammlung, Lehrer Herder, erhob <a name="corr103" id="corr103" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">und</span> in einer + glänzenden Erfassung der Situation sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich schließe die Sitzung!“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page104">[pg 104]</span><a name="Pg104" id="Pg104" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc21" id="toc21"></a><a name="pdf22" id="pdf22"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Die „Neustädter Umschau“</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In Neustadt erscheint ein Blättchen, die „Neustädter Umschau“. Es kommt + wöchentlich zweimal heraus in einem Umfang, daß eine einzige Nummer genügt, ein + Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen Redakteur suchte, + versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es meldeten sich drei + Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben ehemalige Lehrer, ein + „sehr gebildeter“ Schlossermeister, davongejagte Seminaristen, freie + Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der Verleger wählte von der + ganzen Rotte den Unfähigsten, einen herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber + <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Doctor juris</span></span> war, was in der „Umschau“ mit + Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die „Umschau“ in der Art, daß er + in seiner nüchternen Tagesstunde, die vormittags nach seinem jeweiligen + Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustädter Kurhauses den Stoff für die nächste + Nummer aus großstädtischen Zeitungen abschreibt. Einen lokalen Teil hat die + „Umschau“ kaum; jedenfalls war er stets äußerst jämmerlich. Desto mehr fiel es + auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, wenn auch dreist geschriebene + Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim brachte. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page105">[pg 105]</span><a name="Pg105" id="Pg105" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der erste Artikel beschäftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgeführt, daß ich + nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse + Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen habe, um + auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden Menschheit meine + ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, mit dem ich zu tun + gehabt hätte, wäre die Seekrankheit gewesen, und da sich gegen diese bekanntlich + überhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja sicher ganz am Platze gewesen. Mein + Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum Ausruhen gehabt, daß ich (wahrscheinlich + unter dem verheerenden Einfluß der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt + „Ferien vom Ich“ gekommen sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse + schicken, mir auch sonst alle mögliche Förderung angedeihen lassen; denn das + moderne Weltbad spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es wäre + nur zu bedauern, wenn sich die Neugründung nicht bis zum nächsten Fasching + hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnügungsprogramm von Neustadt würde es + sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit hieße: Morgen + Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt „Ferien vom Ich“. Ängstliche seien + versichert, daß ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu befürchten ist, da sich dieser + in der Waltersburger Anstalt nur ganz harmlos und kindlich äußere. </p> + <div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war der Begrüßungsartikel, der meiner Gründung von dem freundnachbarlichen + Neustadt zuteil wurde. <span class="tei tei-pb" id="page106">[pg 106]</span><a name="Pg106" id="Pg106" class="tei tei-anchor"></a>Stefenson brachte ihn mir persönlich. Er + beobachtete mich, als ich ihn las. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Niedlich!“ sagte ich; „ich hätte das den Kerlen gar nicht zugetraut.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, sehen Sie“, atmete Stefenson auf, „es freut mich, daß Sie nicht entrüstet + sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen wollen. Der Artikel + ist wirklich nett.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eine der nächsten Nummern der „Umschau“ beschäftigte sich mit Mister Stefenson. + Es hieß darin, nach authentischen Auskünften aus Amerika sei Mister Stefenson, + der bekanntlich das Waltersburger Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der + merkwürdigsten Geschäftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. + Seine geschäftliche Laufbahn habe Stefenson als Küchenboy in einem Hotel vierten + Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Löffel, über den jenes Hotel + verfügte, eines Tages verschwand und ganz zufällig in der Pappschachtel, die des + jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, aufgefunden wurde, wohin er auf eine + Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz unerklärliche Art gekommen wäre, sei der + vielversprechende junge Mann nach Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom + Unglück verfolgt worden. Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm + den Jüngling wegen angeblichen Pferdediebstahls hingen, riß und also + gewissermaßen ein Zeichen vom Himmel für die Unschuld des Gerichteten vorlag, + hätten die barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fürchterlich + geprügelt, daß Stefen<span class="tei tei-pb" id="page107">[pg 107]</span><a name="Pg107" id="Pg107" class="tei tei-anchor"></a>son zwei künstliche Rippen als Andenken an + jenes Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die + Waltersburger im Begriff ständen, zu ihrem Ehrenbürger zu machen, sei ebenfalls + recht bewegt und reich an Zwischenfällen gewesen. Stefenson sei einmal als + Kutscher bei einem großen Petroleumtransport engagiert gewesen. Dieser Transport + sei von Indianern überfallen, die ganze Begleitmannschaft tot- und sämtliche + Petroleumfässer entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson sei am Leben geblieben, + da er so vorsichtig war, bei der herannahenden Gefahr als erster zu fliehen. Es + habe sich nun so gefügt, daß Stefenson am nächsten Tage zwei abenteuernde, + reiche, aber recht dumme Kerls in einer benachbarten Stadt getroffen und diese + vertraulich auf ein Gelände aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke + Petroleumquellen vorhanden seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem + er die Spuren des Überfalls gründlich beseitigt hatte, auf das Gelände geführt, + allwo noch ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen hätten + sich bereit erklärt, an Stefenson zunächst mal fünfhundert Pfund zu zahlen, + damit er alles Nötige für die Erschließung der Quellen in die Wege leite. Als + sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst überlegt habe, hätte er + sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, müsse er an der Ergiebigkeit des + Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern lieber weitere unnötige + Kosten ersparen und, ohne sich erst durch „Good bye“ und andere + Abschiedsförmlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago verschwinden. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page108">[pg 108]</span><a name="Pg108" id="Pg108" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die fünfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), die + Stefenson mitgenommen habe, hätten die Basis für seine weiteren geschäftlichen + Unternehmungen gebildet, für Unternehmungen, die nicht weniger originell als die + Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei Stefenson nach und nach zu einem + gewissen Vermögen gekommen. Da aber die engherzigen amerikanischen Richter + öfters an Herrn Stefensons Geschäftsusancen Anstoß genommen und es dem sonst + ganz anspruchslosen Manne trotz der geradezu luxuriösen Ausstattung der + amerikanischen Gefängnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den + Einfall gekommen, sein Wirkungsfeld vorübergehend mal nach Deutschland zu + verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das weiße + Lamm im grünen Felde in ihrem Wappen führe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in große Aufregung. Stefenson + verstand mich nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist wahr“, sagte er; „der Artikel könnte farbenreicher gehalten sein, die + Geschehnisse sind etwas nüchtern gegeben, aber, mein Lieber, der heutige + Geschmack verpönt das Allzukrasse. Ich finde den Artikel ausgezeichnet, viel, + viel besser als den, der neulich über Sie in dieser Zeitung stand.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson!“ schrie ich ihn an; „sehen Sie denn nicht ein, daß uns dieser + Zeilenschmierer, dieser Süffling unmöglich macht? Jetzt bleibt nicht anderes + mehr übrig, jetzt müssen Sie den Mann verklagen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, glauben Sie, daß ich toll bin?“ entgegnete <span class="tei tei-pb" id="page109">[pg 109]</span><a name="Pg109" id="Pg109" class="tei tei-anchor"></a>Stefenson. Ich + erzählte ihm, was schon der Artikel über mich für allerhand Unheil angerichtet + habe. Nicht bloß, daß sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe geweint + habe, ich hätte gehört, wie die Leute hinter mir zischelten. „Stefenson, unseren + guten Ruf müssen wir behalten, sonst sind wir ruiniert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Guten Ruf?“ verwunderte er sich. „Wie kann man seinen guten Ruf behalten, wenn + man Geschäfte macht? Das ist doch unmöglich. Er wird einem doch + selbstverständlich kaputt gemacht. Wenigstens äußerlich – in der gegnerischen + Presse – das ist ja unausbleiblich. Darüber regt man sich doch nicht auf!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Brüllen tönte von der Straße herauf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Pferdedieb! – Der Löffelstehler! – Der Petroleumstänker! Raus, raus!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson lugte durch die Gardine. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstädtisch. + Petroleumstänker ist bei der Kürze der Zeit schon ein ganz gut geprägter Zuruf!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson, es geht nicht – Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie sind + hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Desto besser.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Geschäftsleute werden nicht mehr liefern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gegen bar werden sie bestimmt liefern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen Artikel + nicht Zeile für Zeile in öffentlichem Gerichtsverfahren als Lüge brandmarken.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page110">[pg 110]</span><a name="Pg110" id="Pg110" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das soll mir gewiß nicht einfallen“, lachte er. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. Das + Lärmen auf der Straße wurde indes lauter, die demonstrierende Schar wurde + größer. Da verließ mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen Zylinderhut + bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg betroffen und gab + eine Gasse frei, dann lärmten die Leute hinter Stefenson her. Ich war so + verbittert, daß ich wohl eine Stunde lang planlos vor der Stadt am Bache hin und + her ging, ehe ich Stefensons Büro aufsuchte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?“ fragte er gleich bei + meinem Eintritt. „Seinen Kontrakt mit mir hat er gelöst. Der Esel! Mir hat er + einen großen Gefallen getan; denn ich weiß einen tüchtigeren und billigeren + Mann, als er ist, und bin froh, daß ich ihn loswurde. Glück muß man haben!“ Er + rieb sich die Hände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson“, sagte ich ernst; „wir werden wohl unsere Kontrakte alle + lösen müssen. Denn obwohl ich natürlich von dem Schundartikel eines verkommenen + Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, daß unsere Situation + hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem Schmutz, der auf Sie geworfen + wurde, reinigen. Wir vermögen nicht ohne die Achtung unserer Mitbürger zu + bestehen. Wir werden unmöglich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson ging mit großen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner pechschwarzen + Zigarre. Ganz milde sagte er dann: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page111">[pg 111]</span><a name="Pg111" id="Pg111" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren – meine Mutter war ja auch ’ne + Deutsche ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Ihr Großvater väterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg“, wollte ich + dazwischenwerfen, verschluckte es aber. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, also die Deutschen“, fuhr Stefenson fort, „bilden sich was ein auf den + Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Völker, gar nicht + haben. Schön – ich gebe zu, Sie haben Dichter, die ausgezeichneten Humor haben, + und auch deutsche Geisteszivilisten sind vielfach mit einer beträchtlichen Dosis + von Humor begabt. Aber das ist alles so – entschuldigen Sie – so sparsam, so + auf Kleinbetrieb, auf Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Große geht, der + fehlt Ihren Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anständiger + Mann sein Geld und seine Zeit auf eine große, aber sehr wackelige Sache setzt, + und es kommt so ’n Preßäffchen und kläfft was von Pferdedieb und + Petroleumstänker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat doch der + Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn der Leser nur ein + bißchen Hirnschmalz hat, fällt’s ihm nicht ein, ein Wort zu glauben. Aber er tut + so, als ob er’s glaubte, er mimt mit in der Maskerade und amüsiert sich dabei + königlich. Und der, dem der Feldzug gilt, wird ein bekannter, ein berühmter, ein + reicher Mann. So sind alle zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht + hat, die Leser, die eine amüsante Frühstückslektüre gehabt haben, und der Mann, + der angegriffen worden ist und seinen Profit <span class="tei tei-pb" id="page112">[pg 112]</span><a name="Pg112" id="Pg112" class="tei tei-anchor"></a>hat. Ich sage Ihnen, + in Amerika ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu + erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Öffentlichkeit angehangen zu + werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem Grunde des + Vertrauens seiner Mitbürger. Aber der Humor, Mensch, der Humor darf nicht + fehlen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wir in Deutschland haben einen anderen Humor“, sagte ich und war froh, daß es + so ist. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da kam einer unserer Bauführer und meldete kleinlaut, daß wahrscheinlich fast + alle unsere Arbeiter kündigen würden. Als er gegangen war, saß Stefenson + gesenkten Hauptes am Tisch. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Werden Sie nun begreifen“, fragte ich, „daß Sie die gerichtliche Klage + anstrengen <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">müssen</span></span>, daß es absolut Zwang + für uns ist?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann die Leute nicht verklagen“, sagte Stefenson schwermütig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie können nicht?“ fragte ich betroffen. „Warum können Sie nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weil ich den Artikel über Sie und über mich selbst geschrieben habe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in das + Neustädter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist billig. + Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der Verleger, so + daß sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in ihrem Blatte recht + kräftig zu <span class="tei tei-pb" id="page113">[pg 113]</span><a name="Pg113" id="Pg113" class="tei tei-anchor"></a>beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte so durch + zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger Stadtblatt + ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustädter „Umschau“ loslassen. + Das sollte so hübsch hinüber und herüber gehen, bis zuerst die Provinz- und dann + die hauptstädtische Presse davon Notiz nahm und im bunten Teil Auszüge brächte, + etwa unter der Überschrift: ‚Der Sturm im Wasserglase‘ oder ‚Krieg der + Zaunkönige‘ oder ‚Ein Mordsskandal in Dingsda‘ oder so ähnlich. Da hätte nun das + große Publikum auf einmal etwas von uns gehört, hätte die bittere Pille unserer + Idee in der Verzuckerung sensationellen Humors geschluckt, und überall hätte man + von uns und unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir wären + durchgewesen. Diese ganze schöne Propagandaidee hätte mich etwa lumpige tausend + Mark gekostet, und nun fällt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute + zusammen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich kam aus der Verblüffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, was zu + tun sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es stellte sich heraus, daß Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen + Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, daß also Beleg- + und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile einen kurzen + Artikel für unser „Waltersburger Tageblatt“. Er lautete: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Einen fürchterlichen Reinfall haben die Neustädter erlebt. Ihre weitverbreitete + ‚Umschau‘ hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein Druckfehler) + Schauermären über die Unternehmer der in Waltersburg zu begrün<span class="tei tei-pb" id="page114">[pg 114]</span>denden großen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu grotesker + Dummheit. Während das gebildete Waltersburger Publikum diese klatschfetten + Zeitungsenten als solche natürlich sofort erkannt hat, sollen sie gewissen + Neustädter Kreisen über die Maßen gemundet haben. Denn der Haß gegen das + aufblühende Waltersburg ist zu groß, als daß nicht auch die eselhafteste Lüge, + wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet ist, in Neustadt Glauben fände. + Wie schwer der Reinfall ist, möge folgender Aufschluß bekunden: Mister Stefenson + hat der von ihm hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmähten Stadt + ‚mit dem weißen Lamm als Wappentier‘, eine Genugtuung geben wollen, indem er die + Neustädter Bevölkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen ließ. Mister + Stefenson hat – wie vorliegende Dokumente beweisen – die beiden + aufsehenerregenden Artikel, die natürlich von A bis Z erfunden sind, nämlich + selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn Redakteur und + Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der ‚Neustädter Umschau‘ + veröffentlicht. So viel war ihm der Spaß wert. Die Neustädter aber mögen nun die + Zoologie nach einem für sie passenden Wappentier gefälligst selbst + durchforschen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drückte er mir die Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich danke Ihnen“, sagte er anerkennend; „Sie sind gar nicht so unamerikanisch.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <span class="tei tei-pb" id="page115">[pg 115]</span><a name="Pg115" id="Pg115" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, daß + ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so fabelhaft + schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten mich oft, und + wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und lärmen hörte, dachte ich + daran, wie schön es war, als noch die stillen Raine durch grüne Felder liefen. + Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich + fühlte mich auf diesen Bauplätzen außerordentlich unbehaglich, und wenn ein + schöner Baum zum Opfer fallen muß, bereitet es mir Schmerz, als ob einem + unschuldigen Freund ein großes Unrecht geschähe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein Haus + immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich glaube, ich + sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, wie ich es träume. + Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. Erst, wenn „aufgeräumt“ + sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu gefallen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im + Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft werden. + </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page116">[pg 116]</span><a name="Pg116" id="Pg116" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc23" id="toc23"></a><a name="pdf24" id="pdf24"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Joachim</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: „Treffe drei Uhr fünfzig + nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim.“ Das Telegramm war frühmorgens + in Berlin aufgegeben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Erst langsam begriff ich, daß da etwas Wunderliches geschah, daß mein + verschollener Bruder plötzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiß durchs Herz, und + ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzählen. Aber ich ging zuerst zu + Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgültig: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß nicht, wie ich’s mit der Mutter machen soll.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Mutter würde ich vorläufig nichts sagen. Sie wissen ja noch nicht, warum + Ihr Bruder heimkommt. Also sprechen Sie erst mit ihm.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diesem Rate folgte ich. Schon kurz nach drei Uhr war ich auf dem Bahnhof. Ich + verbrachte qualvolle Minuten des Wartens. Als aber der Zug einlief, war ich ganz + ruhig. Ich sah Joachim an einem Fenster stehen und winkte ihm zu. Als er + ausgestiegen war, sagte ich: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page117">[pg 117]</span><a name="Pg117" id="Pg117" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Willkommen, Joachim; ich freue mich, daß du gekommen bist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sein Gesicht war bleich, und die Hand, die er mir gab, war feucht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weiß es die Mutter?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein. Ich wollte erst mit dir sprechen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist gut. Ich kann wohl am besten hier in einem Hotel unterkommen. Ich heiße + Harton, verstehst du, Doktor Harton aus Baltimore.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sprach mit einem Gepäckträger; dann fuhren wir nach einem Hotel. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unterwegs fragte ich ihn: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bist du gesund?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja – oder auch nein – ach Gott, ich weiß es selbst nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wollte Joachim erst Zeit lassen, sich zu waschen und ein wenig auszuruhen, + aber er nötigte mich bald mit auf sein Zimmer. Auf seinem Reisekoffer saß er, + den Mantel noch um die Schultern, und sprach mit gepreßter, etwas stoßender + Stimme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da bin ich nun doch hierhergekommen. Ich hätte es nie für möglich gehalten. + Aber als wir anfingen Briefe zu wechseln, verlor ich meine Sicherheit – das + Heimweh – das quälende Heimweh ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich trat ans Fenster und sah auf die Straße. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wandte mich ihm wieder zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz, warum habt ihr eigentlich dieses Attentat – nun ja, ich muß schon + Attentat sagen, es hat mich ja <span class="tei tei-pb" id="page118">[pg 118]</span><a name="Pg118" id="Pg118" class="tei tei-anchor"></a>ganz wehrlos gemacht – warum habt + ihr eigentlich diese Geschichte mit dem Tagebuch gemacht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was für eine Geschichte mit dem Tagebuch?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, daß du mir durch diesen Mister Stefenson, der ja wohl mit dir geschäftlich + verbunden ist, dein Tagebuch über Waltersburg hast schicken lassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich dir mein – hast du denn mein Tagebuch geschickt erhalten?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, natürlich. Nicht das Original, aber eine Maschinenabschrift.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh, dieser Mensch – dieser Stefenson!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weißt du gar nichts darum?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nichts! Gar nichts! Stefenson hat sich zwar mal meine kleinen Aufzeichnungen + entliehen; aber ich habe geglaubt, das geschehe nur aus purer Neugier. Nun hat + er eine Abschrift machen lassen und sie dir geschickt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Ich bekam die Blätter im Juli. Ein Vierteljahr lang habe ich es + ausgehalten, sie ungelesen in einer Schublade zu verwahren; ich habe sie + manchmal verbrennen wollen, aber nicht den Mut dazu aufgebracht, und habe sie + endlich doch gelesen, täglich wieder gelesen, bis meine Kraft alle war, so daß + ich notdürftig meine Angelegenheiten ordnete, und – und nun eben da bin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + <a name="corr118" id="corr118" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„Das</span> haben meine wenigen Aufzeichnungen zuwege gebracht?“ + fragte ich verwundert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, du weißt nicht, was das heißt, keine Heimat mehr zu haben. Die anderen + Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue Heimat, neue + Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfühlen. Ich habe nichts + <span class="tei tei-pb" id="page119">[pg 119]</span><a name="Pg119" id="Pg119" class="tei tei-anchor"></a>von alledem gesucht und bin ganz losgelöst von aller Wurzelerde gewesen. Da + ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von dem alten Nest + Waltersburg, nicht die Berichte über die Mutter, selbst die Geschichten über das + Spießertum in der Heimat haben eine – nun ja, ich gestehe es – eine rasende + Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann auch das – auch das – aber + lassen wir das!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht über die + Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah, in wie + schwerer Erregung der Mann schon war, und hütete mich, dieses ernsteste Thema + nun zur Sprache zu bringen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, riß dann + plötzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich mit + hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach Gott, ich bin doch froh, daß ich hier bin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir reichten uns stumm die Hände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, Joachim, wollen wir uns aber freuen und als Männer beraten, was zu tun + ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sah mich von der Seite an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du weißt wohl natürlich auch nicht, daß mich Mister Stefenson als zweiten Arzt + für dein Sanatorium berufen hat?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hat er das?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, allerdings nur unter der Bedingung, daß mir deine Idee von den Ferien vom + Ich eingeht. Und sie geht <span class="tei tei-pb" id="page120">[pg 120]</span><a name="Pg120" id="Pg120" class="tei tei-anchor"></a>mir ein, mein Junge; sie ist vernünftig + und fruchtbar; ich gratuliere dir dazu!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eine rote Welle schlug mir ins Gesicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schönen Dank, Joachim. Du weißt, wie sehr ich dich immer mir für überlegen + gehalten habe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er winkte, schwermütig den Kopf schüttelnd, ab. Dann setzte er sich mir + gegenüber und ergriff wieder meine Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sieh mal, Junge, daß du mich nun fünf Jahre lang gesucht hast – das – nun ja, + es gibt eben Schulden, die sich nicht bezahlen lassen. Was nun aus mir wird, + weiß ich nicht. Ich will allen Starrsinn ablegen; ich will mich mal ganz wieder + von den Wellen der Heimat treiben lassen, ich will auch gutem Rat zugänglich + sein. Aber ich möchte nicht erkannt werden; ich möchte nicht, daß all der + Schwatz und Klatsch – ach, laß uns die heilige Stunde nicht durch schmutzige + Erinnerung verderben. Wenn es möglich wäre, daß ich als Doktor Harton aus + Baltimore vor den Leuten gälte, sähe ich mir gern auf einige Zeit das Leben in + der Heimat an. Da kam mir der Vorschlag dieses kuriosen Mister Stefenson, als + Arzt in eure Anstalt einzutreten, ganz gelegen. Jeder legt dort seinen Namen ab, + jeder lebt unerkannt seinen Tag, jeder ist fern von dem glücksfeindlichen + Schwarm, der einem aus der Vergangenheit nachdringt, kurz, lieber Fritz, ich + möchte der erste sein, der in deiner Zufluchtsstätte Ferien macht von seinem + Ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Beide Hände streckte ich dem Bruder entgegen. Wie ein offenbares Zeichen + himmlischen Segens für meine <span class="tei tei-pb" id="page121">[pg 121]</span><a name="Pg121" id="Pg121" class="tei tei-anchor"></a>Gründung stand der langvermißte + Bruder vor mir als erster und willkommenster Gast meines Ferienheims. Wie konnte + sich ein Glück herrlicher fügen! In dem überströmenden Gefühl des Augenblicks + sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Joachim, du hast diese Stunde eine heilige genannt. Zürne mir nicht, wenn ich + dich nun noch bitte: sprich auch ein einziges gutes Wort von der kleinen Luise.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da wurde sein Gesicht finster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann noch nicht – laß mir Zeit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und ich schwieg. Es wurde still in der Stube. Der Abend dunkelte durch die + Fenster. Allmählich aber kam die Unterhaltung wieder auf. Wir entwarfen Pläne + für die nächste Zukunft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir nach mehreren Stunden nach dem Speisesaal des Hotels kamen, saß dort + Mister Stefenson. Ich ging sofort auf ihn zu und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson, das ist sicher: Sie sind einer der größten Prachtkerle der + Welt. Da ist er – mein Bruder Joachim – den Sie heimgezaubert haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson antwortete mir nicht, schüttelte aber dem Bruder herzlich die Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist schön, daß Sie gekommen sind. Hergezaubert habe ich Sie zwar nicht; + denn ein Mann wie Sie läßt sich nicht herzaubern. Aber daß Sie gekommen sind und + uns bei unserem Bau helfen wollen, ist ein Glück; denn Ihr Bruder hat zwar + Phantasie und auch sonst brauch<span class="tei tei-pb" id="page122">[pg 122]</span><a name="Pg122" id="Pg122" class="tei tei-anchor"></a>bare Eigenschaften, aber im ganzen + ist er ein Schwärmer.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Danke, Mister Stefenson!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „O bitte!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir setzten uns zusammen. Stefenson kam sofort aufs Geschäftliche. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, Doktor Harton, den ganzen Bau, wo wir die elektrischen Bäder, + überhaupt alle klinischen und medizinischen Einrichtungen unterbringen wollen, + habe ich trotz des Widerspruchs meines geehrten Kompagnons bis jetzt nur in den + Außenumrissen fertiggestellt; die endgültige innere Einrichtung sollte bleiben, + bis Sie kämen; denn Sie haben in solchen Dingen große Erfahrung, da Sie sich + schon zweimal organisatorisch sehr bewährt haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Woher wissen Sie das?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, ich habe mich doch selbstverständlich in mehreren guten Auskunftsbüros über + Sie erkundigt. Wenn Sie nichts getaugt hätten, hätte ich mich doch auch nicht um + Sie bemüht. Aber wir brauchen Sie! Deshalb schickte ich Ihnen das Tagebuch.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Verärgert fuhr ich den Krämer an: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben also wieder nur ans Geschäftliche gedacht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na selbstverständlich, Sie verwundertes Unschuldslamm! Woran soll man denken + als ans Geschäftliche, wenn man ein nicht gar zu schlechter Kaufmann ist?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim lächelte; mir aber stürzte wieder einmal ein <span class="tei tei-pb" id="page123">[pg 123]</span><a name="Pg123" id="Pg123" class="tei tei-anchor"></a>gläsernes + Tempelchen ein, in das ich meinen Götzen Stefenson gesetzt hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson nahm nun meinen Bruder ganz in Anspruch. Er fragte über tausend Dinge + aus Amerika. Ich schwieg. Vielleicht war es ganz gut, daß der durch die Heimkehr + äußerst aufgeregte Bruder zunächst durch die trostlos nüchternen Schwadronaden + dieses Kaufmanns Stefenson abgelenkt wurde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir hatten schon Abendbrot gegessen, als sich Stefenson verabschiedete. Er + erzählte, er habe einen kleinen Neffen. Der Vater sei tot, die Mutter an einen + gefühllosen Mann wieder verheiratet, der dem sechsjährigen Knaben ein Stiefvater + sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in Hamburg. Er wolle den + Knaben, der Georg heiße, mal probeweise zu sich nehmen; vielleicht, daß etwas + aus ihm würde. Die Gründung einer so neuen Gemeinde mit allem ihrem Drum und + Dran müsse ja auf einen Jungen einen tiefen Eindruck machen und ihm fürs ganze + Leben einige stählerne Gerüstschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also + mit dem Nachtzug reisen, und er hätte es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof + begleitete, da er wegen der Vertretung manches Geschäftliche mit mir noch zu + erledigen habe, womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der + Straße waren, sagte Stefenson: „Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie + mir nicht hinterher wieder aus dem Häuschen fallen und alles verderben. Also, + mein kleiner Neffe, der Georg, ist nämlich gar kein Junge, sondern ein Mädchen + – er ist die kleine Luise.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page124">[pg 124]</span><a name="Pg124" id="Pg124" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson, Sie sind toll!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein. Ich bin vernünftig. Die kleine Luise muß Ferien von ihrem Ich machen. Als + Mädel ist es ihr hundsmiserabel gegangen, ausgenommen die letzten dreiviertel + Jahr, wo sie in dem Institut war, aber auch dort mehr Strenge als Liebe, mehr + Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus soll sie aus ihrer Haut, ein Junge + werden, Courage kriegen, dieses Ducken abgewöhnen, wenn eine Hand nach ihr faßt; + nein, sich selbst ’rumhauen mit Buben und Straßenbösewichten und immer bei mir + sein und da eine gerechte Behandlung haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Großes an meinem + Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum Aufschieben seiner Idee + zu bewegen. Er schlug es rund ab. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in dem + Thüringer Institut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es in der + Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewußtsein seiner Kraft + und seines eigenen Wertes zu erziehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte, daß Mister Stefenson in die kleine Luise vernarrter war, als je ein + Vater oder Großvater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter irgendeinem + Vorwand einmal nach Thüringen verschwunden; das Mädchen hatte sich an den Mann, + den sie als ihren liebevollsten Freund erkannte, jedenfalls dankbar + angeschlossen, und dem alten Seehund, den wahrscheinlich nie eine zärtliche Hand + gestreichelt hatte, tat diese Kindesliebe so wohl, <span class="tei tei-pb" id="page125">[pg 125]</span><a name="Pg125" id="Pg125" class="tei tei-anchor"></a>daß er diesmal + auf allen kaufmännischen Vorteil vergaß und wie ein verliebter Narr handelte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mochte er es tun! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson reiste ab. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie hatte er gesagt? Keine Gewalt der Erde wird mich hindern, das Kind zunächst + mal in der Tracht eines Knaben zu erziehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Drei Tage nach Stefensons Abreise bekam ich einen Brief von ihm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> </p><div class="tei tei-text" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">„Mein Lieber! Die Idee, Luise als Knaben zu kleiden, habe ich aufgegeben. Denn + sie will nicht. Sie heult, daß sie ein Junge werden soll. Auch die Haare mag sie + nicht abgeschnitten kriegen. Da ist nichts zu machen; Luise bleibt ein Mädel. + Hier lasse ich sie aber nicht; sie hat es viel zu schlecht. Ich will mal sehen, + daß ich das Kind zunächst in Neustadt unterbringen kann. Ich weiß da eine gute + Familie, die mir den Gefallen gegen Entschädigung tun wird. Und ich kann dann + die Erziehung täglich beaufsichtigen. Diskretion Ehrensache, namentlich gegen + Ihren Bruder, der mir für die Erziehung des nur außerordentlich geschickt zu + behandelnden Kindes nicht geeignet erscheint. Wir kommen Montag mit irgendeinem + Zug. Am Bahnhof zu erwarten brauchen Sie uns nicht. </p><div class="tei tei-signed" style="text-align: right">Stefenson.“</div></div></div> + + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am nächsten Tage sollte ich Joachim zum Heimweg abholen und hatte versprochen, + vorher die Mutter zu unterrichten. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page126">[pg 126]</span><a name="Pg126" id="Pg126" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir saßen beim Frühstück zusammen; ich versuchte ein paar Anläufe, brachte aber + die Botschaft nicht heraus. Die Mutter verwunderte sich sehr. Dann machte ich + einen Spaziergang durch die Stadt. Als ich zurückkam, stand die Mutter am + Fenster und schaute wie so oft dem Sprudeln des Johannisbrunnens zu. Die ersten + Schneeflocken flogen durch die Luft und hüllten den Platz in traulichen weißen + Schimmer; aber die Sehnsucht dieser Frau ging wieder in die Weite, und sie sah + nichts von der silbernen Pracht um sich her. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch ich war jahrelang in der Fremde. Doch ich war überzeugt, die Mutter hatte + kaum einmal an mich gedacht, wenn sie an Joachim siebenmal dachte. Ich ging an + ihrer Tür vorbei nach meinem Zimmer. Da saß ich, bis es hohe Zeit war, nach + Neustadt aufzubrechen, um zur verabredeten Stunde dort zu sein. Endlich sagte + ich mir, daß ich ein Geselle von kindischer Eifersucht sei, und ging in das + Zimmer der Mutter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe dir etwas mitzuteilen, Mutter; erschrick nicht!“ sagte ich, und die + nervöse Frau erschrak natürlich aufs schwerste. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es handelt sich um Joachim!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gottes willen – ist ihm etwas passiert – ist er in Not – willst du zu ihm + fahren?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich mußte lächeln. Zu ihm fahren! – Daß ich damit mein Lebenswerk aufgegeben + hätte, daran dachte die Mutter nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist nichts Schlimmes, Mutter; es ist etwas Gutes, was ich dir von Joachim zu + sagen habe.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page127">[pg 127]</span><a name="Pg127" id="Pg127" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sage es mir, Fritz, will er – will er nach Hause kommen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, er kommt schon heute.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da stieß sie einen Schrei aus, dann weinte sie laut, schlug in die Händchen, + rannte durchs Zimmer und sprach laute Dankesworte zu Gott, der ihr das größte + Glück beschieden habe, das es für sie gebe. Als sie etwas ruhiger wurde, fragte + sie: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und er ist ganz von selbst gekommen, oder hast du ihm noch einmal geschrieben, + daß er kommen soll?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schüttelte den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ganz von selbst gekommen“, sagte sie selig; „der treue Sohn!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In trockenem Tone entgegnete ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mutter, es wird lange dauern, ehe ich mit Joachim eintreffe, den ich in + Neustadt abhole. Erst in der Dämmerung kommen wir. Inzwischen rege dich nicht + allzusehr auf und vergiß nicht, deinen Baldriantee zu trinken.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das nahm sie ungnädig auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Baldriantee – wie kannst du jetzt von so etwas reden. Ich werde natürlich mit + nach Neustadt fahren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Mutter; Joachim wird nur unter der Bedingung hier leben, daß er von den + Leuten nicht erkannt wird. Deshalb wird er als Arzt in meine Kuranstalt + eintreten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und nicht bei mir wohnen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, er wird im Ferienheim wohnen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „O – o du nimmst ihn mir?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page128">[pg 128]</span><a name="Pg128" id="Pg128" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich nehme ihn dir nicht –“, entgegnete ich unwillig; „mache mit Joachim selbst + ab, wie ihr es halten wollt; ich werde mich da nicht einmischen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging verdrossen meines Weges. Aber draußen im Winterwalde wurde mein Herz + wieder warm; ich war glücklich. Immer, wenn ich mich glücklich fühle, habe ich + Lust, etwas Gutes zu tun. Heute fiel mir nichts anderes ein, als daß ich bald + eine Anzahl von Futterplätzen und Nistkästen für die Vögel in meinem Ferienheim + anbringen würde, auch auf die Gefahr hin, als Gäste lauter Sperlinge zu mir zu + ziehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter! – Nun würde sie wohl das Haus von unterst zuoberst kehren und alle + Leckerbissen bereiten, die sie auftreiben konnte. Wahrscheinlich würde sie meine + beiden geräumigen Zimmer für Joachim einrichten und mich nach der Giebelstube + <a name="corr128" id="corr128" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">umquartieren</span>. Ich war schon wieder + eifersüchtig und voll häßlichen Mißtrauens, und es fiel mir ein, daß es besser + wäre, sich auf Mutter und Bruder zu besinnen, wenn man was Gutes tun will, als + auf die Spatzen ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es lag dichter Nebel auf der Chaussee, als ich mit Joachim heimging. Nicht + einmal die Kuppe des Weihnachtsberges war zu erkennen. Die Heimat hatte ihr + Haupt verhüllt wie eine schmollende Frau. Und Joachim ging stumm und betreten + neben mir her, fast wie ein Sünder. Er war auch ein solcher; denn er hatte sein + Herz verhärtet, und alle Herzensverhärtung ist Sünde. </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Kommt wieder heim aus fremdem Land.</div> + <span class="tei tei-pb" id="page129">[pg 129]</span><a name="Pg129" id="Pg129" class="tei tei-anchor"></a> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Sein Haar ist bestaubt, sein Antlitz verbrannt,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Von wem wird der Bursch wohl zuerst erkannt?“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war ganz, wie es Vogl in seinem alten, hübschen Gedichte schildert: die Leute + kannten Joachim nicht mehr. Er war schon in seinen letzten Studentenjahren + selten zu Hause gewesen, als verheirateter Mann fast gar nicht, und dann kamen + die Auslandsjahre, da sein Kopfhaar dünn und sein Bart dicht wurde und die Zeit + die große Retouche an seinem Gesicht vollzog – er war ein anderer geworden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In sieben Jahren soll sich der Körper des Menschen ganz erneuern. So wanderte + jetzt kein Atom dessen mehr nach der Heimat zurück, was vor sieben Jahren + auszog. Hätte Joachim keine Seele gehabt, so wäre wirklich ein ganz fremder, ein + ganz anderer Mensch nach Hause gekommen. Dem Bäcker Schiebulke begegneten wir. + Er war Joachims Angelkamerad gewesen. Jetzt fühlte er sich geehrt, daß ich ihn + auf der Straße anhielt, und eilte gewiß alsbald ins nächste Gasthaus mit der + Kunde, daß ein Dr. Harton aus Neuyork angekommen + sei als zweiter Arzt für das Ferienheim, und es müßten doch schon massenhaft + Kurgäste angemeldet sein, wenn man schon einen zweiten Arzt brauche. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch der alte Sanitätsrat lief uns in den Weg. Er war zwar nicht gut auf mich zu + sprechen, aber er ging doch nicht an uns vorbei und begrüßte den „Herrn Kollegen + von drüben“, den ich ihm vorstellte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch die Frau Provisor, von der erzählt wurde, sie hätte, als sich Joachim + verlobte, mit negativem Erfolg <span class="tei tei-pb" id="page130">[pg 130]</span><a name="Pg130" id="Pg130" class="tei tei-anchor"></a>zwei Schachteln schwedische + Streichhölzer abgelutscht, um ihr gebrochenes Herz zum Schweigen zu bringen, sah + den ehemals Heißbegehrten jetzt nur neugierig an und ging vorüber. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So näherten wir uns dem Johannisplatz. Joachims Schritte wurden kleiner und + langsamer, sein Stock stampfte hart auf das Pflaster. Irgendwo stand wohl jetzt + der Mond; denn der Nebel über dem Johannisplatz war durchsichtig und silberhell. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der alte Brunnen!“ sagte Joachim leise; „es ist merkwürdig, daß meine Gedanken + meist um den alten Brunnen gingen, wenn ich an die Heimat dachte.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun näherten wir uns dem Vaterhause und standen am Brunnenrand; da blickte + wirklich wie in alten Kindertagen die Mutter auf uns herab. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim stützte sich auf das Gemäuer, und weiße Tropfen aus der Schale Baptistas + besprengten seine Hand wie mit einem Weihwasser, ehe er in das Heiligtum seines + Vaterhauses eintrat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich stieg mit ihm die Treppe hinauf und öffnete nach leisem Klopfen die Tür zur + Mutter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah noch, wie beide mit leisem Aufschluchzen die Arme ausbreiteten, schloß + die Tür und blieb draußen. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page131">[pg 131]</span><a name="Pg131" id="Pg131" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc25" id="toc25"></a><a name="pdf26" id="pdf26"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Weihnachten</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson ist an dem von ihm angegebenen Tage nach Hause gekommen. Auf meine + Frage nach der kleinen Luise entgegnete er grob, ich solle mich nicht in seine + Privatangelegenheiten mischen; hätte ich mich früher nicht um das Kind + gekümmert, wo es das Mädel nötig gehabt hätte, so sei meine Anteilnahme jetzt + völlig überflüssig. Das gleiche könne er auch nur mit Bezug auf meinen Bruder + sagen; er hätte sich jetzt schon Vorwürfe über dessen Berufung gemacht. Da + könnten bloß Schwierigkeiten entstehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson“, sagte ich, „Sie benehmen sich wie ein Drache, der die + verwunschene Jungfrau behütet.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Drache hin, Drache her; ich geb’ sie nicht heraus“, knurrte er. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das sollen Sie ja gar nicht; wir überlassen Ihnen ja das Kind.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wirklich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wirklich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, dann ist es gut!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson hat die Waltersburger zu einem Festabend im großen Theatersaal des + neuen Rathauses berufen (der Name Rathaus ist beibehalten worden, obwohl wir <span class="tei tei-pb" id="page132">[pg 132]</span>keinen eigenen Bürgermeister haben werden). Dieser Theatersaal ist + Hals über Kopf fertiggestellt worden. Er könnte schöner sein. Aber er ist + geräumig, und die Akustik ist gut. Auch ist eine hübsche Liebhaberbühne da. + Sonst sieht es im Rathaus noch sehr wild aus, und es gehörte viel Tannenreisig + dazu, um die unfertigen Wände, Kalkkübel und Schutthaufen zu maskieren, die in + der Nähe des Treppenhauses einen unschönen Anblick bieten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Lehrer Herder hat ein Melodram geschaffen. Der Mann dichtet, komponiert und + malt. Über braven Dilettantismus geht es bei Herder nirgends hinaus, aber er + schafft für den Hausbedarf brauchbare, gefällige Sächelchen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Einladung ist wieder an alle Volkskreise ergangen nach dem Noahrezept: „Von + jeder Art zwei Pärchen.“ Dazu sind alle Kinder geladen, die zum großen Teil bei + dem Melodram mitspielen. Die Tatsache, daß die Kleinen auf Stefensons Kosten die + Gewänder geliefert erhielten, die zu ihren Rollen gehören, hat dem Spender + vollends die Sympathie der Stadt verschafft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Festsaal war denn auch beängstigend voll – zugleich für Joachim die große + Probe, ob er erkannt werden würde oder nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wurde nicht erkannt. Die Leute betrachteten ihn mit der Neugier, die dem + überseeischen Arzt galt, von dessen Ankunft sie alsbald mit der gläubigen + deutschen Ausländerverehrung gesagt hatten, nun müsse es wirklich eine gute + Kuranstalt werden, da sogar ein amerikanischer <span class="tei tei-pb" id="page133">[pg 133]</span><a name="Pg133" id="Pg133" class="tei tei-anchor"></a>Arzt mittue. Von + der Zeit an schienen den Waltersburgern die Neustädter geschlagen; denn Neustadt + hatte nur deutsche Ärzte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich besuchte diese harmlose Weihnachtsfeier mit erregtem Herzen. Einige Tage vor + dem Festabend war mir Herder begegnet und hatte mir mitgeteilt, daß nun in + seinem Melodram sogar die eigene Nichte von Herrn Stefenson eine Hauptrolle + übernehmen und ein kleines Liedchen singen würde. Ich verbarg mühsam meinen + Schrecken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Herder erzählte weiter: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe mit der Kleinen – die Leute sagen, es sei die Tochter des + amerikanischen Petroleumkönigs – eine Probe gemacht. Sie hat eine allerliebste + Stimme, aber sie erscheint etwas schüchtern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich verabschiedete mich und ging sofort zu Mister Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist unerhört ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wußte augenblicklich, was ich meinte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gar nichts ist unerhört“, unterbrach er mich rauh. „Die Nichte von Mister + Stefenson kann auftreten und singen, wo sie will. Sie muß auftreten, sie muß + ihre Schüchternheit überwinden. He, Sie scheinen mir ein schöner Psychologe zu + sein, wenn Sie solche Momente außer acht lassen wollen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was hatte es für Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun mußte eben + durchgehalten werden ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter saß mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an der + Bühne. Ich sah und hörte <span class="tei tei-pb" id="page134">[pg 134]</span><a name="Pg134" id="Pg134" class="tei tei-anchor"></a>kaum etwas von dem Melodram, von dem + Gewimmel von Zwergen, Kobolden, Nußknackern, Pfefferkuchenmännlein, + Tiergestalten, Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum üblichen + Weihnachtsstück gehören; ich wartete mit Herzklopfen auf den Weihnachtsengel, + als dessen Darstellerin Miß Stefenson aus Chikago auf dem riesigen roten + Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte „Bild“ übrig, nun mußte + Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Vorhang hob sich. – Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit ihrem + Kind, Joseph, die Hirten, die drei Könige; rings in Anbetung versunken knieten + Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmännlein. Es war alles in halber Nacht, nur + von einem mattroten Schein erhellt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da erschien plötzlich ein Licht über der Grotte, ein wunderschönes Engelein trat + in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Vom Himmel hoch, da komm ich her</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Und bring euch allen frohe Mär:</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Geboren ist in Davids Stadt</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Er, der des Lebens Fülle hat.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter saß wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und drückte + sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die ganze Gemeinde + saß in Andacht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim war ganz gleichmütig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page135">[pg 135]</span><a name="Pg135" id="Pg135" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson, Ihre Nichte ist ein reizendes Kind!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter wollte sofort nach Hause. Ich begleitete sie. Wir gingen stumm in dem + Menschenstrom. Erst als wir daheim angelangt waren und die Lampe angezündet + hatten, sah mich die Mutter voller Angst an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz – das Kind – dieses Kind ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah ihr ernst in die Augen und schwieg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz – sage mir – ist es – ist es? ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Es ist Luise.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sank sie auf das Sofa und verbarg den Kopf. Ich trat zu ihr. Nicht ohne + Bitterkeit sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mutter, du brauchst dich nicht zu ängstigen, das Kind wird dir nie + Ungelegenheiten machen; es ist in Mister Stefensons Pflege gut aufgehoben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So wollte ich gehen. Aber ich brachte es doch nicht fertig. Ich blieb am Tische + sitzen. Nach langer Zeit, in der nichts zu hören war als das leise Singen der + Lampe und der Schlag unserer Standuhr, stützte die Mutter den Kopf auf den Tisch + und sagte müde: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Kind ist Joachim ähnlicher, als er sich jetzt selbst ist!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach einem Weilchen meinte sie: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es wird wohl keine Möglichkeit geben, daß ich das Kind zu mir nehme?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Mutter, es gibt keine solche Möglichkeit mehr!“ Damit ging ich nach + meinem Zimmer. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page136">[pg 136]</span><a name="Pg136" id="Pg136" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc27" id="toc27"></a><a name="pdf28" id="pdf28"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Fügung ...!</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim wohnt jetzt in der Lindenherberge, wo schon einige Zimmer fertiggestellt + sind und auch der Küchenbetrieb schon im Gange ist. Im Rathaus gegenüber haust + Stefenson. Er hat seine Arbeitstätigkeit noch vermehrt und, wie er mir sagte, + keine Zeit mehr, Luises willen täglich nach Neustadt zu fahren und sich um das + „Gänschen“ zu kümmern. So wolle er das Mädel lieber zu sich nehmen. Das sei ihm + zwar sehr störend, aber was wolle er machen? Er hätte auch gefunden, daß die + Pflegeeltern in Neustadt die Sache mit Luise nicht recht verständen. Ich + grunzte. Sonst sagte ich nichts ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die weitere Ausgestaltung unserer Riesenanstalt schritt mit größter + Schnelligkeit vor sich. Da sagte Mister Stefenson eines Tages zu mir: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und nun, mein Lieber, ist es die allerhöchste Zeit, daß wir an die + Bauernrequirierung gehen. Zehn Höfe sind fast fertig, das Vieh ist rasch zu + beschaffen, ebenso die Haus- und Ackergeräte, aber das Bauernvolk, das uns + einpaßt, das will gesucht sein. Ich hatte anfangs an Agenten gedacht, aber das + ist nichts; die gehen bloß auf ihre Provision aus und schicken uns Schinder und + Plun<span class="tei tei-pb" id="page137">[pg 137]</span><a name="Pg137" id="Pg137" class="tei tei-anchor"></a>der auf den Hals. Haben Sie also die Freundlichkeit, sich + in einen Vieh- oder Getreidehändler oder, wenn Ihnen das besser liegt, in einen + Gütermakler zu verwandeln und mich morgen auf der Bauernsuche zu begleiten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun, diese Aufgabe paßte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glück + zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. Schaftstiefel, + englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit Hirschhornknöpfen und + grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, ein seidenes Tüchlein um den + Hals, eine Lodenmütze, das war meine Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die + Bauern Zutrauen entgegen, da vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine + „Juden oder Winkeladvokaten“, die sie übers Ohr hauen wollen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es wäre alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am nächsten Morgen, als die + Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht hätte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange Reise + mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedächte, daß uns das Mädel nur stören und + aufhalten würde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel“, sagte die Kleine mit einem Anflug von + schnippischem Ton. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie macht sich heraus; sie fängt an, Courage zu kriegen“, sagte der „Pappa“ + anerkennend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auf einer größeren Station stiegen wir während des Zugaufenthaltes aus, um dem + Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthändlers <span class="tei tei-pb" id="page138">[pg 138]</span><a name="Pg138" id="Pg138" class="tei tei-anchor"></a>waren, näherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich an, + dann das Kind, faßte es blitzschnell an der Hand, riß es an sich und küßte es + wie rasend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: „Aber Madame, was + tun Sie?“, und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige Leute eilten + herbei; es gab gewaltiges Aufsehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Zurück in den Wagen!“ rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. Bald + saßen wir im Abteil, und die Tür flog zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Draußen schrie eine gellende Stimme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist mein Kind – es ist mein Kind – laßt mich zu meinem Kinde! Luise! + Luise!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen fest; der + aufsichtführende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte Auskunft. Ich stieg + aus, stellte mich vor und sprach einige aufklärende Sätze. Zuletzt sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf dieses + Kind habe!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach leise + auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhängenden Armen, heftig + schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: „Haben Sie einen gesetzlichen + Anspruch auf jenes Mädchen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da schüttelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser Wagenfenster, + dann verließ die Frau den Bahnhof. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page139">[pg 139]</span><a name="Pg139" id="Pg139" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wer war die böse Frau?“ fragte Luise verängstigt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eine Verrückte“, sagte Stefenson rauh. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wird sie nie wieder zu mir kommen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, nie wieder!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie lange doch der Aufenthalt noch währte! Die Leute spazierten draußen und + gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. Endlich setzte + sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er den Bahnhof + verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da gab es einen + gewaltigen Ruck und Stoß, und der Zug stand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich riß das Fenster auf. Von der Lokomotive sprang der Heizer ab, Schaffner + eilten den Bahnsteig entlang – ein Schaffner kam zurück und gab uns Auskunft ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Über das Feld rannte jene Frau ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Weib hatte sich dicht hinter dem Bahnhof auf die Schienen geworfen, und der + Lokomotivführer hatte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen gebracht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Luise war auf die Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da rennt sie – da rennt die böse Frau!“ rief das Kind. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Laß das verrückte Weib!“ knirschte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog über die Fluren, frierende Vögel saßen auf + den Telegraphendrähten, alles, was draußen war, fror, die Bäume und die Berge, + die Tiere und die Menschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmähter Mutterliebe + im Herzen durch die kalte Flur, <span class="tei tei-pb" id="page140">[pg 140]</span><a name="Pg140" id="Pg140" class="tei tei-anchor"></a>das Kind hatte sich vor ihr + entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmäht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson saß finster in seiner Ecke. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Kind begann wieder zu sprechen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Alle verrückten Menschen sind sehr böse.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da brummte sie Stefenson an: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das kann man nicht sagen, du Gänschen! Manche Menschen können nicht mal richtig + dafür, daß sie verrückt sind.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den großen Menschen von + Tausenden kaum einer richtig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du hast aber gesagt, sie ist verrückt, und du hast es böse gesagt“, verharrte + das Kind. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dann habe ich eben eine Dummheit gesagt. Denn ich kenne die Frau nicht und kann + daher auch nicht wissen, ob sie verrückt oder böse ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Böse ist sie“, wiederholte Luise; „denn sie hat mich sehr gequetscht und mich + auch in die Wange gebissen. Sie soll nicht wiederkommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Grau rann der Regen über das Wagenfenster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> All unsere frohe Laune war dahin. Schwache, gedrückte Menschen, saßen wir da im + Zuge, der uns schnell davonführte und eine große Strecke zwischen uns und die + Sünderin legte, die uns gestört hatte in unserer Behaglichkeit, und die wir + daher nicht rasch und rauh genug abschütteln konnten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der göttliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie hätte er wohl + gehandelt in meinem Falle? Hätte <span class="tei tei-pb" id="page141">[pg 141]</span><a name="Pg141" id="Pg141" class="tei tei-anchor"></a>er die Arme beiseitegestoßen, + sich einen Beamten kommen lassen und sich hinter „gesetzliches Recht“ + verschanzt? Wäre er dann weitergefahren, fast hinweg über den zuckenden Leib, + und hätte er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit + hochmütigem Abscheu in der Seele? Oder wäre ihr der Meister nachgegangen, hätte + sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein Zweiglein vom + verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein wenig goldene + Kindesliebe für die Zukunft verheißen? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ferien vom Ich! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich werde mich vor allen Dingen erlösen müssen von allem kalten Hochmut des + Herzens und allem auch noch so „gesetzmäßigen“ Zurückstoßen der Schwachen und + Schuldigen ... </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page142">[pg 142]</span><a name="Pg142" id="Pg142" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc29" id="toc29"></a><a name="pdf30" id="pdf30"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Bauernanwerbung</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar ergebnislose + Besuche auf den umliegenden Dörfern. Wie die Werber für eine Freiwilligenlegion + kamen wir uns vor. Auf der Landstraße trafen wir aber eines Tages ein Bäuerlein, + das in einem großen bunten Taschentuch allerhand Waren eingepackt trug, die es + wohl auf dem Markte erstanden hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schaute den Bauern prüfend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges Gesicht. + Und der Mann ging zu Fuß und trug sein kleines Paket. Das war einer für uns. An + die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht wenden, die hätten uns + ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine Landwirte mußten es sein, die auf + ihrer engen Scholle ein kümmerliches Leben führten und froh waren, in eine gute + Pachtung zu kommen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson hielt das Pferd an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wollen Sie mitfahren?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee!“ antwortete der Bauer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum denn nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Bäuerlein wies auf unseren lahmen Mietsgaul. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page143">[pg 143]</span><a name="Pg143" id="Pg143" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Schimmel zieht mich nich; ich wieg’ ’n Zentner!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben wohl schönere Pferde?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee, ich hab bloß drei Zugkühe. Aber su schnell wie der Schimmel traben se + ooch.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hören Sie mal, Gevatter“, sagte ich, „Sie foppen uns. Das Pferd hat viel Geld + gekostet.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er meckerte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, da mußt ihr schöne tumme Kerle sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Lachend ging er neben unserem Wagen her, und wir fragten ihn ein wenig über die + Gegend aus. Bald kam ein Straßengasthaus, und ich lud den Bauern ein, mit uns + einzukehren und ein Glas mit uns zu trinken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nu“, sagte er, „das kann ich schon. Aber ich sag’s Ihn’ gleich ehrlich: zu + holen is bei mir nischt. Würfeln tu ich nich, und billig zu verkoofen hab ich + ooch nischt! Keene Kuh, kee Schwein, kee Getreide und ooch keene alten Schränke + und zinnernen Teller.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum vermuten Sie denn, daß wir Ihnen was abschachern wollen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, da müßt man doch euch Stadtjuden nich kenn’. Umsunst gebt ihr doch eenem + fremden Bauer keen Schnaps zum besten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da haben Sie ganz recht“, sagte Stefenson; „wir wollen etwas von Ihnen. Wir + wollen <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">alles</span></span> von Ihnen: Ihre Wirtschaft, + Ihre Kühe, Schweine und Hühner und sogar Sie selber und Ihre Frau und Ihre + Kinder.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bauer brach in helles Gelächter aus. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page144">[pg 144]</span><a name="Pg144" id="Pg144" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hatt’ ich mir’s doch gleich gedacht, daß Sie der Menschenfresser sind.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also den nehmen wir bestimmt!“ sagte Stefenson zu mir, wie wenn eine Ware zum + Verkauf stände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mich nehmen Sie?“ vergnügte sich der Bauer. „Sie sein ja der ulkigste Kerle von + der Welt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson zog die Stirne kraus. Drinnen setzte er sich dem Bäuerlein an dem + rohen Tisch der Schankstube gegenüber, nahm ein Notizbuch heraus und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie heißen Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich? – Mit’m Familiennam’ su wie mei Vater und mit’m Vornamen wie Napoleon.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mensch, wie heißen Sie! Ich muß das wissen. Es handelt sich um eine + Angelegenheit, die für Sie wichtiger ist als für uns. Sie werden schon alles + erfahren. Also, wie heißen Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie heißen <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie</span></span> denn?“ fragte der Bauer + zurück. Stefenson wurde ungeduldig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Sie es denn wissen müssen – ich bin Mister Stefenson aus Amerika, ein + sehr reicher Mann.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da könn’ Se lachen! Deswegen haben Se wahrscheinlich ooch so’n scheenes Pferd.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dummer Kerl!“ sagte Stefenson verdrossen und stand auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bauer lachte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nu hat a sich erst richtig vorgestellt, und nu steht er auf.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war Zeit, daß ich mich ins Mittel legte. Der Mann mußte wissen, um was es + sich handelte, sonst war mit <span class="tei tei-pb" id="page145">[pg 145]</span><a name="Pg145" id="Pg145" class="tei tei-anchor"></a>ihm nicht zu reden. Freilich war es + nicht leicht, so einer naiven Haut die Idee von den Ferien vom Ich klarzumachen. + Ich versuchte das auf folgende Weise: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „He, lieber Freund, haben Sie schon irgendmal einen Städter kennengelernt, der + richtig arbeitet?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee. Die Städter sein olles faule Luder. Se könn’ Heringe oder Leinwand oder + Pillen verkoofen oder in a Stuben sitzen und kritzeln, aber arbeiten könn’ se + nicht. Se schlafen ja olle bis um <a name="corr145" id="corr145" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">sieben.“</span> + </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da haben Sie recht. Und glauben Sie, daß so ein Leben, wie es die Städter + führen, gesund ist?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Miserablig ungesund is es! Se sehn ju olle aus wie Quargschnitten, und Kräfte + ham se nich die Spur. Se verfauln reeneweg.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bravo! Was Arbeit ist und was Gesundheit ist, weiß nur der Bauer. Nun wissen + Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich lieber + zu Hause.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schön. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollständig. Wenn man nun + aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind, nein, wo + lauter Bauernhöfe wären und wo die Städter, die eine Kur machen wollen, mal auf + dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten müßten, das würde doch + den Schlingeln gesund sein – nicht wahr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schön hüten und arbeiten. Wenn + se aufs Dorf komm’n, <span class="tei tei-pb" id="page146">[pg 146]</span><a name="Pg146" id="Pg146" class="tei tei-anchor"></a>saufen se einem bloß die gute Milch weg und + fressen die scheensten Birn’ von a Bäumen. Sonst tun se nischt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der Stadt + mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesünder werden wollen. Das + ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Doktors verstehn alle nischt, die Schäfer sind klüger.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das mag wohl sein; aber der Doktor, der das ausgeknobelt hat, der versteht + schon seine Sache. Sehn Sie, kurz heraus: es soll eine Kuranstalt gemacht + werden, die hat vierzig Bauernhöfe, und auf allen Höfen sollen die Kurgäste + arbeiten. Und der Mann, der jene Anstalt gründet, ist eben jener Herr dort.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der? – Vierzig Bauernhöfe? – Se sind wohl nicht recht bei sich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Doch – doch – ich werd’ Sie doch nicht belügen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie heißt er? Mister? Mister – Ausmister!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er lachte über seinen Witz. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister bedeutet ‚Herr‘. Weil er eben ein Amerikaner ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da erhob sich der Bauer. Er rief Stefenson an, der an einem anderen Tisch der + kleinen Luise eine Schinkenstulle zerteilte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie, Herr Mister, komm’n Se mal her! Zeigen Se mal Ihr Portemonnaie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zwinkerte Stefenson zu, den Wunsch zu erfüllen. Stefenson warf schweigend + seine dicke Brieftasche auf den Tisch. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page147">[pg 147]</span><a name="Pg147" id="Pg147" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bitte!“ sagte er phlegmatisch. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bauer rührte sich nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, nu kucken Sie mal nach, was drin ist!“ ermunterte ich ihn. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werd’ mich schön hüten; nachher sagen Se, es fehlt was!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mißtrauisch wie ein alter Fuchs vor der Falle, so saß der Bauer vor der + Brieftasche. Da schlug ich die Tasche auf und entnahm ihr blaue und braune + Schätze. Der Bauer schaute wie in ein Wunderland von Reichtum. Aber er rückte + beiseite. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Se su reiche Herr’n sind, warum setzen Se sich da zu mir armen Schlucker? + Zum Ausstoppen bin ich mir viel zu schade.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich gab die Brieftasche an Stefenson zurück und redete dem neuen Freunde gut zu. + Ich erklärte ihm genau, was wir mit ihm vorhätten, wie er als Pächter auf einen + unserer Höfe ziehen solle, wie wir ihm die günstigsten Bedingungen einräumen und + ihm seine eigene Wirtschaft zu gutem Preise abkaufen würden, falls er sie nicht + anderweit günstig los würde. Wie ein König solle er auf seinem Gute hausen. Die + Kurgäste sollten unter seiner Leitung arbeiten und sich an seiner guten Laune + erfreuen. Ich kriegte heraus, daß der Bauer Emil Barthel hieß, noch nicht ganz + fünfzig Jahre alt war, ein gesundes Eheweib, namens Susanne, sowie zwei kräftige + Söhne und zwei Töchter besaß, daß von den vier Kindern aber drei auswärts in + Dienst standen, da er sie auf seiner kleinen Wirtschaft nicht beschäftigen und + ernähren konnte. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page148">[pg 148]</span><a name="Pg148" id="Pg148" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, sehen Sie, Barthel, es wäre doch schön, wenn Sie alle Ihre Kinder bei sich + haben und ganz für sich arbeiten könnten. Da wäre doch auch was zurückzulegen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er saß nachdenklich da. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stoppen Se mich wirklich nich aus?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich denke nicht daran.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie kommen Se denn gerade auf mich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, wir haben Sie eben getroffen, und Sie gefallen uns.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dabei bin ich doch dem Herrn Mister grob gekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das schadet nichts. Den Kurgästen werden Sie auch manchmal grob kommen müssen. + Das gehört zur Kur.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sind Sie auch so eener, der dort Bauer wird?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, ich bin der Doktor, der alles ausgetiftelt hat.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „’n Doktor sind Se? So sehn Se aber nich aus!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm! Nun, so ein Doktor wie die andern bin ich auch nicht. Mehr so ’n halber + Schäfer.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh, das wär nich schlecht! Aber ich glaub’s nich; ich kann’s nich glauben!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zog einen Umschlag mit Photographien aus der Tasche. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jetzt werd’ ich Ihnen mal Bilder von unseren Höfen zeigen. Da – das ist ein + Wohnhaus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das? – Das is ja ’n Schloß!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, wir haben schöne Wohnhäuser. Sie sollen ja mit Ihrer Familie nicht allein + in dem Hause wohnen; es sollen ja auch noch zwanzig Kurgäste drin Platz haben.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page149">[pg 149]</span><a name="Pg149" id="Pg149" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dunnerwetter!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und das ist die große Wohnstube, und so sieht der Kuhstall aus und so die + Scheuer.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er atmete schwer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie groß ist denn die Wirtschaft?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hundert Morgen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da verdüsterte sich seine Stirn. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum halten Sie mich denn zum Affen? So ’ne große Sache kann ich doch nich + pachten; da gehört doch Geld dazu.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gar kein Geld! Nur, daß Sie fleißig sind und alles gut in Ordnung halten. Wir + werden ebenso auf unsere Rechnung kommen wie Sie; denn, sehen Sie, die Äcker + rentieren sich doch, und was die Wirtschaft nicht bringt, bringen die Kurgäste.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nu ja, die werd’n ja überall behumpst.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Mann betrachtete mich wie einen Zauberer, der Märchendinge vor ihm + ausbreitete. Zuletzt erklärte er sich bereit, mit uns nach seinem Dorfe zu + fahren und mit seiner Susanne Rücksprache zu nehmen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unterwegs sprach ich noch viel auf Emil Barthel ein. Er antwortete fast nicht + mehr. Vor seiner kleinen Wirtschaft hielten wir. Das Wohnhaus hatte nur ein + Erdgeschoß mit hohem Dach; Stall und Scheuer waren klein, aber es war ein + Blumengärtlein vor dem Hause und alles sauber und freundlich. Ein behäbiges Weib + in blauer Schürze trat vor die Tür, als Barthel vom Wagen kletterte: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page150">[pg 150]</span><a name="Pg150" id="Pg150" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee, Emil“, sagte sie, „da haste nu sugar Fuhrgelegenheit gehabt und kummst su + spät! Dabei sull a de Medizin fürs kranke Mädel hol’n.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mutter“, meinte Emil, „wenn du mit sulchen Kerlen fährst, bleibste kleben. Sieh + dir bluß den Schimmel an; der hat zwee eingeleimte Hulzbeene. Aber ’s sind + amerikanische Millionäre, die haben vierzig Pauergüter und lauter Schlösser.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Susanne lachte gutmütig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „A hat een’ sitzen“, meinte sie. „Na, kumm ock rein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Frau Barthel“, rief ich ihr zu, „Ihr Mann wird Ihnen viel zu erzählen haben. + Glauben Sie nur, es ist kein Spaß, es ist Ernst. Wir fahren jetzt ins Gasthaus, + und in etwa zwei Stunden werden wir mal zu Ihnen kommen. Wir müssen mit Ihnen + ein ernstes Wort reden, und es wird Sie nicht reuen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Frau schüttelte verwundert den Kopf; ihr Gatte Emil aber tippte erst ihr, + dann sich an den Kopf, nahm sie am Arme und zog sie ins Haus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl + bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil + Barthel. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee, komm’n Se wirklich?“ fragte er; „ich hatte gedacht, ’s wär alles bloß + Ulk.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Stube war niedrig, aber sauber, und über den Tisch war ein großes buntes + Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer Papiertüte + Zigarren an, von denen ich vermutete, daß sie aus dem Dorf<span class="tei tei-pb" id="page151">[pg 151]</span><a name="Pg151" id="Pg151" class="tei tei-anchor"></a>kramladen + zu fünf Pfennig das Stück gekauft seien. Mit Schadenfreude sah ich zu, wie + Stefenson, der von früh bis in die Nacht eine Havanna nach der andern + schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug heranmachte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, mein lieber Barthel, möchte ich zunächst etwas feststellen: es handelt + sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spaß, zu dem wir uns wahrhaftig + nicht so viel Zeit nehmen würden, noch um einen Betrug.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also ist es tatsächlich wahr?“ sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. Sein + Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehn Sie, meine Herr’n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben – man + kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfällt – nu, so muß ich Ihn’n ehrlich + sagen: das Ding gefällt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute werd’n nich kommen. + Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll’n – woll’n se sich + amüsieren. Da woll’n se doch nich Kühe melken und ackern. Meine Herr’n, Se haben + keene Ahnung, was das für schwere Arbeit is. Vor solcher Arbeit haben sich die + Stadtleute immer gedrückt. Aber gesetzt den Fall, se kämen doch – da wär’s noch + viel schlechter. Denn warum? Die Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, daß die + mir auf dem Hofe was helfen könnten? Die gragelten mir doch bloß im Wege ’rum. + Die quatschten und quasselten doch bloß.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die fielen einem ja in die Puttermilch!“ lachte Frau Susanne. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page152">[pg 152]</span><a name="Pg152" id="Pg152" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die täten ja alles bloß mit Glacéhandschuh’n machen woll’n“, ergänzte der Mann. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Donner!“ schrie da Stefenson jähzornig und hieb die Faust auf den Tisch, daß + aus seiner Fünfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, „nun ist’s aber genug. + Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? Müssen Sie sich + unsere Köpfe zerbrechen, ob unsere Gründung eine Pleite ist oder nicht? Haben + Sie nicht bloß zu gewinnen? Das allerbeste ist ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das allerbeste is, Se gehn wieder!“ sagte Barthel seelenruhig. Und nun wären + wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen worden, wenn es + nicht im selben Augenblick an die Tür geklopft hätte und zwei Damen über die + Schwelle getreten wären. Eine kleine zartgliedrige Braune und eine große + Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man das in dem Dämmerlichte der + niederen Bauernstube feststellen konnte. Die Kleinere sagte, daß sie von der + Erkrankung des Barthelschen Kindes gehört habe und mal nachfragen wolle; sie + sehe aber, daß gerade Besuch da sei, und wolle nicht stören. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ach, erwiderte die Frau, von Störung sei keine Rede; denn das seien zwei ganz + fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen hätten und + die auch gleich gingen. Trotzdem fühlte sich die gute Mutter Barthel bemüßigt, + uns die kleine Sprecherin vorzustellen. „Das ist nämlich unsere Lehrerin, + Fräulein Annelies von Grill.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Anneliese von Grill! Ein prüfender Blick in die großen <span class="tei tei-pb" id="page153">[pg 153]</span><a name="Pg153" id="Pg153" class="tei tei-anchor"></a>braunen + Augen, und ich hatte die Identität mit dem kleinen Majorstöchterlein + festgestellt, das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich – + da ich acht Jahre älter war – immer etwas onkelhaft begönnert hatte. Nun stand + ich ihr lachend gegenüber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich sei. + Da erkannte sie auch mich, und es gab ein fröhliches Wiedersehen und große + Verwunderung über die Umstände, unter denen es geschah. Ihre Lebensgeschichte + war kurz: der Vater früh gestorben, die Mutter auf eine kleine Pension + angewiesen und knapp imstande, aus ihr eine Lehrerin zu machen, die nun + vertretungsweise in diesem Dorfe angestellt war. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auf einmal fragte die sehr wohllautende Altstimme der Blondine: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist doch nicht etwa der Doktor von dem Waltersburger Sanatorium Ferien vom + Ich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Allerdings, meine Gnädigste, dieser Doktor bin ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädchen brach in klingendes, lautes Gelächter aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, das sag ich Ihnen, wenn mir die Wahl gelassen worden wäre, wen ich sehen + wolle, Sie oder den Kaiser von Hinterindien in all seiner Pracht und + Herrlichkeit – ich hätte mich für Sie entschieden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich freue mich, daß ich Ihnen so interessant bin“, sagte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh, interessant ist gar kein Ausdruck. Wir stehen Kopf über Sie! Jetzt fehlte + bloß noch, daß jener Herr dort der Mister Stefenson aus Amerika wäre.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page154">[pg 154]</span><a name="Pg154" id="Pg154" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist er!“ mischte sich Emil Barthel ein, „es ist der Herr Mister aus + Amerika.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson verneigte sich phlegmatisch. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, Herrschaften, dann müssen Sie schon erlauben, daß wir uns etwas + zusammensetzen und diese kostbare Begegnung genießen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dieses Mädchen hatte einen burschikosen Ton an sich, und ich bat Anneliese von + Grill, uns zunächst mal mit ihr bekannt zu machen. Die Blonde stellte sich aber + selbst vor. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bin eine nach meiner eigenen Meinung außerordentlich begabte Opernsängerin + ohne Engagement, gegenwärtig zu Besuch bei meiner Freundin Anneliese, um in der + paradiesischen Einsamkeit dieses winterlichen Dorfes Ferien vom Ich zu machen. + Mit Künstlernamen bin ich Irmingard Schwarzeneck genannt, bürgerlich höre ich + auf den Namen Eva Bunkert und bin die Tochter des Baumeisters August Bunkert in + Neustadt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir sahen der Tochter unseres grimmigsten Konkurrenten aus der feindlichen + Nachbarstadt verdutzt in das strahlende Gesicht, und das Mädchen brach wieder in + fröhliches Lachen aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es scheint, daß wir Sie sehr belustigen, mein gnädiges Fräulein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Außerordentlich! Ist es nicht immer lustig, wenn Waltersburg und Neustadt + aufeinanderplatzen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir nahmen Platz und saßen alle um den runden Bauerntisch. Emil Barthel sagte: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page155">[pg 155]</span><a name="Pg155" id="Pg155" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Siehste Mutter, du hast gesagt, es sind Schwinler, und ich hab gesagt, + höchstwahrscheinlich, aber man kann ja nich wissen, und da hab ich wieder mal + recht gehabt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und nun, Herrschaften“, rief Fräulein Bunkert, „es mag so indiskret sein, wie + es wolle, ich muß wissen, was Sie hier bei Vater und Mutter Barthel zu tun + haben; ich sterbe sonst vor Neugier.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und Stefenson – ach, Stefenson betrachtete das Mädchen mit unverhohlenem + Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei „sein Typ“. Groß, schlank, blond, + übermütig. Da gehe er halt auch mal aus sich ’raus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes + wahrster Bedeutung, mit allen Künsten, Listen und Teufeleien des Weibervolks + ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstürme auf den biederen Stefenson. + Damals, sagte sie, als er die Neustädter mit den Zeitungsartikeln hineingelegt + habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer Vaterstadt gelyncht zu werden, + gesagt: dieser Mann sei zum Küssen. (Bei diesen Worten schlug Stefenson die + Augen nieder und zog seinen dünnen Mund gewaltig in die Breite.) Daß er, + Stefenson, in einer so öden Spießergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen + so grandiosen Ulk wie dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste + Witz der Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwährende + Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">ad infinitum</span></span>. + </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und diese schweren Beleidigungen unserer großen erhabenen Idee ließ Stefenson + über sich ergehen, zuckte <span class="tei tei-pb" id="page156">[pg 156]</span><a name="Pg156" id="Pg156" class="tei tei-anchor"></a>kaum manchmal die Schultern, und er + lächelte ... der Verräter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Meine Gnädige“, warf ich dazwischen, „Sie dürften über unser Ferienheim denn + doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, gerade, daß Sie es ernst meinen, ist ja das Gute“, erwiderte sie. „Ein + Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist eine sehr kluge Sentenz“, stimmte der verräterische Stefenson bei. Ich + war empört. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, blieb an der + Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott das Weib erschuf, + hat sich der Teufel sicher gefreut. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie war + freundlich, es lag viel Güte auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch in ihren + großen Augen das schöne Lichtlein harmlosen Schalks. Während Stefenson und Eva + Bunkert eine lärmende, von vielem Gelächter unterbrochene Unterhaltung führten, + sprach ich leise mit Anneliese von ihrem und meinem Leben, und es kam ein + stilles Behagen über mich in der schlichten Bauernstube. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?“ fragte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Glauben Sie, daß es recht wäre, wenn wir sie für uns gewinnen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde ihnen gut zureden, daß sie Ihr Angebot annehmen. Es wird gewiß beide + Teile nicht reuen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page157">[pg 157]</span><a name="Pg157" id="Pg157" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich danke Ihnen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, hören Sie, Herr Mister Barthel“, lachte unterdes Eva Bunkert; „wenn Sie + das Angebot von Mister Stefenson abweisen wollten, wären Sie, mit Respekt + gesagt, ein Riesenochse. So ein Glück schneit Ihnen nie wieder ins Haus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Emil Barthel zuckte verlegen die Schultern. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich möcht ja; aber die Mutter sagt ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gar nischt sagt sie“, fuhr Frau Barthel dazwischen, „aber er – er hat die + Herren, ehe die Fräuleins kamen, direkt ’rausschmeißen wollen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Emil Barthel schwur, daß das nie in seiner Absicht gelegen habe, und es gab + einen ehelichen Streit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mitten in den Auseinandersetzungen erschien ein altes Weib. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jees, jees“, jammerte es, „die Emma hat su viel Hitze und klagt immer mehr über + a Hals.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Emma war die zwölfjährige Tochter Barthels. Ich erfuhr, daß das Kind über + Halsschmerzen geklagt habe, und der Schäfer, ein heilkundiger Mann, + Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die + Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde“, bat mich Anneliese, „es sind + bereits drei Diphtheriefälle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt haben wir hier + nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstüblein, wo das Kind + in hohem Fieber lag. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page158">[pg 158]</span><a name="Pg158" id="Pg158" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorläufige + Verhaltungsmaßregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im nächsten + Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst übernehmen konnte. Ein Radler fuhr + mit der Botschaft los. Das Mädel ist dann auch gerettet worden, und Barthel hat + nachträglich drei Mark Strafe zahlen müssen, weil er dem Schäfer, der die + Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, einige Ohrfeigen als Honorar + ausgezahlt hat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurückkehrten, fanden wir + Stefenson und die schöne Eva in angeregtester Unterhaltung. Für das erkrankte + Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon wieder. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva hatte mit Stefenson verabredet, daß sie mit Anneliese gleich nach der + Eröffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen wollte. + Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloß bis ersten + April, und daß sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, sei vorläufig + sicher, also könnten sie beide kommen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Ihr Vater?“ fragte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, mein Vater darf natürlich davon nichts wissen, der ist ja wütend auf Sie. + Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, daß er meint, ich + sei wer weiß wo. Und bei Ihnen werde ich die Grünzeugfrau Emilie Knautschke + sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich beschloß, dieses Mädchen, das in die ernste Männerfreundschaft zwischen + Stefenson und mir einen <span class="tei tei-pb" id="page159">[pg 159]</span><a name="Pg159" id="Pg159" class="tei tei-anchor"></a>so lauten Lachton mischte und unsere große + Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschädlich zu machen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie ich das tun sollte, wußte ich nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber ich hatte Glück. Die Tür öffnete sich, und ein dünnes Stimmchen zirpte + herein: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pappa, wie lange bleibst du denn? Ich muß immerfort allein in dem dummen + Gasthaus sitzen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Luise war es, die wir im Wirtshaus zurückgelassen hatten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson sprang auf und eilte nach der Tür. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kindchen, auf dich hatt’ ich ja ganz vergessen. Aber geh hier hinaus! In diesem + Haus ist Diphtherie.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schob Luise besorgt auf die Straße. Eva Bunkerts Gesicht wurde etwas ernster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, Herr Stefenson ist verheiratet?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war so boshaft, zweimal mit dem Kopf zu nicken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da räusperte sich Eva Bunkert und sagte, es sei wohl jetzt Zeit, nach Hause zu + gehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich hielt sie nicht auf. Es kam zum allgemeinen Aufbruch. Draußen auf der Straße + schmiegte sich die kleine Luise dicht und zärtlich an Stefenson an und schmollte + mit ihrem „lieben Pappa“, der sie im Stiche gelassen hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und Stefenson, ob er auch nach Eva Bunkert hinschielte, trat nicht zu ihr und + sagte vor den Ohren des Kindes: „Ich bin nicht ihr Vater!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nein, er hielt stand dem Vaternamen gegenüber, den er sich selbst gegeben hatte. + Er verleugnete das Kind nicht. Da hatte ich ihn wieder gern. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page160">[pg 160]</span><a name="Pg160" id="Pg160" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir allein waren, sagte Stefenson: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das hätte nun alles so gut in unser Programm gepaßt, und nun ist nichts zum + Abschluß gekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich erwiderte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Diese Eva Bunkert ist eine ganz gute Erscheinung; aber ich fürchte, sie würde + unserer Sache schaden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schaden?“ fuhr er auf. „Nützen! Glauben Sie mit Sentimentalität, alten + Rückständigkeiten und mit Duckmäusertum noch was auszurichten? Glauben Sie, daß + ein schönes Gesicht, eine gute Figur, ein beweglicher Geist des Deibels sind? + Oh, ich sage Ihnen, wenn wir die moderne Welt und ihre Schädlichkeiten besiegen + wollen, müssen wir verflucht modern sein. Mit noch so ehrwürdigen + Armbrustpfeilen geht keiner mehr an gegen die Schnellfeuergeschütze der neuen + Zeit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir blieben noch einen Tag in diesem Dorfe und trafen die Mädchen wieder. Beide + waren gleichmäßig freundlich. Stefenson widmete sich ganz der schönen Eva und + sprach mit mir oder Anneliese kaum ein Wort. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page161">[pg 161]</span><a name="Pg161" id="Pg161" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc31" id="toc31"></a><a name="pdf32" id="pdf32"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Der Journalist</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun ist’s ein Jahr her, seit die Verwirklichung meiner Idee von dem großen + Ferienheim keimte und wuchs. Jetzt nähert sie sich der Reife. Anfang Februar gab + es eine Sensation. Stefenson reiste nach Amerika zurück. Da höhnten die + Neustädter, dem sei wohl im letzten Augenblick doch angst und bange geworden vor + seiner übergenialen Neugründung, und nun käme der Zusammenbruch. Ich blieb ganz + ruhig; denn ich wußte, daß alles gut vorgesorgt war und Stefenson nur nach Hause + fuhr, um seine dortigen dringendsten Geschäfte in Ordnung zu bringen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die kleine Luise wollte der Amerikaner mit auf die Reise nehmen. Erst nach den + ernstesten Vorhaltungen, die beinahe in Feindseligkeiten ausarteten, ließ er das + Kind zu Hause. Aber Neid und Zorn war in seinem Herzen, und zwar nicht nur wegen + des Kindes. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bin begierig, wie Sie sich gegen Fräulein Eva Bunkert benehmen werden, wenn + sie nun kommen wird, um unser Heim zu beschauen. Ich fürchte, Sie werden den + rechten Ton nicht treffen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich lächelte. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page162">[pg 162]</span><a name="Pg162" id="Pg162" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fürchten Sie, daß ich zu abweisend oder zu entgegenkommend sein könnte? Eva + Bunkert ist ein sehr schönes Mädchen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte Sie“, sprach er herb, „daß Sie sich mit Fräulein Bunkert weder in der + einen noch in der anderen Art zuviel beschäftigen, sondern mir diese + ausgezeichnete Akquisition für unsere Kuranstalt persönlich überlassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich überlasse Ihnen diese Akquisition“, sagte ich großmütig und feierlich. + Darauf knurrte er, vor Mitte Mai könne er keinesfalls zurück sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als ich ihn zum Zuge begleitete, wünschte ich aufrichtig, er möge bald + zurückkommen ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vor drei Tagen ist nun unser Freund Emil Barthel mit seiner Susanne und seinen + Kindern bei uns eingezogen. Er hat den Forellenhof dicht unten am Bach + übernommen. Des Staunens seiner Leute war gar kein Ende. Sie gingen bedrückt + durch die großen, neuen, so behaglich ausgestatteten Räume wie Fremde, die ein + merkwürdiges prächtiges Haus betrachten. Aber sie werden in diese Räume + hineinwachsen. Der Bauer hat uns schon wesentliche Dienste erwiesen. Er + bezeichnete uns Kameraden und Bekannte, die sich als Pächter unserer Höfe eignen + würden, und ob wir auch kaum den dritten Teil davon gebrauchen konnten, so gaben + uns die ausgewählten Leute wieder die Adressen neuer Kandidaten, so daß unsere + zwanzig Höfe besiedelt sind. Der andere Teil des Geländes wird von den alten + früheren Dominialgebäuden aus bewirtschaftet. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page163">[pg 163]</span><a name="Pg163" id="Pg163" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es geht alles schnell, ruhig und sicher, wo ein zielbewußter Wille und wo – + Geld da ist. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Manche unserer Höfe haben herkömmliche poetische Namen, wie Forellenhof, + Erlenhof, Grundhof, Hof am Hange, Berghof, Sonnenhof, aber es gibt auch eine + Waldschölzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmühle, eine Genovevenklause, eine + große und eine kleine Einsiedelei, ein Haus „über den sieben Bergen“, ein „<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Old Nigger home</span></span>“ (nach Stefensons Wunsch), eine + Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein + Knusperhäuschen, eine Kassubenhütte, ein Zigeunerlager und eine Räuberhöhle. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen Dingen, + aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk ausgewählt, und + das dichtet in seiner kräftigen Seele so viel zusammen, daß sich alsbald + allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen werden, schneller als der + Efeu wächst, den wir an mancher Wand einpflanzten, oder als das Moos wuchert, + das wir auf schräge Dächer legten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das größte Glück ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des + erschütternden Titanenjubels, der Gottes Brust durchloht hat, als er im Glanz + von Millionen Sonnen die Schöpfung vor sich sah. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch ich bin nie so glücklich gewesen wie in dieser Zeit der Gründung unseres + Heims, nie so selig, gläubig und am Leben hängend, nicht einmal in der + Kinderzeit, die doch alle Tage Schöpferjubel bringt, und sei die Veranlassung + auch nur eine gelungene kleine Schanze im <span class="tei tei-pb" id="page164">[pg 164]</span><a name="Pg164" id="Pg164" class="tei tei-anchor"></a>Bach oder die zum + erstenmal geglückte Schleife des Schuhbandes. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mädchen sind gekommen. Gestern. Sie kamen am Vormittag und wollten schon mit + dem ersten Abendzuge wieder abreisen trotz der Einladung, ein paar Tage + dazubleiben und bei Frau Susanne im Forellenhof zu wohnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva Bunkert war zurückhaltender als bei unserer ersten Begegnung. Sie konnte es + sich zwar nicht versagen, nach Betrachtung des Baches, der an Barthels Hof + vorbeifließt, zu behaupten, in diesem Gewässer lebe keine einzige Forelle, + weshalb der daranliegende Hof wahrscheinlich „Forellenhof“ heiße, aber es sei ja + bekannt, daß Namen fast immer täuschen, wie zum Beispiel körperlich etwas + zurückgebliebene Männlein mit Vorliebe Siegfried hießen oder oft keifende + <a name="corr164" id="corr164" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Xanthippen</span> mit den holden Namen Mariechen oder Trautchen begabt seien. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach dieser Abschweifung ins Schnippische wurde das Mädchen ernster. Sie + betrachtete den großen Forellenhof von innen und außen und sagte mit einem + Seufzer: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist schön hier. Ich glaube, man kann in einem solch einfachen Hofe + glücklicher sein als in einem prunkenden Hotel. Wenn ich es einrichten kann, + werde ich wirklich einmal hier Ferien vom Ich machen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich möchte es wohl auch“, sagte die kleine Anneliese, „aber für mich ist so + etwas viel zu teuer.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du, meine Liebe“, lachte Eva Bunkert, „du müßtest ganz andere Ferien vom Ich + haben – Weltstadtleben, <span class="tei tei-pb" id="page165">[pg 165]</span><a name="Pg165" id="Pg165" class="tei tei-anchor"></a>Theater, Bälle, Autofahrten – man muß + das haben, was einem fehlt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mir würde nichts fehlen in solchem Frieden“, sagte die kleine Braune. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging mit den Mädchen durch unser Gelände, führte sie nach dem Rathaus, nach + der Lindenherberge, den „Stillen Weg“ hinab über die Genovevenklause, und als ich + nach der Waldschölzerei weiter wollte, passierten wir das Zeughaus und das große + Eingangstor. Dort gab es eine Auseinandersetzung zwischen einem fremden Herrn + und dem Türschließer. Der Herr, der im Reiseanzug war und eine kleine Handtasche + trug, verlangte in ungestümer Weise mich zu sprechen, während der Diener + entgegnete, der Herr Doktor sei aufs dringendste und unabkömmlichste + beschäftigt, und unsere Anstalt würde überhaupt erst am ersten Mai eröffnet. Der + Fremde ließ sich nicht abweisen, und als er mich erblickte, rief er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich möchte wetten, daß jener Herr der Doktor ist!“ Damit schob er den Diener + beiseite und kam auf mich zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gestatten Sie, mein Herr, eine kurze Viertelstunde?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sehen, ich habe Besuch!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl – es tut mir auch leid, Sie stören zu müssen, aber ich habe nur eine + Viertelstunde Zeit. Wenn ich mich vorstellen darf: George Brown, Mitarbeiter der + ‚Staatsbürgerzeitung‘ in Neuyork. Ihr Geschäftsfreund Mister Stefenson hat mich + persönlich gebeten, Sie zu besuchen und Ihnen dieses Schreiben zu überreichen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er übergab mir einen Brief, den ich mit Erlaubnis der Damen öffnete und + stellenweise vorlas: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page166">[pg 166]</span><a name="Pg166" id="Pg166" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"></p><div class="tei tei-text" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"><div class="tei tei-dateline" style="text-align: right"> + „Neuyork, den 25. März. </div> + <div class="tei tei-salute" style="margin-left: 6.00em"> Mein Lieber! + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie wollen nie recht zugeben, daß ich Sie genau kenne, aber mein Spürsinn ist, + was Sie anlangt, so groß, daß ich hier viel tausend Meilen von Ihnen prophezeie, + ohne besorgt zu sein, einen Irrtum zu begehen: Wenn Sie diesen Brief durch + Mister Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen Eva Bunkert und + Annelies von Grill einen sehr vergnügten Spaziergang durch unser Heim machen. + Ich beglückwünsche Sie dazu und bitte, mich den Herrschaften zu empfehlen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht + rücksichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie hätten gerade Besuch + und daher keine Zeit für ihn. Denn Mister Brown ist einer der einflußreichsten + Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus Amerika für unsere + nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas merkwürdige Anstalt recht nötig + haben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Grüßen Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gänschen sehnt, aber + noch nicht weiß, wann er zurückkehren kann.</p><div class="tei tei-signed" style="text-align: right">Stefenson.“</div></div></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schaute verwundert auf Brown, den Überbringer dieser seltsamen Epistel. + Brown war ein Fünfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart sowie die + gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas geschniegelt modern, + die Wangen, wie mir schien, wohl ein wenig geschminkt. Irgend etwas an dem Mann + kam mir be<span class="tei tei-pb" id="page167">[pg 167]</span><a name="Pg167" id="Pg167" class="tei tei-anchor"></a>kannt vor, auch in seiner heiser klingenden Stimme. + Vielleicht war ich ihm mal drüben begegnet. Ich fragte ihn, ob er auf dem + letzten großen Pressekongreß in Baltimore, den ich besucht hatte, gewesen sei, + und er erwiderte, daß er daselbst eine Rede gehalten hätte. Daher die matte + Erinnerung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mädchen verwunderten sich nicht weniger über die seltsame Prophezeiung in + dem Stefensonschen Briefe als ich. Ich sagte, ich könne mir das überraschende + Eintreffen einer solchen Voraussage nur dadurch erklären, daß Stefenson vermutet + habe, die Damen befänden sich für längere Zeit in unserem Heim, ich mache mir + wahrscheinlich öfters das Vergnügen, sie auszuführen, und es könne sich wohl so + fügen, daß uns Mister Brown zusammen anträfe. Daraufhin weissage ein Mann wie + Stefenson eben darauflos. Treffe es nicht ein, schade es nicht, treffe es aber + infolge seines Glückes ein, sei es ein guter Bluff. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Brown schüttelte den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson ist kein Bluffer, er weiß immer, was er sagt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie kennen Mister Stefenson persönlich?“ fragte Eva Bunkert mit unverhohlenem + Interesse. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mein gnädiges Fräulein“, erwiderte Brown, „ich kenne alles, was man in Neuyork + und den Staaten kennen muß.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Mister Stefenson gehört zu dem, was man in Amerika kennen muß?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, er gehört dazu.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page168">[pg 168]</span><a name="Pg168" id="Pg168" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Journalist schloß sich unserem Rundgang an. Meist verhielt er sich + schweigend, sprach über das, was er sah, weder Lob noch Tadel aus, bat nur, sich + von Zeit zu Zeit eine Notiz machen zu dürfen, und stellte außerordentlich + sachverständige Fragen, Fragen, die ich, sobald sie sich in technische + Einzelheiten verliefen, oft gar nicht beantworten konnte. Das <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Nigger-Home</span></span> gefiel dem Amerikaner. Es war düster in der + niederen Stube; wir zündeten ein paar matt brennende Petroleumlampen, die an den + Wänden hingen, an, um die Illusion zu verbessern. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun müßte jemand einen Niggersang anstimmen“, sagte Brown. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da stand auch schon Eva Bunkert, an die Wand gelehnt, schränkte die Arme über + der Brust und begann mit wohllautender Stimme zu singen: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left"><span style="font-style: italic">„Way down upon Swaney ribber</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left"><span style="font-style: italic">Far far away ...</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left"><span style="font-style: italic">There’s, where my heart is turning ebber,</span></div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left"><span style="font-style: italic">There’s, where the old folks stay ...“</span></div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie sang dieses schwermütigste aller Heimatlieder mit tiefer innerer Bewegung, + und Mister Brown summte mit näselndem Tone die Begleitung dazu, so wie es die + Neger tun, wenn fern der Heimat einer der Ihrigen an der Wand lehnt und das + innerste Weh der weltverschlagenen, geknechteten Seele im Liede ausströmen läßt. + Dann summen sie alle mit, die Körper werden regungslos, und die <span class="tei tei-pb" id="page169">[pg 169]</span><a name="Pg169" id="Pg169" class="tei tei-anchor"></a>großen, heißen Augen starren ins gelbe Licht der matten Lampen ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir gingen weiter und kamen an den Hof am Hange. Dort steht eine große Buche, um + die eine Bank läuft. Von hier aus kann man unsere ganze Siedelung überschauen. + Warmes Frühlingslicht spielte durch laue Luft, die Zweige trugen alle die + kurzen, grünen Kinderkleidchen erster Jugend, die Vögel waren heimgekommen und + übten in abgerissenen Trillern und Läufen das große Lebens- und Liebeslied des + Maien ein. Da wurde mir das Herz weit. Unsere Siedelung war schön, keine + langweilige Linie in ihr, kein Steinkoloß, keine Erinnerung an geschniegeltes, + ödes Geputztsein, sondern Heimatlichkeit, Wärme, Frieden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn man das sieht“, sagte die kleine Anneliese, „meint man, hier werden immer + nur gute Menschen wohnen können. Es ist alles rein und gut; schlechten Leuten + würde hier das Herz springen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war ihr dankbar und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber es soll doch eine Zufluchtstätte werden für solche, die nicht glücklich + sind, auch wenn sie durch eigene Schuld unglücklich geworden sind.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich finde“, sagte Eva Bunkert, „in dem Ganzen ist ungeheuer viel Kindliches.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist ein hohes Lob, mein Fräulein, was Sie da sprechen“, meinte Mister + Brown; „Genialität ist nie etwas anderes als das Ursprüngliche, das Kindhafte. + Sie glauben gar nicht, wie kindlich unsere guten amerikanischen Humoristen sind. + Ganz im Ernst! Sehen Sie deren <span class="tei tei-pb" id="page170">[pg 170]</span><a name="Pg170" id="Pg170" class="tei tei-anchor"></a>Tier- und Kinderbilder an, es ist + alles geschaut mit den abgeklärten Augen des ernsten Mannes und alles gefühlt + mit dem Herzen des kleinen Buben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson ist ein Genie“, sagte Eva Bunkert warm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das will ich nicht sagen“, entgegnete Brown, „er ist nur das Werkzeug; der + Schöpfer der ganzen Idee ist, wenn ich recht unterrichtet bin, der Herr Doktor, + der mit uns auf dieser Bank sitzt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wehrte das Lob ab, und Eva Bunkert sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wohl, der Doktor hatte die Idee, hatte den Traum in der Seele, aber Stefenson + hatte den Mut, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich möchte sagen, der + Doktor hat ein schönes Motiv in die Welt gesungen, und Stefenson hat ein + herrliches Lied daraus geschaffen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sprechen sehr gut und lieb von meinem Landsmann“, sagte Mister Brown + gerührt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh“, rief Eva Bunkert, „ich schwärme für Stefenson. Es hat mir noch nie ein + Mann solchen Eindruck gemacht wie er, obwohl er der Konkurrent meines Vaters + ist. Erst recht deshalb! Ich mag die Leute nicht leiden, die sich nur für die + Freunde und Gönner ihrer eigenen Sippschaft begeistern können.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da wurde auch die kleine Braune munter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja“, seufzte sie, „es ist schade, daß Mister Stefenson verheiratet ist! Er wäre + der erste, der bei der stolzen Eva Bunkert wirklich Glück hätte!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du Plappermaul!“ zürnte Eva, <a name="corr170" id="corr170" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">reckte</span> aber den Kopf + hoch. „Nun, ich leugne es nicht: der Mann gefällt mir. <span class="tei tei-pb" id="page171">[pg 171]</span><a name="Pg171" id="Pg171" class="tei tei-anchor"></a>Weil er + eben ein so ganzer Mann ist. Vom Heiratenwollen aber ist gar keine Rede.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er wäre keine schlechte Partie“, meinte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eben deshalb!“ sagte Eva trotzig. „Ich will mal keine gute Partie, ich will + einen Mann heiraten!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich wußte gar nicht, daß Stefenson verheiratet ist“, warf Mister Brown ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie? Und Sie wollen ihn so genau kennen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh – ich als anständiger Journalist kümmere mich um das, was Stefenson für das + Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhältnisse. Ich habe nie + gehört, daß Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz gleichgültig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Herr Doktor hat es uns gesagt“, erwiderte das Mädchen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, daß ich erschrocken aufschaute + und ihn ansah. Und ich blickte – in Stefensons Augen. So klar, in so deutlichem + Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von hundert Gelegenheiten her + kannte, wenn dem jähzornigen Manne die Galle überlief, was oft genug geschah. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein wüster Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein + amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer + vorzüglichen Maske getäuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich sah + wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr los. + Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so entlarve ich + dich; bilde dir nicht <span class="tei tei-pb" id="page172">[pg 172]</span><a name="Pg172" id="Pg172" class="tei tei-anchor"></a>ein, mit einem bißchen Detektivschlauheit + deutsche Gimpel zu fangen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Mann mag seine Vorzüge haben“, sagte ich, „aber wo viel Licht ist, ist auch + viel Schatten. So ist Stefenson – ich sage das ruhig, obwohl er mein Freund ist + – ungeheuer eitel!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist kein Schade“, fiel Eva ein; „viele große Männer sind eitel: viele + Staatsmänner, viele Geistliche, alle Dichter – selbst solche, denen man es gar + nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was heißt + überhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, auch in + kleinen Äußerlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde Eitelkeit. Eine andere + kann Mister Stefenson gar nicht haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da lachte Mister Brown. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh!“ sagte er, „was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, daß er, wenn er + sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schönen Bild eine kleine + Verneigung macht, ehe er sich einseift.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich denke, Sie kümmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben“, rief Eva + verärgert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gewiß nicht“, sagte der Journalist, „aber manches fliegt einem halt so zu. Wenn + es Spaß macht: ich kenne noch ganz andere Schwächen Ihres Geschäftsfreundes.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Danke!“ wehrte Eva ab, „es macht gar keinen Spaß!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das Dümmste, + auf Stefenson zu <span class="tei tei-pb" id="page173">[pg 173]</span><a name="Pg173" id="Pg173" class="tei tei-anchor"></a>schimpfen; denn er würde dann noch weit heftiger + auf sich selbst schimpfen. Das mußte ich doch von seinen Artikeln her wissen. + Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht scheren. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hieß sie nicht Luise?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer seiner + edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht zum + Bewußtsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. So stark + war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich Stefenson war, als + Stefenson zu entlarven. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Allerdings“, entgegnete ich meiner Nachbarin, „Stefensons Tochter heißt Luise. + Das Kind hängt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus mit auf die + Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war auch sehr gut; + denn das Kind ist nicht wohl.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso nicht wohl?“ fragte Mister Brown, und das in einer solch erschreckten + Weise, daß ich jetzt meiner Sache völlig sicher war. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah, so – so ...“, entgegnete ich gleichmütig, „bei Kindern findet sich leicht + mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich finde“, sagte Mister Brown scharf, „wenn ein Mann, wie Stefenson, ein + einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu + machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page174">[pg 174]</span><a name="Pg174" id="Pg174" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Von ernstlicher Erkrankung habe ich nicht gesprochen“, entgegnete ich ruhig, + und diese Bemerkung war auch sehr angebracht; denn im selben Augenblick stürmte + die kleine Luise mit zwei Bauernbengeln unter großem Hallo aus dem nahen Walde. + Das Mädel hat sich bei uns inzwischen völlig eingerichtet, und von + Schüchternheit ist gar keine Rede mehr. Jetzt kam sie auf mich zugestürmt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, Onkel – ich wußte gar nicht, daß du hier oben bist. Wir spielen gerade + Haschen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Anneliese liebkoste das Kind, und Eva Bunkert kniff es in die Wangen, daß es + quiekte. Aufmerksam betrachtete Eva die Züge Luisens. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Von ihrem Vater hat sie gar nichts“, sagte sie, „sie muß ganz nach der Mutter + sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Im Gegenteil“, entgegnete ich, „das Kind ist das ganze Abbild des Vaters.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dann habe ich auf ihn vergessen“, sagte Eva mit fast trauriger Stimme. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mister Brown atmete schwer. Ein so schwefelgelb giftiger Blick schoß um den + Buchenstamm herum auf mich zu, daß ich meiner Sache immer gewisser wurde. Und + was hatte dieser Journalist gesagt? Er habe es sehr eilig, nur eine + Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon über zwei Stunden da, und es + wurde Abend. Wahrscheinlich würde dieser „Mister Brown“ plötzlich entdecken, daß + er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu verweilen. Nun wandte er sich Luise + zu. Aber es kam nicht so, wie ich dachte. Mister Brown legte ohne jede <span class="tei tei-pb" id="page175">[pg 175]</span>wärmere Gefühlsbewegung dem Kinde die Hand auf den Kopf und sagte + mit der üblichen Kinderfreundlichkeit: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von dir + erzählen. Bist du sehr krank gewesen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pappa soll bald wiederkommen“, antwortete die Kleine. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso? Ich bin nie krank!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber hast wohl müssen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, ich bin alle Tage draußen herumgerannt; ich war gar nicht eine einzige + Stunde krank.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fühlte mich in der Rolle des + blamierten Europäers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die Mädchen + schlenderten mit dem Kinde voraus, und ich folgte mit Mister Brown in einiger + Entfernung. Jetzt wollte ich dem Fuchs an den Kragen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich finde eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Ihnen, Mister Brown, und meinem + Freunde Stefenson. Sie haben dieselben Augen, dieselbe Nase, dasselbe Kinn und + dieselbe Sprache, ja sogar dieselbe Art, sich zu räuspern. Ist das nicht + merkwürdig?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehr merkwürdig!“ entgegnete Brown. „Ein Schnorrer drüben hat mir mal gesagt, + ich sähe Kaiser Wilhelm ähnlich. Dem habe ich es noch halb und halb <span class="tei tei-pb" id="page176">[pg 176]</span><a name="Pg176" id="Pg176" class="tei tei-anchor"></a>geglaubt und ihm fünf Prozent dessen geschenkt, um was er mich anpumpen + wollte, aber eine Ähnlichkeit zwischen mir und Stefenson hat noch niemand + herausgefunden. Ich bin Ihnen übrigens für die gute Absicht, mir etwas + Angenehmes sagen zu wollen, sehr verbunden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schaute mich an, und ich blickte in ein stockfremdes Gesicht. Auch glaubte + ich trotz des Abenddämmerns genau feststellen zu können, daß dieser Bart nicht + angeklebt, daß diese Haare keine Perücke seien. So wurde ich an meiner + Entdeckung irre, und da ich einen zweiten Hineinfall nicht erleben wollte, sagte + ich: „Gott, man kann sich täuschen!“ Da blieb er stehen, sah mich an und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben mich wohl gar für Stefenson selbst gehalten, der Ihnen in einer + Ferienmaske was vormimt? Dem alten Knaben wäre ein solcher Streich zuzumuten, + he?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber nein – aber nein! So ähnlich sind Sie ihm nun doch nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, möglich ist alles auf der Welt. Hauptsächlich bei Ferien vom Ich!“ sagte + Brown vergnügt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und er lachte. Es war ein fremdes Lachen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unterwegs begegnete uns ein Telegraphenbote. Er überreichte mir ein + Kabeltelegramm, das aus Milwaukee kam und lautete: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Verbindung mit X-Bankverein gelöst; weitere Zahlungen durch Dresdner Bank. + Stefenson.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Verhandlungen, von dem Bankverein, mit dem wir bis jetzt gearbeitet hatten, + zur Dresdner Bank überzugehen, schwebten schon einige Zeit, und dieses Telegramm + belehrte mich nun, daß Stefenson in Milwaukee <span class="tei tei-pb" id="page177">[pg 177]</span><a name="Pg177" id="Pg177" class="tei tei-anchor"></a>und nicht in + Waltersburg war. Meine Phantasie hatte mir wieder einmal einen Streich gespielt ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Während ich den Telegraphenboten abfertigte und das Telegramm las, war Mister + Brown den Mädchen nachgegangen, hatte die kleine Luise an den Händen gefaßt und + tanzte mit ihr „Ringel-Ringel-Reihen“. Die lange Schlottergestalt nahm sich + dabei merkwürdig genug aus, das Kind jauchzte, kam fast außer Atem, schlug zum + Schluß entzückt in die Händchen und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er tanzt genau so schön wie Pappa!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Alle Amerikaner tanzen so schön, mein Mäuschen“, sagte Brown und küßte das Kind + auf die Stirn. Dann zog er die Uhr und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Zug, mit dem ich zurückfahren wollte, ist ja nun längst fort. Sie waren so + liebenswürdig, mich sehr lange dazubehalten. Den nächsten Zug aber darf ich + nicht versäumen. Ich muß morgen in Berlin und übermorgen in Hamburg sein. Mein + diesmaliges europäisches Gastspiel ist aus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben nur den kleinsten Teil unserer Siedelung gesehen, Mister Brown.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh – ich habe genug gesehen. Den Geist – den Kern! Ich bitte Sie, mir Ihren + ausführlichen Prospekt mitzugeben. Daraus werde ich mich informieren, und Sie + werden sehen, daß ich am treffendsten das kritisieren werde, was ich nicht + gesehen habe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am Rathausplatz trennte er sich von uns. Ein Angestellter geleitete ihn zur + Pforte, wo sein Wagen hielt. Eva Bunkert sah ihm lange nach. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page178">[pg 178]</span><a name="Pg178" id="Pg178" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist merkwürdig“, sagte sie; „er hat mich ungeheuer an Stefenson erinnert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „O nein“, meinte die kleine harmlose Anneliese, „Mister Stefenson ist doch ganz + anders, viel jünger und auch viel hübscher.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Trotzdem! Was meinen Sie, Doktor?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Amerikaner haben alle dieselbe Art, sich zu geben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das trifft es nicht“, sagte Eva nachdenklich. Und auch ich geriet wieder ins + Grübeln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich glaube, es ist immer etwas unheimlich, wenn man nicht weiß, mit wem man + spricht. Aber das wird ja in Ihrem Heim immer so sein, die Leute werden nie + wissen, mit wem sie sprechen. Werden sie da nicht vorsichtig, ängstlich, + unsicher werden?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gewiß nicht. Gesetzt den Fall, dieser Mister Brown sei der verkappte Mister + Stefenson gewesen, wie es ja tatsächlich den Anschein hatte ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?“ rief Eva erschreckt. „Und + ich hätte dann so – so – von Stefenson gesprochen ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er heute + früh dort an mich aufgab.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gott sei Dank!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim + verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen wäre, + wäre die Partie unehrlich gewesen. Wir hätten ihn nicht erkannt, <span class="tei tei-pb" id="page179">[pg 179]</span><a name="Pg179" id="Pg179" class="tei tei-anchor"></a>wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird den + andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Ängstlichkeit, sondern ein Mut + zur Offenherzigkeit sein, der unerhört ist in der Welt. Die Menschen werden + Wahrheiten hören, die sie niemals vernähmen, wenn sie ihren Namen und Stand + sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen dürfen in einer Weise, die + niemals möglich wäre, wenn sie ihre wirkliche Persönlichkeit dafür einsetzen + müßten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach ja“, seufzte Eva Bunkert, „die gröbsten und rücksichtslosesten Rezensenten + sind die anonymen oder pseudonymen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Friede dieses Ortes wird alle Schärfe mildern, wird aus der + Rücksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus ätzender Grobheit klare Wahrheit + werden lassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie meinen es gut mit den Menschen“, sagte gerührt die kleine Anneliese und sah + mich mit ihren großen, braunen Augen dankbar an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich aber – ich weiß nicht warum – schaute nach der schönen Blonden hin. Ich + glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mädchen blieben im Forellenhofe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich auf den + Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich dachte an + vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr grübelte ich über der Frage: War + er’s? War er’s nicht? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am übernächsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe Handschrift + aufwiesen. Der eine Brief war <span class="tei tei-pb" id="page180">[pg 180]</span><a name="Pg180" id="Pg180" class="tei tei-anchor"></a>von Stefenson und kam aus Milwaukee; + er enthielt allerhand geschäftliche Weisungen sowie die Mitteilung, daß er, + Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa zurückkehren könne. Der + andere Brief war von Mister Brown, trug den Poststempel Hamburg und meldete, daß + der Journalist im Begriff stehe, nach Amerika zurückzukehren, sich noch einmal + für die freundliche Aufnahme bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit + Interesse gelesen habe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen glichen + sich außerordentlich. Hätte man je einen der großen geschwungenen Buchstaben aus + den Briefen ausgeschnitten, man hätte eine Kongruenz feststellen können. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, es ist doch gut, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat!“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page181">[pg 181]</span><a name="Pg181" id="Pg181" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc33" id="toc33"></a><a name="pdf34" id="pdf34"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Die ersten Kurgäste</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eröffnet worden. Die Feier war schlicht. Lehrer + Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu dichten, zu + komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus Waltersburgern, unseren + Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und fünfzehn Kurgästen. Von diesen + fünfzehn Kurgästen genießen zehn Freikur, und von diesen zehn sind sieben + Schauspieler ohne Sommerengagement. Stefenson sandte ein längeres + Glückwunschtelegramm aus St. Louis. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Fünfzehn Kurgäste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, die wir + gemacht hatten. Ich telegraphierte das klägliche Ergebnis nach Amerika und + erhielt von Stefenson die Antwort: „Hatte ich mir gedacht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln über die Höfe zu verstreuen, sondern + einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschölzerei zu geben. Die + Schauspieler aber schwärmten nicht für Feld- und Waldarbeit; sie wünschten mehr + dekorative Posten. Fünf von den sieben wollten Nachtwächter sein, einer bot sich + als Hilfs<span class="tei tei-pb" id="page182">[pg 182]</span><a name="Pg182" id="Pg182" class="tei tei-anchor"></a>briefträger an, wobei seine Tätigkeit gleich Null gewesen + wäre, und einer sagte mit mildem Augenaufschlag, er könne sich nur als + Krankenpfleger glücklich fühlen. Wir hatten aber keine Kranken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Großknecht, den er + bereits hatte, dem „langen Ignaz“, noch einen zweiten Knecht ein und sagte zu + mir: „Ich hab es Ihn’n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute sein olle faule Luder. + Mit den is nischt anzufangen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Geduld, Barthel, Geduld!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Anfang war wirklich kläglich. Zwar sang Egin Harold, der als Nachtwächter + bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsänger war), das </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Hört, ihr Herr’n, und laßt euch sagen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Die Uhr hat eben zehn geschlagen!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel + empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine hübsche blonde Magd hatte: + „Gute Nacht, du mein herziges Kindl“, um 1 Uhr droben am Hange: „Ihr lichten + Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ...“; um 2 Uhr: „Steh ich + in finstrer Mitternacht“, und von 3 Uhr an: „Morgenlicht leuchtend im rosigen + Schein ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesänge so tief ergriffen, daß sie + alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde über den + Nacht<span class="tei tei-pb" id="page183">[pg 183]</span><a name="Pg183" id="Pg183" class="tei tei-anchor"></a>wächter wegen nächtlicher Ruhestörung. Als nun Egin Harold + von dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den + Hofhund loslassen, wenn der Wächter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der Magd + nicht einstelle, quittierte der beleidigte Künstler seinen Posten und übergab + die Abzeichen seiner Würde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten Hagen + Korrundt, wobei er mit einiger Abänderung des Lohengrintextes sang: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Den Spieß, dies Horn, den Pelz will ich dir geben.</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Der Spieß im wilden Kampf dir Mut verleiht,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Doch in dem Pelze sollst du mein gedenken,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Der jetzt auch dich aus Schmach und Not befreit.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die „Schmach und Not“, aus der Hagen Korrundt befreit wurde, bestand darin, daß + er, der ein starker Mann war, ein paar Stunden am Tag dem Waldschölzer hatte + helfen müssen, Bäume zu fällen. Jetzt war er als Nachtwächter vom Tagesdienst + befreit. Abends um zehn Uhr bestieg Hagen einen großen Granitblock, den er den + „Fafnerstein“ getauft hatte, stand malerisch dort oben in seinem wilden + Zottelpelz mit seinem langen Spieße und seinem funkelnden Horn, sang mit + dröhnendem Baß die Stunde, kletterte dann vom Fafnerstein wieder herab und ging + schlafen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Kur bekam Herrn Hagen Korrundt sehr gut. Er erzählte mir in der + Sprechstunde, daß er früher an einem chronischen Hungergefühl, das + wahrscheinlich auf nervöser <span class="tei tei-pb" id="page184">[pg 184]</span><a name="Pg184" id="Pg184" class="tei tei-anchor"></a>Grundlage beruhte, gelitten habe. Seit + er aber bei uns sei, sei er aller Beschwerden ledig. Als ich daraufhin der + Köchin in der Waldschölzerei ein Lob erteilte, sagte das Weiblein nur zwei + Worte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er frißt!“ – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist ein Schauspieler da, der mit seinem wirklichen Namen Eduard Käsenapf + heißt. Als Künstler nennt er sich Guido Janello, bei uns aber, da er doch nicht + erkannt sein darf, Knut Waterstream. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dieser Knut Waterstream ist dünner als ein Regengerinnsel. Ich schickte ihn zur + Arbeit in die Gärtnerei. Einiges erzählte mir der Gärtner, einiges beobachtete + ich selbst, wie Knut arbeitete. Er sollte dürres Laub zusammenrechen und + flüsterte den braunen Blättern zu: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„So wie ein Blatt vom Wipfel fällt,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">So geht ein Leben aus der Welt,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Die Vögel singen weiter!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stützte sich auf den Rechenstiel und stand eine Viertelstunde lang in + melancholischer Betrachtung über die Verwelkbarkeit des Laubes und anderer + irdischer Dinge. Darauf übergab er dem Gärtner den Rechen und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Tun <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Sie</span></span> dieses Totengräbergeschäft; ich + vermag es nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein andermal sollte Knut ein Beet ausjäten. Er ging siebenmal mit düsterem + Antlitz um das Beet herum, spreizte dann alle zehn Finger über dies neue + verruchte Arbeitsfeld und deklamierte: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page185">[pg 185]</span><a name="Pg185" id="Pg185" class="tei tei-anchor"></a> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Giftiges Kraut, gesäet mitten unter den Weizen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">O du teuflische Saat, wie bist du vom Feinde gestreut!</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Satanas hat sich dein Korn in höllischen Scheuern gestapelt,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Hat mit beklaueten Fingern diese Aussaat verrichtet,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Daß du nun wucherst und wächst; dem güldenen Weizen zum Schaden,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Daß du die Sonne ihm stiehlst, den nächtlichen Tau der Gestirne.</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Weiche, du teuflische Brut, verkrieche dich tief in den Boden,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Krieche zur Hölle zurück, zum Satan, von dem du gekommen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Daraufhin hat der Gärtner Herrn Knut Waterstream belehrt, daß das, was er als + Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und daß sich gegen das + Unkraut mit Beschwörungen nichts ausrichten lasse. Man müsse das Zeug Stück für + Stück mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe es nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Freund“, hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme erwidert, + „wir verstehen uns nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <span class="tei tei-pb" id="page186">[pg 186]</span><a name="Pg186" id="Pg186" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es soll der Sänger mit dem König gehen. Sänger hatten wir von Anfang an genug; + am 10. Mai kam der König an. Ein wirklicher König war es zwar nicht, aber + immerhin der Bruder eines regierenden Fürsten, eine Hoheit. Um diese Zeit + versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz an dreihundert + Zeitungen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Andrang nach der Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ zu Waltersburg, der besten und + originellsten Heilstätte der Welt, ist enorm. Die ermüdete Intelligenz flüchtet + in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt kommen auf ein Weilchen + zurück ins grünbelaubte Mutterhaus der Natur. Künstler von Weltruf, Mitglieder + europäischer Regentenhäuser sind bei uns eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein + Heldentenor, der vergötterte Liebling allen Volkes, bei uns als schlichter + Nachtwachtmann mit funkelndem Speer und silbernem Horn durch die im + Sternenschein liegenden Gassen schreitet, die Stunden singend, wie es in alten + Tagen geschah, oder wenn er einer heimlich geliebten schlummernden Dame sein + Troubadourlied singt; wie rührend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust + und mit nie ermüdender Emsigkeit seine Gärtnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, + wenn der Allerhöchstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf + dessen Stimmungen die Welt achtet, im demütigen Bauernkleide, von niemand + erkannt, seiner ländlichen Tätigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt ‚Ferien + vom Ich‘ ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg über das Unglück, ist ein + Paradies auf Erden!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page187">[pg 187]</span><a name="Pg187" id="Pg187" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als ich diesen Erguß in den Zeitungen las, wußte ich: auch unser Levisohn war + ein Dichter. Einer von blühender Phantasie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hoheit kam zu mir und fragte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sagen Sie mal, Doktor, ist denn unter den paar Männchen, die hier bei Ihnen + ’rumkrauchen, etwa der König von England oder von Italien drunter?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gewiß nicht, Hoheit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, wer ist denn da mit dem Allerhöchstgeborenen Herrn gemeint, auf dessen + Stimmungen die Welt achtet?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ew. Hoheit selbst.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hoheit prusteten los und kriegten einen Hustenanfall. Nachher sagten Hoheit: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Verfluchter Kerl, der Levisohn; er macht was aus einem!“ – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Erfolg der Levisohnschen Reklamenotiz war riesenhaft. Es wurden + achtzigtausend Prospekte von uns eingefordert, und es meldeten sich über + dreitausend Kurgäste an. Ob der nachtwächternde Heldentenor oder der + ackerbauende Fürst die größere Anziehung ausübte, war nicht zu entscheiden. + Flugs erschien in Hunderten von Zeitungen folgende Notiz: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘, Waltersburg. In einer Woche 83 000 Menschen, die + an die Pforten unseres Heims anklopften!!! Auf absehbare Zeit können wir trotz + unserer riesigen Anlagen neue Gäste nicht aufnehmen, da jeder unserer + Feriengäste ganz individuell behandelt werden muß. Vornotierungen aber + zulässig.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page188">[pg 188]</span><a name="Pg188" id="Pg188" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diese hochmütige Kürze tat noch größere Wunder. Unser Büro konnte die Berge von + Zuschriften nicht im geringsten mehr bewältigen. Ich telegraphierte unsere + fabelhaften Erfolge nach Amerika. Und wieder traf die Antwort ein: „Hatte ich + mir gedacht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hoheit ist ein recht liebenswürdiger Kurgast. Hoheit ist überhaupt einer, der + seiner zu großen Nachsicht gegen sich selbst die Erschlaffung seiner Nerven + verdankt. Wir Ärzte drücken das höflich aus: Er hat zu konzentriert gelebt. Es + ist schön, daß wir unsere fachmännischen Ausdrucksformen haben; denn es würde + sich stilistisch nicht gut ausnehmen, wenn man sagte: Hoheit ist vielleicht eine + ganz gute Haut, aber ein bißchen Schweinekerl und Liederjan! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Also, Hoheit haben zu konzentriert gelebt und sind vielleicht nur zu uns + gekommen, weil sie hier ein Feld für originelle Extravaganzen wittert. Rares + wittert. Alles andere liegt hinter diesem Mann, schwere Familienratsbeschlüsse, + unfreiwillige Reise um die Erde, zeitweilige Verwendung in den Kolonien, + Aussöhnung mit dem Familienchef, abermaliges Fallen in Ungnade, morganatische + Ehe, Scheidung, Schulden, Zeitungsskandale und was so zum Bilde des tollen + Prinzen gehört. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Drei Tage hat Hoheit in der Besinnungseinsiedelei zugebracht und mir einen + Lebensbericht eingereicht, über dem mir die Haare zu Berge gestanden haben, + obwohl ich als Arzt und Weltumsegler ja gerade nicht unerfahren <span class="tei tei-pb" id="page189">[pg 189]</span><a name="Pg189" id="Pg189" class="tei tei-anchor"></a>und prüde bin. Am Schluß stand: er habe sich eigentlich erschießen wollen, aber + er könne ja noch mal diese „neue Chose“ probieren, ob ihm noch ein bißchen + Geschmack am Leben beizubringen sei. Das Leben komme ihm so eklig und wertlos + vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, für den man keine Zwiebel mehr zu + kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle Arbeit tun und bitte, + mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am wohlsten gewesen, wenn ihm + gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr und Familienoberhaupt, ein paar + Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf Sekunden das Gefühl gehabt, daß er + und sein Leben noch ernst genommen werden können. Heißen wolle er Max Piesecke. – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, lieber Piesecke“, sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; „daß Sie ein + großer Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen. + Höchstwahrscheinlich läßt sich mit Ihnen nichts mehr anfangen. Erschießen werden + Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber miserabel zugrunde gehen + werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werden die Wände auskratzen, ehe Sie + hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie – ich glaube, ungefällig sind Sie nicht. + Sie haben auch noch Sinn für Humor. Nun, Piesecke, es wäre doch ein kolossaler + Witz, wenn aus Ihnen noch mal ein brauchbarer Kerl würde! He? Sie müssen selbst + darüber lachen! Und für mich wäre es gut – wegen Ihrer Familie. Also versuchen + wir’s halt. Gelingt’s, freue ich mich; gelingt’s nicht, schmeiße ich Sie ’raus!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page190">[pg 190]</span><a name="Pg190" id="Pg190" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wahrscheinlich werden Sie mich ’rausschmeißen!“ sagte Piesecke nachdenklich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind ein schlechter Pessimist, Piesecke! Sehen Sie, wenn Sie ein bißchen + Philosophie im Leibe hätten, müßten sie wissen: es gibt keinen grimmigeren Spaß, + als ein Pessimist zu sein und über den Pessimismus zu lachen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie? Bitte, schreiben Sie mir den Satz auf!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gern!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schrieb den Satz auf einen Zettel, übergab ihn Piesecke und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stecken Sie sich dieses Wertpapier in Ihre Jackentasche und verlieren Sie es + nicht! Und nun werde ich Ihnen noch etwas sagen, Piesecke! Sie werden + höchstwahrscheinlich nach acht Tagen bei uns ausreißen wollen. Sie sind gar + nicht imstande, bei uns zu bleiben und das Gesundungsleben durchzuführen. Dazu + fehlt Ihnen die Willenskraft. Und um nicht unnützerweise acht Tage lang meine + Zeit mit Ihnen zu vergeuden, werden wir einen notariell aufgenommenen Kontrakt + machen. Er wird kurz sein und lauten: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Falls ich nicht ein Jahr lang im Waltersburger Kurheim ‚Ferien vom Ich‘ aushalte + oder mich den Anordnungen des dirigierenden Arztes nicht füge, zahle ich eine + Million Mark Reugeld.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was?“ schrie Max Piesecke. „Wenn ich so etwas tue und mein Bruder erfährt es, + schlägt er mich tot!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schön! Dann habe ich nicht mehr nötig, Sie zu kurieren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke sank in sich zusammen. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page191">[pg 191]</span><a name="Pg191" id="Pg191" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bin immer Erpressern in die Hände gefallen“, jammerte er. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Morgen nachmittag 4½ Uhr wird der Notar hier sein“, entgegnete ich ruhig; + „Sie werden dann entweder das von mir aufgesetzte Abkommen unterzeichnen oder + Ihrer Wege gehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ferien vom Ich!“ stöhnte Piesecke; „ich habe gar keinen Willen mehr.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am nächsten Tage, um 4,35 Uhr, unterschrieb vor dem Notar, meinem Vertrauten, + Max Piesecke das von mir gewünschte Abkommen mit seinem hochfürstlichen Namen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun passen Sie mal auf, Piesecke“, sagte ich, „jetzt wird noch was aus Ihnen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> All unsere Höfe sind mit Kurgästen besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen, daß + wir die Wahl hätten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der Reihenfolge + der Anmeldungen nach. Ich habe von früh bis spät Arbeit, obwohl unser + Ärztekollegium immer größer wird. Es lastet zuviel Geschäftliches auf mir. Das + drückt auf die Seele; denn ich bin kein Kaufmann. Was tut mir doch dieser + Stefenson an, daß er gerade jetzt, wo er hier am nötigsten wäre, in Amerika + sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an ihn schrieb und telegraphierte, er kommt + nicht zurück. Immer die gleiche Antwort: „Ich bin hier noch unabkömmlich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unser Direktor – ein früherer Offizier – ist zum Glück ein tüchtiger Mann. Es + ist Schwung in seinen Ge<span class="tei tei-pb" id="page192">[pg 192]</span><a name="Pg192" id="Pg192" class="tei tei-anchor"></a>danken, er hat Initiative und Spürsinn. Wie + ein guter Jagdhund ist er, er hat’s in der Nase, wenn er über das weite Gelände + unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen Furche ein + verborgener Erfolg aufzustöbern ist. Er ist aus dem Holz, aus dem die guten + Feldherren, Diplomaten, Kaufleute geschnitzt sind. Die leitet alle ein + unfaßbarer Instinkt, eine Art sechster Sinn, den andere Leute nicht haben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Direktor heißt von Brüsen und wird wegen seines würdevollen Auftretens von + den Kurgästen „der Herr Präsident“, von den Angestellten aber „der Direks“ + genannt. Oft habe ich bei seinen Maßnahmen das Gefühl: genau so würde Stefenson + gehandelt haben. Brüsen ist auch von Stefenson angestellt worden. Mein + Geschäftsfreund hat den Offizier a. D. mal irgendwo kennengelernt, sich mit ihm + etwa zwei Stunden unterhalten, dabei – wie er schrieb – gefunden, „daß sich + dieser Mann zwei verschiedene Dinge auf einmal vorstellen könne, was nur sehr + wenig Menschen vermöchten“, daß er ferner „zu klug sei, um die Alltagsklugheit + zu haben“, daß er nicht in den Doppelsohlenstiefeln ängstlicher Vorsicht + einherstampfe, in denen man von hundert Schnellfüßlern überholt werde, und daß + er von guter, zäher Geistesmuskulatur sei. So hat sich Stefenson die Adresse + dieses Herrn gemerkt und ihn für uns nun an den Tag gezogen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist ein Glück, daß dieser Direktor da ist. Was täte ich ohne ihn? Einen + Entscheid fällt er fast nie sofort. Er will, wenn es sich um wichtigere + Angelegenheiten handelt, immer einen Tag oder doch einige Stunden Be<span class="tei tei-pb" id="page193">[pg 193]</span><a name="Pg193" id="Pg193" class="tei tei-anchor"></a>denkzeit. Dann steht aber auch seine Meinung felsenfest. Und er entscheidet + immer so, wie ich annehmen möchte, daß Stefenson entschieden haben würde, auch + manchmal in Dingen, die viel Geld kosten, so waghalsig, so wurstig, so ohne + Skrupel, wie es eben nur ein reicher Mann kann, der so fest steht, daß er weiß: + ich kann nicht fallen, komme, was wolle. Ein paarmal sah ich den Direktor scheu + von der Seite an. War er etwa gar ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war krasser Unfug. Dieser kleine Schwarzbart mit dem runden Bäuchlein war + bestimmt nicht der große, hagere Stefenson. Auch in dem Journalisten Brown hätte + ich nichts anderes vermuten sollen als eben den Mister Brown. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich muß mich wahrhaftig erst in die Ausführung meiner eigenen Idee von der + Unpersönlichkeit meiner Kurgäste gewöhnen. Es wird mir schwer, in dem + Nachtwächter Korrundt nicht den Opernsänger zu sehen, ja, es wird mir sogar + schwer, unsere verbummelte Hoheit mit Piesecke anzureden. Dabei ist doch der + Mann wirklich mehr Piesecke als Hoheit. Ich bekümmere mich absichtlich nicht um + die Personalien der Kurgäste, die ich nicht selbst behandle, sehe keine unserer + Geheimlisten ein, soweit ich es nicht als leitender Arzt tun muß. So begegne ich + Menschen auf unseren Wegen, sehe Leute in unseren Gärten und auf unseren Feldern + arbeiten, von denen ich nicht weiß, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie + gehen, von denen mir nur bekannt ist, daß sie aus einer drückenden Enge + entflohen sind in das Reich unserer grünen Gesundheit. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page194">[pg 194]</span><a name="Pg194" id="Pg194" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Sekretär, der unsere Statistik macht, sagte mir, daß neunzig Prozent unserer + Kurgäste aus Großstädten kommen. Ich glaube das gern. Die Großstadt ist keine + gute Mutter. Dazu sind ihre Arme und Hände zu steinern hart, ist ihre Sprache zu + laut und liebeleer, sind ihre Sinne zu flunkerig, sind ihre Wünsche ohne + Heimlichkeitssinn zu sehr auf den Engrosramsch der Genüsse gerichtet, ist ihr + Aufputz zu sehr abgespart den wahren Bedürfnissen ihrer Kinder. Von den + Palasträumen ihrer Verwaltung aus regiert diese Stiefmutter Großstadt ihre + Familie, die zum größten Teil in dumpfen Winkeln hockt und in engen Kammern + schläft; in ihren glänzenden Parkanlagen dürfen barfüßige Jungen und zerlumpte + Mädchen spazierengehen. Wie die niederträchtigste Amme, die ihren unruhigen + Zögling mit Schnaps betäubt, errichtet sie in all ihren Vorstädten Destille + neben Destille. Und wenn die Kinder gar zuviel darben und zu murren beginnen, + schenkt ihnen diese „Mutter“ Großstadt einige Bonbons „öffentlicher Fürsorge“ + oder billiger Lustbarkeit, Bonbons, die nicht satt, stark und gesund machen + können, sondern nur den Magen ansäuern und die Zähne des Willens und Charakters + verderben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wann endlich wird die Menschheit des trügerischen Schimmers müde sein, in + Scharen ausziehen aus dem ungesunden Hause der Stiefmutter Großstadt und im + großen Ferien machen von diesem jammervollen Ich? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Heut ist ein Unglück passiert. Annelies von Grill und Eva Bunkert wollten als + Kurgäste zu uns kommen und <span class="tei tei-pb" id="page195">[pg 195]</span><a name="Pg195" id="Pg195" class="tei tei-anchor"></a>beim Forellenbauer wohnen. Der Bauer + hatte seinen Spazierwagen nach dem Bahnhof geschickt zur Abholung. Sein Knecht, + der lange Ignaz, spielte den Kutscher. Aber auch Piesecke fuhr mit. Hoheit will + sich in die Geheimnisse der Kunst einweihen lassen, ein Bauerngefährt auf einem + etwas holperigen Feldweg mit Geschick zu leiten. Auf dem Rückwege ist dann das + Unheil geschehen. Piesecke hat kutschiert und gerade dort, wo der Weg eine + steile Böschung hat, umgeworfen. Die Damen sind den Abhang hinuntergekugelt, die + beiden Kutscher desgleichen, und die scheu gewordenen Pferde haben den + umgekippten Wagen hinter sich hergeschleift und greulich zugerichtet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Von den vier abgepurzelten Personen hat sich der Knecht Ignaz zuerst erhoben. Er + hat sich erst die Glieder zurechtgeschlenkert, dann die Wahlstatt überschaut und + darauf zunächst mal dem unglücklichen Piesecke ein paar ungeheure Ohrfeigen + versetzt. Darauf ist Ignaz den Pferden nachgerannt, hat sie zum Stehen gebracht, + sich überzeugt, daß mit dem Wagen nicht weiterzufahren sei, und ist dann zu den + Damen zurückgekehrt. Annelies ist außer dem Schreck nichts passiert, die schöne + Eva hat sich einen Fuß verstaucht. Ignaz hat die holde Blonde auf seinen + kräftigen Buckel laden und nach Hause tragen wollen, doch das hat sie abgelehnt. + Piesecke hat nichts zu sagen gewußt als: „Pardon, pardon, es ist mir dieses + alles sehr fatal.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Schließlich hat Eva dem Knechte befohlen, ein Pferd auszuspannen, sie + hinaufzuheben, und ist so halb lachend, halb weinend bei uns eingeritten. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page196">[pg 196]</span><a name="Pg196" id="Pg196" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am selben Tage noch kam Hoheit zu mir, um wegen der erhaltenen Ohrfeigen + Beschwerde zu führen. Er sei – so sagte er – immerhin ein Kurgast, und Ignaz + sei ein gemieteter Knecht. Er müsse gegen solche Behandlung Protest einlegen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich aber sagte: „Piesecke, ich habe so viel Wichtiges zu tun, daß ich mich + wirklich nicht darum kümmern kann, wenn sich mal zwei unserer Kutscher prügeln.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf erhellte sich Pieseckes Gesicht, und er sagte: „Jawohl, ich sehe es ein! + Wenn ich mich körperlich werde gekräftigt haben, werde ich ihm die Ohrfeigen + zurückgeben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das müssen Sie“, erwiderte ich; „das gebe ich Ihnen auf; das werde ich Ihnen + direkt in die Kurverordnung schreiben, lieber Piesecke!“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page197">[pg 197]</span><a name="Pg197" id="Pg197" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc35" id="toc35"></a><a name="pdf36" id="pdf36"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Sommerabend</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum + Hirtenhaus, aber ehe ich mich’s versah, schlenderte ich doch wieder zum + Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich müsse mich um mein Sorgenkind + Piesecke bekümmern, und so nebenbei könne ich ja nach Eva fragen, deren kranker + Fuß allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Mädchen saß vor der + Haustür auf der grüngestrichenen Bank und putzte Gemüse. Sie heißt hier einfach + „Hanne“. Einen Familiennamen führt sie nicht, ebensowenig wie Anneliese, die + sich in „Bärbel“ umgetauft hat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das + schöne Mädchen, eine weiße Taube saß auf der Rückenlehne der Bank, ein + goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Äuglein zu dem Mädchen empor, wartend, + ob für ihn etwas abfalle. Dann kam der große Zottelhund, wedelte mit seinem + buschigen Schwanz den Hahn gutmütig, aber bestimmt zur Seite, nahm dessen Platz + ein und saß in stummer Bewunderung vor der schönen Frau. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Mädchen hin, das war Piesecke, der + an der Stalltür lehnte und <span class="tei tei-pb" id="page198">[pg 198]</span><a name="Pg198" id="Pg198" class="tei tei-anchor"></a>eine Sense in der Hand hielt. Oh, den + armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die Augen und + seufzte einmal so laut, daß man es über den Hof hinweg hörte. Ich ärgerte mich + über den Menschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltür heraus, + gab dem träumenden Piesecke einen Stoß in den Rücken, daß er samt seiner Sense + in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schlaf nicht, du Döskopp! Mach, daß du aufs Kleefeld kommst!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die schöne Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte mit + seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltür herum und ging + dann niedergeschlagen über den Hof. Am Tor traf er mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist eine Gemeinheit“, sagte er und hatte Tränen in den Augen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Piesecke“, tröstete ich ihn, „ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt vorfiel. + Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres Ferienheims. Der Knecht + Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich + werde energisch mit dem Bauern reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe + unterbringen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gottes willen nicht“, rief Piesecke erschrocken; „ich – ich – da hielte + ich’s ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich – ich hab mich ja schon + so – so – an den Grobian gewöhnt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page199">[pg 199]</span><a name="Pg199" id="Pg199" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich begrüßte eben die blonde „Hanne“, da trat auch schon der Bauer Barthel aus + der Haustür. Das war mir nicht lieb, und so sagte ich ein bißchen unwirsch: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Barthel, das geht aber nicht, daß Sie Knechte mieten, die unsere Kurgäste + verprügeln. Denken Sie mal, wenn das in der Öffentlichkeit bekannt würde! Da + käme niemand mehr zu uns. Den langen Ignaz müssen Sie entlassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann nich, Herr Dukter“, erwiderte Barthel achselzuckend. „Ma kriegt so + schwer ’n gutten Knecht. Kurgäste kriegt ma zehnmal leichter wie ’n Knecht. Und + a Ignaz, den kenn ich vu Jugend uff, das is a ganzer Kerle. Der schofft’s! Wos + sull ich machen, jetzt, wu die Ernte kummt? Ich kann doch nich die Ernte mit ’m + Piesecke machen! Se sullten mal zusehn, Herr Dukter, wenn der Piesecke Gras + haut. Bluß die Spitzen schneid’t a ab, de Sense fuchtelt immer in der Luft ’rum. + Oder sie bleibt in eem Maulwurfhaufen stecken. Es ist jämmerlich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie lange wird denn Herr Piesecke hierbleiben?“ fragte Hanne. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das dürfte ich eigentlich nicht sagen“, erwiderte ich, „aber ich glaube ein + ganzes Jahr!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gott’s willen!“ stöhnte Barthel. „A Jahr lang! Da hat mir der Kerl ’n ganzen + Hof ruiniert. Was soll ooch so’n Sargfabrikant von der Bauernwirtschaft + verstehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieso – Sargfabrikant?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Barthel lächelte überlegen. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page200">[pg 200]</span><a name="Pg200" id="Pg200" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eener vom Grundhofe kennt ihn. Piesecke is Sargfabrikant in Hannover und heeßt + eegentlich Robert Ebbing. Ich hab das vom Sargfabrikanten gleich geglaubt; denn + ’n sehr traurigen Eindruck macht a doch. Aber ich hab mir gesagt, a muß doch da + was von der Tischlerei verstehn. Da sollt a mir vorgestern ’ne Kiste zunageln. + Das hätten Se sehn müssen! Olle Nägel krumm oder in die Luft gekloppt. Das weeß + ich: in een Sarg, den der Piesecke gemacht hat, leg ich mich amal nich! Eh da + die Sänger mit ‚Es ist bestimmt in Gottes Rat‘ fertig wären, bräch der Boden und + ich läg draußen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, das alles glaub ich nicht“, warf die blonde Hanne lachend ein; „Piesecke + stammt aus einer besseren Familie; das merkt man ihm schon an.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es darf hier ein jeder vermuten, was er will.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Meinetwegen mag er sein, was er Lust hat“, sagte Barthel brummig; „Hauptsache, + ich wär ihn los.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Geduld, Barthel, Geduld!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Geduld braucht ma mächtig viel mit den Städtern. Also fünfundzwanzig Stück + Kurgäste hab ich jetzt. Außer mit der kleen’n Bärbel hab ich mit allen + Schererei. Na, ich brumm nicht etwa, Herr Dukter; für die Ärgerei mit a Städtern + bin ich ja da und hab ich mein feines Auskumm’. Ich sag bloß: Ärger machen se + alle.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Aber doch nicht ich!“ rief Hanne. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie ooch“, sagte Barthel melancholisch; „meine Alte is uff Sie eifersüchtig.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page201">[pg 201]</span><a name="Pg201" id="Pg201" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Barthel!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dem Mädchen blieb der hübsche Mund offenstehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ja, ich hab ihr zwar gutt zugeredt und gesagt: Alte Schraube, es paßt sich + nich, daß du uff deine alten Tage eifersüchtig wirst. Aber se sagt, es paßt sich + nich, daß ich su oft mit Ihn’n plaudere, und ich tät Augen machen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was täten Sie machen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Augen! Nu ja, ich kann doch nich als Blindekuh vor Ihn’n stehn!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädchen machte ein erheuchelt ernstes Gesicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, Barthel, diese Augen lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde Ihre Frau + Gemahlin zur Rechenschaft ziehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gottes willen nich! Wenn das ’rumkummt, schrei’n ja die Leute Feuer!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da trat Frau Susanne Barthel aus der Haustür. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hatt’ ich mir’s nich geducht? Steht a nich schon wieder?“ sagte sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, Frau Barthel“, rief Eva, „und er macht Augen auf mich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nich wahr, Fräulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spaß an dem alten Esel?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Weiblein fing an zu lachen, daß ihr die Augen tränten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, wenn der Augen macht“, schluchzte sie unter Lachen, „da kommt keen + gestoch’nes Kalb dagegen auf.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weib“, schrie Barthel erbost; „du bist eifersüchtig. Du hast keen’n Grund + dazu!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page202">[pg 202]</span><a name="Pg202" id="Pg202" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee, nee“, schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Händen; „du kannst um + de ganze Welt ’rum Augen machen, ’s fällt keener druff ’rein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und sie ging vergnügt ins Haus zurück. Barthel stopfte ob des vernichtenden + Urteils über seine männliche Anziehungskraft die Hände in die Hosentaschen und + sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut war, + lacht se mich immer aus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Seien Sie doch froh, Barthel, daß Sie eine so lustige Frau haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se nich! + Sie sind nicht verheirat’t. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn se flennt, + oder wenn se mit Tellern schmeißt, oder wenn sie furtlooft, könn’n Se sich immer + noch Ihren Kopp ufsetzen; aber wenn se lacht, sind Se geliefert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach dieser Bemerkung hob der Philosoph aus dem Volke den Kopf und lachte + selber. Und ich benutzte die Gelegenheit und bat Barthel, mir seine Meinung über + seine Kurgäste mitzuteilen. Sowenig ich mich sonst um den Stand der von mir + persönlich nicht behandelten Kurgäste kümmere – wer auf dem Forellenhof lebt, + weiß ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht zugestehn, aber ich glaube + oft, daß ich selbst „Augen“ auf die schöne Eva Bunkert mache, die hier „Hanne“ + heißt. Und wenn ich ehrlich sein will, ist das auch der Grund, warum ich gerade + die Besucherliste des Forellenhofes kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page203">[pg 203]</span><a name="Pg203" id="Pg203" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, Barthel, schießen Sie mal los mit Ihrem Ärger über unsere Kurgäste.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte auf + einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenüber. Er machte sein philosophisches + Gesicht und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ärger kann man’s eigentlich nich nennen, man muß mehr sagen, keen richtigen + Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der ärgert mich wirklich. + Das is ’n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Särge gemacht, zuviel Geld + eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel der Lempert. Also, + in dessen Kurverordnung, die er mir als ’m Hausherrn doch abgeben muß, steht: + Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz wecken. Lempert brummt nich + amal. Um dreiviertel weckt Ignaz wieder. Lempert schreit: a sull die Schnauze + halten! Um sechse geh ich selber und hau an die Tür. Lempert schmeißt seine + Stiefel dagegen und schreit, ich sull mich zum Teufel scheren. Um viertel sieben + trommeln wir beide so an die Tür, daß ’s ganze Haus wackelt, ’s rührt sich + nischt. Um halb sieben droh’n wir, die Tür einzuhauen. Da kummt Lempert hinter + uns die Treppe ’rauf und fragt seelenvergnügt, warum wir eigentlich vor seiner + Tür so eenen Skandal machen; a wär doch schon lange munter. Is der Kerl heimlich + uffgestanden und hat die Tür von außen verschlossen. Nächsten Tag dieselbe + Chose. Um halb sechs Ignaz (Lempert brummt), um dreiviertel sechs Ignaz + (Schnauze halten!), um sechs ich (er schmeißt mit Stiefeln). ‚Jetzt, Ignaz‘, sag + ich, <span class="tei tei-pb" id="page204">[pg 204]</span><a name="Pg204" id="Pg204" class="tei tei-anchor"></a>‚is Schluß, jetzt steht er heimlich uff.‘ Um neune is ’n Bote + vom Rathaus bei mir, warum der Lempert nich zur Kur gekommen sei? Schläft der + Vagabund noch! Da soll ma sich nich ärgern!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Lempert war ein Rechtsanwalt aus Leipzig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fahren Sie fort, Barthel. Schildern Sie mir noch einige Ihrer Kurgäste.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, da ist der Emmerich, der komponiert mir ’n ganzen Hof voll. Auf’m + neubehobelten Kartoffelwagen hat a ’n ganzes Brett vollkomponiert, er komponiert + die Hausflurwände voll, er komponiert ans Butterfaß, er komponiert auf die + Tischtücher, er hat sogar (entschuldigen, Fräulein Hanne!) auf den Klosettdeckel + einen Rundgesang komponiert. So ein verrücktes Huhn is das! Ich hab’n gefragt, + ob er Kapellmeister oder Kantor war, da hat er gesagt: Nee, er wär Gesanglehrer + in eener Taubstummenanstalt. Von sein’n Schülern ließe er seine Kompositionen + aufführen. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so ’n Schmierfinke wie + der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der behauptet, er + wäre 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a seinen tausendsten + Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den nächsten Tag tät er dann sterben, + da könnten wir gleich zum Begräbnis dableiben. Die Sache hätte sich so + zugetragen, daß er vor etwa tausend Jahren ’n mächtiger König gewesen wär; aber + er hätt’ ’n Verbrechen begangen, und da hätt’ ’n een sehr kräftiger Fluch + getroffen, und da hätt’ er gleich nach seinem Tode sich immer wieder aus ’m + Grabe ’rausbuddeln <span class="tei tei-pb" id="page205">[pg 205]</span><a name="Pg205" id="Pg205" class="tei tei-anchor"></a>und in anderer Gestalt ’n neues Leben beginnen + müssen, und es sei immer sehr bergab gegangen mit sein’n diversen Leben, bis er + zuletzt hätte als deutscher Maler auf die Welt gemußt. Da sei das Maß seiner + Buße voll geworden, und er dürft jetzt definitiv sterben. Also – was hat dieser + Methusalem gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. ’s erstemal kommt’s in + Gebrauch. Schneeweißes Buchenholz. Da schüttet meine Frau Rüben in das Schaff, + pfeift ’m Methusalem und sagt: ‚Methusalem, stampfen Se mal die Rüben hübsch + klein!‘ Was macht er? Er beguckt sich das schöne weiße Schaff, dreht’s um, + schüttet die Rüben aufs Pflaster und malt auf ’n auswendigen Boden vom Schaff + meine Alte. Die is nu immer wieder hergelaufen gekommen, hat gelacht und + geschimpft auf den Methusalem, und er hat sie immer angeguckt und drauflos + gestrichelt. Da is se ausgerückt und er ’s Schaff sich über’n Kopf gestülpt und + immer hinter der Susanne her. Und wo er sie erwischte, schnell ihr ins Gesicht + geguckt und ’n paar Striche gemacht. Und dann ging die Jagd von neuem an. Das + nennt sich nu landwirtschaftlicher Betrieb bei uns!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hat denn der Methusalem die Zeichnung fertiggestellt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Freilich! Fünf Tage lang is a mit sein’m Schaff auf ’m Kopp hinter der Susanne + wie wahnsinnig hergewest. Se is ganz außer Atem gekommen und hat gesagt, a müßt + wirklich ’n sehr schwerer Verbrecher sein. Aber das Bild is nu fertig. Ich sag + Ihn’n, su ’ne alte Eule haben Se Ihrer Lebtage noch nicht gesehen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page206">[pg 206]</span><a name="Pg206" id="Pg206" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kann man das Bild nicht mal sehn? Sie haben dieses Schaff hoffentlich nicht + wieder als Schaff benutzt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nee! Meine Alte hat das Bild abscheuern woll’n, aber da haben alle Kurgäste + Lärm gemacht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Zeichnung ist köstlich!“ warf Eva ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo ist denn das Schaff?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oben in seiner Stube hat’s der Methusalem eingeschlossen. Aber ich hab ja ’n + zweiten Schlüssel.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Holen Sie’s mal!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn mich die Susanne erwischt, kommt sie gleich mit der Schmierseife und der + Scheuerbürste hinter mir hergesaust.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Holen Sie es. Wir stehen Posten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte, daß dieser Methusalem ein bekannter ausgezeichneter Karikaturist war. + Als Barthel mit dem Schaff ankam und ich die Zeichnung sah, war ich entzückt. + Ich sah ein Meisterwerk! Diese ganze pfiffige, durchtriebene, lachlustige, dicke + Susanne lebte, atmete, schimpfte, lachte, kommandierte, pfiff auf der Zeichnung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist herrlich“, rief ich; „es ist zum Küssen schön!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weib!“ schrie da Barthel begeistert, „Weib, komm ’raus, der Doktor will dir ’n + Kuß geben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Susanne kam heraus, sah das Schaff, kreischte, versuchte einen wilden Angriff + auf ihr Bildnis und erstarrte, als ich ihr sagte, wenn Herr Stefenson die + Zeichnung sähe, würde er wahrscheinlich ein- oder zweitausend Mark dafür zahlen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die erblaßte Susanne rief: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page207">[pg 207]</span><a name="Pg207" id="Pg207" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann doch keene so scheußliche alte Schachtel sein wie die da!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist keine scheußliche alte Schachtel“, sagte Eva freundlich; „das ist eine + sehr liebe, lustige Muttel!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Siehste, Alte“, höhnte Barthel, „wenn du um die ganze Welt reistest, ’s könnte + dich keen Maler schöner uffmalen, als du eben bist. Aber ich bin nich + eifersüchtig, wenn ooch der Methusalem fünf Tage hinter dir hergerast is wie + verrückt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit dieser rachsüchtigen Bemerkung schlug Barthel seine Gattin aus dem Felde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Holdrioho hoho!“ jodelte einer draußen vor dem Tore. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Himmels willen“, rief Barthel, „das is der Methusalem. Wenn der spürt, daß + ich in seiner Stube gewest bin! Der tausendjährige Kerl hat Kräfte wie ’n Bär.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und Barthel nahm das Schaff auf den Kopf und verschwand eilends im Hause. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva-Hanne sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich hab immer gern in meinem Leben gelacht, aber so viel wie in den drei + Wochen, da ich hier bin, noch nie.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lachen ist gesund.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ganz gewiß. Ich sehe, wie alle um mich her täglich gesünder und heiterer + werden. Heiter kann man es zwar nicht nennen, mehr ausgelassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg zu dem + Berge der Gesundheit und des Glückes, die Heiterkeit ist der letzte, klare + Gipfel. Zu <span class="tei tei-pb" id="page208">[pg 208]</span><a name="Pg208" id="Pg208" class="tei tei-anchor"></a>ihm gelangen wir spät, erst, wenn wir lange und + mühevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden ist, + erst, wenn unsere Augen weithin sehen können, über alle Tiefen, die unter uns, + und alle Höhen, die über uns waren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sind Sie selbst schon auf der Höhe?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die Hand + ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Vielleicht ist’s gut so“, meinte Eva nachdenklich; „wenn Sie selbst schon oben + ständen, könnten Sie nichts anderes als winken. Und da würde sich mancher sagen: + was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist wohl in Not und + fürchtet sich allein dort oben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich finde, Fräulein Eva, daß wir uns gut verstehn!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah ihr heiß in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber kühl. + Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz schlurfte + vorbei. Er brummte einen Gruß und rückte kaum am Hut. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ein unfreundlicher Mensch“, sagte ich, nur um etwas zu reden. „Wenn er nur + nicht mal Unheil anrichtet!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Holdrioho hoho!“ jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl erschien, + der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren gefahren. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist Methusalem“, belehrte mich Eva; „er bringt die dicke Cenzi vom Felde + heim.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page209">[pg 209]</span><a name="Pg209" id="Pg209" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Cenzi war – wie ich wußte – die Gattin eines Berliner Bankiers. In ihrem + Dirndlkostüm sah sie ein wenig schnurrig aus. Methusalem fuhr seine holde Last + bis in die Mitte des Hofes, kommandierte „Alles aussteigen!“ und kippte den + Schubkarren um. Cenzi quiekte, überkugelte sich zweimal, kam dann jauchzend auf + uns zu in einer merkwürdigen Gangart, die etwa so aussah, wie wenn eine Ente den + Trippelschritt einer Taube versucht, und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Denken Sie, der schlechte Mensch; auf dem Schubkarren fährt er mich, aber + zeichnen mag er mich nicht!“ Methusalem schnitt ein Gesicht hinter ihr, das deutlich ausdrückte: „Lohnt nicht + den Faßboden!“ Dann sagte er: „Ich bin kein Zeichner; ich bin ein Feldarbeiter. + Und das Schubkarrenfahren ist wichtiger für Sie, Cenzi, als das + Geporträtiertwerden. Sie haben drei Heukappen auf einen Platz zusammengetragen + und waren daher mit Recht so erschöpft, daß Sie per Achse nach Hause gebracht + werden mußten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er ist über so viele Steine hinweggefahren“, klagte Cenzi; „ich bin + buchstäblich wie gerädert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das wird besser werden, Cenzi“, tröstete Methusalem, „wenn unser Vater Barthel + erst einen Schubkarren mit Federung und Gummirad angeschafft hat. Es ist ein + Skandal, daß er noch keinen solchen besitzt. Er ist ein rückständiger Landwirt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh, Sie Spötter!“ flötete Cenzi; „aber passen Sie auf, morgen habe ich wieder + drei Pfund abgenommen. Denken Sie, Herr Doktor, neun Pfund habe ich bei <span class="tei tei-pb" id="page210">[pg 210]</span>Ihnen in zwei Wochen abgenommen, und das ohne jede Medizin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie setzte sich zu mir und wollte mich in den Zauber eines Gesprächs über ihren + Gesundheitszustand verwickeln; ich aber sagte, sie möge das alles ihrem Arzt in + der Sprechstunde mitteilen. Da war sie denn auch zufrieden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Hilfsbriefträger erschien. Er übergab Eva einen Brief. Den Brief hatte die + Reichspost mit der richtigen Adresse im Rathaus abgegeben. Dort war der Brief in + einen neuen Umschlag gesteckt und mit „Hanne – Forellenhof“ adressiert worden. + So hatte ihn der Hilfsbriefträger überbracht. Er blieb nach dieser Amtshandlung + wartend stehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nanu, Briefträger“, sagte Methusalem, „Sie warten wohl auf ’n Trinkgeld? Sie + wissen doch, daß wir alle in diesen gesegneten Landen nicht ’n roten Heller in + der Tasche haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eine Zigarre möcht ich gern“, sagte der Briefträger. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gibt’s nicht“, schimpfte Barthel aus der Haustür heraus. „Drei Stück sull a + bloß am Tage roochen, und die kriegt a ooch täglich geliefert. Nu is a extra + Briefträger geworden, daß a in a Höfen um Tabak rumschnorr’n kann.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Briefträger (er war im Zivilleben Fabrikbesitzer im westfälischen + Industriebezirk) machte einen niedergeschlagenen Eindruck. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Drei Stück so leichte Zigarrchen ist ja nichts für einen, der ein starker + Raucher gewesen ist“, sagte er. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page211">[pg 211]</span><a name="Pg211" id="Pg211" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die drei Dingerchen hole ich mir früh um sieben ab und verrauch sie alle drei + nach dem Frühstück. Und dann habe ich den ganzen Tag nichts.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Trösten Sie sich“, sagte Barthel grob, „vielleicht werden Sie ooch noch + gescheidt um ’n Kopp!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nur die dicke Cenzi war mitleidig. Sie hatte sich eben eine Zigarette angesteckt + und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Briefträger, ich krieg bloß zwei Stück am Tag. Aber Sie dürfen einmal dran + ziehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie steckte dem Briefträger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich gierig + daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, daß er binnen Sekunden + die ganze Zigarette aufgefressen hätte, wenn Cenzi sie ihm nicht entrissen + hätte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Den laß ich nie wieder ziehen!“ sagte sie empört. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhig geworden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er ist von meinem Vater“, sagte sie leise zu mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Begleiten Sie mich bis zum Tor!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also“, fuhr sie fort, während wir langsam gingen und sie sich auf mich stützte, + „hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt nicht lesen. Ich + weiß, daß er nichts Erfreuliches enthält, und ich will mir den schönen Abend + nicht verderben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz neuen + Form wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei uns zur Kur, und + der Vater protestierte. Anders konnte es nicht sein. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page212">[pg 212]</span><a name="Pg212" id="Pg212" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es wäre sehr, sehr schade, wenn Sie unser Heim verlassen müßten“, sagte ich und + fühlte, daß eine heiße Angst in mir aufstieg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie sah finster zu Boden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann riß sie den Brief auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will nicht feig sein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie las – las – staunte. Dann reichte sie mir den Brief. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh! Das hätte ich nicht gedacht! Lesen Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Liebes Kind! Es ist ja nicht nett von Dir, daß Du hinter meinem Rücken ins + Lager unseres sogenannten Feindes übergegangen bist. Aber die Sache kann sich + noch gut zurechtschieben. Die Neustädter, deren ganzer Sache ich auf die Beine + geholfen habe, machen mir schon seit langem das Leben sauer und möchten mich + nach und nach übrig machen. Nun erhielt ich gestern von Mister Stefenson aus + Amerika einen Brief, in dem er mich anfragt, ob ich geneigt sei, den Bau der + noch fehlenden zwanzig Höfe in der Waltersburger Kuranstalt zu übernehmen und + auch fernerhin die baulichen Unternehmungen dort zu leiten. In diesem Falle möge + ich mit der Waltersburger Direktion, die verständigt sei, in Verbindung treten. + Ich bin nach Lage der Verhältnisse gar nicht abgeneigt, der Sache näherzutreten, + und freue mich jetzt, daß Du bereits Dein Interesse für das jedenfalls sehr + aussichtsreiche Waltersburger Unternehmen bekundet hast. In den nächsten Tagen + werden wir uns sehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich gab Eva den Brief zurück. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page213">[pg 213]</span><a name="Pg213" id="Pg213" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie werden nicht glauben, daß ich eine Ahnung von diesen geschäftlichen Dingen + gehabt habe“, sagte sie ängstlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gewiß nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewußt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ihre Stirn war finster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist schwer für mich, das zu sagen – aber Sie sollen mich nicht falsch + beurteilen; es gefällt mir nicht von meinem Vater, daß er von den Neustädtern zu + den Waltersburgern übergeht. Er hätte drüben Stange halten müssen – jetzt erst + recht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Braves, liebes Mädel!“ dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind ja auch zu uns gekommen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom + Forellenhof. Ich schade den Neustädtern nichts. Aber mein Vater – der Gründer + von allem! Wenn der übertritt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fräulein Eva, Ihr Vater ist wohl längst da drüben nicht mehr ganz mit dem + Herzen dabei. Seine ursprünglichen Waldheime sind dem öden Hotelbetrieb + gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger + Geschäftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein Feld + neuer Tätigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von ihm, wenn er + zusagt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind ein lieber Mensch“, sagte sie dankbar, und meine Augen flammten auf, + und auf einen Augenblick <span class="tei tei-pb" id="page214">[pg 214]</span><a name="Pg214" id="Pg214" class="tei tei-anchor"></a>war es mir, als flöge meine Seele einem + seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein + seliger Taumel faßte mich ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Draußen an der Tür erhob sich ein Singen: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Abend wird es wieder;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Über Wald und Feld</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Säuselt Frieden nieder,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Und es ruht die Welt.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das alte Abendlied wurde von vierstimmigem Chor gesungen. Da öffnete der lange + Ignaz das Tor. Er hatte in der Nische gelehnt, und ich hatte ihn vorher gar + nicht gesehen. Vielleicht hatte er alles gehört, was wir gesprochen hatten. + Jetzt blickte er mich mit finsterem Gesicht an. Aber ich beachtete ihn gar + nicht. Ich sah auf die Sänger, die durchs Tor zogen. Sensen und Rechen trugen + sie über die Schultern, alle mit Feldblumen geschmückt, voran schritt Emmerich, + der Chormeister, mit einem mit Kornblumen geschmückten Taktstock: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Nur der Bach ergießet</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Sich am Felsen dort,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Und er braust und fließet</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Immer, immerfort.</div> + </div> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">So in deinem Streben</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Bist, mein Herz, auch du,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Gott nur kann dir geben</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wahre Abendruh!“</div> + </div> + <span class="tei tei-pb" id="page215">[pg 215]</span><a name="Pg215" id="Pg215" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als letzte in der Reihe kamen die kleine Luise und eine Frau, die das Kind an + der Hand führte. Diese Frau war wohl noch jung; sie war von hoher, schöner + Figur. Das Gesicht konnte ich nicht sehen, weil das bunte Kopftuch, das sie + trug, weit vorgeschoben war. Luise, die jetzt sehr häufig auf dem Forellenhofe + war, schmiegte sich dicht an ihre Begleiterin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie heißt die Frau, mit der Luise geht?“ fragte ich Eva. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie nennt sich Magdalena, ist sehr still und bleibt fast immer für sich allein. + Aber das Kind hängt an ihr.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Behutsam zog ich mein Notizbuch. Dort hatte ich die Kurgäste des Forellenhofes + verzeichnet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Magdalena ..., geschiedene Frau Kaufmann Agnes Blassing aus Aachen, + behandelnder Arzt Dr. Michael“, stand dort + verzeichnet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Abendlied verklang; die Leute zerstreuten sich an der Brunnenröhre oder am + Bach; die meisten aber zogen doch vor, ihre Abendtoilette auf dem Zimmer zu + besorgen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Draußen auf der Straße knarrte noch ein Wagen. Trotzdem schloß der lange Ignaz + das Tor. Das war eine neue Heimtücke von ihm; denn vor dem Tor stand Piesecke + mit einem Fuder Klee und wußte nicht, wie er es anstellen solle, die Zügel der + Pferde, von denen eines sehr unruhig war, nicht loszulassen und doch an das Tor + zu klopfen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So schrie er: „Es ist zu! Es ist zu! Bitte, machen Sie gefälligst auf!“ und es + klang wie ein jammernder Hilfe<span class="tei tei-pb" id="page216">[pg 216]</span><a name="Pg216" id="Pg216" class="tei tei-anchor"></a>ruf. Die Leute, die noch im Hofe + waren, lachten, und niemand dachte daran, Piesecke in seiner Not beizustehen. Da + eilte die kleine braune Anneliese über den Hof und versuchte das schwere Tor zu + öffnen. Ich half ihr dabei, und ich sah zum erstenmal, wie reizend dieses + Mädchen war. Wie eine süße, junge, rote Rose! Ihre Sternenaugen grüßten mich + wieder so freundlich, und ich glaubte, zu ihrem Herzen würde ich den Weg wohl + leichter finden als zum Herzen dieser stolzen Eva. Und sah doch wieder zu dieser + Eva hin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun sollte zur Abendmahlzeit gerufen werden. In anderen Höfen geschah das durch + eine Glocke. Hier im Forellenhof trat Emmerich mit seiner Leibgarde auf. Vier + Mann, zwei mit Becken, einer mit einer Trommel, einer mit einer Pauke. Dieser + Tischruf war so gewaltig, daß die Leute drunten in Waltersburg wußten, wann im + Forellenhof gegessen wurde. Damit aber auch der lyrische Teil dieser + Emmerichschen Kunstleistung nicht fehle, wurde ein Kanon gesungen, den Emmerich + gedichtet und komponiert hatte: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 2.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Lobt den Herrn, hat’s zu bedeuten,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wenn zur Ruh die Glocken läuten,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Doch dabei nicht zu vergessen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Kommt zum Essen! Kommt! Kommt!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die vier Sänger sangen diesen Kanon mit tiefem Gefühl. Bald sammelten sich die + Abendgäste an der großen Tafel im Garten. Emil Barthel saß an der Spitze und + präsidierte. Es gab Bratkartoffeln, Milch, Weißkäse, <span class="tei tei-pb" id="page217">[pg 217]</span><a name="Pg217" id="Pg217" class="tei tei-anchor"></a>Butter und + Brot, grünen Salat, frische Kirschen und Haselnüsse. Dieses Abend-„Menu“ habe + ich glatt von Lahmann im „Weißen Hirsch“ übernommen, weil es kein besseres gibt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke behauptete, wenn er Milch, Kirschen, grünen Kopfsalat und Weißkäse + zusammen äße, bekäme er auch zusammen die Ruhr, den Typhus und die Cholera. Er + war deshalb mit noch einem anderen Kurgast an einen Extratisch gesetzt und bekam + besondere Kost. Nach vierzehn Tagen, als Piesecke sah, daß die Gäste am + „Normaltisch“ sich sehr wohl fühlten, wurde er seiner Einsamkeit überdrüssig und + verlangte zu den anderen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich aß an diesem Abend mit im Forellenhof, und ich hatte große Freude, zu sehen, + wie herrlich es den Leuten schmeckte. Auch die Tischgespräche, die geführt + wurden, gefielen mir. Weit weg war alles gespreizte, verlogene Getue, weit weg + aller Phrasenklüngel, alles ästhetisierende Jongleurtum, alle + pseudophilosophische Geistreichelei, jede auch noch so versteckte Prahlerei mit + wirklichen oder vermeintlichen Werten aus dem früheren Leben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der dicke Franzel erzählte dem dürren Heinrich (einem Zoologen aus München), daß + er drei Maulwürfe erlegt habe, worauf Heinrich entrüstet erklärte, das sei eine + ungeheure Dummheit, da der Maulwurf als Insektenvertilger und nachweislicher + Nichtpflanzenfresser niemals ein Würzelchen der Wiese, dagegen aber täglich so + viel schädliche Engerlinge verspeise, wie er selbst schwer sei. Vater Barthel, + zum Schiedsrichter angerufen, entschied: „Den Büchern nach ist der Maulwurf sehr + nützlich, aber <span class="tei tei-pb" id="page218">[pg 218]</span><a name="Pg218" id="Pg218" class="tei tei-anchor"></a>dem Bauernverstande nach schlagen wir ihn tot. Von + wegen seiner Haufen!“ Heinrich zuckte die Schultern und sagte, es werde wohl + auch in diesen finsteren Aberglauben noch einmal Licht kommen. Vom Ausroden + zweier Weiden erzählte einer, vom Pflanzen von Sellerie ein Mädchen, von der + Aussaat von Winterrettich und Wirsing eine andere. Die meisten sprachen von der + lustigen Heuernte, von dem rotblühenden Kleefeld oder von dem Wiesenwässerlein, + über das eine neue schmale Brücke mit einem birkenen Geländer gelegt worden war. + Bäuerliche Themen, manchmal mehr altklug behandelt, wie Kinder schwätzen, als + wirklich erfahren, wie Vater Barthel war, der aber sehr wohlwollend alles + anhörte. Weil es an St. Barnabas geregnet habe, erklärte ein Rheinländer, würden + die Trauben dieses Jahr von selbst ins Faß schwimmen, und wie das Wetter am + Johannistag sei, so würde es bis Michaeli sein, behauptete ein anderer. Ich sah + mir die Leute an, die so sprachen. Sie gehörten alle zu den gebildeten Schichten + der Bevölkerung. Würden sie je in ihrem eigenen Leben solche Unterhaltung + führen, so wären sie Sonderlinge, als komische Käuze, vielleicht als albern + gebrandmarkt. Hier wären sie lächerlich, wenn sie von hoher Politik, von + gesellschaftlichen Ereignissen und Beziehungen, von künstlerischen oder + philosophischen Streitfragen zu reden begännen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diese Leute haben wirklich alle Ferien vom Ich gemacht. Und ich sehe, daß ich + meine Idee nicht bis in die Einzelheiten selber auszudenken brauche; hier + dichten alle mit an dem großen Sturmlied, das wir gegen den <span class="tei tei-pb" id="page219">[pg 219]</span><a name="Pg219" id="Pg219" class="tei tei-anchor"></a>Jammer + unseres modernen Lebens anstimmen wollen; hier hilft jeder bauen an der Brücke, + die über den Strudel der Zeit zu dem stillen Eiland des Friedens führt, hier + stützt einer den andern. Betrachtet den Soldaten, der schwer beladen sein junges + Leben in täglich vielstündigem mühseligem Marsch gegen die Feuerschlünde der + Feinde schleppt – er würde auf seiner furchtbaren Reise erlahmen, + liegenbleiben, verzweifeln nach der dritten oder vierten Stunde, wenn er allein + wäre. Aber der Rhythmus der Masse hält seine Glieder im Gang; am klingenden + Bewußtsein der Gegenwart von tausend anderen hält er sich aufrecht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So ist es hier auch. Nimm den einzelnen Kulturmenschen, setze ihn in eine + Bauernstube, heiße ihn leben und arbeiten, wie es ein Bauer tut, und das Heimweh + packt ihn am achten Tage und treibt ihn davon. Mit Hunderten, ja mit Tausenden + seinesgleichen aber ist er glücklich, legt er alle Tage Strecken auf dem Wege + der Gesundheit zurück, deren er sonst nie fähig wäre, kommt er trotz aller + Anfeindung durch sein bequemes, verzärteltes, tyrannisches Ich zum Siege. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page220">[pg 220]</span><a name="Pg220" id="Pg220" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc37" id="toc37"></a><a name="pdf38" id="pdf38"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Lorelei</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mein Bruder Joachim guckte über den Gartenzaun. Und als sich die Gesellschaft + auflöste zum Abendspaziergang, fügte es sich leicht, daß Eva und Annelies, + Joachim und ich uns zusammenschlossen. Im Poetenwinkel der Lindenherberge + standen die Fenster offen, da sangen zwei junge Männer zur Laute: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Rosenbusch holderblüh,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wenn i mei Mädle g’sieh –“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir blieben stehen und hörten zu. Die Sänger reichten zwei volle Gläser zum + Fenster heraus, und unsere Mädchen nippten daran und lachten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Annelies hatte meinem Bruder zugetrunken, und es war mir schon aufgefallen, wie + seine sonst so ernsten Augen aufleuchteten. Dann, als der fröhliche Singsang + überging in „Drauß’ ist alles so prächtig, und es ist mir so wohl“, bemerkte + ich, daß Joachim heimlich nach Annelieses Hand faßte, die ihm das Mädchen + traumverloren überließ. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva stand ans Fenster gelehnt. Der Duft der Wiese schlug mir schwer in die + Sinne. Glühwürmchen funkelten <span class="tei tei-pb" id="page221">[pg 221]</span><a name="Pg221" id="Pg221" class="tei tei-anchor"></a>durchs Gras. Droben im einsamen + Hirtenhaus blies auf seinem Waldhorn der freiwillig Verbannte, dessen + Liebesleiden ich kenne, Eichendorffs traurige Weise: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Sie hat einen andern genommen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ich war draußen in Schlacht und Sieg,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Nun ist alles anders gekommen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ich wollt’, es wär’ wieder Krieg!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Über die Wiese gingen zwei langsam dahin. Die Frau vom Forellenhof, die sich + Magdalena nannte, und die kleine Luise. Das Kind erkannte mich und eilte auf + mich zu. Die Frau blieb abgewandt stehen. Da rief die Kleine: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Magdalena, Magdalena, kommen Sie doch her! Hier wird so schön gesungen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Frau schüttelte den Kopf, wandte sich aber doch langsam um. Und ob es auch + schon dämmrig war, der Abend hatte mich scharf sehend gemacht; ich sah, daß das + Weib, das dort einsam auf der Wiese stand, Joachims erste Frau, Luises Mutter, + war. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Bruder aber sah sie nicht, und seine Augen waren gehalten, und er erkannte + auch sein Kind noch immer nicht. Langsam tastete wieder seine weltmüde und doch + immer noch glücksuchende Rechte nach der kleinen Anneliese keuscher Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Magdalena, kommen Sie hierher!“ rief das Kind abermals und dringend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die aber schüttelte den Kopf und ging davon. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Kind schmiegte sich an mich; vom Berge her klang noch immer die Melodie des + Eichendorffliedes, und ich <span class="tei tei-pb" id="page222">[pg 222]</span><a name="Pg222" id="Pg222" class="tei tei-anchor"></a>sah den Bruder an und hörte aus dem + Klange des Hornes die Worte: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Ich aber war weit schon gegangen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Jetzt sieht sie mich nimmermehr.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Nacht war schwüler als der Abend. Es war, als ob von irgendwoher heiße + Gewitterluft über unsere Häupter getragen würde. Ich saß wach am Fenster. Als + ich heimgekommen war, hatte ich einen Brief von Stefenson gefunden. Er machte + mir Mitteilung, daß er an den Baumeister Bunkert geschrieben habe und ihm die + Leitung unserer ferneren baulichen Unternehmungen übertragen wolle. Dann kam der + inhaltsschwere Satz des Briefes: „Ich verhehle Ihnen nicht, lieber Freund, daß + meine tiefe Neigung für Fräulein Eva Bunkert, deren ich mir inzwischen ganz klar + geworden bin, mich zu dem Angebot an ihren Vater geleitet hat. Dieser Neigung + werden Sie – dessen versichert mich Ihre ehrliche Freundschaft – immer + Rechnung tragen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie schwül die Nacht war, wie unruhevoll die Seele, schmerzlicher Wünsche, + heißer Angst, tiefer Niedergeschlagenheit voll, da das schöne Traumbild von + Liebe und Glück von drohendem Wetterleuchten überstrahlt an meinem Himmel stand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da bäumte sich der Wille im jungen Herzen auf, und ich sagte mir: Oho, mein + Freund, wie kommst du dazu, mir den Verzicht auf meine junge Liebe zu befehlen? + Steht dieses Recht in unserem Kontrakt? Ist Liebe ein <span class="tei tei-pb" id="page223">[pg 223]</span><a name="Pg223" id="Pg223" class="tei tei-anchor"></a>Schacher, in + dem du mich überbieten kannst? Bist du mein Herr und ich dein Sklave, dem du + befehlen kannst: Laß ab von jenem Mädchen, das ich für mich will! Oder, wenn du + es auf die Freundschaft hinausspielen willst: wo war je in der Welt Freundschaft + stärker als Liebe, wo wäre sie im Kampfe mit ihr nicht unterlegen? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Komm nur zurück, alter Geschäftemacher, und kämpfe um die Braut! Wenn du zu + lange ausbleibst, wirst du sie als die Meine finden und sie mir gewiß nicht mehr + entreißen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So wollte ich das Recht auf mein Lebensglück wahren. Aber neben dem Willen saß + der Zweifel. Ich wußte, daß Evas Herz viel mehr zu Stefenson neigte als zu mir. + Ich war wohl für das Glück der Liebe nicht bestimmt. Niemals im Leben hatte es + mir ernsthaft gewinkt. Vielleicht war ich zu scheu, zu verträumt meinen + Lebenspfad gegangen. Auch die kleine Anneliese, die junge, rote Rose, hatte ich + übersehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun streckte der Bruder die Hand nach ihr, und auf der Wiese stand des Bruders + Weib und sah mit verlorenen Augen nach ihm hin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch da fühlte ich ein böses Wetter aufsteigen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist doch ein kostbares Geschenk, das der Herrgott seinen Erdenkindern + machte: die Arbeit. Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das dir + den Tag grau färbt und deine Nächte qualvoll macht, geh zur Arbeit, zu der + herben, tüchtigen Frau, sie wird dich mit so klaren <span class="tei tei-pb" id="page224">[pg 224]</span><a name="Pg224" id="Pg224" class="tei tei-anchor"></a>Augen + anschauen, mit so morgenheller Stimme zu dir sprechen, daß du das Haupt + hochheben und tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst; + bist du einem Irrlicht nachgegangen und auf sumpfigem Pfad von Schlingpflanzen + tiefer Verzagtheit umschlungen worden, rufe die Arbeit, die tüchtige Frau, sie + wird dich mit derber Hand herausziehen aus deiner Bedrängnis und dich wieder auf + eine feste Straße stellen; hast du Güter verloren, welcher Art es immer sei, + wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen und leere Herzen + immer neu zu füllen vermag; sind dir alle Unterhalterinnen des Lebens + überdrüssig geworden, laß die Arbeit an deinem Tisch sitzen bis zum letzten Tage + deiner Kraft! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Denn sie ist deine beste Freundin; sie schützt deine Gesundheit, sie stärkt + deine Muskeln; sie würzt dir das Mahl und salzt es, daß es nicht faule; sie + spricht dir alle Tage aufmunternde Worte über deinen Wert ins Ohr und hütet dich + doch vor Übermut durch kleine oder große Mißerfolge; sie gibt dir für deine + Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu deinem Becher den rechten Durst + und schließt dir alle Abende mit leisem Finger die Lider! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So bin ich durch die Arbeit über meine Zweifel und Leiden hinweggekommen, so + sind meine Eigenwünsche still geworden und wie kleine Heimatbächlein + hineingerieselt in den großen Strom des Willens zum Dienst der Allgemeinheit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Von dem lasse ich mich tragen. Manchmal gluckst noch <span class="tei tei-pb" id="page225">[pg 225]</span><a name="Pg225" id="Pg225" class="tei tei-anchor"></a>ein silbernes + Stimmlein alter Sehnsucht auf; aber es verklingt, und ich freue mich der starken + Alltagswelle, die mein Schiff trägt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Von den Patienten, die zu mir kommen und ihre Lebensberichte vor mir ausbreiten, + haben die meisten an der Liebe gelitten. Männer wie Frauen. Denn nicht immer + sitzt auf dem Felsen am Fluß die Lorelei und in dem scheiternden Kahn unten der + Mann; oft schwimmt die Lore unten, und der Mann sitzt oben, wenn er sich auch + nicht sein „golden Haar“ kämmt, sondern vielleicht nur einen schwarzen Bart + streicht. Die Tragik ist immer die gleiche: der Kahn kippt um. Steht man dann + als Leibes- und Seelenarzt am Ufer und wirft seinen Rettungsring aus, so ist das + ein aufregendes, aber schönes Geschäft, und ich denke, nach und nach wird sich + bei mir die Aufregung in eine milde Seelenheiterkeit umwandeln. Habe ich so ein + pudelnasses Menschenkind, das im romantischen Rheinstrom der Liebe verunglückte, + ans Land gezogen, so lasse ich es erst ein wenig zu Atem kommen, und dann + forsche ich es langsam aus, ob die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, + nicht auch mancherlei Schwächen haben möge, und wird die Frage ein wenig + zähneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter, bis sich ergibt, daß die + (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, eigentlich minderwertig, hingegen + der (oder die), so in dem Kahn umkippte, wesentlich wertvoller sei, weshalb die + ganze Unglücksfahrt eine Torheit gewesen, nach welcher man klüger geworden und + gottlob ans feste Land und in trockene Kleider gekommen sei. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page226">[pg 226]</span><a name="Pg226" id="Pg226" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In den meisten Fällen hilft meine Methode; sie führt durch das Türlein: „Er ist + es nicht wert, daß ich mich opfere“, in den Garten der Gesundung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Einige Fälle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, daß immer nur auf die + Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt. Die stehen dann + wie verloren und verzürnt in dem lustigen Ferienheim vom Ich, werden zuerst auf + einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton wehe tut, aber wo eine kleine + feste Pflicht sie aufrecht hält, und steigen, wenn die Lebenssehnsucht wieder + erwacht, Stufe um Stufe ins Tal zurück. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page227">[pg 227]</span><a name="Pg227" id="Pg227" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc39" id="toc39"></a><a name="pdf40" id="pdf40"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Die „krummbeinige Medizin“</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Meine Kurmittel sind nicht ganz gewöhnlicher Art. Es gibt Ärzte, die den Sitz + alles Übels im Magen suchen; andere begeistern sich für die Leber; wieder andere + schwören auf warme Füße; ganz alte, bequeme Knaben geben immer zum Schwitzen ein + oder verordnen Laxiermittel; wieder andere sagen, außer mit Chinin, Digitalis + und Quecksilber sei überhaupt nichts anzufangen; diese werden von den + Wasserdoktoren „Giftmischer“ genannt, und alle werden von den Homöopathen + verachtet. Ich misch mich da nicht ein; ich sage: ihr habt alle recht, und der, + der am wenigsten tut, tut am meisten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Meine Kuranstalt Ferien vom Ich ist etwas Neues, und es sind auch meine + Kurverordnungen teilweise sehr neu. So habe ich in der kurzen Zeit meiner + hiesigen Praxis meinen Patienten in einundfünfzig Fällen die Anschaffung eines + Dackels verordnet. Der Dackelhund als Heilmittel ist in der medizinischen + Wissenschaft gewißlich ein Novum, aber er ist gleicherzeit – das kühne Bild ist + in Tagebuchaufzeichnungen erlaubt – nichts anderes als ein Ei des Kolumbus. Ich + habe selbst seit Jahren einen Dackelhund (in Amerika drüben nennen sie ihn <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">german </span><span class="tei tei-pb" id="page228">[pg 228]</span><a name="Pg228" id="Pg228" class="tei tei-anchor"></a><span style="font-style: italic">dog</span></span>), er heißt „Spezi“, weil + er mir in der Tat ein Spezialfreund geworden ist, und ich kenne die + gesundheitsfördernden und erziehlichen Werte seiner Gegenwart zu gut, als daß + ich in meiner Nächstenliebe nicht auch anderen das Glück eines solchen Besitzes + gönnen sollte. Eine wissenschaftliche Arbeit schreibe ich ja hier nicht; nur + eine Tagebuchplauderei. Aber ich will eine erweiterte Abschrift dieses Kapitels + meinen Kollegen geben, die ein wenig die Nase über den „Chef“ rümpfen, der so + viele „krummbeinige Medizin“ verordnet, daß neulich sechsundzwanzig Dackel auf + dem Lindenplatze eine Art Generalversammlung abhielten und greulichen Unfug + verübten. (Dr. Fristen hat mir damals gekündigt + mit der Begründung, daß er ein ernst zu nehmender Arzt sei, und ich habe ihn + ohne Trauer ziehen lassen. Hol der Fuchs alle Spießer, die nur ihr + Schuleinmaleins ableiern können!) </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Einen Dackel verordne ich zunächst demjenigen, bei dem ich als Pfahlwurzel + seiner Leiden zu große Eigenliebe erkenne. Die gewöhnt ihm der Hund alsbald + gründlich ab. Kein noch so eingefleischter Nietzschianer behauptet auf die Dauer + seinem Dackel gegenüber die „Herrchen“-Natur. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das „Herrchen“ ist der Dackel; da kann einer dagegen tun, was er will; es nutzt + alles nichts. Zum Beispiel: Der Philosoph, in schwere Gedanken versunken, strebt + auf seinem Abendspaziergang gen Westen. Der begleitende Dackel – einen Igel + erschnuppernd – biegt gen Süden ab. Der Philosoph wird sich anfangs um den <span class="tei tei-pb" id="page229">[pg 229]</span><a name="Pg229" id="Pg229" class="tei tei-anchor"></a>kläffenden Köter ganz und gar nicht kümmern; aber dann wird er + pfeifen – einmal, zweimal, dreimal leise – dann laut, immer lauter rufen, + drohen, die Fäuste ballen, toben, aus seiner schweren Gedankenbahn geschleudert + werden, umkehren, gen Süden wallen und Betrachtungen darüber anstellen, ob nun + ein Dachshund oder ein Igel das widerborstigere Tier sei. Der notgedrungene + Gleitflug aus der luftarmen Höhe eisigen Denkens ist durch einen Dackel + ertrotzt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gut so – in den Ferien vom Ich! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines elenden + Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenüber mit der + ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn in + hundert Runzeln, die Ohren hängend, den Schwanz melancholisch eingeklemmt, die + Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd, stöhnend, so wird der + Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen, mit dem Vieh auf die Straße + flüchten und sich nicht schlecht wundern, daß der scheinheilige Jämmerling + plötzlich wie ein Berserker der Lebenslust umherrast. Etwas abfärben wird es + schon. Das nächste Mal, wenn er und der Dachs so trübselig einander + gegenübersitzen, wird sich der Misanthrop selbst nicht recht trauen und auf die + Straße gehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und keinen + bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den ersehnten + Tyrannen, den sie pflegen und füttern kann. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page230">[pg 230]</span><a name="Pg230" id="Pg230" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die kleinliche, ordnungswütige Hausfrau, die ihrem Mann wegen eines + Zigarrenstäubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte, bis + sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhält als Antwort auf + ihre entrüstete Klage, daß ihr das „entsetzliche Vieh“ die Hausschuhe + verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch geknabbert habe, die + Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die Hausschuhe und gestickten + Decken seien im Universum von nur nebensächlicher Bedeutung, und ohne Dackel + könne sie nicht gesund werden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt im + verschlossenen Briefe mitteilte, sie brächte ihre Nachbarschaft durch ihr ewiges + Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen Dachshund + verordnet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und verheult, daß + ihr die Drahtkommode zur Unmöglichkeit wurde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Allen den sehr nervösen Herren, die zu mir kommen und von denen ich weiß, daß + sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit draußen in der Welt als Richter oder + Examinatoren auf arme Opferlämmer losgelassen werden, verordne ich einen Dackel + und bitte sie, sich seiner künftighin auch vor ihren Amtshandlungen zu bedienen. + Ich denke dabei an die Wirkung milde ableitender Mittel. Einer, der einen Hund + gestreichelt hat, kann keinen Menschen ohne äußerste Not zu Boden schlagen, auch + wenn seine Nerven noch so ruiniert sind. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page231">[pg 231]</span><a name="Pg231" id="Pg231" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ferien vom Ich! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das ist so die fieberstillende Wirkung der „krummbeinigen Medizin“. Aber der + Dachs wirkt auch stärkend und aufbauend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen Dachshund. Nach + acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle Kreaturen, ein „untreues + Luder“. Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer seinem tierischen Instinkt + nach, geradeso, wie es die Menschen täten! Vier Wochen darauf war der Mann + bekehrt. Er sagte mir: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich zwei + Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit schmutzigen Pfoten + und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er treuherzig sagte: Liebes + Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauselöcher, in die ich schnuppern möchte, + aber es ist doch am schönsten bei dir! Das ist immerhin eine gewisse Treue!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes, hoffärtiges + Gebaren haben, denen, die „sich tun“, wie die Leute sagen. Es sind ihrer sehr + viele. Wer „tut sich“ heutzutage nicht? Der Dichterling, der reiche Kaufmann, + der Herr Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen nur einen Dackel ans Bein, + der sie an den Hosen oder am Humpelrock zerrt, gleich ist ihre Hoheit dahin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Man kann nicht geziert, nicht unnatürlich tun und sein, wenn man mit einem + Dackel geht. Das rustikale <span class="tei tei-pb" id="page232">[pg 232]</span><a name="Pg232" id="Pg232" class="tei tei-anchor"></a>Viehzeug verdirbt allen aufgeblasenen + Stil, zerrt einen widerwillig in die Natürlichkeit zurück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gewiß, der Dackel ist ein stobiger Philister, ein täppischer Biedermeier, ein + Kleinbürger, aber auch ein Nihilist gegen alle Gespreiztheit, ein genialer + Spötter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wüßte nicht, warum ich ihn nicht als ein Heilmittel gegen mancherlei + Gebrechen unserer Zeit in unseren Kurplan einsetzen sollte! </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page233">[pg 233]</span><a name="Pg233" id="Pg233" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc41" id="toc41"></a><a name="pdf42" id="pdf42"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">In der Genovevenklause</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Genovevenklause ist frei geworden. Den Sommer über wohnte eine Witwe mit + ihrem Söhnchen darin. Eine vornehme Dame, die nach dem Untergang ihres Eheglücks + aus ihrer bunten Gesellschaft in die Einsamkeit der Klause flüchtete. Das + Häuslein ist halb in den Berg hineingebaut, ein Kreuz ist über dem Felsen, der + Bach fließt vorbei, ein zahmes Reh grast vor seiner Tür. Es vertritt die + Hirschkuh der Legende. Dort bei der Genovevenklause ist meist tiefe Stille; nur + ein schmaler Fußweg führt zu ihr hin, und es ist dort recht einsam. Nur die + Heimwehfluh mit dem Hirtenhaus ist ebenso still. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun ist die Frau fortgezogen. Sie mußte in die Welt zurück und hatte Tränen in + den Augen, als sie Abschied nahm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn das Grab meines Gatten hier wäre, möchte ich nie mehr ausziehen aus der + lieben Klause“, sagte sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie müssen es wegen Ihres Sohnes“, entgegnete ich ihr; „Sie dürfen keinen + Schmerzensreich, keinen Parsival aus ihm machen; Sie müssen ihn vorbereiten für + das Leben.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page234">[pg 234]</span><a name="Pg234" id="Pg234" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mir graut vor dem Leben“, sagte Frau Herzeleide und zog davon! ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Heute war ich in der Direktion. Der Direktor war nicht anwesend, und ich mußte + ein wenig warten. Da kam sie zur Tür herein – Magdalena vom Forellenhof –, die + Frau meines Bruders Joachim. Als sie mich sah, erschrak sie und strebte zur Tür + wieder hinaus. Ich hielt sie zurück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was wünschen Sie, Magdalena? Der Herr Direktor wird gleich hier sein. Warten + Sie nur einige Minuten!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie war äußerst verwirrt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich wollte – ich möchte – ich wollte nur anfragen, ob es vielleicht möglich + sei, daß ich in die Genovevenklause ziehen könnte, da sie frei geworden ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gefällt es Ihnen nicht mehr auf dem Forellenhof?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie wich aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich möchte sehr gern in tiefere Einsamkeit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist Ihr Arzt damit einverstanden?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn gefahren. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen recht + ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort steht. Ich werde + schon dafür sorgen, daß Sie die Klause bekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich möchte Ihnen meinetwegen den + Weg nicht zumuten.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page235">[pg 235]</span><a name="Pg235" id="Pg235" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blaß, und ihre + Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz gefärbt; + das veränderte sie am meisten. Aber auch der früher so rosige Teint war + verloren; die Haut schimmerte blaß und feucht; die Kinderaugen, die so übermütig + blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare Schönheit noch, aber sie + blickten müde und traurig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Während wir so gingen, sprach ich über harmlose Dinge, über die Ernte, über + Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt hinter mir und + vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den schmalen Pfad kamen, + atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht mehr nebeneinander gehen. + Sie bestand darauf, daß ich voranschritt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erlösers, und ich dachte an + jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und mir + nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich nicht + grausam sein. Diese Frau war so müde, so geschlagen; sie brauchte keine Strafe + mehr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Magdalena“, sagte ich, „ich habe gehört, daß Sie gern mit unserer kleinen Luise + gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen hier nicht + fehlen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie seufzte schwer. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page236">[pg 236]</span><a name="Pg236" id="Pg236" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, es wird mir fehlen. Aber auf dem Forellenhof nimmt es jetzt meist das junge + Fräulein, die Bärbel, und mir hat Luise versprochen, daß sie mich alle Tage + besuchen will. Sie spielt gern mit dem Reh.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Sie haben dem Kinde auch viele Geschichten erzählt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, sie hört gerne Märchen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haben Sie auch mit ihr gelesen, geschrieben und gerechnet?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich tue das sehr gern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich machte eine Pause. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin austoben. + Aber als ständiges Unterkommen hätte ich für die Kleine gern ein stilles Heim. + Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen in Pflege.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da schrie sie kurz und jäh auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine große Gnade!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: „Ich werde es tun.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun faßte sie mich an den Händen; ihr ganzer Körper bebte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eine Gnade!“ wiederholte sie. „Ich bin so verlassen, und ich habe das Kind so + lieb!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie ließ mich los, legte einen Arm über die Augen, <span class="tei tei-pb" id="page237">[pg 237]</span><a name="Pg237" id="Pg237" class="tei tei-anchor"></a>trat ein wenig + zurück und stand so ein Weilchen still da. Plötzlich begann sie bitterlich zu + weinen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was ist Ihnen, Magdalena?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es geht nicht; es geht nicht!“ schluchzte sie; „wenn Sie – wenn Sie wüßten, + wer ich bin, würden Sie mir das Kind nicht übergeben. Ich bin eine – eine + schlechte Frau!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging zu der Unglücklichen, legte einen Arm um ihre Schultern und sagte + erschüttert: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du bekommst das Kind doch, obwohl ich weiß, wer du bist!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie prallte zurück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wissen – wer ich ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, Käthe, ich hab dich erkannt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da warf sie die Arme in die Luft, stieß einen Schrei aus und verschwand um den + Felsen in den Wald. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich eilte ihr nach und holte sie mit Mühe ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Joachim mich erkennt, schlägt er mich tot!“ wimmerte sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er erkennt dich nicht. Niemand kennt dich außer mir. Und ich werde dich + schützen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie mußte sich an mir festhalten, als ich sie zur Klause zurückführte. Dort + setzte ich sie auf die Bank vor der Haustür und streichelte ihren Scheitel. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jetzt sind Sie wieder Magdalena, und ich bin wieder der Herr Doktor. Wir kennen + uns nicht. Das, was jetzt hier geschah, ist nicht gewesen! Morgen früh bringe + ich das Kind. Beruhigen Sie sich, Magdalena, fürchten Sie nichts, ängstigen Sie + sich nicht. Das Kind darf sich ja <span class="tei tei-pb" id="page238">[pg 238]</span><a name="Pg238" id="Pg238" class="tei tei-anchor"></a>nicht wundern. Es soll ja eine + heitere, zufriedene Pflegerin haben. Auf <a name="corr238" id="corr238" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Wiedersehen</span>!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ließ sie allein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Meine Mutter hat sich um Luise wenig mehr gekümmert. Sie hat wohl sicher Tag und + Nacht an das Kind gedacht, aber nicht nach ihm gefragt. Sie hat keine Freude an + dem Mädchen, sie liebt es nicht; sein Dasein aber regt sie auf, läßt sie leiden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter kommt kaum alle zwei oder drei Wochen einmal zu mir heraus. Ich + glaube nicht, daß sie an meiner Schöpfung viel Freude hat. Sie ist von + stockkonservativer Natur; alles Neue erscheint ihr verdächtig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein- oder zweimal hat die Mutter aber doch Luise flüchtig wiedergesehen. Sie ist + dann in schwere Aufregung geraten. Und eines Septembertags, kurz nachdem das + Kind in der Genovevenklause untergebracht worden war, sagte die Mutter zu mir: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob es nicht unrecht ist, Joachim die + Anwesenheit seines Kindes zu verheimlichen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Quäle dich nicht, Mutter! Joachim hat bis jetzt dem Kinde seine Anwesenheit + auch verheimlicht, ja das Kind nicht einmal wissen lassen, daß er überhaupt + existiert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du sprichst immer recht lieblos von deinem Bruder!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich spreche so, wie ich nach seinem Verhalten sprechen muß!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie wandte sich beiseite, und ihre feine Gestalt zitterte in Zorn und Trotz. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page239">[pg 239]</span><a name="Pg239" id="Pg239" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde Joachim aufklären!“ sagte sie bestimmt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das wirst du nicht tun, liebe Mutter! Du wirst mit mir warten, bis Joachim + menschlich wieder so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner Vaterpflicht zu + erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner Tochter geworden ist. Laß + ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem völlig verfehlten Ichleben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er ist schuldlos an seinem Unglück!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein! Er ist nicht ohne Schuld.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen + maßlosen Haß viel tiefer ins Unglück gebracht, als ein kluger Mensch, der sich + beherrschen kann, nötig hatte, und er hat sich gegen sein Kind schäbig + benommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist unerhört, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim bestimmt + aufklären.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wird jetzt noch nicht mit dem + Kinde zusammenleben wollen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, so müßte man eben das Mädchen vorläufig noch nach einer guten Pension + bringen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das würde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung nötig wäre, würde Luise + hierbleiben, und Joachim würde von mir entlassen werden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Entlassen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, es hat sich so gefügt, daß Joachim gegenwärtig mein Angestellter ist. Er hat + einen sehr kurzfristigen Vertrag.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du bist maßlos hochmütig und lieblos!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page240">[pg 240]</span><a name="Pg240" id="Pg240" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Berufe dich nicht auf dein Herz“, sagte sie, „du hast keines!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und sie ging. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter wegen, + die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, weil ich + rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens befreit in + Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe im Ichleben, im + Familienjammer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und da dämmerte mir, daß es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, daß + ich in freiem, ungestörtem Zölibat meiner großen Idee am besten dienen könne, + Herz und Sinne zwar leer von manchem Glück bleiben würden, aber Arm und Fuß frei + von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum Vorwärtsschreiten und Handeln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und sagte ihr, + daß ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstände. Sie schüttelte + zwar das schöne Köpfchen, aber sie ließ sich von mir küssen, und ich stieg + fröhlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange traurig sein; mein Herz + wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich abwendet vom sonnenleeren + Nordhimmel. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page241">[pg 241]</span><a name="Pg241" id="Pg241" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc43" id="toc43"></a><a name="pdf44" id="pdf44"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Die Schlacht bei Waltersburg</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Jeder deutsche Kurort hat seine „Sensation der Saison“, so wie jedes + Affentheater seine „größte Attraktion der Gegenwart“ hat. Auch unser Ferienheim + hatte seine Sensation. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Anton, der älteste Sohn des Waldschulzen, will Pauline, die älteste Tochter des + Forellenbauern, heiraten, und es hat sich darum eine heiße Schlacht entsponnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Sache hat eine romantische Vorgeschichte gehabt. Das jungfräuliche Herz + Paulinens pendelte. Es pendelte zwischen unserem Schulzensohne und einem jungen + Gastwirt aus Neustadt hin und her, und so gerieten die beiden Kavaliere in die + übliche Rivalenwut und vergerbten sich bei guter Gelegenheit die beiderseitigen + Felle. Bis dahin wäre alles in Ordnung gewesen; aber nun mischte sich Piesecke + ein und brachte romantischen Schwung in die Geschichte. Piesecke war eines + Sommertags in Neustadt gewesen und hatte sein Rößlein in der kleinen Ausspannung + des dortigen Paulinenverehrers untergestellt. Von ungefähr hatte er dann von der + Sommerlaube im Gärtchen aus das Gespräch zweier Neustädter Burschen belauscht, + die sich verschworen, mit ihrem Freund, dem Gastwirt, und noch zwei anderen am + nächsten Mittwoch <span class="tei tei-pb" id="page242">[pg 242]</span><a name="Pg242" id="Pg242" class="tei tei-anchor"></a>gen Waltersburg zu ziehen, und falls sie in der + Dämmerung am Gartenzaun des Forellenbauern den Schulzensohn im traulichen + Gespräch mit Pauline erwischten, diesen greulich zu verbleuen, auch sonst an + umherschweifendem Burschenvolk des verhaßten Waltersburg ihr Mütchen zu kühlen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als Piesecke solches hörte, kam sein fürstliches Blut in Wallung. (Piesecke + stammt aus einer Heldenfamilie. Sein Urgroßvater hatte als General in fünf + Treffen gegen Napoleon I. nicht gesiegt!) Während + er nun gen Waltersburg heimfuhr, entwarf Piesecke einen Feldzugsplan, wie dem + Anschlag der Neustädter siegreich zu begegnen und die Ehre Waltersburgs zu + retten sei. Er warb zunächst ein Heer. In dasselbe traten mit großer + Begeisterung außer dem Schulzensohn der Komponist Emmerich sowie der Maler + Methusalem vom Forellenhof, auch der Sänger Hagen Korrundt, der immer noch bei + uns nachtwächterte, und die gegenwärtigen Insassen unserer Räuberhöhle. Diese + letzteren waren vier fragwürdige Gestalten, die sich Schinderhannes, Karaseck, + Jaromir und Moor nannten, ein faules, unordentliches Leben führten und nun froh + waren, daß sie einmal etwas Rechtes zu tun bekamen. Acht Mann und er, Piesecke, + als Anführer gegen fünf Neustädter – mit dieser beträchtlichen Übermacht, + hauptsächlich aber durch seine überlegene Strategie, hoffte der Nachkomme des + Napoleonbekämpfers den Sieg zu erringen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In der Räuberhöhle hat Piesecke seinen Plan entwickelt. Die Schlacht sollte + nicht am Gartenzaune statt<span class="tei tei-pb" id="page243">[pg 243]</span><a name="Pg243" id="Pg243" class="tei tei-anchor"></a>finden; denn erstens überlasse ein guter + Feldherr die Wahl des Schlachtfeldes nie seinem Gegner, sondern bestimme selbst, + wo er sich schlagen wolle, und zweitens könnte am Gartenzaun Vater Barthel oder + Frau Susanne dazukommen, und dann gäbe es ein Malheur. Anton sollte vielmehr im + Abendscheine mit seiner Braut weiter den Wiesenweg gen Waltersburg hinabwandeln + bis zweihundert Schritt hinter die nächste Waldecke und daselbst dicht am Bach + abwarten, bis er von den lauernden Neustädtern angefallen würde. Alsbald würde + er ihm mit noch sechs Mann zu Hilfe eilen, die überraschten Neustädter würden – + die Übermacht erkennend und bedrückt durch ihr schlechtes Gewissen – die Flucht + hinab gen Waltersburg ergreifen wollen, aber da würden Moor und Schinderhannes, + die weiter unten in den Hinterhalt gelegt würden, hervorbrechen, den Neustädtern + den Weg verlegen und – die ganze Rasselbande sei gefangen. Er wolle ein für die + Neustädter sehr demütigendes Dokument aufsetzen, das die Gefangenen + unterzeichnen und in dem sie ihre völlige Niederlage zugeben müßten, und dieses + Dokument solle in der <a name="corr243" id="corr243" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Räuberhöhle</span> unter Glas und + Rahmen aufbewahrt werden als ein Zeichen, daß der langjährige Kampf zwischen + Waltersburg und Neustadt mit dem endgültigen Sieg der Waltersburger geendet + habe. Dem unbequemen Mitbewerber um Pauline aber werde man zu einem + unfreiwilligen Bad im Bach verhelfen, wodurch alle wärmeren Gefühle, die die + Jungfrau etwa in ihrem Herzen noch für den Gastwirt hegen sollte, abgekühlt + werden würden; denn er, Piesecke, wisse <span class="tei tei-pb" id="page244">[pg 244]</span><a name="Pg244" id="Pg244" class="tei tei-anchor"></a>aus seinem eigenen + bewegten Leben aus vielen Fällen, daß nichts so sicher die Liebe des Weibes + ertötet, als wenn der Geliebte vor ihr lächerlich wird. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Während dieser Ausführungen hatte Emmerich bereits auf dem Tisch einen + Siegesmarsch komponiert und Methusalem auf der einen weißgetünchten Wand die + Umrisse zu einem Triptychon großen Umfangs entworfen. Die Seitenteile des Bildes + sollten die „Tücke“ und der „Kampf“ heißen, das Mittelstück aber „Der Sieg“. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die „Tücke“ würde Anton und Pauline im Dämmerlicht dahinwandelnd und von den + Neustädter Unholden belauert zeigen, der „Kampf“ eine besonders dramatische + Szene aus der Waldschlacht darstellen und das Mittelstück den Sieg Waltersburgs + in großer <a name="corr244" id="corr244" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Apotheose</span> feiern. Das Mittelstück war + schon etwas ausgeführt. Im Hintergrund der Forellenhof, auf einem Roß Piesecke + als Triumphator voranreitend, ihm folgend Anton und Pauline mit Kränzen im Haar; + als nächstes Paar die Vertreter <span class="tei tei-corr">der</span> Künste, Emmerich mit + der Harfe und Methusalem selbst mit einem Farbentopf und Pinsel, zuletzt die + bärenhäutigen Kriegsgenossen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und nun mußte die ganze Kriegsgenossenschaft stundenlang stillsitzen, da der + Maler sie zeichnete. Emmerich benutzte die Zeit, ihnen seinen Siegesmarsch, zu + dem er rasch eine Textunterlage geschaffen hatte, einzuüben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So“, sagte nach einer Stunde Methusalem, „der Sieg ist ganz und die Tücke + teilweise gesichert; fehlt bloß der Kampf.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der wird gigantisch!“ rief Piesecke. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page245">[pg 245]</span><a name="Pg245" id="Pg245" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Sache verlief nicht ganz programmäßig. Zwar gingen die Neustädter wirklich + in die Falle und überfielen Anton zweihundert Meter jenseits der Waldecke, aber + die Kerle rissen nicht – wie vorausgesehen – durch die Übermacht erschreckt + und ihr böses Gewissen beunruhigt aus, sondern blieben da, und da sie sehr + handfeste Burschen waren, verhieben sie die Waltersburger jämmerlich. Das kam + aber daher, daß sich die in Anrechnung gebrachte Übermacht Waltersburgs alsbald + in eine faktische Minorität verwandelte; denn der Feldherr Piesecke wurde gleich + bei Beginn der Schlacht dadurch kampfunfähig gemacht, daß ihn ein riesenhafter + Neustädter Bräuknecht in die Höhe hob und in den Bach warf; Methusalem konnte + sich an dem Ringen auch nicht beteiligen, da er etwas abseits stehen und die + Szene mit dem Bleistift in rasender Geschwindigkeit in seinem Skizzenbuch + verewigen mußte, und der Musiker Emmerich fühlte sich dazu berufen, ebenfalls + abseits zu stehen und den Mut seiner Kameraden durch Absingung seiner + Siegeshymne anzufeuern. So kämpften nur der Sänger Hagen Korrundt, der Bräutigam + Anton und die Raubgesellen Karaseck und Jaromir, die aber – da sie in ihrem + Privatberuf Wiener Gigerls waren – gegen die rohe Gewalt der Neustädter Raufer + nicht aufkamen. Es gab fürchterliche Prügel, und der Maler Methusalem rettete + Waltersburgs Ruhm nur dadurch, daß er nachträglich seine Schlachtskizze + umkehrte, wodurch alle, die unten lagen, nach oben kamen, und umgekehrt. Moor + und Schinderhannes, die hundert Meter weiter unten im <span class="tei tei-pb" id="page246">[pg 246]</span><a name="Pg246" id="Pg246" class="tei tei-anchor"></a>Hinterhalt + lagen, um den Neustädtern den Rückzug abzuschneiden, hörten den Skandal, lugten + um die Baumstämme, kamen aber nicht zu Hilfe, da sie doch eben im Hinterhalt zu + liegen hatten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wer weiß, wie schrecklich diese Schlacht bei Waltersburg noch ausgelaufen wäre, + wenn nicht eine starke auswärtige Macht sich eingemischt hätte. Durch den Wald + erscholl plötzlich eine scharfe Stimme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pauline! Pauline!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Pauline hatte bis jetzt an einer Birke gelehnt und zu einem Vierteil mit + Entsetzen, zu drei Vierteilen aber mit Stolz zugesehen, welch grauses Männerwerk + da für sie und um sie getan wurde. Als sie nun aber die rufende Stimme hörte, + schrie sie: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Himmels willen, die Mutter! Macht, daß ihr fortkommt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Drauf rissen erst die beiden Bräutigame aus, und mit ihnen verlor sich rasch ihr + Anhang. Pauline eilte nach Hause zu und bekam von ihrer energischen Mama ein + paar Ohrfeigen, weil sie sich „herumgetrieben“ habe; alles Mannesvolk aber + flüchtete gen Waltersburg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und da hat es sich begeben, daß der Neustädter Gastwirt, der den Rückzug der + anderen deckte, als er sich außer Frau Susannes Ruf- und Sehweite fühlte, doch + noch in die Hände der Waltersburger fiel. Sechs Mann haben ihn gefangengenommen + und ihn nochmals verprügeln wollen. Aber Methusalem hat gesagt: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Pst! Man darf sich an einem geschlagenen tapferen Feinde nicht versündigen! Man + soll ihn vielmehr ehren. <span class="tei tei-pb" id="page247">[pg 247]</span><a name="Pg247" id="Pg247" class="tei tei-anchor"></a>Deshalb werde ich dem Feinde jetzt mit + der schönen grünen Farbe, die ich in diesem Fläschchen habe, einen Lorbeerzweig + auf die Stirn malen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Gastwirt hat mit Händen und Füßen geschlagen, aber sechs Kerle haben ihn + gehalten, und Methusalem hat ihm einen Lorbeerzweig auf die Stirn gemalt. Mit + Ölfarbe! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Gastwirt hat sich in Neustadt nicht mehr sehen lassen können und nach drei + Tagen Selbstmordgedanken gehabt. Da hat ihm Methusalem ein Mittel geschickt, + durch das er die unerwünschte Ehrung abwaschen konnte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aus dem Triptychon ist nichts geworden. Nur eine schöne Bleistiftskizze von + Methusalem, auf der alle Waltersburger oben liegen, ist unseren Sammlungen + einverleibt und zeugt von der Schlacht auf unseren Gemarkungen, die sich gegen + den Erbfeind Neustadt abgespielt hat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor Nässe, + und alle Schwachheit und Feigheit der Kämpfenden sowie die Niedertracht der + nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit einem einzigen, aus + seinem hochfürstlichen Mund hervorzischenden Wort charakterisiert: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Plebs!“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page248">[pg 248]</span><a name="Pg248" id="Pg248" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc45" id="toc45"></a><a name="pdf46" id="pdf46"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Herbst</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn ich es + überschaue, erfüllt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der äußeren Erfolge + wegen. Unser Unternehmen steht glänzend da. Wir haben lange nicht alle aufnehmen + können, die zu uns kommen wollten. Die Ernte auf den Feldern und in den Gärten + war gut, unsere Bauern sind zufrieden, und unsere Kassen und Kasten sind + gefüllt. Vieles, ja das meiste, verdankt dieser äußere Erfolg der glänzenden + Organisation, die Stefenson dem Ganzen gegeben hat und die er von Amerika aus + geleitet und weiter ausgebaut hat, wenn auch der Sonderling noch immer nicht + nach Europa zurückgekehrt ist. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, daß kaum einer + unserer Kurgäste ohne großen gesundheitlichen Gewinn von uns fortgezogen ist. + Das bestätigt meine eigene Erfahrung, das bestätigen meine Kollegen, das sagen + vor allem unsere Kurgäste selbst, die schweren Herzens Abschied nehmen, wenn + ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld + zurückerhalten, liegen diese Dinge kalt und fremd in ihren Händen, und wenn sie + im „Zeug<span class="tei tei-pb" id="page249">[pg 249]</span><a name="Pg249" id="Pg249" class="tei tei-anchor"></a>haus“ ihre eigenen Kleider wieder anlegen und, ohne noch + einmal umkehren zu dürfen, durch die große Hinterpforte auf die Straße gelassen + werden, wo der Wagen wartet, stehen die meisten befangen da wie ängstliches + Volk, das zum ersten Male in die Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch + haben sie sich in ihren Ferien vom Ich gefühlt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und sagen, + daß sie draußen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft gehörten Einwand + begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, theatralische Sache, so + beklagten sie alle diejenigen, die nicht wüßten, wie herzstärkend und verjüngend + die Rückkehr zu kindlicher Schlichtheit sei und wie sie gerade vom + Theatralischen erlöse, von der bösen, so raffiniert eingeübten und so schwer zu + spielenden, immer aber im tiefsten Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte + ärztliche Kunst sowie durch die Gemütsruhe und Herzensheiterkeit, die sie + umfing, die besten Erfolge gehabt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Fröhlichkeit stirbt deswegen nicht + aus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diese großen Kinder der Welt fühlen hier alle die tiefe Schönheit des Herbstes, + von dem sie früher nichts wußten, als daß mit seiner Ankunft „Neuanschaffungen“ + nötig seien, die Gasrechnungen höher wurden und die Theater- und Konzertsaison + beginne. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <span class="tei tei-pb" id="page250">[pg 250]</span><a name="Pg250" id="Pg250" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgäste will ich schildern, + wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verläuft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern rüttelt + und welkes Laub und dürre Zweige an die Scheiben warf, hat sich das Menschlein + fest in die Decke gehüllt und mit großen Augen ins Dunkle gestarrt. Langsam ist + seine Phantasie an Bord eines schwarzen Wolkenschiffes gegangen, das durch das + kalte Meer des Himmels fuhr zu einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand + am Steuer des Schiffes; müde, schweigende Seelen lehnten oder saßen an seinen + Bordwänden. Lautlos glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und + wilde Gänse schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie + große Möwen, und ihr weißes Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter + dem Wolkenschiff war der große Ozean der Luft. Menschenhäuser lagen wie Muscheln + auf dem Meeresgrund, die Wälder standen wie seltsames wirres Gewächs wilder + Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine Insel, um die das + Wolkenschiff herumschwimmen mußte. Von der Insel glimmte das Licht einer + Berghütte her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem Strandhaus. Ein Felsen + ragte auf wie eine Klippe, an der ein unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. + Das Luftmeer rollte, grollte, stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der + Nacht hin und her. Die wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schönheit. + Immerzu, immerzu ging es vorwärts. Da drang ein Läu<span class="tei tei-pb" id="page251">[pg 251]</span><a name="Pg251" id="Pg251" class="tei tei-anchor"></a>ten aus der + Tiefe. Irgendein Vineta lag drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun + wurde ein lichter Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weißen Berge des + Morgens. Und im Morgenlande lag die Heimat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da fielen dem Träumer die Augen zu – er stieg herab von dem dunklen Schiff –, + stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, und die + guten Freunde kamen und schüttelten ihm die Hände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er erzählte ihnen, wo er gewesen sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da klopfte es an die Tür. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf einem + Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im Ferienheim, + richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein feiner + Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wäre es wohlig, noch eine oder zwei Stunden zu + schlafen. Ach, bloß noch ein paar Minuten! Sacht beginnt „Gottfried“ wieder + einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das Bewußtsein vom letzten Faden + lösen will, schrickt er auf und springt mit beiden Beinen aus dem Bett. Er wird + sich doch nicht von dem Barthel – dem Bauern – einen Meldezettel an den Arzt + schreiben lassen wie ein Schuljunge, der was „pexiert“ hat, von seinem Lehrer. + Dieser Barthel ist ein ganz netter Kerl, aber er „klemmt“ einen sofort, falls + man über die Hausordnung hinweggeht. Und es ist so blöd, sich dann beim <span class="tei tei-pb" id="page252">[pg 252]</span><a name="Pg252" id="Pg252" class="tei tei-anchor"></a>Doktor entschuldigen zu müssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch + in die alten Pennälerängste zurücksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen + hält man sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das + Waschwasser ist kalt. Warmes müßte extra verordnet werden. Und man schämt sich + hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Bedürfnisse erkennen lassen + will. Es paßt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe heißt. Eigentlich war’s + doch schön im Traume, so plötzlich zu Hause zu sein. Wie sie alle zärtlich und + besorgt waren und nach den Augen schauten, ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier + war das anders, hier hieß es nicht wünschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war’s + ja nicht, wenn man manchmal ein bißchen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts + von Hause erfuhr. Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die + erste Nachricht. „Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter + Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, daß Du Dich + völlig erholst. Mit treuen Grüßen Dein Weib und Deine Kinder.“ Das war alles. Es + war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der Kurdirektion; aber + Details fehlten gänzlich. Ob nun Fritzchen im Griechischen auf das volle + „Genügend“ gekommen war, ob Lenchen während der Ferien zum Großvater reiste, ob + der Kollege Neumann sich wirklich den Adlerorden erschlichen hatte, wer + Stadtverordnetenvorsteher geworden war, wie die Elektrizitätsaktien standen – + ah, kein Wort! Das ging ihn wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried + Stumpe. Auf die gewohnte <span class="tei tei-pb" id="page253">[pg 253]</span><a name="Pg253" id="Pg253" class="tei tei-anchor"></a>Anrede „Herr Amtsgerichtsrat“ hatte er + beinahe völlig vergessen. Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war + einfach Gottfried. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gottfried“, hatte gestern die dicke Susanne gesagt, „helfen Se mir mal meine + Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muß die Butterrechnung schreiben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So wurde man sogar zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen. „Man“, der + Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft überhaupt dieses Weib, die Susanne, die Brille + verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art Soldatengurt + gestiftet, daran hängt wie eine kleine Säbelscheide das Brillenfutteral. Da soll + sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber sie trägt das Koppel nicht, sie + hat es dem Methusalem um die Ohren schlagen wollen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel + Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von hinten. + Er sagt, er hätte einen interessanten Rücken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von + ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er längst + aufgegeben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete Dackel, + verbeißt sich in die herabhängenden Hosenträger und zieht und zerrt daran. „Man“ + macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten ausschlagen wollen, verliert + dabei seinen Pantoffel und bemerkt, daß der Dackel die Hosenträger jählings + losläßt, sich auf den Pantoffel stürzt und mit ihm unter dem <span class="tei tei-pb" id="page254">[pg 254]</span><a name="Pg254" id="Pg254" class="tei tei-anchor"></a>Bett + verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der Pantoffel gehört der + Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. Einfach oktroyiert! Er hat + Hunde nie leiden mögen. Schon gar nicht als Schlafkumpane. Er hat sie immer als + wandelnde Flohfabriken verabscheut. Methusalem hat neulich einen + „wissenschaftlichen“ Vortrag im Rathaussaal gehalten und vorher durch + öffentlichen Anschlag angekündigt. Das Thema lautete: „Kann der Mensch (<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">homo sapiens</span></span>) von dem Hunde (<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">canis familiaris</span></span>) einen Floh (<span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">pulex + irretans</span></span>) erhalten?“ Er – Amtsgerichtsrat <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Dr.</span></span> – nein, Gottfried Stumpe, hat den Blödsinn nicht mitmachen + wollen. Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und + – um die Zeit totzuschlagen – hingehen wollen. Aber da hat es geheißen: Der + Saal sei überfüllt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am + Rathaus eine „Rezension“ des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor + Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natürlich Blech! Am Schluß hat + es da geheißen: „So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, hinreißenden Art + aufs <a name="corr254" id="corr254" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">überzeugendste</span> nach, daß Hunde- und Menschenfloh zwei ganz verschiedene + Spezien sind, daß es einem Hundefloh niemals einfalle, die schön behaarten + Jagdgründe seiner tierischen Pfründe freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten + Parkett der Menschenhaut unglücklich zu debutieren; daß dem Hundefloh das + tierische Blut viel besser munde als das menschliche; daß ein bei einem Menschen + gefundener Hundefloh eine außerordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten <span class="tei tei-pb" id="page255">[pg 255]</span>darstelle, der höllisch an Heimweh leide, kurz, daß wohl ein + Dackel von einem Menschen einen Floh bekommen könne, aber nicht umgekehrt. Eine + Resolution, die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehörige + der Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, daß ein <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">pulex irretans</span></span> vom <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">canis + familiaris</span></span> freiwillig zum <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">homo sapiens</span></span> + übergehe, auszurotten, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die + ohnmächtige geringe Opposition wurde ausgelacht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war also ein „wissenschaftlicher Vortrag“ in diesen Ferien vom Ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Verrückt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die Plätze! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt – mit + elenden Plüschüberresten in der Schnauze – höchst durchtrieben unter dem Bett + hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun Keile oder + nicht? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schlägt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Früher würde er gekollert haben. + Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten sehr egal + sind. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter dem + Bett, dann kommt er näher, macht ein äußerst treuherziges Gesicht, wedelt mit + dem Schwanze und bietet das Bild unverdächtigster Harmlosigkeit. Gottfried sieht + ihn an, beschließt, die abscheuliche Heuchelei zu übersehen und sagt einfach und + gelassen: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page256">[pg 256]</span><a name="Pg256" id="Pg256" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du bist ein Schweinekerl!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Dackel blinzelt nach dem Fuße, auf dem sein „Herrchen“ in bloßen Socken + steht, nimmt den „Schweinekerl“ als etwas ganz Selbstverständliches hin und + springt dann zärtlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in die Höhe. Und + der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so lose sitzt wie ein + viel zu weiter Anzug. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gottfried, mähren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkälten sich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war Vater Barthel. „Mähren“ hatte er gesagt. Der Mann war nicht + satisfaktionsfähig. Wenn ihm früher mal einer „Mähren Sie nicht so lange“ gesagt + hätte! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">contra</span></span> Karsubke wegen eines Objektes von drei Mark und fünfzig Pfennig + neun Termine ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Tja – Ferien vom Ich! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen erleuchtet. + Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum ist es + wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, sehen alle aus + wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust – halbbeleuchtete Höhlengesichter, + die sich an den dunkel bleibenden Wänden doch hell abheben. Alles im + Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, ein Wissen und Bekennen: draußen + ist Nacht. Alles andere grellere Licht lügt den Tag vor. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Hausflur unten sagt die hübsche Magd Emilie: <span class="tei tei-pb" id="page257">[pg 257]</span><a name="Pg257" id="Pg257" class="tei tei-anchor"></a>„Hoppla!“, weil + Herr Gottfried an ihre Milchkanne stößt. Und dann tritt er in die große + Bauernstube. Da umfängt ihn das ganze große Behagen des zu früh Erwachten, der + in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um den Tisch + sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, andere löffeln + Milchsuppe. Er suppt. Susanne muß ihm den hübschen, wahrhaft künstlerisch + geformten Napf zweimal füllen. Die Frühstücksunterhaltung ist spärlich und + nüchtern wie überall. Zu Hause würde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung + dazu lesen. Das bißchen Koffein würde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber + daß er die Zeitung wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknüllt an die Wand + schmeißen würde – das wäre schlimmer. Hier gibt’s keine Zeitung. Es geht auch + so. Sollten Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist’s ihm völlig + egal, wer dabei zugrunde geht, gleichgültiger als der vom Dackel zernagte + Latschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein „Sauwetter“ würde er zu Hause + sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und auf dem + schnellsten Wege zur Straßenbahn trachten, um zum Gericht zu fahren. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hier – Gottfried Stumpe – oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel besser, + und er hat Dünger fahren müssen. Die Arbeit verteilt Vater Barthel. Gottfried + glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls – das steht fest – dieser + Methusalem wird immer bevorzugt. Ist’s schön und warm, daß er auf dem + Kartoffel<span class="tei tei-pb" id="page258">[pg 258]</span><a name="Pg258" id="Pg258" class="tei tei-anchor"></a>felde Allotria mit dem Weibsvolk treiben kann, geht er + hinaus; regnet es und bläst der Wind, wird er zu häuslichen Arbeiten verwandt. + Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein, Gottfried Stumpe, hätte nie gedacht, es nötig zu haben, sich + um das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne bemühen + zu müssen. Er verschmäht auch alle Liebedienerei, um sich Vergünstigungen zu + verschaffen. Dieser Methusalem – er ist ja sonst ein netter Kerl – ist schon + fünf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; denn er soll Frau Susanne auf + einem Schaffboden in einer fabelhaft geschmeichelten Weise porträtiert haben, + daß er, trotz gelegentlicher Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. + Denn Susannes Bild hängt jetzt in einer Münchener Ausstellung; das schmeichelt + natürlich solch alter Schachtel gewaltig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die dicke Lene drüben am Nachbartisch – Gottfried müßte sich furchtbar + täuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt hätte + – sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei über seine Uhrkette, die ein + klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet hat. Aber Barthel, der ein + geriebener Patron ist, merkt den Braten und sagt: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schön; aber Rüben abkloppen müssen + Sie heute trotzdem.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist so furchtbar kalt!“ stöhnt die Dicke. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lene“, belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; „es is kalt, das is wahr. Aber + Sie sind hier, um dünner zu werden, und Kälte zieht die Körper zusammen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page259">[pg 259]</span><a name="Pg259" id="Pg259" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sämtliche Frühstücksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als er + Dünger fahren mußte, hat er sich bloß damit getröstet, daß es die Arbeiter auf + dem Rübenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rüben aus dem naßkalten, + manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu „klopfen“, damit überflüssige Erde + abfällt, und sie für den Wagen zu sammeln, ist an solchen Regentagen keine + schöne Arbeit und nichts weniger als Manikure. Die Finger werden blaurot. Nur + Pulswärmer helfen etwas. Scheußlich. Er – Gottfried – freut sich auf seine + Düngerfuhre. Da pendelt er so langsam neben seinen beiden nachdenklichen Rößlein + einher, und der Ammoniakgeruch, den seine Ladung ausströmt, stört ihn nicht. Der + soll sogar ausgezeichnet gesund für die Lungen sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!“ hört er Vater Barthel weiter reden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Richtig! Es regnete – folglich blieb Methusalem im Trockenen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried haßte in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den + Kollegen gehaßt hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche Leute + verstehen es eben, immer „nach oben“ zu schielen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oben“ – das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein Bild + auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page260">[pg 260]</span><a name="Pg260" id="Pg260" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern + fleißig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Briefträger in die Stube. + Er hatte eine riesige Tasche umgehängt, und in dieser Tasche steckte ein + einziger Brief. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herrn Methusalem auf dem Forellenhof.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Methusalem öffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie ohnmächtig auf + die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. Barthel hob den auf den + Fußboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne weiteres vor: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"></p><div class="tei tei-text" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"> <div class="tei tei-salute" style="margin-left: 8.00em"> + „Sehr geehrter Herr! + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ihre von der gesamten Fachkritik glänzend beurteilte Zeichnung ‚Bäuerin auf dem + Schaffboden‘ ist heute für den Preis von fünftausend Mark verkauft worden. </p> + <div class="tei tei-signed" style="text-align: right"> + Die Ausstellungsleitung.“ + </div></div></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Große allgemeine Verwundernis. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors + Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, daß du so ’ne interessante Frau + bist!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kinder“, sprach er mit zerknirschter Stimme, „ihr alle kennt mich und werdet + daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes Jahr bin ich + alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun werd’ ich plötzlich + ein Krösus. Daß ich in der kurzen <span class="tei tei-pb" id="page261">[pg 261]</span><a name="Pg261" id="Pg261" class="tei tei-anchor"></a>Spanne Zeit meines irdischen + Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben kann, werdet ihr + einsehen. Und doch muß sie mangels jeglicher Leibeserben weggeschafft werden. + Ihr könnt glauben, daß dieser Fall mein Gemüt hart bedrückt. Doch werden wir + Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu feiern, bis ich von dem Alp des + Geldes erlöst bin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über + Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere + widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging Frau + Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin und her. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Denken Sie doch, Frau Susanne – fünftausend Mark – in München auf der + Ausstellung! Für Ihr Bild!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ruhe!“ kommandierte Barthel. „Wir müssen wieder an ernste Dinge denken. + Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr’n ’runter nach Waltersburg zum + Kaufmann Scholz und hol’n das Fäßchen Heringe ab, das ich bestellt hab. Lassen + Sie sich’s aber recht festbinden, daß es nicht ’runterkugelt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vierstimmiger piepsiger Frauenchor: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann + <a name="corr261" id="corr261" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Henschel</span> werden Äppel <span class="tei tei-pb" id="page262">[pg 262]</span><a name="Pg262" id="Pg262" class="tei tei-anchor"></a>pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe + werden die Äppel nach der Äppelkammer tragen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Septett: „Jawohl!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im Winkel wird + helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; Piesecke kommt zwei + Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der + Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene + und Joachim Hans von Ziethen helfen beim Rübenabkloppen. Fehlt noch jemand?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein Gottfried + Stumpe, erhob sich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach so – Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Rübenabkloppen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried erblaßte. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hörte nur noch mit + beißendem Ingrimm, daß Barthel den Methusalem aus Anlaß seines Briefes einen Tag + beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nimmermehr!“ rief er pathetisch, „denn sehen Sie, Vater Barthel, eine ungeheure + Lebenslust, ein Kraftüberschuß durchströmt plötzlich meinen fast tausendjährigen + Leib. Ich komme mir vor wie ein Fünfunddreißiger. Wo soll ich hin mit der Freud? + Austoben muß ich mich. Und das kann ich nur, wenn ich Holz hacke. Ich will + keinen Urlaub, ich hacke Holz!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page263">[pg 263]</span><a name="Pg263" id="Pg263" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklärte Barthel das Frühstück für aufgehoben. + Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den Badehäusern, um ihre + „Anwendungen“ zu machen. Auch Gottfried Stumpe schritt hinaus in den fein + sprühenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. Auf seinem Kurzettel stand heute + ein zehn Minuten langes Bedampfen des Magens (er litt an Magennerven), dann ein + Bürstbad mit nachfolgendem kühlen Abguß. Was so die Nervösen bekommen! Früher + war er auch massiert worden und hatte im Gymnastiksaale turnen müssen. Jetzt + fiel das weg. Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anständiger + Behandlung. Jetzt mußte er einfach arbeiten. Rüben abkloppen. Mit Mägden und + alten Weibern zusammen. Scheußlich! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen ließ. Daß + man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! Solche + Schweinerei, wie Rüben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich nicht mit! + Man reiste aber nicht ab. Man wußte, daß sich die Kurverwaltung aus einer + Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf warteten, neu + eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei dem Gedanken: sie + brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war nicht zu leugnen, daß man + hier absolut von Grund auf gesünder wurde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann mußte er sich nach + der kühlen Abgießung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte er eine <span class="tei tei-pb" id="page264">[pg 264]</span><a name="Pg264" id="Pg264" class="tei tei-anchor"></a>halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses + verpusten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann aber mußte er unwiderruflich aufs Feld. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Rüben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Sprühregen aufhörte. Ein + einziger Trost war, daß bei solchem Wetter das Äpfelpflücken vom nassen Baum + auch kein Heidenspaß war. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie kämen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel dazu, + daß sie ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Neid und Mißgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich oft + schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch schon + zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und gekollert, + mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja mit Weib und + Kind. Die Fliege an der Wand ärgerte ihn, das Klopfen des Regens ans Fenster + regte ihn auf. Jetzt – wer diesen Dackel und diesen Vater Barthel vertrug, ohne + tobsüchtig zu werden, mußte schon sehr gesund sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom + Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem er + wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen an einem + Waldrande getroffen, jeder mit einem Körbchen und einem Messer bewaffnet, hatten + einander gegenübergestanden und gelacht. Dann hatten sie sich einander + vorbestellt: „Emanuel Geibel vom Sonnenhof – Gottfried Stumpe vom Forellenhof. + Freut mich! Freut mich!“ Und am sonnigen Waldrande gesessen und ge<span class="tei tei-pb" id="page265">[pg 265]</span>schwatzt. Allmählich aber waren sie in zivilisiertes Gespräch gekommen, auf + Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, auf hohe, schließlich auf + ganz hohe Politik, dann noch höher hinauf auf die Kunst, haben sogar einen etwas + torkeligen Aufstieg in metaphysische Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen + der Philosophie und Religion verklettert und sind dann mit einem waghalsigen + Sprung auf die letzte Gipfelhöhe der Menschheit gesetzt – auf den im Blauschnee + glitzernden, aller gewöhnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar + der heiligen Jurisprudenz. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel entpuppte + sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter Verstandesmensch, als einer, + der nicht nur über den Hanswurst, den jetzigen Justizminister, spottete, der mit + seinem geistigen Zwergenmaß die Riesenschleppe des Ministertalars gar zu + possierlich schleifte, sondern der auch an die Dogmen der anerkanntesten + juristischen Größen mit geradezu souveräner Überlegenheit die Sonde legte. Wie + er allein über Liszt urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, daß der Mann, der + sich unter dem Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Größe der + Rechtswissenschaft war, hoffentlich der künftige Minister. Dann würde vieles an + den unhaltbaren verrotteten Zuständen der heutigen Rechtspflege gebessert + werden. So beschloß der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber gar keine, als + eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern reden zu lassen und + ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise <span class="tei tei-pb" id="page266">[pg 266]</span><a name="Pg266" id="Pg266" class="tei tei-anchor"></a>durchschimmern zu lassen, daß + er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige Gegenströmungen ins + Dunkle gestellt worden sei und gewissermaßen auch etwas mit der Jurisprudenz zu + tun habe; drittens privatim sich als Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie + Emanuel Geibels zu erwerben. Das alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel + sogar mit ihm Brüderschaft gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen + Verstand ein poetisches Gemüt, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen + hatte, von denen jedes mit Schwefelsäure getränkt war, konnte plötzlich + traumversunken stehenbleiben und seufzen: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Oh, darum ist der Lenz so schön</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Mit Duft und Strahl und Lied,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Weil singend über Tal und Höh’n</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">So bald er weiterzieht.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oder, weil ihm eben einfiel, daß gar nicht Frühlingszeit sei: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Herbstlich sonnige Tage,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Mir beschieden zur Lust,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Euch mit leiserem Schlage</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Grüßt die atmende Brust.</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Oh, wie waltet die Stunde</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Nun in seliger Ruh;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Jede schmerzende Wunde</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Schließet leise sich zu.“</div> + </div> + <span class="tei tei-pb" id="page267">[pg 267]</span><a name="Pg267" id="Pg267" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der eiskalt schließende Jurist hatte sich ganz in die süßen, goldenen Melodien + Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des Dichters Namen für + seine Ferien vom Ich gewählt. Die Gegensätze berührten sich auch hier. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem + feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgießung „trocken lief“. Die Begegnung war + nicht ganz zufällig. Gottfried wußte, daß Emanuel abreiste. Er habe nur sechs + Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er könne nicht länger abkommen. + Natürlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kräfte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum „Zeughaus“ hinunter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun gehe ich da hinein“, sagte Emanuel traurig, „und komme nicht mehr durch + diese Tür in unser liebes Heim zurück, sondern trete auf der anderen Seite in + meinem Weltanzug auf die Straße hinaus, die ins kalte Leben zurückführt. Ach, + mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, wir wären jetzt oben im + Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern gehabt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder vom + Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Wenn sich zwei Herzen scheiden,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Die sich dereinst geliebt,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Das ist ein großes Leiden,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wie’s größ’res nimmer gibt;</div> + </div> + <span class="tei tei-pb" id="page268">[pg 268]</span><a name="Pg268" id="Pg268" class="tei tei-anchor"></a> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Es klingt das Wort so traurig gar:</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wenn sich zwei Herzen scheiden,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Die sich dereinst geliebt.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wohl verwunderte sich Gottfried über diese große Zartheit, aber sie packte ihn, + und die Augen wurden ihm feucht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite würde er nun hinaus + auf die Straße treten, die aus diesen friedlichen Ferien zurückführt in die + harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus herum und gelangte durch + ein Seitenpförtlein ebenfalls hinaus auf die Straße. Er wollte den Freund noch + einmal sehen. Mochte er zu spät auf Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast hätte ihn Gottfried in dem nüchternen + Reiseanzug nicht erkannt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah, da bist du noch!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich wollte dich noch einmal sehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist lieb von dir!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Emanuel zog die Uhr – eine einfache silberne Taschenuhr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zählt + Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da dürfen einem nur + eine Glocke oder der Großknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spät es ist. Und + dann das Geld, das bedrückt <span class="tei tei-pb" id="page269">[pg 269]</span><a name="Pg269" id="Pg269" class="tei tei-anchor"></a>mich am meisten. Was soll ich mit den + paar Kröten tun? Mir eine Burg des Glücks davon bauen? Lieber Gott!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du wirst noch hoch hinauf kommen!“ tröstete ihn Gottfried. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein!“ sagte Emanuel bitter. „Da drinnen, da ist es ja geboten, über das eigene + Ich zu schweigen. Aber hier draußen auf der Landstraße will ich mich dir + gegenüber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Hätt’ gern studiert. Aber wie + ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da mußte ich abgehen von der Schule. + Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretär am Amtsgericht zu H.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Emanuel!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried rang die Hände ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser + Ministerstürzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstürzler von oben! + Ein Sub – sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch wüßte! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Emanuel!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gottfried stand so verdattert da, daß in die weichen Züge Emanuel Geibels wieder + die essigsaure Schärfe trat, die aber doch nur zu den resignierten Worten + führte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel – wer wir draußen + sind, braucht uns nicht mehr zu kümmern, braucht Sie nicht zu genieren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein“, sagte + Gottfried noch ganz benommen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche Kur + zu wünschen“, sagte Ema<span class="tei tei-pb" id="page270">[pg 270]</span><a name="Pg270" id="Pg270" class="tei tei-anchor"></a>nuel höflich, verneigte sich, ergriff seine + kleine Handtasche und wollte gehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da aber hatte ihn Gottfried am Arm. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde – auch draußen –, verstehst du? Von + dem blödsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Emanuel setzte die Handtasche auf die Straße. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich danke dir!“ sagte er schlicht, aber in tiefer Freude. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, das + jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Rübenfelde. Da waren + die Leute fleißig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, der auch zum + Rüben „abkloppen“ kommandiert war, sprang in kühnen Husarensprüngen über ein + lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich warm zu machen, in Wirklichkeit + aber – wie der Amtsgerichtsrat mit neidischem Grimm bei sich feststellte –, um + sich von der Arbeit zu drücken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Zehn Minuten später sprang er mit über das Feuer, bis von ferne die Gestalt + Barthels auftauchte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da begaben sich die beiden Drückeberger schleunigst an die Arbeit. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page271">[pg 271]</span><a name="Pg271" id="Pg271" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc47" id="toc47"></a><a name="pdf48" id="pdf48"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Von der weiblichen Putzsucht und Herrn Pieseckes Leiden</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gestern vormittag traf ich die kleine Luise, die sich eben von einem Haufen + spielender Kinder trennte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Willst du schon aufhören zu spielen, Luise? Die Sonne scheint doch so schön.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will zu meiner Mamma.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Zu deiner Mamma?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, nach Hause!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sagst du zu Magdalena jetzt Mamma?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Alle Kinder haben eine Mamma. Ich will auch eine haben. Meine Mamma soll + Magdalena sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hast du deine Mamma lieb?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber wie dich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das klang nicht frech, nur tief überzeugt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So. Hm. Lieber wie mich! Das glaube ich gern. Ihr spielt wohl schön zusammen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, wir schneidern. Wir machen ein Kleid für mich. Aber es paßt immer nicht + richtig, weil Mamma das Schneidern nicht gelernt hat, und da will uns jetzt die + Selma kein neues Zeug mehr geben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Selma ist die Beherrscherin unserer weiblichen Schneiderei, eine etwas + schwierige Alte. Das Mädchen ging neben mir her. Mit großer Munterkeit sagte + sie: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page272">[pg 272]</span><a name="Pg272" id="Pg272" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Pappa Stefenson da wäre, würde er die Selma mächtig ausschimpfen, weil sie + sagt, es ist zu teuer, wenn man für ein Kinderkleid vierzig Mark verbuttert und + nichts zustande kriegt. Ach, es wird doch so schön! Wir nähen alle Tage neue + Schleifen dran.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde mit der Selma sprechen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja? Wirst du wirklich? Fürchtest du dich nicht? Dann sage ihr, wir müssen ein + Meter schottische Seide haben und unten ein bißchen Pelzbesatz. Ich hab mir’s so + ausgedacht: oben an dem Kleid will ich einen Matrosenkragen, in der Mitte will + ich schottische Seide und unten Pelzbesatz. Das wird sehr fein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, das glaube ich. Will das deine Mamma auch so?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mamma will so, wie ich will.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war das Mädel, das vor einem Jahr in der Berliner Ackerstraße Schnürbänder + verkaufte! Die Erinnerung an diese elende Vergangenheit ist in ihr völlig + erloschen. Gut so! Und auch ihre Kleiderwünsche verstand ich. Die Kinder hupfen + bei uns alle in einer gesunden, einfachen Tracht umher. Aber ein Mädchen hatte + geprahlt, es hätte zu Hause ein Matrosenkleid, ein anderes hatte sich mit einem + Kleide mit schottischer Seide großgetan, ein drittes sogar von Pelzbesatz + gefabelt. So war in Luise der Wunsch entstanden, alle diese Herrlichkeit in + einem einzigen Kleid zu vereinigen. Die Weibermode setzt über die höchsten + Mauern, die man um ein Ferienheim ziehen kann. Dagegen läßt sich nichts tun. + Auch unsere weibliche Ferienkleidung wird mit tausend Spitzfindigkeiten + „modernisiert“ und „stilisiert“. <span class="tei tei-pb" id="page273">[pg 273]</span><a name="Pg273" id="Pg273" class="tei tei-anchor"></a>Was man allein mit einer heimlich + angebrachten Sicherheitsnadel alles „raffen“ kann, wieviel „Schick“ man durch + solch einfache Mittel in die vorgeschriebene Gewandung bringen kann, grenzt ans + Wunderbare. Wenn in meinem Ferienheim überhaupt mal ein Aufstand entstehen + sollte, wird es eine Frauenrevolution sein. Anfangs wollte ich für alle + weiblichen Feriengäste ein und dieselbe Tracht. Aber selbst Selma, die, eine + Aszetin an Einfachheit und an Grobheit, einem preußischen Kammerunteroffizier, + der Helme und Stiefel „anprobiert“, weit überlegen ist, kam mir schließlich mit + dem Vorschlag, vier verschiedene „Modelle“ müßten eingeführt werden, eines für + die Dicken, eines für die Dünnen, eines für die Langen, eines für die Kleinen. + Damit habe ich mich einverstanden erklärt; inzwischen ist bereits noch + durchgesetzt worden, daß die Blonden blaue, die Schwarzen rote Blusen bekommen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Für die kühlen Abende werden farbige Umschlagtücher geliefert. Oh, wie groß sind + die Wunder der Schöpfung! Manche unserer Damen drapieren das Tuch vom Gürtel + abwärts um den Kleiderrock, die meisten tragen das Tuch rechts oder links über + die Schulter malerisch geworfen, andere machen sich eine „ungarische Schürze“ + daraus, wieder andere eine Muff; Turbane um den Kopf werden ebenso geschickt aus + dem Tuch hergestellt wie schlichte Nonnenschleier; einige tragen das + zusammengelegte Tuch nur über dem Arm, und einige wenige greifen auf den + ursprünglichen Zweck zurück, die schlagen das Tuch um die Schultern. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page274">[pg 274]</span><a name="Pg274" id="Pg274" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + Dr. Michael hat die Putzsucht der Frauen für eine + unheilbare Krankheit erklärt. Ich bin nicht seiner Meinung. Diese Putzsucht ist + keine Krankheit, sondern eine Naturnotwendigkeit; das Weib muß sich putzen, so + wie sich das Kätzchen beschlecken muß. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Neulich kam Piesecke zu mir, außerhalb der Sprechstunde. Er war noch erregter, + als er sonst oft ist, und sprach zunächst eine Menge wirres Zeug durcheinander, + aus dem hervorgehen sollte, daß er der unglücklichste Mensch der Welt sei. Ich + unterbrach ihn. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Piesecke, ich glaube jedes Wort, was Sie sagen, aber sprechen Sie langsamer! + Sprechen Sie recht gelassen! Sagen Sie mir ohne alle Umschweife, was los ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er rang die Hände ineinander und jammerte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach Gott, ich liebe sie, ich liebe sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wen? Mich?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, doch nicht Sie, sondern sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also Hanne vom Forellenhof.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Woher wissen Sie ...?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß es. Sie haben sich oft genug auffällig benommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und wissen Sie auch, daß sie fortzieht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, morgen nachmittag. Sie hat ein gutes Engagement an ein Stadttheater + bekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich ertrag es nicht; oh, ich ertrag es nicht. Sehen Sie, Herr Doktor, Sie + können machen mit mir, was <span class="tei tei-pb" id="page275">[pg 275]</span><a name="Pg275" id="Pg275" class="tei tei-anchor"></a>Sie wollen, Sie können der beste Arzt + der Welt sein, Sie können hundert Sanatorien für mich bauen, wenn mich dieses + Mädchen verläßt, bin ich verloren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gruselig!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was sagten Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gruselig!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Doktor, spotten Sie nicht! Diesen Verlust ertrage ich wirklich nicht; er + bedeutet mein Ende.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dann wird in Ihrer Landeszeitung ein schöner Nekrolog über Sie erscheinen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er war empört. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben kein Herz für mich. Aber es ist gut, daß Sie von unserer + Landeszeitung gesprochen haben. Schließlich bin ich doch ein Prinz!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hier nicht! Hier sind Sie Piesecke.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das weiß ich; aber ich vergesse nicht, was ich draußen bin. O nein! Sehen Sie, + und das habe ich ihr gesagt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was? Wem?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der Hanne habe ich gesagt, daß ich ein Prinz bin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind wohl verrückt geworden, Piesecke. Auf solche Indiskretionen steht die + Strafe der Entlassung aus unserer Anstalt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schimpfen Sie nicht, Herr Doktor; ich bin heute schon genug ausgeschimpft + worden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was hat denn Fräulein Hanne zu Ihrer Quasselei gesagt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ausgelacht hat sie mich. Sie hält mich für einen Sargfabrikanten aus Hannover. + Stellen Sie sich vor, <span class="tei tei-pb" id="page276">[pg 276]</span><a name="Pg276" id="Pg276" class="tei tei-anchor"></a>Herr Doktor, ausgerechnet für einen + Sargfabrikanten hält sie mich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Geschäft eines Sargfabrikanten ist ein sehr ehrbares.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach Gott, nun sind Sie auch noch gegen mich. Und ich hatte meine ganze Hoffnung + auf Sie gesetzt. Sie sollten ja Fräulein Hanne sagen, daß ich wirklich ein Prinz + bin und daß sie ein Engagement an unserer Hofoper annehmen soll.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was hätten denn Sie davon, wenn Fräulein Hanne in Ihrer Residenzstadt sänge und + Sie inzwischen hier bei uns Dünger fahren müßten?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich hatte gehofft, Sie würden mich für ein paar Wintermonate beurlauben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daran denke ich nicht im Traume. Bis zum Mai bleiben Sie laut unserer Abmachung + hier. Das entspricht auch ganz den Intentionen Ihres Herrn Bruders, des + regierenden Fürsten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke saß gebrochen vor mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mit mir ist’s alle“, sagte er tonlos. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mit Ihnen war es alle, mein Lieber, als Sie zu uns kamen. Inzwischen haben Sie + sich aber bei uns einen ganz netten Fonds neuer Lebenskraft gesammelt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schüttelte trostlos den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wohl bin ich gesundheitlich vorwärts gekommen; aber das nützt mir alles nichts + mehr – ich muß sterben. Es gibt Dinge, die ein Mensch nicht verwinden kann.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich stand auf. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page277">[pg 277]</span><a name="Pg277" id="Pg277" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Entschuldigen Sie, Piesecke, aber das Mittagessen wartet auf mich. Ich hab + Hunger. Wenn Sie also aus dem Leben scheiden wollen, gehaben Sie sich wohl! Es + freut mich, Sie mal kennengelernt zu haben. Mahlzeit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da faßte ihn der Zorn. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach ‚Mahlzeit‘, + wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose Mensch, der ich im + Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da muß ich Ihnen sagen, daß Ihr + Sanatorium eine Mördergrube ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „I, der Dauz!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue Kurgast + auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ein Geheimpolizist aus meiner Vaterstadt ist er. Ich habe ihn wiedererkannt; + denn ich hatte früher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich gedacht, er sei + hergeschickt, um mich zu überwachen. Denn er hat mich früher schon mal + überwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er mir gesagt, daß er auf + den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er wird den Beweis erbringen, daß + Ignaz ein langgesuchter Raubmörder ist, ein früherer Fleischergeselle.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich setzte mich wieder. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, Piesecke, ist das wahr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page278">[pg 278]</span><a name="Pg278" id="Pg278" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich nie. Aber täuscht sich auch Herr Steiner + nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das weiß ich nicht. Er wartet noch etwas vom Gericht ab – ich glaube, + Fingerabdrücke oder so etwas – und dann will er zur Verhaftung schreiten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mir wurde unbehaglich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haben Sie auch eine Auseinandersetzung mit dem langen Ignaz gehabt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl. Er will mich umbringen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bitte, erzählen Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er hat mich schon immer verfolgt und gemißhandelt; er ist ein sehr roher Kerl. + Wie ich nun Fräulein Hanne das gesagt hab, daß – nun, daß ich eben doch ein + Prinz bin, glaubte ich, ich sei mit ihr und mit Vater Barthel allein in der + großen Stube. Auf einmal kommt der lange Ignaz hinter dem Ofen hervor, hat + grüngelbe Augen und packt mich an der Kehle. Ich habe mich gewehrt; aber wenn + Vater Barthel und Fräulein Eva mir nicht geholfen hätten, hätte mich der Kerl + erwürgt. Wir haben dann den Mordgesellen zur Tür hinausgeworfen, aber er hat + gedroht, er werde mich schon erwischen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm. Also, lieber Piesecke, ich gebe Ihnen gern zu, daß mir dieser Knecht Ignaz + auch in hohem Grade unheimlich und widerlich ist. Ist er ein Schuft, der sich in + mein ehrliches, sauberes Heim eingeschlichen hat, dann werde ich der erste sein, + ihn den Behörden ausliefern zu helfen. Aber auch wenn er nicht der von den + Gerichten Gesuchte ist, wird der brutale Mensch entfernt werden. <span class="tei tei-pb" id="page279">[pg 279]</span><a name="Pg279" id="Pg279" class="tei tei-anchor"></a>Das verspreche ich Ihnen.“ Piesecke sank schon wieder in sich zusammen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, selbst dieser Raubgesell ist in die blonde Eva verliebt. Und ich soll sie + verlieren! Mag mich doch der Ignaz umbringen. Dann ist es wenigstens alle mit + mir. Ich habe niemand, niemand, der mich gern hat, nicht einmal einen guten + Freund!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da tat er mir leid. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Piesecke“, sagte ich, „das dürfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten + Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, daß ich Ihnen + etwas sage, was noch niemand von mir gehört hat. Auch ich, Piesecke, habe die + schöne Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewünscht, als daß sie + meine Frau werde.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er starrte mich an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weil sie mich nicht will.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie nicht will?“ wiederholte er verwundert. „Sie will nicht mal Sie, und da + soll sie mich wollen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es lag eine rührende Demut in dem Ton, in dem er das sagte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an sich + selbst denken, soll man nur denken: Werde du glücklich! Es ist etwas Großes und + Schönes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es gibt Frauen, die + das Glück oder vielmehr das Unglück haben, daß alle Männer sich in sie + verlieben, <span class="tei tei-pb" id="page280">[pg 280]</span><a name="Pg280" id="Pg280" class="tei tei-anchor"></a>und gerade das Leben solcher Frauen bleibt oftmals ganz + leer. Wir wollen unserer Eva wünschen, daß sie glücklich wird, und wir zwei + wollen zusammenhalten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmütigen Augen schauten mich feucht an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich glaube, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe Sie gern, Piesecke“, sagte ich und legte ihm fest die Hand auf die + Schulter. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page281">[pg 281]</span><a name="Pg281" id="Pg281" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc49" id="toc49"></a><a name="pdf50" id="pdf50"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Abschiedsabend</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am Abend ging ich nach dem Forellenhofe. Die schöne „Hanne“ nahm Abschied von + uns. Von Mai an war das Mädchen bei uns, und jetzt, da es gehen wollte, war + mir’s, als schwänden Sommer und Sonne dahin, und es könne nun nichts mehr geben + als graue Tage. Ich litt wie Piesecke; ich jammerte nur nicht so. Aber auch + vielen anderen Leuten ging Evas Abschied nahe; ich hörte, daß die dicke Susanne + schon tagelang mit rot verquollenen Augen herumlaufe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wenn der November kam, würden sich wahrscheinlich unsere Kurgäste an Zahl + vermindern; dann wollte ich auch mal ausspannen, wollte für ein paar Wochen + Ferien machen. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, daß ich dann wahrscheinlich + nach einer großen Stadt reisen würde, nach Berlin oder Wien. Ich bin nun schon + so lange in dieser Einfachheit und in diesem ruhigen Frieden, daß ich mich + wahrhaftig manchmal sehne, in einer elektrischen Straßenbahn zu fahren, ein + gutes Theater zu besuchen, mal in einem vornehmen Restaurant zu speisen. Es kann + gar nicht anders sein: wenn der Doktor aus dem Friedensidyll einmal Ferien vom + Ich machen will, muß er in Glanz und Lärm hinein. <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">Variatio delectat.</span></span> <span class="tei tei-pb" id="page282">[pg 282]</span><a name="Pg282" id="Pg282" class="tei tei-anchor"></a>Ich nehme es unseren Bauern nicht + übel, daß sie sich zuweilen Sonntags nach Neustadt hinüberschleichen, um dort + ins Kino zu gehen, und die hämischen Bemerkungen der „Neustädter Umschau“ über + diesen Fall beweisen nur, daß das Blatt keine Ahnung von dem + Abwechselungsbedürfnis des Menschen hat. Wer immer im Lärm sitzt, wird stumpf, + wer immer in der Stille ist, auch; nur die wechselnde Welle trägt des Menschen + Schiff. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Daß mich neben diesen Erwägungen auch der Gedanke leitete, ich könne meine + Ferienreise vorteilhaft über die Stadt verlegen, wo Eva diesen Winter singen + würde, wollte ich mir kaum zugestehen. Denn ich hatte doch ein Ende gemacht mit + meiner Liebe; ich wußte doch recht gut, daß ich nicht eher ein idealer Leiter + dieses Ferienheims sein würde, als ich nicht selbst von allen persönlichen + Banden und Sorgen befreit war, daß ich immer noch selbst zu sehr in der alten + Haut steckte ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die große Stube im Forellenhof war dicht besetzt mit Menschen. Viel alte Freunde + kamen, um sich von Eva zu verabschieden. Ein paar Kränze von Astern hingen an + den Wänden, die letzten Rosen des Gartens blühten auf dem Tisch. Wenn ein + Kurgast von uns Abschied nimmt, erhält er als Andenken ein Album überreicht, in + dem einige gute Bilder nach Radierungen, Heliogravüren, Aquarellen und + Zeichnungen von unserem Heim enthalten sind, außerdem aber eine Anzahl + Photographien, auf denen der betreffende Gast in irgendeiner Situation, die er + miterlebt hat, verewigt ist. Denn photographiert wird bei uns viel. Bei der + Arbeit, vor dem <span class="tei tei-pb" id="page283">[pg 283]</span><a name="Pg283" id="Pg283" class="tei tei-anchor"></a>Bauernhaus, beim Feldfeuerchen, bei irgendeinem + Ulk, beim Waldfest, beim Kirchgang, bei tausend anderen Gelegenheiten wird von + unseren Kurgästen photographiert. Und jeder, der auf einem Bilde freiwillig oder + unfreiwillig mit aufgenommen ist, bekommt einen Abzug in sein Album geklebt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva bekam ein Album in vier Bänden. Sie war sehr lange bei uns, und es hatten + gar zu viele Amateure nachgesucht, wenigstens eine ihrer Aufnahmen in Evas Album + zu bringen. Methusalem hatte einige reizende Bleistiftskizzen beigesteuert. Die + letzte war ein Stimmungsbild von der Landstraße, die unten am Zeughaus + vorbeiführt, zeigte einen im Abendschein entschwindenden Wagen und hatte die + Unterschrift: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Sonne geht unter.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch du, mein Sohn Brutus? – Es fiel mir auf, wie lustig Methusalem sein + wollte, wie zerstreut er war, wie gemacht heute sein Lachen klang. – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva saß im Scheine der großen Hängelampe und durchblätterte das Album. Sie sagte + nicht viel, aber mit einem Male rannen große Tränen über ihre Wangen. Dann + wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese Bücher + sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle sind drin – + nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem einzigen Bilde? Mir ist + das aufgefallen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drückte die Wange gegen die + Kacheln des Ofens. „So ein <span class="tei tei-pb" id="page284">[pg 284]</span><a name="Pg284" id="Pg284" class="tei tei-anchor"></a>ekliger Kerl, wie ich, ist nicht für + Bilder“, sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen + darin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es tut mir leid, Ignaz“, sagte Eva freundlich; „Sie waren gut und treu zu mir!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da ging der Knecht stumm zur Tür hinaus. Ich sah, wie der Kurgast „Steiner“, von + dem ich nun wußte, daß er ein Detektiv war, dem langen Ignaz mit einem + messerscharfen Blick nachschaute. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fäßchen Moselwein angezapft und hielt eine + Rede: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Meine Damens und Herr’n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern + anders. Es is ein ernster Abend, weil Fräul’n Hanne fortzieht, und deshalb hab + ich Sie zu einem Gläschen Wein eingeladen, und ich wünsche, daß er Ihnen allen + recht wohl bekommen möge. Wir sind alle sehr traurig; denn wir verlieren Fräul’n + Hanne sehr, sehr ungern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, daß + sie sich zur Tür hinaus retten mußte. Auch Barthel fuhr mit der Hand nach den + Augenwinkeln. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, meine Herr’n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang – ich + kann das wohl jetzt ruhig sagen – is sie wegen Fräul’n Hanne und mir + eifersüchtig gewesen. Aber es war bloß blinder Lärm; ich weiß doch, was ich mir + schuldig bin!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das + Taschentuch vor den Mund. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page285">[pg 285]</span><a name="Pg285" id="Pg285" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, meine Damens und Herr’n, mit einem Hausvater, wie ich, ist das ein + reines Elend, obwohl es mir gut geht. Denn sehen Sie, die Leute, die + hierherkommen, verstehen alle rein gar nichts, und die meisten sind sehr faul + und haben das Arbeiten nich gelernt. Ich muß sie erst alle mühsam + zurechtstutzen. Und wenn man dann mal so ’ne Perle bekommt wie die Hanne, die so + famos Butter machen kann, und sie zieht wieder fort, dann ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit Barthels Fassung war es aus. Er weinte in sein rot geblümtes Taschentuch und + konnte schließlich nur noch sagen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun trinken wir halt auf Fräul’n Hannes ihre Gesundheit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädchen war sehr bewegt. Es wurden noch einige kurze Ansprachen von Gästen + gehalten, die Hanne feierten und in denen auch Vater Barthel unmäßig viel + Weihrauch gestreut wurde, und schließlich mußte Hanne singen. Sie war ruhiger + geworden, stimmte ihre Laute und sang mit ihrer zarten, lieblichen Stimme das + Lied, das aller Abschiedslieder Krone ist und bleiben wird: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 4.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Morgen muß ich fort von hier</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Und muß Abschied nehmen –“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Während des Liedes öffnete sich leise die Tür. Der lange Ignaz schlich sich + herein, lehnte den Kopf an die Wand und preßte die Hände an die weiße Mauer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Lampe flackerte; die Spätherbstrosen blühten auf dem Tisch. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page286">[pg 286]</span><a name="Pg286" id="Pg286" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als Eva das Lied beendet hatte, stürzte plötzlich einer vor, warf sich dem + Mädchen zu Füßen und rief: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gehen Sie nicht fort – gehen Sie nicht fort, Fräulein Hanne; ich muß sonst + sterben!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war Piesecke. Und da sah ich auch schon, wie sich der lange Ignaz umdrehte, + wie ein wilder, giftiger Blick über Piesecke und das erschreckte Mädchen + hinfuhr, und im nächsten Augenblick hatte Ignaz den zarten Piesecke erfaßt, + schleuderte ihn sich wie einen Sack über die Schulter und verschwand mit ihm + durch die Tür. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daß kein Unglück geschieht!“ rief ich und eilte nach. In aufgeschreckter + Unordnung drängte alles nach dem Hofe. Dort hatte der starke Ignaz den + zappelnden Piesecke bereits mit gewaltiger Wucht auf den großen Düngerhaufen + geworfen. Es war dem so schmählich Behandelten weiter kein körperliches Unheil + zugestoßen; aber ich war doch so erzürnt ob der neuen Gewalttat des Knechtes und + der Störung unserer schönen Stimmung, daß ich sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ignaz, Sie gehen jetzt schlafen! Und morgen früh werden Sie Ihr Bündel + schnüren. Dafür werde ich sorgen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurück und + traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurückgeblieben war und ein + Blättchen Papier, auf dem Fingerabdrücke zu sehen waren, sorgsam mit den + schwachen Spuren verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfäuste an der weißen + Mauer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Be<span class="tei tei-pb" id="page287">[pg 287]</span><a name="Pg287" id="Pg287" class="tei tei-anchor"></a>amte in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat + auf den Knecht zu und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Umstehenden starrten den Sprecher an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was wollen Sie, Herr Steiner?“ fragte der Bauer Barthel erschrocken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich heiße nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine Legitimation in + der Tasche. Ich bitte, daß mir Gelegenheit gegeben wird, den verhafteten Josef + Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz aufgehalten hat, sofort + nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Waltersburg zu transportieren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen – und plötzlich + schlug er mit beiden Fäusten um sich, machte sich Platz und verschwand + blitzschnell im dunklen Hofe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haltet ihn!“ rief der Polizeimann; „er ist ein lange gesuchter Raubmörder!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir schrien alle, wir rannten. Ich stieß mit Barthel zusammen und machte meinem + Grimme Luft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir längst + unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von Jugend + auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande über uns.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir“, wimmerte Barthel, „ich + konnte nicht anders!“ Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page288">[pg 288]</span><a name="Pg288" id="Pg288" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc51" id="toc51"></a><a name="pdf52" id="pdf52"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Gerichtliches</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es. Alles + flatterte wirr durcheinander in Aufregung und Angst. Alle Höfe öffneten sich, + von Mund zu Mund flog die Kunde, auf dem Forellenhof sei ein Raubmörder ertappt + worden, aber entwichen. Der lange Ignaz! Die Weiber kreischten und schauten + neugierig aus Fenstern und Türen, die Männer wagten sich mit Stöcken bewaffnet + fünfzig Meter vors Haus, ihre Frauen jammerten von der Haustür aus über diese + Tollkühnheit und riefen die Männer zurück – es war abscheulich! Der Löw’ ist + los, und alles verliert den Verstand. Nur einige Mutige stürmten hinaus, den + Unhold zu fangen, taten sich zu Gruppen zusammen, bewaffneten sich in der Eile, + so gut sie konnten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schüttelte in der nebligen Abendluft erst meine Gedanken zurecht, sagte mir, + daß die Verfolgung bei dieser Rabenfinsternis ganz aussichtslos sei, und ging + nach der Direktion, um den Direktor zu sprechen. Er war nicht zu finden. Dafür + traf ich den Geheimpolizisten an. Er stand am Telephon. Nach Waltersburg + telephonierte er, nach dem Neustädter Bahnhof, nach zehn anderen Stationen im + Umkreis, nach der Provinzialhauptstadt. Immer das<span class="tei tei-pb" id="page289">[pg 289]</span><a name="Pg289" id="Pg289" class="tei tei-anchor"></a>selbe: „Im + Ferienheim Waltersburg hat sich unter dem falschen Namen Ignaz Scholz, genannt + der lange Ignaz, der Raubmörder Fleischergeselle Josef Wiczorek aufgehalten. Ist + soeben nach erfolgter Verhaftung entwichen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf folgte genaue Beschreibung und Aufforderung zur abermaligen Verhaftung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich saß ganz zerschlagen auf dem Schreibtischstuhl unseres Direktors, der immer + noch nicht aufzufinden war, und hörte zu, wie „Herr Steiner“ telephonierte. Er + schnarrte mit seiner scharfen Polizeistimme die Schande meines lieben + Ferienheims in alle Winde. Endlich war er fertig. Er wandte sich an mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Doktor, Sie sind der verantwortliche Leiter dieses Sanatoriums?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nur vom ärztlichen Standpunkt aus verantwortlich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und wer trägt die Verantwortung für die gesetzliche Ordnung?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mister Stefenson und in seiner Vertretung Direktor von Brüning.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo ist der Direktor?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß es nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo ist Mister Stefenson?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „In Amerika.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Polizeimann notierte alles in seinem Buch. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was ist Ihnen von diesem angeblichen Knecht Ignaz Scholz bekannt, Herr Doktor?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sagte ihm, daß mir dieser Knecht Ignaz allerdings persönlich stark + unsympathisch gewesen sei, daß ich aber <span class="tei tei-pb" id="page290">[pg 290]</span><a name="Pg290" id="Pg290" class="tei tei-anchor"></a>– außer einigen + Grobheiten oder auch Roheiten, die er begangen – keine Veranlassung gehabt + habe, den Menschen für einen Verbrecher zu halten, zumal mir der Bauer Barthel, + dem ich vertraue, erklärt habe, er kenne Ignaz von Jugend auf als ehrlichen + Menschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dieser sogenannte Ignaz hieß laut Anmeldung Scholz?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl, Ignaz Scholz.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm! Wenn einer schon Scholz heißt! Jeder Scholz verkrümelt sich unter der Masse + der Scholze wie ein Körnlein im Sand des Meeres. Ich möchte Sie bitten, Herr + Doktor, mich vorläufig nicht zu verlassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das soll doch nicht heißen ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das soll nur heißen, daß ich Ihrer in jedem Augenblick bedürfen könnte.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Ton, den der Polizist anschlug, verletzte mich, aber ich fühlte mich ganz + wehrlos, als der Mann seine amtlichen Vollmachten vor mir ausbreitete. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich möchte nur bemerken, Herr Doktor, daß ein Kurort wie der Ihrige, wo niemand + unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu großartiger Schlupfwinkel + für verfolgte Verbrecher ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was sollte ich erwidern? Daß in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia sich + jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen könne? Ich + unterließ es. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kommen Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein + strenges Wort sagen, da wurde die <span class="tei tei-pb" id="page291">[pg 291]</span><a name="Pg291" id="Pg291" class="tei tei-anchor"></a>Tür aufgerissen, und Piesecke + trat ein. Flugs stand der „Geheime“ stramm und schlug die Hacken zusammen. + Piesecke sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war + schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm er dem Polizeimann gegenüber eine echte + Herrenhaltung an und sprach in einem so völlig veränderten Ton, daß ich seine + Stimme nicht wiedererkannte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Melde Euer Hoheit untertänigst, der Knecht Ignaz ist identisch mit dem + Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen + Meister ermordet und beraubt hat.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Woher wissen Sie das?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Verdachtsgründe häuften sich: das Signalement des Steckbriefes stimmt, eine + Prüfung der Fingerabdrücke gab die Gewißheit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke sah den Mann durchdringend an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kenne Sie! Als Kriminalbeamter haben Sie nicht allzuviel getaugt; da sind + Sie dazu auserlesen worden, Späherdienste am Hofe zu leisten. Auch jetzt sind + Sie hierhergekommen, um mich zu beobachten. Ich habe Sie gestellt; Sie sagten + mir, Sie seien nur des Knechtes wegen da. Aber das ist Schwindel. Sie sind + meinetwegen da. Ja oder nein? Diese Geschichte mit dem Knecht ist nur Ausrede.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich darf Euer Hoheit darüber keine Auskunft erteilen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page292">[pg 292]</span><a name="Pg292" id="Pg292" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke lachte verächtlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Unser Hausminister hat patente Leute. Am dritten Tage, als Sie da waren, habe + ich Sie erkannt trotz Ihres falschen Namens und Ihrer Maske. Also berichten Sie + nach Hause, es sei mir völlig egal, ob Sie hier seien oder nicht; falls Sie mir + zu lästig fielen, so könnte ich mich vergessen und Ihnen gelegentlich die + Peitsche um die Ohren knallen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Polizeimann wurde dunkelrot. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haben Sie verstanden, was Sie dem Minister berichten sollen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Zu Befehl, Hoheit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Sie nun dazu ausersehen sind, mich zu belauern, wie kommen Sie dazu, hier + eine außerhalb Ihrer Bestimmungen liegende polizeiliche Handlung, wie die + Verhaftung dieses Knechtes, vorzunehmen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich berichtete meinen Verdacht an den Ersten Staatsanwalt und erhielt die + nötigen Vollmachten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dagegen läßt sich wohl nichts tun?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Diese Frage war an mich gerichtet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein – nichts!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie urteilen Sie über diesen Fall, Herr Doktor?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist ein Unglück für unsere junge Anstalt. Aber es liegt uns natürlich fern, + der Festnahme eines Verbrechers irgendwelche Hindernisse zu bereiten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Selbstverständlich! Ich begreife nur den Bauern Barthel nicht. Er ist doch ein + ehrlicher Mann, und er hat doch versichert, den langen Ignaz von Jugend auf zu + kennen. Haben Sie dafür eine Erklärung, Herr Doktor?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page293">[pg 293]</span><a name="Pg293" id="Pg293" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein! Ich bin um so bestürzter, als Barthel mir nach der Verhaftung eben sagte: + ich möge ihm nicht zürnen, er habe nicht anders gekonnt. Ich sage das ganz offen + vor Ihnen, Herr Kommissar, damit Sie sehen, daß von hier aus nichts verschleiert + wird.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Kommissar verneigte sich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hoheit“ preßte die Lippen aufeinander. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hm! Ich will nicht wünschen, daß dem guten Barthel da eine Tragik erwachse, daß + dieser sogenannte Ignaz vielleicht ein Freund oder gar ein naher Verwandter von + ihm ist, den er in seiner Gutmütigkeit versteckt hat. Und Sie, Kommissar, Sie + brauchen mir das von vorhin nicht übermäßig übelzunehmen. Schreiben Sie also dem + Minister: Se. Hoheit ist bei besserer Gesundheit und hat daher einen Aufpasser + nicht mehr nötig. Jetzt will ich Sie nicht mehr aufhalten. Wohin wollen Sie + zunächst?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nach dem Forellenhof zurück, den Bauer Barthel zu vernehmen oder eventuell + ebenfalls zu verhaften.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schön, wir werden Sie begleiten, wenn Ihnen das zulässig erscheint.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte untertänigst um die Begleitung, Hoheit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Kommissar öffnete die Tür, stand stramm, und „Hoheit“ ging in lässig + vornehmer Haltung an ihm vorbei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein kleiner Anlaß von draußen aus der alten Welt, und durch die Bauernjacke + schimmerte der hochgeborene Herr. Ich aber als Arzt freute mich trotz meiner + gedrückten Stimmung, als ich sah, daß durch seine Gesundung langsam aus dem + Piesecke wieder ein Prinz wurde, <span class="tei tei-pb" id="page294">[pg 294]</span><a name="Pg294" id="Pg294" class="tei tei-anchor"></a>ja, ich hätte das Wort „Piesecke“ + jetzt nicht zu sagen, nicht einmal zu denken gewagt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Forellenhof war schwerste Bestürzung. Die dicke Susanne lag kurz und + krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemühten sich um sie. Barthel + war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den Wänden hingen + die Asternkränze. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Welch ein entsetzlicher Abschluß!“ klagte Eva. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich betrachtete die Fingerabdrücke an der Wand. Sie waren deutlich. Der lange + Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer besorgt. Der + Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es tut mir leid; aber ich muß zurück zur Direktion und von den Behörden + telephonisch auch die Verhaftung des der Begünstigung dringend verdächtigen und + verschwundenen Bauern Barthel fordern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getäuscht habe, glaube ich an nichts mehr + auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde morgen früh mit Einverständnis unseres bevollmächtigten Direktors den + von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden Revers vernichten, und + Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die Anstalt zu verlassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er antwortete nicht. Ich dachte daran, daß er durch seinen Kniefall vor der + schönen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlaß zu all diesen + Scherereien <span class="tei tei-pb" id="page295">[pg 295]</span><a name="Pg295" id="Pg295" class="tei tei-anchor"></a>geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst + daran; denn er sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß, daß ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl überhaupt + keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wandte mich ab, trat zum Tisch und zerpflückte gedankenlos eine Rose. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da tat sich die Tür auf. Barthel erschien. Verstört. Als er den Kommissar sah, + wollte er zurück, aber der Polizist war bereits an seiner Seite. Susanne begann + zu schreien, und ich war froh, als sie und alle Frauen das Zimmer verlassen + mußten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir allein waren, wurde Barthel verhaftet. Er sank ganz gebrochen auf die + Bank am Ofen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Schande! Die Schande! Ach, hätt’ ich es nicht getan!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Kommissar schritt zum sofortigen Verhör. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Barthel, Sie haben behauptet, den Knecht Ignaz von Jugend auf zu kennen. Ist + das wahr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Barthel rührte sich nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Heißt dieser Knecht in Wahrheit Ignaz Scholz?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In Barthels Gesicht kam ein verstockter Ausdruck. Er schwieg. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wollen Sie mir nicht Rede stehen, Barthel?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Keine Antwort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie machen sich unglücklich. Warum antworten Sie nicht?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann nicht!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page296">[pg 296]</span><a name="Pg296" id="Pg296" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun wandte ich mich an Barthel. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Barthel, denken Sie nicht ein ganz klein wenig an den guten Ruf unserer + Kuranstalt? Habe ich es nicht immer gut mit Ihnen gemeint? Warum bereiten Sie + mir diese schwere Ungelegenheit?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da begann er zu weinen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann es nicht mehr ändern. Verzeihen Sie mir ...!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Knecht wurde aufgefordert, ein Pferd vor einen Wagen zu schirren. Darauf + fuhr der Kommissar mit Barthel nach dem Waltersburger Amtsgerichtsgefängnis. + Frau Susanne lag in Schreikrämpfen, auch die anderen Frauen weinten laut. Ich + verließ den Forellenhof. In allen Stuben unserer Ferienanstalt brannte Licht. + Ich wußte, in den meisten erörterte man die sofortige Abreise. Ich ging nach der + Direktion. Der Direktor war noch immer nicht aufzufinden. So setzte ich mich in + seinen Schreibtischstuhl und starrte ohne eigentlich klare Gedanken ins Licht + der Lampe. Draußen kehrten kleine Trupps von Verfolgern zurück. Sie hatten von + dem Flüchtling nichts entdeckt, wie zu erwarten gewesen war. Kurz nach zehn Uhr + läutete das Telephon. Verbindung von Neustadt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der polizeilich gesuchte Josef Wiczorek, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">alias</span></span> + Ignaz Scholz, ist soeben, als er in einen Wagen vierter Klasse des neun Uhr + siebenundvierzig Minuten hier abgehenden Personenzuges steigen wollte, verhaftet + worden ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sandte nach dem Prinzen, bestellte einen Wagen, und wir fuhren nach + Neustadt. Auf der Polizei wurde <span class="tei tei-pb" id="page297">[pg 297]</span><a name="Pg297" id="Pg297" class="tei tei-anchor"></a>uns weiter keine Auskunft erteilt, + als daß Wiczorek eingesperrt sei und wir alles Weitere abzuwarten hätten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir blieben in Neustadt über Nacht. Am nächsten Morgen stand in der „Neustädter + Umschau“ ein Artikel mit der zentimetergroß gedruckten Überschrift „Kuranstalt + Waltersburg ein Hehlernest???“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit der ganzen Niederträchtigkeit, deren der vertrottelte Redakteur dieses + Blättchens fähig war, hetzte er gegen unsere Anstalt. Alle Spießerinstinkte, + alle Philisterbedenken, alles Kopfschütteln beschränkter, phantasieloser Köpfe + wurde gegen die Grundidee unserer Kuranstalt wieder lebendig; die Schimpferei + begann wieder, der alte lendenlahme Spott humpelte neu auf den Plan. Der Artikel + endete schließlich mit einer schamlosen Denunziation: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Gesetz, das bei uns in Neustadt heilig gehalten wird, verbietet uns, zu + behaupten, daß sich die ‚Kuranstalt Waltersburg Ferien vom Ich‘ infolge ihrer + mehr als eigentümlichen Einrichtungen, wie Verbot, den eigenen Namen zu führen, + die eigene Kleidung zu tragen usw., zu einem Zufluchtsort lichtscheuen Gesindels + auswächst. Immerhin wird der aufsehenerregende Fall, daß sich ein Raubmörder auf + einem der besuchtesten ‚Höfe‘ des ‚Ferienheims‘ mit Wissen des Bauern monatelang + verstecken und daselbst allerhand Roheiten ausüben konnte, zu schwersten + Bedenken Anlaß geben, denen sich auch die Behörden nicht werden verschließen + können.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah unser Heim aufs schwerste bedroht, sah eine fürchterliche Waffe in der + Hand unserer Feinde. Eben <span class="tei tei-pb" id="page298">[pg 298]</span><a name="Pg298" id="Pg298" class="tei tei-anchor"></a>wollte ich den Fall an Stefenson kabeln, + da wurden wir zur Polizei beschieden. Es handelte sich, wie uns eröffnet wurde, + um eine Konfrontation mit dem gestern Verhafteten, der plötzlich behaupte, weder + der gesuchte Raubmörder Josef Wiczorek noch der Knecht Ignaz Scholz zu sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da mich der Polizeibeamte persönlich kannte, hatte ich nicht notwendig, mich zu + legitimieren, wurde aber aufgefordert, Herrn Pieseckes Persönlichkeit + festzustellen, und zwar nach seinem wahren Namen und Stand, nicht nach dem + Pseudonym, das er bei uns führte. So sagte ich: „Se. Hoheit Prinz Ernst + Friedrich von ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist das – ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?“ fragte der Beamte nicht ohne + Bewegung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nicht nur sein Ernst, sondern sogar sein Ernst Friedrich“, sagte Piesecke + hohnvoll und hielt dem Beamten seinen Siegelring hin. „Kennen Sie dieses + Wappen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Beamte sah auf das Wappen mit der Krone, stand auf und verneigte sich tief. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da erschienen zwei Gerichtsdiener mit dem Verhafteten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich faßte mir an den Kopf: ich glaubte eine Wahnvorstellung zu haben. Der da + eintrat, war – Mister Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson“, rief ich, „Stefenson, wie kommen Sie ...“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page299">[pg 299]</span><a name="Pg299" id="Pg299" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Melde gehorsamst, Herr Rat“, sagte der eine der Gerichtsdiener, „der Gefangene + hat eine Perücke und den Bart abgenommen, hat sich gewaschen und sieht jetzt auf + einmal ganz anders aus als gestern abend.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wer ist dieser Mann?“ fragte der Beamte mit einem Blick auf mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist Mister Stefenson, mein Kompagnon, der Begründer unseres Ferienheims“, + brachte ich heraus. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich mußte mich setzen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und wer behaupten Sie selbst zu sein, Verhafteter?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich behaupte dasselbe wie der Herr Doktor“, sagte dieser gelassen; „allerdings + mit einer kleinen Einschränkung. Ich war und gelte noch als Mister John + Stefenson, Kaufmann aus Neuyork, Chikago, Trinidad; aber ich habe mich + unterdessen auf meine rein deutsche Abstammung besonnen und heiße mit + Genehmigung der hohen deutschen Behörden seit etwa vierzehn Tagen Johannes + Stefan – Stefan, wie meine hanseatischen Vorfahren seit etwa vierhundert Jahren + geheißen haben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Beamte fing an, an den Fingern abzuzählen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Josef Wiczorek – Ignaz Scholz – John Stefenson – Johannes Stefan – und hier + Prinz Ernst Friedrich – ich möchte die Herren ernsthaft darauf aufmerksam + machen, daß das Gericht von Neustadt keine Waltersburger Spielerei, sondern eine + staatliche Behörde ist, die nicht mit sich spaßen läßt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Beamte hatte ja ganz recht. Ich beteuerte ihm nochmals, daß ich in dem + Manne, wenn er auch wirklich <span class="tei tei-pb" id="page300">[pg 300]</span><a name="Pg300" id="Pg300" class="tei tei-anchor"></a>mit dem gestern verhafteten + angeblichen Josef Wiczorek, <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">alias</span></span> Ignaz Scholz, + identisch sei, zweifelsfrei meinen Kompagnon John Stefenson wiedererkenne. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Sie wollen in der ganzen Zeit, da sich dieser Mann bei Ihnen aufhielt, + keine Ahnung gehabt haben, wer er eigentlich ist?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe in der Tat von Stefensons Anwesenheit in Waltersburg nicht das + mindeste gewußt, sondern während all der Monate mit Stefenson nach Amerika + telegraphisch und brieflich verhandelt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie kennen doch aber die Schrift Ihres Kompagnons?“ fragte der Beamte weiter. + „Waren die amerikanischen Briefe in dieser Schrift geschrieben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie ist das möglich?“ wurde der Verhaftete gefragt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der zuckte die Achseln und sagte verbindlich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist Geschäftsgeheimnis!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, entgegnete der Beamte ernst, „und + Ihnen zeigen, daß hier kein Ort für Maskeraden ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da wurde zum Glück „Herr Steiner“, unser Geheimpolizist, gemeldet. Der Kommissar + verneigte sich tief vor Piesecke und darauf mit etwa zehn Prozent dieser + Verneigung vor uns anderen insgesamt und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Rat, es ist mir soeben auf meine gestrige Meldung von der zuständigen + Staatsanwaltschaft der telegraphische Bescheid zugegangen, daß der gesuchte + Wiczorek vorgestern in Braunschweig verhaftet worden, daß <span class="tei tei-pb" id="page301">[pg 301]</span><a name="Pg301" id="Pg301" class="tei tei-anchor"></a>seine + Identität festgestellt ist und auch bereits ein Geständnis vorliegt. Ich bitte + also, den Knecht Ignaz Scholz aus der Haft zu entlassen, da sich der Verdacht, + der zu seiner Verhaftung führte, als unbegründet erwiesen hat.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson lächelte freundlich. Der Richter machte ein enttäuschtes Gesicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es gab noch allerlei Formelkram zu erledigen, dann wurden wir alle, Stefenson + eingeschlossen, entlassen. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page302">[pg 302]</span><a name="Pg302" id="Pg302" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc53" id="toc53"></a><a name="pdf54" id="pdf54"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Aufklärungen</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auf der Straße trat der Kommissar an den Prinzen heran und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst um Verzeihung wegen der Behelligung.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hoheit legte dem Manne huldvoll die Hand auf die Schulter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mein Lieber, ich hab gar nischt gegen Sie. Aber tun Sie mir ’nen Gefallen: + reisen Sie ab. Sie sind hier übrig. Lenken Sie mal die Aufmerksamkeit des + Ministers auf den Prinzen Emanuel. Der scheint mir ein lockeres Huhn und der + Beaufsichtigung sehr bedürftig zu sein. Er ist gegenwärtig in Syrakus. Sie haben + keine Ahnung, Mann, wie schön es in Syrakus ist. Da machen Sie sich mal + nützlich! Glückliche Reise und viel Vergnügen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Kommissar reiste ab ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war zunächst + nach seiner Zelle zurückgegangen und hatte uns durch einen Gerichtsdiener sagen + lassen, wir möchten im „Hotel Bristol“ auf ihn warten. Nach einer reichlichen + Stunde kam er. In mir war inzwischen das Gefühlsbarometer hinaufgeschnellt und + heruntergestürzt, vom Glutwetter der Bewunderung bis zum <span class="tei tei-pb" id="page303">[pg 303]</span><a name="Pg303" id="Pg303" class="tei tei-anchor"></a>Regensturm der Wut – hin und her, her und hin. Ich konnte diesem + unberechenbaren Manne gegenüber niemals zu ruhiger Beurteilung kommen. + Schließlich beschloß ich, ihm offene Feindschaft anzusagen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob er + eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dieser Redakteur von der ‚Neustädter Umschau‘ ist ein schwerfälliger Kopf. + Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In meinem Artikel + von gestern abend waren mehrere Dummheiten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah – Sie haben den Artikel über Ihre Verhaftung in der Umschau selbst + geschrieben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, selbstverständlich. Der Trunkenbold kann’s doch nicht. Als ich so + unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunächst nach der Redaktion des + feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und natürlich + auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich da festnehmen + lassen. Der Artikel über die Verhaftung war eher fertig als die Verhaftung + selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen schuldig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression über mir, + und ich sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu geben + und zu handeln, ist so überaus merkwürdig, daß ich nicht mehr mitkann, sondern + Ihnen aufs ernsthafteste erklären muß ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ein Extrablatt!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page304">[pg 304]</span><a name="Pg304" id="Pg304" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Bote stürmte ins Zimmer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bitte, lesen Sie!“ sagte Stefenson ruhig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die „Neustädter Umschau“ vertrieb ein Extrablatt. Es war ungefähr ein halbes + Quadratmeter groß und enthielt in Fettdruck die Nachricht: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „<span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">Ehrenerklärung.</span></span></p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die ‚Neustädter Umschau‘, immer bemüht, ohne nach rechts oder links zu schauen, + lediglich der Wahrheit die Ehre zu geben, erklärt: Die gestrige Verhaftung des + Waltersburger Knechts ist zu Unrecht erfolgt. Der als ‚Raubmörder Wiczorek‘ von + einem übereifrigen Beamten (dessen amtliche Maßregelung bevorsteht!!) hier auf + dem Bahnhof verhaftete Mann war kein anderer als der geniale Gründer der + Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ selbst, Herr John Stefenson – oder, wie er in + Begeisterung für sein angestammtes reines Deutschtum sich jetzt mit Bewilligung + unserer Behörden nennt, Herr Stefan! Dieser Multimillionär, dessen Einfluß in + Amerika unbegrenzt ist, hat in der demütigen Gestalt eines Bauernknechts (nicht + als Kurgast) den ganzen Sommer über in Waltersburg gelebt, alle Lasten, Mühen + und Zurücksetzungen des von ihm gewählten geringen Standes getragen, um + unerkannt die Probe auf sein gigantisches Exempel zu machen, um als Fremdling, + selbst von seinem nächsten Freunde unerkannt, von unten her sein Werk zu prüfen. + Diese Prüfung ist so glücklich ausgefallen, daß Stefan mit Freuden in die + irrtümlich verhängte Haft ging. Den Neustädter Behörden zollt er für ihre + Gewissenhaftigkeit <span class="tei tei-pb" id="page305">[pg 305]</span><a name="Pg305" id="Pg305" class="tei tei-anchor"></a>alle verdiente Anerkennung. Heute morgen + neuneinhalb Uhr stellte sich bei den Behörden der unbegründete Verdacht heraus. + Der wahre Josef Wiczorek sitzt – laut amtlicher Depesche – in Braunschweig in + Untersuchung; der bei uns Verhaftete wurde nicht nur von dem leitenden Arzt von + Waltersburg, sondern auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst Friedrich von ... als + Herr Stefenson identifiziert. Die ‚Neustädter Umschau‘, deren Devise ‚Ehre und + Wahrheit‘ ist, scheut sich nicht – <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">errare humanum + est</span></span> – ihren gestrigen Artikel Wort für Wort zurückzunehmen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Diesen Artikel haben Sie wohl auch diktiert?“ fragte der Prinz. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson nickte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, direkt dem Setzer. Ich hab noch die Korrektur gelesen, ehe ich hierherkam.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind ein smarter Kerl!“ sagte Hoheit voll Anerkennung. „Nu sagen Sie mir + bloß, was haben Sie gegen mich gehabt? Warum haben Sie mich immer so miserabel + behandelt? Noch gestern haben Sie mich auf den Mist geworfen, direkt auf den + Mist. Ist das anständig?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson zuckte die Schultern. Dann sagte er mit aufrichtiger Wärme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie mal, lieber Piesecke – ich möchte Sie der Einfachheit halber noch + mal so nennen –, ich hab gar nichts gegen Sie gehabt! Im Gegenteil! Sie haben + mir besser gefallen und mehr imponiert als die meisten an<span class="tei tei-pb" id="page306">[pg 306]</span><a name="Pg306" id="Pg306" class="tei tei-anchor"></a>deren. + Nur, daß Sie so hinter meiner Braut her waren, das konnte ich mir nicht gefallen + lassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hinter Ihrer Braut?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, also sagen wir: hinter der Forellenhof-Hanne! Mit der werde ich mich heute + oder morgen verloben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke prustete los und sagte lachend: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also Ignaz oder Stefan oder Wiczorek oder Stefenson oder wie Sie sonst heißen + mögen – mir ist ja das ganz egal –, da werden Sie kein Glück haben! Die Hanne + mag keinen; nicht mal den Herrn Doktor da hat sie gemocht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also haben Sie doch –?“ fragte Stefenson mit einem Blick auf mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gar nichts habe ich“, sagte ich zornig. „Gar nichts! Im übrigen möchte ich um + einige kurze Aufschlüsse bitten, von denen es abhängen wird, ob ich noch länger + an diesem Tisch sitzenbleibe oder nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oho – oho! Also, was ist aufzuschließen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Waren Sie der Journalist Brown, der im Mai zu uns kam?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, natürlich war ich der! Aber Sie hätten mich doch damals beinahe erkannt. + Deshalb habe ich ja meine Maske geändert und bin als Knecht Ignaz + wiedergekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie kamen Sie damals dazu, mir den seltsamen Brief zu geben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, den hatte ich doch selbst geschrieben, in der Annahme, Sie mit den beiden + Mädchen zu treffen. Wäre meine Voraussetzung nicht zugetroffen, so hätte ich + eben <span class="tei tei-pb" id="page307">[pg 307]</span><a name="Pg307" id="Pg307" class="tei tei-anchor"></a>den Brief in der Tasche behalten. Das war doch nur Bluff.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie konnten Sie aber in der ganzen Zeit Briefe aus Amerika an mich schreiben, + da Sie doch bei uns waren?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es gibt Kabel, lieber Freund, durch die man anordnen kann, was zu schreiben + ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Ihre Handschrift? Ich bekam fast alle Briefe handschriftlich, nur wenige in + Maschinenschrift.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, da habe ich in einem meiner Büros einen Spezialisten, der meine Handschrift + so täuschend nachmachen kann, daß ich selbst nicht zu unterscheiden vermag, was + von mir oder von ihm geschrieben ist. Ein goldehrlicher Mann, einem anderen + dürfte man die Ausübung der äußerst gefährlichen Kunst nicht gestatten. Na, + sehen Sie, es gibt für einen Großkaufmann wie mich täglich mindestens zwei + Dutzend Anlässe, wo er handschriftlich schreiben muß: an Verwandte und gute + Freunde, wo Maschinenschrift zu kalt wirkt; an Geschäftsgenossen, mit denen man + intime Dinge verhandeln will, die kein Angestellter wissen darf; an alle Leute, + die etwas darauf geben, wenn ein vielbeschäftigter Mann sich die Mühe und Zeit + nimmt, einen handschriftlichen Brief zu senden; schließlich an alle offenen und + verkappten Autographenjäger – für sie alle ist Mister Jenkins da, und er machte + seine Sache für zweitausend Dollar im Jahre geschickt und reell. Er hat auch in + Ihrem Falle sehr brav gearbeitet.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Großartig! Großartig!“ klatschte der Prinz in die Hände. Mein Barometer aber + fiel auf Sturm. „Ihr Verhältnis zu Bauer Barthel“, sagte ich kalt, „brauchen <span class="tei tei-pb" id="page308">[pg 308]</span><a name="Pg308" id="Pg308" class="tei tei-anchor"></a>Sie mir nun nicht mehr zu erklären. Er hat gewußt, wer Sie waren, + deshalb hielt er Sie, deshalb log er, er kenne Sie von Jugend auf; deshalb hat + er Sie sogar gestern nicht verraten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stimmt! Aber das dürfen Sie dem Barthel nicht übelnehmen. Wir haben ein + schriftliches Abkommen, laut dessen er fünfhundert Mark an mich hätte zahlen + müssen, falls er mich je verraten hätte. Denken Sie mal – fünfhundert Mark! Es + ist klar, daß sich da Barthel lieber einsperren läßt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hat sonst noch jemand auf dem Forellenhof Sie gekannt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein. Auch Susanne nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist mir lieb. Aber der Direktor Brüning hat Sie gekannt und sich + wahrscheinlich stets heimlich mit Ihnen besprochen. Deshalb erschienen mir alle + seine Anordnungen immer so von Ihrem Geiste diktiert.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Auch das ist richtig. Ich war nur der lange Ignaz, aber in Wirklichkeit leitete + ich die ganze Anstalt durch den Direktor. Wir hatten alle Tage eine kleine + Konferenz. Ich war immer von allem unterrichtet. Außer Barthel und dem Direktor + hat aber niemand gewußt, wer ich war, nicht mal die kleine Luise, und das ist + mir schwer geworden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Seine Augen schimmerten warm bei dem Gedenken des Kindes, und das Wort, das ich + über seine Abgefeimtheit sprechen wollte, unterblieb. So sagte ich nur kühl und + gemessen: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page309">[pg 309]</span><a name="Pg309" id="Pg309" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wollen Sie mir sagen, Herr Stefenson, warum Sie diese ganze Komödie mit uns + gespielt haben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Komödie?“ verwunderte er sich; <a name="corr309" id="corr309" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">„wieso</span> Komödie? Darf in + den Ferien vom Ich nicht jeder auftreten, wie er will? Ist das nicht Ihre eigene + Idee? Und was meinen Sie, was ich selbst von dieser Idee, die mir gefiel und für + die ich viel Geld gewagt habe, gehabt hätte, wenn ich als Mister Stefenson + dageblieben wäre? Der Direktor wäre ich gewesen, einen langweiligen + Verwaltungsposten hätte ich gehabt, nichts von dem Zauber trauten Geborgenseins, + den unsere Anstalt spendet, hätte ich genießen können. Nein, am eigenen Leibe + wollte ich ausprobieren, wie es tut, wenn man Ferien macht vom Ich. Deshalb + wurde ich Bauernknecht. Ich habe mich wohlgefühlt als ‚langer Ignaz‘, ich habe + beobachtet, erlauscht, geprüft von unten her, was an unserer Sache ist, ob sie + absurd, phantastisch, unfruchtbar, oder ob sie im Kern echt und gut ist, und ich + hatte das Glück zu sehen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Nicht nur die + gute geschäftliche Bilanz, die ich erwartet hatte, hat mich belehrt, daß ich + mich unserer Gründung freuen darf, sondern das, was ich sah und hörte, als ich + unerkannt mitten unter den Feriengästen war.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben auch mich prüfen wollen?“ sagte ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, auch Sie! Ganz natürlich. Ich werde wieder nach Amerika zurück müssen, weil + leider meine Ferien aus sind, und ich will wissen, wem ich das Werk hier, ich + kann sagen den Liebling unter all meinen Unternehmungen, den einzigen Ausflug + ins Romantische, den ich je <span class="tei tei-pb" id="page310">[pg 310]</span><a name="Pg310" id="Pg310" class="tei tei-anchor"></a>gemacht habe, hinterlasse. Ich kann + ruhig scheiden. Ich werde jetzt wirklich hinübergehen. Weil ich muß! Weil mich + die Pflicht ruft. Ich weiß, das Heim ist in guten Händen. Und eines, lieber + Freund, vergesse ich Ihnen mein Lebtag nicht. Es gab einen Sommerabend, an dem + Sie die Hände ausstreckten nach der schönen Hanne. An diesem Abend fanden Sie + meinen Brief, in dem ich Ihnen sagte, daß ich Fräulein Eva Bunkert, die + Forellenhof-Hanne, als meine Braut betrachte. Und seit diesem Abend sind Sie dem + Mädchen aus dem Wege gegangen. Sehen Sie, das habe ich auch nur als Knecht Ignaz + erfahren können, daß ich an Ihnen so einen treuen Freund habe. Das allein lohnt + ein halbes Jahr Bauernarbeit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sprach mit großer, ehrlicher Wärme. Ich aber sagte: „Sie täuschen sich. Ich + hätte das Mädel zu gewinnen gesucht; aber ich wußte, daß sie immer nur an Sie + dachte, daß Ihnen ihr Herz gehört.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist das möglich? Ist das möglich? Fräulein Hanne will wirklich ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der Prinz sank in sich zusammen. Er war plötzlich wieder vollständig Piesecke. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist noch viel geredet worden; ich weiß nicht mehr, was alles. Schließlich + habe ich Stefenson recht geben müssen, daß er sich unerkannt unter unser + kurioses Völklein mischte. Was sollte er sich nicht überzeugen, wie seine + Gründung wirkte? Ich überwand meinen Unmut, so gut ich konnte, aber ein Stachel + blieb, daß Barthel und der Direktor mehr gewußt hatten als ich. Eine <span class="tei tei-pb" id="page311">[pg 311]</span><a name="Pg311" id="Pg311" class="tei tei-anchor"></a>Freundschaft zwischen Stefenson und mir wollte ich nicht mehr gelten lassen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Piesecke schlich sich ins Heim zurück, ohne uns. Er wollte weiterhin Piesecke + sein, und vergebens zerbrachen sich unsere Kurgäste die Köpfe, wer der in der + „Neustädter Umschau“ genannte Prinz sein möge. Der „Verdacht“ blieb schließlich + auf einem Referendar sitzen, der im Grundhof wohnte und sich die Rolle des + heimlichen Herzogs wohlgefallen ließ. Dieser Referendar lehnte alle grobe Arbeit + von nun an ab. Die Damen waren entzückt über seine hocharistokratischen Hände. + Sie rühmten die edle Zurückhaltung in Ton und Gebärde, die Güte, die nie zur + Vertraulichkeit wird, sondern immer Güte bleibt, die Sprache, die trotz ihres + leise verschleierten Timbers und ihrer entgegenkommenden Art doch unabweisbare + Befehle gibt, die Augen, die so wissend, so durch den Höhenblick von Jugend auf + geschärft zu blicken wußten; sie rühmten selbst kleine Nonchalancen, die sich + eben nur der unter dem Kronenhimmel Geborene gestattet. Dieser Mann lachte und + lächelte nicht; er zuckte nur mit den Mundwinkeln. Er sagte nicht „nein“ zu + irgendeinem Verlangen, sondern dieses Verlangen erstarb von selbst vor einem + einzigen Faltenwölkchen, das sich auf der Stirn des Hohen bildete; er konnte + aber auch durch ein einziges freundliches Lidersenken gewähren, „ja“ sagen, wie + kein anderer Mensch „ja“ zu sagen vermag. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Keine Erziehung führt zu solcher Haltung. Kein Emporkömmling kann sie erlernen. + Rasse! Vererbung von <span class="tei tei-pb" id="page312">[pg 312]</span><a name="Pg312" id="Pg312" class="tei tei-anchor"></a>Herreninstinkten durch Jahrhunderte! Das + ist’s! Und der heimliche Herzog ging in schlichter, leutseliger Würde durch das + Gewimmel aller derer, die ihm täglich in den Weg zu laufen wußten. Er empfing + keine Besuche – er erteilte Audienzen; er plauderte nicht – er hielt Cercle. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mir machte alles dies so viel Spaß, daß ich den Direktor ersuchte, dem + heimlichen Herzog noch auf weitere zwei Wochen die wesentlich erleichterten + Zahlungsbedingungen zu gewähren; denn der Referendar hatte bisher nur + gelegentlich geringe Remunerationen genossen, und sein Vater, der ein biederer + Sattlermeister war, hatte auch nicht viel Geld übrig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das alles hatte mit ihrem Artikel die „Neustädter Umschau“ getan. An Piesecke + dachte kein Mensch ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Barthel, der Heimtücker, war inzwischen auch aus der Haft entlassen worden. Er + ließ sich bei mir melden, aber es wurde ihm gesagt, ich sei nicht zu sprechen. + Da kam er nach einer Stunde mit seiner Susanne wieder. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Herr Doktor“, sagte Susanne mit kirschrotem Kopf, „daß er ein Lump ist, weiß + ich. Unsern guten Herrn Doktor so zu beschwindeln wegen lumpiger tausend Taler, + die er jetzt von Ignaz, der ja Stefenson gewesen ist, Schweigegeld kriegt. Was + soll uns das Geld? Was geht uns Herr Stefenson an? Wir halten uns an unseren + guten Herrn Doktor. Aber was das schlimmste ist, mich hat er auch beschwindelt + mit dem langen Ignaz. So ein Lump! Sein eigenes Weib belügt er. Ich hab ihm nie + getraut, nie im Leben! Nicht über den Weg! Aber jetzt laß <span class="tei tei-pb" id="page313">[pg 313]</span><a name="Pg313" id="Pg313" class="tei tei-anchor"></a>ich mich + scheiden; er hat gesessen, und mit einem Zuchthäusler hat eine anständige Frau + nichts zu tun.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was blieb mir übrig, als für den in erbärmlichem Zustand dastehenden Barthel + Partei zu ergreifen und der empörten Susanne gut und mild zuzureden? Sie wollte + aber auf keinen Zuspruch hören. Sie blieb dabei, sie müsse sich scheiden lassen, + da er „gesessen“ habe. Schließlich weinte sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und was er für ein Liedrian ist, Herr Doktor!“ schluchzte die brave Frau. „Für + die tausend Taler, die er jetzt von Stefenson kriegt, will er sich eine + Dreschmaschine kaufen, wo ich ihm doch sage, daß er das Geld lieber in die + Sparkasse tragen soll.“ Da erkannte ich, daß das Barthelsche Eheglück noch nicht + hoffnungslos verloren war, und ich entließ die beiden, indem ich sie meines + Wohlwollens versicherte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich saß allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht + kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte – + war das traurig, war es komisch, war es erbärmlich? Sollte ich lachen, sollte + ich zürnen? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr Vertrauen + geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sollte ich mich ärgern über den Barthel, weil er profitsüchtig gewesen war? </p> + <span class="tei tei-pb" id="page314">[pg 314]</span><a name="Pg314" id="Pg314" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, liebe + Leute. Nur das Leben schüttelte die Menschen durcheinander, wie ein Kind die + Steinchen schüttelt, die es in ein Säcklein gesammelt hat. Wenn es eine Reibung + gibt, was schadet es? Ein Krümlein alter, weicher Heimaterde bröckelt ab, und + der Stein schimmert durch, hart und widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine + Reibung mehr schaden, kann ihn nur glätten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes Käferwürmlein + konnte an dir zehren! Ich möchte dich ja halten, denn du bist gut und weich, + aber das Leben schüttelt zu hart. Doch ich bin getrost, ein gut Teil Krümlein + werden mir bleiben, darauf will ich mich heimlich betten, und die glatte Fläche + wird nur nach außen sein ... Als am nächsten Morgen die blonde Hanne in mein + Zimmer trat, pochte mein Herz nicht rascher, als käme eine Patientin. Wohl war + das Mädchen blasser, als ich es je gesehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie kommen sich verabschieden, Eva?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. In zwei Stunden fährt drüben in Neustadt mein Zug ab.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir schwiegen beide. Plötzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich hätte + hingehen mögen, um über ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es nicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eva, Sie wissen, daß Stefenson hier ist – daß er die ganze Zeit hier war?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie nickte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er hat wohl mit Ihnen gesprochen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da stand sie auf. Tränenlos, zornig sagte sie: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page315">[pg 315]</span><a name="Pg315" id="Pg315" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, er hat mit mir gesprochen. Er war so dreist, mich um meine Hand zu bitten. + Ein halbes Jahr lang hat er neben mir gewohnt, ohne daß ich ihn kannte, hat mich + beobachtet, belauert, geprüft, ob ich wohl – der hohen Ehre würdig sei, seine + Gattin zu werden, ob ich nicht am Ende ein kokettes, leichtfertiges Weib sei, + das heut dem, morgen jenem zulächelt; er hat diese Prüfung angestellt, weil ich + beim Theater bin, weil ich keine der unter hermetischem Verschluß stehenden + Misses von Neuyork bin, die heimlich oft liederlich genug sind; er hat mich, + ohne daß ich es wußte, geprüft, und ist nun so gnädig, mir zu sagen: du hast + deine Prüfung bestanden. Aber ich – ich werfe ihm sein Diplom vor die Füße! Was + ist denn die Liebe? Liebe ist doch blindes Vertrauen. Welcher Mann hat denn eine + Garantie? Das Mädchen, der Vater, die Mutter, alle Muhmen und Vettern können ihn + belügen, wenn sie wollen, er ist machtlos dagegen. Der Mann muß das Mädchen + sehen, er muß wie von einer himmlischen Erleuchtung geführt sagen: Du bist rein, + ich lege meine Ehre und mein Glück in deine Hände. Sonst ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie sank weinend auf den Stuhl zurück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Hochauf loderte der glimmende Funke meiner Liebe wieder zu diesem schönen + Mädchen, als ich so sein ehrliches weibliches Empfinden sah. In plötzlicher + Müdigkeit stützte ich den Kopf in die Hände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zwang die Welle in meinem Herzen. Es wurde ganz still in mir. Eine + unheimliche, aber große Stille. Wie in der Wüste. Nur von ferne hörte ich die + Tränen rinnen, wie Wasser einer fremden Oase. Ich hätte lange <span class="tei tei-pb" id="page316">[pg 316]</span><a name="Pg316" id="Pg316" class="tei tei-anchor"></a>so + mit dem aufgestützten Haupt sitzen mögen. Wieviel Zeit verging, weiß ich nicht. + Da hörte ich Evas Stimme. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haben Sie keinen guten Rat für mich, lieber Freund?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Freund!“ Unter allen Gestirnen, die an unserem Himmel flimmern, ist + dieses Wort wohl eines der hellsten. Aber wenn es ein Weib sagt, das man liebt, + bekommt dieser Stern ein überweißes Licht, ist wie ein Schimmer aus einer Welt, + die in Eiseskälte untergeht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warum sagen Sie nichts? Wissen Sie nicht einmal als Arzt etwas zu sagen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da erhob ich mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wohl, liebe Eva! Ich glaube, ich kann Ihnen die Sache richtig + auseinandersetzen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich war über mich selbst verwundert. Wie ein trockener, etwas pedantischer + Magister sprach ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, Eva, Sie stecken zu tief in der Romantik! Sie denken sich den + Freiersmann so wie Lohengrin, der als Fremdling ans Ufer steigt, die Holde, die + von aller Welt geächtet wird, an der Hand nimmt und sagt: Frei aller Schuld ist + Elsa von Brabant. Und drei Minuten später: Elsa, ich liebe dich! Unser Stefenson + ist nicht von dieser Schwanenritterart, er fährt auf dem Passagierdampfer, ist + hausbacken, nüchtern, verfährt vorsichtig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Verstellen Sie sich doch nicht, lieber Freund! Das ist doch nicht Ihre Art, so + zu sprechen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Doch, doch! Es ist ganz meine Art, so zu sprechen! Eva, ich will Ihnen ehrlich + folgendes sagen: Stefenson hat nicht nur Sie prüfen wollen, sondern auch mich, + auch <span class="tei tei-pb" id="page317">[pg 317]</span><a name="Pg317" id="Pg317" class="tei tei-anchor"></a>unsere ganze Anstalt. Er schätzt wahrscheinlich drei Dinge: + Erstens das Geld, das er für ein Unternehmen anlegt (und das ist ihm als + Kaufmann durchaus nicht übelzunehmen), zweitens seine Geschäftsfreunde, unter + denen er keine unfähigen Gesellen haben will (auch das ist ohne weiteres zu + billigen), und drittens die Liebe oder die Ehe, in welcher Richtung er durchaus + klar sehen will. Die Beurteilung dieses dritten Punktes wage ich nicht, da ich + von Liebe nichts verstehe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Stefenson erschien. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte um Entschuldigung“, sagte er, „und versichere, daß ich an der Tür + nicht gehorcht habe. Ich entlasse Dienstmädchen ob solch schmählicher Schwäche. + Aber der Herr Doktor hat so deutlich gepredigt, daß jedermann, der den + anstoßenden Korridor entlang ging, Wort für Wort verstehen mußte. Darf ich mir + zu der Sache das Wort erlauben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bitte!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Erstens mal das Geld. Schön! Ich schätze es! Ich halte es für einen sehr guten + Freund. Für einen, der nicht nur die Stube ausmöbliert und das Essen schafft, + sondern auch für einen, der einem eine vernünftige Körperpflege gönnt, der die + Theater und Museen aufschließt, einen in der Welt herumführt, der gestattet, + sich gegen ärmere Mitmenschen anständig zu benehmen, der den Doktor ruft, wenn + man krank ist, und der einem schließlich ein Denkmal setzt, wenn sich kein + Mensch um den Grabhügel bekümmert, ja, für den einzigen Freund, der einem, wenn + <span class="tei tei-pb" id="page318">[pg 318]</span><a name="Pg318" id="Pg318" class="tei tei-anchor"></a>man zum Beispiel in der Wut eine Gewalttat begangen hat und + ins Zuchthaus oder sonst ins Elend gekommen ist, hinterher wieder die Hand + reicht und zu einem ordentlichen Leben zurückverhilft. Ein gutes Bankdepot ist + wirklich ein außerordentlich reeller Freund. Nur dumme Kerle und verärgerte arme + Schlucker können es leugnen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Zweitens: Geschäftsfreunde dürfen noch eher in mäßigen Grenzen unreell als dumm, + rückständig, faul oder sonstwie borniert sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Drittens: Jeder Mensch, der ein Pferd kauft, das er übermorgen weiterverkaufen + oder schlachten lassen kann, überlegt es nach zwanzig Rücksichten. Einer, der + eine Frau nimmt, die er zeit seines Lebens auf dem Halse behält, und der weniger + vorsichtig verfährt, ist ein Dummian.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson brachte diese Sätze ohne alle Gemütsbewegung vor, wie einer, der + unwiderlegbare Behauptungen aufstellt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte kühl: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber ich – + ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie verließ das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie gab keine Antwort mehr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zündete sich eine Zigarre an und sagte + nach einer Weile: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist daneben gegangen!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page319">[pg 319]</span><a name="Pg319" id="Pg319" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ganz daneben!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie freuen sich wohl?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ach, ich kann nicht sagen, daß ich verärgert bin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das kann ich mir denken!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf zündete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenüber und + rauchten dicke Wolken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was war denn eigentlich los?“ fragte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun“, sagte ich, „Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib.“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page320">[pg 320]</span><a name="Pg320" id="Pg320" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc55" id="toc55"></a><a name="pdf56" id="pdf56"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Vom Bruder und seiner Frau</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit Eva Bunkert verließ uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend hatte + sie sich nicht beteiligt. Es hieß, „Bärbel“ sei nicht wohl und habe sich zeitig + zur Ruhe gelegt. Wie mein Bruder mit dem Mädchen stand, wußte ich nicht. Joachim + war verschlossener als je. Am Abend des Tages aber, da die Mädchen abgereist + waren, kam er zu mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ganz unvermittelt sagte er: „Fritz, ich möchte fort. Morgen oder übermorgen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fort? Wohin?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wieder hinüber.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nach Amerika?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah ihn schweigend an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du hast wohl bemerkt, daß ich eine Neigung für Fräulein Anneliese hatte. Ich + hoffte, es könnte mir ein neues Glück in der Heimat erblühen. Diese Hoffnung hat + mich betrogen – wie alle anderen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist es aus zwischen euch?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Das Mädchen hing an mir, und es war alles verabredet für baldige Hochzeit. + Da hielt ich mich gestern <span class="tei tei-pb" id="page321">[pg 321]</span><a name="Pg321" id="Pg321" class="tei tei-anchor"></a>für verpflichtet, ihr mein Leben zu + schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere gesagt. + Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie bleibt dabei, + daß sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht heiraten dürfe. Du + weißt wohl warum?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren – ich ließ ihn reden und toben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Zuletzt sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und ich weiß nicht einmal, ob dieses – dieses Weib noch lebt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich blieb still. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Weißt du etwas von ihr? Weißt du, ob sie noch lebt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie lebt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er stöhnte. Ich merkte, wie sehnsüchtig er auf den Tod seiner Frau gehofft + hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und – das Kind, wo ist es?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist bei seiner Mutter.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er lachte rauh und ergoß eine Flut schwerster Schimpfworte über seine Frau. + Wieder ließ ich ihn reden und toben. Zuletzt stieß er hervor: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo hält sich das Scheusal auf?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Deine Frau? Das sage ich dir nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das <span class="tei tei-hi" style="margin-right: -0.20em"><span style="letter-spacing: 0.20em">mußt</span></span> du mir sagen!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page322">[pg 322]</span><a name="Pg322" id="Pg322" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Joachim, ich sage es dir nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er ballte die Fäuste und trat mit dem Fuß auf. Dann ließ er die Arme schlaff + hängen und sagte in feindseligem Ton: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gut! Was ich wissen will, werde ich auch ohne dich erfahren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ohne Gruß verließ er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten über die Wiese + gehen. Das war der Mann, dem ich fünf Jahre lang um die ganze Welt nachgereist + war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun würde ich eine solche + Familienaufgabe nicht mehr übernehmen. Ich öffnete nicht einmal das Fenster, um + ihm nachzurufen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging schwer. Ich + war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz benommen. Es fiel mir + ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber die wußte ja auch nichts von + Katharina, die bei uns Magdalena hieß, hatte keine Ahnung von ihrer Anwesenheit + hier im Heim. Es wurde spät. Ich wollte nur noch meine letzte Zigarre + ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie gleichmütig mich der Abschied des Bruders + ließ! Freilich, die Mutter würde wieder sehr mit mir zürnen. Aber ich konnte das + nicht ändern. Ich war aller Familiensimpelei müde geworden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wie ich noch so still dasaß, hörte ich auf einmal jemand den Korridor entlang + eilen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Tür wurde aufgerissen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Magdalena stand vor mir. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page323">[pg 323]</span><a name="Pg323" id="Pg323" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstört. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Helfen Sie – helfen Sie – sie haben mir das Kind genommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was? Was sagst du, Käthe?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das Kind haben sie mir genommen – Luise – o Gott!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wer hat es genommen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er – Joachim – er ist mit einem fremden Mann gekommen – sie haben das Kind + fortgeschleppt – meine Luise – meine Luise!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl nötigen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, kommen Sie bald – sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen gehabt + – eine Stunde ist es wohl schon her, daß sie mit dem Kinde fort sind – ich + habe die Kammertür nicht aufgekriegt – kommen Sie schnell – schnell!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie durch + einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte ihm den Weg + gewiesen? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Plötzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu + verraten, daß Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wußte, wo das + Kind war, fanden sie auch die Frau. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Oh, ich Tor! Ich sah, daß Käthe am Halse rote Striemen hatte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hat er dir etwas getan, Käthe? Hat er dich etwa gar geschlagen?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page324">[pg 324]</span><a name="Pg324" id="Pg324" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem + Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entführt. Der brutale Kerl! + Ein wütender Haß gegen ihn schlug in mir auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nenn mich nicht Herr Doktor, Käthe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte. Ich + werde dir helfen, so gut ich irgend kann.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Demütig und furchtsam wie ein geprügelter Hund stand sie vor mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich zog mir den Mantel an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte dich, Käthe, geh nach Hause. Du kannst nichts tun. Ich werde mich + sofort auf die Suche machen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich kann nicht nach Hause gehen; ich muß Luise suchen –“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit irrsinnig flimmernden Augen sah sie mich an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du kannst nichts tun, Käthe. Ich werde sofort hinab zu meiner Mutter gehen, + dort werde ich wahrscheinlich Joachim treffen und mit ihm abrechnen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will mit. Ich fürchte mich nicht, wenn sie mich auch schlagen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du mußt mir jetzt gehorchen, Käthe! Sonst verdirbst du alles; sonst kann ich + dir nicht helfen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da senkte sie stumm den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der + Genovevenklause abbog, ge<span class="tei tei-pb" id="page325">[pg 325]</span><a name="Pg325" id="Pg325" class="tei tei-anchor"></a>bot ich der Frau, nach Hause zu gehen und + zu warten, bis ich ihr Nachricht brächte. Sie schlich davon. Aber als ich den + Berg hinabeilte, merkte ich, daß mir von ferne ein Schatten folgte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustür stand offen. Ich eilte nach + dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, ohne anzuklopfen. + Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In offener Feindseligkeit + blickten wir uns an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo ist das Kind? Wo ist Luise?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nicht hier.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wo ist die Mutter?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Auch nicht hier.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Willst du mir sagen, wo beide sind?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein! Aber ich will dir sagen, daß ich das Mädchen der Obhut des Frauenzimmers, + dem du es übergeben, entrissen und in eigene Erziehung genommen habe. Morgen + früh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das ist mein Recht. Das Kind + gehört mir.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich konnte vor Zorn kaum sprechen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah – und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Häuser einzubrechen und + ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das tat ich nur, um sie zu hindern, hinter uns herzuschreien und Skandal zu + erregen. Um allen Skandal zu vermeiden, bringt Mutter das Kind schon jetzt nach + auswärts.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh, wie bist du rücksichtsvoll! Du willst keinen <span class="tei tei-pb" id="page326">[pg 326]</span><a name="Pg326" id="Pg326" class="tei tei-anchor"></a>Skandal. Du + vergissest nur das eine: daß es ein großer Skandal ist, wenn man sich benimmt + wie ein Bandit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hüte dich nur!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich fürchte mich nicht vor deiner Brutalität. Ich kann dich – wenn es mir + beliebt – wegen der Schandtat eines Einbruchs in eines unserer verschlossenen + Häuser jeden Augenblick einsperren lassen. Ich werde es höchstwahrscheinlich + auch tun und mich um keinerlei Skandal kümmern.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du nimmst in sehr merkwürdiger Weise Partei für jenes Weib.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, sie steht trotz ihres Fehltritts gerechtfertigter, ich will ruhig sagen, + viel anständiger vor meinen Augen als du!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das bitte ich mir zu beweisen“, sagte er heiser vor Wut. Er setzte sich auf + eine Tischkante; ich lehnte an einem Schrank ihm gegenüber. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich erinnere dich daran, Joachim, daß das schöne Mädchen, das Katharina hieß, + damals zwar deine blinde, wahnsinnige Leidenschaft erregt, aber daß sie dich + niemals geliebt hat, daß sie so ehrlich war, es dir zu sagen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hör auf damit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, da liegt die Wurzel zu allem Unheil, das kam. Als du von dem Mädchen + abgewiesen warst, tatest du das, was du immer tatest, wenn du einen Wunsch + durchaus durchsetzen wolltest, du hingst dich an die Kleiderrockfalten der + Mutter.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sprang herunter vom Tisch und trat drohend vor mich. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page327">[pg 327]</span><a name="Pg327" id="Pg327" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Benimm dich immerhin auch in dieser Stunde noch mit einigem Anstand, Joachim! + Du hast mir so viel von meinem Leben genommen, fünf volle blühende Jahre, daß + ich ein Recht habe, dich als meinen Schuldner zu betrachten und endlich mit dir + abzurechnen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wich zurück, lachte verächtlich und trat ans Fenster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe dich nicht aufgefordert, mir zu folgen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, aber die Mutter hat es getan, die dich von Kind auf zu einem jämmerlichen + Egoisten erzogen hat.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sag noch ein Wort gegen die Mutter, und ich halte mich nicht länger!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du sprichst wie ein Raufbold, Joachim, und ich schäme mich für dich. Wie ich + innerlich zur Mutter stehe, geht daraus hervor, daß ich auf ihren stillen Wunsch + hin, dich wiederzuhaben, meine Jugend opferte. Aber nicht davon wollte ich + sprechen, sondern von deinem Verhältnis zu Katharina. Das Mädchen sagte dir + damals, daß seine Liebe einem anderen gehöre, deinem Freunde ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hör auf – ich ertrage das nicht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß, trotz deiner Brutalität anderen gegenüber bist du, was die eigene + werte Person anlangt, sehr feinfühlig; nicht einmal eine wahrheitsgemäße + Aussprache erträgst du. Aber ich erspare sie dir nicht. Ich halte dir den + Spiegel vor, damit du weißt, wenn du von hier fortziehst, daß es jemand auf der + Welt gibt, der keine Spur von Mitleid, ja nicht einmal von Achtung mehr für dich + hat, und das ist dein Bruder, der dich unter allen Menschen auf der Welt am + besten kennt.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page328">[pg 328]</span><a name="Pg328" id="Pg328" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er erwiderte nichts mehr; er starrte mich nur an. Ich setzte kaltblütig die + Abrechnung fort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du wandtest dich damals an die Mutter, und die Mutter setzte bei den Eltern des + Mädchens alle Hebel für dich ein. Die Leute hatten sechs Töchter. Eine von ihnen + versorgt zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Du warst approbierter Arzt, der + andere, dein Freund, ein vermögens- und aussichtsloser Kandidat. Da wurde dem + Mädel Tag und Nacht zugesetzt, bis sie dich nahm. Das war in diesem Falle die + Grundlage für die schwere Ja-Frage am Altar nach dem ‚freien, ungezwungenen, + selbst ungenötigten Willen‘.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim war in einen Sofawinkel gesunken. Mir war das Herz so kalt und leicht + wie einem Staatsanwalt, der auf „schuldig“ plädiert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Während du die Flitterwochen hieltest, ging dein Freund beinahe zugrunde. Nach + einem Jahre hieß es, er habe sich beruhigt. Er kam zu euch. Die alte Sehnsucht + trieb ihn. Und da geschah Katharinas Unglück. Du warst natürlich in deiner Ehre + sehr tief verletzt. Ich sah das ein. Erst jetzt begreife ich, daß in jener Ehe + deine Gattenehre nicht von Gottes, sondern von Mutters und Geldsacks Gnaden war. + Das Weib hat gefehlt, ohne Zweifel. Zweimal. Nicht nur, als sie dir die Ehe + brach, sondern schon, als sie die Ehe mit dir einging. Aber du und die Mutter – + und wir alle, die wir schürend oder doch stillschweigend mitgewirkt haben, sind + wir Gerechte? Leute, die Steine aufheben dürfen? Oder Pharisäer, die verdienen, + die Geißel des Messias ins Gesicht zu bekommen? </p> + <span class="tei tei-pb" id="page329">[pg 329]</span><a name="Pg329" id="Pg329" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Katharina hat ihre Schuld gebüßt. Nicht durch deinen rohen Revolverschuß, nicht + dadurch, wie sie dich vor Gericht reinwusch, indem sie aussagte, sie habe sich + die Wunde selbst zugefügt. Nein, mit aber tausend Tränen. Erst jetzt weiß ich, + wie ihr Mutterherz gehungert hat, wie sie durch all die Jahre nach dem Kinde + gesucht hat. Dieses Weib hat vielleicht an einem Tag und in einer Nacht mehr + gelitten und heißer zum Himmel gerufen als du in der ganzen Zeit. Jetzt auf + einmal erscheinst du wieder in der ganzen Pracht und Herrlichkeit deines + gesetzmäßigen Richtertums und beginnst deine Brutalitäten aufs neue. Und + deshalb, sage ich, ist deine Frau ein hundertmal anständigerer Mensch, als du + bist!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er stand auf, zuckte ein wenig mit den Armen durch die Luft, als ob er reden + wolle, setzte sich aber wieder. Ich behielt ihn scharf im Blick und fuhr fort: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist die Abrechnung, die deine Frau betrifft. Da kommst du immer noch gut + dabei weg, weil nicht nur dein eigenes, sondern auch das andere Konto belastet + ist. Nun komme ich auf dein Verhältnis zu deinem Kinde zu sprechen. Und da – + nichts für ungut, lieber Bruder – hast du dich glattweg benommen wie ein Lump. + Das Tier bekümmert sich um sein Junges, trägt ihm die besten Bissen zu, sorgt + für seine Sicherheit. Du hast für deine eigene Sicherheit gesorgt, die besten + Bissen selbst gegessen, dem Kinde nicht einen Pfennig, nicht ein armseliges + Spielzeug, nicht ein Wort oder einen Blick gegönnt. Der verkommenste + Proletarier, der von zehn Mark, die er verdient, neun versäuft und eine Mark + seiner Familie <span class="tei tei-pb" id="page330">[pg 330]</span><a name="Pg330" id="Pg330" class="tei tei-anchor"></a>gibt, ist ein besserer Vater, als du bist, denn du + hast auch die zehnte Mark für dich genommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Mutter ...“, ächzte Joachim. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, die Mutter hat die sogenannten Erziehungsgelder gezahlt. Nebenbei gesagt, + nicht nur von deinem, auch von meinem Erbteil. Ich wundere mich, daß ich so + etwas sagen kann; aber alle Sentimentalität ist mir wahrscheinlich abhanden + gekommen. Wir alle haben gefehlt, auch ich! Ich hätte dir nicht nachlaufen, ich + hätte mich lieber um das Kind kümmern sollen. Aber ich war ein unerfahrener, + wehleidiger Geselle. Ich bin erst jetzt, da ich ein großes Werk angefangen habe, + dazu gekommen, die Dinge, die um mich her sind, klar und leidenschaftslos zu + sehen und zu beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du + weder deiner Frau noch deinem Kinde gegenüber im Recht. Du hast dich bis jetzt + unbarmherzig zurückgehalten und bist plötzlich brutal hervorgetreten, als deine + neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigeführte Band, das + Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues zu + schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist + enttäuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten Kindes + nicht bessern; denn einen unfähigeren Erzieher, als du bist, kann es nicht + geben!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim erhob sich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Meinst du, daß ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page331">[pg 331]</span><a name="Pg331" id="Pg331" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So werde ich gehen; ich verschmähe es, weiter mit dir zusammen zu sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal zu + betreten. Außerdem ist es nach deinem brutalen Verhalten selbstverständlich, daß + du als Arzt von uns entlassen bist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe hinab. + Ich konnte mir zunächst über das, was ich gesprochen hatte, keine klare + Rechenschaft geben. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich hatte nur ein Gefühl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz abräumen + gekonnt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Jetzt fiel unten die Haustür zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl eine + mondscheinlose Nacht und die Straßenbeleuchtung sehr kümmerlich war. Joachim + ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male löste sich dort ein Schatten + los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls für meine Person. + Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, aufeinander einsprachen, wie das + Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich dann vor dem Bruder auf die Knie warf, + wie er sie emporriß. Sie klammerte sich fest an seinen Arm; er versuchte sich + loszulösen; sie rangen miteinander. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich riß das Fenster auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Katharina“, rief ich hinunter, „sei vernünftig!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie hörte nicht, ließ nicht los, schließlich rang sie weiter <span class="tei tei-pb" id="page332">[pg 332]</span><a name="Pg332" id="Pg332" class="tei tei-anchor"></a>mit + ihm, und ich hörte sie um das Kind bitten. Sie standen dicht am Brunnenrand. Da + gab Joachim dem Weibe einen gewaltigen Stoß, sie taumelte zurück und fiel über + den niederen Brunnenrand ins Wasser. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang; dann + beugte er sich über das Becken. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgängen sprachlos zugesehen, + dann war ich mit einigen Sätzen unten auf dem Markte. Joachim stand noch am + alten Fleck. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah“, lachte er, „du hast zugesehen – da wirst du wohl jetzt behaupten, ich + hätte das Weib ertränken wollen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurückgestoßen, und sie ist + unglücklich gefallen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na also! Ich lasse mich auf der Straße nicht anfallen, verstehst du? Eure + Komödien verfangen nicht bei mir!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Joachim, wir müssen ihr nach, wir müssen sie suchen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Joachim, sie muß völlig durchnäßt sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist halb + irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglück passieren!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Haus zurück. Ich sah + ihm nach, hörte, wie er <span class="tei tei-pb" id="page333">[pg 333]</span><a name="Pg333" id="Pg333" class="tei tei-anchor"></a>von innen den Haustürschlüssel umdrehte. + Dann eilte ich die Straße hinunter, in der ich Katharina hatte verschwinden + sehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich rannte durch die ganze Stadt, auch teilweise hinaus auf die Landstraßen. Es + verging wohl eine Stunde und mehr Zeit; ich fand nichts. Es hatte angefangen zu + regnen, und es blies ein rauher Wind. Endlich sah ich ein, daß ich allein nichts + ausrichten könne. Ich eilte hinauf nach unserem Heim, überzeugte mich, wie ich + schon angenommen hatte, daß die Genovevenklause leer sei, weckte dann Stefenson, + Barthel, Piesecke und noch einige andere verläßliche Leute, und wir gingen nach + verschiedenen Richtungen auf die Suche. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Morgens drei Uhr kehrte ich todmüde nach Hause zurück. Die anderen waren auch + noch nicht lange da. Niemand hatte eine Spur von Katharina entdeckt ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau gebracht. Ein + Waltersburger Bauer, der zeitig nach Neustadt fahren wollte, hatte am + Chausseerand ein bewußtloses Weib gefunden und an ihrer Kleidung erkannt, daß + sie zu uns gehörte. Er hatte die völlig durchnäßte Frau auf das Stroh seines + Wägelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke zugedeckt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ließ die Bewußtlose nach einem unserer Krankenzimmer am „Stillen Weg“ + schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verständigte + ich über das Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere ärztlichen Maßnahmen. + Wir verhehlten uns beide nicht, daß wir vor einer sehr ernsten Aufgabe standen. + Sämtliche Männer, die um das <span class="tei tei-pb" id="page334">[pg 334]</span><a name="Pg334" id="Pg334" class="tei tei-anchor"></a>traurige Vorkommnis wußten, auch der + Bauer, gelobten Stillschweigen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug sie + die Augen auf. Sie lächelte mich an, ohne daß sie bei klarer Besinnung war, und + sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Sünden!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Augen fielen wieder zu, öffneten sich aber bald aufs neue. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz müde war und auf die Straße fiel, ist sie + zu mir gekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann wieder tiefe Bewußtlosigkeit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gegen Mittag ließ sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blaß und rang + die Händchen ineinander. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah sie streng an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind zu + entreißen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewußt, daß Joachim in die + Klause eindringen wollte?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, ich habe ihm bloß gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts erfahren, bis + er Luise brachte.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich – ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir + wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim wollte + auch bald am Morgen fort.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page335">[pg 335]</span><a name="Pg335" id="Pg335" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich dachte daran, wie sicher der mütterliche Instinkt die unglückliche Katharina + geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie zusammengebrochen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was wird nun werden?“ fragte die Mutter. „Wie steht es?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder schreiben, + daß sein sehnlichster Wunsch, diese Frau möge sterben, wahrscheinlich in + Erfüllung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Mutter weinte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fritz, du mußt nicht so von ihm denken. Er hat doch auch viel gelitten. Gestern + hat er unrecht gehandelt. Er ist dann die ganze Nacht wach geblieben, und ich + glaube, wenn die Frau jetzt stirbt, wird es sein Gewissen sehr bedrücken. Er ist + ja deswegen auch noch nicht abgereist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich lachte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hab keine Sorge, Mutter, Joachims Gewissen ist recht robust.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ihr werdet euch nie verstehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein. Niemals! Mit solch einem Kerl niemals!“ Sie saß noch ein Weilchen da. Ich + fand kein gutes Wort für Joachim, auch nicht für sie, fragte auch nicht, was die + beiden wohl nun mit Luise vorhätten, und so ging sie ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unsere Patientin war schwer krank, und eine heftig einsetzende Lungenentzündung + nahm uns bei der schlechten Beschaffenheit des Herzens fast alle Hoffnung. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am zweiten Tage abends wurde von Waltersburg aus wieder nach Katharinas Befinden + gefragt. Ich schrieb auf einem Zettel: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page336">[pg 336]</span><a name="Pg336" id="Pg336" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Joachim mag sich noch etwas gedulden; es ist bald aus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am selben Abend hörte ich draußen vor den Fenstern ein helles Kinderlachen. Da + sah ich Luise draußen. Stefenson hatte das Mädel um den Hals gefaßt und führte + sie die Straße herauf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging hinaus. Das Kind stürzte auf mich zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Onkel, lieber Onkel“, rief es selig; „denke dir, Pappa ist wieder da.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson strahlte über das ganze Gesicht. Er flüsterte mir zu: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist nicht so gegangen, wie ich wollte. Ich hatte mir einen genialen Plan + zurechtgelegt, dem Kerl das Mädel zu nehmen; da gab er es leider freiwillig + her.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Kind klammerte sich an mich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Onkel, lieber Onkel, laß doch nicht mehr den bösen Mann zu mir kommen. Ich hab + so schreckliche Angst vor ihm!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sagte ihr nicht, daß der „böse Mann“ ihr Vater sei. Es gibt Hunderttausende + von Kindern, für die der eigene Vater der „böse Mann“ ist. Die männlichen + Schweine fressen zuweilen den eigenen Nachwuchs auf; ich schätze menschliche + Väter, die ihrer Kinder Jugendglück vergiften, noch um einige Grade niedriger + ein als die selbstsüchtigen Borstentiere. Denn im Schweinekoben ist der Schmerz + kurz, bei lieblosen Menschenerziehern dehnt er sich Jahr für Jahr. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kommt der böse Mann wieder?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Luise, er kommt nicht mehr!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page337">[pg 337]</span><a name="Pg337" id="Pg337" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Dann mußt du der Magdalena sagen, daß wir nicht mehr in der Genovevenklause + wohnen wollen; wir wollen lieber wieder in den Forellenhof ziehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hast du Magdalena lieb, Luise?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich will wieder zu ihr. Wo ist sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie ist jetzt krank; aber vielleicht wird sie wieder gesund.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wird doch nicht sterben?“ fragte das Kind weinerlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, Herzchen“, sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen Stefenson und + ich mit dem Kinde den „Stillen Weg“ entlang ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Keinem unter allen Sündern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht wie + den Unbarmherzigen. Was er für sie hat, ist die „ewige Finsternis, wo Heulen und + Zähneknirschen ist“. Diese Höllenstrafe trifft die Unbarmherzigen schon auf + dieser Welt. Denn Unbarmherzigkeit ist Finsternis, und Haß heult und knirscht + mit den Zähnen und ist verbannt von allem Frieden und allem Glück. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In diesem Lichte sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der + röchelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre heißen Hände sich die Wand + hinaufkrallen sah, ihren qualvollen Husten hörte, schickte ich auf neue Anfrage + aus Waltersburg einen Zettel an Joachim: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebräuchen vertraut. Freue dich, + deine Frau hängt am Marterpfahl!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page338">[pg 338]</span><a name="Pg338" id="Pg338" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Daraufhin ließ er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In ihren Fieberträumen schrie die Frau immer wieder: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Taufe mich, heiliger Johannes, taufe mich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und sie jammerte nach dem Kinde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als sie das erstemal bei klarem Bewußtsein war, als sich der Fieberblick in + Angst und Todestraurigkeit verlor, wußte sie nichts zu sagen als: „Luise ist + fort!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sah ich sie lächelnd an. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, liebe Käthe, Luise ist hier. Du bist nur jetzt noch krank; du bildest dir + bloß ein, daß Luise fort ist.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich – ich bilde es mir bloß ein?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein kleines, halb irres Lachen flog um ihren Mund. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bilde es mir bloß ein!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, liebe Käthe – du denkst das bloß so ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich denke es bloß so? Wo ist denn Luise? Warum ist sie denn nicht bei mir?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sieh nur, Käthe, du bist krank; das Kind lärmt zu sehr. Du weißt doch, wie es + lärmt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist so schön, wenn es lärmt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und sie lächelte lieb und seltsam und schlief ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ging auf die Krisis zu. Wie das so ist in solchen Fällen: das Befinden + schwankte; einmal ging es der Kranken etwas besser, ein anderes Mal wieder war + es ganz zum Verzweifeln. Immer der eine Satz: „Wenn das Herz aushält, dann ...“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page339">[pg 339]</span><a name="Pg339" id="Pg339" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ja, wenn! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am siebenten Tage ließen wir Luise zu der Kranken. Wir hatten Luise wohl + vorbereitet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du darfst nicht schreien oder weinen oder lärmen. Du darfst nur ganz leise auf + den Zehen ans Bett gehen, der Magdalena die Hand küssen und sagen: ‚Mamma, ich + hab dich lieb!‘“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So hat es das Mädchen getan. Die Kranke lag mit verklärtem Gesicht, und in ihren + Augen war ein Strahlen, als ob ihr der Himmel offenstände. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als das Kind das Zimmer verlassen hatte, ging ein Frösteln über den Körper des + Weibes: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist alles nicht wahr gewesen – ich hab das Furchtbare nur geträumt – Luise + ist wirklich da ...!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am zehnten Tage wußten wir, daß Katharina am Leben bleiben würde. Freilich würde + sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung nicht in + Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es würde ein sehr stilles Leben + sein, was Katharina fortan führen müßte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Am hellen Mittag trat mir auf dem „Stillen Weg“ der Bruder entgegen. Er gesellte + sich zu mir, ohne daß wir uns die Hände reichten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?“ fragte er mit offener Furcht in den + Augen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, es ist überwunden!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da atmete er auf. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page340">[pg 340]</span><a name="Pg340" id="Pg340" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe schwere Tage und Nächte hinter mir“, sagte er etwas stockend; „deine + Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch deine + Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich antwortete nicht. Er fuhr fort: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Käthe zu einer Zeit, wo du es für + angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu übergeben. Er ist offen; du + sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthält nichts als einen kurzen Abschied, und + daß wir jetzt, durch Land und Meer für immer getrennt, ohne Feindschaft + aneinander denken wollen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wandte den Kopf zur Seite. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Luise?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Luise werde ich ihr lassen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir gingen schweigend nebeneinander hin. Dann sagte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daß ich von dem Kinde ohne Abschied fortgehen muß, fällt mir sehr schwer. Du + wirst es nicht glauben; aber es ist wahr. Das Kind würde sich fürchten, wenn es + mich wiedersähe. Ich bitte, daß du dich weiter des Mädchens annimmst. Mit einem + Kapital werde ich es ausstatten. Willst du die Sache übernehmen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich danke dir!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wieder gingen wir ein Stückchen wortlos weiter. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich könnte nun gehen, Fritz; aber das Schwerste habe ich noch zu sagen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page341">[pg 341]</span><a name="Pg341" id="Pg341" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah ihn fragend an. Da brachte er heraus: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die Mutter will mit mir nach Amerika.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich blieb stehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du mußt nicht glauben, Fritz, daß ich Mutter dazu überredet habe. Sie hat es + von selbst gewollt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich kann es mir denken.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Etwas unendlich Bitteres quoll mir durch die Seele. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wann wollt ihr denn fort?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Morgen. Die Mutter läßt dich fragen, wann sie sich von dir verabschieden kann. + Willst du am Nachmittag zu ihr hinunterkommen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich mußte erst ein paarmal Atem holen, dann sagte ich: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich werde kommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim blieb stehen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So habe ich dir alles gesagt, Fritz. Nun kann ich mich von dir verabschieden. + Wenn du zu Mutter kommst, werde ich euch nicht stören, werde ich schon fort + sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es wurde ihm schwer. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Leb wohl, Fritz; hab keinen Groll mehr gegen mich. Ich danke dir für alles Gute + – auch, daß du mich fünf Jahre lang gesucht hast – auch, daß du neulich so mit + mir gesprochen hast.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Stimme stockte ihm, und auch ich brachte es kaum heraus, als ich sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Behüte dich Gott, Joachim!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als er sich schon abgewandt und die ersten Schritte gemacht hatte, erscholl + jenseits eines kleinen Gebüsches das selige Kinderlachen Luises. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page342">[pg 342]</span><a name="Pg342" id="Pg342" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Joachim wandte sich noch einmal um. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist sie das?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich nickte mit dem Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da legte er die Hand über die Augen und ging schwer und langsam den Berg hinab. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und noch einmal erscholl das Lachen des spielenden Kindes hinter ihm her. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page343">[pg 343]</span><a name="Pg343" id="Pg343" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc57" id="toc57"></a><a name="pdf58" id="pdf58"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Freund Stefenson</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nun war es vorbei. Ich stieg von Neustadt aus den Weihnachtsberg hinauf. Der + Zug, der meine Mutter in die weite Welt davongeführt hatte, war längst nicht + mehr zu sehen. Der Bruder war schon gestern bis zur Provinzialhauptstadt + vorangereist; ich hatte ihn nicht mehr getroffen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Bitterkeit war aus meiner Seele gewichen und hatte einer stillen Trauer + Platz gemacht. Die letzten Stunden, die ich mit meiner Mutter verlebt hatte, + waren voll reinster Liebe gewesen, ohne Eifersucht, ohne Neid, ohne Groll auf + den Bruder, um dessentwillen sie mich und die alte Heimat verließ. Joachim + sollte nicht wieder einsam und verbittert durch die Welt irren; die Mutter + wollte nicht wieder Tag für Tag sehnsüchtig am Fenster stehen und auf das + schwermütige Plätschern des Johannesbrunnens lauschen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mich wußte sie in Sicherheit, mit einer großen Aufgabe betraut, die mein Herz + ausfüllen würde. So ging sie mit dem anderen, dem Einsamen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war weiblich, es war mütterlich; es konnte wohl nicht anders sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Aber wie ich auf die andere Seite des Weihnachtsberges kam und mein altes + Waltersburg liegen sah, den <span class="tei tei-pb" id="page344">[pg 344]</span><a name="Pg344" id="Pg344" class="tei tei-anchor"></a>Marktplatz mit dem Brunnen und mein + verlassenes Vaterhaus, da setzte ich mich todmüde an den Wegrand ins welke Gras. + Ich barg das Gesicht in den Händen und saß lange so. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als ich endlich aufblickte, sah ich mir gegenüber auf dem anderen Wegrande + Stefenson sitzen. Ich war unwillig, daß er sich so angeschlichen hatte, aber er + kam mir mit teilnehmendem Gesicht, ganz ohne seine sonstige spöttische Art, + entgegen, so daß mein Ärger verflog. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson setzte sich neben mich und legte mir die Hand aufs Knie: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehen Sie, alter Junge, so was tut weh. Das begreife ich. Aber da müssen Sie + auch begreifen, daß ich Sie nicht allein lassen kann, daß ich mich um Sie + kümmern muß. Ich bitte Sie, daß Sie mir einige Minuten zuhören. Sie brauchen mir + gar nicht zu sagen, was für Gefühle Sie bewegen, aber ich bitte Sie, mir zu + erlauben, daß ich als Ihr Freund zu diesen Gefühlen Stellung nehme. Zunächst + mal, ob Ihrer Mutter der Aufenthaltswechsel auch bekommen wird. Daran denken Sie + ja wohl an erster Stelle. Nun, ich meine, sie ist von guter Natur; Rio ist ein + ganz gesunder Wohnort; Ihr Bruder ist Arzt, der sie ständig überwachen kann; + außerdem ist er in der Lage, ihr das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, + dann, Ihre Mutter sieht einmal die Welt. Nicht mehr mit der Aufnahmefähigkeit, + der Spannkraft, dem Überschwang der Jugend, aber mit dem ganzen Hochgenuß, mit + dem ein reifer, feiner Kopf die Schönheiten dieser alten Erde betrachten kann. + Und gar Rio de <span class="tei tei-pb" id="page345">[pg 345]</span><a name="Pg345" id="Pg345" class="tei tei-anchor"></a>Janeiro! Dort hören die Tauben die Vögel singen, + dort sehen die Blinden die Blumen blühen; das wissen Sie ja selbst, Ihre Mutter + wird leben wie im Paradies. Aber das wird freilich alles nicht hindern, daß sie + das Heimweh bekommen wird – nach dem alten Nest da unten – nach dem Hause am + Brunnen – auch nach Ihnen. Schütteln Sie nur nicht den Kopf, lieber Freund; + eine Mutter liebt immer am meisten das ihrer Kinder, das nicht bei ihr ist. Und + da denken Sie nur daran, daß sie eines schönen Tages wieder dasein wird. + Inzwischen lassen Sie unten in dem Hause am Markt alles, wie es ist; lassen Sie + alle Tage die Möbel wischen, alle sechs Wochen frische Gardinen aufstecken, im + Winter die Stuben heizen, im Sommer die Polster einmotten, auch Kupfer und Zinn + in der Küche putzen und den Kanari gut im Futter halten, damit Ihre Mutter alles + in Ordnung findet, wenn sie wiederkommt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson“, sagte ich dankbar, „Sie sind ein seelenguter Mensch.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das verdroß ihn. Er sagte zunächst gar nichts, spuckte dann mit großem Geschick + bis zum gegenüberliegenden Wegrand und meinte endlich in gänzlich verändertem + Tone: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie verstehen mich immer noch nicht. Das müssen Sie doch wissen, daß so ’n + alter Fuchs wie ich immer seine Hintergedanken hat, wenn er mal ’nen Abstecher + ins Gefühlsmäßige macht. Zum Beispiel jetzt habe ich gerade ein wichtiges + Geschäft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie wenigstens zustimmen + müssen, <span class="tei tei-pb" id="page346">[pg 346]</span><a name="Pg346" id="Pg346" class="tei tei-anchor"></a>und da ist es mir natürlich verdrießlich, wenn Sie in + verkaterter Stimmung sind.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und deswegen suchten Sie mich zu trösten?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, nur deswegen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich lächelte. Er sah es und wurde erbost. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre Familienangelegenheiten an? + Glauben Sie, daß ich mich bei meinen tausend Geschäftsfreunden darum kümmern + kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob + die Motten in ihre Möbel kommen oder ihr Kanarienvogel verhungert? Hätt’ ich + viel zu tun. Aber wenn zwei Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der + eine von ihnen Zahnschmerzen hat, hat der andere dafür zu sorgen, daß der Zahn + gezogen oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich lächelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Sie etwas Geschäftssinn hätten, hätten Sie mich längst gefragt, um was für + ein Geschäft es sich handelt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So sagen Sie es mir – bitte!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er war verstimmt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, ich kann ja den Weihnachtsberg auch ohne Sie von den Neustädtern + zurückkaufen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Den Weihnachtsberg wollen Sie zurückkaufen?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich sagte es Ihnen eben. Wir müssen unser Heim bis zum Gipfel des Berges + ausdehnen, sonst spucken uns die Neustädter auf den Kopf.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page347">[pg 347]</span><a name="Pg347" id="Pg347" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie werden den wichtigsten Aussichtspunkt nie hergeben.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Trösten Sie sich. Wozu habe ich in der ‚Neustädter Umschau‘ seit drei Wochen + Artikel gegen den Weihnachtsberg veröffentlicht? Zum Beispiel, daß sein Besuch + von Neustadt aus außerordentlich zu wünschen übrig lasse, weil der viel bequemer + zu erreichende Ochsenkopf eine viel bessere Aussicht bietet, daß die + Rentabilität außerordentlich gering sei, die Pächter nichts zu leisten + vermöchten und solchen Kram mehr. Die Neustädter sind bereits mürbe. Denn sie + sind wieder mal im Dalles. Nun habe ich vorgestern einen Artikel gebracht, man + solle den Weihnachtsberg, wenn sich eine gute Gelegenheit böte, an irgendeine + neutrale Person je eher je besser verkaufen, damit er ja nicht mal in + Waltersburger Hände fiele, was die Konkurrenz drüben stärken <a name="corr347" id="corr347" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">würde.“</span> + </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was bezwecken Sie damit?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daß mein Vertrauensmann, der sich als Privater um den Kauf der + Weihnachtsbergkuppe bemüht, die Sache billig bekommt. In vierzehn Tagen, denke + ich, können wir oben einziehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir waren inzwischen aufgestanden und stiegen langsam den Berg hinab. Stefenson + sprach immerfort von seinen Plänen und brachte es wirklich zuwege, daß meine + Bangigkeit nachließ und ich ihm wenigstens mit halber Aufmerksamkeit zuhörte. Er + begleitete mich bis in mein Arbeitszimmer. Dort sagte Stefenson: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun gestehen Sie es sich mal selber, lieber Freund: die ganze Zeit, da unser + Heim besteht, haben Sie, der <span class="tei tei-pb" id="page348">[pg 348]</span><a name="Pg348" id="Pg348" class="tei tei-anchor"></a>die Lehre von den Ferien vom Ich + erfunden und gepredigt hat, selbst mit Haut und Haaren mitten im dicksten + Ichleben gesteckt. Hauptsächlich wegen Ihrer Familienangelegenheiten. Jetzt + erst, wo sich alles in Frieden löst, werden Sie Ihrer Idee ganz und mit Freuden + dienen können. Sie lehren selbst: in den Ferien vom Ich los von der Familie! + Deshalb habe ich auch von Anfang an gemeint, wenigstens einer von uns beiden + müsse ganz ohne Familie sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und welcher von uns beiden soll das sein?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Fast hätte ich über den alten Egoisten lachen müssen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wären aber doch viel geeigneter, Stefenson; denn Sie sind doch schon ohne + Familie.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie vergessen, daß ich eine Braut habe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eva Bunkert? Ich meine, dieser Verlobtenstand ist einseitig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er lachte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bah – wegen der Auskneiferei – wegen dieser Marotte? Ich habe an Eva einen + vernünftigen Brief geschrieben, habe ihr gesagt, ich würde ihr gern nachreisen, + wenn es nicht zu dumm wäre, und wenn ich Zeit dazu hätte. Sie solle ja nicht + annehmen, daß ich jetzt plötzlich an ihrem Theater als Coiffeur, Portier, + Kulissenschieber oder dergleichen auftauchen würde, um sie weiter zu beobachten. + Das würde abgeschmackt sein; denn ich mache keinen Witz zweimal. Im übrigen + liebte ich sie unverändert weiter und überließe ihr, zu bestimmen, wann unsere + Hochzeit sein solle. Diesen Brief habe ich vor acht <span class="tei tei-pb" id="page349">[pg 349]</span><a name="Pg349" id="Pg349" class="tei tei-anchor"></a>Tagen + geschrieben und noch keine Antwort. Das ist doch ein sehr günstiges Zeichen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich würde dieses Zeichen anders auslegen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein. Sie grämt sich. Sie kann gar nicht schreiben. Wäre ich ihr egal, hätte + sie mir einen schnippischen, und wäre sie ein oberflächliches Weib, sofort einen + freundlichen Verzeihungsbrief geschrieben. So ist sie ein braves Mädel, das mich + liebt, und schreibt gar nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es kann schon so sein“, sagte ich müde; „ich hoffe, daß es Eva gut geht!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun, so ... so ... Vor fünf Tagen hat sie das erstemal auf der Oper gesungen. + Zwei Kritiker haben sie bestehen lassen; einer hat sie etwas mitgenommen. Mit + dem habe ich mich telephonisch verbinden lassen. Ich habe den Mann aufgeklärt, + um was es sich handelt – so in großen Zügen natürlich –, und ihm gesagt, daß + er mir einen Riesengefallen tun würde, wenn er Fräulein Eva Bunkert nach Strich + und Faden verrisse und an der Oper unmöglich mache. Meine eventuelle + Erkenntlichkeit für ihn habe ich dem Kritiker wirklich nur ganz diskret und + delikat angedeutet. Trotzdem hat mir der Grobian gesagt, es sei schade, daß sich + telephonisch keine Ohrfeigen austeilen ließen; im übrigen sei Fräulein Bunkert + ein außerordentlich hoffnungsvolles Talent. Das habe ich davon. Nun wird sie + auch dieser Kerl loben. Ach, du lieber Gott, die deutschen Zeitungsschreiber + sind sehr verschiedener Art.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und Sie fürchten gar nicht, daß Eva Bunkert Ihnen verlorengehen könnte?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page350">[pg 350]</span><a name="Pg350" id="Pg350" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nicht eine Minute. Sie hat gebissen. Ich halte sie fest. Wenn sie noch ein + wenig herumzappeln will, kann ich ihr den Spaß ja gönnen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So purzelte Stefensons draufgängerische, frische Art durch den bangsten Tag + meines Lebens. Und als ich am nächsten Morgen nach tiefem Schlaf erwachte, + fühlte ich mich gesund und munter, stark genug, dem Leben ins Auge zu schauen + und mit Lust und Freude an meinem schönen Werke weiter zu schaffen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Etwa drei Wochen später besuchte mich Stefenson wieder in meinem Arbeitszimmer. + Auf dem Tische lag die neueste Nummer der „Neustädter Umschau“. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe diesmal nichts drin“, sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. + Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riß er die Augen auf, trat ans + Fenster. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Haben Sie schon – haben Sie schon gelesen?“ fragte er aufgeregt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar nicht + hineingeschaut.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da – da ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Verlobung. Die Opernsängerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen Baurats + August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn des herzoglichen + Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. – Eine rasche Künstlerkarriere!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Da haben wir’s“, sagte ich. „Die Sache ist in der Tat sehr rasch gegangen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page351">[pg 351]</span><a name="Pg351" id="Pg351" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen wissen?“ + brüllte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, was soll ich in meiner Überraschung dazu sagen? Es tut mir natürlich leid + um Sie!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu tun. Ich + verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, daß ich diese Gans los bin. Ich bin + auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses flatterige Ding mit + ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer zu, immer zu! Was verliere + ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich bei ihm in Taschentücher mit + einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen kann, deshalb gibt sie mich auf. + Einen Mann wie mich, der diese bankerotte Bauratstochter gegen alle + Vernunftgründe geliebt hat und sie heiraten wollte, gibt sie auf!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sank in einen Stuhl. Sein Schmerz war maßlos. Aber ich blieb kühl. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Freund“, sagte ich, „es ist sicher für unsere Gründung ganz gut, wenn + Sie familienlos bleiben, wenn Sie Ihre Selbständigkeit, den ruhigen, klaren + Blick ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Halten Sie den Mund! Kommen Sie mir nicht mit solchem Blödsinn. Satt hab ich’s, + satt. Meinetwegen mag die ganze Geschichte hier zum Teufel gehen. Mir liegt an + nichts mehr etwas, an gar nichts mehr!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er wand sich in dem Lehnstuhl, in dem er saß, wie in Krämpfen. Ich stellte mich + ans Fenster und zündete mir eine Zigarre an. Da knirschte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sprechen Sie wenigstens; sagen Sie etwas zu mir. Das kann ich doch wohl + verlangen.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page352">[pg 352]</span><a name="Pg352" id="Pg352" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie lassen mich ja nicht zu Worte kommen, Stefenson. Und dann, ich weiß selbst + nicht, was ich zu der Sache sagen soll.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl, Sie machen sich eben nichts aus mir. Sonst könnten Sie sich jetzt nicht + so pomadig eine Zigarre anzünden. Schöner Freund! Glauben Sie denn, daß sie mit + dem Grafen, diesem neunmal gehörnten Kerl, glücklich sein wird?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das kann ich nicht beurteilen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das müssen Sie beurteilen können! Sie müssen wissen, daß solche sogenannten + Mesalliancen nie zum Glück führen, daß dieses Weib im Hause ihres gräflichen + Gatten als Eindringling entweder gar nicht zugelassen oder <span class="tei tei-hi"><span style="font-style: italic">sub</span></span> Luder behandelt werden wird, daß der Mann ihrer überdrüssig + sein wird, wenn ihre Schönheit verblüht, daß sie dann im Elend sitzen wird.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das kann schon alles so kommen, es kann aber auch anders sein. Es kommt ganz + auf den Mann an. Prophezeien kann niemand, höchstens unsere alte Wahrsagerin + unten in Waltersburg.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wollen Sie mich verspotten? Sich über mich lustig machen? Ist das Ihre + Freundschaft?“ Er war wütend. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Stefenson, Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Was immer ich auch jetzt sagen + möchte, würde Ihnen nicht gefallen. Warten wir also ab, bis Sie sich etwas + beruhigt haben, und daß Sie dann ganz auf mich rechnen können, wissen Sie ja + doch!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde mich nie beruhigen“, sagte er. „Über das komme ich nicht weg!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page353">[pg 353]</span><a name="Pg353" id="Pg353" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wohl zehn Minuten vergingen, während deren Stefenson im Zimmer auf und ab + schritt. Manchmal blieb er stehen, sprach leise mit sich selbst oder fuchtelte + mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwähnten?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten Zollhaus, + kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger Weg, ein Weib, + das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie nennt sich nach + ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heißt, wie alt sie ist, weiß kein + Mensch. Für fünfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den Bürgern, Bauern und + Köchinnen die Zukunft.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und stimmt es, was sie sagt?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, das weiß ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft nicht + gekümmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fünfundzwanzig Pfennig + zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt, wir würden bald + eine mächtige Tracht Prügel bekommen. Und das ist auch eingetroffen. Es kam + nämlich heraus, daß wir die fünfundzwanzig Pfennig zur Sibylle getragen hatten, + und wir bekamen Prügel dafür.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich wußte, daß Stefenson abergläubisch war. Viele sonst sehr kluge Menschen sind + es. Stefenson fing an einem Freitag kein Geschäft an, es beunruhigte ihn, wenn + eine Katze über seinen Weg lief, und er hatte immer ein altes Hufeisen auf + seinem Schreibtische liegen. Er <span class="tei tei-pb" id="page354">[pg 354]</span><a name="Pg354" id="Pg354" class="tei tei-anchor"></a>stammte ja auch aus Amerika, wo + der Aberglaube zu Hause ist. Jetzt fühlte er das Bedürfnis, sich ein wenig zu + rechtfertigen, und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist durchaus falsch, alle Hellseherei von vornherein als Unsinn zu erklären. + Es können da Naturkräfte wirken, die wir nicht kennen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gewiß – gewiß!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er versank wieder in tiefe Traurigkeit. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, sie möge + doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen wolle, daß ein + Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten wolle, zu deren + gründlichster Prüfung berechtigt sei, so solle sie halt denken, daß es mir doch + auch Spaß gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich eine unerkannte Rolle zu + spielen, und daß ich doch eigentlich als Knecht Ignaz um sie gedient habe wie + Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von diesem Brief glaubte ich, er sei + eigentlich zu deutsch, zu sentimental. Aber es war mir so ums Herz, und so + schickte ich ihn ab. Der Brief wird gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen + sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es schüttelte ihn vor Schmerz und Zorn. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page355">[pg 355]</span><a name="Pg355" id="Pg355" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc59" id="toc59"></a><a name="pdf60" id="pdf60"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Der Fuchs und die Sibylle</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe + windbrüchiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum Hause der + Sibylle schlängelte. Das kleine Anwesen sah schäbig und unordentlich aus. Die + Tür stieß einen grämlichen Quieker aus, als ich eintrat. Der Hausflur war + finster, aber in dem daranstoßenden Zimmer, dessen Fenster mit buntem Kattun + verhängt waren, brannte eine kleine Lampe. Die „Sibylle“ erhob sich und kam mir + entgegen. Mit krummem Rücken, auf einen Stock gestützt, hob sie ihr verrunzeltes + Gesicht, das in dem trüben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu + mir empor. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wird er kommen?“ fragte sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kräftig eingeredet. + Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten Sie sich genau an + unsere Abmachungen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ nickte das Weib. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich mußte eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefaßt hatte, + beinahe auf. Noch zweimal <span class="tei tei-pb" id="page356">[pg 356]</span><a name="Pg356" id="Pg356" class="tei tei-anchor"></a>hatte Stefenson heute von der + Wahrsagerin angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwürdige Fälle erzählt, + in denen die Voraussagungen der Sibylle in verblüffender Weise eingetroffen + waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten verlassen, + da sah ich den alten Fuchs um die Wegkrümmung treten und vorsichtig umherspähen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er kommt!“ sagte ich zu der Sibylle durch die Tür. „Nun machen Sie Ihre Sache + gut.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Fünf Minuten später hörte ich nebenan Stefenson eintreten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Guten Abend“, sagte er etwas verlegen. „Ich komme mal zu Ihnen. Sie brauchen + sich deswegen nicht etwa einzubilden, daß ich auf Ihren Quatsch etwas gebe; aber + ich habe von Ihnen gehört, und da will ich mal einen Versuch machen – der + Wissenschaft halber, verstehen Sie?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Sibylle rührte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in ein + geflicktes Umschlagetuch gehüllt, vor Stirn und Augen hatte sie einen grünen + Lichtschirm, über dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das alte Weib + betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte kein Wort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun?“ mahnte Stefenson ungeduldig. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Keine Antwort. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, wollen Sie nun gefälligst mit mir sprechen?“ brauste der Amerikaner auf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Scheren Sie sich hinaus!“ krächzte die Alte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wa–as?“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page357">[pg 357]</span><a name="Pg357" id="Pg357" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Hinausscheren sollen Sie sich!“ wiederholte der häßliche Rabe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist stark!“ sagte Stefenson verblüfft. „Nun bleibe ich natürlich hier!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er schob sich den wackligen Stuhl, der an der Wand lehnte, zurecht und sah mit + stoischer Ruhe zu, wie das alte Weib ihre Karten mischte und legte, ohne ihn + auch nur im geringsten zu beachten. Ich vergnügte mich an meinem Guckloche + königlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Endlich stand Stefenson auf, legte auf die Tischkante eine Münze und sagte mit + erzwungener Höflichkeit: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Madame, ich möchte gern durch Ihre Kunst meine Zukunft erfahren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Warten Sie!“ schnarrte der Rabe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Und Stefenson wartete. Sibylle betrachtete indes unverwandt ihre Karten. Endlich + schien sie fertig zu sein. Sie warf einen Blick auf das Geldstück und sagte: + „Auf zwanzig Mark kann ich nicht herausgeben. Es kostet fünfundzwanzig Pfennig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Behalten Sie nur das Goldstück“, erwiderte Stefenson. Da schnipste sie mit dem + Finger die Münze vom Tische hinab auf den Fußboden und kreischte wütend: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Fünfundzwanzig Pfennig kostet es!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson kramte in einer Westentasche und legte fünfundzwanzig Pfennig auf den + Tisch. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stecken Sie das Goldstück ein!“ befahl die Alte. Stefenson leuchtete mit + Streichhölzern gehorsam den Fußboden ab, bis er die Goldmünze fand, und steckte + sie <span class="tei tei-pb" id="page358">[pg 358]</span><a name="Pg358" id="Pg358" class="tei tei-anchor"></a>ein. Darauf mischte Sibylle die Karten, ließ Stefenson dreimal + abheben und sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind neunundvierzig Jahre alt!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson lachte ärgerlich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Neununddreißig bin ich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So sehen Sie nicht aus!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Darauf wurden die Karten auf den Tisch gebreitet. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Richtig – erst neununddreißig“, sagte die Wahrsagerin. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Am 14. April geboren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das stimmt!“ rief Stefenson verblüfft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es stimmt alles, was ich sage“, knurrte die Alte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben weder Vater noch Mutter, Bruder noch Schwester. Sie sind nicht aus + diesem Lande, Sie sind über das Wasser gekommen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson setzte sich staunend auf den Stuhl. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie sind sehr reich“, fuhr die Alte fort, „und werden immer reicher werden; + aber Sie haben Unglück in der Liebe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja“, murmelte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ihre Braut heiratet einen anderen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ist das wahr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Aber Sie sind selbst schuld; Sie haben Ihre Braut schlecht behandelt und + sie betrogen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson stöhnte leise. Die Alte fuhr fort: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn Sie sich mit dem neuen Bräutigam Ihrer Braut duellieren, werden Sie ihn + töten.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „A–ah!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page359">[pg 359]</span><a name="Pg359" id="Pg359" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, aber es wird Ihnen schlimm ergehen, weil er ein vornehmer Herr ist, und das + Mädchen wird doch einen anderen nehmen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wird sie glücklich werden?“ fragte Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie wird mit jedem Manne glücklich werden, den sie nimmt. Nur mit Ihnen wäre + sie unglücklich geworden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist nicht wahr!“ rief Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist ebenso wahr, als daß Sie nach einem Jahre eine reiche Amerikanerin + heiraten werden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schwindel!“ rief Stefenson erbost. „Ich werde nie eine andere heiraten. Sie + schwafeln da einen ungeheuren Blödsinn zusammen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Scheren Sie sich hinaus!“ kreischte der Rabe wütend und klappte die Karten + zusammen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich bitte, daß Sie weitersprechen“, beruhigte sich Stefenson gewaltsam. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Alte aber erhob sich und humpelte der Nachbartür zu. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bleiben Sie da“, rief Stefenson; „ich habe doch fünfundzwanzig Pfennig + bezahlt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie gab keine Antwort, verschwand hinter der Tür und schob den Riegel vor. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In diesem Augenblick sprang ich im Nebenzimmer aus dem Fenster hinaus in den + Garten, ging ums Haus herum und trat durch den Flur in die Vorderstube. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als Stefenson und ich uns sahen, prallten wir voreinander zurück. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page360">[pg 360]</span><a name="Pg360" id="Pg360" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie – Doktor?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie – Stefenson?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er lachte außerordentlich verlegen. Leise sagte er: „Aber wissen Sie – nur der + Wissenschaft halber ...“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja – ich natürlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon dran?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja. Und es hat merkwürdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat sich + abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr erfahren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wenn es Sie nicht stört, warte ich mit.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah, daß ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich auf + den Tisch und ließ die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging; es wurde + langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tür der anderen Stube geklopft, + aber keine Antwort erhalten. Endlich hörten wir drin ein Gekrabbele. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sind Sie noch da?“ krächzte die Sibylle. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl!“ antwortete Stefenson. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich werde Ihnen für Ihre fünfundzwanzig Pfennig jetzt noch zeigen, wie Ihre + künftige Frau aussieht, und dann scheren Sie sich endlich fort.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich will nichts wissen von einer künftigen Frau, ich bleibe ledig!“ widersprach + Stefenson. „Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir noch auf einige Fragen + Auskunft.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein!“ brummte der Rabe. „Sie werden nur noch Ihre künftige Frau sehen!“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page361">[pg 361]</span><a name="Pg361" id="Pg361" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Tür sprang auf, und in ihrer Öffnung stand Eva Bunkert in ihrer ganzen + strahlenden Schönheit. Stefenson faßte sich an den Kopf. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Eva!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, ich bin’s!“ sagte das Mädchen, blieb stehen und lachte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wie ist das möglich? Wie ist das nur möglich?“ Stefenson machte den Eindruck + verdattertster Hilflosigkeit. Da sprang ich vom Tisch herunter, brach in + Gelächter aus und schrie jubelnd: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wir haben einen alten, sehr alten Fuchs gefangen. Horrido!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva hatte glührote Wangen. Sie trat auf den wie angewurzelt dastehenden, + staunenden Stefenson zu, reichte ihm die Hand und sagte mit warmem Ton in der + Stimme: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mein Lieber, Sie werden mir wegen dieser Komödie nicht zürnen. Eine kleine + Strafe wenigstens hatten Sie für Ihre Ignazmaskerade doch wohl verdient.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich verstehe nichts – nichts von allem“, stammelte Stefenson. Da griff ich + ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also, lieber, alter Fuchs, ich will Ihnen alles kurz erklären, was jetzt Ihr in + eine Wolfsgrube gefallener Verstand doch nicht von selber findet! Die Sibylle, + die Sie befragt haben, war niemand anders als Fräulein Eva selbst.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh – oh – und die wirkliche Sibylle?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sitzt in der Dachkammer und hat uns gegen Geld <span class="tei tei-pb" id="page362">[pg 362]</span><a name="Pg362" id="Pg362" class="tei tei-anchor"></a>und gute Worte ihr + Amtslokal mal vorübergehend überlassen. Ist das nicht gut?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er sagte nicht, daß das „gut“ sei. Ganz förmlich wandte er sich an Eva. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Mein gnädiges Fräulein, es ist ja recht, recht liebenswürdig, daß Sie mit mir + zu scherzen belieben; aber ich darf wohl einigermaßen erstaunt sein, da ich erst + heute morgen in der Zeitung –“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich griff wieder ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Die ‚Neustädter Umschau‘ war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, + verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich geschrieben, + habe sie in die ‚Umschau‘ lanciert, aber nicht etwa in die ganze Auflage, + sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei mir abgegeben werden. + Da ist eben für diese zwei Nummern im Satzspiegel eine kleine Änderung gemacht + worden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „So ist wohl alles gar nicht wahr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein, es ist nicht wahr“, sagte Eva und wurde in dem Maße röter, als Stefenson + bleicher wurde. Ich fürchtete mit einem Male, der Scherz könne noch schief + ausgehen, und sagte deshalb: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekränkte Unschuld. Da wären + Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der Ignazgeschichte + und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. Ihr Sündenregister + ist in dieser Hinsicht so groß, daß unsere kleine List eine äußerst gelinde + Strafe ist.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page363">[pg 363]</span><a name="Pg363" id="Pg363" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und – und der Graf Simmern – und der herzogliche Kammerherr?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns + existieren doch gar nicht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ah – so ist das gewesen? Die Anzeige war gefälscht, und die Wahrsagerin waren + Sie selbst. – Es – es ist ja sehr witzig! Gnädiges Fräulein, Sie haben die + alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine große + Schauspielerin.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst träte. Ich sagte: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die Tracht + eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsängerin mal in das Habit einer + Wahrsagerin schlüpft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch selbstverständlich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Seine Augen irrten umher. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich fürchte, die wirkliche Sibylle wird sich in der Bodenkammer erkälten. Man + sollte sie jetzt herunterrufen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Die Stimmung wurde frostig. Ich sah, daß Evas rote Wangen verblichen. In diesem + Augenblick humpelte die wirkliche Sibylle ins Zimmer. Sie lachte albern und + blinzelte verlangend mit den Augen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, Sibylle“, sagte Stefenson, „Sie werden ja von den Herrschaften schon + bezahlt sein; da haben Sie auch von mir noch ein Trinkgeld.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Er legte ein Fünfzigpfennigstück auf den Tisch. Die Alte fauchte unzufrieden; + mir ging die Laune aus. „Gehen <span class="tei tei-pb" id="page364">[pg 364]</span><a name="Pg364" id="Pg364" class="tei tei-anchor"></a>wir hinaus!“ sagte ich. Ich half + Eva den Mantel umlegen und fühlte, wie das Mädchen erregt war. Schweigend + stiegen wir den Berg hinauf. Ich hatte einen mächtigen Groll auf Stefenson. Er + selber hänselte alle Welt, aber einen Scherz gegen seine eigene hohe Person + vertrug er nicht. Da hatte mir nun in all den Wochen die schöne Eva brieflich + ihren Liebeskummer geklagt, ich hatte ihr langsam den Zorn gegen Stefenson, den + sie der Ignazmaskerade wegen hegte, ausgeredet, sie hatte endlich den Brief mit + der Stelle von Jakob, der um Rahel dient, erhalten, war dadurch gerührt, + heimlich in Waltersburg angekommen und hatte sich in der Wohnung ihres Vaters, + unseres jetzigen Baurats, versteckt. Liebesselig und voller Sehnsucht. Ich, der + das Mädchen selbst geliebt hatte, war mit mir fertig geworden, guter Laune zu + sein und ihr zu einem unschuldigen Racheplan gegen den Geliebten zu helfen. Nun + scheiterte alles am Hochmut dieses Hansnarren. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir waren kurz vor dem Grundhof, da blieb Stefenson plötzlich stehen und fing + unbändig an zu lachen. Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein Kollern. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Also“, sagte er, „nun haben sie den Fuchs gefangen, und da sie ihn in der Falle + haben, machen sie beleidigte Gesichter, weil der Gefangene knurrt, was doch + selbstverständlich ist. Lieber Doktor, Freund und Menschenkenner, bitte, gehen + Sie mal freundlichst voran bis zur Lindenherberge und erwarten Sie uns im + Poetenwinkel. Wir kommen langsam nach.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page365">[pg 365]</span><a name="Pg365" id="Pg365" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich ging voran, und als die beiden anderen im Poetenwinkel eintrafen, sah ich in + ihnen ein glückliches Paar. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es war noch nicht spät, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengäste noch + alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der Herbergsvater + besaß, angestoßen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher zu mir: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Daß der Kerl von der ‚Umschau‘ zwei Mark für die Zeile der gefälschten + Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschämt. Eine Mark wäre auch + genug gewesen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Woher wissen Sie den Preis?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Na, ich war doch drüben in der Redaktion.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, natürlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die ‚Umschau‘ die + große Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger Überredungskunst und + einigen Papiergeldes den ganzen schönen Schwindel heraus.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist infam!“ rief ich. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er hat alles gewußt“, sagte fassungslos die schöne Eva. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl, alles!“ schmunzelte Stefenson. „Dann, als ich von Neustadt zurückkam, + ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der so ganz + geschickt und ganz und gar unauffällig suggerierte, ich solle doch durchaus mal + zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was dahinter! Da werden + die Schlau<span class="tei tei-pb" id="page366">[pg 366]</span><a name="Pg366" id="Pg366" class="tei tei-anchor"></a>berger mit dir wohl noch was vorhaben. Und ich ging zu + der alten Sibylle.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Er hat mich sofort erkannt“, klagte Eva. „So schlecht habe ich gespielt.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du hast herrlich gespielt!“ rief Stefenson. „Du bist eine große Künstlerin. Die + Sprache – zum Fürchten; das Äußere – zum Schlechtwerden. Zum Beispiel diese + borstigen Warzen an Kinn und Hals. Ich habe nie eine schrecklichere Theaterhexe + gesehen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es ist aus mit meiner Bühnenlaufbahn“, sagte Eva. „Das ist die furchtbarste + Kritik, die ich bekommen konnte. Ich kann ihm nie, nie was vormachen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nein“, sagte Stefenson mit großer Befriedigung, „und weil ich jetzt weiß, daß + du mir nie etwas vormachen kannst, heirate ich dich. Ich heirate dich mit großer + innerer Ruhe und mit sehr großem Vergnügen!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Daß uns aber auch diesmal der alte Fuchs übertölpelt hatte, ärgerte mich so, daß + mir der gute Wein nicht mehr schmeckte. </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page367">[pg 367]</span><a name="Pg367" id="Pg367" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc61" id="toc61"></a><a name="pdf62" id="pdf62"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Advent</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Es ist nun still geworden bei uns. Stefenson ist nach Amerika hinüber, um in + Eile seiner künftigen Frau ein Heim zu bereiten. Diesmal ist er wirklich + abgereist; ein Vertrauensmann von mir hat ihn in Hamburg an Bord gehen sehen. + Eva wohnt zwar bei ihrem Vater, hält sich aber allermeist im Forellenhof auf, + der ihre zweite Heimat geworden ist. Der Bauer Barthel hat seit dem Abenteuer + seiner Verhaftung an Reputation etwas eingebüßt und steht jetzt ganz unter dem + Regiment der dicken Susanne; aber der alte Friede ist wiedergekehrt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nur ein wenig still ist es. Methusalem und Emmerich, die lustigen Burschen, + haben auch längst schweren Herzens von uns Abschied nehmen müssen, um in ihr + bürgerliches Leben zurückzukehren, und Piesecke ist vom Forellenhof fortgezogen. + Er wohnt jetzt in der Waldschölzerei. Er sagte mir, „er habe an Barthel und + Susanne mit der Zeit ein Haar gefunden“ und wolle auch Eva aus dem Wege gehen. + In Wirklichkeit hegt sein leichtbewegliches Herz bereits eine neue Sehnsucht, + und diese Sehnsucht wohnt in der Waldschölzerei. Sie heißt Agathe. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Herr Doktor“, sagte er dieser Tage zu mir, <span class="tei tei-pb" id="page368">[pg 368]</span><a name="Pg368" id="Pg368" class="tei tei-anchor"></a>„wenn mich die + kleine Agathe will, dann möchte ich sie heiraten und mit ihr immer hier bei + Ihnen im Heim bleiben. Vielleicht kann ich mich mit etwas Kapital beteiligen und + eine kleine Stellung, so als Subdirektor oder ähnlich, bekommen. Ich möchte + nicht wieder fort von hier; die große Welt hat allen Reiz für mich verloren.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wir wollen abwarten und überlegen, lieber Piesecke.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich soll immer abwarten, nie handeln“, sagte er betrübt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sie haben eben in Ihrem früheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber Freund. + Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da fügte er sich. – </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit dem schweizerischen Namen „Heimwehfluh“ ist eines unserer kleinen Anwesen + benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die + Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Käthe mit ihrem Kinde. Die Frau + ist blaß und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Mühe durchsetzen + können, daß sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise ganz allein sein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Mädchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht, zu + anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie drängt es oft dazu, aber das Kind + bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen Paradies der + Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschichten, die Mutter spielt so + schön, wie niemand spielen kann, die Mutter macht selbst das Lernen zur Lust. </p> + <span class="tei tei-pb" id="page369">[pg 369]</span><a name="Pg369" id="Pg369" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Käthe und das Kind sind noch die einzigen Kameraden, die ich hier habe. Sie + stören mich nicht. Ich weiß, daß sie im Frieden sind und daß sie mir, wenn ich + frage, wie es ihnen geht, immer nur die eine Antwort geben werden: „Es geht uns + gut!“ Es ist schön, Menschen zu begegnen, die sagen, daß es ihnen gut gehe; es + ist wie ein herzstärkender Blick auf ein heiteres Gelände, der sich bei einer so + lieben Antwort auftut. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Im Forellenhof wird jetzt viel geschneidert, gestrickt, gebastelt. Eva schafft + an ihrer Ausstattung, und alles Weibsvolk ist ganz närrisch, ihr dabei zu + helfen. Es ist sehr heimlich in der großen Bauernstube. Der Wind zieht um die + Giebel oder pfeift auf dem Schornstein wie auf einer großen Flöte, der Regen + knistert am Fenster, das Feuer flackert im Herd, die alte Uhr geht freundlich + ihren Weg hin und her mit ihrem Schlenkerbein. Manchmal erzählt eine der Frauen + eine Geschichte, manchmal rattert eine Nähmaschine, manchmal spielt Vater + Barthel auf der Ziehharmonika, oft kommt einer von den „Mannsvölkern“ in die + Stube, schüttelt sich wie ein Pudel, wärmt sich am Ofen und sagt etwas Nettes + oder etwas Dummes, über das gelacht werden kann. Was bei der Hausarbeit + herauskommt, kann ich nicht beurteilen. Eva wird eine sehr reiche Frau sein, + aber vielleicht sind ihr einmal diese mit recht verschiedenartigem Talent im + Ferienheim gestickten Monogramme und Schneidereien lieb und wert ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich bekam eben einen Eilbrief von Methusalem aus München: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page370">[pg 370]</span><a name="Pg370" id="Pg370" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"></p><div class="tei tei-text" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><div class="tei tei-body" style="margin-bottom: 6.00em; margin-top: 6.00em"><div class="tei tei-salute" style="margin-left: 6.00em"> + „Lieber Doktor! + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unser Freund Stefenson (wo hätte ich den Heimtücker in dem langen Ignaz + vermutet!) hat mich von Amerika aus mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die + äußeren Feierlichkeiten seines Hochzeitsfestes in Regie zu nehmen. Trotz meines + hohen Alters will ich die Aufgabe übernehmen. (Notabene: Was sagen Sie als + Mediziner dazu, daß ich mit neunhundertachtundneunzig und dreiviertel Jahren + noch einen Weisheitszahn kriege?) Also übernehmen! Die bewilligten Mittel sind + generös. Man könnte damit alle Einwohner eines deutschen Herzogtums drei Tage + lang freihalten. Ich werde mit einem Bruchteil des Geldes auskommen, und das + Fest wird dennoch glänzend sein. Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer + an einer Taubstummenanstalt und auch sonst ein berühmter Musiker, übernimmt den + musikalischen Teil. Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines + großen deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhöchste + Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon morgen; + sagen Sie Frau Susanne, daß ich vor Sehnsucht nach ihr brenne, durch welch + schöne Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu heizen, und + bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festausschuß einzutreten. </p> + <p class="tei tei-p" style="text-align: right; margin-bottom: 1.00em"> + Ihr getreuer Methusalem. + </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nachschrift! Ich habe heute aus Freude, so bald nach dem geliebten Waltersburg + zurückkehren zu können, <span class="tei tei-pb" id="page371">[pg 371]</span><a name="Pg371" id="Pg371" class="tei tei-anchor"></a>bereits fünf Purzelbäume in meinem Bett + geschlagen. Ich finde das zwar unpatriarchalisch, aber es mußte sein! </p> + <p class="tei tei-p" style="text-align: right; margin-bottom: 1.00em"> + Methusalem.“ + </p></div></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Frau Susanne strahlte, als ich ihr Methusalems baldige Ankunft verkündigte, und + rannte spornstreichs nach dem Kohlenkasten. Sie kann ihren ältesten Sohn nicht + lieber haben als diesen Maler, der sie doch ständig ärgert und über den sie + ständig schimpft. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit Piesecke dagegen hatte ich Schwierigkeiten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich lehne ab, dem Festausschuß beizutreten“, sagte er kalt, als ich ihm + Methusalems Brief vorgelesen hatte. „Denn erstens, dieser Stefenson, der mich + als Knecht Ignaz gemißhandelt hat, verdient von mir keine Gefälligkeit, und + diese Eva auch nicht. Was aber Methusalem und Emmerich anbelangt, so habe ich + mich einmal mit ihnen eingelassen und die traurigsten Erfahrungen mit ihnen + gemacht.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Lieber Piesecke“, sagte ich, „Sie werden sich das noch überlegen. Was Stefenson + anlangt, so sind Sie eine viel zu große Natur, um nachträgerisch zu sein. Und + mit Methusalem und Emmerich dürfen Sie sich ruhig verbinden. Ich gebe zu, daß + sich die beiden in der Waltersburger Schlacht feig und schäbig benommen haben. + Während Sie kämpften, hat der eine gezeichnet, der andere seine Hymne gesungen. + In den Kampf eingegriffen haben sie beide nicht, obwohl es ihre Pflicht war. Sie + sind eben keine Helden. Ein Fest aber ist keine Schlacht; da werden die zwei + ihren Mann stellen. Im übrigen gebe ich Ihnen <span class="tei tei-pb" id="page372">[pg 372]</span><a name="Pg372" id="Pg372" class="tei tei-anchor"></a>zu bedenken, daß, + falls Sie sich fernhielten, Fräulein Agathe aus der Waldschölzerei den schweren + Verdacht schöpfen könnte, Sie hätten Ihren Gram um die verlorene Eva immer noch + nicht verwunden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Oh“, rief da Piesecke, „den hab ich gründlich verwunden. Aber Sie haben recht, + der Verdacht läge nahe. Also mache ich mit!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Schon am nächsten Morgen kehrten unter ungeheurem Hallo Methusalem und Emmerich + nach dem Ferienheim zurück. Eine Stunde später fand die erste „Geheime Sitzung + des intimeren Festausschusses“, bestehend aus Methusalem, Emmerich und Piesecke, + statt. Ich hatte bescheiden angefragt, ob ich eine beratende Stimme im Ausschuß + haben dürfte, dieses war aber abgelehnt worden. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Was hatten wir für einen schönen Heiligen Abend! Auch über die Festtage war + unsere Anstalt mit Gästen gut besetzt, aber die Leute waren alle kurz vor dem + Christabend etwas stiller geworden. Ich merkte, wie viele an Heimweh litten. + Durch einen besonderen Anschlag war rechtzeitig bekanntgegeben worden, daß jeder + Feriengast ein Paket nach Hause senden und ein solches von Hause erbitten solle. + In den letzten Tagen trafen viele solche Liebesgaben bei uns ein. Sie wurden in + der Direktion aufgestapelt. Wie nun der Abend kam am 24. Dezember, dieser + heilig-süße Abend, an dem alle Herzen anders gehen als sonst, ritt auf + schneeweißem Roß Knecht Ruprecht von Haus zu Haus. Hinter ihm fuhren in einem + mit <span class="tei tei-pb" id="page373">[pg 373]</span><a name="Pg373" id="Pg373" class="tei tei-anchor"></a>Silber, Gold und Tannengrün geschmückten Schlitten vier + Engelein, von denen eines die kleine Luise war, dann kam ein Bläserchor, zuletzt + stampften Zwerge und Waldgeister durch den Schnee, die schleppten alle Pakete + auf den Schultern und taten, als ob sie schwer daran zu tragen hätten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vor jedem Bauernhof wurde haltgemacht. In der großen Stube brannte der + Christbaum; Knecht Ruprecht trat ins Zimmer und sagte seinen Weihnachtsgruß, die + Engelchen sangen ein Lied, der Bläserchor blies vor dem Hause einen Choral, und + die Zwerge und Waldgeister schleppten Pakete herbei – Grüße aus der Heimat. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da hat keinem von unseren Feriengästen die Weihnachtsstimmung gefehlt. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Auch ich hatte meine Weihnachtsfreude. Am Nachmittag erhielt ich ein + Kabeltelegramm von der Mutter aus Rio: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehne mich nach dir. Grüße von Joachim und mir an dich, Luise, Käthe und die + Heimat. Eure Mutter.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Frieden auf Erden! Ich ging nach der Heimwehfluh. Käthe saß am Fenster, spähte + nach dem Lichtschein der Fackeln, die den Schlitten begleiteten, darin ihr Kind + saß, und hörte auf die alten Weihnachtslieder, die aus dem Tale klangen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich gab ihr das Telegramm. Sie las es und wurde zum ersten Male wieder ein wenig + rot im Gesicht. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Schenke es mir zu Weihnachten“, bat sie. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich habe es dir ja gebracht.“ </p> + <span class="tei tei-pb" id="page374">[pg 374]</span><a name="Pg374" id="Pg374" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich blieb bei ihr, wollte Luises Rückkehr abwarten. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da sagte sie im Laufe des Abends: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß wohl, daß es nicht mehr allzu lange mit mir dauern kann. Aber sage + mir, ob ich übers Jahr zu Weihnachten noch leben werde.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bestimmt, Käthe.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da trat ein Lächeln auf ihre Züge. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Das ist noch eine lange Zeit zum Glücklichsein!“ </p> + </div> + <hr class="page" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <span class="tei tei-pb" id="page375">[pg 375]</span><a name="Pg375" id="Pg375" class="tei tei-anchor"></a> + <a name="toc63" id="toc63"></a><a name="pdf64" id="pdf64"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Hochzeit und Ende</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefensons Hochzeit fand am späten Nachmittag des ersten Christfeiertages in + aller Stille in der Waltersburger Kirche statt. Nur Evas Vater und ich waren als + Trauzeugen gegenwärtig. Wir waren nicht über den Marktplatz, sondern auf einem + Umweg nach der Kirche gefahren. So war das von Methusalem angeordnet worden. Auf + demselben Wege, den wir gekommen, mußten wir auch wieder nach Hause fahren. Ich + merkte, daß Stefenson verwundert war. Die heilige Handlung in der Kirche hatte + ihn gerührt, und er hatte wohl erwartet, daß es von der Kirche direkt nach dem + Marktplatz zu einer stimmungsvollen großen Weihnachts- und Hochzeitsapotheose + gehen würde. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir fuhren aber nach dem Heim zurück, und zwar nach dem „Rathaus“, und wurden + dort im großen Saal von zahlreichen Feriengästen erwartet. Das Brautpaar wurde + mit Heilrufen empfangen und zu seinen Ehrensitzen geleitet. Ein schönes Mädchen + mit roten Rosen im Haar überreichte den zwei Glücklichen einen goldenen, mit + Wein gefüllten Pokal, das Hochzeitsgeschenk des Heimes, und sprach dazu Verse, + die ein im Heim anwesender Dichter geschaffen hatte: </p> + <span class="tei tei-pb" id="page376">[pg 376]</span><a name="Pg376" id="Pg376" class="tei tei-anchor"></a> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Alles Wünschen geht zur Ruh:</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Du bist ich, und ich bin du!</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">All dein Schmerz und Leid ist mein,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">All mein Gut und Glück sind dein!</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wo dein Fuß geht, ist mein Ziel,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Was zum Dienst dir, ist mein Spiel;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Deine Blumen pflanze ich,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Deine Tänze tanze ich;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ich will deinen Kummer klagen,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Du sollst meine Kränze tragen;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ich kann nimmer müde sein,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ehe du nicht schlummerst ein;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Ja, mein Gott grüßt mich von fern,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Strahlt auf dich ein goldner Stern.“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So sprach der Dichter in den Ferien vom Ich zu dem Brautpaar. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Schöne Lieder wurden gesungen, die Musikmeister Emmerich eingeübt hatte. + Ansprachen wurden gehalten von unserem Direktor, von je einem Vertreter der + Kurgäste wie der Angestellten, schließlich sprach auch ich ein paar + Freundesworte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson war bewegt, als er für die Liebe, die er erfuhr, dankte, als er sagte, + er habe in diesem deutschen Tale den Frieden gefunden, den er drüben im Lande + der rücksichtslosen Dollarjagd niemals gekannt hatte. Hier habe er nach einem + Leben voll Aufregung, Überarbeit und gelegentlichen wilden Genüssen nicht nur + Ferien, sondern Feierabend gemacht. Er wisse jetzt, da er die Frau <span class="tei tei-pb" id="page377">[pg 377]</span><a name="Pg377" id="Pg377" class="tei tei-anchor"></a>seines Herzens gefunden habe, daß ein höheres Glück ihm Gott nicht mehr geben + könne, und so wolle er drüben in Amerika seine Beziehungen klug und vorsichtig + zu lösen suchen und dann ganz nach Deutschland ziehen, das ja doch seine wahre + Heimat sei. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb">* </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Und nun“, kommandierte Methusalem, „großer Festkorso auf den Weihnachtsberg.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Draußen war es stockdunkel; die Straßenbeleuchtung war ausgeschaltet; aber + Fackeln und Laternen leuchteten phantastisch, und der Schnee schimmerte. Wohl + fünfzig Schlitten hielten da. Dem Zuge voran leuchtete eine riesige, + ballonartige Laterne, die an hohen Stangen getragen wurde. Auf der einen Seite + zeigte die Ballonhülle das liebliche Bild der „Hanne vom Forellenhof“, auf der + anderen eine scheußlich anzusehende, aber genial gezeichnete Karikatur + Stefensons. Ein Meisterstück Methusalems. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Vom Berg herab kam uns viel Volk entgegen; die Leute trugen Laternen mit + transparenten Bildern: Methusalem hatte sich selbst verewigt, als + tausendjährigen Greis voller Güte und Abgeklärtheit, Emmerich war von einem + Mückenschwarm fliegender Noten, Violinschlüssel, Kreuzen, Auflösungszeichen und + Fermaten umgeben, die dicke Susanne strahlte in zinnoberrotem Licht und + schimpfte fürchterlich, als sie ihr Konterfei sah, Barthel als gefesselter + Verbrecher war zu sehen, <a name="corr377" id="corr377" class="tei tei-anchor"></a><span class="tei tei-corr">Levisohn</span> mit einer riesigen Reklametrompete, Piesecke + als Gott <span class="tei tei-pb" id="page378">[pg 378]</span><a name="Pg378" id="Pg378" class="tei tei-anchor"></a>Mars in furchtbarer Rüstung, schließlich auch mein etwas + ins Sentimentale karikierter Kopf, den ein Kranz von heulenden, bellenden, + hochnäsigen, sich Flöhe schabenden Dackeln lieblich umrahmte. Lauter + Meisterwerke des liebenswürdigen Greises und Vergnügungsleiters Methusalem. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Als wir der Weihnachtsburg näher kamen, erstrahlte sie in farbigen Lichtern, + Böllerschüsse hallten über Berg und Tal, und ein Chor blies vom grauen Turme + herab: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„O du fröhliche, o du selige,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Gnadenbringende Weihnachtszeit.“</div> + + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Gleich hinterher aber: </p> + <div class="tei tei-lg" style="margin-bottom: 1.00em; margin-left: 3.00em; margin-top: 1.00em"> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">„Wenn Weihnachten ist,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Wenn Weihnachten ist,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Dann kommt zu uns der heil’ge Christ;</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Bringt jedem eine Muh,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Bringt jedem eine Mäh,</div> + <div class="tei tei-l" style="text-align: left">Bringt jedem eine wunderschöne Schnätterättättä!“</div> + </div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Unter den Klängen dieser großen Hymne der Fröhlichkeit zogen wir in die + Weihnachtsburg ein. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Der große mit Tannenreis ausgeschmückte Saal der Weihnachtsburg füllte sich mit + Menschen; Bräutigam und Braut waren zunächst nicht zu sehen. Nach etwa einer + halben Stunde aber erschienen beide auf einer kleinen Empore. Sie hatten ihre + hochzeitlichen Kleider abgetan <span class="tei tei-pb" id="page379">[pg 379]</span><a name="Pg379" id="Pg379" class="tei tei-anchor"></a>und waren in phantastischen + Kostümen, er als Winterkönig, sie als Königin. Regie Methusalem! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mit donnerstimmigem Heilruf wurde das Brautpaar begrüßt. Holdselig lächelnd + grüßte die Braut in den Saal; steif und ungelenk verneigte sich Stefenson. Er + fühlte sich als Winterkönig sichtlich unbehaglich. Der Thron stand auf einer + amphitheatralisch ansteigenden Bühne. Ich selbst war als „Kammerherr“ neben + Stefenson plaziert. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Scheinwerfer warfen auf uns wechselnde Lichter. Atemlos stand das schlichte + Bergvolk. Alle Märchen- und Himmelsträume schienen vor ihm erfüllt. Feierliche + Weisen erklangen, und dann sprach nicht der Winterkönig Stefenson, wie alle + vermutet hatten, sondern Herr Methusalem sprach, der die Tracht eines + mittelalterlichen Notarius angelegt hatte. Er entfaltete ein Pergament und + verkündete: „Edles Gefolge des Königs und der Frau Königin! Ich als Kanzellarius + Seiner Majestät König Stefensons des Ganzgroßen und Hochdero majestätischer + Gemahlin Hanne der Einzigen verkünde, damit es männiglich erfahre, feierlich, + öffentlich und unwiderruflich folgendes:</p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir, Stefenson der Ganzgroße und Höchstmeine erlauchte Gemahlin Hanne, wollen, + daß dieser glückliche Tag ein Andenken hinterlasse. Darum machen wir für + Waltersburg eine Stiftung von hunderttausend Mark mit der Bestimmung, daß + alljährlich ein Drittel der Stiftungszinsen alten bedürftigen Eheleuten, ein + zweites Drittel den Waltersburger Schulkindern zugute komme; <span class="tei tei-pb" id="page380">[pg 380]</span><a name="Pg380" id="Pg380" class="tei tei-anchor"></a>das + dritte und letzte Drittel aber ist zu Hochzeitsgeschenken für die in jedem Jahr + Heiratenden bestimmt, von welcher Stiftung sich keines, auch nicht das + wohlhabendste Brautpaar ausschließen soll, auch wenn es nur ein Blumensträußchen + annimmt; den ärmeren aber soll ein guter Happen für den Nestbau gegeben werden.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eine brausende Welle des Beifalls donnerte durch den Saal. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich sah verwundert auf Stefenson und flüsterte ihm zu: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wissen Sie etwas von dieser Stiftung?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Kein Wort! Der Kerl verschenkt mein Vermögen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Mir wurde doch etwas schwül. Oh, dieser Methusalem – dieser Regisseur! </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Methusalem fuhr fort: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Stefenson fragt nicht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank. Nur + Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er mit euch + leben und schaffen für das Gedeihen seiner Gründung, für den Ruhm Waltersburgs, + für das Heil der Menschheit. Nun wißt ihr vielleicht alle, daß unter den vielen + Geplagten, die in der harten Schule des Lebens müde und krank geworden, hier in + dieses schöne Tal kommen, um Ferien zu machen, einer daherhumpelte, von langer, + langer Reise, auf der er Arbeit und Mühe in erträglichem Maße, Verkennung und + Not in Überfülle, echtes Glück und wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes + Leben war lang, er war Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Methusalem + Freude und Friede. Methu<span class="tei tei-pb" id="page381">[pg 381]</span><a name="Pg381" id="Pg381" class="tei tei-anchor"></a>salem ist der Leiter dieses Festes, + Methusalem ist aller Weltweisheit und Welterfahrung voll, darum soll auch die + Stiftung, die Stefenson heute macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern + Methusalem-Stiftung heißen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Das Volk staunte. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Auch das noch!“ sagte Stefenson neben mir. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, es ist frech; außer den fünftausend Mark, die Methusalem neulich für + Susannes Bild erhielt, hat er sicher nicht einen roten Heller. Und macht eine + Methusalem-Stiftung von hunderttausend Mark!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da erhob sich Stefenson zur Rede. Tiefe Stille. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Meine lieben Waltersburger, von allem, was Methusalem an meiner Statt hier + gesagt hat, muß ich nur einem widersprechen, das betrifft die Stiftung.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Bestürzung. Schweigen. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Methusalem, mein bevollmächtigter Hochzeitskanzler, hat sich in einem Irrtum + befunden, den ich berichtige. Die Stiftungssumme beträgt nämlich nicht + einhunderttausend Mark, sondern dreihunderttausend Mark!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Erst Stille. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut stand + auf, der Bräutigam sprach auf sie ein, während die Leute lärmten; die Augen der + glückseligen Braut glänzten, sie schmiegte sich fest an den Arm des starken + Mannes. Methusalem stand mit eigentümlichem, fast weinerlichem Lächeln daneben. + Stefenson verschaffte sich wieder Gehör. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Bürger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen, alles + andere bleibt, wie es der <span class="tei tei-pb" id="page382">[pg 382]</span><a name="Pg382" id="Pg382" class="tei tei-anchor"></a>weise Methusalem angeordnet hat, die + Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er + fünfunddreißig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe + neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Und zwar nicht so wie ein + tausendjähriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreißiger gelegentlich mal + heult. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die Koffer des + Brautpaares schaffen lassen. Dort kleidete sich das Paar, als sich der Trubel + verlaufen hatte, zur Reise an. Dann fahren sie noch heute mit dem Nachtzuge + davon. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wir waren in der Wohnstube der Mutter. Ein paar nahestehende Freunde waren da. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Zum Abschied sagte Stefenson zu mir: </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Es gibt kein besseres Band, das Freundschaft bindet, als das gemeinsame + Schaffen an einem erfolgreichen Werke. So werden wir zwei immer gute Freunde + sein. Wir wollen ‚du‘ zueinander sagen wie Brüder!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich schlug in die dargereichte Hand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Wann kommst du wieder?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ich weiß es noch nicht; ich weiß nicht, wie und wann ich drüben loskomme. Aber + loskommen werde ich. Was ich dann tue, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht + tauchen eines Tages zwei Feriengäste bei euch auf, irgendein Herr Schulze mit + Frau, und vielleicht kommen dir diese Gäste <span class="tei tei-pb" id="page383">[pg 383]</span><a name="Pg383" id="Pg383" class="tei tei-anchor"></a>bekannt vor. Ich werde + nie anders denn als Gast im Ferienheim einkehren; ich will diese meine + Lieblingsschöpfung mir nicht zum Verwaltungsbezirke, nicht zum Arbeitsgebiete + werden lassen, sondern hier soll mir eine Ferienzuflucht, eine glückliche Heimat + für immer bewahrt sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eva hörte ihm zu und war ihm dankbar für diese Worte. O ja, diese beiden paßten + zu einer Ehe, der starke Mann und das schöne, fröhliche Weib. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Du freilich, lieber Freund, du hast hier keine Ferien; du hast hier deine + Arbeitsstätte. Und wenn du einmal ausspannen willst, dann kommst du zu uns, dann + fahren wir mit dir, der dann der Stille entronnen ist, dorthin, wo die Welt laut + und bunt ist. Dort machst du dann Ferien von deinem stillen Ich, und wenn du + nach Hause zurückkehrst, wird dir das alltägliche Leben wieder schmackhaft + sein.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, so wollen wir es halten!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Nun denn, so wären wir wohl für diesmal hier fertig.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Stefenson zog ein Notizbuch heraus und blätterte darin. Sein Gesicht bekam + wieder die alte Geschäftsmiene. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Halt, da ist noch etwas zu erledigen. Ich habe mir mal als Knecht Ignaz von dem + Schuhmacher Röhricht die Stiefel besohlen lassen. Er hat auf die Rechnung + geschrieben: Sohlen und zwei Absätze zwei Mark und fünfundachtzig Pfennig, hat + aber nur einen Absatz zu machen gehabt. Ich habe ihm daher fünfundzwanzig + Pfennig ab<span class="tei tei-pb" id="page384">[pg 384]</span><a name="Pg384" id="Pg384" class="tei tei-anchor"></a>ziehen wollen, und wir haben so lange gestritten, bis ich + inzwischen verhaftet wurde und dann alles das andere kam. So steht der Posten + noch offen. Ich bitte, erledige das, lieber Freund! Aber nicht zwei Mark und + fünfundachtzig Pfennig, sondern nur zwei Mark und sechzig Pfennige, hörst du + wohl? Ein Knecht kann nicht fünfundzwanzig Pfennig umsonst hergeben. Vergiß es + nicht! Röhricht heißt der Mann, Hintermarkt 15, drei Stiegen.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ein vergnügtes Lachen tönte aus der Ecke von meiner Mutter Sofa. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Was lachen Sie denn, Piesecke?“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Ja, Pardon, Herr Stefenson, aber erst dreihunderttausend Mark verschenken und + dann wegen fünfundzwanzig Pfennig – so in der Abschiedsstunde – das – das ist + – Pardon – merkwürdig!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Gar nicht merkwürdig, lieber Piesecke. Weil ich immer die Rechnungen auf die + Fünfundzwanzig-Pfennig-Bilanz geprüft habe, kann ich mal gelegentlich + dreihunderttausend Mark verschenken.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Sehr – sehr kaufmännisch! Sehr lehrreich!“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> „Jawohl! Aber nicht für Sie! Für Sie wäre das zu unfürstlich.“ </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Wenig fehlte, so wären auch in letzter Stunde die alten Gegner, der rechnende + Kaufmann und der leichtfertige Fürstensohn, noch aneinander geraten. Die dicke + Susanne wälzte sich zwischen beide und löschte mit einer Flut von + Abschiedstränen den entstehenden Brand. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> + </p><div class="tei tei-tb"><hr style="width: 75%" /></div> + <span class="tei tei-pb" id="page385">[pg 385]</span><a name="Pg385" id="Pg385" class="tei tei-anchor"></a> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie sind alle fort. In tiefer Stille liegt der Marktplatz. Ich öffne das + Fenster. Die Luft ist milder geworden. Am hocherhobenen Arm des heiligen + Baptista hängt ein glitzernder schwerer Eiszapfen wie ein Schwert. Am Himmel + stehen zwischen dem Gewölk ein paar freundliche Sterne. Im Schneemantel schaut + der Heilige herüber zu mir. Suchen seine Augen die kleine, feine Frau, die sonst + so oft zu ihm hinüberträumte? </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den alten + Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der großen Stube um, und es ist mir + auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause gekommen ist, wenn Vater + und Mutter nicht da sind. So schließe ich das Fenster. Unschlüssig bleibe ich + noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich die Uhr auf, fühle noch einmal an den + Ofen. Endlich lösche ich die Lampe aus und tappe die Treppe hinab ... </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ich habe jetzt große Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der Freund mit + der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die anderen lustigen + Käuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und ganz allein auf dem + Marktplatz von Waltersburg. Schließlich ist der alte Baptista jetzt noch mein + einziger, ständiger Freund hierzulande. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die stille + Frau auf der Heimwehfluh sich noch ihres Kindes freuen wird, ein, zwei, drei + Jahre ...? Ob dann, wenn sie Ferien macht für immer, die kleine Anneliese, die + jetzt als Schullehrerin in einem <span class="tei tei-pb" id="page386">[pg 386]</span><a name="Pg386" id="Pg386" class="tei tei-anchor"></a>verlassenen Gebirgsdorfe lebt, + doch noch Joachims Frau werden und übers Meer zu ihm ziehen wird? Und ob dann + die Mutter heimkehren wird in ihre schöne alte Stube? Lauter Fragen ohne + Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschluß wie ein Theaterstück + oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von neuem. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu meinem + Werk. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Eine köstliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im öden Walde. + Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen kommt aus den + Bauernhöfen. Alle Leute, die mir begegnen, grüßen mich oder rufen mir freundlich + zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin ich zu Hause. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> In der Wüste sah ich einmal einen Mann mit gefüllten Wasserschläuchen am Brunnen + der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane fieberglühend auf + sie zuschleppte. Da dachte ich, es müsse schön sein, mit gefüllten + Wasserschläuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein wie jener Mann. + Alle, die zu mir kommen von der heißen Straße des Alltags, will ich laben aus + dem kühlen Brunnen, den ich grub. </p> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"> Dann wird es mir so gut ergehen, daß ich nichts anderes vom Leben mehr verlangen + will; denn es ist die größte Lust des Lebens, anderen die Last des Lebens zu + erleichtern. </p> + + </div> + </div> + <div class="tei tei-back" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 6.00em"> + <hr class="doublepage" /><div class="boxed tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <a name="toc65" id="toc65"></a><a name="pdf66" id="pdf66"></a> + <h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Bemerkungen zur Textgestalt</span></h1> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Das Inhaltsverzeichnis wurde von der letzten Seite an den Beginn versetzt.</p> + + + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Wörter in Antiqua werden kursiv wiedergegeben, + bis auf den Titel „Dr.“ und römische Zahlen. Sperrung ist übernommen.</p> + + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Korrektur offensichtlicher Druckfehler:</p> + <table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr026" class="tei tei-ref">Seite 27</a>: doppeltes „freue“ entfernt.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr043" class="tei tei-ref">Seite 43</a>: „Stefensohn“ in „Stefenson“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr075" class="tei tei-ref">Seite 75</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Die Luise habe ich flottgemacht.“).</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr091" class="tei tei-ref">Seite 91</a>: „mit“ in „mir“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr097" class="tei tei-ref">Seite 97</a>: „philantropische“ in „philanthropische“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr101" class="tei tei-ref">Seite 101</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „des Magistrats von Waltersburg stellen“)</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr103" class="tei tei-ref">Seite 103</a>: doppeltes „und“ entfernt (vor „in einer glänzenden Erfassung“)</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr118" class="tei tei-ref">Seite 118</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Das haben“).</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr128" class="tei tei-ref">Seite 128</a>: „umqartieren“ in „umquartieren“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr145" class="tei tei-ref">Seite 145</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „bis um sieben.“)</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr164" class="tei tei-ref">Seite 164</a>: „Xantippen“ in „Xanthippen“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr170" class="tei tei-ref">Seite 170</a>: „reckt“ in „reckte“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr238" class="tei tei-ref">Seite 238</a>: „Widersehen“ in „Wiedersehen“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr243" class="tei tei-ref">Seite 243</a>: „Rauberhöhle“ in „Räuberhöhle“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr244" class="tei tei-ref">Seite 244</a>: „Apothese“ in „Apotheose“ und „den“ in „der“ (nach „Vertreter“) geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr254" class="tei tei-ref">Seite 254</a>: „überzeugenste“ in „überzeugendste“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr261" class="tei tei-ref">Seite 261</a>: „Hentschel“ in „Henschel“ geändert.</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr309" class="tei tei-ref">Seite 309</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Wieso Komödie?“)</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr347" class="tei tei-ref">Seite 347</a>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „stärken würde.“)</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><a href="#corr377" class="tei tei-ref">Seite 377</a>: „Lewinsohn“ in „Levisohn“ geändert.</td></tr></tbody></table> + <p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Nicht korrigiert wurden Varianten wie „Chicago“/“Chikago“, „debutieren“/„debütieren“, + „Annelies“/„Anneliese“ oder „anderen“/„andern“.</p> + </div> + <hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 5.00em; margin-top: 5.00em"> + <div id="pgfooter" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 4.00em; margin-top: 4.00em"><pre class="pre tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em">***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** +</pre><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader67" id="rightpageheader67"></a><a name="pgtoc68" id="pgtoc68"></a><a name="pdf69" id="pdf69"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">Credits</span></h1><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr><th class="tei tei-label tei-label-gloss">May 23, 2009  </th></tr><tr><td class="tei tei-item"><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item">Project Gutenberg TEI edition 1</td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><span class="tei tei-respStmt"><span class="tei tei-name">Norbert H. Langkau, Stefan Cramme and the Online Distributed Proofreading Team at + http://www.pgdp.net</span></span></td></tr></tbody></table></td></tr></tbody></table></div><hr class="doublepage" /><div class="tei tei-div" style="margin-bottom: 3.00em; margin-top: 3.00em"><a name="rightpageheader70" id="rightpageheader70"></a><a name="pgtoc71" id="pgtoc71"></a><a name="pdf72" id="pdf72"></a><h1 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 3.46em; margin-top: 3.46em"><span style="font-size: 173%">A Word from Project Gutenberg</span></h1><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This file should be named + 28938-h.html or + 28938-h.zip.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This and all associated files of various formats will be found + in: + + <a href="http://www.gutenberg.org/dirs/2/8/9/3/28938/" class="block tei tei-xref" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span><span style="font-size: 90%">/dirs/2/8/9/3/28938/</span></a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Updated editions will replace the previous one — the old + editions will be renamed.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Creating the works from public domain print editions means that + no one owns a United States copyright in these works, so the + Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United + States without permission and without paying copyright royalties. + Special rules, set forth in the General Terms of Use part of this + license, apply to copying and distributing Project Gutenbergâ„¢ electronic works + to protect the Project Gutenbergâ„¢ concept and trademark. Project Gutenberg is a registered + trademark, and may not be used if you charge for the eBooks, + unless you receive specific permission. If you do not charge + anything for copies of this eBook, complying with the rules is + very easy. 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If you do not agree + to abide by all the terms of this agreement, you must cease + using and return or destroy all copies of Project Gutenbergâ„¢ electronic + works in your possession. If you paid a fee for obtaining a + copy of or access to a Project Gutenbergâ„¢ electronic work and you do not + agree to be bound by the terms of this agreement, you may + obtain a refund from the person or entity to whom you paid the + fee as set forth in paragraph <a href="#pglicense1E8" class="tei tei-ref">1.E.8.</a></p></div><div id="pglicense1B" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.B.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> is a registered trademark. It may only be used on or + associated in any way with an electronic work by people who agree to be + bound by the terms of this agreement. There are a few things that you + can do with most Project Gutenbergâ„¢ electronic works even without complying with the + full terms of this agreement. See paragraph <a href="#pglicense1C" class="tei tei-ref">1.C</a> below. There are a lot of things you can + do with Project Gutenbergâ„¢ electronic works if you follow the terms of this + agreement and help preserve free future access to Project Gutenbergâ„¢ electronic + works. See paragraph <a href="#pglicense1E" class="tei tei-ref">1.E</a> below.</p></div><div id="pglicense1C" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.C.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (<span class="tei tei-q">„the Foundation“</span> or PGLAF), owns a compilation + copyright in the collection of Project Gutenbergâ„¢ electronic works. Nearly all the + individual works in the collection are in the public domain in the + United States. If an individual work is in the public domain in the + United States and you are located in the United States, we do not claim + a right to prevent you from copying, distributing, performing, + displaying or creating derivative works based on the work as long as all + references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope that you will support + the Project Gutenbergâ„¢ mission of promoting free access to electronic works by + freely sharing Project Gutenbergâ„¢ works in compliance with the terms of this + agreement for keeping the Project Gutenbergâ„¢ name associated with the work. You can + easily comply with the terms of this agreement by keeping this work in + the same format with its attached full Project Gutenbergâ„¢ License when you share it + without charge with others.</p></div><div id="pglicense1D" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.D.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The copyright laws of the place where you are located also govern + what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in + a constant state of change. If you are outside the United States, check + the laws of your country in addition to the terms of this agreement + before downloading, copying, displaying, performing, distributing or + creating derivative works based on this work or any other Project Gutenbergâ„¢ work. + The Foundation makes no representations concerning the copyright status + of any work in any country outside the United States.</p></div><div id="pglicense1E" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.E.</span></h3><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Unless you have removed all references to Project Gutenberg:</p><div id="pglicense1E1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.1.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The following sentence, with active links to, or other immediate + access to, the full Project Gutenbergâ„¢ License must appear prominently whenever any + copy of a Project Gutenbergâ„¢ work (any work on which the phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> + appears, or with which the phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> is associated) is + accessed, displayed, performed, viewed, copied or distributed: + + </p><div class="block tei tei-q" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 0.90em"><span style="font-size: 90%">This eBook is for the use of + anyone anywhere at no cost and with almost no + restrictions whatsoever. You may copy it, give it + away or re-use it under the terms of the Project + Gutenberg License included with this eBook or + online at </span><a href="http://www.gutenberg.org" class="tei tei-xref"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span></a></p></div></div><div id="pglicense1E2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.2.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If an individual Project Gutenbergâ„¢ electronic work is derived from the public + domain (does not contain a notice indicating that it is posted with + permission of the copyright holder), the work can be copied and + distributed to anyone in the United States without paying any fees or + charges. If you are redistributing or providing access to a work with + the phrase <span class="tei tei-q">„Project Gutenberg“</span> associated with or appearing on the work, you + must comply either with the requirements of paragraphs <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1</a> through 1.E.7 or obtain permission for + the use of the work and the Project Gutenbergâ„¢ trademark as set forth in paragraphs + <a href="#pglicense1E8" class="tei tei-ref">1.E.8</a> or 1.E.9.</p></div><div id="pglicense1E3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.3.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If an individual Project Gutenbergâ„¢ electronic work is posted with the permission + of the copyright holder, your use and distribution must comply with both + paragraphs <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1</a> through 1.E.7 and any + additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms will + be linked to the Project Gutenbergâ„¢ License for all works posted with the permission + of the copyright holder found at the beginning of this work.</p></div><div id="pglicense1E4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.4.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenbergâ„¢ License terms from + this work, or any files containing a part of this work or any other work + associated with Project Gutenbergâ„¢.</p></div><div id="pglicense1E5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.5.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this + electronic work, or any part of this electronic work, without + prominently displaying the sentence set forth in paragraph <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1</a> with active links or immediate access + to the full terms of the Project Gutenbergâ„¢ License.</p></div><div id="pglicense1E6" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.6.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You may convert to and distribute this work in any binary, + compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including + any word processing or hypertext form. However, if you provide access + to or distribute copies of a Project Gutenbergâ„¢ work in a format other than + <span class="tei tei-q">„Plain Vanilla ASCII“</span> or other format used in the official + version posted on the official Project Gutenbergâ„¢ web site (http://www.gutenberg.org), you must, at + no additional cost, fee or expense to the user, provide a copy, a + means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon + request, of the work in its original <span class="tei tei-q">„Plain Vanilla ASCII“</span> or + other form. Any alternate format must include the full Project Gutenbergâ„¢ License + as specified in paragraph <a href="#pglicense1E1" class="tei tei-ref">1.E.1.</a></p></div><div id="pglicense1E7" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.7.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, performing, + copying or distributing any Project Gutenbergâ„¢ works unless you comply with + paragraph <a href="#pglicense1E8" class="tei tei-ref">1.E.8</a> or 1.E.9.</p></div><div id="pglicense1E8" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.8.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You may charge a reasonable fee for copies of or providing access to + or distributing Project Gutenbergâ„¢ electronic works provided that</p><table summary="This is a list." class="tei tei-list" style="margin-bottom: 1.00em; margin-top: 1.00em"><tbody><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label">•  </th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenbergâ„¢ works calculated using the method you already use to + calculate your applicable taxes. The fee is owed to the owner of the + Project Gutenbergâ„¢ trademark, but he has agreed to donate royalties under this + paragraph to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid within 60 days + following each date on which you prepare (or are legally required to + prepare) your periodic tax returns. Royalty payments should be clearly + marked as such and sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">Section 4, <span class="tei tei-q">„Information about donations to the + Project Gutenberg Literary Archive Foundation.“</span></a></p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he does + not agree to the terms of the full Project Gutenbergâ„¢ License. You must require such + a user to return or destroy all copies of the works possessed in a + physical medium and discontinue all use of and all access to other + copies of Project Gutenbergâ„¢ works.</p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You provide, in accordance with paragraph <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">1.F.3</a>, a full refund of any money paid for a + work or a replacement copy, if a defect in the electronic work is + discovered and reported to you within 90 days of receipt of the + work.</p></td></tr><tr class="tei tei-labelitem"><th class="tei tei-label"></th><td class="tei tei-item"><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenbergâ„¢ works.</p></td></tr></tbody></table></div><div id="pglicense1E9" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.E.9.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenbergâ„¢ electronic work or + group of works on different terms than are set forth in this agreement, + you must obtain permission in writing from both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael + Hart, the owner of the Project Gutenbergâ„¢ trademark. Contact the Foundation as set + forth in <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">Section 3</a> below.</p></div></div><div id="pglicense1F" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h3 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">1.F.</span></h3><div id="pglicense1F1" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.1.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable effort to identify, + do copyright research on, transcribe and proofread public domain works + in creating the Project Gutenbergâ„¢ collection. Despite these efforts, Project Gutenbergâ„¢ + electronic works, and the medium on which they may be stored, may + contain <span class="tei tei-q">„Defects,“</span> such as, but not limited to, incomplete, + inaccurate or corrupt data, transcription errors, a copyright or other + intellectual property infringement, a defective or damaged disk or other + medium, a computer virus, or computer codes that damage or cannot be + read by your equipment.</p></div><div id="pglicense1F2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.2.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES — Except for the <span class="tei tei-q">„Right of + Replacement or Refund“</span> described in <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph + 1.F.3</a>, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project Gutenbergâ„¢ trademark, and any + other party distributing a Project Gutenbergâ„¢ electronic work under this agreement, + disclaim all liability to you for damages, costs and expenses, including + legal fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT + LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE + PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE TRADEMARK + OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE LIABLE TO + YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR INCIDENTAL + DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH DAMAGE.</p></div><div id="pglicense1F3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.3.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND — If you discover a defect in + this electronic work within 90 days of receiving it, you can receive a + refund of the money (if any) you paid for it by sending a written + explanation to the person you received the work from. If you received + the work on a physical medium, you must return the medium with your + written explanation. The person or entity that provided you with the + defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a + refund. If you received the work electronically, the person or entity + providing it to you may choose to give you a second opportunity to + receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy + is also defective, you may demand a refund in writing without further + opportunities to fix the problem.</p></div><div id="pglicense1F4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.4.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Except for the limited right of replacement or refund set forth in + <a href="#pglicense1F3" class="tei tei-ref">paragraph 1.F.3</a>, this work is provided + to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR + IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR + FITNESS FOR ANY PURPOSE.</p></div><div id="pglicense1F5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.5.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Some states do not allow disclaimers of certain implied warranties or + the exclusion or limitation of certain types of damages. If any + disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the law of + the state applicable to this agreement, the agreement shall be + interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by + the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any + provision of this agreement shall not void the remaining provisions.</p></div><div id="pglicense1F6" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h4 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em">1.F.6.</h4><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">INDEMNITY — You agree to indemnify and hold the Foundation, the + trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone + providing copies of Project Gutenbergâ„¢ electronic works in accordance with this + agreement, and any volunteers associated with the production, promotion + and distribution of Project Gutenbergâ„¢ electronic works, harmless from all + liability, costs and expenses, including legal fees, that arise directly + or indirectly from any of the following which you do or cause to occur: + (a) distribution of this or any Project Gutenbergâ„¢ work, (b) alteration, + modification, or additions or deletions to any Project Gutenbergâ„¢ work, and (c) any + Defect you cause.</p></div></div></div><div id="pglicense2" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 2.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Mission of Project Gutenbergâ„¢</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenbergâ„¢ is synonymous with the free distribution of electronic works + in formats readable by the widest variety of computers including + obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists because of the + efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks + of life.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Volunteers and financial support to provide volunteers with the + assistance they need, is critical to reaching Project Gutenbergâ„¢'s goals and + ensuring that the Project Gutenbergâ„¢ collection will remain freely available for + generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a + secure and permanent future for Project Gutenbergâ„¢ and future generations. To learn + more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see + Sections <a href="#pglicense3" class="tei tei-ref">3</a> and <a href="#pglicense4" class="tei tei-ref">4</a> and the Foundation web page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a>.</p></div><div id="pglicense3" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 3.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit 501(c)(3) educational corporation + organized under the laws of the state of Mississippi and granted tax + exempt status by the Internal Revenue Service. The Foundation's EIN or + federal tax identification number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter + is posted at <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf</a>. Contributions + to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by U.S. + federal laws and your state's laws.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. + S. Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are + scattered throughout numerous locations. Its business office is + located at 809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) + 596-1887, email business@pglaf.org. Email contact links and up to date + contact information can be found at the Foundation's web site and + official page at <a href="http://www.pglaf.org" class="tei tei-xref">http://www.pglaf.org</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">For additional contact information: + + </p><div class="block tei tei-address" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Dr. Gregory B. Newby</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">Chief Executive and Director</span></span><br /><span class="tei tei-addrLine"><span style="font-size: 90%">gbnewby@pglaf.org</span></span><br /></div></div><div id="pglicense4" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 4.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenbergâ„¢ depends upon and cannot survive without wide spread public + support and donations to carry out its mission of increasing the number + of public domain and licensed works that can be freely distributed in + machine readable form accessible by the widest array of equipment + including outdated equipment. Many small donations ($1 to $5,000) are + particularly important to maintaining tax exempt status with the + IRS.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">The Foundation is committed to complying with the laws regulating + charities and charitable donations in all 50 states of the United + States. Compliance requirements are not uniform and it takes a + considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up + with these requirements. We do not solicit donations in locations where + we have not received written confirmation of compliance. To SEND + DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state + visit <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">While we cannot and do not solicit contributions from states where we + have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition + against accepting unsolicited donations from donors in such states who + approach us with offers to donate.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">International donations are gratefully accepted, but we cannot make + any statements concerning tax treatment of donations received from + outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation methods and + addresses. Donations are accepted in a number of other ways including + checks, online payments and credit card donations. To donate, please + visit: <a href="http://www.gutenberg.org/fundraising/donate" class="tei tei-xref">http://www.gutenberg.org/fundraising/donate</a></p></div><div id="pglicense5" class="tei tei-div" style="margin-bottom: 2.00em; margin-top: 2.00em"><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.88em; margin-top: 2.88em"><span style="font-size: 144%">Section 5.</span></h2><h2 class="tei tei-head" style="text-align: center; margin-bottom: 2.40em; margin-top: 2.40em"><span style="font-size: 120%">General Information About Project Gutenbergâ„¢ electronic + works.</span></h2><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em"><span class="tei tei-name">Professor Michael S. Hart</span> is the + originator of the Project Gutenbergâ„¢ concept of a library of electronic works that + could be freely shared with anyone. For thirty years, he produced and + distributed Project Gutenbergâ„¢ eBooks with only a loose network of volunteer + support.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Project Gutenbergâ„¢ eBooks are often created from several printed editions, all of + which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright + notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in + compliance with any particular paper edition.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's + eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII, + compressed (zipped), HTML and others.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Corrected <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">editions</span></em> of our eBooks replace the old file + and take over the old filename and etext number. The replaced older file + is renamed. <em class="tei tei-emph"><span style="font-style: italic">Versions</span></em> based on separate sources are treated + as new eBooks receiving new filenames and etext numbers.</p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">Most people start at our Web site which has the main PG search + facility: + + <a href="http://www.gutenberg.org" class="block tei tei-xref" style="margin-bottom: 1.80em; margin-left: 3.60em; margin-top: 1.80em; margin-right: 3.60em"><span style="font-size: 90%">http://www.gutenberg.org</span></a></p><p class="tei tei-p" style="margin-bottom: 1.00em">This Web site includes information about Project Gutenbergâ„¢, including how to + make donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and + how to subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.</p></div></div></div> + </div> + </div> + </div> +</body></html> diff --git a/28938-pdf.pdf b/28938-pdf.pdf new file 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+50 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 187.083 280.817 200.632] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg197) >> +>> endobj +51 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 173.533 280.817 187.083] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg220) >> +>> endobj +52 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 159.984 280.817 173.533] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg227) >> +>> endobj +53 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 146.435 280.817 159.984] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg233) >> +>> endobj +54 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 132.886 280.817 146.435] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg241) >> +>> endobj +55 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 119.337 280.817 132.886] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg248) >> +>> endobj +56 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 92.238 280.817 119.337] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg271) >> +>> endobj +57 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 78.689 280.817 92.238] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg281) >> +>> endobj +58 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [264.453 65.14 280.817 78.689] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg288) >> +>> endobj +68 0 obj << +/D [66 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +31 0 obj << +/D [66 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +65 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +98 0 obj << +/Length 461 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(viii)-18280(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 63.995 -40.243 Td [(Aufkl\344rungen)-8534(302)]TJ 0 -13.549 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-2590(320)]TJ 0 -13.55 Td [(Freund)-250(Stefenson)-7061(343)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-250(Fuchs)-250(und)-250(die)-250(Sibylle)-3644(355)]TJ 0 -13.549 Td [(Advent)-11144(367)]TJ 0 -13.549 Td [(Hochzeit)-250(und)-250(Ende)-6423(375)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +97 0 obj << +/Type /Page +/Contents 98 0 R +/Resources 96 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 70 0 R +/Annots [ 59 0 R 60 0 R 61 0 R 62 0 R 63 0 R 64 0 R ] +>> endobj +59 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 504.626 327.589 518.175] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg302) >> +>> endobj +60 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 491.077 327.589 504.626] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg320) >> +>> endobj +61 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 477.528 327.589 491.077] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg343) >> +>> endobj +62 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 463.978 327.589 477.528] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg355) >> +>> endobj +63 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 450.429 327.589 463.978] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg367) >> +>> endobj +64 0 obj << +/Type /Annot +/BS << /Type /Border /S /U >> /H /I /C [0 1 1] +/Rect [311.225 436.88 327.589 450.429] +/Subtype /Link +/A << /S /GoTo /D (Pg375) >> +>> endobj +96 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +105 0 obj +<< /S /GoTo /D (index2) >> +endobj +108 0 obj +(Nach meiner Heimkehr) +endobj +111 0 obj << +/Length 3555 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.7 Td [([5])]TJ/F16 18.9589 Tf -239.974 -63.032 Td [(Nach)-265(meiner)-266(Heimkehr)]TJ/F16 10.9091 Tf -51.05 -31.247 Td [(Der)-378(alte)-378(Johannisbrunnen)-378(rauscht)-378(wieder)-378(vor)-378(meinem)-378(Fenster.)]TJ 0 -13.549 Td [(Hoch)-208(ragt)-209(das)-208(Bild)-209(des)-208(T\344ufers;)-222(aus)-209(der)-208(ehernen)-208(Schale,)-217(die)-208(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(erhobene)-369(Hand)-369(h\344lt,)-398(pl\344tschert)-369(das)-369(Wasser)-369(hinab)-369(ins)-368(steinerne)]TJ 0 -13.549 Td [(Becken.)-224(In)-170(alter)-170(Zeit)-171(soll)-170(ein)-171(heidnisches)-170(Heer)-171(an)-170(diesem)-170(Brunnen)]TJ 0 -13.55 Td [(vor\374bergezogen)-492(sein;)-613(die)-492(Recken)-492(haben)-492(den)-492(rauhen)-492(Nacken)]TJ 0 -13.549 Td [(gebeugt)-276(und)-276(sind)-276(hier)-276(getauft)-276(worden.)-328(Am)-276(n\344chsten)-276(Tage)-275(fielen)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-372(in)-372(der)-372(Schlacht.)-616(Ihre)-372(Leichname)-372(blieben)-372(liegen)-372(unter)-371(den)]TJ 0 -13.549 Td [(dunklen)-227(B\344umen)-226(der)-227(Waldschlucht,)-231(da)-226(die)-227(Krieger)-226(heimt\374ckisch)]TJ 0 -13.549 Td [(erschlagen)-183(wurden;)-206(aber)-183(am)-183(Abend,)-197(als)-183(die)-184(Sonne)-183(rot)-183(am)-183(Himmel)]TJ 0 -13.55 Td [(brannte,)-251(kamen)-251(wei\337e)-251(Schemen)-251(zum)-251(Stadttore)-250(herein,)-252(die)-250(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(Kr\344nze)-533(um)-534(die)-533(Stirnen)-534(und)-533(l\344chelten)-533(wie)-534(Kinder.)-1100(Als)-533(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-396(Brunnen)-395(vorbeizogen,)-432(lie\337)-396(der)-396(heilige)-395(Baptista)-396(die)-395(eherne)]TJ 0 -13.549 Td [(Taufschale)-197(fallen)-196(und)-197(faltete)-197(die)-196(H\344nde;)-215(denn)-196(diese)-197(reinen)-196(Seelen)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchten)-298(kein)-299(Wasser)-298(der)-298(Gnade)-299(mehr.)-395(Die)-298(Gekr\344nzten)-298(zogen)]TJ 0 -13.55 Td [(langsam)-277(zum)-276(Stadttore)-277(hinaus,)-284(den)-276(Weihnachtsberg)-277(hinauf,)-283(und)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-317(sie)-317(auf)-317(der)-316(goldgl\344nzenden)-317(H\366he)-317(standen,)-334(winkten)-317(sie)-316(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(einmal)-404(herab)-403(ins)-404(Tal)-404(und)-404(zogen)-403(dann)-404(fort,)-442(weit)-404(\374ber)-404(die)-403(rote)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonne)-348(hinaus,)-373(und)-349(der)-348(Heilige)-348(am)-349(Brunnenplatz)-348(schaute)-348(ihnen)]TJ 0 -13.549 Td [(nach.)-397(Erst)-299(als)-299(es)-299(Nacht)-299(war,)-311(b\374ckte)-299(er)-299(sich)-299(nach)-299(der)-299(verlorenen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([6])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Taufschale,)-390(und)-362(nun)-362(h\344lt)-362(er)-362(sie)-362(wieder)-362(in)-362(erhobener)-362(Hand)-361(seit)]TJ 0 -13.549 Td [(vielen)-250(Jahrhunderten.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Das)-240(ist)-240(eine)-240(der)-241(vielen)-240(Sagen)-240(und)-240(Legenden)-240(von)-240(Waltersburg.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-325(Waltersburger)-325(haben)-326(ganz)-325(eigene)-325(Geschichten.)-475(Sie)-325(borgen)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-254(von)-253(fremden)-254(Gauen)-254(und)-253(St\344dten;)-256(ihr)-253(romantisches)-254(Tal)-253(war)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-250(so)-250(reich,)-250(da\337)-250(sie)-250(Fremdes)-250(nicht)-250(n\366tig)-250(hatten.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Der)-402(Johannisbrunnen!)-707(In)-402(seinem)-402(Becken)-402(lie\337)-402(ich)-402(als)-402(Kind)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meine)-355(Schifflein)-355(schwimmen.)-565(Sie)-355(schwammen)-355(nach)-354(Amerika,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +110 0 obj << +/Type /Page +/Contents 111 0 R +/Resources 109 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 70 0 R +>> endobj +71 0 obj << +/D [110 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +106 0 obj << +/D [110 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +112 0 obj << +/D [110 0 R /XYZ 263.561 174.536 null] +>> endobj +109 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +115 0 obj << +/Length 4266 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(2)-19114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nach)-409(Jerusalem)-409(oder)-409(gar)-409(bis)-409(ins)-409(Riesengebirge.)-727(Mein)-409(Bruder)]TJ 0 -13.549 Td [(Joachim,)-714(der)-621(mit)-621(auf)-622(dem)-621(Brunnenrande)-621(sa\337,)-621(l\344chelte)-621(oft)]TJ 0 -13.549 Td [(ver\344chtlich)-357(\374ber)-357(diese)-357(Reiserouten.)-571(Er)-357(war)-357(drei)-357(Jahre)-357(\344lter)-356(als)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-210(und)-209(schon)-210(Gymnasiast.)-236(Da)-210(verachtete)-209(er)-210(meine)-209(Abcsch\374tzen-)]TJ 0 -13.55 Td [(Geographie.)-542(Mit)-347(Schifflein)-347(spielte)-347(er)-347(nicht)-347(mehr;)-396(er)-347(liebte)-347(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(wissenschaftliche)-384(Unterhaltung.)-650(So)-383(warf)-384(er)-383(Fische)-384(aus)-383(Blech,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-297(ein)-296(eisernes)-297(Maul)-297(hatten,)-308(ins)-297(Wasser)-296(und)-297(angelte)-297(mit)-296(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Magneten)-386(nach)-387(ihnen.)-659(Er)-386(hatte)-387(ein)-386(Senkblei,)-421(und)-386(wenn)-386(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Fische)-291(nicht)-292(bissen,)-302(sagte)-291(er:)-333(es)-291(l\344ge)-292(am)-291(Wetter)-292(oder)-291(ich)-291(st\344nde)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-404(meinem)-403(infam)-404(wei\337en)-404(Spitzenkragen)-403(zu)-404(nahe)-404(am)-403(Wasser)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(verscheuchte)-250(die)-250(Fische.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Unterdes)-606(fuhren)-607(meine)-606(Schiffe)-607(nach)-606(Jerusalem)-607(oder)-606(ins)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Riesengebirge,)-1056(und)-894(oben)-895(auf)-894(dem)-895(gr\374nen)-894(Balkon)-894(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Brunnenplatz)-202(sa\337)-203(unsere)-202(Mutter)-203(bei)-202(ihrer)-203(Handarbeit)-202(und)-202(schaute)]TJ 0 -13.549 Td [(manchmal)-250(zu)-250(uns)-250(herunter.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Wie)-559(kommt)-559(es)-559(doch,)-636(da\337)-559(Menschen)-559(von)-559(einem)-558(solchen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brunnenrand)-376(fortziehen)-375(k\366nnen,)-407(da\337)-375(er)-376(ihnen)-375(nicht)-376(lieber)-375(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\366\337er)-250(ist)-250(als)-250(alle)-250(K\374sten)-250(des)-250(Ozeans?)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([7])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(Mein)-276(Bruder)-277(und)-276(ich)-277(sind)-276(fortgezogen,)-284(und)-276(die)-277(gute)-276(Frau)-276(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-348(gr\374nen)-347(Balkon)-348(ist)-348(allein)-347(geblieben.)-543(Als)-348(Studenten)-347(kamen)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-262(noch)-262(regelm\344\337ig)-263(zu)-262(den)-262(Ferien.)-287(Joachim)-262(aber)-262(war)-262(kaum)-262(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(seinen)-291(Studien)-291(fertig,)-302(als)-291(er)-291(seine)-291(Ehe)-291(schlo\337)-291(mit)-291(jenem)-291(unselig)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366nen)-251(M\344dchen,)-251(dem)-251(die)-251(Sch\366nheit)-251(zum)-251(Fluche)-251(gegeben)-250(war.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nach)-231(einem)-231(Jahre)-232(wurde)-231(das)-231(Kind)-231(geboren,)-235(und)-231(nach)-231(nur)-231(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-330(halben)-330(Jahre)-329(war)-330(ich)-330(dabei,)-350(als)-329(die)-330(Frau)-330(vor)-330(Gericht)-329(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Aussage)-286(machte,)-294(sie)-286(habe)-286(sich)-286(selbst)-285(mit)-286(einem)-286(Revolver)-286(in)-285(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Brust)-443(geschossen,)-491(weil)-443(ihr)-442(Mann)-443(sie)-443(nach)-443(einem)-442(furchtbaren)]TJ 0 -13.549 Td [(Streit)-250(verlassen)-250(habe.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Nur)-261(meine)-260(Mutter)-261(und)-261(ich)-261(wu\337ten,)-263(da\337)-261(sie)-261(log.)-282(Der)-260(Fl\374chtige)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aber)-251(kam)-250(nicht)-251(heim,)-250(auch)-251(dann)-251(nicht,)-250(als)-251(es)-250(uns)-251(endlich)-250(gelang,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-250(mitzuteilen,)-250(da\337)-250(er)-250(au\337er)-250(gerichtlicher)-250(Verfolgung)-250(sei.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-242(floh)-241(nicht)-242(vor)-241(dem)-242(Gef\344ngnis;)-244(er)-242(floh)-241(vor)-242(dem)-241(Grauen,)-243(das)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihm)-348(sein)-348(junges)-347(Weib)-348(bereitet)-348(hatte)-347(und)-348(das)-348(auch)-348(die)-347(Rettung,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(ihm)-250(ihre)-250(Aussage)-250(brachte,)-250(nicht)-250(tilgen)-250(konnte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +114 0 obj << +/Type /Page +/Contents 115 0 R +/Resources 113 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 70 0 R +>> endobj +116 0 obj << +/D [114 0 R /XYZ 93.543 283.497 null] +>> endobj +113 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +119 0 obj << +/Length 4735 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Nach)-250(meiner)-250(Heimkehr)-15838(3)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-572(Bruder)-573(verscholl)-572(in)-573(weiter)-572(Fremde,)-654(und)-572(die)-572(Mutter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lehnte)-598(am)-598(Balkonfenster)-598(und)-598(h\366rte)-598(auf)-598(das)-598(Pl\344tschern)-598(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Johannisbrunnens.)-982(Sie)-494(tr\344umte)-494(von)-494(fernen)-494(Ufern,)-555(an)-494(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-248(Herzenssohn)-248(weilen)-248(w\374rde,)-248(von)-248(Gestaden,)-248(zu)-248(denen)-248(es)-247(keine)]TJ 0 -13.55 Td [(andere)-211(Verbindung)-210(gab)-211(als)-211(die)-211(sehns\374chtig)-210(hin)-211(und)-211(her)-210(gehenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Gedanken.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Als)-336(nun)-337(auch)-336(ich)-336(mein)-337(medizinisches)-336(Staatsexamen)-336(beendet)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hatte,)-201(sagte)-188(ich)-188(zur)-189(Mutter,)-200(ich)-189(wolle)-188(bei)-188(ihr)-189(in)-188(der)-188(Heimat)-188(bleiben)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-371(ihr)-371(Trost)-371(sein.)-614(Sie)-371(sah)-371(mich)-371(still)-371(an)-371(und)-371(schwieg,)-401(und)-371(es)]TJ 0 -13.549 Td [(zuckte)-309(ein)-309(wenig)-309(um)-309(ihren)-309(Mund.)-427(Da)-309(bat)-309(ich)-309(sie,)-324(zu)-308(reden)-309(und)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([8])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mir)-278(ihren)-278(tiefsten)-277(Wunsch)-278(zu)-278(sagen,)-284(und)-278(sie)-278(sprach)-278(mit)-277(Worten,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(sie)-250(sich)-250(aus)-250(dem)-250(Herzen)-250(ri\337:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geh)-408(fort)-408(...)-724(in)-409(die)-408(Welt)-408(...)-724(suche)-408(Joachim)-408(...)-724(bringe)-409(ihn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wieder!)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.317 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -21.361 -14.367 Td [(So)-348(bin)-348(ich)-349(fortgezogen,)-372(um)-348(meinen)-349(Bruder)-348(zu)-348(suchen.)-544(Und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(weil)-508(ich)-508(nicht)-508(Geld)-508(genug)-508(hatte,)-573(jahrelang)-508(um)-508(die)-508(Erde)-508(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(reisen,)-479(wurde)-433(ich)-434(Schiffsarzt,)-479(jetzt)-433(bei)-433(dieser,)-479(dann)-433(bei)-433(jener)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesellschaft,)-250(und)-250(kam)-250(fast)-250(in)-250(alle)-250(gro\337en)-250(H\344fen)-250(der)-250(Welt.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Ich)-385(fand)-386(ihn)-385(erst)-386(im)-385(f\374nften)-385(Jahre)-386(meiner)-385(Wanderfahrt)-385(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(w\344re)-279(bei)-279(fl\374chtiger)-279(Begegnung)-279(wohl)-279(an)-279(dem)-279(ver\344nderten)-278(harten)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-203(mit)-203(dem)-203(fremden)-202(Namen)-203(vorbeigegangen;)-219(aber)-203(ich)-203(traf)-202(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-323(Bord)-322(zwischen)-323(Rio)-323(und)-323(Montevideo,)-340(da)-323(das)-323(Schiff)-322(tagelang)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-290(anh\344lt,)-299(und)-290(wurde)-290(meiner)-290(Sache)-289(gewi\337,)-290(als)-290(der)-289(Fremdling)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-379(pl\366tzlich)-378(scheu)-379(verbarg)-378(und)-379(weder)-378(an)-379(Bord)-378(noch)-379(bei)-378(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Mahlzeiten)-397(mehr)-397(sichtbar)-397(wurde.)-692(Da)-397(suchte)-397(ich)-397(ihn)-397(in)-397(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Kaj\374te)-319(auf.)-457(Er)-319(\366ffnete)-319(auf)-319(mein)-319(Klopfen)-319(und)-319(bebte)-318(zusammen,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-268(er)-269(mich)-268(sah.)-305(Ich)-269(dr\344ngte)-268(ihn)-269(ohne)-268(weiteres)-268(in)-269(die)-268(Kaj\374te)-268(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schlo\337)-250(die)-250(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-239(will)-239(nur)-239(ein)-239(wenig)-239(mit)-239(dir)-238(reden,)-242(Joachim)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.304 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-241(sagte)-239(ich)-239(und)]TJ -217.947 -13.549 Td [(wunderte)-216(mich)-216(\374ber)-216(meine)-216(ruhige)-216(Stimme;)]TJ/F24 10.9091 Tf 187.575 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(du)-216(wirst)-216(es)-216(mir)-216(nicht)]TJ -192.419 -13.549 Td [(abschlagen)-337(k\366nnen,)-359(da)-337(ich)-337(an)-338(die)-337(f\374nf)-337(Jahre)-337(hinter)-337(dir)-337(her)-337(bin.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-178(da\337)-179(ich)-178(auf)-179(dein)-178(Leben)-179(und)-178(deine)-179(Entschl\374sse)-178(keinen)-178(Einflu\337)]TJ 0 -13.549 Td [(habe,)-250(wei\337)-250(ich)-250(von)-250(vornherein.)-250(Also)-250(versteck)-250(dich)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 247.222 0 Td [(\034)]TJ -235.266 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(willst)-250(du?)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er)-250(m\374hsam)-250(heraus.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +118 0 obj << +/Type /Page +/Contents 119 0 R +/Resources 117 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 70 0 R +>> endobj +120 0 obj << +/D [118 0 R /XYZ 168.45 395.414 null] +>> endobj +117 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +123 0 obj << +/Length 4369 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(4)-19114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-275(will)-274(nicht)-274(viel.)-324(Ich)-274(will)-275(dich)-274(nur)-275(bitten,)-281(du)-274(m\366chtest)-275(von)]TJ/F16 7.9701 Tf -89.554 0 Td [([9])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Zeit)-222(zu)-222(Zeit,)-227(so)-222(alle)-222(Jahre)-222(einmal)-221(um)-222(Weihnachten,)-228(an)-222(die)-221(Mutter)]TJ 0 -13.549 Td [(schreiben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.531 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -32.575 -13.549 Td [(Da)-385(fiel)-384(er)-385(auf)-384(sein)-385(Bett)-385(und)-384(weinte)-385(rasend.)-654(Ich)-384(trat)-385(an)-384(das)]TJ -11.956 -13.55 Td [(kleine)-329(runde)-330(Kaj\374tenfenster,)-349(an)-329(das)-330(die)-329(Wellen)-329(klatschten,)-349(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schaute)-250(hinaus)-250(auf)-250(die)-250(rollende)-250(See.)]TJ 137.588 -29.553 Td [(*)]TJ -125.632 -16.004 Td [(Vorgestern)-485(bin)-485(ich)-485(nun)-485(heimgekommen)-485(nach)-485(Waltersburg)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-381(meinem)-381(und)-382(sei)1(nem)-382(silbernen)-381(M\374tterchen.)-643(Ich)-381(mu\337)-381(schon)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(silbernes)-434(M\374tterchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.806 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.578 0 Td [(sagen;)-526(denn)-434(nicht)-434(nur)-434(die)-434(Haare)-434(sind)]TJ -108.228 -13.55 Td [(silbern,)-307(auch)-296(das)-296(Gesichtchen,)-307(auch)-296(die)-295(schmalen)-296(H\344nde.)-387(Alles)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(kostbar,)-250(edel)-250(und)-250(wei\337)-250(an)-250(ihr.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Sie)-250(fragte)-250(mich)-250(nur)-250(das)-250(eine:)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.854 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-250(er)-250(gesund?)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.589 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -193.286 -13.549 Td [(Ich)-308(sagte)-307(ihr,)-322(was)-308(ich)-308(wu\337te,)-322(auch)-308(da\337)-307(er)-308(ein)-308(braver)-307(Mensch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geblieben)-259(sei,)-261(woran)-259(wir)-259(beide)-259(niemals)-259(gezweifelt)-259(hatten.)-276(Dann,)]TJ 0 -13.55 Td [(da\337)-329(er)-328(in)-329(einer)-328(geachteten)-329(Stellung)-328(und)-329(wohl)-328(ein)-329(reicher)-328(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(sei)-305(oder)-305(es)-305(doch)-306(werde.)-415(Darauf)-305(h\366rte)-305(sie)-305(kaum,)-319(sondern)-305(schlug)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(H\344ndchen)-250(zusammen)-250(und)-250(jammerte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum?)-250(Warum?)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.847 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -82.69 -13.549 Td [(Das)-228(war)-229(die)-228(schwere)-228(Frage,)-233(\374ber)-228(deren)-228(richtige)-228(Beantwortung)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ich)-789(mir)-790(auf)-789(der)-789(Heimreise)-790(den)-789(Kopf)-789(zerbrochen)-789(hatte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ganze)-394(Abhandlungen)-394(hatte)-394(ich)-394(in)-394(meinem)-394(Hirn)-393(ausgearbeitet,)]TJ 0 -13.549 Td [(schlagende)-362(psychologische)-362(Begr\374ndungen)-363(f\374r)-362(eine)-362(Mutter,)-390(die)]TJ 0 -13.549 Td [(fragt:)-352(Warum)-301(gibt)-301(mein)-301(Sohn)-301(keine)-301(Nachricht?)-403(Warum)-301(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-476(nicht)-475(zur\374ck?)-927(Warum)-476(l\344\337t)-475(er)-476(mich)-475(in)-476(dieser)-475(furchtbaren)]TJ 0 -13.549 Td [(Einsamkeit)-250(und)-250(Qual?)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([10])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -13.55 Td [(Da)-540(sagte)-541(ich)-541(ihr)-540(nur)-541(die)-540(wichtigsten)-541(S\344tze,)-613(die)-540(Joachim)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gesprochen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-680(hab)-679(wohl)-680(hundertmal)-679(geschrieben)-680(und)-680(tausendmal)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schreiben)-357(wollen.)-572(Aber)-357(ich)-357(hab)-357(keinen)-358(Brief)-357(abgeschickt.)-571(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-203(eine)-202(schreckliche)-202(Angst,)-212(dann)-203(schreibt)-202(ihr)-203(wieder,)-212(und)-202(dann)]TJ 0 -13.55 Td [(halte)-220(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.938 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-220(nicht)-220(aus)-220(in)-220(der)-220(Fremde,)-226(dann)-220(mu\337)-220(ich)-220(zur\374ck)-219(in)-220(diese)]TJ -40.571 -13.549 Td [(verfluchte)-250(Heimat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.797 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +122 0 obj << +/Type /Page +/Contents 123 0 R +/Resources 121 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 70 0 R +>> endobj +124 0 obj << +/D [122 0 R /XYZ 315.422 518.175 null] +>> endobj +125 0 obj << +/D [122 0 R /XYZ 93.543 159.056 null] +>> endobj +121 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +128 0 obj << +/Length 4151 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Nach)-250(meiner)-250(Heimkehr)-15838(5)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Sie)-212(war)-212(ein)-212(wenig)-212(bet\344ubt)-212(\374ber)-212(diese)-213(Worte;)-224(aber)-212(dann)-212(glomm)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eine)-250(Hoffnung)-250(auf)-250(in)-250(ihren)-250(Augen,)-250(und)-250(sie)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.179 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-250(jetzt)-250(wird)-250(er)-250(schreiben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.622 0 Td [(\034)]TJ -131.465 -14.178 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-302(jetzt)-291(wird)-291(er)-292(schreiben;)-311(das)-292(ist)-291(das)-291(einzige,)-302(was)-291(ich)-292(nach)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meinem)-250(langen)-250(Suchen)-250(erreicht)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.898 0 Td [(\034)]TJ -151.942 -14.179 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-565(danke)-565(dir,)-644(lieber)-566(Fritz)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-644(sagte)-565(sie)-565(und)-566(dr\374ckte)-565(mir)]TJ -147.443 -13.549 Td [(sch\374chtern)-250(die)-250(Hand.)]TJ 137.588 -31.556 Td [(*)]TJ -125.632 -17.377 Td [(Nun)-221(bin)-222(ich)-221(beinahe)-221(eine)-222(Woche)-221(zu)-221(Hause)-222(und)-221(fange)-221(an,)-227(mich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gl\374cklich)-303(zu)-303(f\374hlen)-303(und)-302(zu)-303(freuen.)-409(Ich)-303(glaube,)-316(zu)-303(den)-302(Freuden,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-425(schwer)-425(zu)-425(tragen)-425(sind,)-469(geh\366rt)-425(die)-425(Heimkehr)-425(aus)-425(fremden)]TJ 0 -13.55 Td [(Landen.)-245(Und)-236(nicht)-236(blo\337)-235(mir)-236(in)-236(meinem)-235(besonderen)-236(Falle)-236(wird)-235(es)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-284(gehen,)-294(nein,)-293(allen,)-293(die)-284(lange)-285(drau\337en)-284(waren)-285(und)-284(wieder)-284(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(Hause)-289(kommen.)-367(Es)-289(ist)-288(viel)-289(Scheu,)-299(viel)-289(Bangigkeit)-289(in)-289(der)-288(Seele,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-291(Quellen)-291(der)-291(Lust)-291(und)-291(des)-291(Schmerzes)-291(flie\337en)-291(zusammen)-290(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-362(einen)-362(tiefen)-361(Bronnen,)-390(aus)-362(dem)-362(erst)-361(langsam,)-390(wenn)-362(sich)-361(der)]TJ 0 -13.55 Td [(zitternde)-343(Spiegel)-342(beruhigt)-343(hat,)-366(das)-342(Himmelsgesicht)-343(des)-342(Gl\374cks)]TJ 0 -13.549 Td [(auftauchen)-300(kann.)-398(Es)-300(gibt)-299(wohl)-300(keinen)-299(Heimkehrenden,)-312(der)-299(laut)]TJ 0 -13.549 Td [(lachte,)-335(tanzte)-317(oder)-318(spr\344nge.)-452(Ich)-318(habe)-318(in)-317(fremden)-318(L\344ndern)-317(viele)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([11])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(robuste)-477(Burschen)-477(gesehen,)-534(die)-477(in)-477(ihre)-477(Heimat)-477(zur\374ckkamen,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-335(es)-335(war)-335(ganz)-334(gleich,)-356(welcher)-335(Farbe)-335(oder)-335(Rasse)-335(sie)-335(waren)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(sie)-383(waren)-383(sch\374chtern)-383(und)-383(verlegen,)-416(gingen)-383(alle)-383(ein)-383(wenig)-382(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammengezogenen)-151(Schultern,)-170(sprachen)-151(seltsam)-151(leise)-151(und)-150(traten)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-307(fest)-308(auf,)-321(als)-308(ob)-307(sie)-308(der)-307(Heimaterde)-307(nicht)-308(weh)-307(tun)-307(wollten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-327(mu\337ten)-327(sich)-327(alle)-327(in)-326(der)-327(Heimat)-327(erst)-327(wieder)-327(heimfinden.)-480(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-418(auch)-419(ganz)-418(nat\374rlich:)-587(der)-418(Star,)-461(der)-418(aus)-418(dem)-419(S\374den)-418(an)-418(den)]TJ 0 -13.55 Td [(heimischen)-268(Kasten)-268(kommt,)-272(pfeift)-268(auch)-268(nicht)-268(am)-268(ersten)-268(Tage.)-303(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\374ttelt)-250(in)-250(der)-250(entw\366hnten)-250(Luft)-250(erst)-250(sein)-250(Gefieder)-250(zurecht.)]TJ 137.588 -31.555 Td [(*)]TJ -125.632 -17.378 Td [(Die)-459(Mutter)-459(steht)-459(immer)-459(am)-459(Fenster)-459(und)-459(schaut)-459(nach)-459(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brieftr\344ger)-468(aus.)-905(Aber)-468(der)-468(Brief,)-522(auf)-469(den)-468(sie)-468(wartet,)-522(kommt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +127 0 obj << +/Type /Page +/Contents 128 0 R +/Resources 126 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +129 0 obj << +/D [127 0 R /XYZ 131.564 250.567 null] +>> endobj +126 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +133 0 obj << +/Length 920 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(6)-19114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nicht.)-244(Er)-233(k\366nnte)-233(l\344ngst)-233(da)-233(sein.)-244(Ich)-233(telegraphierte)-233(schon)-232(zweimal)]TJ 0 -13.549 Td [(heimlich)-250(nach)-250(Rio.)-250(Es)-250(kam)-250(aber)-250(keine)-250(Antwort.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Und)-209(die)-209(Mutter)-209(steht)-209(und)-210(wartet.)-236(Ich)-209(versuchte)-209(es)-209(mit)-209(der)-209(alten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ausrede,)-382(ein)-356(Brief)-355(k\366nne)-356(verlorengehen,)-382(zumal)-355(auf)-356(so)-355(langem)]TJ 0 -13.55 Td [(Wege.)-250(Aber)-250(die)-250(Mutter)-250(sch\374ttelte)-250(den)-250(Kopf)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einen)-250(solchen)-250(Brief)-250(w\374rde)-250(Gott)-250(beh\374ten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 178.756 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +132 0 obj << +/Type /Page +/Contents 133 0 R +/Resources 131 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +131 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +134 0 obj +<< /S /GoTo /D (index3) >> +endobj +137 0 obj +(Die feindlichen Staedte) +endobj +140 0 obj << +/Length 3381 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([12])]TJ/F16 18.9589 Tf -235.798 -69.409 Td [(Die)-267(feindlichen)-266(St\344dte)]TJ/F16 10.9091 Tf -55.226 -37.512 Td [(Ich)-376(mu\337)-376(versuchen,)-408(wieder)-376(lustiger)-377(zu)-376(sein.)-628(Herrgott,)-408(ich)-376(bin)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-318(ein)-318(junger)-318(Mensch,)-335(ich)-318(habe)-318(meine)-318(Aufgaben,)-335(und)-318(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Kraft)-245(darf)-244(nicht)-244(in)-245(sehns\374chtigem)-244(Suchen,)-246(am)-245(Trot)1(z)-245(des)-244(Bruders)]TJ 0 -13.55 Td [(zerschellen.)-243(Also)-227(will)-228(ich)-227(heute)-227(gar)-228(nichts)-227(von)-228(ihm)-227(aufschreiben,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-223(einmal)-224(die)-223(n\344rrische)-223(Geschichte)-224(von)-223(der)-223(Feindschaft)-223(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburger)-250(und)-250(der)-250(Neust\344dter)-250(zu)-250(erz\344hlen)-250(beginnen.)]TJ 11.956 -14.567 Td [(Waltersburg)-633(ist)-633(eine)-634(in)-633(einem)-633(wundersch\366nen)-633(Talkessel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gelegene)-516(Stadt)-516(von)-516(2967)-516(Einwohnern.)-1048(Solches)-516(besagte)-516(die)]TJ 0 -13.55 Td [(letzte)-325(Z\344hlung.)-474(Der)-325(Personenstand)-325(wies)-325(im)-325(letzten)-324(Jahrhundert)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-335(ziemlich)-336(dieselbe)-335(H\366he)-336(auf;)-378(auf)-335(runde)-335(3000)-336(kam)-335(er)-335(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(hinauf.)-307(Da)-268(machte)-269(unser)-269(B\374rgermeister,)-274(Herr)-269(Wilhelm)-268(Bunkert,)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-446(bedeutsame)-447(Stiftung:)-642(der)-447(dreitausendste)-446(Einwohner,)-495(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburg)-435(Anno)-435(1904)-435(geschenkt)-435(w\374rde,)-481(solle)-435(eine)-434(goldene)]TJ 0 -13.55 Td [(Uhr)-544(bekommen,)-617(Herrenuhr)-544(oder)-544(Damenuhr,)-617(je)-544(nachdem)-543(es)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-416(m\344nnliches)-416(oder)-416(ein)-416(weibliches)-416(Wesen)-416(betr\344fe,)-457(und)-416(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Ehrengabe)-492(wolle)-492(er,)-552(der)-492(B\374rgermeister,)-552(aus)-492(eigenen)-491(Mitteln)]TJ 0 -13.549 Td [(bestreiten.)-1226(Die)-576(Sache)-575(stand)-576(im)-575(Stadtblatt)-576(und)-575(wurde)-575(viel)]TJ 0 -13.549 Td [(bewundert.)-296(Im)-265(n\344chsten)-265(Jahre)-266(kamen)-265(viele)-265(Kinder)-265(zur)-266(Welt;)-272(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Z\344hlung)-269(wurde)-268(nicht)-269(blo\337)-269(vom)-268(Magistrat,)-274(sondern)-268(auch)-269(von)-268(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([13])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(B\374rgerschaft)-328(sehr)-328(eifrig)-328(betrieben,)-347(und)-328(da)-328(die)-327(Einwohnerschaft)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-425(2998)-425(stieg,)-469(entstand)-425(in)-425(der)-425(zweiten)-425(H\344lfte)-425(des)-425(Dezember)]TJ 0 -13.549 Td [(zwischen)-580(der)-581(Frau)-580(Schneidermeister)-581(Lembke)-580(und)-581(der)-580(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(Schuhmachermeister)-469(Abelt)-469(eine)-469(bittere)-469(Feindschaft,)-523(da)-469(beide)]TJ 0 -13.55 Td [(hofften,)-262(noch)-260(vor)-260(Ablauf)-260(des)-260(Jahres)-260(eines)-260(Kindleins)-259(zu)-260(genesen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Am)-296(30.)-297(Dezember)-296(gebar)-296(Frau)-297(Lembke)-296(eine)-296(Tochter.)-389(Ihr)-296(Mann,)]TJ 0 -13.549 Td [(anstatt)-341(sich)-341(des)-341(bl\374henden)-340(T\366chterchens)-341(zu)-341(freuen,)-364(ging)-341(in)-340(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +139 0 obj << +/Type /Page +/Contents 140 0 R +/Resources 138 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +72 0 obj << +/D [139 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +135 0 obj << +/D [139 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +141 0 obj << +/D [139 0 R /XYZ 185.657 160.986 null] +>> endobj +138 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +144 0 obj << +/Length 4842 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(8)-19114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Schenke)-189(und)-189(betrank)-189(sich)-189(vor)-189(\304rger,)-201(wie)-189(er)-189(sein)-189(Lebtag)-189(sich)-189(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(betrunken)-270(hatte.)-310(Dem)-270(Ehepaar)-270(Abelt)-270(aber)-270(klopfte)-270(das)-270(Herz.)-309(Am)]TJ 0 -13.549 Td [(Silvesternachmittag)-176(gebar)-176(die)-176(Frau)-176(einen)-176(Sohn,)-191(und)-176(der)-176(entz\374ckte)]TJ 0 -13.549 Td [(Vater)-214(st\374rzte)-214(nach)-215(dem)-214(Rathause)-214(und)-214(schrie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.686 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Der)-214(dreitausendste)]TJ -199.53 -13.55 Td [(Einwohner!)-956(Der)-485(dreitausendste)-486(Einwohner!)]TJ/F24 10.9091 Tf 202.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.139 0 Td [(Im)-485(Vorzimmer)]TJ -212.925 -13.549 Td [(des)-418(B\374rgermeisters)-418(aber)-418(begegnete)-418(dem)-418(Siegestrunkenen)-418(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(schwarze)-382(Gestalt.)-645(Es)-381(war)-382(die)-382(Frau)-381(des)-382(Webers)-382(Michalke,)-414(die)]TJ 0 -13.549 Td [(soeben)-367(den)-367(Tod)-367(ihres)-367(Mannes)-367(angemeldet)-367(hatte.)-601(Da)-367(waren)-366(es)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-334(nur)-334(2999.)-503(Der)-334(arme)-334(Schuster)-334(torkelte)-334(gegen)-334(die)-334(Wand,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-309(dumpf)-310(hallten)-309(die)-309(Silvesterglocken)-309(in)-310(die)-309(Nacht)-309(\374ber)-309(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-250(wenig)-250(vom)-250(Gl\374ck)-250(beg\374nstigte)-250(Stadt.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Der)-218(B\374rgermeister)-218(hielt)-218(sein)-218(Angebot)-218(auch)-218(f\374r)-218(das)-218(kommende)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Jahr)-544(aufrecht,)-617(und)-544(einige)-544(werdende)-544(M\374tter)-544(wiegten)-544(sich)-543(in)]TJ 0 -13.549 Td [(goldenen)-431(Hoffnungen.)-795(Aber)-431(der)-432(Tod)-431(hielt)-432(reichere)-431(Ernte)-431(als)]TJ 0 -13.549 Td [(sonst,)-390(auch)-362(zog)-361(der)-362(Barbier)-362(mit)-362(seiner)-362(siebenk\366pfigen)-361(Familie)]TJ 0 -13.55 Td [(nach)-608(Neustadt,)-697(und)-607(nun)-608(hielt)-608(der)-607(geizige)-608(erste)-607(Ratsmann,)]TJ 0 -13.549 Td [(B\344ckermeister)-170(Schiebulke,)-187(es)-170(f\374r)-171(den)-170(richtigen)-171(Zeitpunkt,)-186(sich)-170(als)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-256(G\366nner)-257(der)-256(Stadt)-257(zu)-256(bezeigen)-257(und)-256(auch)-257(seinerseits)-256(f\374r)-256(den)]TJ 0 -13.549 Td [(dreitausendsten)-354(Einwohner)-353(eine)-354(Pr\344mie)-353(auszusetzen,)-380(und)-353(zwar)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([14])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ein)-278(neues)-278(Fahrrad,)-285(je)-279(nachdem)-278(ein)-278(Herren-)-278(oder)-278(Damenrad.)-334(Die)]TJ 0 -13.55 Td [(Sache)-227(kam)-226(ins)-227(Stadtblatt,)-231(und)-227(die)-227(B\374rger)-227(lachten.)-242(Ob)-226(Schiebulke)]TJ 0 -13.549 Td [(vielleicht)-403(meine,)-441(ein)-403(neugeborenes)-403(Kind)-403(k\366nne)-402(radeln,)-441(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-570(Stifter)-571(befragt.)-1211(Ob)-571(die)-570(andern)-570(vielleicht)-571(meinten,)-650(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(neugeborenes)-353(Kind)-353(k\366nne)-353(von)-353(einer)-353(Uhr)-353(die)-353(Zeit)-353(ablesen,)-378(gab)]TJ 0 -13.549 Td [(Schiebulke)-398(giftig)-398(zur\374ck.)-694(Da)-398(setzte)-398(der)-398(Wirt)-398(vom)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.372 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Goldenen)]TJ -238.216 -13.55 Td [(L\366wen)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-390(der)-362(ein)-361(reicher)-362(Mann)-362(und)-362(ein)-362(wenig)-362(ruhms\374chtig)-361(ist,)]TJ -35.139 -13.549 Td [(einen)-250(erschrecklich)-250(hohen)-250(Trumpf)-250(auf:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Goldene)-296(Uhr)-295(und)-296(Fahrrad)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.886 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-307(sagte)-295(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.269 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sind)-295(gute)-296(Dinge.)-387(Nur)]TJ -186.642 -13.549 Td [(leider)-335(die)-335(Kinder)-335(wachsen)-336(langsam,)-356(und)-335(solche)-335(Dinge)-335(veralten)]TJ 0 -13.549 Td [(schnell.)-1119(Was)-540(allein)-539(nicht)-540(veraltet,)-612(ist)-540(das)-540(Geld.)-1119(Ich)-539(will)]TJ 0 -13.549 Td [(meiner)-383(Vaterstadt)-383(meine)-383(Liebe)-383(beweisen)-383(und)-383(lege)-383(5000)-382(Mark)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-308(die)-308(st\344dtische)-308(Sparkasse)-308(f\374r)-309(den)-308(dreitausendsten)-308(B\374rger,)-322(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburg)-459(in)-459(diesem)-459(Jahre)-459(erh\344lt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.933 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.852 0 Td [(So)-459(lautete)-459(die)-459(Stiftung,)]TJ -173.785 -13.549 Td [(die)-469(im)-469(Stadtblatt)-469(publiziert)-469(wurde)-469(und)-469(ungeheure)-469(Aufregung)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +143 0 obj << +/Type /Page +/Contents 144 0 R +/Resources 142 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +145 0 obj << +/D [143 0 R /XYZ 93.543 271.835 null] +>> endobj +142 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +148 0 obj << +/Length 3920 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(feindlichen)-250(St\344dte)-16281(9)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(hervorrief.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Und)-215(da)-214(kam)-215(das)-215(Unerwartete,)-222(wie)-214(in)-215(solchen)-215(F\344llen)-214(\374berhaupt)]TJ -11.956 -13.55 Td [(meist)-250(etwas)-250(Unerwartetes)-250(geschieht.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Die)-448(Einwohnerschaft)-447(von)-448(Waltersburg)-448(hatte)-447(die)-448(H\366he)-447(von)]TJ -11.956 -13.549 Td [(2993)-423(erreicht,)-466(als)-423(der)-422(vor)-423(kurzem)-423(nach)-423(Neustadt)-422(\374bersiedelte)]TJ 0 -13.55 Td [(Barbier)-174(Arthur)-173(Heilmann)-174(mit)-173(seiner)-174(Frau)-174(und)-173(seinen)-174(f\374nf)-173(Kindern)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-438(wieder)-437(in)-438(Waltersburg)-437(ansiedelte)-437(und)-438(gl\374ckstrahlend)-437(die)]TJ 0 -13.549 Td [(goldene)-431(Uhr,)-476(das)-431(Fahrrad)-431(und)-431(die)-431(f\374nftausend)-431(Mark)-431(f\374r)-431(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-359(Anspruch)-358(nahm,)-386(da)-359(mit)-359(seinem)-358(Zuzug)-359(die)-359(Zahl)-358(dreitausend)]TJ 0 -13.549 Td [(erreicht)-478(war.)-933(In)-477(Waltersburg)-478(brach)-477(eine)-478(Revolte)-478(aus.)-932(Man)]TJ 0 -13.55 Td [(wollte)-442(den)-442(frechen)-442(Barbier)-442(samt)-442(Weib)-442(und)-442(Kindern)-441(lynchen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([15])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Man)-463(schrie,)-517(das)-463(sei)-464(Betrug,)-516(das)-464(g\344lte)-463(nicht,)-517(das)-463(sei)-463(ja)-463(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(anders)-468(gemeint)-467(gewesen.)-904(Der)-467(Barbier,)-522(der)-468(zuvor)-468(bei)-467(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Rechtsanwalt)-385(in)-385(Neustadt)-386(gewesen)-385(war,)-419(bewahrte)-385(seine)-385(Ruhe,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-278(Amtsrichter)-278(Knopf,)-284(der)-278(angesehenste)-278(Jurist)-278(in)-277(Waltersburg,)]TJ 0 -13.55 Td [(erkl\344rte)-717(im)-717(Magistratskollegium,)-834(am)-717(Stammtisch)-717(und)-717(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-450(man)-449(es)-450(h\366ren)-449(wollte,)-500(unter)-449(Hinweis)-450(auf)-449(verschiedene)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesetzesparagraphen:)-565(es)-407(handle)-408(sich)-407(hier)-408(um)-407(eine)-407(\366ffentliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Auslobung,)-539(deren)-480(Inhalt)-481(durch)-481(den)-481(Barbier)-481(Heilmann)-480(erf\374llt)]TJ 0 -13.549 Td [(sei)-314(und)-313(dem)-314(daher)-313(unzweifelhaft)-314(die)-313(drei)-314(ausgesetzten)-313(Pr\344mien)]TJ 0 -13.55 Td [(zufielen.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Aller)-225(Ingrimm)-225(der)-224(Welt)-225(h\344tte)-225(an)-225(der)-225(Tatsache)-225(nichts)-224(ge\344ndert:)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Heilmann)-250(bekam)-250(die)-250(Preise.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(O)-174(ungl\374ckliches)-173(Waltersburg!)-225(In)-174(der)-173(Stadt)-174(war)-174(dumpfe)-173(Trauer,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zorn)-392(und)-392(Ha\337,)-392(und)-392(alle)-391(M\344nner)-392(gelobten,)-428(bei)-392(diesem)-391(Barbier)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(nie)-250(den)-250(Bart)-250(schaben)-250(oder)-250(die)-250(Haare)-250(schneiden)-250(zu)-250(lassen.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Darauf)-532(rechnete)-532(aber)-533(der)-532(abgefeimte)-532(Schaumschl\344ger)-532(gar)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht,)-533(sondern)-477(er)-476(zog)-477(schon)-477(nach)-476(Ablauf)-477(eines)-476(Vierteljahres)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-250(nach)-250(Neustadt)-250(zur\374ck)-250(und)-250(nahm)-250(die)-250(Preise)-250(mit.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Waltersburg)-290(z\344hlte)-289(nach)-290(diesem)-289(Abzug)-290(2993)-290(Bewohner.)-368(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Auslobungen)-258(wurden)-258(nicht)-259(erneuert.)-274(Das)-259(ist)-258(nun)-258(einer)-258(der)-258(F\344lle,)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-279(denen)-279(das)-279(feindselige)-279(Verh\344ltnis)-279(zwischen)-279(Waltersburg)-278(und)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(benachbarten)-250(Neustadt)-250(schon)-250(einigerma\337en)-250(erhellt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +147 0 obj << +/Type /Page +/Contents 148 0 R +/Resources 146 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +149 0 obj << +/D [147 0 R /XYZ 46.771 381.28 null] +>> endobj +146 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +152 0 obj << +/Length 4235 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(10)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 137.588 -30.759 Td [(*)]TJ/F16 7.9701 Tf -210.343 -3.181 Td [([16])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.125 Td [(Die)-156(Zeit)-155(meiner)-156(Abwesenheit)-156(hat)-155(an)-156(dem)-156(feindlichen)-155(Verhalten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-179(beiden)-179(St\344dte)-179(Waltersburg)-179(und)-179(Neustadt)-179(nichts)-179(ge\344ndert.)-226(Und)]TJ 0 -13.55 Td [(doch)-254(ist)-254(Neustadt)-255(eine)-254(Tochterstadt)-254(von)-254(Waltersburg,)-255(die)-254(beiden)]TJ 0 -13.549 Td [(Orte)-494(sind)-494(in)-493(der)-494(Luftlinie)-494(kaum)-494(drei)-494(Kilometer)-493(voneinander)]TJ 0 -13.549 Td [(entfernt)-660(und)-660(nur)-659(durch)-660(den)-660(m\344\337ig)-660(hohen)-659(Weihnachtsberg)]TJ 0 -13.549 Td [(getrennt.)-535(Nicht)-345(nur,)-369(da\337)-345(die)-345(beiderseitigen)-345(Gemeindekollegien)]TJ 0 -13.549 Td [(miteinander)-417(in)-418(Hader)-417(liegen)-418(und)-417(sich)-418(die)-417(zwei)-417(Stadtbl\344ttchen)]TJ 0 -13.55 Td [(st\344ndig)-349(befehden,)-373(der)-349(Ha\337)-349(gegen)-348(die)-349(Nachbarstadt)-349(bringt)-348(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-303(heute)-302(die)-303(K\366pfe)-302(der)-302(Waltersburger)-303(Stammtischphilister)-302(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Gluthitze)-250(und)-250(\374bertr\344gt)-250(sich)-250(sogar)-250(auf)-250(die)-250(Frauen)-250(und)-250(Kinder.)]TJ 11.956 -14.125 Td [(Bis)-607(in)-607(die)-606(siebziger)-607(Jahre)-607(des)-607(vorigen)-607(Jahrhunderts)-606(hat)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sich)-835(Waltersburg)-835(eines)-835(geradezu)-835(paradiesischen)-835(Friedens)]TJ 0 -13.549 Td [(erfreut.)-1738(Die)-747(Hussiten)-746(sind)-746(an)-746(ihm)-746(vorbeigezogen,)-870(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Horden)-674(des)-673(Drei\337igj\344hrigen)-674(Krieges)-673(haben)-674(vergessen,)-779(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadt)-504(auszupl\374ndern,)-567(so)-503(da\337)-504(Waltersburg)-503(mit)-504(seinen)-503(damals)]TJ 0 -13.549 Td [(2000)-549(Bewohnern)-549(nach)-548(dem)-549(Westf\344lischen)-549(Frieden)-549(eine)-548(der)]TJ 0 -13.55 Td [(volkreichsten)-336(St\344dte)-336(Deutschlands)-336(war,)-358(ein)-336(Umstand,)-357(\374ber)-336(den)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-406(der)-405(Stadtchronik)-406(des)-406(weiten)-405(und)-406(breiten)-405(geredet)-406(wird;)-483(von)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-452(Fritzeschen)-453(Regimentern)-452(hat)-452(nur)-453(eines)-452(einmal)-452(drei)-452(Tage)]TJ 0 -13.549 Td [(lang)-485(in)-485(Waltersburg)-485(Station)-484(gemacht,)-544(was)-485(den)-485(Stoff)-485(f\374r)-484(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(weiteres)-288(Viertel)-288(der)-288(Chronik)-288(bildet,)-297(und)-288(auch)-288(die)-288(Siegerscharen)]TJ 0 -13.55 Td [(Napoleons)-420(haben)-419(keine)-420(besondere)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.879 0 Td [(\036)]TJ/F19 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(gloire)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.062 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.422 0 Td [(darin)-420(erblickt,)-462(die)]TJ -199.206 -13.549 Td [(Stadtmauern)-359(von)-359(Waltersburg)-359(zu)-360(berennen.)-577(So)-359(war)-359(das)-359(wei\337e)]TJ 0 -13.549 Td [(Lamm)-390(in)-390(gr\374nem)-390(Felde)-390(ein)-390(sehr)-390(angebrachtes)-390(Wappentier)-389(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-341(friedfertige)-341(Stadt,)-364(und)-341(es)-341(geh\366rte)-341(schon)-341(die)-340(ganze)-341(boshafte)]TJ 0 -13.549 Td [(Niedertracht)-448(der)-447(Neust\344dter)-448(dazu,)-497(zu)-448(behaupten,)-497(weiland)-447(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([17])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(geistvolle)-432(Hohenstaufe)-432(Friedrich)-432(II.)-432(h\344tte)-432(den)-431(Waltersburgern)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-242(Lamm)-243(f\374r)-242(ihr)-242(Stadtwappen)-242(nur)-243(darum)-242(verliehen,)-244(weil)-242(er)-242(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(ureigent\374mliche)-179(und)-179(unausrottbare)-179(Schafk\366pfigkeit)-179(wohl)-179(erkannt)]TJ 0 -13.549 Td [(habe.)]TJ 11.956 -14.125 Td [(Solch)-698(grobe)-698(Beleidigung)-698(strafen)-698(die)-698(Waltersburger)-697(mit)]TJ -11.956 -13.55 Td [(eiskalter)-175(Verachtung;)-200(dagegen)-175(erhitzen)-175(sie)-175(sich)-175(noch)-175(heute)-175(sofort,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(die)-250(Rede)-250(einmal)-250(auf)-250(den)-250(Bahnbau)-250(kommt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +151 0 obj << +/Type /Page +/Contents 152 0 R +/Resources 150 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 130 0 R +>> endobj +153 0 obj << +/D [151 0 R /XYZ 93.543 514.994 null] +>> endobj +154 0 obj << +/D [151 0 R /XYZ 223.907 161.563 null] +>> endobj +150 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +157 0 obj << +/Length 5038 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(feindlichen)-250(St\344dte)-15781(11)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Als)-586(nach)-586(dem)-586(siebziger)-586(Kriege)-586(sich)-586(in)-586(Deutschland)-586(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eisenbahnen)-477(mehrten)-478(wie)-477(nach)-477(einem)-478(fruchtbaren)-477(Regen)-477(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Garten)-419(die)-420(W\374rmer,)-461(hatte)-419(die)-420(Regierung)-419(dem)-419(Rat)-419(angeboten,)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-263(neue)-263(Hauptstrecke)-263(\374ber)-263(Waltersburg)-263(zu)-263(f\374hren,)-266(ja)-263(die)-263(Stadt)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-282(einem)-282(Eisenbahnknotenpunkt)-283(zu)-282(machen.)-346(Dieses)-282(Anerbieten)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-315(die)-314(B\374rgerschaft)-315(in)-315(die)-314(allerschwerste)-315(Sorge)-315(gest\374rzt.)-443(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sandten)-337(zum)-337(Kaiser)-337(nach)-337(Berlin)-337(eine)-337(Deputation)-337(mit)-337(der)-337(Bitte,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-269(Landesvater)-269(m\366ge)-269(das)-269(schwere)-269(Unheil,)-274(das)-269(den)-269(Fri)1(eden)-269(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-420(Ruhe)-419(der)-420(treuen)-419(Stadt)-420(Waltersburg)-419(bedrohe,)-462(allergn\344digst)]TJ 0 -13.55 Td [(abwenden.)-234(Die)-202(Deputation)-202(wurde)-201(zwar)-202(nicht)-202(empfangen,)-211(brachte)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-225(in)-225(aller)-225(Stille)-224(ein)-225(kr\344ftiges)-225(Wort)-225(mit)-225(heim,)-230(das)-225(ein)-224(Geheimer)]TJ 0 -13.549 Td [(Rat)-381(im)-381(Eisenbahnministerium)-380(gesprochen)-381(hatte,)-414(und)-381(das)-380(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(viel)-406(schmeichelhafter)-406(klang)-405(als)-406(die)-406(Neust\344dter)-406(Auslegung)-405(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburger)-250(Wappentieres.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Die)-317(Hauptsache)-318(war:)-385(die)-317(Bahn)-317(kam)-318(nicht)-317(nach)-317(Waltersburg.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sie)-274(wurde)-274(jenseits)-274(des)-274(Weihnachtsberges,)-280(etwa)-274(sechs)-274(Kilometer)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-327(der)-326(Stadt)-327(entfernt,)-346(vorbeigef\374hrt.)-480(Daselbst)-326(wurde)-327(auch)-326(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337er)-323(Bahnhof)-323(angelegt,)-341(da)-322(sich)-323(in)-323(der)-323(Tat)-323(die)-322(Notwendigkeit)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([18])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(herausgestellt)-389(hatte,)-424(an)-389(diesem)-389(Orte)-389(einen)-389(Kreuzungspunkt)-388(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(errichten,)-430(und)-394(die)-394(Station)-394(f\374hrte,)-430(da)-394(sie)-394(doch)-394(benannt)-394(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337te,)-250(den)-250(Namen)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.44 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Waltersburg-Neustadt)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.338 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ -179.51 -13.549 Td [(Die)-965(Waltersburger)-964(lachten.)-2394(Sie)-964(hatten)-965(jetzt)-964(eine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eisenbahnstation,)-176(aber)-156(diese)-157(Station)-157(konnte)-157(ihnen)-157(nichts)-156(anhaben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sp\344ter)-353(hat)-352(ein)-353(Dichter)-353(in)-353(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.756 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-353(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.692 0 Td [(ein)-353(Poem)]TJ -238.601 -13.55 Td [(ver\366ffentlicht,)-250(in)-250(dem)-250(es)-250(hie\337:)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.91 -18.458 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.025 0 Td [(D)-200(i)-200(e)-751(W)-200(a)-200(l)-200(t)-200(e)-200(r)-200(s)-200(b)-200(u)-200(r)-200(g)-200(e)-200(r)-200(,)-752(d)-200(i)-200(e)-752(s)-200(i)-200(n)-200(d)-751(g)-200(a)-200(r)-751(p)-200(f)-200(i)-200(f)-200(f)-200(i)-200(g)-200(e)]TJ 58.429 -13.549 Td [(L)-200(e)-200(u)-200(t)-200(,)]TJ -65.454 -13.55 Td [(S)-200(i)-200(e)-787(s)-200(i)-200(n)-200(d)-787(n)-200(i)-200(c)-200(h)-200(t)-786(n)-200(u)-200(r)-787(p)-200(f)-200(i)-200(f)-200(f)-200(i)-200(g)-200(,)-796(s)-200(i)-200(e)-787(s)-200(i)-200(n)-200(d)]TJ 65.454 -13.549 Td [(g)-200(r)-200(u)-200(n)-200(d)-200(g)-200(e)-200(s)-200(c)-200(h)-200(e)-200(u)-200(t)-200(,)]TJ -65.454 -13.549 Td [(S)-200(i)-200(e)-757(h)-200(a)-200(b)-200(e)-200(n)-757(e)-200(i)-200(n)-200(e)-756(B)-200(a)-200(h)-200(n)-200(,)-759(d)-200(i)-200(e)-757(w)-200(o)-200(a)-200(n)-200(d)-200(e)-200(r)-200(s)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.612 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.814 0 Td [(r)-200(u)-200(m)]TJ -176.972 -13.549 Td [(g)-200(e)-200(h)-200(t)-200(,)]TJ -65.454 -13.549 Td [(S)-200(i)-200(e)-787(h)-200(a)-200(m)-787(e)-200(i)-200(n)-200(e)-200(n)-788(G)-200(e)-200(l)-200(d)-200(s)-200(c)-200(h)-200(r)-200(a)-200(n)-200(k)-200(,)-796(d)-200(e)-200(r)-787(i)-200(m)]TJ 65.454 -13.55 Td [(N)-200(a)-200(c)-200(h)-200(b)-200(a)-200(r)-200(h)-200(a)-200(u)-200(s)-750(s)-200(t)-200(e)-200(h)-200(t)-200(;)]TJ -65.454 -13.549 Td [(S)-200(i)-200(e)-671(f)-200(\374)-200(t)-200(t)-200(e)-200(r)-200(n)-672(d)-200(e)-200(r)-671(H)-200(a)-200(s)-200(e)-200(n)-671(u)-200(n)-200(d)-672(R)-200(e)-200(h)-200(e)-671(w)-200(o)-200(h)-200(l)-671(v)-200(i)-200(e)-200(l)-200(,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +156 0 obj << +/Type /Page +/Contents 157 0 R +/Resources 155 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +158 0 obj << +/D [156 0 R /XYZ 177.085 287.839 null] +>> endobj +155 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +162 0 obj << +/Length 5166 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(12)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 10.909 -30.759 Td [(D)-200(o)-200(c)-200(h)-760(t)-200(r)-200(e)-200(i)-200(b)-200(e)-200(n)-760(s)-200(i)-200(e)-761(a)-200(l)-200(l)-200(e)-760(d)-200(e)-200(m)-760(N)-200(a)-200(c)-200(h)-200(b)-200(a)-200(r)-760(v)-200(o)-200(r)-200(s)]TJ 65.455 -13.549 Td [(Z)-200(i)-200(e)-200(l)-200(;)]TJ -65.455 -13.549 Td [(S)-200(i)-200(e)-767(s)-200(p)-200(e)-200(r)-200(r)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.391 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.814 0 Td [(n)-767(i)-200(h)-200(r)-200(e)-200(n)-767(F)-200(l)-200(u)-200(\337)-200(,)-767(d)-200(a)-200(\337)-768(k)-200(e)-200(i)-200(n)-767(F)-200(i)-200(s)-200(c)-200(h)]TJ 0.25 -13.549 Td [(h)-200(i)-200(n)-200(e)-200(i)-200(n)-200(s)-200(c)-200(h)-200(w)-200(i)-200(m)-200(m)-200(t)]TJ -65.455 -13.55 Td [(U)-200(n)-200(d)-765(z)-200(u)-200(v)-200(i)-200(e)-200(l)-765(v)-200(o)-200(n)-765(d)-200(e)-200(m)-765(s)-200(e)-200(h)-200(r)-765(g)-200(u)-200(t)-200(e)-200(n)-765(W)-200(a)-200(s)-200(s)-200(e)-200(r)]TJ 65.455 -13.549 Td [(w)-200(e)-200(g)-200(n)-200(i)-200(m)-200(m)-200(t)-200(;)]TJ -65.455 -13.549 Td [(U)-200(n)-200(d)-750(w)-200(\344)-200(r)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.229 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.815 0 Td [(m)-200(a)-200(l)-750(e)-200(i)-200(n)-750(M)-200(\344)-200(d)-200(e)-200(r)-200(l)-200(e)-750(g)-200(e)-200(r)-200(n)-200(e)-750(g)-200(e)-200(k)-200(\374)-200(\337)-200(t)-200(,)]TJ -66.044 -13.549 Td [(D)-200(a)-752(w)-200(a)-200(r)-200(t)-200(e)-200(t)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.461 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.814 0 Td [(s)-200(,)-753(b)-200(i)-200(s)-752(a)-200(u)-200(s)-200(w)-200(\344)-200(r)-200(t)-200(s)-752(e)-200(i)-200(n)-753(K)-200(i)-200(r)-200(m)-199(e)-200(s)-200(t)-200(a)-200(n)-200(z)]TJ -3.82 -13.549 Td [(i)-200(s)-200(t)-200(.)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.763 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -170.883 -5.008 Td [([19])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -13.451 Td [(F\374r)-188(dieses)-187(Gedicht)-188(hat)-188(sein)-188(Verfasser)-187(von)-188(den)-188(Neust\344dtern)-187(viel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lob)-295(und)-295(von)-294(den)-295(Waltersburgern)-295(gelegentlich)-295(recht)-294(ordentliche)]TJ 0 -13.55 Td [(Pr\374gel)-250(geerntet.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Neustadt)-374(verdankte)-374(seine)-374(Gr\374ndung)-374(einem)-374(trutzigen)-374(B\374rger)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-551(Waltersburg,)-626(dem)-550(Baumeister)-551(August)-551(Bunkert,)-626(der)-550(als)]TJ 0 -13.549 Td [(einziger)-248(in)-248(der)-248(ganzen)-248(Stadt)-248(Waltersburg)-248(Tag)-248(und)-248(Nacht)-247(geredet)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte,)-488(die)-440(so)-440(g\374nstige)-441(Gelegenheit,)-488(einen)-440(gro\337en)-440(Bahnhof)-440(an)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-599(Stadt)-598(zu)-599(bekommen,)-685(nicht)-599(zu)-599(verpassen.)-1295(Als)-599(er)-598(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-412(Ideen)-412(nicht)-412(durchdrang,)-452(im)-412(Gegenteil)-412(viel)-411(Anfeindung)]TJ 0 -13.549 Td [(erfuhr,)-571(die)-506(bis)-507(zu)-507(pers\366nlichen)-506(Feindschaften)-507(ausartete,)-570(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-230(insonderheit)-230(mit)-231(seinem)-230(einzigen)-230(Bruder,)-234(Wilhelm)-230(Bunkert,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-340(jetzt)-341(B\374rgermeister)-340(von)-340(Waltersburg)-340(ist)-341(und)-340(damals)-340(zu)-340(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Berliner)-373(Deputation)-374(geh\366rte,)-404(in)-373(bitterem)-373(Hader)-373(entzweite,)-404(zog)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-208(Baurat)-208(aus)-208(dem)-207(Hause)-208(seiner)-208(V\344ter)-208(aus)-208(und)-208(baute)-208(jenseits)-207(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Berges)-353(dicht)-353(neben)-353(den)-352(neuen)-353(Bahnhof)-353(ein)-353(gro\337es)-353(Hotel,)-378(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-276(den)-276(Namen)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.772 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Zur)-276(guten)-276(Hoffnung)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.432 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.856 0 Td [(gab.)-328(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.828 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(gute)-276(Hoffnung)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.212 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(erwies)-261(sich)-262(zun\344chst)-261(als)-261(schlecht;)-267(denn)-261(da)-262(das)-261(Hotel)-261(auf)-261(blo\337em)]TJ 0 -13.549 Td [(Felde)-408(stand,)-447(alle)-408(Eisenbahnpassagiere)-408(aber)-408(fanden,)-447(da\337)-408(sie)-407(in)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-287(menschenleeren)-287(Wald-)-287(und)-287(Wiesengegend)-287(nichts)-287(zu)-287(suchen)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tten)-465(und)-466(darum)-465(immer)-466(schleuni)1(gst)-466(weiterfuhren,)-519(stand)-465(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Hotel)-230(Jahr)-230(und)-229(Tag)-230(leer,)-234(die)-230(wenigen)-230(Bahnbeamten)-229(abgerechnet,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-353(am)-352(Abend)-353(ihr)-353(Sch\366pplein)-352(tranken,)-379(und)-352(an)-353(August)-352(Bunkert)]TJ 0 -13.549 Td [(kroch)-445(langsam)-446(die)-445(Pleite)-445(heran.)-836(Die)-445(Waltersburger)-445(meinten,)]TJ 0 -13.55 Td [(da\337)-547(der)-548(neuerungss\374chtige)-547(Trotzkopf)-548(dieses)-547(Schicksal)-547(wohl)]TJ 0 -13.549 Td [(verdient)-529(habe,)-598(aber)-529(zu)-529(ihrer)-529(Ehre)-529(mu\337)-528(gesagt)-529(werden,)-598(da\337)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +161 0 obj << +/Type /Page +/Contents 162 0 R +/Resources 160 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +163 0 obj << +/D [161 0 R /XYZ 93.543 404.774 null] +>> endobj +160 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +166 0 obj << +/Length 4280 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(feindlichen)-250(St\344dte)-15781(13)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Bunkert)-262(vielen)-262(leid)-261(tat)-262(und)-262(da\337)-261(man)-262(dem)-262(verlorenen)-262(Sohne)-261(gern)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([20])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(verziehen)-329(und)-329(ihm)-330(auf)-329(die)-329(eine)-329(oder)-330(andere)-329(Art)-329(wieder)-329(auf)-329(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Beine)-403(geholfen)-402(h\344tte,)-441(wenn)-402(es)-403(dem)-402(Ausrei\337er)-403(nur)-402(eingefallen)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344re,)-465(zur\374ckzukommen,)-466(seinen)-422(Irrtum)-422(einzugestehen)-422(und)-422(die)]TJ 0 -13.55 Td [(vorsichtige)-389(Art)-389(der)-389(Waltersburger)-389(zu)-389(loben,)-424(die)-389(er)-389(ehedem)-389(so)]TJ 0 -13.549 Td [(heftig)-516(angegriffen)-517(hatte.)-1048(August)-517(Bunkert)-516(aber)-516(dachte)-516(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(daran,)-613(den)-540(Reuigen)-540(zu)-541(spielen,)-612(und)-541(auf)-540(einen)-540(Brief)-540(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(b\374rgermeisterlichen)-455(Bruders,)-506(worin)-455(dieser)-455(fragte,)-506(ob)-455(er)-454(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-355(den)-355(Rest)-355(seines)-355(sch\366nen)-355(v\344terlichen)-355(Erbes)-355(noch)-355(vollends)]TJ 0 -13.55 Td [(verschleudern)-565(wolle,)-644(gab)-566(er)-565(keine)-565(Antwort.)-1196(Da)-565(wurde)-565(er)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-400(Schicksal)-400(\374berlassen.)-700(Dieses)-400(Schicksal)-400(gestaltete)-400(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(g\374nstig.)-939(Die)-479(gro\337e)-480(Bahnhofswirtschaft,)-536(die)-480(August)-479(Bunkert)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bertragen)-336(wurde,)-357(hielt)-336(ihn)-336(zun\344chst)-336(\374ber)-336(Wasser,)-358(und)-335(endlich)]TJ 0 -13.549 Td [(gelang)-498(ihm)-498(der)-498(gro\337e)-498(Schlag.)-994(Er)-498(brachte)-498(eine)-498(Gesellschaft)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-631(bedeutenden)-631(Geldleuten)-630(der)-631(Gro\337stadt)-631(zusammen)-630(und)]TJ 0 -13.549 Td [(kaufte)-409(als)-410(deren)-409(Funktion\344r)-409(oder)-410(Generaldirektor,)-449(wie)-409(er)-409(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(lieber)-303(nannte,)-317(alles)-303(Waltersburger)-304(Gel\344nde)-303(auf,)-317(das)-303(jenseits)-303(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsberges)-474(gelegen)-473(war.)-921(Die)-474(Waltersburger)-473(schlugen)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-448(H\344nde)-448(\374ber)-448(den)-449(K\366pfen)-448(zusammen.)-844(Hundert)-448(Taler)-448(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-445(orts\374blichen)-445(Preis)-446(hinaus)-445(gab)-445(Bunkert)-445(f\374r)-445(jeden)-445(Morgen)]TJ 0 -13.549 Td [(Feld-,)-410(Wald-)-379(oder)-378(Wiesenland,)-410(und)-379(die)-378(Besitzer)-378(beeilten)-378(sich,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-418(entlegenen)-418(L\344ndereien)-418(unter)-418(so)-418(gl\344nzenden)-418(Bedingungen)]TJ 0 -13.549 Td [(loszuwerden.)-1305(Innerhalb)-602(von)-602(eineinhalb)-601(Jahren)-602(besa\337)-601(kein)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburger)-250(mehr)-250(jenseits)-250(des)-250(Berges)-250(auch)-250(nur)-250(einen)-250(Halm.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Die)-519(ganz)-519(Gewissenhaften)-520(aber)-519(sch\374ttelten)-519(die)-519(K\366pfe)-519(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sagten:)-264(Dieser)-257(Bunkert)-257(lockt)-257(seinen)-257(Auftraggebern)-257(das)-257(Geld)-257(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-419(Tasche;)-503(er)-418(ist)-419(ein)-418(Hochstapler,)-461(und)-419(man)-418(sollte)-419(doch)-418(sehr)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([21])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(\374berlegen,)-390(ob)-363(man)-362(den)-362(unangebrachten)-363(Preis)-362(annehmen)-362(d\374rfe,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-489(die)-488(neuen)-489(Besitzer)-488(aus)-488(dem)-489(Wald-)-488(und)-489(Wiesenland)-488(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-288(nimmer)-288(herauswirtschaften)-288(k\366nnten.)-364(Doch)-288(auch)-288(diese)-287(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(Gewissenhaften)-250(beruhigten)-250(sich)-250(und)-250(nahmen)-250(das)-250(Geld.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(O)-544(du)-545(gro\337m\344chtige)-544(Verwundernis!)-1134(In)-544(dem)-544(prachtvollen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Hochwald,)-1384(den)-1157(August)-1157(Bunkert)-1157(erworben,)-1383(an)-1157(den)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\374nen)-640(Wiesen,)-738(am)-640(Flu\337ufer,)-737(den)-640(Weihnachtsberg)-640(hinauf,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +165 0 obj << +/Type /Page +/Contents 166 0 R +/Resources 164 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +167 0 obj << +/D [165 0 R /XYZ 277.888 518.175 null] +>> endobj +168 0 obj << +/D [165 0 R /XYZ 231.895 163.441 null] +>> endobj +164 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +171 0 obj << +/Length 4532 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(14)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(entstand)-978(ein)-978(schmuckes)-978(Landhaus)-978(nach)-978(dem)-978(anderen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Einfamilienh\344user,)-1271(Sommerwohnungen,)-1270(Bader\344ume,)-1270(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurhaus,)-821(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.527 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wandelhalle)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.554 0 Td [(bauten)-707(sich)-706(auf,)-821(ein)-707(Basar)]TJ -147.059 -13.549 Td [(f\374r)-1038(Lebensmittel,)-1234(ein)-1038(anderer)-1038(f\374r)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.924 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bekleidungs-)-1038(und)]TJ -194.768 -13.55 Td [(Gebrauchsgegenst\344nde)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.571 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.287 0 Td [(wurde)-591(errichtet,)-675(Hunderte)-591(und)-591(aber)]TJ -111.858 -13.549 Td [(Hunderte)-304(von)-304(Arbeitern)-303(waren)-304(das)-304(ganze)-303(Jahr)-304(besch\344ftigt.)-411(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-235(H\344user)-236(baute)-235(der)-236(Baumeister)-235(August)-235(Bunkert)-236(und)-235(wurde)-235(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(schwerreicher)-250(Mann.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Noch)-155(staunten)-155(die)-156(Waltersburger,)-174(noch)-155(lachten)-155(einige)-155(sp\366ttisch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-313(ver\344chtlich,)-328(aber)-312(manch)-313(einer)-312(schwieg)-313(schon)-312(nachdenklich)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-588(dachte)-588(bei)-588(sich:)-927(Was)-588(tut)-588(sich?)-1264(Da)-588(erschien)-588(in)-588(den)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337en)-561(hauptst\344dtischen)-562(Bl\344ttern)-561(ein)-562(Inserat:)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.23 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Waltersburg-)]TJ -223.074 -13.549 Td [(Neustadt,)-567(entz\374ckend)-504(am)-504(S\374dabhange)-504(des)-504(450)-504(Meter)-503(hohen)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsberges)-405(gelegen,)-443(mitten)-405(in)-405(prachtvollem)-404(Hochwald,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-564(gr\374nes)-564(Wiesen-)-564(und)-564(Flu\337land)-563(gebettet,)-643(ein)-564(Paradies)-563(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Gesundheit)-611(und)-611(des)-611(Naturgenusses,)-701(bei)-611(vorl\344ufig)-611(nur)-611(f\374nf)]TJ 0 -13.549 Td [(Mark)-430(pro)-429(Quadratmeter)-430(Bauland)-430(\050Anzahlung)-429(von)-430(3000)-429(Mark)]TJ 0 -13.549 Td [(an\051)-399(f\374r)-399(alle,)-436(die)-398(sich)-399(ein)-399(Eigenheim)-399(gr\374nden)-399(wollen,)-436(eine)-398(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(wiederkehrende)-366(Gelegenheit.)-597(Nur)-365(f\374nfviertel)-366(Stunden)-366(von)-365(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauptstadt)-313(entfernt.)-440(Gro\337er)-314(Eisenbahnknotenpunkt.)-439(Haltestelle)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([22])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(aller)-636(Schnellz\374ge.)-1409(T\344glich)-636(zw\366lfmal)-636(Verbindung)-636(mit)-636(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauptstadt.)-848(Anfragen)-450(an)-449(Generaldirektor)-450(Baumeister)-449(August)]TJ 0 -13.549 Td [(Bunkert)-250(in)-250(Neustadt)-250(erbeten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.433 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -113.477 -16.004 Td [(Die)-360(Proklamation)-360(des)-361(Deutschen)-360(Reiches)-360(kann)-360(seinerzeit)-360(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Berlin)-445(keinen)-446(so)-445(gro\337en)-445(Eindruck)-446(gemacht)-445(haben)-445(wie)-445(dieses)]TJ 0 -13.549 Td [(Inserat)-186(in)-186(Waltersburg.)-228(Die)-186(Leute)-186(lachten,)-199(wimmerten,)-198(fuchtelten)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-292(den)-292(Armen)-292(und)-293(waren)-292(voll)-292(neidischer)-292(Beklommenheit.)-376(Am)]TJ 0 -13.55 Td [(Abend)-397(sa\337)-396(ein)-397(ganzer)-396(Stammtisch)-397(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 175.029 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Goldenen)-397(L\366wen)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.036 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.169 0 Td [(mit)]TJ -266.077 -13.549 Td [(der)-288(Kreide)-288(vor)-289(der)-288(Schiefertafel)-288(und)-288(wollte)-289(ausrechnen,)-297(wieviel)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-311(Morgen)-311(Land)-311(koste,)-326(wenn)-311(das)-311(Quadratmeter)-311(auf)-311(f\374nf)-311(Mark)]TJ 0 -13.549 Td [(komme.)-740(Niemand)-413(kriegte)-413(es)-414(heraus,)-454(und)-413(alle)-413(schimpften)-413(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-344(neumodische)-345(Rechnungsart.)-533(Selbst)-345(den)-344(Amtsrichter)-344(Knopf)]TJ 0 -13.55 Td [(verlie\337)-319(seine)-319(akademische)-319(Bildung;)-354(er)-319(knurrte,)-337(er)-319(habe)-319(ja)-319(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(Mathematik)-522(studiert,)-590(und)-522(solche)-522(Aufgaben)-522(k\366nne)-522(\374berhaupt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +170 0 obj << +/Type /Page +/Contents 171 0 R +/Resources 169 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +172 0 obj << +/D [170 0 R /XYZ 219.996 258.286 null] +>> endobj +169 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +175 0 obj << +/Length 4793 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(feindlichen)-250(St\344dte)-15781(15)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(immer)-400(nur)-400(ein)-401(Volksschullehrer)-400(herauskriegen.)-700(Also)-400(schickte)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-250(nach)-250(dem)-250(Lehrer)-250(Herder,)-250(und)-250(der)-250(erkl\344rte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-328(Morgen)-328(altes)-327(Ma\337)-328(ist)-328(ungef\344hr)-328(ein)-327(Viertel)-328(Hektar.)-484(Ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Hektar)-458(hat)-459(10)-458(000)-458(Quadratmeter;)-563(ein)-458(Viertel)-459(Hektar)-458(ist)-458(also)]TJ 0 -13.55 Td [(2500)-230(Quadratmeter)-229(gro\337.)-230(Kostet)-230(ein)-229(Quadratmeter)-230(f\374nf)-230(Mark,)-233(so)]TJ 0 -13.549 Td [(kostet)-250(ein)-250(Morgen)-250(2500)-250(mal)-250(soviel,)-250(also)-250(12)-250(500)-250(Mark.)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -224.695 -15.395 Td [(Als)-384(der)-384(Lehrer)-384(Herder)-384(dieses)-385(Resultat)-384(nannte,)-417(schlugen)-384(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zehn)-436(M\344nner,)-482(die)-436(noch)-436(mit)-435(am)-436(Tische)-436(sa\337en,)-482(heftig)-436(mit)-435(den)]TJ 0 -13.549 Td [(F\344usten)-557(auf)-557(den)-557(Tisch,)-634(und)-557(zwar)-557(alle)-557(wie)-557(auf)-557(Kommando)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-482(einem)-482(Hieb.)-945(Man)-482(schrie)-482(den)-482(Lehrer)-482(an,)-540(er)-482(m\374sse)-481(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(t\344uschen.)-244(Der)-232(aber)-232(sa\337)-231(mit)-232(der)-232(W\374rde)-232(eines)-231(Mannes,)-236(der)-232(von)-231(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([23])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Unverletzlichkeit)-325(und)-325(Beweiskraft)-325(der)-324(Zahl)-325(\374berzeugt)-325(ist.)-474(Sein)]TJ 0 -13.549 Td [(ganzes)-250(Wesen)-250(sagte:)-250(meine)-250(Rechnung)-250(stimmt.)]TJ 11.956 -15.395 Td [(Da)-196(wurde)-197(zun\344chst)-196(eine)-196(gro\337e)-197(Stille.)-232(Dann)-196(sagte)-196(einer:)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.78 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)]TJ -254.579 -13.549 Td [(das)-265(wahr)-265(ist,)-268(sind)-265(die)-265(Kerle)-265(gro\337e)-265(Gauner;)-272(1000)-265(Mark)-265(haben)-264(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-250(den)-250(Morgen)-250(gegeben,)-250(12)-250(000)-250(Mark)-250(verlangen)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.669 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.713 -15.395 Td [(Schweigen.)-498(Nach)-333(f\374nf)-333(Minuten)-332(griff)-333(Amtsrichter)-333(Knopf)-332(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(letztgenannten)-250(Ziffern)-250(auf)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(arbeiten)-250(mit)-250(elf)-250(Prozent.)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.105 0 Td [(\034)]TJ -126.948 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Elf)-541(Prozent)-541(gibt)-540(ja)-541(das)-541(Gesetz)-541(nicht)-540(zu)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-613(bemerkte)-541(der)]TJ -210.788 -13.549 Td [(Erbscholtiseibesitzer)-723(Hirsemann)-723(mit)-723(einem)-723(Blick)-723(auf)-723(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Amtsrichter.)]TJ 11.956 -15.395 Td [(Der)-266(sch\374ttelte)-265(den)-266(Kopf,)-270(was)-266(in)-265(diesem)-266(Falle)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.476 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 7.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.743 0 Td [(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.262 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(hei\337en)-367(konnte.)-602(Da)-367(ergriff)-367(der)-368(Lehrer)-367(Herder)-367(wieder)-367(das)-367(Wort)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Entschuldigen)-344(die)-343(Herren,)-367(wenn)-343(man)-344(mit)-344(1000)-343(Mark)-344(kauft)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-396(mit)-396(12)-396(000)-396(Mark)-396(verkauft,)-433(so)-396(sind)-396(das)-396(nicht)-396(elf)-396(Prozent,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-250(elfhundert)-250(Prozent)-250(Gewinn.)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -146.193 -15.395 Td [(Sie)-577(starrten)-577(ihn)-577(alle)-578(an)-577(wie)-577(leblos.)-1231(Nur)-577(B\344ckermeister)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schiebulke,)-229(der)-223(gerade)-224(trank,)-228(verschluckte)-224(sich.)-241(Der)-223(Amtsrichter)]TJ 0 -13.55 Td [(geriet)-285(ins)-286(Gr\374beln.)-356(Seine)-285(Seele)-286(wanderte)-285(zur\374ck)-285(bis)-286(etwa)-285(in)-285(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Tertianerzeit,)-250(und)-250(dann)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(nat\374rlich,)-250(es)-250(sind)-250(nicht)-250(elf,)-250(sondern)-250(1100)-250(Prozent.)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.88 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +174 0 obj << +/Type /Page +/Contents 175 0 R +/Resources 173 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +176 0 obj << +/D [174 0 R /XYZ 213.338 378.991 null] +>> endobj +173 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +179 0 obj << +/Length 5878 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(16)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Da)-264(hoben)-264(sich)-264(die)-264(F\344uste,)-268(um)-264(auf)-264(den)-264(Tisch)-264(zu)-264(donnern,)-267(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(diese)-283(\334berraschung)-283(war)-284(zu)-283(gro\337)-283(und)-283(schwer;)-300(die)-283(H\344nde)-283(sanken)]TJ 0 -13.549 Td [(still)-250(herab)-250(...)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([24])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.857 Td [(Was)-556(die)-556(allergr\366\337te)-556(Hauptsache)-555(war:)-862(Neustadt,)-633(das)-555(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Namen)-303(Waltersburg)-302(zum)-303(gro\337en)-303(Ingrimm)-302(der)-303(Mutterstadt)-302(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-482(nach)-483(ganz)-482(abgestreift)-482(hatte,)-540(war)-483(auf)-482(dem)-482(besten)-482(Wege,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-430(aufbl\374hender)-430(Badeort)-431(zu)-430(werden.)-790(Zwei)]TJ/F24 10.9091 Tf 205.061 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Quellen)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.536 0 Td [(waren)]TJ -253.979 -13.55 Td [(entdeckt)-215(worden,)-222(von)-214(denen)-215(die)-215(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.46 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kaisersprudel)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.589 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-222(die)-215(andere)]TJ/F24 10.9091 Tf -230.736 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Felsensprudel)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.6 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.452 0 Td [(hie\337,)-331(und)-331(die)-330(beide)-331(nach)-331(dem)-331(Gutachten)-331(eines)]TJ -73.896 -13.549 Td [(sachverst\344ndigen)-391(Professors)-390(aus)-391(der)-391(Hauptstadt)]TJ/F24 10.9091 Tf 217.63 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(hervorragend)]TJ -222.474 -13.549 Td [(radioaktiv)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.237 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.584 0 Td [(waren.)-254(Die)-251(Neust\344dter)-251(feierten)-252(Siegesfeste,)-251(w\344hrend)]TJ -51.821 -13.549 Td [(die)-232(Waltersburger)-232(vier)-233(Wochen)-232(lang)-232(brauchten,)-236(ehe)-232(sie)-232(das)-232(Wort)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(radioaktiv)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.236 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.96 0 Td [(richtig)-469(aussprechen)-469(konnten,)-524(und)-469(nat\374rli)1(ch)-469(auch)]TJ -59.04 -13.549 Td [(dann)-250(noch)-250(nicht)-250(wu\337ten,)-250(was)-250(das)-250(sei.)]TJ 11.956 -15.856 Td [(Humbug)-357(sei)-357(es,)-384(meinte)-357(der)-357(Amtsgerichtsrat,)-383(und)-357(wenn)-357(man)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dieser)-369(Auslegung)-368(auch)-369(viel)-369(Beifall)-369(zollte,)-398(so)-369(verschafften)-368(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(doch)-418(einige)-417(Waltersburger)-418(heimlich)-417(je)-418(drei)-417(Flaschen)-418(von)-417(den)]TJ 0 -13.549 Td [(neuen)-208(Sprudeln,)-217(und)-208(abends)-208(wurde)-208(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.324 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(L\366wen)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.114 0 Td [(statt)-208(der)-208(sonst)-208(so)]TJ -209.576 -13.549 Td [(beliebten)-184(Weinprobe)-185(eine)-184(Wasserprobe)-184(abgehalten.)-228(Der)-184(Pfropfen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(ersten)-250(Flasche)-250(flog)-250(mit)-250(einem)-250(Knall)-250(gegen)-250(die)-250(Decke.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.902 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(wie)-250(bei)-250(Champagner)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.283 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(stammelte)-250(Herr)-250(Hirsemann.)]TJ/F24 10.9091 Tf -129.054 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bl\366dsinn)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.404 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-217(knurrte)-208(der)-208(Amtsgerichtsrat;)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.212 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(das)-208(is)-208(Kohlens\344ure;)]TJ -196.102 -13.55 Td [(die)-273(is)-272(dem)-273(Wasser)-273(eingepumpt;)-284(alles)-272(k\374nstlich,)-279(nichts)-272(nat\374rlich;)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-313(kenn)-313(doch)-313(die)-313(Wasserpf\374tzen)-313(dr\374ben)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.684 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.87 0 Td [(Betrug)-313(is)-313(es,)-329(glatter)]TJ -193.554 -13.549 Td [(Betrug!)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.328 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.719 0 Td [(So)-355(wartete)-356(man,)-381(bis)-355(sich)-356(die)-355(Kohlens\344ure)-355(verfl\374chtet)]TJ -42.047 -13.549 Td [(hatte,)-250(dann)-250(trank)-250(der)-250(B\344cker)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.857 Td [(\036\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.476 0 Td [(s)-250(schmeckt)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.902 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(bissel)-250(salzig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.938 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -211.66 0 Td [([25])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Weil)-452(Sie)-452(heut)-451(abend)-452(wieder)-452(Salzhering)-452(gegessen)-452(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(grollte)-250(der)-250(Richter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Salzig)-229(kann)-229(man)-229(nicht)-229(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.912 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-233(meinte)-229(der)-229(Getreidekaufmann)]TJ -145.555 -13.549 Td [(Schneider,)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sondern)-250(so)-250(mehr)-250(s\344uerlich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.851 0 Td [(\034)]TJ -159.82 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-415(weil)-381(Sie)-382(von)-382(gestern)-382(noch)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.964 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(ne)-382(saure)-381(Schnauze)-382(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.664 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(z\374rnte)-250(Herr)-250(Knopf.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +178 0 obj << +/Type /Page +/Contents 179 0 R +/Resources 177 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 159 0 R +>> endobj +180 0 obj << +/D [178 0 R /XYZ 93.543 490.979 null] +>> endobj +181 0 obj << +/D [178 0 R /XYZ 93.543 151.981 null] +>> endobj +177 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +184 0 obj << +/Length 4736 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(feindlichen)-250(St\344dte)-15781(17)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Unter)-296(solchen)-297(Umst\344nden)-296(h\344tte)-297(der)-296(L\366wenwirt,)-309(der)-296(auch)-296(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(probierte,)-447(mit)-408(seiner)-408(\304u\337erung,)-447(das)-408(Wasser)-408(scheine)-408(ihm)-407(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(stark)-380(nach)-380(Schwefel)-380(zu)-381(schmecken,)-412(zur\374ckhalten)-380(sollen;)-445(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-359(schlecht)-359(gelaunte)-359(Richter)-359(fuhr)-360(ihn)-359(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 192.817 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mensch,)-386(wenn)-360(Sie)]TJ -197.661 -13.55 Td [(tagaus,)-302(tagein)-292(nischt)-291(anderes)-292(rauchen)-292(als)-291(Ihre)-292(eigenen)-291(Zigarren,)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337)-394(Ihnen)-394(nat\374rlich)-395(alles)-394(nach)-394(Schwefel)-394(schmecken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.202 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.145 0 Td [(Darauf)]TJ -250.347 -13.549 Td [(einigte)-430(man)-430(sich)-430(endlich:)-609(dieses)-430(Wasser)-430(schmecke)-430(wie)-429(jedes)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-390(gew\366hnliche)-391(Brunnenwasser)-390(und)-390(sei)-390(keinen)-390(Pfifferling)]TJ 0 -13.549 Td [(wert.)]TJ 11.956 -16.187 Td [(Ganz)-509(kurze)-509(Zeit)-509(darauf)-509(gab)-509(es)-509(in)-509(Waltersburg)-509(eine)-508(neue)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Aufregung.)-1227(Die)-576(Neust\344dter)-576(hatten)-575(sich)-576(f\374r)-576(ihr)-576(Bad)-575(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Propagandachef)-250(engagiert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Propagandachef!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.909 0 Td [(\034)-448(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 20.072 0 Td [(Dieses)-448(Wort)-448(war)-448(in)-448(Waltersburg)-448(seit)]TJ -110.78 -13.549 Td [(Erschaffung)-259(der)-259(Welt)-260(noch)-259(nicht)-259(einmal)-259(ausgesprochen)-259(worden.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-233(Neust\344dter)-232(aber)-233(wu\337ten)-233(nicht)-233(blo\337,)-232(da\337)-233(es)-233(so)-233(etwas)-232(g\344be,)-236(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(engagierten)-240(es)-241(sogar.)-247(Und)-240(der)-240(Propagandachef)-241(war)-240(ein)-241(Jude.)-246(Als)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(bekannt)-250(wurde,)-250(sagte)-250(der)-250(B\344cker)-250(abends)-250(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.946 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(L\366wen)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(:)]TJ/F24 10.9091 Tf -237.971 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-656(Kerle)-655(in)-656(Neustadt)-655(verlieren)-656(den)-655(letzten)-656(Rest)-656(von)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schamgef\374hl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -48.339 -16.186 Td [(Aber)-657(da)-656(widersprach)-657(der)-656(Amtsgerichtsrat,)-758(haupts\344chlich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(deswegen,)-250(weil)-250(er)-250(immer)-250(widersprach:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([26])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jude)-347(hin,)-372(Jude)-347(her!)-542(Es)-348(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.536 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-347(alter)-348(Witz,)-371(da\337)-348(in)-347(den)-347(ganzen)]TJ -137.968 -13.549 Td [(Antisemitismus)-354(nich)-354(eher)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.636 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-354(richtiger)-354(Schwung)-353(kommen)-354(wird,)]TJ -121.269 -13.549 Td [(ehe)-236(ihn)-236(nicht)-236(die)-236(Juden)-236(selbst)-235(machen.)-246(Wenn)-236(die)-236(Neust\344dter)-235(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(faule)-336(Sache)-335(deichseln)-336(wollen,)-356(mu\337ten)-336(sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 188.525 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-336(Juden)-335(nehmen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.385 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ -275.176 -13.55 Td [(Christ)-250(ist)-250(viel)-250(zu)-250(d\344mlich)-250(dazu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -123.798 -16.186 Td [(Der)-444(B\344cker)-444(stand)-444(auf)-444(und)-444(ging.)-832(Wenn)-444(freigeistige)-444(Reden)]TJ -11.955 -13.549 Td [(gehalten)-250(wurden,)-250(verlie\337)-250(er)-250(das)-250(Lokal.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Nach)-454(etwa)-455(sechs)-454(Wochen)-455(erschien)-454(der)-455(erste)-454(Prospekt)-455(von)]TJ -11.955 -13.549 Td [(dem)-541(Bade)-541(Neustadt.)-1123(Es)-541(war)-541(ein)-541(entz\374ckend)-540(ausgestattetes)]TJ 0 -13.549 Td [(Heftchen)-602(von)-602(Kunstdruckpapier,)-691(mit)-602(reizenden)-602(bunten)-602(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Lichtdruckbildern)-189(ausgestattet,)-201(und)-189(das)-189(Werkchen)-189(pries)-189(Neustadt)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-638(so)-638(ber\374ckender)-638(Form,)-735(da\337)-638(eigentlich)-638(jeder)-638(Mensch)-638(zu)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +183 0 obj << +/Type /Page +/Contents 184 0 R +/Resources 182 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +185 0 obj << +/D [183 0 R /XYZ 46.771 234.265 null] +>> endobj +182 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +189 0 obj << +/Length 3472 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(18)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(bemitleiden)-389(war,)-424(der)-389(nicht)-389(augenblicklich)-389(seine)-389(Koffer)-389(packte)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(nach)-250(Neustadt)-250(abreiste)-250(...)]TJ 137.588 -30.087 Td [(*)]TJ -125.632 -16.538 Td [(Die)-293(feindlichen)-293(St\344dte!)-378(Vielleicht,)-303(da\337)-293(mir)-293(der)-293(lustige)-292(Hader)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-340(Zeit)-339(verk\374rzt.)-519(Von)-340(Zeit)-339(zu)-340(Zeit)-339(will)-340(ich)-340(etwas)-339(von)-340(ihm)-339(im)]TJ 0 -13.55 Td [(Tagebuch)-158(vermerken)-157(...)-220(Joachim)-157(hat)-158(an)-158(die)-157(Mutter)-158(ein)-157(Telegramm)]TJ 0 -13.549 Td [(gerichtet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.861 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-318(kann)-319(nicht)-318(mehr)-318(schweigen;)-353(ich)-318(gr\374\337e)-318(dich)-318(und)]TJ -50.705 -13.549 Td [(Fritz.)-542(Aber)-347(schreibt)-347(mir)-348(keine)-347(Briefe,)-371(telegraphiert)-348(nur,)-371(ob)-347(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(gesund)-250(seid.)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -41.979 -13.549 Td [(Mit)-227(diesem)-226(Telegramm)-227(sa\337)-226(die)-227(Mutter)-226(am)-227(Tisch,)-231(als)-227(ich)-226(heute)]TJ -11.956 -13.55 Td [(abend)-322(nach)-323(Hause)-322(kam.)-467(Sie)-322(sprach)-322(nicht,)-341(sondern)-322(\374bergab)-322(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-330(wortlos)-330(die)-330(Depesche;)-370(aber)-330(sie)-330(sah)-330(mich)-330(stolz)-330(und)-330(verkl\344rt)]TJ 0 -13.549 Td [(an,)-218(als)-209(wollte)-209(sie)-210(sagen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.141 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sieh,)-218(solch)-209(einen)-209(guten)-210(Sohn)-209(habe)-209(ich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.802 0 Td [(\034)]TJ -275.786 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-232(freue)-231(mich)-232(\374ber)-231(Joachim)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.007 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-235(sagte)-232(ich)-231(und)-232(lie\337)-232(sie)-231(allein.)-244(Von)]TJ/F16 7.9701 Tf -206.45 0 Td [([27])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(meinem)-394(Zimmer)-393(sah)-394(ich)-394(nach)-393(dem)-394(Johannisbrunnen)-393(hinunter,)]TJ 0 -13.55 Td [(dessen)-250(Wasser)-250(einf\366rmig)-250(rann.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-449(Seele)-449(des)-449(fernen)-450(Bruders)-449(war)-449(immer)-449(noch)-449(krank.)-847(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vertrug)-422(keine)-423(Nachricht)-422(aus)-423(der)-422(Heimat.)-767(Heimat)-423(war)-422(ihm)-422(in)]TJ 0 -13.549 Td [(H\366lle)-406(gewandeltes)-406(Paradies.)-719(Es)-406(gab)-407(einmal)-406(ein)-406(Weib,)-445(das)-406(er)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-274(liebte)-274(als)-274(alles,)-279(die)-274(Mutter)-274(mit)-274(einbegriffen;)-286(es)-274(war)-273(einmal)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-277(Freund,)-284(der)-278(ihm)-277(n\344her)-277(stand)-278(als)-277(der)-277(Bruder,)-285(und)-277(es)-277(war)-277(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366ne)-419(Stadt,)-460(die)-419(ihm)-419(lieber)-418(war)-419(als)-418(der)-419(Geburtsort;)-503(das)-418(war)]TJ 0 -13.549 Td [(Heidelberg.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(In)-250(Heidelberg)-250(hat)-250(ihn)-250(die)-250(Frau)-250(mit)-250(dem)-250(Freunde)-250(betrogen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dar\374ber)-640(kommt)-639(nun)-640(der)-640(Mann,)-737(der)-640(zwischen)-640(Rio)-639(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Montevideo)-250(hin)-250(und)-250(her)-250(f\344hrt,)-250(nicht)-250(mehr)-250(hinweg.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +188 0 obj << +/Type /Page +/Contents 189 0 R +/Resources 187 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +190 0 obj << +/D [188 0 R /XYZ 114.844 322.509 null] +>> endobj +191 0 obj << +/D [188 0 R /XYZ 355.388 322.509 null] +>> endobj +187 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +192 0 obj +<< /S /GoTo /D (index4) >> +endobj +195 0 obj +(Das Modebad) +endobj +198 0 obj << +/Length 3891 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([28])]TJ/F16 18.9589 Tf -203.872 -69.918 Td [(Das)-276(Modebad)]TJ/F16 10.9091 Tf -87.152 -38.021 Td [(Dieser)-509(5.)-1028(April)-509(war)-510(ein)-509(sehr)-509(merkw\374rdiger)-509(Tag.)-1028(Ich)-509(war)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\374ben)-298(in)-299(Neustadt)-298(und)-298(besah)-298(mir)-298(den)-299(neuen)-298(Badeort;)-322(denn)-298(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-364(mir)-364(immer)-365(noch)-364(nicht)-364(ganz)-364(im)-364(klaren,)-393(ob)-364(ich)-364(Badearzt)-364(in)]TJ 0 -13.55 Td [(Neustadt)-309(werden)-310(oder)-309(lieber)-310(die)-309(Praxis)-309(des)-310(alten)-309(Sanit\344tsrats)-309(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburg)-442(\374bernehmen)-443(solle.)-827(Der)-442(Alte)-442(will)-443(sich)-442(zur)-442(Ruhe)]TJ 0 -13.549 Td [(setzen.)-306(Um)-269(die)-269(Wahrheit)-268(zu)-269(sagen,)-274(er)-268(sitzt)-269(eigentlich)-269(schon)-268(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(ganzes)-184(Leben)-185(lang)-184(zur)-185(Ruhe.)-228(Den)-184(Waltersburgern)-185(f\344llt)-184(es)-184(niemals)]TJ 0 -13.549 Td [(ein,)-261(krank)-260(zu)-259(werden.)-277(Der)-259(alte)-259(Pfarrer)-260(hier,)-261(der)-259(etwas)-259(derber)-259(Art)]TJ 0 -13.55 Td [(ist,)-365(sagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.354 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-342(einer)-342(nicht)-341(gerade)-342(unverschuldet)-342(verungl\374ckt,)]TJ -47.197 -13.549 Td [(ist)-436(es)-436(eine)-436(Schweinerei,)-483(krank)-435(zu)-436(werden.)-808(Denn)-436(wenn)-436(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(vern\374nftig)-441(lebt,)-489(wird)-440(er)-441(eben)-441(nicht)-441(krank,)-489(ebenso)-441(wie)-440(keiner)]TJ 0 -13.549 Td [(ins)-290(Zuchthaus)-289(kommt,)-300(der)-289(nicht)-290(was)-290(ausfri\337t.)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.654 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.003 0 Td [(So)-290(erschien)-289(dem)]TJ -207.657 -13.549 Td [(Pfarrer)-186(der)-186(Sanit\344tsrat)-185(immer)-186(h\366chst)-186(\374berfl\374ssig,)-199(wie)-185(andererseits)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-466(Sanit\344tsrat,)-521(der)-466(ein)-467(Freigeist)-466(ist,)-521(der)-466(Pfarrer)-466(\374berfl\374ssig)]TJ 0 -13.549 Td [(erscheint.)-561(Pers\366nlich)-354(aber)-354(vertragen)-354(sie)-353(sich)-354(recht)-354(gut,)-379(spielen)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-531(manchmal)-532(Karten)-531(miteinander,)-602(was)-531(ihrer)-531(lebenslangen)]TJ 0 -13.549 Td [(gegenseitigen)-498(Abneigung)-497(keinen)-498(Eintrag)-497(tut.)-992(Der)-498(Dritte)-497(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Bunde)-463(ist)-463(der)-463(Amtsrichter,)-516(den)-463(Pfarrer)-463(und)-463(Sanit\344tsrat)-462(beide)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374r)-310(\374berfl\374ssig)-309(halten;)-340(denn)-310(au\337er)-309(dem)-310(Schneider)-310(Hampel)-309(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-473(Waltersburg)-473(niemals)-473(jemand)-473(eingesperrt,)-529(und)-473(bei)-473(Hampel)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([29])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(kommen)-227(in)-227(mageren)-226(Jahren)-227(auch)-227(h\366chstens)-227(drei)-227(Wochen)-226(heraus.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-494(Amtsrichter)-494(und)-494(der)-494(Schneider)-494(Hampel)-494(stehen)-494(auf)-494(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gr\374\337fu\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-204(und)-193(der)-192(Sanit\344tsrat)-193(behauptet,)-204(da\337)-192(der)-193(Richter)-192(seinem)]TJ -46.648 -13.549 Td [(einzigen)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.136 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kunden)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.02 0 Td [(immer)-291(zu)-291(Neujahr)-291(gratuliere.)-374(Es)-291(ist)-291(also)-291(f\374r)]TJ -87.538 -13.55 Td [(einen,)-493(der)-445(keine)-444(Sinekure)-445(sucht,)-493(nicht)-445(verlockend,)-493(Arzt)-444(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(Richter)-478(in)-478(Waltersburg)-478(zu)-479(werden.)-934(Im)-478(Herzen)-478(w\344re)-478(es)-478(mir)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +197 0 obj << +/Type /Page +/Contents 198 0 R +/Resources 196 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +73 0 obj << +/D [197 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +193 0 obj << +/D [197 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +199 0 obj << +/D [197 0 R /XYZ 46.771 147.437 null] +>> endobj +196 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +202 0 obj << +/Length 5806 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(20)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(aber)-244(immer)-244(noch)-243(lieber,)-245(mich)-244(in)-244(Waltersburg)-243(niederzulassen,)-245(als)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-298(Neustadt)-298(zu)-299(gehen,)-310(dessen)-298(Wunderquellen)-298(ich)-298(nicht)-298(traue,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-294(mich)-295(also)-294(dort)-295(gewisserma\337en)-294(mitschuldig)-295(zu)-294(machen,)-305(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Leuten)-250(das)-250(Geld)-250(aus)-250(der)-250(Tasche)-250(zu)-250(ziehen.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Heute)-358(war)-359(ich)-358(dr\374ben)-358(in)-359(Neustadt.)-575(W\344hrend)-358(der)-358(f\374nf)-358(Jahre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meiner)-407(Abwesenheit)-407(ist)-408(der)-407(Ort)-407(um)-407(das)-407(Doppelte)-407(gewachsen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Er)-368(ist)-368(mit)-368(amerikanischer)-368(Rapidit\344t)-368(emporgeschossen.)-604(Ich)-367(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-366(Marmortempel)-366(\374ber)-366(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.88 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sprudeln)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.393 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-395(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.358 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Promenade)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.835 0 Td [(mit)]TJ -266.077 -13.549 Td [(ihren)-513(unendlich)-513(gepflegten,)-579(unendlich)-513(bunten)-513(und)-513(unendlich)]TJ 0 -13.549 Td [(langweiligen)-413(Blumenanlagen,)-454(die)-414(Kapelle,)-454(die)-413(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.361 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Polnische)]TJ -238.205 -13.549 Td [(Lied)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.997 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-995(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.557 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einzug)-846(der)-845(G\344ste)-846(in)-846(die)-845(Wartburg)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.427 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-995(das)]TJ/F24 10.9091 Tf -252.511 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fr\374hlingslied)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.826 0 Td [(von)-273(Mendelssohn,)-280(den)-273(neuesten)-274(Wiener)-273(Walzer)]TJ -70.859 -13.549 Td [(und)-530(ein)-530(unendlich)-530(albernes)-530(Potpourri)-530(spielte,)-600(das)-530(von)-530(allen)]TJ 0 -13.549 Td [(Darbietungen)-560(dem)-561(Publikum)-560(am)-560(besten)-561(zu)-560(gefallen)-560(schien,)]TJ 0 -13.549 Td [(sah)-409(auch,)-448(wie)-409(der)-409(erste)-408(Geiger)-409(und)-409(der)-408(Fl\366tist)-409(an)-409(der)-408(Rampe)]TJ 0 -13.549 Td [(des)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.503 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Musikpavillons)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.887 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.804 0 Td [(wie)-455(\374berall)-454(mit)-455(den)-455(vorbeiflanierenden)]TJ -102.038 -13.55 Td [(M\344gdelein)-714(lieb\344ugelten;)-946(ich)-714(sah)-714(auf)-714(den)-714(Estraden)-714(leerer)]TJ 0 -13.549 Td [(Restaurants)-700(Kellner)-700(lauern,)-812(die)-700(wie)-700(Br\344utigame)-700(gekleidet)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-612(oder)-611(wie)-612(Leichenbitter,)-701(f\374nfunddrei\337ig)-612(Gerichte)-611(auf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([030])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ihrer)-359(Speisekarte,)-386(von)-359(denen)-358(sicherlich)-359(nicht)-359(eines)-359(halb)-359(so)-358(gut)]TJ 0 -13.549 Td [(schmeckte)-189(wie)-189(das,)-202(was)-189(Mutters)-189(alte)-189(K\366chin)-190(bereitet;)-209(ich)-189(sah)-189(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wandelhalle)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.443 0 Td [(mit)-238(Schaul\344den,)-241(in)-238(denen)-238(die)-238(sch\366nen)-239(und)-238(ach)-238(so)]TJ/F24 10.9091 Tf -67.421 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(preiswerten)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.891 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.694 0 Td [(Broschen)-170(prangen,)-185(die)-170(man)-170(den)-169(Dienstm\344dchen)-170(als)]TJ/F24 10.9091 Tf -62.429 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mitbringe)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.636 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.224 0 Td [(schenkt)-218(und)-218(deren)-218(Goldglanz)-219(mindestens)-218(anh\344lt,)-224(bis)]TJ -55.704 -13.549 Td [(das)-302(M\344dchen)-301(am)-302(n\344chsten)-301(Quartal)-302(abzieht,)-314(sah)-302(schreiend)-301(bunte)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\344ser)-348(mit)-349(der)-348(Aufschrift)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.992 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Zum)-348(Andenken)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.243 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.644 0 Td [(oder)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.185 0 Td [(\036)]TJ/F19 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Souvenir)-348(de)]TJ -227.751 -13.549 Td [(Neustadt)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.793 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-422(Holzarbeiten,)-422(vom)-388(geschnitzten)-388(Hirsch)-388(bis)-388(zu)-387(dem)]TJ -43.637 -13.55 Td [(Kinderspielzeug,)-281(wo)-274(zwei)-275(B\344ren)-274(auf)-275(einem)-274(Ambo\337)-275(pinken)-274(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-527(Affe)-527(am)-527(Reck)-527(turnt,)-596(und)-527(noch)-527(viele)-526(Kunstgegenst\344nde,)]TJ 0 -13.549 Td [(bis)-435(ich)-435(zum)-435(Theater)-435(gelangte,)-481(wo)-435(ein)-435(Zettel)-435(verk\374ndete,)-481(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-269(vielversprechender)-269(Dichter)-269(\050alle)-269(vielversprechenden)-268(Dichter)]TJ 0 -13.549 Td [(deb\374tieren)-468(in)-468(Badetheatern\051)-468(sein)-468(Erstlingswerk)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.43 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geheimnisse)]TJ -224.274 -13.55 Td [(von)-154(Neustadt)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.824 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.521 0 Td [(zur)-154(Auff\374hrung)-154(bringe)-153(und)-154(Herr)-154(Georgio)-154(Calzolaio)]TJ -63.345 -13.549 Td [(\050zu)-366(deutsch:)-481(Georg)-365(Schuster\051,)-395(der)-365(vielbeliebte)-366(erste)-365(Liebhaber)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +201 0 obj << +/Type /Page +/Contents 202 0 R +/Resources 200 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +200 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +205 0 obj << +/Length 4897 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(Modebad)-19142(21)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(der)-196(B\374hne,)-207(die)-196(Hauptrolle)-197(kreieren)-196(werde,)-207(auch)-196(an)-196(diesem)-196(Abend)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-328(Benefiz)-327(habe.)-483(Darauf)-327(ging)-328(ich)-328(in)-327(ein)-328(Caf\351)-327(und)-328(trank)-327(zwei)]TJ 0 -13.549 Td [(Kognaks.)-244(Ein)-232(Zeitungsjunge)-232(erschien)-232(und)-232(schrie)-232(mir)-232(das)-231(neueste)]TJ 0 -13.549 Td [(Berliner)-218(Mittagsblatt)-218(ins)-218(Ohr;)-228(ein)-218(Herr)-218(am)-218(Nebentisch,)-225(der)-217(schon)]TJ 0 -13.55 Td [(immerfort)-314(nerv\366s)-314(hin)-314(und)-314(her)-314(zappelte,)-330(knurrte)-314(den)-314(Kellner)-313(an,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-522(lange)-522(er)-522(zum)-522(Donnerwetter)-522(noch)-522(auf)-522(die)-521(telephonische)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbindung)-630(mit)-630(Breslau)-629(warten)-630(solle;)-820(ein)-630(Herr)-630(an)-629(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-580(Tisch)-579(erz\344hlte)-579(mit)-580(unertr\344glicher)-579(Weitschweifigkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-505(Nachbar)-505(alle)-504(Erscheinungen)-505(seiner)-505(Krankheit,)-568(wof\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-208(dieser)-209(so)-208(interessierte,)-217(da\337)-208(er)-209(w\344hrend)-208(der)-209(Zeit)-208(des)-208(Zuh\366rens)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-373(ganze)-374(Mittagsblatt)-373(durchschm\366kerte;)-435(dr\374ben)-373(an)-373(der)-373(Wand)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([31])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(stritten)-172(zwei)-171(rote)-172(K\366pfe)-171(laut)-172(\374ber)-171(Nietzsche;)-198(eine)-171(vor\374bergehende)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-305(machte)-305(ihrer)-305(bleichs\374chtigen)-304(Tochter)-305(Vorw\374rfe,)-319(da\337)-304(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ihren)-303(Brunnen)-303(statt)-304(um)-303(f\374nf)-303(erst)-303(um)-303(f\374nfeinhalb)-303(Uhr)-303(getrunken)]TJ 0 -13.55 Td [(habe,)-406(was)-375(nat\374rlich)-374(furchtbar)-375(schaden)-375(k\366nne;)-437(Gents)-375(und)-374(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(viel)-436(mehr)-436(Pseudogents)-436(t\344nzelten)-436(vor\374ber,)-482(und)-436(in)-436(der)-436(Kapelle)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\374ben)-414(blies)-414(der)-413(Waldhornist)-414(zum)-414(Herz-)-414(und)-413(Steinerweichen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(Meer)-250(ergl\344nzte)-250(weit)-250(hinaus)-250(im)-250(lichten)-250(Abendscheine)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.338 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ/F24 10.9091 Tf -247.07 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auch)-174(Sie,)-188(Fr\344ulein)-174(Trude)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-189(h\366rte)-173(ich)-174(einen)-174(vorbeiwandelnden)]TJ -130.199 -13.549 Td [(Primaner)-327(zu)-327(seiner)-327(sechzehnj\344hrigen)-327(Begleiterin)-327(sagen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.736 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(haben)]TJ -254.579 -13.55 Td [(mein)-383(Herz)-382(vergiftet,)-416(zwar)-383(nicht)-383(durch)-382(Ihre)-383(Tr\344nen,)-416(wohl)-382(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-250(Ihr)-250(Lachen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.848 0 Td [(\034)]TJ -65.892 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-487(Herr)-486(Lempert)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.367 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-546(sagte)-486(sie,)-546(und)-486(sie)-487(waren)-486(vorbei)-487(...)]TJ -111.01 -13.549 Td [(Ich)-331(bekam)-332(Heimweh)-331(nach)-332(Waltersburg)-331(und)-332(ging.)-494(Drau\337en)-331(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-294(Promenadeng\344ngen)-293(das)-294(gewohnte)-293(Publikum;)-316(die)-293(galizische)]TJ 0 -13.549 Td [(J\374din)-257(mit)-258(etwas)-257(schmierigen)-258(Spitzen)-257(am)-258(Halsausschnitt)-257(und)-257(den)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337en)-283(Brillanten)-283(in)-283(den)-283(Ohren;)-299(der)-283(Herr)-283(in)-283(dem)-283(hocheleganten)]TJ 0 -13.55 Td [(wei\337en)-283(Flanellanzug,)-290(der)-283(23)-283(Mark)-282(gekostet)-283(hat;)-299(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.645 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(K\374nstler)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.571 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(dessen)-506(Kraft)-506(wie)-506(bei)-507(Samson)-506(in)-506(der)-506(F\374lle)-506(der)-506(Locken)-506(sitzt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-598(der)-598(sich)-598(vor)-598(dem)-598(Spiegel)-598(die)-598(wirkungsvollen)-597(Gerhart)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauptmannschen)-630(Mundwinkel)-630(einge\374bt)-630(hat;)-820(das)-629(knurrende)]TJ 0 -13.549 Td [(Eheoberhaupt,)-627(das)-551(wo)-552(anders)-551(hinstrebt,)-627(weil)-552(man)-551(auf)-551(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Kurplatz)-323(nicht)-323(rauchen)-323(darf)-324(\050warum,)-341(wei\337)-323(weder)-323(er)-323(noch)-323(sonst)]TJ 0 -13.549 Td [(jemand;)-353(denn)-318(der)-318(Platz)-319(ist)-318(weit,)-335(und)-319(der)-318(Himmel)-319(ist)-318(hoch\051;)-352(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +204 0 obj << +/Type /Page +/Contents 205 0 R +/Resources 203 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +206 0 obj << +/D [204 0 R /XYZ 94.897 382.683 null] +>> endobj +203 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +209 0 obj << +/Length 1736 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(22)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(flirtende)-163(Strohwitwe;)-192(der)-163(melancholisch)-163(und)-163(langsam)-162(schreitende)]TJ 0 -13.549 Td [(Einsame,)-398(der)-368(keinen)-368(Anschlu\337)-368(findet;)-427(das)-368(laute)-368(M\344dchen,)-397(das)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-227(zehn)-228(Verehrer)-227(um)-227(sich)-227(hat)-228(und)-227(nie)-227(einen)-227(Mann)-228(kriegt;)-234(die)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([32])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Gesch\344ftsfreunde,)-453(die)-412(auch)-412(hier)-412(\374ber)-412(ihre)-412(Alltagssorgen)-412(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(hinauskommen;)-734(fachsimpelnde)-572(Oberlehrer)-572(und)-572(lebenslustige)]TJ 0 -13.549 Td [(Backfische,)-444(dazwischen)-405(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.101 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Patienten)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-444(die)-405(gewissenhaft)-405(aus)]TJ -179.392 -13.549 Td [(geschliffenen)-330(Gl\344sern)-330(das)-330(Neust\344dter)-330(Wunderwasser)-329(schl\374rfen,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-325(k\366nnte)-324(es)-325(in)-325(vier)-325(Wochen)-324(gutmachen,)-344(was)-324(in)-325(vielen,)-343(vielen)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahren)-250(krank)-250(ward.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Ich)-432(war)-433(im)-432(klaren:)-615(Ich)-433(wollte)-432(nicht)-433(Badearzt)-432(werden.)-797(So)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wollte)-340(ich)-339(nach)-340(Hause)-340(und)-339(w\344hlte)-340(als)-340(Heimweg)-339(den)-340(Pfad)-339(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-170(Weihnachtsberg,)-187(der)-170(als)-171(Grenzscheide)-170(zwischen)-170(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Neustadt)-250(liegt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +208 0 obj << +/Type /Page +/Contents 209 0 R +/Resources 207 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 186 0 R +>> endobj +210 0 obj << +/D [208 0 R /XYZ 147.582 491.077 null] +>> endobj +207 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +211 0 obj +<< /S /GoTo /D (index5) >> +endobj +214 0 obj +(Auf dem Weihnachtsberg) +endobj +217 0 obj << +/Length 3637 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([33])]TJ/F16 18.9589 Tf -248.353 -69.409 Td [(Auf)-263(dem)-263(Weihnachtsberg)]TJ/F16 10.9091 Tf -42.671 -37.512 Td [(Auf)-276(dem)-275(Weihnachtsberg)-276(steht)-275(ein)-275(altehrw\374rdiges)-276(Gasthaus.)-326(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(sieht)-473(aus)-473(wie)-473(eine)-473(Burg,)-529(hat)-473(auch)-473(einen)-473(grauen)-473(verwitterten)]TJ 0 -13.549 Td [(Turm,)-255(eine)-254(Zugbr\374cke,)-256(Butzenscheiben)-254(und)-254(was)-254(so)-254(dazu)-254(geh\366rt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Das)-313(echteste)-312(von)-313(dem)-313(ganzen)-313(romantischen)-312(Nest)-313(war)-313(der)-312(Wirt,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-446(Eberhard)-446(hie\337,)-446(weil)-446(er)-446(einen)-446(langen)-446(Bart)-446(hatte,)-495(oder)-446(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-365(einen)-365(langen)-365(Bart)-365(hatte)-365(wachsen)-365(lassen,)-394(weil)-365(er)-365(Eberhard)]TJ 0 -13.549 Td [(hie\337.)-553(Die)-553(Waltersburger)-553(besuchten)-553(ihn)-553(an)-553(allen)-552(regenfreien)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonntagnachmittagen,)-365(und)-341(er)-342(lebte)-342(auf)-341(seiner)-342(luftigen)-342(H\366he)-341(so)]TJ 0 -13.55 Td [(gute)-207(Tage,)-215(da\337)-206(ihm)-207(der)-206(Humor)-207(niemals)-206(ausging.)-236(Dieser)-206(Eberhard)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-348(f\374r)-349(die)-348(Waltersburger)-348(Kinder)-348(der)-348(Knecht)-349(Ruprecht.)-544(Jeden)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsabend)-189(lugten)-188(sie)-189(\344ngstlich,)-201(sehns\374chtig)-189(und)-188(neugierig)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-183(dem)-184(Gipfel)-183(des)-184(Weihnachtsberges)-183(hinauf,)-197(und)-183(wenn)-183(endlich)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-324(blaue)-324(Winternacht)-323(ihren)-324(Duftschleier)-324(um)-324(den)-324(Gipfel)-323(h\374llte,)]TJ 0 -13.549 Td [(flammte)-429(da)-429(oben)-430(ein)-429(m\344chtiges)-429(Bergfeuer)-429(zum)-429(Himmel,)-474(und)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-292(Trompete)-293(blies)-292(langsam)-292(und)-293(feierlich)-292(herab)-292(ins)-293(Tal:)]TJ/F24 10.9091 Tf 253.968 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vom)]TJ -258.812 -13.549 Td [(Himmel)-250(hoch,)-250(da)-250(komm)-250(ich)-250(her.)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.502 0 Td [(\034)]TJ -129.546 -14.567 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-241(kommt,)-242(er)-241(kommt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.865 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.469 0 Td [(stie\337en)-241(da)-240(die)-241(Kinder)-241(heraus,)-242(und)-241(die)]TJ -119.133 -13.549 Td [(kleinsten)-291(zitterten)-291(in)-291(seliger)-291(Angst.)-373(Vom)-291(Berge)-291(herab)-291(aber)-291(kam)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-292(silbernem)-293(Gel\344ut)-292(der)-293(Knecht)-292(Ruprecht)-293(gefahren.)-377(Er)-292(thronte)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([34])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(auf)-404(einem)-404(mit)-404(Tannenreis)-405(prachtvoll)-404(verzierten)-404(Schlitten,)-442(und)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-342(Schlitten)-341(folgten)-342(ihm,)-365(die)-341(wurden)-342(von)-342(seinen)-341(Knechten)]TJ 0 -13.549 Td [(gelenkt)-376(und)-376(waren)-375(mit)-376(Hunderten)-376(von)-376(Paketen)-376(und)-375(Paketchen)]TJ 0 -13.549 Td [(beladen.)-222(Vom)-165(Stadttor)-166(an)-165(bildeten)-166(alle)-165(Kinder)-166(Spalier,)-182(die)-165(reichen)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-333(die)-333(armen,)-353(die)-333(gro\337en)-333(wie)-333(die)-333(kleinen.)-498(Die)-333(Eltern,)-353(Tanten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-476(Gro\337m\374tter)-477(standen)-476(hinter)-476(ihnen,)-533(und)-477(wenn)-476(der)-476(Knecht)]TJ 0 -13.549 Td [(Ruprecht)-260(ankam,)-261(winkten)-260(die)-259(Kinder)-260(mit)-260(den)-259(H\344nden,)-262(die)-259(V\344ter)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +216 0 obj << +/Type /Page +/Contents 217 0 R +/Resources 215 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +74 0 obj << +/D [216 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +212 0 obj << +/D [216 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +218 0 obj << +/D [216 0 R /XYZ 194.821 160.986 null] +>> endobj +215 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +222 0 obj << +/Length 4743 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(24)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nahmen)-226(die)-225(M\374tzen)-226(ab,)-230(und)-225(die)-226(Tanten)-225(und)-226(Gro\337m\374tter)-225(machten)]TJ 0 -13.549 Td [(tiefe,)-221(ehrf\374rchtige)-214(Knickse.)-238(Der)-214(Knecht)-213(Ruprecht)-214(aber)-214(sa\337)-214(da)-213(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-300(tannenbekr\344nzten)-299(Thron)-300(wie)-299(ein)-300(K\366nig)-299(und)-300(nickte)-299(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(rechts)-335(und)-334(nickte)-335(nach)-335(links,)-355(winkte)-335(mit)-335(der)-334(rechten)-335(Hand)-334(und)]TJ 0 -13.55 Td [(winkte)-259(mit)-259(der)-258(linken)-259(Hand,)-261(verteilte)-259(seine)-259(Gaben)-259(an)-259(die)-258(Armen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Reichen,)-250(an)-250(die)-250(Gerechten)-250(und)-250(Ungerechten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Nach)-270(der)-270(Feier)-271(bestieg)-270(der)-270(Knecht)-270(Ruprecht)-270(seinen)-270(Schlitten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-267(Fackeltr\344ger,)-270(die)-267(Ehrenjungfrauen)-266(und)-267(alles)-266(Volk)-266(begleitete)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-382(bis)-381(ans)-382(Tor.)-644(Mit)-381(lustigem)-382(Klingeling)-381(fuhren)-382(die)-381(Schlitten)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-248(Weihnachtsberg)-247(hinauf,)-248(und)-248(die)-248(Leute)-247(kehrten)-248(heim,)-248(alle)-247(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Herzen)-250(froh)-250(und)-250(reich.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Das)-611(war)-610(der)-611(Weihnachtsberg)-611(bis)-611(vor)-610(acht)-611(Jahren.)-1332(Da)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kamen)-329(die)-328(Neust\344dter)-329(und)-328(kauften)-329(Herrn)-329(Eberhard,)-348(der)-328(damals)]TJ 0 -13.549 Td [(gerade)-593(ein)-593(wenig)-594(in)-593(Sorgen)-593(war,)-679(sein)-593(Gasthaus)-593(f\374r)-593(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(guten)-448(Preis)-447(ab.)-843(Die)-448(Neust\344dter)-448(machten)-447(aus)-448(der)-448(alten)-447(edlen)]TJ 0 -13.55 Td [(Burgherberge)-304(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.938 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Etablissement)-304(mit)-304(Burgruine,)-317(Aussichtsturm)]TJ -84.781 -13.549 Td [(und)-265(im)-264(\374brigem)-265(allem)-265(Komfort)]TJ/F24 10.9091 Tf 137.603 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-294(Es)-265(wurden)-264(h\366lzerne)-265(Veranden)]TJ -142.446 -13.549 Td [(mit)-658(gro\337en)-659(Fenstern)-658(an)-658(das)-658(alte)-659(Mauerwerk)-658(geklebt,)-760(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([35])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ganze)-451(schablonenhafte)-452(\366de)-451(Hotelbetrieb)-451(eingerichtet,)-502(und)-451(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Badezeitung)-250(faselte)-250(vom)-250(Fortschritt)-250(der)-250(modernen)-250(Zeit.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Da\337)-322(schweres,)-340(reines)-322(Altgold)-322(in)-322(d\374nnes)-322(Flitterblech)-321(gewalzt)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wurde,)-228(empfanden)-221(am)-222(meisten)-222(die)-222(Waltersburger)-222(Kinder,)-228(die)-221(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsabend)-346(vergebens)-347(aussp\344hten)-346(nach)-346(dem)-346(leuchtenden)]TJ 0 -13.549 Td [(H\366henfeuer)-347(und)-347(der)-346(s\374\337en,)-371(verhei\337ungsvollen)-347(Melodie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 253.968 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vom)]TJ -258.812 -13.549 Td [(Himmel)-250(hoch,)-250(da)-250(komm)-250(ich)-250(her.)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.502 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -129.547 -14.531 Td [(In)-183(Gedanken)-184(an)-183(alte,)-196(sch\366ne)-184(Zeit)-183(stieg)-183(ich)-183(den)-184(Weihnachtsberg)]TJ -11.955 -13.55 Td [(hinauf.)-1029(So)-510(sentimental)-510(war)-510(ich)-509(aber)-510(nicht,)-575(um)-510(dem)-509(neuen)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Etablissement)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.211 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.694 0 Td [(auszuweichen;)-679(dazu)-537(war)-536(ich)-536(denn)-537(doch)-536(zu)]TJ -76.749 -13.549 Td [(weit)-353(in)-352(der)-353(Welt)-352(herumgekommen)-352(und)-353(hatte)-352(zu)-353(viel)-352(Schifflein)]TJ 0 -13.549 Td [(scheitern)-213(sehen,)-221(um)-213(so)-214(eine)-213(Ungl\374cksstelle)-213(feig)-213(zu)-214(umsegeln.)-237(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(kehrte)-337(in)-337(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.562 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Etablissement)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.21 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.52 0 Td [(ein.)-511(In)-337(der)-337(gro\337en)-337(Glasveranda)]TJ -140.136 -13.55 Td [(waren)-250(drei)-250(Kellner)-250(und)-250(ein)-250(Gast)-250(anwesend.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Dieser)-298(einzige)-299(Gast)-298(sa\337)-298(am)-298(Fenster)-299(und)-298(guckte)-298(nicht)-298(auf,)-311(als)]TJ -11.955 -13.549 Td [(ich)-190(zur)-191(T\374r)-190(hereintrat.)-230(Daraus)-191(erkannte)-190(ich,)-202(da\337)-191(er)-190(kein)-190(Deutscher)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +221 0 obj << +/Type /Page +/Contents 222 0 R +/Resources 220 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +223 0 obj << +/D [221 0 R /XYZ 169.117 285.875 null] +>> endobj +220 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +226 0 obj << +/Length 4667 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(25)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(war.)-396(Im)-298(\374brigen)-299(gen\374gte)-299(mir)-298(ein)-299(Blick)-298(zu)-299(meiner)-298(Orientierung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-314(erkenne)-313(den)-314(Nordamerikaner)-314(so)-313(leicht)-314(unter)-314(allen)-313(Nationen)]TJ 0 -13.549 Td [(heraus)-250(wie)-250(den)-250(Star)-250(unter)-250(den)-250(bunten)-250(Finken.)]TJ 11.956 -14.78 Td [(Soll)-178(ich)-178(hier)-178(das)-178(Bild)-177(wiederholen,)-193(das)-178(deutsche)-178(Kari)1(katuristen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(malen,)-520(wenn)-465(es)-466(gilt,)-520(einen)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.593 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Uncle)-466(Sam)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.528 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.923 0 Td [(zu)-466(zeichnen?)-897(Das)]TJ -194.887 -13.549 Td [(kurzgeschorene)-561(Haar,)-639(den)-561(glattrasierten,)-638(rasiermesserd\374nnen)]TJ 0 -13.55 Td [(Mund,)-408(die)-377(etwas)-376(schlottrige)-377(Figur)-376(mit)-377(den)-376(langen)-377(Beinen)-376(und)]TJ 0 -13.549 Td [(fuchtelnden)-345(mageren)-346(Armen,)-369(die)-345(Stummelpfeife,)-369(den)-345(karierten)]TJ 0 -13.549 Td [(Anzug)-233(und)-233(diesen)-233(anderen)-233(Kram?)-245(Nein!)-244(Ich)-233(ging)-233(zweimal)-233(durch)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([36])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(die)-324(Stube,)-342(stellte)-324(fest,)-342(da\337)-324(achtzehn)-324(Tische)-324(unbesetzt)-324(und)-323(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(besetzt)-309(war,)-324(und)-309(setzte)-309(mich)-309(dann)-309(an)-309(den)-309(besetzten,)-323(dem)-309(Gaste)]TJ 0 -13.55 Td [(gegen\374ber,)-402(ohne)-372(ihn)-372(zu)-372(gr\374\337en.)-615(Der)-372(andere)-372(blickte)-372(auch)-371(jetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-378(auf.)-632(Er)-378(sah)-377(gelangweilt)-378(ins)-377(Tal.)-633(Ich)-377(beachtete)-378(ihn)-377(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht.)]TJ 11.956 -14.78 Td [(Der)-328(Kellner)-328(kam,)-348(und)-328(ich)-328(machte)-328(meine)-328(Bestellung.)-484(Darauf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-250(es)-250(ganz)-250(still.)]TJ 11.956 -14.78 Td [(Endlich)-227(blickte)-227(der)-228(Mann)-227(mir)-227(gegen\374ber)-227(auf)-227(und)-228(sagte,)-231(indem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-250(nach)-250(Neustadt)-250(hinunterwies:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(ein)-250(sehr)-250(albernes)-250(Nest)-250(da)-250(unten!)]TJ/F24 10.9091 Tf 172.385 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -177.228 -14.78 Td [(Er)-250(sprach)-250(englisch;)-250(aber)-250(ich)-250(entgegnete)-250(deutsch:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.779 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-250(kann)-250(man)-250(schon)-250(sagen.)-250(Es)-250(gef\344llt)-250(mir)-250(auch)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.153 0 Td [(\034)]TJ -232.996 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-287(bei)-286(uns)-287(in)-286(Amerika)-287(werden)-286(Sie)-287(auch)-286(dumme)-287(Badeorte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gefunden)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.099 0 Td [(\034)]TJ -60.143 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Woraus)-250(schlie\337en)-250(Sie,)-250(da\337)-250(ich)-250(in)-250(Amerika)-250(war?)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.829 0 Td [(\034)]TJ -212.672 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(denke)-250(es)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.131 0 Td [(\034)]TJ -79.974 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So,)-250(so!)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.306 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -35.149 -14.779 Td [(Darauf)-506(schwiegen)-505(wir.)-1018(Erst)-505(nach)-506(einem)-506(Weilchen)-505(nahm)]TJ/F24 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Uncle)-250(Sam)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.175 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(das)-250(Gespr\344ch)-250(wieder)-250(auf:)]TJ/F24 10.9091 Tf -48.633 -14.779 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(halten)-250(nichts)-250(von)-250(unseren)-250(modernen)-250(Kurorten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 221.171 0 Td [(\034)]TJ -226.014 -14.78 Td [(\036\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.476 0 Td [(Nichts)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.288 0 Td [(kann)-243(ich)-244(nicht)-243(sagen.)-248(Es)-243(gibt)-244(zehn)-243(gute)-244(Kurorte)-243(und)]TJ -55.204 -13.549 Td [(neunzig)-250(unn\374tze.)-250(Das)-250(sage)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.12 0 Td [(\034)]TJ -123.164 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(wie)-250(denken)-250(Sie)-250(sich)-250(einen)-250(ganz)-250(guten)-250(Kurort?)]TJ/F24 10.9091 Tf 221.771 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -226.614 -14.78 Td [(Ich)-250(zuckte)-250(die)-250(Achseln.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +225 0 obj << +/Type /Page +/Contents 226 0 R +/Resources 224 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +227 0 obj << +/D [225 0 R /XYZ 138.018 408.551 null] +>> endobj +224 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +230 0 obj << +/Length 4995 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(26)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-408(habe)-409(mir)-408(manchmal)-409(ein)-408(Bild)-409(ausgemalt,)-448(wenn)-408(ich)-409(als)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schiffsarzt)-250(die)-250(n\366tige)-250(Mu\337e)-250(zu)-250(solchen)-250(Tr\344umen)-250(hatte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.345 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -312.1 0 Td [([37])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(Schiffsarzt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.684 0 Td [(\034)]TJ -94.527 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(war)-250(es.)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.553 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -52.396 -14.52 Td [(Ich)-183(fand)-183(es)-184(nun)-183(angemessen,)-196(mich)-184(vorzustellen.)-227(Darauf)-183(wippte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auch)-250(er)-250(ein)-250(wenig)-250(vom)-250(Stuhle)-250(auf)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-233(Stefenson.)-244(\326l)-233(und)-233(Naphtha.)-244(Neuyork,)-236(Milwaukee,)-237(St.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Louis)-250(und)-250(Trinidad.)-250(Nun,)-250(wie)-250(ist)-250(das)-250(mit)-250(Ihrem)-250(Kurort?)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.705 0 Td [(\034)]TJ -230.749 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(gar)-250(nichts.)-250(Es)-250(ist)-250(ein)-250(Traum,)-250(eine)-250(verr\374ckte)-250(Idee!)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.345 0 Td [(\034)]TJ -244.189 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Verr\374ckte)-174(Idee)-175(ist)-174(sch\366n.)-225(Deutschland)-174(ist)-174(ein)-175(gutes)-174(Land,)-190(aber)]TJ -16.799 -13.549 Td [(es)-322(leidet)-323(einen)-322(sehr)-323(gro\337en)-322(Mangel)-323(an)-322(verr\374ckten)-323(Ideen.)-467(Es)-322(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-278(brav,)-285(es)-278(macht)-278(zuviel)-278(nach.)-334(Den)-278(deutschen)-277(Unternehmungen)]TJ 0 -13.549 Td [(fehlt)-250(die)-250(\374berraschende)-250(Pointe.)-250(Der)-250(Amerikanismus)-250(ist)-250(besser.)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.767 0 Td [(\034)]TJ -259.812 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(sagen)-250(Sie)-250(so!)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.258 0 Td [(\034)]TJ -82.102 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(ist)-250(so.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -43.942 -14.52 Td [(Ich)-250(war)-250(verstimmt)-250(und)-250(schwieg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun?)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(er)-250(ungeduldig.)]TJ/F24 10.9091 Tf -36.044 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mister)-445(Stefenson,)-493(wenn)-445(ich)-444(Ihnen)-445(meine)-445(Idee)-445(entwickeln)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wollte,)-386(w\374rden)-359(wir)-359(viel)-359(Zeit)-359(brauchen;)-413(am)-359(Schlu\337)-359(w\374rden)-358(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-250(doch)-250(nicht)-250(verstehen.)-250(So)-250(was)-250(liegt)-250(Ihnen)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.458 0 Td [(\034)]TJ -216.503 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-313(haben)-313(Zeit,)-329(ich)-313(werde)-313(Sie)-313(verstehen,)-329(und)-313(es)-313(liegt)-313(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(gab)-250(er)-250(zur)-250(Antwort.)]TJ 11.955 -14.521 Td [(Da)-250(kam)-250(ich)-250(in)-250(Laune)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-324(will)-323(es)-324(Ihnen)-324(in)-323(ganz)-324(kurzen)-323(Linien)-324(umrei\337en.)-471(Ich)-324(will)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mal)-442(annehmen,)-491(meine)-442(Heilanstalt)-442(best\344nde)-443(schon)-442(und)-442(Mister)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-250(k\344me)-250(zu)-250(mir)-250(als)-250(Kurgast.)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.127 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -227.883 0 Td [([38])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-448(ist)-448(gut!)-844(Das)-448(ist)-448(instruktiv!)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.332 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.73 0 Td [(rief)-448(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.439 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-448(hei\337t)-448(Ihr)]TJ -218.143 -13.549 Td [(Sanatorium?)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.146 0 Td [(\034)]TJ -43.191 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.382 0 Td [(\034)]TJ -74.226 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.018 0 Td [(\034)]TJ -27.862 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.382 0 Td [(\034)]TJ -74.226 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-205(ist)-204(kein)-205(guter)-205(Name.)-235(Dabei)-205(kann)-204(man)-205(sich)-205(nichts)-205(denken.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Das)-250(zieht)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.171 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +229 0 obj << +/Type /Page +/Contents 230 0 R +/Resources 228 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +231 0 obj << +/D [229 0 R /XYZ 93.543 502.248 null] +>> endobj +232 0 obj << +/D [229 0 R /XYZ 93.543 163.466 null] +>> endobj +228 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +235 0 obj << +/Length 5163 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(27)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-613(Stefenson,)-704(wenn)-613(Sie)-613(mir)-613(schon)-613(von)-613(vornherein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(widersprechen,)-185(werde)-170(ich)-169(Ihnen)-169(kein)-170(Wort)-169(\374ber)-169(meine)-169(Heilanstalt)]TJ 0 -13.549 Td [(sagen.)-630(Da\337)-376(Sie)-377(den)-377(Namen)-376(nicht)-377(ohne)-377(weiteres)-376(begreifen,)-408(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-250(eben)-250(das)-250(Neue)-250(und)-250(Gute.)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.298 0 Td [(\034)]TJ -121.342 -14.368 Td [(\036)]TJ/F19 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Well)]TJ/F16 10.9091 Tf 19.997 0 Td [(;)-250(ich)-250(sage)-250(nichts)-250(mehr.)-250(Ich)-250(h\366re.)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.363 0 Td [(\034)]TJ -164.203 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also:)-309(Irgendwo)-279(auf)-280(der)-279(Welt,)-287(sagen)-279(wir)-280(auf)-279(dem)-280(Ostabhang)]TJ -16.799 -13.55 Td [(dieses)-362(Weihnachtsberges)-362(bei)-363(Waltersburg,)-390(liegt)-362(die)-362(Heilanstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)-352(vom)-352(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.876 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(.)-555(Auch)-352(Mister)-352(Stefenson,)-377(der)-352(schon)-352(in)-352(vielen)]TJ -76.142 -13.549 Td [(Kuranstalten)-335(und)-335(nie)-335(ganz)-336(zufrieden)-335(gewesen)-335(war,)-356(hat)-335(von)-335(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Anstalt)-389(geh\366rt)-389(und)-389(haupts\344chlich)-388(darum,)-424(weil)-389(es)-389(etwas)-388(Neues)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-394(beschlossen,)-394(sie)-365(aufzusuchen.)-594(Er)-365(reist)-365(nach)-365(Waltersburg.)]TJ 0 -13.55 Td [(Mister)-334(Stefenson)-334(kommt)-334(mit)-334(sieben)-334(Koffern)-334(und)-334(zwei)-334(Dienern)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.026 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -1.07 -14.367 Td [(Mein)-250(Gegen\374ber)-250(nickt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stimmt.)-250(Sie)-250(sind)-250(ein)-250(Gedankenleser.)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.782 0 Td [(\034)]TJ -163.625 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-399(Ank\366mmling)-398(findet)-399(in)-398(der)-399(N\344he)-398(von)-399(Waltersburg)-399(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Gel\344nde)-205(von)-205(Wald,)-214(H\374geln,)-213(G\344rten,)-214(ganz)-205(von)-205(einer)-205(hohen)-204(Mauer)]TJ 0 -13.549 Td [(umschlossen,)-226(\374ber)-220(die)-219(kein)-220(Mensch)-220(hinwegsehen)-220(kann.)-240(Er)-219(merkt)]TJ 0 -13.55 Td [(gleich:)-231(ah,)-219(an)-212(dieser)-211(Mauer)-212(ist)-212(die)-211(Welt)-212(alle,)-219(hier)-212(ist)-211(eine)-212(Welt)-211(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(sich.)-279(Die)-260(Mauer)-260(hat)-260(nur)-259(ein)-260(einziges)-260(Tor.)]TJ/F24 10.9091 Tf 183.056 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)-260(vom)-260(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.867 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.467 0 Td [(steht)]TJ -260.023 -13.549 Td [(dar\374ber.)-434(Mister)-312(Stefenson,)-327(der)-311(mit)-312(drei)-311(Wagen)-312(ankommt,)-326(zieht)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([39])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(die)-325(Schelle)-324(an)-325(der)-325(Pforte.)-474(Eine)-325(tiefe)-324(Glocke)-325(schl\344gt)-325(einmal)-324(an.)]TJ 0 -13.549 Td [(Da)-258(kommt)-259(von)-258(drinnen)-258(her)-259(ein)-258(Diener,)-260(der)-259(\366ffnet)-258(das)-258(Tor.)-275(Er)-258(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-270(in)-271(der)-270(welt\374blichen)-271(Tracht,)-275(er)-271(tr\344gt)-270(Pluderhosen,)-275(Sandalen)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-239(den)-239(F\374\337en,)-241(eine)-239(weite,)-241(am)-239(Hals)-239(ausgeschnittene)-239(Bluse)-239(und)-239(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(barh\344uptig.)-388(Vor)-296(Stefenson)-295(macht)-296(er)-296(keine)-296(Verneigung,)-307(sondern)]TJ 0 -13.549 Td [(sagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.79 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Lieber)-408(Freund,)-448(Sie)-409(sind)-408(wohl)-408(wenig)-409(unterrichtet,)-448(sonst)]TJ -30.423 -13.549 Td [(k\344men)-240(Sie)-239(nicht)-240(mit)-239(solch)-240(unn\366tigem)-240(Kram)-239(hier)-240(an.)-246(Seien)-240(Sie)-239(so)]TJ 0 -13.55 Td [(gut,)-248(lassen)-248(Sie)-248(Ihre)-248(Diener)-248(und)-248(Ihr)-248(Gep\344ck)-248(unten)-248(in)-248(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-303(sonstwo)-303(auf)-304(der)-303(Welt)-303(Unterkunft)-303(suchen)-303(und)-303(kommen)-303(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-250(allein,)-250(wie)-250(Sie)-250(hier)-250(stehen,)-250(mit)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.345 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -164.389 -14.367 Td [(Mister)-197(Stefenson)-198(\344rgert)-197(sich)-197(nicht)-198(wenig)-197(\374ber)-197(diese)-197(Ansprache)]TJ -11.956 -13.55 Td [(des)-241(dienstbaren)-242(Geistes,)-243(aber)-241(er)-242(will)-241(hinter)-242(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.193 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Trick)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.266 0 Td [(kommen,)]TJ -239.721 -13.549 Td [(deshalb)-501(winkt)-500(er)-501(seinem)-501(Gefolge)-500(ab)-501(und)-501(geht)-500(in)-501(das)-500(gro\337e)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +234 0 obj << +/Type /Page +/Contents 235 0 R +/Resources 233 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +236 0 obj << +/D [234 0 R /XYZ 60.702 243.1 null] +>> endobj +233 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +239 0 obj << +/Length 4515 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(28)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Ferienheim)-411(des)-410(Lebens.)-732(Die)-411(Pforte)-411(f\344llt)-410(hinter)-411(ihm)-411(zu.)-731(Sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Begleiter)-381(f\374hrt)-381(ihn)-381(eine)-382(Lindenallee)-381(bergan.)-643(Rechts)-381(und)-381(links)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-442(Wiesen)-443(und)-442(einige)-443(bebaute)-442(Ackerst\374cke.)-828(Am)-442(Ende)-442(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Allee)-329(steht)-329(ein)-330(von)-329(Efeu)-329(umsponnenes)-329(Haus,)-349(so)-329(klein)-329(wie)-329(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Einsiedlerh\374tte.)-799(Das)-432(H\344uschen)-433(hat)-433(nur)-433(ein)-433(einziges)-432(Zimmer,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-529(das)-528(ist)-528(bequem)-529(hergerichtet,)-598(hat)-528(ein)-529(gutes)-528(Bett,)-598(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreibtisch,)-486(schlichte,)-486(aber)-439(geschmackvolle)-439(M\366bel)-439(und)-439(gute)]TJ 0 -13.549 Td [(Bilder)-438(an)-437(den)-438(W\344nden.)-813(In)-437(dieses)-438(Zimmer)-437(f\374hrt)-438(der)-437(Torwart)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-264(Mister)-264(Stefenson)-264(und)-264(sagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.792 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Hier)-264(bleiben)-264(Sie,)-268(lieber)-264(Freund,)]TJ -142.424 -13.55 Td [(zwei)-420(Tage)-420(und)-420(zwei)-420(N\344chte.)-760(Lesen)-420(Sie)-420(die)-420(wenigen)-419(Bl\344tter,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-407(auf)-407(dem)-406(Schreibtisch)-407(liegen,)-446(gut)-407(durch)-407(und)-407(schreiben)-406(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihre)-389(eigene)-389(Lebens-)-390(und)-389(Leidensgeschichte)-389(auf,)-424(schreiben)-389(Sie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([40])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(auf,)-606(was)-536(Ihnen)-535(an)-535(sich)-535(selbst)-535(nicht)-535(gef\344llt)-535(und)-535(warum)-535(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hierhergekommen)-470(sind.)-911(Nach)-471(zwei)-470(Tagen)-470(wird)-471(der)-470(Arzt)-470(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(Ihnen)-218(kommen,)-224(wird)-218(lesen,)-224(was)-218(Sie)-218(geschrieben)-217(haben,)-225(und)-217(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-275(ganzen)-274(guten)-275(Mannes-)-274(und)-275(Freundeswillen)-274(haben,)-281(Ihnen)-274(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(dienen)-327(und)-326(zu)-327(helfen.)-479(Das)-326(Essen)-327(wird)-326(Ihnen)-327(inzwischen)-326(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-401(gebracht)-401(werden.)-703(Finden)-401(Sie)-401(sich)-402(mit)-401(den)-401(Bl\344ttern,)-438(die)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-458(dem)-458(Schreibtisch)-458(liegen,)-511(nicht)-458(ab,)-510(k\366nnen)-458(Sie)-458(nicht)-458(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Willen)-289(aufbringen,)-298(Ferien)-289(vom)-289(Leben)-289(zu)-288(machen,)-299(so)-289(h\344ngt)-288(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-316(Nagel)-317(an)-316(der)-317(T\374r)-316(ein)-316(Schl\374ssel,)-333(der)-317(die)-316(Pforte)-317(unten)-316(an)-316(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Allee)-251(aufsperrt.)-251(Lassen)-251(Sie)-251(den)-250(Schl\374ssel)-251(von)-250(innen)-251(stecken)-250(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schlagen)-245(Sie)-246(die)-245(Pforte)-246(von)-245(au\337en)-245(zu.)-249(Zu)-245(bezahlen)-246(haben)-245(Sie)-245(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(das,)-373(was)-348(Sie)-348(inzwischen)-348(genossen,)-373(nichts;)-397(wir)-349(freuen)-348(uns,)-372(da\337)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(einmal)-250(dagewesen)-250(sind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.589 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -108.633 -16.004 Td [(So)-221(sagt)-222(der)-221(Torwart,)-227(und)-221(dann)-221(l\344\337t)-222(er)-221(den)-221(verwunderten)-221(Herrn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stefenson)-250(allein.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Der)-553(setzt)-554(sich,)-629(noch)-553(im)-553(Reisemantel,)-630(an)-553(den)-553(Tisch)-553(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(beginnt)-350(zu)-350(lesen.)-551(Ich)-350(kann)-350(hier)-351(nicht)-350(den)-350(ganzen)-350(Inhalt)-350(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\344tter)-278(aufsagen,)-285(sondern)-278(nur)-278(einige)-278(wenige)-278(S\344tze)-278(hervorheben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Betrachte)-270(dein)-269(Leben)-270(mit)-270(allem,)-275(was)-269(es)-270(gebracht)-270(hat:)-289(Arbeiten,)]TJ -3.633 -13.549 Td [(Erholungen,)-333(Gen\374ssen,)-334(S\374nden,)-333(als)-317(eine)-316(Anstrengung,)-334(die)-316(dich)]TJ 0 -13.55 Td [(m\374de)-204(gemacht)-205(hat)-204(und)-205(deine)-204(Kr\344fte)-205(zerm\374rben)-204(wird.)-235(Mache)-204(dich)]TJ 0 -13.549 Td [(los)-290(von)-291(diesen)-290(Anstrengungen,)-300(spanne)-291(aus,)-300(mache)-290(Ferien.)-371(L\366se)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +238 0 obj << +/Type /Page +/Contents 239 0 R +/Resources 237 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 219 0 R +>> endobj +240 0 obj << +/D [238 0 R /XYZ 115.353 369.134 null] +>> endobj +237 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +243 0 obj << +/Length 5555 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(29)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dich)-206(zun\344chst)-206(los)-206(von)-206(dem)-206(G\366tzen,)-215(dem)-206(du)-206(alle)-207(Tage)-206(opferst,)-214(von)]TJ 0 -13.549 Td [(deinem)-198(von)-197(dir)-198(so)-197(z\344rtlich)-197(geliebten)-198(Ich.)-232(Entkleide)-198(diesen)-197(G\366tzen)]TJ 0 -13.549 Td [(allen)-362(Tandes,)-390(den)-362(du)-362(ihm)-362(mit)-362(gro\337en)-362(Entbehrungen)-361(verschafft)]TJ 0 -13.549 Td [(hast,)-277(seines)-272(wohlklingenden)-271(Namens,)-277(seiner)-272(Genu\337sucht,)-276(seiner)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([41])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Herrschsucht)-250(\374ber)-250(Geld)-250(und)-250(andere)-250(Machtmittel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 213.284 0 Td [(\030\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.328 -14.25 Td [(Hier)-250(unterbrach)-250(mich)-250(mein)-250(Zuh\366rer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bitte,)-384(sagen)-357(Sie)-357(das)-357(nicht)-357(mit)-357(so)-357(phrasenhaften,)-384(abstrakten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Worten;)-250(sagen)-250(Sie)-250(es)-250(einfacher)-250(und)-250(instruktiver!)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.862 0 Td [(\034)]TJ -198.906 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sch\366n!)-1013(Nehmen)-504(wir)-505(also)-504(an,)-568(da\337)-504(jener)-504(Herr)-505(Stefenson)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-563(zwei)-564(Tage)-563(und)-564(zwei)-563(N\344chte)-564(in)-563(dem)-563(Einsiedlerh\344uslein)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgehalten)-398(hat,)-435(ohne)-398(fortzulaufen.)-694(Nach)-398(zwei)-398(Tagen)-398(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-398(Arzt.)-694(Herr)-398(Stefenson)-398(wird)-398(ihm)-398(entgegenrennen)-398(und)-398(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(jede)-348(Einleitung)-348(sagen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.961 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ich)-348(habe)-348(Ihre)-348(Bl\344tter)-348(gelesen)-348(und)-348(mu\337)]TJ -107.594 -13.55 Td [(Ihnen)-447(sagen,)-495(Herr)-447(Doktor,)-495(da\337)-447(mir)-446(die)-447(Sache)-446(zum)-447(Teil)-446(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(abenteuerlich,)-285(zum)-277(Teil)-278(sehr)-277(langweilig)-278(vorkommt.)-333(Warum)-277(soll)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-322(zum)-321(Beispiel)-322(hier)-321(in)-321(dem)-322(Ferienheim)-321(nicht)-322(mehr)-321(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(hei\337en,)-250(sondern)-250(einen)-250(anderen)-250(Namen)-250(haben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.542 0 Td [(\030)]TJ -188.586 -14.251 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Setzen)-164(Sie)-165(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.184 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-181(wird)-165(der)-164(Arzt)-164(antworten)-164(und)-165(Herrn)-164(Stefenson)]TJ -83.405 -13.549 Td [(auf)-250(die)-250(Bank)-250(neben)-250(der)-250(Haust\374r)-250(dr\374cken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Holen)-250(Sie)-250(Ihre)-250(Lebensbeschreibung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.749 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.381 -14.251 Td [(Herr)-401(Stefenson)-401(gehorcht,)-438(und)-401(der)-401(Doktor)-401(beginnt)-401(zu)-400(lesen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(was)-223(Herr)-223(Stefenson)-223(in)-223(den)-223(Tagen)-223(einsamer)-223(Einkehr)-223(in)-223(sich)-222(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-359(sein)-360(Leben)-359(niedergeschrieben)-359(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.63 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ich)-359(werde)-360(die)-359(Bl\344tter)]TJ -185.263 -13.55 Td [(mitnehmen)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.091 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-488(sagt)-441(der)-441(Doktor,)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.135 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(und)-441(sie)-440(zu)-441(Haus)-441(noch)-440(einmal)]TJ -144.492 -13.549 Td [(lesen,)-373(dann)-348(bekommen)-349(Sie)-348(Ihr)-348(Manuskript)-349(zur\374ck)-348(und)-348(k\366nnen)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-251(selbst)-250(vernichten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.181 0 Td [(\030)-251(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 10 0 Td [(Das)-251(ist)-250(so)-251(\344hnlich)-250(wie)-251(bei)-251(Lahmann)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.779 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-251(sagt)]TJ -257.593 -13.549 Td [(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.216 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.087 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-192(nickte)-177(der)-178(Doktor,)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.013 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(ich)-177(habe)-178(vieles)-177(von)-178(Lahmann,)]TJ -153.214 -13.549 Td [(der)-387(wieder)-387(vieles)-387(von)-388(Prie\337nitz)-387(und)-387(anderen)-387(hat.)-661(Wenn)-387(einer)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([42])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(hochkommen)-490(will,)-550(mu\337)-489(er)-490(immer)-490(auf)-490(die)-490(Schultern)-489(anderer)]TJ 0 -13.549 Td [(steigen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.633 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -21.677 -14.25 Td [(Der)-348(Arzt)-348(unterh\344lt)-348(sich)-348(nun)-348(lange)-348(mit)-348(Mister)-348(Stefenson)-347(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erkl\344rt)-383(ihm)-383(auch,)-416(warum)-383(er)-383(im)-383(Ferienheim)-383(des)-383(Lebens)-382(seinen)]TJ 0 -13.55 Td [(Namen)-327(ablegen)-327(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.302 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Sie)-327(sind)-327(hier)-327(nicht)-327(Mister)-327(Stefenson,)-346(Sie)]TJ -99.934 -13.549 Td [(sind)-229(irgendein)-230(Mensch,)-233(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.637 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.956 0 Td [(sagen)-229(wir)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.385 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.956 0 Td [(John)-229(hei\337t;)-237(dieser)-229(John)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +242 0 obj << +/Type /Page +/Contents 243 0 R +/Resources 241 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +244 0 obj << +/D [242 0 R /XYZ 185.699 477.528 null] +>> endobj +245 0 obj << +/D [242 0 R /XYZ 305.594 148.139 null] +>> endobj +241 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +249 0 obj << +/Length 4638 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(30)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(hat)-378(mit)-378(Herrn)-377(Stefenson)-378(gar)-378(nichts)-378(zu)-378(tun.)-633(Herr)-378(Stefenson)-377(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(irgendwo)-292(in)-292(Neuyork,)-302(Milwaukee)-292(oder)-292(auf)-292(Trinidad,)-302(zermartert)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-641(dort)-641(sein)-642(Hirn)-641(um)-641(neue)-641(Gewinne,)-739(wird)-641(gelobhudelt,)]TJ 0 -13.549 Td [(befeindet,)-238(belogen,)-238(betrogen)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.504 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.015 0 Td [(arbeitet)-235(und)-234(am\374siert)-235(sich)-235(halb)-235(zu)]TJ -134.519 -13.55 Td [(Tode,)-328(hat)-312(mancherlei)-312(Schw\344chen,)-328(die)-312(sein)-313(Leben)-312(und)-312(vor)-312(allen)]TJ 0 -13.549 Td [(Dingen)-306(seine)-307(Freude)-306(am)-307(Leben)-306(verk\374rzen,)-321(kurz,)-321(ist)-306(trotz)-306(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Millionen)-200(ein)-200(armer,)-210(gehetzter)-200(Mensch,)-210(w\344hrend)-200(dieser)-200(John)-199(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(keinen)-379(liebedienernden)-379(Tro\337,)-379(keinen)-379(vorteilss\374chtigen)-379(Freund,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-251(auch)-251(keinen)-251(Feind)-251(hat,)-251(froh)-251(und)-251(sicher)-251(unter)-250(seinesgleichen)]TJ 0 -13.55 Td [(lebt)-282(und,)-291(wenn)-282(er)-282(mit)-283(einem)-282(Genossen)-282(im)-283(Garten)-282(arbeitet,)-290(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wei\337,)-195(ob)-195(dieser)-195(Mann)-195(drau\337en)-195(in)-195(der)-195(Welt)-195(ein)-195(F\374rst)-195(oder)-195(Minister)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-333(ein)-332(kleiner)-333(Beamter)-333(ist.)-498(Sehen)-333(Sie,)-353(John,)-353(das)-333(ist)-333(ein)-332(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366stlicher)-268(Humor,)-273(den)-268(wir)-268(hier)-267(betreiben.)-304(Wenn)-268(die)-268(Leute)-268(ihren)]TJ 0 -13.549 Td [(Namen)-319(abgelegt)-319(haben)-319(und)-319(auch)-319(alle)-319(die)-319(gleiche)-319(Tracht)-318(haben,)]TJ 0 -13.55 Td [(kennt)-407(man)-407(den)-408(Gro\337en)-407(vom)-407(Kleinen)-407(nicht)-408(mehr)-407(heraus.)-721(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Geist)-355(verr\344t)-355(sie)-355(nicht.)-565(Da\337)-355(der)-355(Patient)-355(w\344hrend)-355(der)-354(Dauer)-355(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Kur)-310(seinen)-310(Namen)-310(ablegt,)-325(ist)-310(f\374r)-310(den)-310(Erfolg)-310(f\374r)-310(uns)-310(eine)-309(gro\337e)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauptsache.)-442(Der)-314(Name)-314(ist)-314(meist)-314(die)-314(st\344rkste)-314(Kette,)-330(die)-314(mit)-314(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Last)-449(und)-448(Lust)-449(des)-449(Alltags)-448(verbindet,)-499(sie)-448(mu\337)-449(in)-448(Ferientagen)]TJ 0 -13.55 Td [(gel\366st)-337(werden.)-511(Und)-336(w\344re)-337(der)-337(Name)-337(auch)-337(ein)-337(Schmuck,)-359(wie)-336(ja)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([43])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(der)-335(Name)-336(eines)-335(guten)-335(Kaufmanns)-335(gewi\337)-336(ein)-335(kostbarer,)-356(schwer)]TJ 0 -13.549 Td [(erworbener)-479(Schmuck)-479(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.256 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.679 0 Td [(wer)-479(richtig)-479(ruhen)-479(will,)-536(legt)-479(allen)]TJ -126.935 -13.549 Td [(Schmuck)-353(ab.)-561(Weniger)-353(wichtig)-354(ist)-353(das)-354(Ablegen)-353(der)-353(gewohnten)]TJ 0 -13.549 Td [(Tracht,)-212(aber)-202(doch)-203(wichtig)-202(genug,)-212(bei)-202(uns)-203(zur)-202(Bedingung)-202(gemacht)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-192(werden.)-231(Und)-192(f\374r)-192(uns)-192(hat)-192(es)-193(noch)-192(das)-192(eine)-192(Gute:)-221(Es)-192(h\344lt)-192(uns)-192(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(albernen)-293(Pfauen)-293(des)-293(Lebens)-292(vom)-293(Halse,)-304(vor)-293(allen)-293(Dingen)-292(eitles)]TJ 0 -13.549 Td [(Weibervolk;)-441(wer)-377(zu)-377(uns)-377(kommt)-377(und)-377(bei)-377(uns)-377(bleibt,)-408(der)-377(meint)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-299(ernst)-298(mit)-299(sich)-299(selbst.)-396(Im)-299(\374brigen)-298(hoffe)-299(ich,)-311(da\337)-299(Ihnen)-298(unsere)]TJ 0 -13.549 Td [(bequeme,)-206(gesunde)-196(Tracht)-195(gefallen)-196(wird;)-213(auch)-196(unsere)-195(Damen)-195(sind)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-250(zufrieden)-250(mit)-250(ihr.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Wovon)-461(Sie)-461(weiterhin)-462(erl\366st)-461(werden)-461(m\374ssen,)-514(ist)-461(das)-461(Geld.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sie)-313(haben)-314(w\344hrend)-313(Ihres)-314(ganzen)-313(hiesigen)-314(Aufenthalts)-313(mit)-313(Geld)]TJ 0 -13.55 Td [(nichts)-521(zu)-521(tun.)-1063(Was)-520(Sie)-521(bei)-521(sich)-521(tragen,)-589(geben)-521(Sie)-521(an)-520(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Kasse)-443(ab,)-492(es)-443(wird)-443(Ihnen)-443(verwahrt)-444(und)-443(verzinst)-443(bis)-443(zu)-443(Ihrem)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +248 0 obj << +/Type /Page +/Contents 249 0 R +/Resources 247 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +250 0 obj << +/D [248 0 R /XYZ 186.145 260.74 null] +>> endobj +247 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +253 0 obj << +/Length 4832 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(31)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Austritt,)-349(abz\374glich)-328(des)-329(Betrages)-329(f\374r)-329(Ihren)-329(Kuraufenthalt.)-486(John,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-451(Feriengast,)-502(besitzt)-451(nicht)-451(einen)-451(Pfennig.)-854(Er)-451(braucht)-451(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(keinen)-210(Pfennig,)-218(und)-210(er)-211(ist)-210(schon)-210(nach)-210(kurzer)-210(Zeit)-210(gl\374cklich,)-218(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-245(ganzen)-245(Tag)-245(\374ber)-245(sich)-245(H\344nde)-245(entgegenstrecken)-245(zu)-245(sehen,)-245(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-217(er)-216(Geld)-217(legen)-217(soll,)-223(wie)-217(es)-216(Herrn)-217(Stefenson)-217(geschieht,)-223(bei)-216(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-200(Bewegung)-199(nach)-200(der)-200(Brieftasche)-199(schon)-200(automatisch)-199(geworden)]TJ 0 -13.549 Td [(ist.)-229(John)-187(hat)-187(nur)-187(eine)-187(Tasche)-187(f\374rs)-187(Taschentuch)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.458 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.494 0 Td [(Geld)-187(hat)-187(er)-187(nicht,)]TJ -206.952 -13.549 Td [(Schl\374ssel,)-397(Messer,)-398(Taschentoilette,)-397(F\374llfederhalter,)-397(Notizbuch,)]TJ 0 -13.549 Td [(Brieftasche,)-238(Taschenapotheke)-235(und)-235(aller)-235(andere)-235(Ballast)-235(wird)-235(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(Bord)-250(geworfen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Auch)-250(die)-250(Uhr!)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([44])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.186 Td [(Es)-227(geht)-228(John)-227(gar)-227(nichts)-228(an,)-232(wie)-227(sp\344t)-227(es)-228(ist,)-231(es)-228(ist)-227(g\344nzlich)-227(ohne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Interesse)-431(f\374r)-432(ihn,)-476(ob)-431(es)-432(dreizehn)-431(Uhr)-431(siebzehn)-431(oder)-431(vierzehn)]TJ 0 -13.549 Td [(Uhr)-306(sechsundzwanzig)-307(ist,)-320(er)-307(braucht)-306(nicht)-306(zu)-307(hetzen,)-320(sich)-306(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-422(\344ngstigen,)-464(er)-422(hat)-421(Zeit,)-465(er)-422(kommt)-421(immer)-422(zurecht.)-765(Nur)-421(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mahlzeiten)-459(darf)-458(er)-459(nicht)-458(vers\344umen;)-563(aber)-459(zu)-458(ihnen)-459(ruft)-458(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Glocke.)-245(Oh,)-237(Mister)-235(Stefenson,)-237(Sie)-235(werden)-234(sehen,)-238(wie)-234(wohltuend)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-235(ist,)-239(wenn)-235(man)-235(nicht)-236(am)-235(Tage)-235(sechzigmal)-236(nach)-235(der)-235(Uhr)-235(sehen)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337!)-210(Die)-211(Uhr,)-218(die)-210(\374ber)-211(dem)-210(Herzen)-210(schl\344gt,)-219(schl\344gt)-210(schneller)-210(als)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-225(Herz,)-231(als)-225(wollte)-225(sie)-226(wie)-225(ein)-225(Schrittmacher)-226(zu)-225(immer)-225(gr\366\337erer)]TJ 0 -13.549 Td [(Eile)-281(anspornen)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.543 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.52 0 Td [(und)-281(der)-281(Weg)-281(f\374hrt)-281(doch)-281(ans)-281(Ende)-281(des)-281(Lebens.)]TJ -77.063 -13.549 Td [(Warum)-330(sollen)-330(wir)-330(es)-330(so)-330(eilig)-330(haben,)-350(dorthin)-330(zu)-330(gelangen?)-489(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Schrittmacher)-250(wird)-250(bei)-250(uns)-250(au\337er)-250(T\344tigkeit)-250(gesetzt.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Da)-297(nun)-297(John)-298(mit)-297(Mister)-297(Stefenson)-297(rein)-298(gar)-297(nichts)-297(zu)-297(tun)-297(hat,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geht)-319(es)-318(ihn)-319(auch)-318(rein)-319(gar)-318(nichts)-319(an,)-335(was)-319(diesen)-318(amerikanischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gro\337kaufmann)-552(von)-551(Weltereignissen)-551(aufregt)-552(und)-551(interessiert.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-483(geht)-484(John)-483(nichts)-483(an,)-542(ob)-483(Stefensons)-483(Kurse)-484(fallen,)-541(was)-483(in)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-431(Parlamenten)-432(gekohlt)-431(wird)-432(oder)-431(was)-432(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.826 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(V\366lkerbund)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.113 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.339 0 Td [(f\374r)]TJ -267.91 -13.549 Td [(Schindluder)-491(getrieben)-491(wird,)-551(ja)-490(es)-491(geht)-491(ihn)-491(nicht)-491(einmal)-490(das)]TJ 0 -13.549 Td [(mindeste)-476(an,)-533(wer)-476(Weltmeister)-477(im)-476(Boxkampf)-476(geworden)-476(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(kurz,)-486(John)-438(liest)-438(keine)-439(Zeitungen.)-815(Auf)-439(dem)-438(Fragebogen,)-485(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie,)-312(Herr)-299(Stefenson,)-311(auszuf\374llen)-299(hatten,)-312(steht:)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.248 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Wie)-299(lange)-299(lesen)]TJ -209.881 -13.55 Td [(Sie)-287(durchschnittlich)-286(t\344glich)-287(\374ber)-286(der)-287(Zeitung,)-296(wie)-286(lange)-287(also)-286(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahre?)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.862 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.41 0 Td [(Sie)-438(haben)-438(den)-438(t\344glichen)-438(Zeitverbrauch)-438(auf)-438(dreiviertel)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +252 0 obj << +/Type /Page +/Contents 253 0 R +/Resources 251 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +254 0 obj << +/D [252 0 R /XYZ 201.166 463.978 null] +>> endobj +255 0 obj << +/D [252 0 R /XYZ 46.771 380.905 null] +>> endobj +251 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +258 0 obj << +/Length 4794 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(32)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Stunden,)-319(den)-304(j\344hrlichen)-305(also)-305(auf)-305(274)-305(Stunden)-305(berechnet.)-414(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-274(den)-274(Tag)-275(mit)-274(neun)-274(Arbeitsstunden)-274(annimmt,)-280(verwenden)-274(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(aufs)-251(Zeitunglesen)-251(drei\337ig)-251(Tage,)-251(also)-251(einen)-251(ganzen)-251(Arbeitsmonat)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([45])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(des)-164(Jahres.)-222(Und)-164(dann)-165(kam)-164(auf)-164(dem)-165(Fragebogen)-164(die)-164(Aufforderung:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Schreiben)-376(Sie)-375(kurz)-376(nieder,)-406(was)-376(Sie)-375(von)-376(Ihrer)-375(Zeitungslekt\374re)]TJ -3.633 -13.549 Td [(aus)-359(dem)-359(vorigen)-359(und)-358(aus)-359(dem)-359(vorvorigen)-359(Jahre)-359(noch)-358(wissen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 276.997 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.549 Td [(Was)-302(Sie)-302(vom)-302(vorigen)-303(Jahre)-302(noch)-302(wissen,)-315(steht)-302(auf)-302(f\374nf)-302(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\344ttern,)-202(und)-191(Sie)-190(geben)-191(es)-191(ehrlich)-190(an,)-202(da\337)-191(es)-190(Ihnen)-191(schwere)-190(M\374he)]TJ 0 -13.549 Td [(verursacht)-173(hat,)-187(diese)-173(f\374nf)-172(Bl\344tter)-173(zu)-172(f\374llen.)-225(Vom)-172(vorvorigen)-172(Jahre)]TJ 0 -13.55 Td [(wu\337ten)-275(Sie)-275(fast)-275(nichts)-275(mehr,)-282(nur)-275(ein)-275(paar)-275(ganz)-275(gro\337e)-275(Ereignisse)]TJ 0 -13.549 Td [(standen)-510(noch)-510(im)-509(Ged\344chtnis.)-1030(Nun)-510(ist)-509(ja)-510(sicher,)-575(da\337)-509(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-295(Zeitunglesen)-294(viel)-295(latenter,)-305(nur)-295(im)-294(Augenblick)-295(nicht)-294(bereiter)]TJ 0 -13.549 Td [(Besitz)-352(erworben)-352(wird.)-555(Aber)-352(Sie)-352(selbst)-352(m\374ssen)-351(sich)-352(fragen,)-377(ob)]TJ 0 -13.549 Td [(dieser)-334(Besitz)-335(die)-334(Aufwendung)-334(eines)-335(ganzen)-334(Arbeitsmonats)-334(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Jahres)-414(wert)-415(ist.)-743(Das)-415(Zeit\366konomische)-414(geht)-415(uns)-414(\374brigens)-414(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-306(in)-306(zweiter)-306(Linie)-306(an.)-418(Die)-306(Hauptsache)-306(ist)-306(uns:)-362(John)-306(darf)-306(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-423(das)-422(Fr\374hst\374ck)-423(verderben)-422(lassen,)-466(weil)-422(Herr)-423(Stefenson)-422(in)]TJ 0 -13.549 Td [(ebendemselben)-223(Augenblick)-224(aus)-223(der)-223(Zeitung)-224(einen)-223(giftigen)-223(\304rger)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-295(einen)-295(Deputierten)-295(saugen)-295(w\374rde,)-306(der)-295(nach)-295(seiner)-294(Meinung)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-370(idiotische)-371(Rede)-370(gehalten)-370(hat;)-431(John)-370(betrinkt)-371(sich)-370(nicht)-370(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Abend)-409(aus)-410(Freude)-409(dar\374ber,)-449(da\337)-409(einer)-410(Konkurrenz)-409(von)-409(Mister)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-215(die)-215(Butter)-215(vom)-215(Brote)-215(gefallen)-216(ist;)-226(John)-215(disputiert)-215(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-275(Stunde)-274(lang)-275(dar\374ber,)-281(ob)-275(das)-274(B\374ndnis)-275(zwischen)-275(den)-274(Staaten)]TJ 0 -13.549 Td [(Soundso)-181(zustande)-181(kommen)-181(wird)-181(oder)-181(nicht;)-204(kurz:)-215(John)-181(verzichtet)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-380(die)-380(Peitschenhiebe)-380(des)-380(Zeitungsstils.)-640(Er)-380(sagt)-380(sich)-380(so:)-509(F\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(Herrn)-363(Stefenson)-362(aus)-363(Amerika)-362(m\366gen)-363(die)-362(nervenanstrengenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Dinge,)-301(die)-290(t\344glich)-291(in)-290(der)-290(Zeitung)-291(stehen,)-300(wichtig,)-301(ja)-290(unerl\344\337lich)]TJ 0 -13.549 Td [(sein;)-283(denn)-272(Herr)-272(Stefenson)-271(steht)-272(in)-272(der)-272(harten)-272(Schule)-272(des)-271(Lebens)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([46])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(und)-306(kann)-306(sich)-306(um)-306(sein)-306(Pensum)-306(nicht)-306(dr\374cken;)-334(aber)-306(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 246.987 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.793 0 Td [(o)-306(ich,)]TJ -255.78 -13.549 Td [(John,)-423(ich)-388(habe)-388(Ferien,)-423(und)-388(die)-389(ganze)-388(Schule)-388(des)-388(Lebens)-388(geht)]TJ 0 -13.55 Td [(mich)-250(rein)-250(gar)-250(nichts)-250(an.)]TJ 11.955 -18.458 Td [(Es)-225(kommt)-226(noch)-225(eins)-226(hinzu)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.143 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.914 0 Td [(John)-225(erzieht)-226(sich.)-242(Herr)-225(Stefenson)]TJ -137.012 -13.55 Td [(meint,)-232(ohne)-228(ihn)-228(ginge)-228(es)-228(nicht.)-242(Auch)-228(wenn)-228(er)-228(reist,)-232(auch)-228(wenn)-227(er)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-269(einem)-269(Bad)-269(ist,)-273(beh\344lt)-269(er)-269(die)-269(Hauptf\344den)-269(seiner)-268(gesch\344ftlichen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +257 0 obj << +/Type /Page +/Contents 258 0 R +/Resources 256 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +259 0 obj << +/D [257 0 R /XYZ 128.998 491.077 null] +>> endobj +260 0 obj << +/D [257 0 R /XYZ 210.35 152.347 null] +>> endobj +256 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +263 0 obj << +/Length 4392 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(33)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Angelegenheiten)-420(immer)-420(in)-420(der)-421(Hand.)-760(Er)-420(l\344\337t)-420(sich)-420(ellenlange)]TJ 0 -13.549 Td [(Berichte)-287(schicken,)-296(er)-287(liest)-287(Zeitungen,)-296(er)-287(kabelt,)-297(er)-287(regt)-286(sich)-287(auf,)]TJ 0 -13.549 Td [(freut)-317(sich,)-333(wettert)-317(und)-317(ist)-316(eigentlich)-317(auch)-317(auf)-317(Reisen)-316(immerfort)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-232(Hause,)-236(immer)-232(im)-232(Joch.)-244(John)-232(pfeift)-232(sich)-232(eins.)-244(John)-231(sagt:)-241(Wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(Herr)-359(Stefenson)-360(tot)-359(w\344re,)-386(ginge)-360(es)-359(auch;)-414(folglich)-359(geht)-359(es)-359(auch,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-241(Herr)-241(Stefenson)-241(verreist)-241(ist.)-247(Vielleicht)-241(geht)-241(es)-241(sogar)-240(besser,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-329(wenn)-328(er)-328(zu)-329(Haus)-328(ist.)-486(Nur)-328(nicht)-329(zu)-328(eitel)-329(sein!)-485(Frisches)-328(Blut)]TJ 0 -13.549 Td [(tut)-299(manchmal)-298(gut,)-311(und)-299(vielleicht)-298(kann)-299(John)-298(Herrn)-299(Stefenson)-298(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(guter)-238(Letzt)-239(an)-238(der)-238(Hand)-239(nehmen)-238(und)-239(sagen:)-244(Sei)-238(froh,)-241(da\337)-238(du)-238(mal)]TJ 0 -13.55 Td [(ausgeschieden)-389(warst,)-424(du)-390(hast)-389(inzwischen)-389(gl\344nzende)-389(Gesch\344fte)]TJ 0 -13.549 Td [(gemacht,)-569(so)-505(wie)-505(ein)-505(Spieler)-505(meist)-505(gewinnt,)-568(wenn)-505(er)-505(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Vertreter)-250(auf)-250(einige)-250(Minuten)-250(seine)-250(Karten)-250(\374berl\344\337t.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Im)-426(Ferienheim)-427(gibt)-426(es)-426(t\344glich)-427(einen)-426(Anschlag,)-471(auf)-426(dem)-426(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wenig)-330(Zeilen)-331(die)-330(Hauptereignisse)-330(des)-331(Tages)-330(mitgeteilt)-330(werden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wer)-287(daraus)-287(schlie\337t,)-296(da\337)-287(er)-287(\374ber)-287(einen)-287(Punkt)-287(unbedingt)-286(weitere)]TJ 0 -13.55 Td [(Auskunft)-482(haben)-481(m\374sse,)-540(der)-481(geht)-482(in)-482(die)-481(Kanzlei,)-540(dort)-481(liegen)]TJ 0 -13.549 Td [(drei\337ig)-371(Zeitungen.)-614(Kann)-371(sich)-372(der)-371(Betreffende)-371(bald)-371(beruhigen,)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-497(ist)-496(es)-497(gut;)-619(wenn)-497(das)-497(nicht)-496(der)-497(Fall)-496(ist,)-558(verl\344\337t)-497(er)-496(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferien)-331(und)-332(geht)-331(in)-332(die)-331(Lebensschule)-332(zur\374ck.)-494(Bis)-332(jetzt)-331(sind)-331(nur)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([47])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(drei)-370(Prozent)-371(unserer)-370(Ferieng\344ste)-370(nach)-371(der)-370(Kanzlei)-370(gekommen,)]TJ 0 -13.55 Td [(um)-330(Zeitungen)-329(zu)-330(lesen;)-369(die)-329(allermeisten)-330(lesen)-329(nicht)-330(einmal)-329(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Anschl\344ge.)-578(Sie)-360(sind)-359(zu)-359(ernst;)-414(sie)-360(sind)-359(wie)-360(auf)-359(einem)-359(fremden)]TJ 0 -13.549 Td [(Stern;)-405(die)-353(Erdenereignisse)-353(gehen)-353(sie)-353(auf)-353(einige)-353(Zeit)-353(gar)-353(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Und)-991(so)-990(wie)-991(mit)-991(den)-990(Zeitungen,)-1176(ist)-991(es)-991(mit)-990(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Privatkorrespondenz.)-355(Sehen)-285(Sie)-285(sich)-286(an,)-293(Herr)-286(Stefenson,)-293(wie)-285(es)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-151(Leute)-151(in)-151(den)-151(modernen)-151(Kurorten)-151(treiben.)-217(Eine)-151(der)-151(allergr\366\337ten)]TJ 0 -13.55 Td [(Hauptpersonen)-387(ist)-386(der)-387(Brieftr\344ger.)-660(Man)-387(kann)-387(sein)-386(Erscheinen)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-370(erwarten.)-611(Vor)-370(jeder)-370(Ausgabe)-371(der)-370(Post)-370(zwanzig)-370(Minuten)]TJ 0 -13.549 Td [(Nervenvibrieren,)-280(innere)-274(Unruhe,)-280(gespannte)-274(Erwartung.)-322(Und)-274(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erfolg?)-466(Ein)-322(paar)-322(freuen)-322(sich;)-358(aber)-322(Herrn)-322(Mayer)-322(hat)-322(seine)-321(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(geschrieben,)-323(da\337)-309(sich)-308(der)-309(Hausmeister)-308(ruppig)-309(benommen)-308(habe,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-209(Herr)-210(Mayer)-209(ist)-210(auf)-209(Stunden)-210(in)-209(menschenfresserischer)-209(Laune;)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-281(T\366chterchen)-280(von)-281(Frau)-281(Ludwig)-280(ist)-281(vom)-281(Tisch)-280(gepurzelt,)-288(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +262 0 obj << +/Type /Page +/Contents 263 0 R +/Resources 261 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +264 0 obj << +/D [262 0 R /XYZ 149.691 271.835 null] +>> endobj +261 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +267 0 obj << +/Length 4497 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(34)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-426(Mutter)-426(telegraphiert,)-470(man)-426(solle)-426(gleich)-426(den)-426(Arzt)-426(befragen,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-349(ohnehin)-349(nat\374rlich)-348(schon)-349(geschehen)-349(ist;)-398(Baron)-349(Erwin)-348(zieht)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-497(Stirn)-497(in)-496(Falten,)-559(weil)-496(seine)-497(Isolde)-497(nicht)-497(geschrieben)-496(hat;)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-408(Schriftsteller)-409(Niessen)-408(kriegt)-409(ein)-408(Romanmanuskript)-408(zur\374ck)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-356(bricht)-357(fast)-356(in)-357(Tr\344nen)-356(aus)-357(\374ber)-356(die)-357(Idiotie)-356(der)-356(betreffenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Redaktion;)-222(im)-207(Herzen)-207(der)-208(blonden)-207(Else)-208(steckt)-207(eine)-207(Ansichtskarte)]TJ 0 -13.549 Td [(ihres)-509(Referendars)-510(ein)-509(verzehrendes)-509(Feuer)-510(der)-509(Sehnsucht)-509(an;)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-400(Geheime)-399(Oberregierungsrat)-400(bekommt)-399(das)-400(Schreiben)-399(eines)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Freundes)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.993 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(,)-464(das)-421(ihm)-421(suggeriert,)-464(seine)-421(Stellung)-421(sei)-421(ersch\374ttert,)]TJ -47.258 -13.55 Td [(und)-401(der)-401(Frau)-401(von)-401(Puttbus)-400(schreibt)-401(die)-401(Schneiderin)-401(ab.)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.05 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.827 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.549 Td [(\304rzte)-341(k\366nnen)-341(sicher)-341(rechnen,)-363(da\337)-341(das,)-364(was)-341(sie)-341(in)-341(einer)-340(Woche)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([48])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(aufbauen,)-328(manchmal)-313(der)-312(Brieftr\344ger)-313(in)-312(zehn)-313(Minuten)-312(einrei\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(kann.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Und)-864(deshalb)-865(w\374nscht)-864(das)-865(Ferienheim)-864(sehnlichst)-864(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brieftr\344ger)-480(zum)-479(Kuckuck,)-538(weil)-479(er)-480(die)-480(Ferienruhe)-479(st\366rt,)-537(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-517(seiner)-517(schwarzen)-517(Tasche)-517(meist)-517(nichts)-517(anderes)-517(steckt,)-583(als)]TJ 0 -13.549 Td [(erm\374dende)-247(Aufgaben)-248(aus)-247(der)-247(Schule)-248(des)-247(Lebens.)-249(Deshalb)-247(bitten)]TJ 0 -13.55 Td [(wir)-220(unsere)-220(Ferieng\344ste:)-235(Sagt)-220(euren)-220(Verwandten,)-226(gerade,)-226(weil)-220(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-343(lieb)-342(haben,)-366(wollen)-343(wir)-343(uns)-343(einmal)-342(auf)-343(einige)-343(Zeit)-342(trennen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreibt)-326(nur)-325(im)-325(Notfall)-326(an)-325(mich;)-364(alles)-325(Kleine)-326(la\337t)-325(weg,)-344(erz\344hlt)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-357(mir,)-385(wenn)-357(ich)-357(heimkomme.)-573(Es)-357(wird)-357(mir)-358(dann)-357(lieb)-357(sein;)-411(es)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-426(sein,)-470(als)-426(ob)-427(wir)-426(uns)-426(neu)-426(gegeben)-426(w\344ren.)-778(Bedenkt,)-470(da\337)]TJ 0 -13.55 Td [(mir)-253(von)-254(der)-253(Leitung)-253(des)-254(Ferienheims,)-254(wenn)-253(ich)-254(in)-253(zwei)-253(Wochen)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-271(als)-272(einen)-271(Brief)-272(erhalte,)-276(nahegelegt)-272(werden)-271(wird,)-277(das)-271(Heim)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-451(verlassen.)-852(Ich)-450(kann)-451(nicht)-451(Ferien)-450(machen,)-501(ich)-451(kann)-450(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ausspannen,)-250(wenn)-250(mir)-250(die)-250(papierene)-250(Last)-250(immer)-250(am)-250(Fu\337)-250(sitzt.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Das)-377(ist)-378(eine)-377(scheinbar)-377(harte)-378(Ma\337regel)-377(des)-377(Ferienheims,)-409(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(viele)-341(gehindert)-341(hat,)-364(zu)-342(uns)-341(zu)-341(kommen,)-364(alle)-341(zu)-341(Sentimentalen;)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-290(wir)-289(haben)-290(die)-290(Anordnung)-289(als)-290(richtig)-290(erkannt)-289(und)-290(halten)-289(an)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-281(fest.)-344(Wer)-282(einen)-281(gro\337en)-281(Teil)-282(seines)-281(Erholungsaufenthaltes)-281(an)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-250(Postb\374ro)-250(binden)-250(will,)-250(soll)-250(anderswo)-250(hingehen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Das)-379(ist,)-411(wenn)-380(ich)-379(so)-379(sagen)-379(darf,)-411(die)-379(negative)-379(Seite)-379(unseres)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Heilverfahrens,)-328(das,)-329(was)-312(wir)-313(ausscheiden:)-375(Namen,)-328(Rang,)-328(Titel,)]TJ 0 -13.549 Td [(moderne)-572(Bekleidung,)-652(das)-571(Geld,)-652(die)-572(Uhr,)-652(die)-571(Zeitung,)-652(das)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +266 0 obj << +/Type /Page +/Contents 267 0 R +/Resources 265 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 246 0 R +>> endobj +268 0 obj << +/D [266 0 R /XYZ 247.789 382.683 null] +>> endobj +265 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +271 0 obj << +/Length 4456 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(35)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(unn\374tze)-285(Briefschreiben)-284(oder,)-294(wenn)-285(Sie)-284(es)-285(krasser)-285(sagen)-284(wollen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Verwandtschafts-)-250(und)-250(Bekanntschaftsfesseln.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([49])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.186 Td [(Sie)-290(merken)-291(schon,)-300(Mister)-290(John,)-300(da\337)-291(ich)-290(an)-290(alte)-290(Klosterideale)]TJ -11.956 -13.549 Td [(angekn\374pft)-589(habe.)-1267(Nur,)-673(da\337)-589(es)-589(sich)-589(eben)-589(nicht)-589(wie)-588(beim)]TJ 0 -13.549 Td [(Kloster)-396(um)-397(die)-396(Lebenseinrichtung)-397(\374berhaupt,)-433(sondern)-396(nur)-396(um)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-461(Ferienpause)-461(des)-461(Lebens)-461(handelt,)-514(und)-461(da\337)-460(wir)-461(nicht)-461(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(religi\366sen,)-403(sondern)-372(aus)-372(sanit\344ren)-372(Beweggr\374nden)-372(handeln.)-616(Zur)]TJ 0 -13.549 Td [(Seelsorge)-417(sind)-418(wir)-417(weder)-418(bef\344higt)-417(noch)-417(berufen.)-753(Aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.68 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.008 0 Td [(um)]TJ -266.688 -13.549 Td [(auch)-279(diesen)-278(wichtigen)-279(Punkt)-278(zu)-279(ber\374hren)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.262 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.493 0 Td [(wir)-279(empfehlen)-278(allen)]TJ -192.755 -13.549 Td [(denen,)-374(die)-349(noch)-349(eine)-349(religi\366se)-349(Anschauung)-349(haben,)-373(aus)-349(reinster)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschenfreundlichkeit,)-517(auf)-463(Grund)-463(dieser)-463(Anschauung)-463(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(recht)-323(tiefen)-323(Herzensfrieden)-323(mit)-323(ihrem)-323(Herrgott)-323(zu)-323(machen;)-359(das)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-515(die)-515(allergr\366\337te)-514(seelische)-515(und)-515(darum)-515(auch)-515(die)-514(allergr\366\337te)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366rperliche)-682(Wohltat.)-1546(Ein)-682(Arzt,)-790(der)-682(gehetzten)-681(Menschen)]TJ 0 -13.549 Td [(Erquickung)-188(bieten)-187(wollte)-188(und)-188(diesen)-187(Punkt)-188(au\337er)-188(acht)-187(lie\337e,)-200(w\344re)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-242(St\374mper.)-248(Deshalb)-242(wird)-242(all)-243(unseren)-242(Ferieng\344sten)-242(Gelegenheit)]TJ 0 -13.55 Td [(geboten)-440(sein,)-486(Gott)-440(zu)-439(dienen,)-487(wie)-440(sie)-439(es)-440(bed\374rfen.)-818(Da\337)-439(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-445(dabei)-445(jeder)-446(Einmischung)-445(in)-445(dieses)-445(ureigenste)-445(Gebiet)-445(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen)-250(enthalten,)-250(ist)-250(ganz)-250(selbstverst\344ndlich.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Die)-289(\344rztliche)-289(Behandlung)-289(wird)-289(nat\374rlich)-289(f\374r)-289(jeden)-289(Feri)1(engast)]TJ -11.956 -13.549 Td [(individuell)-458(sein;)-562(f\374r)-458(Schwerkranke)-458(ist)-458(das)-458(Ferienheim)-458(kaum,)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-331(f\374r)-330(die)-331(M\374den,)-351(f\374r)-330(die,)-351(die)-330(das)-331(Leben)-331(in)-330(seiner)-331(Hast)-330(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Hohlheit)-430(nicht)-431(mehr)-430(freut,)-476(f\374r)-430(die,)-476(die)-430(gern)-431(noch)-430(einmal)-430(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(frischen)-250(Kr\344ften)-250(von)-250(vorn)-250(anfangen)-250(m\366chten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(F\374r)-220(die)-219(Alkoholkranken,)-226(die)-220(Morphium-)-220(und)-220(Opi)1(ums\374chtigen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hat)-550(man)-550(jetzt)-549(drau\337en)-550(Entziehungskuren,)-625(die)-550(gro\337en)-549(Segen)]TJ 0 -13.549 Td [(bewirken;)-957(wir)-721(wollen)-721(hier)-721(allen)-721(denen)-721(Entziehungskuren)]TJ 0 -13.55 Td [(gew\344hren,)-369(die)-346(auf)-345(irgendeine)-345(Weise)-345(vom)-346(Leben)-345(vergiftet)-345(sind.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([50])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Ganz)-359(generell)-359(werden)-359(alle)-358(erl\366st)-359(von)-359(allem)-359(Eitlen)-359(und)-358(Hohlen)]TJ 0 -13.549 Td [(ihres)-312(bisherigen)-313(Daseins,)-328(von)-312(der)-313(dr\374ckenden)-312(Last)-312(\366ffentlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-436(privaten)-436(Lebens,)-482(von)-436(unn\374tzen)-436(Bed\374rfnissen;)-528(individuell)]TJ 0 -13.549 Td [(sollen)-366(sie)-366(erl\366st)-366(werden)-366(von)-366(ihren)-366(Krankheiten,)-394(Lebenss\374nden)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-525(Lebensschw\344chen,)-593(von)-525(unfruchtbarer)-524(Sorge,)-594(Angst)-524(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Reue,)-438(sollen)-401(Kraft)-401(im)-401(Frieden)-400(und)-401(die)-401(kostbare)-401(F\344higkeit)-400(zur)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +270 0 obj << +/Type /Page +/Contents 271 0 R +/Resources 269 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +272 0 obj << +/D [270 0 R /XYZ 46.771 504.484 null] +>> endobj +273 0 obj << +/D [270 0 R /XYZ 234.732 147.437 null] +>> endobj +269 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +277 0 obj << +/Length 4382 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(36)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Freude)-250(wiedergewinnen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Wir)-194(scheiden)-193(aus)-194(dem)-194(Ferienheim)-193(die)-194(\374blichen)-193(Vergn\374gungen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aus.)-227(Sie)-183(finden)-182(bei)-182(uns)-183(keine)-182(Rennen,)-196(Reunions,)-196(Tombolas,)-195(Fr\374h-)]TJ 0 -13.549 Td [(,)-243(Mittags-)-241(und)-241(Abendkonzerte,)-243(keine)-241(Spiels\344le,)-242(Taubenschie\337en,)]TJ 0 -13.549 Td [(Theater-)-358(und)-357(Variet\351vorstellungen,)-384(keine)-358(prunkhaften)-357(Umz\374ge)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-698(italienischen)-698(N\344chte)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.249 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.07 0 Td [(denn)-698(das)-698(alles)-698(ist)-698(nichts)-698(als)]TJ -138.319 -13.549 Td [(anstrengende)-341(hohe)-341(Schule)-341(des)-340(Lebens)-341(und)-341(betr\374gt)-341(alle)-341(die,)-363(die)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-276(neuen)-276(Kr\344ften)-276(nach)-276(Hause)-276(kommen)-276(wollen.)-328(Wir)-276(suchen)-275(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Freude.)-241(Das)-225(ist)-224(die)-224(Freude)-224(an)-225(gesunder)-224(Besch\344ftigung)-224(in)-224(frischer)]TJ 0 -13.549 Td [(Luft.)-238(Sie,)-221(lieber)-214(John,)-221(werden)-214(wahrscheinlich)-214(einige)-214(Gartenbeete)]TJ 0 -13.55 Td [(umgraben)-268(m\374ssen,)-272(auch)-267(werden)-268(Sie)-268(sich)-267(gelegentlich)-268(am)-267(F\344llen)]TJ 0 -13.549 Td [(eines)-395(Baumes)-394(oder)-395(am)-394(Holzs\344gen)-395(beteiligen)-394(m\374ssen;)-467(es)-394(kann)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-369(auch)-370(sein,)-399(da\337)-369(Sie)-369(mal)-370(einen)-369(Hecht)-369(angeln)-370(oder)-369(ein)-369(paar)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366rbe)-365(\304pfel)-364(pfl\374cken)-365(m\374ssen.)-594(Da)-365(Sie,)-393(wie)-365(Ihre)-364(Niederschrift)]TJ 0 -13.549 Td [(ausweist,)-299(seit)-289(zwanzig)-290(Jahren)-289(kein)-289(sch\366ngeistiges)-289(Buch)-289(gelesen)]TJ 0 -13.55 Td [(haben,)-342(werden)-324(Sie)-324(um)-323(das)-324(Quantum)-324(von)-324(drei)-323(Romanen,)-342(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Epos)-225(und)-224(einem)-225(B\344ndchen)-225(Lyrik)-224(nicht)-225(herumkommen.)-241(W\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-273(bei)-274(sogenannten)-273(Leseratten)-274(Entziehungskuren)-273(machen,)-279(mu\337)]TJ 0 -13.549 Td [(bei)-250(Ihnen)-250(in)-250(diesem)-250(Falle)-250(eine)-250(Art)-250(Zwangsern\344hrung)-250(einsetzen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([51])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.004 Td [(Die)-305(k\366rperliche)-305(Kost)-305(wird)-305(ganz)-305(Ihrem)-305(Befinden)-304(angemessen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-353(nat\374rlich)-354(gut)-353(und)-354(schmackhaft)-353(sein.)-561(Alle)-353(Woche)-353(zweimal)]TJ 0 -13.55 Td [(werden)-432(Sie)-433(sich)-432(das)-433(Abendbrot)-432(selbst)-432(bereiten.)-798(Wie)-432(Sie)-432(das)]TJ 0 -13.549 Td [(anstellen,)-473(ist)-428(Ihrer)-428(Phantasie)-427(\374berlassen.)-784(Im)-428(gro\337en)-428(K\374chen-)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-424(Vorratshause)-423(finden)-424(Sie)-423(alle)-424(Rohmaterialien.)-771(Wir)-423(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(gegenw\344rtig)-497(einen)-497(Feriengast,)-558(der)-497(drau\337en)-497(in)-497(der)-497(Welt)-496(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Schar)-528(von)-529(Dienern)-528(hat.)-1086(Auch)-528(er)-528(mu\337)-529(sich)-528(das)-528(Abendbrot)]TJ 0 -13.549 Td [(zweimal)-291(in)-291(der)-291(Woche)-292(selbst)-291(bereiten.)-373(Anfangs)-291(wu\337te)-291(er)-291(nichts)]TJ 0 -13.55 Td [(anderes,)-335(als)-318(da\337)-317(er)-318(sich)-318(Brotstullen)-318(schnitt,)-335(die)-318(entsetzlich)-317(dick)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-299(krumm)-298(gerieten,)-311(die)-298(Stullen)-299(mit)-298(Butter)-298(beklebte)-299(und)-298(starke)]TJ 0 -13.549 Td [(Wurstscheiben)-476(mit)-476(der)-475(Pelle)-476(darauf)-476(legte.)-927(Das)-476(n\344chste)-475(Mal)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-395(er)-395(schon)-395(erluchst,)-431(wie)-395(man)-395(Kartoffeln)-395(an)-395(einem)-395(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Feldfeuerchen)-173(kocht,)-188(und)-173(hatte)-173(sich)-173(dazu)-173(einen)-173(Hering)-172(verschafft.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dann)-335(erg\344nzte)-335(er)-335(seine)-336(Mahlzeit,)-356(indem)-335(er)-335(Radieschen)-335(aus)-335(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde)-282(zupfte,)-291(N\374sse)-282(und)-282(Fr\374chte)-283(von)-282(den)-282(B\344umen)-283(holte,)-290(und)-282(am)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +276 0 obj << +/Type /Page +/Contents 277 0 R +/Resources 275 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +278 0 obj << +/D [276 0 R /XYZ 93.543 269.457 null] +>> endobj +275 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +281 0 obj << +/Length 4371 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(37)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(vierten)-314(Abend,)-331(den)-314(er)-314(sich)-314(selbst)-314(bereitete,)-331(lud)-314(er)-314(einen)-314(Freund)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-303(eine)-302(Freundin)-303(ein,)-316(war)-302(sehr)-303(stolz)-302(auf)-303(sein)-303(Mahl)-302(und)-303(a\337)-302(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Genugtuung)-295(und)-296(Appetit.)-386(Das)-296(sind)-295(Kleinigkeiten,)-307(die)-295(vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-278(Spielerei)-278(aussehen,)-285(aber)-277(doch)-278(einen)-278(Sinn)-278(haben.)-334(So)-277(werden)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-450(sich)-451(z.)-450(B.,)-501(wenn)-450(ein)-451(k\374hler)-450(Tag)-451(ist,)-500(das)-451(Feuer)-450(in)-450(Ihrem)]TJ 0 -13.549 Td [(Ofen)-294(selbst)-294(anz\374nden)-294(und)-294(unterhalten)-294(m\374ssen.)-382(Hobelsp\344ne)-293(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Reisig)-269(k\366nnen)-270(Sie)-269(sich)-269(leicht)-270(holen,)-274(das)-269(Holz)-270(m\374ssen)-269(Sie)-269(selber)]TJ 0 -13.549 Td [(hacken.)-542(Sie)-347(werden)-347(sehen,)-371(Mister)-348(John,)-371(wie)-347(warm)-347(und)-347(goldig)]TJ 0 -13.549 Td [(solch)-214(ein)-215(selbstentz\374ndetes)-214(Feuer)-214(brennt,)-222(viel)-214(wohliger,)-221(als)-214(wenn)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-332(ein)-331(Diener)-332(angefacht)-331(h\344tte.)-495(Ein)-332(volles)-331(Dutzend)-332(Mal)-331(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-283(die)-284(Kacheln)-283(abf\374hlen,)-292(wie)-283(sie)-284(nach)-283(und)-284(nach)-283(warm)-283(werden,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([52])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mit)-332(einer)-332(heimlichen,)-353(stillen)-332(Freude)-331(im)-332(Herzen.)-496(Und)-332(wenn)-332(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Abend)-434(Sie)-434(ein)-434(paar)-434(andere)-434(Ferieng\344ste)-434(besuchen,)-480(Leute,)-480(von)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-216(Sie)-216(nicht)-216(wissen,)-223(wie)-216(sie)-216(eigentlich)-216(hei\337en,)-222(wer)-216(und)-216(woher)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-335(sind,)-356(von)-336(denen)-335(nichts)-335(anderes)-335(bekannt)-335(ist,)-356(als)-335(da\337)-335(es)-335(eben)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-213(ernsthafte)-213(Menschen)-213(sind,)-221(die)-213(sich)-213(zu)-213(einer)-213(Ferienpause)-213(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebens)-290(aufgerafft)-290(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.621 0 Td [(wie)-290(sch\366n)-290(wird)-291(es)-290(sein,)-300(mit)-290(ihnen)-291(zu)]TJ -118.679 -13.549 Td [(plaudern)-238(oder)-238(sich)-239(etwas)-238(zu)-238(erz\344hlen)-238(und)-239(selbst)-238(auf)-238(das)-238(Feuer)-238(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(achten.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Gute)-855(Kammermusik)-856(werden)-855(Sie)-856(manchmal)-855(zu)-855(h\366ren)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bekommen;)-628(doch)-501(nicht)-502(oft)-502(und)-501(nicht)-502(viel.)-1005(Aber)-502(zur)-501(Laute)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-315(\366fter)-315(gesungen)-315(werden,)-331(und)-315(manchmal)-315(wird)-315(irgendwo)-314(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Bl\344serchor)-238(stehen,)-240(und)-237(es)-238(wird)-237(sein,)-240(als)-237(ob)-238(Soldaten)-237(in)-238(der)-237(Ferne)]TJ 0 -13.549 Td [(marschierten,)-416(oder)-383(ein)-383(Waldhorn)-383(wird)-383(ins)-383(Tal)-383(schallen)-383(wie)-382(in)]TJ 0 -13.549 Td [(alten,)-250(romantischen)-250(Tagen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Sport)-380(d\374rfen)-380(Sie)-381(treiben:)-510(Reit-)-380(und)-381(Schwimmsport,)-412(Turnen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(im)-440(Luftbad,)-487(Tennis-)-440(und)-440(Kegelspielen.)-820(Auch)-440(Karten)-439(spielen)]TJ 0 -13.549 Td [(d\374rfen)-398(Sie,)-435(aber)-398(ohne)-397(Geld;)-472(denn)-398(John)-398(hat)-398(keinen)-398(Pfennig)-397(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-326(Tasche,)-345(und)-326(wollte)-326(er)-326(sich)-326(mit)-326(seinen)-326(Gegnern)-326(verabreden,)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-213(Kieselsteinchen)-213(bedeute)-213(zehn)-213(Mark)-213(und)-213(eine)-213(Eichel)-212(zwanzig,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-232(w\374rde)-232(alles)-232(hinterher)-232(in)-233(bare)-232(M\374nze)-232(sauber)-232(umgerechnet,)-235(so)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde)-288(es)-288(wohl)-288(doch)-288(herauskommen,)-297(und)-288(das)-288(Spielernest)-287(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(energisch)-250(ausgenommen)-250(werden.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Tabak)-370(und)-370(Alkohol,)-401(worum)-370(Sie)-370(sich)-370(in)-370(Ihrem)-370(Selbstbericht)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +280 0 obj << +/Type /Page +/Contents 281 0 R +/Resources 279 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +282 0 obj << +/D [280 0 R /XYZ 197.805 382.683 null] +>> endobj +279 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +285 0 obj << +/Length 4152 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(38)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zu)-376(bangen)-375(scheinen,)-407(ganz)-375(nach)-376(\344rztlichem)-375(Befund.)-627(Wenn)-375(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-325(nun)-325(fragen,)-344(wie)-325(lange)-325(ein)-325(solcher)-325(Ferienaufenthalt)-325(w\344hrt,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-367(mu\337)-367(ich)-368(Ihnen)-367(sagen,)-396(da\337)-368(die)-367(k\374rzeste)-367(Frist)-367(sechs)-367(Wochen)]TJ 0 -13.549 Td [(betr\344gt,)-241(da\337)-240(es)-239(aber)-239(sehr)-239(viel)-239(g\374nstiger)-240(ist,)-241(wenn)-239(die)-239(Ferienpause)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([53])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(drei)-307(Monate)-306(oder)-307(noch)-306(l\344nger)-306(dauert.)-420(Die)-306(ersten)-307(vierzehn)-306(Tage)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-281(Sie)-281(ja)-282(doch)-281(innerlich)-281(gegen)-281(vieles)-281(revoltieren,)-289(vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-352(Heimweh)-352(leiden)-351(nach)-352(der)-352(eben)-352(abgelegten)-351(alten)-352(Haut.)-555(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374ssen)-205(erst)-204(heimisch)-205(werden,)-213(m\374ssen)-205(das)-204(gro\337e)-205(Feriengl\374ck)-204(erst)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-173(f\374hlen,)-189(m\374ssen)-174(die)-173(unaussprechlich)-174(s\374\337e)-173(Freude)-173(empfinden,)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-353(Sie)-353(ges\374nder)-353(und)-352(fr\366hlicher)-353(werden,)-379(dann)-353(erst)-353(kommt)-352(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Heil.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Aber)-822(wenn)-821(Sie)-822(dann)-822(in)-821(die)-822(gro\337e,)-965(schwere)-821(Schule)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zur\374ckgehen,)-252(werden)-251(Sie)-251(mehr)-251(neue)-251(Kr\344fte,)-252(einen)-251(gr\366\337eren)-251(Mut)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-412(Leben)-412(mitnehmen,)-452(als)-412(wenn)-412(Sie)-412(unterdes)-411(Mineralwasser)]TJ 0 -13.55 Td [(getrunken,)-557(Reunions)-495(besucht)-495(und)-496(hundert)-495(Zeitungen)-495(gelesen)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tten.)-489(Mit)-329(einem)-330(Wort:)-409(Sie)-330(werden)-329(an)-330(die)-329(Ferien)-330(denken)-329(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-354(Kind)-355(an)-354(die)-355(freie)-354(Spielwiese)-354(denkt,)-381(wenn)-354(es)-355(wieder)-354(in)-354(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Etagenwohnung)-391(der)-390(Gro\337stadt)-390(hinter)-391(seinen)-390(Aufgabenb\374chern)]TJ 0 -13.549 Td [(sitzt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.913 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -8.957 -13.55 Td [(Mit)-427(diesen)-426(Worten)-427(endete)-426(der)-427(Arzt,)-471(der)-426(mit)-427(seinem)-426(neuen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Patienten)-688(vor)-687(der)-687(T\374r)-688(des)-687(Einsiedlerh\344uschens)-688(sa\337,)-687(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Belehrung,)-541(und)-482(damit)-482(ende)-483(auch)-482(ich,)-541(Mister)-482(Stefenson,)-540(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufschlu\337)-353(\374ber)-353(das)-353(Ferienheim)-352(des)-353(Lebens,)-379(das)-353(nur)-353(in)-352(meiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Phantasie)-250(lebt)-250(und)-250(wohl)-250(auch)-250(immer)-250(nur)-250(dort)-250(leben)-250(wird.)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.454 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -110.866 -29.553 Td [(*)]TJ -125.632 -16.004 Td [(Ich)-769(schwieg,)-899(und)-769(der)-769(Mann,)-898(der)-769(mir)-769(gegen\374ber)-769(am)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Gasthaustisch)-537(sa\337,)-537(schwieg)-537(auch.)-1110(Er)-537(hatte)-537(die)-537(ganze)-536(Zeit,)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344hrend)-169(der)-170(ich)-169(sprach,)-185(mit)-170(halb)-169(abgewandtem)-169(Kopfe)-169(dagesessen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-368(hinunter)-368(nach)-368(Neustadt)-368(gesehen.)-604(Endlich)-368(stand)-367(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(auf,)-504(nickte)-452(kurz)-453(mit)-453(dem)-453(Kopf,)-503(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.539 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Danke)-453(sehr!)-858(Guten)]TJ -189.383 -13.549 Td [(Abend!)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.717 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-304(nahm)-293(seinen)-293(Hut)-293(und)-293(ging)-293(aus)-293(der)-293(Stube,)-303(nachdem)-293(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -110.315 0 Td [([54])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(den)-250(Kellner)-250(bezahlt)-250(hatte.)-250(Ich)-250(lie\337)-250(ihn)-250(gehen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +284 0 obj << +/Type /Page +/Contents 285 0 R +/Resources 283 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +286 0 obj << +/D [284 0 R /XYZ 220.399 477.528 null] +>> endobj +287 0 obj << +/D [284 0 R /XYZ 234.769 93.24 null] +>> endobj +283 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +290 0 obj << +/Length 4672 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(39)]TJ +0 g 0 G + 137.588 -30.759 Td [(*)]TJ -125.632 -17.329 Td [(Am)-508(n\344chsten)-509(Tage)-508(lie\337)-508(sich)-509(Mister)-508(Stefenson)-509(bei)-508(mir)-508(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Waltersburg)-250(melden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.143 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-235(Morgen)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.759 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-238(sagte)-234(er;)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.42 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-234(mu\337)-235(Ihnen)-235(sagen,)-237(da\337)-235(mir)-234(das)]TJ -134.665 -13.549 Td [(gar)-250(nicht)-250(pa\337t,)-250(da\337)-250(ich)-250(John)-250(hei\337en)-250(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.618 0 Td [(\034)]TJ -161.662 -14.142 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieso)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.6 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(wieso?)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(ich)-250(verwundert.)]TJ/F24 10.9091 Tf -81.49 -14.143 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-264(das)-260(hat)-261(mich)-261(verdrossen.)-282(Ein)-261(Kerl)-261(namens)-261(John)-261(hat)-261(mich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(n\344mlich)-332(mal)-333(furchtbar)-332(ge\344rgert.)-497(Er)-332(hat)-332(die)-332(Frau)-333(geheiratet,)-352(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-263(heiraten)-264(wollte.)-290(Ich)-264(mag)-263(nicht)-263(John)-264(hei\337en.)-290(Ich)-264(habe)-263(mir)-263(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Adre\337buch)-342(geben)-342(lassen)-342(und)-342(nach)-342(einem)-342(einfachen,)-365(aber)-342(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(h\344ufigen)-250(Namen)-250(gesucht.)-250(Ich)-250(will)-250(Zuschke)-250(hei\337en.)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.796 0 Td [(\034)]TJ -222.84 -14.143 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-356(wollen)-355(Zuschke)-356(hei\337en?)-566(Warum)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.933 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.333 0 Td [(wieso)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.329 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.333 0 Td [(wo)-355(wollen)]TJ -233.727 -13.549 Td [(Sie)-250(Zuschke)-250(hei\337en?)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.284 0 Td [(\034)]TJ -78.328 -14.143 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-250(Ihrem)-250(Sanatorium)-250(nat\374rlich)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.131 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(in)-250(Ihrem)-250(Ferienheim)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.41 0 Td [(\023\034)]TJ -240.566 -14.142 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber,)-367(Mister)-343(Stefenson,)-367(es)-343(existiert)-343(doch)-343(nicht,)-367(es)-343(ist)-344(doch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ein)-250(Phantasiegebilde)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.717 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(eine)-250(Utopie)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.324 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -142.266 -14.143 Td [(Da)-250(sah)-250(er)-250(mich)-250(fest)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.142 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-797(wird)-798(existieren;)-1071(denn)-797(wir)-798(werden)-797(es)-798(zusammen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(begr\374nden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.775 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -36.819 -14.143 Td [(Ich)-250(schlug)-250(die)-250(H\344nde)-250(zusammen.)]TJ 125.632 -31.471 Td [(*)]TJ -125.632 -17.329 Td [(Der)-496(seltsame)-496(Mann)-495(hat)-496(mich)-496(verlassen.)-987(Gesch\344ftsm\344\337ig,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(trocken,)-240(sogar)-236(ein)-237(wenig)-237(m\374rrisch)-237(hat)-237(er)-237(mir)-236(auseinandergesetzt,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([55])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(wie)-445(er)-446(sich)-445(die)-446(Verwirklichung)-445(der)-446(Idee)-445(meines)-445(Ferienheims)]TJ 0 -13.549 Td [(denke.)-578(Als)-359(ich)-360(ihm)-359(abriet,)-387(das)-359(viele)-359(Geld,)-387(vor)-359(dessen)-359(Summe)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-269(erschrak,)-274(zu)-269(wagen,)-273(da)-269(vielleicht)-269(unsere)-269(Zeit,)-274(auch)-269(das)-268(Volk)]TJ 0 -13.549 Td [(hierzulande)-284(nicht)-284(geeignet)-283(sei)-284(f\374r)-284(romantische)-283(Sonderbarkeiten,)]TJ 0 -13.55 Td [(wurde)-250(er)-250(zornig)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.142 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-283(eine)-283(Idee)-283(hat,)-291(soll)-283(an)-283(sie)-283(glauben,)-292(oder)-283(er)-283(soll)-283(gar)-283(nicht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(von)-250(ihr)-250(sprechen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.437 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -63.481 -14.143 Td [(Er)-180(nahm)-180(mich)-180(in)-179(den)-180(Bann)-180(der)-180(gro\337en)-180(K\374hnheit)-180(und)-179(Sicherheit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seiner)-172(Seele,)-188(und)-172(ich)-172(willigte)-172(endlich)-172(ein.)-224(Zuletzt)-172(sagte)-172(Stefenson:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +289 0 obj << +/Type /Page +/Contents 290 0 R +/Resources 288 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +291 0 obj << +/D [289 0 R /XYZ 256.82 189.271 null] +>> endobj +288 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +294 0 obj << +/Length 4490 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(40)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einen)-243(Kontrakt)-243(woll)1(en)-243(wir)-243(nicht)-243(machen.)-247(Ich)-243(gebe)-243(das)-243(Geld,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-352(geben)-352(die)-352(Idee)-351(und)-352(Ihre)-352(Kraft.)-556(Erzielt)-352(unser)-351(Unternehmen)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-368(Gewinn,)-399(so)-368(werden)-368(wir)-369(ihn)-368(gerechterweise)-369(teilen;)-427(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht,)-674(dann)-589(sind)-589(Sie)-589(ein)-589(schlechter)-589(Arzt,)-674(und)-589(ich)-589(bin)-589(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(schlechter)-282(Gesch\344ftsmann)-282(gewesen.)-346(Wir)-282(werden)-282(uns)-282(dann)-281(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(gegenseitige)-398(Hochachtung,)-435(aber)-398(auch)-398(ohne)-398(feindselige)-398(Gesten)]TJ 0 -13.549 Td [(voneinander)-250(trennen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.095 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.139 -14.367 Td [(Dann)-285(ging)-285(er.)-356(Ich)-285(sa\337)-285(an)-286(meinem)-285(Tisch,)-294(starrte)-285(die)-285(Platte)-285(an,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(lachte)-286(mal)-285(auf,)-295(trommelte)-286(mit)-286(den)-285(H\344nden,)-295(lief)-286(durchs)-285(Zimmer,)]TJ 0 -13.549 Td [(legte)-437(mich)-437(aufs)-437(Sofa,)-484(rauchte)-437(Zigaretten)-437(und)-437(tat)-436(endlich)-437(was)]TJ 0 -13.549 Td [(Vern\374nftiges)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.684 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ich)-250(ging)-250(an)-250(die)-250(frische)-250(Luft.)]TJ -55.91 -14.368 Td [(So)-306(mag)-307(einem)-306(Feldherrn)-306(zumute)-307(sein,)-320(der)-307(zur)-306(F\374hrung)-306(einer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kriegsarmee)-374(berufen)-373(wird,)-404(oder)-374(einem)-374(Dichter,)-404(dessen)-373(gro\337es)]TJ 0 -13.549 Td [(St\374ck)-304(\374ber)-303(die)-303(B\374hne)-304(gehen)-303(soll,)-317(oder)-304(einer)-303(jungen)-304(Mutter,)-316(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-303(erstes)-304(Kindlein)-303(geboren)-303(hat.)-410(Mit)-304(einemmal)-303(das)-303(verwirklicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-288(sehen,)-297(was)-288(bisher)-287(nur)-288(ein)-288(sch\366ner)-288(Traum)-288(war,)-297(mit)-287(einemmal)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([56])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(vor)-238(die)-238(gr\366\337te)-238(und)-238(liebste)-238(Aufgabe)-238(des)-238(Lebens)-238(gestellt)-238(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 259.249 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.05 0 Td [(wo)]TJ -267.299 -13.549 Td [(w\344re)-250(ein)-250(berauschenderes)-250(Gl\374ck?)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Mein)-280(trautes)-281(Waltersburg!)-340(Wie)-281(warm)-280(liegt)-280(der)-280(Sonnenschein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\374ber)-457(deinen)-456(schr\344gen)-456(D\344chern)-457(und)-456(alten)-457(Giebeln,)-508(wie)-456(sch\366n)]TJ 0 -13.55 Td [(singen)-481(die)-480(Spatzen)-481(am)-481(Johannisbrunnen,)-538(wie)-481(freundlich)-480(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gesund)-250(schauen)-250(die)-250(Kinder)-250(aus!)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Warte)-161(nur,)-178(mein)-161(altes)-161(Waltersburg,)-179(f\374r)-160(dich)-161(kommt,)-179(wie)-161(f\374r)-160(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Dornr\366schen,)-210(ein)-201(selig)-201(Erwachen.)-233(Ich,)-210(dein)-201(Sohn,)-210(bin)-201(dein)-200(Ritter.)]TJ 0 -13.55 Td [(Ich)-222(will)-222(dich)-223(k\374ssen)-222(mit)-222(einem)-222(hei\337en,)-228(so)-222(lebenspendenden)-222(Ku\337,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-238(alle)-238(Starrheit)-237(von)-238(dir)-238(f\344llt)-238(und)-237(du)-238(mitten)-238(in)-238(wonnigem)-237(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(stehst!)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Ich)-335(bin)-334(nicht)-335(August)-334(Bunkert;)-377(ich)-335(will)-334(dich,)-356(deutsche)-334(Maid,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(nicht)-273(zu)-274(einer)-273(weltmodisch)-274(aufgetakelten,)-279(kokottenhaften)-273(Dame)]TJ 0 -13.549 Td [(machen)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.778 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.305 0 Td [(der)-353(Tr\344umerglanz)-353(soll)-353(in)-353(deinen)-353(Augen)-353(bleiben,)-379(der)]TJ -47.083 -13.549 Td [(wei\337e)-271(Schimmer)-271(auf)-271(deiner)-271(Stirn,)-277(das)-271(sch\366ne,)-276(stille)-271(L\344cheln)-271(um)]TJ 0 -13.549 Td [(deinen)-185(Mund,)-199(und)-185(du)-185(sollst)-186(doch)-185(in)-185(allen)-186(Landen)-185(ber\374hmt)-185(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(eine)-250(Wohlt\344terin)-250(der)-250(Menschen.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Ja,)-392(das)-363(will)-363(ich,)-392(das)-363(verspreche)-364(ich,)-391(das)-364(verspreche)-363(ich)-363(dir!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +293 0 obj << +/Type /Page +/Contents 294 0 R +/Resources 292 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 274 0 R +>> endobj +295 0 obj << +/D [293 0 R /XYZ 205.375 313.301 null] +>> endobj +292 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +298 0 obj << +/Length 2168 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Auf)-250(dem)-250(Weihnachtsberg)-14449(41)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Das,)-498(was)-449(wertvoll)-449(in)-448(mir)-449(ist,)-498(habe)-449(ich)-448(ja)-449(von)-449(dir,)-498(du)-448(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(teure)-355(Heimat!)-563(Drau\337en)-355(in)-354(der)-355(Welt,)-381(dr\374ben)-354(in)-355(Neustadt,)-380(kann)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-350(nicht)-351(wirken.)-551(Ein)-350(Zuschauer)-351(nur,)-375(stehe)-350(ich)-351(vor)-350(der)-350(bunten)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374hne,)-260(und)-257(weil)-258(ich)-258(so)-257(lange)-258(und)-258(so)-257(oft)-258(zuschaute,)-260(t\344uscht)-257(mich)]TJ 0 -13.55 Td [(keine)-251(Kulisse)-250(mehr;)-251(ich)-251(wei\337,)-251(hinter)-250(den)-251(bemalten)-251(W\344nden)-250(liegt)]TJ 0 -13.549 Td [(unordentlich)-382(Ger\374mpel)-382(und)-382(geht)-382(rauhe)-382(Zugluft)-382(durch)-381(schlecht)]TJ 0 -13.549 Td [(schlie\337ende)-186(T\374ren.)-228(Langsam)-186(wanderte)-185(ich)-185(zum)-186(Eulentore)-185(hinaus.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-242(geht)-242(da)-243(keine)-242(Chaussee;)-245(eine)-242(alte)-242(Landstra\337e)-242(f\374hrt)-242(ins)-242(Gr\374ne.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([57])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Am)-306(Hasenh\374gel)-306(setze)-307(ich)-306(mich)-306(auf)-306(einen)-307(Stein.)-418(Mir)-306(gegen\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(lag)-348(der)-348(Ostabhang)-348(des)-348(Weihnachtsberges.)-544(\334ber)-348(den)-348(Flu\337)-347(ging)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-351(Blick)-351(auf)-351(ein)-351(Hochplateau)-351(von)-351(Wiese,)-376(Feld)-351(und)-351(Wald)-350(und)]TJ 0 -13.549 Td [(stieg)-370(dann)-371(den)-370(Berg)-370(hinan.)-611(Das)-371(w\344re)-370(der)-370(rechte)-371(Ort)-370(f\374r)-370(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferienheim.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Nur)-589(in)-589(Waltersburg)-589(kann)-589(ich)-589(den)-589(rechten)-589(Ort)-589(f\374r)-588(mein)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Ferienheim)-280(finden,)-288(in)-280(dieser)-279(freundlichen,)-288(n\344rrischen,)-287(gesunden)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadt!)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Wie)-250(Moses)-250(schaute)-250(ich)-250(in)-250(mein)-250(Gelobtes)-250(Land.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +297 0 obj << +/Type /Page +/Contents 298 0 R +/Resources 296 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +299 0 obj << +/D [297 0 R /XYZ 207.079 423.331 null] +>> endobj +296 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +301 0 obj +<< /S /GoTo /D (index6) >> +endobj +304 0 obj +(Luise) +endobj +307 0 obj << +/Length 3884 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([58])]TJ/F16 18.9589 Tf 192.007 -69.298 Td [(Luise)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.252 -37.512 Td [(Es)-162(ist)-163(ein)-162(Brief)-163(angekommen,)-180(der)-162(mir)-163(die)-162(\374bersch\344umende)-162(Freude)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-209(Tages)-210(genommen)-209(hat.)-237(Die)-209(Pflegeeltern)-210(der)-209(Tochter)-209(Joachims)]TJ 0 -13.549 Td [(haben)-243(geschrieben.)-247(Bei)-243(dem)-242(Scheidungsproze\337)-242(wurde)-243(die)-242(kleine)]TJ 0 -13.55 Td [(Luise)-251(dem)-251(Bruder)-251(zugesprochen.)-253(Da)-251(er)-251(aber)-251(weltfl\374chtig)-250(wurde,)]TJ 0 -13.549 Td [(geschah)-254(dem)-255(Kinde)-254(das,)-256(was)-254(vielen)-255(solchen)-254(\374berz\344hligen)-254(armen)]TJ 0 -13.549 Td [(W\374rmern)-445(geschieht)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.72 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.31 0 Td [(es)-445(kam)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.585 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(in)-445(Pflege)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.216 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-835(Ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.849 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(kinderloses,)]TJ -228.212 -13.549 Td [(aber)-469(sehr)-469(kinderliebes,)-524(in)-469(durchaus)-469(geordneten)-469(Verh\344ltnissen)]TJ 0 -13.549 Td [(lebendes)-431(Ehepaar)-432(in)-431(Berlin)-432(sucht)-431(Kind)-432(von)-431(besserer)-431(Abkunft)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-250(einmalige)-250(Erziehungsbeihilfe)-250(als)-250(eigen)-250(anzunehmen)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.004 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)]TJ -248.891 -14.568 Td [(Ich)-391(wu\337te,)-426(was)-391(f\374r)-391(Trag\366dien)-391(sich)-391(hinter)-391(solchen)-390(Inseraten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verbergen,)-592(wie)-523(oft)-524(sie)-523(der)-524(Deckmantel)-523(elendester)-523(Gaunerei,)]TJ 0 -13.549 Td [(schamlosester)-183(Ausnutzung)-182(sind.)-228(Und)-183(damals)-182(war)-183(es)-183(das)-182(erstemal,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-318(ich)-317(meine)-318(Mutter)-318(nicht)-318(verstand.)-453(Sie)-317(weigerte)-318(sich)-318(auf)-317(das)]TJ 0 -13.55 Td [(entschiedenste,)-428(das)-392(Kind)-392(zu)-392(sich)-391(zu)-392(nehmen)-392(und)-392(zu)-392(erziehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-425(da)-425(ich)-424(immer)-425(wieder)-425(in)-425(sie)-424(drang)-425(und)-425(die)-425(Unschuld)-424(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Kindes)-389(nicht)-389(verderben,)-424(seinen)-389(kleinen)-389(Leib)-389(nicht)-389(fri)1(eren)-389(und)]TJ 0 -13.549 Td [(darben)-515(lassen)-515(wollte)-515(in)-515(der)-515(Fremde,)-581(wurde)-515(die)-515(Mutter)-515(hart)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-335(Eisen)-334(und)-335(sagte,)-356(ich)-335(entehre)-334(sie)-335(mit)-335(meinen)-334(Vorstellungen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-387(Bitten.)-659(Sie)-387(war)-387(zu)-386(tief)-387(gekr\344nkt)-386(in)-387(ihrer)-387(Frauenseele,)-420(sie)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([59])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ha\337te)-450(das)-450(Weib,)-500(das)-450(dieses)-450(Unheil)-450(angerichtet,)-500(zu)-450(bitter,)-500(litt)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-463(furchtbar)-463(unter)-463(dem)-463(Verlust)-463(des)-462(Lieblingssohnes,)-517(als)-462(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-437(sonst)-437(so)-437(gute,)-484(freundliche)-437(Art)-437(auch)-437(diesmal)-436(den)-437(rechten)]TJ 0 -13.549 Td [(Weg)-568(h\344tte)-569(finden)-568(k\366nnen.)-1205(Ja,)-648(sie)-568(sagte)-568(mir,)-648(da\337)-568(sie)-568(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Bitte)-418(vom)-418(Vergeben)-418(aus)-418(ihrem)]TJ/F24 10.9091 Tf 145.807 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Vaterunser)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.858 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.403 0 Td [(gestrichen)-418(habe.)]TJ -207.911 -13.55 Td [(Der)-487(Bruder)-486(war)-487(gefl\374chtet,)-546(ich)-486(mu\337te)-487(hinter)-487(ihm)-486(herziehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-503(abenteuerliches)-504(Leben)-503(beginnen,)-567(um)-503(ihn)-504(zu)-503(suchen)-503(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +306 0 obj << +/Type /Page +/Contents 307 0 R +/Resources 305 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +75 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +302 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +308 0 obj << +/D [306 0 R /XYZ 332.929 160.986 null] +>> endobj +305 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +311 0 obj << +/Length 4726 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Luise)-22502(43)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ihn)-412(schlie\337lich)-412(nach)-412(f\374nf)-412(Jahren)-412(zu)-412(finden)-412(und)-412(zu)-412(einer)-411(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(kurzen)-398(Aussprache)-398(zu)-398(bewegen.)-694(Ich)-398(konnte)-398(mich)-398(damals)-398(um)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-493(kleine)-494(Luise)-493(nicht)-493(weiter)-494(k\374mmern,)-554(ich)-493(wu\337te)-493(nur,)-554(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-359(entfernte)-358(Verwandte)-359(das)-359(M\344dchen)-358(zu)-359(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.408 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(kinderlieben)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.535 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(Ehepaar)-318(nach)-319(Berlin)-318(gebracht,)-336(die)-318(geforderten)-318(f\374nfzehntausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Mark)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.067 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Erziehungsbeihilfe)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.407 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.281 0 Td [(als)-223(einmalige)-224(Abfindung)-223(bezahlt)-224(und)]TJ -120.598 -13.549 Td [(berichtet)-322(hatte,)-339(es)-322(scheine)-321(sich)-322(um)-321(au\337erordentlich)-322(honette)-321(und)]TJ 0 -13.549 Td [(christliche)-250(Leute)-250(zu)-250(handeln.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Als)-437(ich)-436(Joachim)-437(in)-437(der)-436(Schiffskaj\374te)-437(gegen\374ber)-437(sa\337,)-436(indes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(drau\337en)-301(die)-300(schwere)-301(See)-300(rollte,)-314(glaubte)-300(ich,)-313(der)-301(Augenblick)-300(sei)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-407(gewaltig,)-447(da\337)-407(er)-407(an)-407(die)-407(tiefsten)-407(Tiefen)-407(des)-407(M\344nnerherzens)]TJ 0 -13.549 Td [(r\374hren,)-464(da\337)-421(er)-421(eine)-421(der)-421(festverschlossenen)-421(T\374ren)-422(\366ffnen,)-463(und)]TJ 0 -13.55 Td [(da\337)-235(die)-235(Frage)-235(daraus)-235(hervortreten)-234(werde:)]TJ/F24 10.9091 Tf 180.849 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lebt)-235(das)-235(Kind)-235(noch?)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.094 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(Joachim)-256(st)1(ellte)-256(die)-255(Frage)-256(nicht,)-257(und)-255(als)-256(ich)-255(nach)-256(Hause)-255(kam)-255(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-374(etwa)-374(zehn)-374(Tagen)-374(es)-374(wagte,)-405(die)-374(Mutter)-374(zu)-374(fragen,)-405(ob)-374(die)]TJ 0 -13.549 Td [(kleine)-364(Luise)-364(am)-365(Leben)-364(sei,)-392(wandte)-365(sie)-364(sich)-364(ab)-364(und)-364(sagte)-364(hart:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(wei\337)-250(ich)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -78.022 -14.777 Td [(Da)-252(fiel)-252(mir)-252(auf,)-252(da\337)-252(die)-252(Mutter)-252(und)-252(Joachim)-252(sich)-252(sehr)-252(\344hnlich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seien.)-704(Ich)-402(bin)-401(mehr)-401(nach)-402(dem)-401(Vater)-402(geschlagen.)-704(Der)-401(ist)-401(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([60])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(weicher)-267(Mann)-267(gewesen.)-300(Und)-267(ich)-267(selbst)-266(bin)-267(wohl)-267(auch)-267(als)-266(Mann)]TJ 0 -13.55 Td [(viel)-246(zu)-245(weich,)-247(sto\337e)-245(mir)-246(\374berall)-245(leicht)-246(das)-246(Herz)-245(wund)-246(und)-245(werde)]TJ 0 -13.549 Td [(wahrscheinlich)-240(einmal)-240(viel)-241(leichter)-240(unter)-240(die)-240(R\344der)-240(kommen,)-242(als)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-250(Joachim)-250(passieren)-250(k\366nnte.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Nun)-544(haben)-545(die)-544(Pflegeeltern)-545(der)-544(kleinen)-545(Luise)-544(an)-544(Mutter)]TJ -11.956 -13.55 Td [(einen)-401(Brief)-402(geschrieben.)-704(Sie)-401(hat)-401(ihn)-402(aber)-401(nicht)-401(ge\366ffnet,)-439(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-509(zehn)-509(oder)-510(mehr)-509(andere)-509(Briefe,)-574(die)-509(von)-509(derselben)-509(Stelle)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-336(gekommen)-336(sind,)-358(auch)-336(nicht)-336(ge\366ffnet,)-357(sondern)-336(ungelesen)]TJ 0 -13.549 Td [(verbrannt)-266(hat.)-297(Diesen)-266(letzten)-266(Brief)-266(habe)-266(ich)-266(an)-266(mich)-265(genommen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(ihn)-250(soeben)-250(gelesen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Mir)-641(graut.)-1425(Schlechtes,)-739(fettfleckiges)-642(Papier,)-739(in)-641(elender)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Rechtschreibung)-723(und)-723(noch)-723(elenderem)-723(Stil)-723(die)-722(Enth\374llung)]TJ 0 -13.549 Td [(niederster)-744(Schakalinstinkte,)-868(Geldgier,)-867(Erpressungsversuche,)]TJ 0 -13.55 Td [(Frechheiten.)-230(Was)-190(sich)-190(wohl)-190(sogenannte)-190(feinere)-190(Leute)-189(einbildeten)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.619 0 Td [(sie)-290(setzten)-290(Kinder)-290(in)-290(die)-290(Welt,)-300(k\374mmerten)-290(sich)-290(aber)-290(nicht)-290(um)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +310 0 obj << +/Type /Page +/Contents 311 0 R +/Resources 309 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +312 0 obj << +/D [310 0 R /XYZ 230.071 271.835 null] +>> endobj +309 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +315 0 obj << +/Length 4651 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(44)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sie,)-444(sondern)-404(lie\337en)-405(sie)-405(anderen)-405(Leuten)-405(zur)-404(Last.)-715(Ob)-405(sich)-404(die)]TJ 0 -13.549 Td [(feine)-314(Gesellschaft)-315(je)-314(klar)-314(geworden)-315(sei,)-330(was)-314(es)-315(hei\337e,)-330(ein)-314(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(aufzuziehen?)-858(Zehntausend)-453(durchwachte)-452(N\344chte)-453(und)-453(bei)-452(Tag)]TJ 0 -13.549 Td [(keine)-475(ruhige)-476(Stunde.)-926(Ob)-476(das)-475(mit)-476(solchem)-475(Lumpengeld)-475(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374nfzehntausend)-342(Mark)-341(bezahlt)-342(sei?)-524(Sie,)-365(die)-341(Pflegeeltern,)-364(seien)]TJ 0 -13.549 Td [(brave,)-187(sehr)-171(christliche)-170(Leute,)-187(wie)-171(das)-171(ganze)-171(Stadtviertel)-170(bezeugen)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnte,)-272(und)-268(niemand)-268(etwas)-268(schuldig,)-272(aber)-268(die)-268(anderen,)-273(die)-267(zehn)]TJ 0 -13.549 Td [(Briefe)-273(nicht)-272(beantworten,)-278(was)-273(seien)-272(die?)-317(Das)-273(bi\337chen)-272(Geld,)-278(das)]TJ 0 -13.549 Td [(bezahlt)-251(worden)-250(sei,)-251(sei)-250(l\344ngst)-251(weg.)-251(Das)-251(h\344tten)-250(allein)-251(Doktor)-250(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Apotheke)-162(verzehrt;)-191(denn)-162(wer)-162(wei\337,)-161(was)-162(die)-162(Luise)-162(von)-162(ihren)-161(Eltern)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-357(f\374r)-356(Krankheiten)-357(geerbt)-356(habe.)-570(Wenn)-357(sie,)-383(die)-356(Pflegeeltern,)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-317(so)-317(kinderliebe)-317(Menschen)-316(w\344ren,)-334(l\344ge)-317(das)-317(Kind)-317(l\344ngst)-316(auf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([61])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(der)-301(Stra\337e)-300(oder)-300(im)-301(Grabe.)-401(Sie)-301(m\374\337ten)-300(ihr)-301(Letztes)-300(zusetzen,)-313(um)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-409(M\344dchen)-410(zu)-409(erhalten.)-728(Aber)-409(nun)-410(habe)-409(das)-409(ein)-410(Ende.)-727(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(w\374rden)-439(den)-439(ganzen)-439(Skandal)-439(in)-439(die)-439(Zeitung)-439(bringen)-439(und)-438(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-276(an)-275(das)-276(Vormundschaftsgericht)-275(in)-276(Waltersburg)-276(wenden.)-326(Im)]TJ 0 -13.549 Td [(\374brigen)-169(seien)-169(sie)-170(bereit)1(,)-186(gegen)-169(Zahlung)-169(von)-169(weiteren)-169(zehntausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Mark)-214(das)-214(M\344dchen)-213(in)-214(Pflege)-214(zu)-214(behalten,)-221(obwohl)-214(Luise)-214(ein)-213(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(sei,)-250(das)-250(nur)-250(\304rger)-250(bereite.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Solches)-282(und)-282(noch)-282(\304rgeres)-282(enthielt)-282(der)-282(Brief.)-346(Ich)-282(trug)-282(ihn)-281(zur)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lies)-250(den)-250(Brief!)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.044 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(ich.)]TJ -78.458 -13.995 Td [(Sie)-250(sch\374ttelte)-250(zornig)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-235(mu\337t)-235(ihn)-234(lesen,)-238(Mutter)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-238(sagte)-235(ich)-234(todernst)-235(und)-235(in)-235(hartem)]TJ -136.461 -13.549 Td [(Befehlston.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Sie)-250(starrte)-250(mich)-250(an)-250(und)-250(wurde)-250(bla\337.)]TJ 0 -13.996 Td [(Ich)-250(legte)-250(den)-250(Brief)-250(auf)-250(den)-250(Tisch)-250(und)-250(verlie\337)-250(das)-250(Zimmer.)]TJ 0 -13.995 Td [(Nach)-250(einer)-250(Stunde)-250(suchte)-250(ich)-250(die)-250(Mutter)-250(wieder)-250(auf.)]TJ 0 -13.996 Td [(Sie)-250(lag)-250(auf)-250(dem)-250(Sofa)-250(und)-250(zuckte)-250(wie)-250(in)-250(Kr\344mpfen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Liebe,)-888(gute)-760(Mutter)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.028 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-888(sagte)-760(ich)-761(und)-760(streichelte)-760(ihren)]TJ -115.671 -13.55 Td [(fr\374hgebleichten)-250(Scheitel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(\304ndere)-252(es,)-253(Fritz)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.032 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-253(sagte)-252(sie)-252(m\374hsam,)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.973 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(\344ndere)-252(es;)-253(tue,)-253(was)-252(du)]TJ -184.491 -13.549 Td [(willst,)-250(aber)-250(\344ndere)-250(es)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.822 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(es)-250(ist)-250(entsetzlich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.141 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -166.19 -13.996 Td [(Schmerz)-250(und)-250(Grauen)-250(sch\374ttelten)-250(sie.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +314 0 obj << +/Type /Page +/Contents 315 0 R +/Resources 313 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +316 0 obj << +/D [314 0 R /XYZ 93.543 369.134 null] +>> endobj +313 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +319 0 obj << +/Length 4304 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Luise)-22502(45)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ich)-223(k\374\337te)-223(ihr)-223(die)-223(Hand)-223(und)-224(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.248 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-223(fahre)-223(mit)-223(dem)-223(n\344chsten)]TJ -163.048 -13.549 Td [(Zuge)-250(nach)-250(Berlin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.469 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 59.119 -35.227 Td [(*)]TJ/F16 7.9701 Tf 153.436 -3.723 Td [([62])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.751 Td [(Der)-669(Zug)-670(rollte)-669(sein)-670(einf\366rmiges)-669(Lied)-670(durch)-669(die)-669(ebene)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Landschaft.)-432(Es)-310(regnet)-311(fein,)-325(glitzernde)-311(Tr\366pfchen)-310(zittern)-311(an)-310(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Fensterscheiben)-464(und)-464(rinnen)-464(schlie\337lich)-464(in)-464(schmalen)-463(B\344chlein)]TJ 0 -13.549 Td [(herab.)-571(Keiner)-357(meiner)-357(Fahrtgenossen)-357(spricht)-357(ein)-357(Wort.)-571(Mir)-357(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(recht)-250(lieb.)-250(Ich)-250(bin)-250(in)-250(einer)-250(trostlosen)-250(Stimmung.)]TJ 11.956 -15.752 Td [(Ferien)-339(vom)-339(Ich!)-516(Ein)-339(Erl\366sungswort)-339(f\374r)-339(gequ\344lte)-339(Menschen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eine)-382(Zufluchtsst\344tte)-383(f\374r)-382(m\374de)-382(Herzen,)-416(eine)-382(friedliche)-382(Insel)-382(im)]TJ 0 -13.549 Td [(brandenden)-177(Ozean,)-191(und)-177(ich)-177(der)-177(Lotse,)-192(der)-177(halb)-177(zerschellte)-176(Schiffe)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-331(dem)-331(Hafen)-332(geleitet.)-493(Bitterer)-332(Spott)-331(\374ber)-331(mich)-331(selbst)-331(quillt)]TJ 0 -13.55 Td [(mir)-182(im)-183(Herzen)-182(auf.)-228(Wenn)-182(nun)-183(einer)-182(meiner)-183(Kurg\344ste)-182(mich)-182(einmal)]TJ 0 -13.549 Td [(befragt:)-207(Wie)-164(bist)-163(du)-164(eigentlich)-164(dazu)-163(gekommen,)-181(solch)-164(ein)-163(Prophet)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-223(Friedens)-223(zu)-223(sein,)-229(wer)-223(lieh)-223(dir)-223(den)-223(Talar?)-241(Bist)-223(du)-223(selber)-223(so)-223(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(harmonischer)-317(Mensch,)-333(hast)-317(du)-317(gesiegt)-317(\374ber)-317(die)-317(Unrast)-317(der)-316(Zeit)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-284(die)-283(K\344mpfe)-284(deines)-284(eigenen)-283(Herzens?)-351(Hast)-284(du)-284(zun\344chst)-283(alle)]TJ 0 -13.55 Td [(diejenigen,)-236(die)-232(dir)-233(durch)-232(verwandtschaftliche)-232(Bande)-232(nahestehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-441(in)-441(den)-441(Frieden)-441(gerettet,)-489(da\337)-441(du)-441(nun)-441(ausgehen)-441(kannst,)-488(um)]TJ 0 -13.549 Td [(fremdem)-250(Volk)-250(zu)-250(helfen?)]TJ 11.956 -15.752 Td [(Oh,)-241(seht)-238(ihn)-238(nur)-239(an,)-240(den)-238(Propheten,)-241(den)-238(Friedensapostel!)-246(Seht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nur,)-238(wie)-235(er)-235(im)-235(Eisenbahnwagen)-235(sitzt)-235(und)-235(endlich)-235(versuchen)-234(will,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-348(Kind,)-373(das)-348(ihm)-348(durch)-348(die)-348(Bande)-348(des)-348(Blutes)-348(ganz)-348(nahesteht,)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)-312(v\366lliger)-313(Verwahrlosung)-312(zu)-312(retten;)-343(fragt)-313(ihn)-312(nur)-312(nach)-312(seiner)]TJ 0 -13.55 Td [(Mutter,)-223(die)-217(in)-217(Tr\344nen)-216(zu)-217(Hause)-217(sitzt,)-223(fragt)-217(ihn)-216(nach)-217(dem)-216(einzigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Bruder,)-399(der)-369(in)-369(Gram)-369(und)-370(Ha\337)-369(verschollen)-369(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.96 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.481 0 Td [(fragt)-369(ihn)-369(nach)]TJ -217.441 -13.549 Td [(alldem)-353(und)-353(wundert)-353(euch)-353(dann,)-379(da\337)-353(dieser)-353(Mann)-352(einer)-353(gro\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(Gemeinde)-312(freiwillig)-312(seine)-312(Bauhilfe)-313(anbieten)-312(will,)-327(w\344hrend)-312(ihm)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([63])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(der)-240(Regen)-240(und)-239(der)-240(Wind)-240(durch)-240(die)-240(L\366cher)-240(seiner)-240(eigenen)-239(Giebel)]TJ 0 -13.549 Td [(dringen.)-361(Wie)-286(ein)-287(Geistlicher)-287(ist)-287(er,)-296(der)-287(gegen)-287(die)-287(S\374nde)-286(predigt)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-520(selbst)-521(ein)-520(arger)-521(S\374nder)-520(ist,)-588(wie)-521(ein)-520(Richter,)-588(der)-520(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbrecher)-400(straft)-401(und)-400(den)-401(selber)-400(eine)-401(geheime)-400(Schuld)-400(dr\374ckt,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +318 0 obj << +/Type /Page +/Contents 319 0 R +/Resources 317 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +320 0 obj << +/D [318 0 R /XYZ 46.771 465.676 null] +>> endobj +321 0 obj << +/D [318 0 R /XYZ 269.462 120.339 null] +>> endobj +317 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +324 0 obj << +/Length 4482 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(46)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wie)-261(ein)-260(Arzt,)-264(der)-261(andere)-260(dem)-261(Tode)-261(entrei\337en)-260(will)-261(und)-261(der)-260(selber)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Tode)-250(geweiht)-250(ist!)]TJ 137.588 -33.1 Td [(*)]TJ -125.632 -18.259 Td [(Berlin)-225(N.)-224(Eine)-225(der)-224(Proletarierstra\337en,)-230(von)-224(denen)-225(jede)-224(einzelne)]TJ -11.956 -13.55 Td [(mehr)-643(Einwohner)-643(hat)-644(als)-643(ganz)-643(Waltersburg.)-1429(F\374nfst\366ckige)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344user.)-1216(Im)-573(Erdgescho\337)-571(Gesch\344fte)-573(mit)-572(billigen)-572(Waren,)-652(in)]TJ 0 -13.549 Td [(jedem)-302(zweiten)-301(oder)-302(dritten)-301(Hause)-302(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.634 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Restauration)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.146 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-314(in)-302(deren)]TJ -238.466 -13.549 Td [(Fenster)-393(W\374rste)-393(h\344ngen)-393(und)-392(Schnapsflaschen)-393(stehen.)-679(Auf)-392(den)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374rgersteigen)-552(und)-552(dem)-552(Fahrdamm)-552(ein)-552(Gew\374hl)-552(schreiender,)]TJ 0 -13.55 Td [(blasser)-369(Kinder.)-606(Schlecht)-369(gen\344hrte)-369(Frauen,)-399(dicke)-368(Bierkutscher,)]TJ 0 -13.549 Td [(schmale)-388(Schreiberlein,)-422(modisch,)-422(aber)-388(windig)-388(gekleidete)-387(junge)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344dchen,)-271(schwatzende)-268(Weiber,)-271(mit)-267(Lastkarren)-267(daherkeuchende)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344nner,)-310(hie)-297(und)-298(da)-297(ein)-298(Faulenzer,)-310(der)-297(zum)-298(Fenster)-297(herausliegt,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-223(Arme)-222(auf)-223(ein)-222(Kissen)-223(st\374tzt)-222(und)-223(den)-222(Stumpfsinn)-223(in)-222(Reinkultur)]TJ 0 -13.55 Td [(zeigt,)-839(K\366ter)-721(von)-721(unbestimmbarer)-721(Rasse,)-838(wie)-721(wahnwitzig)]TJ 0 -13.549 Td [(schellende)-778(Stra\337enbahnen,)-910(Autos,)-910(Droschken,)-909(Lastwagen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Radler,)-673(dicke,)-672(stauberf\374llte)-588(Luft,)-672(an)-588(jeder)-588(Stra\337enecke)-588(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(b\344rbei\337iger)-250(Schutzmann)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.069 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Berlin)-250(N.)]TJ -105.295 -14.841 Td [(Das)-457(war)-456(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.799 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Milieu)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.094 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-508(in)-457(dem)-456(meine)-457(Nichte)-456(Luise)-457(bisher)]TJ -113.537 -13.549 Td [(aufgewachsen)-301(war.)-404(Ich)-301(ging)-301(vom)-302(Stettiner)-301(Bahnhof)-301(aus)-301(auf)-301(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Suche)-347(nach)-346(ihrer)-347(Wohnung.)-540(An)-347(einer)-346(Stra\337enecke)-347(bot)-347(mir)-346(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([64])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Kind)-220(Schn\374rb\344nder)-220(zum)-220(Kaufe)-220(an.)-240(Ein)-220(kleines,)-226(blasses)-219(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-296(es.)-387(Ich)-295(sah)-296(sie)-296(an)-295(und)-296(trat)-296(einen)-295(Schritt)-296(zur\374ck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.569 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-296(hei\337t)]TJ -237.412 -13.55 Td [(du)-250(denn?)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.688 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -27.732 -14.84 Td [(Das)-250(Kind)-250(erschrak)-250(und)-250(sagte)-250(\344ngstlich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.301 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Luise!)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.872 0 Td [(\034)]TJ -206.017 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(hei\337t)-250(du)-250(noch?)-250(Wie)-250(ist)-250(dein)-250(anderer)-250(Name?)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.64 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -214.483 -14.841 Td [(Noch)-416(ein)-416(ver\344ngstigter)-416(Blick,)-457(und)-416(das)-416(M\344dchen)-416(rannte,)-457(so)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schnell)-418(es)-419(nur)-418(konnte,)-460(davon.)-755(Ich)-418(f\374hlte)-419(es)-418(wie)-418(L\344hmung)-418(in)]TJ 0 -13.549 Td [(meinen)-466(Gliedern,)-519(aber)-465(ich)-466(eilte)-465(dem)-466(Kinde)-465(nach.)-897(Bei)-465(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Tornische)-250(holte)-250(ich)-250(es)-250(ein)-250(und)-250(fa\337te)-250(es)-250(am)-250(Arm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374rchte)-250(dich)-250(nicht,)-250(Luise.)-250(Ich)-250(tue)-250(dir)-250(nichts.)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.887 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -195.73 -14.841 Td [(Das)-250(M\344dchen)-250(brach)-250(in)-250(Tr\344nen)-250(aus.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +323 0 obj << +/Type /Page +/Contents 324 0 R +/Resources 322 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 300 0 R +>> endobj +325 0 obj << +/D [323 0 R /XYZ 267.089 221.639 null] +>> endobj +322 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +328 0 obj << +/Length 6156 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Luise)-22502(47)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sperren)-250(Sie)-250(mich)-250(nicht)-250(ein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.378 0 Td [(\034)]TJ -124.221 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(soll)-250(ich)-250(dich)-250(denn)-250(einsperren?)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.72 0 Td [(\034)]TJ -170.563 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Weil)-542(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.369 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.37 0 Td [(weil)-542(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.946 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.37 0 Td [(die)-542(Schuhb\344nder)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.118 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.37 0 Td [(Sie)-542(sind)-542(ein)]TJ -223.342 -13.549 Td [(Geheimer)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.924 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -41.968 -14.575 Td [(Das)-250(Kind)-250(weinte)-250(noch)-250(lauter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hallo!)-779(Seht)-426(nur)-426(da!)-778(Was)-427(hat)-426(denn)-426(der)-426(mit)-426(dem)-427(M\344del?)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Warum)-272(weint)-271(denn)-272(det)-272(M\344del?)-315(Haut)-272(ihn!)-315(Das)-272(is)-272(so)-271(eener!)-315(Wird)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(gleich)-250(das)-250(Kind)-250(in)-250(Ruh)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.807 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(lassen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.506 -14.575 Td [(Ich)-383(war)-383(im)-383(Nu)-384(von)-383(einer)-383(Rotte)-383(Menschen)-383(umstellt.)-649(Einige)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Rowdies)-385(nahmen)-385(eine)-385(drohende)-385(Haltung)-385(an,)-419(M\344nner)-385(murrten,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-250(Weib)-250(kreischte)-250(mich)-250(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Pfui)-207(\374ber)-208(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.052 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(nen)-207(Spitzel)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.58 0 Td [(\023)-207(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.348 0 Td [(n)-207(armes)-207(M\344chen,)-216(wat)-208(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.095 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-207(paar)]TJ -254.14 -13.549 Td [(Jroschen)-250(verdient,)-250(feste)-250(zu)-250(nehmen)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.898 0 Td [(\034)]TJ -151.942 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Is)-250(ja)-250(jar)-250(keen)-250(Jeheimer,)-250(is)-250(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.211 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(solcher!)-250(Haut)-250(ihn!)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.243 -14.574 Td [(Die)-283(kleine)-283(Luise)-282(entschl\374pfte)-283(mir,)-291(ein)-283(Schutzmann)-283(kam)-282(breit)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wie)-305(ein)-305(Hilfskreuzer)-305(auf)-305(die)-305(Gruppe)-305(zugesegelt,)-319(die)-304(alsbald)-305(um)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([65])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ihn)-250(und)-250(mich)-250(einen)-250(mehrfachen)-250(Belagerungsring)-250(schlo\337.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(ist)-250(los?)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.724 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(der)-250(Gesetzesh\374ter.)]TJ/F24 10.9091 Tf -65.138 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-244(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.96 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-244(kleines)-245(J\366hr)-244(bel\344stigt)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.777 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.12 0 Td [(er)-244(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.138 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-244(Kind)-245(jemi\337handelt)]TJ/F24 10.9091 Tf -191.06 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.08 0 Td [(er)-332(hat)-333(ihr)-332(blutig)-332(jeschlagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.561 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.08 0 Td [(er)-332(hat)-333(jesagt,)-352(er)-333(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.088 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-332(Jeheimer,)]TJ -229.442 -13.55 Td [(aber)-250(er)-250(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.709 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(Lump.)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.971 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -71.357 -14.574 Td [(Der)-250(Schutzmann)-250(stand)-250(wie)-250(ein)-250(Fels.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(sind)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.2 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.043 -14.575 Td [(Ich)-250(zog)-250(eine)-250(Legitimationskarte)-250(heraus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-380(ist)-380(geschehen,)-412(Herr)-380(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.523 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.988 0 Td [(fragte)-380(der)-380(Schutzmann,)]TJ -176.31 -13.55 Td [(nachdem)-250(er)-250(die)-250(Karte)-250(gelesen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Doktor)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.648 0 Td [(\023)-618(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 15.83 0 Td [(n)-618(Doktor)-618(is)-618(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.082 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.197 0 Td [(amputieren)-618(will)-618(er)-618(ihr)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.62 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(Versuchskarnickel)-250(braucht)-250(er,)-250(det)-250(Schwein)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.826 0 Td [(\034)]TJ -185.87 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ruhe!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(donnerte)-250(der)-250(Schutzmann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.945 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-250(ist)-250(geschehen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.429 0 Td [(\034)]TJ -246.294 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-200(will)-201(es)-200(gern)-201(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.966 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-210(antwortete)-201(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.609 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)-200(nicht)-201(vor)-200(diesen)]TJ -191.062 -13.549 Td [(Leuten,)-250(die)-250(die)-250(Sache)-250(nichts)-250(angeht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 157.244 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -145.288 -14.575 Td [(Ein)-605(w\374stes)-604(Geschrei)-605(antwortete)-604(mir;)-782(immer)-605(mehr)-604(Volk)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sammelte)-250(sich)-250(an.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +327 0 obj << +/Type /Page +/Contents 328 0 R +/Resources 326 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +329 0 obj << +/D [327 0 R /XYZ 279.227 306.733 null] +>> endobj +326 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +333 0 obj << +/Length 5346 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(48)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kommen)-367(Sie)-366(in)-366(Ihrem)-367(eigenen)-366(Interesse)-367(mit)-366(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.474 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-396(riet)-366(der)]TJ -241.116 -13.549 Td [(Sicherheitsmann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(ich,)-250(und)-250(wir)-250(durchbrachen)-250(die)-250(Kette.)]TJ -46.952 -14.367 Td [(Niemand)-354(konnte)-355(mich)-354(sch\374tzen,)-381(da\337)-354(ich)-355(ein)-354(paar)-355(P\374ffe)-354(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(St\366\337e)-500(erhielt.)-1000(Ein)-500(Trupp)-499(johlte)-500(hinter)-500(uns)-500(her,)-563(wurde)-499(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-272(ein)-272(Pferd,)-278(das)-272(auf)-272(der)-272(Stra\337e)-272(gefallen,)-277(in)-272(seinem)-272(Interesse)]TJ 0 -13.55 Td [(abgelenkt,)-340(und)-322(ich)-322(war)-323(mit)-322(dem)-322(Schutzmann)-322(allein.)-466(Wir)-322(traten)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-314(einen)-314(Hauseingang,)-329(und)-314(ich)-314(gab)-314(ihm)-314(eine)-314(kurze)-313(Aufkl\344rung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Als)-242(er)-243(den)-242(Namen)-243(der)-242(Pflegeeltern)-242(Luises)-243(geh\366rt)-242(hatte,)-244(sagte)-242(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([66])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Schutzmann:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-370(Mann)-370(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.188 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-370(Tagedieb)-370(und)-370(die)-370(Frau)]TJ/F24 10.9091 Tf 115.917 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-370(Schlampe.)-610(Da)]TJ -201.17 -13.549 Td [(sehen)-250(Sie)-250(man,)-250(da\337)-250(Sie)-250(det)-250(Wurm)-250(da)-250(abkriejen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -194.674 -14.367 Td [(Ich)-458(dankte)-458(ihm,)-510(und)-458(wir)-458(trennten)-458(uns.)-874(Einen)-458(Augenblick)]TJ -11.955 -13.549 Td [(\374berlegte)-413(ich)-413(noch,)-454(ob)-413(ich)-413(zuvor)-413(einen)-413(Rechtsanwalt)-412(zu)-413(Rate)]TJ 0 -13.55 Td [(ziehen)-362(solle,)-390(aber)-361(dann)-362(ging)-362(ich)-362(direkt)-362(nach)-362(Luises)-361(Wohnung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-265(Hinterhaus)-264(von)-265(vielen)-264(Stockwerken.)-294(Auf)-264(dem)-265(Hofe)-264(spielten)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder)-370(im)-370(Staub)-370(der)-369(Stubendecken,)-400(die)-370(geklopft)-370(wurden.)-609(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Treppe)-420(war)-420(dunkel)-420(und)-420(schmutzig.)-760(Im)-420(dritten)-420(Stockwerk)-420(las)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-390(den)-389(Namen)-390(von)-390(Luises)-389(Pflegeeltern.)-669(Ich)-390(l\344utete)-389(zweimal,)]TJ 0 -13.55 Td [(dann)-295(kam)-295(ein)-294(zaghafter)-295(Kindertritt,)-306(die)-295(T\374r)-295(wurde)-294(ge\366ffnet,)-306(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(entsetzter)-325(Schrei,)-344(die)-324(T\374r)-325(flog)-325(wieder)-325(zu.)-475(Ich)-325(l\344utete)-324(abermals.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-346(gro\337er,)-369(starker)-346(Mann)-345(erschien.)-537(Er)-345(trug)-346(einen)-345(Christusbart,)]TJ 0 -13.549 Td [(ziemlich)-551(lange)-550(Haare)-551(und)-551(stak)-550(in)-551(einem)-551(schwarzen,)-625(wenig)]TJ 0 -13.549 Td [(sauberen)-446(Rock.)-838(Sp\344ter)-446(erfuhr)-446(ich,)-495(da\337)-446(der)-446(Mann)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.983 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Prediger)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.55 Td [(bei)-250(irgendeiner)-250(neuen)-250(Sekte)-250(war.)]TJ 11.955 -14.367 Td [(Er)-395(wollte)-395(mich)-394(erst)-395(mit)-395(einer)-395(hochm\374tigen)-395(Miene)-395(mustern,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(aber)-374(pl\366tzlich)-373(wurde)-374(sein)-373(Gesicht)-374(scheinheilig)-373(freundlich,)-404(und)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(\366lglatter)-250(Stimme)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ah,)-219(Herr)-210(Oberkommissar,)-219(ich)-210(hab)-211(schon)-211(geh\366rt)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.123 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.752 0 Td [(wei\337)-211(schon)]TJ/F24 10.9091 Tf -231.674 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.834 0 Td [(der)-493(Herr)-493(Polizeiinspektor)-493(haben)-493(meine)-493(Pflegetochter)-493(beim)]TJ -10.834 -13.549 Td [(Handel)-351(erwischt)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.123 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.283 0 Td [(aber)-351(ich)-351(kann)-351(bei)-351(meiner)-351(Ehre)-351(versichern)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.769 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.549 Td [(Herr)-234(Inspektor)-234(ich)-234(bin)-234(unschuldig)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.108 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.008 0 Td [(ich)-234(verbiete)-234(dem)-234(M\344del)-234(aufs)]TJ -157.116 -13.55 Td [(strengste)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.196 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.868 0 Td [(haben)-405(es)-404(ja)-405(auch)-404(gottlob)-405(nicht)-404(n\366tig)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.67 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.868 0 Td [(aber)-405(sehen)]TJ -232.602 -13.549 Td [(Sie,)-543(Herr)-485(Inspektor,)-543(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.418 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-484(hergelaufenes)-485(Kind)-484(von)-485(schlechter)]TJ/F16 7.9701 Tf -183.806 0 Td [([67])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +332 0 obj << +/Type /Page +/Contents 333 0 R +/Resources 331 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +334 0 obj << +/D [332 0 R /XYZ 122.461 408.145 null] +>> endobj +335 0 obj << +/D [332 0 R /XYZ 116.137 66.142 null] +>> endobj +331 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +338 0 obj << +/Length 5352 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Luise)-22502(49)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Abkunft,)-378(das)-353(man)-353(so)-353(aus)-352(purem)-353(Mitleid)-353(\050ich)-353(bin)-352(Oberprediger)]TJ 0 -13.549 Td [(bei)-313(der)-313(Gemeinde)-314(der)-313(J\374nger)-313(von)-313(Kapernaum\051,)-329(das)-313(man)-313(so)-313(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(christlicher)-394(Barmherzigkeit)-394(aufzieht)-394(und)-394(das)-394(doch)-394(nicht)-393(ger\344t,)]TJ 0 -13.549 Td [(weil)-383(der)-384(Feind)-383(sein)-384(Unkraut)-383(unter)-383(den)-384(Weizen)-383(s\344t,)-417(das)-383(stiehlt)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-254(nun)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.487 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-254(Jroschen,)-256(kauft)-254(sich)-254(Schuhb\344nder)-255(oder)-254(Streichh\366lzer)]TJ -43.12 -13.549 Td [(oder)-320(was)-320(wei\337)-319(ich)-320(und)-320(verkauft)-320(sie,)-337(um)-320(zu)-320(naschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.905 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.943 0 Td [(nat\374rlich)]TJ -241.848 -13.549 Td [(nur,)-250(um)-250(zu)-250(naschen)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.738 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -83.782 -13.549 Td [(Das)-250(Geschwafele)-250(erstarb)-250(an)-250(meiner)-250(wortlosen)-250(Ruhe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-392(w\374nschen)-391(der)-392(Herr)-392(Inspektor)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.498 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.728 0 Td [(ich)-392(w\374rde)-391(den)-392(Herrn)]TJ -186.025 -13.55 Td [(Inspektor)-168(gern)-169(in)-168(die)-169(Wohnung)-168(bitten,)-185(aber)-168(meine)-169(Frau)-168(ist)-168(zuf\344llig)]TJ 0 -13.549 Td [(heute)-250(noch)-250(nicht)-250(mit)-250(dem)-250(Aufr\344umen)-250(fertig)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.575 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -188.619 -13.549 Td [(Da)-250(sprach)-250(ich)-250(endlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-275(irren)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.536 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.453 0 Td [(ich)-275(bin)-275(kein)-275(Polizeimann)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.598 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.453 0 Td [(ich)-275(bin)-275(der)-275(Onkel)-275(der)]TJ -186.839 -13.549 Td [(kleinen)-250(Luise.)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.811 0 Td [(\034)]TJ -49.855 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.582 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Sie)-250(sind)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.581 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ach)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ach)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(der)-250(sind)-250(Sie)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.421 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -235.744 -13.549 Td [(Er)-250(brach)-250(in)-250(ein)-250(meckeriges)-250(Lachen)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-330(will)-331(Sie)-330(zur)-331(Rechenschaft)-330(ziehen,)-351(Sie)-330(schlechter)-331(Kerl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(rief)-250(ich)-250(au\337er)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(wollen)-250(mich)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.636 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(was)-250(wollen)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.898 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.559 -13.55 Td [(Sein)-245(Gesicht)-245(ver\344nderte)-245(sich.)-248(Eine)-245(zynische)-245(Frechheit)-244(machte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sich)-250(auf)-250(seinen)-250(Z\374gen)-250(breit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-282(wollen)-281(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.916 0 Td [(br\374llte)-282(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.523 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.592 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-282(Balg)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.207 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.527 0 Td [(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 12.771 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-282(unsauberer)]TJ -224.245 -13.549 Td [(Balg)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.437 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.284 0 Td [(und)-351(Sie)-351(wollen)-351(noch)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.524 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.283 0 Td [(ah,)-376(wenn)-351(Sie)-351(mir)-351(was)-351(zu)-351(sagen)]TJ -139.528 -13.549 Td [(haben,)-387(schreiben)-359(Sie)-359(es)-360(mir;)-414(ich)-359(bin)-359(f\374r)-360(Sie)-359(nicht)-359(zu)-359(sprechen)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.691 0 Td [(verstehen)-388(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.216 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.691 0 Td [(f\374r)-388(Sie)-389(nicht)-388(zu)-388(sprechen;)-457(denn)-389(ich)-388(bin)-388(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf 207.426 0 Td [([68])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(anst\344ndiger)-250(Mensch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -79.234 -13.549 Td [(Die)-284(T\374r)-284(fiel)-283(ins)-284(Schlo\337.)-284(Ich)-284(blieb)-283(allein)-284(stehen;)-301(ich)-284(f\374rchtete,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(nun)-250(w\374rde)-250(die)-250(kleine)-250(Luise)-250(drin)-250(zu)-250(schreien)-250(anfangen.)]TJ 11.955 -13.549 Td [(Aber)-250(es)-250(blieb)-250(still.)-250(Nur)-250(eine)-250(T\374r)-250(krachte)-250(noch)-250(zu.)]TJ 0 -13.549 Td [(Da)-250(eilte)-250(ich)-250(die)-250(schmutzige)-250(Stiege)-250(hinab.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +337 0 obj << +/Type /Page +/Contents 338 0 R +/Resources 336 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +339 0 obj << +/D [337 0 R /XYZ 147.324 192.994 null] +>> endobj +336 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +340 0 obj +<< /S /GoTo /D (index7) >> +endobj +343 0 obj +(Samariterdienste) +endobj +346 0 obj << +/Length 3537 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([69])]TJ/F16 18.9589 Tf 149.359 -68.984 Td [(Samariterdienste)]TJ/F16 10.9091 Tf -76.604 -37.089 Td [(So)-309(lebte)-308(das)-309(einzige)-309(Kind)-308(meines)-309(Bruders!)-426(In)-309(einer)-308(Umgebung)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-300(Schmutz,)-314(Heuchelei,)-313(Armseligkeit,)-313(Roheit.)-401(Ein)-300(Gl\374ck,)-313(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-242(Weltverbesserer)-242(doch)-242(noch)-242(das)-242(Kehren)-242(vor)-242(der)-242(eigenen)-241(T\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(einfiel,)-250(ehe)-250(er)-250(an)-250(die)-250(gro\337e)-250(Mission)-250(ging,)-250(anderen)-250(zu)-250(helfen.)]TJ 11.956 -14.483 Td [(Fast)-326(in)-326(jeder)-326(Familie)-326(gibt)-326(es)-326(einen,)-345(auf)-326(den)-326(sich)-326(die)-325(anderen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ganz)-396(besonders)-395(verlassen,)-432(zu)-396(dem)-396(sie)-395(in)-396(ihren)-395(K\374mmernissen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-320(N\366ten)-321(kommen,)-338(dem)-320(sie)-320(es)-321(\374berlassen,)-338(zu)-320(ordnen,)-338(was)-320(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-302(schlecht)-302(gemacht)-302(haben,)-314(der)-302(Geld)-302(borgen)-302(mu\337,)-302(wenn)-301(die)]TJ 0 -13.549 Td [(andern)-362(nichts)-362(haben,)-390(der)-362(immer)-362(schieben,)-390(immer)-362(unterst\374tzen,)]TJ 0 -13.55 Td [(immer)-386(aushelfen)-387(mu\337.)-386(Den)-386(Starken)-387(als)-386(St\374tze)-386(der)-386(Schwachen)]TJ 0 -13.549 Td [(kann)-253(man)-253(ihn)-253(nennen,)-254(wenn)-253(man)-253(es)-254(ideal)-253(ausdr\374cken)-253(will;)-254(sonst)]TJ 0 -13.549 Td [(kann)-229(man)-229(auch)-229(kurz)-229(sagen:)-240(der)-229(Lastesel.)-243(Nachgerade)-229(kam)-229(es)-229(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(vor,)-238(als)-235(ob)-235(ich)-235(in)-235(unserer)-235(Familie)-235(diesen)-235(Ehrenposten)-234(bekleidete.)]TJ 11.956 -14.483 Td [(Ich)-525(kann)-525(nicht)-526(behaupten,)-594(da\337)-525(ich)-525(mit)-525(Freundlichkeit)-525(an)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meinen)-319(Bruder)-318(dachte,)-336(als)-318(ich)-319(durch)-318(den)-319(Staub)-318(des)-319(Hofes)-318(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-294(Stra\337e)-295(zur\374ckfl\374chtete.)-383(Was)-294(an)-294(diesem)-295(Kinde)-294(geschah,)-305(war)]TJ 0 -13.549 Td [(jahrelange)-407(S\374nde.)-722(Auch)-407(an)-407(die)-408(Mutter)-407(dachte)-407(ich)-407(nicht)-407(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(Bitterkeit.)-576(Sie)-359(war)-359(in)-358(diesem)-359(Augenblick)-359(nicht)-359(mein)-358(silbernes)]TJ 0 -13.55 Td [(M\374tterchen,)-193(sie)-178(war)-179(eine)-178(reine,)-193(aber)-178(selbstgerechte)-178(Frau,)-193(die)-178(nicht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([70])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(stark)-311(genug)-311(war,)-326(der)-311(Schuld)-311(mit)-311(Herzenstapferkeit)-311(ins)-311(Auge)-310(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen)-313(und)-314(auf)-313(dem)-314(Schlachtfeld)-313(der)-314(S\374nde)-313(Samariterdienste)-313(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(tun,)-512(sondern)-460(eine,)-512(die)-460(sich)-459(\344ngstlich)-460(in)-460(ihrer)-459(wohlumh\374teten)]TJ 0 -13.549 Td [(Sauberkeit)-210(hielt,)-218(mehr)-210(bek\374mmert)-210(um)-210(sich)-210(selbst)-210(als)-210(um)-210(das,)-217(was)]TJ 0 -13.55 Td [(drau\337en)-342(zugrunde)-343(ging.)-527(Jawohl,)-365(ich)-342(hatte)-342(nicht)-343(Lust,)-365(das)-342(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-343(hinzunehmen,)-365(ich)-343(wollte)-343(meine)-342(Meinung)-343(sagen.)-528(Was)-342(sollte)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-443(denn)-443(tun,)-492(ich)-443(einzelnstehender)-443(Mann?)-830(Es)-443(w\374rde)-443(schwer)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +345 0 obj << +/Type /Page +/Contents 346 0 R +/Resources 344 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +76 0 obj << +/D [345 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +341 0 obj << +/D [345 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +347 0 obj << +/D [345 0 R /XYZ 201.149 160.986 null] +>> endobj +344 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +350 0 obj << +/Length 4637 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Samariterdienste)-18003(51)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(genug)-446(halten,)-494(das)-446(Kind)-446(loszubekommen.)-837(Der)-446(ekle)-446(Kerl)-445(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Pflegevater)-235(war)-235(zum)-236(gesetzlichen)-235(Vormund)-235(und)-235(Pfleger)-235(bestellt,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-231(Erziehungsrechte)-231(waren)-231(an)-231(ihn)-231(abgetreten.)-244(Um)-231(ihm)-230(das)-231(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-359(G\374te)-359(gewisserma\337en)-358(abzukaufen,)-386(dazu)-359(fehlte)-359(mir)-359(das)-358(Geld.)]TJ 0 -13.55 Td [(Mit)-355(gesetzlichen)-355(Mitteln)-355(aber)-355(so)-355(einem)-355(abgefeimten)-355(Schuft)-354(an)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-267(Leib)-266(zu)-267(gehen,)-271(w\374rde)-267(schwer)-266(genug)-267(sein.)-300(Das)-267(N\344chste)-266(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-250(Anwalt)-250(zu)-250(befragen.)]TJ 137.588 -29.553 Td [(*)]TJ -125.632 -16.004 Td [(In)-276(meinem)-277(Hotel)-276(suchte)-277(ich)-276(das)-277(Lesezimmer)-276(auf,)-283(setzte)-276(mich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-429(eine)-429(Ecke)-428(und)-429(gr\374belte.)-787(Ich)-428(mochte)-429(wohl)-429(schon)-429(lange)-428(so)]TJ 0 -13.55 Td [(gesessen)-250(haben,)-250(da)-250(tippte)-250(mich)-250(jemand)-250(auf)-250(die)-250(Schulter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-244(sollten)-243(mal)-244(Ferien)-244(vom)-243(Ich)-244(machen,)-245(Sie)-243(haben)-244(es)-244(n\366tig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -13.549 Td [(Es)-233(war)-233(Mister)-233(Stefenson,)-237(der)-233(also)-233(zu)-234(mir)-233(sprach.)-244(Ich)-233(war)-233(ganz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erstaunt,)-250(ihn)-250(so)-250(pl\366tzlich)-250(hier)-250(in)-250(Berlin)-250(zu)-250(sehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich)-250(sollten)-250(Sie)-250(machen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.433 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(wiederholte)-250(er.)]TJ/F16 7.9701 Tf 111.221 0 Td [([71])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-309(wem)-308(erfuhren)-309(Sie)-308(denn,)-324(da\337)-308(ich)-309(hier)-308(bin?)-426(Von)-309(meiner)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mutter?)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.539 0 Td [(\034)]TJ -22.583 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-663(wem)-664(anders)-663(sollte)-664(ich)-663(es)-663(wissen?)-1491(Sie)-663(sind)-664(in)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Familienangelegenheiten)-414(hier)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.672 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.968 0 Td [(wegen)-414(einer)-414(kleinen)-413(Nichte)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.536 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(wollen)-217(sie)-216(in)-217(eine)-216(andere)-217(Pension)-216(bringen)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.962 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.817 0 Td [(ja,)-223(lieber)-217(Doktor,)-223(das)]TJ -189.779 -13.55 Td [(gef\344llt)-250(mir)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.931 0 Td [(\034)]TJ -61.975 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(gef\344llt)-250(Ihnen)-250(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.942 0 Td [(\034)]TJ -111.785 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da\337)-910(Sie)-911(Ihre)-910(Zeit)-911(mit)-911(solchem)-911(Familienkrimskram)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vergeuden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.164 0 Td [(\034)]TJ -36.208 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Erlauben)-250(Sie,)-250(das)-250(ist)-250(doch)-250(wohl)-250(meine)-250(Sache.)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.458 0 Td [(\034)]TJ -203.301 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ihre)-449(Sache)-449(und)-449(meine)-449(Sache.)-847(Sie)-449(haben)-449(jetzt)-449(keine)-450(Zeit)]TJ -16.799 -13.55 Td [(f\374r)-530(solche)-531(Dinge.)-1090(Es)-531(pa\337t)-530(nicht)-530(in)-530(unser)-531(Programm.)-1090(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(haben)-403(selber)-402(gesagt,)-441(zu)-402(unserem)-403(Ferienheim)-402(geh\366re)-403(vor)-402(allen)]TJ 0 -13.549 Td [(Dingen)-436(die)-436(Erl\366sung)-436(von)-435(dr\374ckenden)-436(famili\344ren)-436(Fesseln.)-807(Ist)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-368(keine)-367(Fessel,)-397(die)-368(Sie)-368(am)-367(Fu\337)-368(schleppen?)-603(Jetzt,)-397(wo)-368(wir)-367(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-372(allerschwersten)-371(Gedankenarbeit)-372(stehen)-371(m\374\337ten,)-402(fahren)-371(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(einem)-313(kleinen)-313(M\344del)-313(nach.)-440(Was)-313(liegt)-313(der)-313(Welt)-313(an)-313(dem)-313(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344del?)-250(An)-250(Ihrem)-250(Ferienheim)-250(soll)-250(ihr)-250(etwas)-250(liegen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 222.993 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +349 0 obj << +/Type /Page +/Contents 350 0 R +/Resources 348 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +351 0 obj << +/D [349 0 R /XYZ 46.771 308.489 null] +>> endobj +348 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +354 0 obj << +/Length 4970 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(52)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-279(glaube,)-285(Herr)-279(Stefenson,)-286(so)-278(eng)-279(sind)-279(wir)-278(denn)-279(doch)-279(noch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-371(miteinander)-370(verbunden,)-401(da\337)-371(Sie)-371(in)-370(dieser)-371(Weise)-371(mit)-370(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(reden)-250(d\374rfen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.157 0 Td [(\034)]TJ -46.201 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-462(darf)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.535 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-515(sagte)-462(er)-462(phlegmatisch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.894 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-462(habe)-462(in)-462(Ihnen)-462(so)]TJ -182.915 -13.549 Td [(etwas)-297(wie)-298(einen)-297(Propheten)-297(gesehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.811 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.698 0 Td [(die)-297(Propheten)-298(gehen)-297(aber)]TJ -168.509 -13.549 Td [(in)-238(die)-237(W\374ste,)-240(ehe)-238(sie)-237(\366ffentlich)-238(auftreten,)-240(nicht)-238(nach)-237(Berlin)]TJ/F24 10.9091 Tf 259.253 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.046 0 Td [(die)]TJ -267.299 -13.549 Td [(Apostel)-260(verlassen)-261(Weib)-260(und)-261(Kind)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.548 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.295 0 Td [(der)-260(Soldat,)-264(der)-260(in)-260(den)-261(Krieg)]TJ -158.843 -13.55 Td [(zieht,)-420(darf)-385(nicht)-386(r\374ckw\344rts)-386(schauen,)-420(er)-385(sagt:)-522(Was)-386(schert)-385(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(Weib,)-288(was)-280(schert)-280(mich)-281(Kind?)-341(Der)-280(Familiensimpel)-280(bleibt)-280(immer)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([72])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ein)-250(mittelm\344\337iger)-250(Kerl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -90.154 -15.857 Td [(Ich)-474(erhob)-474(mich)-474(und)-474(wollte)-474(ihm)-474(grob)-474(kommen.)-923(Aber)-474(ich)]TJ -11.955 -13.549 Td [(setzte)-248(mich)-248(wieder,)-248(sah)-248(auf)-247(einen)-248(Augenblick)-248(in)-248(seine)-247(ehrlichen,)]TJ 0 -13.549 Td [(quellklaren)-491(Augen)-492(und)-491(sagte)-492(dann:)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.621 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-491(haben)-492(vielleicht)-491(in)]TJ -175.465 -13.549 Td [(manchem)-254(recht,)-254(Mister)-254(Stefenson,)-254(aber)-254(im)-254(ganzen)-253(sind)-254(Sie)-253(doch)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-289(Unrecht.)-367(Wenn)-288(ein)-289(Soldat)-289(in)-289(den)-289(Kampf)-289(ziehen)-289(soll)-289(und)-288(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Fu\337)-369(eine)-369(Beule)-369(hat,)-399(wird)-369(er)-369(danach)-369(trachten,)-399(da\337)-368(ihm)-369(erst)-369(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Arzt)-259(die)-259(Beule)-259(\366ffnet)-259(und)-259(die)-259(Wunde)-258(s\344ubert)-259(und)-259(verbindet,)-261(ehe)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-377(marschiert.)-633(Sonst)-377(bleibt)-378(er)-377(eben)-378(am)-377(Wege)-378(liegen.)-632(So)-377(geht)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-332(mir)-331(auch.)-495(Ich)-331(mu\337)-332(mir)-331(erst)-332(diese)-331(Angelegenheit)-332(mit)-331(meiner)]TJ 0 -13.549 Td [(kleinen)-311(Nichte)-311(vom)-311(Halse)-312(schaffen,)-326(ehe)-311(ich)-311(an)-311(unsere)-311(Aufgabe)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen)-250(kann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.713 0 Td [(\034)]TJ -40.758 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gut,)-441(so)-402(schaffen)-403(Sie)-402(sich)-403(die)-402(Angelegenheit)-403(vom)-402(Halse)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.376 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.549 Td [(morgen)-232(vormittag)-232(zwischen)-232(neun)-232(und)-232(elf.)-244(Um)-232(elfeinhalb)-231(k\366nnen)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-250(dann)-250(unsere)-250(Beratung)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.902 0 Td [(\034)]TJ -131.947 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-250(rasch)-250(geht)-250(das)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.32 0 Td [(\034)]TJ -108.164 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-250(lange)-250(kann)-250(es)-250(denn)-250(dauern?)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.469 0 Td [(\034)]TJ -146.313 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wohl)-250(einige)-250(Wochen)-250(oder)-250(auch)-250(Monate.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.923 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -181.767 -15.857 Td [(Herr)-250(Stefenson)-250(l\344chelte)-250(sanftm\374tig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-383(ist)-383(sehr)-384(sch\366n!)-649(Ja,)-417(dann)-383(sind)-383(Sie)-383(wohl)-383(so)-384(freundlich,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mich)-342(nach)-341(einigen)-342(Monaten)-341(gelegentlich)-342(wissen)-341(zu)-342(lassen,)-364(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(wem)-370(Sie)-370(schlie\337lich)-370(Ihr)-370(Sanatorium)-370(begr\374ndet)-370(haben.)-610(Ich)-370(bin)]TJ 0 -13.55 Td [(gar)-241(nicht)-242(abgeneigt,)-243(mir)-241(dann)-241(einen)-242(Prospekt)-241(schicken)-241(zu)-241(lassen.)]TJ 0 -13.549 Td [(F\374r)-250(jetzt,)-250(guten)-250(Abend!)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.804 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +353 0 obj << +/Type /Page +/Contents 354 0 R +/Resources 352 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 330 0 R +>> endobj +355 0 obj << +/D [353 0 R /XYZ 197.046 407.474 null] +>> endobj +352 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +358 0 obj << +/Length 5106 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Samariterdienste)-18003(53)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-359(verlie\337)-358(mich.)-576(Ich)-358(sah)-359(ihm)-358(nach,)-386(als)-359(er)-358(aus)-359(dem)-358(Zimmer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ging,)-265(und)-261(wu\337te,)-265(da\337)-261(es)-262(aus)-262(war)-261(mit)-262(meinem)-262(Lebenstraume.)-284(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sa\337)-398(ganz)-398(st)1(ill,)-435(und)-398(ich)-398(wei\337)-398(jetzt)-397(nicht)-398(mehr,)-435(was)-398(ich)-397(damals)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([73])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(alles)-415(dachte.)-746(Ich)-415(wu\337te)-415(in)-415(jener)-415(Stunde)-415(nur,)-457(es)-415(war)-415(aus,)-456(um)]TJ 0 -13.55 Td [(eines)-281(kleinen)-281(M\344dchens)-280(willen,)-289(das)-280(ich)-281(kaum)-281(auf)-281(zwei)-280(Minuten)]TJ 0 -13.549 Td [(lang)-314(gesehen)-313(hatte)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.394 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.875 0 Td [(aus!)-441(Dieser)-313(Mann,)-330(der)-313(vor)-314(zwei)-314(Tagen)-313(so)]TJ -94.269 -13.549 Td [(viel)-379(Geld)-379(auf)-379(eine)-379(Idee)-379(von)-379(mir)-379(setzen)-378(wollte,)-412(hielt)-379(mich)-378(nun)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-337(einen)-337(Schwachkopf.)-510(Aber)-337(auf)-336(so)-337(elende)-337(Weise)-337(durften)-336(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-306(nicht)-307(trennen.)-418(Rasch)-307(warf)-306(ich)-306(einige)-307(Zeilen)-306(auf)-306(eine)-306(Karte,)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-299(m\374sse)-298(Herrn)-299(Stefenson)-299(noch)-299(einmal)-298(sprechen,)-311(nicht)-299(um)-298(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(umzustimmen,)-422(daran)-388(d\344chte)-388(ich)-388(nicht,)-423(sondern)-388(um)-388(nicht)-387(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(ungerechtfertigt)-243(zu)-242(scheiden.)-248(Ich)-243(schickte)-242(Stefenson)-243(durch)-242(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kellner)-250(die)-250(Karte,)-250(und)-250(er)-250(kam)-250(auch)-250(bald)-250(pers\366nlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-424(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.766 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.082 0 Td [(es)-424(ist)-425(nichts)-424(Gesch\344ftliches)-424(mehr,)-468(nur)]TJ -107.647 -13.549 Td [(etwas)-337(rein)-336(Menschliches.)-510(Es)-337(ist)-337(darum,)-358(da\337)-337(wir)-336(uns)-337(jetzt)-336(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(gegenseitige)-416(Hochachtung,)-457(aber)-416(doch)-416(auch)-416(ohne)-415(beleidigende)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesten)-500(trennen)-500(wollen,)-562(wie)-500(Sie)-500(selbst)-500(einmal)-500(gesagt)-499(haben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Haben)-250(Sie)-250(noch)-250(zehn)-250(Minuten)-250(Zeit)-250(f\374r)-250(mich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.236 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -185.28 -14.368 Td [(Er)-427(nickte,)-470(und)-427(ich)-427(erz\344hlte)-426(ihm)-427(ohne)-426(alle)-427(Umschweife)-426(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Trag\366die)-238(Joachims)-238(und)-238(seines)-239(Kindes,)-240(und)-238(wie)-238(ich)-238(das)-238(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(heute)-359(drau\337en)-360(auf)-359(der)-360(Ackerstra\337e)-359(getroffen)-360(hatte.)-578(Mir)-359(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-591(Herz)-591(warm)-591(beim)-592(Erz\344hlen,)-676(aber)-591(Stefenson)-591(blieb)-591(ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(gleichg\374ltig.)-250(Zuletzt)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-224(ist)-223(eine)-224(traurige)-223(Geschichte,)-229(die)-224(Sie)-223(da)-224(erz\344hlt)-224(haben,)-229(aber)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-313(kommt)-313(alle)-313(Tage)-313(vor.)-438(Es)-313(ist)-313(gar)-313(nichts)-313(Neues.)-439(Ich)-313(habe)-312(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschichte)-268(auch)-269(erlebt.)-305(Aber)-268(etwas)-269(Interessantes)-268(ist)-269(dabei:)-286(Sind)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(wirklich)-250(f\374nf)-250(Jahre)-250(lang)-250(hinter)-250(Ihrem)-250(Bruder)-250(her)-250(gewesen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.956 0 Td [(\034)]TJ -261 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(fand)-250(ihn)-250(nicht)-250(eher.)]TJ/F24 10.9091 Tf 115.429 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 158.796 0 Td [([74])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hm!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.149 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.323 0 Td [(Sagen)-813(Sie,)-954(wollen)-813(wir)-813(den)-813(Abend)-813(noch)]TJ -72.271 -13.549 Td [(zusammenbleiben?)-765(Ich)-422(m\366chte)-421(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.562 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sommernachtstraum)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.443 0 Td [(in)]TJ -272.143 -13.549 Td [(der)-222(deutschen)-222(Auff\374hrung)-222(ansehen.)-240(Kommen)-222(Sie)-222(mit?)-241(Sie)-221(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-250(doch)-250(wohl)-250(nicht)-250(so)-250(eilig)-250(nach)-250(Hause?)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -162.862 -14.368 Td [(Ich)-257(wu\337te,)-260(da\337)-257(ich)-258(bei)-257(diesem)-258(Manne)-257(verspielt)-258(hatte,)-259(aber)-257(ich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nahm)-321(die)-321(Einladung)-321(an.)-463(Er)-321(sagte,)-339(er)-321(habe)-321(nun)-320(noch)-321(Gesch\344fte,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +357 0 obj << +/Type /Page +/Contents 358 0 R +/Resources 356 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +359 0 obj << +/D [357 0 R /XYZ 227.634 491.077 null] +>> endobj +360 0 obj << +/D [357 0 R /XYZ 46.771 147.536 null] +>> endobj +356 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +364 0 obj << +/Length 4629 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(54)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wir)-309(w\374rden)-308(uns)-309(im)-308(Theater)-309(treffen.)-425(Damit)-309(h\344ndigte)-308(er)-309(mir)-308(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Theaterkarte)-250(ein)-250(und)-250(verlie\337)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.295 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -141.339 -14.251 Td [(Mendelssohns)-228(Ouvert\374re)-227(zum)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.882 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sommernachtstraum)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.327 0 Td [(huschte)]TJ -247.303 -13.549 Td [(und)-153(zwitscherte)-154(an)-153(mir)-153(vor\374ber,)-173(Shakespeares)-153(unsterbliches)-153(Werk)]TJ 0 -13.549 Td [(reinster)-334(Fr\366hlichkeit)-334(tat)-334(sich)-334(in)-334(gl\344nzender)-334(Darstellung)-334(vor)-334(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(auf,)-270(aber)-266(ich)-266(sa\337)-266(wie)-266(ein)-266(Geistesabwesender)-266(auf)-266(meinem)-266(Platze.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-387(Stuhl)-387(neben)-387(mir)-387(war)-387(leer)-387(geblieben.)-661(Stefenson)-387(war)-387(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(erschienen.)-668(Der)-389(M\344rchenwald,)-424(durch)-389(den)-389(die)-389(Elfen)-389(huschten,)]TJ 0 -13.549 Td [(blaute)-297(vor)-296(meinen)-297(Augen;)-320(aber)-297(ich)-296(dachte)-297(an)-297(den)-296(Wald)-297(an)-296(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Abhang)-250(des)-250(Waltersburger)-250(Weihnachtsberges.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Pyramus)-214(und)-215(Thisbe)-214(trieben)-215(ihren)-214(grotesken)-215(Spa\337.)-214(Da)-214(dr\366hnte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-279(meiner)-278(Logent\374r)-279(her)-278(tiefes)-279(Gel\344chter.)-335(Stefenson)-279(stand)-278(dort.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-231(beachtete)-231(mich)-231(nicht,)-235(er)-231(schaute)-231(nur)-231(vergn\374gt)-231(nach)-231(der)-231(B\374hne)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-214(lachte)-213(so)-214(laut,)-221(da\337)-214(er)-214(die)-213(Aufmerksamkeit)-214(des)-214(Publikums)-213(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(zog.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Die)-272(n\344chste)-272(Pause)-273(kam.)-316(Da)-273(setzte)-272(sich)-272(Stefenson)-272(neben)-272(mich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(sagte)-250(zur)-250(Entschuldigung)-250(seines)-250(sp\344ten)-250(Kommens:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Manche)-250(Gesch\344fte)-250(wickeln)-250(sich)-250(in)-250(Berlin)-250(sehr)-250(langsam)-250(ab.)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.003 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -345.557 0 Td [([75])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.25 Td [(Nach)-706(dem)-706(Theater)-705(fuhren)-706(wir)-706(nach)-706(einem)-705(Restaurant.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Nachdem)-169(wir)-170(gegessen)-169(hatten,)-185(sagte)-170(Stefenson)-169(ganz)-169(unvermittelt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-437(Luise)-436(habe)-437(ich)-437(flottgemacht.)-810(Zuviel)-437(Schwierigkeiten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(habe)-299(ich)-300(mit)-299(dem)-299(alten)-299(Gauner)-300(nicht)-299(gehabt.)-398(Der)-299(Hauswirt)-299(war)]TJ 0 -13.549 Td [(gerade)-246(bei)-246(ihm)-246(und)-246(dr\344ngte)-246(um)-246(die)-245(Miete;)-248(da)-246(machte)-246(es)-246(der)-245(Kerl)]TJ 0 -13.55 Td [(um)-230(dreihundert)-231(Mark.)-243(Er)-231(gab)-230(alles)-230(schriftlich,)-235(was)-230(ich)-230(w\374nschte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Mit)-440(Anw\344lten)-439(ist)-440(das)-440(nichts.)-819(Das)-439(ist)-440(teuer)-440(und)-439(umst\344ndlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Mit)-379(dreihundert)-380(Mark)-379(war)-379(alles)-380(in)-379(zwanzig)-379(Minuten)-379(gemacht,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-304(ich)-304(hatte)-304(das)-304(Kind.)-411(Dann)-304(war)-304(ich)-304(um)-304(eine)-303(Pflegeschwester)]TJ 0 -13.549 Td [(aus.)-444(Das)-315(hat)-315(l\344nger)-314(gedauert.)-445(Das)-314(hat)-315(unsinnig)-315(lange)-314(gedauert.)]TJ 0 -13.55 Td [(Die)-312(ganze)-311(sch\366ne)-312(Eselsszene)-311(habe)-311(ich)-312(im)-311(Theater)-312(verpa\337t.)-434(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Pflegeschwester)-191(ist)-190(nun)-191(mit)-191(der)-190(Luise)-191(in)-191(unserem)-190(Hotel.)-230(Nummer)]TJ 0 -13.549 Td [(187)-303(wohnen)-304(sie.)-410(Bald)-303(fahren)-303(sie)-304(nach)-303(einem)-303(Erziehungsinstitut)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-248(Th\374ringen.)-249(Es)-248(ist)-247(mir)-248(empfohlen)-248(worden.)-249(Da)-247(wird)-248(ja)-248(wohl)-247(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Luise)-250(k\366rperlich)-250(und)-250(seelisch)-250(zurechtgestutzt)-250(werden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.491 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -222.535 -14.251 Td [(Ich)-250(schlug)-250(wieder)-250(einmal)-250(die)-250(H\344nde)-250(zusammen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +363 0 obj << +/Type /Page +/Contents 364 0 R +/Resources 362 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +365 0 obj << +/D [363 0 R /XYZ 93.543 282.655 null] +>> endobj +366 0 obj << +/D [363 0 R /XYZ 105.499 242.983 null] +>> endobj +362 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +369 0 obj << +/Length 3829 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Samariterdienste)-18003(55)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guter)-250(Herr)-250(Stefenson,)-250(das)-250(haben)-250(Sie)-250(getan?)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.949 0 Td [(\034)]TJ -194.792 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-515(bitte,)-581(exaltieren)-515(Sie)-515(sich)-515(nicht!)-1045(Eine)-515(Zeitlang)-515(wird)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-443(Luise)-443(in)-443(dem)-443(Institut)-443(bleiben,)-491(und)-443(dann)-443(kann)-443(sie)-443(zu)-442(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-454(das)-454(Ferienheim)-454(kommen)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.718 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.409 0 Td [(so)-454(als)-454(eine)-454(Art)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.35 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.409 0 Td [(als)-454(eine)-454(Art)]TJ -225.886 -13.55 Td [(Einweihungsengel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.324 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -71.368 -13.549 Td [(Mich)-250(w\374rgte)-250(es)-250(in)-250(der)-250(Kehle.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(wollen)-250(das)-250(Heim)-250(doch)-250(mit)-250(mir)-250(gr\374nden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.014 0 Td [(\034)]TJ -197.857 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-341(sagte)-322(er)-323(ganz)-322(ruhig,)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.962 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-322(will.)-468(Es)-323(hat)-322(mir)-323(was)-322(an)-323(Ihrer)]TJ -133.536 -13.549 Td [(Geschichte)-284(gefallen.)-352(Nat\374rlich)-283(nicht)-284(das)-284(Sentimentale,)-293(aber)-283(da\337)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([76])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(sie)-315(f\374nf)-315(Jahre)-315(lang)-315(die)-315(Jagd)-315(machten,)-331(das)-315(zeugt)-315(doch)-315(von)-314(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(gewissen)-250(Ausdauer.)-250(Und)-250(Ausdauer)-250(ist)-250(zu)-250(gebrauchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 235.091 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -97.503 -30.087 Td [(*)]TJ -125.632 -16.538 Td [(Ich)-348(bin)-348(wieder)-347(im)-348(stillen)-348(Waltersburg.)-543(Berlin)-348(N)-348(liegt)-347(hinter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mir)-298(wie)-297(ein)-298(w\374ster)-298(Traum.)-393(Welch)-297(Gegensatz!)-393(Die)-298(kleine)-297(Luise)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(gut)-250(untergebracht.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Stefenson)-350(hat)-350(mir)-350(gestern)-350(schriftlich)-350(mitgeteilt,)-375(da\337)-350(er)-350(mich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(f\374r)-267(keinen)-266(Philosophen)-267(halte,)-270(auch)-267(nicht)-266(f\374r)-267(das,)-270(was)-267(man)-266(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(lebensklugen)-507(Menschen)-507(nenne,)-571(und)-506(was)-507(ich)-507(als)-507(Arzt)-506(tauge,)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nne)-219(er)-219(nicht)-219(beurteilen.)-239(Er)-219(halte)-219(mich)-219(f\374r)-219(einen)-219(Dichter.)-239(Meine)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-473(Idee)-474(sei)-473(weniger)-473(\344rztliches)-474(Problem)-473(als)-473(vielmehr)-473(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Dichtung.)-501(Aber)-334(Dichtung)-334(sei)-333(besser)-334(als)-334(Problem.)-501(Dichtung)-333(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-311(Gezeugtes,)-326(Probleme)-311(sind)-311(etwas)-310(Konstruiertes,)-326(Dichtung)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-441(Lebewesen,)-488(Problem)-440(ist)-441(Mechanik.)-821(Und)-441(so)-440(solle)-441(ich)-440(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(jetzt)-326(meine)-326(Dichtung)-327(ganz)-326(ausgestalten)-326(und)-326(ihm)-326(vertrauensvoll)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergeben.)-552(Was)-350(ausf\374hrbar)-351(sei,)-376(werde)-350(ausgef\374hrt)-351(werden,)-375(das)]TJ 0 -13.55 Td [(andere)-269(werde)-268(als)-269(blauer)-268(Dampf)-269(in)-269(die)-268(H\366he)-269(ziehen)-268(und)-269(auch)-268(als)]TJ 0 -13.549 Td [(W\366lklein)-250(am)-250(Himmel)-250(noch)-250(sch\366n)-250(sein.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +368 0 obj << +/Type /Page +/Contents 369 0 R +/Resources 367 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +370 0 obj << +/D [368 0 R /XYZ 249.322 409.782 null] +>> endobj +367 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +371 0 obj +<< /S /GoTo /D (index8) >> +endobj +374 0 obj +(In den Tagen des Werdens) +endobj +377 0 obj << +/Length 3831 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([77])]TJ/F16 18.9589 Tf 111.548 -68.051 Td [(In)-262(den)-261(Tagen)-262(des)-262(Werdens)]TJ/F16 10.9091 Tf -38.793 -36.155 Td [(Beschaulichen)-159(und)-159(nachdenksamen)-158(Charakters)-159(ist)-159(Herr)-158(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht.)-276(Es)-259(geht)-259(alles)-258(so)-259(verbl\374ffend)-259(schnell)-258(bei)-259(ihm,)-261(da\337)-259(er,)-260(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-494(anderer)-494(noch)-495(bei)-494(den)-494(ersten)-494(Erw\344gungen)-494(und)-494(Bedenken)]TJ 0 -13.55 Td [(st\344nde,)-337(schon)-319(am)-319(Ende)-320(ist.)-458(Freilich)-319(kommt)-319(dazu,)-337(da\337)-319(er)-319(Gl\374ck)]TJ 0 -13.549 Td [(hat.)-771(Das)-424(Gel\344nde)-424(am)-423(Ostabhang)-424(des)-424(Weihnachtsberges)-423(steht)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-521(Verkauf.)-1064(Es)-521(geh\366rt)-521(einem)-521(Manne,)-589(der,)-589(wie)-521(Hans)-521(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\374ck,)-508(st\344ndig)-457(seinen)-456(Besitz)-457(vertauschte.)-870(Dieses)-456(Gut)-457(hat)-456(er)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-491(gro\337e,)-551(sehr)-490(ertragreiche)-491(Steinbr\374che)-491(umgetauscht,)-550(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Steinbr\374che)-222(gegen)-222(eine)-222(Fabrik,)-227(die)-222(noch)-222(besser)-221(war,)-228(und)-222(so)-222(ist)-221(es)]TJ 0 -13.549 Td [(langsam)-169(bergab)-169(gegangen,)-185(und)-169(Herr)-169(Stefenson)-169(mit)-169(seinem)-169(gro\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(Geldbeutel)-188(hat)-187(wenig)-188(Schwierigkeiten)-187(gefunden.)-229(Achtundvierzig)]TJ 0 -13.549 Td [(Stunden)-305(haben)-305(die)-305(Verhandlungen)-304(gedauert,)-319(dann)-305(war)-305(das)-304(Gut,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-367(mit)-367(Wiese)-367(und)-367(Wald)-367(2500)-367(Hektar)-367(gro\337)-367(ist,)-396(von)-367(Stefenson)]TJ 0 -13.55 Td [(gekauft.)-594(Um)-364(einen)-365(Preis,)-393(bei)-365(dessen)-364(Nennung)-365(einem)-364(fr\374heren)]TJ 0 -13.549 Td [(Schiffsarzt)-250(die)-250(G\344nsehaut)-250(ankommt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-409(ist)-408(das)-409(Gel\344nde)-408(da,)-448(nun)-409(mu\337)-408(die)-409(Gemeinde)-409(errichtet)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werden)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-299(sagte)-288(Stefenson)-289(sehr)-289(einfach.)]TJ/F24 10.9091 Tf 137.889 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(In)-289(einem)-289(Jahre)-289(m\374ssen)]TJ -179.682 -13.549 Td [(s\344mtliche)-250(H\344user)-250(stehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.764 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -181.519 0 Td [([78])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-250(einem)-250(Jahre?)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.066 0 Td [(\034)]TJ -73.909 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja!)-721(Die)-406(Deutschen)-407(brauchen,)-446(wenn)-407(sie)-407(einen)-407(Dom)-407(bauen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wollen,)-236(vierhundert)-233(Jahre,)-236(der)-232(Amerikaner)-233(braucht,)-236(wenn)-233(er)-232(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadt)-250(baut,)-250(sechs)-250(Monate.)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.807 0 Td [(\034)]TJ -99.851 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(dann)-250(aber)-250(auch)-250(danach.)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.054 0 Td [(\034)]TJ -133.898 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ob)-279(es)-278(danach)-279(ist)-279(oder)-278(nicht,)-286(ist)-279(gleich)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.883 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-286(erwiderte)-279(Stefenson)]TJ -187.526 -13.549 Td [(verdrossen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.905 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jedenfalls)-256(habe)-256(ich)-256(f\374r)-255(die)-256(ganze)-256(Chose)-256(nicht)-256(mehr)]TJ -57.748 -13.549 Td [(Zeit.)-522(Ich)-341(mu\337)-341(nach)-340(Neuyork,)-364(nach)-340(Milwaukee,)-364(nach)-340(Trinidad.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +376 0 obj << +/Type /Page +/Contents 377 0 R +/Resources 375 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +77 0 obj << +/D [376 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +372 0 obj << +/D [376 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +378 0 obj << +/D [376 0 R /XYZ 93.543 177.424 null] +>> endobj +375 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +381 0 obj << +/Length 4484 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(den)-250(Tagen)-250(des)-250(Werdens)-14061(57)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sehen)-306(Sie)-306(sich)-306(das)-306(Gel\344nde)-307(an)-306(und)-306(machen)-306(Sie)-306(Ihren)-306(Plan.)-418(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(werde)-186(auch)-186(einen)-185(Plan)-186(machen.)-229(Ich)-185(brauche)-186(drei)-186(Tage)-186(Zeit)-185(dazu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-438(w\374rde)-439(drei)-438(Jahre)-438(dazu)-439(brauchen,)-485(aber)-438(um)-439(Ihretwillen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werde)-250(ich)-250(in)-250(sechs)-250(Wochen)-250(mit)-250(meinem)-250(Plane)-250(fertig)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.865 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -238.909 -14.776 Td [(Er)-410(wandte)-410(sich)-410(finster)-410(ab.)-730(Drei)-410(Tage)-410(lang)-410(lief)-410(er)-410(auf)-409(dem)]TJ -11.956 -13.55 Td [(erworbenen)-214(Gel\344nde)-213(umher,)-221(zeichnete,)-221(machte)-213(Notizen)-214(und)-213(ging)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-422(aus)-421(dem)-422(Wege.)-764(Am)-422(vierten)-422(Tage)-421(teilte)-422(er)-421(mir)-422(auf)-421(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Postkarte)-449(mit,)-500(er)-449(habe)-450(einen)-449(kleinen)-450(Abstecher)-449(nach)-449(Sizilien)]TJ 0 -13.549 Td [(unternommen.)-497(Ich)-332(war)-332(froh)-332(dar\374ber)-332(und)-332(ging)-333(nun)-332(daran,)-352(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferienheim)-250(im)-250(Plane)-250(zu)-250(entwerfen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Das)-709(Gel\344nde)-710(kannte)-709(ich)-709(genau.)-1628(Die)-709(meisten)-709(meiner)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bubenstreiche)-669(hatten)-670(in)-669(jenem)-670(Walde)-669(gespielt;)-879(auf)-669(jenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Wiesenrainen)-331(war)-331(ich)-331(als)-331(Student)-331(tausendmal)-331(gegangen.)-493(Eines)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-426(zu)-426(vermeiden)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.632 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.099 0 Td [(alle)-426(Gleichf\366rmigkeit.)-777(Eine)-426(Villa)-425(neben)]TJ -96.731 -13.549 Td [(die)-541(andere)-540(zu)-540(bauen,)-614(ein)-540(Logierhaus)-540(wie)-541(das)-540(andere,)-613(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-537(zimperlich)-537(geordneten)-537(G\344rten,)-609(wo)-537(man)-537(kaum)-537(ei)1(nen)-537(Fu\337)]TJ 0 -13.549 Td [(hineinzusetzen)-497(wagt)-498(wie)-497(in)-497(die)-498(gute)-497(Stube)-497(einer)-497(peinlichen,)]TJ 0 -13.549 Td [(eitlen)-558(Hausfrau,)-635(das)-558(sollte)-558(uns)-558(gewi\337)-558(nicht)-558(ei)1(nfallen,)-635(ganz)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([79])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(abgesehen)-182(von)-181(Basaren,)-196(Hotels,)-195(Restaurants,)-195(Pl\344tzen)-182(und)-181(Stra\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337st\344dtischer)-250(Art.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Im)-305(Mittelpunkt)-304(der)-305(Ferienheimat)-305(soll)-304(das)-305(Rathaus)-305(liegen.)-413(Es)]TJ -11.956 -13.55 Td [(soll)-435(ein)-435(gro\337er,)-481(ger\344umiger)-435(Bau)-434(altdeutschen)-435(Stils)-435(sein.)-804(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374rgermeister)-506(wird)-507(darin)-506(wohnen;)-635(denn)-507(einen)-506(solchen)-506(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-382(wohl)-382(das)-381(Gesetz)-382(auferlegen;)-448(aber)-382(auch)-382(die)-381(Sprechzimmer)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-517(\304rzte)-517(sollen)-517(im)-516(Rathaus)-517(untergebracht)-517(sein,)-584(ebenso)-516(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Verwaltungsr\344ume,)-409(die)-377(Kasse,)-409(die)-377(Nachtw\344chterstuben.)-631(Auch)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-564(gro\337en)-564(ehrw\374rdigen)-564(Saal)-564(soll)-563(das)-564(Rathaus)-564(haben,)-642(in)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-307(die)-306(Ferieng\344ste)-307(manchmal)-307(zu)-306(einer)-307(Feierstunde)-306(nationaler,)]TJ 0 -13.549 Td [(k\374nstlerischer)-405(oder)-406(geselliger)-405(Art)-405(geladen)-405(werden.)-716(In)-405(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(Rathaus)-320(wird)-321(auch)-320(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.261 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(verbotene)-320(Zimmer)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.338 0 Td [(mit)-320(den)-321(Zeitungen)]TJ -199.1 -13.549 Td [(sein.)-585(Ein)-362(Posten)-361(wird)-362(davor)-362(Wache)-361(halten)-362(und)-362(nur)-361(diejenigen)]TJ 0 -13.549 Td [(einlassen,)-313(die)-301(eine)-301(Karte)-300(vorzeigen,)-314(und)-300(eine)-301(solche)-301(Karte)-300(wird)]TJ 0 -13.55 Td [(jedem)-382(w\344hrend)-383(der)-382(Dauer)-382(des)-383(Ferienaufenthaltes)-382(nur)-382(zweimal)]TJ 0 -13.549 Td [(gew\344hrt)-250(werden.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +380 0 obj << +/Type /Page +/Contents 381 0 R +/Resources 379 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +382 0 obj << +/D [380 0 R /XYZ 231.075 284.157 null] +>> endobj +379 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +385 0 obj << +/Length 4443 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(58)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Das)-302(Rathaus)-302(wird)-302(am)-302(Lindenplatz)-302(liegen,)-315(dort,)-315(wo)-302(die)-301(gro\337e)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Linde)-315(mitten)-314(auf)-315(der)-314(Wiese)-315(steht.)-444(So)-314(oft)-315(auch)-314(die)-315(Dichter)-314(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Platz)-401(unter)-400(der)-401(Linde)-400(und)-401(vom)-400(Tanz)-401(mit)-400(dem)-401(sch\366nen)-400(Kinde)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-407(dem)-406(Traum)-407(im)-407(Abendwinde)-407(gesungen)-406(haben,)-446(mir)-407(ist)-406(die)]TJ 0 -13.55 Td [(alte)-491(Weise)-491(nicht)-491(zu)-491(abgeleiert,)-551(ich)-491(will)-491(das)-491(fr\366hliche)-491(Gl\374ck)]TJ 0 -13.549 Td [(vergangener)-250(Tage)-250(neu)-250(erstehen)-250(lassen.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Am)-954(Lindenplatz,)-1130(dem)-954(Rathaus)-954(gegen\374ber,)-1130(soll)-953(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Lindenherberge)-201(liegen,)-211(unser)-202(gr\366\337tes)-201(Gasthaus.)-234(Das)-201(Modell)-201(mu\337)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-284(in)-285(sch\366nen)-284(deutschen)-284(St\344dten)-285(suchen,)-293(etwa)-284(in)-284(Rothenburg,)]TJ 0 -13.549 Td [(Goslar,)-222(Wernigerode)-216(oder)-215(Hildesheim,)-222(und)-216(dann)-215(ist)-216(es)-215(f\374r)-215(unsere)]TJ 0 -13.549 Td [(Zwecke)-284(auszugestalten.)-352(Eine)-284(Bauernschenke)-284(denke)-284(ich)-284(mir,)-292(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([80])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Herrenst\374bchen,)-510(einen)-459(Poetenwinkel)-458(mit)-458(Butzenscheiben,)-510(wo)]TJ 0 -13.55 Td [(Lieder)-463(zur)-463(Laute)-463(gesungen)-463(werden.)-889(\326fter)-463(als)-463(einmal)-463(in)-462(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Woche)-284(darf)-284(sich)-284(niemand)-285(in)-284(einer)-284(der)-284(drei)-284(Stuben)-284(sehen)-284(lassen;)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-329(dreimal)-330(in)-329(der)-329(Woche)-330(ins)-329(Gasthaus)-330(zu)-329(gehen,)-349(ist)-329(f\374rwahr)]TJ 0 -13.549 Td [(genug)-251(f\374r)-250(einen)-251(Kurgast.)-252(Es)-251(darf)-251(sich)-250(auch)-251(keiner)-251(einbilden,)-250(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-350(etwa)-349(nur)-350(Bauer)-349(oder)-349(ein)-350(Herr)-349(oder)-350(nur)-349(S\344nger)-350(zur)-349(Klampfe)]TJ 0 -13.55 Td [(sei)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.438 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.773 0 Td [(er)-487(mu\337)-488(alles)-487(sein)-488(wollen)-487(und)-488(sein)-487(k\366nnen,)-547(und)-487(wenn)]TJ -28.211 -13.549 Td [(er)-416(dreimal)-416(in)-417(der)-416(Woche)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.819 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ausgehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.384 0 Td [(will,)-458(dann)-416(mu\337)-416(er)-416(eben)]TJ -172.639 -13.549 Td [(jedesmal)-233(in)-234(eine)-233(andere)-234(Abteilung,)-236(und)-234(das)-233(Braunbier,)-237(das)-233(in)-233(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Bauernschenke)-346(ein)-347(biederer)-346(Wirt)-346(mit)-347(seiner)-346(Gattin)-346(ausschenkt,)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337)-168(ihm)-169(ebenso)-169(munden)-168(wie)-169(der)-168(Wein,)-185(den)-168(ein)-169(sch\366nes)-168(M\344dchen)]TJ 0 -13.55 Td [(im)-250(Poetenwinkel)-250(kredenzt.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Ein)-279(Kaffeehaus)-279(werden)-279(wir)-279(auch)-279(haben;)-293(denn)-279(sonst)-279(bek\344men)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wir)-251(keinen)-251(\366sterreichischen)-251(Kurgast.)-253(In)-251(diesem)-251(Kaffeehaus)-251(wird)]TJ 0 -13.55 Td [(alles)-433(zu)-433(haben)-433(sein,)-479(was)-433(ein)-433(Wiener)-433(Kaffeehaus)-433(auszeichnet,)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-348(der)-349(drangvollen)-348(F\374lle)-348(bis)-349(zum)-348(Zigarettendampf,)-373(nur)-348(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeitungen.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Vielleicht)-190(wird)-191(mir)-190(mancher)-191(ob)-190(meiner)-191(gro\337en)-190(Toleranz)-190(gegen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Tabak)-368(und)-368(selbst)-368(gegen)-368(Alkohol)-368(z\374rnen,)-397(aber)-368(ich)-368(sorge)-368(daf\374r,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-250(alles)-250(im)-250(Lot)-250(bleibt.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Da)-261(in)-261(den)-261(Wirtschaftsr\344umen)-261(umsonst)-261(nichts)-261(geschenkt)-260(wird,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(da)-274(aber)-273(auch)-274(keiner)-274(der)-273(G\344ste)-274(einen)-274(Pfennig)-273(Geld)-274(in)-274(der)-273(Tasche)]TJ 0 -13.549 Td [(hat,)-548(sind)-489(alle)-489(gen\366tigt,)-548(ihre)-489(Zeche)-489(recht)-488(sch\366n)-489(und)-489(breit)-488(an)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +384 0 obj << +/Type /Page +/Contents 385 0 R +/Resources 383 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 361 0 R +>> endobj +386 0 obj << +/D [384 0 R /XYZ 201.357 381.456 null] +>> endobj +383 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +389 0 obj << +/Length 4233 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(den)-250(Tagen)-250(des)-250(Werdens)-14061(59)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-515(schwarze)-515(Tafel)-515(ankreiden)-516(zu)-515(lassen,)-581(und)-515(das)-515(gibt)-515(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-580(eine)-581(gute)-580(Selbstkontrolle,)-663(sondern)-581(garantiert)-580(auch)-580(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(gewisse)-464(\366ffentliche)-464(Aufsicht.)-893(Alle)-464(aber,)-518(denen)-464(der)-464(\344rztliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Befund)-402(solche)-402(Gen\374sse)-403(verbietet,)-440(k\366nnen)-402(sich)-402(unten)-402(am)-402(Flu\337)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([81])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(in)-329(der)-328(Fischerklause,)-349(dem)-329(zweiten)-328(Gasthaus,)-349(bei)-328(alkoholfreiem)]TJ 0 -13.549 Td [(Getr\344nk)-430(des)-429(Lebens)-430(freuen,)-475(und)-429(es)-430(stehen)-430(auch)-429(verschiedene)]TJ 0 -13.549 Td [(Selter-)-422(und)-423(Milchh\344uslein)-422(im)-423(Gel\344nde,)-465(alle)-423(bedient)-422(von)-422(dazu)]TJ 0 -13.549 Td [(verordneten)-331(Damen)-332(aus)-331(der)-332(Kurgesellschaft.)-494(Denn)-332(das)-331(ist)-331(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(wesentliche)-304(Seite)-305(meines)-304(Gesundungsheims,)-318(da\337)-304(alle)-304(Kurg\344ste,)]TJ 0 -13.55 Td [(soweit)-461(es)-462(ihr)-461(Zustand)-461(erlaubt)-462(und)-461(w\374nschenswert)-461(erscheinen)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344\337t,)-315(arbeiten)-303(m\374ssen.)-407(Aus)-302(faulem)-302(Nichtstun)-303(spro\337)-302(noch)-302(in)-302(den)]TJ 0 -13.549 Td [(allerseltensten)-316(F\344llen)-315(ein)-316(Heil.)-447(Nein,)-332(es)-316(werden)-316(alle)-315(Mitglieder)]TJ 0 -13.549 Td [(unserer)-477(Gemeinde)-476(t\344tig)-477(sein,)-533(und)-477(dadurch)-476(werden)-477(sich)-476(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-339(Kosten)-338(vermindern,)-361(zu)-339(denen)-338(der)-339(einzelne)-339(beizutragen)-338(hat.)]TJ 0 -13.55 Td [(Da\337)-269(ein)-269(guter)-269(Bestand)-269(ge\374bten)-269(Personals)-269(immer)-269(dasein)-269(mu\337,)-269(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(selbstverst\344ndlich.)-627(Aber)-376(wenn)-375(ich)-376(z.)-376(B.)-375(f\374r)-376(den)-375(Poetenwinkel)]TJ 0 -13.549 Td [(drei)-329(Kellnerinnen)-329(brauche,)-349(wird)-329(eine,)-348(die)-329(aufsichtf\374hrende)-329(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bestimmende,)-204(eine)-192(Berufskellnerin,)-203(die)-192(zwei)-192(Helferinnen)-192(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(Damen)-509(aus)-509(der)-509(Kurgesellschaft)-509(sein,)-574(und)-509(es)-509(wird)-509(mich)-509(gar)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-248(beirren,)-248(einer)-247(jungen)-248(Gr\344fin)-247(solchen)-247(Schankdienst)-248(auf)-247(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Woche)-282(aufzuerlegen.)-347(Wem)-282(es)-283(nicht)-282(pa\337t,)-290(der)-282(geht!)-347(Wir)-282(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-355(unsere)-356(G\344ste)-355(mit)-356(Liebe)-355(und)-355(Hochachtung)-356(behandeln,)-381(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(keinen)-234(umdienern)-233(und)-234(keinen)-234(anzulocken)-233(oder)-234(zu)-234(halten)-233(suchen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-355(werden)-355(mit)-355(dem)-355(Phlegma)-355(der)-355(Starken)-355(allen)-355(Widerst\344nden)]TJ 0 -13.55 Td [(begegnen.)]TJ 11.956 -18.458 Td [(Jeder)-633(Kurgast)-633(wird)-633(sich)-633(w\366chentlich)-633(mindestens)-633(einmal)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-485(Arzt)-485(vorstellen)-485(und)-485(neben)-485(sonstiger)-485(Kurverordnung)-485(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Arbeit)-650(vorgeschrieben)-650(erhalten,)-749(die)-650(er)-650(in)-650(n\344chster)-649(Woche)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-578(leisten)-578(hat.)-1233(Die)-578(Verwaltung)-578(wird)-578(dem)-577(\304rztekollegium)]TJ 0 -13.549 Td [(rechtzeitig)-477(etwa)-477(mitteilen:)-703(Wir)-477(brauchen)-477(f\374r)-477(n\344chste)-476(Woche)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([82])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(f\374nfundvierzig)-370(landwirtschaftliche)-370(Arbeiter)-370(und)-370(Arbeiterinnen,)]TJ 0 -13.549 Td [(sechzehn)-676(Forstarbeiter,)-782(neun)-676(G\344rtnergehilfen,)-783(vier)-675(Angler,)]TJ 0 -13.55 Td [(zwei)-330(J\344ger,)-350(neun)-329(Obstpfl\374cker,)-350(vierzehn)-330(Erbsenleser,)-349(sechzehn)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-247(f\374r)-246(Wegebesserung,)-247(sieben)-247(Viehh\374ter,)-247(ein)-246(Streichquartett,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +388 0 obj << +/Type /Page +/Contents 389 0 R +/Resources 387 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +390 0 obj << +/D [388 0 R /XYZ 202.583 477.528 null] +>> endobj +391 0 obj << +/D [388 0 R /XYZ 258.589 120.339 null] +>> endobj +387 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +395 0 obj << +/Length 4295 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(60)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(vierzehn)-873(Kellnerinnen)-872(und)-873(Milchverschlei\337erinnen,)-1028(sechs)]TJ 0 -13.549 Td [(Kegelaufsetzer,)-209(zehn)-199(Hilfskutscher,)-209(zw\366lf)-199(W\344schebleicherinnen,)]TJ 0 -13.549 Td [(drei)-642(Nachtw\344chter,)-740(acht)-641(Frauen)-642(zum)-642(Spielen)-642(mit)-641(Kindern)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-507(vier)-506(Jahren)-507(aufw\344rts,)]TJ/F19 10.9091 Tf 124.891 0 Td [(ad)-507(li)1(bitum)]TJ/F16 10.9091 Tf 52.877 0 Td [(K\374nstler)-507(und)-506(Artisten,)]TJ -177.768 -13.55 Td [(Dichter,)-502(Rezitatoren,)-501(Musiker,)-501(S\344nger,)-502(Schnellmaler,)-501(Turner,)]TJ 0 -13.549 Td [(Zauberk\374nstler)-397(und)-396(\344hnliches,)-434(168)-396(K\374chengehilfen)-397(f\374r)-397(je)-396(drei)]TJ 0 -13.549 Td [(Stunden)-522(t\344glich,)-591(zwanzig)-522(Mann)-523(f\374r)-522(Haush\344lterarbeiten)-522(\050vier)]TJ 0 -13.549 Td [(Stunden\051,)-537(f\374nf)-480(Boten)-479(\050Radler\051,)-537(einen)-480(Mann)-479(f\374r)-480(die)-479(Festrede)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-358(Sonntag,)-385(dazu)-358(einen)-358(gemischten)-358(Festchorus)-358(von)-358(beliebiger)]TJ 0 -13.55 Td [(St\344rke,)-432(zwei)-396(Laternenanz\374nder,)-433(zehn)-396(Frauen)-396(oder)-396(M\344nner)-395(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-213(Vorbereitung)-214(des)-213(n\344chsten)-213(Waldfestes,)-221(zehn)-213(Hilfsbrieftr\344ger,)]TJ 0 -13.549 Td [(zwanzig)-372(Hilfsarbeiter)-372(und)-371(Hilfsarbeiterinnen)-372(f\374r)-372(die)-371(Anlegung)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-349(Bepflanzung)-349(des)-348(neuen)-349(Philosophenplatzes,)-374(sechs)-348(Damen,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-412(das)-412(K\374hemelken)-412(und)-413(K\344sebereiten)-412(erlernen)-412(wollen,)-452(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(Vorsitzenden)-573(und)-572(vier)-572(Beisitzer)-573(\050zwei)-572(m\344nnliche)-573(und)-572(zwei)]TJ 0 -13.549 Td [(weibliche\051)-250(f\374r)-250(unser)-250(privates)-250(Friedensgericht.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Solches)-236(etwa)-236(wird)-237(die)-236(Kurverwaltung)-236(beantragen.)-245(Was)-236(davon)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-206(Erf\374llung)-207(geht,)-215(h\344ngt)-206(nat\374rlich)-207(nicht)-206(von)-207(den)-206(Bed\374rfnissen)-206(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurverwaltung,)-368(sondern)-344(von)-345(dem)-344(Befund)-344(des)-344(\304rztekollegiums)]TJ 0 -13.549 Td [(ab,)-390(und)-362(der)-362(sch\366nste)-361(Erfolg)-362(wird)-362(es)-362(sein,)-390(wenn)-362(alle)-361(Aufgaben)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-257(freiwillige)-257(Meldung)-257(der)-258(Ferieng\344ste)-257(gedeckt)-257(werden.)-271(Da\337)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-335(Arbeit)-334(immer)-335(nur)-335(im)-335(Rahmen)-334(der)-335(eigentlichen)-335(Kur,)-355(immer)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([83])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(nur)-411(stundenweise)-411(geleistet)-411(werden)-411(darf,)-451(ist)-411(selbstverst\344ndlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-353(Ferienheim)-353(ist)-352(ein)-353(Arbeitshaus)-353(idealster)-353(Art,)-378(es)-353(macht)-352(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeit)-345(zur)-345(Lust)-345(und)-346(Quelle)-345(der)-345(Genesung)-345(und)-345(w\374rgt)-345(den)-345(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Drachen)-254(ab,)-255(dessen)-254(Pestatem)-254(die)-254(Welt)-254(vergiftet:)-258(da\337)-253(k\366rperliche)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeit)-455(das)-454(Mal)-455(der)-454(Minderwertigkeit)-454(trage.)-864(Das)-454(Ferienheim)]TJ 0 -13.55 Td [(wird)-269(das)-269(Gegenteil)-269(lehren)-269(und)-269(beweisen,)-274(indem)-269(es)-268(gerade)-269(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366rperliche)-278(T\344tigkeit)-278(gesunde,)-284(gl\374ckliche)-278(Menschen)-278(schafft.)-333(So)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-355(alle)-355(Verwaltungs-)-355(und)-355(B\374roarbeit)-355(als)-355(viel)-355(zu)-355(anstrengend)]TJ 0 -13.549 Td [(unseren)-566(G\344sten)-565(niemals)-566(zugemutet)-565(werden.)-1197(Aber)-566(mit)-565(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Muskeln)-401(arbeiten,)-439(t\344tig)-401(sein,)-439(sichtbare)-401(Werte)-401(mit)-401(seinen)-401(zehn)]TJ 0 -13.55 Td [(Fingern)-490(schaffen)-490(sollen)-489(alle,)-550(und)-490(selbst)-490(den)-490(Faulenzern)-489(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Drohnen)-299(des)-298(Lebens,)-311(die)-299(vielleicht)-299(nur)-298(durch)-299(die)-299(Romantik)-298(des)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +394 0 obj << +/Type /Page +/Contents 395 0 R +/Resources 393 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +396 0 obj << +/D [394 0 R /XYZ 142.049 228.732 null] +>> endobj +393 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +399 0 obj << +/Length 4576 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(den)-250(Tagen)-250(des)-250(Werdens)-14061(61)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Heims,)-214(durch)-204(die)-205(Neugier)-204(angelockt)-205(werden,)-214(soll,)-213(wenn)-205(sie)-204(guten)]TJ 0 -13.549 Td [(Willens)-416(sind,)-457(ein)-416(besseres)-416(Bild)-416(der)-416(Menschenfreude)-416(ins)-415(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(gepr\344gt)-250(werden.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Hinter)-404(dem)-404(Rathause,)-442(von)-404(ihm)-404(durch)-404(einen)-404(kleinen)-404(Schlag)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sch\366ner)-374(Tannen)-374(getrennt,)-405(beginnt)-374(die)-374(B\344derstra\337e.)-622(Es)-374(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-418(in)-418(gesonderten)-417(H\344usern)-418(die)-418(Wannen-)-418(und)-417(Schwimmb\344der,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-297(elektrischen)-297(und)-296(die)-297(Dampfb\344der)-297(eingerichtet;)-320(an)-297(sie)-296(reihen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-266(in)-266(dichtem)-267(Kiefernwald)-266(die)-266(Luft-)-266(und)-266(Sonnenb\344der)-266(und)-266(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Planschwiesen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Parallel)-555(mit)-555(der)-555(B\344derstra\337e)-555(geht)-555(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.953 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stille)-555(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-1165(Es)]TJ -254.286 -13.549 Td [(stehen)-571(da)-571(freundliche)-571(H\344uslein)-571(f\374r)-571(solche)-570(G\344ste,)-652(die)-570(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\366\337eren)-646(\344rztlichen)-646(Beaufsichtigung)-646(und)-646(vermehrter)-646(Pflege)]TJ 0 -13.549 Td [(bed\374rfen,)-450(die)-410(ihnen)-410(von)-410(Berufspflegerinnen)-410(zuteil)-410(wird.)-729(Alle)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-470(G\344ste)-471(wohnen)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.299 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(drau\337en)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.139 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-911(Es)-470(wird)-471(nicht)-470(zuviel)-470(auf)]TJ/F16 7.9701 Tf 136.9 0 Td [([84])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(P\374lverlein)-478(und)-478(\374berm\344\337iges)-478(Wassergepansch,)-535(auch)-478(nicht)-477(arg)]TJ 0 -13.549 Td [(viel)-427(auf)-428(Hantelturnen)-427(und)-428(Massage)-427(gegeben)-428(werden,)-471(sondern)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-304(t\374chtige)-303(k\366rperliche)-304(Arbeit)-304(und)-303(frohen)-304(Sinn.)-411(Daher)-303(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-282(meisten)-281(Kurg\344ste)-282(in)-282(Bauernwirtschaften)-282(wohnen.)-345(Wenn)-281(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-295(diesem)-294(Riesengel\344nde)-295(nur)-295(zwei)-294(Dritteile)-295(zur)-294(Feldbebauung)]TJ 0 -13.55 Td [(anwenden,)-357(k\366nnen)-336(wir)-335(sechzig)-336(gro\337e)-335(Bauernwirtschaften)-336(zu)-335(je)]TJ 0 -13.549 Td [(hundert)-410(Morgen)-410(Land)-411(einrichten;)-490(auf)-410(jeder)-410(Besitzung)-410(k\366nnen)]TJ 0 -13.549 Td [(vier)-494(Pferde,)-555(drei\337ig)-493(St\374ck)-494(Rindvieh,)-555(H\374hner,)-555(G\344nse,)-554(Enten,)]TJ 0 -13.549 Td [(Tauben,)-277(Kaninchen,)-278(Hunde,)-277(Katzen,)-277(Bienen)-272(sein,)-278(und)-272(alle)-271(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Tiere)-254(sollen)-255(von)-254(den)-254(Ferieng\344sten)-255(gepflegt)-254(werden,)-255(immer)-254(unter)]TJ 0 -13.55 Td [(Leitung)-356(sachverst\344ndiger)-356(Personen.)-567(Denn)-356(der)-356(Herr)-356(und)-355(K\366nig)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-339(ganzen)-338(Hofes)-339(wird)-339(der)-338(Bauer)-339(sein.)-516(M\366ge)-338(es)-339(uns)-338(gelingen,)]TJ 0 -13.549 Td [(t\374chtige)-411(Bauern)-410(zu)-411(finden,)-450(die)-411(nicht)-410(nur)-411(den)-410(Pflug)-411(zu)-410(f\374hren)]TJ 0 -13.549 Td [(wissen,)-306(sondern)-294(die)-294(kernige)-295(Menschen)-294(sind)-295(voll)-294(Biederkeit)-294(und)]TJ 0 -13.549 Td [(froher)-350(Laune,)-376(derber)-350(Herzlichkeit)-350(und)-350(aufrechten)-351(Sinnes.)-550(Wer)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-257(anderweitig)-258(abkommandiert)-257(ist,)-259(arbeitet)-258(auf)-257(dem)-257(Hofe,)-259(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-271(wohnt,)-277(nach)-271(Anweisung)-272(des)-271(Bauern)-271(oder)-272(der)-271(B\344uerin,)-276(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-402(pflichtm\344\337ig)-402(zwei)-402(bis)-403(vier)-402(Stunden)-402(am)-402(Tage.)-706(Wer)-402(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(dar\374ber)-250(tun)-250(will)-250(und)-250(darf,)-250(soll)-250(es)-250(tun.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Oh,)-292(wie)-284(werden)-284(die)-284(Leute)-284(am)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.09 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stillen)-284(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.187 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-292(die)-284(ihr)-284(Zustand)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +398 0 obj << +/Type /Page +/Contents 399 0 R +/Resources 397 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +400 0 obj << +/D [398 0 R /XYZ 254.728 338.762 null] +>> endobj +397 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +403 0 obj << +/Length 4375 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(62)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(vom)-180(Gl\374ck)-179(der)-180(Arbeit)-179(ausschlie\337t,)-194(sich)-180(sehnen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.688 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(hinaus)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(zuziehen)]TJ -241.859 -13.549 Td [(in)-525(die)-525(gesunde,)-594(frische,)-594(befreiende)-526(T\344tigkeit;)-662(wie)-525(gl\374cklich)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-377(sie)-376(sein,)-409(wenn)-376(ihnen)-377(der)-376(Arzt)-377(eines)-377(Tages)-376(sagt:)-503(Mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Lieber,)-251(du)-250(bist)-251(nun)-250(so)-251(weit,)-251(als)-250(schwacher)-251(Hilfsk\344mpe)-250(mitzutun,)]TJ 0 -13.55 Td [(darfst)-497(auf)-497(einen)-497(Bauernhof,)-558(darfst)-497(zun\344chst)-497(mal)-497(die)-496(Tauben)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374ttern,)-516(den)-463(H\374hnerstall)-463(nach)-463(Eiern)-463(absuchen)-463(und)-463(den)-463(Hund)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([85])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(pr\374geln,)-330(wenn)-315(er)-314(eine)-314(Wurst)-314(gestohlen)-314(hat,)-331(und)-314(wenn)-314(auch)-314(das)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-382(schwer)-383(ist,)-415(aufpassen,)-415(ob)-382(in)-383(den)-382(Nistk\344sten)-382(Sperlinge)-382(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(Stare)-250(wohnen.)]TJ 137.588 -29.554 Td [(*)]TJ -125.632 -16.004 Td [(An)-626(die)-626(Bauernh\366fe)-627(kn\374pfe)-626(ich)-626(meine)-626(gr\366\337te)-626(Hoffnung.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ich)-389(m\366chte)-389(die)-390(in)-389(glitzernde,)-424(entnervende)-389(Ferne)-389(Gewanderten)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-382(Erdduft)-382(und)-382(zur)-382(Einfachheit)-382(wenigstens)-382(in)-381(Ferienwochen)]TJ 0 -13.549 Td [(heimf\374hren.)-1578(Es)-692(soll)-693(und)-692(es)-693(mu\337)-692(gelingen.)-1577(Alle,)-803(die)]TJ 0 -13.549 Td [(einmal)-383(Ferien)-383(vom)-383(Ich)-383(machen,)-417(die)-383(als)-383(neue,)-416(als)-383(ganz)-383(andere)]TJ 0 -13.55 Td [(Menschen,)-245(losgel\366st)-244(von)-245(allem,)-245(was)-244(sie)-244(dr\374ckte)-244(und)-244(knickte,)-245(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(einige)-362(selige)-362(Wochen)-362(zum)-362(Ausgangspunkte,)-390(zum)-362(Mutterscho\337)]TJ 0 -13.549 Td [(unseres)-328(Kulturlebens)-328(zur\374ckkehrten,)-348(zum)-328(Bauern-,)-348(Hirten-)-328(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Fischerleben)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.813 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.522 0 Td [(sie)-556(m\374ssen)-556(mit)-557(ges\374nderem)-556(Herzblut)-556(in)-556(ihr)]TJ -73.335 -13.549 Td [(Leben)-573(zur\374ckkehren,)-654(sie)-573(m\374ssen)-573(mehr)-573(gewinnen)-573(al)1(s)-573(durch)]TJ 0 -13.55 Td [(Mineralwasser)-250(und)-250(B\344derzerstreuung.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-271(Hirten,)-275(Fischer)-271(und)-270(J\344ger)-271(vergesse)-271(ich)-270(neben)-271(den)-270(Bauern)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht.)-903(Wenn)-468(da)-468(einer)-468(kommt,)-522(der)-468(vor)-468(dem)-468(Revolver)-467(stand,)]TJ 0 -13.549 Td [(weil)-465(er)-465(\374berreizt)-465(war,)-519(der)-465(soll)-465(oben)-465(an)-465(der)-464(Ginsterheide)-465(die)]TJ 0 -13.549 Td [(K\374he)-284(h\374ten.)-350(Den)-284(ganzen)-284(Tag)-283(wird)-284(er)-283(aufmerksam)-284(sein)-283(m\374ssen,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-431(die)-431(Bullen)-432(sich)-431(nicht)-431(bek\344mpfen)-431(und)-431(da\337)-431(gl\374cksduselige)]TJ 0 -13.55 Td [(Muttertiere)-258(mit)-257(ihren)-258(mutwilligen)-258(K\344lbern)-257(nicht)-258(den)-258(nahen)-257(Klee)]TJ 0 -13.549 Td [(zerstampfen,)-180(und)-162(abends)-163(wird)-162(der)-163(Mann)-162(einsam)-163(vor)-162(einem)-162(wohlig)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgestatteten)-347(Hirtenh\344uslein)-347(sitzen,)-371(die)-347(wiederk\344uenden)-346(Tiere)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-168(um)-169(ihn)-168(sein,)-185(und)-168(die)-169(Sterne)-168(werden)-168(\374ber)-169(ihm)-168(wandern)-168(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ewige)-261(Worte)-262(zu)-261(ihm)-262(reden;)-267(es)-261(wird)-261(aus)-262(Verlassenheit)-261(und)-261(Gram)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([86])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(ganz)-162(m\344hlich)-163(Ruhe)-162(und)-163(Frieden)-162(werden,)-180(und)-163(in)-162(den)-162(Menschenha\337)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-374(sich)-374(die)-374(Sehnsucht)-374(einschleichen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.907 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(N\344chsten)-374(Sonnabend,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +402 0 obj << +/Type /Page +/Contents 403 0 R +/Resources 401 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +404 0 obj << +/D [402 0 R /XYZ 250.496 93.24 null] +>> endobj +401 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +407 0 obj << +/Length 4294 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(den)-250(Tagen)-250(des)-250(Werdens)-14061(63)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wenn)-270(ich)-270(Urlaub)-270(habe,)-274(gehe)-270(ich)-270(in)-270(die)-270(Lindenherberge)-270(und)-269(sehe)]TJ 0 -13.549 Td [(lustigen)-250(Menschen)-250(zu!)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.771 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.815 -14.777 Td [(Oh,)-497(wie)-448(ich)-448(nach)-448(guten)-448(Bauern,)-498(so)-448(werde)-448(ich)-448(nach)-447(guten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\304rzten)-296(suchen)-296(m\374ssen.)-388(Nicht)-296(ihr)-296(\344rztliches)-296(Wissen)-296(ist)-296(f\374r)-296(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-283(der)-282(Hauptsache)-283(ma\337gebend.)-348(Ob)-283(sie)-282(gute)-283(Psychologen,)-291(ob)-282(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(tiefe)-251(Menschenfreunde)-251(sind,)-252(danach)-251(werde)-251(ich)-251(fragen.)-253(Die)-251(J\344ger)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.386 0 Td [(ach,)-273(die)-269(J\344ger,)-273(wird)-269(es)-269(wohl)-268(hei\337en,)-274(sind)-268(sowieso)-269(gesund.)-306(Die)]TJ -8.386 -13.55 Td [(zu)-287(uns)-287(kommen,)-296(sind)-286(es)-287(nicht.)-360(Nur)-287(die)-287(Stubenhocker)-287(werde)-286(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-248(die)-247(P\374rsche)-248(schicken)-248(und)-248(nur)-247(die)-248(Zappeligen)-248(und)-247(Unruhigen)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-254(den)-254(Rehbock)-254(mit)-253(dem)-254(bestimmten)-254(Gehei\337,)-254(einen)-254(zu)-253(erlegen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wie)-239(sie)-239(da)-240(ruhig)-239(sitzen)-239(werden,)-241(heute)-240(drei,)-241(morgen)-239(f\374nf)-239(Stunden)]TJ 0 -13.549 Td [(lang.)-463(Immer)-321(vergebens.)-463(Und)-321(die)-321(M\374cken)-321(werden)-321(stechen,)-338(und)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-227(Tau)-226(wird)-227(fallen.)-242(Und)-227(sie)-226(werden)-227(nicht)-227(schimpfen)-226(d\374rfen,)-231(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(es)-250(sonst)-250(tun.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(So)-544(auch)-544(mit)-544(den)-543(Fischern.)-1132(Die)-544(Aufgeregten)-544(werden)-543(so)]TJ -11.956 -13.55 Td [(lange)-506(angeln,)-570(bis)-506(sie)-506(befriedigende)-506(Beute)-506(bringen.)-1018(Wessen)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufmerksamkeit)-668(wochenlang)-669(auf)-668(eine)-668(Federspule)-668(gerichtet)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen)-635(ist,)-731(der)-635(hat)-635(sich)-635(ausgeruht)-635(und)-635(singt)-635(abends)-634(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Poetenwinkel)-771(sein)-771(Lied)-770(als)-771(einer)-771(der)-771(And\344chtigsten)-770(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebensfreude.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Bauernh\344user,)-364(Fischerh\374tten,)-363(J\344ger-)-341(und)-341(Hirtenh\344uslein,)-363(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(werden)-287(in)-287(der)-286(Hauptsache)-287(die)-287(Wohnst\344tten)-287(meines)-286(Ferienheims)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)-694(Das)-398(ist)-397(eigentlich)-398(mein)-398(ganzes)-398(Programm.)-694(Ich)-398(kann)-397(es)]TJ 0 -13.549 Td [(keiner)-237(hochm\366genden)-237(Kommission)-237(einreichen,)-240(aber)-236(eben)-237(darum)]TJ 0 -13.55 Td [(hoffe)-344(ich,)-368(da\337)-345(es)-344(gut)-344(ist.)-534(Im)-344(\374brigen)-344(bekenne)-345(ich)-344(frei,)-368(da\337)-344(ich)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([87])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mich)-250(auf)-250(Architektenkunstst\374cke)-250(nicht)-250(verstehe.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Ich)-157(habe)-158(trotzdem)-157(auf)-157(einer)-157(gro\337en)-158(Karte)-157(unser)-157(ganzes)-157(Gel\344nde)]TJ -11.956 -13.55 Td [(aufgezeichnet)-397(und)-397(\374berall)-396(vermerkt,)-434(wo)-397(ein)-397(Bauernhof)-396(stehen)]TJ 0 -13.549 Td [(soll,)-436(auch)-399(die)-399(Grenzen)-398(seines)-399(Bezirks)-399(bestimmt;)-473(ich)-399(habe)-398(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Hirtenh\344uslein,)-416(die)-382(Milchstuben,)-416(die)-382(Fischerbuden)-382(angegeben,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-176(zwischen)-176(all)-175(dem)-176(Hin)-176(und)-175(Her)-176(f\374hren)-176(Stege)-176(und)-175(Landstra\337en,)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-215(krumm)-216(und)-215(winkelig,)-222(aber)-215(angemessen)-216(dem,)-222(was)-215(an)-215(Hebung)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-325(Senkung)-325(des)-325(Terrains)-325(und)-325(was)-325(an)-325(Baumschl\344gen,)-343(Hecken,)]TJ 0 -13.549 Td [(B\344chlein,)-238(Wald)-236(und)-235(Wiesenland)-235(da)-236(ist.)-245(Eine)-235(Umwallung)-235(werden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +406 0 obj << +/Type /Page +/Contents 407 0 R +/Resources 405 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +408 0 obj << +/D [406 0 R /XYZ 125.972 189.312 null] +>> endobj +405 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +411 0 obj << +/Length 1543 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(64)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wir)-524(kaum)-523(brauchen,)-592(das)-524(Plateau)-524(hebt)-523(sich)-524(gen)-523(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(nat\374rlich)-331(ab,)-350(nur)-331(an)-330(der)-331(einen)-330(Stelle,)-351(wo)-330(das)-331(Gel\344nde)-330(nach)-330(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadt)-449(eben)-449(\374bergeht,)-499(wollen)-449(wir)-449(eine)-449(Mauer)-449(und)-448(eine)-449(Pforte)]TJ 0 -13.549 Td [(errichten.)-391(Neben)-297(der)-297(Pforte)-297(soll)-297(unser)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.425 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Zeughaus)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.414 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.084 0 Td [(stehen.)-391(Dort)]TJ -225.767 -13.55 Td [(wird)-303(der)-303(Ank\366mmling,)-316(der)-303(sich)-303(entschlossen)-303(hat,)-316(unsere)-303(Ferien)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-193(\374ben,)-204(in)-193(seiner)-193(Zivilkleidung)-193(hineingehen,)-205(Kleider,)-204(Uhr,)-204(Geld,)]TJ 0 -13.549 Td [(alles,)-201(was)-188(er)-188(bei)-188(sich)-189(tr\344gt,)-200(auch)-189(seinen)-188(Namen,)-201(ablegen,)-200(als)-188(neuer)]TJ 0 -13.549 Td [(Mensch,)-250(neugekleideter)-250(Feriengast)-250(ein)-250(neues)-250(Leben)-250(beginnen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Das)-254(ist)-253(mein)-254(Plan.)-261(Ich)-254(wei\337)-254(nicht,)-255(ob)-253(er)-254(so)-254(ausgef\374hrt)-253(werden)]TJ -11.956 -13.55 Td [(kann,)-250(ich)-250(wei\337)-250(nur,)-250(da\337)-250(er)-250(so)-250(ausgef\374hrt)-250(werden)-250(sollte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +410 0 obj << +/Type /Page +/Contents 411 0 R +/Resources 409 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 392 0 R +>> endobj +409 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +412 0 obj +<< /S /GoTo /D (index9) >> +endobj +415 0 obj +(Das Kind) +endobj +418 0 obj << +/Length 3954 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([88])]TJ/F16 18.9589 Tf -187.075 -68.625 Td [(Das)-281(Kind)]TJ/F16 10.9091 Tf -103.949 -36.73 Td [(Mitten)-217(in)-218(der)-217(Arbeit)-217(taucht)-217(viel)-218(\366fter,)-223(als)-218(mir)-217(lieb)-217(ist,)-224(das)-217(Bild)-217(der)]TJ 0 -13.549 Td [(kleinen)-258(Luise)-259(vor)-258(mir)-258(auf.)-275(Am)-259(Morgen)-258(nach)-258(dem)-258(Theaterabend,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-277(ich)-277(das)-278(Kind)-277(im)-277(Hotel)-277(fand,)-284(war)-277(es)-277(ganz)-278(ver\344ngstigt,)-283(zitterte)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-211(weinte.)-237(Auf)-211(alle)-212(Fragen)-211(sagte)-211(es)-211(immer)-211(nur:)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.979 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-211(will)-211(heim!)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.965 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(Zu)-379(den)-379(Schindern)-379(ins)-379(Elend)-379(wollte)-379(es)-379(zur\374ck,)-411(weil)-379(es)-379(dort)-378(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(Hause)-390(war.)-668(Vor)-390(Stefenson)-390(und)-389(mir)-390(f\374rchtete)-389(sich)-390(die)-389(Kleine,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-253(auch)-253(vor)-253(der)-253(fremden)-253(Schwester)-253(scheute)-253(sie)-253(sich.)-259(Ich)-253(wollte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-299(streicheln,)-311(aber)-299(sie)-298(wich)-299(mir)-299(aus)-299(und)-299(duckte)-298(sich.)-397(Das)-298(arme)]TJ 0 -13.549 Td [(Ding)-362(hat)-361(wohl)-362(in)-361(seinem)-362(Leben)-362(schon)-361(viel)-362(Pr\374gel)-361(bekommen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-250(sagte)-250(freundlich)-250(zu)-250(ihr:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.411 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Luise,)-366(f\374rchte)-343(dich)-343(doch)-342(nicht.)-529(Sieh)-342(mal,)-366(ich)-343(meine)-343(es)-343(gut)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mit)-250(dir,)-250(ich)-250(bin)-250(ja)-250(mit)-250(dir)-250(verwandt;)-250(ich)-250(bin)-250(dein)-250(Onkel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -228.338 -14.411 Td [(Sie)-257(sah)-257(scheu)-257(an)-257(dem)-257(fremden)-257(Manne)-257(empor,)-259(der)-257(ihr)-257(wohl)-256(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vornehm)-359(erschien,)-387(um)-359(mit)-360(ihr)-359(verwandt)-359(zu)-360(sein.)-578(Ob)-359(sie)-359(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Vater)-329(oder)-329(eine)-330(Mutter)-329(oder)-329(eine)-329(Gro\337mutter)-329(habe,)-349(wie)-329(andere)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder,)-382(danach)-355(fragte)-355(sie)-356(nicht.)-565(Es)-356(war)-355(auch)-355(besser;)-408(denn)-355(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(h\344tte)-333(ihr)-333(sagen)-334(m\374ssen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.373 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-354(das)-333(hast)-333(du)-333(alles)-334(nicht;)-374(du)-334(hast)]TJ -114.217 -13.549 Td [(nur)-291(einen)-291(Onkel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.91 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.019 0 Td [(W\344hrend)-291(ich)-291(mir)-291(noch)-291(vergeblich)-291(M\374he)-291(gab,)]TJ -81.929 -13.549 Td [(ein)-329(klein)-329(wenig)-329(das)-328(Zutrauen)-329(von)-329(Luise)-329(zu)-329(gewinnen,)-348(erschien)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([89])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Stefenson)-227(mit)-227(einem)-227(Diener,)-231(der)-227(ein)-227(gro\337es)-227(Paket)-227(schleppte.)-242(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Paket)-356(legte)-357(der)-356(Amerikaner)-356(vor)-357(dem)-356(Kinde)-356(auf)-357(den)-356(Tisch)-356(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.41 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So,)-546(da)-486(habe)-487(ich)-487(dir)-486(ein)-487(bi\337chen)-486(Spielkram)-487(gekauft!)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.77 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.152 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.549 Td [(war)-242(eine)-242(kleine)-242(Weihnachtsausstellung)-242(von)-242(allerhand)-241(Spielzeug:)]TJ 0 -13.55 Td [(Puppen,)-261(eine)-259(kleine)-259(Wiege,)-262(Hampelm\344nner,)-261(Kreisel,)-261(Schachteln)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-526(geschnitzten)-527(Tieren,)-595(Baukasten)-527(und)-526(viele)-526(Kleinigkeiten.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +417 0 obj << +/Type /Page +/Contents 418 0 R +/Resources 416 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +78 0 obj << +/D [417 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +413 0 obj << +/D [417 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +419 0 obj << +/D [417 0 R /XYZ 89.096 161.848 null] +>> endobj +416 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +423 0 obj << +/Length 4433 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(66)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Sogar)-492(eine)-493(Knallpistole)-492(war)-492(dabei.)-977(Dem)-493(Kinde)-492(entfuhr)-492(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(kleiner)-470(Schrei)-469(seligen)-470(Erschreckens,)-525(es)-469(erhob)-470(die)-469(H\344ndchen,)]TJ 0 -13.549 Td [(tastete)-227(sch\374chtern)-228(nach)-227(einer)-228(Puppe,)-232(zuckte)-227(aber)-228(zur\374ck.)-242(Da)-227(fuhr)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-229(Stefenson)-230(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.095 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun,)-233(du)-230(kleine)-229(Gans,)-234(so)-229(greif)-229(doch)-230(zu!)-243(Das)-229(ist)]TJ -80.939 -13.55 Td [(alles)-299(dein.)-397(Das)-299(mu\337t)-299(du)-299(nehmen.)-396(Damit)-299(mu\337t)-299(du)-299(spielen,)-311(sonst)]TJ 0 -13.549 Td [(setzt)-250(es)-250(was)-250(ab!)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.16 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -56.204 -16.626 Td [(Auf)-354(diesen)-353(rauhen)-354(Ton)-354(war)-353(Luise)-354(offenbar)-354(gut)-353(eingerichtet.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sie)-364(fing)-364(gehorsam)-364(an)-364(zu)-364(spielen.)-592(Nach)-364(f\374nf)-364(Minuten)-364(kam)-363(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(leises)-347(Lachen,)-372(das)-347(Gesichtchen)-348(erhellte)-347(sich,)-372(und)-347(ich)-347(sah)-347(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(deutlicher)-430(als)-430(gestern)-429(beim)-430(ersten)-430(schreckhaften)-430(Begegnen)-429(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Joachims)-237(Z\374ge,)-240(sah)-237(in)-237(Joachims)-237(Augen.)-246(Ich)-237(erinnere)-237(mich)-237(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(je)-242(ein)-243(kleines)-242(M\344dchen)-243(gesehen)-242(zu)-242(haben,)-244(das)-243(so)-242(auffallend)-242(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Bilde)-326(ihres)-325(Vaters)-326(glich,)-344(wie)-326(Luise)-326(meinem)-325(Bruder)-326(\344hnlich)-325(ist.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-271(hatten)-271(vielerlei)-270(in)-271(Berlin)-271(zu)-271(tun)-270(und)-271(blieben)-271(acht)-271(Tage)-270(dort.)]TJ 0 -13.549 Td [(Am)-250(f\374nften)-250(Tage)-250(kam)-250(Stefenson)-250(in)-250(mein)-250(Zimmer)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jetzt)-312(hat)-312(mich)-311(das)-312(Balg)-312(gefragt,)-327(wenn)-312(Sie)-312(ihr)-312(Onkel)-312(w\344ren,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ob)-274(ich)-273(vielleicht)-273(ihr)-274(Vater)-273(sei?)-321(Nu)-273(nee,)-280(du)-273(kleine)-274(Gans,)-279(das)-273(f\344llt)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-296(gar)-295(nicht)-296(ein,)-307(dein)-296(Vater)-295(zu)-296(sein.)-387(Na,)-307(sie)-296(heulte)-295(gleich,)-307(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([90])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(da)-216(hab)-215(ich)-216(denn)-216(gesagt,)-223(ich)-215(bin)-216(ihr)-216(Stiefvater.)-238(Damit)-216(war)-216(sie)-215(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(zufrieden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.92 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -31.964 -16.626 Td [(Ich)-282(wu\337te)-283(schon,)-291(da\337)-282(Luise)-283(in)-282(gro\337er)-282(Liebe)-283(und)-282(Dankbarkeit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(an)-354(Stefenson)-355(hing.)-563(Seine)-354(rauhe,)-381(kurze)-354(Art)-355(schreckte)-354(sie)-354(nicht,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(seine)-250(F\374rsorge)-250(tat)-250(ihr)-250(wohl.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(So)-601(war)-601(der)-601(Abschied)-600(nach)-601(acht)-601(Tagen,)-689(als)-601(Luise)-600(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Th\374ringen)-650(fahren)-650(und)-649(wir)-650(nach)-650(Waltersburg)-649(zur\374ckkehren)]TJ 0 -13.55 Td [(mu\337ten,)-590(schmerzlich)-521(f\374r)-522(das)-522(Kind.)-1064(Nur)-522(der)-522(Abschied)-521(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson,)-217(nicht)-209(der)-208(von)-209(mir,)-217(obwohl)-208(sich)-209(Luise)-209(inzwischen)-208(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(mir)-250(ganz)-250(freundlich)-250(gestellt)-250(hatte.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Als)-448(wir)-448(im)-448(Eisenbahnwagen)-447(sa\337en,)-498(sagte)-448(Stefenson:)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.078 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ -264.877 -13.549 Td [(Gef\374hlsduselei)-387(mit)-387(dem)-387(Kinde)-387(h\366rt)-387(nun)-387(auf.)-661(Dazu)-387(haben)-386(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(keine)-250(Zeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -34.702 -16.626 Td [(Ich)-275(nickte)-274(ihm)-275(zu)-275(und)-275(schwieg.)-324(Als)-274(ich)-275(nach)-275(Hause)-275(kam,)-280(trat)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mir)-250(die)-250(Mutter)-250(mit)-250(fragenden)-250(Augen)-250(entgegen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +422 0 obj << +/Type /Page +/Contents 423 0 R +/Resources 421 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +424 0 obj << +/D [422 0 R /XYZ 261.041 281.686 null] +>> endobj +421 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +427 0 obj << +/Length 4469 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(Kind)-20919(67)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-330(habe)-331(das)-330(Kind)-331(in)-330(saubere)-331(Verh\344ltnisse)-330(gebracht)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.018 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-351(sagte)]TJ -251.661 -13.549 Td [(ich)-274(ihr)-274(und)-274(ging)-274(in)-273(mein)-274(Zimmer.)-322(Die)-274(Mutter)-274(fragte)-274(nicht)-273(mehr,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-260(ich)-259(erz\344hlte)-260(nichts.)-279(Wir)-260(f\374hlten)-259(beide,)-262(wie)-260(sich)-260(eine)-259(eiskalte)]TJ 0 -13.549 Td [(Wand)-476(zwischen)-476(uns)-476(aufrichtete.)-928(Nach)-476(drei)-476(Tagen)-476(sagte)-475(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Mutter,)-408(Joachim)-376(habe)-376(geschrieben,)-408(es)-376(gehe)-376(ihm)-377(gut.)-628(Mir)-376(war)]TJ 0 -13.549 Td [(dabei,)-299(als)-289(ob)-288(sie)-289(von)-289(einem)-289(fremden)-289(Menschen)-289(erz\344hlte,)-298(dessen)]TJ 0 -13.549 Td [(Schicksal)-250(mich)-250(nichts)-250(angehe.)]TJ 137.588 -34.456 Td [(*)]TJ -125.632 -19.034 Td [(Die)-471(Zeichnungen,)-527(der)-471(Aufbau)-472(meines)-471(gro\337en)-471(Ferienheims)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nahmen)-475(mich)-476(fortan)-475(ganz)-476(in)-475(Anspruch.)-926(Ich)-475(kann)-476(sagen,)-531(es)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-512(reine)-512(Gl\374ckstage,)-577(Tage)-512(voll)-512(Fruchtbarkeit,)-577(Hoffnung,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([091])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Kraftgef\374hl.)-1009(Und)-503(doch)-503(stahl)-503(sich)-503(Luises)-503(Bild)-503(bei)-503(Tag)-502(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Nacht)-316(in)-315(meine)-315(Seele.)-447(So)-315(sagte)-316(ich)-315(mir)-316(eines)-315(Morgens,)-332(an)-315(drei)]TJ 0 -13.549 Td [(verlorenen)-397(Arbeitstagen)-396(l\344ge)-397(nicht)-397(viel,)-433(Stefenson)-397(s\344\337e)-396(sicher)]TJ 0 -13.549 Td [(weit)-308(unten)-307(in)-308(Palermo)-307(oder)-308(Syrakus,)-321(und)-308(sehr)-307(bald)-308(nach)-307(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(Erw\344gungen)-250(sa\337)-250(ich)-250(in)-250(einem)-250(Schnellzuge)-250(nach)-250(Th\374ringen.)]TJ 11.956 -15.422 Td [(Ich)-183(hatte)-183(die)-183(Freude,)-197(da\337)-183(mir)-183(Luise)-183(vertrauensvoll)-183(und)-183(dankbar)]TJ -11.956 -13.549 Td [(entgegenkam,)-386(und)-358(da\337)-359(sie)-358(sich)-359(sch\374chtern)-358(an)-359(mich)-358(schmiegte,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(ich)-250(sie)-250(auf)-250(die)-250(Stirn)-250(k\374\337te.)]TJ 11.956 -15.421 Td [(Die)-288(w\374rdige)-289(Vorsteherin)-288(des)-288(Pensionats)-289(sagte,)-298(es)-288(sei)-288(ja)-288(wohl)]TJ -11.956 -13.55 Td [(noch)-352(zu)-353(kurze)-352(Zeit,)-378(als)-353(da\337)-352(das)-352(Kind)-353(sich)-352(schon)-353(in)-352(ihm)-352(v\366llig)]TJ 0 -13.549 Td [(fremde)-228(Kultur)-228(ganz)-228(h\344tte)-228(f\374gen)-228(k\366nnen;)-235(aber)-228(Luise)-228(zeige)-228(so)-227(gute)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366rperliche)-241(und)-241(geistige)-242(Anlagen,)-243(da\337)-241(sie)-241(hoffe,)-243(das)-241(Kind)-241(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-206(recht)-206(bald)-207(Freude)-206(bereiten.)-235(Die)-207(Anstalt)-206(lag)-206(an)-206(der)-206(Promenade)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-278(h\374bschen)-279(th\374ringischen)-278(Stadt.)-335(Als)-278(ich)-279(das)-278(Haus)-278(verlie\337,)-278(sa\337)]TJ 0 -13.55 Td [(gegen\374ber)-338(dem)-339(Eingang)-338(auf)-338(einer)-339(Ruhebank)-338(Mister)-338(Stefenson.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-292(blieb)-291(mir)-292(gar)-292(keine)-292(Zeit,)-302(mich)-291(gro\337)-292(zu)-292(erstaunen,)-302(sondern)-291(er)]TJ 0 -13.549 Td [(trat)-250(mir)-250(gleich)-250(entgegen)-250(und)-250(sagte)-250(m\374rrisch:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.421 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-475(finde)-474(das)-475(sehr)-475(merkw\374rdig)-475(von)-474(Ihnen,)-531(da\337)-475(Sie)-475(auch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(jetzt)-413(noch)-412(Zeit)-412(zu)-413(solchen)-412(Exkursionen)-413(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.115 0 Td [(\034)-412(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.187 0 Td [(Ach,)-453(Mister)]TJ -226.302 -13.55 Td [(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.026 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-735(entgegnete)-638(ich)-639(heiter,)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.849 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-638(dachte,)-735(Sie)-639(w\344ren)]TJ -173.562 -13.549 Td [(Ihrerseits)-250(noch)-250(auf)-250(Ihrer)-250(Exkursion)-250(nach)-250(Sizilien.)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.8 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +426 0 obj << +/Type /Page +/Contents 427 0 R +/Resources 425 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +428 0 obj << +/D [426 0 R /XYZ 64.041 122.211 null] +>> endobj +425 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +431 0 obj << +/Length 5754 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(68)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sticheln)-484(Sie)-484(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.083 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-543(entgegnete)-484(er)-484(finster;)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.408 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-484(bin)-484(nicht)]TJ -220.977 -13.549 Td [(nach)-286(Sizilien)-285(gefahren)-286(zum)-285(Am\374sement)-286(oder)-285(um)-286(einem)-285(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(G\344nschen)-287(nachzureisen,)-296(sondern)-287(um)-287(in)-287(aller)-287(Ruhe)-287(die)-287(Pl\344ne)-286(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(unser)-224(Ferienheim)-225(machen)-224(zu)-224(k\366nnen.)-241(Wenn)-225(ich)-224(nun)-224(Pech)-224(gehabt)]TJ 0 -13.55 Td [(habe)-374(mit)-374(den)-373(drei)-374(Pl\344nen,)-405(die)-374(ich)-373(gemacht)-374(habe,)-405(weil)-374(ich)-373(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([92])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ersten)-369(in)-369(Palermo)-369(zerrissen,)-398(den)-369(zweiten)-369(in)-369(Modena)-368(verbrannt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-263(den)-264(dritten)-263(in)-263(Luzern)-263(\374berhaupt)-264(nicht)-263(erst)-263(angefangen)-263(habe,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-483(hatte)-483(ich)-483(doch)-484(gehofft,)-541(Sie)-483(w\374rden)-483(inzwischen)-483(Gewissen)]TJ 0 -13.549 Td [(genug)-250(haben,)-250(zu)-250(Hause)-250(zu)-250(bleiben)-250(und)-250(zu)-250(arbeiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 221.76 0 Td [(\034)]TJ -209.804 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hab)-250(ich)-250(auch,)-250(Mister)-250(Stefenson!)-250(Mein)-250(Plan)-250(ist)-250(fertig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.88 0 Td [(\034)]TJ -235.723 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(das)-250(ist)-250(gut.)-250(Wieviel)-250(kostet)-250(er?)-250(Wie)-250(balanciert)-250(er?)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.767 0 Td [(\034)]TJ -240.851 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-241(er)-241(kostet,)-243(wie)-241(er)-241(balanciert,)-243(wei\337)-241(ich)-241(nicht.)-247(Das)-241(ist)-242(nicht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meine)-250(Sache.)-250(Ich)-250(bin)-250(kein)-250(Kaufmann.)-250(Wof\374r)-250(sind)-250(Sie)-250(da?)]TJ/F24 10.9091 Tf 251.16 0 Td [(\034)]TJ -239.205 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(F\374rs)-250(Geldgeben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.015 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -77.859 -13.995 Td [(Er)-250(sch\374ttelte)-250(melancholisch)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-250(Plan)-250(ist)-250(unrentabel)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.654 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(er)-250(d\374ster.)]TJ/F24 10.9091 Tf -106.342 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mister)-283(Stefenson,)-291(ich)-283(will)-283(Ihnen)-283(einen)-283(alten)-283(deutschen)-283(Witz)]TJ -16.799 -13.549 Td [(erz\344hlen.)-304(Ein)-268(Schl\344chter)-268(kam)-268(in)-268(eine)-268(kleine)-268(Wirtschaft,)-272(um)-268(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Kuh)-219(zu)-219(kaufen.)-240(Der)-219(Bauer)-220(f\374hrte)-219(ihn)-219(nach)-219(dem)-219(Stalle.)-240(Sie)-219(kamen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-371(einen)-371(ganz)-371(dunklen)-371(Raum.)-613(Da)-371(sagte)-371(der)-371(Schl\344chter:)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.19 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Aber)]TJ -258.823 -13.549 Td [(Mensch,)-265(wie)-262(kann)-262(ich)-262(Ihnen)-262(f\374r)-262(ein)-262(so)-262(elendes)-262(Tier)-262(so)-261(viel)-262(Geld)]TJ 0 -13.549 Td [(geben,)-239(wie)-236(Sie)-237(verlangen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.095 0 Td [(\030)-236(\023)-237(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 17.876 0 Td [(Sachte)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.084 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(,)-239(sagte)-236(der)-237(Bauer,)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.227 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(das)-236(hier)]TJ -246.547 -13.549 Td [(ist)-383(nur)-384(der)-383(R\374benraum,)-417(die)-383(Kuh)-384(steht)-383(erst)-384(hinter)-383(der)-383(n\344chsten)]TJ 0 -13.55 Td [(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\030\034)]TJ -6.525 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-456(gehen)-456(mich)-456(Ihre)-456(verdammten)-456(deutschen)-456(Witze)-456(an?)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(grollte)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fahren)-345(wir)-344(erst)-345(nach)-344(Hause)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-368(entgegnete)-345(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.643 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-345(vorher)]TJ/F16 7.9701 Tf -302.369 0 Td [([93])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(k\366nnen)-382(Sie)-383(ja)-382(mal)-382(die)-383(kleine)-382(Luise)-383(besuchen.)-647(Sie)-382(macht)-382(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(heraus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.2 0 Td [(\034)]TJ -19.245 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-198(f\344llt)-197(mir)-198(nicht)-198(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.468 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-208(sagte)-198(Stefenson)-198(kalt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.384 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-198(hasse)-197(diese)]TJ -216.338 -13.549 Td [(deutsche)-250(Sentimentalit\344t.)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -97.736 -13.995 Td [(So)-461(fuhren)-460(wir)-461(nach)-461(Hause.)-882(Ich)-460(\374bergab)-461(Stefenson)-461(meine)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Zeichnungen)-325(und)-324(schriftlichen)-325(Ausf\374hrungen.)-474(Er)-325(nahm)-325(sie)-324(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-269(Neustadt,)-273(wo)-269(er)-269(immer)-268(noch)-269(in)-269(einem)-269(Hotel)-268(wohnte.)-306(Nach)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +430 0 obj << +/Type /Page +/Contents 431 0 R +/Resources 429 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +432 0 obj << +/D [430 0 R /XYZ 177.719 463.978 null] +>> endobj +433 0 obj << +/D [430 0 R /XYZ 345.7 161.879 null] +>> endobj +429 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +436 0 obj << +/Length 4040 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Das)-250(Kind)-20919(69)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(f\374nf)-221(Tagen)-221(suchte)-221(ich)-221(ihn)-221(zu)-221(sprechen.)-240(Es)-221(hie\337,)-221(Mister)-221(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(sei)-373(verreist.)-620(Eine)-373(Viertelstunde)-373(etwa)-373(dachte)-373(ich)-373(dar\374ber)-373(nach,)]TJ 0 -13.549 Td [(wohin)-211(Stefenson)-211(wohl)-210(sein)-211(k\366nne.)-237(Dann)-211(telegraphierte)-211(ich)-211(an)-210(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Vorsteherin)-250(des)-250(Instituts)-250(in)-250(Th\374ringen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-250(Mister)-250(Stefenson)-250(noch)-250(dort?)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -141.796 -13.549 Td [(Am)-250(Abend)-250(kam)-250(die)-250(Antwort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson)-250(war)-250(hier,)-250(ist)-250(aber)-250(eben)-250(zur\374ckgereist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.607 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -211.45 -13.549 Td [(Darauf)-598(machte)-598(ich)-598(mir)-598(das)-598(Vergn\374gen,)-685(zum)-598(Neust\344dter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bahnhof)-524(zu)-525(gehen)-524(und)-525(den)-524(Zug)-524(zu)-525(belauern,)-593(von)-524(dem)-524(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(vermutete,)-380(da\337)-354(er)-353(Herrn)-354(Stefenson)-354(mitf\374hren)-354(w\374rde.)-562(Ich)-353(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(Zeitpunkt)-250(ganz)-250(richtig)-250(aus)-250(dem)-250(Kursbuch)-250(festgestellt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Als)-269(Stefenson)-270(die)-269(Bahnsperre)-269(passierte,)-274(trat)-270(ich)-269(ihm)-269(pl\366tzlich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(entgegen,)-344(und)-325(er)-325(war)-325(nicht)-325(weniger)-325(erschrocken)-325(als)-325(ich,)-343(da)-325(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-250(pl\366tzlich)-250(auf)-250(der)-250(Promenadenbank)-250(in)-250(Th\374ringen)-250(traf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-258(Abend,)-260(Mister)-258(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.449 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-260(sagte)-258(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.693 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wie)-258(geht)-258(es)-258(der)]TJ -214.629 -13.549 Td [(kleinen)-250(Luise?)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.928 0 Td [(\034)]TJ -51.972 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieso)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.036 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.618 0 Td [(wieso)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.614 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.618 0 Td [(Luise)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.403 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.617 0 Td [(was)-290(geht)-290(mich)-290(das)-290(G\344nschen)-290(an?)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.082 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(versuchte)-250(er)-250(sich)-250(herauszul\374gen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-250(blickte)-250(ihn)-250(freundlich)-250(an)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([94])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-361(Frau)-360(Vorsteherin,)-388(die)-361(ich)-361(telegraphisch)-360(anfragte,)-389(sagte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir,)-250(da\337)-250(Sie)-250(dort)-250(waren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.437 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -93.481 -13.549 Td [(Da)-250(hustete)-250(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wissen)-231(Sie)-230(was)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.056 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-235(sagte)-230(er)-231(zornig,)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.374 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(es)-231(ist)-230(nicht)-231(sch\366n,)-235(da\337)-230(Sie)]TJ -168.916 -13.549 Td [(mir)-302(nachspionieren.)-406(Was)-302(geht)-302(mich)-302(das)-302(G\344nschen)-302(an?)-406(Aber)-301(da)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-290(schon)-291(mal)-290(so)-290(ein)-290(Spion)-291(sind,)-300(will)-290(ich)-291(Ihnen)-290(sagen,)-300(ich)-290(kann)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-250(diese)-250(Schw\344che)-250(nichts.)-250(Meine)-250(Mutter)-250(war)-250(eine)-250(Deutsche.)]TJ/F24 10.9091 Tf 265.385 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +435 0 obj << +/Type /Page +/Contents 436 0 R +/Resources 434 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +437 0 obj << +/D [435 0 R /XYZ 46.771 271.911 null] +>> endobj +434 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +438 0 obj +<< /S /GoTo /D (index10) >> +endobj +441 0 obj +(Vorarbeiten) +endobj +444 0 obj << +/Length 3643 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([95])]TJ/F16 18.9589 Tf 167.797 -68.514 Td [(Vorarbeiten)]TJ/F16 10.9091 Tf -95.042 -36.73 Td [(Es)-298(ist)-298(ein)-298(halbes)-298(Jahr)-298(her,)-310(seit)-298(ich)-298(die)-298(letzte)-298(Eintragung)-298(in)-298(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Tagebuch)-419(machte.)-756(Im)-419(Mai)-419(war)-419(es,)-461(als)-419(Stefenson)-418(erschnoben)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte,)-349(da\337)-330(ich)-329(ein)-330(Tagebuch)-329(f\374hre)-330(und)-329(darin)-330(manches)-329(\374ber)-329(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausbau)-212(unseres)-212(Ferienheims,)-220(aber)-212(auch)-212(\374ber)-212(seine)-211(eigene)-212(Person)]TJ 0 -13.549 Td [(niedergeschrieben)-362(habe.)-585(Seit)-362(der)-362(Zeit)-361(qu\344lte)-362(er)-362(mich,)-390(ihm)-361(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Tagebuch)-354(einmal)-354(zur)-353(Lekt\374re)-354(zu)-354(\374berlassen.)-561(Er)-354(war)-353(neugierig)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-404(ein)-404(Backfisch,)-442(und)-404(es)-404(n\374tzten)-404(mich)-404(alle)-404(Versuche)-403(nichts,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-299(klarzumachen,)-312(da\337)-300(es)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.931 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.721 0 Td [(gelinde)-299(gesagt)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.521 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.721 0 Td [(sehr)-299(indiskret)-300(sei,)]TJ -202.894 -13.549 Td [(Einblick)-459(in)-459(ein)-459(fremdes)-460(Tagebuch)-459(zu)-459(verlangen.)-877(Es)-459(dauerte)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-401(lange,)-440(bis)-401(er)-401(die)-401(Aufzeichnungen)-402(in)-401(H\344nden)-401(hatte.)-704(Dieser)]TJ 0 -13.55 Td [(Mensch)-202(ist)-202(ein)-202(ganz)-202(wunderliches)-202(Gemisch)-202(von)-202(Kindlichkeit)-202(und)]TJ 0 -13.549 Td [(halsstarriger)-250(Energie.)]TJ 11.956 -14.41 Td [(Nach)-461(drei)-462(Tagen)-461(gab)-461(mir)-462(Stefenson)-461(das)-461(Tagebuch)-461(zur\374ck)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-443(sagte,)-491(indem)-443(er)-443(ein)-443(sauers\374\337es)-443(L\344cheln)-443(zwischen)-442(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(d\374nnen)-484(Lippen)-483(zerquetschte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.952 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-484(haben)-483(mich)-484(sehr)-483(schlecht)]TJ -143.795 -13.549 Td [(charakterisiert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.128 0 Td [(\034)]TJ -53.172 -14.411 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dieses)-754(Urteil)-755(sah)-754(ich)-755(voraus,)-880(Mister)-755(Stefenson;)-1007(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Fortsetzung)-445(des)-446(Tagebuches)-445(werden)-446(Sie)-445(auch)-446(nicht)-445(zu)-445(sehen)]TJ 0 -13.549 Td [(bekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.208 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -123.963 0 Td [([96])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.411 Td [(Er)-435(machte)-434(eine)-435(Handbewegung,)-481(die)-434(bedeuten)-435(sollte,)-480(daran)]TJ -11.956 -13.549 Td [(liege)-422(ihm)-422(auch)-422(nichts,)-464(und)-422(ging)-422(wieder)-422(nach)-422(seinem)]TJ/F24 10.9091 Tf 246.397 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(B\374ro)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ -277.903 -13.549 Td [(Dieses)-240(besteht)-239(aus)-240(einer)-239(Holzbude,)-242(in)-239(der)-240(ein)-239(langer)-240(roher)-239(Tisch,)]TJ 0 -13.549 Td [(einige)-416(Brettst\374hle,)-457(ein)-415(Kleiderhaken)-416(und)-416(der)-415(Telephonapparat)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-218(ganze)-218(Ausr\374stung)-218(bilden.)-239(Der)-218(Tisch)-218(ist)-218(mit)-218(Papieren)-218(aller)-217(Art)]TJ 0 -13.549 Td [(bedeckt.)-485(Hier)-328(liegen)-328(die)-328(kostbaren)-328(Pl\344ne)-328(unserer)-328(Ferienh\344user,)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-641(Aktenst\366\337e,)-740(stehen)-641(Modelle.)-1424(In)-641(einem)-641(Nebenraume)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +443 0 obj << +/Type /Page +/Contents 444 0 R +/Resources 442 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 420 0 R +>> endobj +79 0 obj << +/D [443 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +439 0 obj << +/D [443 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +445 0 obj << +/D [443 0 R /XYZ 93.543 161.75 null] +>> endobj +442 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +448 0 obj << +/Length 4007 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vorarbeiten)-19948(71)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(klappern)-185(ein)-186(paar)-185(Schreibmaschinen.)-228(Stefenson)-186(sagte)-185(mir)-185(einmal,)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreibmaschinenklappern)-401(und)-402(Telephongeschelle)-401(sei)-401(ihm)-401(die)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366nste)-250(Musik.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(In)-1041(dem)-1040(B\374ro)-1041(sind)-1041(unsere)-1040(Beratungen.)-2622(Dorthin)]TJ -11.956 -13.549 Td [(m\374ssen)-686(Architekten,)-795(Maurermeister,)-795(Lieferanten)-686(aller)-685(Art,)]TJ 0 -13.549 Td [(Verwaltungsbeamte,)-497(Stellungsuchende)-447(zum)-448(Vortrag)-447(kommen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Anfangs)-963(hatte)-964(Stefenson)-963(die)-963(Absicht,)-1142(mich)-963(von)-963(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Hauptkonferenzen)-735(mit)-735(den)-735(Bauleuten)-735(auszuschlie\337en)-734(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-782(doch)-781(eine)-782(rein)-781(zuh\366rende)-782(Rolle)-782(zuzuweisen.)-1844(Als)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-624(ihm)-623(aber)-624(energisch)-623(sagte,)-717(er)-624(scheine)-623(vorzuhaben,)-717(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(schleudriges)-349(Klein-Chicago)-348(zu)-349(errichten,)-373(das)-349(sich)-348(ganz)-349(gut)-348(f\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(Engros-Schweineschl\344chterei,)-305(aber)-294(nicht)-294(f\374r)-294(mein)-293(romantisches)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferienheim)-317(eignen)-316(m\366ge,)-334(wurde)-316(er)-317(immer)-317(stiller)-316(und)-317(lie\337)-316(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-437(und)-437(nach)-436(mit)-437(den)-437(Architekten)-436(selbst\344ndig)-437(wirken.)-810(Nur)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-545(Tempo)-545(der)-545(Arbeit)-544(bestimmte)-545(er,)-619(und)-545(das)-545(stand)-544(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-465(Volldampf.)-893(Der)-465(Mann)-464(arbeitet)-465(selbst)-464(von)-465(morgens)-464(f\374nf)]TJ 0 -13.55 Td [(Uhr)-658(bis)-658(nachts)-659(um)-658(elf,)-760(ohne)-658(irgendwelche)-658(Erm\374dung)-658(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(zeigen.)-341(Stefenson)-280(leitet)-280(seine)-281(Verhandlungen)-280(meisterhaft;)-295(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Kleinigkeit)-402(entgeht)-401(ihm.)-706(Sobald)-401(ein)-402(Thema)-402(angeschlagen)-401(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-548(es)-548(Schritt)-547(f\374r)-548(Schritt)-548(erledigt.)-1143(Kein)-548(Abweichen)-547(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Wege)-376(ist)-377(erlaubt.)-629(Das)-376(Dazwischenwerfen)-376(einer)-376(aufblitzenden,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([97])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(abseits)-489(liegenden)-488(Idee)-489(ist)-488(streng)-489(verp\366nt,)-548(kein)-488(unfruchtbares)]TJ 0 -13.549 Td [(Durcheinandergerede)-363(gestattet,)-392(sondern)-363(planm\344\337ige,)-391(geordnete)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeit)-406(wird)-406(geleistet,)-444(F\374r)-406(und)-406(Wider)-406(werden)-406(kurz)-405(beleuchtet,)]TJ 0 -13.549 Td [(Nebens\344chlichkeiten)-727(unter)-727(den)-727(Tisch)-727(fallen)-726(gelassen,)-846(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Beschlu\337)-414(knapp)-414(und)-414(fast)-414(immer)-414(schriftlich)-414(gefa\337t;)-496(dann)-414(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-550(auch)-550(im)-550(Verlauf)-550(der)-550(weiteren)-550(Verhandlungen)-550(auf)-549(den)]TJ 0 -13.55 Td [(erledigten)-287(Punkt)-287(nie)-287(wieder)-286(zur\374ckgegriffen.)-361(So)-287(wu\337te)-287(man)-286(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Schlu\337)-327(solcher)-327(Verhandlungen)-328(immer:)-404(das)-327(stand)-327(zur)-327(Beratung,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-243(ist)-242(beschlossen,)-244(so)-243(und)-242(so,)-245(dann)-242(und)-243(dann)-242(mu\337)-243(es)-242(ausgef\374hrt)]TJ 0 -13.549 Td [(werden.)-399(Stefensons)-299(Gehirn)-300(hat)-299(eine)-300(wohlgeordnete)-299(Registratur,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-288(etwas)-288(schw\344rmerisch)-288(angelegte)-288(Leute)-289(wie)-288(ich,)-297(denen)-288(leicht)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-312(Gedanken)-313(durcheinander)-312(purzeln,)-328(k\366nnen)-313(viel)-312(von)-312(solchem)]TJ 0 -13.549 Td [(Manne)-529(lernen.)-1085(Nur)-529(darf)-529(Stefenson)-528(meine)-529(romantische)-528(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +447 0 obj << +/Type /Page +/Contents 448 0 R +/Resources 446 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +449 0 obj << +/D [447 0 R /XYZ 76.317 242.282 null] +>> endobj +446 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +453 0 obj << +/Length 4132 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(72)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(philanthropische)-275(Idee)-275(nicht)-275(aus)-275(dem)-275(Auge)-275(lassen,)-281(und)-275(das)-275(tut)-275(er)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-267(nicht.)-300(Stefenson)-266(und)-267(ich)-266(sind)-267(in)-267(vielen)-266(Dingen)-267(die)-266(reinsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Antipoden;)-394(aber)-347(ich)-346(sch\344tze)-346(es)-346(als)-346(Gl\374ck,)-371(mit)-346(einem)-346(so)-346(klaren)]TJ 0 -13.549 Td [(Kopf)-416(zusammen)-416(zu)-416(arbeiten,)-457(wenn)-416(ich)-416(auch)-416(manchmal)-416(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(wilden)-221(Zorn)-221(\374ber)-220(seine)-221(Kaltschn\344uzigkeit)-221(habe.)-240(So)-221(ist)-221(der)-220(Mann.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-263(vertragen)-264(uns)-263(und)-263(haben)-263(H\344ndel)-264(miteinander)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.446 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.327 0 Td [(je)-263(nachdem.)]TJ -227.773 -13.549 Td [(Ich)-170(glaube,)-186(ich)-170(werde)-169(gut)-170(fahren,)-186(wenn)-170(ich)-170(mit)-170(Stefenson)-169(gleichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurs)-257(halte.)-270(Es)-257(gibt)-257(kaum)-257(ein)-257(gr\366\337eres)-256(Ungl\374ck)-257(auf)-257(der)-257(Welt,)-258(als)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-288(mit)-288(dummen)-288(oder)-288(schwachen)-287(Menschen)-288(zu)-288(verbinden,)-297(und)]TJ 0 -13.55 Td [(kaum)-250(einen)-250(gr\366\337eren)-250(Vorteil,)-250(als)-250(einen)-250(klugen)-250(Freund.)]TJ 137.588 -29.553 Td [(*)]TJ/F16 7.9701 Tf -210.343 -2.455 Td [([98])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(Als)-404(unsere)-404(Idee)-405(bekannt)-404(wurde,)-443(war)-404(die)-404(Physiognomie)-404(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Waltersburger)-329(ungef\344hr)-328(die)-329(eines)-328(Kalbes,)-349(das)-328(zum)-329(ersten)-328(Male)]TJ 0 -13.549 Td [(donnern)-261(h\366rt.)-284(Die)-261(Leute)-262(wunderten)-261(sich)-261(rasend.)-284(Sie)-261(steckten)-261(die)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366pfe)-342(zusammen,)-365(redeten)-342(viel)-342(auf)-342(den)-342(Bierb\344nken)-342(und)-341(kamen)]TJ 0 -13.55 Td [(doch,)-349(da)-329(sie)-330(immer)-329(nur)-329(Ger\374chtsbrocken)-329(sammeln)-329(konnten,)-349(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(keinem)-250(klaren)-250(Bilde.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Den)-303(Ausschlag)-304(soll)-303(der)-303(Amtsrichter)-303(gegeben)-304(haben,)-316(der)-303(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dahin)-189(ge\344u\337ert)-189(hat:)-219(es)-189(scheine)-189(sich)-189(um)-189(eine)-189(Art)-188(Verr\374cktenanstalt)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-330(gro\337en)-330(zu)-330(handeln;)-370(den)-330(n\366tigen)-330(Spleen)-330(scheine)-330(ich)-330(von)-329(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Weltreise)-271(mit)-272(heimgebracht)-271(zu)-272(haben,)-276(und)-272(was)-271(etwa)-272(fehle,)-276(habe)]TJ 0 -13.549 Td [(Mister)-250(Stefenson)-250(aus)-250(seinem)-250(reichen)-250(Vorrat)-250(an)-250(Tollheit)-250(erg\344nzt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(G\374nstig)-808(war)-808(uns)-808(von)-808(Anfang)-808(an)-808(die)-808(Stimmung)-807(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Waltersburger)-424(gar)-424(nicht.)-771(Zu)-424(dem)-424(neidischen)-424(und)-423(ver\344rgerten)]TJ 0 -13.549 Td [(Gef\374hl,)-529(das)-473(einem)-473(unerwarteten)-473(Werk)-473(vom)-473(lieben)-473(Publikum)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-159(gespendet)-158(wird,)-177(gesellte)-158(sich)-159(ein)-158(ganz)-159(besonderer)-158(Verdru\337.)]TJ 0 -13.55 Td [(Stefenson)-638(hatte)-639(erkl\344rt,)-735(da\337)-638(er)-638(eine)-639(ganz)-638(neue)-638(Gemeinde)]TJ 0 -13.549 Td [(begr\374nden)-422(werde)-422(mit)-421(einem)-422(eigenen)-422(B\374rgermeister)-422(und)-421(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Verwaltung,)-524(die)-470(alles)-470(im)-469(Umkreise)-470(Bekannte)-469(in)-470(den)-469(tiefsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Schatten)-250(stellen)-250(werde.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Dar\374ber)-402(waren)-403(die)-402(Waltersburger)-403(w\374tend.)-707(Nachdem)-402(ihnen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(schon)-565(die)-564(Neust\344dter)-564(untreu)-565(geworden)-564(und)-565(der)-564(Mutterstadt)]TJ 0 -13.549 Td [(gewaltig)-365(\374ber)-365(den)-365(Kopf)-365(gewachsen)-365(waren,)-394(sollte)-365(sich)-365(hier)-365(auf)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +452 0 obj << +/Type /Page +/Contents 453 0 R +/Resources 451 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +454 0 obj << +/D [452 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +455 0 obj << +/D [452 0 R /XYZ 93.543 364.224 null] +>> endobj +451 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +458 0 obj << +/Length 5018 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vorarbeiten)-19948(73)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ehemaligem)-192(Waltersburger)-191(Grund)-192(und)-192(Boden)-191(abermals)-192(ein)-191(neues)]TJ 0 -13.549 Td [(Gemeinwesen)-354(auftun,)-379(das)-354(den)-353(Bestand)-354(Waltersburgs)-353(verk\374rzte)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-406(die)-405(eigene)-406(Stadt)-405(in)-405(immer)-406(k\374mmerlichere)-405(Unber\374hmtheit)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\344ngte.)-641(Waltersburg)-381(war)-380(wie)-380(eine)-381(Mutter)-380(von)-380(mittelm\344\337igen)]TJ 0 -13.55 Td [(Anlagen,)-328(die)-312(sich)-313(\344rgert,)-328(wenn)-312(ihre)-312(T\366chter)-313(in)-312(der)-312(Gesellschaft)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([99])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Gl\374ck)-250(haben.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Eitel)-487(waren)-488(die)-487(Waltersburger)-487(immer.)-962(In)-487(der)-487(Pfarrkirche)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ist)-483(ein)-484(Altarbild,)-541(das)-484(angeblich)-483(von)-483(Tintoretto)-484(stammt.)-949(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(beg\374terter)-406(Graf,)-445(der)-406(ehemals)-406(hier)-406(residierte,)-445(soll)-406(es)-406(von)-405(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Pilgerfahrt)-547(mitgebracht)-547(haben.)-1140(Die)-547(Echtheit)-547(des)-547(Bildes)-546(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(zweifelhaft,)-415(nur)-382(nicht)-381(f\374r)-382(die)-382(Waltersburger,)-415(die)-382(das)-381(Gem\344lde)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-453(den)-453(Meisterwerken)-453(Tintorettos)-453(rechnen.)-859(\050Tintoretto,)]TJ/F24 10.9091 Tf 261.245 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(das)]TJ -266.088 -13.549 Td [(F\344rberchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.069 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-178(hat)-161(bekanntlich)-161(neben)-160(ausgezeichneten)-161(St\374cken)-160(viel)]TJ -53.913 -13.549 Td [(Mittelm\344\337iges,)-330(ja)-313(Schleudriges)-314(geleistet.\051)-441(Als)-313(ein)-314(gro\337es)-313(neues)]TJ 0 -13.549 Td [(Reisehandbuch)-269(erschien,)-273(waren)-268(die)-269(Waltersburger)-268(neugierig,)-273(ob)]TJ 0 -13.55 Td [(ihr)-443(Tintoretto)-442(zwei)-443(Sterne)-443(oder)-442(nur)-443(einen)-443(haben)-442(werde.)-828(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Entt\344uschung)-263(war)-263(gro\337;)-262(denn)-263(ganz)-263(Waltersburg)-263(mitsamt)-262(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Tintoretto)-386(wurde)-386(in)-386(dem)-386(Handbuche)-386(\374berhaupt)-386(nicht)-385(erw\344hnt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-419(Schrei)-419(der)-419(Emp\366rung,)-461(den)-419(damals)-419(der)-419(gebildete)-419(Teil)-419(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadt)-250(ausstie\337,)-250(hat)-250(noch)-250(heute)-250(ein)-250(Echo)-250(in)-250(vielen)-250(Herzen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(F\374r)-444(uns)-443(kam)-444(bald)-444(ein)-444(Umschwung.)-831(Stefenson)-444(berief)-443(eine)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Versammlung)-188(nach)-187(dem)-188(Saale)-188(des)-187(gr\366\337ten)-188(Waltersburger)-187(Hotels,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.108 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Drei)-308(Raben)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.613 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-423(Er)-307(lud)-308(zu)-307(dieser)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.347 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(freien)-308(Zusammenkunft,)-321(in)]TJ -165.6 -13.549 Td [(der)-241(er)-240(Aufschl\374sse)-241(\374ber)-240(seine)-241(Neugr\374ndung)-240(geben)-241(werde)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.596 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-242(nicht)]TJ -253.44 -13.549 Td [(nur)-539(den)-539(Magistrat)-539(und)-539(alle)-539(Honoratioren)-539(mit)-539(ihren)-538(Damen,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-464(auch)-463(je)-464(einen)-464(Schuster,)-517(Schneider,)-517(B\344cker,)-517(wie)-463(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-337(Handwerkszweige)-337(mit)-337(ihren)-337(Frauen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 205.371 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-337(mu\337)-337(wie)-337(bei)]TJ -210.215 -13.55 Td [(der)-447(Arche)-446(Noahs)-447(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.646 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-496(sagte)-446(er)-447(gut)-447(gelaunt,)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.841 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(von)-447(jeder)-446(Art)]TJ -218.173 -13.549 Td [(ein)-351(P\344rchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.027 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.675 0 Td [(Der)-351(Erfolg)-351(war)-351(schwach.)-554(Einzelne)-351(zwar)-351(priesen)]TJ -63.702 -13.549 Td [(Herrn)-203(Stefenson)-202(wegen)-203(seiner)-202(gerechten)-203(unparteiischen)-202(Art,)-212(aber)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([100])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(andere)-416(r\374mpften)-416(au\337erordentlich)-416(stark)-416(die)-416(Nasen,)-457(und)-416(als)-416(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Versammlung)-301(begann,)-313(zeigte)-300(es)-301(sich,)-313(da\337)-301(fast)-300(gar)-301(keine)-300(Frauen)]TJ 0 -13.55 Td [(da)-433(waren.)-797(Die)-433(Frau)-432(Provisor)-432(und)-433(die)-432(Frau)-433(Kanzleirat)-432(hatten)]TJ 0 -13.549 Td [(entr\374stet)-197(erkl\344rt,)-207(man)-196(k\366nne)-197(sich)-197(doch)-196(nicht)-197(mit)-196(Krethi)-197(und)-196(Plethi)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +457 0 obj << +/Type /Page +/Contents 458 0 R +/Resources 456 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +459 0 obj << +/D [457 0 R /XYZ 90.036 463.978 null] +>> endobj +460 0 obj << +/D [457 0 R /XYZ 248.053 120.339 null] +>> endobj +456 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +463 0 obj << +/Length 5150 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(74)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zusammensetzen,)-179(und)-162(fast)-162(alle)-161(anderen)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.055 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Damen)-162(der)-161(Gesellschaft)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.887 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(hatten)-393(sich)-393(dieser)-393(Auffassung)-393(angeschlossen.)-679(Die)-393(Weiber)-392(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Handwerksleute)-368(aber)-368(hatten)-368(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.961 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(geniert)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-398(zu)-368(kommen.)-604(Aber)]TJ -189.943 -13.549 Td [(auch)-415(die)-414(M\344nner)-415(waren)-414(nur)-415(in)-414(schwacher)-415(Anzahl)-414(erschienen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Der)-448(Magistrat)-448(lie\337)-448(sich)-448(durch)-448(einen)-448(Beisitzer)-448(vertreten.)-843(Am)]TJ 0 -13.549 Td [(meisten)-261(freute)-262(es)-261(mich,)-264(da\337)-262(der)-261(Lehrer)-261(Herder)-262(da)-261(war.)-284(Er)-261(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-461(zum)-460(Leiter)-461(der)-460(Versammlung)-461(gew\344hlt.)-882(Stefenson)-460(hielt)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-291(Rede.)-374(Er)-291(spricht)-291(die)-292(deutsche)-291(Sprache)-291(ohne)-291(jeden)-291(fremden)]TJ 0 -13.549 Td [(Akzent.)-252(Denn)-251(nicht)-250(nur)-251(seine)-251(Mutter)-250(ist)-251(eine)-251(Deutsche)-250(gewesen;)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-241(habe)-240(unterdes)-241(herausgekriegt,)-242(da\337)-241(Stefensons)-240(Vater)-241(zwar)-240(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Stockamerikaner)-267(von)-266(reinster)-266(Monroedoktrin)-267(war,)-271(da\337)-266(aber)-266(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gro\337vater)-406(bis)-406(zu)-405(seinem)-406(drei\337igsten)-406(Lebensjahre)-406(in)-405(Hamburg)]TJ 0 -13.549 Td [(gelebt)-342(hat)-343(und)-342(bis)-342(dahin)-342(Georg)-342(Stefan)-343(hie\337.)-342(Stefenson)-342(hat)-342(rein)]TJ 0 -13.549 Td [(deutsches)-250(Blut)-250(in)-250(sich.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Der)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.347 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.838 0 Td [(sprach.)-323(Er)-275(sagte,)-281(\374ber)-274(die)-275(Idee)-274(seiner)-275(geplanten)]TJ -72.468 -13.549 Td [(Kuranstalt)-467(wolle)-467(er)-467(nicht)-467(reden;)-576(diese)-467(sei)-467(ein)-467(so)-467(unerh\366rtes,)]TJ 0 -13.55 Td [(geniales)-394(Problem)-395(\050dabei)-394(trat)-394(er)-395(mich)-394(grob)-394(auf)-395(den)-394(Fu\337!\051,)-430(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-433(es)-433(im)-433(Rahmen)-433(einer)-433(so)-433(kurzen)-433(Aussprache)-433(nicht)-433(erl\344utern)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nne.)-951(Waltersburg)-484(habe)-484(zwar)-484(keine)-484(hervorragend)-483(g\374nstige)]TJ 0 -13.549 Td [(Lage)-532(und)-532(werde)-532(von)-532(vielen)-532(anderen)-532(Orten)-532(auch)-532(durch)-531(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Reiz)-422(der)-422(Umgebung)-421(wesentlich)-422(\374bertroffen)-422(\050Gebrumm)-422(in)-421(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Versammlung\051,)-478(aber)-433(sein)-433(Freund)-433(und)-432(\344rztlicher)-433(Beirat)-433(sei)-432(ja,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([101])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(wie)-581(alle)-581(w\374\337ten,)-664(ein)-582(Waltersburger)-581(Kind,)-664(und)-581(so)-581(habe)-581(er)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-369(Freund)-369(zuliebe)-369(dieses)-369(Gel\344nde)-369(f\374r)-369(die)-369(Ausf\374hrung)-369(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Idee)-505(gew\344hlt.)-1014(Er)-505(geh\366re)-504(zu)-505(den)-505(Leuten,)-568(die)-505(sich)-505(eher)-504(das)]TJ 0 -13.549 Td [(eigene)-400(Hemd)-400(ausziehen,)-438(als)-400(da\337)-400(sie)-400(zugeben,)-437(da\337)-400(der)-400(Freund)]TJ 0 -13.549 Td [(friere.)-355(\050Frau)-285(Postschaffner)-285(Hempel)-285(verlie\337)-285(entr\374stet)-285(das)-284(Lokal.\051)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kommen)-416(Sie)-416(gut)-416(nach)-415(Hause,)-458(Frauchen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.434 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.381 0 Td [(ruft)-416(ihr)-416(Stefenson)]TJ -200.659 -13.549 Td [(nach.)-744(\050Abermaliges)-414(Gebrumm.)-743(Postschaffner)-415(Hempel)-414(erhebt)]TJ 0 -13.549 Td [(sich,)-667(sagt)-584(in)-584(halblauter)-584(Entr\374stung:)]TJ/F24 10.9091 Tf 177.296 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-584(ist)-584(ja)-583(kolossal!)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.647 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(und)-458(stampft)-458(seiner)-458(Eheh\344lfte)-458(nach.\051)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.425 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.607 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-510(f\344hrt)-458(Stefenson)]TJ -203.72 -13.549 Td [(ruhig)-549(fort,)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.297 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(was)-549(mir)-549(eine)-548(Hauptsache)-549(zu)-549(sein)-549(scheint:)-847(ich)]TJ -59.141 -13.55 Td [(beabsichtige)-343(nicht,)-366(eine)-343(neue)-343(politische)-343(Gemeinde)-343(zu)-342(gr\374nden;)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-515(werde)-514(meine)-515(Siedelung)-515(unter)-514(den)-515(amtlichen)-515(Schutz)-514(des)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +462 0 obj << +/Type /Page +/Contents 463 0 R +/Resources 461 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +464 0 obj << +/D [462 0 R /XYZ 166.933 228.732 null] +>> endobj +461 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +467 0 obj << +/Length 4586 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vorarbeiten)-19948(75)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Magistrats)-535(von)-534(Waltersburg)-535(stellen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.055 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.677 0 Td [(\050Freudige)-535(Verbl\374ffung.)]TJ -175.732 -13.549 Td [(Der)-383(Beisitzer)-384(horcht)-383(auf)-384(und)-383(trommelt)-383(erregt)-384(mit)-383(den)-383(Fingern)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-592(den)-592(Tisch.\051)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.123 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-678(geht)-592(Stefensons)-592(Rede)-592(weiter,)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.348 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(wir)]TJ -266.088 -13.549 Td [(werden)-473(unserem)-474(Sanatori)1(um,)-530(das)-473(seinesgleichen)-473(in)-473(der)-473(Welt)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-278(hat,)-285(den)-277(Namen)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.334 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Kuranstalt)-278(Waltersburg:)-305(Ferien)-278(vom)-278(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.03 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.549 Td [(geben,)-568(und)-505(der)-504(Schnickschnack)-505(vom)-504(sogenannten)-504(modernen)]TJ 0 -13.549 Td [(Badeort,)-383(wie)-356(es)-357(Neustadt)-356(ist,)-383(wird)-357(in)-356(Dunst)-357(zerstieben)-356(vor)-356(der)]TJ 0 -13.549 Td [(glorreichen)-291(Waltersburger)-291(Neugr\374ndung.)-373(\050Der)-291(Beisitzer)-290(springt)]TJ 0 -13.549 Td [(auf,)-398(beurlaubt)-369(sich)-369(bei)-369(dem)-368(Vorsitzenden)-369(auf)-369(wenige)-368(Minuten)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-299(st\374rmt)-299(aus)-299(dem)-300(Saal.\051)-397(Mitb\374rger)-299(von)-299(Waltersburg!)-397(Damen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-364(Herren!)-593(\050Von)-365(den)-364(Damen)-364(ist)-365(nur)-364(noch)-364(die)-364(phlegmatische)]TJ 0 -13.549 Td [(G\344rtnersfrau)-332(B\344chel)-332(anwesend.\051)-496(Es)-332(macht)-332(mich)-332(gl\374cklich,)-352(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-292(in)-293(solcher)-292(Anzahl)-293(erschienen)-292(sind.)-378(Etwas)-292(Erfreuliches)-292(kann)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-283(Ihnen)-283(mitteilen.)-349(Ich)-283(erwarte,)-291(da\337)-283(binnen)-283(zwei)-283(Jahren)-282(unsere)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([102])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(Kuranstalt)-289(etwa)-288(zwei)-289(Dritteile)-288(Ihrer)-289(gesamten)-288(Gemeindesteuern)]TJ 0 -13.549 Td [(tragen)-288(wird,)-298(so)-288(da\337)-288(Ihre)-288(bisherigen)-288(hundertzwanzig)-288(Prozent)-288(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(vierzig)-382(Prozent)-383(herabsinken)-382(werden.)-647(\050Erschrecktes)-382(Aufatmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-442(lautes)-442(Bravo.)-825(B\344ckermeister)-442(Schiebulke)-442(und)-441(Klempner)]TJ 0 -13.549 Td [(Geldermann)-371(st\374rzen)-372(im)-371(Geschwindschritt)-372(von)-371(Siegesboten)-371(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-576(Stra\337e.\051)-1229(Ja,)-658(aber,)-658(meine)-577(sehr)-576(teuren)-576(Mitb\374rger,)-658(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(Opfer)-473(werde)-473(ich)-474(von)-473(Ihnen)-473(verlangen)-473(m\374ssen.)-919(\050Kunstpause)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-359(Redners.)-579(Bedr\374cktes)-359(Schweigen)-359(der)-360(Zuh\366rer.\051)-578(Wir)-359(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-425(Zeit,)-469(der)-425(Verwirklichung)-425(unserer)-425(Idee)-425(sehr)-425(viel)-425(Zeit)-425(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(widmen;)-453(wir)-385(m\374ssen)-386(die)-385(Aufgabe)-385(im)-385(Sturm)-386(nehmen.)-655(Binnen)]TJ 0 -13.55 Td [(Jahresfrist)-329(mu\337)-329(alles)-329(fix)-329(und)-329(fertig)-329(sein.)-487(Sie)-329(werden)-328(begreifen,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-606(daf\374r)-607(ein)-607(Heer)-607(von)-607(Architekten,)-695(Bauleitern,)-696(Maurern,)]TJ 0 -13.549 Td [(Zimmerleuten,)-981(Tapezierern,)-982(T\366pfern,)-981(Tischlern,)-981(Glasern,)]TJ 0 -13.549 Td [(Klempnern,)-585(Schmieden,)-585(Schlossern,)-585(Stubenmalern,)-584(G\344rtnern)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-248(Hilfsarbeitern)-248(aller)-248(Art)-248(n\366tig)-248(sein)-247(wird,)-249(nicht)-248(zu)-248(rechnen)-247(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Legion)-264(derer,)-267(die)-264(diese)-263(Schar)-264(versorgt)-264(mit)-263(Nahrungsmitteln,)-267(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(Kleidern,)-224(Schuhen,)-224(M\374tzen)-218(und)-218(W\344sche.)-239(Ja,)-224(liebe)-217(Waltersburger)]TJ 0 -13.549 Td [(Mitb\374rger,)-701(Ihre)-610(ganze)-611(pr\344chtige)-610(Kaufmannschaft,)-701(alle)-610(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Handwerkerkreise)-312(mu\337)-313(ich)-312(mobil)-313(machen,)-328(um)-312(meiner)-312(Aufgabe)]TJ 0 -13.549 Td [(gerecht)-482(zu)-481(werden,)-539(alle)-482(werden)-481(ihren)-482(Betrieb)-481(verzehnfachen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +466 0 obj << +/Type /Page +/Contents 467 0 R +/Resources 465 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +468 0 obj << +/D [466 0 R /XYZ 180.616 518.175 null] +>> endobj +465 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +471 0 obj << +/Length 4014 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(76)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(m\374ssen)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.637 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -31.681 -13.549 Td [(Der)-208(Redner)-208(hielt)-207(inne;)-222(denn)-208(die)-208(Zuh\366rerschaft)-208(keuchte)-208(zu)-207(laut.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Die)-224(Erregung)-224(stieg)-224(aufs)-224(h\366chste.)-241(Da)-224(kam)-224(die)-224(von)-224(Stefenson)-224(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(leichthin)-227(gesagte,)-231(aber)-226(bis)-227(ins)-226(Mark)-227(treffende)-226(Schlu\337bemerkung:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-181(m\366chte)-181(mit)-182(Waltersburger)-181(B\374rgern)-181(Abkommen)-181(treffen.)-227(Was)]TJ -4.844 -13.549 Td [(das)-352(Finanzielle)-351(anbelangt,)-377(so)-352(wird)-352(nichts)-351(auf)-352(Ziel)-351(entnommen,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([103])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(sondern)-250(alles)-250(immer)-250(sofort)-250(bar)-250(bezahlt)-250(werden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 205.102 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -193.146 -13.549 Td [(Da)-254(war)-254(es)-254(aus.)-263(Alles)-254(erhob)-254(sich;)-256(selbst)-254(die)-254(dicke)-254(G\344rtnersfrau)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wappelte)-192(sich)-193(empor)-192(und)-192(wischte)-192(sich)-193(den)-192(Schwei\337)-192(von)-192(der)-192(Stirn.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Ein)-250(Handwerker)-250(stieg)-250(auf)-250(einen)-250(Stuhl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-390(ist)-389(gut!)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.349 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.094 0 Td [(rief)-390(er;)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.914 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(das)-390(ist)-389(famos!)-669(Herr)-390(Stefenson)-390(lebe)]TJ -119.999 -13.549 Td [(hoch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ -12.884 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hoch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.699 0 Td [(schrien)-353(die)-354(paar)-353(M\344nnlein,)-380(die)-353(noch)-353(da)-354(waren.)-560(Im)]TJ -52.76 -13.549 Td [(selben)-250(Augenblick)-250(st\374rzte)-250(der)-250(Beisitzer)-250(in)-250(den)-250(Saal.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-1057(Herr)-1058(B\374rgermeister)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.821 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-1259(keuchte)-1058(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.87 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(der)-1057(Herr)]TJ -235.178 -13.549 Td [(B\374rgermeister,)-213(der)-203(bis)-203(jetzt)-204(leider)-203(verhindert)-203(war,)-213(kommt)-203(selbst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -13.549 Td [(Stefenson)-226(nickte)-226(ihm)-225(l\344chelnd)-226(zu.)-242(Da)-226(wurde)-225(es)-226(lebhaft)-226(auf)-226(der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Treppe,)-302(M\344nner)-291(und)-291(Frauen)-292(aller)-291(Gesellschaftsschichten)-291(f\374llten)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-273(Saal.)-321(Eine)-273(halbe)-274(Stunde)-273(lang)-274(stand)-273(Stefenson)-274(steif)-273(und)-273(still,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-250(als)-250(alle)-250(da)-250(waren,)-250(auch)-250(der)-250(B\374rgermeister,)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-264(habe)-265(dem,)-268(was)-265(ich)-264(vor)-264(Ihnen,)-269(sehr)-264(geehrte)-265(Herrschaften,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(\374ber)-190(meine)-191(Neugr\374ndung)-190(heute)-191(ausgef\374hrt)-190(habe,)-203(nun)-190(nichts)-190(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(hinzuzuf\374gen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.151 -13.549 Td [(Worauf)-480(sich)-479(der)-480(Leiter)-479(der)-480(Versammlung,)-537(Lehrer)-480(Herder,)]TJ -11.955 -13.55 Td [(erhob)-250(und)-250(in)-250(einer)-250(gl\344nzenden)-250(Erfassung)-250(der)-250(Situation)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(schlie\337e)-250(die)-250(Sitzung!)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.164 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +470 0 obj << +/Type /Page +/Contents 471 0 R +/Resources 469 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 450 0 R +>> endobj +472 0 obj << +/D [470 0 R /XYZ 164.237 450.429 null] +>> endobj +473 0 obj << +/D [470 0 R /XYZ 121.111 192.994 null] +>> endobj +469 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +474 0 obj +<< /S /GoTo /D (index11) >> +endobj +477 0 obj +(Die "Neustaedter Umschau") +endobj +480 0 obj << +/Length 4106 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([104])]TJ/F16 18.9589 Tf -254.631 -69.409 Td [(Die)]TJ/F24 18.9589 Tf 32.324 0 Td [(\036)]TJ/F16 18.9589 Tf 8.418 0 Td [(Neust\344dter)-261(Umschau)]TJ/F24 18.9589 Tf 158.685 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -235.82 -37.512 Td [(In)-278(Neustadt)-278(erscheint)-278(ein)-278(Bl\344ttchen,)-285(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.722 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-278(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.493 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ -277.903 -13.549 Td [(Es)-348(kommt)-349(w\366chentlich)-348(zweimal)-348(heraus)-349(in)-348(einem)-349(Umfang,)-372(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-338(einzige)-339(Nummer)-338(gen\374gt,)-361(ein)-338(Butterbrot)-339(gut)-338(zu)-338(verpacken.)]TJ 0 -13.55 Td [(Als)-589(der)-588(Verleger)-589(einen)-588(neuen)-589(Redakteur)-588(suchte,)-673(versprach)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-695(einen)-695(Monatsgehalt)-696(von)-695(sechzig)-695(Mark.)-1585(Es)-695(meldeten)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-580(drei)-581(Doktoren,)-663(sechs)-580(Referendare,)-663(zwanzig)-580(Studenten,)]TJ 0 -13.549 Td [(sieben)-223(ehemalige)-223(Lehrer,)-228(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.623 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sehr)-223(gebildeter)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.231 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.274 0 Td [(Schlossermeister,)]TJ -203.972 -13.549 Td [(davongejagte)-567(Seminaristen,)-646(freie)-566(Schriftsteller)-567(und)-567(ein)-566(paar)]TJ 0 -13.55 Td [(schwankende)-393(Gestalten.)-680(Der)-393(Verleger)-393(w\344hlte)-393(von)-393(der)-393(ganzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Rotte)-428(den)-429(Unf\344higsten,)-472(einen)-429(herabgekommenen,)-472(versoffenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kerl,)-509(der)-457(aber)]TJ/F19 10.9091 Tf 70.343 0 Td [(Doctor)-457(juris)]TJ/F16 10.9091 Tf 60.885 0 Td [(war,)-509(was)-457(in)-457(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.972 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.203 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.831 0 Td [(mit)]TJ -266.078 -13.549 Td [(Fettdruck)-164(angezeigt)-163(wurde.)-222(Dieser)-163(Mensch)-164(macht)-164(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.739 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(in)-622(der)-622(Art,)-716(da\337)-621(er)-623(in)-622(seiner)-622(n\374chternen)-622(Tagesstunde,)-715(die)]TJ 0 -13.549 Td [(vormittags)-274(nach)-274(seinem)-273(jeweiligen)-274(Aufstehen)-274(liegt,)-280(im)-273(Lesesaal)]TJ 0 -13.55 Td [(des)-235(Neust\344dter)-236(Kurhauses)-235(den)-236(Stoff)-235(f\374r)-236(die)-235(n\344chste)-236(Nummer)-235(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337st\344dtischen)-242(Zeitungen)-242(abschreibt.)-248(Einen)-242(lokalen)-242(Teil)-242(hat)-242(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.279 0 Td [(kaum;)-485(jedenfalls)-406(war)-407(er)-407(stets)-406(\344u\337erst)-407(j\344mmerlich.)]TJ -55.326 -13.549 Td [(Desto)-227(mehr)-226(fiel)-227(es)-227(auf,)-231(als)-227(das)-226(Blatt)-227(auf)-227(einmal)-226(recht)-227(flotte,)-231(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-548(dreist)-548(geschriebene)-548(Artikel)-548(gegen)-547(unser)-548(Waltersburger)]TJ 0 -13.55 Td [(Ferienheim)-250(brachte.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.023 0 Td [([105])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.567 Td [(Der)-358(erste)-358(Artikel)-358(besch\344ftigte)-358(sich)-358(mit)-358(mir.)-574(Es)-358(wurde)-358(darin)]TJ -11.955 -13.549 Td [(ausgef\374hrt,)-431(da\337)-394(ich)-395(nach)-395(meiner)-394(Promovierung)-395(\050die,)-431(wie)-394(man)]TJ 0 -13.549 Td [(erfahre,)-338(nicht)-320(ohne)-320(gewisse)-320(Schwierigkeiten)-320(vor)-320(sich)-320(gegangen)]TJ 0 -13.55 Td [(sei\051)-347(eiligst)-347(das)-347(Vaterland)-347(verlassen)-347(habe,)-371(um)-347(auf)-347(allen)-347(Meeren)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-326(unter)-327(allen)-326(Breitengraden)-327(der)-326(leidenden)-327(Menschheit)-326(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(\344rztliche)-337(Kunst)-338(angedeihen)-337(zu)-338(lassen.)-512(Das)-338(einzige)-337(Leiden,)-359(mit)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +479 0 obj << +/Type /Page +/Contents 480 0 R +/Resources 478 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +80 0 obj << +/D [479 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +475 0 obj << +/D [479 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +481 0 obj << +/D [479 0 R /XYZ 46.771 148.357 null] +>> endobj +478 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +485 0 obj << +/Length 4875 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(78)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dem)-398(ich)-398(zu)-398(tun)-398(gehabt)-398(h\344tte,)-435(w\344re)-398(die)-398(Seekrankheit)-398(gewesen,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-612(da)-612(sich)-611(gegen)-612(diese)-612(bekanntlich)-612(\374berhaupt)-612(nichts)-611(tun)]TJ 0 -13.549 Td [(lasse,)-591(so)-523(sei)-522(ich)-523(ja)-523(sicher)-522(ganz)-523(am)-523(Platze)-522(gewesen.)-1068(Mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Geist)-629(habe)-630(so)-629(ungeheuer)-629(viel)-630(Zeit)-629(zum)-629(Ausruhen)-629(gehabt,)]TJ 0 -13.55 Td [(da\337)-462(ich)-461(\050wahrscheinlich)-462(unter)-462(dem)-461(verheerenden)-462(Einflu\337)-461(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Tropensonne\051)-473(auf)-474(die)-473(Idee)-473(meiner)-474(Anstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.416 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ferien)-473(vom)-474(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.526 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(gekommen)-281(sei.)-344(Neustadt)-281(solle)-281(jubeln)-281(und)-281(mir)-281(eine)-281(Dankadresse)]TJ 0 -13.549 Td [(schicken,)-424(mir)-388(auch)-389(sonst)-389(alle)-389(m\366gliche)-389(F\366rderung)-388(angedeihen)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen;)-673(denn)-532(das)-532(moderne)-532(Weltbad)-532(spare)-532(sich)-532(durch)-531(meine)]TJ 0 -13.55 Td [(Anstalt)-480(ein)-480(Hanswursttheater,)-537(und)-480(es)-480(w\344re)-480(nur)-480(zu)-480(bedauern,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-403(sich)-404(die)-403(Neugr\374ndung)-404(nicht)-403(bis)-404(zum)-403(n\344chsten)-403(Fasching)]TJ 0 -13.549 Td [(hielte.)-777(In)-426(dem)-425(jederzeit)-426(reichhaltigen)-425(Vergn\374gungsprogramm)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-490(Neustadt)-491(w\374rde)-490(es)-491(sich)-490(jedenfalls)-491(ganz)-490(gut)-490(ausnehmen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-319(es)-318(um)-319(die)-318(Faschingszeit)-318(hie\337e:)-387(Morgen)-319(Besichtigung)-318(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburger)-400(Kuranstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.581 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ferien)-400(vom)-401(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.934 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-701(\304ngstliche)-400(seien)]TJ -196.202 -13.549 Td [(versichert,)-270(da\337)-266(ein)-265(Ausbruch)-266(von)-266(Irrsinn)-266(nicht)-266(zu)-266(bef\374rchten)-265(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-217(sich)-218(dieser)-217(in)-218(der)-217(Waltersburger)-218(Anstalt)-217(nur)-218(ganz)-217(harmlos)-217(und)]TJ 0 -13.549 Td [(kindlich)-250(\344u\337ere.)]TJ 137.588 -16.004 Td [(*)]TJ -125.632 -16.004 Td [(Das)-164(war)-164(der)-164(Begr\374\337ungsartikel,)-181(der)-164(meiner)-164(Gr\374ndung)-164(von)-163(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(freundnachbarlichen)-370(Neustadt)-371(zuteil)-370(wurde.)-611(Stefenson)-370(brachte)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([106])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ihn)-250(mir)-250(pers\366nlich.)-250(Er)-250(beobachtete)-250(mich,)-250(als)-250(ich)-250(ihn)-250(las.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Niedlich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.607 0 Td [(sagte)-437(ich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.328 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-437(h\344tte)-436(das)-437(den)-437(Kerlen)-436(gar)-437(nicht)]TJ -121.782 -13.549 Td [(zugetraut.)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.32 0 Td [(\034)]TJ -31.364 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-228(sehen)-222(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.141 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-228(atmete)-222(Stefenson)-223(auf,)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.318 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(es)-222(freut)-223(mich,)-228(da\337)-222(Sie)]TJ -186.944 -13.549 Td [(nicht)-307(entr\374stet)-306(sind)-307(oder)-306(diesen)-307(braven)-306(Zeilenschinder)-307(etwa)-306(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(verklagen)-250(wollen.)-250(Der)-250(Artikel)-250(ist)-250(wirklich)-250(nett.)]TJ/F24 10.9091 Tf 204.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -192.863 -13.55 Td [(Eine)-532(der)-532(n\344chsten)-531(Nummern)-532(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.271 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.644 0 Td [(besch\344ftigte)]TJ -227.917 -13.549 Td [(sich)-402(mit)-403(Mister)-402(Stefenson.)-707(Es)-402(hie\337)-402(darin,)-440(nach)-402(authentischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausk\374nften)-335(aus)-335(Amerika)-336(sei)-335(Mister)-335(Stefenson,)-356(der)-335(bekanntlich)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-160(Waltersburger)-159(Kuranstalts-Unternehmen)-160(finanziere,)-178(einer)-159(der)]TJ 0 -13.549 Td [(merkw\374rdigsten)-187(Gesch\344ftsleute)-186(aus)-187(dem)-187(Lande)-187(der)-186(unbegrenzten)]TJ 0 -13.55 Td [(M\366glichkeiten.)-242(Seine)-225(gesch\344ftliche)-225(Laufbahn)-226(habe)-225(Stefenson)-225(als)]TJ 0 -13.549 Td [(K\374chenboy)-331(in)-332(einem)-331(Hotel)-331(vierten)-332(Grades)-331(begonnen.)-494(Als)-331(aber)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +484 0 obj << +/Type /Page +/Contents 485 0 R +/Resources 483 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +486 0 obj << +/D [484 0 R /XYZ 295.002 242.282 null] +>> endobj +483 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +489 0 obj << +/Length 4449 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-250(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 155.208 0 Td [(79)]TJ +0 g 0 G + -269.721 -30.759 Td [(der)-277(einzige)-278(silberne)-277(L\366ffel,)-284(\374ber)-277(den)-278(jenes)-277(Hotel)-277(verf\374gte,)-284(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Tages)-355(verschwand)-356(und)-355(ganz)-356(zuf\344llig)-355(in)-355(der)-356(Pappschachtel,)-381(die)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-527(jungen)-526(Stefenson)-527(Kleiderschrank)-527(darstellte,)-595(aufgefunden)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde,)-316(wohin)-302(er)-302(auf)-303(eine)-302(Herrn)-303(Stefenson)-302(auch)-303(jetzt)-302(noch)-302(ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(unerkl\344rliche)-461(Art)-460(gekommen)-460(w\344re,)-514(sei)-460(der)-460(vielversprechende)]TJ 0 -13.549 Td [(junge)-387(Mann)-387(nach)-388(Texas)-387(ausgewandert.)-662(Aber)-387(auch)-387(dort)-387(sei)-387(er)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-451(Ungl\374ck)-451(verfolgt)-451(worden.)-854(Denn)-451(obwohl)-451(der)-451(Strick,)-501(an)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-313(die)-314(Bewohner)-313(einer)-314(Farm)-313(den)-314(J\374ngling)-313(wegen)-313(angeblichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Pferdediebstahls)-186(hingen,)-198(ri\337)-186(und)-185(also)-186(gewisserma\337en)-186(ein)-185(Zeichen)]TJ 0 -13.55 Td [(vom)-396(Himmel)-395(f\374r)-396(die)-395(Unschuld)-396(des)-395(Gerichteten)-396(vorlag,)-431(h\344tten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-314(barbarischen)-313(Urwaldsgesellen)-314(den)-313(Gast)-314(aus)-313(dem)-314(Norden)-313(so)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374rchterlich)-451(gepr\374gelt,)-501(da\337)-451(Stefenson)-451(zwei)-451(k\374nstliche)-451(Rippen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([107])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(als)-382(Andenken)-381(an)-382(jenes)-381(Abenteuer)-382(behalten)-381(habe.)-645(Das)-381(weitere)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben)-352(des)-352(Mannes,)-378(den)-352(die)-351(Waltersburger)-352(im)-352(Begriff)-352(st\344nden,)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-436(ihrem)-437(Ehrenb\374rger)-436(zu)-436(machen,)-483(sei)-437(ebenfalls)-436(recht)-436(bewegt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-461(reich)-460(an)-461(Zwischenf\344llen)-461(gewesen.)-882(Stefenson)-461(sei)-460(einmal)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-529(Kutscher)-529(bei)-529(einem)-529(gro\337en)-529(Petroleumtransport)-528(engagiert)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen.)-839(Dieser)-446(Transport)-446(sei)-446(von)-446(Indianern)-446(\374berfallen,)-495(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-546(Begleitmannschaft)-545(tot-)-546(und)-546(s\344mtliche)-545(Petroleumf\344sser)]TJ 0 -13.55 Td [(entzweigeschlagen)-636(worden.)-1410(Nur)-636(Stefenson)-637(sei)-636(am)-636(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(geblieben,)-643(da)-565(er)-565(so)-565(vorsichtig)-565(war,)-643(bei)-565(der)-564(herannahenden)]TJ 0 -13.549 Td [(Gefahr)-538(als)-537(erster)-538(zu)-538(fliehen.)-1113(Es)-538(habe)-537(sich)-538(nun)-538(so)-537(gef\374gt,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-215(Stefenson)-215(am)-215(n\344chsten)-215(Tage)-215(zwei)-215(abenteuernde,)-222(reiche,)-221(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(recht)-404(dumme)-404(Kerls)-403(in)-404(einer)-404(benachbarten)-404(Stadt)-404(getroffen)-403(und)]TJ 0 -13.55 Td [(diese)-226(vertraulich)-227(auf)-226(ein)-226(Gel\344nde)-227(aufmerksam)-226(gemacht)-226(habe,)-231(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-366(Zweifel)-365(starke)-366(Petroleumquellen)-365(vorhanden)-366(seien.)-596(Diese)]TJ 0 -13.549 Td [(beiden)-423(Burschen)-422(habe)-423(Stefenson,)-466(nachdem)-422(er)-423(die)-423(Spuren)-422(des)]TJ 0 -13.549 Td [(\334berfalls)-492(gr\374ndlich)-493(beseitigt)-492(hatte,)-553(auf)-493(das)-492(Gel\344nde)-492(gef\374hrt,)]TJ 0 -13.549 Td [(allwo)-233(noch)-234(ein)-233(penetranter)-233(Petroleumgeruch)-233(war,)-237(und)-233(die)-233(beiden)]TJ 0 -13.549 Td [(Gimpelchen)-458(h\344tten)-458(sich)-458(bereit)-458(erkl\344rt,)-510(an)-458(Stefenson)-457(zun\344chst)]TJ 0 -13.55 Td [(mal)-497(f\374nfhundert)-497(Pfund)-497(zu)-497(zahlen,)-559(damit)-497(er)-497(alles)-496(N\366tige)-497(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-355(Erschlie\337ung)-355(der)-354(Quellen)-355(in)-355(die)-355(Wege)-355(leite.)-564(Als)-355(sich)-354(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-353(die)-353(Sache)-353(weiter)-352(bei)-353(sich)-353(selbst)-353(\374berlegt)-353(habe,)-378(h\344tte)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-466(sich)-465(gesagt,)-520(wenn)-466(er)-465(ehrlich)-466(sein)-466(wolle,)-519(m\374sse)-466(er)-466(an)-465(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +488 0 obj << +/Type /Page +/Contents 489 0 R +/Resources 487 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +490 0 obj << +/D [488 0 R /XYZ 200.527 369.134 null] +>> endobj +487 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +493 0 obj << +/Length 4950 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(80)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Ergiebigkeit)-389(des)-389(Unternehmens)-389(zweifeln,)-424(er)-389(wolle)-389(also)-388(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Geldgebern)-343(lieber)-343(weitere)-344(unn\366tige)-343(Kosten)-343(ersparen)-343(und,)-366(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-231(erst)-232(durch)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.739 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Good)-231(bye)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.516 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.367 0 Td [(und)-231(andere)-232(Abschiedsf\366rmlichkeiten)]TJ -120.466 -13.549 Td [(aufzuhalten,)-250(sofort)-250(nach)-250(Chikago)-250(verschwinden.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([108])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.532 Td [(Die)-543(f\374nfhundert)-543(Pfund)-543(\050das)-543(seien)-543(nach)-543(deutschem)-542(Gelde)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zehntausend)-405(Mark\051,)-443(die)-405(Stefenson)-405(mitgenommen)-405(habe,)-443(h\344tten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-492(Basis)-492(f\374r)-492(seine)-492(weiteren)-492(gesch\344ftlichen)-492(Unternehmungen)]TJ 0 -13.549 Td [(gebildet,)-450(f\374r)-410(Unternehmungen,)-450(die)-410(nicht)-410(weniger)-410(originell)-410(als)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-325(Petroleumgeschichte)-325(gewesen)-325(seien.)-474(So)-325(sei)-325(Stefenson)-324(nach)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-251(nach)-251(zu)-250(einem)-251(gewissen)-251(Verm\366gen)-251(gekommen.)-252(Da)-251(aber)-250(die)]TJ 0 -13.549 Td [(engherzigen)-289(amerikanischen)-288(Richter)-289(\366fters)-288(an)-289(Herrn)-288(Stefensons)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesch\344ftsusancen)-461(Ansto\337)-461(genommen)-462(und)-461(es)-461(dem)-461(sonst)-461(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(anspruchslosen)-186(Manne)-187(trotz)-186(der)-187(geradezu)-186(luxuri\366sen)-186(Ausstattung)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-485(amerikanischen)-486(Gef\344ngnisse)-485(in)-485(diesen)-486(gar)-485(nicht)-485(gefallen)]TJ 0 -13.549 Td [(habe,)-423(so)-388(sei)-388(er)-388(auf)-388(den)-388(Einfall)-389(gekommen,)-422(sein)-388(Wirkungsfeld)]TJ 0 -13.55 Td [(vor\374bergehend)-443(mal)-443(nach)-442(Deutschland)-443(zu)-443(verlegen,)-491(und)-442(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Wahl)-464(sei)-465(auf)-464(Waltersburg)-464(gefallen,)-518(die)-464(Stadt,)-518(die)-464(das)-464(wei\337e)]TJ 0 -13.549 Td [(Lamm)-250(im)-250(gr\374nen)-250(Felde)-250(in)-250(ihrem)-250(Wappen)-250(f\374hre.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Als)-535(ich)-534(diesen)-535(Artikel)-534(gelesen)-535(hatte,)-606(geriet)-534(ich)-535(in)-534(gro\337e)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Aufregung.)-250(Stefenson)-250(verstand)-250(mich)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-459(ist)-459(wahr)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.045 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-512(sagte)-459(er;)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.395 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(der)-459(Artikel)-459(k\366nnte)-460(farbenreicher)]TJ -132.925 -13.55 Td [(gehalten)-393(sein,)-428(die)-393(Geschehnisse)-393(sind)-393(etwas)-393(n\374chtern)-392(gegeben,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber,)-895(mein)-766(Lieber,)-895(der)-766(heutige)-766(Geschmack)-766(verp\366nt)-765(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Allzukrasse.)-972(Ich)-490(finde)-491(den)-490(Artikel)-491(ausgezeichnet,)-551(viel,)-550(viel)]TJ 0 -13.549 Td [(besser)-250(als)-250(den,)-250(der)-250(neulich)-250(\374ber)-250(Sie)-250(in)-250(dieser)-250(Zeitung)-250(stand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.742 0 Td [(\034)]TJ -246.786 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson!)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.565 0 Td [(schrie)-249(ich)-250(ihn)-249(an;)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.54 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sehen)-249(Sie)-250(denn)-249(nicht)-250(ein,)-249(da\337)]TJ -153.406 -13.55 Td [(uns)-389(dieser)-389(Zeilenschmierer,)-423(dieser)-389(S\374ffling)-389(unm\366glich)-388(macht?)]TJ 0 -13.549 Td [(Jetzt)-236(bleibt)-237(nicht)-236(anderes)-237(mehr)-236(\374brig,)-239(jetzt)-236(m\374ssen)-237(Sie)-236(den)-236(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(verklagen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.742 0 Td [(\034)]TJ -33.787 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-271(glauben)-266(Sie,)-270(da\337)-267(ich)-266(toll)-267(bin?)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.97 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.749 0 Td [(entgegnete)-266(Stefenson.)-300(Ich)]TJ/F16 7.9701 Tf -240.274 0 Td [([109])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(erz\344hlte)-449(ihm,)-499(was)-449(schon)-449(der)-449(Artikel)-449(\374ber)-449(mich)-449(f\374r)-449(allerhand)]TJ 0 -13.549 Td [(Unheil)-273(angerichtet)-274(habe.)-320(Nicht)-273(blo\337,)-273(da\337)-274(sich)-273(meine)-273(Mutter)-273(fast)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-351(Augen)-352(aus)-351(dem)-351(Kopfe)-351(geweint)-352(habe,)-376(ich)-352(h\344tte)-351(geh\366rt,)-376(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-327(Leute)-326(hinter)-327(mir)-326(zischelten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.608 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson,)-346(unseren)-326(guten)-327(Ruf)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +492 0 obj << +/Type /Page +/Contents 493 0 R +/Resources 491 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +494 0 obj << +/D [492 0 R /XYZ 93.543 475.149 null] +>> endobj +495 0 obj << +/D [492 0 R /XYZ 311.226 120.339 null] +>> endobj +491 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +498 0 obj << +/Length 5445 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-250(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 155.208 0 Td [(81)]TJ +0 g 0 G + -269.721 -30.759 Td [(m\374ssen)-250(wir)-250(behalten,)-250(sonst)-250(sind)-250(wir)-250(ruiniert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.32 0 Td [(\034)]TJ -181.364 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-389(Ruf?)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.108 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.082 0 Td [(verwunderte)-389(er)-388(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.041 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-389(kann)-388(man)-389(seinen)]TJ -181.874 -13.549 Td [(guten)-552(Ruf)-551(behalten,)-627(wenn)-551(man)-552(Gesch\344fte)-551(macht?)-1155(Das)-551(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-325(unm\366glich.)-473(Er)-325(wird)-325(einem)-324(doch)-325(selbstverst\344ndlich)-324(kaputt)]TJ 0 -13.549 Td [(gemacht.)-494(Wenigstens)-331(\344u\337erlich)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.801 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.069 0 Td [(in)-331(der)-332(gegnerischen)-331(Presse)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.306 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(das)-248(ist)-248(ja)-247(unausbleiblich.)-250(Dar\374ber)-247(regt)-248(man)-248(sich)-248(doch)-248(nicht)-247(auf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -13.926 Td [(Ein)-250(Br\374llen)-250(t\366nte)-250(von)-250(der)-250(Stra\337e)-250(herauf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-152(Pferdedieb!)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.267 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.109 0 Td [(Der)-152(L\366ffelstehler!)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.354 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.109 0 Td [(Der)-152(Petroleumst\344nker!)]TJ -182.638 -13.549 Td [(Raus,)-250(raus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -37.124 -13.927 Td [(Stefenson)-250(lugte)-250(durch)-250(die)-250(Gardine.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sechs)-288(oder)-289(sieben)-288(junge)-288(Burschen.)-365(Sie)-289(benehmen)-288(sich)-289(ganz)]TJ -16.799 -13.549 Td [(weltst\344dtisch.)-294(Petroleumst\344nker)-264(ist)-265(bei)-264(der)-265(K\374rze)-264(der)-265(Zeit)-264(schon)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-250(ganz)-250(gut)-250(gepr\344gter)-250(Zuruf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.444 0 Td [(\034)]TJ -116.488 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson,)-280(es)-273(geht)-274(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.447 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.44 0 Td [(Sie)-274(werden)-273(sehen,)-280(es)-273(geht)-274(bei)-274(uns)]TJ -132.686 -13.55 Td [(nicht.)-379(Sie)-293(sind)-293(hier)-292(nicht)-293(in)-293(Amerika.)-379(Die)-293(ganze)-293(Stadt)-293(wird)-292(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(boykottieren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.873 0 Td [(\034)]TJ -45.917 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Desto)-250(besser.)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ -63.01 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Gesch\344ftsleute)-250(werden)-250(nicht)-250(mehr)-250(liefern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 201.153 0 Td [(\034)]TJ -205.996 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gegen)-250(bar)-250(werden)-250(sie)-250(bestimmt)-250(liefern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 172.08 0 Td [(\034)]TJ -176.923 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-693(unser)-604(ganzes)-604(Unternehmen)-604(wird)-604(scheitern,)-693(wenn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-414(den)-415(infamen)-414(Artikel)-414(nicht)-414(Zeile)-415(f\374r)-414(Zeile)-414(in)-414(\366ffentlichem)]TJ 0 -13.55 Td [(Gerichtsverfahren)-250(als)-250(L\374ge)-250(brandmarken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.756 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 109.268 0 Td [([110])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(soll)-250(mir)-250(gewi\337)-250(nicht)-250(einfallen)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(lachte)-250(er.)]TJ -157.854 -13.927 Td [(Es)-545(war)-546(in)-545(meiner)-546(Wohnung)-545(am)-546(Johannisplatz,)-619(wo)-545(diese)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Unterredung)-309(stattfand.)-428(Das)-309(L\344rmen)-309(auf)-310(der)-309(Stra\337e)-309(wurde)-309(indes)]TJ 0 -13.55 Td [(lauter,)-220(die)-212(demonstrierende)-213(Schar)-212(wurde)-212(gr\366\337er.)-238(Da)-212(verlie\337)-212(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson.)-613(Den)-371(Kopf)-371(mit)-371(seinem)-371(grauen)-371(Zylinderhut)-371(bedeckt,)]TJ 0 -13.549 Td [(schritt)-259(er)-260(seelenruhig)-259(durch)-259(die)-259(Menge.)-278(Diese)-259(schwieg)-259(betroffen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-231(gab)-231(eine)-231(Gasse)-231(frei,)-235(dann)-231(l\344rmten)-231(die)-231(Leute)-231(hint)1(er)-231(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(her.)-283(Ich)-261(war)-261(so)-261(verbittert,)-264(da\337)-261(ich)-261(wohl)-261(eine)-261(Stunde)-260(lang)-261(planlos)]TJ 0 -13.55 Td [(vor)-389(der)-389(Stadt)-388(am)-389(Bache)-389(hin)-389(und)-389(her)-388(ging,)-424(ehe)-389(ich)-388(Stefensons)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374ro)-250(aufsuchte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wissen)-270(Sie,)-275(was)-269(unser)-270(erster)-270(Architekt)-270(gemacht)-270(hat?)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.787 0 Td [(fragte)]TJ -255.19 -13.549 Td [(er)-336(gleich)-336(bei)-336(meinem)-336(Eintritt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 137.468 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Seinen)-336(Kontrakt)-336(mit)-336(mir)-336(hat)-336(er)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +497 0 obj << +/Type /Page +/Contents 498 0 R +/Resources 496 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +499 0 obj << +/D [497 0 R /XYZ 46.771 227.487 null] +>> endobj +496 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +502 0 obj << +/Length 5666 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(82)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gel\366st.)-407(Der)-302(Esel!)-407(Mir)-302(hat)-303(er)-302(einen)-302(gro\337en)-303(Gefallen)-302(getan;)-328(denn)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-335(wei\337)-335(einen)-336(t\374chtigeren)-335(und)-335(billigeren)-335(Mann,)-357(als)-335(er)-335(ist,)-356(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-274(froh,)-279(da\337)-274(ich)-273(ihn)-274(loswurde.)-321(Gl\374ck)-273(mu\337)-274(man)-273(haben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.556 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.828 0 Td [(Er)-274(rieb)]TJ -250.384 -13.549 Td [(sich)-250(die)-250(H\344nde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.532 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-262(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.369 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-265(sagte)-262(ich)-263(ernst;)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.256 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wir)-262(werden)-262(wohl)-263(unsere)]TJ -175.112 -13.549 Td [(Kontrakte)-398(alle)-398(l\366sen)-397(m\374ssen.)-693(Denn)-398(obwohl)-398(ich)-398(nat\374rlich)-397(von)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-279(Schundartikel)-278(eines)-279(verkommenen)-278(Subjekts)-278(nicht)-279(ein)-278(Wort)]TJ 0 -13.549 Td [(glaube,)-436(so)-399(sehe)-399(ich)-399(doch)-398(ganz)-399(klar,)-436(da\337)-399(unsere)-399(Situation)-398(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(unhaltbar)-180(wird,)-194(wenn)-179(Sie)-180(sich)-180(nicht)-180(von)-179(dem)-180(Schmutz,)-194(der)-180(auf)-179(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(geworfen)-181(wurde,)-195(reinigen.)-227(Wir)-181(verm\366gen)-181(nicht)-181(ohne)-181(die)-181(Achtung)]TJ 0 -13.549 Td [(unserer)-250(Mitb\374rger)-250(zu)-250(bestehen.)-250(Wir)-250(werden)-250(unm\366glich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 243.273 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -231.317 -14.531 Td [(Stefenson)-305(ging)-305(mit)-305(gro\337en)-305(Schritten)-305(auf)-305(und)-305(ab.)-415(Er)-305(kaute)-304(an)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seiner)-250(pechschwarzen)-250(Zigarre.)-250(Ganz)-250(milde)-250(sagte)-250(er)-250(dann:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([111])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-501(sehen)-451(Sie,)-501(lieber)-451(Freund,)-502(Ihr)-451(Volk)-451(in)-451(Ehren)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.795 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.374 0 Td [(meine)]TJ -253.968 -13.549 Td [(Mutter)-250(war)-250(ja)-250(auch)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.429 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-250(Deutsche)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.527 0 Td [(\034)]TJ -141.633 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-472(Ihr)-472(Gro\337vater)-471(v\344terlicherseits)-472(war)-472(Georg)-472(Stefan)-472(aus)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Hamburg)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(wollte)-250(ich)-250(dazwischenwerfen,)-250(verschluckte)-250(es)-250(aber.)]TJ/F24 10.9091 Tf -34.092 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-464(also)-420(die)-421(Deutschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.005 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-463(fuhr)-421(Stefenson)-421(fort,)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.701 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(bilden)-421(sich)]TJ -231.192 -13.549 Td [(was)-366(ein)-366(auf)-366(den)-366(Humor,)-396(den)-366(sie)-366(haben,)-395(und)-366(den)-366(andere,)-395(z.)-366(B.)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-303(romanischen)-303(V\366lker,)-316(gar)-302(nicht)-303(haben.)-408(Sch\366n)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.314 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.758 0 Td [(ich)-303(gebe)-302(zu,)]TJ -227.072 -13.549 Td [(Sie)-271(haben)-270(Dichter,)-276(die)-271(ausgezeichneten)-270(Humor)-271(haben,)-276(und)-270(auch)]TJ 0 -13.55 Td [(deutsche)-288(Geisteszivilisten)-288(sind)-288(vielfach)-288(mit)-288(einer)-288(betr\344chtlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Dosis)-304(von)-303(Humor)-304(begabt.)-411(Aber)-303(das)-304(ist)-304(alles)-303(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.263 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.767 0 Td [(entschuldigen)]TJ -220.03 -13.549 Td [(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.47 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.981 0 Td [(so)-232(sparsam,)-235(so)-232(auf)-231(Kleinbetrieb,)-236(auf)-231(Hausbedarf)-232(berechnet.)]TJ -24.451 -13.549 Td [(Der)-245(Humor,)-245(der)-245(ins)-245(Gro\337e)-244(geht,)-246(der)-245(fehlt)-245(Ihren)-244(Leuten.)-248(Himmel,)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-470(das)-469(nicht)-470(grandioser)-469(Humor,)-525(wenn)-469(ein)-470(anst\344ndiger)-469(Mann)]TJ 0 -13.55 Td [(sein)-405(Geld)-406(und)-405(seine)-405(Zeit)-406(auf)-405(eine)-406(gro\337e,)-444(aber)-405(sehr)-405(wackelige)]TJ 0 -13.549 Td [(Sache)-427(setzt,)-471(und)-427(es)-427(kommt)-426(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.26 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-427(Pre\337\344ffchen)-427(und)-426(kl\344fft)-427(was)]TJ -146.893 -13.549 Td [(von)-356(Pferdedieb)-355(und)-356(Petroleumst\344nker?)-567(Das)-356(nenne)-356(ich)-355(Humor.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-392(liest)-391(sich)-392(doch)-391(nett.)-674(Da)-392(hat)-391(doch)-392(der)-391(Abonnent)-392(was)-391(von)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-306(Blatt.)-419(An)-306(die)-306(Geschichte)-306(glauben?)-419(Wenn)-306(der)-306(Leser)-306(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-314(bi\337chen)-314(Hirnschmalz)-314(hat,)-330(f\344llt)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.126 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-314(ihm)-314(nicht)-314(ein,)-330(ein)-314(Wort)-314(zu)]TJ -154.758 -13.55 Td [(glauben.)-445(Aber)-314(er)-315(tut)-315(so,)-331(als)-315(ob)-315(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.637 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-315(glaubte,)-331(er)-315(mimt)-315(mit)-315(in)-314(der)]TJ -152.269 -13.549 Td [(Maskerade)-408(und)-408(am\374siert)-407(sich)-408(dabei)-408(k\366niglich.)-723(Und)-408(der,)-447(dem)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +501 0 obj << +/Type /Page +/Contents 502 0 R +/Resources 500 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 482 0 R +>> endobj +503 0 obj << +/D [501 0 R /XYZ 93.543 351.243 null] +>> endobj +500 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +506 0 obj << +/Length 5204 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-250(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 155.208 0 Td [(83)]TJ +0 g 0 G + -269.721 -30.759 Td [(der)-308(Feldzug)-308(gilt,)-322(wird)-308(ein)-307(bekannter,)-323(ein)-307(ber\374hmter,)-323(ein)-307(reicher)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann.)-544(So)-348(sind)-348(alle)-348(zufrieden:)-445(die)-348(Zeitung,)-373(die)-348(den)-347(Schwindel)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgebracht)-284(hat,)-294(die)-284(Leser,)-293(die)-285(eine)-284(am\374sante)-284(Fr\374hst\374ckslekt\374re)]TJ 0 -13.549 Td [(gehabt)-406(haben,)-445(und)-406(der)-405(Mann,)-445(der)-406(angegriffen)-406(worden)-406(ist)-405(und)]TJ 0 -13.55 Td [(seinen)-416(Profit)-416(hat.)-748(Ich)-416(sage)-417(Ihnen,)-457(in)-416(Amerika)-416(ist)-416(es)-416(leichter,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([112])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zehn)-281(Verbrechen)-281(wirklich)-282(zu)-281(begehen)-281(als)-281(eines)-281(zu)-281(erfinden,)-289(das)]TJ 0 -13.549 Td [(originell)-259(genug)-258(ist,)-261(einem)-259(Manne)-258(der)-259(\326ffentlichkeit)-258(angehangen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-378(werden.)-634(Und)-378(auch)-378(in)-378(Amerika)-378(lebt)-378(trotzdem)-378(jeder)-378(nur)-378(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-273(Grunde)-273(des)-273(Vertrauens)-274(seiner)-273(Mitb\374rger.)-319(Aber)-273(der)-273(Humor,)]TJ 0 -13.55 Td [(Mensch,)-250(der)-250(Humor)-250(darf)-250(nicht)-250(fehlen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.015 0 Td [(\034)]TJ -154.059 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-290(in)-290(Deutschland)-290(haben)-290(einen)-290(anderen)-290(Humor)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.076 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-300(sagte)-290(ich)]TJ -235.719 -13.55 Td [(und)-250(war)-250(froh,)-250(da\337)-250(es)-250(so)-250(ist.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Da)-357(kam)-357(einer)-358(unserer)-357(Bauf\374hrer)-357(und)-357(meldete)-357(kleinlaut,)-384(da\337)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wahrscheinlich)-331(fast)-331(alle)-332(unsere)-331(Arbeiter)-331(k\374ndigen)-331(w\374rden.)-493(Als)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(gegangen)-250(war,)-250(sa\337)-250(Stefenson)-250(gesenkten)-250(Hauptes)-250(am)-250(Tisch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Werden)-671(Sie)-671(nun)-672(begreifen)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.991 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-776(fragte)-672(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.488 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da\337)-671(Sie)-671(die)]TJ -222.966 -13.549 Td [(gerichtliche)-297(Klage)-297(anstrengen)-297(m)-200(\374)-200(s)-200(s)-200(e)-200(n,)-309(da\337)-297(es)-297(absolut)-296(Zwang)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-250(uns)-250(ist?)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.48 0 Td [(\034)]TJ -36.524 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-675(kann)-674(die)-675(Leute)-675(nicht)-674(verklagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.94 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-781(sagte)-674(Stefenson)]TJ -196.582 -13.549 Td [(schwerm\374tig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-242(k\366nnen)-242(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.998 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.482 0 Td [(fragte)-242(ich)-242(betroffen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.455 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Warum)-242(k\366nnen)-242(Sie)]TJ -196.578 -13.549 Td [(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.662 0 Td [(\034)]TJ -14.706 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Weil)-681(ich)-682(den)-681(Artikel)-681(\374ber)-681(Sie)-682(und)-681(\374ber)-681(mich)-682(selbst)]TJ -16.799 -13.549 Td [(geschrieben)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.197 -14.163 Td [(Ich)-250(sprang)-250(auf.)-250(Stefenson)-250(winkte)-250(sacht)-250(mit)-250(der)-250(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-397(sehen)-368(Sie,)-397(das)-367(ist)-368(so)-368(gekommen:)-485(Ich)-368(dachte,)-397(wenn)-368(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-401(Artikel)-401(in)-401(das)-400(Neust\344dter)-401(Blatt)-401(lanciere,)-439(gibt)-401(es)-400(Aufsehen)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-400(der)-401(Gegend.)-701(Und)-400(es)-401(ist)-400(billig.)-701(Mit)-400(hundert)-401(Mark)-400(war)-400(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Redakteur)-388(zufrieden,)-423(mit)-389(dreihundert)-388(der)-388(Verleger,)-423(so)-388(da\337)-388(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-280(die)-281(Erlaubnis)-280(gaben,)-288(mich)-280(und)-280(meine)-281(Sache)-280(in)-280(ihrem)-280(Blatte)]TJ 0 -13.549 Td [(recht)-441(kr\344ftig)-440(zu)-440(beschimpfen.)-822(Na,)-488(ich)-440(wollte)-441(die)-440(Geschichte)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([113])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(so)-470(durch)-470(zwei,)-526(drei)-470(Wochen)-470(fortsetzen,)-525(dann)-470(wollte)-470(ich)-470(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburger)-381(Stadtblatt)-380(ebenfalls)-381(gewinnen)-381(und)-381(darin)-380(Artikel)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-572(die)-571(Neust\344dter)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.351 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.203 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.081 0 Td [(loslassen.)-1215(Das)-572(sollte)-572(so)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +505 0 obj << +/Type /Page +/Contents 506 0 R +/Resources 504 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +507 0 obj << +/D [505 0 R /XYZ 108.573 463.978 null] +>> endobj +508 0 obj << +/D [505 0 R /XYZ 122.376 106.79 null] +>> endobj +504 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +512 0 obj << +/Length 5068 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(84)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(h\374bsch)-544(hin\374ber)-544(und)-543(her\374ber)-544(gehen,)-617(bis)-544(zuerst)-544(die)-543(Provinz-)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-322(dann)-321(die)-322(hauptst\344dtische)-321(Presse)-321(davon)-322(Notiz)-321(nahm)-322(und)-321(im)]TJ 0 -13.549 Td [(bunten)-338(Teil)-338(Ausz\374ge)-338(br\344chte,)-361(etwa)-338(unter)-338(der)-338(\334berschrift:)]TJ/F24 10.9091 Tf 260.645 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.549 Td [(Sturm)-327(im)-328(Wasserglase)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.86 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.205 0 Td [(oder)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.958 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Krieg)-327(der)-328(Zaunk\366nige)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.028 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.204 0 Td [(oder)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.958 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Ein)]TJ -265.477 -13.55 Td [(Mordsskandal)-392(in)-392(Dingsda)]TJ/F24 10.9091 Tf 115.21 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.908 0 Td [(oder)-392(so)-392(\344hnlich.)-676(Da)-392(h\344tte)-392(nun)-392(das)]TJ -123.118 -13.549 Td [(gro\337e)-185(Publikum)-186(auf)-185(einmal)-185(etwas)-186(von)-185(uns)-185(geh\366rt,)-199(h\344tte)-185(die)-185(bittere)]TJ 0 -13.549 Td [(Pille)-374(unserer)-374(Idee)-375(in)-374(der)-374(Verzuckerung)-374(sensationellen)-374(Humors)]TJ 0 -13.549 Td [(geschluckt,)-190(und)-175(\374berall)-175(h\344tte)-175(man)-175(von)-175(uns)-175(und)-175(unserer)-174(originellen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kuranstalt)-460(gesprochen,)-512(und)-460(wir)-460(w\344ren)-460(durchgewesen.)-879(Diese)]TJ 0 -13.55 Td [(ganze)-295(sch\366ne)-295(Propagandaidee)-294(h\344tte)-295(mich)-295(etwa)-295(lumpige)-294(tausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Mark)-232(gekostet,)-235(und)-232(nun)-231(f\344llt)-232(sie)-232(durch)-231(die)-232(Humorlosigkeit)-231(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Leute)-250(zusammen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -64.997 -15.186 Td [(Ich)-313(kam)-313(aus)-313(der)-312(Verbl\374ffung)-313(zuerst)-313(nicht)-313(heraus.)-439(Dann)-312(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(begriff)-250(ich,)-250(was)-250(zu)-250(tun)-250(sei.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Es)-486(stellte)-487(sich)-487(heraus,)-545(da\337)-486(Stefenson)-487(nach)-486(seiner)-487(Art)-486(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-436(schmierigen)-436(Zeitungsleiter)-436(von)-436(Neustadt)-436(alles)-436(schriftlich)]TJ 0 -13.549 Td [(vereinbart)-413(hatte,)-453(da\337)-412(also)-413(Beleg-)-413(und)-412(Beweismaterial)-413(da)-412(war.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-230(freute)-230(mich,)-235(und)-230(ich)-230(entwarf)-230(in)-231(Eile)-230(einen)-230(kurzen)-230(Artikel)-230(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(unser)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.357 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Waltersburger)-250(Tageblatt)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-250(Er)-250(lautete:)]TJ/F24 10.9091 Tf -130.419 -15.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Einen)-425(f\374rchterlichen)-426(Reinfall)-425(haben)-425(die)-425(Neust\344dter)-426(erlebt.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihre)-853(weitverbreitete)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.616 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.942 0 Td [(hat)-853(ihren)-854(sieben)-853(Lesern)]TJ -159.395 -13.55 Td [(\050bitte!)-1059(sieben)-519(ist)-519(kein)-520(Druckfehler\051)-519(Schauerm\344ren)-520(\374ber)-519(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Unternehmer)-677(der)-678(in)-677(Waltersburg)-678(zu)-677(begr\374ndenden)-677(gro\337en)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([114])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Kuranstalt)-463(aufgebunden,)-517(Geschichten)-464(von)-463(geradezu)-463(grotesker)]TJ 0 -13.549 Td [(Dummheit.)-967(W\344hrend)-489(das)-489(gebildete)-489(Waltersburger)-488(Publikum)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-557(klatschfetten)-556(Zeitungsenten)-557(als)-556(solche)-557(nat\374rlich)-556(sofort)]TJ 0 -13.549 Td [(erkannt)-450(hat,)-499(sollen)-450(sie)-449(gewissen)-450(Neust\344dter)-449(Kreisen)-450(\374ber)-449(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Ma\337en)-309(gemundet)-310(haben.)-427(Denn)-310(der)-309(Ha\337)-309(gegen)-309(das)-309(aufbl\374hende)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburg)-498(ist)-498(zu)-497(gro\337,)-498(als)-498(da\337)-497(nicht)-498(auch)-498(die)-497(eselhafteste)]TJ 0 -13.549 Td [(L\374ge,)-711(wenn)-619(sie)-619(nur)-619(gegen)-619(die)-619(Nachbargemeinde)-619(gerichtet)]TJ 0 -13.549 Td [(ist,)-657(in)-576(Neustadt)-576(Glauben)-576(f\344nde.)-1228(Wie)-576(schwer)-576(der)-575(Reinfall)]TJ 0 -13.549 Td [(ist,)-610(m\366ge)-538(folgender)-538(Aufschlu\337)-538(bekunden:)-826(Mister)-538(Stefenson)]TJ 0 -13.55 Td [(hat)-473(der)-474(von)-473(ihm)-474(hochgeacht)1(eten)-474(Gemeinde)-473(Waltersburg,)-529(der)]TJ 0 -13.549 Td [(vielgeschm\344hten)-243(Stadt)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.049 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(mit)-243(dem)-243(wei\337en)-243(Lamm)-243(als)-243(Wappentier)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.588 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +511 0 obj << +/Type /Page +/Contents 512 0 R +/Resources 510 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +510 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +515 0 obj << +/Length 4757 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-250(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 155.208 0 Td [(85)]TJ +0 g 0 G + -269.721 -30.759 Td [(eine)-688(Genugtuung)-687(geben)-688(wollen,)-797(indem)-688(er)-688(die)-687(Neust\344dter)]TJ 0 -13.549 Td [(Bev\366lkerung)-434(durch)-433(ihre)-434(eigene)-433(Zeitung)-433(aufsitzen)-434(lie\337.)-433(Mister)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-473(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.678 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.615 0 Td [(wie)-473(vorliegende)-473(Dokumente)-473(beweisen)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.391 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.615 0 Td [(die)]TJ -267.299 -13.549 Td [(beiden)-396(aufsehenerregenden)-396(Artikel,)-432(die)-396(nat\374rlich)-395(von)-396(A)-396(bis)-395(Z)]TJ 0 -13.55 Td [(erfunden)-389(sind,)-423(n\344mlich)-389(selbst)-389(geschrieben)-389(und)-389(gegen)-388(Zahlung)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-427(hundert)-426(Mark)-427(an)-427(den)-427(Herrn)-426(Redakteur)-427(und)-427(Zahlung)-426(von)]TJ 0 -13.549 Td [(dreihundert)-279(Mark)-279(an)-279(den)-279(Verleger)-279(in)-279(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.859 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Neust\344dter)-279(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.505 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.549 Td [(ver\366ffentlicht.)-502(So)-334(viel)-333(war)-334(ihm)-334(der)-334(Spa\337)-334(wert.)-502(Die)-333(Neust\344dter)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-470(m\366gen)-470(nun)-470(die)-470(Zoologie)-470(nach)-470(einem)-470(f\374r)-470(sie)-469(passenden)]TJ 0 -13.55 Td [(Wappentier)-250(gef\344lligst)-250(selbst)-250(durchforschen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.655 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -177.699 -13.549 Td [(Als)-229(Stefenson)-228(dieses)-229(kleine)-228(Manuskript)-229(gelesen)-229(hatte,)-232(dr\374ckte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-250(mir)-250(die)-250(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-292(danke)-293(Ihnen)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.202 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-303(sagte)-292(er)-293(anerkennend;)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.495 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-292(sind)-293(gar)-292(nicht)]TJ -203.184 -13.549 Td [(so)-250(unamerikanisch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.229 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 53.359 -29.554 Td [(*)]TJ/F16 7.9701 Tf 153.436 -2.454 Td [([115])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.55 Td [(Und)-409(ich)-408(bin)-409(doch)-408(ganz)-409(und)-409(gar)-408(unamerikanisch.)-726(Ich)-408(kann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht)-321(einmal)-321(sagen,)-339(da\337)-321(ich)-322(ein)-321(reines)-321(Gl\374ck)-321(im)-321(Herzen)-321(f\374hlte,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-311(ich)-312(unser)-311(Ferienheim)-311(so)-312(fabelhaft)-311(schnell)-311(wachsen)-312(sah.)-433(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Riesenscharen)-240(von)-241(Arbeitern)-240(bedr\374ckten)-240(mich)-241(oft,)-242(und)-240(wenn)-240(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-362(abends)-362(in)-362(ihren)-362(gro\337en)-362(Baracken)-362(lachen)-362(und)-362(l\344rmen)-362(h\366rte,)]TJ 0 -13.55 Td [(dachte)-359(ich)-360(daran,)-386(wie)-360(sch\366n)-359(es)-359(war,)-387(als)-359(noch)-360(die)-359(stillen)-359(Raine)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-393(gr\374ne)-392(Felder)-393(liefen.)-678(\334berall)-392(Ziegelfuhren,)-428(aufgerissene)]TJ 0 -13.549 Td [(Wege,)-475(Kalk,)-475(Staub,)-475(St)1(eine,)-475(Unordnung.)-790(Ich)-430(f\374hlte)-430(mich)-429(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(diesen)-389(Baupl\344tzen)-389(au\337erordentlich)-389(unbehaglich,)-424(und)-389(wenn)-388(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366ner)-322(Baum)-322(zum)-322(Opfer)-321(fallen)-322(mu\337,)-322(bereitet)-322(es)-322(mir)-321(Schmerz,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-247(ob)-248(einem)-247(unschuldigen)-248(Freund)-247(ein)-248(gro\337es)-247(Unrecht)-247(gesch\344he.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(F\374r)-444(den)-444(Architektenberuf)-444(bin)-444(ich)-444(verloren.)-832(Ich)-444(sehe)-444(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-391(Plane)-392(ein)-391(Haus)-391(immer)-391(ganz)-392(anders,)-426(als)-392(es)-391(vor)-391(mir)-391(steht,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-483(es)-483(fertig)-483(ist.)-948(Ich)-483(glaube,)-541(ich)-483(sehe)-483(alles)-482(zu)-483(sch\366n;)-599(es)]TJ 0 -13.549 Td [(kann)-378(in)-377(Wirklichkeit)-378(nicht)-377(so)-378(werden,)-409(wie)-378(ich)-377(es)-378(tr\344ume.)-632(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sehe)-267(einen)-267(Bauplatz)-267(wie)-267(ein)-267(unordentliches)-267(Zimmer.)-300(Erst,)-271(wenn)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aufger\344umt)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.222 0 Td [(sein)-401(wird,)-440(wird)-401(es)-401(hoffentlich)-402(anfangen,)-439(mir)-401(zu)]TJ -63.746 -13.549 Td [(gefallen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +514 0 obj << +/Type /Page +/Contents 515 0 R +/Resources 513 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +516 0 obj << +/D [514 0 R /XYZ 46.771 310.028 null] +>> endobj +513 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +519 0 obj << +/Length 427 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(86)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-245(meisten)-244(Baulichkeiten)-245(sind)-245(unter)-245(Dach.)-248(Das)-244(Herbstwetter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-382(heiter.)-646(Im)-382(Winter)-382(wird)-382(mit)-382(unverminderter)-382(Kraft)-382(an)-382(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Innenausbau)-250(weitergeschafft)-250(werden.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +518 0 obj << +/Type /Page +/Contents 519 0 R +/Resources 517 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +517 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +520 0 obj +<< /S /GoTo /D (index12) >> +endobj +523 0 obj +(Joachim) +endobj +526 0 obj << +/Length 3865 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([116])]TJ/F16 18.9589 Tf -182.304 -63.143 Td [(Joachim)]TJ/F16 10.9091 Tf -108.72 -31.247 Td [(Anfang)-288(des)-288(Monats)-289(bekam)-288(ich)-288(folgende)-288(Depesche:)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.429 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Treffe)-288(drei)]TJ -233.272 -13.549 Td [(Uhr)-159(f\374nfzig)-159(nachmittags)-159(Bahnhof)-159(Neustadt)-159(ein.)-220(Bruder)-158(Joachim.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(Das)-250(Telegramm)-250(war)-250(fr\374hmorgens)-250(in)-250(Berlin)-250(aufgegeben.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Erst)-225(langsam)-224(begriff)-225(ich,)-229(da\337)-225(da)-224(etwas)-225(Wunderliches)-224(geschah,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(da\337)-224(mein)-225(verschollener)-224(Bruder)-225(pl\366tzlich)-224(heimkehrte.)-242(Da)-224(quoll)-224(es)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-320(hei\337)-319(durchs)-320(Herz,)-337(und)-320(ich)-320(wollte)-320(zur)-319(Mutter)-320(gehen)-320(und)-319(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-282(Wunder)-283(erz\344hlen.)-347(Aber)-282(ich)-283(ging)-282(zuerst)-283(zu)-282(Stefenson.)-347(Er)-282(las)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Telegramm)-250(und)-250(sagte)-250(gleichg\374ltig:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na)-250(also,)-250(da)-250(holen)-250(Sie)-250(nur)-250(Ihren)-250(Bruder)-250(von)-250(der)-250(Bahn)-250(ab.)]TJ/F24 10.9091 Tf 245.705 0 Td [(\034)]TJ -250.548 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(wei\337)-250(nicht,)-250(wie)-250(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.676 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(mit)-250(der)-250(Mutter)-250(machen)-250(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.476 0 Td [(\034)]TJ -236.628 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-313(Mutter)-312(w\374rde)-313(ich)-312(vorl\344ufig)-313(nichts)-313(sagen.)-437(Sie)-313(wissen)-313(ja)]TJ -16.799 -13.549 Td [(noch)-348(nicht,)-373(warum)-348(Ihr)-348(Bruder)-348(heimkommt.)-544(Also)-348(sprechen)-348(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(erst)-250(mit)-250(ihm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.462 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -43.506 -13.549 Td [(Diesem)-241(Rate)-242(folgte)-242(ich.)-247(Schon)-241(kurz)-242(nach)-241(drei)-242(Uhr)-241(war)-242(ich)-241(auf)]TJ -11.956 -13.55 Td [(dem)-365(Bahnhof.)-595(Ich)-365(verbrachte)-365(qualvolle)-365(Minuten)-365(des)-365(Wartens.)]TJ 0 -13.549 Td [(Als)-345(aber)-345(der)-345(Zug)-345(einlief,)-369(war)-345(ich)-345(ganz)-345(ruhig.)-535(Ich)-344(sah)-345(Joachim)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-257(einem)-258(Fenster)-257(stehen)-258(und)-257(winkte)-258(ihm)-257(zu.)-273(Als)-257(er)-257(ausgestiegen)]TJ 0 -13.549 Td [(war,)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([117])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Willkommen,)-388(Joachim;)-415(ich)-360(freue)-360(mich,)-388(da\337)-360(du)-361(gekommen)]TJ -16.799 -13.55 Td [(bist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.491 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -6.535 -13.549 Td [(Sein)-346(Gesicht)-347(war)-346(bleich,)-371(und)-346(die)-347(Hand,)-370(die)-347(er)-346(mir)-347(gab,)-370(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(feucht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wei\337)-250(es)-250(die)-250(Mutter?)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.767 0 Td [(\034)]TJ -93.61 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein.)-250(Ich)-250(wollte)-250(erst)-250(mit)-250(dir)-250(sprechen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.425 0 Td [(\034)]TJ -170.268 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-358(ist)-359(gut.)-575(Ich)-359(kann)-358(wohl)-358(am)-359(besten)-358(hier)-359(in)-358(einem)-359(Hotel)]TJ -16.799 -13.55 Td [(unterkommen.)-236(Ich)-207(hei\337e)-207(Harton,)-215(verstehst)-207(du,)-216(Doktor)-207(Harton)-206(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(Baltimore.)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.364 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +525 0 obj << +/Type /Page +/Contents 526 0 R +/Resources 524 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +81 0 obj << +/D [525 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +521 0 obj << +/D [525 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +527 0 obj << +/D [525 0 R /XYZ 46.771 185.707 null] +>> endobj +524 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +530 0 obj << +/Length 4997 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(88)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-468(sprach)-469(mit)-469(einem)-468(Gep\344cktr\344ger;)-578(dann)-468(fuhren)-469(wir)-468(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einem)-250(Hotel.)]TJ 11.956 -13.856 Td [(Unterwegs)-250(fragte)-250(ich)-250(ihn:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bist)-250(du)-250(gesund?)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.698 0 Td [(\034)]TJ -74.541 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.815 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(oder)-250(auch)-250(nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.949 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ach)-250(Gott,)-250(ich)-250(wei\337)-250(es)-250(selbst)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -246.621 -13.856 Td [(Ich)-469(wol)1(lte)-469(Joachim)-469(erst)-468(Zeit)-469(lassen,)-523(sich)-468(zu)-469(waschen)-468(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ein)-400(wenig)-399(auszuruhen,)-438(aber)-399(er)-400(n\366tigte)-400(mich)-399(bald)-400(mit)-400(auf)-399(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(Zimmer.)-236(Auf)-208(seinem)-209(Reisekoffer)-208(sa\337)-208(er,)-217(den)-208(Mantel)-208(noch)-208(um)-208(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Schultern,)-250(und)-250(sprach)-250(mit)-250(gepre\337ter,)-250(etwas)-250(sto\337ender)-250(Stimme:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-301(bin)-300(ich)-301(nun)-300(doch)-301(hierhergekommen.)-401(Ich)-301(h\344tte)-300(es)-301(nie)-301(f\374r)]TJ -16.799 -13.549 Td [(m\366glich)-395(gehalten.)-686(Aber)-395(als)-395(wir)-396(anfingen)-395(Briefe)-395(zu)-395(wechseln,)]TJ 0 -13.549 Td [(verlor)-495(ich)-494(meine)-495(Sicherheit)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.863 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.85 0 Td [(das)-495(Heimweh)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.748 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.85 0 Td [(das)-495(qu\344lende)]TJ -221.311 -13.549 Td [(Heimweh)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.324 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -41.368 -13.856 Td [(Ich)-250(trat)-250(ans)-250(Fenster)-250(und)-250(sah)-250(auf)-250(die)-250(Stra\337e.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fritz!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.24 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -29.084 -13.857 Td [(Ich)-250(wandte)-250(mich)-250(ihm)-250(wieder)-250(zu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fritz,)-266(warum)-262(habt)-263(ihr)-262(eigentlich)-263(dieses)-262(Attentat)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.452 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.319 0 Td [(nun)-263(ja,)-265(ich)]TJ -234.57 -13.549 Td [(mu\337)-264(schon)-264(Attentat)-265(sagen,)-267(es)-265(hat)-264(mich)-264(ja)-264(ganz)-264(wehrlos)-264(gemacht)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([118])]TJ/F24 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.089 0 Td [(warum)-242(habt)-241(ihr)-241(eigentlich)-242(diese)-241(Geschichte)-242(mit)-241(dem)-242(Tagebuch)]TJ -8.089 -13.549 Td [(gemacht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.804 0 Td [(\034)]TJ -29.849 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-250(f\374r)-250(eine)-250(Geschichte)-250(mit)-250(dem)-250(Tagebuch?)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.309 0 Td [(\034)]TJ -201.153 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun,)-578(da\337)-512(du)-513(mir)-512(durch)-513(diesen)-512(Mister)-513(Stefenson,)-578(der)-513(ja)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wohl)-443(mit)-442(dir)-443(gesch\344ftlich)-443(verbunden)-442(ist,)-491(dein)-443(Tagebuch)-442(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburg)-250(hast)-250(schicken)-250(lassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.24 0 Td [(\034)]TJ -135.285 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-558(dir)-558(mein)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.129 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.541 0 Td [(hast)-558(du)-558(denn)-558(mein)-558(Tagebuch)-558(geschickt)]TJ -94.469 -13.549 Td [(erhalten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.982 0 Td [(\034)]TJ -28.027 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-1319(nat\374rlich.)-2817(Nicht)-1105(das)-1106(Original,)-1319(aber)-1106(eine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Maschinenabschrift.)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.767 0 Td [(\034)]TJ -76.812 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Oh,)-250(dieser)-250(Mensch)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.829 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(dieser)-250(Stefenson!)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.436 0 Td [(\034)]TJ -173.291 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wei\337t)-250(du)-250(gar)-250(nichts)-250(darum?)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.189 0 Td [(\034)]TJ -126.033 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nichts!)-839(Gar)-446(nichts!)-839(Stefenson)-446(hat)-447(sich)-446(zwar)-446(mal)-447(meine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kleinen)-330(Aufzeichnungen)-330(entliehen;)-370(aber)-330(ich)-330(habe)-330(geglaubt,)-349(das)]TJ 0 -13.55 Td [(geschehe)-468(nur)-468(aus)-468(purer)-468(Neugier.)-904(Nun)-468(hat)-468(er)-468(eine)-468(Abschrift)]TJ 0 -13.549 Td [(machen)-250(lassen)-250(und)-250(sie)-250(dir)-250(geschickt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.76 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +529 0 obj << +/Type /Page +/Contents 530 0 R +/Resources 528 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 509 0 R +>> endobj +531 0 obj << +/D [529 0 R /XYZ 276.315 285.077 null] +>> endobj +528 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +534 0 obj << +/Length 4707 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Joachim)-21391(89)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-889(Ich)-463(bekam)-464(die)-463(Bl\344tter)-463(im)-463(Juli.)-889(Ein)-463(Vierteljahr)-464(lang)]TJ -16.799 -13.549 Td [(habe)-419(ich)-419(es)-419(ausgehalten,)-461(sie)-419(ungelesen)-419(in)-419(einer)-419(Schublade)-419(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(verwahren;)-219(ich)-203(habe)-202(sie)-203(manchmal)-203(verbrennen)-203(wollen,)-213(aber)-202(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-344(Mut)-344(dazu)-344(aufgebracht,)-368(und)-343(habe)-344(sie)-344(endlich)-344(doch)-344(gelesen,)]TJ 0 -13.55 Td [(t\344glich)-447(wieder)-446(gelesen,)-496(bis)-446(meine)-447(Kraft)-446(alle)-447(war,)-496(so)-446(da\337)-446(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(notd\374rftig)-295(meine)-294(Angelegenheiten)-295(ordnete,)-305(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.213 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.667 0 Td [(und)-295(nun)-294(eben)]TJ -220.88 -13.549 Td [(da)-250(bin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.695 0 Td [(\034)]TJ -17.739 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-949(haben)-950(meine)-949(wenigen)-949(Aufzeichnungen)-950(zuwege)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gebracht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.404 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(ich)-250(verwundert.)]TJ/F24 10.9091 Tf -38.019 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-469(du)-425(wei\337t)-425(nicht,)-469(was)-425(das)-425(hei\337t,)-469(keine)-425(Heimat)-425(mehr)-426(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(haben.)-878(Die)-459(anderen)-460(Auswanderer)-459(finden)-459(ja)-460(doch)-459(mehr)-459(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(weniger)-365(alle)-365(eine)-365(neue)-365(Heimat,)-393(neue)-365(Freunde,)-394(neue)-365(Kreise,)-393(in)]TJ 0 -13.55 Td [(denen)-276(sie)-276(sich)-276(wohlf\374hlen.)-327(Ich)-276(habe)-276(nichts)-276(von)-276(alledem)-275(gesucht)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([119])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-256(bin)-256(ganz)-256(losgel\366st)-255(von)-256(aller)-256(Wurzelerde)-256(gewesen.)-268(Da)-255(ertrug)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-269(dein)-268(Tagebuch)-269(nicht,)-273(nicht)-269(die)-269(Schilderungen)-268(von)-269(dem)-268(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Nest)-289(Waltersburg,)-298(nicht)-289(die)-288(Berichte)-289(\374ber)-289(die)-288(Mutter,)-299(selbst)-288(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Geschichten)-390(\374ber)-389(das)-390(Spie\337ertum)-390(in)-390(der)-389(Heimat)-390(haben)-390(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(nun)-335(ja,)-356(ich)-334(gestehe)-335(es)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.587 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.106 0 Td [(eine)-335(rasende)-334(Sehnsucht)-335(nach)-335(Hause)-334(in)]TJ -109.693 -13.549 Td [(mir)-292(angefacht.)-377(Und)-293(dann)-292(auch)-292(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.471 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.644 0 Td [(auch)-292(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.516 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.643 0 Td [(aber)-292(lassen)-293(wir)]TJ -214.274 -13.549 Td [(das!)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.175 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -6.219 -14.163 Td [(Er)-223(hatte)-223(sagen)-224(wollen,)-228(das)-224(von)-223(dem)-223(Kinde,)-229(und)-223(brachte)-223(es)-223(nun)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht)-316(\374ber)-317(die)-316(Lippen.)-449(Vielleicht)-316(war)-317(das)-316(Kind)-316(die)-316(Hauptsache)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen.)-734(Aber)-412(ich)-411(sah,)-452(in)-411(wie)-411(schwerer)-412(Erregung)-411(der)-411(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-429(war,)-474(und)-429(h\374tete)-429(mich,)-474(dieses)-429(ernsteste)-429(Thema)-429(nun)-429(zur)]TJ 0 -13.55 Td [(Sprache)-250(zu)-250(bringen.)]TJ 11.956 -14.162 Td [(Joachim)-397(stand)-398(auf,)-434(ging)-398(ein)-397(paarmal)-398(schweigend)-397(durch)-397(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Stube,)-227(ri\337)-222(dann)-222(pl\366tzlich)-221(den)-222(Mantel)-221(von)-222(den)-222(Schultern,)-227(warf)-221(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-281(das)-281(Bett,)-289(dehnte)-281(sich)-281(mit)-281(hochemporgestreckten)-281(Armen)-281(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-250(tief)-250(aufatmend:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-250(Gott,)-250(ich)-250(bin)-250(doch)-250(froh,)-250(da\337)-250(ich)-250(hier)-250(bin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.785 -14.163 Td [(Wir)-250(reichten)-250(uns)-250(stumm)-250(die)-250(H\344nde.)]TJ 0 -14.163 Td [(Dann)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-374(Joachim,)-373(wollen)-349(wir)-349(uns)-349(aber)-349(freuen)-349(und)-349(als)-349(M\344nner)]TJ -16.799 -13.549 Td [(beraten,)-250(was)-250(zu)-250(tun)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.982 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +533 0 obj << +/Type /Page +/Contents 534 0 R +/Resources 532 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +535 0 obj << +/D [533 0 R /XYZ 58.727 422.717 null] +>> endobj +536 0 obj << +/D [533 0 R /XYZ 237.154 354.357 null] +>> endobj +532 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +540 0 obj << +/Length 5026 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(90)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-250(sah)-250(mich)-250(von)-250(der)-250(Seite)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-613(wei\337t)-613(wohl)-612(nat\374rlich)-613(auch)-613(nicht,)-703(da\337)-613(mich)-613(Mister)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Stefenson)-250(als)-250(zweiten)-250(Arzt)-250(f\374r)-250(dein)-250(Sanatorium)-250(berufen)-250(hat?)]TJ/F24 10.9091 Tf 263.574 0 Td [(\034)]TJ -251.618 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hat)-250(er)-250(das?)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.069 0 Td [(\034)]TJ -53.912 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-366(allerdings)-343(nur)-343(unter)-343(der)-343(Bedingung,)-367(da\337)-343(mir)-343(deine)-343(Idee)]TJ -16.799 -13.549 Td [(von)-387(den)-386(Ferien)-387(vom)-387(Ich)-386(eingeht.)-660(Und)-387(sie)-386(geht)-387(mir)-387(ein,)-420(mein)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([120])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Junge;)-250(sie)-250(ist)-250(vern\374nftig)-250(und)-250(fruchtbar;)-250(ich)-250(gratuliere)-250(dir)-250(dazu!)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.767 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -259.812 -14.163 Td [(Eine)-250(rote)-250(Welle)-250(schlug)-250(mir)-250(ins)-250(Gesicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sch\366nen)-262(Dank,)-264(Joachim.)-285(Du)-261(wei\337t,)-264(wie)-262(sehr)-261(ich)-262(dich)-262(immer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-250(f\374r)-250(\374berlegen)-250(gehalten)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -130.125 -14.163 Td [(Er)-255(winkte,)-256(schwerm\374tig)-254(den)-255(Kopf)-255(sch\374ttelnd,)-256(ab.)-264(Dann)-255(setzte)]TJ -11.955 -13.549 Td [(er)-250(sich)-250(mir)-250(gegen\374ber)-250(und)-250(ergriff)-250(wieder)-250(meine)-250(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sieh)-353(mal,)-378(Junge,)-378(da\337)-352(du)-353(mich)-352(nun)-353(f\374nf)-352(Jahre)-353(lang)-353(gesucht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hast)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.802 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.682 0 Td [(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.769 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.681 0 Td [(nun)-204(ja,)-214(es)-204(gibt)-204(eben)-204(Schulden,)-213(die)-205(sich)-204(nicht)-204(bezahlen)]TJ -51.934 -13.549 Td [(lassen.)-645(Was)-381(nun)-382(aus)-381(mir)-382(wird,)-414(wei\337)-381(ich)-382(nicht.)-644(Ich)-382(will)-381(allen)]TJ 0 -13.55 Td [(Starrsinn)-199(ablegen;)-216(ich)-199(will)-199(mich)-199(mal)-199(ganz)-199(wieder)-199(von)-198(den)-199(Wellen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-341(Heimat)-341(treiben)-340(lassen,)-364(ich)-340(will)-341(auch)-341(gutem)-341(Rat)-340(zug\344nglich)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)-462(Aber)-321(ich)-320(m\366chte)-321(nicht)-321(erkannt)-320(werden;)-356(ich)-321(m\366chte)-320(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-215(all)-215(der)-216(Schwatz)-215(und)-215(Klatsch)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.33 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.802 0 Td [(ach,)-222(la\337)-215(uns)-216(die)-215(heilige)-215(Stunde)]TJ -149.132 -13.549 Td [(nicht)-234(durch)-233(schmutzige)-234(Erinnerung)-234(verderben.)-244(Wenn)-234(es)-233(m\366glich)]TJ 0 -13.55 Td [(w\344re,)-342(da\337)-324(ich)-324(als)-324(Doktor)-324(Harton)-324(aus)-324(Baltimore)-324(vor)-324(den)-323(Leuten)]TJ 0 -13.549 Td [(g\344lte,)-271(s\344he)-266(ich)-267(mir)-266(gern)-267(auf)-266(einige)-267(Zeit)-266(das)-267(Leben)-266(in)-267(der)-266(Heimat)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)-247(Da)-241(kam)-241(mir)-240(der)-241(Vorschlag)-241(dieses)-241(kuriosen)-241(Mister)-240(Stefenson,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-396(Arzt)-397(in)-396(eure)-397(Anstalt)-396(einzutreten,)-433(ganz)-397(gelegen.)-689(Jeder)-396(legt)]TJ 0 -13.549 Td [(dort)-394(seinen)-394(Namen)-394(ab,)-431(jeder)-394(lebt)-394(unerkannt)-394(seinen)-394(Tag,)-430(jeder)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-275(fern)-275(von)-274(dem)-275(gl\374cksfeindlichen)-275(Schwarm,)-281(der)-275(einem)-275(aus)-274(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Vergangenheit)-187(nachdringt,)-200(kurz,)-200(lieber)-187(Fritz,)-200(ich)-188(m\366chte)-187(der)-187(erste)]TJ 0 -13.549 Td [(sein,)-233(der)-229(in)-228(deiner)-229(Zufluchtsst\344tte)-229(Ferien)-228(macht)-229(von)-229(seinem)-228(Ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.163 Td [(Beide)-461(H\344nde)-460(streckte)-461(ich)-461(dem)-460(Bruder)-461(entgegen.)-882(Wie)-461(ein)]TJ -11.955 -13.549 Td [(offenbares)-436(Zeichen)-437(himmlischen)-436(Segens)-437(f\374r)-436(meine)-436(Gr\374ndung)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([121])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(stand)-841(der)-841(langvermi\337te)-841(Bruder)-841(vor)-841(mir)-841(als)-841(erster)-841(und)]TJ 0 -13.549 Td [(willkommenster)-483(Gast)-483(meines)-484(Ferienheims.)-949(Wie)-483(konnte)-483(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-295(Gl\374ck)-296(herrlicher)-295(f\374gen!)-386(In)-295(dem)-296(\374berstr\366menden)-295(Gef\374hl)-295(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Augenblicks)-250(sagte)-250(ich:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +539 0 obj << +/Type /Page +/Contents 540 0 R +/Resources 538 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +541 0 obj << +/D [539 0 R /XYZ 312.336 448.588 null] +>> endobj +542 0 obj << +/D [539 0 R /XYZ 329.937 120.339 null] +>> endobj +538 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +545 0 obj << +/Length 4164 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Joachim)-21391(91)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Joachim,)-368(du)-344(hast)-344(diese)-344(Stunde)-345(eine)-344(heilige)-344(genannt.)-533(Z\374rne)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-240(nicht,)-242(wenn)-239(ich)-240(dich)-240(nun)-240(noch)-239(bitte:)-245(sprich)-240(auch)-240(ein)-239(einziges)]TJ 0 -13.549 Td [(gutes)-250(Wort)-250(von)-250(der)-250(kleinen)-250(Luise.)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.462 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.506 -14.463 Td [(Da)-250(wurde)-250(sein)-250(Gesicht)-250(finster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.462 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kann)-250(noch)-250(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.073 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(la\337)-250(mir)-250(Zeit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.243 -14.463 Td [(Und)-621(ich)-621(schwieg.)-1364(Es)-621(wurde)-621(still)-622(in)-621(der)-621(Stube.)-1363(Der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Abend)-426(dunkelte)-425(durch)-426(die)-426(Fenster.)-777(Allm\344hlich)-425(aber)-426(kam)-425(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Unterhaltung)-354(wieder)-354(auf.)-561(Wir)-353(entwarfen)-354(Pl\344ne)-354(f\374r)-354(die)-353(n\344chste)]TJ 0 -13.549 Td [(Zukunft.)]TJ 137.588 -32.218 Td [(*)]TJ -125.632 -17.756 Td [(Als)-482(wir)-482(nach)-482(mehreren)-482(Stunden)-482(nach)-482(dem)-482(Speisesaal)-481(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Hotels)-250(kamen,)-251(sa\337)-250(dort)-251(Mister)-250(Stefenson.)-252(Ich)-250(ging)-251(sofort)-250(auf)-250(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.463 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-339(Stefenson,)-361(das)-338(ist)-339(sicher:)-428(Sie)-338(sind)-339(einer)-339(der)-339(gr\366\337ten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Prachtkerle)-248(der)-248(Welt.)-250(Da)-248(ist)-248(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.309 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.162 0 Td [(mein)-248(Bruder)-248(Joachim)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.595 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.162 0 Td [(den)-248(Sie)]TJ -248.228 -13.549 Td [(heimgezaubert)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.728 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -83.772 -14.463 Td [(Stefenson)-391(antwortete)-391(mir)-391(nicht,)-426(sch\374ttelte)-391(aber)-391(dem)-390(Bruder)]TJ -11.956 -13.549 Td [(herzlich)-250(die)-250(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.462 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-161(ist)-160(sch\366n,)-179(da\337)-160(Sie)-161(gekommen)-160(sind.)-220(Hergezaubert)-161(habe)-161(ich)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Sie)-199(zwar)-198(nicht;)-216(denn)-198(ein)-199(Mann)-199(wie)-198(Sie)-199(l\344\337t)-198(sich)-199(nicht)-198(herzaubern.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-328(da\337)-329(Sie)-328(gekommen)-328(sind)-329(und)-328(uns)-328(bei)-329(unserem)-328(Bau)-328(helfen)]TJ 0 -13.549 Td [(wollen,)-364(ist)-341(ein)-341(Gl\374ck;)-386(denn)-341(Ihr)-341(Bruder)-341(hat)-341(zwar)-341(Phantasie)-341(und)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-317(sonst)-317(brauchbare)-317(Eigenschaften,)-334(aber)-317(im)-317(ganzen)-317(ist)-317(er)-317(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([122])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Schw\344rmer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.408 0 Td [(\034)]TJ -40.452 -14.463 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Danke,)-250(Mister)-250(Stefenson!)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.796 0 Td [(\034)]TJ -116.639 -14.462 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(O)-250(bitte!)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.633 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -38.476 -14.463 Td [(Wir)-579(setzten)-580(uns)-579(zusammen.)-1239(Stefenson)-579(kam)-580(sofort)-579(aufs)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesch\344ftliche.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.462 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehen)-474(Sie,)-531(Doktor)-475(Harton,)-530(den)-475(ganzen)-474(Bau,)-531(wo)-474(wir)-475(die)]TJ -16.799 -13.55 Td [(elektrischen)-237(B\344der,)-239(\374berhaupt)-237(alle)-237(klinischen)-237(und)-236(medizinischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Einrichtungen)-922(unterbringen)-922(wollen,)-1090(habe)-922(ich)-922(trotz)-922(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Widerspruchs)-265(meines)-264(geehrten)-265(Kompagnons)-265(bis)-264(jetzt)-265(nur)-265(in)-264(den)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +544 0 obj << +/Type /Page +/Contents 545 0 R +/Resources 543 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +546 0 obj << +/D [544 0 R /XYZ 126.398 191.738 null] +>> endobj +543 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +549 0 obj << +/Length 4476 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(92)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Au\337enumrissen)-286(fertiggestellt;)-305(die)-286(endg\374ltige)-286(innere)-286(Einrichtung)]TJ 0 -13.549 Td [(sollte)-258(bleiben,)-260(bis)-258(Sie)-259(k\344men;)-262(denn)-258(Sie)-258(haben)-258(in)-258(solchen)-258(Dingen)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337e)-226(Erfahrung,)-231(da)-226(Sie)-226(sich)-226(schon)-226(zweimal)-226(organisatorisch)-226(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(bew\344hrt)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.644 0 Td [(\034)]TJ -54.688 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Woher)-250(wissen)-250(Sie)-250(das?)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.887 0 Td [(\034)]TJ -105.73 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-227(ich)-221(habe)-220(mich)-221(doch)-221(selbstverst\344ndlich)-221(in)-221(mehreren)-221(guten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Auskunftsb\374ros)-417(\374ber)-417(Sie)-418(erkundigt.)-751(Wenn)-417(Sie)-417(nichts)-417(getaugt)]TJ 0 -13.55 Td [(h\344tten,)-264(h\344tte)-261(ich)-260(mich)-261(doch)-261(auch)-261(nicht)-261(um)-261(Sie)-261(bem\374ht.)-283(Aber)-260(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchen)-250(Sie!)-250(Deshalb)-250(schickte)-250(ich)-250(Ihnen)-250(das)-250(Tagebuch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 246.6 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -234.644 -14.163 Td [(Ver\344rgert)-250(fuhr)-250(ich)-250(den)-250(Kr\344mer)-250(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(haben)-250(also)-250(wieder)-250(nur)-250(ans)-250(Gesch\344ftliche)-250(gedacht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.174 0 Td [(\034)]TJ -239.017 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na)-510(selbstverst\344ndlich,)-575(Sie)-510(verwundertes)-510(Unschuldslamm!)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Woran)-401(soll)-401(man)-401(denken)-401(als)-401(ans)-401(Gesch\344ftliche,)-439(wenn)-400(man)-401(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(gar)-250(zu)-250(schlechter)-250(Kaufmann)-250(ist?)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -153.154 -14.163 Td [(Joachim)-217(l\344chelte;)-228(mir)-217(aber)-216(st\374rzte)-217(wieder)-217(einmal)-217(ein)-217(gl\344sernes)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([123])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Tempelchen)-423(ein,)-465(in)-423(das)-422(ich)-423(meinen)-422(G\366tzen)-423(Stefenson)-422(gesetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte.)]TJ 11.955 -14.163 Td [(Stefenson)-399(nahm)-400(nun)-399(meinen)-399(Bruder)-400(ganz)-399(in)-400(Anspruch.)-698(Er)]TJ -11.955 -13.549 Td [(fragte)-274(\374ber)-274(tausend)-274(Dinge)-273(aus)-274(Amerika.)-322(Ich)-274(schwieg.)-321(Vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-265(es)-264(ganz)-265(gut,)-268(da\337)-265(der)-264(durch)-265(die)-264(Heimkehr)-265(\344u\337erst)-264(aufgeregte)]TJ 0 -13.55 Td [(Bruder)-362(zun\344chst)-363(durch)-362(die)-363(trostlos)-362(n\374chternen)-362(Schwadronaden)]TJ 0 -13.549 Td [(dieses)-250(Kaufmanns)-250(Stefenson)-250(abgelenkt)-250(wurde.)]TJ 11.955 -14.163 Td [(Wir)-491(hatten)-490(schon)-491(Abendbrot)-490(gegessen,)-551(als)-490(sich)-491(Stefenson)]TJ -11.955 -13.549 Td [(verabschiedete.)-464(Er)-321(erz\344hlte,)-339(er)-322(habe)-321(einen)-321(kleinen)-322(Neffen.)-463(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Vater)-473(sei)-473(tot,)-529(die)-473(Mutter)-473(an)-473(einen)-473(gef\374hllosen)-472(Mann)-473(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(verheiratet,)-214(der)-204(dem)-205(sechsj\344hrigen)-205(Knaben)-204(ein)-205(Stiefvater)-205(sei.)-234(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(Junge)-266(sei)-266(jetzt)-266(bei)-265(entfernten)-266(Verwandten)-266(in)-266(Hamburg.)-298(Er)-265(wolle)]TJ 0 -13.55 Td [(den)-295(Knaben,)-306(der)-295(Georg)-294(hei\337e,)-306(mal)-295(probeweise)-295(zu)-295(sich)-294(nehmen;)]TJ 0 -13.549 Td [(vielleicht,)-445(da\337)-406(etwas)-406(aus)-406(ihm)-407(w\374rde.)-718(Die)-406(Gr\374ndung)-406(einer)-406(so)]TJ 0 -13.549 Td [(neuen)-301(Gemeinde)-300(mit)-301(allem)-301(ihrem)-300(Drum)-301(und)-301(Dran)-300(m\374sse)-301(ja)-300(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-285(Jungen)-285(einen)-284(tiefen)-285(Eindruck)-285(machen)-285(und)-285(ihm)-285(f\374rs)-284(ganze)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben)-473(einige)-474(st\344hlerne)-473(Ger\374stschienen)-473(in)-474(die)-473(Seele)-473(spannen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Nun)-232(wolle)-232(er)-231(also)-232(mit)-232(dem)-232(Nachtzug)-232(reisen,)-235(und)-232(er)-232(h\344tte)-232(es)-231(gern,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-180(ich)-180(ihn)-180(zum)-180(Bahnhof)-180(begleitete,)-194(da)-180(er)-180(wegen)-180(der)-180(Vertretung)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +548 0 obj << +/Type /Page +/Contents 549 0 R +/Resources 547 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +550 0 obj << +/D [548 0 R /XYZ 333.58 324.804 null] +>> endobj +547 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +553 0 obj << +/Length 4670 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Joachim)-21391(93)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(manches)-213(Gesch\344ftliche)-213(mit)-213(mir)-213(noch)-213(zu)-213(erledigen)-213(habe,)-220(womit)-213(er)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-209(Bruder)-209(nicht)-210(langweilen)-209(wolle.)-236(Als)-210(wir)-209(auf)-209(der)-209(Stra\337e)-209(waren,)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-237(Stefenson:)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.725 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun)-237(will)-238(ich)-237(Ihnen)-238(was)-237(anvertrauen,)-240(damit)-237(Sie)]TJ -78.569 -13.549 Td [(mir)-377(nicht)-378(hinterher)-377(wieder)-378(aus)-377(dem)-377(H\344uschen)-378(fallen)-377(und)-377(alles)]TJ 0 -13.55 Td [(verderben.)-330(Also,)-284(mein)-277(kleiner)-276(Neffe,)-284(der)-276(Georg,)-284(ist)-277(n\344mlich)-276(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(kein)-250(Junge,)-250(sondern)-250(ein)-250(M\344dchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.062 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(er)-250(ist)-250(die)-250(kleine)-250(Luise.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.654 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 37.126 0 Td [([124])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson,)-250(Sie)-250(sind)-250(toll!)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.247 0 Td [(\034)]TJ -109.09 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein.)-441(Ich)-313(bin)-314(vern\374nftig.)-441(Die)-313(kleine)-314(Luise)-313(mu\337)-314(Ferien)-314(von)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ihrem)-168(Ich)-167(machen.)-223(Als)-167(M\344del)-167(ist)-168(es)-167(ihr)-168(hundsmiserabel)-167(gegangen,)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgenommen)-263(die)-262(letzten)-263(dreiviertel)-262(Jahr,)-266(wo)-263(sie)-262(in)-263(dem)-262(Institut)]TJ 0 -13.55 Td [(war,)-397(aber)-367(auch)-367(dort)-367(mehr)-368(Strenge)-367(als)-367(Liebe,)-397(mehr)-367(Dressur)-367(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Erziehung)-446(genossen)-445(hat.)-837(Heraus)-446(soll)-446(sie)-445(aus)-446(ihrer)-446(Haut,)-494(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Junge)-435(werden,)-482(Courage)-435(kriegen,)-481(dieses)-435(Ducken)-435(abgew\366hnen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-331(eine)-330(Hand)-331(nach)-331(ihr)-330(fa\337t;)-372(nein,)-350(sich)-331(selbst)]TJ/F24 10.9091 Tf 215.212 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rumhauen)-331(mit)]TJ -218.845 -13.549 Td [(Buben)-309(und)-309(Stra\337enb\366sewichten)-310(und)-309(immer)-309(bei)-309(mir)-309(sein)-309(und)-309(da)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-250(gerechte)-250(Behandlung)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.807 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -132.851 -14.531 Td [(Ich)-234(ging)-233(neben)-234(dem)-234(sonderbaren)-233(Manne)-234(her,)-237(der)-234(so)-233(Seltsames)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-210(Gro\337es)-211(an)-210(meinem)-210(Leben)-210(getan)-211(hatte,)-218(und)-210(versuchte)-210(nur,)-218(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(wenigstens)-259(zum)-260(Aufschieben)-259(seiner)-259(Idee)-259(zu)-259(bewegen.)-278(Er)-259(schlug)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-250(rund)-250(ab.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Keine)-480(Gewalt)-481(der)-480(Erde,)-538(sagte)-481(er,)-538(werde)-480(ihn)-480(hindern,)-538(das)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Kind,)-240(das)-237(es)-238(in)-237(dem)-238(Th\374ringer)-237(Institut)-237(viel)-238(zu)-237(schlecht)-238(habe,)-239(von)]TJ 0 -13.549 Td [(dort)-390(zu)-389(entfernen)-390(und)-390(es)-389(in)-390(der)-390(Tracht)-389(eines)-390(Knaben)-390(erst)-389(mal)]TJ 0 -13.549 Td [(zur)-327(Lebensfreude)-328(und)-327(zum)-328(Bewu\337tsein)-327(seiner)-328(Kraft)-327(und)-327(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(eigenen)-250(Wertes)-250(zu)-250(erziehen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ich)-227(wu\337te,)-232(da\337)-227(Mister)-228(Stefenson)-227(in)-227(die)-228(kleine)-227(Luise)-227(vernarrter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war,)-178(als)-161(je)-160(ein)-160(Vater)-161(oder)-160(Gro\337vater)-160(in)-161(ein)-160(Kind)-160(war.)-220(Allmonatlich)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-557(er)-557(unter)-556(irgendeinem)-557(Vorwand)-557(einmal)-557(nach)-556(Th\374ringen)]TJ 0 -13.549 Td [(verschwunden;)-704(das)-552(M\344dchen)-553(hatte)-552(sich)-552(an)-553(den)-552(Mann,)-628(den)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-381(als)-382(i)1(hren)-382(liebevollsten)-381(Freund)-381(erkannte,)-414(jedenfalls)-381(dankbar)]TJ 0 -13.549 Td [(angeschlossen,)-321(und)-306(dem)-307(alten)-306(Seehund,)-321(den)-306(wahrscheinlich)-306(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-362(z\344rtliche)-362(Hand)-362(gestreichelt)-362(hatte,)-390(tat)-362(diese)-362(Kindesliebe)-362(so)]TJ 0 -13.55 Td [(wohl,)-373(da\337)-349(er)-348(diesmal)-349(auf)-349(allen)-348(kaufm\344nnischen)-349(Vorteil)-348(verga\337)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([125])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-250(wie)-250(ein)-250(verliebter)-250(Narr)-250(handelte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +552 0 obj << +/Type /Page +/Contents 553 0 R +/Resources 551 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +554 0 obj << +/D [552 0 R /XYZ 46.771 448.051 null] +>> endobj +555 0 obj << +/D [552 0 R /XYZ 75.389 79.691 null] +>> endobj +551 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +558 0 obj << +/Length 2517 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(94)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Mochte)-250(er)-250(es)-250(tun!)]TJ 0 -15.596 Td [(Stefenson)-250(reiste)-250(ab.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 467.917 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 448.451 Td [(Wie)-497(hatte)-497(er)-497(gesagt?)-992(Keine)-497(Gewalt)-497(der)-497(Erde)-497(wird)-497(mich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hindern,)-349(das)-330(Kind)-329(zun\344chst)-329(mal)-330(in)-329(der)-329(Tracht)-330(eines)-329(Knaben)-329(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(erziehen.)]TJ 11.956 -15.595 Td [(Drei)-212(Tage)-213(nach)-212(Stefensons)-213(Abreise)-212(bekam)-213(ich)-212(einen)-213(Brief)-212(von)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -72.104 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mein)-432(Lieber!)-796(Die)-432(Idee,)-477(Luise)-432(als)-432(Knaben)-432(zu)-432(kleiden,)-477(habe)]TJ -4.844 -13.549 Td [(ich)-443(aufgegeben.)-831(Denn)-443(sie)-443(will)-444(nicht.)-830(Sie)-443(heult,)-492(da\337)-443(sie)-443(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Junge)-286(werden)-286(soll.)-358(Auch)-286(die)-286(Haare)-286(mag)-286(sie)-286(nicht)-286(abgeschnitten)]TJ 0 -13.549 Td [(kriegen.)-424(Da)-308(ist)-307(nichts)-308(zu)-308(machen;)-337(Luise)-308(bleibt)-308(ein)-308(M\344del.)-423(Hier)]TJ 0 -13.55 Td [(lasse)-421(ich)-421(sie)-421(aber)-421(nicht;)-506(sie)-421(hat)-421(es)-421(viel)-421(zu)-421(schlecht.)-763(Ich)-420(will)]TJ 0 -13.549 Td [(mal)-305(sehen,)-318(da\337)-305(ich)-305(das)-304(Kind)-305(zun\344chst)-305(in)-305(Neustadt)-304(unterbringen)]TJ 0 -13.549 Td [(kann.)-905(Ich)-468(wei\337)-468(da)-468(eine)-469(gute)-468(Familie,)-523(die)-468(mir)-468(den)-468(Gefallen)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-204(Entsch\344digung)-204(tun)-204(wird.)-235(Und)-204(ich)-204(kann)-204(dann)-204(die)-204(Erziehung)]TJ 0 -13.549 Td [(t\344glich)-191(beaufsichtigen.)-231(Diskretion)-191(Ehrensache,)-203(namentlich)-191(gegen)]TJ 0 -13.55 Td [(Ihren)-275(Bruder,)-281(der)-275(mir)-275(f\374r)-275(die)-275(Erziehung)-275(des)-275(nur)-275(au\337erordentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(geschickt)-257(zu)-257(behandelnden)-257(Kindes)-257(nicht)-257(geeignet)-257(erscheint.)-271(Wir)]TJ 0 -13.549 Td [(kommen)-186(Montag)-187(mit)-186(irgendeinem)-187(Zug.)-228(Am)-187(Bahnhof)-186(zu)-186(erwarten)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchen)-250(Sie)-250(uns)-250(nicht.)]TJ 230.034 -15.596 Td [(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.752 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.198 -75.775 Td [(*)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +557 0 obj << +/Type /Page +/Contents 558 0 R +/Resources 556 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 537 0 R +>> endobj +556 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +561 0 obj << +/Length 5030 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Joachim)-21391(95)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Am)-267(n\344chsten)-266(Tage)-267(sollte)-266(ich)-267(Joachim)-266(zum)-267(Heimweg)-266(abholen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(hatte)-250(versprochen,)-250(vorher)-250(die)-250(Mutter)-250(zu)-250(unterrichten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([126])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.395 Td [(Wir)-279(sa\337en)-279(beim)-278(Fr\374hst\374ck)-279(zusammen;)-293(ich)-279(versuchte)-279(ein)-278(paar)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Anl\344ufe,)-434(brachte)-397(aber)-397(die)-397(Botschaft)-398(nicht)-397(heraus.)-691(Die)-397(Mutter)]TJ 0 -13.55 Td [(verwunderte)-187(sich)-187(sehr.)-229(Dann)-187(machte)-187(ich)-187(einen)-187(Spaziergang)-186(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-305(Stadt.)-414(Als)-305(ich)-305(zur\374ckkam,)-318(stand)-305(die)-305(Mutter)-305(am)-305(Fenster)-304(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schaute)-301(wie)-301(so)-301(oft)-301(dem)-301(Sprudeln)-301(des)-301(Johannisbrunnens)-301(zu.)-403(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(ersten)-217(Schneeflocken)-217(flogen)-217(durch)-216(die)-217(Luft)-217(und)-217(h\374llten)-217(den)-216(Platz)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-297(traulichen)-296(wei\337en)-297(Schimmer;)-319(aber)-297(die)-296(Sehnsucht)-297(dieser)-296(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(ging)-344(wieder)-345(in)-344(die)-344(Weite,)-368(und)-345(sie)-344(sah)-344(nichts)-345(von)-344(der)-344(silbernen)]TJ 0 -13.55 Td [(Pracht)-250(um)-250(sich)-250(her.)]TJ 11.956 -15.395 Td [(Auch)-151(ich)-152(war)-151(jahrelang)-152(in)-151(der)-152(Fremde.)-217(Doch)-152(ich)-151(war)-151(\374berzeugt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-432(Mutter)-432(hatte)-433(kaum)-432(einmal)-432(an)-432(mich)-432(gedacht,)-478(wenn)-432(sie)-432(an)]TJ 0 -13.549 Td [(Joachim)-382(siebenmal)-382(dachte.)-646(Ich)-382(ging)-382(an)-382(ihrer)-382(T\374r)-382(vorbei)-382(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(meinem)-206(Zimmer.)-235(Da)-206(sa\337)-206(ich,)-215(bis)-206(es)-206(hohe)-206(Zeit)-206(war,)-215(nach)-205(Neustadt)]TJ 0 -13.55 Td [(aufzubrechen,)-258(um)-256(zur)-256(verabredeten)-257(Stunde)-256(dort)-256(zu)-257(sein.)-268(Endlich)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-278(ich)-278(mir,)-284(da\337)-278(ich)-278(ein)-277(Geselle)-278(von)-278(kindischer)-278(Eifersucht)-277(sei,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(ging)-250(in)-250(das)-250(Zimmer)-250(der)-250(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-168(habe)-167(dir)-168(etwas)-167(mitzuteilen,)-184(Mutter;)-195(erschrick)-168(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.741 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.672 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.549 Td [(ich,)-250(und)-250(die)-250(nerv\366se)-250(Frau)-250(erschrak)-250(nat\374rlich)-250(aufs)-250(schwerste.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(handelt)-250(sich)-250(um)-250(Joachim!)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.444 0 Td [(\034)]TJ -130.287 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-326(Gottes)-326(willen)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.796 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.013 0 Td [(ist)-326(ihm)-326(etwas)-327(passiert)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.684 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.013 0 Td [(ist)-326(er)-326(in)-327(Not)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.871 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(willst)-250(du)-250(zu)-250(ihm)-250(fahren?)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.047 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -94.091 -15.395 Td [(Ich)-392(mu\337te)-393(l\344cheln.)-677(Zu)-392(ihm)-393(fahren!)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.924 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.735 0 Td [(Da\337)-392(ich)-393(damit)-392(mein)]TJ -189.615 -13.549 Td [(Lebenswerk)-250(aufgegeben)-250(h\344tte,)-250(daran)-250(dachte)-250(die)-250(Mutter)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-272(ist)-272(nichts)-272(Schlimmes,)-277(Mutter;)-283(es)-272(ist)-271(etwas)-272(Gutes,)-278(was)-272(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dir)-250(von)-250(Joachim)-250(zu)-250(sagen)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 154.082 0 Td [([127])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sage)-250(es)-250(mir,)-250(Fritz,)-250(will)-250(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.324 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(will)-250(er)-250(nach)-250(Hause)-250(kommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.244 0 Td [(\034)]TJ -253.592 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(er)-250(kommt)-250(schon)-250(heute.)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.924 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.767 -15.395 Td [(Da)-170(stie\337)-171(sie)-170(einen)-170(Schrei)-171(aus,)-186(dann)-171(weinte)-170(sie)-170(laut,)-187(schlug)-170(in)-170(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(H\344ndchen,)-245(rannte)-243(durchs)-243(Zimmer)-243(und)-243(sprach)-243(laute)-243(Dankesworte)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-251(Gott,)-251(der)-250(ihr)-251(das)-251(gr\366\337te)-250(Gl\374ck)-251(beschieden)-251(habe,)-250(das)-251(es)-251(f\374r)-250(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(gebe.)-250(Als)-250(sie)-250(etwas)-250(ruhiger)-250(wurde,)-250(fragte)-250(sie:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +560 0 obj << +/Type /Page +/Contents 561 0 R +/Resources 559 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +562 0 obj << +/D [560 0 R /XYZ 46.771 502.259 null] +>> endobj +563 0 obj << +/D [560 0 R /XYZ 46.771 150.597 null] +>> endobj +559 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +567 0 obj << +/Length 5089 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(96)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-226(er)-226(ist)-226(ganz)-227(von)-226(selbst)-226(gekommen,)-231(oder)-226(hast)-226(du)-226(ihm)-227(noch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einmal)-250(geschrieben,)-250(da\337)-250(er)-250(kommen)-250(soll?)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.178 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -169.222 -13.927 Td [(Ich)-250(sch\374ttelte)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ganz)-491(von)-490(selbst)-491(gekommen)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.77 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-551(sagte)-490(sie)-491(selig;)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.284 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(der)-491(treue)]TJ -239.54 -13.549 Td [(Sohn!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.062 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.106 -13.927 Td [(In)-250(trockenem)-250(Tone)-250(entgegnete)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mutter,)-282(es)-276(wird)-276(lange)-276(dauern,)-282(ehe)-276(ich)-276(mit)-276(Joachim)-276(eintreffe,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(den)-377(ich)-377(in)-376(Neustadt)-377(abhole.)-630(Erst)-377(in)-377(der)-377(D\344mmerung)-376(kommen)]TJ 0 -13.549 Td [(wir.)-442(Inzwischen)-313(rege)-314(dich)-314(nicht)-314(allzusehr)-314(auf)-314(und)-314(vergi\337)-313(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(deinen)-250(Baldriantee)-250(zu)-250(trinken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.487 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.532 -13.927 Td [(Das)-250(nahm)-250(sie)-250(ungn\344dig)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Baldriantee)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.276 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.44 0 Td [(wie)-365(kannst)-366(du)-365(jetzt)-365(von)-365(so)-366(etwas)-365(reden.)-596(Ich)]TJ -80.515 -13.549 Td [(werde)-250(nat\374rlich)-250(mit)-250(nach)-250(Neustadt)-250(fahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 183.589 0 Td [(\034)]TJ -171.634 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-424(Mutter;)-458(Joachim)-389(wird)-389(nur)-389(unter)-389(der)-389(Bedingung)-389(hier)]TJ -16.799 -13.549 Td [(leben,)-319(da\337)-305(er)-305(von)-305(den)-305(Leuten)-305(nicht)-305(erkannt)-305(wird.)-415(Deshalb)-305(wird)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(als)-250(Arzt)-250(in)-250(meine)-250(Kuranstalt)-250(eintreten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 177.84 0 Td [(\034)]TJ -165.885 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(nicht)-250(bei)-250(mir)-250(wohnen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.378 0 Td [(\034)]TJ -124.222 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-250(er)-250(wird)-250(im)-250(Ferienheim)-250(wohnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.52 0 Td [(\034)]TJ -169.364 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.604 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(o)-250(du)-250(nimmst)-250(ihn)-250(mir?)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.948 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -202.289 0 Td [([128])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-269(nehme)-270(ihn)-269(dir)-269(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.586 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.298 0 Td [(,)-274(entgegnete)-269(ich)-270(unwillig;)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.631 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(mache)]TJ -252.157 -13.549 Td [(mit)-233(Joachim)-234(selbst)-233(ab,)-237(wie)-234(ihr)-233(es)-234(halten)-233(wollt;)-239(ich)-234(werde)-233(mich)-233(da)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(einmischen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.964 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.009 -13.927 Td [(Ich)-629(ging)-629(verdrossen)-629(meines)-629(Weges.)-1387(Aber)-630(drau\337en)-629(im)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Winterwalde)-267(wurde)-268(mein)-267(Herz)-268(wieder)-267(warm;)-277(ich)-267(war)-267(gl\374cklich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Immer,)-472(wenn)-427(ich)-427(mich)-427(gl\374cklich)-428(f\374hle,)-471(habe)-428(ich)-427(Lust,)-471(etwas)]TJ 0 -13.55 Td [(Gutes)-278(zu)-278(tun.)-333(Heute)-278(fiel)-277(mir)-278(nichts)-278(anderes)-278(ein,)-284(als)-278(da\337)-278(ich)-277(bald)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-340(Anzahl)-340(von)-340(Futterpl\344tzen)-341(und)-340(Nistk\344sten)-340(f\374r)-340(die)-340(V\366gel)-340(in)]TJ 0 -13.549 Td [(meinem)-312(Ferienheim)-311(anbringen)-312(w\374rde,)-327(auch)-312(auf)-311(die)-312(Gefahr)-311(hin,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(G\344ste)-250(lauter)-250(Sperlinge)-250(zu)-250(mir)-250(zu)-250(ziehen.)]TJ 11.955 -13.927 Td [(Die)-432(Mutter!)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.49 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.17 0 Td [(Nun)-432(w\374rde)-433(sie)-432(wohl)-432(das)-432(Haus)-433(von)-432(unterst)]TJ -84.615 -13.549 Td [(zuoberst)-191(kehren)-190(und)-191(alle)-191(Leckerbissen)-190(bereiten,)-203(die)-191(sie)-190(auftreiben)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte.)-826(Wahrscheinlich)-442(w\374rde)-442(sie)-442(meine)-442(beiden)-441(ger\344umigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Zimmer)-320(f\374r)-321(Joachim)-320(einrichten)-320(und)-321(mich)-320(nach)-320(der)-320(Giebelstube)]TJ 0 -13.549 Td [(umquartieren.)-1178(Ich)-560(war)-559(schon)-560(wieder)-559(eifers\374chtig)-560(und)-559(voll)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +566 0 obj << +/Type /Page +/Contents 567 0 R +/Resources 565 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +568 0 obj << +/D [566 0 R /XYZ 93.543 268.975 null] +>> endobj +569 0 obj << +/D [566 0 R /XYZ 93.543 66.142 null] +>> endobj +565 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +572 0 obj << +/Length 4369 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Joachim)-21391(97)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(h\344\337lichen)-349(Mi\337trauens,)-373(und)-349(es)-348(fiel)-349(mir)-348(ein,)-374(da\337)-348(es)-349(besser)-348(w\344re,)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-329(auf)-330(Mutter)-329(und)-329(Bruder)-329(zu)-330(besinnen,)-349(wenn)-329(man)-329(was)-329(Gutes)]TJ 0 -13.549 Td [(tun)-250(will,)-250(als)-250(auf)-250(die)-250(Spatzen)-250(...)]TJ 11.956 -14.179 Td [(Es)-363(lag)-363(dichter)-364(Nebel)-363(auf)-363(der)-363(Chaussee,)-392(als)-363(ich)-363(mit)-363(Joachim)]TJ -11.956 -13.549 Td [(heimging.)-567(Nicht)-356(einmal)-356(die)-355(Kuppe)-356(des)-356(Weihnachtsberges)-355(war)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-478(erkennen.)-934(Die)-478(Heimat)-478(hatte)-478(ihr)-478(Haupt)-478(verh\374llt)-478(wie)-477(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(schmollende)-239(Frau.)-247(Und)-239(Joachim)-239(ging)-240(stumm)-239(und)-239(betreten)-239(neben)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-330(her,)-349(fast)-330(wie)-330(ein)-329(S\374nder.)-489(Er)-330(war)-330(auch)-330(ein)-329(solcher;)-370(denn)-329(er)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-250(sein)-250(Herz)-250(verh\344rtet,)-250(und)-250(alle)-250(Herzensverh\344rtung)-250(ist)-250(S\374nde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.91 -21.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-250(Wanderbursch)-250(mit)-250(dem)-250(Stab)-250(in)-250(der)-250(Hand)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Kommt)-250(wieder)-250(heim)-250(aus)-250(fremdem)-250(Land.)]TJ/F16 7.9701 Tf 280.114 0 Td [([129])]TJ/F16 10.9091 Tf -280.114 -13.549 Td [(Sein)-250(Haar)-250(ist)-250(bestaubt,)-250(sein)-250(Antlitz)-250(verbrannt,)]TJ 0 -13.549 Td [(Von)-250(wem)-250(wird)-250(der)-250(Bursch)-250(wohl)-250(zuerst)-250(erkannt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.345 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -208.299 -22.15 Td [(Es)-252(war)-252(ganz,)-253(wie)-252(es)-252(Vogl)-252(in)-253(seinem)-252(alten,)-252(h\374bschen)-252(Gedichte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schildert:)-362(die)-306(Leute)-307(kannten)-306(Joachim)-306(nicht)-306(mehr.)-418(Er)-306(war)-306(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-537(seinen)-537(letzten)-536(Studentenjahren)-537(selten)-537(zu)-537(Hause)-536(gewesen,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-539(verheirateter)-539(Mann)-539(fast)-540(gar)-539(nicht,)-611(und)-539(dann)-539(kamen)-539(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Auslandsjahre,)-236(da)-231(sein)-232(Kopfhaar)-232(d\374nn)-232(und)-232(sein)-232(Bart)-232(dicht)-231(wurde)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-273(die)-274(Zeit)-273(die)-273(gro\337e)-274(Retouche)-273(an)-273(seinem)-274(Gesicht)-273(vollzog)]TJ/F24 10.9091 Tf 263.718 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.436 0 Td [(er)]TJ -272.153 -13.549 Td [(war)-250(ein)-250(anderer)-250(geworden.)]TJ 11.955 -14.178 Td [(In)-459(sieben)-460(Jahren)-459(soll)-460(sich)-459(der)-459(K\366rper)-460(des)-459(Menschen)-459(ganz)]TJ -11.955 -13.55 Td [(erneuern.)-631(So)-377(wanderte)-377(jetzt)-377(kein)-377(Atom)-377(dessen)-377(mehr)-377(nach)-377(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimat)-370(zur\374ck,)-400(was)-370(vor)-370(sieben)-370(Jahren)-370(auszog.)-610(H\344tte)-370(Joachim)]TJ 0 -13.549 Td [(keine)-267(Seele)-267(gehabt,)-271(so)-266(w\344re)-267(wirklich)-267(ein)-267(ganz)-267(fremder,)-271(ein)-266(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(anderer)-172(Mensch)-173(nach)-173(Hause)-172(gekommen.)-224(Dem)-173(B\344cker)-172(Schiebulke)]TJ 0 -13.549 Td [(begegneten)-274(wir.)-320(Er)-274(war)-273(Joachims)-274(Angelkamerad)-274(gewesen.)-320(Jetzt)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374hlte)-422(er)-422(sich)-422(geehrt,)-466(da\337)-422(ich)-422(ihn)-422(auf)-422(der)-422(Stra\337e)-422(anhielt,)-465(und)]TJ 0 -13.549 Td [(eilte)-270(gewi\337)-269(alsbald)-270(ins)-269(n\344chste)-270(Gasthaus)-269(mit)-270(der)-269(Kunde,)-275(da\337)-269(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Dr.)-540(Harton)-347(aus)-347(Neuyork)-347(angekommen)-346(sei)-347(als)-347(zweiter)-347(Arzt)-346(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-233(Ferienheim,)-236(und)-233(es)-233(m\374\337ten)-233(doch)-233(schon)-233(massenhaft)-233(Kurg\344ste)]TJ 0 -13.549 Td [(angemeldet)-250(sein,)-250(wenn)-250(man)-250(schon)-250(einen)-250(zweiten)-250(Arzt)-250(brauche.)]TJ 11.955 -14.179 Td [(Auch)-350(der)-350(alte)-350(Sanit\344tsrat)-350(lief)-351(uns)-350(in)-350(den)-350(Weg.)-550(Er)-350(war)-350(zwar)]TJ -11.955 -13.549 Td [(nicht)-321(gut)-321(auf)-321(mich)-321(zu)-320(sprechen,)-339(aber)-321(er)-321(ging)-321(doch)-321(nicht)-320(an)-321(uns)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +571 0 obj << +/Type /Page +/Contents 572 0 R +/Resources 570 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +573 0 obj << +/D [571 0 R /XYZ 46.771 373.941 null] +>> endobj +570 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +576 0 obj << +/Length 3249 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(98)-18614(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(vorbei)-293(und)-293(begr\374\337te)-293(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.944 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herrn)-293(Kollegen)-293(von)-293(dr\374ben)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.679 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-304(den)-293(ich)]TJ -242.31 -13.549 Td [(ihm)-250(vorstellte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Auch)-457(die)-457(Frau)-457(Provisor,)-509(von)-457(der)-457(erz\344hlt)-457(wurde,)-508(sie)-457(h\344tte,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-226(sich)-226(Joachim)-226(verlobte,)-230(mit)-226(negativem)-226(Erfolg)-226(zwei)-225(Schachteln)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([130])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(schwedische)-199(Streichh\366lzer)-199(abgelutscht,)-209(um)-199(ihr)-199(gebrochenes)-198(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-212(Schweigen)-212(zu)-212(bringen,)-219(sah)-212(den)-212(ehemals)-212(Hei\337begehrten)-211(jetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-250(neugierig)-250(an)-250(und)-250(ging)-250(vor\374ber.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(So)-406(n\344herten)-407(wir)-406(uns)-407(dem)-406(Johannisplatz.)-720(Joachims)-406(Schritte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wurden)-287(kleiner)-287(und)-286(langsamer,)-296(sein)-287(Stock)-287(stampfte)-287(hart)-287(auf)-286(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Pflaster.)-498(Irgendwo)-333(stand)-333(wohl)-332(jetzt)-333(der)-333(Mond;)-374(denn)-333(der)-332(Nebel)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(dem)-250(Johannisplatz)-250(war)-250(durchsichtig)-250(und)-250(silberhell.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-269(alte)-269(Brunnen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.178 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.779 0 Td [(sagte)-269(Joachim)-269(leise;)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.714 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-269(ist)-269(merkw\374rdig,)]TJ -199.314 -13.549 Td [(da\337)-263(meine)-262(Gedanken)-263(meist)-263(um)-262(den)-263(alten)-263(Brunnen)-263(gingen,)-265(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(an)-250(die)-250(Heimat)-250(dachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.186 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -99.23 -13.55 Td [(Nun)-593(n\344herten)-593(wir)-593(uns)-593(dem)-593(Vaterhause)-593(und)-593(standen)-593(am)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Brunnenrand;)-408(da)-355(blickte)-356(wirklich)-355(wie)-355(in)-356(alten)-355(Kindertagen)-355(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-250(auf)-250(uns)-250(herab.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Joachim)-424(st\374tzte)-425(sich)-424(auf)-425(das)-424(Gem\344uer,)-469(und)-424(wei\337e)-424(Tropfen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aus)-279(der)-278(Schale)-279(Baptistas)-278(besprengten)-278(seine)-279(Hand)-278(wie)-279(mit)-278(einem)]TJ 0 -13.55 Td [(Weihwasser,)-250(ehe)-250(er)-250(in)-250(das)-250(Heiligtum)-250(seines)-250(Vaterhauses)-250(eintrat.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-313(stieg)-313(mit)-314(ihm)-313(die)-313(Treppe)-313(hinauf)-314(und)-313(\366ffnete)-313(nach)-313(leisem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Klopfen)-250(die)-250(T\374r)-250(zur)-250(Mutter.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-306(sah)-307(noch,)-321(wie)-306(beide)-307(mit)-306(leisem)-307(Aufschluchzen)-306(die)-306(Arme)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ausbreiteten,)-250(schlo\337)-250(die)-250(T\374r)-250(und)-250(blieb)-250(drau\337en.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +575 0 obj << +/Type /Page +/Contents 576 0 R +/Resources 574 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +577 0 obj << +/D [575 0 R /XYZ 303.244 477.528 null] +>> endobj +574 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +578 0 obj +<< /S /GoTo /D (index13) >> +endobj +581 0 obj +(Weihnachten) +endobj +584 0 obj << +/Length 3609 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([131])]TJ/F16 18.9589 Tf -200.722 -65.646 Td [(Weihnachten)]TJ/F16 10.9091 Tf -90.302 -33.749 Td [(Stefenson)-390(ist)-389(an)-390(dem)-390(von)-390(ihm)-389(angegebenen)-390(Tage)-390(nach)-389(Hause)]TJ 0 -13.549 Td [(gekommen.)-277(Auf)-260(meine)-259(Frage)-259(nach)-259(der)-259(kleinen)-259(Luise)-259(entgegnete)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-497(grob,)-558(ich)-496(solle)-497(mich)-496(nicht)-497(in)-496(seine)-496(Privatangelegenheiten)]TJ 0 -13.55 Td [(mischen;)-382(h\344tte)-339(ich)-338(mich)-338(fr\374her)-338(nicht)-339(um)-338(das)-338(Kind)-338(gek\374mmert,)]TJ 0 -13.549 Td [(wo)-324(es)-323(das)-324(M\344del)-324(n\366tig)-324(gehabt)-323(h\344tte,)-342(so)-324(sei)-324(meine)-323(Anteilnahme)]TJ 0 -13.549 Td [(jetzt)-218(v\366llig)-218(\374berfl\374ssig.)-239(Das)-218(gleiche)-218(k\366nne)-218(er)-218(auch)-218(nur)-218(mit)-217(Bezug)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-211(meinen)-211(Bruder)-210(sagen;)-224(er)-211(h\344tte)-211(sich)-210(jetzt)-211(schon)-211(Vorw\374rfe)-210(\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(dessen)-435(Berufung)-435(gemacht.)-804(Da)-435(k\366nnten)-435(blo\337)-434(Schwierigkeiten)]TJ 0 -13.549 Td [(entstehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.815 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-403(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.904 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-441(sagte)-403(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.223 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-403(benehmen)-403(sich)-403(wie)-402(ein)]TJ -157.614 -13.549 Td [(Drache,)-250(der)-250(die)-250(verwunschene)-250(Jungfrau)-250(beh\374tet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.535 0 Td [(\034)]TJ -198.579 -13.815 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Drache)-328(hin,)-347(Drache)-327(her;)-366(ich)-328(geb)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.207 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.206 0 Td [(sie)-328(nicht)-327(heraus)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.557 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-347(knurrte)]TJ -242.612 -13.549 Td [(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.815 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-190(sollen)-189(Sie)-190(ja)-189(gar)-190(nicht;)-210(wir)-189(\374berlassen)-190(Ihnen)-189(ja)-190(das)-190(Kind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -13.815 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wirklich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.626 0 Td [(\034)]TJ -48.469 -13.814 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wirklich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ -47.258 -13.815 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-250(dann)-250(ist)-250(es)-250(gut!)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.535 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 164.528 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 147.437 Td [(Stefenson)-574(hat)-575(die)-574(Waltersburger)-575(zu)-574(einem)-575(Festabend)-574(im)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gro\337en)-502(Theatersaal)-501(des)-502(neuen)-501(Rathauses)-501(berufen)-502(\050der)-501(Name)]TJ 0 -13.549 Td [(Rathaus)-504(ist)-503(beibehalten)-504(worden,)-567(obwohl)-504(wir)-504(keinen)-503(eigenen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([132])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(B\374rgermeister)-313(haben)-313(werden\051.)-438(Dieser)-313(Theatersaal)-313(ist)-313(Hals)-312(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(Kopf)-413(fertiggestellt)-412(worden.)-739(Er)-412(k\366nnte)-413(sch\366ner)-413(sein.)-738(Aber)-412(er)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-400(ger\344umig,)-437(und)-400(die)-400(Akustik)-400(ist)-400(gut.)-700(Auch)-400(ist)-400(eine)-399(h\374bsche)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebhaberb\374hne)-357(da.)-569(Sonst)-357(sieht)-356(es)-356(im)-357(Rathaus)-356(noch)-357(sehr)-356(wild)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +583 0 obj << +/Type /Page +/Contents 584 0 R +/Resources 582 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +82 0 obj << +/D [583 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +579 0 obj << +/D [583 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +582 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +587 0 obj << +/Length 4641 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(100)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(aus,)-394(und)-364(es)-365(geh\366rte)-365(viel)-365(Tannenreisig)-364(dazu,)-394(um)-365(die)-364(unfertigen)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344nde,)-415(Kalkk\374bel)-381(und)-382(Schutthaufen)-381(zu)-382(maskieren,)-414(die)-382(in)-381(der)]TJ 0 -13.549 Td [(N\344he)-250(des)-250(Treppenhauses)-250(einen)-250(unsch\366nen)-250(Anblick)-250(bieten.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Der)-317(Lehrer)-316(Herder)-317(hat)-316(ein)-317(Melodram)-316(geschaffen.)-450(Der)-316(Mann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dichtet,)-329(komponiert)-314(und)-313(malt.)-441(\334ber)-313(braven)-314(Dilettantismus)-313(geht)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-214(bei)-215(Herder)-214(nirgends)-214(hinaus,)-222(aber)-214(er)-214(schafft)-215(f\374r)-214(den)-214(Hausbedarf)]TJ 0 -13.55 Td [(brauchbare,)-250(gef\344llige)-250(S\344chelchen.)]TJ 11.956 -14.094 Td [(Die)-336(Einladung)-336(ist)-337(wieder)-336(an)-336(alle)-336(Volkskreise)-336(ergangen)-336(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-476(Noahrezept:)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.962 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-476(jeder)-477(Art)-476(zwei)-477(P\344rchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.384 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.041 0 Td [(Dazu)-476(sind)]TJ -234.23 -13.55 Td [(alle)-407(Kinder)-407(geladen,)-446(die)-407(zum)-407(gro\337en)-407(Teil)-407(bei)-407(dem)-406(Melodram)]TJ 0 -13.549 Td [(mitspielen.)-240(Die)-220(Tatsache,)-226(da\337)-219(die)-220(Kleinen)-220(auf)-220(Stefensons)-219(Kosten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-366(Gew\344nder)-365(geliefert)-366(erhielten,)-394(die)-366(zu)-365(ihren)-366(Rollen)-365(geh\366ren,)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-250(dem)-250(Spender)-250(vollends)-250(die)-250(Sympathie)-250(der)-250(Stadt)-250(verschafft.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Der)-299(Festsaal)-299(war)-298(denn)-299(auch)-299(be\344ngstigend)-299(voll)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.02 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.714 0 Td [(zugleich)-299(f\374r)]TJ -227.69 -13.549 Td [(Joachim)-206(die)-205(gro\337e)-206(Probe,)-214(ob)-206(er)-205(erkannt)-206(werden)-205(w\374rde)-206(oder)-205(nicht.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Er)-358(wurde)-358(nicht)-358(erkannt.)-575(Die)-358(Leute)-358(betrachteten)-358(ihn)-358(mit)-358(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Neugier,)-186(die)-170(dem)-170(\374berseeischen)-171(Arzt)-170(galt,)-186(von)-170(dessen)-170(Ankunft)-170(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(alsbald)-270(mit)-270(der)-269(gl\344ubigen)-270(deutschen)-270(Ausl\344nderverehrung)-269(gesagt)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten,)-372(nun)-347(m\374sse)-347(es)-347(wirklich)-347(eine)-348(gute)-347(Kuranstalt)-347(werden,)-371(da)]TJ 0 -13.55 Td [(sogar)-281(ein)-281(amerikanischer)-281(Arzt)-281(mittue.)-343(Von)-281(der)-281(Zeit)-281(an)-281(schienen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([133])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(den)-371(Waltersburgern)-371(die)-371(Neust\344dter)-371(geschlagen;)-431(denn)-371(Neustadt)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-250(nur)-250(deutsche)-250(\304rzte.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Ich)-448(besuchte)-449(diese)-448(harmlose)-449(Weihnachtsfeier)-448(mit)-448(erregtem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Herzen.)-224(Einige)-171(Tage)-171(vor)-171(dem)-172(Festabend)-171(war)-171(mir)-171(Herder)-171(begegnet)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-269(hatte)-270(mir)-269(mitgeteilt,)-274(da\337)-270(nun)-269(in)-269(seinem)-270(Melodram)-269(sogar)-269(die)]TJ 0 -13.549 Td [(eigene)-255(Nichte)-255(von)-256(Herrn)-255(Stefenson)-255(eine)-255(Hauptrolle)-255(\374bernehmen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-387(ein)-387(kleines)-387(Liedchen)-386(singen)-387(w\374rde.)-661(Ich)-387(verbarg)-386(m\374hsam)]TJ 0 -13.55 Td [(meinen)-250(Schrecken.)]TJ 11.956 -14.094 Td [(Herder)-250(erz\344hlte)-250(weiter:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-203(habe)-202(mit)-203(der)-202(Kleinen)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.599 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.665 0 Td [(die)-203(Leute)-202(sagen,)-212(es)-203(sei)-202(die)-203(Tochter)]TJ -133.063 -13.549 Td [(des)-269(amerikanischen)-269(Petroleumk\366nigs)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.758 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.391 0 Td [(eine)-269(Probe)-269(gemacht.)-308(Sie)]TJ -174.149 -13.549 Td [(hat)-166(eine)-165(allerliebste)-166(Stimme,)-182(aber)-166(sie)-165(erscheint)-166(etwas)-165(sch\374chtern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -14.095 Td [(Ich)-250(verabschiedete)-250(mich)-250(und)-250(ging)-250(sofort)-250(zu)-250(Mister)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(unerh\366rt)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.542 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +586 0 obj << +/Type /Page +/Contents 587 0 R +/Resources 585 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 564 0 R +>> endobj +588 0 obj << +/D [586 0 R /XYZ 206.345 258.558 null] +>> endobj +585 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +591 0 obj << +/Length 3944 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Weihnachten)-18948(101)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-250(wu\337te)-250(augenblicklich,)-250(was)-250(ich)-250(meinte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -17.14 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gar)-174(nichts)-175(ist)-174(unerh\366rt)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.393 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-190(unterbrach)-174(er)-174(mich)-175(rauh.)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.011 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-174(Nichte)]TJ -233.891 -13.549 Td [(von)-238(Mister)-239(Stefenson)-238(kann)-238(auftreten)-239(und)-238(singen,)-241(wo)-238(sie)-238(will.)-246(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337)-253(auftreten,)-254(sie)-254(mu\337)-253(ihre)-253(Sch\374chternheit)-254(\374berwinden.)-259(He,)-254(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(scheinen)-341(mir)-341(ein)-340(sch\366ner)-341(Psychologe)-341(zu)-341(sein,)-363(wenn)-341(Sie)-340(solche)]TJ 0 -13.549 Td [(Momente)-250(au\337er)-250(acht)-250(lassen)-250(wollen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.211 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -142.255 -17.14 Td [(Was)-315(hatte)-314(es)-315(f\374r)-315(Zweck,)-330(sich)-315(mit)-315(diesem)-314(Manne)-315(zu)-314(zanken?)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Nun)-250(mu\337te)-250(eben)-250(durchgehalten)-250(werden)-250(...)]TJ 11.956 -17.14 Td [(Die)-504(Mutter)-505(sa\337)-504(mit)-504(Joachim,)-568(mir)-504(und)-505(Stefenson)-504(in)-504(einer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Seitenloge,)-655(nahe)-574(an)-574(der)-574(B\374hne.)-1222(Ich)-574(sah)-574(und)-574(h\366rte)-574(kaum)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([134])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(etwas)-352(von)-352(dem)-351(Melodram,)-377(von)-352(dem)-352(Gewimmel)-352(von)-351(Zwergen,)]TJ 0 -13.55 Td [(Kobolden,)-262(Nu\337knackern,)-262(Pfefferkuchenm\344nnlein,)-262(Tiergestalten,)]TJ 0 -13.549 Td [(Besenbinderbuben)-289(und)-290(all)-289(den)-289(Mannschaften,)-299(die)-289(zum)-289(\374blichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsst\374ck)-307(geh\366ren;)-335(ich)-307(wartete)-306(mit)-307(Herzklopfen)-307(auf)-306(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsengel,)-579(als)-513(dessen)-514(Darstellerin)-513(Mi\337)-513(Stefenson)-513(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(Chikago)-410(auf)-410(dem)-410(riesigen)-410(roten)-410(Theaterzettel)-410(angegeben)-410(war.)]TJ 0 -13.55 Td [(Nun)-448(war)-449(nur)-448(noch)-449(das)-448(letzte)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.407 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bild)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.796 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.735 0 Td [(\374brig,)-498(nun)-448(mu\337te)-449(Luise)]TJ -171.782 -13.549 Td [(auftreten)-250(und)-250(damit)-250(die)-250(Entscheidung)-250(kommen.)]TJ 11.956 -17.14 Td [(Der)-289(Vorhang)-289(hob)-288(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.637 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.605 0 Td [(Eine)-289(Bethlehemsgrotte.)-366(Die)-289(heilige)]TJ -125.198 -13.549 Td [(Mutter)-438(mit)-439(ihrem)-438(Kind,)-486(Joseph,)-486(die)-438(Hirten,)-486(die)-438(drei)-438(K\366nige;)]TJ 0 -13.549 Td [(rings)-553(in)-554(Anbetung)-553(versunken)-553(knieten)-553(Zwerge,)-629(Besenbinder,)]TJ 0 -13.549 Td [(Pfefferkuchenm\344nnlein.)-545(Es)-349(war)-348(alles)-348(in)-349(halber)-348(Nacht,)-373(nur)-348(von)]TJ 0 -13.55 Td [(einem)-250(mattroten)-250(Schein)-250(erhellt.)]TJ 11.956 -17.14 Td [(Da)-761(erschien)-761(pl\366tzlich)-761(ein)-761(Licht)-761(\374ber)-762(der)-761(Grotte,)-888(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wundersch\366nes)-494(Engelein)-494(trat)-493(in)-494(den)-494(hellen)-494(Schein)-494(und)-493(sang)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(zittrigem)-250(Silberstimmchen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -33.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Vom)-250(Himmel)-250(hoch,)-250(da)-250(komm)-250(ich)-250(her)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Und)-250(bring)-250(euch)-250(allen)-250(frohe)-250(M\344r:)]TJ 0 -13.549 Td [(Geboren)-250(ist)-250(in)-250(Davids)-250(Stadt)]TJ 0 -13.55 Td [(Er,)-250(der)-250(des)-250(Lebens)-250(F\374lle)-250(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.127 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +590 0 obj << +/Type /Page +/Contents 591 0 R +/Resources 589 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +592 0 obj << +/D [590 0 R /XYZ 303.161 385.46 null] +>> endobj +589 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +596 0 obj << +/Length 4498 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(102)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-319(Mutter)-319(sa\337)-319(wie)-319(starr.)-457(Einmal)-319(tastete)-319(ihre)-319(Hand)-319(nach)-319(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meinen)-273(und)-272(dr\374ckte)-272(sie)-273(in)-272(kurzem,)-279(heftigem)-272(Erschrecken.)-317(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-250(sie)-250(regungslos.)-250(Die)-250(ganze)-250(Gemeinde)-250(sa\337)-250(in)-250(Andacht.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Joachim)-215(war)-216(ganz)-215(gleichm\374tig.)-238(Als)-216(der)-215(Vorhang)-215(gefallen)-215(war,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sagte)-250(er:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([135])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-250(Stefenson,)-250(Ihre)-250(Nichte)-250(ist)-250(ein)-250(reizendes)-250(Kind!)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.258 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 421.265 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 405.252 Td [(Die)-301(Mutter)-301(wollte)-301(sofort)-301(nach)-300(Hause.)-403(Ich)-301(begleitete)-301(sie.)-402(Wir)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gingen)-464(stumm)-465(in)-464(dem)-464(Menschenstrom.)-893(Erst)-464(als)-464(wir)-464(daheim)]TJ 0 -13.549 Td [(angelangt)-232(waren)-232(und)-232(die)-232(Lampe)-232(angez\374ndet)-232(hatten,)-235(sah)-232(mich)-232(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-250(voller)-250(Angst)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fritz)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.335 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(das)-250(Kind)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.815 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(dieses)-250(Kind)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.116 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -148.472 -13.549 Td [(Ich)-250(sah)-250(ihr)-250(ernst)-250(in)-250(die)-250(Augen)-250(und)-250(schwieg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fritz)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.335 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(sage)-250(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.993 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ist)-250(es)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.851 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ist)-250(es?)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.876 0 Td [(\034)]TJ -155.443 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-250(Es)-250(ist)-250(Luise.)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.182 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -73.025 -13.549 Td [(Da)-337(sank)-337(sie)-337(auf)-337(das)-337(Sofa)-337(und)-337(verbarg)-337(den)-337(Kopf.)-511(Ich)-337(trat)-337(zu)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihr.)-250(Nicht)-250(ohne)-250(Bitterkeit)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mutter,)-337(du)-319(brauchst)-320(dich)-319(nicht)-319(zu)-320(\344ngstigen,)-337(das)-319(Kind)-320(wird)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dir)-453(nie)-453(Ungelegenheiten)-454(machen;)-555(es)-453(ist)-453(in)-453(Mister)-453(Stefensons)]TJ 0 -13.549 Td [(Pflege)-250(gut)-250(aufgehoben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.888 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -88.932 -13.549 Td [(So)-363(wollte)-363(ich)-363(gehen.)-589(Aber)-363(ich)-363(brachte)-363(es)-363(doch)-363(nicht)-362(fertig.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Ich)-353(blieb)-354(am)-353(Tische)-353(sitzen.)-560(Nach)-353(langer)-354(Zeit,)-379(in)-353(der)-353(nichts)-353(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(h\366ren)-218(war)-218(als)-218(das)-218(leise)-218(Singen)-218(der)-218(Lampe)-218(und)-218(der)-218(Schlag)-217(unserer)]TJ 0 -13.549 Td [(Standuhr,)-349(st\374tzte)-329(die)-329(Mutter)-329(den)-330(Kopf)-329(auf)-329(den)-329(Tisch)-329(und)-329(sagte)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374de:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(Kind)-250(ist)-250(Joachim)-250(\344hnlicher,)-250(als)-250(er)-250(sich)-250(jetzt)-250(selbst)-250(ist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 251.792 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -256.635 -13.55 Td [(Nach)-250(einem)-250(Weilchen)-250(meinte)-250(sie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-271(wird)-271(wohl)-271(keine)-271(M\366glichkeit)-271(geben,)-276(da\337)-271(ich)-271(das)-272(Kind)-271(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-250(nehme?)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.808 0 Td [(\034)]TJ -39.852 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-217(Mutter,)-217(es)-209(gibt)-209(keine)-209(solche)-209(M\366glichkeit)-209(mehr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.436 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.122 0 Td [(Damit)]TJ -253.357 -13.549 Td [(ging)-250(ich)-250(nach)-250(meinem)-250(Zimmer.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +595 0 obj << +/Type /Page +/Contents 596 0 R +/Resources 594 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +597 0 obj << +/D [595 0 R /XYZ 93.543 461.6 null] +>> endobj +594 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +598 0 obj +<< /S /GoTo /D (index14) >> +endobj +601 0 obj +(Fuegung ...!) +endobj +604 0 obj << +/Length 3614 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([136])]TJ/F16 18.9589 Tf -192.595 -68.625 Td [(F\374gung)-280(...!)]TJ/F16 10.9091 Tf -98.429 -36.73 Td [(Joachim)-436(wohnt)-436(jetzt)-436(in)-436(der)-436(Lindenherberge,)-482(wo)-436(schon)-436(einige)]TJ 0 -13.549 Td [(Zimmer)-414(fertiggestellt)-413(sind)-414(und)-414(auch)-413(der)-414(K\374chenbetrieb)-413(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-377(Gange)-376(ist.)-630(Im)-376(Rathaus)-377(gegen\374ber)-376(haust)-376(Stefenson.)-630(Er)-376(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-228(Arbeitst\344tigkeit)-228(noch)-229(vermehrt)-228(und,)-232(wie)-229(er)-228(mir)-228(sagte,)-232(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeit)-389(mehr,)-423(Luises)-389(willen)-389(t\344glich)-389(nach)-389(Neustadt)-389(zu)-389(fahren)-388(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-350(um)-350(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.517 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(G\344nschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.014 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.663 0 Td [(zu)-350(k\374mmern.)-550(So)-351(wolle)-350(er)-350(das)-350(M\344del)]TJ -114.038 -13.549 Td [(lieber)-282(zu)-282(sich)-282(nehmen.)-347(Das)-282(sei)-282(ihm)-282(zwar)-282(sehr)-282(st\366rend,)-290(aber)-282(was)]TJ 0 -13.549 Td [(wolle)-212(er)-211(machen?)-237(Er)-212(h\344tte)-211(auch)-212(gefunden,)-219(da\337)-211(die)-212(Pflegeeltern)-211(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Neustadt)-208(die)-207(Sache)-208(mit)-207(Luise)-208(nicht)-207(recht)-208(verst\344nden.)-236(Ich)-207(grunzte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonst)-250(sagte)-250(ich)-250(nichts)-250(...)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Die)-402(weitere)-401(Ausgestaltung)-402(unserer)-401(Riesenanstalt)-402(schritt)-401(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gr\366\337ter)-303(Schnelligkeit)-304(vor)-303(sich.)-410(Da)-303(sagte)-304(Mister)-303(Stefenson)-303(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Tages)-250(zu)-250(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.411 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-332(nun,)-353(mein)-332(Lieber,)-352(ist)-333(es)-332(die)-332(allerh\366chste)-332(Zeit,)-353(da\337)-332(wir)]TJ -16.799 -13.549 Td [(an)-241(die)-241(Bauernrequirierung)-241(gehen.)-246(Zehn)-241(H\366fe)-241(sind)-241(fast)-241(fertig,)-242(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Vieh)-242(ist)-242(rasch)-241(zu)-242(beschaffen,)-243(ebenso)-242(die)-242(Haus-)-242(und)-241(Ackerger\344te,)]TJ 0 -13.55 Td [(aber)-438(das)-438(Bauernvol)1(k,)-485(das)-438(uns)-438(einpa\337t,)-484(das)-438(will)-438(gesucht)-437(sein.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-372(hatte)-372(anfangs)-373(an)-372(Agenten)-372(gedacht,)-403(aber)-372(das)-372(ist)-372(nichts;)-433(die)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen)-212(blo\337)-211(auf)-212(ihre)-212(Provision)-211(aus)-212(und)-212(schicken)-211(uns)-212(Schinder)-211(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Plunder)-260(auf)-259(den)-260(Hals.)-278(Haben)-260(Sie)-259(also)-260(die)-259(Freundlichkeit,)-262(sich)-259(in)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([137])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(einen)-342(Vieh-)-342(oder)-343(Getreideh\344ndler)-342(oder,)-365(wenn)-342(Ihnen)-342(das)-342(besser)]TJ 0 -13.55 Td [(liegt,)-251(in)-251(einen)-251(G\374termakler)-250(zu)-251(verwandeln)-251(und)-251(mich)-251(morgen)-250(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Bauernsuche)-250(zu)-250(begleiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.477 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.521 -14.41 Td [(Nun,)-466(diese)-422(Aufgabe)-423(pa\337te)-422(mir,)-466(zumal)-422(ich)-423(Stefenson)-422(bereit)]TJ -11.956 -13.55 Td [(fand,)-576(unser)-511(Gl\374ck)-511(zun\344chst)-511(in)-511(Schlesien)-511(zu)-511(probieren.)-1032(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(bestimmte)-289(die)-289(Ausr\374stung.)-368(Schaftstiefel,)-298(englische)-289(Lederhosen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +603 0 obj << +/Type /Page +/Contents 604 0 R +/Resources 602 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +83 0 obj << +/D [603 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +599 0 obj << +/D [603 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +605 0 obj << +/D [603 0 R /XYZ 66.779 148.299 null] +>> endobj +602 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +608 0 obj << +/Length 4798 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(104)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(eine)-265(Joppe)-265(aus)-264(grauem)-265(Tuch)-265(mit)-265(Hirschhornkn\366pfen)-265(und)-264(gr\374ner)]TJ 0 -13.549 Td [(Tascheneinfassung,)-561(ein)-499(Vorhemd)-499(ohne)-499(Schlips,)-561(ein)-498(seidenes)]TJ 0 -13.549 Td [(T\374chlein)-623(um)-624(den)-623(Hals,)-717(eine)-623(Lodenm\374tze,)-717(das)-623(war)-623(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausr\374stung.)-929(Solcher)-477(Kleidung)-476(bringen)-477(die)-476(Bauern)-476(Zutrauen)]TJ 0 -13.55 Td [(entgegen,)-543(da)-485(vermuten)-484(sie)-484(keine)-485(verkniffenen)-484(St\344dter,)-543(keine)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Juden)-250(oder)-250(Winkeladvokaten)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.243 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(die)-250(sie)-250(\374bers)-250(Ohr)-250(hauen)-250(wollen.)]TJ -124.975 -13.549 Td [(Es)-680(w\344re)-680(alles)-681(gut)-680(gewesen,)-788(wenn)-680(nicht)-680(Stefenson)-680(am)]TJ -11.956 -13.549 Td [(n\344chsten)-265(Morgen,)-269(als)-265(die)-266(Reise)-265(losgehen)-265(sollte,)-269(die)-265(kleine)-265(Luise)]TJ 0 -13.549 Td [(mitgebracht)-250(h\344tte.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Ich)-265(schlug)-266(Skandal.)-296(Was)-265(er)-265(sich)-265(einbilde,)-270(ein)-265(so)-265(kleines)-265(Kind)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auf)-291(so)-291(lange)-291(Reise)-292(mitzuschleppen?)-373(Ob)-291(er)-291(denn)-291(nicht)-291(bed\344chte,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-248(uns)-248(das)-248(M\344del)-248(nur)-249(st\366ren)-248(und)-248(aufhalten)-248(w\374rde?)-249(Es)-248(war)-248(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(umsonst;)-250(Luise)-250(fuhr)-250(mit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Pappa)-221(hat)-222(mehr)-221(zu)-221(sagen)-221(als)-222(der)-221(Onkel)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.157 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-227(sagte)-221(die)-222(Kleine)-221(mit)]TJ -188.8 -13.55 Td [(einem)-250(Anflug)-250(von)-250(schnippischem)-250(Ton.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-386(macht)-387(sich)-386(heraus;)-454(sie)-386(f\344ngt)-387(an,)-420(Courage)-386(zu)-387(kriegen)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(sagte)-250(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.804 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Pappa)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.661 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(anerkennend.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 272.034 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 255.831 Td [(Auf)-821(einer)-820(gr\366\337eren)-821(Station)-821(stiegen)-820(wir)-821(w\344hrend)-820(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zugaufenthaltes)-321(aus,)-339(um)-322(dem)-321(Kinde)-321(Orangen)-321(zu)-322(kaufen.)-463(Noch)]TJ 0 -13.55 Td [(als)-449(wir)-449(am)-449(Stande)-449(des)-449(Obsth\344ndlers)-449(waren,)-499(n\344herte)-448(sich)-449(uns)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([138])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(eiligen)-377(Schrittes)-378(eine)-377(Frau.)-633(Sie)-377(starrte)-378(erst)-377(mich)-378(an,)-409(dann)-377(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Kind,)-267(fa\337te)-264(es)-264(blitzschnell)-264(an)-264(der)-264(Hand,)-267(ri\337)-264(es)-264(an)-264(sich)-264(und)-263(k\374\337te)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-250(wie)-250(rasend.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Das)-261(M\344del)-261(schrie)-261(erschrocken)-261(auf,)-264(Stefenson)-261(sagte)-261(betroffen:)]TJ/F24 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-268(Madame,)-272(was)-267(tun)-268(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.121 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-272(und)-268(ich)-267(wand)-268(der)-267(Frau)-268(das)-268(Kind)]TJ -133.809 -13.549 Td [(aus)-175(den)-174(Armen.)-225(Neugierige)-175(Leute)-175(eilten)-174(herbei;)-200(es)-175(gab)-174(gewaltiges)]TJ 0 -13.549 Td [(Aufsehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Zur\374ck)-182(in)-181(den)-182(Wagen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.219 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.826 0 Td [(rief)-182(ich)-181(Stefenson)-182(zu,)-195(der)-182(mir)-182(verwirrt)]TJ -119.844 -13.549 Td [(folgte.)-250(Bald)-250(sa\337en)-250(wir)-250(im)-250(Abteil,)-250(und)-250(die)-250(T\374r)-250(flog)-250(zu.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Drau\337en)-250(schrie)-250(eine)-250(gellende)-250(Stimme:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-292(ist)-292(mein)-292(Kind)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.595 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.639 0 Td [(es)-292(ist)-292(mein)-292(Kind)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.773 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.64 0 Td [(la\337t)-292(mich)-292(zu)-292(meinem)]TJ -187.446 -13.549 Td [(Kinde!)-250(Luise!)-250(Luise!)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.495 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +607 0 obj << +/Type /Page +/Contents 608 0 R +/Resources 606 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +609 0 obj << +/D [607 0 R /XYZ 264.726 228.732 null] +>> endobj +606 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +612 0 obj << +/Length 4876 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(F\374gung)-250(...!)-19835(105)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-218(Leute)-217(hielten)-218(die)-218(Frau,)-224(die)-218(sich)-218(verzweifelt)-218(wehrte,)-224(an)-217(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Armen)-349(fest;)-399(der)-349(aufsichtf\374hrende)-348(Beamte)-349(eilte)-349(an)-349(unser)-349(Abteil)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-220(begehrte)-221(Auskunft.)-240(Ich)-220(stieg)-220(aus,)-226(stellte)-221(mich)-220(vor)-220(und)-220(sprach)]TJ 0 -13.549 Td [(einige)-250(aufkl\344rende)-250(S\344tze.)-250(Zuletzt)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-482(Vorsteher,)-539(fragen)-482(Sie)-481(die)-482(Frau,)-539(ob)-482(sie)-482(gesetzlichen)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Anspruch)-250(auf)-250(dieses)-250(Kind)-250(habe!)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.964 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.008 -13.899 Td [(Er)-353(entfernte)-352(sich,)-379(ging)-353(zu)-352(der)-353(Frau,)-378(wies)-353(alle)-353(Leute)-352(beiseite)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-257(sprach)-258(leise)-257(auf)-258(sie)-257(ein.)-273(Sie)-257(stand)-258(tiefgesenkten)-257(Hauptes)-257(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(herabh\344ngenden)-386(Armen,)-420(heftig)-386(schluchzend)-386(vor)-386(ihm.)-658(Nun)-385(tat)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-281(wohl)-282(die)-281(Frage:)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.123 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haben)-281(Sie)-282(einen)-281(gesetzlichen)-282(Anspruch)-281(auf)]TJ -88.966 -13.549 Td [(jenes)-250(M\344dchen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.582 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.626 -13.9 Td [(Da)-342(sch\374ttelte)-342(sie)-342(den)-342(Kopf.)-526(Ein)-342(Blick)-342(voll)-342(Wehes)-342(traf)-342(noch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(unser)-250(Wagenfenster,)-250(dann)-250(verlie\337)-250(die)-250(Frau)-250(den)-250(Bahnhof.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([139])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(war)-250(die)-250(b\366se)-250(Frau?)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(Luise)-250(ver\344ngstigt.)]TJ/F24 10.9091 Tf -116.618 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eine)-250(Verr\374ckte)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.338 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(Stefenson)-250(rauh.)]TJ/F24 10.9091 Tf -76.025 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wird)-250(sie)-250(nie)-250(wieder)-250(zu)-250(mir)-250(kommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 162.393 0 Td [(\034)]TJ -167.236 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-250(nie)-250(wieder!)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.037 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.88 -13.9 Td [(Wie)-508(lange)-508(doch)-508(der)-508(Aufenthalt)-508(noch)-508(w\344hrte!)-1024(Die)-507(Leute)]TJ -11.956 -13.549 Td [(spazierten)-267(drau\337en)-267(und)-268(gafften)-267(neugierig)-267(nach)-267(unserem)-267(Fenster.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-313(zog)-313(den)-313(Vorhang)-314(vor.)-439(Endlich)-313(setzte)-313(sich)-313(der)-313(Zug)-313(langsam)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-238(in)-237(Bewegung.)-246(Aber)-238(kaum)-238(hatte)-237(er)-238(den)-238(Bahnhof)-237(verlassen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-253(fuhr)-254(noch)-253(nicht)-253(mit)-253(voller)-254(Geschwindigkeit,)-254(da)-253(gab)-253(es)-253(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(gewaltigen)-250(Ruck)-250(und)-250(Sto\337,)-250(und)-250(der)-250(Zug)-250(stand.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Ich)-190(ri\337)-190(das)-190(Fenster)-190(auf.)-230(Von)-190(der)-190(Lokomotive)-190(sprang)-190(der)-190(Heizer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ab,)-311(Schaffner)-299(eilten)-299(den)-299(Bahnsteig)-299(entlang)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.873 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.716 0 Td [(ein)-299(Schaffner)-299(kam)]TJ -199.589 -13.549 Td [(zur\374ck)-250(und)-250(gab)-250(uns)-250(Auskunft)-250(...)]TJ 11.956 -13.9 Td [(\334ber)-250(das)-250(Feld)-250(rannte)-250(jene)-250(Frau)-250(...)]TJ 0 -13.9 Td [(Das)-595(Weib)-595(hatte)-595(sich)-595(dicht)-595(hinter)-595(dem)-595(Bahnhof)-595(auf)-594(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schienen)-473(geworfen,)-529(und)-474(der)-473(Lokomotivf\374hrer)-473(hatte)-473(den)-473(Zug)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-250(rechtzeitig)-250(zum)-250(Stehen)-250(gebracht.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Luise)-496(war)-496(auf)-495(die)-496(Sitzbank)-496(geklettert)-496(und)-496(schaute)-495(durchs)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fenster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-250(rennt)-250(sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.44 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(da)-250(rennt)-250(die)-250(b\366se)-250(Frau!)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.582 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(das)-250(Kind.)]TJ/F24 10.9091 Tf -176.618 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(La\337)-250(das)-250(verr\374ckte)-250(Weib!)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.142 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(knirschte)-250(Stefenson.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +611 0 obj << +/Type /Page +/Contents 612 0 R +/Resources 610 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +613 0 obj << +/D [611 0 R /XYZ 46.771 352.155 null] +>> endobj +610 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +616 0 obj << +/Length 4834 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(106)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Wir)-175(fuhren)-174(weiter.)-225(Grauer)-175(Nebel)-175(zog)-174(\374ber)-175(die)-175(Fluren,)-189(frierende)]TJ -11.956 -13.549 Td [(V\366gel)-175(sa\337en)-174(auf)-175(den)-175(Telegraphendr\344hten,)-189(alles,)-190(was)-175(drau\337en)-174(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(fror,)-250(die)-250(B\344ume)-250(und)-250(die)-250(Berge,)-250(die)-250(Tiere)-250(und)-250(die)-250(Menschen.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Die)-586(eine)-586(irrte)-587(nun)-586(allein)-586(mit)-586(dem)-586(aufgeschreckten)-586(Weh)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verschm\344hter)-376(Mutterliebe)-375(im)-376(Herzen)-375(durch)-376(die)-375(kalte)-376(Flur,)-406(das)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([140])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Kind)-423(hatte)-424(sich)-423(vor)-423(ihr)-423(entsetzt,)-467(und)-423(selbst)-424(der)-423(Tod)-423(hatte)-423(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(verschm\344ht.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Stefenson)-250(sa\337)-250(finster)-250(in)-250(seiner)-250(Ecke.)]TJ 0 -13.899 Td [(Das)-250(Kind)-250(begann)-250(wieder)-250(zu)-250(sprechen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle)-250(verr\374ckten)-250(Menschen)-250(sind)-250(sehr)-250(b\366se.)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.989 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -187.832 -13.9 Td [(Da)-250(brummte)-250(sie)-250(Stefenson)-250(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-226(kann)-226(man)-226(nicht)-226(sagen,)-231(du)-226(G\344nschen!)-242(Manche)-227(Menschen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(k\366nnen)-250(nicht)-250(mal)-250(richtig)-250(daf\374r,)-250(da\337)-250(sie)-250(verr\374ckt)-250(sind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 231.48 0 Td [(\034)]TJ -219.524 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieso)-250(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.262 0 Td [(\034)]TJ -62.105 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-277(verstehst)-277(du)-278(nicht.)-331(Das)-278(versteht)-277(selbst)-277(unter)-277(den)-278(gro\337en)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Menschen)-250(von)-250(Tausenden)-250(kaum)-250(einer)-250(richtig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.353 0 Td [(\034)]TJ -187.397 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-394(hast)-395(aber)-394(gesagt,)-431(sie)-394(ist)-394(verr\374ckt,)-431(und)-394(du)-395(hast)-394(es)-395(b\366se)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gesagt)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(verharrte)-250(das)-250(Kind.)]TJ/F24 10.9091 Tf -20.761 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-272(habe)-273(ich)-272(eben)-272(eine)-273(Dummheit)-272(gesagt.)-317(Denn)-272(ich)-273(kenne)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-246(Frau)-245(nicht)-246(und)-245(kann)-246(daher)-245(auch)-246(nicht)-245(wissen,)-246(ob)-246(sie)-245(verr\374ckt)]TJ 0 -13.55 Td [(oder)-250(b\366se)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.873 0 Td [(\034)]TJ -45.917 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(B\366se)-412(ist)-411(sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.23 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-452(wiederholte)-412(Luise;)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.299 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(denn)-412(sie)-411(hat)-412(mich)-412(sehr)]TJ -176.014 -13.55 Td [(gequetscht)-276(und)-276(mich)-276(auch)-276(in)-275(die)-276(Wange)-276(gebissen.)-328(Sie)-276(soll)-275(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wiederkommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.637 -13.9 Td [(Grau)-250(rann)-250(der)-250(Regen)-250(\374ber)-250(das)-250(Wagenfenster.)]TJ 0 -13.9 Td [(All)-484(unsere)-484(frohe)-484(Laune)-484(war)-483(dahin.)-952(Schwache,)-542(gedr\374ckte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Menschen,)-364(sa\337en)-342(wir)-341(da)-342(im)-341(Zuge,)-364(der)-342(uns)-341(schnell)-341(davonf\374hrte)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-405(eine)-405(gro\337e)-405(Strecke)-405(zwischen)-405(uns)-405(und)-405(die)-405(S\374nderin)-405(legte,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-264(uns)-264(gest\366rt)-265(hatte)-264(in)-264(unserer)-264(Behaglichkeit,)-268(und)-264(die)-264(wir)-264(daher)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(rasch)-250(und)-250(rauh)-250(genug)-250(absch\374tteln)-250(konnten.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Der)-541(g\366ttliche)-541(Freund)-540(Mariens)-541(von)-541(Magdala)-541(fiel)-541(mir)-540(ein.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wie)-445(h\344tte)-445(er)-445(wohl)-445(gehandelt)-445(in)-445(meinem)-445(Falle?)-835(H\344tte)-445(er)-445(die)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([141])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Arme)-259(beiseit)1(egesto\337en,)-261(sich)-259(einen)-258(Beamten)-259(kommen)-258(lassen)-258(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-514(hinter)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.229 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(gesetzliches)-513(Recht)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.765 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.445 0 Td [(verschanzt?)-1041(W\344re)-513(er)-513(dann)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +615 0 obj << +/Type /Page +/Contents 616 0 R +/Resources 614 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 593 0 R +>> endobj +617 0 obj << +/D [615 0 R /XYZ 359.631 463.628 null] +>> endobj +618 0 obj << +/D [615 0 R /XYZ 347.511 93.24 null] +>> endobj +614 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +621 0 obj << +/Length 1481 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(F\374gung)-250(...!)-19835(107)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(weitergefahren,)-260(fast)-257(hinweg)-258(\374ber)-258(den)-257(zuckenden)-258(Leib,)-260(und)-257(h\344tte)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-355(der)-356(Fliehenden)-355(nachgeschaut)-355(vom)-355(sicheren)-356(Fenster)-355(aus,)-381(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(hochm\374tigem)-289(Abscheu)-288(in)-289(der)-289(Seele?)-366(Oder)-288(w\344re)-289(ihr)-289(der)-288(Meister)]TJ 0 -13.549 Td [(nachgegangen,)-186(h\344tte)-170(sie)-170(an)-169(der)-170(Hand)-170(genommen)-170(und)-170(ihr,)-186(wenn)-169(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(guten)-335(Willens)-336(war,)-356(ein)-336(Zweiglein)-335(vom)-335(verlorenen)-335(Mutterkranz)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-248(versprochen,)-248(ihr)-247(ein)-248(klein)-247(wenig)-247(goldene)-248(Kindesliebe)-247(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Zukunft)-250(verhei\337en?)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich!)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-971(werde)-972(mich)-971(vor)-971(allen)-972(Dingen)-971(erl\366sen)-971(m\374ssen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(von)-702(allem)-702(kalten)-703(Hochmut)-702(des)-702(Herzens)-702(und)-702(allem)-702(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-538(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.653 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(gesetzm\344\337igen)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.832 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.717 0 Td [(Zur\374cksto\337en)-538(der)-539(Schwachen)-538(und)]TJ -123.046 -13.549 Td [(Schuldigen)-250(...)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +620 0 obj << +/Type /Page +/Contents 621 0 R +/Resources 619 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +619 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +623 0 obj +<< /S /GoTo /D (index15) >> +endobj +626 0 obj +(Bauernanwerbung) +endobj +629 0 obj << +/Length 3861 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([142])]TJ/F16 18.9589 Tf 143.577 -66.863 Td [(Bauernanwerbung)]TJ/F16 10.9091 Tf -70.822 -34.967 Td [(In)-301(S.)-301(mieteten)-301(wir)-302(einen)-301(Wagen)-301(und)-301(ein)-301(Pferd)-301(und)-301(machten)-301(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(paar)-350(ergebnislose)-350(Besuche)-350(auf)-349(den)-350(umliegenden)-350(D\366rfern.)-549(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-296(Werber)-296(f\374r)-296(eine)-297(Freiwilligenlegion)-296(kamen)-296(wir)-296(uns)-296(vor.)-388(Auf)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-270(Landstra\337e)-270(trafen)-270(wir)-270(aber)-270(eines)-270(Tages)-270(ein)-270(B\344uerlein,)-275(das)-269(in)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-335(gro\337en)-335(bunten)-335(Taschentuch)-335(allerhand)-335(Waren)-334(eingepackt)]TJ 0 -13.549 Td [(trug,)-250(die)-250(es)-250(wohl)-250(auf)-250(dem)-250(Markte)-250(erstanden)-250(hatte.)]TJ 11.956 -14.059 Td [(Ich)-240(schaute)-241(den)-241(Bauern)-240(pr\374fend)-241(an.)-246(Er)-241(hatte)-241(ein)-240(offenes,)-242(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(unkluges)-415(Gesicht.)-744(Und)-415(der)-414(Mann)-415(ging)-415(zu)-414(Fu\337)-415(und)-415(trug)-414(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(kleines)-213(Paket.)-237(Das)-213(war)-212(einer)-213(f\374r)-212(uns.)-238(An)-212(die)-213(reichen)-212(schlesischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Bauern)-251(konnten)-250(wir)-251(uns)-251(nicht)-251(wenden,)-250(die)-251(h\344tten)-251(uns)-250(ausgelacht)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-328(unserem)-328(Pachtangebote.)-483(Kleine)-328(Landwirte)-328(mu\337ten)-328(es)-327(sein,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-242(auf)-241(ihrer)-242(engen)-241(Scholle)-242(ein)-242(k\374mmerliches)-241(Leben)-242(f\374hrten)-241(und)]TJ 0 -13.549 Td [(froh)-250(waren,)-250(in)-250(eine)-250(gute)-250(Pachtung)-250(zu)-250(kommen.)]TJ 11.956 -14.058 Td [(Stefenson)-250(hielt)-250(das)-250(Pferd)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wollen)-250(Sie)-250(mitfahren?)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.771 0 Td [(\034)]TJ -103.614 -14.059 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nee!)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.197 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(antwortete)-250(der)-250(Bauer.)]TJ/F24 10.9091 Tf -33.61 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-250(denn)-250(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.04 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -90.883 -14.058 Td [(Das)-250(B\344uerlein)-250(wies)-250(auf)-250(unseren)-250(lahmen)-250(Mietsgaul.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([143])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-250(Schimmel)-250(zieht)-250(mich)-250(nich;)-250(ich)-250(wieg)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.345 0 Td [(\031)-250(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.993 0 Td [(n)-250(Zentner!)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.742 0 Td [(\034)]TJ -236.923 -14.059 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(haben)-250(wohl)-250(sch\366nere)-250(Pferde?)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.807 0 Td [(\034)]TJ -149.65 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nee,)-411(ich)-379(hab)-379(blo\337)-379(drei)-378(Zugk\374he.)-637(Aber)-379(su)-379(schnell)-379(wie)-379(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schimmel)-250(traben)-250(se)-250(ooch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.713 0 Td [(\034)]TJ -100.757 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(H\366ren)-339(Sie)-340(mal,)-362(Gevatter)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.206 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-362(sagte)-339(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.799 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-339(foppen)-340(uns.)-518(Das)]TJ -188.492 -13.549 Td [(Pferd)-250(hat)-250(viel)-250(Geld)-250(gekostet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.571 -14.059 Td [(Er)-250(meckerte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-250(da)-250(mu\337t)-250(ihr)-250(sch\366ne)-250(tumme)-250(Kerle)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.516 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +628 0 obj << +/Type /Page +/Contents 629 0 R +/Resources 627 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +84 0 obj << +/D [628 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +624 0 obj << +/D [628 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +630 0 obj << +/D [628 0 R /XYZ 93.543 175.212 null] +>> endobj +627 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +633 0 obj << +/Length 5882 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(109)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Lachend)-153(ging)-154(er)-153(neben)-153(unserem)-154(Wagen)-153(her,)-173(und)-153(wir)-153(fragten)-153(ihn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ein)-299(wenig)-298(\374ber)-299(die)-298(Gegend)-299(aus.)-396(Bald)-298(kam)-299(ein)-298(Stra\337engasthaus,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-339(ich)-340(lud)-339(den)-340(Bauern)-339(ein,)-362(mit)-339(uns)-339(einzukehren)-340(und)-339(ein)-339(Glas)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(uns)-250(zu)-250(trinken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nu)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-212(sagte)-202(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.173 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(das)-202(kann)-202(ich)-202(schon.)-234(Aber)-203(ich)-202(sag)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.516 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-202(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.991 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.837 0 Td [(gleich)]TJ -253.968 -13.549 Td [(ehrlich:)-235(zu)-219(holen)-219(is)-219(bei)-219(mir)-219(nischt.)-239(W\374rfeln)-219(tu)-219(ich)-219(nich,)-225(und)-219(billig)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-239(verkoofen)-238(hab)-239(ich)-239(ooch)-238(nischt!)-246(Keene)-239(Kuh,)-241(kee)-239(Schwein,)-240(kee)]TJ 0 -13.549 Td [(Getreide)-250(und)-250(ooch)-250(keene)-250(alten)-250(Schr\344nke)-250(und)-250(zinnernen)-250(Teller.)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.345 0 Td [(\034)]TJ -260.389 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-297(vermuten)-296(Sie)-297(denn,)-309(da\337)-296(wir)-297(Ihnen)-297(was)-297(abschachern)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wollen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.539 0 Td [(\034)]TJ -22.583 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-274(da)-269(m\374\337t)-269(man)-269(doch)-269(euch)-269(Stadtjuden)-269(nich)-269(kenn)]TJ/F24 10.9091 Tf 215.327 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(.)-307(Umsunst)]TJ -235.759 -13.549 Td [(gebt)-250(ihr)-250(doch)-250(eenem)-250(fremden)-250(Bauer)-250(keen)-250(Schnaps)-250(zum)-250(besten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 273.873 0 Td [(\034)]TJ -261.917 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-187(haben)-187(Sie)-188(ganz)-187(recht)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.286 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-200(sagte)-187(Stefenson;)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.696 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wir)-187(wollen)-187(etwas)]TJ -207.469 -13.549 Td [(von)-315(Ihnen.)-443(Wir)-315(wollen)-315(a)-200(l)-200(l)-200(e)-200(s)-314(von)-315(Ihnen:)-379(Ihre)-315(Wirtschaft,)-330(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(K\374he,)-268(Schweine)-264(und)-264(H\374hner)-265(und)-264(sogar)-264(Sie)-265(selber)-264(und)-264(Ihre)-264(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Ihre)-250(Kinder.)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.404 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -60.448 -13.927 Td [(Der)-250(Bauer)-250(brach)-250(in)-250(helles)-250(Gel\344chter)-250(aus.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([144])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hatt)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 13.038 0 Td [(ich)-862(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.888 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-862(doch)-862(gleich)-862(gedacht,)-1016(da\337)-861(Sie)-862(der)]TJ -90.144 -13.549 Td [(Menschenfresser)-250(sind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.549 0 Td [(\034)]TJ -85.593 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also)-202(den)-202(nehmen)-202(wir)-202(bestimmt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.497 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.046 0 Td [(sagte)-202(Stefenson)-202(zu)-202(mir,)-211(wie)]TJ -162.342 -13.549 Td [(wenn)-250(eine)-250(Ware)-250(zum)-250(Verkauf)-250(st\344nde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mich)-333(nehmen)-333(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.615 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.475 0 Td [(vergn\374gte)-333(sich)-333(der)-333(Bauer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.242 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-333(sein)-333(ja)]TJ -233.975 -13.549 Td [(der)-250(ulkigste)-250(Kerle)-250(von)-250(der)-250(Welt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.575 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -128.619 -13.927 Td [(Stefenson)-368(zog)-368(die)-368(Stirne)-369(kraus.)-604(Drinnen)-368(setzte)-368(er)-368(sich)-368(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(B\344uerlein)-212(an)-212(dem)-212(rohen)-211(Tisch)-212(der)-212(Schankstube)-212(gegen\374ber,)-219(nahm)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-250(Notizbuch)-250(heraus)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(hei\337en)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.498 0 Td [(\034)]TJ -76.341 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.106 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.717 0 Td [(Mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.763 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-391(Familiennam)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.327 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.895 0 Td [(su)-391(wie)-390(mei)-391(Vater)-391(und)-390(mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.27 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)]TJ -272.143 -13.55 Td [(Vornamen)-250(wie)-250(Napoleon.)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.397 0 Td [(\034)]TJ -100.441 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mensch,)-391(wie)-363(hei\337en)-362(Sie!)-589(Ich)-362(mu\337)-363(das)-363(wissen.)-588(Es)-363(handelt)]TJ -16.799 -13.55 Td [(sich)-253(um)-253(eine)-253(Angelegenheit,)-254(die)-253(f\374r)-253(Sie)-253(wichtiger)-253(ist)-253(als)-252(f\374r)-253(uns.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-250(werden)-250(schon)-250(alles)-250(erfahren.)-250(Also,)-250(wie)-250(hei\337en)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.334 0 Td [(\034)]TJ -227.378 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-293(hei\337en)-293(S)-200(i)-200(e)-293(denn?)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.205 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.041 0 Td [(fragte)-293(der)-293(Bauer)-293(zur\374ck.)-379(Stefenson)]TJ -126.045 -13.549 Td [(wurde)-250(ungeduldig.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +632 0 obj << +/Type /Page +/Contents 633 0 R +/Resources 631 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +634 0 obj << +/D [632 0 R /XYZ 46.771 299.358 null] +>> endobj +631 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +637 0 obj << +/Length 5208 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(110)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-246(Sie)-247(es)-246(denn)-247(wissen)-246(m\374ssen)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.841 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.143 0 Td [(ich)-246(bin)-247(Mister)-246(Stefenson)]TJ -173.783 -13.549 Td [(aus)-250(Amerika,)-250(ein)-250(sehr)-250(reicher)-250(Mann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.044 0 Td [(\034)]TJ -147.088 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-404(k\366nn)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.945 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.039 0 Td [(Se)-404(lachen!)-712(Deswegen)-404(haben)-404(Se)-404(wahrscheinlich)]TJ -63.783 -13.55 Td [(ooch)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.633 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(scheenes)-250(Pferd.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.036 0 Td [(\034)]TJ -101.346 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dummer)-250(Kerl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(Stefenson)-250(verdrossen)-250(und)-250(stand)-250(auf.)]TJ -76.941 -13.958 Td [(Der)-250(Bauer)-250(lachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nu)-250(hat)-250(a)-250(sich)-250(erst)-250(richtig)-250(vorgestellt,)-250(und)-250(nu)-250(steht)-250(er)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 245.116 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -249.959 -13.958 Td [(Es)-304(war)-304(Zeit,)-317(da\337)-304(ich)-304(mich)-304(ins)-304(Mittel)-304(legte.)-412(Der)-304(Mann)-303(mu\337te)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wissen,)-435(um)-397(was)-398(es)-398(sich)-397(handelte,)-435(sonst)-398(war)-397(mit)-398(ihm)-398(nicht)-397(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([145])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(reden.)-283(Freilich)-262(war)-261(es)-261(nicht)-261(leicht,)-264(so)-261(einer)-261(naiven)-261(Haut)-261(die)-261(Idee)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-372(den)-372(Ferien)-372(vom)-372(Ich)-372(klarzumachen.)-616(Ich)-372(versuchte)-372(das)-372(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(folgende)-250(Weise:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(He,)-302(lieber)-292(Freund,)-302(haben)-292(Sie)-292(schon)-292(irgendmal)-292(einen)-292(St\344dter)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kennengelernt,)-250(der)-250(richtig)-250(arbeitet?)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.684 0 Td [(\034)]TJ -140.729 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nee.)-505(Die)-335(St\344dter)-336(sein)-335(olles)-335(faule)-335(Luder.)-505(Se)-335(k\366nn)]TJ/F24 10.9091 Tf 221.404 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.289 0 Td [(Heringe)]TJ -245.492 -13.549 Td [(oder)-217(Leinwand)-218(oder)-217(Pillen)-217(verkoofen)-218(oder)-217(in)-217(a)-218(Stuben)-217(sitzen)-217(und)]TJ 0 -13.549 Td [(kritzeln,)-279(aber)-274(arbeiten)-274(k\366nn)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.803 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.618 0 Td [(se)-274(nicht.)-320(Se)-274(schlafen)-273(ja)-274(olle)-274(bis)-273(um)]TJ -127.421 -13.549 Td [(sieben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.6 0 Td [(\034)]TJ -18.645 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da)-264(haben)-264(Sie)-264(recht.)-292(Und)-264(glauben)-264(Sie,)-268(da\337)-264(so)-264(ein)-264(Leben,)-268(wie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(es)-250(die)-250(St\344dter)-250(f\374hren,)-250(gesund)-250(ist?)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.218 0 Td [(\034)]TJ -132.263 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Miserablig)-618(ungesund)-618(is)-618(es!)-1354(Se)-618(sehn)-618(ju)-618(olle)-618(aus)-618(wie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Quargschnitten,)-371(und)-347(Kr\344fte)-347(ham)-347(se)-347(nich)-347(die)-347(Spur.)-541(Se)-346(verfauln)]TJ 0 -13.549 Td [(reeneweg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.52 0 Td [(\034)]TJ -32.565 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bravo!)-317(Was)-272(Arbeit)-272(ist)-272(und)-272(was)-272(Gesundheit)-273(ist,)-277(wei\337)-272(nur)-273(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Bauer.)-250(Nun)-250(wissen)-250(Sie)-250(aber,)-250(es)-250(gibt)-250(Badeorte,)-250(Kuranstalten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 261.163 0 Td [(\034)]TJ -249.208 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl.)-245(Da)-233(gehn)-234(die)-233(allerfaulsten)-234(Ludersch)-233(hin;)-239(die)-234(Kranken)]TJ -16.799 -13.549 Td [(pflegen)-250(sich)-250(lieber)-250(zu)-250(Hause.)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.327 0 Td [(\034)]TJ -114.372 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sch\366n.)-1158(Sie)-553(sind)-552(ein)-553(heller)-552(Kopf.)-1158(Sie)-553(begreifen)-553(mich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vollst\344ndig.)-984(Wenn)-494(man)-495(nun)-494(aber)-495(einen)-494(Kurort)-495(machte,)-555(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(keine)-265(feinen)-266(Villen)-265(und)-265(Hotels)-266(sind,)-269(nein,)-269(wo)-265(lauter)-265(Bauernh\366fe)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344ren)-415(und)-414(wo)-415(die)-415(St\344dter,)-456(die)-414(eine)-415(Kur)-415(machen)-415(wollen,)-455(mal)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-334(dem)-335(Hofe)-334(oder)-334(auf)-335(dem)-334(Felde)-334(feste)-335(zugreifen)-334(und)-334(arbeiten)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374\337ten,)-491(das)-443(w\374rde)-442(doch)-443(den)-443(Schlingeln)-442(gesund)-443(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.528 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.284 0 Td [(nicht)]TJ -258.812 -13.549 Td [(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.651 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +636 0 obj << +/Type /Page +/Contents 637 0 R +/Resources 635 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +638 0 obj << +/D [636 0 R /XYZ 316.405 407.736 null] +>> endobj +639 0 obj << +/D [636 0 R /XYZ 93.543 284.975 null] +>> endobj +635 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +642 0 obj << +/Length 5796 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(111)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gesund)-341(schon!)-524(Aber)-341(das)-342(faule)-341(Kroppzeug)-341(wird)-341(sich)-342(sch\366n)]TJ -16.799 -13.549 Td [(h\374ten)-221(und)-220(arbeiten.)-240(Wenn)-221(se)-220(aufs)-221(Dorf)-220(komm)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.314 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n,)-226(saufen)-221(se)-220(einem)]TJ/F16 7.9701 Tf 90.078 0 Td [([146])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(blo\337)-273(die)-274(gute)-273(Milch)-273(weg)-274(und)-273(fressen)-273(die)-274(scheensten)-273(Birn)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.827 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.614 0 Td [(von)-273(a)]TJ -256.441 -13.549 Td [(B\344umen.)-250(Sonst)-250(tun)-250(se)-250(nischt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.066 0 Td [(\034)]TJ -114.11 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Doch,)-300(doch,)-300(Herr)-290(Nachbar!)-370(Es)-290(wird)-290(schon)-290(Leute)-290(geben,)-300(die)]TJ -16.799 -13.55 Td [(das)-306(Leben)-306(in)-306(der)-307(Stadt)-306(mal)-306(satt)-306(haben)-306(und)-306(durch)-306(die)-306(Arbeit)-306(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-305(Felde)-305(ges\374nder)-305(werden)-305(wollen.)-415(Das)-305(ist)-306(eine)-305(gute)-305(Idee,)-318(die)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-250(ein)-250(Doktor)-250(ausgeknobelt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.044 0 Td [(\034)]TJ -114.088 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Doktors)-250(verstehn)-250(alle)-250(nischt,)-250(die)-250(Sch\344fer)-250(sind)-250(kl\374ger.)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.654 0 Td [(\034)]TJ -254.497 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-332(mag)-332(wohl)-332(sein;)-373(aber)-333(der)-332(Doktor,)-352(der)-332(das)-333(ausgeknobelt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hat,)-366(der)-344(versteht)-343(schon)-343(seine)-343(Sache.)-529(Sehn)-344(Sie,)-366(kurz)-343(heraus:)-436(es)]TJ 0 -13.549 Td [(soll)-215(eine)-216(Kuranstalt)-215(gemacht)-216(werden,)-222(die)-216(hat)-215(vierzig)-215(Bauernh\366fe,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-221(auf)-221(allen)-221(H\366fen)-222(soll)1(en)-222(die)-221(Kurg\344ste)-221(arbeiten.)-240(Und)-221(der)-221(Mann,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(jene)-250(Anstalt)-250(gr\374ndet,)-250(ist)-250(eben)-250(jener)-250(Herr)-250(dort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.495 0 Td [(\034)]TJ -202.539 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der?)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.667 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.762 0 Td [(Vierzig)-303(Bauernh\366fe?)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.229 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.763 0 Td [(Se)-303(sind)-304(wohl)-303(nicht)-303(recht)-303(bei)]TJ -156.22 -13.549 Td [(sich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.419 0 Td [(\034)]TJ -10.463 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Doch)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.357 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(doch)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.935 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ich)-250(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.865 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(Sie)-250(doch)-250(nicht)-250(bel\374gen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.414 0 Td [(\034)]TJ -218.137 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(hei\337t)-250(er?)-250(Mister?)-250(Mister)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.76 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Ausmister!)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.48 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -190.265 -14.703 Td [(Er)-250(lachte)-250(\374ber)-250(seinen)-250(Witz.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-250(bedeutet)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.898 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.985 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(.)-250(Weil)-250(er)-250(eben)-250(ein)-250(Amerikaner)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -250.832 -14.703 Td [(Da)-308(erhob)-309(sich)-308(der)-309(Bauer.)-425(Er)-309(rief)-308(Stefenson)-309(an,)-323(der)-308(an)-308(einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anderen)-250(Tisch)-250(der)-250(kleinen)-250(Luise)-250(eine)-250(Schinkenstulle)-250(zerteilte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie,)-402(Herr)-372(Mister,)-402(komm)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.578 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-372(Se)-371(mal)-372(her!)-615(Zeigen)-372(Se)-372(mal)-372(Ihr)]TJ -129.01 -13.549 Td [(Portemonnaie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.233 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -52.278 -14.703 Td [(Ich)-152(zwinkerte)-152(Stefenson)-152(zu,)-172(den)-152(Wunsch)-152(zu)-152(erf\374llen.)-218(Stefenson)]TJ -11.955 -13.549 Td [(warf)-250(schweigend)-250(seine)-250(dicke)-250(Brieftasche)-250(auf)-250(den)-250(Tisch.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([147])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.069 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bitte!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.851 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(er)-250(phlegmatisch.)]TJ -37.266 -14.703 Td [(Der)-250(Bauer)-250(r\374hrte)-250(sich)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na,)-372(nu)-347(kucken)-348(Sie)-347(mal)-347(nach,)-372(was)-347(drin)-348(ist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.819 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.633 0 Td [(ermunterte)-347(ich)]TJ -216.251 -13.549 Td [(ihn.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.703 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-203(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.95 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.844 0 Td [(mich)-203(sch\366n)-202(h\374ten;)-219(nachher)-203(sagen)-202(Se,)-213(es)-202(fehlt)-203(was!)]TJ/F24 10.9091 Tf 215.193 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.703 Td [(Mi\337trauisch)-201(wie)-200(ein)-201(alter)-200(Fuchs)-201(vor)-201(der)-200(Falle,)-211(so)-200(sa\337)-201(der)-201(Bauer)]TJ -11.955 -13.549 Td [(vor)-295(der)-294(Brieftasche.)-385(Da)-294(schlug)-295(ich)-295(die)-294(Tasche)-295(auf)-295(und)-294(entnahm)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +641 0 obj << +/Type /Page +/Contents 642 0 R +/Resources 640 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +643 0 obj << +/D [641 0 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Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -20.455 -14.969 Td [(Ich)-317(gab)-318(die)-317(Brieftasche)-318(an)-317(Stefenson)-318(zur\374ck)-317(und)-318(redete)-317(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(neuen)-290(Freunde)-291(gut)-290(zu.)-371(Ich)-290(erkl\344rte)-291(ihm)-290(genau,)-300(was)-291(wir)-290(mit)-290(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(vorh\344tten,)-228(wie)-223(er)-223(als)-222(P\344chter)-223(auf)-223(einen)-222(unserer)-223(H\366fe)-223(ziehen)-222(solle,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-375(wir)-376(ihm)-375(die)-376(g\374nstigsten)-375(Bedingungen)-376(einr\344umen)-375(und)-375(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-288(eigene)-288(Wirtschaft)-288(zu)-288(gutem)-289(Preise)-288(abkaufen)-288(w\374rden,)-297(falls)]TJ 0 -13.55 Td [(er)-355(sie)-354(nicht)-355(anderweit)-355(g\374nstig)-354(los)-355(w\374rde.)-564(Wie)-354(ein)-355(K\366nig)-354(solle)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-382(auf)-382(seinem)-382(Gute)-382(hausen.)-646(Die)-382(Kurg\344ste)-382(sollten)-382(unter)-382(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Leitung)-352(arbeiten)-352(und)-352(sich)-351(an)-352(seiner)-352(guten)-352(Laune)-352(erfreuen.)-555(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(kriegte)-228(heraus,)-233(da\337)-228(der)-228(Bauer)-228(Emil)-228(Barthel)-228(hie\337,)-228(noch)-228(nicht)-228(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374nfzig)-333(Jahre)-332(alt)-333(war,)-353(ein)-333(gesundes)-333(Eheweib,)-353(namens)-332(Susanne,)]TJ 0 -13.55 Td [(sowie)-436(zwei)-436(kr\344ftige)-436(S\366hne)-436(und)-436(zwei)-436(T\366chter)-436(besa\337,)-437(da\337)-435(von)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-285(vier)-286(Kindern)-285(aber)-285(drei)-286(ausw\344rts)-285(in)-285(Dienst)-286(standen,)-294(da)-285(er)-285(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-406(seiner)-406(kleinen)-406(Wirtschaft)-406(nicht)-406(besch\344ftigen)-406(und)-406(ern\344hren)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([148])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.712 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-373(sehen)-348(Sie,)-372(Barthel,)-373(es)-348(w\344re)-348(doch)-348(sch\366n,)-372(wenn)-348(Sie)-349(alle)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihre)-326(Kinder)-326(bei)-326(sich)-325(haben)-326(und)-326(ganz)-326(f\374r)-326(sich)-326(arbeiten)-325(k\366nnten.)]TJ 0 -13.55 Td [(Da)-250(w\344re)-250(doch)-250(auch)-250(was)-250(zur\374ckzulegen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 172.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -160.703 -14.969 Td [(Er)-250(sa\337)-250(nachdenklich)-250(da.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stoppen)-250(Se)-250(mich)-250(wirklich)-250(nich)-250(aus?)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.654 0 Td [(\034)]TJ -161.498 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(denke)-250(nicht)-250(daran.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.938 0 Td [(\034)]TJ -101.782 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-250(kommen)-250(Se)-250(denn)-250(gerade)-250(auf)-250(mich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.502 0 Td [(\034)]TJ -179.346 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na,)-250(wir)-250(haben)-250(Sie)-250(eben)-250(getroffen,)-250(und)-250(Sie)-250(gefallen)-250(uns.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.156 0 Td [(\034)]TJ -246 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dabei)-250(bin)-250(ich)-250(doch)-250(dem)-250(Herrn)-250(Mister)-250(grob)-250(gekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.261 0 Td [(\034)]TJ -245.105 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-623(schadet)-623(nichts.)-1369(Den)-623(Kurg\344sten)-623(werden)-623(Sie)-623(auch)]TJ -16.799 -13.55 Td [(manchmal)-250(grob)-250(kommen)-250(m\374ssen.)-250(Das)-250(geh\366rt)-250(zur)-250(Kur.)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.629 0 Td [(\034)]TJ -224.674 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sind)-250(Sie)-250(auch)-250(so)-250(eener,)-250(der)-250(dort)-250(Bauer)-250(wird?)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.803 0 Td [(\034)]TJ -199.647 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-250(ich)-250(bin)-250(der)-250(Doktor,)-250(der)-250(alles)-250(ausgetiftelt)-250(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.054 0 Td [(\034)]TJ -223.898 -14.969 Td [(\036\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.477 0 Td [(n)-250(Doktor)-250(sind)-250(Se?)-250(So)-250(sehn)-250(Se)-250(aber)-250(nich)-250(aus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.003 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +646 0 obj << +/Type /Page +/Contents 647 0 R +/Resources 645 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 622 0 R +>> endobj +648 0 obj << +/D [646 0 R /XYZ 93.543 271.352 null] +>> endobj +645 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +651 0 obj << +/Length 5376 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(113)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hm!)-400(Nun,)-312(so)-300(ein)-300(Doktor)-299(wie)-300(die)-300(andern)-300(bin)-300(ich)-300(auch)-300(nicht.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mehr)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.782 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(halber)-250(Sch\344fer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.214 0 Td [(\034)]TJ -104.673 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh,)-250(das)-249(w\344r)-250(nich)-249(schlecht!)-250(Aber)-249(ich)-250(glaub)]TJ/F24 10.9091 Tf 183.555 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-249(nich;)-250(ich)-250(kann)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.767 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.549 Td [(nich)-250(glauben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.684 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -47.728 -13.856 Td [(Ich)-250(zog)-250(einen)-250(Umschlag)-250(mit)-250(Photographien)-250(aus)-250(der)-250(Tasche.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jetzt)-284(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.897 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.725 0 Td [(ich)-284(Ihnen)-283(mal)-284(Bilder)-283(von)-284(unseren)-283(H\366fen)-284(zeigen.)]TJ -68.421 -13.55 Td [(Da)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.448 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(das)-250(ist)-250(ein)-250(Wohnhaus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.749 0 Td [(\034)]TJ -107.422 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das?)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.535 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Das)-250(is)-250(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.298 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(Schlo\337!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.12 0 Td [(\034)]TJ -123.61 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-404(wir)-373(haben)-373(sch\366ne)-373(Wohnh\344user.)-619(Sie)-373(sollen)-373(ja)-373(mit)-373(Ihrer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Familie)-201(nicht)-201(allein)-201(in)-201(dem)-201(Hause)-201(wohnen;)-217(es)-201(sollen)-201(ja)-201(auch)-201(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(zwanzig)-250(Kurg\344ste)-250(drin)-250(Platz)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.811 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 136.213 0 Td [([149])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dunnerwetter!)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.611 0 Td [(\034)]TJ -68.454 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-293(das)-292(ist)-293(die)-292(gro\337e)-293(Wohnstube,)-303(und)-293(so)-292(sieht)-293(der)-293(Kuhstall)]TJ -16.799 -13.549 Td [(aus)-250(und)-250(so)-250(die)-250(Scheuer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.709 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -90.753 -13.856 Td [(Er)-250(atmete)-250(schwer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(gro\337)-250(ist)-250(denn)-250(die)-250(Wirtschaft?)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.545 0 Td [(\034)]TJ -152.388 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hundert)-250(Morgen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.742 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.585 -13.856 Td [(Da)-250(verd\374sterte)-250(sich)-250(seine)-250(Stirn.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-199(halten)-199(Sie)-199(mich)-199(denn)-199(zum)-199(Affen?)-233(So)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.669 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(ne)-199(gro\337e)-199(Sache)]TJ -215.1 -13.55 Td [(kann)-250(ich)-250(doch)-250(nich)-250(pachten;)-250(da)-250(geh\366rt)-250(doch)-250(Geld)-250(dazu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.945 0 Td [(\034)]TJ -227.989 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gar)-476(kein)-476(Geld!)-929(Nur,)-533(da\337)-476(Sie)-476(flei\337ig)-476(sind)-476(und)-476(alles)-477(gut)]TJ -16.799 -13.549 Td [(in)-398(Ordnung)-398(halten.)-694(Wir)-398(werden)-398(ebenso)-398(auf)-398(unsere)-398(Rechnung)]TJ 0 -13.549 Td [(kommen)-218(wie)-218(Sie;)-228(denn,)-224(sehen)-218(Sie,)-224(die)-218(\304cker)-218(rentieren)-218(sich)-217(doch,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(was)-250(die)-250(Wirtschaft)-250(nicht)-250(bringt,)-250(bringen)-250(die)-250(Kurg\344ste.)]TJ/F24 10.9091 Tf 253.898 0 Td [(\034)]TJ -241.943 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nu)-250(ja,)-250(die)-250(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.255 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(ja)-250(\374berall)-250(behumpst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.96 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -172.691 -13.856 Td [(Der)-790(Mann)-790(betrachtete)-789(mich)-790(wie)-790(einen)-790(Zauberer,)-925(der)]TJ -11.955 -13.55 Td [(M\344rchendinge)-523(vor)-522(ihm)-522(ausbreitete.)-1068(Zuletzt)-522(erkl\344rte)-523(er)-522(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(bereit,)-518(mit)-465(uns)-465(nach)-465(seinem)-465(Dorfe)-464(zu)-465(fahren)-465(und)-465(mit)-464(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Susanne)-250(R\374cksprache)-250(zu)-250(nehmen.)]TJ 11.955 -13.856 Td [(Unterwegs)-449(sprach)-449(ich)-449(noch)-449(viel)-449(auf)-449(Emil)-449(Barthel)-449(ein.)-847(Er)]TJ -11.955 -13.549 Td [(antwortete)-240(fast)-239(nicht)-240(mehr.)-247(Vor)-239(seiner)-240(kleinen)-240(Wirtschaft)-239(hielten)]TJ 0 -13.549 Td [(wir.)-358(Das)-286(Wohnhaus)-286(hatte)-286(nur)-286(ein)-286(Erdgescho\337)-286(mit)-285(hohem)-286(Dach;)]TJ 0 -13.55 Td [(Stall)-329(und)-329(Scheuer)-329(waren)-328(klein,)-349(aber)-329(es)-329(war)-329(ein)-328(Blumeng\344rtlein)]TJ 0 -13.549 Td [(vor)-316(dem)-317(Hause)-316(und)-316(alles)-317(sauber)-316(und)-316(freundlich.)-449(Ein)-316(beh\344biges)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +650 0 obj << +/Type /Page +/Contents 651 0 R +/Resources 649 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +652 0 obj << +/D [650 0 R /XYZ 46.771 378.771 null] +>> endobj +649 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +656 0 obj << +/Length 5352 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(114)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Weib)-256(in)-255(blauer)-256(Sch\374rze)-256(trat)-255(vor)-256(die)-255(T\374r,)-258(als)-255(Barthel)-256(vom)-255(Wagen)]TJ 0 -13.549 Td [(kletterte:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([150])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nee,)-416(Emil)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.047 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-416(sagte)-383(sie,)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.243 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da)-383(haste)-382(nu)-383(sugar)-383(Fuhrgelegenheit)]TJ -125.776 -13.549 Td [(gehabt)-243(und)-242(kummst)-243(su)-242(sp\344t!)-248(Dabei)-242(sull)-242(a)-243(de)-242(Medizin)-243(f\374rs)-242(kranke)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344del)-250(hol)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.542 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n.)]TJ/F24 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(\034)]TJ -44.401 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mutter)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.695 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-339(meinte)-321(Emil,)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.265 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(wenn)-321(du)-321(mit)-321(sulchen)-322(Kerlen)-321(f\344hrst,)]TJ -123.445 -13.55 Td [(bleibste)-350(kleben.)-552(Sieh)-350(dir)-351(blu\337)-350(den)-350(Schimmel)-351(an;)-401(der)-350(hat)-350(zwee)]TJ 0 -13.549 Td [(eingeleimte)-300(Hulzbeene.)-398(Aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.969 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-300(sind)-299(amerikanische)-300(Million\344re,)]TJ -136.601 -13.549 Td [(die)-250(haben)-250(vierzig)-250(Pauerg\374ter)-250(und)-250(lauter)-250(Schl\366sser.)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.044 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -207.088 -14.619 Td [(Susanne)-250(lachte)-250(gutm\374tig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(A)-250(hat)-250(een)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.804 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(sitzen)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.451 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(meinte)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.451 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na,)-250(kumm)-250(ock)-250(rein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.861 0 Td [(\034)]TJ -231.457 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Frau)-298(Barthel)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.363 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-310(rief)-298(ich)-298(ihr)-298(zu,)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-298(Mann)-298(wird)-298(Ihnen)-298(viel)-298(zu)]TJ -154.709 -13.549 Td [(erz\344hlen)-311(haben.)-434(Glauben)-311(Sie)-311(nur,)-327(es)-311(ist)-311(kein)-312(Spa\337,)-311(es)-311(ist)-311(Ernst.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-253(fahren)-254(jetzt)-253(ins)-254(Gasthaus,)-254(und)-254(in)-253(etwa)-254(zwei)-253(Stunden)-253(werden)]TJ 0 -13.55 Td [(wir)-355(mal)-354(zu)-355(Ihnen)-355(kommen.)-563(Wir)-355(m\374ssen)-355(mit)-354(Ihnen)-355(ein)-354(ernstes)]TJ 0 -13.549 Td [(Wort)-250(reden,)-250(und)-250(es)-250(wird)-250(Sie)-250(nicht)-250(reuen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -164.673 -14.619 Td [(Die)-249(Frau)-250(sch\374ttelte)-249(verwundert)-249(den)-250(Kopf;)-249(ihr)-250(Gatte)-249(Emil)-249(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(tippte)-335(erst)-335(ihr,)-356(dann)-335(sich)-335(an)-335(den)-335(Kopf,)-356(nahm)-335(sie)-335(am)-335(Arme)-334(und)]TJ 0 -13.549 Td [(zog)-250(sie)-250(ins)-250(Haus.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 235.486 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 217.323 Td [(Im)-1085(Dorfgasthause)-1084(wurde)-1085(uns)-1085(ein)-1084(schlichtes,)-1293(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schmackhaftes)-611(Mittagsmahl)-611(bereitet,)-701(und)-611(nach)-611(einiger)-611(Zeit)]TJ 0 -13.55 Td [(brachen)-250(wir)-250(auf)-250(zu)-250(einem)-250(Besuch)-250(bei)-250(Emil)-250(Barthel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.619 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nee,)-298(komm)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.428 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-289(Se)-288(wirklich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.863 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.992 0 Td [(fragte)-289(er;)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.455 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ich)-289(hatte)-288(gedacht,)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.742 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.549 Td [(w\344r)-250(alles)-250(blo\337)-250(Ulk.)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.018 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -71.062 -14.619 Td [(Die)-187(Stube)-186(war)-187(niedrig,)-200(aber)-186(sauber,)-200(und)-186(\374ber)-187(den)-187(Tisch)-187(war)-186(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gro\337es)-240(buntes)-240(Tuch)-240(gebreitet.)-246(Emil)-240(Barthel)-240(bewirtete)-240(uns.)-247(Er)-239(bot)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-205(in)-204(einer)-205(Papiert\374te)-204(Zigarren)-205(an,)-213(von)-205(denen)-204(ich)-205(vermutete,)-213(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-347(aus)-346(dem)-347(Dorfkramladen)-346(zu)-346(f\374nf)-347(Pfennig)-346(das)-347(St\374ck)-346(gekauft)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([151])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(seien.)-239(Mit)-217(Schadenfreude)-216(sah)-217(ich)-217(zu,)-223(wie)-217(Stefenson,)-223(der)-217(von)-216(fr\374h)]TJ 0 -13.549 Td [(bis)-248(in)-248(die)-248(Nacht)-248(eine)-249(Havanna)-248(nach)-248(der)-248(andern)-248(schmauchte,)-248(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(Todesverachtung)-250(an)-250(dieses)-250(Rauchzeug)-250(heranmachte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +655 0 obj << +/Type /Page +/Contents 656 0 R +/Resources 654 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +657 0 obj << +/D [655 0 R /XYZ 93.543 504.528 null] +>> endobj +658 0 obj << +/D [655 0 R /XYZ 170.927 106.79 null] +>> endobj +654 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +661 0 obj << +/Length 6202 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(115)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-758(mein)-657(lieber)-656(Barthel,)-759(m\366chte)-656(ich)-657(zun\344chst)-657(etwas)]TJ -16.799 -13.549 Td [(feststellen:)-814(es)-533(handelt)-532(sich)-532(in)-532(unserer)-532(Angelegenheit)-532(weder)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-392(einen)-392(Spa\337,)-392(zu)-391(dem)-392(wir)-392(uns)-392(wahrhaftig)-392(nicht)-392(so)-392(viel)-391(Zeit)]TJ 0 -13.549 Td [(nehmen)-250(w\374rden,)-250(noch)-250(um)-250(einen)-250(Betrug.)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.818 0 Td [(\034)]TJ -162.862 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also)-343(ist)-343(es)-343(tats\344chlich)-343(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.278 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.584 0 Td [(sagte)-343(Barthel)-343(und)-343(trommelte)]TJ -153.661 -13.549 Td [(auf)-378(den)-379(Tisch.)-635(Sein)-378(Gesicht)-379(wurde)-378(ernst,)-411(und)-378(er)-379(holte)-378(aus)-378(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-250(Rede:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehn)-577(Sie,)-658(meine)-577(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.903 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n,)-658(wenn)-577(Se)-577(nu)-577(wirklich)-577(so)-576(was)]TJ -125.335 -13.549 Td [(Komisches)-599(vorhaben)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.143 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.989 0 Td [(man)-599(kann)-599(ja)-599(nie)-599(wissen,)-686(was)-599(den)]TJ -114.132 -13.549 Td [(Stadtleuten)-376(einf\344llt)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.208 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.56 0 Td [(nu,)-408(so)-376(mu\337)-377(ich)-376(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.37 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-376(ehrlich)-377(sagen:)-502(das)]TJ -188.771 -13.549 Td [(Ding)-438(gef\344llt)-438(mir)-438(nich.)-814(Denn)-438(warum!)-814(Die)-438(Stadtleute)-438(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.543 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ -275.176 -13.55 Td [(nich)-319(kommen.)-457(Die)-319(sind)-318(viel)-319(zu)-319(faul.)-457(Wenn)-319(se)-319(ins)-319(Bad)-318(machen)]TJ 0 -13.549 Td [(woll)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.397 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)]TJ/F24 10.9091 Tf 8.188 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.187 0 Td [(woll)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.396 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(se)-251(sich)-250(am\374sieren.)-252(Da)-250(woll)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.47 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(se)-251(doch)-250(nich)-251(K\374he)]TJ -191.536 -13.549 Td [(melken)-237(und)-237(ackern.)-246(Meine)-237(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.582 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n,)-240(Se)-237(haben)-237(keene)-237(Ahnung,)-240(was)]TJ -142.215 -13.549 Td [(das)-397(f\374r)-396(schwere)-397(Arbeit)-396(is.)-690(Vor)-396(solcher)-397(Arbeit)-396(haben)-397(sich)-396(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Stadtleute)-206(immer)-207(gedr\374ckt.)-235(Aber)-207(gesetzt)-206(den)-207(Fall,)-215(se)-206(k\344men)-206(doch)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.215 0 Td [(da)-345(w\344r)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.41 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-345(noch)-344(viel)-345(schlechter.)-534(Denn)-345(warum?)-533(Die)-345(Stadtleute)]TJ -43.258 -13.55 Td [(verstehen)-396(nischt.)-687(Denken)-396(Se,)-432(da\337)-396(die)-395(mir)-396(auf)-396(dem)-396(Hofe)-395(was)]TJ 0 -13.549 Td [(helfen)-222(k\366nnten?)-241(Die)-222(gragelten)-222(mir)-222(doch)-222(blo\337)-222(im)-222(Wege)]TJ/F24 10.9091 Tf 238.317 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rum.)-241(Die)]TJ -241.95 -13.549 Td [(quatschten)-250(und)-250(quasselten)-250(doch)-250(blo\337.)]TJ/F24 10.9091 Tf 162.709 0 Td [(\034)]TJ -150.753 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-228(fielen)-227(einem)-228(ja)-228(in)-228(die)-227(Puttermilch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.4 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.328 0 Td [(lachte)-228(Frau)-227(Susanne.)]TJ/F16 7.9701 Tf 100.497 0 Td [([152])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-159(t\344ten)-159(ja)-159(alles)-159(blo\337)-159(mit)-159(Glac\351handschuh)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.291 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-159(machen)-159(woll)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.249 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ/F24 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(erg\344nzte)-250(der)-250(Mann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Donner!)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.349 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.623 0 Td [(schrie)-163(da)-163(Stefenson)-163(j\344hzornig)-163(und)-163(hieb)-163(die)-163(Faust)-163(auf)]TJ -59.771 -13.549 Td [(den)-259(Tisch,)-261(da\337)-258(aus)-259(seiner)-259(F\374nfpfennigdampfrolle)-259(ein)-258(Feuerwerk)]TJ 0 -13.549 Td [(stiebte,)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.699 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(nun)-526(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.408 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-526(aber)-526(genug.)-1077(Wer)-526(nicht)-525(will,)-595(will)-526(nicht!)]TJ -78.584 -13.549 Td [(Haben)-283(Sie)-283(das)-283(Risiko)-283(zu)-283(tragen?)-349(M\374ssen)-283(Sie)-283(sich)-282(unsere)-283(K\366pfe)]TJ 0 -13.549 Td [(zerbrechen,)-196(ob)-183(unsere)-183(Gr\374ndung)-183(eine)-182(Pleite)-183(ist)-183(oder)-183(nicht?)-227(Haben)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(nicht)-250(blo\337)-250(zu)-250(gewinnen?)-250(Das)-250(allerbeste)-250(ist)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.789 0 Td [(\034)]TJ -199.834 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-196(allerbeste)-196(is,)-207(Se)-196(gehn)-196(wieder!)]TJ/F24 10.9091 Tf 145.017 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.983 0 Td [(sagte)-196(Barthel)-196(seelenruhig.)]TJ -168.799 -13.549 Td [(Und)-654(nun)-653(w\344ren)-654(wirklich)-654(all)-653(unsere)-654(Beziehungen)-654(zu)-653(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Hause)-409(Barthel)-409(abgebrochen)-410(worden,)-449(wenn)-409(es)-409(nicht)-409(im)-409(selben)]TJ 0 -13.55 Td [(Augenblick)-290(an)-289(die)-290(T\374r)-290(geklopft)-289(h\344tte)-290(und)-290(zwei)-289(Damen)-290(\374ber)-289(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwelle)-325(getreten)-325(w\344ren.)-475(Eine)-325(kleine)-325(zartgliedrige)-325(Braune)-325(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +660 0 obj << +/Type /Page +/Contents 661 0 R +/Resources 659 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +662 0 obj << +/D [660 0 R /XYZ 46.771 242.358 null] +>> endobj +659 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +665 0 obj << +/Length 4870 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(116)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(eine)-371(gro\337e)-370(Blondine,)-401(beide)-370(mit)-370(feinen)-371(Gesichtern,)-401(so)-370(gut)-370(man)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-342(in)-343(dem)-342(D\344mmerlichte)-342(der)-343(niederen)-342(Bauernstube)-342(feststellen)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte.)-763(Die)-421(Kleinere)-421(sagte,)-464(da\337)-421(sie)-421(von)-421(der)-421(Erkrankung)-421(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Barthelschen)-271(Kindes)-270(geh\366rt)-271(habe)-270(und)-271(mal)-270(nachfragen)-271(wolle;)-280(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(sehe)-250(aber,)-250(da\337)-250(gerade)-250(Besuch)-250(da)-250(sei,)-250(und)-250(wolle)-250(nicht)-250(st\366ren.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Ach,)-395(erwiderte)-366(die)-366(Frau,)-395(von)-366(St\366rung)-366(sei)-366(keine)-366(Rede;)-424(denn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-297(seien)-297(zwei)-297(ganz)-297(fremde)-297(Herren,)-309(mit)-297(denen)-297(sie)-296(weiter)-297(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(Ernsthaftes)-414(zu)-414(besprechen)-415(h\344tten)-414(und)-414(die)-414(auch)-414(gleich)-414(gingen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Trotzdem)-293(f\374hlte)-292(sich)-293(die)-292(gute)-293(Mutter)-292(Barthel)-293(bem\374\337igt,)-303(uns)-292(die)]TJ 0 -13.549 Td [(kleine)-186(Sprecherin)-185(vorzustellen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.511 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-186(ist)-185(n\344mlich)-186(unsere)-185(Lehrerin,)]TJ -141.354 -13.55 Td [(Fr\344ulein)-250(Annelies)-250(von)-250(Grill.)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -111.066 -14.162 Td [(Anneliese)-519(von)-518(Grill!)-1057(Ein)-518(pr\374fender)-519(Blick)-519(in)-519(die)-518(gro\337en)]TJ -11.956 -13.55 Td [(braunen)-479(Augen,)-536(und)-479(ich)-478(hatte)-479(die)-479(Identit\344t)-479(mit)-479(dem)-478(kleinen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([153])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Majorst\366chterlein)-309(festgestellt,)-323(das)-309(manchmal)-309(in)-309(Waltersburg)-308(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(Besuch)-339(gewesen)-339(war)-338(und)-339(das)-339(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.441 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.15 0 Td [(da)-339(ich)-339(acht)-338(Jahre)-339(\344lter)-339(war)]TJ/F24 10.9091 Tf -161.591 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.116 0 Td [(immer)-427(etwas)-428(onkelhaft)-427(beg\366nnert)-427(hatte.)-782(Nun)-428(stand)-427(ich)-427(ihr)]TJ -10.116 -13.549 Td [(lachend)-309(gegen\374ber)-309(und)-309(fragte)-309(sie,)-324(ob)-309(sie)-309(nicht)-309(mehr)-309(wisse,)-323(wer)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-366(sei.)-598(Da)-365(erkannte)-366(sie)-366(auch)-366(mich,)-395(und)-366(es)-366(gab)-366(ein)-365(fr\366hliches)]TJ 0 -13.549 Td [(Wiedersehen)-194(und)-194(gro\337e)-195(Verwunderung)-194(\374ber)-194(die)-194(Umst\344nde,)-205(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-365(es)-364(geschah.)-594(Ihre)-365(Lebensgeschichte)-365(war)-364(kurz:)-480(der)-364(Vater)]TJ 0 -13.549 Td [(fr\374h)-342(gestorben,)-365(die)-341(Mutter)-342(auf)-342(eine)-342(kleine)-342(Pension)-341(angewiesen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-330(knapp)-330(imstande,)-350(aus)-330(ihr)-330(eine)-330(Lehrerin)-330(zu)-330(machen,)-350(die)-330(nun)]TJ 0 -13.55 Td [(vertretungsweise)-250(in)-250(diesem)-250(Dorfe)-250(angestellt)-250(war.)]TJ 11.956 -14.162 Td [(Auf)-606(einmal)-606(fragte)-607(die)-606(sehr)-606(wohllautende)-606(Altstimme)-606(der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Blondine:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-311(ist)-311(doch)-312(nicht)-311(etwa)-311(der)-311(Doktor)-311(von)-311(dem)-312(Waltersburger)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sanatorium)-250(Ferien)-250(vom)-250(Ich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.527 0 Td [(\034)]TJ -112.572 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Allerdings,)-250(meine)-250(Gn\344digste,)-250(dieser)-250(Doktor)-250(bin)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 225.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -230.575 -14.163 Td [(Das)-250(M\344dchen)-250(brach)-250(in)-250(klingendes,)-250(lautes)-250(Gel\344chter)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.162 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also,)-233(das)-230(sag)-229(ich)-229(Ihnen,)-233(wenn)-230(mir)-229(die)-229(Wahl)-229(gelassen)-230(worden)]TJ -16.799 -13.55 Td [(w\344re,)-228(wen)-221(ich)-222(sehen)-222(wolle,)-228(Sie)-222(oder)-222(den)-222(Kaiser)-222(von)-221(Hinterindien)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-415(all)-414(seiner)-415(Pracht)-415(und)-414(Herrlichkeit)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.539 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.978 0 Td [(ich)-415(h\344tte)-414(mich)-415(f\374r)-415(Sie)]TJ -179.517 -13.549 Td [(entschieden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.229 0 Td [(\034)]TJ -42.274 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(freue)-250(mich,)-250(da\337)-250(ich)-250(Ihnen)-250(so)-250(interessant)-250(bin)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.923 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(ich.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +664 0 obj << +/Type /Page +/Contents 665 0 R +/Resources 663 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +666 0 obj << +/D [664 0 R /XYZ 93.543 354.357 null] +>> endobj +663 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +669 0 obj << +/Length 4772 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(117)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh,)-517(interessant)-463(ist)-464(gar)-463(kein)-464(Ausdruck.)-891(Wir)-463(stehen)-464(Kopf)]TJ -16.799 -13.549 Td [(\374ber)-305(Sie!)-416(Jetzt)-305(fehlte)-305(blo\337)-305(noch,)-319(da\337)-305(jener)-305(Herr)-305(dort)-305(der)-305(Mister)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-250(aus)-250(Amerika)-250(w\344re.)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 163.18 0 Td [([154])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-336(ist)-336(er!)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.711 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.508 0 Td [(mischte)-336(sich)-336(Emil)-336(Barthel)-336(ein,)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.462 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-336(ist)-336(der)-336(Herr)]TJ -216.324 -13.549 Td [(Mister)-250(aus)-250(Amerika.)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.378 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -77.422 -15.227 Td [(Stefenson)-250(verneigte)-250(sich)-250(phlegmatisch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-442(Herrschaften,)-442(dann)-403(m\374ssen)-404(Sie)-403(schon)-404(erlauben,)-442(da\337)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wir)-350(uns)-350(etwas)-351(zusammensetzen)-350(und)-350(diese)-350(kostbare)-350(Begegnung)]TJ 0 -13.55 Td [(genie\337en.)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.153 -15.227 Td [(Dieses)-364(M\344dchen)-363(hatte)-364(einen)-364(burschikosen)-364(Ton)-364(an)-363(sich,)-392(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-245(bat)-246(Anneliese)-245(von)-245(Grill,)-247(uns)-245(zun\344chst)-245(mal)-246(mit)-245(ihr)-245(bekannt)-245(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(machen.)-250(Die)-250(Blonde)-250(stellte)-250(sich)-250(aber)-250(selbst)-250(vor.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-329(bin)-329(eine)-328(nach)-329(meiner)-329(eigenen)-329(Meinung)-329(au\337erordentlich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(begabte)-707(Operns\344ngerin)-706(ohne)-707(Engagement,)-821(gegenw\344rtig)-706(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(Besuch)-212(bei)-211(meiner)-212(Freundin)-212(Anneliese,)-219(um)-212(in)-212(der)-211(paradiesischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Einsamkeit)-644(dieses)-644(winterlichen)-643(Dorfes)-644(Ferien)-644(vom)-644(Ich)-643(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(machen.)-638(Mit)-380(K\374nstlernamen)-379(bin)-380(ich)-379(Irmingard)-379(Schwarzeneck)]TJ 0 -13.55 Td [(genannt,)-394(b\374rgerlich)-365(h\366re)-365(ich)-365(auf)-365(den)-365(Namen)-365(Eva)-364(Bunkert)-365(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-250(die)-250(Tochter)-250(des)-250(Baumeisters)-250(August)-250(Bunkert)-250(in)-250(Neustadt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 268.156 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -256.2 -15.227 Td [(Wir)-210(sahen)-209(der)-210(Tochter)-210(unseres)-209(grimmigsten)-210(Konkurrenten)-209(aus)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-267(feindlichen)-267(Nachbarstadt)-267(verdutzt)-267(in)-267(das)-267(strahlende)-267(Gesicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(das)-250(M\344dchen)-250(brach)-250(wieder)-250(in)-250(fr\366hliches)-250(Lachen)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-540(scheint,)-612(da\337)-540(wir)-540(Sie)-540(sehr)-540(belustigen,)-613(mein)-540(gn\344diges)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Fr\344ulein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.088 0 Td [(\034)]TJ -27.132 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Au\337erordentlich!)-224(Ist)-172(es)-172(nicht)-172(immer)-172(lustig,)-188(wenn)-172(Waltersburg)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-250(Neustadt)-250(aufeinanderplatzen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.44 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.484 -15.228 Td [(Wir)-240(nahmen)-240(Platz)-240(und)-240(sa\337en)-240(alle)-240(um)-240(den)-240(runden)-240(Bauerntisch.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Emil)-250(Barthel)-250(sagte:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([155])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Siehste)-366(Mutter,)-395(du)-366(hast)-366(gesagt,)-395(es)-366(sind)-366(Schwinler,)-395(und)-366(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hab)-218(gesagt,)-225(h\366chstwahrscheinlich,)-224(aber)-218(man)-218(kann)-218(ja)-218(nich)-218(wissen,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(da)-250(hab)-250(ich)-250(wieder)-250(mal)-250(recht)-250(gehabt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.502 0 Td [(\034)]TJ -162.546 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-338(nun,)-361(Herrschaften)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.835 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-361(rief)-338(Fr\344ulein)-338(Bunkert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.354 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-338(mag)-339(so)]TJ -235.676 -13.549 Td [(indiskret)-359(sein,)-387(wie)-359(es)-359(wolle,)-386(ich)-360(mu\337)-359(wissen,)-386(was)-359(Sie)-359(hier)-359(bei)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +668 0 obj << +/Type /Page +/Contents 669 0 R +/Resources 667 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +670 0 obj << +/D [668 0 R /XYZ 46.771 490.935 null] +>> endobj +671 0 obj << +/D [668 0 R /XYZ 46.771 134.866 null] +>> endobj +667 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +674 0 obj << +/Length 4921 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(118)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Vater)-436(und)-436(Mutter)-435(Barthel)-436(zu)-436(tun)-436(haben;)-528(ich)-436(sterbe)-436(sonst)-435(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Neugier.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.866 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -25.91 -16.626 Td [(Und)-263(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.544 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.321 0 Td [(ach,)-266(Stefenson)-263(betrachtete)-263(das)-262(M\344dchen)-263(mit)]TJ -87.821 -13.549 Td [(unverhohlenem)-422(Wohlgefallen.)-766(Er)-422(sagte)-422(mir)-422(hinterher,)-465(sie)-421(sei)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sein)-345(Typ)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.914 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-535(Gro\337,)-346(schlank,)-368(blond,)-369(\374berm\374tig.)-536(Da)-345(gehe)-345(er)-345(halt)]TJ -48.602 -13.549 Td [(auch)-250(mal)-250(aus)-250(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.986 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(raus.)]TJ -71.662 -16.626 Td [(Er)-241(ging)-242(sehr)-242(aus)-241(sich)-242(heraus.)-247(Diese)-241(Eva)-242(Bunkert)-241(war)-242(eine)-241(Eva)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-407(des)-408(Wortes)-407(wahrster)-408(Bedeutung,)-447(mit)-407(allen)-408(K\374nsten,)-446(Listen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-411(Teufeleien)-412(des)-411(Weibervolks)-411(ausgestattet.)-734(Sie)-411(machte)-411(die)]TJ 0 -13.55 Td [(tollsten)-398(Anst\374rme)-398(auf)-398(den)-397(biederen)-398(Stefenson.)-694(Damals,)-434(sagte)]TJ 0 -13.549 Td [(sie,)-348(als)-328(er)-328(die)-328(Neust\344dter)-328(mit)-328(den)-328(Zeitungsartikeln)-328(hineingelegt)]TJ 0 -13.549 Td [(habe,)-377(habe)-351(sie)-351(auf)-352(die)-351(Gefahr)-352(hin,)-376(in)-352(ihrer)-351(Vaterstadt)-351(gelyncht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-371(werden,)-401(gesagt:)-491(dieser)-371(Mann)-371(sei)-371(zum)-370(K\374ssen.)-613(\050Bei)-370(diesen)]TJ 0 -13.549 Td [(Worten)-536(schlug)-535(Stefenson)-536(die)-535(Augen)-536(nieder)-535(und)-536(zog)-535(seinen)]TJ 0 -13.55 Td [(d\374nnen)-223(Mund)-223(gewaltig)-222(in)-223(die)-223(Breite.\051)-241(Da\337)-222(er,)-229(Stefenson,)-228(in)-222(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-244(\366den)-243(Spie\337ergegend,)-245(wie)-244(Waltersburg)-243(und)-244(Neustadt,)-245(einen)-243(so)]TJ 0 -13.549 Td [(grandiosen)-320(Ulk)-320(wie)-320(dieses)-319(Ferienheim)-320(inszeniere,)-338(sei)-319(vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-327(beste)-326(Witz)-327(der)-326(Weltgeschichte.)-479(Sie)-327(denke)-326(sich)-327(unser)-326(Heim)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-313(eine)-312(immerw\344hrende)-313(Maskerade,)-328(als)-312(einen)-313(Bauernball)-312(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(Ende,)-250(als)-250(einen)-250(Fasching)]TJ/F19 10.9091 Tf 111.197 0 Td [(ad)-250(infinitum)]TJ/F16 10.9091 Tf 53.039 0 Td [(.)]TJ -152.28 -16.626 Td [(Und)-236(diese)-235(schweren)-236(Beleidigungen)-235(unserer)-236(gro\337en)-235(erhabenen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Idee)-342(lie\337)-342(Stefenson)-342(\374ber)-342(sich)-342(ergehen,)-365(zuckte)-342(kaum)-341(manchmal)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([156])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(die)-250(Schultern,)-250(und)-250(er)-250(l\344chelte)-250(...)-250(der)-250(Verr\344ter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.625 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Meine)-442(Gn\344dige)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.657 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-490(warf)-442(ich)-443(dazwischen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.006 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-442(d\374rften)-442(\374ber)]TJ -206.149 -13.549 Td [(unser)-370(Ferienheim)-370(denn)-370(doch)-370(nicht)-370(genug)-370(informiert)-370(sein.)-610(Wir)]TJ 0 -13.55 Td [(meinen)-250(es)-250(ernst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.593 0 Td [(\034)]TJ -58.637 -16.625 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-197(gerade,)-198(da\337)-184(Sie)-184(es)-185(ernst)-184(meinen,)-197(ist)-185(ja)-184(das)-184(Gute)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.914 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-197(erwiderte)]TJ -234.557 -13.549 Td [(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.575 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-250(Witz,)-250(der)-250(nicht)-250(ernst)-250(gemeint)-250(ist,)-250(ist)-250(gar)-250(kein)-250(Witz.)]TJ/F24 10.9091 Tf 238.461 0 Td [(\034)]TJ -248.924 -16.626 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-324(ist)-323(eine)-324(sehr)-323(kluge)-324(Sentenz)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.047 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-342(stimmte)-323(der)-324(verr\344terische)]TJ -161.689 -13.549 Td [(Stefenson)-210(bei.)-236(Ich)-210(war)-210(emp\366rt.)-237(So)-209(ein)-210(Mann,)-218(der)-210(pfiffiger)-210(war)-209(als)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-245(Pfiffigste,)-245(blieb)-245(an)-244(der)-245(Leimrute)-244(eines)-244(blonden)-245(Zopfes)-244(sofort)]TJ 0 -13.55 Td [(kleben.)-456(Als)-319(der)-319(Herrgott)-319(das)-318(Weib)-319(erschuf,)-336(hat)-319(sich)-319(der)-318(Teufel)]TJ 0 -13.549 Td [(sicher)-250(gefreut.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +673 0 obj << +/Type /Page +/Contents 674 0 R +/Resources 672 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 653 0 R +>> endobj +675 0 obj << +/D [673 0 R /XYZ 300.756 224.413 null] +>> endobj +672 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +678 0 obj << +/Length 5075 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(119)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Aber)-317(neben)-318(mir)-317(die)-318(kleine)-317(braune)-317(Anneliese)-318(gefiel)-317(mir)-317(doch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sehr)-267(gut.)-302(Sie)-268(war)-267(freundlich,)-272(es)-267(lag)-267(viel)-268(G\374te)-267(auf)-267(ihrem)-267(Gesicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-195(es)-195(blinkerte)-195(auch)-196(in)-195(ihren)-195(gro\337en)-195(Augen)-195(das)-195(sch\366ne)-195(Lichtlein)]TJ 0 -13.549 Td [(harmlosen)-350(Schalks.)-548(W\344hrend)-350(S)1(tefenson)-350(und)-349(Eva)-350(Bunkert)-349(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(l\344rmende,)-583(von)-516(vielem)-516(Gel\344chter)-516(unterbrochene)-516(Unterhaltung)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hrten,)-356(sprach)-335(ich)-334(leise)-335(mit)-335(Anneliese)-334(von)-335(ihrem)-335(und)-334(meinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben,)-193(und)-178(es)-179(kam)-179(ein)-178(stilles)-179(Behagen)-178(\374ber)-179(mich)-178(in)-179(der)-178(schlichten)]TJ 0 -13.549 Td [(Bauernstube.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-200(meinen)-200(es)-200(wohl)-200(gut)-200(mit)-200(diesem)-200(Ehepaare)-200(Barthel?)]TJ/F24 10.9091 Tf 231.365 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.026 0 Td [(fragte)]TJ -255.19 -13.55 Td [(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(sind)-250(sehr)-250(ehrliche)-250(und)-250(auch)-250(ganz)-250(lustige)-250(Leute.)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.443 0 Td [(\034)]TJ -223.286 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Glauben)-549(Sie,)-623(da\337)-548(es)-549(recht)-548(w\344re,)-623(wenn)-549(wir)-548(sie)-549(f\374r)-549(uns)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gewinnen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.259 0 Td [(\034)]TJ -35.303 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-224(werde)-225(ihnen)-224(gut)-225(zureden,)-229(da\337)-224(sie)-225(Ihr)-224(Angebot)-225(annehmen.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Es)-250(wird)-250(gewi\337)-250(beide)-250(Teile)-250(nicht)-250(reuen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 122.271 0 Td [([157])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(danke)-250(Ihnen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.909 0 Td [(\034)]TJ -78.752 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-368(h\366ren)-345(Sie,)-368(Herr)-345(Mister)-345(Barthel)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.747 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-368(lachte)-345(unterdes)-345(Eva)]TJ -186.389 -13.55 Td [(Bunkert;)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.704 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)-222(Sie)-221(das)-222(Angebot)-222(von)-222(Mister)-221(Stefenson)-222(abweisen)]TJ -45.548 -13.549 Td [(wollten,)-265(w\344ren)-263(S)1(ie,)-266(mit)-262(Respekt)-262(gesagt,)-265(ein)-263(Riesenochse.)-286(So)-262(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\374ck)-250(schneit)-250(Ihnen)-250(nie)-250(wieder)-250(ins)-250(Haus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -167.706 -14.969 Td [(Emil)-250(Barthel)-250(zuckte)-250(verlegen)-250(die)-250(Schultern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(m\366cht)-250(ja;)-250(aber)-250(die)-250(Mutter)-250(sagt)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.76 0 Td [(\034)]TJ -163.603 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gar)-206(nischt)-207(sagt)-206(sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.861 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-215(fuhr)-206(Frau)-207(Barthel)-206(dazwischen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.076 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)-206(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.752 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(er)-177(hat)-177(die)-176(Herren,)-192(ehe)-177(die)-176(Fr\344uleins)-177(kamen,)-192(direkt)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.165 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rausschmei\337en)]TJ -215.798 -13.55 Td [(wollen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.422 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -20.466 -14.969 Td [(Emil)-354(Barthel)-355(schwur,)-380(da\337)-355(das)-354(nie)-354(in)-355(seiner)-354(Absicht)-354(gelegen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(habe,)-250(und)-250(es)-250(gab)-250(einen)-250(ehelichen)-250(Streit.)]TJ 11.956 -14.969 Td [(Mitten)-250(in)-250(den)-250(Auseinandersetzungen)-250(erschien)-250(ein)-250(altes)-250(Weib.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jees,)-379(jees)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.995 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-379(jammerte)-352(es,)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.854 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(die)-353(Emma)-353(hat)-353(su)-352(viel)-353(Hitze)-353(und)]TJ -136.335 -13.549 Td [(klagt)-250(immer)-250(mehr)-250(\374ber)-250(a)-250(Hals.)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -121.353 -14.969 Td [(Emma)-263(war)-263(die)-264(zw\366lfj\344hrige)-263(Tochter)-263(Barthels.)-290(Ich)-263(erfuhr,)-266(da\337)]TJ -11.956 -13.55 Td [(das)-413(Kind)-412(\374ber)-413(Halsschmerzen)-413(geklagt)-413(habe,)-453(und)-413(der)-412(Sch\344fer,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-458(heilkundiger)-459(Mann,)-510(Hoffmannstropfen,)-510(Heringslauge)-458(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +677 0 obj << +/Type /Page +/Contents 678 0 R +/Resources 676 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +679 0 obj << +/D [677 0 R /XYZ 46.771 320.429 null] +>> endobj +676 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +683 0 obj << +/Length 4641 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(120)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Speckpflaster)-569(verordnet)-568(hatte.)-1206(Die)-569(Hoffmannstropfen)-568(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(Barthel)-250(heute)-250(aus)-250(der)-250(Stadt)-250(geholt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-448(bitte)-448(Sie,)-497(sehen)-448(Sie)-447(mal)-448(nach)-448(dem)-448(Kinde)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.802 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-497(bat)-448(mich)]TJ -232.445 -13.549 Td [(Anneliese,)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.946 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(es)-680(sind)-680(bereits)-680(drei)-681(Diphtherief\344lle)-680(im)-680(Dorfe)]TJ -59.789 -13.549 Td [(vorgekommen,)-250(und)-250(einen)-250(Arzt)-250(haben)-250(wir)-250(hier)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.32 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -214.364 -14.163 Td [(So)-607(ging)-607(ich)-607(mit)-607(ihr)-607(und)-607(den)-607(Barthelleuten)-607(nach)-607(einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Oberst\374blein,)-250(wo)-250(das)-250(Kind)-250(in)-250(hohem)-250(Fieber)-250(lag.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([158])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Diphtherie!)-551(Keine)-350(Zeit)-350(mehr)-350(zu)-350(verlieren.)-551(Ich)-350(gab)-350(ein)-350(paar)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vorl\344ufige)-372(Verhaltungsma\337regeln)-372(und)-371(schrieb)-372(einige)-372(Worte)-371(an)]TJ 0 -13.55 Td [(einen)-237(Kollegen)-236(im)-236(n\344chsten)-237(Orte,)-239(da)-237(ich)-236(die)-237(Behandlung)-236(ja)-236(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-387(\374bernehmen)-386(konnte.)-660(Ein)-387(Radler)-387(fuhr)-386(mit)-387(der)-386(Botschaft)]TJ 0 -13.549 Td [(los.)-911(Das)-470(M\344del)-471(ist)-470(dann)-470(auch)-470(gerettet)-471(worden,)-525(und)-470(Barthel)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-371(nachtr\344glich)-371(drei)-371(Mark)-371(Strafe)-371(zahlen)-371(m\374ssen,)-401(weil)-371(er)-371(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\344fer,)-256(der)-256(die)-255(Heringslauge)-255(und)-255(das)-255(Speckpflaster)-255(verordnete,)]TJ 0 -13.55 Td [(einige)-250(Ohrfeigen)-250(als)-250(Honorar)-250(ausgezahlt)-250(hat.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Als)-1022(wir)-1022(damals)-1022(nach)-1022(der)-1022(Barthelschen)-1022(Wohnstube)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zur\374ckkehrten,)-542(fanden)-483(wir)-483(Stefenson)-483(und)-484(die)-483(sch\366ne)-483(Eva)-483(in)]TJ 0 -13.549 Td [(angeregtester)-424(Unterhaltung.)-771(F\374r)-424(das)-423(erkrankte)-424(Kind)-424(hatte)-423(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(einige)-250(bedauernde)-250(Worte,)-250(dann)-250(lachte)-250(sie)-250(schon)-250(wieder.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Eva)-431(hatte)-431(mit)-431(Stefenson)-431(verabredet,)-476(da\337)-431(sie)-431(mit)-431(Anneliese)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gleich)-640(nach)-640(der)-639(Er\366ffnung)-640(unserer)-640(Kuranstalt)-640(im)-640(Mai)-639(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Feriengast)-194(bei)-194(uns)-194(einziehen)-194(wollte.)-231(Annelieses)-194(vertretungsweise)]TJ 0 -13.55 Td [(Schulmeisterei,)-422(sagte)-387(sie,)-422(gehe)-387(blo\337)-387(bis)-387(ersten)-388(April,)-421(und)-387(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-347(selbst)-347(kein)-347(Engagement)-347(an)-347(einer)-346(Oper)-347(kriege,)-372(sei)-346(vorl\344ufig)]TJ 0 -13.549 Td [(sicher,)-250(also)-250(k\366nnten)-250(sie)-250(beide)-250(kommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(Ihr)-250(Vater?)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.033 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -78.447 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-219(mein)-212(Vater)-212(darf)-212(nat\374rlich)-212(davon)-212(nichts)-211(wissen,)-220(der)-212(ist)-212(ja)]TJ -16.799 -13.549 Td [(w\374tend)-309(auf)-309(Sie.)-427(Dem)-309(schicke)-309(ich)-309(durch)-309(Mittelspersonen)-309(Briefe)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-341(irgendwoher,)-364(da\337)-341(er)-341(meint,)-364(ich)-341(sei)-341(wer)-341(wei\337)-341(wo.)-523(Und)-341(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihnen)-250(werde)-250(ich)-250(die)-250(Gr\374nzeugfrau)-250(Emilie)-250(Knautschke)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -246.764 -14.163 Td [(Ich)-1031(beschlo\337,)-1030(dieses)-1031(M\344dchen,)-1226(das)-1031(in)-1031(die)-1030(ernste)]TJ -11.956 -13.549 Td [(M\344nnerfreundschaft)-223(zwischen)-224(Stefenson)-223(und)-223(mir)-224(einen)-223(so)-223(lauten)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([159])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Lachton)-573(mischte)-572(und)-573(unsere)-573(gro\337e)-572(Idee)-573(zur)-572(Hanswurstiade)]TJ 0 -13.549 Td [(herabstimmte,)-250(unsch\344dlich)-250(zu)-250(machen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +682 0 obj << +/Type /Page +/Contents 683 0 R +/Resources 681 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +684 0 obj << +/D [682 0 R /XYZ 93.543 433.274 null] +>> endobj +685 0 obj << +/D [682 0 R /XYZ 335.377 93.24 null] +>> endobj +681 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +688 0 obj << +/Length 4755 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Bauernanwerbung)-16893(121)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Wie)-250(ich)-250(das)-250(tun)-250(sollte,)-250(wu\337te)-250(ich)-250(nicht.)]TJ 0 -13.838 Td [(Aber)-343(i)1(ch)-343(hatte)-343(Gl\374ck.)-527(Die)-343(T\374r)-342(\366ffnete)-343(sich,)-365(und)-343(ein)-342(d\374nnes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stimmchen)-250(zirpte)-250(herein:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Pappa,)-277(wie)-272(lange)-271(bleibst)-272(du)-272(denn?)-315(Ich)-271(mu\337)-272(immerfort)-272(allein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(in)-250(dem)-250(dummen)-250(Gasthaus)-250(sitzen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.535 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -132.579 -13.838 Td [(Luise)-250(war)-250(es,)-250(die)-250(wir)-250(im)-250(Wirtshaus)-250(zur\374ckgelassen)-250(hatten.)]TJ 0 -13.838 Td [(Stefenson)-250(sprang)-250(auf)-250(und)-250(eilte)-250(nach)-250(der)-250(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kindchen,)-223(auf)-216(dich)-216(hatt)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.372 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.992 0 Td [(ich)-216(ja)-216(ganz)-217(vergessen.)-238(Aber)-217(geh)-216(hier)]TJ -124.163 -13.549 Td [(hinaus!)-250(In)-250(diesem)-250(Haus)-250(ist)-250(Diphtherie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.858 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -155.902 -13.838 Td [(Er)-287(schob)-288(Luise)-287(besorgt)-287(auf)-288(die)-287(Stra\337e.)-362(Eva)-287(Bunkerts)-287(Gesicht)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wurde)-250(etwas)-250(ernster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-250(Herr)-250(Stefenson)-250(ist)-250(verheiratet?)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.622 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -161.465 -13.838 Td [(Ich)-250(war)-250(so)-250(boshaft,)-250(zweimal)-250(mit)-250(dem)-250(Kopf)-250(zu)-250(nicken.)]TJ 0 -13.838 Td [(Da)-390(r\344usperte)-391(sich)-390(Eva)-390(Bunkert)-391(und)-390(sagte,)-425(es)-391(sei)-390(wohl)-390(jetzt)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zeit,)-250(nach)-250(Hause)-250(zu)-250(gehen.)]TJ 11.956 -13.838 Td [(Ich)-366(hielt)-365(sie)-366(nicht)-365(auf.)-597(Es)-366(kam)-365(zum)-366(allgemeinen)-365(Aufbruch.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Drau\337en)-212(auf)-212(der)-212(Stra\337e)-211(schmiegte)-212(sich)-212(die)-212(kleine)-212(Luise)-212(dicht)-211(und)]TJ 0 -13.549 Td [(z\344rtlich)-201(an)-202(Stefenson)-201(an)-201(und)-201(schmollte)-202(mit)-201(ihrem)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.696 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(lieben)-201(Pappa)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.519 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(der)-250(sie)-250(im)-250(Stiche)-250(gelassen)-250(hatte.)]TJ 11.956 -13.838 Td [(Und)-273(Stefenson,)-278(ob)-273(er)-273(auch)-273(nach)-272(Eva)-273(Bunkert)-273(hinschielte,)-278(trat)]TJ -11.956 -13.55 Td [(nicht)-280(zu)-281(ihr)-280(und)-281(sagte)-280(vor)-281(den)-280(Ohren)-280(des)-281(Kindes:)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.977 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-280(bin)-281(nicht)]TJ -224.821 -13.549 Td [(ihr)-250(Vater!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.709 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.753 -13.838 Td [(Nein,)-337(er)-320(hielt)-320(stand)-319(dem)-320(Vaternamen)-320(gegen\374ber,)-337(den)-320(er)-319(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(selbst)-238(gegeben)-238(hatte.)-246(Er)-238(verleugnete)-238(das)-238(Kind)-238(nicht.)-246(Da)-238(hatte)-238(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-250(wieder)-250(gern.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([160])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.838 Td [(Als)-250(wir)-250(allein)-250(waren,)-250(sagte)-250(Stefenson:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-358(h\344tte)-357(nun)-358(alles)-358(so)-357(gut)-358(in)-358(unser)-357(Programm)-358(gepa\337t,)-385(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nun)-250(ist)-250(nichts)-250(zum)-250(Abschlu\337)-250(gekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 178.178 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -166.222 -13.838 Td [(Ich)-250(erwiderte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Diese)-296(Eva)-297(Bunkert)-296(ist)-296(eine)-296(ganz)-297(gute)-296(Erscheinung;)-319(aber)-297(ich)]TJ -16.799 -13.55 Td [(f\374rchte,)-250(sie)-250(w\374rde)-250(unserer)-250(Sache)-250(schaden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.662 0 Td [(\034)]TJ -170.706 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schaden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.804 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 16.826 0 Td [(fuhr)-1098(er)-1099(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.767 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(N\374tzen!)-2795(Glauben)]TJ -178.039 -13.549 Td [(Sie)-744(mit)-743(Sentimentalit\344t,)-867(alten)-743(R\374ckst\344ndigkeiten)-744(und)-743(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Duckm\344usertum)-524(noch)-523(was)-524(auszurichten?)-1071(Glauben)-523(Sie,)-592(da\337)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +687 0 obj << +/Type /Page +/Contents 688 0 R +/Resources 686 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +689 0 obj << +/D [687 0 R /XYZ 46.771 187.151 null] +>> endobj +686 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +692 0 obj << +/Length 1240 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(122)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ein)-295(sch\366nes)-294(Gesicht,)-306(eine)-294(gute)-295(Figur,)-306(ein)-294(beweglicher)-295(Geist)-294(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Deibels)-322(sind?)-465(Oh,)-340(ich)-321(sage)-322(Ihnen,)-340(wenn)-321(wir)-322(die)-322(moderne)-321(Welt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-266(ihre)-266(Sch\344dlichkeiten)-267(besiegen)-266(wollen,)-270(m\374ssen)-266(wir)-266(verflucht)]TJ 0 -13.549 Td [(modern)-405(sein.)-715(Mit)-405(noch)-405(so)-405(ehrw\374rdigen)-405(Armbrustpfeilen)-404(geht)]TJ 0 -13.55 Td [(keiner)-206(mehr)-206(an)-207(gegen)-206(die)-206(Schnellfeuergesch\374tze)-206(der)-206(neuen)-206(Zeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -13.549 Td [(Wir)-521(blieben)-521(noch)-521(einen)-521(Tag)-521(in)-521(diesem)-521(Dorfe)-521(und)-521(trafen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-529(M\344dchen)-529(wieder.)-1086(Beide)-529(waren)-529(gleichm\344\337ig)-528(freundlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-365(widmete)-365(sich)-365(ganz)-365(der)-365(sch\366nen)-365(Eva)-365(und)-365(sprach)-364(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-250(oder)-250(Anneliese)-250(kaum)-250(ein)-250(Wort.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +691 0 obj << +/Type /Page +/Contents 692 0 R +/Resources 690 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +690 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +693 0 obj +<< /S /GoTo /D (index16) >> +endobj +696 0 obj +(Der Journalist) +endobj +699 0 obj << +/Length 3562 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([161])]TJ/F16 18.9589 Tf -204.401 -68.051 Td [(Der)-276(Journalist)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.623 -36.155 Td [(Nun)-297(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.332 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-297(ein)-297(Jahr)-296(her,)-309(seit)-297(die)-296(Verwirklichung)-297(meiner)-297(Idee)-297(von)]TJ -35.965 -13.549 Td [(dem)-281(gro\337en)-281(Ferienheim)-281(keimte)-280(und)-281(wuchs.)-343(Jetzt)-281(n\344hert)-281(sie)-280(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-182(Reife.)-228(Anfang)-182(Februar)-182(gab)-182(es)-183(eine)-182(Sensation.)-227(Stefenson)-182(reiste)]TJ 0 -13.55 Td [(nach)-258(Amerika)-258(zur\374ck.)-275(Da)-258(h\366hnten)-258(die)-258(Neust\344dter,)-260(dem)-258(sei)-258(wohl)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-192(letzten)-192(Augenblick)-193(doch)-192(angst)-192(und)-192(bange)-192(geworden)-192(vor)-192(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergenialen)-232(Neugr\374ndung,)-236(und)-232(nun)-232(k\344me)-232(der)-232(Zusammenbruch.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-341(blieb)-341(ganz)-341(ruhig;)-387(denn)-341(ich)-341(wu\337te,)-363(da\337)-341(alles)-341(gut)-341(vorgesorgt)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-491(und)-491(Stefenson)-491(nur)-491(nach)-491(Hause)-491(fuhr,)-551(um)-491(seine)-491(dortigen)]TJ 0 -13.55 Td [(dringendsten)-250(Gesch\344fte)-250(in)-250(Ordnung)-250(zu)-250(bringen.)]TJ 11.956 -14.295 Td [(Die)-434(kleine)-435(Luise)-434(wollte)-435(der)-434(Amerikaner)-435(mit)-434(auf)-435(die)-434(Reise)]TJ -11.956 -13.55 Td [(nehmen.)-399(Erst)-299(nach)-300(den)-299(ernstesten)-300(Vorhaltungen,)-311(die)-300(beinahe)-299(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Feindseligkeiten)-397(ausarteten,)-434(lie\337)-397(er)-397(das)-397(Kind)-397(zu)-397(Hause.)-691(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(Neid)-246(und)-245(Zorn)-246(war)-246(in)-245(seinem)-246(Herzen,)-247(und)-245(zwar)-246(nicht)-246(nur)-245(wegen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-250(Kindes.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-360(bin)-361(begierig,)-388(wie)-360(Sie)-361(sich)-360(gegen)-361(Fr\344ulein)-360(Eva)-361(Bunkert)]TJ -16.799 -13.549 Td [(benehmen)-265(werden,)-269(wenn)-266(sie)-265(nun)-265(kommen)-266(wird,)-269(um)-265(unser)-265(Heim)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-387(beschauen.)-660(Ich)-386(f\374rchte,)-421(Sie)-387(werden)-386(den)-387(rechten)-387(Ton)-386(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(treffen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -19.844 -14.295 Td [(Ich)-250(l\344chelte.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([162])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374rchten)-1188(Sie,)-1423(da\337)-1187(ich)-1188(zu)-1188(abweisend)-1188(oder)-1188(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(entgegenkommend)-190(sein)-190(k\366nnte?)-230(Eva)-191(Bunkert)-190(ist)-190(ein)-190(sehr)-190(sch\366nes)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344dchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.32 0 Td [(\034)]TJ -31.364 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-421(bitte)-422(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.463 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-464(sprach)-422(er)-421(herb,)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.112 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da\337)-421(Sie)-422(sich)-421(mit)-421(Fr\344ulein)]TJ -164.062 -13.549 Td [(Bunkert)-490(weder)-490(in)-489(der)-490(einen)-490(noch)-489(in)-490(der)-490(anderen)-490(Art)-489(zuviel)]TJ 0 -13.55 Td [(besch\344ftigen,)-324(sondern)-309(mir)-309(diese)-309(ausgezeichnete)-309(Akquisition)-308(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-250(Kuranstalt)-250(pers\366nlich)-250(\374berlassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.324 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +698 0 obj << +/Type /Page +/Contents 699 0 R +/Resources 697 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +85 0 obj << +/D [698 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +694 0 obj << +/D [698 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +700 0 obj << +/D [698 0 R /XYZ 46.771 162.381 null] +>> endobj +697 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +703 0 obj << +/Length 4415 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(124)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-284(\374berlasse)-283(Ihnen)-284(diese)-283(Akquisition)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-292(sagte)-284(ich)-283(gro\337m\374tig)]TJ -187.323 -13.549 Td [(und)-550(feierlich.)-1148(Darauf)-550(knurrte)-549(er,)-624(vor)-550(Mitte)-549(Mai)-550(k\366nne)-549(er)]TJ 0 -13.549 Td [(keinesfalls)-250(zur\374ck)-250(sein.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Als)-319(ich)-320(ihn)-320(zum)-319(Zuge)-320(begleitete,)-337(w\374nschte)-319(ich)-320(aufrichtig,)-336(er)]TJ -11.956 -13.55 Td [(m\366ge)-250(bald)-250(zur\374ckkommen)-250(...)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 434.624 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 418.421 Td [(Vor)-296(drei)-297(Tagen)-296(ist)-297(nun)-296(unser)-297(Freund)-296(Emil)-297(Barthel)-296(mit)-296(seiner)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Susanne)-412(und)-412(seinen)-413(Kindern)-412(bei)-412(uns)-412(eingezogen.)-737(Er)-412(hat)-412(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Forellenhof)-374(dicht)-374(unten)-374(am)-374(Bach)-374(\374bernommen.)-622(Des)-374(Staunens)]TJ 0 -13.549 Td [(seiner)-313(Leute)-313(war)-314(gar)-313(kein)-313(Ende.)-440(Sie)-313(gingen)-313(bedr\374ckt)-313(durch)-313(die)]TJ 0 -13.55 Td [(gro\337en,)-307(neuen,)-307(so)-295(behaglich)-295(ausgestatteten)-296(R\344ume)-295(wie)-295(Fremde,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-486(ein)-485(merkw\374rdiges)-486(pr\344chtiges)-485(Haus)-485(betrachten.)-957(Aber)-485(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-231(in)-231(diese)-231(R\344ume)-231(hineinwachsen.)-244(Der)-231(Bauer)-231(hat)-230(uns)-231(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(wesentliche)-373(Dienste)-373(erwiesen.)-618(Er)-373(bezeichnete)-373(uns)-372(Kameraden)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-266(Bekannte,)-270(die)-266(sich)-266(als)-266(P\344chter)-266(unserer)-266(H\366fe)-266(eignen)-265(w\374rden,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-159(ob)-159(wir)-159(auch)-159(kaum)-159(den)-159(dritten)-159(Teil)-159(davon)-159(gebrauchen)-159(konnten,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-557(gaben)-556(uns)-557(die)-556(ausgew\344hlten)-557(Leute)-556(wieder)-557(die)-556(Adressen)]TJ 0 -13.549 Td [(neuer)-359(Kandidaten,)-386(so)-359(da\337)-358(unsere)-359(zwanzig)-359(H\366fe)-359(besiedelt)-358(sind.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-532(andere)-532(Teil)-532(des)-532(Gel\344ndes)-532(wird)-532(von)-532(den)-532(alten)-531(fr\374heren)]TJ 0 -13.549 Td [(Dominialgeb\344uden)-250(aus)-250(bewirtschaftet.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([163])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.55 Td [(Es)-343(geht)-343(alles)-343(schnell,)-366(ruhig)-343(und)-343(sicher,)-366(wo)-343(ein)-342(zielbewu\337ter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wille)-250(und)-250(wo)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.117 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(Geld)-250(da)-250(ist.)]TJ -58.342 -13.549 Td [(Manche)-231(unserer)-231(H\366fe)-231(haben)-231(herk\366mmliche)-231(poetische)-230(Namen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wie)-320(Forellenhof,)-338(Erlenhof,)-339(Grundhof,)-338(Hof)-320(am)-320(Hange,)-338(Berghof,)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonnenhof,)-849(aber)-728(es)-729(gibt)-729(auch)-729(eine)-729(Waldsch\366lzerei,)-848(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Heimwehfluh,)-590(eine)-521(Steinm\374hle,)-590(eine)-522(Genovevenklause,)-589(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337e)-759(und)-760(eine)-759(kleine)-759(Einsiedelei,)-887(ein)-759(Haus)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.365 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\374ber)-759(den)]TJ -237.209 -13.549 Td [(sieben)-627(Bergen)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.213 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-721(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.754 0 Td [(\036)]TJ/F19 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Old)-627(Nigger)-626(home)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.678 0 Td [(\050nach)-626(Stefensons)]TJ -202.298 -13.549 Td [(Wunsch\051,)-576(eine)-511(Heideheimat,)-575(eine)-511(Juxherberge,)-576(eine)-510(Meierei)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-264(gelben)-264(Kakadu,)-268(ein)-264(Knusperh\344uschen,)-267(eine)-264(Kassubenh\374tte,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-250(Zigeunerlager)-250(und)-250(eine)-250(R\344uberh\366hle.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Mit)-287(Romantik)-287(ist)-287(nicht)-287(gespart.)-361(Tradition)-287(fehlt)-287(ja)-287(leider)-287(allen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(diesen)-201(Dingen,)-211(aber)-201(sie)-201(wird)-200(sich)-201(bald)-201(finden;)-218(wir)-201(haben)-200(pfiffiges)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +702 0 obj << +/Type /Page +/Contents 703 0 R +/Resources 701 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 680 0 R +>> endobj +704 0 obj << +/D [702 0 R /XYZ 93.543 239.903 null] +>> endobj +701 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +707 0 obj << +/Length 3985 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(125)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Bauernvolk)-226(ausgew\344hlt,)-231(und)-226(das)-226(dichtet)-226(in)-226(seiner)-226(kr\344ftigen)-225(Seele)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-519(viel)-519(zusammen,)-586(da\337)-519(sich)-519(alsbald)-519(allerhand)-519(Geschichtlein)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-335(unsere)-335(Siedelungen)-335(spinnen)-336(werden,)-356(schneller)-335(als)-335(der)-335(Efeu)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344chst,)-445(den)-406(wir)-406(an)-406(mancher)-406(Wand)-406(einpflanzten,)-445(oder)-406(als)-405(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Moos)-250(wuchert,)-250(das)-250(wir)-250(auf)-250(schr\344ge)-250(D\344cher)-250(legten.)]TJ 11.956 -15.177 Td [(Das)-397(gr\366\337te)-396(Gl\374ck)-397(ist)-396(die)-397(Freude)-396(am)-397(gelungenen)-396(Werk,)-433(ein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Abglanz)-549(des)-549(ersch\374tternden)-548(Titanenjubels,)-624(der)-549(Gottes)-548(Brust)]TJ 0 -13.549 Td [(durchloht)-593(hat,)-678(als)-593(er)-593(im)-592(Glanz)-593(von)-593(Millionen)-593(Sonnen)-592(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\366pfung)-250(vor)-250(sich)-250(sah.)]TJ 11.956 -15.178 Td [(Auch)-447(ich)-446(bin)-447(nie)-446(so)-447(gl\374cklich)-446(gewesen)-447(wie)-446(in)-447(dieser)-446(Zeit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-493(Gr\374ndung)-493(unseres)-494(Heims,)-554(nie)-493(so)-493(selig,)-554(gl\344ubig)-493(und)-493(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben)-406(h\344ngend,)-444(nicht)-406(einmal)-406(in)-406(der)-405(Kinderzeit,)-445(die)-406(doch)-405(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(Tage)-369(Sch\366pferjubel)-368(bringt,)-399(und)-369(sei)-368(die)-369(Veranlassung)-369(auch)-368(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-273(gelungene)-272(kleine)-273(Schanze)-272(im)-272(Bach)-273(oder)-272(die)-273(zum)-272(erstenmal)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([164])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(gegl\374ckte)-250(Schleife)-250(des)-250(Schuhbandes.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 291.544 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 272.636 Td [(Die)-507(M\344dchen)-507(sind)-507(gekommen.)-1021(Gestern.)-1021(Sie)-507(kamen)-506(am)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Vormittag)-258(und)-257(wollten)-258(schon)-258(mit)-257(dem)-258(ersten)-258(Abendzuge)-257(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(abreisen)-269(trotz)-269(der)-269(Einladung,)-274(ein)-269(paar)-269(Tage)-269(dazubleiben)-268(und)-269(bei)]TJ 0 -13.55 Td [(Frau)-250(Susanne)-250(im)-250(Forellenhof)-250(zu)-250(wohnen.)]TJ 11.956 -15.177 Td [(Eva)-607(Bunkert)-606(war)-607(zur\374ckhaltender)-607(als)-606(bei)-607(unserer)-606(ersten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Begegnung.)-1081(Sie)-527(konnte)-528(es)-527(sich)-527(zwar)-527(nicht)-527(versagen,)-596(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(Betrachtung)-414(des)-415(Baches,)-455(der)-414(an)-415(Barthels)-414(Hof)-414(vorbeiflie\337t,)-455(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(behaupten,)-649(in)-569(diesem)-569(Gew\344sser)-569(lebe)-569(keine)-569(einzige)-569(Forelle,)]TJ 0 -13.55 Td [(weshalb)-480(der)-479(daranliegende)-480(Hof)-480(wahrscheinlich)]TJ/F24 10.9091 Tf 220.041 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Forellenhof)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.902 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(hei\337e,)-354(aber)-332(es)-333(sei)-333(ja)-333(bekannt,)-353(da\337)-333(Namen)-333(fast)-333(immer)-332(t\344uschen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-335(zum)-334(Beispiel)-335(k\366rperlich)-334(etwas)-335(zur\374ckgebliebene)-334(M\344nnlein)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-279(Vorliebe)-278(Siegfried)-279(hie\337en)-278(oder)-279(oft)-278(keifende)-279(Xanthippen)-278(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(holden)-250(Namen)-250(Mariechen)-250(oder)-250(Trautchen)-250(begabt)-250(seien.)]TJ 11.956 -15.178 Td [(Nach)-661(dieser)-661(Abschweifung)-661(ins)-661(Schnippische)-661(wurde)-661(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(M\344dchen)-387(ernster.)-660(Sie)-387(betrachtete)-386(den)-387(gro\337en)-387(Forellenhof)-386(von)]TJ 0 -13.549 Td [(innen)-250(und)-250(au\337en)-250(und)-250(sagte)-250(mit)-250(einem)-250(Seufzer:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +706 0 obj << +/Type /Page +/Contents 707 0 R +/Resources 705 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +708 0 obj << +/D [706 0 R /XYZ 199.176 338.78 null] +>> endobj +709 0 obj << +/D [706 0 R /XYZ 258.908 121.967 null] +>> endobj +705 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +713 0 obj << +/Length 5350 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(126)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-447(ist)-446(sch\366n)-447(hier.)-840(Ich)-447(glaube,)-496(man)-446(kann)-447(in)-447(einem)-447(solch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einfachen)-275(Hofe)-276(gl\374cklicher)-275(sein)-275(als)-276(in)-275(einem)-275(prunkenden)-275(Hotel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wenn)-419(ich)-419(es)-419(einrichten)-419(kann,)-461(werde)-419(ich)-419(wirklich)-419(einmal)-419(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich)-250(machen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.037 0 Td [(\034)]TJ -94.081 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-267(m\366chte)-267(es)-268(wohl)-267(auch)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.209 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-272(sagte)-267(die)-267(kleine)-267(Anneliese,)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.16 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)]TJ -261.856 -13.549 Td [(f\374r)-250(mich)-250(ist)-250(so)-250(etwas)-250(viel)-250(zu)-250(teuer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.673 0 Td [(\034)]TJ -137.717 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du,)-448(meine)-408(Liebe)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.896 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-448(lachte)-408(Eva)-408(Bunkert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.29 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(du)-408(m\374\337test)-408(ganz)]TJ -205.671 -13.549 Td [(andere)-326(Ferien)-326(vom)-327(Ich)-326(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.115 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.013 0 Td [(Weltstadtleben,)-345(Theater,)-345(B\344lle,)]TJ/F16 7.9701 Tf -215.884 0 Td [([165])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Autofahrten)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.44 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(man)-250(mu\337)-250(das)-250(haben,)-250(was)-250(einem)-250(fehlt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.214 0 Td [(\034)]TJ -215.881 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mir)-189(w\374rde)-190(nichts)-189(fehlen)-190(in)-189(solchem)-189(Frieden)]TJ/F24 10.9091 Tf 187.519 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-201(sagte)-190(die)-189(kleine)]TJ -209.162 -13.549 Td [(Braune.)]TJ 11.955 -15.856 Td [(Ich)-573(ging)-572(mit)-573(den)-572(M\344dchen)-573(durch)-573(unser)-572(Gel\344nde,)-654(f\374hrte)]TJ -11.955 -13.55 Td [(sie)-401(nach)-401(dem)-402(Rathaus,)-439(nach)-401(der)-401(Lindenherberge,)-439(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 247.292 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stillen)]TJ -252.136 -13.549 Td [(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.597 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.416 0 Td [(hinab)-419(\374ber)-419(die)-419(Genovevenklause,)-462(und)-419(als)-419(ich)-419(nach)-419(der)]TJ -30.013 -13.549 Td [(Waldsch\366lzerei)-312(weiter)-313(wollte,)-328(passierten)-312(wir)-313(das)-312(Zeughaus)-312(und)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-405(gro\337e)-405(Eingangstor.)-716(Dort)-405(gab)-405(es)-405(eine)-405(Auseinandersetzung)]TJ 0 -13.549 Td [(zwischen)-486(einem)-485(fremden)-486(Herrn)-485(und)-486(dem)-486(T\374rschlie\337er.)-956(Der)]TJ 0 -13.55 Td [(Herr,)-360(der)-338(im)-338(Reiseanzug)-338(war)-338(und)-338(eine)-338(kleine)-338(Handtasche)-338(trug,)]TJ 0 -13.549 Td [(verlangte)-542(in)-543(ungest\374mer)-542(Weise)-542(mich)-543(zu)-542(sprechen,)-615(w\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-463(Diener)-464(entgegnete,)-516(der)-463(Herr)-464(Doktor)-463(sei)-463(aufs)-463(dringendste)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-486(unabk\366mmlichste)-487(besch\344ftigt,)-545(und)-487(unsere)-486(Anstalt)-486(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(\374berhaupt)-407(erst)-408(am)-407(ersten)-407(Mai)-408(er\366ffnet.)-722(Der)-407(Fremde)-407(lie\337)-407(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-250(abweisen,)-250(und)-250(als)-250(er)-250(mich)-250(erblickte,)-250(rief)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-379(m\366chte)-378(wetten,)-411(da\337)-379(jener)-379(Herr)-378(der)-379(Doktor)-379(ist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 227.583 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.975 0 Td [(Damit)]TJ -253.357 -13.549 Td [(schob)-250(er)-250(den)-250(Diener)-250(beiseite)-250(und)-250(kam)-250(auf)-250(mich)-250(zu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gestatten)-250(Sie,)-250(mein)-250(Herr,)-250(eine)-250(kurze)-250(Viertelstunde?)]TJ/F24 10.9091 Tf 224.792 0 Td [(\034)]TJ -229.636 -15.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-250(sehen,)-250(ich)-250(habe)-250(Besuch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.094 0 Td [(\034)]TJ -126.938 -15.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.7 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.248 0 Td [(es)-256(tut)-256(mir)-256(auch)-256(leid,)-258(Sie)-256(st\366ren)-256(zu)-257(m\374ssen,)-257(aber)-256(ich)]TJ -58.747 -13.549 Td [(habe)-453(nur)-454(eine)-453(Viertelstunde)-454(Zeit.)-860(Wenn)-454(ich)-453(mich)-453(vorstellen)]TJ 0 -13.549 Td [(darf:)-982(George)-616(Brown,)-707(Mitarbeiter)-616(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.714 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Staatsb\374rgerzeitung)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.65 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf -276.997 -13.549 Td [(in)-467(Neuyork.)-900(Ihr)-467(Gesch\344ftsfreund)-467(Mister)-467(Stefenson)-467(hat)-466(mich)]TJ 0 -13.55 Td [(pers\366nlich)-254(gebeten,)-256(Sie)-254(zu)-254(besuchen)-255(und)-254(Ihnen)-254(dieses)-254(Schreiben)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(\374berreichen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.244 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +712 0 obj << +/Type /Page +/Contents 713 0 R +/Resources 711 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +714 0 obj << +/D [712 0 R /XYZ 308.607 418.716 null] +>> endobj +711 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +717 0 obj << +/Length 3302 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(127)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-260(\374bergab)-261(mir)-260(einen)-260(Brief,)-263(den)-260(ich)-261(mit)-260(Erlaubnis)-260(der)-260(Damen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\366ffnete)-250(und)-250(stellenweise)-250(vorlas:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([166])]TJ/F24 10.9091 Tf -122.361 -62.526 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neuyork,)-313(den)-301(25.)-403(M\344rz.)]TJ -140.779 -13.999 Td [(Mein)-250(Lieber!)]TJ -32.728 -14 Td [(Sie)-201(wollen)-201(nie)-201(recht)-201(zugeben,)-211(da\337)-201(ich)-201(Sie)-201(genau)-201(kenne,)-210(aber)-201(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Sp\374rsinn)-289(ist,)-299(was)-289(Sie)-289(anlangt,)-299(so)-289(gro\337,)-289(da\337)-288(ich)-289(hier)-289(viel)-289(tausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Meilen)-228(von)-229(Ihnen)-228(prophezeie,)-233(ohne)-228(besorgt)-228(zu)-229(sein,)-232(einen)-228(Irrtum)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-228(begehen:)-239(Wenn)-228(Sie)-228(diesen)-228(Brief)-228(durch)-228(Mister)-228(Brown)-228(erhalten)]TJ 0 -13.549 Td [(werden,)-446(werden)-407(Sie)-407(gerade)-407(mit)-407(den)-407(Damen)-407(Eva)-407(Bunkert)-407(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Annelies)-461(von)-462(Grill)-461(einen)-461(sehr)-462(vergn\374gten)-461(Spaziergang)-461(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(unser)-384(Heim)-384(machen.)-652(Ich)-384(begl\374ckw\374nsche)-384(Sie)-384(dazu)-384(und)-384(bitte,)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-250(den)-250(Herrschaften)-250(zu)-250(empfehlen.)]TJ 11.956 -13.999 Td [(Was)-416(Mister)-416(Brown)-416(anlangt,)-457(so)-416(empfehle)-416(ich)-416(Ihnen,)-457(diesen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Herrn)-503(recht)-504(r\374cksichtsvoll)-503(zu)-504(behandeln,)-566(ihm)-504(nicht)-503(etwa)-503(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(sagen,)-393(Sie)-365(h\344tten)-364(gerade)-365(Besuch)-365(und)-364(daher)-365(keine)-364(Zeit)-365(f\374r)-364(ihn.)]TJ 0 -13.549 Td [(Denn)-244(Mister)-244(Brown)-243(ist)-244(einer)-244(der)-244(einflu\337reichsten)-244(Journalisten)-243(in)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-270(Staaten,)-275(und)-270(wir)-269(werden)-270(den)-270(Zuzug)-270(aus)-270(Amerika)-270(f\374r)-269(unsere)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-324(deutschen)-324(Normalbegriffen)-324(immerhin)-324(etwas)-323(merkw\374rdige)]TJ 0 -13.549 Td [(Anstalt)-250(recht)-250(n\366tig)-250(haben.)]TJ 11.956 -14 Td [(Gr\374\337en)-232(Sie)-233(Luise)-232(von)-233(ihrem)-232(Pappa,)-236(der)-232(sich)-233(sehr)-232(nach)-232(seinem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(G\344nschen)-393(sehnt,)-428(aber)-392(noch)-393(nicht)-393(wei\337,)-392(wann)-393(er)-392(zur\374ckkehren)]TJ 0 -13.549 Td [(kann.)]TJ 230.034 -13.999 Td [(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -48.527 Td [(Ich)-399(schaute)-399(verwundert)-399(auf)-399(Brown,)-436(den)-399(\334berbringer)-399(dieser)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seltsamen)-398(Epistel.)-693(Brown)-398(war)-398(ein)-398(F\374nfziger,)-435(der)-397(Kotelettbart)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-335(der)-334(Schnurrbart)-335(sowie)-334(die)-335(gescheitelten)-334(Haare)-335(waren)-334(stark)]TJ 0 -13.55 Td [(angegraut,)-326(der)-310(Anzug)-311(etwas)-310(geschniegelt)-310(modern,)-326(die)-310(Wangen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-381(mir)-382(schien,)-414(wohl)-382(ein)-381(wenig)-381(geschminkt.)-645(Irgend)-381(etwas)-381(an)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +716 0 obj << +/Type /Page +/Contents 717 0 R +/Resources 715 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +718 0 obj << +/D [716 0 R /XYZ 46.771 504.484 null] +>> endobj +715 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +721 0 obj << +/Length 4789 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(128)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dem)-191(Mann)-191(kam)-192(mir)-191(bekannt)-191(vor,)-203(auch)-191(in)-191(seiner)-191(heiser)-191(klingenden)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([167])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Stimme.)-284(Vielleicht)-261(war)-261(ich)-261(ihm)-261(mal)-262(dr\374ben)-261(begegnet.)-283(Ich)-261(fragte)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn,)-367(ob)-344(er)-344(auf)-344(dem)-343(letzten)-344(gro\337en)-344(Pressekongre\337)-344(in)-343(Baltimore,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-434(ich)-435(besucht)-434(hatte,)-480(gewesen)-435(sei,)-480(und)-435(er)-434(erwiderte,)-480(da\337)-434(er)]TJ 0 -13.55 Td [(daselbst)-250(eine)-250(Rede)-250(gehalten)-250(h\344tte.)-250(Daher)-250(die)-250(matte)-250(Erinnerung.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Die)-591(M\344dchen)-590(verwunderten)-591(sich)-591(nicht)-590(weniger)-591(\374ber)-590(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(seltsame)-209(Prophezeiung)-210(in)-209(dem)-209(Stefensonschen)-209(Briefe)-210(als)-209(ich.)-236(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte,)-273(ich)-268(k\366nne)-268(mir)-267(das)-268(\374berraschende)-268(Eintreffen)-268(einer)-268(solchen)]TJ 0 -13.549 Td [(Voraussage)-271(nur)-270(dadurch)-270(erkl\344ren,)-276(da\337)-271(Stefenson)-270(vermutet)-270(habe,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-275(Damen)-275(bef\344nden)-276(sich)-275(f\374r)-275(l\344ngere)-275(Zeit)-276(in)-275(unserem)-275(Heim,)-281(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(mache)-157(mir)-158(wahrscheinlich)-157(\366fters)-158(das)-157(Vergn\374gen,)-176(sie)-157(auszuf\374hren,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-568(es)-567(k\366nne)-568(sich)-567(wohl)-568(so)-567(f\374gen,)-647(da\337)-567(uns)-568(Mister)-567(Brown)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammen)-257(antr\344fe.)-272(Daraufhin)-257(weissage)-257(ein)-257(Mann)-257(wie)-257(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(eben)-229(darauflos.)-243(Treffe)-229(es)-228(nicht)-229(ein,)-233(schade)-229(es)-229(nicht,)-233(treffe)-229(es)-228(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(infolge)-250(seines)-250(Gl\374ckes)-250(ein,)-250(sei)-250(es)-250(ein)-250(guter)-250(Bluff.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Brown)-250(sch\374ttelte)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-425(Stefenson)-425(ist)-424(kein)-425(Bluffer,)-469(er)-425(wei\337)-424(immer,)-469(was)-425(er)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sagt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.302 0 Td [(\034)]TJ -8.346 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-186(kennen)-186(Mister)-185(Stefenson)-186(pers\366nlich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 175.354 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.871 0 Td [(fragte)-186(Eva)-186(Bunkert)]TJ -199.024 -13.549 Td [(mit)-250(unverhohlenem)-250(Interesse.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mein)-228(gn\344diges)-229(Fr\344ulein)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.151 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-233(erwiderte)-228(Brown,)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.907 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ich)-228(kenne)-229(alles,)]TJ -213.544 -13.549 Td [(was)-250(man)-250(in)-250(Neuyork)-250(und)-250(den)-250(Staaten)-250(kennen)-250(mu\337.)]TJ/F24 10.9091 Tf 222.087 0 Td [(\034)]TJ -210.132 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-318(Mister)-319(Stefenson)-318(geh\366rt)-319(zu)-318(dem,)-335(was)-319(man)-318(in)-319(Amerika)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kennen)-250(mu\337?)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.473 0 Td [(\034)]TJ -46.518 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(er)-250(geh\366rt)-250(dazu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.669 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -169.224 0 Td [([168])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.163 Td [(Der)-505(Journalist)-506(schlo\337)-505(sich)-505(unserem)-505(Rundgang)-506(an.)-1016(Meist)]TJ -11.955 -13.549 Td [(verhielt)-295(er)-295(sich)-295(schweigend,)-306(sprach)-295(\374ber)-294(das,)-307(was)-294(er)-295(sah,)-306(weder)]TJ 0 -13.55 Td [(Lob)-357(noch)-357(Tadel)-357(aus,)-384(bat)-358(nur,)-384(sich)-357(von)-357(Zeit)-357(zu)-357(Zeit)-357(eine)-357(Notiz)]TJ 0 -13.549 Td [(machen)-371(zu)-372(d\374rfen,)-401(und)-372(stellte)-371(au\337erordentlich)-371(sachverst\344ndige)]TJ 0 -13.549 Td [(Fragen,)-192(Fragen,)-193(die)-178(ich,)-192(sobald)-178(sie)-178(sich)-178(in)-178(technische)-178(Einzelheiten)]TJ 0 -13.549 Td [(verliefen,)-360(oft)-338(gar)-338(nicht)-338(beantworten)-338(konnte.)-514(Das)]TJ/F19 10.9091 Tf 220.641 0 Td [(Nigger-Home)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.641 -13.549 Td [(gefiel)-236(dem)-235(Amerikaner.)-245(Es)-236(war)-235(d\374ster)-236(in)-235(der)-236(niederen)-235(Stube;)-240(wir)]TJ 0 -13.55 Td [(z\374ndeten)-288(ein)-288(paar)-288(matt)-288(brennende)-288(Petroleumlampen,)-297(die)-288(an)-288(den)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344nden)-250(hingen,)-250(an,)-250(um)-250(die)-250(Illusion)-250(zu)-250(verbessern.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +720 0 obj << +/Type /Page +/Contents 721 0 R +/Resources 719 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +722 0 obj << +/D [720 0 R /XYZ 190.358 518.175 null] +>> endobj +723 0 obj << +/D [720 0 R /XYZ 93.543 186.32 null] +>> endobj +719 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +726 0 obj << +/Length 4229 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(129)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-507(m\374\337te)-506(jemand)-507(einen)-507(Niggersang)-507(anstimmen)]TJ/F24 10.9091 Tf 227.614 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-571(sagte)]TJ -249.257 -13.549 Td [(Brown.)]TJ 11.956 -15.172 Td [(Da)-478(stand)-477(auch)-478(schon)-477(Eva)-478(Bunkert,)-535(an)-477(die)-478(Wand)-477(gelehnt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schr\344nkte)-192(die)-192(Arme)-193(\374ber)-192(der)-192(Brust)-192(und)-192(begann)-192(mit)-192(wohllautender)]TJ 0 -13.55 Td [(Stimme)-250(zu)-250(singen:)]TJ/F26 10.9091 Tf 10.91 -25.495 Td [(\036)]TJ/F19 10.9091 Tf 6.065 0 Td [(Way)-250(down)-250(upon)-250(Swaney)-250(ribber)]TJ -6.065 -13.55 Td [(Far)-250(far)-250(away)-250(...)]TJ 0 -13.549 Td [(There)]TJ/F26 10.9091 Tf 25.45 0 Td [(\031)]TJ/F19 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-250(where)-250(my)-250(heart)-250(is)-250(turning)-250(ebber,)]TJ -29.083 -13.549 Td [(There)]TJ/F26 10.9091 Tf 25.45 0 Td [(\031)]TJ/F19 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-250(where)-250(the)-250(old)-250(folks)-250(stay)-250(...)]TJ/F26 10.9091 Tf 123.633 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -151.67 -27.119 Td [(Sie)-336(sang)-337(dieses)-336(schwerm\374tigste)-336(aller)-337(Heimatlieder)-336(mit)-336(tiefer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(innerer)-389(Bewegung,)-423(und)-388(Mister)-389(Brown)-388(summte)-389(mit)-388(n\344selndem)]TJ 0 -13.549 Td [(Tone)-208(die)-207(Begleitung)-208(dazu,)-216(so)-208(wie)-207(es)-208(die)-207(Neger)-208(tun,)-216(wenn)-208(fern)-207(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimat)-193(einer)-193(der)-192(Ihrigen)-193(an)-193(der)-193(Wand)-192(lehnt)-193(und)-193(das)-193(innerste)-192(Weh)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-237(weltverschlagenen,)-240(geknechteten)-237(Seele)-237(im)-237(Liede)-237(ausstr\366men)]TJ 0 -13.55 Td [(l\344\337t.)-370(Dann)-290(summen)-290(sie)-290(alle)-290(mit,)-300(die)-290(K\366rper)-290(werden)-290(regungslos,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-248(die)-248(gro\337en,)-248(hei\337en)-248(Augen)-248(starren)-248(ins)-248(gelbe)-248(Licht)-248(der)-247(matten)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([169])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Lampen)-250(...)]TJ 11.956 -15.172 Td [(Wir)-361(gingen)-360(weiter)-361(und)-361(kamen)-361(an)-360(den)-361(Hof)-361(am)-360(Hange.)-582(Dort)]TJ -11.956 -13.549 Td [(steht)-491(eine)-491(gro\337e)-491(Buche,)-551(um)-491(die)-490(eine)-491(Bank)-491(l\344uft.)-973(Von)-490(hier)]TJ 0 -13.55 Td [(aus)-412(kann)-411(man)-412(unsere)-411(ganze)-411(Siedelung)-412(\374berschauen.)-734(Warmes)]TJ 0 -13.549 Td [(Fr\374hlingslicht)-238(spielte)-238(durch)-238(laue)-238(Luft,)-240(die)-238(Zweige)-238(trugen)-238(alle)-238(die)]TJ 0 -13.549 Td [(kurzen,)-275(gr\374nen)-270(Kinderkleidchen)-269(erster)-270(Jugend,)-275(die)-270(V\366gel)-269(waren)]TJ 0 -13.549 Td [(heimgekommen)-318(und)-319(\374bten)-318(in)-318(abgerissenen)-319(Trillern)-318(und)-318(L\344ufen)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-276(gro\337e)-276(Lebens-)-276(und)-277(Liebeslied)-276(des)-276(Maien)-276(ein.)-328(Da)-276(wurde)-276(mir)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-321(Herz)-322(weit.)-463(Unsere)-322(Siedelung)-321(war)-321(sch\366n,)-339(keine)-321(langweilige)]TJ 0 -13.549 Td [(Linie)-183(in)-183(ihr,)-196(kein)-183(Steinkolo\337,)-183(keine)-183(Erinnerung)-183(an)-183(geschniegeltes,)]TJ 0 -13.549 Td [(\366des)-250(Geputztsein,)-250(sondern)-250(Heimatlichkeit,)-250(W\344rme,)-250(Frieden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.172 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-423(man)-422(das)-423(sieht)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.814 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-466(sagte)-422(die)-423(kleine)-422(Anneliese,)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.479 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(meint)]TJ -255.779 -13.549 Td [(man,)-419(hier)-386(werden)-386(immer)-385(nur)-386(gute)-385(Menschen)-386(wohnen)-385(k\366nnen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Es)-272(ist)-273(alles)-272(rein)-273(und)-272(gut;)-284(schlechten)-272(Leuten)-272(w\374rde)-273(hier)-272(das)-272(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(springen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.299 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.343 -15.172 Td [(Ich)-250(war)-250(ihr)-250(dankbar)-250(und)-250(sagte:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +725 0 obj << +/Type /Page +/Contents 726 0 R +/Resources 724 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +728 0 obj << +/D [725 0 R /XYZ 81.875 287.798 null] +>> endobj +724 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F26 727 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +731 0 obj << +/Length 5513 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(130)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-479(es)-478(soll)-479(doch)-478(eine)-479(Zufluchtst\344tte)-478(werden)-479(f\374r)-479(solche,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-443(nicht)-443(gl\374cklich)-442(sind,)-491(auch)-443(wenn)-443(sie)-443(durch)-443(eigene)-442(Schuld)]TJ 0 -13.549 Td [(ungl\374cklich)-250(geworden)-250(sind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.895 0 Td [(\034)]TJ -108.939 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-217(finde)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.719 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-224(sagte)-217(Eva)-217(Bunkert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.609 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(in)-217(dem)-218(Ganzen)-217(ist)-217(ungeheuer)]TJ -154.815 -13.55 Td [(viel)-250(Kindliches.)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.087 0 Td [(\034)]TJ -57.131 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-265(ist)-266(ein)-265(hohes)-265(Lob,)-269(mein)-266(Fr\344ulein,)-269(was)-265(Sie)-265(da)-266(sprechen)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(meinte)-335(Mister)-336(Brown;)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.349 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Genialit\344t)-335(ist)-336(nie)-335(etwas)-336(anderes)-335(als)-336(das)]TJ -107.192 -13.549 Td [(Urspr\374ngliche,)-190(das)-175(Kindhafte.)-225(Sie)-174(glauben)-175(gar)-175(nicht,)-190(wie)-174(kindlich)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-319(guten)-318(amerikanischen)-319(Humoristen)-318(sind.)-456(Ganz)-319(im)-318(Ernst!)]TJ 0 -13.55 Td [(Sehen)-286(Sie)-286(deren)-286(Tier-)-286(und)-286(Kinderbilder)-286(an,)-295(es)-286(ist)-286(alles)-285(geschaut)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([170])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(mit)-229(den)-229(abgekl\344rten)-230(Augen)-229(des)-229(ernsten)-229(Mannes)-229(und)-229(alles)-229(gef\374hlt)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(dem)-250(Herzen)-250(des)-250(kleinen)-250(Buben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.338 0 Td [(\034)]TJ -144.383 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stefenson)-250(ist)-250(ein)-250(Genie)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.898 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(Eva)-250(Bunkert)-250(warm.)]TJ/F24 10.9091 Tf -110.586 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-273(will)-274(ich)-273(nicht)-273(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.853 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-279(entgegnete)-273(Brown,)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.478 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(er)-273(ist)-274(nur)-273(das)]TJ -223.817 -13.549 Td [(Werkzeug;)-525(der)-434(Sch\366pfer)-433(der)-433(ganzen)-434(Idee)-433(ist,)-480(wenn)-433(ich)-433(recht)]TJ 0 -13.55 Td [(unterrichtet)-357(bin,)-383(der)-356(Herr)-357(Doktor,)-383(der)-356(mit)-357(uns)-356(auf)-357(dieser)-356(Bank)]TJ 0 -13.549 Td [(sitzt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.913 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -8.958 -14.04 Td [(Ich)-250(wehrte)-250(das)-250(Lob)-250(ab,)-250(und)-250(Eva)-250(Bunkert)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wohl,)-471(der)-427(Doktor)-427(hatte)-426(die)-427(Idee,)-471(hatte)-427(den)-427(Traum)-427(in)-427(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Seele,)-269(aber)-265(Stefenson)-266(hatte)-265(den)-265(Mut,)-270(den)-265(Traum)-265(in)-265(Wirklichkeit)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-352(verwandeln.)-556(Ich)-352(m\366chte)-352(sagen,)-377(der)-352(Doktor)-352(hat)-352(ein)-352(sch\366nes)]TJ 0 -13.549 Td [(Motiv)-383(in)-382(die)-383(Welt)-383(gesungen,)-416(und)-382(Stefenson)-383(hat)-383(ein)-382(herrliches)]TJ 0 -13.549 Td [(Lied)-250(daraus)-250(geschaffen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.898 0 Td [(\034)]TJ -91.943 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-416(sprechen)-416(sehr)-415(gut)-416(und)-416(lieb)-416(von)-416(meinem)-416(Landsmann)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(sagte)-250(Mister)-250(Brown)-250(ger\374hrt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Oh)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-283(rief)-276(Eva)-276(Bunkert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.905 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-276(schw\344rme)-276(f\374r)-277(Stefenson.)-328(Es)-276(hat)]TJ -124.723 -13.55 Td [(mir)-203(noch)-202(nie)-203(ein)-202(Mann)-202(solchen)-203(Eindruck)-202(gemacht)-203(wie)-202(er,)-212(obwohl)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-241(der)-242(Konkurrent)-241(meines)-242(Vaters)-241(ist.)-247(Erst)-242(recht)-241(deshalb!)-247(Ich)-241(mag)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-290(Leute)-290(nicht)-290(leiden,)-301(die)-290(sich)-290(nur)-290(f\374r)-290(die)-290(Freunde)-290(und)-290(G\366nner)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-250(eigenen)-250(Sippschaft)-250(begeistern)-250(k\366nnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -179.216 -14.04 Td [(Da)-250(wurde)-250(auch)-250(die)-250(kleine)-250(Braune)-250(munter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-718(seufzte)-624(sie,)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.933 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(es)-624(ist)-624(schade,)-718(da\337)-623(Mister)-624(Stefenson)]TJ -106.506 -13.549 Td [(verheiratet)-512(ist!)-1034(Er)-512(w\344re)-512(der)-511(erste,)-577(der)-512(bei)-511(der)-512(stolzen)-511(Eva)]TJ 0 -13.549 Td [(Bunkert)-250(wirklich)-250(Gl\374ck)-250(h\344tte!)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.193 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +730 0 obj << +/Type /Page +/Contents 731 0 R +/Resources 729 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 710 0 R +>> endobj +732 0 obj << +/D [730 0 R /XYZ 167.734 395.25 null] +>> endobj +729 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +735 0 obj << +/Length 5410 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(131)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-368(Plappermaul!)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.119 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.852 0 Td [(z\374rnte)-368(Eva,)-396(reckte)-368(aber)-367(den)-368(Kopf)-368(hoch.)]TJ/F24 10.9091 Tf -101.77 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun,)-351(ich)-330(leugne)-330(es)-331(nicht:)-411(der)-330(Mann)-331(gef\344llt)-330(mir.)-492(Weil)-330(er)-330(eben)]TJ/F16 7.9701 Tf 286.18 0 Td [([171])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ein)-304(so)-304(ganzer)-304(Mann)-304(ist.)-411(Vom)-304(Heiratenwollen)-304(aber)-304(ist)-304(gar)-303(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Rede.)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.146 0 Td [(\034)]TJ -13.19 -15.396 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(w\344re)-250(keine)-250(schlechte)-250(Partie)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.076 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(meinte)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -141.763 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eben)-333(deshalb!)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.01 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.475 0 Td [(sagte)-333(Eva)-333(trotzig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.294 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-333(will)-333(mal)-333(keine)-332(gute)]TJ -176.422 -13.549 Td [(Partie,)-250(ich)-250(will)-250(einen)-250(Mann)-250(heiraten!)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.971 0 Td [(\034)]TJ -148.015 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-462(wu\337te)-462(gar)-462(nicht,)-515(da\337)-462(Stefenson)-462(verheiratet)-462(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.657 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-515(warf)]TJ -252.3 -13.549 Td [(Mister)-250(Brown)-250(ein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie?)-250(Und)-250(Sie)-250(wollen)-250(ihn)-250(so)-250(genau)-250(kennen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.571 0 Td [(\034)]TJ -195.414 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.958 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.082 0 Td [(ich)-333(als)-332(anst\344ndiger)-333(Journalist)-332(k\374mmere)-333(mich)-332(um)-333(das,)]TJ -42.839 -13.549 Td [(was)-184(Stefenson)-184(f\374r)-183(das)-184(Land)-184(und)-184(die)-183(Welt)-184(bedeutet,)-197(nicht)-184(um)-183(seine)]TJ 0 -13.55 Td [(Privatverh\344ltnisse.)-234(Ich)-201(habe)-202(nie)-201(geh\366rt,)-212(da\337)-201(Stefenson)-201(verheiratet)]TJ 0 -13.549 Td [(sei.)-250(Es)-250(ist)-250(mir)-250(auch)-250(ganz)-250(gleichg\374ltig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.625 0 Td [(\034)]TJ -151.669 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-250(Herr)-249(Doktor)-250(hat)-250(es)-250(uns)-249(gesagt)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.033 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(erwiderte)-250(das)-249(M\344dchen.)]TJ -158.719 -15.395 Td [(Da)-372(grunzte)-373(Mister)-372(Brown)-373(so)-372(tief)-373(und)-372(absonderlich,)-403(da\337)-372(ich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erschrocken)-443(aufschaute)-442(und)-443(ihn)-442(ansah.)-828(Und)-443(ich)-442(blickte)]TJ/F24 10.9091 Tf 261.86 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.283 0 Td [(in)]TJ -272.143 -13.549 Td [(Stefensons)-273(Augen.)-318(So)-272(klar,)-278(in)-273(so)-273(deutlichem)-272(Zorn)-273(blitzten)-272(diese)]TJ 0 -13.55 Td [(Augen)-491(mich)-491(an,)-551(wie)-491(ich)-491(sie)-491(von)-491(hundert)-491(Gelegenheiten)-491(her)]TJ 0 -13.549 Td [(kannte,)-228(wenn)-221(dem)-222(j\344hzornigen)-222(Manne)-222(die)-222(Galle)-222(\374berlief,)-228(was)-221(oft)]TJ 0 -13.549 Td [(genug)-250(geschah.)]TJ 11.956 -15.395 Td [(Ein)-344(w\374ster)-344(Verdacht)-344(erwachte)-344(in)-344(mir.)-532(Dieser)-344(Mister)-343(Brown)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-271(gar)-271(kein)-271(amerikanischer)-272(Journalist,)-276(es)-271(war)-271(Stefenson)-271(selbst,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-164(uns)-165(in)-164(einer)-164(vorz\374glichen)-164(Maske)-165(get\344uscht)-164(hatte.)-221(Noch)-164(einmal)]TJ 0 -13.55 Td [(blickte)-304(ich)-304(ihn)-304(an;)-331(ich)-304(sah)-304(wieder)-304(in)-304(ein)-304(fremdes)-304(Gesicht.)-412(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-256(wurde)-255(den)-256(Verdacht)-256(nicht)-255(mehr)-256(los.)-267(Jedenfalls,)-257(alter)-255(Freund,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-285(dachte)-284(ich,)-293(bist)-285(du)-285(es)-284(wirklich,)-293(so)-285(entlarve)-284(ich)-285(dich;)-302(bilde)-284(dir)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-185(ein,)-199(mit)-185(einem)-185(bi\337chen)-186(Detektivschlauheit)-185(deutsche)-185(Gimpel)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([172])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zu)-250(fangen.)]TJ 11.956 -15.395 Td [(Ich)-250(fing)-250(an,)-250(auf)-250(Stefenson)-250(zu)-250(schimpfen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-343(Mann)-344(mag)-343(seine)-343(Vorz\374ge)-344(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.345 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-367(sagte)-343(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.949 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(aber)-343(wo)]TJ -244.779 -13.55 Td [(viel)-281(Licht)-282(ist,)-289(ist)-281(auch)-282(viel)-281(Schatten.)-344(So)-282(ist)-281(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.32 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.524 0 Td [(ich)-281(sage)]TJ -244.844 -13.549 Td [(das)-250(ruhig,)-250(obwohl)-250(er)-250(mein)-250(Freund)-250(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.625 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ungeheuer)-250(eitel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.582 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +734 0 obj << +/Type /Page +/Contents 735 0 R +/Resources 733 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +736 0 obj << +/D [734 0 R /XYZ 203.833 518.175 null] +>> endobj +737 0 obj << +/D [734 0 R /XYZ 269.911 504.626 null] +>> endobj +738 0 obj << +/D [734 0 R /XYZ 70.612 137.58 null] +>> endobj +733 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +742 0 obj << +/Length 5525 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(132)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-452(ist)-452(kein)-451(Schade)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.35 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-502(fiel)-452(Eva)-452(ein;)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.963 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(viele)-452(gro\337e)-452(M\344nner)]TJ -190.798 -13.549 Td [(sind)-385(eitel:)-520(viele)-385(Staatsm\344nner,)-419(viele)-385(Geistliche,)-419(alle)-385(Dichter)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(selbst)-292(solche,)-302(denen)-292(man)-291(es)-292(gar)-292(nicht)-292(zutraute,)-302(wie)-291(Kriegsleute,)]TJ 0 -13.549 Td [(Flieger,)-399(Polizisten,)-400(sind)-369(eitel.)-609(Was)-369(hei\337t)-370(\374berhaupt)-369(eitel)-369(sein?)]TJ 0 -13.55 Td [(Wer)-399(umzirkelt)-399(den)-399(Begriff?)-696(Auf)-399(sich)-399(halten,)-436(auch)-399(in)-398(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(\304u\337erlichkeiten)-192(nicht)-192(verpowern,)-204(ist)-192(eine)-193(gesunde)-192(Eitelkeit.)-230(Eine)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-250(kann)-250(Mister)-250(Stefenson)-250(gar)-250(nicht)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 202.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -190.724 -14.04 Td [(Da)-250(lachte)-250(Mister)-250(Brown.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh!)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.964 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.065 0 Td [(sagte)-387(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.439 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(was)-387(das)-387(anlangt,)-421(so)-387(ist)-387(Stefenson)-387(so)-387(eitel,)]TJ -90.111 -13.55 Td [(da\337)-319(er,)-337(wenn)-319(er)-320(sich)-319(im)-320(Rasierspiegel)-319(sieht,)-337(erst)-319(immer)-319(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366nen)-197(Bild)-197(eine)-198(kleine)-197(Verneigung)-197(macht,)-208(ehe)-197(er)-197(sich)-197(einseift.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-445(denke,)-493(Sie)-444(k\374mmern)-445(sich)-444(nicht)-445(um)-444(Herrn)-445(Stefensons)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Privatleben)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(rief)-250(Eva)-250(ver\344rgert.)]TJ/F24 10.9091 Tf -42.58 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gewi\337)-494(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.286 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-555(sagte)-494(der)-493(Journalist,)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.108 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)-494(manches)-494(fliegt)]TJ -189.881 -13.549 Td [(einem)-362(halt)-361(so)-362(zu.)-585(Wenn)-361(es)-362(Spa\337)-361(macht:)-474(ich)-361(kenne)-362(noch)-361(ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(andere)-250(Schw\344chen)-250(Ihres)-250(Gesch\344ftsfreundes.)]TJ/F24 10.9091 Tf 192.044 0 Td [(\034)]TJ -180.089 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Danke!)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(wehrte)-250(Eva)-250(ab,)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.855 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-250(macht)-250(gar)-250(keinen)-250(Spa\337!)]TJ/F24 10.9091 Tf 115.123 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -232.342 -14.04 Td [(Ich)-291(dankte)-292(auch.)-373(Wenn)-292(dieser)-291(Mann)-291(wirklich)-291(Stefenson)-292(war,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(so)-362(war)-362(es)-361(das)-362(D\374mmste,)-390(auf)-362(Stefenson)-361(zu)-362(schimpfen;)-418(denn)-361(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([173])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(w\374rde)-352(dann)-351(noch)-352(weit)-352(heftiger)-351(auf)-352(sich)-352(selbst)-351(schimpfen.)-555(Das)]TJ 0 -13.55 Td [(mu\337te)-437(ich)-438(doch)-437(von)-438(seinen)-437(Artikeln)-437(her)-438(wissen.)-812(Auf)-437(solche)]TJ 0 -13.549 Td [(Weise)-237(konnte)-237(ich)-237(dem)-236(alten)-237(Fuchs)-237(den)-237(Bart)-237(sicher)-237(nicht)-236(scheren.)]TJ 11.955 -14.04 Td [(Da)-250(kam)-250(mir)-250(eine)-250(Bemerkung)-250(von)-250(Anneliese)-250(zu)-250(Hilfe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Damals)-388(hatte)-388(doch)-389(Herr)-388(Stefenson)-388(seine)-388(Tochter)-388(mit)-389(sich.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Hie\337)-250(sie)-250(nicht)-250(Luise?)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.411 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.456 -14.04 Td [(Ich)-224(jubelte)-223(innerlich,)-229(und)-224(die)-224(Schlechtigkeit,)-229(einem)-224(Menschen)]TJ -11.955 -13.55 Td [(aus)-619(einer)-619(seiner)-620(edlen)-619(Eigenschaften)-619(heraus)-619(eine)-619(Falle)-619(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(stellen,)-522(kam)-468(mir)-468(gar)-468(nicht)-467(zum)-468(Bewu\337tsein.)-903(Ja,)-523(ich)-467(beging)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-457(neue)-456(Schlechtigkeit,)-508(ich)-457(schwindelte.)-870(So)-456(stark)-457(war)-456(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Verlangen,)-244(diesen)-243(Journalisten,)-244(wenn)-243(er)-243(wirklich)-243(Stefenson)-242(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(Stefenson)-250(zu)-250(entlarven.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Allerdings)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.058 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-363(entgegnete)-340(ich)-340(meiner)-340(Nachbarin,)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.816 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stefensons)]TJ -233.361 -13.549 Td [(Tochter)-221(hei\337t)-222(Luise.)-240(Das)-221(Kind)-222(h\344ngt)-221(sehr)-221(am)-221(Vater)-222(und)-221(er)-221(an)-221(ihr.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-240(wollte)-241(sie)-240(durchaus)-241(mit)-240(auf)-240(die)-241(Reise)-240(nehmen,)-243(aber)-240(das)-240(gaben)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +741 0 obj << +/Type /Page +/Contents 742 0 R +/Resources 740 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +743 0 obj << +/D [741 0 R /XYZ 287.507 271.344 null] +>> endobj +740 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +746 0 obj << +/Length 5255 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(133)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wir)-291(anderen)-291(nicht)-290(zu.)-373(Und)-291(es)-290(war)-291(auch)-291(sehr)-291(gut;)-311(denn)-291(das)-290(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(nicht)-250(wohl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.128 0 Td [(\034)]TJ -50.172 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieso)-355(nicht)-354(wohl?)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.711 0 Td [(fragte)-354(Mister)-355(Brown,)-381(und)-354(das)-355(in)-354(einer)]TJ -109.597 -13.549 Td [(solch)-483(erschreckten)-484(Weise,)-541(da\337)-483(ich)-484(jetzt)-483(meiner)-483(Sache)-483(v\366llig)]TJ 0 -13.55 Td [(sicher)-250(war.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah,)-406(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.271 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.542 0 Td [(so)-375(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-406(entgegnete)-375(ich)-374(gleichm\374tig,)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.196 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(bei)-375(Kindern)]TJ -227.463 -13.549 Td [(findet)-214(sich)-214(leicht)-214(mal)-214(etwas;)-226(das)-214(ist)-214(nicht)-214(so)-214(tragisch)-214(zu)-214(nehmen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-446(finde)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.21 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-494(sagte)-446(Mister)-446(Brown)-445(scharf,)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.073 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)-446(ein)-445(Mann,)]TJ -205.77 -13.549 Td [(wie)-346(Stefenson,)-370(ein)-346(einziges)-346(Kind)-346(hat,)-370(ist)-346(es)-346(Pflicht,)-370(ihm)-345(sofort)]TJ 0 -13.55 Td [(telegraphisch)-259(Mitteilung)-258(zu)-258(machen,)-261(wenn)-259(dieses)-258(Kind)-258(ernstlich)]TJ 0 -13.549 Td [(erkrankt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.077 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 251.947 0 Td [([174])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-527(ernstlicher)-527(Erkrankung)-527(habe)-527(ich)-527(nicht)-528(gesprochen)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(entgegnete)-557(ich)-558(ruhig,)-634(und)-557(diese)-557(Bemerkung)-558(war)-557(auch)-557(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(angebracht;)-735(denn)-573(im)-573(selben)-572(Augenblick)-573(st\374rmte)-573(die)-573(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Luise)-480(mit)-480(zwei)-480(Bauernbengeln)-480(unter)-480(gro\337em)-480(Hallo)-480(aus)-479(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(nahen)-417(Walde.)-752(Das)-417(M\344del)-417(hat)-418(sich)-417(bei)-417(uns)-417(inzwischen)-417(v\366llig)]TJ 0 -13.549 Td [(eingerichtet,)-403(und)-372(von)-372(Sch\374chternheit)-371(ist)-372(gar)-372(keine)-372(Rede)-372(mehr.)]TJ 0 -13.549 Td [(Jetzt)-250(kam)-250(sie)-250(auf)-250(mich)-250(zugest\374rmt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-246(Onkel)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.908 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.12 0 Td [(ich)-244(wu\337te)-245(gar)-244(nicht,)-246(da\337)-244(du)-244(hier)-245(oben)-244(bist.)-248(Wir)]TJ -77.827 -13.549 Td [(spielen)-250(gerade)-250(Haschen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -93.764 -14.041 Td [(Anneliese)-238(liebkoste)-238(das)-238(Kind,)-240(und)-238(Eva)-238(Bunkert)-238(kniff)-238(es)-238(in)-237(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wangen,)-278(da\337)-273(es)-272(quiekte.)-318(Aufmerksam)-273(betrachtete)-272(Eva)-273(die)-272(Z\374ge)]TJ 0 -13.549 Td [(Luisens.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Von)-234(ihrem)-234(Vater)-233(hat)-234(sie)-234(gar)-234(nichts)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.214 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-237(sagte)-234(sie,)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.715 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sie)-234(mu\337)-234(ganz)]TJ -223.416 -13.549 Td [(nach)-250(der)-250(Mutter)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.706 0 Td [(\034)]TJ -80.75 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Im)-165(Gegenteil)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.339 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-182(entgegnete)-166(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.826 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(das)-165(Kind)-166(ist)-165(das)-166(ganze)-165(Abbild)]TJ -154.652 -13.55 Td [(des)-250(Vaters.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.469 0 Td [(\034)]TJ -36.513 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-187(habe)-188(ich)-187(auf)-187(ihn)-188(vergessen)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.66 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-200(sagte)-187(Eva)-187(mit)-188(fast)-187(trauriger)]TJ -160.303 -13.549 Td [(Stimme.)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Mister)-394(Brown)-395(atmete)-394(schwer.)-683(Ein)-395(so)-394(schwefelgelb)-394(giftiger)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Blick)-307(scho\337)-308(um)-307(den)-308(Buchenstamm)-307(herum)-307(auf)-308(mich)-307(zu,)-322(da\337)-307(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(meiner)-459(Sache)-459(immer)-459(gewisser)-460(wurde.)-877(Und)-459(was)-459(hatte)-459(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Journalist)-325(gesagt?)-474(Er)-325(habe)-324(es)-325(sehr)-325(eilig,)-343(nur)-325(eine)-324(Viertelstunde)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeit)-278(zum)-278(Besuch.)-333(Jetzt)-278(war)-278(er)-277(schon)-278(\374ber)-278(zwei)-278(Stunden)-278(da,)-284(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +745 0 obj << +/Type /Page +/Contents 746 0 R +/Resources 744 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +747 0 obj << +/D [745 0 R /XYZ 46.771 381.112 null] +>> endobj +744 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +750 0 obj << +/Length 4930 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(134)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(es)-288(wurde)-288(Abend.)-364(Wahrscheinlich)-288(w\374rde)-288(dieser)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.622 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mister)-288(Brown)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.32 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(pl\366tzlich)-342(entdecken,)-364(da\337)-341(er)-342(Zeit)-341(habe,)-365(einen)-341(ganzen)-342(Monat)-341(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-349(zu)-348(verweilen.)-547(Nun)-348(wandte)-349(er)-349(sich)-348(Luise)-349(zu.)-546(Aber)-349(es)-348(kam)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-264(so,)-268(wie)-264(ich)-265(dachte.)-292(Mister)-264(Brown)-265(legte)-264(ohne)-264(jede)-264(w\344rmere)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([175])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Gef\374hlsbewegung)-285(dem)-285(Kinde)-285(die)-284(Hand)-285(auf)-285(den)-285(Kopf)-285(und)-284(sagte)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(der)-250(\374blichen)-250(Kinderfreundlichkeit:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Luise,)-322(ich)-307(kenne)-308(deinen)-307(Papa.)-423(Ich)-307(fahre)-308(wieder)-307(zu)-308(ihm,)-322(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werde)-250(ihm)-250(von)-250(dir)-250(erz\344hlen.)-250(Bist)-250(du)-250(sehr)-250(krank)-250(gewesen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.244 0 Td [(\034)]TJ -238.289 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Pappa)-250(soll)-250(bald)-250(wiederkommen)]TJ/F24 10.9091 Tf 137.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(antwortete)-250(die)-250(Kleine.)]TJ/F24 10.9091 Tf -146.946 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(ja!)-250(Aber)-250(ich)-250(frage,)-250(ob)-250(du)-250(sehr)-250(krank)-250(gewesen)-250(bist?)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.869 0 Td [(\034)]TJ -238.713 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wieso?)-250(Ich)-250(bin)-250(nie)-250(krank!)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.302 0 Td [(\034)]TJ -118.146 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)-274(hast)-274(wohl)-274(m\374ssen)-273(im)-274(Bettchen)-274(liegen)-274(oder)-274(im)-274(Zimmer)]TJ -16.799 -13.55 Td [(bleiben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.96 0 Td [(\034)]TJ -25.005 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-346(ich)-326(bin)-327(alle)-326(Tage)-327(drau\337en)-327(herumgerannt;)-364(ich)-327(war)-327(gar)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-250(eine)-250(einzige)-250(Stunde)-250(krank.)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.28 0 Td [(\034)]TJ -128.325 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hm!)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.996 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -24.84 -15.395 Td [(Mister)-306(Brown)-306(grunzte)-307(voll)-306(Behagens,)-320(und)-306(ich)-306(f\374hlte)-306(mich)-307(in)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-261(Rolle)-260(des)-261(blamierten)-261(Europ\344ers)-260(nicht)-261(recht)-261(wohl.)-282(So)-260(mahnte)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-348(zum)-348(Aufbruch.)-544(Die)-348(M\344dchen)-348(schlenderten)-348(mit)-347(dem)-348(Kinde)]TJ 0 -13.55 Td [(voraus,)-322(und)-308(ich)-307(folgte)-308(mit)-307(Mister)-308(Brown)-307(in)-308(einiger)-307(Entfernung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Jetzt)-250(wollte)-250(ich)-250(dem)-250(Fuchs)-250(an)-250(den)-250(Kragen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-481(finde)-481(eine)-480(merkw\374rdige)-481(\304hnlichkeit)-481(zwischen)-481(Ihnen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mister)-524(Brown,)-592(und)-524(meinem)-524(Freunde)-523(Stefenson.)-1072(Sie)-523(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(dieselben)-462(Augen,)-515(dieselbe)-462(Nase,)-515(dasselbe)-462(Kinn)-462(und)-462(dieselbe)]TJ 0 -13.549 Td [(Sprache,)-392(ja)-364(sogar)-364(dieselbe)-364(Art,)-393(sich)-364(zu)-364(r\344uspern.)-592(Ist)-363(das)-364(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(merkw\374rdig?)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ -46.212 -15.395 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehr)-587(merkw\374rdig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.352 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.244 0 Td [(entgegnete)-587(Brown.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.824 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-587(Schnorrer)]TJ -216.063 -13.549 Td [(dr\374ben)-410(hat)-410(mir)-410(mal)-409(gesagt,)-450(ich)-410(s\344he)-410(Kaiser)-410(Wilhelm)-409(\344hnlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dem)-435(habe)-435(ich)-435(es)-434(noch)-435(halb)-435(und)-435(halb)-435(geglaubt)-435(und)-435(ihm)-434(f\374nf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([176])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Prozent)-164(dessen)-163(geschenkt,)-181(um)-164(was)-164(er)-163(mich)-164(anpumpen)-164(wollte,)-180(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-272(\304hnlichkeit)-271(zwischen)-272(mir)-271(und)-272(Stefenson)-271(hat)-272(noch)-271(niemand)]TJ 0 -13.55 Td [(herausgefunden.)-240(Ich)-220(bin)-220(Ihnen)-221(\374brigens)-220(f\374r)-220(die)-220(gute)-220(Absicht,)-226(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-250(Angenehmes)-250(sagen)-250(zu)-250(wollen,)-250(sehr)-250(verbunden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.669 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +749 0 obj << +/Type /Page +/Contents 750 0 R +/Resources 748 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +751 0 obj << +/D [749 0 R /XYZ 270.858 120.339 null] +>> endobj +748 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +754 0 obj << +/Length 4894 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(135)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Er)-517(schaute)-516(mich)-517(an,)-583(und)-516(ich)-517(blickte)-516(in)-517(ein)-516(stockfremdes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesicht.)-901(Auch)-466(glaubte)-467(ich)-467(trotz)-467(des)-467(Abendd\344mmerns)-466(genau)]TJ 0 -13.549 Td [(feststellen)-260(zu)-259(k\366nnen,)-262(da\337)-259(dieser)-260(Bart)-260(nicht)-259(angeklebt,)-262(da\337)-259(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Haare)-261(keine)-261(Per\374cke)-261(seien.)-283(So)-261(wurde)-261(ich)-261(an)-261(meiner)-260(Entdeckung)]TJ 0 -13.55 Td [(irre,)-405(und)-374(da)-374(ich)-374(einen)-374(zweiten)-374(Hineinfall)-374(nicht)-374(erleben)-373(wollte,)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-330(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.845 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott,)-350(man)-329(kann)-330(sich)-330(t\344uschen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.44 0 Td [(Da)-330(blieb)-329(er)-330(stehen,)]TJ -196.226 -13.549 Td [(sah)-250(mich)-250(an)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-324(haben)-325(mich)-324(wohl)-325(gar)-324(f\374r)-325(Stefenson)-324(selbst)-325(gehalten,)-343(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihnen)-362(in)-362(einer)-362(Ferienmaske)-361(was)-362(vormimt?)-586(Dem)-362(alten)-361(Knaben)]TJ 0 -13.55 Td [(w\344re)-250(ein)-250(solcher)-250(Streich)-250(zuzumuten,)-250(he?)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.313 0 Td [(\034)]TJ -164.357 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-365(nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.552 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.435 0 Td [(aber)-365(nein!)-594(So)-365(\344hnlich)-365(sind)-365(Sie)-364(ihm)-365(nun)-365(doch)]TJ -74.786 -13.549 Td [(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.546 0 Td [(\034)]TJ -12.59 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-217(m\366glich)-208(ist)-208(alles)-208(auf)-209(der)-208(Welt.)-236(Haupts\344chlich)-208(bei)-209(Ferien)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vom)-250(Ich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.688 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(Brown)-250(vergn\374gt.)]TJ -35.303 -14.04 Td [(Und)-250(er)-250(lachte.)-250(Es)-250(war)-250(ein)-250(fremdes)-250(Lachen.)]TJ 0 -14.041 Td [(Unterwegs)-197(begegnete)-198(uns)-197(ein)-198(Telegraphenbote.)-232(Er)-197(\374berreichte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mir)-250(ein)-250(Kabeltelegramm,)-250(das)-250(aus)-250(Milwaukee)-250(kam)-250(und)-250(lautete:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Verbindung)-481(mit)-481(X-Bankverein)-482(gel\366st;)-596(weitere)-482(Zahlungen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(durch)-250(Dresdner)-250(Bank.)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -132.557 -14.04 Td [(Die)-152(Verhandlungen,)-172(von)-152(dem)-153(Bankverein,)-171(mit)-153(dem)-152(wir)-152(bis)-152(jetzt)]TJ -11.956 -13.55 Td [(gearbeitet)-397(hatten,)-433(zur)-397(Dresdner)-397(Bank)-397(\374berzugehen,)-433(schwebten)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-235(einige)-234(Zeit,)-238(und)-234(dieses)-235(Telegramm)-235(belehrte)-234(mich)-235(nun,)-237(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-348(in)-348(Milwaukee)-348(und)-347(nicht)-348(in)-348(Waltersburg)-348(war.)-543(Meine)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([177])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Phantasie)-250(hatte)-250(mir)-250(wieder)-250(einmal)-250(einen)-250(Streich)-250(gespielt)-250(...)]TJ 11.956 -14.04 Td [(W\344hrend)-735(ich)-736(den)-735(Telegraphenboten)-736(abfertigte)-735(und)-735(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Telegramm)-255(las,)-256(war)-255(Mister)-255(Brown)-255(den)-255(M\344dchen)-255(nachgegangen,)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-324(die)-324(kleine)-324(Luise)-323(an)-324(den)-324(H\344nden)-324(gefa\337t)-324(und)-324(tanzte)-324(mit)-323(ihr)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ringel-Ringel-Reihen)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-609(Die)-370(lange)-370(Schlottergestalt)-370(nahm)-369(sich)]TJ -106.048 -13.549 Td [(dabei)-260(merkw\374rdig)-259(genug)-260(aus,)-262(das)-260(Kind)-259(jauchzte,)-262(kam)-260(fast)-259(au\337er)]TJ 0 -13.549 Td [(Atem,)-250(schlug)-250(zum)-250(Schlu\337)-250(entz\374ckt)-250(in)-250(die)-250(H\344ndchen)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(tanzt)-250(genau)-250(so)-250(sch\366n)-250(wie)-250(Pappa!)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.116 0 Td [(\034)]TJ -159.959 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alle)-383(Amerikaner)-382(tanzen)-383(so)-383(sch\366n,)-416(mein)-383(M\344uschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.305 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-416(sagte)]TJ -250.947 -13.549 Td [(Brown)-328(und)-328(k\374\337te)-327(das)-328(Kind)-328(auf)-328(die)-328(Stirn.)-483(Dann)-328(zog)-328(er)-328(die)-327(Uhr)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(sagte:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +753 0 obj << +/Type /Page +/Contents 754 0 R +/Resources 752 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +755 0 obj << +/D [753 0 R /XYZ 158.748 216.656 null] +>> endobj +752 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +758 0 obj << +/Length 4779 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(136)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-294(Zug,)-306(mit)-294(dem)-294(ich)-295(zur\374ckfahren)-294(wollte,)-306(ist)-294(ja)-294(nun)-295(l\344ngst)]TJ -16.799 -13.549 Td [(fort.)-293(Sie)-264(waren)-264(so)-265(liebensw\374rdig,)-268(mich)-264(sehr)-264(lange)-264(dazubehalten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Den)-165(n\344chsten)-164(Zug)-165(aber)-165(darf)-164(ich)-165(nicht)-165(vers\344umen.)-221(Ich)-165(mu\337)-164(morgen)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-337(Berlin)-336(und)-337(\374bermorgen)-336(in)-337(Hamburg)-336(sein.)-510(Mein)-336(diesmaliges)]TJ 0 -13.55 Td [(europ\344isches)-250(Gastspiel)-250(ist)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.709 0 Td [(\034)]TJ -120.753 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-263(haben)-263(nur)-264(den)-263(kleinsten)-263(Teil)-263(unserer)-263(Siedelung)-264(gesehen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mister)-250(Brown.)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.633 0 Td [(\034)]TJ -51.677 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.046 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.169 0 Td [(ich)-340(habe)-341(genug)-340(gesehen.)-522(Den)-340(Geist)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.92 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.169 0 Td [(den)-340(Kern!)-522(Ich)]TJ -216.103 -13.549 Td [(bitte)-302(Sie,)-314(mir)-302(Ihren)-302(ausf\374hrlichen)-302(Prospekt)-301(mitzugeben.)-405(Daraus)]TJ 0 -13.549 Td [(werde)-293(ich)-293(mich)-293(informieren,)-304(und)-293(Sie)-293(werden)-293(sehen,)-304(da\337)-293(ich)-293(am)]TJ 0 -13.549 Td [(treffendsten)-250(das)-250(kritisieren)-250(werde,)-250(was)-250(ich)-250(nicht)-250(gesehen)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -260.695 -16.459 Td [(Am)-388(Rathausplatz)-388(trennte)-388(er)-389(sich)-388(von)-388(uns.)-664(Ein)-388(Angestellter)]TJ -11.956 -13.55 Td [(geleitete)-314(ihn)-314(zur)-314(Pforte,)-330(wo)-314(sein)-314(Wagen)-314(hielt.)-442(Eva)-314(Bunkert)-314(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-250(lange)-250(nach.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([178])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-395(ist)-395(merkw\374rdig)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.155 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-431(sagte)-395(sie;)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.402 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(er)-395(hat)-395(mich)-394(ungeheuer)-395(an)]TJ -164.044 -13.549 Td [(Stefenson)-250(erinnert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.407 0 Td [(\034)]TJ -70.451 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(O)-508(nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.206 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-573(meinte)-509(die)-508(kleine)-509(harmlose)-508(Anneliese,)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.454 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mister)]TJ -252.147 -13.549 Td [(Stefenson)-569(ist)-569(doch)-569(ganz)-569(anders,)-649(viel)-569(j\374nger)-569(und)-568(auch)-569(viel)]TJ 0 -13.549 Td [(h\374bscher.)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\034)]TJ -30.153 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Trotzdem!)-250(Was)-250(meinen)-250(Sie,)-250(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -165.719 -16.459 Td [(Ich)-250(zuckte)-250(die)-250(Achseln.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -16.46 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Amerikaner)-250(haben)-250(alle)-250(dieselbe)-250(Art,)-250(sich)-250(zu)-250(geben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.145 0 Td [(\034)]TJ -245.989 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-339(trifft)-338(es)-338(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.943 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-361(sagte)-338(Eva)-339(nachdenklich.)-515(Und)-339(auch)-338(ich)]TJ -100.586 -13.549 Td [(geriet)-250(wieder)-250(ins)-250(Gr\374beln.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-296(glaube,)-308(es)-296(ist)-296(immer)-296(etwas)-296(unheimlich,)-307(wenn)-296(man)-297(nicht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wei\337,)-368(mit)-368(wem)-368(man)-368(spricht.)-604(Aber)-368(das)-368(wird)-368(ja)-368(in)-367(Ihrem)-368(Heim)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-520(so)-521(sein,)-588(die)-520(Leute)-520(werden)-521(nie)-520(wissen,)-588(mit)-520(wem)-520(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sprechen.)-708(Werden)-403(sie)-403(da)-403(nicht)-403(vorsicht)1(ig,)-441(\344ngstlich,)-441(unsicher)]TJ 0 -13.55 Td [(werden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.949 0 Td [(\034)]TJ -24.994 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gewi\337)-309(nicht.)-426(Gesetzt)-309(den)-308(Fall,)-324(dieser)-308(Mister)-309(Brown)-309(sei)-309(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(verkappte)-349(Mister)-348(Stefenson)-349(gewesen,)-373(wie)-349(es)-348(ja)-349(tats\344chlich)-348(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Anschein)-250(hatte)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.047 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +757 0 obj << +/Type /Page +/Contents 758 0 R +/Resources 756 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 739 0 R +>> endobj +759 0 obj << +/D [757 0 R /XYZ 93.543 330.928 null] +>> endobj +756 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +762 0 obj << +/Length 4958 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Journalist)-18586(137)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-379(Gottes)-378(willen,)-411(Sie)-378(glauben)-379(das)-378(doch)-379(nicht)-378(etwa?)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.717 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.972 0 Td [(rief)]TJ -265.488 -13.549 Td [(Eva)-370(erschreckt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.216 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-370(ich)-370(h\344tte)-371(dann)-370(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.421 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.493 0 Td [(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.737 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.493 0 Td [(von)-370(Stefenson)]TJ -217.203 -13.549 Td [(gesprochen)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.589 0 Td [(\034)]TJ -48.633 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-564(nein!)-1193(Stefenson)-564(ist)-564(in)-564(Milwaukee.)-1193(Hier)-564(ist)-565(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Telegramm,)-250(das)-250(er)-250(heute)-250(fr\374h)-250(dort)-250(an)-250(mich)-250(aufgab.)]TJ/F24 10.9091 Tf 221.76 0 Td [(\034)]TJ -209.804 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gott)-250(sei)-250(Dank!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.233 0 Td [(\034)]TJ -69.076 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-378(wollte)-378(nur)-378(unsere)-378(Idee)-378(des)-378(Unerkanntseins)-378(in)-378(unserem)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ferienheim)-458(verteidigen.)-873(Sehen)-458(Sie,)-510(wenn)-458(Mister)-458(Brown)-457(der)]TJ 0 -13.549 Td [(maskierte)-420(Stefenson)-420(gewesen)-420(w\344re,)-462(w\344re)-420(die)-420(Partie)-419(unehrlich)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen.)-1082(Wir)-527(h\344tten)-527(ihn)-527(nicht)-527(erkannt,)-597(wohl)-527(aber)-527(er)-527(uns.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([179])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(In)-355(unserem)-355(Heim)-355(wird)-355(das)-354(ganz)-355(anders)-355(sein.)-565(Keiner)-355(wird)-354(den)]TJ 0 -13.55 Td [(andern)-179(kennen.)-226(Da)-179(wird)-179(keine)-179(Befangenheit,)-193(keine)-178(\304ngstlichkeit,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-253(ein)-254(Mut)-253(zur)-254(Offenherzigkeit)-253(sein,)-255(der)-253(unerh\366rt)-254(ist)-253(in)-253(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt.)-366(Die)-289(Menschen)-289(werden)-289(Wahrheiten)-288(h\366ren,)-299(die)-289(sie)-288(niemals)]TJ 0 -13.549 Td [(vern\344hmen,)-243(wenn)-241(sie)-241(ihren)-242(Namen)-241(und)-241(Stand)-241(sagten,)-243(sie)-241(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-220(auch)-220(ihre)-219(Meinung)-220(sagen)-220(d\374rfen)-219(in)-220(einer)-220(Weise,)-226(die)-219(niemals)]TJ 0 -13.55 Td [(m\366glich)-535(w\344re,)-605(wenn)-535(sie)-534(ihre)-535(wirkliche)-534(Pers\366nlichkeit)-534(daf\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(einsetzen)-250(m\374\337ten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.775 0 Td [(\034)]TJ -66.819 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-901(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.882 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-1064(seufzte)-901(Eva)-901(Bunkert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.336 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(die)-901(gr\366bsten)-901(und)]TJ -193.704 -13.55 Td [(r\374cksichtslosesten)-912(Rezensenten)-913(sind)-912(die)-912(anonymen)-912(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(pseudonymen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.328 0 Td [(\034)]TJ -51.372 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-492(Friede)-492(dieses)-492(Ortes)-492(wird)-491(alle)-492(Sch\344rfe)-492(mildern,)-553(wird)]TJ -16.799 -13.549 Td [(aus)-300(der)-300(R\374cksichtslosigkeit)-300(wohltuende)-300(Offenheit,)-312(aus)-300(\344tzender)]TJ 0 -13.549 Td [(Grobheit)-250(klare)-250(Wahrheit)-250(werden)-250(lassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.586 0 Td [(\034)]TJ -161.63 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-451(mei)1(nen)-451(es)-450(gut)-451(mit)-450(den)-451(Menschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.716 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-501(sagte)-450(ger\374hrt)-451(die)]TJ -195.358 -13.549 Td [(kleine)-238(Anneliese)-238(und)-238(sah)-238(mich)-239(mit)-238(ihren)-238(gro\337en,)-240(braunen)-238(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(dankbar)-250(an.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Ich)-295(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.144 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.675 0 Td [(ich)-295(wei\337)-295(nicht)-295(warum)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.529 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.674 0 Td [(schaute)-295(nach)-295(der)-295(sch\366nen)]TJ -167.978 -13.549 Td [(Blonden)-213(hin.)-238(Ich)-214(glaube,)-220(ich)-214(erwartete)-213(eine)-214(neue)-213(Bemerkung)-213(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr.)-250(Aber)-250(sie)-250(schwieg.)]TJ 11.956 -14.095 Td [(Die)-250(M\344dchen)-250(blieben)-250(im)-250(Forellenhofe.)]TJ 0 -14.095 Td [(Ich)-227(habe)-226(vor)-227(Monatsfrist)-226(im)-227(Rathaus)-227(Quartier)-226(bezogen.)-242(Lange)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schaute)-298(ich)-298(auf)-298(den)-298(Lindenplatz)-298(hinab.)-394(Der)-298(Mondschein)-297(spielte)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-234(den)-235(alten)-234(Baum.)-245(Ich)-234(dachte)-234(an)-234(vielerlei,)-238(viel)-234(an)-234(Eva)-234(Bunkert,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +761 0 obj << +/Type /Page +/Contents 762 0 R +/Resources 760 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +763 0 obj << +/D [761 0 R /XYZ 243.199 394.596 null] +>> endobj +760 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +767 0 obj << +/Length 2546 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(138)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(aber)-269(noch)-269(mehr)-268(gr\374belte)-269(ich)-269(\374ber)-268(der)-269(Frage:)-288(War)-268(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.51 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s?)-306(War)-269(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.611 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)]TJ -276.386 -13.549 Td [(nicht?)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Am)-391(\374bern\344chsten)-391(Morgen)-391(erhielt)-391(ich)-391(zwei)-390(Briefe,)-427(die)-390(ganz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dieselbe)-634(Handschrift)-633(aufwiesen.)-1402(Der)-633(eine)-634(Brief)-634(war)-633(von)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([180])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Stefenson)-677(und)-676(kam)-677(aus)-677(Milwaukee;)-890(er)-677(enthielt)-676(allerhand)]TJ 0 -13.549 Td [(gesch\344ftliche)-175(Weisungen)-175(sowie)-176(die)-175(Mitteilung,)-190(da\337)-175(er,)-190(Stefenson,)]TJ 0 -13.549 Td [(wahrscheinlich)-594(erst)-594(im)-594(Sommer)-594(nach)-594(Europa)-593(zur\374ckkehren)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nne.)-1030(Der)-510(andere)-510(Brief)-510(war)-510(von)-510(Mister)-510(Brown,)-575(trug)-509(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Poststempel)-204(Hamburg)-205(und)-204(meldete,)-213(da\337)-205(der)-204(Journalist)-204(im)-204(Begriff)]TJ 0 -13.55 Td [(stehe,)-358(nach)-336(Amerika)-336(zur\374ckzukehren,)-357(sich)-336(noch)-336(einmal)-336(f\374r)-336(die)]TJ 0 -13.549 Td [(freundliche)-168(Aufnahme)-168(bedanke)-168(und)-168(inzwischen)-168(unseren)-168(Prospekt)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(Interesse)-250(gelesen)-250(habe.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-555(verglich)-555(die)-555(beiden)-556(Briefe)-555(wieder)-555(und)-555(wieder.)-1165(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schriftzeichen)-595(glichen)-594(sich)-595(au\337erordentlich.)-1284(H\344tte)-595(man)-594(je)]TJ 0 -13.55 Td [(einen)-382(der)-382(gro\337en)-383(geschwungenen)-382(Buchstaben)-382(aus)-382(den)-382(Briefen)]TJ 0 -13.549 Td [(ausgeschnitten,)-250(man)-250(h\344tte)-250(eine)-250(Kongruenz)-250(feststellen)-250(k\366nnen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Da)-319(sagte)-319(ich,)-336(der)-319(Erfinder)-318(der)-319(Idee)-319(von)-319(den)-319(Ferien)-319(vom)-318(Ich,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-250(mir)-250(selbst:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-227(es)-220(ist)-221(doch)-221(gut,)-226(wenn)-221(man)-221(wei\337,)-221(mit)-221(wem)-220(man)-221(es)-221(zu)-221(tun)]TJ -16.799 -13.55 Td [(hat!)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.964 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +766 0 obj << +/Type /Page +/Contents 767 0 R +/Resources 765 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +768 0 obj << +/D [766 0 R /XYZ 357.81 477.528 null] +>> endobj +765 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +769 0 obj +<< /S /GoTo /D (index17) >> +endobj +772 0 obj +(Die ersten Kurgaeste) +endobj +775 0 obj << +/Length 3776 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([181])]TJ/F16 18.9589 Tf -226.363 -63.143 Td [(Die)-269(ersten)-270(Kurg\344ste)]TJ/F16 10.9091 Tf -64.661 -31.247 Td [(Am)-255(1.)-263(Mai)-255(ist)-254(unsere)-255(Heilanstalt)-254(er\366ffnet)-255(worden.)-263(Die)-255(Feier)-254(war)]TJ 0 -13.549 Td [(schlicht.)-238(Lehrer)-213(Herder)-214(hatte)-213(es)-214(sich)-214(nicht)-213(nehmen)-214(lassen,)-220(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-338(Melodram)-339(zu)-338(dichten,)-361(zu)-338(komponieren)-339(und)-338(zu)-338(inszenieren.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-518(Publikum)-518(bestand)-517(aus)-518(Waltersburgern,)-585(unseren)-517(Bauern,)]TJ 0 -13.55 Td [(deren)-322(Dienstleuten,)-341(unserem)-322(Personal)-323(und)-322(f\374nfzehn)-322(Kurg\344sten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Von)-261(diesen)-261(f\374nfzehn)-261(Kurg\344sten)-261(genie\337en)-261(zehn)-262(Freikur,)-263(und)-261(von)]TJ 0 -13.549 Td [(diesen)-256(zehn)-256(sind)-255(sieben)-256(Schauspieler)-256(ohne)-255(Sommerengagement.)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-413(sandte)-413(ein)-413(l\344ngeres)-413(Gl\374ckwunschtelegramm)-413(aus)-413(St.)]TJ 0 -13.549 Td [(Louis.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(F\374nfzehn)-369(Kurg\344ste!)-608(Das)-369(war)-369(ein)-370(magerer)-369(Anfang)-369(nach)-369(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(starken)-278(Reklame,)-285(die)-278(wir)-278(gemacht)-278(hatten.)-334(Ich)-278(telegraphierte)-277(das)]TJ 0 -13.549 Td [(kl\344gliche)-299(Ergebnis)-300(nach)-299(Amerika)-300(und)-299(erhielt)-300(von)-299(Stefenson)-299(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Antwort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.12 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hatte)-250(ich)-250(mir)-250(gedacht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.854 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -132.862 -13.549 Td [(Wir)-573(beschlossen,)-653(die)-572(Leute)-573(nicht)-573(einzeln)-572(\374ber)-573(die)-572(H\366fe)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zu)-499(verstreuen,)-562(sondern)-499(einen)-499(Teil)-499(in)-500(den)-499(Forellenhof,)-561(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-298(in)-299(die)-298(Waldsch\366lzerei)-298(zu)-298(geben.)-395(Die)-298(Schauspieler)-298(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(schw\344rmten)-244(nicht)-243(f\374r)-244(Feld-)-244(und)-243(Waldarbeit;)-246(sie)-244(w\374nschten)-243(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(dekorative)-350(Posten.)-548(F\374nf)-349(von)-350(den)-349(sieben)-350(wollten)-349(Nachtw\344chter)]TJ 0 -13.549 Td [(sein,)-831(einer)-715(bot)-715(sich)-715(als)-715(Hilfsbrieftr\344ger)-714(an,)-832(wobei)-714(seine)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([182])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(T\344tigkeit)-257(gleich)-256(Null)-257(gewesen)-257(w\344re,)-258(und)-257(einer)-256(sagte)-257(mit)-256(mildem)]TJ 0 -13.549 Td [(Augenaufschlag,)-245(er)-243(k\366nne)-243(sich)-243(nur)-243(als)-243(Krankenpfleger)-243(gl\374cklich)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hlen.)-250(Wir)-250(hatten)-250(aber)-250(keine)-250(Kranken.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Da)-218(stellte)-219(der)-218(Bauer)-219(Emil)-218(Barthel)-218(vom)-219(Forellenhof)-218(neben)-218(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gro\337knecht,)-209(den)-198(er)-198(bereits)-198(hatte,)-209(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.465 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(langen)-198(Ignaz)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.475 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-209(noch)-198(einen)]TJ -228.628 -13.549 Td [(zweiten)-302(Knecht)-301(ein)-302(und)-302(sagte)-301(zu)-302(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.625 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-302(hab)-301(es)-302(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.184 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-302(gesagt,)]TJ -241.285 -13.55 Td [(Herr)-418(Doktor,)-461(de)-418(Stadtleute)-418(sein)-419(oll)1(e)-419(faule)-418(Luder.)-755(Mit)-418(den)-418(is)]TJ 0 -13.549 Td [(nischt)-250(anzufangen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.797 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +774 0 obj << +/Type /Page +/Contents 775 0 R +/Resources 773 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +86 0 obj << +/D [774 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +770 0 obj << +/D [774 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +776 0 obj << +/D [774 0 R /XYZ 194.596 174.536 null] +>> endobj +773 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +779 0 obj << +/Length 4212 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(140)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Geduld,)-250(Barthel,)-250(Geduld!)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.891 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -115.734 -16.813 Td [(Der)-181(Anfang)-181(war)-182(wirklich)-181(kl\344glich.)-227(Zwar)-181(sang)-181(Egin)-182(Harold,)-194(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-244(Nachtw\344chter)-244(bestellt)-244(worden)-244(\050und)-244(der)-244(in)-244(seinem)-244(Privatberuf)]TJ 0 -13.549 Td [(Operns\344nger)-250(war\051,)-250(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.909 -32.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(H\366rt,)-250(ihr)-250(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.284 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n,)-250(und)-250(la\337t)-250(euch)-250(sagen,)]TJ -68.76 -13.549 Td [(Die)-250(Uhr)-250(hat)-250(eben)-250(zehn)-250(geschlagen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.978 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -151.931 -35.322 Td [(mit)-165(tremolierender)-166(Empfindsamkeit;)-193(aber)-166(um)-165(Mitternacht)-165(sang)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-238(noch)-239(viel)-238(empfindsamer)-238(vor)-239(dem)-238(Hofe)-238(des)-239(Sonnenbauern,)-240(der)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-238(h\374bsche)-237(blonde)-238(Magd)-237(hatte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.333 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gute)-237(Nacht,)-241(du)-237(mein)-238(herziges)]TJ -151.177 -13.549 Td [(Kindl)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.851 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-408(um)-377(1)-376(Uhr)-377(droben)-376(am)-377(Hange:)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.696 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-377(lichten)-376(Sterne)-377(habt)]TJ -179.235 -13.549 Td [(gebracht)-362(so)-362(manchem)-362(Herzen)-362(schon)-362(hienieden)-362(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 220.905 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(;)-418(um)-362(2)-362(Uhr:)]TJ/F24 10.9091 Tf -225.749 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Steh)-152(ich)-152(in)-152(finstrer)-152(Mitternacht)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-172(und)-152(von)-152(3)-152(Uhr)-152(an:)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.906 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Morgenlicht)]TJ -226.696 -13.549 Td [(leuchtend)-250(im)-250(rosigen)-250(Schein)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.836 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -122.88 -16.813 Td [(Die)-225(benachbarten)-226(Hofhunde)-225(wurden)-225(ob)-226(dieser)-225(Ges\344nge)-225(so)-225(tief)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ergriffen,)-195(da\337)-181(sie)-182(alle)-181(mitsangen,)-195(und)-181(alsbald)-182(lag)-181(auf)-181(dem)-181(Rathaus)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-557(Beschwerde)-558(\374ber)-557(den)-558(Nachtw\344chter)-557(wegen)-557(n\344chtlicher)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([183])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Ruhest\366rung.)-622(Als)-373(nun)-374(Egin)-374(Harold)-374(von)-374(dem)-373(unmusikalischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Sonnenhofbauern)-543(noch)-542(gar)-542(angedroht)-543(bekam,)-616(er)-542(werde)-542(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Hofhund)-436(loslassen,)-483(wenn)-436(der)-436(W\344chter)-436(sein)-436(Gesinge)-436(vor)-436(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kammerfenster)-210(der)-210(Magd)-211(nicht)-210(einstelle,)-218(quittierte)-210(der)-210(beleidigte)]TJ 0 -13.549 Td [(K\374nstler)-216(seinen)-217(Posten)-216(und)-216(\374bergab)-217(die)-216(Abzeichen)-216(seiner)-216(W\374rde)]TJ 0 -13.55 Td [(an)-205(seinen)-205(Berufsgenossen,)-213(den)-205(Bassisten)-205(Hagen)-205(Korrundt,)-213(wobei)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(mit)-250(einiger)-250(Ab\344nderung)-250(des)-250(Lohengrintextes)-250(sang:)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.909 -32.058 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Den)-250(Spie\337,)-250(dies)-250(Horn,)-250(den)-250(Pelz)-250(will)-250(ich)-250(dir)-250(geben.)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Das)-250(Horn)-250(soll)-250(in)-250(Gefahr)-250(dir)-250(Hilfe)-250(schenken,)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-250(Spie\337)-250(im)-250(wilden)-250(Kampf)-250(dir)-250(Mut)-250(verleiht,)]TJ 0 -13.55 Td [(Doch)-250(in)-250(dem)-250(Pelze)-250(sollst)-250(du)-250(mein)-250(gedenken,)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-250(jetzt)-250(auch)-250(dich)-250(aus)-250(Schmach)-250(und)-250(Not)-250(befreit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.8 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +778 0 obj << +/Type /Page +/Contents 779 0 R +/Resources 777 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +780 0 obj << +/D [778 0 R /XYZ 250.543 268.128 null] +>> endobj +777 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +783 0 obj << +/Length 3852 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(141)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.972 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schmach)-478(und)-479(Not)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.159 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-536(aus)-478(der)-478(Hagen)-479(Korrundt)-478(befreit)]TJ -125.773 -13.549 Td [(wurde,)-266(bestand)-262(darin,)-266(da\337)-262(er,)-266(der)-262(ein)-263(starker)-262(Mann)-262(war,)-266(ein)-262(paar)]TJ 0 -13.549 Td [(Stunden)-240(am)-240(Tag)-241(dem)-240(Waldsch\366lzer)-240(hatte)-240(helfen)-240(m\374ssen,)-242(B\344ume)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-228(f\344llen.)-243(Jetzt)-227(war)-228(er)-228(als)-228(Nachtw\344chter)-228(vom)-228(Tagesdienst)-227(befreit.)]TJ 0 -13.55 Td [(Abends)-317(um)-317(zehn)-317(Uhr)-317(bestieg)-317(Hagen)-317(einen)-317(gro\337en)-316(Granitblock,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-504(er)-503(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.461 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fafnerstein)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.337 0 Td [(getauft)-503(hatte,)-567(stand)-504(malerisch)-503(dort)]TJ -120.721 -13.549 Td [(oben)-260(in)-259(seinem)-260(wilden)-260(Zottelpelz)-260(mit)-259(seinem)-260(langen)-260(Spie\337e)-259(und)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-257(funkelnden)-258(Horn,)-259(sang)-257(mit)-257(dr\366hnendem)-258(Ba\337)-257(die)-257(Stunde,)]TJ 0 -13.549 Td [(kletterte)-250(dann)-250(vom)-250(Fafnerstein)-250(wieder)-250(herab)-250(und)-250(ging)-250(schlafen.)]TJ 11.956 -18.497 Td [(Die)-323(Kur)-323(bekam)-323(Herrn)-323(Hagen)-323(Korrundt)-323(sehr)-323(gut.)-469(Er)-322(erz\344hlte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mir)-413(in)-413(der)-413(Sprechstunde,)-454(da\337)-413(er)-413(fr\374her)-413(an)-413(einem)-413(chronischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Hungergef\374hl,)-808(das)-696(wahrscheinlich)-696(auf)-696(nerv\366ser)-696(Grundlage)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([184])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(beruhte,)-518(gelitten)-465(habe.)-893(Seit)-465(er)-465(aber)-464(bei)-465(uns)-464(sei,)-518(sei)-465(er)-464(aller)]TJ 0 -13.549 Td [(Beschwerden)-587(ledig.)-1260(Als)-587(ich)-587(daraufhin)-587(der)-587(K\366chin)-587(in)-586(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Waldsch\366lzerei)-416(ein)-416(Lob)-416(erteilte,)-457(sagte)-416(das)-416(Weiblein)-416(nur)-416(zwei)]TJ 0 -13.549 Td [(Worte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -18.497 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(fri\337t!)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.444 0 Td [(\034)-250(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.287 -18.496 Td [(Es)-282(ist)-283(ein)-282(Schauspieler)-282(da,)-290(der)-283(mit)-282(seinem)-282(wirklichen)-282(Namen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eduard)-537(K\344senapf)-537(hei\337t.)-1110(Als)-536(K\374nstler)-537(nennt)-537(er)-537(sich)-536(Guido)]TJ 0 -13.55 Td [(Janello,)-375(bei)-350(uns)-350(aber,)-375(da)-350(er)-350(doch)-350(nicht)-350(erkannt)-350(sein)-350(darf,)-374(Knut)]TJ 0 -13.549 Td [(Waterstream.)]TJ 11.956 -18.496 Td [(Dieser)-340(Knut)-341(Waterstream)-340(ist)-341(d\374nner)-340(als)-341(ein)-340(Regengerinnsel.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Ich)-248(schickte)-248(ihn)-248(zur)-248(Arbeit)-248(in)-247(die)-248(G\344rtnerei.)-250(Einiges)-248(erz\344hlte)-247(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-326(G\344rtner,)-345(einiges)-327(beobachtete)-326(ich)-326(selbst,)-345(wie)-326(Knut)-326(arbeitete.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-209(sollte)-210(d\374rres)-209(Laub)-210(zusammenrechen)-209(und)-210(fl\374sterte)-209(den)-209(braunen)]TJ 0 -13.549 Td [(Bl\344ttern)-250(zu:)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.91 -38.793 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-250(wie)-250(ein)-250(Blatt)-250(vom)-250(Wipfel)-250(f\344llt,)]TJ -4.843 -13.55 Td [(So)-250(geht)-250(ein)-250(Leben)-250(aus)-250(der)-250(Welt,)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-250(V\366gel)-250(singen)-250(weiter!)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.974 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +782 0 obj << +/Type /Page +/Contents 783 0 R +/Resources 781 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +784 0 obj << +/D [782 0 R /XYZ 281.354 364.187 null] +>> endobj +781 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +787 0 obj << +/Length 3898 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(142)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(St\374tzte)-273(sich)-274(auf)-273(den)-274(Rechenstiel)-273(und)-274(stand)-273(eine)-273(Viertelstunde)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lang)-427(in)-428(melancholischer)-427(Betrachtung)-427(\374ber)-427(die)-427(Verwelkbarkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-256(Laubes)-256(und)-256(anderer)-256(irdischer)-256(Dinge.)-268(Darauf)-256(\374bergab)-256(er)-256(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(G\344rtner)-250(den)-250(Rechen)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.614 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Tun)-250(S)-200(i)-200(e)-250(dieses)-250(Totengr\344bergesch\344ft;)-250(ich)-250(vermag)-250(es)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 254.912 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -259.755 -15.614 Td [(Ein)-219(andermal)-219(sollte)-219(Knut)-219(ein)-219(Beet)-220(ausj\344ten.)-239(Er)-219(ging)-219(siebenmal)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-231(d\374sterem)-231(Antlitz)-230(um)-231(das)-231(Beet)-231(herum,)-234(spreizte)-231(dann)-231(alle)-230(zehn)]TJ 0 -13.55 Td [(Finger)-250(\374ber)-250(dies)-250(neue)-250(verruchte)-250(Arbeitsfeld)-250(und)-250(deklamierte:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([185])]TJ/F24 10.9091 Tf 83.664 -27.262 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Giftiges)-250(Kraut,)-250(ges\344et)-250(mitten)-250(unter)-250(den)-250(Weizen,)]TJ -4.844 -13.55 Td [(O)-250(du)-250(teuflische)-250(Saat,)-250(wie)-250(bist)-250(du)-250(vom)-250(Feinde)-250(gestreut!)]TJ 0 -13.549 Td [(Satanas)-250(hat)-250(sich)-250(dein)-250(Korn)-250(in)-250(h\366llischen)-250(Scheuern)-250(gestapelt,)]TJ 0 -13.549 Td [(Hat)-250(mit)-250(beklaueten)-250(Fingern)-250(diese)-250(Aussaat)-250(verrichtet,)]TJ 0 -13.549 Td [(Da\337)-248(du)-247(nun)-248(wucherst)-248(und)-247(w\344chst;)-249(dem)-247(g\374ldenen)-248(Weizen)-247(zum)]TJ 65.455 -13.549 Td [(Schaden,)]TJ -65.455 -13.55 Td [(Da\337)-258(du)-258(die)-259(Sonne)-258(ihm)-258(stiehlst,)-260(den)-258(n\344chtlichen)-258(Tau)-259(der)]TJ 65.455 -13.549 Td [(Gestirne.)]TJ -65.455 -13.549 Td [(Weiche,)-240(du)-238(teuflische)-238(Brut,)-241(verkrieche)-238(dich)-238(tief)-238(in)-237(den)-238(Boden,)]TJ 0 -13.549 Td [(Krieche)-219(zur)-218(H\366lle)-219(zur\374ck,)-224(zum)-219(Satan,)-225(von)-218(dem)-219(du)-218(gekommen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Nie)-250(mehr)-250(soll)-250(dich)-250(erblicken)-250(mein)-250(schwer)-250(beleidigtes)-250(Auge,)]TJ 0 -13.549 Td [(Einzig)-261(soll)-260(es)-261(sich)-261(freuen)-260(am)-261(goldenen)-261(Schimmer)-261(des)]TJ 65.455 -13.55 Td [(Weizens!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.193 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -105.601 -29.327 Td [(Daraufhin)-365(hat)-365(der)-364(G\344rtner)-365(Herrn)-365(Knut)-365(Waterstream)-364(belehrt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(da\337)-388(das,)-423(was)-389(er)-388(als)-388(Weizen)-389(anspreche,)-423(in)-388(Wirklichkeit)-388(junger)]TJ 0 -13.549 Td [(Kopfsalat)-155(sei)-155(und)-155(da\337)-155(sich)-155(gegen)-155(das)-155(Unkraut)-155(mit)-155(Beschw\366rungen)]TJ 0 -13.55 Td [(nichts)-224(ausrichten)-223(lasse.)-242(Man)-223(m\374sse)-224(das)-224(Zeug)-223(St\374ck)-224(f\374r)-224(St\374ck)-223(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Wurzel)-250(aus)-250(der)-250(Erde)-250(herausziehen;)-250(anders)-250(gehe)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.614 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-1200(Freund)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.471 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-1438(hat)-1200(da)-1200(Knut)-1200(Waterstream)-1200(mit)]TJ -94.114 -13.549 Td [(melancholischer)-250(Stimme)-250(erwidert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.706 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(wir)-250(verstehen)-250(uns)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.131 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -250.724 -15.614 Td [(Dann)-250(ist)-250(er)-250(gesenkten)-250(Hauptes)-250(nach)-250(Hause)-250(gegangen.)]TJ 125.632 -34.905 Td [(*)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +786 0 obj << +/Type /Page +/Contents 787 0 R +/Resources 785 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 764 0 R +>> endobj +788 0 obj << +/D [786 0 R /XYZ 93.543 416.823 null] +>> endobj +785 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +791 0 obj << +/Length 4592 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(143)]TJ +0 g 0 G +/F16 7.9701 Tf -72.755 -30.759 Td [([186])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.367 Td [(Es)-474(soll)-474(der)-474(S\344nger)-474(mit)-474(dem)-474(K\366nig)-474(gehen.)-922(S\344nger)-474(hatten)]TJ -11.956 -13.55 Td [(wir)-450(von)-450(Anfang)-450(an)-450(genug;)-550(am)-450(10.)-850(Mai)-450(kam)-450(der)-450(K\366nig)-450(an.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-473(wirklicher)-473(K\366nig)-473(war)-473(es)-473(zwar)-473(nicht,)-529(aber)-473(immerhin)-473(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Bruder)-359(eines)-359(regierenden)-359(F\374rsten,)-387(eine)-359(Hoheit.)-577(Um)-359(diese)-359(Zeit)]TJ 0 -13.549 Td [(versandte)-251(unser)-252(Propagandachef,)-252(Herr)-251(Levisohn,)-252(folgende)-251(Notiz)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-250(dreihundert)-250(Zeitungen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-579(Andrang)-580(nach)-579(der)-580(Kuranstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.104 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)-579(vom)-580(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.842 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.954 0 Td [(zu)]TJ -270.332 -13.549 Td [(Waltersburg,)-245(der)-243(besten)-244(und)-243(originellsten)-244(Heilst\344tte)-243(der)-244(Welt,)-244(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(enorm.)-249(Die)-247(erm\374dete)-247(Intelligenz)-247(fl\374chtet)-247(in)-247(unseren)-247(Frieden;)-248(die)]TJ 0 -13.549 Td [(heimatlosen)-293(Kinder)-292(der)-293(Welt)-293(kommen)-292(auf)-293(ein)-293(Weilchen)-292(zur\374ck)]TJ 0 -13.55 Td [(ins)-353(gr\374nbelaubte)-352(Mutterhaus)-353(der)-352(Natur.)-558(K\374nstler)-353(von)-352(Weltruf,)]TJ 0 -13.549 Td [(Mitglieder)-210(europ\344ischer)-209(Regentenh\344user)-210(sind)-209(bei)-210(uns)-209(eingekehrt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wie)-815(romantisch,)-957(wenn)-815(ein)-816(Heldentenor,)-956(der)-815(verg\366tterte)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebling)-381(allen)-381(Volkes,)-414(bei)-381(uns)-381(als)-381(schlichter)-381(Nachtwachtmann)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-660(funkelndem)-661(Speer)-660(und)-660(silbernem)-661(Horn)-660(durch)-660(die)-660(im)]TJ 0 -13.55 Td [(Sternenschein)-304(liegenden)-305(Gassen)-304(schreitet,)-318(die)-304(Stunden)-304(singend,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-449(es)-448(in)-449(alten)-449(Tagen)-448(geschah,)-499(oder)-448(wenn)-449(er)-449(einer)-448(heimlich)]TJ 0 -13.549 Td [(geliebten)-294(schlummernden)-293(Dame)-294(sein)-293(Troubadourlied)-294(singt;)-315(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(r\374hrend,)-533(wenn)-476(ein)-477(gefeierter)-476(Schauspieler)-476(voll)-477(Lust)-476(und)-476(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(nie)-439(erm\374dender)-440(Emsigkeit)-439(seine)-439(G\344rtnerarbeit)-440(verrichtet;)-533(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ergreifend,)-466(wenn)-422(der)-423(Allerh\366chstgeborene)-422(Herr,)-466(dessen)-422(Wink)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-497(ganze)-496(Land)-497(gehorcht,)-558(auf)-497(dessen)-496(Stimmungen)-497(die)-496(Welt)]TJ 0 -13.549 Td [(achtet,)-237(im)-234(dem\374tigen)-233(Bauernkleide,)-237(von)-234(niemand)-234(erkannt,)-236(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(l\344ndlichen)-281(T\344tigkeit)-281(nachgeht!)-344(Wahrlich,)-289(die)-281(Kuranstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.125 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)]TJ -252.758 -13.549 Td [(vom)-305(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.653 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.957 0 Td [(ist)-305(ein)-305(Triumph)-304(der)-305(Menschheit,)-319(ist)-304(der)-305(Sieg)-305(\374ber)-305(das)]TJ -43.61 -13.549 Td [(Ungl\374ck,)-250(ist)-250(ein)-250(Paradies)-250(auf)-250(Erden!)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 132.875 0 Td [([187])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.368 Td [(Als)-343(ich)-343(diesen)-344(Ergu\337)-343(in)-343(den)-343(Zeitungen)-343(las,)-367(wu\337te)-343(ich:)-436(auch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(unser)-250(Levisohn)-250(war)-250(ein)-250(Dichter.)-250(Einer)-250(von)-250(bl\374hender)-250(Phantasie.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Hoheit)-250(kam)-250(zu)-250(mir)-250(und)-250(fragte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sagen)-334(Sie)-334(mal,)-356(Doktor,)-355(ist)-334(denn)-334(unter)-334(den)-334(paar)-335(M\344nnchen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-341(hier)-341(bei)-341(Ihnen)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.344 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rumkrauchen,)-364(etwa)-341(der)-341(K\366nig)-341(von)-341(England)]TJ -86.977 -13.549 Td [(oder)-250(von)-250(Italien)-250(drunter?)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.153 0 Td [(\034)]TJ -96.197 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gewi\337)-250(nicht,)-250(Hoheit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.506 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +790 0 obj << +/Type /Page +/Contents 791 0 R +/Resources 789 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +792 0 obj << +/D [790 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +793 0 obj << +/D [790 0 R /XYZ 46.771 161.881 null] +>> endobj +789 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +797 0 obj << +/Length 4198 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(144)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-485(wer)-438(ist)-438(denn)-438(da)-438(mit)-438(dem)-438(Allerh\366chstgeborenen)-438(Herrn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gemeint,)-250(auf)-250(dessen)-250(Stimmungen)-250(die)-250(Welt)-250(achtet?)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.454 0 Td [(\034)]TJ -206.498 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ew.)-250(Hoheit)-250(selbst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.996 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -84.839 -14.841 Td [(Hoheit)-192(prusteten)-192(los)-192(und)-193(kri)1(egten)-193(einen)-192(Hustenanfall.)-230(Nachher)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sagten)-250(Hoheit:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Verfluchter)-250(Kerl,)-250(der)-250(Levisohn;)-250(er)-250(macht)-250(was)-250(aus)-250(einem!)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.716 0 Td [(\034)-250(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -253.56 -14.841 Td [(Der)-342(Erfolg)-342(der)-342(Levisohnschen)-342(Reklamenotiz)-342(war)-342(riesenhaft.)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Es)-635(wurden)-636(achtzigtausend)-635(Prospekte)-636(von)-635(uns)-635(eingefordert,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-448(es)-447(meldeten)-448(sich)-448(\374ber)-447(dreitausend)-448(Kurg\344ste)-448(an.)-843(Ob)-447(der)]TJ 0 -13.549 Td [(nachtw\344chternde)-363(Heldentenor)-363(oder)-363(der)-363(ackerbauende)-363(F\374rst)-362(die)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\366\337ere)-422(Anziehung)-422(aus\374bte,)-465(war)-422(nicht)-422(zu)-422(entscheiden.)-765(Flugs)]TJ 0 -13.55 Td [(erschien)-250(in)-250(Hunderten)-250(von)-250(Zeitungen)-250(folgende)-250(Notiz:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kuranstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.219 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)-346(vom)-345(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.743 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-370(Waltersburg.)-537(In)-346(einer)-345(Woche)]TJ -142.027 -13.549 Td [(83)-181(000)-182(Menschen,)-195(die)-181(an)-182(die)-181(Pforten)-182(unseres)-181(Heims)-181(anklopften!!!)]TJ 0 -13.549 Td [(Auf)-369(absehbare)-369(Zeit)-370(k\366nnen)-369(wir)-369(trotz)-369(unserer)-369(riesigen)-369(Anlagen)]TJ 0 -13.55 Td [(neue)-611(G\344ste)-612(nicht)-611(aufnehmen,)-702(da)-612(jeder)-611(unserer)-611(Ferieng\344ste)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-432(individuell)-431(behandelt)-432(werden)-432(mu\337.)-432(Vornotierungen)-431(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(zul\344ssig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.877 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -110.633 0 Td [([188])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.84 Td [(Diese)-426(hochm\374tige)-425(K\374rze)-426(tat)-425(noch)-426(gr\366\337ere)-425(Wunder.)-777(Unser)]TJ -11.955 -13.55 Td [(B\374ro)-223(konnte)-223(die)-223(Berge)-222(von)-223(Zuschriften)-223(nicht)-223(im)-223(geringsten)-222(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(bew\344ltigen.)-556(Ich)-352(telegraphierte)-352(unsere)-352(fabelhaften)-352(Erfolge)-352(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(Amerika.)-905(Und)-468(wieder)-468(traf)-468(die)-468(Antwort)-469(ein:)]TJ/F24 10.9091 Tf 213.458 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hatte)-468(ich)-468(mir)]TJ -218.302 -13.549 Td [(gedacht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 100.028 -33.1 Td [(*)]TJ -125.633 -18.26 Td [(Hoheit)-524(ist)-524(ein)-524(recht)-523(liebensw\374rdiger)-524(Kurgast.)-1072(Hoheit)-524(ist)]TJ -11.955 -13.549 Td [(\374berhaupt)-201(einer,)-210(der)-200(seiner)-201(zu)-200(gro\337en)-201(Nachsicht)-200(gegen)-201(sich)-200(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-240(Erschlaffung)-240(seiner)-240(Nerven)-240(verdankt.)-247(Wir)-240(\304rzte)-240(dr\374cken)-240(das)]TJ 0 -13.549 Td [(h\366flich)-291(aus:)-333(Er)-291(hat)-292(zu)-291(konzentriert)-292(gelebt.)-374(Es)-291(ist)-291(sch\366n,)-302(da\337)-291(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-251(fachm\344nnischen)-252(Ausdrucksformen)-251(haben;)-253(denn)-251(es)-251(w\374rde)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-267(stilistisch)-266(nicht)-267(gut)-266(ausnehmen,)-271(wenn)-266(man)-267(sagte:)-283(Hoheit)-266(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(vielleicht)-369(eine)-369(ganz)-369(gute)-368(Haut,)-399(aber)-369(ein)-369(bi\337chen)-368(Schweinekerl)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Liederjan!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +796 0 obj << +/Type /Page +/Contents 797 0 R +/Resources 795 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +798 0 obj << +/D [796 0 R /XYZ 93.543 279.005 null] +>> endobj +795 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +801 0 obj << +/Length 4771 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(145)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Also,)-981(Hoheit)-836(haben)-835(zu)-835(konzentriert)-835(gelebt)-835(und)-835(sind)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vielleicht)-503(nur)-502(zu)-503(uns)-502(gekommen,)-566(weil)-502(sie)-503(hier)-502(ein)-503(Feld)-502(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(originelle)-417(Extravaganzen)-418(wittert.)-752(Rares)-418(wittert.)-752(Alles)-417(andere)]TJ 0 -13.549 Td [(liegt)-659(hinter)-658(diesem)-658(Mann,)-761(schwere)-658(Familienratsbeschl\374sse,)]TJ 0 -13.55 Td [(unfreiwillige)-473(Reise)-473(um)-473(die)-473(Erde,)-529(zeitweilige)-473(Verwendung)-473(in)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-311(Kolonien,)-325(Auss\366hnung)-311(mit)-310(dem)-311(Familienchef,)-325(abermaliges)]TJ 0 -13.549 Td [(Fallen)-399(in)-399(Ungnade,)-436(morganatische)-399(Ehe,)-436(Scheidung,)-436(Schulden,)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeitungsskandale)-158(und)-158(was)-158(so)-158(zum)-158(Bilde)-158(des)-158(tollen)-158(Prinzen)-157(geh\366rt.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Drei)-217(Tage)-218(hat)-217(Hoheit)-218(in)-217(der)-218(Besinnungseinsiedelei)-217(zugebracht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-201(mir)-200(einen)-201(Lebensbericht)-200(eingereicht,)-210(\374ber)-201(dem)-200(mir)-201(die)-200(Haare)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-169(Berge)-169(gestanden)-168(haben,)-185(obwohl)-169(ich)-169(als)-169(Arzt)-169(und)-168(Weltumsegler)]TJ 0 -13.549 Td [(ja)-308(gerade)-309(nicht)-308(unerfahren)-308(und)-308(pr\374de)-309(bin.)-424(Am)-309(Schlu\337)-308(stand:)-366(er)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([189])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(habe)-377(sich)-377(eigentlich)-377(erschie\337en)-377(wollen,)-409(aber)-377(er)-377(k\366nne)-377(ja)-377(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(mal)-431(diese)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.184 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(neue)-431(Chose)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.569 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.545 0 Td [(probieren,)-476(ob)-431(ihm)-431(noch)-431(ein)-431(bi\337chen)]TJ -115.142 -13.549 Td [(Geschmack)-265(am)-264(Leben)-265(beizubringen)-265(sei.)-294(Das)-264(Leben)-265(komme)-264(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(so)-257(eklig)-257(und)-257(wertlos)-257(vor)-257(wie)-257(ein)-257(alter)-257(schmutziger)-257(Kupferdreier,)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-285(den)-285(man)-285(keine)-285(Zwiebel)-284(mehr)-285(zu)-285(kaufen)-285(kriegt.)-355(Er)-285(gebe)-284(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-383(in)-383(meine)-384(Hand,)-416(wolle)-383(alle)-383(Arbeit)-383(tun)-384(und)-383(bitte,)-416(mit)-383(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(recht)-225(rauh)-225(zu)-225(verfahren;)-233(es)-225(sei)-225(ihm)-225(immer)-225(am)-225(wohlsten)-225(gewesen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-335(ihm)-335(gelegentlich)-335(mal)-335(sein)-335(hoher)-335(Bruder,)-356(Landesherr)-335(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Familienoberhaupt,)-403(ein)-372(paar)-372(Ohrfeigen)-373(angeboten)-372(habe.)-616(Dann)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-271(er)-270(auf)-271(Sekunden)-270(das)-271(Gef\374hl)-270(gehabt,)-276(da\337)-271(er)-270(und)-271(sein)-270(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-404(ernst)-403(genommen)-404(werden)-403(k\366nnen.)-711(Hei\337en)-403(wolle)-404(er)-403(Max)]TJ 0 -13.549 Td [(Piesecke.)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.626 0 Td [(\023)]TJ -31.67 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-234(lieber)-230(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.406 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-234(sagte)-230(ich)-230(in)-230(der)-230(Sprechstunde)-230(zu)-230(ihm;)]TJ/F24 10.9091 Tf -113.049 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da\337)-359(Sie)-359(ein)-358(gro\337er)-359(Lumpenkerl)-359(sind,)-386(wissen)-359(Sie)-359(und)-358(brauche)]TJ -4.844 -13.549 Td [(ich)-217(Ihnen)-218(nicht)-217(erst)-218(zu)-217(sagen.)-239(H\366chstwahrscheinlich)-218(l\344\337t)-217(sich)-217(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(Ihnen)-306(nichts)-307(mehr)-306(anfangen.)-419(Erschie\337en)-306(werden)-307(Sie)-306(sich)-306(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(dazu)-337(fehlt)-337(Ihnen)-337(die)-337(Courage.)-511(Aber)-337(miserabel)-337(zugrunde)-337(gehen)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-296(Sie!)-390(Es)-296(wird)-296(weh)-297(tun,)-308(Piesecke;)-319(Sie)-297(werden)-296(die)-296(W\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(auskratzen,)-395(ehe)-366(Sie)-366(hin)-366(sind!)-598(Aber,)-395(Piesecke,)-395(sehen)-366(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 257.852 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.447 0 Td [(ich)]TJ -267.299 -13.549 Td [(glaube,)-307(ungef\344llig)-296(sind)-296(Sie)-295(nicht.)-388(Sie)-295(haben)-296(auch)-296(noch)-296(Sinn)-295(f\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(Humor.)-330(Nun,)-283(Piesecke,)-284(es)-276(w\344re)-277(doch)-277(ein)-276(kolossaler)-277(Witz,)-283(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-213(Ihnen)-212(noch)-213(mal)-213(ein)-212(brauchbarer)-213(Kerl)-213(w\374rde!)-237(He?)-238(Sie)-212(m\374ssen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +800 0 obj << +/Type /Page +/Contents 801 0 R +/Resources 799 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +802 0 obj << +/D [800 0 R /XYZ 166.238 366.679 null] +>> endobj +799 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +805 0 obj << +/Length 5558 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(146)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(selbst)-304(dar\374ber)-304(lachen!)-413(Und)-304(f\374r)-304(mich)-305(w\344re)-304(es)-304(gut)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.87 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.773 0 Td [(wegen)-304(Ihrer)]TJ -227.643 -13.549 Td [(Familie.)-530(Also)-344(versuchen)-343(wir)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.718 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-343(halt.)-531(Gelingt)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.592 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-367(freue)-343(ich)-344(mich;)]TJ -201.576 -13.549 Td [(gelingt)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.306 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(nicht,)-250(schmei\337e)-250(ich)-250(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.902 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(raus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.807 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -243.035 0 Td [([190])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wahrscheinlich)-516(werden)-516(Sie)-516(mich)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.843 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rausschmei\337en!)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.465 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.472 0 Td [(sagte)]TJ -258.212 -13.549 Td [(Piesecke)-250(nachdenklich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-245(sind)-245(ein)-245(schlechter)-245(Pessimist,)-245(Piesecke!)-249(Sehen)-245(Sie,)-246(wenn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-244(ein)-244(bi\337chen)-244(Philosophie)-244(im)-244(Leibe)-244(h\344tten,)-245(m\374\337ten)-244(sie)-244(wissen:)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-309(gibt)-308(keinen)-309(grimmigeren)-309(Spa\337,)-308(als)-309(ein)-309(Pessimist)-308(zu)-309(sein)-308(und)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(den)-250(Pessimismus)-250(zu)-250(lachen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.829 0 Td [(\034)]TJ -132.874 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie?)-250(Bitte,)-250(schreiben)-250(Sie)-250(mir)-250(den)-250(Satz)-250(auf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.054 0 Td [(\034)]TJ -193.898 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gern!)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.44 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.284 -13.959 Td [(Ich)-361(schrieb)-360(den)-361(Satz)-361(auf)-360(einen)-361(Zettel,)-388(\374bergab)-361(ihn)-361(Piesecke)]TJ -11.955 -13.549 Td [(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stecken)-260(Sie)-260(sich)-260(dieses)-260(Wertpapier)-260(in)-260(Ihre)-260(Jackentasche)-260(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(verlieren)-403(Sie)-404(es)-403(nicht!)-711(Und)-403(nun)-404(werde)-403(ich)-404(Ihnen)-403(noch)-403(etwas)]TJ 0 -13.55 Td [(sagen,)-466(Piesecke!)-768(Sie)-423(werden)-423(h\366chstwahrscheinlich)-423(nach)-422(acht)]TJ 0 -13.549 Td [(Tagen)-250(bei)-251(uns)-250(ausrei\337en)-251(wollen.)-251(Sie)-251(sind)-250(gar)-250(nicht)-251(imstande,)-250(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-313(zu)-312(bleiben)-313(und)-312(das)-313(Gesundungsleben)-313(durchzuf\374hren.)-437(Dazu)]TJ 0 -13.549 Td [(fehlt)-320(Ihnen)-320(die)-320(Willenskraft.)-461(Und)-320(um)-320(nicht)-320(unn\374tzerweise)-320(acht)]TJ 0 -13.549 Td [(Tage)-254(lang)-253(meine)-254(Zeit)-253(mit)-254(Ihnen)-253(zu)-254(vergeuden,)-254(werden)-254(wir)-253(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(notariell)-350(aufgenommenen)-349(Kontrakt)-350(machen.)-549(Er)-349(wird)-350(kurz)-349(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(lauten:)]TJ 11.955 -13.958 Td [(Falls)-181(ich)-182(nicht)-181(ein)-182(Jahr)-181(lang)-181(im)-182(Waltersburger)-181(Kurheim)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.17 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Ferien)]TJ -252.757 -13.549 Td [(vom)-209(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.611 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.916 0 Td [(aushalte)-209(oder)-210(mich)-209(den)-209(Anordnungen)-209(des)-210(dirigierenden)]TJ -41.527 -13.549 Td [(Arztes)-250(nicht)-250(f\374ge,)-250(zahle)-250(ich)-250(eine)-250(Million)-250(Mark)-250(Reugeld.)]TJ/F24 10.9091 Tf 244.2 0 Td [(\034)]TJ -232.245 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was?)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.229 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.917 0 Td [(schrie)-373(Max)-374(Piesecke.)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-373(ich)-374(so)-373(etwas)-374(tue)-373(und)]TJ -156.648 -13.549 Td [(mein)-250(Bruder)-250(erf\344hrt)-250(es,)-250(schl\344gt)-250(er)-250(mich)-250(tot!)]TJ/F24 10.9091 Tf 188.444 0 Td [(\034)]TJ -176.489 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sch\366n!)-250(Dann)-250(habe)-250(ich)-250(nicht)-250(mehr)-250(n\366tig,)-250(Sie)-250(zu)-250(kurieren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 245.716 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -250.56 -13.959 Td [(Piesecke)-250(sank)-250(in)-250(sich)-250(zusammen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([191])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-303(bin)-304(immer)-303(Erpressern)-304(in)-303(die)-303(H\344nde)-304(gefallen)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.601 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-317(jammerte)]TJ -233.244 -13.549 Td [(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Morgen)-565(nachmittag)-566(4\275)-565(Uhr)-565(wird)-566(der)-565(Notar)-565(hier)-566(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(entgegnete)-359(ich)-359(ruhig;)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.994 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-359(werden)-359(dann)-359(entweder)-359(das)-359(von)-359(mir)]TJ -103.838 -13.549 Td [(aufgesetzte)-250(Abkommen)-250(unterzeichnen)-250(oder)-250(Ihrer)-250(Wege)-250(gehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.934 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +804 0 obj << +/Type /Page +/Contents 805 0 R +/Resources 803 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +806 0 obj << +/D [804 0 R /XYZ 93.543 488.699 null] +>> endobj +807 0 obj << +/D [804 0 R /XYZ 93.543 134.608 null] +>> endobj +803 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +810 0 obj << +/Length 5151 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(147)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ferien)-442(vom)-443(Ich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.483 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.669 0 Td [(st\366hnte)-442(Piesecke;)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.419 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ich)-442(habe)-443(gar)-442(keinen)]TJ -189.213 -13.549 Td [(Willen)-250(mehr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.568 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -45.612 -13.549 Td [(Am)-224(n\344chsten)-223(Tage,)-229(um)-223(4,35)-224(Uhr,)-229(unterschrieb)-223(vor)-224(dem)-223(Notar,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(meinem)-519(Vertrauten,)-587(Max)-519(Piesecke)-519(das)-519(von)-519(mir)-519(gew\374nschte)]TJ 0 -13.55 Td [(Abkommen)-250(mit)-250(seinem)-250(hochf\374rstlichen)-250(Namen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-406(passen)-406(Sie)-406(mal)-407(auf,)-445(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.584 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-445(sagte)-406(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.348 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(jetzt)-406(wird)]TJ -237.418 -13.549 Td [(noch)-250(was)-250(aus)-250(Ihnen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.368 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 407.526 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 391.323 Td [(All)-388(unsere)-389(H\366fe)-388(sind)-388(mit)-389(Kurg\344sten)-388(besetzt.)-665(Wir)-388(haben)-388(so)]TJ -11.956 -13.549 Td [(viel)-222(Anmeldungen,)-227(da\337)-222(wir)-222(die)-222(Wahl)-221(h\344tten,)-228(wen)-222(wir)-221(aufnehmen)]TJ 0 -13.55 Td [(wollen,)-260(aber)-258(wir)-257(gehen)-258(der)-258(Reihenfolge)-258(der)-258(Anmeldungen)-257(nach.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-263(habe)-262(von)-263(fr\374h)-263(bis)-263(sp\344t)-262(Arbeit,)-266(obwohl)-263(unser)-262(\304rztekollegium)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-270(gr\366\337er)-270(wird.)-309(Es)-270(lastet)-270(zuviel)-269(Gesch\344ftliches)-270(auf)-270(mir.)-309(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\374ckt)-296(auf)-296(die)-295(Seele;)-319(denn)-296(ich)-295(bin)-296(kein)-296(Kaufmann.)-387(Was)-296(tut)-295(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-413(dieser)-412(Stefenson)-413(an,)-453(da\337)-413(er)-412(gerade)-413(jetzt,)-453(wo)-413(er)-413(hier)-412(am)]TJ 0 -13.55 Td [(n\366tigsten)-302(w\344re,)-315(in)-302(Amerika)-302(sitzenbleibt?)-406(Soviel)-302(ich)-302(auch)-302(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-234(ihn)-234(schrieb)-234(und)-233(telegraphierte,)-237(er)-234(kommt)-234(nicht)-234(zur\374ck.)-244(Immer)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(gleiche)-250(Antwort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.411 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(bin)-250(hier)-250(noch)-250(unabk\366mmlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 145.134 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -230.433 -13.549 Td [(Unser)-391(Direktor)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.547 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.723 0 Td [(ein)-391(fr\374herer)-391(Offizier)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.79 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.722 0 Td [(ist)-391(zum)-392(Gl\374ck)-391(ein)]TJ -198.738 -13.549 Td [(t\374chtiger)-431(Mann.)-792(Es)-431(ist)-431(Schwung)-430(in)-431(seinen)-431(Gedanken,)-476(er)-430(hat)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([192])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.55 Td [(Initiative)-519(und)-520(Sp\374rsinn.)-1059(Wie)-519(ein)-520(guter)-519(Jagdhund)-520(ist)-519(er,)-587(er)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.33 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-487(in)-486(der)-487(Nase,)-546(wenn)-487(er)-487(\374ber)-486(das)-487(weite)-487(Gel\344nde)-486(unseres)]TJ -16.964 -13.549 Td [(Arbeitsfeldes)-186(schnuppert,)-198(wo)-186(irgendwo)-186(in)-186(einer)-186(geheimen)-185(Furche)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-374(verborgener)-375(Erfolg)-374(aufzust\366bern)-375(ist.)-623(Er)-374(ist)-375(aus)-374(dem)-374(Holz,)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-238(dem)-239(die)-238(guten)-239(Feldherren,)-240(Diplomaten,)-241(Kaufleute)-238(geschnitzt)]TJ 0 -13.55 Td [(sind.)-674(Die)-392(leitet)-391(alle)-391(ein)-392(unfa\337barer)-391(Instinkt,)-427(eine)-391(Art)-391(sechster)]TJ 0 -13.549 Td [(Sinn,)-250(den)-250(andere)-250(Leute)-250(nicht)-250(haben.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-628(Direktor)-627(hei\337t)-628(von)-628(Br\374sen)-627(und)-628(wird)-628(wegen)-627(seines)]TJ -11.956 -13.549 Td [(w\374rdevollen)-212(Auftretens)-211(von)-212(den)-212(Kurg\344sten)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.078 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(der)-212(Herr)-211(Pr\344sident)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.137 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(von)-504(den)-503(Angestellten)-504(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.014 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(der)-504(Direks)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.509 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.338 0 Td [(genannt.)-1011(Oft)-504(habe)]TJ -191.704 -13.549 Td [(ich)-646(bei)-646(seinen)-646(Ma\337nahmen)-645(das)-646(Gef\374hl:)-1042(genau)-646(so)-645(w\374rde)]TJ 0 -13.55 Td [(Stefenson)-516(gehandelt)-516(haben.)-1048(Br\374sen)-516(ist)-516(auch)-516(von)-516(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(angestellt)-298(worden.)-395(Mein)-298(Gesch\344ftsfreund)-298(hat)-298(den)-298(Offizier)-298(a.)-298(D.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +809 0 obj << +/Type /Page +/Contents 810 0 R +/Resources 808 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +811 0 obj << +/D [809 0 R /XYZ 261.47 242.282 null] +>> endobj +808 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +814 0 obj << +/Length 4718 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(148)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(mal)-369(irgendwo)-368(kennengelernt,)-398(sich)-369(mit)-368(ihm)-369(etwa)-368(zwei)-368(Stunden)]TJ 0 -13.549 Td [(unterhalten,)-291(dabei)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.692 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.537 0 Td [(wie)-283(er)-282(schrieb)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.984 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.538 0 Td [(gefunden,)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.492 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(da\337)-283(sich)-282(dieser)]TJ -215.086 -13.549 Td [(Mann)-458(zwei)-457(verschiedene)-458(Di)1(nge)-458(auf)-457(einmal)-458(vorstellen)-457(k\366nne,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-353(nur)-354(sehr)-353(wenig)-353(Menschen)-354(verm\366chten)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.951 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-379(da\337)-353(er)-354(ferner)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.693 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(zu)]TJ -270.332 -13.55 Td [(klug)-478(sei,)-535(um)-478(die)-478(Alltagsklugheit)-478(zu)-478(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.049 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-535(da\337)-478(er)-478(nicht)-478(in)]TJ -201.892 -13.549 Td [(den)-251(Doppelsohlenstiefeln)-251(\344ngstlicher)-252(Vorsicht)-251(einherstampfe,)-251(in)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-274(man)-275(von)-274(hundert)-275(Schnellf\374\337lern)-274(\374berholt)-275(werde,)-280(und)-274(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-258(von)-258(guter,)-260(z\344her)-258(Geistesmuskulatur)-258(sei.)-274(So)-258(hat)-258(sich)-257(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-364(Adresse)-365(dieses)-364(Herrn)-364(gemerkt)-365(und)-364(ihn)-364(f\374r)-365(uns)-364(nun)-364(an)-364(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Tag)-250(gezogen.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Es)-251(ist)-252(ein)-251(Gl\374ck,)-252(da\337)-252(dieser)-251(Direktor)-252(da)-251(ist.)-255(Was)-251(t\344te)-252(ich)-251(ohne)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihn?)-563(Einen)-354(Entscheid)-354(f\344llt)-354(er)-355(fast)-354(nie)-354(sofort.)-563(Er)-354(will,)-380(wenn)-354(es)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-328(um)-327(wichtigere)-328(Angelegenheiten)-327(handelt,)-347(immer)-328(einen)-327(Tag)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-437(doch)-437(einige)-437(Stunden)-436(Bedenkzeit.)-811(Dann)-437(steht)-437(aber)-436(auch)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([193])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(seine)-424(Meinung)-424(felsenfest.)-772(Und)-425(er)-424(entscheidet)-424(immer)-424(so,)-467(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-278(annehmen)-278(m\366chte,)-285(da\337)-278(Stefenson)-278(entschieden)-278(haben)-277(w\374rde,)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-206(manchmal)-206(in)-207(Dingen,)-215(die)-206(viel)-206(Geld)-206(kosten,)-215(so)-206(waghalsig,)-215(so)]TJ 0 -13.55 Td [(wurstig,)-213(so)-203(ohne)-204(Skrupel,)-213(wie)-203(es)-204(eben)-203(nur)-204(ein)-203(reicher)-204(Mann)-203(kann,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-253(so)-252(fest)-253(steht,)-254(da\337)-252(er)-253(wei\337:)-253(ich)-252(kann)-253(nicht)-253(fallen,)-253(komme,)-253(was)]TJ 0 -13.549 Td [(wolle.)-309(Ein)-270(paarmal)-270(sah)-270(ich)-270(den)-269(Direktor)-270(scheu)-270(von)-270(der)-270(Seite)-269(an.)]TJ 0 -13.549 Td [(War)-250(er)-250(etwa)-250(gar)-250(...)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Das)-561(war)-562(krasser)-561(Unfug.)-1184(Dieser)-561(kleine)-561(Schwarzbart)-561(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dem)-429(runden)-430(B\344uchlein)-429(war)-429(bestimmt)-430(nicht)-429(der)-429(gro\337e,)-474(hagere)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson.)-776(Auch)-426(in)-425(dem)-426(Journalisten)-425(Brown)-426(h\344tte)-425(ich)-425(nichts)]TJ 0 -13.55 Td [(anderes)-250(vermuten)-250(sollen)-250(als)-250(eben)-250(den)-250(Mister)-250(Brown.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Ich)-530(mu\337)-531(mich)-530(wahrhaftig)-531(erst)-530(in)-531(die)-530(Ausf\374hrung)-530(meiner)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eigenen)-807(Idee)-807(von)-807(der)-807(Unpers\366nlichkeit)-807(meiner)-806(Kurg\344ste)]TJ 0 -13.55 Td [(gew\366hnen.)-350(Es)-283(wird)-284(mir)-283(schwer,)-292(in)-283(dem)-283(Nachtw\344chter)-283(Korrundt)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-338(den)-338(Operns\344nger)-338(zu)-339(sehen,)-360(ja,)-360(es)-338(wird)-338(mir)-338(sogar)-338(schwer,)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-504(verbummelte)-505(Hoheit)-504(mit)-505(Piesecke)-504(anzureden.)-1013(Dabei)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-498(doch)-498(der)-498(Mann)-498(wirklich)-498(mehr)-498(Piesecke)-498(als)-498(Hoheit.)-994(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(bek\374mmere)-604(mich)-604(absichtlich)-604(nicht)-604(um)-604(die)-604(Personalien)-603(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Kurg\344ste,)-602(die)-532(ich)-532(nicht)-532(selbst)-532(behandle,)-603(sehe)-532(keine)-531(unserer)]TJ 0 -13.549 Td [(Geheimlisten)-256(ein,)-257(soweit)-256(ich)-256(es)-256(nicht)-256(als)-256(leitender)-256(Arzt)-256(tun)-255(mu\337.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +813 0 obj << +/Type /Page +/Contents 814 0 R +/Resources 812 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 794 0 R +>> endobj +815 0 obj << +/D [813 0 R /XYZ 227.74 340.399 null] +>> endobj +812 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +818 0 obj << +/Length 4426 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(149)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(So)-407(begegne)-407(ich)-407(Menschen)-408(auf)-407(unseren)-407(Wegen,)-446(sehe)-407(Leute)-407(in)]TJ 0 -13.549 Td [(unseren)-263(G\344rten)-263(und)-263(auf)-263(unseren)-263(Feldern)-263(arbeiten,)-266(von)-263(denen)-263(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-335(wei\337,)-335(wer)-336(sie)-335(sind,)-356(woher)-335(sie)-336(kommen,)-356(wohin)-335(sie)-335(gehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-194(denen)-194(mir)-194(nur)-195(bekannt)-194(ist,)-205(da\337)-194(sie)-194(aus)-194(einer)-194(dr\374ckenden)-194(Enge)]TJ 0 -13.55 Td [(entflohen)-250(sind)-250(in)-250(das)-250(Reich)-250(unserer)-250(gr\374nen)-250(Gesundheit.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([194])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(Der)-541(Sekret\344r,)-615(der)-541(unsere)-541(Statistik)-542(macht,)-614(sagte)-541(mir,)-614(da\337)]TJ -11.956 -13.549 Td [(neunzig)-243(Prozent)-242(unserer)-243(Kurg\344ste)-242(aus)-242(Gro\337st\344dten)-243(kommen.)-247(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(glaube)-415(das)-415(gern.)-745(Die)-415(Gro\337stadt)-415(ist)-415(keine)-415(gute)-415(Mutter.)-745(Dazu)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-443(ihre)-443(Arme)-443(und)-443(H\344nde)-444(zu)-443(steinern)-443(hart,)-491(ist)-443(ihre)-443(Sprache)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-441(laut)-441(und)-441(liebeleer,)-489(sind)-441(ihre)-441(Sinne)-441(zu)-441(flunkerig,)-488(sind)-441(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(W\374nsche)-247(ohne)-247(Heimlichkeitssinn)-247(zu)-247(sehr)-247(auf)-247(den)-247(Engrosramsch)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-449(Gen\374sse)-449(gerichtet,)-499(ist)-449(ihr)-449(Aufputz)-449(zu)-449(sehr)-449(abgespart)-449(den)]TJ 0 -13.549 Td [(wahren)-567(Bed\374rfnissen)-567(ihrer)-567(Kinder.)-1201(Von)-567(den)-566(Palastr\344umen)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-446(Verwaltung)-445(aus)-446(regiert)-445(diese)-445(Stiefmutter)-446(Gro\337stadt)-445(ihre)]TJ 0 -13.55 Td [(Familie,)-254(die)-253(zum)-253(gr\366\337ten)-253(Teil)-253(in)-253(dumpfen)-253(Winkeln)-253(hockt)-253(und)-253(in)]TJ 0 -13.549 Td [(engen)-206(Kammern)-205(schl\344ft;)-220(in)-206(ihren)-205(gl\344nzenden)-206(Parkanlagen)-205(d\374rfen)]TJ 0 -13.549 Td [(barf\374\337ige)-282(Jungen)-283(und)-282(zerlumpte)-283(M\344dchen)-282(spazierengehen.)-347(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-427(niedertr\344chtigste)-427(Amme,)-471(die)-427(ihren)-427(unruhigen)-427(Z\366gling)-426(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Schnaps)-422(bet\344ubt,)-466(errichtet)-422(sie)-423(in)-422(all)-423(ihren)-422(Vorst\344dten)-422(Destille)]TJ 0 -13.55 Td [(neben)-422(Destille.)-768(Und)-422(wenn)-422(die)-423(Kinder)-422(gar)-423(zuviel)-422(darben)-422(und)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-435(murren)-435(beginnen,)-481(schenkt)-435(ihnen)-435(diese)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.479 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mutter)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.694 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.588 0 Td [(Gro\337stadt)]TJ -237.604 -13.549 Td [(einige)-191(Bonbons)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.619 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\366ffentlicher)-191(F\374rsorge)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.755 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.926 0 Td [(oder)-191(billiger)-191(Lustbarkeit,)]TJ -173.144 -13.549 Td [(Bonbons,)-614(die)-541(nicht)-542(satt,)-614(stark)-541(und)-542(gesund)-541(machen)-541(k\366nnen,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-228(nur)-229(den)-229(Magen)-228(ans\344uern)-229(und)-228(die)-229(Z\344hne)-228(des)-229(Willens)-228(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Charakters)-250(verderben.)]TJ 11.955 -13.549 Td [(Wann)-883(endlich)-883(wird)-884(die)-883(Menschheit)-883(des)-883(tr\374gerischen)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Schimmers)-169(m\374de)-169(sein,)-185(in)-169(Scharen)-169(ausziehen)-169(aus)-168(dem)-169(ungesunden)]TJ 0 -13.549 Td [(Hause)-313(der)-314(Stiefmutter)-313(Gro\337stadt)-313(und)-313(im)-314(gro\337en)-313(Ferien)-313(machen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-250(diesem)-250(jammervollen)-250(Ich?)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 109.444 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 93.24 Td [(Heut)-582(ist)-583(ein)-582(Ungl\374ck)-583(passiert.)-1247(Annelies)-583(von)-582(Grill)-582(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Eva)-433(Bunkert)-432(wollten)-433(als)-432(Kurg\344ste)-433(zu)-433(uns)-432(kommen)-433(und)-432(beim)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([195])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Forellenbauer)-407(wohnen.)-723(Der)-407(Bauer)-408(hatte)-407(seinen)-407(Spazierwagen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +817 0 obj << +/Type /Page +/Contents 818 0 R +/Resources 816 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +819 0 obj << +/D [817 0 R /XYZ 46.771 461.6 null] +>> endobj +820 0 obj << +/D [817 0 R /XYZ 305.583 79.691 null] +>> endobj +816 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +824 0 obj << +/Length 4672 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(150)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nach)-365(dem)-364(Bahnhof)-364(geschickt)-365(zur)-364(Abholung.)-594(Sein)-364(Knecht,)-393(der)]TJ 0 -13.549 Td [(lange)-457(Ignaz,)-508(spielte)-457(den)-457(Kutscher.)-871(Aber)-457(auch)-457(Piesecke)-456(fuhr)]TJ 0 -13.549 Td [(mit.)-539(Hoheit)-346(will)-347(sich)-346(in)-346(die)-347(Geheimnisse)-346(der)-346(Kunst)-346(einweihen)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen,)-357(ein)-335(Bauerngef\344hrt)-336(auf)-335(einem)-336(etwas)-335(holperigen)-335(Feldweg)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-276(Geschick)-276(zu)-276(leiten.)-328(Auf)-276(dem)-276(R\374ckwege)-276(ist)-276(dann)-276(das)-275(Unheil)]TJ 0 -13.549 Td [(geschehen.)-249(Piesecke)-248(hat)-248(kutschiert)-247(und)-248(gerade)-248(dort,)-248(wo)-248(der)-247(Weg)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-419(steile)-418(B\366schung)-419(hat,)-461(umgeworfen.)-756(Die)-418(Damen)-419(sind)-418(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Abhang)-260(hinuntergekugelt,)-262(die)-259(beiden)-260(Kutscher)-259(desgleichen,)-262(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-406(scheu)-406(gewordenen)-406(Pferde)-406(haben)-406(den)-406(umgekippten)-406(Wagen)]TJ 0 -13.55 Td [(hinter)-250(sich)-250(hergeschleift)-250(und)-250(greulich)-250(zugerichtet.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Von)-157(den)-157(vier)-157(abgepurzelten)-157(Personen)-157(hat)-157(sich)-157(der)-157(Knecht)-157(Ignaz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zuerst)-268(erhoben.)-303(Er)-267(hat)-268(sich)-268(erst)-267(die)-268(Glieder)-267(zurechtgeschlenkert,)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-452(die)-453(Wahlstatt)-452(\374berschaut)-452(und)-453(darauf)-452(zun\344chst)-452(mal)-452(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(ungl\374cklichen)-340(Piesecke)-339(ein)-340(paar)-339(ungeheure)-340(Ohrfeigen)-339(versetzt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Darauf)-739(ist)-740(Ignaz)-739(den)-739(Pferden)-739(nachgerannt,)-862(hat)-739(sie)-739(zum)]TJ 0 -13.55 Td [(Stehen)-506(gebracht,)-569(sich)-506(\374berzeugt,)-570(da\337)-505(mit)-506(dem)-506(Wagen)-505(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(weiterzufahren)-339(sei,)-361(und)-338(ist)-339(dann)-338(zu)-339(den)-339(Damen)-338(zur\374ckgekehrt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Annelies)-311(ist)-311(au\337er)-310(dem)-311(Schreck)-311(nichts)-311(passiert,)-326(die)-311(sch\366ne)-310(Eva)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-355(sich)-354(einen)-355(Fu\337)-355(verstaucht.)-564(Ignaz)-355(hat)-354(die)-355(holde)-355(Blonde)-354(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(seinen)-400(kr\344ftigen)-401(Buckel)-400(laden)-400(und)-401(nach)-400(Hause)-400(tragen)-400(wollen,)]TJ 0 -13.55 Td [(doch)-267(das)-267(hat)-266(sie)-267(abgelehnt.)-301(Piesecke)-266(hat)-267(nichts)-267(zu)-267(sagen)-266(gewu\337t)]TJ 0 -13.549 Td [(als:)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.88 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Pardon,)-250(pardon,)-250(es)-250(ist)-250(mir)-250(dieses)-250(alles)-250(sehr)-250(fatal.)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.967 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.735 -14.531 Td [(Schlie\337lich)-720(hat)-721(Eva)-720(dem)-721(Knechte)-720(befohlen,)-838(ein)-720(Pferd)]TJ -11.956 -13.549 Td [(auszuspannen,)-326(sie)-311(hinaufzuheben,)-327(und)-311(ist)-311(so)-311(halb)-311(lachend,)-326(halb)]TJ 0 -13.549 Td [(weinend)-250(bei)-250(uns)-250(eingeritten.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([196])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.531 Td [(Am)-439(selben)-439(Tage)-439(noch)-439(kam)-440(Hoheit)-439(zu)-439(mir,)-486(um)-439(wegen)-439(der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(erhaltenen)-253(Ohrfeigen)-253(Beschwerde)-254(zu)-253(f\374hren.)-259(Er)-254(sei)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.296 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.217 0 Td [(so)-253(sagte)-253(er)]TJ/F24 10.9091 Tf -234.513 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.992 0 Td [(immerhin)-232(ein)-233(Kurgast,)-236(und)-233(Ignaz)-232(sei)-233(ein)-232(gemieteter)-233(Knecht.)-244(Er)]TJ -7.992 -13.549 Td [(m\374sse)-250(gegen)-250(solche)-250(Behandlung)-250(Protest)-250(einlegen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ich)-301(aber)-302(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.582 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Piesecke,)-314(ich)-302(habe)-301(so)-302(viel)-301(Wichtiges)-301(zu)-302(tun,)]TJ -85.381 -13.549 Td [(da\337)-371(ich)-370(mich)-371(wirklich)-371(nicht)-370(darum)-371(k\374mmern)-371(kann,)-401(wenn)-370(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(mal)-250(zwei)-250(unserer)-250(Kutscher)-250(pr\374geln.)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.411 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -143.455 -14.531 Td [(Darauf)-238(erhellte)-238(sich)-238(Pieseckes)-238(Gesicht,)-240(und)-238(er)-238(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.198 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl,)]TJ -246.997 -13.549 Td [(ich)-435(sehe)-435(es)-435(ein!)-806(Wenn)-435(ich)-435(mich)-435(k\366rperlich)-435(werde)-435(gekr\344ftigt)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +823 0 obj << +/Type /Page +/Contents 824 0 R +/Resources 822 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +825 0 obj << +/D [823 0 R /XYZ 93.543 188.652 null] +>> endobj +822 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +828 0 obj << +/Length 766 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(ersten)-250(Kurg\344ste)-16282(151)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(haben,)-250(werde)-250(ich)-250(ihm)-250(die)-250(Ohrfeigen)-250(zur\374ckgeben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.117 0 Td [(\034)]TJ -206.161 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-231(m\374ssen)-232(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-235(erwiderte)-231(ich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.963 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(das)-231(gebe)-232(ich)-231(Ihnen)-231(auf;)-238(das)]TJ -163.13 -13.549 Td [(werde)-362(ich)-362(Ihnen)-363(direkt)-362(in)-362(die)-362(Kurverordnung)-362(schreiben,)-390(lieber)]TJ 0 -13.549 Td [(Piesecke!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.804 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +827 0 obj << +/Type /Page +/Contents 828 0 R +/Resources 826 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +826 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +829 0 obj +<< /S /GoTo /D (index18) >> +endobj +832 0 obj +(Sommerabend) +endobj +835 0 obj << +/Length 3682 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([197])]TJ/F16 18.9589 Tf 158.308 -68.625 Td [(Sommerabend)]TJ/F16 10.9091 Tf -85.553 -36.73 Td [(Die)-440(Arbeit)-439(war)-439(getan;)-535(ich)-439(war)-440(frei.)-818(Eigentlich)-440(woll)1(te)-440(ich)-439(ja)]TJ 0 -13.549 Td [(hinauf)-290(zum)-291(Hirtenhaus,)-300(aber)-290(ehe)-291(ich)-290(mich)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.431 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-290(versah,)-301(schlenderte)]TJ -189.063 -13.549 Td [(ich)-364(doch)-365(wieder)-364(zum)-365(Forellenbauer)-364(hinab.)-593(Ich)-365(redete)-364(mir)-364(ein,)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-261(m\374sse)-260(mich)-261(um)-260(mein)-261(Sorgenkind)-261(Piesecke)-260(bek\374mmern,)-263(und)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-373(nebenbei)-373(k\366nne)-373(ich)-373(ja)-372(nach)-373(Eva)-373(fragen,)-404(deren)-373(kranker)-372(Fu\337)]TJ 0 -13.55 Td [(allerdings)-380(von)-381(einem)-380(Kollegen)-381(behandelt)-380(wird.)-641(Das)-380(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(sa\337)-347(vor)-346(der)-347(Haust\374r)-346(auf)-347(der)-347(gr\374ngestrichenen)-346(Bank)-347(und)-346(putzte)]TJ 0 -13.549 Td [(Gem\374se.)-351(Sie)-283(hei\337t)-283(hier)-284(einfach)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.5 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-350(Einen)-284(Familiennamen)]TJ -177.66 -13.549 Td [(f\374hrt)-260(sie)-259(nicht,)-262(ebensowenig)-259(wie)-260(Anneliese,)-262(die)-259(sich)-260(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(B\344rbel)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.083 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(umgetauft)-250(hat.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Am)-263(Hoftor)-263(blieb)-264(ich)-263(stehen.)-289(Ein)-264(liebliches)-263(Bild!)-289(Abendsonne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bestrahlte)-365(das)-365(sch\366ne)-366(M\344dchen,)-394(eine)-365(wei\337e)-365(Taube)-365(sa\337)-365(auf)-365(der)]TJ 0 -13.549 Td [(R\374ckenlehne)-366(der)-366(Bank,)-395(ein)-366(goldgefiederter)-366(Hahn)-366(blinzelte)-365(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(seinen)-152(\304uglein)-153(zu)-152(dem)-153(M\344dchen)-152(empor,)-172(wartend,)-172(ob)-153(f\374r)-152(ihn)-152(etwas)]TJ 0 -13.549 Td [(abfalle.)-658(Dann)-387(kam)-386(der)-386(gro\337e)-386(Zottelhund,)-420(wedelte)-386(mit)-386(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(buschigen)-201(Schwanz)-201(den)-201(Hahn)-200(gutm\374tig,)-211(aber)-201(bestimmt)-201(zur)-200(Seite,)]TJ 0 -13.549 Td [(nahm)-228(dessen)-229(Platz)-228(ein)-228(und)-229(sa\337)-228(in)-228(stummer)-229(Bewunderung)-228(vor)-228(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366nen)-250(Frau.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Und)-308(noch)-308(ein)-308(anderer)-309(schaute)-308(verliebt)-308(zu)-308(dem)-308(M\344dchen)-308(hin,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-225(war)-225(Piesecke,)-229(der)-225(an)-225(der)-225(Stallt\374r)-225(lehnte)-224(und)-225(eine)-225(Sense)-225(in)-224(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([198])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Hand)-239(hielt.)-246(Oh,)-241(den)-239(armen)-239(Piesecke)-238(scheint)-239(es)-239(ganz)-239(arg)-238(erwischt)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-215(haben.)-239(Er)-215(verdrehte)-215(die)-215(Augen)-215(und)-216(seufzte)-215(einmal)-215(so)-215(laut,)-222(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(man)-336(es)-336(\374ber)-337(den)-336(Hof)-336(hinweg)-336(h\366rte.)-509(Ich)-336(\344rgerte)-336(mich)-336(\374ber)-336(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Gleich)-213(wurde)-212(mir)-213(eine)-212(Genugtuung.)-238(Eine)-213(derbe)-212(Faust)-213(kam)-212(aus)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-275(Stallt\374r)-274(heraus,)-281(gab)-275(dem)-275(tr\344umenden)-274(Piesecke)-275(einen)-275(Sto\337)-274(in)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +834 0 obj << +/Type /Page +/Contents 835 0 R +/Resources 833 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +87 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +830 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +836 0 obj << +/D [834 0 R /XYZ 300.773 148.299 null] +>> endobj +833 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +839 0 obj << +/Length 5935 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(153)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(den)-287(R\374cken,)-296(da\337)-287(er)-287(samt)-286(seiner)-287(Sense)-287(in)-287(den)-287(Hof)-286(taumelte,)-296(und)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-250(rauhe)-250(Stimme)-250(rief:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schlaf)-474(nicht,)-531(du)-474(D\366skopp!)-923(Mach,)-531(da\337)-474(du)-474(aufs)-475(Kleefeld)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kommst!)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.793 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -26.837 -14.095 Td [(Die)-343(sch\366ne)-342(Hanne)-343(blickte)-342(auf)-343(und)-343(lachte,)-365(Piesecke)-343(geriet)-342(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wut,)-409(fuchtelte)-376(mit)-377(seiner)-377(Sense)-377(ein)-377(wenig)-377(vor)-377(der)-376(inzwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(geschlossenen)-390(Stallt\374r)-390(herum)-390(und)-390(ging)-390(dann)-389(niedergeschlagen)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-250(den)-250(Hof.)-250(Am)-250(Tor)-250(traf)-250(er)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-331(ist)-331(eine)-331(Gemeinheit)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.176 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-351(sagte)-331(er)-331(und)-331(hatte)-330(Tr\344nen)-331(in)-331(den)]TJ -128.819 -13.549 Td [(Augen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-323(tr\366stete)-308(ich)-308(ihn,)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.614 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-308(bin)-309(Zeuge)-308(dessen)-308(gewesen,)]TJ -143.272 -13.549 Td [(was)-231(jetzt)-232(vorfiel.)-244(Das)-231(ist)-231(gegen)-232(jede)-231(Ordnung,)-235(ist)-232(gegen)-231(den)-231(Sinn)]TJ 0 -13.549 Td [(unseres)-404(Ferienheims.)-711(Der)-403(Knecht)-404(Ignaz)-404(hat)-403(sich)-404(gegen)-403(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurgast)-387(solche)-386(Frechheiten)-387(nicht)-386(herauszunehmen.)-660(Ich)-386(werde)]TJ 0 -13.55 Td [(energisch)-359(mit)-360(dem)-359(Bauern)-360(reden.)-578(Oder)-359(soll)-359(ich)-360(Sie)-359(auf)-359(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-250(Hofe)-250(unterbringen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.378 0 Td [(\034)]TJ -110.422 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-332(Gottes)-332(willen)-332(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.804 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-353(rief)-332(Piesecke)-332(erschrocken;)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.933 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.953 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.625 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.749 0 Td [(da)-302(hielte)-302(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.457 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-302(ja)-302(gar)-302(nicht)-302(aus)-302(auf)-302(einem)-302(anderen)-302(Hofe)-302(...)]TJ -83.464 -13.549 Td [(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.059 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(ich)-250(hab)-250(mich)-250(ja)-250(schon)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.291 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 12.425 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(an)-250(den)-250(Grobian)-250(gew\366hnt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.28 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -261.644 -14.095 Td [(Und)-250(er)-250(ging)-250(gesenkten)-250(Hauptes)-250(mit)-250(seiner)-250(Sense)-250(davon.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([199])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.094 Td [(Ich)-250(begr\374\337te)-249(eben)-250(die)-250(blonde)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.346 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(da)-250(trat)-249(auch)-250(schon)-250(der)]TJ -179.462 -13.55 Td [(Bauer)-328(Barthel)-328(aus)-328(der)-328(Haust\374r.)-485(Das)-328(war)-328(mir)-328(nicht)-328(lieb,)-347(und)-328(so)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-250(ich)-250(ein)-250(bi\337chen)-250(unwirsch:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Barthel,)-438(das)-400(geht)-401(aber)-400(nicht,)-438(da\337)-401(Sie)-400(Knechte)-401(mieten,)-438(die)]TJ -16.799 -13.55 Td [(unsere)-337(Kurg\344ste)-337(verpr\374geln.)-512(Denken)-337(Sie)-337(mal,)-359(wenn)-337(das)-337(in)-337(der)]TJ 0 -13.549 Td [(\326ffentlichkeit)-320(bekannt)-321(w\374rde!)-460(Da)-320(k\344me)-321(niemand)-320(mehr)-320(zu)-320(uns.)]TJ 0 -13.549 Td [(Den)-250(langen)-250(Ignaz)-250(m\374ssen)-250(Sie)-250(entlassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.513 0 Td [(\034)]TJ -162.557 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-1091(kann)-1092(nich,)-1301(Herr)-1092(Dukter)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.846 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-1302(erwiderte)-1091(Barthel)]TJ -178.489 -13.549 Td [(achselzuckend.)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.919 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ma)-210(kriegt)-209(so)-210(schwer)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.736 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-210(gutten)-209(Knecht.)-237(Kurg\344ste)]TJ -167.132 -13.549 Td [(kriegt)-210(ma)-210(zehnmal)-209(leichter)-210(wie)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.654 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-210(Knecht.)-236(Und)-210(a)-210(Ignaz,)-218(den)-210(kenn)]TJ -139.286 -13.549 Td [(ich)-365(vu)-366(Jugend)-365(uff,)-394(das)-366(is)-365(a)-365(ganzer)-366(Kerle.)-596(Der)-365(schofft)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.622 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s!)-596(Wos)]TJ -246.254 -13.55 Td [(sull)-265(ich)-265(machen,)-268(jetzt,)-269(wu)-265(die)-265(Ernte)-264(kummt?)-295(Ich)-265(kann)-265(doch)-264(nich)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-285(Ernte)-284(mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.826 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-285(Piesecke)-284(machen!)-354(Se)-284(sullten)-285(mal)-284(zusehn,)-294(Herr)]TJ -64.459 -13.549 Td [(Dukter,)-232(wenn)-227(der)-226(Piesecke)-227(Gras)-227(haut.)-243(Blu\337)-227(die)-227(Spitzen)-226(schneid)]TJ/F24 10.9091 Tf 273.965 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(t)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +838 0 obj << +/Type /Page +/Contents 839 0 R +/Resources 837 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +840 0 obj << +/D [838 0 R /XYZ 46.771 255.089 null] +>> endobj +837 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +843 0 obj << +/Length 5906 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(154)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(a)-230(ab,)-234(de)-230(Sense)-230(fuchtelt)-230(immer)-230(in)-230(der)-229(Luft)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.251 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rum.)-243(Oder)-230(sie)-230(bleibt)-230(in)]TJ -182.884 -13.549 Td [(eem)-250(Maulwurfhaufen)-250(stecken.)-250(Es)-250(ist)-250(j\344mmerlich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 215.105 0 Td [(\034)]TJ -203.149 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-504(lange)-503(wird)-504(denn)-504(Herr)-503(Piesecke)-504(hierbleiben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.053 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.338 0 Td [(fragte)]TJ -255.19 -13.549 Td [(Hanne.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-331(d\374rfte)-332(ich)-331(eigentlich)-331(nicht)-332(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.103 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-352(erwiderte)-331(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.266 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)]TJ -261.856 -13.549 Td [(ich)-250(glaube)-250(ein)-250(ganzes)-250(Jahr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.146 0 Td [(\034)]TJ -106.19 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-211(Gott)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.06 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-211(willen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.449 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.144 0 Td [(st\366hnte)-211(Barthel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.244 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(A)-211(Jahr)-211(lang!)-237(Da)-210(hat)-211(mir)]TJ -179.173 -13.549 Td [(der)-188(Kerl)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.428 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-188(ganzen)-189(Hof)-188(ruiniert.)-230(Was)-188(soll)-189(ooch)-188(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.048 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-188(Sargfabrikant)]TJ -213.742 -13.549 Td [(von)-250(der)-250(Bauernwirtschaft)-250(verstehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.138 0 Td [(\034)]TJ -146.182 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieso)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.6 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Sargfabrikant?)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -107.847 -15.087 Td [(Barthel)-250(l\344chelte)-250(\374berlegen.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([200])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eener)-196(vom)-196(Grundhofe)-197(kennt)-196(ihn.)-232(Piesecke)-196(is)-196(Sargfabrikant)-197(in)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Hannover)-256(und)-255(hee\337t)-256(eegentlich)-256(Robert)-255(Ebbing.)-267(Ich)-256(hab)-256(das)-255(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Sargfabrikanten)-205(gleich)-206(geglaubt;)-220(denn)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.273 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-205(sehr)-206(traurigen)-205(Eindruck)]TJ -170.906 -13.549 Td [(macht)-399(a)-398(doch.)-696(Aber)-399(ich)-399(hab)-398(mir)-399(gesagt,)-436(a)-399(mu\337)-398(doch)-399(da)-398(was)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-290(der)-290(Tischlerei)-290(verstehn.)-370(Da)-290(sollt)-290(a)-290(mir)-290(vorgestern)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.507 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-290(Kiste)]TJ -244.14 -13.549 Td [(zunageln.)-405(Das)-302(h\344tten)-302(Se)-302(sehn)-302(m\374ssen!)-405(Olle)-302(N\344gel)-302(krumm)-301(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-214(die)-214(Luft)-214(gekloppt.)-238(Das)-215(wee\337)-214(ich:)-232(in)-214(een)-214(Sarg,)-221(den)-214(der)-214(Piesecke)]TJ 0 -13.549 Td [(gemacht)-299(hat,)-312(leg)-299(ich)-299(mich)-299(amal)-299(nich!)-398(Eh)-299(da)-299(die)-299(S\344nger)-299(mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 266.088 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Es)]TJ -269.721 -13.549 Td [(ist)-345(bestimmt)-346(in)-345(Gottes)-345(Rat)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.118 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.4 0 Td [(fertig)-345(w\344ren,)-370(br\344ch)-345(der)-345(Boden)-346(und)]TJ -125.518 -13.549 Td [(ich)-250(l\344g)-250(drau\337en!)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.888 0 Td [(\034)]TJ -58.932 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-527(das)-472(alles)-471(glaub)-472(ich)-472(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.592 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-527(warf)-472(die)-471(blonde)-472(Hanne)]TJ -165.234 -13.549 Td [(lachend)-337(ein;)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.123 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Piesecke)-337(stammt)-337(aus)-338(einer)-337(besseren)-337(Familie;)-381(das)]TJ -62.966 -13.549 Td [(merkt)-250(man)-250(ihm)-250(schon)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.596 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -98.641 -15.087 Td [(Ich)-250(zuckte)-250(die)-250(Achseln.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(darf)-250(hier)-250(ein)-250(jeder)-250(vermuten,)-250(was)-250(er)-250(will.)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.465 0 Td [(\034)]TJ -196.309 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Meinetwegen)-366(mag)-367(er)-366(sein,)-396(was)-367(er)-366(Lust)-366(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.412 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-396(sagte)-366(Barthel)]TJ -215.055 -13.549 Td [(brummig;)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.764 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hauptsache,)-250(ich)-250(w\344r)-250(ihn)-250(los.)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.611 0 Td [(\034)]TJ -162.263 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geduld,)-250(Barthel,)-250(Geduld!)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.891 0 Td [(\034)]TJ -115.735 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geduld)-455(braucht)-455(ma)-454(m\344chtig)-455(viel)-455(mit)-455(den)-454(St\344dtern.)-865(Also)]TJ -16.799 -13.549 Td [(f\374nfundzwanzig)-409(St\374ck)-409(Kurg\344ste)-409(hab)-409(ich)-409(jetzt.)-727(Au\337er)-409(mit)-409(der)]TJ 0 -13.55 Td [(kleen)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-255(B\344rbel)-255(hab)-255(ich)-255(mit)-255(allen)-256(Schererei.)-265(Na,)-256(ich)-255(brumm)-255(nicht)]TJ -27.262 -13.549 Td [(etwa,)-346(Herr)-327(Dukter;)-365(f\374r)-327(die)-327(\304rgerei)-327(mit)-327(a)-327(St\344dtern)-327(bin)-327(ich)-327(ja)-326(da)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +842 0 obj << +/Type /Page +/Contents 843 0 R +/Resources 841 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 821 0 R +>> endobj +844 0 obj << +/D [842 0 R /XYZ 93.543 372.614 null] +>> endobj +841 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +847 0 obj << +/Length 6282 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(155)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-230(hab)-230(ich)-230(mein)-230(feines)-230(Auskumm)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.315 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(.)-243(Ich)-230(sag)-230(blo\337:)-230(\304rger)-230(machen)]TJ -154.948 -13.549 Td [(se)-250(alle.)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ -18.339 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Aber)-250(doch)-250(nicht)-250(ich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.978 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(Hanne.)]TJ/F24 10.9091 Tf -102.392 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-338(ooch)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.838 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-360(sagte)-338(Barthel)-339(melancholisch;)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.794 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(meine)-338(Alte)-338(is)-339(uff)]TJ -204.119 -13.55 Td [(Sie)-250(eifers\374chtig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.898 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 220.126 0 Td [([201])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Barthel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.749 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.592 -14.575 Td [(Dem)-250(M\344dchen)-250(blieb)-250(der)-250(h\374bsche)-250(Mund)-250(offenstehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-560(ja,)-561(ich)-498(hab)-498(ihr)-499(zwar)-498(gutt)-498(zugeredt)-499(und)-498(gesagt:)-747(Alte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schraube,)-654(es)-574(pa\337t)-573(sich)-574(nich,)-654(da\337)-573(du)-574(uff)-573(deine)-574(alten)-573(Tage)]TJ 0 -13.549 Td [(eifers\374chtig)-471(wirst.)-911(Aber)-471(se)-470(sagt,)-526(es)-470(pa\337t)-471(sich)-470(nich,)-526(da\337)-470(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(su)-250(oft)-250(mit)-250(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.095 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(plaudere,)-250(und)-250(ich)-250(t\344t)-250(Augen)-250(machen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.446 0 Td [(\034)]TJ -219.218 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(t\344ten)-250(Sie)-250(machen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.487 0 Td [(\034)]TJ -106.33 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Augen!)-466(Nu)-322(ja,)-340(ich)-322(kann)-322(doch)-322(nich)-322(als)-322(Blindekuh)-322(vor)-323(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 254.744 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ -275.176 -13.549 Td [(stehn!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.706 -14.574 Td [(Das)-250(M\344dchen)-250(machte)-250(ein)-250(erheuchelt)-250(ernstes)-250(Gesicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-245(Barthel,)-244(diese)-243(Augen)-243(lasse)-243(ich)-243(nicht)-244(auf)-243(mir)-243(sitzen.)-248(Ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werde)-250(Ihre)-250(Frau)-250(Gemahlin)-250(zur)-250(Rechenschaft)-250(ziehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 227.498 0 Td [(\034)]TJ -215.542 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-331(Gottes)-330(willen)-331(nich!)-492(Wenn)-330(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.532 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rumkummt,)-351(schrei)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.096 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-331(ja)]TJ -263.692 -13.549 Td [(die)-250(Leute)-250(Feuer!)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -60.143 -14.575 Td [(Da)-250(trat)-250(Frau)-250(Susanne)-250(Barthel)-250(aus)-250(der)-250(Haust\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hatt)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.401 0 Td [(ich)-346(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.253 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-345(nich)-346(geducht?)-536(Steht)-346(a)-345(nich)-346(schon)-346(wieder?)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.914 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(sagte)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(Frau)-250(Barthel)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(rief)-250(Eva,)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.742 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)-250(er)-250(macht)-250(Augen)-250(auf)-250(mich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.603 0 Td [(\034)]TJ -263.258 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nich)-343(wahr,)-367(Fr\344ulein)-343(Hanne,)-366(Sie)-343(haben)-343(ooch)-343(Ihren)-343(Spa\337)-344(an)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dem)-250(alten)-250(Esel?)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.076 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.121 -14.575 Td [(Das)-250(Weiblein)-250(fing)-250(an)-250(zu)-250(lachen,)-250(da\337)-250(ihr)-250(die)-250(Augen)-250(tr\344nten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also,)-282(wenn)-276(der)-276(Augen)-275(macht)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.741 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-282(schluchzte)-276(sie)-276(unter)-275(Lachen,)]TJ/F24 10.9091 Tf -150.384 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da)-250(kommt)-250(keen)-250(gestoch)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.32 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(nes)-250(Kalb)-250(dagegen)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.938 0 Td [(\034)]TJ -196.779 -14.575 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Weib)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-317(schrie)-304(Barthel)-304(erbost;)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.282 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(du)-304(bist)-303(eifers\374chtig.)-412(Du)-303(hast)]TJ -154.397 -13.549 Td [(keen)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.597 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(Grund)-250(dazu!)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 203.784 0 Td [([202])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.069 -14.574 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nee,)-360(nee)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.356 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-360(schlenkerte)-337(die)-338(dicke)-338(Susanne)-337(prustend)-338(mit)-338(den)]TJ -60.999 -13.55 Td [(H\344nden;)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.588 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(du)-305(kannst)-305(um)-305(de)-305(ganze)-305(Welt)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.245 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rum)-305(Augen)-305(machen,)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.445 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)]TJ -276.386 -13.549 Td [(f\344llt)-250(keener)-250(druff)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.636 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.596 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +846 0 obj << +/Type /Page +/Contents 847 0 R +/Resources 845 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +848 0 obj << +/D [846 0 R /XYZ 46.771 459.549 null] +>> endobj +849 0 obj << +/D [846 0 R /XYZ 46.771 107.673 null] +>> endobj +845 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +853 0 obj << +/Length 5392 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(156)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Und)-225(sie)-226(ging)-225(vergn\374gt)-226(ins)-225(Haus)-225(zur\374ck.)-242(Barthel)-226(stopfte)-225(ob)-225(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vernichtenden)-242(Urteils)-242(\374ber)-242(seine)-242(m\344nnliche)-242(Anziehungskraft)-242(die)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nde)-250(in)-250(die)-250(Hosentaschen)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-281(is)-282(eene)-281(Gemeinheit!)-344(Immer)-282(lacht)-281(se,)-289(schon)-282(wie)-281(se)-282(noch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meine)-250(Braut)-250(war,)-250(lacht)-250(se)-250(mich)-250(immer)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.938 0 Td [(\034)]TJ -174.982 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Seien)-379(Sie)-379(doch)-379(froh,)-411(Barthel,)-411(da\337)-379(Sie)-379(eine)-379(so)-379(lustige)-379(Frau)]TJ -16.799 -13.549 Td [(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.778 0 Td [(\034)]TJ -16.823 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nee,)-409(nee,)-409(Herr)-378(Dukter,)-409(olles)-377(mit)-378(Respekt)-377(gesagt,)-409(aber)-378(das)]TJ -16.799 -13.55 Td [(verstehen)-328(Se)-329(nich!)-485(Sie)-329(sind)-328(nicht)-328(verheirat)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.054 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(t.)-485(Sehn)-329(Se,)-348(wenn)-328(a)]TJ -194.687 -13.549 Td [(Weib)-341(schimpft,)-363(oder)-341(wenn)-340(se)-341(flennt,)-363(oder)-341(wenn)-340(se)-341(mit)-340(Tellern)]TJ 0 -13.549 Td [(schmei\337t,)-379(oder)-353(wenn)-352(sie)-353(furtlooft,)-379(k\366nn)]TJ/F24 10.9091 Tf 177.97 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-353(Se)-353(sich)-353(immer)-353(noch)]TJ -181.602 -13.549 Td [(Ihren)-250(Kopp)-250(ufsetzen;)-250(aber)-250(wenn)-250(se)-250(lacht,)-250(sind)-250(Se)-250(geliefert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 254.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -242.827 -14.251 Td [(Nach)-194(dieser)-193(Bemerkung)-194(hob)-194(der)-194(Philosoph)-193(aus)-194(dem)-194(Volke)-194(den)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Kopf)-342(und)-341(lachte)-342(selber.)-525(Und)-341(ich)-342(benutzte)-341(die)-342(Gelegenheit)-341(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bat)-257(Barthel,)-260(mir)-257(seine)-258(Meinung)-257(\374ber)-258(seine)-257(Kurg\344ste)-257(mitzuteilen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sowenig)-361(ich)-362(mich)-361(sonst)-362(um)-361(den)-362(Stand)-361(der)-362(von)-361(mir)-361(pers\366nlich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-230(behandelten)-230(Kurg\344ste)-231(k\374mmere)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.161 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.965 0 Td [(wer)-230(auf)-230(dem)-231(Forellenhof)]TJ -173.126 -13.55 Td [(lebt,)-497(wei\337)-448(ich.)-844(Ach,)-497(ich)-448(wollte)-448(es)-448(mir)-448(ja)-448(immer)-448(noch)-447(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zugestehn,)-370(aber)-346(ich)-346(glaube)-346(oft,)-370(da\337)-346(ich)-346(selbst)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.047 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Augen)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.083 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.619 0 Td [(auf)-346(die)]TJ -249.593 -13.549 Td [(sch\366ne)-308(Eva)-307(Bunkert)-308(mache,)-322(die)-307(hier)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.189 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.473 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.198 0 Td [(hei\337t.)-423(Und)-307(wenn)]TJ -205.704 -13.549 Td [(ich)-179(ehrlich)-179(sein)-179(will,)-193(ist)-178(das)-179(auch)-179(der)-179(Grund,)-193(warum)-179(ich)-179(gerade)-178(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Besucherliste)-172(des)-172(Forellenhofes)-172(kenne.)-224(Jetzt)-172(sagte)-172(ich)-172(gutgelaunt:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([203])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also,)-425(Barthel,)-424(schie\337en)-390(Sie)-389(mal)-390(los)-390(mit)-389(Ihrem)-390(\304rger)-390(\374ber)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unsere)-250(Kurg\344ste.)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.354 -14.251 Td [(Ich)-413(hatte)-413(mich)-413(inzwischen)-413(zu)-413(Hanne)-413(auf)-413(die)-413(Bank)-414(gesetzt,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Barthel)-640(hockte)-640(auf)-641(einem)-640(umgekehrten)-640(Kartoffelkorbe)-640(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen\374ber.)-250(Er)-250(machte)-250(sein)-250(philosophisches)-250(Gesicht)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\304rger)-384(kann)-384(man)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.811 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-384(eigentlich)-384(nich)-384(nennen,)-418(man)-384(mu\337)-383(mehr)]TJ -94.243 -13.549 Td [(sagen,)-697(keen)-607(richtigen)-607(Respekt)-608(nich.)-1321(Also,)-697(vom)-607(Piesecke)]TJ 0 -13.549 Td [(will)-577(ich)-577(nich)-577(reden,)-659(der)-577(\344rgert)-577(mich)-577(wirklich.)-1231(Das)-577(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.543 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)]TJ -275.175 -13.549 Td [(Huhn!)-1117(Wahrscheinlich)-540(hat)-539(a)-539(zuviel)-539(S\344rge)-539(gemacht,)-611(zuviel)]TJ 0 -13.549 Td [(Geld)-341(eingenummen,)-364(und)-341(da)-342(is)-341(es)-341(halt)-341(su)-342(geworden.)-523(Aber)-341(zum)]TJ 0 -13.55 Td [(Beispiel)-237(der)-237(Lempert.)-245(Also,)-240(in)-237(dessen)-236(Kurverordnung,)-240(die)-237(er)-236(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(als)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.607 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(m)-228(Hausherrn)-228(doch)-228(abgeben)-228(mu\337,)-228(steht:)-239(Aufstehn)-228(halb)-228(sechs.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +852 0 obj << +/Type /Page +/Contents 853 0 R +/Resources 851 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +854 0 obj << +/D [852 0 R /XYZ 93.543 228.458 null] +>> endobj +851 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +857 0 obj << +/Length 5630 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(157)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Um)-367(halb)-367(sechs)-367(geht)-366(der)-367(Ignaz)-367(wecken.)-601(Lempert)-367(brummt)-366(nich)]TJ 0 -13.549 Td [(amal.)-244(Um)-232(dreiviertel)-232(weckt)-231(Ignaz)-232(wieder.)-244(Lempert)-232(schreit:)-241(a)-231(sull)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-317(Schnauze)-317(halten!)-450(Um)-317(sechse)-317(geh)-317(ich)-317(selber)-317(und)-317(hau)-317(an)-316(die)]TJ 0 -13.549 Td [(T\374r.)-238(Lempert)-213(schmei\337t)-213(seine)-213(Stiefel)-213(dagegen)-214(und)-213(schreit,)-220(ich)-213(sull)]TJ 0 -13.55 Td [(mich)-231(zum)-231(Teufel)-231(scheren.)-243(Um)-231(viertel)-231(sieben)-231(trommeln)-231(wir)-230(beide)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-342(an)-341(die)-342(T\374r,)-365(da\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.449 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-342(ganze)-341(Haus)-342(wackelt,)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.917 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-342(r\374hrt)-341(sich)-342(nischt.)]TJ -197.632 -13.549 Td [(Um)-426(halb)-426(sieben)-426(droh)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.956 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-426(wir,)-470(die)-426(T\374r)-425(einzuhauen.)-778(Da)-426(kummt)]TJ -100.588 -13.549 Td [(Lempert)-366(hinter)-365(uns)-366(die)-366(Treppe)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.735 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rauf)-366(und)-365(fragt)-366(seelenvergn\374gt,)]TJ -145.368 -13.549 Td [(warum)-222(wir)-222(eigentlich)-222(vor)-222(seiner)-223(T\374r)-222(so)-222(eenen)-222(Skandal)-222(machen;)-231(a)]TJ 0 -13.55 Td [(w\344r)-251(doch)-251(schon)-250(lange)-251(munter.)-252(Is)-251(der)-251(Kerl)-251(heimlich)-250(uffgestanden)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-276(hat)-276(die)-276(T\374r)-276(von)-276(au\337en)-276(verschlossen.)-328(N\344chsten)-276(Tag)-275(dieselbe)]TJ 0 -13.549 Td [(Chose.)-398(Um)-300(halb)-299(sechs)-299(Ignaz)-300(\050Lempert)-299(brummt\051,)-312(um)-299(dreiviertel)]TJ 0 -13.549 Td [(sechs)-341(Ignaz)-341(\050Schnauze)-341(halten!\051,)-364(um)-341(sechs)-341(ich)-341(\050er)-340(schmei\337t)-341(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Stiefeln\051.)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.855 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Jetzt,)-212(Ignaz)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.269 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-212(sag)-203(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.176 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(is)-203(Schlu\337,)-203(jetzt)-203(steht)-203(er)-203(heimlich)]TJ/F16 7.9701 Tf 147.826 0 Td [([204])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(uff.)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.448 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.331 0 Td [(Um)-431(neune)-431(is)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.789 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-431(Bote)-431(vom)-430(Rathaus)-431(bei)-431(mir,)-476(warum)-430(der)]TJ -91.2 -13.549 Td [(Lempert)-406(nich)-407(zur)-406(Kur)-406(gekommen)-407(sei?)-719(Schl\344ft)-406(der)-406(Vagabund)]TJ 0 -13.549 Td [(noch!)-250(Da)-250(soll)-250(ma)-250(sich)-250(nich)-250(\344rgern!)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.917 -15.186 Td [(Lempert)-250(war)-250(ein)-250(Rechtsanwalt)-250(aus)-250(Leipzig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.185 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fahren)-264(Sie)-265(fort,)-267(Barthel.)-293(Schildern)-264(Sie)-265(mir)-264(noch)-264(einige)-265(Ihrer)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Kurg\344ste.)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\034)]TJ -30.153 -15.185 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-417(da)-384(ist)-384(der)-384(Emmerich,)-417(der)-384(komponiert)-384(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.662 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-384(ganzen)]TJ -240.094 -13.55 Td [(Hof)-287(voll.)-361(Auf)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.7 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-287(neubehobelten)-287(Kartoffelwagen)-287(hat)-287(a)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.395 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-287(ganzes)]TJ -242.361 -13.549 Td [(Brett)-284(vollkomponiert,)-293(er)-284(komponiert)-284(die)-284(Hausflurw\344nde)-284(voll,)-292(er)]TJ 0 -13.549 Td [(komponiert)-264(ans)-265(Butterfa\337,)-264(er)-264(komponiert)-265(auf)-264(die)-265(Tischt\374cher,)-267(er)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-188(sogar)-188(\050entschuldigen,)-200(Fr\344ulein)-188(Hanne!\051)-230(auf)-188(den)-187(Klosettdeckel)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-326(Rundgesang)-325(komponiert.)-477(So)-325(ein)-326(verr\374cktes)-325(Huhn)-326(is)-325(das!)]TJ 0 -13.55 Td [(Ich)-222(hab)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.108 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-222(gefragt,)-228(ob)-222(er)-222(Kapellmeister)-223(oder)-222(Kantor)-222(war,)-228(da)-222(hat)-222(er)]TJ -35.741 -13.549 Td [(gesagt:)-286(Nee,)-272(er)-268(w\344r)-268(Gesanglehrer)-268(in)-268(eener)-268(Taubstummenanstalt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Von)-418(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.916 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-418(Sch\374lern)-417(lie\337e)-418(er)-418(seine)-417(Kompositionen)-418(auff\374hren.)]TJ -44.549 -13.549 Td [(Das)-231(nennte)-230(sich)-231(primitive)-231(Kunst.)-244(Und)-230(gerade)-231(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.248 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-231(Schmierfinke)]TJ -213.88 -13.549 Td [(wie)-373(der)-374(Emmerich)-373(is)-373(der)-373(Maler)-374(Methusalem.)-620(Das)-373(is)-373(erst)-373(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Nummer!)-236(Der)-207(behauptet,)-216(er)-207(w\344re)-207(998)-207(Jahre)-207(alt.)-236(In)-207(zwei)-207(Jahren)-207(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(Pfingsten)-286(feiert)-286(a)-286(seinen)-286(tausendsten)-286(Geburtstag.)-358(Da)-286(will)-285(er)-286(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-282(einladen.)-348(Den)-282(n\344chsten)-283(Tag)-282(t\344t)-283(er)-282(dann)-282(sterben,)-291(da)-282(k\366nnten)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +856 0 obj << +/Type /Page +/Contents 857 0 R +/Resources 855 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +858 0 obj << +/D [856 0 R /XYZ 186.337 342.036 null] +>> endobj +855 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 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[(er)-256(gleich)-256(nach)]TJ -219.314 -13.55 Td [(seinem)-254(Tode)-254(sich)-254(immer)-254(wieder)-254(aus)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.229 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(m)-254(Grabe)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.679 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(rausbuddeln)-254(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -280.929 0 Td [([205])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(in)-313(anderer)-313(Gestalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.344 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-313(neues)-313(Leben)-313(beginnen)-313(m\374ssen,)-329(und)-313(es)-313(sei)]TJ -85.977 -13.549 Td [(immer)-335(sehr)-335(bergab)-335(gegangen)-335(mit)-335(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.541 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-335(diversen)-335(Leben,)-356(bis)-335(er)]TJ -172.173 -13.549 Td [(zuletzt)-359(h\344tte)-360(als)-359(deutscher)-360(Maler)-359(auf)-360(die)-359(Welt)-360(gemu\337t.)-578(Da)-359(sei)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-297(Ma\337)-296(seiner)-297(Bu\337e)-297(voll)-296(geworden,)-309(und)-296(er)-297(d\374rft)-297(jetzt)-296(definitiv)]TJ 0 -13.55 Td [(sterben.)-547(Also)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.609 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.261 0 Td [(was)-349(hat)-349(dieser)-349(Methusalem)-349(gemacht?)-546(Ich)-349(hab)]TJ -73.87 -13.549 Td [(ein)-429(neues)-428(Schaff)-429(gekauft.)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.683 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-429(erstemal)-428(kommt)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.47 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-429(in)-428(Gebrauch.)]TJ -213.418 -13.549 Td [(Schneewei\337es)-217(Buchenholz.)-239(Da)-217(sch\374ttet)-216(meine)-217(Frau)-217(R\374ben)-217(in)-216(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Schaff,)-296(pfeift)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.183 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-287(Methusalem)-286(und)-287(sagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.3 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Methusalem,)-296(stampfen)]TJ -180.749 -13.549 Td [(Se)-403(mal)-404(die)-403(R\374ben)-403(h\374bsch)-404(klein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.446 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.033 0 Td [(Was)-403(macht)-404(er?)-710(Er)-403(beguckt)]TJ -155.479 -13.55 Td [(sich)-382(das)-383(sch\366ne)-382(wei\337e)-382(Schaff,)-415(dreht)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.291 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-382(um,)-416(sch\374ttet)-382(die)-382(R\374ben)]TJ -166.924 -13.549 Td [(aufs)-377(Pflaster)-378(und)-377(malt)-377(auf)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.771 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-377(auswendigen)-378(Boden)-377(vom)-377(Schaff)]TJ -125.404 -13.549 Td [(meine)-395(Alte.)-686(Die)-395(is)-395(nu)-395(immer)-395(wieder)-395(hergelaufen)-395(gekommen,)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-313(gelacht)-313(und)-313(geschimpft)-313(auf)-313(den)-313(Methusalem,)-329(und)-313(er)-312(hat)-313(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-331(angeguckt)-332(und)-331(drauflos)-331(gestrichelt.)-494(Da)-331(is)-331(se)-331(ausger\374ckt)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-268(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.694 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-268(Schaff)-269(sich)-268(\374ber)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.457 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-268(Kopf)-269(gest\374lpt)-268(und)-268(immer)-269(hinter)-268(der)]TJ -116.417 -13.549 Td [(Susanne)-355(her.)-564(Und)-355(wo)-355(er)-355(sie)-355(erwischte,)-381(schnell)-355(ihr)-355(ins)-354(Gesicht)]TJ 0 -13.549 Td [(geguckt)-336(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.237 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-336(paar)-336(Striche)-337(gemacht.)-508(Und)-336(dann)-337(ging)-336(die)-336(Jagd)]TJ -61.87 -13.549 Td [(von)-353(neuem)-354(an.)-560(Das)-354(nennt)-353(sich)-354(nu)-353(landwirtschaftlicher)-353(Betrieb)]TJ 0 -13.549 Td [(bei)-250(uns!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.844 0 Td [(\034)]TJ -22.889 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hat)-250(denn)-250(der)-250(Methusalem)-250(die)-250(Zeichnung)-250(fertiggestellt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.167 0 Td [(\034)]TJ -246.011 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Freilich!)-866(F\374nf)-456(Tage)-455(lang)-456(is)-455(a)-456(mit)-455(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.281 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)-455(Schaff)-456(auf)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.797 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(m)]TJ -272.143 -13.55 Td [(Kopp)-286(hinter)-286(der)-286(Susanne)-286(wie)-286(wahnsinnig)-286(hergewest.)-358(Se)-285(is)-286(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(au\337er)-297(Atem)-296(gekommen)-297(und)-297(hat)-296(gesagt,)-309(a)-296(m\374\337t)-297(wirklich)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.132 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-297(sehr)]TJ -253.764 -13.549 Td [(schwerer)-488(Verbrecher)-488(sein.)-963(Aber)-488(das)-488(Bild)-488(is)-488(nu)-488(fertig.)-963(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sag)-364(Ihn)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.058 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n,)-393(su)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.141 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-364(alte)-365(Eule)-364(haben)-364(Se)-365(Ihrer)-364(Lebtage)-364(noch)-365(nicht)]TJ -66.465 -13.549 Td [(gesehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.866 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -110.622 0 Td [([206])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kann)-270(man)-271(das)-270(Bild)-270(nicht)-270(mal)-271(sehn?)-311(Sie)-270(haben)-270(dieses)-271(Schaff)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hoffentlich)-250(nicht)-250(wieder)-250(als)-250(Schaff)-250(benutzt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.56 0 Td [(\034)]TJ -178.605 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nee!)-627(Meine)-375(Alte)-376(hat)-375(das)-376(Bild)-375(abscheuern)-376(woll)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.407 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n,)-407(aber)-376(da)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +860 0 obj << +/Type /Page +/Contents 861 0 R +/Resources 859 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +862 0 obj << +/D [860 0 R /XYZ 357.81 463.978 null] +>> endobj +863 0 obj << +/D [860 0 R /XYZ 93.543 106.866 null] +>> endobj +859 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +866 0 obj << +/Length 5779 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(159)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(haben)-250(alle)-250(Kurg\344ste)-250(L\344rm)-250(gemacht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.411 0 Td [(\034)]TJ -143.455 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Zeichnung)-250(ist)-250(k\366stlich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.084 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(warf)-250(Eva)-250(ein.)]TJ/F24 10.9091 Tf -131.498 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-250(ist)-250(denn)-250(das)-250(Schaff?)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.036 0 Td [(\034)]TJ -110.879 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oben)-309(in)-308(seiner)-309(Stube)-309(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.817 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-309(der)-308(Methusalem)-309(eingeschlossen.)]TJ -130.249 -13.549 Td [(Aber)-250(ich)-250(hab)-250(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.677 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(zweiten)-250(Schl\374ssel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.778 0 Td [(\034)]TJ -150.131 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Holen)-250(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.331 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(mal!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.967 0 Td [(\034)]TJ -78.774 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-288(mich)-288(die)-289(Susanne)-288(erwischt,)-298(kommt)-288(sie)-288(gleich)-288(mit)-289(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Schmierseife)-250(und)-250(der)-250(Scheuerb\374rste)-250(hinter)-250(mir)-250(hergesaust.)]TJ/F24 10.9091 Tf 254.793 0 Td [(\034)]TJ -242.837 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Holen)-250(Sie)-250(es.)-250(Wir)-250(stehen)-250(Posten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -147.556 -13.857 Td [(Ich)-1085(wu\337te,)-1293(da\337)-1084(dieser)-1085(Methusalem)-1085(ein)-1084(bekannter)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ausgezeichneter)-368(Karikaturist)-368(war.)-605(Als)-368(Barthel)-368(mit)-368(dem)-368(Schaff)]TJ 0 -13.549 Td [(ankam)-274(und)-273(ich)-274(die)-274(Zeichnung)-273(sah,)-280(war)-274(ich)-273(entz\374ckt.)-321(Ich)-274(sah)-273(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Meisterwerk!)-609(Diese)-370(ganze)-370(pfiffige,)-400(durchtriebene,)-399(lachlustige,)]TJ 0 -13.549 Td [(dicke)-358(Susanne)-358(lebte,)-385(atmete,)-385(schimpfte,)-385(lachte,)-385(kommandierte,)]TJ 0 -13.549 Td [(pfiff)-250(auf)-250(der)-250(Zeichnung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(herrlich)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.6 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(rief)-250(ich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.414 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-250(ist)-250(zum)-250(K\374ssen)-250(sch\366n!)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.29 0 Td [(\034)]TJ -227.835 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Weib!)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.402 0 Td [(schrie)-235(da)-234(Barthel)-235(begeistert,)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.875 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Weib,)-238(komm)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.39 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(raus,)-238(der)]TJ -243.205 -13.549 Td [(Doktor)-250(will)-250(dir)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.182 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(Ku\337)-250(geben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.472 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.331 -13.856 Td [(Susanne)-159(kam)-160(heraus,)-177(sah)-160(das)-159(Schaff,)-178(kreischte,)-177(versuchte)-159(einen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wilden)-159(Angriff)-159(auf)-159(ihr)-159(Bildnis)-159(und)-158(erstarrte,)-178(als)-159(ich)-158(ihr)-159(sagte,)-177(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(Herr)-191(Stefenson)-190(die)-191(Zeichnung)-191(s\344he,)-202(w\374rde)-191(er)-191(wahrscheinlich)-190(ein-)]TJ 0 -13.549 Td [(oder)-250(zweitausend)-250(Mark)-250(daf\374r)-250(zahlen.)]TJ 11.956 -13.856 Td [(Die)-250(erbla\337te)-250(Susanne)-250(rief:)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([207])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-299(kann)-299(doch)-299(keene)-299(so)-299(scheu\337liche)-299(alte)-299(Schachtel)-299(sein)-299(wie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(die)-250(da!)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.989 0 Td [(\034)]TJ -18.033 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-721(ist)-720(keine)-721(scheu\337liche)-720(alte)-721(Schachtel)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.874 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-838(sagte)-721(Eva)]TJ -221.516 -13.549 Td [(freundlich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.597 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(das)-250(ist)-250(eine)-250(sehr)-250(liebe,)-250(lustige)-250(Muttel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.32 0 Td [(\034)]TJ -206.805 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Siehste,)-260(Alte)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.865 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-260(h\366hnte)-258(Barthel,)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.751 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)-258(du)-258(um)-258(die)-258(ganze)-258(Welt)]TJ -158.102 -13.549 Td [(reistest,)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.115 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-222(k\366nnte)-222(dich)-222(keen)-222(Maler)-222(sch\366ner)-222(uffmalen,)-227(als)-222(du)-222(eben)]TJ -39.748 -13.549 Td [(bist.)-318(Aber)-273(ich)-273(bin)-273(nich)-273(eifers\374chtig,)-278(wenn)-273(ooch)-273(der)-272(Methusalem)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374nf)-250(Tage)-250(hinter)-250(dir)-250(hergerast)-250(is)-250(wie)-250(verr\374ckt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -186.776 -13.856 Td [(Mit)-494(dieser)-495(rachs\374chtigen)-494(Bemerkung)-494(schlug)-494(Barthel)-495(seine)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Gattin)-250(aus)-250(dem)-250(Felde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Holdrioho)-250(hoho!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.025 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(jodelte)-250(einer)-250(drau\337en)-250(vor)-250(dem)-250(Tore.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +865 0 obj << +/Type /Page +/Contents 866 0 R +/Resources 864 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +867 0 obj << +/D [865 0 R /XYZ 46.771 216.576 null] +>> endobj +864 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +870 0 obj << +/Length 5410 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(160)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-288(Himmels)-289(willen)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.933 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-298(rief)-288(Barthel,)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.362 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(das)-288(is)-289(der)-288(Methusalem.)]TJ -178.78 -13.549 Td [(Wenn)-520(der)-521(sp\374rt,)-588(da\337)-520(ich)-520(in)-521(seiner)-520(Stube)-521(gewest)-520(bin!)-1061(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(tausendj\344hrige)-250(Kerl)-250(hat)-250(Kr\344fte)-250(wie)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.589 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(B\344r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.928 -13.959 Td [(Und)-305(Barthel)-305(nahm)-305(das)-305(Schaff)-305(auf)-305(den)-305(Kopf)-305(und)-305(verschwand)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eilends)-250(im)-250(Hause.)]TJ 11.956 -13.958 Td [(Eva-Hanne)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-331(hab)-331(immer)-331(gern)-330(in)-331(meinem)-331(Leben)-331(gelacht,)-351(aber)-331(so)-331(viel)]TJ -16.799 -13.55 Td [(wie)-250(in)-250(den)-250(drei)-250(Wochen,)-250(da)-250(ich)-250(hier)-250(bin,)-250(noch)-250(nie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 217.833 0 Td [(\034)]TJ -205.877 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lachen)-250(ist)-250(gesund.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.502 0 Td [(\034)]TJ -86.346 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ganz)-230(gewi\337.)-230(Ich)-229(sehe,)-234(wie)-230(alle)-230(um)-229(mich)-230(her)-230(t\344glich)-230(ges\374nder)]TJ -16.799 -13.55 Td [(und)-400(heiterer)-400(werden.)-699(Heiter)-400(kann)-400(man)-400(es)-400(zwar)-400(nicht)-399(nennen,)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-250(ausgelassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.375 0 Td [(\034)]TJ -67.42 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-860(sehen)-738(Sie,)-860(Eva,)-860(die)-738(Ausgelassenheit)-738(ist)-738(nur)-739(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ansteigender)-494(Talweg)-494(zu)-494(dem)-494(Berge)-494(der)-494(Gesundheit)-494(und)-494(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\374ckes,)-535(die)-477(Heiterkeit)-478(ist)-477(der)-478(letzte,)-534(klare)-478(Gipfel.)-933(Zu)-477(ihm)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([208])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(gelangen)-277(wir)-277(sp\344t,)-284(erst,)-283(wenn)-277(wir)-277(lange)-277(und)-277(m\374hevoll)-277(gestiegen)]TJ 0 -13.549 Td [(sind,)-360(erst,)-359(wenn)-338(es)-338(still)-338(und)-338(einsam)-337(um)-338(uns)-338(geworden)-338(ist,)-359(erst,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-277(unsere)-277(Augen)-278(weithin)-277(sehen)-277(k\366nnen,)-284(\374ber)-277(alle)-277(Tiefen,)-284(die)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-250(uns,)-250(und)-250(alle)-250(H\366hen,)-250(die)-250(\374ber)-250(uns)-250(waren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.291 0 Td [(\034)]TJ -191.336 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sind)-250(Sie)-250(selbst)-250(schon)-250(auf)-250(der)-250(H\366he?)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.949 0 Td [(\034)]TJ -161.793 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-374(gewi\337)-374(nicht.)-623(Ich)-375(bin)-374(nichts)-374(als)-375(ein)-374(Wegzeiger,)-405(der)-375(im)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Tale)-250(steht,)-250(die)-250(Hand)-250(ausstreckt)-250(und)-250(sagt:)-250(Da)-250(geht)-250(es)-250(hinauf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 259.647 0 Td [(\034)]TJ -247.692 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vielleicht)-242(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.97 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-242(gut)-241(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.156 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-243(meinte)-242(Eva)-242(nachdenklich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.178 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)-242(Sie)]TJ -240.423 -13.55 Td [(selbst)-178(schon)-178(oben)-178(st\344nden,)-192(k\366nnten)-178(Sie)-178(nichts)-178(anderes)-178(als)-178(winken.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-233(da)-234(w\374rde)-233(sich)-233(mancher)-234(sagen:)-241(was)-234(will)-233(der)-233(winkende)-233(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-236(dem)-236(steilen)-236(Gipfel;)-241(er)-236(ist)-237(wohl)-236(in)-236(Not)-236(und)-236(f\374rchtet)-236(sich)-236(allein)]TJ 0 -13.549 Td [(dort)-250(oben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.353 0 Td [(\034)]TJ -34.398 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(finde,)-250(Fr\344ulein)-250(Eva,)-250(da\337)-250(wir)-250(uns)-250(gut)-250(verstehn!)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -221.771 -13.959 Td [(Ich)-500(sah)-499(ihr)-499(hei\337)-500(in)-499(die)-500(Augen.)-998(Ihr)-500(Blick)-499(begegnete)-500(mir)]TJ -11.955 -13.549 Td [(freundlich,)-387(aber)-359(k\374hl.)-578(Dann)-360(senkte)-359(sie)-360(das)-359(Haupt)-360(und)-359(sah)-359(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-360(hin.)-578(Der)-360(lange)-359(Ignaz)-360(schlurfte)-360(vorbei.)-578(Er)-360(brummte)-359(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gru\337)-250(und)-250(r\374ckte)-250(kaum)-250(am)-250(Hut.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-449(unfreundlicher)-449(Mensch)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.704 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-498(sagte)-449(ich,)-499(nur)-448(um)-449(etwas)-449(zu)]TJ -145.347 -13.549 Td [(reden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.684 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(er)-250(nur)-250(nicht)-250(mal)-250(Unheil)-250(anrichtet!)]TJ/F24 10.9091 Tf 175.113 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +869 0 obj << +/Type /Page +/Contents 870 0 R +/Resources 868 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 850 0 R +>> endobj +871 0 obj << +/D [869 0 R /XYZ 357.199 326.032 null] +>> endobj +868 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +874 0 obj << +/Length 5653 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(161)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-464(Bauer)-464(braucht)-465(ihn.)-892(Aber)-465(er)-464(ist)-464(mir)-464(auch)-465(manchmal)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unheimlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.819 0 Td [(\034)]TJ -39.863 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Holdrioho)-378(hoho!)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.423 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.969 0 Td [(jodelte)-378(es)-378(nun)-378(dicht)-379(vor)-378(dem)-378(Tore.)-634(Ein)]TJ -100.191 -13.549 Td [(starker)-383(Kerl)-382(erschien,)-416(der)-383(brachte)-382(eine)-383(dicke)-383(Weibsperson)-382(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-250(Schiebkarren)-250(gefahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-220(ist)-220(Methusalem)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.004 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-226(belehrte)-220(mich)-220(Eva;)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.448 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(er)-220(bringt)-220(die)-219(dicke)]TJ -201.938 -13.549 Td [(Cenzi)-250(vom)-250(Felde)-250(heim.)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.815 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 189.209 0 Td [([209])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.25 Td [(Cenzi)-563(war)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.092 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.6 0 Td [(wie)-563(ich)-563(wu\337te)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.179 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.599 0 Td [(die)-563(Gattin)-563(eines)-564(Berliner)]TJ -163.426 -13.55 Td [(Bankiers.)-643(In)-381(ihrem)-381(Dirndlkost\374m)-381(sah)-381(sie)-381(ein)-381(wenig)-381(schnurrig)]TJ 0 -13.549 Td [(aus.)-1327(Methusalem)-609(fuhr)-609(seine)-609(holde)-609(Last)-609(bis)-609(in)-609(die)-608(Mitte)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-427(Hofes,)-472(kommandierte)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.805 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Alles)-427(aussteigen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.769 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.503 0 Td [(und)-427(kippte)-427(den)]TJ -211.921 -13.549 Td [(Schubkarren)-268(um.)-305(Cenzi)-268(quiekte,)-273(\374berkugelte)-268(sich)-269(zweimal,)-272(kam)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-311(jauchzend)-311(auf)-311(uns)-311(zu)-311(in)-311(einer)-311(merkw\374rdigen)-311(Gangart,)-326(die)]TJ 0 -13.55 Td [(etwa)-443(so)-443(aussah,)-491(wie)-443(wenn)-443(eine)-443(Ente)-443(den)-443(Trippelschritt)-443(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(Taube)-250(versucht,)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Denken)-418(Sie,)-460(der)-418(schlechte)-418(Mensch;)-502(auf)-418(dem)-418(Schubkarren)]TJ -16.799 -13.549 Td [(f\344hrt)-365(er)-365(mich,)-394(aber)-365(zeichnen)-365(mag)-365(er)-365(mich)-365(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 217.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.827 0 Td [(Methusalem)]TJ -226.696 -13.55 Td [(schnitt)-368(ein)-367(Gesicht)-368(hinter)-368(ihr,)-397(das)-367(deutlich)-368(ausdr\374ckte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.725 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lohnt)]TJ -254.568 -13.549 Td [(nicht)-251(den)-251(Fa\337boden!)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.7 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.579 0 Td [(Dann)-251(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.77 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-251(bin)-250(kein)-251(Zeichner;)-251(ich)]TJ -167.893 -13.549 Td [(bin)-362(ein)-362(Feldarbeiter.)-586(Und)-362(das)-362(Schubkarrenfahren)-362(ist)-361(wichtiger)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-481(Sie,)-539(Cenzi,)-538(als)-481(das)-481(Geportr\344tiertwerden.)-943(Sie)-481(haben)-480(drei)]TJ 0 -13.549 Td [(Heukappen)-263(auf)-264(einen)-263(Platz)-263(zusammengetragen)-264(und)-263(waren)-263(daher)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-286(Recht)-286(so)-286(ersch\366pft,)-295(da\337)-286(Sie)-286(per)-286(Achse)-286(nach)-286(Hause)-286(gebracht)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-250(mu\337ten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.288 0 Td [(\034)]TJ -58.332 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-371(ist)-370(\374ber)-371(so)-370(viele)-371(Steine)-370(hinweggefahren)]TJ/F24 10.9091 Tf 192.701 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-401(klagte)-370(Cenzi;)]TJ/F24 10.9091 Tf -214.344 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-250(bin)-250(buchst\344blich)-250(wie)-250(ger\344dert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.545 0 Td [(\034)]TJ -140.433 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-184(wird)-185(besser)-184(werden,)-197(Cenzi)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-197(tr\366stete)-185(Methusalem,)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.823 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)]TJ -257.001 -13.549 Td [(unser)-390(Vater)-390(Barthel)-389(erst)-390(einen)-390(Schubkarren)-390(mit)-390(Federung)-389(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Gummirad)-451(angeschafft)-450(hat.)-852(Es)-451(ist)-450(ein)-451(Skandal,)-500(da\337)-451(er)-450(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(keinen)-250(solchen)-250(besitzt.)-250(Er)-250(ist)-250(ein)-250(r\374ckst\344ndiger)-250(Landwirt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.749 0 Td [(\034)]TJ -236.793 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh,)-674(Sie)-589(Sp\366tter!)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.925 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.27 0 Td [(fl\366tete)-589(Cenzi;)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.057 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(aber)-589(passen)-589(Sie)-589(auf,)]TJ -182.895 -13.549 Td [(morgen)-516(habe)-517(ich)-516(wieder)-516(drei)-516(Pfund)-517(abgenommen.)-1048(Denken)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie,)-219(Herr)-212(Doktor,)-219(neun)-211(Pfund)-212(habe)-211(ich)-212(bei)-211(Ihnen)-212(in)-211(zwei)-211(Wochen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([210])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(abgenommen,)-250(und)-250(das)-250(ohne)-250(jede)-250(Medizin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.516 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +873 0 obj << +/Type /Page +/Contents 874 0 R +/Resources 872 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +875 0 obj << +/D [873 0 R /XYZ 46.771 435.335 null] +>> endobj +872 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +879 0 obj << +/Length 5682 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(162)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Sie)-365(setzte)-366(sich)-365(zu)-366(mir)-365(und)-366(wollte)-365(mich)-366(in)-365(den)-366(Zauber)-365(eines)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gespr\344chs)-337(\374ber)-337(ihren)-337(Gesundheitszustand)-336(verwickeln;)-381(ich)-336(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte,)-173(sie)-155(m\366ge)-154(das)-154(alles)-154(ihrem)-155(Arzt)-154(in)-154(der)-154(Sprechstunde)-154(mitteilen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Da)-250(war)-250(sie)-250(denn)-250(auch)-250(zufrieden.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Ein)-416(Hilfsbrieftr\344ger)-417(erschien.)-748(Er)-417(\374bergab)-416(Eva)-416(einen)-416(Brief.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Den)-445(Brief)-445(hatte)-445(die)-445(Reichspost)-445(mit)-445(der)-445(richtigen)-445(Adresse)-445(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Rathaus)-211(abgegeben.)-237(Dort)-211(war)-211(der)-211(Brief)-211(in)-211(einen)-211(neuen)-211(Umschlag)]TJ 0 -13.55 Td [(gesteckt)-331(und)-332(mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.506 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.086 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.068 0 Td [(Forellenhof)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.902 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.457 0 Td [(adressiert)-331(worden.)-494(So)]TJ -182.863 -13.549 Td [(hatte)-376(ihn)-376(der)-376(Hilfsbrieftr\344ger)-376(\374berbracht.)-628(Er)-376(blieb)-376(nach)-375(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Amtshandlung)-250(wartend)-250(stehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nanu,)-246(Brieftr\344ger)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.899 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-246(sagte)-245(Methusalem,)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.849 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-245(warten)-245(wohl)-245(auf)]TJ/F24 10.9091 Tf -193.235 -13.55 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-229(Trinkgeld?)-244(Sie)-229(wissen)-230(doch,)-233(da\337)-230(wir)-229(alle)-229(in)-230(diesen)-229(gesegneten)]TJ -3.633 -13.549 Td [(Landen)-250(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.989 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(roten)-250(Heller)-250(in)-250(der)-250(Tasche)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.589 0 Td [(\034)]TJ -205.256 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Eine)-250(Zigarre)-250(m\366cht)-250(ich)-250(gern)]TJ/F24 10.9091 Tf 123 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(der)-250(Brieftr\344ger.)]TJ/F24 10.9091 Tf -132.688 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gibt)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.396 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-487(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.372 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-546(schimpfte)-487(Barthel)-486(aus)-487(der)-487(Haust\374r)-487(heraus.)]TJ/F24 10.9091 Tf -76.044 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Drei)-285(St\374ck)-284(sull)-285(a)-284(blo\337)-285(am)-284(Tage)-285(roochen,)-293(und)-285(die)-284(kriegt)-285(a)-284(ooch)]TJ -4.844 -13.549 Td [(t\344glich)-299(geliefert.)-397(Nu)-299(is)-299(a)-299(extra)-299(Brieftr\344ger)-298(geworden,)-312(da\337)-299(a)-298(in)-299(a)]TJ 0 -13.549 Td [(H\366fen)-250(um)-250(Tabak)-250(rumschnorr)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.938 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(kann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.116 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -150.732 -13.996 Td [(Der)-599(Brieftr\344ger)-598(\050er)-599(war)-598(im)-599(Zivilleben)-598(Fabrikbesitzer)-599(im)]TJ -11.955 -13.549 Td [(westf\344lischen)-239(Industriebezirk\051)-238(machte)-239(einen)-238(niedergeschlagenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Eindruck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Drei)-325(St\374ck)-326(so)-325(leichte)-325(Zigarrchen)-326(ist)-325(ja)-326(nichts)-325(f\374r)-325(einen,)-345(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ein)-250(starker)-250(Raucher)-250(gewesen)-250(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.142 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(sagte)-250(er.)]TJ/F16 7.9701 Tf -215.741 0 Td [([211])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-424(drei)-425(Dingerchen)-424(hole)-425(ich)-424(mir)-425(fr\374h)-424(um)-425(sieben)-424(ab)-425(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(verrauch)-332(sie)-331(alle)-332(drei)-332(nach)-332(dem)-331(Fr\374hst\374ck.)-495(Und)-332(dann)-332(habe)-331(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(ganzen)-250(Tag)-250(nichts.)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.582 0 Td [(\034)]TJ -88.627 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Tr\366sten)-259(Sie)-259(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.497 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-261(sagte)-259(Barthel)-260(grob,)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.342 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(vielleicht)-259(werden)-259(Sie)]TJ -188.326 -13.549 Td [(ooch)-250(noch)-250(gescheidt)-250(um)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.469 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(Kopp!)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.054 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.201 -13.995 Td [(Nur)-342(die)-342(dicke)-342(Cenzi)-342(war)-342(mitleidig.)-526(Sie)-342(hatte)-342(sich)-343(eben)-342(eine)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Zigarette)-250(angesteckt)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Brieftr\344ger,)-447(ich)-408(krieg)-407(blo\337)-408(zwei)-407(St\374ck)-408(am)-407(Tag.)-723(Aber)-408(Sie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(d\374rfen)-250(einmal)-250(dran)-250(ziehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -104.98 -13.996 Td [(Sie)-324(steckte)-325(dem)-324(Brieftr\344ger)-325(ihre)-324(Zigarette)-325(in)-324(den)-325(Mund,)-343(und)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-179(sog)-179(sich)-179(gierig)-178(daran)-179(fest,)-193(blies)-179(den)-179(Rauch)-179(durch)-179(die)-178(Nase,)-193(sog)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +878 0 obj << +/Type /Page +/Contents 879 0 R +/Resources 877 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +880 0 obj << +/D [878 0 R /XYZ 93.543 215.037 null] +>> endobj +877 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +883 0 obj << +/Length 5079 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(163)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(so)-226(fest,)-231(da\337)-225(er)-226(binnen)-226(Sekunden)-226(die)-226(ganze)-226(Zigarette)-225(aufgefressen)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tte,)-250(wenn)-250(Cenzi)-250(sie)-250(ihm)-250(nicht)-250(entrissen)-250(h\344tte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Den)-250(la\337)-250(ich)-250(nie)-250(wieder)-250(ziehen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(sie)-250(emp\366rt.)]TJ -146.007 -13.927 Td [(Eva)-282(hielt)-281(ihren)-282(Brief)-281(in)-282(der)-281(Hand.)-345(Sie)-282(war)-281(ein)-282(wenig)-281(unruhig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geworden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(ist)-250(von)-250(meinem)-250(Vater)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(sie)-250(leise)-250(zu)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf -116.945 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Begleiten)-250(Sie)-250(mich)-250(bis)-250(zum)-250(Tor!)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.113 0 Td [(\034)]TJ -146.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.608 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-215(fuhr)-206(sie)-206(fort,)-215(w\344hrend)-206(wir)-206(langsam)-206(gingen)-206(und)-206(sie)-206(sich)]TJ -42.25 -13.549 Td [(auf)-200(mich)-200(st\374tzte,)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.611 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(hat)-200(er)-200(meinen)-200(Aufenthaltsort)-200(erfahren.)-233(Ich)-200(mag)]TJ -78.455 -13.549 Td [(den)-311(Brief)-311(jetzt)-311(nicht)-311(lesen.)-432(Ich)-311(wei\337,)-311(da\337)-311(er)-311(nichts)-310(Erfreuliches)]TJ 0 -13.549 Td [(enth\344lt,)-250(und)-250(ich)-250(will)-250(mir)-250(den)-250(sch\366nen)-250(Abend)-250(nicht)-250(verderben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 267.534 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -255.578 -13.927 Td [(So)-299(war)-298(der)-299(alte)-299(Streit)-299(zwischen)-298(Waltersburg)-299(und)-299(Neustadt)-298(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einer)-343(ganz)-342(neuen)-343(Form)-343(wieder)-342(ausgebrochen.)-528(Die)-343(Tochter)-342(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Konkurrenten)-356(war)-356(bei)-356(uns)-356(zur)-357(Kur,)-382(und)-356(der)-356(Vater)-356(protestierte.)]TJ 0 -13.55 Td [(Anders)-250(konnte)-250(es)-250(nicht)-250(sein.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([212])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-343(w\344re)-343(sehr,)-367(sehr)-343(schade,)-367(wenn)-343(Sie)-343(unser)-343(Heim)-344(verlassen)]TJ -16.799 -13.55 Td [(m\374\337ten)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.728 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-528(sagte)-473(ich)-473(und)-473(f\374hlte,)-528(da\337)-473(eine)-472(hei\337e)-473(Angst)-473(in)-472(mir)]TJ -37.571 -13.549 Td [(aufstieg.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(Sie)-250(sah)-250(finster)-250(zu)-250(Boden.)]TJ 0 -13.927 Td [(Dann)-250(ri\337)-250(sie)-250(den)-250(Brief)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(will)-250(nicht)-250(feig)-250(sein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.804 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -106.647 -13.927 Td [(Sie)-250(las)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.516 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(las)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.847 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(staunte.)-250(Dann)-250(reichte)-250(sie)-250(mir)-250(den)-250(Brief.)]TJ/F24 10.9091 Tf -62.727 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh!)-250(Das)-250(h\344tte)-250(ich)-250(nicht)-250(gedacht!)-250(Lesen)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.56 0 Td [(\034)]TJ -195.403 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Liebes)-639(Kind!)-1419(Es)-639(ist)-639(ja)-640(nicht)-639(nett)-639(von)-640(Dir,)-737(da\337)-639(Du)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hinter)-358(meinem)-358(R\374cken)-358(ins)-358(Lager)-358(unseres)-358(sogenannten)-358(Feindes)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergegangen)-653(bist.)-1461(Aber)-653(die)-654(Sache)-653(kann)-654(sich)-653(noch)-653(gut)]TJ 0 -13.55 Td [(zurechtschieben.)-253(Die)-251(Neust\344dter,)-252(deren)-251(ganzer)-251(Sache)-251(ich)-251(auf)-251(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Beine)-305(geholfen)-305(habe,)-318(machen)-305(mir)-305(schon)-305(seit)-305(langem)-305(das)-304(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(sauer)-159(und)-158(m\366chten)-159(mich)-158(nach)-159(und)-158(nach)-159(\374brig)-158(machen.)-220(Nun)-158(erhielt)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-174(gestern)-174(von)-174(Mister)-175(Stefenson)-174(aus)-174(Amerika)-174(einen)-174(Brief,)-189(in)-174(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-282(mich)-282(anfragt,)-290(ob)-283(ich)-282(geneigt)-282(sei,)-290(den)-282(Bau)-282(der)-282(noch)-282(fehlenden)]TJ 0 -13.55 Td [(zwanzig)-367(H\366fe)-366(in)-367(der)-366(Waltersburger)-366(Kuranstalt)-367(zu)-366(\374bernehmen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-199(auch)-199(fernerhin)-199(die)-199(baulichen)-199(Unternehmungen)-199(dort)-199(zu)-198(leiten.)]TJ 0 -13.549 Td [(In)-329(diesem)-329(Falle)-328(m\366ge)-329(ich)-329(mit)-329(der)-328(Waltersburger)-329(Direktion,)-348(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +882 0 obj << +/Type /Page +/Contents 883 0 R +/Resources 881 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +884 0 obj << +/D [882 0 R /XYZ 46.771 326.122 null] +>> endobj +881 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +887 0 obj << +/Length 4974 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(164)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(verst\344ndigt)-416(sei,)-458(in)-416(Verbindung)-416(treten.)-748(Ich)-416(bin)-416(nach)-416(Lage)-416(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Verh\344ltnisse)-344(gar)-344(nicht)-343(abgeneigt,)-368(der)-343(Sache)-344(n\344herzutreten,)-367(und)]TJ 0 -13.549 Td [(freue)-248(mich)-248(jetzt,)-249(da\337)-248(Du)-248(bereits)-248(Dein)-248(Interesse)-248(f\374r)-248(das)-248(jedenfalls)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-263(aussichtsreiche)-263(Waltersburger)-263(Unternehmen)-263(bekundet)-262(hast.)]TJ 0 -13.55 Td [(In)-250(den)-250(n\344chsten)-250(Tagen)-250(werden)-250(wir)-250(uns)-250(sehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -186.775 -16.459 Td [(Ich)-250(gab)-250(Eva)-250(den)-250(Brief)-250(zur\374ck.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([213])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-324(werden)-325(nicht)-324(glauben,)-343(da\337)-325(ich)-324(eine)-325(Ahnung)-324(von)-325(diesen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gesch\344ftlichen)-250(Dingen)-250(gehabt)-250(habe)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.989 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(sie)-250(\344ngstlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -145.877 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gewi\337)-250(nicht;)-250(ich)-250(habe)-250(selbst)-250(auch)-250(davon)-250(nichts)-250(gewu\337t.)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.694 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -247.537 -16.459 Td [(Ihre)-250(Stirn)-250(war)-250(finster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-295(ist)-295(schwer)-295(f\374r)-294(mich,)-307(das)-294(zu)-295(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.914 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.671 0 Td [(aber)-295(Sie)-295(sollen)-295(mich)]TJ -190.384 -13.549 Td [(nicht)-338(falsch)-339(beurteilen;)-382(es)-339(gef\344llt)-338(mir)-338(nicht)-339(von)-338(meinem)-338(Vater,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-266(er)-266(von)-266(den)-266(Neust\344dtern)-266(zu)-266(den)-266(Waltersburgern)-266(\374bergeht.)-298(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(h\344tte)-250(dr\374ben)-250(Stange)-250(halten)-250(m\374ssen)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.222 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(jetzt)-250(erst)-250(recht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 65.432 0 Td [(\034)]TJ -215.88 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Braves,)-259(liebes)-257(M\344del!)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.608 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.649 0 Td [(dachte)-257(ich;)-261(doch)-257(ich)-257(sagte,)-259(um)-257(sie)-257(zu)]TJ -120.056 -13.549 Td [(beruhigen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(ja)-250(auch)-250(zu)-250(uns)-250(gekommen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.527 0 Td [(\034)]TJ -159.37 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-374(ist)-374(etwas)-375(anderes.)-622(Ich)-374(bin)-375(nicht)-374(Eva)-374(Bunkert,)-405(ich)-375(bin)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Hanne)-445(vom)-446(Forellenhof.)-835(Ich)-446(schade)-445(den)-445(Neust\344dtern)-445(nichts.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-250(mein)-250(Vater)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.037 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(der)-250(Gr\374nder)-250(von)-250(allem!)-250(Wenn)-250(der)-250(\374bertritt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.644 0 Td [(\034)]TJ -261.906 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fr\344ulein)-255(Eva,)-256(Ihr)-255(Vater)-255(ist)-254(wohl)-255(l\344ngst)-255(da)-255(dr\374ben)-255(nicht)-255(mehr)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ganz)-350(mit)-349(dem)-350(Herzen)-349(dabei.)-549(Seine)-350(urspr\374nglichen)-349(Waldheime)]TJ 0 -13.55 Td [(sind)-505(dem)-506(\366den)-505(Hotelbetrieb)-506(gewichen.)-1016(Ich)-506(glaube,)-569(er)-505(mag)]TJ 0 -13.549 Td [(darunter)-339(gelitten)-338(haben.)-516(Kaltherziger)-339(Gesch\344ftskonzern)-338(spricht)]TJ 0 -13.549 Td [(allein)-341(in)-341(Neustadt.)-522(Wenn)-341(sich)-341(nun)-341(Ihrem)-341(Vater)-341(ein)-341(Feld)-340(neuer)]TJ 0 -13.549 Td [(T\344tigkeit)-369(bietet,)-400(das)-369(ihn)-370(mehr)-369(befriedigt,)-400(ist)-369(es)-370(recht)-369(von)-369(ihm,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(er)-250(zusagt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.16 0 Td [(\034)]TJ -56.205 -16.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-360(sind)-361(ein)-360(lieber)-361(Mensch)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.566 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-388(sagte)-361(sie)-360(dankbar,)-388(und)-361(meine)]TJ -142.209 -13.55 Td [(Augen)-298(flammten)-299(auf,)-310(und)-298(auf)-299(einen)-298(Augenblick)-298(war)-299(es)-298(mir,)-310(als)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([214])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(fl\366ge)-221(meine)-220(Seele)-221(einem)-220(seligen)-221(Lande)-221(zu.)-240(Das)-220(Herz)-221(stockte,)-226(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Atem)-250(setzte)-250(auf)-250(Sekunden)-250(aus,)-250(ein)-250(seliger)-250(Taumel)-250(fa\337te)-250(mich)-250(...)]TJ 11.955 -16.459 Td [(Drau\337en)-250(an)-250(der)-250(T\374r)-250(erhob)-250(sich)-250(ein)-250(Singen:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +886 0 obj << +/Type /Page +/Contents 887 0 R +/Resources 885 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +888 0 obj << +/D [886 0 R /XYZ 93.543 445.141 null] +>> endobj +889 0 obj << +/D [886 0 R /XYZ 308.838 109.699 null] +>> endobj +885 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +892 0 obj << +/Length 3737 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(165)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 21.819 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Abend)-250(wird)-250(es)-250(wieder;)]TJ -4.843 -13.549 Td [(\334ber)-250(Wald)-250(und)-250(Feld)]TJ 0 -13.549 Td [(S\344uselt)-250(Frieden)-250(nieder,)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-250(es)-250(ruht)-250(die)-250(Welt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.621 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -103.484 -19.951 Td [(Das)-197(alte)-198(Abendlied)-197(wurde)-197(von)-198(vierstimmigem)-197(Chor)-197(gesungen.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Da)-173(\366ffnete)-172(der)-172(lange)-173(Ignaz)-172(das)-173(Tor.)-224(Er)-173(hatte)-172(in)-173(der)-172(Nische)-172(gelehnt,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-355(ich)-355(hatte)-354(ihn)-355(vorher)-355(gar)-355(nicht)-355(gesehen.)-564(Vielleicht)-355(hatte)-354(er)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-226(geh\366rt,)-232(was)-226(wir)-226(gesprochen)-227(hatten.)-242(Jetzt)-226(blickte)-227(er)-226(mich)-226(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(finsterem)-306(Gesicht)-306(an.)-419(Aber)-306(ich)-306(beachtete)-306(ihn)-307(gar)-306(nicht.)-418(Ich)-306(sah)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-233(die)-232(S\344nger,)-236(die)-233(durchs)-233(Tor)-232(zogen.)-245(Sensen)-232(und)-233(Rechen)-232(trugen)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-329(\374ber)-329(die)-329(Schultern,)-349(alle)-329(mit)-329(Feldblumen)-329(geschm\374ckt,)-348(voran)]TJ 0 -13.55 Td [(schritt)-306(Emmerich,)-320(der)-306(Chormeister,)-320(mit)-306(einem)-306(mit)-306(Kornblumen)]TJ 0 -13.549 Td [(geschm\374ckten)-250(Taktstock:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -19.761 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nur)-250(der)-250(Bach)-250(ergie\337et)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Sich)-250(am)-250(Felsen)-250(dort,)]TJ 0 -13.55 Td [(Und)-250(er)-250(braust)-250(und)-250(flie\337et)]TJ 0 -13.549 Td [(Immer,)-250(immerfort.)]TJ 0 -25.973 Td [(So)-250(in)-250(deinem)-250(Streben)]TJ 0 -13.549 Td [(Bist,)-250(mein)-250(Herz,)-250(auch)-250(du,)]TJ 0 -13.55 Td [(Gott)-250(nur)-250(kann)-250(dir)-250(geben)]TJ 0 -13.549 Td [(Wahre)-250(Abendruh!)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.058 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 190.147 -6.31 Td [([215])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.641 Td [(Als)-262(letzte)-262(in)-262(der)-262(Reihe)-262(kamen)-262(die)-262(kleine)-262(Luise)-262(und)-262(eine)-262(Frau,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-209(das)-209(Kind)-209(an)-209(der)-209(Hand)-209(f\374hrte.)-236(Diese)-209(Frau)-209(war)-209(wohl)-209(noch)-209(jung;)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-291(war)-292(von)-291(hoher,)-302(sch\366ner)-291(Figur.)-374(Das)-291(Gesicht)-292(konnte)-291(ich)-291(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen,)-258(weil)-256(das)-257(bunte)-256(Kopftuch,)-258(das)-257(sie)-256(trug,)-258(weit)-256(vorgeschoben)]TJ 0 -13.549 Td [(war.)-845(Luise,)-498(die)-448(jetzt)-448(sehr)-448(h\344ufig)-449(auf)-448(dem)-448(Forellenhofe)-448(war,)]TJ 0 -13.55 Td [(schmiegte)-250(sich)-250(dicht)-250(an)-250(ihre)-250(Begleiterin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.738 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(hei\337t)-250(die)-250(Frau,)-250(mit)-250(der)-250(Luise)-250(geht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 171.491 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(ich)-250(Eva.)]TJ/F24 10.9091 Tf -183.905 -13.739 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-243(nennt)-244(sich)-243(Magdalena,)-245(ist)-243(sehr)-244(still)-243(und)-244(bleibt)-243(fast)-244(immer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(f\374r)-250(sich)-250(allein.)-250(Aber)-250(das)-250(Kind)-250(h\344ngt)-250(an)-250(ihr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.633 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -174.677 -13.739 Td [(Behutsam)-186(zog)-186(ich)-186(mein)-185(Notizbuch.)-229(Dort)-186(hatte)-186(ich)-186(die)-185(Kurg\344ste)]TJ -11.956 -13.549 Td [(des)-250(Forellenhofes)-250(verzeichnet.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +891 0 obj << +/Type /Page +/Contents 892 0 R +/Resources 890 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +893 0 obj << +/D [891 0 R /XYZ 46.771 215.843 null] +>> endobj +890 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +896 0 obj << +/Length 4428 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(166)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Magdalena)-298(...,)-310(geschiedene)-298(Frau)-298(Kaufmann)-298(Agnes)-299(Blassing)]TJ -16.799 -13.549 Td [(aus)-584(Aachen,)-668(behandelnder)-584(Arzt)-585(Dr.)-1252(Michael)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.797 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-668(stand)-584(dort)]TJ -223.64 -13.549 Td [(verzeichnet.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Das)-416(Abendlied)-416(verklang;)-500(die)-416(Leute)-416(zerstreuten)-416(sich)-416(an)-416(der)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Brunnenr\366hre)-315(oder)-315(am)-316(Bach;)-347(die)-316(meisten)-315(aber)-315(zogen)-315(doch)-315(vor,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(Abendtoilette)-250(auf)-250(dem)-250(Zimmer)-250(zu)-250(besorgen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Drau\337en)-361(auf)-361(der)-361(Stra\337e)-360(knarrte)-361(noch)-361(ein)-361(Wagen.)-582(Trotzdem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlo\337)-327(der)-327(lange)-328(Ignaz)-327(das)-327(Tor.)-482(Das)-327(war)-327(eine)-327(neue)-327(Heimt\374cke)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-211(ihm;)-225(denn)-211(vor)-212(dem)-211(Tor)-211(stand)-212(Piesecke)-211(mit)-212(einem)-211(Fuder)-211(Klee)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-280(wu\337te)-279(nicht,)-287(wie)-280(er)-279(es)-280(anstellen)-280(solle,)-287(die)-279(Z\374gel)-280(der)-279(Pferde,)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-231(denen)-231(eines)-231(sehr)-230(unruhig)-231(war,)-235(nicht)-231(loszulassen)-231(und)-231(doch)-230(an)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Tor)-250(zu)-250(klopfen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(So)-490(schrie)-491(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.757 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-490(ist)-491(zu!)-972(Es)-490(ist)-491(zu!)-971(Bitte,)-551(machen)-490(Sie)]TJ -84.557 -13.549 Td [(gef\344lligst)-316(auf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.619 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.295 0 Td [(und)-316(es)-317(klang)-316(wie)-317(ein)-316(jammernder)-316(Hilferuf.)-450(Die)]TJ/F16 7.9701 Tf -142.669 0 Td [([216])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(Leute,)-422(die)-388(noch)-387(im)-388(Hofe)-387(waren,)-422(lachten,)-422(und)-388(niemand)-387(dachte)]TJ 0 -13.549 Td [(daran,)-396(Piesecke)-367(in)-366(seiner)-367(Not)-367(beizustehen.)-600(Da)-367(eilte)-367(die)-366(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(braune)-316(Anneliese)-316(\374ber)-316(den)-316(Hof)-316(und)-316(versuchte)-316(das)-316(schwere)-315(Tor)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-358(\366ffnen.)-572(Ich)-358(half)-358(ihr)-357(dabei,)-385(und)-357(ich)-358(sah)-357(zum)-358(erstenmal,)-384(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(reizend)-323(dieses)-324(M\344dchen)-323(war.)-470(Wie)-323(eine)-323(s\374\337e,)-342(junge,)-341(rote)-323(Rose!)]TJ 0 -13.55 Td [(Ihre)-362(Sternenaugen)-362(gr\374\337ten)-362(mich)-362(wieder)-362(so)-362(freundlich,)-390(und)-362(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(glaubte,)-529(zu)-473(ihrem)-473(Herzen)-474(w\374rde)-473(ich)-473(den)-473(Weg)-473(wohl)-473(leichter)]TJ 0 -13.549 Td [(finden)-267(als)-267(zum)-267(Herzen)-267(dieser)-267(stolzen)-267(Eva.)-301(Und)-267(sah)-267(doch)-266(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(dieser)-250(Eva)-250(hin.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Nun)-401(sollte)-401(zur)-400(Abendmahlzeit)-401(gerufen)-401(werden.)-703(In)-400(anderen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(H\366fen)-459(geschah)-459(das)-459(durch)-460(eine)-459(Glocke.)-877(Hier)-459(im)-459(Forellenhof)]TJ 0 -13.549 Td [(trat)-347(Emmerich)-347(mit)-347(seiner)-347(Leibgarde)-347(auf.)-540(Vier)-347(Mann,)-372(zwei)-346(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Becken,)-281(einer)-275(mit)-275(einer)-275(Trommel,)-281(einer)-274(mit)-275(einer)-275(Pauke.)-324(Dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Tischruf)-281(war)-281(so)-281(gewaltig,)-288(da\337)-281(die)-281(Leute)-281(drunten)-281(in)-280(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(wu\337ten,)-271(wann)-267(im)-267(Forellenhof)-267(gegessen)-267(wurde.)-301(Damit)-267(aber)-267(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-547(lyrische)-548(Teil)-547(dieser)-547(Emmerichschen)-547(Kunstleistung)-547(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(fehle,)-292(wurde)-284(ein)-283(Kanon)-284(gesungen,)-292(den)-283(Emmerich)-284(gedichtet)-283(und)]TJ 0 -13.549 Td [(komponiert)-250(hatte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.909 -18.459 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lobt)-250(den)-250(Herrn,)-250(hat)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.04 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(zu)-250(bedeuten,)]TJ -94.517 -13.549 Td [(Wenn)-250(zur)-250(Ruh)-250(die)-250(Glocken)-250(l\344uten,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +895 0 obj << +/Type /Page +/Contents 896 0 R +/Resources 894 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 876 0 R +>> endobj +897 0 obj << +/D [895 0 R /XYZ 338.073 342.036 null] +>> endobj +894 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +900 0 obj << +/Length 4721 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(167)]TJ +0 g 0 G + 10.91 -30.759 Td [(Doch)-250(dabei)-250(nicht)-250(zu)-250(vergessen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Kommt)-250(zum)-250(Essen!)-250(Kommt!)-250(Kommt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.057 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -165.011 -18.459 Td [(Die)-492(vier)-493(S\344nger)-492(sangen)-492(diesen)-493(Kanon)-492(mit)-492(tiefem)-492(Gef\374hl.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bald)-421(sammelten)-420(sich)-421(die)-420(Abendg\344ste)-420(an)-421(der)-420(gro\337en)-421(Tafel)-420(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Garten.)-442(Emil)-314(Barthel)-314(sa\337)-314(an)-314(der)-314(Spitze)-314(und)-314(pr\344sidierte.)-441(Es)-314(gab)]TJ 0 -13.549 Td [(Bratkartoffeln,)-277(Milch,)-277(Wei\337k\344se,)-277(Butter)-271(und)-272(Brot,)-277(gr\374nen)-271(Salat,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([217])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(frische)-359(Kirschen)-359(und)-358(Haseln\374sse.)-577(Dieses)-359(Abend-)]TJ/F24 10.9091 Tf 220.981 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Menu)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.451 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.758 0 Td [(habe)]TJ -260.034 -13.549 Td [(ich)-308(glatt)-308(von)-308(Lahmann)-308(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.614 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wei\337en)-308(Hirsch)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.371 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.203 0 Td [(\374bernommen,)-323(weil)]TJ -198.032 -13.549 Td [(es)-250(kein)-250(besseres)-250(gibt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Piesecke)-669(behauptete,)-774(wenn)-669(er)-669(Milch,)-774(Kirschen,)-773(gr\374nen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kopfsalat)-657(und)-658(Wei\337k\344se)-657(zusammen)-658(\344\337e,)-759(bek\344me)-657(er)-657(auch)]TJ 0 -13.55 Td [(zusammen)-490(die)-490(Ruhr,)-550(den)-490(Typhus)-490(und)-490(die)-490(Cholera.)-970(Er)-490(war)]TJ 0 -13.549 Td [(deshalb)-431(mit)-432(noch)-431(einem)-432(anderen)-431(Kurgast)-432(an)-431(einen)-431(Extratisch)]TJ 0 -13.549 Td [(gesetzt)-365(und)-364(bekam)-365(besondere)-365(Kost.)-594(Nach)-364(vierzehn)-365(Tagen,)-393(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Piesecke)-371(sah,)-401(da\337)-371(die)-371(G\344ste)-371(am)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.302 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Normaltisch)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.934 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.89 0 Td [(sich)-371(sehr)-371(wohl)]TJ -214.97 -13.549 Td [(f\374hlten,)-395(wurde)-366(er)-366(seiner)-366(Einsamkeit)-366(\374berdr\374ssig)-366(und)-365(verlangte)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-250(den)-250(anderen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-154(a\337)-154(an)-155(diesem)-154(Abend)-154(mit)-154(im)-154(Forellenhof,)-174(und)-154(ich)-154(hatte)-154(gro\337e)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Freude,)-184(zu)-167(sehen,)-184(wie)-167(herrlich)-167(es)-167(den)-167(Leuten)-167(schmeckte.)-222(Auch)-167(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Tischgespr\344che,)-242(die)-239(gef\374hrt)-239(wurden,)-242(gefielen)-239(mir.)-247(Weit)-239(weg)-239(war)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-201(gespreizte,)-211(verlogene)-200(Getue,)-211(weit)-201(weg)-201(aller)-200(Phrasenkl\374ngel,)]TJ 0 -13.55 Td [(alles)-584(\344sthetisierende)-585(Jongleurtum,)-668(alle)-584(pseudophilosophische)]TJ 0 -13.549 Td [(Geistreichelei,)-730(jede)-634(auch)-635(noch)-634(so)-634(versteckte)-634(Prahlerei)-634(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(wirklichen)-220(oder)-219(vermeintlichen)-220(Werten)-220(aus)-219(dem)-220(fr\374heren)-219(Leben.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-599(dicke)-599(Franzel)-598(erz\344hlte)-599(dem)-599(d\374rren)-599(Heinrich)-598(\050einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zoologen)-440(aus)-439(M\374nchen\051,)-487(da\337)-440(er)-440(drei)-439(Maulw\374rfe)-440(erlegt)-439(habe,)]TJ 0 -13.549 Td [(worauf)-611(Heinrich)-612(entr\374stet)-611(erkl\344rte,)-702(das)-612(sei)-611(eine)-611(ungeheure)]TJ 0 -13.55 Td [(Dummheit,)-1068(da)-904(der)-905(Maulwurf)-904(als)-904(Insektenvertilger)-904(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nachweislicher)-558(Nichtpflanzenfresser)-558(niemals)-558(ein)-558(W\374rzelchen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-362(Wiese,)-390(dagegen)-363(aber)-362(t\344glich)-362(so)-362(viel)-362(sch\344dliche)-362(Engerlinge)]TJ 0 -13.549 Td [(verspeise,)-717(wie)-624(er)-624(selbst)-623(schwer)-624(sei.)-1372(Vater)-623(Barthel,)-717(zum)]TJ 0 -13.549 Td [(Schiedsrichter)-508(angerufen,)-572(entschied:)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.126 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Den)-508(B\374chern)-508(nach)-508(ist)]TJ -177.97 -13.55 Td [(der)-458(Maulwurf)-458(sehr)-459(n\374tzlich,)-510(aber)-458(dem)-458(Bauernverstande)-458(nach)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([218])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(schlagen)-191(wir)-191(ihn)-191(tot.)-231(Von)-191(wegen)-191(seiner)-191(Haufen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 204.973 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.929 0 Td [(Heinrich)-191(zuckte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +899 0 obj << +/Type /Page +/Contents 900 0 R +/Resources 898 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +901 0 obj << +/D [899 0 R /XYZ 194.893 445.52 null] +>> endobj +902 0 obj << +/D [899 0 R /XYZ 204.713 79.691 null] +>> endobj +898 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +906 0 obj << +/Length 4315 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(168)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-286(Schultern)-286(und)-286(sagte,)-295(es)-286(werde)-286(wohl)-286(auch)-286(in)-286(diesen)-285(finsteren)]TJ 0 -13.549 Td [(Aberglauben)-581(noch)-580(einmal)-581(Licht)-580(kommen.)-1242(Vom)-580(Ausroden)]TJ 0 -13.549 Td [(zweier)-430(Weiden)-429(erz\344hlte)-430(einer,)-474(vom)-430(Pflanzen)-429(von)-430(Sellerie)-429(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(M\344dchen,)-339(von)-322(der)-322(Aussaat)-321(von)-322(Winterrettich)-321(und)-322(Wirsing)-321(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(andere.)-643(Die)-381(meisten)-380(sprachen)-381(von)-381(der)-381(lustigen)-381(Heuernte,)-413(von)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-469(rotbl\374henden)-469(Kleefeld)-469(oder)-469(von)-469(dem)-468(Wiesenw\344sserlein,)]TJ 0 -13.549 Td [(\374ber)-702(das)-703(eine)-702(neue)-702(schmale)-703(Br\374cke)-702(mit)-702(einem)-702(birkenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Gel\344nder)-413(gelegt)-412(worden)-413(war.)-738(B\344uerliche)-413(Themen,)-453(manchmal)]TJ 0 -13.549 Td [(mehr)-506(altklug)-507(behandelt,)-571(wie)-506(Kinder)-506(schw\344tzen,)-571(als)-506(wirklich)]TJ 0 -13.55 Td [(erfahren,)-529(wie)-474(Vater)-473(Barthel)-474(war,)-529(der)-474(aber)-473(sehr)-473(wohlwollend)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-343(anh\366rte.)-529(Weil)-343(es)-343(an)-343(St.)-528(Barnabas)-343(geregnet)-343(habe,)-366(erkl\344rte)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-483(Rheinl\344nder,)-542(w\374rden)-483(die)-483(Trauben)-483(dieses)-483(Jahr)-483(von)-483(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(ins)-404(Fa\337)-403(schwimmen,)-442(und)-404(wie)-404(das)-403(Wetter)-404(am)-404(Johannistag)-403(sei,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-480(w\374rde)-481(es)-480(bis)-480(Michaeli)-481(sein,)-538(behauptete)-480(ein)-480(anderer.)-941(Ich)]TJ 0 -13.55 Td [(sah)-550(mir)-550(die)-550(Leute)-550(an,)-624(die)-550(so)-550(sprachen.)-1150(Sie)-550(geh\366rten)-549(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-522(den)-523(gebildeten)-522(Schichten)-523(der)-522(Bev\366lkerung.)-1067(W\374rden)-522(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(je)-577(in)-578(ihrem)-577(eigenen)-578(Leben)-577(solche)-578(Unterhaltung)-577(f\374hren,)-659(so)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344ren)-251(sie)-251(Sonderlinge,)-251(als)-251(komische)-251(K\344uze,)-251(vielleicht)-251(als)-250(albern)]TJ 0 -13.549 Td [(gebrandmarkt.)-643(Hier)-381(w\344ren)-381(sie)-381(l\344cherlich,)-414(wenn)-381(sie)-380(von)-381(hoher)]TJ 0 -13.55 Td [(Politik,)-549(von)-489(gesellschaftlichen)-489(Ereignissen)-489(und)-488(Beziehungen,)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-381(k\374nstlerischen)-381(oder)-380(philosophischen)-381(Streitfragen)-381(zu)-380(reden)]TJ 0 -13.549 Td [(beg\344nnen.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Diese)-458(Leute)-457(haben)-458(wirklich)-458(alle)-457(Ferien)-458(vom)-458(Ich)-457(gemacht.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Und)-340(ich)-339(sehe,)-362(da\337)-339(ich)-340(meine)-339(Idee)-340(nicht)-339(bis)-340(in)-339(die)-339(Einzelheiten)]TJ 0 -13.549 Td [(selber)-222(auszudenken)-222(brauche;)-232(hier)-222(dichten)-222(alle)-222(mit)-222(an)-222(dem)-222(gro\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(Sturmlied,)-248(das)-247(wir)-248(gegen)-247(den)-247(Jammer)-248(unseres)-247(modernen)-247(Lebens)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([219])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(anstimmen)-444(wollen;)-542(hier)-444(hilft)-445(jeder)-444(bauen)-445(an)-444(der)-444(Br\374cke,)-493(die)]TJ 0 -13.55 Td [(\374ber)-423(den)-423(Strudel)-422(der)-423(Zeit)-423(zu)-422(dem)-423(stillen)-423(Eiland)-423(des)-422(Friedens)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hrt,)-505(hier)-454(st\374tzt)-454(einer)-454(den)-454(andern.)-862(Betrachtet)-454(den)-453(Soldaten,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-327(schwer)-327(beladen)-328(sein)-327(junges)-327(Leben)-327(in)-327(t\344glich)-327(vielst\374ndigem)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374hseligem)-152(Marsch)-152(gegen)-151(die)-152(Feuerschl\374nde)-152(der)-152(Feinde)-151(schleppt)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.963 0 Td [(er)-230(w\374rde)-230(auf)-230(seiner)-230(furchtbaren)-230(Reise)-230(erlahmen,)-234(liegenbleiben,)]TJ -7.963 -13.55 Td [(verzweifeln)-275(nach)-275(der)-275(dritten)-275(oder)-275(vierten)-275(Stunde,)-281(wenn)-275(er)-275(allein)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344re.)-241(Aber)-224(der)-224(Rhythmus)-224(der)-224(Masse)-224(h\344lt)-224(seine)-224(Glieder)-224(im)-224(Gang;)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +905 0 obj << +/Type /Page +/Contents 906 0 R +/Resources 904 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +907 0 obj << +/D [905 0 R /XYZ 223.692 174.536 null] +>> endobj +904 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +910 0 obj << +/Length 1258 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Sommerabend)-18447(169)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(am)-279(klingenden)-279(Bewu\337tsein)-279(der)-279(Gegenwart)-279(von)-279(tausend)-278(anderen)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344lt)-250(er)-250(sich)-250(aufrecht.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(So)-391(ist)-391(es)-391(hier)-391(auch.)-673(Nimm)-391(den)-391(einzelnen)-390(Kulturmenschen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(setze)-272(ihn)-272(in)-272(eine)-271(Bauernstube,)-278(hei\337e)-272(ihn)-271(leben)-272(und)-272(arbeiten,)-277(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-206(ein)-206(Bauer)-206(tut,)-214(und)-206(das)-206(Heimweh)-206(packt)-206(ihn)-206(am)-206(achten)-206(Tage)-205(und)]TJ 0 -13.549 Td [(treibt)-181(ihn)-180(davon.)-227(Mit)-181(Hunderten,)-194(ja)-181(mit)-181(Tausenden)-180(seinesgleichen)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-206(ist)-206(er)-206(gl\374cklich,)-215(legt)-206(er)-207(alle)-206(Tage)-206(Strecken)-206(auf)-206(dem)-206(Wege)-206(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesundheit)-222(zur\374ck,)-227(deren)-222(er)-222(sonst)-222(nie)-222(f\344hig)-222(w\344re,)-228(kommt)-222(er)-221(trotz)]TJ 0 -13.549 Td [(aller)-192(Anfeindung)-192(durch)-192(sein)-192(bequemes,)-204(verz\344rteltes,)-203(tyrannisches)]TJ 0 -13.55 Td [(Ich)-250(zum)-250(Siege.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +909 0 obj << +/Type /Page +/Contents 910 0 R +/Resources 908 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +908 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +911 0 obj +<< /S /GoTo /D (index19) >> +endobj +914 0 obj +(Lorelei) +endobj +917 0 obj << +/Length 3416 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([220])]TJ/F16 18.9589 Tf 185.694 -62.152 Td [(Lorelei)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.939 -30.256 Td [(Mein)-442(Bruder)-443(Joachim)-442(guckte)-443(\374ber)-442(den)-443(Gartenzaun.)-827(Und)-442(als)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-540(die)-540(Gesellschaft)-540(aufl\366ste)-541(zum)-540(Abendspaziergang,)-612(f\374gte)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-494(sich)-494(leicht,)-555(da\337)-493(Eva)-494(und)-494(Annelies,)-555(Joachim)-494(und)-494(ich)-493(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammenschlossen.)-1351(Im)-617(Poetenwinkel)-617(der)-616(Lindenherberge)]TJ 0 -13.549 Td [(standen)-431(die)-431(Fenster)-431(offen,)-477(da)-431(sangen)-431(zwei)-431(junge)-431(M\344nner)-431(zur)]TJ 0 -13.55 Td [(Laute:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -16.837 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Rosenbusch)-250(holderbl\374h,)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Wenn)-250(i)-250(mei)-250(M\344dle)-250(g)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.683 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(sieh)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.302 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -123.481 -16.838 Td [(Wir)-318(blieben)-318(stehen)-317(und)-318(h\366rten)-318(zu.)-453(Die)-318(S\344nger)-318(reichten)-317(zwei)]TJ -11.956 -13.549 Td [(volle)-342(Gl\344ser)-342(zum)-341(Fenster)-342(heraus,)-365(und)-342(unsere)-342(M\344dchen)-341(nippten)]TJ 0 -13.549 Td [(daran)-250(und)-250(lachten.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Annelies)-575(hatte)-575(meinem)-575(Bruder)-575(zugetrunken,)-656(und)-575(es)-574(war)]TJ -11.956 -13.55 Td [(mir)-645(schon)-644(aufgefallen,)-744(wie)-645(seine)-644(sonst)-645(so)-645(ernsten)-644(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(aufleuchteten.)-874(Dann,)-510(als)-458(der)-458(fr\366hliche)-458(Singsang)-458(\374berging)-457(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Drau\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.262 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.866 0 Td [(ist)-296(alles)-297(so)-296(pr\344chtig,)-308(und)-297(es)-296(ist)-296(mir)-297(so)-296(wohl)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.135 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-308(bemerkte)]TJ -233.95 -13.549 Td [(ich,)-284(da\337)-277(Joachim)-277(heimlich)-277(nach)-277(Annelieses)-277(Hand)-277(fa\337te,)-283(die)-277(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(M\344dchen)-250(traumverloren)-250(\374berlie\337.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Eva)-388(stand)-389(ans)-388(Fenster)-389(gelehnt.)-665(Der)-388(Duft)-389(der)-388(Wiese)-388(schlug)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mir)-535(schwer)-534(in)-535(die)-534(Sinne.)-1104(Gl\374hw\374rmchen)-535(funkelten)-534(durchs)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([221])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Gras.)-1456(Droben)-652(im)-652(einsamen)-652(Hirtenhaus)-652(blies)-652(auf)-651(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Waldhorn)-540(der)-540(freiwillig)-540(Verbannte,)-613(dessen)-540(Liebesleiden)-540(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(kenne,)-250(Eichendorffs)-250(traurige)-250(Weise:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -16.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(hat)-250(einen)-250(andern)-250(genommen,)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Ich)-250(war)-250(drau\337en)-250(in)-250(Schlacht)-250(und)-250(Sieg,)]TJ 0 -13.549 Td [(Nun)-250(ist)-250(alles)-250(anders)-250(gekommen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-250(wollt)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.087 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(,)-250(es)-250(w\344r)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.622 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(wieder)-250(Krieg!)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.884 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +916 0 obj << +/Type /Page +/Contents 917 0 R +/Resources 915 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +88 0 obj << +/D [916 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +912 0 obj << +/D [916 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +918 0 obj << +/D [916 0 R /XYZ 345.09 169.941 null] +>> endobj +915 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +921 0 obj << +/Length 4105 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Lorelei)-21336(171)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(\334ber)-358(die)-358(Wiese)-358(gingen)-358(zwei)-358(langsam)-358(dahin.)-574(Die)-358(Frau)-358(vom)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Forellenhof,)-394(die)-365(sich)-365(Magdalena)-365(nannte,)-394(und)-365(die)-365(kleine)-365(Luise.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-327(Kind)-328(erkannte)-327(mich)-328(und)-327(eilte)-328(auf)-327(mich)-327(zu.)-483(Die)-327(Frau)-327(blieb)]TJ 0 -13.549 Td [(abgewandt)-250(stehen.)-250(Da)-250(rief)-250(die)-250(Kleine:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.639 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Magdalena,)-246(Magdalena,)-247(kommen)-245(Sie)-245(doch)-245(her!)-249(Hier)-245(wird)-246(so)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sch\366n)-250(gesungen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.015 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.059 -13.638 Td [(Die)-252(Frau)-253(sch\374ttelte)-252(den)-253(Kopf,)-253(wandte)-252(sich)-253(aber)-252(doch)-252(langsam)]TJ -11.956 -13.549 Td [(um.)-346(Und)-282(ob)-282(es)-282(auch)-282(schon)-282(d\344mmrig)-282(war,)-290(der)-282(Abend)-282(hatte)-281(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(scharf)-301(sehend)-301(gemacht;)-327(ich)-302(sah,)-314(da\337)-301(das)-301(Weib,)-314(das)-301(dort)-301(einsam)]TJ 0 -13.55 Td [(auf)-250(der)-250(Wiese)-250(stand,)-250(Joachims)-250(erste)-250(Frau,)-250(Luises)-250(Mutter,)-250(war.)]TJ 11.956 -13.638 Td [(Der)-577(Bruder)-577(aber)-577(sah)-576(sie)-577(nicht,)-659(und)-577(seine)-577(Augen)-576(waren)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gehalten,)-495(und)-446(er)-446(erkannte)-446(auch)-446(sein)-446(Kind)-446(noch)-446(immer)-445(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Langsam)-348(tastete)-348(wieder)-348(seine)-348(weltm\374de)-348(und)-348(doch)-348(immer)-348(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(gl\374cksuchende)-557(Rechte)-557(nach)-557(der)-557(kleinen)-557(Anneliese)-557(keuscher)]TJ 0 -13.55 Td [(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.638 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Magdalena,)-426(kommen)-392(Sie)-391(hierher!)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.035 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.111 0 Td [(rief)-391(das)-391(Kind)-391(abermals)]TJ -176.945 -13.549 Td [(und)-250(dringend.)]TJ 11.956 -13.638 Td [(Die)-250(aber)-250(sch\374ttelte)-250(den)-250(Kopf)-250(und)-250(ging)-250(davon.)]TJ 0 -13.638 Td [(Das)-257(Kind)-258(schmiegte)-257(sich)-257(an)-257(mich;)-261(vom)-258(Berge)-257(her)-257(klang)-257(noch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(immer)-175(die)-175(Melodie)-175(des)-175(Eichendorffliedes,)-190(und)-175(ich)-175(sah)-175(den)-175(Bruder)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([222])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(an)-250(und)-250(h\366rte)-250(aus)-250(dem)-250(Klange)-250(des)-250(Hornes)-250(die)-250(Worte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -19.359 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(aber)-250(war)-250(weit)-250(schon)-250(gegangen,)]TJ -4.843 -13.55 Td [(Jetzt)-250(sieht)-250(sie)-250(mich)-250(nimmermehr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.534 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 177.842 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 160.986 Td [(Die)-346(Nacht)-346(war)-346(schw\374ler)-346(als)-347(der)-346(Abend.)-538(Es)-346(war,)-370(als)-346(ob)-346(von)]TJ -11.956 -13.549 Td [(irgendwoher)-428(hei\337e)-427(Gewitterluft)-428(\374ber)-427(unsere)-428(H\344upter)-427(getragen)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374rde.)-431(Ich)-311(sa\337)-310(wach)-311(am)-310(Fenster.)-431(Als)-311(ich)-310(heimgekommen)-310(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-382(ich)-382(einen)-382(Brief)-382(von)-382(Stefenson)-382(gefunden.)-646(Er)-382(machte)-381(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(Mitteilung,)-281(da\337)-274(er)-274(an)-275(den)-274(Baumeister)-275(Bunkert)-274(geschrieben)-274(habe)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-176(ihm)-176(die)-175(Leitung)-176(unserer)-176(ferneren)-176(baulichen)-175(Unternehmungen)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bertragen)-202(wolle.)-234(Dann)-202(kam)-202(der)-202(inhaltsschwere)-202(Satz)-202(des)-201(Briefes:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-170(verhehle)-171(Ihnen)-170(nicht,)-186(lieber)-170(Freund,)-187(da\337)-170(meine)-170(tiefe)-170(Neigung)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +920 0 obj << +/Type /Page +/Contents 921 0 R +/Resources 919 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +922 0 obj << +/D [920 0 R /XYZ 262.993 260.206 null] +>> endobj +919 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +925 0 obj << +/Length 4217 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(172)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(f\374r)-377(Fr\344ulein)-377(Eva)-377(Bunkert,)-409(deren)-377(ich)-377(mir)-377(inzwischen)-376(ganz)-377(klar)]TJ 0 -13.549 Td [(geworden)-437(bin,)-484(mich)-437(zu)-437(dem)-437(Angebot)-437(an)-437(ihren)-436(Vater)-437(geleitet)]TJ 0 -13.549 Td [(hat.)-525(Dieser)-342(Neigung)-341(werden)-342(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.786 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.182 0 Td [(dessen)-342(versichert)-341(mich)-342(Ihre)]TJ -157.968 -13.549 Td [(ehrliche)-250(Freundschaft)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.549 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(immer)-250(Rechnung)-250(tragen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.164 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.939 -13.78 Td [(Wie)-1081(schw\374l)-1080(die)-1081(Nacht)-1080(war,)-1288(wie)-1081(unruhevoll)-1080(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Seele,)-1387(schmerzlicher)-1160(W\374nsche,)-1387(hei\337er)-1159(Angst,)-1387(tiefer)]TJ 0 -13.55 Td [(Niedergeschlagenheit)-312(voll,)-328(da)-312(das)-313(sch\366ne)-312(Traumbild)-312(von)-312(Liebe)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-176(Gl\374ck)-175(von)-176(drohendem)-176(Wetterleuchten)-175(\374berstrahlt)-176(an)-175(meinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Himmel)-250(stand.)]TJ 11.956 -13.78 Td [(Da)-445(b\344umte)-444(sich)-445(der)-444(Wille)-445(im)-444(jungen)-445(Herzen)-445(auf,)-493(und)-444(ich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sagte)-404(mir:)-558(Oho,)-443(mei)1(n)-404(Freund,)-443(wie)-404(kommst)-404(du)-404(dazu,)-442(mir)-404(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Verzicht)-263(auf)-264(meine)-263(junge)-264(Liebe)-263(zu)-263(befehlen?)-291(Steht)-263(dieses)-263(Recht)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-344(unserem)-343(Kontrakt?)-531(Ist)-343(Liebe)-344(ein)-343(Schacher,)-367(in)-343(dem)-344(du)-343(mich)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([223])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(\374berbieten)-280(kannst?)-340(Bist)-280(du)-280(mein)-279(Herr)-280(und)-280(ich)-280(dein)-280(Sklave,)-287(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(du)-406(befehlen)-406(kannst:)-563(La\337)-406(ab)-406(von)-406(jenem)-407(M\344dchen,)-445(das)-406(ich)-406(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-265(will!)-297(Oder,)-269(wenn)-265(du)-266(es)-265(auf)-266(die)-265(Freundschaft)-265(hinausspielen)]TJ 0 -13.549 Td [(willst:)-287(wo)-269(war)-269(je)-269(in)-268(der)-269(Welt)-269(Freundschaft)-269(st\344rker)-268(als)-269(Liebe,)-273(wo)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344re)-250(sie)-250(im)-250(Kampfe)-250(mit)-250(ihr)-250(nicht)-250(unterlegen?)]TJ 11.956 -13.78 Td [(Komm)-195(nur)-194(zur\374ck,)-206(alter)-195(Gesch\344ftemacher,)-205(und)-195(k\344mpfe)-195(um)-194(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Braut!)-402(Wenn)-301(du)-301(zu)-301(lange)-300(ausbleibst,)-314(wirst)-300(du)-301(sie)-301(als)-301(die)-300(Meine)]TJ 0 -13.549 Td [(finden)-250(und)-250(sie)-250(mir)-250(gewi\337)-250(nicht)-250(mehr)-250(entrei\337en.)]TJ 11.956 -13.78 Td [(So)-282(wollte)-283(ich)-282(das)-282(Recht)-283(auf)-282(mein)-282(Lebensgl\374ck)-283(wahren.)-346(Aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(neben)-342(dem)-341(Willen)-341(sa\337)-342(der)-341(Zweifel.)-525(Ich)-341(wu\337te,)-365(da\337)-341(Evas)-341(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(viel)-312(mehr)-312(zu)-312(Stefenson)-312(neigte)-312(als)-312(zu)-312(mir.)-436(Ich)-312(war)-312(wohl)-312(f\374r)-312(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\374ck)-417(der)-417(Liebe)-417(nicht)-418(bestimmt.)-751(Niemals)-417(im)-417(Leben)-417(hatte)-417(es)]TJ 0 -13.55 Td [(mir)-263(ernsthaft)-263(gewinkt.)-289(Vielleicht)-263(war)-263(ich)-263(zu)-263(scheu,)-266(zu)-263(vertr\344umt)]TJ 0 -13.549 Td [(meinen)-356(Lebenspfad)-356(gegangen.)-568(Auch)-356(die)-356(kleine)-356(Anneliese,)-382(die)]TJ 0 -13.549 Td [(junge,)-250(rote)-250(Rose,)-250(hatte)-250(ich)-250(\374bersehen.)]TJ 11.956 -13.78 Td [(Nun)-232(streckte)-231(der)-232(Bruder)-232(die)-232(Hand)-231(nach)-232(ihr,)-235(und)-232(auf)-232(der)-231(Wiese)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stand)-240(des)-239(Bruders)-240(Weib)-239(und)-240(sah)-239(mit)-240(verlorenen)-239(Augen)-240(nach)-239(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(hin.)]TJ 11.956 -13.78 Td [(Auch)-250(da)-250(f\374hlte)-250(ich)-250(ein)-250(b\366ses)-250(Wetter)-250(aufsteigen.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 66.341 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +0 g 0 G +0 g 0 G +endstream +endobj +924 0 obj << +/Type /Page +/Contents 925 0 R +/Resources 923 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 903 0 R +>> endobj +926 0 obj << +/D [924 0 R /XYZ 256.22 355.124 null] +>> endobj +923 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +929 0 obj << +/Length 4216 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Lorelei)-21336(173)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Das)-270(ist)-271(doch)-270(ein)-271(kostbares)-270(Geschenk,)-276(das)-271(der)-270(Herrgott)-270(seinen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Erdenkindern)-313(machte:)-376(die)-314(Arbeit.)-439(Hast)-313(du)-313(ein)-313(Leid)-313(im)-313(Herzen,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-211(nicht)-210(heilen)-211(will,)-218(das)-211(dir)-211(den)-210(Tag)-211(grau)-211(f\344rbt)-210(und)-211(deine)-210(N\344chte)]TJ 0 -13.549 Td [(qualvoll)-209(macht,)-216(geh)-209(zur)-208(Arbeit,)-217(zu)-209(der)-208(herben,)-217(t\374chtigen)-209(Frau,)-216(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(wird)-311(dich)-310(mit)-311(so)-311(klaren)-311(Augen)-310(anschauen,)-326(mit)-311(so)-310(morgenheller)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([224])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Stimme)-335(zu)-334(dir)-335(sprechen,)-356(da\337)-334(du)-335(das)-335(Haupt)-334(hochheben)-335(und)-334(tief)]TJ 0 -13.549 Td [(atmend)-414(einen)-413(frischen)-414(Luftstrom)-414(des)-413(Lebens)-414(einsaugen)-413(wirst;)]TJ 0 -13.549 Td [(bist)-404(du)-403(einem)-404(Irrlicht)-403(nachgegangen)-404(und)-403(auf)-404(sumpfigem)-403(Pfad)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-474(Schlingpflanzen)-473(tiefer)-474(Verzagtheit)-474(umschlungen)-473(worden,)]TJ 0 -13.55 Td [(rufe)-489(die)-488(Arbeit,)-549(die)-489(t\374chtige)-488(Frau,)-549(sie)-488(wird)-489(dich)-489(mit)-488(derber)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-341(herausziehen)-342(aus)-341(deiner)-342(Bedr\344ngnis)-341(und)-342(dich)-341(wieder)-341(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-290(feste)-289(Stra\337e)-290(stellen;)-309(hast)-290(du)-289(G\374ter)-290(verloren,)-299(welcher)-290(Art)-289(es)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-317(sei,)-334(wende)-317(dich)-316(an)-317(die)-317(Arbeit,)-334(die)-317(reiche)-317(Frau,)-334(die)-316(leere)]TJ 0 -13.549 Td [(Taschen)-267(und)-266(leere)-267(Herzen)-267(immer)-267(neu)-266(zu)-267(f\374llen)-267(vermag;)-275(sind)-266(dir)]TJ 0 -13.55 Td [(alle)-282(Unterhalterinnen)-282(des)-281(Lebens)-282(\374berdr\374ssig)-282(geworden,)-290(la\337)-281(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeit)-223(an)-223(deinem)-223(Tisch)-223(sitzen)-223(bis)-223(zum)-223(letzten)-223(Tage)-223(deiner)-223(Kraft!)]TJ 11.956 -15.752 Td [(Denn)-743(sie)-742(ist)-743(deine)-742(beste)-743(Freundin;)-988(sie)-743(sch\374tzt)-742(deine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesundheit,)-225(sie)-218(st\344rkt)-218(deine)-218(Muskeln;)-229(sie)-218(w\374rzt)-219(dir)-218(das)-218(Mahl)-218(und)]TJ 0 -13.549 Td [(salzt)-208(es,)-217(da\337)-208(es)-209(nicht)-208(faule;)-222(sie)-208(spricht)-209(dir)-208(alle)-208(Tage)-208(aufmunternde)]TJ 0 -13.549 Td [(Worte)-183(\374ber)-182(deinen)-183(Wert)-182(ins)-183(Ohr)-182(und)-182(h\374tet)-183(dich)-182(doch)-183(vor)-182(\334bermut)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-293(kleine)-293(oder)-293(gro\337e)-293(Mi\337erfolge;)-314(sie)-293(gibt)-293(dir)-293(f\374r)-293(deine)-293(Feste)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-394(rechte)-395(Lachen)-394(mit,)-431(sie)-394(schenkt)-395(dir)-394(zu)-395(deinem)-394(Becher)-394(den)]TJ 0 -13.549 Td [(rechten)-251(Durst)-250(und)-251(schlie\337t)-250(dir)-251(alle)-250(Abende)-251(mit)-250(leisem)-251(Finger)-250(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Lider!)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 169.314 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 149.64 Td [(So)-341(bin)-341(ich)-341(durch)-341(die)-341(Arbeit)-341(\374ber)-341(meine)-341(Zweifel)-341(und)-341(Leiden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hinweggekommen,)-312(so)-300(sind)-299(meine)-300(Eigenw\374nsche)-300(still)-299(geworden)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-445(wie)-446(kleine)-445(Heimatb\344chlein)-445(hineingerieselt)-446(in)-445(den)-445(gro\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(Strom)-250(des)-250(Willens)-250(zum)-250(Dienst)-250(der)-250(Allgemeinheit.)]TJ 11.956 -15.752 Td [(Von)-312(dem)-313(lasse)-312(ich)-313(mich)-312(tragen.)-438(Manchmal)-312(gluckst)-313(noch)-312(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([225])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(silbernes)-324(Stimmlein)-323(alter)-324(Sehnsucht)-323(auf;)-360(aber)-324(es)-324(verklingt,)-341(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(freue)-250(mich)-250(der)-250(starken)-250(Alltagswelle,)-250(die)-250(mein)-250(Schiff)-250(tr\344gt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +928 0 obj << +/Type /Page +/Contents 929 0 R +/Resources 927 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +930 0 obj << +/D [928 0 R /XYZ 154.013 463.978 null] +>> endobj +931 0 obj << +/D [928 0 R /XYZ 314.07 93.24 null] +>> endobj +927 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +935 0 obj << +/Length 4638 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(174)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Von)-902(den)-902(Patienten,)-1066(die)-902(zu)-902(mir)-902(kommen)-902(und)-902(ihre)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Lebensberichte)-443(vor)-443(mir)-443(ausbreiten,)-491(haben)-443(die)-443(meisten)-443(an)-442(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebe)-300(gelitten.)-399(M\344nner)-299(wie)-300(Frauen.)-399(Denn)-300(nicht)-299(immer)-300(sitzt)-299(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-301(Felsen)-300(am)-301(Flu\337)-300(die)-301(Lorelei)-300(und)-301(in)-300(dem)-301(scheiternden)-300(Kahn)]TJ 0 -13.55 Td [(unten)-356(der)-357(Mann;)-410(oft)-356(schwimmt)-357(die)-356(Lore)-356(unten,)-384(und)-356(der)-356(Mann)]TJ 0 -13.549 Td [(sitzt)-321(oben,)-339(wenn)-321(er)-321(sich)-322(auch)-321(nicht)-321(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 180.012 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(golden)-321(Haar)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.394 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.347 0 Td [(k\344mmt,)]TJ -247.597 -13.549 Td [(sondern)-259(vielleicht)-259(nur)-259(einen)-260(schwarzen)-259(Bart)-259(streicht.)-277(Die)-259(Tragik)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-334(immer)-333(die)-334(gleiche:)-417(der)-334(Kahn)-333(kippt)-334(um.)-501(Steht)-333(man)-334(dann)-333(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Leibes-)-355(und)-355(Seelenarzt)-355(am)-355(Ufer)-355(und)-355(wirft)-355(seinen)-355(Rettungsring)]TJ 0 -13.55 Td [(aus,)-536(so)-479(ist)-479(das)-478(ein)-479(aufregendes,)-536(aber)-479(sch\366nes)-479(Gesch\344ft,)-535(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-492(denke,)-552(nach)-492(und)-492(nach)-492(wird)-492(sich)-492(bei)-492(mir)-492(die)-491(Aufregung)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-470(eine)-470(milde)-470(Seelenheiterkeit)-470(umwandeln.)-910(Habe)-470(ich)-470(so)-470(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(pudelnasses)-462(Menschenkind,)-516(das)-463(im)-462(romantischen)-462(Rheinstrom)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-336(Liebe)-335(verungl\374ckte,)-357(ans)-335(Land)-336(gezogen,)-357(so)-335(lasse)-336(ich)-335(es)-335(erst)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-335(wenig)-334(zu)-335(Atem)-335(kommen,)-355(und)-335(dann)-335(forsche)-334(ich)-335(es)-334(langsam)]TJ 0 -13.549 Td [(aus,)-440(ob)-402(die)-402(\050oder)-401(der\051,)-440(so)-402(auf)-402(dem)-402(Felsen)-402(gedudelt)-402(hat,)-439(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-389(mancherlei)-389(Schw\344chen)-389(haben)-389(m\366ge,)-424(und)-389(wird)-389(die)-389(Frage)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-345(wenig)-346(z\344hneklappernd)-345(bejaht,)-369(so)-345(frage)-346(ich)-345(langsam)-345(weiter,)]TJ 0 -13.549 Td [(bis)-340(sich)-340(ergibt,)-362(da\337)-340(die)-340(\050oder)-340(der\051,)-363(so)-340(auf)-340(dem)-339(Felsen)-340(gedudelt)]TJ 0 -13.55 Td [(hat,)-272(eigentlich)-268(minderwertig,)-272(hingegen)-268(der)-268(\050oder)-268(die\051,)-272(so)-268(in)-267(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kahn)-410(umkippte,)-450(wesentlich)-411(wertvoller)-410(sei,)-450(weshalb)-410(die)-410(ganze)]TJ 0 -13.549 Td [(Ungl\374cksfahrt)-336(eine)-335(Torheit)-336(gewesen,)-357(nach)-335(welcher)-336(man)-335(kl\374ger)]TJ 0 -13.549 Td [(geworden)-384(und)-383(gottlob)-384(ans)-383(feste)-383(Land)-384(und)-383(in)-384(trockene)-383(Kleider)]TJ 0 -13.549 Td [(gekommen)-250(sei.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([226])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.712 -16.004 Td [(In)-378(den)-378(meisten)-377(F\344llen)-378(hilft)-378(meine)-378(Methode;)-442(sie)-378(f\374hrt)-377(durch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-312(T\374rlein:)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.183 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-312(ist)-313(es)-312(nicht)-312(wert,)-328(da\337)-312(ich)-312(mich)-313(opfere)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.81 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-328(in)-312(den)]TJ -246.68 -13.55 Td [(Garten)-250(der)-250(Gesundung.)]TJ 11.955 -16.004 Td [(Einige)-208(F\344lle)-209(sind)-208(hoffnungslos)-208(oder)-208(doch)-208(so)-209(schwerer)-208(Art,)-217(da\337)]TJ -11.955 -13.549 Td [(immer)-270(nur)-270(auf)-270(die)-269(Zeit)-270(gerechnet)-270(werden)-270(kann,)-275(die)-270(ihren)-269(langen)]TJ 0 -13.549 Td [(Geduldfaden)-281(spinnt.)-344(Die)-282(stehen)-281(dann)-281(wie)-282(verloren)-281(und)-281(verz\374rnt)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-257(dem)-257(lustigen)-256(Ferienheim)-257(vom)-257(Ich,)-258(werden)-257(zuerst)-257(auf)-256(einsame)]TJ 0 -13.549 Td [(Posten)-356(geschickt,)-383(wo)-357(ihnen)-356(kein)-357(lauter)-356(Ton)-357(wehe)-356(tut,)-383(aber)-356(wo)]TJ 0 -13.55 Td [(eine)-293(kleine)-293(feste)-293(Pflicht)-293(sie)-293(aufrecht)-293(h\344lt,)-304(und)-293(steigen,)-303(wenn)-293(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebenssehnsucht)-223(wieder)-222(erwacht,)-228(Stufe)-222(um)-223(Stufe)-222(ins)-223(Tal)-222(zur\374ck.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +934 0 obj << +/Type /Page +/Contents 935 0 R +/Resources 933 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +936 0 obj << +/D [934 0 R /XYZ 93.543 204.165 null] +>> endobj +933 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +937 0 obj +<< /S /GoTo /D (index20) >> +endobj +940 0 obj +(Die "krummbeinige Medizin") +endobj +943 0 obj << +/Length 3961 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([227])]TJ/F16 18.9589 Tf -264.594 -69.409 Td [(Die)]TJ/F24 18.9589 Tf 32.268 0 Td [(\036)]TJ/F16 18.9589 Tf 8.417 0 Td [(krummbeinige)-258(Medizin)]TJ/F24 18.9589 Tf 178.668 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -245.783 -37.512 Td [(Meine)-181(Kurmittel)-180(sind)-181(nicht)-181(ganz)-180(gew\366hnlicher)-181(Art.)-227(Es)-181(gibt)-180(\304rzte,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-205(den)-205(Sitz)-204(alles)-205(\334bels)-205(im)-204(Magen)-205(suchen;)-220(andere)-205(begeistern)-204(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-359(die)-360(Leber;)-414(wieder)-360(andere)-359(schw\366ren)-359(auf)-360(warme)-359(F\374\337e;)-414(ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(alte,)-466(bequeme)-423(Knaben)-422(geben)-423(immer)-422(zum)-423(Schwitzen)-423(ein)-422(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(verordnen)-283(Laxiermittel;)-300(wieder)-283(andere)-284(sagen,)-291(au\337er)-283(mit)-283(Chinin,)]TJ 0 -13.549 Td [(Digitalis)-214(und)-213(Quecksilber)-213(sei)-214(\374berhaupt)-213(nichts)-214(anzufangen;)-225(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-451(von)-452(den)-451(Wasserdoktoren)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.805 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Giftmischer)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.113 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.767 0 Td [(genannt,)-502(und)]TJ -221.528 -13.549 Td [(alle)-244(werden)-245(von)-244(den)-244(Hom\366opathen)-244(verachtet.)-249(Ich)-244(misch)-244(mich)-244(da)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-235(ein;)-240(ich)-236(sage:)-242(ihr)-235(habt)-235(alle)-236(recht,)-238(und)-235(der,)-238(der)-235(am)-235(wenigsten)]TJ 0 -13.549 Td [(tut,)-250(tut)-250(am)-250(meisten.)]TJ 11.956 -14.567 Td [(Meine)-438(Kuranstalt)-439(Ferien)-438(vom)-439(Ich)-438(ist)-439(etwas)-438(Neues,)-486(und)-438(es)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sind)-572(auch)-571(meine)-572(Kurverordnungen)-572(teilweise)-572(sehr)-571(neu.)-1215(So)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-519(ich)-520(in)-519(der)-519(kurzen)-519(Zeit)-520(meiner)-519(hiesigen)-519(Praxis)-519(meinen)]TJ 0 -13.55 Td [(Patienten)-207(in)-208(einundf\374nfzig)-207(F\344llen)-207(die)-208(Anschaffung)-207(eines)-207(Dackels)]TJ 0 -13.549 Td [(verordnet.)-221(Der)-164(Dackelhund)-164(als)-164(Heilmittel)-163(ist)-164(in)-164(der)-163(medizinischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Wissenschaft)-416(gewi\337lich)-416(ein)-416(Novum,)-457(aber)-416(er)-416(ist)-416(gleicherzeit)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(das)-320(k\374hne)-320(Bild)-321(ist)-320(in)-320(Tagebuchaufzeichnungen)-320(erlaubt)]TJ/F24 10.9091 Tf 245.621 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.947 0 Td [(nichts)]TJ -254.568 -13.549 Td [(anderes)-396(als)-397(ein)-396(Ei)-397(des)-396(Kolumbus.)-689(Ich)-396(habe)-397(selbst)-396(seit)-396(Jahren)]TJ 0 -13.55 Td [(einen)-376(Dackelhund)-376(\050in)-376(Amerika)-376(dr\374ben)-376(nennen)-376(sie)-376(ihn)]TJ/F19 10.9091 Tf 247.303 0 Td [(german)]TJ -247.303 -13.549 Td [(dog)]TJ/F16 10.9091 Tf 16.364 0 Td [(\051,)-326(er)-311(hei\337t)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.002 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Spezi)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.24 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-326(weil)-311(er)-312(mir)-311(in)-311(der)-311(Tat)-311(ein)-311(Spezialfreund)]TJ/F16 7.9701 Tf 193.731 0 Td [([228])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(geworden)-511(ist,)-577(und)-512(ich)-511(kenne)-512(die)-511(gesundheitsf\366rdernden)-511(und)]TJ 0 -13.549 Td [(erziehlichen)-503(Werte)-504(seiner)-503(Gegenwart)-503(zu)-503(gut,)-567(als)-503(da\337)-503(ich)-503(in)]TJ 0 -13.549 Td [(meiner)-628(N\344chstenliebe)-628(nicht)-629(auch)-628(anderen)-628(das)-628(Gl\374ck)-628(eines)]TJ 0 -13.55 Td [(solchen)-379(Besitzes)-379(g\366nnen)-380(sollte.)-637(Eine)-379(wissenschaftliche)-379(Arbeit)]TJ 0 -13.549 Td [(schreibe)-412(ich)-412(ja)-413(hier)-412(nicht;)-493(nur)-413(eine)-412(Tagebuchplauderei.)-736(Aber)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-684(will)-683(eine)-684(erweiterte)-683(Abschrift)-683(dieses)-684(Kapitels)-683(meinen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +942 0 obj << +/Type /Page +/Contents 943 0 R +/Resources 941 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +89 0 obj << +/D [942 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +938 0 obj << +/D [942 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +944 0 obj << +/D [942 0 R /XYZ 46.771 147.437 null] +>> endobj +941 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +947 0 obj << +/Length 4944 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(176)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Kollegen)-575(geben,)-657(die)-575(ein)-575(wenig)-576(die)-575(Nase)-575(\374ber)-575(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.736 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Chef)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(r\374mpfen,)-358(der)-336(so)-336(viele)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.429 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(krummbeinige)-336(Medizin)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.66 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.511 0 Td [(verordnet,)-358(da\337)]TJ -216.444 -13.549 Td [(neulich)-247(sechsundzwanzig)-248(Dackel)-247(auf)-247(dem)-248(Lindenplatze)-247(eine)-247(Art)]TJ 0 -13.549 Td [(Generalversammlung)-285(abhielten)-285(und)-285(greulichen)-285(Unfug)-284(ver\374bten.)]TJ 0 -13.55 Td [(\050Dr.)-868(Fristen)-456(hat)-456(mir)-456(damals)-456(gek\374ndigt)-456(mit)-456(der)-455(Begr\374ndung,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-330(er)-330(ein)-330(ernst)-330(zu)-330(nehmender)-330(Arzt)-330(sei,)-350(und)-330(ich)-330(habe)-330(ihn)-330(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(Trauer)-387(ziehen)-386(lassen.)-660(Hol)-387(der)-387(Fuchs)-387(alle)-386(Spie\337er,)-421(die)-387(nur)-386(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Schuleinmaleins)-250(ableiern)-250(k\366nnen!\051)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Einen)-468(Dackel)-467(verordne)-468(ich)-468(zun\344chst)-468(demjenigen,)-522(bei)-467(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-310(als)-310(Pfahlwurzel)-311(seiner)-310(Leiden)-310(zu)-310(gro\337e)-310(Eigenliebe)-310(erkenne.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-412(gew\366hnt)-412(ihm)-412(der)-413(Hund)-412(alsbald)-412(gr\374ndlich)-412(ab.)-736(Kein)-412(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-255(eingefleischter)-256(Nietzschianer)-255(behauptet)-255(auf)-256(die)-255(Dauer)-255(seinem)]TJ 0 -13.55 Td [(Dackel)-250(gegen\374ber)-250(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.844 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herrchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.581 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(-Natur.)]TJ -136.157 -14.776 Td [(Das)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.431 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herrchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.581 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.312 0 Td [(ist)-593(der)-593(Dackel;)-764(da)-593(kann)-593(einer)-593(dagegen)]TJ -92.124 -13.549 Td [(tun,)-548(was)-489(er)-489(will;)-608(es)-488(nutzt)-489(alles)-489(nichts.)-966(Zum)-488(Beispiel:)-727(Der)]TJ 0 -13.55 Td [(Philosoph,)-404(in)-373(schwere)-373(Gedanken)-373(versunken,)-404(strebt)-373(auf)-373(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Abendspaziergang)-276(gen)-276(Westen.)-327(Der)-276(begleitende)-276(Dackel)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.538 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.463 0 Td [(einen)]TJ -257.001 -13.549 Td [(Igel)-164(erschnuppernd)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.771 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.247 0 Td [(biegt)-164(gen)-165(S\374den)-164(ab.)-221(Der)-165(Philosoph)-164(wird)-164(sich)]TJ -92.018 -13.549 Td [(anfangs)-285(um)-285(den)-285(kl\344ffenden)-284(K\366ter)-285(ganz)-285(und)-285(gar)-285(nicht)-284(k\374mmern;)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([229])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(aber)-196(dann)-196(wird)-195(er)-196(pfeifen)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.029 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.591 0 Td [(einmal,)-207(zweimal,)-206(dreimal)-196(leise)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.212 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.591 0 Td [(dann)]TJ -259.423 -13.55 Td [(laut,)-386(immer)-359(lauter)-359(rufen,)-387(drohen,)-386(die)-359(F\344uste)-359(ballen,)-386(toben,)-386(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(seiner)-212(schweren)-212(Gedankenbahn)-211(geschleudert)-212(werden,)-219(umkehren,)]TJ 0 -13.549 Td [(gen)-301(S\374den)-302(wallen)-301(und)-301(Betrachtungen)-302(dar\374ber)-301(anstellen,)-314(ob)-301(nun)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-347(Dachshund)-347(oder)-346(ein)-347(Igel)-347(das)-347(widerborstigere)-346(Tier)-347(sei.)-540(Der)]TJ 0 -13.549 Td [(notgedrungene)-168(Gleitflug)-168(aus)-167(der)-168(luftarmen)-168(H\366he)-168(eisigen)-167(Denkens)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(durch)-250(einen)-250(Dackel)-250(ertrotzt.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Gut)-250(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.516 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(in)-250(den)-250(Ferien)-250(vom)-250(Ich!)]TJ -39.698 -14.777 Td [(Oder)-766(ein)-766(Misanthrop.)-1798(Sitzt)-766(der)-766(da)-766(in)-766(dem)-765(ganzen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Katzenjammer)-929(seines)-929(elenden)-928(Weltschmerzes,)-1099(und)-928(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(Dachshund)-406(setzt)-406(sich)-405(ihm)-406(gegen\374ber)-406(mit)-406(der)-405(ungeheuerlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Leidensmiene)-672(seiner)-673(durchtriebenen)-672(Viehvisage:)-1095(die)-672(Stirn)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-803(hundert)-802(Runzeln,)-941(die)-803(Ohren)-803(h\344ngend,)-941(den)-802(Schwanz)]TJ 0 -13.55 Td [(melancholisch)-202(eingeklemmt,)-211(die)-202(Augen)-201(verdreht)-202(und)-202(die)-201(Stimme)]TJ 0 -13.549 Td [(leise)-494(jaulend,)-556(wimmernd,)-555(st\366hnend,)-556(so)-494(wird)-494(der)-494(Misanthrop)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +946 0 obj << +/Type /Page +/Contents 947 0 R +/Resources 945 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +948 0 obj << +/D [946 0 R /XYZ 166.487 271.835 null] +>> endobj +945 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +951 0 obj << +/Length 4346 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(krummbeinige)-250(Medizin)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 138.223 0 Td [(177)]TJ +0 g 0 G + -264.267 -30.759 Td [(dieses)-564(Jammerbild)-564(nicht)-564(lange)-564(ertragen,)-642(mit)-564(dem)-564(Vieh)-563(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-625(Stra\337e)-624(fl\374chten)-624(und)-625(sich)-624(nicht)-625(schlecht)-624(wundern,)-718(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-446(scheinheilige)-445(J\344mmerling)-446(pl\366tzl)1(ich)-446(wie)-445(ein)-446(Berserker)-445(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebenslust)-491(umherrast.)-971(Etwas)-491(abf\344rben)-491(wird)-490(es)-491(schon.)-971(Das)]TJ 0 -13.55 Td [(n\344chste)-527(Mal,)-597(wenn)-527(er)-527(und)-527(der)-527(Dachs)-527(so)-527(tr\374bselig)-527(einander)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen\374bersitzen,)-529(wird)-473(sich)-473(der)-473(Misanthrop)-473(selbst)-473(nicht)-473(recht)]TJ 0 -13.549 Td [(trauen)-250(und)-250(auf)-250(die)-250(Stra\337e)-250(gehen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Der)-266(alten)-266(Jungfer,)-270(die)-265(sich)-266(ihr)-266(Leben)-266(lang)-266(nach)-266(einem)-265(Manne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gesehnt)-318(und)-319(keinen)-318(bekommen)-318(hat,)-336(verordne)-318(ich)-318(einen)-318(Dackel.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dann)-371(hat)-371(sie)-371(endlich)-371(den)-371(ersehnten)-371(Tyrannen,)-401(den)-371(sie)-371(pflegen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(f\374ttern)-250(kann.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([230])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(Die)-441(kleinliche,)-489(ordnungsw\374tige)-442(Hausfrau,)-489(die)-441(ihrem)-441(Mann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wegen)-287(eines)-287(Zigarrenst\344ubchens)-287(eine)-287(Szene)-287(machte)-287(und)-287(Kinder)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-446(Dienstboten)-446(teufelte,)-495(bis)-446(sie)-446(zu)-446(uns)-446(abgeschoben)-446(wurde,)]TJ 0 -13.549 Td [(bekommt)-737(einen)-737(Dackel)-737(und)-737(erh\344lt)-737(als)-737(Antwort)-737(auf)-736(ihre)]TJ 0 -13.55 Td [(entr\374stete)-212(Klage,)-220(da\337)-212(ihr)-212(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.253 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(entsetzliche)-212(Vieh)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.022 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.156 0 Td [(die)-212(Hausschuhe)]TJ -212.274 -13.549 Td [(verschleppe)-162(und)-161(in)-162(eine)-161(gute)-161(gestickte)-162(Decke)-161(ein)-162(Loch)-161(geknabbert)]TJ 0 -13.549 Td [(habe,)-323(die)-308(Antwort,)-323(die)-309(Welt)-308(sei)-308(weit,)-323(der)-309(Himmel)-308(sei)-308(hoch,)-323(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Hausschuhe)-237(und)-237(gestickten)-237(Decken)-237(seien)-237(im)-237(Universum)-237(von)-236(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(nebens\344chlicher)-404(Bedeutung,)-443(und)-404(ohne)-405(Dackel)-404(k\366nne)-404(sie)-404(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(gesund)-250(werden.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Die)-199(ganz)-200(unheilbar)-199(musikalische)-200(Donna)-199(Eleonora,)-210(von)-199(der)-199(mir)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihr)-281(Hausarzt)-281(im)-282(verschlossenen)-281(Briefe)-281(mitteilte,)-289(sie)-281(br\344chte)-281(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Nachbarschaft)-155(durch)-154(ihr)-155(ewiges)-154(Klavierspielen)-155(zur)-154(Verzweiflung,)]TJ 0 -13.549 Td [(erhielt)-250(ein)-250(Klavier)-250(und)-250(einen)-250(Dachshund)-250(verordnet.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Das)-273(Klavier)-274(hat)-273(sie)-274(aufgegeben;)-285(der)-274(Dackel)-273(hat)-274(es)-273(so)-273(verbellt)]TJ -11.956 -13.55 Td [(und)-473(verheult,)-529(da\337)-473(ihr)-473(die)-472(Drahtkommode)-473(zur)-473(Unm\366glichkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Allen)-451(den)-450(sehr)-451(nerv\366sen)-450(Herren,)-501(die)-451(zu)-450(mir)-451(kommen)-450(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(von)-325(denen)-325(ich)-325(wei\337,)-325(da\337)-325(sie)-325(trotz)-325(ihrer)-325(krankhaften)-325(Gereiztheit)]TJ 0 -13.549 Td [(drau\337en)-421(in)-420(der)-421(Welt)-421(als)-421(Richter)-420(oder)-421(Examinatoren)-421(auf)-420(arme)]TJ 0 -13.549 Td [(Opferl\344mmer)-186(losgelassen)-186(werden,)-199(verordne)-186(ich)-186(einen)-186(Dackel)-186(und)]TJ 0 -13.55 Td [(bitte)-288(sie,)-297(sich)-287(seiner)-288(k\374nftighin)-288(auch)-287(vor)-288(ihren)-287(Amtshandlungen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-286(bedienen.)-359(Ich)-286(denke)-286(dabei)-286(an)-286(die)-286(Wirkung)-286(milde)-286(ableitender)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +950 0 obj << +/Type /Page +/Contents 951 0 R +/Resources 949 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +952 0 obj << +/D [950 0 R /XYZ 46.771 381.603 null] +>> endobj +949 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +955 0 obj << +/Length 4618 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(178)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Mittel.)-895(Einer,)-518(der)-465(einen)-465(Hund)-465(gestreichelt)-465(hat,)-519(kann)-464(keinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Menschen)-429(ohne)-430(\344u\337erste)-429(Not)-430(zu)-429(Boden)-430(schlagen,)-474(auch)-429(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(seine)-250(Nerven)-250(noch)-250(so)-250(ruiniert)-250(sind.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([231])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -16.186 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich!)]TJ 0 -16.187 Td [(Das)-384(ist)-384(so)-384(die)-384(fieberstillende)-384(Wirkung)-384(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.743 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(krummbeinigen)]TJ -211.543 -13.549 Td [(Medizin)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-250(Aber)-250(der)-250(Dachs)-250(wirkt)-250(auch)-250(st\344rkend)-250(und)-250(aufbauend.)]TJ -29.248 -16.186 Td [(Einer,)-319(der)-305(an)-306(keine)-305(Treue)-305(auf)-306(der)-305(Welt)-305(mehr)-305(glaubte,)-319(bekam)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einen)-402(Dachshund.)-704(Nach)-402(acht)-401(Tagen)-402(sagte)-401(er)-402(mir,)-439(der)-401(Dackel)]TJ 0 -13.549 Td [(sei,)-517(wie)-463(alle)-463(Kreaturen,)-517(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.462 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(untreues)-463(Luder)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.066 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-890(Er)-463(gehe)-464(ihm)]TJ -210.215 -13.55 Td [(stets)-332(durch)-331(die)-332(Lappen,)-351(immer)-332(seinem)-331(tierischen)-332(Instinkt)-331(nach,)]TJ 0 -13.549 Td [(geradeso,)-319(wie)-306(es)-305(die)-305(Menschen)-305(t\344ten!)-416(Vier)-306(Wochen)-305(darauf)-305(war)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Mann)-250(bekehrt.)-250(Er)-250(sagte)-250(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bis)-242(ich)-243(am)-242(Hang)-243(am)-242(Berge)-243(bin,)-243(ist)-243(der)-242(Dackel)-243(in)-242(alle)-243(Winde.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Aber)-347(wenn)-347(ich)-346(zwei)-347(Stunden)-347(dort)-347(oben)-347(gesessen)-346(habe,)-371(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-195(Hund)-195(zu)-195(mir)-195(mit)-195(schmutzigen)-195(Pfoten)-195(und)-195(lehmiger)-195(Schnauze.)]TJ 0 -13.55 Td [(Und)-186(es)-185(ist)-186(mir,)-198(als)-186(ob)-186(er)-185(treuherzig)-186(sagte:)-218(Liebes)-185(Herrchen,)-199(es)-185(gibt)]TJ 0 -13.549 Td [(zwar)-291(noch)-292(tausend)-291(Mausel\366cher,)-302(in)-291(die)-292(ich)-291(schnuppern)-291(m\366chte,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-377(es)-376(ist)-377(doch)-376(am)-377(sch\366nst)1(en)-377(bei)-376(dir!)-630(Das)-376(ist)-377(immerhin)-376(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(gewisse)-250(Treue!)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.338 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -54.383 -16.186 Td [(Endlich)-579(verordne)-580(ich)-579(einen)-580(Dackel)-579(allen)-579(denen,)-662(die)-580(ein)]TJ -11.955 -13.55 Td [(gespreiztes,)-417(hoff\344rtiges)-384(Gebaren)-384(haben,)-417(denen,)-418(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.512 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(sich)-384(tun)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.704 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(wie)-371(die)-371(Leute)-371(sagen.)-612(Es)-371(sind)-371(ihrer)-371(sehr)-371(viele.)-613(Wer)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.802 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(tut)-371(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.14 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(heutzutage)-400(nicht?)-701(Der)-400(Dichterling,)-437(der)-401(reiche)-400(Kaufmann,)-437(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Herr)-440(Beamte,)-488(das)-441(ganze)-440(Weibsvolk.)-821(Bindet)-441(ihnen)-440(nur)-440(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Dackel)-405(ans)-406(Bein,)-444(der)-405(sie)-405(an)-405(den)-406(Hosen)-405(oder)-405(am)-405(Humpelrock)]TJ 0 -13.55 Td [(zerrt,)-250(gleich)-250(ist)-250(ihre)-250(Hoheit)-250(dahin.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Man)-279(kann)-278(nicht)-278(geziert,)-286(nicht)-279(unnat\374rlich)-278(tun)-278(und)-279(sein,)-286(wenn)]TJ -11.955 -13.549 Td [(man)-158(mit)-157(einem)-158(Dackel)-157(geht.)-219(Das)-158(rustikale)-157(Viehzeug)-158(verdirbt)-157(allen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([232])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(aufgeblasenen)-350(Stil,)-376(zerrt)-351(einen)-350(widerwillig)-350(in)-351(die)-350(Nat\374rlichkeit)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ck.)]TJ 11.955 -16.186 Td [(Gewi\337,)-407(der)-408(Dackel)-407(ist)-408(ein)-407(stobiger)-407(Philister,)-447(ein)-408(t\344ppischer)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Biedermeier,)-333(ein)-316(Kleinb\374rger,)-333(aber)-316(auch)-317(ein)-316(Nihilist)-316(gegen)-316(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(Gespreiztheit,)-250(ein)-250(genialer)-250(Sp\366tter.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +954 0 obj << +/Type /Page +/Contents 955 0 R +/Resources 953 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 932 0 R +>> endobj +956 0 obj << +/D [954 0 R /XYZ 93.543 490.935 null] +>> endobj +957 0 obj << +/D [954 0 R /XYZ 273.187 136.525 null] +>> endobj +953 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +960 0 obj << +/Length 548 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(krummbeinige)-250(Medizin)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 138.223 0 Td [(179)]TJ +0 g 0 G + -252.311 -30.759 Td [(Ich)-260(w\374\337te)-260(nicht,)-263(warum)-260(ich)-260(ihn)-260(nicht)-260(als)-260(ein)-260(Heilmittel)-260(gegen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mancherlei)-216(Gebrechen)-216(unserer)-215(Zeit)-216(in)-216(unseren)-216(Kurplan)-215(einsetzen)]TJ 0 -13.549 Td [(sollte!)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +959 0 obj << +/Type /Page +/Contents 960 0 R +/Resources 958 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +958 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +962 0 obj +<< /S /GoTo /D (index21) >> +endobj +965 0 obj +(In der Genovevenklause) +endobj +968 0 obj << +/Length 4004 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([233])]TJ/F16 18.9589 Tf 120.666 -67.818 Td [(In)-264(der)-265(Genovevenklause)]TJ/F16 10.9091 Tf -47.911 -35.921 Td [(Die)-479(Genovevenklause)-480(ist)-479(frei)-479(geworden.)-938(Den)-479(Sommer)-479(\374ber)]TJ 0 -13.55 Td [(wohnte)-320(eine)-320(Witwe)-320(mit)-320(ihrem)-320(S\366hnchen)-320(darin.)-460(Eine)-320(vornehme)]TJ 0 -13.549 Td [(Dame,)-226(die)-219(nach)-219(dem)-220(Untergang)-219(ihres)-219(Ehegl\374cks)-220(aus)-219(ihrer)-219(bunten)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesellschaft)-164(in)-164(die)-164(Einsamkeit)-164(der)-163(Klause)-164(fl\374chtete.)-222(Das)-163(H\344uslein)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-530(halb)-529(in)-530(den)-530(Berg)-529(hineingebaut,)-600(ein)-529(Kreuz)-530(ist)-530(\374ber)-529(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Felsen,)-324(der)-309(Bach)-308(flie\337t)-309(vorbei,)-324(ein)-309(zahmes)-309(Reh)-309(grast)-309(vor)-308(seiner)]TJ 0 -13.55 Td [(T\374r.)-1027(Es)-509(vertritt)-510(die)-509(Hirschkuh)-509(der)-509(Legende.)-1027(Dort)-509(bei)-509(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Genovevenklause)-243(ist)-244(meist)-243(tiefe)-244(Stille;)-245(nur)-244(ein)-243(schmaler)-243(Fu\337weg)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hrt)-156(zu)-155(ihr)-156(hin,)-175(und)-156(es)-155(ist)-156(dort)-156(recht)-155(einsam.)-219(Nur)-156(die)-155(Heimwehfluh)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(dem)-250(Hirtenhaus)-250(ist)-250(ebenso)-250(still.)]TJ 11.956 -14.249 Td [(Nun)-328(ist)-328(die)-328(Frau)-328(fortgezogen.)-485(Sie)-328(mu\337te)-328(in)-328(die)-328(Welt)-328(zur\374ck)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(hatte)-250(Tr\344nen)-250(in)-250(den)-250(Augen,)-250(als)-250(sie)-250(Abschied)-250(nahm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-421(das)-421(Grab)-420(meines)-421(Gatten)-421(hier)-421(w\344re,)-463(m\366chte)-421(ich)-421(nie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mehr)-250(ausziehen)-250(aus)-250(der)-250(lieben)-250(Klause)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.498 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf -157.386 -14.249 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-485(m\374ssen)-485(es)-485(wegen)-485(Ihres)-485(Sohnes)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.006 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-544(entgegnete)-485(ich)-485(ihr;)]TJ/F24 10.9091 Tf -185.648 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-404(d\374rfen)-405(keinen)-404(Schmerzensreich,)-443(keinen)-404(Parsival)-404(aus)-404(ihm)]TJ -4.844 -13.549 Td [(machen;)-250(Sie)-250(m\374ssen)-250(ihn)-250(vorbereiten)-250(f\374r)-250(das)-250(Leben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 223.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -296.349 0 Td [([234])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.712 -14.249 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mir)-355(graut)-354(vor)-355(dem)-355(Leben)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.849 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-381(sagte)-355(Frau)-354(Herzeleide)-355(und)-355(zog)]TJ -136.492 -13.55 Td [(davon!)-250(...)]TJ 11.956 -14.249 Td [(Heute)-500(war)-499(ich)-500(in)-499(der)-500(Direktion.)-999(Der)-499(Direktor)-500(war)-499(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anwesend,)-269(und)-265(ich)-266(mu\337te)-265(ein)-265(wenig)-266(warten.)-295(Da)-266(kam)-265(sie)-265(zur)-265(T\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(herein)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.722 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.915 0 Td [(Magdalena)-225(vom)-226(Forellenhof)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.147 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(,)-230(die)-226(Frau)-225(meines)-226(Bruders)]TJ -169.238 -13.549 Td [(Joachim.)-782(Als)-428(sie)-427(mich)-428(sah,)-471(erschrak)-428(sie)-427(und)-428(strebte)-427(zur)-427(T\374r)]TJ 0 -13.55 Td [(wieder)-250(hinaus.)-250(Ich)-250(hielt)-250(sie)-250(zur\374ck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.249 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-433(w\374nschen)-433(Sie,)-478(Magdalena?)-799(Der)-433(Herr)-433(Direktor)-433(wird)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gleich)-250(hier)-250(sein.)-250(Warten)-250(Sie)-250(nur)-250(einige)-250(Minuten!)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.873 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +967 0 obj << +/Type /Page +/Contents 968 0 R +/Resources 966 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +90 0 obj << +/D [967 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +963 0 obj << +/D [967 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +969 0 obj << +/D [967 0 R /XYZ 93.543 188.668 null] +>> endobj +966 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +972 0 obj << +/Length 4685 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(der)-250(Genovevenklause)-14505(181)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Sie)-250(war)-250(\344u\337erst)-250(verwirrt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-415(wollte)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.257 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.981 0 Td [(ich)-415(m\366chte)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.5 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.982 0 Td [(ich)-415(wollte)-415(nur)-415(anfragen,)-456(ob)-415(es)]TJ -141.519 -13.549 Td [(vielleicht)-369(m\366glich)-368(sei,)-399(da\337)-368(ich)-369(in)-368(die)-369(Genovevenklause)-368(ziehen)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnte,)-250(da)-250(sie)-250(frei)-250(geworden)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.669 0 Td [(\034)]TJ -127.713 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gef\344llt)-250(es)-250(Ihnen)-250(nicht)-250(mehr)-250(auf)-250(dem)-250(Forellenhof?)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -220.854 -13.927 Td [(Sie)-250(wich)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(m\366chte)-250(sehr)-250(gern)-250(in)-250(tiefere)-250(Einsamkeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 188.138 0 Td [(\034)]TJ -192.981 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-250(Ihr)-250(Arzt)-250(damit)-250(einverstanden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.207 0 Td [(\034)]TJ -149.05 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.815 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -16.658 -13.927 Td [(Irgendein)-276(Angestellter)-277(kam)-276(und)-276(meldete,)-283(der)-277(Direktor)-276(sei)-276(zur)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Bahn)-250(gefahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-388(dann)-361(warten)-361(wir)-360(jetzt)-361(vergebens)-361(auf)-360(ihn,)-389(Magdalena.)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Wenn)-308(es)-308(Ihnen)-307(recht)-308(ist,)-322(gehen)-308(wir)-308(zusammen)-308(nach)-308(der)-307(Klause)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-279(sehen,)-287(wie)-280(es)-279(dort)-280(steht.)-338(Ich)-279(werde)-280(schon)-279(daf\374r)-280(sorgen,)-286(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-250(die)-250(Klause)-250(bekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.957 0 Td [(\034)]TJ -105.001 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-372(bin)-373(Ihnen)-372(sehr)-373(dankbar,)-403(Herr)-372(Doktor,)-404(aber)-372(ich)-373(m\366chte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihnen)-250(meinetwegen)-250(den)-250(Weg)-250(nicht)-250(zumuten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 195.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 95.915 0 Td [([235])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-544(der)-543(Rede)-544(wert;)-690(ich)-544(gehe)-543(jetzt)-544(sowieso)-544(spazieren.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Kommen)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.906 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -48.95 -13.927 Td [(Ich)-343(merkte,)-365(wie)-343(ungern)-343(sie)-342(mir)-343(folgte.)-528(Ihr)-342(Gesicht)-343(war)-342(sehr)]TJ -11.956 -13.549 Td [(bla\337,)-478(und)-479(ihre)-478(Lippen)-479(zuckten.)-935(Das)-479(ehemals)-478(so)-478(prachtvolle)]TJ 0 -13.549 Td [(rotblonde)-506(Haar)-506(war)-507(schwarz)-506(gef\344rbt;)-634(das)-506(ver\344nderte)-506(sie)-506(am)]TJ 0 -13.55 Td [(meisten.)-783(Aber)-427(auch)-428(der)-428(fr\374her)-427(so)-428(rosige)-427(Teint)-428(war)-427(verloren;)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-483(Haut)-482(schimmerte)-483(bla\337)-482(und)-482(feucht;)-599(die)-483(Kinderaugen,)-540(die)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-544(\374berm\374tig)-543(blitzen)-544(und)-543(lachen)-544(konnten,)-616(hatten)-544(wohl)-543(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(wunderbare)-250(Sch\366nheit)-250(noch,)-250(aber)-250(sie)-250(blickten)-250(m\374de)-250(und)-250(traurig.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(W\344hrend)-224(wir)-223(so)-224(gingen,)-229(sprach)-224(ich)-223(\374ber)-224(harmlose)-224(Dinge,)-228(\374ber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-352(Ernte,)-378(\374ber)-352(Vater)-352(Barthel.)-556(Sie)-353(gab)-352(kurze)-352(Antworten,)-377(blieb)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-307(einen)-308(Schritt)-307(hinter)-307(mir)-308(und)-307(vermied)-307(es,)-322(mir)-307(ins)-307(Gesicht)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-364(schauen.)-592(Als)-364(wir)-364(an)-364(den)-364(schmalen)-364(Pfad)-364(kamen,)-392(atmete)-364(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(ersichtlich)-473(auf.)-919(Jetzt)-473(konnten)-473(wir)-473(nicht)-473(mehr)-473(nebeneinander)]TJ 0 -13.549 Td [(gehen.)-250(Sie)-250(bestand)-250(darauf,)-250(da\337)-250(ich)-250(voranschritt.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(So)-307(kamen)-308(wir)-307(zur)-307(Klause.)-423(Hoch)-307(ragte)-307(das)-308(Bild)-307(des)-307(Erl\366sers,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-405(ich)-406(dachte)-405(an)-405(jenen)-405(kalten)-406(Wintertag,)-444(da)-405(ich)-405(grausam)-405(zu)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +971 0 obj << +/Type /Page +/Contents 972 0 R +/Resources 970 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +973 0 obj << +/D [971 0 R /XYZ 46.771 295.611 null] +>> endobj +970 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +976 0 obj << +/Length 4948 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(182)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(dieser)-458(Frau)-457(gewesen)-458(war)-458(und)-458(mir)-457(nachher)-458(der)-458(milde)-457(Freund)]TJ 0 -13.549 Td [(Mariens)-365(von)-364(Magdala)-365(einfiel.)-593(Heute)-365(wollte)-364(ich)-365(nicht)-364(grausam)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)-265(Diese)-255(Frau)-255(war)-255(so)-255(m\374de,)-256(so)-255(geschlagen;)-258(sie)-254(brauchte)-255(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Strafe)-250(mehr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Magdalena)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.469 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-388(sagte)-361(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.609 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-361(habe)-360(geh\366rt,)-389(da\337)-360(Sie)-361(gern)-360(mit)]TJ -128.565 -13.55 Td [(unserer)-281(kleinen)-280(Luise)-281(gespielt)-281(haben.)-341(Das)-281(Kind)-281(ist)-280(viel)-281(auf)-280(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Forellenhof.)-250(Wird)-250(es)-250(Ihnen)-250(hier)-250(nicht)-250(fehlen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.225 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -185.269 -13.838 Td [(Sie)-250(seufzte)-250(schwer.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([236])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-447(es)-407(wird)-408(mir)-407(fehlen.)-723(Aber)-407(auf)-408(dem)-407(Forellenhof)-408(nimmt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(es)-306(jetzt)-306(meist)-306(das)-306(junge)-306(Fr\344ulein,)-320(die)-306(B\344rbel,)-320(und)-306(mir)-306(hat)-305(Luise)]TJ 0 -13.549 Td [(versprochen,)-402(da\337)-371(sie)-372(mich)-372(alle)-371(Tage)-372(besuchen)-371(will.)-615(Sie)-371(spielt)]TJ 0 -13.549 Td [(gern)-250(mit)-250(dem)-250(Reh.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.207 0 Td [(\034)]TJ -69.251 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(Sie)-250(haben)-250(dem)-250(Kinde)-250(auch)-250(viele)-250(Geschichten)-250(erz\344hlt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.298 0 Td [(\034)]TJ -261.141 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(sie)-250(h\366rt)-250(gerne)-250(M\344rchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.145 0 Td [(\034)]TJ -122.989 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Haben)-207(Sie)-207(auch)-207(mit)-206(ihr)-207(gelesen,)-216(geschrieben)-207(und)-207(gerechnet?)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(tue)-250(das)-250(sehr)-250(gern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.942 0 Td [(\034)]TJ -111.786 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.091 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -23.935 -13.838 Td [(Ich)-250(machte)-250(eine)-250(Pause.)]TJ 0 -13.838 Td [(Dann)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-376(Kind)-376(ist)-376(ja)-376(bald)-376(hier,)-408(bald)-376(dort,)-407(und)-376(es)-376(soll)-376(sich)-377(auch)]TJ -16.799 -13.55 Td [(weiterhin)-319(austoben.)-455(Aber)-319(als)-319(st\344ndiges)-318(Unterkommen)-319(h\344tte)-318(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-360(die)-359(Kleine)-360(gern)-359(ein)-359(stilles)-360(Heim.)-578(Wenn)-360(es)-359(Ihnen)-360(recht)-359(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(Magdalena,)-250(gebe)-250(ich)-250(Luise)-250(zu)-250(Ihnen)-250(in)-250(Pflege.)]TJ/F24 10.9091 Tf 202.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -190.725 -13.838 Td [(Da)-250(schrie)-250(sie)-250(kurz)-250(und)-250(j\344h)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herr)-279(Doktor,)-285(wenn)-279(Sie)-279(das)-278(tun,)-286(erweisen)-279(Sie)-278(mir)-279(eine)-279(gro\337e)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Gnade!)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -20.151 -13.838 Td [(Ich)-318(sah)-318(ihr)-317(in)-318(die)-318(flammenden)-318(Augen)-317(und)-318(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.783 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-318(werde)]TJ -236.582 -13.549 Td [(es)-250(tun.)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -16.529 -13.838 Td [(Nun)-250(fa\337te)-250(sie)-250(mich)-250(an)-250(den)-250(H\344nden;)-250(ihr)-250(ganzer)-250(K\366rper)-250(bebte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.838 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Eine)-255(Gnade!)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.879 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.621 0 Td [(wiederholte)-255(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.003 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-255(bin)-254(so)-255(verlassen,)-255(und)-255(ich)]TJ -156.146 -13.55 Td [(habe)-250(das)-250(Kind)-250(so)-250(lieb!)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -85.605 -13.838 Td [(Sie)-361(lie\337)-360(mich)-360(los,)-389(legte)-360(einen)-360(Arm)-361(\374ber)-360(die)-361(Augen,)-388(trat)-361(ein)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([237])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(wenig)-182(zur\374ck)-182(und)-182(stand)-182(so)-183(ein)-182(Weilchen)-182(still)-182(da.)-227(Pl\366tzlich)-182(begann)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(bitterlich)-250(zu)-250(weinen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +975 0 obj << +/Type /Page +/Contents 976 0 R +/Resources 974 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +977 0 obj << +/D [975 0 R /XYZ 93.543 422.611 null] +>> endobj +978 0 obj << +/D [975 0 R /XYZ 342.368 93.24 null] +>> endobj +974 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +981 0 obj << +/Length 4781 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(der)-250(Genovevenklause)-14505(183)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(ist)-250(Ihnen,)-250(Magdalena?)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.756 0 Td [(\034)]TJ -123.599 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-373(geht)-373(nicht;)-435(es)-373(geht)-373(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.894 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.914 0 Td [(schluchzte)-373(sie;)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.013 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)-373(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.712 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(wenn)-345(Sie)-344(w\374\337ten,)-369(wer)-344(ich)-345(bin,)-368(w\374rden)-345(Sie)-345(mir)-344(das)-345(Kind)-344(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergeben.)-250(Ich)-250(bin)-250(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.12 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(eine)-250(schlechte)-250(Frau!)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.851 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -189.197 -14.298 Td [(Ich)-487(ging)-486(zu)-487(der)-486(Ungl\374cklichen,)-546(legte)-487(einen)-486(Arm)-487(um)-486(ihre)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Schultern)-250(und)-250(sagte)-250(ersch\374ttert:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-212(bekommst)-213(das)-212(Kind)-213(doch,)-220(obwohl)-212(ich)-212(wei\337,)-213(wer)-212(du)-213(bist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.988 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.298 Td [(Sie)-250(prallte)-250(zur\374ck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(wissen)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.091 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(wer)-250(ich)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.32 0 Td [(\034)]TJ -105.436 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(K\344the,)-250(ich)-250(hab)-250(dich)-250(erkannt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -143.29 -14.298 Td [(Da)-299(warf)-300(sie)-299(die)-300(Arme)-299(in)-300(die)-299(Luft,)-312(stie\337)-299(einen)-300(Schrei)-299(aus)-299(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verschwand)-250(um)-250(den)-250(Felsen)-250(in)-250(den)-250(Wald.)]TJ 11.956 -14.298 Td [(Ich)-250(eilte)-250(ihr)-250(nach)-250(und)-250(holte)-250(sie)-250(mit)-250(M\374he)-250(ein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-214(Joachim)-213(mich)-214(erkennt,)-221(schl\344gt)-214(er)-213(mich)-214(tot!)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.42 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.175 0 Td [(wimmerte)]TJ -236.394 -13.55 Td [(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-314(erkennt)-313(dich)-314(nicht.)-441(Niemand)-314(kennt)-313(dich)-314(au\337er)-314(mir.)-441(Und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-250(werde)-250(dich)-250(sch\374tzen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -96.797 -14.298 Td [(Sie)-520(mu\337te)-521(sich)-520(an)-520(mir)-520(festhalten,)-588(als)-521(ich)-520(sie)-520(zur)-520(Klause)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zur\374ckf\374hrte.)-509(Dort)-337(setzte)-336(ich)-336(sie)-337(auf)-336(die)-336(Bank)-337(vor)-336(der)-336(Haust\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(streichelte)-250(ihren)-250(Scheitel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.298 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jetzt)-216(sind)-215(Sie)-216(wieder)-215(Magdalena,)-223(und)-215(ich)-216(bin)-215(wieder)-216(der)-216(Herr)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Doktor.)-458(Wir)-320(kennen)-319(uns)-319(nicht.)-459(Das,)-336(was)-320(jetzt)-319(hier)-320(geschah,)-336(ist)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-255(gewesen!)-264(Morgen)-255(fr\374h)-255(bringe)-255(ich)-254(das)-255(Kind.)-265(Beruhigen)-254(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sich,)-386(Magdalena,)-385(f\374rchten)-359(Sie)-358(nichts,)-386(\344ngstigen)-358(Sie)-359(sich)-358(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-398(Kind)-398(darf)-398(sich)-398(ja)-398(nicht)-398(wundern.)-694(Es)-398(soll)-398(ja)-398(eine)-397(heitere,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([238])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zufriedene)-250(Pflegerin)-250(haben.)-250(Auf)-250(Wiedersehen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.258 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.302 -14.298 Td [(Ich)-250(lie\337)-250(sie)-250(allein.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 124.525 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 106.79 Td [(Meine)-267(Mutter)-267(hat)-267(sich)-267(um)-267(Luise)-267(wenig)-267(mehr)-267(gek\374mmert.)-300(Sie)]TJ -11.956 -13.55 Td [(hat)-300(wohl)-300(sicher)-300(Tag)-300(und)-300(Nacht)-301(an)-300(das)-300(Kind)-300(gedacht,)-312(aber)-300(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-373(ihm)-373(gefragt.)-619(Sie)-373(hat)-373(keine)-373(Freude)-374(an)-373(dem)-373(M\344dchen,)-403(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(liebt)-250(es)-250(nicht;)-250(sein)-250(Dasein)-250(aber)-250(regt)-250(sie)-250(auf,)-250(l\344\337t)-250(sie)-250(leiden.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +980 0 obj << +/Type /Page +/Contents 981 0 R +/Resources 979 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +982 0 obj << +/D [980 0 R /XYZ 150.274 184.008 null] +>> endobj +983 0 obj << +/D [980 0 R /XYZ 189.451 170.459 null] +>> endobj +979 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +986 0 obj << +/Length 4742 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(184)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Die)-299(Mutter)-298(kommt)-299(kaum)-299(alle)-299(zwei)-298(oder)-299(drei)-299(Wochen)-298(einmal)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-350(mir)-351(heraus.)-551(Ich)-350(glaube)-351(nicht,)-375(da\337)-350(sie)-351(an)-350(meiner)-350(Sch\366pfung)]TJ 0 -13.549 Td [(viel)-244(Freude)-244(hat.)-248(Sie)-243(ist)-244(von)-244(stockkonservativer)-244(Natur;)-246(alles)-243(Neue)]TJ 0 -13.549 Td [(erscheint)-250(ihr)-250(verd\344chtig.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(Ein-)-397(oder)-398(zweimal)-397(hat)-398(die)-397(Mutter)-398(aber)-397(doch)-398(Luise)-397(fl\374chtig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wiedergesehen.)-929(Sie)-476(ist)-476(dann)-477(in)-476(schwere)-476(Aufregung)-476(geraten.)]TJ 0 -13.55 Td [(Und)-618(eines)-618(Septembertags,)-709(kurz)-618(nachdem)-618(das)-618(Kind)-618(in)-617(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Genovevenklause)-389(untergebracht)-390(worden)-389(war,)-424(sagte)-389(die)-389(Mutter)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-333(qu\344le)-334(mich)-333(mit)-333(dem)-334(Gedanken,)-354(ob)-333(es)-334(nicht)-333(unrecht)-334(ist,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Joachim)-250(die)-250(Anwesenheit)-250(seines)-250(Kindes)-250(zu)-250(verheimlichen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.014 0 Td [(\034)]TJ -244.058 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Qu\344le)-331(dich)-331(nicht,)-351(Mutter!)-492(Joachim)-331(hat)-331(bis)-331(jetzt)-331(dem)-331(Kinde)]TJ -16.799 -13.549 Td [(seine)-308(Anwesenheit)-308(auch)-308(verheimlicht,)-322(ja)-308(das)-308(Kind)-308(nicht)-308(einmal)]TJ 0 -13.549 Td [(wissen)-250(lassen,)-250(da\337)-250(er)-250(\374berhaupt)-250(existiert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 178.451 0 Td [(\034)]TJ -166.495 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(sprichst)-250(immer)-250(recht)-250(lieblos)-250(von)-250(deinem)-250(Bruder!)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.152 0 Td [(\034)]TJ -232.995 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-472(spreche)-472(so,)-527(wie)-472(ich)-472(nach)-472(seinem)-472(Verhalten)-472(sprechen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mu\337!)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.029 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -11.074 -13.927 Td [(Sie)-215(wandte)-216(sich)-215(beiseite,)-222(und)-216(ihre)-215(feine)-215(Gestalt)-216(zitterte)-215(in)-216(Zorn)]TJ -11.955 -13.549 Td [(und)-250(Trotz.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([239])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(werde)-250(Joachim)-250(aufkl\344ren!)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.949 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(sie)-250(bestimmt.)]TJ/F24 10.9091 Tf -142.364 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-467(wirst)-467(du)-467(nicht)-467(tun,)-521(liebe)-467(Mutter!)-901(Du)-467(wirst)-467(mit)-467(mir)]TJ -16.799 -13.549 Td [(warten,)-488(bis)-441(Joachim)-440(menschlich)-441(wieder)-441(so)-440(weit)-441(ist,)-488(sich)-440(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ferne)-237(wenigstens)-237(seiner)-238(Vaterpflicht)-237(zu)-237(erinnern)-237(und)-237(sich)-237(einmal)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-238(erkundigen,)-240(was)-238(aus)-238(seiner)-238(Tochter)-238(geworden)-238(ist.)-246(La\337)-237(ihn!)-246(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(macht)-250(jetzt)-250(Ferien)-250(von)-250(seinem)-250(v\366llig)-250(verfehlten)-250(Ichleben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.654 0 Td [(\034)]TJ -237.699 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-250(ist)-250(schuldlos)-250(an)-250(seinem)-250(Ungl\374ck!)]TJ/F24 10.9091 Tf 157.865 0 Td [(\034)]TJ -162.709 -13.926 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein!)-250(Er)-250(ist)-250(nicht)-250(ohne)-250(Schuld.)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.142 0 Td [(\034)]TJ -139.986 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fritz!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.24 0 Td [(\034)]TJ -29.084 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-312(ist)-312(nicht)-312(ohne)-313(Schuld)-312(gegen)-312(sich)-312(selbst;)-343(denn)-312(er)-312(hat)-313(sich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(durch)-263(seinen)-263(ma\337losen)-262(Ha\337)-263(viel)-263(tiefer)-263(ins)-263(Ungl\374ck)-262(gebracht,)-266(als)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-313(kluger)-314(Mensch,)-329(der)-314(sich)-313(beherrschen)-313(kann,)-330(n\366tig)-313(hatte,)-329(und)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(hat)-250(sich)-250(gegen)-250(sein)-250(Kind)-250(sch\344big)-250(benommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 208.451 0 Td [(\034)]TJ -196.496 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-246(ist)-247(unerh\366rt,)-247(was)-246(du)-247(zu)-246(behaupten)-247(wagst.)-249(Nun)-246(werde)-247(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Joachim)-250(bestimmt)-250(aufkl\344ren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.349 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +985 0 obj << +/Type /Page +/Contents 986 0 R +/Resources 984 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 961 0 R +>> endobj +987 0 obj << +/D [985 0 R /XYZ 93.543 271.925 null] +>> endobj +984 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +990 0 obj << +/Length 4694 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(In)-250(der)-250(Genovevenklause)-14505(185)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Tue)-213(es)-213(nicht,)-220(Mutter,)-221(ich)-213(rate)-213(dir)-213(gut.)-238(Joachim)-213(wird)-213(jetzt)-213(noch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-250(mit)-250(dem)-250(Kinde)-250(zusammenleben)-250(wollen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.164 0 Td [(\034)]TJ -186.208 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun,)-306(so)-294(m\374\337te)-295(man)-294(eben)-295(das)-294(M\344dchen)-295(vorl\344ufig)-294(noch)-295(nach)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einer)-250(guten)-250(Pension)-250(bringen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.833 0 Td [(\034)]TJ -112.877 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-390(w\374rde)-390(nicht)-391(geschehen;)-460(sondern)-390(wenn)-390(eine)-391(Trennung)]TJ -16.799 -13.55 Td [(n\366tig)-388(w\344re,)-423(w\374rde)-388(Luise)-388(hierbleiben,)-422(und)-388(Joachim)-388(w\374rde)-388(von)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-250(entlassen)-250(werden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.433 0 Td [(\034)]TJ -83.477 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Entlassen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ -51.501 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-483(es)-437(hat)-436(sich)-437(so)-436(gef\374gt,)-483(da\337)-437(Joachim)-436(gegenw\344rtig)-437(mein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Angestellter)-250(ist.)-250(Er)-250(hat)-250(einen)-250(sehr)-250(kurzfristigen)-250(Vertrag.)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.673 0 Td [(\034)]TJ -230.717 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(bist)-250(ma\337los)-250(hochm\374tig)-250(und)-250(lieblos!)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.007 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 104.218 0 Td [([240])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-390(handle)-391(so,)-425(wie)-391(es)-390(mir)-391(mein)-390(Herz)-391(und)-390(meine)-391(Vernunft)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vorschreiben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.073 0 Td [(\034)]TJ -47.117 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Berufe)-229(dich)-230(nicht)-229(auf)-230(dein)-229(Herz)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.714 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-234(sagte)-229(sie,)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.591 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(du)-229(hast)-230(keines!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.994 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -13.995 Td [(Und)-250(sie)-250(ging.)]TJ 0 -13.996 Td [(Ich)-461(habe)-460(in)-461(den)-460(folgenden)-461(Tagen)-460(seelisch)-461(gelitten.)-881(Nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nur)-407(der)-407(Mutter)-407(wegen,)-446(die)-407(ich)-407(liebe)-407(und)-407(mit)-407(der)-407(ich)-407(mich)-406(so)]TJ 0 -13.549 Td [(wenig)-308(verstehe,)-322(sondern)-308(auch,)-322(weil)-308(ich)-308(rundum)-307(Leute)-308(sehe,)-322(die)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-353(von)-352(der)-353(Last)-352(ihres)-353(Alltagslebens)-353(befreit)-352(in)-353(Ferienruhe)-352(des)]TJ 0 -13.55 Td [(Daseins)-244(erfreuen)-245(und)-244(ich)-244(selbst)-245(mittendrin)-244(stehe)-245(im)-244(Ichleben,)-245(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Familienjammer.)]TJ 11.956 -13.995 Td [(Und)-399(da)-399(d\344mmerte)-400(mir,)-436(da\337)-399(es)-399(gut)-399(sei,)-437(wenn)-399(ich)-399(selbst)-399(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Liebe)-277(fernbliebe,)-284(da\337)-277(ich)-277(in)-277(freiem,)-283(ungest\366rtem)-277(Z\366libat)-277(meiner)]TJ 0 -13.55 Td [(gro\337en)-292(Idee)-291(am)-292(besten)-291(dienen)-292(k\366nne,)-302(Herz)-292(und)-291(Sinne)-292(zwar)-291(leer)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-220(manchem)-219(Gl\374ck)-220(bleiben)-219(w\374rden,)-226(aber)-219(Arm)-220(und)-219(Fu\337)-220(frei)-219(von)]TJ 0 -13.549 Td [(jeder)-308(auch)-309(noch)-308(so)-308(goldenen)-309(Kette,)-323(frei)-308(zum)-308(Vorw\344rtsschreiten)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Handeln.)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Zur)-232(Mutter)-231(ging)-232(ich)-232(nach)-232(drei)-231(Tagen.)-244(Ich)-232(sprach)-232(freundlich)-231(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ihr)-276(und)-275(sagte)-276(ihr,)-282(da\337)-275(ich)-276(ihre)-276(Natur)-275(und)-276(ihr)-275(Handeln)-276(ja)-275(begriffe)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-354(verst\344nde.)-561(Sie)-354(sch\374ttelte)-354(zwar)-354(das)-354(sch\366ne)-354(K\366pfchen,)-379(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-404(lie\337)-403(sich)-403(von)-404(mir)-403(k\374ssen,)-442(und)-404(ich)-403(stieg)-404(fr\366hlich)-403(den)-403(Berg)]TJ 0 -13.55 Td [(wieder)-458(hinan.)-876(Ich)-458(kann)-458(nicht)-459(lange)-458(traurig)-458(sein;)-563(mein)-458(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(wendet)-347(sich)-347(ab)-347(vom)-347(Kummer,)-371(wie)-347(eine)-347(Pflanze)-347(sich)-346(abwendet)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-250(sonnenleeren)-250(Nordhimmel.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +989 0 obj << +/Type /Page +/Contents 990 0 R +/Resources 988 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +991 0 obj << +/D [989 0 R /XYZ 46.771 378.073 null] +>> endobj +988 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +993 0 obj +<< /S /GoTo /D (index22) >> +endobj +996 0 obj +(Die Schlacht bei Waltersburg) +endobj +999 0 obj << +/Length 3617 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([241])]TJ/F16 18.9589 Tf 100.943 -63.143 Td [(Die)-258(Schlacht)-259(bei)-258(Waltersburg)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.188 -31.247 Td [(Jeder)-317(deutsche)-317(Kurort)-317(hat)-316(seine)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.305 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sensation)-317(der)-317(Saison)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.364 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-334(so)-316(wie)]TJ -245.356 -13.549 Td [(jedes)-267(Affentheater)-268(seine)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.71 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(gr\366\337te)-267(Attraktion)-268(der)-267(Gegenwart)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.259 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.76 0 Td [(hat.)]TJ -264.572 -13.549 Td [(Auch)-250(unser)-250(Ferienheim)-250(hatte)-250(seine)-250(Sensation.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Anton,)-352(der)-332(\344lteste)-331(Sohn)-332(des)-332(Waldschulzen,)-352(will)-331(Pauline,)-352(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(\344lteste)-460(Tochter)-460(des)-460(Forellenbauern,)-513(heiraten,)-512(und)-460(es)-460(hat)-460(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(darum)-250(eine)-250(hei\337e)-250(Schlacht)-250(entsponnen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Die)-364(Sache)-363(hat)-364(eine)-364(romantische)-364(Vorgeschichte)-363(gehabt.)-591(Das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(jungfr\344uliche)-414(Herz)-414(Paulinens)-415(pendelte.)-742(Es)-414(pendelte)-414(zwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(unserem)-191(Schulzensohne)-192(und)-191(einem)-191(jungen)-192(Gastwirt)-191(aus)-191(Neustadt)]TJ 0 -13.55 Td [(hin)-595(und)-595(her,)-681(und)-595(so)-594(gerieten)-595(die)-595(beiden)-595(Kavaliere)-595(in)-594(die)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bliche)-181(Rivalenwut)-182(und)-181(vergerbten)-182(sich)-181(bei)-182(guter)-181(Gelegenheit)-181(die)]TJ 0 -13.549 Td [(beiderseitigen)-298(Felle.)-393(Bis)-298(dahin)-298(w\344re)-298(alles)-298(in)-298(Ordnung)-297(gewesen;)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-404(nun)-403(mischte)-404(sich)-404(Piesecke)-403(ein)-404(und)-404(brachte)-403(romantischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwung)-417(in)-418(die)-417(Geschichte.)-752(Piesecke)-418(war)-417(eines)-417(Sommertags)]TJ 0 -13.55 Td [(in)-525(Neustadt)-526(gewesen)-525(und)-525(hatte)-525(sein)-526(R\366\337lein)-525(in)-525(der)-525(kleinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Ausspannung)-283(des)-282(dortigen)-283(Paulinenverehrers)-283(untergestellt.)-347(Von)]TJ 0 -13.549 Td [(ungef\344hr)-557(hatte)-556(er)-557(dann)-556(von)-557(der)-556(Sommerlaube)-557(im)-556(G\344rtchen)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-458(das)-458(Gespr\344ch)-459(zweier)-458(Neust\344dter)-458(Burschen)-458(belauscht,)-510(die)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-381(verschworen,)-413(mit)-381(ihrem)-381(Freund,)-413(dem)-381(Gastwirt,)-414(und)-380(noch)]TJ 0 -13.55 Td [(zwei)-676(anderen)-676(am)-675(n\344chsten)-676(Mittwoch)-676(gen)-676(Waltersburg)-675(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([242])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ziehen,)-529(und)-473(falls)-473(sie)-473(in)-473(der)-473(D\344mmerung)-473(am)-473(Gartenzaun)-473(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Forellenbauern)-418(den)-418(Schulzensohn)-417(im)-418(traulichen)-418(Gespr\344ch)-417(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Pauline)-284(erwischten,)-292(diesen)-283(greulich)-284(zu)-283(verbleuen,)-292(auch)-284(sonst)-283(an)]TJ 0 -13.549 Td [(umherschweifendem)-405(Burschenvolk)-405(des)-405(verha\337ten)-404(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-250(M\374tchen)-250(zu)-250(k\374hlen.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Als)-552(Piesecke)-552(solches)-552(h\366rte,)-627(kam)-552(sein)-552(f\374rstliches)-552(Blut)-552(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wallung.)-1052(\050Piesecke)-517(stammt)-517(aus)-517(einer)-518(Heldenfamilie.)-1051(Sein)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +998 0 obj << +/Type /Page +/Contents 999 0 R +/Resources 997 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +91 0 obj << +/D [998 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +994 0 obj << +/D [998 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1000 0 obj << +/D [998 0 R /XYZ 279.455 160.986 null] +>> endobj +997 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1003 0 obj << +/Length 4633 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(Schlacht)-250(bei)-250(Waltersburg)-12421(187)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Urgro\337vater)-257(hatte)-258(als)-257(General)-258(in)-257(f\374nf)-257(Treffen)-258(gegen)-257(Napoleon)-257(I.)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-498(gesiegt!\051)-993(W\344hrend)-498(er)-498(nun)-498(gen)-498(Waltersburg)-497(heimfuhr,)]TJ 0 -13.549 Td [(entwarf)-450(Piesecke)-451(einen)-450(Feldzugsplan,)-500(wie)-451(dem)-450(Anschlag)-450(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Neust\344dter)-265(siegreich)-265(zu)-265(begegnen)-265(und)-265(die)-265(Ehre)-265(Waltersburgs)-265(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(retten)-150(sei.)-217(Er)-151(warb)-150(zun\344chst)-151(ein)-150(Heer.)-217(In)-150(dasselbe)-151(traten)-150(mit)-150(gro\337er)]TJ 0 -13.549 Td [(Begeisterung)-177(au\337er)-177(dem)-177(Schulzensohn)-177(der)-177(Komponist)-176(Emmerich)]TJ 0 -13.549 Td [(sowie)-268(der)-268(Maler)-267(Methusalem)-268(vom)-268(Forellenhof,)-272(auch)-268(der)-267(S\344nger)]TJ 0 -13.549 Td [(Hagen)-362(Korrundt,)-390(der)-362(immer)-362(noch)-362(bei)-362(uns)-362(nachtw\344chterte,)-390(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-195(gegenw\344rtigen)-194(Insassen)-195(unserer)-194(R\344uberh\366hle.)-232(Diese)-194(letzteren)]TJ 0 -13.55 Td [(waren)-554(vier)-553(fragw\374rdige)-554(Gestalten,)-629(die)-554(sich)-553(Schinderhannes,)]TJ 0 -13.549 Td [(Karaseck,)-260(Jaromir)-258(und)-259(Moor)-258(nannten,)-260(ein)-258(faules,)-260(unordentliches)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben)-225(f\374hrten)-226(und)-225(nun)-225(froh)-226(waren,)-230(da\337)-225(sie)-226(einmal)-225(etwas)-225(Rechtes)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-429(tun)-430(bekamen.)-788(Acht)-430(Mann)-429(und)-429(er,)-475(Piesecke,)-474(als)-429(Anf\374hrer)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen)-394(f\374nf)-394(Neust\344dter)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.381 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.753 0 Td [(mit)-394(dieser)-394(betr\344chtlichen)-394(\334bermacht,)]TJ -114.134 -13.55 Td [(haupts\344chlich)-328(aber)-328(durch)-328(seine)-328(\374berlegene)-328(Strategie,)-347(hoffte)-328(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Nachkomme)-250(des)-250(Napoleonbek\344mpfers)-250(den)-250(Sieg)-250(zu)-250(erringen.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(In)-299(der)-300(R\344uberh\366hle)-299(hat)-300(Piesecke)-299(seinen)-300(Plan)-299(entwickelt.)-398(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Schlacht)-366(sollte)-365(nicht)-366(am)-366(Gartenzaune)-365(stattfinden;)-424(denn)-365(erstens)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([243])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(\374berlasse)-445(ein)-446(guter)-445(Feldherr)-446(die)-445(Wahl)-446(des)-445(Schlachtfeldes)-445(nie)]TJ 0 -13.549 Td [(seinem)-368(Gegner,)-398(sondern)-369(bestimme)-368(selbst,)-398(wo)-369(er)-368(sich)-368(schlagen)]TJ 0 -13.549 Td [(wolle,)-365(und)-342(zweitens)-342(k\366nnte)-342(am)-342(Gartenzaun)-342(Vater)-341(Barthel)-342(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(Frau)-480(Susanne)-479(dazukommen,)-538(und)-479(dann)-480(g\344be)-480(es)-480(ein)-479(Malheur.)]TJ 0 -13.549 Td [(Anton)-292(sollte)-293(vielmehr)-292(im)-292(Abendscheine)-292(mit)-293(seiner)-292(Braut)-292(weiter)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-251(Wiesenweg)-252(gen)-251(Waltersburg)-252(hinabwandeln)-251(bis)-251(zweihundert)]TJ 0 -13.549 Td [(Schritt)-278(hinter)-279(die)-278(n\344chste)-279(Waldecke)-278(und)-279(daselbst)-278(dicht)-279(am)-278(Bach)]TJ 0 -13.549 Td [(abwarten,)-171(bis)-152(er)-151(von)-152(den)-152(lauernden)-151(Neust\344dtern)-152(angefallen)-151(w\374rde.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alsbald)-325(w\374rde)-324(er)-325(ihm)-324(mit)-325(noch)-325(sechs)-324(Mann)-325(zu)-324(Hilfe)-325(eilen,)-343(die)]TJ 0 -13.55 Td [(\374berraschten)-492(Neust\344dter)-493(w\374rden)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.823 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.827 0 Td [(die)-492(\334bermacht)-493(erkennend)]TJ -162.65 -13.549 Td [(und)-315(bedr\374ckt)-316(durch)-315(ihr)-316(schlechtes)-315(Gewissen)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.395 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.896 0 Td [(die)-316(Flucht)-315(hinab)]TJ -208.292 -13.549 Td [(gen)-416(Waltersburg)-416(ergreifen)-416(wollen,)-458(aber)-416(da)-416(w\374rden)-416(Moor)-416(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Schinderhannes,)-171(die)-151(weiter)-151(unten)-152(in)-151(den)-151(Hinterhalt)-151(gelegt)-151(w\374rden,)]TJ 0 -13.549 Td [(hervorbrechen,)-466(den)-423(Neust\344dtern)-423(den)-423(Weg)-423(verlegen)-423(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 257.231 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.068 0 Td [(die)]TJ -267.299 -13.55 Td [(ganze)-251(Rasselbande)-251(sei)-251(gefangen.)-252(Er)-251(wolle)-251(ein)-251(f\374r)-251(die)-250(Neust\344dter)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-469(dem\374tigendes)-469(Dokument)-469(aufsetzen,)-524(das)-469(die)-469(Gefangenen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1002 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1003 0 R +/Resources 1001 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1004 0 obj << +/D [1002 0 R /XYZ 236.385 282.929 null] +>> endobj +1001 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1007 0 obj << +/Length 4910 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(188)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(unterzeichnen)-369(und)-369(in)-369(dem)-369(sie)-369(ihre)-369(v\366llige)-369(Niederlage)-369(zugeben)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374\337ten,)-432(und)-395(dieses)-396(Dokument)-395(solle)-395(in)-396(der)-395(R\344uberh\366hle)-395(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(Glas)-537(und)-537(Rahmen)-538(aufbewahrt)-537(werden)-537(als)-537(ein)-537(Zeichen,)-609(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-575(langj\344hrige)-576(Kampf)-575(zwischen)-576(Waltersburg)-575(und)-575(Neustadt)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-561(dem)-560(endg\374ltigen)-560(Sieg)-561(der)-560(Waltersburger)-561(geendet)-560(habe.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dem)-477(unbequemen)-478(Mitbewerber)-477(um)-477(Pauline)-478(aber)-477(werde)-477(man)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-369(einem)-368(unfreiwilligen)-369(Bad)-369(im)-369(Bach)-368(verhelfen,)-399(wodurch)-368(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344rmeren)-275(Gef\374hle,)-282(die)-275(die)-275(Jungfrau)-275(etwa)-275(in)-275(ihrem)-275(Herzen)-275(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-189(den)-188(Gastwirt)-189(hegen)-189(sollte,)-200(abgek\374hlt)-189(werden)-189(w\374rden;)-209(denn)-188(er,)]TJ 0 -13.55 Td [(Piesecke,)-306(wisse)-295(aus)-295(seinem)-294(eigenen)-295(bewegten)-295(Leben)-295(aus)-294(vielen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([244])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(F\344llen,)-443(da\337)-404(nicht)1(s)-405(so)-404(sicher)-404(die)-404(Liebe)-404(des)-404(Weibes)-404(ert\366tet,)-442(als)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-250(der)-250(Geliebte)-250(vor)-250(ihr)-250(l\344cherlich)-250(wird.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(W\344hrend)-154(dieser)-154(Ausf\374hrungen)-155(hatte)-154(Emmerich)-154(bereits)-154(auf)-154(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Tisch)-318(einen)-319(Siegesmarsch)-318(komponiert)-318(und)-319(Methusalem)-318(auf)-318(der)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-350(wei\337get\374nchten)-350(Wand)-351(die)-350(Umrisse)-350(zu)-350(einem)-350(Triptychon)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337en)-362(Umfangs)-361(entworfen.)-586(Die)-361(Seitenteile)-362(des)-362(Bildes)-361(sollten)]TJ 0 -13.549 Td [(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.002 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(T\374cke)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.261 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.515 0 Td [(und)-245(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.636 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kampf)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.515 0 Td [(hei\337en,)-246(das)-245(Mittelst\374ck)-244(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.523 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)]TJ -264.277 -13.55 Td [(Sieg)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.397 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)]TJ -12.284 -14.776 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.932 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(T\374cke)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.023 0 Td [(w\374rde)-567(Anton)-566(und)-567(Pauline)-566(im)-567(D\344mmerlicht)]TJ -77.017 -13.549 Td [(dahinwandelnd)-612(und)-613(von)-612(den)-612(Neust\344dter)-612(Unholden)-612(belauert)]TJ 0 -13.55 Td [(zeigen,)-587(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.203 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kampf)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.512 0 Td [(eine)-520(besonders)-519(dramatische)-520(Szene)-519(aus)]TJ -102.853 -13.549 Td [(der)-644(Waldschlacht)-643(darstellen)-644(und)-644(das)-643(Mittelst\374ck)-644(den)-643(Sieg)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburgs)-337(in)-338(gro\337er)-337(Apotheose)-337(feiern.)-512(Das)-337(Mittelst\374ck)-337(war)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-404(etwas)-404(ausgef\374hrt.)-712(Im)-404(Hintergrund)-404(der)-404(Forellenhof,)-442(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-289(Ro\337)-289(Piesecke)-289(als)-289(Triumphator)-289(voranreitend,)-299(ihm)-289(folgend)]TJ 0 -13.55 Td [(Anton)-319(und)-320(Pauline)-319(mit)-320(Kr\344nzen)-319(im)-319(Haar;)-354(als)-320(n\344chstes)-319(Paar)-319(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Vertreter)-281(der)-282(K\374nste,)-289(Emmerich)-281(mit)-281(der)-282(Harfe)-281(und)-281(Methusalem)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-190(mit)-190(einem)-190(Farbentopf)-190(und)-190(Pinsel,)-202(zuletzt)-190(die)-190(b\344renh\344utigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kriegsgenossen.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Und)-300(nun)-300(mu\337te)-300(die)-300(ganze)-300(Kriegsgenossenschaft)-300(st)1(undenlang)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stillsitzen,)-600(da)-530(der)-530(Maler)-530(sie)-530(zeichnete.)-1090(Emmerich)-530(benutzte)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-529(Zeit,)-598(ihnen)-528(seinen)-529(Siegesmarsch,)-598(zu)-529(dem)-528(er)-529(rasch)-528(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Textunterlage)-250(geschaffen)-250(hatte,)-250(einzu\374ben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.52 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-244(sagte)-243(nach)-243(einer)-243(Stunde)-243(Methusalem,)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.443 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(der)-243(Sieg)-243(ist)-243(ganz)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1006 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1007 0 R +/Resources 1005 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1008 0 obj << +/D [1006 0 R /XYZ 291.696 504.626 null] +>> endobj +1009 0 obj << +/D [1006 0 R /XYZ 165.235 396.232 null] +>> endobj +1010 0 obj << +/D [1006 0 R /XYZ 199.708 217.638 null] +>> endobj +1005 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1013 0 obj << +/Length 4698 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(Schlacht)-250(bei)-250(Waltersburg)-12421(189)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-250(die)-250(T\374cke)-250(teilweise)-250(gesichert;)-250(fehlt)-250(blo\337)-250(der)-250(Kampf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 246.316 0 Td [(\034)]TJ -234.36 -15.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-250(wird)-250(gigantisch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(Piesecke.)]TJ/F16 7.9701 Tf 176.37 0 Td [([245])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -15.185 Td [(Die)-425(Sache)-426(verlief)-425(nicht)-426(ganz)-425(programm\344\337ig.)-776(Zwar)-425(gingen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(die)-598(Neust\344dter)-598(wirklich)-598(in)-598(die)-598(Falle)-598(und)-598(\374berfielen)-597(Anton)]TJ 0 -13.549 Td [(zweihundert)-295(Meter)-295(jenseits)-295(der)-295(Waldecke,)-306(aber)-295(die)-295(Kerle)-295(rissen)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.376 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.013 0 Td [(wie)-418(vorausgesehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.09 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.012 0 Td [(durch)-418(die)-418(\334bermacht)-417(erschreckt)]TJ -135.491 -13.549 Td [(und)-466(ihr)-466(b\366ses)-467(Gewissen)-466(beunruhigt)-466(aus,)-520(sondern)-466(blieben)-466(da,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-431(da)-431(sie)-431(sehr)-432(handfeste)-431(Burschen)-431(waren,)-476(verhieben)-431(sie)-431(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburger)-288(j\344mmerlich.)-363(Das)-288(kam)-288(aber)-288(daher,)-297(da\337)-288(sich)-288(die)-287(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Anrechnung)-307(gebrachte)-307(\334bermacht)-307(Waltersburgs)-307(alsbald)-307(in)-307(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(faktische)-491(Minorit\344t)-490(verwandelte;)-611(denn)-490(der)-491(Feldherr)-490(Piesecke)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde)-446(gleich)-445(bei)-446(Beginn)-445(der)-445(Schlacht)-446(dadurch)-445(kampfunf\344hig)]TJ 0 -13.549 Td [(gemacht,)-323(da\337)-308(ihn)-308(ein)-309(riesenhafter)-308(Neust\344dter)-308(Br\344uknecht)-308(in)-308(die)]TJ 0 -13.549 Td [(H\366he)-201(hob)-201(und)-201(in)-201(den)-202(Bach)-201(warf;)-217(Methusalem)-201(konnte)-201(sich)-201(an)-201(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Ringen)-275(auch)-275(nicht)-275(beteiligen,)-281(da)-275(er)-275(etwas)-275(abseits)-275(stehen)-275(und)-275(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Szene)-313(mit)-313(dem)-313(Bleistift)-313(in)-313(rasender)-313(Geschwindigkeit)-313(in)-313(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Skizzenbuch)-153(verewigen)-153(mu\337te,)-172(und)-153(der)-153(Musiker)-153(Emmerich)-153(f\374hlte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-208(dazu)-209(berufen,)-216(ebenfalls)-209(abseits)-208(zu)-208(stehen)-209(und)-208(den)-208(Mut)-208(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Kameraden)-407(durch)-408(Absingung)-407(seiner)-407(Siegeshymne)-407(anzufeuern.)]TJ 0 -13.55 Td [(So)-429(k\344mpften)-430(nur)-429(der)-429(S\344nger)-430(Hagen)-429(Korrundt,)-474(der)-429(Br\344utigam)]TJ 0 -13.549 Td [(Anton)-450(und)-449(die)-450(Raubgesellen)-449(Karaseck)-450(und)-449(Jaromir,)-500(die)-449(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.191 0 Td [(da)-434(sie)-434(in)-434(ihrem)-435(Privatberuf)-434(Wiener)-434(Gigerls)-434(waren)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.198 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.19 0 Td [(gegen)]TJ -254.579 -13.549 Td [(die)-481(rohe)-482(Gewalt)-481(der)-482(Neust\344dter)-481(Raufer)-482(nicht)-481(aufkamen.)-944(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(gab)-519(f\374rchterliche)-520(Pr\374gel,)-586(und)-520(der)-519(Maler)-519(Methusalem)-519(rettete)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburgs)-550(Ruhm)-550(nur)-550(dadurch,)-625(da\337)-550(er)-550(nachtr\344glich)-549(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Schlachtskizze)-387(umkehrte,)-422(wodurch)-387(alle,)-422(die)-387(unten)-387(lagen,)-421(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(oben)-618(kamen,)-709(und)-618(umgekehrt.)-1353(Moor)-618(und)-617(Schinderhannes,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-449(hundert)-449(Meter)-449(weiter)-448(unten)-449(im)-449(Hinterhalt)-449(lagen,)-499(um)-448(den)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([246])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Neust\344dtern)-376(den)-375(R\374ckzug)-376(abzuschneiden,)-407(h\366rten)-376(den)-375(Skandal,)]TJ 0 -13.55 Td [(lugten)-325(um)-324(die)-325(Baumst\344mme,)-343(kamen)-325(aber)-324(nicht)-325(zu)-325(Hilfe,)-343(da)-324(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-250(eben)-250(im)-250(Hinterhalt)-250(zu)-250(liegen)-250(hatten.)]TJ 11.956 -15.185 Td [(Wer)-436(wei\337,)-436(wie)-436(schrecklich)-436(diese)-436(Schlacht)-436(bei)-435(Waltersburg)]TJ -11.956 -13.55 Td [(noch)-212(ausgelaufen)-212(w\344re,)-220(wenn)-212(nicht)-212(eine)-212(starke)-212(ausw\344rtige)-212(Macht)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-315(eingemischt)-314(h\344tte.)-444(Durch)-314(den)-315(Wald)-314(erscholl)-315(pl\366tzlich)-314(eine)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1012 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1013 0 R +/Resources 1011 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1014 0 obj << +/D [1012 0 R /XYZ 46.771 500.611 null] +>> endobj +1015 0 obj << +/D [1012 0 R /XYZ 211.882 149.074 null] +>> endobj +1011 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1018 0 obj << +/Length 4287 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(190)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(scharfe)-250(Stimme:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Pauline!)-250(Pauline!)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -80.29 -14.094 Td [(Pauline)-380(hatte)-380(bis)-380(jetzt)-379(an)-380(einer)-380(Birke)-380(gelehnt)-380(und)-380(zu)-379(einem)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Vierteil)-685(mit)-685(Entsetzen,)-794(zu)-685(drei)-685(Vierteilen)-685(aber)-684(mit)-685(Stolz)]TJ 0 -13.549 Td [(zugesehen,)-446(welch)-408(grauses)-407(M\344nnerwerk)-407(da)-407(f\374r)-407(sie)-407(und)-407(um)-407(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(getan)-291(wurde.)-375(Als)-291(sie)-292(nun)-291(aber)-291(die)-292(rufende)-291(Stimme)-292(h\366rte,)-301(schrie)]TJ 0 -13.549 Td [(sie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-189(Himmels)-189(willen,)-201(die)-188(Mutter!)-230(Macht,)-201(da\337)-189(ihr)-189(fortkommt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -14.095 Td [(Drauf)-366(rissen)-367(erst)-366(die)-366(beiden)-367(Br\344utigame)-366(aus,)-396(und)-366(mit)-366(ihnen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verlor)-336(sich)-337(rasch)-336(ihr)-336(Anhang.)-509(Pauline)-336(eilte)-337(nach)-336(Hause)-336(zu)-336(und)]TJ 0 -13.549 Td [(bekam)-416(von)-416(ihrer)-416(energischen)-416(Mama)-417(ein)-416(paar)-416(Ohrfeigen,)-457(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-239(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.905 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(herumgetrieben)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.465 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.449 0 Td [(habe;)-243(alles)-238(Mannesvolk)-239(aber)-239(fl\374chtete)]TJ -115.663 -13.549 Td [(gen)-250(Waltersburg.)]TJ 11.955 -14.095 Td [(Und)-436(da)-435(hat)-436(es)-436(sich)-436(begeben,)-482(da\337)-435(der)-436(Neust\344dter)-436(Gastwirt,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-454(den)-454(R\374ckzug)-455(der)-454(anderen)-454(deckte,)-505(als)-455(er)-454(sich)-454(au\337er)-454(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(Susannes)-264(Ruf-)-264(und)-265(Sehweite)-264(f\374hlte,)-268(doch)-264(noch)-264(in)-264(die)-264(H\344nde)-264(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburger)-310(fiel.)-430(Sechs)-310(Mann)-310(haben)-310(ihn)-310(gefangengenommen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-461(ihn)-460(nochmals)-461(verpr\374gel)1(n)-461(wollen.)-881(Aber)-461(Methusalem)-460(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(gesagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Pst!)-490(Man)-331(darf)-330(sich)-330(an)-330(einem)-330(geschlagenen)-330(tapferen)-331(Feinde)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-267(vers\374ndigen!)-300(Man)-267(soll)-267(ihn)-267(vielmehr)-266(ehren.)-301(Deshalb)-266(werde)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([247])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ich)-465(dem)-464(Feinde)-465(jetzt)-465(mit)-464(der)-465(sch\366nen)-465(gr\374nen)-464(Farbe,)-519(die)-464(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-409(diesem)-409(Fl\344schchen)-410(habe,)-449(einen)-409(Lorbeerzweig)-409(auf)-409(die)-409(Stirn)]TJ 0 -13.549 Td [(malen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.389 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -17.434 -14.095 Td [(Der)-445(Gastwirt)-444(hat)-445(mit)-444(H\344nden)-445(und)-445(F\374\337en)-444(geschlagen,)-494(aber)]TJ -11.955 -13.549 Td [(sechs)-293(Kerle)-293(haben)-292(ihn)-293(gehalten,)-303(und)-293(Methusalem)-293(hat)-293(ihm)-292(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(Lorbeerzweig)-250(auf)-250(die)-250(Stirn)-250(gemalt.)-250(Mit)-250(\326lfarbe!)]TJ 11.955 -14.094 Td [(Der)-416(Gastwirt)-416(hat)-416(sich)-416(in)-416(Neustadt)-416(nicht)-416(mehr)-416(sehen)-416(lassen)]TJ -11.955 -13.549 Td [(k\366nnen)-374(und)-375(nach)-374(drei)-374(Tagen)-374(Selbstmordgedanken)-375(gehabt.)-622(Da)]TJ 0 -13.55 Td [(hat)-515(ihm)-515(Methusalem)-514(ein)-515(Mittel)-515(geschickt,)-581(durch)-515(das)-515(er)-514(die)]TJ 0 -13.549 Td [(unerw\374nschte)-250(Ehrung)-250(abwaschen)-250(konnte.)]TJ 11.955 -14.095 Td [(Aus)-383(dem)-382(Triptychon)-383(ist)-383(nichts)-382(geworden.)-648(Nur)-383(eine)-383(sch\366ne)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Bleistiftskizze)-235(von)-235(Methusalem,)-237(auf)-235(der)-235(alle)-235(Waltersburger)-234(oben)]TJ 0 -13.549 Td [(liegen,)-398(ist)-369(unseren)-368(Sammlungen)-369(einverleibt)-368(und)-368(zeugt)-369(von)-368(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1017 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1018 0 R +/Resources 1016 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 992 0 R +>> endobj +1019 0 obj << +/D [1017 0 R /XYZ 308.863 243.918 null] +>> endobj +1016 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1022 0 obj << +/Length 1023 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Die)-250(Schlacht)-250(bei)-250(Waltersburg)-12421(191)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Schlacht)-226(auf)-226(unseren)-227(Gemarkungen,)-231(die)-226(sich)-226(gegen)-226(den)-226(Erbfeind)]TJ 0 -13.549 Td [(Neustadt)-250(abgespielt)-250(hat.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Piesecke)-215(hat)-214(an)-215(jenem)-215(Abend)-214(grollend)-215(am)-215(Bachrand)-214(gesessen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(triefend)-557(vor)-557(N\344sse,)-634(und)-558(alle)-557(Schwachheit)-557(und)-557(Feigheit)-557(der)]TJ 0 -13.55 Td [(K\344mpfenden)-466(sowie)-467(die)-466(Niedertracht)-466(der)-467(nicht)-466(in)-466(den)-466(Kampf)]TJ 0 -13.549 Td [(eingreifenden)-169(Teile)-169(seines)-170(Heeres)-169(mit)-169(einem)-169(einzigen,)-185(aus)-169(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(hochf\374rstlichen)-250(Mund)-250(hervorzischenden)-250(Wort)-250(charakterisiert:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Plebs!)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.273 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1021 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1022 0 R +/Resources 1020 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +1020 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1024 0 obj +<< /S /GoTo /D (index23) >> +endobj +1027 0 obj +(Herbst) +endobj +1030 0 obj << +/Length 3669 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([248])]TJ/F16 18.9589 Tf 187.798 -63.143 Td [(Herbst)]TJ/F16 10.9091 Tf -115.043 -31.247 Td [(Das)-162(erste)-161(Halbjahr,)-179(da)-162(das)-161(Ferienheim)-162(in)-162(Betrieb)-161(ist,)-179(geht)-162(zu)-161(Ende.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wenn)-271(ich)-272(es)-271(\374berschaue,)-277(erf\374llt)-271(mein)-272(Herz)-271(rechte)-271(Befriedigung.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nicht)-265(nur)-265(der)-265(\344u\337eren)-264(Erfolge)-265(wegen.)-295(Unser)-265(Unternehmen)-264(steht)]TJ 0 -13.549 Td [(gl\344nzend)-423(da.)-769(Wir)-423(haben)-423(lange)-423(nicht)-423(alle)-423(aufnehmen)-423(k\366nnen,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-327(zu)-328(uns)-327(kommen)-327(wollten.)-482(Die)-328(Ernte)-327(auf)-327(den)-328(Feldern)-327(und)-327(in)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-353(G\344rten)-354(war)-353(gut,)-379(unsere)-353(Bauern)-354(sind)-353(zufrieden,)-379(und)-353(unsere)]TJ 0 -13.549 Td [(Kassen)-299(und)-299(Kasten)-298(sind)-299(gef\374llt.)-397(Vieles,)-311(ja)-299(das)-298(meiste,)-311(verdankt)]TJ 0 -13.549 Td [(dieser)-243(\344u\337ere)-243(Erfolg)-243(der)-244(gl\344nzenden)-243(Organisation,)-244(die)-243(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-362(Ganzen)-362(gegeben)-362(hat)-362(und)-362(die)-362(er)-362(von)-362(Amerika)-362(aus)-361(geleitet)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-219(weiter)-220(ausgebaut)-219(hat,)-225(wenn)-219(auch)-220(der)-219(Sonderling)-219(noch)-219(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(nach)-250(Europa)-250(zur\374ckgekehrt)-250(ist.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Was)-643(mich)-642(als)-643(Arzt)-642(und)-643(Mensch)-643(am)-642(meisten)-643(freut,)-740(ist)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-450(Umstand,)-499(da\337)-450(kaum)-450(einer)-449(unserer)-450(Kurg\344ste)-450(ohne)-449(gro\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(gesundheitlichen)-275(Gewinn)-276(von)-275(uns)-275(fortgezogen)-275(ist.)-326(Das)-275(best\344tigt)]TJ 0 -13.55 Td [(meine)-455(eigene)-454(Erfahrung,)-506(das)-455(best\344tigen)-455(meine)-455(Kollegen,)-505(das)]TJ 0 -13.549 Td [(sagen)-356(vor)-355(allem)-356(unsere)-355(Kurg\344ste)-356(selbst,)-381(die)-356(schweren)-355(Herzens)]TJ 0 -13.549 Td [(Abschied)-248(nehmen,)-248(wenn)-247(ihre)-248(Zeit)-247(abgelaufen)-248(ist.)-249(Wenn)-248(sie)-247(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-247(Rathaus)-247(kommen,)-248(ihre)-247(Uhr,)-248(ihr)-247(Geld)-248(zur\374ckerhalten,)-247(liegen)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-344(Dinge)-345(kalt)-344(und)-344(fremd)-345(in)-344(ihren)-344(H\344nden,)-368(und)-345(wenn)-344(sie)-344(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Zeughaus)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.312 0 Td [(ihre)-226(eigenen)-227(Kleider)-226(wieder)-226(anlegen)-227(und,)-231(ohne)-226(noch)]TJ/F16 7.9701 Tf -127.326 0 Td [([249])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(einmal)-396(umkehren)-396(zu)-396(d\374rfen,)-432(durch)-396(die)-396(gro\337e)-396(Hinterpforte)-395(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-383(Stra\337e)-382(gelassen)-383(werden,)-415(wo)-383(der)-383(Wagen)-382(wartet,)-416(stehen)-382(die)]TJ 0 -13.549 Td [(meisten)-263(befangen)-263(da)-262(wie)-263(\344ngstliches)-263(Volk,)-266(das)-263(zum)-263(ersten)-262(Male)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-337(die)-336(Welt)-337(zieht.)-510(So)-337(sicher,)-358(geborgen)-337(und)-336(heimisch)-337(haben)-336(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(in)-250(ihren)-250(Ferien)-250(vom)-250(Ich)-250(gef\374hlt.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Sie)-371(schreiben)-371(alle)-371(freundliche)-371(Briefe)-371(des)-371(Dankes)-371(und)-370(guten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Erinnerns)-419(und)-420(sagen,)-461(da\337)-419(sie)-420(drau\337en)-419(unsere)-419(Anstalt)-419(preisen,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1029 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1030 0 R +/Resources 1028 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +92 0 obj << +/D [1029 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1025 0 obj << +/D [1029 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1031 0 obj << +/D [1029 0 R /XYZ 120.805 160.986 null] +>> endobj +1028 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1034 0 obj << +/Length 4229 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(193)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(und)-302(wenn)-302(sie)-302(dem)-303(oft)-302(geh\366rten)-302(Einwand)-302(begegnen,)-315(es)-302(sei)-302(wohl)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-470(eine)-469(etwas)-470(kindliche,)-524(theatralische)-470(Sache,)-524(so)-469(beklagten)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-519(alle)-519(diejenigen,)-585(die)-519(nicht)-519(w\374\337ten,)-586(wie)-519(herzst\344rkend)-518(und)]TJ 0 -13.549 Td [(verj\374ngend)-285(die)-286(R\374ckkehr)-285(zu)-286(kindlicher)-285(Schlichtheit)-286(sei)-285(und)-285(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-203(gerade)-202(vom)-203(Theatralischen)-202(erl\366se,)-213(von)-202(der)-203(b\366sen,)-212(so)-202(raffiniert)]TJ 0 -13.549 Td [(einge\374bten)-257(und)-257(so)-256(schwer)-257(zu)-257(spielenden,)-258(immer)-257(aber)-257(im)-256(tiefsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Grunde)-250(erfolglosen)-250(Theaterei)-250(unseres)-250(Lebens)-250(...)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Auch)-368(diejenigen,)-397(die)-368(organisch)-368(leidend)-368(waren,)-398(haben)-367(durch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gewissenhafte)-287(\344rztliche)-287(Kunst)-286(sowie)-287(durch)-287(die)-287(Gem\374tsruhe)-286(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Herzensheiterkeit,)-250(die)-250(sie)-250(umfing,)-250(die)-250(besten)-250(Erfolge)-250(gehabt.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-211(Sommer)-211(war)-211(gut;)-224(es)-211(mag)-211(Herbst)-211(werden.)-237(Die)-211(Fr\366hlichkeit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stirbt)-250(deswegen)-250(nicht)-250(aus.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Diese)-558(gro\337en)-558(Kinder)-558(der)-559(Welt)-558(f\374hlen)-558(hier)-558(alle)-558(die)-558(tiefe)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sch\366nheit)-527(des)-527(Herbstes,)-596(von)-526(dem)-527(sie)-527(fr\374her)-527(nichts)-526(wu\337ten,)]TJ 0 -13.55 Td [(als)-481(da\337)-481(mit)-482(seiner)-481(Ankunft)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.083 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neuanschaffungen)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.785 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.094 0 Td [(n\366tig)-481(seien,)]TJ -227.806 -13.549 Td [(die)-771(Gasrechnungen)-771(h\366her)-771(wurden)-771(und)-771(die)-771(Theater-)-771(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Konzertsaison)-250(beginne.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 272.034 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 269.38 Td [([250])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.549 Td [(Nach)-208(Andeutungen)-207(und)-208(Schilderungen)-207(eines)-208(unserer)-207(Kurg\344ste)]TJ -11.956 -13.549 Td [(will)-208(ich)-208(schildern,)-216(wie)-208(ein)-208(Herbstmorgen)-208(im)-208(Ferienheim)-208(verl\344uft.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Der)-238(Herbstwind)-237(hat)-238(gesungen)-238(die)-238(ganze)-237(Nacht.)-246(Und)-238(wie)-238(er)-237(an)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-334(Fenstern)-334(r\374ttelt)-334(und)-334(welkes)-334(Laub)-334(und)-334(d\374rre)-334(Zweige)-334(an)-334(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Scheiben)-237(warf,)-239(hat)-236(sich)-237(das)-237(Menschlein)-236(fest)-237(in)-236(die)-237(Decke)-236(geh\374llt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-357(mit)-356(gro\337en)-357(Augen)-356(ins)-357(Dunkle)-356(gestarrt.)-569(Langsam)-357(ist)-356(seine)]TJ 0 -13.549 Td [(Phantasie)-386(an)-386(Bord)-385(eines)-386(schwarzen)-386(Wolkenschiffes)-385(gegangen,)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-156(durch)-157(das)-156(kalte)-156(Meer)-157(des)-156(Himmels)-156(fuhr)-157(zu)-156(einem)-156(unbekannten)]TJ 0 -13.549 Td [(Ziele.)-288(Ein)-263(schwarzer)-263(Mann)-262(stand)-263(am)-263(Steuer)-263(des)-262(Schiffes;)-269(m\374de,)]TJ 0 -13.549 Td [(schweigende)-291(Seelen)-291(lehnten)-291(oder)-291(sa\337en)-291(an)-291(seinen)-290(Bordw\344nden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Lautlos)-278(glitt)-277(das)-278(Schiff.)-332(Nur)-278(der)-277(Sturm)-278(sang)-277(seine)-278(Melodie,)-284(und)]TJ 0 -13.549 Td [(wilde)-244(G\344nse)-244(schrien)-244(ihr)-244(Sehnsuchtslied)-244(in)-244(den)-244(Wind.)-248(Sie)-243(folgten)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-335(Schiff)-335(wie)-335(gro\337e)-335(M\366wen,)-356(und)-335(ihr)-335(wei\337es)-335(Gefieder)-335(zuckte)]TJ 0 -13.549 Td [(gespenstisch)-281(durch)-282(die)-281(Nacht.)-345(Unter)-281(dem)-282(Wolkenschiff)-281(war)-281(der)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337e)-430(Ozean)-430(der)-430(Luft.)-790(Menschenh\344user)-430(lagen)-430(wie)-430(Muscheln)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1033 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1034 0 R +/Resources 1032 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +1035 0 obj << +/D [1033 0 R /XYZ 46.771 269.38 null] +>> endobj +1032 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1038 0 obj << +/Length 4797 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(194)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(auf)-275(dem)-274(Meeresgrund,)-281(die)-275(W\344lder)-274(standen)-275(wie)-275(seltsames)-274(wirres)]TJ 0 -13.549 Td [(Gew\344chs)-305(wilder)-305(Schlingpflanzen,)-318(manchmal)-305(ragte)-305(ein)-305(Berg)-304(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-527(eine)-527(Insel,)-595(um)-527(die)-527(das)-527(Wolkenschiff)-526(herumschwimmen)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337te.)-736(Von)-413(der)-412(Insel)-412(glimmte)-412(das)-412(Licht)-412(einer)-412(Bergh\374tte)-412(her)]TJ 0 -13.55 Td [(wie)-315(der)-314(Schimmer)-315(einer)-314(Lampe)-315(aus)-314(einsamem)-315(Strandhaus.)-443(Ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Felsen)-203(ragte)-202(auf)-203(wie)-202(eine)-203(Klippe,)-212(an)-203(der)-202(ein)-203(unvorsichtiges)-202(Schiff)]TJ 0 -13.549 Td [(zerschellen)-482(kann.)-944(Das)-482(Luftmeer)-481(rollte,)-540(grollte,)-539(stampfte,)-539(es)]TJ 0 -13.549 Td [(schleuderte)-224(die)-224(schwarze)-224(Flotte)-224(der)-225(Nacht)-224(hin)-224(und)-224(her.)-241(Die)-224(wilde)]TJ 0 -13.549 Td [(Fahrt)-416(war)-416(voll)-416(Grausen,)-457(aber)-416(auch)-416(voll)-416(Sch\366nheit.)-748(Immerzu,)]TJ 0 -13.55 Td [(immerzu)-325(ging)-325(es)-324(vorw\344rts.)-475(Da)-325(drang)-324(ein)-325(L\344uten)-325(aus)-325(der)-324(Tiefe.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([251])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Irgendein)-467(Vineta)-467(lag)-467(drunten)-467(auf)-467(dem)-467(Grund,)-521(da)-467(gingen)-467(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Glocken.)-240(Nun)-221(wurde)-220(ein)-221(lichter)-221(Schimmer)-220(am)-221(Horizont)-220(sichtbar.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dort)-218(lagen)-217(die)-218(wei\337en)-217(Berge)-218(des)-217(Morgens.)-239(Und)-218(im)-217(Morgenlande)]TJ 0 -13.549 Td [(lag)-250(die)-250(Heimat.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Da)-391(fielen)-391(dem)-391(Tr\344umer)-391(die)-391(Augen)-391(zu)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.479 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.721 0 Td [(er)-391(stieg)-391(herab)-391(von)]TJ -198.156 -13.549 Td [(dem)-307(dunklen)-308(Schiff)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.656 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)-322(stieg)-307(ans)-307(lichte)-308(Land)-307(und)-308(war)-307(zu)-307(Hause.)]TJ -96.111 -13.549 Td [(Weib)-367(und)-367(Kind)-367(waren)-367(bei)-368(ihm,)-396(und)-367(die)-367(guten)-367(Freunde)-367(kamen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(sch\374ttelten)-250(ihm)-250(die)-250(H\344nde.)]TJ 11.956 -14.368 Td [(Er)-250(erz\344hlte)-250(ihnen,)-250(wo)-250(er)-250(gewesen)-250(sei.)]TJ 0 -14.367 Td [(Da)-250(klopfte)-250(es)-250(an)-250(die)-250(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gottfried,)-250(stehen)-250(Sie)-250(auf,)-250(es)-250(ist)-250(halb)-250(sieben)-250(Uhr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -214.505 -14.367 Td [(Gottfried)-228(rieb)-228(sich)-228(die)-228(Augen)-228(und)-228(besann)-228(sich.)-243(Richtig,)-232(er)-228(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nicht)-320(auf)-320(einem)-319(Wolkenschiffe,)-337(er)-320(war)-320(auch)-320(nicht)-319(zu)-320(Hause,)-337(er)]TJ 0 -13.55 Td [(war)-343(Kurgast)-343(im)-343(Ferienheim,)-366(richtiger)-343(gesagt)-343(Bauernknecht)-343(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-250(Forellenhofe.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Sechseinhalb!)-575(Es)-359(war)-358(noch)-359(ganz)-358(dunkel)-359(in)-358(der)-359(Stube.)-575(Und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kalt)-366(war)-365(es.)-597(Ein)-366(feiner)-366(Regen)-365(spritzte)-366(ans)-366(Fenster.)-597(Jetzt)-365(w\344re)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-483(wohlig,)-541(noch)-482(eine)-483(oder)-483(zwei)-483(Stunden)-482(zu)-483(schlafen.)-948(Ach,)]TJ 0 -13.549 Td [(blo\337)-334(noch)-334(ein)-334(paar)-334(Minuten!)-502(Sacht)-334(beginnt)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.622 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gottfried)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.993 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.488 0 Td [(wieder)]TJ -250.947 -13.549 Td [(einzuschlafen.)-248(Aber)-243(in)-243(dem)-243(Augenblick,)-245(da)-243(sich)-243(das)-243(Bewu\337tsein)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-405(letzten)-405(Faden)-405(l\366sen)-405(will,)-443(schrickt)-405(er)-405(auf)-405(und)-405(springt)-404(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(beiden)-323(Beinen)-323(aus)-323(dem)-323(Bett.)-469(Er)-323(wird)-323(sich)-323(doch)-323(nicht)-323(von)-323(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Barthel)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.611 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.949 0 Td [(dem)-229(Bauern)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.279 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.949 0 Td [(einen)-229(Meldezettel)-228(an)-229(den)-229(Arzt)-228(schreiben)]TJ -105.788 -13.549 Td [(lassen)-388(wie)-388(ein)-388(Schuljunge,)-423(der)-388(was)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.241 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(pexiert)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.078 0 Td [(hat,)-423(von)-388(seinem)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1037 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1038 0 R +/Resources 1036 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +1039 0 obj << +/D [1037 0 R /XYZ 295.995 396.232 null] +>> endobj +1036 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1042 0 obj << +/Length 5405 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(195)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Lehrer.)-248(Dieser)-245(Barthel)-245(ist)-245(ein)-245(ganz)-245(netter)-245(Kerl,)-246(aber)-245(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.605 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(klemmt)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.339 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(einen)-299(sofort,)-312(falls)-300(man)-299(\374ber)-299(die)-300(Hausordnung)-299(hinweggeht.)-398(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-288(ist)-289(so)-288(bl\366d,)-298(sich)-288(dann)-288(beim)-289(Doktor)-288(entschuldigen)-288(zu)-288(m\374ssen.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([252])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Unglaublich,)-323(wie)-308(leicht)-308(ein)-308(Mensch)-307(in)-308(die)-308(alten)-308(Penn\344ler\344ngste)]TJ 0 -13.55 Td [(zur\374cksinken)-357(kann.)-570(Also)-356(aufstehen!)-570(Beim)-357(Anziehen)-357(h\344lt)-356(man)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-347(hier)-347(nicht)-347(lange)-347(auf,)-371(es)-347(ist)-347(zu)-347(kalt)-347(in)-347(der)-347(Bude.)-541(Auch)-346(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Waschwasser)-359(ist)-359(kalt.)-577(Warmes)-359(m\374\337te)-359(extra)-359(verordnet)-359(werden.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-280(man)-281(sch\344mt)-280(sich)-281(hier)-280(unglaublich,)-288(wenn)-280(man)-281(so)-280(etwas)-280(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(verfeinerte)-354(Bed\374rfnisse)-353(erkennen)-354(lassen)-353(will.)-561(Es)-353(pa\337t)-354(nicht)-353(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(einem,)-238(wenn)-235(man)-236(Gottfried)-235(Stumpe)-235(hei\337t.)-245(Eigentlich)-235(war)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.981 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-235(doch)]TJ -252.613 -13.549 Td [(sch\366n)-353(im)-353(Traume,)-379(so)-354(pl\366tzlich)-353(zu)-353(Hause)-353(zu)-353(sein.)-560(Wie)-353(sie)-353(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(z\344rtlich)-264(und)-265(besorgt)-264(waren)-265(und)-264(nach)-264(den)-265(Augen)-264(schauten,)-268(ob)-264(da)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-210(Wunsch)-210(abzulesen)-209(sei.)-237(Hier)-210(war)-210(das)-209(anders,)-218(hier)-210(hie\337)-210(es)-209(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(w\374nschen,)-241(sondern)-240(gehorchen.)-246(Ein)-239(Wunder)-240(war)]TJ/F24 10.9091 Tf 208.85 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-239(ja)-240(nicht,)-241(wenn)]TJ -212.482 -13.55 Td [(man)-275(manchmal)-275(ein)-274(bi\337chen)-275(Heimweh)-275(hatte,)-281(zumal)-275(man)-275(fast)-274(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-244(von)-243(Hause)-244(erfuhr.)-247(Gestern)-244(war)-243(eine)-244(Postkarte)-243(gekommen,)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-272(sechs)-272(Wochen)-272(die)-272(erste)-273(Nachricht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 178.537 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lieber)-272(Mann!)-316(Bei)-273(uns)]TJ -183.381 -13.549 Td [(sind)-357(alle)-358(wohl,)-384(und)-357(es)-357(ist)-358(alles)-357(in)-357(guter)-357(Ordnung.)-572(Wir)-357(denken)]TJ 0 -13.549 Td [(Deiner)-271(in)-270(Liebe)-270(und)-271(haben)-270(nur)-271(den)-270(einen)-271(Wunsch,)-276(da\337)-270(Du)-270(Dich)]TJ 0 -13.55 Td [(v\366llig)-221(erholst.)-240(Mit)-221(treuen)-221(Gr\374\337en)-220(Dein)-221(Weib)-221(und)-221(Deine)-220(Kinder.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.787 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(Das)-391(war)-391(alles.)-674(Es)-391(war)-391(ja)-391(eigentlich)-391(genug,)-427(es)-391(war)-391(ganz)-391(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-473(Herzen)-474(der)-473(Kurdirektion;)-585(aber)-474(Details)-473(fehlten)-473(g\344nzlich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ob)-411(nun)-410(Fritzchen)-411(im)-411(Griechischen)-410(auf)-411(das)-411(volle)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.107 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gen\374gend)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.837 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(gekommen)-255(war,)-255(ob)-255(Lenchen)-254(w\344hrend)-255(der)-254(Ferien)-255(zum)-254(Gro\337vater)]TJ 0 -13.55 Td [(reiste,)-407(ob)-375(der)-376(Kollege)-375(Neumann)-376(sich)-375(wirklich)-376(den)-375(Adlerorden)]TJ 0 -13.549 Td [(erschlichen)-246(hatte,)-247(wer)-247(Stadtverordnetenvorsteher)-246(geworden)-246(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-229(die)-230(Elektrizit\344tsaktien)-229(standen)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.805 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.956 0 Td [(ah,)-234(kein)-229(Wort!)-243(Das)-229(ging)-230(ihn)]TJ -159.761 -13.549 Td [(wahrscheinlich)-207(nichts)-207(an,)-215(ihn,)-215(den)-207(Knecht)-207(Gottfried)-207(Stumpe.)-235(Auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-390(gewohnte)-391(Anrede)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.626 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herr)-390(Amtsgerichtsrat)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.931 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.102 0 Td [(hatte)-390(er)-391(beinahe)]TJ/F16 7.9701 Tf 82.521 0 Td [([253])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(v\366llig)-392(vergessen.)-676(Sie)-392(war)-392(ihm)-392(wie)-392(ein)-392(Klang)-392(aus)-392(sagenhafter)]TJ 0 -13.55 Td [(Zeit.)-250(Er)-250(war)-250(einfach)-250(Gottfried.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -18.458 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gottfried)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.993 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-379(hatte)-353(gestern)-353(die)-353(dicke)-353(Susanne)-354(gesagt,)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.889 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(helfen)]TJ -253.368 -13.55 Td [(Se)-259(mir)-260(mal)-259(meine)-259(Brille)-259(suchen;)-264(ich)-259(hab)-260(mir)-259(se)-259(verlegt)-259(und)-259(mu\337)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Butterrechnung)-250(schreiben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.182 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1041 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1042 0 R +/Resources 1040 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +1043 0 obj << +/D [1041 0 R /XYZ 180.708 491.077 null] +>> endobj +1044 0 obj << +/D [1041 0 R /XYZ 111.033 138.798 null] +>> endobj +1040 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1047 0 obj << +/Length 5246 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(196)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(So)-735(wurde)-735(man)-735(sogar)-735(zu)-735(pers\366nlichen)-734(Dienstleistungen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(herangezogen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.112 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Man)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.997 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-597(der)-527(Herr)-528(Amtsgerichtsrat!)-1082(Wie)-527(oft)]TJ -104.795 -13.549 Td [(\374berhaupt)-546(dieses)-546(Weib,)-619(die)-546(Susanne,)-620(die)-546(Brille)-546(verlegt,)-619(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(unglaublich.)-881(Methusalem)-461(hat)-460(ihr)-460(jetzt)-461(eine)-460(Art)-460(Soldatengurt)]TJ 0 -13.55 Td [(gestiftet,)-931(daran)-795(h\344ngt)-795(wie)-795(eine)-795(kleine)-795(S\344belscheide)-795(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Brillenfutteral.)-220(Da)-161(soll)-161(sie)-161(ihre)-161(Augenwaffe)-161(immer)-161(bei)-161(sich)-160(haben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-285(sie)-285(tr\344gt)-285(das)-285(Koppel)-285(nicht,)-294(sie)-285(hat)-285(es)-285(dem)-285(Methusalem)-285(um)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Ohren)-250(schlagen)-250(wollen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Dieser)-191(Methusalem)-191(ist)-190(ein)-191(ganz)-191(netter)-191(Kerl;)-210(nur,)-203(er)-191(erlaubt)-190(sich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zuviel)-289(Frechheiten.)-367(Ihn,)-298(den)-289(Amtsgerichtsrat,)-299(hat)-289(er)-288(gezeichnet.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-187(nur)-187(von)-187(hinten.)-229(Er)-187(sagt,)-200(er)-187(h\344tte)-187(einen)-186(interessanten)-187(R\374cken.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Das)-524(Waschwasser)-524(ist)-524(abscheulich)-524(kalt.)-1072(Und)-524(der)-524(Spiegel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ist)-491(klein.)-974(Von)-491(ordentlichem)-491(Frisieren)-491(ist)-491(keine)-491(Rede.)-973(Den)]TJ 0 -13.549 Td [(Nackenscheitel)-250(hat)-250(er)-250(l\344ngst)-250(aufgegeben.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Richtig,)-897(jetzt)-767(kommt)-767(noch)-767(das)-768(Schandvieh,)-896(der)-767(vom)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Doktor)-297(verordnete)-297(Dackel,)-310(verbei\337t)-297(sich)-297(in)-297(die)-297(herabh\344ngenden)]TJ 0 -13.55 Td [(Hosentr\344ger)-526(und)-526(zieht)-526(und)-526(zerrt)-526(daran.)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.635 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Man)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.996 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.581 0 Td [(macht)-526(eine)]TJ -230.056 -13.549 Td [(Bewegung,)-538(wie)-481(Pferde,)-538(die)-481(nach)-480(hinten)-481(ausschlagen)-480(wollen,)]TJ 0 -13.549 Td [(verliert)-477(dabei)-476(seinen)-477(Pantoffel)-477(und)-476(bemerkt,)-533(da\337)-477(der)-476(Dackel)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-409(Hosentr\344ger)-409(j\344hlings)-409(losl\344\337t,)-449(sich)-409(auf)-409(den)-408(Pantoffel)-409(st\374rzt)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-417(mit)-417(ihm)-417(unter)-417(dem)-417(Bett)-417(verschwindet.)-751(Mag)-417(er.)-751(Mag)-417(er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([254])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ihn)-367(zerfressen!)-601(Der)-367(Pantoffel)-367(geh\366rt)-367(der)-367(Kurverwaltung.)-601(Und)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-531(Dackel)-530(ist)-531(ihm)-531(oktroyi)1(ert.)-1092(Einfach)-531(oktroyiert!)-1092(Er)-530(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(Hunde)-356(nie)-356(leiden)-356(m\366gen.)-569(Schon)-356(gar)-356(nicht)-356(als)-356(Schlafkumpane.)]TJ 0 -13.549 Td [(Er)-600(hat)-600(sie)-601(immer)-600(als)-600(wandelnde)-600(Flohfabriken)-600(verabscheut.)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem)-307(hat)-307(neulich)-306(einen)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.396 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wissenschaftlichen)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.407 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.19 0 Td [(Vortrag)-307(im)]TJ -231.837 -13.549 Td [(Rathaussaal)-427(gehalten)-428(und)-427(vorher)-427(durch)-427(\366ffentlichen)-427(Anschlag)]TJ 0 -13.55 Td [(angek\374ndigt.)-819(Das)-440(Thema)-439(lautete:)]TJ/F24 10.9091 Tf 161.427 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kann)-440(der)-439(Mensch)-440(\050)]TJ/F19 10.9091 Tf 90.119 0 Td [(homo)]TJ -256.39 -13.549 Td [(sapiens)]TJ/F16 10.9091 Tf 32.728 0 Td [(\051)-417(von)-417(dem)-417(Hunde)-418(\050)]TJ/F19 10.9091 Tf 89.702 0 Td [(canis)-417(familiaris)]TJ/F16 10.9091 Tf 70.016 0 Td [(\051)-417(einen)-417(Floh)-418(\050)]TJ/F19 10.9091 Tf 64.555 0 Td [(pulex)]TJ -257.001 -13.549 Td [(irretans)]TJ/F16 10.9091 Tf 34.549 0 Td [(\051)-327(erhalten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.177 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.406 0 Td [(Er)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.86 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.017 0 Td [(Amtsgerichtsrat)]TJ/F19 10.9091 Tf 73.249 0 Td [(Dr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.079 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.017 0 Td [(nein,)-346(Gottfried)]TJ -215.354 -13.549 Td [(Stumpe,)-332(hat)-315(den)-315(Bl\366dsinn)-316(nicht)-315(mitmachen)-315(wollen.)-446(Zuletzt)-315(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-334(gerade)-335(an)-334(dem)-335(Vortragsabend)-334(rein)-334(gar)-335(nichts)-334(vorgehabt)-334(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.829 0 Td [(um)-401(die)-401(Zeit)-401(totzuschlagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.332 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.829 0 Td [(hingehen)-401(wollen.)-703(Aber)-401(da)-401(hat)]TJ -141.99 -13.549 Td [(es)-381(gehei\337en:)-511(Der)-381(Saal)-380(sei)-381(\374berf\374llt,)-413(die)-381(Polizei)-381(lasse)-380(niemand)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1046 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1047 0 R +/Resources 1045 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1023 0 R +>> endobj +1048 0 obj << +/D [1046 0 R /XYZ 205.385 242.282 null] +>> endobj +1045 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1051 0 obj << +/Length 4605 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(197)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(mehr)-433(zu.)-797(Tags)-433(darauf)-433(hat)-432(am)-433(Rathaus)-432(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.235 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Rezension)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.448 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.562 0 Td [(des)]TJ -266.088 -13.549 Td [(Methusalemschen)-302(Vortrags)-303(ausgehangen.)-406(Isidor)-302(Karfunkelstein)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-523(Grundhof)-524(hat)-523(sie)-523(geschrieben.)-1070(Nat\374rlich)-524(Blech!)-1069(Am)]TJ 0 -13.549 Td [(Schlu\337)-321(hat)-322(es)-321(da)-322(gehei\337en:)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.746 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-321(wies)-322(der)-321(Vortragende)-322(in)-321(seiner)]TJ -128.59 -13.55 Td [(lichtvollen,)-572(hinrei\337enden)-508(Art)-507(aufs)-508(\374berzeugendste)-507(nach,)-572(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(Hunde-)-204(und)-203(Menschenfloh)-204(zwei)-204(ganz)-203(verschiedene)-204(Spezien)-203(sind,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-362(es)-362(einem)-362(Hundefloh)-362(niemals)-362(einfalle,)-390(die)-362(sch\366n)-362(behaarten)]TJ 0 -13.549 Td [(Jagdgr\374nde)-506(seiner)-506(tierischen)-506(Pfr\374nde)-506(freiwillig)-506(zu)-505(verlassen,)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-390(auf)-389(dem)-390(glatten)-390(Parkett)-389(der)-390(Menschenhaut)-390(ungl\374cklich)-389(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(debutieren;)-486(da\337)-408(dem)-407(Hundefloh)-408(das)-408(tierische)-407(Blut)-408(viel)-407(besser)]TJ 0 -13.549 Td [(munde)-584(als)-584(das)-584(menschliche;)-751(da\337)-584(ein)-584(bei)-584(einem)-584(Menschen)]TJ 0 -13.549 Td [(gefundener)-368(Hundefloh)-368(eine)-369(au\337erordentliche)-368(Ausnahme,)-397(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(armen)-300(Verirrten)-300(darstelle,)-313(der)-300(h\366llisch)-300(an)-300(Heimweh)-300(leide,)-312(kurz,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([255])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(da\337)-192(wohl)-192(ein)-192(Dackel)-192(von)-192(einem)-192(Menschen)-192(einen)-192(Floh)-192(bekommen)]TJ 0 -13.55 Td [(k\366nne,)-624(aber)-549(nicht)-548(umgekehrt.)-1147(Eine)-549(Resolution,)-624(die)-548(darauf)]TJ 0 -13.549 Td [(hinausging:)-632(die)-442(Mitglieder)-441(der)-441(Versammlung)-441(als)-441(Angeh\366rige)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-355(Kulturwelt)-354(seien)-354(fest)-355(entschlossen,)-381(den)-354(alten)-354(Aberglauben,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-563(ein)]TJ/F19 10.9091 Tf 41.361 0 Td [(pulex)-563(irretans)]TJ/F16 10.9091 Tf 70.458 0 Td [(vom)]TJ/F19 10.9091 Tf 25.537 0 Td [(canis)-563(familiaris)]TJ/F16 10.9091 Tf 77.745 0 Td [(freiwillig)-563(zum)]TJ/F19 10.9091 Tf -215.101 -13.549 Td [(homo)-232(sapiens)]TJ/F16 10.9091 Tf 62.019 0 Td [(\374bergehe,)-235(auszurotten,)-235(wurde)-232(mit)-231(\374berw\344ltigender)]TJ -62.019 -13.55 Td [(Mehrheit)-410(angenommen.)-728(Die)-409(ohnm\344chtige)-410(geringe)-409(Opposition)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde)-250(ausgelacht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.764 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.808 -14.531 Td [(Das)-184(war)-183(also)-184(ein)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.232 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(wissenschaftlicher)-184(Vortrag)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.515 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.846 0 Td [(in)-184(diesen)-183(Ferien)]TJ -212.392 -13.549 Td [(vom)-250(Ich.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Verr\374ckt!)-997(Aber)-499(alles)-499(Volk)-499(lief)-498(hin,)-562(Herren)-499(und)-498(Damen!)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Rauften)-250(um)-250(die)-250(Pl\344tze!)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Nun)-201(hat)-201(das)-201(Beest,)-211(der)-201(Dackel,)-211(den)-201(Pantoffel)-201(wirklich)-201(zerfetzt.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Er)-178(guckt)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.432 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.401 0 Td [(mit)-178(elenden)-179(Pl\374sch\374berresten)-178(in)-179(der)-178(Schnauze)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.912 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.402 0 Td [(h\366chst)]TJ -252.147 -13.549 Td [(durchtrieben)-198(unter)-197(dem)-198(Bett)-198(hervor,)-208(und)-197(seine)-198(weit)-197(aufgerissenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen)-250(fragten:)-250(Gibt)-250(es)-250(nun)-250(Keile)-250(oder)-250(nicht?)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-477(schl\344gt)-477(ihn)-477(nicht.)-932(Mag)-477(Vater)-477(Barthel)-477(neue)-477(Pantoffeln)]TJ -11.956 -13.549 Td [(besorgen.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Er)-314(regt)-314(sich)-314(nicht)-314(auf.)-442(Dazu)-314(ist)-314(er)-314(nicht)-314(da.)-442(Fr\374her)-314(w\374rde)-313(er)]TJ -11.956 -13.55 Td [(gekollert)-292(haben.)-377(Jetzt)-293(nicht)-292(mehr.)-377(Er)-292(ist)-292(Gottfried)-293(Stumpe,)-302(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(solche)-250(Kleinigkeiten)-250(sehr)-250(egal)-250(sind.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1050 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1051 0 R +/Resources 1049 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1052 0 obj << +/D [1050 0 R /XYZ 208.693 463.978 null] +>> endobj +1049 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1056 0 obj << +/Length 5122 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(198)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-202(Dackel)-202(versteckt)-202(inzwischen)-202(die)-202(Zeichen)-202(seiner)-201(Schandtat)]TJ -11.956 -13.549 Td [(weit)-367(unter)-367(dem)-367(Bett,)-396(dann)-367(kommt)-367(er)-367(n\344her,)-396(macht)-367(ein)-367(\344u\337erst)]TJ 0 -13.549 Td [(treuherziges)-335(Gesicht,)-356(wedelt)-335(mit)-335(dem)-335(Schwanze)-335(und)-335(bietet)-335(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Bild)-480(unverd\344chtigster)-479(Harmlosigkeit.)-939(Gottfried)-480(sieht)-480(ihn)-479(an,)]TJ 0 -13.55 Td [(beschlie\337t,)-443(die)-404(abscheuliche)-405(Heuchelei)-404(zu)-405(\374bersehen)-404(und)-404(sagt)]TJ 0 -13.549 Td [(einfach)-250(und)-250(gelassen:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([256])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-250(bist)-250(ein)-250(Schweinekerl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.618 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.461 -14.251 Td [(Der)-246(Dackel)-247(blinzelt)-247(nach)-246(dem)-247(Fu\337e,)-247(auf)-246(dem)-247(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.405 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herrchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.581 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(in)-416(blo\337en)-415(Socken)-416(steht,)-457(nimmt)-416(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 165.537 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schweinekerl)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.378 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.378 0 Td [(als)-416(etwas)]TJ -239.136 -13.549 Td [(ganz)-313(Selbstverst\344ndliches)-313(hin)-314(und)-313(springt)-313(dann)-313(z\344rtlich)-313(an)-313(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-236(ihm)-236(liebreich)-236(geneckten)-236(Manne)-236(in)-235(die)-236(H\366he.)-246(Und)-236(der)-235(schabt)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-335(freundlich)-335(den)-335(Nacken,)-356(dort,)-356(wo)-335(das)-335(Fell)-335(so)-335(lose)-335(sitzt)-335(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-250(viel)-250(zu)-250(weiter)-250(Anzug.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gottfried,)-258(m\344hren)-256(Sie)-256(nicht)-256(wieder)-256(so)-256(lange)-256(beim)-257(Anziehen!)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-250(erk\344lten)-250(sich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.742 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -63.787 -14.25 Td [(Das)-293(war)-292(Vater)-293(Barthel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.086 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(M\344hren)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.036 0 Td [(hatte)-293(er)-292(gesagt.)-378(Der)-292(Mann)]TJ -164.847 -13.549 Td [(war)-179(nicht)-179(satisfaktionsf\344hig.)-227(Wenn)-179(ihm)-179(fr\374her)-179(mal)-179(einer)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(M\344hren)]TJ -246.703 -13.55 Td [(Sie)-280(nicht)-280(so)-279(lange)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.243 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.896 0 Td [(gesagt)-280(h\344tte!)-339(Zum)-280(Beispiel,)-287(als)-280(er)-280(in)-279(Sachen)]TJ -86.139 -13.549 Td [(Pimpel)]TJ/F19 10.9091 Tf 35.016 0 Td [(contra)]TJ/F16 10.9091 Tf 32.583 0 Td [(Karsubke)-376(wegen)-376(eines)-375(Objektes)-376(von)-376(drei)-376(Mark)]TJ -67.599 -13.549 Td [(und)-305(f\374nfzig)-305(Pfennig)-305(neun)-304(Termine)-305(ansetzte,)-319(von)-305(dem)-305(der)-304(letzte)]TJ 0 -13.549 Td [(drei)-250(Stunden)-250(dauerte!)]TJ 11.955 -14.251 Td [(Tja)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.269 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Ferien)-250(vom)-250(Ich!)]TJ -25.451 -14.25 Td [(Der)-813(Treppenflur)-812(ist)-813(durch)-813(den)-812(gelbroten)-813(Schein)-813(von)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Petroleumlampen)-235(erleuchtet.)-245(Petroleum)-235(ist)-236(ein)-235(Licht,)-238(das)-235(aus)-235(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Erde)-236(gequollen)-237(ist.)-245(Darum)-237(ist)-236(es)-236(wahrscheinlich)-237(so)-236(warm.)-245(Leute,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-216(um)-216(eine)-216(Petroleumlampe)-216(sitzen,)-223(sehen)-216(alle)-216(aus)-215(wie)-216(Bergvolk,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-234(im)-233(Innern)-234(der)-234(Erde)-233(haust)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.386 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.004 0 Td [(halbbeleuchtete)-234(H\366hlengesichter,)]TJ -135.39 -13.549 Td [(die)-337(sich)-338(an)-337(den)-337(dunkel)-337(bleibenden)-338(W\344nden)-337(doch)-337(hell)-337(abheben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Alles)-405(im)-404(Zauberschein)-405(stillen,)-443(trauten)-405(Zusammenhockens,)-443(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Wissen)-284(und)-283(Bekennen:)-317(drau\337en)-284(ist)-284(Nacht.)-350(Alles)-284(andere)-283(grellere)]TJ 0 -13.549 Td [(Licht)-250(l\374gt)-250(den)-250(Tag)-250(vor.)]TJ 11.955 -14.251 Td [(Im)-249(Hausflur)-249(unten)-249(sagt)-250(die)-249(h\374bsche)-249(Magd)-249(Emilie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 220.511 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hoppla!)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.749 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ/F16 7.9701 Tf -350.659 0 Td [([257])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(weil)-402(Herr)-402(Gottfried)-402(an)-402(ihre)-402(Milchkanne)-402(st\366\337t.)-706(Und)-402(dann)-402(tritt)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-350(in)-350(die)-351(gro\337e)-350(Bauernstube.)-550(Da)-351(umf\344ngt)-350(ihn)-350(das)-350(ganze)-350(gro\337e)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1055 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1056 0 R +/Resources 1054 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1057 0 obj << +/D [1055 0 R /XYZ 93.543 448.051 null] +>> endobj +1058 0 obj << +/D [1055 0 R /XYZ 326.01 93.24 null] +>> endobj +1054 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1061 0 obj << +/Length 5113 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(199)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Behagen)-332(des)-332(zu)-332(fr\374h)-332(Erwachten,)-353(der)-332(in)-332(eine)-332(warme)-332(Stube)-332(tritt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Alle)-362(Glieder)-361(dehnen)-362(sich)-361(in)-362(Wohligkeit.)-585(Um)-361(den)-362(Tisch)-361(sitzen)]TJ 0 -13.549 Td [(schon)-445(die)-445(Genossen)-446(und)-445(Genossinnen.)-835(Viele)-445(trinken)-445(Kakao,)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-413(l\366ffeln)-412(Milchsuppe.)-737(Er)-413(suppt.)-737(Susanne)-413(mu\337)-412(ihm)-412(den)]TJ 0 -13.55 Td [(h\374bschen,)-213(wahrhaft)-203(k\374nstlerisch)-204(geformten)-203(Napf)-204(zweimal)-203(f\374llen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-179(Fr\374hst\374cksunterhaltung)-180(ist)-179(sp\344rlich)-179(und)-180(n\374chtern)-179(wie)-179(\374berall.)]TJ 0 -13.549 Td [(Zu)-384(Hause)-385(w\374rde)-384(er)-384(jetzt)-384(Kaffee)-384(trinken)-385(und)-384(die)-384(Zeitung)-384(dazu)]TJ 0 -13.549 Td [(lesen.)-697(Das)-399(bi\337chen)-399(Koffein)-399(w\374rde)-399(ihm)-399(wahrscheinlich)-398(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(schaden;)-577(aber)-467(da\337)-468(er)-468(die)-468(Zeitung)-467(wieder)-468(mal)-468(auf)-468(den)-467(Tisch)]TJ 0 -13.55 Td [(hauen)-290(oder)-290(zerkn\374llt)-290(an)-289(die)-290(Wand)-290(schmei\337en)-290(w\374rde)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.114 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.616 0 Td [(das)-290(w\344re)]TJ -241.73 -13.549 Td [(schlimmer.)-418(Hier)-305(gibt)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.036 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-306(keine)-306(Zeitung.)-417(Es)-306(geht)-306(auch)-306(so.)-417(Sollten)]TJ -96.669 -13.549 Td [(Amerika)-412(und)-412(Japan)-412(inzwischen)-411(Krieg)-412(bekommen)-412(haben,)-452(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.754 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)]TJ -276.387 -13.549 Td [(ihm)-289(v\366llig)-288(egal,)-299(wer)-288(dabei)-289(zugrunde)-289(geht,)-298(gleichg\374ltiger)-289(als)-288(der)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-250(Dackel)-250(zernagte)-250(Latschen.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Der)-655(Regen)-655(spritzt)-655(noch)-654(immer)-655(an)-655(die)-655(Scheiben.)-1464(Ein)]TJ/F24 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sauwetter)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.625 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.764 0 Td [(w\374rde)-634(er)-635(zu)-634(Hause)-634(sagen,)-731(die)-634(Gummischuhe)]TJ -60.233 -13.549 Td [(anziehen,)-946(den)-807(Mantelkragen)-807(hochschlagen)-807(und)-807(auf)-806(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(schnellsten)-450(Wege)-451(zur)-450(Stra\337enbahn)-450(trachten,)-501(um)-450(zum)-450(Gericht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(fahren.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Hier)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.992 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.061 0 Td [(Gottfried)-331(Stumpe)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.545 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.061 0 Td [(oh)-331(weh!)-492(Gestern)-330(war)-331(das)-330(Wetter)]TJ -133.615 -13.549 Td [(nicht)-305(viel)-305(besser,)-319(und)-305(er)-305(hat)-305(D\374nger)-305(fahren)-305(m\374ssen.)-415(Die)-305(Arbeit)]TJ 0 -13.549 Td [(verteilt)-370(Vater)-370(Barthel.)-610(Gottfried)-370(glaubt,)-400(der)-370(Bauer)-370(habe)-370(etwas)]TJ 0 -13.55 Td [(gegen)-483(ihn.)-948(Jedenfalls)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.229 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.722 0 Td [(das)-483(steht)-483(fest)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.704 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.722 0 Td [(dieser)-483(Methusalem)]TJ -195.377 -13.549 Td [(wird)-350(immer)-351(bevorzugt.)-551(Ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.399 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-350(sch\366n)-351(und)-350(warm,)-376(da\337)-350(er)-350(auf)-351(dem)]TJ -123.031 -13.549 Td [(Kartoffelfelde)-261(Allotria)-261(mit)-261(dem)-261(Weibsvolk)-261(treiben)-261(kann,)-263(geht)-261(er)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([258])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(hinaus;)-534(regnet)-439(es)-439(und)-440(bl\344st)-439(der)-439(Wind,)-487(wird)-439(er)-439(zu)-439(h\344uslichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Arbeiten)-574(verwandt.)-1222(Alles)-574(Protektion)-574(auf)-574(der)-574(Welt!)-1221(Herr)]TJ 0 -13.55 Td [(Amtsgerichtsrat)-256(Dr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.634 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.245 0 Td [(nein,)-257(Gottfried)-256(Stumpe,)-258(h\344t)1(te)-256(nie)-256(gedacht,)]TJ -97.879 -13.549 Td [(es)-437(n\366tig)-437(zu)-437(haben,)-483(sich)-437(um)-437(das)-437(besondere)-437(Wohlwollen)-436(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(Bauern)-238(Barthel)-237(oder)-238(einer)-237(Frau)-238(Susanne)-237(bem\374hen)-238(zu)-238(m\374ssen.)-245(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(verschm\344ht)-371(auch)-371(alle)-372(Liebedienerei,)-401(um)-371(sich)-371(Verg\374nstigungen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-359(verschaffen.)-579(Dieser)-359(Methusalem)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.386 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.376 0 Td [(er)-359(ist)-360(ja)-359(sonst)-360(ein)-359(netter)]TJ -173.762 -13.55 Td [(Kerl)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.624 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.693 0 Td [(ist)-297(schon)-297(f\374nf)-297(Monate)-297(hier,)-308(aber)-297(eigentlich)-297(ein)-297(Kriecher;)]TJ -31.317 -13.549 Td [(denn)-538(er)-538(soll)-538(F)1(rau)-538(Susanne)-538(auf)-538(einem)-538(Schaffboden)-538(in)-537(einer)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1060 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1061 0 R +/Resources 1059 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1062 0 obj << +/D [1060 0 R /XYZ 86.753 188.085 null] +>> endobj +1059 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1065 0 obj << +/Length 5220 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(200)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(fabelhaft)-292(geschmeichelten)-292(Weise)-292(portr\344tiert)-292(haben,)-303(da\337)-292(er,)-302(trotz)]TJ 0 -13.549 Td [(gelegentlicher)-284(Anrempelung,)-293(lieb)-284(Kind)-285(im)-284(Hause)-284(ist)-284(und)-284(bleibt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Denn)-223(Susannes)-223(Bild)-222(h\344ngt)-223(jetzt)-223(in)-223(einer)-223(M\374nchener)-222(Ausstellung;)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(schmeichelt)-250(nat\374rlich)-250(solch)-250(alter)-250(Schachtel)-250(gewaltig.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Die)-385(dicke)-385(Lene)-384(dr\374ben)-385(am)-385(Nachbartisch)]TJ/F24 10.9091 Tf 187.558 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.653 0 Td [(Gottfried)-385(m\374\337te)]TJ -209.167 -13.55 Td [(sich)-476(furchtbar)-475(t\344uschen,)-532(wenn)-476(er)-475(in)-476(ihr)-476(nicht)-475(die)-476(Gattin)-475(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Juweliers)-390(Rosenbaum)-390(erkannt)-389(h\344tte)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.65 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.707 0 Td [(sagt)-390(eben)-390(Vater)-389(Barthel)]TJ -173.357 -13.549 Td [(eine)-281(plumpe)-281(Schmeichelei)-281(\374ber)-281(seine)-281(Uhrkette,)-289(die)-281(ein)-281(klobiges)]TJ 0 -13.549 Td [(Ding)-344(ist)-344(und)-344(vielleicht)-344(einen)-344(Taler)-344(gekostet)-344(hat.)-532(Aber)-343(Barthel,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(ein)-250(geriebener)-250(Patron)-250(ist,)-250(merkt)-250(den)-250(Braten)-250(und)-250(sagt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-274(ja,)-275(Lene,)-274(meine)-269(Uhrkette)-270(is)-269(zwar)-270(sehr)-269(sch\366n;)-279(aber)-270(R\374ben)]TJ -16.799 -13.549 Td [(abkloppen)-250(m\374ssen)-250(Sie)-250(heute)-250(trotzdem.)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.164 0 Td [(\034)]TJ -156.208 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(so)-250(furchtbar)-250(kalt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.804 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(st\366hnt)-250(die)-250(Dicke.)]TJ/F24 10.9091 Tf -114.217 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lene)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.807 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-364(belehrte)-342(sie)-341(Vater)-342(Barthel)-341(wohlwollend;)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.431 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-341(is)-342(kalt,)]TJ -237.725 -13.549 Td [(das)-238(is)-238(wahr.)-246(Aber)-238(Sie)-238(sind)-238(hier,)-240(um)-238(d\374nner)-238(zu)-238(werden,)-240(und)-238(K\344lte)]TJ 0 -13.55 Td [(zieht)-250(die)-250(K\366rper)-250(zusammen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 123 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -195.755 0 Td [([259])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.162 Td [(S\344mtliche)-554(Fr\374hst\374cksleute)-555(grinsen.)-1163(Auch)-555(Gottfried)-554(freut)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sich.)-832(Gestern,)-492(als)-444(er)-444(D\374nger)-444(fahren)-444(mu\337te,)-493(hat)-444(er)-443(sich)-444(blo\337)]TJ 0 -13.549 Td [(damit)-584(getr\366stet,)-668(da\337)-584(es)-584(die)-584(Arbeiter)-584(auf)-584(dem)-584(R\374benstande)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-384(schlimmer)-385(hatten)-384(als)-385(er.)-653(Die)-384(R\374ben)-385(aus)-384(dem)-384(na\337kalten,)]TJ 0 -13.549 Td [(manschigen)-493(Acker)-492(zu)-493(nehmen,)-553(sie)-493(aneinander)-493(zu)]TJ/F24 10.9091 Tf 234.888 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(klopfen)]TJ/F24 10.9091 Tf 33.327 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(damit)-533(\374berfl\374ssige)-533(Erde)-533(abf\344llt,)-604(und)-533(sie)-533(f\374r)-533(den)-533(Wagen)-533(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(sammeln,)-432(ist)-395(an)-396(solchen)-395(Regentagen)-396(keine)-395(sch\366ne)-396(Arbeit)-395(und)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-587(weniger)-587(als)-588(Manikure.)-1261(Die)-587(Finger)-587(werden)-587(blaurot.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nur)-422(Pulsw\344rmer)-422(helfen)-422(etwas.)-765(Scheu\337lich.)-766(Er)]TJ/F24 10.9091 Tf 220.524 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.057 0 Td [(Gottfried)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.595 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(freut)-448(sich)-448(auf)-447(seine)-448(D\374ngerfuhre.)-843(Da)-448(pendelt)-448(er)-448(so)-447(langsam)]TJ 0 -13.549 Td [(neben)-443(seinen)-442(beiden)-443(nachdenklichen)-442(R\366\337lein)-443(einher,)-491(und)-442(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Ammoniakgeruch,)-334(den)-317(seine)-318(Ladung)-317(ausstr\366mt,)-334(st\366rt)-317(ihn)-317(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-250(soll)-250(sogar)-250(ausgezeichnet)-250(gesund)-250(f\374r)-250(die)-250(Lungen)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Methusalem,)-317(Sie)-303(werden)-304(heute)-303(Holz)-304(hacken!)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.774 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.155 0 Td [(h\366rt)-304(er)-303(Vater)]TJ -223.728 -13.549 Td [(Barthel)-250(weiter)-250(reden.)]TJ 11.956 -14.163 Td [(Richtig!)-217(Es)-150(regnete)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.424 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.096 0 Td [(folglich)-151(blieb)-150(Methusalem)-151(im)-150(Trockenen.)]TJ -91.52 -14.163 Td [(Gottfried)-345(ha\337te)-345(in)-344(diesem)-345(Augenblick)-345(den)-345(Methusalem,)-368(wie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-467(zu)-468(Hause)-467(den)-467(Kollegen)-467(geha\337t)-467(hatte,)-522(der)-467(den)-467(Adlerorden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1064 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1065 0 R +/Resources 1063 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1066 0 obj << +/D [1064 0 R /XYZ 93.543 310.115 null] +>> endobj +1063 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1069 0 obj << +/Length 3728 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(201)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(erschleichen)-446(wollte.)-838(Solche)-446(Leute)-446(verstehen)-446(es)-446(eben,)-495(immer)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(nach)-250(oben)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.531 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(zu)-250(schielen.)]TJ/F24 10.9091 Tf -44.99 -13.892 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oben)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\034)-250(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 15.753 0 Td [(das)-250(waren)-250(hier)-250(Vater)-250(Barthel)-250(und)-250(Frau)-250(Susanne.)]TJ -44.225 -13.892 Td [(Barthel)-250(tat)-250(so,)-250(als)-250(ob)-250(er)-250(unparteiisch)-250(sei.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.892 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-455(sage)-456(ich)-455(Ihnen)-455(aber,)-507(Methusalem,)-507(gravieren)-455(Sie)-456(mir)]TJ -16.799 -13.55 Td [(heute)-275(wieder)-276(ein)-275(Bild)-275(auf)-275(die)-276(Axt,)-281(haben)-276(Sie)-275(das)-275(letztemal)-275(Holz)]TJ 0 -13.549 Td [(gehackt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 253.464 0 Td [([260])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.892 Td [(Methusalem)-560(gelobte,)-638(keine)-560(Barthelsche)-560(Holzaxt)-560(mehr)-560(zu)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verunzieren,)-735(sondern)-639(flei\337ig)-638(Holz)-638(zu)-638(hacken.)-1415(In)-638(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(Augenblick)-498(trat)-498(der)-498(Brieftr\344ger)-499(in)-498(die)-498(Stube.)-994(Er)-498(hatte)-498(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(riesige)-497(Tasche)-496(umgeh\344ngt,)-559(und)-497(in)-496(dieser)-497(Tasche)-497(steckte)-496(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(einziger)-250(Brief.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.892 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herrn)-250(Methusalem)-250(auf)-250(dem)-250(Forellenhof.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -181.472 -13.892 Td [(Methusalem)-202(\366ffnete)-202(den)-202(Brief,)-212(las)-202(und)-202(sank)-202(mit)-201(einem)-202(Seufzer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wie)-403(ohnm\344chtig)-402(auf)-403(die)-402(Ofenbank.)-708(Die)-402(Weiber)-403(quiekten,)-440(am)]TJ 0 -13.549 Td [(lautesten)-224(Susanne.)-242(Barthel)-224(hob)-225(den)-224(auf)-225(den)-224(Fu\337boden)-224(gefallenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Brief)-250(auf)-250(und)-250(las)-250(ihn)-250(ohne)-250(weiteres)-250(vor:)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.637 -61.883 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehr)-250(geehrter)-250(Herr!)]TJ -48.48 -13.893 Td [(Ihre)-255(von)-255(der)-255(gesamten)-255(Fachkritik)-255(gl\344nzend)-255(beurteilte)-255(Zeichnung)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(B\344uerin)-513(auf)-513(dem)-513(Schaffboden)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.183 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.231 0 Td [(ist)-513(heute)-513(f\374r)-513(den)-514(Preis)-513(von)]TJ -152.047 -13.549 Td [(f\374nftausend)-250(Mark)-250(verkauft)-250(worden.)]TJ 167.357 -13.892 Td [(Die)-300(Ausstellungsleitung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.429 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -47.991 Td [(Gro\337e)-250(allgemeine)-250(Verwundernis.)]TJ 0 -13.892 Td [(Frau)-621(Susanne)-622(wurde)-621(knallrot.)-1365(Dann)-621(hielt)-622(sie)-621(sich)-621(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Leinwandsch\374rze)-473(vors)-473(Gesicht.)-920(Barthel)-473(aber)-473(klopfte)-473(sie)-473(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-250(Schulter)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.892 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mutter,)-232(sch\344m)-227(dich)-227(nich!)-242(Was)-227(kannst)-227(du)-228(daf\374r,)-231(da\337)-227(du)-227(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.9 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)]TJ -270.332 -13.549 Td [(interessante)-250(Frau)-250(bist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.349 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1068 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1069 0 R +/Resources 1067 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1070 0 obj << +/D [1068 0 R /XYZ 46.771 433.473 null] +>> endobj +1067 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1073 0 obj << +/Length 4984 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(202)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Methusalem)-504(erholte)-505(sich,)-568(stand)-504(auf)-504(und)-505(bot)-504(ein)-504(Bild)-504(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Jammers.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kinder)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.295 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-694(sprach)-604(er)-605(mit)-605(zerknirschter)-605(Stimme,)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.378 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ihr)-605(alle)]TJ -246.159 -13.549 Td [(kennt)-844(mich)-845(und)-844(werdet)-844(daher)-845(Mitleid)-844(mit)-844(mir)-844(haben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Neunhundertachtundneunzigeinhalbes)-150(Jahr)-150(bin)-151(ich)-150(alt;)-183(eineinhalb)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahr)-315(habe)-314(ich)-315(blo\337)-315(noch)-314(zu)-315(leben.)-444(Und)-315(nun)-314(werd)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.62 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.065 0 Td [(ich)-315(pl\366tzlich)]TJ -225.685 -13.549 Td [(ein)-267(Kr\366sus.)-300(Da\337)-267(ich)-267(in)-267(der)-266(kurzen)-267(Spanne)-267(Zeit)-267(meines)-266(irdischen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([261])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Wallens)-215(nicht)-215(die)-216(Riesensumme)-215(von)-215(f\374nftausend)-215(Mark)-215(ausgeben)]TJ 0 -13.549 Td [(kann,)-285(werdet)-278(ihr)-277(einsehen.)-334(Und)-277(doch)-278(mu\337)-278(sie)-278(mangels)-277(jeglicher)]TJ 0 -13.55 Td [(Leibeserben)-229(weggeschafft)-229(werden.)-243(Ihr)-229(k\366nnt)-229(glauben,)-233(da\337)-229(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Fall)-387(mein)-387(Gem\374t)-387(hart)-386(bedr\374ckt.)-661(Doch)-387(werden)-387(wir)-387(Mittel)-386(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Wege)-268(finden,)-273(hier)-269(so)-268(lange)-268(Feste)-269(zu)-268(feiern,)-273(bis)-268(ich)-269(von)-268(dem)-268(Alp)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-250(Geldes)-250(erl\366st)-250(bin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -81.971 -15.6 Td [(Gegen)-225(diese)-226(Auffassung)-225(hielt)-226(nun)-225(Barthel)-226(eine)-225(zornspr\374hende)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Rede)-433(\374ber)-432(Sparsamkeit,)-478(M\344\337igkeit)-433(und)-433(Unvernunft.)-797(Manche)]TJ 0 -13.549 Td [(stimmten)-656(ihm)-656(zu,)-757(andere)-656(widersprachen)-656(ihm,)-758(es)-656(gab)-655(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(erhebliches)-569(Durcheinander.)-1206(Inzwischen)-568(ging)-569(Frau)-568(Susanne)]TJ 0 -13.549 Td [(immerfort)-326(mit)-326(roten)-327(Wangen)-326(und)-326(sch\344mig)-326(flimmernden)-326(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(hin)-250(und)-250(her.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Denken)-415(Sie)-414(doch,)-456(Frau)-414(Susanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.217 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.976 0 Td [(f\374nftausend)-415(Mark)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.175 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.976 0 Td [(in)]TJ -272.143 -13.55 Td [(M\374nchen)-250(auf)-250(der)-250(Ausstellung!)-250(F\374r)-250(Ihr)-250(Bild!)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.487 0 Td [(\034)]TJ -179.531 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ruhe!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.75 0 Td [(kommandierte)-175(Barthel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.226 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-175(m\374ssen)-175(wieder)-174(an)-175(ernste)]TJ -157.28 -13.549 Td [(Dinge)-242(denken.)-248(Ekkehard,)-243(Sie)-242(nehmen)-243(einen)-242(Schubkarren,)-243(fahr)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.543 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ/F24 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(runter)-320(nach)-321(Waltersburg)-320(zum)-321(Kaufmann)-320(Scholz)-321(und)-320(hol)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.872 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-320(das)]TJ -257.138 -13.549 Td [(F\344\337chen)-264(Heringe)-265(ab,)-267(das)-265(ich)-264(bestellt)-264(hab.)-293(Lassen)-264(Sie)-264(sich)]TJ/F24 10.9091 Tf 251.097 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-264(aber)]TJ -254.729 -13.55 Td [(recht)-250(festbinden,)-250(da\337)-250(es)-250(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.276 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(runterkugelt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.956 0 Td [(\034)]TJ -178.91 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ -39.382 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Thusnelda,)-446(Emilie-Karlotti,)-447(Strunzel)-407(und)-407(Eva)-407(helfen)-407(beim)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Buttermachen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -51.972 -15.6 Td [(Vierstimmiger)-250(piepsiger)-250(Frauenchor:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ -39.382 -15.601 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Knusperhase,)-222(Friedrich)-215(Schiller,)-222(Li-hung-tschang,)-223(Mussolini)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-399(Fuhrmann)-399(Henschel)-399(werden)-399(\304ppel)-399(pfl\374cken.)-697(B\344rbel)-398(und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([262])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1072 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1073 0 R +/Resources 1071 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1053 0 R +>> endobj +1074 0 obj << +/D [1072 0 R /XYZ 244.853 434.829 null] +>> endobj +1075 0 obj << +/D [1072 0 R /XYZ 163.458 66.142 null] +>> endobj +1076 0 obj << +/D [1072 0 R /XYZ 275.874 66.142 null] +>> endobj +1071 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1079 0 obj << +/Length 4781 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(203)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(die)-418(Lustige)-417(Witwe)-418(werden)-418(die)-417(\304ppel)-418(nach)-418(der)-417(\304ppelkammer)]TJ 0 -13.549 Td [(tragen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.99 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -18.034 -14.163 Td [(Septett:)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.065 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ -75.447 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-357(Alte)-358(Dessauer)-357(hat)-357(Jagdurlaub)-357(bis)-357(zum)-358(Abendbrot;)-411(das)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Veilchen)-462(im)-462(Winkel)-461(wird)-462(helfen,)-515(die)-462(Heringe)-461(einmarinieren,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-466(Ekkehard)-467(bringt;)-574(Piesecke)-466(kommt)-467(zwei)-466(Stunden)-466(lang)-466(an)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-382(Jauchenpumpe;)-447(Andreas)-382(Hofer,)-415(Moritz)-382(Arndt,)-414(Fitzlibutzli,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-301(Knecht)-302(Elieser,)-314(Ali-Baba)-302(und)-301(Jeremias)-302(Gotthelf)-301(gehen)-301(zum)]TJ 0 -13.549 Td [(Ackern)-332(aufs)-331(Feld.)-495(Lene)-331(und)-331(Joachim)-332(Hans)-331(von)-332(Ziethen)-331(helfen)]TJ 0 -13.549 Td [(beim)-250(R\374benabkloppen.)-250(Fehlt)-250(noch)-250(jemand?)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.982 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -178.026 -14.163 Td [(Herr)-218(Amtsgerichtsrat)-218(Dr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.275 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.833 0 Td [(nein)-218(Gottfried)-218(Stumpe,)-224(erhob)-218(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -119.108 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.564 0 Td [(\034)]TJ -22.407 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-617(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.325 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.181 0 Td [(Sie,)-708(Gottfried!)-1350(Nu,)-708(Sie)-617(helfen)-616(auch)-617(beim)]TJ -70.305 -13.549 Td [(R\374benabkloppen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.659 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -64.703 -14.163 Td [(Gottfried)-472(erbla\337te.)-915(Zu)-472(widersprechen)-472(wagte)-472(er)-472(nicht.)-915(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(h\366rte)-624(nur)-625(noch)-624(mit)-625(bei\337endem)-624(Ingrimm,)-718(da\337)-624(Barthel)-624(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem)-501(aus)-501(Anla\337)-501(seines)-501(Briefes)-501(einen)-501(Tag)-501(beurlauben)]TJ 0 -13.549 Td [(wollte.)-250(Methusalem)-250(aber)-250(wies)-250(die)-250(Ehre)-250(zur\374ck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nimmermehr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.411 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 14.302 0 Td [(rief)-867(er)-867(pathetisch,)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.641 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(denn)-867(sehen)-867(Sie,)]TJ -198.997 -13.549 Td [(Vater)-397(Barthel,)-433(eine)-397(ungeheure)-396(Lebenslust,)-434(ein)-396(Kraft\374berschu\337)]TJ 0 -13.55 Td [(durchstr\366mt)-476(pl\366tzlich)-477(meinen)-476(fast)-477(tausendj\344hrigen)-476(Leib.)-929(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(komme)-322(mir)-322(vor)-322(wie)-322(ein)-322(F\374nfunddrei\337iger.)-466(Wo)-322(soll)-322(ich)-322(hin)-322(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-236(Freud?)-245(Austoben)-236(mu\337)-236(ich)-236(mich.)-246(Und)-236(das)-236(kann)-236(ich)-236(nur,)-238(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-250(Holz)-250(hacke.)-250(Ich)-250(will)-250(keinen)-250(Urlaub,)-250(ich)-250(hacke)-250(Holz!)]TJ/F24 10.9091 Tf 243.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 47.151 0 Td [([263])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.163 Td [(Punkt)-621(ein)-621(Viertel)-620(nach)-621(sieben)-621(Uhr)-621(erkl\344rte)-621(Barthel)-620(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fr\374hst\374ck)-484(f\374r)-484(aufgehoben.)-951(Nun)-484(gingen)-484(alle)-483(ihre)-484(Wege,)-542(die)]TJ 0 -13.549 Td [(meisten)-251(hinauf)-251(nach)-252(den)-251(Badeh\344usern,)-251(um)-251(ihre)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.321 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Anwendungen)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.622 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.55 Td [(zu)-377(machen.)-630(Auch)-377(Gottfried)-377(Stumpe)-376(schritt)-377(hinaus)-377(in)-377(den)-376(fein)]TJ 0 -13.549 Td [(spr\374henden)-334(Regen.)-503(Er)-334(war)-334(sehr)-334(schlechter)-334(Laune.)-502(Auf)-334(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurzettel)-580(stand)-581(heute)-580(ein)-580(zehn)-581(Minuten)-580(langes)-580(Bedampfen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-425(Magens)-425(\050er)-425(litt)-424(an)-425(Magennerven\051,)-469(dann)-425(ein)-425(B\374rstbad)-424(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(nachfolgendem)-196(k\374hlen)-195(Abgu\337.)-196(Was)-195(so)-195(die)-196(Nerv\366sen)-195(bekommen!)]TJ 0 -13.55 Td [(Fr\374her)-186(war)-186(er)-186(auch)-186(massiert)-186(worden)-186(und)-186(hatte)-186(im)-186(Gymnastiksaale)]TJ 0 -13.549 Td [(turnen)-278(m\374ssen.)-336(Jetzt)-278(fiel)-279(das)-278(weg.)-335(Wahrscheinlich)-279(war)-278(er)-278(schon)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1078 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1079 0 R +/Resources 1077 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1080 0 obj << +/D [1078 0 R /XYZ 46.771 200.731 null] +>> endobj +1077 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1084 0 obj << +/Length 4099 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(204)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zu)-459(gesund)-459(zu)-459(solch)-459(anst\344ndiger)-459(Behandlung.)-877(Jetzt)-459(mu\337te)-458(er)]TJ 0 -13.549 Td [(einfach)-465(arbeiten.)-896(R\374ben)-465(abkloppen.)-896(Mit)-465(M\344gden)-465(und)-465(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Weibern)-250(zusammen.)-250(Scheu\337lich!)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Es)-215(war)-216(ein)-215(reines)-216(Wunder,)-222(wie)-216(man)-215(sich)-216(das)-215(als)-215(Kulturmensch)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gefallen)-445(lie\337.)-445(Da\337)-445(man)-445(nicht)-445(einfach)-445(sagte:)-640(Rutscht)-445(mir)-445(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Buckel)-318(lang;)-351(ich)-318(reise)-318(ab!)-453(Solche)-317(Schweinerei,)-335(wie)-318(R\374ben,)-334(die)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-287(Dreck)-287(liegen,)-296(abzukloppen,)-296(mache)-287(ich)-286(nicht)-287(mit!)-361(Man)-286(reiste)]TJ 0 -13.55 Td [(aber)-461(nicht)-460(ab.)-882(Man)-460(wu\337te,)-513(da\337)-461(sich)-460(die)-461(Kurverwaltung)-460(aus)]TJ 0 -13.549 Td [(einer)-207(Abreise)-207(rein)-206(gar)-207(nichts)-207(machte,)-215(weil)-207(schon)-207(immer)-206(Hunderte)]TJ 0 -13.549 Td [(darauf)-175(warteten,)-190(neu)-174(eingereiht)-175(zu)-175(werden.)-225(Alle)-174(Widerstandskraft)]TJ 0 -13.549 Td [(verliert)-236(man)-236(bei)-236(dem)-236(Gedanken:)-243(sie)-236(brauchen)-236(dich)-236(nicht,)-238(du)-236(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(brauchst)-226(sie.)-242(Denn)-226(es)-226(war)-226(nicht)-226(zu)-226(leugnen,)-231(da\337)-226(man)-226(hier)-226(absolut)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-250(Grund)-250(auf)-250(ges\374nder)-250(wurde.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Also)-434(bis)-435(acht)-434(Uhr)-435(war)-434(er)-435(mit)-434(seinen)-435(Anwendungen)-434(fertig;)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dann)-526(mu\337te)-525(er)-526(sich)-525(nach)-525(der)-526(k\374hlen)-525(Abgie\337ung)-526(eine)-525(halbe)]TJ 0 -13.55 Td [(Stunde)-272(lang)-272(warm)-272(laufen;)-282(dann)-272(durfte)-272(er)-272(eine)-272(halbe)-272(Stunde)-271(lang)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([264])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(in)-250(irgendeinem)-250(bequemen)-250(Lehnstuhl)-250(des)-250(Kurhauses)-250(verpusten.)]TJ 11.956 -16.626 Td [(Dann)-250(aber)-250(mu\337te)-250(er)-250(unwiderruflich)-250(aufs)-250(Feld.)]TJ 0 -16.625 Td [(R\374ben)-739(abkloppen!)-1717(Wenn)-739(nur)-739(inzwischen)-739(der)-738(elende)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Spr\374hregen)-752(aufh\366rte.)-1758(Ein)-752(einziger)-752(Trost)-753(war,)-878(da\337)-751(bei)]TJ 0 -13.55 Td [(solchem)-265(Wetter)-265(das)-264(\304pfelpfl\374cken)-265(vom)-265(nassen)-265(Baum)-265(auch)-264(kein)]TJ 0 -13.549 Td [(Heidenspa\337)-250(war.)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Wie)-429(k\344men)-429(sonst)-429(gerade)-429(Friedrich)-429(Schiller,)-474(Mussolini)-428(und)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Fuhrmann)-250(Henschel)-250(dazu,)-250(da\337)-250(sie)-250(...)]TJ 11.956 -16.625 Td [(Neid)-290(und)-290(Mi\337gunst)-290(plagten)-291(ihn)-290(immer)-290(noch)-290(etwas;)-310(auch)-290(war)]TJ -11.956 -13.55 Td [(er)-276(noch)-276(reichlich)-276(oft)-276(schlechter)-276(Laune.)-328(Das)-276(kam)-275(wahrscheinlich)]TJ 0 -13.549 Td [(vom)-336(Magen.)-509(Aber)-336(es)-336(war)-336(doch)-337(schon)-336(zehnmal)-336(besser)-336(mit)-336(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-293(zu)-294(Hause.)-380(Wie)-293(hatte)-293(er)-294(da)-293(oft)-293(getobt)-294(und)-293(gekollert,)-304(mit)-293(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Gerichtsdiener,)-445(mit)-406(den)-407(Angeklagten,)-445(mit)-406(den)-406(Zeugen,)-445(ja)-406(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Weib)-210(und)-209(Kind.)-237(Die)-210(Fliege)-209(an)-210(der)-210(Wand)-209(\344rgerte)-210(ihn,)-218(das)-209(Klopfen)]TJ 0 -13.549 Td [(des)-281(Regens)-280(ans)-281(Fenster)-280(regte)-281(ihn)-280(auf.)-342(Jetzt)]TJ/F24 10.9091 Tf 190.873 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.516 0 Td [(wer)-281(diesen)-280(Dackel)]TJ -199.389 -13.55 Td [(und)-386(diesen)-385(Vater)-386(Barthel)-385(vertrug,)-420(ohne)-385(tobs\374chtig)-386(zu)-385(werden,)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337te)-250(schon)-250(sehr)-250(gesund)-250(sein.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1083 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1084 0 R +/Resources 1082 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1085 0 obj << +/D [1083 0 R /XYZ 295.522 308.784 null] +>> endobj +1082 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1088 0 obj << +/Length 4378 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(205)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Bei)-763(seinem)-763(Spaziergange)-763(traf)-763(Gottfried)-763(seinen)-762(Freund)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Emanuel)-532(Geibel)-533(vom)-532(Sonnenhof.)-1097(Das)-533(war)-532(der)-532(Mann,)-603(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-275(er)-275(sich)-275(am)-275(besten)-276(verstand,)-281(mit)-275(dem)-275(er)-275(wirklich)-275(befreundet)]TJ 0 -13.549 Td [(war.)-737(Sie)-412(hatten)-412(sich)-412(eines)-413(Tages)-412(beim)-412(Pilzesuchen)-412(an)-412(einem)]TJ 0 -13.55 Td [(Waldrande)-527(getroffen,)-596(jeder)-527(mit)-527(einem)-527(K\366rbchen)-527(und)-527(einem)]TJ 0 -13.549 Td [(Messer)-591(bewaffnet,)-675(hatten)-591(einander)-590(gegen\374bergestanden)-590(und)]TJ 0 -13.549 Td [(gelacht.)-719(Dann)-406(hatten)-406(sie)-406(sich)-407(einander)-406(vorbestellt:)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.005 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Emanuel)]TJ -241.848 -13.549 Td [(Geibel)-433(vom)-433(Sonnenhof)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.922 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.179 0 Td [(Gottfried)-433(Stumpe)-433(vom)-433(Forellenhof.)]TJ -120.101 -13.549 Td [(Freut)-661(mich!)-1484(Freut)-661(mich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.569 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.056 0 Td [(Und)-661(am)-661(sonnigen)-661(Waldrande)]TJ -139.625 -13.55 Td [(gesessen)-664(und)-665(geschwatzt.)-1493(Allm\344hlich)-664(aber)-665(waren)-664(sie)-664(in)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([265])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(zivilisiertes)-296(Gespr\344ch)-295(gekommen,)-307(auf)-295(Hygiene)-296(im)-295(allgemeinen,)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-358(Volkswirtschaftliches,)-386(auf)-359(hohe,)-385(schlie\337lich)-359(auf)-358(ganz)-358(hohe)]TJ 0 -13.549 Td [(Politik,)-532(dann)-476(noch)-476(h\366her)-475(hinauf)-476(auf)-476(die)-476(Kunst,)-532(haben)-475(sogar)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-668(etwas)-668(torkeligen)-667(Aufstieg)-668(in)-668(metaphysische)-667(Gebiete)]TJ 0 -13.55 Td [(versucht,)-331(sich)-314(in)-314(die)-315(Firnenzonen)-314(der)-315(Philosophie)-314(und)-314(Religion)]TJ 0 -13.549 Td [(verklettert)-445(und)-445(sind)-445(dann)-445(mit)-445(einem)-445(waghalsigen)-445(Sprung)-445(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-538(letzte)-538(Gipfelh\366he)-538(der)-537(Menschheit)-538(gesetzt)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.371 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.321 0 Td [(auf)-538(den)-538(im)]TJ -227.692 -13.549 Td [(Blauschnee)-378(glitzernden,)-411(aller)-378(gew\366hnlichen)-378(Sterblichkeit)-378(ewig)]TJ 0 -13.549 Td [(unerreichbaren)-250(Gaurisankar)-250(der)-250(heiligen)-250(Jurisprudenz.)]TJ 11.956 -18.459 Td [(Da)-517(ist)-518(dem)-517(Amtsgerichtsrat)-518(etwas)-517(schwindelig)-517(geworden.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Emanuel)-247(Geibel)-248(entpuppte)-247(sich)-247(als)-248(ein)-247(hervorragender)-248(Jurist,)-247(als)]TJ 0 -13.549 Td [(eiskalter)-414(Verstandesmensch,)-456(als)-414(einer,)-456(der)-414(nicht)-415(nur)-414(\374ber)-414(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Hanswurst,)-287(den)-279(jetzigen)-279(Justizminister,)-287(spottete,)-286(der)-279(mit)-279(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(geistigen)-501(Zwergenma\337)-501(die)-502(Riesenschleppe)-501(des)-501(Ministertalars)]TJ 0 -13.549 Td [(gar)-395(zu)-395(possierlich)-395(schleifte,)-431(sondern)-395(der)-395(auch)-395(an)-395(die)-395(Dogmen)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-252(anerkanntesten)-251(juristischen)-252(Gr\366\337en)-251(mit)-252(geradezu)-251(souver\344ner)]TJ 0 -13.549 Td [(\334berlegenheit)-620(die)-620(Sonde)-620(legte.)-1361(Wie)-620(er)-620(allein)-620(\374ber)-620(Liszt)]TJ 0 -13.55 Td [(urteilte.)-397(Dem)-299(Amtsgerichtsrat)-299(war)-299(klar,)-311(da\337)-299(der)-299(Mann,)-311(der)-299(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-450(dem)-451(Namen)-450(Emanuel)-450(Geibel)-451(versteckte,)-500(eine)-450(eminente)]TJ 0 -13.549 Td [(Gr\366\337e)-549(der)-549(Rechtswissenschaft)-549(war,)-624(hoffentlich)-549(der)-549(k\374nftige)]TJ 0 -13.549 Td [(Minister.)-882(Dann)-461(w\374rde)-461(vieles)-460(an)-461(den)-461(unhaltbaren)-460(verrotteten)]TJ 0 -13.549 Td [(Zust\344nden)-518(der)-519(heutigen)-518(Rechtspflege)-518(gebessert)-519(werden.)-1054(So)]TJ 0 -13.55 Td [(beschlo\337)-501(der)-501(Amtsrichter)-501(dreierlei:)-752(erstens)-501(lieber)-501(gar)-501(keine,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-402(eine)-403(dumme)-402(Bemerkung)-402(zu)-403(machen,)-440(sondern)-402(zumeist)-402(den)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1087 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1088 0 R +/Resources 1086 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1086 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1091 0 obj << +/Length 3767 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(206)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(andern)-408(reden)-407(zu)-408(lassen)-408(und)-408(ihm)-407(zuzustimmen;)-487(zweitens)-407(ganz)]TJ 0 -13.549 Td [(leise)-376(durchschimmern)-375(zu)-376(lassen,)-407(da\337)-376(er)-375(durch)-376(ein)-375(ungerechtes)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([266])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Schicksal,)-224(vielmehr)-218(durch)-217(widrige)-217(Gegenstr\366mungen)-218(ins)-217(Dunkle)]TJ 0 -13.549 Td [(gestellt)-536(worden)-535(sei)-536(und)-535(gewisserma\337en)-536(auch)-535(etwas)-536(mit)-535(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Jurisprudenz)-421(zu)-420(tun)-421(habe;)-505(drittens)-421(privatim)-420(sich)-421(als)-420(Gottfried)]TJ 0 -13.549 Td [(Stumpe)-227(treuherzig)-227(die)-228(Sympathie)-227(Emanuel)-227(Geibels)-227(zu)-227(erwerben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-543(alles)-544(ist)-543(gelungen.)-1130(Eines)-544(Tages)-543(hat)-544(Geibel)-543(sogar)-543(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-529(Br\374derschaft)-528(gemacht.)-1085(Denn)-529(Emanuel)-528(hatte)-529(bei)-528(allem)]TJ 0 -13.549 Td [(messerscharfen)-316(Verstand)-317(ein)-316(poetisches)-316(Gem\374t,)-333(und)-316(der)-316(Mann,)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-449(eben)-449(noch)-449(Worte)-449(gesprochen)-449(hatte,)-499(von)-449(denen)-449(jedes)-449(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwefels\344ure)-431(getr\344nkt)-432(war,)-477(konnte)-431(pl\366tzlich)-431(traumversunken)]TJ 0 -13.549 Td [(stehenbleiben)-250(und)-250(seufzen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.364 -21.149 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Oh,)-250(darum)-250(ist)-250(der)-250(Lenz)-250(so)-250(sch\366n)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Mit)-250(Duft)-250(und)-250(Strahl)-250(und)-250(Lied,)]TJ 0 -13.549 Td [(Weil)-250(singend)-250(\374ber)-250(Tal)-250(und)-250(H\366h)]TJ/F24 10.9091 Tf 137.858 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ -141.491 -13.55 Td [(So)-250(bald)-250(er)-250(weiterzieht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.16 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -102.568 -21.685 Td [(Oder,)-250(weil)-250(ihm)-250(eben)-250(einfiel,)-250(da\337)-250(gar)-250(nicht)-250(Fr\374hlingszeit)-250(sei:)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.863 -21.149 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herbstlich)-250(sonnige)-250(Tage,)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Mir)-250(beschieden)-250(zur)-250(Lust,)]TJ 0 -13.549 Td [(Euch)-250(mit)-250(leiserem)-250(Schlage)]TJ 0 -13.549 Td [(Gr\374\337t)-250(die)-250(atmende)-250(Brust.)]TJ 0 -13.55 Td [(Oh,)-250(wie)-250(waltet)-250(die)-250(Stunde)]TJ 0 -13.549 Td [(Nun)-250(in)-250(seliger)-250(Ruh;)]TJ 0 -13.549 Td [(Jede)-250(schmerzende)-250(Wunde)]TJ 0 -13.549 Td [(Schlie\337et)-250(leise)-250(sich)-250(zu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.381 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -193.955 -7.742 Td [([267])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.943 Td [(Der)-400(eiskalt)-401(schlie\337ende)-400(Jurist)-401(hatte)-400(sich)-401(ganz)-400(in)-401(die)-400(s\374\337en,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(goldenen)-194(Melodien)-194(Geibelscher)-194(Lyrik)-194(eingesponnen.)-231(Und)-194(darum)]TJ 0 -13.549 Td [(wohl)-456(hatte)-457(er)-456(des)-456(Dichters)-457(Namen)-456(f\374r)-456(seine)-457(Ferien)-456(vom)-456(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(gew\344hlt.)-250(Die)-250(Gegens\344tze)-250(ber\374hrten)-250(sich)-250(auch)-250(hier.)]TJ 11.956 -14.086 Td [(Diesem)-245(Emanuel)-245(Geibel)-245(begegnete)-245(nun)-245(Gottfried)-245(Stumpe,)-245(als)]TJ -11.956 -13.549 Td [(er)-209(sich)-210(an)-209(jenem)-210(feuchtkalten)-209(Herbstmorgen)-210(nach)-209(der)-209(Abgie\337ung)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(trocken)-235(lief)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-245(Die)-235(Begegnung)-234(war)-235(nicht)-234(ganz)-235(zuf\344llig.)-245(Gottfried)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1090 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1091 0 R +/Resources 1089 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1092 0 obj << +/D [1090 0 R /XYZ 117.638 504.626 null] +>> endobj +1093 0 obj << +/D [1090 0 R /XYZ 93.543 161.917 null] +>> endobj +1089 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1096 0 obj << +/Length 4290 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(207)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wu\337te,)-224(da\337)-217(Emanuel)-217(abreiste.)-239(Er)-217(habe)-217(nur)-217(sechs)-216(Wochen)-217(Urlaub,)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-534(Geibel)-533(ihm)-534(gesagt,)-604(er)-534(k\366nne)-533(nicht)-534(l\344nger)-533(abkommen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nat\374rlich,)-250(es)-250(gab)-250(eben)-250(im)-250(Justizdienst)-250(unersetzliche)-250(Kr\344fte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Wortkarg)-717(stiegen)-716(die)-717(beiden)-716(Freunde)-717(miteinander)-716(zum)]TJ/F24 10.9091 Tf -11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Zeughaus)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(hinunter.)]TJ/F24 10.9091 Tf -42.874 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-191(gehe)-191(ich)-192(da)-191(hinein)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.628 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-203(sagte)-191(Emanuel)-191(traurig,)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.339 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(und)-191(komme)]TJ -229.453 -13.549 Td [(nicht)-225(mehr)-226(durch)-225(diese)-225(T\374r)-225(in)-226(unser)-225(liebes)-225(Heim)-225(zur\374ck,)-230(sondern)]TJ 0 -13.549 Td [(trete)-284(auf)-285(der)-284(anderen)-284(Seite)-284(in)-284(meinem)-285(Weltanzug)-284(auf)-284(die)-284(Stra\337e)]TJ 0 -13.549 Td [(hinaus,)-301(die)-291(ins)-290(kalte)-291(Leben)-291(zur\374ckf\374hrt.)-372(Ach,)-301(mein)-291(Freund,)-300(mir)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-337(sehr)-336(schwer)-337(ums)-336(Herz.)-510(Ich)-336(wollte,)-358(wir)-337(w\344ren)-336(jetzt)-337(oben)-336(im)]TJ 0 -13.549 Td [(Walde)-250(und)-250(suchten)-250(Pilze.)-250(Ich)-250(hab)-250(dich)-250(gern)-250(gehabt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 224.193 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -212.237 -13.549 Td [(Gottfried)-255(Stumpe)-255(wandte)-255(sich)-255(zur)-255(Seite.)-265(Emanuels)-255(Seele)-254(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wurde)-188(wieder)-188(vom)-187(Geiste)-188(seines)-188(Meisters)-188(umfangen,)-200(und)-188(er)-187(sagte)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(leisem)-250(Beben:)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.364 -18.164 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-250(sich)-250(zwei)-250(Herzen)-250(scheiden,)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Die)-250(sich)-250(dereinst)-250(geliebt,)]TJ 0 -13.55 Td [(Das)-250(ist)-250(ein)-250(gro\337es)-250(Leiden,)]TJ 0 -13.549 Td [(Wie)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.175 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-250(gr\366\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.968 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(res)-250(nimmer)-250(gibt;)]TJ/F16 7.9701 Tf 222.253 -6.993 Td [([268])]TJ/F16 10.9091 Tf -274.66 -15.785 Td [(Es)-250(klingt)-250(das)-250(Wort)-250(so)-250(traurig)-250(gar:)]TJ 0 -13.55 Td [(Fahr)-250(wohl,)-250(fahr)-250(wohl)-250(auf)-250(immerdar!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wenn)-250(sich)-250(zwei)-250(Herzen)-250(scheiden,)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-250(sich)-250(dereinst)-250(geliebt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.469 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.877 -18.164 Td [(Wohl)-372(verwunderte)-373(sich)-372(Gottfried)-372(\374ber)-373(diese)-372(gro\337e)-372(Zartheit,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(aber)-250(sie)-250(packte)-250(ihn,)-250(und)-250(die)-250(Augen)-250(wurden)-250(ihm)-250(feucht.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Der)-522(Freund)-521(ging)-522(hinein)-522(ins)-521(Zeughaus.)-1065(Auf)-522(der)-521(anderen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Seite)-330(w\374rde)-329(er)-330(nun)-330(hinaus)-329(auf)-330(die)-330(Stra\337e)-329(treten,)-350(die)-330(aus)-329(diesen)]TJ 0 -13.55 Td [(friedlichen)-373(Ferien)-372(zur\374ckf\374hrt)-373(in)-372(die)-373(harte)-372(Schule)-373(des)-372(Lebens.)]TJ 0 -13.549 Td [(Gottfried)-316(ging)-315(um)-316(das)-315(Zeughaus)-316(herum)-315(und)-315(gelangte)-316(durch)-315(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Seitenpf\366rtlein)-387(ebenfalls)-387(hinaus)-386(auf)-387(die)-387(Stra\337e.)-660(Er)-387(wollte)-386(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Freund)-285(noch)-286(einmal)-285(sehen.)-356(Mochte)-285(er)-285(zu)-286(sp\344t)-285(auf)-285(Barthels)-285(Feld)]TJ 0 -13.549 Td [(kommen,)-250(es)-250(war)-250(ihm)-250(einerlei.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Nach)-579(einer)-580(Viertelstunde)-579(kam)-580(Emanuel.)-1238(Fast)-580(h\344tte)-579(ihn)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gottfried)-250(in)-250(dem)-250(n\374chternen)-250(Reiseanzug)-250(nicht)-250(erkannt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1095 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1096 0 R +/Resources 1094 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1097 0 obj << +/D [1095 0 R /XYZ 46.771 276.231 null] +>> endobj +1094 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1100 0 obj << +/Length 4984 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(208)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah,)-250(da)-250(bist)-250(du)-250(noch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.778 0 Td [(\034)]TJ -93.621 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(wollte)-250(dich)-250(noch)-250(einmal)-250(sehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.036 0 Td [(\034)]TJ -170.879 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(lieb)-250(von)-250(dir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.662 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.505 -15.087 Td [(Emanuel)-250(zog)-250(die)-250(Uhr)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.738 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(eine)-250(einfache)-250(silberne)-250(Taschenuhr.)]TJ/F24 10.9091 Tf -103.919 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ganz)-430(fremd)-430(mutet)-430(mich)-430(das)-430(Ding)-430(an.)-790(Es)-430(ist)-430(so)-430(grausam)]TJ -16.799 -13.549 Td [(pedantisch.)-710(Es)-403(z\344hlt)-403(Minuten)-403(und)-403(Sekunden.)-710(Drinnen)-403(in)-403(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimat)-300(ist)-300(es)-301(besser,)-312(da)-300(d\374rfen)-301(einem)-300(nur)-300(eine)-300(Glocke)-300(oder)-300(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Gro\337knecht)-328(oder)-327(Mond)-328(und)-327(Sterne)-328(sagen,)-347(wie)-328(sp\344t)-327(es)-328(ist.)-482(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-273(das)-274(Geld,)-279(das)-274(bedr\374ckt)-273(mich)-273(am)-274(meisten.)-320(Was)-274(soll)-273(ich)-273(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([269])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(den)-329(paar)-330(Kr\366ten)-329(tun?)-488(Mir)-330(eine)-329(Burg)-329(des)-330(Gl\374cks)-329(davon)-329(bauen?)]TJ 0 -13.549 Td [(Lieber)-250(Gott!)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.229 0 Td [(\034)]TJ -42.274 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-250(wirst)-250(noch)-250(hoch)-250(hinauf)-250(kommen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.887 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(tr\366stete)-250(ihn)-250(Gottfried.)]TJ/F24 10.9091 Tf -173.302 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.367 0 Td [(sagte)-506(Emanuel)-507(bitter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.119 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da)-506(drinnen,)-571(da)-506(ist)-506(es)-507(ja)]TJ -165.969 -13.549 Td [(geboten,)-347(\374ber)-327(das)-328(eigene)-327(Ich)-328(zu)-327(schweigen.)-483(Aber)-327(hier)-327(drau\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-270(der)-269(Landstra\337e)-270(wi)1(ll)-270(ich)-269(mich)-270(dir)-269(gegen\374ber)-270(nicht)-269(verbergen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-356(hab)-356(Pech)-356(gehabt.)-569(H\344tt)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.341 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.517 0 Td [(gern)-356(studiert.)-568(Aber)-356(wie)-357(ich)-356(in)-356(der)]TJ -126.858 -13.549 Td [(Unterprima)-401(war,)-440(starb)-401(der)-402(Vater.)-704(Da)-401(mu\337te)-402(ich)-401(abgehen)-401(von)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-343(Schule.)-530(Wurde)-343(ein)-344(Subalternbeamter.)-530(Ich)-343(bin)-343(Sekret\344r)-343(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Amtsgericht)-250(zu)-250(H.)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.291 0 Td [(\034)]TJ -68.336 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Emanuel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -47.259 -15.088 Td [(Gottfried)-326(rang)-326(die)-325(H\344nde)-326(ineinander.)-478(Ein)-326(Subalternbeamter!)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Dieser)-304(Ministerst\374rzer!)-410(Dieser)-303(Liszt-Kritiker!)-411(Dieser)-303(gewaltige)]TJ 0 -13.549 Td [(Umst\374rzler)-244(von)-245(oben!)-248(Ein)-244(Sub)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.782 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.121 0 Td [(sein)-244(Duzbruder!)-249(Wenn)-244(das)-244(sein)]TJ -143.903 -13.549 Td [(akademischer)-250(Stammtisch)-250(w\374\337te!)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Emanuel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.415 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -47.259 -15.087 Td [(Gottfried)-451(stand)-450(so)-451(verdattert)-451(da,)-500(da\337)-451(in)-450(die)-451(weichen)-451(Z\374ge)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Emanuel)-430(Geibels)-429(wieder)-430(die)-429(essigsaure)-430(Sch\344rfe)-429(trat,)-475(die)-429(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-250(nur)-250(zu)-250(den)-250(resignierten)-250(Worten)-250(f\374hrte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gottfried!)-407(Sie)-302(waren)-302(da)-303(drinnen)-302(Gottfried)-302(und)-302(ich)-303(Emanuel)]TJ/F24 10.9091 Tf -16.799 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.549 0 Td [(wer)-375(wir)-376(drau\337en)-375(sind,)-407(braucht)-375(uns)-375(nicht)-375(mehr)-376(zu)-375(k\374mmern,)]TJ -9.549 -13.549 Td [(braucht)-250(Sie)-250(nicht)-250(zu)-250(genieren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.971 0 Td [(\034)]TJ -118.016 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-199(bin)-198(Amtsgerichtsrat)-199(Dr.)-233(Stein)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.266 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-209(sagte)-199(Gottfried)-198(noch)-199(ganz)]TJ -164.909 -13.549 Td [(benommen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1099 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1100 0 R +/Resources 1098 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1081 0 R +>> endobj +1101 0 obj << +/D [1099 0 R /XYZ 220.918 403.629 null] +>> endobj +1098 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1104 0 obj << +/Length 3305 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Herbst)-21558(209)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-575(erlaube)-575(ich)-575(mir,)-656(dem)-575(Herrn)-576(Amtsgerichtsrat)-575(eine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(weitere)-294(erfolgreiche)-293(Kur)-294(zu)-293(w\374nschen)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.502 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-304(sagte)-294(Emanuel)-293(h\366flich,)]TJ/F16 7.9701 Tf 117.678 0 Td [([270])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(verneigte)-223(sich,)-228(ergriff)-222(seine)-223(kleine)-223(Handtasche)-222(und)-223(wollte)-222(gehen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Da)-250(aber)-250(hatte)-250(ihn)-250(Gottfried)-250(am)-250(Arm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-360(lieber)-337(Emanuel,)-360(wir)-338(bleiben)-337(Freunde)]TJ/F24 10.9091 Tf 195.274 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.139 0 Td [(auch)-338(drau\337en)]TJ/F24 10.9091 Tf -221.212 -13.549 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)-349(verstehst)-329(du?)-488(Von)-330(dem)-329(bl\366dsinnigen)-329(Kastengeist)-330(bin)-329(ich)-329(im)]TJ -5.455 -13.549 Td [(Ferienheim)-250(befreit)-250(worden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.062 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -107.106 -13.549 Td [(Emanuel)-250(setzte)-250(die)-250(Handtasche)-250(auf)-250(die)-250(Stra\337e.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(danke)-250(dir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(er)-250(schlicht,)-250(aber)-250(in)-250(tiefer)-250(Freude.)]TJ -73.603 -13.55 Td [(Sie)-520(schieden)-520(voneinander.)-1060(Der)-520(Amtsgerichtsrat)-520(ging)-519(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(beklommenem)-408(Herzen,)-447(das)-408(jeder)-408(hat,)-447(der)-408(von)-408(einem)-407(Freunde)]TJ 0 -13.549 Td [(Abschied)-435(nahm,)-482(nach)-435(dem)-435(R\374benfelde.)-805(Da)-435(waren)-435(die)-435(Leute)]TJ 0 -13.549 Td [(flei\337ig)-305(an)-305(der)-305(Arbeit.)-415(Nur)-305(Joachim)-305(Hans)-306(von)-305(Ziethen,)-318(der)-305(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(zum)-404(R\374ben)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.087 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(abkloppen)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.448 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.252 0 Td [(kommandiert)-404(war,)-443(sprang)-404(in)-404(k\374hnen)]TJ -115.63 -13.55 Td [(Husarenspr\374ngen)-646(\374ber)-646(ein)-646(lustig)-646(brennendes)-646(Feldfeuerchen)]TJ 0 -13.549 Td [(hinweg,)-377(um)-351(sich)-351(warm)-351(zu)-351(machen,)-377(in)-351(Wirklichkeit)-351(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.592 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.285 0 Td [(wie)]TJ -264.877 -13.549 Td [(der)-233(Amtsgerichtsrat)-233(mit)-234(neidischem)-233(Grimm)-233(bei)-233(sich)-233(feststellte)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.448 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(um)-250(sich)-250(von)-250(der)-250(Arbeit)-250(zu)-250(dr\374cken.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Zehn)-369(Minuten)-368(sp\344ter)-369(sprang)-368(er)-369(mit)-368(\374ber)-369(das)-369(Feuer,)-398(bis)-368(von)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ferne)-250(die)-250(Gestalt)-250(Barthels)-250(auftauchte.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Da)-309(begaben)-308(sich)-309(die)-308(beiden)-309(Dr\374ckeberger)-308(schleunigst)-309(an)-308(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Arbeit.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1103 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1104 0 R +/Resources 1102 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +1105 0 obj << +/D [1103 0 R /XYZ 271.781 504.626 null] +>> endobj +1102 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1107 0 obj +<< /S /GoTo /D (index24) >> +endobj +1110 0 obj +(Von der weiblichen Putzsucht und Herrn Pieseckes Leiden) +endobj +1113 0 obj << +/Length 3596 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([271])]TJ/F16 18.9589 Tf 82.372 -64.34 Td [(Von)-253(der)-253(weiblichen)-253(Putzsucht)-253(und)]TJ 40.387 -24.647 Td [(Herrn)-265(Pieseckes)-265(Leiden)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.004 -32.444 Td [(Gestern)-373(vormittag)-372(traf)-373(ich)-372(die)-373(kleine)-372(Luise,)-404(die)-372(sich)-373(eben)-372(von)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-250(Haufen)-250(spielender)-250(Kinder)-250(trennte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Willst)-466(du)-466(schon)-466(aufh\366ren)-467(zu)-466(spielen,)-520(Luise?)-898(Die)-467(Sonne)]TJ -16.799 -13.549 Td [(scheint)-250(doch)-250(so)-250(sch\366n.)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.171 0 Td [(\034)]TJ -86.215 -13.553 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(will)-250(zu)-250(meiner)-250(Mamma.)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.495 0 Td [(\034)]TJ -126.338 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Zu)-250(deiner)-250(Mamma?)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.04 0 Td [(\034)]TJ -90.883 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(nach)-250(Hause!)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.76 0 Td [(\034)]TJ -73.603 -13.553 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sagst)-250(du)-250(zu)-250(Magdalena)-250(jetzt)-250(Mamma?)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.942 0 Td [(\034)]TJ -171.785 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-787(Alle)-429(Kinder)-430(haben)-429(eine)-429(Mamma.)-787(Ich)-429(will)-429(auch)-430(eine)]TJ -16.799 -13.549 Td [(haben.)-250(Meine)-250(Mamma)-250(soll)-250(Magdalena)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 191.182 0 Td [(\034)]TJ -179.226 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-250(du)-250(deine)-250(Mamma)-250(lieb?)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.011 0 Td [(\034)]TJ -127.854 -13.553 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-250(wie)-250(dich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -76.942 -13.554 Td [(Das)-250(klang)-250(nicht)-250(frech,)-250(nur)-250(tief)-250(\374berzeugt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So.)-490(Hm.)-490(Lieber)-329(wie)-330(mich!)-490(Das)-330(glaube)-330(ich)-330(gern.)-490(Ihr)-330(spielt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wohl)-250(sch\366n)-250(zusammen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.226 0 Td [(\034)]TJ -92.271 -13.553 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-278(wir)-273(schneidern.)-318(Wir)-273(machen)-273(ein)-273(Kleid)-273(f\374r)-272(mich.)-319(Aber)]TJ -16.799 -13.55 Td [(es)-311(pa\337t)-310(immer)-311(nicht)-310(richtig,)-326(weil)-311(Mamma)-310(das)-311(Schneidern)-310(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(gelernt)-210(hat,)-219(und)-210(da)-211(will)-210(uns)-211(jetzt)-210(die)-211(Selma)-210(kein)-211(neues)-210(Zeug)-210(mehr)]TJ 0 -13.549 Td [(geben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.778 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -16.823 -13.554 Td [(Selma)-342(ist)-342(die)-341(Beherrscherin)-342(unserer)-342(weiblichen)-342(Schneiderei,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(eine)-329(etwas)-329(schwierige)-329(Alte.)-487(Das)-329(M\344dchen)-329(ging)-329(neben)-329(mir)-329(her.)]TJ 0 -13.549 Td [(Mit)-250(gro\337er)-250(Munterkeit)-250(sagte)-250(sie:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([272])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.554 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-227(Pappa)-228(Stefenson)-227(da)-228(w\344re,)-232(w\374rde)-227(er)-228(die)-227(Selma)-228(m\344chtig)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ausschimpfen,)-387(weil)-359(sie)-359(sagt,)-387(es)-359(ist)-360(zu)-359(teuer,)-387(wenn)-359(man)-359(f\374r)-359(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinderkleid)-307(vierzig)-306(Mark)-306(verbuttert)-307(und)-306(nichts)-307(zustande)-306(kriegt.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1112 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1113 0 R +/Resources 1111 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +93 0 obj << +/D [1112 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1108 0 obj << +/D [1112 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1114 0 obj << +/D [1112 0 R /XYZ 93.543 104.416 null] +>> endobj +1111 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1117 0 obj << +/Length 5389 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 311.038 548.934 Td [(211)]TJ +0 g 0 G + -264.267 -30.759 Td [(Ach,)-238(es)-234(wird)-235(doch)-234(so)-234(sch\366n!)-245(Wir)-235(n\344hen)-234(alle)-235(Tage)-234(neue)-234(Schleifen)]TJ 0 -13.549 Td [(dran.)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.113 0 Td [(\034)]TJ -10.157 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(werde)-250(mit)-250(der)-250(Selma)-250(sprechen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.473 0 Td [(\034)]TJ -156.316 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja?)-416(Wirst)-305(du)-305(wirklich?)-415(F\374rchtest)-306(du)-305(dich)-305(nicht?)-415(Dann)-306(sage)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ihr,)-438(wir)-401(m\374ssen)-401(ein)-401(Meter)-400(schottische)-401(Seide)-401(haben)-401(und)-400(unten)]TJ 0 -13.55 Td [(ein)-357(bi\337chen)-357(Pelzbesatz.)-572(Ich)-357(hab)-357(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.297 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)-357(so)-357(ausgedacht:)-464(oben)-358(an)]TJ -166.929 -13.549 Td [(dem)-307(Kleid)-308(will)-307(ich)-308(einen)-307(Matrosenkragen,)-322(in)-307(der)-308(Mitte)-307(will)-307(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(schottische)-250(Seide)-250(und)-250(unten)-250(Pelzbesatz.)-250(Das)-250(wird)-250(sehr)-250(fein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 259.647 0 Td [(\034)]TJ -247.691 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(das)-250(glaube)-250(ich.)-250(Will)-250(das)-250(deine)-250(Mamma)-250(auch)-250(so?)]TJ/F24 10.9091 Tf 225.109 0 Td [(\034)]TJ -229.952 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mamma)-250(will)-250(so,)-250(wie)-250(ich)-250(will.)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.182 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -133.025 -14.531 Td [(Das)-526(war)-526(das)-526(M\344del,)-595(das)-526(vor)-526(einem)-526(Jahr)-526(in)-526(der)-525(Berliner)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Ackerstra\337e)-349(Schn\374rb\344nder)-348(verkaufte!)-546(Die)-348(Erinnerung)-349(an)-348(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(elende)-151(Vergangenheit)-152(ist)-151(in)-152(ihr)-151(v\366llig)-151(erloschen.)-218(Gut)-151(so!)-217(Und)-151(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-191(Kleiderw\374nsche)-191(verstand)-191(ich.)-230(Die)-191(Kinder)-191(hupfen)-191(bei)-191(uns)-191(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-316(einer)-316(gesunden,)-333(einfachen)-315(Tracht)-316(umher.)-448(Aber)-316(ein)-316(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-277(geprahlt,)-284(es)-277(h\344tte)-278(zu)-277(Hause)-277(ein)-277(Matrosenkleid,)-284(ein)-277(anderes)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-393(sich)-393(mit)-393(einem)-393(Kleide)-393(mit)-393(schottischer)-393(Seide)-392(gro\337getan,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-359(drittes)-360(sogar)-359(von)-360(Pelzbesatz)-359(gefabelt.)-578(So)-359(war)-360(in)-359(Luise)-359(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Wunsch)-420(entstanden,)-462(alle)-419(diese)-420(Herrlichkeit)-419(in)-420(einem)-419(einzigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kleid)-359(zu)-359(vereinigen.)-578(Die)-359(Weibermode)-359(setzt)-359(\374ber)-359(die)-359(h\366chsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Mauern,)-279(die)-273(man)-272(um)-273(ein)-273(Ferienheim)-273(ziehen)-273(kann.)-319(Dagegen)-272(l\344\337t)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-281(nichts)-281(tun.)-343(Auch)-281(unsere)-281(weibliche)-281(Ferienkleidung)-281(wird)-281(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(tausend)-386(Spitzfindigkeiten)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.894 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(modernisiert)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.051 0 Td [(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.57 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(stilisiert)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.16 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(.)-657(Was)]TJ/F16 7.9701 Tf 39.673 0 Td [([273])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(man)-501(allein)-501(mit)-501(einer)-501(heimlich)-501(angebrachten)-501(Sicherheitsnadel)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.215 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(raffen)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.04 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.062 0 Td [(kann,)-306(wieviel)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.61 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Schick)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.694 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.062 0 Td [(man)-295(durch)-295(solch)-295(einfache)]TJ -167.371 -13.549 Td [(Mittel)-305(in)-304(die)-305(vorgeschriebene)-305(Gewandung)-304(bringen)-305(kann,)-318(grenzt)]TJ 0 -13.55 Td [(ans)-362(Wunderbare.)-586(Wenn)-362(in)-362(meinem)-362(Ferienheim)-362(\374berhaupt)-361(mal)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-481(Aufstand)-480(entstehen)-481(sollte,)-538(wird)-481(es)-481(eine)-480(Frauenrevolution)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)-1382(Anfangs)-627(wollte)-627(ich)-628(f\374r)-627(alle)-627(weiblichen)-627(Ferieng\344ste)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-698(und)-697(dieselbe)-698(Tracht.)-1593(Aber)-698(selbst)-697(Selma,)-810(die,)-809(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Aszetin)-504(an)-504(Einfachheit)-504(und)-503(an)-504(Grobheit,)-568(einem)-503(preu\337ischen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kammerunteroffizier,)-337(der)-320(Helme)-320(und)-320(Stiefel)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.915 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(anprobiert)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.836 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-337(weit)]TJ -255.439 -13.55 Td [(\374berlegen)-505(ist,)-570(kam)-505(mir)-506(schlie\337lich)-505(mit)-506(dem)-505(Vorschlag,)-569(vier)]TJ 0 -13.549 Td [(verschiedene)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.332 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Modelle)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.23 0 Td [(m\374\337ten)-219(eingef\374hrt)-218(werden,)-225(eines)-219(f\374r)-219(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1116 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1117 0 R +/Resources 1115 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +1118 0 obj << +/D [1116 0 R /XYZ 308.016 215.183 null] +>> endobj +1115 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1121 0 obj << +/Length 4194 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(212)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Dicken,)-238(eines)-235(f\374r)-235(die)-234(D\374nnen,)-238(eines)-235(f\374r)-235(die)-235(Langen,)-238(eines)-235(f\374r)-234(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kleinen.)-252(Damit)-251(habe)-251(ich)-251(mich)-251(einverst)1(anden)-251(erkl\344rt;)-251(inzwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-241(bereits)-241(noch)-241(durchgesetzt)-241(worden,)-243(da\337)-241(die)-241(Blonden)-242(blaue,)-242(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Schwarzen)-250(rote)-250(Blusen)-250(bekommen.)]TJ 11.956 -14.72 Td [(F\374r)-643(die)-642(k\374hlen)-643(Abende)-643(werden)-643(farbige)-642(Umschlagt\374cher)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geliefert.)-1228(Oh,)-657(wie)-576(gro\337)-576(sind)-576(die)-576(Wunder)-576(der)-575(Sch\366pfung!)]TJ 0 -13.549 Td [(Manche)-258(unserer)-258(Damen)-259(drapieren)-258(das)-258(Tuch)-258(vom)-258(G\374rtel)-258(abw\344rts)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-395(den)-395(Kleiderrock,)-431(die)-395(meisten)-395(tragen)-395(das)-395(Tuch)-395(rechts)-395(oder)]TJ 0 -13.55 Td [(links)-527(\374ber)-527(die)-527(Schulter)-527(malerisch)-527(geworfen,)-596(andere)-527(machen)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-573(eine)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.259 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ungarische)-573(Sch\374rze)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.099 0 Td [(daraus,)-654(wieder)-574(andere)-573(eine)]TJ -152.853 -13.549 Td [(Muff;)-326(Turbane)-300(um)-301(den)-301(Kopf)-300(werden)-301(ebenso)-300(geschickt)-301(aus)-300(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Tuch)-239(hergestellt)-238(wie)-239(schlichte)-239(Nonnenschleier;)-242(einige)-239(tragen)-238(das)]TJ 0 -13.549 Td [(zusammengelegte)-342(Tuch)-342(nur)-341(\374ber)-342(dem)-342(Arm,)-365(und)-342(einige)-341(wenige)]TJ 0 -13.549 Td [(greifen)-302(auf)-301(den)-302(urspr\374nglichen)-302(Zweck)-301(zur\374ck,)-315(die)-302(schlagen)-301(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Tuch)-250(um)-250(die)-250(Schultern.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([274])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.719 Td [(Dr.)-347(Michael)-283(hat)-282(die)-282(Putzsucht)-283(der)-282(Frauen)-283(f\374r)-282(eine)-282(unheilbare)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Krankheit)-234(erkl\344rt.)-245(Ich)-234(bin)-235(nicht)-234(seiner)-234(Meinung.)-245(Diese)-234(Putzsucht)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-251(keine)-251(Krankheit,)-251(sondern)-251(eine)-250(Naturnotwendigkeit;)-252(das)-250(Weib)]TJ 0 -13.55 Td [(mu\337)-250(sich)-250(putzen,)-250(so)-250(wie)-250(sich)-250(das)-250(K\344tzchen)-250(beschlecken)-250(mu\337.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 239.331 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 221.034 Td [(Neulich)-230(kam)-230(Piesecke)-230(zu)-230(mir,)-233(au\337erhalb)-230(der)-230(Sprechstunde.)-243(Er)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-306(noch)-307(erregter,)-320(als)-306(er)-307(sonst)-306(oft)-306(ist,)-321(und)-306(sprach)-306(zun\344chst)-306(eine)]TJ 0 -13.55 Td [(Menge)-278(wirres)-278(Zeug)-278(durcheinander,)-285(aus)-278(dem)-278(hervorgehen)-278(sollte,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-327(er)-326(der)-327(ungl\374cklichste)-326(Mensch)-327(der)-327(Wel)1(t)-327(sei.)-480(Ich)-326(unterbrach)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Piesecke,)-184(ich)-167(glaube)-167(jedes)-166(Wort,)-184(was)-167(Sie)-167(sagen,)-184(aber)-167(sprechen)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Sie)-247(langsamer!)-249(Sprechen)-248(Sie)-247(recht)-247(gelassen!)-250(Sagen)-247(Sie)-247(mir)-247(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-250(Umschweife,)-250(was)-250(los)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.255 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -115.299 -14.719 Td [(Er)-250(rang)-250(die)-250(H\344nde)-250(ineinander)-250(und)-250(jammerte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-250(Gott,)-250(ich)-250(liebe)-250(sie,)-250(ich)-250(liebe)-250(sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.065 0 Td [(\034)]TJ -163.908 -14.72 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wen?)-250(Mich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.04 0 Td [(\034)]TJ -60.883 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-250(doch)-250(nicht)-250(Sie,)-250(sondern)-250(sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.524 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1120 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1121 0 R +/Resources 1119 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +1122 0 obj << +/D [1120 0 R /XYZ 93.543 327.174 null] +>> endobj +1119 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1125 0 obj << +/Length 4690 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 311.038 548.934 Td [(213)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf -252.311 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also)-250(Hanne)-250(vom)-250(Forellenhof.)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.287 0 Td [(\034)]TJ -135.13 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Woher)-250(wissen)-250(Sie)-250(...?)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.527 0 Td [(\034)]TJ -99.37 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(wei\337)-250(es.)-250(Sie)-250(haben)-250(sich)-250(oft)-250(genug)-250(auff\344llig)-250(benommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.014 0 Td [(\034)]TJ -260.857 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(wissen)-250(Sie)-250(auch,)-250(da\337)-250(sie)-250(fortzieht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 171.785 0 Td [(\034)]TJ -176.628 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-262(morgen)-259(nachmittag.)-278(Sie)-259(hat)-259(ein)-260(gutes)-259(Engagement)-259(an)-260(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Stadttheater)-250(bekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.047 0 Td [(\034)]TJ -94.091 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-323(ertrag)-323(es)-323(nicht;)-360(oh,)-341(ich)-323(ertrag)-324(es)-323(nicht.)-469(Sehen)-323(Sie,)-342(Herr)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Doktor,)-234(Sie)-230(k\366nnen)-229(machen)-230(mit)-230(mir,)-233(was)-230(Sie)-230(wollen,)-234(Sie)-229(k\366nnen)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([275])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(der)-437(beste)-437(Arzt)-437(der)-437(Welt)-437(sein,)-484(Sie)-437(k\366nnen)-436(hundert)-437(Sanatorien)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-441(mich)-441(bauen,)-488(wenn)-441(mich)-441(dieses)-440(M\344dchen)-441(verl\344\337t,)-489(bin)-440(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(verloren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.077 0 Td [(\034)]TJ -27.121 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gruselig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ -46.047 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(sagten)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.498 0 Td [(\034)]TJ -76.341 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gruselig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\034)]TJ -46.047 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-353(Doktor,)-378(spotten)-352(Sie)-353(nicht!)-557(Diesen)-353(Verlust)-352(ertrage)-353(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wirklich)-250(nicht;)-250(er)-250(bedeutet)-250(mein)-250(Ende.)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.247 0 Td [(\034)]TJ -155.291 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-218(wird)-219(in)-218(Ihrer)-218(Landeszeitung)-219(ein)-218(sch\366ner)-218(Nekrolog)-219(\374ber)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-250(erscheinen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.044 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -54.089 -14.521 Td [(Er)-250(war)-250(emp\366rt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-314(haben)-314(kein)-314(Herz)-314(f\374r)-314(mich.)-441(Aber)-314(es)-314(ist)-314(gut,)-330(da\337)-314(Sie)-314(von)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unserer)-407(Landeszeitung)-407(gesprochen)-408(haben.)-721(Schlie\337lich)-407(bin)-407(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-250(ein)-250(Prinz!)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.655 0 Td [(\034)]TJ -54.7 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hier)-250(nicht!)-250(Hier)-250(sind)-250(Sie)-250(Piesecke.)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.883 0 Td [(\034)]TJ -155.727 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-299(wei\337)-298(ich;)-323(aber)-299(ich)-299(vergesse)-299(nicht,)-310(was)-299(ich)-299(drau\337en)-299(bin.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(O)-250(nein!)-250(Sehen)-250(Sie,)-250(und)-250(das)-250(habe)-250(ich)-250(ihr)-250(gesagt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 205.724 0 Td [(\034)]TJ -193.769 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was?)-250(Wem?)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.429 0 Td [(\034)]TJ -60.273 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Der)-250(Hanne)-250(habe)-250(ich)-250(gesagt,)-250(da\337)-250(ich)-250(ein)-250(Prinz)-250(bin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.011 0 Td [(\034)]TJ -220.855 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-478(sind)-477(wohl)-478(verr\374ckt)-478(geworden,)-534(Piesecke.)-933(Auf)-478(solche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Indiskretionen)-644(steht)-644(die)-643(Strafe)-644(der)-644(Entlassung)-644(aus)-643(unserer)]TJ 0 -13.549 Td [(Anstalt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.244 0 Td [(\034)]TJ -22.289 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Schimpfen)-213(Sie)-213(nicht,)-221(Herr)-213(Doktor;)-225(ich)-213(bin)-213(heute)-213(schon)-214(genug)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ausgeschimpft)-250(worden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.193 0 Td [(\034)]TJ -89.238 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-250(hat)-250(denn)-250(Fr\344ulein)-250(Hanne)-250(zu)-250(Ihrer)-250(Quasselei)-250(gesagt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 247.2 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1124 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1125 0 R +/Resources 1123 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +1126 0 obj << +/D [1124 0 R /XYZ 227.417 418.473 null] +>> endobj +1123 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1129 0 obj << +/Length 5155 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(214)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ausgelacht)-749(hat)-750(sie)-749(mich.)-1748(Sie)-749(h\344lt)-749(mich)-749(f\374r)-750(einen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sargfabrikanten)-200(aus)-201(Hannover.)-233(Stellen)-201(Sie)-200(sich)-201(vor,)-210(Herr)-200(Doktor,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([276])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ausgerechnet)-250(f\374r)-250(einen)-250(Sargfabrikanten)-250(h\344lt)-250(sie)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.364 0 Td [(\034)]TJ -220.408 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(Gesch\344ft)-250(eines)-250(Sargfabrikanten)-250(ist)-250(ein)-250(sehr)-250(ehrbares.)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.411 0 Td [(\034)]TJ -253.254 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach)-244(Gott,)-245(nun)-244(sind)-244(Sie)-243(auch)-244(noch)-244(gegen)-244(mich.)-248(Und)-244(ich)-244(hatte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meine)-362(ganze)-361(Hoffnung)-362(auf)-362(Sie)-361(gesetzt.)-585(Sie)-362(sollten)-362(ja)-361(Fr\344ulein)]TJ 0 -13.549 Td [(Hanne)-423(sagen,)-467(da\337)-423(ich)-424(wirklich)-423(ein)-424(Prinz)-423(bin)-423(und)-424(da\337)-423(sie)-423(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(Engagement)-250(an)-250(unserer)-250(Hofoper)-250(annehmen)-250(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.251 0 Td [(\034)]TJ -198.295 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-355(h\344tten)-354(denn)-355(Sie)-354(davon,)-381(wenn)-355(Fr\344ulein)-354(Hanne)-355(in)-355(Ihrer)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Residenzstadt)-431(s\344nge)-432(und)-431(Sie)-431(inzwischen)-432(hier)-431(bei)-431(uns)-431(D\374nger)]TJ 0 -13.549 Td [(fahren)-250(m\374\337ten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.16 0 Td [(\034)]TJ -56.204 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-190(hatte)-189(gehofft,)-202(Sie)-190(w\374rden)-189(mich)-190(f\374r)-189(ein)-190(paar)-190(Wintermonate)]TJ -16.799 -13.549 Td [(beurlauben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.197 0 Td [(\034)]TJ -39.241 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Daran)-419(denke)-418(ich)-419(nicht)-418(im)-419(Traume.)-756(Bis)-418(zum)-419(Mai)-419(bleiben)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-281(laut)-281(unserer)-281(Abmachung)-281(hier.)-343(Das)-281(entspricht)-281(auch)-281(ganz)-281(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Intentionen)-250(Ihres)-250(Herrn)-250(Bruders,)-250(des)-250(regierenden)-250(F\374rsten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 252.054 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -240.098 -13.9 Td [(Piesecke)-250(sa\337)-250(gebrochen)-250(vor)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mit)-250(mir)-250(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.68 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-250(alle)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.723 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(sagte)-250(er)-250(tonlos.)]TJ/F24 10.9091 Tf -82.723 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mit)-353(Ihnen)-354(war)-353(es)-353(alle,)-380(mein)-353(Lieber,)-379(als)-353(Sie)-354(zu)-353(uns)-354(kamen.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Inzwischen)-262(haben)-262(Sie)-262(sich)-261(aber)-262(bei)-262(uns)-262(einen)-262(ganz)-262(netten)-261(Fonds)]TJ 0 -13.549 Td [(neuer)-250(Lebenskraft)-250(gesammelt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -119.826 -13.9 Td [(Er)-250(sch\374ttelte)-250(trostlos)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wohl)-331(bin)-330(ich)-331(gesundheitlich)-330(vorw\344rts)-331(gekommen;)-371(aber)-331(das)]TJ -16.799 -13.549 Td [(n\374tzt)-245(mir)-246(alles)-245(nichts)-245(mehr)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.831 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.131 0 Td [(ich)-245(mu\337)-246(sterben.)-248(Es)-246(gibt)-245(Dinge,)-246(die)]TJ -126.962 -13.549 Td [(ein)-250(Mensch)-250(nicht)-250(verwinden)-250(kann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.578 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.623 -13.9 Td [(Ich)-250(stand)-250(auf.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([277])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Entschuldigen)-450(Sie,)-500(Piesecke,)-500(aber)-450(das)-450(Mittagessen)-450(wartet)]TJ -16.799 -13.549 Td [(auf)-457(mich.)-871(Ich)-456(hab)-457(Hunger.)-871(Wenn)-457(Sie)-457(also)-457(aus)-457(dem)-456(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(scheiden)-273(wollen,)-278(gehaben)-273(Sie)-272(sich)-273(wohl!)-318(Es)-273(freut)-272(mich,)-279(Sie)-272(mal)]TJ 0 -13.55 Td [(kennengelernt)-250(zu)-250(haben.)-250(Mahlzeit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.473 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -139.518 -13.9 Td [(Da)-250(fa\337te)-250(ihn)-250(der)-250(Zorn.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-336(nein,)-357(Herr)-336(Doktor,)-358(so)-336(entkommen)-336(Sie)-336(mir)-336(nicht!)-508(So)-336(mit)]TJ -16.799 -13.55 Td [(einfach)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.211 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Mahlzeit)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.781 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-293(wenn)-285(es)-285(um)-284(mein)-285(Leben)-285(geht!)-353(Ich)-285(bin)-285(nicht)]TJ -81.258 -13.549 Td [(mehr)-199(der)-198(willenlose)-199(Mensch,)-209(der)-199(ich)-199(im)-198(Mai)-199(war.)-233(Ich)-199(wehre)-198(mich)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1128 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1129 0 R +/Resources 1127 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1106 0 R +>> endobj +1130 0 obj << +/D [1128 0 R /XYZ 318.368 504.626 null] +>> endobj +1131 0 obj << +/D [1128 0 R /XYZ 93.543 175.489 null] +>> endobj +1127 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1134 0 obj << +/Length 4721 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 311.038 548.934 Td [(215)]TJ +0 g 0 G + -264.267 -30.759 Td [(meiner)-296(Haut.)-388(Und)-296(da)-296(mu\337)-295(ich)-296(Ihnen)-296(sagen,)-308(da\337)-296(Ihr)-295(Sanatorium)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-250(M\366rdergrube)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.222 0 Td [(\034)]TJ -82.266 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(I,)-250(der)-250(Dauz!)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.397 0 Td [(\034)]TJ -57.24 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl,)-326(Dauz!)-433(Ich)-311(werde)-311(Sie)-311(schon)-311(bedauzen!)-433(Wissen)-311(Sie,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wer)-421(der)-422(neue)-421(Kurgast)-422(auf)-421(dem)-422(Forellenhof)-421(ist,)-465(der)-421(sich)-421(Fritz)]TJ 0 -13.549 Td [(Steiner)-250(nennt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.717 0 Td [(\034)]TJ -50.761 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ -29.683 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ein)-226(Geheimpolizist)-226(aus)-226(meiner)-226(Vaterstadt)-226(ist)-226(er.)-242(Ich)-226(habe)-226(ihn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wiedererkannt;)-381(denn)-337(ich)-337(hatte)-337(fr\374her)-337(mal)-338(mit)-337(ihm)-337(zu)-337(tun.)-511(Nun)]TJ 0 -13.549 Td [(habe)-304(ich)-303(gedacht,)-317(er)-304(sei)-304(hergeschickt,)-317(um)-303(mich)-304(zu)-303(\374berwachen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Denn)-491(er)-490(hat)-491(mich)-491(fr\374her)-490(schon)-491(mal)-491(\374berwacht.)-972(Aber)-490(nein,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-460(ich)-459(ihn)-460(gestellt)-459(habe,)-512(hat)-459(er)-460(mir)-459(gesagt,)-512(da\337)-459(er)-460(auf)-459(den)]TJ 0 -13.549 Td [(langen)-327(Ignaz)-326(auf)-327(dem)-326(Forellenhof)-326(abzielt.)-480(Er)-326(wird)-327(den)-326(Beweis)]TJ 0 -13.549 Td [(erbringen,)-589(da\337)-521(Ignaz)-522(ein)-521(langgesuchter)-522(Raubm\366rder)-521(ist,)-589(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(fr\374herer)-250(Fleischergeselle.)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -98.913 -13.9 Td [(Ich)-250(setzte)-250(mich)-250(wieder.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-250(Piesecke,)-250(ist)-250(das)-250(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.644 0 Td [(\034)]TJ -131.487 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Habe)-250(ich)-250(Sie)-250(je)-250(belogen,)-250(Herr)-250(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.531 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 106.694 0 Td [([278])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-382(Piesecke,)-381(belogen)-356(haben)-355(Sie)-355(mich)-355(nie.)-566(Aber)-356(t\344uscht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sich)-250(auch)-250(Herr)-250(Steiner)-250(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.633 0 Td [(\034)]TJ -114.677 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-295(wei\337)-294(ich)-294(nicht.)-384(Er)-295(wartet)-294(noch)-295(etwas)-294(vom)-295(Gericht)-294(ab)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.377 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(ich)-256(glaube,)-257(Fingerabdr\374cke)-255(oder)-256(so)-256(etwas)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.279 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.243 0 Td [(und)-256(dann)-255(will)-256(er)-256(zur)]TJ -192.522 -13.549 Td [(Verhaftung)-250(schreiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.517 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -82.561 -13.9 Td [(Mir)-250(wurde)-250(unbehaglich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haben)-416(Sie)-416(auch)-416(eine)-416(Auseinandersetzung)-416(mit)-416(dem)-416(langen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ignaz)-250(gehabt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.884 0 Td [(\034)]TJ -48.928 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl.)-250(Er)-250(will)-250(mich)-250(umbringen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 143.629 0 Td [(\034)]TJ -148.472 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bitte,)-250(erz\344hlen)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.924 0 Td [(\034)]TJ -88.767 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-325(hat)-325(mich)-326(schon)-325(immer)-325(verfolgt)-325(und)-326(gemi\337handelt;)-362(er)-326(ist)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ein)-415(sehr)-415(roher)-415(Kerl.)-745(Wie)-415(ich)-415(nun)-415(Fr\344ulein)-415(Hanne)-415(das)-415(gesagt)]TJ 0 -13.549 Td [(hab,)-403(da\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.693 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.518 0 Td [(nun,)-403(da\337)-372(ich)-373(eben)-372(doch)-373(ein)-372(Prinz)-373(bin,)-403(glaubte)-372(ich,)]TJ -52.211 -13.549 Td [(ich)-280(sei)-281(mit)-280(ihr)-281(und)-280(mit)-281(Vater)-280(Barthel)-281(allein)-280(in)-281(der)-280(gro\337en)-280(Stube.)]TJ 0 -13.55 Td [(Auf)-281(einmal)-280(kommt)-281(der)-280(lange)-281(Ignaz)-280(hinter)-281(dem)-281(Ofen)-280(hervor,)-288(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\374ngelbe)-322(Augen)-323(und)-322(packt)-323(mich)-322(an)-323(der)-322(Kehle.)-468(Ich)-322(habe)-322(mich)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1133 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1134 0 R +/Resources 1132 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +1135 0 obj << +/D [1133 0 R /XYZ 46.771 283.006 null] +>> endobj +1132 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1139 0 obj << +/Length 4980 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(216)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gewehrt;)-431(aber)-371(wenn)-370(Vater)-371(Barthel)-371(und)-370(Fr\344ulein)-371(Eva)-371(mir)-370(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(geholfen)-342(h\344tten,)-365(h\344tte)-342(mich)-343(der)-342(Kerl)-342(erw\374rgt.)-526(Wir)-342(haben)-342(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-298(Mordgesellen)-299(zur)-298(T\374r)-298(hinausgeworfen,)-311(aber)-298(er)-298(hat)-298(gedroht,)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(werde)-250(mich)-250(schon)-250(erwischen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.258 0 Td [(\034)]TJ -128.302 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hm.)-816(Also,)-486(lieber)-439(Piesecke,)-486(ich)-438(gebe)-439(Ihnen)-439(gern)-439(zu,)-486(da\337)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-334(dieser)-334(Knecht)-335(Ignaz)-334(auch)-334(in)-334(hohem)-334(Grade)-334(unheimlich)-334(und)]TJ 0 -13.549 Td [(widerlich)-484(ist.)-952(Ist)-484(er)-484(ein)-484(Schuft,)-542(der)-484(sich)-484(in)-484(mein)-484(ehrliches,)]TJ 0 -13.549 Td [(sauberes)-223(Heim)-222(eingeschlichen)-223(hat,)-228(dann)-223(werde)-222(ich)-223(der)-223(erste)-222(sein,)]TJ 0 -13.549 Td [(ihn)-262(den)-263(Beh\366rden)-262(ausliefern)-263(zu)-262(helfen.)-287(Aber)-262(auch)-263(wenn)-262(er)-262(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-395(von)-395(den)-395(Gerichten)-395(Gesuchte)-395(ist,)-431(wird)-395(der)-395(brutale)-395(Mensch)]TJ 0 -13.549 Td [(entfernt)-206(werden.)-235(Das)-206(verspreche)-206(ich)-206(Ihnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.426 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.091 0 Td [(Piesecke)-206(sank)-206(schon)]TJ/F16 7.9701 Tf -265.273 0 Td [([279])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(wieder)-250(in)-250(sich)-250(zusammen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ach,)-302(selbst)-291(dieser)-291(Raubgesell)-291(ist)-292(in)-291(die)-291(blonde)-291(Eva)-292(verliebt.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Und)-248(ich)-248(soll)-247(sie)-248(verlieren!)-249(Mag)-248(mich)-248(doch)-248(der)-248(Ignaz)-247(umbringen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dann)-235(ist)-236(es)-235(wenigstens)-236(alle)-235(mit)-235(mir.)-245(Ich)-236(habe)-235(niemand,)-238(niemand,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(mich)-250(gern)-250(hat,)-250(nicht)-250(einmal)-250(einen)-250(guten)-250(Freund!)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.931 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -214.976 -14.04 Td [(Da)-250(tat)-250(er)-250(mir)-250(leid.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-289(sagte)-281(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.569 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(das)-281(d\374rfen)-281(Sie)-281(nicht)-281(sagen.)-343(Sie)-281(haben)]TJ -115.226 -13.549 Td [(einen)-500(guten)-501(Freund.)-1001(Und)-500(das)-501(bin)-500(ich.)-1001(Ich)-501(will)-500(Ihnen)-500(das)]TJ 0 -13.549 Td [(dadurch)-260(beweisen,)-262(da\337)-260(ich)-259(Ihnen)-260(etwas)-260(sage,)-262(was)-260(noch)-259(niemand)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-368(mir)-369(geh\366rt)-368(hat.)-605(Auch)-369(ich,)-397(Piesecke,)-398(habe)-369(die)-368(sch\366ne)-368(Eva)]TJ 0 -13.549 Td [(sehr)-257(liebgehabt)-256(und)-257(mir)-257(nichts)-256(sehnlicher)-257(gew\374nscht,)-258(als)-257(da\337)-256(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(meine)-250(Frau)-250(werde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.491 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -69.536 -14.04 Td [(Er)-250(starrte)-250(mich)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Auch)-243(Sie,)-245(Herr)-243(Doktor?)-248(Und)-244(warum)-243(haben)-243(Sie)-244(die)-243(Eva)-244(nicht)]TJ -16.799 -13.55 Td [(genommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.324 0 Td [(\034)]TJ -41.369 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Weil)-250(sie)-250(mich)-250(nicht)-250(will.)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.574 0 Td [(\034)]TJ -112.418 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-338(nicht)-339(will?)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.958 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.534 0 Td [(wiederholte)-338(er)-338(verwundert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.381 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-338(will)-338(nicht)]TJ -220.516 -13.549 Td [(mal)-250(Sie,)-250(und)-250(da)-250(soll)-250(sie)-250(mich)-250(wollen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.025 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -151.07 -14.04 Td [(Es)-250(lag)-250(eine)-250(r\374hrende)-250(Demut)-250(in)-250(dem)-250(Ton,)-250(in)-250(dem)-250(er)-250(das)-250(sagte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehen)-212(Sie,)-219(Piesecke,)-219(wenn)-212(man)-212(jemand)-211(wirklich)-212(liebhat,)-220(darf)]TJ -16.799 -13.55 Td [(man)-245(nicht)-245(an)-246(sich)-245(selbst)-245(denken,)-246(soll)-245(man)-245(nur)-246(denken:)-247(Werde)-245(du)]TJ 0 -13.549 Td [(gl\374cklich!)-290(Es)-263(ist)-263(etwas)-263(Gro\337es)-264(und)-263(Sch\366nes)-263(um)-263(das)-263(Verzichten!)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-273(werden)-274(es)-273(zusammen)-273(tragen.)-320(Es)-273(gibt)-274(Frauen,)-279(die)-273(das)-273(Gl\374ck)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1138 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1139 0 R +/Resources 1137 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +1140 0 obj << +/D [1138 0 R /XYZ 167.118 382.192 null] +>> endobj +1137 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1143 0 obj << +/Length 1405 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 311.038 548.934 Td [(217)]TJ +0 g 0 G + -264.267 -30.759 Td [(oder)-346(vielmehr)-345(das)-346(Ungl\374ck)-345(haben,)-370(da\337)-345(alle)-346(M\344nner)-345(sich)-346(in)-345(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(verlieben,)-373(und)-349(gerade)-348(das)-349(Leben)-349(solcher)-348(Frauen)-349(bleibt)-348(oftmals)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([280])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ganz)-298(leer.)-393(Wir)-297(wollen)-298(unserer)-298(Eva)-298(w\374nschen,)-309(da\337)-298(sie)-297(gl\374cklich)]TJ 0 -13.549 Td [(wird,)-250(und)-250(wir)-250(zwei)-250(wollen)-250(zusammenhalten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -181.648 -13.55 Td [(Seine)-485(leichtsinnigen)-484(und)-485(doch)-484(so)-485(grundgutm\374tigen)-484(Augen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schauten)-250(mich)-250(feucht)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(glaube,)-250(da\337)-250(Sie)-250(es)-250(gut)-250(mit)-250(mir)-250(meinen,)-250(Herr)-250(Doktor!)]TJ/F24 10.9091 Tf 244.811 0 Td [(\034)]TJ -249.654 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-234(habe)-234(Sie)-233(gern,)-238(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.991 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-237(sagte)-234(ich)-234(und)-234(legte)-233(ihm)-234(fest)-234(die)]TJ -140.634 -13.549 Td [(Hand)-250(auf)-250(die)-250(Schulter.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1142 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1143 0 R +/Resources 1141 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +1144 0 obj << +/D [1142 0 R /XYZ 94.163 504.626 null] +>> endobj +1141 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1145 0 obj +<< /S /GoTo /D (index25) >> +endobj +1148 0 obj +(Abschiedsabend) +endobj +1151 0 obj << +/Length 3891 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([281])]TJ/F16 18.9589 Tf 150.942 -63.143 Td [(Abschiedsabend)]TJ/F16 10.9091 Tf -78.187 -31.247 Td [(Am)-204(Abend)-205(ging)-204(ich)-204(nach)-205(dem)-204(Forellenhofe.)-235(Die)-204(sch\366ne)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.47 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hanne)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.472 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(nahm)-261(Abschied)-261(von)-262(uns.)-283(Von)-261(Mai)-262(an)-261(war)-261(das)-261(M\344dchen)-261(bei)-261(uns,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-253(jetzt,)-254(da)-253(es)-254(gehen)-253(wollte,)-254(war)-253(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.171 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s,)-254(als)-253(schw\344nden)-253(Sommer)]TJ -167.804 -13.549 Td [(und)-255(Sonne)-256(dahin,)-257(und)-255(es)-256(k\366nne)-255(nun)-256(nichts)-255(mehr)-256(geben)-255(als)-255(graue)]TJ 0 -13.55 Td [(Tage.)-241(Ich)-224(litt)-224(wie)-224(Piesecke;)-233(ich)-224(jammerte)-224(nur)-224(nicht)-224(so.)-241(Aber)-224(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(vielen)-296(anderen)-297(Leuten)-296(ging)-297(Evas)-296(Abschied)-296(nahe;)-320(ich)-296(h\366rte,)-308(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-369(dicke)-369(Susanne)-368(schon)-369(tagelang)-369(mit)-369(rot)-369(verquollenen)-368(Augen)]TJ 0 -13.549 Td [(herumlaufe.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Wenn)-213(der)-212(November)-213(kam,)-220(w\374rden)-213(sich)-213(wahrscheinlich)-212(unsere)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Kurg\344ste)-649(an)-650(Zahl)-649(vermindern;)-850(dann)-649(wollte)-650(ich)-649(auch)-649(mal)]TJ 0 -13.549 Td [(ausspannen,)-461(wollte)-419(f\374r)-419(ein)-419(paar)-419(Wochen)-419(Ferien)-419(machen.)-756(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(erwischte)-248(mich)-247(bei)-247(dem)-248(Gedanken,)-248(da\337)-247(ich)-248(dann)-247(wahrscheinlich)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-362(einer)-362(gro\337en)-362(Stadt)-362(reisen)-362(w\374rde,)-390(nach)-362(Berlin)-362(oder)-362(Wien.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-309(bin)-308(nun)-309(schon)-308(so)-309(lange)-309(in)-308(dieser)-309(Einfachheit)-308(und)-309(in)-308(diesem)]TJ 0 -13.55 Td [(ruhigen)-515(Frieden,)-582(da\337)-515(ich)-515(mich)-516(wahrhaftig)-515(manchmal)-515(sehne,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-369(einer)-369(elektrischen)-369(Stra\337enbahn)-369(zu)-369(fahren,)-399(ein)-368(gutes)-369(Theater)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-392(besuchen,)-428(mal)-392(in)-393(einem)-392(vornehmen)-392(Restaurant)-392(zu)-392(speisen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Es)-539(kann)-538(gar)-539(nicht)-538(anders)-538(sein:)-827(wenn)-539(der)-538(Doktor)-539(aus)-538(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Friedensidyll)-425(einmal)-424(Ferien)-425(vom)-425(Ich)-424(machen)-425(will,)-468(mu\337)-425(er)-424(in)]TJ 0 -13.55 Td [(Glanz)-533(und)-533(L\344rm)-533(hinein.)]TJ/F19 10.9091 Tf 125.468 0 Td [(Variatio)-533(delectat.)]TJ/F16 10.9091 Tf 91.434 0 Td [(Ich)-533(nehme)-533(es)]TJ/F16 7.9701 Tf -289.657 0 Td [([282])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(unseren)-269(Bauern)-269(nicht)-268(\374bel,)-274(da\337)-268(sie)-269(sich)-269(zuweilen)-269(Sonntags)-268(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(Neustadt)-427(hin\374berschleichen,)-472(um)-427(dort)-427(ins)-427(Kino)-427(zu)-427(gehen,)-471(und)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-427(h\344mischen)-428(Bemerkungen)-427(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.771 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Neust\344dter)-427(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.124 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.507 0 Td [(\374ber)]TJ -261.245 -13.549 Td [(diesen)-297(Fall)-296(beweisen)-297(nur,)-308(da\337)-297(das)-296(Blatt)-297(keine)-296(Ahnung)-297(von)-296(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Abwechselungsbed\374rfnis)-477(des)-476(Menschen)-477(hat.)-929(Wer)-477(immer)-476(im)]TJ 0 -13.55 Td [(L\344rm)-337(sitzt,)-358(wird)-336(stumpf,)-358(wer)-337(immer)-336(in)-337(der)-336(Stille)-337(ist,)-358(auch;)-379(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(wechselnde)-250(Welle)-250(tr\344gt)-250(des)-250(Menschen)-250(Schiff.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1150 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1151 0 R +/Resources 1149 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +94 0 obj << +/D [1150 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1146 0 obj << +/D [1150 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1152 0 obj << +/D [1150 0 R /XYZ 310.445 160.986 null] +>> endobj +1149 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1155 0 obj << +/Length 4361 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Abschiedsabend)-17670(219)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Da\337)-194(mich)-194(neben)-194(diesen)-194(Erw\344gungen)-194(auch)-194(der)-194(Gedanke)-194(leitete,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-282(k\366nne)-282(meine)-283(Ferienreise)-282(vorteilhaft)-282(\374ber)-282(die)-282(Stadt)-282(verlegen,)]TJ 0 -13.549 Td [(wo)-539(Eva)-539(diesen)-539(Winter)-539(singen)-539(w\374rde,)-611(wollte)-539(ich)-539(mir)-538(kaum)]TJ 0 -13.549 Td [(zugestehen.)-449(Denn)-316(ich)-317(hatte)-316(doch)-316(ein)-317(Ende)-316(gemacht)-316(mit)-316(meiner)]TJ 0 -13.55 Td [(Liebe;)-372(ich)-331(wu\337te)-331(doch)-331(recht)-331(gut,)-351(da\337)-331(ich)-331(nicht)-331(eher)-331(ein)-331(idealer)]TJ 0 -13.549 Td [(Leiter)-383(dieses)-382(Ferienheims)-383(sein)-383(w\374rde,)-416(als)-382(ich)-383(nicht)-383(selbst)-382(von)]TJ 0 -13.549 Td [(allen)-181(pers\366nlichen)-182(Banden)-181(und)-182(Sorgen)-181(befreit)-182(war,)-195(da\337)-181(ich)-181(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-250(selbst)-250(zu)-250(sehr)-250(in)-250(der)-250(alten)-250(Haut)-250(steckte)-250(...)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Die)-662(gro\337e)-662(Stube)-663(im)-662(Forellenhof)-662(war)-662(dicht)-662(besetzt)-662(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Menschen.)-1015(Viel)-505(alte)-504(Freunde)-505(kamen,)-569(um)-505(sich)-505(von)-505(Eva)-504(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(verabschieden.)-994(Ein)-499(paar)-498(Kr\344nze)-498(von)-498(Astern)-498(hingen)-498(an)-498(den)]TJ 0 -13.549 Td [(W\344nden,)-330(die)-314(letzten)-313(Rosen)-314(des)-314(Gartens)-314(bl\374hten)-314(auf)-314(dem)-313(Tisch.)]TJ 0 -13.55 Td [(Wenn)-575(ein)-575(Kurgast)-575(von)-575(uns)-575(Abschied)-575(nimmt,)-656(erh\344lt)-575(er)-574(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Andenken)-510(ein)-510(Album)-510(\374berreicht,)-575(in)-510(dem)-510(einige)-510(gute)-509(Bilder)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-257(Radierungen,)-258(Heliograv\374ren,)-258(Aquarellen)-257(und)-256(Zeichnungen)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-349(unserem)-348(Heim)-349(enthalten)-348(sind,)-374(au\337erdem)-348(aber)-349(eine)-348(Anzahl)]TJ 0 -13.549 Td [(Photographien,)-462(auf)-420(denen)-420(der)-420(betreffende)-420(Gast)-420(in)-419(irgendeiner)]TJ 0 -13.55 Td [(Situation,)-254(die)-253(er)-253(miterlebt)-253(hat,)-254(verewigt)-253(ist.)-259(Denn)-253(photographiert)]TJ 0 -13.549 Td [(wird)-586(bei)-587(uns)-586(viel.)-1259(Bei)-586(der)-586(Arbeit,)-671(vor)-586(dem)-586(Bauernhaus,)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([283])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(beim)-272(Feldfeuerchen,)-278(bei)-273(irgendeinem)-272(Ulk,)-278(beim)-272(Waldfest,)-278(beim)]TJ 0 -13.549 Td [(Kirchgang,)-232(bei)-226(tausend)-227(anderen)-227(Gelegenheiten)-227(wird)-227(von)-226(unseren)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurg\344sten)-530(photographiert.)-1090(Und)-530(jeder,)-600(der)-530(auf)-530(einem)-530(Bilde)]TJ 0 -13.55 Td [(freiwillig)-185(oder)-185(unfreiwillig)-186(mit)-185(aufgenommen)-185(ist,)-198(bekommt)-185(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Abzug)-250(in)-250(sein)-250(Album)-250(geklebt.)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Eva)-388(bekam)-389(ein)-388(Album)-388(in)-389(vier)-388(B\344nden.)-665(Sie)-389(war)-388(sehr)-388(lange)]TJ -11.956 -13.55 Td [(bei)-524(uns,)-593(und)-524(es)-524(hatten)-524(gar)-524(zu)-524(viele)-524(Amateure)-524(nachgesucht,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenigstens)-407(eine)-407(ihrer)-407(Aufnahmen)-407(in)-407(Evas)-407(Album)-407(zu)-407(bringen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem)-340(hatte)-341(einige)-340(reizende)-340(Bleistiftskizzen)-340(beigesteuert.)]TJ 0 -13.549 Td [(Die)-564(letzte)-564(war)-563(ein)-564(Stimmungsbild)-564(von)-564(der)-563(Landstra\337e,)-642(die)]TJ 0 -13.549 Td [(unten)-397(am)-396(Zeughaus)-397(vorbeif\374hrt,)-433(zeigte)-396(einen)-397(im)-396(Abendschein)]TJ 0 -13.549 Td [(entschwindenden)-250(Wagen)-250(und)-250(hatte)-250(die)-250(Unterschrift:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Sonne)-250(geht)-250(unter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.138 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -99.981 -14.777 Td [(Auch)-389(du,)-424(mein)-389(Sohn)-390(Brutus?)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.098 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.701 0 Td [(Es)-389(fiel)-389(mir)-390(auf,)-424(wie)-389(lustig)]TJ -161.755 -13.549 Td [(Methusalem)-222(sein)-222(wollte,)-227(wie)-222(zerstreut)-222(er)-222(war,)-228(wie)-222(gemacht)-221(heute)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1154 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1155 0 R +/Resources 1153 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +1156 0 obj << +/D [1154 0 R /XYZ 273.172 273.062 null] +>> endobj +1153 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1159 0 obj << +/Length 5248 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(220)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sein)-250(Lachen)-250(klang.)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.829 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -72.873 -15.6 Td [(Eva)-170(sa\337)-169(im)-170(Scheine)-169(der)-170(gro\337en)-169(H\344ngelampe)-170(und)-169(durchbl\344tterte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-373(Album.)-619(Sie)-372(sagte)-373(nicht)-373(viel,)-404(aber)-373(mit)-373(einem)-373(Male)-372(rannen)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337e)-211(Tr\344nen)-211(\374ber)-212(ihre)-211(Wangen.)-237(Dann)-211(wischte)-211(sie)-211(sich)-211(energisch)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-250(Gesicht)-250(ab)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-230(ich)-224(darf)-224(mich)-225(wohl)-224(nicht)-225(allzusehr)-224(unterkriegen)-225(lassen.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Aber)-503(diese)-504(B\374cher)-503(sind)-504(herrlich.)-1010(Sie)-504(werden)-503(mein)-503(liebstes)]TJ 0 -13.549 Td [(Besitztum)-406(sein.)-719(Alle,)-446(alle)-406(sind)-406(drin)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.006 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.887 0 Td [(nur)-406(einer)-407(fehlt.)-719(Ignaz,)]TJ -177.893 -13.549 Td [(warum)-417(sind)-417(Sie)-417(nicht)-417(auf)-417(einem)-417(einzigen)-417(Bilde?)-751(Mir)-417(ist)-417(das)]TJ 0 -13.55 Td [(aufgefallen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.797 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -39.841 -15.6 Td [(Ignaz,)-319(der)-305(am)-305(Ofen)-306(lehnte,)-319(wandte)-305(sich)-305(weg)-305(und)-305(dr\374ckte)-305(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Wange)-292(gegen)-291(die)-292(Kacheln)-291(des)-292(Ofens.)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.939 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-292(ein)-291(ekliger)-292(Kerl,)-302(wie)]TJ/F16 7.9701 Tf -247.538 0 Td [([284])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ich,)-248(ist)-248(nicht)-247(f\374r)-248(Bilder)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.99 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-248(sagte)-248(er)-247(mit)-248(seiner)-248(knurrenden)-247(Stimme.)]TJ -103.834 -13.549 Td [(Aber)-250(es)-250(klang)-250(wie)-250(ein)-250(Schluchzen)-250(darin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-262(tut)-262(mir)-262(leid,)-266(Ignaz)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.374 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-265(sagte)-262(Eva)-262(freundlich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.517 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-262(waren)-262(gut)]TJ -220.376 -13.55 Td [(und)-250(treu)-250(zu)-250(mir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.637 -15.6 Td [(Da)-447(ging)-447(der)-446(Knecht)-447(stumm)-447(zur)-447(T\374r)-446(hinaus.)-841(Ich)-447(sah,)-495(wie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-510(Kurgast)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.596 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Steiner)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.905 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-575(von)-510(dem)-510(ich)-510(nun)-510(wu\337te,)-575(da\337)-509(er)-510(ein)]TJ -100.189 -13.549 Td [(Detektiv)-226(war,)-231(dem)-226(langen)-226(Ignaz)-226(mit)-226(einem)-226(messerscharfen)-226(Blick)]TJ 0 -13.549 Td [(nachschaute.)]TJ 11.956 -15.601 Td [(Barthel)-371(hatte)-371(zu)-370(Ehren)-371(des)-371(Abends)-371(ein)-371(F\344\337chen)-370(Moselwein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(angezapft)-250(und)-250(hielt)-250(eine)-250(Rede:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.6 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Meine)-361(Damens)-360(und)-361(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.775 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n!)-582(Der)-361(heutige)-360(Abend)-361(is)-361(nich)-360(so)]TJ -132.207 -13.549 Td [(wie)-271(sonst,)-275(sondern)-271(anders.)-311(Es)-271(is)-270(ein)-271(ernster)-270(Abend,)-276(weil)-270(Fr\344ul)]TJ/F24 10.9091 Tf 271.543 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)]TJ -275.176 -13.549 Td [(Hanne)-425(fortzieht,)-469(und)-425(deshalb)-425(hab)-425(ich)-425(Sie)-425(zu)-424(einem)-425(Gl\344schen)]TJ 0 -13.55 Td [(Wein)-205(eingeladen,)-213(und)-205(ich)-205(w\374nsche,)-213(da\337)-205(er)-205(Ihnen)-204(allen)-205(recht)-204(wohl)]TJ 0 -13.549 Td [(bekommen)-289(m\366ge.)-368(Wir)-289(sind)-290(alle)-289(sehr)-289(traurig;)-309(denn)-289(wir)-289(verlieren)]TJ 0 -13.549 Td [(Fr\344ul)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.029 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-250(Hanne)-250(sehr,)-250(sehr)-250(ungern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.934 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -131.641 -15.6 Td [(Der)-376(Redner)-376(wurde)-376(unterbrochen.)-628(Frau)-376(Susanne)-377(weinte)-376(und)]TJ -11.955 -13.549 Td [(prustete)-215(so)-215(heftig,)-222(da\337)-215(sie)-215(sich)-215(zur)-215(T\374r)-215(hinaus)-215(retten)-215(mu\337te.)-238(Auch)]TJ 0 -13.549 Td [(Barthel)-250(fuhr)-250(mit)-250(der)-250(Hand)-250(nach)-250(den)-250(Augenwinkeln.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.601 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehen)-358(Sie,)-384(meine)-358(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.98 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n,)-385(meiner)-357(Alten)-358(geht)-358(es)-358(auch)-357(nahe.)]TJ -122.412 -13.549 Td [(Eine)-197(Zeitlang)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.655 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.604 0 Td [(ich)-197(kann)-197(das)-197(wohl)-197(jetzt)-197(ruhig)-197(sagen)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.599 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.604 0 Td [(is)-197(sie)-197(wegen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1158 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1159 0 R +/Resources 1157 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1136 0 R +>> endobj +1160 0 obj << +/D [1158 0 R /XYZ 299.538 362.981 null] +>> endobj +1157 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1163 0 obj << +/Length 4984 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Abschiedsabend)-17670(221)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Fr\344ul)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.03 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-296(Hanne)-296(und)-297(mir)-296(eifers\374chtig)-296(gewesen.)-389(Aber)-296(es)-296(war)-296(blo\337)]TJ -26.662 -13.549 Td [(blinder)-250(L\344rm;)-250(ich)-250(wei\337)-250(doch,)-250(was)-250(ich)-250(mir)-250(schuldig)-250(bin!)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.578 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -228.622 -13.969 Td [(Wieder)-432(eine)-432(Unterbrechung.)-795(Zwei)-432(Herren)-432(und)-432(eine)-431(Dame)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hielten)-250(sich)-250(das)-250(Taschentuch)-250(vor)-250(den)-250(Mund.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([285])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehen)-249(Sie,)-250(meine)-249(Damens)-249(und)-250(Herr)]TJ/F24 10.9091 Tf 155.69 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n,)-249(mit)-250(einem)-249(Hausvater,)]TJ -176.121 -13.549 Td [(wie)-298(ich,)-311(ist)-298(das)-298(ein)-298(reines)-299(Elend,)-310(obwohl)-298(es)-298(mir)-299(gut)-298(geht.)-394(Denn)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen)-251(Sie,)-251(die)-251(Leute,)-251(die)-251(hierherkommen,)-251(verstehen)-251(alle)-251(rein)-250(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts,)-390(und)-361(die)-362(meisten)-362(sind)-361(sehr)-362(faul)-362(und)-361(haben)-362(das)-361(Arbeiten)]TJ 0 -13.549 Td [(nich)-291(gelernt.)-373(Ich)-292(mu\337)-291(sie)-291(erst)-291(alle)-291(m\374hsam)-291(zurechtstutzen.)-373(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(wenn)-229(man)-230(dann)-229(mal)-229(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.194 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ne)-229(Perle)-230(bekommt)-229(wie)-229(die)-230(Hanne,)-233(die)-230(so)]TJ -105.827 -13.55 Td [(famos)-250(Butter)-250(machen)-250(kann,)-250(und)-250(sie)-250(zieht)-250(wieder)-250(fort,)-250(dann)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 266.313 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -254.357 -13.968 Td [(Mit)-504(Barthels)-504(Fassung)-504(war)-504(es)-504(aus.)-1012(Er)-504(weinte)-504(in)-504(sein)-504(rot)]TJ -11.956 -13.55 Td [(gebl\374mtes)-250(Taschentuch)-250(und)-250(konnte)-250(schlie\337lich)-250(nur)-250(noch)-250(sagen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.968 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-250(trinken)-250(wir)-250(halt)-250(auf)-250(Fr\344ul)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.193 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(n)-250(Hannes)-250(ihre)-250(Gesundheit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.64 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -256.308 -13.969 Td [(Das)-267(M\344dchen)-268(war)-267(sehr)-268(bewegt.)-302(Es)-267(wurden)-268(noch)-267(einige)-267(kurze)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ansprachen)-163(von)-162(G\344sten)-163(gehalten,)-180(die)-163(Hanne)-162(feierten)-163(und)-163(in)-162(denen)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-233(Vater)-234(Barthel)-233(unm\344\337ig)-233(viel)-233(Weihrauch)-234(gestreut)-233(wurde,)-236(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schlie\337lich)-451(mu\337te)-452(Hanne)-451(singen.)-854(Sie)-452(war)-451(ruhiger)-451(geworden,)]TJ 0 -13.55 Td [(stimmte)-263(ihre)-262(Laute)-262(und)-263(sang)-262(mit)-263(ihrer)-262(zarten,)-266(lieblichen)-262(Stimme)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(Lied,)-250(das)-250(aller)-250(Abschiedslieder)-250(Krone)-250(ist)-250(und)-250(bleiben)-250(wird:)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.819 -20.681 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Morgen)-250(mu\337)-250(ich)-250(fort)-250(von)-250(hier)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Und)-250(mu\337)-250(Abschied)-250(nehmen)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.832 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -134.695 -21.101 Td [(W\344hrend)-184(des)-185(Liedes)-184(\366ffnete)-184(sich)-184(leise)-185(die)-184(T\374r.)-228(Der)-184(lange)-184(Ignaz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(schlich)-256(sich)-255(herein,)-257(lehnte)-256(den)-256(Kopf)-255(an)-256(die)-256(Wand)-255(und)-256(pre\337te)-255(die)]TJ 0 -13.55 Td [(H\344nde)-250(an)-250(die)-250(wei\337e)-250(Mauer.)]TJ 11.956 -13.968 Td [(Die)-420(Lampe)-419(flackerte;)-505(die)-419(Sp\344therbstrosen)-420(bl\374hten)-420(auf)-419(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Tisch.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([286])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.969 Td [(Als)-381(Eva)-382(das)-382(Lied)-381(beendet)-382(hatte,)-414(st\374rzte)-381(pl\366tzlich)-382(einer)-381(vor,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(warf)-250(sich)-250(dem)-250(M\344dchen)-250(zu)-250(F\374\337en)-250(und)-250(rief:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gehen)-277(Sie)-276(nicht)-276(fort)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.051 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.47 0 Td [(gehen)-277(Sie)-276(nicht)-277(fort,)-283(Fr\344ulein)-276(Hanne;)]TJ -117.32 -13.549 Td [(ich)-250(mu\337)-250(sonst)-250(sterben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.477 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.521 -13.969 Td [(Es)-177(war)-178(Piesecke.)-225(Und)-178(da)-177(sah)-177(ich)-177(auch)-178(schon,)-192(wie)-177(sich)-177(der)-177(lange)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ignaz)-235(umdrehte,)-238(wie)-234(ein)-235(wilder,)-238(giftiger)-234(Blick)-235(\374ber)-235(Piesecke)-234(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1162 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1163 0 R +/Resources 1161 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 R +>> endobj +1164 0 obj << +/D [1162 0 R /XYZ 46.771 476.966 null] +>> endobj +1165 0 obj << +/D [1162 0 R /XYZ 46.771 148.597 null] +>> endobj +1161 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1169 0 obj << +/Length 4693 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(222)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(das)-312(erschreckte)-313(M\344dchen)-312(hinfuhr,)-328(und)-313(im)-312(n\344chsten)-312(Augenblick)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-299(Ignaz)-299(den)-299(zarten)-300(Piesecke)-299(erfa\337t,)-311(schleuderte)-299(ihn)-299(sich)-299(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-262(Sack)-262(\374ber)-261(die)-262(Schulter)-262(und)-261(verschwand)-262(mit)-262(ihm)-262(durch)-261(die)]TJ 0 -13.549 Td [(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da\337)-409(kein)-408(Ungl\374ck)-409(geschieht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.741 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.302 0 Td [(rief)-409(ich)-408(und)-409(eilte)-409(nach.)-726(In)]TJ -158.842 -13.55 Td [(aufgeschreckter)-313(Unordnung)-313(dr\344ngte)-313(alles)-312(nach)-313(dem)-313(Hofe.)-438(Dort)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-550(der)-549(starke)-550(Ignaz)-550(den)-549(zappelnden)-550(Piesecke)-550(bereits)-549(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(gewaltiger)-344(Wucht)-343(auf)-344(den)-344(gro\337en)-344(D\374ngerhaufen)-343(geworfen.)-531(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-414(dem)-414(so)-413(schm\344hlich)-414(Behandelten)-414(weiter)-414(kein)-413(k\366rperliches)]TJ 0 -13.549 Td [(Unheil)-628(zugesto\337en;)-817(aber)-628(ich)-628(war)-628(doch)-628(so)-628(erz\374rnt)-628(ob)-628(der)]TJ 0 -13.549 Td [(neuen)-279(Gewalttat)-279(des)-278(Knechtes)-279(und)-279(der)-279(St\366rung)-279(unserer)-278(sch\366nen)]TJ 0 -13.55 Td [(Stimmung,)-250(da\337)-250(ich)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ignaz,)-225(Sie)-219(gehen)-219(jetzt)-219(schlafen!)-239(Und)-219(morgen)-219(fr\374h)-219(werden)-219(Sie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihr)-250(B\374ndel)-250(schn\374ren.)-250(Daf\374r)-250(werde)-250(ich)-250(sorgen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.847 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -188.891 -14.163 Td [(Er)-439(wandte)-439(sich)-439(trotzig)-439(zur)-439(Seite.)-817(Ich)-439(ging)-439(aufgeregt)-438(nach)]TJ -11.956 -13.549 Td [(der)-449(Stube)-449(zur\374ck)-449(und)-449(traf)-449(daselbst)-449(den)-449(Detektiv)-449(Steiner,)-498(der)]TJ 0 -13.549 Td [(allein)-376(zur\374ckgeblieben)-375(war)-376(und)-375(ein)-376(Bl\344ttchen)-375(Papier,)-407(auf)-375(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Fingerabdr\374cke)-427(zu)-428(sehen)-427(waren,)-472(sorgsam)-428(mit)-427(den)-427(schwachen)]TJ 0 -13.549 Td [(Spuren)-409(verglich,)-450(die)-409(des)-409(Knechtes)-409(Ignaz)-410(Arbeitsf\344uste)-409(an)-409(der)]TJ 0 -13.55 Td [(wei\337en)-401(Mauer)-401(hinterlassen)-401(hatten.)-702(Ohne)-401(auf)-401(mich)-401(zu)-400(achten,)]TJ 0 -13.549 Td [(ging)-315(der)-315(Beamte)-315(in)-314(den)-315(Hausflur)-315(hinaus,)-331(in)-315(den)-315(eben)-315(der)-314(lange)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([287])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Ignaz)-250(eingetreten)-250(war,)-250(trat)-250(auf)-250(den)-250(Knecht)-250(zu)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Josef)-250(Wiczorek,)-250(ich)-250(verhafte)-250(Sie)-250(im)-250(Namen)-250(des)-250(Gesetzes!)]TJ/F24 10.9091 Tf 252.349 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -257.193 -14.163 Td [(Die)-250(Umstehenden)-250(starrten)-250(den)-250(Sprecher)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-452(wollen)-451(Sie,)-502(Herr)-452(Steiner?)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.741 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.771 0 Td [(fragte)-452(der)-451(Bauer)-452(Barthel)]TJ -168.311 -13.549 Td [(erschrocken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.163 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-451(hei\337e)-451(nicht)-451(Steiner,)-502(ich)-451(bin)-451(Geheimpolizist)-451(und)-452(habe)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meine)-220(Legitimation)-220(in)-220(der)-220(Tasche.)-240(Ich)-220(bitte,)-226(da\337)-220(mir)-220(Gelegenheit)]TJ 0 -13.549 Td [(gegeben)-454(wird,)-505(den)-453(verhafteten)-454(Josef)-454(Wiczorek,)-505(der)-454(sich)-453(hier)]TJ 0 -13.549 Td [(unter)-226(dem)-225(Namen)-226(Ignaz)-226(Scholz)-226(aufgehalten)-225(hat,)-231(sofort)-226(nach)-225(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Amtsgerichtsgef\344ngnis)-250(in)-250(Waltersburg)-250(zu)-250(transportieren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 247.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -235.572 -14.162 Td [(Josef)-212(Wiczoreks)-211(Augen)-212(verglasten)-212(sich.)-237(Ein)-211(kurzes)-212(Grunzen)]TJ/F24 10.9091 Tf 263.22 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.55 Td [(und)-259(pl\366tzlich)-258(schlug)-259(er)-258(mit)-259(beiden)-258(F\344usten)-259(um)-258(sich,)-261(machte)-258(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(Platz)-250(und)-250(verschwand)-250(blitzschnell)-250(im)-250(dunklen)-250(Hofe.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1168 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1169 0 R +/Resources 1167 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 R +>> endobj +1170 0 obj << +/D [1168 0 R /XYZ 145.86 245.35 null] +>> endobj +1167 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1173 0 obj << +/Length 1804 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Abschiedsabend)-17670(223)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haltet)-261(ihn!)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.086 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.693 0 Td [(rief)-261(der)-261(Polizeimann;)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.261 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(er)-261(ist)-261(ein)-262(lange)-261(gesuchter)]TJ -171.683 -13.549 Td [(Raubm\366rder!)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.168 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -46.212 -13.549 Td [(Wir)-242(schrien)-243(alle,)-244(wir)-242(rannten.)-248(Ich)-242(stie\337)-243(mit)-242(Barthel)-242(zusammen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-250(machte)-250(meinem)-250(Grimme)-250(Luft.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Barthel,)-374(das)-349(haben)-349(wir)-349(Ihnen)-349(zu)-349(verdanken,)-374(Sie)-349(haben)-349(den)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-218(l\344ngst)-217(unheimlichen)-218(Gesellen)-217(gehalten;)-228(Sie)-218(haben)-217(behauptet,)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-290(kennten)-290(ihn)-289(von)-290(Jugend)-290(auf)-290(als)-290(ehrlichen)-289(Kerl.)-370(Nun)-289(kommt)]TJ 0 -13.549 Td [(diese)-250(Schande)-250(\374ber)-250(uns.)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.826 0 Td [(\034)]TJ -92.87 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-661(Doktor,)-763(lieber)-660(Herr)-661(Doktor,)-763(verzeihen)-661(Sie)-661(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.55 Td [(wimmerte)-463(Barthel,)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.764 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ich)-463(konnte)-463(nicht)-463(anders!)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.103 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.894 0 Td [(Er)-463(verlor)-463(sich)]TJ -216.604 -13.549 Td [(von)-250(meiner)-250(Seite)-250(ins)-250(Dunkel.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1172 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1173 0 R +/Resources 1171 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 R +>> endobj +1171 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1174 0 obj +<< /S /GoTo /D (index26) >> +endobj +1177 0 obj +(Gerichtliches) +endobj +1180 0 obj << +/Length 3679 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([288])]TJ/F16 18.9589 Tf 162.526 -63.143 Td [(Gerichtliches)]TJ/F16 10.9091 Tf -89.771 -31.247 Td [(Wie)-331(wenn)-331(ein)-331(Marder)-331(in)-331(einen)-331(Taubenschlag)-331(eingebrochen)-330(ist,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-322(war)-321(es.)-465(Alles)-321(flatterte)-321(wirr)-322(durcheinander)-321(in)-322(Aufregung)-321(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Angst.)-646(Alle)-382(H\366fe)-382(\366ffneten)-382(sich,)-415(von)-382(Mund)-382(zu)-382(Mund)-382(flog)-381(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Kunde,)-228(auf)-223(dem)-222(Forellenhof)-222(sei)-223(ein)-222(Raubm\366rder)-223(ertappt)-222(worden,)]TJ 0 -13.55 Td [(aber)-369(entwichen.)-607(Der)-369(lange)-369(Ignaz!)-607(Die)-369(Weiber)-369(kreischten)-368(und)]TJ 0 -13.549 Td [(schauten)-288(neugierig)-288(aus)-288(Fenstern)-288(und)-288(T\374ren,)-297(die)-288(M\344nner)-288(wagten)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-213(mit)-213(St\366cken)-213(bewaffnet)-213(f\374nfzig)-213(Meter)-213(vors)-213(Haus,)-220(ihre)-213(Frauen)]TJ 0 -13.549 Td [(jammerten)-459(von)-459(der)-459(Haust\374r)-459(aus)-459(\374ber)-459(diese)-459(Tollk\374hnheit)-459(und)]TJ 0 -13.549 Td [(riefen)-362(die)-362(M\344nner)-362(zur\374ck)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.403 0 Td [(es)-362(war)-362(abscheulich!)-586(Der)-362(L\366w)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.161 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.581 0 Td [(ist)]TJ -270.321 -13.55 Td [(los,)-266(und)-263(alles)-263(verliert)-263(den)-262(Verstand.)-289(Nur)-263(einige)-263(Mutige)-262(st\374rmten)]TJ 0 -13.549 Td [(hinaus,)-225(den)-218(Unhold)-219(zu)-218(fangen,)-225(taten)-219(sich)-218(zu)-219(Gruppen)-218(zusammen,)]TJ 0 -13.549 Td [(bewaffneten)-250(sich)-250(in)-250(der)-250(Eile,)-250(so)-250(gut)-250(sie)-250(konnten.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-253(sch\374ttelte)-253(in)-252(der)-253(nebligen)-253(Abendluft)-253(erst)-253(meine)-252(Gedanken)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zurecht,)-216(sagte)-207(mir,)-216(da\337)-207(die)-207(Verfolgung)-207(bei)-207(dieser)-207(Rabenfinsternis)]TJ 0 -13.55 Td [(ganz)-482(aussichtslos)-481(sei,)-539(und)-482(ging)-482(nach)-481(der)-482(Direktion,)-539(um)-481(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Direktor)-267(zu)-268(sprechen.)-302(Er)-267(war)-268(nicht)-267(zu)-267(finden.)-302(Daf\374r)-268(traf)-267(ich)-267(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Geheimpolizisten)-284(an.)-350(Er)-283(stand)-284(am)-283(Telephon.)-351(Nach)-283(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(telephonierte)-559(er,)-635(nach)-559(dem)-559(Neust\344dter)-558(Bahnhof,)-636(nach)-558(zehn)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen)-393(Stationen)-393(im)-393(Umkreis,)-429(nach)-393(der)-393(Provinzialhauptstadt.)]TJ 0 -13.55 Td [(Immer)-463(dasselbe:)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.492 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Im)-463(Ferienheim)-462(Waltersburg)-463(hat)-463(sich)-462(unter)]TJ/F16 7.9701 Tf -159.09 0 Td [([289])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(dem)-248(falschen)-248(Namen)-248(Ignaz)-248(Scholz,)-248(genannt)-248(der)-248(lange)-248(Ignaz,)-248(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Raubm\366rder)-418(Fleischergeselle)-418(Josef)-418(Wiczorek)-418(aufgehalten.)-753(Ist)]TJ 0 -13.549 Td [(soeben)-250(nach)-250(erfolgter)-250(Verhaftung)-250(entwichen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.604 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -184.648 -13.549 Td [(Darauf)-486(folgte)-485(genaue)-486(Beschreibung)-485(und)-486(Aufforderung)-485(zur)]TJ -11.956 -13.549 Td [(abermaligen)-250(Verhaftung.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Ich)-360(sa\337)-361(ganz)-360(zerschlagen)-361(auf)-360(dem)-361(Schreibtischstuhl)-360(unseres)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Direktors,)-513(der)-460(immer)-460(noch)-460(nicht)-460(aufzufinden)-460(war,)-512(und)-460(h\366rte)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1179 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1180 0 R +/Resources 1178 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 R +>> endobj +95 0 obj << +/D [1179 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1175 0 obj << +/D [1179 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1181 0 obj << +/D [1179 0 R /XYZ 142.216 160.986 null] +>> endobj +1178 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1184 0 obj << +/Length 4628 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Gerichtliches)-18892(225)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zu,)-461(wie)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.379 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herr)-419(Steiner)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.461 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.414 0 Td [(telephonierte.)-757(Er)-419(schnarrte)-419(mit)-418(seiner)]TJ -108.098 -13.549 Td [(scharfen)-297(Polizeistimme)-298(die)-297(Schande)-297(meines)-297(lieben)-297(Ferienheims)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(alle)-250(Winde.)-250(Endlich)-250(war)-250(er)-250(fertig.)-250(Er)-250(wandte)-250(sich)-250(an)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-552(Doktor,)-628(Sie)-552(sind)-552(der)-552(verantwortliche)-552(Leiter)-552(dieses)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sanatoriums?)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.389 0 Td [(\034)]TJ -47.433 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nur)-250(vom)-250(\344rztlichen)-250(Standpunkt)-250(aus)-250(verantwortlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 223.603 0 Td [(\034)]TJ -228.446 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-718(wer)-717(tr\344gt)-718(die)-718(Verantwortung)-717(f\374r)-718(die)-718(gesetzliche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ordnung?)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.626 0 Td [(\034)]TJ -31.67 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mister)-535(Stefenson)-535(und)-534(in)-535(seiner)-535(Vertretung)-535(Direktor)-535(von)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Br\374ning.)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.488 0 Td [(\034)]TJ -26.532 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-250(ist)-250(der)-250(Direktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.978 0 Td [(\034)]TJ -94.821 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(wei\337)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.953 0 Td [(\034)]TJ -81.796 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-250(ist)-250(Mister)-250(Stefenson?)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.596 0 Td [(\034)]TJ -115.439 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-250(Amerika.)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.556 -15.55 Td [(Der)-250(Polizeimann)-250(notierte)-250(alles)-250(in)-250(seinem)-250(Buch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-274(ist)-273(Ihnen)-274(von)-274(diesem)-273(angeblichen)-274(Knecht)-274(Ignaz)-274(Scholz)]TJ -16.799 -13.549 Td [(bekannt,)-250(Herr)-250(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.455 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.499 -15.55 Td [(Ich)-640(sagte)-640(ihm,)-737(da\337)-640(mir)-640(dieser)-640(Knecht)-640(Ignaz)-639(allerdings)]TJ -11.956 -13.549 Td [(pers\366nlich)-188(stark)-188(unsympathisch)-187(gewesen)-188(sei,)-200(da\337)-188(ich)-188(aber)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.898 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.503 0 Td [(au\337er)]TJ/F16 7.9701 Tf 34.623 0 Td [([290])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(einigen)-251(Grobheiten)-251(oder)-251(auch)-251(Roheiten,)-251(die)-251(er)-251(begangen)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.809 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.192 0 Td [(keine)]TJ -257.001 -13.549 Td [(Veranlassung)-298(gehabt)-297(habe,)-309(den)-298(Menschen)-297(f\374r)-298(einen)-297(Verbrecher)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-230(halten,)-234(zumal)-231(mir)-230(der)-230(Bauer)-231(Barthel,)-234(dem)-230(ich)-230(vertraue,)-234(erkl\344rt)]TJ 0 -13.55 Td [(habe,)-250(er)-250(kenne)-250(Ignaz)-250(von)-250(Jugend)-250(auf)-250(als)-250(ehrlichen)-250(Menschen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dieser)-250(sogenannte)-250(Ignaz)-250(hie\337)-250(laut)-250(Anmeldung)-250(Scholz?)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.345 0 Td [(\034)]TJ -244.188 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl,)-250(Ignaz)-250(Scholz.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.738 0 Td [(\034)]TJ -100.582 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hm!)-218(Wenn)-153(einer)-154(schon)-153(Scholz)-154(hei\337t!)-218(Jeder)-153(Scholz)-154(verkr\374melt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sich)-289(unter)-288(der)-289(Masse)-288(der)-288(Scholze)-289(wie)-288(ein)-289(K\366rnlein)-288(im)-289(Sand)-288(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Meeres.)-236(Ich)-209(m\366chte)-209(Sie)-209(bitten,)-217(Herr)-209(Doktor,)-217(mich)-209(vorl\344ufig)-208(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(verlassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.346 0 Td [(\034)]TJ -44.391 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(soll)-250(doch)-250(nicht)-250(hei\337en)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.654 0 Td [(\034)]TJ -131.498 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-487(soll)-486(nur)-487(hei\337en,)-546(da\337)-486(ich)-487(Ihrer)-486(in)-487(jedem)-487(Augenblick)]TJ -16.799 -13.549 Td [(bed\374rfen)-250(k\366nnte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.92 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1183 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1184 0 R +/Resources 1182 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 R +>> endobj +1185 0 obj << +/D [1183 0 R /XYZ 295.669 252.284 null] +>> endobj +1182 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1188 0 obj << +/Length 4481 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(226)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Der)-516(Ton,)-582(den)-516(der)-516(Polizist)-516(anschlug,)-583(verletzte)-516(mich,)-582(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-455(f\374hlte)-455(mich)-455(ganz)-455(wehrlos,)-506(als)-455(der)-455(Mann)-455(seine)-454(amtlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Vollmachten)-250(vor)-250(mir)-250(ausbreitete.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-302(m\366chte)-303(nur)-302(bemerken,)-315(Herr)-302(Doktor,)-316(da\337)-302(ein)-302(Kurort)-303(wie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(der)-356(Ihrige,)-381(wo)-356(niemand)-355(unter)-356(seinem)-355(wahren)-356(Namen)-355(auftreten)]TJ 0 -13.549 Td [(darf,)-746(ein)-647(geradezu)-647(gro\337artiger)-647(Schlupfwinkel)-647(f\374r)-647(verfolgte)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbrecher)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.822 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -52.866 -14.04 Td [(Was)-383(sollte)-382(ich)-383(erwidern?)-649(Da\337)-382(in)-383(jedem)-383(Kurort,)-416(in)-382(Zoppot,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ostende,)-452(Abbazia)-412(sich)-412(jeder)-412(Mensch)-412(ohne)-412(Legitimation)-411(unter)]TJ 0 -13.55 Td [(irgendeinem)-250(Namen)-250(niederlassen)-250(k\366nne?)-250(Ich)-250(unterlie\337)-250(es.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kommen)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.906 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.749 -14.04 Td [(Das)-335(war)-335(Befehlston.)-506(Ich)-335(blieb)-335(sitzen.)-506(Der)-335(Gewaltige)-335(wollte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wohl)-183(eben)-183(ein)-183(strenges)-183(Wort)-183(sagen,)-196(da)-183(wurde)-183(die)-183(T\374r)-182(aufgerissen,)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([291])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(und)-347(Piesecke)-346(trat)-347(ein.)-539(Flugs)-346(stand)-347(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.91 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geheime)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.623 0 Td [(stramm)-347(und)]TJ -227.759 -13.549 Td [(schlug)-376(die)-375(Hacken)-376(zusammen.)-626(Piesecke)-376(sah)-375(schlimm)-376(aus.)-626(Er)]TJ 0 -13.55 Td [(hatte)-322(ein)-321(verschwollenes)-322(Auge,)-339(und)-322(sein)-321(Anzug)-322(war)-321(schmutzig)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-350(zerrissen.)-548(Trotzdem)-350(nahm)-350(er)-349(dem)-350(Polizeimann)-349(gegen\374ber)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-519(echte)-520(Herrenhaltung)-519(an)-519(und)-519(sprach)-520(in)-519(einem)-519(so)-519(v\366llig)]TJ 0 -13.549 Td [(ver\344nderten)-250(Ton,)-250(da\337)-250(ich)-250(seine)-250(Stimme)-250(nicht)-250(wiedererkannte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mann,)-249(wie)-250(kommen)-249(Sie)-249(dazu,)-250(den)-249(Knecht)-249(im)-249(Forellenhof)-250(zu)]TJ -16.799 -13.55 Td [(verhaften?)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.037 0 Td [(\034)]TJ -34.082 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Melde)-659(Euer)-659(Hoheit)-660(untert\344nigst,)-761(der)-659(Knecht)-659(Ignaz)-660(ist)]TJ -16.799 -13.549 Td [(identisch)-481(mit)-481(dem)-480(Fleischergesellen)-481(Josef)-481(Wiczorek,)-539(der)-480(am)]TJ 0 -13.549 Td [(17.)-461(Februar)-320(dieses)-320(Jahres)-320(seinen)-321(Meister)-320(ermordet)-320(und)-320(beraubt)]TJ 0 -13.549 Td [(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\034)]TJ -4.103 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Woher)-250(wissen)-250(Sie)-250(das?)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.887 0 Td [(\034)]TJ -105.731 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-515(Verdachtsgr\374nde)-515(h\344uften)-515(sich:)-780(das)-515(Signalement)-516(des)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Steckbriefes)-374(stimmt,)-404(eine)-373(Pr\374fung)-374(der)-373(Fingerabdr\374cke)-374(gab)-373(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Gewi\337heit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.175 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -36.22 -14.04 Td [(Piesecke)-250(sah)-250(den)-250(Mann)-250(durchdringend)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-192(kenne)-193(Sie!)-231(Als)-192(Kriminalbeamter)-192(haben)-193(Sie)-192(nicht)-193(allzuviel)]TJ -16.799 -13.55 Td [(getaugt;)-332(da)-305(sind)-305(Sie)-305(dazu)-304(auserlesen)-305(worden,)-319(Sp\344herdienste)-304(am)]TJ 0 -13.549 Td [(Hofe)-253(zu)-253(leisten.)-259(Auch)-253(jetzt)-253(sind)-253(Sie)-253(hierhergekommen,)-253(um)-253(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-333(beobachten.)-500(Ich)-333(habe)-334(Sie)-333(gestellt;)-375(Sie)-333(sagten)-333(mir,)-354(Sie)-333(seien)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1187 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1188 0 R +/Resources 1186 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1166 0 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10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Unser)-285(Hausminister)-284(hat)-285(patente)-285(Leute.)-354(Am)-285(dritten)-284(Tage,)-294(als)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-297(da)-297(waren,)-309(habe)-297(ich)-297(Sie)-297(erkannt)-297(trotz)-297(Ihres)-296(falschen)-297(Namens)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-414(Ihrer)-414(Maske.)-741(Also)-414(berichten)-414(Sie)-414(nach)-414(Hause,)-455(es)-414(sei)-413(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(v\366llig)-331(egal,)-351(ob)-331(Sie)-331(hier)-331(seien)-331(oder)-331(nicht;)-371(falls)-331(Sie)-331(mir)-331(zu)-330(l\344stig)]TJ 0 -13.55 Td [(fielen,)-288(so)-281(k\366nnte)-281(ich)-281(mich)-280(vergessen)-281(und)-281(Ihnen)-281(gelegentlich)-280(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Peitsche)-250(um)-250(die)-250(Ohren)-250(knallen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.647 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -124.691 -13.876 Td [(Der)-250(Polizeimann)-250(wurde)-250(dunkelrot.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haben)-567(Sie)-567(verstanden,)-647(was)-567(Sie)-567(dem)-567(Minister)-568(berichten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sollen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.906 0 Td [(\034)]TJ -18.95 -13.876 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Zu)-250(Befehl,)-250(Hoheit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.713 0 Td [(\034)]TJ -87.556 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-302(Sie)-302(nun)-303(dazu)-302(ausersehen)-302(sind,)-315(mich)-302(zu)-302(belauern,)-316(wie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kommen)-511(Sie)-512(dazu,)-577(hier)-511(eine)-512(au\337erhalb)-511(Ihrer)-511(Bestimmungen)]TJ 0 -13.549 Td [(liegende)-620(polizeiliche)-620(Handlung,)-712(wie)-620(die)-620(Verhaftung)-620(dieses)]TJ 0 -13.55 Td [(Knechtes,)-250(vorzunehmen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.269 0 Td [(\034)]TJ -98.313 -13.876 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-337(berichtete)-337(meinen)-336(Verdacht)-337(an)-337(den)-337(Ersten)-337(Staatsanwalt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-250(erhielt)-250(die)-250(n\366tigen)-250(Vollmachten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.287 0 Td [(\034)]TJ -148.331 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dagegen)-250(l\344\337t)-250(sich)-250(wohl)-250(nichts)-250(tun?)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.011 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.854 -13.876 Td [(Diese)-250(Frage)-250(war)-250(an)-250(mich)-250(gerichtet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.935 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(nichts!)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.694 0 Td [(\034)]TJ -66.654 -13.876 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(urteilen)-250(Sie)-250(\374ber)-250(diesen)-250(Fall,)-250(Herr)-250(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.229 0 Td [(\034)]TJ -212.072 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-220(ist)-220(ein)-219(Ungl\374ck)-220(f\374r)-220(unsere)-220(junge)-219(Anstalt.)-240(Aber)-220(es)-220(liegt)-220(uns)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nat\374rlich)-389(fern,)-425(der)-389(Festnahme)-390(eines)-389(Verbrechers)-389(irgendwelche)]TJ 0 -13.549 Td [(Hindernisse)-250(zu)-250(bereiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.731 0 Td [(\034)]TJ -93.775 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Selbstverst\344ndlich!)-946(Ich)-482(begreife)-482(nur)-482(den)-482(Bauern)-483(Barthel)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht.)-247(Er)-239(ist)-240(doch)-240(ein)-240(ehrlicher)-240(Mann,)-241(und)-240(er)-240(hat)-240(doch)-239(versichert,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-350(langen)-351(Ignaz)-350(von)-350(Jugend)-350(auf)-351(zu)-350(kennen.)-551(Haben)-350(Sie)-350(daf\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-250(Erkl\344rung,)-250(Herr)-250(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.444 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 162.58 0 Td [([293])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.877 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein!)-711(Ich)-404(bin)-404(um)-404(so)-403(best\374rzter,)-443(als)-403(Barthel)-404(mir)-404(nach)-404(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Verhaftung)-451(eben)-452(sagte:)-652(ich)-452(m\366ge)-451(ihm)-451(nicht)-452(z\374rnen,)-501(er)-451(habe)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1191 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1192 0 R +/Resources 1190 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1193 0 obj << +/D [1191 0 R /XYZ 46.771 475.662 null] +>> endobj +1194 0 obj << +/D [1191 0 R /XYZ 46.771 91.19 null] +>> endobj +1190 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1198 0 obj << +/Length 4885 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(228)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nicht)-337(anders)-337(gekonnt.)-511(Ich)-337(sage)-337(das)-337(ganz)-337(offen)-337(vor)-337(Ihnen,)-358(Herr)]TJ 0 -13.549 Td [(Kommissar,)-217(damit)-209(Sie)-208(sehen,)-217(da\337)-209(von)-208(hier)-209(aus)-209(nichts)-208(verschleiert)]TJ 0 -13.549 Td [(wird.)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.724 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -10.768 -13.996 Td [(Der)-250(Kommissar)-250(verneigte)-250(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hoheit)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.695 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(pre\337te)-250(die)-250(Lippen)-250(aufeinander.)]TJ/F24 10.9091 Tf -42.109 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hm!)-715(Ich)-405(will)-405(nicht)-405(w\374nschen,)-444(da\337)-405(dem)-405(guten)-405(Barthel)-405(da)]TJ -16.799 -13.549 Td [(eine)-443(Tragik)-443(erwachse,)-491(da\337)-443(dieser)-443(sogenannte)-443(Ignaz)-442(vielleicht)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-359(Freund)-360(oder)-359(gar)-360(ein)-359(naher)-359(Verwandter)-360(von)-359(ihm)-359(ist,)-387(den)-359(er)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-322(seiner)-322(Gutm\374tigkeit)-321(versteckt)-322(hat.)-465(Und)-322(Sie,)-340(Kommissar,)-339(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(brauchen)-410(mir)-409(das)-410(von)-410(vorhin)-409(nicht)-410(\374berm\344\337ig)-409(\374belzunehmen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreiben)-399(Sie)-398(also)-399(dem)-398(Minister:)-547(Se.)-696(Hoheit)-398(ist)-399(bei)-398(besserer)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesundheit)-198(und)-197(hat)-198(daher)-197(einen)-197(Aufpasser)-198(nicht)-197(mehr)-198(n\366tig.)-232(Jetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(will)-250(ich)-250(Sie)-250(nicht)-250(mehr)-250(aufhalten.)-250(Wohin)-250(wollen)-250(Sie)-250(zun\344chst?)]TJ/F24 10.9091 Tf 272.694 0 Td [(\034)]TJ -260.738 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nach)-698(dem)-697(Forellenhof)-698(zur\374ck,)-810(den)-697(Bauer)-698(Barthel)-698(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vernehmen)-250(oder)-250(eventuell)-250(ebenfalls)-250(zu)-250(verhaften.)]TJ/F24 10.9091 Tf 215.084 0 Td [(\034)]TJ -203.128 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sch\366n,)-392(wir)-364(werden)-364(Sie)-363(begleiten,)-392(wenn)-364(Ihnen)-364(das)-364(zul\344ssig)]TJ -16.799 -13.55 Td [(erscheint.)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\034)]TJ -30.154 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(bitte)-250(untert\344nigst)-250(um)-250(die)-250(Begleitung,)-250(Hoheit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.505 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -216.349 -13.996 Td [(Der)-285(Kommissar)-286(\366ffnete)-285(die)-285(T\374r,)-294(stand)-285(stramm,)-294(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.293 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hoheit)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.694 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(ging)-250(in)-250(l\344ssig)-250(vornehmer)-250(Haltung)-250(an)-250(ihm)-250(vorbei.)]TJ 11.955 -13.995 Td [(Ein)-277(kleiner)-276(Anla\337)-277(von)-276(drau\337en)-277(aus)-277(der)-276(alten)-277(Welt,)-283(und)-277(durch)]TJ -11.955 -13.55 Td [(die)-217(Bauernjacke)-218(schimmerte)-217(der)-218(hochgeborene)-217(Herr.)-240(Ich)-217(aber)-217(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Arzt)-248(freute)-247(mich)-248(trotz)-247(meiner)-248(gedr\374ckten)-247(Stimmung,)-248(als)-248(ich)-247(sah,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-348(durch)-348(seine)-348(Gesundung)-349(langsam)-348(aus)-348(dem)-348(Piesecke)-348(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-277(Prinz)-278(wurde,)-284(ja,)-284(ich)-277(h\344tte)-277(das)-277(Wort)]TJ/F24 10.9091 Tf 172.796 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.868 0 Td [(jetzt)-277(nicht)-278(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf -296.435 0 Td [([294])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(sagen,)-250(nicht)-250(einmal)-250(zu)-250(denken)-250(gewagt.)]TJ 11.955 -13.996 Td [(Im)-236(Forellenhof)-236(war)-236(schwerste)-236(Best\374rzung.)-245(Die)-237(dicke)-236(Susanne)]TJ -11.955 -13.549 Td [(lag)-209(kurz)-209(und)-209(krampfhaft)-209(weinend)-209(in)-210(einem)-209(Korbstuhl;)-222(die)-209(Frauen)]TJ 0 -13.549 Td [(bem\374hten)-526(sich)-526(um)-526(sie.)-1079(Barthel)-526(war)-526(nicht)-526(zu)-526(Hause.)-1078(Auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-313(Tisch)-313(standen)-313(noch)-313(die)-313(Rosen,)-329(an)-313(den)-313(W\344nden)-312(hingen)-313(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Asternkr\344nze.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Welch)-250(ein)-250(entsetzlicher)-250(Abschlu\337!)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.567 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(klagte)-250(Eva.)]TJ -162.982 -13.996 Td [(Ich)-339(betrachtete)-338(die)-339(Fingerabdr\374cke)-339(an)-338(der)-339(Wand.)-516(Sie)-339(waren)]TJ -11.955 -13.549 Td [(deutlich.)-340(Der)-280(lange)-280(Ignaz)-280(hatte,)-288(ehe)-280(er)-280(sich)-280(an)-280(die)-280(Wand)-280(lehnte,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1197 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1198 0 R +/Resources 1196 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1199 0 obj << +/D [1197 0 R /XYZ 169.041 189.424 null] +>> endobj +1196 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1202 0 obj << +/Length 4558 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Gerichtliches)-18892(229)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(das)-337(Kohlenfeuer)-336(besorgt.)-510(Der)-336(Kommissar)-336(trat)-337(zu)-336(mir)-337(und)-336(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Prinzen)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-688(tut)-688(mir)-688(leid;)-907(aber)-687(ich)-688(mu\337)-688(zur\374ck)-688(zur)-688(Direktion)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-418(von)-417(den)-418(Beh\366rden)-417(telephonisch)-418(auch)-417(die)-418(Verhaftung)-417(des)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-390(Beg\374nstigung)-391(dringend)-390(verd\344chtigen)-390(und)-390(verschwundenen)]TJ 0 -13.55 Td [(Bauern)-250(Barthel)-250(fordern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.909 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.953 -13.926 Td [(Der)-250(Prinz)-250(kniff)-250(den)-250(Mund)-250(zusammen.)-250(Dann)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Tun)-195(Sie)-195(das!)-231(Wenn)-195(ich)-195(mich)-194(auch)-195(hier)-195(get\344uscht)-195(habe,)-206(glaube)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-387(an)-388(nichts)-387(mehr)-387(auf)-387(der)-388(Welt.)-661(Dann)-388(soll)-387(alles)-387(zum)-387(Deibel)]TJ 0 -13.55 Td [(gehen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.684 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -17.728 -13.926 Td [(Er)-250(schaute)-250(mich)-250(mit)-250(halbem)-250(Blick)-250(an.)-250(Da)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-911(werde)-911(morgen)-911(fr\374h)-911(mit)-911(Einverst\344ndnis)-912(unseres)]TJ -16.799 -13.55 Td [(bevollm\344chtigten)-189(Direktors)-189(den)-188(von)-189(Ew.)-230(Hoheit)-188(unterzeichneten,)]TJ 0 -13.549 Td [(bis)-212(Mai)-212(verpflichtenden)-212(Revers)-212(vernichten,)-219(und)-212(Ew.)-238(Hoheit)-211(steht)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-250(alle)-250(Weiterungen)-250(frei,)-250(die)-250(Anstalt)-250(zu)-250(verlassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.731 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -216.775 -13.927 Td [(Er)-388(antwortete)-388(nicht.)-664(Ich)-388(dachte)-388(daran,)-423(da\337)-387(er)-388(durch)-388(seinen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kniefall)-281(vor)-282(der)-281(sch\366nen)-281(Hanne,)-289(durch)-282(eine)-281(ganz)-281(direktionslose)]TJ 0 -13.549 Td [(Tat,)-310(den)-298(Anla\337)-297(zu)-298(all)-298(diesen)-298(Scherereien)-297(geschaffen)-298(hatte.)-393(Und)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([295])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(er)-250(dachte)-250(wahrscheinlich)-250(selbst)-250(daran;)-250(denn)-250(er)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-252(wei\337,)-252(da\337)-252(ich)-252(noch)-252(lange)-252(nicht)-252(geheilt)-252(bin;)-253(aber)-252(ich)-252(kann)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wohl)-437(\374berhaupt)-437(keine)-437(Heilung)-436(finden.)-811(Weil)-437(ich)-437(keine)-436(Treue)]TJ 0 -13.55 Td [(finde!)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -14.095 -13.926 Td [(Ich)-734(wandte)-734(mich)-735(ab,)-855(trat)-734(zum)-734(Tisch)-734(und)-734(zerpfl\374ckte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(gedankenlos)-250(eine)-250(Rose.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(Da)-264(tat)-265(sich)-264(die)-265(T\374r)-264(auf.)-294(Barthel)-264(erschien.)-293(Verst\366rt.)-294(Als)-264(er)-264(den)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kommissar)-341(sah,)-365(wollte)-341(er)-342(zur\374ck,)-364(aber)-341(der)-342(Polizist)-341(war)-341(bereits)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-312(seiner)-312(Seite.)-436(Susanne)-312(begann)-311(zu)-312(schreien,)-328(und)-312(ich)-312(war)-311(froh,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-250(sie)-250(und)-250(alle)-250(Frauen)-250(das)-250(Zimmer)-250(verlassen)-250(mu\337ten.)]TJ 11.956 -13.927 Td [(Als)-324(wir)-323(allein)-324(waren,)-342(wurde)-324(Barthel)-324(verhaftet.)-471(Er)-324(sank)-323(ganz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gebrochen)-250(auf)-250(die)-250(Bank)-250(am)-250(Ofen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Schande!)-250(Die)-250(Schande!)-250(Ach,)-250(h\344tt)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.593 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.36 0 Td [(ich)-250(es)-250(nicht)-250(getan!)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.68 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -254.476 -13.927 Td [(Der)-250(Kommissar)-250(schritt)-250(zum)-250(sofortigen)-250(Verh\366r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Barthel,)-294(Sie)-286(haben)-285(behauptet,)-294(den)-285(Knecht)-286(Ignaz)-285(von)-286(Jugend)]TJ -16.799 -13.549 Td [(auf)-250(zu)-250(kennen.)-250(Ist)-250(das)-250(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.2 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1201 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1202 0 R +/Resources 1200 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1203 0 obj << +/D [1201 0 R /XYZ 229.895 285.573 null] +>> endobj +1200 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1206 0 obj << +/Length 4456 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(230)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Barthel)-250(r\374hrte)-250(sich)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hei\337t)-250(dieser)-250(Knecht)-250(in)-250(Wahrheit)-250(Ignaz)-250(Scholz?)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.007 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -210.85 -14.969 Td [(In)-170(Barthels)-169(Gesicht)-170(kam)-170(ein)-170(verstockter)-169(Ausdruck.)-224(Er)-169(schwieg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wollen)-250(Sie)-250(mir)-250(nicht)-250(Rede)-250(stehen,)-250(Barthel?)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.371 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -194.214 -14.969 Td [(Keine)-250(Antwort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(machen)-250(sich)-250(ungl\374cklich.)-250(Warum)-250(antworten)-250(Sie)-250(nicht?)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.72 0 Td [(\034)]TJ -260.563 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kann)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.044 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -155.598 0 Td [([296])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.97 Td [(Nun)-250(wandte)-250(ich)-250(mich)-250(an)-250(Barthel.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-409(Barthel,)-448(denken)-408(Sie)-409(nicht)-408(ein)-409(ganz)-408(klein)-409(wenig)-409(an)]TJ -16.799 -13.549 Td [(den)-430(guten)-430(Ruf)-430(unserer)-430(Kuranstalt?)-790(Habe)-430(ich)-430(es)-430(nicht)-429(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(gut)-314(mit)-314(Ihnen)-313(gemeint?)-442(Warum)-313(bereiten)-314(Sie)-314(mir)-314(diese)-313(schwere)]TJ 0 -13.549 Td [(Ungelegenheit?)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.466 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -56.51 -14.969 Td [(Da)-250(begann)-250(er)-250(zu)-250(weinen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kann)-250(es)-250(nicht)-250(mehr)-250(\344ndern.)-250(Verzeihen)-250(Sie)-250(mir)-250(...!)]TJ/F24 10.9091 Tf 231.152 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -235.995 -14.97 Td [(Ein)-364(Knecht)-364(wurde)-364(aufgefordert,)-393(ein)-364(Pferd)-364(vor)-364(einen)-364(Wagen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-531(schirren.)-1094(Darauf)-532(fuhr)-531(der)-531(Kommissar)-532(mit)-531(Barthel)-531(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-418(Waltersburger)-417(Amtsgerichtsgef\344ngnis.)-753(Frau)-418(Susanne)-417(lag)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-354(Schreikr\344mpfen,)-380(auch)-354(die)-353(anderen)-354(Frauen)-354(weinten)-354(laut.)-561(Ich)]TJ 0 -13.549 Td [(verlie\337)-380(den)-381(Forellenhof.)-641(In)-380(allen)-381(Stuben)-380(unserer)-380(Ferienanstalt)]TJ 0 -13.549 Td [(brannte)-470(Licht.)-912(Ich)-470(wu\337te,)-525(in)-471(den)-470(meisten)-471(er\366rterte)-470(man)-470(die)]TJ 0 -13.55 Td [(sofortige)-385(Abreise.)-655(Ich)-385(ging)-385(nach)-385(der)-385(Direktion.)-655(Der)-384(Direktor)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-271(noch)-272(immer)-271(nicht)-272(aufzufinden.)-314(So)-271(setzte)-271(ich)-272(mich)-271(in)-271(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreibtischstuhl)-247(und)-247(starrte)-247(ohne)-247(eigentlich)-247(klare)-247(Gedanken)-246(ins)]TJ 0 -13.549 Td [(Licht)-210(der)-209(Lampe.)-237(Drau\337en)-209(kehrten)-210(kleine)-209(Trupps)-210(von)-209(Verfolgern)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ck.)-525(Sie)-342(hatten)-342(von)-342(dem)-341(Fl\374chtling)-342(nichts)-342(entdeckt,)-365(wie)-341(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(erwarten)-181(gewesen)-182(war.)-227(Kurz)-181(nach)-182(zehn)-181(Uhr)-182(l\344utete)-181(das)-181(Telephon.)]TJ 0 -13.549 Td [(Verbindung)-250(von)-250(Neustadt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-233(polizeilich)-233(gesuchte)-233(Josef)-233(Wiczorek,)]TJ/F19 10.9091 Tf 180.878 0 Td [(alias)]TJ/F16 10.9091 Tf 23.76 0 Td [(Ignaz)-233(Scholz,)]TJ -221.437 -13.549 Td [(ist)-546(soeben,)-620(als)-546(er)-547(in)-546(einen)-546(Wagen)-546(vierter)-546(Klasse)-546(des)-546(neun)]TJ 0 -13.549 Td [(Uhr)-335(siebenundvierzig)-335(Minuten)-335(hier)-335(abgehenden)-334(Personenzuges)]TJ 0 -13.55 Td [(steigen)-250(wollte,)-250(verhaftet)-250(worden)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.484 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -139.528 -14.969 Td [(Ich)-273(sandte)-273(nach)-273(dem)-273(Prinzen,)-278(bestellte)-273(einen)-273(Wagen,)-279(und)-272(wir)]TJ -11.956 -13.549 Td [(fuhren)-342(nach)-341(Neustadt.)-525(Auf)-342(der)-342(Polizei)-341(wurde)-342(uns)-342(weiter)-341(keine)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([297])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1205 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1206 0 R +/Resources 1204 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1207 0 obj << +/D [1205 0 R /XYZ 93.543 426.822 null] +>> endobj +1208 0 obj << +/D [1205 0 R /XYZ 300.675 66.142 null] +>> endobj +1204 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1211 0 obj << +/Length 4726 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Gerichtliches)-18892(231)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Auskunft)-305(erteilt,)-318(als)-305(da\337)-305(Wiczorek)-305(eingesperrt)-305(sei)-305(und)-305(wir)-304(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(Weitere)-250(abzuwarten)-250(h\344tten.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Wir)-372(blieben)-371(in)-372(Neustadt)-372(\374ber)-371(Nacht.)-615(Am)-372(n\344chsten)-371(Morgen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stand)-737(in)-737(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.565 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-737(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.501 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.883 0 Td [(ein)-737(Artikel)-737(mit)-737(der)]TJ -183.793 -13.55 Td [(zentimetergro\337)-280(gedruckten)-280(\334berschrift)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.36 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kuranstalt)-280(Waltersburg)]TJ -178.204 -13.549 Td [(ein)-250(Hehlernest???)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.848 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -65.892 -14.531 Td [(Mit)-596(der)-596(ganzen)-596(Niedertr\344chtigkeit,)-682(deren)-596(der)-596(vertrottelte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Redakteur)-780(dieses)-780(Bl\344ttchens)-780(f\344hig)-779(war,)-913(hetzte)-780(er)-779(gegen)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-442(Anstalt.)-827(Alle)-442(Spie\337erinstinkte,)-490(alle)-442(Philisterbedenken,)]TJ 0 -13.549 Td [(alles)-421(Kopfsch\374tteln)-421(beschr\344nkter,)-464(phantasieloser)-421(K\366pfe)-420(wurde)]TJ 0 -13.55 Td [(gegen)-433(die)-432(Grundidee)-433(unserer)-432(Kuranstalt)-433(wieder)-433(lebendig;)-523(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Schimpferei)-186(begann)-185(wieder,)-199(der)-186(alte)-185(lendenlahme)-186(Spott)-185(humpelte)]TJ 0 -13.549 Td [(neu)-493(auf)-493(den)-493(Plan.)-979(Der)-493(Artikel)-493(endete)-493(schlie\337lich)-493(mit)-493(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(schamlosen)-250(Denunziation:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-399(Gesetz,)-437(das)-400(bei)-399(uns)-400(in)-399(Neustadt)-400(heilig)-399(gehalten)-400(wird,)]TJ -16.799 -13.55 Td [(verbietet)-193(uns,)-204(zu)-192(behaupten,)-204(da\337)-193(sich)-192(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 175.526 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Kuranstalt)-193(Waltersburg)]TJ -179.159 -13.549 Td [(Ferien)-818(vom)-819(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.055 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.56 0 Td [(infolge)-818(ihrer)-819(mehr)-818(als)-818(eigent\374mlichen)]TJ -91.615 -13.549 Td [(Einrichtungen,)-640(wie)-562(Verbot,)-641(den)-562(eigenen)-562(Namen)-562(zu)-562(f\374hren,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-527(eigene)-527(Kleidung)-527(zu)-527(tragen)-527(usw.,)-596(zu)-527(einem)-526(Zufluchtsort)]TJ 0 -13.549 Td [(lichtscheuen)-838(Gesindels)-838(ausw\344chst.)-2015(Immerhin)-838(wird)-838(der)]TJ 0 -13.55 Td [(aufsehenerregende)-268(Fall,)-273(da\337)-267(sich)-268(ein)-268(Raubm\366rder)-268(auf)-268(einem)-268(der)]TJ 0 -13.549 Td [(besuchtesten)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.653 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(H\366fe)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.807 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.541 0 Td [(des)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.449 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferienheims)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.934 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.541 0 Td [(mit)-358(Wissen)-358(des)-359(Bauern)]TJ -176.191 -13.549 Td [(monatelang)-242(verstecken)-242(und)-242(daselbst)-242(allerhand)-242(Roheiten)-241(aus\374ben)]TJ 0 -13.549 Td [(konnte,)-308(zu)-297(schwersten)-297(Bedenken)-297(Anla\337)-296(geben,)-309(denen)-297(sich)-296(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Beh\366rden)-250(nicht)-250(werden)-250(verschlie\337en)-250(k\366nnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 213.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -201.328 -14.531 Td [(Ich)-701(sah)-700(unser)-701(Heim)-700(aufs)-701(schwerste)-701(bedroht,)-813(sah)-700(eine)]TJ -11.956 -13.55 Td [(f\374rchterliche)-393(Waffe)-392(in)-393(der)-393(Hand)-392(unserer)-393(Feinde.)-678(Eben)-392(wollte)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([298])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ich)-432(den)-432(Fall)-433(an)-432(Stefenson)-432(kabeln,)-478(da)-432(wurden)-432(wir)-432(zur)-432(Polizei)]TJ 0 -13.549 Td [(beschieden.)-1038(Es)-512(handelte)-513(sich,)-578(wie)-513(uns)-513(er\366ffnet)-512(wurde,)-578(um)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-381(Konfrontation)-381(mit)-382(dem)-381(gestern)-381(Verhafteten,)-414(der)-381(pl\366tzlich)]TJ 0 -13.549 Td [(behaupte,)-252(weder)-251(der)-252(gesuchte)-251(Raubm\366rder)-252(Josef)-251(Wiczorek)-251(noch)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(Knecht)-250(Ignaz)-250(Scholz)-250(zu)-250(sein.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Da)-283(mich)-283(der)-283(Polizeibeamte)-283(pers\366nlich)-283(kannte,)-291(hatte)-283(ich)-282(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(notwendig,)-216(mich)-208(zu)-209(legitimieren,)-216(wurde)-208(aber)-208(aufgefordert,)-216(Herrn)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1210 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1211 0 R +/Resources 1209 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1212 0 obj << +/D [1210 0 R /XYZ 300.129 161.968 null] +>> endobj +1209 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1215 0 obj << +/Length 5025 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(232)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Pieseckes)-442(Pers\366nlichkeit)-442(festzustellen,)-491(und)-442(zwar)-442(nach)-442(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(wahren)-353(Namen)-353(und)-353(Stand,)-379(nicht)-353(nach)-353(dem)-353(Pseudonym,)-378(das)-353(er)]TJ 0 -13.549 Td [(bei)-321(uns)-320(f\374hrte.)-463(So)-320(sagte)-321(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.868 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Se.)-462(Hoheit)-321(Prinz)-320(Ernst)-321(Friedrich)]TJ -135.712 -13.549 Td [(von)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.273 0 Td [(\034)]TJ -15.317 -14.401 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-302(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.03 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.743 0 Td [(ist)-302(das)-301(Ihr)-302(Ernst,)-314(Herr)-301(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.649 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.133 0 Td [(fragte)-301(der)-302(Beamte)]TJ -201.354 -13.549 Td [(nicht)-250(ohne)-250(Bewegung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-401(nur)-400(sein)-401(Ernst,)-439(sondern)-400(sogar)-401(sein)-401(Ernst)-401(Friedrich)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.26 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)]TJ -277.903 -13.549 Td [(sagte)-174(Piesecke)-174(hohnvoll)-175(und)-174(hielt)-174(dem)-174(Beamten)-174(seinen)-174(Siegelring)]TJ 0 -13.549 Td [(hin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.397 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kennen)-250(Sie)-250(dieses)-250(Wappen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.906 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -136.19 -14.401 Td [(Der)-232(Beamte)-231(sah)-232(auf)-231(das)-232(Wappen)-232(mit)-231(der)-232(Krone,)-235(stand)-232(auf)-231(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(verneigte)-250(sich)-250(tief.)]TJ 11.956 -14.4 Td [(Da)-250(erschienen)-250(zwei)-250(Gerichtsdiener)-250(mit)-250(dem)-250(Verhafteten.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 333.856 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 315.985 Td [(Ich)-277(fa\337te)-277(mir)-278(an)-277(den)-277(Kopf:)-305(ich)-277(glaubte)-277(eine)-277(Wahnvorstellung)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zu)-250(haben.)-250(Der)-250(da)-250(eintrat,)-250(war)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.044 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Mister)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -125.27 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.026 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(rief)-250(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stefenson,)-250(wie)-250(kommen)-250(Sie)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -317.096 0 Td [([299])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Melde)-901(gehorsamst,)-1064(Herr)-902(Rat)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.701 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-1064(sagte)-901(der)-902(eine)-901(der)]TJ -168.344 -13.549 Td [(Gerichtsdiener,)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.934 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(der)-342(Gefangene)-342(hat)-343(eine)-342(Per\374cke)-342(und)-342(den)-342(Bart)]TJ -75.777 -13.549 Td [(abgenommen,)-215(hat)-207(sich)-207(gewaschen)-206(und)-207(sieht)-207(jetzt)-206(auf)-207(einmal)-206(ganz)]TJ 0 -13.55 Td [(anders)-250(aus)-250(als)-250(gestern)-250(abend.)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.327 0 Td [(\034)]TJ -114.371 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-367(ist)-366(dieser)-367(Mann?)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.431 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.844 0 Td [(fragte)-367(der)-366(Beamte)-367(mit)-367(einem)-367(Blick)]TJ -123.074 -13.549 Td [(auf)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-382(ist)-383(Mister)-382(Stefenson,)-415(mein)-383(Kompagnon,)-415(der)-383(Begr\374nder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unseres)-250(Ferienheims)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.378 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(brachte)-250(ich)-250(heraus.)]TJ -82.267 -14.401 Td [(Ich)-250(mu\337te)-250(mich)-250(setzen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(wer)-250(behaupten)-250(Sie)-250(selbst)-250(zu)-250(sein,)-250(Verhafteter?)]TJ/F24 10.9091 Tf 222.971 0 Td [(\034)]TJ -227.815 -14.4 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-418(behaupte)-418(dasselbe)-418(wie)-418(der)-418(Herr)-418(Doktor)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.211 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-460(sagte)-418(dieser)]TJ -219.854 -13.549 Td [(gelassen;)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.278 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(allerdings)-529(mit)-528(einer)-529(kleinen)-528(Einschr\344nkung.)-1086(Ich)]TJ -52.121 -13.549 Td [(war)-383(und)-383(gelte)-382(noch)-383(als)-383(Mister)-383(John)-383(Stefenson,)-416(Kaufmann)-382(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(Neuyork,)-455(Chikago,)-455(Trinidad;)-496(aber)-414(ich)-414(habe)-414(mich)-414(unterdessen)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-348(meine)-348(rein)-348(deutsche)-348(Abstammung)-348(besonnen)-348(und)-348(hei\337e)-347(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Genehmigung)-247(der)-247(hohen)-248(deutschen)-247(Beh\366rden)-247(seit)-247(etwa)-247(vierzehn)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1214 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1215 0 R +/Resources 1213 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1195 0 R +>> endobj +1216 0 obj << +/D [1214 0 R /XYZ 93.543 286.497 null] +>> endobj +1213 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1219 0 obj << +/Length 5233 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Gerichtliches)-18892(233)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Tagen)-596(Johannes)-596(Stefan)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.628 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.955 0 Td [(Stefan,)-682(wie)-596(meine)-596(hanseatischen)]TJ -126.583 -13.549 Td [(Vorfahren)-250(seit)-250(etwa)-250(vierhundert)-250(Jahren)-250(gehei\337en)-250(haben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 243.862 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -231.906 -13.958 Td [(Der)-250(Beamte)-250(fing)-250(an,)-250(an)-250(den)-250(Fingern)-250(abzuz\344hlen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Josef)-256(Wiczorek)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.399 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.243 0 Td [(Ignaz)-256(Scholz)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.501 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.243 0 Td [(John)-256(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.209 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.244 0 Td [(Johannes)]TJ -240.638 -13.549 Td [(Stefan)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.91 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.492 0 Td [(und)-278(hier)-279(Prinz)-278(Ernst)-279(Friedrich)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.563 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.492 0 Td [(ich)-278(m\366chte)-279(die)-278(Herren)]TJ -182.457 -13.549 Td [(ernsthaft)-573(darauf)-573(aufmerksam)-573(machen,)-654(da\337)-573(das)-573(Gericht)-573(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Neustadt)-309(keine)-309(Waltersburger)-309(Spielerei,)-324(sondern)-309(eine)-309(staatliche)]TJ 0 -13.55 Td [(Beh\366rde)-250(ist,)-250(die)-250(nicht)-250(mit)-250(sich)-250(spa\337en)-250(l\344\337t.)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.749 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -173.793 -13.958 Td [(Der)-290(Beamte)-290(hatte)-290(ja)-290(ganz)-290(recht.)-370(Ich)-290(beteuerte)-290(ihm)-290(nochmals,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(da\337)-310(ich)-310(in)-310(dem)-309(Manne,)-325(wenn)-310(er)-310(auch)-310(wirklich)-310(mit)-310(dem)-309(gestern)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([300])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(verhafteten)-500(angeblichen)-501(Josef)-500(Wiczorek,)]TJ/F19 10.9091 Tf 191.845 0 Td [(alias)]TJ/F16 10.9091 Tf 26.676 0 Td [(Ignaz)-500(Scholz,)]TJ -218.521 -13.549 Td [(identisch)-380(sei,)-412(zweifelsfrei)-380(meinen)-380(Kompagnon)-380(John)-379(Stefenson)]TJ 0 -13.55 Td [(wiedererkenne.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-291(Sie)-292(wollen)-291(in)-292(der)-291(ganzen)-292(Zeit,)-302(da)-291(sich)-292(dieser)-291(Mann)-292(bei)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ihnen)-395(aufhielt,)-431(keine)-394(Ahnung)-395(gehabt)-395(haben,)-431(wer)-395(er)-394(eigentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(ist?)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.153 0 Td [(\034)]TJ -3.197 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-725(habe)-725(in)-725(der)-725(Tat)-725(von)-725(Stefensons)-725(Anwesenheit)-725(in)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Waltersburg)-219(nicht)-219(das)-219(mindeste)-219(gewu\337t,)-225(sondern)-219(w\344hrend)-219(all)-218(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Monate)-255(mit)-255(Stefenson)-255(nach)-255(Amerika)-255(telegraphisch)-255(und)-254(brieflich)]TJ 0 -13.549 Td [(verhandelt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.775 0 Td [(\034)]TJ -36.819 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-232(kennen)-232(doch)-233(aber)-232(die)-232(Schrift)-232(Ihres)-232(Kompagnons?)]TJ/F24 10.9091 Tf 231.014 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.377 0 Td [(fragte)]TJ -255.19 -13.549 Td [(der)-287(Beamte)-287(weiter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.455 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Waren)-287(die)-287(amerikanischen)-287(Briefe)-288(in)-287(dieser)]TJ -92.299 -13.549 Td [(Schrift)-250(geschrieben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.367 0 Td [(\034)]TJ -77.412 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ -39.382 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-250(ist)-250(das)-250(m\366glich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.811 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(wurde)-250(der)-250(Verhaftete)-250(gefragt.)]TJ -104.226 -13.958 Td [(Der)-250(zuckte)-250(die)-250(Achseln)-250(und)-250(sagte)-250(verbindlich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(ist)-250(Gesch\344ftsgeheimnis!)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.222 0 Td [(\034)]TJ -129.066 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-411(werden)-412(der)-411(Sache)-412(auf)-411(den)-411(Grund)-412(gehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 204.074 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-452(entgegnete)]TJ -225.717 -13.549 Td [(der)-478(Beamte)-479(ernst,)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.471 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(und)-478(Ihnen)-479(zeigen,)-535(da\337)-478(hier)-479(kein)-478(Ort)-478(f\374r)]TJ -92.314 -13.549 Td [(Maskeraden)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.077 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.122 -13.958 Td [(Da)-349(wurde)-349(zum)-349(Gl\374ck)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.657 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Herr)-349(Steiner)]TJ/F24 10.9091 Tf 54.698 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-374(unser)-349(Geheimpolizist,)]TJ -176.997 -13.55 Td [(gemeldet.)-460(Der)-321(Kommissar)-320(verneigte)-320(sich)-320(tief)-320(vor)-320(Piesecke)-320(und)]TJ 0 -13.549 Td [(darauf)-223(mit)-224(etwa)-223(zehn)-223(Prozent)-223(dieser)-224(Verneigung)-223(vor)-223(uns)-223(anderen)]TJ 0 -13.549 Td [(insgesamt)-250(und)-250(sagte:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1218 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1219 0 R +/Resources 1217 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +1220 0 obj << +/D [1218 0 R /XYZ 255.797 395.005 null] +>> endobj +1217 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1224 0 obj << +/Length 1554 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(234)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-469(Rat,)-523(es)-468(ist)-469(mir)-468(soeben)-469(auf)-468(meine)-469(gestrige)-469(Meldung)]TJ -16.799 -13.549 Td [(von)-735(der)-735(zust\344ndigen)-735(Staatsanwaltschaft)-735(der)-734(telegraphische)]TJ 0 -13.549 Td [(Bescheid)-274(zugegangen,)-281(da\337)-274(der)-274(gesuchte)-275(Wiczorek)-274(vorgestern)-274(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Braunschweig)-336(verhaftet)-335(worden,)-358(da\337)-335(seine)-336(Identit\344t)-335(festgestellt)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([301])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(ist)-480(und)-480(auch)-481(bereits)-480(ein)-480(Gest\344ndnis)-480(vorliegt.)-941(Ich)-480(bitte)-480(also,)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-460(Knecht)-459(Ignaz)-460(Scholz)-459(aus)-460(der)-459(Haft)-460(zu)-459(entlassen,)-512(da)-459(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-323(Verdacht,)-342(der)-323(zu)-323(seiner)-323(Verhaftung)-323(f\374hrte,)-341(als)-323(unbegr\374ndet)]TJ 0 -13.549 Td [(erwiesen)-250(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.557 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -45.601 -13.549 Td [(Stefenson)-645(l\344chelte)-645(freundlich.)-1436(Der)-645(Richter)-645(machte)-645(ein)]TJ -11.956 -13.55 Td [(entt\344uschtes)-250(Gesicht.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Es)-330(gab)-330(noch)-331(allerlei)-330(Formelkram)-330(zu)-330(erledigen,)-350(dann)-330(wurden)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wir)-250(alle,)-250(Stefenson)-250(eingeschlossen,)-250(entlassen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1223 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1224 0 R +/Resources 1222 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +1225 0 obj << +/D [1223 0 R /XYZ 260.802 477.528 null] +>> endobj +1222 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1226 0 obj +<< /S /GoTo /D (index27) >> +endobj +1229 0 obj +(Aufklaerungen) +endobj +1232 0 obj << +/Length 3569 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([302])]TJ/F16 18.9589 Tf -203.357 -67.818 Td [(Aufkl\344rungen)]TJ/F16 10.9091 Tf -87.667 -35.921 Td [(Auf)-395(der)-396(Stra\337e)-395(trat)-395(der)-395(Kommissar)-395(an)-396(den)-395(Prinzen)-395(heran)-395(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.249 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-277(bitte)-278(Ew.)-331(Hoheit)-278(untert\344nigst)-277(um)-277(Verzeihung)-277(wegen)-278(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Behelligung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.062 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -44.106 -14.249 Td [(Hoheit)-250(legte)-250(dem)-250(Manne)-250(huldvoll)-250(die)-250(Hand)-250(auf)-250(die)-250(Schulter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.249 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mein)-271(Lieber,)-275(ich)-271(hab)-270(gar)-271(nischt)-270(gegen)-271(Sie.)-311(Aber)-271(tun)-270(Sie)-271(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf -16.799 -13.549 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(nen)-365(Gefallen:)-481(reisen)-365(Sie)-365(ab.)-596(Sie)-365(sind)-365(hier)-366(\374brig.)-595(Lenken)-365(Sie)]TJ -3.633 -13.55 Td [(mal)-199(die)-198(Aufmerksamkeit)-199(des)-199(Ministers)-198(auf)-199(den)-199(Prinzen)-198(Emanuel.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-248(scheint)-247(mir)-248(ein)-248(lockeres)-248(Huhn)-247(und)-248(der)-248(Beaufsichtigung)-247(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(bed\374rftig)-232(zu)-231(sein.)-244(Er)-231(ist)-232(gegenw\344rtig)-231(in)-232(Syrakus.)-244(Sie)-231(haben)-231(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Ahnung,)-246(Mann,)-246(wie)-245(sch\366n)-245(es)-245(in)-245(Syrakus)-244(ist.)-249(Da)-245(machen)-245(Sie)-244(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(mal)-250(n\374tzlich!)-250(Gl\374ckliche)-250(Reise)-250(und)-250(viel)-250(Vergn\374gen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -216.491 -14.249 Td [(Der)-250(Kommissar)-250(reiste)-250(ab)-250(...)]TJ 0 -14.25 Td [(Mich)-518(ging)-518(das)-518(alles)-518(kaum)-518(etwas)-518(an.)-1054(Ich)-518(dachte)-518(nur)-518(an)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Stefenson.)-568(Er)-356(war)-356(zun\344chst)-356(nach)-356(seiner)-356(Zelle)-356(zur\374ckgegangen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-524(hatte)-523(uns)-524(durch)-524(einen)-523(Gerichtsdiener)-524(sagen)-523(lassen,)-592(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(m\366chten)-626(im)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.742 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hotel)-626(Bristol)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.771 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.669 0 Td [(auf)-626(ihn)-625(warten.)-1377(Nach)-626(einer)]TJ -140.025 -13.549 Td [(reichlichen)-670(Stunde)-670(kam)-670(er.)-1511(In)-670(mir)-670(war)-670(inzwischen)-670(das)]TJ 0 -13.55 Td [(Gef\374hlsbarometer)-454(hinaufgeschnellt)-455(und)-454(heruntergest\374rzt,)-505(vom)]TJ 0 -13.549 Td [(Glutwetter)-229(der)-229(Bewunderung)-229(bis)-229(zum)-229(Regensturm)-229(der)-229(Wut)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.735 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.953 0 Td [(hin)]TJ/F16 7.9701 Tf 24.336 0 Td [([303])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(und)-214(her,)-220(her)-214(und)-213(hin.)-238(Ich)-214(konnte)-213(diesem)-214(unberechenbaren)-213(Manne)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen\374ber)-268(niemals)-268(zu)-268(ruhiger)-268(Beurteilung)-268(kommen.)-304(Schlie\337lich)]TJ 0 -13.549 Td [(beschlo\337)-250(ich,)-250(ihm)-250(offene)-250(Feindschaft)-250(anzusagen.)]TJ 11.956 -14.249 Td [(Als)-390(er)-390(kam)-390(und)-391(sein)-390(Glas)-390(Sherry)-390(bestellt)-390(hatte,)-425(sagte)-390(er)-390(so)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ruhig,)-458(als)-416(ob)-416(er)-416(eine)-416(eben)-416(abgebrochene)-416(Unterhaltung)-416(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(aufnehme:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1231 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1232 0 R +/Resources 1230 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +99 0 obj << +/D [1231 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1227 0 obj << +/D [1231 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1233 0 obj << +/D [1231 0 R /XYZ 212.57 148.137 null] +>> endobj +1230 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1236 0 obj << +/Length 5189 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(236)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dieser)-828(Redakteur)-828(von)-828(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.731 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Neust\344dter)-828(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.493 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.665 0 Td [(ist)]TJ -270.321 -13.549 Td [(ein)-581(schwerf\344lliger)-580(Kopf.)-1242(Nicht)-581(mal)-581(richtig)-580(stenographisch)]TJ 0 -13.549 Td [(aufnehmen)-459(kann)-459(der)-459(Pinsel.)-877(In)-459(meinem)-459(Artikel)-459(von)-458(gestern)]TJ 0 -13.549 Td [(abend)-250(waren)-250(mehrere)-250(Dummheiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.317 0 Td [(\034)]TJ -144.361 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.266 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.389 0 Td [(Sie)-452(haben)-453(den)-452(Artikel)-452(\374ber)-453(Ihre)-452(Verhaftung)-452(in)-453(der)]TJ -45.454 -13.549 Td [(Umschau)-250(selbst)-250(geschrieben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.455 0 Td [(\034)]TJ -116.499 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-300(selbstverst\344ndlich.)-369(Der)-289(Trunkenbold)-290(kann)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.881 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s)-290(doch)-289(nicht.)]TJ -224.313 -13.549 Td [(Als)-335(ich)-335(so)-335(unerwartet)-335(verhaftet)-335(werden)-334(sollte,)-357(bin)-335(ich)-334(zun\344chst)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-335(der)-335(Redaktion)-335(des)-335(feindlichen)-335(Blattes)-335(gegangen,)-356(hab)-335(dort)]TJ 0 -13.55 Td [(einen)-291(Artikel)-291(diktiert)-290(\050und)-291(nat\374rlich)-291(auch)-291(bezahlt\051)-291(und)-291(bin)-290(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-319(dem)-318(Bahnhof)-319(hinaus)-318(und)-319(hab)-319(mich)-318(da)-319(festnehmen)-318(lassen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Der)-157(Artikel)-156(\374ber)-157(die)-157(Verhaftung)-156(war)-157(eher)-157(fertig)-156(als)-157(die)-156(Verhaftung)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst.)-478(Das)-327(ist)-326(man)-326(doch)-326(in)-326(solchem)-326(Fall)-326(seinem)-326(Unternehmen)]TJ 0 -13.549 Td [(schuldig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.698 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -27.743 -14.04 Td [(Das)-323(Barometer)-323(stieg)-323(wieder.)-469(Aber)-323(es)-323(lag)-323(noch)-323(eine)-323(schwere)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Depression)-250(\374ber)-250(mir,)-250(und)-250(ich)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-227(glaube)-227(nicht)-228(gerade)-227(begriffsstutzig)-227(zu)-227(sein;)-235(aber)-227(Ihre)-228(Art,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sich)-196(zu)-195(geben)-196(und)-195(zu)-196(handeln,)-207(ist)-195(so)-196(\374beraus)-195(merkw\374rdig,)-207(da\337)-195(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-381(mehr)-382(mitkann,)-414(sondern)-381(Ihnen)-382(aufs)-381(ernsthafteste)-381(erkl\344ren)]TJ 0 -13.549 Td [(mu\337)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.306 0 Td [(\034)]TJ -18.351 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ein)-250(Extrablatt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -154.093 0 Td [([304])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.04 Td [(Ein)-250(Bote)-250(st\374rmte)-250(ins)-250(Zimmer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bitte,)-250(lesen)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.393 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(Stefenson)-250(ruhig.)]TJ -81.808 -14.04 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.193 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Neust\344dter)-407(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.901 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.283 0 Td [(vertrieb)-407(ein)-407(Extrablatt.)-721(Es)-407(war)]TJ -139.175 -13.549 Td [(ungef\344hr)-244(ein)-244(halbes)-244(Quadratmeter)-244(gro\337)-244(und)-244(enthielt)-244(in)-243(Fettdruck)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(Nachricht:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(E)-200(h)-200(r)-200(e)-200(n)-200(e)-200(r)-200(k)-200(l)-200(\344)-200(r)-200(u)-200(n)-200(g)-200(.)]TJ -4.844 -14.04 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.958 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Neust\344dter)-294(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.667 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-305(immer)-294(bem\374ht,)-304(ohne)-294(nach)-294(rechts)]TJ -129.846 -13.549 Td [(oder)-240(links)-239(zu)-240(schauen,)-241(lediglich)-240(der)-239(Wahrheit)-240(die)-239(Ehre)-240(zu)-239(geben,)]TJ 0 -13.549 Td [(erkl\344rt:)-776(Die)-514(gestrige)-513(Verhaftung)-513(des)-513(Waltersburger)-513(Knechts)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-454(zu)-453(Unrecht)-454(erfolgt.)-861(Der)-454(als)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.165 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Raubm\366rder)-454(Wiczorek)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.887 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.581 0 Td [(von)]TJ -264.266 -13.55 Td [(einem)-613(\374bereifrigen)-612(Beamten)-613(\050dessen)-613(amtliche)-612(Ma\337regelung)]TJ 0 -13.549 Td [(bevorsteht!!\051)-553(hier)-351(auf)-351(dem)-351(Bahnhof)-351(verhaftete)-351(Mann)-350(war)-351(kein)]TJ 0 -13.549 Td [(anderer)-267(als)-266(der)-267(geniale)-266(Gr\374nder)-267(der)-267(Kuranstalt)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.348 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ferien)-267(vom)-266(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.016 0 Td [(\030)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1235 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1236 0 R +/Resources 1234 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +1237 0 obj << +/D [1235 0 R /XYZ 93.543 243.198 null] +>> endobj +1234 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1240 0 obj << +/Length 4961 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(237)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(selbst,)-377(Herr)-351(John)-351(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.797 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.286 0 Td [(oder,)-376(wie)-352(er)-351(in)-351(Begeisterung)-351(f\374r)]TJ -136.083 -13.549 Td [(sein)-231(angestammtes)-230(reines)-231(Deutschtum)-231(sich)-230(jetzt)-231(mit)-230(Bewilligung)]TJ 0 -13.549 Td [(unserer)-426(Beh\366rden)-426(nennt,)-470(Herr)-426(Stefan!)-778(Dieser)-425(Multimillion\344r,)]TJ 0 -13.549 Td [(dessen)-293(Einflu\337)-292(in)-293(Amerika)-293(unbegrenzt)-292(ist,)-304(hat)-292(in)-293(der)-292(dem\374tigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Gestalt)-525(eines)-525(Bauernknechts)-525(\050nicht)-525(als)-525(Kurgast\051)-525(den)-524(ganzen)]TJ 0 -13.549 Td [(Sommer)-421(\374ber)-420(in)-421(Waltersburg)-421(gelebt,)-463(alle)-421(Lasten,)-463(M\374hen)-420(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Zur\374cksetzungen)-621(des)-622(von)-621(ihm)-622(gew\344hlten)-621(geringen)-621(Standes)]TJ 0 -13.549 Td [(getragen,)-231(um)-226(unerkannt)-226(die)-226(Probe)-226(auf)-226(sein)-226(gigantisches)-225(Exempel)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-545(machen,)-618(um)-545(als)-544(Fremdling,)-619(selbst)-544(von)-545(seinem)-544(n\344chsten)]TJ 0 -13.55 Td [(Freunde)-342(unerkannt,)-365(von)-342(unten)-343(her)-342(sein)-342(Werk)-342(zu)-342(pr\374fen.)-526(Diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Pr\374fung)-305(ist)-304(so)-305(gl\374cklich)-304(ausgefallen,)-318(da\337)-305(Stefan)-304(mit)-305(Freuden)-304(in)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-374(irrt\374mlich)-375(verh\344ngte)-374(Haft)-374(ging.)-623(Den)-374(Neust\344dter)-374(Beh\366rden)]TJ 0 -13.549 Td [(zollt)-267(er)-267(f\374r)-267(ihre)-267(Gewissenhaftigkeit)-267(alle)-267(verdiente)-267(Anerkennung.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([305])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(Heute)-223(morgen)-223(neuneinhalb)-223(Uhr)-223(stellte)-223(sich)-223(bei)-223(den)-223(Beh\366rden)-223(der)]TJ 0 -13.55 Td [(unbegr\374ndete)-210(Verdacht)-210(heraus.)-236(Der)-210(wahre)-210(Josef)-210(Wiczorek)-210(sitzt)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.175 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.549 Td [(laut)-200(amtlicher)-200(Depesche)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.523 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.639 0 Td [(in)-200(Braunschweig)-200(in)-201(Untersuchung;)-217(der)]TJ -114.162 -13.549 Td [(bei)-290(uns)-289(Verhaftete)-290(wurde)-290(nicht)-289(nur)-290(von)-289(dem)-290(leitenden)-290(Arzt)-289(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Waltersburg,)-400(sondern)-370(auch)-369(von)-370(Sr.)-610(Hoheit)-370(dem)-370(Prinzen)-369(Ernst)]TJ 0 -13.549 Td [(Friedrich)-234(von)-235(...)-245(als)-234(Herr)-235(Stefenson)-234(identifiziert.)-245(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.738 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Neust\344dter)]TJ -233.371 -13.55 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.203 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-431(deren)-395(Devise)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.565 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Ehre)-395(und)-394(Wahrheit)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.165 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.939 0 Td [(ist,)-431(scheut)-395(sich)]TJ -213.138 -13.549 Td [(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.461 0 Td [(\023)]TJ/F19 10.9091 Tf 9.097 0 Td [(errare)-334(humanum)-334(est)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.947 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.098 0 Td [(ihren)-334(gestrigen)-334(Artikel)-334(Wort)-334(f\374r)]TJ -137.603 -13.549 Td [(Wort)-250(zur\374ckzunehmen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.392 0 Td [(\034)]TJ -90.437 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Diesen)-454(Artikel)-455(haben)-454(Sie)-454(wohl)-455(auch)-454(diktiert?)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.704 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.8 0 Td [(fragte)-454(der)]TJ -236.302 -13.549 Td [(Prinz.)]TJ 11.955 -14.531 Td [(Stefenson)-250(nickte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-358(direkt)-336(dem)-336(Setzer.)-508(Ich)-336(hab)-336(noch)-336(die)-336(Korrektur)-337(gelesen,)]TJ -16.798 -13.55 Td [(ehe)-250(ich)-250(hierherkam.)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.334 0 Td [(\034)]TJ -74.379 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-305(sind)-305(ein)-304(smarter)-305(Kerl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.494 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.169 0 Td [(sagte)-305(Hoheit)-305(voll)-304(Anerkennung.)]TJ/F24 10.9091 Tf -139.461 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nu)-437(sagen)-437(Si)1(e)-437(mir)-437(blo\337,)-437(was)-436(haben)-437(Sie)-437(gegen)-437(mich)-436(gehabt?)]TJ -4.843 -13.549 Td [(Warum)-367(haben)-368(Sie)-367(mich)-367(immer)-368(so)-367(miserabel)-367(behandelt?)-602(Noch)]TJ 0 -13.549 Td [(gestern)-351(haben)-351(Sie)-351(mich)-351(auf)-351(den)-351(Mist)-351(geworfen,)-376(direkt)-351(auf)-351(den)]TJ 0 -13.55 Td [(Mist.)-250(Ist)-250(das)-250(anst\344ndig?)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.025 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.07 -14.531 Td [(Stefenson)-219(zuckte)-219(die)-219(Schultern.)-240(Dann)-219(sagte)-219(er)-219(mit)-219(aufrichtiger)]TJ -11.955 -13.549 Td [(W\344rme:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1239 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1240 0 R +/Resources 1238 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +1241 0 obj << +/D [1239 0 R /XYZ 203.124 355.585 null] +>> endobj +1238 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1244 0 obj << +/Length 5359 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(238)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehen)-625(Sie)-624(mal,)-719(lieber)-624(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 157.799 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.269 0 Td [(ich)-625(m\366chte)-624(Sie)-625(der)]TJ -186.867 -13.549 Td [(Einfachheit)-427(halber)-427(noch)-426(mal)-427(so)-427(nennen)]TJ/F24 10.9091 Tf 184.265 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(,)-471(ich)-427(hab)-427(gar)-427(nichts)]TJ -189.719 -13.549 Td [(gegen)-304(Sie)-304(gehabt!)-412(Im)-304(Gegenteil!)-412(Sie)-304(haben)-304(mir)-304(besser)-304(gefallen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-373(mehr)-373(imponiert)-373(als)-373(die)-373(meisten)-372(anderen.)-619(Nur,)-404(da\337)-373(Sie)-372(so)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([306])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(hinter)-253(meiner)-254(Braut)-253(her)-254(waren,)-254(das)-254(konnte)-253(ich)-254(mir)-253(nicht)-253(gefallen)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.389 0 Td [(\034)]TJ -17.434 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hinter)-250(Ihrer)-250(Braut?)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.607 0 Td [(\034)]TJ -88.451 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-398(also)-368(sagen)-368(wir:)-486(hinter)-368(der)-368(Forellenhof-Hanne!)-604(Mit)-369(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(werde)-250(ich)-250(mich)-250(heute)-250(oder)-250(morgen)-250(verloben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 195.404 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -183.449 -15.087 Td [(Piesecke)-250(prustete)-250(los)-250(und)-250(sagte)-250(lachend:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also)-323(Ignaz)-322(oder)-323(Stefan)-322(oder)-323(Wiczorek)-322(oder)-323(Stefenson)-323(oder)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wie)-414(Sie)-414(sonst)-414(hei\337en)-414(m\366gen)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.477 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.97 0 Td [(mir)-414(ist)-414(ja)-414(das)-414(ganz)-413(egal)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.741 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(,)-455(da)]TJ -262.643 -13.549 Td [(werden)-239(Sie)-238(kein)-238(Gl\374ck)-239(haben!)-246(Die)-239(Hanne)-238(mag)-239(keinen;)-242(nicht)-238(mal)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(Herrn)-250(Doktor)-250(da)-250(hat)-250(sie)-250(gemocht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.509 0 Td [(\034)]TJ -152.554 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Also)-342(haben)-342(Sie)-342(doch)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.724 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(?)]TJ/F24 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.573 0 Td [(fragte)-342(Stefenson)-342(mit)-341(einem)-342(Blick)]TJ -132.394 -13.549 Td [(auf)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gar)-430(nichts)-430(habe)-430(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.413 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-475(sagte)-430(ich)-430(zornig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.256 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gar)-430(nichts!)-790(Im)]TJ -209.155 -13.55 Td [(\374brigen)-449(m\366chte)-450(ich)-449(um)-449(einige)-450(kurze)-449(Aufschl\374sse)-449(bitten,)-499(von)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-389(es)-389(abh\344ngen)-389(wird,)-424(ob)-389(ich)-389(noch)-389(l\344nger)-389(an)-388(diesem)-389(Tisch)]TJ 0 -13.549 Td [(sitzenbleibe)-250(oder)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.498 0 Td [(\034)]TJ -89.543 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Oho)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.513 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(oho!)-250(Also,)-250(was)-250(ist)-250(aufzuschlie\337en?)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.788 0 Td [(\034)]TJ -186.327 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Waren)-250(Sie)-250(der)-250(Journalist)-250(Brown,)-250(der)-250(im)-250(Mai)-250(zu)-250(uns)-250(kam?)]TJ/F24 10.9091 Tf 251.17 0 Td [(\034)]TJ -256.014 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-272(nat\374rlich)-268(war)-268(ich)-267(der!)-304(Aber)-267(Sie)-268(h\344tten)-268(mich)-268(doch)-268(damals)]TJ -16.799 -13.549 Td [(beinahe)-244(erkannt.)-249(Deshalb)-244(habe)-244(ich)-245(ja)-244(meine)-245(Maske)-244(ge\344ndert)-244(und)]TJ 0 -13.55 Td [(bin)-250(als)-250(Knecht)-250(Ignaz)-250(wiedergekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.596 0 Td [(\034)]TJ -161.641 -15.087 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-421(kamen)-420(Sie)-421(damals)-420(dazu,)-463(mir)-421(den)-420(seltsamen)-421(Brief)-421(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(geben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.895 0 Td [(\034)]TJ -18.94 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na,)-312(den)-299(hatte)-299(ich)-299(doch)-299(selbst)-300(geschrieben,)-311(in)-299(der)-300(Annahme,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-731(mit)-732(den)-731(beiden)-731(M\344dchen)-732(zu)-731(treffen.)-1694(W\344re)-731(meine)]TJ 0 -13.549 Td [(Voraussetzung)-429(nicht)-430(zugetroffen,)-474(so)-430(h\344tte)-429(ich)-430(eben)-429(den)-429(Brief)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([307])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(in)-250(der)-250(Tasche)-250(behalten.)-250(Das)-250(war)-250(doch)-250(nur)-250(Bluff.)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.64 0 Td [(\034)]TJ -197.685 -15.088 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-247(konnten)-247(Sie)-247(aber)-246(in)-247(der)-247(ganzen)-247(Zeit)-247(Briefe)-247(aus)-247(Amerika)]TJ -16.799 -13.549 Td [(an)-250(mich)-250(schreiben,)-250(da)-250(Sie)-250(doch)-250(bei)-250(uns)-250(waren?)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.891 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1243 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1244 0 R +/Resources 1242 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1221 0 R +>> endobj +1245 0 obj << +/D [1243 0 R /XYZ 268.846 477.528 null] +>> endobj +1246 0 obj << +/D [1243 0 R /XYZ 331.317 108.328 null] +>> endobj +1242 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1249 0 obj << +/Length 5090 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(239)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-276(gibt)-276(Kabel,)-282(lieber)-275(Freund,)-283(durch)-275(die)-276(man)-276(anordnen)-276(kann,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(was)-250(zu)-250(schreiben)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.284 0 Td [(\034)]TJ -78.328 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-762(Ihre)-762(Handschrift?)-1786(Ich)-762(bekam)-762(fast)-762(alle)-762(Briefe)]TJ -16.799 -13.549 Td [(handschriftlich,)-250(nur)-250(wenige)-250(in)-250(Maschinenschrift.)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.084 0 Td [(\034)]TJ -200.128 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-407(da)-375(habe)-376(ich)-375(in)-376(einem)-375(meiner)-376(B\374ros)-375(einen)-376(Spezialisten,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(der)-315(meine)-315(Handschrift)-315(so)-315(t\344uschend)-315(nachmachen)-315(kann,)-331(da\337)-315(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(selbst)-437(nicht)-437(zu)-437(unterscheiden)-436(vermag,)-484(was)-437(von)-437(mir)-437(oder)-436(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihm)-416(geschrieben)-416(ist.)-747(Ein)-416(goldehrlicher)-416(Mann,)-458(einem)-415(anderen)]TJ 0 -13.549 Td [(d\374rfte)-341(man)-341(die)-342(Aus\374bung)-341(der)-341(\344u\337erst)-341(gef\344hrlichen)-341(Kunst)-341(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(gestatten.)-1085(Na,)-598(sehen)-529(Sie,)-598(es)-528(gibt)-529(f\374r)-528(einen)-528(Gro\337kaufmann)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-537(mich)-537(t\344glich)-537(mindestens)-537(zwei)-537(Dutzend)-537(Anl\344sse,)-608(wo)-537(er)]TJ 0 -13.55 Td [(handschriftlich)-251(schreiben)-251(mu\337:)-251(an)-251(Verwandte)-251(und)-251(gute)-251(Freunde,)]TJ 0 -13.549 Td [(wo)-358(Maschinenschrift)-359(zu)-358(kalt)-358(wirkt;)-413(an)-358(Gesch\344ftsgenossen,)-385(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-315(man)-314(intime)-315(Dinge)-315(verhandeln)-314(will,)-331(die)-315(kein)-314(Angestellter)]TJ 0 -13.549 Td [(wissen)-397(darf;)-471(an)-398(alle)-397(Leute,)-434(die)-397(etwas)-398(darauf)-397(geben,)-434(wenn)-397(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(vielbesch\344ftigter)-422(Mann)-423(sich)-422(die)-422(M\374he)-423(und)-422(Zeit)-422(nimmt,)-465(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(handschriftlichen)-410(Brief)-411(zu)-410(senden;)-490(schlie\337lich)-411(an)-410(alle)-410(offenen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-198(verkappten)-199(Autographenj\344ger)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.085 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.618 0 Td [(f\374r)-198(sie)-199(alle)-198(ist)-198(Mister)-198(Jenkins)]TJ -157.703 -13.549 Td [(da,)-322(und)-308(er)-308(machte)-308(seine)-307(Sache)-308(f\374r)-308(zweitausend)-308(Dollar)-308(im)-307(Jahre)]TJ 0 -13.549 Td [(geschickt)-521(und)-522(reell.)-1064(Er)-522(hat)-521(auch)-522(in)-521(Ihrem)-522(Falle)-521(sehr)-521(brav)]TJ 0 -13.549 Td [(gearbeitet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.742 0 Td [(\034)]TJ -33.786 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gro\337artig!)-832(Gro\337artig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.169 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.687 0 Td [(klatschte)-444(der)-444(Prinz)-444(in)-444(die)-444(H\344nde.)]TJ -127.655 -13.549 Td [(Mein)-342(Barometer)-341(aber)-342(fiel)-342(auf)-341(Sturm.)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.088 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-342(Verh\344ltnis)-341(zu)-342(Bauer)]TJ -174.932 -13.549 Td [(Barthel)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.117 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-403(sagte)-372(ich)-373(kalt,)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.482 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(brauchen)-372(Sie)-373(mir)-372(nun)-372(nicht)-373(mehr)-372(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf 174.739 0 Td [([308])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(erkl\344ren.)-665(Er)-389(hat)-388(gewu\337t,)-423(wer)-389(Sie)-388(waren,)-423(deshalb)-389(hielt)-388(er)-388(Sie,)]TJ 0 -13.55 Td [(deshalb)-305(log)-305(er,)-319(er)-305(kenne)-305(Sie)-305(von)-305(Jugend)-305(auf;)-332(deshalb)-305(hat)-305(er)-305(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sogar)-250(gestern)-250(nicht)-250(verraten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.6 0 Td [(\034)]TJ -111.644 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stimmt!)-245(Aber)-233(das)-234(d\374rfen)-234(Sie)-234(dem)-234(Barthel)-234(nicht)-234(\374belnehmen.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Wir)-803(haben)-802(ein)-803(schriftliches)-802(Abkommen,)-941(laut)-803(dessen)-802(er)]TJ 0 -13.55 Td [(f\374nfhundert)-286(Mark)-286(an)-286(mich)-286(h\344tte)-286(zahlen)-286(m\374ssen,)-295(falls)-286(er)-286(mich)-285(je)]TJ 0 -13.549 Td [(verraten)-278(h\344tte.)-335(Denken)-279(Sie)-278(mal)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.704 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.491 0 Td [(f\374nfhundert)-278(Mark!)-335(Es)-279(ist)-278(klar,)]TJ -148.195 -13.549 Td [(da\337)-250(sich)-250(da)-250(Barthel)-250(lieber)-250(einsperren)-250(l\344\337t.)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.473 0 Td [(\034)]TJ -169.517 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hat)-250(sonst)-250(noch)-250(jemand)-250(auf)-250(dem)-250(Forellenhof)-250(Sie)-250(gekannt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.265 0 Td [(\034)]TJ -255.109 -14.368 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein.)-250(Auch)-250(Susanne)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.651 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1248 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1249 0 R +/Resources 1247 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1250 0 obj << +/D [1248 0 R /XYZ 207.1 204.089 null] +>> endobj +1247 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1254 0 obj << +/Length 4853 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(240)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-286(ist)-287(mir)-286(lieb.)-360(Aber)-286(der)-287(Direktor)-286(Br\374ning)-287(hat)-286(Sie)-287(gekannt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-410(sich)-409(wahrscheinlich)-410(st)1(ets)-410(heimlich)-409(mit)-410(Ihnen)-409(besprochen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Deshalb)-348(erschienen)-348(mir)-348(alle)-348(seine)-348(Anordnungen)-348(immer)-348(so)-348(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihrem)-250(Geiste)-250(diktiert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 93.622 0 Td [(\034)]TJ -81.666 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auch)-371(das)-372(ist)-371(richtig.)-614(Ich)-371(war)-372(nur)-371(der)-371(lange)-372(Ignaz,)-401(aber)-372(in)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Wirklichkeit)-400(leitete)-400(ich)-401(die)-400(ganze)-400(Anstalt)-400(durch)-400(den)-400(Direktor.)]TJ 0 -13.549 Td [(Wir)-276(hatten)-277(alle)-276(Tage)-276(eine)-276(kleine)-277(Konferenz.)-329(Ich)-276(war)-276(immer)-276(von)]TJ 0 -13.55 Td [(allem)-415(unterrichtet.)-744(Au\337er)-414(Barthel)-415(und)-415(dem)-414(Direktor)-415(hat)-414(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(niemand)-341(gewu\337t,)-364(wer)-341(ich)-341(war,)-364(nicht)-341(mal)-341(die)-341(kleine)-341(Luise,)-363(und)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(ist)-250(mir)-250(schwer)-250(geworden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.549 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -115.593 -14.777 Td [(Seine)-567(Augen)-566(schimmerten)-567(warm)-567(bei)-566(dem)-567(Gedenken)-566(des)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Kindes,)-207(und)-196(das)-196(Wort,)-207(das)-196(ich)-196(\374ber)-196(sei)1(ne)-196(Abgefeimtheit)-196(sprechen)]TJ 0 -13.549 Td [(wollte,)-250(unterblieb.)-250(So)-250(sagte)-250(ich)-250(nur)-250(k\374hl)-250(und)-250(gemessen:)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([309])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.712 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wollen)-475(Sie)-475(mir)-474(sagen,)-531(Herr)-475(Stefenson,)-531(warum)-475(Sie)-475(diese)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ganze)-250(Kom\366die)-250(mit)-250(uns)-250(gespielt)-250(haben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.218 0 Td [(\034)]TJ -162.263 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kom\366die?)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.67 0 Td [(verwunderte)-442(er)-443(sich;)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.136 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wieso)-442(Kom\366die?)-828(Darf)]TJ -175.896 -13.55 Td [(in)-410(den)-410(Ferien)-410(vom)-410(Ich)-409(nicht)-410(jeder)-410(auftreten,)-450(wie)-410(er)-410(will?)-729(Ist)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-493(nicht)-494(Ihre)-493(eigene)-493(Idee?)-980(Und)-493(was)-494(meinen)-493(Sie,)-554(was)-493(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-547(von)-547(dieser)-547(Idee,)-621(die)-546(mir)-547(gefiel)-547(und)-547(f\374r)-547(die)-547(ich)-546(viel)]TJ 0 -13.549 Td [(Geld)-312(gewagt)-312(habe,)-328(gehabt)-312(h\344tte,)-328(wenn)-312(ich)-312(als)-312(Mister)-312(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(dageblieben)-558(w\344re?)-1172(Der)-558(Direktor)-557(w\344re)-558(ich)-557(gewesen,)-634(einen)]TJ 0 -13.55 Td [(langweiligen)-469(Verwaltungsposten)-468(h\344tte)-469(ich)-469(gehabt,)-523(nichts)-468(von)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-278(Zauber)-278(trauten)-278(Geborgenseins,)-285(den)-278(unsere)-278(Anstalt)-277(spendet,)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344tte)-489(ich)-489(genie\337en)-490(k\366nnen.)-967(Nein,)-549(am)-489(eigenen)-489(Leibe)-489(wollte)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-327(ausprobieren,)-347(wie)-327(es)-328(tut,)-347(wenn)-327(man)-327(Ferien)-328(macht)-327(vom)-327(Ich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Deshalb)-381(wurde)-380(ich)-380(Bauernknecht.)-642(Ich)-380(habe)-381(mich)-380(wohlgef\374hlt)]TJ 0 -13.549 Td [(als)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.141 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(langer)-369(Ignaz)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.511 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(,)-398(ich)-369(habe)-368(beobachtet,)-399(erlauscht,)-398(gepr\374ft)-368(von)]TJ -78.918 -13.55 Td [(unten)-271(her,)-277(was)-271(an)-272(unserer)-271(Sache)-271(ist,)-277(ob)-271(sie)-272(absurd,)-276(phantastisch,)]TJ 0 -13.549 Td [(unfruchtbar,)-306(oder)-295(ob)-295(sie)-295(im)-295(Kern)-295(echt)-295(und)-295(gut)-294(ist,)-307(und)-295(ich)-294(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-243(Gl\374ck)-242(zu)-243(sehen,)-244(da\337)-242(wir)-243(auf)-242(dem)-243(richtigen)-242(Wege)-243(sind.)-247(Nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-216(die)-216(gute)-216(gesch\344ftliche)-216(Bilanz,)-223(die)-216(ich)-216(erwartet)-216(hatte,)-223(hat)-216(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(belehrt,)-464(da\337)-421(ich)-421(mich)-421(unserer)-421(Gr\374ndung)-421(freuen)-421(darf,)-463(sondern)]TJ 0 -13.55 Td [(das,)-368(was)-345(ich)-345(sah)-345(und)-344(h\366rte,)-369(als)-345(ich)-344(unerkannt)-345(mitten)-345(unter)-344(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Ferieng\344sten)-250(war.)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.553 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1253 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1254 0 R +/Resources 1252 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1255 0 obj << +/D [1253 0 R /XYZ 93.543 350.752 null] +>> endobj +1256 0 obj << +/D [1253 0 R /XYZ 264.595 310.028 null] +>> endobj +1252 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1259 0 obj << +/Length 4569 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(241)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(haben)-250(auch)-250(mich)-250(pr\374fen)-250(wollen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.055 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(sagte)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -171.468 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-208(auch)-198(Sie!)-232(Ganz)-198(nat\374rlich.)-233(Ich)-197(werde)-198(wieder)-198(nach)-198(Amerika)]TJ -16.799 -13.549 Td [(zur\374ck)-319(m\374ssen,)-337(weil)-319(leider)-319(meine)-320(Ferien)-319(aus)-319(sind,)-337(und)-319(ich)-319(will)]TJ 0 -13.549 Td [(wissen,)-423(wem)-388(ich)-388(das)-389(Werk)-388(hier,)-423(ich)-388(kann)-388(sagen)-388(den)-388(Liebling)]TJ 0 -13.55 Td [(unter)-465(all)-466(meinen)-465(Unternehmungen,)-519(den)-466(einzigen)-465(Ausflug)-465(ins)]TJ 0 -13.549 Td [(Romantische,)-439(den)-402(ich)-401(je)-402(gemacht)-401(habe,)-440(hinterlasse.)-704(Ich)-401(kann)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([310])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ruhig)-405(scheiden.)-714(Ich)-405(werde)-405(jetzt)-404(wirklich)-405(hin\374bergehen.)-714(Weil)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-415(mu\337!)-415(Weil)-415(mich)-415(die)-414(Pflicht)-415(ruft.)-745(Ich)-415(wei\337,)-415(das)-415(Heim)-414(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-318(guten)-319(H\344nden.)-455(Und)-318(eines,)-335(lieber)-318(Freund,)-336(vergesse)-318(ich)-318(Ihnen)]TJ 0 -13.55 Td [(mein)-282(Lebtag)-282(nicht.)-347(Es)-282(gab)-282(einen)-283(Sommerabend,)-290(an)-282(dem)-282(Sie)-282(die)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nde)-265(ausstreckten)-265(nach)-265(der)-264(sch\366nen)-265(Hanne.)-295(An)-265(diesem)-264(Abend)]TJ 0 -13.549 Td [(fanden)-196(Sie)-195(meinen)-196(Brief,)-206(in)-196(dem)-196(ich)-195(Ihnen)-196(sagte,)-206(da\337)-196(ich)-195(Fr\344ulein)]TJ 0 -13.549 Td [(Eva)-273(Bunkert,)-279(die)-274(Forellenhof-Hanne,)-279(als)-273(meine)-273(Braut)-273(betrachte.)]TJ 0 -13.549 Td [(Und)-334(seit)-334(diesem)-334(Abend)-334(sind)-334(Sie)-334(dem)-334(M\344dchen)-334(aus)-334(dem)-333(Wege)]TJ 0 -13.55 Td [(gegangen.)-565(Sehen)-355(Sie,)-381(das)-355(habe)-355(ich)-355(auch)-355(nur)-355(als)-355(Knecht)-355(Ignaz)]TJ 0 -13.549 Td [(erfahren)-278(k\366nnen,)-285(da\337)-278(ich)-278(an)-278(Ihnen)-278(so)-278(einen)-278(treuen)-278(Freund)-278(habe.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-250(allein)-250(lohnt)-250(ein)-250(halbes)-250(Jahr)-250(Bauernarbeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 198.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -186.491 -13.549 Td [(Er)-318(sprach)-318(mit)-317(gro\337er,)-335(ehrlicher)-318(W\344rme.)-453(Ich)-318(aber)-318(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.889 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)]TJ -266.688 -13.549 Td [(t\344uschen)-347(sich.)-542(Ich)-348(h\344tte)-347(das)-347(M\344del)-348(zu)-347(gewinnen)-347(gesucht;)-396(aber)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-286(wu\337te,)-295(da\337)-287(sie)-286(immer)-286(nur)-286(an)-286(Sie)-287(dachte,)-295(da\337)-286(Ihnen)-286(ihr)-286(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(geh\366rt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.6 0 Td [(\034)]TJ -18.644 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-465(das)-464(m\366glich?)-894(Ist)-465(das)-464(m\366glich?)-894(Fr\344ulein)-465(Hanne)-465(will)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wirklich)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.269 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -35.313 -13.549 Td [(Der)-373(Prinz)-373(sank)-374(in)-373(sich)-373(zusammen.)-620(Er)-373(war)-373(pl\366tzlich)-373(wieder)]TJ -11.956 -13.55 Td [(vollst\344ndig)-250(Piesecke.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 163.64 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 147.437 Td [(Es)-389(ist)-389(noch)-389(viel)-389(geredet)-389(worden;)-458(ich)-389(wei\337)-389(nicht)-389(mehr,)-423(was)]TJ -11.956 -13.549 Td [(alles.)-545(Schlie\337lich)-348(habe)-348(ich)-348(Stefenson)-348(recht)-349(geben)-348(m\374ssen,)-372(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-365(sich)-364(unerkannt)-365(unter)-364(unser)-365(kurioses)-364(V\366lklein)-365(mischte.)-593(Was)]TJ 0 -13.549 Td [(sollte)-271(er)-270(sich)-270(nicht)-271(\374berzeugen,)-276(wie)-270(seine)-271(Gr\374ndung)-270(wirkte?)-311(Ich)]TJ 0 -13.55 Td [(\374berwand)-388(meinen)-388(Unmut,)-423(so)-388(gut)-388(ich)-388(konnte,)-422(aber)-388(ein)-388(Stachel)]TJ 0 -13.549 Td [(blieb,)-298(da\337)-289(Barthel)-288(und)-289(der)-289(Direktor)-288(mehr)-289(gewu\337t)-288(hatten)-289(als)-288(ich.)]TJ 0 -13.549 Td [(Eine)-299(Freundschaft)-300(zwischen)-299(Stefenson)-299(und)-300(mir)-299(wollte)-299(ich)-299(nicht)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([311])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1258 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1259 0 R +/Resources 1257 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1260 0 obj << +/D [1258 0 R /XYZ 161.358 450.429 null] +>> endobj +1261 0 obj << +/D [1258 0 R /XYZ 70.033 66.142 null] +>> endobj +1257 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1264 0 obj << +/Length 4994 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(242)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(mehr)-250(gelten)-250(lassen.)]TJ 11.956 -15.186 Td [(Piesecke)-343(schlich)-343(sich)-344(ins)-343(Heim)-343(zur\374ck,)-366(ohne)-344(uns.)-529(Er)-343(wollte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(weiterhin)-343(Piesecke)-344(sein,)-366(und)-344(vergebens)-343(zerbrachen)-343(sich)-343(unsere)]TJ 0 -13.549 Td [(Kurg\344ste)-531(die)-530(K\366pfe,)-601(wer)-531(der)-530(in)-531(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.692 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-531(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.25 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(genannte)-448(Prinz)-449(sein)-448(m\366ge.)-845(Der)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.091 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Verdacht)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.982 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.735 0 Td [(blieb)-448(schlie\337lich)]TJ -206.652 -13.549 Td [(auf)-299(einem)-299(Referendar)-299(sitzen,)-311(der)-299(im)-299(Grundhof)-299(wohnte)-299(und)-298(sich)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-521(Rolle)-521(des)-520(heimlichen)-521(Herzogs)-521(wohlgefallen)-521(lie\337.)-520(Dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Referendar)-299(lehnte)-300(alle)-299(grobe)-300(Arbeit)-299(von)-299(nun)-300(an)-299(ab.)-398(Die)-299(Damen)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-518(entz\374ckt)-519(\374ber)-518(seine)-519(hocharistokratischen)-518(H\344nde.)-1055(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(r\374hmten)-296(die)-296(edle)-295(Zur\374ckhaltung)-296(in)-296(Ton)-296(und)-295(Geb\344rde,)-308(die)-295(G\374te,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-265(nie)-266(zur)-265(Vertraulichkeit)-265(wird,)-269(sondern)-266(immer)-265(G\374te)-265(bleibt,)-269(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Sprache,)-415(die)-383(trotz)-382(ihres)-382(leise)-383(verschleierten)-382(Timbers)-382(und)-382(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(entgegenkommenden)-371(Art)-371(doch)-372(unabweisbare)-371(Befehle)-371(gibt,)-401(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen,)-430(die)-394(so)-393(wissend,)-430(so)-394(durch)-394(den)-394(H\366henblick)-394(von)-393(Jugend)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-545(gesch\344rft)-545(zu)-545(blicken)-545(wu\337ten;)-692(sie)-545(r\374hmten)-545(selbst)-544(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Nonchalancen,)-340(die)-321(sich)-322(eben)-322(nur)-321(der)-322(unter)-322(dem)-321(Kronenhimmel)]TJ 0 -13.55 Td [(Geborene)-370(gestattet.)-609(Dieser)-370(Mann)-370(lachte)-370(und)-370(l\344chelte)-370(nicht;)-429(er)]TJ 0 -13.549 Td [(zuckte)-463(nur)-462(mit)-463(den)-463(Mundwinkeln.)-888(Er)-462(sagte)-463(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.812 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.785 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.891 0 Td [(zu)]TJ -270.332 -13.549 Td [(irgendeinem)-380(Verlangen,)-413(sondern)-381(dieses)-380(Verlangen)-380(erstarb)-380(von)]TJ 0 -13.549 Td [(selbst)-510(vor)-510(einem)-510(einzigen)-510(Faltenw\366lkchen,)-575(das)-510(sich)-510(auf)-510(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Stirn)-288(des)-288(Hohen)-287(bildete;)-307(er)-288(konnte)-287(aber)-288(auch)-288(durch)-288(ein)-287(einziges)]TJ 0 -13.549 Td [(freundliches)-197(Lidersenken)-197(gew\344hren,)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.542 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 7.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.993 0 Td [(sagen,)-208(wie)-197(kein)-197(anderer)]TJ -179.255 -13.55 Td [(Mensch)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.266 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 7.877 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(zu)-250(sagen)-250(vermag.)]TJ -45.601 -15.185 Td [(Keine)-930(Erziehung)-930(f\374hrt)-929(zu)-930(solcher)-930(Haltung.)-2289(Kein)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Empork\366mmling)-487(kann)-487(sie)-486(erlernen.)-960(Rasse!)-961(Vererbung)-486(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Herreninstinkten)-567(durch)-568(Jahrhunderte!)-1202(Das)-568(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 217.098 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(s!)-1202(Und)-568(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -293.486 0 Td [([312])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(heimliche)-420(Herzog)-419(ging)-420(in)-419(schlichter,)-462(leutseliger)-420(W\374rde)-419(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-256(Gewimmel)-255(aller)-256(derer,)-257(die)-256(ihm)-255(t\344glich)-256(in)-256(den)-255(Weg)-256(zu)-255(laufen)]TJ 0 -13.549 Td [(wu\337ten.)-513(Er)-338(empfing)-337(keine)-338(Besuche)]TJ/F24 10.9091 Tf 162.424 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.138 0 Td [(er)-338(erteilte)-337(Audienzen;)-382(er)]TJ -171.562 -13.55 Td [(plauderte)-250(nicht)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.866 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(er)-250(hielt)-250(Cercle.)]TJ -64.092 -15.185 Td [(Mir)-466(machte)-466(alles)-466(dies)-466(so)-466(viel)-466(Spa\337,)-466(da\337)-466(ich)-466(den)-465(Direktor)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ersuchte,)-214(dem)-205(heimlichen)-205(Herzog)-205(noch)-205(auf)-205(weitere)-205(zwei)-205(Wochen)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-246(wesentlich)-246(erleichterten)-246(Zahlungsbedingungen)-246(zu)-246(gew\344hren;)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-636(der)-636(Referendar)-637(hatte)-636(bisher)-636(nur)-636(gelegentlich)-636(geringe)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1263 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1264 0 R +/Resources 1262 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1265 0 obj << +/D [1263 0 R /XYZ 93.543 176.172 null] +>> endobj +1262 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1268 0 obj << +/Length 4744 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(243)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Remunerationen)-529(genossen,)-598(und)-529(sein)-529(Vater,)-599(der)-529(ein)-528(biederer)]TJ 0 -13.549 Td [(Sattlermeister)-250(war,)-250(hatte)-250(auch)-250(nicht)-250(viel)-250(Geld)-250(\374brig.)]TJ 11.956 -15.659 Td [(Das)-322(alles)-322(hatte)-323(mit)-322(ihrem)-322(Artikel)-322(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.01 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Neust\344dter)-322(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.977 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(getan.)-250(An)-250(Piesecke)-250(dachte)-250(kein)-250(Mensch)-250(...)]TJ 11.956 -15.659 Td [(Barthel,)-384(der)-358(Heimt\374cker,)-384(war)-358(inzwischen)-357(auch)-358(aus)-357(der)-357(Haft)]TJ -11.956 -13.549 Td [(entlassen)-210(worden.)-236(Er)-210(lie\337)-209(sich)-210(bei)-209(mir)-210(melden,)-218(aber)-209(es)-210(wurde)-209(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(gesagt,)-322(ich)-307(sei)-307(nicht)-307(zu)-308(sprechen.)-421(Da)-308(kam)-307(er)-307(nach)-307(einer)-307(Stunde)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-250(seiner)-250(Susanne)-250(wieder.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.659 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Herr)-434(Doktor)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.631 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-481(sagte)-434(Susanne)-435(mit)-434(kirschrotem)-435(Kopf,)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.761 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(da\337)]TJ -264.878 -13.549 Td [(er)-391(ein)-391(Lump)-391(ist,)-426(wei\337)-391(ich.)-673(Unsern)-391(guten)-391(Herrn)-391(Doktor)-391(so)-390(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(beschwindeln)-416(wegen)-416(lumpiger)-416(tausend)-416(Taler,)-457(die)-416(er)-416(jetzt)-415(von)]TJ 0 -13.55 Td [(Ignaz,)-334(der)-317(ja)-316(Stefenson)-317(gewesen)-317(ist,)-334(Schweigegeld)-317(kriegt.)-450(Was)]TJ 0 -13.549 Td [(soll)-275(uns)-274(das)-275(Geld?)-323(Was)-275(geht)-275(uns)-274(Herr)-275(Stefenson)-274(an?)-324(Wir)-274(halten)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-337(an)-336(unseren)-337(guten)-336(Herrn)-337(Doktor.)-509(Aber)-336(was)-337(das)-336(schlimmste)]TJ 0 -13.549 Td [(ist,)-264(mich)-261(hat)-260(er)-261(auch)-261(beschwindelt)-261(mit)-261(dem)-261(langen)-261(Ignaz.)-283(So)-260(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Lump!)-573(Sein)-357(eigenes)-358(Weib)-358(bel\374gt)-357(er.)-573(Ich)-358(hab)-357(ihm)-358(nie)-357(getraut,)]TJ 0 -13.55 Td [(nie)-386(im)-385(Leben!)-658(Nicht)-385(\374ber)-386(den)-386(Weg!)-657(Aber)-385(jetzt)-386(la\337)-386(ich)-385(mich)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([313])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.023 -13.549 Td [(scheiden;)-336(er)-308(hat)-308(gesessen,)-322(und)-308(mit)-307(einem)-308(Zuchth\344usler)-308(hat)-307(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(anst\344ndige)-250(Frau)-250(nichts)-250(zu)-250(tun.)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.592 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -118.637 -15.659 Td [(Was)-420(blieb)-421(mir)-420(\374brig,)-463(als)-421(f\374r)-420(den)-421(in)-420(erb\344rmlichem)-421(Zustand)]TJ -11.955 -13.549 Td [(dastehenden)-628(Barthel)-628(Partei)-629(zu)-628(ergreifen)-628(und)-628(der)-628(emp\366rten)]TJ 0 -13.549 Td [(Susanne)-389(gut)-390(und)-389(mild)-390(zuzureden?)-668(Sie)-390(wollte)-389(aber)-390(auf)-389(keinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Zuspruch)-255(h\366ren.)-267(Sie)-255(blieb)-256(dabei,)-257(sie)-255(m\374sse)-255(sich)-256(scheiden)-255(lassen,)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-250(er)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.229 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(gesessen)]TJ/F24 10.9091 Tf 38.171 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(habe.)-250(Schlie\337lich)-250(weinte)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf -62.859 -15.659 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-227(was)-227(er)-227(f\374r)-227(ein)-227(Liedrian)-227(ist,)-232(Herr)-227(Doktor!)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.657 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.32 0 Td [(schluchzte)-227(die)]TJ -218.775 -13.549 Td [(brave)-355(Frau.)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.986 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374r)-355(die)-355(tausend)-355(Taler,)-381(die)-355(er)-355(jetzt)-355(von)-355(Stefenson)]TJ -61.829 -13.55 Td [(kriegt,)-474(will)-429(er)-429(sich)-429(eine)-429(Dreschmaschine)-429(kaufen,)-474(wo)-429(ich)-429(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(doch)-541(sage,)-613(da\337)-541(er)-541(das)-540(Geld)-541(lieber)-541(in)-541(die)-541(Sparkasse)-540(tragen)]TJ 0 -13.549 Td [(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.49 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.613 0 Td [(Da)-254(erkannte)-254(ich,)-254(da\337)-254(das)-254(Barthelsche)-254(Ehegl\374ck)-254(noch)-254(nicht)]TJ -26.103 -13.549 Td [(hoffnungslos)-235(verloren)-234(war,)-238(und)-234(ich)-235(entlie\337)-235(die)-234(beiden,)-238(indem)-234(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(meines)-250(Wohlwollens)-250(versicherte.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 66.341 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +0 g 0 G +0 g 0 G +endstream +endobj +1267 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1268 0 R +/Resources 1266 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1269 0 obj << +/D [1267 0 R /XYZ 288.045 295.059 null] +>> endobj +1266 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1272 0 obj << +/Length 4532 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(244)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ich)-312(sa\337)-312(allein)-312(in)-312(meiner)-312(Klause.)-436(Ich)-312(war)-312(in)-312(einer)-311(Stimmung,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-492(ich)-491(nicht)-492(kannte.)-975(Wie)-491(war)-492(das,)-552(was)-492(ich)-491(in)-492(den)-491(letzten)]TJ 0 -13.549 Td [(vierundzwanzig)-584(Stunden)-585(erlebte)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.244 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.83 0 Td [(war)-584(das)-585(traurig,)-668(war)-584(es)]TJ -166.074 -13.549 Td [(komisch,)-226(war)-219(es)-219(erb\344rmlich?)-240(Sollte)-220(ich)-219(lachen,)-226(sollte)-219(ich)-219(z\374rnen?)]TJ 11.956 -14.041 Td [(Sollte)-250(mir)-250(das)-250(Herz)-250(weh)-250(tun,)-250(weil)-250(die)-250(blonde)-250(Hanne)-250(fortzog?)]TJ 0 -14.04 Td [(Sollte)-404(ich)-404(grollen,)-442(weil)-404(Stefenson)-404(dem)-404(Direktor)-404(und)-403(einem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Bauern)-365(mehr)-365(Vertrauen)-365(geschenkt)-365(hatte)-365(als)-365(mir,)-394(den)-365(er)-365(seinen)]TJ 0 -13.549 Td [(Freund)-250(nannte?)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Sollte)-276(ich)-277(mich)-276(\344rgern)-276(\374ber)-277(den)-276(Barthel,)-283(weil)-276(er)-276(profits\374chtig)]TJ -11.956 -13.55 Td [(gewesen)-250(war?)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([314])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.04 Td [(Es)-403(blieb)-404(ganz)-403(still)-404(in)-403(mir.)-710(Wahrscheinlich)-404(waren)-403(das)-403(alles)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ganz)-303(gute,)-315(liebe)-303(Leute.)-408(Nur)-302(das)-303(Leben)-302(sch\374ttelte)-303(die)-302(Menschen)]TJ 0 -13.549 Td [(durcheinander,)-227(wie)-222(ein)-222(Kind)-222(die)-221(Steinchen)-222(sch\374ttelt,)-227(die)-222(es)-222(in)-221(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(S\344cklein)-200(gesammelt)-199(hat.)-233(Wenn)-200(es)-199(eine)-200(Reibung)-199(gibt,)-210(was)-199(schadet)]TJ 0 -13.549 Td [(es?)-245(Ein)-233(Kr\374mlein)-234(alter,)-237(weicher)-234(Heimaterde)-233(br\366ckelt)-234(ab,)-237(und)-233(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Stein)-343(schimmert)-344(durch,)-367(hart)-343(und)-344(widerstandslustig.)-530(Dem)-343(Stein)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-250(kann)-250(keine)-250(Reibung)-250(mehr)-250(schaden,)-250(kann)-250(ihn)-250(nur)-250(gl\344tten.)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Alte,)-443(weiche)-405(Heimaterde,)-444(wie)-404(du)-405(mich)-405(umsponnen)-404(hattest!)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Jedes)-319(K\344ferw\374rmlein)-319(konnte)-319(an)-319(dir)-319(zehren!)-457(Ich)-319(m\366chte)-319(dich)-319(ja)]TJ 0 -13.549 Td [(halten,)-462(denn)-420(du)-420(bist)-420(gut)-420(und)-420(weich,)-462(aber)-420(das)-420(Leben)-419(sch\374ttelt)]TJ 0 -13.55 Td [(zu)-409(hart.)-728(Doch)-409(ich)-409(bin)-410(getrost,)-449(ein)-409(gut)-409(Teil)-409(Kr\374mlein)-409(werden)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-266(bleiben,)-271(darauf)-266(will)-266(ich)-267(mich)-266(heimlich)-266(betten,)-271(und)-266(die)-266(glatte)]TJ 0 -13.549 Td [(Fl\344che)-373(wird)-374(nur)-373(nach)-373(au\337en)-373(sein)-374(...)-620(Als)-373(am)-373(n\344chsten)-373(Morgen)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-297(blonde)-296(Hanne)-297(in)-297(mein)-296(Zimmer)-297(trat,)-308(pochte)-297(mein)-297(Herz)-296(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(rascher,)-229(als)-224(k\344me)-224(eine)-223(Patientin.)-241(Wohl)-224(war)-224(das)-224(M\344dchen)-223(blasser,)]TJ 0 -13.55 Td [(als)-250(ich)-250(es)-250(je)-250(gesehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(kommen)-250(sich)-250(verabschieden,)-250(Eva?)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.542 0 Td [(\034)]TJ -172.385 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-250(In)-250(zwei)-250(Stunden)-250(f\344hrt)-250(dr\374ben)-250(in)-250(Neustadt)-250(mein)-250(Zug)-250(ab.)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -259.952 -14.04 Td [(Wir)-360(schwiegen)-361(beide.)-581(Pl\366tzlich)-361(begann)-360(Eva)-361(laut)-360(und)-360(heftig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zu)-396(weinen.)-687(Ich)-395(h\344tte)-396(hingehen)-396(m\366gen,)-432(um)-395(\374ber)-396(ihre)-396(Stirn)-395(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(streichen;)-250(aber)-250(ich)-250(tat)-250(es)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eva,)-382(Sie)-356(wissen,)-382(da\337)-356(Stefenson)-356(hier)-356(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 179.852 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.336 0 Td [(da\337)-356(er)-355(die)-356(ganze)]TJ -205.987 -13.549 Td [(Zeit)-250(hier)-250(war?)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.233 -14.04 Td [(Sie)-250(nickte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1271 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1272 0 R +/Resources 1270 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1251 0 R +>> endobj +1273 0 obj << +/D [1271 0 R /XYZ 93.543 392.381 null] +>> endobj +1270 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1276 0 obj << +/Length 4894 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(245)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(hat)-250(wohl)-250(mit)-250(Ihnen)-250(gesprochen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 153 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.843 -14.25 Td [(Da)-250(stand)-250(sie)-250(auf.)-250(Tr\344nenlos,)-250(zornig)-250(sagte)-250(sie:)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([315])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-411(er)-380(hat)-379(mit)-379(mir)-379(gesprochen.)-638(Er)-379(war)-379(so)-379(dreist,)-411(mich)-380(um)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meine)-387(Hand)-388(zu)-387(bitten.)-662(Ein)-387(halbes)-387(Jahr)-387(lang)-388(hat)-387(er)-387(neben)-387(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(gewohnt,)-222(ohne)-214(da\337)-214(ich)-215(ihn)-214(kannte,)-222(hat)-214(mich)-215(beobachtet,)-221(belauert,)]TJ 0 -13.55 Td [(gepr\374ft,)-220(ob)-212(ich)-212(wohl)]TJ/F24 10.9091 Tf 89.637 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.77 0 Td [(der)-212(hohen)-213(Ehre)-212(w\374rdig)-212(sei,)-220(seine)-212(Gattin)-212(zu)]TJ -97.407 -13.549 Td [(werden,)-328(ob)-312(ich)-312(nicht)-312(am)-312(Ende)-312(ein)-313(kokettes,)-327(leichtfertiges)-312(Weib)]TJ 0 -13.549 Td [(sei,)-270(das)-266(heut)-265(dem,)-270(morgen)-266(jenem)-266(zul\344chelt;)-273(er)-266(hat)-266(diese)-265(Pr\374fung)]TJ 0 -13.549 Td [(angestellt,)-390(weil)-361(ich)-362(beim)-362(Theater)-362(bin,)-389(weil)-362(ich)-362(keine)-362(der)-361(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(hermetischem)-210(Verschlu\337)-210(stehenden)-210(Misses)-210(von)-210(Neuyork)-210(bin,)-218(die)]TJ 0 -13.55 Td [(heimlich)-293(oft)-293(liederlich)-293(genug)-293(sind;)-315(er)-293(hat)-293(mich,)-303(ohne)-293(da\337)-293(ich)-293(es)]TJ 0 -13.549 Td [(wu\337te,)-208(gepr\374ft,)-207(und)-197(ist)-197(nun)-197(so)-197(gn\344dig,)-207(mir)-197(zu)-197(sagen:)-224(du)-197(hast)-196(deine)]TJ 0 -13.549 Td [(Pr\374fung)-202(bestanden.)-234(Aber)-203(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.812 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.661 0 Td [(ich)-202(werfe)-202(ihm)-203(sein)-202(Diplom)-202(vor)-202(die)]TJ -133.473 -13.549 Td [(F\374\337e!)-249(Was)-248(ist)-247(denn)-248(die)-248(Liebe?)-249(Liebe)-248(ist)-247(doch)-248(blindes)-247(Vertrauen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Welcher)-221(Mann)-220(hat)-221(denn)-221(eine)-220(Garantie?)-241(Das)-220(M\344dchen,)-227(der)-220(Vater,)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-241(Mutter,)-243(alle)-241(Muhmen)-241(und)-241(Vettern)-241(k\366nnen)-241(ihn)-241(bel\374gen,)-242(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-202(wollen,)-212(er)-202(ist)-202(machtlos)-202(dagegen.)-234(Der)-202(Mann)-202(mu\337)-202(das)-202(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(sehen,)-365(er)-341(mu\337)-342(wie)-342(von)-341(einer)-342(himmlischen)-342(Erleuchtung)-341(gef\374hrt)]TJ 0 -13.549 Td [(sagen:)-232(Du)-214(bist)-213(rein,)-221(ich)-214(lege)-213(meine)-214(Ehre)-214(und)-213(mein)-214(Gl\374ck)-214(in)-213(deine)]TJ 0 -13.549 Td [(H\344nde.)-250(Sonst)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.088 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -57.132 -14.251 Td [(Sie)-250(sank)-250(weinend)-250(auf)-250(den)-250(Stuhl)-250(zur\374ck.)]TJ 0 -14.25 Td [(Hochauf)-337(loderte)-336(der)-337(glimmende)-337(Funke)-336(meiner)-337(Liebe)-336(wieder)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zu)-219(diesem)-220(sch\366nen)-219(M\344dchen,)-225(als)-219(ich)-220(so)-219(sein)-219(ehrliches)-219(weibliches)]TJ 0 -13.549 Td [(Empfinden)-256(sah.)-266(In)-256(pl\366tzlicher)-255(M\374digkeit)-255(st\374tzte)-256(ich)-255(den)-256(Kopf)-255(in)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(H\344nde.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Ich)-301(zwang)-300(die)-301(Welle)-300(in)-301(meinem)-300(Herzen.)-402(Es)-300(wurde)-301(ganz)-300(still)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-313(mir.)-438(Eine)-313(unheimliche,)-328(aber)-313(gro\337e)-313(Stille.)-438(Wie)-313(in)-313(der)-312(W\374ste.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nur)-405(von)-406(ferne)-405(h\366rte)-406(ich)-405(die)-406(Tr\344nen)-405(rinnen,)-445(wie)-405(Wasser)-405(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(fremden)-321(Oase.)-465(Ich)-321(h\344tte)-321(lange)-322(so)-321(mit)-322(dem)-321(aufgest\374tzten)-321(Haupt)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([316])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(sitzen)-247(m\366gen.)-250(Wieviel)-247(Zeit)-248(verging,)-248(wei\337)-247(ich)-247(nicht.)-250(Da)-247(h\366rte)-247(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(Evas)-250(Stimme.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haben)-250(Sie)-250(keinen)-250(guten)-250(Rat)-250(f\374r)-250(mich,)-250(lieber)-250(Freund?)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.563 0 Td [(\034)]TJ -235.406 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-567(Freund!)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.201 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.034 0 Td [(Unter)-567(allen)-568(Gestirnen,)-647(die)-567(an)-568(unserem)]TJ -97.034 -13.549 Td [(Himmel)-533(flimmern,)-605(ist)-533(dieses)-533(Wort)-533(wohl)-534(eines)-533(der)-533(hellsten.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1275 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1276 0 R +/Resources 1274 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +1277 0 obj << +/D [1275 0 R /XYZ 46.771 501.546 null] +>> endobj +1278 0 obj << +/D [1275 0 R /XYZ 185.511 135.291 null] +>> endobj +1274 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1282 0 obj << +/Length 4661 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(246)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Aber)-415(wenn)-414(es)-415(ein)-414(Weib)-415(sagt,)-456(das)-414(man)-415(liebt,)-456(bekommt)-414(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(Stern)-222(ein)-223(\374berwei\337es)-222(Licht,)-228(ist)-222(wie)-222(ein)-223(Schimmer)-222(aus)-222(einer)-222(Welt,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-250(in)-250(Eisesk\344lte)-250(untergeht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warum)-315(sagen)-315(Sie)-315(nichts?)-445(Wissen)-315(Sie)-315(nicht)-315(einmal)-315(als)-316(Arzt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(etwas)-250(zu)-250(sagen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.277 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.321 -14.095 Td [(Da)-250(erhob)-250(ich)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wohl,)-207(liebe)-197(Eva!)-232(Ich)-197(glaube,)-207(ich)-197(kann)-197(Ihnen)-196(die)-197(Sache)-197(richtig)]TJ -16.799 -13.549 Td [(auseinandersetzen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.091 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -70.135 -14.094 Td [(Ich)-195(war)-195(\374ber)-195(mich)-195(selbst)-195(verwundert.)-232(Wie)-195(ein)-195(trockener,)-205(etwas)]TJ -11.956 -13.55 Td [(pedantischer)-250(Magister)-250(sprach)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehen)-389(Sie,)-425(Eva,)-424(Sie)-389(stecken)-390(zu)-389(tief)-390(in)-389(der)-389(Romantik!)-669(Sie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(denken)-162(sich)-163(den)-162(Freiersmann)-162(so)-163(wie)-162(Lohengrin,)-180(der)-162(als)-162(Fremdling)]TJ 0 -13.549 Td [(ans)-428(Ufer)-428(steigt,)-472(die)-428(Holde,)-473(die)-428(von)-428(aller)-428(Welt)-428(ge\344chtet)-427(wird,)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-438(der)-438(Hand)-437(nimmt)-438(und)-438(sagt:)-626(Frei)-437(aller)-438(Schuld)-438(ist)-438(Elsa)-437(von)]TJ 0 -13.549 Td [(Brabant.)-491(Und)-331(drei)-330(Minuten)-330(sp\344ter:)-411(Elsa,)-351(ich)-330(liebe)-330(dich!)-491(Unser)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-213(ist)-213(nicht)-213(von)-213(dieser)-213(Schwanenritterart,)-220(er)-213(f\344hrt)-213(auf)-213(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Passagierdampfer,)-186(ist)-170(hausbacken,)-186(n\374chtern,)-186(verf\344hrt)-169(vorsichtig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Verstellen)-326(Sie)-326(sich)-326(doch)-326(nicht,)-345(lieber)-326(Freund!)-478(Das)-326(ist)-326(doch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-250(Ihre)-250(Art,)-250(so)-250(zu)-250(sprechen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.687 0 Td [(\034)]TJ -120.732 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Doch,)-261(doch!)-275(Es)-259(ist)-258(ganz)-259(meine)-258(Art,)-261(so)-259(zu)-258(sprechen!)-276(Eva,)-261(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(will)-314(Ihnen)-315(ehrlich)-314(folgendes)-315(sagen:)-379(Stefenson)-314(hat)-315(nicht)-314(nur)-314(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(pr\374fen)-209(wollen,)-217(sondern)-209(auch)-210(mich,)-217(auch)-209(unsere)-209(ganze)-209(Anstalt.)-236(Er)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([317])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(sch\344tzt)-310(wahrscheinlich)-311(drei)-310(Dinge:)-371(Erstens)-311(das)-310(Geld,)-326(das)-310(er)-310(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-223(Unternehmen)-223(anlegt)-223(\050und)-223(das)-223(ist)-223(ihm)-223(als)-223(Kaufmann)-222(durchaus)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-469(\374belzunehmen\051,)-523(zweitens)-469(seine)-469(Gesch\344ftsfreunde,)-523(unter)]TJ 0 -13.549 Td [(denen)-251(er)-251(keine)-251(unf\344higen)-250(Gesellen)-251(haben)-251(will)-251(\050auch)-251(das)-251(ist)-250(ohne)]TJ 0 -13.55 Td [(weiteres)-415(zu)-414(billigen\051,)-456(und)-415(drittens)-414(die)-415(Liebe)-414(oder)-415(die)-415(Ehe,)-455(in)]TJ 0 -13.549 Td [(welcher)-320(Richtung)-320(er)-320(durchaus)-321(klar)-320(sehen)-320(will.)-460(Die)-320(Beurteilung)]TJ 0 -13.549 Td [(dieses)-356(dritten)-356(Punktes)-357(wage)-356(ich)-356(nicht,)-383(da)-356(ich)-356(von)-356(Liebe)-356(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(verstehe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.077 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -27.122 -14.095 Td [(In)-456(diesem)-456(Augenblick)-457(wurde)-456(die)-456(T\374r)-456(ge\366ffnet.)-869(Stefenson)]TJ -11.955 -13.549 Td [(erschien.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-256(bitte)-256(um)-255(Entschuldigung)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.127 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-257(sagte)-256(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.751 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)-256(versichere,)-257(da\337)]TJ -195.365 -13.549 Td [(ich)-276(an)-276(der)-276(T\374r)-276(nicht)-276(gehorcht)-276(habe.)-328(Ich)-276(entlasse)-276(Dienstm\344dchen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1281 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1282 0 R +/Resources 1280 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +1283 0 obj << +/D [1281 0 R /XYZ 268.578 229.823 null] +>> endobj +1280 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1286 0 obj << +/Length 4080 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Aufkl\344rungen)-18670(247)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ob)-311(solch)-312(schm\344hlicher)-311(Schw\344che.)-434(Aber)-312(der)-311(Herr)-312(Doktor)-311(hat)-311(so)]TJ 0 -13.549 Td [(deutlich)-188(gepredigt,)-201(da\337)-188(jedermann,)-200(der)-188(den)-188(ansto\337enden)-188(Korridor)]TJ 0 -13.549 Td [(entlang)-332(ging,)-353(Wort)-332(f\374r)-333(Wort)-332(verstehen)-332(mu\337te.)-497(Darf)-332(ich)-332(mir)-332(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Sache)-250(das)-250(Wort)-250(erlauben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.255 0 Td [(\034)]TJ -118.299 -16.187 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bitte!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.851 0 Td [(\034)]TJ -29.694 -16.186 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Erstens)-340(mal)-340(das)-340(Geld.)-520(Sch\366n!)-520(Ich)-340(sch\344tze)-340(es!)-520(Ich)-341(halte)-340(es)]TJ -16.799 -13.549 Td [(f\374r)-307(einen)-307(sehr)-307(guten)-307(Freund.)-422(F\374r)-307(einen,)-321(der)-307(nicht)-307(nur)-307(die)-307(Stube)]TJ 0 -13.549 Td [(ausm\366bliert)-324(und)-324(das)-324(Essen)-324(schafft,)-342(sondern)-324(auch)-324(f\374r)-324(einen,)-342(der)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-261(eine)-261(vern\374nftige)-262(K\366rperpflege)-261(g\366nnt,)-264(der)-261(die)-261(Theater)-261(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Museen)-267(aufschlie\337t,)-272(einen)-267(in)-267(der)-267(Welt)-268(herumf\374hrt,)-271(der)-267(gestattet,)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-435(gegen)-435(\344rmere)-435(Mitmenschen)-435(anst\344ndig)-435(zu)-435(benehmen,)-481(der)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-282(Doktor)-283(ruft,)-290(wenn)-282(man)-283(krank)-282(ist,)-290(und)-283(der)-282(einem)-282(schlie\337lich)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-347(Denkmal)-347(setzt,)-371(wenn)-346(sich)-347(kein)-347(Mensch)-347(um)-347(den)-346(Grabh\374gel)]TJ 0 -13.549 Td [(bek\374mmert,)-345(ja,)-344(f\374r)-326(den)-326(einzigen)-326(Freund,)-344(der)-326(einem,)-345(wenn)-325(man)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([318])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(zum)-367(Beispiel)-368(in)-367(der)-367(Wut)-367(eine)-367(Gewalttat)-368(begangen)-367(hat)-367(und)-367(ins)]TJ 0 -13.549 Td [(Zuchthaus)-281(oder)-281(sonst)-281(ins)-281(Elend)-281(gekommen)-281(ist,)-289(hinterher)-280(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-220(Hand)-220(reicht)-219(und)-220(zu)-220(einem)-220(ordentlichen)-220(Leben)-219(zur\374ckverhilft.)]TJ 0 -13.549 Td [(Ein)-509(gutes)-509(Bankdepot)-508(ist)-509(wirklich)-509(ein)-509(au\337erordentlich)-508(reeller)]TJ 0 -13.549 Td [(Freund.)-1105(Nur)-535(dumme)-535(Kerle)-535(und)-535(ver\344rgerte)-535(arme)-534(Schlucker)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnen)-250(es)-250(leugnen.)]TJ 11.956 -16.187 Td [(Zweitens:)-733(Gesch\344ftsfreunde)-491(d\374rfen)-492(noch)-491(eher)-492(in)-491(m\344\337igen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Grenzen)-536(unreell)-536(als)-536(dumm,)-608(r\374ckst\344ndig,)-607(faul)-536(oder)-536(sonstwie)]TJ 0 -13.549 Td [(borniert)-250(sein.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Drittens:)-215(Jeder)-181(Mensch,)-195(der)-181(ein)-181(Pferd)-181(kauft,)-195(das)-181(er)-180(\374bermorgen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(weiterverkaufen)-366(oder)-367(schlachten)-366(lassen)-366(kann,)-396(\374berlegt)-366(es)-366(nach)]TJ 0 -13.55 Td [(zwanzig)-376(R\374cksichten.)-629(Einer,)-408(der)-376(eine)-376(Frau)-376(nimmt,)-408(die)-376(er)-376(zeit)]TJ 0 -13.549 Td [(seines)-269(Lebens)-269(auf)-269(dem)-268(Halse)-269(beh\344lt,)-274(und)-269(der)-269(weniger)-268(vorsichtig)]TJ 0 -13.549 Td [(verf\344hrt,)-250(ist)-250(ein)-250(Dummian.)]TJ/F24 10.9091 Tf 115.44 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -103.484 -16.186 Td [(Stefenson)-190(brachte)-190(diese)-189(S\344tze)-190(ohne)-190(alle)-190(Gem\374tsbewegung)-189(vor,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(wie)-250(einer,)-250(der)-250(unwiderlegbare)-250(Behauptungen)-250(aufstellt.)]TJ 11.956 -16.186 Td [(Die)-250(blonde)-250(Eva)-250(hatte)-250(ihn)-250(bisher)-250(nicht)-250(angesehen.)]TJ 0 -16.187 Td [(Jetzt)-360(stand)-361(sie)-360(auf,)-388(blickte)-360(ihm)-361(voll)-360(in)-360(die)-361(Augen)-360(und)-360(sagte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(k\374hl:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1285 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1286 0 R +/Resources 1284 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +1287 0 obj << +/D [1285 0 R /XYZ 308.616 336.762 null] +>> endobj +1284 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1290 0 obj << +/Length 2652 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(248)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Alles,)-411(was)-379(Sie)-379(da)-379(sagen,)-412(ist)-379(nach)-379(Ihrer)-379(Meinung)-379(klug)-379(und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(richtig.)-242(Aber)-227(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.941 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.929 0 Td [(ich)-227(mag)-227(das)-226(nicht!)-243(Ich)-226(mag)-227(das)-227(alles)-227(ganz)-227(und)]TJ -81.87 -13.549 Td [(gar)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 42.109 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.153 -13.549 Td [(Sie)-250(verlie\337)-250(das)-250(Zimmer.)-250(Wir)-250(riefen)-250(ihr)-250(beide)-250(nach.)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(gab)-250(keine)-250(Antwort)-250(mehr.)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-263(ging)-262(langsam)-263(durch)-263(das)-262(Zimmer,)-266(z\374ndete)-263(sich)-262(eine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Zigarre)-250(an)-250(und)-250(sagte)-250(nach)-250(einer)-250(Weile:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(daneben)-250(gegangen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.24 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -206.794 0 Td [([319])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ganz)-250(daneben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.847 0 Td [(\034)]TJ -82.69 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(freuen)-250(sich)-250(wohl?)]TJ/F24 10.9091 Tf 94.222 0 Td [(\034)]TJ -99.065 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ach,)-250(ich)-250(kann)-250(nicht)-250(sagen,)-250(da\337)-250(ich)-250(ver\344rgert)-250(bin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.767 0 Td [(\034)]TJ -216.61 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(kann)-250(ich)-250(mir)-250(denken!)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.702 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -117.545 -13.549 Td [(Darauf)-282(z\374ndete)-282(auch)-283(ich)-282(mir)-282(eine)-282(Zigarre)-283(an,)-290(und)-282(wir)-282(setzten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(uns)-250(gegen\374ber)-250(und)-250(rauchten)-250(dicke)-250(Wolken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(war)-250(denn)-250(eigentlich)-250(los?)]TJ/F24 10.9091 Tf 128.454 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -140.868 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(sagte)-250(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.386 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(ein)-250(Mann,)-250(und)-250(sie)-250(ist)-250(ein)-250(Weib.)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.934 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1289 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1290 0 R +/Resources 1288 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +1291 0 obj << +/D [1289 0 R /XYZ 93.543 420.953 null] +>> endobj +1288 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1292 0 obj +<< /S /GoTo /D (index28) >> +endobj +1295 0 obj +(Vom Bruder und seiner Frau) +endobj +1298 0 obj << +/Length 3667 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([320])]TJ/F16 18.9589 Tf -260.057 -67.118 Td [(Vom)-259(Bruder)-260(und)-259(seiner)-259(Frau)]TJ/F16 10.9091 Tf -30.967 -35.221 Td [(Mit)-412(Eva)-412(Bunkert)-412(verlie\337)-412(uns)-413(auch)-412(die)-412(kleine)-412(Anneliese.)-736(Am)]TJ 0 -13.55 Td [(Abschiedsabend)-295(hatte)-295(sie)-295(sich)-295(nicht)-295(beteiligt.)-385(Es)-295(hie\337,)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.859 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(B\344rbel)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.084 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(sei)-319(nicht)-319(wohl)-318(und)-319(habe)-319(sich)-319(zeitig)-319(zur)-318(Ruhe)-319(gelegt.)-457(Wie)-318(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(Bruder)-322(mit)-322(dem)-322(M\344dchen)-323(stand,)-340(wu\337te)-322(ich)-322(nicht.)-466(Joachim)-322(war)]TJ 0 -13.549 Td [(verschlossener)-196(als)-197(je.)-232(Am)-196(Abend)-196(des)-197(Tages)-196(aber,)-207(da)-196(die)-196(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(abgereist)-250(waren,)-250(kam)-250(er)-250(zu)-250(mir.)]TJ 11.956 -14.11 Td [(Ganz)-331(unvermittelt)-331(sagte)-331(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.603 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fritz,)-351(ich)-331(m\366chte)-331(fort.)-493(Morgen)]TJ -142.402 -13.549 Td [(oder)-250(\374bermorgen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 77.552 0 Td [(\034)]TJ -65.597 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Fort?)-250(Wohin?)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.295 0 Td [(\034)]TJ -65.138 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wieder)-250(hin\374ber.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.887 0 Td [(\034)]TJ -75.73 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nach)-250(Amerika?)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.76 0 Td [(\034)]TJ -73.603 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.815 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -16.658 -14.11 Td [(Ich)-250(sah)-250(ihn)-250(schweigend)-250(an.)]TJ 0 -14.109 Td [(Da)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-391(hast)-390(wohl)-391(bemerkt,)-425(da\337)-391(ich)-390(eine)-391(Neigung)-390(f\374r)-391(Fr\344ulein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Anneliese)-243(hatte.)-247(Ich)-243(hoffte,)-244(es)-242(k\366nnte)-243(mir)-242(ein)-243(neues)-242(Gl\374ck)-243(in)-242(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimat)-296(erbl\374hen.)-389(Diese)-296(Hoffnung)-296(hat)-296(mich)-296(betrogen)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.209 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.685 0 Td [(wie)-296(alle)]TJ -245.894 -13.549 Td [(anderen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.255 0 Td [(\034)]TJ -25.299 -14.11 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-250(es)-250(aus)-250(zwischen)-250(euch?)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.48 0 Td [(\034)]TJ -116.323 -14.109 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-239(Das)-217(M\344dchen)-217(hing)-216(an)-217(mir,)-224(und)-216(es)-217(war)-217(alles)-217(verabredet)-217(f\374r)]TJ -16.799 -13.549 Td [(baldige)-293(Hochzeit.)-377(Da)-293(hielt)-293(ich)-292(mich)-293(gestern)-293(f\374r)-292(verpflichtet,)-303(ihr)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([321])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mein)-304(Leben)-304(zu)-303(schildern.)-412(Droben)-303(am)-304(Hange)-304(sind)-304(wir)-303(gewesen.)]TJ 0 -13.549 Td [(Da)-340(habe)-341(ich)-340(ihr)-340(das)-341(Schwere)-340(gesagt.)-521(Sie)-340(hat)-341(sehr)-340(geweint)-340(und)]TJ 0 -13.55 Td [(sich)-351(schwer)-352(von)-351(mir)-351(losgerissen;)-402(aber)-352(sie)-351(bleibt)-352(dabei,)-376(da\337)-351(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-244(geschiedenen)-244(Mann)-245(einer)-244(noch)-244(lebenden)-244(Frau)-244(nicht)-244(heiraten)]TJ 0 -13.549 Td [(d\374rfe.)-250(Du)-250(wei\337t)-250(wohl)-250(warum?)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.182 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1297 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1298 0 R +/Resources 1296 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +100 0 obj << +/D [1297 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1293 0 obj << +/D [1297 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1299 0 obj << +/D [1297 0 R /XYZ 243.043 133.888 null] +>> endobj +1296 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1302 0 obj << +/Length 4674 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(250)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-977(Ihre)-492(katholische)-493(Religion)-492(verbietet)-492(Anneliese)-493(solche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ehe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -7.735 -14.521 Td [(Er)-361(fing)-360(an)-361(zu)-361(toben,)-388(an)-361(den)-361(Ketten)-361(zu)-361(zerren)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.778 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.39 0 Td [(ich)-361(lie\337)-360(ihn)]TJ -229.124 -13.549 Td [(reden)-250(und)-250(toben.)]TJ 11.956 -14.521 Td [(Zuletzt)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-379(ich)-380(wei\337)-379(nicht)-380(einmal,)-411(ob)-380(dieses)]TJ/F24 10.9091 Tf 174.461 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.594 0 Td [(dieses)-379(Weib)-380(noch)]TJ -200.854 -13.55 Td [(lebt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.091 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -7.135 -14.52 Td [(Ich)-250(blieb)-250(still.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wei\337t)-250(du)-250(etwas)-250(von)-250(ihr?)-250(Wei\337t)-250(du,)-250(ob)-250(sie)-250(noch)-250(lebt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 228.752 0 Td [(\034)]TJ -233.595 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(lebt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.76 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.604 -14.52 Td [(Er)-256(st\366hnte.)-270(Ich)-256(merkte,)-258(wie)-257(sehns\374chtig)-256(er)-256(auf)-257(den)-256(Tod)-257(seiner)]TJ -11.955 -13.55 Td [(Frau)-250(gehofft)-250(hatte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.513 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(das)-250(Kind,)-250(wo)-250(ist)-250(es?)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.567 0 Td [(\034)]TJ -122.106 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(ist)-250(bei)-250(seiner)-250(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.931 0 Td [(\034)]TJ -108.775 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(habt)-250(ihr)-250(zugegeben?)-250(So)-250(gewissenlos)-250(seid)-250(ihr)-250(gewesen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 257.52 0 Td [(\034)]TJ -262.364 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(Kind)-250(ist)-250(wohl)-250(aufgehoben)-250(bei)-250(ihr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.342 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.186 -14.52 Td [(Er)-315(lachte)-316(rauh)-315(und)-315(ergo\337)-316(eine)-315(Flut)-315(schwerster)-316(Schimpfworte)]TJ -11.955 -13.549 Td [(\374ber)-346(seine)-346(Frau.)-537(Wieder)-346(lie\337)-345(ich)-346(ihn)-346(reden)-345(und)-346(toben.)-537(Zuletzt)]TJ 0 -13.55 Td [(stie\337)-250(er)-250(hervor:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wo)-250(h\344lt)-250(sich)-250(das)-250(Scheusal)-250(auf?)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.425 0 Td [(\034)]TJ -140.269 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Deine)-250(Frau?)-250(Das)-250(sage)-250(ich)-250(dir)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.6 0 Td [(\034)]TJ -158.444 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(m)-200(u)-200(\337)-200(t)-250(du)-250(mir)-250(sagen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 111.382 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -200.937 0 Td [([322])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.52 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-250(Joachim,)-250(ich)-250(sage)-250(es)-250(dir)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 158.76 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -163.604 -14.521 Td [(Er)-229(ballte)-229(die)-229(F\344uste)-230(und)-229(trat)-229(mit)-229(dem)-229(Fu\337)-229(auf.)-243(Dann)-229(lie\337)-229(er)-230(die)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Arme)-250(schlaff)-250(h\344ngen)-250(und)-250(sagte)-250(in)-250(feindseligem)-250(Ton:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.521 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gut!)-1145(Was)-548(ich)-548(wissen)-549(will,)-622(werde)-549(ich)-548(auch)-548(ohne)-549(dich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(erfahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.066 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -27.111 -14.521 Td [(Ohne)-316(Gru\337)-316(verlie\337)-315(er)-316(mich.)-448(Ich)-315(trat)-316(ans)-316(Fenster)-316(und)-316(sah)-316(ihn)]TJ -11.955 -13.549 Td [(unten)-332(\374ber)-333(die)-332(Wiese)-333(gehen.)-497(Das)-333(war)-332(der)-332(Mann,)-354(dem)-332(ich)-332(f\374nf)]TJ 0 -13.549 Td [(Jahre)-251(lang)-250(um)-251(die)-251(ganze)-251(Welt)-250(nachgereist)-251(war.)-252(Weil)-251(er)-251(der)-250(Sohn)]TJ 0 -13.55 Td [(meiner)-259(Mutter)-259(war.)-278(Nun)-259(w\374rde)-259(ich)-259(eine)-259(solche)-259(Familienaufgabe)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-362(mehr)-362(\374bernehmen.)-585(Ich)-362(\366ffnete)-362(nicht)-362(einmal)-362(das)-361(Fenster,)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-250(ihm)-250(nachzurufen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1301 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1302 0 R +/Resources 1300 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1279 0 R +>> endobj +1303 0 obj << +/D [1301 0 R /XYZ 93.543 216.691 null] +>> endobj +1300 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1306 0 obj << +/Length 5492 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(251)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ich)-327(setzte)-326(mich)-327(an)-326(den)-327(Schreibtisch)-327(und)-326(begann)-327(zu)-326(arbeiten.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Es)-346(ging)-345(schwer.)-538(Ich)-345(war)-346(von)-346(der)-345(Aufregung)-346(der)-346(letzten)-345(Nacht)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-287(des)-287(Tages)-287(ganz)-286(benommen.)-361(Es)-287(fiel)-287(mir)-287(ein,)-296(Joachim)-286(werde)]TJ 0 -13.549 Td [(nun)-302(wohl)-302(zur)-301(Mutter)-302(gehen.)-406(Aber)-301(die)-302(wu\337te)-302(ja)-302(auch)-302(nichts)-301(von)]TJ 0 -13.55 Td [(Katharina,)-277(die)-272(bei)-272(uns)-272(Magdalena)-271(hie\337,)-272(hatte)-272(keine)-272(Ahnung)-271(von)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-290(Anwesenheit)-290(hier)-291(im)-290(Heim.)-370(Es)-290(wurde)-291(sp\344t.)-370(Ich)-290(wollte)-290(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-236(meine)-236(letzte)-236(Zigarre)-236(ausrauchen,)-238(dann)-236(schlafen)-236(gehen.)-245(Wie)]TJ 0 -13.549 Td [(gleichm\374tig)-369(mich)-368(der)-368(Abschied)-369(des)-368(Bruders)-369(lie\337!)-368(Freilich,)-398(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-304(w\374rde)-304(wieder)-304(sehr)-304(mit)-303(mir)-304(z\374rnen.)-412(Aber)-304(ich)-304(konnte)-303(das)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-250(\344ndern.)-250(Ich)-250(war)-250(aller)-250(Familiensimpelei)-250(m\374de)-250(geworden.)]TJ 11.956 -13.899 Td [(Wie)-292(ich)-293(noch)-292(so)-292(still)-293(dasa\337,)-292(h\366rte)-292(ich)-293(auf)-292(einmal)-292(jemand)-292(den)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Korridor)-250(entlang)-250(eilen.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Die)-250(T\374r)-250(wurde)-250(aufgerissen.)]TJ 0 -13.899 Td [(Magdalena)-250(stand)-250(vor)-250(mir.)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([323])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(Mit)-559(wirrem)-559(Haar,)-636(in)-559(unordentlicher)-559(Kleidung.)-1176(Entsetzt.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Verst\366rt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Helfen)-186(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.691 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.487 0 Td [(helfen)-186(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.269 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.487 0 Td [(sie)-186(haben)-187(mir)-186(das)-186(Kind)-187(genommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.054 0 Td [(\034)]TJ -263.831 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was?)-250(Was)-250(sagst)-250(du,)-250(K\344the?)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.873 0 Td [(\034)]TJ -125.716 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(Kind)-250(haben)-250(sie)-250(mir)-250(genommen)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.949 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Luise)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.967 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(o)-250(Gott!)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.211 0 Td [(\034)]TJ -236.334 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wer)-250(hat)-250(es)-250(genommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.698 0 Td [(\034)]TJ -107.541 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.074 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.23 0 Td [(Joachim)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.135 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.23 0 Td [(er)-254(ist)-255(mit)-254(einem)-255(fremden)-254(Mann)-254(gekommen)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.708 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(sie)-206(haben)-207(das)-206(Kind)-206(fortgeschleppt)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.192 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.704 0 Td [(meine)-206(Luise)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.402 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.704 0 Td [(meine)-206(Luise!)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.785 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -13.9 Td [(Ich)-250(wollte)-250(die)-250(zitternde)-250(Frau)-250(auf)-250(einen)-250(Stuhl)-250(n\366tigen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-308(kommen)-296(Sie)-296(bald)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.898 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.687 0 Td [(sie)-296(haben)-297(mich)-296(ja)-296(in)-296(die)-297(Kammer)]TJ -133.384 -13.549 Td [(eingeschlossen)-302(gehabt)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.118 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.749 0 Td [(eine)-302(Stunde)-302(ist)-302(es)-302(wohl)-302(schon)-302(her,)-315(da\337)]TJ -109.867 -13.549 Td [(sie)-415(mit)-414(dem)-415(Kinde)-414(fort)-415(sind)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.195 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.977 0 Td [(ich)-415(habe)-414(die)-415(Kammert\374r)-414(nicht)]TJ -143.172 -13.549 Td [(aufgekriegt)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.408 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(kommen)-250(Sie)-250(schnell)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.211 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(schnell!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -182.564 -13.9 Td [(Die)-266(Frau)-266(schluchzte)-266(und)-267(zuckte)-266(in)-266(namenlosem)-266(Schmerz.)-298(Ich)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sah)-313(alles)-313(wie)-314(durch)-313(einen)-313(Schleier.)-440(Wie)-313(kam)-313(Joachim)-313(nach)-313(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Genovevenklause?)-250(Wer)-250(hatte)-250(ihm)-250(den)-250(Weg)-250(gewiesen?)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Pl\366tzlich)-258(wurde)-257(mir)-258(alles)-258(klar.)-273(Ich)-258(war)-258(unvorsichtig)-257(gewesen,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Joachim)-452(zu)-452(verraten,)-502(da\337)-451(Luise)-452(bei)-452(ihrer)-452(Mutter)-451(sei,)-503(und)-451(da)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-214(Mutter)-214(wu\337te,)-222(wo)-214(das)-214(Kind)-214(war,)-221(fanden)-214(sie)-214(auch)-214(die)-214(Frau.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Oh,)-238(ich)-236(Tor!)-245(Ich)-236(sah,)-238(da\337)-236(K\344the)-235(am)-236(Halse)-235(rote)-236(Striemen)-235(hatte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1305 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1306 0 R +/Resources 1304 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1307 0 obj << +/D [1305 0 R /XYZ 46.771 338.605 null] +>> endobj +1304 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1311 0 obj << +/Length 4673 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(252)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hat)-554(er)-553(dir)-554(etwas)-554(getan,)-629(K\344the?)-1161(Hat)-554(er)-553(dich)-554(etwa)-554(gar)]TJ -16.799 -13.549 Td [(geschlagen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.313 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -126.068 0 Td [([324])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(wei\337)-250(es)-250(nicht.)-250(Aber)-250(das)-250(Kind)-250(ist)-250(fort,)-250(das)-250(Kind)-250(ist)-250(fort!)]TJ/F24 10.9091 Tf 254.509 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -259.352 -14.78 Td [(Sie)-267(hatte)-266(wohl)-267(mit)-266(dem)-267(Manne)-266(gerungen,)-271(und)-267(er)-266(hatte)-267(sie)-266(mit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(irgendeinem)-237(Helfershelfer)-237(in)-238(die)-237(Kammer)-237(gesperrt)-237(und)-237(das)-237(Kind)]TJ 0 -13.549 Td [(entf\374hrt.)-393(Der)-298(brutale)-297(Kerl!)-393(Ein)-298(w\374tender)-298(Ha\337)-297(gegen)-298(ihn)-297(schlug)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(mir)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Erbarmen)-250(Sie)-250(sich,)-250(Herr)-250(Doktor,)-250(helfen)-250(Sie)-250(mir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.956 0 Td [(\034)]TJ -214.799 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nenn)-254(mich)-255(nicht)-254(Herr)-255(Doktor,)-255(K\344the,)-256(nenne)-254(mich)-254(Fritz!)-264(Wir)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sind)-250(Verwandte.)-250(Ich)-250(werde)-250(dir)-250(helfen,)-250(so)-250(gut)-250(ich)-250(irgend)-250(kann.)]TJ/F24 10.9091 Tf 267.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -255.557 -14.78 Td [(Dem\374tig)-371(und)-370(furchtsam)-371(wie)-371(ein)-370(gepr\374gelter)-371(Hund)-371(stand)-370(sie)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vor)-250(mir.)]TJ 11.956 -14.78 Td [(Ich)-250(zog)-250(mir)-250(den)-250(Mantel)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-265(bitte)-265(dich,)-269(K\344the,)-269(geh)-265(nach)-265(Hause.)-295(Du)-265(kannst)-265(nichts)-266(tun.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ich)-250(werde)-250(mich)-250(sofort)-250(auf)-250(die)-250(Suche)-250(machen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 197.52 0 Td [(\034)]TJ -185.564 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(kann)-250(nicht)-250(nach)-250(Hause)-250(gehen;)-250(ich)-250(mu\337)-250(Luise)-250(suchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 248.432 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -253.276 -14.779 Td [(Mit)-250(irrsinnig)-250(flimmernden)-250(Augen)-250(sah)-250(sie)-250(mich)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-457(kannst)-457(nichts)-457(tun,)-508(K\344the.)-871(Ich)-457(werde)-457(sofort)-457(hinab)-457(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meiner)-412(Mutter)-412(gehen,)-452(dort)-412(werde)-412(ich)-412(wahrscheinlich)-412(Joachim)]TJ 0 -13.549 Td [(treffen)-250(und)-250(mit)-250(ihm)-250(abrechnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.426 0 Td [(\034)]TJ -123.471 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-392(will)-393(mit.)-677(Ich)-392(f\374rchte)-392(mich)-393(nicht,)-428(wenn)-392(sie)-392(mich)-393(auch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(schlagen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.898 0 Td [(\034)]TJ -28.943 -14.78 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-191(mu\337t)-191(mir)-191(jetzt)-191(gehorchen,)-203(K\344the!)-230(Sonst)-191(verdirbst)-191(du)-192(alles;)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sonst)-250(kann)-250(ich)-250(dir)-250(nicht)-250(helfen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 135.436 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -123.481 -14.78 Td [(Da)-250(senkte)-250(sie)-250(stumm)-250(den)-250(Kopf.)]TJ 0 -14.78 Td [(Wir)-186(eilten)-186(auf)-187(einem)-186(Nebenpfade)-186(gen)-186(Waltersburg)-187(hin.)-228(Als)-187(der)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Weg)-241(nach)-242(der)-241(Genovevenklause)-242(abbog,)-243(gebot)-241(ich)-242(der)-241(Frau,)-243(nach)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([325])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Hause)-232(zu)-231(gehen)-232(und)-232(zu)-231(warten,)-236(bis)-231(ich)-232(ihr)-232(Nachricht)-232(br\344chte.)-243(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(schlich)-257(davon.)-272(Aber)-257(als)-257(ich)-258(den)-257(Berg)-257(hinabeilte,)-259(merkte)-257(ich,)-259(da\337)]TJ 0 -13.55 Td [(mir)-250(von)-250(ferne)-250(ein)-250(Schatten)-250(folgte.)]TJ 11.955 -14.779 Td [(Das)-328(Haus)-328(der)-328(Mutter)-327(war)-328(hell)-328(erleuchtet.)-484(Die)-328(Haust\374r)-328(stand)]TJ -11.955 -13.55 Td [(offen.)-551(Ich)-351(eilte)-350(nach)-351(dem)-350(ersten)-351(Stock,)-375(nach)-351(dem)-350(Zimmer)-350(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter,)-223(und)-216(trat)-217(ein,)-223(ohne)-216(anzuklopfen.)-239(Mitten)-216(in)-217(der)-216(Stube)-216(stand)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1310 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1311 0 R +/Resources 1309 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1312 0 obj << +/D [1310 0 R /XYZ 93.543 502.248 null] +>> endobj +1313 0 obj << +/D [1310 0 R /XYZ 279.095 148.668 null] +>> endobj +1309 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1316 0 obj << +/Length 4573 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(253)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Joachim;)-232(er)-223(war)-223(allein.)-241(In)-223(offener)-223(Feindseligkeit)-223(blickten)-223(wir)-223(uns)]TJ 0 -13.549 Td [(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-250(ist)-250(das)-250(Kind?)-250(Wo)-250(ist)-250(Luise?)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.775 0 Td [(\034)]TJ -143.618 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-250(hier.)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ -51.501 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wo)-250(ist)-250(die)-250(Mutter?)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.113 0 Td [(\034)]TJ -86.956 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auch)-250(nicht)-250(hier.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.593 0 Td [(\034)]TJ -75.436 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Willst)-250(du)-250(mir)-250(sagen,)-250(wo)-250(beide)-250(sind?)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.654 0 Td [(\034)]TJ -161.497 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein!)-739(Aber)-413(ich)-413(will)-413(dir)-412(sagen,)-454(da\337)-413(ich)-413(das)-413(M\344dchen)-413(der)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Obhut)-297(des)-296(Frauenzimmers,)-308(dem)-297(du)-296(es)-297(\374bergeben,)-308(entrissen)-296(und)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-437(eigene)-437(Erziehung)-437(genommen)-436(habe.)-811(Morgen)-437(fr\374h)-437(geht)-436(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Reise)-358(los.)-574(Ich)-358(nehme)-359(das)-358(Kind)-358(mit.)-574(Das)-358(ist)-358(mein)-358(Recht.)-574(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Kind)-250(geh\366rt)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.026 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -61.07 -15.835 Td [(Ich)-250(konnte)-250(vor)-250(Zorn)-250(kaum)-250(sprechen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.449 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.573 0 Td [(und)-469(es)-469(ist)-469(wohl)-470(auch)-469(dein)-469(Recht,)-524(in)-469(eines)-469(unserer)]TJ -45.821 -13.549 Td [(H\344user)-279(einzubrechen)-279(und)-279(ein)-279(wehrloses)-279(Weib)-279(seiner)-279(Freiheit)-278(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(berauben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.826 0 Td [(\034)]TJ -32.87 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-289(tat)-289(ich)-290(nur,)-299(um)-289(sie)-289(zu)-289(hindern,)-299(hinter)-289(uns)-290(herzuschreien)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-258(Skandal)-258(zu)-258(erregen.)-274(Um)-258(allen)-258(Skandal)-258(zu)-258(vermeiden,)-260(bringt)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-250(das)-250(Kind)-250(schon)-250(jetzt)-250(nach)-250(ausw\344rts.)]TJ/F24 10.9091 Tf 188.149 0 Td [(\034)]TJ -176.193 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh,)-231(wie)-227(bist)-226(du)-227(r\374cksichtsvoll!)-242(Du)-226(willst)-227(keinen)-226(Skandal.)-243(Du)]TJ/F16 7.9701 Tf 274.225 0 Td [([326])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(vergissest)-251(nur)-250(das)-251(eine:)-251(da\337)-250(es)-251(ein)-250(gro\337er)-251(Skandal)-250(ist,)-251(wenn)-250(man)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(benimmt)-250(wie)-250(ein)-250(Bandit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.087 0 Td [(\034)]TJ -117.131 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(H\374te)-250(dich)-250(nur!)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.622 0 Td [(\034)]TJ -68.465 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-273(f\374rchte)-272(mich)-273(nicht)-273(vor)-273(deiner)-272(Brutalit\344t.)-318(Ich)-273(kann)-273(dich)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.377 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(wenn)-464(es)-463(mir)-464(beliebt)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.799 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.513 0 Td [(wegen)-464(der)-463(Schandtat)-464(eines)-464(Einbruchs)]TJ -108.312 -13.549 Td [(in)-705(eines)-705(unserer)-705(verschlossenen)-705(H\344user)-705(jeden)-705(Augenblick)]TJ 0 -13.549 Td [(einsperren)-532(lassen.)-1098(Ich)-532(werde)-533(es)-532(h\366chstwahrscheinlich)-532(auch)]TJ 0 -13.55 Td [(tun)-250(und)-250(mich)-250(um)-250(keinerlei)-250(Skandal)-250(k\374mmern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 200.291 0 Td [(\034)]TJ -188.335 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-475(nimmst)-475(in)-475(sehr)-475(merkw\374rdiger)-475(Weise)-475(Partei)-475(f\374r)-475(jenes)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Weib.)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.357 0 Td [(\034)]TJ -14.401 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-474(sie)-429(steht)-428(trotz)-429(ihres)-429(Fehltritts)-429(gerechtfertigter,)-474(ich)-429(will)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ruhig)-250(sagen,)-250(viel)-250(anst\344ndiger)-250(vor)-250(meinen)-250(Augen)-250(als)-250(du!)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.473 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1315 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1316 0 R +/Resources 1314 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1317 0 obj << +/D [1315 0 R /XYZ 273.552 237.878 null] +>> endobj +1314 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1320 0 obj << +/Length 4951 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(254)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-300(bitte)-300(ich)-300(mir)-300(zu)-300(beweisen)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-313(sagt)1(e)-301(er)-300(heiser)-300(vor)-300(Wut.)-400(Er)]TJ -153.741 -13.549 Td [(setzte)-234(sich)-233(auf)-234(eine)-233(Tischkante;)-239(ich)-233(lehnte)-234(an)-233(einem)-234(Schrank)-233(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(gegen\374ber.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-289(erinnere)-289(dich)-289(daran,)-298(Joachim,)-299(da\337)-289(das)-289(sch\366ne)-289(M\344dchen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(das)-523(Katharina)-523(hie\337,)-523(damals)-523(zwar)-523(deine)-523(blinde,)-591(wahnsinnige)]TJ 0 -13.549 Td [(Leidenschaft)-353(erregt,)-379(aber)-353(da\337)-354(sie)-353(dich)-353(niemals)-353(geliebt)-353(hat,)-379(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-250(so)-250(ehrlich)-250(war,)-250(es)-250(dir)-250(zu)-250(sagen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 149.356 0 Td [(\034)]TJ -137.4 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(H\366r)-250(auf)-250(damit!)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.833 0 Td [(\034)]TJ -69.676 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-298(da)-289(liegt)-289(die)-288(Wurzel)-289(zu)-288(allem)-289(Unheil,)-298(das)-289(kam.)-366(Als)-289(du)]TJ -16.799 -13.549 Td [(von)-181(dem)-182(M\344dchen)-181(abgewiesen)-181(warst,)-195(tatest)-182(du)-181(das,)-195(was)-181(du)-181(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(tatest,)-245(wenn)-244(du)-243(einen)-244(Wunsch)-243(durchaus)-244(durchsetzen)-244(wolltest,)-244(du)]TJ 0 -13.549 Td [(hingst)-250(dich)-250(an)-250(die)-250(Kleiderrockfalten)-250(der)-250(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 208.745 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -196.79 -13.959 Td [(Er)-250(sprang)-250(herunter)-250(vom)-250(Tisch)-250(und)-250(trat)-250(drohend)-250(vor)-250(mich.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([327])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Benimm)-502(dich)-503(immerhin)-502(auch)-502(in)-503(dieser)-502(Stunde)-502(noch)-503(mit)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einigem)-399(Anstand,)-435(Joachim!)-696(Du)-398(hast)-399(mir)-398(so)-398(viel)-399(von)-398(meinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Leben)-289(genommen,)-298(f\374nf)-289(volle)-289(bl\374hende)-289(Jahre,)-298(da\337)-289(ich)-289(ein)-288(Recht)]TJ 0 -13.55 Td [(habe,)-333(dich)-317(als)-317(meinen)-317(Schuldner)-316(zu)-317(betrachten)-317(und)-317(endlich)-316(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(dir)-250(abzurechnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.698 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -60.743 -13.958 Td [(Er)-250(wich)-250(zur\374ck,)-250(lachte)-250(ver\344chtlich)-250(und)-250(trat)-250(ans)-250(Fenster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(dich)-250(nicht)-250(aufgefordert,)-250(mir)-250(zu)-250(folgen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 206.912 0 Td [(\034)]TJ -211.756 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-269(aber)-265(die)-265(Mutter)-265(hat)-266(es)-265(getan,)-269(die)-265(dich)-265(von)-265(Kind)-265(auf)-266(zu)]TJ -16.799 -13.549 Td [(einem)-250(j\344mmerlichen)-250(Egoisten)-250(erzogen)-250(hat.)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.327 0 Td [(\034)]TJ -174.372 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sag)-201(noch)-200(ein)-201(Wort)-200(gegen)-201(die)-200(Mutter,)-210(und)-201(ich)-201(halte)-200(mich)-201(nicht)]TJ -16.799 -13.55 Td [(l\344nger!)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.895 0 Td [(\034)]TJ -18.94 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-475(sprichst)-474(wie)-475(ein)-475(Raufbold,)-530(Joachim,)-531(und)-475(ich)-475(sch\344me)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mich)-332(f\374r)-332(dich.)-497(Wie)-332(ich)-333(innerlich)-332(zur)-332(Mutter)-332(stehe,)-353(geht)-332(daraus)]TJ 0 -13.549 Td [(hervor,)-189(da\337)-173(ich)-174(auf)-173(ihren)-173(stillen)-174(Wunsch)-173(hin,)-189(dich)-173(wiederzuhaben,)]TJ 0 -13.549 Td [(meine)-390(Jugend)-389(opferte.)-669(Aber)-390(nicht)-390(davon)-389(wollte)-390(ich)-389(sprechen,)]TJ 0 -13.55 Td [(sondern)-448(von)-449(deinem)-448(Verh\344ltnis)-449(zu)-448(Katharina.)-845(Das)-448(M\344dchen)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-241(dir)-242(damals,)-243(da\337)-241(seine)-241(Liebe)-242(einem)-241(anderen)-241(geh\366re,)-243(deinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Freunde)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.658 0 Td [(\034)]TJ -34.703 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(H\366r)-250(auf)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.349 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ich)-250(ertrage)-250(das)-250(nicht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.789 0 Td [(\034)]TJ -141.164 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-322(wei\337,)-323(trotz)-322(deiner)-322(Brutalit\344t)-323(anderen)-322(gegen\374ber)-322(bist)-323(du,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(was)-172(die)-172(eigene)-172(werte)-172(Person)-173(anl)1(angt,)-188(sehr)-172(feinf\374hlig;)-198(nicht)-172(einmal)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1319 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1320 0 R +/Resources 1318 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1321 0 obj << +/D [1319 0 R /XYZ 93.543 351.57 null] +>> endobj +1318 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1324 0 obj << +/Length 4827 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(255)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(eine)-282(wahrheitsgem\344\337e)-282(Aussprache)-282(ertr\344gst)-282(du.)-346(Aber)-282(ich)-282(erspare)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-248(dir)-248(nicht.)-249(Ich)-248(halte)-248(dir)-248(den)-248(Spiegel)-248(vor,)-248(damit)-248(du)-248(wei\337t,)-248(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(du)-222(von)-222(hier)-222(fortziehst,)-227(da\337)-222(es)-222(jemand)-222(auf)-222(der)-222(Welt)-222(gibt,)-228(der)-221(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Spur)-212(von)-212(Mitleid,)-219(ja)-212(nicht)-212(einmal)-211(von)-212(Achtung)-212(mehr)-212(f\374r)-212(dich)-211(hat,)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-320(das)-320(ist)-319(dein)-320(Bruder,)-338(der)-319(dich)-320(unter)-320(allen)-320(Menschen)-320(auf)-319(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Welt)-250(am)-250(besten)-250(kennt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.56 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 193.464 0 Td [([328])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(Er)-356(erwiderte)-357(nichts)-356(mehr;)-410(er)-356(starrte)-356(mich)-357(nur)-356(an.)-569(Ich)-356(setzte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kaltbl\374tig)-250(die)-250(Abrechnung)-250(fort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-198(wandtest)-199(dich)-198(damals)-198(an)-199(die)-198(Mutter,)-209(und)-198(die)-198(Mutter)-199(setzte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(bei)-289(den)-289(Eltern)-289(des)-289(M\344dchens)-290(alle)-289(Hebel)-289(f\374r)-289(dich)-289(ein.)-367(Die)-289(Leute)]TJ 0 -13.55 Td [(hatten)-278(sechs)-278(T\366chter.)-333(Eine)-278(von)-278(ihnen)-278(versorgt)-278(zu)-278(sehen,)-285(war)-277(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(sehnlichster)-377(Wunsch.)-632(Du)-377(warst)-377(approbierter)-377(Arzt,)-409(der)-377(andere,)]TJ 0 -13.549 Td [(dein)-368(Freund,)-397(ein)-368(verm\366gens-)-368(und)-367(aussichtsloser)-368(Kandidat.)-603(Da)]TJ 0 -13.549 Td [(wurde)-305(dem)-305(M\344del)-305(Tag)-305(und)-304(Nacht)-305(zugesetzt,)-319(bis)-305(sie)-305(dich)-304(nahm.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-251(war)-251(in)-251(diesem)-251(Falle)-251(die)-251(Grundlage)-251(f\374r)-251(die)-251(schwere)-250(Ja-Frage)]TJ 0 -13.55 Td [(am)-239(Altar)-238(nach)-239(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.541 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(freien,)-241(ungezwungenen,)-241(selbst)-238(ungen\366tigten)]TJ -89.173 -13.549 Td [(Willen)]TJ/F24 10.9091 Tf 29.695 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(.)]TJ/F24 10.9091 Tf 2.727 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -24.099 -14.531 Td [(Joachim)-219(war)-220(in)-219(einen)-220(Sofawinkel)-219(gesunken.)-240(Mir)-220(war)-219(das)-219(Herz)]TJ -11.956 -13.549 Td [(so)-395(kalt)-395(und)-394(leicht)-395(wie)-395(einem)-395(Staatsanwalt,)-431(der)-395(auf)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.972 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(schuldig)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.971 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(pl\344diert.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.531 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(W\344hrend)-460(du)-459(die)-460(Flitterwochen)-460(hieltest,)-512(ging)-460(dein)-460(Freund)]TJ -16.799 -13.55 Td [(beinahe)-485(zugrunde.)-957(Nach)-485(einem)-486(Jahre)-485(hie\337)-485(es,)-545(er)-485(habe)-485(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(beruhigt.)-590(Er)-363(kam)-363(zu)-363(euch.)-590(Die)-363(alte)-363(Sehnsucht)-364(trieb)-363(ihn.)-589(Und)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-381(geschah)-382(Katharinas)-381(Ungl\374ck.)-644(Du)-381(warst)-382(nat\374rlich)-381(in)-381(deiner)]TJ 0 -13.549 Td [(Ehre)-340(sehr)-339(tief)-340(verletzt.)-518(Ich)-340(sah)-339(das)-339(ein.)-519(Erst)-339(jetzt)-340(begreife)-339(ich,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-425(in)-425(jener)-425(Ehe)-425(deine)-425(Gattenehre)-425(nicht)-425(von)-425(Gottes,)-468(sondern)]TJ 0 -13.55 Td [(von)-289(Mutters)-288(und)-289(Geldsacks)-288(Gnaden)-289(war.)-366(Das)-288(Weib)-289(hat)-288(gefehlt,)]TJ 0 -13.549 Td [(ohne)-371(Zweifel.)-614(Zweimal.)-615(Nicht)-371(nur,)-402(als)-371(sie)-371(dir)-372(die)-371(Ehe)-371(brach,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-289(schon,)-300(als)-289(sie)-289(die)-290(Ehe)-289(mit)-289(dir)-289(einging.)-368(Aber)-290(du)-289(und)-289(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.718 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.478 0 Td [(und)-185(wir)-186(alle,)-198(die)-186(wir)-185(sch\374rend)-186(oder)-185(doch)-185(stillschweigend)]TJ -39.196 -13.549 Td [(mitgewirkt)-211(haben,)-219(sind)-211(wir)-211(Gerechte?)-237(Leute,)-219(die)-211(Steine)-211(aufheben)]TJ 0 -13.55 Td [(d\374rfen?)-491(Oder)-330(Pharis\344er,)-350(die)-330(verdienen,)-351(die)-330(Gei\337el)-330(des)-330(Messias)]TJ 0 -13.549 Td [(ins)-250(Gesicht)-250(zu)-250(bekommen?)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([329])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.531 Td [(Katharina)-610(hat)-611(ihre)-610(Schuld)-611(geb\374\337t.)-1331(Nicht)-610(durch)-610(deinen)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1323 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1324 0 R +/Resources 1322 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1325 0 obj << +/D [1323 0 R /XYZ 46.771 450.331 null] +>> endobj +1326 0 obj << +/D [1323 0 R /XYZ 46.771 80.531 null] +>> endobj +1322 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1329 0 obj << +/Length 4859 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(256)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(rohen)-386(Revolverschu\337,)-385(nicht)-386(dadurch,)-419(wie)-386(sie)-385(dich)-386(vor)-385(Gericht)]TJ 0 -13.549 Td [(reinwusch,)-364(indem)-341(sie)-342(aussagte,)-364(sie)-341(habe)-342(sich)-341(die)-341(Wunde)-341(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(zugef\374gt.)-246(Nein,)-240(mit)-237(aber)-238(tausend)-237(Tr\344nen.)-246(Erst)-238(jetzt)-237(wei\337)-237(ich,)-240(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-362(Mutterherz)-362(gehungert)-362(hat,)-390(wie)-362(sie)-362(durch)-362(all)-362(die)-362(Jahre)-361(nach)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-230(Kinde)-230(gesucht)-230(hat.)-243(Dieses)-230(Weib)-230(hat)-230(vielleicht)-230(an)-230(einem)-229(Tag)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-195(in)-195(einer)-195(Nacht)-196(mehr)-195(gelitten)-195(und)-195(hei\337er)-195(zum)-195(Himmel)-195(gerufen)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-293(du)-294(in)-293(der)-293(ganzen)-294(Zeit.)-380(Jetzt)-293(auf)-293(einmal)-294(erscheinst)-293(du)-293(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-493(der)-493(ganzen)-494(Pracht)-493(und)-493(Herrlichkeit)-493(deines)-493(gesetzm\344\337igen)]TJ 0 -13.549 Td [(Richtertums)-448(und)-448(beginnst)-448(deine)-448(Brutalit\344ten)-448(aufs)-448(neue.)-844(Und)]TJ 0 -13.55 Td [(deshalb,)-406(sage)-375(ich,)-407(ist)-374(deine)-375(Frau)-375(ein)-375(hundertmal)-375(anst\344ndigerer)]TJ 0 -13.549 Td [(Mensch,)-250(als)-250(du)-250(bist!)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -75.917 -14.776 Td [(Er)-249(stand)-250(auf,)-250(zuckte)-249(ein)-250(wenig)-249(mit)-250(den)-249(Armen)-249(durch)-250(die)-249(Luft,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(als)-366(ob)-366(er)-366(reden)-366(wolle,)-395(setzte)-366(sich)-366(aber)-366(wieder.)-598(Ich)-366(behielt)-365(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(scharf)-250(im)-250(Blick)-250(und)-250(fuhr)-250(fort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-284(ist)-284(die)-284(Abrechnung,)-293(die)-284(deine)-284(Frau)-284(betrifft.)-352(Da)-284(kommst)]TJ -16.799 -13.55 Td [(du)-473(immer)-473(noch)-472(gut)-473(dabei)-473(weg,)-528(weil)-473(nicht)-473(nur)-473(dein)-472(eigenes,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-267(auch)-267(das)-266(andere)-267(Konto)-267(belastet)-267(ist.)-300(Nun)-267(komme)-267(ich)-266(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(dein)-308(Verh\344ltnis)-309(zu)-308(deinem)-309(Kinde)-308(zu)-309(sprechen.)-425(Und)-309(da)]TJ/F24 10.9091 Tf 245.749 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.819 0 Td [(nichts)]TJ -254.568 -13.549 Td [(f\374r)-280(ungut,)-288(lieber)-281(Bruder)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.751 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.513 0 Td [(hast)-280(du)-281(dich)-280(glattweg)-281(benommen)-280(wie)]TJ -116.264 -13.549 Td [(ein)-309(Lump.)-428(Das)-310(Tier)-309(bek\374mmert)-309(sich)-309(um)-310(sein)-309(Junges,)-324(tr\344gt)-309(ihm)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-215(besten)-215(Bissen)-215(zu,)-222(sorgt)-215(f\374r)-215(seine)-215(Sicherheit.)-238(Du)-215(hast)-215(f\374r)-215(deine)]TJ 0 -13.549 Td [(eigene)-462(Sicherheit)-461(gesorgt,)-514(die)-462(besten)-461(Bissen)-462(selbst)-461(gegessen,)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-291(Kinde)-291(nicht)-291(einen)-291(Pfennig,)-301(nicht)-291(ein)-291(armseliges)-291(Spielzeug,)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-398(ein)-398(Wort)-398(oder)-397(einen)-398(Blick)-398(geg\366nnt.)-694(Der)-397(verkommenste)]TJ 0 -13.549 Td [(Proletarier,)-408(der)-376(von)-377(zehn)-376(Mark,)-408(die)-376(er)-376(verdient,)-408(neun)-376(vers\344uft)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-282(eine)-282(Mark)-282(seiner)-282(Familie)-282(gibt,)-290(ist)-282(ein)-282(besserer)-282(Vater,)-290(als)-281(du)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([330])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(bist,)-250(denn)-250(du)-250(hast)-250(auch)-250(die)-250(zehnte)-250(Mark)-250(f\374r)-250(dich)-250(genommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 264.196 0 Td [(\034)]TJ -252.24 -14.776 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Mutter)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.084 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(\344chzte)-250(Joachim.)]TJ/F24 10.9091 Tf -68.77 -14.777 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-230(die)-225(Mutter)-224(hat)-225(die)-225(sogenannten)-225(Erziehungsgelder)-225(gezahlt.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Nebenbei)-538(gesagt,)-611(nicht)-538(nur)-538(von)-539(deinem,)-610(auch)-538(von)-538(meinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Erbteil.)-540(Ich)-346(wundere)-347(mich,)-370(da\337)-347(ich)-346(so)-347(etwas)-346(sagen)-347(kann;)-394(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(alle)-218(Sentimentalit\344t)-219(ist)-218(mir)-219(wahrscheinlich)-218(abhanden)-218(gekommen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Wir)-283(alle)-282(haben)-283(gefehlt,)-290(auch)-283(ich!)-347(Ich)-283(h\344tte)-282(dir)-283(nicht)-282(nachlaufen,)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-224(h\344tte)-223(mich)-224(lieber)-224(um)-224(das)-223(Kind)-224(k\374mmern)-224(sollen.)-241(Aber)-224(ich)-223(war)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1328 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1329 0 R +/Resources 1327 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1308 0 R +>> endobj +1330 0 obj << +/D [1328 0 R /XYZ 226.479 176.99 null] +>> endobj +1327 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1333 0 obj << +/Length 4616 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(257)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(ein)-319(unerfahrener,)-335(wehleidiger)-319(Geselle.)-455(Ich)-318(bin)-319(erst)-318(jetzt,)-336(da)-318(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-294(gro\337es)-293(Werk)-294(angefangen)-293(habe,)-305(dazu)-293(gekommen,)-305(die)-293(Dinge,)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-265(um)-266(mich)-265(her)-265(sind,)-270(klar)-265(und)-265(leidenschaftslos)-265(zu)-266(sehen)-265(und)-265(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(beurteilen.)-242(Wenn)-226(ich)-226(nun,)-231(Joachim,)-231(alles)-226(zusammenfasse,)-231(so)-226(bist)]TJ 0 -13.55 Td [(du)-313(weder)-312(deiner)-313(Frau)-312(noch)-313(deinem)-313(Kinde)-312(gegen\374ber)-313(im)-312(Recht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Du)-459(hast)-459(dich)-459(bis)-459(jetzt)-459(unbarmherzig)-459(zur\374ckgehalten)-459(und)-459(bist)]TJ 0 -13.549 Td [(pl\366tzlich)-324(brutal)-324(hervorgetreten,)-343(al)1(s)-324(deine)-324(neue)-324(Liebe)-324(scheiterte,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-544(dich)-544(das)-543(von)-544(dir)-544(herbeigef\374hrte)-544(Band,)-617(das)-543(Priesterhand)]TJ 0 -13.549 Td [(schlang,)-317(hinderte,)-316(nach)-303(deinem)-304(Wohlgefallen)-303(jetzt)-303(ein)-303(neues)-303(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(schlingen.)-816(Was)-439(dich)-439(jetzt)-438(leitet,)-486(ist)-439(nicht)-439(Moral,)-486(sondern)-438(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(Wut,)-294(ist)-285(entt\344uschte)-285(Selbstsucht!)-355(Du)-285(kannst)-285(die)-285(Lage)-284(deines)-285(bis)]TJ 0 -13.549 Td [(heute)-197(verleugneten)-197(Kindes)-197(nicht)-197(bessern;)-215(denn)-197(einen)-197(unf\344higeren)]TJ 0 -13.549 Td [(Erzieher,)-250(als)-250(du)-250(bist,)-250(kann)-250(es)-250(nicht)-250(geben!)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.084 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -170.128 -14.04 Td [(Joachim)-250(erhob)-250(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Meinst)-250(du,)-250(da\337)-250(ich)-250(mir)-250(diese)-250(Grobheiten)-250(gefallen)-250(lasse?)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.683 0 Td [(\034)]TJ -247.526 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(sind)-250(nicht)-250(Grobheiten,)-250(es)-250(sind)-250(Wahrheiten,)-250(Joachim.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.789 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 32.436 0 Td [([331])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Willst)-250(du)-250(jetzt)-250(dieses)-250(Zimmer)-250(und)-250(dieses)-250(Haus)-250(verlassen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.876 0 Td [(\034)]TJ -255.719 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-250(ich)-250(werde)-250(warten,)-250(bis)-250(die)-250(Mutter)-250(kommt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 204.818 0 Td [(\034)]TJ -209.661 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-509(werde)-508(ich)-509(gehen;)-638(ich)-509(verschm\344he)-509(es,)-573(weiter)-509(mit)-509(dir)]TJ -16.799 -13.549 Td [(zusammen)-250(zu)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.713 0 Td [(\034)]TJ -70.757 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ganz)-621(in)-621(meinem)-620(Sinne.)-1363(Ich)-621(verbiet)1(e)-621(dir)-621(aber,)-714(unser)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Ferienheim)-470(noch)-470(einmal)-470(zu)-471(betreten.)-910(Au\337erdem)-470(ist)-470(es)-470(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(deinem)-397(brutalen)-396(Verhalten)-397(selbstverst\344ndlich,)-433(da\337)-396(du)-397(als)-396(Arzt)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-250(uns)-250(entlassen)-250(bist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.182 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -86.226 -14.04 Td [(Er)-235(antwortete)-235(nicht)-235(mehr;)-240(er)-235(nahm)-235(Mantel)-235(und)-235(Hut)-235(und)-234(tappte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-387(Treppe)-386(hinab.)-660(Ich)-387(konnte)-387(mir)-387(zun\344chst)-386(\374ber)-387(das,)-421(was)-386(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(gesprochen)-250(hatte,)-250(keine)-250(klare)-250(Rechenschaft)-250(geben.)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Ich)-337(hatte)-336(nur)-337(ein)-336(Gef\374hl)-337(der)-336(Erleichterung,)-358(hatte)-337(mir)-336(einmal)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-250(Herz)-250(abr\344umen)-250(gekonnt.)]TJ 11.956 -14.04 Td [(Jetzt)-585(fiel)-585(unten)-586(die)-585(Haust\374r)-585(zu.)-1256(Ich)-585(sah)-585(Joachim)-585(vom)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Fenster)-695(aus,)-807(obwohl)-695(eine)-695(mondscheinlose)-695(Nacht)-695(und)-695(die)]TJ 0 -13.55 Td [(Stra\337enbeleuchtung)-456(sehr)-455(k\374mmerlich)-456(war.)-867(Joachim)-456(ging)-455(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-412(Johannisbrunnen)-412(zu.)-736(Mit)-412(einem)-412(Male)-412(l\366ste)-412(sich)-412(dort)-412(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Schatten)-421(los.)-764(Ich)-421(erschrak.)-763(Katharina!)-764(Sie)-421(hielt)-421(den)-421(Bruder)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1332 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1333 0 R +/Resources 1331 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1334 0 obj << +/D [1332 0 R /XYZ 46.771 311.926 null] +>> endobj +1331 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1338 0 obj << +/Length 5038 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(258)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(jedenfalls)-258(f\374r)-258(meine)-259(Person.)-274(Ich)-259(sah,)-260(wie)-258(die)-258(beiden)-258(aufeinander)]TJ 0 -13.549 Td [(zugingen,)-432(aufeinander)-396(einsprachen,)-432(wie)-395(das)-396(Weib)-396(entsetzt)-395(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Arme)-322(hoch)-323(hielt,)-340(sich)-322(dann)-323(vor)-322(dem)-322(Bruder)-323(auf)-322(die)-322(Knie)-322(warf,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-313(er)-314(sie)-313(emporri\337.)-314(Sie)-313(klammerte)-314(sich)-313(fest)-313(an)-314(seinen)-313(Arm;)-345(er)]TJ 0 -13.55 Td [(versuchte)-250(sich)-250(loszul\366sen;)-250(sie)-250(rangen)-250(miteinander.)]TJ 11.956 -14.969 Td [(Ich)-250(ri\337)-250(das)-250(Fenster)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Katharina)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.015 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(rief)-250(ich)-250(hinunter,)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.196 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(sei)-250(vern\374nftig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -202.668 -14.969 Td [(Sie)-305(h\366rte)-304(nicht,)-319(lie\337)-304(nicht)-305(los,)-319(schlie\337lich)-304(rang)-305(sie)-305(weiter)-304(mit)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.711 0 Td [([332])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ihm,)-421(und)-386(ich)-387(h\366rte)-386(sie)-387(um)-386(das)-387(Kind)-386(bitten.)-659(Sie)-387(standen)-386(dicht)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-270(Brunnenrand.)-311(Da)-270(gab)-270(Joachim)-271(dem)-270(Weibe)-270(einen)-270(gewaltigen)]TJ 0 -13.55 Td [(Sto\337,)-183(sie)-183(taumelte)-183(zur\374ck)-183(und)-183(fiel)-183(\374ber)-183(den)-183(niederen)-182(Brunnenrand)]TJ 0 -13.549 Td [(ins)-250(Wasser.)]TJ 11.956 -14.969 Td [(Joachim)-566(blieb)-567(still)-567(stehen,)-645(wohl)-567(im)-566(Schreck,)-646(zwei,)-645(drei)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Sekunden)-250(lang;)-250(dann)-250(beugte)-250(er)-250(sich)-250(\374ber)-250(das)-250(Becken.)]TJ 11.956 -14.969 Td [(Da)-200(sprang)-199(das)-200(Weib)-200(aus)-199(dem)-200(Wasser)-200(heraus)-199(und)-200(rannte)-199(davon.)]TJ 0 -14.969 Td [(Ich)-535(hatte)-535(all)-535(diesen)-535(sich)-535(schnell)-535(abspielenden)-534(Vorg\344ngen)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sprachlos)-269(zugesehen,)-273(dann)-269(war)-269(ich)-269(mit)-269(einigen)-269(S\344tzen)-269(unten)-268(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-250(Markte.)-250(Joachim)-250(stand)-250(noch)-250(am)-250(alten)-250(Fleck.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.331 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-328(lachte)-312(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.546 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(du)-312(hast)-313(zugesehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.144 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.862 0 Td [(da)-312(wirst)-313(du)-312(wohl)-313(jetzt)]TJ -183.369 -13.549 Td [(behaupten,)-250(ich)-250(h\344tte)-250(das)-250(Weib)-250(ertr\344nken)-250(wollen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 210.251 0 Td [(\034)]TJ -198.295 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-783(werde)-783(ich)-782(nicht)-783(behaupten.)-1848(Du)-783(hast)-783(sie)-783(nur)]TJ -16.799 -13.549 Td [(zur\374ckgesto\337en,)-250(und)-250(sie)-250(ist)-250(ungl\374cklich)-250(gefallen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 213 0 Td [(\034)]TJ -201.044 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na)-164(also!)-222(Ich)-164(lasse)-165(mich)-164(auf)-165(der)-164(Stra\337e)-165(nicht)-164(anfallen,)-182(verstehst)]TJ -16.799 -13.549 Td [(du?)-250(Eure)-250(Kom\366dien)-250(verfangen)-250(nicht)-250(bei)-250(mir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 196.32 0 Td [(\034)]TJ -184.364 -14.97 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Joachim,)-250(wir)-250(m\374ssen)-250(ihr)-250(nach,)-250(wir)-250(m\374ssen)-250(sie)-250(suchen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 236.029 0 Td [(\034)]TJ -240.872 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Suchen?)-250(Ich)-250(denke)-250(nicht)-250(daran.)-250(Was)-250(geht)-250(sie)-250(mich)-250(an?)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.512 0 Td [(\034)]TJ -242.355 -14.969 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Joachim,)-497(sie)-448(mu\337)-448(v\366llig)-448(durchn\344\337t)-448(sein,)-498(es)-448(ist)-448(eine)-448(kalte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Nacht;)-228(sie)-217(ist)-216(halb)-217(irrsinnig)-217(vor)-216(Aufregung)-217(wegen)-217(des)-217(Kindes.)-238(Es)]TJ 0 -13.549 Td [(kann)-250(ein)-250(Ungl\374ck)-250(passieren!)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.516 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.561 -14.969 Td [(Er)-348(antwortete)-349(nicht,)-373(wandte)-348(sich)-348(um)-349(und)-348(ging)-348(nach)-349(Mutters)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Haus)-395(zur\374ck.)-684(Ich)-394(sah)-395(ihm)-394(nach,)-431(h\366rte,)-431(wie)-395(er)-394(von)-395(innen)-394(den)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([333])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.55 Td [(Haust\374rschl\374ssel)-328(umdrehte.)-483(Dann)-328(eilte)-328(ich)-328(die)-328(Stra\337e)-327(hinunter,)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(der)-250(ich)-250(Katharina)-250(hatte)-250(verschwinden)-250(sehen.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1337 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1338 0 R +/Resources 1336 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1339 0 obj << +/D [1337 0 R /XYZ 359.62 419.071 null] +>> endobj +1340 0 obj << +/D [1337 0 R /XYZ 309.207 93.24 null] +>> endobj +1336 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1343 0 obj << +/Length 4444 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(259)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ich)-373(rannte)-372(durch)-373(die)-373(ganze)-372(Stadt,)-404(auch)-372(teilweise)-373(hinaus)-372(auf)]TJ -11.956 -13.549 Td [(die)-352(Landstra\337en.)-554(Es)-352(verging)-351(wohl)-351(eine)-352(Stunde)-351(und)-352(mehr)-351(Zeit;)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-282(fand)-282(nichts.)-346(Es)-282(hatte)-282(angefangen)-282(zu)-282(regnen,)-290(und)-282(es)-282(blies)-282(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(rauher)-214(Wind.)-238(Endlich)-215(sah)-214(ich)-214(ein,)-222(da\337)-214(ich)-214(allein)-214(nichts)-214(ausrichten)]TJ 0 -13.55 Td [(k\366nne.)-569(Ich)-357(eilte)-356(hinauf)-357(nach)-356(unserem)-357(Heim,)-383(\374berzeugte)-356(mich,)]TJ 0 -13.549 Td [(wie)-233(ich)-234(schon)-233(angenommen)-233(hatte,)-237(da\337)-233(die)-233(Genovevenklause)-233(leer)]TJ 0 -13.549 Td [(sei,)-366(weckte)-343(dann)-343(Stefenson,)-366(Barthel,)-366(Piesecke)-343(und)-343(noch)-342(einige)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-412(verl\344\337liche)-413(Leute,)-452(und)-413(wir)-412(gingen)-412(nach)-412(verschiedenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Richtungen)-250(auf)-250(die)-250(Suche.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Morgens)-213(drei)-213(Uhr)-213(kehrte)-212(ich)-213(todm\374de)-213(nach)-213(Hause)-213(zur\374ck.)-237(Die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anderen)-377(waren)-377(auch)-377(noch)-378(nicht)-377(lange)-377(da.)-631(Niemand)-377(hatte)-377(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Spur)-250(von)-250(Katharina)-250(entdeckt)-250(...)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Noch)-782(ehe)-781(aber)-782(der)-781(sp\344te)-782(Morgen)-781(graute,)-915(wurde)-781(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ungl\374ckliche)-554(Frau)-554(gebracht.)-1162(Ein)-554(Waltersburger)-554(Bauer,)-630(der)]TJ 0 -13.549 Td [(zeitig)-349(nach)-348(Neustadt)-349(fahren)-348(wollte,)-374(hatte)-348(am)-349(Chausseerand)-348(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(bewu\337tloses)-268(Weib)-268(gefunden)-267(und)-268(an)-268(ihrer)-268(Kleidung)-267(erkannt,)-272(da\337)]TJ 0 -13.55 Td [(sie)-323(zu)-323(uns)-324(geh\366rte.)-469(Er)-323(hatte)-324(die)-323(v\366llig)-323(durchn\344\337te)-323(Frau)-323(auf)-323(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Stroh)-272(seines)-272(W\344gelchens)-271(gebettet)-272(und)-272(sie)-272(mit)-272(einer)-271(Pferdedecke)]TJ 0 -13.549 Td [(zugedeckt.)]TJ 11.956 -14.251 Td [(Ich)-305(lie\337)-305(die)-305(Bewu\337tlose)-305(nach)-305(einem)-305(unserer)-304(Krankenzimmer)]TJ -11.956 -13.549 Td [(am)]TJ/F24 10.9091 Tf 19.652 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stillen)-579(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.412 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 11.164 0 Td [(schaffen)-579(und)-580(Dr.)-1238(Michael)-579(rufen.)-1238(Ihn)]TJ -91.071 -13.549 Td [(verst\344ndigte)-254(ich)-255(\374ber)-254(das)-255(Vorgefallene,)-255(und)-255(wir)-254(begannen)-254(sofort)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-316(\344rztlichen)-315(Ma\337nahmen.)-448(Wir)-315(verhehlten)-316(uns)-316(beide)-315(nicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-481(wir)-482(vor)-481(einer)-481(sehr)-482(ernsten)-481(Aufgabe)-481(standen.)-944(S\344mtliche)]TJ 0 -13.55 Td [(M\344nner,)-512(die)-460(um)-460(das)-460(traurige)-460(Vorkommnis)-460(wu\337ten,)-513(auch)-459(der)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([334])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Bauer,)-250(gelobten)-250(Stillschweigen.)]TJ 11.956 -14.25 Td [(Ich)-293(blieb)-292(fast)-293(den)-292(ganzen)-293(Vormittag)-293(bei)-292(der)-293(Kranken.)-377(Gegen)]TJ -11.956 -13.55 Td [(zehn)-316(Uhr)-315(schlug)-316(sie)-315(die)-316(Augen)-315(auf.)-447(Sie)-315(l\344chelte)-316(mich)-316(an,)-331(ohne)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-250(sie)-250(bei)-250(klarer)-250(Besinnung)-250(war,)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Der)-294(heilige)-295(Johannes)-294(hat)-294(mich)-295(getauft;)-316(nun)-295(bin)-294(ich)-294(rein)-295(von)]TJ -16.799 -13.549 Td [(S\374nden!)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -24.404 -14.251 Td [(Die)-213(Augen)-213(fielen)-213(wieder)-213(zu,)-220(\366ffneten)-213(sich)-213(aber)-213(bald)-213(aufs)-212(neue.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-236(habe)-236(Luise)-237(gefunden.)-245(Als)-236(ich)-236(ganz)-237(m\374de)-236(war)-236(und)-236(auf)-237(die)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Stra\337e)-250(fiel,)-250(ist)-250(sie)-250(zu)-250(mir)-250(gekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.593 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1342 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1343 0 R +/Resources 1341 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1344 0 obj << +/D [1342 0 R /XYZ 145.883 190.89 null] +>> endobj +1341 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1347 0 obj << +/Length 4984 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(260)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Dann)-250(wieder)-250(tiefe)-250(Bewu\337tlosigkeit.)]TJ 0 -13.856 Td [(Gegen)-249(Mittag)-249(lie\337)-250(sich)-249(meine)-249(Mutter)-249(bei)-249(mir)-250(melden.)-249(Sie)-249(war)]TJ -11.956 -13.549 Td [(sehr)-250(bla\337)-250(und)-250(rang)-250(die)-250(H\344ndchen)-250(ineinander.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Um)-250(Gottes)-250(willen,)-250(wie)-250(konnte)-250(das)-250(geschehen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 201.48 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -206.323 -13.856 Td [(Ich)-250(sah)-250(sie)-250(streng)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-239(konnte)-238(geschehen,)-241(weil)-238(ihr)-239(so)-238(unbarmherzig)-239(waret,)-241(dieser)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Frau)-353(ihr)-354(Kind)-353(zu)-353(entrei\337en.)-560(Sag)-353(mir)-354(das)-353(eine,)-379(Mutter,)-379(hast)-353(du)]TJ 0 -13.55 Td [(darum)-250(gewu\337t,)-250(da\337)-250(Joachim)-250(in)-250(die)-250(Klause)-250(eindringen)-250(wollte?)]TJ/F24 10.9091 Tf 267.534 0 Td [(\034)]TJ -255.578 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-335(ich)-318(habe)-318(ihm)-318(blo\337)-317(gesagt,)-335(wo)-318(das)-318(Kind)-318(ist,)-335(und)-318(dann)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nichts)-250(erfahren,)-250(bis)-250(er)-250(Luise)-250(brachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 159.044 0 Td [(\034)]TJ -147.088 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(mir)-250(lieb.)-250(Und)-250(wo)-250(ist)-250(Luise)-250(jetzt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 173.629 0 Td [(\034)]TJ -178.472 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.927 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.451 0 Td [(ich)-275(habe)-274(sie)-275(nach)-275(Neustadt)-274(gebracht)-275(zu)-275(einer)-274(Freundin)]TJ -42.177 -13.549 Td [(von)-230(mir.)-243(Wir)-230(wollten)-230(keinen)-229(Skandal)-230(in)-230(Waltersburg)-230(oder)-230(bei)-229(dir)]TJ 0 -13.549 Td [(hier)-250(oben.)-250(Joachim)-250(wollte)-250(auch)-250(bald)-250(am)-250(Morgen)-250(fort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.08 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -304.836 0 Td [([335])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.856 Td [(Ich)-532(dachte)-533(daran,)-602(wie)-533(sicher)-532(der)-532(m\374tterliche)-532(Instinkt)-533(die)]TJ -11.955 -13.55 Td [(ungl\374ckliche)-498(Katharina)-498(geleitet)-497(hatte.)-994(Auf)-498(dem)-498(Wege)-497(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(Neustadt)-250(war)-250(sie)-250(zusammengebrochen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-250(wird)-250(nun)-250(werden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.876 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(die)-250(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.375 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wie)-250(steht)-250(es?)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ -255.676 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-399(steht)-400(sehr)-399(schlecht.)-698(Du)-399(kannst)-399(deinem)-399(Sohne)-400(Joachim)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sagen)-290(oder)-290(schreiben,)-301(da\337)-290(sein)-290(sehnlichster)-290(Wunsch,)-300(diese)-290(Frau)]TJ 0 -13.549 Td [(m\366ge)-305(sterben,)-318(wahrscheinlich)-305(in)-305(Erf\374llung)-305(gehen)-305(wird.)-415(Er)-304(mag)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(einstweilen)-250(freuen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.354 -13.856 Td [(Die)-250(Mutter)-250(weinte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Fritz,)-359(du)-338(mu\337t)-337(nicht)-338(so)-337(von)-337(ihm)-338(denken.)-512(Er)-338(hat)-337(doch)-338(auch)]TJ -16.799 -13.55 Td [(viel)-334(gelitten.)-501(Gestern)-334(hat)-334(er)-334(unrecht)-334(gehandelt.)-501(Er)-334(ist)-334(dann)-333(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ganze)-216(Nacht)-216(wach)-217(geblieben,)-223(und)-216(ich)-216(glaube,)-223(wenn)-216(die)-216(Frau)-216(jetzt)]TJ 0 -13.549 Td [(stirbt,)-262(wird)-260(es)-259(sein)-260(Gewissen)-260(sehr)-259(bedr\374cken.)-279(Er)-260(ist)-260(ja)-259(deswegen)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-250(noch)-250(nicht)-250(abgereist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.913 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -101.958 -13.856 Td [(Ich)-250(lachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hab)-582(keine)-583(Sorge,)-666(Mutter,)-665(Joachims)-583(Gewissen)-582(ist)-583(recht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(robust.)]TJ/F24 10.9091 Tf 30 0 Td [(\034)]TJ -18.045 -13.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihr)-250(werdet)-250(euch)-250(nie)-250(verstehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.771 0 Td [(\034)]TJ -136.615 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein.)-244(Niemals!)-243(Mit)-231(solch)-231(einem)-231(Kerl)-231(niemals!)]TJ/F24 10.9091 Tf 201.736 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.364 0 Td [(Sie)-231(sa\337)-231(noch)]TJ -225.899 -13.549 Td [(ein)-364(Weilchen)-364(da.)-592(Ich)-364(fand)-365(kein)-364(gutes)-364(Wort)-364(f\374r)-364(Joachim,)-392(auch)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1346 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1347 0 R +/Resources 1345 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1348 0 obj << +/D [1346 0 R /XYZ 93.543 337.509 null] +>> endobj +1345 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1351 0 obj << +/Length 5118 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(261)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(nicht)-398(f\374r)-398(sie,)-435(fragte)-397(auch)-398(nicht,)-435(was)-398(die)-398(beiden)-398(wohl)-398(nun)-397(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Luise)-250(vorh\344tten,)-250(und)-250(so)-250(ging)-250(sie)-250(...)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Unsere)-820(Patientin)-820(war)-820(schwer)-821(krank,)-962(und)-820(eine)-820(heftig)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einsetzende)-501(Lungenentz\374ndung)-502(nahm)-501(uns)-501(bei)-501(der)-501(schlechten)]TJ 0 -13.549 Td [(Beschaffenheit)-250(des)-250(Herzens)-250(fast)-250(alle)-250(Hoffnung.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Am)-281(zweiten)-281(Tage)-280(abends)-281(wurde)-281(von)-281(Waltersburg)-281(aus)-280(wieder)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nach)-250(Katharinas)-250(Befinden)-250(gefragt.)-250(Ich)-250(schrieb)-250(auf)-250(einem)-250(Zettel:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([336])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Joachim)-250(mag)-250(sich)-250(noch)-250(etwas)-250(gedulden;)-250(es)-250(ist)-250(bald)-250(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.789 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -246.632 -13.9 Td [(Am)-441(selben)-440(Abend)-441(h\366rte)-441(ich)-441(drau\337en)-440(vor)-441(den)-441(Fenstern)-440(ein)]TJ -11.955 -13.549 Td [(helles)-288(Kinderlachen.)-363(Da)-287(sah)-288(ich)-288(Luise)-288(drau\337en.)-363(Stefenson)-287(hatte)]TJ 0 -13.55 Td [(das)-250(M\344del)-250(um)-250(den)-250(Hals)-250(gefa\337t)-250(und)-250(f\374hrte)-250(sie)-250(die)-250(Stra\337e)-250(herauf.)]TJ 11.955 -13.899 Td [(Ich)-250(ging)-250(hinaus.)-250(Das)-250(Kind)-250(st\374rzte)-250(auf)-250(mich)-250(zu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Onkel,)-476(lieber)-431(Onkel)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.789 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-476(rief)-431(es)-431(selig;)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.886 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(denke)-431(dir,)-476(Pappa)-431(ist)]TJ -188.16 -13.549 Td [(wieder)-250(da.)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.436 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -33.481 -13.9 Td [(Stefenson)-239(strahlte)-240(\374ber)-239(das)-240(ganze)-239(Gesicht.)-246(Er)-240(fl\374sterte)-239(mir)-240(zu:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-275(ist)-274(nicht)-275(so)-275(gegangen,)-280(wie)-275(ich)-275(wollte.)-324(Ich)-274(hatte)-275(mir)-275(einen)]TJ -16.798 -13.549 Td [(genialen)-244(Plan)-245(zurechtgelegt,)-245(dem)-245(Kerl)-244(das)-244(M\344del)-245(zu)-244(nehmen;)-246(da)]TJ 0 -13.55 Td [(gab)-250(er)-250(es)-250(leider)-250(freiwillig)-250(her.)]TJ/F24 10.9091 Tf 129.054 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -117.099 -13.899 Td [(Das)-250(Kind)-250(klammerte)-250(sich)-250(an)-250(mich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Onkel,)-229(lieber)-223(Onkel,)-229(la\337)-223(doch)-224(nicht)-223(mehr)-223(den)-224(b\366sen)-223(Mann)-224(zu)]TJ -16.798 -13.55 Td [(mir)-250(kommen.)-250(Ich)-250(hab)-250(so)-250(schreckliche)-250(Angst)-250(vor)-250(ihm!)]TJ/F24 10.9091 Tf 232.995 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -221.04 -13.899 Td [(Ich)-380(sagte)-379(ihr)-380(nicht,)-412(da\337)-379(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.899 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(b\366se)-380(Mann)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.589 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.985 0 Td [(ihr)-380(Vater)-379(sei.)-639(Es)]TJ -203.271 -13.55 Td [(gibt)-287(Hunderttausende)-287(von)-287(Kindern,)-296(f\374r)-287(die)-287(der)-287(eigene)-287(Vater)-287(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(b\366se)-194(Mann)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.567 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.963 0 Td [(ist.)-231(Die)-195(m\344nnlichen)-194(Schweine)-194(fressen)-195(zuweilen)-194(den)]TJ -59.373 -13.549 Td [(eigenen)-203(Nachwuchs)-203(auf;)-219(ich)-203(sch\344tze)-203(menschliche)-203(V\344ter,)-212(die)-203(ihrer)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinder)-328(Jugendgl\374ck)-327(vergiften,)-348(noch)-327(um)-328(einige)-328(Grade)-327(niedriger)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-189(als)-190(die)-189(selbsts\374chtigen)-190(Borstentiere.)-230(Denn)-189(im)-189(Schweinekoben)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-288(der)-288(Schmerz)-288(kurz,)-298(bei)-288(lieblosen)-288(Menschenerziehern)-288(dehnt)-288(er)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(Jahr)-250(f\374r)-250(Jahr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kommt)-250(der)-250(b\366se)-250(Mann)-250(wieder?)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.153 0 Td [(\034)]TJ -142.996 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-250(Luise,)-250(er)-250(kommt)-250(nicht)-250(mehr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 151.8 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 122.425 0 Td [([337])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dann)-309(mu\337t)-309(du)-309(der)-309(Magdalena)-309(sagen,)-324(da\337)-309(wir)-309(nicht)-309(mehr)-310(in)]TJ -16.798 -13.55 Td [(der)-299(Genovevenklause)-299(wohnen)-300(wollen;)-324(wir)-299(wollen)-299(lieber)-299(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(den)-250(Forellenhof)-250(ziehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.523 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1350 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1351 0 R +/Resources 1349 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1352 0 obj << +/D [1350 0 R /XYZ 46.771 433.8 null] +>> endobj +1353 0 obj << +/D [1350 0 R /XYZ 46.771 105.602 null] +>> endobj +1349 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1356 0 obj << +/Length 5141 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(262)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hast)-250(du)-250(Magdalena)-250(lieb,)-250(Luise?)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.458 0 Td [(\034)]TJ -143.301 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(will)-250(wieder)-250(zu)-250(ihr.)-250(Wo)-250(ist)-250(sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 161.793 0 Td [(\034)]TJ -166.636 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(ist)-250(jetzt)-250(krank;)-250(aber)-250(vielleicht)-250(wird)-250(sie)-250(wieder)-250(gesund.)]TJ/F24 10.9091 Tf 250.265 0 Td [(\034)]TJ -255.108 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(wird)-250(doch)-250(nicht)-250(sterben?)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(das)-250(Kind)-250(weinerlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -136.636 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nein,)-238(Herzchen)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.325 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-238(sagte)-235(ich)-235(mit)-235(unsicherer)-235(Stimme.)-245(Langsam)]TJ -89.967 -13.549 Td [(gingen)-445(Stefenson)-445(und)-445(ich)-445(mit)-445(dem)-445(Kinde)-445(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.998 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stillen)-445(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.944 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(entlang)-250(...)]TJ 11.956 -13.856 Td [(Keinem)-627(unter)-628(allen)-627(S\374ndern)-628(hat)-627(Christus)-628(so)-627(streng)-627(die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Verdammnis)-232(angedroht)-233(wie)-232(den)-232(Unbarmherzigen.)-244(Was)-233(er)-232(f\374r)-232(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(hat,)-406(ist)-375(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.308 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(ewige)-375(Finsternis,)-406(wo)-375(Heulen)-375(und)-375(Z\344hneknirschen)]TJ -57.151 -13.549 Td [(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.309 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)-827(Diese)-442(H\366llenstrafe)-442(trifft)-443(die)-442(Unbarmherzigen)-442(schon)-442(auf)]TJ -15.153 -13.549 Td [(dieser)-428(Welt.)-783(Denn)-428(Unbarmherzigkeit)-428(ist)-427(Finsternis,)-473(und)-427(Ha\337)]TJ 0 -13.549 Td [(heult)-356(und)-356(knirscht)-356(mit)-356(den)-356(Z\344hnen)-356(und)-356(ist)-356(verbannt)-356(von)-355(allem)]TJ 0 -13.55 Td [(Frieden)-250(und)-250(allem)-250(Gl\374ck.)]TJ 11.955 -13.856 Td [(In)-301(diesem)-300(Lichte)-300(sah)-301(ich)-300(meinen)-301(Bruder.)-401(Und)-301(als)-300(ich)-301(wieder)]TJ -11.955 -13.549 Td [(einmal)-441(bei)-441(der)-441(r\366chelnden,)-489(fiebernden)-441(Frau)-441(war,)-488(als)-441(ich)-441(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(hei\337en)-254(H\344nde)-255(sich)-254(die)-254(Wand)-254(hinaufkrallen)-255(sah,)-255(ihren)-254(qualvollen)]TJ 0 -13.549 Td [(Husten)-416(h\366rte,)-458(schickte)-416(ich)-416(auf)-416(neue)-416(Anfrage)-416(aus)-416(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(einen)-250(Zettel)-250(an)-250(Joachim:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-550(bist)-550(als)-550(Amerikafahrer)-550(mit)-550(indianischen)-551(Gebr\344uchen)]TJ -16.799 -13.55 Td [(vertraut.)-250(Freue)-250(dich,)-250(deine)-250(Frau)-250(h\344ngt)-250(am)-250(Marterpfahl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.029 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -311.785 0 Td [([338])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.856 Td [(Daraufhin)-331(lie\337)-330(er)-331(sich)-331(bei)-331(mir)-330(melden,)-351(aber)-331(ich)-331(empfing)-331(ihn)]TJ -11.955 -13.549 Td [(nicht)-250(...)]TJ 11.955 -13.856 Td [(In)-250(ihren)-250(Fiebertr\344umen)-250(schrie)-250(die)-250(Frau)-250(immer)-250(wieder:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Taufe)-250(mich,)-250(heiliger)-250(Johannes,)-250(taufe)-250(mich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.927 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -191.771 -13.856 Td [(Und)-250(sie)-250(jammerte)-250(nach)-250(dem)-250(Kinde.)]TJ 0 -13.856 Td [(Als)-463(sie)-462(das)-463(erstemal)-462(bei)-462(klarem)-463(Bewu\337tsein)-462(war,)-516(als)-463(sich)]TJ -11.955 -13.549 Td [(der)-301(Fieberblick)-301(in)-302(Angst)-301(und)-301(Todestraurigkeit)-301(verlor,)-314(wu\337te)-301(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-250(zu)-250(sagen)-250(als:)]TJ/F24 10.9091 Tf 87.262 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Luise)-250(ist)-250(fort!)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.388 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -139.539 -13.856 Td [(Da)-250(sah)-250(ich)-250(sie)-250(l\344chelnd)-250(an.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-207(liebe)-196(K\344the,)-207(Luise)-196(ist)-196(hier.)-233(Du)-196(bist)-196(nur)-196(jetzt)-196(noch)-197(krank;)]TJ -16.799 -13.55 Td [(du)-250(bildest)-250(dir)-250(blo\337)-250(ein,)-250(da\337)-250(Luise)-250(fort)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 178.178 0 Td [(\034)]TJ -166.223 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.658 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(ich)-250(bilde)-250(es)-250(mir)-250(blo\337)-250(ein?)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.596 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -140.28 -13.856 Td [(Ein)-250(kleines,)-250(halb)-250(irres)-250(Lachen)-250(flog)-250(um)-250(ihren)-250(Mund.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1355 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1356 0 R +/Resources 1354 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1335 0 R +>> endobj +1357 0 obj << +/D [1355 0 R /XYZ 93.543 242.665 null] +>> endobj +1354 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1360 0 obj << +/Length 4451 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(263)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(bilde)-250(es)-250(mir)-250(blo\337)-250(ein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.985 0 Td [(\034)]TJ -114.828 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(liebe)-250(K\344the)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.255 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(du)-250(denkst)-250(das)-250(blo\337)-250(so)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.847 0 Td [(\034)]TJ -185.126 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-210(denke)-211(es)-210(blo\337)-211(so?)-236(Wo)-211(ist)-210(denn)-211(Luise?)-236(Warum)-211(ist)-210(sie)-211(denn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nicht)-250(bei)-250(mir?)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.6 0 Td [(\034)]TJ -48.644 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sieh)-315(nur,)-331(K\344the,)-331(du)-315(bist)-315(krank;)-348(das)-315(Kind)-315(l\344rmt)-315(zu)-315(sehr.)-445(Du)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wei\337t)-250(doch,)-250(wie)-250(es)-250(l\344rmt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.68 0 Td [(\034)]TJ -97.724 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-250(ist)-250(so)-250(sch\366n,)-250(wenn)-250(es)-250(l\344rmt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 134.836 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -139.679 -14.643 Td [(Und)-250(sie)-250(l\344chelte)-250(lieb)-250(und)-250(seltsam)-250(und)-250(schlief)-250(ein.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 385.422 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 367.226 Td [(Es)-228(ging)-228(auf)-228(die)-229(Krisis)-228(zu.)-242(Wie)-229(das)-228(so)-228(ist)-228(in)-228(solchen)-228(F\344llen:)-239(das)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Befinden)-307(schwankte;)-334(einmal)-307(ging)-306(es)-307(der)-306(Kranken)-307(etwas)-306(besser,)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-347(anderes)-347(Mal)-347(wieder)-347(war)-347(es)-347(ganz)-347(zum)-347(Verzweifeln.)-540(Immer)]TJ 0 -13.55 Td [(der)-250(eine)-250(Satz:)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(das)-250(Herz)-250(aush\344lt,)-250(dann)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.447 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 85.628 0 Td [([339])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.643 Td [(Ja,)-250(wenn!)]TJ 0 -14.643 Td [(Am)-399(siebenten)-398(Tage)-399(lie\337en)-398(wir)-399(Luise)-399(zu)-398(der)-399(Kranken.)-695(Wir)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hatten)-250(Luise)-250(wohl)-250(vorbereitet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-262(darfst)-263(nicht)-262(schreien)-262(oder)-263(weinen)-262(oder)-262(l\344rmen.)-287(Du)-263(darfst)]TJ -16.799 -13.549 Td [(nur)-261(ganz)-260(leise)-261(auf)-261(den)-261(Zehen)-260(ans)-261(Bett)-261(gehen,)-263(der)-261(Magdalena)-260(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Hand)-250(k\374ssen)-250(und)-250(sagen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.469 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Mamma,)-250(ich)-250(hab)-250(dich)-250(lieb!)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.862 0 Td [(\030\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -218.008 -14.643 Td [(So)-273(hat)-272(es)-273(das)-273(M\344dchen)-273(getan.)-318(Die)-272(Kranke)-273(lag)-273(mit)-272(verkl\344rtem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesicht,)-453(und)-412(in)-413(ihren)-412(Augen)-413(war)-412(ein)-412(Strahlen,)-453(als)-413(ob)-412(ihr)-412(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Himmel)-250(offenst\344nde.)]TJ 11.956 -14.643 Td [(Als)-348(das)-348(Kind)-349(das)-348(Zimmer)-348(verlassen)-348(hatte,)-373(ging)-348(ein)-348(Fr\366steln)]TJ -11.956 -13.55 Td [(\374ber)-250(den)-250(K\366rper)-250(des)-250(Weibes:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.643 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-255(ist)-254(alles)-255(nicht)-254(wahr)-255(gewesen)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.064 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.232 0 Td [(ich)-255(hab)-254(das)-255(Furchtbare)-254(nur)]TJ -164.095 -13.549 Td [(getr\344umt)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.509 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Luise)-250(ist)-250(wirklich)-250(da)-250(...!)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.931 0 Td [(\034)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 111.436 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 93.24 Td [(Am)-158(zehnten)-158(Tage)-158(wu\337ten)-158(wir,)-176(da\337)-158(Katharina)-158(am)-158(Leben)-158(bleiben)]TJ -11.956 -13.549 Td [(w\374rde.)-553(Freilich)-351(w\374rde)-352(sie)-351(nie)-351(mehr)-351(ganz)-351(gesunden.)-553(Das)-351(Herz)]TJ 0 -13.549 Td [(war)-365(schon)-365(vor)-365(der)-365(Erkrankung)-365(nicht)-365(in)-365(Ordnung)-365(gewesen)-365(und)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1359 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1360 0 R +/Resources 1358 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +1361 0 obj << +/D [1359 0 R /XYZ 46.771 325.04 null] +>> endobj +1358 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1365 0 obj << +/Length 4883 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(264)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(hatte)-301(nun)-302(schwer)-301(gelitten.)-405(Es)-301(w\374rde)-302(ein)-301(sehr)-302(stilles)-301(Leben)-301(sein,)]TJ 0 -13.549 Td [(was)-250(Katharina)-250(fortan)-250(f\374hren)-250(m\374\337te.)]TJ 11.956 -13.856 Td [(Am)-285(hellen)-286(Mittag)-285(trat)-286(mir)-285(auf)-286(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.329 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stillen)-285(Weg)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.205 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.958 0 Td [(der)-285(Bruder)]TJ -233.291 -13.549 Td [(entgegen.)-472(Er)-324(gesellte)-324(sich)-324(zu)-324(mir,)-342(ohne)-324(da\337)-324(wir)-324(uns)-324(die)-323(H\344nde)]TJ 0 -13.549 Td [(reichten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lebt)-349(sie)-350(noch?)-547(Ist)-350(die)-349(Krise)-349(vorbei?)]TJ/F24 10.9091 Tf 163.782 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.654 0 Td [(fragte)-349(er)-350(mit)-349(offener)]TJ -189.235 -13.549 Td [(Furcht)-250(in)-250(den)-250(Augen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(es)-250(ist)-250(\374berwunden!)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.949 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -101.792 -13.856 Td [(Da)-250(atmete)-250(er)-250(auf.)]TJ/F16 7.9701 Tf -84.712 0 Td [([340])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.712 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-188(habe)-187(schwere)-188(Tage)-187(und)-188(N\344chte)-187(hinter)-188(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.253 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-200(sagte)-187(er)-188(etwas)]TJ -215.896 -13.549 Td [(stockend;)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.525 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(deine)-310(Worte)-310(lagen)-310(mir)-310(immer)-310(in)-310(den)-310(Ohren,)-325(und)-310(du)]TJ -50.368 -13.549 Td [(hast)-325(es)-325(mir)-325(auch)-324(durch)-325(deine)-325(Botschaften)-325(nicht)-325(leicht)-324(gemacht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-250(ich)-250(hatte)-250(es)-250(wohl)-250(verdient.)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.364 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -127.409 -13.856 Td [(Ich)-250(antwortete)-250(nicht.)-250(Er)-250(fuhr)-250(fort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-304(werde)-304(nun)-305(abreisen.)-412(Ich)-304(bitte)-304(dich,)-318(K\344the)-304(zu)-304(einer)-305(Zeit,)]TJ -16.799 -13.55 Td [(wo)-354(du)-355(es)-354(f\374r)-354(angemessen)-355(halten)-354(wirst,)-380(einen)-355(Brief)-354(von)-354(mir)-354(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bergeben.)-596(Er)-366(ist)-365(offen;)-423(du)-366(sollst)-365(ihn)-365(vorher)-366(lesen.)-596(Der)-365(Brief)]TJ 0 -13.549 Td [(enth\344lt)-204(nichts)-205(als)-204(einen)-205(kurzen)-204(Abschied,)-214(und)-204(da\337)-204(wir)-205(jetzt,)-213(durch)]TJ 0 -13.549 Td [(Land)-219(und)-219(Meer)-219(f\374r)-219(immer)-219(getrennt,)-225(ohne)-219(Feindschaft)-219(aneinander)]TJ 0 -13.549 Td [(denken)-250(wollen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.655 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -54.7 -13.856 Td [(Ich)-250(wandte)-250(den)-250(Kopf)-250(zur)-250(Seite.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.857 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(Luise?)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.596 0 Td [(\034)]TJ -55.44 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Luise)-250(werde)-250(ich)-250(ihr)-250(lassen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 116.64 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -121.484 -13.856 Td [(Wir)-250(gingen)-250(schweigend)-250(nebeneinander)-250(hin.)-250(Dann)-250(sagte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Da\337)-271(ich)-271(von)-271(dem)-271(Kinde)-271(ohne)-271(Abschied)-271(fortgehen)-271(mu\337,)-271(f\344llt)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-229(sehr)-229(schwer.)-244(Du)-229(wirst)-229(es)-229(nicht)-230(glauben;)-236(aber)-229(es)-229(ist)-229(wahr.)-243(Das)]TJ 0 -13.549 Td [(Kind)-315(w\374rde)-315(sich)-315(f\374rchten,)-331(wenn)-315(es)-315(mich)-315(wieders\344he.)-445(Ich)-314(bitte,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-281(du)-281(dich)-280(weiter)-281(des)-281(M\344dchens)-281(annimmst.)-342(Mit)-281(einem)-280(Kapital)]TJ 0 -13.549 Td [(werde)-250(ich)-250(es)-250(ausstatten.)-250(Willst)-250(du)-250(die)-250(Sache)-250(\374bernehmen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 252.371 0 Td [(\034)]TJ -240.416 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.815 0 Td [(\034)]TJ -16.659 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(danke)-250(dir!)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -66.033 -13.857 Td [(Wieder)-250(gingen)-250(wir)-250(ein)-250(St\374ckchen)-250(wortlos)-250(weiter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.856 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-389(k\366nnte)-389(nun)-389(gehen,)-424(Fritz;)-459(aber)-389(das)-389(Schwerste)-389(habe)-390(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(noch)-250(zu)-250(sagen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 64.527 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -137.283 0 Td [([341])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1364 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1365 0 R +/Resources 1363 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +1366 0 obj << +/D [1364 0 R /XYZ 93.543 408.456 null] +>> endobj +1367 0 obj << +/D [1364 0 R /XYZ 93.543 63.764 null] +>> endobj +1363 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1370 0 obj << +/Length 4526 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Vom)-250(Bruder)-250(und)-250(seiner)-250(Frau)-12726(265)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Ich)-250(sah)-250(ihn)-250(fragend)-250(an.)-250(Da)-250(brachte)-250(er)-250(heraus:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)-250(Mutter)-250(will)-250(mit)-250(mir)-250(nach)-250(Amerika.)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.985 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -174.828 -13.783 Td [(Ich)-250(blieb)-250(stehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-255(mu\337t)-255(nicht)-256(glauben,)-256(Fritz,)-257(da\337)-255(ich)-255(Mutter)-255(dazu)-256(\374berredet)]TJ -16.799 -13.549 Td [(habe.)-250(Sie)-250(hat)-250(es)-250(von)-250(selbst)-250(gewollt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.716 0 Td [(\034)]TJ -140.76 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(kann)-250(es)-250(mir)-250(denken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.462 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -123.305 -13.783 Td [(Etwas)-250(unendlich)-250(Bitteres)-250(quoll)-250(mir)-250(durch)-250(die)-250(Seele.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wann)-250(wollt)-250(ihr)-250(denn)-250(fort?)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.313 0 Td [(\034)]TJ -118.156 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Morgen.)-767(Die)-422(Mutter)-423(l\344\337t)-422(dich)-422(fragen,)-466(wann)-422(sie)-422(sich)-423(von)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dir)-581(verabschieden)-581(kann.)-1244(Willst)-581(du)-581(am)-581(Nachmittag)-581(zu)-581(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(hinunterkommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.386 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -67.43 -13.783 Td [(Ich)-250(mu\337te)-250(erst)-250(ein)-250(paarmal)-250(Atem)-250(holen,)-250(dann)-250(sagte)-250(ich:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(werde)-250(kommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.887 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -105.73 -13.783 Td [(Joachim)-250(blieb)-250(stehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-325(habe)-325(ich)-325(dir)-325(alles)-325(gesagt,)-343(Fritz.)-475(Nun)-325(kann)-325(ich)-325(mich)-325(von)]TJ -16.799 -13.55 Td [(dir)-278(verabschieden.)-333(Wenn)-278(du)-278(zu)-278(Mutter)-278(kommst,)-285(werde)-278(ich)-277(euch)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(st\366ren,)-250(werde)-250(ich)-250(schon)-250(fort)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 169.058 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -157.102 -13.783 Td [(Es)-250(wurde)-250(ihm)-250(schwer.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Leb)-401(wohl,)-438(Fritz;)-476(hab)-401(keinen)-401(Groll)-401(mehr)-400(gegen)-401(mich.)-703(Ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(danke)-389(dir)-389(f\374r)-389(alles)-389(Gute)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.312 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.698 0 Td [(auch,)-424(da\337)-389(du)-389(mich)-389(f\374nf)-389(Jahre)-389(lang)]TJ -123.01 -13.549 Td [(gesucht)-233(hast)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.976 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.991 0 Td [(auch,)-236(da\337)-233(du)-232(neulich)-233(so)-232(mit)-233(mir)-232(gesprochen)-233(hast.)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.819 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -13.783 Td [(Die)-195(Stimme)-196(stockte)-195(ihm,)-207(und)-195(auch)-196(ich)-195(brachte)-196(es)-195(kaum)-195(heraus,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(als)-250(ich)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Beh\374te)-250(dich)-250(Gott,)-250(Joachim!)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.989 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -124.832 -13.783 Td [(Als)-286(er)-287(sich)-286(schon)-287(abgewandt)-286(und)-286(die)-287(ersten)-286(Schritte)-286(gemacht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hatte,)-701(erscholl)-611(jenseits)-611(eines)-611(kleinen)-611(Geb\374sches)-611(das)-611(selige)]TJ 0 -13.55 Td [(Kinderlachen)-250(Luises.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([342])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -13.783 Td [(Joachim)-250(wandte)-250(sich)-250(noch)-250(einmal)-250(um.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.783 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ist)-250(sie)-250(das?)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -52.712 -13.783 Td [(Ich)-250(nickte)-250(mit)-250(dem)-250(Kopf.)]TJ 0 -13.783 Td [(Da)-371(legte)-371(er)-370(die)-371(Hand)-371(\374ber)-371(die)-370(Augen)-371(und)-371(ging)-371(schwer)-370(und)]TJ -11.956 -13.549 Td [(langsam)-250(den)-250(Berg)-250(hinab.)]TJ 11.956 -13.783 Td [(Und)-294(noch)-295(einmal)-294(erscholl)-295(das)-294(Lachen)-295(des)-294(spielenden)-294(Kindes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hinter)-250(ihm)-250(her.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1369 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1370 0 R +/Resources 1368 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +1371 0 obj << +/D [1369 0 R /XYZ 46.771 162.057 null] +>> endobj +1368 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1372 0 obj +<< /S /GoTo /D (index29) >> +endobj +1375 0 obj +(Freund Stefenson) +endobj +1378 0 obj << +/Length 3194 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.811 Td [([343])]TJ/F16 18.9589 Tf 146.249 -68.051 Td [(Freund)-272(Stefenson)]TJ/F16 10.9091 Tf -73.494 -36.155 Td [(Nun)-761(war)-760(es)-761(vorbei.)-1782(Ich)-761(stieg)-760(von)-761(Neustadt)-761(aus)-760(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Weihnachtsberg)-505(hinauf.)-1017(Der)-505(Zug,)-570(der)-505(meine)-506(Mutter)-505(in)-505(die)]TJ 0 -13.549 Td [(weite)-296(Welt)-296(davongef\374hrt)-296(hatte,)-307(war)-296(l\344ngst)-296(nicht)-296(mehr)-296(zu)-295(sehen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Der)-580(Bruder)-581(war)-580(schon)-580(gestern)-581(bis)-580(zur)-580(Provinzialhauptstadt)]TJ 0 -13.549 Td [(vorangereist;)-250(ich)-250(hatte)-250(ihn)-250(nicht)-250(mehr)-250(getroffen.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Die)-544(Bitterkeit)-545(war)-544(aus)-545(meiner)-544(Seele)-545(gewichen)-544(und)-544(hatte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einer)-457(stillen)-456(Trauer)-457(Platz)-456(gemacht.)-870(Die)-457(letzten)-456(Stunden,)-508(die)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-377(mit)-377(meiner)-377(Mutter)-376(verlebt)-377(hatte,)-409(waren)-377(voll)-377(reinster)-376(Liebe)]TJ 0 -13.549 Td [(gewesen,)-652(ohne)-571(Eifersucht,)-652(ohne)-572(Neid,)-652(ohne)-571(Groll)-572(auf)-571(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Bruder,)-315(um)-301(dessentwillen)-302(sie)-301(mich)-302(und)-302(die)-301(alte)-302(Heimat)-301(verlie\337.)]TJ 0 -13.55 Td [(Joachim)-229(sollte)-229(nicht)-229(wieder)-229(einsam)-229(und)-229(verbittert)-229(durch)-229(die)-229(Welt)]TJ 0 -13.549 Td [(irren;)-431(die)-370(Mutter)-371(wollte)-371(nicht)-370(wieder)-371(Tag)-370(f\374r)-371(Tag)-370(sehns\374chtig)]TJ 0 -13.549 Td [(am)-473(Fenster)-473(stehen)-473(und)-473(auf)-473(das)-473(schwerm\374tige)-473(Pl\344tschern)-473(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Johannesbrunnens)-250(lauschen.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Mich)-532(wu\337te)-532(sie)-532(in)-532(Sicherheit,)-602(mit)-532(einer)-532(gro\337en)-532(Aufgabe)]TJ -11.956 -13.549 Td [(betraut,)-415(die)-382(mein)-382(Herz)-382(ausf\374llen)-382(w\374rde.)-646(So)-382(ging)-382(sie)-382(mit)-381(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(anderen,)-250(dem)-250(Einsamen.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Es)-446(war)-446(weiblich,)-494(es)-446(war)-446(m\374tterlich;)-544(es)-446(konnte)-446(wohl)-445(nicht)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anders)-250(sein.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Aber)-268(wie)-268(ich)-268(auf)-269(die)-268(andere)-268(Seite)-268(des)-268(Weihnachtsberges)-268(kam)]TJ -11.956 -13.549 Td [(und)-281(mein)-280(altes)-281(Waltersburg)-281(liegen)-280(sah,)-289(den)-280(Marktplatz)-281(mit)-280(dem)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([344])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Brunnen)-429(und)-430(mein)-429(verlassenes)-429(Vaterhaus,)-474(da)-430(setzte)-429(ich)-429(mich)]TJ 0 -13.55 Td [(todm\374de)-295(an)-294(den)-295(Wegrand)-295(ins)-295(welke)-294(Gras.)-384(Ich)-295(barg)-295(das)-294(Gesicht)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-250(den)-250(H\344nden)-250(und)-250(sa\337)-250(lange)-250(so.)]TJ 11.956 -14.296 Td [(Als)-409(ich)-408(endlich)-409(aufblickte,)-448(sah)-408(ich)-409(mir)-408(gegen\374ber)-409(auf)-408(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(anderen)-381(Wegrande)-381(Stefenson)-381(sitzen.)-643(Ich)-381(war)-381(unwillig,)-414(da\337)-380(er)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1377 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1378 0 R +/Resources 1376 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +101 0 obj << +/D [1377 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1373 0 obj << +/D [1377 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1379 0 obj << +/D [1377 0 R /XYZ 286.843 134.635 null] +>> endobj +1376 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1382 0 obj << +/Length 4758 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Freund)-250(Stefenson)-17197(267)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(sich)-251(so)-250(angeschlichen)-251(hatte,)-251(aber)-251(er)-250(kam)-251(mir)-251(mit)-250(teilnehmendem)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesicht,)-382(ganz)-355(ohne)-356(seine)-355(sonstige)-355(sp\366ttische)-356(Art,)-382(entgegen,)-381(so)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-250(mein)-250(\304rger)-250(verflog.)]TJ 11.956 -16.004 Td [(Stefenson)-252(setzte)-252(sich)-252(neben)-253(mich)-252(und)-252(legte)-252(mir)-252(die)-252(Hand)-252(aufs)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Knie:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -16.004 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehen)-381(Sie,)-413(alter)-381(Junge,)-413(so)-381(was)-380(tut)-381(weh.)-642(Das)-381(begreife)-381(ich.)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Aber)-438(da)-437(m\374ssen)-438(Sie)-438(auch)-437(begreifen,)-485(da\337)-437(ich)-438(Sie)-438(nicht)-437(allein)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen)-310(kann,)-324(da\337)-310(ich)-309(mich)-310(um)-309(Sie)-310(k\374mmern)-310(mu\337.)-309(Ich)-310(bitte)-309(Sie,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-267(Sie)-266(mir)-267(einige)-267(Minuten)-267(zuh\366ren.)-300(Sie)-266(brauchen)-267(mir)-267(gar)-266(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-322(sagen,)-339(was)-322(f\374r)-321(Gef\374hle)-322(Sie)-322(bewegen,)-339(aber)-322(ich)-321(bitte)-322(Sie,)-339(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-275(erlauben,)-282(da\337)-275(ich)-275(als)-275(Ihr)-275(Freund)-275(zu)-275(diesen)-275(Gef\374hlen)-275(Stellung)]TJ 0 -13.55 Td [(nehme.)-514(Zun\344chst)-338(mal,)-360(ob)-338(Ihrer)-338(Mutter)-338(der)-337(Aufenthaltswechsel)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-227(bekommen)-227(wird.)-242(Daran)-227(denken)-227(Sie)-227(ja)-227(wohl)-227(an)-227(erster)-227(Stelle.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nun,)-219(ich)-211(meine,)-219(sie)-211(ist)-211(von)-211(guter)-211(Natur;)-224(Rio)-211(ist)-211(ei)1(n)-211(ganz)-211(gesunder)]TJ 0 -13.549 Td [(Wohnort;)-311(Ihr)-291(Bruder)-290(ist)-291(Arzt,)-301(der)-290(sie)-291(st\344ndig)-291(\374berwachen)-290(kann;)]TJ 0 -13.549 Td [(au\337erdem)-394(ist)-394(er)-394(in)-394(der)-394(Lage,)-430(ihr)-394(das)-394(Leben)-394(so)-394(angenehm)-393(wie)]TJ 0 -13.55 Td [(m\366glich)-344(zu)-344(gestalten,)-368(dann,)-368(Ihre)-344(Mutter)-344(sieht)-344(einmal)-344(die)-344(Welt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nicht)-440(mehr)-440(mit)-439(der)-440(Aufnahmef\344higkeit,)-487(der)-440(Spannkraft,)-487(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(\334berschwang)-258(der)-257(Jugend,)-260(aber)-258(mit)-257(dem)-258(ganzen)-258(Hochgenu\337,)-257(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(dem)-395(ein)-395(reifer,)-432(feiner)-395(Kopf)-395(die)-395(Sch\366nheiten)-395(dieser)-395(alten)-395(Erde)]TJ 0 -13.549 Td [(betrachten)-241(kann.)-248(Und)-241(gar)-241(Rio)-242(de)-241(Janeiro!)-247(Dort)-242(h\366ren)-241(die)-241(Tauben)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([345])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.55 Td [(die)-389(V\366gel)-388(singen,)-423(dort)-389(sehen)-388(die)-389(Blinden)-388(die)-389(Blumen)-388(bl\374hen;)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-243(wissen)-243(Sie)-242(ja)-243(selbst,)-245(Ihre)-242(Mutter)-243(wird)-243(leben)-243(wie)-243(im)-242(Paradies.)]TJ 0 -13.549 Td [(Aber)-275(das)-275(wird)-275(freilich)-276(alles)-275(nicht)-275(hindern,)-281(da\337)-275(sie)-275(das)-275(Heimweh)]TJ 0 -13.549 Td [(bekommen)-390(wird)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.975 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.703 0 Td [(nach)-390(dem)-389(alten)-390(Nest)-389(da)-389(unten)]TJ/F24 10.9091 Tf 140.618 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.703 0 Td [(nach)-390(dem)]TJ -236.999 -13.549 Td [(Hause)-322(am)-323(Brunnen)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.712 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.97 0 Td [(auch)-322(nach)-323(Ihnen.)-466(Sch\374tteln)-323(Sie)-322(nur)-322(nicht)]TJ -97.682 -13.549 Td [(den)-212(Kopf,)-220(lieber)-213(Freund;)-225(eine)-212(Mutter)-213(liebt)-212(immer)-213(am)-212(meisten)-212(das)]TJ 0 -13.55 Td [(ihrer)-272(Kinder,)-277(das)-272(nicht)-272(bei)-272(ihr)-272(ist.)-316(Und)-272(da)-272(denken)-272(Sie)-272(nur)-271(daran,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-404(sie)-403(eines)-404(sch\366nen)-404(Tages)-403(wieder)-404(dasein)-403(wird.)-711(Inzwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(lassen)-257(Sie)-257(unten)-257(in)-257(dem)-257(Hause)-257(am)-257(Markt)-257(alles,)-258(wie)-257(es)-257(ist;)-260(lassen)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-437(alle)-437(Tage)-437(die)-437(M\366bel)-437(wischen,)-484(alle)-437(sechs)-437(Wochen)-437(frische)]TJ 0 -13.549 Td [(Gardinen)-290(aufstecken,)-300(im)-290(Winter)-290(die)-290(Stuben)-290(heizen,)-300(im)-289(Sommer)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-203(Polster)-202(einmotten,)-212(auch)-203(Kupfer)-202(und)-202(Zinn)-203(in)-202(der)-203(K\374che)-202(putzen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-310(den)-309(Kanari)-310(gut)-310(im)-309(Futter)-310(halten,)-325(damit)-309(Ihre)-310(Mutter)-310(alles)-309(in)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1381 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1382 0 R +/Resources 1380 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +1383 0 obj << +/D [1381 0 R /XYZ 190.783 242.282 null] +>> endobj +1380 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1386 0 obj << +/Length 4962 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(268)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Ordnung)-250(findet,)-250(wenn)-250(sie)-250(wiederkommt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 176.946 0 Td [(\034)]TJ -164.99 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.026 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-564(sagte)-501(ich)-501(dankbar,)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.58 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-501(sind)-501(ein)-501(seelenguter)]TJ -169.091 -13.549 Td [(Mensch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.266 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -25.31 -13.927 Td [(Das)-319(verdro\337)-318(ihn.)-456(Er)-319(sagte)-319(zun\344chst)-318(gar)-319(nichts,)-336(spuckte)-318(dann)]TJ -11.956 -13.549 Td [(mit)-215(gro\337em)-216(Geschick)-215(bis)-215(zum)-216(gegen\374berliegenden)-215(Wegrand)-215(und)]TJ 0 -13.549 Td [(meinte)-250(endlich)-250(in)-250(g\344nzlich)-250(ver\344ndertem)-250(Tone:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-272(verstehen)-272(mich)-272(immer)-272(noch)-272(nicht.)-316(Das)-272(m\374ssen)-272(Sie)-273(doch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(wissen,)-185(da\337)-168(so)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.565 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(n)-169(alter)-168(Fuchs)-169(wie)-168(ich)-169(immer)-168(seine)-169(Hintergedanken)]TJ -67.198 -13.549 Td [(hat,)-237(wenn)-234(er)-234(mal)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.766 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(nen)-234(Abstecher)-234(ins)-233(Gef\374hlsm\344\337ige)-234(macht.)-245(Zum)]TJ -78.399 -13.55 Td [(Beispiel)-347(jetzt)-347(habe)-347(ich)-347(gerade)-347(ein)-346(wichtiges)-347(Gesch\344ft,)-372(bei)-346(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-389(unbedingt)-390(mitwirken)-389(oder)-389(dem)-390(Sie)-389(wenigstens)-389(zustimmen)]TJ 0 -13.549 Td [(m\374ssen,)-429(und)-393(da)-394(ist)-393(es)-393(mir)-394(nat\374rlich)-393(verdrie\337lich,)-429(wenn)-393(Sie)-393(in)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([346])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(verkaterter)-250(Stimmung)-250(sind.)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.084 0 Td [(\034)]TJ -107.129 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Und)-250(deswegen)-250(suchten)-250(Sie)-250(mich)-250(zu)-250(tr\366sten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 192.087 0 Td [(\034)]TJ -196.931 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(nur)-250(deswegen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.458 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -83.302 -13.927 Td [(Ich)-250(l\344chelte.)-250(Er)-250(sah)-250(es)-250(und)-250(wurde)-250(erbost.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mensch,)-595(lachen)-526(Sie)-526(nicht!)-1078(Was)-526(gehen)-526(mich)-526(denn)-526(Ihre)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Familienangelegenheiten)-437(an?)-811(Glauben)-436(Sie,)-484(da\337)-437(ich)-437(mich)-436(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(meinen)-218(tausend)-219(Gesch\344ftsfreunden)-218(darum)-219(k\374mmern)-218(kann,)-225(ob)-218(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(mal)-256(Krach)-256(mit)-256(einem)-256(Bruder)-256(haben,)-258(ob)-256(mal)-256(ihre)-256(Mutter)-256(verreist,)]TJ 0 -13.549 Td [(ob)-377(die)-377(Motten)-377(in)-378(ihre)-377(M\366bel)-377(kommen)-377(oder)-377(ihr)-377(Kanarienvogel)]TJ 0 -13.55 Td [(verhungert?)-496(H\344tt)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.294 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.254 0 Td [(ich)-332(viel)-332(zu)-332(tun.)-495(Aber)-332(wenn)-332(zwei)-332(Feldherren)]TJ -83.548 -13.549 Td [(miteinander)-630(in)-631(den)-630(Krieg)-631(ziehen)-630(und)-630(der)-631(eine)-630(von)-630(ihnen)]TJ 0 -13.549 Td [(Zahnschmerzen)-441(hat,)-489(hat)-441(der)-442(andere)-441(daf\374r)-441(zu)-441(sorgen,)-489(da\337)-441(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Zahn)-209(gezogen)-209(oder)-209(wenigstens)-209(plombiert)-209(wird.)-236(Sonst)-209(wird)-209(nichts)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-250(ihrer)-250(Chose.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.593 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -58.638 -13.927 Td [(Ich)-250(l\344chelte)-250(nicht)-250(mehr,)-250(aber)-250(ich)-250(erwiderte)-250(auch)-250(nichts.)]TJ 0 -13.927 Td [(Da)-250(sagte)-250(Stefenson)-250(fast)-250(niedergeschlagen:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-228(Sie)-228(etwas)-227(Gesch\344ftssinn)-228(h\344tten,)-232(h\344tten)-228(Sie)-228(mich)-228(l\344ngst)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gefragt,)-250(um)-250(was)-250(f\374r)-250(ein)-250(Gesch\344ft)-250(es)-250(sich)-250(handelt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.673 0 Td [(\034)]TJ -200.718 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-250(sagen)-250(Sie)-250(es)-250(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.178 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(bitte!)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.029 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -124.233 -13.927 Td [(Er)-250(war)-250(verstimmt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.927 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun,)-236(ich)-233(kann)-232(ja)-233(den)-232(Weihnachtsberg)-233(auch)-232(ohne)-233(Sie)-232(von)-233(den)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Neust\344dtern)-250(zur\374ckkaufen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.535 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1385 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1386 0 R +/Resources 1384 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1362 0 R +>> endobj +1387 0 obj << +/D [1385 0 R /XYZ 133.679 368.001 null] +>> endobj +1384 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1390 0 obj << +/Length 4917 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Freund)-250(Stefenson)-17197(269)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Den)-250(Weihnachtsberg)-250(wollen)-250(Sie)-250(zur\374ckkaufen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.818 0 Td [(\034)]TJ -212.661 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-356(sagte)-356(es)-356(Ihnen)-356(eben.)-568(Wir)-356(m\374ssen)-356(unser)-356(Heim)-357(bis)-356(zum)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Gipfel)-288(des)-288(Berges)-288(ausdehnen,)-297(sonst)-288(spucken)-288(uns)-288(die)-287(Neust\344dter)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-250(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 230.74 0 Td [([347])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(werden)-250(den)-250(wichtigsten)-250(Aussichtspunkt)-250(nie)-250(hergeben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 251.782 0 Td [(\034)]TJ -256.625 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Tr\366sten)-627(Sie)-628(sich.)-1381(Wozu)-628(habe)-627(ich)-627(in)-627(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.94 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Neust\344dter)]TJ -233.372 -13.549 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.023 0 Td [(seit)-311(drei)-311(Wochen)-310(Artikel)-311(gegen)-311(den)-311(Weihnachtsberg)]TJ -48.227 -13.549 Td [(ver\366ffentlicht?)-260(Zum)-253(Beispiel,)-254(da\337)-253(sein)-254(Besuch)-253(von)-253(Neustadt)-253(aus)]TJ 0 -13.55 Td [(au\337erordentlich)-219(zu)-219(w\374nschen)-219(\374brig)-219(lasse,)-225(weil)-219(der)-219(viel)-219(bequemer)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-458(erreichende)-457(Ochsenkopf)-458(eine)-458(viel)-457(bessere)-458(Aussicht)-457(bietet,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-557(die)-558(Rentabilit\344t)-557(au\337erordentlich)-557(gering)-558(sei,)-634(die)-557(P\344chter)]TJ 0 -13.549 Td [(nichts)-498(zu)-498(leisten)-498(verm\366chten)-497(und)-498(solchen)-498(Kram)-498(mehr.)-993(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Neust\344dter)-412(sind)-412(bereits)-412(m\374rbe.)-737(Denn)-412(sie)-412(sind)-412(wieder)-412(mal)-412(im)]TJ 0 -13.55 Td [(Dalles.)-675(Nun)-392(habe)-392(ich)-391(vorgestern)-392(einen)-392(Artikel)-391(gebracht,)-427(man)]TJ 0 -13.549 Td [(solle)-208(den)-209(Weihnachtsberg,)-216(wenn)-208(sich)-209(eine)-208(gute)-208(Gelegenheit)-208(b\366te,)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-269(irgendeine)-269(neutrale)-269(Person)-269(je)-269(eher)-269(je)-270(besser)-269(verkaufen,)-273(damit)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-203(ja)-203(nicht)-202(mal)-203(in)-203(Waltersburger)-203(H\344nde)-203(fiele,)-212(was)-203(die)-202(Konkurrenz)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\374ben)-250(st\344rken)-250(w\374rde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 97.244 0 Td [(\034)]TJ -85.288 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(bezwecken)-250(Sie)-250(damit?)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.662 0 Td [(\034)]TJ -124.505 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da\337)-196(mein)-196(Vertrauensmann,)-206(der)-196(sich)-196(als)-196(Privater)-196(um)-196(den)-196(Kauf)]TJ -16.799 -13.55 Td [(der)-237(Weihnachtsbergkuppe)-238(bem\374ht,)-240(die)-237(Sache)-237(billig)-238(bekommt.)-245(In)]TJ 0 -13.549 Td [(vierzehn)-250(Tagen,)-250(denke)-250(ich,)-250(k\366nnen)-250(wir)-250(oben)-250(einziehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.145 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -229.189 -14.25 Td [(Wir)-249(waren)-250(inzwischen)-249(aufgestanden)-249(und)-250(stiegen)-249(langsam)-249(den)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Berg)-491(hinab.)-975(Stefenson)-491(sprach)-491(immerfort)-492(von)-491(seinen)-491(Pl\344nen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-268(brachte)-268(es)-267(wirklich)-268(zuwege,)-272(da\337)-268(meine)-268(Bangigkeit)-267(nachlie\337)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-276(ich)-275(ihm)-276(wenigstens)-275(mit)-276(halber)-275(Aufmerksamkeit)-276(zuh\366rte.)-326(Er)]TJ 0 -13.549 Td [(begleitete)-186(mich)-187(bis)-186(in)-186(mein)-186(Arbeitszimmer.)-229(Dort)-186(sagte)-186(Stefenson:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-214(gestehen)-213(Sie)-214(es)-213(sich)-214(mal)-214(selber,)-221(lieber)-213(Freund:)-232(die)-214(ganze)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Zeit,)-357(da)-336(unser)-336(Heim)-335(besteht,)-358(haben)-335(Sie,)-357(der)-336(die)-336(Lehre)-336(von)-335(den)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([348])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Ferien)-275(vom)-275(Ich)-275(erfunden)-275(und)-275(gepredigt)-275(hat,)-281(selbst)-275(mit)-275(Haut)-274(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Haaren)-463(mitten)-462(im)-463(dicksten)-463(Ichleben)-462(gesteckt.)-888(Haupts\344chlich)]TJ 0 -13.55 Td [(wegen)-350(Ihrer)-350(Familienangelegenheiten.)-550(Jetzt)-350(erst,)-375(wo)-350(sich)-349(alles)]TJ 0 -13.549 Td [(in)-427(Frieden)-427(l\366st,)-471(werden)-427(Sie)-426(Ihrer)-427(Idee)-427(ganz)-427(und)-427(mit)-426(Freuden)]TJ 0 -13.549 Td [(dienen)-270(k\366nnen.)-311(Sie)-270(lehren)-270(selbst:)-290(in)-271(den)-270(Ferien)-270(vom)-270(Ich)-270(los)-270(von)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1389 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1390 0 R +/Resources 1388 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1391 0 obj << +/D [1389 0 R /XYZ 46.771 474.459 null] +>> endobj +1392 0 obj << +/D [1389 0 R /XYZ 114.026 285.735 null] +>> endobj +1393 0 obj << +/D [1389 0 R /XYZ 245.526 133.888 null] +>> endobj +1388 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1397 0 obj << +/Length 5051 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(270)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(der)-397(Familie!)-692(Deshalb)-397(habe)-397(ich)-397(auch)-397(von)-397(Anfang)-397(an)-397(gemeint,)]TJ 0 -13.549 Td [(wenigstens)-226(einer)-226(von)-226(uns)-226(beiden)-226(m\374sse)-226(ganz)-226(ohne)-226(Familie)-225(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ -263.83 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(welcher)-250(von)-250(uns)-250(beiden)-250(soll)-250(das)-250(sein?)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.727 0 Td [(\034)]TJ -190.57 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.575 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -22.418 -13.958 Td [(Fast)-250(h\344tte)-250(ich)-250(\374ber)-250(den)-250(alten)-250(Egoisten)-250(lachen)-250(m\374ssen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-415(w\344ren)-414(aber)-415(doch)-414(viel)-415(geeigneter,)-455(Stefenson;)-497(denn)-415(Sie)]TJ -16.799 -13.55 Td [(sind)-250(doch)-250(schon)-250(ohne)-250(Familie.)]TJ/F24 10.9091 Tf 133.026 0 Td [(\034)]TJ -121.07 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(vergessen,)-250(da\337)-250(ich)-250(eine)-250(Braut)-250(habe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 170.869 0 Td [(\034)]TJ -175.712 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Eva)-204(Bunkert?)-234(Ich)-204(meine,)-213(dieser)-204(Verlobtenstand)-204(ist)-204(einseitig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -13.959 Td [(Er)-250(lachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bah)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.911 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.791 0 Td [(wegen)-489(der)-489(Auskneiferei)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.759 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.791 0 Td [(wegen)-489(dieser)-489(Marotte?)]TJ -176.051 -13.549 Td [(Ich)-470(habe)-470(an)-470(Eva)-470(einen)-470(vern\374nftigen)-470(Brief)-470(geschrieben,)-525(habe)]TJ 0 -13.549 Td [(ihr)-462(gesagt,)-516(ich)-462(w\374rde)-463(ihr)-462(gern)-463(nachreisen,)-515(wenn)-463(es)-462(nicht)-462(zu)]TJ 0 -13.55 Td [(dumm)-383(w\344re,)-415(und)-383(wenn)-382(ich)-383(Zeit)-382(dazu)-383(h\344tte.)-647(Sie)-382(solle)-383(ja)-382(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(annehmen,)-270(da\337)-266(ich)-265(jetzt)-266(pl\366tzlich)-266(an)-266(ihrem)-266(Theater)-266(als)-265(Coiffeur,)]TJ 0 -13.549 Td [(Portier,)-510(Kulissenschieber)-458(oder)-458(dergleichen)-458(auftauchen)-458(w\374rde,)]TJ 0 -13.549 Td [(um)-398(sie)-398(weiter)-398(zu)-398(beobachten.)-694(Das)-398(w\374rde)-398(abgeschmackt)-398(sein;)]TJ 0 -13.549 Td [(denn)-417(ich)-418(mache)-417(keinen)-417(Witz)-418(zweimal.)-752(Im)-417(\374brigen)-417(liebte)-417(ich)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-369(unver\344ndert)-368(weiter)-369(und)-368(\374berlie\337e)-369(ihr,)-398(zu)-368(bestimmen,)-398(wann)]TJ 0 -13.55 Td [(unsere)-230(Hochzeit)-230(sein)-230(solle.)-244(Diesen)-230(Brief)-230(habe)-230(ich)-230(vor)-230(acht)-230(Tagen)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([349])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(geschrieben)-448(und)-447(noch)-448(keine)-447(Antwort.)-843(Das)-448(ist)-447(doch)-448(ein)-447(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(g\374nstiges)-250(Zeichen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 81.807 0 Td [(\034)]TJ -69.852 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(w\374rde)-250(dieses)-250(Zeichen)-250(anders)-250(auslegen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 186 0 Td [(\034)]TJ -190.844 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein.)-1234(Sie)-579(gr\344mt)-578(sich.)-1234(Sie)-578(kann)-578(gar)-578(nicht)-579(schreiben.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(W\344re)-569(ich)-570(ihr)-569(egal,)-650(h\344tte)-569(sie)-569(mir)-570(einen)-569(schnippischen,)-649(und)]TJ 0 -13.549 Td [(w\344re)-474(sie)-473(ein)-474(oberfl\344chliches)-473(Weib,)-529(sofort)-474(einen)-473(freundlichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Verzeihungsbrief)-316(geschrieben.)-447(So)-316(ist)-316(sie)-316(ein)-315(braves)-316(M\344del,)-332(das)]TJ 0 -13.549 Td [(mich)-250(liebt,)-250(und)-250(schreibt)-250(gar)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.956 0 Td [(\034)]TJ -135.001 -13.959 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-324(kann)-323(schon)-324(so)-324(sein)]TJ/F24 10.9091 Tf 98.962 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-342(sagte)-324(ich)-323(m\374de;)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.473 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-324(hoffe,)-342(da\337)-323(es)]TJ -205.922 -13.549 Td [(Eva)-250(gut)-250(geht!)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.778 0 Td [(\034)]TJ -46.823 -13.958 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun,)-276(so)-271(...)-312(so)-270(...)-312(Vor)-271(f\374nf)-271(Tagen)-270(hat)-271(sie)-271(das)-270(erstemal)-271(auf)-271(der)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Oper)-322(gesungen.)-467(Zwei)-322(Kritiker)-322(haben)-323(sie)-322(bestehen)-322(lassen;)-358(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-191(sie)-190(etwas)-191(mitgenommen.)-230(Mit)-190(dem)-191(habe)-190(ich)-191(mich)-190(telephonisch)]TJ 0 -13.549 Td [(verbinden)-251(lassen.)-252(Ich)-250(habe)-251(den)-251(Mann)-251(aufgekl\344rt,)-250(um)-251(was)-251(es)-250(sich)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1396 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1397 0 R +/Resources 1395 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1398 0 obj << +/D [1396 0 R /XYZ 346.911 257.467 null] +>> endobj +1395 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1401 0 obj << +/Length 4572 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Freund)-250(Stefenson)-17197(271)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(handelt)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.628 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.965 0 Td [(so)-505(in)-505(gro\337en)-505(Z\374gen)-506(nat\374rlich)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.689 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.454 0 Td [(,)-569(und)-505(ihm)-505(gesagt,)]TJ -196.736 -13.549 Td [(da\337)-407(er)-407(mir)-407(einen)-407(Riesengefallen)-407(tun)-407(w\374rde,)-446(wenn)-407(er)-407(Fr\344ulein)]TJ 0 -13.549 Td [(Eva)-390(Bunkert)-389(nach)-390(Strich)-390(und)-389(Faden)-390(verrisse)-390(und)-389(an)-390(der)-389(Oper)]TJ 0 -13.549 Td [(unm\366glich)-198(mache.)-233(Meine)-199(eventuelle)-198(Erkenntlichkeit)-199(f\374r)-198(ihn)-198(habe)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-171(dem)-170(Kritiker)-171(wirklich)-170(nur)-170(ganz)-171(diskret)-170(und)-171(delikat)-170(angedeutet.)]TJ 0 -13.549 Td [(Trotzdem)-383(hat)-383(mir)-383(der)-383(Grobian)-383(gesagt,)-416(es)-383(sei)-383(schade,)-417(da\337)-382(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(telephonisch)-410(keine)-410(Ohrfeigen)-410(austeilen)-410(lie\337en;)-490(im)-410(\374brigen)-410(sei)]TJ 0 -13.549 Td [(Fr\344ulein)-485(Bunkert)-484(ein)-484(au\337erordentlich)-485(hoffnungsvolles)-484(Talent.)]TJ 0 -13.549 Td [(Das)-473(habe)-473(ich)-473(davon.)-918(Nun)-473(wird)-473(sie)-473(auch)-473(dieser)-473(Kerl)-472(loben.)]TJ 0 -13.55 Td [(Ach,)-365(du)-343(lieber)-342(Gott,)-365(die)-343(deutschen)-342(Zeitungsschreiber)-342(sind)-342(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(verschiedener)-250(Art.)]TJ/F24 10.9091 Tf 80.575 0 Td [(\034)]TJ -68.619 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-714(Sie)-714(f\374rchten)-714(gar)-714(nicht,)-830(da\337)-714(Eva)-714(Bunkert)-714(Ihnen)]TJ -16.799 -13.549 Td [(verlorengehen)-250(k\366nnte?)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.666 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 191.358 0 Td [([350])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -14.841 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nicht)-253(eine)-253(Minute.)-259(Sie)-254(hat)-253(gebissen.)-259(Ich)-253(halte)-253(sie)-253(fest.)-260(Wenn)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-280(noch)-280(ein)-281(wenig)-280(herumzappeln)-280(will,)-288(kann)-280(ich)-280(ihr)-280(den)-280(Spa\337)-280(ja)]TJ 0 -13.549 Td [(g\366nnen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.844 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -22.888 -14.84 Td [(So)-418(purzelte)-418(Stefensons)-419(draufg\344ngerische,)-460(frische)-418(Art)-418(durch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(den)-448(bangsten)-447(Tag)-448(meines)-447(Lebens.)-843(Und)-448(als)-447(ich)-448(am)-447(n\344chsten)]TJ 0 -13.549 Td [(Morgen)-200(nach)-201(tiefem)-200(Schlaf)-201(erwachte,)-210(f\374hlte)-200(ich)-201(mich)-200(gesund)-200(und)]TJ 0 -13.549 Td [(munter,)-363(stark)-341(genug,)-363(dem)-340(Leben)-341(ins)-340(Auge)-341(zu)-340(schauen)-341(und)-340(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(Lust)-250(und)-250(Freude)-250(an)-250(meinem)-250(sch\366nen)-250(Werke)-250(weiter)-250(zu)-250(schaffen.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 210.417 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 191.958 Td [(Etwa)-448(drei)-448(Wochen)-447(sp\344ter)-448(besuchte)-448(mich)-448(Stefenson)-447(wieder)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-459(meinem)-459(Arbeitszimmer.)-877(Auf)-459(dem)-459(Tische)-459(lag)-459(die)-458(neueste)]TJ 0 -13.549 Td [(Nummer)-250(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.168 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Neust\344dter)-250(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 91.189 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(.)]TJ/F24 10.9091 Tf -147.088 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-288(habe)-289(diesmal)-288(nichts)-289(drin)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.688 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-298(sagte)-288(Stefenson)-289(und)-288(wies)-289(auf)]TJ -146.331 -13.55 Td [(die)-231(Zeitung.)-243(Trotzdem)-231(schlug)-230(er)-231(sie)-230(auf.)-243(Und)-231(mit)-230(einem)-231(Male)-230(ri\337)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-250(die)-250(Augen)-250(auf,)-250(trat)-250(ans)-250(Fenster.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.84 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Haben)-497(Sie)-496(schon)]TJ/F24 10.9091 Tf 84.115 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.871 0 Td [(haben)-496(Sie)-497(schon)-496(gelesen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.252 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.26 0 Td [(fragte)-497(er)]TJ -241.297 -13.549 Td [(aufgeregt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.841 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-284(denn?)-351(Was)-284(steht)-284(denn)-284(wieder)-284(in)-283(dem)-284(Schundblatt?)-352(Ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(habe)-250(noch)-250(gar)-250(nicht)-250(hineingeschaut.)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.633 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1400 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1401 0 R +/Resources 1399 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1402 0 obj << +/D [1400 0 R /XYZ 46.771 351.915 null] +>> endobj +1399 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1405 0 obj << +/Length 5206 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(272)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.447 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(da)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -49.679 -14.04 Td [(Er)-250(wies)-250(auf)-250(eine)-250(kleine)-250(Notiz.)-250(Ich)-250(las:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Verlobung.)-1466(Die)-656(Operns\344ngerin)-655(Eva)-656(Bunkert,)-757(Tochter)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unseres)-573(verflossenen)-572(Baurats)-573(August)-572(Bunkert,)-653(hat)-573(sich)-572(mit)]TJ 0 -13.55 Td [(dem)-657(Grafen)-657(Hanns)-657(von)-657(Simmern,)-759(Sohn)-657(des)-656(herzoglichen)]TJ 0 -13.549 Td [(Kammerherrn)-488(Grafen)-488(Eugen)-488(von)-488(Simmern,)-547(verlobt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 249.856 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.778 0 Td [(Eine)]TJ -260.634 -13.549 Td [(rasche)-250(K\374nstlerkarriere!)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.709 0 Td [(\034)]TJ -93.753 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da)-350(haben)-351(wir)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.957 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s)]TJ/F24 10.9091 Tf 4.244 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-375(sagte)-351(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.132 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)-350(Sache)-351(ist)-350(in)-350(der)-351(Tat)-350(sehr)]TJ -150.452 -13.549 Td [(rasch)-250(gegangen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.277 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -143.032 0 Td [([351])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Rasch)-321(gegangen!)-464(Ist)-321(das)-321(alles,)-339(was)-321(Sie)-321(zu)-321(dieser)-322(Schandtat)]TJ -16.799 -13.55 Td [(zu)-250(sagen)-250(wissen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.131 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(br\374llte)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -70.746 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-306(was)-295(soll)-295(ich)-295(in)-295(meiner)-295(\334berraschung)-295(dazu)-295(sagen?)-385(Es)-295(tut)]TJ -16.799 -13.549 Td [(mir)-250(nat\374rlich)-250(leid)-250(um)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.724 0 Td [(\034)]TJ -100.768 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Leid!)-307(Ich)-269(brauche)-269(Ihnen)-269(nicht)-269(leid)-269(zu)-269(tun.)-307(Niemand)-269(brauche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-476(leid)-477(zu)-476(tun.)-929(Ich)-477(verbitte)-476(mir)-476(das!)-929(Denn)-477(ich)-476(kann)-476(froh)]TJ 0 -13.55 Td [(sein,)-442(da\337)-403(ich)-404(diese)-403(Gans)-404(los)-403(bin.)-711(Ich)-403(bin)-403(auch)-404(ganz)-403(kolossal)]TJ 0 -13.549 Td [(froh.)-797(Nach)-433(kaum)-432(vier)-432(Wochen)-433(ist)-432(dieses)-433(flatterige)-432(Ding)-432(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrer)-406(Lebenswahl)-406(fertig.)-717(Von)-406(einem)-406(zum)-405(andern.)-718(Immer)-405(zu,)]TJ 0 -13.549 Td [(immer)-364(zu!)-590(Was)-364(verliere)-363(ich)-364(dabei?)-590(Weil)-364(er)-363(ein)-364(Graf)-364(ist,)-391(weil)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-254(sich)-254(bei)-254(ihm)-254(in)-254(Taschent\374cher)-254(mit)-254(einer)-254(neunzackigen)-253(Krone)]TJ 0 -13.55 Td [(die)-456(Nase)-455(schneuzen)-456(kann,)-507(deshalb)-455(gibt)-456(sie)-455(mich)-456(auf.)-866(Einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Mann)-308(wie)-308(mich,)-323(der)-309(diese)-308(bankerotte)-308(Bauratstochter)-308(gegen)-308(alle)]TJ 0 -13.549 Td [(Vernunftgr\374nde)-232(geliebt)-232(hat)-232(und)-231(sie)-232(heiraten)-232(wollte,)-236(gibt)-232(sie)-231(auf!)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.04 Td [(Er)-315(sank)-315(in)-315(einen)-315(Stuhl.)-445(Sein)-315(Schmerz)-315(war)-315(ma\337los.)-445(Aber)-315(ich)]TJ -11.955 -13.549 Td [(blieb)-250(k\374hl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Lieber)-736(Freund)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.412 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-858(sagte)-736(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.958 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(es)-736(ist)-737(sicher)-736(f\374r)-737(unsere)]TJ -161.856 -13.55 Td [(Gr\374ndung)-447(ganz)-446(gut,)-496(wenn)-447(Sie)-446(familienlos)-447(bleiben,)-496(wenn)-446(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(Ihre)-250(Selbst\344ndigkeit,)-250(den)-250(ruhigen,)-250(klaren)-250(Blick)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 214.822 0 Td [(\034)]TJ -202.867 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Halten)-320(Sie)-320(den)-320(Mund!)-459(Kommen)-320(Sie)-320(mir)-320(nicht)-320(mit)-320(solchem)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Bl\366dsinn.)-816(Satt)-438(hab)-439(ich)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.659 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s,)-486(satt.)-816(Meinetwegen)-438(mag)-439(die)-438(ganze)]TJ -110.291 -13.549 Td [(Geschichte)-417(hier)-418(zum)-417(Teufel)-417(gehen.)-752(Mir)-418(liegt)-417(an)-417(nichts)-417(mehr)]TJ 0 -13.55 Td [(etwas,)-250(an)-250(gar)-250(nichts)-250(mehr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.818 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -102.863 -14.04 Td [(Er)-546(wand)-545(sich)-546(in)-545(dem)-546(Lehnstuhl,)-620(in)-545(dem)-546(er)-545(sa\337,)-546(wie)-546(in)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Kr\344mpfen.)-676(Ich)-392(stellte)-392(mich)-392(ans)-392(Fenster)-392(und)-392(z\374ndete)-392(mir)-392(eine)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1404 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1405 0 R +/Resources 1403 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1406 0 obj << +/D [1404 0 R /XYZ 93.543 405.93 null] +>> endobj +1403 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1409 0 obj << +/Length 5047 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Freund)-250(Stefenson)-17197(273)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Zigarre)-250(an.)-250(Da)-250(knirschte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sprechen)-276(Sie)-276(wenigstens;)-289(sagen)-276(Sie)-276(etwas)-276(zu)-276(mir.)-329(Das)-276(kann)]TJ -16.799 -13.55 Td [(ich)-250(doch)-250(wohl)-250(verlangen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.28 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 180.744 0 Td [([352])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-284(lassen)-284(mich)-284(ja)-284(nicht)-284(zu)-284(Worte)-283(kommen,)-293(Stefenson.)-352(Und)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dann,)-250(ich)-250(wei\337)-250(selbst)-250(nicht,)-250(was)-250(ich)-250(zu)-250(der)-250(Sache)-250(sagen)-250(soll.)]TJ/F24 10.9091 Tf 261.774 0 Td [(\034)]TJ -249.818 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl,)-268(Sie)-264(machen)-264(sich)-264(eben)-264(nichts)-264(aus)-264(mir.)-292(Sonst)-265(k\366nnten)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-296(sich)-296(jetzt)-296(nicht)-296(so)-296(pomadig)-296(eine)-296(Zigarre)-296(anz\374nden.)-388(Sch\366ner)]TJ 0 -13.549 Td [(Freund!)-766(Glauben)-422(Sie)-422(denn,)-465(da\337)-422(sie)-422(mit)-422(dem)-422(Grafen,)-465(diesem)]TJ 0 -13.549 Td [(neunmal)-250(geh\366rnten)-250(Kerl,)-250(gl\374cklich)-250(sein)-250(wird?)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.964 0 Td [(\034)]TJ -188.008 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(kann)-250(ich)-250(nicht)-250(beurteilen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 130.582 0 Td [(\034)]TJ -135.425 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-287(m\374ssen)-287(Sie)-288(beurteilen)-287(k\366nnen!)-362(Sie)-287(m\374ssen)-287(wissen,)-297(da\337)]TJ -16.799 -13.55 Td [(solche)-443(sogenannten)-442(Mesalliancen)-443(nie)-442(zum)-443(Gl\374ck)-443(f\374hren,)-490(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(dieses)-341(Weib)-341(im)-341(Hause)-341(ihres)-341(gr\344flichen)-341(Gatten)-341(als)-341(Eindringling)]TJ 0 -13.549 Td [(entweder)-258(gar)-258(nicht)-259(zugelassen)-258(oder)]TJ/F19 10.9091 Tf 156.457 0 Td [(sub)]TJ/F16 10.9091 Tf 17.969 0 Td [(Luder)-258(behandelt)-258(werden)]TJ -174.426 -13.549 Td [(wird,)-562(da\337)-499(der)-499(Mann)-499(ihrer)-500(\374berdr\374ssig)-499(sein)-499(wird,)-562(wenn)-499(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Sch\366nheit)-250(verbl\374ht,)-250(da\337)-250(sie)-250(dann)-250(im)-250(Elend)-250(sitzen)-250(wird.)]TJ/F24 10.9091 Tf 238.767 0 Td [(\034)]TJ -226.811 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-601(kann)-601(schon)-600(alles)-601(so)-601(kommen,)-688(es)-601(kann)-601(aber)-601(auch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(anders)-411(sein.)-732(Es)-411(kommt)-411(ganz)-411(auf)-410(den)-411(Mann)-411(an.)-732(Prophezeien)]TJ 0 -13.549 Td [(kann)-558(niemand,)-634(h\366chstens)-557(unsere)-558(alte)-557(Wahrsagerin)-558(unten)-557(in)]TJ 0 -13.55 Td [(Waltersburg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.651 0 Td [(\034)]TJ -44.695 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wollen)-252(Sie)-252(mich)-252(verspotten?)-256(Sich)-252(\374ber)-252(mich)-252(lustig)-253(machen?)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Ist)-250(das)-250(Ihre)-250(Freundschaft?)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.997 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(Er)-250(war)-250(w\374tend.)]TJ/F24 10.9091 Tf -108.611 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-312(Stefenson,)-327(Sie)-312(sind)-312(jetzt)-311(sehr)-312(aufgeregt.)-436(Was)-312(immer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ich)-248(auch)-247(jetzt)-248(sagen)-248(m\366chte,)-248(w\374rde)-248(Ihnen)-247(nicht)-248(gefallen.)-249(Warten)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-259(also)-260(ab,)-261(bis)-260(Sie)-259(sich)-259(etwas)-260(beruhigt)-259(haben,)-262(und)-259(da\337)-259(Sie)-259(dann)]TJ 0 -13.549 Td [(ganz)-250(auf)-250(mich)-250(rechnen)-250(k\366nnen,)-250(wissen)-250(Sie)-250(ja)-250(doch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 223.887 0 Td [(\034)]TJ -211.932 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-289(werde)-290(mich)-289(nie)-289(beruhigen)]TJ/F24 10.9091 Tf 131.978 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-299(sagte)-289(er.)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.778 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\334ber)-289(das)-289(komme)]TJ -205.243 -13.549 Td [(ich)-250(nicht)-250(weg!)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.411 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 228.613 0 Td [([353])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.069 -13.996 Td [(Wohl)-314(zehn)-315(Minuten)-314(vergingen,)-331(w\344hrend)-314(deren)-314(Stefenson)-315(im)]TJ -11.955 -13.549 Td [(Zimmer)-367(auf)-366(und)-367(ab)-367(schritt.)-600(Manchmal)-366(blieb)-367(er)-367(stehen,)-395(sprach)]TJ 0 -13.549 Td [(leise)-451(mit)-451(sich)-451(selbst)-452(oder)-451(fuchtelte)-451(mit)-451(seinen)-451(langen)-451(Armen)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-250(die)-250(Luft.)-250(Endlich)-250(fragte)-250(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Was)-433(ist)-432(das)-433(mit)-432(der)-433(Wahrsagerin)-432(in)-433(Waltersburg,)-478(die)-433(Sie)]TJ -16.799 -13.549 Td [(erw\344hnten?)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.28 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1408 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1409 0 R +/Resources 1407 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1410 0 obj << +/D [1408 0 R /XYZ 46.771 488.252 null] +>> endobj +1411 0 obj << +/D [1408 0 R /XYZ 46.771 145.952 null] +>> endobj +1407 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R /F19 22 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1414 0 obj << +/Length 4657 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(274)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah,)-548(Stefenson,)-549(das)-488(war)-489(doch)-489(nur)-488(Scherz.)-966(Es)-489(wohnt)-489(da)]TJ -16.799 -13.549 Td [(unten)-261(im)-261(alten)-261(Zollhaus,)-263(kaum)-261(dreihundert)-261(Meter)-261(unter)-260(unserem)]TJ 0 -13.549 Td [(Grundhof)-206(am)-206(Waltersburger)-206(Weg,)-214(ein)-206(Weib,)-215(das)-206(schon)-206(uralt)-205(war,)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-349(ich)-348(noch)-349(in)-349(kurzen)-349(Hosen)-348(ging.)-547(Sie)-348(nennt)-349(sich)-349(nach)-348(ihrem)]TJ 0 -13.55 Td [(Beruf)-426(Sibylle.)-778(Wie)-425(sie)-426(eigentlich)-426(hei\337t,)-470(wie)-426(alt)-426(sie)-426(ist,)-469(wei\337)]TJ 0 -13.549 Td [(kein)-368(Mensch.)-604(F\374r)-368(f\374nfundzwanzig)-368(Pfennig)-368(prophezeit)-368(sie)-368(den)]TJ 0 -13.549 Td [(B\374rgern,)-250(Bauern)-250(und)-250(K\366chinnen)-250(die)-250(Zukunft.)]TJ/F24 10.9091 Tf 199.058 0 Td [(\034)]TJ -187.102 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-250(stimmt)-250(es,)-250(was)-250(sie)-250(sagt?)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.054 0 Td [(\034)]TJ -130.897 -14.25 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-375(das)-350(wei\337)-351(ich)-350(nicht.)-550(Ich)-351(hab)-350(mich)-350(um)-350(das)-350(alte)-351(Fernrohr)]TJ -16.799 -13.549 Td [(in)-609(die)-609(Zukunft)-608(nicht)-609(gek\374mmert.)-1326(Als)-609(Jungen)-609(haben)-608(mal)]TJ 0 -13.55 Td [(Joachim)-257(und)-257(ich)-257(f\374nfundzwanzig)-257(Pfennig)-256(zusammengeschossen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-530(uns)-529(weissagen)-530(lassen.)-1089(Da)-529(hat)-530(sie)-529(gesagt,)-600(wir)-529(w\374rden)]TJ 0 -13.549 Td [(bald)-526(eine)-525(m\344chtige)-526(Tracht)-525(Pr\374gel)-526(bekommen.)-1076(Und)-526(das)-525(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(auch)-630(eingetroffen.)-1391(Es)-630(kam)-630(n\344mlich)-630(heraus,)-725(da\337)-630(wir)-630(die)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374nfundzwanzig)-427(Pfennig)-427(zur)-428(Sibylle)-427(getragen)-427(hatten,)-471(und)-427(wir)]TJ 0 -13.55 Td [(bekamen)-250(Pr\374gel)-250(daf\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.066 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -87.11 -14.25 Td [(Ich)-258(wu\337te,)-259(da\337)-258(Stefenson)-258(abergl\344ubisch)-257(war.)-273(Viele)-258(sonst)-257(sehr)]TJ -11.956 -13.549 Td [(kluge)-331(Menschen)-332(sind)-331(es.)-494(Stefenson)-331(fing)-332(an)-331(einem)-331(Freitag)-331(kein)]TJ 0 -13.549 Td [(Gesch\344ft)-365(an,)-394(es)-365(beunruhigte)-365(ihn,)-393(wenn)-365(eine)-365(Katze)-365(\374ber)-365(seinen)]TJ 0 -13.55 Td [(Weg)-459(lief,)-512(und)-460(er)-459(hatte)-459(immer)-460(ein)-459(altes)-460(Hufeisen)-459(auf)-459(seinem)]TJ 0 -13.549 Td [(Schreibtische)-327(liegen.)-482(Er)-327(stammte)-327(ja)-327(auch)-328(aus)-327(Amerika,)-346(wo)-327(der)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([354])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(Aberglaube)-301(zu)-300(Hause)-300(ist.)-402(Jetzt)-300(f\374hlte)-301(er)-300(das)-301(Bed\374rfnis,)-313(sich)-300(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(wenig)-250(zu)-250(rechtfertigen,)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-377(ist)-378(durchaus)-377(falsch,)-409(alle)-378(Hellseherei)-377(von)-377(vornherein)-378(als)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Unsinn)-342(zu)-342(erkl\344ren.)-527(Es)-342(k\366nnen)-342(da)-342(Naturkr\344fte)-342(wirken,)-365(die)-342(wir)]TJ 0 -13.549 Td [(nicht)-250(kennen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.778 0 Td [(\034)]TJ -46.823 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gewi\337)]TJ/F24 10.9091 Tf 31.811 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(gewi\337!)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.294 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -75.131 -14.25 Td [(Er)-250(versank)-250(wieder)-250(in)-250(tiefe)-250(Traurigkeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.251 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Vor)-355(vier)-355(Tagen)-354(habe)-355(ich)-355(ihr)-355(einen)-355(Brief)-355(geschrieben,)-381(habe)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sie)-406(gebeten,)-445(sie)-406(m\366ge)-407(doch)-406(von)-406(ihrem)-406(Groll)-406(ablassen.)-718(Wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-520(es)-521(schon)-520(nicht)-521(einsehen)-520(wolle,)-588(da\337)-520(ein)-521(Mann,)-588(der)-520(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(ganzes)-483(Lebensschicksal)-484(an)-483(eine)-484(Frau)-483(ketten)-483(wolle,)-542(zu)-483(deren)]TJ 0 -13.55 Td [(gr\374ndlichster)-209(Pr\374fung)-208(berechtigt)-209(sei,)-217(so)-209(solle)-208(sie)-209(halt)-209(denken,)-216(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(es)-234(mir)-234(doch)-234(auch)-234(Spa\337)-235(gemacht)-234(habe,)-237(mal)-234(in)-234(den)-234(Ferien)-234(vom)-234(Ich)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1413 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1414 0 R +/Resources 1412 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1394 0 R +>> endobj +1415 0 obj << +/D [1413 0 R /XYZ 204.401 245.087 null] +>> endobj +1412 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1418 0 obj << +/Length 984 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Freund)-250(Stefenson)-17197(275)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(eine)-371(unerkannte)-371(Rolle)-370(zu)-371(spielen,)-401(und)-371(da\337)-371(ich)-371(doch)-370(eigentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-258(Knecht)-258(Ignaz)-259(um)-258(sie)-258(gedient)-258(habe)-259(wie)-258(Jakob)-258(um)-258(die)-258(geliebte)]TJ 0 -13.549 Td [(Rahel.)-258(Sehen)-253(Sie,)-253(von)-253(diesem)-252(Brief)-253(glaubte)-253(ich,)-253(er)-253(sei)-252(eigentlich)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-321(deutsch,)-338(zu)-320(sentimental.)-462(Aber)-320(es)-320(war)-321(mir)-320(so)-321(ums)-320(Herz,)-338(und)]TJ 0 -13.55 Td [(so)-246(schickte)-245(ich)-246(ihn)-245(ab.)-249(Der)-245(Brief)-245(wird)-246(gerade)-245(zu)-246(ihrer)-245(Verlobung)]TJ 0 -13.549 Td [(zurechtgekommen)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 103.615 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -91.659 -13.549 Td [(Es)-250(sch\374ttelte)-250(ihn)-250(vor)-250(Schmerz)-250(und)-250(Zorn.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1417 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1418 0 R +/Resources 1416 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +1416 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1420 0 obj +<< /S /GoTo /D (index30) >> +endobj +1423 0 obj +(Der Fuchs und die Sibylle) +endobj +1426 0 obj << +/Length 3889 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 512.7 Td [([355])]TJ/F16 18.9589 Tf 113.601 -67.94 Td [(Der)-262(Fuchs)-263(und)-262(die)-262(Sibylle)]TJ/F16 10.9091 Tf -40.846 -36.155 Td [(Es)-302(war)-302(Abend,)-315(als)-303(ich)-302(am)-302(Grundhof)-302(vorbeischlich)-302(und)-302(mich)-302(an)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-397(Reihe)-397(windbr\374chiger)-396(Weiden,)-434(die)-397(am)-397(alten)-396(Waltersburger)]TJ 0 -13.549 Td [(Weg)-186(stehen,)-199(hinab)-186(zum)-186(Hause)-186(der)-186(Sibylle)-186(schl\344ngelte.)-228(Das)-186(kleine)]TJ 0 -13.55 Td [(Anwesen)-276(sah)-276(sch\344big)-276(und)-275(unordentlich)-276(aus.)-328(Die)-276(T\374r)-276(stie\337)-275(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(gr\344mlichen)-217(Quieker)-217(aus,)-224(als)-217(ich)-217(eintrat.)-239(Der)-216(Hausflur)-217(war)-217(finster,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-226(in)-226(dem)-226(daransto\337enden)-225(Zimmer,)-231(dessen)-226(Fenster)-226(mit)-225(buntem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kattun)-181(verh\344ngt)-181(waren,)-195(brannte)-181(eine)-181(kleine)-181(Lampe.)-227(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.027 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sibylle)]TJ/F24 10.9091 Tf 30.916 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.786 -13.549 Td [(erhob)-337(sich)-337(und)-337(kam)-337(mir)-336(entgegen.)-511(Mit)-337(krummem)-337(R\374cken,)-358(auf)]TJ 0 -13.55 Td [(einen)-216(Stock)-216(gest\374tzt,)-222(hob)-216(sie)-216(ihr)-216(verrunzeltes)-216(Gesicht,)-223(das)-216(in)-215(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(tr\374ben)-349(Lichte)-348(der)-349(kleinen)-348(Lampe)-349(ganz)-349(gespenstisch)-348(aussah,)-373(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-250(empor.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wird)-250(er)-250(kommen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.375 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf -91.789 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-319(wei\337)-318(es)-319(nicht.)-456(Aber)-319(ich)-318(hoffe)-319(es;)-353(denn)-319(ich)-318(habe)-319(es)-319(ihm)]TJ -16.799 -13.549 Td [(kr\344ftig)-320(eingeredet.)-461(Ich)-320(gehe)-320(einstweilen)-321(in)-320(die)-320(Nebenstube)-320(und)]TJ 0 -13.549 Td [(passe)-250(auf.)-250(Halten)-250(Sie)-250(sich)-250(genau)-250(an)-250(unsere)-250(Abmachungen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 253.876 0 Td [(\034)]TJ -241.92 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(nickte)-250(das)-250(Weib.)]TJ -46.952 -14.296 Td [(Ich)-262(mu\337te)-262(eine)-261(Stunde)-262(lang)-262(warten)-262(und)-261(gab)-262(den)-262(Plan,)-265(den)-261(ich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gefa\337t)-327(hatte,)-346(beinahe)-326(auf.)-481(Noch)-326(zweimal)-327(hatte)-327(Stefenson)-326(heute)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([356])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(von)-293(der)-293(Wahrsagerin)-293(angefangen,)-304(und)-293(ich)-293(hatte)-293(ihm)-292(einige)-293(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(merkw\374rdige)-435(F\344lle)-435(erz\344hlt,)-481(in)-435(denen)-435(die)-435(Voraussagungen)-435(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Sibylle)-287(in)-287(verbl\374ffender)-287(Weise)-287(eingetroffen)-287(waren.)-361(Nun)-287(kam)-287(er)]TJ 0 -13.55 Td [(doch)-291(nicht.)-372(Schon)-291(wollte)-291(ich)-291(meinen)-291(Lauscherposten)-290(verlassen,)]TJ 0 -13.549 Td [(da)-389(sah)-390(ich)-389(den)-390(alten)-389(Fuchs)-390(um)-389(die)-390(Wegkr\374mmung)-389(treten)-389(und)]TJ 0 -13.549 Td [(vorsichtig)-250(umhersp\344hen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.296 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-370(kommt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.882 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.879 0 Td [(sagte)-370(ich)-370(zu)-370(der)-370(Sibylle)-369(durch)-370(die)-370(T\374r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.441 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun)]TJ -261.845 -13.549 Td [(machen)-250(Sie)-250(Ihre)-250(Sache)-250(gut.)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.062 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1425 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1426 0 R +/Resources 1424 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +102 0 obj << +/D [1425 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1421 0 obj << +/D [1425 0 R /XYZ 93.543 518.175 null] +>> endobj +1427 0 obj << +/D [1425 0 R /XYZ 279.183 175.282 null] +>> endobj +1424 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1430 0 obj << +/Length 5162 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Fuchs)-250(und)-250(die)-250(Sibylle)-13780(277)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(F\374nf)-250(Minuten)-250(sp\344ter)-250(h\366rte)-250(ich)-250(nebenan)-250(Stefenson)-250(eintreten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Guten)-265(Abend)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.632 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-268(sagte)-265(er)-264(etwas)-265(verlegen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 113.535 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-265(komme)-264(mal)-265(zu)]TJ -198.653 -13.549 Td [(Ihnen.)-382(Sie)-295(brauchen)-294(sich)-294(deswegen)-294(nicht)-294(etwa)-294(einzubilden,)-305(da\337)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-178(auf)-178(Ihren)-178(Quatsch)-178(etwas)-178(gebe;)-202(aber)-178(ich)-178(habe)-178(von)-178(Ihnen)-178(geh\366rt,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-329(da)-328(will)-329(ich)-328(mal)-329(einen)-328(Versuch)-329(machen)]TJ/F24 10.9091 Tf 195.909 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.039 0 Td [(der)-329(Wissenschaft)]TJ -204.948 -13.55 Td [(halber,)-250(verstehen)-250(Sie?)]TJ/F24 10.9091 Tf 96.033 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -84.077 -13.899 Td [(Die)-476(Sibylle)-476(r\374hrte)-476(sich)-476(nicht.)-927(Sie)-476(sah)-476(greulich)-476(aus.)-927(Die)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Gestalt)-369(war)-368(in)-368(ein)-369(geflicktes)-368(Umschlagetuch)-369(geh\374llt,)-398(vor)-368(Stirn)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-407(Augen)-407(hatte)-407(sie)-407(einen)-407(gr\374nen)-407(Lichtschirm,)-446(\374ber)-407(dem)-406(der)]TJ 0 -13.549 Td [(graue)-344(Scheitel)-343(struppig)-344(herausragte.)-531(Das)-343(alte)-344(Weib)-343(betrachtete)]TJ 0 -13.549 Td [(ihre)-250(ausgebreiteten)-250(schmutzigen)-250(Karten)-250(und)-250(sagte)-250(kein)-250(Wort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun?)]TJ/F24 10.9091 Tf 23.629 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(mahnte)-250(Stefenson)-250(ungeduldig.)]TJ -36.043 -13.9 Td [(Keine)-250(Antwort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-290(wollen)-283(Sie)-282(nun)-283(gef\344lligst)-282(mit)-282(mir)-283(sprechen?)]TJ/F24 10.9091 Tf 207.39 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.924 0 Td [(brauste)-282(der)]TJ -232.113 -13.549 Td [(Amerikaner)-250(auf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Scheren)-250(Sie)-250(sich)-250(hinaus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(kr\344chzte)-250(die)-250(Alte.)]TJ/F24 10.9091 Tf -119.367 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wa)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.142 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(as?)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.93 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 239.698 0 Td [([357])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Hinausscheren)-476(sollen)-476(Sie)-476(sich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.014 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.037 0 Td [(wiederholte)-476(der)-476(h\344\337liche)]TJ -167.85 -13.549 Td [(Rabe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-388(ist)-389(stark!)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.586 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.08 0 Td [(sagte)-388(Stefenson)-389(verbl\374fft.)]TJ/F24 10.9091 Tf 122.07 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nun)-388(bleibe)-389(ich)]TJ -213.379 -13.549 Td [(nat\374rlich)-250(hier!)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.106 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -50.15 -13.9 Td [(Er)-323(schob)-322(sich)-323(den)-323(wackligen)-322(Stuhl,)-341(der)-323(an)-322(der)-323(Wand)-322(lehnte,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zurecht)-344(und)-345(sah)-344(mit)-345(stoischer)-344(Ruhe)-345(zu,)-368(wie)-344(das)-345(alte)-344(Weib)-344(ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Karten)-356(mischte)-357(und)-356(legte,)-383(ohne)-356(ihn)-356(auch)-357(nur)-356(im)-356(geringsten)-356(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(beachten.)-250(Ich)-250(vergn\374gte)-250(mich)-250(an)-250(meinem)-250(Guckloche)-250(k\366niglich.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Endlich)-424(stand)-425(Stefenson)-424(auf,)-468(legte)-424(auf)-425(die)-424(Tischkante)-424(eine)]TJ -11.956 -13.549 Td [(M\374nze)-250(und)-250(sagte)-250(mit)-250(erzwungener)-250(H\366flichkeit:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.9 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Madame,)-333(ich)-317(m\366chte)-317(gern)-317(durch)-316(Ihre)-317(Kunst)-317(meine)-317(Zukunft)]TJ -16.799 -13.55 Td [(erfahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.066 0 Td [(\034)]TJ -27.11 -13.899 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Warten)-250(Sie!)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.407 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(schnarrte)-250(der)-250(Rabe.)]TJ -64.821 -13.9 Td [(Und)-277(Stefenson)-277(wartete.)-331(Sibylle)-277(betrachtete)-277(indes)-277(unverwandt)]TJ -11.956 -13.55 Td [(ihre)-370(Karten.)-608(Endlich)-370(schien)-370(sie)-369(fertig)-370(zu)-369(sein.)-609(Sie)-370(warf)-369(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Blick)-239(auf)-239(das)-239(Geldst\374ck)-239(und)-240(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.873 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Auf)-239(zwanzig)-239(Mark)-239(kann)-239(ich)]TJ -158.717 -13.549 Td [(nicht)-250(herausgeben.)-250(Es)-250(kostet)-250(f\374nfundzwanzig)-250(Pfennig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.229 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1429 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1430 0 R +/Resources 1428 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +1431 0 obj << +/D [1429 0 R /XYZ 46.771 297.395 null] +>> endobj +1428 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1434 0 obj << +/Length 5499 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(278)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Behalten)-358(Sie)-357(nur)-358(das)-357(Goldst\374ck)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.255 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-384(erwiderte)-358(Stefenson.)-572(Da)]TJ -163.898 -13.549 Td [(schnipste)-328(sie)-329(mit)-328(dem)-328(Finger)-328(die)-328(M\374nze)-329(vom)-328(Tische)-328(hinab)-328(auf)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(Fu\337boden)-250(und)-250(kreischte)-250(w\374tend:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(F\374nfundzwanzig)-250(Pfennig)-250(kostet)-250(es!)]TJ/F24 10.9091 Tf 154.222 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -159.065 -13.772 Td [(Stefenson)-1031(kramte)-1032(in)-1031(einer)-1032(Westentasche)-1031(und)-1031(legte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(f\374nfundzwanzig)-250(Pfennig)-250(auf)-250(den)-250(Tisch.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stecken)-316(Sie)-316(das)-316(Goldst\374ck)-316(ein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.624 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.292 0 Td [(befahl)-316(die)-316(Alte.)-448(Stefenson)]TJ -163.715 -13.549 Td [(leuchtete)-308(mit)-308(Streichh\366lzern)-308(gehorsam)-308(den)-308(Fu\337boden)-308(ab,)-322(bis)-308(er)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-247(Goldm\374nze)-248(fand,)-248(und)-247(steckte)-247(sie)-248(ein.)-249(Darauf)-247(mischte)-247(Sibylle)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([358])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(die)-250(Karten,)-250(lie\337)-250(Stefenson)-250(dreimal)-250(abheben)-250(und)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-250(sind)-250(neunundvierzig)-250(Jahre)-250(alt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 148.462 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -153.305 -13.773 Td [(Stefenson)-250(lachte)-250(\344rgerlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Neununddrei\337ig)-250(bin)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.353 0 Td [(\034)]TJ -111.196 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-250(sehen)-250(Sie)-250(nicht)-250(aus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.204 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -106.047 -13.772 Td [(Darauf)-250(wurden)-250(die)-250(Karten)-250(auf)-250(den)-250(Tisch)-250(gebreitet.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Richtig)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.855 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(erst)-250(neununddrei\337ig)]TJ/F24 10.9091 Tf 86.957 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(sagte)-250(die)-250(Wahrsagerin.)]TJ/F24 10.9091 Tf -139.68 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Am)-250(14.)-250(April)-250(geboren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.076 0 Td [(\034)]TJ -103.92 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(stimmt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.64 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(Stefenson)-250(verbl\374fft.)]TJ/F24 10.9091 Tf -66.055 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-250(stimmt)-250(alles,)-250(was)-250(ich)-250(sage)]TJ/F24 10.9091 Tf 127.265 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(knurrte)-250(die)-250(Alte.)]TJ/F24 10.9091 Tf -136.953 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-232(haben)-231(weder)-232(Vater)-232(noch)-232(Mutter,)-235(Bruder)-232(noch)-232(Schwester.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Sie)-481(sind)-481(nicht)-481(aus)-481(diesem)-480(Lande,)-539(Sie)-481(sind)-481(\374ber)-481(das)-480(Wasser)]TJ 0 -13.549 Td [(gekommen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.208 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -39.253 -13.772 Td [(Stefenson)-250(setzte)-250(sich)-250(staunend)-250(auf)-250(den)-250(Stuhl.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-305(sind)-305(sehr)-305(reich)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.094 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-319(fuhr)-305(die)-305(Alte)-305(fort,)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.44 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)-305(werden)-305(immer)]TJ -197.021 -13.549 Td [(reicher)-250(werden;)-250(aber)-250(Sie)-250(haben)-250(Ungl\374ck)-250(in)-250(der)-250(Liebe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 233.564 0 Td [(\034)]TJ -221.608 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 9.087 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-250(murmelte)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -18.775 -13.773 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ihre)-250(Braut)-250(heiratet)-250(einen)-250(anderen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 146.313 0 Td [(\034)]TJ -151.157 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ist)-250(das)-250(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.556 0 Td [(\034)]TJ -62.4 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja.)-239(Aber)-219(Sie)-218(sind)-219(selbst)-218(schuld;)-229(Sie)-218(haben)-219(Ihre)-218(Braut)-219(schlecht)]TJ -16.799 -13.55 Td [(behandelt)-250(und)-250(sie)-250(betrogen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 119.978 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -108.023 -13.772 Td [(Stefenson)-250(st\366hnte)-250(leise.)-250(Die)-250(Alte)-250(fuhr)-250(fort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-635(Sie)-634(sich)-635(mit)-634(dem)-635(neuen)-634(Br\344utigam)-635(Ihrer)-635(Braut)]TJ -16.799 -13.55 Td [(duellieren,)-250(werden)-250(Sie)-250(ihn)-250(t\366ten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 141.796 0 Td [(\034)]TJ -129.841 -13.772 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(A)]TJ/F24 10.9091 Tf 7.876 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.455 0 Td [(ah!)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.931 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -116.817 0 Td [([359])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1433 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1434 0 R +/Resources 1432 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +1435 0 obj << +/D [1433 0 R /XYZ 254.863 409.112 null] +>> endobj +1436 0 obj << +/D [1433 0 R /XYZ 93.543 64.604 null] +>> endobj +1432 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1439 0 obj << +/Length 4925 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Fuchs)-250(und)-250(die)-250(Sibylle)-13780(279)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-725(aber)-629(es)-630(wird)-629(Ihnen)-630(schlimm)-630(ergehen,)-724(weil)-630(er)-630(ein)]TJ -16.799 -13.549 Td [(vornehmer)-299(Herr)-299(ist,)-311(und)-299(das)-299(M\344dchen)-299(wird)-299(doch)-299(einen)-299(anderen)]TJ 0 -13.549 Td [(nehmen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.266 0 Td [(\034)]TJ -25.31 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wird)-250(sie)-250(gl\374cklich)-250(werden?)]TJ/F24 10.9091 Tf 120.273 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(fragte)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -132.687 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-243(wird)-243(mit)-242(jedem)-243(Manne)-243(gl\374cklich)-243(werden,)-244(den)-243(sie)-243(nimmt.)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Nur)-250(mit)-250(Ihnen)-250(w\344re)-250(sie)-250(ungl\374cklich)-250(geworden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 203.291 0 Td [(\034)]TJ -191.335 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(nicht)-250(wahr!)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf -95.127 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-206(ist)-206(ebenso)-206(wahr,)-215(als)-206(da\337)-206(Sie)-206(nach)-206(einem)-206(Jahre)-206(eine)-206(reiche)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Amerikanerin)-250(heiraten)-250(werden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 136.015 0 Td [(\034)]TJ -124.059 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schwindel!)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.691 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.429 0 Td [(rief)-512(Stefenson)-512(erbost.)]TJ/F24 10.9091 Tf 110.026 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-512(werde)-512(nie)-512(eine)]TJ -191.788 -13.549 Td [(andere)-374(heiraten.)-624(Sie)-374(schwafeln)-374(da)-375(einen)-374(ungeheuren)-374(Bl\366dsinn)]TJ 0 -13.55 Td [(zusammen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.291 0 Td [(\034)]TJ -38.335 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Scheren)-413(Sie)-412(sich)-413(hinaus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.273 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.345 0 Td [(kreischte)-413(der)-412(Rabe)-413(w\374tend)-412(und)]TJ -138.417 -13.549 Td [(klappte)-250(die)-250(Karten)-250(zusammen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-294(bitte,)-305(da\337)-293(Sie)-294(weitersprechen)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.722 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-305(beruhigte)-294(sich)-293(Stefenson)]TJ -166.364 -13.549 Td [(gewaltsam.)]TJ 11.956 -15.55 Td [(Die)-250(Alte)-250(aber)-250(erhob)-250(sich)-250(und)-250(humpelte)-250(der)-250(Nachbart\374r)-250(zu.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Bleiben)-934(Sie)-934(da)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.552 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-1105(rief)-934(Stefenson;)]TJ/F24 10.9091 Tf 100.083 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(ich)-934(habe)-934(doch)]TJ -205.122 -13.549 Td [(f\374nfundzwanzig)-250(Pfennig)-250(bezahlt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 144.513 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -132.557 -15.55 Td [(Sie)-276(gab)-277(keine)-276(Antwort,)-283(verschwand)-277(hinter)-276(der)-277(T\374r)-276(und)-276(schob)]TJ -11.956 -13.549 Td [(den)-250(Riegel)-250(vor.)]TJ 11.956 -15.549 Td [(In)-329(diesem)-329(Augenblick)-329(sprang)-329(ich)-329(im)-329(Nebenzimmer)-329(aus)-329(dem)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Fenster)-405(hinaus)-405(in)-405(den)-405(Garten,)-444(ging)-405(ums)-405(Haus)-405(herum)-405(und)-404(trat)]TJ 0 -13.549 Td [(durch)-250(den)-250(Flur)-250(in)-250(die)-250(Vorderstube.)]TJ 11.956 -15.55 Td [(Als)-431(Stefenson)-431(und)-431(ich)-431(uns)-431(sahen,)-476(prallten)-431(wir)-431(voreinander)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zur\374ck.)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([360])]TJ/F24 10.9091 Tf -279.068 -15.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.669 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Doktor?)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.749 0 Td [(\034)]TJ -65.443 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.669 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(Stefenson?)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.869 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -77.563 -15.55 Td [(Er)-436(lachte)-436(au\337erordentlich)-436(verlegen.)-807(Leise)-436(sagte)-436(er:)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.023 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Aber)]TJ -258.823 -13.549 Td [(wissen)-250(Sie)]TJ/F24 10.9091 Tf 49.091 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(nur)-250(der)-250(Wissenschaft)-250(halber)-250(...)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.992 0 Td [(\034)]TJ -178.309 -15.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja)]TJ/F24 10.9091 Tf 12.39 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.758 0 Td [(ich)-303(nat\374rlich)-303(auch)-302(nur)-303(der)-303(Wissenschaft)-303(halber.)-408(Waren)]TJ -37.947 -13.549 Td [(Sie)-250(schon)-250(dran?)]TJ/F24 10.9091 Tf 69.077 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1438 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1439 0 R +/Resources 1437 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +1440 0 obj << +/D [1438 0 R /XYZ 46.771 155.341 null] +>> endobj +1437 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1443 0 obj << +/Length 5112 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(280)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja.)-825(Und)-442(es)-441(hat)-442(merkw\374rdig)-442(gestimmt.)-825(Jetzt)-441(ist)-442(die)-442(Alte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(da)-477(hinein)-478(und)-477(hat)-477(sich)-478(abgeriegelt.)-931(Aber)-478(ich)-477(warte,)-534(bis)-477(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(herauskommt;)-250(ich)-250(will)-250(noch)-250(mehr)-250(erfahren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 189.055 0 Td [(\034)]TJ -177.099 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wenn)-250(es)-250(Sie)-250(nicht)-250(st\366rt,)-250(warte)-250(ich)-250(mit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.953 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.796 -15.835 Td [(Ich)-353(sah,)-378(da\337)-353(ihm)-353(mein)-353(Erscheinen)-352(gar)-353(nicht)-353(recht)-353(war,)-378(aber)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-281(setzte)-282(mich)-281(auf)-281(den)-281(Tisch)-282(und)-281(lie\337)-281(die)-281(Beine)-281(herabbaumeln.)]TJ 0 -13.55 Td [(Eine)-364(halbe)-365(Stunde)-364(verging;)-421(es)-365(wurde)-364(langweilig.)-593(Ein)-364(paarmal)]TJ 0 -13.549 Td [(hatte)-203(Stefenson)-202(an)-203(die)-203(T\374r)-203(der)-202(anderen)-203(Stube)-203(geklopft,)-212(aber)-202(keine)]TJ 0 -13.549 Td [(Antwort)-250(erhalten.)-250(Endlich)-250(h\366rten)-250(wir)-250(drin)-250(ein)-250(Gekrabbele.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sind)-250(Sie)-250(noch)-250(da?)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.48 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(kr\344chzte)-250(die)-250(Sibylle.)]TJ/F24 10.9091 Tf -90.894 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl!)]TJ/F24 10.9091 Tf 34.538 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(antwortete)-250(Stefenson.)]TJ -46.952 -15.835 Td [(Ein)-250(Scharren)-250(kam)-250(von)-250(nebenan,)-250(dann)-250(sagte)-250(die)-250(Alte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-267(werde)-267(Ihnen)-267(f\374r)-267(Ihre)-267(f\374nfundzwanzig)-267(Pfennig)-267(jetzt)-268(noch)]TJ -16.799 -13.549 Td [(zeigen,)-401(wie)-371(Ihre)-370(k\374nftige)-371(Frau)-371(aussieht,)-400(und)-371(dann)-371(scheren)-370(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(endlich)-250(fort.)]TJ/F24 10.9091 Tf 73.626 0 Td [(\034)]TJ -61.67 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-348(will)-349(nichts)-348(wissen)-348(von)-349(einer)-348(k\374nftigen)-348(Frau,)-373(ich)-349(bleibe)]TJ -16.799 -13.549 Td [(ledig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.451 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.917 0 Td [(widersprach)-282(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 105.904 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kommen)-282(Sie)-281(lieber)-282(heraus)-282(und)]TJ -144.115 -13.549 Td [(geben)-250(Sie)-250(mir)-250(noch)-250(auf)-250(einige)-250(Fragen)-250(Auskunft.)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.662 0 Td [(\034)]TJ -197.707 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 24.84 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 10.537 0 Td [(brummte)-522(der)-522(Rabe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 101.479 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-522(werden)-522(nur)-522(noch)-521(Ihre)]TJ -158.498 -13.549 Td [(k\374nftige)-250(Frau)-250(sehen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.284 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -163.04 0 Td [([361])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -15.835 Td [(Die)-309(T\374r)-309(sprang)-309(auf,)-324(und)-309(in)-309(ihrer)-309(\326ffnung)-309(stand)-309(Eva)-310(Bunkert)]TJ -11.955 -13.55 Td [(in)-337(ihrer)-337(ganzen)-337(strahlenden)-336(Sch\366nheit.)-511(Stefenson)-337(fa\337te)-337(sich)-336(an)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-250(Kopf.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Eva!)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.596 0 Td [(\034)]TJ -25.44 -15.836 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ja,)-250(ich)-250(bin)]TJ/F24 10.9091 Tf 44.542 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(s!)]TJ/F24 10.9091 Tf 7.877 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(das)-250(M\344dchen,)-250(blieb)-250(stehen)-250(und)-250(lachte.)]TJ/F24 10.9091 Tf -68.466 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wie)-330(ist)-330(das)-330(m\366glich?)-491(Wie)-330(ist)-330(das)-330(nur)-330(m\366glich?)]TJ/F24 10.9091 Tf 212.36 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.446 0 Td [(Stefenson)]TJ -237.605 -13.549 Td [(machte)-288(den)-288(Eindruck)-287(verdattertster)-288(Hilflosigkeit.)-364(Da)-288(sprang)-287(ich)]TJ 0 -13.55 Td [(vom)-250(Tisch)-250(herunter,)-250(brach)-250(in)-250(Gel\344chter)-250(aus)-250(und)-250(schrie)-250(jubelnd:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.835 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wir)-250(haben)-250(einen)-250(alten,)-250(sehr)-250(alten)-250(Fuchs)-250(gefangen.)-250(Horrido!)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.564 -15.835 Td [(Eva)-277(hatte)-278(gl\374hrote)-277(Wangen.)-333(Sie)-277(trat)-277(auf)-278(den)-277(wie)-278(angewurzelt)]TJ -11.955 -13.55 Td [(dastehenden,)-222(staunenden)-214(Stefenson)-214(zu,)-222(reichte)-214(ihm)-215(die)-214(Hand)-214(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sagte)-250(mit)-250(warmem)-250(Ton)-250(in)-250(der)-250(Stimme:)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1442 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1443 0 R +/Resources 1441 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1419 0 R +>> endobj +1444 0 obj << +/D [1442 0 R /XYZ 93.543 240.072 null] +>> endobj +1441 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1447 0 obj << +/Length 5277 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Fuchs)-250(und)-250(die)-250(Sibylle)-13780(281)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mein)-357(Lieber,)-384(Sie)-357(werden)-357(mir)-357(wegen)-357(dieser)-357(Kom\366die)-358(nicht)]TJ -16.799 -13.549 Td [(z\374rnen.)-1194(Eine)-565(kleine)-564(Strafe)-565(wenigstens)-565(hatten)-564(Sie)-565(f\374r)-564(Ihre)]TJ 0 -13.549 Td [(Ignazmaskerade)-250(doch)-250(wohl)-250(verdient.)]TJ/F24 10.9091 Tf 160.56 0 Td [(\034)]TJ -148.604 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-196(verstehe)-195(nichts)]TJ/F24 10.9091 Tf 82.747 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.59 0 Td [(nichts)-196(von)-195(allem)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.935 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-207(stammelte)-195(Stefenson.)]TJ -182.915 -13.549 Td [(Da)-250(griff)-250(ich)-250(ein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also,)-335(lieber,)-335(alter)-317(Fuchs,)-335(ich)-318(will)-318(Ihnen)-318(alles)-318(kurz)-318(erkl\344ren,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(was)-285(jetzt)-285(Ihr)-285(in)-285(eine)-285(Wolfsgrube)-285(gefallener)-285(Verstand)-285(doch)-284(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-504(selber)-504(findet!)-1013(Die)-504(Sibylle,)-568(die)-504(Sie)-504(befragt)-505(haben,)-567(war)]TJ 0 -13.55 Td [(niemand)-250(anders)-250(als)-250(Fr\344ulein)-250(Eva)-250(selbst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 172.702 0 Td [(\034)]TJ -160.746 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Oh)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.058 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(oh)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.637 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.181 0 Td [(und)-250(die)-250(wirkliche)-250(Sibylle?)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.84 0 Td [(\034)]TJ -165.741 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sitzt)-324(in)-325(der)-324(Dachkammer)-324(und)-325(hat)-324(uns)-324(gegen)-325(Geld)-324(und)-325(gute)]TJ/F16 7.9701 Tf 274.225 0 Td [([362])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Worte)-202(ihr)-201(Amtslokal)-202(mal)-202(vor\374bergehend)-201(\374berlassen.)-234(Ist)-202(das)-201(nicht)]TJ 0 -13.55 Td [(gut?)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -6.83 -15.227 Td [(Er)-361(sagte)-360(nicht,)-389(da\337)-361(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 107.534 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(gut)]TJ/F24 10.9091 Tf 13.942 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.779 0 Td [(sei.)-582(Ganz)-361(f\366rmlich)-361(wandte)-360(er)]TJ -147.054 -13.549 Td [(sich)-250(an)-250(Eva.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Mein)-282(gn\344diges)-282(Fr\344ulein,)-290(es)-282(ist)-282(ja)-282(recht,)-290(recht)-282(liebensw\374rdig,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(da\337)-547(Sie)-547(mit)-547(mir)-547(zu)-547(scherzen)-547(belieben;)-695(aber)-547(ich)-547(darf)-547(wohl)]TJ 0 -13.55 Td [(einigerma\337en)-479(erstaunt)-479(sein,)-536(da)-479(ich)-479(erst)-479(heute)-479(morgen)-479(in)-479(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeitung)]TJ/F24 10.9091 Tf 36.666 0 Td [(\023\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -24.71 -15.227 Td [(Ich)-250(griff)-250(wieder)-250(ein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Die)]TJ/F24 10.9091 Tf 18.01 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(Neust\344dter)-207(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.719 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 5.889 0 Td [(war)-207(die)-207(zweite)-207(Wolfsgrube,)-215(in)-207(die)]TJ -135.049 -13.55 Td [(Sie)-342(glitten,)-366(verehrter)-342(Fuchs,)-366(oder)-342(vielmehr)-343(die)-342(erste.)-527(Denn)-342(die)]TJ 0 -13.549 Td [(Notiz)-296(habe)-296(ich)-296(geschrieben,)-307(habe)-296(sie)-296(in)-296(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 193.488 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.204 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.861 0 Td [(lanciert,)]TJ -245.186 -13.549 Td [(aber)-285(nicht)-286(etwa)-285(in)-285(die)-286(ganze)-285(Auflage,)-294(sondern)-285(nur)-286(in)-285(die)-285(beiden)]TJ 0 -13.549 Td [(Exemplare,)-408(die)-377(bei)-377(Ihnen)-377(und)-376(bei)-377(mir)-377(abgegeben)-376(werden.)-630(Da)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-445(eben)-445(f\374r)-445(diese)-446(zwei)-445(Nummern)-445(im)-445(Satzspiegel)-445(eine)-445(kleine)]TJ 0 -13.55 Td [(\304nderung)-250(gemacht)-250(worden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 121.484 0 Td [(\034)]TJ -109.529 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(So)-250(ist)-250(wohl)-250(alles)-250(gar)-250(nicht)-250(wahr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.407 0 Td [(\034)]TJ -147.251 -15.227 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein,)-292(es)-283(ist)-283(nicht)-284(wahr)]TJ/F24 10.9091 Tf 99.412 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-292(sagte)-283(Eva)-283(und)-284(wurde)-283(in)-283(dem)-284(Ma\337e)]TJ -121.054 -13.549 Td [(r\366ter,)-191(als)-176(Stefenson)-176(bleicher)-175(wurde.)-226(Ich)-176(f\374rchtete)-176(mit)-176(einem)-175(Male,)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(Scherz)-250(k\366nne)-250(noch)-250(schief)-250(ausgehen,)-250(und)-250(sagte)-250(deshalb:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -15.228 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nanu,)-343(Stefenson,)-343(spielen)-324(Sie)-325(bitte)-324(nicht)-325(etwa)-324(die)-325(gekr\344nkte)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Unschuld.)-248(Da)-245(w\344ren)-245(Sie)-244(gerade)-245(der)-245(Rechte)-245(dazu.)-248(Was)-245(haben)-244(Sie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1446 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1447 0 R +/Resources 1445 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +1448 0 obj << +/D [1446 0 R /XYZ 288.714 375.971 null] +>> endobj +1445 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1452 0 obj << +/Length 5143 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(282)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(uns)-345(genarrt!)-536(Mit)-345(der)-345(Ignazgeschichte)-346(und)-345(mit)-345(Ihren)-345(Umschau-)]TJ 0 -13.549 Td [(Artikeln,)-420(auch)-386(als)-386(Journalist)-386(Brown.)-658(Ihr)-386(S\374ndenregister)-386(ist)-385(in)]TJ 0 -13.549 Td [(dieser)-485(Hinsicht)-486(so)-485(gro\337,)-485(da\337)-485(unsere)-486(kleine)-485(List)-485(eine)-485(\344u\337erst)]TJ 0 -13.549 Td [(gelinde)-250(Strafe)-250(ist.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.658 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -149.413 0 Td [([363])]TJ/F24 10.9091 Tf 84.711 -14.041 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)]TJ/F24 10.9091 Tf 25.749 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.417 0 Td [(und)-638(der)-639(Graf)-638(Simmern)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.136 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 12.418 0 Td [(und)-638(der)-639(herzogliche)]TJ -185.519 -13.549 Td [(Kammerherr?)]TJ/F24 10.9091 Tf 60.579 0 Td [(\034)]TJ -48.623 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Himmel,)-448(Stefenson,)-448(sind)-408(Sie)-409(heute)-408(schwer)-408(von)-409(Begriffen,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(diese)-250(Simmerns)-250(existieren)-250(doch)-250(gar)-250(nicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.4 0 Td [(\034)]TJ -170.444 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ah)]TJ/F24 10.9091 Tf 17.192 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.316 0 Td [(so)-354(ist)-354(das)-354(gewesen?)-562(Die)-354(Anzeige)-354(war)-354(gef\344lscht,)-380(und)]TJ -43.307 -13.55 Td [(die)-332(Wahrsagerin)-332(waren)-331(Sie)-332(selbst.)]TJ/F24 10.9091 Tf 157.121 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.074 0 Td [(Es)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.529 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.074 0 Td [(es)-332(ist)-332(ja)-331(sehr)-332(witzig!)]TJ -189.798 -13.549 Td [(Gn\344diges)-504(Fr\344ulein,)-567(Sie)-504(haben)-503(die)-504(alte)-504(Sibylle)-503(ausgezeichnet)]TJ 0 -13.549 Td [(gemimt.)-250(Ich)-250(glaube,)-250(Sie)-250(sind)-250(eine)-250(gro\337e)-250(Schauspielerin.)]TJ/F24 10.9091 Tf 243 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -231.044 -14.04 Td [(Es)-319(war)-318(mir,)-336(als)-318(ob)-319(in)-319(Evas)-318(Augen)-319(eine)-318(geheime)-319(Angst)-318(tr\344te.)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ich)-250(sagte:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-331(sehen)-330(Sie,)-351(ob)-330(ein)-331(Mister)-330(Stefenson)-331(in)-330(den)-331(Ferien)-331(vom)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Ich)-464(in)-464(die)-464(Tracht)-464(eines)-464(Bauernknechtes)-464(kriecht)-464(oder)-464(ob)-463(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Operns\344ngerin)-489(mal)-489(in)-490(das)-489(Habit)-489(einer)-489(Wahrsagerin)-489(schl\374pft,)]TJ 0 -13.549 Td [(bleibt)-250(sich)-250(ganz)-250(gleich.)-250(Das)-250(ist)-250(doch)-250(selbstverst\344ndlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 240.883 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -228.928 -14.04 Td [(Seine)-250(Augen)-250(irrten)-250(umher.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-795(f\374rchte,)-931(die)-794(wirkliche)-795(Sibylle)-795(wird)-794(sich)-795(in)-795(der)]TJ -16.799 -13.55 Td [(Bodenkammer)-250(erk\344lten.)-250(Man)-250(sollte)-250(sie)-250(jetzt)-250(herunterrufen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.098 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -243.143 -14.04 Td [(Die)-274(Stimmung)-274(wurde)-274(frostig.)-323(Ich)-274(sah,)-280(da\337)-274(Evas)-274(rote)-275(Wangen)]TJ -11.955 -13.549 Td [(verblichen.)-230(In)-189(diesem)-190(Augenblick)-189(humpelte)-190(die)-189(wirkliche)-189(Sibylle)]TJ 0 -13.549 Td [(ins)-296(Zimmer.)-388(Sie)-296(lachte)-296(albern)-296(und)-296(blinzelte)-296(verlangend)-295(mit)-296(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Augen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.955 -14.04 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Na,)-630(Sibylle)]TJ/F24 10.9091 Tf 53.237 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-630(sagte)-554(Stefenson,)]TJ/F24 10.9091 Tf 90.689 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-554(werden)-554(ja)-554(von)-554(den)]TJ -170.413 -13.55 Td [(Herrschaften)-441(schon)-441(bezahlt)-441(sein;)-536(da)-441(haben)-441(Sie)-441(auch)-441(von)-440(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(noch)-250(ein)-250(Trinkgeld.)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.746 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -73.791 -14.04 Td [(Er)-438(legte)-439(ein)-438(F\374nfzigpfennigst\374ck)-438(auf)-438(den)-439(Tisch.)-814(Die)-439(Alte)]TJ -11.955 -13.549 Td [(fauchte)-523(unzufrieden;)-660(mir)-523(ging)-524(die)-523(Laune)-523(aus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 227.063 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Gehen)-523(wir)]TJ/F16 7.9701 Tf -304.663 0 Td [([364])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(hinaus!)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.117 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.678 0 Td [(sagte)-260(ich.)-279(Ich)-260(half)-260(Eva)-260(den)-260(Mantel)-260(umlegen)-260(und)-260(f\374hlte,)]TJ -39.795 -13.55 Td [(wie)-291(das)-291(M\344dchen)-292(erregt)-291(war.)-374(Schweigend)-291(stiegen)-291(wir)-291(den)-291(Berg)]TJ 0 -13.549 Td [(hinauf.)-297(Ich)-265(hatte)-266(einen)-265(m\344chtigen)-266(Groll)-266(auf)-265(Stefenson.)-297(Er)-265(selber)]TJ 0 -13.549 Td [(h\344nselte)-353(alle)-353(Welt,)-379(aber)-354(einen)-353(Scherz)-353(gegen)-353(seine)-353(eigene)-353(hohe)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1451 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1452 0 R +/Resources 1450 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +1453 0 obj << +/D [1451 0 R /XYZ 93.543 475.149 null] +>> endobj +1454 0 obj << +/D [1451 0 R /XYZ 359.631 120.339 null] +>> endobj +1450 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1457 0 obj << +/Length 4330 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Der)-250(Fuchs)-250(und)-250(die)-250(Sibylle)-13780(283)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Person)-272(vertrug)-273(er)-272(nicht.)-317(Da)-272(hatte)-273(mir)-272(nun)-272(in)-273(all)-272(den)-272(Wochen)-272(die)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366ne)-308(Eva)-308(brieflich)-308(ihren)-308(Liebeskummer)-309(geklagt,)-322(ich)-308(hatte)-308(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(langsam)-261(den)-261(Zorn)-262(gegen)-261(Stefenson,)-264(den)-261(sie)-261(der)-261(Ignazmaskerade)]TJ 0 -13.549 Td [(wegen)-441(hegte,)-489(ausgeredet,)-488(sie)-441(hatte)-441(endlich)-441(den)-441(Brief)-441(mit)-440(der)]TJ 0 -13.55 Td [(Stelle)-433(von)-433(Jakob,)-479(der)-433(um)-433(Rahel)-433(dient,)-479(erhalten,)-478(war)-433(dadurch)]TJ 0 -13.549 Td [(ger\374hrt,)-272(heimlich)-267(in)-268(Waltersburg)-267(angekommen)-268(und)-267(hatte)-268(sich)-267(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-333(Wohnung)-332(ihres)-333(Vaters,)-353(unseres)-333(jetzigen)-332(Baurats,)-353(versteckt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Liebesselig)-332(und)-332(voller)-332(Sehnsucht.)-495(Ich,)-353(der)-332(das)-332(M\344dchen)-331(selbst)]TJ 0 -13.549 Td [(geliebt)-309(hatte,)-324(war)-308(mit)-309(mir)-309(fertig)-309(geworden,)-324(guter)-309(Laune)-309(zu)-308(sein)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-306(ihr)-307(zu)-306(einem)-307(unschuldigen)-306(Racheplan)-307(gegen)-306(den)-306(Geliebten)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-250(helfen.)-250(Nun)-250(scheiterte)-250(alles)-250(am)-250(Hochmut)-250(dieses)-250(Hansnarren.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 351.327 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 333.75 Td [(Wir)-586(waren)-586(kurz)-586(vor)-586(dem)-586(Grundhof,)-670(da)-586(blieb)-586(Stefenson)]TJ -11.956 -13.549 Td [(pl\366tzlich)-313(stehen)-313(und)-313(fing)-313(unb\344ndig)-313(an)-313(zu)-313(lachen.)-439(Es)-313(war)-313(schon)]TJ 0 -13.549 Td [(gar)-250(kein)-250(Lachen)-250(mehr,)-250(es)-250(war)-250(ein)-250(Kollern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.179 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Also)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.608 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-452(sagte)-412(er,)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.713 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(nun)-412(haben)-412(sie)-412(den)-412(Fuchs)-412(gefangen,)-452(und)]TJ -97.806 -13.549 Td [(da)-343(sie)-343(ihn)-343(in)-342(der)-343(Falle)-343(haben,)-366(machen)-343(sie)-343(beleidigte)-342(Gesichter,)]TJ 0 -13.549 Td [(weil)-538(der)-539(Gefangene)-538(knurrt,)-610(was)-539(doch)-538(selbstverst\344ndlich)-538(ist.)]TJ 0 -13.549 Td [(Lieber)-401(Doktor,)-440(Freund)-401(und)-402(Menschenkenner,)-439(bitte,)-439(gehen)-401(Sie)]TJ 0 -13.55 Td [(mal)-265(freundlichst)-265(voran)-265(bis)-265(zur)-265(Lindenherberge)-265(und)-265(erwarten)-264(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-250(im)-250(Poetenwinkel.)-250(Wir)-250(kommen)-250(langsam)-250(nach.)]TJ/F24 10.9091 Tf 219.982 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf 71.042 0 Td [([365])]TJ/F16 10.9091 Tf -279.068 -14.178 Td [(Ich)-318(ging)-319(voran,)-335(und)-319(als)-318(die)-318(beiden)-319(anderen)-318(im)-318(Poetenwinkel)]TJ -11.956 -13.549 Td [(eintrafen,)-250(sah)-250(ich)-250(in)-250(ihnen)-250(ein)-250(gl\374ckliches)-250(Paar.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 165.643 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 148.067 Td [(Es)-393(war)-394(noch)-393(nicht)-394(sp\344t,)-429(wir)-393(waren)-394(im)-393(Poetenwinkel)-393(allein,)]TJ -11.956 -13.55 Td [(die)-427(Ferieng\344ste)-427(noch)-428(alle)-427(beim)-427(Abendbrot.)-782(Als)-427(wir)-427(mit)-427(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(allerbesten)-581(Wein,)-663(den)-580(der)-581(Herbergsvater)-580(besa\337,)-580(angesto\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten,)-250(sagte)-250(Stefenson)-250(so)-250(ganz)-250(nebenher)-250(zu)-250(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.179 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Da\337)-375(der)-374(Kerl)-375(von)-375(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 102.226 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.203 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.721 0 Td [(zwei)-375(Mark)-375(f\374r)-374(die)-375(Zeile)]TJ -171.582 -13.549 Td [(der)-289(gef\344lschten)-290(Verlobungsnotiz)-289(von)-290(Ihnen)-289(genommen)-289(hat,)-299(war)]TJ 0 -13.549 Td [(unversch\344mt.)-250(Eine)-250(Mark)-250(w\344re)-250(auch)-250(genug)-250(gewesen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 227.204 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1456 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1457 0 R +/Resources 1455 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +1458 0 obj << +/D [1456 0 R /XYZ 46.771 222.349 null] +>> endobj +1455 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1461 0 obj << +/Length 5554 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(284)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Woher)-250(wissen)-250(Sie)-250(den)-250(Preis?)]TJ/F24 10.9091 Tf 126.644 0 Td [(\034)]TJ -131.487 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Na,)-250(ich)-250(war)-250(doch)-250(dr\374ben)-250(in)-250(der)-250(Redaktion.)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.716 0 Td [(\034)]TJ -190.559 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(In)-250(der)-250(Zeitung?)-250(Wann?)-250(Heute)-250(nachmittag?)]TJ/F24 10.9091 Tf 185.705 0 Td [(\034)]TJ -190.548 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-385(nat\374rlich!)-574(Ich)-358(witterte)-358(etwas)-358(und)-358(wollte)-358(wissen,)-385(woher)]TJ -16.799 -13.55 Td [(die)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.273 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(Umschau)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.203 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.575 0 Td [(die)-270(gro\337e)-269(Neuigkeit)-270(habe,)-274(und)-270(da)-270(kriegte)-269(ich)-270(mit)]TJ -67.684 -13.549 Td [(Hilfe)-427(einiger)-427(\334berredungskunst)-427(und)-427(einigen)-427(Papiergeldes)-427(den)]TJ 0 -13.549 Td [(ganzen)-250(sch\366nen)-250(Schwindel)-250(heraus.)]TJ/F24 10.9091 Tf 152.084 0 Td [(\034)]TJ -140.128 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Das)-250(ist)-250(infam!)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.811 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(rief)-250(ich.)]TJ/F24 10.9091 Tf -74.225 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Er)-250(hat)-250(alles)-250(gewu\337t)]TJ/F24 10.9091 Tf 83.924 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(sagte)-250(fassungslos)-250(die)-250(sch\366ne)-250(Eva.)]TJ/F24 10.9091 Tf -93.61 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Jawohl,)-363(alles!)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.217 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.553 0 Td [(schmunzelte)-340(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 109.672 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Dann,)-363(als)-340(ich)-340(von)]TJ -201.085 -13.549 Td [(Neustadt)-329(zur\374ckkam,)-348(ging)-328(ich)-329(gleich)-328(wieder)-328(zu)-329(unserem)-328(Herrn)]TJ 0 -13.549 Td [(Doktor,)-461(und)-418(als)-419(mir)-418(der)-419(so)-418(ganz)-419(geschickt)-418(und)-418(ganz)-419(und)-418(gar)]TJ 0 -13.549 Td [(unauff\344llig)-257(suggerierte,)-258(ich)-257(solle)-257(doch)-257(durchaus)-257(mal)-257(zu)-257(der)-256(alten)]TJ 0 -13.549 Td [(Sibylle)-363(gehen,)-392(da)-364(sagte)-363(ich)-363(mir:)-477(Hm,)-392(da)-363(ist)-364(was)-363(dahinter!)-590(Da)]TJ 0 -13.55 Td [(werden)-286(die)-286(Schlauberger)-286(mit)-286(dir)-286(wohl)-286(noch)-286(was)-286(vorhaben.)-358(Und)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([366])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(ich)-250(ging)-250(zu)-250(der)-250(alten)-250(Sibylle.)]TJ/F24 10.9091 Tf 125.444 0 Td [(\034)]TJ -113.489 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Er)-324(hat)-323(mich)-324(sofort)-324(erkannt)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.737 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-342(klagte)-324(Eva.)]TJ/F24 10.9091 Tf 61.48 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(So)-324(schlecht)-323(habe)]TJ -205.703 -13.549 Td [(ich)-250(gespielt.)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.724 0 Td [(\034)]TJ -40.769 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-449(hast)-450(herrlich)-449(gespielt!)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.113 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.747 0 Td [(rief)-449(Stefenson.)]TJ/F24 10.9091 Tf 75.052 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Du)-449(bist)-450(eine)]TJ -223.555 -13.55 Td [(gro\337e)-357(K\374nstlerin.)-571(Die)-357(Sprache)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.423 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.348 0 Td [(zum)-357(F\374rchten;)-410(das)-357(\304u\337ere)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.404 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.175 -13.549 Td [(zum)-319(Schlechtwerden.)-456(Zum)-319(Beispiel)-318(diese)-319(borstigen)-319(Warzen)-318(an)]TJ 0 -13.549 Td [(Kinn)-387(und)-387(Hals.)-662(Ich)-387(habe)-387(nie)-387(eine)-387(schrecklichere)-387(Theaterhexe)]TJ 0 -13.549 Td [(gesehen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 37.866 0 Td [(\034)]TJ -25.911 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Es)-289(ist)-289(aus)-289(mit)-289(meiner)-288(B\374hnenlaufbahn)]TJ/F24 10.9091 Tf 168.474 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-299(sagte)-288(Eva.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.245 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-289(ist)]TJ -250.206 -13.55 Td [(die)-268(furchtbarste)-268(Kritik,)-272(die)-268(ich)-268(bekommen)-267(konnte.)-304(Ich)-268(kann)-267(ihm)]TJ 0 -13.549 Td [(nie,)-250(nie)-250(was)-250(vormachen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 106.636 0 Td [(\034)]TJ -94.681 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Nein)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.207 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-360(sagte)-338(Stefenson)-338(mit)-338(gro\337er)-338(Befriedigung,)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.099 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)-338(weil)]TJ -241.793 -13.549 Td [(ich)-321(jetzt)-321(wei\337,)-322(da\337)-321(du)-321(mir)-321(nie)-321(etwas)-321(vormachen)-321(kannst,)-339(heirate)]TJ 0 -13.549 Td [(ich)-302(dich.)-405(Ich)-302(heirate)-302(dich)-302(mit)-301(gro\337er)-302(innerer)-302(Ruhe)-302(und)-302(mit)-301(sehr)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337em)-250(Vergn\374gen!)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.157 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -76.202 -13.55 Td [(Da\337)-357(uns)-358(aber)-357(auch)-358(diesmal)-357(der)-357(alte)-358(Fuchs)-357(\374bert\366lpelt)-358(hatte,)]TJ -11.955 -13.549 Td [(\344rgerte)-250(mich)-250(so,)-250(da\337)-250(mir)-250(der)-250(gute)-250(Wein)-250(nicht)-250(mehr)-250(schmeckte.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1460 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1461 0 R +/Resources 1459 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +1462 0 obj << +/D [1460 0 R /XYZ 174.915 328.486 null] +>> endobj +1459 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1463 0 obj +<< /S /GoTo /D (index31) >> +endobj +1466 0 obj +(Advent) +endobj +1469 0 obj << +/Length 3793 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.811 Td [([367])]TJ/F16 18.9589 Tf -178.616 -68.625 Td [(Advent)]TJ/F16 10.9091 Tf -112.408 -36.73 Td [(Es)-350(ist)-350(nun)-350(still)-350(geworden)-349(bei)-350(uns.)-550(Stefenson)-350(ist)-350(nach)-349(Amerika)]TJ 0 -13.549 Td [(hin\374ber,)-291(um)-284(in)-283(Eile)-283(seiner)-283(k\374nftigen)-283(Frau)-283(ein)-283(Heim)-283(zu)-283(bereiten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Diesmal)-336(ist)-335(er)-336(wirklich)-336(abgereist;)-378(ein)-336(Vertrauensmann)-336(von)-335(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(hat)-315(ihn)-314(in)-315(Hamburg)-315(an)-314(Bord)-315(gehen)-315(sehen.)-444(Eva)-314(wohnt)-315(zwar)-314(bei)]TJ 0 -13.549 Td [(ihrem)-394(Vater,)-430(h\344lt)-394(sich)-394(aber)-394(allermeist)-394(im)-394(Forellenhof)-394(auf,)-430(der)]TJ 0 -13.55 Td [(ihre)-230(zweite)-230(Heimat)-230(geworden)-230(ist.)-243(Der)-230(Bauer)-230(Barthel)-230(hat)-230(seit)-230(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Abenteuer)-223(seiner)-224(Verhaftung)-223(an)-223(Reputation)-224(etwas)-223(eingeb\374\337t)-223(und)]TJ 0 -13.549 Td [(steht)-359(jetzt)-359(ganz)-359(unter)-359(dem)-358(Regiment)-359(der)-359(dicken)-359(Susanne;)-413(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-250(alte)-250(Friede)-250(ist)-250(wiedergekehrt.)]TJ 11.956 -14.411 Td [(Nur)-387(ein)-388(wenig)-387(still)-388(ist)-387(es.)-663(Methusalem)-387(und)-388(Emmerich,)-421(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(lustigen)-466(Burschen,)-519(haben)-466(auch)-466(l\344ngst)-465(schweren)-466(Herzens)-465(von)]TJ 0 -13.549 Td [(uns)-436(Abschied)-436(nehmen)-436(m\374ssen,)-482(um)-436(in)-436(ihr)-436(b\374rgerliches)-435(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(zur\374ckzukehren,)-285(und)-278(Piesecke)-278(ist)-278(vom)-278(Forellenhof)-277(fortgezogen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Er)-396(wohnt)-396(jetzt)-396(in)-395(der)-396(Waldsch\366lzerei.)-688(Er)-396(sagte)-395(mir,)]TJ/F24 10.9091 Tf 242.396 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(er)-396(habe)]TJ -247.239 -13.549 Td [(an)-395(Barthel)-395(und)-395(Susanne)-396(mit)-395(der)-395(Zeit)-395(ein)-395(Haar)-395(gefunden)]TJ/F24 10.9091 Tf 255.112 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.155 0 Td [(und)]TJ -264.267 -13.549 Td [(wolle)-276(auch)-276(Eva)-276(aus)-277(dem)-276(Wege)-276(gehen.)-328(In)-276(Wirklichkeit)-276(hegt)-276(sein)]TJ 0 -13.549 Td [(leichtbewegliches)-351(Herz)-351(bereits)-350(eine)-351(neue)-351(Sehnsucht,)-376(und)-350(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(Sehnsucht)-250(wohnt)-250(in)-250(der)-250(Waldsch\366lzerei.)-250(Sie)-250(hei\337t)-250(Agathe.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.411 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-414(Herr)-413(Doktor)]TJ/F24 10.9091 Tf 88.386 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-454(sagte)-414(er)-413(dieser)-414(Tage)-414(zu)-413(mir,)]TJ/F24 10.9091 Tf 142.128 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(wenn)]TJ/F16 7.9701 Tf 34.023 0 Td [([368])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(mich)-340(die)-340(kleine)-340(Agathe)-340(will,)-362(dann)-340(m\366chte)-340(ich)-340(sie)-340(heiraten)-340(und)]TJ 0 -13.549 Td [(mit)-313(ihr)-313(immer)-313(hier)-313(bei)-312(Ihnen)-313(im)-313(Heim)-313(bleiben.)-439(Vielleicht)-312(kann)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-312(mich)-312(mit)-313(etwas)-312(Kapital)-312(beteiligen)-312(und)-312(eine)-312(kleine)-312(Stellung,)]TJ 0 -13.549 Td [(so)-359(als)-359(Subdirektor)-359(oder)-359(\344hnlich,)-386(bekommen.)-577(Ich)-359(m\366chte)-358(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder)-413(fort)-412(von)-412(hier;)-494(die)-413(gro\337e)-412(Welt)-413(hat)-412(allen)-413(Reiz)-412(f\374r)-412(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(verloren.)]TJ/F24 10.9091 Tf 39.077 0 Td [(\034)]TJ -27.121 -14.411 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wir)-250(wollen)-250(abwarten)-250(und)-250(\374berlegen,)-250(lieber)-250(Piesecke.)]TJ/F24 10.9091 Tf 230.847 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1468 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1469 0 R +/Resources 1467 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +103 0 obj << +/D [1468 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1464 0 obj << +/D [1468 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1470 0 obj << +/D [1468 0 R /XYZ 298.929 161.848 null] +>> endobj +1467 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1473 0 obj << +/Length 4887 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(286)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-250(soll)-250(immer)-250(abwarten,)-250(nie)-250(handeln)]TJ/F24 10.9091 Tf 162.393 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(sagte)-250(er)-250(betr\374bt.)]TJ/F24 10.9091 Tf -172.079 -14.367 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sie)-540(haben)-539(eben)-540(in)-540(Ihrem)-540(fr\374heren)-539(Leben)-540(etwas)-540(zu)-540(viel)]TJ -16.799 -13.55 Td [(gehandelt,)-214(lieber)-205(Freund.)-235(Deshalb)-205(sind)-205(Sie)-205(ja)-205(jetzt)-205(in)-205(den)-205(Ferien.)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.786 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -14.367 Td [(Da)-250(f\374gte)-250(er)-250(sich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.825 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -74.825 -14.367 Td [(Mit)-439(dem)-439(schweizerischen)-439(Namen)]TJ/F24 10.9091 Tf 156.694 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Heimwehfluh)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.989 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 9.632 0 Td [(ist)-439(eines)]TJ -243.115 -13.55 Td [(unserer)-457(kleinen)-456(Anwesen)-456(benannt,)-509(das)-456(in)-456(einer)-457(Waldecke)-456(so)]TJ 0 -13.549 Td [(abseits)-476(vom)-476(Wege)-475(liegt)-476(wie)-476(die)-475(Genovevenklause.)-928(Auf)-475(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Heimwehfluh)-321(wohnt)-321(jetzt)-321(K\344the)-322(mit)-321(ihrem)-321(Kinde.)-463(Die)-321(Frau)-321(ist)]TJ 0 -13.549 Td [(bla\337)-293(und)-293(von)-293(zartester)-293(Gesundheit;)-314(aber)-293(ich)-293(habe)-293(nur)-293(mit)-293(M\374he)]TJ 0 -13.549 Td [(durchsetzen)-243(k\366nnen,)-245(da\337)-243(sie)-243(eine)-243(Bedienerin)-244(annahm.)-247(Sie)-243(wollte)]TJ 0 -13.55 Td [(mit)-250(Luise)-250(ganz)-250(allein)-250(sein.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Das)-292(M\344dchen)-293(ist)-292(viel)-293(ruhiger)-292(geworden.)-377(Wohl)-293(hindert)-292(es)-292(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Mutter)-309(nicht,)-324(zu)-308(anderen)-309(Kindern)-309(zum)-309(Spielen)-309(zu)-309(laufen,)-324(ja)-308(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(dr\344ngt)-419(es)-418(oft)-419(dazu,)-461(aber)-418(das)-419(Kind)-419(bleibt)-418(am)-419(liebsten)-418(daheim.)]TJ 0 -13.55 Td [(Dort)-230(ist)-230(es)-229(in)-230(einem)-230(ewig)-230(sonnigen)-230(Paradies)-229(der)-230(Mutterliebe.)-243(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Mutter)-233(dichtet)-233(Geschichten)-233(um)-233(Geschichten,)-236(die)-233(Mutter)-233(spielt)-232(so)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366n,)-379(wie)-353(niemand)-352(spielen)-353(kann,)-379(die)-353(Mutter)-353(macht)-353(selbst)-352(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Lernen)-250(zur)-250(Lust.)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([369])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.368 Td [(K\344the)-342(und)-343(das)-342(Kind)-343(sind)-342(noch)-343(die)-342(einzigen)-343(Kameraden,)-365(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ich)-222(hier)-222(habe.)-241(Sie)-221(st\366ren)-222(mich)-222(nicht.)-241(Ich)-222(wei\337,)-222(da\337)-222(sie)-222(im)-221(Frieden)]TJ 0 -13.549 Td [(sind)-296(und)-296(da\337)-297(sie)-296(mir,)-308(wenn)-296(ich)-296(frage,)-308(wie)-296(es)-296(ihnen)-297(geht,)-307(immer)]TJ 0 -13.549 Td [(nur)-355(die)-354(eine)-355(Antwort)-355(geben)-355(werden:)]TJ/F24 10.9091 Tf 167.956 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-355(geht)-354(uns)-355(gut!)]TJ/F24 10.9091 Tf 74.03 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.713 0 Td [(Es)-355(ist)]TJ -255.542 -13.549 Td [(sch\366n,)-234(Menschen)-230(zu)-230(begegnen,)-235(die)-230(sagen,)-234(da\337)-230(es)-230(ihnen)-230(gut)-230(gehe;)]TJ 0 -13.55 Td [(es)-275(ist)-276(wie)-275(ein)-275(herzst\344rkender)-276(Blick)-275(auf)-275(ein)-275(heiteres)-276(Gel\344nde,)-281(der)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-250(bei)-250(einer)-250(so)-250(lieben)-250(Antwort)-250(auftut.)]TJ 11.956 -14.367 Td [(Im)-778(Forellenhof)-777(wird)-778(jetzt)-778(viel)-778(geschneidert,)-909(gestrickt,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(gebastelt.)-284(Eva)-262(schafft)-261(an)-262(ihrer)-261(Ausstattung,)-265(und)-261(alles)-261(Weibsvolk)]TJ 0 -13.55 Td [(ist)-387(ganz)-386(n\344rrisch,)-421(ihr)-387(dabei)-387(zu)-386(helfen.)-661(Es)-386(ist)-387(sehr)-387(heimlich)-386(in)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-392(gro\337en)-392(Bauernstube.)-677(Der)-392(Wind)-392(zieht)-392(um)-392(die)-392(Giebel)-392(oder)]TJ 0 -13.549 Td [(pfeift)-220(auf)-219(dem)-220(Schornstein)-220(wie)-219(auf)-220(einer)-219(gro\337en)-220(Fl\366te,)-226(der)-219(Regen)]TJ 0 -13.549 Td [(knistert)-404(am)-404(Fenster,)-443(das)-404(Feuer)-404(flackert)-404(im)-404(Herd,)-443(die)-404(alte)-404(Uhr)]TJ 0 -13.549 Td [(geht)-251(freundlich)-250(ihren)-251(Weg)-251(hin)-251(und)-250(her)-251(mit)-251(ihrem)-250(Schlenkerbein.)]TJ 0 -13.55 Td [(Manchmal)-351(erz\344hlt)-351(eine)-351(der)-351(Frauen)-350(eine)-351(Geschichte,)-376(manchmal)]TJ 0 -13.549 Td [(rattert)-240(eine)-241(N\344hmaschine,)-242(manchmal)-241(spielt)-240(Vater)-241(Barthel)-240(auf)-240(der)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1472 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1473 0 R +/Resources 1471 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1449 0 R +>> endobj +1474 0 obj << +/D [1472 0 R /XYZ 93.543 284.468 null] +>> endobj +1471 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1477 0 obj << +/Length 3905 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Advent)-21280(287)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Ziehharmonika,)-231(oft)-226(kommt)-225(einer)-226(von)-226(den)]TJ/F24 10.9091 Tf 181.176 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Mannsv\366lkern)]TJ/F24 10.9091 Tf 63.021 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.308 0 Td [(in)-226(die)]TJ -256.349 -13.549 Td [(Stube,)-232(sch\374ttelt)-226(sich)-227(wie)-227(ein)-227(Pudel,)-231(w\344rmt)-227(sich)-227(am)-227(Ofen)-227(und)-226(sagt)]TJ 0 -13.549 Td [(etwas)-204(Nettes)-203(oder)-204(etwas)-204(Dummes,)-213(\374ber)-203(das)-204(gelacht)-204(werden)-203(kann.)]TJ 0 -13.549 Td [(Was)-251(bei)-251(der)-251(Hausarbeit)-251(herauskommt,)-251(kann)-251(ich)-251(nicht)-250(beurteilen.)]TJ 0 -13.55 Td [(Eva)-459(wird)-460(eine)-459(sehr)-460(reiche)-459(Frau)-459(sein,)-512(aber)-460(vielleicht)-459(sind)-459(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(einmal)-231(diese)-231(mit)-231(recht)-231(verschiedenartigem)-231(Talent)-231(im)-231(Ferienheim)]TJ 0 -13.549 Td [(gestickten)-250(Monogramme)-250(und)-250(Schneidereien)-250(lieb)-250(und)-250(wert)-250(...)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-218(bekam)-218(eben)-218(einen)-218(Eilbrief)-218(von)-218(Methusalem)-218(aus)-218(M\374nchen:)]TJ/F16 7.9701 Tf 279.068 0 Td [([370])]TJ/F24 10.9091 Tf -258.296 -59.107 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-250(Doktor!)]TJ -37.571 -13.549 Td [(Unser)-353(Freund)-352(Stefenson)-353(\050wo)-352(h\344tte)-353(ich)-353(den)-352(Heimt\374cker)-353(in)-352(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(langen)-450(Ignaz)-450(vermutet!\051)-851(hat)-450(mich)-450(von)-450(Amerika)-450(aus)-450(mit)-450(der)]TJ 0 -13.549 Td [(ehrenvollen)-283(Aufgabe)-282(betraut,)-291(die)-282(\344u\337eren)-283(Feierlichkeiten)-282(seines)]TJ 0 -13.549 Td [(Hochzeitsfestes)-259(in)-259(Regie)-259(zu)-259(nehmen.)-277(Trotz)-259(meines)-259(hohen)-259(Alters)]TJ 0 -13.55 Td [(will)-369(ich)-370(die)-369(Aufgabe)-370(\374bernehmen.)-608(\050Notabene:)-489(Was)-369(sagen)-369(Sie)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-218(Mediziner)-219(dazu,)-224(da\337)-219(ich)-218(mit)-218(neunhundertachtundneunzig)-218(und)]TJ 0 -13.549 Td [(dreiviertel)-550(Jahren)-549(noch)-550(einen)-550(Weisheitszahn)-549(kriege?\051)-1149(Also)]TJ 0 -13.549 Td [(\374bernehmen!)-1360(Die)-620(bewilligten)-620(Mittel)-620(sind)-620(gener\366s.)-1359(Man)]TJ 0 -13.549 Td [(k\366nnte)-342(damit)-342(alle)-343(Einwohner)-342(eines)-342(deutschen)-342(Herzogtums)-342(drei)]TJ 0 -13.55 Td [(Tage)-587(lang)-587(freihalten.)-1260(Ich)-587(werde)-587(mit)-587(einem)-587(Bruchteil)-586(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Geldes)-634(auskommen,)-730(und)-634(das)-634(Fest)-634(wird)-634(dennoch)-633(gl\344nzend)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)-1598(Mein)-699(Freund)-699(Emmerich,)-811(bekanntlich)-699(Gesanglehrer)]TJ 0 -13.549 Td [(an)-525(einer)-524(Taubstummenanstalt)-525(und)-525(auch)-524(sonst)-525(ein)-524(ber\374hmter)]TJ 0 -13.549 Td [(Musiker,)-352(\374bernimmt)-332(den)-331(musikalischen)-332(Teil.)-495(Das)-331(Fest)-332(soll)-331(am)]TJ 0 -13.549 Td [(ersten)-390(Weihnachtsfeiertag)-391(im)-390(Rahmen)-390(eines)-390(gro\337en)-390(deutschen)]TJ 0 -13.55 Td [(Weihnachts-)-386(und)-386(Weihespieles)-387(stattfinden.)-658(Es)-386(ist)-386(allerh\366chste)]TJ 0 -13.549 Td [(Zeit,)-373(mit)-348(den)-348(Vorbereitungen)-348(zu)-349(beginnen.)-544(Erwarten)-348(Sie)-348(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(also)-581(schon)-581(morgen;)-747(sagen)-581(Sie)-581(Frau)-581(Susanne,)-664(da\337)-580(ich)-581(vor)]TJ 0 -13.549 Td [(Sehnsucht)-351(nach)-351(ihr)-350(brenne,)-376(durch)-351(welch)-351(sch\366ne)-350(Redewendung)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-282(erinnert)-283(sein)-282(soll,)-290(mein)-283(Zimmer)-282(gut)-282(zu)-283(heizen,)-290(und)-282(bewegen)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-250(Freund)-250(Piesecke,)-250(in)-250(den)-250(intimeren)-250(Festausschu\337)-250(einzutreten.)]TJ 169.024 -13.549 Td [(Ihr)-297(getreuer)-298(Methusalem.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1476 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1477 0 R +/Resources 1475 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +1478 0 obj << +/D [1476 0 R /XYZ 46.771 423.189 null] +>> endobj +1475 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1482 0 obj << +/Length 4330 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(288)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Nachschrift!)-642(Ich)-380(habe)-381(heute)-380(aus)-381(Freude,)-413(so)-380(bald)-381(nach)-380(dem)]TJ -11.956 -13.549 Td [(geliebten)-523(Waltersburg)-522(zur\374ckkehren)-523(zu)-522(k\366nnen,)-591(bereits)-522(f\374nf)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([371])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Purzelb\344ume)-404(in)-403(meinem)-404(Bett)-403(geschlagen.)-711(Ich)-403(finde)-404(das)-403(zwar)]TJ 0 -13.549 Td [(unpatriarchalisch,)-250(aber)-250(es)-250(mu\337te)-250(sein!)]TJ 219.125 -13.55 Td [(Methusalem.)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.661 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.83 -45.557 Td [(Frau)-636(Susanne)-636(strahlte,)-732(als)-636(ich)-636(ihr)-636(Methusalems)-635(baldige)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Ankunft)-727(verk\374ndigte,)-845(und)-727(rannte)-726(spornstreichs)-727(nach)-726(dem)]TJ 0 -13.549 Td [(Kohlenkasten.)-527(Sie)-342(kann)-342(ihren)-342(\344ltesten)-343(Sohn)-342(nicht)-342(lieber)-342(haben)]TJ 0 -13.549 Td [(als)-364(diesen)-365(Maler,)-392(der)-365(sie)-364(doch)-364(st\344ndig)-364(\344rgert)-365(und)-364(\374ber)-364(den)-364(sie)]TJ 0 -13.55 Td [(st\344ndig)-250(schimpft.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Mit)-250(Piesecke)-250(dagegen)-250(hatte)-250(ich)-250(Schwierigkeiten.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-341(lehne)-341(ab,)-364(dem)-341(Festausschu\337)-341(beizutreten)]TJ/F24 10.9091 Tf 194.866 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-364(sagte)-341(er)-341(kalt,)]TJ -216.509 -13.549 Td [(als)-278(ich)-279(ihm)-278(Methusalems)-279(Brief)-278(vorgelesen)-279(hatte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 216.098 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Denn)-278(erstens,)]TJ -220.942 -13.549 Td [(dieser)-338(Stefenson,)-361(der)-338(mich)-339(als)-338(Knecht)-339(Ignaz)-338(gemi\337handelt)-338(hat,)]TJ 0 -13.55 Td [(verdient)-344(von)-344(mir)-343(keine)-344(Gef\344lligkeit,)-367(und)-344(diese)-344(Eva)-344(auch)-343(nicht.)]TJ 0 -13.549 Td [(Was)-162(aber)-163(Methusalem)-162(und)-163(Emmerich)-162(anbelangt,)-180(so)-163(habe)-162(ich)-162(mich)]TJ 0 -13.549 Td [(einmal)-188(mit)-188(ihnen)-189(eingelassen)-188(und)-188(die)-188(traurigsten)-188(Erfahrungen)-188(mit)]TJ 0 -13.549 Td [(ihnen)-250(gemacht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 66.655 0 Td [(\034)]TJ -54.699 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Lieber)-521(Piesecke)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.325 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-589(sagte)-520(ich,)]TJ/F24 10.9091 Tf 59.724 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sie)-521(werden)-521(sich)-520(das)-521(noch)]TJ -158.535 -13.55 Td [(\374berlegen.)-896(Was)-465(Stefenson)-466(anlangt,)-519(so)-465(sind)-465(Sie)-466(eine)-465(viel)-465(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337e)-348(Natur,)-373(um)-348(nachtr\344gerisch)-348(zu)-349(sein.)-544(Und)-348(mit)-348(Methusalem)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-395(Emmerich)-394(d\374rfen)-395(Sie)-394(sich)-395(ruhig)-395(verbinden.)-683(Ich)-395(gebe)-394(zu,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-501(sich)-500(die)-501(beiden)-501(in)-501(der)-501(Waltersburger)-501(Schlacht)-501(feig)-500(und)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\344big)-294(benommen)-294(haben.)-383(W\344hrend)-294(Sie)-294(k\344mpften,)-305(hat)-294(der)-294(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(gezeichnet,)-393(der)-365(andere)-365(seine)-365(Hymne)-365(gesungen.)-594(In)-365(den)-364(Kampf)]TJ 0 -13.55 Td [(eingegriffen)-344(haben)-344(sie)-344(beide)-344(nicht,)-367(obwohl)-344(es)-344(ihre)-344(Pflicht)-343(war.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-271(sind)-271(eben)-271(keine)-271(Helden.)-313(Ein)-271(Fest)-271(aber)-271(ist)-271(keine)-271(Schlacht;)-281(da)]TJ 0 -13.549 Td [(werden)-281(die)-281(zwei)-280(ihren)-281(Mann)-281(stellen.)-342(Im)-281(\374brigen)-281(gebe)-281(ich)-280(Ihnen)]TJ 0 -13.549 Td [(zu)-437(bedenken,)-484(da\337,)-437(falls)-437(Sie)-437(sich)-437(fernhielten,)-484(Fr\344ulein)-437(Agathe)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([372])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(aus)-204(der)-204(Waldsch\366lzerei)-204(den)-204(schweren)-204(Verdacht)-204(sch\366pfen)-203(k\366nnte,)]TJ 0 -13.55 Td [(Sie)-323(h\344tten)-323(Ihren)-323(Gram)-323(um)-323(die)-323(verlorene)-323(Eva)-323(immer)-323(noch)-322(nicht)]TJ 0 -13.549 Td [(verwunden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 51.197 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1481 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1482 0 R +/Resources 1480 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +1483 0 obj << +/D [1481 0 R /XYZ 321.214 504.626 null] 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[(Methusalem)-294(und)-294(Emmerich)-294(nach)-294(dem)-294(Ferienheim)-294(zur\374ck.)-381(Eine)]TJ 0 -13.549 Td [(Stunde)-424(sp\344ter)-425(fand)-424(die)-425(erste)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.82 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Geheime)-424(Sitzung)-425(des)-424(intimeren)]TJ -137.664 -13.55 Td [(Festausschusses)]TJ/F24 10.9091 Tf 70.298 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-510(bestehend)-458(aus)-458(Methusalem,)-510(Emmerich)-458(und)]TJ -75.142 -13.549 Td [(Piesecke,)-545(statt.)-959(Ich)-486(hatte)-486(bescheiden)-487(angefragt,)-545(ob)-486(ich)-486(eine)]TJ 0 -13.549 Td [(beratende)-376(Stimme)-375(im)-376(Ausschu\337)-375(haben)-376(d\374rfte,)-406(dieses)-376(war)-375(aber)]TJ 0 -13.549 Td [(abgelehnt)-250(worden.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 81.85 359.003 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 58.727 339.329 Td [(Was)-436(hatten)-435(wir)-436(f\374r)-436(einen)-435(sch\366nen)-436(Heiligen)-436(Abend!)-806(Auch)]TJ -11.956 -13.55 Td [(\374ber)-442(die)-442(Festtage)-442(war)-442(unsere)-442(Anstalt)-442(mit)-442(G\344sten)-442(gut)-442(besetzt,)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-240(die)-240(Leute)-239(waren)-240(alle)-240(kurz)-239(vor)-240(dem)-240(Christabend)-240(etwas)-239(stiller)]TJ 0 -13.549 Td [(geworden.)-241(Ich)-221(merkte,)-227(wie)-221(viele)-222(an)-221(Heimweh)-222(litten.)-240(Durch)-221(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(besonderen)-385(Anschlag)-386(war)-385(rechtzeitig)-385(bekanntgegeben)-385(worden,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-532(jeder)-531(Feriengast)-532(ein)-532(Paket)-531(nach)-532(Hause)-532(senden)-532(und)-531(ein)]TJ 0 -13.55 Td [(solches)-392(von)-392(Hause)-392(erbitten)-393(solle.)-676(In)-392(den)-392(letzten)-392(Tagen)-392(trafen)]TJ 0 -13.549 Td [(viele)-188(solche)-188(Liebesgaben)-189(bei)-188(uns)-188(ein.)-230(Sie)-188(wurden)-188(in)-188(der)-188(Direktion)]TJ 0 -13.549 Td [(aufgestapelt.)-328(Wie)-275(nun)-276(der)-276(Abend)-276(kam)-276(am)-276(24.)-327(Dezember,)-282(dieser)]TJ 0 -13.549 Td [(heilig-s\374\337e)-326(Abend,)-345(an)-326(dem)-326(alle)-326(Herzen)-326(anders)-326(gehen)-326(als)-325(sonst,)]TJ 0 -13.549 Td [(ritt)-263(auf)-263(schneewei\337em)-264(Ro\337)-263(Knecht)-263(Ruprecht)-263(von)-263(Haus)-263(zu)-263(Haus.)]TJ 0 -13.55 Td [(Hinter)-383(ihm)-382(fuhren)-383(in)-382(einem)-383(mit)-383(Silber,)-415(Gold)-383(und)-382(Tannengr\374n)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([373])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(geschm\374ckten)-183(Schlitten)-183(vier)-183(Engelein,)-197(von)-183(denen)-183(eines)-183(die)-183(kleine)]TJ 0 -13.549 Td [(Luise)-323(war,)-341(dann)-323(kam)-323(ein)-323(Bl\344serchor,)-341(zuletzt)-323(stampften)-322(Zwerge)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-362(Waldgeister)-362(durch)-362(den)-362(Schnee,)-390(die)-362(schleppten)-362(alle)-362(Pakete)]TJ 0 -13.549 Td [(auf)-340(den)-339(Schultern)-340(und)-340(taten,)-362(als)-339(ob)-340(sie)-340(schwer)-339(daran)-340(zu)-339(tragen)]TJ 0 -13.55 Td [(h\344tten.)]TJ 11.956 -15.751 Td [(Vor)-487(jedem)-487(Bauernhof)-487(wurde)-488(haltgemacht.)-961(In)-487(der)-487(gro\337en)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Stube)-243(brannte)-244(der)-243(Christbaum;)-246(Knecht)-243(Ruprecht)-244(trat)-243(ins)-243(Zimmer)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-481(sagte)-481(seinen)-482(Weihnachtsgru\337,)-481(die)-481(Engelchen)-481(sangen)-481(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Lied,)-277(der)-272(Bl\344serchor)-272(blies)-272(vor)-272(dem)-272(Hause)-271(einen)-272(Choral,)-278(und)-271(die)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1486 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1487 0 R +/Resources 1485 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +1488 0 obj << +/D [1486 0 R /XYZ 194.835 190.287 null] +>> endobj +1485 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1491 0 obj << +/Length 3278 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(290)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Zwerge)-321(und)-320(Waldgeister)-321(schleppten)-320(Pakete)-321(herbei)]TJ/F24 10.9091 Tf 226.378 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.952 0 Td [(Gr\374\337e)-321(aus)]TJ -235.33 -13.549 Td [(der)-250(Heimat.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Da)-1392(hat)-1393(keinem)-1392(von)-1393(unseren)-1392(Ferieng\344sten)-1392(die)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Weihnachtsstimmung)-250(gefehlt.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Auch)-458(ich)-457(hatte)-458(meine)-458(Weihnachtsfreude.)-873(Am)-457(Nachmittag)]TJ -11.956 -13.549 Td [(erhielt)-250(ich)-250(ein)-250(Kabeltelegramm)-250(von)-250(der)-250(Mutter)-250(aus)-250(Rio:)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Sehne)-321(mich)-321(nach)-322(dir.)-463(Gr\374\337e)-321(von)-322(Joachim)-321(und)-321(mir)-321(an)-322(dich,)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Luise,)-250(K\344the)-250(und)-250(die)-250(Heimat.)-250(Eure)-250(Mutter.)]TJ/F24 10.9091 Tf 186.938 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -174.982 -13.549 Td [(Frieden)-351(auf)-352(Erden!)-555(Ich)-351(ging)-352(nach)-351(der)-352(Heimwehfluh.)-554(K\344the)]TJ -11.956 -13.55 Td [(sa\337)-353(am)-353(Fenster,)-379(sp\344hte)-353(nach)-353(dem)-353(Lichtschein)-353(der)-354(Fackeln,)-378(die)]TJ 0 -13.549 Td [(den)-326(Schlitten)-327(begleiteten,)-345(darin)-327(ihr)-326(Kind)-327(sa\337,)-326(und)-327(h\366rte)-326(auf)-326(die)]TJ 0 -13.549 Td [(alten)-250(Weihnachtslieder,)-250(die)-250(aus)-250(dem)-250(Tale)-250(klangen.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Ich)-290(gab)-290(ihr)-291(das)-290(Telegramm.)-370(Sie)-291(las)-290(es)-290(und)-290(wurde)-290(zum)-290(ersten)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Male)-250(wieder)-250(ein)-250(wenig)-250(rot)-250(im)-250(Gesicht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Schenke)-250(es)-250(mir)-250(zu)-250(Weihnachten)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.964 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(,)-250(bat)-250(sie.)]TJ/F24 10.9091 Tf -149.651 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-250(habe)-250(es)-250(dir)-250(ja)-250(gebracht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 117.534 0 Td [(\034)]TJ/F16 7.9701 Tf -207.089 0 Td [([374])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -13.549 Td [(Ich)-250(blieb)-250(bei)-250(ihr,)-250(wollte)-250(Luises)-250(R\374ckkehr)-250(abwarten.)]TJ 0 -13.549 Td [(Da)-250(sagte)-250(sie)-250(im)-250(Laufe)-250(des)-250(Abends:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Ich)-257(wei\337)-257(wohl,)-258(da\337)-257(es)-257(nicht)-257(mehr)-257(allzu)-257(lange)-257(mit)-257(mir)-257(dauern)]TJ -16.799 -13.55 Td [(kann.)-592(Aber)-364(sage)-364(mir,)-393(ob)-364(ich)-364(\374bers)-364(Jahr)-364(zu)-364(Weihnachten)-364(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(leben)-250(werde.)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.735 0 Td [(\034)]TJ -43.78 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Bestimmt,)-250(K\344the.)]TJ/F24 10.9091 Tf 76.669 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -81.513 -13.549 Td [(Da)-250(trat)-250(ein)-250(L\344cheln)-250(auf)-250(ihre)-250(Z\374ge.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)-250(ist)-250(noch)-250(eine)-250(lange)-250(Zeit)-250(zum)-250(Gl\374cklichsein!)]TJ/F24 10.9091 Tf 209.967 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1490 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1491 0 R +/Resources 1489 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +1492 0 obj << +/D [1490 0 R /XYZ 93.543 312.559 null] +>> endobj +1489 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1493 0 obj +<< /S /GoTo /D (index32) >> +endobj +1496 0 obj +(Hochzeit und Ende) +endobj +1499 0 obj << +/Length 3194 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 7.9701 Tf 337.795 512.7 Td [([375])]TJ/F16 18.9589 Tf -223.752 -66.122 Td [(Hochzeit)-270(und)-270(Ende)]TJ/F16 10.9091 Tf -67.272 -34.337 Td [(Stefensons)-549(Hochzeit)-548(fand)-549(am)-549(sp\344ten)-548(Nachmittag)-549(des)-548(ersten)]TJ 0 -13.549 Td [(Christfeiertages)-289(in)-289(aller)-289(Stille)-289(in)-289(der)-289(Waltersburger)-289(Kirche)-289(statt.)]TJ 0 -13.549 Td [(Nur)-251(Evas)-251(Vater)-251(und)-251(ich)-251(waren)-251(als)-251(Trauzeugen)-251(gegenw\344rtig.)-252(Wir)]TJ 0 -13.549 Td [(waren)-163(nicht)-162(\374ber)-163(den)-163(Marktplatz,)-180(sondern)-162(auf)-163(einem)-163(Umweg)-162(nach)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-370(Kirche)-371(gefahren.)-611(So)-370(war)-370(das)-371(von)-370(Methusalem)-370(angeordnet)]TJ 0 -13.55 Td [(worden.)-831(Auf)-444(demselben)-444(Wege,)-492(den)-444(wir)-443(gekommen,)-492(mu\337ten)]TJ 0 -13.549 Td [(wir)-308(auch)-308(wieder)-307(nach)-308(Hause)-308(fahren.)-423(Ich)-308(merkte,)-322(da\337)-307(Stefenson)]TJ 0 -13.549 Td [(verwundert)-347(war.)-540(Die)-346(heilige)-347(Handlung)-347(in)-346(der)-347(Kirche)-347(hatte)-346(ihn)]TJ 0 -13.549 Td [(ger\374hrt,)-555(und)-495(er)-494(hatte)-494(wohl)-494(erwartet,)-556(da\337)-494(es)-494(von)-494(der)-494(Kirche)]TJ 0 -13.549 Td [(direkt)-398(nach)-397(dem)-398(Marktplatz)-398(zu)-397(einer)-398(stimmungsvollen)-397(gro\337en)]TJ 0 -13.55 Td [(Weihnachts-)-250(und)-250(Hochzeitsapotheose)-250(gehen)-250(w\374rde.)]TJ 11.956 -13.932 Td [(Wir)-288(fuhren)-287(aber)-288(nach)-288(dem)-288(Heim)-287(zur\374ck,)-297(und)-288(zwar)-288(nach)-287(dem)]TJ/F24 10.9091 Tf -11.956 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Rathaus)]TJ/F24 10.9091 Tf 35.149 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-491(und)-443(wurden)-443(dort)-442(im)-443(gro\337en)-443(Saal)-443(von)-442(zahlreichen)]TJ -44.837 -13.549 Td [(Ferieng\344sten)-553(erwartet.)-1160(Das)-553(Brautpaar)-553(wurde)-553(mit)-553(Heilrufen)]TJ 0 -13.549 Td [(empfangen)-479(und)-479(zu)-480(seinen)-479(Ehrensitzen)-479(geleitet.)-937(Ein)-479(sch\366nes)]TJ 0 -13.55 Td [(M\344dchen)-661(mit)-660(roten)-661(Rosen)-661(im)-660(Haar)-661(\374berreichte)-661(den)-660(zwei)]TJ 0 -13.549 Td [(Gl\374cklichen)-528(einen)-529(goldenen,)-598(mit)-528(Wein)-529(gef\374llten)-528(Pokal,)-598(das)]TJ 0 -13.549 Td [(Hochzeitsgeschenk)-290(des)-291(Heimes,)-300(und)-290(sprach)-291(dazu)-290(Verse,)-300(die)-290(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(im)-250(Heim)-250(anwesender)-250(Dichter)-250(geschaffen)-250(hatte:)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([376])]TJ/F24 10.9091 Tf -274.66 -20.536 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Alles)-250(W\374nschen)-250(geht)-250(zur)-250(Ruh:)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Du)-250(bist)-250(ich,)-250(und)-250(ich)-250(bin)-250(du!)]TJ 0 -13.549 Td [(All)-250(dein)-250(Schmerz)-250(und)-250(Leid)-250(ist)-250(mein,)]TJ 0 -13.549 Td [(All)-250(mein)-250(Gut)-250(und)-250(Gl\374ck)-250(sind)-250(dein!)]TJ 0 -13.55 Td [(Wo)-250(dein)-250(Fu\337)-250(geht,)-250(ist)-250(mein)-250(Ziel,)]TJ 0 -13.549 Td [(Was)-250(zum)-250(Dienst)-250(dir,)-250(ist)-250(mein)-250(Spiel;)]TJ 0 -13.549 Td [(Deine)-250(Blumen)-250(pflanze)-250(ich,)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1498 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1499 0 R +/Resources 1497 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +104 0 obj << +/D [1498 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1494 0 obj << +/D [1498 0 R /XYZ 46.771 518.175 null] +>> endobj +1500 0 obj << +/D [1498 0 R /XYZ 46.771 165.595 null] +>> endobj +1497 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1503 0 obj << +/Length 3904 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(292)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 16.364 -30.759 Td [(Deine)-250(T\344nze)-250(tanze)-250(ich;)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-250(will)-250(deinen)-250(Kummer)-250(klagen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Du)-250(sollst)-250(meine)-250(Kr\344nze)-250(tragen;)]TJ 0 -13.549 Td [(Ich)-250(kann)-250(nimmer)-250(m\374de)-250(sein,)]TJ 0 -13.55 Td [(Ehe)-250(du)-250(nicht)-250(schlummerst)-250(ein;)]TJ 0 -13.549 Td [(Ja,)-250(mein)-250(Gott)-250(gr\374\337t)-250(mich)-250(von)-250(fern,)]TJ 0 -13.549 Td [(Strahlt)-250(auf)-250(dich)-250(ein)-250(goldner)-250(Stern.)]TJ/F24 10.9091 Tf 147.861 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -152.269 -22.015 Td [(So)-181(sprach)-182(der)-181(Dichter)-182(in)-181(den)-181(Ferien)-182(vom)-181(Ich)-182(zu)-181(dem)-181(Brautpaar.)]TJ 0 -14.152 Td [(Sch\366ne)-191(Lieder)-192(wurden)-191(gesungen,)-204(die)-191(Musikmeister)-191(Emmerich)]TJ -11.956 -13.549 Td [(einge\374bt)-567(hatte.)-1201(Ansprachen)-567(wurden)-567(gehalten)-567(von)-566(unserem)]TJ 0 -13.549 Td [(Direktor,)-887(von)-759(je)-760(einem)-759(Vertreter)-760(der)-759(Kurg\344ste)-760(wie)-759(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Angestellten,)-189(schlie\337lich)-173(sprach)-174(auch)-174(ich)-173(ein)-174(paar)-173(Freundesworte.)]TJ 11.956 -14.152 Td [(Stefenson)-445(war)-446(bewegt,)-494(als)-446(er)-445(f\374r)-446(die)-445(Liebe,)-495(die)-445(er)-445(erfuhr,)]TJ -11.956 -13.549 Td [(dankte,)-562(als)-499(er)-500(sagte,)-562(er)-499(habe)-500(in)-499(diesem)-500(deutschen)-499(Tale)-499(den)]TJ 0 -13.549 Td [(Frieden)-335(gefunden,)-357(den)-335(er)-335(dr\374ben)-335(im)-335(Lande)-335(der)-335(r\374cksichtslosen)]TJ 0 -13.549 Td [(Dollarjagd)-184(niemals)-185(gekannt)-184(hatte.)-228(Hier)-185(habe)-184(er)-185(nach)-184(einem)-184(Leben)]TJ 0 -13.549 Td [(voll)-227(Aufregung,)-232(\334berarbeit)-228(und)-227(gelegentlichen)-227(wilden)-227(Gen\374ssen)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-251(nur)-250(Ferien,)-251(sondern)-251(Feierabend)-250(gemacht.)-252(Er)-251(wisse)-251(jetzt,)-250(da)]TJ 0 -13.549 Td [(er)-209(die)-208(Frau)-209(seines)-208(Herzens)-209(gefunden)-208(habe,)-217(da\337)-208(ein)-209(h\366heres)-208(Gl\374ck)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([377])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(ihm)-389(Gott)-388(nicht)-389(mehr)-389(geben)-389(k\366nne,)-423(und)-389(so)-388(wolle)-389(er)-389(dr\374ben)-388(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Amerika)-230(seine)-230(Beziehungen)-230(klug)-230(und)-230(vorsichtig)-230(zu)-230(l\366sen)-229(suchen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-214(dann)-214(ganz)-214(nach)-215(Deutschland)-214(ziehen,)-221(das)-214(ja)-214(doch)-214(seine)-214(wahre)]TJ 0 -13.55 Td [(Heimat)-250(sei.)]TJ 137.588 -31.492 Td [(*)]TJ/F24 10.9091 Tf -125.632 -17.341 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Und)-451(nun)]TJ/F24 10.9091 Tf 40.067 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-501(kommandierte)-451(Methusalem,)]TJ/F24 10.9091 Tf 138.26 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(gro\337er)-451(Festkorso)]TJ -204.814 -13.549 Td [(auf)-250(den)-250(Weihnachtsberg.)]TJ/F24 10.9091 Tf 108.753 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -96.797 -14.152 Td [(Drau\337en)-855(war)-855(es)-855(stockdunkel;)-1157(die)-855(Stra\337enbeleuchtung)]TJ -11.956 -13.549 Td [(war)-721(ausgeschaltet;)-958(aber)-721(Fackeln)-722(und)-721(Laternen)-721(leuchteten)]TJ 0 -13.549 Td [(phantastisch,)-189(und)-174(der)-174(Schnee)-174(schimmerte.)-225(Wohl)-174(f\374nfzig)-173(Schlitten)]TJ 0 -13.549 Td [(hielten)-305(da.)-415(Dem)-305(Zuge)-305(voran)-305(leuchtete)-305(eine)-305(riesige,)-318(ballonartige)]TJ 0 -13.55 Td [(Laterne,)-378(die)-352(an)-352(hohen)-352(Stangen)-352(getragen)-352(wurde.)-556(Auf)-352(der)-352(einen)]TJ 0 -13.549 Td [(Seite)-315(zeigte)-316(die)-315(Ballonh\374lle)-316(das)-315(liebliche)-315(Bild)-316(der)]TJ/F24 10.9091 Tf 224.477 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Hanne)-315(vom)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1502 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1503 0 R +/Resources 1501 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1479 0 R +>> endobj +1504 0 obj << +/D [1502 0 R /XYZ 142.171 264.619 null] +>> endobj +1501 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1507 0 obj << +/Length 3317 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Hochzeit)-250(und)-250(Ende)-16559(293)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(Forellenhof)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.902 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(,)-619(auf)-545(der)-545(anderen)-545(eine)-544(scheu\337lich)-545(anzusehende,)]TJ -55.746 -13.549 Td [(aber)-296(genial)-296(gezeichnete)-297(Karikatur)-296(Stefensons.)-388(Ein)-296(Meisterst\374ck)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalems.)]TJ 11.956 -16.1 Td [(Vom)-483(Berg)-483(herab)-484(kam)-483(uns)-483(viel)-483(Volk)-483(entgegen;)-600(die)-483(Leute)]TJ -11.956 -13.549 Td [(trugen)-426(Laternen)-425(mit)-426(transparenten)-425(Bildern:)-601(Methusalem)-425(hatte)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-588(selbst)-588(verewigt,)-673(als)-587(tausendj\344hrigen)-588(Greis)-588(voller)-588(G\374te)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-327(Abgekl\344rtheit,)-346(Emmerich)-326(war)-327(von)-327(einem)-326(M\374ckenschwarm)]TJ 0 -13.549 Td [(fliegender)-304(Noten,)-318(Violinschl\374ssel,)-318(Kreuzen,)-317(Aufl\366sungszeichen)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-848(Fermaten)-849(umgeben,)-998(die)-848(dicke)-849(Susanne)-848(strahlte)-848(in)]TJ 0 -13.549 Td [(zinnoberrotem)-573(Licht)-572(und)-573(schimpfte)-573(f\374rchterlich,)-653(als)-573(sie)-572(ihr)]TJ 0 -13.549 Td [(Konterfei)-312(sah,)-328(Barthel)-312(als)-311(gefesselter)-312(Verbrecher)-312(war)-312(zu)-312(sehen,)]TJ 0 -13.549 Td [(Levisohn)-251(mit)-251(einer)-250(riesigen)-251(Reklametrompete,)-251(Piesecke)-251(als)-250(Gott)]TJ 0 -13.55 Td [(Mars)-396(in)-395(furchtbarer)-396(R\374stung,)-431(schlie\337lich)-396(auch)-395(mein)-396(etwas)-395(ins)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([378])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Sentimentale)-431(karikierter)-431(Kopf,)-477(den)-431(ein)-431(Kranz)-431(von)-431(heulenden,)]TJ 0 -13.549 Td [(bellenden,)-243(hochn\344sigen,)-243(sich)-241(Fl\366he)-242(schabenden)-241(Dackeln)-241(lieblich)]TJ 0 -13.549 Td [(umrahmte.)-730(Lauter)-410(Meisterwerke)-410(des)-410(liebensw\374rdigen)-409(Greises)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-250(Vergn\374gungsleiters)-250(Methusalem.)]TJ 11.956 -16.1 Td [(Als)-411(wir)-411(der)-411(Weihnachtsburg)-411(n\344her)-411(kamen,)-451(erstrahlte)-411(sie)-411(in)]TJ -11.956 -13.549 Td [(farbigen)-270(Lichtern,)-276(B\366llersch\374sse)-270(hallten)-271(\374ber)-270(Berg)-271(und)-270(Tal,)-275(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-250(Chor)-250(blies)-250(vom)-250(grauen)-250(Turme)-250(herab:)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.364 -29.206 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(O)-250(du)-250(fr\366hliche,)-250(o)-250(du)-250(selige,)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Gnadenbringende)-250(Weihnachtszeit.)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -154.67 -31.756 Td [(Gleich)-250(hinterher)-250(aber:)]TJ/F24 10.9091 Tf 4.408 -29.206 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Wenn)-250(Weihnachten)-250(ist,)]TJ -4.844 -13.549 Td [(Wenn)-250(Weihnachten)-250(ist,)]TJ 0 -13.55 Td [(Dann)-250(kommt)-250(zu)-250(uns)-250(der)-250(heil)]TJ/F24 10.9091 Tf 123.927 0 Td [(\031)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.633 0 Td [(ge)-250(Christ;)]TJ -127.56 -13.549 Td [(Bringt)-250(jedem)-250(eine)-250(Muh,)]TJ 0 -13.549 Td [(Bringt)-250(jedem)-250(eine)-250(M\344h,)]TJ 0 -13.549 Td [(Bringt)-250(jedem)-250(eine)-250(wundersch\366ne)-250(Schn\344tter\344tt\344tt\344!)]TJ/F24 10.9091 Tf 218.138 0 Td [(\034)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1506 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1507 0 R +/Resources 1505 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1508 0 obj << +/D [1506 0 R /XYZ 46.771 366.583 null] +>> endobj +1509 0 obj << +/D [1506 0 R /XYZ 46.771 353.034 null] +>> endobj +1505 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1513 0 obj << +/Length 4247 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(294)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Unter)-463(den)-464(Kl\344ngen)-463(dieser)-464(gro\337en)-463(Hymne)-464(der)-463(Fr\366hlichkeit)]TJ -11.956 -13.549 Td [(zogen)-250(wir)-250(in)-250(die)-250(Weihnachtsburg)-250(ein.)]TJ 11.956 -14.777 Td [(Der)-920(gro\337e)-921(mit)-920(Tannenreis)-921(ausgeschm\374ckte)-920(Saal)-920(der)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Weihnachtsburg)-635(f\374llte)-636(sich)-635(mit)-635(Menschen;)-828(Br\344utigam)-635(und)]TJ 0 -13.549 Td [(Braut)-659(waren)-660(zun\344chst)-659(nicht)-659(zu)-659(sehen.)-1478(Nach)-659(etwa)-659(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(halben)-310(Stunde)-310(aber)-311(erschienen)-310(beide)-310(auf)-310(einer)-310(kleinen)-310(Empore.)]TJ 0 -13.549 Td [(Sie)-473(hatten)-473(ihre)-474(hochzeitlichen)-473(Kleider)-473(abgetan)-473(und)-473(waren)-473(in)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([379])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.55 Td [(phantastischen)-354(Kost\374men,)-381(er)-354(als)-354(Winterk\366nig,)-381(sie)-354(als)-354(K\366nigin.)]TJ 0 -13.549 Td [(Regie)-250(Methusalem!)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Mit)-323(donnerstimmigem)-323(Heilruf)-323(wurde)-323(das)-323(Brautpaar)-322(begr\374\337t.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Holdselig)-540(l\344chelnd)-540(gr\374\337te)-540(die)-540(Braut)-540(in)-540(den)-540(Saal;)-685(steif)-539(und)]TJ 0 -13.549 Td [(ungelenk)-782(verneigte)-781(sich)-782(Stefenson.)-1844(Er)-781(f\374hlte)-782(sich)-781(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Winterk\366nig)-368(sichtlich)-368(unbehaglich.)-604(Der)-368(Thron)-368(stand)-368(auf)-368(einer)]TJ 0 -13.549 Td [(amphitheatralisch)-608(ansteigenden)-609(B\374hne.)-1325(Ich)-609(selbst)-608(war)-608(als)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Kammerherr)]TJ/F24 10.9091 Tf 55.735 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.57 0 Td [(neben)-250(Stefenson)-250(plaziert.)]TJ -56.193 -14.777 Td [(Scheinwerfer)-395(warfen)-396(auf)-395(uns)-396(wechselnde)-395(Lichter.)-686(Atemlos)]TJ -11.956 -13.549 Td [(stand)-163(das)-163(schlichte)-164(Bergvolk.)-221(Alle)-163(M\344rchen-)-163(und)-163(Himmelstr\344ume)]TJ 0 -13.549 Td [(schienen)-488(vor)-488(ihm)-488(erf\374llt.)-964(Feierliche)-488(Weisen)-488(erklangen,)-547(und)]TJ 0 -13.55 Td [(dann)-274(sprach)-275(nicht)-274(der)-275(Winterk\366nig)-274(Stefenson,)-281(wie)-274(alle)-274(vermutet)]TJ 0 -13.549 Td [(hatten,)-407(sondern)-375(Herr)-375(Methusalem)-375(sprach,)-407(der)-375(die)-375(Tracht)-375(eines)]TJ 0 -13.549 Td [(mittelalterlichen)-595(Notarius)-594(angelegt)-595(hatte.)-1283(Er)-595(entfaltete)-594(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Pergament)-483(und)-484(verk\374ndete:)]TJ/F24 10.9091 Tf 132.892 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Edles)-483(Gefolge)-484(des)-483(K\366nigs)-484(und)]TJ -137.735 -13.549 Td [(der)-674(Frau)-673(K\366nigin!)-1521(Ich)-674(als)-673(Kanzellarius)-674(Seiner)-673(Majest\344t)]TJ 0 -13.549 Td [(K\366nig)-251(Stefensons)-252(des)-251(Ganzgro\337en)-251(und)-251(Hochdero)-251(majest\344tischer)]TJ 0 -13.55 Td [(Gemahlin)-389(Hanne)-389(der)-388(Einzigen)-389(verk\374nde,)-424(damit)-389(es)-388(m\344nniglich)]TJ 0 -13.549 Td [(erfahre,)-250(feierlich,)-250(\366ffentlich)-250(und)-250(unwiderruflich)-250(folgendes:)]TJ 11.956 -14.776 Td [(Wir,)-505(Stefenson)-453(der)-454(Ganzgro\337e)-454(und)-454(H\366chstmeine)-453(erlauchte)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Gemahlin)-707(Hanne,)-820(wollen,)-821(da\337)-706(dieser)-706(gl\374ckliche)-707(Tag)-706(ein)]TJ 0 -13.549 Td [(Andenken)-532(hinterlasse.)-1097(Darum)-533(machen)-532(wir)-532(f\374r)-532(Waltersburg)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-441(Stiftung)-441(von)-441(hunderttausend)-441(Mark)-441(mit)-441(der)-440(Bestimmung,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-342(allj\344hrlich)-342(ein)-342(Drittel)-342(der)-342(Stiftungszinsen)-342(alten)-342(bed\374rftigen)]TJ 0 -13.549 Td [(Eheleuten,)-379(ein)-354(zweites)-353(Drittel)-354(den)-353(Waltersburger)-353(Schulkindern)]TJ 0 -13.55 Td [(zugute)-692(komme;)-913(das)-692(dritte)-692(und)-692(letzte)-692(Drittel)-692(aber)-692(ist)-692(zu)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.755 0 Td [([380])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.755 -13.549 Td [(Hochzeitsgeschenken)-816(f\374r)-817(die)-816(in)-816(jedem)-816(Jahr)-816(Heiratenden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1512 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1513 0 R +/Resources 1511 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1514 0 obj << +/D [1512 0 R /XYZ 312.347 435.653 null] +>> endobj +1515 0 obj << +/D [1512 0 R /XYZ 175.897 79.691 null] +>> endobj +1511 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1518 0 obj << +/Length 4514 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Hochzeit)-250(und)-250(Ende)-16559(295)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(bestimmt,)-577(von)-512(welcher)-512(Stiftung)-512(sich)-512(keines,)-578(auch)-512(nicht)-511(das)]TJ 0 -13.549 Td [(wohlhabendste)-389(Brautpaar)-389(ausschlie\337en)-389(soll,)-424(auch)-389(wenn)-389(es)-388(nur)]TJ 0 -13.549 Td [(ein)-251(Blumenstr\344u\337chen)-251(annimmt;)-251(den)-250(\344rmeren)-251(aber)-251(soll)-251(ein)-250(guter)]TJ 0 -13.549 Td [(Happen)-250(f\374r)-250(den)-250(Nestbau)-250(gegeben)-250(werden.)]TJ/F24 10.9091 Tf 182.968 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -171.012 -13.996 Td [(Eine)-250(brausende)-250(Welle)-250(des)-250(Beifalls)-250(donnerte)-250(durch)-250(den)-250(Saal.)]TJ 0 -13.995 Td [(Ich)-250(sah)-250(verwundert)-250(auf)-250(Stefenson)-250(und)-250(fl\374sterte)-250(ihm)-250(zu:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wissen)-250(Sie)-250(etwas)-250(von)-250(dieser)-250(Stiftung?)]TJ/F24 10.9091 Tf 166.953 0 Td [(\034)]TJ -171.796 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Kein)-250(Wort!)-250(Der)-250(Kerl)-250(verschenkt)-250(mein)-250(Verm\366gen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 217.211 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -222.054 -13.995 Td [(Mir)-447(wurde)-447(doch)-448(etwas)-447(schw\374l.)-842(Oh,)-496(dieser)-447(Methusalem)]TJ/F24 10.9091 Tf 263.22 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.549 Td [(dieser)-250(Regisseur!)]TJ 11.956 -13.996 Td [(Methusalem)-250(fuhr)-250(fort:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Stefenson)-196(fragt)-195(nicht)-196(nach)-196(Ehre)-195(und)-196(Ruhm,)-206(nicht)-196(nach)-196(Beifall)]TJ -16.799 -13.549 Td [(und)-501(Dank.)-1001(Nur)-501(Liebe)-500(und)-501(Vertrauen)-501(will)-500(er.)-1002(Auf)-500(diesem)]TJ 0 -13.55 Td [(goldenen)-359(Untergrunde)-359(will)-359(er)-359(mit)-359(euch)-359(leben)-359(und)-359(schaffen)-358(f\374r)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-454(Gedeihen)-454(seiner)-454(Gr\374ndung,)-505(f\374r)-454(den)-454(Ruhm)-454(Waltersburgs,)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374r)-526(das)-526(Heil)-525(der)-526(Menschheit.)-1077(Nun)-526(wi\337t)-526(ihr)-526(vielleicht)-525(alle,)]TJ 0 -13.549 Td [(da\337)-411(unter)-410(den)-411(vielen)-410(Geplagten,)-451(die)-411(in)-411(der)-410(harten)-411(Schule)-410(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebens)-413(m\374de)-413(und)-413(krank)-413(geworden,)-454(hier)-413(in)-413(dieses)-413(sch\366ne)-412(Tal)]TJ 0 -13.55 Td [(kommen,)-185(um)-168(Ferien)-169(zu)-168(machen,)-185(einer)-168(daherhumpelte,)-185(von)-168(langer,)]TJ 0 -13.549 Td [(langer)-267(Reise,)-272(auf)-267(der)-267(er)-267(Arbeit)-267(und)-267(M\374he)-267(in)-267(ertr\344glichem)-267(Ma\337e,)]TJ 0 -13.549 Td [(Verkennung)-497(und)-496(Not)-497(in)-497(\334berf\374lle,)-558(echtes)-497(Gl\374ck)-497(und)-496(wahre)]TJ 0 -13.549 Td [(Freude)-265(aber)-264(wenig)-264(fand.)-294(Dieses)-264(Mannes)-265(Leben)-264(war)-265(lang,)-268(er)-264(war)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem.)-271(Hier)-257(in)-257(Waltersburg)-257(aber)-257(fand)-257(Methusalem)-257(Freude)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-212(Friede.)-237(Methusalem)-212(ist)-212(der)-211(Leiter)-212(dieses)-212(Festes,)-219(Methusalem)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([381])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(ist)-335(aller)-335(Weltweisheit)-335(und)-335(Welterfahrung)-335(voll,)-356(darum)-335(soll)-334(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-175(Stiftung,)-190(die)-174(Stefenson)-175(heute)-175(macht,)-190(nicht)-174(Stefenson-Stiftung,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-250(Methusalem-Stiftung)-250(hei\337en.)]TJ/F24 10.9091 Tf 164.531 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -152.575 -13.996 Td [(Das)-250(Volk)-250(staunte.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.995 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Auch)-250(das)-250(noch!)]TJ/F24 10.9091 Tf 68.466 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(sagte)-250(Stefenson)-250(neben)-250(mir.)]TJ/F24 10.9091 Tf -80.88 -13.996 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-228(es)-223(ist)-222(frech;)-232(au\337er)-223(den)-222(f\374nftausend)-223(Mark,)-228(die)-223(Methusalem)]TJ -16.799 -13.549 Td [(neulich)-275(f\374r)-275(Susannes)-275(Bild)-275(erhielt,)-281(hat)-275(er)-275(sicher)-275(nicht)-275(einen)-275(roten)]TJ 0 -13.549 Td [(Heller.)-221(Und)-162(macht)-163(eine)-162(Methusalem-Stiftung)-163(von)-162(hunderttausend)]TJ 0 -13.549 Td [(Mark!)]TJ/F24 10.9091 Tf 27.262 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -15.306 -13.996 Td [(Da)-250(erhob)-250(sich)-250(Stefenson)-250(zur)-250(Rede.)-250(Tiefe)-250(Stille.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1517 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1518 0 R +/Resources 1516 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1519 0 obj << +/D [1517 0 R /XYZ 127.117 203.419 null] +>> endobj +1516 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1522 0 obj << +/Length 4154 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(296)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G +/F24 10.9091 Tf 11.956 -30.759 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Meine)-257(lieben)-256(Waltersburger,)-259(von)-257(allem,)-258(was)-257(Methusalem)-257(an)]TJ -16.799 -13.549 Td [(meiner)-296(Statt)-296(hier)-295(gesagt)-296(hat,)-307(mu\337)-296(ich)-296(nur)-296(einem)-295(widersprechen,)]TJ 0 -13.549 Td [(das)-250(betrifft)-250(die)-250(Stiftung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 104.236 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -92.28 -13.549 Td [(Best\374rzung.)-250(Schweigen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Methusalem,)-472(mein)-428(bevollm\344chtigter)-427(Hochzeitskanzler,)-473(hat)]TJ -16.799 -13.549 Td [(sich)-641(in)-641(einem)-641(Irrtum)-641(befunden,)-738(den)-641(ich)-641(berichtige.)-1422(Die)]TJ 0 -13.549 Td [(Stiftungssumme)-295(betr\344gt)-296(n\344mlich)-295(nicht)-295(einhunderttausend)-295(Mark,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-250(dreihunderttausend)-250(Mark!)]TJ/F24 10.9091 Tf 150.873 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -138.917 -13.549 Td [(Erst)-337(Stille.)-510(Dann)-337(knallartig)-336(losbrechender,)-359(rasender)-336(Tumult.)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Die)-298(Braut)-299(stand)-298(auf,)-311(der)-298(Br\344utigam)-299(sprach)-298(auf)-298(sie)-299(ein,)-310(w\344hrend)]TJ 0 -13.549 Td [(die)-185(Leute)-185(l\344rmten;)-207(die)-185(Augen)-186(der)-185(gl\374ckseligen)-185(Braut)-185(gl\344nzten,)-198(sie)]TJ 0 -13.549 Td [(schmiegte)-198(sich)-197(fest)-198(an)-197(den)-197(Arm)-198(des)-197(starken)-198(Mannes.)-232(Methusalem)]TJ 0 -13.549 Td [(stand)-313(mit)-314(eigent\374mlichem,)-329(fast)-313(weinerlichem)-313(L\344cheln)-313(daneben.)]TJ 0 -13.549 Td [(Stefenson)-250(verschaffte)-250(sich)-250(wieder)-250(Geh\366r.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -13.55 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(B\374rger)-299(von)-298(Waltersburg!)-396(Nur)-299(die)-298(Stiftungssumme)-299(hatte)-299(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(zu)-248(berichtigen,)-248(alles)-248(andere)-247(bleibt,)-249(wie)-247(es)-248(der)-248(weise)-247(Methusalem)]TJ/F16 7.9701 Tf -72.756 0 Td [([382])]TJ/F16 10.9091 Tf 72.756 -13.549 Td [(angeordnet)-335(hat,)-356(die)-335(Verteilung)-335(der)-335(Zinsen)-335(wie)-335(auch)-335(der)-335(Name:)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem-Stiftung.)]TJ/F24 10.9091 Tf 95.455 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -83.5 -13.549 Td [(Da)-544(fing)-544(Methusalem,)-618(der)-544(durchtriebene)-544(Methusalem,)-618(der)]TJ -11.955 -13.55 Td [(aussah,)-445(als)-406(sei)-405(er)-406(f\374nfunddrei\337ig)-406(Jahre,)-445(und)-406(doch)-406(nach)-405(seiner)]TJ 0 -13.549 Td [(eigenen)-274(Angabe)-273(neunhundertneunundneunzig)-274(war,)-279(an)-274(richtig)-273(zu)]TJ 0 -13.549 Td [(heulen.)-230(Und)-190(zwar)-191(nicht)-190(so)-190(wie)-191(ein)-190(tausendj\344hriger)-190(Mummelgreis,)]TJ 0 -13.549 Td [(sondern)-250(wie)-250(ein)-250(Mann)-250(der)-250(Drei\337iger)-250(gelegentlich)-250(mal)-250(heult.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 190.739 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 10.9091 Tf 105.499 174.536 Td [(Nach)-350(meiner)-351(Mutter)-350(Haus)-351(hatte)-350(Methusalem,)-376(der)-350(Leiter)-350(des)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Festes,)-239(die)-235(Koffer)-236(des)-236(Brautpaares)-236(schaffen)-235(lassen.)-246(Dort)-235(kleidete)]TJ 0 -13.549 Td [(sich)-309(das)-309(P)1(aar,)-324(als)-309(sich)-308(der)-309(Trubel)-309(verlaufen)-309(hatte,)-323(zur)-309(Reise)-308(an.)]TJ 0 -13.549 Td [(Dann)-250(fahren)-250(sie)-250(noch)-250(heute)-250(mit)-250(dem)-250(Nachtzuge)-250(davon.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Wir)-716(waren)-716(in)-716(der)-717(Wohnstube)-716(der)-716(Mutter.)-1648(Ein)-716(paar)]TJ -11.956 -13.549 Td [(nahestehende)-250(Freunde)-250(waren)-250(da.)]TJ 11.956 -13.55 Td [(Zum)-250(Abschied)-250(sagte)-250(Stefenson)-250(zu)-250(mir:)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -13.549 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Es)-273(gibt)-272(kein)-273(besseres)-273(Band,)-278(das)-273(Freundschaft)-273(bindet,)-278(als)-273(das)]TJ -16.799 -13.549 Td [(gemeinsame)-217(Schaffen)-216(an)-217(einem)-216(erfolgreichen)-217(Werke.)-239(So)-216(werden)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1521 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1522 0 R +/Resources 1520 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1523 0 obj << +/D [1521 0 R /XYZ 292.696 314.937 null] +>> endobj +1520 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1526 0 obj << +/Length 4755 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Hochzeit)-250(und)-250(Ende)-16559(297)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(wir)-291(zwei)-291(immer)-291(gute)-292(Freunde)-291(sein.)-373(Wir)-291(wollen)]TJ/F24 10.9091 Tf 211.422 0 Td [(\032)]TJ/F16 10.9091 Tf 3.632 0 Td [(du)]TJ/F24 10.9091 Tf 10.909 0 Td [(\030)]TJ/F16 10.9091 Tf 6.809 0 Td [(zueinander)]TJ -232.772 -13.549 Td [(sagen)-250(wie)-250(Br\374der!)]TJ/F24 10.9091 Tf 79.975 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -68.019 -14.095 Td [(Ich)-250(schlug)-250(in)-250(die)-250(dargereichte)-250(Hand.)]TJ/F24 10.9091 Tf 0 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wann)-250(kommst)-250(du)-250(wieder?)]TJ/F24 10.9091 Tf 114.829 0 Td [(\034)]TJ -119.672 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ich)-370(wei\337)-370(es)-370(noch)-370(nicht;)-430(ich)-370(wei\337)-370(nicht,)-400(wie)-370(und)-370(wann)-371(ich)]TJ -16.799 -13.549 Td [(dr\374ben)-334(loskomme.)-502(Aber)-333(loskommen)-334(werde)-334(ich.)-502(Was)-334(ich)-333(dann)]TJ 0 -13.55 Td [(tue,)-347(kann)-327(ich)-327(noch)-327(nicht)-327(sagen.)-482(Vielleicht)-327(tauchen)-327(eines)-327(Tages)]TJ 0 -13.549 Td [(zwei)-266(Ferieng\344ste)-266(bei)-266(euch)-266(auf,)-270(irgendein)-266(Herr)-266(Schulze)-266(mit)-265(Frau,)]TJ 0 -13.549 Td [(und)-326(vielleicht)-327(kommen)-326(dir)-327(diese)-326(G\344ste)-326(bekannt)-327(vor.)-479(Ich)-326(werde)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([383])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(nie)-233(anders)-234(denn)-233(als)-234(Gast)-233(im)-233(Ferienheim)-234(einkehren;)-239(ich)-233(will)-233(diese)]TJ 0 -13.549 Td [(meine)-385(Lieblingssch\366pfung)-384(mir)-384(nicht)-385(zum)-384(Verwaltungsbezirke,)]TJ 0 -13.55 Td [(nicht)-369(zum)-368(Arbeitsgebiete)-369(werden)-368(lassen,)-399(sondern)-368(hier)-369(soll)-368(mir)]TJ 0 -13.549 Td [(eine)-312(Ferienzuflucht,)-328(eine)-313(gl\374ckliche)-312(Heimat)-313(f\374r)-312(immer)-312(bewahrt)]TJ 0 -13.549 Td [(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 20.302 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -8.346 -14.095 Td [(Eva)-350(h\366rte)-350(ihm)-350(zu)-350(und)-350(war)-350(ihm)-350(dankbar)-350(f\374r)-350(diese)-350(Worte.)-550(O)]TJ -11.956 -13.549 Td [(ja,)-363(diese)-340(beiden)-340(pa\337ten)-340(zu)-340(einer)-340(Ehe,)-363(der)-340(starke)-340(Mann)-340(und)-340(das)]TJ 0 -13.549 Td [(sch\366ne,)-250(fr\366hliche)-250(Weib.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Du)-267(freilich,)-272(lieber)-267(Freund,)-271(du)-267(hast)-267(hier)-268(keine)-267(Ferien;)-275(du)-268(hast)]TJ -16.799 -13.549 Td [(hier)-251(deine)-250(Arbeitsst\344tte.)-252(Und)-250(wenn)-251(du)-250(einmal)-251(ausspannen)-250(willst,)]TJ 0 -13.549 Td [(dann)-326(kommst)-326(du)-326(zu)-326(uns,)-345(dann)-326(fahren)-326(wir)-326(mit)-326(dir,)-345(der)-326(dann)-326(der)]TJ 0 -13.549 Td [(Stille)-275(entronnen)-275(ist,)-281(dorthin,)-281(wo)-275(die)-275(Welt)-274(laut)-275(und)-275(bunt)-275(ist.)-324(Dort)]TJ 0 -13.55 Td [(machst)-427(du)-426(dann)-427(Ferien)-427(von)-426(deinem)-427(stillen)-426(Ich,)-471(und)-427(wenn)-426(du)]TJ 0 -13.549 Td [(nach)-281(Hause)-282(zur\374ckkehrst,)-289(wird)-282(dir)-281(das)-282(allt\344gliche)-281(Leben)-281(wieder)]TJ 0 -13.549 Td [(schmackhaft)-250(sein.)]TJ/F24 10.9091 Tf 78.164 0 Td [(\034)]TJ -66.208 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-250(so)-250(wollen)-250(wir)-250(es)-250(halten!)]TJ/F24 10.9091 Tf 118.767 0 Td [(\034)]TJ -123.61 -14.094 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Nun)-250(denn,)-250(so)-250(w\344ren)-250(wir)-250(wohl)-250(f\374r)-250(diesmal)-250(hier)-250(fertig.)]TJ/F24 10.9091 Tf 229.952 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -234.795 -14.095 Td [(Stefenson)-288(zog)-288(ein)-289(Notizbuch)-288(heraus)-288(und)-288(bl\344tterte)-289(darin.)-364(Sein)]TJ -11.956 -13.549 Td [(Gesicht)-250(bekam)-250(wieder)-250(die)-250(alte)-250(Gesch\344ftsmiene.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.095 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Halt,)-519(da)-465(ist)-465(noch)-465(etwas)-465(zu)-465(erledigen.)-895(Ich)-465(habe)-465(mir)-465(mal)]TJ -16.799 -13.549 Td [(als)-438(Knecht)-439(Ignaz)-438(von)-438(dem)-439(Schuhmacher)-438(R\366hricht)-438(die)-438(Stiefel)]TJ 0 -13.549 Td [(besohlen)-334(lassen.)-502(Er)-334(hat)-334(auf)-334(die)-334(Rechnung)-334(geschrieben:)-417(Sohlen)]TJ 0 -13.55 Td [(und)-362(zwei)-362(Abs\344tze)-362(zwei)-362(Mark)-362(und)-362(f\374nfundachtzig)-362(Pfennig,)-390(hat)]TJ 0 -13.549 Td [(aber)-360(nur)-359(einen)-360(Absatz)-359(zu)-360(machen)-360(gehabt.)-579(Ich)-359(habe)-360(ihm)-359(daher)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374nfundzwanzig)-162(Pfennig)-162(abziehen)-162(wollen,)-180(und)-162(wir)-161(haben)-162(so)-162(lange)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([384])]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1525 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1526 0 R +/Resources 1524 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1527 0 obj << +/D [1525 0 R /XYZ 222.663 408.145 null] +>> endobj +1528 0 obj << +/D [1525 0 R /XYZ 165.429 66.142 null] +>> endobj +1524 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1531 0 obj << +/Length 4510 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(298)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(gestritten,)-246(bis)-244(ich)-245(inzwischen)-244(verhaftet)-245(wurde)-244(und)-244(dann)-245(alles)-244(das)]TJ 0 -13.549 Td [(andere)-311(kam.)-433(So)-311(steht)-311(der)-311(Posten)-311(noch)-311(offen.)-432(Ich)-311(bitte,)-326(erledige)]TJ 0 -13.549 Td [(das,)-383(lieber)-357(Freund!)-569(Aber)-357(nicht)-356(zwei)-356(Mark)-357(und)-356(f\374nfundachtzig)]TJ 0 -13.549 Td [(Pfennig,)-284(sondern)-277(nur)-277(zwei)-277(Mark)-277(und)-277(sechzig)-277(Pfennige,)-283(h\366rst)-277(du)]TJ 0 -13.55 Td [(wohl?)-372(Ein)-291(Knecht)-291(kann)-290(nicht)-291(f\374nfundzwanzig)-291(Pfennig)-290(umsonst)]TJ 0 -13.549 Td [(hergeben.)-230(Vergi\337)-191(es)-191(nicht!)-231(R\366hricht)-191(hei\337t)-191(der)-191(Mann,)-202(Hintermarkt)]TJ 0 -13.549 Td [(15,)-250(drei)-250(Stiegen.)]TJ/F24 10.9091 Tf 71.509 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -59.553 -14.719 Td [(Ein)-256(vergn\374gtes)-255(Lachen)-256(t\366nte)-255(aus)-256(der)-256(Ecke)-255(von)-256(meiner)-255(Mutter)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Sofa.)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.956 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Was)-250(lachen)-250(Sie)-250(denn,)-250(Piesecke?)]TJ/F24 10.9091 Tf 139.658 0 Td [(\034)]TJ -144.501 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Ja,)-558(Pardon,)-558(Herr)-496(Stefenson,)-558(aber)-496(erst)-497(dreihunderttausend)]TJ -16.799 -13.549 Td [(Mark)-343(verschenken)-342(und)-342(dann)-343(wegen)-342(f\374nfundzwanzig)-343(Pfennig)]TJ/F24 10.9091 Tf 275.176 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.176 -13.55 Td [(so)-158(in)-158(der)-158(Abschiedsstunde)]TJ/F24 10.9091 Tf 112.936 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.177 0 Td [(das)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.264 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.177 0 Td [(das)-158(ist)]TJ/F24 10.9091 Tf 28.295 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.177 0 Td [(Pardon)]TJ/F24 10.9091 Tf 32.627 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.177 0 Td [(merkw\374rdig!)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.956 0 Td [(\034)]TJ -263.83 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Gar)-466(nicht)-465(merkw\374rdig,)-520(lieber)-465(Piesecke.)-897(Weil)-466(ich)-466(immer)]TJ -16.799 -13.549 Td [(die)-202(Rechnungen)-201(auf)-201(die)-202(F\374nfundzwanzig-Pfennig-Bilanz)-201(gepr\374ft)]TJ 0 -13.549 Td [(habe,)-790(kann)-683(ich)-682(mal)-682(gelegentlich)-682(dreihunderttausend)-682(Mark)]TJ 0 -13.549 Td [(verschenken.)]TJ/F24 10.9091 Tf 57.251 0 Td [(\034)]TJ -45.296 -14.72 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Sehr)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.724 0 Td [(\023)]TJ/F16 10.9091 Tf 8.182 0 Td [(sehr)-250(kaufm\344nnisch!)-250(Sehr)-250(lehrreich!)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.588 0 Td [(\034)]TJ -189.338 -14.719 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Jawohl!)-243(Aber)-231(nicht)-230(f\374r)-230(Sie!)-243(F\374r)-231(Sie)-230(w\344re)-230(das)-230(zu)-231(unf\374rstlich.)]TJ/F24 10.9091 Tf 258.987 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -263.831 -14.719 Td [(Wenig)-179(fehlte,)-193(so)-178(w\344ren)-179(auch)-179(in)-179(letzter)-178(Stunde)-179(die)-179(alten)-179(Gegner,)]TJ -11.955 -13.55 Td [(der)-202(rechnende)-203(Kaufmann)-202(und)-202(der)-202(leichtfertige)-203(F\374rstensohn,)-211(noch)]TJ 0 -13.549 Td [(aneinander)-418(geraten.)-753(Die)-418(dicke)-417(Susanne)-418(w\344lzte)-418(sich)-417(zwischen)]TJ 0 -13.549 Td [(beide)-584(und)-584(l\366schte)-584(mit)-584(einer)-584(Flut)-584(von)-584(Abschiedstr\344nen)-583(den)]TJ 0 -13.549 Td [(entstehenden)-250(Brand.)]TJ +ET +q +1 0 0 1 128.622 165.735 cm +[]0 d 0 J 0.398 w 0 0 m 210.472 0 l S +Q +BT +/F16 7.9701 Tf 20.788 162.157 Td [([385])]TJ/F16 10.9091 Tf 84.711 -14.72 Td [(Sie)-215(sind)-215(alle)-215(fort.)-238(In)-215(tiefer)-215(Stille)-215(liegt)-214(der)-215(Marktplatz.)-239(Ich)-214(\366ffne)]TJ -11.956 -13.549 Td [(das)-306(Fenster.)-419(Die)-306(Luft)-306(ist)-306(milder)-306(geworden.)-418(Am)-306(hocherhobenen)]TJ 0 -13.549 Td [(Arm)-668(des)-667(heiligen)-668(Baptista)-668(h\344ngt)-667(ein)-668(glitzernder)-667(schwerer)]TJ 0 -13.549 Td [(Eiszapfen)-331(wie)-332(ein)-331(Schwert.)-493(Am)-332(Himmel)-331(stehen)-331(zwischen)-331(dem)]TJ 0 -13.55 Td [(Gew\366lk)-387(ein)-386(paar)-387(freundliche)-387(Sterne.)-660(Im)-387(Schneemantel)-386(schaut)]TJ 0 -13.549 Td [(der)-227(Heilige)-226(her\374ber)-227(zu)-226(mir.)-243(Suchen)-226(seine)-227(Augen)-227(die)-226(kleine,)-231(feine)]TJ 0 -13.549 Td [(Frau,)-250(die)-250(sonst)-250(so)-250(oft)-250(zu)-250(ihm)-250(hin\374bertr\344umte?)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1530 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1531 0 R +/Resources 1529 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1510 0 R +>> endobj +1532 0 obj << +/D [1530 0 R /XYZ 93.543 162.157 null] +>> endobj +1529 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R /F24 69 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1535 0 obj << +/Length 4394 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 46.771 548.934 Td [(Hochzeit)-250(und)-250(Ende)-16559(299)]TJ +0 g 0 G + 11.956 -30.759 Td [(Sie)-368(ist)-369(in)-368(weiter)-368(Ferne,)-398(bei)-369(dem,)-397(den)-369(ihre)-368(Sehnsucht)-368(suchte)]TJ -11.956 -13.549 Td [(in)-317(all)-318(den)-317(alten)-318(Tagen.)-452(Das)-318(Haus)-317(ist)-317(leer.)-453(Ich)-317(sehe)-318(mich)-317(in)-317(der)]TJ 0 -13.549 Td [(gro\337en)-334(Stube)-335(um,)-355(und)-335(es)-334(ist)-334(mir)-335(auf)-334(einmal)-335(bange)-334(zumute)-334(wie)]TJ 0 -13.549 Td [(einem)-365(Kinde,)-393(das)-365(nach)-365(Hause)-365(gekommen)-364(ist,)-394(wenn)-365(Vater)-364(und)]TJ 0 -13.55 Td [(Mutter)-321(nicht)-321(da)-320(sind.)-463(So)-321(schlie\337e)-320(ich)-321(das)-321(Fenster.)-462(Unschl\374ssig)]TJ 0 -13.549 Td [(bleibe)-243(ich)-243(noch)-243(ein)-243(Weilchen)-244(stehen,)-244(dann)-243(ziehe)-243(ich)-243(die)-243(Uhr)-243(auf,)]TJ 0 -13.549 Td [(f\374hle)-332(noch)-331(einmal)-332(an)-332(den)-331(Ofen.)-495(Endlich)-332(l\366sche)-331(ich)-332(die)-331(Lampe)]TJ 0 -13.549 Td [(aus)-250(und)-250(tappe)-250(die)-250(Treppe)-250(hinab)-250(...)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ich)-287(habe)-286(jetzt)-287(gro\337e)-286(Ferien)-287(vom)-286(Ich.)-360(Mutter)-286(und)-287(Bruder)-286(sind)]TJ -11.956 -13.55 Td [(fort,)-446(der)-406(Freund)-407(mit)-407(der)-406(Frau)-407(fort,)-446(die)-406(ich)-407(geliebt)-407(habe,)-445(auch)]TJ 0 -13.549 Td [(Methusalem)-271(und)-271(die)-271(anderen)-271(lustigen)-271(K\344uze)-271(verschwinden)-270(bald)]TJ 0 -13.549 Td [(wieder.)-412(Ich)-304(stehe)-304(ganz)-304(frei)-304(und)-304(ganz)-304(allein)-304(auf)-304(dem)-304(Marktplatz)]TJ 0 -13.549 Td [(von)-211(Waltersburg.)-236(Schlie\337lich)-211(ist)-211(der)-210(alte)-211(Baptista)-210(jetzt)-211(noch)-210(mein)]TJ 0 -13.549 Td [(einziger,)-250(st\344ndiger)-250(Freund)-250(hierzulande.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(Ob)-303(die)-302(anderen)-303(wiederkehren)-303(werden?)-408(Wer)-302(kann)-303(es)-302(wissen?)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Wie)-334(lange)-334(die)-334(stille)-334(Frau)-334(auf)-334(der)-334(Heimwehfluh)-334(sich)-334(noch)-334(ihres)]TJ 0 -13.549 Td [(Kindes)-381(freuen)-381(wird,)-414(ein,)-414(zwei,)-413(drei)-382(Jahre)-381(...?)-643(Ob)-381(dann,)-413(wenn)]TJ 0 -13.549 Td [(sie)-356(Ferien)-357(macht)-356(f\374r)-357(immer,)-383(die)-356(kleine)-357(Anneliese,)-383(die)-356(jetzt)-356(als)]TJ 0 -13.549 Td [(Schullehrerin)-218(in)-219(einem)-218(verlassenen)-219(Gebirgsdorfe)-218(lebt,)-225(doch)-218(noch)]TJ/F16 7.9701 Tf 291.024 0 Td [([386])]TJ/F16 10.9091 Tf -291.024 -13.549 Td [(Joachims)-452(Frau)-451(werden)-452(und)-451(\374bers)-451(Meer)-452(zu)-451(ihm)-452(ziehen)-451(wird?)]TJ 0 -13.55 Td [(Und)-401(ob)-400(dann)-401(die)-401(Mutter)-400(heimkehren)-401(wird)-401(in)-400(ihre)-401(sch\366ne)-400(alte)]TJ 0 -13.549 Td [(Stube?)-277(Lauter)-259(Fragen)-259(ohne)-259(Antwort.)-277(Das)-259(Leben)-259(bringt)-259(nichts)-259(so)]TJ 0 -13.549 Td [(leichthin)-289(zum)-288(Abschlu\337)-289(wie)-289(ein)-288(Theaterst\374ck)-289(oder)-289(ein)-288(Buch;)-308(es)]TJ 0 -13.549 Td [(ist)-250(nie)-250(am)-250(Ende,)-250(es)-250(beginnt)-250(immer)-250(von)-250(neuem.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(So)-264(gehe)-265(ich)-264(von)-264(diesem)-265(Marktplatze)-264(hinweg,)-268(steige)-264(den)-264(Berg)]TJ -11.956 -13.549 Td [(hinauf)-250(zu)-250(meinem)-250(Werk.)]TJ 11.956 -14.532 Td [(Eine)-170(k\366stliche)-171(Siedlung)-170(ist)-170(da)-170(entstanden)-171(auf)-170(leeren)-170(Halden,)-186(im)]TJ -11.956 -13.549 Td [(\366den)-291(Walde.)-372(Hundert)-291(Fenster)-290(blitzen)-291(in)-291(goldigem)-290(Lampenlicht,)]TJ 0 -13.549 Td [(Singen)-220(und)-220(Lachen)-220(kommt)-220(aus)-220(den)-220(Bauernh\366fen.)-240(Alle)-220(Leute,)-226(die)]TJ 0 -13.549 Td [(mir)-327(begegnen,)-347(gr\374\337en)-327(mich)-327(oder)-328(rufen)-327(mir)-327(freundlich)-328(zu.)-481(Hier)]TJ 0 -13.549 Td [(bin)-250(ich)-250(nicht)-250(allein.)-250(Bei)-250(meiner)-250(Arbeit)-250(bin)-250(ich)-250(zu)-250(Hause.)]TJ 11.956 -14.531 Td [(In)-589(der)-588(W\374ste)-589(sah)-589(ich)-589(einmal)-588(einen)-589(Mann)-589(mit)-588(gef\374llten)]TJ -11.956 -13.55 Td [(Wasserschl\344uchen)-680(am)-681(Brunnen)-680(der)-680(Oase)-680(stehen,)-788(als)-680(sich)]TJ 0 -13.549 Td [(unsere)-636(halbverschmachtete)-635(Karawane)-635(fiebergl\374hend)-636(auf)-635(sie)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1534 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1535 0 R +/Resources 1533 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1537 0 R +>> endobj +1536 0 obj << +/D [1534 0 R /XYZ 147.848 272.326 null] +>> endobj +1533 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1540 0 obj << +/Length 1054 +>> +stream +0 g 0 G +BT +/F16 10.9091 Tf 93.543 548.934 Td [(300)-18114(Ferien)-250(vom)-250(Ich)]TJ +0 g 0 G + 0 -30.759 Td [(zuschleppte.)-469(Da)-323(dachte)-323(ich,)-341(es)-323(m\374sse)-323(sch\366n)-323(sein,)-341(mit)-323(gef\374llten)]TJ 0 -13.549 Td [(Wasserschl\344uchen)-307(Verdurstenden)-307(entgegenzusehen.)-421(Ich)-307(will)-306(so)]TJ 0 -13.549 Td [(sein)-315(wie)-316(jener)-315(Mann.)-447(Alle,)-332(die)-315(zu)-316(mir)-315(kommen)-316(von)-315(der)-315(hei\337en)]TJ 0 -13.549 Td [(Stra\337e)-282(des)-282(Alltags,)-291(will)-282(ich)-282(laben)-282(aus)-283(dem)-282(k\374hlen)-282(Brunnen,)-290(den)]TJ 0 -13.55 Td [(ich)-250(grub.)]TJ 11.956 -13.549 Td [(Dann)-466(wird)-466(es)-467(mir)-466(so)-466(gut)-467(ergehen,)-520(da\337)-466(ich)-466(nichts)-466(anderes)]TJ -11.956 -13.549 Td [(vom)-272(Leben)-272(mehr)-273(verlangen)-272(will;)-283(denn)-272(es)-273(ist)-272(die)-272(gr\366\337te)-272(Lust)-272(des)]TJ 0 -13.549 Td [(Lebens,)-250(anderen)-250(die)-250(Last)-250(des)-250(Lebens)-250(zu)-250(erleichtern.)]TJ +0 g 0 G +0 g 0 G +ET +endstream +endobj +1539 0 obj << +/Type /Page +/Contents 1540 0 R +/Resources 1538 0 R +/MediaBox [0 0 419.528 595.276] +/Parent 1537 0 R +>> endobj +1538 0 obj << +/Font << /F16 7 0 R >> +/ProcSet [ /PDF /Text ] +>> endobj +1541 0 obj +<< /S /GoTo /D (index33) >> +endobj +1544 0 obj +(Bemerkungen zur Textgestalt) +endobj +1565 0 obj << +/Length 6804 +>> +stream +0 g 0 G +0 g 0 G +0 g 0 G +BT +/F16 18.9589 Tf 74.775 479.321 Td [(Bemerkungen)-258(zur)-259(Textgestalt)]TJ/F16 10.9091 Tf -28.004 -34.176 Td [(Das)-186(Inhaltsverzeichnis)-186(wurde)-186(von)-186(der)-186(letzten)-186(Seite)-186(an)-186(den)-186(Beginn)]TJ 0 -13.55 Td [(versetzt.)]TJ 0 -13.9 Td [(Die)-342(Originalausgabe)-343(ist)-342(in)-342(Fraktur)-343(gesetzt.)-527(Einzelne)-342(W\366rter)-342(in)]TJ 0 -13.549 Td [(Antiqua)-345(werden)-346(kursiv)-345(wiedergegeben,)-369(bis)-345(auf)-346(den)-345(Titel)]TJ/F24 10.9091 Tf 256.707 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Dr.)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.237 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf -275.787 -13.549 Td [(und)-250(r\366mische)-250(Zahlen.)-250(Sperrung)-250(ist)-250(\374bernommen.)]TJ 11.956 -13.9 Td [(Korrektur)-250(offensichtlicher)-250(Druckfehler:)]TJ 9.863 -20.758 Td [(Seite)-250(27:)-250(doppeltes)]TJ/F24 10.9091 Tf 85.756 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(freue)]TJ/F24 10.9091 Tf 22.408 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(entfernt.)]TJ -120.578 -13.901 Td [(Seite)-250(43:)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stefensohn)]TJ/F24 10.9091 Tf 48.48 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Stefenson)]TJ/F24 10.9091 Tf 43.025 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -168.763 -13.9 Td [(Seite)-362(75:)-475(fehlendes)-362(Anf\374hrungszeichen)-363(erg\344nzt)-362(\050vor)]TJ/F24 10.9091 Tf 238.215 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Die)]TJ -243.059 -13.549 Td [(Luise)-250(habe)-250(ich)-250(flottgemacht.)]TJ/F24 10.9091 Tf 124.221 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\051.)]TJ -129.065 -13.9 Td [(Seite)-250(91:)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(mit)]TJ/F24 10.9091 Tf 14.552 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.215 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(mir)]TJ/F24 10.9091 Tf 15.152 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -106.963 -13.9 Td [(Seite)-250(97:)]TJ/F24 10.9091 Tf 41.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(philantropische)]TJ/F24 10.9091 Tf 67.265 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.215 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(philanthropische)]TJ/F24 10.9091 Tf 72.72 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -217.243 -13.9 Td [(Seite)-221(101:)-236(fehlendes)-221(Anf\374hrungszeichen)-222(erg\344nzt)-221(\050nach)]TJ/F24 10.9091 Tf 239.426 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(des)]TJ -244.27 -13.549 Td [(Magistrats)-250(von)-250(Waltersburg)-250(stellen)]TJ/F24 10.9091 Tf 153.01 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\051)]TJ -157.854 -13.9 Td [(Seite)-282(103:)-313(doppeltes)]TJ/F24 10.9091 Tf 92.594 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(und)]TJ/F24 10.9091 Tf 16.364 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.917 0 Td [(entfernt)-282(\050vor)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.248 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(in)-282(einer)-281(gl\344nzen-)]TJ -184.81 -13.55 Td [(den)-250(Erfassung)]TJ/F24 10.9091 Tf 62.105 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(\051)]TJ -66.949 -13.9 Td [(Seite)-275(118:)-300(fehlendes)-275(Anf\374hrungszeichen)-275(erg\344nzt)-275(\050vor)]TJ/F24 10.9091 Tf 237.004 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Das)]TJ -241.848 -13.549 Td [(haben)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.051 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(\051.)]TJ -30.894 -13.9 Td [(Seite)-250(128:)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.669 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(umqartieren)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.713 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(umquartieren)]TJ/F24 10.9091 Tf 58.167 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -193.592 -13.9 Td [(Seite)-251(145:)-253(fehlendes)-251(Anf\374hrungszeichen)-251(erg\344nzt)-251(\050nach)]TJ/F24 10.9091 Tf 241.237 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(bis)]TJ -246.081 -13.549 Td [(um)-250(sieben.)]TJ/F24 10.9091 Tf 47.269 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(\051)]TJ -52.112 -13.9 Td [(Seite)-250(164:)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.669 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Xantippen)]TJ/F24 10.9091 Tf 45.448 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Xanthippen)]TJ/F24 10.9091 Tf 50.901 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -179.061 -13.9 Td [(Seite)-250(170:)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.669 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(reckt)]TJ/F24 10.9091 Tf 21.808 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.214 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(reckte)]TJ/F24 10.9091 Tf 26.651 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ -131.171 -13.9 Td [(Seite)-250(238:)]TJ/F24 10.9091 Tf 46.669 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.844 0 Td [(Widersehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 52.101 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(in)]TJ/F24 10.9091 Tf 11.215 0 Td [(\036)]TJ/F16 10.9091 Tf 4.843 0 Td [(Wiedersehen)]TJ/F24 10.9091 Tf 56.946 0 Td [(\034)]TJ/F16 10.9091 Tf 7.571 0 Td [(ge\344ndert.)]TJ 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+<TEI.2 lang="de"> + <teiHeader> + <fileDesc> + <titleStmt> + <title>Ferien vom Ich</title> + <author><name reg="Keller, Paul">Paul Keller</name></author> + </titleStmt> + <editionStmt> + <edition n="1">Project Gutenberg TEI Edition 1</edition> + </editionStmt> + <publicationStmt> + <publisher>Project Gutenberg</publisher> + <date value="2009-05-23">May 23, 2009</date> + <idno type="etext-no">28938</idno> + <availability> + <p>This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no + restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under + the terms of the Project Gutenberg License online at + www.gutenberg.org/license</p> + </availability> + </publicationStmt> + <sourceDesc> + <bibl> Paul Keller: Ferien vom Ich: Roman. Berlin : Deutsche Buch-Gemeinschaft. + </bibl> + </sourceDesc> + </fileDesc> + <encodingDesc> + <p>Siehe „Bemerkungen zur Textgestalt“ am Ende.</p> + </encodingDesc> + <profileDesc> + <langUsage> + <language id="de">German</language> + </langUsage> + </profileDesc> + <revisionDesc> + <change> + <date value="2009-05-23">May 23, 2009</date> + <respStmt><name>Norbert H. Langkau, Stefan Cramme and the Online Distributed Proofreading Team at + http://www.pgdp.net</name></respStmt> + <item>Project Gutenberg TEI edition 1</item> + </change> + </revisionDesc> + </teiHeader> + <pgExtensions> + <pgStyleSheet> + .antiqua { font-style: italic } + .gesperrt {letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em } + head {text-align: center } + </pgStyleSheet> + <!-- uncomment this CharMap to directly generate ISO 8859-1 --> + <!--<pgCharMap formats="txt"> + <char id="U0x2013"> + <charName>ndash</charName> + <desc>EN DASH</desc> + <mapping>-</mapping> + </char> + <char id="U0x2018"> + <charName>lsquo</charName> + <desc>LEFT SINGLE QUOTATION MARK</desc> + <mapping>'</mapping> + </char> + <char id="U0x2019"> + <charName>rsquo</charName> + <desc>RIGHT SINGLE QUOTATION MARK</desc> + <mapping>'</mapping> + </char> + <char id="U0x201A"> + <charName>sbquo</charName> + <desc>SINGLE LOW-9 QUOTATION MARK</desc> + <mapping>'</mapping> + </char> + <char id="U0x201C"> + <charName>ldquo</charName> + <desc>LEFT DOUBLE QUOTATION MARK</desc> + <mapping>«</mapping> + </char> + <char id="U0x201E"> + <charName>lbdquo</charName> + <desc>DOUBLE LOW-9 QUOTATION QUOTATION MARK</desc> + <mapping>»</mapping> + </char> + <char id="U0xbd"> + <charName>frac1-2</charName> + <mapping>-1/2</mapping> + </char> + </pgCharMap>--> + </pgExtensions> + + <text lang="de"> + <front> + <div> + <divGen type="pgheader" /> + </div> + <div> + <divGen type="encodingDesc" /> + </div> + <div rend="page-break-before: right"> + <pb n="1"/><anchor id="Pg001"/> + <p rend="text-align: center">Paul Keller / Ferien vom Ich</p> + <pb n="2"/><anchor id="Pg002"/> + </div> + + <titlePage rend="text-align: center; page-break-before: always"> + <pb n="3"/><anchor id="Pg003"/> + <docAuthor rend="font-size: x-large"><hi rend="antiqua; font-style: + italic">PAUL KELLER</hi></docAuthor> + <lb/> + <lb/> + <docTitle> + <titlePart rend="font-size: xx-large">Ferien vom + Ich</titlePart> + <lb/> + <lb/> + <titlePart rend="font-size: large"><hi rend="antiqua; font-style: italic">ROMAN</hi></titlePart> + </docTitle> + <lb/> + <lb/> + <lb/> + <docImprint><hi rend="font-size: large">Deutsche Buch-Gemeinschaft</hi><lb/> + <hi rend="antiqua">GMBH</hi></docImprint> + <lb/> + <lb/> + <docImprint><hi rend="antiqua">BERLIN</hi></docImprint> + </titlePage> + <pb n="4"/><anchor id="Pg004"/> + <div rend="text-align: center; page-break-before: always"> + + <p> Einbandentwurf von Hanne Maria Rudert </p> + <lb/> + <lb/> + <lb/> + <p> Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, der Verfilmung, der + Dramatisierung, des Nachdrucks und der Wiedergabe durch den Rundfunk, + vorbehalten </p> + <p rend="antiqua">Copyright 1915<lb/>by Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn / + Breslau I<lb/>Printed in Germany</p> + </div> + <div type="contents" rend="page-break-before: always"> + <pb n="387"/><anchor id="Pg387"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Inhaltsverzeichnis</head> + <table rows="14" cols="3" rend="tblcolumns: 'l lw(32m) r'; latexcolumns: 'lp{5cm}r'"> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Nach meiner Heimkehr</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg005">5</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Die feindlichen Städte</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg012">12</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Das Modebad</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg028">28</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Auf dem Weihnachtsberg</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg033">33</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Luise</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg058">58</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Samariterdienste</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg069">69</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>In den Tagen des Werdens</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg077">77</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Das Kind</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg088">88</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Vorarbeiten</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg095">95</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Die „Neustädter Umschau“</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg104">104</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Joachim</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg116">116</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Weihnachten</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg131">131</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Fügung</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg136">136</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Bauernanwerbung</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg142">142</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Der Journalist</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg161">161</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Die ersten Kurgäste</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg181">181</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Sommerabend</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg197">197</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Lorelei</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg220">220</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Die „krummbeinige Medizin“</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg227">227</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>In der Genovevenklause</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg233">233</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Die Schlacht bei Waltersburg</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg241">241</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Herbst</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg248">248</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Von der weiblichen Putzsucht<lb/> und Herrn Pieseckes Leiden</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg271">271</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Abschiedsabend</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg281">281</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Gerichtliches</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg288">288</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Aufklärungen</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg302">302</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Vom Bruder und seiner Frau</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg320">320</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Freund Stefenson</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg343">343</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Der Fuchs und die Sibylle</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg355">355</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Advent</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg367">367</ref></cell> + </row> + <row> + <cell> </cell> + <cell>Hochzeit und Ende</cell> + <cell rend="text-align: right"><ref target="Pg375">375</ref></cell> + </row> + </table> + + </div> + </front> + <body> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="5"/><anchor id="Pg005"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Nach meiner Heimkehr</head> + <p> Der alte Johannisbrunnen rauscht wieder vor meinem Fenster. Hoch ragt das Bild + des Täufers; aus der ehernen Schale, die seine erhobene Hand hält, plätschert + das Wasser hinab ins steinerne Becken. In alter Zeit soll ein heidnisches Heer + an diesem Brunnen vorübergezogen sein; die Recken haben den rauhen Nacken + gebeugt und sind hier getauft worden. Am nächsten Tage fielen alle in der + Schlacht. Ihre Leichname blieben liegen unter den dunklen Bäumen der + Waldschlucht, da die Krieger heimtückisch erschlagen wurden; aber am Abend, als + die Sonne rot am Himmel brannte, kamen weiße Schemen zum Stadttore herein, die + hatten Kränze um die Stirnen und lächelten wie Kinder. Als sie am Brunnen + vorbeizogen, ließ der heilige Baptista die eherne Taufschale fallen und faltete + die Hände; denn diese reinen Seelen brauchten kein Wasser der Gnade mehr. Die + Gekränzten zogen langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und + als sie auf der goldglänzenden Höhe standen, winkten sie noch einmal herab ins + Tal und zogen dann fort, weit über die rote Sonne hinaus, und der Heilige am + Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bückte er sich nach <pb + n="6"/><anchor id="Pg006"/>der verlorenen Taufschale, und nun hält er sie wieder in erhobener + Hand seit vielen Jahrhunderten. </p> + <p> Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die Waltersburger + haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden Gauen und Städten; + ihr romantisches Tal war immer so reich, daß sie Fremdes nicht nötig hatten. </p> + <p> Der Johannisbrunnen! In seinem Becken ließ ich als Kind meine Schifflein + schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins + Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande saß, lächelte + oft verächtlich über diese Reiserouten. Er war drei Jahre älter als ich und + schon Gymnasiast. Da verachtete er meine Abcschützen-Geographie. Mit Schifflein + spielte er nicht mehr; er liebte nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er + Fische aus Blech, die ein eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem + Magneten nach ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, + sagte er: es läge am Wetter oder ich stände mit meinem infam weißen + Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische. </p> + <p> Unterdes fuhren meine Schiffe nach Jerusalem oder ins Riesengebirge, und oben + auf dem grünen Balkon am Brunnenplatz saß unsere Mutter bei ihrer Handarbeit und + schaute manchmal zu uns herunter. </p> + <p> Wie kommt es doch, daß Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen können, + daß er ihnen nicht lieber und größer ist als alle Küsten des Ozeans? </p> + <pb n="7"/><anchor id="Pg007"/> + <p> Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem grünen Balkon + ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmäßig zu den Ferien. + Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine Ehe schloß mit + jenem unselig schönen Mädchen, dem die Schönheit zum Fluche gegeben war. Nach + einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder einem halben Jahre war + ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage machte, sie habe sich selbst mit + einem Revolver in die Brust geschossen, weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren + Streit verlassen habe. </p> + <p> Nur meine Mutter und ich wußten, daß sie log. Der Flüchtige aber kam nicht heim, + auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, daß er außer + gerichtlicher Verfolgung sei. </p> + <p> Er floh nicht vor dem Gefängnis; er floh vor dem Grauen, das ihm sein junges + Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, die ihm ihre Aussage brachte, + nicht tilgen konnte. </p> + <p> Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am Balkonfenster + und hörte auf das Plätschern des Johannisbrunnens. Sie träumte von fernen Ufern, + an denen ihr Herzenssohn weilen würde, von Gestaden, zu denen es keine andere + Verbindung gab als die sehnsüchtig hin und her gehenden Gedanken. </p> + <p> Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich zur + Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein. Sie sah mich + still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren <pb n="8"/><anchor id="Pg008"/>Mund. Da + bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie sprach mit + Worten, die sie sich aus dem Herzen riß: </p> + <p> „Geh fort ... in die Welt ... suche Joachim ... bringe ihn wieder!“ </p> + <p> So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht Geld + genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt, jetzt bei + dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle großen Häfen der Welt. </p> + <p> Ich fand ihn erst im fünften Jahre meiner Wanderfahrt und wäre bei flüchtiger + Begegnung wohl an dem veränderten harten Mann mit dem fremden Namen + vorbeigegangen; aber ich traf ihn an Bord zwischen Rio und Montevideo, da das + Schiff tagelang nicht anhält, und wurde meiner Sache gewiß, als der Fremdling + sich plötzlich scheu verbarg und weder an Bord noch bei den Mahlzeiten mehr + sichtbar wurde. Da suchte ich ihn in seiner Kajüte auf. Er öffnete auf mein + Klopfen und bebte zusammen, als er mich sah. Ich drängte ihn ohne weiteres in + die Kajüte und schloß die Tür. </p> + <p> „Ich will nur ein wenig mit dir reden, Joachim“, sagte ich und wunderte mich + über meine ruhige Stimme; „du wirst es mir nicht abschlagen können, da ich an + die fünf Jahre hinter dir her bin. Und daß ich auf dein Leben und deine + Entschlüsse keinen Einfluß habe, weiß ich von vornherein. Also versteck dich + nicht!“ </p> + <p> „Was willst du?“ fragte er mühsam heraus. </p> + <p> „Ich will nicht viel. Ich will dich nur bitten, du <pb n="9"/><anchor id="Pg009"/>möchtest von + Zeit zu Zeit, so alle Jahre einmal um Weihnachten, an die Mutter schreiben.“ </p> + <p> Da fiel er auf sein Bett und weinte rasend. Ich trat an das kleine runde + Kajütenfenster, an das die Wellen klatschten, und schaute hinaus auf die + rollende See. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Vorgestern bin ich nun heimgekommen nach Waltersburg zu meinem und seinem + silbernen Mütterchen. Ich muß schon „silbernes Mütterchen“ sagen; denn nicht nur + die Haare sind silbern, auch das Gesichtchen, auch die schmalen Hände. Alles ist + kostbar, edel und weiß an ihr. </p> + <p> Sie fragte mich nur das eine: „Ist er gesund?“ </p> + <p> Ich sagte ihr, was ich wußte, auch daß er ein braver Mensch geblieben sei, woran + wir beide niemals gezweifelt hatten. Dann, daß er in einer geachteten Stellung + und wohl ein reicher Mann sei oder es doch werde. Darauf hörte sie kaum, sondern + schlug die Händchen zusammen und jammerte: </p> + <p> „Warum? Warum?“ </p> + <p> Das war die schwere Frage, über deren richtige Beantwortung ich mir auf der + Heimreise den Kopf zerbrochen hatte. Ganze Abhandlungen hatte ich in meinem Hirn + ausgearbeitet, schlagende psychologische Begründungen für eine Mutter, die + fragt: Warum gibt mein Sohn keine Nachricht? Warum kommt er nicht zurück? Warum + läßt er mich in dieser furchtbaren Einsamkeit und Qual? </p> + <pb n="10"/><anchor id="Pg010"/> + <p> Da sagte ich ihr nur die wichtigsten Sätze, die Joachim gesprochen: </p> + <p> „Ich hab wohl hundertmal geschrieben und tausendmal schreiben wollen. Aber ich + hab keinen Brief abgeschickt. Ich hatte eine schreckliche Angst, dann schreibt + ihr wieder, und dann halte ich’s nicht aus in der Fremde, dann muß ich zurück in + diese verfluchte Heimat.“ </p> + <p> Sie war ein wenig betäubt über diese Worte; aber dann glomm eine Hoffnung auf in + ihren Augen, und sie sagte: </p> + <p> „Aber jetzt wird er schreiben?“ </p> + <p> „Ja, jetzt wird er schreiben; das ist das einzige, was ich nach meinem langen + Suchen erreicht habe.“ </p> + <p> „Ich danke dir, lieber Fritz“, sagte sie und drückte mir schüchtern die Hand. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Nun bin ich beinahe eine Woche zu Hause und fange an, mich glücklich zu fühlen + und zu freuen. Ich glaube, zu den Freuden, die schwer zu tragen sind, gehört die + Heimkehr aus fremden Landen. Und nicht bloß mir in meinem besonderen Falle wird + es so gehen, nein, allen, die lange draußen waren und wieder nach Hause kommen. + Es ist viel Scheu, viel Bangigkeit in der Seele, die Quellen der Lust und des + Schmerzes fließen zusammen wie in einen tiefen Bronnen, aus dem erst langsam, + wenn sich der zitternde Spiegel beruhigt hat, das Himmelsgesicht des Glücks + auftauchen kann. Es gibt wohl keinen Heimkehrenden, der laut lachte, tanzte oder + <pb n="11"/><anchor id="Pg011"/>spränge. Ich habe in fremden Ländern viele robuste Burschen + gesehen, die in ihre Heimat zurückkamen, und es war ganz gleich, welcher Farbe + oder Rasse sie waren – sie waren schüchtern und verlegen, gingen alle ein wenig + mit zusammengezogenen Schultern, sprachen seltsam leise und traten nicht fest + auf, als ob sie der Heimaterde nicht weh tun wollten. Sie mußten sich alle in + der Heimat erst wieder heimfinden. Es ist auch ganz natürlich: der Star, der aus + dem Süden an den heimischen Kasten kommt, pfeift auch nicht am ersten Tage. Er + schüttelt in der entwöhnten Luft erst sein Gefieder zurecht. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Die Mutter steht immer am Fenster und schaut nach dem Briefträger aus. Aber der + Brief, auf den sie wartet, kommt nicht. Er könnte längst da sein. Ich + telegraphierte schon zweimal heimlich nach Rio. Es kam aber keine Antwort. </p> + <p> Und die Mutter steht und wartet. Ich versuchte es mit der alten Ausrede, ein + Brief könne verlorengehen, zumal auf so langem Wege. Aber die Mutter schüttelte + den Kopf und sagte: </p> + <p> „Einen solchen Brief würde Gott behüten.“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="12"/><anchor id="Pg012"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1="Die feindlichen Staedte"/> + <head>Die feindlichen Städte</head> + <p> Ich muß versuchen, wieder lustiger zu sein. Herrgott, ich bin doch ein junger + Mensch, ich habe meine Aufgaben, und meine Kraft darf nicht in sehnsüchtigem + Suchen, am Trotz des Bruders zerschellen. Also will ich heute gar nichts von ihm + aufschreiben, sondern einmal die närrische Geschichte von der Feindschaft der + Waltersburger und der Neustädter zu erzählen beginnen. </p> + <p> Waltersburg ist eine in einem wunderschönen Talkessel gelegene Stadt von 2967 + Einwohnern. Solches besagte die letzte Zählung. Der Personenstand wies im + letzten Jahrhundert immer ziemlich dieselbe Höhe auf; auf runde 3000 kam er nie + hinauf. Da machte unser Bürgermeister, Herr Wilhelm Bunkert, eine bedeutsame + Stiftung: der dreitausendste Einwohner, der Waltersburg Anno 1904 geschenkt + würde, solle eine goldene Uhr bekommen, Herrenuhr oder Damenuhr, je nachdem es + ein männliches oder ein weibliches Wesen beträfe, und diese Ehrengabe wolle er, + der Bürgermeister, aus eigenen Mitteln bestreiten. Die Sache stand im Stadtblatt + und wurde viel bewundert. Im nächsten Jahre kamen viele Kinder zur Welt; die + Zählung wurde nicht bloß vom <pb n="13"/><anchor id="Pg013"/>Magistrat, sondern auch von der + Bürgerschaft sehr eifrig betrieben, und da die Einwohnerschaft auf 2998 stieg, + entstand in der zweiten Hälfte des Dezember zwischen der Frau Schneidermeister + Lembke und der Frau Schuhmachermeister Abelt eine bittere Feindschaft, da beide + hofften, noch vor Ablauf des Jahres eines Kindleins zu genesen. Am 30. Dezember + gebar Frau Lembke eine Tochter. Ihr Mann, anstatt sich des blühenden + Töchterchens zu freuen, ging in die Schenke und betrank sich vor Ärger, wie er + sein Lebtag sich nicht betrunken hatte. Dem Ehepaar Abelt aber klopfte das Herz. + Am Silvesternachmittag gebar die Frau einen Sohn, und der entzückte Vater + stürzte nach dem Rathause und schrie: „Der dreitausendste Einwohner! Der + dreitausendste Einwohner!“ Im Vorzimmer des Bürgermeisters aber begegnete dem + Siegestrunkenen eine schwarze Gestalt. Es war die Frau des Webers Michalke, die + soeben den Tod ihres Mannes angemeldet hatte. Da waren es wieder nur 2999. Der + arme Schuster torkelte gegen die Wand, und dumpf hallten die Silvesterglocken in + die Nacht über diese so wenig vom Glück begünstigte Stadt. </p> + <p> Der Bürgermeister hielt sein Angebot auch für das kommende Jahr aufrecht, und + einige werdende Mütter wiegten sich in goldenen Hoffnungen. Aber der Tod hielt + reichere Ernte als sonst, auch zog der Barbier mit seiner siebenköpfigen Familie + nach Neustadt, und nun hielt der geizige erste Ratsmann, Bäckermeister + Schiebulke, es für den richtigen Zeitpunkt, sich als einen Gönner der Stadt zu + bezeigen und auch seinerseits für den <pb n="14"/><anchor id="Pg014"/>dreitausendsten Einwohner + eine Prämie auszusetzen, und zwar ein neues Fahrrad, je nachdem ein Herren- oder + Damenrad. Die Sache kam ins Stadtblatt, und die Bürger lachten. Ob Schiebulke + vielleicht meine, ein neugeborenes Kind könne radeln, wurde der Stifter befragt. + Ob die andern vielleicht meinten, ein neugeborenes Kind könne von einer Uhr die + Zeit ablesen, gab Schiebulke giftig zurück. Da setzte der Wirt vom „Goldenen + Löwen“, der ein reicher Mann und ein wenig ruhmsüchtig ist, einen erschrecklich + hohen Trumpf auf: </p> + <p> „Goldene Uhr und Fahrrad“, sagte er, „sind gute Dinge. Nur leider die Kinder + wachsen langsam, und solche Dinge veralten schnell. Was allein nicht veraltet, + ist das Geld. Ich will meiner Vaterstadt meine Liebe beweisen und lege 5000 Mark + in die städtische Sparkasse für den dreitausendsten Bürger, den Waltersburg in + diesem Jahre erhält.“ So lautete die Stiftung, die im Stadtblatt publiziert + wurde und ungeheure Aufregung hervorrief. </p> + <p> Und da kam das Unerwartete, wie in solchen Fällen überhaupt meist etwas + Unerwartetes geschieht. </p> + <p> Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Höhe von 2993 erreicht, als der + vor kurzem nach Neustadt übersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit seiner Frau + und seinen fünf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte und glückstrahlend + die goldene Uhr, das Fahrrad und die fünftausend Mark für sich in Anspruch nahm, + da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend erreicht war. In Waltersburg brach eine + Revolte aus. Man <pb n="15"/><anchor id="Pg015"/>wollte den frechen Barbier samt Weib und Kindern + lynchen. Man schrie, das sei Betrug, das gälte nicht, das sei ja ganz anders + gemeint gewesen. Der Barbier, der zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt + gewesen war, bewahrte seine Ruhe, und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist + in Waltersburg, erklärte im Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man + es hören wollte, unter Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: es handle + sich hier um eine öffentliche Auslobung, deren Inhalt durch den Barbier Heilmann + erfüllt sei und dem daher unzweifelhaft die drei ausgesetzten Prämien zufielen. </p> + <p> Aller Ingrimm der Welt hätte an der Tatsache nichts geändert: Heilmann bekam die + Preise. </p> + <p> O unglückliches Waltersburg! In der Stadt war dumpfe Trauer, Zorn und Haß, und + alle Männer gelobten, bei diesem Barbier sich nie den Bart schaben oder die + Haare schneiden zu lassen. </p> + <p> Darauf rechnete aber der abgefeimte Schaumschläger gar nicht, sondern er zog + schon nach Ablauf eines Vierteljahres wieder nach Neustadt zurück und nahm die + Preise mit. </p> + <p> Waltersburg zählte nach diesem Abzug 2993 Bewohner. Die Auslobungen wurden nicht + erneuert. Das ist nun einer der Fälle, aus denen das feindselige Verhältnis + zwischen Waltersburg und dem benachbarten Neustadt schon einigermaßen erhellt. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <pb n="16"/><anchor id="Pg016"/> + <p> Die Zeit meiner Abwesenheit hat an dem feindlichen Verhalten der beiden Städte + Waltersburg und Neustadt nichts geändert. Und doch ist Neustadt eine + Tochterstadt von Waltersburg, die beiden Orte sind in der Luftlinie kaum drei + Kilometer voneinander entfernt und nur durch den mäßig hohen Weihnachtsberg + getrennt. Nicht nur, daß die beiderseitigen Gemeindekollegien miteinander in + Hader liegen und sich die zwei Stadtblättchen ständig befehden, der Haß gegen + die Nachbarstadt bringt auch noch heute die Köpfe der Waltersburger + Stammtischphilister in Gluthitze und überträgt sich sogar auf die Frauen und + Kinder. </p> + <p> Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat sich Waltersburg eines + geradezu paradiesischen Friedens erfreut. Die Hussiten sind an ihm + vorbeigezogen, die Horden des Dreißigjährigen Krieges haben vergessen, die Stadt + auszuplündern, so daß Waltersburg mit seinen damals 2000 Bewohnern nach dem + Westfälischen Frieden eine der volkreichsten Städte Deutschlands war, ein + Umstand, über den in der Stadtchronik des weiten und breiten geredet wird; von + den Fritzeschen Regimentern hat nur eines einmal drei Tage lang in Waltersburg + Station gemacht, was den Stoff für ein weiteres Viertel der Chronik bildet, und + auch die Siegerscharen Napoleons haben keine besondere „<hi rend="antiqua" + >gloire</hi>“ darin erblickt, die Stadtmauern von Waltersburg zu berennen. + So war das weiße Lamm in grünem Felde ein sehr angebrachtes Wappentier für die + friedfertige Stadt, und es gehörte schon die ganze boshafte Niedertracht der + Neustädter <pb n="17"/><anchor id="Pg017"/>dazu, zu behaupten, weiland der geistvolle Hohenstaufe + Friedrich II. hätte den Waltersburgern das + Lamm für ihr Stadtwappen nur darum verliehen, weil er ihre ureigentümliche und + unausrottbare Schafköpfigkeit wohl erkannt habe. </p> + <p> Solch grobe Beleidigung strafen die Waltersburger mit eiskalter Verachtung; + dagegen erhitzen sie sich noch heute sofort, wenn die Rede einmal auf den + Bahnbau kommt. </p> + <p> Als nach dem siebziger Kriege sich in Deutschland die Eisenbahnen mehrten wie + nach einem fruchtbaren Regen im Garten die Würmer, hatte die Regierung dem Rat + angeboten, eine neue Hauptstrecke über Waltersburg zu führen, ja die Stadt zu + einem Eisenbahnknotenpunkt zu machen. Dieses Anerbieten hatte die Bürgerschaft + in die allerschwerste Sorge gestürzt. Sie sandten zum Kaiser nach Berlin eine + Deputation mit der Bitte, der Landesvater möge das schwere Unheil, das den + Frieden und die Ruhe der treuen Stadt Waltersburg bedrohe, allergnädigst + abwenden. Die Deputation wurde zwar nicht empfangen, brachte aber in aller + Stille ein kräftiges Wort mit heim, das ein Geheimer Rat im Eisenbahnministerium + gesprochen hatte, und das nicht viel schmeichelhafter klang als die Neustädter + Auslegung des Waltersburger Wappentieres. </p> + <p> Die Hauptsache war: die Bahn kam nicht nach Waltersburg. Sie wurde jenseits des + Weihnachtsberges, etwa sechs Kilometer von der Stadt entfernt, vorbeigeführt. + Daselbst wurde auch ein großer Bahnhof angelegt, da <pb n="18"/><anchor id="Pg018"/>sich in der + Tat die Notwendigkeit herausgestellt hatte, an diesem Orte einen Kreuzungspunkt + zu errichten, und die Station führte, da sie doch benannt werden mußte, den + Namen „Waltersburg-Neustadt“. </p> + <p> Die Waltersburger lachten. Sie hatten jetzt eine Eisenbahnstation, aber diese + Station konnte ihnen nichts anhaben. Später hat ein Dichter in der „Neustädter + Umschau“ ein Poem veröffentlicht, in dem es hieß: </p> + <lg rend="margin-left:2"> + <l rend="gesperrt">„Die Waltersburger, die sind gar pfiffige Leut,</l> + <l rend="gesperrt">Sie sind nicht nur pfiffig, sie sind grundgescheut,</l> + <l rend="gesperrt">Sie haben eine Bahn, die woanders ’rum geht,</l> + <l rend="gesperrt">Sie ham einen Geldschrank, der im Nachbarhaus steht;</l> + <l rend="gesperrt">Sie füttern der Hasen und Rehe wohl viel,</l> + <l rend="gesperrt">Doch treiben sie alle dem Nachbar vors Ziel;</l> + <l rend="gesperrt">Sie sperr’n ihren Fluß, daß kein Fisch hineinschwimmt</l> + <l rend="gesperrt">Und zuviel von dem sehr guten Wasser wegnimmt;</l> + <l rend="gesperrt">Und wär’ mal ein Mäderle gerne geküßt,</l> + <l rend="gesperrt">Da wartet’s, bis auswärts ein Kirmestanz ist.“</l> + </lg> + <pb n="19"/><anchor id="Pg019"/> + <p> Für dieses Gedicht hat sein Verfasser von den Neustädtern viel Lob und von den + Waltersburgern gelegentlich recht ordentliche Prügel geerntet. </p> + <p> Neustadt verdankte seine Gründung einem trutzigen Bürger von Waltersburg, dem + Baumeister August Bunkert, der als einziger in der ganzen Stadt Waltersburg Tag + und Nacht geredet hatte, die so günstige Gelegenheit, einen großen Bahnhof an + die Stadt zu bekommen, nicht zu verpassen. Als er mit seinen Ideen nicht + durchdrang, im Gegenteil viel Anfeindung erfuhr, die bis zu persönlichen + Feindschaften ausartete, und sich insonderheit mit seinem einzigen Bruder, + Wilhelm Bunkert, der jetzt Bürgermeister von Waltersburg ist und damals zu der + Berliner Deputation gehörte, in bitterem Hader entzweite, zog der Baurat aus dem + Hause seiner Väter aus und baute jenseits des Berges dicht neben den neuen + Bahnhof ein großes Hotel, dem er den Namen „Zur guten Hoffnung“ gab. Die „gute + Hoffnung“ erwies sich zunächst als schlecht; denn da das Hotel auf bloßem Felde + stand, alle Eisenbahnpassagiere aber fanden, daß sie in der menschenleeren Wald- + und Wiesengegend nichts zu suchen hätten und darum immer schleunigst + weiterfuhren, stand das Hotel Jahr und Tag leer, die wenigen Bahnbeamten + abgerechnet, die am Abend ihr Schöpplein tranken, und an August Bunkert kroch + langsam die Pleite heran. Die Waltersburger meinten, daß der neuerungssüchtige + Trotzkopf dieses Schicksal wohl verdient habe, aber zu ihrer Ehre muß gesagt + werden, daß Bunkert vielen leid tat und daß man dem verlorenen <pb n="20"/><anchor id="Pg020"/>Sohne gern verziehen und ihm auf die eine oder andere Art wieder auf die Beine + geholfen hätte, wenn es dem Ausreißer nur eingefallen wäre, zurückzukommen, + seinen Irrtum einzugestehen und die vorsichtige Art der Waltersburger zu loben, + die er ehedem so heftig angegriffen hatte. August Bunkert aber dachte nicht + daran, den Reuigen zu spielen, und auf einen Brief seines bürgermeisterlichen + Bruders, worin dieser fragte, ob er denn auch den Rest seines schönen + väterlichen Erbes noch vollends verschleudern wolle, gab er keine Antwort. Da + wurde er seinem Schicksal überlassen. Dieses Schicksal gestaltete sich günstig. + Die große Bahnhofswirtschaft, die August Bunkert übertragen wurde, hielt ihn + zunächst über Wasser, und endlich gelang ihm der große Schlag. Er brachte eine + Gesellschaft von bedeutenden Geldleuten der Großstadt zusammen und kaufte als + deren Funktionär oder Generaldirektor, wie er sich lieber nannte, alles + Waltersburger Gelände auf, das jenseits des Weihnachtsberges gelegen war. Die + Waltersburger schlugen die Hände über den Köpfen zusammen. Hundert Taler über + den ortsüblichen Preis hinaus gab Bunkert für jeden Morgen Feld-, Wald- oder + Wiesenland, und die Besitzer beeilten sich, ihre entlegenen Ländereien unter so + glänzenden Bedingungen loszuwerden. Innerhalb von eineinhalb Jahren besaß kein + Waltersburger mehr jenseits des Berges auch nur einen Halm. </p> + <p> Die ganz Gewissenhaften aber schüttelten die Köpfe und sagten: Dieser Bunkert + lockt seinen Auftraggebern das Geld aus der Tasche; er ist ein Hochstapler, und + <pb n="21"/><anchor id="Pg021"/>man sollte doch sehr überlegen, ob man den unangebrachten + Preis annehmen dürfe, den die neuen Besitzer aus dem Wald- und Wiesenland nie + und nimmer herauswirtschaften könnten. Doch auch diese ganz Gewissenhaften + beruhigten sich und nahmen das Geld. </p> + <p> O du großmächtige Verwundernis! In dem prachtvollen Hochwald, den August Bunkert + erworben, an den grünen Wiesen, am Flußufer, den Weihnachtsberg hinauf, entstand + ein schmuckes Landhaus nach dem anderen, Einfamilienhäuser, Sommerwohnungen, + Baderäume, ein Kurhaus, eine „Wandelhalle“ bauten sich auf, ein Basar für + Lebensmittel, ein anderer für „Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstände“ wurde + errichtet, Hunderte und aber Hunderte von Arbeitern waren das ganze Jahr + beschäftigt. Und alle Häuser baute der Baumeister August Bunkert und wurde ein + schwerreicher Mann. </p> + <p> Noch staunten die Waltersburger, noch lachten einige spöttisch und verächtlich, + aber manch einer schwieg schon nachdenklich und dachte bei sich: Was tut sich? + Da erschien in den großen hauptstädtischen Blättern ein Inserat: + „Waltersburg-Neustadt, entzückend am Südabhange des 450 Meter hohen + Weihnachtsberges gelegen, mitten in prachtvollem Hochwald, in grünes Wiesen- und + Flußland gebettet, ein Paradies der Gesundheit und des Naturgenusses, bei + vorläufig nur fünf Mark pro Quadratmeter Bauland (Anzahlung von 3000 Mark an) + für alle, die sich ein Eigenheim gründen wollen, eine nie wiederkehrende + Gelegenheit. Nur fünfviertel Stunden von der Hauptstadt entfernt. Großer <pb + n="22"/><anchor id="Pg022"/>Eisenbahnknotenpunkt. Haltestelle aller Schnellzüge. Täglich + zwölfmal Verbindung mit der Hauptstadt. Anfragen an Generaldirektor Baumeister + August Bunkert in Neustadt erbeten.“ </p> + <p> Die Proklamation des Deutschen Reiches kann seinerzeit in Berlin keinen so + großen Eindruck gemacht haben wie dieses Inserat in Waltersburg. Die Leute + lachten, wimmerten, fuchtelten mit den Armen und waren voll neidischer + Beklommenheit. Am Abend saß ein ganzer Stammtisch im „Goldenen Löwen“ mit der + Kreide vor der Schiefertafel und wollte ausrechnen, wieviel ein Morgen Land + koste, wenn das Quadratmeter auf fünf Mark komme. Niemand kriegte es heraus, und + alle schimpften auf die neumodische Rechnungsart. Selbst den Amtsrichter Knopf + verließ seine akademische Bildung; er knurrte, er habe ja nicht Mathematik + studiert, und solche Aufgaben könne überhaupt immer nur ein Volksschullehrer + herauskriegen. Also schickte man nach dem Lehrer Herder, und der erklärte: </p> + <p> „Ein Morgen altes Maß ist ungefähr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat 10 000 + Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter groß. Kostet ein + Quadratmeter fünf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel, also 12 500 Mark.“ </p> + <p> Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Männer, die noch + mit am Tische saßen, heftig mit den Fäusten auf den Tisch, und zwar alle wie auf + Kommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er müsse sich täuschen. Der + aber saß mit der Würde <pb n="23"/><anchor id="Pg023"/>eines Mannes, der von der Unverletzlichkeit + und Beweiskraft der Zahl überzeugt ist. Sein ganzes Wesen sagte: meine Rechnung + stimmt. </p> + <p> Da wurde zunächst eine große Stille. Dann sagte einer: „Wenn das wahr ist, sind + die Kerle große Gauner; 1000 Mark haben sie für den Morgen gegeben, 12 000 Mark + verlangen sie.“ </p> + <p> Schweigen. Nach fünf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten Ziffern + auf und sagte: </p> + <p> „Sie arbeiten mit elf Prozent.“ </p> + <p> „Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu“, bemerkte der Erbscholtiseibesitzer + Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter. </p> + <p> Der schüttelte den Kopf, was in diesem Falle „ja“ und „nein“ heißen konnte. Da + ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte: </p> + <p> „Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 Mark + verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent Gewinn.“ </p> + <p> Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Bäckermeister Schiebulke, der gerade + trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Grübeln. Seine Seele + wanderte zurück bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er: </p> + <p> „Ja, natürlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent.“ </p> + <p> Da hoben sich die Fäuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese Überraschung + war zu groß und schwer; die Hände sanken still herab ... </p> + <pb n="24"/><anchor id="Pg024"/> + <p> Was die allergrößte Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg zum + großen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, war auf dem + besten Wege, ein aufblühender Badeort zu werden. Zwei „Quellen“ waren entdeckt + worden, von denen die eine „Kaisersprudel“, die andere „Felsensprudel“ hieß, und + die beide nach dem Gutachten eines sachverständigen Professors aus der + Hauptstadt „hervorragend radioaktiv“ waren. Die Neustädter feierten Siegesfeste, + während die Waltersburger vier Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort + „radioaktiv“ richtig aussprechen konnten, und natürlich auch dann noch nicht + wußten, was das sei. </p> + <p> Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung auch + viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger heimlich je + drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im „Löwen“ statt der + sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe abgehalten. Der Pfropfen der + ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die Decke. </p> + <p> „Wie – wie bei Champagner“, stammelte Herr Hirsemann. </p> + <p> „Blödsinn“, knurrte der Amtsgerichtsrat; „das is Kohlensäure; die is dem Wasser + eingepumpt; alles künstlich, nichts natürlich; ich kenn doch die Wasserpfützen + drüben – Betrug is es, glatter Betrug!“ So wartete man, bis sich die + Kohlensäure verflüchtet hatte, dann trank der Bäcker und sagte: </p> + <p> „’s schmeckt ’n bissel salzig.“ </p> + <pb n="25"/><anchor id="Pg025"/> + <p> „Weil Sie heut abend wieder Salzhering gegessen haben“, grollte der Richter. </p> + <p> „Salzig kann man nicht sagen“, meinte der Getreidekaufmann Schneider, „sondern + so mehr säuerlich!“ </p> + <p> „Ja, weil Sie von gestern noch ’ne saure Schnauze haben“, zürnte Herr Knopf. </p> + <p> Unter solchen Umständen hätte der Löwenwirt, der auch mit probierte, mit seiner + Äußerung, das Wasser scheine ihm aber stark nach Schwefel zu schmecken, + zurückhalten sollen; denn der schlecht gelaunte Richter fuhr ihn an: „Mensch, + wenn Sie tagaus, tagein nischt anderes rauchen als Ihre eigenen Zigarren, muß + Ihnen natürlich alles nach Schwefel schmecken.“ Darauf einigte man sich endlich: + dieses Wasser schmecke wie jedes andere gewöhnliche Brunnenwasser und sei keinen + Pfifferling wert. </p> + <p> Ganz kurze Zeit darauf gab es in Waltersburg eine neue Aufregung. Die Neustädter + hatten sich für ihr Bad einen Propagandachef engagiert. </p> + <p> „Propagandachef!“ – Dieses Wort war in Waltersburg seit Erschaffung der Welt + noch nicht einmal ausgesprochen worden. Die Neustädter aber wußten nicht bloß, + daß es so etwas gäbe, sie engagierten es sogar. Und der Propagandachef war ein + Jude. Als das bekannt wurde, sagte der Bäcker abends im „Löwen“: </p> + <p> „Die Kerle in Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefühl.“ </p> + <p> Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsächlich deswegen, weil er immer + widersprach: </p> + <pb n="26"/><anchor id="Pg026"/> + <p> „Jude hin, Jude her! Es is ’n alter Witz, daß in den ganzen Antisemitismus nich + eher ’n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst machen. + Wenn die Neustädter ihre faule Sache deichseln wollen, mußten sie ’n Juden + nehmen, ’n Christ ist viel zu dämlich dazu.“ </p> + <p> Der Bäcker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden, verließ + er das Lokal. </p> + <p> Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt. Es war + ein entzückend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit reizenden + bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen pries Neustadt in so + berückender Form, daß eigentlich jeder Mensch zu bemitleiden war, der nicht + augenblicklich seine Koffer packte und nach Neustadt abreiste ... </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Die feindlichen Städte! Vielleicht, daß mir der lustige Hader die Zeit verkürzt. + Von Zeit zu Zeit will ich etwas von ihm im Tagebuch vermerken ... Joachim hat an + die Mutter ein Telegramm gerichtet. „Ich kann nicht mehr schweigen; ich grüße + dich und Fritz. Aber schreibt mir keine Briefe, telegraphiert nur, ob ihr gesund + seid.“ </p> + <p> Mit diesem Telegramm saß die Mutter am Tisch, als ich heute abend nach Hause + kam. Sie sprach nicht, sondern übergab mir nur wortlos die Depesche; aber sie + sah mich stolz und verklärt an, als wollte sie sagen: „Sieh, solch einen guten + Sohn habe ich!“ „Ich <anchor id="corr026"/><corr sic="freue freue">freue</corr> mich über Joachim“, + sagte ich und ließ sie allein. + <pb n="27"/><anchor id="Pg027"/>Von meinem Zimmer sah ich nach dem Johannisbrunnen hinunter, dessen Wasser + einförmig rann. </p> + <p> Die Seele des fernen Bruders war immer noch krank. Er vertrug keine Nachricht + aus der Heimat. Heimat war ihm in Hölle gewandeltes Paradies. Es gab einmal ein + Weib, das er mehr liebte als alles, die Mutter mit einbegriffen; es war einmal + ein Freund, der ihm näher stand als der Bruder, und es war eine schöne Stadt, + die ihm lieber war als der Geburtsort; das war Heidelberg. </p> + <p> In Heidelberg hat ihn die Frau mit dem Freunde betrogen. </p> + <p> Darüber kommt nun der Mann, der zwischen Rio und Montevideo hin und her fährt, + nicht mehr hinweg. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="28"/><anchor id="Pg028"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Das Modebad</head> + <p> Dieser 5. April war ein sehr merkwürdiger Tag. Ich war drüben in Neustadt und + besah mir den neuen Badeort; denn ich war mir immer noch nicht ganz im klaren, + ob ich Badearzt in Neustadt werden oder lieber die Praxis des alten Sanitätsrats + in Waltersburg übernehmen solle. Der Alte will sich zur Ruhe setzen. Um die + Wahrheit zu sagen, er sitzt eigentlich schon sein ganzes Leben lang zur Ruhe. + Den Waltersburgern fällt es niemals ein, krank zu werden. Der alte Pfarrer hier, + der etwas derber Art ist, sagt: „Wenn einer nicht gerade unverschuldet + verunglückt, ist es eine Schweinerei, krank zu werden. Denn wenn einer + vernünftig lebt, wird er eben nicht krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus + kommt, der nicht was ausfrißt.“ So erschien dem Pfarrer der Sanitätsrat immer + höchst überflüssig, wie andererseits dem Sanitätsrat, der ein Freigeist ist, der + Pfarrer überflüssig erscheint. Persönlich aber vertragen sie sich recht gut, + spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen gegenseitigen + Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der Amtsrichter, den + Pfarrer und Sanitätsrat beide für überflüssig halten; denn außer dem Schneider + Hampel wird <pb n="29"/><anchor id="Pg029"/>in Waltersburg niemals jemand eingesperrt, und bei + Hampel kommen in mageren Jahren auch höchstens drei Wochen heraus. Der + Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem „Grüßfuß“, und der + Sanitätsrat behauptet, daß der Richter seinem einzigen „Kunden“ immer zu Neujahr + gratuliere. Es ist also für einen, der keine Sinekure sucht, nicht verlockend, + Arzt oder Richter in Waltersburg zu werden. Im Herzen wäre es mir aber immer + noch lieber, mich in Waltersburg niederzulassen, als nach Neustadt zu gehen, + dessen Wunderquellen ich nicht traue, und mich also dort gewissermaßen + mitschuldig zu machen, den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. </p> + <p> Heute war ich drüben in Neustadt. Während der fünf Jahre meiner Abwesenheit ist + der Ort um das Doppelte gewachsen. Er ist mit amerikanischer Rapidität + emporgeschossen. Ich sah die Marmortempel über den „Sprudeln“, die „Promenade“ + mit ihren unendlich gepflegten, unendlich bunten und unendlich langweiligen + Blumenanlagen, die Kapelle, die das „Polnische Lied“, den „Einzug der Gäste in + die Wartburg“, das „Frühlingslied“ von Mendelssohn, den neuesten Wiener Walzer + und ein unendlich albernes Potpourri spielte, das von allen Darbietungen dem + Publikum am besten zu gefallen schien, sah auch, wie der erste Geiger und der + Flötist an der Rampe des „Musikpavillons“ wie überall mit den vorbeiflanierenden + Mägdelein liebäugelten; ich sah auf den Estraden leerer Restaurants Kellner + lauern, die wie Bräutigame gekleidet waren oder wie Leichenbitter, fünf<pb + n="030"/>unddreißig Gerichte auf ihrer Speisekarte, von denen sicherlich + nicht eines halb so gut schmeckte wie das, was Mutters alte Köchin bereitet; ich + sah eine „Wandelhalle“ mit Schauläden, in denen die schönen und ach so + „preiswerten“ Broschen prangen, die man den Dienstmädchen als „Mitbringe“ + schenkt und deren Goldglanz mindestens anhält, bis das Mädchen am nächsten + Quartal abzieht, sah schreiend bunte Gläser mit der Aufschrift „Zum Andenken“ + oder „<hi rend="antiqua">Souvenir de Neustadt</hi>“, Holzarbeiten, vom + geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei Bären auf einem Amboß + pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele Kunstgegenstände, bis ich zum + Theater gelangte, wo ein Zettel verkündete, daß ein vielversprechender Dichter + (alle vielversprechenden Dichter debütieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk + „Geheimnisse von Neustadt“ zur Aufführung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu + deutsch: Georg Schuster), der vielbeliebte erste Liebhaber der Bühne, die + Hauptrolle kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging + ich in ein Café und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie + mir das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der schon + immerfort nervös hin und her zappelte, knurrte den Kellner an, wie lange er zum + Donnerwetter noch auf die telephonische Verbindung mit Breslau warten solle; ein + Herr an einem anderen Tisch erzählte mit unerträglicher Weitschweifigkeit seinem + Nachbar alle Erscheinungen seiner Krankheit, wofür sich dieser so interessierte, + daß er während der Zeit des Zuhörens das ganze <pb n="31"/><anchor id="Pg031"/>Mittagsblatt + durchschmökerte; drüben an der Wand stritten zwei rote Köpfe laut über + Nietzsche; eine vorübergehende Mutter machte ihrer bleichsüchtigen Tochter + Vorwürfe, daß sie ihren Brunnen statt um fünf erst um fünfeinhalb Uhr getrunken + habe, was natürlich furchtbar schaden könne; Gents und noch viel mehr + Pseudogents tänzelten vorüber, und in der Kapelle drüben blies der Waldhornist + zum Herz- und Steinerweichen: „Das Meer erglänzte weit hinaus im lichten + Abendscheine“. </p> + <p> „Auch Sie, Fräulein Trude“, hörte ich einen vorbeiwandelnden Primaner zu seiner + sechzehnjährigen Begleiterin sagen, „haben mein Herz vergiftet, zwar nicht durch + Ihre Tränen, wohl aber durch Ihr Lachen.“ </p> + <p> „Aber Herr Lempert“, sagte sie, und sie waren vorbei ... Ich bekam Heimweh nach + Waltersburg und ging. Draußen auf den Promenadengängen das gewohnte Publikum; + die galizische Jüdin mit etwas schmierigen Spitzen am Halsausschnitt und den + großen Brillanten in den Ohren; der Herr in dem hocheleganten weißen + Flanellanzug, der 23 Mark gekostet hat; der „Künstler“, dessen Kraft wie bei + Samson in der Fülle der Locken sitzt und der sich vor dem Spiegel die + wirkungsvollen Gerhart Hauptmannschen Mundwinkel eingeübt hat; das knurrende + Eheoberhaupt, das wo anders hinstrebt, weil man auf dem Kurplatz nicht rauchen + darf (warum, weiß weder er noch sonst jemand; denn der Platz ist weit, und der + Himmel ist hoch); die flirtende Strohwitwe; der melancholisch und langsam + schreitende Einsame, der keinen Anschluß findet; das laute Mädchen, das immer + zehn <pb n="32"/><anchor id="Pg032"/>Verehrer um sich hat und nie einen Mann kriegt; die + Geschäftsfreunde, die auch hier über ihre Alltagssorgen nicht hinauskommen; + fachsimpelnde Oberlehrer und lebenslustige Backfische, dazwischen die + „Patienten“, die gewissenhaft aus geschliffenen Gläsern das Neustädter + Wunderwasser schlürfen, als könnte es in vier Wochen gutmachen, was in vielen, + vielen Jahren krank ward. </p> + <p> Ich war im klaren: Ich wollte nicht Badearzt werden. So wollte ich nach Hause + und wählte als Heimweg den Pfad über den Weihnachtsberg, der als Grenzscheide + zwischen Waltersburg und Neustadt liegt. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="33"/><anchor id="Pg033"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Auf dem Weihnachtsberg</head> + <p> Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwürdiges Gasthaus. Es sieht aus wie eine + Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbrücke, Butzenscheiben + und was so dazu gehört. Das echteste von dem ganzen romantischen Nest war der + Wirt, der Eberhard hieß, weil er einen langen Bart hatte, oder der sich einen + langen Bart hatte wachsen lassen, weil er Eberhard hieß. Die Waltersburger + besuchten ihn an allen regenfreien Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner + luftigen Höhe so gute Tage, daß ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard + war für die Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend + lugten sie ängstlich, sehnsüchtig und neugierig nach dem Gipfel des + Weihnachtsberges hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren + Duftschleier um den Gipfel hüllte, flammte da oben ein mächtiges Bergfeuer zum + Himmel, und eine Trompete blies langsam und feierlich herab ins Tal: „Vom Himmel + hoch, da komm ich her.“ </p> + <p> „Er kommt, er kommt!“ stießen da die Kinder heraus, und die kleinsten zitterten + in seliger Angst. Vom Berge herab aber kam mit silbernem Geläut der Knecht <pb + n="34"/><anchor id="Pg034"/>Ruprecht gefahren. Er thronte auf einem mit Tannenreis prachtvoll + verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die wurden von seinen + Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und Paketchen beladen. Vom + Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die reichen wie die armen, die großen + wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und Großmütter standen hinter ihnen, und + wenn der Knecht Ruprecht ankam, winkten die Kinder mit den Händen, die Väter + nahmen die Mützen ab, und die Tanten und Großmütter machten tiefe, ehrfürchtige + Knickse. Der Knecht Ruprecht aber saß da auf seinem tannenbekränzten Thron wie + ein König und nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten + Hand und winkte mit der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und + Reichen, an die Gerechten und Ungerechten. </p> + <p> Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die Fackelträger, + die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans Tor. Mit lustigem + Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg hinauf, und die Leute kehrten + heim, alle im Herzen froh und reich. </p> + <p> Das war der Weihnachtsberg bis vor acht Jahren. Da kamen die Neustädter und + kauften Herrn Eberhard, der damals gerade ein wenig in Sorgen war, sein Gasthaus + für einen guten Preis ab. Die Neustädter machten aus der alten edlen + Burgherberge ein „Etablissement mit Burgruine, Aussichtsturm und im übrigem + allem Komfort“. Es wurden hölzerne Veranden mit großen Fen<pb n="35"/><anchor id="Pg035"/>stern an + das alte Mauerwerk geklebt, der ganze schablonenhafte öde Hotelbetrieb + eingerichtet, und die Badezeitung faselte vom Fortschritt der modernen Zeit. </p> + <p> Daß schweres, reines Altgold in dünnes Flitterblech gewalzt wurde, empfanden am + meisten die Waltersburger Kinder, die am Weihnachtsabend vergebens ausspähten + nach dem leuchtenden Höhenfeuer und der süßen, verheißungsvollen Melodie: „Vom + Himmel hoch, da komm ich her.“ </p> + <p> In Gedanken an alte, schöne Zeit stieg ich den Weihnachtsberg hinauf. So + sentimental war ich aber nicht, um dem neuen „Etablissement“ auszuweichen; dazu + war ich denn doch zu weit in der Welt herumgekommen und hatte zu viel Schifflein + scheitern sehen, um so eine Unglücksstelle feig zu umsegeln. Ich kehrte in dem + „Etablissement“ ein. In der großen Glasveranda waren drei Kellner und ein Gast + anwesend. </p> + <p> Dieser einzige Gast saß am Fenster und guckte nicht auf, als ich zur Tür + hereintrat. Daraus erkannte ich, daß er kein Deutscher war. Im übrigen genügte + mir ein Blick zu meiner Orientierung. Ich erkenne den Nordamerikaner so leicht + unter allen Nationen heraus wie den Star unter den bunten Finken. </p> + <p> Soll ich hier das Bild wiederholen, das deutsche Karikaturisten malen, wenn es + gilt, einen „Uncle Sam“ zu zeichnen? Das kurzgeschorene Haar, den + glattrasierten, rasiermesserdünnen Mund, die etwas schlottrige Figur mit den + langen Beinen und fuchtelnden mageren Armen, die Stummelpfeife, den karierten + Anzug und diesen an<pb n="36"/><anchor id="Pg036"/>deren Kram? Nein! Ich ging zweimal durch die + Stube, stellte fest, daß achtzehn Tische unbesetzt und einer besetzt war, und + setzte mich dann an den besetzten, dem Gaste gegenüber, ohne ihn zu grüßen. Der + andere blickte auch jetzt nicht auf. Er sah gelangweilt ins Tal. Ich beachtete + ihn auch nicht. </p> + <p> Der Kellner kam, und ich machte meine Bestellung. Darauf war es ganz still. </p> + <p> Endlich blickte der Mann mir gegenüber auf und sagte, indem er nach Neustadt + hinunterwies: </p> + <p> „Das ist ein sehr albernes Nest da unten!“ </p> + <p> Er sprach englisch; aber ich entgegnete deutsch: </p> + <p> „So kann man schon sagen. Es gefällt mir auch nicht.“ </p> + <p> „Aber bei uns in Amerika werden Sie auch dumme Badeorte gefunden haben.“ </p> + <p> „Woraus schließen Sie, daß ich in Amerika war?“ </p> + <p> „Ich denke es mir.“ </p> + <p> „So, so!“ </p> + <p> Darauf schwiegen wir. Erst nach einem Weilchen nahm „Uncle Sam“ das Gespräch + wieder auf: </p> + <p> „Sie halten nichts von unseren modernen Kurorten?“ </p> + <p> „‚Nichts‘ kann ich nicht sagen. Es gibt zehn gute Kurorte und neunzig unnütze. + Das sage ich.“ </p> + <p> „Und wie denken Sie sich einen ganz guten Kurort?“ </p> + <p> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p> „Ich habe mir manchmal ein Bild ausgemalt, wenn ich als Schiffsarzt die nötige + Muße zu solchen Träumen hatte.“ </p> + <pb n="37"/><anchor id="Pg037"/> + <p> „Sie sind Schiffsarzt?“ </p> + <p> „Ich war es.“ </p> + <p> Ich fand es nun angemessen, mich vorzustellen. Darauf wippte auch er ein wenig + vom Stuhle auf und sagte: </p> + <p> „Mister Stefenson. Öl und Naphtha. Neuyork, Milwaukee, St. Louis und Trinidad. + Nun, wie ist das mit Ihrem Kurort?“ </p> + <p> „Es ist gar nichts. Es ist ein Traum, eine verrückte Idee!“ </p> + <p> „Verrückte Idee ist schön. Deutschland ist ein gutes Land, aber es leidet einen + sehr großen Mangel an verrückten Ideen. Es ist zu brav, es macht zuviel nach. + Den deutschen Unternehmungen fehlt die überraschende Pointe. Der Amerikanismus + ist besser.“ </p> + <p> „Das sagen Sie so!“ </p> + <p> „Es ist so.“ </p> + <p> Ich war verstimmt und schwieg. </p> + <p> „Nun?“ fragte er ungeduldig. </p> + <p> „Mister Stefenson, wenn ich Ihnen meine Idee entwickeln wollte, würden wir viel + Zeit brauchen; am Schluß würden Sie mich doch nicht verstehen. So was liegt + Ihnen nicht.“ </p> + <p> „Wir haben Zeit, ich werde Sie verstehen, und es liegt mir“, gab er zur Antwort. </p> + <p> Da kam ich in Laune und sagte: </p> + <p> „Ich will es Ihnen in ganz kurzen Linien umreißen. Ich will mal annehmen, meine + Heilanstalt bestände schon und Mister Stefenson käme zu mir als Kurgast.“ </p> + <pb n="38"/><anchor id="Pg038"/> + <p> „Das ist gut! Das ist instruktiv!“ rief er. „Wie heißt Ihr Sanatorium?“ </p> + <p> „Ferien vom Ich.“ </p> + <p> „Wie?“ </p> + <p> „Ferien vom Ich.“ </p> + <p> „Das ist kein guter Name. Dabei kann man sich nichts denken. Das zieht nicht.“ </p> + <p> „Mister Stefenson, wenn Sie mir schon von vornherein widersprechen, werde ich + Ihnen kein Wort über meine Heilanstalt sagen. Daß Sie den Namen nicht ohne + weiteres begreifen, ist doch eben das Neue und Gute.“ </p> + <p> „<hi rend="antiqua">Well</hi>; ich sage nichts mehr. Ich höre.“ </p> + <p> „Also: Irgendwo auf der Welt, sagen wir auf dem Ostabhang dieses + Weihnachtsberges bei Waltersburg, liegt die Heilanstalt ‚Ferien vom Ich‘. Auch + Mister Stefenson, der schon in vielen Kuranstalten und nie ganz zufrieden + gewesen war, hat von der Anstalt gehört und hauptsächlich darum, weil es etwas + Neues war, beschlossen, sie aufzusuchen. Er reist nach Waltersburg. Mister + Stefenson kommt mit sieben Koffern und zwei Dienern an.“ </p> + <p> Mein Gegenüber nickt. </p> + <p> „Stimmt. Sie sind ein Gedankenleser.“ </p> + <p> „Der Ankömmling findet in der Nähe von Waltersburg ein Gelände von Wald, Hügeln, + Gärten, ganz von einer hohen Mauer umschlossen, über die kein Mensch hinwegsehen + kann. Er merkt gleich: ah, an dieser Mauer ist die Welt alle, hier ist eine Welt + für sich. Die Mauer hat nur ein einziges Tor. ‚Ferien vom Ich‘ steht dar<pb + n="39"/><anchor id="Pg039"/>über. Mister Stefenson, der mit drei Wagen ankommt, zieht die + Schelle an der Pforte. Eine tiefe Glocke schlägt einmal an. Da kommt von drinnen + her ein Diener, der öffnet das Tor. Er ist nicht in der weltüblichen Tracht, er + trägt Pluderhosen, Sandalen an den Füßen, eine weite, am Hals ausgeschnittene + Bluse und ist barhäuptig. Vor Stefenson macht er keine Verneigung, sondern sagt: + ‚Lieber Freund, Sie sind wohl wenig unterrichtet, sonst kämen Sie nicht mit + solch unnötigem Kram hier an. Seien Sie so gut, lassen Sie Ihre Diener und Ihr + Gepäck unten in Waltersburg oder sonstwo auf der Welt Unterkunft suchen und + kommen Sie ganz allein, wie Sie hier stehen, mit mir.‘ </p> + <p> Mister Stefenson ärgert sich nicht wenig über diese Ansprache des dienstbaren + Geistes, aber er will hinter den ‚Trick‘ kommen, deshalb winkt er seinem Gefolge + ab und geht in das große Ferienheim des Lebens. Die Pforte fällt hinter ihm zu. + Sein Begleiter führt ihn eine Lindenallee bergan. Rechts und links sind Wiesen + und einige bebaute Ackerstücke. Am Ende der Allee steht ein von Efeu umsponnenes + Haus, so klein wie eine Einsiedlerhütte. Das Häuschen hat nur ein einziges + Zimmer, aber das ist bequem hergerichtet, hat ein gutes Bett, einen + Schreibtisch, schlichte, aber geschmackvolle Möbel und gute Bilder an den + Wänden. In dieses Zimmer führt der Torwart den Mister Stefenson und sagt: ‚Hier + bleiben Sie, lieber Freund, zwei Tage und zwei Nächte. Lesen Sie die wenigen + Blätter, die auf dem Schreibtisch liegen, gut durch und schreiben Sie Ihre <pb + n="40"/><anchor id="Pg040"/>eigene Lebens- und Leidensgeschichte auf, schreiben Sie auf, was + Ihnen an sich selbst nicht gefällt und warum Sie hierhergekommen sind. Nach zwei + Tagen wird der Arzt zu Ihnen kommen, wird lesen, was Sie geschrieben haben, und + wird den ganzen guten Mannes- und Freundeswillen haben, Ihnen zu dienen und zu + helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden Sie + sich mit den Blättern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab, können Sie + nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so hängt hier am Nagel + an der Tür ein Schlüssel, der die Pforte unten an der Allee aufsperrt. Lassen + Sie den Schlüssel von innen stecken und schlagen Sie die Pforte von außen zu. Zu + bezahlen haben Sie für das, was Sie inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, + daß Sie einmal dagewesen sind.‘ </p> + <p> So sagt der Torwart, und dann läßt er den verwunderten Herrn Stefenson allein. </p> + <p> Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen. Ich kann + hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blätter aufsagen, sondern nur einige wenige + Sätze hervorheben. ‚Betrachte dein Leben mit allem, was es gebracht hat: + Arbeiten, Erholungen, Genüssen, Sünden, als eine Anstrengung, die dich müde + gemacht hat und deine Kräfte zermürben wird. Mache dich los von diesen + Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Löse dich zunächst los von dem Götzen, + dem du alle Tage opferst, von deinem von dir so zärtlich geliebten Ich. + Entkleide diesen Götzen allen Tandes, den du ihm mit großen Entbehrungen + verschafft hast, seines wohlklingenden Na<pb n="41"/><anchor id="Pg041"/>mens, seiner Genußsucht, + seiner Herrschsucht über Geld und andere Machtmittel.‘“ </p> + <p> Hier unterbrach mich mein Zuhörer. </p> + <p> „Bitte, sagen Sie das nicht mit so phrasenhaften, abstrakten Worten; sagen Sie + es einfacher und instruktiver!“ </p> + <p> „Schön! Nehmen wir also an, daß jener Herr Stefenson die zwei Tage und zwei + Nächte in dem Einsiedlerhäuslein ausgehalten hat, ohne fortzulaufen. Nach zwei + Tagen kommt der Arzt. Herr Stefenson wird ihm entgegenrennen und ohne jede + Einleitung sagen: ‚Ich habe Ihre Blätter gelesen und muß Ihnen sagen, Herr + Doktor, daß mir die Sache zum Teil sehr abenteuerlich, zum Teil sehr langweilig + vorkommt. Warum soll ich zum Beispiel hier in dem Ferienheim nicht mehr + Stefenson heißen, sondern einen anderen Namen haben?‘ </p> + <p> ‚Setzen Sie sich‘, wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die Bank + neben der Haustür drücken. </p> + <p> ‚Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.‘ </p> + <p> Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr Stefenson in + den Tagen einsamer Einkehr in sich selbst über sein Leben niedergeschrieben hat. + ‚Ich werde die Blätter mitnehmen‘, sagt der Doktor, ‚und sie zu Haus noch einmal + lesen, dann bekommen Sie Ihr Manuskript zurück und können es selbst vernichten.‘ + ‚Das ist so ähnlich wie bei Lahmann‘, sagt Stefenson. ‚Ja‘, nickte der Doktor, + ‚ich habe vieles von Lahmann, der wieder vieles von Prießnitz und anderen hat. + Wenn <pb n="42"/><anchor id="Pg042"/>einer hochkommen will, muß er immer auf die Schultern anderer + steigen.‘ </p> + <p> Der Arzt unterhält sich nun lange mit Mister Stefenson und erklärt ihm auch, + warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. ‚Sie sind hier + nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der – sagen wir – John + heißt; dieser John hat mit Herrn Stefenson gar nichts zu tun. Herr Stefenson ist + irgendwo in Neuyork, Milwaukee oder auf Trinidad, zermartert sich dort sein Hirn + um neue Gewinne, wird gelobhudelt, befeindet, belogen, betrogen – arbeitet und + amüsiert sich halb zu Tode, hat mancherlei Schwächen, die sein Leben und vor + allen Dingen seine Freude am Leben verkürzen, kurz, ist trotz seiner Millionen + ein armer, gehetzter Mensch, während dieser John hier keinen liebedienernden + Troß, keinen vorteilssüchtigen Freund, aber auch keinen Feind hat, froh und + sicher unter seinesgleichen lebt und, wenn er mit einem Genossen im Garten + arbeitet, nicht weiß, ob dieser Mann draußen in der Welt ein Fürst oder Minister + oder ein kleiner Beamter ist. Sehen Sie, John, das ist ein ganz köstlicher + Humor, den wir hier betreiben. Wenn die Leute ihren Namen abgelegt haben und + auch alle die gleiche Tracht haben, kennt man den Großen vom Kleinen nicht mehr + heraus. Der Geist verrät sie nicht. Daß der Patient während der Dauer der Kur + seinen Namen ablegt, ist für den Erfolg für uns eine große Hauptsache. Der Name + ist meist die stärkste Kette, die mit der Last und Lust des Alltags verbindet, + sie muß in Ferientagen gelöst werden. Und <pb n="43"/><anchor id="Pg043"/>wäre der Name auch ein + Schmuck, wie ja der Name eines guten Kaufmanns gewiß ein kostbarer, schwer + erworbener Schmuck ist – wer richtig ruhen will, legt allen Schmuck ab. Weniger + wichtig ist das Ablegen der gewohnten Tracht, aber doch wichtig genug, bei uns + zur Bedingung gemacht zu werden. Und für uns hat es noch das eine Gute: Es hält + uns alle albernen Pfauen des Lebens vom Halse, vor allen Dingen eitles + Weibervolk; wer zu uns kommt und bei uns bleibt, der meint es ernst mit sich + selbst. Im übrigen hoffe ich, daß Ihnen unsere bequeme, gesunde Tracht gefallen + wird; auch unsere Damen sind sehr zufrieden mit ihr. </p> + <p> Wovon Sie weiterhin erlöst werden müssen, ist das Geld. Sie haben während Ihres + ganzen hiesigen Aufenthalts mit Geld nichts zu tun. Was Sie bei sich tragen, + geben Sie an der Kasse ab, es wird Ihnen verwahrt und verzinst bis zu Ihrem + Austritt, abzüglich des Betrages für Ihren Kuraufenthalt. John, der Feriengast, + besitzt nicht einen Pfennig. Er braucht auch keinen Pfennig, und er ist schon + nach kurzer Zeit glücklich, nicht den ganzen Tag über sich Hände + entgegenstrecken zu sehen, auf die er Geld legen soll, wie es Herrn <anchor id="corr043"/><corr sic="Stefensohn">Stefenson</corr> + geschieht, bei dem die Bewegung nach der Brieftasche schon automatisch geworden + ist. John hat nur eine Tasche fürs Taschentuch – Geld hat er nicht, Schlüssel, + Messer, Taschentoilette, Füllfederhalter, Notizbuch, Brieftasche, + Taschenapotheke und aller andere Ballast wird über Bord geworfen. </p> + <p> Auch die Uhr! </p> + <pb n="44"/><anchor id="Pg044"/> + <p> Es geht John gar nichts an, wie spät es ist, es ist gänzlich ohne Interesse für + ihn, ob es dreizehn Uhr siebzehn oder vierzehn Uhr sechsundzwanzig ist, er + braucht nicht zu hetzen, sich nicht zu ängstigen, er hat Zeit, er kommt immer + zurecht. Nur die Mahlzeiten darf er nicht versäumen; aber zu ihnen ruft eine + Glocke. Oh, Mister Stefenson, Sie werden sehen, wie wohltuend das ist, wenn man + nicht am Tage sechzigmal nach der Uhr sehen muß! Die Uhr, die über dem Herzen + schlägt, schlägt schneller als das Herz, als wollte sie wie ein Schrittmacher zu + immer größerer Eile anspornen – und der Weg führt doch ans Ende des Lebens. + Warum sollen wir es so eilig haben, dorthin zu gelangen? Der Schrittmacher wird + bei uns außer Tätigkeit gesetzt. </p> + <p> Da nun John mit Mister Stefenson rein gar nichts zu tun hat, geht es ihn auch + rein gar nichts an, was diesen amerikanischen Großkaufmann von Weltereignissen + aufregt und interessiert. Es geht John nichts an, ob Stefensons Kurse fallen, + was in den Parlamenten gekohlt wird oder was im ‚Völkerbund‘ für Schindluder + getrieben wird, ja es geht ihn nicht einmal das mindeste an, wer Weltmeister im + Boxkampf geworden ist – kurz, John liest keine Zeitungen. Auf dem Fragebogen, + den Sie, Herr Stefenson, auszufüllen hatten, steht: ‚Wie lange lesen Sie + durchschnittlich täglich über der Zeitung, wie lange also im Jahre?‘ Sie haben + den täglichen Zeitverbrauch auf dreiviertel Stunden, den jährlichen also auf 274 + Stunden berechnet. Wenn man den Tag mit neun Arbeitsstunden annimmt, verwenden + Sie aufs Zei<pb n="45"/><anchor id="Pg045"/>tunglesen dreißig Tage, also einen ganzen Arbeitsmonat + des Jahres. Und dann kam auf dem Fragebogen die Aufforderung: ‚Schreiben Sie + kurz nieder, was Sie von Ihrer Zeitungslektüre aus dem vorigen und aus dem + vorvorigen Jahre noch wissen!‘ Was Sie vom vorigen Jahre noch wissen, steht auf + fünf kleinen Blättern, und Sie geben es ehrlich an, daß es Ihnen schwere Mühe + verursacht hat, diese fünf Blätter zu füllen. Vom vorvorigen Jahre wußten Sie + fast nichts mehr, nur ein paar ganz große Ereignisse standen noch im Gedächtnis. + Nun ist ja sicher, daß durch das Zeitunglesen viel latenter, nur im Augenblick + nicht bereiter Besitz erworben wird. Aber Sie selbst müssen sich fragen, ob + dieser Besitz die Aufwendung eines ganzen Arbeitsmonats des Jahres wert ist. Das + Zeitökonomische geht uns übrigens hier nur in zweiter Linie an. Die Hauptsache + ist uns: John darf sich nicht das Frühstück verderben lassen, weil Herr + Stefenson in ebendemselben Augenblick aus der Zeitung einen giftigen Ärger über + einen Deputierten saugen würde, der nach seiner Meinung eine idiotische Rede + gehalten hat; John betrinkt sich nicht am Abend aus Freude darüber, daß einer + Konkurrenz von Mister Stefenson die Butter vom Brote gefallen ist; John + disputiert nicht eine Stunde lang darüber, ob das Bündnis zwischen den Staaten + Soundso zustande kommen wird oder nicht; kurz: John verzichtet auf die + Peitschenhiebe des Zeitungsstils. Er sagt sich so: Für Herrn Stefenson aus + Amerika mögen die nervenanstrengenden Dinge, die täglich in der Zeitung stehen, + wichtig, ja unerläßlich sein; denn Herr Stefenson <pb n="46"/><anchor id="Pg046"/>steht in der + harten Schule des Lebens und kann sich um sein Pensum nicht drücken; aber ich – + o ich, John, ich habe Ferien, und die ganze Schule des Lebens geht mich rein gar + nichts an. </p> + <p> Es kommt noch eins hinzu – John erzieht sich. Herr Stefenson meint, ohne ihn + ginge es nicht. Auch wenn er reist, auch wenn er in einem Bad ist, behält er die + Hauptfäden seiner geschäftlichen Angelegenheiten immer in der Hand. Er läßt sich + ellenlange Berichte schicken, er liest Zeitungen, er kabelt, er regt sich auf, + freut sich, wettert und ist eigentlich auch auf Reisen immerfort zu Hause, immer + im Joch. John pfeift sich eins. John sagt: Wenn Herr Stefenson tot wäre, ginge + es auch; folglich geht es auch, wenn Herr Stefenson verreist ist. Vielleicht + geht es sogar besser, als wenn er zu Haus ist. Nur nicht zu eitel sein! Frisches + Blut tut manchmal gut, und vielleicht kann John Herrn Stefenson zu guter Letzt + an der Hand nehmen und sagen: Sei froh, daß du mal ausgeschieden warst, du hast + inzwischen glänzende Geschäfte gemacht, so wie ein Spieler meist gewinnt, wenn + er einem Vertreter auf einige Minuten seine Karten überläßt. </p> + <p> Im Ferienheim gibt es täglich einen Anschlag, auf dem in wenig Zeilen die + Hauptereignisse des Tages mitgeteilt werden. Wer daraus schließt, daß er über + einen Punkt unbedingt weitere Auskunft haben müsse, der geht in die Kanzlei, + dort liegen dreißig Zeitungen. Kann sich der Betreffende bald beruhigen, dann + ist es gut; wenn das nicht der Fall ist, verläßt er die Ferien und geht in die + <pb n="47"/><anchor id="Pg047"/>Lebensschule zurück. Bis jetzt sind nur drei Prozent unserer + Feriengäste nach der Kanzlei gekommen, um Zeitungen zu lesen; die allermeisten + lesen nicht einmal die Anschläge. Sie sind zu ernst; sie sind wie auf einem + fremden Stern; die Erdenereignisse gehen sie auf einige Zeit gar nichts an. </p> + <p> Und so wie mit den Zeitungen, ist es mit der Privatkorrespondenz. Sehen Sie sich + an, Herr Stefenson, wie es die Leute in den modernen Kurorten treiben. Eine der + allergrößten Hauptpersonen ist der Briefträger. Man kann sein Erscheinen nicht + erwarten. Vor jeder Ausgabe der Post zwanzig Minuten Nervenvibrieren, innere + Unruhe, gespannte Erwartung. Und der Erfolg? Ein paar freuen sich; aber Herrn + Mayer hat seine Frau geschrieben, daß sich der Hausmeister ruppig benommen habe, + und Herr Mayer ist auf Stunden in menschenfresserischer Laune; das Töchterchen + von Frau Ludwig ist vom Tisch gepurzelt, und die Mutter telegraphiert, man solle + gleich den Arzt befragen, was ohnehin natürlich schon geschehen ist; Baron Erwin + zieht die Stirn in Falten, weil seine Isolde nicht geschrieben hat; der + Schriftsteller Niessen kriegt ein Romanmanuskript zurück und bricht fast in + Tränen aus über die Idiotie der betreffenden Redaktion; im Herzen der blonden + Else steckt eine Ansichtskarte ihres Referendars ein verzehrendes Feuer der + Sehnsucht an; der Geheime Oberregierungsrat bekommt das Schreiben eines + ‚Freundes‘, das ihm suggeriert, seine Stellung sei erschüttert, und der Frau von + Puttbus schreibt die Schneiderin ab. – Die Ärzte können sicher rechnen, daß <pb + n="48"/><anchor id="Pg048"/>das, was sie in einer Woche aufbauen, manchmal der Briefträger in + zehn Minuten einreißen kann. </p> + <p> Und deshalb wünscht das Ferienheim sehnlichst den Briefträger zum Kuckuck, weil + er die Ferienruhe stört, weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts anderes + steckt, als ermüdende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb bitten wir + unsere Feriengäste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns lieb haben, + wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im Notfall an mich; + alles Kleine laßt weg, erzählt es mir, wenn ich heimkomme. Es wird mir dann lieb + sein; es wird sein, als ob wir uns neu gegeben wären. Bedenkt, daß mir von der + Leitung des Ferienheims, wenn ich in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, + nahegelegt werden wird, das Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich + kann nicht ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuß sitzt. </p> + <p> Das ist eine scheinbar harte Maßregel des Ferienheims, die viele gehindert hat, + zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung als + richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen großen Teil seines + Erholungsaufenthaltes an ein Postbüro binden will, soll anderswo hingehen. </p> + <p> Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite unseres Heilverfahrens, das, + was wir ausscheiden: Namen, Rang, Titel, moderne Bekleidung, das Geld, die Uhr, + die Zeitung, das unnütze Briefschreiben oder, wenn Sie es krasser sagen wollen, + Verwandtschafts- und Bekanntschaftsfesseln. </p> + <pb n="49"/><anchor id="Pg049"/> + <p> Sie merken schon, Mister John, daß ich an alte Klosterideale angeknüpft habe. + Nur, daß es sich eben nicht wie beim Kloster um die Lebenseinrichtung überhaupt, + sondern nur um eine Ferienpause des Lebens handelt, und daß wir nicht aus + religiösen, sondern aus sanitären Beweggründen handeln. Zur Seelsorge sind wir + weder befähigt noch berufen. Aber – um auch diesen wichtigen Punkt zu berühren + – wir empfehlen allen denen, die noch eine religiöse Anschauung haben, aus + reinster Menschenfreundlichkeit, auf Grund dieser Anschauung einen recht tiefen + Herzensfrieden mit ihrem Herrgott zu machen; das ist die allergrößte seelische + und darum auch die allergrößte körperliche Wohltat. Ein Arzt, der gehetzten + Menschen Erquickung bieten wollte und diesen Punkt außer acht ließe, wäre ein + Stümper. Deshalb wird all unseren Feriengästen Gelegenheit geboten sein, Gott zu + dienen, wie sie es bedürfen. Daß wir uns dabei jeder Einmischung in dieses + ureigenste Gebiet des Menschen enthalten, ist ganz selbstverständlich. </p> + <p> Die ärztliche Behandlung wird natürlich für jeden Feriengast individuell sein; + für Schwerkranke ist das Ferienheim kaum, mehr für die Müden, für die, die das + Leben in seiner Hast und Hohlheit nicht mehr freut, für die, die gern noch + einmal mit frischen Kräften von vorn anfangen möchten. </p> + <p> Für die Alkoholkranken, die Morphium- und Opiumsüchtigen hat man jetzt draußen + Entziehungskuren, die großen Segen bewirken; wir wollen hier allen denen + Entziehungskuren gewähren, die auf irgendeine Weise vom <pb n="50"/><anchor id="Pg050"/>Leben + vergiftet sind. Ganz generell werden alle erlöst von allem Eitlen und Hohlen + ihres bisherigen Daseins, von der drückenden Last öffentlichen und privaten + Lebens, von unnützen Bedürfnissen; individuell sollen sie erlöst werden von + ihren Krankheiten, Lebenssünden und Lebensschwächen, von unfruchtbarer Sorge, + Angst und Reue, sollen Kraft im Frieden und die kostbare Fähigkeit zur Freude + wiedergewinnen. </p> + <p> Wir scheiden aus dem Ferienheim die üblichen Vergnügungen aus. Sie finden bei + uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Früh-, Mittags- und Abendkonzerte, keine + Spielsäle, Taubenschießen, Theater- und Varietévorstellungen, keine prunkhaften + Umzüge und italienischen Nächte – denn das alles ist nichts als anstrengende + hohe Schule des Lebens und betrügt alle die, die mit neuen Kräften nach Hause + kommen wollen. Wir suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder + Beschäftigung in frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige + Gartenbeete umgraben müssen, auch werden Sie sich gelegentlich am Fällen eines + Baumes oder am Holzsägen beteiligen müssen; es kann aber auch sein, daß Sie mal + einen Hecht angeln oder ein paar Körbe Äpfel pflücken müssen. Da Sie, wie Ihre + Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schöngeistiges Buch gelesen + haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und einem Bändchen + Lyrik nicht herumkommen. Während wir bei sogenannten Leseratten Entziehungskuren + machen, muß bei Ihnen in diesem Falle eine Art Zwangsernährung einsetzen. </p> + <pb n="51"/><anchor id="Pg051"/> + <p> Die körperliche Kost wird ganz Ihrem Befinden angemessen und natürlich gut und + schmackhaft sein. Alle Woche zweimal werden Sie sich das Abendbrot selbst + bereiten. Wie Sie das anstellen, ist Ihrer Phantasie überlassen. Im großen + Küchen- und Vorratshause finden Sie alle Rohmaterialien. Wir haben gegenwärtig + einen Feriengast, der draußen in der Welt eine Schar von Dienern hat. Auch er + muß sich das Abendbrot zweimal in der Woche selbst bereiten. Anfangs wußte er + nichts anderes, als daß er sich Brotstullen schnitt, die entsetzlich dick und + krumm gerieten, die Stullen mit Butter beklebte und starke Wurstscheiben mit der + Pelle darauf legte. Das nächste Mal hatte er schon erluchst, wie man Kartoffeln + an einem kleinen Feldfeuerchen kocht, und hatte sich dazu einen Hering + verschafft. Dann ergänzte er seine Mahlzeit, indem er Radieschen aus der Erde + zupfte, Nüsse und Früchte von den Bäumen holte, und am vierten Abend, den er + sich selbst bereitete, lud er einen Freund und eine Freundin ein, war sehr stolz + auf sein Mahl und aß mit Genugtuung und Appetit. Das sind Kleinigkeiten, die + vielleicht wie Spielerei aussehen, aber doch einen Sinn haben. So werden Sie + sich z. B., wenn ein kühler Tag ist, das Feuer in Ihrem Ofen selbst anzünden und + unterhalten müssen. Hobelspäne und Reisig können Sie sich leicht holen, das Holz + müssen Sie selber hacken. Sie werden sehen, Mister John, wie warm und goldig + solch ein selbstentzündetes Feuer brennt, viel wohliger, als wenn es ein Diener + angefacht hätte. Ein volles Dutzend Mal werden Sie die Kacheln abfühlen, wie sie + <pb n="52"/><anchor id="Pg052"/>nach und nach warm werden, mit einer heimlichen, stillen + Freude im Herzen. Und wenn am Abend Sie ein paar andere Feriengäste besuchen, + Leute, von denen Sie nicht wissen, wie sie eigentlich heißen, wer und woher sie + sind, von denen nichts anderes bekannt ist, als daß es eben auch ernsthafte + Menschen sind, die sich zu einer Ferienpause des Lebens aufgerafft haben – wie + schön wird es sein, mit ihnen zu plaudern oder sich etwas zu erzählen und selbst + auf das Feuer zu achten. </p> + <p> Gute Kammermusik werden Sie manchmal zu hören bekommen; doch nicht oft und nicht + viel. Aber zur Laute wird öfter gesungen werden, und manchmal wird irgendwo ein + Bläserchor stehen, und es wird sein, als ob Soldaten in der Ferne marschierten, + oder ein Waldhorn wird ins Tal schallen wie in alten, romantischen Tagen. </p> + <p> Sport dürfen Sie treiben: Reit- und Schwimmsport, Turnen im Luftbad, Tennis- und + Kegelspielen. Auch Karten spielen dürfen Sie, aber ohne Geld; denn John hat + keinen Pfennig in der Tasche, und wollte er sich mit seinen Gegnern verabreden, + ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel zwanzig, und würde alles + hinterher in bare Münze sauber umgerechnet, so würde es wohl doch herauskommen, + und das Spielernest würde energisch ausgenommen werden. </p> + <p> Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen scheinen, + ganz nach ärztlichem Befund. Wenn Sie mich nun fragen, wie lange ein solcher + Ferienaufenthalt währt, so muß ich Ihnen sagen, daß die kürzeste Frist sechs + Wochen beträgt, daß es aber sehr viel <pb n="53"/><anchor id="Pg053"/>günstiger ist, wenn die + Ferienpause drei Monate oder noch länger dauert. Die ersten vierzehn Tage werden + Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren, vielleicht am Heimweh leiden + nach der eben abgelegten alten Haut. Sie müssen erst heimisch werden, müssen das + große Ferienglück erst ganz fühlen, müssen die unaussprechlich süße Freude + empfinden, wie Sie gesünder und fröhlicher werden, dann erst kommt das Heil. </p> + <p> Aber wenn Sie dann in die große, schwere Schule zurückgehen, werden Sie mehr + neue Kräfte, einen größeren Mut zum Leben mitnehmen, als wenn Sie unterdes + Mineralwasser getrunken, Reunions besucht und hundert Zeitungen gelesen hätten. + Mit einem Wort: Sie werden an die Ferien denken wie ein Kind an die freie + Spielwiese denkt, wenn es wieder in der Etagenwohnung der Großstadt hinter + seinen Aufgabenbüchern sitzt.‘ </p> + <p> Mit diesen Worten endete der Arzt, der mit seinem neuen Patienten vor der Tür + des Einsiedlerhäuschens saß, seine Belehrung, und damit ende auch ich, Mister + Stefenson, den Aufschluß über das Ferienheim des Lebens, das nur in meiner + Phantasie lebt und wohl auch immer nur dort leben wird.“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Ich schwieg, und der Mann, der mir gegenüber am Gasthaustisch saß, schwieg auch. + Er hatte die ganze Zeit, während der ich sprach, mit halb abgewandtem Kopfe + dagesessen und hinunter nach Neustadt gesehen. Endlich stand Stefenson auf, + nickte kurz mit dem Kopf, sagte: „Danke sehr! Guten Abend!“, nahm seinen Hut und + <pb n="54"/><anchor id="Pg054"/>ging aus der Stube, nachdem er den Kellner bezahlt hatte. Ich + ließ ihn gehen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Am nächsten Tage ließ sich Mister Stefenson bei mir in Waltersburg melden. </p> + <p> „Guten Morgen“, sagte er; „ich muß Ihnen sagen, daß mir das gar nicht paßt, daß + ich John heißen soll.“ </p> + <p> „Wieso – wieso?“ fragte ich verwundert. </p> + <p> „Ja, das hat mich verdrossen. Ein Kerl namens John hat mich nämlich mal + furchtbar geärgert. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte. Ich mag + nicht John heißen. Ich habe mir ein Adreßbuch geben lassen und nach einem + einfachen, aber nicht zu häufigen Namen gesucht. Ich will Zuschke heißen.“ </p> + <p> „Sie wollen Zuschke heißen? Warum – wieso – wo wollen Sie Zuschke heißen?“ </p> + <p> „In Ihrem Sanatorium natürlich – in Ihrem Ferienheim –“ </p> + <p> „Aber, Mister Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein + Phantasiegebilde – eine Utopie –“ </p> + <p> Da sah er mich fest an. </p> + <p> „Es wird existieren; denn wir werden es zusammen begründen.“ </p> + <p> Ich schlug die Hände zusammen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschäftsmäßig, trocken, sogar ein wenig + mürrisch hat er mir aus<pb n="55"/><anchor id="Pg055"/>einandergesetzt, wie er sich die + Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das viele + Geld, vor dessen Summe ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere Zeit, auch + das Volk hierzulande nicht geeignet sei für romantische Sonderbarkeiten, wurde + er zornig und sagte: </p> + <p> „Wer eine Idee hat, soll an sie glauben, oder er soll gar nicht von ihr + sprechen.“ </p> + <p> Er nahm mich in den Bann der großen Kühnheit und Sicherheit seiner Seele, und + ich willigte endlich ein. Zuletzt sagte Stefenson: </p> + <p> „Einen Kontrakt wollen wir nicht machen. Ich gebe das Geld, Sie geben die Idee + und Ihre Kraft. Erzielt unser Unternehmen einen Gewinn, so werden wir ihn + gerechterweise teilen; wenn nicht, dann sind Sie ein schlechter Arzt, und ich + bin ein schlechter Geschäftsmann gewesen. Wir werden uns dann ohne gegenseitige + Hochachtung, aber auch ohne feindselige Gesten voneinander trennen.“ </p> + <p> Dann ging er. Ich saß an meinem Tisch, starrte die Platte an, lachte mal auf, + trommelte mit den Händen, lief durchs Zimmer, legte mich aufs Sofa, rauchte + Zigaretten und tat endlich was Vernünftiges – ich ging an die frische Luft. </p> + <p> So mag einem Feldherrn zumute sein, der zur Führung einer Kriegsarmee berufen + wird, oder einem Dichter, dessen großes Stück über die Bühne gehen soll, oder + einer jungen Mutter, die ihr erstes Kindlein geboren hat. Mit einemmal das + verwirklicht zu sehen, was bisher nur <pb n="56"/><anchor id="Pg056"/>ein schöner Traum war, mit + einemmal vor die größte und liebste Aufgabe des Lebens gestellt sein – wo wäre + ein berauschenderes Glück? </p> + <p> Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein über deinen schrägen + Dächern und alten Giebeln, wie schön singen die Spatzen am Johannisbrunnen, wie + freundlich und gesund schauen die Kinder aus! </p> + <p> Warte nur, mein altes Waltersburg, für dich kommt, wie für das Dornröschen, ein + selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will dich küssen mit einem + heißen, so lebenspendenden Kuß, daß alle Starrheit von dir fällt und du mitten + in wonnigem Leben stehst! </p> + <p> Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer + weltmodisch aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen – der Träumerglanz soll + in deinen Augen bleiben, der weiße Schimmer auf deiner Stirn, das schöne, stille + Lächeln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen berühmt werden als + eine Wohltäterin der Menschen. </p> + <p> Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was wertvoll + in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Draußen in der Welt, + drüben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zuschauer nur, stehe ich vor der + bunten Bühne, und weil ich so lange und so oft zuschaute, täuscht mich keine + Kulisse mehr; ich weiß, hinter den bemalten Wänden liegt unordentlich Gerümpel + und geht rauhe Zugluft durch schlecht schließende Türen. Langsam wanderte ich + zum Eulentore hinaus. Es geht da keine Chaussee; eine alte <pb n="57"/><anchor id="Pg057"/>Landstraße führt ins Grüne. Am Hasenhügel setze ich mich auf einen Stein. Mir + gegenüber lag der Ostabhang des Weihnachtsberges. Über den Fluß ging der Blick + auf ein Hochplateau von Wiese, Feld und Wald und stieg dann den Berg hinan. Das + wäre der rechte Ort für mein Ferienheim. </p> + <p> Nur in Waltersburg kann ich den rechten Ort für mein Ferienheim finden, in + dieser freundlichen, närrischen, gesunden Stadt! </p> + <p> Wie Moses schaute ich in mein Gelobtes Land. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="58"/><anchor id="Pg058"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Luise</head> + <p> Es ist ein Brief angekommen, der mir die überschäumende Freude des Tages + genommen hat. Die Pflegeeltern der Tochter Joachims haben geschrieben. Bei dem + Scheidungsprozeß wurde die kleine Luise dem Bruder zugesprochen. Da er aber + weltflüchtig wurde, geschah dem Kinde das, was vielen solchen überzähligen armen + Würmern geschieht – es kam „in Pflege“. Ein „kinderloses, aber sehr + kinderliebes, in durchaus geordneten Verhältnissen lebendes Ehepaar in Berlin + sucht Kind von besserer Abkunft gegen einmalige Erziehungsbeihilfe als eigen + anzunehmen“. </p> + <p> Ich wußte, was für Tragödien sich hinter solchen Inseraten verbergen, wie oft + sie der Deckmantel elendester Gaunerei, schamlosester Ausnutzung sind. Und + damals war es das erstemal, daß ich meine Mutter nicht verstand. Sie weigerte + sich auf das entschiedenste, das Kind zu sich zu nehmen und zu erziehen, und da + ich immer wieder in sie drang und die Unschuld des Kindes nicht verderben, + seinen kleinen Leib nicht frieren und darben lassen wollte in der Fremde, wurde + die Mutter hart wie Eisen und sagte, ich entehre sie mit meinen Vorstellungen + und Bitten. Sie war zu tief gekränkt in ihrer Frauen<pb n="59"/><anchor id="Pg059"/>seele, sie + haßte das Weib, das dieses Unheil angerichtet, zu bitter, litt zu furchtbar + unter dem Verlust des Lieblingssohnes, als daß ihre sonst so gute, freundliche + Art auch diesmal den rechten Weg hätte finden können. Ja, sie sagte mir, daß sie + die Bitte vom Vergeben aus ihrem „Vaterunser“ gestrichen habe. Der Bruder war + geflüchtet, ich mußte hinter ihm herziehen, ein abenteuerliches Leben beginnen, + um ihn zu suchen und ihn schließlich nach fünf Jahren zu finden und zu einer + ganz kurzen Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise + nicht weiter kümmern, ich wußte nur, daß eine entfernte Verwandte das Mädchen zu + dem „kinderlieben“ Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten fünfzehntausend + Mark „Erziehungsbeihilfe“ als einmalige Abfindung bezahlt und berichtet hatte, + es scheine sich um außerordentlich honette und christliche Leute zu handeln. </p> + <p> Als ich Joachim in der Schiffskajüte gegenüber saß, indes draußen die schwere + See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, daß er an die tiefsten + Tiefen des Männerherzens rühren, daß er eine der festverschlossenen Türen + öffnen, und daß die Frage daraus hervortreten werde: „Lebt das Kind noch?“ + Joachim stellte die Frage nicht, und als ich nach Hause kam und nach etwa zehn + Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob die kleine Luise am Leben sei, wandte + sie sich ab und sagte hart: „Das weiß ich nicht!“ </p> + <p> Da fiel mir auf, daß die Mutter und Joachim sich sehr ähnlich seien. Ich bin + mehr nach dem Vater ge<pb n="60"/><anchor id="Pg060"/>schlagen. Der ist ein weicher Mann gewesen. + Und ich selbst bin wohl auch als Mann viel zu weich, stoße mir überall leicht + das Herz wund und werde wahrscheinlich einmal viel leichter unter die Räder + kommen, als es Joachim passieren könnte. </p> + <p> Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief geschrieben. + Sie hat ihn aber nicht geöffnet, wie sie zehn oder mehr andere Briefe, die von + derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht geöffnet, sondern ungelesen + verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich an mich genommen und ihn soeben + gelesen. </p> + <p> Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung und noch + elenderem Stil die Enthüllung niederster Schakalinstinkte, Geldgier, + Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte feinere Leute + einbildeten – sie setzten Kinder in die Welt, kümmerten sich aber nicht um sie, + sondern ließen sie anderen Leuten zur Last. Ob sich die feine Gesellschaft je + klar geworden sei, was es heiße, ein Kind aufzuziehen? Zehntausend durchwachte + Nächte und bei Tag keine ruhige Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie + fünfzehntausend Mark bezahlt sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr + christliche Leute, wie das ganze Stadtviertel bezeugen könnte, und niemand etwas + schuldig, aber die anderen, die zehn Briefe nicht beantworten, was seien die? + Das bißchen Geld, das bezahlt worden sei, sei längst weg. Das hätten allein + Doktor und Apotheke verzehrt; denn wer weiß, was die Luise von ihren Eltern + alles für Krankheiten geerbt habe. Wenn sie, die Pflegeeltern, <pb n="61"/><anchor id="Pg061"/>nicht so kinderliebe Menschen wären, läge das Kind längst auf der Straße oder im + Grabe. Sie müßten ihr Letztes zusetzen, um das Mädchen zu erhalten. Aber nun + habe das ein Ende. Sie würden den ganzen Skandal in die Zeitung bringen und sich + auch an das Vormundschaftsgericht in Waltersburg wenden. Im übrigen seien sie + bereit, gegen Zahlung von weiteren zehntausend Mark das Mädchen in Pflege zu + behalten, obwohl Luise ein Kind sei, das nur Ärger bereite. </p> + <p> Solches und noch Ärgeres enthielt der Brief. Ich trug ihn zur Mutter. </p> + <p> „Lies den Brief!“ sagte ich. </p> + <p> Sie schüttelte zornig den Kopf. </p> + <p> „Du mußt ihn lesen, Mutter“, sagte ich todernst und in hartem Befehlston. </p> + <p> Sie starrte mich an und wurde blaß. </p> + <p> Ich legte den Brief auf den Tisch und verließ das Zimmer. </p> + <p> Nach einer Stunde suchte ich die Mutter wieder auf. </p> + <p> Sie lag auf dem Sofa und zuckte wie in Krämpfen. </p> + <p> „Liebe, gute Mutter“, sagte ich und streichelte ihren frühgebleichten Scheitel. </p> + <p> „Ändere es, Fritz“, sagte sie mühsam, „ändere es; tue, was du willst, aber + ändere es – es ist entsetzlich!“ </p> + <p> Schmerz und Grauen schüttelten sie. </p> + <p> Ich küßte ihr die Hand und sagte: „Ich fahre mit dem nächsten Zuge nach Berlin.“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <pb n="62"/><anchor id="Pg062"/> + <p> Der Zug rollte sein einförmiges Lied durch die ebene Landschaft. Es regnet fein, + glitzernde Tröpfchen zittern an den Fensterscheiben und rinnen schließlich in + schmalen Bächlein herab. Keiner meiner Fahrtgenossen spricht ein Wort. Mir ist + das recht lieb. Ich bin in einer trostlosen Stimmung. </p> + <p> Ferien vom Ich! Ein Erlösungswort für gequälte Menschen, eine Zufluchtsstätte + für müde Herzen, eine friedliche Insel im brandenden Ozean, und ich der Lotse, + der halb zerschellte Schiffe nach dem Hafen geleitet. Bitterer Spott über mich + selbst quillt mir im Herzen auf. Wenn nun einer meiner Kurgäste mich einmal + befragt: Wie bist du eigentlich dazu gekommen, solch ein Prophet des Friedens zu + sein, wer lieh dir den Talar? Bist du selber so ein harmonischer Mensch, hast du + gesiegt über die Unrast der Zeit und die Kämpfe deines eigenen Herzens? Hast du + zunächst alle diejenigen, die dir durch verwandtschaftliche Bande nahestehen, so + in den Frieden gerettet, daß du nun ausgehen kannst, um fremdem Volk zu helfen? </p> + <p> Oh, seht ihn nur an, den Propheten, den Friedensapostel! Seht nur, wie er im + Eisenbahnwagen sitzt und endlich versuchen will, ein Kind, das ihm durch die + Bande des Blutes ganz nahesteht, vor völliger Verwahrlosung zu retten; fragt ihn + nur nach seiner Mutter, die in Tränen zu Hause sitzt, fragt ihn nach dem + einzigen Bruder, der in Gram und Haß verschollen ist – fragt ihn nach alldem + und wundert euch dann, daß dieser Mann einer großen Gemeinde freiwillig seine + Bauhilfe anbieten will, <pb n="63"/><anchor id="Pg063"/>während ihm der Regen und der Wind durch + die Löcher seiner eigenen Giebel dringen. Wie ein Geistlicher ist er, der gegen + die Sünde predigt und selbst ein arger Sünder ist, wie ein Richter, der einen + Verbrecher straft und den selber eine geheime Schuld drückt, wie ein Arzt, der + andere dem Tode entreißen will und der selber dem Tode geweiht ist! </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Berlin N. Eine der Proletarierstraßen, von denen jede einzelne mehr Einwohner + hat als ganz Waltersburg. Fünfstöckige Häuser. Im Erdgeschoß Geschäfte mit + billigen Waren, in jedem zweiten oder dritten Hause eine „Restauration“, in + deren Fenster Würste hängen und Schnapsflaschen stehen. Auf den Bürgersteigen + und dem Fahrdamm ein Gewühl schreiender, blasser Kinder. Schlecht genährte + Frauen, dicke Bierkutscher, schmale Schreiberlein, modisch, aber windig + gekleidete junge Mädchen, schwatzende Weiber, mit Lastkarren daherkeuchende + Männer, hie und da ein Faulenzer, der zum Fenster herausliegt, die Arme auf ein + Kissen stützt und den Stumpfsinn in Reinkultur zeigt, Köter von unbestimmbarer + Rasse, wie wahnwitzig schellende Straßenbahnen, Autos, Droschken, Lastwagen, + Radler, dicke, stauberfüllte Luft, an jeder Straßenecke ein bärbeißiger + Schutzmann – Berlin N. </p> + <p> Das war das „Milieu“, in dem meine Nichte Luise bisher aufgewachsen war. Ich + ging vom Stettiner Bahnhof aus auf die Suche nach ihrer Wohnung. An einer <pb + n="64"/><anchor id="Pg064"/>Straßenecke bot mir ein Kind Schnürbänder zum Kaufe an. Ein + kleines, blasses Mädchen war es. Ich sah sie an und trat einen Schritt zurück. + „Wie heißt du denn?“ </p> + <p> Das Kind erschrak und sagte ängstlich: „Luise!“ </p> + <p> „Wie heißt du noch? Wie ist dein anderer Name?“ </p> + <p> Noch ein verängstigter Blick, und das Mädchen rannte, so schnell es nur konnte, + davon. Ich fühlte es wie Lähmung in meinen Gliedern, aber ich eilte dem Kinde + nach. Bei einer Tornische holte ich es ein und faßte es am Arm. </p> + <p> „Fürchte dich nicht, Luise. Ich tue dir nichts.“ </p> + <p> Das Mädchen brach in Tränen aus. </p> + <p> „Sperren Sie mich nicht ein!“ </p> + <p> „Warum soll ich dich denn einsperren?“ </p> + <p> „Weil ich – weil ich – die Schuhbänder – Sie sind ein Geheimer ...“ </p> + <p> Das Kind weinte noch lauter. </p> + <p> „Hallo! Seht nur da! Was hat denn der mit dem Mädel? Warum weint denn det Mädel? + Haut ihn! Das is so eener! Wird er gleich das Kind in Ruh’ lassen!“ </p> + <p> Ich war im Nu von einer Rotte Menschen umstellt. Einige Rowdies nahmen eine + drohende Haltung an, Männer murrten, ein Weib kreischte mich an: </p> + <p> „Pfui über so ’nen Spitzel – ’n armes Mächen, wat sich ’n paar Jroschen + verdient, feste zu nehmen ...“ </p> + <p> „Is ja jar keen Jeheimer, is ja ’n solcher! Haut ihn!“ </p> + <p> Die kleine Luise entschlüpfte mir, ein Schutzmann kam breit wie ein Hilfskreuzer + auf die Gruppe zugesegelt, die <pb n="65"/><anchor id="Pg065"/>alsbald um ihn und mich einen + mehrfachen Belagerungsring schloß. </p> + <p> „Was ist los?“ fragte der Gesetzeshüter. </p> + <p> „Er hat ’n kleines Jöhr belästigt – er hat ’n Kind jemißhandelt – er hat ihr + blutig jeschlagen – er hat jesagt, er is ’n Jeheimer, aber er is ’n Lump.“ </p> + <p> Der Schutzmann stand wie ein Fels. </p> + <p> „Wer sind Sie?“ </p> + <p> Ich zog eine Legitimationskarte heraus. </p> + <p> „Was ist geschehen, Herr Doktor?“ fragte der Schutzmann, nachdem er die Karte + gelesen. </p> + <p> „Doktor – ’n Doktor is er – amputieren will er ihr – Versuchskarnickel + braucht er, det Schwein ...“ </p> + <p> „Ruhe!“ donnerte der Schutzmann. „Was ist geschehen?“ </p> + <p> „Ich will es gern sagen“, antwortete ich, „aber nicht vor diesen Leuten, die die + Sache nichts angeht.“ </p> + <p> Ein wüstes Geschrei antwortete mir; immer mehr Volk sammelte sich an. </p> + <p> „Kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse mit mir“, riet der Sicherheitsmann. </p> + <p> „Jawohl!“ sagte ich, und wir durchbrachen die Kette. </p> + <p> Niemand konnte mich schützen, daß ich ein paar Püffe und Stöße erhielt. Ein + Trupp johlte hinter uns her, wurde aber durch ein Pferd, das auf der Straße + gefallen, in seinem Interesse abgelenkt, und ich war mit dem Schutzmann allein. + Wir traten in einen Hauseingang, und ich gab ihm eine kurze Aufklärung. Als er + <pb n="66"/><anchor id="Pg066"/>den Namen der Pflegeeltern Luises gehört hatte, sagte der + Schutzmann: </p> + <p> „Der Mann is ’n Tagedieb und die Frau ’ne Schlampe. Da sehen Sie man, daß Sie + det Wurm da abkriejen.“ </p> + <p> Ich dankte ihm, und wir trennten uns. Einen Augenblick überlegte ich noch, ob + ich zuvor einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen solle, aber dann ging ich direkt + nach Luises Wohnung. Ein Hinterhaus von vielen Stockwerken. Auf dem Hofe + spielten Kinder im Staub der Stubendecken, die geklopft wurden. Die Treppe war + dunkel und schmutzig. Im dritten Stockwerk las ich den Namen von Luises + Pflegeeltern. Ich läutete zweimal, dann kam ein zaghafter Kindertritt, die Tür + wurde geöffnet, ein entsetzter Schrei, die Tür flog wieder zu. Ich läutete + abermals. Ein großer, starker Mann erschien. Er trug einen Christusbart, + ziemlich lange Haare und stak in einem schwarzen, wenig sauberen Rock. Später + erfuhr ich, daß der Mann „Prediger“ bei irgendeiner neuen Sekte war. </p> + <p> Er wollte mich erst mit einer hochmütigen Miene mustern, aber plötzlich wurde + sein Gesicht scheinheilig freundlich, und mit ölglatter Stimme sagte er: </p> + <p> „Ah, Herr Oberkommissar, ich hab schon gehört – weiß schon – der Herr + Polizeiinspektor haben meine Pflegetochter beim Handel erwischt – aber ich kann + bei meiner Ehre versichern – Herr Inspektor ich bin unschuldig – ich verbiete + dem Mädel aufs strengste – haben es ja auch gottlob nicht nötig – aber sehen + Sie, <pb n="67"/><anchor id="Pg067"/>Herr Inspektor, so’n hergelaufenes Kind von schlechter + Abkunft, das man so aus purem Mitleid (ich bin Oberprediger bei der Gemeinde der + Jünger von Kapernaum), das man so aus christlicher Barmherzigkeit aufzieht und + das doch nicht gerät, weil der Feind sein Unkraut unter den Weizen sät, das + stiehlt sich nun ’n Jroschen, kauft sich Schuhbänder oder Streichhölzer oder was + weiß ich und verkauft sie, um zu naschen – natürlich nur, um zu naschen ...“ </p> + <p> Das Geschwafele erstarb an meiner wortlosen Ruhe. </p> + <p> „Was wünschen der Herr Inspektor – ich würde den Herrn Inspektor gern in die + Wohnung bitten, aber meine Frau ist zufällig heute noch nicht mit dem Aufräumen + fertig ...“ </p> + <p> Da sprach ich endlich. </p> + <p> „Sie irren – ich bin kein Polizeimann – ich bin der Onkel der kleinen Luise.“ </p> + <p> „Sie sind – Sie sind – ach so – ach so – der sind Sie ...“ </p> + <p> Er brach in ein meckeriges Lachen aus. </p> + <p> „Ich will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sie schlechter Kerl!“ rief ich außer mir. </p> + <p> „Sie wollen mich – was wollen Sie?“ </p> + <p> Sein Gesicht veränderte sich. Eine zynische Frechheit machte sich auf seinen + Zügen breit. </p> + <p> „Was wollen Sie!“ brüllte er. „So ’n Balg – so ’n unsauberer Balg – und Sie + wollen noch – ah, wenn Sie mir was zu sagen haben, schreiben Sie es mir; ich + bin für Sie nicht zu sprechen – verstehen Sie – für + <pb n="68"/><anchor id="Pg068"/>Sie nicht zu sprechen; denn ich bin ein anständiger Mensch!“ </p> + <p> Die Tür fiel ins Schloß. Ich blieb allein stehen; ich fürchtete, nun würde die + kleine Luise drin zu schreien anfangen. </p> + <p> Aber es blieb still. Nur eine Tür krachte noch zu. </p> + <p> Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="69"/><anchor id="Pg069"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Samariterdienste</head> + <p> So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz, + Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glück, daß dem Weltverbesserer doch noch + das Kehren vor der eigenen Tür einfiel, ehe er an die große Mission ging, + anderen zu helfen. </p> + <p> Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz besonders + verlassen, zu dem sie in ihren Kümmernissen und Nöten kommen, dem sie es + überlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben, der Geld borgen + muß, wenn die andern nichts haben, der immer schieben, immer unterstützen, immer + aushelfen muß. Den Starken als Stütze der Schwachen kann man ihn nennen, wenn + man es ideal ausdrücken will; sonst kann man auch kurz sagen: der Lastesel. + Nachgerade kam es mir vor, als ob ich in unserer Familie diesen Ehrenposten + bekleidete. </p> + <p> Ich kann nicht behaupten, daß ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder dachte, + als ich durch den Staub des Hofes nach der Straße zurückflüchtete. Was an diesem + Kinde geschah, war jahrelange Sünde. Auch an die Mutter dachte ich nicht ohne + Bitterkeit. Sie war in diesem Augenblick nicht mein silbernes Mütterchen, sie + war eine <pb n="70"/><anchor id="Pg070"/>reine, aber selbstgerechte Frau, die nicht stark genug + war, der Schuld mit Herzenstapferkeit ins Auge zu sehen und auf dem Schlachtfeld + der Sünde Samariterdienste zu tun, sondern eine, die sich ängstlich in ihrer + wohlumhüteten Sauberkeit hielt, mehr bekümmert um sich selbst als um das, was + draußen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte nicht Lust, das alles so hinzunehmen, + ich wollte meine Meinung sagen. Was sollte ich denn tun, ich einzelnstehender + Mann? Es würde schwer genug halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von + Pflegevater war zum gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die + Erziehungsrechte waren an ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Güte gewissermaßen + abzukaufen, dazu fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem + abgefeimten Schuft an den Leib zu gehen, würde schwer genug sein. Das Nächste + war, einen Anwalt zu befragen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke und + grübelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte mich jemand + auf die Schulter. </p> + <p> „Sie sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es nötig!“ </p> + <p> Es war Mister Stefenson, der also zu mir sprach. Ich war ganz erstaunt, ihn so + plötzlich hier in Berlin zu sehen. </p> + <p> „Ferien vom Ich sollten Sie machen!“ wiederholte er. </p> + <pb n="71"/><anchor id="Pg071"/> + <p> „Von wem erfuhren Sie denn, daß ich hier bin? Von meiner Mutter?“ </p> + <p> „Von wem anders sollte ich es wissen? Sie sind in Familienangelegenheiten hier + – wegen einer kleinen Nichte – wollen sie in eine andere Pension bringen – + ja, lieber Doktor, das gefällt mir nicht!“ </p> + <p> „Was gefällt Ihnen nicht?“ </p> + <p> „Daß Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden.“ </p> + <p> „Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache.“ </p> + <p> „Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit für solche Dinge. Es + paßt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem Ferienheim + gehöre vor allen Dingen die Erlösung von drückenden familiären Fesseln. Ist das + keine Fessel, die Sie am Fuß schleppen? Jetzt, wo wir in der allerschwersten + Gedankenarbeit stehen müßten, fahren Sie einem kleinen Mädel nach. Was liegt der + Welt an dem kleinen Mädel? An Ihrem Ferienheim soll ihr etwas liegen.“ </p> + <p> „Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht miteinander + verbunden, daß Sie in dieser Weise mit mir reden dürfen.“ </p> + <p> „Ich darf“, sagte er phlegmatisch. „Ich habe in Ihnen so etwas wie einen + Propheten gesehen – die Propheten gehen aber in die Wüste, ehe sie öffentlich + auftreten, nicht nach Berlin – die Apostel verlassen Weib und Kind – der + Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rückwärts schauen, er sagt: Was + schert mich Weib, was schert mich <pb n="72"/><anchor id="Pg072"/>Kind? Der Familiensimpel bleibt + immer ein mittelmäßiger Kerl.“ </p> + <p> Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, sah auf + einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte dann: „Sie + haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im ganzen sind Sie + doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll und am Fuß eine Beule + hat, wird er danach trachten, daß ihm erst ein Arzt die Beule öffnet und die + Wunde säubert und verbindet, ehe er marschiert. Sonst bleibt er eben am Wege + liegen. So geht es mir auch. Ich muß mir erst diese Angelegenheit mit meiner + kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich an unsere Aufgabe gehen kann.“ </p> + <p> „Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse – morgen vormittag + zwischen neun und elf. Um elfeinhalb können wir dann unsere Beratung haben.“ </p> + <p> „So rasch geht das nicht.“ </p> + <p> „Wie lange kann es denn dauern?“ </p> + <p> „Wohl einige Wochen oder auch Monate.“ </p> + <p> Herr Stefenson lächelte sanftmütig. </p> + <p> „Das ist sehr schön! Ja, dann sind Sie wohl so freundlich, mich nach einigen + Monaten gelegentlich wissen zu lassen, mit wem Sie schließlich Ihr Sanatorium + begründet haben. Ich bin gar nicht abgeneigt, mir dann einen Prospekt schicken + zu lassen. Für jetzt, guten Abend!“ </p> + <p> Er verließ mich. Ich sah ihm nach, als er aus dem Zimmer ging, und wußte, daß es + aus war mit meinem Lebenstraume. Ich saß ganz still, und ich weiß jetzt nicht + <pb n="73"/><anchor id="Pg073"/>mehr, was ich damals alles dachte. Ich wußte in jener Stunde + nur, es war aus, um eines kleinen Mädchens willen, das ich kaum auf zwei Minuten + lang gesehen hatte – aus! Dieser Mann, der vor zwei Tagen so viel Geld auf eine + Idee von mir setzen wollte, hielt mich nun für einen Schwachkopf. Aber auf so + elende Weise durften wir uns nicht trennen. Rasch warf ich einige Zeilen auf + eine Karte, ich müsse Herrn Stefenson noch einmal sprechen, nicht um ihn + umzustimmen, daran dächte ich nicht, sondern um nicht ganz ungerechtfertigt zu + scheiden. Ich schickte Stefenson durch einen Kellner die Karte, und er kam auch + bald persönlich. </p> + <p> „Mister Stefenson – es ist nichts Geschäftliches mehr, nur etwas rein + Menschliches. Es ist darum, daß wir uns jetzt ohne gegenseitige Hochachtung, + aber doch auch ohne beleidigende Gesten trennen wollen, wie Sie selbst einmal + gesagt haben. Haben Sie noch zehn Minuten Zeit für mich?“ </p> + <p> Er nickte, und ich erzählte ihm ohne alle Umschweife die Tragödie Joachims und + seines Kindes, und wie ich das Mädchen heute draußen auf der Ackerstraße + getroffen hatte. Mir wurde das Herz warm beim Erzählen, aber Stefenson blieb + ganz gleichgültig. Zuletzt sagte er: </p> + <p> „Es ist eine traurige Geschichte, die Sie da erzählt haben, aber sie kommt alle + Tage vor. Es ist gar nichts Neues. Ich habe die Geschichte auch erlebt. Aber + etwas Interessantes ist dabei: Sind Sie wirklich fünf Jahre lang hinter Ihrem + Bruder her gewesen?“ </p> + <p> „Ja, ich fand ihn nicht eher.“ </p> + <pb n="74"/><anchor id="Pg074"/> + <p> „Hm! – Sagen Sie, wollen wir den Abend noch zusammenbleiben? Ich möchte den + „Sommernachtstraum“ in der deutschen Aufführung ansehen. Kommen Sie mit? Sie + haben es doch wohl nicht so eilig nach Hause?“ </p> + <p> Ich wußte, daß ich bei diesem Manne verspielt hatte, aber ich nahm die Einladung + an. Er sagte, er habe nun noch Geschäfte, wir würden uns im Theater treffen. + Damit händigte er mir eine Theaterkarte ein und verließ mich. – </p> + <p> Mendelssohns Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ huschte und zwitscherte an mir + vorüber, Shakespeares unsterbliches Werk reinster Fröhlichkeit tat sich in + glänzender Darstellung vor mir auf, aber ich saß wie ein Geistesabwesender auf + meinem Platze. Der Stuhl neben mir war leer geblieben. Stefenson war nicht + erschienen. Der Märchenwald, durch den die Elfen huschten, blaute vor meinen + Augen; aber ich dachte an den Wald an dem Abhang des Waltersburger + Weihnachtsberges. </p> + <p> Pyramus und Thisbe trieben ihren grotesken Spaß. Da dröhnte von meiner Logentür + her tiefes Gelächter. Stefenson stand dort. Er beachtete mich nicht, er schaute + nur vergnügt nach der Bühne und lachte so laut, daß er die Aufmerksamkeit des + Publikums auf sich zog. </p> + <p> Die nächste Pause kam. Da setzte sich Stefenson neben mich und sagte zur + Entschuldigung seines späten Kommens: </p> + <p> „Manche Geschäfte wickeln sich in Berlin sehr langsam ab.“ </p> + <pb n="75"/><anchor id="Pg075"/> + <p> Nach dem Theater fuhren wir nach einem Restaurant. Nachdem wir gegessen hatten, + sagte Stefenson ganz unvermittelt: </p> + <p><anchor id="corr075"/><corr sic="Die">„Die</corr> Luise habe ich flottgemacht. Zuviel Schwierigkeiten habe ich mit dem alten + Gauner nicht gehabt. Der Hauswirt war gerade bei ihm und drängte um die Miete; + da machte es der Kerl um dreihundert Mark. Er gab alles schriftlich, was ich + wünschte. Mit Anwälten ist das nichts. Das ist teuer und umständlich. Mit + dreihundert Mark war alles in zwanzig Minuten gemacht, und ich hatte das Kind. + Dann war ich um eine Pflegeschwester aus. Das hat länger gedauert. Das hat + unsinnig lange gedauert. Die ganze schöne Eselsszene habe ich im Theater + verpaßt. Die Pflegeschwester ist nun mit der Luise in unserem Hotel. Nummer 187 + wohnen sie. Bald fahren sie nach einem Erziehungsinstitut in Thüringen. Es ist + mir empfohlen worden. Da wird ja wohl die Luise körperlich und seelisch + zurechtgestutzt werden.“ </p> + <p> Ich schlug wieder einmal die Hände zusammen. </p> + <p> „Guter Herr Stefenson, das haben Sie getan?“ </p> + <p> „Ich bitte, exaltieren Sie sich nicht! Eine Zeitlang wird die Luise in dem + Institut bleiben, und dann kann sie zu uns in das Ferienheim kommen – so als + eine Art – als eine Art Einweihungsengel.“ </p> + <p> Mich würgte es in der Kehle. </p> + <p> „Sie wollen das Heim doch mit mir gründen?“ </p> + <p> „Ja“, sagte er ganz ruhig, „ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte + gefallen. Natürlich nicht das Senti<pb n="76"/><anchor id="Pg076"/>mentale, aber daß sie fünf Jahre + lang die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer + ist zu gebrauchen.“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein wüster + Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht. </p> + <p> Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, daß er mich für keinen + Philosophen halte, auch nicht für das, was man einen lebensklugen Menschen + nenne, und was ich als Arzt tauge, könne er nicht beurteilen. Er halte mich für + einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger ärztliches Problem als vielmehr eine + Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung ist etwas Gezeugtes, + Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist Lebewesen, Problem ist Mechanik. + Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung ganz ausgestalten und ihm + vertrauensvoll übergeben. Was ausführbar sei, werde ausgeführt werden, das + andere werde als blauer Dampf in die Höhe ziehen und auch als Wölklein am Himmel + noch schön sein. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="77"/><anchor id="Pg077"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>In den Tagen des Werdens</head> + <p> Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es geht + alles so verblüffend schnell bei ihm, daß er, wenn ein anderer noch bei den + ersten Erwägungen und Bedenken stände, schon am Ende ist. Freilich kommt dazu, + daß er Glück hat. Das Gelände am Ostabhang des Weihnachtsberges steht zum + Verkauf. Es gehört einem Manne, der, wie Hans im Glück, ständig seinen Besitz + vertauschte. Dieses Gut hat er gegen große, sehr ertragreiche Steinbrüche + umgetauscht, die Steinbrüche gegen eine Fabrik, die noch besser war, und so ist + es langsam bergab gegangen, und Herr Stefenson mit seinem großen Geldbeutel hat + wenig Schwierigkeiten gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen + gedauert, dann war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar groß ist, von + Stefenson gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem früheren Schiffsarzt + die Gänsehaut ankommt. </p> + <p> „Nun ist das Gelände da, nun muß die Gemeinde errichtet werden“, sagte Stefenson + sehr einfach. „In einem Jahre müssen sämtliche Häuser stehen.“ </p> + <pb n="78"/><anchor id="Pg078"/> + <p> „In einem Jahre?“ </p> + <p> „Ja! Die Deutschen brauchen, wenn sie einen Dom bauen wollen, vierhundert Jahre, + der Amerikaner braucht, wenn er eine Stadt baut, sechs Monate.“ </p> + <p> „Es ist dann aber auch danach.“ </p> + <p> „Ob es danach ist oder nicht, ist gleich“, erwiderte Stefenson verdrossen. + „Jedenfalls habe ich für die ganze Chose nicht mehr Zeit. Ich muß nach Neuyork, + nach Milwaukee, nach Trinidad. Sehen Sie sich das Gelände an und machen Sie + Ihren Plan. Ich werde auch einen Plan machen. Ich brauche drei Tage Zeit dazu.“ </p> + <p> „Ich würde drei Jahre dazu brauchen, aber um Ihretwillen werde ich in sechs + Wochen mit meinem Plane fertig sein.“ </p> + <p> Er wandte sich finster ab. Drei Tage lang lief er auf dem erworbenen Gelände + umher, zeichnete, machte Notizen und ging mir aus dem Wege. Am vierten Tage + teilte er mir auf einer Postkarte mit, er habe einen kleinen Abstecher nach + Sizilien unternommen. Ich war froh darüber und ging nun daran, mein Ferienheim + im Plane zu entwerfen. </p> + <p> Das Gelände kannte ich genau. Die meisten meiner Bubenstreiche hatten in jenem + Walde gespielt; auf jenen Wiesenrainen war ich als Student tausendmal gegangen. + Eines war zu vermeiden – alle Gleichförmigkeit. Eine Villa neben die andere zu + bauen, ein Logierhaus wie das andere, alles in zimperlich geordneten Gärten, wo + man kaum einen Fuß hineinzusetzen wagt wie in die gute Stube einer peinlichen, + eitlen Hausfrau, das sollte uns gewiß <pb n="79"/><anchor id="Pg079"/>nicht einfallen, ganz + abgesehen von Basaren, Hotels, Restaurants, Plätzen und Straßen großstädtischer + Art. </p> + <p> Im Mittelpunkt der Ferienheimat soll das Rathaus liegen. Es soll ein großer, + geräumiger Bau altdeutschen Stils sein. Der Bürgermeister wird darin wohnen; + denn einen solchen wird uns wohl das Gesetz auferlegen; aber auch die + Sprechzimmer der Ärzte sollen im Rathaus untergebracht sein, ebenso die + Verwaltungsräume, die Kasse, die Nachtwächterstuben. Auch einen großen + ehrwürdigen Saal soll das Rathaus haben, in dem die Feriengäste manchmal zu + einer Feierstunde nationaler, künstlerischer oder geselliger Art geladen werden. + In diesem Rathaus wird auch das „verbotene Zimmer“ mit den Zeitungen sein. Ein + Posten wird davor Wache halten und nur diejenigen einlassen, die eine Karte + vorzeigen, und eine solche Karte wird jedem während der Dauer des + Ferienaufenthaltes nur zweimal gewährt werden. </p> + <p> Das Rathaus wird am Lindenplatz liegen, dort, wo die große Linde mitten auf der + Wiese steht. So oft auch die Dichter vom Platz unter der Linde und vom Tanz mit + dem schönen Kinde und dem Traum im Abendwinde gesungen haben, mir ist die alte + Weise nicht zu abgeleiert, ich will das fröhliche Glück vergangener Tage neu + erstehen lassen. </p> + <p> Am Lindenplatz, dem Rathaus gegenüber, soll die Lindenherberge liegen, unser + größtes Gasthaus. Das Modell muß man in schönen deutschen Städten suchen, etwa + in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann ist es für unsere + Zwecke auszugestalten. <pb n="80"/><anchor id="Pg080"/>Eine Bauernschenke denke ich mir, ein + Herrenstübchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lieder zur Laute + gesungen werden. Öfter als einmal in der Woche darf sich niemand in einer der + drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus zu gehen, ist + fürwahr genug für einen Kurgast. Es darf sich auch keiner einbilden, daß er etwa + nur Bauer oder ein Herr oder nur Sänger zur Klampfe sei – er muß alles sein + wollen und sein können, und wenn er dreimal in der Woche „ausgehen“ will, dann + muß er eben jedesmal in eine andere Abteilung, und das Braunbier, das in der + Bauernschenke ein biederer Wirt mit seiner Gattin ausschenkt, muß ihm ebenso + munden wie der Wein, den ein schönes Mädchen im Poetenwinkel kredenzt. </p> + <p> Ein Kaffeehaus werden wir auch haben; denn sonst bekämen wir keinen + österreichischen Kurgast. In diesem Kaffeehaus wird alles zu haben sein, was ein + Wiener Kaffeehaus auszeichnet, von der drangvollen Fülle bis zum + Zigarettendampf, nur keine Zeitungen. </p> + <p> Vielleicht wird mir mancher ob meiner großen Toleranz gegen Tabak und selbst + gegen Alkohol zürnen, aber ich sorge dafür, daß alles im Lot bleibt. </p> + <p> Da in den Wirtschaftsräumen umsonst nichts geschenkt wird, da aber auch keiner + der Gäste einen Pfennig Geld in der Tasche hat, sind alle genötigt, ihre Zeche + recht schön und breit an die schwarze Tafel ankreiden zu lassen, und das gibt + nicht nur eine gute Selbstkontrolle, sondern garantiert auch eine gewisse + öffentliche Aufsicht. Alle aber, denen der ärztliche Befund solche Genüsse + verbietet, <pb n="81"/><anchor id="Pg081"/>können sich unten am Fluß in der Fischerklause, dem + zweiten Gasthaus, bei alkoholfreiem Getränk des Lebens freuen, und es stehen + auch verschiedene Selter- und Milchhäuslein im Gelände, alle bedient von dazu + verordneten Damen aus der Kurgesellschaft. Denn das ist eine wesentliche Seite + meines Gesundungsheims, daß alle Kurgäste, soweit es ihr Zustand erlaubt und + wünschenswert erscheinen läßt, arbeiten müssen. Aus faulem Nichtstun sproß noch + in den allerseltensten Fällen ein Heil. Nein, es werden alle Mitglieder unserer + Gemeinde tätig sein, und dadurch werden sich auch die Kosten vermindern, zu + denen der einzelne beizutragen hat. Daß ein guter Bestand geübten Personals + immer dasein muß, ist selbstverständlich. Aber wenn ich z. B. für den + Poetenwinkel drei Kellnerinnen brauche, wird eine, die aufsichtführende und + bestimmende, eine Berufskellnerin, die zwei Helferinnen werden Damen aus der + Kurgesellschaft sein, und es wird mich gar nicht beirren, einer jungen Gräfin + solchen Schankdienst auf eine Woche aufzuerlegen. Wem es nicht paßt, der geht! + Wir werden alle unsere Gäste mit Liebe und Hochachtung behandeln, aber keinen + umdienern und keinen anzulocken oder zu halten suchen. Wir werden mit dem + Phlegma der Starken allen Widerständen begegnen. </p> + <p> Jeder Kurgast wird sich wöchentlich mindestens einmal dem Arzt vorstellen und + neben sonstiger Kurverordnung die Arbeit vorgeschrieben erhalten, die er in + nächster Woche zu leisten hat. Die Verwaltung wird dem Ärztekollegium + rechtzeitig etwa mitteilen: Wir brauchen für <pb n="82"/><anchor id="Pg082"/>nächste Woche + fünfundvierzig landwirtschaftliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sechzehn + Forstarbeiter, neun Gärtnergehilfen, vier Angler, zwei Jäger, neun Obstpflücker, + vierzehn Erbsenleser, sechzehn Mann für Wegebesserung, sieben Viehhüter, ein + Streichquartett, vierzehn Kellnerinnen und Milchverschleißerinnen, sechs + Kegelaufsetzer, zehn Hilfskutscher, zwölf Wäschebleicherinnen, drei + Nachtwächter, acht Frauen zum Spielen mit Kindern von vier Jahren aufwärts, <hi + rend="antiqua">ad libitum</hi> Künstler und Artisten, Dichter, + Rezitatoren, Musiker, Sänger, Schnellmaler, Turner, Zauberkünstler und + ähnliches, 168 Küchengehilfen für je drei Stunden täglich, zwanzig Mann für + Haushälterarbeiten (vier Stunden), fünf Boten (Radler), einen Mann für die + Festrede am Sonntag, dazu einen gemischten Festchorus von beliebiger Stärke, + zwei Laternenanzünder, zehn Frauen oder Männer für die Vorbereitung des nächsten + Waldfestes, zehn Hilfsbriefträger, zwanzig Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen + für die Anlegung und Bepflanzung des neuen Philosophenplatzes, sechs Damen, die + das Kühemelken und Käsebereiten erlernen wollen, einen Vorsitzenden und vier + Beisitzer (zwei männliche und zwei weibliche) für unser privates + Friedensgericht. </p> + <p> Solches etwa wird die Kurverwaltung beantragen. Was davon in Erfüllung geht, + hängt natürlich nicht von den Bedürfnissen der Kurverwaltung, sondern von dem + Befund des Ärztekollegiums ab, und der schönste Erfolg wird es sein, wenn alle + Aufgaben durch freiwillige Meldung der Feriengäste gedeckt werden. Daß die + Arbeit <pb n="83"/><anchor id="Pg083"/>immer nur im Rahmen der eigentlichen Kur, immer nur + stundenweise geleistet werden darf, ist selbstverständlich. Das Ferienheim ist + ein Arbeitshaus idealster Art, es macht die Arbeit zur Lust und Quelle der + Genesung und würgt den alten Drachen ab, dessen Pestatem die Welt vergiftet: daß + körperliche Arbeit das Mal der Minderwertigkeit trage. Das Ferienheim wird das + Gegenteil lehren und beweisen, indem es gerade durch körperliche Tätigkeit + gesunde, glückliche Menschen schafft. So wird alle Verwaltungs- und Büroarbeit + als viel zu anstrengend unseren Gästen niemals zugemutet werden. Aber mit den + Muskeln arbeiten, tätig sein, sichtbare Werte mit seinen zehn Fingern schaffen + sollen alle, und selbst den Faulenzern und Drohnen des Lebens, die vielleicht + nur durch die Romantik des Heims, durch die Neugier angelockt werden, soll, wenn + sie guten Willens sind, ein besseres Bild der Menschenfreude ins Herz geprägt + werden. </p> + <p> Hinter dem Rathause, von ihm durch einen kleinen Schlag schöner Tannen getrennt, + beginnt die Bäderstraße. Es werden da in gesonderten Häusern die Wannen- und + Schwimmbäder, die elektrischen und die Dampfbäder eingerichtet; an sie reihen + sich in dichtem Kiefernwald die Luft- und Sonnenbäder und die Planschwiesen. </p> + <p> Parallel mit der Bäderstraße geht der „Stille Weg“. Es stehen da freundliche + Häuslein für solche Gäste, die einer größeren ärztlichen Beaufsichtigung und + vermehrter Pflege bedürfen, die ihnen von Berufspflegerinnen zuteil wird. Alle + anderen Gäste wohnen „draußen“. Es wird <pb n="84"/><anchor id="Pg084"/>nicht zuviel auf + Pülverlein und übermäßiges Wassergepansch, auch nicht arg viel auf Hantelturnen + und Massage gegeben werden, sondern auf tüchtige körperliche Arbeit und frohen + Sinn. Daher werden die meisten Kurgäste in Bauernwirtschaften wohnen. Wenn wir + von diesem Riesengelände nur zwei Dritteile zur Feldbebauung anwenden, können + wir sechzig große Bauernwirtschaften zu je hundert Morgen Land einrichten; auf + jeder Besitzung können vier Pferde, dreißig Stück Rindvieh, Hühner, Gänse, + Enten, Tauben, Kaninchen, Hunde, Katzen, Bienen sein, und alle diese Tiere + sollen von den Feriengästen gepflegt werden, immer unter Leitung + sachverständiger Personen. Denn der Herr und König des ganzen Hofes wird der + Bauer sein. Möge es uns gelingen, tüchtige Bauern zu finden, die nicht nur den + Pflug zu führen wissen, sondern die kernige Menschen sind voll Biederkeit und + froher Laune, derber Herzlichkeit und aufrechten Sinnes. Wer nicht anderweitig + abkommandiert ist, arbeitet auf dem Hofe, wo er wohnt, nach Anweisung des Bauern + oder der Bäuerin, immer nur pflichtmäßig zwei bis vier Stunden am Tage. Wer + etwas darüber tun will und darf, soll es tun. </p> + <p> Oh, wie werden die Leute am „Stillen Weg“, die ihr Zustand vom Glück der Arbeit + ausschließt, sich sehnen, „hinaus“zuziehen in die gesunde, frische, befreiende + Tätigkeit; wie glücklich werden sie sein, wenn ihnen der Arzt eines Tages sagt: + Mein Lieber, du bist nun so weit, als schwacher Hilfskämpe mitzutun, darfst auf + einen Bauernhof, darfst zunächst mal die Tauben füttern, den Hühner<pb n="85" + />stall nach Eiern absuchen und den Hund prügeln, wenn er eine Wurst gestohlen + hat, und wenn auch das zu schwer ist, aufpassen, ob in den Nistkästen Sperlinge + oder Stare wohnen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> An die Bauernhöfe knüpfe ich meine größte Hoffnung. Ich möchte die in + glitzernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit + wenigstens in Ferienwochen heimführen. Es soll und es muß gelingen. Alle, die + einmal Ferien vom Ich machen, die als neue, als ganz andere Menschen, losgelöst + von allem, was sie drückte und knickte, auf einige selige Wochen zum + Ausgangspunkte, zum Mutterschoß unseres Kulturlebens zurückkehrten, zum Bauern-, + Hirten- und Fischerleben – sie müssen mit gesünderem Herzblut in ihr Leben + zurückkehren, sie müssen mehr gewinnen als durch Mineralwasser und + Bäderzerstreuung. </p> + <p> Die Hirten, Fischer und Jäger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da einer + kommt, der vor dem Revolver stand, weil er überreizt war, der soll oben an der + Ginsterheide die Kühe hüten. Den ganzen Tag wird er aufmerksam sein müssen, daß + die Bullen sich nicht bekämpfen und daß glücksduselige Muttertiere mit ihren + mutwilligen Kälbern nicht den nahen Klee zerstampfen, und abends wird der Mann + einsam vor einem wohlig ausgestatteten Hirtenhäuslein sitzen, die wiederkäuenden + Tiere werden um ihn sein, und die Sterne werden über ihm wandern und ewige Worte + zu ihm reden; es wird <pb n="86"/><anchor id="Pg086"/>aus Verlassenheit und Gram ganz mählich Ruhe + und Frieden werden, und in den Menschenhaß wird sich die Sehnsucht + einschleichen: „Nächsten Sonnabend, wenn ich Urlaub habe, gehe ich in die + Lindenherberge und sehe lustigen Menschen zu!“ </p> + <p> Oh, wie ich nach guten Bauern, so werde ich nach guten Ärzten suchen müssen. + Nicht ihr ärztliches Wissen ist für mich in der Hauptsache maßgebend. Ob sie + gute Psychologen, ob sie tiefe Menschenfreunde sind, danach werde ich fragen. + Die Jäger – ach, die Jäger, wird es wohl heißen, sind sowieso gesund. Die zu + uns kommen, sind es nicht. Nur die Stubenhocker werde ich auf die Pürsche + schicken und nur die Zappeligen und Unruhigen auf den Rehbock mit dem bestimmten + Geheiß, einen zu erlegen. Wie sie da ruhig sitzen werden, heute drei, morgen + fünf Stunden lang. Immer vergebens. Und die Mücken werden stechen, und der Tau + wird fallen. Und sie werden nicht schimpfen dürfen, wie sie es sonst tun. </p> + <p> So auch mit den Fischern. Die Aufgeregten werden so lange angeln, bis sie + befriedigende Beute bringen. Wessen Aufmerksamkeit wochenlang auf eine + Federspule gerichtet gewesen ist, der hat sich ausgeruht und singt abends im + Poetenwinkel sein Lied als einer der Andächtigsten der Lebensfreude. </p> + <p> Bauernhäuser, Fischerhütten, Jäger- und Hirtenhäuslein, das werden in der + Hauptsache die Wohnstätten meines Ferienheims sein. Das ist eigentlich mein + ganzes Programm. Ich kann es keiner hochmögenden Kommission einreichen, aber + eben darum hoffe ich, daß es <pb n="87"/><anchor id="Pg087"/>gut ist. Im übrigen bekenne ich frei, + daß ich mich auf Architektenkunststücke nicht verstehe. </p> + <p> Ich habe trotzdem auf einer großen Karte unser ganzes Gelände aufgezeichnet und + überall vermerkt, wo ein Bauernhof stehen soll, auch die Grenzen seines Bezirks + bestimmt; ich habe die Hirtenhäuslein, die Milchstuben, die Fischerbuden + angegeben, und zwischen all dem Hin und Her führen Stege und Landstraßen, alle + krumm und winkelig, aber angemessen dem, was an Hebung und Senkung des Terrains + und was an Baumschlägen, Hecken, Bächlein, Wald und Wiesenland da ist. Eine + Umwallung werden wir kaum brauchen, das Plateau hebt sich gen Waltersburg + natürlich ab, nur an der einen Stelle, wo das Gelände nach der Stadt eben + übergeht, wollen wir eine Mauer und eine Pforte errichten. Neben der Pforte soll + unser „Zeughaus“ stehen. Dort wird der Ankömmling, der sich entschlossen hat, + unsere Ferien zu üben, in seiner Zivilkleidung hineingehen, Kleider, Uhr, Geld, + alles, was er bei sich trägt, auch seinen Namen, ablegen, als neuer Mensch, + neugekleideter Feriengast ein neues Leben beginnen. </p> + <p> Das ist mein Plan. Ich weiß nicht, ob er so ausgeführt werden kann, ich weiß + nur, daß er so ausgeführt werden sollte. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="88"/><anchor id="Pg088"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Das Kind</head> + <p> Mitten in der Arbeit taucht viel öfter, als mir lieb ist, das Bild der kleinen + Luise vor mir auf. Am Morgen nach dem Theaterabend, als ich das Kind im Hotel + fand, war es ganz verängstigt, zitterte und weinte. Auf alle Fragen sagte es + immer nur: „Ich will heim!“ Zu den Schindern ins Elend wollte es zurück, weil es + dort zu Hause war. Vor Stefenson und mir fürchtete sich die Kleine, und auch vor + der fremden Schwester scheute sie sich. Ich wollte sie streicheln, aber sie wich + mir aus und duckte sich. Das arme Ding hat wohl in seinem Leben schon viel + Prügel bekommen. Ich sagte freundlich zu ihr: </p> + <p> „Luise, fürchte dich doch nicht. Sieh mal, ich meine es gut mit dir, ich bin ja + mit dir verwandt; ich bin dein Onkel.“ </p> + <p> Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm erschien, um + mit ihr verwandt zu sein. Ob sie einen Vater oder eine Mutter oder eine + Großmutter habe, wie andere Kinder, danach fragte sie nicht. Es war auch besser; + denn ich hätte ihr sagen müssen: „Nein, das hast du alles nicht; du hast nur + einen Onkel.“ Während ich mir noch vergeblich Mühe gab, ein klein <pb n="89"/><anchor id="Pg089"/>wenig das Zutrauen von Luise zu gewinnen, erschien Stefenson mit einem Diener, + der ein großes Paket schleppte. Das Paket legte der Amerikaner vor dem Kinde auf + den Tisch und sagte: </p> + <p> „So, da habe ich dir ein bißchen Spielkram gekauft!“ Es war eine kleine + Weihnachtsausstellung von allerhand Spielzeug: Puppen, eine kleine Wiege, + Hampelmänner, Kreisel, Schachteln mit geschnitzten Tieren, Baukasten und viele + Kleinigkeiten. Sogar eine Knallpistole war dabei. Dem Kinde entfuhr ein kleiner + Schrei seligen Erschreckens, es erhob die Händchen, tastete schüchtern nach + einer Puppe, zuckte aber zurück. Da fuhr sie Stefenson an: „Nun, du kleine Gans, + so greif doch zu! Das ist alles dein. Das mußt du nehmen. Damit mußt du spielen, + sonst setzt es was ab!“ </p> + <p> Auf diesen rauhen Ton war Luise offenbar gut eingerichtet. Sie fing gehorsam an + zu spielen. Nach fünf Minuten kam ein leises Lachen, das Gesichtchen erhellte + sich, und ich sah noch deutlicher als gestern beim ersten schreckhaften Begegnen + in Joachims Züge, sah in Joachims Augen. Ich erinnere mich nicht, je ein kleines + Mädchen gesehen zu haben, das so auffallend dem Bilde ihres Vaters glich, wie + Luise meinem Bruder ähnlich ist. Wir hatten vielerlei in Berlin zu tun und + blieben acht Tage dort. Am fünften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte: </p> + <p> „Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel wären, ob ich vielleicht + ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das fällt mir gar nicht ein, dein Vater + zu sein. <pb n="90"/><anchor id="Pg090"/>Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn gesagt, ich + bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden.“ </p> + <p> Ich wußte schon, daß Luise in großer Liebe und Dankbarkeit an Stefenson hing. + Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fürsorge tat ihr wohl. </p> + <p> So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thüringen fahren und wir + nach Waltersburg zurückkehren mußten, schmerzlich für das Kind. Nur der Abschied + von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise inzwischen auch zu mir ganz + freundlich gestellt hatte. </p> + <p> Als wir im Eisenbahnwagen saßen, sagte Stefenson: „Die Gefühlsduselei mit dem + Kinde hört nun auf. Dazu haben wir keine Zeit.“ </p> + <p> Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter mit + fragenden Augen entgegen. </p> + <p> „Ich habe das Kind in saubere Verhältnisse gebracht“, sagte ich ihr und ging in + mein Zimmer. Die Mutter fragte nicht mehr, und ich erzählte nichts. Wir fühlten + beide, wie sich eine eiskalte Wand zwischen uns aufrichtete. Nach drei Tagen + sagte die Mutter, Joachim habe geschrieben, es gehe ihm gut. Mir war dabei, als + ob sie von einem fremden Menschen erzählte, dessen Schicksal mich nichts angehe. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Die Zeichnungen, der Aufbau meines großen Ferienheims nahmen mich fortan ganz in + Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glückstage, Tage voll Fruchtbar<pb + n="091"/>keit, Hoffnung, Kraftgefühl. Und doch stahl sich Luises Bild bei + Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei verlorenen + Arbeitstagen läge nicht viel, Stefenson säße sicher weit unten in Palermo oder + Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwägungen saß ich in einem Schnellzuge nach + Thüringen. </p> + <p> Ich hatte die Freude, daß mir Luise vertrauensvoll und dankbar entgegenkam, und + daß sie sich schüchtern an mich schmiegte, als ich sie auf die Stirn küßte. </p> + <p> Die würdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze Zeit, + als daß das Kind sich schon in ihm völlig fremde Kultur ganz hätte fügen können; + aber Luise zeige so gute körperliche und geistige Anlagen, daß sie hoffe, das + Kind würde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt lag an der Promenade der + hübschen thüringischen Stadt. Als ich das Haus verließ, saß gegenüber dem + Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es blieb mir gar keine Zeit, mich + groß zu erstaunen, sondern er trat <anchor id="corr091"/><corr sic="mit">mir</corr> gleich entgegen + und sagte mürrisch: </p> + <p> „Ich finde das sehr merkwürdig von Ihnen, daß Sie auch jetzt noch Zeit zu + solchen Exkursionen haben.“ „Ach, Mister Stefenson“, entgegnete ich heiter, „ich + dachte, Sie wären Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach Sizilien.“ </p> + <p> „Sticheln Sie nicht“, entgegnete er finster; „ich bin nicht nach Sizilien + gefahren zum Amüsement oder um einem kleinen Gänschen nachzureisen, sondern um + in aller Ruhe die Pläne für unser Ferienheim machen zu können. Wenn ich nun Pech + gehabt habe mit den drei <pb n="92"/><anchor id="Pg092"/>Plänen, die ich gemacht habe, weil ich + den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt und den dritten + in Luzern überhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte ich doch gehofft, Sie + würden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu bleiben und zu arbeiten.“ </p> + <p> „Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig.“ </p> + <p> „Ah – das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?“ </p> + <p> „Was er kostet, wie er balanciert, weiß ich nicht. Das ist nicht meine Sache. + Ich bin kein Kaufmann. Wofür sind Sie da?“ </p> + <p> „Fürs Geldgeben!“ </p> + <p> Er schüttelte melancholisch den Kopf. </p> + <p> „Ihr Plan ist unrentabel“, sagte er düster. </p> + <p> „Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzählen. Ein + Schlächter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer + führte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte der + Schlächter: ‚Aber Mensch, wie kann ich Ihnen für ein so elendes Tier so viel + Geld geben, wie Sie verlangen?‘ – ‚Sachte‘, sagte der Bauer, ‚das hier ist nur + der Rübenraum, die Kuh steht erst hinter der nächsten Tür.‘“ </p> + <p> „Was gehen mich Ihre verdammten deutschen Witze an?“ grollte Stefenson. </p> + <p> „Fahren wir erst nach Hause“, entgegnete ich. „Und <pb n="93"/><anchor id="Pg093"/>vorher können + Sie ja mal die kleine Luise besuchen. Sie macht sich heraus.“ </p> + <p> „Das fällt mir nicht ein“, sagte Stefenson kalt. „Ich hasse diese deutsche + Sentimentalität.“ </p> + <p> So fuhren wir nach Hause. Ich übergab Stefenson meine Zeichnungen und + schriftlichen Ausführungen. Er nahm sie mit nach Neustadt, wo er immer noch in + einem Hotel wohnte. Nach fünf Tagen suchte ich ihn zu sprechen. Es hieß, Mister + Stefenson sei verreist. Eine Viertelstunde etwa dachte ich darüber nach, wohin + Stefenson wohl sein könne. Dann telegraphierte ich an die Vorsteherin des + Instituts in Thüringen: </p> + <p> „Ist Mister Stefenson noch dort?“ </p> + <p> Am Abend kam die Antwort: </p> + <p> „Stefenson war hier, ist aber eben zurückgereist.“ </p> + <p> Darauf machte ich mir das Vergnügen, zum Neustädter Bahnhof zu gehen und den Zug + zu belauern, von dem ich vermutete, daß er Herrn Stefenson mitführen würde. Ich + hatte den Zeitpunkt ganz richtig aus dem Kursbuch festgestellt. </p> + <p> Als Stefenson die Bahnsperre passierte, trat ich ihm plötzlich entgegen, und er + war nicht weniger erschrocken als ich, da ich ihn plötzlich auf der + Promenadenbank in Thüringen traf. </p> + <p> „Guten Abend, Mister Stefenson“, sagte ich, „wie geht es der kleinen Luise?“ </p> + <p> „Wieso – wieso – Luise – was geht mich das Gänschen an?“ versuchte er sich + herauszulügen. </p> + <p> Ich blickte ihn freundlich an und sagte: </p> + <pb n="94"/><anchor id="Pg094"/> + <p> „Die Frau Vorsteherin, die ich telegraphisch anfragte, sagte mir, daß Sie dort + waren.“ </p> + <p> Da hustete er. </p> + <p> „Wissen Sie was“, sagte er zornig, „es ist nicht schön, daß Sie mir + nachspionieren. Was geht mich das Gänschen an? Aber da Sie schon mal so ein + Spion sind, will ich Ihnen sagen, ich kann für diese Schwäche nichts. Meine + Mutter war eine Deutsche.“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="95"/><anchor id="Pg095"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Vorarbeiten</head> + <p> Es ist ein halbes Jahr her, seit ich die letzte Eintragung in mein Tagebuch + machte. Im Mai war es, als Stefenson erschnoben hatte, daß ich ein Tagebuch + führe und darin manches über den Ausbau unseres Ferienheims, aber auch über + seine eigene Person niedergeschrieben habe. Seit der Zeit quälte er mich, ihm + das Tagebuch einmal zur Lektüre zu überlassen. Er war neugierig wie ein + Backfisch, und es nützten mich alle Versuche nichts, ihm klarzumachen, daß es – + gelinde gesagt – sehr indiskret sei, Einblick in ein fremdes Tagebuch zu + verlangen. Es dauerte so lange, bis er die Aufzeichnungen in Händen hatte. + Dieser Mensch ist ein ganz wunderliches Gemisch von Kindlichkeit und + halsstarriger Energie. </p> + <p> Nach drei Tagen gab mir Stefenson das Tagebuch zurück und sagte, indem er ein + sauersüßes Lächeln zwischen seinen dünnen Lippen zerquetschte: „Sie haben mich + sehr schlecht charakterisiert.“ </p> + <p> „Dieses Urteil sah ich voraus, Mister Stefenson; die Fortsetzung des Tagebuches + werden Sie auch nicht zu sehen bekommen.“ </p> + <pb n="96"/><anchor id="Pg096"/> + <p> Er machte eine Handbewegung, die bedeuten sollte, daran liege ihm auch nichts, + und ging wieder nach seinem „Büro“. Dieses besteht aus einer Holzbude, in der + ein langer roher Tisch, einige Brettstühle, ein Kleiderhaken und der + Telephonapparat die ganze Ausrüstung bilden. Der Tisch ist mit Papieren aller + Art bedeckt. Hier liegen die kostbaren Pläne unserer Ferienhäuser, sind + Aktenstöße, stehen Modelle. In einem Nebenraume klappern ein paar + Schreibmaschinen. Stefenson sagte mir einmal, Schreibmaschinenklappern und + Telephongeschelle sei ihm die schönste Musik. </p> + <p> In dem Büro sind unsere Beratungen. Dorthin müssen Architekten, Maurermeister, + Lieferanten aller Art, Verwaltungsbeamte, Stellungsuchende zum Vortrag kommen. + Anfangs hatte Stefenson die Absicht, mich von den Hauptkonferenzen mit den + Bauleuten auszuschließen oder mir doch eine rein zuhörende Rolle zuzuweisen. Als + ich ihm aber energisch sagte, er scheine vorzuhaben, ein schleudriges + Klein-Chicago zu errichten, das sich ganz gut für Engros-Schweineschlächterei, + aber nicht für mein romantisches Ferienheim eignen möge, wurde er immer stiller + und ließ mich nach und nach mit den Architekten selbständig wirken. Nur das + Tempo der Arbeit bestimmte er, und das stand immer auf Volldampf. Der Mann + arbeitet selbst von morgens fünf Uhr bis nachts um elf, ohne irgendwelche + Ermüdung zu zeigen. Stefenson leitet seine Verhandlungen meisterhaft; keine + Kleinigkeit entgeht ihm. Sobald ein Thema angeschlagen ist, wird es Schritt für + Schritt erledigt. Kein Abweichen vom Wege <pb n="97"/><anchor id="Pg097"/>ist erlaubt. Das + Dazwischenwerfen einer aufblitzenden, abseits liegenden Idee ist streng verpönt, + kein unfruchtbares Durcheinandergerede gestattet, sondern planmäßige, geordnete + Arbeit wird geleistet, Für und Wider werden kurz beleuchtet, Nebensächlichkeiten + unter den Tisch fallen gelassen, der Beschluß knapp und fast immer schriftlich + gefaßt; dann wird aber auch im Verlauf der weiteren Verhandlungen auf den + erledigten Punkt nie wieder zurückgegriffen. So wußte man am Schluß solcher + Verhandlungen immer: das stand zur Beratung, das ist beschlossen, so und so, + dann und dann muß es ausgeführt werden. Stefensons Gehirn hat eine wohlgeordnete + Registratur, und etwas schwärmerisch angelegte Leute wie ich, denen leicht die + Gedanken durcheinander purzeln, können viel von solchem Manne lernen. Nur darf + Stefenson meine romantische und <anchor id="corr097"/><corr sic="philantropische">philanthropische</corr> Idee nicht aus dem Auge lassen, + und das tut er auch nicht. Stefenson und ich sind in vielen Dingen die reinsten + Antipoden; aber ich schätze es als Glück, mit einem so klaren Kopf zusammen zu + arbeiten, wenn ich auch manchmal einen wilden Zorn über seine Kaltschnäuzigkeit + habe. So ist der Mann. Wir vertragen uns und haben Händel miteinander – je + nachdem. Ich glaube, ich werde gut fahren, wenn ich mit Stefenson gleichen Kurs + halte. Es gibt kaum ein größeres Unglück auf der Welt, als sich mit dummen oder + schwachen Menschen zu verbinden, und kaum einen größeren Vorteil, als einen + klugen Freund. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <pb n="98"/><anchor id="Pg098"/> + <p> Als unsere Idee bekannt wurde, war die Physiognomie der Waltersburger ungefähr + die eines Kalbes, das zum ersten Male donnern hört. Die Leute wunderten sich + rasend. Sie steckten die Köpfe zusammen, redeten viel auf den Bierbänken und + kamen doch, da sie immer nur Gerüchtsbrocken sammeln konnten, zu keinem klaren + Bilde. </p> + <p> Den Ausschlag soll der Amtsrichter gegeben haben, der sich dahin geäußert hat: + es scheine sich um eine Art Verrücktenanstalt im großen zu handeln; den nötigen + Spleen scheine ich von der Weltreise mit heimgebracht zu haben, und was etwa + fehle, habe Mister Stefenson aus seinem reichen Vorrat an Tollheit ergänzt. </p> + <p> Günstig war uns von Anfang an die Stimmung der Waltersburger gar nicht. Zu dem + neidischen und verärgerten Gefühl, das einem unerwarteten Werk vom lieben + Publikum immer gespendet wird, gesellte sich ein ganz besonderer Verdruß. + Stefenson hatte erklärt, daß er eine ganz neue Gemeinde begründen werde mit + einem eigenen Bürgermeister und einer Verwaltung, die alles im Umkreise Bekannte + in den tiefsten Schatten stellen werde. </p> + <p> Darüber waren die Waltersburger wütend. Nachdem ihnen schon die Neustädter + untreu geworden und der Mutterstadt gewaltig über den Kopf gewachsen waren, + sollte sich hier auf ehemaligem Waltersburger Grund und Boden abermals ein neues + Gemeinwesen auftun, das den Bestand Waltersburgs verkürzte und die eigene Stadt + in immer kümmerlichere Unberühmtheit drängte. Waltersburg war wie eine Mutter + von mittelmäßigen Anlagen, <pb n="99"/><anchor id="Pg099"/>die sich ärgert, wenn ihre Töchter in + der Gesellschaft Glück haben. </p> + <p> Eitel waren die Waltersburger immer. In der Pfarrkirche ist ein Altarbild, das + angeblich von Tintoretto stammt. Ein begüterter Graf, der ehemals hier + residierte, soll es von einer Pilgerfahrt mitgebracht haben. Die Echtheit des + Bildes ist zweifelhaft, nur nicht für die Waltersburger, die das Gemälde zu den + Meisterwerken Tintorettos rechnen. (Tintoretto, „das Färberchen“, hat + bekanntlich neben ausgezeichneten Stücken viel Mittelmäßiges, ja Schleudriges + geleistet.) Als ein großes neues Reisehandbuch erschien, waren die Waltersburger + neugierig, ob ihr Tintoretto zwei Sterne oder nur einen haben werde. Die + Enttäuschung war groß; denn ganz Waltersburg mitsamt seinem Tintoretto wurde in + dem Handbuche überhaupt nicht erwähnt. Der Schrei der Empörung, den damals der + gebildete Teil der Stadt ausstieß, hat noch heute ein Echo in vielen Herzen. </p> + <p> Für uns kam bald ein Umschwung. Stefenson berief eine Versammlung nach dem Saale + des größten Waltersburger Hotels, den „Drei Raben“. Er lud zu dieser „freien + Zusammenkunft, in der er Aufschlüsse über seine Neugründung geben werde“, nicht + nur den Magistrat und alle Honoratioren mit ihren Damen, sondern auch je einen + Schuster, Schneider, Bäcker, wie alle anderen Handwerkszweige mit ihren Frauen. + „Es muß wie bei der Arche Noahs sein“, sagte er gut gelaunt, „von jeder Art ein + Pärchen.“ Der Erfolg war schwach. Einzelne zwar priesen Herrn Stefenson wegen + seiner gerechten unpar<pb n="100"/><anchor id="Pg100"/>teiischen Art, aber andere rümpften + außerordentlich stark die Nasen, und als die Versammlung begann, zeigte es sich, + daß fast gar keine Frauen da waren. Die Frau Provisor und die Frau Kanzleirat + hatten entrüstet erklärt, man könne sich doch nicht mit Krethi und Plethi + zusammensetzen, und fast alle anderen „Damen der Gesellschaft“ hatten sich + dieser Auffassung angeschlossen. Die Weiber der Handwerksleute aber hatten sich + „geniert“, zu kommen. Aber auch die Männer waren nur in schwacher Anzahl + erschienen. Der Magistrat ließ sich durch einen Beisitzer vertreten. Am meisten + freute es mich, daß der Lehrer Herder da war. Er wurde auch zum Leiter der + Versammlung gewählt. Stefenson hielt eine Rede. Er spricht die deutsche Sprache + ohne jeden fremden Akzent. Denn nicht nur seine Mutter ist eine Deutsche + gewesen; ich habe unterdes herausgekriegt, daß Stefensons Vater zwar ein + Stockamerikaner von reinster Monroedoktrin war, daß aber sein Großvater bis zu + seinem dreißigsten Lebensjahre in Hamburg gelebt hat und bis dahin Georg Stefan + hieß. Stefenson hat rein deutsches Blut in sich. </p> + <p> Der „Mister“ sprach. Er sagte, über die Idee seiner geplanten Kuranstalt wolle + er nicht reden; diese sei ein so unerhörtes, geniales Problem (dabei trat er + mich grob auf den Fuß!), daß er es im Rahmen einer so kurzen Aussprache nicht + erläutern könne. Waltersburg habe zwar keine hervorragend günstige Lage und + werde von vielen anderen Orten auch durch den Reiz der Umgebung wesentlich + übertroffen (Gebrumm in der Versammlung), <pb n="101"/><anchor id="Pg101"/>aber sein Freund und + ärztlicher Beirat sei ja, wie alle wüßten, ein Waltersburger Kind, und so habe + er dem Freund zuliebe dieses Gelände für die Ausführung seiner Idee gewählt. Er + gehöre zu den Leuten, die sich eher das eigene Hemd ausziehen, als daß sie + zugeben, daß der Freund friere. (Frau Postschaffner Hempel verließ entrüstet das + Lokal.) „Kommen Sie gut nach Hause, Frauchen!“ ruft ihr Stefenson nach. + (Abermaliges Gebrumm. Postschaffner Hempel erhebt sich, sagt in halblauter + Entrüstung: „Das ist ja kolossal!“ und stampft seiner Ehehälfte nach.) „Also“, + fährt Stefenson ruhig fort, „was mir eine Hauptsache zu sein scheint: ich + beabsichtige nicht, eine neue politische Gemeinde zu gründen; ich werde meine + Siedelung unter den amtlichen Schutz des Magistrats von Waltersburg <anchor id="corr101"/><corr sic="stellen.">stellen.“</corr> + (Freudige Verblüffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit den + Fingern auf den Tisch.) „Ja“, geht Stefensons Rede weiter, „wir werden unserem + Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen ‚Kuranstalt + Waltersburg: Ferien vom Ich‘ geben, und der Schnickschnack vom sogenannten + modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst zerstieben vor der + glorreichen Waltersburger Neugründung. (Der Beisitzer springt auf, beurlaubt + sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und stürmt aus dem Saal.) Mitbürger + von Waltersburg! Damen und Herren! (Von den Damen ist nur noch die phlegmatische + Gärtnersfrau Bächel anwesend.) Es macht mich glücklich, daß Sie in solcher + Anzahl erschienen sind. Etwas Erfreuliches kann ich Ihnen mitteilen. Ich <pb + n="102"/>erwarte, daß binnen zwei Jahren unsere Kuranstalt etwa zwei + Dritteile Ihrer gesamten Gemeindesteuern tragen wird, so daß Ihre bisherigen + hundertzwanzig Prozent auf vierzig Prozent herabsinken werden. (Erschrecktes + Aufatmen, dann lautes Bravo. Bäckermeister Schiebulke und Klempner Geldermann + stürzen im Geschwindschritt von Siegesboten auf die Straße.) Ja, aber, meine + sehr teuren Mitbürger, auch Opfer werde ich von Ihnen verlangen müssen. + (Kunstpause des Redners. Bedrücktes Schweigen der Zuhörer.) Wir haben nicht + Zeit, der Verwirklichung unserer Idee sehr viel Zeit zu widmen; wir müssen die + Aufgabe im Sturm nehmen. Binnen Jahresfrist muß alles fix und fertig sein. Sie + werden begreifen, daß dafür ein Heer von Architekten, Bauleitern, Maurern, + Zimmerleuten, Tapezierern, Töpfern, Tischlern, Glasern, Klempnern, Schmieden, + Schlossern, Stubenmalern, Gärtnern und Hilfsarbeitern aller Art nötig sein wird, + nicht zu rechnen die Legion derer, die diese Schar versorgt mit Nahrungsmitteln, + mit Kleidern, Schuhen, Mützen und Wäsche. Ja, liebe Waltersburger Mitbürger, + Ihre ganze prächtige Kaufmannschaft, alle Ihre Handwerkerkreise muß ich mobil + machen, um meiner Aufgabe gerecht zu werden, alle werden ihren Betrieb + verzehnfachen müssen ...“ </p> + <p> Der Redner hielt inne; denn die Zuhörerschaft keuchte zu laut. Die Erregung + stieg aufs höchste. Da kam die von Stefenson ganz leichthin gesagte, aber bis + ins Mark treffende Schlußbemerkung: „Ich möchte mit Waltersburger Bürgern + Abkommen treffen. Was das Finanzielle <pb n="103"/><anchor id="Pg103"/>anbelangt, so wird nichts + auf Ziel entnommen, sondern alles immer sofort bar bezahlt werden.“ </p> + <p> Da war es aus. Alles erhob sich; selbst die dicke Gärtnersfrau wappelte sich + empor und wischte sich den Schweiß von der Stirn. </p> + <p> Ein Handwerker stieg auf einen Stuhl. </p> + <p> „Das ist gut!“ rief er; „das ist famos! Herr Stefenson lebe hoch!“ </p> + <p> „Hoch!“ schrien die paar Männlein, die noch da waren. Im selben Augenblick + stürzte der Beisitzer in den Saal. </p> + <p> „Der Herr Bürgermeister“, keuchte er, „der Herr Bürgermeister, der bis jetzt + leider verhindert war, kommt selbst.“ </p> + <p> Stefenson nickte ihm lächelnd zu. Da wurde es lebhaft auf der Treppe, Männer und + Frauen aller Gesellschaftsschichten füllten den Saal. Eine halbe Stunde lang + stand Stefenson steif und still, und als alle da waren, auch der Bürgermeister, + sagte er: </p> + <p> „Ich habe dem, was ich vor Ihnen, sehr geehrte Herrschaften, über meine + Neugründung heute ausgeführt habe, nun nichts mehr hinzuzufügen.“ </p> + <p> Worauf sich der Leiter der Versammlung, Lehrer Herder, erhob <anchor id="corr103"/><corr sic="und und">und</corr> in einer + glänzenden Erfassung der Situation sagte: </p> + <p> „Ich schließe die Sitzung!“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="104"/><anchor id="Pg104"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1='Die "Neustaedter Umschau"'/> + <head>Die „Neustädter Umschau“</head> + <p> In Neustadt erscheint ein Blättchen, die „Neustädter Umschau“. Es kommt + wöchentlich zweimal heraus in einem Umfang, daß eine einzige Nummer genügt, ein + Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen Redakteur suchte, + versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es meldeten sich drei + Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben ehemalige Lehrer, ein + „sehr gebildeter“ Schlossermeister, davongejagte Seminaristen, freie + Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der Verleger wählte von der + ganzen Rotte den Unfähigsten, einen herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber + <hi rend="antiqua">Doctor juris</hi> war, was in der „Umschau“ mit + Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die „Umschau“ in der Art, daß er + in seiner nüchternen Tagesstunde, die vormittags nach seinem jeweiligen + Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustädter Kurhauses den Stoff für die nächste + Nummer aus großstädtischen Zeitungen abschreibt. Einen lokalen Teil hat die + „Umschau“ kaum; jedenfalls war er stets äußerst jämmerlich. Desto mehr fiel es + auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, wenn auch dreist geschriebene + Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim brachte. </p> + <pb n="105"/><anchor id="Pg105"/> + <p> Der erste Artikel beschäftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgeführt, daß ich + nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse + Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen habe, um + auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden Menschheit meine + ärztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, mit dem ich zu tun + gehabt hätte, wäre die Seekrankheit gewesen, und da sich gegen diese bekanntlich + überhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja sicher ganz am Platze gewesen. Mein + Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum Ausruhen gehabt, daß ich (wahrscheinlich + unter dem verheerenden Einfluß der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt + „Ferien vom Ich“ gekommen sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse + schicken, mir auch sonst alle mögliche Förderung angedeihen lassen; denn das + moderne Weltbad spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es wäre + nur zu bedauern, wenn sich die Neugründung nicht bis zum nächsten Fasching + hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnügungsprogramm von Neustadt würde es + sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit hieße: Morgen + Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt „Ferien vom Ich“. Ängstliche seien + versichert, daß ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu befürchten ist, da sich dieser + in der Waltersburger Anstalt nur ganz harmlos und kindlich äußere. </p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + <p> Das war der Begrüßungsartikel, der meiner Gründung von dem freundnachbarlichen + Neustadt zuteil wurde. <pb n="106"/><anchor id="Pg106"/>Stefenson brachte ihn mir persönlich. Er + beobachtete mich, als ich ihn las. </p> + <p> „Niedlich!“ sagte ich; „ich hätte das den Kerlen gar nicht zugetraut.“ </p> + <p> „Na, sehen Sie“, atmete Stefenson auf, „es freut mich, daß Sie nicht entrüstet + sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen wollen. Der Artikel + ist wirklich nett.“ </p> + <p> Eine der nächsten Nummern der „Umschau“ beschäftigte sich mit Mister Stefenson. + Es hieß darin, nach authentischen Auskünften aus Amerika sei Mister Stefenson, + der bekanntlich das Waltersburger Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der + merkwürdigsten Geschäftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Möglichkeiten. + Seine geschäftliche Laufbahn habe Stefenson als Küchenboy in einem Hotel vierten + Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Löffel, über den jenes Hotel + verfügte, eines Tages verschwand und ganz zufällig in der Pappschachtel, die des + jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, aufgefunden wurde, wohin er auf eine + Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz unerklärliche Art gekommen wäre, sei der + vielversprechende junge Mann nach Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom + Unglück verfolgt worden. Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm + den Jüngling wegen angeblichen Pferdediebstahls hingen, riß und also + gewissermaßen ein Zeichen vom Himmel für die Unschuld des Gerichteten vorlag, + hätten die barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fürchterlich + geprügelt, daß Stefen<pb n="107"/><anchor id="Pg107"/>son zwei künstliche Rippen als Andenken an + jenes Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die + Waltersburger im Begriff ständen, zu ihrem Ehrenbürger zu machen, sei ebenfalls + recht bewegt und reich an Zwischenfällen gewesen. Stefenson sei einmal als + Kutscher bei einem großen Petroleumtransport engagiert gewesen. Dieser Transport + sei von Indianern überfallen, die ganze Begleitmannschaft tot- und sämtliche + Petroleumfässer entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson sei am Leben geblieben, + da er so vorsichtig war, bei der herannahenden Gefahr als erster zu fliehen. Es + habe sich nun so gefügt, daß Stefenson am nächsten Tage zwei abenteuernde, + reiche, aber recht dumme Kerls in einer benachbarten Stadt getroffen und diese + vertraulich auf ein Gelände aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke + Petroleumquellen vorhanden seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem + er die Spuren des Überfalls gründlich beseitigt hatte, auf das Gelände geführt, + allwo noch ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen hätten + sich bereit erklärt, an Stefenson zunächst mal fünfhundert Pfund zu zahlen, + damit er alles Nötige für die Erschließung der Quellen in die Wege leite. Als + sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst überlegt habe, hätte er + sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, müsse er an der Ergiebigkeit des + Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern lieber weitere unnötige + Kosten ersparen und, ohne sich erst durch „Good bye“ und andere + Abschiedsförmlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago verschwinden. </p> + <pb n="108"/><anchor id="Pg108"/> + <p> Die fünfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), die + Stefenson mitgenommen habe, hätten die Basis für seine weiteren geschäftlichen + Unternehmungen gebildet, für Unternehmungen, die nicht weniger originell als die + Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei Stefenson nach und nach zu einem + gewissen Vermögen gekommen. Da aber die engherzigen amerikanischen Richter + öfters an Herrn Stefensons Geschäftsusancen Anstoß genommen und es dem sonst + ganz anspruchslosen Manne trotz der geradezu luxuriösen Ausstattung der + amerikanischen Gefängnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den + Einfall gekommen, sein Wirkungsfeld vorübergehend mal nach Deutschland zu + verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das weiße + Lamm im grünen Felde in ihrem Wappen führe. </p> + <p> Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in große Aufregung. Stefenson + verstand mich nicht. </p> + <p> „Es ist wahr“, sagte er; „der Artikel könnte farbenreicher gehalten sein, die + Geschehnisse sind etwas nüchtern gegeben, aber, mein Lieber, der heutige + Geschmack verpönt das Allzukrasse. Ich finde den Artikel ausgezeichnet, viel, + viel besser als den, der neulich über Sie in dieser Zeitung stand.“ </p> + <p> „Stefenson!“ schrie ich ihn an; „sehen Sie denn nicht ein, daß uns dieser + Zeilenschmierer, dieser Süffling unmöglich macht? Jetzt bleibt nicht anderes + mehr übrig, jetzt müssen Sie den Mann verklagen.“ </p> + <p> „Ja, glauben Sie, daß ich toll bin?“ entgegnete <pb n="109"/><anchor id="Pg109"/>Stefenson. Ich + erzählte ihm, was schon der Artikel über mich für allerhand Unheil angerichtet + habe. Nicht bloß, daß sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe geweint + habe, ich hätte gehört, wie die Leute hinter mir zischelten. „Stefenson, unseren + guten Ruf müssen wir behalten, sonst sind wir ruiniert.“ </p> + <p> „Guten Ruf?“ verwunderte er sich. „Wie kann man seinen guten Ruf behalten, wenn + man Geschäfte macht? Das ist doch unmöglich. Er wird einem doch + selbstverständlich kaputt gemacht. Wenigstens äußerlich – in der gegnerischen + Presse – das ist ja unausbleiblich. Darüber regt man sich doch nicht auf!“ </p> + <p> Ein Brüllen tönte von der Straße herauf. </p> + <p> „Der Pferdedieb! – Der Löffelstehler! – Der Petroleumstänker! Raus, raus!“ </p> + <p> Stefenson lugte durch die Gardine. </p> + <p> „Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstädtisch. + Petroleumstänker ist bei der Kürze der Zeit schon ein ganz gut geprägter Zuruf!“ </p> + <p> „Stefenson, es geht nicht – Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie sind + hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren.“ </p> + <p> „Desto besser.“ </p> + <p> „Die Geschäftsleute werden nicht mehr liefern.“ </p> + <p> „Gegen bar werden sie bestimmt liefern.“ </p> + <p> „Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen Artikel + nicht Zeile für Zeile in öffentlichem Gerichtsverfahren als Lüge brandmarken.“ </p> + <pb n="110"/><anchor id="Pg110"/> + <p> „Das soll mir gewiß nicht einfallen“, lachte er. </p> + <p> Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. Das + Lärmen auf der Straße wurde indes lauter, die demonstrierende Schar wurde + größer. Da verließ mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen Zylinderhut + bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg betroffen und gab + eine Gasse frei, dann lärmten die Leute hinter Stefenson her. Ich war so + verbittert, daß ich wohl eine Stunde lang planlos vor der Stadt am Bache hin und + her ging, ehe ich Stefensons Büro aufsuchte. </p> + <p> „Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?“ fragte er gleich bei + meinem Eintritt. „Seinen Kontrakt mit mir hat er gelöst. Der Esel! Mir hat er + einen großen Gefallen getan; denn ich weiß einen tüchtigeren und billigeren + Mann, als er ist, und bin froh, daß ich ihn loswurde. Glück muß man haben!“ Er + rieb sich die Hände. </p> + <p> „Mister Stefenson“, sagte ich ernst; „wir werden wohl unsere Kontrakte alle + lösen müssen. Denn obwohl ich natürlich von dem Schundartikel eines verkommenen + Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, daß unsere Situation + hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem Schmutz, der auf Sie geworfen + wurde, reinigen. Wir vermögen nicht ohne die Achtung unserer Mitbürger zu + bestehen. Wir werden unmöglich!“ </p> + <p> Stefenson ging mit großen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner pechschwarzen + Zigarre. Ganz milde sagte er dann: </p> + <pb n="111"/><anchor id="Pg111"/> + <p> „Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren – meine Mutter war ja auch ’ne + Deutsche ...“ </p> + <p> „Und Ihr Großvater väterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg“, wollte ich + dazwischenwerfen, verschluckte es aber. </p> + <p> „Ja, also die Deutschen“, fuhr Stefenson fort, „bilden sich was ein auf den + Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Völker, gar nicht + haben. Schön – ich gebe zu, Sie haben Dichter, die ausgezeichneten Humor haben, + und auch deutsche Geisteszivilisten sind vielfach mit einer beträchtlichen Dosis + von Humor begabt. Aber das ist alles so – entschuldigen Sie – so sparsam, so + auf Kleinbetrieb, auf Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Große geht, der + fehlt Ihren Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anständiger + Mann sein Geld und seine Zeit auf eine große, aber sehr wackelige Sache setzt, + und es kommt so ’n Preßäffchen und kläfft was von Pferdedieb und + Petroleumstänker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat doch der + Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn der Leser nur ein + bißchen Hirnschmalz hat, fällt’s ihm nicht ein, ein Wort zu glauben. Aber er tut + so, als ob er’s glaubte, er mimt mit in der Maskerade und amüsiert sich dabei + königlich. Und der, dem der Feldzug gilt, wird ein bekannter, ein berühmter, ein + reicher Mann. So sind alle zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht + hat, die Leser, die eine amüsante Frühstückslektüre gehabt haben, und der Mann, + der angegriffen worden ist und seinen Profit <pb n="112"/><anchor id="Pg112"/>hat. Ich sage Ihnen, + in Amerika ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu + erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Öffentlichkeit angehangen zu + werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem Grunde des + Vertrauens seiner Mitbürger. Aber der Humor, Mensch, der Humor darf nicht + fehlen!“ </p> + <p> „Wir in Deutschland haben einen anderen Humor“, sagte ich und war froh, daß es + so ist. </p> + <p> Da kam einer unserer Bauführer und meldete kleinlaut, daß wahrscheinlich fast + alle unsere Arbeiter kündigen würden. Als er gegangen war, saß Stefenson + gesenkten Hauptes am Tisch. </p> + <p> „Werden Sie nun begreifen“, fragte ich, „daß Sie die gerichtliche Klage + anstrengen <hi rend="gesperrt">müssen</hi>, daß es absolut Zwang + für uns ist?“ </p> + <p> „Ich kann die Leute nicht verklagen“, sagte Stefenson schwermütig. </p> + <p> „Sie können nicht?“ fragte ich betroffen. „Warum können Sie nicht?“ </p> + <p> „Weil ich den Artikel über Sie und über mich selbst geschrieben habe.“ </p> + <p> Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand. </p> + <p> „Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in das + Neustädter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist billig. + Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der Verleger, so + daß sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in ihrem Blatte recht + kräftig zu <pb n="113"/><anchor id="Pg113"/>beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte so durch + zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger Stadtblatt + ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustädter „Umschau“ loslassen. + Das sollte so hübsch hinüber und herüber gehen, bis zuerst die Provinz- und dann + die hauptstädtische Presse davon Notiz nahm und im bunten Teil Auszüge brächte, + etwa unter der Überschrift: ‚Der Sturm im Wasserglase‘ oder ‚Krieg der + Zaunkönige‘ oder ‚Ein Mordsskandal in Dingsda‘ oder so ähnlich. Da hätte nun das + große Publikum auf einmal etwas von uns gehört, hätte die bittere Pille unserer + Idee in der Verzuckerung sensationellen Humors geschluckt, und überall hätte man + von uns und unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir wären + durchgewesen. Diese ganze schöne Propagandaidee hätte mich etwa lumpige tausend + Mark gekostet, und nun fällt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute + zusammen.“ </p> + <p> Ich kam aus der Verblüffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, was zu + tun sei. </p> + <p> Es stellte sich heraus, daß Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen + Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, daß also Beleg- + und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile einen kurzen + Artikel für unser „Waltersburger Tageblatt“. Er lautete: </p> + <p> „Einen fürchterlichen Reinfall haben die Neustädter erlebt. Ihre weitverbreitete + ‚Umschau‘ hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein Druckfehler) + Schauermären über die Unternehmer der in Waltersburg zu begrün<pb n="114" + />denden großen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu grotesker + Dummheit. Während das gebildete Waltersburger Publikum diese klatschfetten + Zeitungsenten als solche natürlich sofort erkannt hat, sollen sie gewissen + Neustädter Kreisen über die Maßen gemundet haben. Denn der Haß gegen das + aufblühende Waltersburg ist zu groß, als daß nicht auch die eselhafteste Lüge, + wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet ist, in Neustadt Glauben fände. + Wie schwer der Reinfall ist, möge folgender Aufschluß bekunden: Mister Stefenson + hat der von ihm hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmähten Stadt + ‚mit dem weißen Lamm als Wappentier‘, eine Genugtuung geben wollen, indem er die + Neustädter Bevölkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen ließ. Mister + Stefenson hat – wie vorliegende Dokumente beweisen – die beiden + aufsehenerregenden Artikel, die natürlich von A bis Z erfunden sind, nämlich + selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn Redakteur und + Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der ‚Neustädter Umschau‘ + veröffentlicht. So viel war ihm der Spaß wert. Die Neustädter aber mögen nun die + Zoologie nach einem für sie passenden Wappentier gefälligst selbst + durchforschen.“ </p> + <p> Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drückte er mir die Hand. </p> + <p> „Ich danke Ihnen“, sagte er anerkennend; „Sie sind gar nicht so unamerikanisch.“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <pb n="115"/><anchor id="Pg115"/> + <p> Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, daß + ich ein reines Glück im Herzen fühlte, als ich unser Ferienheim so fabelhaft + schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrückten mich oft, und + wenn ich sie abends in ihren großen Baracken lachen und lärmen hörte, dachte ich + daran, wie schön es war, als noch die stillen Raine durch grüne Felder liefen. + Überall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich + fühlte mich auf diesen Bauplätzen außerordentlich unbehaglich, und wenn ein + schöner Baum zum Opfer fallen muß, bereitet es mir Schmerz, als ob einem + unschuldigen Freund ein großes Unrecht geschähe. </p> + <p> Für den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein Haus + immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich glaube, ich + sehe alles zu schön; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, wie ich es träume. + Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. Erst, wenn „aufgeräumt“ + sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu gefallen. </p> + <p> Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im + Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft werden. + </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="116"/><anchor id="Pg116"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Joachim</head> + <p> Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: „Treffe drei Uhr fünfzig + nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim.“ Das Telegramm war frühmorgens + in Berlin aufgegeben. </p> + <p> Erst langsam begriff ich, daß da etwas Wunderliches geschah, daß mein + verschollener Bruder plötzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiß durchs Herz, und + ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzählen. Aber ich ging zuerst zu + Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgültig: </p> + <p> „Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab.“ </p> + <p> „Ich weiß nicht, wie ich’s mit der Mutter machen soll.“ </p> + <p> „Der Mutter würde ich vorläufig nichts sagen. Sie wissen ja noch nicht, warum + Ihr Bruder heimkommt. Also sprechen Sie erst mit ihm.“ </p> + <p> Diesem Rate folgte ich. Schon kurz nach drei Uhr war ich auf dem Bahnhof. Ich + verbrachte qualvolle Minuten des Wartens. Als aber der Zug einlief, war ich ganz + ruhig. Ich sah Joachim an einem Fenster stehen und winkte ihm zu. Als er + ausgestiegen war, sagte ich: </p> + <pb n="117"/><anchor id="Pg117"/> + <p> „Willkommen, Joachim; ich freue mich, daß du gekommen bist.“ </p> + <p> Sein Gesicht war bleich, und die Hand, die er mir gab, war feucht. </p> + <p> „Weiß es die Mutter?“ </p> + <p> „Nein. Ich wollte erst mit dir sprechen.“ </p> + <p> „Das ist gut. Ich kann wohl am besten hier in einem Hotel unterkommen. Ich heiße + Harton, verstehst du, Doktor Harton aus Baltimore.“ </p> + <p> Er sprach mit einem Gepäckträger; dann fuhren wir nach einem Hotel. </p> + <p> Unterwegs fragte ich ihn: </p> + <p> „Bist du gesund?“ </p> + <p> „Ja – oder auch nein – ach Gott, ich weiß es selbst nicht.“ </p> + <p> Ich wollte Joachim erst Zeit lassen, sich zu waschen und ein wenig auszuruhen, + aber er nötigte mich bald mit auf sein Zimmer. Auf seinem Reisekoffer saß er, + den Mantel noch um die Schultern, und sprach mit gepreßter, etwas stoßender + Stimme: </p> + <p> „Da bin ich nun doch hierhergekommen. Ich hätte es nie für möglich gehalten. + Aber als wir anfingen Briefe zu wechseln, verlor ich meine Sicherheit – das + Heimweh – das quälende Heimweh ...“ </p> + <p> Ich trat ans Fenster und sah auf die Straße. </p> + <p> „Fritz!“ </p> + <p> Ich wandte mich ihm wieder zu. </p> + <p> „Fritz, warum habt ihr eigentlich dieses Attentat – nun ja, ich muß schon + Attentat sagen, es hat mich ja <pb n="118"/><anchor id="Pg118"/>ganz wehrlos gemacht – warum habt + ihr eigentlich diese Geschichte mit dem Tagebuch gemacht?“ </p> + <p> „Was für eine Geschichte mit dem Tagebuch?“ </p> + <p> „Nun, daß du mir durch diesen Mister Stefenson, der ja wohl mit dir geschäftlich + verbunden ist, dein Tagebuch über Waltersburg hast schicken lassen.“ </p> + <p> „Ich dir mein – hast du denn mein Tagebuch geschickt erhalten?“ </p> + <p> „Ja, natürlich. Nicht das Original, aber eine Maschinenabschrift.“ </p> + <p> „Oh, dieser Mensch – dieser Stefenson!“ </p> + <p> „Weißt du gar nichts darum?“ </p> + <p> „Nichts! Gar nichts! Stefenson hat sich zwar mal meine kleinen Aufzeichnungen + entliehen; aber ich habe geglaubt, das geschehe nur aus purer Neugier. Nun hat + er eine Abschrift machen lassen und sie dir geschickt.“ </p> + <p> „Ja. Ich bekam die Blätter im Juli. Ein Vierteljahr lang habe ich es + ausgehalten, sie ungelesen in einer Schublade zu verwahren; ich habe sie + manchmal verbrennen wollen, aber nicht den Mut dazu aufgebracht, und habe sie + endlich doch gelesen, täglich wieder gelesen, bis meine Kraft alle war, so daß + ich notdürftig meine Angelegenheiten ordnete, und – und nun eben da bin.“ </p> + <p> + <anchor id="corr118"/><corr sic="Das">„Das</corr> haben meine wenigen Aufzeichnungen zuwege gebracht?“ + fragte ich verwundert. </p> + <p> „Ja, du weißt nicht, was das heißt, keine Heimat mehr zu haben. Die anderen + Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue Heimat, neue + Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfühlen. Ich habe nichts + <pb n="119"/><anchor id="Pg119"/>von alledem gesucht und bin ganz losgelöst von aller Wurzelerde gewesen. Da + ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von dem alten Nest + Waltersburg, nicht die Berichte über die Mutter, selbst die Geschichten über das + Spießertum in der Heimat haben eine – nun ja, ich gestehe es – eine rasende + Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann auch das – auch das – aber + lassen wir das!“ </p> + <p> Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht über die + Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah, in wie + schwerer Erregung der Mann schon war, und hütete mich, dieses ernsteste Thema + nun zur Sprache zu bringen. </p> + <p> Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, riß dann + plötzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich mit + hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend: </p> + <p> „Ach Gott, ich bin doch froh, daß ich hier bin.“ </p> + <p> Wir reichten uns stumm die Hände. </p> + <p> Dann sagte ich: </p> + <p> „Nun, Joachim, wollen wir uns aber freuen und als Männer beraten, was zu tun + ist.“ </p> + <p> Er sah mich von der Seite an. </p> + <p> „Du weißt wohl natürlich auch nicht, daß mich Mister Stefenson als zweiten Arzt + für dein Sanatorium berufen hat?“ </p> + <p> „Hat er das?“ </p> + <p> „Ja, allerdings nur unter der Bedingung, daß mir deine Idee von den Ferien vom + Ich eingeht. Und sie geht <pb n="120"/><anchor id="Pg120"/>mir ein, mein Junge; sie ist vernünftig + und fruchtbar; ich gratuliere dir dazu!“ </p> + <p> Eine rote Welle schlug mir ins Gesicht. </p> + <p> „Schönen Dank, Joachim. Du weißt, wie sehr ich dich immer mir für überlegen + gehalten habe.“ </p> + <p> Er winkte, schwermütig den Kopf schüttelnd, ab. Dann setzte er sich mir + gegenüber und ergriff wieder meine Hand. </p> + <p> „Sieh mal, Junge, daß du mich nun fünf Jahre lang gesucht hast – das – nun ja, + es gibt eben Schulden, die sich nicht bezahlen lassen. Was nun aus mir wird, + weiß ich nicht. Ich will allen Starrsinn ablegen; ich will mich mal ganz wieder + von den Wellen der Heimat treiben lassen, ich will auch gutem Rat zugänglich + sein. Aber ich möchte nicht erkannt werden; ich möchte nicht, daß all der + Schwatz und Klatsch – ach, laß uns die heilige Stunde nicht durch schmutzige + Erinnerung verderben. Wenn es möglich wäre, daß ich als Doktor Harton aus + Baltimore vor den Leuten gälte, sähe ich mir gern auf einige Zeit das Leben in + der Heimat an. Da kam mir der Vorschlag dieses kuriosen Mister Stefenson, als + Arzt in eure Anstalt einzutreten, ganz gelegen. Jeder legt dort seinen Namen ab, + jeder lebt unerkannt seinen Tag, jeder ist fern von dem glücksfeindlichen + Schwarm, der einem aus der Vergangenheit nachdringt, kurz, lieber Fritz, ich + möchte der erste sein, der in deiner Zufluchtsstätte Ferien macht von seinem + Ich.“ </p> + <p> Beide Hände streckte ich dem Bruder entgegen. Wie ein offenbares Zeichen + himmlischen Segens für meine <pb n="121"/><anchor id="Pg121"/>Gründung stand der langvermißte + Bruder vor mir als erster und willkommenster Gast meines Ferienheims. Wie konnte + sich ein Glück herrlicher fügen! In dem überströmenden Gefühl des Augenblicks + sagte ich: </p> + <p> „Joachim, du hast diese Stunde eine heilige genannt. Zürne mir nicht, wenn ich + dich nun noch bitte: sprich auch ein einziges gutes Wort von der kleinen Luise.“ </p> + <p> Da wurde sein Gesicht finster. </p> + <p> „Ich kann noch nicht – laß mir Zeit!“ </p> + <p> Und ich schwieg. Es wurde still in der Stube. Der Abend dunkelte durch die + Fenster. Allmählich aber kam die Unterhaltung wieder auf. Wir entwarfen Pläne + für die nächste Zukunft. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Als wir nach mehreren Stunden nach dem Speisesaal des Hotels kamen, saß dort + Mister Stefenson. Ich ging sofort auf ihn zu und sagte: </p> + <p> „Mister Stefenson, das ist sicher: Sie sind einer der größten Prachtkerle der + Welt. Da ist er – mein Bruder Joachim – den Sie heimgezaubert haben.“ </p> + <p> Stefenson antwortete mir nicht, schüttelte aber dem Bruder herzlich die Hand. </p> + <p> „Das ist schön, daß Sie gekommen sind. Hergezaubert habe ich Sie zwar nicht; + denn ein Mann wie Sie läßt sich nicht herzaubern. Aber daß Sie gekommen sind und + uns bei unserem Bau helfen wollen, ist ein Glück; denn Ihr Bruder hat zwar + Phantasie und auch sonst brauch<pb n="122"/><anchor id="Pg122"/>bare Eigenschaften, aber im ganzen + ist er ein Schwärmer.“ </p> + <p> „Danke, Mister Stefenson!“ </p> + <p> „O bitte!“ </p> + <p> Wir setzten uns zusammen. Stefenson kam sofort aufs Geschäftliche. </p> + <p> „Sehen Sie, Doktor Harton, den ganzen Bau, wo wir die elektrischen Bäder, + überhaupt alle klinischen und medizinischen Einrichtungen unterbringen wollen, + habe ich trotz des Widerspruchs meines geehrten Kompagnons bis jetzt nur in den + Außenumrissen fertiggestellt; die endgültige innere Einrichtung sollte bleiben, + bis Sie kämen; denn Sie haben in solchen Dingen große Erfahrung, da Sie sich + schon zweimal organisatorisch sehr bewährt haben.“ </p> + <p> „Woher wissen Sie das?“ </p> + <p> „Na, ich habe mich doch selbstverständlich in mehreren guten Auskunftsbüros über + Sie erkundigt. Wenn Sie nichts getaugt hätten, hätte ich mich doch auch nicht um + Sie bemüht. Aber wir brauchen Sie! Deshalb schickte ich Ihnen das Tagebuch.“ </p> + <p> Verärgert fuhr ich den Krämer an: </p> + <p> „Sie haben also wieder nur ans Geschäftliche gedacht?“ </p> + <p> „Na selbstverständlich, Sie verwundertes Unschuldslamm! Woran soll man denken + als ans Geschäftliche, wenn man ein nicht gar zu schlechter Kaufmann ist?“ </p> + <p> Joachim lächelte; mir aber stürzte wieder einmal ein <pb n="123"/><anchor id="Pg123"/>gläsernes + Tempelchen ein, in das ich meinen Götzen Stefenson gesetzt hatte. </p> + <p> Stefenson nahm nun meinen Bruder ganz in Anspruch. Er fragte über tausend Dinge + aus Amerika. Ich schwieg. Vielleicht war es ganz gut, daß der durch die Heimkehr + äußerst aufgeregte Bruder zunächst durch die trostlos nüchternen Schwadronaden + dieses Kaufmanns Stefenson abgelenkt wurde. </p> + <p> Wir hatten schon Abendbrot gegessen, als sich Stefenson verabschiedete. Er + erzählte, er habe einen kleinen Neffen. Der Vater sei tot, die Mutter an einen + gefühllosen Mann wieder verheiratet, der dem sechsjährigen Knaben ein Stiefvater + sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in Hamburg. Er wolle den + Knaben, der Georg heiße, mal probeweise zu sich nehmen; vielleicht, daß etwas + aus ihm würde. Die Gründung einer so neuen Gemeinde mit allem ihrem Drum und + Dran müsse ja auf einen Jungen einen tiefen Eindruck machen und ihm fürs ganze + Leben einige stählerne Gerüstschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also + mit dem Nachtzug reisen, und er hätte es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof + begleitete, da er wegen der Vertretung manches Geschäftliche mit mir noch zu + erledigen habe, womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der + Straße waren, sagte Stefenson: „Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie + mir nicht hinterher wieder aus dem Häuschen fallen und alles verderben. Also, + mein kleiner Neffe, der Georg, ist nämlich gar kein Junge, sondern ein Mädchen + – er ist die kleine Luise.“ </p> + <pb n="124"/><anchor id="Pg124"/> + <p> „Stefenson, Sie sind toll!“ </p> + <p> „Nein. Ich bin vernünftig. Die kleine Luise muß Ferien von ihrem Ich machen. Als + Mädel ist es ihr hundsmiserabel gegangen, ausgenommen die letzten dreiviertel + Jahr, wo sie in dem Institut war, aber auch dort mehr Strenge als Liebe, mehr + Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus soll sie aus ihrer Haut, ein Junge + werden, Courage kriegen, dieses Ducken abgewöhnen, wenn eine Hand nach ihr faßt; + nein, sich selbst ’rumhauen mit Buben und Straßenbösewichten und immer bei mir + sein und da eine gerechte Behandlung haben.“ </p> + <p> Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Großes an meinem + Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum Aufschieben seiner Idee + zu bewegen. Er schlug es rund ab. </p> + <p> Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in dem + Thüringer Institut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es in der + Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewußtsein seiner Kraft + und seines eigenen Wertes zu erziehen. </p> + <p> Ich wußte, daß Mister Stefenson in die kleine Luise vernarrter war, als je ein + Vater oder Großvater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter irgendeinem + Vorwand einmal nach Thüringen verschwunden; das Mädchen hatte sich an den Mann, + den sie als ihren liebevollsten Freund erkannte, jedenfalls dankbar + angeschlossen, und dem alten Seehund, den wahrscheinlich nie eine zärtliche Hand + gestreichelt hatte, tat diese Kindesliebe so wohl, <pb n="125"/><anchor id="Pg125"/>daß er diesmal + auf allen kaufmännischen Vorteil vergaß und wie ein verliebter Narr handelte. </p> + <p> Mochte er es tun! </p> + <p> Stefenson reiste ab. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Wie hatte er gesagt? Keine Gewalt der Erde wird mich hindern, das Kind zunächst + mal in der Tracht eines Knaben zu erziehen. </p> + <p> Drei Tage nach Stefensons Abreise bekam ich einen Brief von ihm. </p> + <p> <text><body><p>„Mein Lieber! Die Idee, Luise als Knaben zu kleiden, habe ich aufgegeben. Denn + sie will nicht. Sie heult, daß sie ein Junge werden soll. Auch die Haare mag sie + nicht abgeschnitten kriegen. Da ist nichts zu machen; Luise bleibt ein Mädel. + Hier lasse ich sie aber nicht; sie hat es viel zu schlecht. Ich will mal sehen, + daß ich das Kind zunächst in Neustadt unterbringen kann. Ich weiß da eine gute + Familie, die mir den Gefallen gegen Entschädigung tun wird. Und ich kann dann + die Erziehung täglich beaufsichtigen. Diskretion Ehrensache, namentlich gegen + Ihren Bruder, der mir für die Erziehung des nur außerordentlich geschickt zu + behandelnden Kindes nicht geeignet erscheint. Wir kommen Montag mit irgendeinem + Zug. Am Bahnhof zu erwarten brauchen Sie uns nicht. </p><signed rend="text-align: right">Stefenson.“</signed></body></text></p> + + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Am nächsten Tage sollte ich Joachim zum Heimweg abholen und hatte versprochen, + vorher die Mutter zu unterrichten. </p> + <pb n="126"/><anchor id="Pg126"/> + <p> Wir saßen beim Frühstück zusammen; ich versuchte ein paar Anläufe, brachte aber + die Botschaft nicht heraus. Die Mutter verwunderte sich sehr. Dann machte ich + einen Spaziergang durch die Stadt. Als ich zurückkam, stand die Mutter am + Fenster und schaute wie so oft dem Sprudeln des Johannisbrunnens zu. Die ersten + Schneeflocken flogen durch die Luft und hüllten den Platz in traulichen weißen + Schimmer; aber die Sehnsucht dieser Frau ging wieder in die Weite, und sie sah + nichts von der silbernen Pracht um sich her. </p> + <p> Auch ich war jahrelang in der Fremde. Doch ich war überzeugt, die Mutter hatte + kaum einmal an mich gedacht, wenn sie an Joachim siebenmal dachte. Ich ging an + ihrer Tür vorbei nach meinem Zimmer. Da saß ich, bis es hohe Zeit war, nach + Neustadt aufzubrechen, um zur verabredeten Stunde dort zu sein. Endlich sagte + ich mir, daß ich ein Geselle von kindischer Eifersucht sei, und ging in das + Zimmer der Mutter. </p> + <p> „Ich habe dir etwas mitzuteilen, Mutter; erschrick nicht!“ sagte ich, und die + nervöse Frau erschrak natürlich aufs schwerste. </p> + <p> „Es handelt sich um Joachim!“ </p> + <p> „Um Gottes willen – ist ihm etwas passiert – ist er in Not – willst du zu ihm + fahren?“ </p> + <p> Ich mußte lächeln. Zu ihm fahren! – Daß ich damit mein Lebenswerk aufgegeben + hätte, daran dachte die Mutter nicht. </p> + <p> „Es ist nichts Schlimmes, Mutter; es ist etwas Gutes, was ich dir von Joachim zu + sagen habe.“ </p> + <pb n="127"/><anchor id="Pg127"/> + <p> „Sage es mir, Fritz, will er – will er nach Hause kommen?“ </p> + <p> „Ja, er kommt schon heute.“ </p> + <p> Da stieß sie einen Schrei aus, dann weinte sie laut, schlug in die Händchen, + rannte durchs Zimmer und sprach laute Dankesworte zu Gott, der ihr das größte + Glück beschieden habe, das es für sie gebe. Als sie etwas ruhiger wurde, fragte + sie: </p> + <p> „Und er ist ganz von selbst gekommen, oder hast du ihm noch einmal geschrieben, + daß er kommen soll?“ </p> + <p> Ich schüttelte den Kopf. </p> + <p> „Ganz von selbst gekommen“, sagte sie selig; „der treue Sohn!“ </p> + <p> In trockenem Tone entgegnete ich: </p> + <p> „Mutter, es wird lange dauern, ehe ich mit Joachim eintreffe, den ich in + Neustadt abhole. Erst in der Dämmerung kommen wir. Inzwischen rege dich nicht + allzusehr auf und vergiß nicht, deinen Baldriantee zu trinken.“ </p> + <p> Das nahm sie ungnädig auf. </p> + <p> „Baldriantee – wie kannst du jetzt von so etwas reden. Ich werde natürlich mit + nach Neustadt fahren.“ </p> + <p> „Nein, Mutter; Joachim wird nur unter der Bedingung hier leben, daß er von den + Leuten nicht erkannt wird. Deshalb wird er als Arzt in meine Kuranstalt + eintreten.“ </p> + <p> „Und nicht bei mir wohnen?“ </p> + <p> „Nein, er wird im Ferienheim wohnen.“ </p> + <p> „O – o du nimmst ihn mir?“ </p> + <pb n="128"/><anchor id="Pg128"/> + <p> „Ich nehme ihn dir nicht –“, entgegnete ich unwillig; „mache mit Joachim selbst + ab, wie ihr es halten wollt; ich werde mich da nicht einmischen.“ </p> + <p> Ich ging verdrossen meines Weges. Aber draußen im Winterwalde wurde mein Herz + wieder warm; ich war glücklich. Immer, wenn ich mich glücklich fühle, habe ich + Lust, etwas Gutes zu tun. Heute fiel mir nichts anderes ein, als daß ich bald + eine Anzahl von Futterplätzen und Nistkästen für die Vögel in meinem Ferienheim + anbringen würde, auch auf die Gefahr hin, als Gäste lauter Sperlinge zu mir zu + ziehen. </p> + <p> Die Mutter! – Nun würde sie wohl das Haus von unterst zuoberst kehren und alle + Leckerbissen bereiten, die sie auftreiben konnte. Wahrscheinlich würde sie meine + beiden geräumigen Zimmer für Joachim einrichten und mich nach der Giebelstube + <anchor id="corr128"/><corr sic="umqartieren">umquartieren</corr>. Ich war schon wieder + eifersüchtig und voll häßlichen Mißtrauens, und es fiel mir ein, daß es besser + wäre, sich auf Mutter und Bruder zu besinnen, wenn man was Gutes tun will, als + auf die Spatzen ... </p> + <p> Es lag dichter Nebel auf der Chaussee, als ich mit Joachim heimging. Nicht + einmal die Kuppe des Weihnachtsberges war zu erkennen. Die Heimat hatte ihr + Haupt verhüllt wie eine schmollende Frau. Und Joachim ging stumm und betreten + neben mir her, fast wie ein Sünder. Er war auch ein solcher; denn er hatte sein + Herz verhärtet, und alle Herzensverhärtung ist Sünde. </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand</l> + <l>Kommt wieder heim aus fremdem Land.</l> + <pb n="129"/><anchor id="Pg129"/> + <l>Sein Haar ist bestaubt, sein Antlitz verbrannt,</l> + <l>Von wem wird der Bursch wohl zuerst erkannt?“</l> + </lg> + <p> Es war ganz, wie es Vogl in seinem alten, hübschen Gedichte schildert: die Leute + kannten Joachim nicht mehr. Er war schon in seinen letzten Studentenjahren + selten zu Hause gewesen, als verheirateter Mann fast gar nicht, und dann kamen + die Auslandsjahre, da sein Kopfhaar dünn und sein Bart dicht wurde und die Zeit + die große Retouche an seinem Gesicht vollzog – er war ein anderer geworden. </p> + <p> In sieben Jahren soll sich der Körper des Menschen ganz erneuern. So wanderte + jetzt kein Atom dessen mehr nach der Heimat zurück, was vor sieben Jahren + auszog. Hätte Joachim keine Seele gehabt, so wäre wirklich ein ganz fremder, ein + ganz anderer Mensch nach Hause gekommen. Dem Bäcker Schiebulke begegneten wir. + Er war Joachims Angelkamerad gewesen. Jetzt fühlte er sich geehrt, daß ich ihn + auf der Straße anhielt, und eilte gewiß alsbald ins nächste Gasthaus mit der + Kunde, daß ein Dr. Harton aus Neuyork angekommen + sei als zweiter Arzt für das Ferienheim, und es müßten doch schon massenhaft + Kurgäste angemeldet sein, wenn man schon einen zweiten Arzt brauche. </p> + <p> Auch der alte Sanitätsrat lief uns in den Weg. Er war zwar nicht gut auf mich zu + sprechen, aber er ging doch nicht an uns vorbei und begrüßte den „Herrn Kollegen + von drüben“, den ich ihm vorstellte. </p> + <p> Auch die Frau Provisor, von der erzählt wurde, sie hätte, als sich Joachim + verlobte, mit negativem Erfolg <pb n="130"/><anchor id="Pg130"/>zwei Schachteln schwedische + Streichhölzer abgelutscht, um ihr gebrochenes Herz zum Schweigen zu bringen, sah + den ehemals Heißbegehrten jetzt nur neugierig an und ging vorüber. </p> + <p> So näherten wir uns dem Johannisplatz. Joachims Schritte wurden kleiner und + langsamer, sein Stock stampfte hart auf das Pflaster. Irgendwo stand wohl jetzt + der Mond; denn der Nebel über dem Johannisplatz war durchsichtig und silberhell. </p> + <p> „Der alte Brunnen!“ sagte Joachim leise; „es ist merkwürdig, daß meine Gedanken + meist um den alten Brunnen gingen, wenn ich an die Heimat dachte.“ </p> + <p> Nun näherten wir uns dem Vaterhause und standen am Brunnenrand; da blickte + wirklich wie in alten Kindertagen die Mutter auf uns herab. </p> + <p> Joachim stützte sich auf das Gemäuer, und weiße Tropfen aus der Schale Baptistas + besprengten seine Hand wie mit einem Weihwasser, ehe er in das Heiligtum seines + Vaterhauses eintrat. </p> + <p> Ich stieg mit ihm die Treppe hinauf und öffnete nach leisem Klopfen die Tür zur + Mutter. </p> + <p> Ich sah noch, wie beide mit leisem Aufschluchzen die Arme ausbreiteten, schloß + die Tür und blieb draußen. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="131"/><anchor id="Pg131"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Weihnachten</head> + <p> Stefenson ist an dem von ihm angegebenen Tage nach Hause gekommen. Auf meine + Frage nach der kleinen Luise entgegnete er grob, ich solle mich nicht in seine + Privatangelegenheiten mischen; hätte ich mich früher nicht um das Kind + gekümmert, wo es das Mädel nötig gehabt hätte, so sei meine Anteilnahme jetzt + völlig überflüssig. Das gleiche könne er auch nur mit Bezug auf meinen Bruder + sagen; er hätte sich jetzt schon Vorwürfe über dessen Berufung gemacht. Da + könnten bloß Schwierigkeiten entstehen. </p> + <p> „Mister Stefenson“, sagte ich, „Sie benehmen sich wie ein Drache, der die + verwunschene Jungfrau behütet.“ </p> + <p> „Drache hin, Drache her; ich geb’ sie nicht heraus“, knurrte er. </p> + <p> „Das sollen Sie ja gar nicht; wir überlassen Ihnen ja das Kind.“ </p> + <p> „Wirklich?“ </p> + <p> „Wirklich!“ </p> + <p> „Na, dann ist es gut!“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Stefenson hat die Waltersburger zu einem Festabend im großen Theatersaal des + neuen Rathauses berufen (der Name Rathaus ist beibehalten worden, obwohl wir <pb + n="132"/>keinen eigenen Bürgermeister haben werden). Dieser Theatersaal ist + Hals über Kopf fertiggestellt worden. Er könnte schöner sein. Aber er ist + geräumig, und die Akustik ist gut. Auch ist eine hübsche Liebhaberbühne da. + Sonst sieht es im Rathaus noch sehr wild aus, und es gehörte viel Tannenreisig + dazu, um die unfertigen Wände, Kalkkübel und Schutthaufen zu maskieren, die in + der Nähe des Treppenhauses einen unschönen Anblick bieten. </p> + <p> Der Lehrer Herder hat ein Melodram geschaffen. Der Mann dichtet, komponiert und + malt. Über braven Dilettantismus geht es bei Herder nirgends hinaus, aber er + schafft für den Hausbedarf brauchbare, gefällige Sächelchen. </p> + <p> Die Einladung ist wieder an alle Volkskreise ergangen nach dem Noahrezept: „Von + jeder Art zwei Pärchen.“ Dazu sind alle Kinder geladen, die zum großen Teil bei + dem Melodram mitspielen. Die Tatsache, daß die Kleinen auf Stefensons Kosten die + Gewänder geliefert erhielten, die zu ihren Rollen gehören, hat dem Spender + vollends die Sympathie der Stadt verschafft. </p> + <p> Der Festsaal war denn auch beängstigend voll – zugleich für Joachim die große + Probe, ob er erkannt werden würde oder nicht. </p> + <p> Er wurde nicht erkannt. Die Leute betrachteten ihn mit der Neugier, die dem + überseeischen Arzt galt, von dessen Ankunft sie alsbald mit der gläubigen + deutschen Ausländerverehrung gesagt hatten, nun müsse es wirklich eine gute + Kuranstalt werden, da sogar ein amerikanischer <pb n="133"/><anchor id="Pg133"/>Arzt mittue. Von + der Zeit an schienen den Waltersburgern die Neustädter geschlagen; denn Neustadt + hatte nur deutsche Ärzte. </p> + <p> Ich besuchte diese harmlose Weihnachtsfeier mit erregtem Herzen. Einige Tage vor + dem Festabend war mir Herder begegnet und hatte mir mitgeteilt, daß nun in + seinem Melodram sogar die eigene Nichte von Herrn Stefenson eine Hauptrolle + übernehmen und ein kleines Liedchen singen würde. Ich verbarg mühsam meinen + Schrecken. </p> + <p> Herder erzählte weiter: </p> + <p> „Ich habe mit der Kleinen – die Leute sagen, es sei die Tochter des + amerikanischen Petroleumkönigs – eine Probe gemacht. Sie hat eine allerliebste + Stimme, aber sie erscheint etwas schüchtern.“ </p> + <p> Ich verabschiedete mich und ging sofort zu Mister Stefenson. </p> + <p> „Es ist unerhört ...“ </p> + <p> Er wußte augenblicklich, was ich meinte. </p> + <p> „Gar nichts ist unerhört“, unterbrach er mich rauh. „Die Nichte von Mister + Stefenson kann auftreten und singen, wo sie will. Sie muß auftreten, sie muß + ihre Schüchternheit überwinden. He, Sie scheinen mir ein schöner Psychologe zu + sein, wenn Sie solche Momente außer acht lassen wollen.“ </p> + <p> Was hatte es für Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun mußte eben + durchgehalten werden ... </p> + <p> Die Mutter saß mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an der + Bühne. Ich sah und hörte <pb n="134"/><anchor id="Pg134"/>kaum etwas von dem Melodram, von dem + Gewimmel von Zwergen, Kobolden, Nußknackern, Pfefferkuchenmännlein, + Tiergestalten, Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum üblichen + Weihnachtsstück gehören; ich wartete mit Herzklopfen auf den Weihnachtsengel, + als dessen Darstellerin Miß Stefenson aus Chikago auf dem riesigen roten + Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte „Bild“ übrig, nun mußte + Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen. </p> + <p> Der Vorhang hob sich. – Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit ihrem + Kind, Joseph, die Hirten, die drei Könige; rings in Anbetung versunken knieten + Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmännlein. Es war alles in halber Nacht, nur + von einem mattroten Schein erhellt. </p> + <p> Da erschien plötzlich ein Licht über der Grotte, ein wunderschönes Engelein trat + in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Vom Himmel hoch, da komm ich her</l> + <l>Und bring euch allen frohe Mär:</l> + <l>Geboren ist in Davids Stadt</l> + <l>Er, der des Lebens Fülle hat.“</l> + </lg> + <p> Die Mutter saß wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und drückte + sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die ganze Gemeinde + saß in Andacht. </p> + <p> Joachim war ganz gleichmütig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: </p> + <pb n="135"/><anchor id="Pg135"/> + <p> „Mister Stefenson, Ihre Nichte ist ein reizendes Kind!“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Die Mutter wollte sofort nach Hause. Ich begleitete sie. Wir gingen stumm in dem + Menschenstrom. Erst als wir daheim angelangt waren und die Lampe angezündet + hatten, sah mich die Mutter voller Angst an. </p> + <p> „Fritz – das Kind – dieses Kind ...“ </p> + <p> Ich sah ihr ernst in die Augen und schwieg. </p> + <p> „Fritz – sage mir – ist es – ist es? ...“ </p> + <p> „Ja. Es ist Luise.“ </p> + <p> Da sank sie auf das Sofa und verbarg den Kopf. Ich trat zu ihr. Nicht ohne + Bitterkeit sagte ich: </p> + <p> „Mutter, du brauchst dich nicht zu ängstigen, das Kind wird dir nie + Ungelegenheiten machen; es ist in Mister Stefensons Pflege gut aufgehoben.“ </p> + <p> So wollte ich gehen. Aber ich brachte es doch nicht fertig. Ich blieb am Tische + sitzen. Nach langer Zeit, in der nichts zu hören war als das leise Singen der + Lampe und der Schlag unserer Standuhr, stützte die Mutter den Kopf auf den Tisch + und sagte müde: </p> + <p> „Das Kind ist Joachim ähnlicher, als er sich jetzt selbst ist!“ </p> + <p> Nach einem Weilchen meinte sie: </p> + <p> „Es wird wohl keine Möglichkeit geben, daß ich das Kind zu mir nehme?“ </p> + <p> „Nein, Mutter, es gibt keine solche Möglichkeit mehr!“ Damit ging ich nach + meinem Zimmer. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="136"/><anchor id="Pg136"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1="Fuegung ...!"/> + <head>Fügung ...!</head> + <p> Joachim wohnt jetzt in der Lindenherberge, wo schon einige Zimmer fertiggestellt + sind und auch der Küchenbetrieb schon im Gange ist. Im Rathaus gegenüber haust + Stefenson. Er hat seine Arbeitstätigkeit noch vermehrt und, wie er mir sagte, + keine Zeit mehr, Luises willen täglich nach Neustadt zu fahren und sich um das + „Gänschen“ zu kümmern. So wolle er das Mädel lieber zu sich nehmen. Das sei ihm + zwar sehr störend, aber was wolle er machen? Er hätte auch gefunden, daß die + Pflegeeltern in Neustadt die Sache mit Luise nicht recht verständen. Ich + grunzte. Sonst sagte ich nichts ... </p> + <p> Die weitere Ausgestaltung unserer Riesenanstalt schritt mit größter + Schnelligkeit vor sich. Da sagte Mister Stefenson eines Tages zu mir: </p> + <p> „Und nun, mein Lieber, ist es die allerhöchste Zeit, daß wir an die + Bauernrequirierung gehen. Zehn Höfe sind fast fertig, das Vieh ist rasch zu + beschaffen, ebenso die Haus- und Ackergeräte, aber das Bauernvolk, das uns + einpaßt, das will gesucht sein. Ich hatte anfangs an Agenten gedacht, aber das + ist nichts; die gehen bloß auf ihre Provision aus und schicken uns Schinder und + Plun<pb n="137"/><anchor id="Pg137"/>der auf den Hals. Haben Sie also die Freundlichkeit, sich + in einen Vieh- oder Getreidehändler oder, wenn Ihnen das besser liegt, in einen + Gütermakler zu verwandeln und mich morgen auf der Bauernsuche zu begleiten.“ </p> + <p> Nun, diese Aufgabe paßte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glück + zunächst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausrüstung. Schaftstiefel, + englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit Hirschhornknöpfen und + grüner Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, ein seidenes Tüchlein um den + Hals, eine Lodenmütze, das war meine Ausrüstung. Solcher Kleidung bringen die + Bauern Zutrauen entgegen, da vermuten sie keine verkniffenen Städter, keine + „Juden oder Winkeladvokaten“, die sie übers Ohr hauen wollen. </p> + <p> Es wäre alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am nächsten Morgen, als die + Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht hätte. </p> + <p> Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange Reise + mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedächte, daß uns das Mädel nur stören und + aufhalten würde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit. </p> + <p> „Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel“, sagte die Kleine mit einem Anflug von + schnippischem Ton. </p> + <p> „Sie macht sich heraus; sie fängt an, Courage zu kriegen“, sagte der „Pappa“ + anerkennend. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Auf einer größeren Station stiegen wir während des Zugaufenthaltes aus, um dem + Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthändlers <pb n="138"/><anchor id="Pg138"/>waren, näherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich an, + dann das Kind, faßte es blitzschnell an der Hand, riß es an sich und küßte es + wie rasend. </p> + <p> Das Mädel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: „Aber Madame, was + tun Sie?“, und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige Leute eilten + herbei; es gab gewaltiges Aufsehen. </p> + <p> „Zurück in den Wagen!“ rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. Bald + saßen wir im Abteil, und die Tür flog zu. </p> + <p> Draußen schrie eine gellende Stimme: </p> + <p> „Es ist mein Kind – es ist mein Kind – laßt mich zu meinem Kinde! Luise! + Luise!“ </p> + <p> Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen fest; der + aufsichtführende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte Auskunft. Ich stieg + aus, stellte mich vor und sprach einige aufklärende Sätze. Zuletzt sagte ich: </p> + <p> „Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf dieses + Kind habe!“ </p> + <p> Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach leise + auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhängenden Armen, heftig + schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: „Haben Sie einen gesetzlichen + Anspruch auf jenes Mädchen?“ </p> + <p> Da schüttelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser Wagenfenster, + dann verließ die Frau den Bahnhof. </p> + <pb n="139"/><anchor id="Pg139"/> + <p> „Wer war die böse Frau?“ fragte Luise verängstigt. </p> + <p> „Eine Verrückte“, sagte Stefenson rauh. </p> + <p> „Wird sie nie wieder zu mir kommen?“ </p> + <p> „Nein, nie wieder!“ </p> + <p> Wie lange doch der Aufenthalt noch währte! Die Leute spazierten draußen und + gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. Endlich setzte + sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er den Bahnhof + verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da gab es einen + gewaltigen Ruck und Stoß, und der Zug stand. </p> + <p> Ich riß das Fenster auf. Von der Lokomotive sprang der Heizer ab, Schaffner + eilten den Bahnsteig entlang – ein Schaffner kam zurück und gab uns Auskunft ... </p> + <p> Über das Feld rannte jene Frau ... </p> + <p> Das Weib hatte sich dicht hinter dem Bahnhof auf die Schienen geworfen, und der + Lokomotivführer hatte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen gebracht. </p> + <p> Luise war auf die Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenster. </p> + <p> „Da rennt sie – da rennt die böse Frau!“ rief das Kind. </p> + <p> „Laß das verrückte Weib!“ knirschte Stefenson. </p> + <p> Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog über die Fluren, frierende Vögel saßen auf + den Telegraphendrähten, alles, was draußen war, fror, die Bäume und die Berge, + die Tiere und die Menschen. </p> + <p> Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmähter Mutterliebe + im Herzen durch die kalte Flur, <pb n="140"/><anchor id="Pg140"/>das Kind hatte sich vor ihr + entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmäht. </p> + <p> Stefenson saß finster in seiner Ecke. </p> + <p> Das Kind begann wieder zu sprechen. </p> + <p> „Alle verrückten Menschen sind sehr böse.“ </p> + <p> Da brummte sie Stefenson an: </p> + <p> „Das kann man nicht sagen, du Gänschen! Manche Menschen können nicht mal richtig + dafür, daß sie verrückt sind.“ </p> + <p> „Wieso nicht?“ </p> + <p> „Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den großen Menschen von + Tausenden kaum einer richtig.“ </p> + <p> „Du hast aber gesagt, sie ist verrückt, und du hast es böse gesagt“, verharrte + das Kind. </p> + <p> „Dann habe ich eben eine Dummheit gesagt. Denn ich kenne die Frau nicht und kann + daher auch nicht wissen, ob sie verrückt oder böse ist.“ </p> + <p> „Böse ist sie“, wiederholte Luise; „denn sie hat mich sehr gequetscht und mich + auch in die Wange gebissen. Sie soll nicht wiederkommen.“ </p> + <p> Grau rann der Regen über das Wagenfenster. </p> + <p> All unsere frohe Laune war dahin. Schwache, gedrückte Menschen, saßen wir da im + Zuge, der uns schnell davonführte und eine große Strecke zwischen uns und die + Sünderin legte, die uns gestört hatte in unserer Behaglichkeit, und die wir + daher nicht rasch und rauh genug abschütteln konnten. </p> + <p> Der göttliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie hätte er wohl + gehandelt in meinem Falle? Hätte <pb n="141"/><anchor id="Pg141"/>er die Arme beiseitegestoßen, + sich einen Beamten kommen lassen und sich hinter „gesetzliches Recht“ + verschanzt? Wäre er dann weitergefahren, fast hinweg über den zuckenden Leib, + und hätte er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit + hochmütigem Abscheu in der Seele? Oder wäre ihr der Meister nachgegangen, hätte + sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein Zweiglein vom + verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein wenig goldene + Kindesliebe für die Zukunft verheißen? </p> + <p> Ferien vom Ich! </p> + <p> Ich werde mich vor allen Dingen erlösen müssen von allem kalten Hochmut des + Herzens und allem auch noch so „gesetzmäßigen“ Zurückstoßen der Schwachen und + Schuldigen ... </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="142"/><anchor id="Pg142"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Bauernanwerbung</head> + <p> In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar ergebnislose + Besuche auf den umliegenden Dörfern. Wie die Werber für eine Freiwilligenlegion + kamen wir uns vor. Auf der Landstraße trafen wir aber eines Tages ein Bäuerlein, + das in einem großen bunten Taschentuch allerhand Waren eingepackt trug, die es + wohl auf dem Markte erstanden hatte. </p> + <p> Ich schaute den Bauern prüfend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges Gesicht. + Und der Mann ging zu Fuß und trug sein kleines Paket. Das war einer für uns. An + die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht wenden, die hätten uns + ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine Landwirte mußten es sein, die auf + ihrer engen Scholle ein kümmerliches Leben führten und froh waren, in eine gute + Pachtung zu kommen. </p> + <p> Stefenson hielt das Pferd an. </p> + <p> „Wollen Sie mitfahren?“ </p> + <p> „Nee!“ antwortete der Bauer. </p> + <p> „Warum denn nicht?“ </p> + <p> Das Bäuerlein wies auf unseren lahmen Mietsgaul. </p> + <pb n="143"/><anchor id="Pg143"/> + <p> „Der Schimmel zieht mich nich; ich wieg’ ’n Zentner!“ </p> + <p> „Sie haben wohl schönere Pferde?“ </p> + <p> „Nee, ich hab bloß drei Zugkühe. Aber su schnell wie der Schimmel traben se + ooch.“ </p> + <p> „Hören Sie mal, Gevatter“, sagte ich, „Sie foppen uns. Das Pferd hat viel Geld + gekostet.“ </p> + <p> Er meckerte. </p> + <p> „Na, da mußt ihr schöne tumme Kerle sein.“ </p> + <p> Lachend ging er neben unserem Wagen her, und wir fragten ihn ein wenig über die + Gegend aus. Bald kam ein Straßengasthaus, und ich lud den Bauern ein, mit uns + einzukehren und ein Glas mit uns zu trinken. </p> + <p> „Nu“, sagte er, „das kann ich schon. Aber ich sag’s Ihn’ gleich ehrlich: zu + holen is bei mir nischt. Würfeln tu ich nich, und billig zu verkoofen hab ich + ooch nischt! Keene Kuh, kee Schwein, kee Getreide und ooch keene alten Schränke + und zinnernen Teller.“ </p> + <p> „Warum vermuten Sie denn, daß wir Ihnen was abschachern wollen?“ </p> + <p> „Ja, da müßt man doch euch Stadtjuden nich kenn’. Umsunst gebt ihr doch eenem + fremden Bauer keen Schnaps zum besten.“ </p> + <p> „Da haben Sie ganz recht“, sagte Stefenson; „wir wollen etwas von Ihnen. Wir + wollen <hi rend="gesperrt">alles</hi> von Ihnen: Ihre Wirtschaft, + Ihre Kühe, Schweine und Hühner und sogar Sie selber und Ihre Frau und Ihre + Kinder.“ </p> + <p> Der Bauer brach in helles Gelächter aus. </p> + <pb n="144"/><anchor id="Pg144"/> + <p> „Hatt’ ich mir’s doch gleich gedacht, daß Sie der Menschenfresser sind.“ </p> + <p> „Also den nehmen wir bestimmt!“ sagte Stefenson zu mir, wie wenn eine Ware zum + Verkauf stände. </p> + <p> „Mich nehmen Sie?“ vergnügte sich der Bauer. „Sie sein ja der ulkigste Kerle von + der Welt.“ </p> + <p> Stefenson zog die Stirne kraus. Drinnen setzte er sich dem Bäuerlein an dem + rohen Tisch der Schankstube gegenüber, nahm ein Notizbuch heraus und sagte: </p> + <p> „Wie heißen Sie?“ </p> + <p> „Ich? – Mit’m Familiennam’ su wie mei Vater und mit’m Vornamen wie Napoleon.“ </p> + <p> „Mensch, wie heißen Sie! Ich muß das wissen. Es handelt sich um eine + Angelegenheit, die für Sie wichtiger ist als für uns. Sie werden schon alles + erfahren. Also, wie heißen Sie?“ </p> + <p> „Wie heißen <hi rend="gesperrt">Sie</hi> denn?“ fragte der Bauer + zurück. Stefenson wurde ungeduldig. </p> + <p> „Wenn Sie es denn wissen müssen – ich bin Mister Stefenson aus Amerika, ein + sehr reicher Mann.“ </p> + <p> „Da könn’ Se lachen! Deswegen haben Se wahrscheinlich ooch so’n scheenes Pferd.“ </p> + <p> „Dummer Kerl!“ sagte Stefenson verdrossen und stand auf. </p> + <p> Der Bauer lachte. </p> + <p> „Nu hat a sich erst richtig vorgestellt, und nu steht er auf.“ </p> + <p> Es war Zeit, daß ich mich ins Mittel legte. Der Mann mußte wissen, um was es + sich handelte, sonst war mit <pb n="145"/><anchor id="Pg145"/>ihm nicht zu reden. Freilich war es + nicht leicht, so einer naiven Haut die Idee von den Ferien vom Ich klarzumachen. + Ich versuchte das auf folgende Weise: </p> + <p> „He, lieber Freund, haben Sie schon irgendmal einen Städter kennengelernt, der + richtig arbeitet?“ </p> + <p> „Nee. Die Städter sein olles faule Luder. Se könn’ Heringe oder Leinwand oder + Pillen verkoofen oder in a Stuben sitzen und kritzeln, aber arbeiten könn’ se + nicht. Se schlafen ja olle bis um <anchor id="corr145"/><corr sic="sieben.">sieben.“</corr> + </p> + <p> „Da haben Sie recht. Und glauben Sie, daß so ein Leben, wie es die Städter + führen, gesund ist?“ </p> + <p> „Miserablig ungesund is es! Se sehn ju olle aus wie Quargschnitten, und Kräfte + ham se nich die Spur. Se verfauln reeneweg.“ </p> + <p> „Bravo! Was Arbeit ist und was Gesundheit ist, weiß nur der Bauer. Nun wissen + Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten.“ </p> + <p> „Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich lieber + zu Hause.“ </p> + <p> „Schön. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollständig. Wenn man nun + aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind, nein, wo + lauter Bauernhöfe wären und wo die Städter, die eine Kur machen wollen, mal auf + dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten müßten, das würde doch + den Schlingeln gesund sein – nicht wahr?“ </p> + <p> „Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schön hüten und arbeiten. Wenn + se aufs Dorf komm’n, <pb n="146"/><anchor id="Pg146"/>saufen se einem bloß die gute Milch weg und + fressen die scheensten Birn’ von a Bäumen. Sonst tun se nischt.“ </p> + <p> „Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der Stadt + mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesünder werden wollen. Das + ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt.“ </p> + <p> „Die Doktors verstehn alle nischt, die Schäfer sind klüger.“ </p> + <p> „Das mag wohl sein; aber der Doktor, der das ausgeknobelt hat, der versteht + schon seine Sache. Sehn Sie, kurz heraus: es soll eine Kuranstalt gemacht + werden, die hat vierzig Bauernhöfe, und auf allen Höfen sollen die Kurgäste + arbeiten. Und der Mann, der jene Anstalt gründet, ist eben jener Herr dort.“ </p> + <p> „Der? – Vierzig Bauernhöfe? – Se sind wohl nicht recht bei sich?“ </p> + <p> „Doch – doch – ich werd’ Sie doch nicht belügen.“ </p> + <p> „Wie heißt er? Mister? Mister – Ausmister!“ </p> + <p> Er lachte über seinen Witz. </p> + <p> „Mister bedeutet ‚Herr‘. Weil er eben ein Amerikaner ist.“ </p> + <p> Da erhob sich der Bauer. Er rief Stefenson an, der an einem anderen Tisch der + kleinen Luise eine Schinkenstulle zerteilte. </p> + <p> „Sie, Herr Mister, komm’n Se mal her! Zeigen Se mal Ihr Portemonnaie!“ </p> + <p> Ich zwinkerte Stefenson zu, den Wunsch zu erfüllen. Stefenson warf schweigend + seine dicke Brieftasche auf den Tisch. </p> + <pb n="147"/><anchor id="Pg147"/> + <p> „Bitte!“ sagte er phlegmatisch. </p> + <p> Der Bauer rührte sich nicht. </p> + <p> „Na, nu kucken Sie mal nach, was drin ist!“ ermunterte ich ihn. </p> + <p> „Ich werd’ mich schön hüten; nachher sagen Se, es fehlt was!“ </p> + <p> Mißtrauisch wie ein alter Fuchs vor der Falle, so saß der Bauer vor der + Brieftasche. Da schlug ich die Tasche auf und entnahm ihr blaue und braune + Schätze. Der Bauer schaute wie in ein Wunderland von Reichtum. Aber er rückte + beiseite. </p> + <p> „Wenn Se su reiche Herr’n sind, warum setzen Se sich da zu mir armen Schlucker? + Zum Ausstoppen bin ich mir viel zu schade.“ </p> + <p> Ich gab die Brieftasche an Stefenson zurück und redete dem neuen Freunde gut zu. + Ich erklärte ihm genau, was wir mit ihm vorhätten, wie er als Pächter auf einen + unserer Höfe ziehen solle, wie wir ihm die günstigsten Bedingungen einräumen und + ihm seine eigene Wirtschaft zu gutem Preise abkaufen würden, falls er sie nicht + anderweit günstig los würde. Wie ein König solle er auf seinem Gute hausen. Die + Kurgäste sollten unter seiner Leitung arbeiten und sich an seiner guten Laune + erfreuen. Ich kriegte heraus, daß der Bauer Emil Barthel hieß, noch nicht ganz + fünfzig Jahre alt war, ein gesundes Eheweib, namens Susanne, sowie zwei kräftige + Söhne und zwei Töchter besaß, daß von den vier Kindern aber drei auswärts in + Dienst standen, da er sie auf seiner kleinen Wirtschaft nicht beschäftigen und + ernähren konnte. </p> + <pb n="148"/><anchor id="Pg148"/> + <p> „Na, sehen Sie, Barthel, es wäre doch schön, wenn Sie alle Ihre Kinder bei sich + haben und ganz für sich arbeiten könnten. Da wäre doch auch was zurückzulegen.“ </p> + <p> Er saß nachdenklich da. </p> + <p> „Stoppen Se mich wirklich nich aus?“ </p> + <p> „Ich denke nicht daran.“ </p> + <p> „Wie kommen Se denn gerade auf mich?“ </p> + <p> „Na, wir haben Sie eben getroffen, und Sie gefallen uns.“ </p> + <p> „Dabei bin ich doch dem Herrn Mister grob gekommen.“ </p> + <p> „Das schadet nichts. Den Kurgästen werden Sie auch manchmal grob kommen müssen. + Das gehört zur Kur.“ </p> + <p> „Sind Sie auch so eener, der dort Bauer wird?“ </p> + <p> „Nein, ich bin der Doktor, der alles ausgetiftelt hat.“ </p> + <p> „’n Doktor sind Se? So sehn Se aber nich aus!“ </p> + <p> „Hm! Nun, so ein Doktor wie die andern bin ich auch nicht. Mehr so ’n halber + Schäfer.“ </p> + <p> „Oh, das wär nich schlecht! Aber ich glaub’s nich; ich kann’s nich glauben!“ </p> + <p> Ich zog einen Umschlag mit Photographien aus der Tasche. </p> + <p> „Jetzt werd’ ich Ihnen mal Bilder von unseren Höfen zeigen. Da – das ist ein + Wohnhaus.“ </p> + <p> „Das? – Das is ja ’n Schloß!“ </p> + <p> „Ja, wir haben schöne Wohnhäuser. Sie sollen ja mit Ihrer Familie nicht allein + in dem Hause wohnen; es sollen ja auch noch zwanzig Kurgäste drin Platz haben.“ </p> + <pb n="149"/><anchor id="Pg149"/> + <p> „Dunnerwetter!“ </p> + <p> „Und das ist die große Wohnstube, und so sieht der Kuhstall aus und so die + Scheuer.“ </p> + <p> Er atmete schwer. </p> + <p> „Wie groß ist denn die Wirtschaft?“ </p> + <p> „Hundert Morgen.“ </p> + <p> Da verdüsterte sich seine Stirn. </p> + <p> „Warum halten Sie mich denn zum Affen? So ’ne große Sache kann ich doch nich + pachten; da gehört doch Geld dazu.“ </p> + <p> „Gar kein Geld! Nur, daß Sie fleißig sind und alles gut in Ordnung halten. Wir + werden ebenso auf unsere Rechnung kommen wie Sie; denn, sehen Sie, die Äcker + rentieren sich doch, und was die Wirtschaft nicht bringt, bringen die Kurgäste.“ </p> + <p> „Nu ja, die werd’n ja überall behumpst.“ </p> + <p> Der Mann betrachtete mich wie einen Zauberer, der Märchendinge vor ihm + ausbreitete. Zuletzt erklärte er sich bereit, mit uns nach seinem Dorfe zu + fahren und mit seiner Susanne Rücksprache zu nehmen. </p> + <p> Unterwegs sprach ich noch viel auf Emil Barthel ein. Er antwortete fast nicht + mehr. Vor seiner kleinen Wirtschaft hielten wir. Das Wohnhaus hatte nur ein + Erdgeschoß mit hohem Dach; Stall und Scheuer waren klein, aber es war ein + Blumengärtlein vor dem Hause und alles sauber und freundlich. Ein behäbiges Weib + in blauer Schürze trat vor die Tür, als Barthel vom Wagen kletterte: </p> + <pb n="150"/><anchor id="Pg150"/> + <p> „Nee, Emil“, sagte sie, „da haste nu sugar Fuhrgelegenheit gehabt und kummst su + spät! Dabei sull a de Medizin fürs kranke Mädel hol’n.“ </p> + <p> „Mutter“, meinte Emil, „wenn du mit sulchen Kerlen fährst, bleibste kleben. Sieh + dir bluß den Schimmel an; der hat zwee eingeleimte Hulzbeene. Aber ’s sind + amerikanische Millionäre, die haben vierzig Pauergüter und lauter Schlösser.“ </p> + <p> Susanne lachte gutmütig. </p> + <p> „A hat een’ sitzen“, meinte sie. „Na, kumm ock rein!“ </p> + <p> „Frau Barthel“, rief ich ihr zu, „Ihr Mann wird Ihnen viel zu erzählen haben. + Glauben Sie nur, es ist kein Spaß, es ist Ernst. Wir fahren jetzt ins Gasthaus, + und in etwa zwei Stunden werden wir mal zu Ihnen kommen. Wir müssen mit Ihnen + ein ernstes Wort reden, und es wird Sie nicht reuen.“ </p> + <p> Die Frau schüttelte verwundert den Kopf; ihr Gatte Emil aber tippte erst ihr, + dann sich an den Kopf, nahm sie am Arme und zog sie ins Haus. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl + bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil + Barthel. </p> + <p> „Nee, komm’n Se wirklich?“ fragte er; „ich hatte gedacht, ’s wär alles bloß + Ulk.“ </p> + <p> Die Stube war niedrig, aber sauber, und über den Tisch war ein großes buntes + Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer Papiertüte + Zigarren an, von denen ich vermutete, daß sie aus dem Dorf<pb n="151"/><anchor id="Pg151"/>kramladen + zu fünf Pfennig das Stück gekauft seien. Mit Schadenfreude sah ich zu, wie + Stefenson, der von früh bis in die Nacht eine Havanna nach der andern + schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug heranmachte. </p> + <p> „Nun, mein lieber Barthel, möchte ich zunächst etwas feststellen: es handelt + sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spaß, zu dem wir uns wahrhaftig + nicht so viel Zeit nehmen würden, noch um einen Betrug.“ </p> + <p> „Also ist es tatsächlich wahr?“ sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. Sein + Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede: </p> + <p> „Sehn Sie, meine Herr’n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben – man + kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfällt – nu, so muß ich Ihn’n ehrlich + sagen: das Ding gefällt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute werd’n nich kommen. + Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll’n – woll’n se sich + amüsieren. Da woll’n se doch nich Kühe melken und ackern. Meine Herr’n, Se haben + keene Ahnung, was das für schwere Arbeit is. Vor solcher Arbeit haben sich die + Stadtleute immer gedrückt. Aber gesetzt den Fall, se kämen doch – da wär’s noch + viel schlechter. Denn warum? Die Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, daß die + mir auf dem Hofe was helfen könnten? Die gragelten mir doch bloß im Wege ’rum. + Die quatschten und quasselten doch bloß.“ </p> + <p> „Die fielen einem ja in die Puttermilch!“ lachte Frau Susanne. </p> + <pb n="152"/><anchor id="Pg152"/> + <p> „Die täten ja alles bloß mit Glacéhandschuh’n machen woll’n“, ergänzte der Mann. </p> + <p> „Donner!“ schrie da Stefenson jähzornig und hieb die Faust auf den Tisch, daß + aus seiner Fünfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, „nun ist’s aber genug. + Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? Müssen Sie sich + unsere Köpfe zerbrechen, ob unsere Gründung eine Pleite ist oder nicht? Haben + Sie nicht bloß zu gewinnen? Das allerbeste ist ...“ </p> + <p> „Das allerbeste is, Se gehn wieder!“ sagte Barthel seelenruhig. Und nun wären + wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen worden, wenn es + nicht im selben Augenblick an die Tür geklopft hätte und zwei Damen über die + Schwelle getreten wären. Eine kleine zartgliedrige Braune und eine große + Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man das in dem Dämmerlichte der + niederen Bauernstube feststellen konnte. Die Kleinere sagte, daß sie von der + Erkrankung des Barthelschen Kindes gehört habe und mal nachfragen wolle; sie + sehe aber, daß gerade Besuch da sei, und wolle nicht stören. </p> + <p> Ach, erwiderte die Frau, von Störung sei keine Rede; denn das seien zwei ganz + fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen hätten und + die auch gleich gingen. Trotzdem fühlte sich die gute Mutter Barthel bemüßigt, + uns die kleine Sprecherin vorzustellen. „Das ist nämlich unsere Lehrerin, + Fräulein Annelies von Grill.“ </p> + <p> Anneliese von Grill! Ein prüfender Blick in die großen <pb n="153"/><anchor id="Pg153"/>braunen + Augen, und ich hatte die Identität mit dem kleinen Majorstöchterlein + festgestellt, das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich – + da ich acht Jahre älter war – immer etwas onkelhaft begönnert hatte. Nun stand + ich ihr lachend gegenüber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich sei. + Da erkannte sie auch mich, und es gab ein fröhliches Wiedersehen und große + Verwunderung über die Umstände, unter denen es geschah. Ihre Lebensgeschichte + war kurz: der Vater früh gestorben, die Mutter auf eine kleine Pension + angewiesen und knapp imstande, aus ihr eine Lehrerin zu machen, die nun + vertretungsweise in diesem Dorfe angestellt war. </p> + <p> Auf einmal fragte die sehr wohllautende Altstimme der Blondine: </p> + <p> „Das ist doch nicht etwa der Doktor von dem Waltersburger Sanatorium Ferien vom + Ich?“ </p> + <p> „Allerdings, meine Gnädigste, dieser Doktor bin ich.“ </p> + <p> Das Mädchen brach in klingendes, lautes Gelächter aus. </p> + <p> „Also, das sag ich Ihnen, wenn mir die Wahl gelassen worden wäre, wen ich sehen + wolle, Sie oder den Kaiser von Hinterindien in all seiner Pracht und + Herrlichkeit – ich hätte mich für Sie entschieden.“ </p> + <p> „Ich freue mich, daß ich Ihnen so interessant bin“, sagte ich. </p> + <p> „Oh, interessant ist gar kein Ausdruck. Wir stehen Kopf über Sie! Jetzt fehlte + bloß noch, daß jener Herr dort der Mister Stefenson aus Amerika wäre.“ </p> + <pb n="154"/><anchor id="Pg154"/> + <p> „Das ist er!“ mischte sich Emil Barthel ein, „es ist der Herr Mister aus + Amerika.“ </p> + <p> Stefenson verneigte sich phlegmatisch. </p> + <p> „Also, Herrschaften, dann müssen Sie schon erlauben, daß wir uns etwas + zusammensetzen und diese kostbare Begegnung genießen.“ </p> + <p> Dieses Mädchen hatte einen burschikosen Ton an sich, und ich bat Anneliese von + Grill, uns zunächst mal mit ihr bekannt zu machen. Die Blonde stellte sich aber + selbst vor. </p> + <p> „Ich bin eine nach meiner eigenen Meinung außerordentlich begabte Opernsängerin + ohne Engagement, gegenwärtig zu Besuch bei meiner Freundin Anneliese, um in der + paradiesischen Einsamkeit dieses winterlichen Dorfes Ferien vom Ich zu machen. + Mit Künstlernamen bin ich Irmingard Schwarzeneck genannt, bürgerlich höre ich + auf den Namen Eva Bunkert und bin die Tochter des Baumeisters August Bunkert in + Neustadt.“ </p> + <p> Wir sahen der Tochter unseres grimmigsten Konkurrenten aus der feindlichen + Nachbarstadt verdutzt in das strahlende Gesicht, und das Mädchen brach wieder in + fröhliches Lachen aus. </p> + <p> „Es scheint, daß wir Sie sehr belustigen, mein gnädiges Fräulein.“ </p> + <p> „Außerordentlich! Ist es nicht immer lustig, wenn Waltersburg und Neustadt + aufeinanderplatzen?“ </p> + <p> Wir nahmen Platz und saßen alle um den runden Bauerntisch. Emil Barthel sagte: </p> + <pb n="155"/><anchor id="Pg155"/> + <p> „Siehste Mutter, du hast gesagt, es sind Schwinler, und ich hab gesagt, + höchstwahrscheinlich, aber man kann ja nich wissen, und da hab ich wieder mal + recht gehabt.“ </p> + <p> „Und nun, Herrschaften“, rief Fräulein Bunkert, „es mag so indiskret sein, wie + es wolle, ich muß wissen, was Sie hier bei Vater und Mutter Barthel zu tun + haben; ich sterbe sonst vor Neugier.“ </p> + <p> Und Stefenson – ach, Stefenson betrachtete das Mädchen mit unverhohlenem + Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei „sein Typ“. Groß, schlank, blond, + übermütig. Da gehe er halt auch mal aus sich ’raus. </p> + <p> Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes + wahrster Bedeutung, mit allen Künsten, Listen und Teufeleien des Weibervolks + ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstürme auf den biederen Stefenson. + Damals, sagte sie, als er die Neustädter mit den Zeitungsartikeln hineingelegt + habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer Vaterstadt gelyncht zu werden, + gesagt: dieser Mann sei zum Küssen. (Bei diesen Worten schlug Stefenson die + Augen nieder und zog seinen dünnen Mund gewaltig in die Breite.) Daß er, + Stefenson, in einer so öden Spießergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen + so grandiosen Ulk wie dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste + Witz der Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwährende + Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching <hi rend="antiqua">ad infinitum</hi>. + </p> + <p> Und diese schweren Beleidigungen unserer großen erhabenen Idee ließ Stefenson + über sich ergehen, zuckte <pb n="156"/><anchor id="Pg156"/>kaum manchmal die Schultern, und er + lächelte ... der Verräter. </p> + <p> „Meine Gnädige“, warf ich dazwischen, „Sie dürften über unser Ferienheim denn + doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst.“ </p> + <p> „Ja, gerade, daß Sie es ernst meinen, ist ja das Gute“, erwiderte sie. „Ein + Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz.“ </p> + <p> „Das ist eine sehr kluge Sentenz“, stimmte der verräterische Stefenson bei. Ich + war empört. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, blieb an der + Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott das Weib erschuf, + hat sich der Teufel sicher gefreut. </p> + <p> Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie war + freundlich, es lag viel Güte auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch in ihren + großen Augen das schöne Lichtlein harmlosen Schalks. Während Stefenson und Eva + Bunkert eine lärmende, von vielem Gelächter unterbrochene Unterhaltung führten, + sprach ich leise mit Anneliese von ihrem und meinem Leben, und es kam ein + stilles Behagen über mich in der schlichten Bauernstube. </p> + <p> „Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?“ fragte ich. </p> + <p> „Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute.“ </p> + <p> „Glauben Sie, daß es recht wäre, wenn wir sie für uns gewinnen?“ </p> + <p> „Ich werde ihnen gut zureden, daß sie Ihr Angebot annehmen. Es wird gewiß beide + Teile nicht reuen.“ </p> + <pb n="157"/><anchor id="Pg157"/> + <p> „Ich danke Ihnen!“ </p> + <p> „Also, hören Sie, Herr Mister Barthel“, lachte unterdes Eva Bunkert; „wenn Sie + das Angebot von Mister Stefenson abweisen wollten, wären Sie, mit Respekt + gesagt, ein Riesenochse. So ein Glück schneit Ihnen nie wieder ins Haus.“ </p> + <p> Emil Barthel zuckte verlegen die Schultern. </p> + <p> „Ich möcht ja; aber die Mutter sagt ...“ </p> + <p> „Gar nischt sagt sie“, fuhr Frau Barthel dazwischen, „aber er – er hat die + Herren, ehe die Fräuleins kamen, direkt ’rausschmeißen wollen.“ </p> + <p> Emil Barthel schwur, daß das nie in seiner Absicht gelegen habe, und es gab + einen ehelichen Streit. </p> + <p> Mitten in den Auseinandersetzungen erschien ein altes Weib. </p> + <p> „Jees, jees“, jammerte es, „die Emma hat su viel Hitze und klagt immer mehr über + a Hals.“ </p> + <p> Emma war die zwölfjährige Tochter Barthels. Ich erfuhr, daß das Kind über + Halsschmerzen geklagt habe, und der Schäfer, ein heilkundiger Mann, + Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die + Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt. </p> + <p> „Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde“, bat mich Anneliese, „es sind + bereits drei Diphtheriefälle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt haben wir hier + nicht.“ </p> + <p> So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstüblein, wo das Kind + in hohem Fieber lag. </p> + <pb n="158"/><anchor id="Pg158"/> + <p> Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorläufige + Verhaltungsmaßregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im nächsten + Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst übernehmen konnte. Ein Radler fuhr + mit der Botschaft los. Das Mädel ist dann auch gerettet worden, und Barthel hat + nachträglich drei Mark Strafe zahlen müssen, weil er dem Schäfer, der die + Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, einige Ohrfeigen als Honorar + ausgezahlt hat. </p> + <p> Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurückkehrten, fanden wir + Stefenson und die schöne Eva in angeregtester Unterhaltung. Für das erkrankte + Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon wieder. </p> + <p> Eva hatte mit Stefenson verabredet, daß sie mit Anneliese gleich nach der + Eröffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen wollte. + Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloß bis ersten + April, und daß sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, sei vorläufig + sicher, also könnten sie beide kommen. </p> + <p> „Und Ihr Vater?“ fragte ich. </p> + <p> „Ach, mein Vater darf natürlich davon nichts wissen, der ist ja wütend auf Sie. + Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, daß er meint, ich + sei wer weiß wo. Und bei Ihnen werde ich die Grünzeugfrau Emilie Knautschke + sein.“ </p> + <p> Ich beschloß, dieses Mädchen, das in die ernste Männerfreundschaft zwischen + Stefenson und mir einen <pb n="159"/><anchor id="Pg159"/>so lauten Lachton mischte und unsere große + Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschädlich zu machen. </p> + <p> Wie ich das tun sollte, wußte ich nicht. </p> + <p> Aber ich hatte Glück. Die Tür öffnete sich, und ein dünnes Stimmchen zirpte + herein: </p> + <p> „Pappa, wie lange bleibst du denn? Ich muß immerfort allein in dem dummen + Gasthaus sitzen.“ </p> + <p> Luise war es, die wir im Wirtshaus zurückgelassen hatten. </p> + <p> Stefenson sprang auf und eilte nach der Tür. </p> + <p> „Kindchen, auf dich hatt’ ich ja ganz vergessen. Aber geh hier hinaus! In diesem + Haus ist Diphtherie.“ </p> + <p> Er schob Luise besorgt auf die Straße. Eva Bunkerts Gesicht wurde etwas ernster. </p> + <p> „Ach, Herr Stefenson ist verheiratet?“ </p> + <p> Ich war so boshaft, zweimal mit dem Kopf zu nicken. </p> + <p> Da räusperte sich Eva Bunkert und sagte, es sei wohl jetzt Zeit, nach Hause zu + gehen. </p> + <p> Ich hielt sie nicht auf. Es kam zum allgemeinen Aufbruch. Draußen auf der Straße + schmiegte sich die kleine Luise dicht und zärtlich an Stefenson an und schmollte + mit ihrem „lieben Pappa“, der sie im Stiche gelassen hatte. </p> + <p> Und Stefenson, ob er auch nach Eva Bunkert hinschielte, trat nicht zu ihr und + sagte vor den Ohren des Kindes: „Ich bin nicht ihr Vater!“ </p> + <p> Nein, er hielt stand dem Vaternamen gegenüber, den er sich selbst gegeben hatte. + Er verleugnete das Kind nicht. Da hatte ich ihn wieder gern. </p> + <pb n="160"/><anchor id="Pg160"/> + <p> Als wir allein waren, sagte Stefenson: </p> + <p> „Das hätte nun alles so gut in unser Programm gepaßt, und nun ist nichts zum + Abschluß gekommen.“ </p> + <p> Ich erwiderte: </p> + <p> „Diese Eva Bunkert ist eine ganz gute Erscheinung; aber ich fürchte, sie würde + unserer Sache schaden.“ </p> + <p> „Schaden?“ fuhr er auf. „Nützen! Glauben Sie mit Sentimentalität, alten + Rückständigkeiten und mit Duckmäusertum noch was auszurichten? Glauben Sie, daß + ein schönes Gesicht, eine gute Figur, ein beweglicher Geist des Deibels sind? + Oh, ich sage Ihnen, wenn wir die moderne Welt und ihre Schädlichkeiten besiegen + wollen, müssen wir verflucht modern sein. Mit noch so ehrwürdigen + Armbrustpfeilen geht keiner mehr an gegen die Schnellfeuergeschütze der neuen + Zeit.“ </p> + <p> Wir blieben noch einen Tag in diesem Dorfe und trafen die Mädchen wieder. Beide + waren gleichmäßig freundlich. Stefenson widmete sich ganz der schönen Eva und + sprach mit mir oder Anneliese kaum ein Wort. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="161"/><anchor id="Pg161"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Der Journalist</head> + <p> Nun ist’s ein Jahr her, seit die Verwirklichung meiner Idee von dem großen + Ferienheim keimte und wuchs. Jetzt nähert sie sich der Reife. Anfang Februar gab + es eine Sensation. Stefenson reiste nach Amerika zurück. Da höhnten die + Neustädter, dem sei wohl im letzten Augenblick doch angst und bange geworden vor + seiner übergenialen Neugründung, und nun käme der Zusammenbruch. Ich blieb ganz + ruhig; denn ich wußte, daß alles gut vorgesorgt war und Stefenson nur nach Hause + fuhr, um seine dortigen dringendsten Geschäfte in Ordnung zu bringen. </p> + <p> Die kleine Luise wollte der Amerikaner mit auf die Reise nehmen. Erst nach den + ernstesten Vorhaltungen, die beinahe in Feindseligkeiten ausarteten, ließ er das + Kind zu Hause. Aber Neid und Zorn war in seinem Herzen, und zwar nicht nur wegen + des Kindes. </p> + <p> „Ich bin begierig, wie Sie sich gegen Fräulein Eva Bunkert benehmen werden, wenn + sie nun kommen wird, um unser Heim zu beschauen. Ich fürchte, Sie werden den + rechten Ton nicht treffen.“ </p> + <p> Ich lächelte. </p> + <pb n="162"/><anchor id="Pg162"/> + <p> „Fürchten Sie, daß ich zu abweisend oder zu entgegenkommend sein könnte? Eva + Bunkert ist ein sehr schönes Mädchen.“ </p> + <p> „Ich bitte Sie“, sprach er herb, „daß Sie sich mit Fräulein Bunkert weder in der + einen noch in der anderen Art zuviel beschäftigen, sondern mir diese + ausgezeichnete Akquisition für unsere Kuranstalt persönlich überlassen.“ </p> + <p> „Ich überlasse Ihnen diese Akquisition“, sagte ich großmütig und feierlich. + Darauf knurrte er, vor Mitte Mai könne er keinesfalls zurück sein. </p> + <p> Als ich ihn zum Zuge begleitete, wünschte ich aufrichtig, er möge bald + zurückkommen ... </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Vor drei Tagen ist nun unser Freund Emil Barthel mit seiner Susanne und seinen + Kindern bei uns eingezogen. Er hat den Forellenhof dicht unten am Bach + übernommen. Des Staunens seiner Leute war gar kein Ende. Sie gingen bedrückt + durch die großen, neuen, so behaglich ausgestatteten Räume wie Fremde, die ein + merkwürdiges prächtiges Haus betrachten. Aber sie werden in diese Räume + hineinwachsen. Der Bauer hat uns schon wesentliche Dienste erwiesen. Er + bezeichnete uns Kameraden und Bekannte, die sich als Pächter unserer Höfe eignen + würden, und ob wir auch kaum den dritten Teil davon gebrauchen konnten, so gaben + uns die ausgewählten Leute wieder die Adressen neuer Kandidaten, so daß unsere + zwanzig Höfe besiedelt sind. Der andere Teil des Geländes wird von den alten + früheren Dominialgebäuden aus bewirtschaftet. </p> + <pb n="163"/><anchor id="Pg163"/> + <p> Es geht alles schnell, ruhig und sicher, wo ein zielbewußter Wille und wo – + Geld da ist. </p> + <p> Manche unserer Höfe haben herkömmliche poetische Namen, wie Forellenhof, + Erlenhof, Grundhof, Hof am Hange, Berghof, Sonnenhof, aber es gibt auch eine + Waldschölzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmühle, eine Genovevenklause, eine + große und eine kleine Einsiedelei, ein Haus „über den sieben Bergen“, ein „<hi + rend="antiqua">Old Nigger home</hi>“ (nach Stefensons Wunsch), eine + Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein + Knusperhäuschen, eine Kassubenhütte, ein Zigeunerlager und eine Räuberhöhle. </p> + <p> Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen Dingen, + aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk ausgewählt, und + das dichtet in seiner kräftigen Seele so viel zusammen, daß sich alsbald + allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen werden, schneller als der + Efeu wächst, den wir an mancher Wand einpflanzten, oder als das Moos wuchert, + das wir auf schräge Dächer legten. </p> + <p> Das größte Glück ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des + erschütternden Titanenjubels, der Gottes Brust durchloht hat, als er im Glanz + von Millionen Sonnen die Schöpfung vor sich sah. </p> + <p> Auch ich bin nie so glücklich gewesen wie in dieser Zeit der Gründung unseres + Heims, nie so selig, gläubig und am Leben hängend, nicht einmal in der + Kinderzeit, die doch alle Tage Schöpferjubel bringt, und sei die Veranlassung + auch nur eine gelungene kleine Schanze im <pb n="164"/><anchor id="Pg164"/>Bach oder die zum + erstenmal geglückte Schleife des Schuhbandes. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Die Mädchen sind gekommen. Gestern. Sie kamen am Vormittag und wollten schon mit + dem ersten Abendzuge wieder abreisen trotz der Einladung, ein paar Tage + dazubleiben und bei Frau Susanne im Forellenhof zu wohnen. </p> + <p> Eva Bunkert war zurückhaltender als bei unserer ersten Begegnung. Sie konnte es + sich zwar nicht versagen, nach Betrachtung des Baches, der an Barthels Hof + vorbeifließt, zu behaupten, in diesem Gewässer lebe keine einzige Forelle, + weshalb der daranliegende Hof wahrscheinlich „Forellenhof“ heiße, aber es sei ja + bekannt, daß Namen fast immer täuschen, wie zum Beispiel körperlich etwas + zurückgebliebene Männlein mit Vorliebe Siegfried hießen oder oft keifende + <anchor id="corr164"/><corr sic="Xantippen">Xanthippen</corr> mit den holden Namen Mariechen oder Trautchen begabt seien. </p> + <p> Nach dieser Abschweifung ins Schnippische wurde das Mädchen ernster. Sie + betrachtete den großen Forellenhof von innen und außen und sagte mit einem + Seufzer: </p> + <p> „Es ist schön hier. Ich glaube, man kann in einem solch einfachen Hofe + glücklicher sein als in einem prunkenden Hotel. Wenn ich es einrichten kann, + werde ich wirklich einmal hier Ferien vom Ich machen.“ </p> + <p> „Ich möchte es wohl auch“, sagte die kleine Anneliese, „aber für mich ist so + etwas viel zu teuer.“ </p> + <p> „Du, meine Liebe“, lachte Eva Bunkert, „du müßtest ganz andere Ferien vom Ich + haben – Weltstadtleben, <pb n="165"/><anchor id="Pg165"/>Theater, Bälle, Autofahrten – man muß + das haben, was einem fehlt.“ </p> + <p> „Mir würde nichts fehlen in solchem Frieden“, sagte die kleine Braune. </p> + <p> Ich ging mit den Mädchen durch unser Gelände, führte sie nach dem Rathaus, nach + der Lindenherberge, den „Stillen Weg“ hinab über die Genovevenklause, und als ich + nach der Waldschölzerei weiter wollte, passierten wir das Zeughaus und das große + Eingangstor. Dort gab es eine Auseinandersetzung zwischen einem fremden Herrn + und dem Türschließer. Der Herr, der im Reiseanzug war und eine kleine Handtasche + trug, verlangte in ungestümer Weise mich zu sprechen, während der Diener + entgegnete, der Herr Doktor sei aufs dringendste und unabkömmlichste + beschäftigt, und unsere Anstalt würde überhaupt erst am ersten Mai eröffnet. Der + Fremde ließ sich nicht abweisen, und als er mich erblickte, rief er: </p> + <p> „Ich möchte wetten, daß jener Herr der Doktor ist!“ Damit schob er den Diener + beiseite und kam auf mich zu. </p> + <p> „Gestatten Sie, mein Herr, eine kurze Viertelstunde?“ </p> + <p> „Sie sehen, ich habe Besuch!“ </p> + <p> „Jawohl – es tut mir auch leid, Sie stören zu müssen, aber ich habe nur eine + Viertelstunde Zeit. Wenn ich mich vorstellen darf: George Brown, Mitarbeiter der + ‚Staatsbürgerzeitung‘ in Neuyork. Ihr Geschäftsfreund Mister Stefenson hat mich + persönlich gebeten, Sie zu besuchen und Ihnen dieses Schreiben zu überreichen.“ </p> + <p> Er übergab mir einen Brief, den ich mit Erlaubnis der Damen öffnete und + stellenweise vorlas: </p> + <pb n="166"/><anchor id="Pg166"/> + <p><text><body><dateline rend="text-align: right"> + „Neuyork, den 25. März. </dateline> + <salute rend="margin-left: 6"> Mein Lieber! + </salute> + <p> Sie wollen nie recht zugeben, daß ich Sie genau kenne, aber mein Spürsinn ist, + was Sie anlangt, so groß, daß ich hier viel tausend Meilen von Ihnen prophezeie, + ohne besorgt zu sein, einen Irrtum zu begehen: Wenn Sie diesen Brief durch + Mister Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen Eva Bunkert und + Annelies von Grill einen sehr vergnügten Spaziergang durch unser Heim machen. + Ich beglückwünsche Sie dazu und bitte, mich den Herrschaften zu empfehlen. </p> + <p> Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht + rücksichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie hätten gerade Besuch + und daher keine Zeit für ihn. Denn Mister Brown ist einer der einflußreichsten + Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus Amerika für unsere + nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas merkwürdige Anstalt recht nötig + haben. </p> + <p> Grüßen Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gänschen sehnt, aber + noch nicht weiß, wann er zurückkehren kann.</p><signed rend="text-align: right">Stefenson.“</signed></body></text></p> + <p> Ich schaute verwundert auf Brown, den Überbringer dieser seltsamen Epistel. + Brown war ein Fünfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart sowie die + gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas geschniegelt modern, + die Wangen, wie mir schien, wohl ein wenig geschminkt. Irgend etwas an dem Mann + kam mir be<pb n="167"/><anchor id="Pg167"/>kannt vor, auch in seiner heiser klingenden Stimme. + Vielleicht war ich ihm mal drüben begegnet. Ich fragte ihn, ob er auf dem + letzten großen Pressekongreß in Baltimore, den ich besucht hatte, gewesen sei, + und er erwiderte, daß er daselbst eine Rede gehalten hätte. Daher die matte + Erinnerung. </p> + <p> Die Mädchen verwunderten sich nicht weniger über die seltsame Prophezeiung in + dem Stefensonschen Briefe als ich. Ich sagte, ich könne mir das überraschende + Eintreffen einer solchen Voraussage nur dadurch erklären, daß Stefenson vermutet + habe, die Damen befänden sich für längere Zeit in unserem Heim, ich mache mir + wahrscheinlich öfters das Vergnügen, sie auszuführen, und es könne sich wohl so + fügen, daß uns Mister Brown zusammen anträfe. Daraufhin weissage ein Mann wie + Stefenson eben darauflos. Treffe es nicht ein, schade es nicht, treffe es aber + infolge seines Glückes ein, sei es ein guter Bluff. </p> + <p> Brown schüttelte den Kopf. </p> + <p> „Mister Stefenson ist kein Bluffer, er weiß immer, was er sagt.“ </p> + <p> „Sie kennen Mister Stefenson persönlich?“ fragte Eva Bunkert mit unverhohlenem + Interesse. </p> + <p> „Mein gnädiges Fräulein“, erwiderte Brown, „ich kenne alles, was man in Neuyork + und den Staaten kennen muß.“ </p> + <p> „Und Mister Stefenson gehört zu dem, was man in Amerika kennen muß?“ </p> + <p> „Ja, er gehört dazu.“ </p> + <pb n="168"/><anchor id="Pg168"/> + <p> Der Journalist schloß sich unserem Rundgang an. Meist verhielt er sich + schweigend, sprach über das, was er sah, weder Lob noch Tadel aus, bat nur, sich + von Zeit zu Zeit eine Notiz machen zu dürfen, und stellte außerordentlich + sachverständige Fragen, Fragen, die ich, sobald sie sich in technische + Einzelheiten verliefen, oft gar nicht beantworten konnte. Das <hi rend="antiqua">Nigger-Home</hi> gefiel dem Amerikaner. Es war düster in der + niederen Stube; wir zündeten ein paar matt brennende Petroleumlampen, die an den + Wänden hingen, an, um die Illusion zu verbessern. </p> + <p> „Nun müßte jemand einen Niggersang anstimmen“, sagte Brown. </p> + <p> Da stand auch schon Eva Bunkert, an die Wand gelehnt, schränkte die Arme über + der Brust und begann mit wohllautender Stimme zu singen: </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l rend="antiqua">„Way down upon Swaney ribber</l> + <l rend="antiqua">Far far away ...</l> + <l rend="antiqua">There’s, where my heart is turning ebber,</l> + <l rend="antiqua">There’s, where the old folks stay ...“</l> + </lg> + <p> Sie sang dieses schwermütigste aller Heimatlieder mit tiefer innerer Bewegung, + und Mister Brown summte mit näselndem Tone die Begleitung dazu, so wie es die + Neger tun, wenn fern der Heimat einer der Ihrigen an der Wand lehnt und das + innerste Weh der weltverschlagenen, geknechteten Seele im Liede ausströmen läßt. + Dann summen sie alle mit, die Körper werden regungslos, und die <pb n="169"/><anchor id="Pg169"/>großen, heißen Augen starren ins gelbe Licht der matten Lampen ... </p> + <p> Wir gingen weiter und kamen an den Hof am Hange. Dort steht eine große Buche, um + die eine Bank läuft. Von hier aus kann man unsere ganze Siedelung überschauen. + Warmes Frühlingslicht spielte durch laue Luft, die Zweige trugen alle die + kurzen, grünen Kinderkleidchen erster Jugend, die Vögel waren heimgekommen und + übten in abgerissenen Trillern und Läufen das große Lebens- und Liebeslied des + Maien ein. Da wurde mir das Herz weit. Unsere Siedelung war schön, keine + langweilige Linie in ihr, kein Steinkoloß, keine Erinnerung an geschniegeltes, + ödes Geputztsein, sondern Heimatlichkeit, Wärme, Frieden. </p> + <p> „Wenn man das sieht“, sagte die kleine Anneliese, „meint man, hier werden immer + nur gute Menschen wohnen können. Es ist alles rein und gut; schlechten Leuten + würde hier das Herz springen.“ </p> + <p> Ich war ihr dankbar und sagte: </p> + <p> „Aber es soll doch eine Zufluchtstätte werden für solche, die nicht glücklich + sind, auch wenn sie durch eigene Schuld unglücklich geworden sind.“ </p> + <p> „Ich finde“, sagte Eva Bunkert, „in dem Ganzen ist ungeheuer viel Kindliches.“ </p> + <p> „Das ist ein hohes Lob, mein Fräulein, was Sie da sprechen“, meinte Mister + Brown; „Genialität ist nie etwas anderes als das Ursprüngliche, das Kindhafte. + Sie glauben gar nicht, wie kindlich unsere guten amerikanischen Humoristen sind. + Ganz im Ernst! Sehen Sie deren <pb n="170"/><anchor id="Pg170"/>Tier- und Kinderbilder an, es ist + alles geschaut mit den abgeklärten Augen des ernsten Mannes und alles gefühlt + mit dem Herzen des kleinen Buben.“ </p> + <p> „Stefenson ist ein Genie“, sagte Eva Bunkert warm. </p> + <p> „Das will ich nicht sagen“, entgegnete Brown, „er ist nur das Werkzeug; der + Schöpfer der ganzen Idee ist, wenn ich recht unterrichtet bin, der Herr Doktor, + der mit uns auf dieser Bank sitzt.“ </p> + <p> Ich wehrte das Lob ab, und Eva Bunkert sagte: </p> + <p> „Wohl, der Doktor hatte die Idee, hatte den Traum in der Seele, aber Stefenson + hatte den Mut, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich möchte sagen, der + Doktor hat ein schönes Motiv in die Welt gesungen, und Stefenson hat ein + herrliches Lied daraus geschaffen.“ </p> + <p> „Sie sprechen sehr gut und lieb von meinem Landsmann“, sagte Mister Brown + gerührt. </p> + <p> „Oh“, rief Eva Bunkert, „ich schwärme für Stefenson. Es hat mir noch nie ein + Mann solchen Eindruck gemacht wie er, obwohl er der Konkurrent meines Vaters + ist. Erst recht deshalb! Ich mag die Leute nicht leiden, die sich nur für die + Freunde und Gönner ihrer eigenen Sippschaft begeistern können.“ </p> + <p> Da wurde auch die kleine Braune munter. </p> + <p> „Ja“, seufzte sie, „es ist schade, daß Mister Stefenson verheiratet ist! Er wäre + der erste, der bei der stolzen Eva Bunkert wirklich Glück hätte!“ </p> + <p> „Du Plappermaul!“ zürnte Eva, <anchor id="corr170"/><corr sic="reckt">reckte</corr> aber den Kopf + hoch. „Nun, ich leugne es nicht: der Mann gefällt mir. <pb n="171"/><anchor id="Pg171"/>Weil er + eben ein so ganzer Mann ist. Vom Heiratenwollen aber ist gar keine Rede.“ </p> + <p> „Er wäre keine schlechte Partie“, meinte ich. </p> + <p> „Eben deshalb!“ sagte Eva trotzig. „Ich will mal keine gute Partie, ich will + einen Mann heiraten!“ </p> + <p> „Ich wußte gar nicht, daß Stefenson verheiratet ist“, warf Mister Brown ein. </p> + <p> „Wie? Und Sie wollen ihn so genau kennen?“ </p> + <p> „Oh – ich als anständiger Journalist kümmere mich um das, was Stefenson für das + Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhältnisse. Ich habe nie + gehört, daß Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz gleichgültig.“ </p> + <p> „Der Herr Doktor hat es uns gesagt“, erwiderte das Mädchen. </p> + <p> Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, daß ich erschrocken aufschaute + und ihn ansah. Und ich blickte – in Stefensons Augen. So klar, in so deutlichem + Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von hundert Gelegenheiten her + kannte, wenn dem jähzornigen Manne die Galle überlief, was oft genug geschah. </p> + <p> Ein wüster Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein + amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer + vorzüglichen Maske getäuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich sah + wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr los. + Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so entlarve ich + dich; bilde dir nicht <pb n="172"/><anchor id="Pg172"/>ein, mit einem bißchen Detektivschlauheit + deutsche Gimpel zu fangen. </p> + <p> Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen. </p> + <p> „Der Mann mag seine Vorzüge haben“, sagte ich, „aber wo viel Licht ist, ist auch + viel Schatten. So ist Stefenson – ich sage das ruhig, obwohl er mein Freund ist + – ungeheuer eitel!“ </p> + <p> „Das ist kein Schade“, fiel Eva ein; „viele große Männer sind eitel: viele + Staatsmänner, viele Geistliche, alle Dichter – selbst solche, denen man es gar + nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was heißt + überhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, auch in + kleinen Äußerlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde Eitelkeit. Eine andere + kann Mister Stefenson gar nicht haben.“ </p> + <p> Da lachte Mister Brown. </p> + <p> „Oh!“ sagte er, „was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, daß er, wenn er + sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schönen Bild eine kleine + Verneigung macht, ehe er sich einseift.“ </p> + <p> „Ich denke, Sie kümmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben“, rief Eva + verärgert. </p> + <p> „Gewiß nicht“, sagte der Journalist, „aber manches fliegt einem halt so zu. Wenn + es Spaß macht: ich kenne noch ganz andere Schwächen Ihres Geschäftsfreundes.“ </p> + <p> „Danke!“ wehrte Eva ab, „es macht gar keinen Spaß!“ </p> + <p> Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das Dümmste, + auf Stefenson zu <pb n="173"/><anchor id="Pg173"/>schimpfen; denn er würde dann noch weit heftiger + auf sich selbst schimpfen. Das mußte ich doch von seinen Artikeln her wissen. + Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht scheren. </p> + <p> Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe. </p> + <p> „Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hieß sie nicht Luise?“ </p> + <p> Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer seiner + edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht zum + Bewußtsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. So stark + war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich Stefenson war, als + Stefenson zu entlarven. </p> + <p> „Allerdings“, entgegnete ich meiner Nachbarin, „Stefensons Tochter heißt Luise. + Das Kind hängt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus mit auf die + Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war auch sehr gut; + denn das Kind ist nicht wohl.“ </p> + <p> „Wieso nicht wohl?“ fragte Mister Brown, und das in einer solch erschreckten + Weise, daß ich jetzt meiner Sache völlig sicher war. </p> + <p> „Ah, so – so ...“, entgegnete ich gleichmütig, „bei Kindern findet sich leicht + mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen.“ </p> + <p> „Ich finde“, sagte Mister Brown scharf, „wenn ein Mann, wie Stefenson, ein + einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu + machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt.“ </p> + <pb n="174"/><anchor id="Pg174"/> + <p> „Von ernstlicher Erkrankung habe ich nicht gesprochen“, entgegnete ich ruhig, + und diese Bemerkung war auch sehr angebracht; denn im selben Augenblick stürmte + die kleine Luise mit zwei Bauernbengeln unter großem Hallo aus dem nahen Walde. + Das Mädel hat sich bei uns inzwischen völlig eingerichtet, und von + Schüchternheit ist gar keine Rede mehr. Jetzt kam sie auf mich zugestürmt. </p> + <p> „Ach, Onkel – ich wußte gar nicht, daß du hier oben bist. Wir spielen gerade + Haschen.“ </p> + <p> Anneliese liebkoste das Kind, und Eva Bunkert kniff es in die Wangen, daß es + quiekte. Aufmerksam betrachtete Eva die Züge Luisens. </p> + <p> „Von ihrem Vater hat sie gar nichts“, sagte sie, „sie muß ganz nach der Mutter + sein.“ </p> + <p> „Im Gegenteil“, entgegnete ich, „das Kind ist das ganze Abbild des Vaters.“ </p> + <p> „Dann habe ich auf ihn vergessen“, sagte Eva mit fast trauriger Stimme. </p> + <p> Mister Brown atmete schwer. Ein so schwefelgelb giftiger Blick schoß um den + Buchenstamm herum auf mich zu, daß ich meiner Sache immer gewisser wurde. Und + was hatte dieser Journalist gesagt? Er habe es sehr eilig, nur eine + Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon über zwei Stunden da, und es + wurde Abend. Wahrscheinlich würde dieser „Mister Brown“ plötzlich entdecken, daß + er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu verweilen. Nun wandte er sich Luise + zu. Aber es kam nicht so, wie ich dachte. Mister Brown legte ohne jede <pb + n="175"/>wärmere Gefühlsbewegung dem Kinde die Hand auf den Kopf und sagte + mit der üblichen Kinderfreundlichkeit: </p> + <p> „Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von dir + erzählen. Bist du sehr krank gewesen?“ </p> + <p> „Pappa soll bald wiederkommen“, antwortete die Kleine. </p> + <p> „Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?“ </p> + <p> „Wieso? Ich bin nie krank!“ </p> + <p> „Aber hast wohl müssen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?“ </p> + <p> „Nein, ich bin alle Tage draußen herumgerannt; ich war gar nicht eine einzige + Stunde krank.“ </p> + <p> „Hm!“ </p> + <p> Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fühlte mich in der Rolle des + blamierten Europäers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die Mädchen + schlenderten mit dem Kinde voraus, und ich folgte mit Mister Brown in einiger + Entfernung. Jetzt wollte ich dem Fuchs an den Kragen. </p> + <p> „Ich finde eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Ihnen, Mister Brown, und meinem + Freunde Stefenson. Sie haben dieselben Augen, dieselbe Nase, dasselbe Kinn und + dieselbe Sprache, ja sogar dieselbe Art, sich zu räuspern. Ist das nicht + merkwürdig?“ </p> + <p> „Sehr merkwürdig!“ entgegnete Brown. „Ein Schnorrer drüben hat mir mal gesagt, + ich sähe Kaiser Wilhelm ähnlich. Dem habe ich es noch halb und halb <pb n="176" + /><anchor id="Pg176"/>geglaubt und ihm fünf Prozent dessen geschenkt, um was er mich anpumpen + wollte, aber eine Ähnlichkeit zwischen mir und Stefenson hat noch niemand + herausgefunden. Ich bin Ihnen übrigens für die gute Absicht, mir etwas + Angenehmes sagen zu wollen, sehr verbunden.“ </p> + <p> Er schaute mich an, und ich blickte in ein stockfremdes Gesicht. Auch glaubte + ich trotz des Abenddämmerns genau feststellen zu können, daß dieser Bart nicht + angeklebt, daß diese Haare keine Perücke seien. So wurde ich an meiner + Entdeckung irre, und da ich einen zweiten Hineinfall nicht erleben wollte, sagte + ich: „Gott, man kann sich täuschen!“ Da blieb er stehen, sah mich an und sagte: </p> + <p> „Sie haben mich wohl gar für Stefenson selbst gehalten, der Ihnen in einer + Ferienmaske was vormimt? Dem alten Knaben wäre ein solcher Streich zuzumuten, + he?“ </p> + <p> „Aber nein – aber nein! So ähnlich sind Sie ihm nun doch nicht.“ </p> + <p> „Nun, möglich ist alles auf der Welt. Hauptsächlich bei Ferien vom Ich!“ sagte + Brown vergnügt. </p> + <p> Und er lachte. Es war ein fremdes Lachen. </p> + <p> Unterwegs begegnete uns ein Telegraphenbote. Er überreichte mir ein + Kabeltelegramm, das aus Milwaukee kam und lautete: </p> + <p> „Verbindung mit X-Bankverein gelöst; weitere Zahlungen durch Dresdner Bank. + Stefenson.“ </p> + <p> Die Verhandlungen, von dem Bankverein, mit dem wir bis jetzt gearbeitet hatten, + zur Dresdner Bank überzugehen, schwebten schon einige Zeit, und dieses Telegramm + belehrte mich nun, daß Stefenson in Milwaukee <pb n="177"/><anchor id="Pg177"/>und nicht in + Waltersburg war. Meine Phantasie hatte mir wieder einmal einen Streich gespielt ... </p> + <p> Während ich den Telegraphenboten abfertigte und das Telegramm las, war Mister + Brown den Mädchen nachgegangen, hatte die kleine Luise an den Händen gefaßt und + tanzte mit ihr „Ringel-Ringel-Reihen“. Die lange Schlottergestalt nahm sich + dabei merkwürdig genug aus, das Kind jauchzte, kam fast außer Atem, schlug zum + Schluß entzückt in die Händchen und sagte: </p> + <p> „Er tanzt genau so schön wie Pappa!“ </p> + <p> „Alle Amerikaner tanzen so schön, mein Mäuschen“, sagte Brown und küßte das Kind + auf die Stirn. Dann zog er die Uhr und sagte: </p> + <p> „Der Zug, mit dem ich zurückfahren wollte, ist ja nun längst fort. Sie waren so + liebenswürdig, mich sehr lange dazubehalten. Den nächsten Zug aber darf ich + nicht versäumen. Ich muß morgen in Berlin und übermorgen in Hamburg sein. Mein + diesmaliges europäisches Gastspiel ist aus.“ </p> + <p> „Sie haben nur den kleinsten Teil unserer Siedelung gesehen, Mister Brown.“ </p> + <p> „Oh – ich habe genug gesehen. Den Geist – den Kern! Ich bitte Sie, mir Ihren + ausführlichen Prospekt mitzugeben. Daraus werde ich mich informieren, und Sie + werden sehen, daß ich am treffendsten das kritisieren werde, was ich nicht + gesehen habe.“ </p> + <p> Am Rathausplatz trennte er sich von uns. Ein Angestellter geleitete ihn zur + Pforte, wo sein Wagen hielt. Eva Bunkert sah ihm lange nach. </p> + <pb n="178"/><anchor id="Pg178"/> + <p> „Es ist merkwürdig“, sagte sie; „er hat mich ungeheuer an Stefenson erinnert.“ </p> + <p> „O nein“, meinte die kleine harmlose Anneliese, „Mister Stefenson ist doch ganz + anders, viel jünger und auch viel hübscher.“ </p> + <p> „Trotzdem! Was meinen Sie, Doktor?“ </p> + <p> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p> „Die Amerikaner haben alle dieselbe Art, sich zu geben.“ </p> + <p> „Das trifft es nicht“, sagte Eva nachdenklich. Und auch ich geriet wieder ins + Grübeln. </p> + <p> „Ich glaube, es ist immer etwas unheimlich, wenn man nicht weiß, mit wem man + spricht. Aber das wird ja in Ihrem Heim immer so sein, die Leute werden nie + wissen, mit wem sie sprechen. Werden sie da nicht vorsichtig, ängstlich, + unsicher werden?“ </p> + <p> „Gewiß nicht. Gesetzt den Fall, dieser Mister Brown sei der verkappte Mister + Stefenson gewesen, wie es ja tatsächlich den Anschein hatte ...“ </p> + <p> „Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?“ rief Eva erschreckt. „Und + ich hätte dann so – so – von Stefenson gesprochen ...“ </p> + <p> „Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er heute + früh dort an mich aufgab.“ </p> + <p> „Gott sei Dank!“ </p> + <p> „Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim + verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen wäre, + wäre die Partie unehrlich gewesen. Wir hätten ihn nicht erkannt, <pb n="179"/><anchor id="Pg179"/>wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird den + andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Ängstlichkeit, sondern ein Mut + zur Offenherzigkeit sein, der unerhört ist in der Welt. Die Menschen werden + Wahrheiten hören, die sie niemals vernähmen, wenn sie ihren Namen und Stand + sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen dürfen in einer Weise, die + niemals möglich wäre, wenn sie ihre wirkliche Persönlichkeit dafür einsetzen + müßten.“ </p> + <p> „Ach ja“, seufzte Eva Bunkert, „die gröbsten und rücksichtslosesten Rezensenten + sind die anonymen oder pseudonymen.“ </p> + <p> „Der Friede dieses Ortes wird alle Schärfe mildern, wird aus der + Rücksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus ätzender Grobheit klare Wahrheit + werden lassen.“ </p> + <p> „Sie meinen es gut mit den Menschen“, sagte gerührt die kleine Anneliese und sah + mich mit ihren großen, braunen Augen dankbar an. </p> + <p> Ich aber – ich weiß nicht warum – schaute nach der schönen Blonden hin. Ich + glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg. </p> + <p> Die Mädchen blieben im Forellenhofe. </p> + <p> Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich auf den + Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich dachte an + vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr grübelte ich über der Frage: War + er’s? War er’s nicht? </p> + <p> Am übernächsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe Handschrift + aufwiesen. Der eine Brief war <pb n="180"/><anchor id="Pg180"/>von Stefenson und kam aus Milwaukee; + er enthielt allerhand geschäftliche Weisungen sowie die Mitteilung, daß er, + Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa zurückkehren könne. Der + andere Brief war von Mister Brown, trug den Poststempel Hamburg und meldete, daß + der Journalist im Begriff stehe, nach Amerika zurückzukehren, sich noch einmal + für die freundliche Aufnahme bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit + Interesse gelesen habe. </p> + <p> Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen glichen + sich außerordentlich. Hätte man je einen der großen geschwungenen Buchstaben aus + den Briefen ausgeschnitten, man hätte eine Kongruenz feststellen können. </p> + <p> Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst: </p> + <p> „Ach, es ist doch gut, wenn man weiß, mit wem man es zu tun hat!“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="181"/><anchor id="Pg181"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1="Die ersten Kurgaeste"/> + <head>Die ersten Kurgäste</head> + <p> Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eröffnet worden. Die Feier war schlicht. Lehrer + Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu dichten, zu + komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus Waltersburgern, unseren + Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und fünfzehn Kurgästen. Von diesen + fünfzehn Kurgästen genießen zehn Freikur, und von diesen zehn sind sieben + Schauspieler ohne Sommerengagement. Stefenson sandte ein längeres + Glückwunschtelegramm aus St. Louis. </p> + <p> Fünfzehn Kurgäste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, die wir + gemacht hatten. Ich telegraphierte das klägliche Ergebnis nach Amerika und + erhielt von Stefenson die Antwort: „Hatte ich mir gedacht!“ </p> + <p> Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln über die Höfe zu verstreuen, sondern + einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschölzerei zu geben. Die + Schauspieler aber schwärmten nicht für Feld- und Waldarbeit; sie wünschten mehr + dekorative Posten. Fünf von den sieben wollten Nachtwächter sein, einer bot sich + als Hilfs<pb n="182"/><anchor id="Pg182"/>briefträger an, wobei seine Tätigkeit gleich Null gewesen + wäre, und einer sagte mit mildem Augenaufschlag, er könne sich nur als + Krankenpfleger glücklich fühlen. Wir hatten aber keine Kranken. </p> + <p> Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Großknecht, den er + bereits hatte, dem „langen Ignaz“, noch einen zweiten Knecht ein und sagte zu + mir: „Ich hab es Ihn’n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute sein olle faule Luder. + Mit den is nischt anzufangen.“ </p> + <p> „Geduld, Barthel, Geduld!“ </p> + <p> Der Anfang war wirklich kläglich. Zwar sang Egin Harold, der als Nachtwächter + bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsänger war), das </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„Hört, ihr Herr’n, und laßt euch sagen,</l> + <l>Die Uhr hat eben zehn geschlagen!“</l> + </lg> + <p> mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel + empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine hübsche blonde Magd hatte: + „Gute Nacht, du mein herziges Kindl“, um 1 Uhr droben am Hange: „Ihr lichten + Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ...“; um 2 Uhr: „Steh ich + in finstrer Mitternacht“, und von 3 Uhr an: „Morgenlicht leuchtend im rosigen + Schein ...“ </p> + <p> Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesänge so tief ergriffen, daß sie + alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde über den + Nacht<pb n="183"/><anchor id="Pg183"/>wächter wegen nächtlicher Ruhestörung. Als nun Egin Harold + von dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den + Hofhund loslassen, wenn der Wächter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der Magd + nicht einstelle, quittierte der beleidigte Künstler seinen Posten und übergab + die Abzeichen seiner Würde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten Hagen + Korrundt, wobei er mit einiger Abänderung des Lohengrintextes sang: </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„Den Spieß, dies Horn, den Pelz will ich dir geben.</l> + <l>Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken,</l> + <l>Der Spieß im wilden Kampf dir Mut verleiht,</l> + <l>Doch in dem Pelze sollst du mein gedenken,</l> + <l>Der jetzt auch dich aus Schmach und Not befreit.“</l> + </lg> + <p> Die „Schmach und Not“, aus der Hagen Korrundt befreit wurde, bestand darin, daß + er, der ein starker Mann war, ein paar Stunden am Tag dem Waldschölzer hatte + helfen müssen, Bäume zu fällen. Jetzt war er als Nachtwächter vom Tagesdienst + befreit. Abends um zehn Uhr bestieg Hagen einen großen Granitblock, den er den + „Fafnerstein“ getauft hatte, stand malerisch dort oben in seinem wilden + Zottelpelz mit seinem langen Spieße und seinem funkelnden Horn, sang mit + dröhnendem Baß die Stunde, kletterte dann vom Fafnerstein wieder herab und ging + schlafen. </p> + <p> Die Kur bekam Herrn Hagen Korrundt sehr gut. Er erzählte mir in der + Sprechstunde, daß er früher an einem chronischen Hungergefühl, das + wahrscheinlich auf nervöser <pb n="184"/><anchor id="Pg184"/>Grundlage beruhte, gelitten habe. Seit + er aber bei uns sei, sei er aller Beschwerden ledig. Als ich daraufhin der + Köchin in der Waldschölzerei ein Lob erteilte, sagte das Weiblein nur zwei + Worte: </p> + <p> „Er frißt!“ – </p> + <p> Es ist ein Schauspieler da, der mit seinem wirklichen Namen Eduard Käsenapf + heißt. Als Künstler nennt er sich Guido Janello, bei uns aber, da er doch nicht + erkannt sein darf, Knut Waterstream. </p> + <p> Dieser Knut Waterstream ist dünner als ein Regengerinnsel. Ich schickte ihn zur + Arbeit in die Gärtnerei. Einiges erzählte mir der Gärtner, einiges beobachtete + ich selbst, wie Knut arbeitete. Er sollte dürres Laub zusammenrechen und + flüsterte den braunen Blättern zu: </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„So wie ein Blatt vom Wipfel fällt,</l> + <l>So geht ein Leben aus der Welt,</l> + <l>Die Vögel singen weiter!“</l> + </lg> + <p> Stützte sich auf den Rechenstiel und stand eine Viertelstunde lang in + melancholischer Betrachtung über die Verwelkbarkeit des Laubes und anderer + irdischer Dinge. Darauf übergab er dem Gärtner den Rechen und sagte: </p> + <p> „Tun <hi rend="gesperrt">Sie</hi> dieses Totengräbergeschäft; ich + vermag es nicht!“ </p> + <p> Ein andermal sollte Knut ein Beet ausjäten. Er ging siebenmal mit düsterem + Antlitz um das Beet herum, spreizte dann alle zehn Finger über dies neue + verruchte Arbeitsfeld und deklamierte: </p> + <pb n="185"/><anchor id="Pg185"/> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„Giftiges Kraut, gesäet mitten unter den Weizen,</l> + <l>O du teuflische Saat, wie bist du vom Feinde gestreut!</l> + <l>Satanas hat sich dein Korn in höllischen Scheuern gestapelt,</l> + <l>Hat mit beklaueten Fingern diese Aussaat verrichtet,</l> + <l>Daß du nun wucherst und wächst; dem güldenen Weizen zum Schaden,</l> + <l>Daß du die Sonne ihm stiehlst, den nächtlichen Tau der Gestirne.</l> + <l>Weiche, du teuflische Brut, verkrieche dich tief in den Boden,</l> + <l>Krieche zur Hölle zurück, zum Satan, von dem du gekommen,</l> + <l>Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge,</l> + <l>Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!“</l> + </lg> + <p> Daraufhin hat der Gärtner Herrn Knut Waterstream belehrt, daß das, was er als + Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und daß sich gegen das + Unkraut mit Beschwörungen nichts ausrichten lasse. Man müsse das Zeug Stück für + Stück mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe es nicht. </p> + <p> „Lieber Freund“, hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme erwidert, + „wir verstehen uns nicht!“ </p> + <p> Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <pb n="186"/><anchor id="Pg186"/> + <p> Es soll der Sänger mit dem König gehen. Sänger hatten wir von Anfang an genug; + am 10. Mai kam der König an. Ein wirklicher König war es zwar nicht, aber + immerhin der Bruder eines regierenden Fürsten, eine Hoheit. Um diese Zeit + versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz an dreihundert + Zeitungen: </p> + <p> „Der Andrang nach der Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ zu Waltersburg, der besten und + originellsten Heilstätte der Welt, ist enorm. Die ermüdete Intelligenz flüchtet + in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt kommen auf ein Weilchen + zurück ins grünbelaubte Mutterhaus der Natur. Künstler von Weltruf, Mitglieder + europäischer Regentenhäuser sind bei uns eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein + Heldentenor, der vergötterte Liebling allen Volkes, bei uns als schlichter + Nachtwachtmann mit funkelndem Speer und silbernem Horn durch die im + Sternenschein liegenden Gassen schreitet, die Stunden singend, wie es in alten + Tagen geschah, oder wenn er einer heimlich geliebten schlummernden Dame sein + Troubadourlied singt; wie rührend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust + und mit nie ermüdender Emsigkeit seine Gärtnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, + wenn der Allerhöchstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf + dessen Stimmungen die Welt achtet, im demütigen Bauernkleide, von niemand + erkannt, seiner ländlichen Tätigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt ‚Ferien + vom Ich‘ ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg über das Unglück, ist ein + Paradies auf Erden!“ </p> + <pb n="187"/><anchor id="Pg187"/> + <p> Als ich diesen Erguß in den Zeitungen las, wußte ich: auch unser Levisohn war + ein Dichter. Einer von blühender Phantasie. </p> + <p> Hoheit kam zu mir und fragte: </p> + <p> „Sagen Sie mal, Doktor, ist denn unter den paar Männchen, die hier bei Ihnen + ’rumkrauchen, etwa der König von England oder von Italien drunter?“ </p> + <p> „Gewiß nicht, Hoheit.“ </p> + <p> „Ja, wer ist denn da mit dem Allerhöchstgeborenen Herrn gemeint, auf dessen + Stimmungen die Welt achtet?“ </p> + <p> „Ew. Hoheit selbst.“ </p> + <p> Hoheit prusteten los und kriegten einen Hustenanfall. Nachher sagten Hoheit: </p> + <p> „Verfluchter Kerl, der Levisohn; er macht was aus einem!“ – </p> + <p> Der Erfolg der Levisohnschen Reklamenotiz war riesenhaft. Es wurden + achtzigtausend Prospekte von uns eingefordert, und es meldeten sich über + dreitausend Kurgäste an. Ob der nachtwächternde Heldentenor oder der + ackerbauende Fürst die größere Anziehung ausübte, war nicht zu entscheiden. + Flugs erschien in Hunderten von Zeitungen folgende Notiz: </p> + <p> „Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘, Waltersburg. In einer Woche 83 000 Menschen, die + an die Pforten unseres Heims anklopften!!! Auf absehbare Zeit können wir trotz + unserer riesigen Anlagen neue Gäste nicht aufnehmen, da jeder unserer + Feriengäste ganz individuell behandelt werden muß. Vornotierungen aber + zulässig.“ </p> + <pb n="188"/><anchor id="Pg188"/> + <p> Diese hochmütige Kürze tat noch größere Wunder. Unser Büro konnte die Berge von + Zuschriften nicht im geringsten mehr bewältigen. Ich telegraphierte unsere + fabelhaften Erfolge nach Amerika. Und wieder traf die Antwort ein: „Hatte ich + mir gedacht!“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> Hoheit ist ein recht liebenswürdiger Kurgast. Hoheit ist überhaupt einer, der + seiner zu großen Nachsicht gegen sich selbst die Erschlaffung seiner Nerven + verdankt. Wir Ärzte drücken das höflich aus: Er hat zu konzentriert gelebt. Es + ist schön, daß wir unsere fachmännischen Ausdrucksformen haben; denn es würde + sich stilistisch nicht gut ausnehmen, wenn man sagte: Hoheit ist vielleicht eine + ganz gute Haut, aber ein bißchen Schweinekerl und Liederjan! </p> + <p> Also, Hoheit haben zu konzentriert gelebt und sind vielleicht nur zu uns + gekommen, weil sie hier ein Feld für originelle Extravaganzen wittert. Rares + wittert. Alles andere liegt hinter diesem Mann, schwere Familienratsbeschlüsse, + unfreiwillige Reise um die Erde, zeitweilige Verwendung in den Kolonien, + Aussöhnung mit dem Familienchef, abermaliges Fallen in Ungnade, morganatische + Ehe, Scheidung, Schulden, Zeitungsskandale und was so zum Bilde des tollen + Prinzen gehört. </p> + <p> Drei Tage hat Hoheit in der Besinnungseinsiedelei zugebracht und mir einen + Lebensbericht eingereicht, über dem mir die Haare zu Berge gestanden haben, + obwohl ich als Arzt und Weltumsegler ja gerade nicht unerfahren <pb n="189"/><anchor id="Pg189"/>und prüde bin. Am Schluß stand: er habe sich eigentlich erschießen wollen, aber + er könne ja noch mal diese „neue Chose“ probieren, ob ihm noch ein bißchen + Geschmack am Leben beizubringen sei. Das Leben komme ihm so eklig und wertlos + vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, für den man keine Zwiebel mehr zu + kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle Arbeit tun und bitte, + mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am wohlsten gewesen, wenn ihm + gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr und Familienoberhaupt, ein paar + Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf Sekunden das Gefühl gehabt, daß er + und sein Leben noch ernst genommen werden können. Heißen wolle er Max Piesecke. – </p> + <p> „Also, lieber Piesecke“, sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; „daß Sie ein + großer Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu sagen. + Höchstwahrscheinlich läßt sich mit Ihnen nichts mehr anfangen. Erschießen werden + Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber miserabel zugrunde gehen + werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werden die Wände auskratzen, ehe Sie + hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie – ich glaube, ungefällig sind Sie nicht. + Sie haben auch noch Sinn für Humor. Nun, Piesecke, es wäre doch ein kolossaler + Witz, wenn aus Ihnen noch mal ein brauchbarer Kerl würde! He? Sie müssen selbst + darüber lachen! Und für mich wäre es gut – wegen Ihrer Familie. Also versuchen + wir’s halt. Gelingt’s, freue ich mich; gelingt’s nicht, schmeiße ich Sie ’raus!“ </p> + <pb n="190"/><anchor id="Pg190"/> + <p> „Wahrscheinlich werden Sie mich ’rausschmeißen!“ sagte Piesecke nachdenklich. </p> + <p> „Sie sind ein schlechter Pessimist, Piesecke! Sehen Sie, wenn Sie ein bißchen + Philosophie im Leibe hätten, müßten sie wissen: es gibt keinen grimmigeren Spaß, + als ein Pessimist zu sein und über den Pessimismus zu lachen!“ </p> + <p> „Wie? Bitte, schreiben Sie mir den Satz auf!“ </p> + <p> „Gern!“ </p> + <p> Ich schrieb den Satz auf einen Zettel, übergab ihn Piesecke und sagte: </p> + <p> „Stecken Sie sich dieses Wertpapier in Ihre Jackentasche und verlieren Sie es + nicht! Und nun werde ich Ihnen noch etwas sagen, Piesecke! Sie werden + höchstwahrscheinlich nach acht Tagen bei uns ausreißen wollen. Sie sind gar + nicht imstande, bei uns zu bleiben und das Gesundungsleben durchzuführen. Dazu + fehlt Ihnen die Willenskraft. Und um nicht unnützerweise acht Tage lang meine + Zeit mit Ihnen zu vergeuden, werden wir einen notariell aufgenommenen Kontrakt + machen. Er wird kurz sein und lauten: </p> + <p> Falls ich nicht ein Jahr lang im Waltersburger Kurheim ‚Ferien vom Ich‘ aushalte + oder mich den Anordnungen des dirigierenden Arztes nicht füge, zahle ich eine + Million Mark Reugeld.“ </p> + <p> „Was?“ schrie Max Piesecke. „Wenn ich so etwas tue und mein Bruder erfährt es, + schlägt er mich tot!“ </p> + <p> „Schön! Dann habe ich nicht mehr nötig, Sie zu kurieren.“ </p> + <p> Piesecke sank in sich zusammen. </p> + <pb n="191"/><anchor id="Pg191"/> + <p> „Ich bin immer Erpressern in die Hände gefallen“, jammerte er. </p> + <p> „Morgen nachmittag 4½ Uhr wird der Notar hier sein“, entgegnete ich ruhig; + „Sie werden dann entweder das von mir aufgesetzte Abkommen unterzeichnen oder + Ihrer Wege gehen.“ </p> + <p> „Ferien vom Ich!“ stöhnte Piesecke; „ich habe gar keinen Willen mehr.“ </p> + <p> Am nächsten Tage, um 4,35 Uhr, unterschrieb vor dem Notar, meinem Vertrauten, + Max Piesecke das von mir gewünschte Abkommen mit seinem hochfürstlichen Namen. </p> + <p> „Nun passen Sie mal auf, Piesecke“, sagte ich, „jetzt wird noch was aus Ihnen!“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> All unsere Höfe sind mit Kurgästen besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen, daß + wir die Wahl hätten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der Reihenfolge + der Anmeldungen nach. Ich habe von früh bis spät Arbeit, obwohl unser + Ärztekollegium immer größer wird. Es lastet zuviel Geschäftliches auf mir. Das + drückt auf die Seele; denn ich bin kein Kaufmann. Was tut mir doch dieser + Stefenson an, daß er gerade jetzt, wo er hier am nötigsten wäre, in Amerika + sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an ihn schrieb und telegraphierte, er kommt + nicht zurück. Immer die gleiche Antwort: „Ich bin hier noch unabkömmlich.“ </p> + <p> Unser Direktor – ein früherer Offizier – ist zum Glück ein tüchtiger Mann. Es + ist Schwung in seinen Ge<pb n="192"/><anchor id="Pg192"/>danken, er hat Initiative und Spürsinn. Wie + ein guter Jagdhund ist er, er hat’s in der Nase, wenn er über das weite Gelände + unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen Furche ein + verborgener Erfolg aufzustöbern ist. Er ist aus dem Holz, aus dem die guten + Feldherren, Diplomaten, Kaufleute geschnitzt sind. Die leitet alle ein + unfaßbarer Instinkt, eine Art sechster Sinn, den andere Leute nicht haben. </p> + <p> Der Direktor heißt von Brüsen und wird wegen seines würdevollen Auftretens von + den Kurgästen „der Herr Präsident“, von den Angestellten aber „der Direks“ + genannt. Oft habe ich bei seinen Maßnahmen das Gefühl: genau so würde Stefenson + gehandelt haben. Brüsen ist auch von Stefenson angestellt worden. Mein + Geschäftsfreund hat den Offizier a. D. mal irgendwo kennengelernt, sich mit ihm + etwa zwei Stunden unterhalten, dabei – wie er schrieb – gefunden, „daß sich + dieser Mann zwei verschiedene Dinge auf einmal vorstellen könne, was nur sehr + wenig Menschen vermöchten“, daß er ferner „zu klug sei, um die Alltagsklugheit + zu haben“, daß er nicht in den Doppelsohlenstiefeln ängstlicher Vorsicht + einherstampfe, in denen man von hundert Schnellfüßlern überholt werde, und daß + er von guter, zäher Geistesmuskulatur sei. So hat sich Stefenson die Adresse + dieses Herrn gemerkt und ihn für uns nun an den Tag gezogen. </p> + <p> Es ist ein Glück, daß dieser Direktor da ist. Was täte ich ohne ihn? Einen + Entscheid fällt er fast nie sofort. Er will, wenn es sich um wichtigere + Angelegenheiten handelt, immer einen Tag oder doch einige Stunden Be<pb n="193" + /><anchor id="Pg193"/>denkzeit. Dann steht aber auch seine Meinung felsenfest. Und er entscheidet + immer so, wie ich annehmen möchte, daß Stefenson entschieden haben würde, auch + manchmal in Dingen, die viel Geld kosten, so waghalsig, so wurstig, so ohne + Skrupel, wie es eben nur ein reicher Mann kann, der so fest steht, daß er weiß: + ich kann nicht fallen, komme, was wolle. Ein paarmal sah ich den Direktor scheu + von der Seite an. War er etwa gar ... </p> + <p> Das war krasser Unfug. Dieser kleine Schwarzbart mit dem runden Bäuchlein war + bestimmt nicht der große, hagere Stefenson. Auch in dem Journalisten Brown hätte + ich nichts anderes vermuten sollen als eben den Mister Brown. </p> + <p> Ich muß mich wahrhaftig erst in die Ausführung meiner eigenen Idee von der + Unpersönlichkeit meiner Kurgäste gewöhnen. Es wird mir schwer, in dem + Nachtwächter Korrundt nicht den Opernsänger zu sehen, ja, es wird mir sogar + schwer, unsere verbummelte Hoheit mit Piesecke anzureden. Dabei ist doch der + Mann wirklich mehr Piesecke als Hoheit. Ich bekümmere mich absichtlich nicht um + die Personalien der Kurgäste, die ich nicht selbst behandle, sehe keine unserer + Geheimlisten ein, soweit ich es nicht als leitender Arzt tun muß. So begegne ich + Menschen auf unseren Wegen, sehe Leute in unseren Gärten und auf unseren Feldern + arbeiten, von denen ich nicht weiß, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie + gehen, von denen mir nur bekannt ist, daß sie aus einer drückenden Enge + entflohen sind in das Reich unserer grünen Gesundheit. </p> + <pb n="194"/><anchor id="Pg194"/> + <p> Der Sekretär, der unsere Statistik macht, sagte mir, daß neunzig Prozent unserer + Kurgäste aus Großstädten kommen. Ich glaube das gern. Die Großstadt ist keine + gute Mutter. Dazu sind ihre Arme und Hände zu steinern hart, ist ihre Sprache zu + laut und liebeleer, sind ihre Sinne zu flunkerig, sind ihre Wünsche ohne + Heimlichkeitssinn zu sehr auf den Engrosramsch der Genüsse gerichtet, ist ihr + Aufputz zu sehr abgespart den wahren Bedürfnissen ihrer Kinder. Von den + Palasträumen ihrer Verwaltung aus regiert diese Stiefmutter Großstadt ihre + Familie, die zum größten Teil in dumpfen Winkeln hockt und in engen Kammern + schläft; in ihren glänzenden Parkanlagen dürfen barfüßige Jungen und zerlumpte + Mädchen spazierengehen. Wie die niederträchtigste Amme, die ihren unruhigen + Zögling mit Schnaps betäubt, errichtet sie in all ihren Vorstädten Destille + neben Destille. Und wenn die Kinder gar zuviel darben und zu murren beginnen, + schenkt ihnen diese „Mutter“ Großstadt einige Bonbons „öffentlicher Fürsorge“ + oder billiger Lustbarkeit, Bonbons, die nicht satt, stark und gesund machen + können, sondern nur den Magen ansäuern und die Zähne des Willens und Charakters + verderben. </p> + <p> Wann endlich wird die Menschheit des trügerischen Schimmers müde sein, in + Scharen ausziehen aus dem ungesunden Hause der Stiefmutter Großstadt und im + großen Ferien machen von diesem jammervollen Ich? </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Heut ist ein Unglück passiert. Annelies von Grill und Eva Bunkert wollten als + Kurgäste zu uns kommen und <pb n="195"/><anchor id="Pg195"/>beim Forellenbauer wohnen. Der Bauer + hatte seinen Spazierwagen nach dem Bahnhof geschickt zur Abholung. Sein Knecht, + der lange Ignaz, spielte den Kutscher. Aber auch Piesecke fuhr mit. Hoheit will + sich in die Geheimnisse der Kunst einweihen lassen, ein Bauerngefährt auf einem + etwas holperigen Feldweg mit Geschick zu leiten. Auf dem Rückwege ist dann das + Unheil geschehen. Piesecke hat kutschiert und gerade dort, wo der Weg eine + steile Böschung hat, umgeworfen. Die Damen sind den Abhang hinuntergekugelt, die + beiden Kutscher desgleichen, und die scheu gewordenen Pferde haben den + umgekippten Wagen hinter sich hergeschleift und greulich zugerichtet. </p> + <p> Von den vier abgepurzelten Personen hat sich der Knecht Ignaz zuerst erhoben. Er + hat sich erst die Glieder zurechtgeschlenkert, dann die Wahlstatt überschaut und + darauf zunächst mal dem unglücklichen Piesecke ein paar ungeheure Ohrfeigen + versetzt. Darauf ist Ignaz den Pferden nachgerannt, hat sie zum Stehen gebracht, + sich überzeugt, daß mit dem Wagen nicht weiterzufahren sei, und ist dann zu den + Damen zurückgekehrt. Annelies ist außer dem Schreck nichts passiert, die schöne + Eva hat sich einen Fuß verstaucht. Ignaz hat die holde Blonde auf seinen + kräftigen Buckel laden und nach Hause tragen wollen, doch das hat sie abgelehnt. + Piesecke hat nichts zu sagen gewußt als: „Pardon, pardon, es ist mir dieses + alles sehr fatal.“ </p> + <p> Schließlich hat Eva dem Knechte befohlen, ein Pferd auszuspannen, sie + hinaufzuheben, und ist so halb lachend, halb weinend bei uns eingeritten. </p> + <pb n="196"/><anchor id="Pg196"/> + <p> Am selben Tage noch kam Hoheit zu mir, um wegen der erhaltenen Ohrfeigen + Beschwerde zu führen. Er sei – so sagte er – immerhin ein Kurgast, und Ignaz + sei ein gemieteter Knecht. Er müsse gegen solche Behandlung Protest einlegen. </p> + <p> Ich aber sagte: „Piesecke, ich habe so viel Wichtiges zu tun, daß ich mich + wirklich nicht darum kümmern kann, wenn sich mal zwei unserer Kutscher prügeln.“ </p> + <p> Darauf erhellte sich Pieseckes Gesicht, und er sagte: „Jawohl, ich sehe es ein! + Wenn ich mich körperlich werde gekräftigt haben, werde ich ihm die Ohrfeigen + zurückgeben.“ </p> + <p> „Das müssen Sie“, erwiderte ich; „das gebe ich Ihnen auf; das werde ich Ihnen + direkt in die Kurverordnung schreiben, lieber Piesecke!“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="197"/><anchor id="Pg197"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Sommerabend</head> + <p> Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum + Hirtenhaus, aber ehe ich mich’s versah, schlenderte ich doch wieder zum + Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich müsse mich um mein Sorgenkind + Piesecke bekümmern, und so nebenbei könne ich ja nach Eva fragen, deren kranker + Fuß allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Mädchen saß vor der + Haustür auf der grüngestrichenen Bank und putzte Gemüse. Sie heißt hier einfach + „Hanne“. Einen Familiennamen führt sie nicht, ebensowenig wie Anneliese, die + sich in „Bärbel“ umgetauft hat. </p> + <p> Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das + schöne Mädchen, eine weiße Taube saß auf der Rückenlehne der Bank, ein + goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Äuglein zu dem Mädchen empor, wartend, + ob für ihn etwas abfalle. Dann kam der große Zottelhund, wedelte mit seinem + buschigen Schwanz den Hahn gutmütig, aber bestimmt zur Seite, nahm dessen Platz + ein und saß in stummer Bewunderung vor der schönen Frau. </p> + <p> Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Mädchen hin, das war Piesecke, der + an der Stalltür lehnte und <pb n="198"/><anchor id="Pg198"/>eine Sense in der Hand hielt. Oh, den + armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die Augen und + seufzte einmal so laut, daß man es über den Hof hinweg hörte. Ich ärgerte mich + über den Menschen. </p> + <p> Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltür heraus, + gab dem träumenden Piesecke einen Stoß in den Rücken, daß er samt seiner Sense + in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief: </p> + <p> „Schlaf nicht, du Döskopp! Mach, daß du aufs Kleefeld kommst!“ </p> + <p> Die schöne Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte mit + seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltür herum und ging + dann niedergeschlagen über den Hof. Am Tor traf er mich. </p> + <p> „Das ist eine Gemeinheit“, sagte er und hatte Tränen in den Augen. </p> + <p> „Piesecke“, tröstete ich ihn, „ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt vorfiel. + Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres Ferienheims. Der Knecht + Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich + werde energisch mit dem Bauern reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe + unterbringen?“ </p> + <p> „Um Gottes willen nicht“, rief Piesecke erschrocken; „ich – ich – da hielte + ich’s ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich – ich hab mich ja schon + so – so – an den Grobian gewöhnt.“ </p> + <p> Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon. </p> + <pb n="199"/><anchor id="Pg199"/> + <p> Ich begrüßte eben die blonde „Hanne“, da trat auch schon der Bauer Barthel aus + der Haustür. Das war mir nicht lieb, und so sagte ich ein bißchen unwirsch: </p> + <p> „Barthel, das geht aber nicht, daß Sie Knechte mieten, die unsere Kurgäste + verprügeln. Denken Sie mal, wenn das in der Öffentlichkeit bekannt würde! Da + käme niemand mehr zu uns. Den langen Ignaz müssen Sie entlassen.“ </p> + <p> „Ich kann nich, Herr Dukter“, erwiderte Barthel achselzuckend. „Ma kriegt so + schwer ’n gutten Knecht. Kurgäste kriegt ma zehnmal leichter wie ’n Knecht. Und + a Ignaz, den kenn ich vu Jugend uff, das is a ganzer Kerle. Der schofft’s! Wos + sull ich machen, jetzt, wu die Ernte kummt? Ich kann doch nich die Ernte mit ’m + Piesecke machen! Se sullten mal zusehn, Herr Dukter, wenn der Piesecke Gras + haut. Bluß die Spitzen schneid’t a ab, de Sense fuchtelt immer in der Luft ’rum. + Oder sie bleibt in eem Maulwurfhaufen stecken. Es ist jämmerlich!“ </p> + <p> „Wie lange wird denn Herr Piesecke hierbleiben?“ fragte Hanne. </p> + <p> „Das dürfte ich eigentlich nicht sagen“, erwiderte ich, „aber ich glaube ein + ganzes Jahr!“ </p> + <p> „Um Gott’s willen!“ stöhnte Barthel. „A Jahr lang! Da hat mir der Kerl ’n ganzen + Hof ruiniert. Was soll ooch so’n Sargfabrikant von der Bauernwirtschaft + verstehen.“ </p> + <p> „Wieso – Sargfabrikant?“ </p> + <p> Barthel lächelte überlegen. </p> + <pb n="200"/><anchor id="Pg200"/> + <p> „Eener vom Grundhofe kennt ihn. Piesecke is Sargfabrikant in Hannover und heeßt + eegentlich Robert Ebbing. Ich hab das vom Sargfabrikanten gleich geglaubt; denn + ’n sehr traurigen Eindruck macht a doch. Aber ich hab mir gesagt, a muß doch da + was von der Tischlerei verstehn. Da sollt a mir vorgestern ’ne Kiste zunageln. + Das hätten Se sehn müssen! Olle Nägel krumm oder in die Luft gekloppt. Das weeß + ich: in een Sarg, den der Piesecke gemacht hat, leg ich mich amal nich! Eh da + die Sänger mit ‚Es ist bestimmt in Gottes Rat‘ fertig wären, bräch der Boden und + ich läg draußen!“ </p> + <p> „Also, das alles glaub ich nicht“, warf die blonde Hanne lachend ein; „Piesecke + stammt aus einer besseren Familie; das merkt man ihm schon an.“ </p> + <p> Ich zuckte die Achseln. </p> + <p> „Es darf hier ein jeder vermuten, was er will.“ </p> + <p> „Meinetwegen mag er sein, was er Lust hat“, sagte Barthel brummig; „Hauptsache, + ich wär ihn los.“ </p> + <p> „Geduld, Barthel, Geduld!“ </p> + <p> „Geduld braucht ma mächtig viel mit den Städtern. Also fünfundzwanzig Stück + Kurgäste hab ich jetzt. Außer mit der kleen’n Bärbel hab ich mit allen + Schererei. Na, ich brumm nicht etwa, Herr Dukter; für die Ärgerei mit a Städtern + bin ich ja da und hab ich mein feines Auskumm’. Ich sag bloß: Ärger machen se + alle.“ </p> + <p> „Aber doch nicht ich!“ rief Hanne. </p> + <p> „Sie ooch“, sagte Barthel melancholisch; „meine Alte is uff Sie eifersüchtig.“ </p> + <pb n="201"/><anchor id="Pg201"/> + <p> „Barthel!“ </p> + <p> Dem Mädchen blieb der hübsche Mund offenstehen. </p> + <p> „Ja, ja, ich hab ihr zwar gutt zugeredt und gesagt: Alte Schraube, es paßt sich + nich, daß du uff deine alten Tage eifersüchtig wirst. Aber se sagt, es paßt sich + nich, daß ich su oft mit Ihn’n plaudere, und ich tät Augen machen.“ </p> + <p> „Was täten Sie machen?“ </p> + <p> „Augen! Nu ja, ich kann doch nich als Blindekuh vor Ihn’n stehn!“ </p> + <p> Das Mädchen machte ein erheuchelt ernstes Gesicht. </p> + <p> „Also, Barthel, diese Augen lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde Ihre Frau + Gemahlin zur Rechenschaft ziehen.“ </p> + <p> „Um Gottes willen nich! Wenn das ’rumkummt, schrei’n ja die Leute Feuer!“ </p> + <p> Da trat Frau Susanne Barthel aus der Haustür. </p> + <p> „Hatt’ ich mir’s nich geducht? Steht a nich schon wieder?“ sagte sie. </p> + <p> „Ja, Frau Barthel“, rief Eva, „und er macht Augen auf mich!“ </p> + <p> „Nich wahr, Fräulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spaß an dem alten Esel?“ </p> + <p> Das Weiblein fing an zu lachen, daß ihr die Augen tränten. </p> + <p> „Also, wenn der Augen macht“, schluchzte sie unter Lachen, „da kommt keen + gestoch’nes Kalb dagegen auf.“ </p> + <p> „Weib“, schrie Barthel erbost; „du bist eifersüchtig. Du hast keen’n Grund + dazu!“ </p> + <pb n="202"/><anchor id="Pg202"/> + <p> „Nee, nee“, schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Händen; „du kannst um + de ganze Welt ’rum Augen machen, ’s fällt keener druff ’rein!“ </p> + <p> Und sie ging vergnügt ins Haus zurück. Barthel stopfte ob des vernichtenden + Urteils über seine männliche Anziehungskraft die Hände in die Hosentaschen und + sagte: </p> + <p> „Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut war, + lacht se mich immer aus.“ </p> + <p> „Seien Sie doch froh, Barthel, daß Sie eine so lustige Frau haben.“ </p> + <p> „Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se nich! + Sie sind nicht verheirat’t. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn se flennt, + oder wenn se mit Tellern schmeißt, oder wenn sie furtlooft, könn’n Se sich immer + noch Ihren Kopp ufsetzen; aber wenn se lacht, sind Se geliefert.“ </p> + <p> Nach dieser Bemerkung hob der Philosoph aus dem Volke den Kopf und lachte + selber. Und ich benutzte die Gelegenheit und bat Barthel, mir seine Meinung über + seine Kurgäste mitzuteilen. Sowenig ich mich sonst um den Stand der von mir + persönlich nicht behandelten Kurgäste kümmere – wer auf dem Forellenhof lebt, + weiß ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht zugestehn, aber ich glaube + oft, daß ich selbst „Augen“ auf die schöne Eva Bunkert mache, die hier „Hanne“ + heißt. Und wenn ich ehrlich sein will, ist das auch der Grund, warum ich gerade + die Besucherliste des Forellenhofes kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt: </p> + <pb n="203"/><anchor id="Pg203"/> + <p> „Also, Barthel, schießen Sie mal los mit Ihrem Ärger über unsere Kurgäste.“ </p> + <p> Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte auf + einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenüber. Er machte sein philosophisches + Gesicht und sagte: </p> + <p> „Ärger kann man’s eigentlich nich nennen, man muß mehr sagen, keen richtigen + Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der ärgert mich wirklich. + Das is ’n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Särge gemacht, zuviel Geld + eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel der Lempert. Also, + in dessen Kurverordnung, die er mir als ’m Hausherrn doch abgeben muß, steht: + Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz wecken. Lempert brummt nich + amal. Um dreiviertel weckt Ignaz wieder. Lempert schreit: a sull die Schnauze + halten! Um sechse geh ich selber und hau an die Tür. Lempert schmeißt seine + Stiefel dagegen und schreit, ich sull mich zum Teufel scheren. Um viertel sieben + trommeln wir beide so an die Tür, daß ’s ganze Haus wackelt, ’s rührt sich + nischt. Um halb sieben droh’n wir, die Tür einzuhauen. Da kummt Lempert hinter + uns die Treppe ’rauf und fragt seelenvergnügt, warum wir eigentlich vor seiner + Tür so eenen Skandal machen; a wär doch schon lange munter. Is der Kerl heimlich + uffgestanden und hat die Tür von außen verschlossen. Nächsten Tag dieselbe + Chose. Um halb sechs Ignaz (Lempert brummt), um dreiviertel sechs Ignaz + (Schnauze halten!), um sechs ich (er schmeißt mit Stiefeln). ‚Jetzt, Ignaz‘, sag + ich, <pb n="204"/><anchor id="Pg204"/>‚is Schluß, jetzt steht er heimlich uff.‘ Um neune is ’n Bote + vom Rathaus bei mir, warum der Lempert nich zur Kur gekommen sei? Schläft der + Vagabund noch! Da soll ma sich nich ärgern!“ </p> + <p> Lempert war ein Rechtsanwalt aus Leipzig. </p> + <p> „Fahren Sie fort, Barthel. Schildern Sie mir noch einige Ihrer Kurgäste.“ </p> + <p> „Also, da ist der Emmerich, der komponiert mir ’n ganzen Hof voll. Auf’m + neubehobelten Kartoffelwagen hat a ’n ganzes Brett vollkomponiert, er komponiert + die Hausflurwände voll, er komponiert ans Butterfaß, er komponiert auf die + Tischtücher, er hat sogar (entschuldigen, Fräulein Hanne!) auf den Klosettdeckel + einen Rundgesang komponiert. So ein verrücktes Huhn is das! Ich hab’n gefragt, + ob er Kapellmeister oder Kantor war, da hat er gesagt: Nee, er wär Gesanglehrer + in eener Taubstummenanstalt. Von sein’n Schülern ließe er seine Kompositionen + aufführen. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so ’n Schmierfinke wie + der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der behauptet, er + wäre 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a seinen tausendsten + Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den nächsten Tag tät er dann sterben, + da könnten wir gleich zum Begräbnis dableiben. Die Sache hätte sich so + zugetragen, daß er vor etwa tausend Jahren ’n mächtiger König gewesen wär; aber + er hätt’ ’n Verbrechen begangen, und da hätt’ ’n een sehr kräftiger Fluch + getroffen, und da hätt’ er gleich nach seinem Tode sich immer wieder aus ’m + Grabe ’rausbuddeln <pb n="205"/><anchor id="Pg205"/>und in anderer Gestalt ’n neues Leben beginnen + müssen, und es sei immer sehr bergab gegangen mit sein’n diversen Leben, bis er + zuletzt hätte als deutscher Maler auf die Welt gemußt. Da sei das Maß seiner + Buße voll geworden, und er dürft jetzt definitiv sterben. Also – was hat dieser + Methusalem gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. ’s erstemal kommt’s in + Gebrauch. Schneeweißes Buchenholz. Da schüttet meine Frau Rüben in das Schaff, + pfeift ’m Methusalem und sagt: ‚Methusalem, stampfen Se mal die Rüben hübsch + klein!‘ Was macht er? Er beguckt sich das schöne weiße Schaff, dreht’s um, + schüttet die Rüben aufs Pflaster und malt auf ’n auswendigen Boden vom Schaff + meine Alte. Die is nu immer wieder hergelaufen gekommen, hat gelacht und + geschimpft auf den Methusalem, und er hat sie immer angeguckt und drauflos + gestrichelt. Da is se ausgerückt und er ’s Schaff sich über’n Kopf gestülpt und + immer hinter der Susanne her. Und wo er sie erwischte, schnell ihr ins Gesicht + geguckt und ’n paar Striche gemacht. Und dann ging die Jagd von neuem an. Das + nennt sich nu landwirtschaftlicher Betrieb bei uns!“ </p> + <p> „Hat denn der Methusalem die Zeichnung fertiggestellt?“ </p> + <p> „Freilich! Fünf Tage lang is a mit sein’m Schaff auf ’m Kopp hinter der Susanne + wie wahnsinnig hergewest. Se is ganz außer Atem gekommen und hat gesagt, a müßt + wirklich ’n sehr schwerer Verbrecher sein. Aber das Bild is nu fertig. Ich sag + Ihn’n, su ’ne alte Eule haben Se Ihrer Lebtage noch nicht gesehen.“ </p> + <pb n="206"/><anchor id="Pg206"/> + <p> „Kann man das Bild nicht mal sehn? Sie haben dieses Schaff hoffentlich nicht + wieder als Schaff benutzt?“ </p> + <p> „Nee! Meine Alte hat das Bild abscheuern woll’n, aber da haben alle Kurgäste + Lärm gemacht.“ </p> + <p> „Die Zeichnung ist köstlich!“ warf Eva ein. </p> + <p> „Wo ist denn das Schaff?“ </p> + <p> „Oben in seiner Stube hat’s der Methusalem eingeschlossen. Aber ich hab ja ’n + zweiten Schlüssel.“ </p> + <p> „Holen Sie’s mal!“ </p> + <p> „Wenn mich die Susanne erwischt, kommt sie gleich mit der Schmierseife und der + Scheuerbürste hinter mir hergesaust.“ </p> + <p> „Holen Sie es. Wir stehen Posten.“ </p> + <p> Ich wußte, daß dieser Methusalem ein bekannter ausgezeichneter Karikaturist war. + Als Barthel mit dem Schaff ankam und ich die Zeichnung sah, war ich entzückt. + Ich sah ein Meisterwerk! Diese ganze pfiffige, durchtriebene, lachlustige, dicke + Susanne lebte, atmete, schimpfte, lachte, kommandierte, pfiff auf der Zeichnung. </p> + <p> „Es ist herrlich“, rief ich; „es ist zum Küssen schön!“ </p> + <p> „Weib!“ schrie da Barthel begeistert, „Weib, komm ’raus, der Doktor will dir ’n + Kuß geben.“ </p> + <p> Susanne kam heraus, sah das Schaff, kreischte, versuchte einen wilden Angriff + auf ihr Bildnis und erstarrte, als ich ihr sagte, wenn Herr Stefenson die + Zeichnung sähe, würde er wahrscheinlich ein- oder zweitausend Mark dafür zahlen. </p> + <p> Die erblaßte Susanne rief: </p> + <pb n="207"/><anchor id="Pg207"/> + <p> „Ich kann doch keene so scheußliche alte Schachtel sein wie die da!“ </p> + <p> „Das ist keine scheußliche alte Schachtel“, sagte Eva freundlich; „das ist eine + sehr liebe, lustige Muttel!“ </p> + <p> „Siehste, Alte“, höhnte Barthel, „wenn du um die ganze Welt reistest, ’s könnte + dich keen Maler schöner uffmalen, als du eben bist. Aber ich bin nich + eifersüchtig, wenn ooch der Methusalem fünf Tage hinter dir hergerast is wie + verrückt.“ </p> + <p> Mit dieser rachsüchtigen Bemerkung schlug Barthel seine Gattin aus dem Felde. </p> + <p> „Holdrioho hoho!“ jodelte einer draußen vor dem Tore. </p> + <p> „Um Himmels willen“, rief Barthel, „das is der Methusalem. Wenn der spürt, daß + ich in seiner Stube gewest bin! Der tausendjährige Kerl hat Kräfte wie ’n Bär.“ </p> + <p> Und Barthel nahm das Schaff auf den Kopf und verschwand eilends im Hause. </p> + <p> Eva-Hanne sagte: </p> + <p> „Ich hab immer gern in meinem Leben gelacht, aber so viel wie in den drei + Wochen, da ich hier bin, noch nie.“ </p> + <p> „Lachen ist gesund.“ </p> + <p> „Ganz gewiß. Ich sehe, wie alle um mich her täglich gesünder und heiterer + werden. Heiter kann man es zwar nicht nennen, mehr ausgelassen.“ </p> + <p> „Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg zu dem + Berge der Gesundheit und des Glückes, die Heiterkeit ist der letzte, klare + Gipfel. Zu <pb n="208"/><anchor id="Pg208"/>ihm gelangen wir spät, erst, wenn wir lange und + mühevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden ist, + erst, wenn unsere Augen weithin sehen können, über alle Tiefen, die unter uns, + und alle Höhen, die über uns waren.“ </p> + <p> „Sind Sie selbst schon auf der Höhe?“ </p> + <p> „Ich gewiß nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die Hand + ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!“ </p> + <p> „Vielleicht ist’s gut so“, meinte Eva nachdenklich; „wenn Sie selbst schon oben + ständen, könnten Sie nichts anderes als winken. Und da würde sich mancher sagen: + was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist wohl in Not und + fürchtet sich allein dort oben?“ </p> + <p> „Ich finde, Fräulein Eva, daß wir uns gut verstehn!“ </p> + <p> Ich sah ihr heiß in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber kühl. + Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz schlurfte + vorbei. Er brummte einen Gruß und rückte kaum am Hut. </p> + <p> „Ein unfreundlicher Mensch“, sagte ich, nur um etwas zu reden. „Wenn er nur + nicht mal Unheil anrichtet!“ </p> + <p> „Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich.“ </p> + <p> „Holdrioho hoho!“ jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl erschien, + der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren gefahren. </p> + <p> „Das ist Methusalem“, belehrte mich Eva; „er bringt die dicke Cenzi vom Felde + heim.“ </p> + <pb n="209"/><anchor id="Pg209"/> + <p> Cenzi war – wie ich wußte – die Gattin eines Berliner Bankiers. In ihrem + Dirndlkostüm sah sie ein wenig schnurrig aus. Methusalem fuhr seine holde Last + bis in die Mitte des Hofes, kommandierte „Alles aussteigen!“ und kippte den + Schubkarren um. Cenzi quiekte, überkugelte sich zweimal, kam dann jauchzend auf + uns zu in einer merkwürdigen Gangart, die etwa so aussah, wie wenn eine Ente den + Trippelschritt einer Taube versucht, und sagte: </p> + <p> „Denken Sie, der schlechte Mensch; auf dem Schubkarren fährt er mich, aber + zeichnen mag er mich nicht!“ Methusalem schnitt ein Gesicht hinter ihr, das deutlich ausdrückte: „Lohnt nicht + den Faßboden!“ Dann sagte er: „Ich bin kein Zeichner; ich bin ein Feldarbeiter. + Und das Schubkarrenfahren ist wichtiger für Sie, Cenzi, als das + Geporträtiertwerden. Sie haben drei Heukappen auf einen Platz zusammengetragen + und waren daher mit Recht so erschöpft, daß Sie per Achse nach Hause gebracht + werden mußten.“ </p> + <p> „Er ist über so viele Steine hinweggefahren“, klagte Cenzi; „ich bin + buchstäblich wie gerädert.“ </p> + <p> „Das wird besser werden, Cenzi“, tröstete Methusalem, „wenn unser Vater Barthel + erst einen Schubkarren mit Federung und Gummirad angeschafft hat. Es ist ein + Skandal, daß er noch keinen solchen besitzt. Er ist ein rückständiger Landwirt.“ </p> + <p> „Oh, Sie Spötter!“ flötete Cenzi; „aber passen Sie auf, morgen habe ich wieder + drei Pfund abgenommen. Denken Sie, Herr Doktor, neun Pfund habe ich bei <pb + n="210"/>Ihnen in zwei Wochen abgenommen, und das ohne jede Medizin.“ </p> + <p> Sie setzte sich zu mir und wollte mich in den Zauber eines Gesprächs über ihren + Gesundheitszustand verwickeln; ich aber sagte, sie möge das alles ihrem Arzt in + der Sprechstunde mitteilen. Da war sie denn auch zufrieden. </p> + <p> Ein Hilfsbriefträger erschien. Er übergab Eva einen Brief. Den Brief hatte die + Reichspost mit der richtigen Adresse im Rathaus abgegeben. Dort war der Brief in + einen neuen Umschlag gesteckt und mit „Hanne – Forellenhof“ adressiert worden. + So hatte ihn der Hilfsbriefträger überbracht. Er blieb nach dieser Amtshandlung + wartend stehen. </p> + <p> „Nanu, Briefträger“, sagte Methusalem, „Sie warten wohl auf ’n Trinkgeld? Sie + wissen doch, daß wir alle in diesen gesegneten Landen nicht ’n roten Heller in + der Tasche haben.“ </p> + <p> „Eine Zigarre möcht ich gern“, sagte der Briefträger. </p> + <p> „Gibt’s nicht“, schimpfte Barthel aus der Haustür heraus. „Drei Stück sull a + bloß am Tage roochen, und die kriegt a ooch täglich geliefert. Nu is a extra + Briefträger geworden, daß a in a Höfen um Tabak rumschnorr’n kann.“ </p> + <p> Der Briefträger (er war im Zivilleben Fabrikbesitzer im westfälischen + Industriebezirk) machte einen niedergeschlagenen Eindruck. </p> + <p> „Drei Stück so leichte Zigarrchen ist ja nichts für einen, der ein starker + Raucher gewesen ist“, sagte er. </p> + <pb n="211"/><anchor id="Pg211"/> + <p> „Die drei Dingerchen hole ich mir früh um sieben ab und verrauch sie alle drei + nach dem Frühstück. Und dann habe ich den ganzen Tag nichts.“ </p> + <p> „Trösten Sie sich“, sagte Barthel grob, „vielleicht werden Sie ooch noch + gescheidt um ’n Kopp!“ </p> + <p> Nur die dicke Cenzi war mitleidig. Sie hatte sich eben eine Zigarette angesteckt + und sagte: </p> + <p> „Briefträger, ich krieg bloß zwei Stück am Tag. Aber Sie dürfen einmal dran + ziehen.“ </p> + <p> Sie steckte dem Briefträger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich gierig + daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, daß er binnen Sekunden + die ganze Zigarette aufgefressen hätte, wenn Cenzi sie ihm nicht entrissen + hätte. </p> + <p> „Den laß ich nie wieder ziehen!“ sagte sie empört. </p> + <p> Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhig geworden. </p> + <p> „Er ist von meinem Vater“, sagte sie leise zu mir. </p> + <p> „Begleiten Sie mich bis zum Tor!“ </p> + <p> „Also“, fuhr sie fort, während wir langsam gingen und sie sich auf mich stützte, + „hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt nicht lesen. Ich + weiß, daß er nichts Erfreuliches enthält, und ich will mir den schönen Abend + nicht verderben.“ </p> + <p> So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz neuen + Form wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei uns zur Kur, und + der Vater protestierte. Anders konnte es nicht sein. </p> + <pb n="212"/><anchor id="Pg212"/> + <p> „Es wäre sehr, sehr schade, wenn Sie unser Heim verlassen müßten“, sagte ich und + fühlte, daß eine heiße Angst in mir aufstieg. </p> + <p> Sie sah finster zu Boden. </p> + <p> Dann riß sie den Brief auf. </p> + <p> „Ich will nicht feig sein!“ </p> + <p> Sie las – las – staunte. Dann reichte sie mir den Brief. </p> + <p> „Oh! Das hätte ich nicht gedacht! Lesen Sie!“ </p> + <p> „Liebes Kind! Es ist ja nicht nett von Dir, daß Du hinter meinem Rücken ins + Lager unseres sogenannten Feindes übergegangen bist. Aber die Sache kann sich + noch gut zurechtschieben. Die Neustädter, deren ganzer Sache ich auf die Beine + geholfen habe, machen mir schon seit langem das Leben sauer und möchten mich + nach und nach übrig machen. Nun erhielt ich gestern von Mister Stefenson aus + Amerika einen Brief, in dem er mich anfragt, ob ich geneigt sei, den Bau der + noch fehlenden zwanzig Höfe in der Waltersburger Kuranstalt zu übernehmen und + auch fernerhin die baulichen Unternehmungen dort zu leiten. In diesem Falle möge + ich mit der Waltersburger Direktion, die verständigt sei, in Verbindung treten. + Ich bin nach Lage der Verhältnisse gar nicht abgeneigt, der Sache näherzutreten, + und freue mich jetzt, daß Du bereits Dein Interesse für das jedenfalls sehr + aussichtsreiche Waltersburger Unternehmen bekundet hast. In den nächsten Tagen + werden wir uns sehen.“ </p> + <p> Ich gab Eva den Brief zurück. </p> + <pb n="213"/><anchor id="Pg213"/> + <p> „Sie werden nicht glauben, daß ich eine Ahnung von diesen geschäftlichen Dingen + gehabt habe“, sagte sie ängstlich. </p> + <p> „Gewiß nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewußt.“ </p> + <p> Ihre Stirn war finster. </p> + <p> „Es ist schwer für mich, das zu sagen – aber Sie sollen mich nicht falsch + beurteilen; es gefällt mir nicht von meinem Vater, daß er von den Neustädtern zu + den Waltersburgern übergeht. Er hätte drüben Stange halten müssen – jetzt erst + recht!“ </p> + <p> „Braves, liebes Mädel!“ dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen: </p> + <p> „Sie sind ja auch zu uns gekommen!“ </p> + <p> „Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom + Forellenhof. Ich schade den Neustädtern nichts. Aber mein Vater – der Gründer + von allem! Wenn der übertritt!“ </p> + <p> „Fräulein Eva, Ihr Vater ist wohl längst da drüben nicht mehr ganz mit dem + Herzen dabei. Seine ursprünglichen Waldheime sind dem öden Hotelbetrieb + gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger + Geschäftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein Feld + neuer Tätigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von ihm, wenn er + zusagt.“ </p> + <p> „Sie sind ein lieber Mensch“, sagte sie dankbar, und meine Augen flammten auf, + und auf einen Augenblick <pb n="214"/><anchor id="Pg214"/>war es mir, als flöge meine Seele einem + seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein + seliger Taumel faßte mich ... </p> + <p> Draußen an der Tür erhob sich ein Singen: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Abend wird es wieder;</l> + <l>Über Wald und Feld</l> + <l>Säuselt Frieden nieder,</l> + <l>Und es ruht die Welt.“</l> + </lg> + <p> Das alte Abendlied wurde von vierstimmigem Chor gesungen. Da öffnete der lange + Ignaz das Tor. Er hatte in der Nische gelehnt, und ich hatte ihn vorher gar + nicht gesehen. Vielleicht hatte er alles gehört, was wir gesprochen hatten. + Jetzt blickte er mich mit finsterem Gesicht an. Aber ich beachtete ihn gar + nicht. Ich sah auf die Sänger, die durchs Tor zogen. Sensen und Rechen trugen + sie über die Schultern, alle mit Feldblumen geschmückt, voran schritt Emmerich, + der Chormeister, mit einem mit Kornblumen geschmückten Taktstock: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Nur der Bach ergießet</l> + <l>Sich am Felsen dort,</l> + <l>Und er braust und fließet</l> + <l>Immer, immerfort.</l> + </lg> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>So in deinem Streben</l> + <l>Bist, mein Herz, auch du,</l> + <l>Gott nur kann dir geben</l> + <l>Wahre Abendruh!“</l> + </lg> + <pb n="215"/><anchor id="Pg215"/> + <p> Als letzte in der Reihe kamen die kleine Luise und eine Frau, die das Kind an + der Hand führte. Diese Frau war wohl noch jung; sie war von hoher, schöner + Figur. Das Gesicht konnte ich nicht sehen, weil das bunte Kopftuch, das sie + trug, weit vorgeschoben war. Luise, die jetzt sehr häufig auf dem Forellenhofe + war, schmiegte sich dicht an ihre Begleiterin. </p> + <p> „Wie heißt die Frau, mit der Luise geht?“ fragte ich Eva. </p> + <p> „Sie nennt sich Magdalena, ist sehr still und bleibt fast immer für sich allein. + Aber das Kind hängt an ihr.“ </p> + <p> Behutsam zog ich mein Notizbuch. Dort hatte ich die Kurgäste des Forellenhofes + verzeichnet. </p> + <p> „Magdalena ..., geschiedene Frau Kaufmann Agnes Blassing aus Aachen, + behandelnder Arzt Dr. Michael“, stand dort + verzeichnet. </p> + <p> Das Abendlied verklang; die Leute zerstreuten sich an der Brunnenröhre oder am + Bach; die meisten aber zogen doch vor, ihre Abendtoilette auf dem Zimmer zu + besorgen. </p> + <p> Draußen auf der Straße knarrte noch ein Wagen. Trotzdem schloß der lange Ignaz + das Tor. Das war eine neue Heimtücke von ihm; denn vor dem Tor stand Piesecke + mit einem Fuder Klee und wußte nicht, wie er es anstellen solle, die Zügel der + Pferde, von denen eines sehr unruhig war, nicht loszulassen und doch an das Tor + zu klopfen. </p> + <p> So schrie er: „Es ist zu! Es ist zu! Bitte, machen Sie gefälligst auf!“ und es + klang wie ein jammernder Hilfe<pb n="216"/><anchor id="Pg216"/>ruf. Die Leute, die noch im Hofe + waren, lachten, und niemand dachte daran, Piesecke in seiner Not beizustehen. Da + eilte die kleine braune Anneliese über den Hof und versuchte das schwere Tor zu + öffnen. Ich half ihr dabei, und ich sah zum erstenmal, wie reizend dieses + Mädchen war. Wie eine süße, junge, rote Rose! Ihre Sternenaugen grüßten mich + wieder so freundlich, und ich glaubte, zu ihrem Herzen würde ich den Weg wohl + leichter finden als zum Herzen dieser stolzen Eva. Und sah doch wieder zu dieser + Eva hin. </p> + <p> Nun sollte zur Abendmahlzeit gerufen werden. In anderen Höfen geschah das durch + eine Glocke. Hier im Forellenhof trat Emmerich mit seiner Leibgarde auf. Vier + Mann, zwei mit Becken, einer mit einer Trommel, einer mit einer Pauke. Dieser + Tischruf war so gewaltig, daß die Leute drunten in Waltersburg wußten, wann im + Forellenhof gegessen wurde. Damit aber auch der lyrische Teil dieser + Emmerichschen Kunstleistung nicht fehle, wurde ein Kanon gesungen, den Emmerich + gedichtet und komponiert hatte: </p> + <lg rend="margin-left: 2"> + <l>„Lobt den Herrn, hat’s zu bedeuten,</l> + <l>Wenn zur Ruh die Glocken läuten,</l> + <l>Doch dabei nicht zu vergessen,</l> + <l>Kommt zum Essen! Kommt! Kommt!“</l> + </lg> + <p> Die vier Sänger sangen diesen Kanon mit tiefem Gefühl. Bald sammelten sich die + Abendgäste an der großen Tafel im Garten. Emil Barthel saß an der Spitze und + präsidierte. Es gab Bratkartoffeln, Milch, Weißkäse, <pb n="217"/><anchor id="Pg217"/>Butter und + Brot, grünen Salat, frische Kirschen und Haselnüsse. Dieses Abend-„Menu“ habe + ich glatt von Lahmann im „Weißen Hirsch“ übernommen, weil es kein besseres gibt. </p> + <p> Piesecke behauptete, wenn er Milch, Kirschen, grünen Kopfsalat und Weißkäse + zusammen äße, bekäme er auch zusammen die Ruhr, den Typhus und die Cholera. Er + war deshalb mit noch einem anderen Kurgast an einen Extratisch gesetzt und bekam + besondere Kost. Nach vierzehn Tagen, als Piesecke sah, daß die Gäste am + „Normaltisch“ sich sehr wohl fühlten, wurde er seiner Einsamkeit überdrüssig und + verlangte zu den anderen. </p> + <p> Ich aß an diesem Abend mit im Forellenhof, und ich hatte große Freude, zu sehen, + wie herrlich es den Leuten schmeckte. Auch die Tischgespräche, die geführt + wurden, gefielen mir. Weit weg war alles gespreizte, verlogene Getue, weit weg + aller Phrasenklüngel, alles ästhetisierende Jongleurtum, alle + pseudophilosophische Geistreichelei, jede auch noch so versteckte Prahlerei mit + wirklichen oder vermeintlichen Werten aus dem früheren Leben. </p> + <p> Der dicke Franzel erzählte dem dürren Heinrich (einem Zoologen aus München), daß + er drei Maulwürfe erlegt habe, worauf Heinrich entrüstet erklärte, das sei eine + ungeheure Dummheit, da der Maulwurf als Insektenvertilger und nachweislicher + Nichtpflanzenfresser niemals ein Würzelchen der Wiese, dagegen aber täglich so + viel schädliche Engerlinge verspeise, wie er selbst schwer sei. Vater Barthel, + zum Schiedsrichter angerufen, entschied: „Den Büchern nach ist der Maulwurf sehr + nützlich, aber <pb n="218"/><anchor id="Pg218"/>dem Bauernverstande nach schlagen wir ihn tot. Von + wegen seiner Haufen!“ Heinrich zuckte die Schultern und sagte, es werde wohl + auch in diesen finsteren Aberglauben noch einmal Licht kommen. Vom Ausroden + zweier Weiden erzählte einer, vom Pflanzen von Sellerie ein Mädchen, von der + Aussaat von Winterrettich und Wirsing eine andere. Die meisten sprachen von der + lustigen Heuernte, von dem rotblühenden Kleefeld oder von dem Wiesenwässerlein, + über das eine neue schmale Brücke mit einem birkenen Geländer gelegt worden war. + Bäuerliche Themen, manchmal mehr altklug behandelt, wie Kinder schwätzen, als + wirklich erfahren, wie Vater Barthel war, der aber sehr wohlwollend alles + anhörte. Weil es an St. Barnabas geregnet habe, erklärte ein Rheinländer, würden + die Trauben dieses Jahr von selbst ins Faß schwimmen, und wie das Wetter am + Johannistag sei, so würde es bis Michaeli sein, behauptete ein anderer. Ich sah + mir die Leute an, die so sprachen. Sie gehörten alle zu den gebildeten Schichten + der Bevölkerung. Würden sie je in ihrem eigenen Leben solche Unterhaltung + führen, so wären sie Sonderlinge, als komische Käuze, vielleicht als albern + gebrandmarkt. Hier wären sie lächerlich, wenn sie von hoher Politik, von + gesellschaftlichen Ereignissen und Beziehungen, von künstlerischen oder + philosophischen Streitfragen zu reden begännen. </p> + <p> Diese Leute haben wirklich alle Ferien vom Ich gemacht. Und ich sehe, daß ich + meine Idee nicht bis in die Einzelheiten selber auszudenken brauche; hier + dichten alle mit an dem großen Sturmlied, das wir gegen den <pb n="219"/><anchor id="Pg219"/>Jammer + unseres modernen Lebens anstimmen wollen; hier hilft jeder bauen an der Brücke, + die über den Strudel der Zeit zu dem stillen Eiland des Friedens führt, hier + stützt einer den andern. Betrachtet den Soldaten, der schwer beladen sein junges + Leben in täglich vielstündigem mühseligem Marsch gegen die Feuerschlünde der + Feinde schleppt – er würde auf seiner furchtbaren Reise erlahmen, + liegenbleiben, verzweifeln nach der dritten oder vierten Stunde, wenn er allein + wäre. Aber der Rhythmus der Masse hält seine Glieder im Gang; am klingenden + Bewußtsein der Gegenwart von tausend anderen hält er sich aufrecht. </p> + <p> So ist es hier auch. Nimm den einzelnen Kulturmenschen, setze ihn in eine + Bauernstube, heiße ihn leben und arbeiten, wie es ein Bauer tut, und das Heimweh + packt ihn am achten Tage und treibt ihn davon. Mit Hunderten, ja mit Tausenden + seinesgleichen aber ist er glücklich, legt er alle Tage Strecken auf dem Wege + der Gesundheit zurück, deren er sonst nie fähig wäre, kommt er trotz aller + Anfeindung durch sein bequemes, verzärteltes, tyrannisches Ich zum Siege. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="220"/><anchor id="Pg220"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Lorelei</head> + <p> Mein Bruder Joachim guckte über den Gartenzaun. Und als sich die Gesellschaft + auflöste zum Abendspaziergang, fügte es sich leicht, daß Eva und Annelies, + Joachim und ich uns zusammenschlossen. Im Poetenwinkel der Lindenherberge + standen die Fenster offen, da sangen zwei junge Männer zur Laute: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Rosenbusch holderblüh,</l> + <l>Wenn i mei Mädle g’sieh –“</l> + </lg> + <p> Wir blieben stehen und hörten zu. Die Sänger reichten zwei volle Gläser zum + Fenster heraus, und unsere Mädchen nippten daran und lachten. </p> + <p> Annelies hatte meinem Bruder zugetrunken, und es war mir schon aufgefallen, wie + seine sonst so ernsten Augen aufleuchteten. Dann, als der fröhliche Singsang + überging in „Drauß’ ist alles so prächtig, und es ist mir so wohl“, bemerkte + ich, daß Joachim heimlich nach Annelieses Hand faßte, die ihm das Mädchen + traumverloren überließ. </p> + <p> Eva stand ans Fenster gelehnt. Der Duft der Wiese schlug mir schwer in die + Sinne. Glühwürmchen funkelten <pb n="221"/><anchor id="Pg221"/>durchs Gras. Droben im einsamen + Hirtenhaus blies auf seinem Waldhorn der freiwillig Verbannte, dessen + Liebesleiden ich kenne, Eichendorffs traurige Weise: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Sie hat einen andern genommen,</l> + <l>Ich war draußen in Schlacht und Sieg,</l> + <l>Nun ist alles anders gekommen,</l> + <l>Ich wollt’, es wär’ wieder Krieg!“</l> + </lg> + <p> Über die Wiese gingen zwei langsam dahin. Die Frau vom Forellenhof, die sich + Magdalena nannte, und die kleine Luise. Das Kind erkannte mich und eilte auf + mich zu. Die Frau blieb abgewandt stehen. Da rief die Kleine: </p> + <p> „Magdalena, Magdalena, kommen Sie doch her! Hier wird so schön gesungen!“ </p> + <p> Die Frau schüttelte den Kopf, wandte sich aber doch langsam um. Und ob es auch + schon dämmrig war, der Abend hatte mich scharf sehend gemacht; ich sah, daß das + Weib, das dort einsam auf der Wiese stand, Joachims erste Frau, Luises Mutter, + war. </p> + <p> Der Bruder aber sah sie nicht, und seine Augen waren gehalten, und er erkannte + auch sein Kind noch immer nicht. Langsam tastete wieder seine weltmüde und doch + immer noch glücksuchende Rechte nach der kleinen Anneliese keuscher Hand. </p> + <p> „Magdalena, kommen Sie hierher!“ rief das Kind abermals und dringend. </p> + <p> Die aber schüttelte den Kopf und ging davon. </p> + <p> Das Kind schmiegte sich an mich; vom Berge her klang noch immer die Melodie des + Eichendorffliedes, und ich <pb n="222"/><anchor id="Pg222"/>sah den Bruder an und hörte aus dem + Klange des Hornes die Worte: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Ich aber war weit schon gegangen,</l> + <l>Jetzt sieht sie mich nimmermehr.“</l> + </lg> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Die Nacht war schwüler als der Abend. Es war, als ob von irgendwoher heiße + Gewitterluft über unsere Häupter getragen würde. Ich saß wach am Fenster. Als + ich heimgekommen war, hatte ich einen Brief von Stefenson gefunden. Er machte + mir Mitteilung, daß er an den Baumeister Bunkert geschrieben habe und ihm die + Leitung unserer ferneren baulichen Unternehmungen übertragen wolle. Dann kam der + inhaltsschwere Satz des Briefes: „Ich verhehle Ihnen nicht, lieber Freund, daß + meine tiefe Neigung für Fräulein Eva Bunkert, deren ich mir inzwischen ganz klar + geworden bin, mich zu dem Angebot an ihren Vater geleitet hat. Dieser Neigung + werden Sie – dessen versichert mich Ihre ehrliche Freundschaft – immer + Rechnung tragen.“ </p> + <p> Wie schwül die Nacht war, wie unruhevoll die Seele, schmerzlicher Wünsche, + heißer Angst, tiefer Niedergeschlagenheit voll, da das schöne Traumbild von + Liebe und Glück von drohendem Wetterleuchten überstrahlt an meinem Himmel stand. </p> + <p> Da bäumte sich der Wille im jungen Herzen auf, und ich sagte mir: Oho, mein + Freund, wie kommst du dazu, mir den Verzicht auf meine junge Liebe zu befehlen? + Steht dieses Recht in unserem Kontrakt? Ist Liebe ein <pb n="223"/><anchor id="Pg223"/>Schacher, in + dem du mich überbieten kannst? Bist du mein Herr und ich dein Sklave, dem du + befehlen kannst: Laß ab von jenem Mädchen, das ich für mich will! Oder, wenn du + es auf die Freundschaft hinausspielen willst: wo war je in der Welt Freundschaft + stärker als Liebe, wo wäre sie im Kampfe mit ihr nicht unterlegen? </p> + <p> Komm nur zurück, alter Geschäftemacher, und kämpfe um die Braut! Wenn du zu + lange ausbleibst, wirst du sie als die Meine finden und sie mir gewiß nicht mehr + entreißen. </p> + <p> So wollte ich das Recht auf mein Lebensglück wahren. Aber neben dem Willen saß + der Zweifel. Ich wußte, daß Evas Herz viel mehr zu Stefenson neigte als zu mir. + Ich war wohl für das Glück der Liebe nicht bestimmt. Niemals im Leben hatte es + mir ernsthaft gewinkt. Vielleicht war ich zu scheu, zu verträumt meinen + Lebenspfad gegangen. Auch die kleine Anneliese, die junge, rote Rose, hatte ich + übersehen. </p> + <p> Nun streckte der Bruder die Hand nach ihr, und auf der Wiese stand des Bruders + Weib und sah mit verlorenen Augen nach ihm hin. </p> + <p> Auch da fühlte ich ein böses Wetter aufsteigen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Das ist doch ein kostbares Geschenk, das der Herrgott seinen Erdenkindern + machte: die Arbeit. Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das dir + den Tag grau färbt und deine Nächte qualvoll macht, geh zur Arbeit, zu der + herben, tüchtigen Frau, sie wird dich mit so klaren <pb n="224"/><anchor id="Pg224"/>Augen + anschauen, mit so morgenheller Stimme zu dir sprechen, daß du das Haupt + hochheben und tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst; + bist du einem Irrlicht nachgegangen und auf sumpfigem Pfad von Schlingpflanzen + tiefer Verzagtheit umschlungen worden, rufe die Arbeit, die tüchtige Frau, sie + wird dich mit derber Hand herausziehen aus deiner Bedrängnis und dich wieder auf + eine feste Straße stellen; hast du Güter verloren, welcher Art es immer sei, + wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen und leere Herzen + immer neu zu füllen vermag; sind dir alle Unterhalterinnen des Lebens + überdrüssig geworden, laß die Arbeit an deinem Tisch sitzen bis zum letzten Tage + deiner Kraft! </p> + <p> Denn sie ist deine beste Freundin; sie schützt deine Gesundheit, sie stärkt + deine Muskeln; sie würzt dir das Mahl und salzt es, daß es nicht faule; sie + spricht dir alle Tage aufmunternde Worte über deinen Wert ins Ohr und hütet dich + doch vor Übermut durch kleine oder große Mißerfolge; sie gibt dir für deine + Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu deinem Becher den rechten Durst + und schließt dir alle Abende mit leisem Finger die Lider! </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> So bin ich durch die Arbeit über meine Zweifel und Leiden hinweggekommen, so + sind meine Eigenwünsche still geworden und wie kleine Heimatbächlein + hineingerieselt in den großen Strom des Willens zum Dienst der Allgemeinheit. </p> + <p> Von dem lasse ich mich tragen. Manchmal gluckst noch <pb n="225"/><anchor id="Pg225"/>ein silbernes + Stimmlein alter Sehnsucht auf; aber es verklingt, und ich freue mich der starken + Alltagswelle, die mein Schiff trägt. </p> + <p> Von den Patienten, die zu mir kommen und ihre Lebensberichte vor mir ausbreiten, + haben die meisten an der Liebe gelitten. Männer wie Frauen. Denn nicht immer + sitzt auf dem Felsen am Fluß die Lorelei und in dem scheiternden Kahn unten der + Mann; oft schwimmt die Lore unten, und der Mann sitzt oben, wenn er sich auch + nicht sein „golden Haar“ kämmt, sondern vielleicht nur einen schwarzen Bart + streicht. Die Tragik ist immer die gleiche: der Kahn kippt um. Steht man dann + als Leibes- und Seelenarzt am Ufer und wirft seinen Rettungsring aus, so ist das + ein aufregendes, aber schönes Geschäft, und ich denke, nach und nach wird sich + bei mir die Aufregung in eine milde Seelenheiterkeit umwandeln. Habe ich so ein + pudelnasses Menschenkind, das im romantischen Rheinstrom der Liebe verunglückte, + ans Land gezogen, so lasse ich es erst ein wenig zu Atem kommen, und dann + forsche ich es langsam aus, ob die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, + nicht auch mancherlei Schwächen haben möge, und wird die Frage ein wenig + zähneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter, bis sich ergibt, daß die + (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, eigentlich minderwertig, hingegen + der (oder die), so in dem Kahn umkippte, wesentlich wertvoller sei, weshalb die + ganze Unglücksfahrt eine Torheit gewesen, nach welcher man klüger geworden und + gottlob ans feste Land und in trockene Kleider gekommen sei. </p> + <pb n="226"/><anchor id="Pg226"/> + <p> In den meisten Fällen hilft meine Methode; sie führt durch das Türlein: „Er ist + es nicht wert, daß ich mich opfere“, in den Garten der Gesundung. </p> + <p> Einige Fälle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, daß immer nur auf die + Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt. Die stehen dann + wie verloren und verzürnt in dem lustigen Ferienheim vom Ich, werden zuerst auf + einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton wehe tut, aber wo eine kleine + feste Pflicht sie aufrecht hält, und steigen, wenn die Lebenssehnsucht wieder + erwacht, Stufe um Stufe ins Tal zurück. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="227"/><anchor id="Pg227"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1='Die "krummbeinige Medizin"'/> + <head>Die „krummbeinige Medizin“</head> + <p> Meine Kurmittel sind nicht ganz gewöhnlicher Art. Es gibt Ärzte, die den Sitz + alles Übels im Magen suchen; andere begeistern sich für die Leber; wieder andere + schwören auf warme Füße; ganz alte, bequeme Knaben geben immer zum Schwitzen ein + oder verordnen Laxiermittel; wieder andere sagen, außer mit Chinin, Digitalis + und Quecksilber sei überhaupt nichts anzufangen; diese werden von den + Wasserdoktoren „Giftmischer“ genannt, und alle werden von den Homöopathen + verachtet. Ich misch mich da nicht ein; ich sage: ihr habt alle recht, und der, + der am wenigsten tut, tut am meisten. </p> + <p> Meine Kuranstalt Ferien vom Ich ist etwas Neues, und es sind auch meine + Kurverordnungen teilweise sehr neu. So habe ich in der kurzen Zeit meiner + hiesigen Praxis meinen Patienten in einundfünfzig Fällen die Anschaffung eines + Dackels verordnet. Der Dackelhund als Heilmittel ist in der medizinischen + Wissenschaft gewißlich ein Novum, aber er ist gleicherzeit – das kühne Bild ist + in Tagebuchaufzeichnungen erlaubt – nichts anderes als ein Ei des Kolumbus. Ich + habe selbst seit Jahren einen Dackelhund (in Amerika drüben nennen sie ihn <hi + rend="antiqua">german <pb n="228"/><anchor id="Pg228"/>dog</hi>), er heißt „Spezi“, weil + er mir in der Tat ein Spezialfreund geworden ist, und ich kenne die + gesundheitsfördernden und erziehlichen Werte seiner Gegenwart zu gut, als daß + ich in meiner Nächstenliebe nicht auch anderen das Glück eines solchen Besitzes + gönnen sollte. Eine wissenschaftliche Arbeit schreibe ich ja hier nicht; nur + eine Tagebuchplauderei. Aber ich will eine erweiterte Abschrift dieses Kapitels + meinen Kollegen geben, die ein wenig die Nase über den „Chef“ rümpfen, der so + viele „krummbeinige Medizin“ verordnet, daß neulich sechsundzwanzig Dackel auf + dem Lindenplatze eine Art Generalversammlung abhielten und greulichen Unfug + verübten. (Dr. Fristen hat mir damals gekündigt + mit der Begründung, daß er ein ernst zu nehmender Arzt sei, und ich habe ihn + ohne Trauer ziehen lassen. Hol der Fuchs alle Spießer, die nur ihr + Schuleinmaleins ableiern können!) </p> + <p> Einen Dackel verordne ich zunächst demjenigen, bei dem ich als Pfahlwurzel + seiner Leiden zu große Eigenliebe erkenne. Die gewöhnt ihm der Hund alsbald + gründlich ab. Kein noch so eingefleischter Nietzschianer behauptet auf die Dauer + seinem Dackel gegenüber die „Herrchen“-Natur. </p> + <p> Das „Herrchen“ ist der Dackel; da kann einer dagegen tun, was er will; es nutzt + alles nichts. Zum Beispiel: Der Philosoph, in schwere Gedanken versunken, strebt + auf seinem Abendspaziergang gen Westen. Der begleitende Dackel – einen Igel + erschnuppernd – biegt gen Süden ab. Der Philosoph wird sich anfangs um den <pb + n="229"/><anchor id="Pg229"/>kläffenden Köter ganz und gar nicht kümmern; aber dann wird er + pfeifen – einmal, zweimal, dreimal leise – dann laut, immer lauter rufen, + drohen, die Fäuste ballen, toben, aus seiner schweren Gedankenbahn geschleudert + werden, umkehren, gen Süden wallen und Betrachtungen darüber anstellen, ob nun + ein Dachshund oder ein Igel das widerborstigere Tier sei. Der notgedrungene + Gleitflug aus der luftarmen Höhe eisigen Denkens ist durch einen Dackel + ertrotzt. </p> + <p> Gut so – in den Ferien vom Ich! </p> + <p> Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines elenden + Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenüber mit der + ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn in + hundert Runzeln, die Ohren hängend, den Schwanz melancholisch eingeklemmt, die + Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd, stöhnend, so wird der + Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen, mit dem Vieh auf die Straße + flüchten und sich nicht schlecht wundern, daß der scheinheilige Jämmerling + plötzlich wie ein Berserker der Lebenslust umherrast. Etwas abfärben wird es + schon. Das nächste Mal, wenn er und der Dachs so trübselig einander + gegenübersitzen, wird sich der Misanthrop selbst nicht recht trauen und auf die + Straße gehen. </p> + <p> Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und keinen + bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den ersehnten + Tyrannen, den sie pflegen und füttern kann. </p> + <pb n="230"/><anchor id="Pg230"/> + <p> Die kleinliche, ordnungswütige Hausfrau, die ihrem Mann wegen eines + Zigarrenstäubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte, bis + sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhält als Antwort auf + ihre entrüstete Klage, daß ihr das „entsetzliche Vieh“ die Hausschuhe + verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch geknabbert habe, die + Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die Hausschuhe und gestickten + Decken seien im Universum von nur nebensächlicher Bedeutung, und ohne Dackel + könne sie nicht gesund werden. </p> + <p> Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt im + verschlossenen Briefe mitteilte, sie brächte ihre Nachbarschaft durch ihr ewiges + Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen Dachshund + verordnet. </p> + <p> Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und verheult, daß + ihr die Drahtkommode zur Unmöglichkeit wurde. </p> + <p> Allen den sehr nervösen Herren, die zu mir kommen und von denen ich weiß, daß + sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit draußen in der Welt als Richter oder + Examinatoren auf arme Opferlämmer losgelassen werden, verordne ich einen Dackel + und bitte sie, sich seiner künftighin auch vor ihren Amtshandlungen zu bedienen. + Ich denke dabei an die Wirkung milde ableitender Mittel. Einer, der einen Hund + gestreichelt hat, kann keinen Menschen ohne äußerste Not zu Boden schlagen, auch + wenn seine Nerven noch so ruiniert sind. </p> + <pb n="231"/><anchor id="Pg231"/> + <p> Ferien vom Ich! </p> + <p> Das ist so die fieberstillende Wirkung der „krummbeinigen Medizin“. Aber der + Dachs wirkt auch stärkend und aufbauend. </p> + <p> Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen Dachshund. Nach + acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle Kreaturen, ein „untreues + Luder“. Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer seinem tierischen Instinkt + nach, geradeso, wie es die Menschen täten! Vier Wochen darauf war der Mann + bekehrt. Er sagte mir: </p> + <p> „Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich zwei + Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit schmutzigen Pfoten + und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er treuherzig sagte: Liebes + Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauselöcher, in die ich schnuppern möchte, + aber es ist doch am schönsten bei dir! Das ist immerhin eine gewisse Treue!“ </p> + <p> Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes, hoffärtiges + Gebaren haben, denen, die „sich tun“, wie die Leute sagen. Es sind ihrer sehr + viele. Wer „tut sich“ heutzutage nicht? Der Dichterling, der reiche Kaufmann, + der Herr Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen nur einen Dackel ans Bein, + der sie an den Hosen oder am Humpelrock zerrt, gleich ist ihre Hoheit dahin. </p> + <p> Man kann nicht geziert, nicht unnatürlich tun und sein, wenn man mit einem + Dackel geht. Das rustikale <pb n="232"/><anchor id="Pg232"/>Viehzeug verdirbt allen aufgeblasenen + Stil, zerrt einen widerwillig in die Natürlichkeit zurück. </p> + <p> Gewiß, der Dackel ist ein stobiger Philister, ein täppischer Biedermeier, ein + Kleinbürger, aber auch ein Nihilist gegen alle Gespreiztheit, ein genialer + Spötter. </p> + <p> Ich wüßte nicht, warum ich ihn nicht als ein Heilmittel gegen mancherlei + Gebrechen unserer Zeit in unseren Kurplan einsetzen sollte! </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="233"/><anchor id="Pg233"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>In der Genovevenklause</head> + <p> Die Genovevenklause ist frei geworden. Den Sommer über wohnte eine Witwe mit + ihrem Söhnchen darin. Eine vornehme Dame, die nach dem Untergang ihres Eheglücks + aus ihrer bunten Gesellschaft in die Einsamkeit der Klause flüchtete. Das + Häuslein ist halb in den Berg hineingebaut, ein Kreuz ist über dem Felsen, der + Bach fließt vorbei, ein zahmes Reh grast vor seiner Tür. Es vertritt die + Hirschkuh der Legende. Dort bei der Genovevenklause ist meist tiefe Stille; nur + ein schmaler Fußweg führt zu ihr hin, und es ist dort recht einsam. Nur die + Heimwehfluh mit dem Hirtenhaus ist ebenso still. </p> + <p> Nun ist die Frau fortgezogen. Sie mußte in die Welt zurück und hatte Tränen in + den Augen, als sie Abschied nahm. </p> + <p> „Wenn das Grab meines Gatten hier wäre, möchte ich nie mehr ausziehen aus der + lieben Klause“, sagte sie. </p> + <p> „Sie müssen es wegen Ihres Sohnes“, entgegnete ich ihr; „Sie dürfen keinen + Schmerzensreich, keinen Parsival aus ihm machen; Sie müssen ihn vorbereiten für + das Leben.“ </p> + <pb n="234"/><anchor id="Pg234"/> + <p> „Mir graut vor dem Leben“, sagte Frau Herzeleide und zog davon! ... </p> + <p> Heute war ich in der Direktion. Der Direktor war nicht anwesend, und ich mußte + ein wenig warten. Da kam sie zur Tür herein – Magdalena vom Forellenhof –, die + Frau meines Bruders Joachim. Als sie mich sah, erschrak sie und strebte zur Tür + wieder hinaus. Ich hielt sie zurück. </p> + <p> „Was wünschen Sie, Magdalena? Der Herr Direktor wird gleich hier sein. Warten + Sie nur einige Minuten!“ </p> + <p> Sie war äußerst verwirrt. </p> + <p> „Ich wollte – ich möchte – ich wollte nur anfragen, ob es vielleicht möglich + sei, daß ich in die Genovevenklause ziehen könnte, da sie frei geworden ist.“ </p> + <p> „Gefällt es Ihnen nicht mehr auf dem Forellenhof?“ </p> + <p> Sie wich aus. </p> + <p> „Ich möchte sehr gern in tiefere Einsamkeit.“ </p> + <p> „Ist Ihr Arzt damit einverstanden?“ </p> + <p> „Ja.“ </p> + <p> Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn gefahren. </p> + <p> „Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen recht + ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort steht. Ich werde + schon dafür sorgen, daß Sie die Klause bekommen.“ </p> + <p> „Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich möchte Ihnen meinetwegen den + Weg nicht zumuten.“ </p> + <pb n="235"/><anchor id="Pg235"/> + <p> „Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!“ </p> + <p> Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blaß, und ihre + Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz gefärbt; + das veränderte sie am meisten. Aber auch der früher so rosige Teint war + verloren; die Haut schimmerte blaß und feucht; die Kinderaugen, die so übermütig + blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare Schönheit noch, aber sie + blickten müde und traurig. </p> + <p> Während wir so gingen, sprach ich über harmlose Dinge, über die Ernte, über + Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt hinter mir und + vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den schmalen Pfad kamen, + atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht mehr nebeneinander gehen. + Sie bestand darauf, daß ich voranschritt. </p> + <p> So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erlösers, und ich dachte an + jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und mir + nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich nicht + grausam sein. Diese Frau war so müde, so geschlagen; sie brauchte keine Strafe + mehr. </p> + <p> „Magdalena“, sagte ich, „ich habe gehört, daß Sie gern mit unserer kleinen Luise + gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen hier nicht + fehlen?“ </p> + <p> Sie seufzte schwer. </p> + <pb n="236"/><anchor id="Pg236"/> + <p> „Ja, es wird mir fehlen. Aber auf dem Forellenhof nimmt es jetzt meist das junge + Fräulein, die Bärbel, und mir hat Luise versprochen, daß sie mich alle Tage + besuchen will. Sie spielt gern mit dem Reh.“ </p> + <p> „Und Sie haben dem Kinde auch viele Geschichten erzählt?“ </p> + <p> „Ja, sie hört gerne Märchen.“ </p> + <p> „Haben Sie auch mit ihr gelesen, geschrieben und gerechnet?“ </p> + <p> „Ja, ich tue das sehr gern.“ </p> + <p> „Hm.“ </p> + <p> Ich machte eine Pause. </p> + <p> Dann sagte ich: </p> + <p> „Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin austoben. + Aber als ständiges Unterkommen hätte ich für die Kleine gern ein stilles Heim. + Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen in Pflege.“ </p> + <p> Da schrie sie kurz und jäh auf. </p> + <p> „Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine große Gnade!“ </p> + <p> Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: „Ich werde es tun.“ </p> + <p> Nun faßte sie mich an den Händen; ihr ganzer Körper bebte. </p> + <p> „Eine Gnade!“ wiederholte sie. „Ich bin so verlassen, und ich habe das Kind so + lieb!“ </p> + <p> Sie ließ mich los, legte einen Arm über die Augen, <pb n="237"/><anchor id="Pg237"/>trat ein wenig + zurück und stand so ein Weilchen still da. Plötzlich begann sie bitterlich zu + weinen. </p> + <p> „Was ist Ihnen, Magdalena?“ </p> + <p> „Es geht nicht; es geht nicht!“ schluchzte sie; „wenn Sie – wenn Sie wüßten, + wer ich bin, würden Sie mir das Kind nicht übergeben. Ich bin eine – eine + schlechte Frau!“ </p> + <p> Ich ging zu der Unglücklichen, legte einen Arm um ihre Schultern und sagte + erschüttert: </p> + <p> „Du bekommst das Kind doch, obwohl ich weiß, wer du bist!“ </p> + <p> Sie prallte zurück. </p> + <p> „Sie wissen – wer ich ...“ </p> + <p> „Ja, Käthe, ich hab dich erkannt!“ </p> + <p> Da warf sie die Arme in die Luft, stieß einen Schrei aus und verschwand um den + Felsen in den Wald. </p> + <p> Ich eilte ihr nach und holte sie mit Mühe ein. </p> + <p> „Wenn Joachim mich erkennt, schlägt er mich tot!“ wimmerte sie. </p> + <p> „Er erkennt dich nicht. Niemand kennt dich außer mir. Und ich werde dich + schützen!“ </p> + <p> Sie mußte sich an mir festhalten, als ich sie zur Klause zurückführte. Dort + setzte ich sie auf die Bank vor der Haustür und streichelte ihren Scheitel. </p> + <p> „Jetzt sind Sie wieder Magdalena, und ich bin wieder der Herr Doktor. Wir kennen + uns nicht. Das, was jetzt hier geschah, ist nicht gewesen! Morgen früh bringe + ich das Kind. Beruhigen Sie sich, Magdalena, fürchten Sie nichts, ängstigen Sie + sich nicht. Das Kind darf sich ja <pb n="238"/><anchor id="Pg238"/>nicht wundern. Es soll ja eine + heitere, zufriedene Pflegerin haben. Auf <anchor id="corr238"/><corr sic="Widersehen" + >Wiedersehen</corr>!“ </p> + <p> Ich ließ sie allein. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Meine Mutter hat sich um Luise wenig mehr gekümmert. Sie hat wohl sicher Tag und + Nacht an das Kind gedacht, aber nicht nach ihm gefragt. Sie hat keine Freude an + dem Mädchen, sie liebt es nicht; sein Dasein aber regt sie auf, läßt sie leiden. </p> + <p> Die Mutter kommt kaum alle zwei oder drei Wochen einmal zu mir heraus. Ich + glaube nicht, daß sie an meiner Schöpfung viel Freude hat. Sie ist von + stockkonservativer Natur; alles Neue erscheint ihr verdächtig. </p> + <p> Ein- oder zweimal hat die Mutter aber doch Luise flüchtig wiedergesehen. Sie ist + dann in schwere Aufregung geraten. Und eines Septembertags, kurz nachdem das + Kind in der Genovevenklause untergebracht worden war, sagte die Mutter zu mir: </p> + <p> „Ich quäle mich mit dem Gedanken, ob es nicht unrecht ist, Joachim die + Anwesenheit seines Kindes zu verheimlichen.“ </p> + <p> „Quäle dich nicht, Mutter! Joachim hat bis jetzt dem Kinde seine Anwesenheit + auch verheimlicht, ja das Kind nicht einmal wissen lassen, daß er überhaupt + existiert.“ </p> + <p> „Du sprichst immer recht lieblos von deinem Bruder!“ </p> + <p> „Ich spreche so, wie ich nach seinem Verhalten sprechen muß!“ </p> + <p> Sie wandte sich beiseite, und ihre feine Gestalt zitterte in Zorn und Trotz. </p> + <pb n="239"/><anchor id="Pg239"/> + <p> „Ich werde Joachim aufklären!“ sagte sie bestimmt. </p> + <p> „Das wirst du nicht tun, liebe Mutter! Du wirst mit mir warten, bis Joachim + menschlich wieder so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner Vaterpflicht zu + erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner Tochter geworden ist. Laß + ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem völlig verfehlten Ichleben.“ </p> + <p> „Er ist schuldlos an seinem Unglück!“ </p> + <p> „Nein! Er ist nicht ohne Schuld.“ </p> + <p> „Fritz!“ </p> + <p> „Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen + maßlosen Haß viel tiefer ins Unglück gebracht, als ein kluger Mensch, der sich + beherrschen kann, nötig hatte, und er hat sich gegen sein Kind schäbig + benommen.“ </p> + <p> „Das ist unerhört, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim bestimmt + aufklären.“ </p> + <p> „Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wird jetzt noch nicht mit dem + Kinde zusammenleben wollen.“ </p> + <p> „Nun, so müßte man eben das Mädchen vorläufig noch nach einer guten Pension + bringen.“ </p> + <p> „Das würde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung nötig wäre, würde Luise + hierbleiben, und Joachim würde von mir entlassen werden.“ </p> + <p> „Entlassen?“ </p> + <p> „Ja, es hat sich so gefügt, daß Joachim gegenwärtig mein Angestellter ist. Er hat + einen sehr kurzfristigen Vertrag.“ </p> + <p> „Du bist maßlos hochmütig und lieblos!“ </p> + <pb n="240"/><anchor id="Pg240"/> + <p> „Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben.“ </p> + <p> „Berufe dich nicht auf dein Herz“, sagte sie, „du hast keines!“ </p> + <p> Und sie ging. </p> + <p> Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter wegen, + die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, weil ich + rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens befreit in + Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe im Ichleben, im + Familienjammer. </p> + <p> Und da dämmerte mir, daß es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, daß + ich in freiem, ungestörtem Zölibat meiner großen Idee am besten dienen könne, + Herz und Sinne zwar leer von manchem Glück bleiben würden, aber Arm und Fuß frei + von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum Vorwärtsschreiten und Handeln. </p> + <p> Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und sagte ihr, + daß ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstände. Sie schüttelte + zwar das schöne Köpfchen, aber sie ließ sich von mir küssen, und ich stieg + fröhlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange traurig sein; mein Herz + wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich abwendet vom sonnenleeren + Nordhimmel. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="241"/><anchor id="Pg241"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Die Schlacht bei Waltersburg</head> + <p> Jeder deutsche Kurort hat seine „Sensation der Saison“, so wie jedes + Affentheater seine „größte Attraktion der Gegenwart“ hat. Auch unser Ferienheim + hatte seine Sensation. </p> + <p> Anton, der älteste Sohn des Waldschulzen, will Pauline, die älteste Tochter des + Forellenbauern, heiraten, und es hat sich darum eine heiße Schlacht entsponnen. </p> + <p> Die Sache hat eine romantische Vorgeschichte gehabt. Das jungfräuliche Herz + Paulinens pendelte. Es pendelte zwischen unserem Schulzensohne und einem jungen + Gastwirt aus Neustadt hin und her, und so gerieten die beiden Kavaliere in die + übliche Rivalenwut und vergerbten sich bei guter Gelegenheit die beiderseitigen + Felle. Bis dahin wäre alles in Ordnung gewesen; aber nun mischte sich Piesecke + ein und brachte romantischen Schwung in die Geschichte. Piesecke war eines + Sommertags in Neustadt gewesen und hatte sein Rößlein in der kleinen Ausspannung + des dortigen Paulinenverehrers untergestellt. Von ungefähr hatte er dann von der + Sommerlaube im Gärtchen aus das Gespräch zweier Neustädter Burschen belauscht, + die sich verschworen, mit ihrem Freund, dem Gastwirt, und noch zwei anderen am + nächsten Mittwoch <pb n="242"/><anchor id="Pg242"/>gen Waltersburg zu ziehen, und falls sie in der + Dämmerung am Gartenzaun des Forellenbauern den Schulzensohn im traulichen + Gespräch mit Pauline erwischten, diesen greulich zu verbleuen, auch sonst an + umherschweifendem Burschenvolk des verhaßten Waltersburg ihr Mütchen zu kühlen. </p> + <p> Als Piesecke solches hörte, kam sein fürstliches Blut in Wallung. (Piesecke + stammt aus einer Heldenfamilie. Sein Urgroßvater hatte als General in fünf + Treffen gegen Napoleon I. nicht gesiegt!) Während + er nun gen Waltersburg heimfuhr, entwarf Piesecke einen Feldzugsplan, wie dem + Anschlag der Neustädter siegreich zu begegnen und die Ehre Waltersburgs zu + retten sei. Er warb zunächst ein Heer. In dasselbe traten mit großer + Begeisterung außer dem Schulzensohn der Komponist Emmerich sowie der Maler + Methusalem vom Forellenhof, auch der Sänger Hagen Korrundt, der immer noch bei + uns nachtwächterte, und die gegenwärtigen Insassen unserer Räuberhöhle. Diese + letzteren waren vier fragwürdige Gestalten, die sich Schinderhannes, Karaseck, + Jaromir und Moor nannten, ein faules, unordentliches Leben führten und nun froh + waren, daß sie einmal etwas Rechtes zu tun bekamen. Acht Mann und er, Piesecke, + als Anführer gegen fünf Neustädter – mit dieser beträchtlichen Übermacht, + hauptsächlich aber durch seine überlegene Strategie, hoffte der Nachkomme des + Napoleonbekämpfers den Sieg zu erringen. </p> + <p> In der Räuberhöhle hat Piesecke seinen Plan entwickelt. Die Schlacht sollte + nicht am Gartenzaune statt<pb n="243"/><anchor id="Pg243"/>finden; denn erstens überlasse ein guter + Feldherr die Wahl des Schlachtfeldes nie seinem Gegner, sondern bestimme selbst, + wo er sich schlagen wolle, und zweitens könnte am Gartenzaun Vater Barthel oder + Frau Susanne dazukommen, und dann gäbe es ein Malheur. Anton sollte vielmehr im + Abendscheine mit seiner Braut weiter den Wiesenweg gen Waltersburg hinabwandeln + bis zweihundert Schritt hinter die nächste Waldecke und daselbst dicht am Bach + abwarten, bis er von den lauernden Neustädtern angefallen würde. Alsbald würde + er ihm mit noch sechs Mann zu Hilfe eilen, die überraschten Neustädter würden – + die Übermacht erkennend und bedrückt durch ihr schlechtes Gewissen – die Flucht + hinab gen Waltersburg ergreifen wollen, aber da würden Moor und Schinderhannes, + die weiter unten in den Hinterhalt gelegt würden, hervorbrechen, den Neustädtern + den Weg verlegen und – die ganze Rasselbande sei gefangen. Er wolle ein für die + Neustädter sehr demütigendes Dokument aufsetzen, das die Gefangenen + unterzeichnen und in dem sie ihre völlige Niederlage zugeben müßten, und dieses + Dokument solle in der <anchor id="corr243"/><corr sic="Rauberhöhle">Räuberhöhle</corr> unter Glas und + Rahmen aufbewahrt werden als ein Zeichen, daß der langjährige Kampf zwischen + Waltersburg und Neustadt mit dem endgültigen Sieg der Waltersburger geendet + habe. Dem unbequemen Mitbewerber um Pauline aber werde man zu einem + unfreiwilligen Bad im Bach verhelfen, wodurch alle wärmeren Gefühle, die die + Jungfrau etwa in ihrem Herzen noch für den Gastwirt hegen sollte, abgekühlt + werden würden; denn er, Piesecke, wisse <pb n="244"/><anchor id="Pg244"/>aus seinem eigenen + bewegten Leben aus vielen Fällen, daß nichts so sicher die Liebe des Weibes + ertötet, als wenn der Geliebte vor ihr lächerlich wird. </p> + <p> Während dieser Ausführungen hatte Emmerich bereits auf dem Tisch einen + Siegesmarsch komponiert und Methusalem auf der einen weißgetünchten Wand die + Umrisse zu einem Triptychon großen Umfangs entworfen. Die Seitenteile des Bildes + sollten die „Tücke“ und der „Kampf“ heißen, das Mittelstück aber „Der Sieg“. </p> + <p> Die „Tücke“ würde Anton und Pauline im Dämmerlicht dahinwandelnd und von den + Neustädter Unholden belauert zeigen, der „Kampf“ eine besonders dramatische + Szene aus der Waldschlacht darstellen und das Mittelstück den Sieg Waltersburgs + in großer <anchor id="corr244"/><corr sic="Apothese">Apotheose</corr> feiern. Das Mittelstück war + schon etwas ausgeführt. Im Hintergrund der Forellenhof, auf einem Roß Piesecke + als Triumphator voranreitend, ihm folgend Anton und Pauline mit Kränzen im Haar; + als nächstes Paar die Vertreter <corr sic="den">der</corr> Künste, Emmerich mit + der Harfe und Methusalem selbst mit einem Farbentopf und Pinsel, zuletzt die + bärenhäutigen Kriegsgenossen. </p> + <p> Und nun mußte die ganze Kriegsgenossenschaft stundenlang stillsitzen, da der + Maler sie zeichnete. Emmerich benutzte die Zeit, ihnen seinen Siegesmarsch, zu + dem er rasch eine Textunterlage geschaffen hatte, einzuüben. </p> + <p> „So“, sagte nach einer Stunde Methusalem, „der Sieg ist ganz und die Tücke + teilweise gesichert; fehlt bloß der Kampf.“ </p> + <p> „Der wird gigantisch!“ rief Piesecke. </p> + <pb n="245"/><anchor id="Pg245"/> + <p> Die Sache verlief nicht ganz programmäßig. Zwar gingen die Neustädter wirklich + in die Falle und überfielen Anton zweihundert Meter jenseits der Waldecke, aber + die Kerle rissen nicht – wie vorausgesehen – durch die Übermacht erschreckt + und ihr böses Gewissen beunruhigt aus, sondern blieben da, und da sie sehr + handfeste Burschen waren, verhieben sie die Waltersburger jämmerlich. Das kam + aber daher, daß sich die in Anrechnung gebrachte Übermacht Waltersburgs alsbald + in eine faktische Minorität verwandelte; denn der Feldherr Piesecke wurde gleich + bei Beginn der Schlacht dadurch kampfunfähig gemacht, daß ihn ein riesenhafter + Neustädter Bräuknecht in die Höhe hob und in den Bach warf; Methusalem konnte + sich an dem Ringen auch nicht beteiligen, da er etwas abseits stehen und die + Szene mit dem Bleistift in rasender Geschwindigkeit in seinem Skizzenbuch + verewigen mußte, und der Musiker Emmerich fühlte sich dazu berufen, ebenfalls + abseits zu stehen und den Mut seiner Kameraden durch Absingung seiner + Siegeshymne anzufeuern. So kämpften nur der Sänger Hagen Korrundt, der Bräutigam + Anton und die Raubgesellen Karaseck und Jaromir, die aber – da sie in ihrem + Privatberuf Wiener Gigerls waren – gegen die rohe Gewalt der Neustädter Raufer + nicht aufkamen. Es gab fürchterliche Prügel, und der Maler Methusalem rettete + Waltersburgs Ruhm nur dadurch, daß er nachträglich seine Schlachtskizze + umkehrte, wodurch alle, die unten lagen, nach oben kamen, und umgekehrt. Moor + und Schinderhannes, die hundert Meter weiter unten im <pb n="246"/><anchor id="Pg246"/>Hinterhalt + lagen, um den Neustädtern den Rückzug abzuschneiden, hörten den Skandal, lugten + um die Baumstämme, kamen aber nicht zu Hilfe, da sie doch eben im Hinterhalt zu + liegen hatten. </p> + <p> Wer weiß, wie schrecklich diese Schlacht bei Waltersburg noch ausgelaufen wäre, + wenn nicht eine starke auswärtige Macht sich eingemischt hätte. Durch den Wald + erscholl plötzlich eine scharfe Stimme: </p> + <p> „Pauline! Pauline!“ </p> + <p> Pauline hatte bis jetzt an einer Birke gelehnt und zu einem Vierteil mit + Entsetzen, zu drei Vierteilen aber mit Stolz zugesehen, welch grauses Männerwerk + da für sie und um sie getan wurde. Als sie nun aber die rufende Stimme hörte, + schrie sie: </p> + <p> „Um Himmels willen, die Mutter! Macht, daß ihr fortkommt!“ </p> + <p> Drauf rissen erst die beiden Bräutigame aus, und mit ihnen verlor sich rasch ihr + Anhang. Pauline eilte nach Hause zu und bekam von ihrer energischen Mama ein + paar Ohrfeigen, weil sie sich „herumgetrieben“ habe; alles Mannesvolk aber + flüchtete gen Waltersburg. </p> + <p> Und da hat es sich begeben, daß der Neustädter Gastwirt, der den Rückzug der + anderen deckte, als er sich außer Frau Susannes Ruf- und Sehweite fühlte, doch + noch in die Hände der Waltersburger fiel. Sechs Mann haben ihn gefangengenommen + und ihn nochmals verprügeln wollen. Aber Methusalem hat gesagt: </p> + <p> „Pst! Man darf sich an einem geschlagenen tapferen Feinde nicht versündigen! Man + soll ihn vielmehr ehren. <pb n="247"/><anchor id="Pg247"/>Deshalb werde ich dem Feinde jetzt mit + der schönen grünen Farbe, die ich in diesem Fläschchen habe, einen Lorbeerzweig + auf die Stirn malen.“ </p> + <p> Der Gastwirt hat mit Händen und Füßen geschlagen, aber sechs Kerle haben ihn + gehalten, und Methusalem hat ihm einen Lorbeerzweig auf die Stirn gemalt. Mit + Ölfarbe! </p> + <p> Der Gastwirt hat sich in Neustadt nicht mehr sehen lassen können und nach drei + Tagen Selbstmordgedanken gehabt. Da hat ihm Methusalem ein Mittel geschickt, + durch das er die unerwünschte Ehrung abwaschen konnte. </p> + <p> Aus dem Triptychon ist nichts geworden. Nur eine schöne Bleistiftskizze von + Methusalem, auf der alle Waltersburger oben liegen, ist unseren Sammlungen + einverleibt und zeugt von der Schlacht auf unseren Gemarkungen, die sich gegen + den Erbfeind Neustadt abgespielt hat. </p> + <p> Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor Nässe, + und alle Schwachheit und Feigheit der Kämpfenden sowie die Niedertracht der + nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit einem einzigen, aus + seinem hochfürstlichen Mund hervorzischenden Wort charakterisiert: </p> + <p> „Plebs!“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="248"/><anchor id="Pg248"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Herbst</head> + <p> Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn ich es + überschaue, erfüllt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der äußeren Erfolge + wegen. Unser Unternehmen steht glänzend da. Wir haben lange nicht alle aufnehmen + können, die zu uns kommen wollten. Die Ernte auf den Feldern und in den Gärten + war gut, unsere Bauern sind zufrieden, und unsere Kassen und Kasten sind + gefüllt. Vieles, ja das meiste, verdankt dieser äußere Erfolg der glänzenden + Organisation, die Stefenson dem Ganzen gegeben hat und die er von Amerika aus + geleitet und weiter ausgebaut hat, wenn auch der Sonderling noch immer nicht + nach Europa zurückgekehrt ist. </p> + <p> Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, daß kaum einer + unserer Kurgäste ohne großen gesundheitlichen Gewinn von uns fortgezogen ist. + Das bestätigt meine eigene Erfahrung, das bestätigen meine Kollegen, das sagen + vor allem unsere Kurgäste selbst, die schweren Herzens Abschied nehmen, wenn + ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld + zurückerhalten, liegen diese Dinge kalt und fremd in ihren Händen, und wenn sie + im „Zeug<pb n="249"/><anchor id="Pg249"/>haus“ ihre eigenen Kleider wieder anlegen und, ohne noch + einmal umkehren zu dürfen, durch die große Hinterpforte auf die Straße gelassen + werden, wo der Wagen wartet, stehen die meisten befangen da wie ängstliches + Volk, das zum ersten Male in die Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch + haben sie sich in ihren Ferien vom Ich gefühlt. </p> + <p> Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und sagen, + daß sie draußen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft gehörten Einwand + begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, theatralische Sache, so + beklagten sie alle diejenigen, die nicht wüßten, wie herzstärkend und verjüngend + die Rückkehr zu kindlicher Schlichtheit sei und wie sie gerade vom + Theatralischen erlöse, von der bösen, so raffiniert eingeübten und so schwer zu + spielenden, immer aber im tiefsten Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ... </p> + <p> Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte + ärztliche Kunst sowie durch die Gemütsruhe und Herzensheiterkeit, die sie + umfing, die besten Erfolge gehabt. </p> + <p> Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Fröhlichkeit stirbt deswegen nicht + aus. </p> + <p> Diese großen Kinder der Welt fühlen hier alle die tiefe Schönheit des Herbstes, + von dem sie früher nichts wußten, als daß mit seiner Ankunft „Neuanschaffungen“ + nötig seien, die Gasrechnungen höher wurden und die Theater- und Konzertsaison + beginne. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule:75%"/> + </p> + <pb n="250"/><anchor id="Pg250"/> + <p> Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgäste will ich schildern, + wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verläuft. </p> + <p> Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern rüttelt + und welkes Laub und dürre Zweige an die Scheiben warf, hat sich das Menschlein + fest in die Decke gehüllt und mit großen Augen ins Dunkle gestarrt. Langsam ist + seine Phantasie an Bord eines schwarzen Wolkenschiffes gegangen, das durch das + kalte Meer des Himmels fuhr zu einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand + am Steuer des Schiffes; müde, schweigende Seelen lehnten oder saßen an seinen + Bordwänden. Lautlos glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und + wilde Gänse schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie + große Möwen, und ihr weißes Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter + dem Wolkenschiff war der große Ozean der Luft. Menschenhäuser lagen wie Muscheln + auf dem Meeresgrund, die Wälder standen wie seltsames wirres Gewächs wilder + Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine Insel, um die das + Wolkenschiff herumschwimmen mußte. Von der Insel glimmte das Licht einer + Berghütte her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem Strandhaus. Ein Felsen + ragte auf wie eine Klippe, an der ein unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. + Das Luftmeer rollte, grollte, stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der + Nacht hin und her. Die wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schönheit. + Immerzu, immerzu ging es vorwärts. Da drang ein Läu<pb n="251"/><anchor id="Pg251"/>ten aus der + Tiefe. Irgendein Vineta lag drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun + wurde ein lichter Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weißen Berge des + Morgens. Und im Morgenlande lag die Heimat. </p> + <p> Da fielen dem Träumer die Augen zu – er stieg herab von dem dunklen Schiff –, + stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, und die + guten Freunde kamen und schüttelten ihm die Hände. </p> + <p> Er erzählte ihnen, wo er gewesen sei. </p> + <p> Da klopfte es an die Tür. </p> + <p> „Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!“ </p> + <p> Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf einem + Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im Ferienheim, + richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe. </p> + <p> Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein feiner + Regen spritzte ans Fenster. Jetzt wäre es wohlig, noch eine oder zwei Stunden zu + schlafen. Ach, bloß noch ein paar Minuten! Sacht beginnt „Gottfried“ wieder + einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das Bewußtsein vom letzten Faden + lösen will, schrickt er auf und springt mit beiden Beinen aus dem Bett. Er wird + sich doch nicht von dem Barthel – dem Bauern – einen Meldezettel an den Arzt + schreiben lassen wie ein Schuljunge, der was „pexiert“ hat, von seinem Lehrer. + Dieser Barthel ist ein ganz netter Kerl, aber er „klemmt“ einen sofort, falls + man über die Hausordnung hinweggeht. Und es ist so blöd, sich dann beim <pb + n="252"/><anchor id="Pg252"/>Doktor entschuldigen zu müssen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch + in die alten Pennälerängste zurücksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen + hält man sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das + Waschwasser ist kalt. Warmes müßte extra verordnet werden. Und man schämt sich + hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Bedürfnisse erkennen lassen + will. Es paßt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe heißt. Eigentlich war’s + doch schön im Traume, so plötzlich zu Hause zu sein. Wie sie alle zärtlich und + besorgt waren und nach den Augen schauten, ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier + war das anders, hier hieß es nicht wünschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war’s + ja nicht, wenn man manchmal ein bißchen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts + von Hause erfuhr. Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die + erste Nachricht. „Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter + Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, daß Du Dich + völlig erholst. Mit treuen Grüßen Dein Weib und Deine Kinder.“ Das war alles. Es + war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der Kurdirektion; aber + Details fehlten gänzlich. Ob nun Fritzchen im Griechischen auf das volle + „Genügend“ gekommen war, ob Lenchen während der Ferien zum Großvater reiste, ob + der Kollege Neumann sich wirklich den Adlerorden erschlichen hatte, wer + Stadtverordnetenvorsteher geworden war, wie die Elektrizitätsaktien standen – + ah, kein Wort! Das ging ihn wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried + Stumpe. Auf die gewohnte <pb n="253"/><anchor id="Pg253"/>Anrede „Herr Amtsgerichtsrat“ hatte er + beinahe völlig vergessen. Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war + einfach Gottfried. </p> + <p> „Gottfried“, hatte gestern die dicke Susanne gesagt, „helfen Se mir mal meine + Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muß die Butterrechnung schreiben.“ </p> + <p> So wurde man sogar zu persönlichen Dienstleistungen herangezogen. „Man“, der + Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft überhaupt dieses Weib, die Susanne, die Brille + verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art Soldatengurt + gestiftet, daran hängt wie eine kleine Säbelscheide das Brillenfutteral. Da soll + sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber sie trägt das Koppel nicht, sie + hat es dem Methusalem um die Ohren schlagen wollen. </p> + <p> Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel + Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von hinten. + Er sagt, er hätte einen interessanten Rücken. </p> + <p> Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von + ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er längst + aufgegeben. </p> + <p> Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete Dackel, + verbeißt sich in die herabhängenden Hosenträger und zieht und zerrt daran. „Man“ + macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten ausschlagen wollen, verliert + dabei seinen Pantoffel und bemerkt, daß der Dackel die Hosenträger jählings + losläßt, sich auf den Pantoffel stürzt und mit ihm unter dem <pb n="254"/><anchor id="Pg254"/>Bett + verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der Pantoffel gehört der + Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. Einfach oktroyiert! Er hat + Hunde nie leiden mögen. Schon gar nicht als Schlafkumpane. Er hat sie immer als + wandelnde Flohfabriken verabscheut. Methusalem hat neulich einen + „wissenschaftlichen“ Vortrag im Rathaussaal gehalten und vorher durch + öffentlichen Anschlag angekündigt. Das Thema lautete: „Kann der Mensch (<hi + rend="antiqua">homo sapiens</hi>) von dem Hunde (<hi rend="antiqua">canis familiaris</hi>) einen Floh (<hi rend="antiqua">pulex + irretans</hi>) erhalten?“ Er – Amtsgerichtsrat <hi rend="antiqua" + >Dr.</hi> – nein, Gottfried Stumpe, hat den Blödsinn nicht mitmachen + wollen. Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und + – um die Zeit totzuschlagen – hingehen wollen. Aber da hat es geheißen: Der + Saal sei überfüllt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am + Rathaus eine „Rezension“ des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor + Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natürlich Blech! Am Schluß hat + es da geheißen: „So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, hinreißenden Art + aufs <anchor id="corr254"/><corr sic="überzeugenste">überzeugendste</corr> nach, daß Hunde- und Menschenfloh zwei ganz verschiedene + Spezien sind, daß es einem Hundefloh niemals einfalle, die schön behaarten + Jagdgründe seiner tierischen Pfründe freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten + Parkett der Menschenhaut unglücklich zu debutieren; daß dem Hundefloh das + tierische Blut viel besser munde als das menschliche; daß ein bei einem Menschen + gefundener Hundefloh eine außerordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten <pb + n="255"/>darstelle, der höllisch an Heimweh leide, kurz, daß wohl ein + Dackel von einem Menschen einen Floh bekommen könne, aber nicht umgekehrt. Eine + Resolution, die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehörige + der Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, daß ein <hi + rend="antiqua">pulex irretans</hi> vom <hi rend="antiqua">canis + familiaris</hi> freiwillig zum <hi rend="antiqua">homo sapiens</hi> + übergehe, auszurotten, wurde mit überwältigender Mehrheit angenommen. Die + ohnmächtige geringe Opposition wurde ausgelacht.“ </p> + <p> Das war also ein „wissenschaftlicher Vortrag“ in diesen Ferien vom Ich. </p> + <p> Verrückt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die Plätze! </p> + <p> Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt – mit + elenden Plüschüberresten in der Schnauze – höchst durchtrieben unter dem Bett + hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun Keile oder + nicht? </p> + <p> Er schlägt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen. </p> + <p> Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Früher würde er gekollert haben. + Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten sehr egal + sind. </p> + <p> Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter dem + Bett, dann kommt er näher, macht ein äußerst treuherziges Gesicht, wedelt mit + dem Schwanze und bietet das Bild unverdächtigster Harmlosigkeit. Gottfried sieht + ihn an, beschließt, die abscheuliche Heuchelei zu übersehen und sagt einfach und + gelassen: </p> + <pb n="256"/><anchor id="Pg256"/> + <p> „Du bist ein Schweinekerl!“ </p> + <p> Der Dackel blinzelt nach dem Fuße, auf dem sein „Herrchen“ in bloßen Socken + steht, nimmt den „Schweinekerl“ als etwas ganz Selbstverständliches hin und + springt dann zärtlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in die Höhe. Und + der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so lose sitzt wie ein + viel zu weiter Anzug. </p> + <p> „Gottfried, mähren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkälten sich!“ </p> + <p> Das war Vater Barthel. „Mähren“ hatte er gesagt. Der Mann war nicht + satisfaktionsfähig. Wenn ihm früher mal einer „Mähren Sie nicht so lange“ gesagt + hätte! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel <hi rend="antiqua" + >contra</hi> Karsubke wegen eines Objektes von drei Mark und fünfzig Pfennig + neun Termine ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte! </p> + <p> Tja – Ferien vom Ich! </p> + <p> Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen erleuchtet. + Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum ist es + wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, sehen alle aus + wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust – halbbeleuchtete Höhlengesichter, + die sich an den dunkel bleibenden Wänden doch hell abheben. Alles im + Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, ein Wissen und Bekennen: draußen + ist Nacht. Alles andere grellere Licht lügt den Tag vor. </p> + <p> Im Hausflur unten sagt die hübsche Magd Emilie: <pb n="257"/><anchor id="Pg257"/>„Hoppla!“, weil + Herr Gottfried an ihre Milchkanne stößt. Und dann tritt er in die große + Bauernstube. Da umfängt ihn das ganze große Behagen des zu früh Erwachten, der + in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um den Tisch + sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, andere löffeln + Milchsuppe. Er suppt. Susanne muß ihm den hübschen, wahrhaft künstlerisch + geformten Napf zweimal füllen. Die Frühstücksunterhaltung ist spärlich und + nüchtern wie überall. Zu Hause würde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung + dazu lesen. Das bißchen Koffein würde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber + daß er die Zeitung wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknüllt an die Wand + schmeißen würde – das wäre schlimmer. Hier gibt’s keine Zeitung. Es geht auch + so. Sollten Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist’s ihm völlig + egal, wer dabei zugrunde geht, gleichgültiger als der vom Dackel zernagte + Latschen. </p> + <p> Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein „Sauwetter“ würde er zu Hause + sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und auf dem + schnellsten Wege zur Straßenbahn trachten, um zum Gericht zu fahren. </p> + <p> Hier – Gottfried Stumpe – oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel besser, + und er hat Dünger fahren müssen. Die Arbeit verteilt Vater Barthel. Gottfried + glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls – das steht fest – dieser + Methusalem wird immer bevorzugt. Ist’s schön und warm, daß er auf dem + Kartoffel<pb n="258"/><anchor id="Pg258"/>felde Allotria mit dem Weibsvolk treiben kann, geht er + hinaus; regnet es und bläst der Wind, wird er zu häuslichen Arbeiten verwandt. + Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein, Gottfried Stumpe, hätte nie gedacht, es nötig zu haben, sich + um das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne bemühen + zu müssen. Er verschmäht auch alle Liebedienerei, um sich Vergünstigungen zu + verschaffen. Dieser Methusalem – er ist ja sonst ein netter Kerl – ist schon + fünf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; denn er soll Frau Susanne auf + einem Schaffboden in einer fabelhaft geschmeichelten Weise porträtiert haben, + daß er, trotz gelegentlicher Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. + Denn Susannes Bild hängt jetzt in einer Münchener Ausstellung; das schmeichelt + natürlich solch alter Schachtel gewaltig. </p> + <p> Die dicke Lene drüben am Nachbartisch – Gottfried müßte sich furchtbar + täuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt hätte + – sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei über seine Uhrkette, die ein + klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet hat. Aber Barthel, der ein + geriebener Patron ist, merkt den Braten und sagt: </p> + <p> „Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schön; aber Rüben abkloppen müssen + Sie heute trotzdem.“ </p> + <p> „Es ist so furchtbar kalt!“ stöhnt die Dicke. </p> + <p> „Lene“, belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; „es is kalt, das is wahr. Aber + Sie sind hier, um dünner zu werden, und Kälte zieht die Körper zusammen.“ </p> + <pb n="259"/><anchor id="Pg259"/> + <p> Sämtliche Frühstücksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als er + Dünger fahren mußte, hat er sich bloß damit getröstet, daß es die Arbeiter auf + dem Rübenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rüben aus dem naßkalten, + manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu „klopfen“, damit überflüssige Erde + abfällt, und sie für den Wagen zu sammeln, ist an solchen Regentagen keine + schöne Arbeit und nichts weniger als Manikure. Die Finger werden blaurot. Nur + Pulswärmer helfen etwas. Scheußlich. Er – Gottfried – freut sich auf seine + Düngerfuhre. Da pendelt er so langsam neben seinen beiden nachdenklichen Rößlein + einher, und der Ammoniakgeruch, den seine Ladung ausströmt, stört ihn nicht. Der + soll sogar ausgezeichnet gesund für die Lungen sein. </p> + <p> „Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!“ hört er Vater Barthel weiter reden. </p> + <p> Richtig! Es regnete – folglich blieb Methusalem im Trockenen. </p> + <p> Gottfried haßte in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den + Kollegen gehaßt hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche Leute + verstehen es eben, immer „nach oben“ zu schielen. </p> + <p> „Oben“ – das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne. </p> + <p> Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei. </p> + <p> „Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein Bild + auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!“ </p> + <pb n="260"/><anchor id="Pg260"/> + <p> Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern + fleißig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Briefträger in die Stube. + Er hatte eine riesige Tasche umgehängt, und in dieser Tasche steckte ein + einziger Brief. </p> + <p> „Herrn Methusalem auf dem Forellenhof.“ </p> + <p> Methusalem öffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie ohnmächtig auf + die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. Barthel hob den auf den + Fußboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne weiteres vor: </p> + <p><text><body> <salute rend="margin-left: 8"> + „Sehr geehrter Herr! + </salute> + <p> Ihre von der gesamten Fachkritik glänzend beurteilte Zeichnung ‚Bäuerin auf dem + Schaffboden‘ ist heute für den Preis von fünftausend Mark verkauft worden. </p> + <signed rend="text-align: right"> + Die Ausstellungsleitung.“ + </signed></body></text></p> + <p> Große allgemeine Verwundernis. </p> + <p> Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschürze vors + Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte: </p> + <p> „Mutter, schäm dich nich! Was kannst du dafür, daß du so ’ne interessante Frau + bist!“ </p> + <p> Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers. </p> + <p> „Kinder“, sprach er mit zerknirschter Stimme, „ihr alle kennt mich und werdet + daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes Jahr bin ich + alt; eineinhalb Jahr habe ich bloß noch zu leben. Und nun werd’ ich plötzlich + ein Krösus. Daß ich in der kurzen <pb n="261"/><anchor id="Pg261"/>Spanne Zeit meines irdischen + Wallens nicht die Riesensumme von fünftausend Mark ausgeben kann, werdet ihr + einsehen. Und doch muß sie mangels jeglicher Leibeserben weggeschafft werden. + Ihr könnt glauben, daß dieser Fall mein Gemüt hart bedrückt. Doch werden wir + Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu feiern, bis ich von dem Alp des + Geldes erlöst bin.“ </p> + <p> Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornsprühende Rede über + Sparsamkeit, Mäßigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere + widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging Frau + Susanne immerfort mit roten Wangen und schämig flimmernden Augen hin und her. </p> + <p> „Denken Sie doch, Frau Susanne – fünftausend Mark – in München auf der + Ausstellung! Für Ihr Bild!“ </p> + <p> „Ruhe!“ kommandierte Barthel. „Wir müssen wieder an ernste Dinge denken. + Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr’n ’runter nach Waltersburg zum + Kaufmann Scholz und hol’n das Fäßchen Heringe ab, das ich bestellt hab. Lassen + Sie sich’s aber recht festbinden, daß es nicht ’runterkugelt!“ </p> + <p> „Jawohl!“ </p> + <p> „Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen.“ </p> + <p> Vierstimmiger piepsiger Frauenchor: </p> + <p> „Jawohl!“ </p> + <p> „Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann + <anchor id="corr261"/><corr sic="Hentschel">Henschel</corr> werden Äppel <pb n="262"/><anchor id="Pg262"/>pflücken. Bärbel und die Lustige Witwe + werden die Äppel nach der Äppelkammer tragen.“ </p> + <p> Septett: „Jawohl!“ </p> + <p> „Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im Winkel wird + helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; Piesecke kommt zwei + Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der + Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene + und Joachim Hans von Ziethen helfen beim Rübenabkloppen. Fehlt noch jemand?“ </p> + <p> Herr Amtsgerichtsrat Dr. – nein Gottfried + Stumpe, erhob sich. </p> + <p> „Ich!“ </p> + <p> „Ach so – Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Rübenabkloppen.“ </p> + <p> Gottfried erblaßte. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hörte nur noch mit + beißendem Ingrimm, daß Barthel den Methusalem aus Anlaß seines Briefes einen Tag + beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurück. </p> + <p> „Nimmermehr!“ rief er pathetisch, „denn sehen Sie, Vater Barthel, eine ungeheure + Lebenslust, ein Kraftüberschuß durchströmt plötzlich meinen fast tausendjährigen + Leib. Ich komme mir vor wie ein Fünfunddreißiger. Wo soll ich hin mit der Freud? + Austoben muß ich mich. Und das kann ich nur, wenn ich Holz hacke. Ich will + keinen Urlaub, ich hacke Holz!“ </p> + <pb n="263"/><anchor id="Pg263"/> + <p> Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklärte Barthel das Frühstück für aufgehoben. + Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den Badehäusern, um ihre + „Anwendungen“ zu machen. Auch Gottfried Stumpe schritt hinaus in den fein + sprühenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. Auf seinem Kurzettel stand heute + ein zehn Minuten langes Bedampfen des Magens (er litt an Magennerven), dann ein + Bürstbad mit nachfolgendem kühlen Abguß. Was so die Nervösen bekommen! Früher + war er auch massiert worden und hatte im Gymnastiksaale turnen müssen. Jetzt + fiel das weg. Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anständiger + Behandlung. Jetzt mußte er einfach arbeiten. Rüben abkloppen. Mit Mägden und + alten Weibern zusammen. Scheußlich! </p> + <p> Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen ließ. Daß + man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! Solche + Schweinerei, wie Rüben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich nicht mit! + Man reiste aber nicht ab. Man wußte, daß sich die Kurverwaltung aus einer + Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf warteten, neu + eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei dem Gedanken: sie + brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war nicht zu leugnen, daß man + hier absolut von Grund auf gesünder wurde. </p> + <p> Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann mußte er sich nach + der kühlen Abgießung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte er eine <pb + n="264"/><anchor id="Pg264"/>halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses + verpusten. </p> + <p> Dann aber mußte er unwiderruflich aufs Feld. </p> + <p> Rüben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Sprühregen aufhörte. Ein + einziger Trost war, daß bei solchem Wetter das Äpfelpflücken vom nassen Baum + auch kein Heidenspaß war. </p> + <p> Wie kämen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel dazu, + daß sie ... </p> + <p> Neid und Mißgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich oft + schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch schon + zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und gekollert, + mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja mit Weib und + Kind. Die Fliege an der Wand ärgerte ihn, das Klopfen des Regens ans Fenster + regte ihn auf. Jetzt – wer diesen Dackel und diesen Vater Barthel vertrug, ohne + tobsüchtig zu werden, mußte schon sehr gesund sein. </p> + <p> Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom + Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem er + wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen an einem + Waldrande getroffen, jeder mit einem Körbchen und einem Messer bewaffnet, hatten + einander gegenübergestanden und gelacht. Dann hatten sie sich einander + vorbestellt: „Emanuel Geibel vom Sonnenhof – Gottfried Stumpe vom Forellenhof. + Freut mich! Freut mich!“ Und am sonnigen Waldrande gesessen und ge<pb n="265" + />schwatzt. Allmählich aber waren sie in zivilisiertes Gespräch gekommen, auf + Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, auf hohe, schließlich auf + ganz hohe Politik, dann noch höher hinauf auf die Kunst, haben sogar einen etwas + torkeligen Aufstieg in metaphysische Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen + der Philosophie und Religion verklettert und sind dann mit einem waghalsigen + Sprung auf die letzte Gipfelhöhe der Menschheit gesetzt – auf den im Blauschnee + glitzernden, aller gewöhnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar + der heiligen Jurisprudenz. </p> + <p> Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel entpuppte + sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter Verstandesmensch, als einer, + der nicht nur über den Hanswurst, den jetzigen Justizminister, spottete, der mit + seinem geistigen Zwergenmaß die Riesenschleppe des Ministertalars gar zu + possierlich schleifte, sondern der auch an die Dogmen der anerkanntesten + juristischen Größen mit geradezu souveräner Überlegenheit die Sonde legte. Wie + er allein über Liszt urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, daß der Mann, der + sich unter dem Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Größe der + Rechtswissenschaft war, hoffentlich der künftige Minister. Dann würde vieles an + den unhaltbaren verrotteten Zuständen der heutigen Rechtspflege gebessert + werden. So beschloß der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber gar keine, als + eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern reden zu lassen und + ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise <pb n="266"/><anchor id="Pg266"/>durchschimmern zu lassen, daß + er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige Gegenströmungen ins + Dunkle gestellt worden sei und gewissermaßen auch etwas mit der Jurisprudenz zu + tun habe; drittens privatim sich als Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie + Emanuel Geibels zu erwerben. Das alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel + sogar mit ihm Brüderschaft gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen + Verstand ein poetisches Gemüt, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen + hatte, von denen jedes mit Schwefelsäure getränkt war, konnte plötzlich + traumversunken stehenbleiben und seufzen: </p> + <lg rend="margin-left: 3"> + <l>„Oh, darum ist der Lenz so schön</l> + <l>Mit Duft und Strahl und Lied,</l> + <l>Weil singend über Tal und Höh’n</l> + <l>So bald er weiterzieht.“</l> + </lg> + <p> Oder, weil ihm eben einfiel, daß gar nicht Frühlingszeit sei: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Herbstlich sonnige Tage,</l> + <l>Mir beschieden zur Lust,</l> + <l>Euch mit leiserem Schlage</l> + <l>Grüßt die atmende Brust.</l> + <l>Oh, wie waltet die Stunde</l> + <l>Nun in seliger Ruh;</l> + <l>Jede schmerzende Wunde</l> + <l>Schließet leise sich zu.“</l> + </lg> + <pb n="267"/><anchor id="Pg267"/> + <p> Der eiskalt schließende Jurist hatte sich ganz in die süßen, goldenen Melodien + Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des Dichters Namen für + seine Ferien vom Ich gewählt. Die Gegensätze berührten sich auch hier. </p> + <p> Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem + feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgießung „trocken lief“. Die Begegnung war + nicht ganz zufällig. Gottfried wußte, daß Emanuel abreiste. Er habe nur sechs + Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er könne nicht länger abkommen. + Natürlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kräfte. </p> + <p> Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum „Zeughaus“ hinunter. </p> + <p> „Nun gehe ich da hinein“, sagte Emanuel traurig, „und komme nicht mehr durch + diese Tür in unser liebes Heim zurück, sondern trete auf der anderen Seite in + meinem Weltanzug auf die Straße hinaus, die ins kalte Leben zurückführt. Ach, + mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, wir wären jetzt oben im + Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern gehabt.“ </p> + <p> Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder vom + Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben: </p> + <lg rend="margin-left: 3"> + <l>„Wenn sich zwei Herzen scheiden,</l> + <l>Die sich dereinst geliebt,</l> + <l>Das ist ein großes Leiden,</l> + <l>Wie’s größ’res nimmer gibt;</l> + </lg> + <pb n="268"/><anchor id="Pg268"/> + <lg rend="margin-left: 3"> + <l>Es klingt das Wort so traurig gar:</l> + <l>Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar!</l> + <l>Wenn sich zwei Herzen scheiden,</l> + <l>Die sich dereinst geliebt.“</l> + </lg> + <p> Wohl verwunderte sich Gottfried über diese große Zartheit, aber sie packte ihn, + und die Augen wurden ihm feucht. </p> + <p> Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite würde er nun hinaus + auf die Straße treten, die aus diesen friedlichen Ferien zurückführt in die + harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus herum und gelangte durch + ein Seitenpförtlein ebenfalls hinaus auf die Straße. Er wollte den Freund noch + einmal sehen. Mochte er zu spät auf Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei. </p> + <p> Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast hätte ihn Gottfried in dem nüchternen + Reiseanzug nicht erkannt. </p> + <p> „Ah, da bist du noch!“ </p> + <p> „Ja, ich wollte dich noch einmal sehen.“ </p> + <p> „Das ist lieb von dir!“ </p> + <p> Emanuel zog die Uhr – eine einfache silberne Taschenuhr. </p> + <p> „Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zählt + Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da dürfen einem nur + eine Glocke oder der Großknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spät es ist. Und + dann das Geld, das bedrückt <pb n="269"/><anchor id="Pg269"/>mich am meisten. Was soll ich mit den + paar Kröten tun? Mir eine Burg des Glücks davon bauen? Lieber Gott!“ </p> + <p> „Du wirst noch hoch hinauf kommen!“ tröstete ihn Gottfried. </p> + <p> „Nein!“ sagte Emanuel bitter. „Da drinnen, da ist es ja geboten, über das eigene + Ich zu schweigen. Aber hier draußen auf der Landstraße will ich mich dir + gegenüber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Hätt’ gern studiert. Aber wie + ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da mußte ich abgehen von der Schule. + Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretär am Amtsgericht zu H.“ </p> + <p> „Emanuel!“ </p> + <p> Gottfried rang die Hände ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser + Ministerstürzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstürzler von oben! + Ein Sub – sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch wüßte! </p> + <p> „Emanuel!“ </p> + <p> Gottfried stand so verdattert da, daß in die weichen Züge Emanuel Geibels wieder + die essigsaure Schärfe trat, die aber doch nur zu den resignierten Worten + führte: </p> + <p> „Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel – wer wir draußen + sind, braucht uns nicht mehr zu kümmern, braucht Sie nicht zu genieren.“ </p> + <p> „Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein“, sagte + Gottfried noch ganz benommen. </p> + <p> „Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche Kur + zu wünschen“, sagte Ema<pb n="270"/><anchor id="Pg270"/>nuel höflich, verneigte sich, ergriff seine + kleine Handtasche und wollte gehen. </p> + <p> Da aber hatte ihn Gottfried am Arm. </p> + <p> „Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde – auch draußen –, verstehst du? Von + dem blödsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden.“ </p> + <p> Emanuel setzte die Handtasche auf die Straße. </p> + <p> „Ich danke dir!“ sagte er schlicht, aber in tiefer Freude. </p> + <p> Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, das + jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Rübenfelde. Da waren + die Leute fleißig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, der auch zum + Rüben „abkloppen“ kommandiert war, sprang in kühnen Husarensprüngen über ein + lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich warm zu machen, in Wirklichkeit + aber – wie der Amtsgerichtsrat mit neidischem Grimm bei sich feststellte –, um + sich von der Arbeit zu drücken. </p> + <p> Zehn Minuten später sprang er mit über das Feuer, bis von ferne die Gestalt + Barthels auftauchte. </p> + <p> Da begaben sich die beiden Drückeberger schleunigst an die Arbeit. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="271"/><anchor id="Pg271"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Von der weiblichen Putzsucht und Herrn Pieseckes Leiden</head> + <p> Gestern vormittag traf ich die kleine Luise, die sich eben von einem Haufen + spielender Kinder trennte. </p> + <p> „Willst du schon aufhören zu spielen, Luise? Die Sonne scheint doch so schön.“ </p> + <p> „Ich will zu meiner Mamma.“ </p> + <p> „Zu deiner Mamma?“ </p> + <p> „Ja, nach Hause!“ </p> + <p> „Sagst du zu Magdalena jetzt Mamma?“ </p> + <p> „Ja. Alle Kinder haben eine Mamma. Ich will auch eine haben. Meine Mamma soll + Magdalena sein.“ </p> + <p> „Hast du deine Mamma lieb?“ </p> + <p> „Lieber wie dich!“ </p> + <p> Das klang nicht frech, nur tief überzeugt. </p> + <p> „So. Hm. Lieber wie mich! Das glaube ich gern. Ihr spielt wohl schön zusammen?“ </p> + <p> „Nein, wir schneidern. Wir machen ein Kleid für mich. Aber es paßt immer nicht + richtig, weil Mamma das Schneidern nicht gelernt hat, und da will uns jetzt die + Selma kein neues Zeug mehr geben.“ </p> + <p> Selma ist die Beherrscherin unserer weiblichen Schneiderei, eine etwas + schwierige Alte. Das Mädchen ging neben mir her. Mit großer Munterkeit sagte + sie: </p> + <pb n="272"/><anchor id="Pg272"/> + <p> „Wenn Pappa Stefenson da wäre, würde er die Selma mächtig ausschimpfen, weil sie + sagt, es ist zu teuer, wenn man für ein Kinderkleid vierzig Mark verbuttert und + nichts zustande kriegt. Ach, es wird doch so schön! Wir nähen alle Tage neue + Schleifen dran.“ </p> + <p> „Ich werde mit der Selma sprechen.“ </p> + <p> „Ja? Wirst du wirklich? Fürchtest du dich nicht? Dann sage ihr, wir müssen ein + Meter schottische Seide haben und unten ein bißchen Pelzbesatz. Ich hab mir’s so + ausgedacht: oben an dem Kleid will ich einen Matrosenkragen, in der Mitte will + ich schottische Seide und unten Pelzbesatz. Das wird sehr fein!“ </p> + <p> „Ja, das glaube ich. Will das deine Mamma auch so?“ </p> + <p> „Mamma will so, wie ich will.“ </p> + <p> Das war das Mädel, das vor einem Jahr in der Berliner Ackerstraße Schnürbänder + verkaufte! Die Erinnerung an diese elende Vergangenheit ist in ihr völlig + erloschen. Gut so! Und auch ihre Kleiderwünsche verstand ich. Die Kinder hupfen + bei uns alle in einer gesunden, einfachen Tracht umher. Aber ein Mädchen hatte + geprahlt, es hätte zu Hause ein Matrosenkleid, ein anderes hatte sich mit einem + Kleide mit schottischer Seide großgetan, ein drittes sogar von Pelzbesatz + gefabelt. So war in Luise der Wunsch entstanden, alle diese Herrlichkeit in + einem einzigen Kleid zu vereinigen. Die Weibermode setzt über die höchsten + Mauern, die man um ein Ferienheim ziehen kann. Dagegen läßt sich nichts tun. + Auch unsere weibliche Ferienkleidung wird mit tausend Spitzfindigkeiten + „modernisiert“ und „stilisiert“. <pb n="273"/><anchor id="Pg273"/>Was man allein mit einer heimlich + angebrachten Sicherheitsnadel alles „raffen“ kann, wieviel „Schick“ man durch + solch einfache Mittel in die vorgeschriebene Gewandung bringen kann, grenzt ans + Wunderbare. Wenn in meinem Ferienheim überhaupt mal ein Aufstand entstehen + sollte, wird es eine Frauenrevolution sein. Anfangs wollte ich für alle + weiblichen Feriengäste ein und dieselbe Tracht. Aber selbst Selma, die, eine + Aszetin an Einfachheit und an Grobheit, einem preußischen Kammerunteroffizier, + der Helme und Stiefel „anprobiert“, weit überlegen ist, kam mir schließlich mit + dem Vorschlag, vier verschiedene „Modelle“ müßten eingeführt werden, eines für + die Dicken, eines für die Dünnen, eines für die Langen, eines für die Kleinen. + Damit habe ich mich einverstanden erklärt; inzwischen ist bereits noch + durchgesetzt worden, daß die Blonden blaue, die Schwarzen rote Blusen bekommen. </p> + <p> Für die kühlen Abende werden farbige Umschlagtücher geliefert. Oh, wie groß sind + die Wunder der Schöpfung! Manche unserer Damen drapieren das Tuch vom Gürtel + abwärts um den Kleiderrock, die meisten tragen das Tuch rechts oder links über + die Schulter malerisch geworfen, andere machen sich eine „ungarische Schürze“ + daraus, wieder andere eine Muff; Turbane um den Kopf werden ebenso geschickt aus + dem Tuch hergestellt wie schlichte Nonnenschleier; einige tragen das + zusammengelegte Tuch nur über dem Arm, und einige wenige greifen auf den + ursprünglichen Zweck zurück, die schlagen das Tuch um die Schultern. </p> + <pb n="274"/><anchor id="Pg274"/> + <p> + Dr. Michael hat die Putzsucht der Frauen für eine + unheilbare Krankheit erklärt. Ich bin nicht seiner Meinung. Diese Putzsucht ist + keine Krankheit, sondern eine Naturnotwendigkeit; das Weib muß sich putzen, so + wie sich das Kätzchen beschlecken muß. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Neulich kam Piesecke zu mir, außerhalb der Sprechstunde. Er war noch erregter, + als er sonst oft ist, und sprach zunächst eine Menge wirres Zeug durcheinander, + aus dem hervorgehen sollte, daß er der unglücklichste Mensch der Welt sei. Ich + unterbrach ihn. </p> + <p> „Piesecke, ich glaube jedes Wort, was Sie sagen, aber sprechen Sie langsamer! + Sprechen Sie recht gelassen! Sagen Sie mir ohne alle Umschweife, was los ist.“ </p> + <p> Er rang die Hände ineinander und jammerte: </p> + <p> „Ach Gott, ich liebe sie, ich liebe sie!“ </p> + <p> „Wen? Mich?“ </p> + <p> „Ach, doch nicht Sie, sondern sie!“ </p> + <p> „Also Hanne vom Forellenhof.“ </p> + <p> „Woher wissen Sie ...?“ </p> + <p> „Ich weiß es. Sie haben sich oft genug auffällig benommen.“ </p> + <p> „Und wissen Sie auch, daß sie fortzieht?“ </p> + <p> „Ja, morgen nachmittag. Sie hat ein gutes Engagement an ein Stadttheater + bekommen.“ </p> + <p> „Ich ertrag es nicht; oh, ich ertrag es nicht. Sehen Sie, Herr Doktor, Sie + können machen mit mir, was <pb n="275"/><anchor id="Pg275"/>Sie wollen, Sie können der beste Arzt + der Welt sein, Sie können hundert Sanatorien für mich bauen, wenn mich dieses + Mädchen verläßt, bin ich verloren.“ </p> + <p> „Gruselig!“ </p> + <p> „Was sagten Sie?“ </p> + <p> „Gruselig!“ </p> + <p> „Herr Doktor, spotten Sie nicht! Diesen Verlust ertrage ich wirklich nicht; er + bedeutet mein Ende.“ </p> + <p> „Dann wird in Ihrer Landeszeitung ein schöner Nekrolog über Sie erscheinen.“ </p> + <p> Er war empört. </p> + <p> „Sie haben kein Herz für mich. Aber es ist gut, daß Sie von unserer + Landeszeitung gesprochen haben. Schließlich bin ich doch ein Prinz!“ </p> + <p> „Hier nicht! Hier sind Sie Piesecke.“ </p> + <p> „Das weiß ich; aber ich vergesse nicht, was ich draußen bin. O nein! Sehen Sie, + und das habe ich ihr gesagt.“ </p> + <p> „Was? Wem?“ </p> + <p> „Der Hanne habe ich gesagt, daß ich ein Prinz bin.“ </p> + <p> „Sie sind wohl verrückt geworden, Piesecke. Auf solche Indiskretionen steht die + Strafe der Entlassung aus unserer Anstalt.“ </p> + <p> „Schimpfen Sie nicht, Herr Doktor; ich bin heute schon genug ausgeschimpft + worden.“ </p> + <p> „Was hat denn Fräulein Hanne zu Ihrer Quasselei gesagt?“ </p> + <p> „Ausgelacht hat sie mich. Sie hält mich für einen Sargfabrikanten aus Hannover. + Stellen Sie sich vor, <pb n="276"/><anchor id="Pg276"/>Herr Doktor, ausgerechnet für einen + Sargfabrikanten hält sie mich.“ </p> + <p> „Das Geschäft eines Sargfabrikanten ist ein sehr ehrbares.“ </p> + <p> „Ach Gott, nun sind Sie auch noch gegen mich. Und ich hatte meine ganze Hoffnung + auf Sie gesetzt. Sie sollten ja Fräulein Hanne sagen, daß ich wirklich ein Prinz + bin und daß sie ein Engagement an unserer Hofoper annehmen soll.“ </p> + <p> „Was hätten denn Sie davon, wenn Fräulein Hanne in Ihrer Residenzstadt sänge und + Sie inzwischen hier bei uns Dünger fahren müßten?“ </p> + <p> „Ich hatte gehofft, Sie würden mich für ein paar Wintermonate beurlauben.“ </p> + <p> „Daran denke ich nicht im Traume. Bis zum Mai bleiben Sie laut unserer Abmachung + hier. Das entspricht auch ganz den Intentionen Ihres Herrn Bruders, des + regierenden Fürsten.“ </p> + <p> Piesecke saß gebrochen vor mir. </p> + <p> „Mit mir ist’s alle“, sagte er tonlos. </p> + <p> „Mit Ihnen war es alle, mein Lieber, als Sie zu uns kamen. Inzwischen haben Sie + sich aber bei uns einen ganz netten Fonds neuer Lebenskraft gesammelt.“ </p> + <p> Er schüttelte trostlos den Kopf. </p> + <p> „Wohl bin ich gesundheitlich vorwärts gekommen; aber das nützt mir alles nichts + mehr – ich muß sterben. Es gibt Dinge, die ein Mensch nicht verwinden kann.“ </p> + <p> Ich stand auf. </p> + <pb n="277"/><anchor id="Pg277"/> + <p> „Entschuldigen Sie, Piesecke, aber das Mittagessen wartet auf mich. Ich hab + Hunger. Wenn Sie also aus dem Leben scheiden wollen, gehaben Sie sich wohl! Es + freut mich, Sie mal kennengelernt zu haben. Mahlzeit!“ </p> + <p> Da faßte ihn der Zorn. </p> + <p> „O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach ‚Mahlzeit‘, + wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose Mensch, der ich im + Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da muß ich Ihnen sagen, daß Ihr + Sanatorium eine Mördergrube ist.“ </p> + <p> „I, der Dauz!“ </p> + <p> „Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue Kurgast + auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?“ </p> + <p> „Nein!“ </p> + <p> „Ein Geheimpolizist aus meiner Vaterstadt ist er. Ich habe ihn wiedererkannt; + denn ich hatte früher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich gedacht, er sei + hergeschickt, um mich zu überwachen. Denn er hat mich früher schon mal + überwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er mir gesagt, daß er auf + den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er wird den Beweis erbringen, daß + Ignaz ein langgesuchter Raubmörder ist, ein früherer Fleischergeselle.“ </p> + <p> Ich setzte mich wieder. </p> + <p> „Also, Piesecke, ist das wahr?“ </p> + <p> „Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?“ </p> + <pb n="278"/><anchor id="Pg278"/> + <p> „Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich nie. Aber täuscht sich auch Herr Steiner + nicht?“ </p> + <p> „Das weiß ich nicht. Er wartet noch etwas vom Gericht ab – ich glaube, + Fingerabdrücke oder so etwas – und dann will er zur Verhaftung schreiten.“ </p> + <p> Mir wurde unbehaglich. </p> + <p> „Haben Sie auch eine Auseinandersetzung mit dem langen Ignaz gehabt?“ </p> + <p> „Jawohl. Er will mich umbringen.“ </p> + <p> „Bitte, erzählen Sie!“ </p> + <p> „Er hat mich schon immer verfolgt und gemißhandelt; er ist ein sehr roher Kerl. + Wie ich nun Fräulein Hanne das gesagt hab, daß – nun, daß ich eben doch ein + Prinz bin, glaubte ich, ich sei mit ihr und mit Vater Barthel allein in der + großen Stube. Auf einmal kommt der lange Ignaz hinter dem Ofen hervor, hat + grüngelbe Augen und packt mich an der Kehle. Ich habe mich gewehrt; aber wenn + Vater Barthel und Fräulein Eva mir nicht geholfen hätten, hätte mich der Kerl + erwürgt. Wir haben dann den Mordgesellen zur Tür hinausgeworfen, aber er hat + gedroht, er werde mich schon erwischen.“ </p> + <p> „Hm. Also, lieber Piesecke, ich gebe Ihnen gern zu, daß mir dieser Knecht Ignaz + auch in hohem Grade unheimlich und widerlich ist. Ist er ein Schuft, der sich in + mein ehrliches, sauberes Heim eingeschlichen hat, dann werde ich der erste sein, + ihn den Behörden ausliefern zu helfen. Aber auch wenn er nicht der von den + Gerichten Gesuchte ist, wird der brutale Mensch entfernt werden. <pb n="279"/><anchor id="Pg279"/>Das verspreche ich Ihnen.“ Piesecke sank schon wieder in sich zusammen. </p> + <p> „Ach, selbst dieser Raubgesell ist in die blonde Eva verliebt. Und ich soll sie + verlieren! Mag mich doch der Ignaz umbringen. Dann ist es wenigstens alle mit + mir. Ich habe niemand, niemand, der mich gern hat, nicht einmal einen guten + Freund!“ </p> + <p> Da tat er mir leid. </p> + <p> „Piesecke“, sagte ich, „das dürfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten + Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, daß ich Ihnen + etwas sage, was noch niemand von mir gehört hat. Auch ich, Piesecke, habe die + schöne Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewünscht, als daß sie + meine Frau werde.“ </p> + <p> Er starrte mich an. </p> + <p> „Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?“ </p> + <p> „Weil sie mich nicht will.“ </p> + <p> „Sie nicht will?“ wiederholte er verwundert. „Sie will nicht mal Sie, und da + soll sie mich wollen?“ </p> + <p> Es lag eine rührende Demut in dem Ton, in dem er das sagte. </p> + <p> „Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an sich + selbst denken, soll man nur denken: Werde du glücklich! Es ist etwas Großes und + Schönes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es gibt Frauen, die + das Glück oder vielmehr das Unglück haben, daß alle Männer sich in sie + verlieben, <pb n="280"/><anchor id="Pg280"/>und gerade das Leben solcher Frauen bleibt oftmals ganz + leer. Wir wollen unserer Eva wünschen, daß sie glücklich wird, und wir zwei + wollen zusammenhalten.“ </p> + <p> Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmütigen Augen schauten mich feucht an. </p> + <p> „Ich glaube, daß Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!“ </p> + <p> „Ich habe Sie gern, Piesecke“, sagte ich und legte ihm fest die Hand auf die + Schulter. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="281"/><anchor id="Pg281"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Abschiedsabend</head> + <p> Am Abend ging ich nach dem Forellenhofe. Die schöne „Hanne“ nahm Abschied von + uns. Von Mai an war das Mädchen bei uns, und jetzt, da es gehen wollte, war + mir’s, als schwänden Sommer und Sonne dahin, und es könne nun nichts mehr geben + als graue Tage. Ich litt wie Piesecke; ich jammerte nur nicht so. Aber auch + vielen anderen Leuten ging Evas Abschied nahe; ich hörte, daß die dicke Susanne + schon tagelang mit rot verquollenen Augen herumlaufe. </p> + <p> Wenn der November kam, würden sich wahrscheinlich unsere Kurgäste an Zahl + vermindern; dann wollte ich auch mal ausspannen, wollte für ein paar Wochen + Ferien machen. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, daß ich dann wahrscheinlich + nach einer großen Stadt reisen würde, nach Berlin oder Wien. Ich bin nun schon + so lange in dieser Einfachheit und in diesem ruhigen Frieden, daß ich mich + wahrhaftig manchmal sehne, in einer elektrischen Straßenbahn zu fahren, ein + gutes Theater zu besuchen, mal in einem vornehmen Restaurant zu speisen. Es kann + gar nicht anders sein: wenn der Doktor aus dem Friedensidyll einmal Ferien vom + Ich machen will, muß er in Glanz und Lärm hinein. <hi rend="antiqua" + >Variatio delectat.</hi> <pb n="282"/><anchor id="Pg282"/>Ich nehme es unseren Bauern nicht + übel, daß sie sich zuweilen Sonntags nach Neustadt hinüberschleichen, um dort + ins Kino zu gehen, und die hämischen Bemerkungen der „Neustädter Umschau“ über + diesen Fall beweisen nur, daß das Blatt keine Ahnung von dem + Abwechselungsbedürfnis des Menschen hat. Wer immer im Lärm sitzt, wird stumpf, + wer immer in der Stille ist, auch; nur die wechselnde Welle trägt des Menschen + Schiff. </p> + <p> Daß mich neben diesen Erwägungen auch der Gedanke leitete, ich könne meine + Ferienreise vorteilhaft über die Stadt verlegen, wo Eva diesen Winter singen + würde, wollte ich mir kaum zugestehen. Denn ich hatte doch ein Ende gemacht mit + meiner Liebe; ich wußte doch recht gut, daß ich nicht eher ein idealer Leiter + dieses Ferienheims sein würde, als ich nicht selbst von allen persönlichen + Banden und Sorgen befreit war, daß ich immer noch selbst zu sehr in der alten + Haut steckte ... </p> + <p> Die große Stube im Forellenhof war dicht besetzt mit Menschen. Viel alte Freunde + kamen, um sich von Eva zu verabschieden. Ein paar Kränze von Astern hingen an + den Wänden, die letzten Rosen des Gartens blühten auf dem Tisch. Wenn ein + Kurgast von uns Abschied nimmt, erhält er als Andenken ein Album überreicht, in + dem einige gute Bilder nach Radierungen, Heliogravüren, Aquarellen und + Zeichnungen von unserem Heim enthalten sind, außerdem aber eine Anzahl + Photographien, auf denen der betreffende Gast in irgendeiner Situation, die er + miterlebt hat, verewigt ist. Denn photographiert wird bei uns viel. Bei der + Arbeit, vor dem <pb n="283"/><anchor id="Pg283"/>Bauernhaus, beim Feldfeuerchen, bei irgendeinem + Ulk, beim Waldfest, beim Kirchgang, bei tausend anderen Gelegenheiten wird von + unseren Kurgästen photographiert. Und jeder, der auf einem Bilde freiwillig oder + unfreiwillig mit aufgenommen ist, bekommt einen Abzug in sein Album geklebt. </p> + <p> Eva bekam ein Album in vier Bänden. Sie war sehr lange bei uns, und es hatten + gar zu viele Amateure nachgesucht, wenigstens eine ihrer Aufnahmen in Evas Album + zu bringen. Methusalem hatte einige reizende Bleistiftskizzen beigesteuert. Die + letzte war ein Stimmungsbild von der Landstraße, die unten am Zeughaus + vorbeiführt, zeigte einen im Abendschein entschwindenden Wagen und hatte die + Unterschrift: </p> + <p> „Die Sonne geht unter.“ </p> + <p> Auch du, mein Sohn Brutus? – Es fiel mir auf, wie lustig Methusalem sein + wollte, wie zerstreut er war, wie gemacht heute sein Lachen klang. – </p> + <p> Eva saß im Scheine der großen Hängelampe und durchblätterte das Album. Sie sagte + nicht viel, aber mit einem Male rannen große Tränen über ihre Wangen. Dann + wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte: </p> + <p> „Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese Bücher + sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle sind drin – + nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem einzigen Bilde? Mir ist + das aufgefallen.“ </p> + <p> Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drückte die Wange gegen die + Kacheln des Ofens. „So ein <pb n="284"/><anchor id="Pg284"/>ekliger Kerl, wie ich, ist nicht für + Bilder“, sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen + darin. </p> + <p> „Es tut mir leid, Ignaz“, sagte Eva freundlich; „Sie waren gut und treu zu mir!“ </p> + <p> Da ging der Knecht stumm zur Tür hinaus. Ich sah, wie der Kurgast „Steiner“, von + dem ich nun wußte, daß er ein Detektiv war, dem langen Ignaz mit einem + messerscharfen Blick nachschaute. </p> + <p> Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Fäßchen Moselwein angezapft und hielt eine + Rede: </p> + <p> „Meine Damens und Herr’n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern + anders. Es is ein ernster Abend, weil Fräul’n Hanne fortzieht, und deshalb hab + ich Sie zu einem Gläschen Wein eingeladen, und ich wünsche, daß er Ihnen allen + recht wohl bekommen möge. Wir sind alle sehr traurig; denn wir verlieren Fräul’n + Hanne sehr, sehr ungern.“ </p> + <p> Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, daß + sie sich zur Tür hinaus retten mußte. Auch Barthel fuhr mit der Hand nach den + Augenwinkeln. </p> + <p> „Sehen Sie, meine Herr’n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang – ich + kann das wohl jetzt ruhig sagen – is sie wegen Fräul’n Hanne und mir + eifersüchtig gewesen. Aber es war bloß blinder Lärm; ich weiß doch, was ich mir + schuldig bin!“ </p> + <p> Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das + Taschentuch vor den Mund. </p> + <pb n="285"/><anchor id="Pg285"/> + <p> „Sehen Sie, meine Damens und Herr’n, mit einem Hausvater, wie ich, ist das ein + reines Elend, obwohl es mir gut geht. Denn sehen Sie, die Leute, die + hierherkommen, verstehen alle rein gar nichts, und die meisten sind sehr faul + und haben das Arbeiten nich gelernt. Ich muß sie erst alle mühsam + zurechtstutzen. Und wenn man dann mal so ’ne Perle bekommt wie die Hanne, die so + famos Butter machen kann, und sie zieht wieder fort, dann ...“ </p> + <p> Mit Barthels Fassung war es aus. Er weinte in sein rot geblümtes Taschentuch und + konnte schließlich nur noch sagen: </p> + <p> „Nun trinken wir halt auf Fräul’n Hannes ihre Gesundheit!“ </p> + <p> Das Mädchen war sehr bewegt. Es wurden noch einige kurze Ansprachen von Gästen + gehalten, die Hanne feierten und in denen auch Vater Barthel unmäßig viel + Weihrauch gestreut wurde, und schließlich mußte Hanne singen. Sie war ruhiger + geworden, stimmte ihre Laute und sang mit ihrer zarten, lieblichen Stimme das + Lied, das aller Abschiedslieder Krone ist und bleiben wird: </p> + <lg rend="margin-left: 4"> + <l>„Morgen muß ich fort von hier</l> + <l>Und muß Abschied nehmen –“</l> + </lg> + <p> Während des Liedes öffnete sich leise die Tür. Der lange Ignaz schlich sich + herein, lehnte den Kopf an die Wand und preßte die Hände an die weiße Mauer. </p> + <p> Die Lampe flackerte; die Spätherbstrosen blühten auf dem Tisch. </p> + <pb n="286"/><anchor id="Pg286"/> + <p> Als Eva das Lied beendet hatte, stürzte plötzlich einer vor, warf sich dem + Mädchen zu Füßen und rief: </p> + <p> „Gehen Sie nicht fort – gehen Sie nicht fort, Fräulein Hanne; ich muß sonst + sterben!“ </p> + <p> Es war Piesecke. Und da sah ich auch schon, wie sich der lange Ignaz umdrehte, + wie ein wilder, giftiger Blick über Piesecke und das erschreckte Mädchen + hinfuhr, und im nächsten Augenblick hatte Ignaz den zarten Piesecke erfaßt, + schleuderte ihn sich wie einen Sack über die Schulter und verschwand mit ihm + durch die Tür. </p> + <p> „Daß kein Unglück geschieht!“ rief ich und eilte nach. In aufgeschreckter + Unordnung drängte alles nach dem Hofe. Dort hatte der starke Ignaz den + zappelnden Piesecke bereits mit gewaltiger Wucht auf den großen Düngerhaufen + geworfen. Es war dem so schmählich Behandelten weiter kein körperliches Unheil + zugestoßen; aber ich war doch so erzürnt ob der neuen Gewalttat des Knechtes und + der Störung unserer schönen Stimmung, daß ich sagte: </p> + <p> „Ignaz, Sie gehen jetzt schlafen! Und morgen früh werden Sie Ihr Bündel + schnüren. Dafür werde ich sorgen!“ </p> + <p> Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurück und + traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurückgeblieben war und ein + Blättchen Papier, auf dem Fingerabdrücke zu sehen waren, sorgsam mit den + schwachen Spuren verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfäuste an der weißen + Mauer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Be<pb n="287" + /><anchor id="Pg287"/>amte in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat + auf den Knecht zu und sagte: </p> + <p> „Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!“ </p> + <p> Die Umstehenden starrten den Sprecher an. </p> + <p> „Was wollen Sie, Herr Steiner?“ fragte der Bauer Barthel erschrocken. </p> + <p> „Ich heiße nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine Legitimation in + der Tasche. Ich bitte, daß mir Gelegenheit gegeben wird, den verhafteten Josef + Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz aufgehalten hat, sofort + nach dem Amtsgerichtsgefängnis in Waltersburg zu transportieren.“ </p> + <p> Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen – und plötzlich + schlug er mit beiden Fäusten um sich, machte sich Platz und verschwand + blitzschnell im dunklen Hofe. </p> + <p> „Haltet ihn!“ rief der Polizeimann; „er ist ein lange gesuchter Raubmörder!“ </p> + <p> Wir schrien alle, wir rannten. Ich stieß mit Barthel zusammen und machte meinem + Grimme Luft. </p> + <p> „Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir längst + unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von Jugend + auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande über uns.“ </p> + <p> „Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir“, wimmerte Barthel, „ich + konnte nicht anders!“ Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="288"/><anchor id="Pg288"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Gerichtliches</head> + <p> Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es. Alles + flatterte wirr durcheinander in Aufregung und Angst. Alle Höfe öffneten sich, + von Mund zu Mund flog die Kunde, auf dem Forellenhof sei ein Raubmörder ertappt + worden, aber entwichen. Der lange Ignaz! Die Weiber kreischten und schauten + neugierig aus Fenstern und Türen, die Männer wagten sich mit Stöcken bewaffnet + fünfzig Meter vors Haus, ihre Frauen jammerten von der Haustür aus über diese + Tollkühnheit und riefen die Männer zurück – es war abscheulich! Der Löw’ ist + los, und alles verliert den Verstand. Nur einige Mutige stürmten hinaus, den + Unhold zu fangen, taten sich zu Gruppen zusammen, bewaffneten sich in der Eile, + so gut sie konnten. </p> + <p> Ich schüttelte in der nebligen Abendluft erst meine Gedanken zurecht, sagte mir, + daß die Verfolgung bei dieser Rabenfinsternis ganz aussichtslos sei, und ging + nach der Direktion, um den Direktor zu sprechen. Er war nicht zu finden. Dafür + traf ich den Geheimpolizisten an. Er stand am Telephon. Nach Waltersburg + telephonierte er, nach dem Neustädter Bahnhof, nach zehn anderen Stationen im + Umkreis, nach der Provinzialhauptstadt. Immer das<pb n="289"/><anchor id="Pg289"/>selbe: „Im + Ferienheim Waltersburg hat sich unter dem falschen Namen Ignaz Scholz, genannt + der lange Ignaz, der Raubmörder Fleischergeselle Josef Wiczorek aufgehalten. Ist + soeben nach erfolgter Verhaftung entwichen.“ </p> + <p> Darauf folgte genaue Beschreibung und Aufforderung zur abermaligen Verhaftung. </p> + <p> Ich saß ganz zerschlagen auf dem Schreibtischstuhl unseres Direktors, der immer + noch nicht aufzufinden war, und hörte zu, wie „Herr Steiner“ telephonierte. Er + schnarrte mit seiner scharfen Polizeistimme die Schande meines lieben + Ferienheims in alle Winde. Endlich war er fertig. Er wandte sich an mich. </p> + <p> „Herr Doktor, Sie sind der verantwortliche Leiter dieses Sanatoriums?“ </p> + <p> „Nur vom ärztlichen Standpunkt aus verantwortlich.“ </p> + <p> „Und wer trägt die Verantwortung für die gesetzliche Ordnung?“ </p> + <p> „Mister Stefenson und in seiner Vertretung Direktor von Brüning.“ </p> + <p> „Wo ist der Direktor?“ </p> + <p> „Ich weiß es nicht.“ </p> + <p> „Wo ist Mister Stefenson?“ </p> + <p> „In Amerika.“ </p> + <p> Der Polizeimann notierte alles in seinem Buch. </p> + <p> „Was ist Ihnen von diesem angeblichen Knecht Ignaz Scholz bekannt, Herr Doktor?“ </p> + <p> Ich sagte ihm, daß mir dieser Knecht Ignaz allerdings persönlich stark + unsympathisch gewesen sei, daß ich aber <pb n="290"/><anchor id="Pg290"/>– außer einigen + Grobheiten oder auch Roheiten, die er begangen – keine Veranlassung gehabt + habe, den Menschen für einen Verbrecher zu halten, zumal mir der Bauer Barthel, + dem ich vertraue, erklärt habe, er kenne Ignaz von Jugend auf als ehrlichen + Menschen. </p> + <p> „Dieser sogenannte Ignaz hieß laut Anmeldung Scholz?“ </p> + <p> „Jawohl, Ignaz Scholz.“ </p> + <p> „Hm! Wenn einer schon Scholz heißt! Jeder Scholz verkrümelt sich unter der Masse + der Scholze wie ein Körnlein im Sand des Meeres. Ich möchte Sie bitten, Herr + Doktor, mich vorläufig nicht zu verlassen.“ </p> + <p> „Das soll doch nicht heißen ...“ </p> + <p> „Das soll nur heißen, daß ich Ihrer in jedem Augenblick bedürfen könnte.“ </p> + <p> Der Ton, den der Polizist anschlug, verletzte mich, aber ich fühlte mich ganz + wehrlos, als der Mann seine amtlichen Vollmachten vor mir ausbreitete. </p> + <p> „Ich möchte nur bemerken, Herr Doktor, daß ein Kurort wie der Ihrige, wo niemand + unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu großartiger Schlupfwinkel + für verfolgte Verbrecher ist.“ </p> + <p> Was sollte ich erwidern? Daß in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia sich + jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen könne? Ich + unterließ es. </p> + <p> „Kommen Sie!“ </p> + <p> Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein + strenges Wort sagen, da wurde die <pb n="291"/><anchor id="Pg291"/>Tür aufgerissen, und Piesecke + trat ein. Flugs stand der „Geheime“ stramm und schlug die Hacken zusammen. + Piesecke sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war + schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm er dem Polizeimann gegenüber eine echte + Herrenhaltung an und sprach in einem so völlig veränderten Ton, daß ich seine + Stimme nicht wiedererkannte: </p> + <p> „Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?“ </p> + <p> „Melde Euer Hoheit untertänigst, der Knecht Ignaz ist identisch mit dem + Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen + Meister ermordet und beraubt hat.“ </p> + <p> „Woher wissen Sie das?“ </p> + <p> „Die Verdachtsgründe häuften sich: das Signalement des Steckbriefes stimmt, eine + Prüfung der Fingerabdrücke gab die Gewißheit.“ </p> + <p> Piesecke sah den Mann durchdringend an. </p> + <p> „Ich kenne Sie! Als Kriminalbeamter haben Sie nicht allzuviel getaugt; da sind + Sie dazu auserlesen worden, Späherdienste am Hofe zu leisten. Auch jetzt sind + Sie hierhergekommen, um mich zu beobachten. Ich habe Sie gestellt; Sie sagten + mir, Sie seien nur des Knechtes wegen da. Aber das ist Schwindel. Sie sind + meinetwegen da. Ja oder nein? Diese Geschichte mit dem Knecht ist nur Ausrede.“ </p> + <p> „Ich darf Euer Hoheit darüber keine Auskunft erteilen.“ </p> + <pb n="292"/><anchor id="Pg292"/> + <p> Piesecke lachte verächtlich. </p> + <p> „Unser Hausminister hat patente Leute. Am dritten Tage, als Sie da waren, habe + ich Sie erkannt trotz Ihres falschen Namens und Ihrer Maske. Also berichten Sie + nach Hause, es sei mir völlig egal, ob Sie hier seien oder nicht; falls Sie mir + zu lästig fielen, so könnte ich mich vergessen und Ihnen gelegentlich die + Peitsche um die Ohren knallen.“ </p> + <p> Der Polizeimann wurde dunkelrot. </p> + <p> „Haben Sie verstanden, was Sie dem Minister berichten sollen?“ </p> + <p> „Zu Befehl, Hoheit!“ </p> + <p> „Wenn Sie nun dazu ausersehen sind, mich zu belauern, wie kommen Sie dazu, hier + eine außerhalb Ihrer Bestimmungen liegende polizeiliche Handlung, wie die + Verhaftung dieses Knechtes, vorzunehmen?“ </p> + <p> „Ich berichtete meinen Verdacht an den Ersten Staatsanwalt und erhielt die + nötigen Vollmachten.“ </p> + <p> „Dagegen läßt sich wohl nichts tun?“ </p> + <p> Diese Frage war an mich gerichtet. </p> + <p> „Nein – nichts!“ </p> + <p> „Wie urteilen Sie über diesen Fall, Herr Doktor?“ </p> + <p> „Es ist ein Unglück für unsere junge Anstalt. Aber es liegt uns natürlich fern, + der Festnahme eines Verbrechers irgendwelche Hindernisse zu bereiten.“ </p> + <p> „Selbstverständlich! Ich begreife nur den Bauern Barthel nicht. Er ist doch ein + ehrlicher Mann, und er hat doch versichert, den langen Ignaz von Jugend auf zu + kennen. Haben Sie dafür eine Erklärung, Herr Doktor?“ </p> + <pb n="293"/><anchor id="Pg293"/> + <p> „Nein! Ich bin um so bestürzter, als Barthel mir nach der Verhaftung eben sagte: + ich möge ihm nicht zürnen, er habe nicht anders gekonnt. Ich sage das ganz offen + vor Ihnen, Herr Kommissar, damit Sie sehen, daß von hier aus nichts verschleiert + wird.“ </p> + <p> Der Kommissar verneigte sich. </p> + <p> „Hoheit“ preßte die Lippen aufeinander. </p> + <p> „Hm! Ich will nicht wünschen, daß dem guten Barthel da eine Tragik erwachse, daß + dieser sogenannte Ignaz vielleicht ein Freund oder gar ein naher Verwandter von + ihm ist, den er in seiner Gutmütigkeit versteckt hat. Und Sie, Kommissar, Sie + brauchen mir das von vorhin nicht übermäßig übelzunehmen. Schreiben Sie also dem + Minister: Se. Hoheit ist bei besserer Gesundheit und hat daher einen Aufpasser + nicht mehr nötig. Jetzt will ich Sie nicht mehr aufhalten. Wohin wollen Sie + zunächst?“ </p> + <p> „Nach dem Forellenhof zurück, den Bauer Barthel zu vernehmen oder eventuell + ebenfalls zu verhaften.“ </p> + <p> „Schön, wir werden Sie begleiten, wenn Ihnen das zulässig erscheint.“ </p> + <p> „Ich bitte untertänigst um die Begleitung, Hoheit.“ </p> + <p> Der Kommissar öffnete die Tür, stand stramm, und „Hoheit“ ging in lässig + vornehmer Haltung an ihm vorbei. </p> + <p> Ein kleiner Anlaß von draußen aus der alten Welt, und durch die Bauernjacke + schimmerte der hochgeborene Herr. Ich aber als Arzt freute mich trotz meiner + gedrückten Stimmung, als ich sah, daß durch seine Gesundung langsam aus dem + Piesecke wieder ein Prinz wurde, <pb n="294"/><anchor id="Pg294"/>ja, ich hätte das Wort „Piesecke“ + jetzt nicht zu sagen, nicht einmal zu denken gewagt. </p> + <p> Im Forellenhof war schwerste Bestürzung. Die dicke Susanne lag kurz und + krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemühten sich um sie. Barthel + war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den Wänden hingen + die Asternkränze. </p> + <p> „Welch ein entsetzlicher Abschluß!“ klagte Eva. </p> + <p> Ich betrachtete die Fingerabdrücke an der Wand. Sie waren deutlich. Der lange + Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer besorgt. Der + Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte: </p> + <p> „Es tut mir leid; aber ich muß zurück zur Direktion und von den Behörden + telephonisch auch die Verhaftung des der Begünstigung dringend verdächtigen und + verschwundenen Bauern Barthel fordern.“ </p> + <p> Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er: </p> + <p> „Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getäuscht habe, glaube ich an nichts mehr + auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!“ </p> + <p> Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich: </p> + <p> „Ich werde morgen früh mit Einverständnis unseres bevollmächtigten Direktors den + von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden Revers vernichten, und + Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die Anstalt zu verlassen.“ </p> + <p> Er antwortete nicht. Ich dachte daran, daß er durch seinen Kniefall vor der + schönen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlaß zu all diesen + Scherereien <pb n="295"/><anchor id="Pg295"/>geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst + daran; denn er sagte: </p> + <p> „Ich weiß, daß ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl überhaupt + keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!“ </p> + <p> Ich wandte mich ab, trat zum Tisch und zerpflückte gedankenlos eine Rose. </p> + <p> Da tat sich die Tür auf. Barthel erschien. Verstört. Als er den Kommissar sah, + wollte er zurück, aber der Polizist war bereits an seiner Seite. Susanne begann + zu schreien, und ich war froh, als sie und alle Frauen das Zimmer verlassen + mußten. </p> + <p> Als wir allein waren, wurde Barthel verhaftet. Er sank ganz gebrochen auf die + Bank am Ofen. </p> + <p> „Die Schande! Die Schande! Ach, hätt’ ich es nicht getan!“ </p> + <p> Der Kommissar schritt zum sofortigen Verhör. </p> + <p> „Barthel, Sie haben behauptet, den Knecht Ignaz von Jugend auf zu kennen. Ist + das wahr?“ </p> + <p> Barthel rührte sich nicht. </p> + <p> „Heißt dieser Knecht in Wahrheit Ignaz Scholz?“ </p> + <p> In Barthels Gesicht kam ein verstockter Ausdruck. Er schwieg. </p> + <p> „Wollen Sie mir nicht Rede stehen, Barthel?“ </p> + <p> Keine Antwort. </p> + <p> „Sie machen sich unglücklich. Warum antworten Sie nicht?“ </p> + <p> „Ich kann nicht!“ </p> + <pb n="296"/><anchor id="Pg296"/> + <p> Nun wandte ich mich an Barthel. </p> + <p> „Lieber Barthel, denken Sie nicht ein ganz klein wenig an den guten Ruf unserer + Kuranstalt? Habe ich es nicht immer gut mit Ihnen gemeint? Warum bereiten Sie + mir diese schwere Ungelegenheit?“ </p> + <p> Da begann er zu weinen. </p> + <p> „Ich kann es nicht mehr ändern. Verzeihen Sie mir ...!“ </p> + <p> Ein Knecht wurde aufgefordert, ein Pferd vor einen Wagen zu schirren. Darauf + fuhr der Kommissar mit Barthel nach dem Waltersburger Amtsgerichtsgefängnis. + Frau Susanne lag in Schreikrämpfen, auch die anderen Frauen weinten laut. Ich + verließ den Forellenhof. In allen Stuben unserer Ferienanstalt brannte Licht. + Ich wußte, in den meisten erörterte man die sofortige Abreise. Ich ging nach der + Direktion. Der Direktor war noch immer nicht aufzufinden. So setzte ich mich in + seinen Schreibtischstuhl und starrte ohne eigentlich klare Gedanken ins Licht + der Lampe. Draußen kehrten kleine Trupps von Verfolgern zurück. Sie hatten von + dem Flüchtling nichts entdeckt, wie zu erwarten gewesen war. Kurz nach zehn Uhr + läutete das Telephon. Verbindung von Neustadt. </p> + <p> „Der polizeilich gesuchte Josef Wiczorek, <hi rend="antiqua">alias</hi> + Ignaz Scholz, ist soeben, als er in einen Wagen vierter Klasse des neun Uhr + siebenundvierzig Minuten hier abgehenden Personenzuges steigen wollte, verhaftet + worden ...“ </p> + <p> Ich sandte nach dem Prinzen, bestellte einen Wagen, und wir fuhren nach + Neustadt. Auf der Polizei wurde <pb n="297"/><anchor id="Pg297"/>uns weiter keine Auskunft erteilt, + als daß Wiczorek eingesperrt sei und wir alles Weitere abzuwarten hätten. </p> + <p> Wir blieben in Neustadt über Nacht. Am nächsten Morgen stand in der „Neustädter + Umschau“ ein Artikel mit der zentimetergroß gedruckten Überschrift „Kuranstalt + Waltersburg ein Hehlernest???“ </p> + <p> Mit der ganzen Niederträchtigkeit, deren der vertrottelte Redakteur dieses + Blättchens fähig war, hetzte er gegen unsere Anstalt. Alle Spießerinstinkte, + alle Philisterbedenken, alles Kopfschütteln beschränkter, phantasieloser Köpfe + wurde gegen die Grundidee unserer Kuranstalt wieder lebendig; die Schimpferei + begann wieder, der alte lendenlahme Spott humpelte neu auf den Plan. Der Artikel + endete schließlich mit einer schamlosen Denunziation: </p> + <p> „Das Gesetz, das bei uns in Neustadt heilig gehalten wird, verbietet uns, zu + behaupten, daß sich die ‚Kuranstalt Waltersburg Ferien vom Ich‘ infolge ihrer + mehr als eigentümlichen Einrichtungen, wie Verbot, den eigenen Namen zu führen, + die eigene Kleidung zu tragen usw., zu einem Zufluchtsort lichtscheuen Gesindels + auswächst. Immerhin wird der aufsehenerregende Fall, daß sich ein Raubmörder auf + einem der besuchtesten ‚Höfe‘ des ‚Ferienheims‘ mit Wissen des Bauern monatelang + verstecken und daselbst allerhand Roheiten ausüben konnte, zu schwersten + Bedenken Anlaß geben, denen sich auch die Behörden nicht werden verschließen + können.“ </p> + <p> Ich sah unser Heim aufs schwerste bedroht, sah eine fürchterliche Waffe in der + Hand unserer Feinde. Eben <pb n="298"/><anchor id="Pg298"/>wollte ich den Fall an Stefenson kabeln, + da wurden wir zur Polizei beschieden. Es handelte sich, wie uns eröffnet wurde, + um eine Konfrontation mit dem gestern Verhafteten, der plötzlich behaupte, weder + der gesuchte Raubmörder Josef Wiczorek noch der Knecht Ignaz Scholz zu sein. </p> + <p> Da mich der Polizeibeamte persönlich kannte, hatte ich nicht notwendig, mich zu + legitimieren, wurde aber aufgefordert, Herrn Pieseckes Persönlichkeit + festzustellen, und zwar nach seinem wahren Namen und Stand, nicht nach dem + Pseudonym, das er bei uns führte. So sagte ich: „Se. Hoheit Prinz Ernst + Friedrich von ...“ </p> + <p> „Ist das – ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?“ fragte der Beamte nicht ohne + Bewegung. </p> + <p> „Nicht nur sein Ernst, sondern sogar sein Ernst Friedrich“, sagte Piesecke + hohnvoll und hielt dem Beamten seinen Siegelring hin. „Kennen Sie dieses + Wappen?“ </p> + <p> Der Beamte sah auf das Wappen mit der Krone, stand auf und verneigte sich tief. </p> + <p> Da erschienen zwei Gerichtsdiener mit dem Verhafteten. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Ich faßte mir an den Kopf: ich glaubte eine Wahnvorstellung zu haben. Der da + eintrat, war – Mister Stefenson. </p> + <p> „Stefenson“, rief ich, „Stefenson, wie kommen Sie ...“ </p> + <pb n="299"/><anchor id="Pg299"/> + <p> „Melde gehorsamst, Herr Rat“, sagte der eine der Gerichtsdiener, „der Gefangene + hat eine Perücke und den Bart abgenommen, hat sich gewaschen und sieht jetzt auf + einmal ganz anders aus als gestern abend.“ </p> + <p> „Wer ist dieser Mann?“ fragte der Beamte mit einem Blick auf mich. </p> + <p> „Es ist Mister Stefenson, mein Kompagnon, der Begründer unseres Ferienheims“, + brachte ich heraus. </p> + <p> Ich mußte mich setzen. </p> + <p> „Und wer behaupten Sie selbst zu sein, Verhafteter?“ </p> + <p> „Ich behaupte dasselbe wie der Herr Doktor“, sagte dieser gelassen; „allerdings + mit einer kleinen Einschränkung. Ich war und gelte noch als Mister John + Stefenson, Kaufmann aus Neuyork, Chikago, Trinidad; aber ich habe mich + unterdessen auf meine rein deutsche Abstammung besonnen und heiße mit + Genehmigung der hohen deutschen Behörden seit etwa vierzehn Tagen Johannes + Stefan – Stefan, wie meine hanseatischen Vorfahren seit etwa vierhundert Jahren + geheißen haben.“ </p> + <p> Der Beamte fing an, an den Fingern abzuzählen: </p> + <p> „Josef Wiczorek – Ignaz Scholz – John Stefenson – Johannes Stefan – und hier + Prinz Ernst Friedrich – ich möchte die Herren ernsthaft darauf aufmerksam + machen, daß das Gericht von Neustadt keine Waltersburger Spielerei, sondern eine + staatliche Behörde ist, die nicht mit sich spaßen läßt.“ </p> + <p> Der Beamte hatte ja ganz recht. Ich beteuerte ihm nochmals, daß ich in dem + Manne, wenn er auch wirklich <pb n="300"/><anchor id="Pg300"/>mit dem gestern verhafteten + angeblichen Josef Wiczorek, <hi rend="antiqua">alias</hi> Ignaz Scholz, + identisch sei, zweifelsfrei meinen Kompagnon John Stefenson wiedererkenne. </p> + <p> „Und Sie wollen in der ganzen Zeit, da sich dieser Mann bei Ihnen aufhielt, + keine Ahnung gehabt haben, wer er eigentlich ist?“ </p> + <p> „Ich habe in der Tat von Stefensons Anwesenheit in Waltersburg nicht das + mindeste gewußt, sondern während all der Monate mit Stefenson nach Amerika + telegraphisch und brieflich verhandelt.“ </p> + <p> „Sie kennen doch aber die Schrift Ihres Kompagnons?“ fragte der Beamte weiter. + „Waren die amerikanischen Briefe in dieser Schrift geschrieben?“ </p> + <p> „Jawohl!“ </p> + <p> „Wie ist das möglich?“ wurde der Verhaftete gefragt. </p> + <p> Der zuckte die Achseln und sagte verbindlich: </p> + <p> „Das ist Geschäftsgeheimnis!“ </p> + <p> „Wir werden der Sache auf den Grund gehen“, entgegnete der Beamte ernst, „und + Ihnen zeigen, daß hier kein Ort für Maskeraden ist.“ </p> + <p> Da wurde zum Glück „Herr Steiner“, unser Geheimpolizist, gemeldet. Der Kommissar + verneigte sich tief vor Piesecke und darauf mit etwa zehn Prozent dieser + Verneigung vor uns anderen insgesamt und sagte: </p> + <p> „Herr Rat, es ist mir soeben auf meine gestrige Meldung von der zuständigen + Staatsanwaltschaft der telegraphische Bescheid zugegangen, daß der gesuchte + Wiczorek vorgestern in Braunschweig verhaftet worden, daß <pb n="301"/><anchor id="Pg301"/>seine + Identität festgestellt ist und auch bereits ein Geständnis vorliegt. Ich bitte + also, den Knecht Ignaz Scholz aus der Haft zu entlassen, da sich der Verdacht, + der zu seiner Verhaftung führte, als unbegründet erwiesen hat.“ </p> + <p> Stefenson lächelte freundlich. Der Richter machte ein enttäuschtes Gesicht. </p> + <p> Es gab noch allerlei Formelkram zu erledigen, dann wurden wir alle, Stefenson + eingeschlossen, entlassen. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="302"/><anchor id="Pg302"/> + <index index="toc"/><index index="pdf" level1="Aufklaerungen"/> + <head>Aufklärungen</head> + <p> Auf der Straße trat der Kommissar an den Prinzen heran und sagte: </p> + <p> „Ich bitte Ew. Hoheit untertänigst um Verzeihung wegen der Behelligung.“ </p> + <p> Hoheit legte dem Manne huldvoll die Hand auf die Schulter. </p> + <p> „Mein Lieber, ich hab gar nischt gegen Sie. Aber tun Sie mir ’nen Gefallen: + reisen Sie ab. Sie sind hier übrig. Lenken Sie mal die Aufmerksamkeit des + Ministers auf den Prinzen Emanuel. Der scheint mir ein lockeres Huhn und der + Beaufsichtigung sehr bedürftig zu sein. Er ist gegenwärtig in Syrakus. Sie haben + keine Ahnung, Mann, wie schön es in Syrakus ist. Da machen Sie sich mal + nützlich! Glückliche Reise und viel Vergnügen!“ </p> + <p> Der Kommissar reiste ab ... </p> + <p> Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war zunächst + nach seiner Zelle zurückgegangen und hatte uns durch einen Gerichtsdiener sagen + lassen, wir möchten im „Hotel Bristol“ auf ihn warten. Nach einer reichlichen + Stunde kam er. In mir war inzwischen das Gefühlsbarometer hinaufgeschnellt und + heruntergestürzt, vom Glutwetter der Bewunderung bis zum <pb n="303"/><anchor id="Pg303"/>Regensturm der Wut – hin und her, her und hin. Ich konnte diesem + unberechenbaren Manne gegenüber niemals zu ruhiger Beurteilung kommen. + Schließlich beschloß ich, ihm offene Feindschaft anzusagen. </p> + <p> Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob er + eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme: </p> + <p> „Dieser Redakteur von der ‚Neustädter Umschau‘ ist ein schwerfälliger Kopf. + Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In meinem Artikel + von gestern abend waren mehrere Dummheiten.“ </p> + <p> „Ah – Sie haben den Artikel über Ihre Verhaftung in der Umschau selbst + geschrieben?“ </p> + <p> „Na, selbstverständlich. Der Trunkenbold kann’s doch nicht. Als ich so + unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunächst nach der Redaktion des + feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und natürlich + auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich da festnehmen + lassen. Der Artikel über die Verhaftung war eher fertig als die Verhaftung + selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen schuldig.“ </p> + <p> Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression über mir, + und ich sagte: </p> + <p> „Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu geben + und zu handeln, ist so überaus merkwürdig, daß ich nicht mehr mitkann, sondern + Ihnen aufs ernsthafteste erklären muß ...“ </p> + <p> „Ein Extrablatt!“ </p> + <pb n="304"/><anchor id="Pg304"/> + <p> Ein Bote stürmte ins Zimmer. </p> + <p> „Bitte, lesen Sie!“ sagte Stefenson ruhig. </p> + <p> Die „Neustädter Umschau“ vertrieb ein Extrablatt. Es war ungefähr ein halbes + Quadratmeter groß und enthielt in Fettdruck die Nachricht: </p> + <p> „<hi rend="gesperrt">Ehrenerklärung.</hi></p> + <p> Die ‚Neustädter Umschau‘, immer bemüht, ohne nach rechts oder links zu schauen, + lediglich der Wahrheit die Ehre zu geben, erklärt: Die gestrige Verhaftung des + Waltersburger Knechts ist zu Unrecht erfolgt. Der als ‚Raubmörder Wiczorek‘ von + einem übereifrigen Beamten (dessen amtliche Maßregelung bevorsteht!!) hier auf + dem Bahnhof verhaftete Mann war kein anderer als der geniale Gründer der + Kuranstalt ‚Ferien vom Ich‘ selbst, Herr John Stefenson – oder, wie er in + Begeisterung für sein angestammtes reines Deutschtum sich jetzt mit Bewilligung + unserer Behörden nennt, Herr Stefan! Dieser Multimillionär, dessen Einfluß in + Amerika unbegrenzt ist, hat in der demütigen Gestalt eines Bauernknechts (nicht + als Kurgast) den ganzen Sommer über in Waltersburg gelebt, alle Lasten, Mühen + und Zurücksetzungen des von ihm gewählten geringen Standes getragen, um + unerkannt die Probe auf sein gigantisches Exempel zu machen, um als Fremdling, + selbst von seinem nächsten Freunde unerkannt, von unten her sein Werk zu prüfen. + Diese Prüfung ist so glücklich ausgefallen, daß Stefan mit Freuden in die + irrtümlich verhängte Haft ging. Den Neustädter Behörden zollt er für ihre + Gewissenhaftigkeit <pb n="305"/><anchor id="Pg305"/>alle verdiente Anerkennung. Heute morgen + neuneinhalb Uhr stellte sich bei den Behörden der unbegründete Verdacht heraus. + Der wahre Josef Wiczorek sitzt – laut amtlicher Depesche – in Braunschweig in + Untersuchung; der bei uns Verhaftete wurde nicht nur von dem leitenden Arzt von + Waltersburg, sondern auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst Friedrich von ... als + Herr Stefenson identifiziert. Die ‚Neustädter Umschau‘, deren Devise ‚Ehre und + Wahrheit‘ ist, scheut sich nicht – <hi rend="antiqua">errare humanum + est</hi> – ihren gestrigen Artikel Wort für Wort zurückzunehmen.“ </p> + <p> „Diesen Artikel haben Sie wohl auch diktiert?“ fragte der Prinz. </p> + <p> Stefenson nickte. </p> + <p> „Ja, direkt dem Setzer. Ich hab noch die Korrektur gelesen, ehe ich hierherkam.“ </p> + <p> „Sie sind ein smarter Kerl!“ sagte Hoheit voll Anerkennung. „Nu sagen Sie mir + bloß, was haben Sie gegen mich gehabt? Warum haben Sie mich immer so miserabel + behandelt? Noch gestern haben Sie mich auf den Mist geworfen, direkt auf den + Mist. Ist das anständig?“ </p> + <p> Stefenson zuckte die Schultern. Dann sagte er mit aufrichtiger Wärme: </p> + <p> „Sehen Sie mal, lieber Piesecke – ich möchte Sie der Einfachheit halber noch + mal so nennen –, ich hab gar nichts gegen Sie gehabt! Im Gegenteil! Sie haben + mir besser gefallen und mehr imponiert als die meisten an<pb n="306"/><anchor id="Pg306"/>deren. + Nur, daß Sie so hinter meiner Braut her waren, das konnte ich mir nicht gefallen + lassen.“ </p> + <p> „Hinter Ihrer Braut?“ </p> + <p> „Ja, also sagen wir: hinter der Forellenhof-Hanne! Mit der werde ich mich heute + oder morgen verloben.“ </p> + <p> Piesecke prustete los und sagte lachend: </p> + <p> „Also Ignaz oder Stefan oder Wiczorek oder Stefenson oder wie Sie sonst heißen + mögen – mir ist ja das ganz egal –, da werden Sie kein Glück haben! Die Hanne + mag keinen; nicht mal den Herrn Doktor da hat sie gemocht.“ </p> + <p> „Also haben Sie doch –?“ fragte Stefenson mit einem Blick auf mich. </p> + <p> „Gar nichts habe ich“, sagte ich zornig. „Gar nichts! Im übrigen möchte ich um + einige kurze Aufschlüsse bitten, von denen es abhängen wird, ob ich noch länger + an diesem Tisch sitzenbleibe oder nicht.“ </p> + <p> „Oho – oho! Also, was ist aufzuschließen?“ </p> + <p> „Waren Sie der Journalist Brown, der im Mai zu uns kam?“ </p> + <p> „Ja, natürlich war ich der! Aber Sie hätten mich doch damals beinahe erkannt. + Deshalb habe ich ja meine Maske geändert und bin als Knecht Ignaz + wiedergekommen.“ </p> + <p> „Wie kamen Sie damals dazu, mir den seltsamen Brief zu geben?“ </p> + <p> „Na, den hatte ich doch selbst geschrieben, in der Annahme, Sie mit den beiden + Mädchen zu treffen. Wäre meine Voraussetzung nicht zugetroffen, so hätte ich + eben <pb n="307"/><anchor id="Pg307"/>den Brief in der Tasche behalten. Das war doch nur Bluff.“ </p> + <p> „Wie konnten Sie aber in der ganzen Zeit Briefe aus Amerika an mich schreiben, + da Sie doch bei uns waren?“ </p> + <p> „Es gibt Kabel, lieber Freund, durch die man anordnen kann, was zu schreiben + ist.“ </p> + <p> „Und Ihre Handschrift? Ich bekam fast alle Briefe handschriftlich, nur wenige in + Maschinenschrift.“ </p> + <p> „Ja, da habe ich in einem meiner Büros einen Spezialisten, der meine Handschrift + so täuschend nachmachen kann, daß ich selbst nicht zu unterscheiden vermag, was + von mir oder von ihm geschrieben ist. Ein goldehrlicher Mann, einem anderen + dürfte man die Ausübung der äußerst gefährlichen Kunst nicht gestatten. Na, + sehen Sie, es gibt für einen Großkaufmann wie mich täglich mindestens zwei + Dutzend Anlässe, wo er handschriftlich schreiben muß: an Verwandte und gute + Freunde, wo Maschinenschrift zu kalt wirkt; an Geschäftsgenossen, mit denen man + intime Dinge verhandeln will, die kein Angestellter wissen darf; an alle Leute, + die etwas darauf geben, wenn ein vielbeschäftigter Mann sich die Mühe und Zeit + nimmt, einen handschriftlichen Brief zu senden; schließlich an alle offenen und + verkappten Autographenjäger – für sie alle ist Mister Jenkins da, und er machte + seine Sache für zweitausend Dollar im Jahre geschickt und reell. Er hat auch in + Ihrem Falle sehr brav gearbeitet.“ </p> + <p> „Großartig! Großartig!“ klatschte der Prinz in die Hände. Mein Barometer aber + fiel auf Sturm. „Ihr Verhältnis zu Bauer Barthel“, sagte ich kalt, „brauchen <pb + n="308"/><anchor id="Pg308"/>Sie mir nun nicht mehr zu erklären. Er hat gewußt, wer Sie waren, + deshalb hielt er Sie, deshalb log er, er kenne Sie von Jugend auf; deshalb hat + er Sie sogar gestern nicht verraten.“ </p> + <p> „Stimmt! Aber das dürfen Sie dem Barthel nicht übelnehmen. Wir haben ein + schriftliches Abkommen, laut dessen er fünfhundert Mark an mich hätte zahlen + müssen, falls er mich je verraten hätte. Denken Sie mal – fünfhundert Mark! Es + ist klar, daß sich da Barthel lieber einsperren läßt.“ </p> + <p> „Hat sonst noch jemand auf dem Forellenhof Sie gekannt?“ </p> + <p> „Nein. Auch Susanne nicht.“ </p> + <p> „Das ist mir lieb. Aber der Direktor Brüning hat Sie gekannt und sich + wahrscheinlich stets heimlich mit Ihnen besprochen. Deshalb erschienen mir alle + seine Anordnungen immer so von Ihrem Geiste diktiert.“ </p> + <p> „Auch das ist richtig. Ich war nur der lange Ignaz, aber in Wirklichkeit leitete + ich die ganze Anstalt durch den Direktor. Wir hatten alle Tage eine kleine + Konferenz. Ich war immer von allem unterrichtet. Außer Barthel und dem Direktor + hat aber niemand gewußt, wer ich war, nicht mal die kleine Luise, und das ist + mir schwer geworden.“ </p> + <p> Seine Augen schimmerten warm bei dem Gedenken des Kindes, und das Wort, das ich + über seine Abgefeimtheit sprechen wollte, unterblieb. So sagte ich nur kühl und + gemessen: </p> + <pb n="309"/><anchor id="Pg309"/> + <p> „Wollen Sie mir sagen, Herr Stefenson, warum Sie diese ganze Komödie mit uns + gespielt haben?“ </p> + <p> „Komödie?“ verwunderte er sich; <anchor id="corr309"/><corr sic="wieso">„wieso</corr> Komödie? Darf in + den Ferien vom Ich nicht jeder auftreten, wie er will? Ist das nicht Ihre eigene + Idee? Und was meinen Sie, was ich selbst von dieser Idee, die mir gefiel und für + die ich viel Geld gewagt habe, gehabt hätte, wenn ich als Mister Stefenson + dageblieben wäre? Der Direktor wäre ich gewesen, einen langweiligen + Verwaltungsposten hätte ich gehabt, nichts von dem Zauber trauten Geborgenseins, + den unsere Anstalt spendet, hätte ich genießen können. Nein, am eigenen Leibe + wollte ich ausprobieren, wie es tut, wenn man Ferien macht vom Ich. Deshalb + wurde ich Bauernknecht. Ich habe mich wohlgefühlt als ‚langer Ignaz‘, ich habe + beobachtet, erlauscht, geprüft von unten her, was an unserer Sache ist, ob sie + absurd, phantastisch, unfruchtbar, oder ob sie im Kern echt und gut ist, und ich + hatte das Glück zu sehen, daß wir auf dem richtigen Wege sind. Nicht nur die + gute geschäftliche Bilanz, die ich erwartet hatte, hat mich belehrt, daß ich + mich unserer Gründung freuen darf, sondern das, was ich sah und hörte, als ich + unerkannt mitten unter den Feriengästen war.“ </p> + <p> „Sie haben auch mich prüfen wollen?“ sagte ich. </p> + <p> „Ja, auch Sie! Ganz natürlich. Ich werde wieder nach Amerika zurück müssen, weil + leider meine Ferien aus sind, und ich will wissen, wem ich das Werk hier, ich + kann sagen den Liebling unter all meinen Unternehmungen, den einzigen Ausflug + ins Romantische, den ich je <pb n="310"/><anchor id="Pg310"/>gemacht habe, hinterlasse. Ich kann + ruhig scheiden. Ich werde jetzt wirklich hinübergehen. Weil ich muß! Weil mich + die Pflicht ruft. Ich weiß, das Heim ist in guten Händen. Und eines, lieber + Freund, vergesse ich Ihnen mein Lebtag nicht. Es gab einen Sommerabend, an dem + Sie die Hände ausstreckten nach der schönen Hanne. An diesem Abend fanden Sie + meinen Brief, in dem ich Ihnen sagte, daß ich Fräulein Eva Bunkert, die + Forellenhof-Hanne, als meine Braut betrachte. Und seit diesem Abend sind Sie dem + Mädchen aus dem Wege gegangen. Sehen Sie, das habe ich auch nur als Knecht Ignaz + erfahren können, daß ich an Ihnen so einen treuen Freund habe. Das allein lohnt + ein halbes Jahr Bauernarbeit.“ </p> + <p> Er sprach mit großer, ehrlicher Wärme. Ich aber sagte: „Sie täuschen sich. Ich + hätte das Mädel zu gewinnen gesucht; aber ich wußte, daß sie immer nur an Sie + dachte, daß Ihnen ihr Herz gehört.“ </p> + <p> „Ist das möglich? Ist das möglich? Fräulein Hanne will wirklich ...“ </p> + <p> Der Prinz sank in sich zusammen. Er war plötzlich wieder vollständig Piesecke. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Es ist noch viel geredet worden; ich weiß nicht mehr, was alles. Schließlich + habe ich Stefenson recht geben müssen, daß er sich unerkannt unter unser + kurioses Völklein mischte. Was sollte er sich nicht überzeugen, wie seine + Gründung wirkte? Ich überwand meinen Unmut, so gut ich konnte, aber ein Stachel + blieb, daß Barthel und der Direktor mehr gewußt hatten als ich. Eine <pb n="311" + /><anchor id="Pg311"/>Freundschaft zwischen Stefenson und mir wollte ich nicht mehr gelten lassen. </p> + <p> Piesecke schlich sich ins Heim zurück, ohne uns. Er wollte weiterhin Piesecke + sein, und vergebens zerbrachen sich unsere Kurgäste die Köpfe, wer der in der + „Neustädter Umschau“ genannte Prinz sein möge. Der „Verdacht“ blieb schließlich + auf einem Referendar sitzen, der im Grundhof wohnte und sich die Rolle des + heimlichen Herzogs wohlgefallen ließ. Dieser Referendar lehnte alle grobe Arbeit + von nun an ab. Die Damen waren entzückt über seine hocharistokratischen Hände. + Sie rühmten die edle Zurückhaltung in Ton und Gebärde, die Güte, die nie zur + Vertraulichkeit wird, sondern immer Güte bleibt, die Sprache, die trotz ihres + leise verschleierten Timbers und ihrer entgegenkommenden Art doch unabweisbare + Befehle gibt, die Augen, die so wissend, so durch den Höhenblick von Jugend auf + geschärft zu blicken wußten; sie rühmten selbst kleine Nonchalancen, die sich + eben nur der unter dem Kronenhimmel Geborene gestattet. Dieser Mann lachte und + lächelte nicht; er zuckte nur mit den Mundwinkeln. Er sagte nicht „nein“ zu + irgendeinem Verlangen, sondern dieses Verlangen erstarb von selbst vor einem + einzigen Faltenwölkchen, das sich auf der Stirn des Hohen bildete; er konnte + aber auch durch ein einziges freundliches Lidersenken gewähren, „ja“ sagen, wie + kein anderer Mensch „ja“ zu sagen vermag. </p> + <p> Keine Erziehung führt zu solcher Haltung. Kein Emporkömmling kann sie erlernen. + Rasse! Vererbung von <pb n="312"/><anchor id="Pg312"/>Herreninstinkten durch Jahrhunderte! Das + ist’s! Und der heimliche Herzog ging in schlichter, leutseliger Würde durch das + Gewimmel aller derer, die ihm täglich in den Weg zu laufen wußten. Er empfing + keine Besuche – er erteilte Audienzen; er plauderte nicht – er hielt Cercle. </p> + <p> Mir machte alles dies so viel Spaß, daß ich den Direktor ersuchte, dem + heimlichen Herzog noch auf weitere zwei Wochen die wesentlich erleichterten + Zahlungsbedingungen zu gewähren; denn der Referendar hatte bisher nur + gelegentlich geringe Remunerationen genossen, und sein Vater, der ein biederer + Sattlermeister war, hatte auch nicht viel Geld übrig. </p> + <p> Das alles hatte mit ihrem Artikel die „Neustädter Umschau“ getan. An Piesecke + dachte kein Mensch ... </p> + <p> Barthel, der Heimtücker, war inzwischen auch aus der Haft entlassen worden. Er + ließ sich bei mir melden, aber es wurde ihm gesagt, ich sei nicht zu sprechen. + Da kam er nach einer Stunde mit seiner Susanne wieder. </p> + <p> „Herr Doktor“, sagte Susanne mit kirschrotem Kopf, „daß er ein Lump ist, weiß + ich. Unsern guten Herrn Doktor so zu beschwindeln wegen lumpiger tausend Taler, + die er jetzt von Ignaz, der ja Stefenson gewesen ist, Schweigegeld kriegt. Was + soll uns das Geld? Was geht uns Herr Stefenson an? Wir halten uns an unseren + guten Herrn Doktor. Aber was das schlimmste ist, mich hat er auch beschwindelt + mit dem langen Ignaz. So ein Lump! Sein eigenes Weib belügt er. Ich hab ihm nie + getraut, nie im Leben! Nicht über den Weg! Aber jetzt laß <pb n="313"/><anchor id="Pg313"/>ich mich + scheiden; er hat gesessen, und mit einem Zuchthäusler hat eine anständige Frau + nichts zu tun.“ </p> + <p> Was blieb mir übrig, als für den in erbärmlichem Zustand dastehenden Barthel + Partei zu ergreifen und der empörten Susanne gut und mild zuzureden? Sie wollte + aber auf keinen Zuspruch hören. Sie blieb dabei, sie müsse sich scheiden lassen, + da er „gesessen“ habe. Schließlich weinte sie. </p> + <p> „Und was er für ein Liedrian ist, Herr Doktor!“ schluchzte die brave Frau. „Für + die tausend Taler, die er jetzt von Stefenson kriegt, will er sich eine + Dreschmaschine kaufen, wo ich ihm doch sage, daß er das Geld lieber in die + Sparkasse tragen soll.“ Da erkannte ich, daß das Barthelsche Eheglück noch nicht + hoffnungslos verloren war, und ich entließ die beiden, indem ich sie meines + Wohlwollens versicherte. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Ich saß allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht + kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte – + war das traurig, war es komisch, war es erbärmlich? Sollte ich lachen, sollte + ich zürnen? </p> + <p> Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog? </p> + <p> Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr Vertrauen + geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte? </p> + <p> Sollte ich mich ärgern über den Barthel, weil er profitsüchtig gewesen war? </p> + <pb n="314"/><anchor id="Pg314"/> + <p> Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, liebe + Leute. Nur das Leben schüttelte die Menschen durcheinander, wie ein Kind die + Steinchen schüttelt, die es in ein Säcklein gesammelt hat. Wenn es eine Reibung + gibt, was schadet es? Ein Krümlein alter, weicher Heimaterde bröckelt ab, und + der Stein schimmert durch, hart und widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine + Reibung mehr schaden, kann ihn nur glätten. </p> + <p> Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes Käferwürmlein + konnte an dir zehren! Ich möchte dich ja halten, denn du bist gut und weich, + aber das Leben schüttelt zu hart. Doch ich bin getrost, ein gut Teil Krümlein + werden mir bleiben, darauf will ich mich heimlich betten, und die glatte Fläche + wird nur nach außen sein ... Als am nächsten Morgen die blonde Hanne in mein + Zimmer trat, pochte mein Herz nicht rascher, als käme eine Patientin. Wohl war + das Mädchen blasser, als ich es je gesehen. </p> + <p> „Sie kommen sich verabschieden, Eva?“ </p> + <p> „Ja. In zwei Stunden fährt drüben in Neustadt mein Zug ab.“ </p> + <p> Wir schwiegen beide. Plötzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich hätte + hingehen mögen, um über ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es nicht. </p> + <p> „Eva, Sie wissen, daß Stefenson hier ist – daß er die ganze Zeit hier war?“ </p> + <p> Sie nickte. </p> + <p> „Er hat wohl mit Ihnen gesprochen?“ </p> + <p> Da stand sie auf. Tränenlos, zornig sagte sie: </p> + <pb n="315"/><anchor id="Pg315"/> + <p> „Ja, er hat mit mir gesprochen. Er war so dreist, mich um meine Hand zu bitten. + Ein halbes Jahr lang hat er neben mir gewohnt, ohne daß ich ihn kannte, hat mich + beobachtet, belauert, geprüft, ob ich wohl – der hohen Ehre würdig sei, seine + Gattin zu werden, ob ich nicht am Ende ein kokettes, leichtfertiges Weib sei, + das heut dem, morgen jenem zulächelt; er hat diese Prüfung angestellt, weil ich + beim Theater bin, weil ich keine der unter hermetischem Verschluß stehenden + Misses von Neuyork bin, die heimlich oft liederlich genug sind; er hat mich, + ohne daß ich es wußte, geprüft, und ist nun so gnädig, mir zu sagen: du hast + deine Prüfung bestanden. Aber ich – ich werfe ihm sein Diplom vor die Füße! Was + ist denn die Liebe? Liebe ist doch blindes Vertrauen. Welcher Mann hat denn eine + Garantie? Das Mädchen, der Vater, die Mutter, alle Muhmen und Vettern können ihn + belügen, wenn sie wollen, er ist machtlos dagegen. Der Mann muß das Mädchen + sehen, er muß wie von einer himmlischen Erleuchtung geführt sagen: Du bist rein, + ich lege meine Ehre und mein Glück in deine Hände. Sonst ...“ </p> + <p> Sie sank weinend auf den Stuhl zurück. </p> + <p> Hochauf loderte der glimmende Funke meiner Liebe wieder zu diesem schönen + Mädchen, als ich so sein ehrliches weibliches Empfinden sah. In plötzlicher + Müdigkeit stützte ich den Kopf in die Hände. </p> + <p> Ich zwang die Welle in meinem Herzen. Es wurde ganz still in mir. Eine + unheimliche, aber große Stille. Wie in der Wüste. Nur von ferne hörte ich die + Tränen rinnen, wie Wasser einer fremden Oase. Ich hätte lange <pb n="316"/><anchor id="Pg316"/>so + mit dem aufgestützten Haupt sitzen mögen. Wieviel Zeit verging, weiß ich nicht. + Da hörte ich Evas Stimme. </p> + <p> „Haben Sie keinen guten Rat für mich, lieber Freund?“ </p> + <p> „Lieber Freund!“ Unter allen Gestirnen, die an unserem Himmel flimmern, ist + dieses Wort wohl eines der hellsten. Aber wenn es ein Weib sagt, das man liebt, + bekommt dieser Stern ein überweißes Licht, ist wie ein Schimmer aus einer Welt, + die in Eiseskälte untergeht. </p> + <p> „Warum sagen Sie nichts? Wissen Sie nicht einmal als Arzt etwas zu sagen?“ </p> + <p> Da erhob ich mich. </p> + <p> „Wohl, liebe Eva! Ich glaube, ich kann Ihnen die Sache richtig + auseinandersetzen.“ </p> + <p> Ich war über mich selbst verwundert. Wie ein trockener, etwas pedantischer + Magister sprach ich: </p> + <p> „Sehen Sie, Eva, Sie stecken zu tief in der Romantik! Sie denken sich den + Freiersmann so wie Lohengrin, der als Fremdling ans Ufer steigt, die Holde, die + von aller Welt geächtet wird, an der Hand nimmt und sagt: Frei aller Schuld ist + Elsa von Brabant. Und drei Minuten später: Elsa, ich liebe dich! Unser Stefenson + ist nicht von dieser Schwanenritterart, er fährt auf dem Passagierdampfer, ist + hausbacken, nüchtern, verfährt vorsichtig.“ </p> + <p> „Verstellen Sie sich doch nicht, lieber Freund! Das ist doch nicht Ihre Art, so + zu sprechen!“ </p> + <p> „Doch, doch! Es ist ganz meine Art, so zu sprechen! Eva, ich will Ihnen ehrlich + folgendes sagen: Stefenson hat nicht nur Sie prüfen wollen, sondern auch mich, + auch <pb n="317"/><anchor id="Pg317"/>unsere ganze Anstalt. Er schätzt wahrscheinlich drei Dinge: + Erstens das Geld, das er für ein Unternehmen anlegt (und das ist ihm als + Kaufmann durchaus nicht übelzunehmen), zweitens seine Geschäftsfreunde, unter + denen er keine unfähigen Gesellen haben will (auch das ist ohne weiteres zu + billigen), und drittens die Liebe oder die Ehe, in welcher Richtung er durchaus + klar sehen will. Die Beurteilung dieses dritten Punktes wage ich nicht, da ich + von Liebe nichts verstehe.“ </p> + <p> In diesem Augenblick wurde die Tür geöffnet. Stefenson erschien. </p> + <p> „Ich bitte um Entschuldigung“, sagte er, „und versichere, daß ich an der Tür + nicht gehorcht habe. Ich entlasse Dienstmädchen ob solch schmählicher Schwäche. + Aber der Herr Doktor hat so deutlich gepredigt, daß jedermann, der den + anstoßenden Korridor entlang ging, Wort für Wort verstehen mußte. Darf ich mir + zu der Sache das Wort erlauben?“ </p> + <p> „Bitte!“ </p> + <p> „Erstens mal das Geld. Schön! Ich schätze es! Ich halte es für einen sehr guten + Freund. Für einen, der nicht nur die Stube ausmöbliert und das Essen schafft, + sondern auch für einen, der einem eine vernünftige Körperpflege gönnt, der die + Theater und Museen aufschließt, einen in der Welt herumführt, der gestattet, + sich gegen ärmere Mitmenschen anständig zu benehmen, der den Doktor ruft, wenn + man krank ist, und der einem schließlich ein Denkmal setzt, wenn sich kein + Mensch um den Grabhügel bekümmert, ja, für den einzigen Freund, der einem, wenn + <pb n="318"/><anchor id="Pg318"/>man zum Beispiel in der Wut eine Gewalttat begangen hat und + ins Zuchthaus oder sonst ins Elend gekommen ist, hinterher wieder die Hand + reicht und zu einem ordentlichen Leben zurückverhilft. Ein gutes Bankdepot ist + wirklich ein außerordentlich reeller Freund. Nur dumme Kerle und verärgerte arme + Schlucker können es leugnen. </p> + <p> Zweitens: Geschäftsfreunde dürfen noch eher in mäßigen Grenzen unreell als dumm, + rückständig, faul oder sonstwie borniert sein. </p> + <p> Drittens: Jeder Mensch, der ein Pferd kauft, das er übermorgen weiterverkaufen + oder schlachten lassen kann, überlegt es nach zwanzig Rücksichten. Einer, der + eine Frau nimmt, die er zeit seines Lebens auf dem Halse behält, und der weniger + vorsichtig verfährt, ist ein Dummian.“ </p> + <p> Stefenson brachte diese Sätze ohne alle Gemütsbewegung vor, wie einer, der + unwiderlegbare Behauptungen aufstellt. </p> + <p> Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen. </p> + <p> Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte kühl: </p> + <p> „Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber ich – + ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!“ </p> + <p> Sie verließ das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach. </p> + <p> Sie gab keine Antwort mehr. </p> + <p> Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zündete sich eine Zigarre an und sagte + nach einer Weile: </p> + <p> „Das ist daneben gegangen!“ </p> + <pb n="319"/><anchor id="Pg319"/> + <p> „Ja, ganz daneben!“ </p> + <p> „Sie freuen sich wohl?“ </p> + <p> „Ach, ich kann nicht sagen, daß ich verärgert bin.“ </p> + <p> „Das kann ich mir denken!“ </p> + <p> Darauf zündete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenüber und + rauchten dicke Wolken. </p> + <p> „Was war denn eigentlich los?“ fragte Stefenson. </p> + <p> „Nun“, sagte ich, „Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib.“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="320"/><anchor id="Pg320"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Vom Bruder und seiner Frau</head> + <p> Mit Eva Bunkert verließ uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend hatte + sie sich nicht beteiligt. Es hieß, „Bärbel“ sei nicht wohl und habe sich zeitig + zur Ruhe gelegt. Wie mein Bruder mit dem Mädchen stand, wußte ich nicht. Joachim + war verschlossener als je. Am Abend des Tages aber, da die Mädchen abgereist + waren, kam er zu mir. </p> + <p> Ganz unvermittelt sagte er: „Fritz, ich möchte fort. Morgen oder übermorgen.“ </p> + <p> „Fort? Wohin?“ </p> + <p> „Wieder hinüber.“ </p> + <p> „Nach Amerika?“ </p> + <p> „Ja.“ </p> + <p> Ich sah ihn schweigend an. </p> + <p> Da sagte er: </p> + <p> „Du hast wohl bemerkt, daß ich eine Neigung für Fräulein Anneliese hatte. Ich + hoffte, es könnte mir ein neues Glück in der Heimat erblühen. Diese Hoffnung hat + mich betrogen – wie alle anderen.“ </p> + <p> „Ist es aus zwischen euch?“ </p> + <p> „Ja. Das Mädchen hing an mir, und es war alles verabredet für baldige Hochzeit. + Da hielt ich mich gestern <pb n="321"/><anchor id="Pg321"/>für verpflichtet, ihr mein Leben zu + schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere gesagt. + Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie bleibt dabei, + daß sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht heiraten dürfe. Du + weißt wohl warum?“ </p> + <p> „Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe.“ </p> + <p> Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren – ich ließ ihn reden und toben. </p> + <p> Zuletzt sagte er: </p> + <p> „Und ich weiß nicht einmal, ob dieses – dieses Weib noch lebt.“ </p> + <p> Ich blieb still. </p> + <p> „Weißt du etwas von ihr? Weißt du, ob sie noch lebt?“ </p> + <p> „Sie lebt.“ </p> + <p> Er stöhnte. Ich merkte, wie sehnsüchtig er auf den Tod seiner Frau gehofft + hatte. </p> + <p> „Und – das Kind, wo ist es?“ </p> + <p> „Es ist bei seiner Mutter.“ </p> + <p> „Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?“ </p> + <p> „Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr.“ </p> + <p> Er lachte rauh und ergoß eine Flut schwerster Schimpfworte über seine Frau. + Wieder ließ ich ihn reden und toben. Zuletzt stieß er hervor: </p> + <p> „Wo hält sich das Scheusal auf?“ </p> + <p> „Deine Frau? Das sage ich dir nicht.“ </p> + <p> „Das <hi rend="gesperrt">mußt</hi> du mir sagen!“ </p> + <pb n="322"/><anchor id="Pg322"/> + <p> „Nein, Joachim, ich sage es dir nicht!“ </p> + <p> Er ballte die Fäuste und trat mit dem Fuß auf. Dann ließ er die Arme schlaff + hängen und sagte in feindseligem Ton: </p> + <p> „Gut! Was ich wissen will, werde ich auch ohne dich erfahren.“ </p> + <p> Ohne Gruß verließ er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten über die Wiese + gehen. Das war der Mann, dem ich fünf Jahre lang um die ganze Welt nachgereist + war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun würde ich eine solche + Familienaufgabe nicht mehr übernehmen. Ich öffnete nicht einmal das Fenster, um + ihm nachzurufen. </p> + <p> Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging schwer. Ich + war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz benommen. Es fiel mir + ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber die wußte ja auch nichts von + Katharina, die bei uns Magdalena hieß, hatte keine Ahnung von ihrer Anwesenheit + hier im Heim. Es wurde spät. Ich wollte nur noch meine letzte Zigarre + ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie gleichmütig mich der Abschied des Bruders + ließ! Freilich, die Mutter würde wieder sehr mit mir zürnen. Aber ich konnte das + nicht ändern. Ich war aller Familiensimpelei müde geworden. </p> + <p> Wie ich noch so still dasaß, hörte ich auf einmal jemand den Korridor entlang + eilen. </p> + <p> Die Tür wurde aufgerissen. </p> + <p> Magdalena stand vor mir. </p> + <pb n="323"/><anchor id="Pg323"/> + <p> Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstört. </p> + <p> „Helfen Sie – helfen Sie – sie haben mir das Kind genommen.“ </p> + <p> „Was? Was sagst du, Käthe?“ </p> + <p> „Das Kind haben sie mir genommen – Luise – o Gott!“ </p> + <p> „Wer hat es genommen?“ </p> + <p> „Er – Joachim – er ist mit einem fremden Mann gekommen – sie haben das Kind + fortgeschleppt – meine Luise – meine Luise!“ </p> + <p> Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl nötigen. </p> + <p> „Nein, kommen Sie bald – sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen gehabt + – eine Stunde ist es wohl schon her, daß sie mit dem Kinde fort sind – ich + habe die Kammertür nicht aufgekriegt – kommen Sie schnell – schnell!“ </p> + <p> Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie durch + einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte ihm den Weg + gewiesen? </p> + <p> Plötzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu + verraten, daß Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wußte, wo das + Kind war, fanden sie auch die Frau. </p> + <p> Oh, ich Tor! Ich sah, daß Käthe am Halse rote Striemen hatte. </p> + <p> „Hat er dir etwas getan, Käthe? Hat er dich etwa gar geschlagen?“ </p> + <pb n="324"/><anchor id="Pg324"/> + <p> „Ich weiß es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!“ </p> + <p> Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem + Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entführt. Der brutale Kerl! + Ein wütender Haß gegen ihn schlug in mir auf. </p> + <p> „Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!“ </p> + <p> „Nenn mich nicht Herr Doktor, Käthe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte. Ich + werde dir helfen, so gut ich irgend kann.“ </p> + <p> Demütig und furchtsam wie ein geprügelter Hund stand sie vor mir. </p> + <p> Ich zog mir den Mantel an. </p> + <p> „Ich bitte dich, Käthe, geh nach Hause. Du kannst nichts tun. Ich werde mich + sofort auf die Suche machen.“ </p> + <p> „Ich kann nicht nach Hause gehen; ich muß Luise suchen –“ </p> + <p> Mit irrsinnig flimmernden Augen sah sie mich an. </p> + <p> „Du kannst nichts tun, Käthe. Ich werde sofort hinab zu meiner Mutter gehen, + dort werde ich wahrscheinlich Joachim treffen und mit ihm abrechnen.“ </p> + <p> „Ich will mit. Ich fürchte mich nicht, wenn sie mich auch schlagen.“ </p> + <p> „Du mußt mir jetzt gehorchen, Käthe! Sonst verdirbst du alles; sonst kann ich + dir nicht helfen!“ </p> + <p> Da senkte sie stumm den Kopf. </p> + <p> Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der + Genovevenklause abbog, ge<pb n="325"/><anchor id="Pg325"/>bot ich der Frau, nach Hause zu gehen und + zu warten, bis ich ihr Nachricht brächte. Sie schlich davon. Aber als ich den + Berg hinabeilte, merkte ich, daß mir von ferne ein Schatten folgte. </p> + <p> Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustür stand offen. Ich eilte nach + dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, ohne anzuklopfen. + Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In offener Feindseligkeit + blickten wir uns an. </p> + <p> „Wo ist das Kind? Wo ist Luise?“ </p> + <p> „Nicht hier.“ </p> + <p> „Wo ist die Mutter?“ </p> + <p> „Auch nicht hier.“ </p> + <p> „Willst du mir sagen, wo beide sind?“ </p> + <p> „Nein! Aber ich will dir sagen, daß ich das Mädchen der Obhut des Frauenzimmers, + dem du es übergeben, entrissen und in eigene Erziehung genommen habe. Morgen + früh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das ist mein Recht. Das Kind + gehört mir.“ </p> + <p> Ich konnte vor Zorn kaum sprechen. </p> + <p> „Ah – und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Häuser einzubrechen und + ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?“ </p> + <p> „Das tat ich nur, um sie zu hindern, hinter uns herzuschreien und Skandal zu + erregen. Um allen Skandal zu vermeiden, bringt Mutter das Kind schon jetzt nach + auswärts.“ </p> + <p> „Oh, wie bist du rücksichtsvoll! Du willst keinen <pb n="326"/><anchor id="Pg326"/>Skandal. Du + vergissest nur das eine: daß es ein großer Skandal ist, wenn man sich benimmt + wie ein Bandit!“ </p> + <p> „Hüte dich nur!“ </p> + <p> „Ich fürchte mich nicht vor deiner Brutalität. Ich kann dich – wenn es mir + beliebt – wegen der Schandtat eines Einbruchs in eines unserer verschlossenen + Häuser jeden Augenblick einsperren lassen. Ich werde es höchstwahrscheinlich + auch tun und mich um keinerlei Skandal kümmern.“ </p> + <p> „Du nimmst in sehr merkwürdiger Weise Partei für jenes Weib.“ </p> + <p> „Ja, sie steht trotz ihres Fehltritts gerechtfertigter, ich will ruhig sagen, + viel anständiger vor meinen Augen als du!“ </p> + <p> „Das bitte ich mir zu beweisen“, sagte er heiser vor Wut. Er setzte sich auf + eine Tischkante; ich lehnte an einem Schrank ihm gegenüber. </p> + <p> „Ich erinnere dich daran, Joachim, daß das schöne Mädchen, das Katharina hieß, + damals zwar deine blinde, wahnsinnige Leidenschaft erregt, aber daß sie dich + niemals geliebt hat, daß sie so ehrlich war, es dir zu sagen.“ </p> + <p> „Hör auf damit!“ </p> + <p> „Nein, da liegt die Wurzel zu allem Unheil, das kam. Als du von dem Mädchen + abgewiesen warst, tatest du das, was du immer tatest, wenn du einen Wunsch + durchaus durchsetzen wolltest, du hingst dich an die Kleiderrockfalten der + Mutter.“ </p> + <p> Er sprang herunter vom Tisch und trat drohend vor mich. </p> + <pb n="327"/><anchor id="Pg327"/> + <p> „Benimm dich immerhin auch in dieser Stunde noch mit einigem Anstand, Joachim! + Du hast mir so viel von meinem Leben genommen, fünf volle blühende Jahre, daß + ich ein Recht habe, dich als meinen Schuldner zu betrachten und endlich mit dir + abzurechnen.“ </p> + <p> Er wich zurück, lachte verächtlich und trat ans Fenster. </p> + <p> „Ich habe dich nicht aufgefordert, mir zu folgen.“ </p> + <p> „Nein, aber die Mutter hat es getan, die dich von Kind auf zu einem jämmerlichen + Egoisten erzogen hat.“ </p> + <p> „Sag noch ein Wort gegen die Mutter, und ich halte mich nicht länger!“ </p> + <p> „Du sprichst wie ein Raufbold, Joachim, und ich schäme mich für dich. Wie ich + innerlich zur Mutter stehe, geht daraus hervor, daß ich auf ihren stillen Wunsch + hin, dich wiederzuhaben, meine Jugend opferte. Aber nicht davon wollte ich + sprechen, sondern von deinem Verhältnis zu Katharina. Das Mädchen sagte dir + damals, daß seine Liebe einem anderen gehöre, deinem Freunde ...“ </p> + <p> „Hör auf – ich ertrage das nicht!“ </p> + <p> „Ich weiß, trotz deiner Brutalität anderen gegenüber bist du, was die eigene + werte Person anlangt, sehr feinfühlig; nicht einmal eine wahrheitsgemäße + Aussprache erträgst du. Aber ich erspare sie dir nicht. Ich halte dir den + Spiegel vor, damit du weißt, wenn du von hier fortziehst, daß es jemand auf der + Welt gibt, der keine Spur von Mitleid, ja nicht einmal von Achtung mehr für dich + hat, und das ist dein Bruder, der dich unter allen Menschen auf der Welt am + besten kennt.“ </p> + <pb n="328"/><anchor id="Pg328"/> + <p> Er erwiderte nichts mehr; er starrte mich nur an. Ich setzte kaltblütig die + Abrechnung fort. </p> + <p> „Du wandtest dich damals an die Mutter, und die Mutter setzte bei den Eltern des + Mädchens alle Hebel für dich ein. Die Leute hatten sechs Töchter. Eine von ihnen + versorgt zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Du warst approbierter Arzt, der + andere, dein Freund, ein vermögens- und aussichtsloser Kandidat. Da wurde dem + Mädel Tag und Nacht zugesetzt, bis sie dich nahm. Das war in diesem Falle die + Grundlage für die schwere Ja-Frage am Altar nach dem ‚freien, ungezwungenen, + selbst ungenötigten Willen‘.“ </p> + <p> Joachim war in einen Sofawinkel gesunken. Mir war das Herz so kalt und leicht + wie einem Staatsanwalt, der auf „schuldig“ plädiert. </p> + <p> „Während du die Flitterwochen hieltest, ging dein Freund beinahe zugrunde. Nach + einem Jahre hieß es, er habe sich beruhigt. Er kam zu euch. Die alte Sehnsucht + trieb ihn. Und da geschah Katharinas Unglück. Du warst natürlich in deiner Ehre + sehr tief verletzt. Ich sah das ein. Erst jetzt begreife ich, daß in jener Ehe + deine Gattenehre nicht von Gottes, sondern von Mutters und Geldsacks Gnaden war. + Das Weib hat gefehlt, ohne Zweifel. Zweimal. Nicht nur, als sie dir die Ehe + brach, sondern schon, als sie die Ehe mit dir einging. Aber du und die Mutter – + und wir alle, die wir schürend oder doch stillschweigend mitgewirkt haben, sind + wir Gerechte? Leute, die Steine aufheben dürfen? Oder Pharisäer, die verdienen, + die Geißel des Messias ins Gesicht zu bekommen? </p> + <pb n="329"/><anchor id="Pg329"/> + <p> Katharina hat ihre Schuld gebüßt. Nicht durch deinen rohen Revolverschuß, nicht + dadurch, wie sie dich vor Gericht reinwusch, indem sie aussagte, sie habe sich + die Wunde selbst zugefügt. Nein, mit aber tausend Tränen. Erst jetzt weiß ich, + wie ihr Mutterherz gehungert hat, wie sie durch all die Jahre nach dem Kinde + gesucht hat. Dieses Weib hat vielleicht an einem Tag und in einer Nacht mehr + gelitten und heißer zum Himmel gerufen als du in der ganzen Zeit. Jetzt auf + einmal erscheinst du wieder in der ganzen Pracht und Herrlichkeit deines + gesetzmäßigen Richtertums und beginnst deine Brutalitäten aufs neue. Und + deshalb, sage ich, ist deine Frau ein hundertmal anständigerer Mensch, als du + bist!“ </p> + <p> Er stand auf, zuckte ein wenig mit den Armen durch die Luft, als ob er reden + wolle, setzte sich aber wieder. Ich behielt ihn scharf im Blick und fuhr fort: </p> + <p> „Das ist die Abrechnung, die deine Frau betrifft. Da kommst du immer noch gut + dabei weg, weil nicht nur dein eigenes, sondern auch das andere Konto belastet + ist. Nun komme ich auf dein Verhältnis zu deinem Kinde zu sprechen. Und da – + nichts für ungut, lieber Bruder – hast du dich glattweg benommen wie ein Lump. + Das Tier bekümmert sich um sein Junges, trägt ihm die besten Bissen zu, sorgt + für seine Sicherheit. Du hast für deine eigene Sicherheit gesorgt, die besten + Bissen selbst gegessen, dem Kinde nicht einen Pfennig, nicht ein armseliges + Spielzeug, nicht ein Wort oder einen Blick gegönnt. Der verkommenste + Proletarier, der von zehn Mark, die er verdient, neun versäuft und eine Mark + seiner Familie <pb n="330"/><anchor id="Pg330"/>gibt, ist ein besserer Vater, als du bist, denn du + hast auch die zehnte Mark für dich genommen.“ </p> + <p> „Die Mutter ...“, ächzte Joachim. </p> + <p> „Ja, die Mutter hat die sogenannten Erziehungsgelder gezahlt. Nebenbei gesagt, + nicht nur von deinem, auch von meinem Erbteil. Ich wundere mich, daß ich so + etwas sagen kann; aber alle Sentimentalität ist mir wahrscheinlich abhanden + gekommen. Wir alle haben gefehlt, auch ich! Ich hätte dir nicht nachlaufen, ich + hätte mich lieber um das Kind kümmern sollen. Aber ich war ein unerfahrener, + wehleidiger Geselle. Ich bin erst jetzt, da ich ein großes Werk angefangen habe, + dazu gekommen, die Dinge, die um mich her sind, klar und leidenschaftslos zu + sehen und zu beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du + weder deiner Frau noch deinem Kinde gegenüber im Recht. Du hast dich bis jetzt + unbarmherzig zurückgehalten und bist plötzlich brutal hervorgetreten, als deine + neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigeführte Band, das + Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues zu + schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist + enttäuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten Kindes + nicht bessern; denn einen unfähigeren Erzieher, als du bist, kann es nicht + geben!“ </p> + <p> Joachim erhob sich. </p> + <p> „Meinst du, daß ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?“ </p> + <p> „Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim.“ </p> + <pb n="331"/><anchor id="Pg331"/> + <p> „Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?“ </p> + <p> „Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt.“ </p> + <p> „So werde ich gehen; ich verschmähe es, weiter mit dir zusammen zu sein.“ </p> + <p> „Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal zu + betreten. Außerdem ist es nach deinem brutalen Verhalten selbstverständlich, daß + du als Arzt von uns entlassen bist.“ </p> + <p> Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe hinab. + Ich konnte mir zunächst über das, was ich gesprochen hatte, keine klare + Rechenschaft geben. </p> + <p> Ich hatte nur ein Gefühl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz abräumen + gekonnt. </p> + <p> Jetzt fiel unten die Haustür zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl eine + mondscheinlose Nacht und die Straßenbeleuchtung sehr kümmerlich war. Joachim + ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male löste sich dort ein Schatten + los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls für meine Person. + Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, aufeinander einsprachen, wie das + Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich dann vor dem Bruder auf die Knie warf, + wie er sie emporriß. Sie klammerte sich fest an seinen Arm; er versuchte sich + loszulösen; sie rangen miteinander. </p> + <p> Ich riß das Fenster auf. </p> + <p> „Katharina“, rief ich hinunter, „sei vernünftig!“ </p> + <p> Sie hörte nicht, ließ nicht los, schließlich rang sie weiter <pb n="332"/><anchor id="Pg332"/>mit + ihm, und ich hörte sie um das Kind bitten. Sie standen dicht am Brunnenrand. Da + gab Joachim dem Weibe einen gewaltigen Stoß, sie taumelte zurück und fiel über + den niederen Brunnenrand ins Wasser. </p> + <p> Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang; dann + beugte er sich über das Becken. </p> + <p> Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon. </p> + <p> Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgängen sprachlos zugesehen, + dann war ich mit einigen Sätzen unten auf dem Markte. Joachim stand noch am + alten Fleck. </p> + <p> „Ah“, lachte er, „du hast zugesehen – da wirst du wohl jetzt behaupten, ich + hätte das Weib ertränken wollen.“ </p> + <p> „Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurückgestoßen, und sie ist + unglücklich gefallen.“ </p> + <p> „Na also! Ich lasse mich auf der Straße nicht anfallen, verstehst du? Eure + Komödien verfangen nicht bei mir!“ </p> + <p> „Joachim, wir müssen ihr nach, wir müssen sie suchen.“ </p> + <p> „Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?“ </p> + <p> „Joachim, sie muß völlig durchnäßt sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist halb + irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglück passieren!“ </p> + <p> Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Haus zurück. Ich sah + ihm nach, hörte, wie er <pb n="333"/><anchor id="Pg333"/>von innen den Haustürschlüssel umdrehte. + Dann eilte ich die Straße hinunter, in der ich Katharina hatte verschwinden + sehen. </p> + <p> Ich rannte durch die ganze Stadt, auch teilweise hinaus auf die Landstraßen. Es + verging wohl eine Stunde und mehr Zeit; ich fand nichts. Es hatte angefangen zu + regnen, und es blies ein rauher Wind. Endlich sah ich ein, daß ich allein nichts + ausrichten könne. Ich eilte hinauf nach unserem Heim, überzeugte mich, wie ich + schon angenommen hatte, daß die Genovevenklause leer sei, weckte dann Stefenson, + Barthel, Piesecke und noch einige andere verläßliche Leute, und wir gingen nach + verschiedenen Richtungen auf die Suche. </p> + <p> Morgens drei Uhr kehrte ich todmüde nach Hause zurück. Die anderen waren auch + noch nicht lange da. Niemand hatte eine Spur von Katharina entdeckt ... </p> + <p> Noch ehe aber der späte Morgen graute, wurde die unglückliche Frau gebracht. Ein + Waltersburger Bauer, der zeitig nach Neustadt fahren wollte, hatte am + Chausseerand ein bewußtloses Weib gefunden und an ihrer Kleidung erkannt, daß + sie zu uns gehörte. Er hatte die völlig durchnäßte Frau auf das Stroh seines + Wägelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke zugedeckt. </p> + <p> Ich ließ die Bewußtlose nach einem unserer Krankenzimmer am „Stillen Weg“ + schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verständigte + ich über das Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere ärztlichen Maßnahmen. + Wir verhehlten uns beide nicht, daß wir vor einer sehr ernsten Aufgabe standen. + Sämtliche Männer, die um das <pb n="334"/><anchor id="Pg334"/>traurige Vorkommnis wußten, auch der + Bauer, gelobten Stillschweigen. </p> + <p> Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug sie + die Augen auf. Sie lächelte mich an, ohne daß sie bei klarer Besinnung war, und + sagte: </p> + <p> „Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Sünden!“ </p> + <p> Die Augen fielen wieder zu, öffneten sich aber bald aufs neue. </p> + <p> „Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz müde war und auf die Straße fiel, ist sie + zu mir gekommen.“ </p> + <p> Dann wieder tiefe Bewußtlosigkeit. </p> + <p> Gegen Mittag ließ sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blaß und rang + die Händchen ineinander. </p> + <p> „Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?“ </p> + <p> Ich sah sie streng an. </p> + <p> „Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind zu + entreißen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewußt, daß Joachim in die + Klause eindringen wollte?“ </p> + <p> „Nein, ich habe ihm bloß gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts erfahren, bis + er Luise brachte.“ </p> + <p> „Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?“ </p> + <p> „Ich – ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir + wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim wollte + auch bald am Morgen fort.“ </p> + <pb n="335"/><anchor id="Pg335"/> + <p> Ich dachte daran, wie sicher der mütterliche Instinkt die unglückliche Katharina + geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie zusammengebrochen. </p> + <p> „Was wird nun werden?“ fragte die Mutter. „Wie steht es?“ </p> + <p> „Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder schreiben, + daß sein sehnlichster Wunsch, diese Frau möge sterben, wahrscheinlich in + Erfüllung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen.“ </p> + <p> Die Mutter weinte. </p> + <p> „Fritz, du mußt nicht so von ihm denken. Er hat doch auch viel gelitten. Gestern + hat er unrecht gehandelt. Er ist dann die ganze Nacht wach geblieben, und ich + glaube, wenn die Frau jetzt stirbt, wird es sein Gewissen sehr bedrücken. Er ist + ja deswegen auch noch nicht abgereist.“ </p> + <p> Ich lachte. </p> + <p> „Hab keine Sorge, Mutter, Joachims Gewissen ist recht robust.“ </p> + <p> „Ihr werdet euch nie verstehen.“ </p> + <p> „Nein. Niemals! Mit solch einem Kerl niemals!“ Sie saß noch ein Weilchen da. Ich + fand kein gutes Wort für Joachim, auch nicht für sie, fragte auch nicht, was die + beiden wohl nun mit Luise vorhätten, und so ging sie ... </p> + <p> Unsere Patientin war schwer krank, und eine heftig einsetzende Lungenentzündung + nahm uns bei der schlechten Beschaffenheit des Herzens fast alle Hoffnung. </p> + <p> Am zweiten Tage abends wurde von Waltersburg aus wieder nach Katharinas Befinden + gefragt. Ich schrieb auf einem Zettel: </p> + <pb n="336"/><anchor id="Pg336"/> + <p> „Joachim mag sich noch etwas gedulden; es ist bald aus.“ </p> + <p> Am selben Abend hörte ich draußen vor den Fenstern ein helles Kinderlachen. Da + sah ich Luise draußen. Stefenson hatte das Mädel um den Hals gefaßt und führte + sie die Straße herauf. </p> + <p> Ich ging hinaus. Das Kind stürzte auf mich zu. </p> + <p> „Onkel, lieber Onkel“, rief es selig; „denke dir, Pappa ist wieder da.“ </p> + <p> Stefenson strahlte über das ganze Gesicht. Er flüsterte mir zu: </p> + <p> „Es ist nicht so gegangen, wie ich wollte. Ich hatte mir einen genialen Plan + zurechtgelegt, dem Kerl das Mädel zu nehmen; da gab er es leider freiwillig + her.“ </p> + <p> Das Kind klammerte sich an mich. </p> + <p> „Onkel, lieber Onkel, laß doch nicht mehr den bösen Mann zu mir kommen. Ich hab + so schreckliche Angst vor ihm!“ </p> + <p> Ich sagte ihr nicht, daß der „böse Mann“ ihr Vater sei. Es gibt Hunderttausende + von Kindern, für die der eigene Vater der „böse Mann“ ist. Die männlichen + Schweine fressen zuweilen den eigenen Nachwuchs auf; ich schätze menschliche + Väter, die ihrer Kinder Jugendglück vergiften, noch um einige Grade niedriger + ein als die selbstsüchtigen Borstentiere. Denn im Schweinekoben ist der Schmerz + kurz, bei lieblosen Menschenerziehern dehnt er sich Jahr für Jahr. </p> + <p> „Kommt der böse Mann wieder?“ </p> + <p> „Nein, Luise, er kommt nicht mehr!“ </p> + <pb n="337"/><anchor id="Pg337"/> + <p> „Dann mußt du der Magdalena sagen, daß wir nicht mehr in der Genovevenklause + wohnen wollen; wir wollen lieber wieder in den Forellenhof ziehen.“ </p> + <p> „Hast du Magdalena lieb, Luise?“ </p> + <p> „Ja, ich will wieder zu ihr. Wo ist sie?“ </p> + <p> „Sie ist jetzt krank; aber vielleicht wird sie wieder gesund.“ </p> + <p> „Sie wird doch nicht sterben?“ fragte das Kind weinerlich. </p> + <p> „Nein, Herzchen“, sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen Stefenson und + ich mit dem Kinde den „Stillen Weg“ entlang ... </p> + <p> Keinem unter allen Sündern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht wie + den Unbarmherzigen. Was er für sie hat, ist die „ewige Finsternis, wo Heulen und + Zähneknirschen ist“. Diese Höllenstrafe trifft die Unbarmherzigen schon auf + dieser Welt. Denn Unbarmherzigkeit ist Finsternis, und Haß heult und knirscht + mit den Zähnen und ist verbannt von allem Frieden und allem Glück. </p> + <p> In diesem Lichte sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der + röchelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre heißen Hände sich die Wand + hinaufkrallen sah, ihren qualvollen Husten hörte, schickte ich auf neue Anfrage + aus Waltersburg einen Zettel an Joachim: </p> + <p> „Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebräuchen vertraut. Freue dich, + deine Frau hängt am Marterpfahl!“ </p> + <pb n="338"/><anchor id="Pg338"/> + <p> Daraufhin ließ er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ... </p> + <p> In ihren Fieberträumen schrie die Frau immer wieder: </p> + <p> „Taufe mich, heiliger Johannes, taufe mich!“ </p> + <p> Und sie jammerte nach dem Kinde. </p> + <p> Als sie das erstemal bei klarem Bewußtsein war, als sich der Fieberblick in + Angst und Todestraurigkeit verlor, wußte sie nichts zu sagen als: „Luise ist + fort!“ </p> + <p> Da sah ich sie lächelnd an. </p> + <p> „Nein, liebe Käthe, Luise ist hier. Du bist nur jetzt noch krank; du bildest dir + bloß ein, daß Luise fort ist.“ </p> + <p> „Ich – ich bilde es mir bloß ein?“ </p> + <p> Ein kleines, halb irres Lachen flog um ihren Mund. </p> + <p> „Ich bilde es mir bloß ein!“ </p> + <p> „Ja, liebe Käthe – du denkst das bloß so ...“ </p> + <p> „Ich denke es bloß so? Wo ist denn Luise? Warum ist sie denn nicht bei mir?“ </p> + <p> „Sieh nur, Käthe, du bist krank; das Kind lärmt zu sehr. Du weißt doch, wie es + lärmt.“ </p> + <p> „Es ist so schön, wenn es lärmt!“ </p> + <p> Und sie lächelte lieb und seltsam und schlief ein. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Es ging auf die Krisis zu. Wie das so ist in solchen Fällen: das Befinden + schwankte; einmal ging es der Kranken etwas besser, ein anderes Mal wieder war + es ganz zum Verzweifeln. Immer der eine Satz: „Wenn das Herz aushält, dann ...“ </p> + <pb n="339"/><anchor id="Pg339"/> + <p> Ja, wenn! </p> + <p> Am siebenten Tage ließen wir Luise zu der Kranken. Wir hatten Luise wohl + vorbereitet. </p> + <p> „Du darfst nicht schreien oder weinen oder lärmen. Du darfst nur ganz leise auf + den Zehen ans Bett gehen, der Magdalena die Hand küssen und sagen: ‚Mamma, ich + hab dich lieb!‘“ </p> + <p> So hat es das Mädchen getan. Die Kranke lag mit verklärtem Gesicht, und in ihren + Augen war ein Strahlen, als ob ihr der Himmel offenstände. </p> + <p> Als das Kind das Zimmer verlassen hatte, ging ein Frösteln über den Körper des + Weibes: </p> + <p> „Es ist alles nicht wahr gewesen – ich hab das Furchtbare nur geträumt – Luise + ist wirklich da ...!“ </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Am zehnten Tage wußten wir, daß Katharina am Leben bleiben würde. Freilich würde + sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung nicht in + Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es würde ein sehr stilles Leben + sein, was Katharina fortan führen müßte. </p> + <p> Am hellen Mittag trat mir auf dem „Stillen Weg“ der Bruder entgegen. Er gesellte + sich zu mir, ohne daß wir uns die Hände reichten. </p> + <p> „Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?“ fragte er mit offener Furcht in den + Augen. </p> + <p> „Ja, es ist überwunden!“ </p> + <p> Da atmete er auf. </p> + <pb n="340"/><anchor id="Pg340"/> + <p> „Ich habe schwere Tage und Nächte hinter mir“, sagte er etwas stockend; „deine + Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch deine + Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient.“ </p> + <p> Ich antwortete nicht. Er fuhr fort: </p> + <p> „Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Käthe zu einer Zeit, wo du es für + angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu übergeben. Er ist offen; du + sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthält nichts als einen kurzen Abschied, und + daß wir jetzt, durch Land und Meer für immer getrennt, ohne Feindschaft + aneinander denken wollen.“ </p> + <p> Ich wandte den Kopf zur Seite. </p> + <p> „Und Luise?“ </p> + <p> „Luise werde ich ihr lassen.“ </p> + <p> Wir gingen schweigend nebeneinander hin. Dann sagte er: </p> + <p> „Daß ich von dem Kinde ohne Abschied fortgehen muß, fällt mir sehr schwer. Du + wirst es nicht glauben; aber es ist wahr. Das Kind würde sich fürchten, wenn es + mich wiedersähe. Ich bitte, daß du dich weiter des Mädchens annimmst. Mit einem + Kapital werde ich es ausstatten. Willst du die Sache übernehmen?“ </p> + <p> „Ja.“ </p> + <p> „Ich danke dir!“ </p> + <p> Wieder gingen wir ein Stückchen wortlos weiter. </p> + <p> „Ich könnte nun gehen, Fritz; aber das Schwerste habe ich noch zu sagen.“ </p> + <pb n="341"/><anchor id="Pg341"/> + <p> Ich sah ihn fragend an. Da brachte er heraus: </p> + <p> „Die Mutter will mit mir nach Amerika.“ </p> + <p> Ich blieb stehen. </p> + <p> „Du mußt nicht glauben, Fritz, daß ich Mutter dazu überredet habe. Sie hat es + von selbst gewollt.“ </p> + <p> „Ja, ich kann es mir denken.“ </p> + <p> Etwas unendlich Bitteres quoll mir durch die Seele. </p> + <p> „Wann wollt ihr denn fort?“ </p> + <p> „Morgen. Die Mutter läßt dich fragen, wann sie sich von dir verabschieden kann. + Willst du am Nachmittag zu ihr hinunterkommen?“ </p> + <p> Ich mußte erst ein paarmal Atem holen, dann sagte ich: </p> + <p> „Ja, ich werde kommen.“ </p> + <p> Joachim blieb stehen. </p> + <p> „So habe ich dir alles gesagt, Fritz. Nun kann ich mich von dir verabschieden. + Wenn du zu Mutter kommst, werde ich euch nicht stören, werde ich schon fort + sein.“ </p> + <p> Es wurde ihm schwer. </p> + <p> „Leb wohl, Fritz; hab keinen Groll mehr gegen mich. Ich danke dir für alles Gute + – auch, daß du mich fünf Jahre lang gesucht hast – auch, daß du neulich so mit + mir gesprochen hast.“ </p> + <p> Die Stimme stockte ihm, und auch ich brachte es kaum heraus, als ich sagte: </p> + <p> „Behüte dich Gott, Joachim!“ </p> + <p> Als er sich schon abgewandt und die ersten Schritte gemacht hatte, erscholl + jenseits eines kleinen Gebüsches das selige Kinderlachen Luises. </p> + <pb n="342"/><anchor id="Pg342"/> + <p> Joachim wandte sich noch einmal um. </p> + <p> „Ist sie das?“ </p> + <p> Ich nickte mit dem Kopf. </p> + <p> Da legte er die Hand über die Augen und ging schwer und langsam den Berg hinab. </p> + <p> Und noch einmal erscholl das Lachen des spielenden Kindes hinter ihm her. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="343"/><anchor id="Pg343"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Freund Stefenson</head> + <p> Nun war es vorbei. Ich stieg von Neustadt aus den Weihnachtsberg hinauf. Der + Zug, der meine Mutter in die weite Welt davongeführt hatte, war längst nicht + mehr zu sehen. Der Bruder war schon gestern bis zur Provinzialhauptstadt + vorangereist; ich hatte ihn nicht mehr getroffen. </p> + <p> Die Bitterkeit war aus meiner Seele gewichen und hatte einer stillen Trauer + Platz gemacht. Die letzten Stunden, die ich mit meiner Mutter verlebt hatte, + waren voll reinster Liebe gewesen, ohne Eifersucht, ohne Neid, ohne Groll auf + den Bruder, um dessentwillen sie mich und die alte Heimat verließ. Joachim + sollte nicht wieder einsam und verbittert durch die Welt irren; die Mutter + wollte nicht wieder Tag für Tag sehnsüchtig am Fenster stehen und auf das + schwermütige Plätschern des Johannesbrunnens lauschen. </p> + <p> Mich wußte sie in Sicherheit, mit einer großen Aufgabe betraut, die mein Herz + ausfüllen würde. So ging sie mit dem anderen, dem Einsamen. </p> + <p> Es war weiblich, es war mütterlich; es konnte wohl nicht anders sein. </p> + <p> Aber wie ich auf die andere Seite des Weihnachtsberges kam und mein altes + Waltersburg liegen sah, den <pb n="344"/><anchor id="Pg344"/>Marktplatz mit dem Brunnen und mein + verlassenes Vaterhaus, da setzte ich mich todmüde an den Wegrand ins welke Gras. + Ich barg das Gesicht in den Händen und saß lange so. </p> + <p> Als ich endlich aufblickte, sah ich mir gegenüber auf dem anderen Wegrande + Stefenson sitzen. Ich war unwillig, daß er sich so angeschlichen hatte, aber er + kam mir mit teilnehmendem Gesicht, ganz ohne seine sonstige spöttische Art, + entgegen, so daß mein Ärger verflog. </p> + <p> Stefenson setzte sich neben mich und legte mir die Hand aufs Knie: </p> + <p> „Sehen Sie, alter Junge, so was tut weh. Das begreife ich. Aber da müssen Sie + auch begreifen, daß ich Sie nicht allein lassen kann, daß ich mich um Sie + kümmern muß. Ich bitte Sie, daß Sie mir einige Minuten zuhören. Sie brauchen mir + gar nicht zu sagen, was für Gefühle Sie bewegen, aber ich bitte Sie, mir zu + erlauben, daß ich als Ihr Freund zu diesen Gefühlen Stellung nehme. Zunächst + mal, ob Ihrer Mutter der Aufenthaltswechsel auch bekommen wird. Daran denken Sie + ja wohl an erster Stelle. Nun, ich meine, sie ist von guter Natur; Rio ist ein + ganz gesunder Wohnort; Ihr Bruder ist Arzt, der sie ständig überwachen kann; + außerdem ist er in der Lage, ihr das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, + dann, Ihre Mutter sieht einmal die Welt. Nicht mehr mit der Aufnahmefähigkeit, + der Spannkraft, dem Überschwang der Jugend, aber mit dem ganzen Hochgenuß, mit + dem ein reifer, feiner Kopf die Schönheiten dieser alten Erde betrachten kann. + Und gar Rio de <pb n="345"/><anchor id="Pg345"/>Janeiro! Dort hören die Tauben die Vögel singen, + dort sehen die Blinden die Blumen blühen; das wissen Sie ja selbst, Ihre Mutter + wird leben wie im Paradies. Aber das wird freilich alles nicht hindern, daß sie + das Heimweh bekommen wird – nach dem alten Nest da unten – nach dem Hause am + Brunnen – auch nach Ihnen. Schütteln Sie nur nicht den Kopf, lieber Freund; + eine Mutter liebt immer am meisten das ihrer Kinder, das nicht bei ihr ist. Und + da denken Sie nur daran, daß sie eines schönen Tages wieder dasein wird. + Inzwischen lassen Sie unten in dem Hause am Markt alles, wie es ist; lassen Sie + alle Tage die Möbel wischen, alle sechs Wochen frische Gardinen aufstecken, im + Winter die Stuben heizen, im Sommer die Polster einmotten, auch Kupfer und Zinn + in der Küche putzen und den Kanari gut im Futter halten, damit Ihre Mutter alles + in Ordnung findet, wenn sie wiederkommt.“ </p> + <p> „Stefenson“, sagte ich dankbar, „Sie sind ein seelenguter Mensch.“ </p> + <p> Das verdroß ihn. Er sagte zunächst gar nichts, spuckte dann mit großem Geschick + bis zum gegenüberliegenden Wegrand und meinte endlich in gänzlich verändertem + Tone: </p> + <p> „Sie verstehen mich immer noch nicht. Das müssen Sie doch wissen, daß so ’n + alter Fuchs wie ich immer seine Hintergedanken hat, wenn er mal ’nen Abstecher + ins Gefühlsmäßige macht. Zum Beispiel jetzt habe ich gerade ein wichtiges + Geschäft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie wenigstens zustimmen + müssen, <pb n="346"/><anchor id="Pg346"/>und da ist es mir natürlich verdrießlich, wenn Sie in + verkaterter Stimmung sind.“ </p> + <p> „Und deswegen suchten Sie mich zu trösten?“ </p> + <p> „Ja, nur deswegen!“ </p> + <p> Ich lächelte. Er sah es und wurde erbost. </p> + <p> „Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre Familienangelegenheiten an? + Glauben Sie, daß ich mich bei meinen tausend Geschäftsfreunden darum kümmern + kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob + die Motten in ihre Möbel kommen oder ihr Kanarienvogel verhungert? Hätt’ ich + viel zu tun. Aber wenn zwei Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der + eine von ihnen Zahnschmerzen hat, hat der andere dafür zu sorgen, daß der Zahn + gezogen oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose.“ </p> + <p> Ich lächelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts. </p> + <p> Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen: </p> + <p> „Wenn Sie etwas Geschäftssinn hätten, hätten Sie mich längst gefragt, um was für + ein Geschäft es sich handelt.“ </p> + <p> „So sagen Sie es mir – bitte!“ </p> + <p> Er war verstimmt. </p> + <p> „Nun, ich kann ja den Weihnachtsberg auch ohne Sie von den Neustädtern + zurückkaufen.“ </p> + <p> „Den Weihnachtsberg wollen Sie zurückkaufen?“ </p> + <p> „Ich sagte es Ihnen eben. Wir müssen unser Heim bis zum Gipfel des Berges + ausdehnen, sonst spucken uns die Neustädter auf den Kopf.“ </p> + <pb n="347"/><anchor id="Pg347"/> + <p> „Sie werden den wichtigsten Aussichtspunkt nie hergeben.“ </p> + <p> „Trösten Sie sich. Wozu habe ich in der ‚Neustädter Umschau‘ seit drei Wochen + Artikel gegen den Weihnachtsberg veröffentlicht? Zum Beispiel, daß sein Besuch + von Neustadt aus außerordentlich zu wünschen übrig lasse, weil der viel bequemer + zu erreichende Ochsenkopf eine viel bessere Aussicht bietet, daß die + Rentabilität außerordentlich gering sei, die Pächter nichts zu leisten + vermöchten und solchen Kram mehr. Die Neustädter sind bereits mürbe. Denn sie + sind wieder mal im Dalles. Nun habe ich vorgestern einen Artikel gebracht, man + solle den Weihnachtsberg, wenn sich eine gute Gelegenheit böte, an irgendeine + neutrale Person je eher je besser verkaufen, damit er ja nicht mal in + Waltersburger Hände fiele, was die Konkurrenz drüben stärken <anchor id="corr347"/><corr sic="würde." + >würde.“</corr> + </p> + <p> „Was bezwecken Sie damit?“ </p> + <p> „Daß mein Vertrauensmann, der sich als Privater um den Kauf der + Weihnachtsbergkuppe bemüht, die Sache billig bekommt. In vierzehn Tagen, denke + ich, können wir oben einziehen.“ </p> + <p> Wir waren inzwischen aufgestanden und stiegen langsam den Berg hinab. Stefenson + sprach immerfort von seinen Plänen und brachte es wirklich zuwege, daß meine + Bangigkeit nachließ und ich ihm wenigstens mit halber Aufmerksamkeit zuhörte. Er + begleitete mich bis in mein Arbeitszimmer. Dort sagte Stefenson: </p> + <p> „Nun gestehen Sie es sich mal selber, lieber Freund: die ganze Zeit, da unser + Heim besteht, haben Sie, der <pb n="348"/><anchor id="Pg348"/>die Lehre von den Ferien vom Ich + erfunden und gepredigt hat, selbst mit Haut und Haaren mitten im dicksten + Ichleben gesteckt. Hauptsächlich wegen Ihrer Familienangelegenheiten. Jetzt + erst, wo sich alles in Frieden löst, werden Sie Ihrer Idee ganz und mit Freuden + dienen können. Sie lehren selbst: in den Ferien vom Ich los von der Familie! + Deshalb habe ich auch von Anfang an gemeint, wenigstens einer von uns beiden + müsse ganz ohne Familie sein.“ </p> + <p> „Und welcher von uns beiden soll das sein?“ </p> + <p> „Sie!“ </p> + <p> Fast hätte ich über den alten Egoisten lachen müssen. </p> + <p> „Sie wären aber doch viel geeigneter, Stefenson; denn Sie sind doch schon ohne + Familie.“ </p> + <p> „Sie vergessen, daß ich eine Braut habe.“ </p> + <p> „Eva Bunkert? Ich meine, dieser Verlobtenstand ist einseitig.“ </p> + <p> Er lachte. </p> + <p> „Bah – wegen der Auskneiferei – wegen dieser Marotte? Ich habe an Eva einen + vernünftigen Brief geschrieben, habe ihr gesagt, ich würde ihr gern nachreisen, + wenn es nicht zu dumm wäre, und wenn ich Zeit dazu hätte. Sie solle ja nicht + annehmen, daß ich jetzt plötzlich an ihrem Theater als Coiffeur, Portier, + Kulissenschieber oder dergleichen auftauchen würde, um sie weiter zu beobachten. + Das würde abgeschmackt sein; denn ich mache keinen Witz zweimal. Im übrigen + liebte ich sie unverändert weiter und überließe ihr, zu bestimmen, wann unsere + Hochzeit sein solle. Diesen Brief habe ich vor acht <pb n="349"/><anchor id="Pg349"/>Tagen + geschrieben und noch keine Antwort. Das ist doch ein sehr günstiges Zeichen.“ </p> + <p> „Ich würde dieses Zeichen anders auslegen.“ </p> + <p> „Nein. Sie grämt sich. Sie kann gar nicht schreiben. Wäre ich ihr egal, hätte + sie mir einen schnippischen, und wäre sie ein oberflächliches Weib, sofort einen + freundlichen Verzeihungsbrief geschrieben. So ist sie ein braves Mädel, das mich + liebt, und schreibt gar nicht.“ </p> + <p> „Es kann schon so sein“, sagte ich müde; „ich hoffe, daß es Eva gut geht!“ </p> + <p> „Nun, so ... so ... Vor fünf Tagen hat sie das erstemal auf der Oper gesungen. + Zwei Kritiker haben sie bestehen lassen; einer hat sie etwas mitgenommen. Mit + dem habe ich mich telephonisch verbinden lassen. Ich habe den Mann aufgeklärt, + um was es sich handelt – so in großen Zügen natürlich –, und ihm gesagt, daß + er mir einen Riesengefallen tun würde, wenn er Fräulein Eva Bunkert nach Strich + und Faden verrisse und an der Oper unmöglich mache. Meine eventuelle + Erkenntlichkeit für ihn habe ich dem Kritiker wirklich nur ganz diskret und + delikat angedeutet. Trotzdem hat mir der Grobian gesagt, es sei schade, daß sich + telephonisch keine Ohrfeigen austeilen ließen; im übrigen sei Fräulein Bunkert + ein außerordentlich hoffnungsvolles Talent. Das habe ich davon. Nun wird sie + auch dieser Kerl loben. Ach, du lieber Gott, die deutschen Zeitungsschreiber + sind sehr verschiedener Art.“ </p> + <p> „Und Sie fürchten gar nicht, daß Eva Bunkert Ihnen verlorengehen könnte?“ </p> + <pb n="350"/><anchor id="Pg350"/> + <p> „Nicht eine Minute. Sie hat gebissen. Ich halte sie fest. Wenn sie noch ein + wenig herumzappeln will, kann ich ihr den Spaß ja gönnen.“ </p> + <p> So purzelte Stefensons draufgängerische, frische Art durch den bangsten Tag + meines Lebens. Und als ich am nächsten Morgen nach tiefem Schlaf erwachte, + fühlte ich mich gesund und munter, stark genug, dem Leben ins Auge zu schauen + und mit Lust und Freude an meinem schönen Werke weiter zu schaffen. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Etwa drei Wochen später besuchte mich Stefenson wieder in meinem Arbeitszimmer. + Auf dem Tische lag die neueste Nummer der „Neustädter Umschau“. </p> + <p> „Ich habe diesmal nichts drin“, sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. + Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riß er die Augen auf, trat ans + Fenster. </p> + <p> „Haben Sie schon – haben Sie schon gelesen?“ fragte er aufgeregt. </p> + <p> „Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar nicht + hineingeschaut.“ </p> + <p> „Da – da ...“ </p> + <p> Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las: </p> + <p> „Verlobung. Die Opernsängerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen Baurats + August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn des herzoglichen + Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. – Eine rasche Künstlerkarriere!“ </p> + <p> „Da haben wir’s“, sagte ich. „Die Sache ist in der Tat sehr rasch gegangen.“ </p> + <pb n="351"/><anchor id="Pg351"/> + <p> „Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen wissen?“ + brüllte Stefenson. </p> + <p> „Ja, was soll ich in meiner Überraschung dazu sagen? Es tut mir natürlich leid + um Sie!“ </p> + <p> „Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu tun. Ich + verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, daß ich diese Gans los bin. Ich bin + auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses flatterige Ding mit + ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer zu, immer zu! Was verliere + ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich bei ihm in Taschentücher mit + einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen kann, deshalb gibt sie mich auf. + Einen Mann wie mich, der diese bankerotte Bauratstochter gegen alle + Vernunftgründe geliebt hat und sie heiraten wollte, gibt sie auf!“ </p> + <p> Er sank in einen Stuhl. Sein Schmerz war maßlos. Aber ich blieb kühl. </p> + <p> „Lieber Freund“, sagte ich, „es ist sicher für unsere Gründung ganz gut, wenn + Sie familienlos bleiben, wenn Sie Ihre Selbständigkeit, den ruhigen, klaren + Blick ...“ </p> + <p> „Halten Sie den Mund! Kommen Sie mir nicht mit solchem Blödsinn. Satt hab ich’s, + satt. Meinetwegen mag die ganze Geschichte hier zum Teufel gehen. Mir liegt an + nichts mehr etwas, an gar nichts mehr!“ </p> + <p> Er wand sich in dem Lehnstuhl, in dem er saß, wie in Krämpfen. Ich stellte mich + ans Fenster und zündete mir eine Zigarre an. Da knirschte er: </p> + <p> „Sprechen Sie wenigstens; sagen Sie etwas zu mir. Das kann ich doch wohl + verlangen.“ </p> + <pb n="352"/><anchor id="Pg352"/> + <p> „Sie lassen mich ja nicht zu Worte kommen, Stefenson. Und dann, ich weiß selbst + nicht, was ich zu der Sache sagen soll.“ </p> + <p> „Jawohl, Sie machen sich eben nichts aus mir. Sonst könnten Sie sich jetzt nicht + so pomadig eine Zigarre anzünden. Schöner Freund! Glauben Sie denn, daß sie mit + dem Grafen, diesem neunmal gehörnten Kerl, glücklich sein wird?“ </p> + <p> „Das kann ich nicht beurteilen.“ </p> + <p> „Das müssen Sie beurteilen können! Sie müssen wissen, daß solche sogenannten + Mesalliancen nie zum Glück führen, daß dieses Weib im Hause ihres gräflichen + Gatten als Eindringling entweder gar nicht zugelassen oder <hi rend="antiqua">sub</hi> Luder behandelt werden wird, daß der Mann ihrer überdrüssig + sein wird, wenn ihre Schönheit verblüht, daß sie dann im Elend sitzen wird.“ </p> + <p> „Das kann schon alles so kommen, es kann aber auch anders sein. Es kommt ganz + auf den Mann an. Prophezeien kann niemand, höchstens unsere alte Wahrsagerin + unten in Waltersburg.“ </p> + <p> „Wollen Sie mich verspotten? Sich über mich lustig machen? Ist das Ihre + Freundschaft?“ Er war wütend. </p> + <p> „Lieber Stefenson, Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Was immer ich auch jetzt sagen + möchte, würde Ihnen nicht gefallen. Warten wir also ab, bis Sie sich etwas + beruhigt haben, und daß Sie dann ganz auf mich rechnen können, wissen Sie ja + doch!“ </p> + <p> „Ich werde mich nie beruhigen“, sagte er. „Über das komme ich nicht weg!“ </p> + <pb n="353"/><anchor id="Pg353"/> + <p> Wohl zehn Minuten vergingen, während deren Stefenson im Zimmer auf und ab + schritt. Manchmal blieb er stehen, sprach leise mit sich selbst oder fuchtelte + mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er: </p> + <p> „Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwähnten?“ </p> + <p> „Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten Zollhaus, + kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger Weg, ein Weib, + das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie nennt sich nach + ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heißt, wie alt sie ist, weiß kein + Mensch. Für fünfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den Bürgern, Bauern und + Köchinnen die Zukunft.“ </p> + <p> „Und stimmt es, was sie sagt?“ </p> + <p> „Ja, das weiß ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft nicht + gekümmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fünfundzwanzig Pfennig + zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt, wir würden bald + eine mächtige Tracht Prügel bekommen. Und das ist auch eingetroffen. Es kam + nämlich heraus, daß wir die fünfundzwanzig Pfennig zur Sibylle getragen hatten, + und wir bekamen Prügel dafür.“ </p> + <p> Ich wußte, daß Stefenson abergläubisch war. Viele sonst sehr kluge Menschen sind + es. Stefenson fing an einem Freitag kein Geschäft an, es beunruhigte ihn, wenn + eine Katze über seinen Weg lief, und er hatte immer ein altes Hufeisen auf + seinem Schreibtische liegen. Er <pb n="354"/><anchor id="Pg354"/>stammte ja auch aus Amerika, wo + der Aberglaube zu Hause ist. Jetzt fühlte er das Bedürfnis, sich ein wenig zu + rechtfertigen, und sagte: </p> + <p> „Es ist durchaus falsch, alle Hellseherei von vornherein als Unsinn zu erklären. + Es können da Naturkräfte wirken, die wir nicht kennen.“ </p> + <p> „Gewiß – gewiß!“ </p> + <p> Er versank wieder in tiefe Traurigkeit. </p> + <p> „Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, sie möge + doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen wolle, daß ein + Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten wolle, zu deren + gründlichster Prüfung berechtigt sei, so solle sie halt denken, daß es mir doch + auch Spaß gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich eine unerkannte Rolle zu + spielen, und daß ich doch eigentlich als Knecht Ignaz um sie gedient habe wie + Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von diesem Brief glaubte ich, er sei + eigentlich zu deutsch, zu sentimental. Aber es war mir so ums Herz, und so + schickte ich ihn ab. Der Brief wird gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen + sein.“ </p> + <p> Es schüttelte ihn vor Schmerz und Zorn. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="355"/><anchor id="Pg355"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Der Fuchs und die Sibylle</head> + <p> Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe + windbrüchiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum Hause der + Sibylle schlängelte. Das kleine Anwesen sah schäbig und unordentlich aus. Die + Tür stieß einen grämlichen Quieker aus, als ich eintrat. Der Hausflur war + finster, aber in dem daranstoßenden Zimmer, dessen Fenster mit buntem Kattun + verhängt waren, brannte eine kleine Lampe. Die „Sibylle“ erhob sich und kam mir + entgegen. Mit krummem Rücken, auf einen Stock gestützt, hob sie ihr verrunzeltes + Gesicht, das in dem trüben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu + mir empor. </p> + <p> „Wird er kommen?“ fragte sie. </p> + <p> „Ich weiß es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kräftig eingeredet. + Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten Sie sich genau an + unsere Abmachungen.“ </p> + <p> „Jawohl!“ nickte das Weib. </p> + <p> Ich mußte eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefaßt hatte, + beinahe auf. Noch zweimal <pb n="356"/><anchor id="Pg356"/>hatte Stefenson heute von der + Wahrsagerin angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwürdige Fälle erzählt, + in denen die Voraussagungen der Sibylle in verblüffender Weise eingetroffen + waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten verlassen, + da sah ich den alten Fuchs um die Wegkrümmung treten und vorsichtig umherspähen. </p> + <p> „Er kommt!“ sagte ich zu der Sibylle durch die Tür. „Nun machen Sie Ihre Sache + gut.“ </p> + <p> Fünf Minuten später hörte ich nebenan Stefenson eintreten. </p> + <p> „Guten Abend“, sagte er etwas verlegen. „Ich komme mal zu Ihnen. Sie brauchen + sich deswegen nicht etwa einzubilden, daß ich auf Ihren Quatsch etwas gebe; aber + ich habe von Ihnen gehört, und da will ich mal einen Versuch machen – der + Wissenschaft halber, verstehen Sie?“ </p> + <p> Die Sibylle rührte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in ein + geflicktes Umschlagetuch gehüllt, vor Stirn und Augen hatte sie einen grünen + Lichtschirm, über dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das alte Weib + betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte kein Wort. </p> + <p> „Nun?“ mahnte Stefenson ungeduldig. </p> + <p> Keine Antwort. </p> + <p> „Ja, wollen Sie nun gefälligst mit mir sprechen?“ brauste der Amerikaner auf. </p> + <p> „Scheren Sie sich hinaus!“ krächzte die Alte. </p> + <p> „Wa–as?“ </p> + <pb n="357"/><anchor id="Pg357"/> + <p> „Hinausscheren sollen Sie sich!“ wiederholte der häßliche Rabe. </p> + <p> „Das ist stark!“ sagte Stefenson verblüfft. „Nun bleibe ich natürlich hier!“ </p> + <p> Er schob sich den wackligen Stuhl, der an der Wand lehnte, zurecht und sah mit + stoischer Ruhe zu, wie das alte Weib ihre Karten mischte und legte, ohne ihn + auch nur im geringsten zu beachten. Ich vergnügte mich an meinem Guckloche + königlich. </p> + <p> Endlich stand Stefenson auf, legte auf die Tischkante eine Münze und sagte mit + erzwungener Höflichkeit: </p> + <p> „Madame, ich möchte gern durch Ihre Kunst meine Zukunft erfahren.“ </p> + <p> „Warten Sie!“ schnarrte der Rabe. </p> + <p> Und Stefenson wartete. Sibylle betrachtete indes unverwandt ihre Karten. Endlich + schien sie fertig zu sein. Sie warf einen Blick auf das Geldstück und sagte: + „Auf zwanzig Mark kann ich nicht herausgeben. Es kostet fünfundzwanzig Pfennig.“ </p> + <p> „Behalten Sie nur das Goldstück“, erwiderte Stefenson. Da schnipste sie mit dem + Finger die Münze vom Tische hinab auf den Fußboden und kreischte wütend: </p> + <p> „Fünfundzwanzig Pfennig kostet es!“ </p> + <p> Stefenson kramte in einer Westentasche und legte fünfundzwanzig Pfennig auf den + Tisch. </p> + <p> „Stecken Sie das Goldstück ein!“ befahl die Alte. Stefenson leuchtete mit + Streichhölzern gehorsam den Fußboden ab, bis er die Goldmünze fand, und steckte + sie <pb n="358"/><anchor id="Pg358"/>ein. Darauf mischte Sibylle die Karten, ließ Stefenson dreimal + abheben und sagte: </p> + <p> „Sie sind neunundvierzig Jahre alt!“ </p> + <p> Stefenson lachte ärgerlich. </p> + <p> „Neununddreißig bin ich.“ </p> + <p> „So sehen Sie nicht aus!“ </p> + <p> Darauf wurden die Karten auf den Tisch gebreitet. </p> + <p> „Richtig – erst neununddreißig“, sagte die Wahrsagerin. </p> + <p> „Am 14. April geboren.“ </p> + <p> „Das stimmt!“ rief Stefenson verblüfft. </p> + <p> „Es stimmt alles, was ich sage“, knurrte die Alte. </p> + <p> „Sie haben weder Vater noch Mutter, Bruder noch Schwester. Sie sind nicht aus + diesem Lande, Sie sind über das Wasser gekommen.“ </p> + <p> Stefenson setzte sich staunend auf den Stuhl. </p> + <p> „Sie sind sehr reich“, fuhr die Alte fort, „und werden immer reicher werden; + aber Sie haben Unglück in der Liebe.“ </p> + <p> „Ja“, murmelte Stefenson. </p> + <p> „Ihre Braut heiratet einen anderen.“ </p> + <p> „Ist das wahr?“ </p> + <p> „Ja. Aber Sie sind selbst schuld; Sie haben Ihre Braut schlecht behandelt und + sie betrogen.“ </p> + <p> Stefenson stöhnte leise. Die Alte fuhr fort: </p> + <p> „Wenn Sie sich mit dem neuen Bräutigam Ihrer Braut duellieren, werden Sie ihn + töten.“ </p> + <p> „A–ah!“ </p> + <pb n="359"/><anchor id="Pg359"/> + <p> „Ja, aber es wird Ihnen schlimm ergehen, weil er ein vornehmer Herr ist, und das + Mädchen wird doch einen anderen nehmen.“ </p> + <p> „Wird sie glücklich werden?“ fragte Stefenson. </p> + <p> „Sie wird mit jedem Manne glücklich werden, den sie nimmt. Nur mit Ihnen wäre + sie unglücklich geworden.“ </p> + <p> „Das ist nicht wahr!“ rief Stefenson. </p> + <p> „Das ist ebenso wahr, als daß Sie nach einem Jahre eine reiche Amerikanerin + heiraten werden.“ </p> + <p> „Schwindel!“ rief Stefenson erbost. „Ich werde nie eine andere heiraten. Sie + schwafeln da einen ungeheuren Blödsinn zusammen!“ </p> + <p> „Scheren Sie sich hinaus!“ kreischte der Rabe wütend und klappte die Karten + zusammen. </p> + <p> „Ich bitte, daß Sie weitersprechen“, beruhigte sich Stefenson gewaltsam. </p> + <p> Die Alte aber erhob sich und humpelte der Nachbartür zu. </p> + <p> „Bleiben Sie da“, rief Stefenson; „ich habe doch fünfundzwanzig Pfennig + bezahlt.“ </p> + <p> Sie gab keine Antwort, verschwand hinter der Tür und schob den Riegel vor. </p> + <p> In diesem Augenblick sprang ich im Nebenzimmer aus dem Fenster hinaus in den + Garten, ging ums Haus herum und trat durch den Flur in die Vorderstube. </p> + <p> Als Stefenson und ich uns sahen, prallten wir voreinander zurück. </p> + <pb n="360"/><anchor id="Pg360"/> + <p> „Sie – Doktor?“ </p> + <p> „Sie – Stefenson?“ </p> + <p> Er lachte außerordentlich verlegen. Leise sagte er: „Aber wissen Sie – nur der + Wissenschaft halber ...“ </p> + <p> „Ja – ich natürlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon dran?“ </p> + <p> „Ja. Und es hat merkwürdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat sich + abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr erfahren.“ </p> + <p> „Wenn es Sie nicht stört, warte ich mit.“ </p> + <p> Ich sah, daß ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich auf + den Tisch und ließ die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging; es wurde + langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tür der anderen Stube geklopft, + aber keine Antwort erhalten. Endlich hörten wir drin ein Gekrabbele. </p> + <p> „Sind Sie noch da?“ krächzte die Sibylle. </p> + <p> „Jawohl!“ antwortete Stefenson. </p> + <p> Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte: </p> + <p> „Ich werde Ihnen für Ihre fünfundzwanzig Pfennig jetzt noch zeigen, wie Ihre + künftige Frau aussieht, und dann scheren Sie sich endlich fort.“ </p> + <p> „Ich will nichts wissen von einer künftigen Frau, ich bleibe ledig!“ widersprach + Stefenson. „Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir noch auf einige Fragen + Auskunft.“ </p> + <p> „Nein!“ brummte der Rabe. „Sie werden nur noch Ihre künftige Frau sehen!“ </p> + <pb n="361"/><anchor id="Pg361"/> + <p> Die Tür sprang auf, und in ihrer Öffnung stand Eva Bunkert in ihrer ganzen + strahlenden Schönheit. Stefenson faßte sich an den Kopf. </p> + <p> „Eva!“ </p> + <p> „Ja, ich bin’s!“ sagte das Mädchen, blieb stehen und lachte. </p> + <p> „Wie ist das möglich? Wie ist das nur möglich?“ Stefenson machte den Eindruck + verdattertster Hilflosigkeit. Da sprang ich vom Tisch herunter, brach in + Gelächter aus und schrie jubelnd: </p> + <p> „Wir haben einen alten, sehr alten Fuchs gefangen. Horrido!“ </p> + <p> Eva hatte glührote Wangen. Sie trat auf den wie angewurzelt dastehenden, + staunenden Stefenson zu, reichte ihm die Hand und sagte mit warmem Ton in der + Stimme: </p> + <p> „Mein Lieber, Sie werden mir wegen dieser Komödie nicht zürnen. Eine kleine + Strafe wenigstens hatten Sie für Ihre Ignazmaskerade doch wohl verdient.“ </p> + <p> „Ich verstehe nichts – nichts von allem“, stammelte Stefenson. Da griff ich + ein. </p> + <p> „Also, lieber, alter Fuchs, ich will Ihnen alles kurz erklären, was jetzt Ihr in + eine Wolfsgrube gefallener Verstand doch nicht von selber findet! Die Sibylle, + die Sie befragt haben, war niemand anders als Fräulein Eva selbst.“ </p> + <p> „Oh – oh – und die wirkliche Sibylle?“ </p> + <p> „Sitzt in der Dachkammer und hat uns gegen Geld <pb n="362"/><anchor id="Pg362"/>und gute Worte ihr + Amtslokal mal vorübergehend überlassen. Ist das nicht gut?“ </p> + <p> Er sagte nicht, daß das „gut“ sei. Ganz förmlich wandte er sich an Eva. </p> + <p> „Mein gnädiges Fräulein, es ist ja recht, recht liebenswürdig, daß Sie mit mir + zu scherzen belieben; aber ich darf wohl einigermaßen erstaunt sein, da ich erst + heute morgen in der Zeitung –“ </p> + <p> Ich griff wieder ein. </p> + <p> „Die ‚Neustädter Umschau‘ war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, + verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich geschrieben, + habe sie in die ‚Umschau‘ lanciert, aber nicht etwa in die ganze Auflage, + sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei mir abgegeben werden. + Da ist eben für diese zwei Nummern im Satzspiegel eine kleine Änderung gemacht + worden.“ </p> + <p> „So ist wohl alles gar nicht wahr?“ </p> + <p> „Nein, es ist nicht wahr“, sagte Eva und wurde in dem Maße röter, als Stefenson + bleicher wurde. Ich fürchtete mit einem Male, der Scherz könne noch schief + ausgehen, und sagte deshalb: </p> + <p> „Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekränkte Unschuld. Da wären + Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der Ignazgeschichte + und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. Ihr Sündenregister + ist in dieser Hinsicht so groß, daß unsere kleine List eine äußerst gelinde + Strafe ist.“ </p> + <pb n="363"/><anchor id="Pg363"/> + <p> „Und – und der Graf Simmern – und der herzogliche Kammerherr?“ </p> + <p> „Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns + existieren doch gar nicht.“ </p> + <p> „Ah – so ist das gewesen? Die Anzeige war gefälscht, und die Wahrsagerin waren + Sie selbst. – Es – es ist ja sehr witzig! Gnädiges Fräulein, Sie haben die + alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine große + Schauspielerin.“ </p> + <p> Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst träte. Ich sagte: </p> + <p> „Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die Tracht + eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsängerin mal in das Habit einer + Wahrsagerin schlüpft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch selbstverständlich.“ </p> + <p> Seine Augen irrten umher. </p> + <p> „Ich fürchte, die wirkliche Sibylle wird sich in der Bodenkammer erkälten. Man + sollte sie jetzt herunterrufen.“ </p> + <p> Die Stimmung wurde frostig. Ich sah, daß Evas rote Wangen verblichen. In diesem + Augenblick humpelte die wirkliche Sibylle ins Zimmer. Sie lachte albern und + blinzelte verlangend mit den Augen. </p> + <p> „Na, Sibylle“, sagte Stefenson, „Sie werden ja von den Herrschaften schon + bezahlt sein; da haben Sie auch von mir noch ein Trinkgeld.“ </p> + <p> Er legte ein Fünfzigpfennigstück auf den Tisch. Die Alte fauchte unzufrieden; + mir ging die Laune aus. „Gehen <pb n="364"/><anchor id="Pg364"/>wir hinaus!“ sagte ich. Ich half + Eva den Mantel umlegen und fühlte, wie das Mädchen erregt war. Schweigend + stiegen wir den Berg hinauf. Ich hatte einen mächtigen Groll auf Stefenson. Er + selber hänselte alle Welt, aber einen Scherz gegen seine eigene hohe Person + vertrug er nicht. Da hatte mir nun in all den Wochen die schöne Eva brieflich + ihren Liebeskummer geklagt, ich hatte ihr langsam den Zorn gegen Stefenson, den + sie der Ignazmaskerade wegen hegte, ausgeredet, sie hatte endlich den Brief mit + der Stelle von Jakob, der um Rahel dient, erhalten, war dadurch gerührt, + heimlich in Waltersburg angekommen und hatte sich in der Wohnung ihres Vaters, + unseres jetzigen Baurats, versteckt. Liebesselig und voller Sehnsucht. Ich, der + das Mädchen selbst geliebt hatte, war mit mir fertig geworden, guter Laune zu + sein und ihr zu einem unschuldigen Racheplan gegen den Geliebten zu helfen. Nun + scheiterte alles am Hochmut dieses Hansnarren. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Wir waren kurz vor dem Grundhof, da blieb Stefenson plötzlich stehen und fing + unbändig an zu lachen. Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein Kollern. </p> + <p> „Also“, sagte er, „nun haben sie den Fuchs gefangen, und da sie ihn in der Falle + haben, machen sie beleidigte Gesichter, weil der Gefangene knurrt, was doch + selbstverständlich ist. Lieber Doktor, Freund und Menschenkenner, bitte, gehen + Sie mal freundlichst voran bis zur Lindenherberge und erwarten Sie uns im + Poetenwinkel. Wir kommen langsam nach.“ </p> + <pb n="365"/><anchor id="Pg365"/> + <p> Ich ging voran, und als die beiden anderen im Poetenwinkel eintrafen, sah ich in + ihnen ein glückliches Paar. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Es war noch nicht spät, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengäste noch + alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der Herbergsvater + besaß, angestoßen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher zu mir: </p> + <p> „Daß der Kerl von der ‚Umschau‘ zwei Mark für die Zeile der gefälschten + Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschämt. Eine Mark wäre auch + genug gewesen.“ </p> + <p> „Woher wissen Sie den Preis?“ </p> + <p> „Na, ich war doch drüben in der Redaktion.“ </p> + <p> „In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?“ </p> + <p> „Ja, natürlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die ‚Umschau‘ die + große Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger Überredungskunst und + einigen Papiergeldes den ganzen schönen Schwindel heraus.“ </p> + <p> „Das ist infam!“ rief ich. </p> + <p> „Er hat alles gewußt“, sagte fassungslos die schöne Eva. </p> + <p> „Jawohl, alles!“ schmunzelte Stefenson. „Dann, als ich von Neustadt zurückkam, + ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der so ganz + geschickt und ganz und gar unauffällig suggerierte, ich solle doch durchaus mal + zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was dahinter! Da werden + die Schlau<pb n="366"/><anchor id="Pg366"/>berger mit dir wohl noch was vorhaben. Und ich ging zu + der alten Sibylle.“ </p> + <p> „Er hat mich sofort erkannt“, klagte Eva. „So schlecht habe ich gespielt.“ </p> + <p> „Du hast herrlich gespielt!“ rief Stefenson. „Du bist eine große Künstlerin. Die + Sprache – zum Fürchten; das Äußere – zum Schlechtwerden. Zum Beispiel diese + borstigen Warzen an Kinn und Hals. Ich habe nie eine schrecklichere Theaterhexe + gesehen.“ </p> + <p> „Es ist aus mit meiner Bühnenlaufbahn“, sagte Eva. „Das ist die furchtbarste + Kritik, die ich bekommen konnte. Ich kann ihm nie, nie was vormachen!“ </p> + <p> „Nein“, sagte Stefenson mit großer Befriedigung, „und weil ich jetzt weiß, daß + du mir nie etwas vormachen kannst, heirate ich dich. Ich heirate dich mit großer + innerer Ruhe und mit sehr großem Vergnügen!“ </p> + <p> Daß uns aber auch diesmal der alte Fuchs übertölpelt hatte, ärgerte mich so, daß + mir der gute Wein nicht mehr schmeckte. </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="367"/><anchor id="Pg367"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Advent</head> + <p> Es ist nun still geworden bei uns. Stefenson ist nach Amerika hinüber, um in + Eile seiner künftigen Frau ein Heim zu bereiten. Diesmal ist er wirklich + abgereist; ein Vertrauensmann von mir hat ihn in Hamburg an Bord gehen sehen. + Eva wohnt zwar bei ihrem Vater, hält sich aber allermeist im Forellenhof auf, + der ihre zweite Heimat geworden ist. Der Bauer Barthel hat seit dem Abenteuer + seiner Verhaftung an Reputation etwas eingebüßt und steht jetzt ganz unter dem + Regiment der dicken Susanne; aber der alte Friede ist wiedergekehrt. </p> + <p> Nur ein wenig still ist es. Methusalem und Emmerich, die lustigen Burschen, + haben auch längst schweren Herzens von uns Abschied nehmen müssen, um in ihr + bürgerliches Leben zurückzukehren, und Piesecke ist vom Forellenhof fortgezogen. + Er wohnt jetzt in der Waldschölzerei. Er sagte mir, „er habe an Barthel und + Susanne mit der Zeit ein Haar gefunden“ und wolle auch Eva aus dem Wege gehen. + In Wirklichkeit hegt sein leichtbewegliches Herz bereits eine neue Sehnsucht, + und diese Sehnsucht wohnt in der Waldschölzerei. Sie heißt Agathe. </p> + <p> „Lieber Herr Doktor“, sagte er dieser Tage zu mir, <pb n="368"/><anchor id="Pg368"/>„wenn mich die + kleine Agathe will, dann möchte ich sie heiraten und mit ihr immer hier bei + Ihnen im Heim bleiben. Vielleicht kann ich mich mit etwas Kapital beteiligen und + eine kleine Stellung, so als Subdirektor oder ähnlich, bekommen. Ich möchte + nicht wieder fort von hier; die große Welt hat allen Reiz für mich verloren.“ </p> + <p> „Wir wollen abwarten und überlegen, lieber Piesecke.“ </p> + <p> „Ich soll immer abwarten, nie handeln“, sagte er betrübt. </p> + <p> „Sie haben eben in Ihrem früheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber Freund. + Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien.“ </p> + <p> Da fügte er sich. – </p> + <p> Mit dem schweizerischen Namen „Heimwehfluh“ ist eines unserer kleinen Anwesen + benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die + Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Käthe mit ihrem Kinde. Die Frau + ist blaß und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Mühe durchsetzen + können, daß sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise ganz allein sein. </p> + <p> Das Mädchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht, zu + anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie drängt es oft dazu, aber das Kind + bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen Paradies der + Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschichten, die Mutter spielt so + schön, wie niemand spielen kann, die Mutter macht selbst das Lernen zur Lust. </p> + <pb n="369"/><anchor id="Pg369"/> + <p> Käthe und das Kind sind noch die einzigen Kameraden, die ich hier habe. Sie + stören mich nicht. Ich weiß, daß sie im Frieden sind und daß sie mir, wenn ich + frage, wie es ihnen geht, immer nur die eine Antwort geben werden: „Es geht uns + gut!“ Es ist schön, Menschen zu begegnen, die sagen, daß es ihnen gut gehe; es + ist wie ein herzstärkender Blick auf ein heiteres Gelände, der sich bei einer so + lieben Antwort auftut. </p> + <p> Im Forellenhof wird jetzt viel geschneidert, gestrickt, gebastelt. Eva schafft + an ihrer Ausstattung, und alles Weibsvolk ist ganz närrisch, ihr dabei zu + helfen. Es ist sehr heimlich in der großen Bauernstube. Der Wind zieht um die + Giebel oder pfeift auf dem Schornstein wie auf einer großen Flöte, der Regen + knistert am Fenster, das Feuer flackert im Herd, die alte Uhr geht freundlich + ihren Weg hin und her mit ihrem Schlenkerbein. Manchmal erzählt eine der Frauen + eine Geschichte, manchmal rattert eine Nähmaschine, manchmal spielt Vater + Barthel auf der Ziehharmonika, oft kommt einer von den „Mannsvölkern“ in die + Stube, schüttelt sich wie ein Pudel, wärmt sich am Ofen und sagt etwas Nettes + oder etwas Dummes, über das gelacht werden kann. Was bei der Hausarbeit + herauskommt, kann ich nicht beurteilen. Eva wird eine sehr reiche Frau sein, + aber vielleicht sind ihr einmal diese mit recht verschiedenartigem Talent im + Ferienheim gestickten Monogramme und Schneidereien lieb und wert ... </p> + <p> Ich bekam eben einen Eilbrief von Methusalem aus München: </p> + <pb n="370"/><anchor id="Pg370"/> + <p><text><body><salute rend="margin-left: 6"> + „Lieber Doktor! + </salute> + <p> Unser Freund Stefenson (wo hätte ich den Heimtücker in dem langen Ignaz + vermutet!) hat mich von Amerika aus mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, die + äußeren Feierlichkeiten seines Hochzeitsfestes in Regie zu nehmen. Trotz meines + hohen Alters will ich die Aufgabe übernehmen. (Notabene: Was sagen Sie als + Mediziner dazu, daß ich mit neunhundertachtundneunzig und dreiviertel Jahren + noch einen Weisheitszahn kriege?) Also übernehmen! Die bewilligten Mittel sind + generös. Man könnte damit alle Einwohner eines deutschen Herzogtums drei Tage + lang freihalten. Ich werde mit einem Bruchteil des Geldes auskommen, und das + Fest wird dennoch glänzend sein. Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer + an einer Taubstummenanstalt und auch sonst ein berühmter Musiker, übernimmt den + musikalischen Teil. Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines + großen deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhöchste + Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon morgen; + sagen Sie Frau Susanne, daß ich vor Sehnsucht nach ihr brenne, durch welch + schöne Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu heizen, und + bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festausschuß einzutreten. </p> + <p rend="text-align: right"> + Ihr getreuer Methusalem. + </p> + <p> Nachschrift! Ich habe heute aus Freude, so bald nach dem geliebten Waltersburg + zurückkehren zu können, <pb n="371"/><anchor id="Pg371"/>bereits fünf Purzelbäume in meinem Bett + geschlagen. Ich finde das zwar unpatriarchalisch, aber es mußte sein! </p> + <p rend="text-align: right"> + Methusalem.“ + </p></body></text></p> + <p> Frau Susanne strahlte, als ich ihr Methusalems baldige Ankunft verkündigte, und + rannte spornstreichs nach dem Kohlenkasten. Sie kann ihren ältesten Sohn nicht + lieber haben als diesen Maler, der sie doch ständig ärgert und über den sie + ständig schimpft. </p> + <p> Mit Piesecke dagegen hatte ich Schwierigkeiten. </p> + <p> „Ich lehne ab, dem Festausschuß beizutreten“, sagte er kalt, als ich ihm + Methusalems Brief vorgelesen hatte. „Denn erstens, dieser Stefenson, der mich + als Knecht Ignaz gemißhandelt hat, verdient von mir keine Gefälligkeit, und + diese Eva auch nicht. Was aber Methusalem und Emmerich anbelangt, so habe ich + mich einmal mit ihnen eingelassen und die traurigsten Erfahrungen mit ihnen + gemacht.“ </p> + <p> „Lieber Piesecke“, sagte ich, „Sie werden sich das noch überlegen. Was Stefenson + anlangt, so sind Sie eine viel zu große Natur, um nachträgerisch zu sein. Und + mit Methusalem und Emmerich dürfen Sie sich ruhig verbinden. Ich gebe zu, daß + sich die beiden in der Waltersburger Schlacht feig und schäbig benommen haben. + Während Sie kämpften, hat der eine gezeichnet, der andere seine Hymne gesungen. + In den Kampf eingegriffen haben sie beide nicht, obwohl es ihre Pflicht war. Sie + sind eben keine Helden. Ein Fest aber ist keine Schlacht; da werden die zwei + ihren Mann stellen. Im übrigen gebe ich Ihnen <pb n="372"/><anchor id="Pg372"/>zu bedenken, daß, + falls Sie sich fernhielten, Fräulein Agathe aus der Waldschölzerei den schweren + Verdacht schöpfen könnte, Sie hätten Ihren Gram um die verlorene Eva immer noch + nicht verwunden.“ </p> + <p> „Oh“, rief da Piesecke, „den hab ich gründlich verwunden. Aber Sie haben recht, + der Verdacht läge nahe. Also mache ich mit!“ </p> + <p> Schon am nächsten Morgen kehrten unter ungeheurem Hallo Methusalem und Emmerich + nach dem Ferienheim zurück. Eine Stunde später fand die erste „Geheime Sitzung + des intimeren Festausschusses“, bestehend aus Methusalem, Emmerich und Piesecke, + statt. Ich hatte bescheiden angefragt, ob ich eine beratende Stimme im Ausschuß + haben dürfte, dieses war aber abgelehnt worden. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Was hatten wir für einen schönen Heiligen Abend! Auch über die Festtage war + unsere Anstalt mit Gästen gut besetzt, aber die Leute waren alle kurz vor dem + Christabend etwas stiller geworden. Ich merkte, wie viele an Heimweh litten. + Durch einen besonderen Anschlag war rechtzeitig bekanntgegeben worden, daß jeder + Feriengast ein Paket nach Hause senden und ein solches von Hause erbitten solle. + In den letzten Tagen trafen viele solche Liebesgaben bei uns ein. Sie wurden in + der Direktion aufgestapelt. Wie nun der Abend kam am 24. Dezember, dieser + heilig-süße Abend, an dem alle Herzen anders gehen als sonst, ritt auf + schneeweißem Roß Knecht Ruprecht von Haus zu Haus. Hinter ihm fuhren in einem + mit <pb n="373"/><anchor id="Pg373"/>Silber, Gold und Tannengrün geschmückten Schlitten vier + Engelein, von denen eines die kleine Luise war, dann kam ein Bläserchor, zuletzt + stampften Zwerge und Waldgeister durch den Schnee, die schleppten alle Pakete + auf den Schultern und taten, als ob sie schwer daran zu tragen hätten. </p> + <p> Vor jedem Bauernhof wurde haltgemacht. In der großen Stube brannte der + Christbaum; Knecht Ruprecht trat ins Zimmer und sagte seinen Weihnachtsgruß, die + Engelchen sangen ein Lied, der Bläserchor blies vor dem Hause einen Choral, und + die Zwerge und Waldgeister schleppten Pakete herbei – Grüße aus der Heimat. </p> + <p> Da hat keinem von unseren Feriengästen die Weihnachtsstimmung gefehlt. </p> + <p> Auch ich hatte meine Weihnachtsfreude. Am Nachmittag erhielt ich ein + Kabeltelegramm von der Mutter aus Rio: </p> + <p> „Sehne mich nach dir. Grüße von Joachim und mir an dich, Luise, Käthe und die + Heimat. Eure Mutter.“ </p> + <p> Frieden auf Erden! Ich ging nach der Heimwehfluh. Käthe saß am Fenster, spähte + nach dem Lichtschein der Fackeln, die den Schlitten begleiteten, darin ihr Kind + saß, und hörte auf die alten Weihnachtslieder, die aus dem Tale klangen. </p> + <p> Ich gab ihr das Telegramm. Sie las es und wurde zum ersten Male wieder ein wenig + rot im Gesicht. </p> + <p> „Schenke es mir zu Weihnachten“, bat sie. </p> + <p> „Ich habe es dir ja gebracht.“ </p> + <pb n="374"/><anchor id="Pg374"/> + <p> Ich blieb bei ihr, wollte Luises Rückkehr abwarten. </p> + <p> Da sagte sie im Laufe des Abends: </p> + <p> „Ich weiß wohl, daß es nicht mehr allzu lange mit mir dauern kann. Aber sage + mir, ob ich übers Jahr zu Weihnachten noch leben werde.“ </p> + <p> „Bestimmt, Käthe.“ </p> + <p> Da trat ein Lächeln auf ihre Züge. </p> + <p> „Das ist noch eine lange Zeit zum Glücklichsein!“ </p> + </div> + <div rend="page-break-before: always"> + <pb n="375"/><anchor id="Pg375"/> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Hochzeit und Ende</head> + <p> Stefensons Hochzeit fand am späten Nachmittag des ersten Christfeiertages in + aller Stille in der Waltersburger Kirche statt. Nur Evas Vater und ich waren als + Trauzeugen gegenwärtig. Wir waren nicht über den Marktplatz, sondern auf einem + Umweg nach der Kirche gefahren. So war das von Methusalem angeordnet worden. Auf + demselben Wege, den wir gekommen, mußten wir auch wieder nach Hause fahren. Ich + merkte, daß Stefenson verwundert war. Die heilige Handlung in der Kirche hatte + ihn gerührt, und er hatte wohl erwartet, daß es von der Kirche direkt nach dem + Marktplatz zu einer stimmungsvollen großen Weihnachts- und Hochzeitsapotheose + gehen würde. </p> + <p> Wir fuhren aber nach dem Heim zurück, und zwar nach dem „Rathaus“, und wurden + dort im großen Saal von zahlreichen Feriengästen erwartet. Das Brautpaar wurde + mit Heilrufen empfangen und zu seinen Ehrensitzen geleitet. Ein schönes Mädchen + mit roten Rosen im Haar überreichte den zwei Glücklichen einen goldenen, mit + Wein gefüllten Pokal, das Hochzeitsgeschenk des Heimes, und sprach dazu Verse, + die ein im Heim anwesender Dichter geschaffen hatte: </p> + <pb n="376"/><anchor id="Pg376"/> + <lg rend="margin-left: 3"> + + <l>„Alles Wünschen geht zur Ruh:</l> + <l>Du bist ich, und ich bin du!</l> + <l>All dein Schmerz und Leid ist mein,</l> + <l>All mein Gut und Glück sind dein!</l> + <l>Wo dein Fuß geht, ist mein Ziel,</l> + <l>Was zum Dienst dir, ist mein Spiel;</l> + <l>Deine Blumen pflanze ich,</l> + <l>Deine Tänze tanze ich;</l> + <l>Ich will deinen Kummer klagen,</l> + <l>Du sollst meine Kränze tragen;</l> + <l>Ich kann nimmer müde sein,</l> + <l>Ehe du nicht schlummerst ein;</l> + <l>Ja, mein Gott grüßt mich von fern,</l> + <l>Strahlt auf dich ein goldner Stern.“</l> + </lg> + <p> So sprach der Dichter in den Ferien vom Ich zu dem Brautpaar. </p> + <p> Schöne Lieder wurden gesungen, die Musikmeister Emmerich eingeübt hatte. + Ansprachen wurden gehalten von unserem Direktor, von je einem Vertreter der + Kurgäste wie der Angestellten, schließlich sprach auch ich ein paar + Freundesworte. </p> + <p> Stefenson war bewegt, als er für die Liebe, die er erfuhr, dankte, als er sagte, + er habe in diesem deutschen Tale den Frieden gefunden, den er drüben im Lande + der rücksichtslosen Dollarjagd niemals gekannt hatte. Hier habe er nach einem + Leben voll Aufregung, Überarbeit und gelegentlichen wilden Genüssen nicht nur + Ferien, sondern Feierabend gemacht. Er wisse jetzt, da er die Frau <pb n="377"/><anchor id="Pg377"/>seines Herzens gefunden habe, daß ein höheres Glück ihm Gott nicht mehr geben + könne, und so wolle er drüben in Amerika seine Beziehungen klug und vorsichtig + zu lösen suchen und dann ganz nach Deutschland ziehen, das ja doch seine wahre + Heimat sei. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="stars: 1"/> + </p> + <p> „Und nun“, kommandierte Methusalem, „großer Festkorso auf den Weihnachtsberg.“ </p> + <p> Draußen war es stockdunkel; die Straßenbeleuchtung war ausgeschaltet; aber + Fackeln und Laternen leuchteten phantastisch, und der Schnee schimmerte. Wohl + fünfzig Schlitten hielten da. Dem Zuge voran leuchtete eine riesige, + ballonartige Laterne, die an hohen Stangen getragen wurde. Auf der einen Seite + zeigte die Ballonhülle das liebliche Bild der „Hanne vom Forellenhof“, auf der + anderen eine scheußlich anzusehende, aber genial gezeichnete Karikatur + Stefensons. Ein Meisterstück Methusalems. </p> + <p> Vom Berg herab kam uns viel Volk entgegen; die Leute trugen Laternen mit + transparenten Bildern: Methusalem hatte sich selbst verewigt, als + tausendjährigen Greis voller Güte und Abgeklärtheit, Emmerich war von einem + Mückenschwarm fliegender Noten, Violinschlüssel, Kreuzen, Auflösungszeichen und + Fermaten umgeben, die dicke Susanne strahlte in zinnoberrotem Licht und + schimpfte fürchterlich, als sie ihr Konterfei sah, Barthel als gefesselter + Verbrecher war zu sehen, <anchor id="corr377"/><corr sic="Lewinsohn">Levisohn</corr> mit einer riesigen Reklametrompete, Piesecke + als Gott <pb n="378"/><anchor id="Pg378"/>Mars in furchtbarer Rüstung, schließlich auch mein etwas + ins Sentimentale karikierter Kopf, den ein Kranz von heulenden, bellenden, + hochnäsigen, sich Flöhe schabenden Dackeln lieblich umrahmte. Lauter + Meisterwerke des liebenswürdigen Greises und Vergnügungsleiters Methusalem. </p> + <p> Als wir der Weihnachtsburg näher kamen, erstrahlte sie in farbigen Lichtern, + Böllerschüsse hallten über Berg und Tal, und ein Chor blies vom grauen Turme + herab: </p> + <lg rend="margin-left: 3"> + + <l>„O du fröhliche, o du selige,</l> + <l>Gnadenbringende Weihnachtszeit.“</l> + + </lg> + <p> Gleich hinterher aber: </p> + <lg rend="margin-left: 3"> + <l>„Wenn Weihnachten ist,</l> + <l>Wenn Weihnachten ist,</l> + <l>Dann kommt zu uns der heil’ge Christ;</l> + <l>Bringt jedem eine Muh,</l> + <l>Bringt jedem eine Mäh,</l> + <l>Bringt jedem eine wunderschöne Schnätterättättä!“</l> + </lg> + <p> Unter den Klängen dieser großen Hymne der Fröhlichkeit zogen wir in die + Weihnachtsburg ein. </p> + <p> Der große mit Tannenreis ausgeschmückte Saal der Weihnachtsburg füllte sich mit + Menschen; Bräutigam und Braut waren zunächst nicht zu sehen. Nach etwa einer + halben Stunde aber erschienen beide auf einer kleinen Empore. Sie hatten ihre + hochzeitlichen Kleider abgetan <pb n="379"/><anchor id="Pg379"/>und waren in phantastischen + Kostümen, er als Winterkönig, sie als Königin. Regie Methusalem! </p> + <p> Mit donnerstimmigem Heilruf wurde das Brautpaar begrüßt. Holdselig lächelnd + grüßte die Braut in den Saal; steif und ungelenk verneigte sich Stefenson. Er + fühlte sich als Winterkönig sichtlich unbehaglich. Der Thron stand auf einer + amphitheatralisch ansteigenden Bühne. Ich selbst war als „Kammerherr“ neben + Stefenson plaziert. </p> + <p> Scheinwerfer warfen auf uns wechselnde Lichter. Atemlos stand das schlichte + Bergvolk. Alle Märchen- und Himmelsträume schienen vor ihm erfüllt. Feierliche + Weisen erklangen, und dann sprach nicht der Winterkönig Stefenson, wie alle + vermutet hatten, sondern Herr Methusalem sprach, der die Tracht eines + mittelalterlichen Notarius angelegt hatte. Er entfaltete ein Pergament und + verkündete: „Edles Gefolge des Königs und der Frau Königin! Ich als Kanzellarius + Seiner Majestät König Stefensons des Ganzgroßen und Hochdero majestätischer + Gemahlin Hanne der Einzigen verkünde, damit es männiglich erfahre, feierlich, + öffentlich und unwiderruflich folgendes:</p> + <p> Wir, Stefenson der Ganzgroße und Höchstmeine erlauchte Gemahlin Hanne, wollen, + daß dieser glückliche Tag ein Andenken hinterlasse. Darum machen wir für + Waltersburg eine Stiftung von hunderttausend Mark mit der Bestimmung, daß + alljährlich ein Drittel der Stiftungszinsen alten bedürftigen Eheleuten, ein + zweites Drittel den Waltersburger Schulkindern zugute komme; <pb n="380"/><anchor id="Pg380"/>das + dritte und letzte Drittel aber ist zu Hochzeitsgeschenken für die in jedem Jahr + Heiratenden bestimmt, von welcher Stiftung sich keines, auch nicht das + wohlhabendste Brautpaar ausschließen soll, auch wenn es nur ein Blumensträußchen + annimmt; den ärmeren aber soll ein guter Happen für den Nestbau gegeben werden.“ </p> + <p> Eine brausende Welle des Beifalls donnerte durch den Saal. </p> + <p> Ich sah verwundert auf Stefenson und flüsterte ihm zu: </p> + <p> „Wissen Sie etwas von dieser Stiftung?“ </p> + <p> „Kein Wort! Der Kerl verschenkt mein Vermögen.“ </p> + <p> Mir wurde doch etwas schwül. Oh, dieser Methusalem – dieser Regisseur! </p> + <p> Methusalem fuhr fort: </p> + <p> „Stefenson fragt nicht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank. Nur + Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er mit euch + leben und schaffen für das Gedeihen seiner Gründung, für den Ruhm Waltersburgs, + für das Heil der Menschheit. Nun wißt ihr vielleicht alle, daß unter den vielen + Geplagten, die in der harten Schule des Lebens müde und krank geworden, hier in + dieses schöne Tal kommen, um Ferien zu machen, einer daherhumpelte, von langer, + langer Reise, auf der er Arbeit und Mühe in erträglichem Maße, Verkennung und + Not in Überfülle, echtes Glück und wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes + Leben war lang, er war Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Methusalem + Freude und Friede. Methu<pb n="381"/><anchor id="Pg381"/>salem ist der Leiter dieses Festes, + Methusalem ist aller Weltweisheit und Welterfahrung voll, darum soll auch die + Stiftung, die Stefenson heute macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern + Methusalem-Stiftung heißen.“ </p> + <p> Das Volk staunte. </p> + <p> „Auch das noch!“ sagte Stefenson neben mir. </p> + <p> „Ja, es ist frech; außer den fünftausend Mark, die Methusalem neulich für + Susannes Bild erhielt, hat er sicher nicht einen roten Heller. Und macht eine + Methusalem-Stiftung von hunderttausend Mark!“ </p> + <p> Da erhob sich Stefenson zur Rede. Tiefe Stille. </p> + <p> „Meine lieben Waltersburger, von allem, was Methusalem an meiner Statt hier + gesagt hat, muß ich nur einem widersprechen, das betrifft die Stiftung.“ </p> + <p> Bestürzung. Schweigen. </p> + <p> „Methusalem, mein bevollmächtigter Hochzeitskanzler, hat sich in einem Irrtum + befunden, den ich berichtige. Die Stiftungssumme beträgt nämlich nicht + einhunderttausend Mark, sondern dreihunderttausend Mark!“ </p> + <p> Erst Stille. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut stand + auf, der Bräutigam sprach auf sie ein, während die Leute lärmten; die Augen der + glückseligen Braut glänzten, sie schmiegte sich fest an den Arm des starken + Mannes. Methusalem stand mit eigentümlichem, fast weinerlichem Lächeln daneben. + Stefenson verschaffte sich wieder Gehör. </p> + <p> „Bürger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen, alles + andere bleibt, wie es der <pb n="382"/><anchor id="Pg382"/>weise Methusalem angeordnet hat, die + Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung.“ </p> + <p> Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er + fünfunddreißig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe + neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Und zwar nicht so wie ein + tausendjähriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreißiger gelegentlich mal + heult. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <p> Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die Koffer des + Brautpaares schaffen lassen. Dort kleidete sich das Paar, als sich der Trubel + verlaufen hatte, zur Reise an. Dann fahren sie noch heute mit dem Nachtzuge + davon. </p> + <p> Wir waren in der Wohnstube der Mutter. Ein paar nahestehende Freunde waren da. </p> + <p> Zum Abschied sagte Stefenson zu mir: </p> + <p> „Es gibt kein besseres Band, das Freundschaft bindet, als das gemeinsame + Schaffen an einem erfolgreichen Werke. So werden wir zwei immer gute Freunde + sein. Wir wollen ‚du‘ zueinander sagen wie Brüder!“ </p> + <p> Ich schlug in die dargereichte Hand. </p> + <p> „Wann kommst du wieder?“ </p> + <p> „Ich weiß es noch nicht; ich weiß nicht, wie und wann ich drüben loskomme. Aber + loskommen werde ich. Was ich dann tue, kann ich noch nicht sagen. Vielleicht + tauchen eines Tages zwei Feriengäste bei euch auf, irgendein Herr Schulze mit + Frau, und vielleicht kommen dir diese Gäste <pb n="383"/><anchor id="Pg383"/>bekannt vor. Ich werde + nie anders denn als Gast im Ferienheim einkehren; ich will diese meine + Lieblingsschöpfung mir nicht zum Verwaltungsbezirke, nicht zum Arbeitsgebiete + werden lassen, sondern hier soll mir eine Ferienzuflucht, eine glückliche Heimat + für immer bewahrt sein.“ </p> + <p> Eva hörte ihm zu und war ihm dankbar für diese Worte. O ja, diese beiden paßten + zu einer Ehe, der starke Mann und das schöne, fröhliche Weib. </p> + <p> „Du freilich, lieber Freund, du hast hier keine Ferien; du hast hier deine + Arbeitsstätte. Und wenn du einmal ausspannen willst, dann kommst du zu uns, dann + fahren wir mit dir, der dann der Stille entronnen ist, dorthin, wo die Welt laut + und bunt ist. Dort machst du dann Ferien von deinem stillen Ich, und wenn du + nach Hause zurückkehrst, wird dir das alltägliche Leben wieder schmackhaft + sein.“ </p> + <p> „Ja, so wollen wir es halten!“ </p> + <p> „Nun denn, so wären wir wohl für diesmal hier fertig.“ </p> + <p> Stefenson zog ein Notizbuch heraus und blätterte darin. Sein Gesicht bekam + wieder die alte Geschäftsmiene. </p> + <p> „Halt, da ist noch etwas zu erledigen. Ich habe mir mal als Knecht Ignaz von dem + Schuhmacher Röhricht die Stiefel besohlen lassen. Er hat auf die Rechnung + geschrieben: Sohlen und zwei Absätze zwei Mark und fünfundachtzig Pfennig, hat + aber nur einen Absatz zu machen gehabt. Ich habe ihm daher fünfundzwanzig + Pfennig ab<pb n="384"/><anchor id="Pg384"/>ziehen wollen, und wir haben so lange gestritten, bis ich + inzwischen verhaftet wurde und dann alles das andere kam. So steht der Posten + noch offen. Ich bitte, erledige das, lieber Freund! Aber nicht zwei Mark und + fünfundachtzig Pfennig, sondern nur zwei Mark und sechzig Pfennige, hörst du + wohl? Ein Knecht kann nicht fünfundzwanzig Pfennig umsonst hergeben. Vergiß es + nicht! Röhricht heißt der Mann, Hintermarkt 15, drei Stiegen.“ </p> + <p> Ein vergnügtes Lachen tönte aus der Ecke von meiner Mutter Sofa. </p> + <p> „Was lachen Sie denn, Piesecke?“ </p> + <p> „Ja, Pardon, Herr Stefenson, aber erst dreihunderttausend Mark verschenken und + dann wegen fünfundzwanzig Pfennig – so in der Abschiedsstunde – das – das ist + – Pardon – merkwürdig!“ </p> + <p> „Gar nicht merkwürdig, lieber Piesecke. Weil ich immer die Rechnungen auf die + Fünfundzwanzig-Pfennig-Bilanz geprüft habe, kann ich mal gelegentlich + dreihunderttausend Mark verschenken.“ </p> + <p> „Sehr – sehr kaufmännisch! Sehr lehrreich!“ </p> + <p> „Jawohl! Aber nicht für Sie! Für Sie wäre das zu unfürstlich.“ </p> + <p> Wenig fehlte, so wären auch in letzter Stunde die alten Gegner, der rechnende + Kaufmann und der leichtfertige Fürstensohn, noch aneinander geraten. Die dicke + Susanne wälzte sich zwischen beide und löschte mit einer Flut von + Abschiedstränen den entstehenden Brand. </p> + <p> + <milestone unit="tb" rend="rule: 75%"/> + </p> + <pb n="385"/><anchor id="Pg385"/> + <p> Sie sind alle fort. In tiefer Stille liegt der Marktplatz. Ich öffne das + Fenster. Die Luft ist milder geworden. Am hocherhobenen Arm des heiligen + Baptista hängt ein glitzernder schwerer Eiszapfen wie ein Schwert. Am Himmel + stehen zwischen dem Gewölk ein paar freundliche Sterne. Im Schneemantel schaut + der Heilige herüber zu mir. Suchen seine Augen die kleine, feine Frau, die sonst + so oft zu ihm hinüberträumte? </p> + <p> Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den alten + Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der großen Stube um, und es ist mir + auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause gekommen ist, wenn Vater + und Mutter nicht da sind. So schließe ich das Fenster. Unschlüssig bleibe ich + noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich die Uhr auf, fühle noch einmal an den + Ofen. Endlich lösche ich die Lampe aus und tappe die Treppe hinab ... </p> + <p> Ich habe jetzt große Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der Freund mit + der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die anderen lustigen + Käuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und ganz allein auf dem + Marktplatz von Waltersburg. Schließlich ist der alte Baptista jetzt noch mein + einziger, ständiger Freund hierzulande. </p> + <p> Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die stille + Frau auf der Heimwehfluh sich noch ihres Kindes freuen wird, ein, zwei, drei + Jahre ...? Ob dann, wenn sie Ferien macht für immer, die kleine Anneliese, die + jetzt als Schullehrerin in einem <pb n="386"/><anchor id="Pg386"/>verlassenen Gebirgsdorfe lebt, + doch noch Joachims Frau werden und übers Meer zu ihm ziehen wird? Und ob dann + die Mutter heimkehren wird in ihre schöne alte Stube? Lauter Fragen ohne + Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschluß wie ein Theaterstück + oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von neuem. </p> + <p> So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu meinem + Werk. </p> + <p> Eine köstliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im öden Walde. + Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen kommt aus den + Bauernhöfen. Alle Leute, die mir begegnen, grüßen mich oder rufen mir freundlich + zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin ich zu Hause. </p> + <p> In der Wüste sah ich einmal einen Mann mit gefüllten Wasserschläuchen am Brunnen + der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane fieberglühend auf + sie zuschleppte. Da dachte ich, es müsse schön sein, mit gefüllten + Wasserschläuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein wie jener Mann. + Alle, die zu mir kommen von der heißen Straße des Alltags, will ich laben aus + dem kühlen Brunnen, den ich grub. </p> + <p> Dann wird es mir so gut ergehen, daß ich nichts anderes vom Leben mehr verlangen + will; denn es ist die größte Lust des Lebens, anderen die Last des Lebens zu + erleichtern. </p> + + </div> + </body> + <back> + <div rend="page-break-before: right; x-class: boxed"> + <index index="toc"/><index index="pdf"/> + <head>Bemerkungen zur Textgestalt</head> + <p>Das Inhaltsverzeichnis wurde von der letzten Seite an den Beginn versetzt.</p> + <pgIf output="txt"> + <then><p>Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Wörter in Antiqua (bis auf + den Titel „Dr.“ und römische Zahlen) und gesperrte Wörter + sind durch Unterstrich („_“) gekennzeichnet.</p></then> + <else><p>Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Wörter in Antiqua werden kursiv wiedergegeben, + bis auf den Titel „Dr.“ und römische Zahlen. Sperrung ist übernommen.</p></else> + </pgIf> + <p>Korrektur offensichtlicher Druckfehler:</p> + <list> + <item><ref target="corr026">Seite 27</ref>: doppeltes „freue“ entfernt.</item> + <item><ref target="corr043">Seite 43</ref>: „Stefensohn“ in „Stefenson“ geändert.</item> + <item><ref target="corr075">Seite 75</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Die Luise habe ich flottgemacht.“).</item> + <item><ref target="corr091">Seite 91</ref>: „mit“ in „mir“ geändert.</item> + <item><ref target="corr097">Seite 97</ref>: „philantropische“ in „philanthropische“ geändert.</item> + <item><ref target="corr101">Seite 101</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „des Magistrats von Waltersburg stellen“)</item> + <item><ref target="corr103">Seite 103</ref>: doppeltes „und“ entfernt (vor „in einer glänzenden Erfassung“)</item> + <item><ref target="corr118">Seite 118</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Das haben“).</item> + <item><ref target="corr128">Seite 128</ref>: „umqartieren“ in „umquartieren“ geändert.</item> + <item><ref target="corr145">Seite 145</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „bis um sieben.“)</item> + <item><ref target="corr164">Seite 164</ref>: „Xantippen“ in „Xanthippen“ geändert.</item> + <item><ref target="corr170">Seite 170</ref>: „reckt“ in „reckte“ geändert.</item> + <item><ref target="corr238">Seite 238</ref>: „Widersehen“ in „Wiedersehen“ geändert.</item> + <item><ref target="corr243">Seite 243</ref>: „Rauberhöhle“ in „Räuberhöhle“ geändert.</item> + <item><ref target="corr244">Seite 244</ref>: „Apothese“ in „Apotheose“ und „den“ in „der“ (nach „Vertreter“) geändert.</item> + <item><ref target="corr254">Seite 254</ref>: „überzeugenste“ in „überzeugendste“ geändert.</item> + <item><ref target="corr261">Seite 261</ref>: „Hentschel“ in „Henschel“ geändert.</item> + <item><ref target="corr309">Seite 309</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (vor „Wieso Komödie?“)</item> + <item><ref target="corr347">Seite 347</ref>: fehlendes Anführungszeichen ergänzt (nach „stärken würde.“)</item> + <item><ref target="corr377">Seite 377</ref>: „Lewinsohn“ in „Levisohn“ geändert.</item></list> + <p>Nicht korrigiert wurden Varianten wie „Chicago“/“Chikago“, „debutieren“/„debütieren“, + „Annelies“/„Anneliese“ oder „anderen“/„andern“.</p> + </div> + <div rend="page-break-before: right"> + <divGen type="pgfooter" /> + </div> + </back> + </text> +</TEI.2> diff --git a/28938.txt b/28938.txt new file mode 100644 index 0000000..50f8ffa --- /dev/null +++ b/28938.txt @@ -0,0 +1,11288 @@ +The Project Gutenberg EBook of Ferien vom Ich by Paul Keller + + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with almost no +restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under +the terms of the Project Gutenberg License included with this eBook or +online at http://www.gutenberg.org/license + + + +Title: Ferien vom Ich + +Author: Paul Keller + +Release Date: May 23, 2009 [Ebook #28938] + +Language: German + +Character set encoding: US-ASCII + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + + + Paul Keller / Ferien vom Ich + + + + + + _PAUL KELLER_ + + Ferien vom Ich + + _ROMAN_ + + + Deutsche Buch-Gemeinschaft + _GMBH_ + + _BERLIN_ + + + + + + Einbandentwurf von Hanne Maria Rudert + + + + + + Alle Rechte, insbesondere das der Uebersetzung, der Verfilmung, der + Dramatisierung, des Nachdrucks und der Wiedergabe durch den Rundfunk, + vorbehalten + + _Copyright 1915_ + _by Bergstadtverlag Wilh. Gottl. Korn / Breslau I_ + _Printed in Germany_ + + + + + + INHALTSVERZEICHNIS + + + Nach meiner Heimkehr 5 + Die feindlichen Staedte 12 + Das Modebad 28 + Auf dem Weihnachtsberg 33 + Luise 58 + Samariterdienste 69 + In den Tagen des Werdens 77 + Das Kind 88 + Vorarbeiten 95 + Die "Neustaedter Umschau" 104 + Joachim 116 + Weihnachten 131 + Fuegung 136 + Bauernanwerbung 142 + Der Journalist 161 + Die ersten Kurgaeste 181 + Sommerabend 197 + Lorelei 220 + Die "krummbeinige Medizin" 227 + In der Genovevenklause 233 + Die Schlacht bei Waltersburg 241 + Herbst 248 + Von der weiblichen Putzsucht 271 + und Herrn Pieseckes Leiden + Abschiedsabend 281 + Gerichtliches 288 + Aufklaerungen 302 + Vom Bruder und seiner Frau 320 + Freund Stefenson 343 + Der Fuchs und die Sibylle 355 + Advent 367 + Hochzeit und Ende 375 + + + + + + + NACH MEINER HEIMKEHR + + +Der alte Johannisbrunnen rauscht wieder vor meinem Fenster. Hoch ragt das +Bild des Taeufers; aus der ehernen Schale, die seine erhobene Hand haelt, +plaetschert das Wasser hinab ins steinerne Becken. In alter Zeit soll ein +heidnisches Heer an diesem Brunnen voruebergezogen sein; die Recken haben +den rauhen Nacken gebeugt und sind hier getauft worden. Am naechsten Tage +fielen alle in der Schlacht. Ihre Leichname blieben liegen unter den +dunklen Baeumen der Waldschlucht, da die Krieger heimtueckisch erschlagen +wurden; aber am Abend, als die Sonne rot am Himmel brannte, kamen weisse +Schemen zum Stadttore herein, die hatten Kraenze um die Stirnen und +laechelten wie Kinder. Als sie am Brunnen vorbeizogen, liess der heilige +Baptista die eherne Taufschale fallen und faltete die Haende; denn diese +reinen Seelen brauchten kein Wasser der Gnade mehr. Die Gekraenzten zogen +langsam zum Stadttore hinaus, den Weihnachtsberg hinauf, und als sie auf +der goldglaenzenden Hoehe standen, winkten sie noch einmal herab ins Tal und +zogen dann fort, weit ueber die rote Sonne hinaus, und der Heilige am +Brunnenplatz schaute ihnen nach. Erst als es Nacht war, bueckte er sich +nach der verlorenen Taufschale, und nun haelt er sie wieder in erhobener +Hand seit vielen Jahrhunderten. + +Das ist eine der vielen Sagen und Legenden von Waltersburg. Die +Waltersburger haben ganz eigene Geschichten. Sie borgen nicht von fremden +Gauen und Staedten; ihr romantisches Tal war immer so reich, dass sie +Fremdes nicht noetig hatten. + +Der Johannisbrunnen! In seinem Becken liess ich als Kind meine Schifflein +schwimmen. Sie schwammen nach Amerika, nach Jerusalem oder gar bis ins +Riesengebirge. Mein Bruder Joachim, der mit auf dem Brunnenrande sass, +laechelte oft veraechtlich ueber diese Reiserouten. Er war drei Jahre aelter +als ich und schon Gymnasiast. Da verachtete er meine +Abcschuetzen-Geographie. Mit Schifflein spielte er nicht mehr; er liebte +nur wissenschaftliche Unterhaltung. So warf er Fische aus Blech, die ein +eisernes Maul hatten, ins Wasser und angelte mit einem Magneten nach +ihnen. Er hatte ein Senkblei, und wenn seine Fische nicht bissen, sagte +er: es laege am Wetter oder ich staende mit meinem infam weissen +Spitzenkragen zu nahe am Wasser und verscheuchte die Fische. + +Unterdes fuhren meine Schiffe nach Jerusalem oder ins Riesengebirge, und +oben auf dem gruenen Balkon am Brunnenplatz sass unsere Mutter bei ihrer +Handarbeit und schaute manchmal zu uns herunter. + +Wie kommt es doch, dass Menschen von einem solchen Brunnenrand fortziehen +koennen, dass er ihnen nicht lieber und groesser ist als alle Kuesten des +Ozeans? + +Mein Bruder und ich sind fortgezogen, und die gute Frau auf dem gruenen +Balkon ist allein geblieben. Als Studenten kamen wir noch regelmaessig zu +den Ferien. Joachim aber war kaum mit seinen Studien fertig, als er seine +Ehe schloss mit jenem unselig schoenen Maedchen, dem die Schoenheit zum Fluche +gegeben war. Nach einem Jahre wurde das Kind geboren, und nach nur wieder +einem halben Jahre war ich dabei, als die Frau vor Gericht die Aussage +machte, sie habe sich selbst mit einem Revolver in die Brust geschossen, +weil ihr Mann sie nach einem furchtbaren Streit verlassen habe. + +Nur meine Mutter und ich wussten, dass sie log. Der Fluechtige aber kam nicht +heim, auch dann nicht, als es uns endlich gelang, ihm mitzuteilen, dass er +ausser gerichtlicher Verfolgung sei. + +Er floh nicht vor dem Gefaengnis; er floh vor dem Grauen, das ihm sein +junges Weib bereitet hatte und das auch die Rettung, die ihm ihre Aussage +brachte, nicht tilgen konnte. + +Der Bruder verscholl in weiter Fremde, und die Mutter lehnte am +Balkonfenster und hoerte auf das Plaetschern des Johannisbrunnens. Sie +traeumte von fernen Ufern, an denen ihr Herzenssohn weilen wuerde, von +Gestaden, zu denen es keine andere Verbindung gab als die sehnsuechtig hin +und her gehenden Gedanken. + +Als nun auch ich mein medizinisches Staatsexamen beendet hatte, sagte ich +zur Mutter, ich wolle bei ihr in der Heimat bleiben und ihr Trost sein. +Sie sah mich still an und schwieg, und es zuckte ein wenig um ihren Mund. +Da bat ich sie, zu reden und mir ihren tiefsten Wunsch zu sagen, und sie +sprach mit Worten, die sie sich aus dem Herzen riss: + +"Geh fort ... in die Welt ... suche Joachim ... bringe ihn wieder!" + +So bin ich fortgezogen, um meinen Bruder zu suchen. Und weil ich nicht +Geld genug hatte, jahrelang um die Erde zu reisen, wurde ich Schiffsarzt, +jetzt bei dieser, dann bei jener Gesellschaft, und kam fast in alle grossen +Haefen der Welt. + +Ich fand ihn erst im fuenften Jahre meiner Wanderfahrt und waere bei +fluechtiger Begegnung wohl an dem veraenderten harten Mann mit dem fremden +Namen vorbeigegangen; aber ich traf ihn an Bord zwischen Rio und +Montevideo, da das Schiff tagelang nicht anhaelt, und wurde meiner Sache +gewiss, als der Fremdling sich ploetzlich scheu verbarg und weder an Bord +noch bei den Mahlzeiten mehr sichtbar wurde. Da suchte ich ihn in seiner +Kajuete auf. Er oeffnete auf mein Klopfen und bebte zusammen, als er mich +sah. Ich draengte ihn ohne weiteres in die Kajuete und schloss die Tuer. + +"Ich will nur ein wenig mit dir reden, Joachim", sagte ich und wunderte +mich ueber meine ruhige Stimme; "du wirst es mir nicht abschlagen koennen, +da ich an die fuenf Jahre hinter dir her bin. Und dass ich auf dein Leben +und deine Entschluesse keinen Einfluss habe, weiss ich von vornherein. Also +versteck dich nicht!" + +"Was willst du?" fragte er muehsam heraus. + +"Ich will nicht viel. Ich will dich nur bitten, du moechtest von Zeit zu +Zeit, so alle Jahre einmal um Weihnachten, an die Mutter schreiben." + +Da fiel er auf sein Bett und weinte rasend. Ich trat an das kleine runde +Kajuetenfenster, an das die Wellen klatschten, und schaute hinaus auf die +rollende See. + + * + +Vorgestern bin ich nun heimgekommen nach Waltersburg zu meinem und seinem +silbernen Muetterchen. Ich muss schon "silbernes Muetterchen" sagen; denn +nicht nur die Haare sind silbern, auch das Gesichtchen, auch die schmalen +Haende. Alles ist kostbar, edel und weiss an ihr. + +Sie fragte mich nur das eine: "Ist er gesund?" + +Ich sagte ihr, was ich wusste, auch dass er ein braver Mensch geblieben sei, +woran wir beide niemals gezweifelt hatten. Dann, dass er in einer +geachteten Stellung und wohl ein reicher Mann sei oder es doch werde. +Darauf hoerte sie kaum, sondern schlug die Haendchen zusammen und jammerte: + +"Warum? Warum?" + +Das war die schwere Frage, ueber deren richtige Beantwortung ich mir auf +der Heimreise den Kopf zerbrochen hatte. Ganze Abhandlungen hatte ich in +meinem Hirn ausgearbeitet, schlagende psychologische Begruendungen fuer eine +Mutter, die fragt: Warum gibt mein Sohn keine Nachricht? Warum kommt er +nicht zurueck? Warum laesst er mich in dieser furchtbaren Einsamkeit und +Qual? + +Da sagte ich ihr nur die wichtigsten Saetze, die Joachim gesprochen: + +"Ich hab wohl hundertmal geschrieben und tausendmal schreiben wollen. Aber +ich hab keinen Brief abgeschickt. Ich hatte eine schreckliche Angst, dann +schreibt ihr wieder, und dann halte ich's nicht aus in der Fremde, dann +muss ich zurueck in diese verfluchte Heimat." + +Sie war ein wenig betaeubt ueber diese Worte; aber dann glomm eine Hoffnung +auf in ihren Augen, und sie sagte: + +"Aber jetzt wird er schreiben?" + +"Ja, jetzt wird er schreiben; das ist das einzige, was ich nach meinem +langen Suchen erreicht habe." + +"Ich danke dir, lieber Fritz", sagte sie und drueckte mir schuechtern die +Hand. + + * + +Nun bin ich beinahe eine Woche zu Hause und fange an, mich gluecklich zu +fuehlen und zu freuen. Ich glaube, zu den Freuden, die schwer zu tragen +sind, gehoert die Heimkehr aus fremden Landen. Und nicht bloss mir in meinem +besonderen Falle wird es so gehen, nein, allen, die lange draussen waren +und wieder nach Hause kommen. Es ist viel Scheu, viel Bangigkeit in der +Seele, die Quellen der Lust und des Schmerzes fliessen zusammen wie in +einen tiefen Bronnen, aus dem erst langsam, wenn sich der zitternde +Spiegel beruhigt hat, das Himmelsgesicht des Gluecks auftauchen kann. Es +gibt wohl keinen Heimkehrenden, der laut lachte, tanzte oder spraenge. Ich +habe in fremden Laendern viele robuste Burschen gesehen, die in ihre Heimat +zurueckkamen, und es war ganz gleich, welcher Farbe oder Rasse sie waren - +sie waren schuechtern und verlegen, gingen alle ein wenig mit +zusammengezogenen Schultern, sprachen seltsam leise und traten nicht fest +auf, als ob sie der Heimaterde nicht weh tun wollten. Sie mussten sich alle +in der Heimat erst wieder heimfinden. Es ist auch ganz natuerlich: der +Star, der aus dem Sueden an den heimischen Kasten kommt, pfeift auch nicht +am ersten Tage. Er schuettelt in der entwoehnten Luft erst sein Gefieder +zurecht. + + * + +Die Mutter steht immer am Fenster und schaut nach dem Brieftraeger aus. +Aber der Brief, auf den sie wartet, kommt nicht. Er koennte laengst da sein. +Ich telegraphierte schon zweimal heimlich nach Rio. Es kam aber keine +Antwort. + +Und die Mutter steht und wartet. Ich versuchte es mit der alten Ausrede, +ein Brief koenne verlorengehen, zumal auf so langem Wege. Aber die Mutter +schuettelte den Kopf und sagte: + +"Einen solchen Brief wuerde Gott behueten." + + + + + + DIE FEINDLICHEN STAeDTE + + +Ich muss versuchen, wieder lustiger zu sein. Herrgott, ich bin doch ein +junger Mensch, ich habe meine Aufgaben, und meine Kraft darf nicht in +sehnsuechtigem Suchen, am Trotz des Bruders zerschellen. Also will ich +heute gar nichts von ihm aufschreiben, sondern einmal die naerrische +Geschichte von der Feindschaft der Waltersburger und der Neustaedter zu +erzaehlen beginnen. + +Waltersburg ist eine in einem wunderschoenen Talkessel gelegene Stadt von +2967 Einwohnern. Solches besagte die letzte Zaehlung. Der Personenstand +wies im letzten Jahrhundert immer ziemlich dieselbe Hoehe auf; auf runde +3000 kam er nie hinauf. Da machte unser Buergermeister, Herr Wilhelm +Bunkert, eine bedeutsame Stiftung: der dreitausendste Einwohner, der +Waltersburg Anno 1904 geschenkt wuerde, solle eine goldene Uhr bekommen, +Herrenuhr oder Damenuhr, je nachdem es ein maennliches oder ein weibliches +Wesen betraefe, und diese Ehrengabe wolle er, der Buergermeister, aus +eigenen Mitteln bestreiten. Die Sache stand im Stadtblatt und wurde viel +bewundert. Im naechsten Jahre kamen viele Kinder zur Welt; die Zaehlung +wurde nicht bloss vom Magistrat, sondern auch von der Buergerschaft sehr +eifrig betrieben, und da die Einwohnerschaft auf 2998 stieg, entstand in +der zweiten Haelfte des Dezember zwischen der Frau Schneidermeister Lembke +und der Frau Schuhmachermeister Abelt eine bittere Feindschaft, da beide +hofften, noch vor Ablauf des Jahres eines Kindleins zu genesen. Am +30. Dezember gebar Frau Lembke eine Tochter. Ihr Mann, anstatt sich des +bluehenden Toechterchens zu freuen, ging in die Schenke und betrank sich vor +Aerger, wie er sein Lebtag sich nicht betrunken hatte. Dem Ehepaar Abelt +aber klopfte das Herz. Am Silvesternachmittag gebar die Frau einen Sohn, +und der entzueckte Vater stuerzte nach dem Rathause und schrie: "Der +dreitausendste Einwohner! Der dreitausendste Einwohner!" Im Vorzimmer des +Buergermeisters aber begegnete dem Siegestrunkenen eine schwarze Gestalt. +Es war die Frau des Webers Michalke, die soeben den Tod ihres Mannes +angemeldet hatte. Da waren es wieder nur 2999. Der arme Schuster torkelte +gegen die Wand, und dumpf hallten die Silvesterglocken in die Nacht ueber +diese so wenig vom Glueck beguenstigte Stadt. + +Der Buergermeister hielt sein Angebot auch fuer das kommende Jahr aufrecht, +und einige werdende Muetter wiegten sich in goldenen Hoffnungen. Aber der +Tod hielt reichere Ernte als sonst, auch zog der Barbier mit seiner +siebenkoepfigen Familie nach Neustadt, und nun hielt der geizige erste +Ratsmann, Baeckermeister Schiebulke, es fuer den richtigen Zeitpunkt, sich +als einen Goenner der Stadt zu bezeigen und auch seinerseits fuer den +dreitausendsten Einwohner eine Praemie auszusetzen, und zwar ein neues +Fahrrad, je nachdem ein Herren- oder Damenrad. Die Sache kam ins +Stadtblatt, und die Buerger lachten. Ob Schiebulke vielleicht meine, ein +neugeborenes Kind koenne radeln, wurde der Stifter befragt. Ob die andern +vielleicht meinten, ein neugeborenes Kind koenne von einer Uhr die Zeit +ablesen, gab Schiebulke giftig zurueck. Da setzte der Wirt vom "Goldenen +Loewen", der ein reicher Mann und ein wenig ruhmsuechtig ist, einen +erschrecklich hohen Trumpf auf: + +"Goldene Uhr und Fahrrad", sagte er, "sind gute Dinge. Nur leider die +Kinder wachsen langsam, und solche Dinge veralten schnell. Was allein +nicht veraltet, ist das Geld. Ich will meiner Vaterstadt meine Liebe +beweisen und lege 5000 Mark in die staedtische Sparkasse fuer den +dreitausendsten Buerger, den Waltersburg in diesem Jahre erhaelt." So +lautete die Stiftung, die im Stadtblatt publiziert wurde und ungeheure +Aufregung hervorrief. + +Und da kam das Unerwartete, wie in solchen Faellen ueberhaupt meist etwas +Unerwartetes geschieht. + +Die Einwohnerschaft von Waltersburg hatte die Hoehe von 2993 erreicht, als +der vor kurzem nach Neustadt uebersiedelte Barbier Arthur Heilmann mit +seiner Frau und seinen fuenf Kindern sich wieder in Waltersburg ansiedelte +und glueckstrahlend die goldene Uhr, das Fahrrad und die fuenftausend Mark +fuer sich in Anspruch nahm, da mit seinem Zuzug die Zahl dreitausend +erreicht war. In Waltersburg brach eine Revolte aus. Man wollte den +frechen Barbier samt Weib und Kindern lynchen. Man schrie, das sei Betrug, +das gaelte nicht, das sei ja ganz anders gemeint gewesen. Der Barbier, der +zuvor bei einem Rechtsanwalt in Neustadt gewesen war, bewahrte seine Ruhe, +und Amtsrichter Knopf, der angesehenste Jurist in Waltersburg, erklaerte im +Magistratskollegium, am Stammtisch und wo immer man es hoeren wollte, unter +Hinweis auf verschiedene Gesetzesparagraphen: es handle sich hier um eine +oeffentliche Auslobung, deren Inhalt durch den Barbier Heilmann erfuellt sei +und dem daher unzweifelhaft die drei ausgesetzten Praemien zufielen. + +Aller Ingrimm der Welt haette an der Tatsache nichts geaendert: Heilmann +bekam die Preise. + +O unglueckliches Waltersburg! In der Stadt war dumpfe Trauer, Zorn und Hass, +und alle Maenner gelobten, bei diesem Barbier sich nie den Bart schaben +oder die Haare schneiden zu lassen. + +Darauf rechnete aber der abgefeimte Schaumschlaeger gar nicht, sondern er +zog schon nach Ablauf eines Vierteljahres wieder nach Neustadt zurueck und +nahm die Preise mit. + +Waltersburg zaehlte nach diesem Abzug 2993 Bewohner. Die Auslobungen wurden +nicht erneuert. Das ist nun einer der Faelle, aus denen das feindselige +Verhaeltnis zwischen Waltersburg und dem benachbarten Neustadt schon +einigermassen erhellt. + + * + +Die Zeit meiner Abwesenheit hat an dem feindlichen Verhalten der beiden +Staedte Waltersburg und Neustadt nichts geaendert. Und doch ist Neustadt +eine Tochterstadt von Waltersburg, die beiden Orte sind in der Luftlinie +kaum drei Kilometer voneinander entfernt und nur durch den maessig hohen +Weihnachtsberg getrennt. Nicht nur, dass die beiderseitigen +Gemeindekollegien miteinander in Hader liegen und sich die zwei +Stadtblaettchen staendig befehden, der Hass gegen die Nachbarstadt bringt +auch noch heute die Koepfe der Waltersburger Stammtischphilister in +Gluthitze und uebertraegt sich sogar auf die Frauen und Kinder. + +Bis in die siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts hat sich Waltersburg +eines geradezu paradiesischen Friedens erfreut. Die Hussiten sind an ihm +vorbeigezogen, die Horden des Dreissigjaehrigen Krieges haben vergessen, die +Stadt auszupluendern, so dass Waltersburg mit seinen damals 2000 Bewohnern +nach dem Westfaelischen Frieden eine der volkreichsten Staedte Deutschlands +war, ein Umstand, ueber den in der Stadtchronik des weiten und breiten +geredet wird; von den Fritzeschen Regimentern hat nur eines einmal drei +Tage lang in Waltersburg Station gemacht, was den Stoff fuer ein weiteres +Viertel der Chronik bildet, und auch die Siegerscharen Napoleons haben +keine besondere "_gloire_" darin erblickt, die Stadtmauern von Waltersburg +zu berennen. So war das weisse Lamm in gruenem Felde ein sehr angebrachtes +Wappentier fuer die friedfertige Stadt, und es gehoerte schon die ganze +boshafte Niedertracht der Neustaedter dazu, zu behaupten, weiland der +geistvolle Hohenstaufe Friedrich II. haette den Waltersburgern das Lamm fuer +ihr Stadtwappen nur darum verliehen, weil er ihre ureigentuemliche und +unausrottbare Schafkoepfigkeit wohl erkannt habe. + +Solch grobe Beleidigung strafen die Waltersburger mit eiskalter +Verachtung; dagegen erhitzen sie sich noch heute sofort, wenn die Rede +einmal auf den Bahnbau kommt. + +Als nach dem siebziger Kriege sich in Deutschland die Eisenbahnen mehrten +wie nach einem fruchtbaren Regen im Garten die Wuermer, hatte die Regierung +dem Rat angeboten, eine neue Hauptstrecke ueber Waltersburg zu fuehren, ja +die Stadt zu einem Eisenbahnknotenpunkt zu machen. Dieses Anerbieten hatte +die Buergerschaft in die allerschwerste Sorge gestuerzt. Sie sandten zum +Kaiser nach Berlin eine Deputation mit der Bitte, der Landesvater moege das +schwere Unheil, das den Frieden und die Ruhe der treuen Stadt Waltersburg +bedrohe, allergnaedigst abwenden. Die Deputation wurde zwar nicht +empfangen, brachte aber in aller Stille ein kraeftiges Wort mit heim, das +ein Geheimer Rat im Eisenbahnministerium gesprochen hatte, und das nicht +viel schmeichelhafter klang als die Neustaedter Auslegung des Waltersburger +Wappentieres. + +Die Hauptsache war: die Bahn kam nicht nach Waltersburg. Sie wurde +jenseits des Weihnachtsberges, etwa sechs Kilometer von der Stadt +entfernt, vorbeigefuehrt. Daselbst wurde auch ein grosser Bahnhof angelegt, +da sich in der Tat die Notwendigkeit herausgestellt hatte, an diesem Orte +einen Kreuzungspunkt zu errichten, und die Station fuehrte, da sie doch +benannt werden musste, den Namen "Waltersburg-Neustadt". + +Die Waltersburger lachten. Sie hatten jetzt eine Eisenbahnstation, aber +diese Station konnte ihnen nichts anhaben. Spaeter hat ein Dichter in der +"Neustaedter Umschau" ein Poem veroeffentlicht, in dem es hiess: + + _"Die Waltersburger, die sind gar pfiffige Leut,_ + _Sie sind nicht nur pfiffig, sie sind grundgescheut,_ + _Sie haben eine Bahn, die woanders 'rum geht,_ + _Sie ham einen Geldschrank, der im Nachbarhaus steht;_ + _Sie fuettern der Hasen und Rehe wohl viel,_ + _Doch treiben sie alle dem Nachbar vors Ziel;_ + _Sie sperr'n ihren Fluss, dass kein Fisch hineinschwimmt_ + _Und zuviel von dem sehr guten Wasser wegnimmt;_ + _Und waer' mal ein Maederle gerne gekuesst,_ + _Da wartet's, bis auswaerts ein Kirmestanz ist."_ + +Fuer dieses Gedicht hat sein Verfasser von den Neustaedtern viel Lob und von +den Waltersburgern gelegentlich recht ordentliche Pruegel geerntet. + +Neustadt verdankte seine Gruendung einem trutzigen Buerger von Waltersburg, +dem Baumeister August Bunkert, der als einziger in der ganzen Stadt +Waltersburg Tag und Nacht geredet hatte, die so guenstige Gelegenheit, +einen grossen Bahnhof an die Stadt zu bekommen, nicht zu verpassen. Als er +mit seinen Ideen nicht durchdrang, im Gegenteil viel Anfeindung erfuhr, +die bis zu persoenlichen Feindschaften ausartete, und sich insonderheit mit +seinem einzigen Bruder, Wilhelm Bunkert, der jetzt Buergermeister von +Waltersburg ist und damals zu der Berliner Deputation gehoerte, in bitterem +Hader entzweite, zog der Baurat aus dem Hause seiner Vaeter aus und baute +jenseits des Berges dicht neben den neuen Bahnhof ein grosses Hotel, dem er +den Namen "Zur guten Hoffnung" gab. Die "gute Hoffnung" erwies sich +zunaechst als schlecht; denn da das Hotel auf blossem Felde stand, alle +Eisenbahnpassagiere aber fanden, dass sie in der menschenleeren Wald- und +Wiesengegend nichts zu suchen haetten und darum immer schleunigst +weiterfuhren, stand das Hotel Jahr und Tag leer, die wenigen Bahnbeamten +abgerechnet, die am Abend ihr Schoepplein tranken, und an August Bunkert +kroch langsam die Pleite heran. Die Waltersburger meinten, dass der +neuerungssuechtige Trotzkopf dieses Schicksal wohl verdient habe, aber zu +ihrer Ehre muss gesagt werden, dass Bunkert vielen leid tat und dass man dem +verlorenen Sohne gern verziehen und ihm auf die eine oder andere Art +wieder auf die Beine geholfen haette, wenn es dem Ausreisser nur eingefallen +waere, zurueckzukommen, seinen Irrtum einzugestehen und die vorsichtige Art +der Waltersburger zu loben, die er ehedem so heftig angegriffen hatte. +August Bunkert aber dachte nicht daran, den Reuigen zu spielen, und auf +einen Brief seines buergermeisterlichen Bruders, worin dieser fragte, ob er +denn auch den Rest seines schoenen vaeterlichen Erbes noch vollends +verschleudern wolle, gab er keine Antwort. Da wurde er seinem Schicksal +ueberlassen. Dieses Schicksal gestaltete sich guenstig. Die grosse +Bahnhofswirtschaft, die August Bunkert uebertragen wurde, hielt ihn +zunaechst ueber Wasser, und endlich gelang ihm der grosse Schlag. Er brachte +eine Gesellschaft von bedeutenden Geldleuten der Grossstadt zusammen und +kaufte als deren Funktionaer oder Generaldirektor, wie er sich lieber +nannte, alles Waltersburger Gelaende auf, das jenseits des Weihnachtsberges +gelegen war. Die Waltersburger schlugen die Haende ueber den Koepfen +zusammen. Hundert Taler ueber den ortsueblichen Preis hinaus gab Bunkert fuer +jeden Morgen Feld-, Wald- oder Wiesenland, und die Besitzer beeilten sich, +ihre entlegenen Laendereien unter so glaenzenden Bedingungen loszuwerden. +Innerhalb von eineinhalb Jahren besass kein Waltersburger mehr jenseits des +Berges auch nur einen Halm. + +Die ganz Gewissenhaften aber schuettelten die Koepfe und sagten: Dieser +Bunkert lockt seinen Auftraggebern das Geld aus der Tasche; er ist ein +Hochstapler, und man sollte doch sehr ueberlegen, ob man den unangebrachten +Preis annehmen duerfe, den die neuen Besitzer aus dem Wald- und Wiesenland +nie und nimmer herauswirtschaften koennten. Doch auch diese ganz +Gewissenhaften beruhigten sich und nahmen das Geld. + +O du grossmaechtige Verwundernis! In dem prachtvollen Hochwald, den August +Bunkert erworben, an den gruenen Wiesen, am Flussufer, den Weihnachtsberg +hinauf, entstand ein schmuckes Landhaus nach dem anderen, +Einfamilienhaeuser, Sommerwohnungen, Baderaeume, ein Kurhaus, eine +"Wandelhalle" bauten sich auf, ein Basar fuer Lebensmittel, ein anderer fuer +"Bekleidungs- und Gebrauchsgegenstaende" wurde errichtet, Hunderte und aber +Hunderte von Arbeitern waren das ganze Jahr beschaeftigt. Und alle Haeuser +baute der Baumeister August Bunkert und wurde ein schwerreicher Mann. + +Noch staunten die Waltersburger, noch lachten einige spoettisch und +veraechtlich, aber manch einer schwieg schon nachdenklich und dachte bei +sich: Was tut sich? Da erschien in den grossen hauptstaedtischen Blaettern +ein Inserat: "Waltersburg-Neustadt, entzueckend am Suedabhange des 450 Meter +hohen Weihnachtsberges gelegen, mitten in prachtvollem Hochwald, in gruenes +Wiesen- und Flussland gebettet, ein Paradies der Gesundheit und des +Naturgenusses, bei vorlaeufig nur fuenf Mark pro Quadratmeter Bauland +(Anzahlung von 3000 Mark an) fuer alle, die sich ein Eigenheim gruenden +wollen, eine nie wiederkehrende Gelegenheit. Nur fuenfviertel Stunden von +der Hauptstadt entfernt. Grosser Eisenbahnknotenpunkt. Haltestelle aller +Schnellzuege. Taeglich zwoelfmal Verbindung mit der Hauptstadt. Anfragen an +Generaldirektor Baumeister August Bunkert in Neustadt erbeten." + +Die Proklamation des Deutschen Reiches kann seinerzeit in Berlin keinen so +grossen Eindruck gemacht haben wie dieses Inserat in Waltersburg. Die Leute +lachten, wimmerten, fuchtelten mit den Armen und waren voll neidischer +Beklommenheit. Am Abend sass ein ganzer Stammtisch im "Goldenen Loewen" mit +der Kreide vor der Schiefertafel und wollte ausrechnen, wieviel ein Morgen +Land koste, wenn das Quadratmeter auf fuenf Mark komme. Niemand kriegte es +heraus, und alle schimpften auf die neumodische Rechnungsart. Selbst den +Amtsrichter Knopf verliess seine akademische Bildung; er knurrte, er habe +ja nicht Mathematik studiert, und solche Aufgaben koenne ueberhaupt immer +nur ein Volksschullehrer herauskriegen. Also schickte man nach dem Lehrer +Herder, und der erklaerte: + +"Ein Morgen altes Mass ist ungefaehr ein Viertel Hektar. Ein Hektar hat +10 000 Quadratmeter; ein Viertel Hektar ist also 2500 Quadratmeter gross. +Kostet ein Quadratmeter fuenf Mark, so kostet ein Morgen 2500 mal soviel, +also 12 500 Mark." + +Als der Lehrer Herder dieses Resultat nannte, schlugen die zehn Maenner, +die noch mit am Tische sassen, heftig mit den Faeusten auf den Tisch, und +zwar alle wie auf Kommando mit einem Hieb. Man schrie den Lehrer an, er +muesse sich taeuschen. Der aber sass mit der Wuerde eines Mannes, der von der +Unverletzlichkeit und Beweiskraft der Zahl ueberzeugt ist. Sein ganzes +Wesen sagte: meine Rechnung stimmt. + +Da wurde zunaechst eine grosse Stille. Dann sagte einer: "Wenn das wahr ist, +sind die Kerle grosse Gauner; 1000 Mark haben sie fuer den Morgen gegeben, +12 000 Mark verlangen sie." + +Schweigen. Nach fuenf Minuten griff Amtsrichter Knopf die letztgenannten +Ziffern auf und sagte: + +"Sie arbeiten mit elf Prozent." + +"Elf Prozent gibt ja das Gesetz nicht zu", bemerkte der +Erbscholtiseibesitzer Hirsemann mit einem Blick auf den Amtsrichter. + +Der schuettelte den Kopf, was in diesem Falle "ja" und "nein" heissen +konnte. Da ergriff der Lehrer Herder wieder das Wort und sagte: + +"Entschuldigen die Herren, wenn man mit 1000 Mark kauft und mit 12 000 +Mark verkauft, so sind das nicht elf Prozent, sondern elfhundert Prozent +Gewinn." + +Sie starrten ihn alle an wie leblos. Nur Baeckermeister Schiebulke, der +gerade trank, verschluckte sich. Der Amtsrichter geriet ins Gruebeln. Seine +Seele wanderte zurueck bis etwa in die Tertianerzeit, und dann sagte er: + +"Ja, natuerlich, es sind nicht elf, sondern 1100 Prozent." + +Da hoben sich die Faeuste, um auf den Tisch zu donnern, aber diese +Ueberraschung war zu gross und schwer; die Haende sanken still herab ... + +Was die allergroesste Hauptsache war: Neustadt, das den Namen Waltersburg +zum grossen Ingrimm der Mutterstadt nach und nach ganz abgestreift hatte, +war auf dem besten Wege, ein aufbluehender Badeort zu werden. Zwei +"Quellen" waren entdeckt worden, von denen die eine "Kaisersprudel", die +andere "Felsensprudel" hiess, und die beide nach dem Gutachten eines +sachverstaendigen Professors aus der Hauptstadt "hervorragend radioaktiv" +waren. Die Neustaedter feierten Siegesfeste, waehrend die Waltersburger vier +Wochen lang brauchten, ehe sie das Wort "radioaktiv" richtig aussprechen +konnten, und natuerlich auch dann noch nicht wussten, was das sei. + +Humbug sei es, meinte der Amtsgerichtsrat, und wenn man dieser Auslegung +auch viel Beifall zollte, so verschafften sich doch einige Waltersburger +heimlich je drei Flaschen von den neuen Sprudeln, und abends wurde im +"Loewen" statt der sonst so beliebten Weinprobe eine Wasserprobe +abgehalten. Der Pfropfen der ersten Flasche flog mit einem Knall gegen die +Decke. + +"Wie - wie bei Champagner", stammelte Herr Hirsemann. + +"Bloedsinn", knurrte der Amtsgerichtsrat; "das is Kohlensaeure; die is dem +Wasser eingepumpt; alles kuenstlich, nichts natuerlich; ich kenn doch die +Wasserpfuetzen drueben - Betrug is es, glatter Betrug!" So wartete man, bis +sich die Kohlensaeure verfluechtet hatte, dann trank der Baecker und sagte: + +"'s schmeckt 'n bissel salzig." + +"Weil Sie heut abend wieder Salzhering gegessen haben", grollte der +Richter. + +"Salzig kann man nicht sagen", meinte der Getreidekaufmann Schneider, +"sondern so mehr saeuerlich!" + +"Ja, weil Sie von gestern noch 'ne saure Schnauze haben", zuernte Herr +Knopf. + +Unter solchen Umstaenden haette der Loewenwirt, der auch mit probierte, mit +seiner Aeusserung, das Wasser scheine ihm aber stark nach Schwefel zu +schmecken, zurueckhalten sollen; denn der schlecht gelaunte Richter fuhr +ihn an: "Mensch, wenn Sie tagaus, tagein nischt anderes rauchen als Ihre +eigenen Zigarren, muss Ihnen natuerlich alles nach Schwefel schmecken." +Darauf einigte man sich endlich: dieses Wasser schmecke wie jedes andere +gewoehnliche Brunnenwasser und sei keinen Pfifferling wert. + +Ganz kurze Zeit darauf gab es in Waltersburg eine neue Aufregung. Die +Neustaedter hatten sich fuer ihr Bad einen Propagandachef engagiert. + +"Propagandachef!" - Dieses Wort war in Waltersburg seit Erschaffung der +Welt noch nicht einmal ausgesprochen worden. Die Neustaedter aber wussten +nicht bloss, dass es so etwas gaebe, sie engagierten es sogar. Und der +Propagandachef war ein Jude. Als das bekannt wurde, sagte der Baecker +abends im "Loewen": + +"Die Kerle in Neustadt verlieren den letzten Rest von Schamgefuehl." + +Aber da widersprach der Amtsgerichtsrat, hauptsaechlich deswegen, weil er +immer widersprach: + +"Jude hin, Jude her! Es is 'n alter Witz, dass in den ganzen Antisemitismus +nich eher 'n richtiger Schwung kommen wird, ehe ihn nicht die Juden selbst +machen. Wenn die Neustaedter ihre faule Sache deichseln wollen, mussten sie +'n Juden nehmen, 'n Christ ist viel zu daemlich dazu." + +Der Baecker stand auf und ging. Wenn freigeistige Reden gehalten wurden, +verliess er das Lokal. + +Nach etwa sechs Wochen erschien der erste Prospekt von dem Bade Neustadt. +Es war ein entzueckend ausgestattetes Heftchen von Kunstdruckpapier, mit +reizenden bunten und Lichtdruckbildern ausgestattet, und das Werkchen +pries Neustadt in so berueckender Form, dass eigentlich jeder Mensch zu +bemitleiden war, der nicht augenblicklich seine Koffer packte und nach +Neustadt abreiste ... + + * + +Die feindlichen Staedte! Vielleicht, dass mir der lustige Hader die Zeit +verkuerzt. Von Zeit zu Zeit will ich etwas von ihm im Tagebuch +vermerken ... Joachim hat an die Mutter ein Telegramm gerichtet. "Ich kann +nicht mehr schweigen; ich gruesse dich und Fritz. Aber schreibt mir keine +Briefe, telegraphiert nur, ob ihr gesund seid." + +Mit diesem Telegramm sass die Mutter am Tisch, als ich heute abend nach +Hause kam. Sie sprach nicht, sondern uebergab mir nur wortlos die Depesche; +aber sie sah mich stolz und verklaert an, als wollte sie sagen: "Sieh, +solch einen guten Sohn habe ich!" "Ich freue mich ueber Joachim", sagte ich +und liess sie allein. Von meinem Zimmer sah ich nach dem Johannisbrunnen +hinunter, dessen Wasser einfoermig rann. + +Die Seele des fernen Bruders war immer noch krank. Er vertrug keine +Nachricht aus der Heimat. Heimat war ihm in Hoelle gewandeltes Paradies. Es +gab einmal ein Weib, das er mehr liebte als alles, die Mutter mit +einbegriffen; es war einmal ein Freund, der ihm naeher stand als der +Bruder, und es war eine schoene Stadt, die ihm lieber war als der +Geburtsort; das war Heidelberg. + +In Heidelberg hat ihn die Frau mit dem Freunde betrogen. + +Darueber kommt nun der Mann, der zwischen Rio und Montevideo hin und her +faehrt, nicht mehr hinweg. + + + + + + DAS MODEBAD + + +Dieser 5. April war ein sehr merkwuerdiger Tag. Ich war drueben in Neustadt +und besah mir den neuen Badeort; denn ich war mir immer noch nicht ganz im +klaren, ob ich Badearzt in Neustadt werden oder lieber die Praxis des +alten Sanitaetsrats in Waltersburg uebernehmen solle. Der Alte will sich zur +Ruhe setzen. Um die Wahrheit zu sagen, er sitzt eigentlich schon sein +ganzes Leben lang zur Ruhe. Den Waltersburgern faellt es niemals ein, krank +zu werden. Der alte Pfarrer hier, der etwas derber Art ist, sagt: "Wenn +einer nicht gerade unverschuldet verunglueckt, ist es eine Schweinerei, +krank zu werden. Denn wenn einer vernuenftig lebt, wird er eben nicht +krank, ebenso wie keiner ins Zuchthaus kommt, der nicht was ausfrisst." So +erschien dem Pfarrer der Sanitaetsrat immer hoechst ueberfluessig, wie +andererseits dem Sanitaetsrat, der ein Freigeist ist, der Pfarrer +ueberfluessig erscheint. Persoenlich aber vertragen sie sich recht gut, +spielen auch manchmal Karten miteinander, was ihrer lebenslangen +gegenseitigen Abneigung keinen Eintrag tut. Der Dritte im Bunde ist der +Amtsrichter, den Pfarrer und Sanitaetsrat beide fuer ueberfluessig halten; +denn ausser dem Schneider Hampel wird in Waltersburg niemals jemand +eingesperrt, und bei Hampel kommen in mageren Jahren auch hoechstens drei +Wochen heraus. Der Amtsrichter und der Schneider Hampel stehen auf dem +"Gruessfuss", und der Sanitaetsrat behauptet, dass der Richter seinem einzigen +"Kunden" immer zu Neujahr gratuliere. Es ist also fuer einen, der keine +Sinekure sucht, nicht verlockend, Arzt oder Richter in Waltersburg zu +werden. Im Herzen waere es mir aber immer noch lieber, mich in Waltersburg +niederzulassen, als nach Neustadt zu gehen, dessen Wunderquellen ich nicht +traue, und mich also dort gewissermassen mitschuldig zu machen, den Leuten +das Geld aus der Tasche zu ziehen. + +Heute war ich drueben in Neustadt. Waehrend der fuenf Jahre meiner +Abwesenheit ist der Ort um das Doppelte gewachsen. Er ist mit +amerikanischer Rapiditaet emporgeschossen. Ich sah die Marmortempel ueber +den "Sprudeln", die "Promenade" mit ihren unendlich gepflegten, unendlich +bunten und unendlich langweiligen Blumenanlagen, die Kapelle, die das +"Polnische Lied", den "Einzug der Gaeste in die Wartburg", das +"Fruehlingslied" von Mendelssohn, den neuesten Wiener Walzer und ein +unendlich albernes Potpourri spielte, das von allen Darbietungen dem +Publikum am besten zu gefallen schien, sah auch, wie der erste Geiger und +der Floetist an der Rampe des "Musikpavillons" wie ueberall mit den +vorbeiflanierenden Maegdelein liebaeugelten; ich sah auf den Estraden leerer +Restaurants Kellner lauern, die wie Braeutigame gekleidet waren oder wie +Leichenbitter, fuenfunddreissig Gerichte auf ihrer Speisekarte, von denen +sicherlich nicht eines halb so gut schmeckte wie das, was Mutters alte +Koechin bereitet; ich sah eine "Wandelhalle" mit Schaulaeden, in denen die +schoenen und ach so "preiswerten" Broschen prangen, die man den +Dienstmaedchen als "Mitbringe" schenkt und deren Goldglanz mindestens +anhaelt, bis das Maedchen am naechsten Quartal abzieht, sah schreiend bunte +Glaeser mit der Aufschrift "Zum Andenken" oder "_Souvenir de Neustadt_", +Holzarbeiten, vom geschnitzten Hirsch bis zu dem Kinderspielzeug, wo zwei +Baeren auf einem Amboss pinken oder ein Affe am Reck turnt, und noch viele +Kunstgegenstaende, bis ich zum Theater gelangte, wo ein Zettel verkuendete, +dass ein vielversprechender Dichter (alle vielversprechenden Dichter +debuetieren in Badetheatern) sein Erstlingswerk "Geheimnisse von Neustadt" +zur Auffuehrung bringe und Herr Georgio Calzolaio (zu deutsch: Georg +Schuster), der vielbeliebte erste Liebhaber der Buehne, die Hauptrolle +kreieren werde, auch an diesem Abend sein Benefiz habe. Darauf ging ich in +ein Cafe und trank zwei Kognaks. Ein Zeitungsjunge erschien und schrie mir +das neueste Berliner Mittagsblatt ins Ohr; ein Herr am Nebentisch, der +schon immerfort nervoes hin und her zappelte, knurrte den Kellner an, wie +lange er zum Donnerwetter noch auf die telephonische Verbindung mit +Breslau warten solle; ein Herr an einem anderen Tisch erzaehlte mit +unertraeglicher Weitschweifigkeit seinem Nachbar alle Erscheinungen seiner +Krankheit, wofuer sich dieser so interessierte, dass er waehrend der Zeit des +Zuhoerens das ganze Mittagsblatt durchschmoekerte; drueben an der Wand +stritten zwei rote Koepfe laut ueber Nietzsche; eine voruebergehende Mutter +machte ihrer bleichsuechtigen Tochter Vorwuerfe, dass sie ihren Brunnen statt +um fuenf erst um fuenfeinhalb Uhr getrunken habe, was natuerlich furchtbar +schaden koenne; Gents und noch viel mehr Pseudogents taenzelten vorueber, und +in der Kapelle drueben blies der Waldhornist zum Herz- und Steinerweichen: +"Das Meer erglaenzte weit hinaus im lichten Abendscheine". + +"Auch Sie, Fraeulein Trude", hoerte ich einen vorbeiwandelnden Primaner zu +seiner sechzehnjaehrigen Begleiterin sagen, "haben mein Herz vergiftet, +zwar nicht durch Ihre Traenen, wohl aber durch Ihr Lachen." + +"Aber Herr Lempert", sagte sie, und sie waren vorbei ... Ich bekam Heimweh +nach Waltersburg und ging. Draussen auf den Promenadengaengen das gewohnte +Publikum; die galizische Juedin mit etwas schmierigen Spitzen am +Halsausschnitt und den grossen Brillanten in den Ohren; der Herr in dem +hocheleganten weissen Flanellanzug, der 23 Mark gekostet hat; der +"Kuenstler", dessen Kraft wie bei Samson in der Fuelle der Locken sitzt und +der sich vor dem Spiegel die wirkungsvollen Gerhart Hauptmannschen +Mundwinkel eingeuebt hat; das knurrende Eheoberhaupt, das wo anders +hinstrebt, weil man auf dem Kurplatz nicht rauchen darf (warum, weiss weder +er noch sonst jemand; denn der Platz ist weit, und der Himmel ist hoch); +die flirtende Strohwitwe; der melancholisch und langsam schreitende +Einsame, der keinen Anschluss findet; das laute Maedchen, das immer zehn +Verehrer um sich hat und nie einen Mann kriegt; die Geschaeftsfreunde, die +auch hier ueber ihre Alltagssorgen nicht hinauskommen; fachsimpelnde +Oberlehrer und lebenslustige Backfische, dazwischen die "Patienten", die +gewissenhaft aus geschliffenen Glaesern das Neustaedter Wunderwasser +schluerfen, als koennte es in vier Wochen gutmachen, was in vielen, vielen +Jahren krank ward. + +Ich war im klaren: Ich wollte nicht Badearzt werden. So wollte ich nach +Hause und waehlte als Heimweg den Pfad ueber den Weihnachtsberg, der als +Grenzscheide zwischen Waltersburg und Neustadt liegt. + + + + + + AUF DEM WEIHNACHTSBERG + + +Auf dem Weihnachtsberg steht ein altehrwuerdiges Gasthaus. Es sieht aus wie +eine Burg, hat auch einen grauen verwitterten Turm, eine Zugbruecke, +Butzenscheiben und was so dazu gehoert. Das echteste von dem ganzen +romantischen Nest war der Wirt, der Eberhard hiess, weil er einen langen +Bart hatte, oder der sich einen langen Bart hatte wachsen lassen, weil er +Eberhard hiess. Die Waltersburger besuchten ihn an allen regenfreien +Sonntagnachmittagen, und er lebte auf seiner luftigen Hoehe so gute Tage, +dass ihm der Humor niemals ausging. Dieser Eberhard war fuer die +Waltersburger Kinder der Knecht Ruprecht. Jeden Weihnachtsabend lugten sie +aengstlich, sehnsuechtig und neugierig nach dem Gipfel des Weihnachtsberges +hinauf, und wenn endlich die blaue Winternacht ihren Duftschleier um den +Gipfel huellte, flammte da oben ein maechtiges Bergfeuer zum Himmel, und +eine Trompete blies langsam und feierlich herab ins Tal: "Vom Himmel hoch, +da komm ich her." + +"Er kommt, er kommt!" stiessen da die Kinder heraus, und die kleinsten +zitterten in seliger Angst. Vom Berge herab aber kam mit silbernem Gelaeut +der Knecht Ruprecht gefahren. Er thronte auf einem mit Tannenreis +prachtvoll verzierten Schlitten, und andere Schlitten folgten ihm, die +wurden von seinen Knechten gelenkt und waren mit Hunderten von Paketen und +Paketchen beladen. Vom Stadttor an bildeten alle Kinder Spalier, die +reichen wie die armen, die grossen wie die kleinen. Die Eltern, Tanten und +Grossmuetter standen hinter ihnen, und wenn der Knecht Ruprecht ankam, +winkten die Kinder mit den Haenden, die Vaeter nahmen die Muetzen ab, und die +Tanten und Grossmuetter machten tiefe, ehrfuerchtige Knickse. Der Knecht +Ruprecht aber sass da auf seinem tannenbekraenzten Thron wie ein Koenig und +nickte nach rechts und nickte nach links, winkte mit der rechten Hand und +winkte mit der linken Hand, verteilte seine Gaben an die Armen und +Reichen, an die Gerechten und Ungerechten. + +Nach der Feier bestieg der Knecht Ruprecht seinen Schlitten. Die +Fackeltraeger, die Ehrenjungfrauen und alles Volk begleitete ihn bis ans +Tor. Mit lustigem Klingeling fuhren die Schlitten den Weihnachtsberg +hinauf, und die Leute kehrten heim, alle im Herzen froh und reich. + +Das war der Weihnachtsberg bis vor acht Jahren. Da kamen die Neustaedter +und kauften Herrn Eberhard, der damals gerade ein wenig in Sorgen war, +sein Gasthaus fuer einen guten Preis ab. Die Neustaedter machten aus der +alten edlen Burgherberge ein "Etablissement mit Burgruine, Aussichtsturm +und im uebrigem allem Komfort". Es wurden hoelzerne Veranden mit grossen +Fenstern an das alte Mauerwerk geklebt, der ganze schablonenhafte oede +Hotelbetrieb eingerichtet, und die Badezeitung faselte vom Fortschritt der +modernen Zeit. + +Dass schweres, reines Altgold in duennes Flitterblech gewalzt wurde, +empfanden am meisten die Waltersburger Kinder, die am Weihnachtsabend +vergebens ausspaehten nach dem leuchtenden Hoehenfeuer und der suessen, +verheissungsvollen Melodie: "Vom Himmel hoch, da komm ich her." + +In Gedanken an alte, schoene Zeit stieg ich den Weihnachtsberg hinauf. So +sentimental war ich aber nicht, um dem neuen "Etablissement" auszuweichen; +dazu war ich denn doch zu weit in der Welt herumgekommen und hatte zu viel +Schifflein scheitern sehen, um so eine Ungluecksstelle feig zu umsegeln. +Ich kehrte in dem "Etablissement" ein. In der grossen Glasveranda waren +drei Kellner und ein Gast anwesend. + +Dieser einzige Gast sass am Fenster und guckte nicht auf, als ich zur Tuer +hereintrat. Daraus erkannte ich, dass er kein Deutscher war. Im uebrigen +genuegte mir ein Blick zu meiner Orientierung. Ich erkenne den +Nordamerikaner so leicht unter allen Nationen heraus wie den Star unter +den bunten Finken. + +Soll ich hier das Bild wiederholen, das deutsche Karikaturisten malen, +wenn es gilt, einen "Uncle Sam" zu zeichnen? Das kurzgeschorene Haar, den +glattrasierten, rasiermesserduennen Mund, die etwas schlottrige Figur mit +den langen Beinen und fuchtelnden mageren Armen, die Stummelpfeife, den +karierten Anzug und diesen anderen Kram? Nein! Ich ging zweimal durch die +Stube, stellte fest, dass achtzehn Tische unbesetzt und einer besetzt war, +und setzte mich dann an den besetzten, dem Gaste gegenueber, ohne ihn zu +gruessen. Der andere blickte auch jetzt nicht auf. Er sah gelangweilt ins +Tal. Ich beachtete ihn auch nicht. + +Der Kellner kam, und ich machte meine Bestellung. Darauf war es ganz +still. + +Endlich blickte der Mann mir gegenueber auf und sagte, indem er nach +Neustadt hinunterwies: + +"Das ist ein sehr albernes Nest da unten!" + +Er sprach englisch; aber ich entgegnete deutsch: + +"So kann man schon sagen. Es gefaellt mir auch nicht." + +"Aber bei uns in Amerika werden Sie auch dumme Badeorte gefunden haben." + +"Woraus schliessen Sie, dass ich in Amerika war?" + +"Ich denke es mir." + +"So, so!" + +Darauf schwiegen wir. Erst nach einem Weilchen nahm "Uncle Sam" das +Gespraech wieder auf: + +"Sie halten nichts von unseren modernen Kurorten?" + +"'Nichts' kann ich nicht sagen. Es gibt zehn gute Kurorte und neunzig +unnuetze. Das sage ich." + +"Und wie denken Sie sich einen ganz guten Kurort?" + +Ich zuckte die Achseln. + +"Ich habe mir manchmal ein Bild ausgemalt, wenn ich als Schiffsarzt die +noetige Musse zu solchen Traeumen hatte." + +"Sie sind Schiffsarzt?" + +"Ich war es." + +Ich fand es nun angemessen, mich vorzustellen. Darauf wippte auch er ein +wenig vom Stuhle auf und sagte: + +"Mister Stefenson. Oel und Naphtha. Neuyork, Milwaukee, St. Louis und +Trinidad. Nun, wie ist das mit Ihrem Kurort?" + +"Es ist gar nichts. Es ist ein Traum, eine verrueckte Idee!" + +"Verrueckte Idee ist schoen. Deutschland ist ein gutes Land, aber es leidet +einen sehr grossen Mangel an verrueckten Ideen. Es ist zu brav, es macht +zuviel nach. Den deutschen Unternehmungen fehlt die ueberraschende Pointe. +Der Amerikanismus ist besser." + +"Das sagen Sie so!" + +"Es ist so." + +Ich war verstimmt und schwieg. + +"Nun?" fragte er ungeduldig. + +"Mister Stefenson, wenn ich Ihnen meine Idee entwickeln wollte, wuerden wir +viel Zeit brauchen; am Schluss wuerden Sie mich doch nicht verstehen. So was +liegt Ihnen nicht." + +"Wir haben Zeit, ich werde Sie verstehen, und es liegt mir", gab er zur +Antwort. + +Da kam ich in Laune und sagte: + +"Ich will es Ihnen in ganz kurzen Linien umreissen. Ich will mal annehmen, +meine Heilanstalt bestaende schon und Mister Stefenson kaeme zu mir als +Kurgast." + +"Das ist gut! Das ist instruktiv!" rief er. "Wie heisst Ihr Sanatorium?" + +"Ferien vom Ich." + +"Wie?" + +"Ferien vom Ich." + +"Das ist kein guter Name. Dabei kann man sich nichts denken. Das zieht +nicht." + +"Mister Stefenson, wenn Sie mir schon von vornherein widersprechen, werde +ich Ihnen kein Wort ueber meine Heilanstalt sagen. Dass Sie den Namen nicht +ohne weiteres begreifen, ist doch eben das Neue und Gute." + +"_Well_; ich sage nichts mehr. Ich hoere." + +"Also: Irgendwo auf der Welt, sagen wir auf dem Ostabhang dieses +Weihnachtsberges bei Waltersburg, liegt die Heilanstalt 'Ferien vom Ich'. +Auch Mister Stefenson, der schon in vielen Kuranstalten und nie ganz +zufrieden gewesen war, hat von der Anstalt gehoert und hauptsaechlich darum, +weil es etwas Neues war, beschlossen, sie aufzusuchen. Er reist nach +Waltersburg. Mister Stefenson kommt mit sieben Koffern und zwei Dienern +an." + +Mein Gegenueber nickt. + +"Stimmt. Sie sind ein Gedankenleser." + +"Der Ankoemmling findet in der Naehe von Waltersburg ein Gelaende von Wald, +Huegeln, Gaerten, ganz von einer hohen Mauer umschlossen, ueber die kein +Mensch hinwegsehen kann. Er merkt gleich: ah, an dieser Mauer ist die Welt +alle, hier ist eine Welt fuer sich. Die Mauer hat nur ein einziges Tor. +'Ferien vom Ich' steht darueber. Mister Stefenson, der mit drei Wagen +ankommt, zieht die Schelle an der Pforte. Eine tiefe Glocke schlaegt einmal +an. Da kommt von drinnen her ein Diener, der oeffnet das Tor. Er ist nicht +in der weltueblichen Tracht, er traegt Pluderhosen, Sandalen an den Fuessen, +eine weite, am Hals ausgeschnittene Bluse und ist barhaeuptig. Vor +Stefenson macht er keine Verneigung, sondern sagt: 'Lieber Freund, Sie +sind wohl wenig unterrichtet, sonst kaemen Sie nicht mit solch unnoetigem +Kram hier an. Seien Sie so gut, lassen Sie Ihre Diener und Ihr Gepaeck +unten in Waltersburg oder sonstwo auf der Welt Unterkunft suchen und +kommen Sie ganz allein, wie Sie hier stehen, mit mir.' + +Mister Stefenson aergert sich nicht wenig ueber diese Ansprache des +dienstbaren Geistes, aber er will hinter den 'Trick' kommen, deshalb winkt +er seinem Gefolge ab und geht in das grosse Ferienheim des Lebens. Die +Pforte faellt hinter ihm zu. Sein Begleiter fuehrt ihn eine Lindenallee +bergan. Rechts und links sind Wiesen und einige bebaute Ackerstuecke. Am +Ende der Allee steht ein von Efeu umsponnenes Haus, so klein wie eine +Einsiedlerhuette. Das Haeuschen hat nur ein einziges Zimmer, aber das ist +bequem hergerichtet, hat ein gutes Bett, einen Schreibtisch, schlichte, +aber geschmackvolle Moebel und gute Bilder an den Waenden. In dieses Zimmer +fuehrt der Torwart den Mister Stefenson und sagt: 'Hier bleiben Sie, lieber +Freund, zwei Tage und zwei Naechte. Lesen Sie die wenigen Blaetter, die auf +dem Schreibtisch liegen, gut durch und schreiben Sie Ihre eigene Lebens- +und Leidensgeschichte auf, schreiben Sie auf, was Ihnen an sich selbst +nicht gefaellt und warum Sie hierhergekommen sind. Nach zwei Tagen wird der +Arzt zu Ihnen kommen, wird lesen, was Sie geschrieben haben, und wird den +ganzen guten Mannes- und Freundeswillen haben, Ihnen zu dienen und zu +helfen. Das Essen wird Ihnen inzwischen durch mich gebracht werden. Finden +Sie sich mit den Blaettern, die auf dem Schreibtisch liegen, nicht ab, +koennen Sie nicht den Willen aufbringen, Ferien vom Leben zu machen, so +haengt hier am Nagel an der Tuer ein Schluessel, der die Pforte unten an der +Allee aufsperrt. Lassen Sie den Schluessel von innen stecken und schlagen +Sie die Pforte von aussen zu. Zu bezahlen haben Sie fuer das, was Sie +inzwischen genossen, nichts; wir freuen uns, dass Sie einmal dagewesen +sind.' + +So sagt der Torwart, und dann laesst er den verwunderten Herrn Stefenson +allein. + +Der setzt sich, noch im Reisemantel, an den Tisch und beginnt zu lesen. +Ich kann hier nicht den ganzen Inhalt dieser Blaetter aufsagen, sondern nur +einige wenige Saetze hervorheben. 'Betrachte dein Leben mit allem, was es +gebracht hat: Arbeiten, Erholungen, Genuessen, Suenden, als eine +Anstrengung, die dich muede gemacht hat und deine Kraefte zermuerben wird. +Mache dich los von diesen Anstrengungen, spanne aus, mache Ferien. Loese +dich zunaechst los von dem Goetzen, dem du alle Tage opferst, von deinem von +dir so zaertlich geliebten Ich. Entkleide diesen Goetzen allen Tandes, den +du ihm mit grossen Entbehrungen verschafft hast, seines wohlklingenden +Namens, seiner Genusssucht, seiner Herrschsucht ueber Geld und andere +Machtmittel.'" + +Hier unterbrach mich mein Zuhoerer. + +"Bitte, sagen Sie das nicht mit so phrasenhaften, abstrakten Worten; sagen +Sie es einfacher und instruktiver!" + +"Schoen! Nehmen wir also an, dass jener Herr Stefenson die zwei Tage und +zwei Naechte in dem Einsiedlerhaeuslein ausgehalten hat, ohne fortzulaufen. +Nach zwei Tagen kommt der Arzt. Herr Stefenson wird ihm entgegenrennen und +ohne jede Einleitung sagen: 'Ich habe Ihre Blaetter gelesen und muss Ihnen +sagen, Herr Doktor, dass mir die Sache zum Teil sehr abenteuerlich, zum +Teil sehr langweilig vorkommt. Warum soll ich zum Beispiel hier in dem +Ferienheim nicht mehr Stefenson heissen, sondern einen anderen Namen +haben?' + +'Setzen Sie sich', wird der Arzt antworten und Herrn Stefenson auf die +Bank neben der Haustuer druecken. + +'Holen Sie Ihre Lebensbeschreibung.' + +Herr Stefenson gehorcht, und der Doktor beginnt zu lesen, was Herr +Stefenson in den Tagen einsamer Einkehr in sich selbst ueber sein Leben +niedergeschrieben hat. 'Ich werde die Blaetter mitnehmen', sagt der Doktor, +'und sie zu Haus noch einmal lesen, dann bekommen Sie Ihr Manuskript +zurueck und koennen es selbst vernichten.' 'Das ist so aehnlich wie bei +Lahmann', sagt Stefenson. 'Ja', nickte der Doktor, 'ich habe vieles von +Lahmann, der wieder vieles von Priessnitz und anderen hat. Wenn einer +hochkommen will, muss er immer auf die Schultern anderer steigen.' + +Der Arzt unterhaelt sich nun lange mit Mister Stefenson und erklaert ihm +auch, warum er im Ferienheim des Lebens seinen Namen ablegen soll. 'Sie +sind hier nicht Mister Stefenson, Sie sind irgendein Mensch, der - sagen +wir - John heisst; dieser John hat mit Herrn Stefenson gar nichts zu tun. +Herr Stefenson ist irgendwo in Neuyork, Milwaukee oder auf Trinidad, +zermartert sich dort sein Hirn um neue Gewinne, wird gelobhudelt, +befeindet, belogen, betrogen - arbeitet und amuesiert sich halb zu Tode, +hat mancherlei Schwaechen, die sein Leben und vor allen Dingen seine Freude +am Leben verkuerzen, kurz, ist trotz seiner Millionen ein armer, gehetzter +Mensch, waehrend dieser John hier keinen liebedienernden Tross, keinen +vorteilssuechtigen Freund, aber auch keinen Feind hat, froh und sicher +unter seinesgleichen lebt und, wenn er mit einem Genossen im Garten +arbeitet, nicht weiss, ob dieser Mann draussen in der Welt ein Fuerst oder +Minister oder ein kleiner Beamter ist. Sehen Sie, John, das ist ein ganz +koestlicher Humor, den wir hier betreiben. Wenn die Leute ihren Namen +abgelegt haben und auch alle die gleiche Tracht haben, kennt man den +Grossen vom Kleinen nicht mehr heraus. Der Geist verraet sie nicht. Dass der +Patient waehrend der Dauer der Kur seinen Namen ablegt, ist fuer den Erfolg +fuer uns eine grosse Hauptsache. Der Name ist meist die staerkste Kette, die +mit der Last und Lust des Alltags verbindet, sie muss in Ferientagen geloest +werden. Und waere der Name auch ein Schmuck, wie ja der Name eines guten +Kaufmanns gewiss ein kostbarer, schwer erworbener Schmuck ist - wer richtig +ruhen will, legt allen Schmuck ab. Weniger wichtig ist das Ablegen der +gewohnten Tracht, aber doch wichtig genug, bei uns zur Bedingung gemacht +zu werden. Und fuer uns hat es noch das eine Gute: Es haelt uns alle +albernen Pfauen des Lebens vom Halse, vor allen Dingen eitles Weibervolk; +wer zu uns kommt und bei uns bleibt, der meint es ernst mit sich selbst. +Im uebrigen hoffe ich, dass Ihnen unsere bequeme, gesunde Tracht gefallen +wird; auch unsere Damen sind sehr zufrieden mit ihr. + +Wovon Sie weiterhin erloest werden muessen, ist das Geld. Sie haben waehrend +Ihres ganzen hiesigen Aufenthalts mit Geld nichts zu tun. Was Sie bei sich +tragen, geben Sie an der Kasse ab, es wird Ihnen verwahrt und verzinst bis +zu Ihrem Austritt, abzueglich des Betrages fuer Ihren Kuraufenthalt. John, +der Feriengast, besitzt nicht einen Pfennig. Er braucht auch keinen +Pfennig, und er ist schon nach kurzer Zeit gluecklich, nicht den ganzen Tag +ueber sich Haende entgegenstrecken zu sehen, auf die er Geld legen soll, wie +es Herrn Stefenson geschieht, bei dem die Bewegung nach der Brieftasche +schon automatisch geworden ist. John hat nur eine Tasche fuers Taschentuch +- Geld hat er nicht, Schluessel, Messer, Taschentoilette, Fuellfederhalter, +Notizbuch, Brieftasche, Taschenapotheke und aller andere Ballast wird ueber +Bord geworfen. + +Auch die Uhr! + +Es geht John gar nichts an, wie spaet es ist, es ist gaenzlich ohne +Interesse fuer ihn, ob es dreizehn Uhr siebzehn oder vierzehn Uhr +sechsundzwanzig ist, er braucht nicht zu hetzen, sich nicht zu aengstigen, +er hat Zeit, er kommt immer zurecht. Nur die Mahlzeiten darf er nicht +versaeumen; aber zu ihnen ruft eine Glocke. Oh, Mister Stefenson, Sie +werden sehen, wie wohltuend das ist, wenn man nicht am Tage sechzigmal +nach der Uhr sehen muss! Die Uhr, die ueber dem Herzen schlaegt, schlaegt +schneller als das Herz, als wollte sie wie ein Schrittmacher zu immer +groesserer Eile anspornen - und der Weg fuehrt doch ans Ende des Lebens. +Warum sollen wir es so eilig haben, dorthin zu gelangen? Der Schrittmacher +wird bei uns ausser Taetigkeit gesetzt. + +Da nun John mit Mister Stefenson rein gar nichts zu tun hat, geht es ihn +auch rein gar nichts an, was diesen amerikanischen Grosskaufmann von +Weltereignissen aufregt und interessiert. Es geht John nichts an, ob +Stefensons Kurse fallen, was in den Parlamenten gekohlt wird oder was im +'Voelkerbund' fuer Schindluder getrieben wird, ja es geht ihn nicht einmal +das mindeste an, wer Weltmeister im Boxkampf geworden ist - kurz, John +liest keine Zeitungen. Auf dem Fragebogen, den Sie, Herr Stefenson, +auszufuellen hatten, steht: 'Wie lange lesen Sie durchschnittlich taeglich +ueber der Zeitung, wie lange also im Jahre?' Sie haben den taeglichen +Zeitverbrauch auf dreiviertel Stunden, den jaehrlichen also auf 274 Stunden +berechnet. Wenn man den Tag mit neun Arbeitsstunden annimmt, verwenden Sie +aufs Zeitunglesen dreissig Tage, also einen ganzen Arbeitsmonat des Jahres. +Und dann kam auf dem Fragebogen die Aufforderung: 'Schreiben Sie kurz +nieder, was Sie von Ihrer Zeitungslektuere aus dem vorigen und aus dem +vorvorigen Jahre noch wissen!' Was Sie vom vorigen Jahre noch wissen, +steht auf fuenf kleinen Blaettern, und Sie geben es ehrlich an, dass es Ihnen +schwere Muehe verursacht hat, diese fuenf Blaetter zu fuellen. Vom vorvorigen +Jahre wussten Sie fast nichts mehr, nur ein paar ganz grosse Ereignisse +standen noch im Gedaechtnis. Nun ist ja sicher, dass durch das Zeitunglesen +viel latenter, nur im Augenblick nicht bereiter Besitz erworben wird. Aber +Sie selbst muessen sich fragen, ob dieser Besitz die Aufwendung eines +ganzen Arbeitsmonats des Jahres wert ist. Das Zeitoekonomische geht uns +uebrigens hier nur in zweiter Linie an. Die Hauptsache ist uns: John darf +sich nicht das Fruehstueck verderben lassen, weil Herr Stefenson in +ebendemselben Augenblick aus der Zeitung einen giftigen Aerger ueber einen +Deputierten saugen wuerde, der nach seiner Meinung eine idiotische Rede +gehalten hat; John betrinkt sich nicht am Abend aus Freude darueber, dass +einer Konkurrenz von Mister Stefenson die Butter vom Brote gefallen ist; +John disputiert nicht eine Stunde lang darueber, ob das Buendnis zwischen +den Staaten Soundso zustande kommen wird oder nicht; kurz: John verzichtet +auf die Peitschenhiebe des Zeitungsstils. Er sagt sich so: Fuer Herrn +Stefenson aus Amerika moegen die nervenanstrengenden Dinge, die taeglich in +der Zeitung stehen, wichtig, ja unerlaesslich sein; denn Herr Stefenson +steht in der harten Schule des Lebens und kann sich um sein Pensum nicht +druecken; aber ich - o ich, John, ich habe Ferien, und die ganze Schule des +Lebens geht mich rein gar nichts an. + +Es kommt noch eins hinzu - John erzieht sich. Herr Stefenson meint, ohne +ihn ginge es nicht. Auch wenn er reist, auch wenn er in einem Bad ist, +behaelt er die Hauptfaeden seiner geschaeftlichen Angelegenheiten immer in +der Hand. Er laesst sich ellenlange Berichte schicken, er liest Zeitungen, +er kabelt, er regt sich auf, freut sich, wettert und ist eigentlich auch +auf Reisen immerfort zu Hause, immer im Joch. John pfeift sich eins. John +sagt: Wenn Herr Stefenson tot waere, ginge es auch; folglich geht es auch, +wenn Herr Stefenson verreist ist. Vielleicht geht es sogar besser, als +wenn er zu Haus ist. Nur nicht zu eitel sein! Frisches Blut tut manchmal +gut, und vielleicht kann John Herrn Stefenson zu guter Letzt an der Hand +nehmen und sagen: Sei froh, dass du mal ausgeschieden warst, du hast +inzwischen glaenzende Geschaefte gemacht, so wie ein Spieler meist gewinnt, +wenn er einem Vertreter auf einige Minuten seine Karten ueberlaesst. + +Im Ferienheim gibt es taeglich einen Anschlag, auf dem in wenig Zeilen die +Hauptereignisse des Tages mitgeteilt werden. Wer daraus schliesst, dass er +ueber einen Punkt unbedingt weitere Auskunft haben muesse, der geht in die +Kanzlei, dort liegen dreissig Zeitungen. Kann sich der Betreffende bald +beruhigen, dann ist es gut; wenn das nicht der Fall ist, verlaesst er die +Ferien und geht in die Lebensschule zurueck. Bis jetzt sind nur drei +Prozent unserer Feriengaeste nach der Kanzlei gekommen, um Zeitungen zu +lesen; die allermeisten lesen nicht einmal die Anschlaege. Sie sind zu +ernst; sie sind wie auf einem fremden Stern; die Erdenereignisse gehen sie +auf einige Zeit gar nichts an. + +Und so wie mit den Zeitungen, ist es mit der Privatkorrespondenz. Sehen +Sie sich an, Herr Stefenson, wie es die Leute in den modernen Kurorten +treiben. Eine der allergroessten Hauptpersonen ist der Brieftraeger. Man kann +sein Erscheinen nicht erwarten. Vor jeder Ausgabe der Post zwanzig Minuten +Nervenvibrieren, innere Unruhe, gespannte Erwartung. Und der Erfolg? Ein +paar freuen sich; aber Herrn Mayer hat seine Frau geschrieben, dass sich +der Hausmeister ruppig benommen habe, und Herr Mayer ist auf Stunden in +menschenfresserischer Laune; das Toechterchen von Frau Ludwig ist vom Tisch +gepurzelt, und die Mutter telegraphiert, man solle gleich den Arzt +befragen, was ohnehin natuerlich schon geschehen ist; Baron Erwin zieht die +Stirn in Falten, weil seine Isolde nicht geschrieben hat; der +Schriftsteller Niessen kriegt ein Romanmanuskript zurueck und bricht fast +in Traenen aus ueber die Idiotie der betreffenden Redaktion; im Herzen der +blonden Else steckt eine Ansichtskarte ihres Referendars ein verzehrendes +Feuer der Sehnsucht an; der Geheime Oberregierungsrat bekommt das +Schreiben eines 'Freundes', das ihm suggeriert, seine Stellung sei +erschuettert, und der Frau von Puttbus schreibt die Schneiderin ab. - Die +Aerzte koennen sicher rechnen, dass das, was sie in einer Woche aufbauen, +manchmal der Brieftraeger in zehn Minuten einreissen kann. + +Und deshalb wuenscht das Ferienheim sehnlichst den Brieftraeger zum Kuckuck, +weil er die Ferienruhe stoert, weil in seiner schwarzen Tasche meist nichts +anderes steckt, als ermuedende Aufgaben aus der Schule des Lebens. Deshalb +bitten wir unsere Feriengaeste: Sagt euren Verwandten, gerade, weil wir uns +lieb haben, wollen wir uns einmal auf einige Zeit trennen. Schreibt nur im +Notfall an mich; alles Kleine lasst weg, erzaehlt es mir, wenn ich +heimkomme. Es wird mir dann lieb sein; es wird sein, als ob wir uns neu +gegeben waeren. Bedenkt, dass mir von der Leitung des Ferienheims, wenn ich +in zwei Wochen mehr als einen Brief erhalte, nahegelegt werden wird, das +Heim zu verlassen. Ich kann nicht Ferien machen, ich kann nicht +ausspannen, wenn mir die papierene Last immer am Fuss sitzt. + +Das ist eine scheinbar harte Massregel des Ferienheims, die viele gehindert +hat, zu uns zu kommen, alle zu Sentimentalen; aber wir haben die Anordnung +als richtig erkannt und halten an ihr fest. Wer einen grossen Teil seines +Erholungsaufenthaltes an ein Postbuero binden will, soll anderswo hingehen. + +Das ist, wenn ich so sagen darf, die negative Seite unseres +Heilverfahrens, das, was wir ausscheiden: Namen, Rang, Titel, moderne +Bekleidung, das Geld, die Uhr, die Zeitung, das unnuetze Briefschreiben +oder, wenn Sie es krasser sagen wollen, Verwandtschafts- und +Bekanntschaftsfesseln. + +Sie merken schon, Mister John, dass ich an alte Klosterideale angeknuepft +habe. Nur, dass es sich eben nicht wie beim Kloster um die +Lebenseinrichtung ueberhaupt, sondern nur um eine Ferienpause des Lebens +handelt, und dass wir nicht aus religioesen, sondern aus sanitaeren +Beweggruenden handeln. Zur Seelsorge sind wir weder befaehigt noch berufen. +Aber - um auch diesen wichtigen Punkt zu beruehren - wir empfehlen allen +denen, die noch eine religioese Anschauung haben, aus reinster +Menschenfreundlichkeit, auf Grund dieser Anschauung einen recht tiefen +Herzensfrieden mit ihrem Herrgott zu machen; das ist die allergroesste +seelische und darum auch die allergroesste koerperliche Wohltat. Ein Arzt, +der gehetzten Menschen Erquickung bieten wollte und diesen Punkt ausser +acht liesse, waere ein Stuemper. Deshalb wird all unseren Feriengaesten +Gelegenheit geboten sein, Gott zu dienen, wie sie es beduerfen. Dass wir uns +dabei jeder Einmischung in dieses ureigenste Gebiet des Menschen +enthalten, ist ganz selbstverstaendlich. + +Die aerztliche Behandlung wird natuerlich fuer jeden Feriengast individuell +sein; fuer Schwerkranke ist das Ferienheim kaum, mehr fuer die Mueden, fuer +die, die das Leben in seiner Hast und Hohlheit nicht mehr freut, fuer die, +die gern noch einmal mit frischen Kraeften von vorn anfangen moechten. + +Fuer die Alkoholkranken, die Morphium- und Opiumsuechtigen hat man jetzt +draussen Entziehungskuren, die grossen Segen bewirken; wir wollen hier allen +denen Entziehungskuren gewaehren, die auf irgendeine Weise vom Leben +vergiftet sind. Ganz generell werden alle erloest von allem Eitlen und +Hohlen ihres bisherigen Daseins, von der drueckenden Last oeffentlichen und +privaten Lebens, von unnuetzen Beduerfnissen; individuell sollen sie erloest +werden von ihren Krankheiten, Lebenssuenden und Lebensschwaechen, von +unfruchtbarer Sorge, Angst und Reue, sollen Kraft im Frieden und die +kostbare Faehigkeit zur Freude wiedergewinnen. + +Wir scheiden aus dem Ferienheim die ueblichen Vergnuegungen aus. Sie finden +bei uns keine Rennen, Reunions, Tombolas, Frueh-, Mittags- und +Abendkonzerte, keine Spielsaele, Taubenschiessen, Theater- und +Varietevorstellungen, keine prunkhaften Umzuege und italienischen Naechte - +denn das alles ist nichts als anstrengende hohe Schule des Lebens und +betruegt alle die, die mit neuen Kraeften nach Hause kommen wollen. Wir +suchen die Freude. Das ist die Freude an gesunder Beschaeftigung in +frischer Luft. Sie, lieber John, werden wahrscheinlich einige Gartenbeete +umgraben muessen, auch werden Sie sich gelegentlich am Faellen eines Baumes +oder am Holzsaegen beteiligen muessen; es kann aber auch sein, dass Sie mal +einen Hecht angeln oder ein paar Koerbe Aepfel pfluecken muessen. Da Sie, wie +Ihre Niederschrift ausweist, seit zwanzig Jahren kein schoengeistiges Buch +gelesen haben, werden Sie um das Quantum von drei Romanen, einem Epos und +einem Baendchen Lyrik nicht herumkommen. Waehrend wir bei sogenannten +Leseratten Entziehungskuren machen, muss bei Ihnen in diesem Falle eine Art +Zwangsernaehrung einsetzen. + +Die koerperliche Kost wird ganz Ihrem Befinden angemessen und natuerlich gut +und schmackhaft sein. Alle Woche zweimal werden Sie sich das Abendbrot +selbst bereiten. Wie Sie das anstellen, ist Ihrer Phantasie ueberlassen. Im +grossen Kuechen- und Vorratshause finden Sie alle Rohmaterialien. Wir haben +gegenwaertig einen Feriengast, der draussen in der Welt eine Schar von +Dienern hat. Auch er muss sich das Abendbrot zweimal in der Woche selbst +bereiten. Anfangs wusste er nichts anderes, als dass er sich Brotstullen +schnitt, die entsetzlich dick und krumm gerieten, die Stullen mit Butter +beklebte und starke Wurstscheiben mit der Pelle darauf legte. Das naechste +Mal hatte er schon erluchst, wie man Kartoffeln an einem kleinen +Feldfeuerchen kocht, und hatte sich dazu einen Hering verschafft. Dann +ergaenzte er seine Mahlzeit, indem er Radieschen aus der Erde zupfte, Nuesse +und Fruechte von den Baeumen holte, und am vierten Abend, den er sich selbst +bereitete, lud er einen Freund und eine Freundin ein, war sehr stolz auf +sein Mahl und ass mit Genugtuung und Appetit. Das sind Kleinigkeiten, die +vielleicht wie Spielerei aussehen, aber doch einen Sinn haben. So werden +Sie sich z. B., wenn ein kuehler Tag ist, das Feuer in Ihrem Ofen selbst +anzuenden und unterhalten muessen. Hobelspaene und Reisig koennen Sie sich +leicht holen, das Holz muessen Sie selber hacken. Sie werden sehen, Mister +John, wie warm und goldig solch ein selbstentzuendetes Feuer brennt, viel +wohliger, als wenn es ein Diener angefacht haette. Ein volles Dutzend Mal +werden Sie die Kacheln abfuehlen, wie sie nach und nach warm werden, mit +einer heimlichen, stillen Freude im Herzen. Und wenn am Abend Sie ein paar +andere Feriengaeste besuchen, Leute, von denen Sie nicht wissen, wie sie +eigentlich heissen, wer und woher sie sind, von denen nichts anderes +bekannt ist, als dass es eben auch ernsthafte Menschen sind, die sich zu +einer Ferienpause des Lebens aufgerafft haben - wie schoen wird es sein, +mit ihnen zu plaudern oder sich etwas zu erzaehlen und selbst auf das Feuer +zu achten. + +Gute Kammermusik werden Sie manchmal zu hoeren bekommen; doch nicht oft und +nicht viel. Aber zur Laute wird oefter gesungen werden, und manchmal wird +irgendwo ein Blaeserchor stehen, und es wird sein, als ob Soldaten in der +Ferne marschierten, oder ein Waldhorn wird ins Tal schallen wie in alten, +romantischen Tagen. + +Sport duerfen Sie treiben: Reit- und Schwimmsport, Turnen im Luftbad, +Tennis- und Kegelspielen. Auch Karten spielen duerfen Sie, aber ohne Geld; +denn John hat keinen Pfennig in der Tasche, und wollte er sich mit seinen +Gegnern verabreden, ein Kieselsteinchen bedeute zehn Mark und eine Eichel +zwanzig, und wuerde alles hinterher in bare Muenze sauber umgerechnet, so +wuerde es wohl doch herauskommen, und das Spielernest wuerde energisch +ausgenommen werden. + +Tabak und Alkohol, worum Sie sich in Ihrem Selbstbericht zu bangen +scheinen, ganz nach aerztlichem Befund. Wenn Sie mich nun fragen, wie lange +ein solcher Ferienaufenthalt waehrt, so muss ich Ihnen sagen, dass die +kuerzeste Frist sechs Wochen betraegt, dass es aber sehr viel guenstiger ist, +wenn die Ferienpause drei Monate oder noch laenger dauert. Die ersten +vierzehn Tage werden Sie ja doch innerlich gegen vieles revoltieren, +vielleicht am Heimweh leiden nach der eben abgelegten alten Haut. Sie +muessen erst heimisch werden, muessen das grosse Ferienglueck erst ganz +fuehlen, muessen die unaussprechlich suesse Freude empfinden, wie Sie gesuender +und froehlicher werden, dann erst kommt das Heil. + +Aber wenn Sie dann in die grosse, schwere Schule zurueckgehen, werden Sie +mehr neue Kraefte, einen groesseren Mut zum Leben mitnehmen, als wenn Sie +unterdes Mineralwasser getrunken, Reunions besucht und hundert Zeitungen +gelesen haetten. Mit einem Wort: Sie werden an die Ferien denken wie ein +Kind an die freie Spielwiese denkt, wenn es wieder in der Etagenwohnung +der Grossstadt hinter seinen Aufgabenbuechern sitzt.' + +Mit diesen Worten endete der Arzt, der mit seinem neuen Patienten vor der +Tuer des Einsiedlerhaeuschens sass, seine Belehrung, und damit ende auch ich, +Mister Stefenson, den Aufschluss ueber das Ferienheim des Lebens, das nur in +meiner Phantasie lebt und wohl auch immer nur dort leben wird." + + * + +Ich schwieg, und der Mann, der mir gegenueber am Gasthaustisch sass, schwieg +auch. Er hatte die ganze Zeit, waehrend der ich sprach, mit halb +abgewandtem Kopfe dagesessen und hinunter nach Neustadt gesehen. Endlich +stand Stefenson auf, nickte kurz mit dem Kopf, sagte: "Danke sehr! Guten +Abend!", nahm seinen Hut und ging aus der Stube, nachdem er den Kellner +bezahlt hatte. Ich liess ihn gehen. + + * + +Am naechsten Tage liess sich Mister Stefenson bei mir in Waltersburg melden. + +"Guten Morgen", sagte er; "ich muss Ihnen sagen, dass mir das gar nicht +passt, dass ich John heissen soll." + +"Wieso - wieso?" fragte ich verwundert. + +"Ja, das hat mich verdrossen. Ein Kerl namens John hat mich naemlich mal +furchtbar geaergert. Er hat die Frau geheiratet, die ich heiraten wollte. +Ich mag nicht John heissen. Ich habe mir ein Adressbuch geben lassen und +nach einem einfachen, aber nicht zu haeufigen Namen gesucht. Ich will +Zuschke heissen." + +"Sie wollen Zuschke heissen? Warum - wieso - wo wollen Sie Zuschke heissen?" + +"In Ihrem Sanatorium natuerlich - in Ihrem Ferienheim -" + +"Aber, Mister Stefenson, es existiert doch nicht, es ist doch ein +Phantasiegebilde - eine Utopie -" + +Da sah er mich fest an. + +"Es wird existieren; denn wir werden es zusammen begruenden." + +Ich schlug die Haende zusammen. + + * + +Der seltsame Mann hat mich verlassen. Geschaeftsmaessig, trocken, sogar ein +wenig muerrisch hat er mir auseinandergesetzt, wie er sich die +Verwirklichung der Idee meines Ferienheims denke. Als ich ihm abriet, das +viele Geld, vor dessen Summe ich erschrak, zu wagen, da vielleicht unsere +Zeit, auch das Volk hierzulande nicht geeignet sei fuer romantische +Sonderbarkeiten, wurde er zornig und sagte: + +"Wer eine Idee hat, soll an sie glauben, oder er soll gar nicht von ihr +sprechen." + +Er nahm mich in den Bann der grossen Kuehnheit und Sicherheit seiner Seele, +und ich willigte endlich ein. Zuletzt sagte Stefenson: + +"Einen Kontrakt wollen wir nicht machen. Ich gebe das Geld, Sie geben die +Idee und Ihre Kraft. Erzielt unser Unternehmen einen Gewinn, so werden wir +ihn gerechterweise teilen; wenn nicht, dann sind Sie ein schlechter Arzt, +und ich bin ein schlechter Geschaeftsmann gewesen. Wir werden uns dann ohne +gegenseitige Hochachtung, aber auch ohne feindselige Gesten voneinander +trennen." + +Dann ging er. Ich sass an meinem Tisch, starrte die Platte an, lachte mal +auf, trommelte mit den Haenden, lief durchs Zimmer, legte mich aufs Sofa, +rauchte Zigaretten und tat endlich was Vernuenftiges - ich ging an die +frische Luft. + +So mag einem Feldherrn zumute sein, der zur Fuehrung einer Kriegsarmee +berufen wird, oder einem Dichter, dessen grosses Stueck ueber die Buehne gehen +soll, oder einer jungen Mutter, die ihr erstes Kindlein geboren hat. Mit +einemmal das verwirklicht zu sehen, was bisher nur ein schoener Traum war, +mit einemmal vor die groesste und liebste Aufgabe des Lebens gestellt sein - +wo waere ein berauschenderes Glueck? + +Mein trautes Waltersburg! Wie warm liegt der Sonnenschein ueber deinen +schraegen Daechern und alten Giebeln, wie schoen singen die Spatzen am +Johannisbrunnen, wie freundlich und gesund schauen die Kinder aus! + +Warte nur, mein altes Waltersburg, fuer dich kommt, wie fuer das +Dornroeschen, ein selig Erwachen. Ich, dein Sohn, bin dein Ritter. Ich will +dich kuessen mit einem heissen, so lebenspendenden Kuss, dass alle Starrheit +von dir faellt und du mitten in wonnigem Leben stehst! + +Ich bin nicht August Bunkert; ich will dich, deutsche Maid, nicht zu einer +weltmodisch aufgetakelten, kokottenhaften Dame machen - der Traeumerglanz +soll in deinen Augen bleiben, der weisse Schimmer auf deiner Stirn, das +schoene, stille Laecheln um deinen Mund, und du sollst doch in allen Landen +beruehmt werden als eine Wohltaeterin der Menschen. + +Ja, das will ich, das verspreche ich, das verspreche ich dir! Das, was +wertvoll in mir ist, habe ich ja von dir, du meine teure Heimat! Draussen +in der Welt, drueben in Neustadt, kann ich nicht wirken. Ein Zuschauer nur, +stehe ich vor der bunten Buehne, und weil ich so lange und so oft +zuschaute, taeuscht mich keine Kulisse mehr; ich weiss, hinter den bemalten +Waenden liegt unordentlich Geruempel und geht rauhe Zugluft durch schlecht +schliessende Tueren. Langsam wanderte ich zum Eulentore hinaus. Es geht da +keine Chaussee; eine alte Landstrasse fuehrt ins Gruene. Am Hasenhuegel setze +ich mich auf einen Stein. Mir gegenueber lag der Ostabhang des +Weihnachtsberges. Ueber den Fluss ging der Blick auf ein Hochplateau von +Wiese, Feld und Wald und stieg dann den Berg hinan. Das waere der rechte +Ort fuer mein Ferienheim. + +Nur in Waltersburg kann ich den rechten Ort fuer mein Ferienheim finden, in +dieser freundlichen, naerrischen, gesunden Stadt! + +Wie Moses schaute ich in mein Gelobtes Land. + + + + + + LUISE + + +Es ist ein Brief angekommen, der mir die ueberschaeumende Freude des Tages +genommen hat. Die Pflegeeltern der Tochter Joachims haben geschrieben. Bei +dem Scheidungsprozess wurde die kleine Luise dem Bruder zugesprochen. Da er +aber weltfluechtig wurde, geschah dem Kinde das, was vielen solchen +ueberzaehligen armen Wuermern geschieht - es kam "in Pflege". Ein +"kinderloses, aber sehr kinderliebes, in durchaus geordneten Verhaeltnissen +lebendes Ehepaar in Berlin sucht Kind von besserer Abkunft gegen einmalige +Erziehungsbeihilfe als eigen anzunehmen". + +Ich wusste, was fuer Tragoedien sich hinter solchen Inseraten verbergen, wie +oft sie der Deckmantel elendester Gaunerei, schamlosester Ausnutzung sind. +Und damals war es das erstemal, dass ich meine Mutter nicht verstand. Sie +weigerte sich auf das entschiedenste, das Kind zu sich zu nehmen und zu +erziehen, und da ich immer wieder in sie drang und die Unschuld des Kindes +nicht verderben, seinen kleinen Leib nicht frieren und darben lassen +wollte in der Fremde, wurde die Mutter hart wie Eisen und sagte, ich +entehre sie mit meinen Vorstellungen und Bitten. Sie war zu tief gekraenkt +in ihrer Frauenseele, sie hasste das Weib, das dieses Unheil angerichtet, +zu bitter, litt zu furchtbar unter dem Verlust des Lieblingssohnes, als +dass ihre sonst so gute, freundliche Art auch diesmal den rechten Weg haette +finden koennen. Ja, sie sagte mir, dass sie die Bitte vom Vergeben aus ihrem +"Vaterunser" gestrichen habe. Der Bruder war gefluechtet, ich musste hinter +ihm herziehen, ein abenteuerliches Leben beginnen, um ihn zu suchen und +ihn schliesslich nach fuenf Jahren zu finden und zu einer ganz kurzen +Aussprache zu bewegen. Ich konnte mich damals um die kleine Luise nicht +weiter kuemmern, ich wusste nur, dass eine entfernte Verwandte das Maedchen zu +dem "kinderlieben" Ehepaar nach Berlin gebracht, die geforderten +fuenfzehntausend Mark "Erziehungsbeihilfe" als einmalige Abfindung bezahlt +und berichtet hatte, es scheine sich um ausserordentlich honette und +christliche Leute zu handeln. + +Als ich Joachim in der Schiffskajuete gegenueber sass, indes draussen die +schwere See rollte, glaubte ich, der Augenblick sei so gewaltig, dass er an +die tiefsten Tiefen des Maennerherzens ruehren, dass er eine der +festverschlossenen Tueren oeffnen, und dass die Frage daraus hervortreten +werde: "Lebt das Kind noch?" Joachim stellte die Frage nicht, und als ich +nach Hause kam und nach etwa zehn Tagen es wagte, die Mutter zu fragen, ob +die kleine Luise am Leben sei, wandte sie sich ab und sagte hart: "Das +weiss ich nicht!" + +Da fiel mir auf, dass die Mutter und Joachim sich sehr aehnlich seien. Ich +bin mehr nach dem Vater geschlagen. Der ist ein weicher Mann gewesen. Und +ich selbst bin wohl auch als Mann viel zu weich, stosse mir ueberall leicht +das Herz wund und werde wahrscheinlich einmal viel leichter unter die +Raeder kommen, als es Joachim passieren koennte. + +Nun haben die Pflegeeltern der kleinen Luise an Mutter einen Brief +geschrieben. Sie hat ihn aber nicht geoeffnet, wie sie zehn oder mehr +andere Briefe, die von derselben Stelle schon gekommen sind, auch nicht +geoeffnet, sondern ungelesen verbrannt hat. Diesen letzten Brief habe ich +an mich genommen und ihn soeben gelesen. + +Mir graut. Schlechtes, fettfleckiges Papier, in elender Rechtschreibung +und noch elenderem Stil die Enthuellung niederster Schakalinstinkte, +Geldgier, Erpressungsversuche, Frechheiten. Was sich wohl sogenannte +feinere Leute einbildeten - sie setzten Kinder in die Welt, kuemmerten sich +aber nicht um sie, sondern liessen sie anderen Leuten zur Last. Ob sich die +feine Gesellschaft je klar geworden sei, was es heisse, ein Kind +aufzuziehen? Zehntausend durchwachte Naechte und bei Tag keine ruhige +Stunde. Ob das mit solchem Lumpengeld wie fuenfzehntausend Mark bezahlt +sei? Sie, die Pflegeeltern, seien brave, sehr christliche Leute, wie das +ganze Stadtviertel bezeugen koennte, und niemand etwas schuldig, aber die +anderen, die zehn Briefe nicht beantworten, was seien die? Das bisschen +Geld, das bezahlt worden sei, sei laengst weg. Das haetten allein Doktor und +Apotheke verzehrt; denn wer weiss, was die Luise von ihren Eltern alles fuer +Krankheiten geerbt habe. Wenn sie, die Pflegeeltern, nicht so kinderliebe +Menschen waeren, laege das Kind laengst auf der Strasse oder im Grabe. Sie +muessten ihr Letztes zusetzen, um das Maedchen zu erhalten. Aber nun habe das +ein Ende. Sie wuerden den ganzen Skandal in die Zeitung bringen und sich +auch an das Vormundschaftsgericht in Waltersburg wenden. Im uebrigen seien +sie bereit, gegen Zahlung von weiteren zehntausend Mark das Maedchen in +Pflege zu behalten, obwohl Luise ein Kind sei, das nur Aerger bereite. + +Solches und noch Aergeres enthielt der Brief. Ich trug ihn zur Mutter. + +"Lies den Brief!" sagte ich. + +Sie schuettelte zornig den Kopf. + +"Du musst ihn lesen, Mutter", sagte ich todernst und in hartem Befehlston. + +Sie starrte mich an und wurde blass. + +Ich legte den Brief auf den Tisch und verliess das Zimmer. + +Nach einer Stunde suchte ich die Mutter wieder auf. + +Sie lag auf dem Sofa und zuckte wie in Kraempfen. + +"Liebe, gute Mutter", sagte ich und streichelte ihren fruehgebleichten +Scheitel. + +"Aendere es, Fritz", sagte sie muehsam, "aendere es; tue, was du willst, aber +aendere es - es ist entsetzlich!" + +Schmerz und Grauen schuettelten sie. + +Ich kuesste ihr die Hand und sagte: "Ich fahre mit dem naechsten Zuge nach +Berlin." + + * + +Der Zug rollte sein einfoermiges Lied durch die ebene Landschaft. Es regnet +fein, glitzernde Troepfchen zittern an den Fensterscheiben und rinnen +schliesslich in schmalen Baechlein herab. Keiner meiner Fahrtgenossen +spricht ein Wort. Mir ist das recht lieb. Ich bin in einer trostlosen +Stimmung. + +Ferien vom Ich! Ein Erloesungswort fuer gequaelte Menschen, eine +Zufluchtsstaette fuer muede Herzen, eine friedliche Insel im brandenden +Ozean, und ich der Lotse, der halb zerschellte Schiffe nach dem Hafen +geleitet. Bitterer Spott ueber mich selbst quillt mir im Herzen auf. Wenn +nun einer meiner Kurgaeste mich einmal befragt: Wie bist du eigentlich dazu +gekommen, solch ein Prophet des Friedens zu sein, wer lieh dir den Talar? +Bist du selber so ein harmonischer Mensch, hast du gesiegt ueber die Unrast +der Zeit und die Kaempfe deines eigenen Herzens? Hast du zunaechst alle +diejenigen, die dir durch verwandtschaftliche Bande nahestehen, so in den +Frieden gerettet, dass du nun ausgehen kannst, um fremdem Volk zu helfen? + +Oh, seht ihn nur an, den Propheten, den Friedensapostel! Seht nur, wie er +im Eisenbahnwagen sitzt und endlich versuchen will, ein Kind, das ihm +durch die Bande des Blutes ganz nahesteht, vor voelliger Verwahrlosung zu +retten; fragt ihn nur nach seiner Mutter, die in Traenen zu Hause sitzt, +fragt ihn nach dem einzigen Bruder, der in Gram und Hass verschollen ist - +fragt ihn nach alldem und wundert euch dann, dass dieser Mann einer grossen +Gemeinde freiwillig seine Bauhilfe anbieten will, waehrend ihm der Regen +und der Wind durch die Loecher seiner eigenen Giebel dringen. Wie ein +Geistlicher ist er, der gegen die Suende predigt und selbst ein arger +Suender ist, wie ein Richter, der einen Verbrecher straft und den selber +eine geheime Schuld drueckt, wie ein Arzt, der andere dem Tode entreissen +will und der selber dem Tode geweiht ist! + + * + +Berlin N. Eine der Proletarierstrassen, von denen jede einzelne mehr +Einwohner hat als ganz Waltersburg. Fuenfstoeckige Haeuser. Im Erdgeschoss +Geschaefte mit billigen Waren, in jedem zweiten oder dritten Hause eine +"Restauration", in deren Fenster Wuerste haengen und Schnapsflaschen stehen. +Auf den Buergersteigen und dem Fahrdamm ein Gewuehl schreiender, blasser +Kinder. Schlecht genaehrte Frauen, dicke Bierkutscher, schmale +Schreiberlein, modisch, aber windig gekleidete junge Maedchen, schwatzende +Weiber, mit Lastkarren daherkeuchende Maenner, hie und da ein Faulenzer, +der zum Fenster herausliegt, die Arme auf ein Kissen stuetzt und den +Stumpfsinn in Reinkultur zeigt, Koeter von unbestimmbarer Rasse, wie +wahnwitzig schellende Strassenbahnen, Autos, Droschken, Lastwagen, Radler, +dicke, stauberfuellte Luft, an jeder Strassenecke ein baerbeissiger Schutzmann +- Berlin N. + +Das war das "Milieu", in dem meine Nichte Luise bisher aufgewachsen war. +Ich ging vom Stettiner Bahnhof aus auf die Suche nach ihrer Wohnung. An +einer Strassenecke bot mir ein Kind Schnuerbaender zum Kaufe an. Ein kleines, +blasses Maedchen war es. Ich sah sie an und trat einen Schritt zurueck. "Wie +heisst du denn?" + +Das Kind erschrak und sagte aengstlich: "Luise!" + +"Wie heisst du noch? Wie ist dein anderer Name?" + +Noch ein veraengstigter Blick, und das Maedchen rannte, so schnell es nur +konnte, davon. Ich fuehlte es wie Laehmung in meinen Gliedern, aber ich +eilte dem Kinde nach. Bei einer Tornische holte ich es ein und fasste es am +Arm. + +"Fuerchte dich nicht, Luise. Ich tue dir nichts." + +Das Maedchen brach in Traenen aus. + +"Sperren Sie mich nicht ein!" + +"Warum soll ich dich denn einsperren?" + +"Weil ich - weil ich - die Schuhbaender - Sie sind ein Geheimer ..." + +Das Kind weinte noch lauter. + +"Hallo! Seht nur da! Was hat denn der mit dem Maedel? Warum weint denn det +Maedel? Haut ihn! Das is so eener! Wird er gleich das Kind in Ruh' lassen!" + +Ich war im Nu von einer Rotte Menschen umstellt. Einige Rowdies nahmen +eine drohende Haltung an, Maenner murrten, ein Weib kreischte mich an: + +"Pfui ueber so 'nen Spitzel - 'n armes Maechen, wat sich 'n paar Jroschen +verdient, feste zu nehmen ..." + +"Is ja jar keen Jeheimer, is ja 'n solcher! Haut ihn!" + +Die kleine Luise entschluepfte mir, ein Schutzmann kam breit wie ein +Hilfskreuzer auf die Gruppe zugesegelt, die alsbald um ihn und mich einen +mehrfachen Belagerungsring schloss. + +"Was ist los?" fragte der Gesetzeshueter. + +"Er hat 'n kleines Joehr belaestigt - er hat 'n Kind jemisshandelt - er hat +ihr blutig jeschlagen - er hat jesagt, er is 'n Jeheimer, aber er is 'n +Lump." + +Der Schutzmann stand wie ein Fels. + +"Wer sind Sie?" + +Ich zog eine Legitimationskarte heraus. + +"Was ist geschehen, Herr Doktor?" fragte der Schutzmann, nachdem er die +Karte gelesen. + +"Doktor - 'n Doktor is er - amputieren will er ihr - Versuchskarnickel +braucht er, det Schwein ..." + +"Ruhe!" donnerte der Schutzmann. "Was ist geschehen?" + +"Ich will es gern sagen", antwortete ich, "aber nicht vor diesen Leuten, +die die Sache nichts angeht." + +Ein wuestes Geschrei antwortete mir; immer mehr Volk sammelte sich an. + +"Kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse mit mir", riet der Sicherheitsmann. + +"Jawohl!" sagte ich, und wir durchbrachen die Kette. + +Niemand konnte mich schuetzen, dass ich ein paar Pueffe und Stoesse erhielt. +Ein Trupp johlte hinter uns her, wurde aber durch ein Pferd, das auf der +Strasse gefallen, in seinem Interesse abgelenkt, und ich war mit dem +Schutzmann allein. Wir traten in einen Hauseingang, und ich gab ihm eine +kurze Aufklaerung. Als er den Namen der Pflegeeltern Luises gehoert hatte, +sagte der Schutzmann: + +"Der Mann is 'n Tagedieb und die Frau 'ne Schlampe. Da sehen Sie man, dass +Sie det Wurm da abkriejen." + +Ich dankte ihm, und wir trennten uns. Einen Augenblick ueberlegte ich noch, +ob ich zuvor einen Rechtsanwalt zu Rate ziehen solle, aber dann ging ich +direkt nach Luises Wohnung. Ein Hinterhaus von vielen Stockwerken. Auf dem +Hofe spielten Kinder im Staub der Stubendecken, die geklopft wurden. Die +Treppe war dunkel und schmutzig. Im dritten Stockwerk las ich den Namen +von Luises Pflegeeltern. Ich laeutete zweimal, dann kam ein zaghafter +Kindertritt, die Tuer wurde geoeffnet, ein entsetzter Schrei, die Tuer flog +wieder zu. Ich laeutete abermals. Ein grosser, starker Mann erschien. Er +trug einen Christusbart, ziemlich lange Haare und stak in einem schwarzen, +wenig sauberen Rock. Spaeter erfuhr ich, dass der Mann "Prediger" bei +irgendeiner neuen Sekte war. + +Er wollte mich erst mit einer hochmuetigen Miene mustern, aber ploetzlich +wurde sein Gesicht scheinheilig freundlich, und mit oelglatter Stimme sagte +er: + +"Ah, Herr Oberkommissar, ich hab schon gehoert - weiss schon - der Herr +Polizeiinspektor haben meine Pflegetochter beim Handel erwischt - aber ich +kann bei meiner Ehre versichern - Herr Inspektor ich bin unschuldig - ich +verbiete dem Maedel aufs strengste - haben es ja auch gottlob nicht noetig - +aber sehen Sie, Herr Inspektor, so'n hergelaufenes Kind von schlechter +Abkunft, das man so aus purem Mitleid (ich bin Oberprediger bei der +Gemeinde der Juenger von Kapernaum), das man so aus christlicher +Barmherzigkeit aufzieht und das doch nicht geraet, weil der Feind sein +Unkraut unter den Weizen saet, das stiehlt sich nun 'n Jroschen, kauft sich +Schuhbaender oder Streichhoelzer oder was weiss ich und verkauft sie, um zu +naschen - natuerlich nur, um zu naschen ..." + +Das Geschwafele erstarb an meiner wortlosen Ruhe. + +"Was wuenschen der Herr Inspektor - ich wuerde den Herrn Inspektor gern in +die Wohnung bitten, aber meine Frau ist zufaellig heute noch nicht mit dem +Aufraeumen fertig ..." + +Da sprach ich endlich. + +"Sie irren - ich bin kein Polizeimann - ich bin der Onkel der kleinen +Luise." + +"Sie sind - Sie sind - ach so - ach so - der sind Sie ..." + +Er brach in ein meckeriges Lachen aus. + +"Ich will Sie zur Rechenschaft ziehen, Sie schlechter Kerl!" rief ich +ausser mir. + +"Sie wollen mich - was wollen Sie?" + +Sein Gesicht veraenderte sich. Eine zynische Frechheit machte sich auf +seinen Zuegen breit. + +"Was wollen Sie!" bruellte er. "So 'n Balg - so 'n unsauberer Balg - und +Sie wollen noch - ah, wenn Sie mir was zu sagen haben, schreiben Sie es +mir; ich bin fuer Sie nicht zu sprechen - verstehen Sie - fuer Sie nicht zu +sprechen; denn ich bin ein anstaendiger Mensch!" + +Die Tuer fiel ins Schloss. Ich blieb allein stehen; ich fuerchtete, nun wuerde +die kleine Luise drin zu schreien anfangen. + +Aber es blieb still. Nur eine Tuer krachte noch zu. + +Da eilte ich die schmutzige Stiege hinab. + + + + + + SAMARITERDIENSTE + + +So lebte das einzige Kind meines Bruders! In einer Umgebung von Schmutz, +Heuchelei, Armseligkeit, Roheit. Ein Glueck, dass dem Weltverbesserer doch +noch das Kehren vor der eigenen Tuer einfiel, ehe er an die grosse Mission +ging, anderen zu helfen. + +Fast in jeder Familie gibt es einen, auf den sich die anderen ganz +besonders verlassen, zu dem sie in ihren Kuemmernissen und Noeten kommen, +dem sie es ueberlassen, zu ordnen, was sie selbst schlecht gemacht haben, +der Geld borgen muss, wenn die andern nichts haben, der immer schieben, +immer unterstuetzen, immer aushelfen muss. Den Starken als Stuetze der +Schwachen kann man ihn nennen, wenn man es ideal ausdruecken will; sonst +kann man auch kurz sagen: der Lastesel. Nachgerade kam es mir vor, als ob +ich in unserer Familie diesen Ehrenposten bekleidete. + +Ich kann nicht behaupten, dass ich mit Freundlichkeit an meinen Bruder +dachte, als ich durch den Staub des Hofes nach der Strasse zurueckfluechtete. +Was an diesem Kinde geschah, war jahrelange Suende. Auch an die Mutter +dachte ich nicht ohne Bitterkeit. Sie war in diesem Augenblick nicht mein +silbernes Muetterchen, sie war eine reine, aber selbstgerechte Frau, die +nicht stark genug war, der Schuld mit Herzenstapferkeit ins Auge zu sehen +und auf dem Schlachtfeld der Suende Samariterdienste zu tun, sondern eine, +die sich aengstlich in ihrer wohlumhueteten Sauberkeit hielt, mehr bekuemmert +um sich selbst als um das, was draussen zugrunde ging. Jawohl, ich hatte +nicht Lust, das alles so hinzunehmen, ich wollte meine Meinung sagen. Was +sollte ich denn tun, ich einzelnstehender Mann? Es wuerde schwer genug +halten, das Kind loszubekommen. Der ekle Kerl von Pflegevater war zum +gesetzlichen Vormund und Pfleger bestellt, die Erziehungsrechte waren an +ihn abgetreten. Um ihm das Kind in Guete gewissermassen abzukaufen, dazu +fehlte mir das Geld. Mit gesetzlichen Mitteln aber so einem abgefeimten +Schuft an den Leib zu gehen, wuerde schwer genug sein. Das Naechste war, +einen Anwalt zu befragen. + + * + +In meinem Hotel suchte ich das Lesezimmer auf, setzte mich in eine Ecke +und gruebelte. Ich mochte wohl schon lange so gesessen haben, da tippte +mich jemand auf die Schulter. + +"Sie sollten mal Ferien vom Ich machen, Sie haben es noetig!" + +Es war Mister Stefenson, der also zu mir sprach. Ich war ganz erstaunt, +ihn so ploetzlich hier in Berlin zu sehen. + +"Ferien vom Ich sollten Sie machen!" wiederholte er. + +"Von wem erfuhren Sie denn, dass ich hier bin? Von meiner Mutter?" + +"Von wem anders sollte ich es wissen? Sie sind in Familienangelegenheiten +hier - wegen einer kleinen Nichte - wollen sie in eine andere Pension +bringen - ja, lieber Doktor, das gefaellt mir nicht!" + +"Was gefaellt Ihnen nicht?" + +"Dass Sie Ihre Zeit mit solchem Familienkrimskram vergeuden." + +"Erlauben Sie, das ist doch wohl meine Sache." + +"Ihre Sache und meine Sache. Sie haben jetzt keine Zeit fuer solche Dinge. +Es passt nicht in unser Programm. Sie haben selber gesagt, zu unserem +Ferienheim gehoere vor allen Dingen die Erloesung von drueckenden familiaeren +Fesseln. Ist das keine Fessel, die Sie am Fuss schleppen? Jetzt, wo wir in +der allerschwersten Gedankenarbeit stehen muessten, fahren Sie einem kleinen +Maedel nach. Was liegt der Welt an dem kleinen Maedel? An Ihrem Ferienheim +soll ihr etwas liegen." + +"Ich glaube, Herr Stefenson, so eng sind wir denn doch noch nicht +miteinander verbunden, dass Sie in dieser Weise mit mir reden duerfen." + +"Ich darf", sagte er phlegmatisch. "Ich habe in Ihnen so etwas wie einen +Propheten gesehen - die Propheten gehen aber in die Wueste, ehe sie +oeffentlich auftreten, nicht nach Berlin - die Apostel verlassen Weib und +Kind - der Soldat, der in den Krieg zieht, darf nicht rueckwaerts schauen, +er sagt: Was schert mich Weib, was schert mich Kind? Der Familiensimpel +bleibt immer ein mittelmaessiger Kerl." + +Ich erhob mich und wollte ihm grob kommen. Aber ich setzte mich wieder, +sah auf einen Augenblick in seine ehrlichen, quellklaren Augen und sagte +dann: "Sie haben vielleicht in manchem recht, Mister Stefenson, aber im +ganzen sind Sie doch im Unrecht. Wenn ein Soldat in den Kampf ziehen soll +und am Fuss eine Beule hat, wird er danach trachten, dass ihm erst ein Arzt +die Beule oeffnet und die Wunde saeubert und verbindet, ehe er marschiert. +Sonst bleibt er eben am Wege liegen. So geht es mir auch. Ich muss mir erst +diese Angelegenheit mit meiner kleinen Nichte vom Halse schaffen, ehe ich +an unsere Aufgabe gehen kann." + +"Gut, so schaffen Sie sich die Angelegenheit vom Halse - morgen vormittag +zwischen neun und elf. Um elfeinhalb koennen wir dann unsere Beratung +haben." + +"So rasch geht das nicht." + +"Wie lange kann es denn dauern?" + +"Wohl einige Wochen oder auch Monate." + +Herr Stefenson laechelte sanftmuetig. + +"Das ist sehr schoen! Ja, dann sind Sie wohl so freundlich, mich nach +einigen Monaten gelegentlich wissen zu lassen, mit wem Sie schliesslich Ihr +Sanatorium begruendet haben. Ich bin gar nicht abgeneigt, mir dann einen +Prospekt schicken zu lassen. Fuer jetzt, guten Abend!" + +Er verliess mich. Ich sah ihm nach, als er aus dem Zimmer ging, und wusste, +dass es aus war mit meinem Lebenstraume. Ich sass ganz still, und ich weiss +jetzt nicht mehr, was ich damals alles dachte. Ich wusste in jener Stunde +nur, es war aus, um eines kleinen Maedchens willen, das ich kaum auf zwei +Minuten lang gesehen hatte - aus! Dieser Mann, der vor zwei Tagen so viel +Geld auf eine Idee von mir setzen wollte, hielt mich nun fuer einen +Schwachkopf. Aber auf so elende Weise durften wir uns nicht trennen. Rasch +warf ich einige Zeilen auf eine Karte, ich muesse Herrn Stefenson noch +einmal sprechen, nicht um ihn umzustimmen, daran daechte ich nicht, sondern +um nicht ganz ungerechtfertigt zu scheiden. Ich schickte Stefenson durch +einen Kellner die Karte, und er kam auch bald persoenlich. + +"Mister Stefenson - es ist nichts Geschaeftliches mehr, nur etwas rein +Menschliches. Es ist darum, dass wir uns jetzt ohne gegenseitige +Hochachtung, aber doch auch ohne beleidigende Gesten trennen wollen, wie +Sie selbst einmal gesagt haben. Haben Sie noch zehn Minuten Zeit fuer +mich?" + +Er nickte, und ich erzaehlte ihm ohne alle Umschweife die Tragoedie Joachims +und seines Kindes, und wie ich das Maedchen heute draussen auf der +Ackerstrasse getroffen hatte. Mir wurde das Herz warm beim Erzaehlen, aber +Stefenson blieb ganz gleichgueltig. Zuletzt sagte er: + +"Es ist eine traurige Geschichte, die Sie da erzaehlt haben, aber sie kommt +alle Tage vor. Es ist gar nichts Neues. Ich habe die Geschichte auch +erlebt. Aber etwas Interessantes ist dabei: Sind Sie wirklich fuenf Jahre +lang hinter Ihrem Bruder her gewesen?" + +"Ja, ich fand ihn nicht eher." + +"Hm! - Sagen Sie, wollen wir den Abend noch zusammenbleiben? Ich moechte +den "Sommernachtstraum" in der deutschen Auffuehrung ansehen. Kommen Sie +mit? Sie haben es doch wohl nicht so eilig nach Hause?" + +Ich wusste, dass ich bei diesem Manne verspielt hatte, aber ich nahm die +Einladung an. Er sagte, er habe nun noch Geschaefte, wir wuerden uns im +Theater treffen. Damit haendigte er mir eine Theaterkarte ein und verliess +mich. - + +Mendelssohns Ouvertuere zum "Sommernachtstraum" huschte und zwitscherte an +mir vorueber, Shakespeares unsterbliches Werk reinster Froehlichkeit tat +sich in glaenzender Darstellung vor mir auf, aber ich sass wie ein +Geistesabwesender auf meinem Platze. Der Stuhl neben mir war leer +geblieben. Stefenson war nicht erschienen. Der Maerchenwald, durch den die +Elfen huschten, blaute vor meinen Augen; aber ich dachte an den Wald an +dem Abhang des Waltersburger Weihnachtsberges. + +Pyramus und Thisbe trieben ihren grotesken Spass. Da droehnte von meiner +Logentuer her tiefes Gelaechter. Stefenson stand dort. Er beachtete mich +nicht, er schaute nur vergnuegt nach der Buehne und lachte so laut, dass er +die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zog. + +Die naechste Pause kam. Da setzte sich Stefenson neben mich und sagte zur +Entschuldigung seines spaeten Kommens: + +"Manche Geschaefte wickeln sich in Berlin sehr langsam ab." + +Nach dem Theater fuhren wir nach einem Restaurant. Nachdem wir gegessen +hatten, sagte Stefenson ganz unvermittelt: + +"Die Luise habe ich flottgemacht. Zuviel Schwierigkeiten habe ich mit dem +alten Gauner nicht gehabt. Der Hauswirt war gerade bei ihm und draengte um +die Miete; da machte es der Kerl um dreihundert Mark. Er gab alles +schriftlich, was ich wuenschte. Mit Anwaelten ist das nichts. Das ist teuer +und umstaendlich. Mit dreihundert Mark war alles in zwanzig Minuten +gemacht, und ich hatte das Kind. Dann war ich um eine Pflegeschwester aus. +Das hat laenger gedauert. Das hat unsinnig lange gedauert. Die ganze schoene +Eselsszene habe ich im Theater verpasst. Die Pflegeschwester ist nun mit +der Luise in unserem Hotel. Nummer 187 wohnen sie. Bald fahren sie nach +einem Erziehungsinstitut in Thueringen. Es ist mir empfohlen worden. Da +wird ja wohl die Luise koerperlich und seelisch zurechtgestutzt werden." + +Ich schlug wieder einmal die Haende zusammen. + +"Guter Herr Stefenson, das haben Sie getan?" + +"Ich bitte, exaltieren Sie sich nicht! Eine Zeitlang wird die Luise in dem +Institut bleiben, und dann kann sie zu uns in das Ferienheim kommen - so +als eine Art - als eine Art Einweihungsengel." + +Mich wuergte es in der Kehle. + +"Sie wollen das Heim doch mit mir gruenden?" + +"Ja", sagte er ganz ruhig, "ich will. Es hat mir was an Ihrer Geschichte +gefallen. Natuerlich nicht das Sentimentale, aber dass sie fuenf Jahre lang +die Jagd machten, das zeugt doch von einer gewissen Ausdauer. Und Ausdauer +ist zu gebrauchen." + + * + +Ich bin wieder im stillen Waltersburg. Berlin N liegt hinter mir wie ein +wuester Traum. Welch Gegensatz! Die kleine Luise ist gut untergebracht. + +Stefenson hat mir gestern schriftlich mitgeteilt, dass er mich fuer keinen +Philosophen halte, auch nicht fuer das, was man einen lebensklugen Menschen +nenne, und was ich als Arzt tauge, koenne er nicht beurteilen. Er halte +mich fuer einen Dichter. Meine ganze Idee sei weniger aerztliches Problem +als vielmehr eine Dichtung. Aber Dichtung sei besser als Problem. Dichtung +ist etwas Gezeugtes, Probleme sind etwas Konstruiertes, Dichtung ist +Lebewesen, Problem ist Mechanik. Und so solle ich nur jetzt meine Dichtung +ganz ausgestalten und ihm vertrauensvoll uebergeben. Was ausfuehrbar sei, +werde ausgefuehrt werden, das andere werde als blauer Dampf in die Hoehe +ziehen und auch als Woelklein am Himmel noch schoen sein. + + + + + + IN DEN TAGEN DES WERDENS + + +Beschaulichen und nachdenksamen Charakters ist Herr Stefenson nicht. Es +geht alles so verblueffend schnell bei ihm, dass er, wenn ein anderer noch +bei den ersten Erwaegungen und Bedenken staende, schon am Ende ist. Freilich +kommt dazu, dass er Glueck hat. Das Gelaende am Ostabhang des +Weihnachtsberges steht zum Verkauf. Es gehoert einem Manne, der, wie Hans +im Glueck, staendig seinen Besitz vertauschte. Dieses Gut hat er gegen +grosse, sehr ertragreiche Steinbrueche umgetauscht, die Steinbrueche gegen +eine Fabrik, die noch besser war, und so ist es langsam bergab gegangen, +und Herr Stefenson mit seinem grossen Geldbeutel hat wenig Schwierigkeiten +gefunden. Achtundvierzig Stunden haben die Verhandlungen gedauert, dann +war das Gut, das mit Wiese und Wald 2500 Hektar gross ist, von Stefenson +gekauft. Um einen Preis, bei dessen Nennung einem frueheren Schiffsarzt die +Gaensehaut ankommt. + +"Nun ist das Gelaende da, nun muss die Gemeinde errichtet werden", sagte +Stefenson sehr einfach. "In einem Jahre muessen saemtliche Haeuser stehen." + +"In einem Jahre?" + +"Ja! Die Deutschen brauchen, wenn sie einen Dom bauen wollen, vierhundert +Jahre, der Amerikaner braucht, wenn er eine Stadt baut, sechs Monate." + +"Es ist dann aber auch danach." + +"Ob es danach ist oder nicht, ist gleich", erwiderte Stefenson verdrossen. +"Jedenfalls habe ich fuer die ganze Chose nicht mehr Zeit. Ich muss nach +Neuyork, nach Milwaukee, nach Trinidad. Sehen Sie sich das Gelaende an und +machen Sie Ihren Plan. Ich werde auch einen Plan machen. Ich brauche drei +Tage Zeit dazu." + +"Ich wuerde drei Jahre dazu brauchen, aber um Ihretwillen werde ich in +sechs Wochen mit meinem Plane fertig sein." + +Er wandte sich finster ab. Drei Tage lang lief er auf dem erworbenen +Gelaende umher, zeichnete, machte Notizen und ging mir aus dem Wege. Am +vierten Tage teilte er mir auf einer Postkarte mit, er habe einen kleinen +Abstecher nach Sizilien unternommen. Ich war froh darueber und ging nun +daran, mein Ferienheim im Plane zu entwerfen. + +Das Gelaende kannte ich genau. Die meisten meiner Bubenstreiche hatten in +jenem Walde gespielt; auf jenen Wiesenrainen war ich als Student +tausendmal gegangen. Eines war zu vermeiden - alle Gleichfoermigkeit. Eine +Villa neben die andere zu bauen, ein Logierhaus wie das andere, alles in +zimperlich geordneten Gaerten, wo man kaum einen Fuss hineinzusetzen wagt +wie in die gute Stube einer peinlichen, eitlen Hausfrau, das sollte uns +gewiss nicht einfallen, ganz abgesehen von Basaren, Hotels, Restaurants, +Plaetzen und Strassen grossstaedtischer Art. + +Im Mittelpunkt der Ferienheimat soll das Rathaus liegen. Es soll ein +grosser, geraeumiger Bau altdeutschen Stils sein. Der Buergermeister wird +darin wohnen; denn einen solchen wird uns wohl das Gesetz auferlegen; aber +auch die Sprechzimmer der Aerzte sollen im Rathaus untergebracht sein, +ebenso die Verwaltungsraeume, die Kasse, die Nachtwaechterstuben. Auch einen +grossen ehrwuerdigen Saal soll das Rathaus haben, in dem die Feriengaeste +manchmal zu einer Feierstunde nationaler, kuenstlerischer oder geselliger +Art geladen werden. In diesem Rathaus wird auch das "verbotene Zimmer" mit +den Zeitungen sein. Ein Posten wird davor Wache halten und nur diejenigen +einlassen, die eine Karte vorzeigen, und eine solche Karte wird jedem +waehrend der Dauer des Ferienaufenthaltes nur zweimal gewaehrt werden. + +Das Rathaus wird am Lindenplatz liegen, dort, wo die grosse Linde mitten +auf der Wiese steht. So oft auch die Dichter vom Platz unter der Linde und +vom Tanz mit dem schoenen Kinde und dem Traum im Abendwinde gesungen haben, +mir ist die alte Weise nicht zu abgeleiert, ich will das froehliche Glueck +vergangener Tage neu erstehen lassen. + +Am Lindenplatz, dem Rathaus gegenueber, soll die Lindenherberge liegen, +unser groesstes Gasthaus. Das Modell muss man in schoenen deutschen Staedten +suchen, etwa in Rothenburg, Goslar, Wernigerode oder Hildesheim, und dann +ist es fuer unsere Zwecke auszugestalten. Eine Bauernschenke denke ich mir, +ein Herrenstuebchen, einen Poetenwinkel mit Butzenscheiben, wo Lieder zur +Laute gesungen werden. Oefter als einmal in der Woche darf sich niemand in +einer der drei Stuben sehen lassen; denn dreimal in der Woche ins Gasthaus +zu gehen, ist fuerwahr genug fuer einen Kurgast. Es darf sich auch keiner +einbilden, dass er etwa nur Bauer oder ein Herr oder nur Saenger zur Klampfe +sei - er muss alles sein wollen und sein koennen, und wenn er dreimal in der +Woche "ausgehen" will, dann muss er eben jedesmal in eine andere Abteilung, +und das Braunbier, das in der Bauernschenke ein biederer Wirt mit seiner +Gattin ausschenkt, muss ihm ebenso munden wie der Wein, den ein schoenes +Maedchen im Poetenwinkel kredenzt. + +Ein Kaffeehaus werden wir auch haben; denn sonst bekaemen wir keinen +oesterreichischen Kurgast. In diesem Kaffeehaus wird alles zu haben sein, +was ein Wiener Kaffeehaus auszeichnet, von der drangvollen Fuelle bis zum +Zigarettendampf, nur keine Zeitungen. + +Vielleicht wird mir mancher ob meiner grossen Toleranz gegen Tabak und +selbst gegen Alkohol zuernen, aber ich sorge dafuer, dass alles im Lot +bleibt. + +Da in den Wirtschaftsraeumen umsonst nichts geschenkt wird, da aber auch +keiner der Gaeste einen Pfennig Geld in der Tasche hat, sind alle genoetigt, +ihre Zeche recht schoen und breit an die schwarze Tafel ankreiden zu +lassen, und das gibt nicht nur eine gute Selbstkontrolle, sondern +garantiert auch eine gewisse oeffentliche Aufsicht. Alle aber, denen der +aerztliche Befund solche Genuesse verbietet, koennen sich unten am Fluss in +der Fischerklause, dem zweiten Gasthaus, bei alkoholfreiem Getraenk des +Lebens freuen, und es stehen auch verschiedene Selter- und Milchhaeuslein +im Gelaende, alle bedient von dazu verordneten Damen aus der +Kurgesellschaft. Denn das ist eine wesentliche Seite meines +Gesundungsheims, dass alle Kurgaeste, soweit es ihr Zustand erlaubt und +wuenschenswert erscheinen laesst, arbeiten muessen. Aus faulem Nichtstun spross +noch in den allerseltensten Faellen ein Heil. Nein, es werden alle +Mitglieder unserer Gemeinde taetig sein, und dadurch werden sich auch die +Kosten vermindern, zu denen der einzelne beizutragen hat. Dass ein guter +Bestand geuebten Personals immer dasein muss, ist selbstverstaendlich. Aber +wenn ich z. B. fuer den Poetenwinkel drei Kellnerinnen brauche, wird eine, +die aufsichtfuehrende und bestimmende, eine Berufskellnerin, die zwei +Helferinnen werden Damen aus der Kurgesellschaft sein, und es wird mich +gar nicht beirren, einer jungen Graefin solchen Schankdienst auf eine Woche +aufzuerlegen. Wem es nicht passt, der geht! Wir werden alle unsere Gaeste +mit Liebe und Hochachtung behandeln, aber keinen umdienern und keinen +anzulocken oder zu halten suchen. Wir werden mit dem Phlegma der Starken +allen Widerstaenden begegnen. + +Jeder Kurgast wird sich woechentlich mindestens einmal dem Arzt vorstellen +und neben sonstiger Kurverordnung die Arbeit vorgeschrieben erhalten, die +er in naechster Woche zu leisten hat. Die Verwaltung wird dem +Aerztekollegium rechtzeitig etwa mitteilen: Wir brauchen fuer naechste Woche +fuenfundvierzig landwirtschaftliche Arbeiter und Arbeiterinnen, sechzehn +Forstarbeiter, neun Gaertnergehilfen, vier Angler, zwei Jaeger, neun +Obstpfluecker, vierzehn Erbsenleser, sechzehn Mann fuer Wegebesserung, +sieben Viehhueter, ein Streichquartett, vierzehn Kellnerinnen und +Milchverschleisserinnen, sechs Kegelaufsetzer, zehn Hilfskutscher, zwoelf +Waeschebleicherinnen, drei Nachtwaechter, acht Frauen zum Spielen mit +Kindern von vier Jahren aufwaerts, _ad libitum_ Kuenstler und Artisten, +Dichter, Rezitatoren, Musiker, Saenger, Schnellmaler, Turner, +Zauberkuenstler und aehnliches, 168 Kuechengehilfen fuer je drei Stunden +taeglich, zwanzig Mann fuer Haushaelterarbeiten (vier Stunden), fuenf Boten +(Radler), einen Mann fuer die Festrede am Sonntag, dazu einen gemischten +Festchorus von beliebiger Staerke, zwei Laternenanzuender, zehn Frauen oder +Maenner fuer die Vorbereitung des naechsten Waldfestes, zehn +Hilfsbrieftraeger, zwanzig Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen fuer die +Anlegung und Bepflanzung des neuen Philosophenplatzes, sechs Damen, die +das Kuehemelken und Kaesebereiten erlernen wollen, einen Vorsitzenden und +vier Beisitzer (zwei maennliche und zwei weibliche) fuer unser privates +Friedensgericht. + +Solches etwa wird die Kurverwaltung beantragen. Was davon in Erfuellung +geht, haengt natuerlich nicht von den Beduerfnissen der Kurverwaltung, +sondern von dem Befund des Aerztekollegiums ab, und der schoenste Erfolg +wird es sein, wenn alle Aufgaben durch freiwillige Meldung der Feriengaeste +gedeckt werden. Dass die Arbeit immer nur im Rahmen der eigentlichen Kur, +immer nur stundenweise geleistet werden darf, ist selbstverstaendlich. Das +Ferienheim ist ein Arbeitshaus idealster Art, es macht die Arbeit zur Lust +und Quelle der Genesung und wuergt den alten Drachen ab, dessen Pestatem +die Welt vergiftet: dass koerperliche Arbeit das Mal der Minderwertigkeit +trage. Das Ferienheim wird das Gegenteil lehren und beweisen, indem es +gerade durch koerperliche Taetigkeit gesunde, glueckliche Menschen schafft. +So wird alle Verwaltungs- und Bueroarbeit als viel zu anstrengend unseren +Gaesten niemals zugemutet werden. Aber mit den Muskeln arbeiten, taetig +sein, sichtbare Werte mit seinen zehn Fingern schaffen sollen alle, und +selbst den Faulenzern und Drohnen des Lebens, die vielleicht nur durch die +Romantik des Heims, durch die Neugier angelockt werden, soll, wenn sie +guten Willens sind, ein besseres Bild der Menschenfreude ins Herz gepraegt +werden. + +Hinter dem Rathause, von ihm durch einen kleinen Schlag schoener Tannen +getrennt, beginnt die Baederstrasse. Es werden da in gesonderten Haeusern die +Wannen- und Schwimmbaeder, die elektrischen und die Dampfbaeder +eingerichtet; an sie reihen sich in dichtem Kiefernwald die Luft- und +Sonnenbaeder und die Planschwiesen. + +Parallel mit der Baederstrasse geht der "Stille Weg". Es stehen da +freundliche Haeuslein fuer solche Gaeste, die einer groesseren aerztlichen +Beaufsichtigung und vermehrter Pflege beduerfen, die ihnen von +Berufspflegerinnen zuteil wird. Alle anderen Gaeste wohnen "draussen". Es +wird nicht zuviel auf Puelverlein und uebermaessiges Wassergepansch, auch +nicht arg viel auf Hantelturnen und Massage gegeben werden, sondern auf +tuechtige koerperliche Arbeit und frohen Sinn. Daher werden die meisten +Kurgaeste in Bauernwirtschaften wohnen. Wenn wir von diesem Riesengelaende +nur zwei Dritteile zur Feldbebauung anwenden, koennen wir sechzig grosse +Bauernwirtschaften zu je hundert Morgen Land einrichten; auf jeder +Besitzung koennen vier Pferde, dreissig Stueck Rindvieh, Huehner, Gaense, +Enten, Tauben, Kaninchen, Hunde, Katzen, Bienen sein, und alle diese Tiere +sollen von den Feriengaesten gepflegt werden, immer unter Leitung +sachverstaendiger Personen. Denn der Herr und Koenig des ganzen Hofes wird +der Bauer sein. Moege es uns gelingen, tuechtige Bauern zu finden, die nicht +nur den Pflug zu fuehren wissen, sondern die kernige Menschen sind voll +Biederkeit und froher Laune, derber Herzlichkeit und aufrechten Sinnes. +Wer nicht anderweitig abkommandiert ist, arbeitet auf dem Hofe, wo er +wohnt, nach Anweisung des Bauern oder der Baeuerin, immer nur pflichtmaessig +zwei bis vier Stunden am Tage. Wer etwas darueber tun will und darf, soll +es tun. + +Oh, wie werden die Leute am "Stillen Weg", die ihr Zustand vom Glueck der +Arbeit ausschliesst, sich sehnen, "hinaus"zuziehen in die gesunde, frische, +befreiende Taetigkeit; wie gluecklich werden sie sein, wenn ihnen der Arzt +eines Tages sagt: Mein Lieber, du bist nun so weit, als schwacher +Hilfskaempe mitzutun, darfst auf einen Bauernhof, darfst zunaechst mal die +Tauben fuettern, den Huehnerstall nach Eiern absuchen und den Hund pruegeln, +wenn er eine Wurst gestohlen hat, und wenn auch das zu schwer ist, +aufpassen, ob in den Nistkaesten Sperlinge oder Stare wohnen. + + * + +An die Bauernhoefe knuepfe ich meine groesste Hoffnung. Ich moechte die in +glitzernde, entnervende Ferne Gewanderten zum Erdduft und zur Einfachheit +wenigstens in Ferienwochen heimfuehren. Es soll und es muss gelingen. Alle, +die einmal Ferien vom Ich machen, die als neue, als ganz andere Menschen, +losgeloest von allem, was sie drueckte und knickte, auf einige selige Wochen +zum Ausgangspunkte, zum Mutterschoss unseres Kulturlebens zurueckkehrten, +zum Bauern-, Hirten- und Fischerleben - sie muessen mit gesuenderem Herzblut +in ihr Leben zurueckkehren, sie muessen mehr gewinnen als durch +Mineralwasser und Baederzerstreuung. + +Die Hirten, Fischer und Jaeger vergesse ich neben den Bauern nicht. Wenn da +einer kommt, der vor dem Revolver stand, weil er ueberreizt war, der soll +oben an der Ginsterheide die Kuehe hueten. Den ganzen Tag wird er aufmerksam +sein muessen, dass die Bullen sich nicht bekaempfen und dass gluecksduselige +Muttertiere mit ihren mutwilligen Kaelbern nicht den nahen Klee +zerstampfen, und abends wird der Mann einsam vor einem wohlig +ausgestatteten Hirtenhaeuslein sitzen, die wiederkaeuenden Tiere werden um +ihn sein, und die Sterne werden ueber ihm wandern und ewige Worte zu ihm +reden; es wird aus Verlassenheit und Gram ganz maehlich Ruhe und Frieden +werden, und in den Menschenhass wird sich die Sehnsucht einschleichen: +"Naechsten Sonnabend, wenn ich Urlaub habe, gehe ich in die Lindenherberge +und sehe lustigen Menschen zu!" + +Oh, wie ich nach guten Bauern, so werde ich nach guten Aerzten suchen +muessen. Nicht ihr aerztliches Wissen ist fuer mich in der Hauptsache +massgebend. Ob sie gute Psychologen, ob sie tiefe Menschenfreunde sind, +danach werde ich fragen. Die Jaeger - ach, die Jaeger, wird es wohl heissen, +sind sowieso gesund. Die zu uns kommen, sind es nicht. Nur die +Stubenhocker werde ich auf die Puersche schicken und nur die Zappeligen und +Unruhigen auf den Rehbock mit dem bestimmten Geheiss, einen zu erlegen. Wie +sie da ruhig sitzen werden, heute drei, morgen fuenf Stunden lang. Immer +vergebens. Und die Muecken werden stechen, und der Tau wird fallen. Und sie +werden nicht schimpfen duerfen, wie sie es sonst tun. + +So auch mit den Fischern. Die Aufgeregten werden so lange angeln, bis sie +befriedigende Beute bringen. Wessen Aufmerksamkeit wochenlang auf eine +Federspule gerichtet gewesen ist, der hat sich ausgeruht und singt abends +im Poetenwinkel sein Lied als einer der Andaechtigsten der Lebensfreude. + +Bauernhaeuser, Fischerhuetten, Jaeger- und Hirtenhaeuslein, das werden in der +Hauptsache die Wohnstaetten meines Ferienheims sein. Das ist eigentlich +mein ganzes Programm. Ich kann es keiner hochmoegenden Kommission +einreichen, aber eben darum hoffe ich, dass es gut ist. Im uebrigen bekenne +ich frei, dass ich mich auf Architektenkunststuecke nicht verstehe. + +Ich habe trotzdem auf einer grossen Karte unser ganzes Gelaende +aufgezeichnet und ueberall vermerkt, wo ein Bauernhof stehen soll, auch die +Grenzen seines Bezirks bestimmt; ich habe die Hirtenhaeuslein, die +Milchstuben, die Fischerbuden angegeben, und zwischen all dem Hin und Her +fuehren Stege und Landstrassen, alle krumm und winkelig, aber angemessen +dem, was an Hebung und Senkung des Terrains und was an Baumschlaegen, +Hecken, Baechlein, Wald und Wiesenland da ist. Eine Umwallung werden wir +kaum brauchen, das Plateau hebt sich gen Waltersburg natuerlich ab, nur an +der einen Stelle, wo das Gelaende nach der Stadt eben uebergeht, wollen wir +eine Mauer und eine Pforte errichten. Neben der Pforte soll unser +"Zeughaus" stehen. Dort wird der Ankoemmling, der sich entschlossen hat, +unsere Ferien zu ueben, in seiner Zivilkleidung hineingehen, Kleider, Uhr, +Geld, alles, was er bei sich traegt, auch seinen Namen, ablegen, als neuer +Mensch, neugekleideter Feriengast ein neues Leben beginnen. + +Das ist mein Plan. Ich weiss nicht, ob er so ausgefuehrt werden kann, ich +weiss nur, dass er so ausgefuehrt werden sollte. + + + + + + DAS KIND + + +Mitten in der Arbeit taucht viel oefter, als mir lieb ist, das Bild der +kleinen Luise vor mir auf. Am Morgen nach dem Theaterabend, als ich das +Kind im Hotel fand, war es ganz veraengstigt, zitterte und weinte. Auf alle +Fragen sagte es immer nur: "Ich will heim!" Zu den Schindern ins Elend +wollte es zurueck, weil es dort zu Hause war. Vor Stefenson und mir +fuerchtete sich die Kleine, und auch vor der fremden Schwester scheute sie +sich. Ich wollte sie streicheln, aber sie wich mir aus und duckte sich. +Das arme Ding hat wohl in seinem Leben schon viel Pruegel bekommen. Ich +sagte freundlich zu ihr: + +"Luise, fuerchte dich doch nicht. Sieh mal, ich meine es gut mit dir, ich +bin ja mit dir verwandt; ich bin dein Onkel." + +Sie sah scheu an dem fremden Manne empor, der ihr wohl zu vornehm +erschien, um mit ihr verwandt zu sein. Ob sie einen Vater oder eine Mutter +oder eine Grossmutter habe, wie andere Kinder, danach fragte sie nicht. Es +war auch besser; denn ich haette ihr sagen muessen: "Nein, das hast du alles +nicht; du hast nur einen Onkel." Waehrend ich mir noch vergeblich Muehe gab, +ein klein wenig das Zutrauen von Luise zu gewinnen, erschien Stefenson mit +einem Diener, der ein grosses Paket schleppte. Das Paket legte der +Amerikaner vor dem Kinde auf den Tisch und sagte: + +"So, da habe ich dir ein bisschen Spielkram gekauft!" Es war eine kleine +Weihnachtsausstellung von allerhand Spielzeug: Puppen, eine kleine Wiege, +Hampelmaenner, Kreisel, Schachteln mit geschnitzten Tieren, Baukasten und +viele Kleinigkeiten. Sogar eine Knallpistole war dabei. Dem Kinde entfuhr +ein kleiner Schrei seligen Erschreckens, es erhob die Haendchen, tastete +schuechtern nach einer Puppe, zuckte aber zurueck. Da fuhr sie Stefenson an: +"Nun, du kleine Gans, so greif doch zu! Das ist alles dein. Das musst du +nehmen. Damit musst du spielen, sonst setzt es was ab!" + +Auf diesen rauhen Ton war Luise offenbar gut eingerichtet. Sie fing +gehorsam an zu spielen. Nach fuenf Minuten kam ein leises Lachen, das +Gesichtchen erhellte sich, und ich sah noch deutlicher als gestern beim +ersten schreckhaften Begegnen in Joachims Zuege, sah in Joachims Augen. Ich +erinnere mich nicht, je ein kleines Maedchen gesehen zu haben, das so +auffallend dem Bilde ihres Vaters glich, wie Luise meinem Bruder aehnlich +ist. Wir hatten vielerlei in Berlin zu tun und blieben acht Tage dort. Am +fuenften Tage kam Stefenson in mein Zimmer und sagte: + +"Jetzt hat mich das Balg gefragt, wenn Sie ihr Onkel waeren, ob ich +vielleicht ihr Vater sei? Nu nee, du kleine Gans, das faellt mir gar nicht +ein, dein Vater zu sein. Na, sie heulte gleich, und da hab ich denn +gesagt, ich bin ihr Stiefvater. Damit war sie ganz zufrieden." + +Ich wusste schon, dass Luise in grosser Liebe und Dankbarkeit an Stefenson +hing. Seine rauhe, kurze Art schreckte sie nicht, und seine Fuersorge tat +ihr wohl. + +So war der Abschied nach acht Tagen, als Luise nach Thueringen fahren und +wir nach Waltersburg zurueckkehren mussten, schmerzlich fuer das Kind. Nur +der Abschied von Stefenson, nicht der von mir, obwohl sich Luise +inzwischen auch zu mir ganz freundlich gestellt hatte. + +Als wir im Eisenbahnwagen sassen, sagte Stefenson: "Die Gefuehlsduselei mit +dem Kinde hoert nun auf. Dazu haben wir keine Zeit." + +Ich nickte ihm zu und schwieg. Als ich nach Hause kam, trat mir die Mutter +mit fragenden Augen entgegen. + +"Ich habe das Kind in saubere Verhaeltnisse gebracht", sagte ich ihr und +ging in mein Zimmer. Die Mutter fragte nicht mehr, und ich erzaehlte +nichts. Wir fuehlten beide, wie sich eine eiskalte Wand zwischen uns +aufrichtete. Nach drei Tagen sagte die Mutter, Joachim habe geschrieben, +es gehe ihm gut. Mir war dabei, als ob sie von einem fremden Menschen +erzaehlte, dessen Schicksal mich nichts angehe. + + * + +Die Zeichnungen, der Aufbau meines grossen Ferienheims nahmen mich fortan +ganz in Anspruch. Ich kann sagen, es waren reine Glueckstage, Tage voll +Fruchtbarkeit, Hoffnung, Kraftgefuehl. Und doch stahl sich Luises Bild bei +Tag und Nacht in meine Seele. So sagte ich mir eines Morgens, an drei +verlorenen Arbeitstagen laege nicht viel, Stefenson saesse sicher weit unten +in Palermo oder Syrakus, und sehr bald nach diesen Erwaegungen sass ich in +einem Schnellzuge nach Thueringen. + +Ich hatte die Freude, dass mir Luise vertrauensvoll und dankbar +entgegenkam, und dass sie sich schuechtern an mich schmiegte, als ich sie +auf die Stirn kuesste. + +Die wuerdige Vorsteherin des Pensionats sagte, es sei ja wohl noch zu kurze +Zeit, als dass das Kind sich schon in ihm voellig fremde Kultur ganz haette +fuegen koennen; aber Luise zeige so gute koerperliche und geistige Anlagen, +dass sie hoffe, das Kind wuerde mir recht bald Freude bereiten. Die Anstalt +lag an der Promenade der huebschen thueringischen Stadt. Als ich das Haus +verliess, sass gegenueber dem Eingang auf einer Ruhebank Mister Stefenson. Es +blieb mir gar keine Zeit, mich gross zu erstaunen, sondern er trat mir +gleich entgegen und sagte muerrisch: + +"Ich finde das sehr merkwuerdig von Ihnen, dass Sie auch jetzt noch Zeit zu +solchen Exkursionen haben." "Ach, Mister Stefenson", entgegnete ich +heiter, "ich dachte, Sie waeren Ihrerseits noch auf Ihrer Exkursion nach +Sizilien." + +"Sticheln Sie nicht", entgegnete er finster; "ich bin nicht nach Sizilien +gefahren zum Amuesement oder um einem kleinen Gaenschen nachzureisen, +sondern um in aller Ruhe die Plaene fuer unser Ferienheim machen zu koennen. +Wenn ich nun Pech gehabt habe mit den drei Plaenen, die ich gemacht habe, +weil ich den ersten in Palermo zerrissen, den zweiten in Modena verbrannt +und den dritten in Luzern ueberhaupt nicht erst angefangen habe, so hatte +ich doch gehofft, Sie wuerden inzwischen Gewissen genug haben, zu Hause zu +bleiben und zu arbeiten." + +"Hab ich auch, Mister Stefenson! Mein Plan ist fertig." + +"Ah - das ist gut. Wieviel kostet er? Wie balanciert er?" + +"Was er kostet, wie er balanciert, weiss ich nicht. Das ist nicht meine +Sache. Ich bin kein Kaufmann. Wofuer sind Sie da?" + +"Fuers Geldgeben!" + +Er schuettelte melancholisch den Kopf. + +"Ihr Plan ist unrentabel", sagte er duester. + +"Mister Stefenson, ich will Ihnen einen alten deutschen Witz erzaehlen. Ein +Schlaechter kam in eine kleine Wirtschaft, um eine Kuh zu kaufen. Der Bauer +fuehrte ihn nach dem Stalle. Sie kamen in einen ganz dunklen Raum. Da sagte +der Schlaechter: 'Aber Mensch, wie kann ich Ihnen fuer ein so elendes Tier +so viel Geld geben, wie Sie verlangen?' - 'Sachte', sagte der Bauer, 'das +hier ist nur der Ruebenraum, die Kuh steht erst hinter der naechsten Tuer.'" + +"Was gehen mich Ihre verdammten deutschen Witze an?" grollte Stefenson. + +"Fahren wir erst nach Hause", entgegnete ich. "Und vorher koennen Sie ja +mal die kleine Luise besuchen. Sie macht sich heraus." + +"Das faellt mir nicht ein", sagte Stefenson kalt. "Ich hasse diese deutsche +Sentimentalitaet." + +So fuhren wir nach Hause. Ich uebergab Stefenson meine Zeichnungen und +schriftlichen Ausfuehrungen. Er nahm sie mit nach Neustadt, wo er immer +noch in einem Hotel wohnte. Nach fuenf Tagen suchte ich ihn zu sprechen. Es +hiess, Mister Stefenson sei verreist. Eine Viertelstunde etwa dachte ich +darueber nach, wohin Stefenson wohl sein koenne. Dann telegraphierte ich an +die Vorsteherin des Instituts in Thueringen: + +"Ist Mister Stefenson noch dort?" + +Am Abend kam die Antwort: + +"Stefenson war hier, ist aber eben zurueckgereist." + +Darauf machte ich mir das Vergnuegen, zum Neustaedter Bahnhof zu gehen und +den Zug zu belauern, von dem ich vermutete, dass er Herrn Stefenson +mitfuehren wuerde. Ich hatte den Zeitpunkt ganz richtig aus dem Kursbuch +festgestellt. + +Als Stefenson die Bahnsperre passierte, trat ich ihm ploetzlich entgegen, +und er war nicht weniger erschrocken als ich, da ich ihn ploetzlich auf der +Promenadenbank in Thueringen traf. + +"Guten Abend, Mister Stefenson", sagte ich, "wie geht es der kleinen +Luise?" + +"Wieso - wieso - Luise - was geht mich das Gaenschen an?" versuchte er sich +herauszuluegen. + +Ich blickte ihn freundlich an und sagte: + +"Die Frau Vorsteherin, die ich telegraphisch anfragte, sagte mir, dass Sie +dort waren." + +Da hustete er. + +"Wissen Sie was", sagte er zornig, "es ist nicht schoen, dass Sie mir +nachspionieren. Was geht mich das Gaenschen an? Aber da Sie schon mal so +ein Spion sind, will ich Ihnen sagen, ich kann fuer diese Schwaeche nichts. +Meine Mutter war eine Deutsche." + + + + + + VORARBEITEN + + +Es ist ein halbes Jahr her, seit ich die letzte Eintragung in mein +Tagebuch machte. Im Mai war es, als Stefenson erschnoben hatte, dass ich +ein Tagebuch fuehre und darin manches ueber den Ausbau unseres Ferienheims, +aber auch ueber seine eigene Person niedergeschrieben habe. Seit der Zeit +quaelte er mich, ihm das Tagebuch einmal zur Lektuere zu ueberlassen. Er war +neugierig wie ein Backfisch, und es nuetzten mich alle Versuche nichts, ihm +klarzumachen, dass es - gelinde gesagt - sehr indiskret sei, Einblick in +ein fremdes Tagebuch zu verlangen. Es dauerte so lange, bis er die +Aufzeichnungen in Haenden hatte. Dieser Mensch ist ein ganz wunderliches +Gemisch von Kindlichkeit und halsstarriger Energie. + +Nach drei Tagen gab mir Stefenson das Tagebuch zurueck und sagte, indem er +ein sauersuesses Laecheln zwischen seinen duennen Lippen zerquetschte: "Sie +haben mich sehr schlecht charakterisiert." + +"Dieses Urteil sah ich voraus, Mister Stefenson; die Fortsetzung des +Tagebuches werden Sie auch nicht zu sehen bekommen." + +Er machte eine Handbewegung, die bedeuten sollte, daran liege ihm auch +nichts, und ging wieder nach seinem "Buero". Dieses besteht aus einer +Holzbude, in der ein langer roher Tisch, einige Brettstuehle, ein +Kleiderhaken und der Telephonapparat die ganze Ausruestung bilden. Der +Tisch ist mit Papieren aller Art bedeckt. Hier liegen die kostbaren Plaene +unserer Ferienhaeuser, sind Aktenstoesse, stehen Modelle. In einem Nebenraume +klappern ein paar Schreibmaschinen. Stefenson sagte mir einmal, +Schreibmaschinenklappern und Telephongeschelle sei ihm die schoenste Musik. + +In dem Buero sind unsere Beratungen. Dorthin muessen Architekten, +Maurermeister, Lieferanten aller Art, Verwaltungsbeamte, Stellungsuchende +zum Vortrag kommen. Anfangs hatte Stefenson die Absicht, mich von den +Hauptkonferenzen mit den Bauleuten auszuschliessen oder mir doch eine rein +zuhoerende Rolle zuzuweisen. Als ich ihm aber energisch sagte, er scheine +vorzuhaben, ein schleudriges Klein-Chicago zu errichten, das sich ganz gut +fuer Engros-Schweineschlaechterei, aber nicht fuer mein romantisches +Ferienheim eignen moege, wurde er immer stiller und liess mich nach und nach +mit den Architekten selbstaendig wirken. Nur das Tempo der Arbeit bestimmte +er, und das stand immer auf Volldampf. Der Mann arbeitet selbst von +morgens fuenf Uhr bis nachts um elf, ohne irgendwelche Ermuedung zu zeigen. +Stefenson leitet seine Verhandlungen meisterhaft; keine Kleinigkeit +entgeht ihm. Sobald ein Thema angeschlagen ist, wird es Schritt fuer +Schritt erledigt. Kein Abweichen vom Wege ist erlaubt. Das +Dazwischenwerfen einer aufblitzenden, abseits liegenden Idee ist streng +verpoent, kein unfruchtbares Durcheinandergerede gestattet, sondern +planmaessige, geordnete Arbeit wird geleistet, Fuer und Wider werden kurz +beleuchtet, Nebensaechlichkeiten unter den Tisch fallen gelassen, der +Beschluss knapp und fast immer schriftlich gefasst; dann wird aber auch im +Verlauf der weiteren Verhandlungen auf den erledigten Punkt nie wieder +zurueckgegriffen. So wusste man am Schluss solcher Verhandlungen immer: das +stand zur Beratung, das ist beschlossen, so und so, dann und dann muss es +ausgefuehrt werden. Stefensons Gehirn hat eine wohlgeordnete Registratur, +und etwas schwaermerisch angelegte Leute wie ich, denen leicht die Gedanken +durcheinander purzeln, koennen viel von solchem Manne lernen. Nur darf +Stefenson meine romantische und philanthropische Idee nicht aus dem Auge +lassen, und das tut er auch nicht. Stefenson und ich sind in vielen Dingen +die reinsten Antipoden; aber ich schaetze es als Glueck, mit einem so klaren +Kopf zusammen zu arbeiten, wenn ich auch manchmal einen wilden Zorn ueber +seine Kaltschnaeuzigkeit habe. So ist der Mann. Wir vertragen uns und haben +Haendel miteinander - je nachdem. Ich glaube, ich werde gut fahren, wenn +ich mit Stefenson gleichen Kurs halte. Es gibt kaum ein groesseres Unglueck +auf der Welt, als sich mit dummen oder schwachen Menschen zu verbinden, +und kaum einen groesseren Vorteil, als einen klugen Freund. + + * + +Als unsere Idee bekannt wurde, war die Physiognomie der Waltersburger +ungefaehr die eines Kalbes, das zum ersten Male donnern hoert. Die Leute +wunderten sich rasend. Sie steckten die Koepfe zusammen, redeten viel auf +den Bierbaenken und kamen doch, da sie immer nur Geruechtsbrocken sammeln +konnten, zu keinem klaren Bilde. + +Den Ausschlag soll der Amtsrichter gegeben haben, der sich dahin geaeussert +hat: es scheine sich um eine Art Verruecktenanstalt im grossen zu handeln; +den noetigen Spleen scheine ich von der Weltreise mit heimgebracht zu +haben, und was etwa fehle, habe Mister Stefenson aus seinem reichen Vorrat +an Tollheit ergaenzt. + +Guenstig war uns von Anfang an die Stimmung der Waltersburger gar nicht. Zu +dem neidischen und veraergerten Gefuehl, das einem unerwarteten Werk vom +lieben Publikum immer gespendet wird, gesellte sich ein ganz besonderer +Verdruss. Stefenson hatte erklaert, dass er eine ganz neue Gemeinde begruenden +werde mit einem eigenen Buergermeister und einer Verwaltung, die alles im +Umkreise Bekannte in den tiefsten Schatten stellen werde. + +Darueber waren die Waltersburger wuetend. Nachdem ihnen schon die Neustaedter +untreu geworden und der Mutterstadt gewaltig ueber den Kopf gewachsen +waren, sollte sich hier auf ehemaligem Waltersburger Grund und Boden +abermals ein neues Gemeinwesen auftun, das den Bestand Waltersburgs +verkuerzte und die eigene Stadt in immer kuemmerlichere Unberuehmtheit +draengte. Waltersburg war wie eine Mutter von mittelmaessigen Anlagen, die +sich aergert, wenn ihre Toechter in der Gesellschaft Glueck haben. + +Eitel waren die Waltersburger immer. In der Pfarrkirche ist ein Altarbild, +das angeblich von Tintoretto stammt. Ein begueterter Graf, der ehemals hier +residierte, soll es von einer Pilgerfahrt mitgebracht haben. Die Echtheit +des Bildes ist zweifelhaft, nur nicht fuer die Waltersburger, die das +Gemaelde zu den Meisterwerken Tintorettos rechnen. (Tintoretto, "das +Faerberchen", hat bekanntlich neben ausgezeichneten Stuecken viel +Mittelmaessiges, ja Schleudriges geleistet.) Als ein grosses neues +Reisehandbuch erschien, waren die Waltersburger neugierig, ob ihr +Tintoretto zwei Sterne oder nur einen haben werde. Die Enttaeuschung war +gross; denn ganz Waltersburg mitsamt seinem Tintoretto wurde in dem +Handbuche ueberhaupt nicht erwaehnt. Der Schrei der Empoerung, den damals der +gebildete Teil der Stadt ausstiess, hat noch heute ein Echo in vielen +Herzen. + +Fuer uns kam bald ein Umschwung. Stefenson berief eine Versammlung nach dem +Saale des groessten Waltersburger Hotels, den "Drei Raben". Er lud zu dieser +"freien Zusammenkunft, in der er Aufschluesse ueber seine Neugruendung geben +werde", nicht nur den Magistrat und alle Honoratioren mit ihren Damen, +sondern auch je einen Schuster, Schneider, Baecker, wie alle anderen +Handwerkszweige mit ihren Frauen. "Es muss wie bei der Arche Noahs sein", +sagte er gut gelaunt, "von jeder Art ein Paerchen." Der Erfolg war schwach. +Einzelne zwar priesen Herrn Stefenson wegen seiner gerechten +unparteiischen Art, aber andere ruempften ausserordentlich stark die Nasen, +und als die Versammlung begann, zeigte es sich, dass fast gar keine Frauen +da waren. Die Frau Provisor und die Frau Kanzleirat hatten entruestet +erklaert, man koenne sich doch nicht mit Krethi und Plethi zusammensetzen, +und fast alle anderen "Damen der Gesellschaft" hatten sich dieser +Auffassung angeschlossen. Die Weiber der Handwerksleute aber hatten sich +"geniert", zu kommen. Aber auch die Maenner waren nur in schwacher Anzahl +erschienen. Der Magistrat liess sich durch einen Beisitzer vertreten. Am +meisten freute es mich, dass der Lehrer Herder da war. Er wurde auch zum +Leiter der Versammlung gewaehlt. Stefenson hielt eine Rede. Er spricht die +deutsche Sprache ohne jeden fremden Akzent. Denn nicht nur seine Mutter +ist eine Deutsche gewesen; ich habe unterdes herausgekriegt, dass +Stefensons Vater zwar ein Stockamerikaner von reinster Monroedoktrin war, +dass aber sein Grossvater bis zu seinem dreissigsten Lebensjahre in Hamburg +gelebt hat und bis dahin Georg Stefan hiess. Stefenson hat rein deutsches +Blut in sich. + +Der "Mister" sprach. Er sagte, ueber die Idee seiner geplanten Kuranstalt +wolle er nicht reden; diese sei ein so unerhoertes, geniales Problem (dabei +trat er mich grob auf den Fuss!), dass er es im Rahmen einer so kurzen +Aussprache nicht erlaeutern koenne. Waltersburg habe zwar keine hervorragend +guenstige Lage und werde von vielen anderen Orten auch durch den Reiz der +Umgebung wesentlich uebertroffen (Gebrumm in der Versammlung), aber sein +Freund und aerztlicher Beirat sei ja, wie alle wuessten, ein Waltersburger +Kind, und so habe er dem Freund zuliebe dieses Gelaende fuer die Ausfuehrung +seiner Idee gewaehlt. Er gehoere zu den Leuten, die sich eher das eigene +Hemd ausziehen, als dass sie zugeben, dass der Freund friere. (Frau +Postschaffner Hempel verliess entruestet das Lokal.) "Kommen Sie gut nach +Hause, Frauchen!" ruft ihr Stefenson nach. (Abermaliges Gebrumm. +Postschaffner Hempel erhebt sich, sagt in halblauter Entruestung: "Das ist +ja kolossal!" und stampft seiner Ehehaelfte nach.) "Also", faehrt Stefenson +ruhig fort, "was mir eine Hauptsache zu sein scheint: ich beabsichtige +nicht, eine neue politische Gemeinde zu gruenden; ich werde meine Siedelung +unter den amtlichen Schutz des Magistrats von Waltersburg stellen." +(Freudige Verblueffung. Der Beisitzer horcht auf und trommelt erregt mit +den Fingern auf den Tisch.) "Ja", geht Stefensons Rede weiter, "wir werden +unserem Sanatorium, das seinesgleichen in der Welt nicht hat, den Namen +'Kuranstalt Waltersburg: Ferien vom Ich' geben, und der Schnickschnack vom +sogenannten modernen Badeort, wie es Neustadt ist, wird in Dunst +zerstieben vor der glorreichen Waltersburger Neugruendung. (Der Beisitzer +springt auf, beurlaubt sich bei dem Vorsitzenden auf wenige Minuten und +stuermt aus dem Saal.) Mitbuerger von Waltersburg! Damen und Herren! (Von +den Damen ist nur noch die phlegmatische Gaertnersfrau Baechel anwesend.) Es +macht mich gluecklich, dass Sie in solcher Anzahl erschienen sind. Etwas +Erfreuliches kann ich Ihnen mitteilen. Ich erwarte, dass binnen zwei Jahren +unsere Kuranstalt etwa zwei Dritteile Ihrer gesamten Gemeindesteuern +tragen wird, so dass Ihre bisherigen hundertzwanzig Prozent auf vierzig +Prozent herabsinken werden. (Erschrecktes Aufatmen, dann lautes Bravo. +Baeckermeister Schiebulke und Klempner Geldermann stuerzen im +Geschwindschritt von Siegesboten auf die Strasse.) Ja, aber, meine sehr +teuren Mitbuerger, auch Opfer werde ich von Ihnen verlangen muessen. +(Kunstpause des Redners. Bedruecktes Schweigen der Zuhoerer.) Wir haben +nicht Zeit, der Verwirklichung unserer Idee sehr viel Zeit zu widmen; wir +muessen die Aufgabe im Sturm nehmen. Binnen Jahresfrist muss alles fix und +fertig sein. Sie werden begreifen, dass dafuer ein Heer von Architekten, +Bauleitern, Maurern, Zimmerleuten, Tapezierern, Toepfern, Tischlern, +Glasern, Klempnern, Schmieden, Schlossern, Stubenmalern, Gaertnern und +Hilfsarbeitern aller Art noetig sein wird, nicht zu rechnen die Legion +derer, die diese Schar versorgt mit Nahrungsmitteln, mit Kleidern, +Schuhen, Muetzen und Waesche. Ja, liebe Waltersburger Mitbuerger, Ihre ganze +praechtige Kaufmannschaft, alle Ihre Handwerkerkreise muss ich mobil machen, +um meiner Aufgabe gerecht zu werden, alle werden ihren Betrieb +verzehnfachen muessen ..." + +Der Redner hielt inne; denn die Zuhoererschaft keuchte zu laut. Die +Erregung stieg aufs hoechste. Da kam die von Stefenson ganz leichthin +gesagte, aber bis ins Mark treffende Schlussbemerkung: "Ich moechte mit +Waltersburger Buergern Abkommen treffen. Was das Finanzielle anbelangt, so +wird nichts auf Ziel entnommen, sondern alles immer sofort bar bezahlt +werden." + +Da war es aus. Alles erhob sich; selbst die dicke Gaertnersfrau wappelte +sich empor und wischte sich den Schweiss von der Stirn. + +Ein Handwerker stieg auf einen Stuhl. + +"Das ist gut!" rief er; "das ist famos! Herr Stefenson lebe hoch!" + +"Hoch!" schrien die paar Maennlein, die noch da waren. Im selben Augenblick +stuerzte der Beisitzer in den Saal. + +"Der Herr Buergermeister", keuchte er, "der Herr Buergermeister, der bis +jetzt leider verhindert war, kommt selbst." + +Stefenson nickte ihm laechelnd zu. Da wurde es lebhaft auf der Treppe, +Maenner und Frauen aller Gesellschaftsschichten fuellten den Saal. Eine +halbe Stunde lang stand Stefenson steif und still, und als alle da waren, +auch der Buergermeister, sagte er: + +"Ich habe dem, was ich vor Ihnen, sehr geehrte Herrschaften, ueber meine +Neugruendung heute ausgefuehrt habe, nun nichts mehr hinzuzufuegen." + +Worauf sich der Leiter der Versammlung, Lehrer Herder, erhob und in einer +glaenzenden Erfassung der Situation sagte: + +"Ich schliesse die Sitzung!" + + + + + + DIE "NEUSTAeDTER UMSCHAU" + + +In Neustadt erscheint ein Blaettchen, die "Neustaedter Umschau". Es kommt +woechentlich zweimal heraus in einem Umfang, dass eine einzige Nummer +genuegt, ein Butterbrot gut zu verpacken. Als der Verleger einen neuen +Redakteur suchte, versprach er einen Monatsgehalt von sechzig Mark. Es +meldeten sich drei Doktoren, sechs Referendare, zwanzig Studenten, sieben +ehemalige Lehrer, ein "sehr gebildeter" Schlossermeister, davongejagte +Seminaristen, freie Schriftsteller und ein paar schwankende Gestalten. Der +Verleger waehlte von der ganzen Rotte den Unfaehigsten, einen +herabgekommenen, versoffenen Kerl, der aber _Doctor juris_ war, was in der +"Umschau" mit Fettdruck angezeigt wurde. Dieser Mensch macht die "Umschau" +in der Art, dass er in seiner nuechternen Tagesstunde, die vormittags nach +seinem jeweiligen Aufstehen liegt, im Lesesaal des Neustaedter Kurhauses +den Stoff fuer die naechste Nummer aus grossstaedtischen Zeitungen abschreibt. +Einen lokalen Teil hat die "Umschau" kaum; jedenfalls war er stets aeusserst +jaemmerlich. Desto mehr fiel es auf, als das Blatt auf einmal recht flotte, +wenn auch dreist geschriebene Artikel gegen unser Waltersburger Ferienheim +brachte. + +Der erste Artikel beschaeftigte sich mit mir. Es wurde darin ausgefuehrt, +dass ich nach meiner Promovierung (die, wie man erfahre, nicht ohne gewisse +Schwierigkeiten vor sich gegangen sei) eiligst das Vaterland verlassen +habe, um auf allen Meeren und unter allen Breitengraden der leidenden +Menschheit meine aerztliche Kunst angedeihen zu lassen. Das einzige Leiden, +mit dem ich zu tun gehabt haette, waere die Seekrankheit gewesen, und da +sich gegen diese bekanntlich ueberhaupt nichts tun lasse, so sei ich ja +sicher ganz am Platze gewesen. Mein Geist habe so ungeheuer viel Zeit zum +Ausruhen gehabt, dass ich (wahrscheinlich unter dem verheerenden Einfluss +der Tropensonne) auf die Idee meiner Anstalt "Ferien vom Ich" gekommen +sei. Neustadt solle jubeln und mir eine Dankadresse schicken, mir auch +sonst alle moegliche Foerderung angedeihen lassen; denn das moderne Weltbad +spare sich durch meine Anstalt ein Hanswursttheater, und es waere nur zu +bedauern, wenn sich die Neugruendung nicht bis zum naechsten Fasching +hielte. In dem jederzeit reichhaltigen Vergnuegungsprogramm von Neustadt +wuerde es sich jedenfalls ganz gut ausnehmen, wenn es um die Faschingszeit +hiesse: Morgen Besichtigung der Waltersburger Kuranstalt "Ferien vom Ich". +Aengstliche seien versichert, dass ein Ausbruch von Irrsinn nicht zu +befuerchten ist, da sich dieser in der Waltersburger Anstalt nur ganz +harmlos und kindlich aeussere. + + * + +Das war der Begruessungsartikel, der meiner Gruendung von dem +freundnachbarlichen Neustadt zuteil wurde. Stefenson brachte ihn mir +persoenlich. Er beobachtete mich, als ich ihn las. + +"Niedlich!" sagte ich; "ich haette das den Kerlen gar nicht zugetraut." + +"Na, sehen Sie", atmete Stefenson auf, "es freut mich, dass Sie nicht +entruestet sind oder diesen braven Zeilenschinder etwa gar verklagen +wollen. Der Artikel ist wirklich nett." + +Eine der naechsten Nummern der "Umschau" beschaeftigte sich mit Mister +Stefenson. Es hiess darin, nach authentischen Auskuenften aus Amerika sei +Mister Stefenson, der bekanntlich das Waltersburger +Kuranstalts-Unternehmen finanziere, einer der merkwuerdigsten +Geschaeftsleute aus dem Lande der unbegrenzten Moeglichkeiten. Seine +geschaeftliche Laufbahn habe Stefenson als Kuechenboy in einem Hotel vierten +Grades begonnen. Als aber der einzige silberne Loeffel, ueber den jenes +Hotel verfuegte, eines Tages verschwand und ganz zufaellig in der +Pappschachtel, die des jungen Stefenson Kleiderschrank darstellte, +aufgefunden wurde, wohin er auf eine Herrn Stefenson auch jetzt noch ganz +unerklaerliche Art gekommen waere, sei der vielversprechende junge Mann nach +Texas ausgewandert. Aber auch dort sei er vom Unglueck verfolgt worden. +Denn obwohl der Strick, an den die Bewohner einer Farm den Juengling wegen +angeblichen Pferdediebstahls hingen, riss und also gewissermassen ein +Zeichen vom Himmel fuer die Unschuld des Gerichteten vorlag, haetten die +barbarischen Urwaldsgesellen den Gast aus dem Norden so fuerchterlich +gepruegelt, dass Stefenson zwei kuenstliche Rippen als Andenken an jenes +Abenteuer behalten habe. Das weitere Leben des Mannes, den die +Waltersburger im Begriff staenden, zu ihrem Ehrenbuerger zu machen, sei +ebenfalls recht bewegt und reich an Zwischenfaellen gewesen. Stefenson sei +einmal als Kutscher bei einem grossen Petroleumtransport engagiert gewesen. +Dieser Transport sei von Indianern ueberfallen, die ganze Begleitmannschaft +tot- und saemtliche Petroleumfaesser entzweigeschlagen worden. Nur Stefenson +sei am Leben geblieben, da er so vorsichtig war, bei der herannahenden +Gefahr als erster zu fliehen. Es habe sich nun so gefuegt, dass Stefenson am +naechsten Tage zwei abenteuernde, reiche, aber recht dumme Kerls in einer +benachbarten Stadt getroffen und diese vertraulich auf ein Gelaende +aufmerksam gemacht habe, wo ohne Zweifel starke Petroleumquellen vorhanden +seien. Diese beiden Burschen habe Stefenson, nachdem er die Spuren des +Ueberfalls gruendlich beseitigt hatte, auf das Gelaende gefuehrt, allwo noch +ein penetranter Petroleumgeruch war, und die beiden Gimpelchen haetten sich +bereit erklaert, an Stefenson zunaechst mal fuenfhundert Pfund zu zahlen, +damit er alles Noetige fuer die Erschliessung der Quellen in die Wege leite. +Als sich aber Stefenson die Sache weiter bei sich selbst ueberlegt habe, +haette er sich gesagt, wenn er ehrlich sein wolle, muesse er an der +Ergiebigkeit des Unternehmens zweifeln, er wolle also seinen Geldgebern +lieber weitere unnoetige Kosten ersparen und, ohne sich erst durch "Good +bye" und andere Abschiedsfoermlichkeiten aufzuhalten, sofort nach Chikago +verschwinden. + +Die fuenfhundert Pfund (das seien nach deutschem Gelde zehntausend Mark), +die Stefenson mitgenommen habe, haetten die Basis fuer seine weiteren +geschaeftlichen Unternehmungen gebildet, fuer Unternehmungen, die nicht +weniger originell als die Petroleumgeschichte gewesen seien. So sei +Stefenson nach und nach zu einem gewissen Vermoegen gekommen. Da aber die +engherzigen amerikanischen Richter oefters an Herrn Stefensons +Geschaeftsusancen Anstoss genommen und es dem sonst ganz anspruchslosen +Manne trotz der geradezu luxurioesen Ausstattung der amerikanischen +Gefaengnisse in diesen gar nicht gefallen habe, so sei er auf den Einfall +gekommen, sein Wirkungsfeld voruebergehend mal nach Deutschland zu +verlegen, und seine Wahl sei auf Waltersburg gefallen, die Stadt, die das +weisse Lamm im gruenen Felde in ihrem Wappen fuehre. + +Als ich diesen Artikel gelesen hatte, geriet ich in grosse Aufregung. +Stefenson verstand mich nicht. + +"Es ist wahr", sagte er; "der Artikel koennte farbenreicher gehalten sein, +die Geschehnisse sind etwas nuechtern gegeben, aber, mein Lieber, der +heutige Geschmack verpoent das Allzukrasse. Ich finde den Artikel +ausgezeichnet, viel, viel besser als den, der neulich ueber Sie in dieser +Zeitung stand." + +"Stefenson!" schrie ich ihn an; "sehen Sie denn nicht ein, dass uns dieser +Zeilenschmierer, dieser Sueffling unmoeglich macht? Jetzt bleibt nicht +anderes mehr uebrig, jetzt muessen Sie den Mann verklagen." + +"Ja, glauben Sie, dass ich toll bin?" entgegnete Stefenson. Ich erzaehlte +ihm, was schon der Artikel ueber mich fuer allerhand Unheil angerichtet +habe. Nicht bloss, dass sich meine Mutter fast die Augen aus dem Kopfe +geweint habe, ich haette gehoert, wie die Leute hinter mir zischelten. +"Stefenson, unseren guten Ruf muessen wir behalten, sonst sind wir +ruiniert." + +"Guten Ruf?" verwunderte er sich. "Wie kann man seinen guten Ruf behalten, +wenn man Geschaefte macht? Das ist doch unmoeglich. Er wird einem doch +selbstverstaendlich kaputt gemacht. Wenigstens aeusserlich - in der +gegnerischen Presse - das ist ja unausbleiblich. Darueber regt man sich +doch nicht auf!" + +Ein Bruellen toente von der Strasse herauf. + +"Der Pferdedieb! - Der Loeffelstehler! - Der Petroleumstaenker! Raus, raus!" + +Stefenson lugte durch die Gardine. + +"Sechs oder sieben junge Burschen. Sie benehmen sich ganz weltstaedtisch. +Petroleumstaenker ist bei der Kuerze der Zeit schon ein ganz gut gepraegter +Zuruf!" + +"Stefenson, es geht nicht - Sie werden sehen, es geht bei uns nicht. Sie +sind hier nicht in Amerika. Die ganze Stadt wird uns boykottieren." + +"Desto besser." + +"Die Geschaeftsleute werden nicht mehr liefern." + +"Gegen bar werden sie bestimmt liefern." + +"Nein, unser ganzes Unternehmen wird scheitern, wenn Sie den infamen +Artikel nicht Zeile fuer Zeile in oeffentlichem Gerichtsverfahren als Luege +brandmarken." + +"Das soll mir gewiss nicht einfallen", lachte er. + +Es war in meiner Wohnung am Johannisplatz, wo diese Unterredung stattfand. +Das Laermen auf der Strasse wurde indes lauter, die demonstrierende Schar +wurde groesser. Da verliess mich Stefenson. Den Kopf mit seinem grauen +Zylinderhut bedeckt, schritt er seelenruhig durch die Menge. Diese schwieg +betroffen und gab eine Gasse frei, dann laermten die Leute hinter Stefenson +her. Ich war so verbittert, dass ich wohl eine Stunde lang planlos vor der +Stadt am Bache hin und her ging, ehe ich Stefensons Buero aufsuchte. + +"Wissen Sie, was unser erster Architekt gemacht hat?" fragte er gleich bei +meinem Eintritt. "Seinen Kontrakt mit mir hat er geloest. Der Esel! Mir hat +er einen grossen Gefallen getan; denn ich weiss einen tuechtigeren und +billigeren Mann, als er ist, und bin froh, dass ich ihn loswurde. Glueck muss +man haben!" Er rieb sich die Haende. + +"Mister Stefenson", sagte ich ernst; "wir werden wohl unsere Kontrakte +alle loesen muessen. Denn obwohl ich natuerlich von dem Schundartikel eines +verkommenen Subjekts nicht ein Wort glaube, so sehe ich doch ganz klar, +dass unsere Situation hier unhaltbar wird, wenn Sie sich nicht von dem +Schmutz, der auf Sie geworfen wurde, reinigen. Wir vermoegen nicht ohne die +Achtung unserer Mitbuerger zu bestehen. Wir werden unmoeglich!" + +Stefenson ging mit grossen Schritten auf und ab. Er kaute an seiner +pechschwarzen Zigarre. Ganz milde sagte er dann: + +"Ja, sehen Sie, lieber Freund, Ihr Volk in Ehren - meine Mutter war ja +auch 'ne Deutsche ..." + +"Und Ihr Grossvater vaeterlicherseits war Georg Stefan aus Hamburg", wollte +ich dazwischenwerfen, verschluckte es aber. + +"Ja, also die Deutschen", fuhr Stefenson fort, "bilden sich was ein auf +den Humor, den sie haben, und den andere, z. B. die romanischen Voelker, +gar nicht haben. Schoen - ich gebe zu, Sie haben Dichter, die +ausgezeichneten Humor haben, und auch deutsche Geisteszivilisten sind +vielfach mit einer betraechtlichen Dosis von Humor begabt. Aber das ist +alles so - entschuldigen Sie - so sparsam, so auf Kleinbetrieb, auf +Hausbedarf berechnet. Der Humor, der ins Grosse geht, der fehlt Ihren +Leuten. Himmel, ist das nicht grandioser Humor, wenn ein anstaendiger Mann +sein Geld und seine Zeit auf eine grosse, aber sehr wackelige Sache setzt, +und es kommt so 'n Pressaeffchen und klaefft was von Pferdedieb und +Petroleumstaenker? Das nenne ich Humor. Das liest sich doch nett. Da hat +doch der Abonnent was von seinem Blatt. An die Geschichte glauben? Wenn +der Leser nur ein bisschen Hirnschmalz hat, faellt's ihm nicht ein, ein Wort +zu glauben. Aber er tut so, als ob er's glaubte, er mimt mit in der +Maskerade und amuesiert sich dabei koeniglich. Und der, dem der Feldzug +gilt, wird ein bekannter, ein beruehmter, ein reicher Mann. So sind alle +zufrieden: die Zeitung, die den Schwindel aufgebracht hat, die Leser, die +eine amuesante Fruehstueckslektuere gehabt haben, und der Mann, der +angegriffen worden ist und seinen Profit hat. Ich sage Ihnen, in Amerika +ist es leichter, zehn Verbrechen wirklich zu begehen als eines zu +erfinden, das originell genug ist, einem Manne der Oeffentlichkeit +angehangen zu werden. Und auch in Amerika lebt trotzdem jeder nur auf dem +Grunde des Vertrauens seiner Mitbuerger. Aber der Humor, Mensch, der Humor +darf nicht fehlen!" + +"Wir in Deutschland haben einen anderen Humor", sagte ich und war froh, +dass es so ist. + +Da kam einer unserer Baufuehrer und meldete kleinlaut, dass wahrscheinlich +fast alle unsere Arbeiter kuendigen wuerden. Als er gegangen war, sass +Stefenson gesenkten Hauptes am Tisch. + +"Werden Sie nun begreifen", fragte ich, "dass Sie die gerichtliche Klage +anstrengen _muessen_, dass es absolut Zwang fuer uns ist?" + +"Ich kann die Leute nicht verklagen", sagte Stefenson schwermuetig. + +"Sie koennen nicht?" fragte ich betroffen. "Warum koennen Sie nicht?" + +"Weil ich den Artikel ueber Sie und ueber mich selbst geschrieben habe." + +Ich sprang auf. Stefenson winkte sacht mit der Hand. + +"Ja, sehen Sie, das ist so gekommen: Ich dachte, wenn ich die Artikel in +das Neustaedter Blatt lanciere, gibt es Aufsehen in der Gegend. Und es ist +billig. Mit hundert Mark war der Redakteur zufrieden, mit dreihundert der +Verleger, so dass sie mir die Erlaubnis gaben, mich und meine Sache in +ihrem Blatte recht kraeftig zu beschimpfen. Na, ich wollte die Geschichte +so durch zwei, drei Wochen fortsetzen, dann wollte ich das Waltersburger +Stadtblatt ebenfalls gewinnen und darin Artikel gegen die Neustaedter +"Umschau" loslassen. Das sollte so huebsch hinueber und herueber gehen, bis +zuerst die Provinz- und dann die hauptstaedtische Presse davon Notiz nahm +und im bunten Teil Auszuege braechte, etwa unter der Ueberschrift: 'Der Sturm +im Wasserglase' oder 'Krieg der Zaunkoenige' oder 'Ein Mordsskandal in +Dingsda' oder so aehnlich. Da haette nun das grosse Publikum auf einmal etwas +von uns gehoert, haette die bittere Pille unserer Idee in der Verzuckerung +sensationellen Humors geschluckt, und ueberall haette man von uns und +unserer originellen Kuranstalt gesprochen, und wir waeren durchgewesen. +Diese ganze schoene Propagandaidee haette mich etwa lumpige tausend Mark +gekostet, und nun faellt sie durch die Humorlosigkeit dieser Leute +zusammen." + +Ich kam aus der Verblueffung zuerst nicht heraus. Dann aber begriff ich, +was zu tun sei. + +Es stellte sich heraus, dass Stefenson nach seiner Art mit dem schmierigen +Zeitungsleiter von Neustadt alles schriftlich vereinbart hatte, dass also +Beleg- und Beweismaterial da war. Das freute mich, und ich entwarf in Eile +einen kurzen Artikel fuer unser "Waltersburger Tageblatt". Er lautete: + +"Einen fuerchterlichen Reinfall haben die Neustaedter erlebt. Ihre +weitverbreitete 'Umschau' hat ihren sieben Lesern (bitte! sieben ist kein +Druckfehler) Schauermaeren ueber die Unternehmer der in Waltersburg zu +begruendenden grossen Kuranstalt aufgebunden, Geschichten von geradezu +grotesker Dummheit. Waehrend das gebildete Waltersburger Publikum diese +klatschfetten Zeitungsenten als solche natuerlich sofort erkannt hat, +sollen sie gewissen Neustaedter Kreisen ueber die Massen gemundet haben. Denn +der Hass gegen das aufbluehende Waltersburg ist zu gross, als dass nicht auch +die eselhafteste Luege, wenn sie nur gegen die Nachbargemeinde gerichtet +ist, in Neustadt Glauben faende. Wie schwer der Reinfall ist, moege +folgender Aufschluss bekunden: Mister Stefenson hat der von ihm +hochgeachteten Gemeinde Waltersburg, der vielgeschmaehten Stadt 'mit dem +weissen Lamm als Wappentier', eine Genugtuung geben wollen, indem er die +Neustaedter Bevoelkerung durch ihre eigene Zeitung aufsitzen liess. Mister +Stefenson hat - wie vorliegende Dokumente beweisen - die beiden +aufsehenerregenden Artikel, die natuerlich von A bis Z erfunden sind, +naemlich selbst geschrieben und gegen Zahlung von hundert Mark an den Herrn +Redakteur und Zahlung von dreihundert Mark an den Verleger in der +'Neustaedter Umschau' veroeffentlicht. So viel war ihm der Spass wert. Die +Neustaedter aber moegen nun die Zoologie nach einem fuer sie passenden +Wappentier gefaelligst selbst durchforschen." + +Als Stefenson dieses kleine Manuskript gelesen hatte, drueckte er mir die +Hand. + +"Ich danke Ihnen", sagte er anerkennend; "Sie sind gar nicht so +unamerikanisch." + + * + +Und ich bin doch ganz und gar unamerikanisch. Ich kann nicht einmal sagen, +dass ich ein reines Glueck im Herzen fuehlte, als ich unser Ferienheim so +fabelhaft schnell wachsen sah. Die Riesenscharen von Arbeitern bedrueckten +mich oft, und wenn ich sie abends in ihren grossen Baracken lachen und +laermen hoerte, dachte ich daran, wie schoen es war, als noch die stillen +Raine durch gruene Felder liefen. Ueberall Ziegelfuhren, aufgerissene Wege, +Kalk, Staub, Steine, Unordnung. Ich fuehlte mich auf diesen Bauplaetzen +ausserordentlich unbehaglich, und wenn ein schoener Baum zum Opfer fallen +muss, bereitet es mir Schmerz, als ob einem unschuldigen Freund ein grosses +Unrecht geschaehe. + +Fuer den Architektenberuf bin ich verloren. Ich sehe nach dem Plane ein +Haus immer ganz anders, als es vor mir steht, wenn es fertig ist. Ich +glaube, ich sehe alles zu schoen; es kann in Wirklichkeit nicht so werden, +wie ich es traeume. Ich sehe einen Bauplatz wie ein unordentliches Zimmer. +Erst, wenn "aufgeraeumt" sein wird, wird es hoffentlich anfangen, mir zu +gefallen. + +Die meisten Baulichkeiten sind unter Dach. Das Herbstwetter war heiter. Im +Winter wird mit unverminderter Kraft an dem Innenausbau weitergeschafft +werden. + + + + + + JOACHIM + + +Anfang des Monats bekam ich folgende Depesche: "Treffe drei Uhr fuenfzig +nachmittags Bahnhof Neustadt ein. Bruder Joachim." Das Telegramm war +fruehmorgens in Berlin aufgegeben. + +Erst langsam begriff ich, dass da etwas Wunderliches geschah, dass mein +verschollener Bruder ploetzlich heimkehrte. Da quoll es mir heiss durchs +Herz, und ich wollte zur Mutter gehen und ihr das Wunder erzaehlen. Aber +ich ging zuerst zu Stefenson. Er las das Telegramm und sagte gleichgueltig: + +"Na also, da holen Sie nur Ihren Bruder von der Bahn ab." + +"Ich weiss nicht, wie ich's mit der Mutter machen soll." + +"Der Mutter wuerde ich vorlaeufig nichts sagen. Sie wissen ja noch nicht, +warum Ihr Bruder heimkommt. Also sprechen Sie erst mit ihm." + +Diesem Rate folgte ich. Schon kurz nach drei Uhr war ich auf dem Bahnhof. +Ich verbrachte qualvolle Minuten des Wartens. Als aber der Zug einlief, +war ich ganz ruhig. Ich sah Joachim an einem Fenster stehen und winkte ihm +zu. Als er ausgestiegen war, sagte ich: + +"Willkommen, Joachim; ich freue mich, dass du gekommen bist." + +Sein Gesicht war bleich, und die Hand, die er mir gab, war feucht. + +"Weiss es die Mutter?" + +"Nein. Ich wollte erst mit dir sprechen." + +"Das ist gut. Ich kann wohl am besten hier in einem Hotel unterkommen. Ich +heisse Harton, verstehst du, Doktor Harton aus Baltimore." + +Er sprach mit einem Gepaecktraeger; dann fuhren wir nach einem Hotel. + +Unterwegs fragte ich ihn: + +"Bist du gesund?" + +"Ja - oder auch nein - ach Gott, ich weiss es selbst nicht." + +Ich wollte Joachim erst Zeit lassen, sich zu waschen und ein wenig +auszuruhen, aber er noetigte mich bald mit auf sein Zimmer. Auf seinem +Reisekoffer sass er, den Mantel noch um die Schultern, und sprach mit +gepresster, etwas stossender Stimme: + +"Da bin ich nun doch hierhergekommen. Ich haette es nie fuer moeglich +gehalten. Aber als wir anfingen Briefe zu wechseln, verlor ich meine +Sicherheit - das Heimweh - das quaelende Heimweh ..." + +Ich trat ans Fenster und sah auf die Strasse. + +"Fritz!" + +Ich wandte mich ihm wieder zu. + +"Fritz, warum habt ihr eigentlich dieses Attentat - nun ja, ich muss schon +Attentat sagen, es hat mich ja ganz wehrlos gemacht - warum habt ihr +eigentlich diese Geschichte mit dem Tagebuch gemacht?" + +"Was fuer eine Geschichte mit dem Tagebuch?" + +"Nun, dass du mir durch diesen Mister Stefenson, der ja wohl mit dir +geschaeftlich verbunden ist, dein Tagebuch ueber Waltersburg hast schicken +lassen." + +"Ich dir mein - hast du denn mein Tagebuch geschickt erhalten?" + +"Ja, natuerlich. Nicht das Original, aber eine Maschinenabschrift." + +"Oh, dieser Mensch - dieser Stefenson!" + +"Weisst du gar nichts darum?" + +"Nichts! Gar nichts! Stefenson hat sich zwar mal meine kleinen +Aufzeichnungen entliehen; aber ich habe geglaubt, das geschehe nur aus +purer Neugier. Nun hat er eine Abschrift machen lassen und sie dir +geschickt." + +"Ja. Ich bekam die Blaetter im Juli. Ein Vierteljahr lang habe ich es +ausgehalten, sie ungelesen in einer Schublade zu verwahren; ich habe sie +manchmal verbrennen wollen, aber nicht den Mut dazu aufgebracht, und habe +sie endlich doch gelesen, taeglich wieder gelesen, bis meine Kraft alle +war, so dass ich notduerftig meine Angelegenheiten ordnete, und - und nun +eben da bin." + +"Das haben meine wenigen Aufzeichnungen zuwege gebracht?" fragte ich +verwundert. + +"Ja, du weisst nicht, was das heisst, keine Heimat mehr zu haben. Die +anderen Auswanderer finden ja doch mehr oder weniger alle eine neue +Heimat, neue Freunde, neue Kreise, in denen sie sich wohlfuehlen. Ich habe +nichts von alledem gesucht und bin ganz losgeloest von aller Wurzelerde +gewesen. Da ertrug ich dein Tagebuch nicht, nicht die Schilderungen von +dem alten Nest Waltersburg, nicht die Berichte ueber die Mutter, selbst die +Geschichten ueber das Spiessertum in der Heimat haben eine - nun ja, ich +gestehe es - eine rasende Sehnsucht nach Hause in mir angefacht. Und dann +auch das - auch das - aber lassen wir das!" + +Er hatte sagen wollen, das von dem Kinde, und brachte es nun nicht ueber +die Lippen. Vielleicht war das Kind die Hauptsache gewesen. Aber ich sah, +in wie schwerer Erregung der Mann schon war, und huetete mich, dieses +ernsteste Thema nun zur Sprache zu bringen. + +Joachim stand auf, ging ein paarmal schweigend durch die Stube, riss dann +ploetzlich den Mantel von den Schultern, warf ihn auf das Bett, dehnte sich +mit hochemporgestreckten Armen und sagte tief aufatmend: + +"Ach Gott, ich bin doch froh, dass ich hier bin." + +Wir reichten uns stumm die Haende. + +Dann sagte ich: + +"Nun, Joachim, wollen wir uns aber freuen und als Maenner beraten, was zu +tun ist." + +Er sah mich von der Seite an. + +"Du weisst wohl natuerlich auch nicht, dass mich Mister Stefenson als zweiten +Arzt fuer dein Sanatorium berufen hat?" + +"Hat er das?" + +"Ja, allerdings nur unter der Bedingung, dass mir deine Idee von den Ferien +vom Ich eingeht. Und sie geht mir ein, mein Junge; sie ist vernuenftig und +fruchtbar; ich gratuliere dir dazu!" + +Eine rote Welle schlug mir ins Gesicht. + +"Schoenen Dank, Joachim. Du weisst, wie sehr ich dich immer mir fuer +ueberlegen gehalten habe." + +Er winkte, schwermuetig den Kopf schuettelnd, ab. Dann setzte er sich mir +gegenueber und ergriff wieder meine Hand. + +"Sieh mal, Junge, dass du mich nun fuenf Jahre lang gesucht hast - das - nun +ja, es gibt eben Schulden, die sich nicht bezahlen lassen. Was nun aus mir +wird, weiss ich nicht. Ich will allen Starrsinn ablegen; ich will mich mal +ganz wieder von den Wellen der Heimat treiben lassen, ich will auch gutem +Rat zugaenglich sein. Aber ich moechte nicht erkannt werden; ich moechte +nicht, dass all der Schwatz und Klatsch - ach, lass uns die heilige Stunde +nicht durch schmutzige Erinnerung verderben. Wenn es moeglich waere, dass ich +als Doktor Harton aus Baltimore vor den Leuten gaelte, saehe ich mir gern +auf einige Zeit das Leben in der Heimat an. Da kam mir der Vorschlag +dieses kuriosen Mister Stefenson, als Arzt in eure Anstalt einzutreten, +ganz gelegen. Jeder legt dort seinen Namen ab, jeder lebt unerkannt seinen +Tag, jeder ist fern von dem gluecksfeindlichen Schwarm, der einem aus der +Vergangenheit nachdringt, kurz, lieber Fritz, ich moechte der erste sein, +der in deiner Zufluchtsstaette Ferien macht von seinem Ich." + +Beide Haende streckte ich dem Bruder entgegen. Wie ein offenbares Zeichen +himmlischen Segens fuer meine Gruendung stand der langvermisste Bruder vor +mir als erster und willkommenster Gast meines Ferienheims. Wie konnte sich +ein Glueck herrlicher fuegen! In dem ueberstroemenden Gefuehl des Augenblicks +sagte ich: + +"Joachim, du hast diese Stunde eine heilige genannt. Zuerne mir nicht, wenn +ich dich nun noch bitte: sprich auch ein einziges gutes Wort von der +kleinen Luise." + +Da wurde sein Gesicht finster. + +"Ich kann noch nicht - lass mir Zeit!" + +Und ich schwieg. Es wurde still in der Stube. Der Abend dunkelte durch die +Fenster. Allmaehlich aber kam die Unterhaltung wieder auf. Wir entwarfen +Plaene fuer die naechste Zukunft. + + * + +Als wir nach mehreren Stunden nach dem Speisesaal des Hotels kamen, sass +dort Mister Stefenson. Ich ging sofort auf ihn zu und sagte: + +"Mister Stefenson, das ist sicher: Sie sind einer der groessten Prachtkerle +der Welt. Da ist er - mein Bruder Joachim - den Sie heimgezaubert haben." + +Stefenson antwortete mir nicht, schuettelte aber dem Bruder herzlich die +Hand. + +"Das ist schoen, dass Sie gekommen sind. Hergezaubert habe ich Sie zwar +nicht; denn ein Mann wie Sie laesst sich nicht herzaubern. Aber dass Sie +gekommen sind und uns bei unserem Bau helfen wollen, ist ein Glueck; denn +Ihr Bruder hat zwar Phantasie und auch sonst brauchbare Eigenschaften, +aber im ganzen ist er ein Schwaermer." + +"Danke, Mister Stefenson!" + +"O bitte!" + +Wir setzten uns zusammen. Stefenson kam sofort aufs Geschaeftliche. + +"Sehen Sie, Doktor Harton, den ganzen Bau, wo wir die elektrischen Baeder, +ueberhaupt alle klinischen und medizinischen Einrichtungen unterbringen +wollen, habe ich trotz des Widerspruchs meines geehrten Kompagnons bis +jetzt nur in den Aussenumrissen fertiggestellt; die endgueltige innere +Einrichtung sollte bleiben, bis Sie kaemen; denn Sie haben in solchen +Dingen grosse Erfahrung, da Sie sich schon zweimal organisatorisch sehr +bewaehrt haben." + +"Woher wissen Sie das?" + +"Na, ich habe mich doch selbstverstaendlich in mehreren guten +Auskunftsbueros ueber Sie erkundigt. Wenn Sie nichts getaugt haetten, haette +ich mich doch auch nicht um Sie bemueht. Aber wir brauchen Sie! Deshalb +schickte ich Ihnen das Tagebuch." + +Veraergert fuhr ich den Kraemer an: + +"Sie haben also wieder nur ans Geschaeftliche gedacht?" + +"Na selbstverstaendlich, Sie verwundertes Unschuldslamm! Woran soll man +denken als ans Geschaeftliche, wenn man ein nicht gar zu schlechter +Kaufmann ist?" + +Joachim laechelte; mir aber stuerzte wieder einmal ein glaesernes Tempelchen +ein, in das ich meinen Goetzen Stefenson gesetzt hatte. + +Stefenson nahm nun meinen Bruder ganz in Anspruch. Er fragte ueber tausend +Dinge aus Amerika. Ich schwieg. Vielleicht war es ganz gut, dass der durch +die Heimkehr aeusserst aufgeregte Bruder zunaechst durch die trostlos +nuechternen Schwadronaden dieses Kaufmanns Stefenson abgelenkt wurde. + +Wir hatten schon Abendbrot gegessen, als sich Stefenson verabschiedete. Er +erzaehlte, er habe einen kleinen Neffen. Der Vater sei tot, die Mutter an +einen gefuehllosen Mann wieder verheiratet, der dem sechsjaehrigen Knaben +ein Stiefvater sei. Der Junge sei jetzt bei entfernten Verwandten in +Hamburg. Er wolle den Knaben, der Georg heisse, mal probeweise zu sich +nehmen; vielleicht, dass etwas aus ihm wuerde. Die Gruendung einer so neuen +Gemeinde mit allem ihrem Drum und Dran muesse ja auf einen Jungen einen +tiefen Eindruck machen und ihm fuers ganze Leben einige staehlerne +Geruestschienen in die Seele spannen. Nun wolle er also mit dem Nachtzug +reisen, und er haette es gern, wenn ich ihn zum Bahnhof begleitete, da er +wegen der Vertretung manches Geschaeftliche mit mir noch zu erledigen habe, +womit er den Bruder nicht langweilen wolle. Als wir auf der Strasse waren, +sagte Stefenson: "Nun will ich Ihnen was anvertrauen, damit Sie mir nicht +hinterher wieder aus dem Haeuschen fallen und alles verderben. Also, mein +kleiner Neffe, der Georg, ist naemlich gar kein Junge, sondern ein Maedchen +- er ist die kleine Luise." + +"Stefenson, Sie sind toll!" + +"Nein. Ich bin vernuenftig. Die kleine Luise muss Ferien von ihrem Ich +machen. Als Maedel ist es ihr hundsmiserabel gegangen, ausgenommen die +letzten dreiviertel Jahr, wo sie in dem Institut war, aber auch dort mehr +Strenge als Liebe, mehr Dressur als Erziehung genossen hat. Heraus soll +sie aus ihrer Haut, ein Junge werden, Courage kriegen, dieses Ducken +abgewoehnen, wenn eine Hand nach ihr fasst; nein, sich selbst 'rumhauen mit +Buben und Strassenboesewichten und immer bei mir sein und da eine gerechte +Behandlung haben." + +Ich ging neben dem sonderbaren Manne her, der so Seltsames und Grosses an +meinem Leben getan hatte, und versuchte nur, ihn wenigstens zum +Aufschieben seiner Idee zu bewegen. Er schlug es rund ab. + +Keine Gewalt der Erde, sagte er, werde ihn hindern, das Kind, das es in +dem Thueringer Institut viel zu schlecht habe, von dort zu entfernen und es +in der Tracht eines Knaben erst mal zur Lebensfreude und zum Bewusstsein +seiner Kraft und seines eigenen Wertes zu erziehen. + +Ich wusste, dass Mister Stefenson in die kleine Luise vernarrter war, als je +ein Vater oder Grossvater in ein Kind war. Allmonatlich war er unter +irgendeinem Vorwand einmal nach Thueringen verschwunden; das Maedchen hatte +sich an den Mann, den sie als ihren liebevollsten Freund erkannte, +jedenfalls dankbar angeschlossen, und dem alten Seehund, den +wahrscheinlich nie eine zaertliche Hand gestreichelt hatte, tat diese +Kindesliebe so wohl, dass er diesmal auf allen kaufmaennischen Vorteil +vergass und wie ein verliebter Narr handelte. + +Mochte er es tun! + +Stefenson reiste ab. + + ------------------------------------------------------- + +Wie hatte er gesagt? Keine Gewalt der Erde wird mich hindern, das Kind +zunaechst mal in der Tracht eines Knaben zu erziehen. + +Drei Tage nach Stefensons Abreise bekam ich einen Brief von ihm. + + + + + + +"Mein Lieber! Die Idee, Luise als Knaben zu kleiden, habe ich aufgegeben. +Denn sie will nicht. Sie heult, dass sie ein Junge werden soll. Auch die +Haare mag sie nicht abgeschnitten kriegen. Da ist nichts zu machen; Luise +bleibt ein Maedel. Hier lasse ich sie aber nicht; sie hat es viel zu +schlecht. Ich will mal sehen, dass ich das Kind zunaechst in Neustadt +unterbringen kann. Ich weiss da eine gute Familie, die mir den Gefallen +gegen Entschaedigung tun wird. Und ich kann dann die Erziehung taeglich +beaufsichtigen. Diskretion Ehrensache, namentlich gegen Ihren Bruder, der +mir fuer die Erziehung des nur ausserordentlich geschickt zu behandelnden +Kindes nicht geeignet erscheint. Wir kommen Montag mit irgendeinem Zug. Am +Bahnhof zu erwarten brauchen Sie uns nicht. + + Stefenson." + + + + + + + * + +Am naechsten Tage sollte ich Joachim zum Heimweg abholen und hatte +versprochen, vorher die Mutter zu unterrichten. + +Wir sassen beim Fruehstueck zusammen; ich versuchte ein paar Anlaeufe, brachte +aber die Botschaft nicht heraus. Die Mutter verwunderte sich sehr. Dann +machte ich einen Spaziergang durch die Stadt. Als ich zurueckkam, stand die +Mutter am Fenster und schaute wie so oft dem Sprudeln des Johannisbrunnens +zu. Die ersten Schneeflocken flogen durch die Luft und huellten den Platz +in traulichen weissen Schimmer; aber die Sehnsucht dieser Frau ging wieder +in die Weite, und sie sah nichts von der silbernen Pracht um sich her. + +Auch ich war jahrelang in der Fremde. Doch ich war ueberzeugt, die Mutter +hatte kaum einmal an mich gedacht, wenn sie an Joachim siebenmal dachte. +Ich ging an ihrer Tuer vorbei nach meinem Zimmer. Da sass ich, bis es hohe +Zeit war, nach Neustadt aufzubrechen, um zur verabredeten Stunde dort zu +sein. Endlich sagte ich mir, dass ich ein Geselle von kindischer Eifersucht +sei, und ging in das Zimmer der Mutter. + +"Ich habe dir etwas mitzuteilen, Mutter; erschrick nicht!" sagte ich, und +die nervoese Frau erschrak natuerlich aufs schwerste. + +"Es handelt sich um Joachim!" + +"Um Gottes willen - ist ihm etwas passiert - ist er in Not - willst du zu +ihm fahren?" + +Ich musste laecheln. Zu ihm fahren! - Dass ich damit mein Lebenswerk +aufgegeben haette, daran dachte die Mutter nicht. + +"Es ist nichts Schlimmes, Mutter; es ist etwas Gutes, was ich dir von +Joachim zu sagen habe." + +"Sage es mir, Fritz, will er - will er nach Hause kommen?" + +"Ja, er kommt schon heute." + +Da stiess sie einen Schrei aus, dann weinte sie laut, schlug in die +Haendchen, rannte durchs Zimmer und sprach laute Dankesworte zu Gott, der +ihr das groesste Glueck beschieden habe, das es fuer sie gebe. Als sie etwas +ruhiger wurde, fragte sie: + +"Und er ist ganz von selbst gekommen, oder hast du ihm noch einmal +geschrieben, dass er kommen soll?" + +Ich schuettelte den Kopf. + +"Ganz von selbst gekommen", sagte sie selig; "der treue Sohn!" + +In trockenem Tone entgegnete ich: + +"Mutter, es wird lange dauern, ehe ich mit Joachim eintreffe, den ich in +Neustadt abhole. Erst in der Daemmerung kommen wir. Inzwischen rege dich +nicht allzusehr auf und vergiss nicht, deinen Baldriantee zu trinken." + +Das nahm sie ungnaedig auf. + +"Baldriantee - wie kannst du jetzt von so etwas reden. Ich werde natuerlich +mit nach Neustadt fahren." + +"Nein, Mutter; Joachim wird nur unter der Bedingung hier leben, dass er von +den Leuten nicht erkannt wird. Deshalb wird er als Arzt in meine +Kuranstalt eintreten." + +"Und nicht bei mir wohnen?" + +"Nein, er wird im Ferienheim wohnen." + +"O - o du nimmst ihn mir?" + +"Ich nehme ihn dir nicht -", entgegnete ich unwillig; "mache mit Joachim +selbst ab, wie ihr es halten wollt; ich werde mich da nicht einmischen." + +Ich ging verdrossen meines Weges. Aber draussen im Winterwalde wurde mein +Herz wieder warm; ich war gluecklich. Immer, wenn ich mich gluecklich fuehle, +habe ich Lust, etwas Gutes zu tun. Heute fiel mir nichts anderes ein, als +dass ich bald eine Anzahl von Futterplaetzen und Nistkaesten fuer die Voegel in +meinem Ferienheim anbringen wuerde, auch auf die Gefahr hin, als Gaeste +lauter Sperlinge zu mir zu ziehen. + +Die Mutter! - Nun wuerde sie wohl das Haus von unterst zuoberst kehren und +alle Leckerbissen bereiten, die sie auftreiben konnte. Wahrscheinlich +wuerde sie meine beiden geraeumigen Zimmer fuer Joachim einrichten und mich +nach der Giebelstube umquartieren. Ich war schon wieder eifersuechtig und +voll haesslichen Misstrauens, und es fiel mir ein, dass es besser waere, sich +auf Mutter und Bruder zu besinnen, wenn man was Gutes tun will, als auf +die Spatzen ... + +Es lag dichter Nebel auf der Chaussee, als ich mit Joachim heimging. Nicht +einmal die Kuppe des Weihnachtsberges war zu erkennen. Die Heimat hatte +ihr Haupt verhuellt wie eine schmollende Frau. Und Joachim ging stumm und +betreten neben mir her, fast wie ein Suender. Er war auch ein solcher; denn +er hatte sein Herz verhaertet, und alle Herzensverhaertung ist Suende. + + "Ein Wanderbursch mit dem Stab in der Hand + Kommt wieder heim aus fremdem Land. + Sein Haar ist bestaubt, sein Antlitz verbrannt, + Von wem wird der Bursch wohl zuerst erkannt?" + +Es war ganz, wie es Vogl in seinem alten, huebschen Gedichte schildert: die +Leute kannten Joachim nicht mehr. Er war schon in seinen letzten +Studentenjahren selten zu Hause gewesen, als verheirateter Mann fast gar +nicht, und dann kamen die Auslandsjahre, da sein Kopfhaar duenn und sein +Bart dicht wurde und die Zeit die grosse Retouche an seinem Gesicht vollzog +- er war ein anderer geworden. + +In sieben Jahren soll sich der Koerper des Menschen ganz erneuern. So +wanderte jetzt kein Atom dessen mehr nach der Heimat zurueck, was vor +sieben Jahren auszog. Haette Joachim keine Seele gehabt, so waere wirklich +ein ganz fremder, ein ganz anderer Mensch nach Hause gekommen. Dem Baecker +Schiebulke begegneten wir. Er war Joachims Angelkamerad gewesen. Jetzt +fuehlte er sich geehrt, dass ich ihn auf der Strasse anhielt, und eilte gewiss +alsbald ins naechste Gasthaus mit der Kunde, dass ein Dr. Harton aus Neuyork +angekommen sei als zweiter Arzt fuer das Ferienheim, und es muessten doch +schon massenhaft Kurgaeste angemeldet sein, wenn man schon einen zweiten +Arzt brauche. + +Auch der alte Sanitaetsrat lief uns in den Weg. Er war zwar nicht gut auf +mich zu sprechen, aber er ging doch nicht an uns vorbei und begruesste den +"Herrn Kollegen von drueben", den ich ihm vorstellte. + +Auch die Frau Provisor, von der erzaehlt wurde, sie haette, als sich Joachim +verlobte, mit negativem Erfolg zwei Schachteln schwedische Streichhoelzer +abgelutscht, um ihr gebrochenes Herz zum Schweigen zu bringen, sah den +ehemals Heissbegehrten jetzt nur neugierig an und ging vorueber. + +So naeherten wir uns dem Johannisplatz. Joachims Schritte wurden kleiner +und langsamer, sein Stock stampfte hart auf das Pflaster. Irgendwo stand +wohl jetzt der Mond; denn der Nebel ueber dem Johannisplatz war +durchsichtig und silberhell. + +"Der alte Brunnen!" sagte Joachim leise; "es ist merkwuerdig, dass meine +Gedanken meist um den alten Brunnen gingen, wenn ich an die Heimat +dachte." + +Nun naeherten wir uns dem Vaterhause und standen am Brunnenrand; da blickte +wirklich wie in alten Kindertagen die Mutter auf uns herab. + +Joachim stuetzte sich auf das Gemaeuer, und weisse Tropfen aus der Schale +Baptistas besprengten seine Hand wie mit einem Weihwasser, ehe er in das +Heiligtum seines Vaterhauses eintrat. + +Ich stieg mit ihm die Treppe hinauf und oeffnete nach leisem Klopfen die +Tuer zur Mutter. + +Ich sah noch, wie beide mit leisem Aufschluchzen die Arme ausbreiteten, +schloss die Tuer und blieb draussen. + + + + + + WEIHNACHTEN + + +Stefenson ist an dem von ihm angegebenen Tage nach Hause gekommen. Auf +meine Frage nach der kleinen Luise entgegnete er grob, ich solle mich +nicht in seine Privatangelegenheiten mischen; haette ich mich frueher nicht +um das Kind gekuemmert, wo es das Maedel noetig gehabt haette, so sei meine +Anteilnahme jetzt voellig ueberfluessig. Das gleiche koenne er auch nur mit +Bezug auf meinen Bruder sagen; er haette sich jetzt schon Vorwuerfe ueber +dessen Berufung gemacht. Da koennten bloss Schwierigkeiten entstehen. + +"Mister Stefenson", sagte ich, "Sie benehmen sich wie ein Drache, der die +verwunschene Jungfrau behuetet." + +"Drache hin, Drache her; ich geb' sie nicht heraus", knurrte er. + +"Das sollen Sie ja gar nicht; wir ueberlassen Ihnen ja das Kind." + +"Wirklich?" + +"Wirklich!" + +"Na, dann ist es gut!" + + ------------------------------------------------------- + +Stefenson hat die Waltersburger zu einem Festabend im grossen Theatersaal +des neuen Rathauses berufen (der Name Rathaus ist beibehalten worden, +obwohl wir keinen eigenen Buergermeister haben werden). Dieser Theatersaal +ist Hals ueber Kopf fertiggestellt worden. Er koennte schoener sein. Aber er +ist geraeumig, und die Akustik ist gut. Auch ist eine huebsche +Liebhaberbuehne da. Sonst sieht es im Rathaus noch sehr wild aus, und es +gehoerte viel Tannenreisig dazu, um die unfertigen Waende, Kalkkuebel und +Schutthaufen zu maskieren, die in der Naehe des Treppenhauses einen +unschoenen Anblick bieten. + +Der Lehrer Herder hat ein Melodram geschaffen. Der Mann dichtet, +komponiert und malt. Ueber braven Dilettantismus geht es bei Herder +nirgends hinaus, aber er schafft fuer den Hausbedarf brauchbare, gefaellige +Saechelchen. + +Die Einladung ist wieder an alle Volkskreise ergangen nach dem Noahrezept: +"Von jeder Art zwei Paerchen." Dazu sind alle Kinder geladen, die zum +grossen Teil bei dem Melodram mitspielen. Die Tatsache, dass die Kleinen auf +Stefensons Kosten die Gewaender geliefert erhielten, die zu ihren Rollen +gehoeren, hat dem Spender vollends die Sympathie der Stadt verschafft. + +Der Festsaal war denn auch beaengstigend voll - zugleich fuer Joachim die +grosse Probe, ob er erkannt werden wuerde oder nicht. + +Er wurde nicht erkannt. Die Leute betrachteten ihn mit der Neugier, die +dem ueberseeischen Arzt galt, von dessen Ankunft sie alsbald mit der +glaeubigen deutschen Auslaenderverehrung gesagt hatten, nun muesse es +wirklich eine gute Kuranstalt werden, da sogar ein amerikanischer Arzt +mittue. Von der Zeit an schienen den Waltersburgern die Neustaedter +geschlagen; denn Neustadt hatte nur deutsche Aerzte. + +Ich besuchte diese harmlose Weihnachtsfeier mit erregtem Herzen. Einige +Tage vor dem Festabend war mir Herder begegnet und hatte mir mitgeteilt, +dass nun in seinem Melodram sogar die eigene Nichte von Herrn Stefenson +eine Hauptrolle uebernehmen und ein kleines Liedchen singen wuerde. Ich +verbarg muehsam meinen Schrecken. + +Herder erzaehlte weiter: + +"Ich habe mit der Kleinen - die Leute sagen, es sei die Tochter des +amerikanischen Petroleumkoenigs - eine Probe gemacht. Sie hat eine +allerliebste Stimme, aber sie erscheint etwas schuechtern." + +Ich verabschiedete mich und ging sofort zu Mister Stefenson. + +"Es ist unerhoert ..." + +Er wusste augenblicklich, was ich meinte. + +"Gar nichts ist unerhoert", unterbrach er mich rauh. "Die Nichte von Mister +Stefenson kann auftreten und singen, wo sie will. Sie muss auftreten, sie +muss ihre Schuechternheit ueberwinden. He, Sie scheinen mir ein schoener +Psychologe zu sein, wenn Sie solche Momente ausser acht lassen wollen." + +Was hatte es fuer Zweck, sich mit diesem Manne zu zanken? Nun musste eben +durchgehalten werden ... + +Die Mutter sass mit Joachim, mir und Stefenson in einer Seitenloge, nahe an +der Buehne. Ich sah und hoerte kaum etwas von dem Melodram, von dem Gewimmel +von Zwergen, Kobolden, Nussknackern, Pfefferkuchenmaennlein, Tiergestalten, +Besenbinderbuben und all den Mannschaften, die zum ueblichen +Weihnachtsstueck gehoeren; ich wartete mit Herzklopfen auf den +Weihnachtsengel, als dessen Darstellerin Miss Stefenson aus Chikago auf dem +riesigen roten Theaterzettel angegeben war. Nun war nur noch das letzte +"Bild" uebrig, nun musste Luise auftreten und damit die Entscheidung kommen. + +Der Vorhang hob sich. - Eine Bethlehemsgrotte. Die heilige Mutter mit +ihrem Kind, Joseph, die Hirten, die drei Koenige; rings in Anbetung +versunken knieten Zwerge, Besenbinder, Pfefferkuchenmaennlein. Es war alles +in halber Nacht, nur von einem mattroten Schein erhellt. + +Da erschien ploetzlich ein Licht ueber der Grotte, ein wunderschoenes +Engelein trat in den hellen Schein und sang mit zittrigem Silberstimmchen: + + "Vom Himmel hoch, da komm ich her + Und bring euch allen frohe Maer: + Geboren ist in Davids Stadt + Er, der des Lebens Fuelle hat." + +Die Mutter sass wie starr. Einmal tastete ihre Hand nach der meinen und +drueckte sie in kurzem, heftigem Erschrecken. Dann war sie regungslos. Die +ganze Gemeinde sass in Andacht. + +Joachim war ganz gleichmuetig. Als der Vorhang gefallen war, sagte er: + +"Mister Stefenson, Ihre Nichte ist ein reizendes Kind!" + + ------------------------------------------------------- + +Die Mutter wollte sofort nach Hause. Ich begleitete sie. Wir gingen stumm +in dem Menschenstrom. Erst als wir daheim angelangt waren und die Lampe +angezuendet hatten, sah mich die Mutter voller Angst an. + +"Fritz - das Kind - dieses Kind ..." + +Ich sah ihr ernst in die Augen und schwieg. + +"Fritz - sage mir - ist es - ist es? ..." + +"Ja. Es ist Luise." + +Da sank sie auf das Sofa und verbarg den Kopf. Ich trat zu ihr. Nicht ohne +Bitterkeit sagte ich: + +"Mutter, du brauchst dich nicht zu aengstigen, das Kind wird dir nie +Ungelegenheiten machen; es ist in Mister Stefensons Pflege gut +aufgehoben." + +So wollte ich gehen. Aber ich brachte es doch nicht fertig. Ich blieb am +Tische sitzen. Nach langer Zeit, in der nichts zu hoeren war als das leise +Singen der Lampe und der Schlag unserer Standuhr, stuetzte die Mutter den +Kopf auf den Tisch und sagte muede: + +"Das Kind ist Joachim aehnlicher, als er sich jetzt selbst ist!" + +Nach einem Weilchen meinte sie: + +"Es wird wohl keine Moeglichkeit geben, dass ich das Kind zu mir nehme?" + +"Nein, Mutter, es gibt keine solche Moeglichkeit mehr!" Damit ging ich nach +meinem Zimmer. + + + + + + FUeGUNG ...! + + +Joachim wohnt jetzt in der Lindenherberge, wo schon einige Zimmer +fertiggestellt sind und auch der Kuechenbetrieb schon im Gange ist. Im +Rathaus gegenueber haust Stefenson. Er hat seine Arbeitstaetigkeit noch +vermehrt und, wie er mir sagte, keine Zeit mehr, Luises willen taeglich +nach Neustadt zu fahren und sich um das "Gaenschen" zu kuemmern. So wolle er +das Maedel lieber zu sich nehmen. Das sei ihm zwar sehr stoerend, aber was +wolle er machen? Er haette auch gefunden, dass die Pflegeeltern in Neustadt +die Sache mit Luise nicht recht verstaenden. Ich grunzte. Sonst sagte ich +nichts ... + +Die weitere Ausgestaltung unserer Riesenanstalt schritt mit groesster +Schnelligkeit vor sich. Da sagte Mister Stefenson eines Tages zu mir: + +"Und nun, mein Lieber, ist es die allerhoechste Zeit, dass wir an die +Bauernrequirierung gehen. Zehn Hoefe sind fast fertig, das Vieh ist rasch +zu beschaffen, ebenso die Haus- und Ackergeraete, aber das Bauernvolk, das +uns einpasst, das will gesucht sein. Ich hatte anfangs an Agenten gedacht, +aber das ist nichts; die gehen bloss auf ihre Provision aus und schicken +uns Schinder und Plunder auf den Hals. Haben Sie also die Freundlichkeit, +sich in einen Vieh- oder Getreidehaendler oder, wenn Ihnen das besser +liegt, in einen Guetermakler zu verwandeln und mich morgen auf der +Bauernsuche zu begleiten." + +Nun, diese Aufgabe passte mir, zumal ich Stefenson bereit fand, unser Glueck +zunaechst in Schlesien zu probieren. Ich bestimmte die Ausruestung. +Schaftstiefel, englische Lederhosen, eine Joppe aus grauem Tuch mit +Hirschhornknoepfen und gruener Tascheneinfassung, ein Vorhemd ohne Schlips, +ein seidenes Tuechlein um den Hals, eine Lodenmuetze, das war meine +Ausruestung. Solcher Kleidung bringen die Bauern Zutrauen entgegen, da +vermuten sie keine verkniffenen Staedter, keine "Juden oder +Winkeladvokaten", die sie uebers Ohr hauen wollen. + +Es waere alles gut gewesen, wenn nicht Stefenson am naechsten Morgen, als +die Reise losgehen sollte, die kleine Luise mitgebracht haette. + +Ich schlug Skandal. Was er sich einbilde, ein so kleines Kind auf so lange +Reise mitzuschleppen? Ob er denn nicht bedaechte, dass uns das Maedel nur +stoeren und aufhalten wuerde? Es war alles umsonst; Luise fuhr mit. + +"Pappa hat mehr zu sagen als der Onkel", sagte die Kleine mit einem Anflug +von schnippischem Ton. + +"Sie macht sich heraus; sie faengt an, Courage zu kriegen", sagte der +"Pappa" anerkennend. + + ------------------------------------------------------- + +Auf einer groesseren Station stiegen wir waehrend des Zugaufenthaltes aus, um +dem Kinde Orangen zu kaufen. Noch als wir am Stande des Obsthaendlers +waren, naeherte sich uns eiligen Schrittes eine Frau. Sie starrte erst mich +an, dann das Kind, fasste es blitzschnell an der Hand, riss es an sich und +kuesste es wie rasend. + +Das Maedel schrie erschrocken auf, Stefenson sagte betroffen: "Aber Madame, +was tun Sie?", und ich wand der Frau das Kind aus den Armen. Neugierige +Leute eilten herbei; es gab gewaltiges Aufsehen. + +"Zurueck in den Wagen!" rief ich Stefenson zu, der mir verwirrt folgte. +Bald sassen wir im Abteil, und die Tuer flog zu. + +Draussen schrie eine gellende Stimme: + +"Es ist mein Kind - es ist mein Kind - lasst mich zu meinem Kinde! Luise! +Luise!" + +Die Leute hielten die Frau, die sich verzweifelt wehrte, an den Armen +fest; der aufsichtfuehrende Beamte eilte an unser Abteil und begehrte +Auskunft. Ich stieg aus, stellte mich vor und sprach einige aufklaerende +Saetze. Zuletzt sagte ich: + +"Herr Vorsteher, fragen Sie die Frau, ob sie gesetzlichen Anspruch auf +dieses Kind habe!" + +Er entfernte sich, ging zu der Frau, wies alle Leute beiseite und sprach +leise auf sie ein. Sie stand tiefgesenkten Hauptes mit herabhaengenden +Armen, heftig schluchzend vor ihm. Nun tat er wohl die Frage: "Haben Sie +einen gesetzlichen Anspruch auf jenes Maedchen?" + +Da schuettelte sie den Kopf. Ein Blick voll Wehes traf noch unser +Wagenfenster, dann verliess die Frau den Bahnhof. + +"Wer war die boese Frau?" fragte Luise veraengstigt. + +"Eine Verrueckte", sagte Stefenson rauh. + +"Wird sie nie wieder zu mir kommen?" + +"Nein, nie wieder!" + +Wie lange doch der Aufenthalt noch waehrte! Die Leute spazierten draussen +und gafften neugierig nach unserem Fenster. Ich zog den Vorhang vor. +Endlich setzte sich der Zug langsam wieder in Bewegung. Aber kaum hatte er +den Bahnhof verlassen und fuhr noch nicht mit voller Geschwindigkeit, da +gab es einen gewaltigen Ruck und Stoss, und der Zug stand. + +Ich riss das Fenster auf. Von der Lokomotive sprang der Heizer ab, +Schaffner eilten den Bahnsteig entlang - ein Schaffner kam zurueck und gab +uns Auskunft ... + +Ueber das Feld rannte jene Frau ... + +Das Weib hatte sich dicht hinter dem Bahnhof auf die Schienen geworfen, +und der Lokomotivfuehrer hatte den Zug noch rechtzeitig zum Stehen +gebracht. + +Luise war auf die Sitzbank geklettert und schaute durchs Fenster. + +"Da rennt sie - da rennt die boese Frau!" rief das Kind. + +"Lass das verrueckte Weib!" knirschte Stefenson. + +Wir fuhren weiter. Grauer Nebel zog ueber die Fluren, frierende Voegel sassen +auf den Telegraphendraehten, alles, was draussen war, fror, die Baeume und +die Berge, die Tiere und die Menschen. + +Die eine irrte nun allein mit dem aufgeschreckten Weh verschmaehter +Mutterliebe im Herzen durch die kalte Flur, das Kind hatte sich vor ihr +entsetzt, und selbst der Tod hatte sie verschmaeht. + +Stefenson sass finster in seiner Ecke. + +Das Kind begann wieder zu sprechen. + +"Alle verrueckten Menschen sind sehr boese." + +Da brummte sie Stefenson an: + +"Das kann man nicht sagen, du Gaenschen! Manche Menschen koennen nicht mal +richtig dafuer, dass sie verrueckt sind." + +"Wieso nicht?" + +"Das verstehst du nicht. Das versteht selbst unter den grossen Menschen von +Tausenden kaum einer richtig." + +"Du hast aber gesagt, sie ist verrueckt, und du hast es boese gesagt", +verharrte das Kind. + +"Dann habe ich eben eine Dummheit gesagt. Denn ich kenne die Frau nicht +und kann daher auch nicht wissen, ob sie verrueckt oder boese ist." + +"Boese ist sie", wiederholte Luise; "denn sie hat mich sehr gequetscht und +mich auch in die Wange gebissen. Sie soll nicht wiederkommen." + +Grau rann der Regen ueber das Wagenfenster. + +All unsere frohe Laune war dahin. Schwache, gedrueckte Menschen, sassen wir +da im Zuge, der uns schnell davonfuehrte und eine grosse Strecke zwischen +uns und die Suenderin legte, die uns gestoert hatte in unserer +Behaglichkeit, und die wir daher nicht rasch und rauh genug abschuetteln +konnten. + +Der goettliche Freund Mariens von Magdala fiel mir ein. Wie haette er wohl +gehandelt in meinem Falle? Haette er die Arme beiseitegestossen, sich einen +Beamten kommen lassen und sich hinter "gesetzliches Recht" verschanzt? +Waere er dann weitergefahren, fast hinweg ueber den zuckenden Leib, und +haette er der Fliehenden nachgeschaut vom sicheren Fenster aus, mit +hochmuetigem Abscheu in der Seele? Oder waere ihr der Meister nachgegangen, +haette sie an der Hand genommen und ihr, wenn sie guten Willens war, ein +Zweiglein vom verlorenen Mutterkranz wieder versprochen, ihr ein klein +wenig goldene Kindesliebe fuer die Zukunft verheissen? + +Ferien vom Ich! + +Ich werde mich vor allen Dingen erloesen muessen von allem kalten Hochmut +des Herzens und allem auch noch so "gesetzmaessigen" Zurueckstossen der +Schwachen und Schuldigen ... + + + + + + BAUERNANWERBUNG + + +In S. mieteten wir einen Wagen und ein Pferd und machten ein paar +ergebnislose Besuche auf den umliegenden Doerfern. Wie die Werber fuer eine +Freiwilligenlegion kamen wir uns vor. Auf der Landstrasse trafen wir aber +eines Tages ein Baeuerlein, das in einem grossen bunten Taschentuch +allerhand Waren eingepackt trug, die es wohl auf dem Markte erstanden +hatte. + +Ich schaute den Bauern pruefend an. Er hatte ein offenes, nicht unkluges +Gesicht. Und der Mann ging zu Fuss und trug sein kleines Paket. Das war +einer fuer uns. An die reichen schlesischen Bauern konnten wir uns nicht +wenden, die haetten uns ausgelacht mit unserem Pachtangebote. Kleine +Landwirte mussten es sein, die auf ihrer engen Scholle ein kuemmerliches +Leben fuehrten und froh waren, in eine gute Pachtung zu kommen. + +Stefenson hielt das Pferd an. + +"Wollen Sie mitfahren?" + +"Nee!" antwortete der Bauer. + +"Warum denn nicht?" + +Das Baeuerlein wies auf unseren lahmen Mietsgaul. + +"Der Schimmel zieht mich nich; ich wieg' 'n Zentner!" + +"Sie haben wohl schoenere Pferde?" + +"Nee, ich hab bloss drei Zugkuehe. Aber su schnell wie der Schimmel traben +se ooch." + +"Hoeren Sie mal, Gevatter", sagte ich, "Sie foppen uns. Das Pferd hat viel +Geld gekostet." + +Er meckerte. + +"Na, da musst ihr schoene tumme Kerle sein." + +Lachend ging er neben unserem Wagen her, und wir fragten ihn ein wenig +ueber die Gegend aus. Bald kam ein Strassengasthaus, und ich lud den Bauern +ein, mit uns einzukehren und ein Glas mit uns zu trinken. + +"Nu", sagte er, "das kann ich schon. Aber ich sag's Ihn' gleich ehrlich: +zu holen is bei mir nischt. Wuerfeln tu ich nich, und billig zu verkoofen +hab ich ooch nischt! Keene Kuh, kee Schwein, kee Getreide und ooch keene +alten Schraenke und zinnernen Teller." + +"Warum vermuten Sie denn, dass wir Ihnen was abschachern wollen?" + +"Ja, da muesst man doch euch Stadtjuden nich kenn'. Umsunst gebt ihr doch +eenem fremden Bauer keen Schnaps zum besten." + +"Da haben Sie ganz recht", sagte Stefenson; "wir wollen etwas von Ihnen. +Wir wollen _alles_ von Ihnen: Ihre Wirtschaft, Ihre Kuehe, Schweine und +Huehner und sogar Sie selber und Ihre Frau und Ihre Kinder." + +Der Bauer brach in helles Gelaechter aus. + +"Hatt' ich mir's doch gleich gedacht, dass Sie der Menschenfresser sind." + +"Also den nehmen wir bestimmt!" sagte Stefenson zu mir, wie wenn eine Ware +zum Verkauf staende. + +"Mich nehmen Sie?" vergnuegte sich der Bauer. "Sie sein ja der ulkigste +Kerle von der Welt." + +Stefenson zog die Stirne kraus. Drinnen setzte er sich dem Baeuerlein an +dem rohen Tisch der Schankstube gegenueber, nahm ein Notizbuch heraus und +sagte: + +"Wie heissen Sie?" + +"Ich? - Mit'm Familiennam' su wie mei Vater und mit'm Vornamen wie +Napoleon." + +"Mensch, wie heissen Sie! Ich muss das wissen. Es handelt sich um eine +Angelegenheit, die fuer Sie wichtiger ist als fuer uns. Sie werden schon +alles erfahren. Also, wie heissen Sie?" + +"Wie heissen _Sie_ denn?" fragte der Bauer zurueck. Stefenson wurde +ungeduldig. + +"Wenn Sie es denn wissen muessen - ich bin Mister Stefenson aus Amerika, +ein sehr reicher Mann." + +"Da koenn' Se lachen! Deswegen haben Se wahrscheinlich ooch so'n scheenes +Pferd." + +"Dummer Kerl!" sagte Stefenson verdrossen und stand auf. + +Der Bauer lachte. + +"Nu hat a sich erst richtig vorgestellt, und nu steht er auf." + +Es war Zeit, dass ich mich ins Mittel legte. Der Mann musste wissen, um was +es sich handelte, sonst war mit ihm nicht zu reden. Freilich war es nicht +leicht, so einer naiven Haut die Idee von den Ferien vom Ich klarzumachen. +Ich versuchte das auf folgende Weise: + +"He, lieber Freund, haben Sie schon irgendmal einen Staedter kennengelernt, +der richtig arbeitet?" + +"Nee. Die Staedter sein olles faule Luder. Se koenn' Heringe oder Leinwand +oder Pillen verkoofen oder in a Stuben sitzen und kritzeln, aber arbeiten +koenn' se nicht. Se schlafen ja olle bis um sieben." + +"Da haben Sie recht. Und glauben Sie, dass so ein Leben, wie es die Staedter +fuehren, gesund ist?" + +"Miserablig ungesund is es! Se sehn ju olle aus wie Quargschnitten, und +Kraefte ham se nich die Spur. Se verfauln reeneweg." + +"Bravo! Was Arbeit ist und was Gesundheit ist, weiss nur der Bauer. Nun +wissen Sie aber, es gibt Badeorte, Kuranstalten." + +"Jawohl. Da gehn die allerfaulsten Ludersch hin; die Kranken pflegen sich +lieber zu Hause." + +"Schoen. Sie sind ein heller Kopf. Sie begreifen mich vollstaendig. Wenn man +nun aber einen Kurort machte, wo keine feinen Villen und Hotels sind, +nein, wo lauter Bauernhoefe waeren und wo die Staedter, die eine Kur machen +wollen, mal auf dem Hofe oder auf dem Felde feste zugreifen und arbeiten +muessten, das wuerde doch den Schlingeln gesund sein - nicht wahr?" + +"Gesund schon! Aber das faule Kroppzeug wird sich schoen hueten und +arbeiten. Wenn se aufs Dorf komm'n, saufen se einem bloss die gute Milch +weg und fressen die scheensten Birn' von a Baeumen. Sonst tun se nischt." + +"Doch, doch, Herr Nachbar! Es wird schon Leute geben, die das Leben in der +Stadt mal satt haben und durch die Arbeit auf dem Felde gesuender werden +wollen. Das ist eine gute Idee, die hat ein Doktor ausgeknobelt." + +"Die Doktors verstehn alle nischt, die Schaefer sind klueger." + +"Das mag wohl sein; aber der Doktor, der das ausgeknobelt hat, der +versteht schon seine Sache. Sehn Sie, kurz heraus: es soll eine Kuranstalt +gemacht werden, die hat vierzig Bauernhoefe, und auf allen Hoefen sollen die +Kurgaeste arbeiten. Und der Mann, der jene Anstalt gruendet, ist eben jener +Herr dort." + +"Der? - Vierzig Bauernhoefe? - Se sind wohl nicht recht bei sich?" + +"Doch - doch - ich werd' Sie doch nicht beluegen." + +"Wie heisst er? Mister? Mister - Ausmister!" + +Er lachte ueber seinen Witz. + +"Mister bedeutet 'Herr'. Weil er eben ein Amerikaner ist." + +Da erhob sich der Bauer. Er rief Stefenson an, der an einem anderen Tisch +der kleinen Luise eine Schinkenstulle zerteilte. + +"Sie, Herr Mister, komm'n Se mal her! Zeigen Se mal Ihr Portemonnaie!" + +Ich zwinkerte Stefenson zu, den Wunsch zu erfuellen. Stefenson warf +schweigend seine dicke Brieftasche auf den Tisch. + +"Bitte!" sagte er phlegmatisch. + +Der Bauer ruehrte sich nicht. + +"Na, nu kucken Sie mal nach, was drin ist!" ermunterte ich ihn. + +"Ich werd' mich schoen hueten; nachher sagen Se, es fehlt was!" + +Misstrauisch wie ein alter Fuchs vor der Falle, so sass der Bauer vor der +Brieftasche. Da schlug ich die Tasche auf und entnahm ihr blaue und braune +Schaetze. Der Bauer schaute wie in ein Wunderland von Reichtum. Aber er +rueckte beiseite. + +"Wenn Se su reiche Herr'n sind, warum setzen Se sich da zu mir armen +Schlucker? Zum Ausstoppen bin ich mir viel zu schade." + +Ich gab die Brieftasche an Stefenson zurueck und redete dem neuen Freunde +gut zu. Ich erklaerte ihm genau, was wir mit ihm vorhaetten, wie er als +Paechter auf einen unserer Hoefe ziehen solle, wie wir ihm die guenstigsten +Bedingungen einraeumen und ihm seine eigene Wirtschaft zu gutem Preise +abkaufen wuerden, falls er sie nicht anderweit guenstig los wuerde. Wie ein +Koenig solle er auf seinem Gute hausen. Die Kurgaeste sollten unter seiner +Leitung arbeiten und sich an seiner guten Laune erfreuen. Ich kriegte +heraus, dass der Bauer Emil Barthel hiess, noch nicht ganz fuenfzig Jahre alt +war, ein gesundes Eheweib, namens Susanne, sowie zwei kraeftige Soehne und +zwei Toechter besass, dass von den vier Kindern aber drei auswaerts in Dienst +standen, da er sie auf seiner kleinen Wirtschaft nicht beschaeftigen und +ernaehren konnte. + +"Na, sehen Sie, Barthel, es waere doch schoen, wenn Sie alle Ihre Kinder bei +sich haben und ganz fuer sich arbeiten koennten. Da waere doch auch was +zurueckzulegen." + +Er sass nachdenklich da. + +"Stoppen Se mich wirklich nich aus?" + +"Ich denke nicht daran." + +"Wie kommen Se denn gerade auf mich?" + +"Na, wir haben Sie eben getroffen, und Sie gefallen uns." + +"Dabei bin ich doch dem Herrn Mister grob gekommen." + +"Das schadet nichts. Den Kurgaesten werden Sie auch manchmal grob kommen +muessen. Das gehoert zur Kur." + +"Sind Sie auch so eener, der dort Bauer wird?" + +"Nein, ich bin der Doktor, der alles ausgetiftelt hat." + +"'n Doktor sind Se? So sehn Se aber nich aus!" + +"Hm! Nun, so ein Doktor wie die andern bin ich auch nicht. Mehr so 'n +halber Schaefer." + +"Oh, das waer nich schlecht! Aber ich glaub's nich; ich kann's nich +glauben!" + +Ich zog einen Umschlag mit Photographien aus der Tasche. + +"Jetzt werd' ich Ihnen mal Bilder von unseren Hoefen zeigen. Da - das ist +ein Wohnhaus." + +"Das? - Das is ja 'n Schloss!" + +"Ja, wir haben schoene Wohnhaeuser. Sie sollen ja mit Ihrer Familie nicht +allein in dem Hause wohnen; es sollen ja auch noch zwanzig Kurgaeste drin +Platz haben." + +"Dunnerwetter!" + +"Und das ist die grosse Wohnstube, und so sieht der Kuhstall aus und so die +Scheuer." + +Er atmete schwer. + +"Wie gross ist denn die Wirtschaft?" + +"Hundert Morgen." + +Da verduesterte sich seine Stirn. + +"Warum halten Sie mich denn zum Affen? So 'ne grosse Sache kann ich doch +nich pachten; da gehoert doch Geld dazu." + +"Gar kein Geld! Nur, dass Sie fleissig sind und alles gut in Ordnung halten. +Wir werden ebenso auf unsere Rechnung kommen wie Sie; denn, sehen Sie, die +Aecker rentieren sich doch, und was die Wirtschaft nicht bringt, bringen +die Kurgaeste." + +"Nu ja, die werd'n ja ueberall behumpst." + +Der Mann betrachtete mich wie einen Zauberer, der Maerchendinge vor ihm +ausbreitete. Zuletzt erklaerte er sich bereit, mit uns nach seinem Dorfe zu +fahren und mit seiner Susanne Ruecksprache zu nehmen. + +Unterwegs sprach ich noch viel auf Emil Barthel ein. Er antwortete fast +nicht mehr. Vor seiner kleinen Wirtschaft hielten wir. Das Wohnhaus hatte +nur ein Erdgeschoss mit hohem Dach; Stall und Scheuer waren klein, aber es +war ein Blumengaertlein vor dem Hause und alles sauber und freundlich. Ein +behaebiges Weib in blauer Schuerze trat vor die Tuer, als Barthel vom Wagen +kletterte: + +"Nee, Emil", sagte sie, "da haste nu sugar Fuhrgelegenheit gehabt und +kummst su spaet! Dabei sull a de Medizin fuers kranke Maedel hol'n." + +"Mutter", meinte Emil, "wenn du mit sulchen Kerlen faehrst, bleibste +kleben. Sieh dir bluss den Schimmel an; der hat zwee eingeleimte Hulzbeene. +Aber 's sind amerikanische Millionaere, die haben vierzig Pauergueter und +lauter Schloesser." + +Susanne lachte gutmuetig. + +"A hat een' sitzen", meinte sie. "Na, kumm ock rein!" + +"Frau Barthel", rief ich ihr zu, "Ihr Mann wird Ihnen viel zu erzaehlen +haben. Glauben Sie nur, es ist kein Spass, es ist Ernst. Wir fahren jetzt +ins Gasthaus, und in etwa zwei Stunden werden wir mal zu Ihnen kommen. Wir +muessen mit Ihnen ein ernstes Wort reden, und es wird Sie nicht reuen." + +Die Frau schuettelte verwundert den Kopf; ihr Gatte Emil aber tippte erst +ihr, dann sich an den Kopf, nahm sie am Arme und zog sie ins Haus. + + ------------------------------------------------------- + +Im Dorfgasthause wurde uns ein schlichtes, aber schmackhaftes Mittagsmahl +bereitet, und nach einiger Zeit brachen wir auf zu einem Besuch bei Emil +Barthel. + +"Nee, komm'n Se wirklich?" fragte er; "ich hatte gedacht, 's waer alles +bloss Ulk." + +Die Stube war niedrig, aber sauber, und ueber den Tisch war ein grosses +buntes Tuch gebreitet. Emil Barthel bewirtete uns. Er bot uns in einer +Papiertuete Zigarren an, von denen ich vermutete, dass sie aus dem +Dorfkramladen zu fuenf Pfennig das Stueck gekauft seien. Mit Schadenfreude +sah ich zu, wie Stefenson, der von frueh bis in die Nacht eine Havanna nach +der andern schmauchte, sich mit Todesverachtung an dieses Rauchzeug +heranmachte. + +"Nun, mein lieber Barthel, moechte ich zunaechst etwas feststellen: es +handelt sich in unserer Angelegenheit weder um einen Spass, zu dem wir uns +wahrhaftig nicht so viel Zeit nehmen wuerden, noch um einen Betrug." + +"Also ist es tatsaechlich wahr?" sagte Barthel und trommelte auf den Tisch. +Sein Gesicht wurde ernst, und er holte aus zu einer Rede: + +"Sehn Sie, meine Herr'n, wenn Se nu wirklich so was Komisches vorhaben - +man kann ja nie wissen, was den Stadtleuten einfaellt - nu, so muss ich +Ihn'n ehrlich sagen: das Ding gefaellt mir nich. Denn warum! Die Stadtleute +werd'n nich kommen. Die sind viel zu faul. Wenn se ins Bad machen woll'n - +woll'n se sich amuesieren. Da woll'n se doch nich Kuehe melken und ackern. +Meine Herr'n, Se haben keene Ahnung, was das fuer schwere Arbeit is. Vor +solcher Arbeit haben sich die Stadtleute immer gedrueckt. Aber gesetzt den +Fall, se kaemen doch - da waer's noch viel schlechter. Denn warum? Die +Stadtleute verstehen nischt. Denken Se, dass die mir auf dem Hofe was +helfen koennten? Die gragelten mir doch bloss im Wege 'rum. Die quatschten +und quasselten doch bloss." + +"Die fielen einem ja in die Puttermilch!" lachte Frau Susanne. + +"Die taeten ja alles bloss mit Glacehandschuh'n machen woll'n", ergaenzte der +Mann. + +"Donner!" schrie da Stefenson jaehzornig und hieb die Faust auf den Tisch, +dass aus seiner Fuenfpfennigdampfrolle ein Feuerwerk stiebte, "nun ist's +aber genug. Wer nicht will, will nicht! Haben Sie das Risiko zu tragen? +Muessen Sie sich unsere Koepfe zerbrechen, ob unsere Gruendung eine Pleite +ist oder nicht? Haben Sie nicht bloss zu gewinnen? Das allerbeste ist ..." + +"Das allerbeste is, Se gehn wieder!" sagte Barthel seelenruhig. Und nun +waeren wirklich all unsere Beziehungen zu dem Hause Barthel abgebrochen +worden, wenn es nicht im selben Augenblick an die Tuer geklopft haette und +zwei Damen ueber die Schwelle getreten waeren. Eine kleine zartgliedrige +Braune und eine grosse Blondine, beide mit feinen Gesichtern, so gut man +das in dem Daemmerlichte der niederen Bauernstube feststellen konnte. Die +Kleinere sagte, dass sie von der Erkrankung des Barthelschen Kindes gehoert +habe und mal nachfragen wolle; sie sehe aber, dass gerade Besuch da sei, +und wolle nicht stoeren. + +Ach, erwiderte die Frau, von Stoerung sei keine Rede; denn das seien zwei +ganz fremde Herren, mit denen sie weiter nichts Ernsthaftes zu besprechen +haetten und die auch gleich gingen. Trotzdem fuehlte sich die gute Mutter +Barthel bemuessigt, uns die kleine Sprecherin vorzustellen. "Das ist naemlich +unsere Lehrerin, Fraeulein Annelies von Grill." + +Anneliese von Grill! Ein pruefender Blick in die grossen braunen Augen, und +ich hatte die Identitaet mit dem kleinen Majorstoechterlein festgestellt, +das manchmal in Waltersburg zu Besuch gewesen war und das ich - da ich +acht Jahre aelter war - immer etwas onkelhaft begoennert hatte. Nun stand +ich ihr lachend gegenueber und fragte sie, ob sie nicht mehr wisse, wer ich +sei. Da erkannte sie auch mich, und es gab ein froehliches Wiedersehen und +grosse Verwunderung ueber die Umstaende, unter denen es geschah. Ihre +Lebensgeschichte war kurz: der Vater frueh gestorben, die Mutter auf eine +kleine Pension angewiesen und knapp imstande, aus ihr eine Lehrerin zu +machen, die nun vertretungsweise in diesem Dorfe angestellt war. + +Auf einmal fragte die sehr wohllautende Altstimme der Blondine: + +"Das ist doch nicht etwa der Doktor von dem Waltersburger Sanatorium +Ferien vom Ich?" + +"Allerdings, meine Gnaedigste, dieser Doktor bin ich." + +Das Maedchen brach in klingendes, lautes Gelaechter aus. + +"Also, das sag ich Ihnen, wenn mir die Wahl gelassen worden waere, wen ich +sehen wolle, Sie oder den Kaiser von Hinterindien in all seiner Pracht und +Herrlichkeit - ich haette mich fuer Sie entschieden." + +"Ich freue mich, dass ich Ihnen so interessant bin", sagte ich. + +"Oh, interessant ist gar kein Ausdruck. Wir stehen Kopf ueber Sie! Jetzt +fehlte bloss noch, dass jener Herr dort der Mister Stefenson aus Amerika +waere." + +"Das ist er!" mischte sich Emil Barthel ein, "es ist der Herr Mister aus +Amerika." + +Stefenson verneigte sich phlegmatisch. + +"Also, Herrschaften, dann muessen Sie schon erlauben, dass wir uns etwas +zusammensetzen und diese kostbare Begegnung geniessen." + +Dieses Maedchen hatte einen burschikosen Ton an sich, und ich bat Anneliese +von Grill, uns zunaechst mal mit ihr bekannt zu machen. Die Blonde stellte +sich aber selbst vor. + +"Ich bin eine nach meiner eigenen Meinung ausserordentlich begabte +Opernsaengerin ohne Engagement, gegenwaertig zu Besuch bei meiner Freundin +Anneliese, um in der paradiesischen Einsamkeit dieses winterlichen Dorfes +Ferien vom Ich zu machen. Mit Kuenstlernamen bin ich Irmingard Schwarzeneck +genannt, buergerlich hoere ich auf den Namen Eva Bunkert und bin die Tochter +des Baumeisters August Bunkert in Neustadt." + +Wir sahen der Tochter unseres grimmigsten Konkurrenten aus der feindlichen +Nachbarstadt verdutzt in das strahlende Gesicht, und das Maedchen brach +wieder in froehliches Lachen aus. + +"Es scheint, dass wir Sie sehr belustigen, mein gnaediges Fraeulein." + +"Ausserordentlich! Ist es nicht immer lustig, wenn Waltersburg und Neustadt +aufeinanderplatzen?" + +Wir nahmen Platz und sassen alle um den runden Bauerntisch. Emil Barthel +sagte: + +"Siehste Mutter, du hast gesagt, es sind Schwinler, und ich hab gesagt, +hoechstwahrscheinlich, aber man kann ja nich wissen, und da hab ich wieder +mal recht gehabt." + +"Und nun, Herrschaften", rief Fraeulein Bunkert, "es mag so indiskret sein, +wie es wolle, ich muss wissen, was Sie hier bei Vater und Mutter Barthel zu +tun haben; ich sterbe sonst vor Neugier." + +Und Stefenson - ach, Stefenson betrachtete das Maedchen mit unverhohlenem +Wohlgefallen. Er sagte mir hinterher, sie sei "sein Typ". Gross, schlank, +blond, uebermuetig. Da gehe er halt auch mal aus sich 'raus. + +Er ging sehr aus sich heraus. Diese Eva Bunkert war eine Eva in des Wortes +wahrster Bedeutung, mit allen Kuensten, Listen und Teufeleien des +Weibervolks ausgestattet. Sie machte die tollsten Anstuerme auf den +biederen Stefenson. Damals, sagte sie, als er die Neustaedter mit den +Zeitungsartikeln hineingelegt habe, habe sie auf die Gefahr hin, in ihrer +Vaterstadt gelyncht zu werden, gesagt: dieser Mann sei zum Kuessen. (Bei +diesen Worten schlug Stefenson die Augen nieder und zog seinen duennen Mund +gewaltig in die Breite.) Dass er, Stefenson, in einer so oeden +Spiessergegend, wie Waltersburg und Neustadt, einen so grandiosen Ulk wie +dieses Ferienheim inszeniere, sei vielleicht der beste Witz der +Weltgeschichte. Sie denke sich unser Heim als eine immerwaehrende +Maskerade, als einen Bauernball ohne Ende, als einen Fasching _ad +infinitum_. + +Und diese schweren Beleidigungen unserer grossen erhabenen Idee liess +Stefenson ueber sich ergehen, zuckte kaum manchmal die Schultern, und er +laechelte ... der Verraeter. + +"Meine Gnaedige", warf ich dazwischen, "Sie duerften ueber unser Ferienheim +denn doch nicht genug informiert sein. Wir meinen es ernst." + +"Ja, gerade, dass Sie es ernst meinen, ist ja das Gute", erwiderte sie. +"Ein Witz, der nicht ernst gemeint ist, ist gar kein Witz." + +"Das ist eine sehr kluge Sentenz", stimmte der verraeterische Stefenson +bei. Ich war empoert. So ein Mann, der pfiffiger war als der Pfiffigste, +blieb an der Leimrute eines blonden Zopfes sofort kleben. Als der Herrgott +das Weib erschuf, hat sich der Teufel sicher gefreut. + +Aber neben mir die kleine braune Anneliese gefiel mir doch sehr gut. Sie +war freundlich, es lag viel Guete auf ihrem Gesicht, und es blinkerte auch +in ihren grossen Augen das schoene Lichtlein harmlosen Schalks. Waehrend +Stefenson und Eva Bunkert eine laermende, von vielem Gelaechter +unterbrochene Unterhaltung fuehrten, sprach ich leise mit Anneliese von +ihrem und meinem Leben, und es kam ein stilles Behagen ueber mich in der +schlichten Bauernstube. + +"Sie meinen es wohl gut mit diesem Ehepaare Barthel?" fragte ich. + +"Es sind sehr ehrliche und auch ganz lustige Leute." + +"Glauben Sie, dass es recht waere, wenn wir sie fuer uns gewinnen?" + +"Ich werde ihnen gut zureden, dass sie Ihr Angebot annehmen. Es wird gewiss +beide Teile nicht reuen." + +"Ich danke Ihnen!" + +"Also, hoeren Sie, Herr Mister Barthel", lachte unterdes Eva Bunkert; "wenn +Sie das Angebot von Mister Stefenson abweisen wollten, waeren Sie, mit +Respekt gesagt, ein Riesenochse. So ein Glueck schneit Ihnen nie wieder ins +Haus." + +Emil Barthel zuckte verlegen die Schultern. + +"Ich moecht ja; aber die Mutter sagt ..." + +"Gar nischt sagt sie", fuhr Frau Barthel dazwischen, "aber er - er hat die +Herren, ehe die Fraeuleins kamen, direkt 'rausschmeissen wollen." + +Emil Barthel schwur, dass das nie in seiner Absicht gelegen habe, und es +gab einen ehelichen Streit. + +Mitten in den Auseinandersetzungen erschien ein altes Weib. + +"Jees, jees", jammerte es, "die Emma hat su viel Hitze und klagt immer +mehr ueber a Hals." + +Emma war die zwoelfjaehrige Tochter Barthels. Ich erfuhr, dass das Kind ueber +Halsschmerzen geklagt habe, und der Schaefer, ein heilkundiger Mann, +Hoffmannstropfen, Heringslauge und Speckpflaster verordnet hatte. Die +Hoffmannstropfen hatte Barthel heute aus der Stadt geholt. + +"Ich bitte Sie, sehen Sie mal nach dem Kinde", bat mich Anneliese, "es +sind bereits drei Diphtheriefaelle im Dorfe vorgekommen, und einen Arzt +haben wir hier nicht." + +So ging ich mit ihr und den Barthelleuten nach einem Oberstueblein, wo das +Kind in hohem Fieber lag. + +Diphtherie! Keine Zeit mehr zu verlieren. Ich gab ein paar vorlaeufige +Verhaltungsmassregeln und schrieb einige Worte an einen Kollegen im +naechsten Orte, da ich die Behandlung ja nicht selbst uebernehmen konnte. +Ein Radler fuhr mit der Botschaft los. Das Maedel ist dann auch gerettet +worden, und Barthel hat nachtraeglich drei Mark Strafe zahlen muessen, weil +er dem Schaefer, der die Heringslauge und das Speckpflaster verordnete, +einige Ohrfeigen als Honorar ausgezahlt hat. + +Als wir damals nach der Barthelschen Wohnstube zurueckkehrten, fanden wir +Stefenson und die schoene Eva in angeregtester Unterhaltung. Fuer das +erkrankte Kind hatte sie einige bedauernde Worte, dann lachte sie schon +wieder. + +Eva hatte mit Stefenson verabredet, dass sie mit Anneliese gleich nach der +Eroeffnung unserer Kuranstalt im Mai als Feriengast bei uns einziehen +wollte. Annelieses vertretungsweise Schulmeisterei, sagte sie, gehe bloss +bis ersten April, und dass sie selbst kein Engagement an einer Oper kriege, +sei vorlaeufig sicher, also koennten sie beide kommen. + +"Und Ihr Vater?" fragte ich. + +"Ach, mein Vater darf natuerlich davon nichts wissen, der ist ja wuetend auf +Sie. Dem schicke ich durch Mittelspersonen Briefe von irgendwoher, dass er +meint, ich sei wer weiss wo. Und bei Ihnen werde ich die Gruenzeugfrau +Emilie Knautschke sein." + +Ich beschloss, dieses Maedchen, das in die ernste Maennerfreundschaft +zwischen Stefenson und mir einen so lauten Lachton mischte und unsere +grosse Idee zur Hanswurstiade herabstimmte, unschaedlich zu machen. + +Wie ich das tun sollte, wusste ich nicht. + +Aber ich hatte Glueck. Die Tuer oeffnete sich, und ein duennes Stimmchen +zirpte herein: + +"Pappa, wie lange bleibst du denn? Ich muss immerfort allein in dem dummen +Gasthaus sitzen." + +Luise war es, die wir im Wirtshaus zurueckgelassen hatten. + +Stefenson sprang auf und eilte nach der Tuer. + +"Kindchen, auf dich hatt' ich ja ganz vergessen. Aber geh hier hinaus! In +diesem Haus ist Diphtherie." + +Er schob Luise besorgt auf die Strasse. Eva Bunkerts Gesicht wurde etwas +ernster. + +"Ach, Herr Stefenson ist verheiratet?" + +Ich war so boshaft, zweimal mit dem Kopf zu nicken. + +Da raeusperte sich Eva Bunkert und sagte, es sei wohl jetzt Zeit, nach +Hause zu gehen. + +Ich hielt sie nicht auf. Es kam zum allgemeinen Aufbruch. Draussen auf der +Strasse schmiegte sich die kleine Luise dicht und zaertlich an Stefenson an +und schmollte mit ihrem "lieben Pappa", der sie im Stiche gelassen hatte. + +Und Stefenson, ob er auch nach Eva Bunkert hinschielte, trat nicht zu ihr +und sagte vor den Ohren des Kindes: "Ich bin nicht ihr Vater!" + +Nein, er hielt stand dem Vaternamen gegenueber, den er sich selbst gegeben +hatte. Er verleugnete das Kind nicht. Da hatte ich ihn wieder gern. + +Als wir allein waren, sagte Stefenson: + +"Das haette nun alles so gut in unser Programm gepasst, und nun ist nichts +zum Abschluss gekommen." + +Ich erwiderte: + +"Diese Eva Bunkert ist eine ganz gute Erscheinung; aber ich fuerchte, sie +wuerde unserer Sache schaden." + +"Schaden?" fuhr er auf. "Nuetzen! Glauben Sie mit Sentimentalitaet, alten +Rueckstaendigkeiten und mit Duckmaeusertum noch was auszurichten? Glauben +Sie, dass ein schoenes Gesicht, eine gute Figur, ein beweglicher Geist des +Deibels sind? Oh, ich sage Ihnen, wenn wir die moderne Welt und ihre +Schaedlichkeiten besiegen wollen, muessen wir verflucht modern sein. Mit +noch so ehrwuerdigen Armbrustpfeilen geht keiner mehr an gegen die +Schnellfeuergeschuetze der neuen Zeit." + +Wir blieben noch einen Tag in diesem Dorfe und trafen die Maedchen wieder. +Beide waren gleichmaessig freundlich. Stefenson widmete sich ganz der +schoenen Eva und sprach mit mir oder Anneliese kaum ein Wort. + + + + + + DER JOURNALIST + + +Nun ist's ein Jahr her, seit die Verwirklichung meiner Idee von dem grossen +Ferienheim keimte und wuchs. Jetzt naehert sie sich der Reife. Anfang +Februar gab es eine Sensation. Stefenson reiste nach Amerika zurueck. Da +hoehnten die Neustaedter, dem sei wohl im letzten Augenblick doch angst und +bange geworden vor seiner uebergenialen Neugruendung, und nun kaeme der +Zusammenbruch. Ich blieb ganz ruhig; denn ich wusste, dass alles gut +vorgesorgt war und Stefenson nur nach Hause fuhr, um seine dortigen +dringendsten Geschaefte in Ordnung zu bringen. + +Die kleine Luise wollte der Amerikaner mit auf die Reise nehmen. Erst nach +den ernstesten Vorhaltungen, die beinahe in Feindseligkeiten ausarteten, +liess er das Kind zu Hause. Aber Neid und Zorn war in seinem Herzen, und +zwar nicht nur wegen des Kindes. + +"Ich bin begierig, wie Sie sich gegen Fraeulein Eva Bunkert benehmen +werden, wenn sie nun kommen wird, um unser Heim zu beschauen. Ich fuerchte, +Sie werden den rechten Ton nicht treffen." + +Ich laechelte. + +"Fuerchten Sie, dass ich zu abweisend oder zu entgegenkommend sein koennte? +Eva Bunkert ist ein sehr schoenes Maedchen." + +"Ich bitte Sie", sprach er herb, "dass Sie sich mit Fraeulein Bunkert weder +in der einen noch in der anderen Art zuviel beschaeftigen, sondern mir +diese ausgezeichnete Akquisition fuer unsere Kuranstalt persoenlich +ueberlassen." + +"Ich ueberlasse Ihnen diese Akquisition", sagte ich grossmuetig und +feierlich. Darauf knurrte er, vor Mitte Mai koenne er keinesfalls zurueck +sein. + +Als ich ihn zum Zuge begleitete, wuenschte ich aufrichtig, er moege bald +zurueckkommen ... + + ------------------------------------------------------- + +Vor drei Tagen ist nun unser Freund Emil Barthel mit seiner Susanne und +seinen Kindern bei uns eingezogen. Er hat den Forellenhof dicht unten am +Bach uebernommen. Des Staunens seiner Leute war gar kein Ende. Sie gingen +bedrueckt durch die grossen, neuen, so behaglich ausgestatteten Raeume wie +Fremde, die ein merkwuerdiges praechtiges Haus betrachten. Aber sie werden +in diese Raeume hineinwachsen. Der Bauer hat uns schon wesentliche Dienste +erwiesen. Er bezeichnete uns Kameraden und Bekannte, die sich als Paechter +unserer Hoefe eignen wuerden, und ob wir auch kaum den dritten Teil davon +gebrauchen konnten, so gaben uns die ausgewaehlten Leute wieder die +Adressen neuer Kandidaten, so dass unsere zwanzig Hoefe besiedelt sind. Der +andere Teil des Gelaendes wird von den alten frueheren Dominialgebaeuden aus +bewirtschaftet. + +Es geht alles schnell, ruhig und sicher, wo ein zielbewusster Wille und wo +- Geld da ist. + +Manche unserer Hoefe haben herkoemmliche poetische Namen, wie Forellenhof, +Erlenhof, Grundhof, Hof am Hange, Berghof, Sonnenhof, aber es gibt auch +eine Waldschoelzerei, eine Heimwehfluh, eine Steinmuehle, eine +Genovevenklause, eine grosse und eine kleine Einsiedelei, ein Haus "ueber +den sieben Bergen", ein "_Old Nigger home_" (nach Stefensons Wunsch), eine +Heideheimat, eine Juxherberge, eine Meierei zum gelben Kakadu, ein +Knusperhaeuschen, eine Kassubenhuette, ein Zigeunerlager und eine +Raeuberhoehle. + +Mit Romantik ist nicht gespart. Tradition fehlt ja leider allen diesen +Dingen, aber sie wird sich bald finden; wir haben pfiffiges Bauernvolk +ausgewaehlt, und das dichtet in seiner kraeftigen Seele so viel zusammen, +dass sich alsbald allerhand Geschichtlein um unsere Siedelungen spinnen +werden, schneller als der Efeu waechst, den wir an mancher Wand +einpflanzten, oder als das Moos wuchert, das wir auf schraege Daecher +legten. + +Das groesste Glueck ist die Freude am gelungenen Werk, ein Abglanz des +erschuetternden Titanenjubels, der Gottes Brust durchloht hat, als er im +Glanz von Millionen Sonnen die Schoepfung vor sich sah. + +Auch ich bin nie so gluecklich gewesen wie in dieser Zeit der Gruendung +unseres Heims, nie so selig, glaeubig und am Leben haengend, nicht einmal in +der Kinderzeit, die doch alle Tage Schoepferjubel bringt, und sei die +Veranlassung auch nur eine gelungene kleine Schanze im Bach oder die zum +erstenmal geglueckte Schleife des Schuhbandes. + + ------------------------------------------------------- + +Die Maedchen sind gekommen. Gestern. Sie kamen am Vormittag und wollten +schon mit dem ersten Abendzuge wieder abreisen trotz der Einladung, ein +paar Tage dazubleiben und bei Frau Susanne im Forellenhof zu wohnen. + +Eva Bunkert war zurueckhaltender als bei unserer ersten Begegnung. Sie +konnte es sich zwar nicht versagen, nach Betrachtung des Baches, der an +Barthels Hof vorbeifliesst, zu behaupten, in diesem Gewaesser lebe keine +einzige Forelle, weshalb der daranliegende Hof wahrscheinlich +"Forellenhof" heisse, aber es sei ja bekannt, dass Namen fast immer +taeuschen, wie zum Beispiel koerperlich etwas zurueckgebliebene Maennlein mit +Vorliebe Siegfried hiessen oder oft keifende Xanthippen mit den holden +Namen Mariechen oder Trautchen begabt seien. + +Nach dieser Abschweifung ins Schnippische wurde das Maedchen ernster. Sie +betrachtete den grossen Forellenhof von innen und aussen und sagte mit einem +Seufzer: + +"Es ist schoen hier. Ich glaube, man kann in einem solch einfachen Hofe +gluecklicher sein als in einem prunkenden Hotel. Wenn ich es einrichten +kann, werde ich wirklich einmal hier Ferien vom Ich machen." + +"Ich moechte es wohl auch", sagte die kleine Anneliese, "aber fuer mich ist +so etwas viel zu teuer." + +"Du, meine Liebe", lachte Eva Bunkert, "du muesstest ganz andere Ferien vom +Ich haben - Weltstadtleben, Theater, Baelle, Autofahrten - man muss das +haben, was einem fehlt." + +"Mir wuerde nichts fehlen in solchem Frieden", sagte die kleine Braune. + +Ich ging mit den Maedchen durch unser Gelaende, fuehrte sie nach dem Rathaus, +nach der Lindenherberge, den "Stillen Weg" hinab ueber die Genovevenklause, +und als ich nach der Waldschoelzerei weiter wollte, passierten wir das +Zeughaus und das grosse Eingangstor. Dort gab es eine Auseinandersetzung +zwischen einem fremden Herrn und dem Tuerschliesser. Der Herr, der im +Reiseanzug war und eine kleine Handtasche trug, verlangte in ungestuemer +Weise mich zu sprechen, waehrend der Diener entgegnete, der Herr Doktor sei +aufs dringendste und unabkoemmlichste beschaeftigt, und unsere Anstalt wuerde +ueberhaupt erst am ersten Mai eroeffnet. Der Fremde liess sich nicht +abweisen, und als er mich erblickte, rief er: + +"Ich moechte wetten, dass jener Herr der Doktor ist!" Damit schob er den +Diener beiseite und kam auf mich zu. + +"Gestatten Sie, mein Herr, eine kurze Viertelstunde?" + +"Sie sehen, ich habe Besuch!" + +"Jawohl - es tut mir auch leid, Sie stoeren zu muessen, aber ich habe nur +eine Viertelstunde Zeit. Wenn ich mich vorstellen darf: George Brown, +Mitarbeiter der 'Staatsbuergerzeitung' in Neuyork. Ihr Geschaeftsfreund +Mister Stefenson hat mich persoenlich gebeten, Sie zu besuchen und Ihnen +dieses Schreiben zu ueberreichen." + +Er uebergab mir einen Brief, den ich mit Erlaubnis der Damen oeffnete und +stellenweise vorlas: + + + + + + + "Neuyork, den 25. Maerz. + Mein Lieber! + +Sie wollen nie recht zugeben, dass ich Sie genau kenne, aber mein Spuersinn +ist, was Sie anlangt, so gross, dass ich hier viel tausend Meilen von Ihnen +prophezeie, ohne besorgt zu sein, einen Irrtum zu begehen: Wenn Sie diesen +Brief durch Mister Brown erhalten werden, werden Sie gerade mit den Damen +Eva Bunkert und Annelies von Grill einen sehr vergnuegten Spaziergang durch +unser Heim machen. Ich beglueckwuensche Sie dazu und bitte, mich den +Herrschaften zu empfehlen. + +Was Mister Brown anlangt, so empfehle ich Ihnen, diesen Herrn recht +ruecksichtsvoll zu behandeln, ihm nicht etwa zu sagen, Sie haetten gerade +Besuch und daher keine Zeit fuer ihn. Denn Mister Brown ist einer der +einflussreichsten Journalisten in den Staaten, und wir werden den Zuzug aus +Amerika fuer unsere nach deutschen Normalbegriffen immerhin etwas +merkwuerdige Anstalt recht noetig haben. + +Gruessen Sie Luise von ihrem Pappa, der sich sehr nach seinem Gaenschen +sehnt, aber noch nicht weiss, wann er zurueckkehren kann. + + Stefenson." + + + + + + +Ich schaute verwundert auf Brown, den Ueberbringer dieser seltsamen +Epistel. Brown war ein Fuenfziger, der Kotelettbart und der Schnurrbart +sowie die gescheitelten Haare waren stark angegraut, der Anzug etwas +geschniegelt modern, die Wangen, wie mir schien, wohl ein wenig +geschminkt. Irgend etwas an dem Mann kam mir bekannt vor, auch in seiner +heiser klingenden Stimme. Vielleicht war ich ihm mal drueben begegnet. Ich +fragte ihn, ob er auf dem letzten grossen Pressekongress in Baltimore, den +ich besucht hatte, gewesen sei, und er erwiderte, dass er daselbst eine +Rede gehalten haette. Daher die matte Erinnerung. + +Die Maedchen verwunderten sich nicht weniger ueber die seltsame Prophezeiung +in dem Stefensonschen Briefe als ich. Ich sagte, ich koenne mir das +ueberraschende Eintreffen einer solchen Voraussage nur dadurch erklaeren, +dass Stefenson vermutet habe, die Damen befaenden sich fuer laengere Zeit in +unserem Heim, ich mache mir wahrscheinlich oefters das Vergnuegen, sie +auszufuehren, und es koenne sich wohl so fuegen, dass uns Mister Brown +zusammen antraefe. Daraufhin weissage ein Mann wie Stefenson eben +darauflos. Treffe es nicht ein, schade es nicht, treffe es aber infolge +seines Glueckes ein, sei es ein guter Bluff. + +Brown schuettelte den Kopf. + +"Mister Stefenson ist kein Bluffer, er weiss immer, was er sagt." + +"Sie kennen Mister Stefenson persoenlich?" fragte Eva Bunkert mit +unverhohlenem Interesse. + +"Mein gnaediges Fraeulein", erwiderte Brown, "ich kenne alles, was man in +Neuyork und den Staaten kennen muss." + +"Und Mister Stefenson gehoert zu dem, was man in Amerika kennen muss?" + +"Ja, er gehoert dazu." + +Der Journalist schloss sich unserem Rundgang an. Meist verhielt er sich +schweigend, sprach ueber das, was er sah, weder Lob noch Tadel aus, bat +nur, sich von Zeit zu Zeit eine Notiz machen zu duerfen, und stellte +ausserordentlich sachverstaendige Fragen, Fragen, die ich, sobald sie sich +in technische Einzelheiten verliefen, oft gar nicht beantworten konnte. +Das _Nigger-Home_ gefiel dem Amerikaner. Es war duester in der niederen +Stube; wir zuendeten ein paar matt brennende Petroleumlampen, die an den +Waenden hingen, an, um die Illusion zu verbessern. + +"Nun muesste jemand einen Niggersang anstimmen", sagte Brown. + +Da stand auch schon Eva Bunkert, an die Wand gelehnt, schraenkte die Arme +ueber der Brust und begann mit wohllautender Stimme zu singen: + + _"Way down upon Swaney ribber_ + _Far far away ..._ + _There's, where my heart is turning ebber,_ + _There's, where the old folks stay ..."_ + +Sie sang dieses schwermuetigste aller Heimatlieder mit tiefer innerer +Bewegung, und Mister Brown summte mit naeselndem Tone die Begleitung dazu, +so wie es die Neger tun, wenn fern der Heimat einer der Ihrigen an der +Wand lehnt und das innerste Weh der weltverschlagenen, geknechteten Seele +im Liede ausstroemen laesst. Dann summen sie alle mit, die Koerper werden +regungslos, und die grossen, heissen Augen starren ins gelbe Licht der +matten Lampen ... + +Wir gingen weiter und kamen an den Hof am Hange. Dort steht eine grosse +Buche, um die eine Bank laeuft. Von hier aus kann man unsere ganze +Siedelung ueberschauen. Warmes Fruehlingslicht spielte durch laue Luft, die +Zweige trugen alle die kurzen, gruenen Kinderkleidchen erster Jugend, die +Voegel waren heimgekommen und uebten in abgerissenen Trillern und Laeufen das +grosse Lebens- und Liebeslied des Maien ein. Da wurde mir das Herz weit. +Unsere Siedelung war schoen, keine langweilige Linie in ihr, kein +Steinkoloss, keine Erinnerung an geschniegeltes, oedes Geputztsein, sondern +Heimatlichkeit, Waerme, Frieden. + +"Wenn man das sieht", sagte die kleine Anneliese, "meint man, hier werden +immer nur gute Menschen wohnen koennen. Es ist alles rein und gut; +schlechten Leuten wuerde hier das Herz springen." + +Ich war ihr dankbar und sagte: + +"Aber es soll doch eine Zufluchtstaette werden fuer solche, die nicht +gluecklich sind, auch wenn sie durch eigene Schuld ungluecklich geworden +sind." + +"Ich finde", sagte Eva Bunkert, "in dem Ganzen ist ungeheuer viel +Kindliches." + +"Das ist ein hohes Lob, mein Fraeulein, was Sie da sprechen", meinte Mister +Brown; "Genialitaet ist nie etwas anderes als das Urspruengliche, das +Kindhafte. Sie glauben gar nicht, wie kindlich unsere guten amerikanischen +Humoristen sind. Ganz im Ernst! Sehen Sie deren Tier- und Kinderbilder an, +es ist alles geschaut mit den abgeklaerten Augen des ernsten Mannes und +alles gefuehlt mit dem Herzen des kleinen Buben." + +"Stefenson ist ein Genie", sagte Eva Bunkert warm. + +"Das will ich nicht sagen", entgegnete Brown, "er ist nur das Werkzeug; +der Schoepfer der ganzen Idee ist, wenn ich recht unterrichtet bin, der +Herr Doktor, der mit uns auf dieser Bank sitzt." + +Ich wehrte das Lob ab, und Eva Bunkert sagte: + +"Wohl, der Doktor hatte die Idee, hatte den Traum in der Seele, aber +Stefenson hatte den Mut, den Traum in Wirklichkeit zu verwandeln. Ich +moechte sagen, der Doktor hat ein schoenes Motiv in die Welt gesungen, und +Stefenson hat ein herrliches Lied daraus geschaffen." + +"Sie sprechen sehr gut und lieb von meinem Landsmann", sagte Mister Brown +geruehrt. + +"Oh", rief Eva Bunkert, "ich schwaerme fuer Stefenson. Es hat mir noch nie +ein Mann solchen Eindruck gemacht wie er, obwohl er der Konkurrent meines +Vaters ist. Erst recht deshalb! Ich mag die Leute nicht leiden, die sich +nur fuer die Freunde und Goenner ihrer eigenen Sippschaft begeistern +koennen." + +Da wurde auch die kleine Braune munter. + +"Ja", seufzte sie, "es ist schade, dass Mister Stefenson verheiratet ist! +Er waere der erste, der bei der stolzen Eva Bunkert wirklich Glueck haette!" + +"Du Plappermaul!" zuernte Eva, reckte aber den Kopf hoch. "Nun, ich leugne +es nicht: der Mann gefaellt mir. Weil er eben ein so ganzer Mann ist. Vom +Heiratenwollen aber ist gar keine Rede." + +"Er waere keine schlechte Partie", meinte ich. + +"Eben deshalb!" sagte Eva trotzig. "Ich will mal keine gute Partie, ich +will einen Mann heiraten!" + +"Ich wusste gar nicht, dass Stefenson verheiratet ist", warf Mister Brown +ein. + +"Wie? Und Sie wollen ihn so genau kennen?" + +"Oh - ich als anstaendiger Journalist kuemmere mich um das, was Stefenson +fuer das Land und die Welt bedeutet, nicht um seine Privatverhaeltnisse. Ich +habe nie gehoert, dass Stefenson verheiratet sei. Es ist mir auch ganz +gleichgueltig." + +"Der Herr Doktor hat es uns gesagt", erwiderte das Maedchen. + +Da grunzte Mister Brown so tief und absonderlich, dass ich erschrocken +aufschaute und ihn ansah. Und ich blickte - in Stefensons Augen. So klar, +in so deutlichem Zorn blitzten diese Augen mich an, wie ich sie von +hundert Gelegenheiten her kannte, wenn dem jaehzornigen Manne die Galle +ueberlief, was oft genug geschah. + +Ein wuester Verdacht erwachte in mir. Dieser Mister Brown war gar kein +amerikanischer Journalist, es war Stefenson selbst, der uns in einer +vorzueglichen Maske getaeuscht hatte. Noch einmal blickte ich ihn an; ich +sah wieder in ein fremdes Gesicht. Aber ich wurde den Verdacht nicht mehr +los. Jedenfalls, alter Freund, so dachte ich, bist du es wirklich, so +entlarve ich dich; bilde dir nicht ein, mit einem bisschen +Detektivschlauheit deutsche Gimpel zu fangen. + +Ich fing an, auf Stefenson zu schimpfen. + +"Der Mann mag seine Vorzuege haben", sagte ich, "aber wo viel Licht ist, +ist auch viel Schatten. So ist Stefenson - ich sage das ruhig, obwohl er +mein Freund ist - ungeheuer eitel!" + +"Das ist kein Schade", fiel Eva ein; "viele grosse Maenner sind eitel: viele +Staatsmaenner, viele Geistliche, alle Dichter - selbst solche, denen man es +gar nicht zutraute, wie Kriegsleute, Flieger, Polizisten, sind eitel. Was +heisst ueberhaupt eitel sein? Wer umzirkelt den Begriff? Auf sich halten, +auch in kleinen Aeusserlichkeiten nicht verpowern, ist eine gesunde +Eitelkeit. Eine andere kann Mister Stefenson gar nicht haben." + +Da lachte Mister Brown. + +"Oh!" sagte er, "was das anlangt, so ist Stefenson so eitel, dass er, wenn +er sich im Rasierspiegel sieht, erst immer seinem schoenen Bild eine kleine +Verneigung macht, ehe er sich einseift." + +"Ich denke, Sie kuemmern sich nicht um Herrn Stefensons Privatleben", rief +Eva veraergert. + +"Gewiss nicht", sagte der Journalist, "aber manches fliegt einem halt so +zu. Wenn es Spass macht: ich kenne noch ganz andere Schwaechen Ihres +Geschaeftsfreundes." + +"Danke!" wehrte Eva ab, "es macht gar keinen Spass!" + +Ich dankte auch. Wenn dieser Mann wirklich Stefenson war, so war es das +Duemmste, auf Stefenson zu schimpfen; denn er wuerde dann noch weit heftiger +auf sich selbst schimpfen. Das musste ich doch von seinen Artikeln her +wissen. Auf solche Weise konnte ich dem alten Fuchs den Bart sicher nicht +scheren. + +Da kam mir eine Bemerkung von Anneliese zu Hilfe. + +"Damals hatte doch Herr Stefenson seine Tochter mit sich. Hiess sie nicht +Luise?" + +Ich jubelte innerlich, und die Schlechtigkeit, einem Menschen aus einer +seiner edlen Eigenschaften heraus eine Falle zu stellen, kam mir gar nicht +zum Bewusstsein. Ja, ich beging eine neue Schlechtigkeit, ich schwindelte. +So stark war das Verlangen, diesen Journalisten, wenn er wirklich +Stefenson war, als Stefenson zu entlarven. + +"Allerdings", entgegnete ich meiner Nachbarin, "Stefensons Tochter heisst +Luise. Das Kind haengt sehr am Vater und er an ihr. Er wollte sie durchaus +mit auf die Reise nehmen, aber das gaben wir anderen nicht zu. Und es war +auch sehr gut; denn das Kind ist nicht wohl." + +"Wieso nicht wohl?" fragte Mister Brown, und das in einer solch +erschreckten Weise, dass ich jetzt meiner Sache voellig sicher war. + +"Ah, so - so ...", entgegnete ich gleichmuetig, "bei Kindern findet sich +leicht mal etwas; das ist nicht so tragisch zu nehmen." + +"Ich finde", sagte Mister Brown scharf, "wenn ein Mann, wie Stefenson, ein +einziges Kind hat, ist es Pflicht, ihm sofort telegraphisch Mitteilung zu +machen, wenn dieses Kind ernstlich erkrankt." + +"Von ernstlicher Erkrankung habe ich nicht gesprochen", entgegnete ich +ruhig, und diese Bemerkung war auch sehr angebracht; denn im selben +Augenblick stuermte die kleine Luise mit zwei Bauernbengeln unter grossem +Hallo aus dem nahen Walde. Das Maedel hat sich bei uns inzwischen voellig +eingerichtet, und von Schuechternheit ist gar keine Rede mehr. Jetzt kam +sie auf mich zugestuermt. + +"Ach, Onkel - ich wusste gar nicht, dass du hier oben bist. Wir spielen +gerade Haschen." + +Anneliese liebkoste das Kind, und Eva Bunkert kniff es in die Wangen, dass +es quiekte. Aufmerksam betrachtete Eva die Zuege Luisens. + +"Von ihrem Vater hat sie gar nichts", sagte sie, "sie muss ganz nach der +Mutter sein." + +"Im Gegenteil", entgegnete ich, "das Kind ist das ganze Abbild des +Vaters." + +"Dann habe ich auf ihn vergessen", sagte Eva mit fast trauriger Stimme. + +Mister Brown atmete schwer. Ein so schwefelgelb giftiger Blick schoss um +den Buchenstamm herum auf mich zu, dass ich meiner Sache immer gewisser +wurde. Und was hatte dieser Journalist gesagt? Er habe es sehr eilig, nur +eine Viertelstunde Zeit zum Besuch. Jetzt war er schon ueber zwei Stunden +da, und es wurde Abend. Wahrscheinlich wuerde dieser "Mister Brown" +ploetzlich entdecken, dass er Zeit habe, einen ganzen Monat bei uns zu +verweilen. Nun wandte er sich Luise zu. Aber es kam nicht so, wie ich +dachte. Mister Brown legte ohne jede waermere Gefuehlsbewegung dem Kinde die +Hand auf den Kopf und sagte mit der ueblichen Kinderfreundlichkeit: + +"Luise, ich kenne deinen Papa. Ich fahre wieder zu ihm, ich werde ihm von +dir erzaehlen. Bist du sehr krank gewesen?" + +"Pappa soll bald wiederkommen", antwortete die Kleine. + +"Ja, ja! Aber ich frage, ob du sehr krank gewesen bist?" + +"Wieso? Ich bin nie krank!" + +"Aber hast wohl muessen im Bettchen liegen oder im Zimmer bleiben?" + +"Nein, ich bin alle Tage draussen herumgerannt; ich war gar nicht eine +einzige Stunde krank." + +"Hm!" + +Mister Brown grunzte voll Behagens, und ich fuehlte mich in der Rolle des +blamierten Europaeers nicht recht wohl. So mahnte ich zum Aufbruch. Die +Maedchen schlenderten mit dem Kinde voraus, und ich folgte mit Mister Brown +in einiger Entfernung. Jetzt wollte ich dem Fuchs an den Kragen. + +"Ich finde eine merkwuerdige Aehnlichkeit zwischen Ihnen, Mister Brown, und +meinem Freunde Stefenson. Sie haben dieselben Augen, dieselbe Nase, +dasselbe Kinn und dieselbe Sprache, ja sogar dieselbe Art, sich zu +raeuspern. Ist das nicht merkwuerdig?" + +"Sehr merkwuerdig!" entgegnete Brown. "Ein Schnorrer drueben hat mir mal +gesagt, ich saehe Kaiser Wilhelm aehnlich. Dem habe ich es noch halb und +halb geglaubt und ihm fuenf Prozent dessen geschenkt, um was er mich +anpumpen wollte, aber eine Aehnlichkeit zwischen mir und Stefenson hat noch +niemand herausgefunden. Ich bin Ihnen uebrigens fuer die gute Absicht, mir +etwas Angenehmes sagen zu wollen, sehr verbunden." + +Er schaute mich an, und ich blickte in ein stockfremdes Gesicht. Auch +glaubte ich trotz des Abenddaemmerns genau feststellen zu koennen, dass +dieser Bart nicht angeklebt, dass diese Haare keine Peruecke seien. So wurde +ich an meiner Entdeckung irre, und da ich einen zweiten Hineinfall nicht +erleben wollte, sagte ich: "Gott, man kann sich taeuschen!" Da blieb er +stehen, sah mich an und sagte: + +"Sie haben mich wohl gar fuer Stefenson selbst gehalten, der Ihnen in einer +Ferienmaske was vormimt? Dem alten Knaben waere ein solcher Streich +zuzumuten, he?" + +"Aber nein - aber nein! So aehnlich sind Sie ihm nun doch nicht." + +"Nun, moeglich ist alles auf der Welt. Hauptsaechlich bei Ferien vom Ich!" +sagte Brown vergnuegt. + +Und er lachte. Es war ein fremdes Lachen. + +Unterwegs begegnete uns ein Telegraphenbote. Er ueberreichte mir ein +Kabeltelegramm, das aus Milwaukee kam und lautete: + +"Verbindung mit X-Bankverein geloest; weitere Zahlungen durch Dresdner +Bank. Stefenson." + +Die Verhandlungen, von dem Bankverein, mit dem wir bis jetzt gearbeitet +hatten, zur Dresdner Bank ueberzugehen, schwebten schon einige Zeit, und +dieses Telegramm belehrte mich nun, dass Stefenson in Milwaukee und nicht +in Waltersburg war. Meine Phantasie hatte mir wieder einmal einen Streich +gespielt ... + +Waehrend ich den Telegraphenboten abfertigte und das Telegramm las, war +Mister Brown den Maedchen nachgegangen, hatte die kleine Luise an den +Haenden gefasst und tanzte mit ihr "Ringel-Ringel-Reihen". Die lange +Schlottergestalt nahm sich dabei merkwuerdig genug aus, das Kind jauchzte, +kam fast ausser Atem, schlug zum Schluss entzueckt in die Haendchen und sagte: + +"Er tanzt genau so schoen wie Pappa!" + +"Alle Amerikaner tanzen so schoen, mein Maeuschen", sagte Brown und kuesste +das Kind auf die Stirn. Dann zog er die Uhr und sagte: + +"Der Zug, mit dem ich zurueckfahren wollte, ist ja nun laengst fort. Sie +waren so liebenswuerdig, mich sehr lange dazubehalten. Den naechsten Zug +aber darf ich nicht versaeumen. Ich muss morgen in Berlin und uebermorgen in +Hamburg sein. Mein diesmaliges europaeisches Gastspiel ist aus." + +"Sie haben nur den kleinsten Teil unserer Siedelung gesehen, Mister +Brown." + +"Oh - ich habe genug gesehen. Den Geist - den Kern! Ich bitte Sie, mir +Ihren ausfuehrlichen Prospekt mitzugeben. Daraus werde ich mich +informieren, und Sie werden sehen, dass ich am treffendsten das kritisieren +werde, was ich nicht gesehen habe." + +Am Rathausplatz trennte er sich von uns. Ein Angestellter geleitete ihn +zur Pforte, wo sein Wagen hielt. Eva Bunkert sah ihm lange nach. + +"Es ist merkwuerdig", sagte sie; "er hat mich ungeheuer an Stefenson +erinnert." + +"O nein", meinte die kleine harmlose Anneliese, "Mister Stefenson ist doch +ganz anders, viel juenger und auch viel huebscher." + +"Trotzdem! Was meinen Sie, Doktor?" + +Ich zuckte die Achseln. + +"Die Amerikaner haben alle dieselbe Art, sich zu geben." + +"Das trifft es nicht", sagte Eva nachdenklich. Und auch ich geriet wieder +ins Gruebeln. + +"Ich glaube, es ist immer etwas unheimlich, wenn man nicht weiss, mit wem +man spricht. Aber das wird ja in Ihrem Heim immer so sein, die Leute +werden nie wissen, mit wem sie sprechen. Werden sie da nicht vorsichtig, +aengstlich, unsicher werden?" + +"Gewiss nicht. Gesetzt den Fall, dieser Mister Brown sei der verkappte +Mister Stefenson gewesen, wie es ja tatsaechlich den Anschein hatte ..." + +"Um Gottes willen, Sie glauben das doch nicht etwa?" rief Eva erschreckt. +"Und ich haette dann so - so - von Stefenson gesprochen ..." + +"Aber nein! Stefenson ist in Milwaukee. Hier ist ein Telegramm, das er +heute frueh dort an mich aufgab." + +"Gott sei Dank!" + +"Ich wollte nur unsere Idee des Unerkanntseins in unserem Ferienheim +verteidigen. Sehen Sie, wenn Mister Brown der maskierte Stefenson gewesen +waere, waere die Partie unehrlich gewesen. Wir haetten ihn nicht erkannt, +wohl aber er uns. In unserem Heim wird das ganz anders sein. Keiner wird +den andern kennen. Da wird keine Befangenheit, keine Aengstlichkeit, +sondern ein Mut zur Offenherzigkeit sein, der unerhoert ist in der Welt. +Die Menschen werden Wahrheiten hoeren, die sie niemals vernaehmen, wenn sie +ihren Namen und Stand sagten, sie werden aber auch ihre Meinung sagen +duerfen in einer Weise, die niemals moeglich waere, wenn sie ihre wirkliche +Persoenlichkeit dafuer einsetzen muessten." + +"Ach ja", seufzte Eva Bunkert, "die groebsten und ruecksichtslosesten +Rezensenten sind die anonymen oder pseudonymen." + +"Der Friede dieses Ortes wird alle Schaerfe mildern, wird aus der +Ruecksichtslosigkeit wohltuende Offenheit, aus aetzender Grobheit klare +Wahrheit werden lassen." + +"Sie meinen es gut mit den Menschen", sagte geruehrt die kleine Anneliese +und sah mich mit ihren grossen, braunen Augen dankbar an. + +Ich aber - ich weiss nicht warum - schaute nach der schoenen Blonden hin. +Ich glaube, ich erwartete eine neue Bemerkung von ihr. Aber sie schwieg. + +Die Maedchen blieben im Forellenhofe. + +Ich habe vor Monatsfrist im Rathaus Quartier bezogen. Lange schaute ich +auf den Lindenplatz hinab. Der Mondschein spielte um den alten Baum. Ich +dachte an vielerlei, viel an Eva Bunkert, aber noch mehr gruebelte ich ueber +der Frage: War er's? War er's nicht? + +Am uebernaechsten Morgen erhielt ich zwei Briefe, die ganz dieselbe +Handschrift aufwiesen. Der eine Brief war von Stefenson und kam aus +Milwaukee; er enthielt allerhand geschaeftliche Weisungen sowie die +Mitteilung, dass er, Stefenson, wahrscheinlich erst im Sommer nach Europa +zurueckkehren koenne. Der andere Brief war von Mister Brown, trug den +Poststempel Hamburg und meldete, dass der Journalist im Begriff stehe, nach +Amerika zurueckzukehren, sich noch einmal fuer die freundliche Aufnahme +bedanke und inzwischen unseren Prospekt mit Interesse gelesen habe. + +Ich verglich die beiden Briefe wieder und wieder. Die Schriftzeichen +glichen sich ausserordentlich. Haette man je einen der grossen geschwungenen +Buchstaben aus den Briefen ausgeschnitten, man haette eine Kongruenz +feststellen koennen. + +Da sagte ich, der Erfinder der Idee von den Ferien vom Ich, zu mir selbst: + +"Ach, es ist doch gut, wenn man weiss, mit wem man es zu tun hat!" + + + + + + DIE ERSTEN KURGAeSTE + + +Am 1. Mai ist unsere Heilanstalt eroeffnet worden. Die Feier war schlicht. +Lehrer Herder hatte es sich nicht nehmen lassen, wieder ein Melodram zu +dichten, zu komponieren und zu inszenieren. Das Publikum bestand aus +Waltersburgern, unseren Bauern, deren Dienstleuten, unserem Personal und +fuenfzehn Kurgaesten. Von diesen fuenfzehn Kurgaesten geniessen zehn Freikur, +und von diesen zehn sind sieben Schauspieler ohne Sommerengagement. +Stefenson sandte ein laengeres Glueckwunschtelegramm aus St. Louis. + +Fuenfzehn Kurgaeste! Das war ein magerer Anfang nach der starken Reklame, +die wir gemacht hatten. Ich telegraphierte das klaegliche Ergebnis nach +Amerika und erhielt von Stefenson die Antwort: "Hatte ich mir gedacht!" + +Wir beschlossen, die Leute nicht einzeln ueber die Hoefe zu verstreuen, +sondern einen Teil in den Forellenhof, einen anderen in die Waldschoelzerei +zu geben. Die Schauspieler aber schwaermten nicht fuer Feld- und Waldarbeit; +sie wuenschten mehr dekorative Posten. Fuenf von den sieben wollten +Nachtwaechter sein, einer bot sich als Hilfsbrieftraeger an, wobei seine +Taetigkeit gleich Null gewesen waere, und einer sagte mit mildem +Augenaufschlag, er koenne sich nur als Krankenpfleger gluecklich fuehlen. Wir +hatten aber keine Kranken. + +Da stellte der Bauer Emil Barthel vom Forellenhof neben dem Grossknecht, +den er bereits hatte, dem "langen Ignaz", noch einen zweiten Knecht ein +und sagte zu mir: "Ich hab es Ihn'n gesagt, Herr Doktor, de Stadtleute +sein olle faule Luder. Mit den is nischt anzufangen." + +"Geduld, Barthel, Geduld!" + +Der Anfang war wirklich klaeglich. Zwar sang Egin Harold, der als +Nachtwaechter bestellt worden (und der in seinem Privatberuf Opernsaenger +war), das + + "Hoert, ihr Herr'n, und lasst euch sagen, + Die Uhr hat eben zehn geschlagen!" + +mit tremolierender Empfindsamkeit; aber um Mitternacht sang er noch viel +empfindsamer vor dem Hofe des Sonnenbauern, der eine huebsche blonde Magd +hatte: "Gute Nacht, du mein herziges Kindl", um 1 Uhr droben am Hange: +"Ihr lichten Sterne habt gebracht so manchem Herzen schon hienieden ..."; +um 2 Uhr: "Steh ich in finstrer Mitternacht", und von 3 Uhr an: +"Morgenlicht leuchtend im rosigen Schein ..." + +Die benachbarten Hofhunde wurden ob dieser Gesaenge so tief ergriffen, dass +sie alle mitsangen, und alsbald lag auf dem Rathaus eine Beschwerde ueber +den Nachtwaechter wegen naechtlicher Ruhestoerung. Als nun Egin Harold von +dem unmusikalischen Sonnenhofbauern noch gar angedroht bekam, er werde den +Hofhund loslassen, wenn der Waechter sein Gesinge vor dem Kammerfenster der +Magd nicht einstelle, quittierte der beleidigte Kuenstler seinen Posten und +uebergab die Abzeichen seiner Wuerde an seinen Berufsgenossen, den Bassisten +Hagen Korrundt, wobei er mit einiger Abaenderung des Lohengrintextes sang: + + "Den Spiess, dies Horn, den Pelz will ich dir geben. + Das Horn soll in Gefahr dir Hilfe schenken, + Der Spiess im wilden Kampf dir Mut verleiht, + Doch in dem Pelze sollst du mein gedenken, + Der jetzt auch dich aus Schmach und Not befreit." + +Die "Schmach und Not", aus der Hagen Korrundt befreit wurde, bestand +darin, dass er, der ein starker Mann war, ein paar Stunden am Tag dem +Waldschoelzer hatte helfen muessen, Baeume zu faellen. Jetzt war er als +Nachtwaechter vom Tagesdienst befreit. Abends um zehn Uhr bestieg Hagen +einen grossen Granitblock, den er den "Fafnerstein" getauft hatte, stand +malerisch dort oben in seinem wilden Zottelpelz mit seinem langen Spiesse +und seinem funkelnden Horn, sang mit droehnendem Bass die Stunde, kletterte +dann vom Fafnerstein wieder herab und ging schlafen. + +Die Kur bekam Herrn Hagen Korrundt sehr gut. Er erzaehlte mir in der +Sprechstunde, dass er frueher an einem chronischen Hungergefuehl, das +wahrscheinlich auf nervoeser Grundlage beruhte, gelitten habe. Seit er aber +bei uns sei, sei er aller Beschwerden ledig. Als ich daraufhin der Koechin +in der Waldschoelzerei ein Lob erteilte, sagte das Weiblein nur zwei Worte: + +"Er frisst!" - + +Es ist ein Schauspieler da, der mit seinem wirklichen Namen Eduard +Kaesenapf heisst. Als Kuenstler nennt er sich Guido Janello, bei uns aber, da +er doch nicht erkannt sein darf, Knut Waterstream. + +Dieser Knut Waterstream ist duenner als ein Regengerinnsel. Ich schickte +ihn zur Arbeit in die Gaertnerei. Einiges erzaehlte mir der Gaertner, einiges +beobachtete ich selbst, wie Knut arbeitete. Er sollte duerres Laub +zusammenrechen und fluesterte den braunen Blaettern zu: + + "So wie ein Blatt vom Wipfel faellt, + So geht ein Leben aus der Welt, + Die Voegel singen weiter!" + +Stuetzte sich auf den Rechenstiel und stand eine Viertelstunde lang in +melancholischer Betrachtung ueber die Verwelkbarkeit des Laubes und anderer +irdischer Dinge. Darauf uebergab er dem Gaertner den Rechen und sagte: + +"Tun _Sie_ dieses Totengraebergeschaeft; ich vermag es nicht!" + +Ein andermal sollte Knut ein Beet ausjaeten. Er ging siebenmal mit duesterem +Antlitz um das Beet herum, spreizte dann alle zehn Finger ueber dies neue +verruchte Arbeitsfeld und deklamierte: + + "Giftiges Kraut, gesaeet mitten unter den Weizen, + O du teuflische Saat, wie bist du vom Feinde gestreut! + Satanas hat sich dein Korn in hoellischen Scheuern gestapelt, + Hat mit beklaueten Fingern diese Aussaat verrichtet, + Dass du nun wucherst und waechst; dem gueldenen Weizen zum Schaden, + Dass du die Sonne ihm stiehlst, den naechtlichen Tau der Gestirne. + Weiche, du teuflische Brut, verkrieche dich tief in den Boden, + Krieche zur Hoelle zurueck, zum Satan, von dem du gekommen, + Nie mehr soll dich erblicken mein schwer beleidigtes Auge, + Einzig soll es sich freuen am goldenen Schimmer des Weizens!" + +Daraufhin hat der Gaertner Herrn Knut Waterstream belehrt, dass das, was er +als Weizen anspreche, in Wirklichkeit junger Kopfsalat sei und dass sich +gegen das Unkraut mit Beschwoerungen nichts ausrichten lasse. Man muesse das +Zeug Stueck fuer Stueck mit der Wurzel aus der Erde herausziehen; anders gehe +es nicht. + +"Lieber Freund", hat da Knut Waterstream mit melancholischer Stimme +erwidert, "wir verstehen uns nicht!" + +Dann ist er gesenkten Hauptes nach Hause gegangen. + + * + +Es soll der Saenger mit dem Koenig gehen. Saenger hatten wir von Anfang an +genug; am 10. Mai kam der Koenig an. Ein wirklicher Koenig war es zwar +nicht, aber immerhin der Bruder eines regierenden Fuersten, eine Hoheit. Um +diese Zeit versandte unser Propagandachef, Herr Levisohn, folgende Notiz +an dreihundert Zeitungen: + +"Der Andrang nach der Kuranstalt 'Ferien vom Ich' zu Waltersburg, der +besten und originellsten Heilstaette der Welt, ist enorm. Die ermuedete +Intelligenz fluechtet in unseren Frieden; die heimatlosen Kinder der Welt +kommen auf ein Weilchen zurueck ins gruenbelaubte Mutterhaus der Natur. +Kuenstler von Weltruf, Mitglieder europaeischer Regentenhaeuser sind bei uns +eingekehrt. Wie romantisch, wenn ein Heldentenor, der vergoetterte Liebling +allen Volkes, bei uns als schlichter Nachtwachtmann mit funkelndem Speer +und silbernem Horn durch die im Sternenschein liegenden Gassen schreitet, +die Stunden singend, wie es in alten Tagen geschah, oder wenn er einer +heimlich geliebten schlummernden Dame sein Troubadourlied singt; wie +ruehrend, wenn ein gefeierter Schauspieler voll Lust und mit nie ermuedender +Emsigkeit seine Gaertnerarbeit verrichtet; wie ergreifend, wenn der +Allerhoechstgeborene Herr, dessen Wink das ganze Land gehorcht, auf dessen +Stimmungen die Welt achtet, im demuetigen Bauernkleide, von niemand +erkannt, seiner laendlichen Taetigkeit nachgeht! Wahrlich, die Kuranstalt +'Ferien vom Ich' ist ein Triumph der Menschheit, ist der Sieg ueber das +Unglueck, ist ein Paradies auf Erden!" + +Als ich diesen Erguss in den Zeitungen las, wusste ich: auch unser Levisohn +war ein Dichter. Einer von bluehender Phantasie. + +Hoheit kam zu mir und fragte: + +"Sagen Sie mal, Doktor, ist denn unter den paar Maennchen, die hier bei +Ihnen 'rumkrauchen, etwa der Koenig von England oder von Italien drunter?" + +"Gewiss nicht, Hoheit." + +"Ja, wer ist denn da mit dem Allerhoechstgeborenen Herrn gemeint, auf +dessen Stimmungen die Welt achtet?" + +"Ew. Hoheit selbst." + +Hoheit prusteten los und kriegten einen Hustenanfall. Nachher sagten +Hoheit: + +"Verfluchter Kerl, der Levisohn; er macht was aus einem!" - + +Der Erfolg der Levisohnschen Reklamenotiz war riesenhaft. Es wurden +achtzigtausend Prospekte von uns eingefordert, und es meldeten sich ueber +dreitausend Kurgaeste an. Ob der nachtwaechternde Heldentenor oder der +ackerbauende Fuerst die groessere Anziehung ausuebte, war nicht zu +entscheiden. Flugs erschien in Hunderten von Zeitungen folgende Notiz: + +"Kuranstalt 'Ferien vom Ich', Waltersburg. In einer Woche 83 000 Menschen, +die an die Pforten unseres Heims anklopften!!! Auf absehbare Zeit koennen +wir trotz unserer riesigen Anlagen neue Gaeste nicht aufnehmen, da jeder +unserer Feriengaeste ganz individuell behandelt werden muss. Vornotierungen +aber zulaessig." + +Diese hochmuetige Kuerze tat noch groessere Wunder. Unser Buero konnte die +Berge von Zuschriften nicht im geringsten mehr bewaeltigen. Ich +telegraphierte unsere fabelhaften Erfolge nach Amerika. Und wieder traf +die Antwort ein: "Hatte ich mir gedacht!" + + * + +Hoheit ist ein recht liebenswuerdiger Kurgast. Hoheit ist ueberhaupt einer, +der seiner zu grossen Nachsicht gegen sich selbst die Erschlaffung seiner +Nerven verdankt. Wir Aerzte druecken das hoeflich aus: Er hat zu konzentriert +gelebt. Es ist schoen, dass wir unsere fachmaennischen Ausdrucksformen haben; +denn es wuerde sich stilistisch nicht gut ausnehmen, wenn man sagte: Hoheit +ist vielleicht eine ganz gute Haut, aber ein bisschen Schweinekerl und +Liederjan! + +Also, Hoheit haben zu konzentriert gelebt und sind vielleicht nur zu uns +gekommen, weil sie hier ein Feld fuer originelle Extravaganzen wittert. +Rares wittert. Alles andere liegt hinter diesem Mann, schwere +Familienratsbeschluesse, unfreiwillige Reise um die Erde, zeitweilige +Verwendung in den Kolonien, Aussoehnung mit dem Familienchef, abermaliges +Fallen in Ungnade, morganatische Ehe, Scheidung, Schulden, +Zeitungsskandale und was so zum Bilde des tollen Prinzen gehoert. + +Drei Tage hat Hoheit in der Besinnungseinsiedelei zugebracht und mir einen +Lebensbericht eingereicht, ueber dem mir die Haare zu Berge gestanden +haben, obwohl ich als Arzt und Weltumsegler ja gerade nicht unerfahren und +pruede bin. Am Schluss stand: er habe sich eigentlich erschiessen wollen, +aber er koenne ja noch mal diese "neue Chose" probieren, ob ihm noch ein +bisschen Geschmack am Leben beizubringen sei. Das Leben komme ihm so eklig +und wertlos vor wie ein alter schmutziger Kupferdreier, fuer den man keine +Zwiebel mehr zu kaufen kriegt. Er gebe sich ganz in meine Hand, wolle alle +Arbeit tun und bitte, mit ihm recht rauh zu verfahren; es sei ihm immer am +wohlsten gewesen, wenn ihm gelegentlich mal sein hoher Bruder, Landesherr +und Familienoberhaupt, ein paar Ohrfeigen angeboten habe. Dann habe er auf +Sekunden das Gefuehl gehabt, dass er und sein Leben noch ernst genommen +werden koennen. Heissen wolle er Max Piesecke. - + +"Also, lieber Piesecke", sagte ich in der Sprechstunde zu ihm; "dass Sie +ein grosser Lumpenkerl sind, wissen Sie und brauche ich Ihnen nicht erst zu +sagen. Hoechstwahrscheinlich laesst sich mit Ihnen nichts mehr anfangen. +Erschiessen werden Sie sich nicht, dazu fehlt Ihnen die Courage. Aber +miserabel zugrunde gehen werden Sie! Es wird weh tun, Piesecke; Sie werden +die Waende auskratzen, ehe Sie hin sind! Aber, Piesecke, sehen Sie - ich +glaube, ungefaellig sind Sie nicht. Sie haben auch noch Sinn fuer Humor. +Nun, Piesecke, es waere doch ein kolossaler Witz, wenn aus Ihnen noch mal +ein brauchbarer Kerl wuerde! He? Sie muessen selbst darueber lachen! Und fuer +mich waere es gut - wegen Ihrer Familie. Also versuchen wir's halt. +Gelingt's, freue ich mich; gelingt's nicht, schmeisse ich Sie 'raus!" + +"Wahrscheinlich werden Sie mich 'rausschmeissen!" sagte Piesecke +nachdenklich. + +"Sie sind ein schlechter Pessimist, Piesecke! Sehen Sie, wenn Sie ein +bisschen Philosophie im Leibe haetten, muessten sie wissen: es gibt keinen +grimmigeren Spass, als ein Pessimist zu sein und ueber den Pessimismus zu +lachen!" + +"Wie? Bitte, schreiben Sie mir den Satz auf!" + +"Gern!" + +Ich schrieb den Satz auf einen Zettel, uebergab ihn Piesecke und sagte: + +"Stecken Sie sich dieses Wertpapier in Ihre Jackentasche und verlieren Sie +es nicht! Und nun werde ich Ihnen noch etwas sagen, Piesecke! Sie werden +hoechstwahrscheinlich nach acht Tagen bei uns ausreissen wollen. Sie sind +gar nicht imstande, bei uns zu bleiben und das Gesundungsleben +durchzufuehren. Dazu fehlt Ihnen die Willenskraft. Und um nicht +unnuetzerweise acht Tage lang meine Zeit mit Ihnen zu vergeuden, werden wir +einen notariell aufgenommenen Kontrakt machen. Er wird kurz sein und +lauten: + +Falls ich nicht ein Jahr lang im Waltersburger Kurheim 'Ferien vom Ich' +aushalte oder mich den Anordnungen des dirigierenden Arztes nicht fuege, +zahle ich eine Million Mark Reugeld." + +"Was?" schrie Max Piesecke. "Wenn ich so etwas tue und mein Bruder erfaehrt +es, schlaegt er mich tot!" + +"Schoen! Dann habe ich nicht mehr noetig, Sie zu kurieren." + +Piesecke sank in sich zusammen. + +"Ich bin immer Erpressern in die Haende gefallen", jammerte er. + +"Morgen nachmittag 41/2 Uhr wird der Notar hier sein", entgegnete ich ruhig; +"Sie werden dann entweder das von mir aufgesetzte Abkommen unterzeichnen +oder Ihrer Wege gehen." + +"Ferien vom Ich!" stoehnte Piesecke; "ich habe gar keinen Willen mehr." + +Am naechsten Tage, um 4,35 Uhr, unterschrieb vor dem Notar, meinem +Vertrauten, Max Piesecke das von mir gewuenschte Abkommen mit seinem +hochfuerstlichen Namen. + +"Nun passen Sie mal auf, Piesecke", sagte ich, "jetzt wird noch was aus +Ihnen!" + + ------------------------------------------------------- + +All unsere Hoefe sind mit Kurgaesten besetzt. Wir haben so viel Anmeldungen, +dass wir die Wahl haetten, wen wir aufnehmen wollen, aber wir gehen der +Reihenfolge der Anmeldungen nach. Ich habe von frueh bis spaet Arbeit, +obwohl unser Aerztekollegium immer groesser wird. Es lastet zuviel +Geschaeftliches auf mir. Das drueckt auf die Seele; denn ich bin kein +Kaufmann. Was tut mir doch dieser Stefenson an, dass er gerade jetzt, wo er +hier am noetigsten waere, in Amerika sitzenbleibt? Soviel ich auch schon an +ihn schrieb und telegraphierte, er kommt nicht zurueck. Immer die gleiche +Antwort: "Ich bin hier noch unabkoemmlich." + +Unser Direktor - ein frueherer Offizier - ist zum Glueck ein tuechtiger Mann. +Es ist Schwung in seinen Gedanken, er hat Initiative und Spuersinn. Wie ein +guter Jagdhund ist er, er hat's in der Nase, wenn er ueber das weite +Gelaende unseres Arbeitsfeldes schnuppert, wo irgendwo in einer geheimen +Furche ein verborgener Erfolg aufzustoebern ist. Er ist aus dem Holz, aus +dem die guten Feldherren, Diplomaten, Kaufleute geschnitzt sind. Die +leitet alle ein unfassbarer Instinkt, eine Art sechster Sinn, den andere +Leute nicht haben. + +Der Direktor heisst von Bruesen und wird wegen seines wuerdevollen Auftretens +von den Kurgaesten "der Herr Praesident", von den Angestellten aber "der +Direks" genannt. Oft habe ich bei seinen Massnahmen das Gefuehl: genau so +wuerde Stefenson gehandelt haben. Bruesen ist auch von Stefenson angestellt +worden. Mein Geschaeftsfreund hat den Offizier a. D. mal irgendwo +kennengelernt, sich mit ihm etwa zwei Stunden unterhalten, dabei - wie er +schrieb - gefunden, "dass sich dieser Mann zwei verschiedene Dinge auf +einmal vorstellen koenne, was nur sehr wenig Menschen vermoechten", dass er +ferner "zu klug sei, um die Alltagsklugheit zu haben", dass er nicht in den +Doppelsohlenstiefeln aengstlicher Vorsicht einherstampfe, in denen man von +hundert Schnellfuesslern ueberholt werde, und dass er von guter, zaeher +Geistesmuskulatur sei. So hat sich Stefenson die Adresse dieses Herrn +gemerkt und ihn fuer uns nun an den Tag gezogen. + +Es ist ein Glueck, dass dieser Direktor da ist. Was taete ich ohne ihn? Einen +Entscheid faellt er fast nie sofort. Er will, wenn es sich um wichtigere +Angelegenheiten handelt, immer einen Tag oder doch einige Stunden +Bedenkzeit. Dann steht aber auch seine Meinung felsenfest. Und er +entscheidet immer so, wie ich annehmen moechte, dass Stefenson entschieden +haben wuerde, auch manchmal in Dingen, die viel Geld kosten, so waghalsig, +so wurstig, so ohne Skrupel, wie es eben nur ein reicher Mann kann, der so +fest steht, dass er weiss: ich kann nicht fallen, komme, was wolle. Ein +paarmal sah ich den Direktor scheu von der Seite an. War er etwa gar ... + +Das war krasser Unfug. Dieser kleine Schwarzbart mit dem runden Baeuchlein +war bestimmt nicht der grosse, hagere Stefenson. Auch in dem Journalisten +Brown haette ich nichts anderes vermuten sollen als eben den Mister Brown. + +Ich muss mich wahrhaftig erst in die Ausfuehrung meiner eigenen Idee von der +Unpersoenlichkeit meiner Kurgaeste gewoehnen. Es wird mir schwer, in dem +Nachtwaechter Korrundt nicht den Opernsaenger zu sehen, ja, es wird mir +sogar schwer, unsere verbummelte Hoheit mit Piesecke anzureden. Dabei ist +doch der Mann wirklich mehr Piesecke als Hoheit. Ich bekuemmere mich +absichtlich nicht um die Personalien der Kurgaeste, die ich nicht selbst +behandle, sehe keine unserer Geheimlisten ein, soweit ich es nicht als +leitender Arzt tun muss. So begegne ich Menschen auf unseren Wegen, sehe +Leute in unseren Gaerten und auf unseren Feldern arbeiten, von denen ich +nicht weiss, wer sie sind, woher sie kommen, wohin sie gehen, von denen mir +nur bekannt ist, dass sie aus einer drueckenden Enge entflohen sind in das +Reich unserer gruenen Gesundheit. + +Der Sekretaer, der unsere Statistik macht, sagte mir, dass neunzig Prozent +unserer Kurgaeste aus Grossstaedten kommen. Ich glaube das gern. Die +Grossstadt ist keine gute Mutter. Dazu sind ihre Arme und Haende zu steinern +hart, ist ihre Sprache zu laut und liebeleer, sind ihre Sinne zu +flunkerig, sind ihre Wuensche ohne Heimlichkeitssinn zu sehr auf den +Engrosramsch der Genuesse gerichtet, ist ihr Aufputz zu sehr abgespart den +wahren Beduerfnissen ihrer Kinder. Von den Palastraeumen ihrer Verwaltung +aus regiert diese Stiefmutter Grossstadt ihre Familie, die zum groessten Teil +in dumpfen Winkeln hockt und in engen Kammern schlaeft; in ihren glaenzenden +Parkanlagen duerfen barfuessige Jungen und zerlumpte Maedchen spazierengehen. +Wie die niedertraechtigste Amme, die ihren unruhigen Zoegling mit Schnaps +betaeubt, errichtet sie in all ihren Vorstaedten Destille neben Destille. +Und wenn die Kinder gar zuviel darben und zu murren beginnen, schenkt +ihnen diese "Mutter" Grossstadt einige Bonbons "oeffentlicher Fuersorge" oder +billiger Lustbarkeit, Bonbons, die nicht satt, stark und gesund machen +koennen, sondern nur den Magen ansaeuern und die Zaehne des Willens und +Charakters verderben. + +Wann endlich wird die Menschheit des truegerischen Schimmers muede sein, in +Scharen ausziehen aus dem ungesunden Hause der Stiefmutter Grossstadt und +im grossen Ferien machen von diesem jammervollen Ich? + + ------------------------------------------------------- + +Heut ist ein Unglueck passiert. Annelies von Grill und Eva Bunkert wollten +als Kurgaeste zu uns kommen und beim Forellenbauer wohnen. Der Bauer hatte +seinen Spazierwagen nach dem Bahnhof geschickt zur Abholung. Sein Knecht, +der lange Ignaz, spielte den Kutscher. Aber auch Piesecke fuhr mit. Hoheit +will sich in die Geheimnisse der Kunst einweihen lassen, ein Bauerngefaehrt +auf einem etwas holperigen Feldweg mit Geschick zu leiten. Auf dem +Rueckwege ist dann das Unheil geschehen. Piesecke hat kutschiert und gerade +dort, wo der Weg eine steile Boeschung hat, umgeworfen. Die Damen sind den +Abhang hinuntergekugelt, die beiden Kutscher desgleichen, und die scheu +gewordenen Pferde haben den umgekippten Wagen hinter sich hergeschleift +und greulich zugerichtet. + +Von den vier abgepurzelten Personen hat sich der Knecht Ignaz zuerst +erhoben. Er hat sich erst die Glieder zurechtgeschlenkert, dann die +Wahlstatt ueberschaut und darauf zunaechst mal dem ungluecklichen Piesecke +ein paar ungeheure Ohrfeigen versetzt. Darauf ist Ignaz den Pferden +nachgerannt, hat sie zum Stehen gebracht, sich ueberzeugt, dass mit dem +Wagen nicht weiterzufahren sei, und ist dann zu den Damen zurueckgekehrt. +Annelies ist ausser dem Schreck nichts passiert, die schoene Eva hat sich +einen Fuss verstaucht. Ignaz hat die holde Blonde auf seinen kraeftigen +Buckel laden und nach Hause tragen wollen, doch das hat sie abgelehnt. +Piesecke hat nichts zu sagen gewusst als: "Pardon, pardon, es ist mir +dieses alles sehr fatal." + +Schliesslich hat Eva dem Knechte befohlen, ein Pferd auszuspannen, sie +hinaufzuheben, und ist so halb lachend, halb weinend bei uns eingeritten. + +Am selben Tage noch kam Hoheit zu mir, um wegen der erhaltenen Ohrfeigen +Beschwerde zu fuehren. Er sei - so sagte er - immerhin ein Kurgast, und +Ignaz sei ein gemieteter Knecht. Er muesse gegen solche Behandlung Protest +einlegen. + +Ich aber sagte: "Piesecke, ich habe so viel Wichtiges zu tun, dass ich mich +wirklich nicht darum kuemmern kann, wenn sich mal zwei unserer Kutscher +pruegeln." + +Darauf erhellte sich Pieseckes Gesicht, und er sagte: "Jawohl, ich sehe es +ein! Wenn ich mich koerperlich werde gekraeftigt haben, werde ich ihm die +Ohrfeigen zurueckgeben." + +"Das muessen Sie", erwiderte ich; "das gebe ich Ihnen auf; das werde ich +Ihnen direkt in die Kurverordnung schreiben, lieber Piesecke!" + + + + + + SOMMERABEND + + +Die Arbeit war getan; ich war frei. Eigentlich wollte ich ja hinauf zum +Hirtenhaus, aber ehe ich mich's versah, schlenderte ich doch wieder zum +Forellenbauer hinab. Ich redete mir ein, ich muesse mich um mein Sorgenkind +Piesecke bekuemmern, und so nebenbei koenne ich ja nach Eva fragen, deren +kranker Fuss allerdings von einem Kollegen behandelt wird. Das Maedchen sass +vor der Haustuer auf der gruengestrichenen Bank und putzte Gemuese. Sie heisst +hier einfach "Hanne". Einen Familiennamen fuehrt sie nicht, ebensowenig wie +Anneliese, die sich in "Baerbel" umgetauft hat. + +Am Hoftor blieb ich stehen. Ein liebliches Bild! Abendsonne bestrahlte das +schoene Maedchen, eine weisse Taube sass auf der Rueckenlehne der Bank, ein +goldgefiederter Hahn blinzelte mit seinen Aeuglein zu dem Maedchen empor, +wartend, ob fuer ihn etwas abfalle. Dann kam der grosse Zottelhund, wedelte +mit seinem buschigen Schwanz den Hahn gutmuetig, aber bestimmt zur Seite, +nahm dessen Platz ein und sass in stummer Bewunderung vor der schoenen Frau. + +Und noch ein anderer schaute verliebt zu dem Maedchen hin, das war +Piesecke, der an der Stalltuer lehnte und eine Sense in der Hand hielt. Oh, +den armen Piesecke scheint es ganz arg erwischt zu haben. Er verdrehte die +Augen und seufzte einmal so laut, dass man es ueber den Hof hinweg hoerte. +Ich aergerte mich ueber den Menschen. + +Gleich wurde mir eine Genugtuung. Eine derbe Faust kam aus der Stalltuer +heraus, gab dem traeumenden Piesecke einen Stoss in den Ruecken, dass er samt +seiner Sense in den Hof taumelte, und eine rauhe Stimme rief: + +"Schlaf nicht, du Doeskopp! Mach, dass du aufs Kleefeld kommst!" + +Die schoene Hanne blickte auf und lachte, Piesecke geriet in Wut, fuchtelte +mit seiner Sense ein wenig vor der inzwischen geschlossenen Stalltuer herum +und ging dann niedergeschlagen ueber den Hof. Am Tor traf er mich. + +"Das ist eine Gemeinheit", sagte er und hatte Traenen in den Augen. + +"Piesecke", troestete ich ihn, "ich bin Zeuge dessen gewesen, was jetzt +vorfiel. Das ist gegen jede Ordnung, ist gegen den Sinn unseres +Ferienheims. Der Knecht Ignaz hat sich gegen einen Kurgast solche +Frechheiten nicht herauszunehmen. Ich werde energisch mit dem Bauern +reden. Oder soll ich Sie auf einem anderen Hofe unterbringen?" + +"Um Gottes willen nicht", rief Piesecke erschrocken; "ich - ich - da +hielte ich's ja gar nicht aus auf einem anderen Hofe ... ich - ich hab +mich ja schon so - so - an den Grobian gewoehnt." + +Und er ging gesenkten Hauptes mit seiner Sense davon. + +Ich begruesste eben die blonde "Hanne", da trat auch schon der Bauer Barthel +aus der Haustuer. Das war mir nicht lieb, und so sagte ich ein bisschen +unwirsch: + +"Barthel, das geht aber nicht, dass Sie Knechte mieten, die unsere Kurgaeste +verpruegeln. Denken Sie mal, wenn das in der Oeffentlichkeit bekannt wuerde! +Da kaeme niemand mehr zu uns. Den langen Ignaz muessen Sie entlassen." + +"Ich kann nich, Herr Dukter", erwiderte Barthel achselzuckend. "Ma kriegt +so schwer 'n gutten Knecht. Kurgaeste kriegt ma zehnmal leichter wie 'n +Knecht. Und a Ignaz, den kenn ich vu Jugend uff, das is a ganzer Kerle. +Der schofft's! Wos sull ich machen, jetzt, wu die Ernte kummt? Ich kann +doch nich die Ernte mit 'm Piesecke machen! Se sullten mal zusehn, Herr +Dukter, wenn der Piesecke Gras haut. Bluss die Spitzen schneid't a ab, de +Sense fuchtelt immer in der Luft 'rum. Oder sie bleibt in eem +Maulwurfhaufen stecken. Es ist jaemmerlich!" + +"Wie lange wird denn Herr Piesecke hierbleiben?" fragte Hanne. + +"Das duerfte ich eigentlich nicht sagen", erwiderte ich, "aber ich glaube +ein ganzes Jahr!" + +"Um Gott's willen!" stoehnte Barthel. "A Jahr lang! Da hat mir der Kerl 'n +ganzen Hof ruiniert. Was soll ooch so'n Sargfabrikant von der +Bauernwirtschaft verstehen." + +"Wieso - Sargfabrikant?" + +Barthel laechelte ueberlegen. + +"Eener vom Grundhofe kennt ihn. Piesecke is Sargfabrikant in Hannover und +heesst eegentlich Robert Ebbing. Ich hab das vom Sargfabrikanten gleich +geglaubt; denn 'n sehr traurigen Eindruck macht a doch. Aber ich hab mir +gesagt, a muss doch da was von der Tischlerei verstehn. Da sollt a mir +vorgestern 'ne Kiste zunageln. Das haetten Se sehn muessen! Olle Naegel krumm +oder in die Luft gekloppt. Das weess ich: in een Sarg, den der Piesecke +gemacht hat, leg ich mich amal nich! Eh da die Saenger mit 'Es ist bestimmt +in Gottes Rat' fertig waeren, braech der Boden und ich laeg draussen!" + +"Also, das alles glaub ich nicht", warf die blonde Hanne lachend ein; +"Piesecke stammt aus einer besseren Familie; das merkt man ihm schon an." + +Ich zuckte die Achseln. + +"Es darf hier ein jeder vermuten, was er will." + +"Meinetwegen mag er sein, was er Lust hat", sagte Barthel brummig; +"Hauptsache, ich waer ihn los." + +"Geduld, Barthel, Geduld!" + +"Geduld braucht ma maechtig viel mit den Staedtern. Also fuenfundzwanzig +Stueck Kurgaeste hab ich jetzt. Ausser mit der kleen'n Baerbel hab ich mit +allen Schererei. Na, ich brumm nicht etwa, Herr Dukter; fuer die Aergerei +mit a Staedtern bin ich ja da und hab ich mein feines Auskumm'. Ich sag +bloss: Aerger machen se alle." + +"Aber doch nicht ich!" rief Hanne. + +"Sie ooch", sagte Barthel melancholisch; "meine Alte is uff Sie +eifersuechtig." + +"Barthel!" + +Dem Maedchen blieb der huebsche Mund offenstehen. + +"Ja, ja, ich hab ihr zwar gutt zugeredt und gesagt: Alte Schraube, es passt +sich nich, dass du uff deine alten Tage eifersuechtig wirst. Aber se sagt, +es passt sich nich, dass ich su oft mit Ihn'n plaudere, und ich taet Augen +machen." + +"Was taeten Sie machen?" + +"Augen! Nu ja, ich kann doch nich als Blindekuh vor Ihn'n stehn!" + +Das Maedchen machte ein erheuchelt ernstes Gesicht. + +"Also, Barthel, diese Augen lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich werde Ihre +Frau Gemahlin zur Rechenschaft ziehen." + +"Um Gottes willen nich! Wenn das 'rumkummt, schrei'n ja die Leute Feuer!" + +Da trat Frau Susanne Barthel aus der Haustuer. + +"Hatt' ich mir's nich geducht? Steht a nich schon wieder?" sagte sie. + +"Ja, Frau Barthel", rief Eva, "und er macht Augen auf mich!" + +"Nich wahr, Fraeulein Hanne, Sie haben ooch Ihren Spass an dem alten Esel?" + +Das Weiblein fing an zu lachen, dass ihr die Augen traenten. + +"Also, wenn der Augen macht", schluchzte sie unter Lachen, "da kommt keen +gestoch'nes Kalb dagegen auf." + +"Weib", schrie Barthel erbost; "du bist eifersuechtig. Du hast keen'n Grund +dazu!" + +"Nee, nee", schlenkerte die dicke Susanne prustend mit den Haenden; "du +kannst um de ganze Welt 'rum Augen machen, 's faellt keener druff 'rein!" + +Und sie ging vergnuegt ins Haus zurueck. Barthel stopfte ob des +vernichtenden Urteils ueber seine maennliche Anziehungskraft die Haende in +die Hosentaschen und sagte: + +"Das is eene Gemeinheit! Immer lacht se, schon wie se noch meine Braut +war, lacht se mich immer aus." + +"Seien Sie doch froh, Barthel, dass Sie eine so lustige Frau haben." + +"Nee, nee, Herr Dukter, olles mit Respekt gesagt, aber das verstehen Se +nich! Sie sind nicht verheirat't. Sehn Se, wenn a Weib schimpft, oder wenn +se flennt, oder wenn se mit Tellern schmeisst, oder wenn sie furtlooft, +koenn'n Se sich immer noch Ihren Kopp ufsetzen; aber wenn se lacht, sind Se +geliefert." + +Nach dieser Bemerkung hob der Philosoph aus dem Volke den Kopf und lachte +selber. Und ich benutzte die Gelegenheit und bat Barthel, mir seine +Meinung ueber seine Kurgaeste mitzuteilen. Sowenig ich mich sonst um den +Stand der von mir persoenlich nicht behandelten Kurgaeste kuemmere - wer auf +dem Forellenhof lebt, weiss ich. Ach, ich wollte es mir ja immer noch nicht +zugestehn, aber ich glaube oft, dass ich selbst "Augen" auf die schoene Eva +Bunkert mache, die hier "Hanne" heisst. Und wenn ich ehrlich sein will, ist +das auch der Grund, warum ich gerade die Besucherliste des Forellenhofes +kenne. Jetzt sagte ich gutgelaunt: + +"Also, Barthel, schiessen Sie mal los mit Ihrem Aerger ueber unsere +Kurgaeste." + +Ich hatte mich inzwischen zu Hanne auf die Bank gesetzt, Barthel hockte +auf einem umgekehrten Kartoffelkorbe uns gegenueber. Er machte sein +philosophisches Gesicht und sagte: + +"Aerger kann man's eigentlich nich nennen, man muss mehr sagen, keen +richtigen Respekt nich. Also, vom Piesecke will ich nich reden, der aergert +mich wirklich. Das is 'n Huhn! Wahrscheinlich hat a zuviel Saerge gemacht, +zuviel Geld eingenummen, und da is es halt su geworden. Aber zum Beispiel +der Lempert. Also, in dessen Kurverordnung, die er mir als 'm Hausherrn +doch abgeben muss, steht: Aufstehn halb sechs. Um halb sechs geht der Ignaz +wecken. Lempert brummt nich amal. Um dreiviertel weckt Ignaz wieder. +Lempert schreit: a sull die Schnauze halten! Um sechse geh ich selber und +hau an die Tuer. Lempert schmeisst seine Stiefel dagegen und schreit, ich +sull mich zum Teufel scheren. Um viertel sieben trommeln wir beide so an +die Tuer, dass 's ganze Haus wackelt, 's ruehrt sich nischt. Um halb sieben +droh'n wir, die Tuer einzuhauen. Da kummt Lempert hinter uns die Treppe +'rauf und fragt seelenvergnuegt, warum wir eigentlich vor seiner Tuer so +eenen Skandal machen; a waer doch schon lange munter. Is der Kerl heimlich +uffgestanden und hat die Tuer von aussen verschlossen. Naechsten Tag dieselbe +Chose. Um halb sechs Ignaz (Lempert brummt), um dreiviertel sechs Ignaz +(Schnauze halten!), um sechs ich (er schmeisst mit Stiefeln). 'Jetzt, +Ignaz', sag ich, 'is Schluss, jetzt steht er heimlich uff.' Um neune is 'n +Bote vom Rathaus bei mir, warum der Lempert nich zur Kur gekommen sei? +Schlaeft der Vagabund noch! Da soll ma sich nich aergern!" + +Lempert war ein Rechtsanwalt aus Leipzig. + +"Fahren Sie fort, Barthel. Schildern Sie mir noch einige Ihrer Kurgaeste." + +"Also, da ist der Emmerich, der komponiert mir 'n ganzen Hof voll. Auf'm +neubehobelten Kartoffelwagen hat a 'n ganzes Brett vollkomponiert, er +komponiert die Hausflurwaende voll, er komponiert ans Butterfass, er +komponiert auf die Tischtuecher, er hat sogar (entschuldigen, Fraeulein +Hanne!) auf den Klosettdeckel einen Rundgesang komponiert. So ein +verruecktes Huhn is das! Ich hab'n gefragt, ob er Kapellmeister oder Kantor +war, da hat er gesagt: Nee, er waer Gesanglehrer in eener +Taubstummenanstalt. Von sein'n Schuelern liesse er seine Kompositionen +auffuehren. Das nennte sich primitive Kunst. Und gerade so 'n Schmierfinke +wie der Emmerich is der Maler Methusalem. Das is erst eine Nummer! Der +behauptet, er waere 998 Jahre alt. In zwei Jahren zu Pfingsten feiert a +seinen tausendsten Geburtstag. Da will er uns alle einladen. Den naechsten +Tag taet er dann sterben, da koennten wir gleich zum Begraebnis dableiben. +Die Sache haette sich so zugetragen, dass er vor etwa tausend Jahren 'n +maechtiger Koenig gewesen waer; aber er haett' 'n Verbrechen begangen, und da +haett' 'n een sehr kraeftiger Fluch getroffen, und da haett' er gleich nach +seinem Tode sich immer wieder aus 'm Grabe 'rausbuddeln und in anderer +Gestalt 'n neues Leben beginnen muessen, und es sei immer sehr bergab +gegangen mit sein'n diversen Leben, bis er zuletzt haette als deutscher +Maler auf die Welt gemusst. Da sei das Mass seiner Busse voll geworden, und +er duerft jetzt definitiv sterben. Also - was hat dieser Methusalem +gemacht? Ich hab ein neues Schaff gekauft. 's erstemal kommt's in +Gebrauch. Schneeweisses Buchenholz. Da schuettet meine Frau Rueben in das +Schaff, pfeift 'm Methusalem und sagt: 'Methusalem, stampfen Se mal die +Rueben huebsch klein!' Was macht er? Er beguckt sich das schoene weisse +Schaff, dreht's um, schuettet die Rueben aufs Pflaster und malt auf 'n +auswendigen Boden vom Schaff meine Alte. Die is nu immer wieder +hergelaufen gekommen, hat gelacht und geschimpft auf den Methusalem, und +er hat sie immer angeguckt und drauflos gestrichelt. Da is se ausgerueckt +und er 's Schaff sich ueber'n Kopf gestuelpt und immer hinter der Susanne +her. Und wo er sie erwischte, schnell ihr ins Gesicht geguckt und 'n paar +Striche gemacht. Und dann ging die Jagd von neuem an. Das nennt sich nu +landwirtschaftlicher Betrieb bei uns!" + +"Hat denn der Methusalem die Zeichnung fertiggestellt?" + +"Freilich! Fuenf Tage lang is a mit sein'm Schaff auf 'm Kopp hinter der +Susanne wie wahnsinnig hergewest. Se is ganz ausser Atem gekommen und hat +gesagt, a muesst wirklich 'n sehr schwerer Verbrecher sein. Aber das Bild is +nu fertig. Ich sag Ihn'n, su 'ne alte Eule haben Se Ihrer Lebtage noch +nicht gesehen." + +"Kann man das Bild nicht mal sehn? Sie haben dieses Schaff hoffentlich +nicht wieder als Schaff benutzt?" + +"Nee! Meine Alte hat das Bild abscheuern woll'n, aber da haben alle +Kurgaeste Laerm gemacht." + +"Die Zeichnung ist koestlich!" warf Eva ein. + +"Wo ist denn das Schaff?" + +"Oben in seiner Stube hat's der Methusalem eingeschlossen. Aber ich hab ja +'n zweiten Schluessel." + +"Holen Sie's mal!" + +"Wenn mich die Susanne erwischt, kommt sie gleich mit der Schmierseife und +der Scheuerbuerste hinter mir hergesaust." + +"Holen Sie es. Wir stehen Posten." + +Ich wusste, dass dieser Methusalem ein bekannter ausgezeichneter +Karikaturist war. Als Barthel mit dem Schaff ankam und ich die Zeichnung +sah, war ich entzueckt. Ich sah ein Meisterwerk! Diese ganze pfiffige, +durchtriebene, lachlustige, dicke Susanne lebte, atmete, schimpfte, +lachte, kommandierte, pfiff auf der Zeichnung. + +"Es ist herrlich", rief ich; "es ist zum Kuessen schoen!" + +"Weib!" schrie da Barthel begeistert, "Weib, komm 'raus, der Doktor will +dir 'n Kuss geben." + +Susanne kam heraus, sah das Schaff, kreischte, versuchte einen wilden +Angriff auf ihr Bildnis und erstarrte, als ich ihr sagte, wenn Herr +Stefenson die Zeichnung saehe, wuerde er wahrscheinlich ein- oder +zweitausend Mark dafuer zahlen. + +Die erblasste Susanne rief: + +"Ich kann doch keene so scheussliche alte Schachtel sein wie die da!" + +"Das ist keine scheussliche alte Schachtel", sagte Eva freundlich; "das ist +eine sehr liebe, lustige Muttel!" + +"Siehste, Alte", hoehnte Barthel, "wenn du um die ganze Welt reistest, 's +koennte dich keen Maler schoener uffmalen, als du eben bist. Aber ich bin +nich eifersuechtig, wenn ooch der Methusalem fuenf Tage hinter dir hergerast +is wie verrueckt." + +Mit dieser rachsuechtigen Bemerkung schlug Barthel seine Gattin aus dem +Felde. + +"Holdrioho hoho!" jodelte einer draussen vor dem Tore. + +"Um Himmels willen", rief Barthel, "das is der Methusalem. Wenn der spuert, +dass ich in seiner Stube gewest bin! Der tausendjaehrige Kerl hat Kraefte wie +'n Baer." + +Und Barthel nahm das Schaff auf den Kopf und verschwand eilends im Hause. + +Eva-Hanne sagte: + +"Ich hab immer gern in meinem Leben gelacht, aber so viel wie in den drei +Wochen, da ich hier bin, noch nie." + +"Lachen ist gesund." + +"Ganz gewiss. Ich sehe, wie alle um mich her taeglich gesuender und heiterer +werden. Heiter kann man es zwar nicht nennen, mehr ausgelassen." + +"Ja, sehen Sie, Eva, die Ausgelassenheit ist nur ein ansteigender Talweg +zu dem Berge der Gesundheit und des Glueckes, die Heiterkeit ist der +letzte, klare Gipfel. Zu ihm gelangen wir spaet, erst, wenn wir lange und +muehevoll gestiegen sind, erst, wenn es still und einsam um uns geworden +ist, erst, wenn unsere Augen weithin sehen koennen, ueber alle Tiefen, die +unter uns, und alle Hoehen, die ueber uns waren." + +"Sind Sie selbst schon auf der Hoehe?" + +"Ich gewiss nicht. Ich bin nichts als ein Wegzeiger, der im Tale steht, die +Hand ausstreckt und sagt: Da geht es hinauf!" + +"Vielleicht ist's gut so", meinte Eva nachdenklich; "wenn Sie selbst schon +oben staenden, koennten Sie nichts anderes als winken. Und da wuerde sich +mancher sagen: was will der winkende Mann auf dem steilen Gipfel; er ist +wohl in Not und fuerchtet sich allein dort oben?" + +"Ich finde, Fraeulein Eva, dass wir uns gut verstehn!" + +Ich sah ihr heiss in die Augen. Ihr Blick begegnete mir freundlich, aber +kuehl. Dann senkte sie das Haupt und sah vor sich hin. Der lange Ignaz +schlurfte vorbei. Er brummte einen Gruss und rueckte kaum am Hut. + +"Ein unfreundlicher Mensch", sagte ich, nur um etwas zu reden. "Wenn er +nur nicht mal Unheil anrichtet!" + +"Der Bauer braucht ihn. Aber er ist mir auch manchmal unheimlich." + +"Holdrioho hoho!" jodelte es nun dicht vor dem Tore. Ein starker Kerl +erschien, der brachte eine dicke Weibsperson auf einem Schiebkarren +gefahren. + +"Das ist Methusalem", belehrte mich Eva; "er bringt die dicke Cenzi vom +Felde heim." + +Cenzi war - wie ich wusste - die Gattin eines Berliner Bankiers. In ihrem +Dirndlkostuem sah sie ein wenig schnurrig aus. Methusalem fuhr seine holde +Last bis in die Mitte des Hofes, kommandierte "Alles aussteigen!" und +kippte den Schubkarren um. Cenzi quiekte, ueberkugelte sich zweimal, kam +dann jauchzend auf uns zu in einer merkwuerdigen Gangart, die etwa so +aussah, wie wenn eine Ente den Trippelschritt einer Taube versucht, und +sagte: + +"Denken Sie, der schlechte Mensch; auf dem Schubkarren faehrt er mich, aber +zeichnen mag er mich nicht!" Methusalem schnitt ein Gesicht hinter ihr, +das deutlich ausdrueckte: "Lohnt nicht den Fassboden!" Dann sagte er: "Ich +bin kein Zeichner; ich bin ein Feldarbeiter. Und das Schubkarrenfahren ist +wichtiger fuer Sie, Cenzi, als das Geportraetiertwerden. Sie haben drei +Heukappen auf einen Platz zusammengetragen und waren daher mit Recht so +erschoepft, dass Sie per Achse nach Hause gebracht werden mussten." + +"Er ist ueber so viele Steine hinweggefahren", klagte Cenzi; "ich bin +buchstaeblich wie geraedert." + +"Das wird besser werden, Cenzi", troestete Methusalem, "wenn unser Vater +Barthel erst einen Schubkarren mit Federung und Gummirad angeschafft hat. +Es ist ein Skandal, dass er noch keinen solchen besitzt. Er ist ein +rueckstaendiger Landwirt." + +"Oh, Sie Spoetter!" floetete Cenzi; "aber passen Sie auf, morgen habe ich +wieder drei Pfund abgenommen. Denken Sie, Herr Doktor, neun Pfund habe ich +bei Ihnen in zwei Wochen abgenommen, und das ohne jede Medizin." + +Sie setzte sich zu mir und wollte mich in den Zauber eines Gespraechs ueber +ihren Gesundheitszustand verwickeln; ich aber sagte, sie moege das alles +ihrem Arzt in der Sprechstunde mitteilen. Da war sie denn auch zufrieden. + +Ein Hilfsbrieftraeger erschien. Er uebergab Eva einen Brief. Den Brief hatte +die Reichspost mit der richtigen Adresse im Rathaus abgegeben. Dort war +der Brief in einen neuen Umschlag gesteckt und mit "Hanne - Forellenhof" +adressiert worden. So hatte ihn der Hilfsbrieftraeger ueberbracht. Er blieb +nach dieser Amtshandlung wartend stehen. + +"Nanu, Brieftraeger", sagte Methusalem, "Sie warten wohl auf 'n Trinkgeld? +Sie wissen doch, dass wir alle in diesen gesegneten Landen nicht 'n roten +Heller in der Tasche haben." + +"Eine Zigarre moecht ich gern", sagte der Brieftraeger. + +"Gibt's nicht", schimpfte Barthel aus der Haustuer heraus. "Drei Stueck sull +a bloss am Tage roochen, und die kriegt a ooch taeglich geliefert. Nu is a +extra Brieftraeger geworden, dass a in a Hoefen um Tabak rumschnorr'n kann." + +Der Brieftraeger (er war im Zivilleben Fabrikbesitzer im westfaelischen +Industriebezirk) machte einen niedergeschlagenen Eindruck. + +"Drei Stueck so leichte Zigarrchen ist ja nichts fuer einen, der ein starker +Raucher gewesen ist", sagte er. + +"Die drei Dingerchen hole ich mir frueh um sieben ab und verrauch sie alle +drei nach dem Fruehstueck. Und dann habe ich den ganzen Tag nichts." + +"Troesten Sie sich", sagte Barthel grob, "vielleicht werden Sie ooch noch +gescheidt um 'n Kopp!" + +Nur die dicke Cenzi war mitleidig. Sie hatte sich eben eine Zigarette +angesteckt und sagte: + +"Brieftraeger, ich krieg bloss zwei Stueck am Tag. Aber Sie duerfen einmal +dran ziehen." + +Sie steckte dem Brieftraeger ihre Zigarette in den Mund, und der sog sich +gierig daran fest, blies den Rauch durch die Nase, sog so fest, dass er +binnen Sekunden die ganze Zigarette aufgefressen haette, wenn Cenzi sie ihm +nicht entrissen haette. + +"Den lass ich nie wieder ziehen!" sagte sie empoert. + +Eva hielt ihren Brief in der Hand. Sie war ein wenig unruhig geworden. + +"Er ist von meinem Vater", sagte sie leise zu mir. + +"Begleiten Sie mich bis zum Tor!" + +"Also", fuhr sie fort, waehrend wir langsam gingen und sie sich auf mich +stuetzte, "hat er meinen Aufenthaltsort erfahren. Ich mag den Brief jetzt +nicht lesen. Ich weiss, dass er nichts Erfreuliches enthaelt, und ich will +mir den schoenen Abend nicht verderben." + +So war der alte Streit zwischen Waltersburg und Neustadt in einer ganz +neuen Form wieder ausgebrochen. Die Tochter des Konkurrenten war bei uns +zur Kur, und der Vater protestierte. Anders konnte es nicht sein. + +"Es waere sehr, sehr schade, wenn Sie unser Heim verlassen muessten", sagte +ich und fuehlte, dass eine heisse Angst in mir aufstieg. + +Sie sah finster zu Boden. + +Dann riss sie den Brief auf. + +"Ich will nicht feig sein!" + +Sie las - las - staunte. Dann reichte sie mir den Brief. + +"Oh! Das haette ich nicht gedacht! Lesen Sie!" + +"Liebes Kind! Es ist ja nicht nett von Dir, dass Du hinter meinem Ruecken +ins Lager unseres sogenannten Feindes uebergegangen bist. Aber die Sache +kann sich noch gut zurechtschieben. Die Neustaedter, deren ganzer Sache ich +auf die Beine geholfen habe, machen mir schon seit langem das Leben sauer +und moechten mich nach und nach uebrig machen. Nun erhielt ich gestern von +Mister Stefenson aus Amerika einen Brief, in dem er mich anfragt, ob ich +geneigt sei, den Bau der noch fehlenden zwanzig Hoefe in der Waltersburger +Kuranstalt zu uebernehmen und auch fernerhin die baulichen Unternehmungen +dort zu leiten. In diesem Falle moege ich mit der Waltersburger Direktion, +die verstaendigt sei, in Verbindung treten. Ich bin nach Lage der +Verhaeltnisse gar nicht abgeneigt, der Sache naeherzutreten, und freue mich +jetzt, dass Du bereits Dein Interesse fuer das jedenfalls sehr +aussichtsreiche Waltersburger Unternehmen bekundet hast. In den naechsten +Tagen werden wir uns sehen." + +Ich gab Eva den Brief zurueck. + +"Sie werden nicht glauben, dass ich eine Ahnung von diesen geschaeftlichen +Dingen gehabt habe", sagte sie aengstlich. + +"Gewiss nicht; ich habe selbst auch davon nichts gewusst." + +Ihre Stirn war finster. + +"Es ist schwer fuer mich, das zu sagen - aber Sie sollen mich nicht falsch +beurteilen; es gefaellt mir nicht von meinem Vater, dass er von den +Neustaedtern zu den Waltersburgern uebergeht. Er haette drueben Stange halten +muessen - jetzt erst recht!" + +"Braves, liebes Maedel!" dachte ich; doch ich sagte, um sie zu beruhigen: + +"Sie sind ja auch zu uns gekommen!" + +"Das ist etwas anderes. Ich bin nicht Eva Bunkert, ich bin Hanne vom +Forellenhof. Ich schade den Neustaedtern nichts. Aber mein Vater - der +Gruender von allem! Wenn der uebertritt!" + +"Fraeulein Eva, Ihr Vater ist wohl laengst da drueben nicht mehr ganz mit dem +Herzen dabei. Seine urspruenglichen Waldheime sind dem oeden Hotelbetrieb +gewichen. Ich glaube, er mag darunter gelitten haben. Kaltherziger +Geschaeftskonzern spricht allein in Neustadt. Wenn sich nun Ihrem Vater ein +Feld neuer Taetigkeit bietet, das ihn mehr befriedigt, ist es recht von +ihm, wenn er zusagt." + +"Sie sind ein lieber Mensch", sagte sie dankbar, und meine Augen flammten +auf, und auf einen Augenblick war es mir, als floege meine Seele einem +seligen Lande zu. Das Herz stockte, der Atem setzte auf Sekunden aus, ein +seliger Taumel fasste mich ... + +Draussen an der Tuer erhob sich ein Singen: + + "Abend wird es wieder; + Ueber Wald und Feld + Saeuselt Frieden nieder, + Und es ruht die Welt." + +Das alte Abendlied wurde von vierstimmigem Chor gesungen. Da oeffnete der +lange Ignaz das Tor. Er hatte in der Nische gelehnt, und ich hatte ihn +vorher gar nicht gesehen. Vielleicht hatte er alles gehoert, was wir +gesprochen hatten. Jetzt blickte er mich mit finsterem Gesicht an. Aber +ich beachtete ihn gar nicht. Ich sah auf die Saenger, die durchs Tor zogen. +Sensen und Rechen trugen sie ueber die Schultern, alle mit Feldblumen +geschmueckt, voran schritt Emmerich, der Chormeister, mit einem mit +Kornblumen geschmueckten Taktstock: + + "Nur der Bach ergiesset + Sich am Felsen dort, + Und er braust und fliesset + Immer, immerfort. + + So in deinem Streben + Bist, mein Herz, auch du, + Gott nur kann dir geben + Wahre Abendruh!" + +Als letzte in der Reihe kamen die kleine Luise und eine Frau, die das Kind +an der Hand fuehrte. Diese Frau war wohl noch jung; sie war von hoher, +schoener Figur. Das Gesicht konnte ich nicht sehen, weil das bunte +Kopftuch, das sie trug, weit vorgeschoben war. Luise, die jetzt sehr +haeufig auf dem Forellenhofe war, schmiegte sich dicht an ihre Begleiterin. + +"Wie heisst die Frau, mit der Luise geht?" fragte ich Eva. + +"Sie nennt sich Magdalena, ist sehr still und bleibt fast immer fuer sich +allein. Aber das Kind haengt an ihr." + +Behutsam zog ich mein Notizbuch. Dort hatte ich die Kurgaeste des +Forellenhofes verzeichnet. + +"Magdalena ..., geschiedene Frau Kaufmann Agnes Blassing aus Aachen, +behandelnder Arzt Dr. Michael", stand dort verzeichnet. + +Das Abendlied verklang; die Leute zerstreuten sich an der Brunnenroehre +oder am Bach; die meisten aber zogen doch vor, ihre Abendtoilette auf dem +Zimmer zu besorgen. + +Draussen auf der Strasse knarrte noch ein Wagen. Trotzdem schloss der lange +Ignaz das Tor. Das war eine neue Heimtuecke von ihm; denn vor dem Tor stand +Piesecke mit einem Fuder Klee und wusste nicht, wie er es anstellen solle, +die Zuegel der Pferde, von denen eines sehr unruhig war, nicht loszulassen +und doch an das Tor zu klopfen. + +So schrie er: "Es ist zu! Es ist zu! Bitte, machen Sie gefaelligst auf!" +und es klang wie ein jammernder Hilferuf. Die Leute, die noch im Hofe +waren, lachten, und niemand dachte daran, Piesecke in seiner Not +beizustehen. Da eilte die kleine braune Anneliese ueber den Hof und +versuchte das schwere Tor zu oeffnen. Ich half ihr dabei, und ich sah zum +erstenmal, wie reizend dieses Maedchen war. Wie eine suesse, junge, rote +Rose! Ihre Sternenaugen gruessten mich wieder so freundlich, und ich +glaubte, zu ihrem Herzen wuerde ich den Weg wohl leichter finden als zum +Herzen dieser stolzen Eva. Und sah doch wieder zu dieser Eva hin. + +Nun sollte zur Abendmahlzeit gerufen werden. In anderen Hoefen geschah das +durch eine Glocke. Hier im Forellenhof trat Emmerich mit seiner Leibgarde +auf. Vier Mann, zwei mit Becken, einer mit einer Trommel, einer mit einer +Pauke. Dieser Tischruf war so gewaltig, dass die Leute drunten in +Waltersburg wussten, wann im Forellenhof gegessen wurde. Damit aber auch +der lyrische Teil dieser Emmerichschen Kunstleistung nicht fehle, wurde +ein Kanon gesungen, den Emmerich gedichtet und komponiert hatte: + + "Lobt den Herrn, hat's zu bedeuten, + Wenn zur Ruh die Glocken laeuten, + Doch dabei nicht zu vergessen, + Kommt zum Essen! Kommt! Kommt!" + +Die vier Saenger sangen diesen Kanon mit tiefem Gefuehl. Bald sammelten sich +die Abendgaeste an der grossen Tafel im Garten. Emil Barthel sass an der +Spitze und praesidierte. Es gab Bratkartoffeln, Milch, Weisskaese, Butter und +Brot, gruenen Salat, frische Kirschen und Haselnuesse. Dieses Abend-"Menu" +habe ich glatt von Lahmann im "Weissen Hirsch" uebernommen, weil es kein +besseres gibt. + +Piesecke behauptete, wenn er Milch, Kirschen, gruenen Kopfsalat und +Weisskaese zusammen aesse, bekaeme er auch zusammen die Ruhr, den Typhus und +die Cholera. Er war deshalb mit noch einem anderen Kurgast an einen +Extratisch gesetzt und bekam besondere Kost. Nach vierzehn Tagen, als +Piesecke sah, dass die Gaeste am "Normaltisch" sich sehr wohl fuehlten, wurde +er seiner Einsamkeit ueberdruessig und verlangte zu den anderen. + +Ich ass an diesem Abend mit im Forellenhof, und ich hatte grosse Freude, zu +sehen, wie herrlich es den Leuten schmeckte. Auch die Tischgespraeche, die +gefuehrt wurden, gefielen mir. Weit weg war alles gespreizte, verlogene +Getue, weit weg aller Phrasenkluengel, alles aesthetisierende Jongleurtum, +alle pseudophilosophische Geistreichelei, jede auch noch so versteckte +Prahlerei mit wirklichen oder vermeintlichen Werten aus dem frueheren +Leben. + +Der dicke Franzel erzaehlte dem duerren Heinrich (einem Zoologen aus +Muenchen), dass er drei Maulwuerfe erlegt habe, worauf Heinrich entruestet +erklaerte, das sei eine ungeheure Dummheit, da der Maulwurf als +Insektenvertilger und nachweislicher Nichtpflanzenfresser niemals ein +Wuerzelchen der Wiese, dagegen aber taeglich so viel schaedliche Engerlinge +verspeise, wie er selbst schwer sei. Vater Barthel, zum Schiedsrichter +angerufen, entschied: "Den Buechern nach ist der Maulwurf sehr nuetzlich, +aber dem Bauernverstande nach schlagen wir ihn tot. Von wegen seiner +Haufen!" Heinrich zuckte die Schultern und sagte, es werde wohl auch in +diesen finsteren Aberglauben noch einmal Licht kommen. Vom Ausroden zweier +Weiden erzaehlte einer, vom Pflanzen von Sellerie ein Maedchen, von der +Aussaat von Winterrettich und Wirsing eine andere. Die meisten sprachen +von der lustigen Heuernte, von dem rotbluehenden Kleefeld oder von dem +Wiesenwaesserlein, ueber das eine neue schmale Bruecke mit einem birkenen +Gelaender gelegt worden war. Baeuerliche Themen, manchmal mehr altklug +behandelt, wie Kinder schwaetzen, als wirklich erfahren, wie Vater Barthel +war, der aber sehr wohlwollend alles anhoerte. Weil es an St. Barnabas +geregnet habe, erklaerte ein Rheinlaender, wuerden die Trauben dieses Jahr +von selbst ins Fass schwimmen, und wie das Wetter am Johannistag sei, so +wuerde es bis Michaeli sein, behauptete ein anderer. Ich sah mir die Leute +an, die so sprachen. Sie gehoerten alle zu den gebildeten Schichten der +Bevoelkerung. Wuerden sie je in ihrem eigenen Leben solche Unterhaltung +fuehren, so waeren sie Sonderlinge, als komische Kaeuze, vielleicht als +albern gebrandmarkt. Hier waeren sie laecherlich, wenn sie von hoher +Politik, von gesellschaftlichen Ereignissen und Beziehungen, von +kuenstlerischen oder philosophischen Streitfragen zu reden begaennen. + +Diese Leute haben wirklich alle Ferien vom Ich gemacht. Und ich sehe, dass +ich meine Idee nicht bis in die Einzelheiten selber auszudenken brauche; +hier dichten alle mit an dem grossen Sturmlied, das wir gegen den Jammer +unseres modernen Lebens anstimmen wollen; hier hilft jeder bauen an der +Bruecke, die ueber den Strudel der Zeit zu dem stillen Eiland des Friedens +fuehrt, hier stuetzt einer den andern. Betrachtet den Soldaten, der schwer +beladen sein junges Leben in taeglich vielstuendigem muehseligem Marsch gegen +die Feuerschluende der Feinde schleppt - er wuerde auf seiner furchtbaren +Reise erlahmen, liegenbleiben, verzweifeln nach der dritten oder vierten +Stunde, wenn er allein waere. Aber der Rhythmus der Masse haelt seine +Glieder im Gang; am klingenden Bewusstsein der Gegenwart von tausend +anderen haelt er sich aufrecht. + +So ist es hier auch. Nimm den einzelnen Kulturmenschen, setze ihn in eine +Bauernstube, heisse ihn leben und arbeiten, wie es ein Bauer tut, und das +Heimweh packt ihn am achten Tage und treibt ihn davon. Mit Hunderten, ja +mit Tausenden seinesgleichen aber ist er gluecklich, legt er alle Tage +Strecken auf dem Wege der Gesundheit zurueck, deren er sonst nie faehig +waere, kommt er trotz aller Anfeindung durch sein bequemes, verzaerteltes, +tyrannisches Ich zum Siege. + + + + + + LORELEI + + +Mein Bruder Joachim guckte ueber den Gartenzaun. Und als sich die +Gesellschaft aufloeste zum Abendspaziergang, fuegte es sich leicht, dass Eva +und Annelies, Joachim und ich uns zusammenschlossen. Im Poetenwinkel der +Lindenherberge standen die Fenster offen, da sangen zwei junge Maenner zur +Laute: + + "Rosenbusch holderblueh, + Wenn i mei Maedle g'sieh -" + +Wir blieben stehen und hoerten zu. Die Saenger reichten zwei volle Glaeser +zum Fenster heraus, und unsere Maedchen nippten daran und lachten. + +Annelies hatte meinem Bruder zugetrunken, und es war mir schon +aufgefallen, wie seine sonst so ernsten Augen aufleuchteten. Dann, als der +froehliche Singsang ueberging in "Drauss' ist alles so praechtig, und es ist +mir so wohl", bemerkte ich, dass Joachim heimlich nach Annelieses Hand +fasste, die ihm das Maedchen traumverloren ueberliess. + +Eva stand ans Fenster gelehnt. Der Duft der Wiese schlug mir schwer in die +Sinne. Gluehwuermchen funkelten durchs Gras. Droben im einsamen Hirtenhaus +blies auf seinem Waldhorn der freiwillig Verbannte, dessen Liebesleiden +ich kenne, Eichendorffs traurige Weise: + + "Sie hat einen andern genommen, + Ich war draussen in Schlacht und Sieg, + Nun ist alles anders gekommen, + Ich wollt', es waer' wieder Krieg!" + +Ueber die Wiese gingen zwei langsam dahin. Die Frau vom Forellenhof, die +sich Magdalena nannte, und die kleine Luise. Das Kind erkannte mich und +eilte auf mich zu. Die Frau blieb abgewandt stehen. Da rief die Kleine: + +"Magdalena, Magdalena, kommen Sie doch her! Hier wird so schoen gesungen!" + +Die Frau schuettelte den Kopf, wandte sich aber doch langsam um. Und ob es +auch schon daemmrig war, der Abend hatte mich scharf sehend gemacht; ich +sah, dass das Weib, das dort einsam auf der Wiese stand, Joachims erste +Frau, Luises Mutter, war. + +Der Bruder aber sah sie nicht, und seine Augen waren gehalten, und er +erkannte auch sein Kind noch immer nicht. Langsam tastete wieder seine +weltmuede und doch immer noch gluecksuchende Rechte nach der kleinen +Anneliese keuscher Hand. + +"Magdalena, kommen Sie hierher!" rief das Kind abermals und dringend. + +Die aber schuettelte den Kopf und ging davon. + +Das Kind schmiegte sich an mich; vom Berge her klang noch immer die +Melodie des Eichendorffliedes, und ich sah den Bruder an und hoerte aus dem +Klange des Hornes die Worte: + + "Ich aber war weit schon gegangen, + Jetzt sieht sie mich nimmermehr." + + ------------------------------------------------------- + +Die Nacht war schwueler als der Abend. Es war, als ob von irgendwoher heisse +Gewitterluft ueber unsere Haeupter getragen wuerde. Ich sass wach am Fenster. +Als ich heimgekommen war, hatte ich einen Brief von Stefenson gefunden. Er +machte mir Mitteilung, dass er an den Baumeister Bunkert geschrieben habe +und ihm die Leitung unserer ferneren baulichen Unternehmungen uebertragen +wolle. Dann kam der inhaltsschwere Satz des Briefes: "Ich verhehle Ihnen +nicht, lieber Freund, dass meine tiefe Neigung fuer Fraeulein Eva Bunkert, +deren ich mir inzwischen ganz klar geworden bin, mich zu dem Angebot an +ihren Vater geleitet hat. Dieser Neigung werden Sie - dessen versichert +mich Ihre ehrliche Freundschaft - immer Rechnung tragen." + +Wie schwuel die Nacht war, wie unruhevoll die Seele, schmerzlicher Wuensche, +heisser Angst, tiefer Niedergeschlagenheit voll, da das schoene Traumbild +von Liebe und Glueck von drohendem Wetterleuchten ueberstrahlt an meinem +Himmel stand. + +Da baeumte sich der Wille im jungen Herzen auf, und ich sagte mir: Oho, +mein Freund, wie kommst du dazu, mir den Verzicht auf meine junge Liebe zu +befehlen? Steht dieses Recht in unserem Kontrakt? Ist Liebe ein Schacher, +in dem du mich ueberbieten kannst? Bist du mein Herr und ich dein Sklave, +dem du befehlen kannst: Lass ab von jenem Maedchen, das ich fuer mich will! +Oder, wenn du es auf die Freundschaft hinausspielen willst: wo war je in +der Welt Freundschaft staerker als Liebe, wo waere sie im Kampfe mit ihr +nicht unterlegen? + +Komm nur zurueck, alter Geschaeftemacher, und kaempfe um die Braut! Wenn du +zu lange ausbleibst, wirst du sie als die Meine finden und sie mir gewiss +nicht mehr entreissen. + +So wollte ich das Recht auf mein Lebensglueck wahren. Aber neben dem Willen +sass der Zweifel. Ich wusste, dass Evas Herz viel mehr zu Stefenson neigte +als zu mir. Ich war wohl fuer das Glueck der Liebe nicht bestimmt. Niemals +im Leben hatte es mir ernsthaft gewinkt. Vielleicht war ich zu scheu, zu +vertraeumt meinen Lebenspfad gegangen. Auch die kleine Anneliese, die +junge, rote Rose, hatte ich uebersehen. + +Nun streckte der Bruder die Hand nach ihr, und auf der Wiese stand des +Bruders Weib und sah mit verlorenen Augen nach ihm hin. + +Auch da fuehlte ich ein boeses Wetter aufsteigen. + + ------------------------------------------------------- + +Das ist doch ein kostbares Geschenk, das der Herrgott seinen Erdenkindern +machte: die Arbeit. Hast du ein Leid im Herzen, das nicht heilen will, das +dir den Tag grau faerbt und deine Naechte qualvoll macht, geh zur Arbeit, zu +der herben, tuechtigen Frau, sie wird dich mit so klaren Augen anschauen, +mit so morgenheller Stimme zu dir sprechen, dass du das Haupt hochheben und +tief atmend einen frischen Luftstrom des Lebens einsaugen wirst; bist du +einem Irrlicht nachgegangen und auf sumpfigem Pfad von Schlingpflanzen +tiefer Verzagtheit umschlungen worden, rufe die Arbeit, die tuechtige Frau, +sie wird dich mit derber Hand herausziehen aus deiner Bedraengnis und dich +wieder auf eine feste Strasse stellen; hast du Gueter verloren, welcher Art +es immer sei, wende dich an die Arbeit, die reiche Frau, die leere Taschen +und leere Herzen immer neu zu fuellen vermag; sind dir alle +Unterhalterinnen des Lebens ueberdruessig geworden, lass die Arbeit an deinem +Tisch sitzen bis zum letzten Tage deiner Kraft! + +Denn sie ist deine beste Freundin; sie schuetzt deine Gesundheit, sie +staerkt deine Muskeln; sie wuerzt dir das Mahl und salzt es, dass es nicht +faule; sie spricht dir alle Tage aufmunternde Worte ueber deinen Wert ins +Ohr und huetet dich doch vor Uebermut durch kleine oder grosse Misserfolge; +sie gibt dir fuer deine Feste das rechte Lachen mit, sie schenkt dir zu +deinem Becher den rechten Durst und schliesst dir alle Abende mit leisem +Finger die Lider! + + ------------------------------------------------------- + +So bin ich durch die Arbeit ueber meine Zweifel und Leiden hinweggekommen, +so sind meine Eigenwuensche still geworden und wie kleine Heimatbaechlein +hineingerieselt in den grossen Strom des Willens zum Dienst der +Allgemeinheit. + +Von dem lasse ich mich tragen. Manchmal gluckst noch ein silbernes +Stimmlein alter Sehnsucht auf; aber es verklingt, und ich freue mich der +starken Alltagswelle, die mein Schiff traegt. + +Von den Patienten, die zu mir kommen und ihre Lebensberichte vor mir +ausbreiten, haben die meisten an der Liebe gelitten. Maenner wie Frauen. +Denn nicht immer sitzt auf dem Felsen am Fluss die Lorelei und in dem +scheiternden Kahn unten der Mann; oft schwimmt die Lore unten, und der +Mann sitzt oben, wenn er sich auch nicht sein "golden Haar" kaemmt, sondern +vielleicht nur einen schwarzen Bart streicht. Die Tragik ist immer die +gleiche: der Kahn kippt um. Steht man dann als Leibes- und Seelenarzt am +Ufer und wirft seinen Rettungsring aus, so ist das ein aufregendes, aber +schoenes Geschaeft, und ich denke, nach und nach wird sich bei mir die +Aufregung in eine milde Seelenheiterkeit umwandeln. Habe ich so ein +pudelnasses Menschenkind, das im romantischen Rheinstrom der Liebe +verunglueckte, ans Land gezogen, so lasse ich es erst ein wenig zu Atem +kommen, und dann forsche ich es langsam aus, ob die (oder der), so auf dem +Felsen gedudelt hat, nicht auch mancherlei Schwaechen haben moege, und wird +die Frage ein wenig zaehneklappernd bejaht, so frage ich langsam weiter, +bis sich ergibt, dass die (oder der), so auf dem Felsen gedudelt hat, +eigentlich minderwertig, hingegen der (oder die), so in dem Kahn umkippte, +wesentlich wertvoller sei, weshalb die ganze Ungluecksfahrt eine Torheit +gewesen, nach welcher man klueger geworden und gottlob ans feste Land und +in trockene Kleider gekommen sei. + +In den meisten Faellen hilft meine Methode; sie fuehrt durch das Tuerlein: +"Er ist es nicht wert, dass ich mich opfere", in den Garten der Gesundung. + +Einige Faelle sind hoffnungslos oder doch so schwerer Art, dass immer nur +auf die Zeit gerechnet werden kann, die ihren langen Geduldfaden spinnt. +Die stehen dann wie verloren und verzuernt in dem lustigen Ferienheim vom +Ich, werden zuerst auf einsame Posten geschickt, wo ihnen kein lauter Ton +wehe tut, aber wo eine kleine feste Pflicht sie aufrecht haelt, und +steigen, wenn die Lebenssehnsucht wieder erwacht, Stufe um Stufe ins Tal +zurueck. + + + + + + DIE "KRUMMBEINIGE MEDIZIN" + + +Meine Kurmittel sind nicht ganz gewoehnlicher Art. Es gibt Aerzte, die den +Sitz alles Uebels im Magen suchen; andere begeistern sich fuer die Leber; +wieder andere schwoeren auf warme Fuesse; ganz alte, bequeme Knaben geben +immer zum Schwitzen ein oder verordnen Laxiermittel; wieder andere sagen, +ausser mit Chinin, Digitalis und Quecksilber sei ueberhaupt nichts +anzufangen; diese werden von den Wasserdoktoren "Giftmischer" genannt, und +alle werden von den Homoeopathen verachtet. Ich misch mich da nicht ein; +ich sage: ihr habt alle recht, und der, der am wenigsten tut, tut am +meisten. + +Meine Kuranstalt Ferien vom Ich ist etwas Neues, und es sind auch meine +Kurverordnungen teilweise sehr neu. So habe ich in der kurzen Zeit meiner +hiesigen Praxis meinen Patienten in einundfuenfzig Faellen die Anschaffung +eines Dackels verordnet. Der Dackelhund als Heilmittel ist in der +medizinischen Wissenschaft gewisslich ein Novum, aber er ist gleicherzeit - +das kuehne Bild ist in Tagebuchaufzeichnungen erlaubt - nichts anderes als +ein Ei des Kolumbus. Ich habe selbst seit Jahren einen Dackelhund (in +Amerika drueben nennen sie ihn _german __dog_), er heisst "Spezi", weil er +mir in der Tat ein Spezialfreund geworden ist, und ich kenne die +gesundheitsfoerdernden und erziehlichen Werte seiner Gegenwart zu gut, als +dass ich in meiner Naechstenliebe nicht auch anderen das Glueck eines solchen +Besitzes goennen sollte. Eine wissenschaftliche Arbeit schreibe ich ja hier +nicht; nur eine Tagebuchplauderei. Aber ich will eine erweiterte Abschrift +dieses Kapitels meinen Kollegen geben, die ein wenig die Nase ueber den +"Chef" ruempfen, der so viele "krummbeinige Medizin" verordnet, dass neulich +sechsundzwanzig Dackel auf dem Lindenplatze eine Art Generalversammlung +abhielten und greulichen Unfug veruebten. (Dr. Fristen hat mir damals +gekuendigt mit der Begruendung, dass er ein ernst zu nehmender Arzt sei, und +ich habe ihn ohne Trauer ziehen lassen. Hol der Fuchs alle Spiesser, die +nur ihr Schuleinmaleins ableiern koennen!) + +Einen Dackel verordne ich zunaechst demjenigen, bei dem ich als Pfahlwurzel +seiner Leiden zu grosse Eigenliebe erkenne. Die gewoehnt ihm der Hund +alsbald gruendlich ab. Kein noch so eingefleischter Nietzschianer behauptet +auf die Dauer seinem Dackel gegenueber die "Herrchen"-Natur. + +Das "Herrchen" ist der Dackel; da kann einer dagegen tun, was er will; es +nutzt alles nichts. Zum Beispiel: Der Philosoph, in schwere Gedanken +versunken, strebt auf seinem Abendspaziergang gen Westen. Der begleitende +Dackel - einen Igel erschnuppernd - biegt gen Sueden ab. Der Philosoph wird +sich anfangs um den klaeffenden Koeter ganz und gar nicht kuemmern; aber dann +wird er pfeifen - einmal, zweimal, dreimal leise - dann laut, immer lauter +rufen, drohen, die Faeuste ballen, toben, aus seiner schweren Gedankenbahn +geschleudert werden, umkehren, gen Sueden wallen und Betrachtungen darueber +anstellen, ob nun ein Dachshund oder ein Igel das widerborstigere Tier +sei. Der notgedrungene Gleitflug aus der luftarmen Hoehe eisigen Denkens +ist durch einen Dackel ertrotzt. + +Gut so - in den Ferien vom Ich! + +Oder ein Misanthrop. Sitzt der da in dem ganzen Katzenjammer seines +elenden Weltschmerzes, und sein Dachshund setzt sich ihm gegenueber mit der +ungeheuerlichen Leidensmiene seiner durchtriebenen Viehvisage: die Stirn +in hundert Runzeln, die Ohren haengend, den Schwanz melancholisch +eingeklemmt, die Augen verdreht und die Stimme leise jaulend, wimmernd, +stoehnend, so wird der Misanthrop dieses Jammerbild nicht lange ertragen, +mit dem Vieh auf die Strasse fluechten und sich nicht schlecht wundern, dass +der scheinheilige Jaemmerling ploetzlich wie ein Berserker der Lebenslust +umherrast. Etwas abfaerben wird es schon. Das naechste Mal, wenn er und der +Dachs so truebselig einander gegenuebersitzen, wird sich der Misanthrop +selbst nicht recht trauen und auf die Strasse gehen. + +Der alten Jungfer, die sich ihr Leben lang nach einem Manne gesehnt und +keinen bekommen hat, verordne ich einen Dackel. Dann hat sie endlich den +ersehnten Tyrannen, den sie pflegen und fuettern kann. + +Die kleinliche, ordnungswuetige Hausfrau, die ihrem Mann wegen eines +Zigarrenstaeubchens eine Szene machte und Kinder und Dienstboten teufelte, +bis sie zu uns abgeschoben wurde, bekommt einen Dackel und erhaelt als +Antwort auf ihre entruestete Klage, dass ihr das "entsetzliche Vieh" die +Hausschuhe verschleppe und in eine gute gestickte Decke ein Loch +geknabbert habe, die Antwort, die Welt sei weit, der Himmel sei hoch, die +Hausschuhe und gestickten Decken seien im Universum von nur +nebensaechlicher Bedeutung, und ohne Dackel koenne sie nicht gesund werden. + +Die ganz unheilbar musikalische Donna Eleonora, von der mir ihr Hausarzt +im verschlossenen Briefe mitteilte, sie braechte ihre Nachbarschaft durch +ihr ewiges Klavierspielen zur Verzweiflung, erhielt ein Klavier und einen +Dachshund verordnet. + +Das Klavier hat sie aufgegeben; der Dackel hat es so verbellt und +verheult, dass ihr die Drahtkommode zur Unmoeglichkeit wurde. + +Allen den sehr nervoesen Herren, die zu mir kommen und von denen ich weiss, +dass sie trotz ihrer krankhaften Gereiztheit draussen in der Welt als +Richter oder Examinatoren auf arme Opferlaemmer losgelassen werden, +verordne ich einen Dackel und bitte sie, sich seiner kuenftighin auch vor +ihren Amtshandlungen zu bedienen. Ich denke dabei an die Wirkung milde +ableitender Mittel. Einer, der einen Hund gestreichelt hat, kann keinen +Menschen ohne aeusserste Not zu Boden schlagen, auch wenn seine Nerven noch +so ruiniert sind. + +Ferien vom Ich! + +Das ist so die fieberstillende Wirkung der "krummbeinigen Medizin". Aber +der Dachs wirkt auch staerkend und aufbauend. + +Einer, der an keine Treue auf der Welt mehr glaubte, bekam einen +Dachshund. Nach acht Tagen sagte er mir, der Dackel sei, wie alle +Kreaturen, ein "untreues Luder". Er gehe ihm stets durch die Lappen, immer +seinem tierischen Instinkt nach, geradeso, wie es die Menschen taeten! Vier +Wochen darauf war der Mann bekehrt. Er sagte mir: + +"Bis ich am Hang am Berge bin, ist der Dackel in alle Winde. Aber wenn ich +zwei Stunden dort oben gesessen habe, kommt der Hund zu mir mit +schmutzigen Pfoten und lehmiger Schnauze. Und es ist mir, als ob er +treuherzig sagte: Liebes Herrchen, es gibt zwar noch tausend Mauseloecher, +in die ich schnuppern moechte, aber es ist doch am schoensten bei dir! Das +ist immerhin eine gewisse Treue!" + +Endlich verordne ich einen Dackel allen denen, die ein gespreiztes, +hoffaertiges Gebaren haben, denen, die "sich tun", wie die Leute sagen. Es +sind ihrer sehr viele. Wer "tut sich" heutzutage nicht? Der Dichterling, +der reiche Kaufmann, der Herr Beamte, das ganze Weibsvolk. Bindet ihnen +nur einen Dackel ans Bein, der sie an den Hosen oder am Humpelrock zerrt, +gleich ist ihre Hoheit dahin. + +Man kann nicht geziert, nicht unnatuerlich tun und sein, wenn man mit einem +Dackel geht. Das rustikale Viehzeug verdirbt allen aufgeblasenen Stil, +zerrt einen widerwillig in die Natuerlichkeit zurueck. + +Gewiss, der Dackel ist ein stobiger Philister, ein taeppischer Biedermeier, +ein Kleinbuerger, aber auch ein Nihilist gegen alle Gespreiztheit, ein +genialer Spoetter. + +Ich wuesste nicht, warum ich ihn nicht als ein Heilmittel gegen mancherlei +Gebrechen unserer Zeit in unseren Kurplan einsetzen sollte! + + + + + + IN DER GENOVEVENKLAUSE + + +Die Genovevenklause ist frei geworden. Den Sommer ueber wohnte eine Witwe +mit ihrem Soehnchen darin. Eine vornehme Dame, die nach dem Untergang ihres +Ehegluecks aus ihrer bunten Gesellschaft in die Einsamkeit der Klause +fluechtete. Das Haeuslein ist halb in den Berg hineingebaut, ein Kreuz ist +ueber dem Felsen, der Bach fliesst vorbei, ein zahmes Reh grast vor seiner +Tuer. Es vertritt die Hirschkuh der Legende. Dort bei der Genovevenklause +ist meist tiefe Stille; nur ein schmaler Fussweg fuehrt zu ihr hin, und es +ist dort recht einsam. Nur die Heimwehfluh mit dem Hirtenhaus ist ebenso +still. + +Nun ist die Frau fortgezogen. Sie musste in die Welt zurueck und hatte +Traenen in den Augen, als sie Abschied nahm. + +"Wenn das Grab meines Gatten hier waere, moechte ich nie mehr ausziehen aus +der lieben Klause", sagte sie. + +"Sie muessen es wegen Ihres Sohnes", entgegnete ich ihr; "Sie duerfen keinen +Schmerzensreich, keinen Parsival aus ihm machen; Sie muessen ihn +vorbereiten fuer das Leben." + +"Mir graut vor dem Leben", sagte Frau Herzeleide und zog davon! ... + +Heute war ich in der Direktion. Der Direktor war nicht anwesend, und ich +musste ein wenig warten. Da kam sie zur Tuer herein - Magdalena vom +Forellenhof -, die Frau meines Bruders Joachim. Als sie mich sah, erschrak +sie und strebte zur Tuer wieder hinaus. Ich hielt sie zurueck. + +"Was wuenschen Sie, Magdalena? Der Herr Direktor wird gleich hier sein. +Warten Sie nur einige Minuten!" + +Sie war aeusserst verwirrt. + +"Ich wollte - ich moechte - ich wollte nur anfragen, ob es vielleicht +moeglich sei, dass ich in die Genovevenklause ziehen koennte, da sie frei +geworden ist." + +"Gefaellt es Ihnen nicht mehr auf dem Forellenhof?" + +Sie wich aus. + +"Ich moechte sehr gern in tiefere Einsamkeit." + +"Ist Ihr Arzt damit einverstanden?" + +"Ja." + +Irgendein Angestellter kam und meldete, der Direktor sei zur Bahn +gefahren. + +"Nun, dann warten wir jetzt vergebens auf ihn, Magdalena. Wenn es Ihnen +recht ist, gehen wir zusammen nach der Klause und sehen, wie es dort +steht. Ich werde schon dafuer sorgen, dass Sie die Klause bekommen." + +"Ich bin Ihnen sehr dankbar, Herr Doktor, aber ich moechte Ihnen +meinetwegen den Weg nicht zumuten." + +"Nicht der Rede wert; ich gehe jetzt sowieso spazieren. Kommen Sie!" + +Ich merkte, wie ungern sie mir folgte. Ihr Gesicht war sehr blass, und ihre +Lippen zuckten. Das ehemals so prachtvolle rotblonde Haar war schwarz +gefaerbt; das veraenderte sie am meisten. Aber auch der frueher so rosige +Teint war verloren; die Haut schimmerte blass und feucht; die Kinderaugen, +die so uebermuetig blitzen und lachen konnten, hatten wohl ihre wunderbare +Schoenheit noch, aber sie blickten muede und traurig. + +Waehrend wir so gingen, sprach ich ueber harmlose Dinge, ueber die Ernte, +ueber Vater Barthel. Sie gab kurze Antworten, blieb immer einen Schritt +hinter mir und vermied es, mir ins Gesicht zu schauen. Als wir an den +schmalen Pfad kamen, atmete sie ersichtlich auf. Jetzt konnten wir nicht +mehr nebeneinander gehen. Sie bestand darauf, dass ich voranschritt. + +So kamen wir zur Klause. Hoch ragte das Bild des Erloesers, und ich dachte +an jenen kalten Wintertag, da ich grausam zu dieser Frau gewesen war und +mir nachher der milde Freund Mariens von Magdala einfiel. Heute wollte ich +nicht grausam sein. Diese Frau war so muede, so geschlagen; sie brauchte +keine Strafe mehr. + +"Magdalena", sagte ich, "ich habe gehoert, dass Sie gern mit unserer kleinen +Luise gespielt haben. Das Kind ist viel auf dem Forellenhof. Wird es Ihnen +hier nicht fehlen?" + +Sie seufzte schwer. + +"Ja, es wird mir fehlen. Aber auf dem Forellenhof nimmt es jetzt meist das +junge Fraeulein, die Baerbel, und mir hat Luise versprochen, dass sie mich +alle Tage besuchen will. Sie spielt gern mit dem Reh." + +"Und Sie haben dem Kinde auch viele Geschichten erzaehlt?" + +"Ja, sie hoert gerne Maerchen." + +"Haben Sie auch mit ihr gelesen, geschrieben und gerechnet?" + +"Ja, ich tue das sehr gern." + +"Hm." + +Ich machte eine Pause. + +Dann sagte ich: + +"Das Kind ist ja bald hier, bald dort, und es soll sich auch weiterhin +austoben. Aber als staendiges Unterkommen haette ich fuer die Kleine gern ein +stilles Heim. Wenn es Ihnen recht ist, Magdalena, gebe ich Luise zu Ihnen +in Pflege." + +Da schrie sie kurz und jaeh auf. + +"Herr Doktor, wenn Sie das tun, erweisen Sie mir eine grosse Gnade!" + +Ich sah ihr in die flammenden Augen und sagte: "Ich werde es tun." + +Nun fasste sie mich an den Haenden; ihr ganzer Koerper bebte. + +"Eine Gnade!" wiederholte sie. "Ich bin so verlassen, und ich habe das +Kind so lieb!" + +Sie liess mich los, legte einen Arm ueber die Augen, trat ein wenig zurueck +und stand so ein Weilchen still da. Ploetzlich begann sie bitterlich zu +weinen. + +"Was ist Ihnen, Magdalena?" + +"Es geht nicht; es geht nicht!" schluchzte sie; "wenn Sie - wenn Sie +wuessten, wer ich bin, wuerden Sie mir das Kind nicht uebergeben. Ich bin eine +- eine schlechte Frau!" + +Ich ging zu der Ungluecklichen, legte einen Arm um ihre Schultern und sagte +erschuettert: + +"Du bekommst das Kind doch, obwohl ich weiss, wer du bist!" + +Sie prallte zurueck. + +"Sie wissen - wer ich ..." + +"Ja, Kaethe, ich hab dich erkannt!" + +Da warf sie die Arme in die Luft, stiess einen Schrei aus und verschwand um +den Felsen in den Wald. + +Ich eilte ihr nach und holte sie mit Muehe ein. + +"Wenn Joachim mich erkennt, schlaegt er mich tot!" wimmerte sie. + +"Er erkennt dich nicht. Niemand kennt dich ausser mir. Und ich werde dich +schuetzen!" + +Sie musste sich an mir festhalten, als ich sie zur Klause zurueckfuehrte. +Dort setzte ich sie auf die Bank vor der Haustuer und streichelte ihren +Scheitel. + +"Jetzt sind Sie wieder Magdalena, und ich bin wieder der Herr Doktor. Wir +kennen uns nicht. Das, was jetzt hier geschah, ist nicht gewesen! Morgen +frueh bringe ich das Kind. Beruhigen Sie sich, Magdalena, fuerchten Sie +nichts, aengstigen Sie sich nicht. Das Kind darf sich ja nicht wundern. Es +soll ja eine heitere, zufriedene Pflegerin haben. Auf Wiedersehen!" + +Ich liess sie allein. + + ------------------------------------------------------- + +Meine Mutter hat sich um Luise wenig mehr gekuemmert. Sie hat wohl sicher +Tag und Nacht an das Kind gedacht, aber nicht nach ihm gefragt. Sie hat +keine Freude an dem Maedchen, sie liebt es nicht; sein Dasein aber regt sie +auf, laesst sie leiden. + +Die Mutter kommt kaum alle zwei oder drei Wochen einmal zu mir heraus. Ich +glaube nicht, dass sie an meiner Schoepfung viel Freude hat. Sie ist von +stockkonservativer Natur; alles Neue erscheint ihr verdaechtig. + +Ein- oder zweimal hat die Mutter aber doch Luise fluechtig wiedergesehen. +Sie ist dann in schwere Aufregung geraten. Und eines Septembertags, kurz +nachdem das Kind in der Genovevenklause untergebracht worden war, sagte +die Mutter zu mir: + +"Ich quaele mich mit dem Gedanken, ob es nicht unrecht ist, Joachim die +Anwesenheit seines Kindes zu verheimlichen." + +"Quaele dich nicht, Mutter! Joachim hat bis jetzt dem Kinde seine +Anwesenheit auch verheimlicht, ja das Kind nicht einmal wissen lassen, dass +er ueberhaupt existiert." + +"Du sprichst immer recht lieblos von deinem Bruder!" + +"Ich spreche so, wie ich nach seinem Verhalten sprechen muss!" + +Sie wandte sich beiseite, und ihre feine Gestalt zitterte in Zorn und +Trotz. + +"Ich werde Joachim aufklaeren!" sagte sie bestimmt. + +"Das wirst du nicht tun, liebe Mutter! Du wirst mit mir warten, bis +Joachim menschlich wieder so weit ist, sich von ferne wenigstens seiner +Vaterpflicht zu erinnern und sich einmal zu erkundigen, was aus seiner +Tochter geworden ist. Lass ihn! Er macht jetzt Ferien von seinem voellig +verfehlten Ichleben." + +"Er ist schuldlos an seinem Unglueck!" + +"Nein! Er ist nicht ohne Schuld." + +"Fritz!" + +"Er ist nicht ohne Schuld gegen sich selbst; denn er hat sich durch seinen +masslosen Hass viel tiefer ins Unglueck gebracht, als ein kluger Mensch, der +sich beherrschen kann, noetig hatte, und er hat sich gegen sein Kind +schaebig benommen." + +"Das ist unerhoert, was du zu behaupten wagst. Nun werde ich Joachim +bestimmt aufklaeren." + +"Tue es nicht, Mutter, ich rate dir gut. Joachim wird jetzt noch nicht mit +dem Kinde zusammenleben wollen." + +"Nun, so muesste man eben das Maedchen vorlaeufig noch nach einer guten +Pension bringen." + +"Das wuerde nicht geschehen; sondern wenn eine Trennung noetig waere, wuerde +Luise hierbleiben, und Joachim wuerde von mir entlassen werden." + +"Entlassen?" + +"Ja, es hat sich so gefuegt, dass Joachim gegenwaertig mein Angestellter ist. +Er hat einen sehr kurzfristigen Vertrag." + +"Du bist masslos hochmuetig und lieblos!" + +"Ich handle so, wie es mir mein Herz und meine Vernunft vorschreiben." + +"Berufe dich nicht auf dein Herz", sagte sie, "du hast keines!" + +Und sie ging. + +Ich habe in den folgenden Tagen seelisch gelitten. Nicht nur der Mutter +wegen, die ich liebe und mit der ich mich so wenig verstehe, sondern auch, +weil ich rundum Leute sehe, die sich von der Last ihres Alltagslebens +befreit in Ferienruhe des Daseins erfreuen und ich selbst mittendrin stehe +im Ichleben, im Familienjammer. + +Und da daemmerte mir, dass es gut sei, wenn ich selbst der Liebe fernbliebe, +dass ich in freiem, ungestoertem Zoelibat meiner grossen Idee am besten dienen +koenne, Herz und Sinne zwar leer von manchem Glueck bleiben wuerden, aber Arm +und Fuss frei von jeder auch noch so goldenen Kette, frei zum +Vorwaertsschreiten und Handeln. + +Zur Mutter ging ich nach drei Tagen. Ich sprach freundlich zu ihr und +sagte ihr, dass ich ihre Natur und ihr Handeln ja begriffe und verstaende. +Sie schuettelte zwar das schoene Koepfchen, aber sie liess sich von mir +kuessen, und ich stieg froehlich den Berg wieder hinan. Ich kann nicht lange +traurig sein; mein Herz wendet sich ab vom Kummer, wie eine Pflanze sich +abwendet vom sonnenleeren Nordhimmel. + + + + + + DIE SCHLACHT BEI WALTERSBURG + + +Jeder deutsche Kurort hat seine "Sensation der Saison", so wie jedes +Affentheater seine "groesste Attraktion der Gegenwart" hat. Auch unser +Ferienheim hatte seine Sensation. + +Anton, der aelteste Sohn des Waldschulzen, will Pauline, die aelteste +Tochter des Forellenbauern, heiraten, und es hat sich darum eine heisse +Schlacht entsponnen. + +Die Sache hat eine romantische Vorgeschichte gehabt. Das jungfraeuliche +Herz Paulinens pendelte. Es pendelte zwischen unserem Schulzensohne und +einem jungen Gastwirt aus Neustadt hin und her, und so gerieten die beiden +Kavaliere in die uebliche Rivalenwut und vergerbten sich bei guter +Gelegenheit die beiderseitigen Felle. Bis dahin waere alles in Ordnung +gewesen; aber nun mischte sich Piesecke ein und brachte romantischen +Schwung in die Geschichte. Piesecke war eines Sommertags in Neustadt +gewesen und hatte sein Roesslein in der kleinen Ausspannung des dortigen +Paulinenverehrers untergestellt. Von ungefaehr hatte er dann von der +Sommerlaube im Gaertchen aus das Gespraech zweier Neustaedter Burschen +belauscht, die sich verschworen, mit ihrem Freund, dem Gastwirt, und noch +zwei anderen am naechsten Mittwoch gen Waltersburg zu ziehen, und falls sie +in der Daemmerung am Gartenzaun des Forellenbauern den Schulzensohn im +traulichen Gespraech mit Pauline erwischten, diesen greulich zu verbleuen, +auch sonst an umherschweifendem Burschenvolk des verhassten Waltersburg ihr +Muetchen zu kuehlen. + +Als Piesecke solches hoerte, kam sein fuerstliches Blut in Wallung. +(Piesecke stammt aus einer Heldenfamilie. Sein Urgrossvater hatte als +General in fuenf Treffen gegen Napoleon I. nicht gesiegt!) Waehrend er nun +gen Waltersburg heimfuhr, entwarf Piesecke einen Feldzugsplan, wie dem +Anschlag der Neustaedter siegreich zu begegnen und die Ehre Waltersburgs zu +retten sei. Er warb zunaechst ein Heer. In dasselbe traten mit grosser +Begeisterung ausser dem Schulzensohn der Komponist Emmerich sowie der Maler +Methusalem vom Forellenhof, auch der Saenger Hagen Korrundt, der immer noch +bei uns nachtwaechterte, und die gegenwaertigen Insassen unserer +Raeuberhoehle. Diese letzteren waren vier fragwuerdige Gestalten, die sich +Schinderhannes, Karaseck, Jaromir und Moor nannten, ein faules, +unordentliches Leben fuehrten und nun froh waren, dass sie einmal etwas +Rechtes zu tun bekamen. Acht Mann und er, Piesecke, als Anfuehrer gegen +fuenf Neustaedter - mit dieser betraechtlichen Uebermacht, hauptsaechlich aber +durch seine ueberlegene Strategie, hoffte der Nachkomme des +Napoleonbekaempfers den Sieg zu erringen. + +In der Raeuberhoehle hat Piesecke seinen Plan entwickelt. Die Schlacht +sollte nicht am Gartenzaune stattfinden; denn erstens ueberlasse ein guter +Feldherr die Wahl des Schlachtfeldes nie seinem Gegner, sondern bestimme +selbst, wo er sich schlagen wolle, und zweitens koennte am Gartenzaun Vater +Barthel oder Frau Susanne dazukommen, und dann gaebe es ein Malheur. Anton +sollte vielmehr im Abendscheine mit seiner Braut weiter den Wiesenweg gen +Waltersburg hinabwandeln bis zweihundert Schritt hinter die naechste +Waldecke und daselbst dicht am Bach abwarten, bis er von den lauernden +Neustaedtern angefallen wuerde. Alsbald wuerde er ihm mit noch sechs Mann zu +Hilfe eilen, die ueberraschten Neustaedter wuerden - die Uebermacht erkennend +und bedrueckt durch ihr schlechtes Gewissen - die Flucht hinab gen +Waltersburg ergreifen wollen, aber da wuerden Moor und Schinderhannes, die +weiter unten in den Hinterhalt gelegt wuerden, hervorbrechen, den +Neustaedtern den Weg verlegen und - die ganze Rasselbande sei gefangen. Er +wolle ein fuer die Neustaedter sehr demuetigendes Dokument aufsetzen, das die +Gefangenen unterzeichnen und in dem sie ihre voellige Niederlage zugeben +muessten, und dieses Dokument solle in der Raeuberhoehle unter Glas und Rahmen +aufbewahrt werden als ein Zeichen, dass der langjaehrige Kampf zwischen +Waltersburg und Neustadt mit dem endgueltigen Sieg der Waltersburger +geendet habe. Dem unbequemen Mitbewerber um Pauline aber werde man zu +einem unfreiwilligen Bad im Bach verhelfen, wodurch alle waermeren Gefuehle, +die die Jungfrau etwa in ihrem Herzen noch fuer den Gastwirt hegen sollte, +abgekuehlt werden wuerden; denn er, Piesecke, wisse aus seinem eigenen +bewegten Leben aus vielen Faellen, dass nichts so sicher die Liebe des +Weibes ertoetet, als wenn der Geliebte vor ihr laecherlich wird. + +Waehrend dieser Ausfuehrungen hatte Emmerich bereits auf dem Tisch einen +Siegesmarsch komponiert und Methusalem auf der einen weissgetuenchten Wand +die Umrisse zu einem Triptychon grossen Umfangs entworfen. Die Seitenteile +des Bildes sollten die "Tuecke" und der "Kampf" heissen, das Mittelstueck +aber "Der Sieg". + +Die "Tuecke" wuerde Anton und Pauline im Daemmerlicht dahinwandelnd und von +den Neustaedter Unholden belauert zeigen, der "Kampf" eine besonders +dramatische Szene aus der Waldschlacht darstellen und das Mittelstueck den +Sieg Waltersburgs in grosser Apotheose feiern. Das Mittelstueck war schon +etwas ausgefuehrt. Im Hintergrund der Forellenhof, auf einem Ross Piesecke +als Triumphator voranreitend, ihm folgend Anton und Pauline mit Kraenzen im +Haar; als naechstes Paar die Vertreter der Kuenste, Emmerich mit der Harfe +und Methusalem selbst mit einem Farbentopf und Pinsel, zuletzt die +baerenhaeutigen Kriegsgenossen. + +Und nun musste die ganze Kriegsgenossenschaft stundenlang stillsitzen, da +der Maler sie zeichnete. Emmerich benutzte die Zeit, ihnen seinen +Siegesmarsch, zu dem er rasch eine Textunterlage geschaffen hatte, +einzuueben. + +"So", sagte nach einer Stunde Methusalem, "der Sieg ist ganz und die Tuecke +teilweise gesichert; fehlt bloss der Kampf." + +"Der wird gigantisch!" rief Piesecke. + +Die Sache verlief nicht ganz programmaessig. Zwar gingen die Neustaedter +wirklich in die Falle und ueberfielen Anton zweihundert Meter jenseits der +Waldecke, aber die Kerle rissen nicht - wie vorausgesehen - durch die +Uebermacht erschreckt und ihr boeses Gewissen beunruhigt aus, sondern +blieben da, und da sie sehr handfeste Burschen waren, verhieben sie die +Waltersburger jaemmerlich. Das kam aber daher, dass sich die in Anrechnung +gebrachte Uebermacht Waltersburgs alsbald in eine faktische Minoritaet +verwandelte; denn der Feldherr Piesecke wurde gleich bei Beginn der +Schlacht dadurch kampfunfaehig gemacht, dass ihn ein riesenhafter Neustaedter +Braeuknecht in die Hoehe hob und in den Bach warf; Methusalem konnte sich an +dem Ringen auch nicht beteiligen, da er etwas abseits stehen und die Szene +mit dem Bleistift in rasender Geschwindigkeit in seinem Skizzenbuch +verewigen musste, und der Musiker Emmerich fuehlte sich dazu berufen, +ebenfalls abseits zu stehen und den Mut seiner Kameraden durch Absingung +seiner Siegeshymne anzufeuern. So kaempften nur der Saenger Hagen Korrundt, +der Braeutigam Anton und die Raubgesellen Karaseck und Jaromir, die aber - +da sie in ihrem Privatberuf Wiener Gigerls waren - gegen die rohe Gewalt +der Neustaedter Raufer nicht aufkamen. Es gab fuerchterliche Pruegel, und der +Maler Methusalem rettete Waltersburgs Ruhm nur dadurch, dass er +nachtraeglich seine Schlachtskizze umkehrte, wodurch alle, die unten lagen, +nach oben kamen, und umgekehrt. Moor und Schinderhannes, die hundert Meter +weiter unten im Hinterhalt lagen, um den Neustaedtern den Rueckzug +abzuschneiden, hoerten den Skandal, lugten um die Baumstaemme, kamen aber +nicht zu Hilfe, da sie doch eben im Hinterhalt zu liegen hatten. + +Wer weiss, wie schrecklich diese Schlacht bei Waltersburg noch ausgelaufen +waere, wenn nicht eine starke auswaertige Macht sich eingemischt haette. +Durch den Wald erscholl ploetzlich eine scharfe Stimme: + +"Pauline! Pauline!" + +Pauline hatte bis jetzt an einer Birke gelehnt und zu einem Vierteil mit +Entsetzen, zu drei Vierteilen aber mit Stolz zugesehen, welch grauses +Maennerwerk da fuer sie und um sie getan wurde. Als sie nun aber die rufende +Stimme hoerte, schrie sie: + +"Um Himmels willen, die Mutter! Macht, dass ihr fortkommt!" + +Drauf rissen erst die beiden Braeutigame aus, und mit ihnen verlor sich +rasch ihr Anhang. Pauline eilte nach Hause zu und bekam von ihrer +energischen Mama ein paar Ohrfeigen, weil sie sich "herumgetrieben" habe; +alles Mannesvolk aber fluechtete gen Waltersburg. + +Und da hat es sich begeben, dass der Neustaedter Gastwirt, der den Rueckzug +der anderen deckte, als er sich ausser Frau Susannes Ruf- und Sehweite +fuehlte, doch noch in die Haende der Waltersburger fiel. Sechs Mann haben +ihn gefangengenommen und ihn nochmals verpruegeln wollen. Aber Methusalem +hat gesagt: + +"Pst! Man darf sich an einem geschlagenen tapferen Feinde nicht +versuendigen! Man soll ihn vielmehr ehren. Deshalb werde ich dem Feinde +jetzt mit der schoenen gruenen Farbe, die ich in diesem Flaeschchen habe, +einen Lorbeerzweig auf die Stirn malen." + +Der Gastwirt hat mit Haenden und Fuessen geschlagen, aber sechs Kerle haben +ihn gehalten, und Methusalem hat ihm einen Lorbeerzweig auf die Stirn +gemalt. Mit Oelfarbe! + +Der Gastwirt hat sich in Neustadt nicht mehr sehen lassen koennen und nach +drei Tagen Selbstmordgedanken gehabt. Da hat ihm Methusalem ein Mittel +geschickt, durch das er die unerwuenschte Ehrung abwaschen konnte. + +Aus dem Triptychon ist nichts geworden. Nur eine schoene Bleistiftskizze +von Methusalem, auf der alle Waltersburger oben liegen, ist unseren +Sammlungen einverleibt und zeugt von der Schlacht auf unseren Gemarkungen, +die sich gegen den Erbfeind Neustadt abgespielt hat. + +Piesecke hat an jenem Abend grollend am Bachrand gesessen, triefend vor +Naesse, und alle Schwachheit und Feigheit der Kaempfenden sowie die +Niedertracht der nicht in den Kampf eingreifenden Teile seines Heeres mit +einem einzigen, aus seinem hochfuerstlichen Mund hervorzischenden Wort +charakterisiert: + +"Plebs!" + + + + + + HERBST + + +Das erste Halbjahr, da das Ferienheim in Betrieb ist, geht zu Ende. Wenn +ich es ueberschaue, erfuellt mein Herz rechte Befriedigung. Nicht nur der +aeusseren Erfolge wegen. Unser Unternehmen steht glaenzend da. Wir haben +lange nicht alle aufnehmen koennen, die zu uns kommen wollten. Die Ernte +auf den Feldern und in den Gaerten war gut, unsere Bauern sind zufrieden, +und unsere Kassen und Kasten sind gefuellt. Vieles, ja das meiste, verdankt +dieser aeussere Erfolg der glaenzenden Organisation, die Stefenson dem Ganzen +gegeben hat und die er von Amerika aus geleitet und weiter ausgebaut hat, +wenn auch der Sonderling noch immer nicht nach Europa zurueckgekehrt ist. + +Was mich als Arzt und Mensch am meisten freut, ist der Umstand, dass kaum +einer unserer Kurgaeste ohne grossen gesundheitlichen Gewinn von uns +fortgezogen ist. Das bestaetigt meine eigene Erfahrung, das bestaetigen +meine Kollegen, das sagen vor allem unsere Kurgaeste selbst, die schweren +Herzens Abschied nehmen, wenn ihre Zeit abgelaufen ist. Wenn sie nach dem +Rathaus kommen, ihre Uhr, ihr Geld zurueckerhalten, liegen diese Dinge kalt +und fremd in ihren Haenden, und wenn sie im "Zeughaus" ihre eigenen Kleider +wieder anlegen und, ohne noch einmal umkehren zu duerfen, durch die grosse +Hinterpforte auf die Strasse gelassen werden, wo der Wagen wartet, stehen +die meisten befangen da wie aengstliches Volk, das zum ersten Male in die +Welt zieht. So sicher, geborgen und heimisch haben sie sich in ihren +Ferien vom Ich gefuehlt. + +Sie schreiben alle freundliche Briefe des Dankes und guten Erinnerns und +sagen, dass sie draussen unsere Anstalt preisen, und wenn sie dem oft +gehoerten Einwand begegnen, es sei wohl doch eine etwas kindliche, +theatralische Sache, so beklagten sie alle diejenigen, die nicht wuessten, +wie herzstaerkend und verjuengend die Rueckkehr zu kindlicher Schlichtheit +sei und wie sie gerade vom Theatralischen erloese, von der boesen, so +raffiniert eingeuebten und so schwer zu spielenden, immer aber im tiefsten +Grunde erfolglosen Theaterei unseres Lebens ... + +Auch diejenigen, die organisch leidend waren, haben durch gewissenhafte +aerztliche Kunst sowie durch die Gemuetsruhe und Herzensheiterkeit, die sie +umfing, die besten Erfolge gehabt. + +Der Sommer war gut; es mag Herbst werden. Die Froehlichkeit stirbt deswegen +nicht aus. + +Diese grossen Kinder der Welt fuehlen hier alle die tiefe Schoenheit des +Herbstes, von dem sie frueher nichts wussten, als dass mit seiner Ankunft +"Neuanschaffungen" noetig seien, die Gasrechnungen hoeher wurden und die +Theater- und Konzertsaison beginne. + + ------------------------------------------------------- + +Nach Andeutungen und Schilderungen eines unserer Kurgaeste will ich +schildern, wie ein Herbstmorgen im Ferienheim verlaeuft. + +Der Herbstwind hat gesungen die ganze Nacht. Und wie er an den Fenstern +ruettelt und welkes Laub und duerre Zweige an die Scheiben warf, hat sich +das Menschlein fest in die Decke gehuellt und mit grossen Augen ins Dunkle +gestarrt. Langsam ist seine Phantasie an Bord eines schwarzen +Wolkenschiffes gegangen, das durch das kalte Meer des Himmels fuhr zu +einem unbekannten Ziele. Ein schwarzer Mann stand am Steuer des Schiffes; +muede, schweigende Seelen lehnten oder sassen an seinen Bordwaenden. Lautlos +glitt das Schiff. Nur der Sturm sang seine Melodie, und wilde Gaense +schrien ihr Sehnsuchtslied in den Wind. Sie folgten dem Schiff wie grosse +Moewen, und ihr weisses Gefieder zuckte gespenstisch durch die Nacht. Unter +dem Wolkenschiff war der grosse Ozean der Luft. Menschenhaeuser lagen wie +Muscheln auf dem Meeresgrund, die Waelder standen wie seltsames wirres +Gewaechs wilder Schlingpflanzen, manchmal ragte ein Berg auf wie eine +Insel, um die das Wolkenschiff herumschwimmen musste. Von der Insel glimmte +das Licht einer Berghuette her wie der Schimmer einer Lampe aus einsamem +Strandhaus. Ein Felsen ragte auf wie eine Klippe, an der ein +unvorsichtiges Schiff zerschellen kann. Das Luftmeer rollte, grollte, +stampfte, es schleuderte die schwarze Flotte der Nacht hin und her. Die +wilde Fahrt war voll Grausen, aber auch voll Schoenheit. Immerzu, immerzu +ging es vorwaerts. Da drang ein Laeuten aus der Tiefe. Irgendein Vineta lag +drunten auf dem Grund, da gingen die Glocken. Nun wurde ein lichter +Schimmer am Horizont sichtbar. Dort lagen die weissen Berge des Morgens. +Und im Morgenlande lag die Heimat. + +Da fielen dem Traeumer die Augen zu - er stieg herab von dem dunklen Schiff +-, stieg ans lichte Land und war zu Hause. Weib und Kind waren bei ihm, +und die guten Freunde kamen und schuettelten ihm die Haende. + +Er erzaehlte ihnen, wo er gewesen sei. + +Da klopfte es an die Tuer. + +"Gottfried, stehen Sie auf, es ist halb sieben Uhr!" + +Gottfried rieb sich die Augen und besann sich. Richtig, er war nicht auf +einem Wolkenschiffe, er war auch nicht zu Hause, er war Kurgast im +Ferienheim, richtiger gesagt Bauernknecht auf dem Forellenhofe. + +Sechseinhalb! Es war noch ganz dunkel in der Stube. Und kalt war es. Ein +feiner Regen spritzte ans Fenster. Jetzt waere es wohlig, noch eine oder +zwei Stunden zu schlafen. Ach, bloss noch ein paar Minuten! Sacht beginnt +"Gottfried" wieder einzuschlafen. Aber in dem Augenblick, da sich das +Bewusstsein vom letzten Faden loesen will, schrickt er auf und springt mit +beiden Beinen aus dem Bett. Er wird sich doch nicht von dem Barthel - dem +Bauern - einen Meldezettel an den Arzt schreiben lassen wie ein +Schuljunge, der was "pexiert" hat, von seinem Lehrer. Dieser Barthel ist +ein ganz netter Kerl, aber er "klemmt" einen sofort, falls man ueber die +Hausordnung hinweggeht. Und es ist so bloed, sich dann beim Doktor +entschuldigen zu muessen. Unglaublich, wie leicht ein Mensch in die alten +Pennaeleraengste zuruecksinken kann. Also aufstehen! Beim Anziehen haelt man +sich hier nicht lange auf, es ist zu kalt in der Bude. Auch das +Waschwasser ist kalt. Warmes muesste extra verordnet werden. Und man schaemt +sich hier unglaublich, wenn man so etwas wie verfeinerte Beduerfnisse +erkennen lassen will. Es passt nicht zu einem, wenn man Gottfried Stumpe +heisst. Eigentlich war's doch schoen im Traume, so ploetzlich zu Hause zu +sein. Wie sie alle zaertlich und besorgt waren und nach den Augen schauten, +ob da ein Wunsch abzulesen sei. Hier war das anders, hier hiess es nicht +wuenschen, sondern gehorchen. Ein Wunder war's ja nicht, wenn man manchmal +ein bisschen Heimweh hatte, zumal man fast gar nichts von Hause erfuhr. +Gestern war eine Postkarte gekommen, nach sechs Wochen die erste +Nachricht. "Lieber Mann! Bei uns sind alle wohl, und es ist alles in guter +Ordnung. Wir denken Deiner in Liebe und haben nur den einen Wunsch, dass Du +Dich voellig erholst. Mit treuen Gruessen Dein Weib und Deine Kinder." Das +war alles. Es war ja eigentlich genug, es war ganz nach dem Herzen der +Kurdirektion; aber Details fehlten gaenzlich. Ob nun Fritzchen im +Griechischen auf das volle "Genuegend" gekommen war, ob Lenchen waehrend der +Ferien zum Grossvater reiste, ob der Kollege Neumann sich wirklich den +Adlerorden erschlichen hatte, wer Stadtverordnetenvorsteher geworden war, +wie die Elektrizitaetsaktien standen - ah, kein Wort! Das ging ihn +wahrscheinlich nichts an, ihn, den Knecht Gottfried Stumpe. Auf die +gewohnte Anrede "Herr Amtsgerichtsrat" hatte er beinahe voellig vergessen. +Sie war ihm wie ein Klang aus sagenhafter Zeit. Er war einfach Gottfried. + +"Gottfried", hatte gestern die dicke Susanne gesagt, "helfen Se mir mal +meine Brille suchen; ich hab mir se verlegt und muss die Butterrechnung +schreiben." + +So wurde man sogar zu persoenlichen Dienstleistungen herangezogen. "Man", +der Herr Amtsgerichtsrat! Wie oft ueberhaupt dieses Weib, die Susanne, die +Brille verlegt, ist unglaublich. Methusalem hat ihr jetzt eine Art +Soldatengurt gestiftet, daran haengt wie eine kleine Saebelscheide das +Brillenfutteral. Da soll sie ihre Augenwaffe immer bei sich haben. Aber +sie traegt das Koppel nicht, sie hat es dem Methusalem um die Ohren +schlagen wollen. + +Dieser Methusalem ist ein ganz netter Kerl; nur, er erlaubt sich zuviel +Frechheiten. Ihn, den Amtsgerichtsrat, hat er gezeichnet. Aber nur von +hinten. Er sagt, er haette einen interessanten Ruecken. + +Das Waschwasser ist abscheulich kalt. Und der Spiegel ist klein. Von +ordentlichem Frisieren ist keine Rede. Den Nackenscheitel hat er laengst +aufgegeben. + +Richtig, jetzt kommt noch das Schandvieh, der vom Doktor verordnete +Dackel, verbeisst sich in die herabhaengenden Hosentraeger und zieht und +zerrt daran. "Man" macht eine Bewegung, wie Pferde, die nach hinten +ausschlagen wollen, verliert dabei seinen Pantoffel und bemerkt, dass der +Dackel die Hosentraeger jaehlings loslaesst, sich auf den Pantoffel stuerzt und +mit ihm unter dem Bett verschwindet. Mag er. Mag er ihn zerfressen! Der +Pantoffel gehoert der Kurverwaltung. Und der Dackel ist ihm oktroyiert. +Einfach oktroyiert! Er hat Hunde nie leiden moegen. Schon gar nicht als +Schlafkumpane. Er hat sie immer als wandelnde Flohfabriken verabscheut. +Methusalem hat neulich einen "wissenschaftlichen" Vortrag im Rathaussaal +gehalten und vorher durch oeffentlichen Anschlag angekuendigt. Das Thema +lautete: "Kann der Mensch (_homo sapiens_) von dem Hunde (_canis +familiaris_) einen Floh (_pulex irretans_) erhalten?" Er - Amtsgerichtsrat +_Dr._ - nein, Gottfried Stumpe, hat den Bloedsinn nicht mitmachen wollen. +Zuletzt hat er gerade an dem Vortragsabend rein gar nichts vorgehabt und - +um die Zeit totzuschlagen - hingehen wollen. Aber da hat es geheissen: Der +Saal sei ueberfuellt, die Polizei lasse niemand mehr zu. Tags darauf hat am +Rathaus eine "Rezension" des Methusalemschen Vortrags ausgehangen. Isidor +Karfunkelstein vom Grundhof hat sie geschrieben. Natuerlich Blech! Am +Schluss hat es da geheissen: "So wies der Vortragende in seiner lichtvollen, +hinreissenden Art aufs ueberzeugendste nach, dass Hunde- und Menschenfloh +zwei ganz verschiedene Spezien sind, dass es einem Hundefloh niemals +einfalle, die schoen behaarten Jagdgruende seiner tierischen Pfruende +freiwillig zu verlassen, um auf dem glatten Parkett der Menschenhaut +ungluecklich zu debutieren; dass dem Hundefloh das tierische Blut viel +besser munde als das menschliche; dass ein bei einem Menschen gefundener +Hundefloh eine ausserordentliche Ausnahme, einen armen Verirrten darstelle, +der hoellisch an Heimweh leide, kurz, dass wohl ein Dackel von einem +Menschen einen Floh bekommen koenne, aber nicht umgekehrt. Eine Resolution, +die darauf hinausging: die Mitglieder der Versammlung als Angehoerige der +Kulturwelt seien fest entschlossen, den alten Aberglauben, dass ein _pulex +irretans_ vom _canis familiaris_ freiwillig zum _homo sapiens_ uebergehe, +auszurotten, wurde mit ueberwaeltigender Mehrheit angenommen. Die +ohnmaechtige geringe Opposition wurde ausgelacht." + +Das war also ein "wissenschaftlicher Vortrag" in diesen Ferien vom Ich. + +Verrueckt! Aber alles Volk lief hin, Herren und Damen! Rauften um die +Plaetze! + +Nun hat das Beest, der Dackel, den Pantoffel wirklich zerfetzt. Er guckt - +mit elenden Plueschueberresten in der Schnauze - hoechst durchtrieben unter +dem Bett hervor, und seine weit aufgerissenen Augen fragten: Gibt es nun +Keile oder nicht? + +Er schlaegt ihn nicht. Mag Vater Barthel neue Pantoffeln besorgen. + +Er regt sich nicht auf. Dazu ist er nicht da. Frueher wuerde er gekollert +haben. Jetzt nicht mehr. Er ist Gottfried Stumpe, dem solche Kleinigkeiten +sehr egal sind. + +Der Dackel versteckt inzwischen die Zeichen seiner Schandtat weit unter +dem Bett, dann kommt er naeher, macht ein aeusserst treuherziges Gesicht, +wedelt mit dem Schwanze und bietet das Bild unverdaechtigster +Harmlosigkeit. Gottfried sieht ihn an, beschliesst, die abscheuliche +Heuchelei zu uebersehen und sagt einfach und gelassen: + +"Du bist ein Schweinekerl!" + +Der Dackel blinzelt nach dem Fusse, auf dem sein "Herrchen" in blossen +Socken steht, nimmt den "Schweinekerl" als etwas ganz Selbstverstaendliches +hin und springt dann zaertlich an dem von ihm liebreich geneckten Manne in +die Hoehe. Und der schabt ihm freundlich den Nacken, dort, wo das Fell so +lose sitzt wie ein viel zu weiter Anzug. + +"Gottfried, maehren Sie nicht wieder so lange beim Anziehen! Sie erkaelten +sich!" + +Das war Vater Barthel. "Maehren" hatte er gesagt. Der Mann war nicht +satisfaktionsfaehig. Wenn ihm frueher mal einer "Maehren Sie nicht so lange" +gesagt haette! Zum Beispiel, als er in Sachen Pimpel _contra_ Karsubke +wegen eines Objektes von drei Mark und fuenfzig Pfennig neun Termine +ansetzte, von dem der letzte drei Stunden dauerte! + +Tja - Ferien vom Ich! + +Der Treppenflur ist durch den gelbroten Schein von Petroleumlampen +erleuchtet. Petroleum ist ein Licht, das aus der Erde gequollen ist. Darum +ist es wahrscheinlich so warm. Leute, die um eine Petroleumlampe sitzen, +sehen alle aus wie Bergvolk, das im Innern der Erde haust - +halbbeleuchtete Hoehlengesichter, die sich an den dunkel bleibenden Waenden +doch hell abheben. Alles im Zauberschein stillen, trauten Zusammenhockens, +ein Wissen und Bekennen: draussen ist Nacht. Alles andere grellere Licht +luegt den Tag vor. + +Im Hausflur unten sagt die huebsche Magd Emilie: "Hoppla!", weil Herr +Gottfried an ihre Milchkanne stoesst. Und dann tritt er in die grosse +Bauernstube. Da umfaengt ihn das ganze grosse Behagen des zu frueh Erwachten, +der in eine warme Stube tritt. Alle Glieder dehnen sich in Wohligkeit. Um +den Tisch sitzen schon die Genossen und Genossinnen. Viele trinken Kakao, +andere loeffeln Milchsuppe. Er suppt. Susanne muss ihm den huebschen, +wahrhaft kuenstlerisch geformten Napf zweimal fuellen. Die +Fruehstuecksunterhaltung ist spaerlich und nuechtern wie ueberall. Zu Hause +wuerde er jetzt Kaffee trinken und die Zeitung dazu lesen. Das bisschen +Koffein wuerde ihm wahrscheinlich nichts schaden; aber dass er die Zeitung +wieder mal auf den Tisch hauen oder zerknuellt an die Wand schmeissen wuerde +- das waere schlimmer. Hier gibt's keine Zeitung. Es geht auch so. Sollten +Amerika und Japan inzwischen Krieg bekommen haben, ist's ihm voellig egal, +wer dabei zugrunde geht, gleichgueltiger als der vom Dackel zernagte +Latschen. + +Der Regen spritzt noch immer an die Scheiben. Ein "Sauwetter" wuerde er zu +Hause sagen, die Gummischuhe anziehen, den Mantelkragen hochschlagen und +auf dem schnellsten Wege zur Strassenbahn trachten, um zum Gericht zu +fahren. + +Hier - Gottfried Stumpe - oh weh! Gestern war das Wetter nicht viel +besser, und er hat Duenger fahren muessen. Die Arbeit verteilt Vater +Barthel. Gottfried glaubt, der Bauer habe etwas gegen ihn. Jedenfalls - +das steht fest - dieser Methusalem wird immer bevorzugt. Ist's schoen und +warm, dass er auf dem Kartoffelfelde Allotria mit dem Weibsvolk treiben +kann, geht er hinaus; regnet es und blaest der Wind, wird er zu haeuslichen +Arbeiten verwandt. Alles Protektion auf der Welt! Herr Amtsgerichtsrat Dr. +- nein, Gottfried Stumpe, haette nie gedacht, es noetig zu haben, sich um +das besondere Wohlwollen eines Bauern Barthel oder einer Frau Susanne +bemuehen zu muessen. Er verschmaeht auch alle Liebedienerei, um sich +Verguenstigungen zu verschaffen. Dieser Methusalem - er ist ja sonst ein +netter Kerl - ist schon fuenf Monate hier, aber eigentlich ein Kriecher; +denn er soll Frau Susanne auf einem Schaffboden in einer fabelhaft +geschmeichelten Weise portraetiert haben, dass er, trotz gelegentlicher +Anrempelung, lieb Kind im Hause ist und bleibt. Denn Susannes Bild haengt +jetzt in einer Muenchener Ausstellung; das schmeichelt natuerlich solch +alter Schachtel gewaltig. + +Die dicke Lene drueben am Nachbartisch - Gottfried muesste sich furchtbar +taeuschen, wenn er in ihr nicht die Gattin des Juweliers Rosenbaum erkannt +haette - sagt eben Vater Barthel eine plumpe Schmeichelei ueber seine +Uhrkette, die ein klobiges Ding ist und vielleicht einen Taler gekostet +hat. Aber Barthel, der ein geriebener Patron ist, merkt den Braten und +sagt: + +"Ja, ja, Lene, meine Uhrkette is zwar sehr schoen; aber Rueben abkloppen +muessen Sie heute trotzdem." + +"Es ist so furchtbar kalt!" stoehnt die Dicke. + +"Lene", belehrte sie Vater Barthel wohlwollend; "es is kalt, das is wahr. +Aber Sie sind hier, um duenner zu werden, und Kaelte zieht die Koerper +zusammen." + +Saemtliche Fruehstuecksleute grinsen. Auch Gottfried freut sich. Gestern, als +er Duenger fahren musste, hat er sich bloss damit getroestet, dass es die +Arbeiter auf dem Ruebenstande noch schlimmer hatten als er. Die Rueben aus +dem nasskalten, manschigen Acker zu nehmen, sie aneinander zu "klopfen", +damit ueberfluessige Erde abfaellt, und sie fuer den Wagen zu sammeln, ist an +solchen Regentagen keine schoene Arbeit und nichts weniger als Manikure. +Die Finger werden blaurot. Nur Pulswaermer helfen etwas. Scheusslich. Er - +Gottfried - freut sich auf seine Duengerfuhre. Da pendelt er so langsam +neben seinen beiden nachdenklichen Roesslein einher, und der Ammoniakgeruch, +den seine Ladung ausstroemt, stoert ihn nicht. Der soll sogar ausgezeichnet +gesund fuer die Lungen sein. + +"Methusalem, Sie werden heute Holz hacken!" hoert er Vater Barthel weiter +reden. + +Richtig! Es regnete - folglich blieb Methusalem im Trockenen. + +Gottfried hasste in diesem Augenblick den Methusalem, wie er zu Hause den +Kollegen gehasst hatte, der den Adlerorden erschleichen wollte. Solche +Leute verstehen es eben, immer "nach oben" zu schielen. + +"Oben" - das waren hier Vater Barthel und Frau Susanne. + +Barthel tat so, als ob er unparteiisch sei. + +"Das sage ich Ihnen aber, Methusalem, gravieren Sie mir heute wieder ein +Bild auf die Axt, haben Sie das letztemal Holz gehackt!" + +Methusalem gelobte, keine Barthelsche Holzaxt mehr zu verunzieren, sondern +fleissig Holz zu hacken. In diesem Augenblick trat der Brieftraeger in die +Stube. Er hatte eine riesige Tasche umgehaengt, und in dieser Tasche +steckte ein einziger Brief. + +"Herrn Methusalem auf dem Forellenhof." + +Methusalem oeffnete den Brief, las und sank mit einem Seufzer wie +ohnmaechtig auf die Ofenbank. Die Weiber quiekten, am lautesten Susanne. +Barthel hob den auf den Fussboden gefallenen Brief auf und las ihn ohne +weiteres vor: + + + + + + + "Sehr geehrter Herr! + +Ihre von der gesamten Fachkritik glaenzend beurteilte Zeichnung 'Baeuerin +auf dem Schaffboden' ist heute fuer den Preis von fuenftausend Mark verkauft +worden. + + Die Ausstellungsleitung." + + + + + + +Grosse allgemeine Verwundernis. + +Frau Susanne wurde knallrot. Dann hielt sie sich die Leinwandschuerze vors +Gesicht. Barthel aber klopfte sie auf die Schulter und sagte: + +"Mutter, schaem dich nich! Was kannst du dafuer, dass du so 'ne interessante +Frau bist!" + +Methusalem erholte sich, stand auf und bot ein Bild des Jammers. + +"Kinder", sprach er mit zerknirschter Stimme, "ihr alle kennt mich und +werdet daher Mitleid mit mir haben. Neunhundertachtundneunzigeinhalbes +Jahr bin ich alt; eineinhalb Jahr habe ich bloss noch zu leben. Und nun +werd' ich ploetzlich ein Kroesus. Dass ich in der kurzen Spanne Zeit meines +irdischen Wallens nicht die Riesensumme von fuenftausend Mark ausgeben +kann, werdet ihr einsehen. Und doch muss sie mangels jeglicher Leibeserben +weggeschafft werden. Ihr koennt glauben, dass dieser Fall mein Gemuet hart +bedrueckt. Doch werden wir Mittel und Wege finden, hier so lange Feste zu +feiern, bis ich von dem Alp des Geldes erloest bin." + +Gegen diese Auffassung hielt nun Barthel eine zornspruehende Rede ueber +Sparsamkeit, Maessigkeit und Unvernunft. Manche stimmten ihm zu, andere +widersprachen ihm, es gab ein erhebliches Durcheinander. Inzwischen ging +Frau Susanne immerfort mit roten Wangen und schaemig flimmernden Augen hin +und her. + +"Denken Sie doch, Frau Susanne - fuenftausend Mark - in Muenchen auf der +Ausstellung! Fuer Ihr Bild!" + +"Ruhe!" kommandierte Barthel. "Wir muessen wieder an ernste Dinge denken. +Ekkehard, Sie nehmen einen Schubkarren, fahr'n 'runter nach Waltersburg +zum Kaufmann Scholz und hol'n das Faesschen Heringe ab, das ich bestellt +hab. Lassen Sie sich's aber recht festbinden, dass es nicht 'runterkugelt!" + +"Jawohl!" + +"Thusnelda, Emilie-Karlotti, Strunzel und Eva helfen beim Buttermachen." + +Vierstimmiger piepsiger Frauenchor: + +"Jawohl!" + +"Knusperhase, Friedrich Schiller, Li-hung-tschang, Mussolini und Fuhrmann +Henschel werden Aeppel pfluecken. Baerbel und die Lustige Witwe werden die +Aeppel nach der Aeppelkammer tragen." + +Septett: "Jawohl!" + +"Der Alte Dessauer hat Jagdurlaub bis zum Abendbrot; das Veilchen im +Winkel wird helfen, die Heringe einmarinieren, die Ekkehard bringt; +Piesecke kommt zwei Stunden lang an die Jauchenpumpe; Andreas Hofer, +Moritz Arndt, Fitzlibutzli, der Knecht Elieser, Ali-Baba und Jeremias +Gotthelf gehen zum Ackern aufs Feld. Lene und Joachim Hans von Ziethen +helfen beim Ruebenabkloppen. Fehlt noch jemand?" + +Herr Amtsgerichtsrat Dr. - nein Gottfried Stumpe, erhob sich. + +"Ich!" + +"Ach so - Sie, Gottfried! Nu, Sie helfen auch beim Ruebenabkloppen." + +Gottfried erblasste. Zu widersprechen wagte er nicht. Er hoerte nur noch mit +beissendem Ingrimm, dass Barthel den Methusalem aus Anlass seines Briefes +einen Tag beurlauben wollte. Methusalem aber wies die Ehre zurueck. + +"Nimmermehr!" rief er pathetisch, "denn sehen Sie, Vater Barthel, eine +ungeheure Lebenslust, ein Kraftueberschuss durchstroemt ploetzlich meinen fast +tausendjaehrigen Leib. Ich komme mir vor wie ein Fuenfunddreissiger. Wo soll +ich hin mit der Freud? Austoben muss ich mich. Und das kann ich nur, wenn +ich Holz hacke. Ich will keinen Urlaub, ich hacke Holz!" + +Punkt ein Viertel nach sieben Uhr erklaerte Barthel das Fruehstueck fuer +aufgehoben. Nun gingen alle ihre Wege, die meisten hinauf nach den +Badehaeusern, um ihre "Anwendungen" zu machen. Auch Gottfried Stumpe +schritt hinaus in den fein spruehenden Regen. Er war sehr schlechter Laune. +Auf seinem Kurzettel stand heute ein zehn Minuten langes Bedampfen des +Magens (er litt an Magennerven), dann ein Buerstbad mit nachfolgendem +kuehlen Abguss. Was so die Nervoesen bekommen! Frueher war er auch massiert +worden und hatte im Gymnastiksaale turnen muessen. Jetzt fiel das weg. +Wahrscheinlich war er schon zu gesund zu solch anstaendiger Behandlung. +Jetzt musste er einfach arbeiten. Rueben abkloppen. Mit Maegden und alten +Weibern zusammen. Scheusslich! + +Es war ein reines Wunder, wie man sich das als Kulturmensch gefallen liess. +Dass man nicht einfach sagte: Rutscht mir den Buckel lang; ich reise ab! +Solche Schweinerei, wie Rueben, die im Dreck liegen, abzukloppen, mache ich +nicht mit! Man reiste aber nicht ab. Man wusste, dass sich die Kurverwaltung +aus einer Abreise rein gar nichts machte, weil schon immer Hunderte darauf +warteten, neu eingereiht zu werden. Alle Widerstandskraft verliert man bei +dem Gedanken: sie brauchen dich nicht, du aber brauchst sie. Denn es war +nicht zu leugnen, dass man hier absolut von Grund auf gesuender wurde. + +Also bis acht Uhr war er mit seinen Anwendungen fertig; dann musste er sich +nach der kuehlen Abgiessung eine halbe Stunde lang warm laufen; dann durfte +er eine halbe Stunde lang in irgendeinem bequemen Lehnstuhl des Kurhauses +verpusten. + +Dann aber musste er unwiderruflich aufs Feld. + +Rueben abkloppen! Wenn nur inzwischen der elende Spruehregen aufhoerte. Ein +einziger Trost war, dass bei solchem Wetter das Aepfelpfluecken vom nassen +Baum auch kein Heidenspass war. + +Wie kaemen sonst gerade Friedrich Schiller, Mussolini und Fuhrmann Henschel +dazu, dass sie ... + +Neid und Missgunst plagten ihn immer noch etwas; auch war er noch reichlich +oft schlechter Laune. Das kam wahrscheinlich vom Magen. Aber es war doch +schon zehnmal besser mit ihm als zu Hause. Wie hatte er da oft getobt und +gekollert, mit dem Gerichtsdiener, mit den Angeklagten, mit den Zeugen, ja +mit Weib und Kind. Die Fliege an der Wand aergerte ihn, das Klopfen des +Regens ans Fenster regte ihn auf. Jetzt - wer diesen Dackel und diesen +Vater Barthel vertrug, ohne tobsuechtig zu werden, musste schon sehr gesund +sein. + +Bei seinem Spaziergange traf Gottfried seinen Freund Emanuel Geibel vom +Sonnenhof. Das war der Mann, mit dem er sich am besten verstand, mit dem +er wirklich befreundet war. Sie hatten sich eines Tages beim Pilzesuchen +an einem Waldrande getroffen, jeder mit einem Koerbchen und einem Messer +bewaffnet, hatten einander gegenuebergestanden und gelacht. Dann hatten sie +sich einander vorbestellt: "Emanuel Geibel vom Sonnenhof - Gottfried +Stumpe vom Forellenhof. Freut mich! Freut mich!" Und am sonnigen Waldrande +gesessen und geschwatzt. Allmaehlich aber waren sie in zivilisiertes +Gespraech gekommen, auf Hygiene im allgemeinen, auf Volkswirtschaftliches, +auf hohe, schliesslich auf ganz hohe Politik, dann noch hoeher hinauf auf +die Kunst, haben sogar einen etwas torkeligen Aufstieg in metaphysische +Gebiete versucht, sich in die Firnenzonen der Philosophie und Religion +verklettert und sind dann mit einem waghalsigen Sprung auf die letzte +Gipfelhoehe der Menschheit gesetzt - auf den im Blauschnee glitzernden, +aller gewoehnlichen Sterblichkeit ewig unerreichbaren Gaurisankar der +heiligen Jurisprudenz. + +Da ist dem Amtsgerichtsrat etwas schwindelig geworden. Emanuel Geibel +entpuppte sich als ein hervorragender Jurist, als eiskalter +Verstandesmensch, als einer, der nicht nur ueber den Hanswurst, den +jetzigen Justizminister, spottete, der mit seinem geistigen Zwergenmass die +Riesenschleppe des Ministertalars gar zu possierlich schleifte, sondern +der auch an die Dogmen der anerkanntesten juristischen Groessen mit geradezu +souveraener Ueberlegenheit die Sonde legte. Wie er allein ueber Liszt +urteilte. Dem Amtsgerichtsrat war klar, dass der Mann, der sich unter dem +Namen Emanuel Geibel versteckte, eine eminente Groesse der +Rechtswissenschaft war, hoffentlich der kuenftige Minister. Dann wuerde +vieles an den unhaltbaren verrotteten Zustaenden der heutigen Rechtspflege +gebessert werden. So beschloss der Amtsrichter dreierlei: erstens lieber +gar keine, als eine dumme Bemerkung zu machen, sondern zumeist den andern +reden zu lassen und ihm zuzustimmen; zweitens ganz leise durchschimmern zu +lassen, dass er durch ein ungerechtes Schicksal, vielmehr durch widrige +Gegenstroemungen ins Dunkle gestellt worden sei und gewissermassen auch +etwas mit der Jurisprudenz zu tun habe; drittens privatim sich als +Gottfried Stumpe treuherzig die Sympathie Emanuel Geibels zu erwerben. Das +alles ist gelungen. Eines Tages hat Geibel sogar mit ihm Bruederschaft +gemacht. Denn Emanuel hatte bei allem messerscharfen Verstand ein +poetisches Gemuet, und der Mann, der eben noch Worte gesprochen hatte, von +denen jedes mit Schwefelsaeure getraenkt war, konnte ploetzlich +traumversunken stehenbleiben und seufzen: + + "Oh, darum ist der Lenz so schoen + Mit Duft und Strahl und Lied, + Weil singend ueber Tal und Hoeh'n + So bald er weiterzieht." + +Oder, weil ihm eben einfiel, dass gar nicht Fruehlingszeit sei: + + "Herbstlich sonnige Tage, + Mir beschieden zur Lust, + Euch mit leiserem Schlage + Gruesst die atmende Brust. + Oh, wie waltet die Stunde + Nun in seliger Ruh; + Jede schmerzende Wunde + Schliesset leise sich zu." + +Der eiskalt schliessende Jurist hatte sich ganz in die suessen, goldenen +Melodien Geibelscher Lyrik eingesponnen. Und darum wohl hatte er des +Dichters Namen fuer seine Ferien vom Ich gewaehlt. Die Gegensaetze beruehrten +sich auch hier. + +Diesem Emanuel Geibel begegnete nun Gottfried Stumpe, als er sich an jenem +feuchtkalten Herbstmorgen nach der Abgiessung "trocken lief". Die Begegnung +war nicht ganz zufaellig. Gottfried wusste, dass Emanuel abreiste. Er habe +nur sechs Wochen Urlaub, hatte Geibel ihm gesagt, er koenne nicht laenger +abkommen. Natuerlich, es gab eben im Justizdienst unersetzliche Kraefte. + +Wortkarg stiegen die beiden Freunde miteinander zum "Zeughaus" hinunter. + +"Nun gehe ich da hinein", sagte Emanuel traurig, "und komme nicht mehr +durch diese Tuer in unser liebes Heim zurueck, sondern trete auf der anderen +Seite in meinem Weltanzug auf die Strasse hinaus, die ins kalte Leben +zurueckfuehrt. Ach, mein Freund, mir ist sehr schwer ums Herz. Ich wollte, +wir waeren jetzt oben im Walde und suchten Pilze. Ich hab dich gern +gehabt." + +Gottfried Stumpe wandte sich zur Seite. Emanuels Seele aber wurde wieder +vom Geiste seines Meisters umfangen, und er sagte mit leisem Beben: + + "Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt, + Das ist ein grosses Leiden, + Wie's groess'res nimmer gibt; + + Es klingt das Wort so traurig gar: + Fahr wohl, fahr wohl auf immerdar! + Wenn sich zwei Herzen scheiden, + Die sich dereinst geliebt." + +Wohl verwunderte sich Gottfried ueber diese grosse Zartheit, aber sie packte +ihn, und die Augen wurden ihm feucht. + +Der Freund ging hinein ins Zeughaus. Auf der anderen Seite wuerde er nun +hinaus auf die Strasse treten, die aus diesen friedlichen Ferien +zurueckfuehrt in die harte Schule des Lebens. Gottfried ging um das Zeughaus +herum und gelangte durch ein Seitenpfoertlein ebenfalls hinaus auf die +Strasse. Er wollte den Freund noch einmal sehen. Mochte er zu spaet auf +Barthels Feld kommen, es war ihm einerlei. + +Nach einer Viertelstunde kam Emanuel. Fast haette ihn Gottfried in dem +nuechternen Reiseanzug nicht erkannt. + +"Ah, da bist du noch!" + +"Ja, ich wollte dich noch einmal sehen." + +"Das ist lieb von dir!" + +Emanuel zog die Uhr - eine einfache silberne Taschenuhr. + +"Ganz fremd mutet mich das Ding an. Es ist so grausam pedantisch. Es zaehlt +Minuten und Sekunden. Drinnen in der Heimat ist es besser, da duerfen einem +nur eine Glocke oder der Grossknecht oder Mond und Sterne sagen, wie spaet +es ist. Und dann das Geld, das bedrueckt mich am meisten. Was soll ich mit +den paar Kroeten tun? Mir eine Burg des Gluecks davon bauen? Lieber Gott!" + +"Du wirst noch hoch hinauf kommen!" troestete ihn Gottfried. + +"Nein!" sagte Emanuel bitter. "Da drinnen, da ist es ja geboten, ueber das +eigene Ich zu schweigen. Aber hier draussen auf der Landstrasse will ich +mich dir gegenueber nicht verbergen. Ich hab Pech gehabt. Haett' gern +studiert. Aber wie ich in der Unterprima war, starb der Vater. Da musste +ich abgehen von der Schule. Wurde ein Subalternbeamter. Ich bin Sekretaer +am Amtsgericht zu H." + +"Emanuel!" + +Gottfried rang die Haende ineinander. Ein Subalternbeamter! Dieser +Ministerstuerzer! Dieser Liszt-Kritiker! Dieser gewaltige Umstuerzler von +oben! Ein Sub - sein Duzbruder! Wenn das sein akademischer Stammtisch +wuesste! + +"Emanuel!" + +Gottfried stand so verdattert da, dass in die weichen Zuege Emanuel Geibels +wieder die essigsaure Schaerfe trat, die aber doch nur zu den resignierten +Worten fuehrte: + +"Gottfried! Sie waren da drinnen Gottfried und ich Emanuel - wer wir +draussen sind, braucht uns nicht mehr zu kuemmern, braucht Sie nicht zu +genieren." + +"Ich bin Amtsgerichtsrat Dr. Stein", sagte Gottfried noch ganz benommen. + +"Dann erlaube ich mir, dem Herrn Amtsgerichtsrat eine weitere erfolgreiche +Kur zu wuenschen", sagte Emanuel hoeflich, verneigte sich, ergriff seine +kleine Handtasche und wollte gehen. + +Da aber hatte ihn Gottfried am Arm. + +"Nein, lieber Emanuel, wir bleiben Freunde - auch draussen -, verstehst du? +Von dem bloedsinnigen Kastengeist bin ich im Ferienheim befreit worden." + +Emanuel setzte die Handtasche auf die Strasse. + +"Ich danke dir!" sagte er schlicht, aber in tiefer Freude. + +Sie schieden voneinander. Der Amtsgerichtsrat ging mit beklommenem Herzen, +das jeder hat, der von einem Freunde Abschied nahm, nach dem Ruebenfelde. +Da waren die Leute fleissig an der Arbeit. Nur Joachim Hans von Ziethen, +der auch zum Rueben "abkloppen" kommandiert war, sprang in kuehnen +Husarenspruengen ueber ein lustig brennendes Feldfeuerchen hinweg, um sich +warm zu machen, in Wirklichkeit aber - wie der Amtsgerichtsrat mit +neidischem Grimm bei sich feststellte -, um sich von der Arbeit zu +druecken. + +Zehn Minuten spaeter sprang er mit ueber das Feuer, bis von ferne die +Gestalt Barthels auftauchte. + +Da begaben sich die beiden Drueckeberger schleunigst an die Arbeit. + + + + + + VON DER WEIBLICHEN PUTZSUCHT UND HERRN PIESECKES LEIDEN + + +Gestern vormittag traf ich die kleine Luise, die sich eben von einem +Haufen spielender Kinder trennte. + +"Willst du schon aufhoeren zu spielen, Luise? Die Sonne scheint doch so +schoen." + +"Ich will zu meiner Mamma." + +"Zu deiner Mamma?" + +"Ja, nach Hause!" + +"Sagst du zu Magdalena jetzt Mamma?" + +"Ja. Alle Kinder haben eine Mamma. Ich will auch eine haben. Meine Mamma +soll Magdalena sein." + +"Hast du deine Mamma lieb?" + +"Lieber wie dich!" + +Das klang nicht frech, nur tief ueberzeugt. + +"So. Hm. Lieber wie mich! Das glaube ich gern. Ihr spielt wohl schoen +zusammen?" + +"Nein, wir schneidern. Wir machen ein Kleid fuer mich. Aber es passt immer +nicht richtig, weil Mamma das Schneidern nicht gelernt hat, und da will +uns jetzt die Selma kein neues Zeug mehr geben." + +Selma ist die Beherrscherin unserer weiblichen Schneiderei, eine etwas +schwierige Alte. Das Maedchen ging neben mir her. Mit grosser Munterkeit +sagte sie: + +"Wenn Pappa Stefenson da waere, wuerde er die Selma maechtig ausschimpfen, +weil sie sagt, es ist zu teuer, wenn man fuer ein Kinderkleid vierzig Mark +verbuttert und nichts zustande kriegt. Ach, es wird doch so schoen! Wir +naehen alle Tage neue Schleifen dran." + +"Ich werde mit der Selma sprechen." + +"Ja? Wirst du wirklich? Fuerchtest du dich nicht? Dann sage ihr, wir muessen +ein Meter schottische Seide haben und unten ein bisschen Pelzbesatz. Ich +hab mir's so ausgedacht: oben an dem Kleid will ich einen Matrosenkragen, +in der Mitte will ich schottische Seide und unten Pelzbesatz. Das wird +sehr fein!" + +"Ja, das glaube ich. Will das deine Mamma auch so?" + +"Mamma will so, wie ich will." + +Das war das Maedel, das vor einem Jahr in der Berliner Ackerstrasse +Schnuerbaender verkaufte! Die Erinnerung an diese elende Vergangenheit ist +in ihr voellig erloschen. Gut so! Und auch ihre Kleiderwuensche verstand +ich. Die Kinder hupfen bei uns alle in einer gesunden, einfachen Tracht +umher. Aber ein Maedchen hatte geprahlt, es haette zu Hause ein +Matrosenkleid, ein anderes hatte sich mit einem Kleide mit schottischer +Seide grossgetan, ein drittes sogar von Pelzbesatz gefabelt. So war in +Luise der Wunsch entstanden, alle diese Herrlichkeit in einem einzigen +Kleid zu vereinigen. Die Weibermode setzt ueber die hoechsten Mauern, die +man um ein Ferienheim ziehen kann. Dagegen laesst sich nichts tun. Auch +unsere weibliche Ferienkleidung wird mit tausend Spitzfindigkeiten +"modernisiert" und "stilisiert". Was man allein mit einer heimlich +angebrachten Sicherheitsnadel alles "raffen" kann, wieviel "Schick" man +durch solch einfache Mittel in die vorgeschriebene Gewandung bringen kann, +grenzt ans Wunderbare. Wenn in meinem Ferienheim ueberhaupt mal ein +Aufstand entstehen sollte, wird es eine Frauenrevolution sein. Anfangs +wollte ich fuer alle weiblichen Feriengaeste ein und dieselbe Tracht. Aber +selbst Selma, die, eine Aszetin an Einfachheit und an Grobheit, einem +preussischen Kammerunteroffizier, der Helme und Stiefel "anprobiert", weit +ueberlegen ist, kam mir schliesslich mit dem Vorschlag, vier verschiedene +"Modelle" muessten eingefuehrt werden, eines fuer die Dicken, eines fuer die +Duennen, eines fuer die Langen, eines fuer die Kleinen. Damit habe ich mich +einverstanden erklaert; inzwischen ist bereits noch durchgesetzt worden, +dass die Blonden blaue, die Schwarzen rote Blusen bekommen. + +Fuer die kuehlen Abende werden farbige Umschlagtuecher geliefert. Oh, wie +gross sind die Wunder der Schoepfung! Manche unserer Damen drapieren das +Tuch vom Guertel abwaerts um den Kleiderrock, die meisten tragen das Tuch +rechts oder links ueber die Schulter malerisch geworfen, andere machen sich +eine "ungarische Schuerze" daraus, wieder andere eine Muff; Turbane um den +Kopf werden ebenso geschickt aus dem Tuch hergestellt wie schlichte +Nonnenschleier; einige tragen das zusammengelegte Tuch nur ueber dem Arm, +und einige wenige greifen auf den urspruenglichen Zweck zurueck, die +schlagen das Tuch um die Schultern. + +Dr. Michael hat die Putzsucht der Frauen fuer eine unheilbare Krankheit +erklaert. Ich bin nicht seiner Meinung. Diese Putzsucht ist keine +Krankheit, sondern eine Naturnotwendigkeit; das Weib muss sich putzen, so +wie sich das Kaetzchen beschlecken muss. + + ------------------------------------------------------- + +Neulich kam Piesecke zu mir, ausserhalb der Sprechstunde. Er war noch +erregter, als er sonst oft ist, und sprach zunaechst eine Menge wirres Zeug +durcheinander, aus dem hervorgehen sollte, dass er der ungluecklichste +Mensch der Welt sei. Ich unterbrach ihn. + +"Piesecke, ich glaube jedes Wort, was Sie sagen, aber sprechen Sie +langsamer! Sprechen Sie recht gelassen! Sagen Sie mir ohne alle +Umschweife, was los ist." + +Er rang die Haende ineinander und jammerte: + +"Ach Gott, ich liebe sie, ich liebe sie!" + +"Wen? Mich?" + +"Ach, doch nicht Sie, sondern sie!" + +"Also Hanne vom Forellenhof." + +"Woher wissen Sie ...?" + +"Ich weiss es. Sie haben sich oft genug auffaellig benommen." + +"Und wissen Sie auch, dass sie fortzieht?" + +"Ja, morgen nachmittag. Sie hat ein gutes Engagement an ein Stadttheater +bekommen." + +"Ich ertrag es nicht; oh, ich ertrag es nicht. Sehen Sie, Herr Doktor, Sie +koennen machen mit mir, was Sie wollen, Sie koennen der beste Arzt der Welt +sein, Sie koennen hundert Sanatorien fuer mich bauen, wenn mich dieses +Maedchen verlaesst, bin ich verloren." + +"Gruselig!" + +"Was sagten Sie?" + +"Gruselig!" + +"Herr Doktor, spotten Sie nicht! Diesen Verlust ertrage ich wirklich +nicht; er bedeutet mein Ende." + +"Dann wird in Ihrer Landeszeitung ein schoener Nekrolog ueber Sie +erscheinen." + +Er war empoert. + +"Sie haben kein Herz fuer mich. Aber es ist gut, dass Sie von unserer +Landeszeitung gesprochen haben. Schliesslich bin ich doch ein Prinz!" + +"Hier nicht! Hier sind Sie Piesecke." + +"Das weiss ich; aber ich vergesse nicht, was ich draussen bin. O nein! Sehen +Sie, und das habe ich ihr gesagt." + +"Was? Wem?" + +"Der Hanne habe ich gesagt, dass ich ein Prinz bin." + +"Sie sind wohl verrueckt geworden, Piesecke. Auf solche Indiskretionen +steht die Strafe der Entlassung aus unserer Anstalt." + +"Schimpfen Sie nicht, Herr Doktor; ich bin heute schon genug ausgeschimpft +worden." + +"Was hat denn Fraeulein Hanne zu Ihrer Quasselei gesagt?" + +"Ausgelacht hat sie mich. Sie haelt mich fuer einen Sargfabrikanten aus +Hannover. Stellen Sie sich vor, Herr Doktor, ausgerechnet fuer einen +Sargfabrikanten haelt sie mich." + +"Das Geschaeft eines Sargfabrikanten ist ein sehr ehrbares." + +"Ach Gott, nun sind Sie auch noch gegen mich. Und ich hatte meine ganze +Hoffnung auf Sie gesetzt. Sie sollten ja Fraeulein Hanne sagen, dass ich +wirklich ein Prinz bin und dass sie ein Engagement an unserer Hofoper +annehmen soll." + +"Was haetten denn Sie davon, wenn Fraeulein Hanne in Ihrer Residenzstadt +saenge und Sie inzwischen hier bei uns Duenger fahren muessten?" + +"Ich hatte gehofft, Sie wuerden mich fuer ein paar Wintermonate beurlauben." + +"Daran denke ich nicht im Traume. Bis zum Mai bleiben Sie laut unserer +Abmachung hier. Das entspricht auch ganz den Intentionen Ihres Herrn +Bruders, des regierenden Fuersten." + +Piesecke sass gebrochen vor mir. + +"Mit mir ist's alle", sagte er tonlos. + +"Mit Ihnen war es alle, mein Lieber, als Sie zu uns kamen. Inzwischen +haben Sie sich aber bei uns einen ganz netten Fonds neuer Lebenskraft +gesammelt." + +Er schuettelte trostlos den Kopf. + +"Wohl bin ich gesundheitlich vorwaerts gekommen; aber das nuetzt mir alles +nichts mehr - ich muss sterben. Es gibt Dinge, die ein Mensch nicht +verwinden kann." + +Ich stand auf. + +"Entschuldigen Sie, Piesecke, aber das Mittagessen wartet auf mich. Ich +hab Hunger. Wenn Sie also aus dem Leben scheiden wollen, gehaben Sie sich +wohl! Es freut mich, Sie mal kennengelernt zu haben. Mahlzeit!" + +Da fasste ihn der Zorn. + +"O nein, Herr Doktor, so entkommen Sie mir nicht! So mit einfach +'Mahlzeit', wenn es um mein Leben geht! Ich bin nicht mehr der willenlose +Mensch, der ich im Mai war. Ich wehre mich meiner Haut. Und da muss ich +Ihnen sagen, dass Ihr Sanatorium eine Moerdergrube ist." + +"I, der Dauz!" + +"Jawohl, Dauz! Ich werde Sie schon bedauzen! Wissen Sie, wer der neue +Kurgast auf dem Forellenhof ist, der sich Fritz Steiner nennt?" + +"Nein!" + +"Ein Geheimpolizist aus meiner Vaterstadt ist er. Ich habe ihn +wiedererkannt; denn ich hatte frueher mal mit ihm zu tun. Nun habe ich +gedacht, er sei hergeschickt, um mich zu ueberwachen. Denn er hat mich +frueher schon mal ueberwacht. Aber nein, wie ich ihn gestellt habe, hat er +mir gesagt, dass er auf den langen Ignaz auf dem Forellenhof abzielt. Er +wird den Beweis erbringen, dass Ignaz ein langgesuchter Raubmoerder ist, ein +frueherer Fleischergeselle." + +Ich setzte mich wieder. + +"Also, Piesecke, ist das wahr?" + +"Habe ich Sie je belogen, Herr Doktor?" + +"Nein, Piesecke, belogen haben Sie mich nie. Aber taeuscht sich auch Herr +Steiner nicht?" + +"Das weiss ich nicht. Er wartet noch etwas vom Gericht ab - ich glaube, +Fingerabdruecke oder so etwas - und dann will er zur Verhaftung schreiten." + +Mir wurde unbehaglich. + +"Haben Sie auch eine Auseinandersetzung mit dem langen Ignaz gehabt?" + +"Jawohl. Er will mich umbringen." + +"Bitte, erzaehlen Sie!" + +"Er hat mich schon immer verfolgt und gemisshandelt; er ist ein sehr roher +Kerl. Wie ich nun Fraeulein Hanne das gesagt hab, dass - nun, dass ich eben +doch ein Prinz bin, glaubte ich, ich sei mit ihr und mit Vater Barthel +allein in der grossen Stube. Auf einmal kommt der lange Ignaz hinter dem +Ofen hervor, hat gruengelbe Augen und packt mich an der Kehle. Ich habe +mich gewehrt; aber wenn Vater Barthel und Fraeulein Eva mir nicht geholfen +haetten, haette mich der Kerl erwuergt. Wir haben dann den Mordgesellen zur +Tuer hinausgeworfen, aber er hat gedroht, er werde mich schon erwischen." + +"Hm. Also, lieber Piesecke, ich gebe Ihnen gern zu, dass mir dieser Knecht +Ignaz auch in hohem Grade unheimlich und widerlich ist. Ist er ein Schuft, +der sich in mein ehrliches, sauberes Heim eingeschlichen hat, dann werde +ich der erste sein, ihn den Behoerden ausliefern zu helfen. Aber auch wenn +er nicht der von den Gerichten Gesuchte ist, wird der brutale Mensch +entfernt werden. Das verspreche ich Ihnen." Piesecke sank schon wieder in +sich zusammen. + +"Ach, selbst dieser Raubgesell ist in die blonde Eva verliebt. Und ich +soll sie verlieren! Mag mich doch der Ignaz umbringen. Dann ist es +wenigstens alle mit mir. Ich habe niemand, niemand, der mich gern hat, +nicht einmal einen guten Freund!" + +Da tat er mir leid. + +"Piesecke", sagte ich, "das duerfen Sie nicht sagen. Sie haben einen guten +Freund. Und das bin ich. Ich will Ihnen das dadurch beweisen, dass ich +Ihnen etwas sage, was noch niemand von mir gehoert hat. Auch ich, Piesecke, +habe die schoene Eva sehr liebgehabt und mir nichts sehnlicher gewuenscht, +als dass sie meine Frau werde." + +Er starrte mich an. + +"Auch Sie, Herr Doktor? Und warum haben Sie die Eva nicht genommen?" + +"Weil sie mich nicht will." + +"Sie nicht will?" wiederholte er verwundert. "Sie will nicht mal Sie, und +da soll sie mich wollen?" + +Es lag eine ruehrende Demut in dem Ton, in dem er das sagte. + +"Sehen Sie, Piesecke, wenn man jemand wirklich liebhat, darf man nicht an +sich selbst denken, soll man nur denken: Werde du gluecklich! Es ist etwas +Grosses und Schoenes um das Verzichten! Wir werden es zusammen tragen. Es +gibt Frauen, die das Glueck oder vielmehr das Unglueck haben, dass alle +Maenner sich in sie verlieben, und gerade das Leben solcher Frauen bleibt +oftmals ganz leer. Wir wollen unserer Eva wuenschen, dass sie gluecklich +wird, und wir zwei wollen zusammenhalten." + +Seine leichtsinnigen und doch so grundgutmuetigen Augen schauten mich +feucht an. + +"Ich glaube, dass Sie es gut mit mir meinen, Herr Doktor!" + +"Ich habe Sie gern, Piesecke", sagte ich und legte ihm fest die Hand auf +die Schulter. + + + + + + ABSCHIEDSABEND + + +Am Abend ging ich nach dem Forellenhofe. Die schoene "Hanne" nahm Abschied +von uns. Von Mai an war das Maedchen bei uns, und jetzt, da es gehen +wollte, war mir's, als schwaenden Sommer und Sonne dahin, und es koenne nun +nichts mehr geben als graue Tage. Ich litt wie Piesecke; ich jammerte nur +nicht so. Aber auch vielen anderen Leuten ging Evas Abschied nahe; ich +hoerte, dass die dicke Susanne schon tagelang mit rot verquollenen Augen +herumlaufe. + +Wenn der November kam, wuerden sich wahrscheinlich unsere Kurgaeste an Zahl +vermindern; dann wollte ich auch mal ausspannen, wollte fuer ein paar +Wochen Ferien machen. Ich erwischte mich bei dem Gedanken, dass ich dann +wahrscheinlich nach einer grossen Stadt reisen wuerde, nach Berlin oder +Wien. Ich bin nun schon so lange in dieser Einfachheit und in diesem +ruhigen Frieden, dass ich mich wahrhaftig manchmal sehne, in einer +elektrischen Strassenbahn zu fahren, ein gutes Theater zu besuchen, mal in +einem vornehmen Restaurant zu speisen. Es kann gar nicht anders sein: wenn +der Doktor aus dem Friedensidyll einmal Ferien vom Ich machen will, muss er +in Glanz und Laerm hinein. _Variatio delectat._ Ich nehme es unseren Bauern +nicht uebel, dass sie sich zuweilen Sonntags nach Neustadt +hinueberschleichen, um dort ins Kino zu gehen, und die haemischen +Bemerkungen der "Neustaedter Umschau" ueber diesen Fall beweisen nur, dass +das Blatt keine Ahnung von dem Abwechselungsbeduerfnis des Menschen hat. +Wer immer im Laerm sitzt, wird stumpf, wer immer in der Stille ist, auch; +nur die wechselnde Welle traegt des Menschen Schiff. + +Dass mich neben diesen Erwaegungen auch der Gedanke leitete, ich koenne meine +Ferienreise vorteilhaft ueber die Stadt verlegen, wo Eva diesen Winter +singen wuerde, wollte ich mir kaum zugestehen. Denn ich hatte doch ein Ende +gemacht mit meiner Liebe; ich wusste doch recht gut, dass ich nicht eher ein +idealer Leiter dieses Ferienheims sein wuerde, als ich nicht selbst von +allen persoenlichen Banden und Sorgen befreit war, dass ich immer noch +selbst zu sehr in der alten Haut steckte ... + +Die grosse Stube im Forellenhof war dicht besetzt mit Menschen. Viel alte +Freunde kamen, um sich von Eva zu verabschieden. Ein paar Kraenze von +Astern hingen an den Waenden, die letzten Rosen des Gartens bluehten auf dem +Tisch. Wenn ein Kurgast von uns Abschied nimmt, erhaelt er als Andenken ein +Album ueberreicht, in dem einige gute Bilder nach Radierungen, +Heliogravueren, Aquarellen und Zeichnungen von unserem Heim enthalten sind, +ausserdem aber eine Anzahl Photographien, auf denen der betreffende Gast in +irgendeiner Situation, die er miterlebt hat, verewigt ist. Denn +photographiert wird bei uns viel. Bei der Arbeit, vor dem Bauernhaus, beim +Feldfeuerchen, bei irgendeinem Ulk, beim Waldfest, beim Kirchgang, bei +tausend anderen Gelegenheiten wird von unseren Kurgaesten photographiert. +Und jeder, der auf einem Bilde freiwillig oder unfreiwillig mit +aufgenommen ist, bekommt einen Abzug in sein Album geklebt. + +Eva bekam ein Album in vier Baenden. Sie war sehr lange bei uns, und es +hatten gar zu viele Amateure nachgesucht, wenigstens eine ihrer Aufnahmen +in Evas Album zu bringen. Methusalem hatte einige reizende +Bleistiftskizzen beigesteuert. Die letzte war ein Stimmungsbild von der +Landstrasse, die unten am Zeughaus vorbeifuehrt, zeigte einen im Abendschein +entschwindenden Wagen und hatte die Unterschrift: + +"Die Sonne geht unter." + +Auch du, mein Sohn Brutus? - Es fiel mir auf, wie lustig Methusalem sein +wollte, wie zerstreut er war, wie gemacht heute sein Lachen klang. - + +Eva sass im Scheine der grossen Haengelampe und durchblaetterte das Album. Sie +sagte nicht viel, aber mit einem Male rannen grosse Traenen ueber ihre +Wangen. Dann wischte sie sich energisch das Gesicht ab und sagte: + +"Nein, ich darf mich wohl nicht allzusehr unterkriegen lassen. Aber diese +Buecher sind herrlich. Sie werden mein liebstes Besitztum sein. Alle, alle +sind drin - nur einer fehlt. Ignaz, warum sind Sie nicht auf einem +einzigen Bilde? Mir ist das aufgefallen." + +Ignaz, der am Ofen lehnte, wandte sich weg und drueckte die Wange gegen die +Kacheln des Ofens. "So ein ekliger Kerl, wie ich, ist nicht fuer Bilder", +sagte er mit seiner knurrenden Stimme. Aber es klang wie ein Schluchzen +darin. + +"Es tut mir leid, Ignaz", sagte Eva freundlich; "Sie waren gut und treu zu +mir!" + +Da ging der Knecht stumm zur Tuer hinaus. Ich sah, wie der Kurgast +"Steiner", von dem ich nun wusste, dass er ein Detektiv war, dem langen +Ignaz mit einem messerscharfen Blick nachschaute. + +Barthel hatte zu Ehren des Abends ein Faesschen Moselwein angezapft und +hielt eine Rede: + +"Meine Damens und Herr'n! Der heutige Abend is nich so wie sonst, sondern +anders. Es is ein ernster Abend, weil Fraeul'n Hanne fortzieht, und deshalb +hab ich Sie zu einem Glaeschen Wein eingeladen, und ich wuensche, dass er +Ihnen allen recht wohl bekommen moege. Wir sind alle sehr traurig; denn wir +verlieren Fraeul'n Hanne sehr, sehr ungern." + +Der Redner wurde unterbrochen. Frau Susanne weinte und prustete so heftig, +dass sie sich zur Tuer hinaus retten musste. Auch Barthel fuhr mit der Hand +nach den Augenwinkeln. + +"Sehen Sie, meine Herr'n, meiner Alten geht es auch nahe. Eine Zeitlang - +ich kann das wohl jetzt ruhig sagen - is sie wegen Fraeul'n Hanne und mir +eifersuechtig gewesen. Aber es war bloss blinder Laerm; ich weiss doch, was +ich mir schuldig bin!" + +Wieder eine Unterbrechung. Zwei Herren und eine Dame hielten sich das +Taschentuch vor den Mund. + +"Sehen Sie, meine Damens und Herr'n, mit einem Hausvater, wie ich, ist das +ein reines Elend, obwohl es mir gut geht. Denn sehen Sie, die Leute, die +hierherkommen, verstehen alle rein gar nichts, und die meisten sind sehr +faul und haben das Arbeiten nich gelernt. Ich muss sie erst alle muehsam +zurechtstutzen. Und wenn man dann mal so 'ne Perle bekommt wie die Hanne, +die so famos Butter machen kann, und sie zieht wieder fort, dann ..." + +Mit Barthels Fassung war es aus. Er weinte in sein rot gebluemtes +Taschentuch und konnte schliesslich nur noch sagen: + +"Nun trinken wir halt auf Fraeul'n Hannes ihre Gesundheit!" + +Das Maedchen war sehr bewegt. Es wurden noch einige kurze Ansprachen von +Gaesten gehalten, die Hanne feierten und in denen auch Vater Barthel +unmaessig viel Weihrauch gestreut wurde, und schliesslich musste Hanne singen. +Sie war ruhiger geworden, stimmte ihre Laute und sang mit ihrer zarten, +lieblichen Stimme das Lied, das aller Abschiedslieder Krone ist und +bleiben wird: + + "Morgen muss ich fort von hier + Und muss Abschied nehmen -" + +Waehrend des Liedes oeffnete sich leise die Tuer. Der lange Ignaz schlich +sich herein, lehnte den Kopf an die Wand und presste die Haende an die weisse +Mauer. + +Die Lampe flackerte; die Spaetherbstrosen bluehten auf dem Tisch. + +Als Eva das Lied beendet hatte, stuerzte ploetzlich einer vor, warf sich dem +Maedchen zu Fuessen und rief: + +"Gehen Sie nicht fort - gehen Sie nicht fort, Fraeulein Hanne; ich muss +sonst sterben!" + +Es war Piesecke. Und da sah ich auch schon, wie sich der lange Ignaz +umdrehte, wie ein wilder, giftiger Blick ueber Piesecke und das erschreckte +Maedchen hinfuhr, und im naechsten Augenblick hatte Ignaz den zarten +Piesecke erfasst, schleuderte ihn sich wie einen Sack ueber die Schulter und +verschwand mit ihm durch die Tuer. + +"Dass kein Unglueck geschieht!" rief ich und eilte nach. In aufgeschreckter +Unordnung draengte alles nach dem Hofe. Dort hatte der starke Ignaz den +zappelnden Piesecke bereits mit gewaltiger Wucht auf den grossen +Duengerhaufen geworfen. Es war dem so schmaehlich Behandelten weiter kein +koerperliches Unheil zugestossen; aber ich war doch so erzuernt ob der neuen +Gewalttat des Knechtes und der Stoerung unserer schoenen Stimmung, dass ich +sagte: + +"Ignaz, Sie gehen jetzt schlafen! Und morgen frueh werden Sie Ihr Buendel +schnueren. Dafuer werde ich sorgen!" + +Er wandte sich trotzig zur Seite. Ich ging aufgeregt nach der Stube zurueck +und traf daselbst den Detektiv Steiner, der allein zurueckgeblieben war und +ein Blaettchen Papier, auf dem Fingerabdruecke zu sehen waren, sorgsam mit +den schwachen Spuren verglich, die des Knechtes Ignaz Arbeitsfaeuste an der +weissen Mauer hinterlassen hatten. Ohne auf mich zu achten, ging der Beamte +in den Hausflur hinaus, in den eben der lange Ignaz eingetreten war, trat +auf den Knecht zu und sagte: + +"Josef Wiczorek, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!" + +Die Umstehenden starrten den Sprecher an. + +"Was wollen Sie, Herr Steiner?" fragte der Bauer Barthel erschrocken. + +"Ich heisse nicht Steiner, ich bin Geheimpolizist und habe meine +Legitimation in der Tasche. Ich bitte, dass mir Gelegenheit gegeben wird, +den verhafteten Josef Wiczorek, der sich hier unter dem Namen Ignaz Scholz +aufgehalten hat, sofort nach dem Amtsgerichtsgefaengnis in Waltersburg zu +transportieren." + +Josef Wiczoreks Augen verglasten sich. Ein kurzes Grunzen - und ploetzlich +schlug er mit beiden Faeusten um sich, machte sich Platz und verschwand +blitzschnell im dunklen Hofe. + +"Haltet ihn!" rief der Polizeimann; "er ist ein lange gesuchter +Raubmoerder!" + +Wir schrien alle, wir rannten. Ich stiess mit Barthel zusammen und machte +meinem Grimme Luft. + +"Barthel, das haben wir Ihnen zu verdanken, Sie haben den mir laengst +unheimlichen Gesellen gehalten; Sie haben behauptet, Sie kennten ihn von +Jugend auf als ehrlichen Kerl. Nun kommt diese Schande ueber uns." + +"Herr Doktor, lieber Herr Doktor, verzeihen Sie mir", wimmerte Barthel, +"ich konnte nicht anders!" Er verlor sich von meiner Seite ins Dunkel. + + + + + + GERICHTLICHES + + +Wie wenn ein Marder in einen Taubenschlag eingebrochen ist, so war es. +Alles flatterte wirr durcheinander in Aufregung und Angst. Alle Hoefe +oeffneten sich, von Mund zu Mund flog die Kunde, auf dem Forellenhof sei +ein Raubmoerder ertappt worden, aber entwichen. Der lange Ignaz! Die Weiber +kreischten und schauten neugierig aus Fenstern und Tueren, die Maenner +wagten sich mit Stoecken bewaffnet fuenfzig Meter vors Haus, ihre Frauen +jammerten von der Haustuer aus ueber diese Tollkuehnheit und riefen die +Maenner zurueck - es war abscheulich! Der Loew' ist los, und alles verliert +den Verstand. Nur einige Mutige stuermten hinaus, den Unhold zu fangen, +taten sich zu Gruppen zusammen, bewaffneten sich in der Eile, so gut sie +konnten. + +Ich schuettelte in der nebligen Abendluft erst meine Gedanken zurecht, +sagte mir, dass die Verfolgung bei dieser Rabenfinsternis ganz aussichtslos +sei, und ging nach der Direktion, um den Direktor zu sprechen. Er war +nicht zu finden. Dafuer traf ich den Geheimpolizisten an. Er stand am +Telephon. Nach Waltersburg telephonierte er, nach dem Neustaedter Bahnhof, +nach zehn anderen Stationen im Umkreis, nach der Provinzialhauptstadt. +Immer dasselbe: "Im Ferienheim Waltersburg hat sich unter dem falschen +Namen Ignaz Scholz, genannt der lange Ignaz, der Raubmoerder +Fleischergeselle Josef Wiczorek aufgehalten. Ist soeben nach erfolgter +Verhaftung entwichen." + +Darauf folgte genaue Beschreibung und Aufforderung zur abermaligen +Verhaftung. + +Ich sass ganz zerschlagen auf dem Schreibtischstuhl unseres Direktors, der +immer noch nicht aufzufinden war, und hoerte zu, wie "Herr Steiner" +telephonierte. Er schnarrte mit seiner scharfen Polizeistimme die Schande +meines lieben Ferienheims in alle Winde. Endlich war er fertig. Er wandte +sich an mich. + +"Herr Doktor, Sie sind der verantwortliche Leiter dieses Sanatoriums?" + +"Nur vom aerztlichen Standpunkt aus verantwortlich." + +"Und wer traegt die Verantwortung fuer die gesetzliche Ordnung?" + +"Mister Stefenson und in seiner Vertretung Direktor von Bruening." + +"Wo ist der Direktor?" + +"Ich weiss es nicht." + +"Wo ist Mister Stefenson?" + +"In Amerika." + +Der Polizeimann notierte alles in seinem Buch. + +"Was ist Ihnen von diesem angeblichen Knecht Ignaz Scholz bekannt, Herr +Doktor?" + +Ich sagte ihm, dass mir dieser Knecht Ignaz allerdings persoenlich stark +unsympathisch gewesen sei, dass ich aber - ausser einigen Grobheiten oder +auch Roheiten, die er begangen - keine Veranlassung gehabt habe, den +Menschen fuer einen Verbrecher zu halten, zumal mir der Bauer Barthel, dem +ich vertraue, erklaert habe, er kenne Ignaz von Jugend auf als ehrlichen +Menschen. + +"Dieser sogenannte Ignaz hiess laut Anmeldung Scholz?" + +"Jawohl, Ignaz Scholz." + +"Hm! Wenn einer schon Scholz heisst! Jeder Scholz verkruemelt sich unter der +Masse der Scholze wie ein Koernlein im Sand des Meeres. Ich moechte Sie +bitten, Herr Doktor, mich vorlaeufig nicht zu verlassen." + +"Das soll doch nicht heissen ..." + +"Das soll nur heissen, dass ich Ihrer in jedem Augenblick beduerfen koennte." + +Der Ton, den der Polizist anschlug, verletzte mich, aber ich fuehlte mich +ganz wehrlos, als der Mann seine amtlichen Vollmachten vor mir +ausbreitete. + +"Ich moechte nur bemerken, Herr Doktor, dass ein Kurort wie der Ihrige, wo +niemand unter seinem wahren Namen auftreten darf, ein geradezu grossartiger +Schlupfwinkel fuer verfolgte Verbrecher ist." + +Was sollte ich erwidern? Dass in jedem Kurort, in Zoppot, Ostende, Abbazia +sich jeder Mensch ohne Legitimation unter irgendeinem Namen niederlassen +koenne? Ich unterliess es. + +"Kommen Sie!" + +Das war Befehlston. Ich blieb sitzen. Der Gewaltige wollte wohl eben ein +strenges Wort sagen, da wurde die Tuer aufgerissen, und Piesecke trat ein. +Flugs stand der "Geheime" stramm und schlug die Hacken zusammen. Piesecke +sah schlimm aus. Er hatte ein verschwollenes Auge, und sein Anzug war +schmutzig und zerrissen. Trotzdem nahm er dem Polizeimann gegenueber eine +echte Herrenhaltung an und sprach in einem so voellig veraenderten Ton, dass +ich seine Stimme nicht wiedererkannte: + +"Mann, wie kommen Sie dazu, den Knecht im Forellenhof zu verhaften?" + +"Melde Euer Hoheit untertaenigst, der Knecht Ignaz ist identisch mit dem +Fleischergesellen Josef Wiczorek, der am 17. Februar dieses Jahres seinen +Meister ermordet und beraubt hat." + +"Woher wissen Sie das?" + +"Die Verdachtsgruende haeuften sich: das Signalement des Steckbriefes +stimmt, eine Pruefung der Fingerabdruecke gab die Gewissheit." + +Piesecke sah den Mann durchdringend an. + +"Ich kenne Sie! Als Kriminalbeamter haben Sie nicht allzuviel getaugt; da +sind Sie dazu auserlesen worden, Spaeherdienste am Hofe zu leisten. Auch +jetzt sind Sie hierhergekommen, um mich zu beobachten. Ich habe Sie +gestellt; Sie sagten mir, Sie seien nur des Knechtes wegen da. Aber das +ist Schwindel. Sie sind meinetwegen da. Ja oder nein? Diese Geschichte mit +dem Knecht ist nur Ausrede." + +"Ich darf Euer Hoheit darueber keine Auskunft erteilen." + +Piesecke lachte veraechtlich. + +"Unser Hausminister hat patente Leute. Am dritten Tage, als Sie da waren, +habe ich Sie erkannt trotz Ihres falschen Namens und Ihrer Maske. Also +berichten Sie nach Hause, es sei mir voellig egal, ob Sie hier seien oder +nicht; falls Sie mir zu laestig fielen, so koennte ich mich vergessen und +Ihnen gelegentlich die Peitsche um die Ohren knallen." + +Der Polizeimann wurde dunkelrot. + +"Haben Sie verstanden, was Sie dem Minister berichten sollen?" + +"Zu Befehl, Hoheit!" + +"Wenn Sie nun dazu ausersehen sind, mich zu belauern, wie kommen Sie dazu, +hier eine ausserhalb Ihrer Bestimmungen liegende polizeiliche Handlung, wie +die Verhaftung dieses Knechtes, vorzunehmen?" + +"Ich berichtete meinen Verdacht an den Ersten Staatsanwalt und erhielt die +noetigen Vollmachten." + +"Dagegen laesst sich wohl nichts tun?" + +Diese Frage war an mich gerichtet. + +"Nein - nichts!" + +"Wie urteilen Sie ueber diesen Fall, Herr Doktor?" + +"Es ist ein Unglueck fuer unsere junge Anstalt. Aber es liegt uns natuerlich +fern, der Festnahme eines Verbrechers irgendwelche Hindernisse zu +bereiten." + +"Selbstverstaendlich! Ich begreife nur den Bauern Barthel nicht. Er ist +doch ein ehrlicher Mann, und er hat doch versichert, den langen Ignaz von +Jugend auf zu kennen. Haben Sie dafuer eine Erklaerung, Herr Doktor?" + +"Nein! Ich bin um so bestuerzter, als Barthel mir nach der Verhaftung eben +sagte: ich moege ihm nicht zuernen, er habe nicht anders gekonnt. Ich sage +das ganz offen vor Ihnen, Herr Kommissar, damit Sie sehen, dass von hier +aus nichts verschleiert wird." + +Der Kommissar verneigte sich. + +"Hoheit" presste die Lippen aufeinander. + +"Hm! Ich will nicht wuenschen, dass dem guten Barthel da eine Tragik +erwachse, dass dieser sogenannte Ignaz vielleicht ein Freund oder gar ein +naher Verwandter von ihm ist, den er in seiner Gutmuetigkeit versteckt hat. +Und Sie, Kommissar, Sie brauchen mir das von vorhin nicht uebermaessig +uebelzunehmen. Schreiben Sie also dem Minister: Se. Hoheit ist bei besserer +Gesundheit und hat daher einen Aufpasser nicht mehr noetig. Jetzt will ich +Sie nicht mehr aufhalten. Wohin wollen Sie zunaechst?" + +"Nach dem Forellenhof zurueck, den Bauer Barthel zu vernehmen oder +eventuell ebenfalls zu verhaften." + +"Schoen, wir werden Sie begleiten, wenn Ihnen das zulaessig erscheint." + +"Ich bitte untertaenigst um die Begleitung, Hoheit." + +Der Kommissar oeffnete die Tuer, stand stramm, und "Hoheit" ging in laessig +vornehmer Haltung an ihm vorbei. + +Ein kleiner Anlass von draussen aus der alten Welt, und durch die +Bauernjacke schimmerte der hochgeborene Herr. Ich aber als Arzt freute +mich trotz meiner gedrueckten Stimmung, als ich sah, dass durch seine +Gesundung langsam aus dem Piesecke wieder ein Prinz wurde, ja, ich haette +das Wort "Piesecke" jetzt nicht zu sagen, nicht einmal zu denken gewagt. + +Im Forellenhof war schwerste Bestuerzung. Die dicke Susanne lag kurz und +krampfhaft weinend in einem Korbstuhl; die Frauen bemuehten sich um sie. +Barthel war nicht zu Hause. Auf dem Tisch standen noch die Rosen, an den +Waenden hingen die Asternkraenze. + +"Welch ein entsetzlicher Abschluss!" klagte Eva. + +Ich betrachtete die Fingerabdruecke an der Wand. Sie waren deutlich. Der +lange Ignaz hatte, ehe er sich an die Wand lehnte, das Kohlenfeuer +besorgt. Der Kommissar trat zu mir und dem Prinzen und sagte: + +"Es tut mir leid; aber ich muss zurueck zur Direktion und von den Behoerden +telephonisch auch die Verhaftung des der Beguenstigung dringend +verdaechtigen und verschwundenen Bauern Barthel fordern." + +Der Prinz kniff den Mund zusammen. Dann sagte er: + +"Tun Sie das! Wenn ich mich auch hier getaeuscht habe, glaube ich an nichts +mehr auf der Welt. Dann soll alles zum Deibel gehen!" + +Er schaute mich mit halbem Blick an. Da sagte ich: + +"Ich werde morgen frueh mit Einverstaendnis unseres bevollmaechtigten +Direktors den von Ew. Hoheit unterzeichneten, bis Mai verpflichtenden +Revers vernichten, und Ew. Hoheit steht ohne alle Weiterungen frei, die +Anstalt zu verlassen." + +Er antwortete nicht. Ich dachte daran, dass er durch seinen Kniefall vor +der schoenen Hanne, durch eine ganz direktionslose Tat, den Anlass zu all +diesen Scherereien geschaffen hatte. Und er dachte wahrscheinlich selbst +daran; denn er sagte: + +"Ich weiss, dass ich noch lange nicht geheilt bin; aber ich kann wohl +ueberhaupt keine Heilung finden. Weil ich keine Treue finde!" + +Ich wandte mich ab, trat zum Tisch und zerpflueckte gedankenlos eine Rose. + +Da tat sich die Tuer auf. Barthel erschien. Verstoert. Als er den Kommissar +sah, wollte er zurueck, aber der Polizist war bereits an seiner Seite. +Susanne begann zu schreien, und ich war froh, als sie und alle Frauen das +Zimmer verlassen mussten. + +Als wir allein waren, wurde Barthel verhaftet. Er sank ganz gebrochen auf +die Bank am Ofen. + +"Die Schande! Die Schande! Ach, haett' ich es nicht getan!" + +Der Kommissar schritt zum sofortigen Verhoer. + +"Barthel, Sie haben behauptet, den Knecht Ignaz von Jugend auf zu kennen. +Ist das wahr?" + +Barthel ruehrte sich nicht. + +"Heisst dieser Knecht in Wahrheit Ignaz Scholz?" + +In Barthels Gesicht kam ein verstockter Ausdruck. Er schwieg. + +"Wollen Sie mir nicht Rede stehen, Barthel?" + +Keine Antwort. + +"Sie machen sich ungluecklich. Warum antworten Sie nicht?" + +"Ich kann nicht!" + +Nun wandte ich mich an Barthel. + +"Lieber Barthel, denken Sie nicht ein ganz klein wenig an den guten Ruf +unserer Kuranstalt? Habe ich es nicht immer gut mit Ihnen gemeint? Warum +bereiten Sie mir diese schwere Ungelegenheit?" + +Da begann er zu weinen. + +"Ich kann es nicht mehr aendern. Verzeihen Sie mir ...!" + +Ein Knecht wurde aufgefordert, ein Pferd vor einen Wagen zu schirren. +Darauf fuhr der Kommissar mit Barthel nach dem Waltersburger +Amtsgerichtsgefaengnis. Frau Susanne lag in Schreikraempfen, auch die +anderen Frauen weinten laut. Ich verliess den Forellenhof. In allen Stuben +unserer Ferienanstalt brannte Licht. Ich wusste, in den meisten eroerterte +man die sofortige Abreise. Ich ging nach der Direktion. Der Direktor war +noch immer nicht aufzufinden. So setzte ich mich in seinen +Schreibtischstuhl und starrte ohne eigentlich klare Gedanken ins Licht der +Lampe. Draussen kehrten kleine Trupps von Verfolgern zurueck. Sie hatten von +dem Fluechtling nichts entdeckt, wie zu erwarten gewesen war. Kurz nach +zehn Uhr laeutete das Telephon. Verbindung von Neustadt. + +"Der polizeilich gesuchte Josef Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, ist +soeben, als er in einen Wagen vierter Klasse des neun Uhr siebenundvierzig +Minuten hier abgehenden Personenzuges steigen wollte, verhaftet +worden ..." + +Ich sandte nach dem Prinzen, bestellte einen Wagen, und wir fuhren nach +Neustadt. Auf der Polizei wurde uns weiter keine Auskunft erteilt, als dass +Wiczorek eingesperrt sei und wir alles Weitere abzuwarten haetten. + +Wir blieben in Neustadt ueber Nacht. Am naechsten Morgen stand in der +"Neustaedter Umschau" ein Artikel mit der zentimetergross gedruckten +Ueberschrift "Kuranstalt Waltersburg ein Hehlernest???" + +Mit der ganzen Niedertraechtigkeit, deren der vertrottelte Redakteur dieses +Blaettchens faehig war, hetzte er gegen unsere Anstalt. Alle +Spiesserinstinkte, alle Philisterbedenken, alles Kopfschuetteln +beschraenkter, phantasieloser Koepfe wurde gegen die Grundidee unserer +Kuranstalt wieder lebendig; die Schimpferei begann wieder, der alte +lendenlahme Spott humpelte neu auf den Plan. Der Artikel endete +schliesslich mit einer schamlosen Denunziation: + +"Das Gesetz, das bei uns in Neustadt heilig gehalten wird, verbietet uns, +zu behaupten, dass sich die 'Kuranstalt Waltersburg Ferien vom Ich' infolge +ihrer mehr als eigentuemlichen Einrichtungen, wie Verbot, den eigenen Namen +zu fuehren, die eigene Kleidung zu tragen usw., zu einem Zufluchtsort +lichtscheuen Gesindels auswaechst. Immerhin wird der aufsehenerregende +Fall, dass sich ein Raubmoerder auf einem der besuchtesten 'Hoefe' des +'Ferienheims' mit Wissen des Bauern monatelang verstecken und daselbst +allerhand Roheiten ausueben konnte, zu schwersten Bedenken Anlass geben, +denen sich auch die Behoerden nicht werden verschliessen koennen." + +Ich sah unser Heim aufs schwerste bedroht, sah eine fuerchterliche Waffe in +der Hand unserer Feinde. Eben wollte ich den Fall an Stefenson kabeln, da +wurden wir zur Polizei beschieden. Es handelte sich, wie uns eroeffnet +wurde, um eine Konfrontation mit dem gestern Verhafteten, der ploetzlich +behaupte, weder der gesuchte Raubmoerder Josef Wiczorek noch der Knecht +Ignaz Scholz zu sein. + +Da mich der Polizeibeamte persoenlich kannte, hatte ich nicht notwendig, +mich zu legitimieren, wurde aber aufgefordert, Herrn Pieseckes +Persoenlichkeit festzustellen, und zwar nach seinem wahren Namen und Stand, +nicht nach dem Pseudonym, das er bei uns fuehrte. So sagte ich: "Se. Hoheit +Prinz Ernst Friedrich von ..." + +"Ist das - ist das Ihr Ernst, Herr Doktor?" fragte der Beamte nicht ohne +Bewegung. + +"Nicht nur sein Ernst, sondern sogar sein Ernst Friedrich", sagte Piesecke +hohnvoll und hielt dem Beamten seinen Siegelring hin. "Kennen Sie dieses +Wappen?" + +Der Beamte sah auf das Wappen mit der Krone, stand auf und verneigte sich +tief. + +Da erschienen zwei Gerichtsdiener mit dem Verhafteten. + + ------------------------------------------------------- + +Ich fasste mir an den Kopf: ich glaubte eine Wahnvorstellung zu haben. Der +da eintrat, war - Mister Stefenson. + +"Stefenson", rief ich, "Stefenson, wie kommen Sie ..." + +"Melde gehorsamst, Herr Rat", sagte der eine der Gerichtsdiener, "der +Gefangene hat eine Peruecke und den Bart abgenommen, hat sich gewaschen und +sieht jetzt auf einmal ganz anders aus als gestern abend." + +"Wer ist dieser Mann?" fragte der Beamte mit einem Blick auf mich. + +"Es ist Mister Stefenson, mein Kompagnon, der Begruender unseres +Ferienheims", brachte ich heraus. + +Ich musste mich setzen. + +"Und wer behaupten Sie selbst zu sein, Verhafteter?" + +"Ich behaupte dasselbe wie der Herr Doktor", sagte dieser gelassen; +"allerdings mit einer kleinen Einschraenkung. Ich war und gelte noch als +Mister John Stefenson, Kaufmann aus Neuyork, Chikago, Trinidad; aber ich +habe mich unterdessen auf meine rein deutsche Abstammung besonnen und +heisse mit Genehmigung der hohen deutschen Behoerden seit etwa vierzehn +Tagen Johannes Stefan - Stefan, wie meine hanseatischen Vorfahren seit +etwa vierhundert Jahren geheissen haben." + +Der Beamte fing an, an den Fingern abzuzaehlen: + +"Josef Wiczorek - Ignaz Scholz - John Stefenson - Johannes Stefan - und +hier Prinz Ernst Friedrich - ich moechte die Herren ernsthaft darauf +aufmerksam machen, dass das Gericht von Neustadt keine Waltersburger +Spielerei, sondern eine staatliche Behoerde ist, die nicht mit sich spassen +laesst." + +Der Beamte hatte ja ganz recht. Ich beteuerte ihm nochmals, dass ich in dem +Manne, wenn er auch wirklich mit dem gestern verhafteten angeblichen Josef +Wiczorek, _alias_ Ignaz Scholz, identisch sei, zweifelsfrei meinen +Kompagnon John Stefenson wiedererkenne. + +"Und Sie wollen in der ganzen Zeit, da sich dieser Mann bei Ihnen +aufhielt, keine Ahnung gehabt haben, wer er eigentlich ist?" + +"Ich habe in der Tat von Stefensons Anwesenheit in Waltersburg nicht das +mindeste gewusst, sondern waehrend all der Monate mit Stefenson nach Amerika +telegraphisch und brieflich verhandelt." + +"Sie kennen doch aber die Schrift Ihres Kompagnons?" fragte der Beamte +weiter. "Waren die amerikanischen Briefe in dieser Schrift geschrieben?" + +"Jawohl!" + +"Wie ist das moeglich?" wurde der Verhaftete gefragt. + +Der zuckte die Achseln und sagte verbindlich: + +"Das ist Geschaeftsgeheimnis!" + +"Wir werden der Sache auf den Grund gehen", entgegnete der Beamte ernst, +"und Ihnen zeigen, dass hier kein Ort fuer Maskeraden ist." + +Da wurde zum Glueck "Herr Steiner", unser Geheimpolizist, gemeldet. Der +Kommissar verneigte sich tief vor Piesecke und darauf mit etwa zehn +Prozent dieser Verneigung vor uns anderen insgesamt und sagte: + +"Herr Rat, es ist mir soeben auf meine gestrige Meldung von der +zustaendigen Staatsanwaltschaft der telegraphische Bescheid zugegangen, dass +der gesuchte Wiczorek vorgestern in Braunschweig verhaftet worden, dass +seine Identitaet festgestellt ist und auch bereits ein Gestaendnis vorliegt. +Ich bitte also, den Knecht Ignaz Scholz aus der Haft zu entlassen, da sich +der Verdacht, der zu seiner Verhaftung fuehrte, als unbegruendet erwiesen +hat." + +Stefenson laechelte freundlich. Der Richter machte ein enttaeuschtes +Gesicht. + +Es gab noch allerlei Formelkram zu erledigen, dann wurden wir alle, +Stefenson eingeschlossen, entlassen. + + + + + + AUFKLAeRUNGEN + + +Auf der Strasse trat der Kommissar an den Prinzen heran und sagte: + +"Ich bitte Ew. Hoheit untertaenigst um Verzeihung wegen der Behelligung." + +Hoheit legte dem Manne huldvoll die Hand auf die Schulter. + +"Mein Lieber, ich hab gar nischt gegen Sie. Aber tun Sie mir 'nen +Gefallen: reisen Sie ab. Sie sind hier uebrig. Lenken Sie mal die +Aufmerksamkeit des Ministers auf den Prinzen Emanuel. Der scheint mir ein +lockeres Huhn und der Beaufsichtigung sehr beduerftig zu sein. Er ist +gegenwaertig in Syrakus. Sie haben keine Ahnung, Mann, wie schoen es in +Syrakus ist. Da machen Sie sich mal nuetzlich! Glueckliche Reise und viel +Vergnuegen!" + +Der Kommissar reiste ab ... + +Mich ging das alles kaum etwas an. Ich dachte nur an Stefenson. Er war +zunaechst nach seiner Zelle zurueckgegangen und hatte uns durch einen +Gerichtsdiener sagen lassen, wir moechten im "Hotel Bristol" auf ihn +warten. Nach einer reichlichen Stunde kam er. In mir war inzwischen das +Gefuehlsbarometer hinaufgeschnellt und heruntergestuerzt, vom Glutwetter der +Bewunderung bis zum Regensturm der Wut - hin und her, her und hin. Ich +konnte diesem unberechenbaren Manne gegenueber niemals zu ruhiger +Beurteilung kommen. Schliesslich beschloss ich, ihm offene Feindschaft +anzusagen. + +Als er kam und sein Glas Sherry bestellt hatte, sagte er so ruhig, als ob +er eine eben abgebrochene Unterhaltung wieder aufnehme: + +"Dieser Redakteur von der 'Neustaedter Umschau' ist ein schwerfaelliger +Kopf. Nicht mal richtig stenographisch aufnehmen kann der Pinsel. In +meinem Artikel von gestern abend waren mehrere Dummheiten." + +"Ah - Sie haben den Artikel ueber Ihre Verhaftung in der Umschau selbst +geschrieben?" + +"Na, selbstverstaendlich. Der Trunkenbold kann's doch nicht. Als ich so +unerwartet verhaftet werden sollte, bin ich zunaechst nach der Redaktion +des feindlichen Blattes gegangen, hab dort einen Artikel diktiert (und +natuerlich auch bezahlt) und bin dann nach dem Bahnhof hinaus und hab mich +da festnehmen lassen. Der Artikel ueber die Verhaftung war eher fertig als +die Verhaftung selbst. Das ist man doch in solchem Fall seinem Unternehmen +schuldig." + +Das Barometer stieg wieder. Aber es lag noch eine schwere Depression ueber +mir, und ich sagte: + +"Ich glaube nicht gerade begriffsstutzig zu sein; aber Ihre Art, sich zu +geben und zu handeln, ist so ueberaus merkwuerdig, dass ich nicht mehr +mitkann, sondern Ihnen aufs ernsthafteste erklaeren muss ..." + +"Ein Extrablatt!" + +Ein Bote stuermte ins Zimmer. + +"Bitte, lesen Sie!" sagte Stefenson ruhig. + +Die "Neustaedter Umschau" vertrieb ein Extrablatt. Es war ungefaehr ein +halbes Quadratmeter gross und enthielt in Fettdruck die Nachricht: + +"_Ehrenerklaerung._ + +Die 'Neustaedter Umschau', immer bemueht, ohne nach rechts oder links zu +schauen, lediglich der Wahrheit die Ehre zu geben, erklaert: Die gestrige +Verhaftung des Waltersburger Knechts ist zu Unrecht erfolgt. Der als +'Raubmoerder Wiczorek' von einem uebereifrigen Beamten (dessen amtliche +Massregelung bevorsteht!!) hier auf dem Bahnhof verhaftete Mann war kein +anderer als der geniale Gruender der Kuranstalt 'Ferien vom Ich' selbst, +Herr John Stefenson - oder, wie er in Begeisterung fuer sein angestammtes +reines Deutschtum sich jetzt mit Bewilligung unserer Behoerden nennt, Herr +Stefan! Dieser Multimillionaer, dessen Einfluss in Amerika unbegrenzt ist, +hat in der demuetigen Gestalt eines Bauernknechts (nicht als Kurgast) den +ganzen Sommer ueber in Waltersburg gelebt, alle Lasten, Muehen und +Zuruecksetzungen des von ihm gewaehlten geringen Standes getragen, um +unerkannt die Probe auf sein gigantisches Exempel zu machen, um als +Fremdling, selbst von seinem naechsten Freunde unerkannt, von unten her +sein Werk zu pruefen. Diese Pruefung ist so gluecklich ausgefallen, dass +Stefan mit Freuden in die irrtuemlich verhaengte Haft ging. Den Neustaedter +Behoerden zollt er fuer ihre Gewissenhaftigkeit alle verdiente Anerkennung. +Heute morgen neuneinhalb Uhr stellte sich bei den Behoerden der +unbegruendete Verdacht heraus. Der wahre Josef Wiczorek sitzt - laut +amtlicher Depesche - in Braunschweig in Untersuchung; der bei uns +Verhaftete wurde nicht nur von dem leitenden Arzt von Waltersburg, sondern +auch von Sr. Hoheit dem Prinzen Ernst Friedrich von ... als Herr Stefenson +identifiziert. Die 'Neustaedter Umschau', deren Devise 'Ehre und Wahrheit' +ist, scheut sich nicht - _errare humanum est_ - ihren gestrigen Artikel +Wort fuer Wort zurueckzunehmen." + +"Diesen Artikel haben Sie wohl auch diktiert?" fragte der Prinz. + +Stefenson nickte. + +"Ja, direkt dem Setzer. Ich hab noch die Korrektur gelesen, ehe ich +hierherkam." + +"Sie sind ein smarter Kerl!" sagte Hoheit voll Anerkennung. "Nu sagen Sie +mir bloss, was haben Sie gegen mich gehabt? Warum haben Sie mich immer so +miserabel behandelt? Noch gestern haben Sie mich auf den Mist geworfen, +direkt auf den Mist. Ist das anstaendig?" + +Stefenson zuckte die Schultern. Dann sagte er mit aufrichtiger Waerme: + +"Sehen Sie mal, lieber Piesecke - ich moechte Sie der Einfachheit halber +noch mal so nennen -, ich hab gar nichts gegen Sie gehabt! Im Gegenteil! +Sie haben mir besser gefallen und mehr imponiert als die meisten anderen. +Nur, dass Sie so hinter meiner Braut her waren, das konnte ich mir nicht +gefallen lassen." + +"Hinter Ihrer Braut?" + +"Ja, also sagen wir: hinter der Forellenhof-Hanne! Mit der werde ich mich +heute oder morgen verloben." + +Piesecke prustete los und sagte lachend: + +"Also Ignaz oder Stefan oder Wiczorek oder Stefenson oder wie Sie sonst +heissen moegen - mir ist ja das ganz egal -, da werden Sie kein Glueck haben! +Die Hanne mag keinen; nicht mal den Herrn Doktor da hat sie gemocht." + +"Also haben Sie doch -?" fragte Stefenson mit einem Blick auf mich. + +"Gar nichts habe ich", sagte ich zornig. "Gar nichts! Im uebrigen moechte +ich um einige kurze Aufschluesse bitten, von denen es abhaengen wird, ob ich +noch laenger an diesem Tisch sitzenbleibe oder nicht." + +"Oho - oho! Also, was ist aufzuschliessen?" + +"Waren Sie der Journalist Brown, der im Mai zu uns kam?" + +"Ja, natuerlich war ich der! Aber Sie haetten mich doch damals beinahe +erkannt. Deshalb habe ich ja meine Maske geaendert und bin als Knecht Ignaz +wiedergekommen." + +"Wie kamen Sie damals dazu, mir den seltsamen Brief zu geben?" + +"Na, den hatte ich doch selbst geschrieben, in der Annahme, Sie mit den +beiden Maedchen zu treffen. Waere meine Voraussetzung nicht zugetroffen, so +haette ich eben den Brief in der Tasche behalten. Das war doch nur Bluff." + +"Wie konnten Sie aber in der ganzen Zeit Briefe aus Amerika an mich +schreiben, da Sie doch bei uns waren?" + +"Es gibt Kabel, lieber Freund, durch die man anordnen kann, was zu +schreiben ist." + +"Und Ihre Handschrift? Ich bekam fast alle Briefe handschriftlich, nur +wenige in Maschinenschrift." + +"Ja, da habe ich in einem meiner Bueros einen Spezialisten, der meine +Handschrift so taeuschend nachmachen kann, dass ich selbst nicht zu +unterscheiden vermag, was von mir oder von ihm geschrieben ist. Ein +goldehrlicher Mann, einem anderen duerfte man die Ausuebung der aeusserst +gefaehrlichen Kunst nicht gestatten. Na, sehen Sie, es gibt fuer einen +Grosskaufmann wie mich taeglich mindestens zwei Dutzend Anlaesse, wo er +handschriftlich schreiben muss: an Verwandte und gute Freunde, wo +Maschinenschrift zu kalt wirkt; an Geschaeftsgenossen, mit denen man intime +Dinge verhandeln will, die kein Angestellter wissen darf; an alle Leute, +die etwas darauf geben, wenn ein vielbeschaeftigter Mann sich die Muehe und +Zeit nimmt, einen handschriftlichen Brief zu senden; schliesslich an alle +offenen und verkappten Autographenjaeger - fuer sie alle ist Mister Jenkins +da, und er machte seine Sache fuer zweitausend Dollar im Jahre geschickt +und reell. Er hat auch in Ihrem Falle sehr brav gearbeitet." + +"Grossartig! Grossartig!" klatschte der Prinz in die Haende. Mein Barometer +aber fiel auf Sturm. "Ihr Verhaeltnis zu Bauer Barthel", sagte ich kalt, +"brauchen Sie mir nun nicht mehr zu erklaeren. Er hat gewusst, wer Sie +waren, deshalb hielt er Sie, deshalb log er, er kenne Sie von Jugend auf; +deshalb hat er Sie sogar gestern nicht verraten." + +"Stimmt! Aber das duerfen Sie dem Barthel nicht uebelnehmen. Wir haben ein +schriftliches Abkommen, laut dessen er fuenfhundert Mark an mich haette +zahlen muessen, falls er mich je verraten haette. Denken Sie mal - +fuenfhundert Mark! Es ist klar, dass sich da Barthel lieber einsperren +laesst." + +"Hat sonst noch jemand auf dem Forellenhof Sie gekannt?" + +"Nein. Auch Susanne nicht." + +"Das ist mir lieb. Aber der Direktor Bruening hat Sie gekannt und sich +wahrscheinlich stets heimlich mit Ihnen besprochen. Deshalb erschienen mir +alle seine Anordnungen immer so von Ihrem Geiste diktiert." + +"Auch das ist richtig. Ich war nur der lange Ignaz, aber in Wirklichkeit +leitete ich die ganze Anstalt durch den Direktor. Wir hatten alle Tage +eine kleine Konferenz. Ich war immer von allem unterrichtet. Ausser Barthel +und dem Direktor hat aber niemand gewusst, wer ich war, nicht mal die +kleine Luise, und das ist mir schwer geworden." + +Seine Augen schimmerten warm bei dem Gedenken des Kindes, und das Wort, +das ich ueber seine Abgefeimtheit sprechen wollte, unterblieb. So sagte ich +nur kuehl und gemessen: + +"Wollen Sie mir sagen, Herr Stefenson, warum Sie diese ganze Komoedie mit +uns gespielt haben?" + +"Komoedie?" verwunderte er sich; "wieso Komoedie? Darf in den Ferien vom Ich +nicht jeder auftreten, wie er will? Ist das nicht Ihre eigene Idee? Und +was meinen Sie, was ich selbst von dieser Idee, die mir gefiel und fuer die +ich viel Geld gewagt habe, gehabt haette, wenn ich als Mister Stefenson +dageblieben waere? Der Direktor waere ich gewesen, einen langweiligen +Verwaltungsposten haette ich gehabt, nichts von dem Zauber trauten +Geborgenseins, den unsere Anstalt spendet, haette ich geniessen koennen. +Nein, am eigenen Leibe wollte ich ausprobieren, wie es tut, wenn man +Ferien macht vom Ich. Deshalb wurde ich Bauernknecht. Ich habe mich +wohlgefuehlt als 'langer Ignaz', ich habe beobachtet, erlauscht, geprueft +von unten her, was an unserer Sache ist, ob sie absurd, phantastisch, +unfruchtbar, oder ob sie im Kern echt und gut ist, und ich hatte das Glueck +zu sehen, dass wir auf dem richtigen Wege sind. Nicht nur die gute +geschaeftliche Bilanz, die ich erwartet hatte, hat mich belehrt, dass ich +mich unserer Gruendung freuen darf, sondern das, was ich sah und hoerte, als +ich unerkannt mitten unter den Feriengaesten war." + +"Sie haben auch mich pruefen wollen?" sagte ich. + +"Ja, auch Sie! Ganz natuerlich. Ich werde wieder nach Amerika zurueck +muessen, weil leider meine Ferien aus sind, und ich will wissen, wem ich +das Werk hier, ich kann sagen den Liebling unter all meinen +Unternehmungen, den einzigen Ausflug ins Romantische, den ich je gemacht +habe, hinterlasse. Ich kann ruhig scheiden. Ich werde jetzt wirklich +hinuebergehen. Weil ich muss! Weil mich die Pflicht ruft. Ich weiss, das Heim +ist in guten Haenden. Und eines, lieber Freund, vergesse ich Ihnen mein +Lebtag nicht. Es gab einen Sommerabend, an dem Sie die Haende ausstreckten +nach der schoenen Hanne. An diesem Abend fanden Sie meinen Brief, in dem +ich Ihnen sagte, dass ich Fraeulein Eva Bunkert, die Forellenhof-Hanne, als +meine Braut betrachte. Und seit diesem Abend sind Sie dem Maedchen aus dem +Wege gegangen. Sehen Sie, das habe ich auch nur als Knecht Ignaz erfahren +koennen, dass ich an Ihnen so einen treuen Freund habe. Das allein lohnt ein +halbes Jahr Bauernarbeit." + +Er sprach mit grosser, ehrlicher Waerme. Ich aber sagte: "Sie taeuschen sich. +Ich haette das Maedel zu gewinnen gesucht; aber ich wusste, dass sie immer nur +an Sie dachte, dass Ihnen ihr Herz gehoert." + +"Ist das moeglich? Ist das moeglich? Fraeulein Hanne will wirklich ..." + +Der Prinz sank in sich zusammen. Er war ploetzlich wieder vollstaendig +Piesecke. + + ------------------------------------------------------- + +Es ist noch viel geredet worden; ich weiss nicht mehr, was alles. +Schliesslich habe ich Stefenson recht geben muessen, dass er sich unerkannt +unter unser kurioses Voelklein mischte. Was sollte er sich nicht +ueberzeugen, wie seine Gruendung wirkte? Ich ueberwand meinen Unmut, so gut +ich konnte, aber ein Stachel blieb, dass Barthel und der Direktor mehr +gewusst hatten als ich. Eine Freundschaft zwischen Stefenson und mir wollte +ich nicht mehr gelten lassen. + +Piesecke schlich sich ins Heim zurueck, ohne uns. Er wollte weiterhin +Piesecke sein, und vergebens zerbrachen sich unsere Kurgaeste die Koepfe, +wer der in der "Neustaedter Umschau" genannte Prinz sein moege. Der +"Verdacht" blieb schliesslich auf einem Referendar sitzen, der im Grundhof +wohnte und sich die Rolle des heimlichen Herzogs wohlgefallen liess. Dieser +Referendar lehnte alle grobe Arbeit von nun an ab. Die Damen waren +entzueckt ueber seine hocharistokratischen Haende. Sie ruehmten die edle +Zurueckhaltung in Ton und Gebaerde, die Guete, die nie zur Vertraulichkeit +wird, sondern immer Guete bleibt, die Sprache, die trotz ihres leise +verschleierten Timbers und ihrer entgegenkommenden Art doch unabweisbare +Befehle gibt, die Augen, die so wissend, so durch den Hoehenblick von +Jugend auf geschaerft zu blicken wussten; sie ruehmten selbst kleine +Nonchalancen, die sich eben nur der unter dem Kronenhimmel Geborene +gestattet. Dieser Mann lachte und laechelte nicht; er zuckte nur mit den +Mundwinkeln. Er sagte nicht "nein" zu irgendeinem Verlangen, sondern +dieses Verlangen erstarb von selbst vor einem einzigen Faltenwoelkchen, das +sich auf der Stirn des Hohen bildete; er konnte aber auch durch ein +einziges freundliches Lidersenken gewaehren, "ja" sagen, wie kein anderer +Mensch "ja" zu sagen vermag. + +Keine Erziehung fuehrt zu solcher Haltung. Kein Emporkoemmling kann sie +erlernen. Rasse! Vererbung von Herreninstinkten durch Jahrhunderte! Das +ist's! Und der heimliche Herzog ging in schlichter, leutseliger Wuerde +durch das Gewimmel aller derer, die ihm taeglich in den Weg zu laufen +wussten. Er empfing keine Besuche - er erteilte Audienzen; er plauderte +nicht - er hielt Cercle. + +Mir machte alles dies so viel Spass, dass ich den Direktor ersuchte, dem +heimlichen Herzog noch auf weitere zwei Wochen die wesentlich +erleichterten Zahlungsbedingungen zu gewaehren; denn der Referendar hatte +bisher nur gelegentlich geringe Remunerationen genossen, und sein Vater, +der ein biederer Sattlermeister war, hatte auch nicht viel Geld uebrig. + +Das alles hatte mit ihrem Artikel die "Neustaedter Umschau" getan. An +Piesecke dachte kein Mensch ... + +Barthel, der Heimtuecker, war inzwischen auch aus der Haft entlassen +worden. Er liess sich bei mir melden, aber es wurde ihm gesagt, ich sei +nicht zu sprechen. Da kam er nach einer Stunde mit seiner Susanne wieder. + +"Herr Doktor", sagte Susanne mit kirschrotem Kopf, "dass er ein Lump ist, +weiss ich. Unsern guten Herrn Doktor so zu beschwindeln wegen lumpiger +tausend Taler, die er jetzt von Ignaz, der ja Stefenson gewesen ist, +Schweigegeld kriegt. Was soll uns das Geld? Was geht uns Herr Stefenson +an? Wir halten uns an unseren guten Herrn Doktor. Aber was das schlimmste +ist, mich hat er auch beschwindelt mit dem langen Ignaz. So ein Lump! Sein +eigenes Weib beluegt er. Ich hab ihm nie getraut, nie im Leben! Nicht ueber +den Weg! Aber jetzt lass ich mich scheiden; er hat gesessen, und mit einem +Zuchthaeusler hat eine anstaendige Frau nichts zu tun." + +Was blieb mir uebrig, als fuer den in erbaermlichem Zustand dastehenden +Barthel Partei zu ergreifen und der empoerten Susanne gut und mild +zuzureden? Sie wollte aber auf keinen Zuspruch hoeren. Sie blieb dabei, sie +muesse sich scheiden lassen, da er "gesessen" habe. Schliesslich weinte sie. + +"Und was er fuer ein Liedrian ist, Herr Doktor!" schluchzte die brave Frau. +"Fuer die tausend Taler, die er jetzt von Stefenson kriegt, will er sich +eine Dreschmaschine kaufen, wo ich ihm doch sage, dass er das Geld lieber +in die Sparkasse tragen soll." Da erkannte ich, dass das Barthelsche +Eheglueck noch nicht hoffnungslos verloren war, und ich entliess die beiden, +indem ich sie meines Wohlwollens versicherte. + + ------------------------------------------------------- + +Ich sass allein in meiner Klause. Ich war in einer Stimmung, die ich nicht +kannte. Wie war das, was ich in den letzten vierundzwanzig Stunden erlebte +- war das traurig, war es komisch, war es erbaermlich? Sollte ich lachen, +sollte ich zuernen? + +Sollte mir das Herz weh tun, weil die blonde Hanne fortzog? + +Sollte ich grollen, weil Stefenson dem Direktor und einem Bauern mehr +Vertrauen geschenkt hatte als mir, den er seinen Freund nannte? + +Sollte ich mich aergern ueber den Barthel, weil er profitsuechtig gewesen +war? + +Es blieb ganz still in mir. Wahrscheinlich waren das alles ganz gute, +liebe Leute. Nur das Leben schuettelte die Menschen durcheinander, wie ein +Kind die Steinchen schuettelt, die es in ein Saecklein gesammelt hat. Wenn +es eine Reibung gibt, was schadet es? Ein Kruemlein alter, weicher +Heimaterde broeckelt ab, und der Stein schimmert durch, hart und +widerstandslustig. Dem Stein aber kann keine Reibung mehr schaden, kann +ihn nur glaetten. + +Alte, weiche Heimaterde, wie du mich umsponnen hattest! Jedes +Kaeferwuermlein konnte an dir zehren! Ich moechte dich ja halten, denn du +bist gut und weich, aber das Leben schuettelt zu hart. Doch ich bin +getrost, ein gut Teil Kruemlein werden mir bleiben, darauf will ich mich +heimlich betten, und die glatte Flaeche wird nur nach aussen sein ... Als am +naechsten Morgen die blonde Hanne in mein Zimmer trat, pochte mein Herz +nicht rascher, als kaeme eine Patientin. Wohl war das Maedchen blasser, als +ich es je gesehen. + +"Sie kommen sich verabschieden, Eva?" + +"Ja. In zwei Stunden faehrt drueben in Neustadt mein Zug ab." + +Wir schwiegen beide. Ploetzlich begann Eva laut und heftig zu weinen. Ich +haette hingehen moegen, um ueber ihre Stirn zu streichen; aber ich tat es +nicht. + +"Eva, Sie wissen, dass Stefenson hier ist - dass er die ganze Zeit hier +war?" + +Sie nickte. + +"Er hat wohl mit Ihnen gesprochen?" + +Da stand sie auf. Traenenlos, zornig sagte sie: + +"Ja, er hat mit mir gesprochen. Er war so dreist, mich um meine Hand zu +bitten. Ein halbes Jahr lang hat er neben mir gewohnt, ohne dass ich ihn +kannte, hat mich beobachtet, belauert, geprueft, ob ich wohl - der hohen +Ehre wuerdig sei, seine Gattin zu werden, ob ich nicht am Ende ein +kokettes, leichtfertiges Weib sei, das heut dem, morgen jenem zulaechelt; +er hat diese Pruefung angestellt, weil ich beim Theater bin, weil ich keine +der unter hermetischem Verschluss stehenden Misses von Neuyork bin, die +heimlich oft liederlich genug sind; er hat mich, ohne dass ich es wusste, +geprueft, und ist nun so gnaedig, mir zu sagen: du hast deine Pruefung +bestanden. Aber ich - ich werfe ihm sein Diplom vor die Fuesse! Was ist denn +die Liebe? Liebe ist doch blindes Vertrauen. Welcher Mann hat denn eine +Garantie? Das Maedchen, der Vater, die Mutter, alle Muhmen und Vettern +koennen ihn beluegen, wenn sie wollen, er ist machtlos dagegen. Der Mann muss +das Maedchen sehen, er muss wie von einer himmlischen Erleuchtung gefuehrt +sagen: Du bist rein, ich lege meine Ehre und mein Glueck in deine Haende. +Sonst ..." + +Sie sank weinend auf den Stuhl zurueck. + +Hochauf loderte der glimmende Funke meiner Liebe wieder zu diesem schoenen +Maedchen, als ich so sein ehrliches weibliches Empfinden sah. In +ploetzlicher Muedigkeit stuetzte ich den Kopf in die Haende. + +Ich zwang die Welle in meinem Herzen. Es wurde ganz still in mir. Eine +unheimliche, aber grosse Stille. Wie in der Wueste. Nur von ferne hoerte ich +die Traenen rinnen, wie Wasser einer fremden Oase. Ich haette lange so mit +dem aufgestuetzten Haupt sitzen moegen. Wieviel Zeit verging, weiss ich +nicht. Da hoerte ich Evas Stimme. + +"Haben Sie keinen guten Rat fuer mich, lieber Freund?" + +"Lieber Freund!" Unter allen Gestirnen, die an unserem Himmel flimmern, +ist dieses Wort wohl eines der hellsten. Aber wenn es ein Weib sagt, das +man liebt, bekommt dieser Stern ein ueberweisses Licht, ist wie ein Schimmer +aus einer Welt, die in Eiseskaelte untergeht. + +"Warum sagen Sie nichts? Wissen Sie nicht einmal als Arzt etwas zu sagen?" + +Da erhob ich mich. + +"Wohl, liebe Eva! Ich glaube, ich kann Ihnen die Sache richtig +auseinandersetzen." + +Ich war ueber mich selbst verwundert. Wie ein trockener, etwas pedantischer +Magister sprach ich: + +"Sehen Sie, Eva, Sie stecken zu tief in der Romantik! Sie denken sich den +Freiersmann so wie Lohengrin, der als Fremdling ans Ufer steigt, die +Holde, die von aller Welt geaechtet wird, an der Hand nimmt und sagt: Frei +aller Schuld ist Elsa von Brabant. Und drei Minuten spaeter: Elsa, ich +liebe dich! Unser Stefenson ist nicht von dieser Schwanenritterart, er +faehrt auf dem Passagierdampfer, ist hausbacken, nuechtern, verfaehrt +vorsichtig." + +"Verstellen Sie sich doch nicht, lieber Freund! Das ist doch nicht Ihre +Art, so zu sprechen!" + +"Doch, doch! Es ist ganz meine Art, so zu sprechen! Eva, ich will Ihnen +ehrlich folgendes sagen: Stefenson hat nicht nur Sie pruefen wollen, +sondern auch mich, auch unsere ganze Anstalt. Er schaetzt wahrscheinlich +drei Dinge: Erstens das Geld, das er fuer ein Unternehmen anlegt (und das +ist ihm als Kaufmann durchaus nicht uebelzunehmen), zweitens seine +Geschaeftsfreunde, unter denen er keine unfaehigen Gesellen haben will (auch +das ist ohne weiteres zu billigen), und drittens die Liebe oder die Ehe, +in welcher Richtung er durchaus klar sehen will. Die Beurteilung dieses +dritten Punktes wage ich nicht, da ich von Liebe nichts verstehe." + +In diesem Augenblick wurde die Tuer geoeffnet. Stefenson erschien. + +"Ich bitte um Entschuldigung", sagte er, "und versichere, dass ich an der +Tuer nicht gehorcht habe. Ich entlasse Dienstmaedchen ob solch schmaehlicher +Schwaeche. Aber der Herr Doktor hat so deutlich gepredigt, dass jedermann, +der den anstossenden Korridor entlang ging, Wort fuer Wort verstehen musste. +Darf ich mir zu der Sache das Wort erlauben?" + +"Bitte!" + +"Erstens mal das Geld. Schoen! Ich schaetze es! Ich halte es fuer einen sehr +guten Freund. Fuer einen, der nicht nur die Stube ausmoebliert und das Essen +schafft, sondern auch fuer einen, der einem eine vernuenftige Koerperpflege +goennt, der die Theater und Museen aufschliesst, einen in der Welt +herumfuehrt, der gestattet, sich gegen aermere Mitmenschen anstaendig zu +benehmen, der den Doktor ruft, wenn man krank ist, und der einem +schliesslich ein Denkmal setzt, wenn sich kein Mensch um den Grabhuegel +bekuemmert, ja, fuer den einzigen Freund, der einem, wenn man zum Beispiel +in der Wut eine Gewalttat begangen hat und ins Zuchthaus oder sonst ins +Elend gekommen ist, hinterher wieder die Hand reicht und zu einem +ordentlichen Leben zurueckverhilft. Ein gutes Bankdepot ist wirklich ein +ausserordentlich reeller Freund. Nur dumme Kerle und veraergerte arme +Schlucker koennen es leugnen. + +Zweitens: Geschaeftsfreunde duerfen noch eher in maessigen Grenzen unreell als +dumm, rueckstaendig, faul oder sonstwie borniert sein. + +Drittens: Jeder Mensch, der ein Pferd kauft, das er uebermorgen +weiterverkaufen oder schlachten lassen kann, ueberlegt es nach zwanzig +Ruecksichten. Einer, der eine Frau nimmt, die er zeit seines Lebens auf dem +Halse behaelt, und der weniger vorsichtig verfaehrt, ist ein Dummian." + +Stefenson brachte diese Saetze ohne alle Gemuetsbewegung vor, wie einer, der +unwiderlegbare Behauptungen aufstellt. + +Die blonde Eva hatte ihn bisher nicht angesehen. + +Jetzt stand sie auf, blickte ihm voll in die Augen und sagte kuehl: + +"Alles, was Sie da sagen, ist nach Ihrer Meinung klug und richtig. Aber +ich - ich mag das nicht! Ich mag das alles ganz und gar nicht!" + +Sie verliess das Zimmer. Wir riefen ihr beide nach. + +Sie gab keine Antwort mehr. + +Stefenson ging langsam durch das Zimmer, zuendete sich eine Zigarre an und +sagte nach einer Weile: + +"Das ist daneben gegangen!" + +"Ja, ganz daneben!" + +"Sie freuen sich wohl?" + +"Ach, ich kann nicht sagen, dass ich veraergert bin." + +"Das kann ich mir denken!" + +Darauf zuendete auch ich mir eine Zigarre an, und wir setzten uns gegenueber +und rauchten dicke Wolken. + +"Was war denn eigentlich los?" fragte Stefenson. + +"Nun", sagte ich, "Sie sind ein Mann, und sie ist ein Weib." + + + + + + VOM BRUDER UND SEINER FRAU + + +Mit Eva Bunkert verliess uns auch die kleine Anneliese. Am Abschiedsabend +hatte sie sich nicht beteiligt. Es hiess, "Baerbel" sei nicht wohl und habe +sich zeitig zur Ruhe gelegt. Wie mein Bruder mit dem Maedchen stand, wusste +ich nicht. Joachim war verschlossener als je. Am Abend des Tages aber, da +die Maedchen abgereist waren, kam er zu mir. + +Ganz unvermittelt sagte er: "Fritz, ich moechte fort. Morgen oder +uebermorgen." + +"Fort? Wohin?" + +"Wieder hinueber." + +"Nach Amerika?" + +"Ja." + +Ich sah ihn schweigend an. + +Da sagte er: + +"Du hast wohl bemerkt, dass ich eine Neigung fuer Fraeulein Anneliese hatte. +Ich hoffte, es koennte mir ein neues Glueck in der Heimat erbluehen. Diese +Hoffnung hat mich betrogen - wie alle anderen." + +"Ist es aus zwischen euch?" + +"Ja. Das Maedchen hing an mir, und es war alles verabredet fuer baldige +Hochzeit. Da hielt ich mich gestern fuer verpflichtet, ihr mein Leben zu +schildern. Droben am Hange sind wir gewesen. Da habe ich ihr das Schwere +gesagt. Sie hat sehr geweint und sich schwer von mir losgerissen; aber sie +bleibt dabei, dass sie den geschiedenen Mann einer noch lebenden Frau nicht +heiraten duerfe. Du weisst wohl warum?" + +"Ja. Ihre katholische Religion verbietet Anneliese solche Ehe." + +Er fing an zu toben, an den Ketten zu zerren - ich liess ihn reden und +toben. + +Zuletzt sagte er: + +"Und ich weiss nicht einmal, ob dieses - dieses Weib noch lebt." + +Ich blieb still. + +"Weisst du etwas von ihr? Weisst du, ob sie noch lebt?" + +"Sie lebt." + +Er stoehnte. Ich merkte, wie sehnsuechtig er auf den Tod seiner Frau gehofft +hatte. + +"Und - das Kind, wo ist es?" + +"Es ist bei seiner Mutter." + +"Das habt ihr zugegeben? So gewissenlos seid ihr gewesen?" + +"Das Kind ist wohl aufgehoben bei ihr." + +Er lachte rauh und ergoss eine Flut schwerster Schimpfworte ueber seine +Frau. Wieder liess ich ihn reden und toben. Zuletzt stiess er hervor: + +"Wo haelt sich das Scheusal auf?" + +"Deine Frau? Das sage ich dir nicht." + +"Das _musst_ du mir sagen!" + +"Nein, Joachim, ich sage es dir nicht!" + +Er ballte die Faeuste und trat mit dem Fuss auf. Dann liess er die Arme +schlaff haengen und sagte in feindseligem Ton: + +"Gut! Was ich wissen will, werde ich auch ohne dich erfahren." + +Ohne Gruss verliess er mich. Ich trat ans Fenster und sah ihn unten ueber die +Wiese gehen. Das war der Mann, dem ich fuenf Jahre lang um die ganze Welt +nachgereist war. Weil er der Sohn meiner Mutter war. Nun wuerde ich eine +solche Familienaufgabe nicht mehr uebernehmen. Ich oeffnete nicht einmal das +Fenster, um ihm nachzurufen. + +Ich setzte mich an den Schreibtisch und begann zu arbeiten. Es ging +schwer. Ich war von der Aufregung der letzten Nacht und des Tages ganz +benommen. Es fiel mir ein, Joachim werde nun wohl zur Mutter gehen. Aber +die wusste ja auch nichts von Katharina, die bei uns Magdalena hiess, hatte +keine Ahnung von ihrer Anwesenheit hier im Heim. Es wurde spaet. Ich wollte +nur noch meine letzte Zigarre ausrauchen, dann schlafen gehen. Wie +gleichmuetig mich der Abschied des Bruders liess! Freilich, die Mutter wuerde +wieder sehr mit mir zuernen. Aber ich konnte das nicht aendern. Ich war +aller Familiensimpelei muede geworden. + +Wie ich noch so still dasass, hoerte ich auf einmal jemand den Korridor +entlang eilen. + +Die Tuer wurde aufgerissen. + +Magdalena stand vor mir. + +Mit wirrem Haar, in unordentlicher Kleidung. Entsetzt. Verstoert. + +"Helfen Sie - helfen Sie - sie haben mir das Kind genommen." + +"Was? Was sagst du, Kaethe?" + +"Das Kind haben sie mir genommen - Luise - o Gott!" + +"Wer hat es genommen?" + +"Er - Joachim - er ist mit einem fremden Mann gekommen - sie haben das +Kind fortgeschleppt - meine Luise - meine Luise!" + +Ich wollte die zitternde Frau auf einen Stuhl noetigen. + +"Nein, kommen Sie bald - sie haben mich ja in die Kammer eingeschlossen +gehabt - eine Stunde ist es wohl schon her, dass sie mit dem Kinde fort +sind - ich habe die Kammertuer nicht aufgekriegt - kommen Sie schnell - +schnell!" + +Die Frau schluchzte und zuckte in namenlosem Schmerz. Ich sah alles wie +durch einen Schleier. Wie kam Joachim nach der Genovevenklause? Wer hatte +ihm den Weg gewiesen? + +Ploetzlich wurde mir alles klar. Ich war unvorsichtig gewesen, Joachim zu +verraten, dass Luise bei ihrer Mutter sei, und da unsere Mutter wusste, wo +das Kind war, fanden sie auch die Frau. + +Oh, ich Tor! Ich sah, dass Kaethe am Halse rote Striemen hatte. + +"Hat er dir etwas getan, Kaethe? Hat er dich etwa gar geschlagen?" + +"Ich weiss es nicht. Aber das Kind ist fort, das Kind ist fort!" + +Sie hatte wohl mit dem Manne gerungen, und er hatte sie mit irgendeinem +Helfershelfer in die Kammer gesperrt und das Kind entfuehrt. Der brutale +Kerl! Ein wuetender Hass gegen ihn schlug in mir auf. + +"Erbarmen Sie sich, Herr Doktor, helfen Sie mir!" + +"Nenn mich nicht Herr Doktor, Kaethe, nenne mich Fritz! Wir sind Verwandte. +Ich werde dir helfen, so gut ich irgend kann." + +Demuetig und furchtsam wie ein gepruegelter Hund stand sie vor mir. + +Ich zog mir den Mantel an. + +"Ich bitte dich, Kaethe, geh nach Hause. Du kannst nichts tun. Ich werde +mich sofort auf die Suche machen." + +"Ich kann nicht nach Hause gehen; ich muss Luise suchen -" + +Mit irrsinnig flimmernden Augen sah sie mich an. + +"Du kannst nichts tun, Kaethe. Ich werde sofort hinab zu meiner Mutter +gehen, dort werde ich wahrscheinlich Joachim treffen und mit ihm +abrechnen." + +"Ich will mit. Ich fuerchte mich nicht, wenn sie mich auch schlagen." + +"Du musst mir jetzt gehorchen, Kaethe! Sonst verdirbst du alles; sonst kann +ich dir nicht helfen!" + +Da senkte sie stumm den Kopf. + +Wir eilten auf einem Nebenpfade gen Waltersburg hin. Als der Weg nach der +Genovevenklause abbog, gebot ich der Frau, nach Hause zu gehen und zu +warten, bis ich ihr Nachricht braechte. Sie schlich davon. Aber als ich den +Berg hinabeilte, merkte ich, dass mir von ferne ein Schatten folgte. + +Das Haus der Mutter war hell erleuchtet. Die Haustuer stand offen. Ich +eilte nach dem ersten Stock, nach dem Zimmer der Mutter, und trat ein, +ohne anzuklopfen. Mitten in der Stube stand Joachim; er war allein. In +offener Feindseligkeit blickten wir uns an. + +"Wo ist das Kind? Wo ist Luise?" + +"Nicht hier." + +"Wo ist die Mutter?" + +"Auch nicht hier." + +"Willst du mir sagen, wo beide sind?" + +"Nein! Aber ich will dir sagen, dass ich das Maedchen der Obhut des +Frauenzimmers, dem du es uebergeben, entrissen und in eigene Erziehung +genommen habe. Morgen frueh geht die Reise los. Ich nehme das Kind mit. Das +ist mein Recht. Das Kind gehoert mir." + +Ich konnte vor Zorn kaum sprechen. + +"Ah - und es ist wohl auch dein Recht, in eines unserer Haeuser +einzubrechen und ein wehrloses Weib seiner Freiheit zu berauben?" + +"Das tat ich nur, um sie zu hindern, hinter uns herzuschreien und Skandal +zu erregen. Um allen Skandal zu vermeiden, bringt Mutter das Kind schon +jetzt nach auswaerts." + +"Oh, wie bist du ruecksichtsvoll! Du willst keinen Skandal. Du vergissest +nur das eine: dass es ein grosser Skandal ist, wenn man sich benimmt wie ein +Bandit!" + +"Huete dich nur!" + +"Ich fuerchte mich nicht vor deiner Brutalitaet. Ich kann dich - wenn es mir +beliebt - wegen der Schandtat eines Einbruchs in eines unserer +verschlossenen Haeuser jeden Augenblick einsperren lassen. Ich werde es +hoechstwahrscheinlich auch tun und mich um keinerlei Skandal kuemmern." + +"Du nimmst in sehr merkwuerdiger Weise Partei fuer jenes Weib." + +"Ja, sie steht trotz ihres Fehltritts gerechtfertigter, ich will ruhig +sagen, viel anstaendiger vor meinen Augen als du!" + +"Das bitte ich mir zu beweisen", sagte er heiser vor Wut. Er setzte sich +auf eine Tischkante; ich lehnte an einem Schrank ihm gegenueber. + +"Ich erinnere dich daran, Joachim, dass das schoene Maedchen, das Katharina +hiess, damals zwar deine blinde, wahnsinnige Leidenschaft erregt, aber dass +sie dich niemals geliebt hat, dass sie so ehrlich war, es dir zu sagen." + +"Hoer auf damit!" + +"Nein, da liegt die Wurzel zu allem Unheil, das kam. Als du von dem +Maedchen abgewiesen warst, tatest du das, was du immer tatest, wenn du +einen Wunsch durchaus durchsetzen wolltest, du hingst dich an die +Kleiderrockfalten der Mutter." + +Er sprang herunter vom Tisch und trat drohend vor mich. + +"Benimm dich immerhin auch in dieser Stunde noch mit einigem Anstand, +Joachim! Du hast mir so viel von meinem Leben genommen, fuenf volle +bluehende Jahre, dass ich ein Recht habe, dich als meinen Schuldner zu +betrachten und endlich mit dir abzurechnen." + +Er wich zurueck, lachte veraechtlich und trat ans Fenster. + +"Ich habe dich nicht aufgefordert, mir zu folgen." + +"Nein, aber die Mutter hat es getan, die dich von Kind auf zu einem +jaemmerlichen Egoisten erzogen hat." + +"Sag noch ein Wort gegen die Mutter, und ich halte mich nicht laenger!" + +"Du sprichst wie ein Raufbold, Joachim, und ich schaeme mich fuer dich. Wie +ich innerlich zur Mutter stehe, geht daraus hervor, dass ich auf ihren +stillen Wunsch hin, dich wiederzuhaben, meine Jugend opferte. Aber nicht +davon wollte ich sprechen, sondern von deinem Verhaeltnis zu Katharina. Das +Maedchen sagte dir damals, dass seine Liebe einem anderen gehoere, deinem +Freunde ..." + +"Hoer auf - ich ertrage das nicht!" + +"Ich weiss, trotz deiner Brutalitaet anderen gegenueber bist du, was die +eigene werte Person anlangt, sehr feinfuehlig; nicht einmal eine +wahrheitsgemaesse Aussprache ertraegst du. Aber ich erspare sie dir nicht. +Ich halte dir den Spiegel vor, damit du weisst, wenn du von hier +fortziehst, dass es jemand auf der Welt gibt, der keine Spur von Mitleid, +ja nicht einmal von Achtung mehr fuer dich hat, und das ist dein Bruder, +der dich unter allen Menschen auf der Welt am besten kennt." + +Er erwiderte nichts mehr; er starrte mich nur an. Ich setzte kaltbluetig +die Abrechnung fort. + +"Du wandtest dich damals an die Mutter, und die Mutter setzte bei den +Eltern des Maedchens alle Hebel fuer dich ein. Die Leute hatten sechs +Toechter. Eine von ihnen versorgt zu sehen, war ihr sehnlichster Wunsch. Du +warst approbierter Arzt, der andere, dein Freund, ein vermoegens- und +aussichtsloser Kandidat. Da wurde dem Maedel Tag und Nacht zugesetzt, bis +sie dich nahm. Das war in diesem Falle die Grundlage fuer die schwere +Ja-Frage am Altar nach dem 'freien, ungezwungenen, selbst ungenoetigten +Willen'." + +Joachim war in einen Sofawinkel gesunken. Mir war das Herz so kalt und +leicht wie einem Staatsanwalt, der auf "schuldig" plaediert. + +"Waehrend du die Flitterwochen hieltest, ging dein Freund beinahe zugrunde. +Nach einem Jahre hiess es, er habe sich beruhigt. Er kam zu euch. Die alte +Sehnsucht trieb ihn. Und da geschah Katharinas Unglueck. Du warst natuerlich +in deiner Ehre sehr tief verletzt. Ich sah das ein. Erst jetzt begreife +ich, dass in jener Ehe deine Gattenehre nicht von Gottes, sondern von +Mutters und Geldsacks Gnaden war. Das Weib hat gefehlt, ohne Zweifel. +Zweimal. Nicht nur, als sie dir die Ehe brach, sondern schon, als sie die +Ehe mit dir einging. Aber du und die Mutter - und wir alle, die wir +schuerend oder doch stillschweigend mitgewirkt haben, sind wir Gerechte? +Leute, die Steine aufheben duerfen? Oder Pharisaeer, die verdienen, die +Geissel des Messias ins Gesicht zu bekommen? + +Katharina hat ihre Schuld gebuesst. Nicht durch deinen rohen Revolverschuss, +nicht dadurch, wie sie dich vor Gericht reinwusch, indem sie aussagte, sie +habe sich die Wunde selbst zugefuegt. Nein, mit aber tausend Traenen. Erst +jetzt weiss ich, wie ihr Mutterherz gehungert hat, wie sie durch all die +Jahre nach dem Kinde gesucht hat. Dieses Weib hat vielleicht an einem Tag +und in einer Nacht mehr gelitten und heisser zum Himmel gerufen als du in +der ganzen Zeit. Jetzt auf einmal erscheinst du wieder in der ganzen +Pracht und Herrlichkeit deines gesetzmaessigen Richtertums und beginnst +deine Brutalitaeten aufs neue. Und deshalb, sage ich, ist deine Frau ein +hundertmal anstaendigerer Mensch, als du bist!" + +Er stand auf, zuckte ein wenig mit den Armen durch die Luft, als ob er +reden wolle, setzte sich aber wieder. Ich behielt ihn scharf im Blick und +fuhr fort: + +"Das ist die Abrechnung, die deine Frau betrifft. Da kommst du immer noch +gut dabei weg, weil nicht nur dein eigenes, sondern auch das andere Konto +belastet ist. Nun komme ich auf dein Verhaeltnis zu deinem Kinde zu +sprechen. Und da - nichts fuer ungut, lieber Bruder - hast du dich glattweg +benommen wie ein Lump. Das Tier bekuemmert sich um sein Junges, traegt ihm +die besten Bissen zu, sorgt fuer seine Sicherheit. Du hast fuer deine eigene +Sicherheit gesorgt, die besten Bissen selbst gegessen, dem Kinde nicht +einen Pfennig, nicht ein armseliges Spielzeug, nicht ein Wort oder einen +Blick gegoennt. Der verkommenste Proletarier, der von zehn Mark, die er +verdient, neun versaeuft und eine Mark seiner Familie gibt, ist ein +besserer Vater, als du bist, denn du hast auch die zehnte Mark fuer dich +genommen." + +"Die Mutter ...", aechzte Joachim. + +"Ja, die Mutter hat die sogenannten Erziehungsgelder gezahlt. Nebenbei +gesagt, nicht nur von deinem, auch von meinem Erbteil. Ich wundere mich, +dass ich so etwas sagen kann; aber alle Sentimentalitaet ist mir +wahrscheinlich abhanden gekommen. Wir alle haben gefehlt, auch ich! Ich +haette dir nicht nachlaufen, ich haette mich lieber um das Kind kuemmern +sollen. Aber ich war ein unerfahrener, wehleidiger Geselle. Ich bin erst +jetzt, da ich ein grosses Werk angefangen habe, dazu gekommen, die Dinge, +die um mich her sind, klar und leidenschaftslos zu sehen und zu +beurteilen. Wenn ich nun, Joachim, alles zusammenfasse, so bist du weder +deiner Frau noch deinem Kinde gegenueber im Recht. Du hast dich bis jetzt +unbarmherzig zurueckgehalten und bist ploetzlich brutal hervorgetreten, als +deine neue Liebe scheiterte, als dich das von dir herbeigefuehrte Band, das +Priesterhand schlang, hinderte, nach deinem Wohlgefallen jetzt ein neues +zu schlingen. Was dich jetzt leitet, ist nicht Moral, sondern ist Wut, ist +enttaeuschte Selbstsucht! Du kannst die Lage deines bis heute verleugneten +Kindes nicht bessern; denn einen unfaehigeren Erzieher, als du bist, kann +es nicht geben!" + +Joachim erhob sich. + +"Meinst du, dass ich mir diese Grobheiten gefallen lasse?" + +"Es sind nicht Grobheiten, es sind Wahrheiten, Joachim." + +"Willst du jetzt dieses Zimmer und dieses Haus verlassen?" + +"Nein, ich werde warten, bis die Mutter kommt." + +"So werde ich gehen; ich verschmaehe es, weiter mit dir zusammen zu sein." + +"Ganz in meinem Sinne. Ich verbiete dir aber, unser Ferienheim noch einmal +zu betreten. Ausserdem ist es nach deinem brutalen Verhalten +selbstverstaendlich, dass du als Arzt von uns entlassen bist." + +Er antwortete nicht mehr; er nahm Mantel und Hut und tappte die Treppe +hinab. Ich konnte mir zunaechst ueber das, was ich gesprochen hatte, keine +klare Rechenschaft geben. + +Ich hatte nur ein Gefuehl der Erleichterung, hatte mir einmal das Herz +abraeumen gekonnt. + +Jetzt fiel unten die Haustuer zu. Ich sah Joachim vom Fenster aus, obwohl +eine mondscheinlose Nacht und die Strassenbeleuchtung sehr kuemmerlich war. +Joachim ging auf den Johannisbrunnen zu. Mit einem Male loeste sich dort +ein Schatten los. Ich erschrak. Katharina! Sie hielt den Bruder jedenfalls +fuer meine Person. Ich sah, wie die beiden aufeinander zugingen, +aufeinander einsprachen, wie das Weib entsetzt die Arme hoch hielt, sich +dann vor dem Bruder auf die Knie warf, wie er sie emporriss. Sie klammerte +sich fest an seinen Arm; er versuchte sich loszuloesen; sie rangen +miteinander. + +Ich riss das Fenster auf. + +"Katharina", rief ich hinunter, "sei vernuenftig!" + +Sie hoerte nicht, liess nicht los, schliesslich rang sie weiter mit ihm, und +ich hoerte sie um das Kind bitten. Sie standen dicht am Brunnenrand. Da gab +Joachim dem Weibe einen gewaltigen Stoss, sie taumelte zurueck und fiel ueber +den niederen Brunnenrand ins Wasser. + +Joachim blieb still stehen, wohl im Schreck, zwei, drei Sekunden lang; +dann beugte er sich ueber das Becken. + +Da sprang das Weib aus dem Wasser heraus und rannte davon. + +Ich hatte all diesen sich schnell abspielenden Vorgaengen sprachlos +zugesehen, dann war ich mit einigen Saetzen unten auf dem Markte. Joachim +stand noch am alten Fleck. + +"Ah", lachte er, "du hast zugesehen - da wirst du wohl jetzt behaupten, +ich haette das Weib ertraenken wollen." + +"Das werde ich nicht behaupten. Du hast sie nur zurueckgestossen, und sie +ist ungluecklich gefallen." + +"Na also! Ich lasse mich auf der Strasse nicht anfallen, verstehst du? Eure +Komoedien verfangen nicht bei mir!" + +"Joachim, wir muessen ihr nach, wir muessen sie suchen." + +"Suchen? Ich denke nicht daran. Was geht sie mich an?" + +"Joachim, sie muss voellig durchnaesst sein, es ist eine kalte Nacht; sie ist +halb irrsinnig vor Aufregung wegen des Kindes. Es kann ein Unglueck +passieren!" + +Er antwortete nicht, wandte sich um und ging nach Mutters Haus zurueck. Ich +sah ihm nach, hoerte, wie er von innen den Haustuerschluessel umdrehte. Dann +eilte ich die Strasse hinunter, in der ich Katharina hatte verschwinden +sehen. + +Ich rannte durch die ganze Stadt, auch teilweise hinaus auf die +Landstrassen. Es verging wohl eine Stunde und mehr Zeit; ich fand nichts. +Es hatte angefangen zu regnen, und es blies ein rauher Wind. Endlich sah +ich ein, dass ich allein nichts ausrichten koenne. Ich eilte hinauf nach +unserem Heim, ueberzeugte mich, wie ich schon angenommen hatte, dass die +Genovevenklause leer sei, weckte dann Stefenson, Barthel, Piesecke und +noch einige andere verlaessliche Leute, und wir gingen nach verschiedenen +Richtungen auf die Suche. + +Morgens drei Uhr kehrte ich todmuede nach Hause zurueck. Die anderen waren +auch noch nicht lange da. Niemand hatte eine Spur von Katharina +entdeckt ... + +Noch ehe aber der spaete Morgen graute, wurde die unglueckliche Frau +gebracht. Ein Waltersburger Bauer, der zeitig nach Neustadt fahren wollte, +hatte am Chausseerand ein bewusstloses Weib gefunden und an ihrer Kleidung +erkannt, dass sie zu uns gehoerte. Er hatte die voellig durchnaesste Frau auf +das Stroh seines Waegelchens gebettet und sie mit einer Pferdedecke +zugedeckt. + +Ich liess die Bewusstlose nach einem unserer Krankenzimmer am "Stillen Weg" +schaffen und Dr. Michael rufen. Ihn verstaendigte ich ueber das +Vorgefallene, und wir begannen sofort unsere aerztlichen Massnahmen. Wir +verhehlten uns beide nicht, dass wir vor einer sehr ernsten Aufgabe +standen. Saemtliche Maenner, die um das traurige Vorkommnis wussten, auch der +Bauer, gelobten Stillschweigen. + +Ich blieb fast den ganzen Vormittag bei der Kranken. Gegen zehn Uhr schlug +sie die Augen auf. Sie laechelte mich an, ohne dass sie bei klarer Besinnung +war, und sagte: + +"Der heilige Johannes hat mich getauft; nun bin ich rein von Suenden!" + +Die Augen fielen wieder zu, oeffneten sich aber bald aufs neue. + +"Ich habe Luise gefunden. Als ich ganz muede war und auf die Strasse fiel, +ist sie zu mir gekommen." + +Dann wieder tiefe Bewusstlosigkeit. + +Gegen Mittag liess sich meine Mutter bei mir melden. Sie war sehr blass und +rang die Haendchen ineinander. + +"Um Gottes willen, wie konnte das geschehen?" + +Ich sah sie streng an. + +"Es konnte geschehen, weil ihr so unbarmherzig waret, dieser Frau ihr Kind +zu entreissen. Sag mir das eine, Mutter, hast du darum gewusst, dass Joachim +in die Klause eindringen wollte?" + +"Nein, ich habe ihm bloss gesagt, wo das Kind ist, und dann nichts +erfahren, bis er Luise brachte." + +"Das ist mir lieb. Und wo ist Luise jetzt?" + +"Ich - ich habe sie nach Neustadt gebracht zu einer Freundin von mir. Wir +wollten keinen Skandal in Waltersburg oder bei dir hier oben. Joachim +wollte auch bald am Morgen fort." + +Ich dachte daran, wie sicher der muetterliche Instinkt die unglueckliche +Katharina geleitet hatte. Auf dem Wege nach Neustadt war sie +zusammengebrochen. + +"Was wird nun werden?" fragte die Mutter. "Wie steht es?" + +"Es steht sehr schlecht. Du kannst deinem Sohne Joachim sagen oder +schreiben, dass sein sehnlichster Wunsch, diese Frau moege sterben, +wahrscheinlich in Erfuellung gehen wird. Er mag sich einstweilen freuen." + +Die Mutter weinte. + +"Fritz, du musst nicht so von ihm denken. Er hat doch auch viel gelitten. +Gestern hat er unrecht gehandelt. Er ist dann die ganze Nacht wach +geblieben, und ich glaube, wenn die Frau jetzt stirbt, wird es sein +Gewissen sehr bedruecken. Er ist ja deswegen auch noch nicht abgereist." + +Ich lachte. + +"Hab keine Sorge, Mutter, Joachims Gewissen ist recht robust." + +"Ihr werdet euch nie verstehen." + +"Nein. Niemals! Mit solch einem Kerl niemals!" Sie sass noch ein Weilchen +da. Ich fand kein gutes Wort fuer Joachim, auch nicht fuer sie, fragte auch +nicht, was die beiden wohl nun mit Luise vorhaetten, und so ging sie ... + +Unsere Patientin war schwer krank, und eine heftig einsetzende +Lungenentzuendung nahm uns bei der schlechten Beschaffenheit des Herzens +fast alle Hoffnung. + +Am zweiten Tage abends wurde von Waltersburg aus wieder nach Katharinas +Befinden gefragt. Ich schrieb auf einem Zettel: + +"Joachim mag sich noch etwas gedulden; es ist bald aus." + +Am selben Abend hoerte ich draussen vor den Fenstern ein helles +Kinderlachen. Da sah ich Luise draussen. Stefenson hatte das Maedel um den +Hals gefasst und fuehrte sie die Strasse herauf. + +Ich ging hinaus. Das Kind stuerzte auf mich zu. + +"Onkel, lieber Onkel", rief es selig; "denke dir, Pappa ist wieder da." + +Stefenson strahlte ueber das ganze Gesicht. Er fluesterte mir zu: + +"Es ist nicht so gegangen, wie ich wollte. Ich hatte mir einen genialen +Plan zurechtgelegt, dem Kerl das Maedel zu nehmen; da gab er es leider +freiwillig her." + +Das Kind klammerte sich an mich. + +"Onkel, lieber Onkel, lass doch nicht mehr den boesen Mann zu mir kommen. +Ich hab so schreckliche Angst vor ihm!" + +Ich sagte ihr nicht, dass der "boese Mann" ihr Vater sei. Es gibt +Hunderttausende von Kindern, fuer die der eigene Vater der "boese Mann" ist. +Die maennlichen Schweine fressen zuweilen den eigenen Nachwuchs auf; ich +schaetze menschliche Vaeter, die ihrer Kinder Jugendglueck vergiften, noch um +einige Grade niedriger ein als die selbstsuechtigen Borstentiere. Denn im +Schweinekoben ist der Schmerz kurz, bei lieblosen Menschenerziehern dehnt +er sich Jahr fuer Jahr. + +"Kommt der boese Mann wieder?" + +"Nein, Luise, er kommt nicht mehr!" + +"Dann musst du der Magdalena sagen, dass wir nicht mehr in der +Genovevenklause wohnen wollen; wir wollen lieber wieder in den Forellenhof +ziehen." + +"Hast du Magdalena lieb, Luise?" + +"Ja, ich will wieder zu ihr. Wo ist sie?" + +"Sie ist jetzt krank; aber vielleicht wird sie wieder gesund." + +"Sie wird doch nicht sterben?" fragte das Kind weinerlich. + +"Nein, Herzchen", sagte ich mit unsicherer Stimme. Langsam gingen +Stefenson und ich mit dem Kinde den "Stillen Weg" entlang ... + +Keinem unter allen Suendern hat Christus so streng die Verdammnis angedroht +wie den Unbarmherzigen. Was er fuer sie hat, ist die "ewige Finsternis, wo +Heulen und Zaehneknirschen ist". Diese Hoellenstrafe trifft die +Unbarmherzigen schon auf dieser Welt. Denn Unbarmherzigkeit ist +Finsternis, und Hass heult und knirscht mit den Zaehnen und ist verbannt von +allem Frieden und allem Glueck. + +In diesem Lichte sah ich meinen Bruder. Und als ich wieder einmal bei der +roechelnden, fiebernden Frau war, als ich ihre heissen Haende sich die Wand +hinaufkrallen sah, ihren qualvollen Husten hoerte, schickte ich auf neue +Anfrage aus Waltersburg einen Zettel an Joachim: + +"Du bist als Amerikafahrer mit indianischen Gebraeuchen vertraut. Freue +dich, deine Frau haengt am Marterpfahl!" + +Daraufhin liess er sich bei mir melden, aber ich empfing ihn nicht ... + +In ihren Fiebertraeumen schrie die Frau immer wieder: + +"Taufe mich, heiliger Johannes, taufe mich!" + +Und sie jammerte nach dem Kinde. + +Als sie das erstemal bei klarem Bewusstsein war, als sich der Fieberblick +in Angst und Todestraurigkeit verlor, wusste sie nichts zu sagen als: +"Luise ist fort!" + +Da sah ich sie laechelnd an. + +"Nein, liebe Kaethe, Luise ist hier. Du bist nur jetzt noch krank; du +bildest dir bloss ein, dass Luise fort ist." + +"Ich - ich bilde es mir bloss ein?" + +Ein kleines, halb irres Lachen flog um ihren Mund. + +"Ich bilde es mir bloss ein!" + +"Ja, liebe Kaethe - du denkst das bloss so ..." + +"Ich denke es bloss so? Wo ist denn Luise? Warum ist sie denn nicht bei +mir?" + +"Sieh nur, Kaethe, du bist krank; das Kind laermt zu sehr. Du weisst doch, +wie es laermt." + +"Es ist so schoen, wenn es laermt!" + +Und sie laechelte lieb und seltsam und schlief ein. + + ------------------------------------------------------- + +Es ging auf die Krisis zu. Wie das so ist in solchen Faellen: das Befinden +schwankte; einmal ging es der Kranken etwas besser, ein anderes Mal wieder +war es ganz zum Verzweifeln. Immer der eine Satz: "Wenn das Herz aushaelt, +dann ..." + +Ja, wenn! + +Am siebenten Tage liessen wir Luise zu der Kranken. Wir hatten Luise wohl +vorbereitet. + +"Du darfst nicht schreien oder weinen oder laermen. Du darfst nur ganz +leise auf den Zehen ans Bett gehen, der Magdalena die Hand kuessen und +sagen: 'Mamma, ich hab dich lieb!'" + +So hat es das Maedchen getan. Die Kranke lag mit verklaertem Gesicht, und in +ihren Augen war ein Strahlen, als ob ihr der Himmel offenstaende. + +Als das Kind das Zimmer verlassen hatte, ging ein Froesteln ueber den Koerper +des Weibes: + +"Es ist alles nicht wahr gewesen - ich hab das Furchtbare nur getraeumt - +Luise ist wirklich da ...!" + + ------------------------------------------------------- + +Am zehnten Tage wussten wir, dass Katharina am Leben bleiben wuerde. Freilich +wuerde sie nie mehr ganz gesunden. Das Herz war schon vor der Erkrankung +nicht in Ordnung gewesen und hatte nun schwer gelitten. Es wuerde ein sehr +stilles Leben sein, was Katharina fortan fuehren muesste. + +Am hellen Mittag trat mir auf dem "Stillen Weg" der Bruder entgegen. Er +gesellte sich zu mir, ohne dass wir uns die Haende reichten. + +"Lebt sie noch? Ist die Krise vorbei?" fragte er mit offener Furcht in den +Augen. + +"Ja, es ist ueberwunden!" + +Da atmete er auf. + +"Ich habe schwere Tage und Naechte hinter mir", sagte er etwas stockend; +"deine Worte lagen mir immer in den Ohren, und du hast es mir auch durch +deine Botschaften nicht leicht gemacht. Aber ich hatte es wohl verdient." + +Ich antwortete nicht. Er fuhr fort: + +"Ich werde nun abreisen. Ich bitte dich, Kaethe zu einer Zeit, wo du es fuer +angemessen halten wirst, einen Brief von mir zu uebergeben. Er ist offen; +du sollst ihn vorher lesen. Der Brief enthaelt nichts als einen kurzen +Abschied, und dass wir jetzt, durch Land und Meer fuer immer getrennt, ohne +Feindschaft aneinander denken wollen." + +Ich wandte den Kopf zur Seite. + +"Und Luise?" + +"Luise werde ich ihr lassen." + +Wir gingen schweigend nebeneinander hin. Dann sagte er: + +"Dass ich von dem Kinde ohne Abschied fortgehen muss, faellt mir sehr schwer. +Du wirst es nicht glauben; aber es ist wahr. Das Kind wuerde sich fuerchten, +wenn es mich wiedersaehe. Ich bitte, dass du dich weiter des Maedchens +annimmst. Mit einem Kapital werde ich es ausstatten. Willst du die Sache +uebernehmen?" + +"Ja." + +"Ich danke dir!" + +Wieder gingen wir ein Stueckchen wortlos weiter. + +"Ich koennte nun gehen, Fritz; aber das Schwerste habe ich noch zu sagen." + +Ich sah ihn fragend an. Da brachte er heraus: + +"Die Mutter will mit mir nach Amerika." + +Ich blieb stehen. + +"Du musst nicht glauben, Fritz, dass ich Mutter dazu ueberredet habe. Sie hat +es von selbst gewollt." + +"Ja, ich kann es mir denken." + +Etwas unendlich Bitteres quoll mir durch die Seele. + +"Wann wollt ihr denn fort?" + +"Morgen. Die Mutter laesst dich fragen, wann sie sich von dir verabschieden +kann. Willst du am Nachmittag zu ihr hinunterkommen?" + +Ich musste erst ein paarmal Atem holen, dann sagte ich: + +"Ja, ich werde kommen." + +Joachim blieb stehen. + +"So habe ich dir alles gesagt, Fritz. Nun kann ich mich von dir +verabschieden. Wenn du zu Mutter kommst, werde ich euch nicht stoeren, +werde ich schon fort sein." + +Es wurde ihm schwer. + +"Leb wohl, Fritz; hab keinen Groll mehr gegen mich. Ich danke dir fuer +alles Gute - auch, dass du mich fuenf Jahre lang gesucht hast - auch, dass du +neulich so mit mir gesprochen hast." + +Die Stimme stockte ihm, und auch ich brachte es kaum heraus, als ich +sagte: + +"Behuete dich Gott, Joachim!" + +Als er sich schon abgewandt und die ersten Schritte gemacht hatte, +erscholl jenseits eines kleinen Gebuesches das selige Kinderlachen Luises. + +Joachim wandte sich noch einmal um. + +"Ist sie das?" + +Ich nickte mit dem Kopf. + +Da legte er die Hand ueber die Augen und ging schwer und langsam den Berg +hinab. + +Und noch einmal erscholl das Lachen des spielenden Kindes hinter ihm her. + + + + + + FREUND STEFENSON + + +Nun war es vorbei. Ich stieg von Neustadt aus den Weihnachtsberg hinauf. +Der Zug, der meine Mutter in die weite Welt davongefuehrt hatte, war laengst +nicht mehr zu sehen. Der Bruder war schon gestern bis zur +Provinzialhauptstadt vorangereist; ich hatte ihn nicht mehr getroffen. + +Die Bitterkeit war aus meiner Seele gewichen und hatte einer stillen +Trauer Platz gemacht. Die letzten Stunden, die ich mit meiner Mutter +verlebt hatte, waren voll reinster Liebe gewesen, ohne Eifersucht, ohne +Neid, ohne Groll auf den Bruder, um dessentwillen sie mich und die alte +Heimat verliess. Joachim sollte nicht wieder einsam und verbittert durch +die Welt irren; die Mutter wollte nicht wieder Tag fuer Tag sehnsuechtig am +Fenster stehen und auf das schwermuetige Plaetschern des Johannesbrunnens +lauschen. + +Mich wusste sie in Sicherheit, mit einer grossen Aufgabe betraut, die mein +Herz ausfuellen wuerde. So ging sie mit dem anderen, dem Einsamen. + +Es war weiblich, es war muetterlich; es konnte wohl nicht anders sein. + +Aber wie ich auf die andere Seite des Weihnachtsberges kam und mein altes +Waltersburg liegen sah, den Marktplatz mit dem Brunnen und mein +verlassenes Vaterhaus, da setzte ich mich todmuede an den Wegrand ins welke +Gras. Ich barg das Gesicht in den Haenden und sass lange so. + +Als ich endlich aufblickte, sah ich mir gegenueber auf dem anderen Wegrande +Stefenson sitzen. Ich war unwillig, dass er sich so angeschlichen hatte, +aber er kam mir mit teilnehmendem Gesicht, ganz ohne seine sonstige +spoettische Art, entgegen, so dass mein Aerger verflog. + +Stefenson setzte sich neben mich und legte mir die Hand aufs Knie: + +"Sehen Sie, alter Junge, so was tut weh. Das begreife ich. Aber da muessen +Sie auch begreifen, dass ich Sie nicht allein lassen kann, dass ich mich um +Sie kuemmern muss. Ich bitte Sie, dass Sie mir einige Minuten zuhoeren. Sie +brauchen mir gar nicht zu sagen, was fuer Gefuehle Sie bewegen, aber ich +bitte Sie, mir zu erlauben, dass ich als Ihr Freund zu diesen Gefuehlen +Stellung nehme. Zunaechst mal, ob Ihrer Mutter der Aufenthaltswechsel auch +bekommen wird. Daran denken Sie ja wohl an erster Stelle. Nun, ich meine, +sie ist von guter Natur; Rio ist ein ganz gesunder Wohnort; Ihr Bruder ist +Arzt, der sie staendig ueberwachen kann; ausserdem ist er in der Lage, ihr +das Leben so angenehm wie moeglich zu gestalten, dann, Ihre Mutter sieht +einmal die Welt. Nicht mehr mit der Aufnahmefaehigkeit, der Spannkraft, dem +Ueberschwang der Jugend, aber mit dem ganzen Hochgenuss, mit dem ein reifer, +feiner Kopf die Schoenheiten dieser alten Erde betrachten kann. Und gar Rio +de Janeiro! Dort hoeren die Tauben die Voegel singen, dort sehen die Blinden +die Blumen bluehen; das wissen Sie ja selbst, Ihre Mutter wird leben wie im +Paradies. Aber das wird freilich alles nicht hindern, dass sie das Heimweh +bekommen wird - nach dem alten Nest da unten - nach dem Hause am Brunnen - +auch nach Ihnen. Schuetteln Sie nur nicht den Kopf, lieber Freund; eine +Mutter liebt immer am meisten das ihrer Kinder, das nicht bei ihr ist. Und +da denken Sie nur daran, dass sie eines schoenen Tages wieder dasein wird. +Inzwischen lassen Sie unten in dem Hause am Markt alles, wie es ist; +lassen Sie alle Tage die Moebel wischen, alle sechs Wochen frische Gardinen +aufstecken, im Winter die Stuben heizen, im Sommer die Polster einmotten, +auch Kupfer und Zinn in der Kueche putzen und den Kanari gut im Futter +halten, damit Ihre Mutter alles in Ordnung findet, wenn sie wiederkommt." + +"Stefenson", sagte ich dankbar, "Sie sind ein seelenguter Mensch." + +Das verdross ihn. Er sagte zunaechst gar nichts, spuckte dann mit grossem +Geschick bis zum gegenueberliegenden Wegrand und meinte endlich in gaenzlich +veraendertem Tone: + +"Sie verstehen mich immer noch nicht. Das muessen Sie doch wissen, dass so +'n alter Fuchs wie ich immer seine Hintergedanken hat, wenn er mal 'nen +Abstecher ins Gefuehlsmaessige macht. Zum Beispiel jetzt habe ich gerade ein +wichtiges Geschaeft, bei dem Sie unbedingt mitwirken oder dem Sie +wenigstens zustimmen muessen, und da ist es mir natuerlich verdriesslich, +wenn Sie in verkaterter Stimmung sind." + +"Und deswegen suchten Sie mich zu troesten?" + +"Ja, nur deswegen!" + +Ich laechelte. Er sah es und wurde erbost. + +"Mensch, lachen Sie nicht! Was gehen mich denn Ihre +Familienangelegenheiten an? Glauben Sie, dass ich mich bei meinen tausend +Geschaeftsfreunden darum kuemmern kann, ob sie mal Krach mit einem Bruder +haben, ob mal ihre Mutter verreist, ob die Motten in ihre Moebel kommen +oder ihr Kanarienvogel verhungert? Haett' ich viel zu tun. Aber wenn zwei +Feldherren miteinander in den Krieg ziehen und der eine von ihnen +Zahnschmerzen hat, hat der andere dafuer zu sorgen, dass der Zahn gezogen +oder wenigstens plombiert wird. Sonst wird nichts aus ihrer Chose." + +Ich laechelte nicht mehr, aber ich erwiderte auch nichts. + +Da sagte Stefenson fast niedergeschlagen: + +"Wenn Sie etwas Geschaeftssinn haetten, haetten Sie mich laengst gefragt, um +was fuer ein Geschaeft es sich handelt." + +"So sagen Sie es mir - bitte!" + +Er war verstimmt. + +"Nun, ich kann ja den Weihnachtsberg auch ohne Sie von den Neustaedtern +zurueckkaufen." + +"Den Weihnachtsberg wollen Sie zurueckkaufen?" + +"Ich sagte es Ihnen eben. Wir muessen unser Heim bis zum Gipfel des Berges +ausdehnen, sonst spucken uns die Neustaedter auf den Kopf." + +"Sie werden den wichtigsten Aussichtspunkt nie hergeben." + +"Troesten Sie sich. Wozu habe ich in der 'Neustaedter Umschau' seit drei +Wochen Artikel gegen den Weihnachtsberg veroeffentlicht? Zum Beispiel, dass +sein Besuch von Neustadt aus ausserordentlich zu wuenschen uebrig lasse, weil +der viel bequemer zu erreichende Ochsenkopf eine viel bessere Aussicht +bietet, dass die Rentabilitaet ausserordentlich gering sei, die Paechter +nichts zu leisten vermoechten und solchen Kram mehr. Die Neustaedter sind +bereits muerbe. Denn sie sind wieder mal im Dalles. Nun habe ich vorgestern +einen Artikel gebracht, man solle den Weihnachtsberg, wenn sich eine gute +Gelegenheit boete, an irgendeine neutrale Person je eher je besser +verkaufen, damit er ja nicht mal in Waltersburger Haende fiele, was die +Konkurrenz drueben staerken wuerde." + +"Was bezwecken Sie damit?" + +"Dass mein Vertrauensmann, der sich als Privater um den Kauf der +Weihnachtsbergkuppe bemueht, die Sache billig bekommt. In vierzehn Tagen, +denke ich, koennen wir oben einziehen." + +Wir waren inzwischen aufgestanden und stiegen langsam den Berg hinab. +Stefenson sprach immerfort von seinen Plaenen und brachte es wirklich +zuwege, dass meine Bangigkeit nachliess und ich ihm wenigstens mit halber +Aufmerksamkeit zuhoerte. Er begleitete mich bis in mein Arbeitszimmer. Dort +sagte Stefenson: + +"Nun gestehen Sie es sich mal selber, lieber Freund: die ganze Zeit, da +unser Heim besteht, haben Sie, der die Lehre von den Ferien vom Ich +erfunden und gepredigt hat, selbst mit Haut und Haaren mitten im dicksten +Ichleben gesteckt. Hauptsaechlich wegen Ihrer Familienangelegenheiten. +Jetzt erst, wo sich alles in Frieden loest, werden Sie Ihrer Idee ganz und +mit Freuden dienen koennen. Sie lehren selbst: in den Ferien vom Ich los +von der Familie! Deshalb habe ich auch von Anfang an gemeint, wenigstens +einer von uns beiden muesse ganz ohne Familie sein." + +"Und welcher von uns beiden soll das sein?" + +"Sie!" + +Fast haette ich ueber den alten Egoisten lachen muessen. + +"Sie waeren aber doch viel geeigneter, Stefenson; denn Sie sind doch schon +ohne Familie." + +"Sie vergessen, dass ich eine Braut habe." + +"Eva Bunkert? Ich meine, dieser Verlobtenstand ist einseitig." + +Er lachte. + +"Bah - wegen der Auskneiferei - wegen dieser Marotte? Ich habe an Eva +einen vernuenftigen Brief geschrieben, habe ihr gesagt, ich wuerde ihr gern +nachreisen, wenn es nicht zu dumm waere, und wenn ich Zeit dazu haette. Sie +solle ja nicht annehmen, dass ich jetzt ploetzlich an ihrem Theater als +Coiffeur, Portier, Kulissenschieber oder dergleichen auftauchen wuerde, um +sie weiter zu beobachten. Das wuerde abgeschmackt sein; denn ich mache +keinen Witz zweimal. Im uebrigen liebte ich sie unveraendert weiter und +ueberliesse ihr, zu bestimmen, wann unsere Hochzeit sein solle. Diesen Brief +habe ich vor acht Tagen geschrieben und noch keine Antwort. Das ist doch +ein sehr guenstiges Zeichen." + +"Ich wuerde dieses Zeichen anders auslegen." + +"Nein. Sie graemt sich. Sie kann gar nicht schreiben. Waere ich ihr egal, +haette sie mir einen schnippischen, und waere sie ein oberflaechliches Weib, +sofort einen freundlichen Verzeihungsbrief geschrieben. So ist sie ein +braves Maedel, das mich liebt, und schreibt gar nicht." + +"Es kann schon so sein", sagte ich muede; "ich hoffe, dass es Eva gut geht!" + +"Nun, so ... so ... Vor fuenf Tagen hat sie das erstemal auf der Oper +gesungen. Zwei Kritiker haben sie bestehen lassen; einer hat sie etwas +mitgenommen. Mit dem habe ich mich telephonisch verbinden lassen. Ich habe +den Mann aufgeklaert, um was es sich handelt - so in grossen Zuegen natuerlich +-, und ihm gesagt, dass er mir einen Riesengefallen tun wuerde, wenn er +Fraeulein Eva Bunkert nach Strich und Faden verrisse und an der Oper +unmoeglich mache. Meine eventuelle Erkenntlichkeit fuer ihn habe ich dem +Kritiker wirklich nur ganz diskret und delikat angedeutet. Trotzdem hat +mir der Grobian gesagt, es sei schade, dass sich telephonisch keine +Ohrfeigen austeilen liessen; im uebrigen sei Fraeulein Bunkert ein +ausserordentlich hoffnungsvolles Talent. Das habe ich davon. Nun wird sie +auch dieser Kerl loben. Ach, du lieber Gott, die deutschen +Zeitungsschreiber sind sehr verschiedener Art." + +"Und Sie fuerchten gar nicht, dass Eva Bunkert Ihnen verlorengehen koennte?" + +"Nicht eine Minute. Sie hat gebissen. Ich halte sie fest. Wenn sie noch +ein wenig herumzappeln will, kann ich ihr den Spass ja goennen." + +So purzelte Stefensons draufgaengerische, frische Art durch den bangsten +Tag meines Lebens. Und als ich am naechsten Morgen nach tiefem Schlaf +erwachte, fuehlte ich mich gesund und munter, stark genug, dem Leben ins +Auge zu schauen und mit Lust und Freude an meinem schoenen Werke weiter zu +schaffen. + + ------------------------------------------------------- + +Etwa drei Wochen spaeter besuchte mich Stefenson wieder in meinem +Arbeitszimmer. Auf dem Tische lag die neueste Nummer der "Neustaedter +Umschau". + +"Ich habe diesmal nichts drin", sagte Stefenson und wies auf die Zeitung. +Trotzdem schlug er sie auf. Und mit einem Male riss er die Augen auf, trat +ans Fenster. + +"Haben Sie schon - haben Sie schon gelesen?" fragte er aufgeregt. + +"Was denn? Was steht denn wieder in dem Schundblatt? Ich habe noch gar +nicht hineingeschaut." + +"Da - da ..." + +Er wies auf eine kleine Notiz. Ich las: + +"Verlobung. Die Opernsaengerin Eva Bunkert, Tochter unseres verflossenen +Baurats August Bunkert, hat sich mit dem Grafen Hanns von Simmern, Sohn +des herzoglichen Kammerherrn Grafen Eugen von Simmern, verlobt. - Eine +rasche Kuenstlerkarriere!" + +"Da haben wir's", sagte ich. "Die Sache ist in der Tat sehr rasch +gegangen." + +"Rasch gegangen! Ist das alles, was Sie zu dieser Schandtat zu sagen +wissen?" bruellte Stefenson. + +"Ja, was soll ich in meiner Ueberraschung dazu sagen? Es tut mir natuerlich +leid um Sie!" + +"Leid! Ich brauche Ihnen nicht leid zu tun. Niemand brauche ich leid zu +tun. Ich verbitte mir das! Denn ich kann froh sein, dass ich diese Gans los +bin. Ich bin auch ganz kolossal froh. Nach kaum vier Wochen ist dieses +flatterige Ding mit ihrer Lebenswahl fertig. Von einem zum andern. Immer +zu, immer zu! Was verliere ich dabei? Weil er ein Graf ist, weil sie sich +bei ihm in Taschentuecher mit einer neunzackigen Krone die Nase schneuzen +kann, deshalb gibt sie mich auf. Einen Mann wie mich, der diese bankerotte +Bauratstochter gegen alle Vernunftgruende geliebt hat und sie heiraten +wollte, gibt sie auf!" + +Er sank in einen Stuhl. Sein Schmerz war masslos. Aber ich blieb kuehl. + +"Lieber Freund", sagte ich, "es ist sicher fuer unsere Gruendung ganz gut, +wenn Sie familienlos bleiben, wenn Sie Ihre Selbstaendigkeit, den ruhigen, +klaren Blick ..." + +"Halten Sie den Mund! Kommen Sie mir nicht mit solchem Bloedsinn. Satt hab +ich's, satt. Meinetwegen mag die ganze Geschichte hier zum Teufel gehen. +Mir liegt an nichts mehr etwas, an gar nichts mehr!" + +Er wand sich in dem Lehnstuhl, in dem er sass, wie in Kraempfen. Ich stellte +mich ans Fenster und zuendete mir eine Zigarre an. Da knirschte er: + +"Sprechen Sie wenigstens; sagen Sie etwas zu mir. Das kann ich doch wohl +verlangen." + +"Sie lassen mich ja nicht zu Worte kommen, Stefenson. Und dann, ich weiss +selbst nicht, was ich zu der Sache sagen soll." + +"Jawohl, Sie machen sich eben nichts aus mir. Sonst koennten Sie sich jetzt +nicht so pomadig eine Zigarre anzuenden. Schoener Freund! Glauben Sie denn, +dass sie mit dem Grafen, diesem neunmal gehoernten Kerl, gluecklich sein +wird?" + +"Das kann ich nicht beurteilen." + +"Das muessen Sie beurteilen koennen! Sie muessen wissen, dass solche +sogenannten Mesalliancen nie zum Glueck fuehren, dass dieses Weib im Hause +ihres graeflichen Gatten als Eindringling entweder gar nicht zugelassen +oder _sub_ Luder behandelt werden wird, dass der Mann ihrer ueberdruessig +sein wird, wenn ihre Schoenheit verblueht, dass sie dann im Elend sitzen +wird." + +"Das kann schon alles so kommen, es kann aber auch anders sein. Es kommt +ganz auf den Mann an. Prophezeien kann niemand, hoechstens unsere alte +Wahrsagerin unten in Waltersburg." + +"Wollen Sie mich verspotten? Sich ueber mich lustig machen? Ist das Ihre +Freundschaft?" Er war wuetend. + +"Lieber Stefenson, Sie sind jetzt sehr aufgeregt. Was immer ich auch jetzt +sagen moechte, wuerde Ihnen nicht gefallen. Warten wir also ab, bis Sie sich +etwas beruhigt haben, und dass Sie dann ganz auf mich rechnen koennen, +wissen Sie ja doch!" + +"Ich werde mich nie beruhigen", sagte er. "Ueber das komme ich nicht weg!" + +Wohl zehn Minuten vergingen, waehrend deren Stefenson im Zimmer auf und ab +schritt. Manchmal blieb er stehen, sprach leise mit sich selbst oder +fuchtelte mit seinen langen Armen durch die Luft. Endlich fragte er: + +"Was ist das mit der Wahrsagerin in Waltersburg, die Sie erwaehnten?" + +"Ah, Stefenson, das war doch nur Scherz. Es wohnt da unten im alten +Zollhaus, kaum dreihundert Meter unter unserem Grundhof am Waltersburger +Weg, ein Weib, das schon uralt war, als ich noch in kurzen Hosen ging. Sie +nennt sich nach ihrem Beruf Sibylle. Wie sie eigentlich heisst, wie alt sie +ist, weiss kein Mensch. Fuer fuenfundzwanzig Pfennig prophezeit sie den +Buergern, Bauern und Koechinnen die Zukunft." + +"Und stimmt es, was sie sagt?" + +"Ja, das weiss ich nicht. Ich hab mich um das alte Fernrohr in die Zukunft +nicht gekuemmert. Als Jungen haben mal Joachim und ich fuenfundzwanzig +Pfennig zusammengeschossen und uns weissagen lassen. Da hat sie gesagt, +wir wuerden bald eine maechtige Tracht Pruegel bekommen. Und das ist auch +eingetroffen. Es kam naemlich heraus, dass wir die fuenfundzwanzig Pfennig +zur Sibylle getragen hatten, und wir bekamen Pruegel dafuer." + +Ich wusste, dass Stefenson aberglaeubisch war. Viele sonst sehr kluge +Menschen sind es. Stefenson fing an einem Freitag kein Geschaeft an, es +beunruhigte ihn, wenn eine Katze ueber seinen Weg lief, und er hatte immer +ein altes Hufeisen auf seinem Schreibtische liegen. Er stammte ja auch aus +Amerika, wo der Aberglaube zu Hause ist. Jetzt fuehlte er das Beduerfnis, +sich ein wenig zu rechtfertigen, und sagte: + +"Es ist durchaus falsch, alle Hellseherei von vornherein als Unsinn zu +erklaeren. Es koennen da Naturkraefte wirken, die wir nicht kennen." + +"Gewiss - gewiss!" + +Er versank wieder in tiefe Traurigkeit. + +"Vor vier Tagen habe ich ihr einen Brief geschrieben, habe sie gebeten, +sie moege doch von ihrem Groll ablassen. Wenn sie es schon nicht einsehen +wolle, dass ein Mann, der sein ganzes Lebensschicksal an eine Frau ketten +wolle, zu deren gruendlichster Pruefung berechtigt sei, so solle sie halt +denken, dass es mir doch auch Spass gemacht habe, mal in den Ferien vom Ich +eine unerkannte Rolle zu spielen, und dass ich doch eigentlich als Knecht +Ignaz um sie gedient habe wie Jakob um die geliebte Rahel. Sehen Sie, von +diesem Brief glaubte ich, er sei eigentlich zu deutsch, zu sentimental. +Aber es war mir so ums Herz, und so schickte ich ihn ab. Der Brief wird +gerade zu ihrer Verlobung zurechtgekommen sein." + +Es schuettelte ihn vor Schmerz und Zorn. + + + + + + DER FUCHS UND DIE SIBYLLE + + +Es war Abend, als ich am Grundhof vorbeischlich und mich an der Reihe +windbruechiger Weiden, die am alten Waltersburger Weg stehen, hinab zum +Hause der Sibylle schlaengelte. Das kleine Anwesen sah schaebig und +unordentlich aus. Die Tuer stiess einen graemlichen Quieker aus, als ich +eintrat. Der Hausflur war finster, aber in dem daranstossenden Zimmer, +dessen Fenster mit buntem Kattun verhaengt waren, brannte eine kleine +Lampe. Die "Sibylle" erhob sich und kam mir entgegen. Mit krummem Ruecken, +auf einen Stock gestuetzt, hob sie ihr verrunzeltes Gesicht, das in dem +trueben Lichte der kleinen Lampe ganz gespenstisch aussah, zu mir empor. + +"Wird er kommen?" fragte sie. + +"Ich weiss es nicht. Aber ich hoffe es; denn ich habe es ihm kraeftig +eingeredet. Ich gehe einstweilen in die Nebenstube und passe auf. Halten +Sie sich genau an unsere Abmachungen." + +"Jawohl!" nickte das Weib. + +Ich musste eine Stunde lang warten und gab den Plan, den ich gefasst hatte, +beinahe auf. Noch zweimal hatte Stefenson heute von der Wahrsagerin +angefangen, und ich hatte ihm einige sehr merkwuerdige Faelle erzaehlt, in +denen die Voraussagungen der Sibylle in verblueffender Weise eingetroffen +waren. Nun kam er doch nicht. Schon wollte ich meinen Lauscherposten +verlassen, da sah ich den alten Fuchs um die Wegkruemmung treten und +vorsichtig umherspaehen. + +"Er kommt!" sagte ich zu der Sibylle durch die Tuer. "Nun machen Sie Ihre +Sache gut." + +Fuenf Minuten spaeter hoerte ich nebenan Stefenson eintreten. + +"Guten Abend", sagte er etwas verlegen. "Ich komme mal zu Ihnen. Sie +brauchen sich deswegen nicht etwa einzubilden, dass ich auf Ihren Quatsch +etwas gebe; aber ich habe von Ihnen gehoert, und da will ich mal einen +Versuch machen - der Wissenschaft halber, verstehen Sie?" + +Die Sibylle ruehrte sich nicht. Sie sah greulich aus. Die Gestalt war in +ein geflicktes Umschlagetuch gehuellt, vor Stirn und Augen hatte sie einen +gruenen Lichtschirm, ueber dem der graue Scheitel struppig herausragte. Das +alte Weib betrachtete ihre ausgebreiteten schmutzigen Karten und sagte +kein Wort. + +"Nun?" mahnte Stefenson ungeduldig. + +Keine Antwort. + +"Ja, wollen Sie nun gefaelligst mit mir sprechen?" brauste der Amerikaner +auf. + +"Scheren Sie sich hinaus!" kraechzte die Alte. + +"Wa-as?" + +"Hinausscheren sollen Sie sich!" wiederholte der haessliche Rabe. + +"Das ist stark!" sagte Stefenson verbluefft. "Nun bleibe ich natuerlich +hier!" + +Er schob sich den wackligen Stuhl, der an der Wand lehnte, zurecht und sah +mit stoischer Ruhe zu, wie das alte Weib ihre Karten mischte und legte, +ohne ihn auch nur im geringsten zu beachten. Ich vergnuegte mich an meinem +Guckloche koeniglich. + +Endlich stand Stefenson auf, legte auf die Tischkante eine Muenze und sagte +mit erzwungener Hoeflichkeit: + +"Madame, ich moechte gern durch Ihre Kunst meine Zukunft erfahren." + +"Warten Sie!" schnarrte der Rabe. + +Und Stefenson wartete. Sibylle betrachtete indes unverwandt ihre Karten. +Endlich schien sie fertig zu sein. Sie warf einen Blick auf das Geldstueck +und sagte: "Auf zwanzig Mark kann ich nicht herausgeben. Es kostet +fuenfundzwanzig Pfennig." + +"Behalten Sie nur das Goldstueck", erwiderte Stefenson. Da schnipste sie +mit dem Finger die Muenze vom Tische hinab auf den Fussboden und kreischte +wuetend: + +"Fuenfundzwanzig Pfennig kostet es!" + +Stefenson kramte in einer Westentasche und legte fuenfundzwanzig Pfennig +auf den Tisch. + +"Stecken Sie das Goldstueck ein!" befahl die Alte. Stefenson leuchtete mit +Streichhoelzern gehorsam den Fussboden ab, bis er die Goldmuenze fand, und +steckte sie ein. Darauf mischte Sibylle die Karten, liess Stefenson dreimal +abheben und sagte: + +"Sie sind neunundvierzig Jahre alt!" + +Stefenson lachte aergerlich. + +"Neununddreissig bin ich." + +"So sehen Sie nicht aus!" + +Darauf wurden die Karten auf den Tisch gebreitet. + +"Richtig - erst neununddreissig", sagte die Wahrsagerin. + +"Am 14. April geboren." + +"Das stimmt!" rief Stefenson verbluefft. + +"Es stimmt alles, was ich sage", knurrte die Alte. + +"Sie haben weder Vater noch Mutter, Bruder noch Schwester. Sie sind nicht +aus diesem Lande, Sie sind ueber das Wasser gekommen." + +Stefenson setzte sich staunend auf den Stuhl. + +"Sie sind sehr reich", fuhr die Alte fort, "und werden immer reicher +werden; aber Sie haben Unglueck in der Liebe." + +"Ja", murmelte Stefenson. + +"Ihre Braut heiratet einen anderen." + +"Ist das wahr?" + +"Ja. Aber Sie sind selbst schuld; Sie haben Ihre Braut schlecht behandelt +und sie betrogen." + +Stefenson stoehnte leise. Die Alte fuhr fort: + +"Wenn Sie sich mit dem neuen Braeutigam Ihrer Braut duellieren, werden Sie +ihn toeten." + +"A-ah!" + +"Ja, aber es wird Ihnen schlimm ergehen, weil er ein vornehmer Herr ist, +und das Maedchen wird doch einen anderen nehmen." + +"Wird sie gluecklich werden?" fragte Stefenson. + +"Sie wird mit jedem Manne gluecklich werden, den sie nimmt. Nur mit Ihnen +waere sie ungluecklich geworden." + +"Das ist nicht wahr!" rief Stefenson. + +"Das ist ebenso wahr, als dass Sie nach einem Jahre eine reiche +Amerikanerin heiraten werden." + +"Schwindel!" rief Stefenson erbost. "Ich werde nie eine andere heiraten. +Sie schwafeln da einen ungeheuren Bloedsinn zusammen!" + +"Scheren Sie sich hinaus!" kreischte der Rabe wuetend und klappte die +Karten zusammen. + +"Ich bitte, dass Sie weitersprechen", beruhigte sich Stefenson gewaltsam. + +Die Alte aber erhob sich und humpelte der Nachbartuer zu. + +"Bleiben Sie da", rief Stefenson; "ich habe doch fuenfundzwanzig Pfennig +bezahlt." + +Sie gab keine Antwort, verschwand hinter der Tuer und schob den Riegel vor. + +In diesem Augenblick sprang ich im Nebenzimmer aus dem Fenster hinaus in +den Garten, ging ums Haus herum und trat durch den Flur in die +Vorderstube. + +Als Stefenson und ich uns sahen, prallten wir voreinander zurueck. + +"Sie - Doktor?" + +"Sie - Stefenson?" + +Er lachte ausserordentlich verlegen. Leise sagte er: "Aber wissen Sie - nur +der Wissenschaft halber ..." + +"Ja - ich natuerlich auch nur der Wissenschaft halber. Waren Sie schon +dran?" + +"Ja. Und es hat merkwuerdig gestimmt. Jetzt ist die Alte da hinein und hat +sich abgeriegelt. Aber ich warte, bis sie herauskommt; ich will noch mehr +erfahren." + +"Wenn es Sie nicht stoert, warte ich mit." + +Ich sah, dass ihm mein Erscheinen gar nicht recht war, aber ich setzte mich +auf den Tisch und liess die Beine herabbaumeln. Eine halbe Stunde verging; +es wurde langweilig. Ein paarmal hatte Stefenson an die Tuer der anderen +Stube geklopft, aber keine Antwort erhalten. Endlich hoerten wir drin ein +Gekrabbele. + +"Sind Sie noch da?" kraechzte die Sibylle. + +"Jawohl!" antwortete Stefenson. + +Ein Scharren kam von nebenan, dann sagte die Alte: + +"Ich werde Ihnen fuer Ihre fuenfundzwanzig Pfennig jetzt noch zeigen, wie +Ihre kuenftige Frau aussieht, und dann scheren Sie sich endlich fort." + +"Ich will nichts wissen von einer kuenftigen Frau, ich bleibe ledig!" +widersprach Stefenson. "Kommen Sie lieber heraus und geben Sie mir noch +auf einige Fragen Auskunft." + +"Nein!" brummte der Rabe. "Sie werden nur noch Ihre kuenftige Frau sehen!" + +Die Tuer sprang auf, und in ihrer Oeffnung stand Eva Bunkert in ihrer ganzen +strahlenden Schoenheit. Stefenson fasste sich an den Kopf. + +"Eva!" + +"Ja, ich bin's!" sagte das Maedchen, blieb stehen und lachte. + +"Wie ist das moeglich? Wie ist das nur moeglich?" Stefenson machte den +Eindruck verdattertster Hilflosigkeit. Da sprang ich vom Tisch herunter, +brach in Gelaechter aus und schrie jubelnd: + +"Wir haben einen alten, sehr alten Fuchs gefangen. Horrido!" + +Eva hatte gluehrote Wangen. Sie trat auf den wie angewurzelt dastehenden, +staunenden Stefenson zu, reichte ihm die Hand und sagte mit warmem Ton in +der Stimme: + +"Mein Lieber, Sie werden mir wegen dieser Komoedie nicht zuernen. Eine +kleine Strafe wenigstens hatten Sie fuer Ihre Ignazmaskerade doch wohl +verdient." + +"Ich verstehe nichts - nichts von allem", stammelte Stefenson. Da griff +ich ein. + +"Also, lieber, alter Fuchs, ich will Ihnen alles kurz erklaeren, was jetzt +Ihr in eine Wolfsgrube gefallener Verstand doch nicht von selber findet! +Die Sibylle, die Sie befragt haben, war niemand anders als Fraeulein Eva +selbst." + +"Oh - oh - und die wirkliche Sibylle?" + +"Sitzt in der Dachkammer und hat uns gegen Geld und gute Worte ihr +Amtslokal mal voruebergehend ueberlassen. Ist das nicht gut?" + +Er sagte nicht, dass das "gut" sei. Ganz foermlich wandte er sich an Eva. + +"Mein gnaediges Fraeulein, es ist ja recht, recht liebenswuerdig, dass Sie mit +mir zu scherzen belieben; aber ich darf wohl einigermassen erstaunt sein, +da ich erst heute morgen in der Zeitung -" + +Ich griff wieder ein. + +"Die 'Neustaedter Umschau' war die zweite Wolfsgrube, in die Sie glitten, +verehrter Fuchs, oder vielmehr die erste. Denn die Notiz habe ich +geschrieben, habe sie in die 'Umschau' lanciert, aber nicht etwa in die +ganze Auflage, sondern nur in die beiden Exemplare, die bei Ihnen und bei +mir abgegeben werden. Da ist eben fuer diese zwei Nummern im Satzspiegel +eine kleine Aenderung gemacht worden." + +"So ist wohl alles gar nicht wahr?" + +"Nein, es ist nicht wahr", sagte Eva und wurde in dem Masse roeter, als +Stefenson bleicher wurde. Ich fuerchtete mit einem Male, der Scherz koenne +noch schief ausgehen, und sagte deshalb: + +"Nanu, Stefenson, spielen Sie bitte nicht etwa die gekraenkte Unschuld. Da +waeren Sie gerade der Rechte dazu. Was haben Sie uns genarrt! Mit der +Ignazgeschichte und mit Ihren Umschau-Artikeln, auch als Journalist Brown. +Ihr Suendenregister ist in dieser Hinsicht so gross, dass unsere kleine List +eine aeusserst gelinde Strafe ist." + +"Und - und der Graf Simmern - und der herzogliche Kammerherr?" + +"Himmel, Stefenson, sind Sie heute schwer von Begriffen, diese Simmerns +existieren doch gar nicht." + +"Ah - so ist das gewesen? Die Anzeige war gefaelscht, und die Wahrsagerin +waren Sie selbst. - Es - es ist ja sehr witzig! Gnaediges Fraeulein, Sie +haben die alte Sibylle ausgezeichnet gemimt. Ich glaube, Sie sind eine +grosse Schauspielerin." + +Es war mir, als ob in Evas Augen eine geheime Angst traete. Ich sagte: + +"Nun sehen Sie, ob ein Mister Stefenson in den Ferien vom Ich in die +Tracht eines Bauernknechtes kriecht oder ob eine Opernsaengerin mal in das +Habit einer Wahrsagerin schluepft, bleibt sich ganz gleich. Das ist doch +selbstverstaendlich." + +Seine Augen irrten umher. + +"Ich fuerchte, die wirkliche Sibylle wird sich in der Bodenkammer erkaelten. +Man sollte sie jetzt herunterrufen." + +Die Stimmung wurde frostig. Ich sah, dass Evas rote Wangen verblichen. In +diesem Augenblick humpelte die wirkliche Sibylle ins Zimmer. Sie lachte +albern und blinzelte verlangend mit den Augen. + +"Na, Sibylle", sagte Stefenson, "Sie werden ja von den Herrschaften schon +bezahlt sein; da haben Sie auch von mir noch ein Trinkgeld." + +Er legte ein Fuenfzigpfennigstueck auf den Tisch. Die Alte fauchte +unzufrieden; mir ging die Laune aus. "Gehen wir hinaus!" sagte ich. Ich +half Eva den Mantel umlegen und fuehlte, wie das Maedchen erregt war. +Schweigend stiegen wir den Berg hinauf. Ich hatte einen maechtigen Groll +auf Stefenson. Er selber haenselte alle Welt, aber einen Scherz gegen seine +eigene hohe Person vertrug er nicht. Da hatte mir nun in all den Wochen +die schoene Eva brieflich ihren Liebeskummer geklagt, ich hatte ihr langsam +den Zorn gegen Stefenson, den sie der Ignazmaskerade wegen hegte, +ausgeredet, sie hatte endlich den Brief mit der Stelle von Jakob, der um +Rahel dient, erhalten, war dadurch geruehrt, heimlich in Waltersburg +angekommen und hatte sich in der Wohnung ihres Vaters, unseres jetzigen +Baurats, versteckt. Liebesselig und voller Sehnsucht. Ich, der das Maedchen +selbst geliebt hatte, war mit mir fertig geworden, guter Laune zu sein und +ihr zu einem unschuldigen Racheplan gegen den Geliebten zu helfen. Nun +scheiterte alles am Hochmut dieses Hansnarren. + + ------------------------------------------------------- + +Wir waren kurz vor dem Grundhof, da blieb Stefenson ploetzlich stehen und +fing unbaendig an zu lachen. Es war schon gar kein Lachen mehr, es war ein +Kollern. + +"Also", sagte er, "nun haben sie den Fuchs gefangen, und da sie ihn in der +Falle haben, machen sie beleidigte Gesichter, weil der Gefangene knurrt, +was doch selbstverstaendlich ist. Lieber Doktor, Freund und Menschenkenner, +bitte, gehen Sie mal freundlichst voran bis zur Lindenherberge und +erwarten Sie uns im Poetenwinkel. Wir kommen langsam nach." + +Ich ging voran, und als die beiden anderen im Poetenwinkel eintrafen, sah +ich in ihnen ein glueckliches Paar. + + ------------------------------------------------------- + +Es war noch nicht spaet, wir waren im Poetenwinkel allein, die Feriengaeste +noch alle beim Abendbrot. Als wir mit dem allerbesten Wein, den der +Herbergsvater besass, angestossen hatten, sagte Stefenson so ganz nebenher +zu mir: + +"Dass der Kerl von der 'Umschau' zwei Mark fuer die Zeile der gefaelschten +Verlobungsnotiz von Ihnen genommen hat, war unverschaemt. Eine Mark waere +auch genug gewesen." + +"Woher wissen Sie den Preis?" + +"Na, ich war doch drueben in der Redaktion." + +"In der Zeitung? Wann? Heute nachmittag?" + +"Ja, natuerlich! Ich witterte etwas und wollte wissen, woher die 'Umschau' +die grosse Neuigkeit habe, und da kriegte ich mit Hilfe einiger +Ueberredungskunst und einigen Papiergeldes den ganzen schoenen Schwindel +heraus." + +"Das ist infam!" rief ich. + +"Er hat alles gewusst", sagte fassungslos die schoene Eva. + +"Jawohl, alles!" schmunzelte Stefenson. "Dann, als ich von Neustadt +zurueckkam, ging ich gleich wieder zu unserem Herrn Doktor, und als mir der +so ganz geschickt und ganz und gar unauffaellig suggerierte, ich solle doch +durchaus mal zu der alten Sibylle gehen, da sagte ich mir: Hm, da ist was +dahinter! Da werden die Schlauberger mit dir wohl noch was vorhaben. Und +ich ging zu der alten Sibylle." + +"Er hat mich sofort erkannt", klagte Eva. "So schlecht habe ich gespielt." + +"Du hast herrlich gespielt!" rief Stefenson. "Du bist eine grosse +Kuenstlerin. Die Sprache - zum Fuerchten; das Aeussere - zum Schlechtwerden. +Zum Beispiel diese borstigen Warzen an Kinn und Hals. Ich habe nie eine +schrecklichere Theaterhexe gesehen." + +"Es ist aus mit meiner Buehnenlaufbahn", sagte Eva. "Das ist die +furchtbarste Kritik, die ich bekommen konnte. Ich kann ihm nie, nie was +vormachen!" + +"Nein", sagte Stefenson mit grosser Befriedigung, "und weil ich jetzt weiss, +dass du mir nie etwas vormachen kannst, heirate ich dich. Ich heirate dich +mit grosser innerer Ruhe und mit sehr grossem Vergnuegen!" + +Dass uns aber auch diesmal der alte Fuchs uebertoelpelt hatte, aergerte mich +so, dass mir der gute Wein nicht mehr schmeckte. + + + + + + ADVENT + + +Es ist nun still geworden bei uns. Stefenson ist nach Amerika hinueber, um +in Eile seiner kuenftigen Frau ein Heim zu bereiten. Diesmal ist er +wirklich abgereist; ein Vertrauensmann von mir hat ihn in Hamburg an Bord +gehen sehen. Eva wohnt zwar bei ihrem Vater, haelt sich aber allermeist im +Forellenhof auf, der ihre zweite Heimat geworden ist. Der Bauer Barthel +hat seit dem Abenteuer seiner Verhaftung an Reputation etwas eingebuesst und +steht jetzt ganz unter dem Regiment der dicken Susanne; aber der alte +Friede ist wiedergekehrt. + +Nur ein wenig still ist es. Methusalem und Emmerich, die lustigen +Burschen, haben auch laengst schweren Herzens von uns Abschied nehmen +muessen, um in ihr buergerliches Leben zurueckzukehren, und Piesecke ist vom +Forellenhof fortgezogen. Er wohnt jetzt in der Waldschoelzerei. Er sagte +mir, "er habe an Barthel und Susanne mit der Zeit ein Haar gefunden" und +wolle auch Eva aus dem Wege gehen. In Wirklichkeit hegt sein +leichtbewegliches Herz bereits eine neue Sehnsucht, und diese Sehnsucht +wohnt in der Waldschoelzerei. Sie heisst Agathe. + +"Lieber Herr Doktor", sagte er dieser Tage zu mir, "wenn mich die kleine +Agathe will, dann moechte ich sie heiraten und mit ihr immer hier bei Ihnen +im Heim bleiben. Vielleicht kann ich mich mit etwas Kapital beteiligen und +eine kleine Stellung, so als Subdirektor oder aehnlich, bekommen. Ich +moechte nicht wieder fort von hier; die grosse Welt hat allen Reiz fuer mich +verloren." + +"Wir wollen abwarten und ueberlegen, lieber Piesecke." + +"Ich soll immer abwarten, nie handeln", sagte er betruebt. + +"Sie haben eben in Ihrem frueheren Leben etwas zu viel gehandelt, lieber +Freund. Deshalb sind Sie ja jetzt in den Ferien." + +Da fuegte er sich. - + +Mit dem schweizerischen Namen "Heimwehfluh" ist eines unserer kleinen +Anwesen benannt, das in einer Waldecke so abseits vom Wege liegt wie die +Genovevenklause. Auf der Heimwehfluh wohnt jetzt Kaethe mit ihrem Kinde. +Die Frau ist blass und von zartester Gesundheit; aber ich habe nur mit Muehe +durchsetzen koennen, dass sie eine Bedienerin annahm. Sie wollte mit Luise +ganz allein sein. + +Das Maedchen ist viel ruhiger geworden. Wohl hindert es die Mutter nicht, +zu anderen Kindern zum Spielen zu laufen, ja sie draengt es oft dazu, aber +das Kind bleibt am liebsten daheim. Dort ist es in einem ewig sonnigen +Paradies der Mutterliebe. Die Mutter dichtet Geschichten um Geschichten, +die Mutter spielt so schoen, wie niemand spielen kann, die Mutter macht +selbst das Lernen zur Lust. + +Kaethe und das Kind sind noch die einzigen Kameraden, die ich hier habe. +Sie stoeren mich nicht. Ich weiss, dass sie im Frieden sind und dass sie mir, +wenn ich frage, wie es ihnen geht, immer nur die eine Antwort geben +werden: "Es geht uns gut!" Es ist schoen, Menschen zu begegnen, die sagen, +dass es ihnen gut gehe; es ist wie ein herzstaerkender Blick auf ein +heiteres Gelaende, der sich bei einer so lieben Antwort auftut. + +Im Forellenhof wird jetzt viel geschneidert, gestrickt, gebastelt. Eva +schafft an ihrer Ausstattung, und alles Weibsvolk ist ganz naerrisch, ihr +dabei zu helfen. Es ist sehr heimlich in der grossen Bauernstube. Der Wind +zieht um die Giebel oder pfeift auf dem Schornstein wie auf einer grossen +Floete, der Regen knistert am Fenster, das Feuer flackert im Herd, die alte +Uhr geht freundlich ihren Weg hin und her mit ihrem Schlenkerbein. +Manchmal erzaehlt eine der Frauen eine Geschichte, manchmal rattert eine +Naehmaschine, manchmal spielt Vater Barthel auf der Ziehharmonika, oft +kommt einer von den "Mannsvoelkern" in die Stube, schuettelt sich wie ein +Pudel, waermt sich am Ofen und sagt etwas Nettes oder etwas Dummes, ueber +das gelacht werden kann. Was bei der Hausarbeit herauskommt, kann ich +nicht beurteilen. Eva wird eine sehr reiche Frau sein, aber vielleicht +sind ihr einmal diese mit recht verschiedenartigem Talent im Ferienheim +gestickten Monogramme und Schneidereien lieb und wert ... + +Ich bekam eben einen Eilbrief von Methusalem aus Muenchen: + + + + + + + "Lieber Doktor! + +Unser Freund Stefenson (wo haette ich den Heimtuecker in dem langen Ignaz +vermutet!) hat mich von Amerika aus mit der ehrenvollen Aufgabe betraut, +die aeusseren Feierlichkeiten seines Hochzeitsfestes in Regie zu nehmen. +Trotz meines hohen Alters will ich die Aufgabe uebernehmen. (Notabene: Was +sagen Sie als Mediziner dazu, dass ich mit neunhundertachtundneunzig und +dreiviertel Jahren noch einen Weisheitszahn kriege?) Also uebernehmen! Die +bewilligten Mittel sind generoes. Man koennte damit alle Einwohner eines +deutschen Herzogtums drei Tage lang freihalten. Ich werde mit einem +Bruchteil des Geldes auskommen, und das Fest wird dennoch glaenzend sein. +Mein Freund Emmerich, bekanntlich Gesanglehrer an einer Taubstummenanstalt +und auch sonst ein beruehmter Musiker, uebernimmt den musikalischen Teil. +Das Fest soll am ersten Weihnachtsfeiertag im Rahmen eines grossen +deutschen Weihnachts- und Weihespieles stattfinden. Es ist allerhoechste +Zeit, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Erwarten Sie mich also schon +morgen; sagen Sie Frau Susanne, dass ich vor Sehnsucht nach ihr brenne, +durch welch schoene Redewendung sie erinnert sein soll, mein Zimmer gut zu +heizen, und bewegen Sie Freund Piesecke, in den intimeren Festausschuss +einzutreten. + + Ihr getreuer Methusalem. + +Nachschrift! Ich habe heute aus Freude, so bald nach dem geliebten +Waltersburg zurueckkehren zu koennen, bereits fuenf Purzelbaeume in meinem +Bett geschlagen. Ich finde das zwar unpatriarchalisch, aber es musste sein! + + Methusalem." + + + + + + +Frau Susanne strahlte, als ich ihr Methusalems baldige Ankunft +verkuendigte, und rannte spornstreichs nach dem Kohlenkasten. Sie kann +ihren aeltesten Sohn nicht lieber haben als diesen Maler, der sie doch +staendig aergert und ueber den sie staendig schimpft. + +Mit Piesecke dagegen hatte ich Schwierigkeiten. + +"Ich lehne ab, dem Festausschuss beizutreten", sagte er kalt, als ich ihm +Methusalems Brief vorgelesen hatte. "Denn erstens, dieser Stefenson, der +mich als Knecht Ignaz gemisshandelt hat, verdient von mir keine +Gefaelligkeit, und diese Eva auch nicht. Was aber Methusalem und Emmerich +anbelangt, so habe ich mich einmal mit ihnen eingelassen und die +traurigsten Erfahrungen mit ihnen gemacht." + +"Lieber Piesecke", sagte ich, "Sie werden sich das noch ueberlegen. Was +Stefenson anlangt, so sind Sie eine viel zu grosse Natur, um nachtraegerisch +zu sein. Und mit Methusalem und Emmerich duerfen Sie sich ruhig verbinden. +Ich gebe zu, dass sich die beiden in der Waltersburger Schlacht feig und +schaebig benommen haben. Waehrend Sie kaempften, hat der eine gezeichnet, der +andere seine Hymne gesungen. In den Kampf eingegriffen haben sie beide +nicht, obwohl es ihre Pflicht war. Sie sind eben keine Helden. Ein Fest +aber ist keine Schlacht; da werden die zwei ihren Mann stellen. Im uebrigen +gebe ich Ihnen zu bedenken, dass, falls Sie sich fernhielten, Fraeulein +Agathe aus der Waldschoelzerei den schweren Verdacht schoepfen koennte, Sie +haetten Ihren Gram um die verlorene Eva immer noch nicht verwunden." + +"Oh", rief da Piesecke, "den hab ich gruendlich verwunden. Aber Sie haben +recht, der Verdacht laege nahe. Also mache ich mit!" + +Schon am naechsten Morgen kehrten unter ungeheurem Hallo Methusalem und +Emmerich nach dem Ferienheim zurueck. Eine Stunde spaeter fand die erste +"Geheime Sitzung des intimeren Festausschusses", bestehend aus Methusalem, +Emmerich und Piesecke, statt. Ich hatte bescheiden angefragt, ob ich eine +beratende Stimme im Ausschuss haben duerfte, dieses war aber abgelehnt +worden. + + ------------------------------------------------------- + +Was hatten wir fuer einen schoenen Heiligen Abend! Auch ueber die Festtage +war unsere Anstalt mit Gaesten gut besetzt, aber die Leute waren alle kurz +vor dem Christabend etwas stiller geworden. Ich merkte, wie viele an +Heimweh litten. Durch einen besonderen Anschlag war rechtzeitig +bekanntgegeben worden, dass jeder Feriengast ein Paket nach Hause senden +und ein solches von Hause erbitten solle. In den letzten Tagen trafen +viele solche Liebesgaben bei uns ein. Sie wurden in der Direktion +aufgestapelt. Wie nun der Abend kam am 24. Dezember, dieser heilig-suesse +Abend, an dem alle Herzen anders gehen als sonst, ritt auf schneeweissem +Ross Knecht Ruprecht von Haus zu Haus. Hinter ihm fuhren in einem mit +Silber, Gold und Tannengruen geschmueckten Schlitten vier Engelein, von +denen eines die kleine Luise war, dann kam ein Blaeserchor, zuletzt +stampften Zwerge und Waldgeister durch den Schnee, die schleppten alle +Pakete auf den Schultern und taten, als ob sie schwer daran zu tragen +haetten. + +Vor jedem Bauernhof wurde haltgemacht. In der grossen Stube brannte der +Christbaum; Knecht Ruprecht trat ins Zimmer und sagte seinen +Weihnachtsgruss, die Engelchen sangen ein Lied, der Blaeserchor blies vor +dem Hause einen Choral, und die Zwerge und Waldgeister schleppten Pakete +herbei - Gruesse aus der Heimat. + +Da hat keinem von unseren Feriengaesten die Weihnachtsstimmung gefehlt. + +Auch ich hatte meine Weihnachtsfreude. Am Nachmittag erhielt ich ein +Kabeltelegramm von der Mutter aus Rio: + +"Sehne mich nach dir. Gruesse von Joachim und mir an dich, Luise, Kaethe und +die Heimat. Eure Mutter." + +Frieden auf Erden! Ich ging nach der Heimwehfluh. Kaethe sass am Fenster, +spaehte nach dem Lichtschein der Fackeln, die den Schlitten begleiteten, +darin ihr Kind sass, und hoerte auf die alten Weihnachtslieder, die aus dem +Tale klangen. + +Ich gab ihr das Telegramm. Sie las es und wurde zum ersten Male wieder ein +wenig rot im Gesicht. + +"Schenke es mir zu Weihnachten", bat sie. + +"Ich habe es dir ja gebracht." + +Ich blieb bei ihr, wollte Luises Rueckkehr abwarten. + +Da sagte sie im Laufe des Abends: + +"Ich weiss wohl, dass es nicht mehr allzu lange mit mir dauern kann. Aber +sage mir, ob ich uebers Jahr zu Weihnachten noch leben werde." + +"Bestimmt, Kaethe." + +Da trat ein Laecheln auf ihre Zuege. + +"Das ist noch eine lange Zeit zum Gluecklichsein!" + + + + + + HOCHZEIT UND ENDE + + +Stefensons Hochzeit fand am spaeten Nachmittag des ersten Christfeiertages +in aller Stille in der Waltersburger Kirche statt. Nur Evas Vater und ich +waren als Trauzeugen gegenwaertig. Wir waren nicht ueber den Marktplatz, +sondern auf einem Umweg nach der Kirche gefahren. So war das von +Methusalem angeordnet worden. Auf demselben Wege, den wir gekommen, mussten +wir auch wieder nach Hause fahren. Ich merkte, dass Stefenson verwundert +war. Die heilige Handlung in der Kirche hatte ihn geruehrt, und er hatte +wohl erwartet, dass es von der Kirche direkt nach dem Marktplatz zu einer +stimmungsvollen grossen Weihnachts- und Hochzeitsapotheose gehen wuerde. + +Wir fuhren aber nach dem Heim zurueck, und zwar nach dem "Rathaus", und +wurden dort im grossen Saal von zahlreichen Feriengaesten erwartet. Das +Brautpaar wurde mit Heilrufen empfangen und zu seinen Ehrensitzen +geleitet. Ein schoenes Maedchen mit roten Rosen im Haar ueberreichte den zwei +Gluecklichen einen goldenen, mit Wein gefuellten Pokal, das +Hochzeitsgeschenk des Heimes, und sprach dazu Verse, die ein im Heim +anwesender Dichter geschaffen hatte: + + "Alles Wuenschen geht zur Ruh: + Du bist ich, und ich bin du! + All dein Schmerz und Leid ist mein, + All mein Gut und Glueck sind dein! + Wo dein Fuss geht, ist mein Ziel, + Was zum Dienst dir, ist mein Spiel; + Deine Blumen pflanze ich, + Deine Taenze tanze ich; + Ich will deinen Kummer klagen, + Du sollst meine Kraenze tragen; + Ich kann nimmer muede sein, + Ehe du nicht schlummerst ein; + Ja, mein Gott gruesst mich von fern, + Strahlt auf dich ein goldner Stern." + +So sprach der Dichter in den Ferien vom Ich zu dem Brautpaar. + +Schoene Lieder wurden gesungen, die Musikmeister Emmerich eingeuebt hatte. +Ansprachen wurden gehalten von unserem Direktor, von je einem Vertreter +der Kurgaeste wie der Angestellten, schliesslich sprach auch ich ein paar +Freundesworte. + +Stefenson war bewegt, als er fuer die Liebe, die er erfuhr, dankte, als er +sagte, er habe in diesem deutschen Tale den Frieden gefunden, den er +drueben im Lande der ruecksichtslosen Dollarjagd niemals gekannt hatte. Hier +habe er nach einem Leben voll Aufregung, Ueberarbeit und gelegentlichen +wilden Genuessen nicht nur Ferien, sondern Feierabend gemacht. Er wisse +jetzt, da er die Frau seines Herzens gefunden habe, dass ein hoeheres Glueck +ihm Gott nicht mehr geben koenne, und so wolle er drueben in Amerika seine +Beziehungen klug und vorsichtig zu loesen suchen und dann ganz nach +Deutschland ziehen, das ja doch seine wahre Heimat sei. + + * + +"Und nun", kommandierte Methusalem, "grosser Festkorso auf den +Weihnachtsberg." + +Draussen war es stockdunkel; die Strassenbeleuchtung war ausgeschaltet; aber +Fackeln und Laternen leuchteten phantastisch, und der Schnee schimmerte. +Wohl fuenfzig Schlitten hielten da. Dem Zuge voran leuchtete eine riesige, +ballonartige Laterne, die an hohen Stangen getragen wurde. Auf der einen +Seite zeigte die Ballonhuelle das liebliche Bild der "Hanne vom +Forellenhof", auf der anderen eine scheusslich anzusehende, aber genial +gezeichnete Karikatur Stefensons. Ein Meisterstueck Methusalems. + +Vom Berg herab kam uns viel Volk entgegen; die Leute trugen Laternen mit +transparenten Bildern: Methusalem hatte sich selbst verewigt, als +tausendjaehrigen Greis voller Guete und Abgeklaertheit, Emmerich war von +einem Mueckenschwarm fliegender Noten, Violinschluessel, Kreuzen, +Aufloesungszeichen und Fermaten umgeben, die dicke Susanne strahlte in +zinnoberrotem Licht und schimpfte fuerchterlich, als sie ihr Konterfei sah, +Barthel als gefesselter Verbrecher war zu sehen, Levisohn mit einer +riesigen Reklametrompete, Piesecke als Gott Mars in furchtbarer Ruestung, +schliesslich auch mein etwas ins Sentimentale karikierter Kopf, den ein +Kranz von heulenden, bellenden, hochnaesigen, sich Floehe schabenden Dackeln +lieblich umrahmte. Lauter Meisterwerke des liebenswuerdigen Greises und +Vergnuegungsleiters Methusalem. + +Als wir der Weihnachtsburg naeher kamen, erstrahlte sie in farbigen +Lichtern, Boellerschuesse hallten ueber Berg und Tal, und ein Chor blies vom +grauen Turme herab: + + "O du froehliche, o du selige, + Gnadenbringende Weihnachtszeit." + +Gleich hinterher aber: + + "Wenn Weihnachten ist, + Wenn Weihnachten ist, + Dann kommt zu uns der heil'ge Christ; + Bringt jedem eine Muh, + Bringt jedem eine Maeh, + Bringt jedem eine wunderschoene Schnaetteraettaettae!" + +Unter den Klaengen dieser grossen Hymne der Froehlichkeit zogen wir in die +Weihnachtsburg ein. + +Der grosse mit Tannenreis ausgeschmueckte Saal der Weihnachtsburg fuellte +sich mit Menschen; Braeutigam und Braut waren zunaechst nicht zu sehen. Nach +etwa einer halben Stunde aber erschienen beide auf einer kleinen Empore. +Sie hatten ihre hochzeitlichen Kleider abgetan und waren in phantastischen +Kostuemen, er als Winterkoenig, sie als Koenigin. Regie Methusalem! + +Mit donnerstimmigem Heilruf wurde das Brautpaar begruesst. Holdselig +laechelnd gruesste die Braut in den Saal; steif und ungelenk verneigte sich +Stefenson. Er fuehlte sich als Winterkoenig sichtlich unbehaglich. Der Thron +stand auf einer amphitheatralisch ansteigenden Buehne. Ich selbst war als +"Kammerherr" neben Stefenson plaziert. + +Scheinwerfer warfen auf uns wechselnde Lichter. Atemlos stand das +schlichte Bergvolk. Alle Maerchen- und Himmelstraeume schienen vor ihm +erfuellt. Feierliche Weisen erklangen, und dann sprach nicht der +Winterkoenig Stefenson, wie alle vermutet hatten, sondern Herr Methusalem +sprach, der die Tracht eines mittelalterlichen Notarius angelegt hatte. Er +entfaltete ein Pergament und verkuendete: "Edles Gefolge des Koenigs und der +Frau Koenigin! Ich als Kanzellarius Seiner Majestaet Koenig Stefensons des +Ganzgrossen und Hochdero majestaetischer Gemahlin Hanne der Einzigen +verkuende, damit es maenniglich erfahre, feierlich, oeffentlich und +unwiderruflich folgendes: + +Wir, Stefenson der Ganzgrosse und Hoechstmeine erlauchte Gemahlin Hanne, +wollen, dass dieser glueckliche Tag ein Andenken hinterlasse. Darum machen +wir fuer Waltersburg eine Stiftung von hunderttausend Mark mit der +Bestimmung, dass alljaehrlich ein Drittel der Stiftungszinsen alten +beduerftigen Eheleuten, ein zweites Drittel den Waltersburger Schulkindern +zugute komme; das dritte und letzte Drittel aber ist zu +Hochzeitsgeschenken fuer die in jedem Jahr Heiratenden bestimmt, von +welcher Stiftung sich keines, auch nicht das wohlhabendste Brautpaar +ausschliessen soll, auch wenn es nur ein Blumenstraeusschen annimmt; den +aermeren aber soll ein guter Happen fuer den Nestbau gegeben werden." + +Eine brausende Welle des Beifalls donnerte durch den Saal. + +Ich sah verwundert auf Stefenson und fluesterte ihm zu: + +"Wissen Sie etwas von dieser Stiftung?" + +"Kein Wort! Der Kerl verschenkt mein Vermoegen." + +Mir wurde doch etwas schwuel. Oh, dieser Methusalem - dieser Regisseur! + +Methusalem fuhr fort: + +"Stefenson fragt nicht nach Ehre und Ruhm, nicht nach Beifall und Dank. +Nur Liebe und Vertrauen will er. Auf diesem goldenen Untergrunde will er +mit euch leben und schaffen fuer das Gedeihen seiner Gruendung, fuer den Ruhm +Waltersburgs, fuer das Heil der Menschheit. Nun wisst ihr vielleicht alle, +dass unter den vielen Geplagten, die in der harten Schule des Lebens muede +und krank geworden, hier in dieses schoene Tal kommen, um Ferien zu machen, +einer daherhumpelte, von langer, langer Reise, auf der er Arbeit und Muehe +in ertraeglichem Masse, Verkennung und Not in Ueberfuelle, echtes Glueck und +wahre Freude aber wenig fand. Dieses Mannes Leben war lang, er war +Methusalem. Hier in Waltersburg aber fand Methusalem Freude und Friede. +Methusalem ist der Leiter dieses Festes, Methusalem ist aller Weltweisheit +und Welterfahrung voll, darum soll auch die Stiftung, die Stefenson heute +macht, nicht Stefenson-Stiftung, sondern Methusalem-Stiftung heissen." + +Das Volk staunte. + +"Auch das noch!" sagte Stefenson neben mir. + +"Ja, es ist frech; ausser den fuenftausend Mark, die Methusalem neulich fuer +Susannes Bild erhielt, hat er sicher nicht einen roten Heller. Und macht +eine Methusalem-Stiftung von hunderttausend Mark!" + +Da erhob sich Stefenson zur Rede. Tiefe Stille. + +"Meine lieben Waltersburger, von allem, was Methusalem an meiner Statt +hier gesagt hat, muss ich nur einem widersprechen, das betrifft die +Stiftung." + +Bestuerzung. Schweigen. + +"Methusalem, mein bevollmaechtigter Hochzeitskanzler, hat sich in einem +Irrtum befunden, den ich berichtige. Die Stiftungssumme betraegt naemlich +nicht einhunderttausend Mark, sondern dreihunderttausend Mark!" + +Erst Stille. Dann knallartig losbrechender, rasender Tumult. Die Braut +stand auf, der Braeutigam sprach auf sie ein, waehrend die Leute laermten; +die Augen der glueckseligen Braut glaenzten, sie schmiegte sich fest an den +Arm des starken Mannes. Methusalem stand mit eigentuemlichem, fast +weinerlichem Laecheln daneben. Stefenson verschaffte sich wieder Gehoer. + +"Buerger von Waltersburg! Nur die Stiftungssumme hatte ich zu berichtigen, +alles andere bleibt, wie es der weise Methusalem angeordnet hat, die +Verteilung der Zinsen wie auch der Name: Methusalem-Stiftung." + +Da fing Methusalem, der durchtriebene Methusalem, der aussah, als sei er +fuenfunddreissig Jahre, und doch nach seiner eigenen Angabe +neunhundertneunundneunzig war, an richtig zu heulen. Und zwar nicht so wie +ein tausendjaehriger Mummelgreis, sondern wie ein Mann der Dreissiger +gelegentlich mal heult. + + ------------------------------------------------------- + +Nach meiner Mutter Haus hatte Methusalem, der Leiter des Festes, die +Koffer des Brautpaares schaffen lassen. Dort kleidete sich das Paar, als +sich der Trubel verlaufen hatte, zur Reise an. Dann fahren sie noch heute +mit dem Nachtzuge davon. + +Wir waren in der Wohnstube der Mutter. Ein paar nahestehende Freunde waren +da. + +Zum Abschied sagte Stefenson zu mir: + +"Es gibt kein besseres Band, das Freundschaft bindet, als das gemeinsame +Schaffen an einem erfolgreichen Werke. So werden wir zwei immer gute +Freunde sein. Wir wollen 'du' zueinander sagen wie Brueder!" + +Ich schlug in die dargereichte Hand. + +"Wann kommst du wieder?" + +"Ich weiss es noch nicht; ich weiss nicht, wie und wann ich drueben loskomme. +Aber loskommen werde ich. Was ich dann tue, kann ich noch nicht sagen. +Vielleicht tauchen eines Tages zwei Feriengaeste bei euch auf, irgendein +Herr Schulze mit Frau, und vielleicht kommen dir diese Gaeste bekannt vor. +Ich werde nie anders denn als Gast im Ferienheim einkehren; ich will diese +meine Lieblingsschoepfung mir nicht zum Verwaltungsbezirke, nicht zum +Arbeitsgebiete werden lassen, sondern hier soll mir eine Ferienzuflucht, +eine glueckliche Heimat fuer immer bewahrt sein." + +Eva hoerte ihm zu und war ihm dankbar fuer diese Worte. O ja, diese beiden +passten zu einer Ehe, der starke Mann und das schoene, froehliche Weib. + +"Du freilich, lieber Freund, du hast hier keine Ferien; du hast hier deine +Arbeitsstaette. Und wenn du einmal ausspannen willst, dann kommst du zu +uns, dann fahren wir mit dir, der dann der Stille entronnen ist, dorthin, +wo die Welt laut und bunt ist. Dort machst du dann Ferien von deinem +stillen Ich, und wenn du nach Hause zurueckkehrst, wird dir das alltaegliche +Leben wieder schmackhaft sein." + +"Ja, so wollen wir es halten!" + +"Nun denn, so waeren wir wohl fuer diesmal hier fertig." + +Stefenson zog ein Notizbuch heraus und blaetterte darin. Sein Gesicht bekam +wieder die alte Geschaeftsmiene. + +"Halt, da ist noch etwas zu erledigen. Ich habe mir mal als Knecht Ignaz +von dem Schuhmacher Roehricht die Stiefel besohlen lassen. Er hat auf die +Rechnung geschrieben: Sohlen und zwei Absaetze zwei Mark und fuenfundachtzig +Pfennig, hat aber nur einen Absatz zu machen gehabt. Ich habe ihm daher +fuenfundzwanzig Pfennig abziehen wollen, und wir haben so lange gestritten, +bis ich inzwischen verhaftet wurde und dann alles das andere kam. So steht +der Posten noch offen. Ich bitte, erledige das, lieber Freund! Aber nicht +zwei Mark und fuenfundachtzig Pfennig, sondern nur zwei Mark und sechzig +Pfennige, hoerst du wohl? Ein Knecht kann nicht fuenfundzwanzig Pfennig +umsonst hergeben. Vergiss es nicht! Roehricht heisst der Mann, Hintermarkt +15, drei Stiegen." + +Ein vergnuegtes Lachen toente aus der Ecke von meiner Mutter Sofa. + +"Was lachen Sie denn, Piesecke?" + +"Ja, Pardon, Herr Stefenson, aber erst dreihunderttausend Mark verschenken +und dann wegen fuenfundzwanzig Pfennig - so in der Abschiedsstunde - das - +das ist - Pardon - merkwuerdig!" + +"Gar nicht merkwuerdig, lieber Piesecke. Weil ich immer die Rechnungen auf +die Fuenfundzwanzig-Pfennig-Bilanz geprueft habe, kann ich mal gelegentlich +dreihunderttausend Mark verschenken." + +"Sehr - sehr kaufmaennisch! Sehr lehrreich!" + +"Jawohl! Aber nicht fuer Sie! Fuer Sie waere das zu unfuerstlich." + +Wenig fehlte, so waeren auch in letzter Stunde die alten Gegner, der +rechnende Kaufmann und der leichtfertige Fuerstensohn, noch aneinander +geraten. Die dicke Susanne waelzte sich zwischen beide und loeschte mit +einer Flut von Abschiedstraenen den entstehenden Brand. + + ------------------------------------------------------- + +Sie sind alle fort. In tiefer Stille liegt der Marktplatz. Ich oeffne das +Fenster. Die Luft ist milder geworden. Am hocherhobenen Arm des heiligen +Baptista haengt ein glitzernder schwerer Eiszapfen wie ein Schwert. Am +Himmel stehen zwischen dem Gewoelk ein paar freundliche Sterne. Im +Schneemantel schaut der Heilige herueber zu mir. Suchen seine Augen die +kleine, feine Frau, die sonst so oft zu ihm hinuebertraeumte? + +Sie ist in weiter Ferne, bei dem, den ihre Sehnsucht suchte in all den +alten Tagen. Das Haus ist leer. Ich sehe mich in der grossen Stube um, und +es ist mir auf einmal bange zumute wie einem Kinde, das nach Hause +gekommen ist, wenn Vater und Mutter nicht da sind. So schliesse ich das +Fenster. Unschluessig bleibe ich noch ein Weilchen stehen, dann ziehe ich +die Uhr auf, fuehle noch einmal an den Ofen. Endlich loesche ich die Lampe +aus und tappe die Treppe hinab ... + +Ich habe jetzt grosse Ferien vom Ich. Mutter und Bruder sind fort, der +Freund mit der Frau fort, die ich geliebt habe, auch Methusalem und die +anderen lustigen Kaeuze verschwinden bald wieder. Ich stehe ganz frei und +ganz allein auf dem Marktplatz von Waltersburg. Schliesslich ist der alte +Baptista jetzt noch mein einziger, staendiger Freund hierzulande. + +Ob die anderen wiederkehren werden? Wer kann es wissen? Wie lange die +stille Frau auf der Heimwehfluh sich noch ihres Kindes freuen wird, ein, +zwei, drei Jahre ...? Ob dann, wenn sie Ferien macht fuer immer, die kleine +Anneliese, die jetzt als Schullehrerin in einem verlassenen Gebirgsdorfe +lebt, doch noch Joachims Frau werden und uebers Meer zu ihm ziehen wird? +Und ob dann die Mutter heimkehren wird in ihre schoene alte Stube? Lauter +Fragen ohne Antwort. Das Leben bringt nichts so leichthin zum Abschluss wie +ein Theaterstueck oder ein Buch; es ist nie am Ende, es beginnt immer von +neuem. + +So gehe ich von diesem Marktplatze hinweg, steige den Berg hinauf zu +meinem Werk. + +Eine koestliche Siedlung ist da entstanden auf leeren Halden, im oeden +Walde. Hundert Fenster blitzen in goldigem Lampenlicht, Singen und Lachen +kommt aus den Bauernhoefen. Alle Leute, die mir begegnen, gruessen mich oder +rufen mir freundlich zu. Hier bin ich nicht allein. Bei meiner Arbeit bin +ich zu Hause. + +In der Wueste sah ich einmal einen Mann mit gefuellten Wasserschlaeuchen am +Brunnen der Oase stehen, als sich unsere halbverschmachtete Karawane +fiebergluehend auf sie zuschleppte. Da dachte ich, es muesse schoen sein, mit +gefuellten Wasserschlaeuchen Verdurstenden entgegenzusehen. Ich will so sein +wie jener Mann. Alle, die zu mir kommen von der heissen Strasse des Alltags, +will ich laben aus dem kuehlen Brunnen, den ich grub. + +Dann wird es mir so gut ergehen, dass ich nichts anderes vom Leben mehr +verlangen will; denn es ist die groesste Lust des Lebens, anderen die Last +des Lebens zu erleichtern. + + + + + + + BEMERKUNGEN ZUR TEXTGESTALT + + +Das Inhaltsverzeichnis wurde von der letzten Seite an den Beginn versetzt. + +Die Originalausgabe ist in Fraktur gesetzt. Einzelne Woerter in Antiqua +(bis auf den Titel "Dr." und roemische Zahlen) und gesperrte Woerter sind +durch Unterstrich ("_") gekennzeichnet. + +Korrektur offensichtlicher Druckfehler: + + Seite 27: doppeltes "freue" entfernt. + Seite 43: "Stefensohn" in "Stefenson" geaendert. + Seite 75: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (vor "Die Luise habe + ich flottgemacht."). + Seite 91: "mit" in "mir" geaendert. + Seite 97: "philantropische" in "philanthropische" geaendert. + Seite 101: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (nach "des Magistrats + von Waltersburg stellen") + Seite 103: doppeltes "und" entfernt (vor "in einer glaenzenden + Erfassung") + Seite 118: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (vor "Das haben"). + Seite 128: "umqartieren" in "umquartieren" geaendert. + Seite 145: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (nach "bis um + sieben.") + Seite 164: "Xantippen" in "Xanthippen" geaendert. + Seite 170: "reckt" in "reckte" geaendert. + Seite 238: "Widersehen" in "Wiedersehen" geaendert. + Seite 243: "Rauberhoehle" in "Raeuberhoehle" geaendert. + Seite 244: "Apothese" in "Apotheose" und "den" in "der" (nach + "Vertreter") geaendert. + Seite 254: "ueberzeugenste" in "ueberzeugendste" geaendert. + Seite 261: "Hentschel" in "Henschel" geaendert. + Seite 309: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (vor "Wieso + Komoedie?") + Seite 347: fehlendes Anfuehrungszeichen ergaenzt (nach "staerken + wuerde.") + Seite 377: "Lewinsohn" in "Levisohn" geaendert. + +Nicht korrigiert wurden Varianten wie "Chicago"/"Chikago", +"debutieren"/"debuetieren", "Annelies"/"Anneliese" oder "anderen"/"andern". + + + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK FERIEN VOM ICH*** + + + + CREDITS + + +May 23, 2009 + + Project Gutenberg TEI edition 1 + Norbert H. Langkau, Stefan Cramme and the Online Distributed + Proofreading Team at http://www.pgdp.net + + + + A WORD FROM PROJECT GUTENBERG + + +This file should be named 28938.txt or 28938.zip. + +This and all associated files of various formats will be found in: + + + http://www.gutenberg.org/dirs/2/8/9/3/28938/ + + +Updated editions will replace the previous one -- the old editions will be +renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no one +owns a United States copyright in these works, so the Foundation (and +you!) can copy and distribute it in the United States without permission +and without paying copyright royalties. Special rules, set forth in the +General Terms of Use part of this license, apply to copying and +distributing Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} electronic works to protect the Project +Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} concept and trademark. 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It exists because of the +efforts of hundreds of volunteers and donations from people in all walks +of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the assistance +they need, is critical to reaching Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~}'s goals and ensuring +that the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} collection will remain freely available for +generations to come. In 2001, the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation was created to provide a secure and permanent future for +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} and future generations. 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Its business office is located at 809 North +1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact information +can be found at the Foundation's web site and official page at +http://www.pglaf.org + +For additional contact information: + + + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + + Section 4. + + + Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive + Foundation + + +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} depends upon and cannot survive without wide spread +public support and donations to carry out its mission of increasing the +number of public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form accessible by the widest array of equipment +including outdated equipment. 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Hart is the originator of the Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +concept of a library of electronic works that could be freely shared with +anyone. For thirty years, he produced and distributed Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} +eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg{~TRADE MARK SIGN~} eBooks are often created from several printed editions, +all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. unless a copyright +notice is included. Thus, we do not necessarily keep eBooks in compliance +with any particular paper edition. + +Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's eBook +number, often in several formats including plain vanilla ASCII, compressed +(zipped), HTML and others. + +Corrected _editions_ of our eBooks replace the old file and take over the +old filename and etext number. 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