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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:33:52 -0700 |
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If you are not located in the United States, you +will have to check the laws of the country where you are located before +using this eBook. + +Title: Was die Grossmutter gelehrt hat + +Author: Johanna Spyri + +Release Date: October 29, 2011 [EBook #9861] +Release Date: February, 2006 +First Posted: October 25, 2003 +Last Updated: July 27, 2023 + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +Produced by: Delphine Lettau + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT +HAT *** + + + + +Was die Großmutter gelehrt hat + +Erzählung + +Johanna Spyri + + + + +1. Kapitel + +Der Kummer der alten Waschkäthe + + +Die alte Waschkäthe saß in ihrem Stübchen im einsamen Berghüttchen und +schaute nachdenklich auf ihre gekrümmten Hände, die sie vor sich auf +die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen +Waldhöhen verglommen war, hatte sie fleißig an ihrem Spinnrad +gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerückt, die Hände +mußten müde sein, die so gekrümmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte +seufzte auf und sagte vor sich hin: “Ja, wenn ich noch könnte wie +früher!” Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben +lang getan. Nun war sie alt geworden, und die früher so rüstige und +unermüdliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig +spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon +seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr +Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen +konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein +flinkes und geschicktes Kind. + +Heute erfüllte die Großmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr +schon seit dem frühen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr +Enkelkind, das fröhliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte, +war zwölf Jahre alt geworden. Es sollte im Frühling aus der Schule +entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute früh nun war +der ferne Vetter unten aus dem Reußtal heraufgekommen und hatte der +alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er +hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort +unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der +wasserreichen Reuß erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskräfte. +Dort konnte das Trini die Woche über ein schönes Stück Geld verdienen, +und daneben konnte es die nötige Arbeit in seinem Haus verrichten, +dafür wollte er es beherbergen. Da seine Frau kränklich war und sie +keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwünscht, denn +sie wußten, daß es groß und kräftig und sehr geschickt war. + +Die Großmutter hatte schweigend zugehört, aber in ihrem Herzen hatten +die Worte einen großen Kampf entfacht. Der Vetter wünschte auch, daß +das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr könne +schon abgekürzt werden, es wisse genug und könne dann gleich etwas +verdienen. Außerdem hätte seine Frau es im Winter besonders nötig. +Die Großmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter +drängte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er müsse ihr +ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht +entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie müsse +sich das alles erst noch überlegen und dann auch mit dem Kinde reden. +Der Vetter war nicht recht zufrieden, er hätte gern gleich alles +festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte. +Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch +keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die +Großmutter blieb standhaft. Im Herbst möge er noch einmal kommen, +dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann +einverstanden sei, so könne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen, +für den Augenblick könne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie. +Der Vetter sah, daß da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die +alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht außer acht zu lassen. Es sei ja +doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie +nachher auch unterstützen könne. Dann ging er. + +Schon den ganzen Tag während der Arbeit dachte die Großmutter nach +über die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluß fassen. +Jetzt in der Dämmerung überlegte sie in Ruhe, und sie mußte ein +paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein +großer Vorteil für das Kind, daß es in seinem Haus wohnen konnte, um +von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie +selbst wußte keinen vorteilhafteren Weg für das Kind, sie wußte +eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Güter, die die +Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder +genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder +im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mußten es +ältere Mädchen sein. Es waren kräftige, erwachsene Personen, die in +Küche und Garten zu arbeiten wußten. + +Auch die Goldäpfelbäuerin auf dem großen, obstreichen Hof hatte immer +eine Magd, aber auch eine große, starke, die ihr in allem helfen +konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Bäuerin bleiben. +Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht +machen konnte, was wäre dann ein Kind wie das Trini für sie. Daß das +Kind aber im Frühjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde, +eine Arbeit suchen mußte, das sah die Großmutter wohl ein. Seit sie +nicht mehr wie früher als Wäscherin auf die Arbeit gehen konnte, +sondern nur mühsam mit ihren gekrümmten Fingern am Spinnrad arbeitete, +war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit +jedem Tage konnte es schwerer für sie werden. Und doch, sich von dem +Kind trennen zu müssen, das kam der Großmutter als das Allerschwerste +vor, das sie erleben konnte. + +Würde die neue Aufgabe für das junge Kind nicht zu schwer sein? Die +Alte wußte wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe +und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer +krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie saß meistens freudlos und +wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so +schlimm mit ihr geworden, daß der Mann daran denken mußte, eine Hilfe +ins Haus zu holen. Da hätte dann das Kind die Geschäfte im Haus alle +allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen. +War nun für all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde +es ihm nicht zu schwer fallen, von der Großmutter weg, die es so lieb +hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Würde sie es ertragen, nie +ein Wort der Liebe und des Trostes zu hören? Daran war ihr liebes +Trineli nicht gewohnt. + +Der Großmutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht +worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte +und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch rüstige Hände +und gute Kräfte, und wenn sie auch von früh bis spät tätig sein mußte, +sie tat es gern. Die Waschkäthe hatte drei Kinder gehabt, zwei Söhne +und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben, +als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da mußte die Käthe +viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen +Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann +ringsum rief sie zur Hilfe bei der großen Wäsche. Denn man wußte, +keine arbeitete so gut wie die Käthe, die wegen dieser Tätigkeit +überall nur die Waschkäthe hieß. Als ihre Söhne groß waren, bekamen +sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika. +Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht +viel mehr als ein Jahr später starb sie plötzlich noch ganz jung. Das +betrübte ihren Mann so sehr, daß er es daheim nicht mehr aushalten +konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Großmutter hinauf und +sagte: “Da, Mutter, nimm du das Kind, ich weiß nichts damit anzufangen. +Ich muß fort, es hält mich nichts mehr hier.” Dann ging er zu den +Schwägern nach Amerika. + +Von dem Tag an hatte die Waschkäthe eine neue Sorge, aber auch eine +neue, große Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli +entwickelte sich schnell und lohnte der guten Großmutter ihre Mühe und +Arbeit mit einer ungewöhnlichen Liebe und Anhänglichkeit. Sie hatten +viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so +beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit +jedem Jahre wurde es der Großmutter lieber und unentbehrlicher. + +Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Dämmerung vor der alten +Waschkäthe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht für +alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer. +Aber sie kannte einen Tröster, der ihr schon in vielen trüben Stunden +geholfen und auch manches gefürchtete Leid gemildert hatte. Den +wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken +hin- und herzuwälzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache +dem lieben Gott übergeben. Mußte es sein und mußte sie dieses Leid +der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schützende +Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und +sein Wohl ging ihr noch über das eigene. Als die Großmutter dies +alles überlegt hatte, faltete sie still die Hände und sagte andächtig +vor sich hin: + +“Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich’s gebühret, +Wenn er dich so, wie er es will, +Und nicht wie du willst führet. +Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf, +Tust du den Mund mit Freuden auf, +Zu loben und zu danken.” + + + + +2. Kapitel + +In den Erdbeeren + + +Während die alte Käthe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und +dann in der Dämmerung saß, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu. +Hier wuchs jedes Jahr eine Fülle der schönsten, saftigsten Erdbeeren. +Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein großer, dunkelroter +Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne glühte. Der +Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten +Häusern bestehende Bergdörfchen hieß, wohlbekannt. Sie wußten auch +recht gut, daß, wenn man die Beeren ausreifen ließ, ein schöner Gewinn +damit zu erzielen war. Denn diese ungewöhnlich großen, saftigen +Beeren wurden überall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht +aufeinander, daß nicht etwa die einen zu früh die Beeren holten, bevor +sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schönen +Junitag unter den Schulkindern der Ruf: “Sie sind reif am Sonnenrain! +Sie sind reif!”, dann stürzte noch an demselben Abend die ganze Schar +hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und +sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem +Platz sein und die schönsten und reifsten Beeren finden. + +Die mitgebrachten Körbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form, +aber verschiedene Größen. Sie hatten die Form von Zylinderhüten, mit +dem Unterschied, daß bei diesen die Öffnung unten ist, wo der Kopf +hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren +hineingeworfen werden. Wenn dann die Dämmerung gekommen war und man +die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann +deckte man die Kratten mit großen Blättern zu und befestigte zwei +hölzerne Stäbchen kreuzweise darüber, damit der Wind die Blätter nicht +entführe. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Fröhlichkeit +zog die ganze Schar heimwärts. Alle sangen aus vollen Kehlen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen, +Erdbeeren mit Stielen, +Jetzt trägt man sie heim die vielen, +Erdbeeren an Ästen, +Die meinen sind die besten! + + +Am schnellsten und am fleißigsten aber von allen war die Enkelin der +alten Waschkäthe, das lustige Trini. Immer wußte es, wo die schönsten +Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflückt worden war. Dann +schoß es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, daß kein anderes Kind +schneller war und die Langsamen in seiner Nähe gar nichts erwischten. +Auf einen kleinen Stoß kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm +eine schöne Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind +Beeren sammelte. Niemals aß es von den Früchten, bis sein Kratten so +voll war, daß es eben noch die hölzernen Stäbchen über den Blättern +festmachen konnte, ohne die zarten Früchte zusammen zu drücken. Erst +dann kamen noch einige der süßduftenden Beeren in den Mund und +schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher hätten sie aber +dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehörten sie alle +der Großmutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging. + +Das Trini strengte sich sehr an, für seine liebe Großmutter auch etwas +zu tun. Es fühlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie +hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden +mußten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle +Worte von ihr gehört. Und wie oft hatte es gespürt, daß sie viel +lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafür hing es auch mit dem +ganzen Herzen an der Großmutter, und mit ungeheurer Freude sah es die +Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es täglich seinen vollen +Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um +dann ein schönes Geldstück zu verdienen. Das war für die Großmutter +eine große Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel +brachten aber nur die allergrößten Kratten ein, und diese hatten das +Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals +seinen Kratten auch nur zur Hälfte füllen. Das Maneli, das eigentlich +Marianne hieß, war mit Trini im gleichen Alter. Beide saßen auf +derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war +groß und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es +fürchtete sich vor den größten Buben in der Schule nicht, denn es +wußte sich zu wehren. + +Das Maneli aber war schmal, blaß und sehr schüchtern. Es war ärmlich +gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen. Das stimmte +wohl auch, denn es hatte noch fünf kleinere Geschwister und seine +Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tagelöhner war, brachte +nicht immer so viel heim, daß es zu allem langte. Eben jetzt, da die +Dämmerung heranrückte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem +heftigen Stoß auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer +Stelle, die mit besonders großen Beeren bedeckt war, und Trini wollte +schnell seinen Kratten damit vollfüllen. Es gelang ihm auch, und vor +allen anderen rief es jetzt siegesgewiß: “Voll! Fertig! Heim! Heim!” +Nun riefen auch die anderen: “Heim! Heim!” und schon hatte sich das +Trini mit seinem vollen, schön verpackten Kratten hingestellt, um den +Zug anzuführen. Mit heller Stimme begann es zu singen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Als die Schar singend und jauchzend die ersten Häuser erreicht hatte, +stoben die Kinder plötzlich alle auseinander, die einen aufwärts, die +anderen abwärts. Das Trini lief mit allen Kräften den Berg hinauf, es +hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Häuschen der +Großmutter stand hoch oben und war das höchste von ganz Hochtannen. +Jetzt kam das Trini am Hof der Goldäpfelbäuerin vorbei. Sie schaute +eben über die Hecke, die den Hof umschloß, und als sie das Kind so +vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: “Komm doch einmal hierher und zeig +mir deine Beeren!” + +Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stück über die Stelle +hinaus, wo die Bäuerin stand, aber es kam schnell zurück, denn die +Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu können, kam ihm sehr gelegen. + +“Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!” fuhr die Bäuerin fort, als +das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. “Ich +kaufe sonst keine solche Ware, es wächst Besseres auf meinem Hof. +Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand Übel. So +gib’s her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus für die Beeren?” + +“Einen Franken”, antwortete das Trini. + +“So, das ist auch genug für solches Beerenzeug. Aber du mußt’s haben, +um deiner Großmutter willen, das ist eine brave Frau, die viel +arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen +Firlefanz damit?” + +“Nein, das tue ich nicht”, entgegnete das Trini. Es sah die Bäuerin +mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unähnlich +waren, denn es ärgerte sich über diesen Verdacht. Die Bäuerin lachte +und sprach: + +“Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm, +wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken für die +Großmutter, und wenn ich dir noch einen Münze für dich gebe, so wird’s +dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!” + +Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hörte auch nicht zu +rennen auf, bis es oben beim Häuschen angekommen war. Jetzt stürmte +es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur +ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das +Fenster hinein, dort wo die Großmutter saß. Das Trini stürzte zu ihr +hin und erzählte so eifrig von seinen Erlebnissen, daß immer das +zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange, +bis die Großmutter verstanden hatte, daß die Erdbeeren schon verkauft +seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstück dazu dafür bezahlt +worden war. Auch den mußte die Großmutter nehmen, das Trini wollte +kein Geld behalten, denn es sollte alles der Großmutter gehören. Daß +sie heute noch ein Geldstück über das Gewöhnliche hinaus bekam, machte +dem Trini eine besondere Freude. + +“Ja, Großmutter, und siehst du”, fuhr das Trini immer noch halb außer +Atem fort, “ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den +Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht +halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem +guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles +weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte.” + +Die Großmutter hatte sich sehr über die guten Nachrichten und auch +über den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie +ernsthaft: “Aber Trineli, du stößt doch nicht etwa das Maneli weg, +wenn es einen guten Platz gefunden hat, so daß du dann die Beeren +bekommst? Das wäre nicht recht.” + +“Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Großmutter”, +versicherte das Trini. “Es muß jedes sehen, daß es die meisten und +die schönsten erwischt. Daher geht es dann natürlich immer so rauh zu.” + +“Nein, nein, das mußt du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr +tun”, mahnte die Großmutter. “Siehst du, es kann nicht neben dir +aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine +Mutter hätte die Beeren nötig. Sie weiß gewiß manchmal nicht, wo sie +für alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr, +Trineli, laß das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen. +Aber jetzt setz dich zu mir her”, fuhr die Großmutter in einem +anderen Ton fort, “ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernünftig +genug, um es zu verstehen.” + +Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen, +daß die Großmutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden. + +“Trineli”, fing sie jetzt bedächtig an, “wir müssen daran denken, was +du für Arbeit tun könntest, wenn du nun im Frühling aus der Schule +kommst. Der Vetter aus dem Reußtal ist heute morgen hier gewesen. Im +Herbst könntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik +etwas verdienen. Vielleicht würde es dein Glück sein. Du könntest +von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was +meinst du dazu?” + +“Lieber will ich sterben!” rief das Trini zornig. + +“Mußt nicht so unbedacht reden, Trineli”, mahnte die Großmutter +freundlich. “Sieh, der Vetter will etwas für dich tun. Er meint es +gut, wir wollen ihn nicht böse machen, wir wollen noch miteinander +über die Sache nachdenken.” + +“Und wenn der Vetter käme und mich tausendmal töten wollte, so ginge +ich doch nicht!” rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer +wütender wurde. + +“Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es für dich gut ist, so +wird es so sein müssen, Trineli, und dann wollen wir’s annehmen und +denken: ‘Der liebe Gott schickt’s, es muß gut sein’.” + +Die Großmutter wollte damit das Gespräch beenden, aber das Kind fing +plötzlich an, bitterlich zu weinen. Die Tränen stürzten ihm wie Bäche +aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stieß es hervor: +“Großmutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt +wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter +nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zündet +Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du +bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt +kein Mensch. Ich gehe nicht, Großmutter, ich kann nicht gehen! Ich +kann nicht!” + +“Komm, Trineli, komm”, sagte beschwichtigend die Alte, die einen +solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, “komm, wir müssen nun unser +Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. Über +Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am +Abend vorher war.” + +Aber das Trini mit seiner heftigen Gemütsart war nicht so schnell +wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und +bis tief in die Nacht hinein hörte die Großmutter sein Schluchzen und +Weinen. Das war ein neuer Kummer für die alte Waschkäthe. Sie hatte +nicht geglaubt, daß das Kind sich so über den Vorschlag des Vetters +aufregen würde. + + + + +3. Kapitel + +Dem Trini wird etwas Neues verständlich + + +Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die +Großmutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie +vergaß sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu +ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen mußte. +Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre +Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im +stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere +kommen müßte, so werde er es für das Kind zum Guten wenden. Als nun +die Großmutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war, +die Sonne schien und die Vögel wie immer lustig pfiffen, da dachte das +Trini, die Gefahr sei vorüber. Es glaubte, der liebe Gott habe +wirklich, wie die Großmutter gesagt, über Nacht etwas geändert, und +die alte Fröhlichkeit kehrte in Trinis Herz zurück. Jeden Abend, wenn +die Kinder über die Wiesen liefen, hörte man allen anderen voraus +Trinis helle Stimme erschallen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man mußte weiterliegende +Plätze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und +hinten bei der Mühle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort +waren ganze Schätze von Erdbeeren zu finden, das wußten die Kinder +alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da mußte +man um das große Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen +Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem großen +Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag heiß brannte, +schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie +Kirschen so groß. + +Aber der Kornbauer, dem das große Feld gehörte, konnte es nicht leiden, +daß die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie +zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen +sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er +sie augenblicklich mit den größten Drohungen davon. Und nicht selten +folgte den Drohungen gleich die Erfüllung, denn das Mittel dazu trug +er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es +nur die Allerkühnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen +gehörte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung +stattfinden, denn schon seit dem frühen Morgen schimmerte es oben am +Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab. +Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es +hatte seinen großen Kratten an einer langen Schnur um den Hals +gebunden, damit es nachher immer mit beiden Händen zugleich rupfen und +die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie +bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten mußten. +Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Mädchen kamen keine, +sie fürchteten sich alle. Nun ging es vorwärts. Aber heute durfte +unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man +wollte nicht, daß der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte. +Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die +Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen. + +Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor +ihnen ausgebreitet! Dunkelrot glühten die großen Beeren zwischen +allen Halmen durch, über alle Blätter hinaus. Es war ein +überquellender Reichtum, man konnte nur so in die Fülle hineinfahren. +Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pflücken, und bevor die +anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon +den halben Kratten gefüllt. Mit beiden Händen faßte es immer zu nach +allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schönere und noch +größere hervor. Aber plötzlich ertönte eine wütende Stimme: + +“Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?” Da stand der kräftige +Bauer mit den knochigen Händen vor ihnen und hob seine Faust in die +Höhe. “Macht, daß ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr +sehe, oder...” Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und +verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei +Beeren weg. Jetzt nur noch die drei großen--nur noch jene zwei--das +Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr. + +“Jetzt weiß ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine +Schärmaus. Mach, daß du den Fleck räumst, und komm mir nicht noch +einmal ans Korn!” drohte der Bauer zornig. + +“Ich habe gewiß nie das Korn zerstampft, keine Ähre”, versicherte das +Trini, immer noch rupfend, “ich wollte ja nur die Beeren holen.” + +“Ich kenne dich wohl”, brummte der Bauer. “Pack dich, oder ich nehme +dich bei den Ohren und schüttle dich, daß du meinst, du hättest deren +vier am Kopf!” + +Der Bauer kam heran. Jetzt schoß das Trini auf und davon. Von seiner +inneren Entrüstung getrieben, daß es alle die schönen Beeren hatte +stehenlassen müssen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es +beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, stürzte +es auf die Großmutter los und rief: “Nein, nie habe ich das Korn +zerstampft, keine Ähre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt +fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott ließe +dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm +nichts Böses getan.” + +“He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?” sagte mahnend die +Großmutter. “Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein +Licht zünden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum +Abendessen. Komm, erzähl mir alles, wie es zugegangen ist.” + +Daß die Großmutter anhören wollte, was es zu berichten und zu klagen +hatte, besänftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und +berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, daß es keiner +Ähre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von +den Würmern und Schnecken verdorben würden. Als es zu des Bauern +Drohung von den vier Ohren kam, mußte es noch einmal rufen: “Nicht +wahr, Großmutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen +würden, das hätte er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und +nie, nie ein Korn zerstampft!” + +“Trineli”, sagte jetzt die Großmutter, “wir wollen dem Bauer seine +zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst +du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und wäre +es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte +nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Böses tut oder sagt, +so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann müssen wir +ein wenig weiter denken und fragen: ‘Haben wir nicht doch so etwas +verdient?’ Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, daß wir einmal einem +anderen recht weh getan haben, der es leiden mußte und sich nicht +wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie’s tut, und es wird uns +leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den +anderen gutmachen, wenn wir es können. Das ist dann genau das, was +der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so +böse Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann können +wir aber auch nicht mehr so böse gegen den sein, der das getan hat. +Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen +Besen brauche, wenn ich die Stube schön sauber und rein fegen will. +So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und +wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es +uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehört, Trineli, und willst +du daran denken, was ich dir gesagt habe?” + +Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehört, und über den Worten +der Großmutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt +kamen ihm seine schönen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie +schnell herbei, damit die Großmutter noch im Mondschein die +Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll +war wie gewöhnlich, so hatte sie doch außerordentliche Freude und +sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen. +Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldäpfelbäuerin hinunter, +aber die Großmutter sagte, so spät kaufe die Bäuerin keine Beeren mehr. +Am nächsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen. + + + + +4. Kapitel + +Noch eine zornige Rede und was daraus folgt + + +Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schöne +Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald über Hochtannen war noch eine späte, +kräftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden. +Denn jetzt reisten viele Fremde über den Berg, und unten im +Wirtshaus an der großen Straße machten sie meistens Halt. Die +seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte +viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu füllen, und man mußte genau +wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer fröhlichen Mutes +war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem +warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg +hinauf, dem Tannenwald zu. Es wußte, daß nun die letzten, würzigen +Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und +noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der +Weg zu weit und die Suche zu mühsam. + +Nur das Maneli kam mit seinem großen Kratten hinter dem Trini her, +blieb aber weit zurück. Denn wie ein Reh die steilen Höhen +hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit +nicht ein einziges Mädchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel +Arbeit. Die Beeren waren reif und schön und dufteten herrlich, aber +sie mußten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen +einige der rot schimmernden Büsche dicht beieinander, und dann konnte +man wieder vergebens danach suchen. Trini spähte in alle Löcher +hinein, kletterte jeden Erdhügel hinauf, zog alle Grasbüschel +auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es +schnell gepflückt. Trini hörte auch nicht auf zu klettern und zu +suchen und zu rupfen, bis die Dämmerung hereinbrach und aller +Tätigkeit ein Ende machte. + +Aber dem Trini mußte das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen +Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er +gefüllt bis obenan. Es hatte nur noch Blätter und Stäbchen darauf zu +befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen. +Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu +laufen, dazu war’s zu spät, aber bis zu der Goldäpfelbäuerin konnte es +schon noch kommen. Die wollte gewiß diese letzten schönen Beeren noch +haben, und dann konnte es der Großmutter gleich noch den +außergewöhnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein +Schritt. + +Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl +sehen, daß es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es +mußte ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrückt +daherkam. + +Die Goldäpfelbäuerin hatte eben Ärger gehabt. Die junge Magd, die +trotzig neben ihr an dem Gemüsebeet stand, hatte ihr alle jungen +Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu mühsam vorgekommen, den zarten +Pflänzchen sorgfältig, jedem einzeln mit der Gießkanne Wasser zu geben, +wie die Bäuerin ihr befohlen hatte. Mit dem großen Kübel hatte sie +den ganzen Wasserguß über das Beet geschüttet. In der Bäuerin kochte +der Zorn auf wie heiße Milch, die überlaufen will, als sie die +Zerstörung sah. Da kam das Trini hergelaufen. “Guten Abend!” rief es +noch außer Atem, “seht die schönen Beeren. Es sind die letzten, +wollen Sie sie?” + +“Ich brauche nichts”, rief die Bäuerin zornig. “Mach, daß du +fortkommst, ich habe keine Zeit für dich.” “Wenn Sie sie nur ansehen +wollten, sie würden ihnen gefallen”, meinte das Trini. “Habe ich dir +nicht gesagt, daß ich nichts will? Mach, daß du gehst”, wiederholte +die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn +die Bäuerin nur Zeit hätte, die Beeren anzusehen, dann würde ihr schon +die Lust kommen, sie zu behalten. + +Jetzt aber kochte es über in der Bäuerin, denn ihr Zorn hatte schon +lange einen Ausweg gesucht. Daß sie ihn nicht an der trotzigen Magd +ausließ, dafür mochte die Frau ihre Gründe haben. + +“Hast du Harz an den Sohlen?” rief sie grimmig, “oder guckst du nach +den reifen Äpfeln aus, damit du weißt, welchen Baum ihr zuerst wieder +schütteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?” + +Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte +es nie getan. + +“Ich habe nie, nie die Bäume geschüttelt und nicht einen einzigen +Apfel...” + +“Du wirst nicht besser sein als alle anderen!” unterbrach die Bäuerin. +“Ich will kein Wort mehr hören, dort geht’s hinaus!” + +Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, daß es dem Trini +nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die +Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut +war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte +sich auf den Boden hin, es mußte sich Luft machen. + +“Nein, das habe ich nicht getan”, rief es aufgeregt. “Ich habe nie +die Äpfelbäume geschüttelt, nie! Aber die Bäuerin ist nur ein Besen, +ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Großmutter gesagt, und der +liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar +nichts gemacht, ich habe nichts Böses getan.” Hier hielt das Trini auf +einmal inne. Denn plötzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl +der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch +nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und +nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar +nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: “Ja, es ist wahr, +das war doch nicht recht.” Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal +eingefallen, daß es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite +gestoßen und sich schnell über die Beeren hergemacht hatte, die das +Maneli auch gern eingesammelt hätte. Es war aber immer still auf die +Seite gewichen, das Trini war ja viel stärker und flinker. So +leistete ihm das Maneli niemals Widerstand. + +Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli +schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer +eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Großmutter zu, sondern +querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen +Häuschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen +und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig +Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben +schimmerte ein dünnes Lichtlein. Auf einmal hörte das Trini ein +leises Schluchzen ganz in seiner Nähe. Es schaute sich um. Auf einem +Holzblock vor dem Häuschen saß ganz unbeweglich eine kleine Gestalt, +den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu. + +“Was hast du, Maneli?” fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt +erkannt hatte, “warum weinst du so?” + +Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie +gesehen hatte. + +“Ich darf nicht hinein”, sagte es schluchzend, “die Mutter ist krank +und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte +sie, für den Abend bringe ich, will’s Gott, etwas heim, wenn ich in +die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich würde +dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini, +nur die habe ich.” Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Höhe und +Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des +Korbes war bedeckt. Das Trini fühlte seinen schweren Kratten am Arm. +Es war ihm, als werde er immer schwerer und drücke es nicht nur am Arm, +sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal riß es Stäbchen und Blätter +weg, kehrte seinen Kratten um und schüttete den ganzen, reichen Inhalt +in Manelis leeren Korb, so daß dieser bis oben hin voll war und noch +übrig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die +Blätter am Boden und sagte: “Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht.” +Und fort rannte es in hohen Sprüngen. + +“Trini! Trini! Danke tausendmal!” rief ihm das Maneli aus allen +Kräften nach, dann stürzte es in die Hütte hinein. Jetzt hielt das +Trini auf einmal an und kam zurück gerannt. Es wollte sehen, was die +Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen +Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben +an dem niedrigen Häuschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging. +Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch +und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der +auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Hände zusammen und sagte +immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute: +“Wie ist es möglich, Kind? Wie ist es nur möglich?” + +“Vom Trini, vom Trini!” wiederholte das Maneli drei-, viermal, “es hat +sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, für diese Menge gibt +die Wirtin jetzt zwei ganze Franken.” + +“Gott vergelt’s dem Kind und ersetz es ihm und der Großmutter +hundertfach, was es heute für uns getan hat. Er weiß allein, wie ich +mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot für +euch nehme. Und nun haben wir ja für einige Tage genug.” + +Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Hände gefaltet, als danke +sie im stillen noch für die große Wohltat. Jetzt schoß das Trini +davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch +keine empfunden hatte. Die Großmutter hatte wohl recht gehabt, daß +man am Ende den Gewinn davon habe, und daß es einem so wohl werde wie +noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen +wolle. Nun machte es noch neue Pläne in seinem Herzen: Bald konnte +man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es +wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefüllt hatte, noch dem Maneli +den seinigen füllen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte +es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich über die Worte der +armen, kranken Mutter mehr gefreut, als über den eigenen vollen +Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine +Erlebnisse erzählte und zuletzt der Großmutter den ganz leeren Kratten +vorwies, sagte es bittend: “Nicht wahr, du bist nicht böse mit mir, +Großmutter, daß ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie +gewiß alle dem Maneli und seiner kranken Mutter gönnen?” + +Da lobte die Großmutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue +sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht +hätte. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe +schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer +daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen +können, wie jedes sein Stück bekomme und es gewiß jetzt eben fröhlich +verspeiste. + + + + +5. Kapitel + +Wie es mit dem Vetter geht + + +Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen +Bäumen glänzten die Äpfel rotgolden und kündeten den Herbst an. Der +Vetter hatte nie wieder etwas von sich hören lassen. In der alten +Käthe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben +geändert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so +leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als könnte +sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller +Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben müßte. +Das Trini war fröhlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es +hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen. + +Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkäthe ein und +sagte, er komme aus dem Reußtal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr +eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle +die Kleider und alles für das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald +er wegen seines Geschäfts über den Berg müsse. Mit dem Vormund des +Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule +und den Lohn und das übrige betreffe. Der Großmutter wurde es vor +Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie mußte sich schnell setzen, +um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn plötzlich +gekommen, was sie freilich immer im stillen befürchtet, aber doch +immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da, +denn daß der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind +übergeben würde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja für keinen +Verdienst sorgen. Sie wußte nicht einmal, wie lange sie sich selbst +noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde +zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht +stellen und für die Versorgung des Kindes für alle Zukunft garantieren. +Es mußte sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Käthe hatte +schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre +ganze Freude und Stütze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines +ihrer Glieder abreißen, ohne das sie nicht mehr fortleben könnte. + +Sie überdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte. +Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal +ausgebrochen war, als sie darüber geredet hatte, so hatte sie nicht +den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte +sie, das beste sei, gar nicht über die Sache zu reden. Ein kurzer +Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen. +Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetrübte Tage. Aber von dem +Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Großmutter, daß +es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte: +“Großmutter, was hast du denn? Ich will alle Nächte durch Brombeeren +suchen, wenn du dich sorgst, wir können nicht mehr leben, weil du +nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich +kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!” Und das Trini streckte seine +zwei festen Arme der Großmutter als Beweis entgegen, daß sie sich +nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn +sie sah ja nur zu gut, wie groß und stark das Kind geworden und daß es +wirklich zu einer ganz anderen Arbeit fähig war als zu der, die es +jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der +Dämmerung saß und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche +schwere Not zurückschaute, aus der ihr der liebe Gott so väterlich +geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen: + +“Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich’s gebühret.” + + +So saß sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte, +und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen +zu bereiten. Da hörte sie jemand auf ihr Häuschen zukommen. Das war +nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam’s--es mußte +der Vetter sein. Der Großmutter wollte das Herz stillstehen. Nun +ging die Tür auf, und mit festem Schritt, einen großen Korb am Arm, +trat die Goldäpfelbäuerin herein und fragte: “Wo sind Sie denn, Käthe? +Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wünsch’ ich Ihnen!” Die +Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezündet und +schüttelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der +Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glänzten viele herrliche +Goldäpfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. “Ich habe +Ihnen ein wenig Äpfel gebracht, die Bäume haben dies Jahr schön +getragen”, sagte die Bäuerin wieder, “was Sie nicht selbst brauchen, +wird das Kind nehmen, wo ist es?” + +Die Käthe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in +die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem +Beerenlesen bald ein Ende haben. “Das wird’s”, bestätigte die Bäuerin. +“Es ist mir aber gerade recht, daß das Kind weg ist, ich möchte noch +etwas mit Ihnen reden.” Die Käthe holte ihre Stühle herbei, und als +die beiden nun voreinander am Tisch saßen, der große Apfelkorb +zwischen ihnen, fing die Bäuerin wieder an: “Ich habe da vor kurzem +etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzählt haben. +Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das +ganze Kohlrübenbeet verdorben und war dazu noch unverschämt. So sind +sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht +gern hören, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tür, und es heißt: +Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten +wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr ärgerlich, als das +Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hörte ich aber etwas, das +hat mir gefallen, ich mußte zu mir sagen: Die alte Käthe hat das Kind +etwas Gutes gelehrt. Mit einem Mädchen, das so denkt, mußte gut +auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht überdacht hatte, +faßte ich einen Entschluß. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen reden. + +“Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist groß und stark, und +gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Frühling +haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen +recht wäre, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter über hätte +ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum nächsten Sommer würde es eine +ordentliche Magd für mich. Sie müssen sich aber nicht sorgen, Käthe. +Ich weiß schon, daß jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen muß, +für Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm +gleich den ganzen Lohn, den die Mägde hatten, und jede Woche noch ein +Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil, +daß es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn +Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir’s wieder. +Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum +fangen Sie denn an zu weinen, Käthe? Das Kind soll es gut haben bei +mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich +auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Säcklein Mehl und eine Flasche +Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und außerdem gibt +es das Jahr hindurch noch manches andere, da können Sie sicher sein.” + +“Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug”, konnte hier endlich +die alte Käthe hervorbringen, “ich weine ja nur vor Freude, vor lauter +Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit +haben, und welche Wohltat Sie an mir tun.” + +Und nun erzählte die Alte der Bäuerin, wie sie sich schon den ganzen +Sommer über gesorgt hätte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. +Das habe sie dem Kind gar nicht sagen dürfen, weil sie sich vor +seinem großen Jammer fürchtete. Eben als die Großmutter fertig +erzählt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der +goldenen Äpfel auf dem Tisch und der Bäuerin, die daran saß, stand es +plötzlich still und schaute mit größter Verwunderung um sich. + +“Komm, gib mir die Hand, Trini”, sagte die Bäuerin. “Da du meine +Bäume nie geschüttelt hast, mußt du mit der Großmutter ein paar Äpfel +davon haben.” + +Über Trinis Gesicht ging ein freudiges Lächeln. So hatte es die +Bäuerin doch noch vernommen, daß es das nicht getan hatte, das +erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. +“Was meinst du?” fuhr die Bäuerin fort, “wie gefiele es dir bei mir +auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?” + +Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Bäuerin und dann +wieder auf die Großmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer +Freude: “Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt”, rief sie +aus, “du kommst nicht ins Reußtal, du sollst nicht von mir fort. +Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldäpfelhof +und am Abend wieder heim. Ach, was ist das für eine Erlösung aus der +großen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!” + +“So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie +nur wollen”, sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Bäuerin +zu würdigen wußte. + +“So ist’s recht”, schloß die Bäuerin, “die Sache ist abgemacht. Das +Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fängt +an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit +anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Käthe, und geben ihm +Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen.” + +Sobald die Tür sich hinter der Bäuerin schloß, fing die Großmutter an, +laut zu loben und zu danken, daß der liebe Gott alle ihre Sorge in +solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: +“Juchhe, nun muß ich nie von dir fort, Großmutter! Ich will schon +tüchtig arbeiten, dann behält mich gewiß die Bäuerin ihr Leben lang.” + +Jetzt mußte es aber die goldenen Äpfel noch aus der Nähe betrachten. +Auf einmal sagte es: “Großmutter, darf ich nicht dem Maneli noch +geschwind die Hälfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt.” + +“Ja, ja”, nickte beifällig die Alte, das war ihr gerade recht, daß +auch der armen Nachbarin etwas von ihrem großen Glück zugute komme. +“Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hälfte. Es sind +so viele, die sich an den Äpfeln freuen werden, geh schnell!” + +Trini stürzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der +Kinderschar aus, als es die Äpfel auf den Tisch hinschüttete. Sie +rollten da und dorthin und der süße Apfelduft durchströmte die ganze +Stube. + +Am Montag, als das Trini unter den Bäumen des Goldäpfelhofes schon +eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Käthe ein. +Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind +bei der Arbeit sei und daß es dort bleiben werde. Aber so schnell +ließ sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte +fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte +ihm, daß das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen könne als bei der +Bäuerin. Aber der Vormund lächelte nur schlau, denn die +Goldäpfelbäuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wußte schon, was sie +zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das +Kind fort sei, sorge niemand für die alte Frau. Solange es aber bei +der Bäuerin sei, wären sie beide versorgt und könnten ohne fremde +Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, daß das Kind bei der +Bäuerin bleibe. + +Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldäpfelhof. Jetzt +kennt es schon alle Arbeit, und die Bäuerin mag das flinke, immer +frohe Trini so gern, als wäre es ihr eigenes Kind. Die Großmutter +sorgt auch dafür, daß das Kind nie vergaß, wer zu ihm redet, wenn es +ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiß wohl, wie es zu dem guten +Platz bei der Bäuerin gekommen ist. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Großmutter gelehrt hat, +von Johanna Spyri. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT +HAT *** + +Updated editions will replace the previous one--the old editions will +be renamed. + +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the +United States without permission and without paying copyright +royalties. 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Hart was the originator of the Project +Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be +freely shared with anyone. For forty years, he produced and +distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of +volunteer support. + +Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in +the U.S. unless a copyright notice is included. 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If you +are not located in the United States, you will have to check the laws of the +country where you are located before using this eBook. +</div> +<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: Was die Grossmutter gelehrt hat</div> +<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Johanna Spyri</div> +<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: October 29, 2011 [EBook #9861]<br> +Release Date: February, 2006<br> +First Posted: October 25, 2003<br> +Last Updated: July 27, 2023</div> +<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> +<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> +<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: Delphine Lettau</div> +<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT +HAT ***</div> + + + +<h1>Was die Großmutter gelehrt hat</h1> + +<p class="center p2">Erzählung</p> + +<p class="center big">Johanna Spyri</p> + + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="1_Kapitel">1. Kapitel<br><span class="small">Der Kummer der alten Waschkäthe</span></h2> +</div> + + + +<p>Die alte Waschkäthe saß in ihrem Stübchen im einsamen Berghüttchen und +schaute nachdenklich auf ihre gekrümmten Hände, die sie vor sich auf +die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen +Waldhöhen verglommen war, hatte sie fleißig an ihrem Spinnrad +gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerückt, die Hände +mußten müde sein, die so gekrümmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte +seufzte auf und sagte vor sich hin: “Ja, wenn ich noch könnte wie +früher!” Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben +lang getan. Nun war sie alt geworden, und die früher so rüstige und +unermüdliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig +spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon +seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr +Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen +konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein +flinkes und geschicktes Kind.</p> + +<p>Heute erfüllte die Großmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr +schon seit dem frühen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr +Enkelkind, das fröhliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte, +war zwölf Jahre alt geworden. Es sollte im Frühling aus der Schule +entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute früh nun war +der ferne Vetter unten aus dem Reußtal heraufgekommen und hatte der +alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er +hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort +unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der +wasserreichen Reuß erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskräfte. +Dort konnte das Trini die Woche über ein schönes Stück Geld verdienen, +und daneben konnte es die nötige Arbeit in seinem Haus verrichten, +dafür wollte er es beherbergen. Da seine Frau kränklich war und sie +keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwünscht, denn +sie wußten, daß es groß und kräftig und sehr geschickt war.</p> + +<p>Die Großmutter hatte schweigend zugehört, aber in ihrem Herzen hatten +die Worte einen großen Kampf entfacht. Der Vetter wünschte auch, daß +das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr könne +schon abgekürzt werden, es wisse genug und könne dann gleich etwas +verdienen. Außerdem hätte seine Frau es im Winter besonders nötig. +Die Großmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter +drängte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er müsse ihr +ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht +entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie müsse +sich das alles erst noch überlegen und dann auch mit dem Kinde reden. +Der Vetter war nicht recht zufrieden, er hätte gern gleich alles +festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte. +Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch +keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die +Großmutter blieb standhaft. Im Herbst möge er noch einmal kommen, +dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann +einverstanden sei, so könne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen, +für den Augenblick könne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie. +Der Vetter sah, daß da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die +alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht außer acht zu lassen. Es sei ja +doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie +nachher auch unterstützen könne. Dann ging er.</p> + +<p>Schon den ganzen Tag während der Arbeit dachte die Großmutter nach +über die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluß fassen. +Jetzt in der Dämmerung überlegte sie in Ruhe, und sie mußte ein +paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein +großer Vorteil für das Kind, daß es in seinem Haus wohnen konnte, um +von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie +selbst wußte keinen vorteilhafteren Weg für das Kind, sie wußte +eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Güter, die die +Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder +genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder +im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mußten es +ältere Mädchen sein. Es waren kräftige, erwachsene Personen, die in +Küche und Garten zu arbeiten wußten.</p> + +<p>Auch die Goldäpfelbäuerin auf dem großen, obstreichen Hof hatte immer +eine Magd, aber auch eine große, starke, die ihr in allem helfen +konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Bäuerin bleiben. +Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht +machen konnte, was wäre dann ein Kind wie das Trini für sie. Daß das +Kind aber im Frühjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde, +eine Arbeit suchen mußte, das sah die Großmutter wohl ein. Seit sie +nicht mehr wie früher als Wäscherin auf die Arbeit gehen konnte, +sondern nur mühsam mit ihren gekrümmten Fingern am Spinnrad arbeitete, +war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit +jedem Tage konnte es schwerer für sie werden. Und doch, sich von dem +Kind trennen zu müssen, das kam der Großmutter als das Allerschwerste +vor, das sie erleben konnte.</p> + +<p>Würde die neue Aufgabe für das junge Kind nicht zu schwer sein? Die +Alte wußte wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe +und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer +krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie saß meistens freudlos und +wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so +schlimm mit ihr geworden, daß der Mann daran denken mußte, eine Hilfe +ins Haus zu holen. Da hätte dann das Kind die Geschäfte im Haus alle +allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen. +War nun für all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde +es ihm nicht zu schwer fallen, von der Großmutter weg, die es so lieb +hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Würde sie es ertragen, nie +ein Wort der Liebe und des Trostes zu hören? Daran war ihr liebes +Trineli nicht gewohnt.</p> + +<p>Der Großmutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht +worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte +und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch rüstige Hände +und gute Kräfte, und wenn sie auch von früh bis spät tätig sein mußte, +sie tat es gern. Die Waschkäthe hatte drei Kinder gehabt, zwei Söhne +und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben, +als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da mußte die Käthe +viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen +Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann +ringsum rief sie zur Hilfe bei der großen Wäsche. Denn man wußte, +keine arbeitete so gut wie die Käthe, die wegen dieser Tätigkeit +überall nur die Waschkäthe hieß. Als ihre Söhne groß waren, bekamen +sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika. +Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht +viel mehr als ein Jahr später starb sie plötzlich noch ganz jung. Das +betrübte ihren Mann so sehr, daß er es daheim nicht mehr aushalten +konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Großmutter hinauf und +sagte: “Da, Mutter, nimm du das Kind, ich weiß nichts damit anzufangen. +Ich muß fort, es hält mich nichts mehr hier.” Dann ging er zu den +Schwägern nach Amerika.</p> + +<p>Von dem Tag an hatte die Waschkäthe eine neue Sorge, aber auch eine +neue, große Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli +entwickelte sich schnell und lohnte der guten Großmutter ihre Mühe und +Arbeit mit einer ungewöhnlichen Liebe und Anhänglichkeit. Sie hatten +viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so +beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit +jedem Jahre wurde es der Großmutter lieber und unentbehrlicher.</p> + +<p>Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Dämmerung vor der alten +Waschkäthe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht für +alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer. +Aber sie kannte einen Tröster, der ihr schon in vielen trüben Stunden +geholfen und auch manches gefürchtete Leid gemildert hatte. Den +wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken +hin- und herzuwälzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache +dem lieben Gott übergeben. Mußte es sein und mußte sie dieses Leid +der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schützende +Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und +sein Wohl ging ihr noch über das eigene. Als die Großmutter dies +alles überlegt hatte, faltete sie still die Hände und sagte andächtig +vor sich hin:</p> + +<p class="poetry">“Drum, meine Seele, sei du still<br> +Zu Gott, wie sich’s gebühret,<br> +Wenn er dich so, wie er es will,<br> +Und nicht wie du willst führet.<br> +Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf,<br> +Tust du den Mund mit Freuden auf,<br> +Zu loben und zu danken.”</p> + + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="2_Kapitel">2. Kapitel<br><span class="small">In den Erdbeeren</span></h2> +</div> + + + +<p>Während die alte Käthe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und +dann in der Dämmerung saß, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu. +Hier wuchs jedes Jahr eine Fülle der schönsten, saftigsten Erdbeeren. +Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein großer, dunkelroter +Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne glühte. Der +Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten +Häusern bestehende Bergdörfchen hieß, wohlbekannt. Sie wußten auch +recht gut, daß, wenn man die Beeren ausreifen ließ, ein schöner Gewinn +damit zu erzielen war. Denn diese ungewöhnlich großen, saftigen +Beeren wurden überall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht +aufeinander, daß nicht etwa die einen zu früh die Beeren holten, bevor +sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schönen +Junitag unter den Schulkindern der Ruf: “Sie sind reif am Sonnenrain! +Sie sind reif!”, dann stürzte noch an demselben Abend die ganze Schar +hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und +sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem +Platz sein und die schönsten und reifsten Beeren finden.</p> + +<p>Die mitgebrachten Körbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form, +aber verschiedene Größen. Sie hatten die Form von Zylinderhüten, mit +dem Unterschied, daß bei diesen die Öffnung unten ist, wo der Kopf +hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren +hineingeworfen werden. Wenn dann die Dämmerung gekommen war und man +die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann +deckte man die Kratten mit großen Blättern zu und befestigte zwei +hölzerne Stäbchen kreuzweise darüber, damit der Wind die Blätter nicht +entführe. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Fröhlichkeit +zog die ganze Schar heimwärts. Alle sangen aus vollen Kehlen:</p> + +<p class="poetry">Erdbeeren rollen,<br> +Die Kratten all, die vollen,<br> +Erdbeeren mit Stielen,<br> +Jetzt trägt man sie heim die vielen,<br> +Erdbeeren an Ästen,<br> +Die meinen sind die besten!</p> + + +<p>Am schnellsten und am fleißigsten aber von allen war die Enkelin der +alten Waschkäthe, das lustige Trini. Immer wußte es, wo die schönsten +Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflückt worden war. Dann +schoß es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, daß kein anderes Kind +schneller war und die Langsamen in seiner Nähe gar nichts erwischten. +Auf einen kleinen Stoß kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm +eine schöne Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind +Beeren sammelte. Niemals aß es von den Früchten, bis sein Kratten so +voll war, daß es eben noch die hölzernen Stäbchen über den Blättern +festmachen konnte, ohne die zarten Früchte zusammen zu drücken. Erst +dann kamen noch einige der süßduftenden Beeren in den Mund und +schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher hätten sie aber +dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehörten sie alle +der Großmutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging.</p> + +<p>Das Trini strengte sich sehr an, für seine liebe Großmutter auch etwas +zu tun. Es fühlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie +hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden +mußten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle +Worte von ihr gehört. Und wie oft hatte es gespürt, daß sie viel +lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafür hing es auch mit dem +ganzen Herzen an der Großmutter, und mit ungeheurer Freude sah es die +Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es täglich seinen vollen +Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um +dann ein schönes Geldstück zu verdienen. Das war für die Großmutter +eine große Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel +brachten aber nur die allergrößten Kratten ein, und diese hatten das +Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals +seinen Kratten auch nur zur Hälfte füllen. Das Maneli, das eigentlich +Marianne hieß, war mit Trini im gleichen Alter. Beide saßen auf +derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war +groß und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es +fürchtete sich vor den größten Buben in der Schule nicht, denn es +wußte sich zu wehren.</p> + +<p>Das Maneli aber war schmal, blaß und sehr schüchtern. Es war ärmlich +gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen. Das stimmte +wohl auch, denn es hatte noch fünf kleinere Geschwister und seine +Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tagelöhner war, brachte +nicht immer so viel heim, daß es zu allem langte. Eben jetzt, da die +Dämmerung heranrückte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem +heftigen Stoß auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer +Stelle, die mit besonders großen Beeren bedeckt war, und Trini wollte +schnell seinen Kratten damit vollfüllen. Es gelang ihm auch, und vor +allen anderen rief es jetzt siegesgewiß: “Voll! Fertig! Heim! Heim!” +Nun riefen auch die anderen: “Heim! Heim!” und schon hatte sich das +Trini mit seinem vollen, schön verpackten Kratten hingestellt, um den +Zug anzuführen. Mit heller Stimme begann es zu singen:</p> + +<p class="poetry">Erdbeeren rollen,<br> +Die Kratten all, die vollen...</p> + + +<p>Als die Schar singend und jauchzend die ersten Häuser erreicht hatte, +stoben die Kinder plötzlich alle auseinander, die einen aufwärts, die +anderen abwärts. Das Trini lief mit allen Kräften den Berg hinauf, es +hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Häuschen der +Großmutter stand hoch oben und war das höchste von ganz Hochtannen. +Jetzt kam das Trini am Hof der Goldäpfelbäuerin vorbei. Sie schaute +eben über die Hecke, die den Hof umschloß, und als sie das Kind so +vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: “Komm doch einmal hierher und zeig +mir deine Beeren!”</p> + +<p>Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stück über die Stelle +hinaus, wo die Bäuerin stand, aber es kam schnell zurück, denn die +Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu können, kam ihm sehr gelegen.</p> + +<p>“Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!” fuhr die Bäuerin fort, als +das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. “Ich +kaufe sonst keine solche Ware, es wächst Besseres auf meinem Hof. +Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand Übel. So +gib’s her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus für die Beeren?”</p> + +<p>“Einen Franken”, antwortete das Trini.</p> + +<p>“So, das ist auch genug für solches Beerenzeug. Aber du mußt’s haben, +um deiner Großmutter willen, das ist eine brave Frau, die viel +arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen +Firlefanz damit?”</p> + +<p>“Nein, das tue ich nicht”, entgegnete das Trini. Es sah die Bäuerin +mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unähnlich +waren, denn es ärgerte sich über diesen Verdacht. Die Bäuerin lachte +und sprach:</p> + +<p>“Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm, +wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken für die +Großmutter, und wenn ich dir noch einen Münze für dich gebe, so wird’s +dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!”</p> + +<p>Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hörte auch nicht zu +rennen auf, bis es oben beim Häuschen angekommen war. Jetzt stürmte +es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur +ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das +Fenster hinein, dort wo die Großmutter saß. Das Trini stürzte zu ihr +hin und erzählte so eifrig von seinen Erlebnissen, daß immer das +zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange, +bis die Großmutter verstanden hatte, daß die Erdbeeren schon verkauft +seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstück dazu dafür bezahlt +worden war. Auch den mußte die Großmutter nehmen, das Trini wollte +kein Geld behalten, denn es sollte alles der Großmutter gehören. Daß +sie heute noch ein Geldstück über das Gewöhnliche hinaus bekam, machte +dem Trini eine besondere Freude.</p> + +<p>“Ja, Großmutter, und siehst du”, fuhr das Trini immer noch halb außer +Atem fort, “ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den +Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht +halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem +guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles +weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte.”</p> + +<p>Die Großmutter hatte sich sehr über die guten Nachrichten und auch +über den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie +ernsthaft: “Aber Trineli, du stößt doch nicht etwa das Maneli weg, +wenn es einen guten Platz gefunden hat, so daß du dann die Beeren +bekommst? Das wäre nicht recht.”</p> + +<p>“Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Großmutter”, +versicherte das Trini. “Es muß jedes sehen, daß es die meisten und +die schönsten erwischt. Daher geht es dann natürlich immer so rauh zu.”</p> + +<p>“Nein, nein, das mußt du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr +tun”, mahnte die Großmutter. “Siehst du, es kann nicht neben dir +aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine +Mutter hätte die Beeren nötig. Sie weiß gewiß manchmal nicht, wo sie +für alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr, +Trineli, laß das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen. +Aber jetzt setz dich zu mir her”, fuhr die Großmutter in einem +anderen Ton fort, “ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernünftig +genug, um es zu verstehen.”</p> + +<p>Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen, +daß die Großmutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden.</p> + +<p>“Trineli”, fing sie jetzt bedächtig an, “wir müssen daran denken, was +du für Arbeit tun könntest, wenn du nun im Frühling aus der Schule +kommst. Der Vetter aus dem Reußtal ist heute morgen hier gewesen. Im +Herbst könntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik +etwas verdienen. Vielleicht würde es dein Glück sein. Du könntest +von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was +meinst du dazu?”</p> + +<p>“Lieber will ich sterben!” rief das Trini zornig.</p> + +<p>“Mußt nicht so unbedacht reden, Trineli”, mahnte die Großmutter +freundlich. “Sieh, der Vetter will etwas für dich tun. Er meint es +gut, wir wollen ihn nicht böse machen, wir wollen noch miteinander +über die Sache nachdenken.”</p> + +<p>“Und wenn der Vetter käme und mich tausendmal töten wollte, so ginge +ich doch nicht!” rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer +wütender wurde.</p> + +<p>“Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es für dich gut ist, so +wird es so sein müssen, Trineli, und dann wollen wir’s annehmen und +denken: ‘Der liebe Gott schickt’s, es muß gut sein’.”</p> + +<p>Die Großmutter wollte damit das Gespräch beenden, aber das Kind fing +plötzlich an, bitterlich zu weinen. Die Tränen stürzten ihm wie Bäche +aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stieß es hervor: +“Großmutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt +wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter +nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zündet +Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du +bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt +kein Mensch. Ich gehe nicht, Großmutter, ich kann nicht gehen! Ich +kann nicht!”</p> + +<p>“Komm, Trineli, komm”, sagte beschwichtigend die Alte, die einen +solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, “komm, wir müssen nun unser +Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. Über +Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am +Abend vorher war.”</p> + +<p>Aber das Trini mit seiner heftigen Gemütsart war nicht so schnell +wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und +bis tief in die Nacht hinein hörte die Großmutter sein Schluchzen und +Weinen. Das war ein neuer Kummer für die alte Waschkäthe. Sie hatte +nicht geglaubt, daß das Kind sich so über den Vorschlag des Vetters +aufregen würde.</p> + + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="3_Kapitel">3. Kapitel<br><span class="small">Dem Trini wird etwas Neues verständlich</span></h2> +</div> + + +<p>Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die +Großmutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie +vergaß sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu +ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen mußte. +Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre +Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im +stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere +kommen müßte, so werde er es für das Kind zum Guten wenden. Als nun +die Großmutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war, +die Sonne schien und die Vögel wie immer lustig pfiffen, da dachte das +Trini, die Gefahr sei vorüber. Es glaubte, der liebe Gott habe +wirklich, wie die Großmutter gesagt, über Nacht etwas geändert, und +die alte Fröhlichkeit kehrte in Trinis Herz zurück. Jeden Abend, wenn +die Kinder über die Wiesen liefen, hörte man allen anderen voraus +Trinis helle Stimme erschallen:</p> + +<p class="poetry">Erdbeeren rollen,<br> +Die Kratten all, die vollen...</p> + + +<p>Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man mußte weiterliegende +Plätze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und +hinten bei der Mühle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort +waren ganze Schätze von Erdbeeren zu finden, das wußten die Kinder +alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da mußte +man um das große Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen +Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem großen +Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag heiß brannte, +schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie +Kirschen so groß.</p> + +<p>Aber der Kornbauer, dem das große Feld gehörte, konnte es nicht leiden, +daß die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie +zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen +sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er +sie augenblicklich mit den größten Drohungen davon. Und nicht selten +folgte den Drohungen gleich die Erfüllung, denn das Mittel dazu trug +er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es +nur die Allerkühnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen +gehörte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung +stattfinden, denn schon seit dem frühen Morgen schimmerte es oben am +Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab. +Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es +hatte seinen großen Kratten an einer langen Schnur um den Hals +gebunden, damit es nachher immer mit beiden Händen zugleich rupfen und +die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie +bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten mußten. +Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Mädchen kamen keine, +sie fürchteten sich alle. Nun ging es vorwärts. Aber heute durfte +unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man +wollte nicht, daß der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte. +Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die +Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen.</p> + +<p>Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor +ihnen ausgebreitet! Dunkelrot glühten die großen Beeren zwischen +allen Halmen durch, über alle Blätter hinaus. Es war ein +überquellender Reichtum, man konnte nur so in die Fülle hineinfahren. +Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pflücken, und bevor die +anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon +den halben Kratten gefüllt. Mit beiden Händen faßte es immer zu nach +allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schönere und noch +größere hervor. Aber plötzlich ertönte eine wütende Stimme:</p> + +<p>“Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?” Da stand der kräftige +Bauer mit den knochigen Händen vor ihnen und hob seine Faust in die +Höhe. “Macht, daß ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr +sehe, oder...” Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und +verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei +Beeren weg. Jetzt nur noch die drei großen—nur noch jene zwei—das +Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr.</p> + +<p>“Jetzt weiß ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine +Schärmaus. Mach, daß du den Fleck räumst, und komm mir nicht noch +einmal ans Korn!” drohte der Bauer zornig.</p> + +<p>“Ich habe gewiß nie das Korn zerstampft, keine Ähre”, versicherte das +Trini, immer noch rupfend, “ich wollte ja nur die Beeren holen.”</p> + +<p>“Ich kenne dich wohl”, brummte der Bauer. “Pack dich, oder ich nehme +dich bei den Ohren und schüttle dich, daß du meinst, du hättest deren +vier am Kopf!”</p> + +<p>Der Bauer kam heran. Jetzt schoß das Trini auf und davon. Von seiner +inneren Entrüstung getrieben, daß es alle die schönen Beeren hatte +stehenlassen müssen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es +beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, stürzte +es auf die Großmutter los und rief: “Nein, nie habe ich das Korn +zerstampft, keine Ähre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt +fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott ließe +dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm +nichts Böses getan.”</p> + +<p>“He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?” sagte mahnend die +Großmutter. “Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein +Licht zünden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum +Abendessen. Komm, erzähl mir alles, wie es zugegangen ist.”</p> + +<p>Daß die Großmutter anhören wollte, was es zu berichten und zu klagen +hatte, besänftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und +berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, daß es keiner +Ähre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von +den Würmern und Schnecken verdorben würden. Als es zu des Bauern +Drohung von den vier Ohren kam, mußte es noch einmal rufen: “Nicht +wahr, Großmutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen +würden, das hätte er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und +nie, nie ein Korn zerstampft!”</p> + +<p>“Trineli”, sagte jetzt die Großmutter, “wir wollen dem Bauer seine +zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst +du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und wäre +es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte +nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Böses tut oder sagt, +so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann müssen wir +ein wenig weiter denken und fragen: ‘Haben wir nicht doch so etwas +verdient?’ Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, daß wir einmal einem +anderen recht weh getan haben, der es leiden mußte und sich nicht +wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie’s tut, und es wird uns +leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den +anderen gutmachen, wenn wir es können. Das ist dann genau das, was +der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so +böse Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann können +wir aber auch nicht mehr so böse gegen den sein, der das getan hat. +Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen +Besen brauche, wenn ich die Stube schön sauber und rein fegen will. +So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und +wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es +uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehört, Trineli, und willst +du daran denken, was ich dir gesagt habe?”</p> + +<p>Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehört, und über den Worten +der Großmutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt +kamen ihm seine schönen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie +schnell herbei, damit die Großmutter noch im Mondschein die +Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll +war wie gewöhnlich, so hatte sie doch außerordentliche Freude und +sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen. +Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldäpfelbäuerin hinunter, +aber die Großmutter sagte, so spät kaufe die Bäuerin keine Beeren mehr. +Am nächsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen.</p> + + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="4_Kapitel">4. Kapitel<br><span class="small">Noch eine zornige Rede und was daraus folgt</span></h2> +</div> + + + +<p>Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schöne +Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald über Hochtannen war noch eine späte, +kräftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden. +Denn jetzt reisten viele Fremde über den Berg, und unten im +Wirtshaus an der großen Straße machten sie meistens Halt. Die +seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte +viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu füllen, und man mußte genau +wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer fröhlichen Mutes +war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem +warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg +hinauf, dem Tannenwald zu. Es wußte, daß nun die letzten, würzigen +Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und +noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der +Weg zu weit und die Suche zu mühsam.</p> + +<p>Nur das Maneli kam mit seinem großen Kratten hinter dem Trini her, +blieb aber weit zurück. Denn wie ein Reh die steilen Höhen +hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit +nicht ein einziges Mädchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel +Arbeit. Die Beeren waren reif und schön und dufteten herrlich, aber +sie mußten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen +einige der rot schimmernden Büsche dicht beieinander, und dann konnte +man wieder vergebens danach suchen. Trini spähte in alle Löcher +hinein, kletterte jeden Erdhügel hinauf, zog alle Grasbüschel +auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es +schnell gepflückt. Trini hörte auch nicht auf zu klettern und zu +suchen und zu rupfen, bis die Dämmerung hereinbrach und aller +Tätigkeit ein Ende machte.</p> + +<p>Aber dem Trini mußte das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen +Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er +gefüllt bis obenan. Es hatte nur noch Blätter und Stäbchen darauf zu +befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen. +Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu +laufen, dazu war’s zu spät, aber bis zu der Goldäpfelbäuerin konnte es +schon noch kommen. Die wollte gewiß diese letzten schönen Beeren noch +haben, und dann konnte es der Großmutter gleich noch den +außergewöhnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein +Schritt.</p> + +<p>Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl +sehen, daß es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es +mußte ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrückt +daherkam.</p> + +<p>Die Goldäpfelbäuerin hatte eben Ärger gehabt. Die junge Magd, die +trotzig neben ihr an dem Gemüsebeet stand, hatte ihr alle jungen +Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu mühsam vorgekommen, den zarten +Pflänzchen sorgfältig, jedem einzeln mit der Gießkanne Wasser zu geben, +wie die Bäuerin ihr befohlen hatte. Mit dem großen Kübel hatte sie +den ganzen Wasserguß über das Beet geschüttet. In der Bäuerin kochte +der Zorn auf wie heiße Milch, die überlaufen will, als sie die +Zerstörung sah. Da kam das Trini hergelaufen. “Guten Abend!” rief es +noch außer Atem, “seht die schönen Beeren. Es sind die letzten, +wollen Sie sie?”</p> + +<p>“Ich brauche nichts”, rief die Bäuerin zornig. “Mach, daß du +fortkommst, ich habe keine Zeit für dich.” “Wenn Sie sie nur ansehen +wollten, sie würden ihnen gefallen”, meinte das Trini. “Habe ich dir +nicht gesagt, daß ich nichts will? Mach, daß du gehst”, wiederholte +die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn +die Bäuerin nur Zeit hätte, die Beeren anzusehen, dann würde ihr schon +die Lust kommen, sie zu behalten.</p> + +<p>Jetzt aber kochte es über in der Bäuerin, denn ihr Zorn hatte schon +lange einen Ausweg gesucht. Daß sie ihn nicht an der trotzigen Magd +ausließ, dafür mochte die Frau ihre Gründe haben.</p> + +<p>“Hast du Harz an den Sohlen?” rief sie grimmig, “oder guckst du nach +den reifen Äpfeln aus, damit du weißt, welchen Baum ihr zuerst wieder +schütteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?”</p> + +<p>Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte +es nie getan.</p> + +<p>“Ich habe nie, nie die Bäume geschüttelt und nicht einen einzigen +Apfel...”</p> + +<p>“Du wirst nicht besser sein als alle anderen!” unterbrach die Bäuerin. +“Ich will kein Wort mehr hören, dort geht’s hinaus!”</p> + +<p>Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, daß es dem Trini +nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die +Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut +war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte +sich auf den Boden hin, es mußte sich Luft machen.</p> + +<p>“Nein, das habe ich nicht getan”, rief es aufgeregt. “Ich habe nie +die Äpfelbäume geschüttelt, nie! Aber die Bäuerin ist nur ein Besen, +ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Großmutter gesagt, und der +liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar +nichts gemacht, ich habe nichts Böses getan.” Hier hielt das Trini auf +einmal inne. Denn plötzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl +der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch +nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und +nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar +nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: “Ja, es ist wahr, +das war doch nicht recht.” Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal +eingefallen, daß es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite +gestoßen und sich schnell über die Beeren hergemacht hatte, die das +Maneli auch gern eingesammelt hätte. Es war aber immer still auf die +Seite gewichen, das Trini war ja viel stärker und flinker. So +leistete ihm das Maneli niemals Widerstand.</p> + +<p>Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli +schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer +eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Großmutter zu, sondern +querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen +Häuschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen +und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig +Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben +schimmerte ein dünnes Lichtlein. Auf einmal hörte das Trini ein +leises Schluchzen ganz in seiner Nähe. Es schaute sich um. Auf einem +Holzblock vor dem Häuschen saß ganz unbeweglich eine kleine Gestalt, +den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu.</p> + +<p>“Was hast du, Maneli?” fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt +erkannt hatte, “warum weinst du so?”</p> + +<p>Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie +gesehen hatte.</p> + +<p>“Ich darf nicht hinein”, sagte es schluchzend, “die Mutter ist krank +und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte +sie, für den Abend bringe ich, will’s Gott, etwas heim, wenn ich in +die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich würde +dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini, +nur die habe ich.” Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Höhe und +Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des +Korbes war bedeckt. Das Trini fühlte seinen schweren Kratten am Arm. +Es war ihm, als werde er immer schwerer und drücke es nicht nur am Arm, +sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal riß es Stäbchen und Blätter +weg, kehrte seinen Kratten um und schüttete den ganzen, reichen Inhalt +in Manelis leeren Korb, so daß dieser bis oben hin voll war und noch +übrig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die +Blätter am Boden und sagte: “Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht.” +Und fort rannte es in hohen Sprüngen.</p> + +<p>“Trini! Trini! Danke tausendmal!” rief ihm das Maneli aus allen +Kräften nach, dann stürzte es in die Hütte hinein. Jetzt hielt das +Trini auf einmal an und kam zurück gerannt. Es wollte sehen, was die +Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen +Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben +an dem niedrigen Häuschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging. +Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch +und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der +auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Hände zusammen und sagte +immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute: +“Wie ist es möglich, Kind? Wie ist es nur möglich?”</p> + +<p>“Vom Trini, vom Trini!” wiederholte das Maneli drei-, viermal, “es hat +sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, für diese Menge gibt +die Wirtin jetzt zwei ganze Franken.”</p> + +<p>“Gott vergelt’s dem Kind und ersetz es ihm und der Großmutter +hundertfach, was es heute für uns getan hat. Er weiß allein, wie ich +mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot für +euch nehme. Und nun haben wir ja für einige Tage genug.”</p> + +<p>Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Hände gefaltet, als danke +sie im stillen noch für die große Wohltat. Jetzt schoß das Trini +davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch +keine empfunden hatte. Die Großmutter hatte wohl recht gehabt, daß +man am Ende den Gewinn davon habe, und daß es einem so wohl werde wie +noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen +wolle. Nun machte es noch neue Pläne in seinem Herzen: Bald konnte +man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es +wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefüllt hatte, noch dem Maneli +den seinigen füllen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte +es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich über die Worte der +armen, kranken Mutter mehr gefreut, als über den eigenen vollen +Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine +Erlebnisse erzählte und zuletzt der Großmutter den ganz leeren Kratten +vorwies, sagte es bittend: “Nicht wahr, du bist nicht böse mit mir, +Großmutter, daß ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie +gewiß alle dem Maneli und seiner kranken Mutter gönnen?”</p> + +<p>Da lobte die Großmutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue +sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht +hätte. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe +schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer +daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen +können, wie jedes sein Stück bekomme und es gewiß jetzt eben fröhlich +verspeiste.</p> + + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<h2 class="nobreak" id="5_Kapitel">5. Kapitel<br><span class="small">Wie es mit dem Vetter geht</span></h2> +</div> + + +<p>Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen +Bäumen glänzten die Äpfel rotgolden und kündeten den Herbst an. Der +Vetter hatte nie wieder etwas von sich hören lassen. In der alten +Käthe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben +geändert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so +leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als könnte +sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller +Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben müßte. +Das Trini war fröhlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es +hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen.</p> + +<p>Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkäthe ein und +sagte, er komme aus dem Reußtal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr +eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle +die Kleider und alles für das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald +er wegen seines Geschäfts über den Berg müsse. Mit dem Vormund des +Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule +und den Lohn und das übrige betreffe. Der Großmutter wurde es vor +Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie mußte sich schnell setzen, +um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn plötzlich +gekommen, was sie freilich immer im stillen befürchtet, aber doch +immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da, +denn daß der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind +übergeben würde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja für keinen +Verdienst sorgen. Sie wußte nicht einmal, wie lange sie sich selbst +noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde +zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht +stellen und für die Versorgung des Kindes für alle Zukunft garantieren. +Es mußte sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Käthe hatte +schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre +ganze Freude und Stütze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines +ihrer Glieder abreißen, ohne das sie nicht mehr fortleben könnte.</p> + +<p>Sie überdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte. +Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal +ausgebrochen war, als sie darüber geredet hatte, so hatte sie nicht +den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte +sie, das beste sei, gar nicht über die Sache zu reden. Ein kurzer +Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen. +Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetrübte Tage. Aber von dem +Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Großmutter, daß +es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte: +“Großmutter, was hast du denn? Ich will alle Nächte durch Brombeeren +suchen, wenn du dich sorgst, wir können nicht mehr leben, weil du +nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich +kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!” Und das Trini streckte seine +zwei festen Arme der Großmutter als Beweis entgegen, daß sie sich +nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn +sie sah ja nur zu gut, wie groß und stark das Kind geworden und daß es +wirklich zu einer ganz anderen Arbeit fähig war als zu der, die es +jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der +Dämmerung saß und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche +schwere Not zurückschaute, aus der ihr der liebe Gott so väterlich +geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen:</p> + +<p class="poetry">“Drum, meine Seele, sei du still<br> +Zu Gott, wie sich’s gebühret.”</p> + + +<p>So saß sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte, +und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen +zu bereiten. Da hörte sie jemand auf ihr Häuschen zukommen. Das war +nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam’s—es mußte +der Vetter sein. Der Großmutter wollte das Herz stillstehen. Nun +ging die Tür auf, und mit festem Schritt, einen großen Korb am Arm, +trat die Goldäpfelbäuerin herein und fragte: “Wo sind Sie denn, Käthe? +Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wünsch’ ich Ihnen!” Die +Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezündet und +schüttelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der +Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glänzten viele herrliche +Goldäpfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. “Ich habe +Ihnen ein wenig Äpfel gebracht, die Bäume haben dies Jahr schön +getragen”, sagte die Bäuerin wieder, “was Sie nicht selbst brauchen, +wird das Kind nehmen, wo ist es?”</p> + +<p>Die Käthe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in +die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem +Beerenlesen bald ein Ende haben. “Das wird’s”, bestätigte die Bäuerin. +“Es ist mir aber gerade recht, daß das Kind weg ist, ich möchte noch +etwas mit Ihnen reden.” Die Käthe holte ihre Stühle herbei, und als +die beiden nun voreinander am Tisch saßen, der große Apfelkorb +zwischen ihnen, fing die Bäuerin wieder an: “Ich habe da vor kurzem +etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzählt haben. +Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das +ganze Kohlrübenbeet verdorben und war dazu noch unverschämt. So sind +sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht +gern hören, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tür, und es heißt: +Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten +wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr ärgerlich, als das +Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hörte ich aber etwas, das +hat mir gefallen, ich mußte zu mir sagen: Die alte Käthe hat das Kind +etwas Gutes gelehrt. Mit einem Mädchen, das so denkt, mußte gut +auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht überdacht hatte, +faßte ich einen Entschluß. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen reden.</p> + +<p>“Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist groß und stark, und +gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Frühling +haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen +recht wäre, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter über hätte +ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum nächsten Sommer würde es eine +ordentliche Magd für mich. Sie müssen sich aber nicht sorgen, Käthe. +Ich weiß schon, daß jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen muß, +für Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm +gleich den ganzen Lohn, den die Mägde hatten, und jede Woche noch ein +Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil, +daß es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn +Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir’s wieder. +Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum +fangen Sie denn an zu weinen, Käthe? Das Kind soll es gut haben bei +mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich +auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Säcklein Mehl und eine Flasche +Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und außerdem gibt +es das Jahr hindurch noch manches andere, da können Sie sicher sein.”</p> + +<p>“Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug”, konnte hier endlich +die alte Käthe hervorbringen, “ich weine ja nur vor Freude, vor lauter +Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit +haben, und welche Wohltat Sie an mir tun.”</p> + +<p>Und nun erzählte die Alte der Bäuerin, wie sie sich schon den ganzen +Sommer über gesorgt hätte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. +Das habe sie dem Kind gar nicht sagen dürfen, weil sie sich vor +seinem großen Jammer fürchtete. Eben als die Großmutter fertig +erzählt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der +goldenen Äpfel auf dem Tisch und der Bäuerin, die daran saß, stand es +plötzlich still und schaute mit größter Verwunderung um sich.</p> + +<p>“Komm, gib mir die Hand, Trini”, sagte die Bäuerin. “Da du meine +Bäume nie geschüttelt hast, mußt du mit der Großmutter ein paar Äpfel +davon haben.”</p> + +<p>Über Trinis Gesicht ging ein freudiges Lächeln. So hatte es die +Bäuerin doch noch vernommen, daß es das nicht getan hatte, das +erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. +“Was meinst du?” fuhr die Bäuerin fort, “wie gefiele es dir bei mir +auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?”</p> + +<p>Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Bäuerin und dann +wieder auf die Großmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer +Freude: “Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt”, rief sie +aus, “du kommst nicht ins Reußtal, du sollst nicht von mir fort. +Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldäpfelhof +und am Abend wieder heim. Ach, was ist das für eine Erlösung aus der +großen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!”</p> + +<p>“So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie +nur wollen”, sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Bäuerin +zu würdigen wußte.</p> + +<p>“So ist’s recht”, schloß die Bäuerin, “die Sache ist abgemacht. Das +Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fängt +an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit +anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Käthe, und geben ihm +Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen.”</p> + +<p>Sobald die Tür sich hinter der Bäuerin schloß, fing die Großmutter an, +laut zu loben und zu danken, daß der liebe Gott alle ihre Sorge in +solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: +“Juchhe, nun muß ich nie von dir fort, Großmutter! Ich will schon +tüchtig arbeiten, dann behält mich gewiß die Bäuerin ihr Leben lang.”</p> + +<p>Jetzt mußte es aber die goldenen Äpfel noch aus der Nähe betrachten. +Auf einmal sagte es: “Großmutter, darf ich nicht dem Maneli noch +geschwind die Hälfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt.”</p> + +<p>“Ja, ja”, nickte beifällig die Alte, das war ihr gerade recht, daß +auch der armen Nachbarin etwas von ihrem großen Glück zugute komme. +“Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hälfte. Es sind +so viele, die sich an den Äpfeln freuen werden, geh schnell!”</p> + +<p>Trini stürzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der +Kinderschar aus, als es die Äpfel auf den Tisch hinschüttete. Sie +rollten da und dorthin und der süße Apfelduft durchströmte die ganze +Stube.</p> + +<p>Am Montag, als das Trini unter den Bäumen des Goldäpfelhofes schon +eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Käthe ein. +Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind +bei der Arbeit sei und daß es dort bleiben werde. Aber so schnell +ließ sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte +fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte +ihm, daß das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen könne als bei der +Bäuerin. Aber der Vormund lächelte nur schlau, denn die +Goldäpfelbäuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wußte schon, was sie +zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das +Kind fort sei, sorge niemand für die alte Frau. Solange es aber bei +der Bäuerin sei, wären sie beide versorgt und könnten ohne fremde +Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, daß das Kind bei der +Bäuerin bleibe.</p> + +<p>Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldäpfelhof. Jetzt +kennt es schon alle Arbeit, und die Bäuerin mag das flinke, immer +frohe Trini so gern, als wäre es ihr eigenes Kind. Die Großmutter +sorgt auch dafür, daß das Kind nie vergaß, wer zu ihm redet, wenn es +ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiß wohl, wie es zu dem guten +Platz bei der Bäuerin gekommen ist.</p> + + +<p>Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Großmutter gelehrt hat, +von Johanna Spyri. +</p> +<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT +HAT ***</div> +<div style='text-align:left'> + +<div style='display:block; margin:1em 0'> +Updated editions will replace the previous one—the old editions will +be renamed. +</div> + +<div style='display:block; margin:1em 0'> +Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright +law means that no one owns a United States copyright in these works, +so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United +States without permission and without paying copyright +royalties. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Was die Grossmutter gelehrt hat + +Erzaehlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Kummer der alten Waschkaethe + + +Die alte Waschkaethe sass in ihrem Stuebchen im einsamen Berghuettchen und +schaute nachdenklich auf ihre gekruemmten Haende, die sie vor sich auf +die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen +Waldhoehen verglommen war, hatte sie fleissig an ihrem Spinnrad +gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerueckt, die Haende +mussten muede sein, die so gekruemmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte +seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch koennte wie +frueher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben +lang getan. Nun war sie alt geworden, und die frueher so ruestige und +unermuedliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig +spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon +seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr +Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen +konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein +flinkes und geschicktes Kind. + +Heute erfuellte die Grossmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr +schon seit dem fruehen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr +Enkelkind, das froehliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte, +war zwoelf Jahre alt geworden. Es sollte im Fruehling aus der Schule +entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute frueh nun war +der ferne Vetter unten aus dem Reusstal heraufgekommen und hatte der +alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er +hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort +unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der +wasserreichen Reuss erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskraefte. +Dort konnte das Trini die Woche ueber ein schoenes Stueck Geld verdienen, +und daneben konnte es die noetige Arbeit in seinem Haus verrichten, +dafuer wollte er es beherbergen. Da seine Frau kraenklich war und sie +keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwuenscht, denn +sie wussten, dass es gross und kraeftig und sehr geschickt war. + +Die Grossmutter halte schweigend zugehoert, aber in ihrem Herzen hatten +die Worte einen grossen Kampf entfacht. Der Vetter wuenschte auch, dass +das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr koenne +schon abgekuerzt werden, es wisse genug und koenne dann gleich etwas +verdienen. Ausserdem haette seine Frau es im Winter besonders noetig. +Die Grossmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter +draengte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er muesse ihr +ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht +entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie muesse +sich das alles erst noch ueberlegen und dann auch mit dem Kinde reden. +Der Vetter war nicht recht zufrieden, er haette gern gleich alles +festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte. +Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch +keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die +Grossmutter blieb standhaft. Im Herbst moege er noch einmal kommen, +dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann +einverstanden sei, so koenne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen, +fuer den Augenblick koenne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie. +Der Vetter sah, dass da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die +alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht ausser acht zu lassen. Es sei ja +doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie +nachher auch unterstuetzen koenne. Dann ging er. + +Schon den ganzen Tag waehrend der Arbeit dachte die Grossmutter nach +ueber die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluss fassen. +Jetzt in der Daemmerung ueberlegte sie in Ruhe, und sie musste ein +paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein +grosser Vorteil fuer das Kind, dass es in seinem Haus wohnen konnte, um +von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie +selbst wusste keinen vorteilhafteren Weg fuer das Kind, sie wusste +eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Gueter, die die +Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder +genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder +im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mussten es +aeltere Maedchen sein. Es waren kraeftige, erwachsene Personen, die in +Kueche und Garten zu arbeiten wussten. + +Auch die Goldaepfelbaeuerin auf dem grossen, obstreichen Hof hatte immer +eine Magd, aber auch eine grosse, starke, die ihr in allem helfen +konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Baeuerin bleiben. +Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht +machen konnte, was waere dann ein Kind wie das Trini fuer sie. Dass das +Kind aber im Fruehjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde, +eine Arbeit suchen musste, das sah die Grossmutter wohl ein. Seit sie +nicht mehr wie frueher als Waescherin auf die Arbeit gehen konnte, +sondern nur muehsam mit ihren gekruemmten Fingern am Spinnrad arbeitete, +war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit +jedem Tage konnte es schwerer fuer sie werden. Und doch, sich von dem +Kind trennen zu muessen, das kam der Grossmutter als das Allerschwerste +vor, das sie erleben konnte. + +Wuerde die neue Aufgabe fuer das junge Kind nicht zu schwer sein? Die +Alte wusste wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe +und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer +krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie sass meistens freudlos und +wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so +schlimm mit ihr geworden, dass der Mann daran denken musste, eine Hilfe +ins Haus zu holen. Da haette dann das Kind die Geschaefte im Haus alle +allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen. +War nun fuer all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde +es ihm nicht zu schwer fallen, von der Grossmutter weg, die es so lieb +hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Wuerde sie es ertragen, nie +ein Wort der Liebe und des Trostes zu hoeren? Daran war ihr liebes +Trineli nicht gewohnt. + +Der Grossmutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht +worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte +und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch ruestige Haende +und gute Kraefte, und wenn sie auch von frueh bis spaet taetig sein musste, +sie tat es gern. Die Waschkaethe hatte drei Kinder gehabt, zwei Soehne +und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben, +als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da musste die Kaethe +viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen +Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann +ringsum rief sie zur Hilfe bei der grossen Waesche. Denn man wusste, +keine arbeitete so gut wie die Kaethe, die wegen dieser Taetigkeit +ueberall nur die Waschkaethe hiess. Als ihre Soehne gross waren, bekamen +sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika. +Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht +viel mehr als ein Jahr spaeter starb sie ploetzlich noch ganz jung. Das +betruebte ihren Mann so sehr, dass er es daheim nicht mehr aushalten +konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Grossmutter hinauf und +sagte: "Da, Mutter, nimm du das Kind, ich weiss nichts damit anzufangen. +Ich muss fort, es haelt mich nichts mehr hier." Dann ging er zu den +Schwaegern nach Amerika. + +Von dem Tag an hatte die Waschkaethe eine neue Sorge, aber auch eine +neue, grosse Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli +entwickelte sich schnell und lohnte der guten Grossmutter ihre Muehe und +Arbeit mit einer ungewoehnlichen Liebe und Anhaenglichkeit. Sie hatten +viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so +beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit +jedem Jahre wurde es der Grossmutter lieber und unentbehrlicher. + +Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Daemmerung vor der alten +Waschkaethe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht fuer +alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer. +Aber sie kannte einen Troester, der ihr schon in vielen trueben Stunden +geholfen und auch manches gefuerchtete Leid gemildert hatte. Den +wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken +hin- und herzuwaelzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache +dem lieben Gott uebergeben. Musste es sein und musste sie dieses Leid +der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schuetzende +Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und +sein Wohl ging ihr noch ueber das eigene. Als die Grossmutter dies +alles ueberlegt hatte, faltete sie still die Haende und sagte andaechtig +vor sich hin: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebuehret, +Wenn er dich so, wie er es will, +Und nicht wie du willst fuehret. +Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf, +Tust du den Mund mit Freuden auf, +Zu loben und zu danken." + + + +2. Kapitel + +In den Erdbeeren + + +Waehrend die alte Kaethe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und +dann in der Daemmerung sass, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu. +Hier wuchs jedes Jahr eine Fuelle der schoensten, saftigsten Erdbeeren. +Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein grosser, dunkelroter +Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne gluehte. Der +Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten +Haeusern bestehende Bergdoerfchen hiess, wohlbekannt. Sie wussten auch +recht gut, dass, wenn man die Beeren ausreifen liess, ein schoener Gewinn +damit zu erzielen war. Denn diese ungewoehnlich grossen, saftigen +Beeren wurden ueberall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht +aufeinander, dass nicht etwa die einen zu frueh die Beeren holten, bevor +sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schoenen +Junitag unter den Schulkindern der Ruf: "Sie sind reif am Sonnenrain! +Sie sind reif!", dann stuerzte noch an demselben Abend die ganze Schar +hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und +sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem +Platz sein und die schoensten und reifsten Beeren finden. + +Die mitgebrachten, Koerbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form, +aber verschiedene Groessen. Sie hatten die Form von Zylinderhueten, mit +dem Unterschied, dass bei diesen die Oeffnung unten ist, wo der Kopf +hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren +hineingeworfen werden. Wenn dann die Daemmerung gekommen war und man +die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann +deckte man die Kratten mit grossen Blaettern zu und befestigte zwei +hoelzerne Staebchen kreuzweise darueber, damit der Wind die Blaetter nicht +entfuehre. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Froehlichkeit +zog die ganze Schar heimwaerts. Alle sangen aus vollen Kehlen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen, +Erdbeeren mit Stielen, +Jetzt traegt man sie heim die vielen, +Erdbeeren an Aesten, +Die meinen sind die besten! + + +Am schnellsten und am fleissigsten aber von allen war die Enkelin der +alten Waschkaethe, das lustige Trini. Immer wusste es, wo die schoensten +Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflueckt worden war. Dann +schoss es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, dass kein anderes Kind +schneller war und die Langsamen in seiner Naehe gar nichts erwischten. +Auf einen kleinen Stoss kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm +eine schoene Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind +Beeren sammelte. Niemals ass es von den Fruechten, bis sein Kratten so +voll war, dass es eben noch die hoelzernen Staebchen ueber den Blaettern +festmachen konnte, ohne die zarten Fruechte zusammen zu druecken. Erst +dann kamen noch einige der suessduftenden Beeren in den Mund und +schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher haetten sie aber +dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehoerten sie alle +der Grossmutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging. + +Das Trini strengte sich sehr an, fuer seine liebe Grossmutter auch etwas +zu tun. Es fuehlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie +hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden +mussten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle +Worte von ihr gehoert. Und wie oft hatte es gespuert, dass sie viel +lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafuer hing es auch mit dem +ganzen Herzen an der Grossmutter, und mit ungeheurer Freude sah es die +Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es taeglich seinen vollen +Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um +dann ein schoenes Geldstueck zu verdienen. Das war fuer die Grossmutter +eine grosse Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel +brachten aber nur die allergroessten Kratten ein, und diese hatten das +Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals +seinen Kratten auch nur zur Haelfte fuellen. Das Maneli, das eigentlich +Marianne hiess, war mit Trini im gleichen Alter. Beide sassen auf +derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war +gross und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es +fuerchtete sich vor den groessten Buben in der Schule nicht, denn es +wusste sich zu wehren. + +Das Maneli aber war schmal, blass und sehr schuechtern. Es war aermlich +gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen, Das stimmte +wohl auch, denn es hatte noch fuenf kleinere Geschwister und seine +Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tageloehner war, brachte +nicht immer so viel heim, dass es zu allem langte. Eben jetzt, da die +Daemmerung heranrueckte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem +heftigen Stoss auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer +Stelle, die mit besonders grossen Beeren bedeckt war, und Trini wollte +schnell seinen Kratten damit vollfuellen. Es gelang ihm auch, und vor +allen anderen rief es jetzt siegesgewiss: "Voll! Fertig! Heim! Heim!" +Nun riefen auch die anderen: "Heim! Heim!" und schon hatte sich das +Trini mit seinem vollen, schoen verpackten Kratten hingestellt, um den +Zug anzufuehren. Mit heller Stimme begann es zu singen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Als die Schar singend und jauchzend die ersten Haeuser erreicht hatte, +stoben die Kinder ploetzlich alle auseinander, die einen aufwaerts, die +anderen abwaerts. Das Trini lief mit allen Kraeften den Berg hinauf, es +hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Haeuschen der +Grossmutter stand hoch oben und war das hoechste von ganz Hochtannen. +Jetzt kam das Trini am Hof der Goldaepfelbaeuerin vorbei. Sie schaute +eben ueber die Hecke, die den Hof umschloss, und als sie das Kind so +vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: "Komm doch einmal hierher und zeig +mir deine Beeren!" + +Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stueck ueber die Stelle +hinaus, wo die Baeuerin stand, aber es kam schnell zurueck, denn die +Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu koennen, kam ihm sehr gelegen. + +"Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!" fuhr die Baeuerin fort, als +das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. "Ich +kaufe sonst keine solche Ware, es waechst Besseres auf meinem Hof. +Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand Uebel. So +gib's her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus fuer die Beeren?" + +"Einen Franken", antwortete das Trini. + +"So, das ist auch genug fuer solches Beerenzeug. Aber du musst's haben, +um deiner Grossmutter willen, das ist eine brave Frau, die viel +arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen +Firlefanz damit?" + +"Nein, das tue ich nicht", entgegnete das Trini. Es sah die Baeuerin +mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unaehnlich +waren, denn es aergerte sich ueber diesen Verdacht. Die Baeuerin lachte +und sprach: + +"Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm, +wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken fuer die +Grossmutter, und wenn ich dir noch einen Muenze fuer dich gebe, so wird's +dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!" + +Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hoerte auch nicht zu +rennen auf, bis es oben beim Haeuschen angekommen war. Jetzt stuermte +es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur +ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das +Fenster hinein, dort wo die Grossmutter sass. Das Trini stuerzte zu ihr +hin und erzaehlte so eifrig von seinen Erlebnissen, dass immer das +zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange, +bis die Grossmutter verstanden hatte, dass die Erdbeeren schon verkauft +seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstueck dazu dafuer bezahlt +worden war. Auch den musste die Grossmutter nehmen, das Trini wollte +kein Geld behalten, denn es sollte alles der Grossmutter gehoeren. Dass +sie heute noch ein Geldstueck ueber das Gewoehnliche hinaus bekam, machte +dem Trini eine besondere Freude. + +"Ja, Grossmutter, und siehst du", fuhr das Trini immer noch halb ausser +Atem fort, "ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den +Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht +halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem +guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles +weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte." + +Die Grossmutter hatte sich sehr ueber die guten Nachrichten und auch +ueber den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie +ernsthaft: "Aber Trineli, du stoesst doch nicht etwa das Maneli weg, +wenn es einen guten Platz gefunden hat, so dass du dann die Beeren +bekommst? Das waere nicht recht." + +"Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Grossmutter", +versicherte das Trini. "Es muss jedes sehen, dass es die meisten und +die schoensten erwischt. Daher geht es dann natuerlich immer so rauh zu." + +"Nein, nein, das musst du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr +tun", mahnte die Grossmutter. "Siehst du, es kann nicht neben dir +aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine +Mutter haette die Beeren noetig. Sie weiss gewiss manchmal nicht, wo sie +fuer alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr, +Trineli, lass das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen. +Aber jetzt setz dich zu mir her", fuhr die Grossmutter in einem +anderen Ton fort, "ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernuenftig +genug, um es zu verstehen." + +Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen, +dass die Grossmutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden. + +"Trineli", fing sie jetzt bedaechtig an, "wir muessen daran denken, was +du fuer Arbeit tun koenntest, wenn du nun im Fruehling aus der Schule +kommst. Der Vetter aus dem Reusstal ist heute morgen hier gewesen. Im +Herbst koenntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik +etwas verdienen. Vielleicht wuerde es dein Glueck sein. Du koenntest +von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was +meinst du dazu?" + +"Lieber will ich sterben!" rief das Trini zornig. + +"Musst nicht so unbedacht reden, Trineli", mahnte die Grossmutter +freundlich. "Sieh, der Vetter will etwas fuer dich tun. Er meint es +gut, wir wollen ihn nicht boese machen, wir wollen noch miteinander +ueber die Sache nachdenken." + +"Und wenn der Vetter kaeme und mich tausendmal toeten wollte, so ginge +ich doch nicht!" rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer +wuetender wurde. + +"Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es fuer dich gut ist, so +wird es so sein muessen, Trineli, und dann wollen wir's annehmen und +denken: 'Der liebe Gott schickt's, es muss gut sein'." + +Die Grossmutter wollte damit das Gespraech beenden, aber das Kind fing +ploetzlich an, bitterlich zu weinen. Die Traenen stuerzten ihm wie Baeche +aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stiess es hervor: +"Grossmutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt +wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter +nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zuendet +Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du +bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt +kein Mensch. Ich gehe nicht, Grossmutter, ich kann nicht gehen! Ich +kann nicht!" + +"Komm, Trineli, komm", sagte beschwichtigend die Alte, die einen +solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, "komm, wir muessen nun unser +Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. Ueber +Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am +Abend vorher war." + +Aber das Trini mit seiner heftigen Gemuetsart war nicht so schnell +wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und +bis tief in die Nacht hinein hoerte die Grossmutter sein Schluchzen und +Weinen. Das war ein neuer Kummer fuer die alte Waschkaethe. Sie hatte +nicht geglaubt, dass das Kind sich so ueber den Vorschlag des Vetters +aufregen wuerde. + + + +3. Kapitel + +Dem Trini wird etwas Neues verstaendlich + + +Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die +Grossmutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie +vergass sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu +ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen musste. +Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre +Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im +stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere +kommen muesste, so werde er es fuer das Kind zum Guten wenden. Als nun +die Grossmutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war, +die Sonne schien und die Voegel wie immer lustig pfiffen, da dachte das +Trini, die Gefahr sei vorueber. Es glaubte, der liebe Gott habe +wirklich, wie die Grossmutter gesagt, ueber Nacht etwas geaendert, und +die alte Froehlichkeit kehrte in Trinis Herz zurueck. Jeden Abend, wenn +die Kinder ueber die Wiesen liefen, hoerte man allen anderen voraus +Trinis helle Stimme erschallen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man musste weiterliegende +Plaetze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und +hinten bei der Muehle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort +waren ganze Schaetze von Erdbeeren zu finden, das wussten die Kinder +alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da musste +man um das grosse Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen +Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem grossen +Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag heiss brannte, +schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie +Kirschen so gross. + +Aber der Kornbauer, dem das grosse Feld gehoerte, konnte es nicht leiden, +dass die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie +zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen +sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er +sie augenblicklich mit den groessten Drohungen davon. Und nicht selten +folgte den Drohungen gleich die Erfuellung, denn das Mittel dazu trug +er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es +nur die Allerkuehnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen +gehoerte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung +stattfinden, denn schon seit dem fruehen Morgen schimmerte es oben am +Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab. +Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es +hatte seinen grossen Kratten an einer langen Schnur um den Hals +gebunden, damit es nachher immer mit beiden Haenden zugleich rupfen und +die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie +bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten mussten. +Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Maedchen kamen keine, +sie fuerchteten sich alle. Nun ging es vorwaerts. Aber heute durfte +unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man +wollte nicht, dass der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte. +Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die +Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen. + +Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor +ihnen ausgebreitet! Dunkelrot gluehten die grossen Beeren zwischen +allen Halmen durch, ueber alle Blaetter hinaus. Es war ein +ueberquellender Reichtum, man konnte nur so in die Fuelle hineinfahren. +Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pfluecken, und bevor die +anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon +den halben Kratten gefuellt. Mit beiden Haenden fasste es immer zu nach +allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schoenere und noch +groessere hervor. Aber ploetzlich ertoente eine wuetende Stimme: + +"Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?" Da stand der kraeftige +Bauer mit den knochigen Haenden vor ihnen und hob seine Faust in die +Hoehe. "Macht, dass ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr +sehe, oder..." Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und +verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei +Beeren weg. Jetzt nur noch die drei grossen--nur noch jene zwei--das +Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr. + +"Jetzt weiss ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine +Schaermaus. Mach, dass du den Fleck raeumst, und komm mir nicht noch +einmal ans Korn!" drohte der Bauer zornig. + +"Ich habe gewiss nie das Korn zerstampft, keine Aehre", versicherte das +Trini, immer noch rupfend, "ich wollte ja nur die Beeren holen." + +"Ich kenne dich wohl", brummte der Bauer. "Pack dich, oder ich nehme +dich bei den Ohren und schuettle dich, dass du meinst, du haettest deren +vier am Kopf!" + +Der Bauer kam heran. Jetzt schoss das Trini auf und davon. Von seiner +inneren Entruestung getrieben, dass es alle die schoenen Beeren hatte +stehenlassen muessen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es +beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, stuerzte +es auf die Grossmutter los und rief: "Nein, nie habe ich das Korn +zerstampft, keine Aehre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt +fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott liesse +dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm +nichts Boeses getan." + +"He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?" sagte mahnend die +Grossmutter. "Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein +Licht zuenden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum +Abendessen. Komm, erzaehl mir alles, wie es zugegangen ist." + +Dass die Grossmutter anhoeren wollte, was es zu berichten und zu klagen +hatte, besaenftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und +berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, dass es keiner +Aehre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von +den Wuermern und Schnecken verdorben wuerden. Als es zu des Bauern +Drohung von den vier Ohren kam, musste es noch einmal rufen: "Nicht +wahr, Grossmutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen +wuerden, das haette er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und +nie, nie ein Korn zerstampft!" + +"Trineli", sagte jetzt die Grossmutter, "wir wollen dem Bauer seine +zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst +du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und waere +es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte +nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Boeses tut oder sagt, +so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann muessen wir +ein wenig weiter denken und fragen: 'Haben wir nicht doch so etwas +verdient?' Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, dass wir einmal einem +anderen recht weh getan haben, der es leiden musste und sich nicht +wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie's tut, und es wird uns +leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den +anderen gutmachen, wenn wir es koennen. Das ist dann genau das, was +der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so +boese Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann koennen +wir aber auch nicht mehr so boese gegen den sein, der das getan hat. +Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen +Besen brauche, wenn ich die Stube schoen sauber und rein fegen will. +So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und +wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es +uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehoert, Trineli, und willst +du daran denken, was ich dir gesagt habe?" + +Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehoert, und ueber den Worten +der Grossmutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt +kamen ihm seine schoenen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie +schnell herbei, damit die Grossmutter noch im Mondschein die +Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll +war wie gewoehnlich, so hatte sie doch ausserordentliche Freude und +sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen. +Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldaepfelbaeuerin hinunter, +aber die Grossmutter sagte, so spaet kaufe die Baeuerin keine Beeren mehr. +Am naechsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen. + + + +4. Kapitel + +Noch eine zornige Rede und was daraus folgt + + +Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schoene +Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald ueber Hochtannen war noch eine spaete, +kraeftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden. +Denn jetzt reisten viele Fremde ueber den Berg, und unten im +Wirtshaus an der grossen Strasse machten sie meistens Halt. Die +seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte +viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu fuellen, und man musste genau +wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer froehlichen Mutes +war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem +warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg +hinauf, dem Tannenwald zu. Es wusste, dass nun die letzten, wuerzigen +Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und +noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der +Weg zu weit und die Suche zu muehsam. + +Nur das Maneli kam mit seinem grossen Kratten hinter dem Trini her, +blieb aber weit zurueck. Denn wie ein Reh die steilen Hoehen +hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit +nicht ein einziges Maedchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel +Arbeit. Die Beeren waren reif und schoen und dufteten herrlich, aber +sie mussten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen +einige der rot schimmernden Buesche dicht beieinander, und dann konnte +man wieder vergebens danach suchen. Trini spaehte in alle Loecher +hinein, kletterte jeden Erdhuegel hinauf, zog alle Grasbueschel +auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es +schnell gepflueckt. Trini hoerte auch nicht auf zu klettern und zu +suchen und zu rupfen, bis die Daemmerung hereinbrach und aller +Taetigkeit ein Ende machte. + +Aber dem Trini musste das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen +Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er +gefuellt bis obenan. Es hatte nur noch Blaetter und Staebchen darauf zu +befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen. +Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu +laufen, dazu war's zu spaet, aber bis zu der Goldaepfelbaeuerin konnte es +schon noch kommen. Die wollte gewiss diese letzten schoenen Beeren noch +haben, und dann konnte es der Grossmutter gleich noch den +aussergewoehnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein +Schritt. + +Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl +sehen, dass es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es +musste ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrueckt +daherkam. + +Die Goldaepfelbaeuerin hatte eben Aerger gehabt. Die junge Magd, die +trotzig neben ihr an dem Gemuesebeet stand, hatte ihr alle jungen +Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu muehsam vorgekommen, den zarten +Pflaenzchen sorgfaeltig, jedem einzeln mit der Giesskanne Wasser zu geben, +wie die Baeuerin ihr befohlen hatte. Mit dem grossen Kuebel hatte sie +den ganzen Wasserguss ueber das Beet geschuettet. In der Baeuerin kochte +der Zorn auf wie heisse Milch, die ueberlaufen will, als sie die +Zerstoerung sah. Da kam das Trini hergelaufen. "Guten Abend!" rief es +noch ausser Atem, "seht die schoenen Beeren. Es sind die letzten, +wollen Sie sie?" + +"Ich brauche nichts", rief die Baeuerin zornig. "Mach, dass du +fortkommst, ich habe keine Zeit fuer dich." "Wenn Sie sie nur ansehen +wollten, sie wuerden ihnen gefallen", meinte das Trini. "Habe ich dir +nicht gesagt, dass ich nichts will? Mach, dass du gehst", wiederholte +die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn +die Baeuerin nur Zeit haette, die Beeren anzusehen, dann wuerde ihr schon +die Lust kommen, sie zu behalten. + +Jetzt aber kochte es ueber in der Baeuerin, denn ihr Zorn hatte schon +lange einen Ausweg gesucht. Dass sie ihn nicht an der trotzigen Magd +ausliess, dafuer mochte die Frau ihre Gruende haben. + +"Hast du Harz an den Sohlen?" rief sie grimmig, "oder guckst du nach +den reifen Aepfeln aus, damit du weisst, welchen Baum ihr zuerst wieder +schuetteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?" + +Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte +es nie getan. + +"Ich habe nie, nie die Baeume geschuettelt und nicht einen einzigen +Apfel..." + +"Du wirst nicht besser sein als alle anderen!" unterbrach die Baeuerin. +"Ich will kein Wort mehr hoeren, dort geht's hinaus!" + +Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, dass es dem Trini +nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die +Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut +war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte +sich auf den Boden hin, es musste sich Luft machen. + +"Nein, das habe ich nicht getan", rief es aufgeregt. "Ich habe nie +die Aepfelbaeume geschuettelt, nie! Aber die Baeuerin ist nur ein Besen, +ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Grossmutter gesagt, und der +liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar +nichts gemacht, ich habe nichts Boeses getan." Hier hielt das Trini auf +einmal inne. Denn ploetzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl +der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch +nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und +nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar +nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: "Ja, es ist wahr, +das war doch nicht recht." Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal +eingefallen, dass es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite +gestossen und sich schnell ueber die Beeren hergemacht hatte, die das +Maneli auch gern eingesammelt haette. Es war aber immer still auf die +Seite gewichen, das Trini war ja viel staerker und flinker. So +leistete ihm das Maneli niemals Widerstand. + +Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli +schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer +eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Grossmutter zu, sondern +querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen +Haeuschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen +und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig +Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben +schimmerte ein duennes Lichtlein. Auf einmal hoerte das Trini ein +leises Schluchzen ganz in seiner Naehe. Es schaute sich um. Auf einem +Holzblock vor dem Haeuschen sass ganz unbeweglich eine kleine Gestalt, +den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu. + +"Was hast du, Maneli?" fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt +erkannt hatte, "warum weinst du so?" + +Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie +gesehen hatte. + +"Ich darf nicht hinein", sagte es schluchzend, "die Mutter ist krank +und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte +sie, fuer den Abend bringe ich, will's Gott, etwas heim, wenn ich in +die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich wuerde +dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini, +nur die habe ich." Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Hoehe und +Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des +Korbes war bedeckt. Das Trini fuehlte seinen schweren Kratten am Arm. +Es war ihm, als werde er immer schwerer und druecke es nicht nur am Arm, +sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal riss es Staebchen und Blaetter +weg, kehrte seinen Kratten um und schuettete den ganzen, reichen Inhalt +in Manelis leeren Korb, so dass dieser bis oben hin voll war und noch +uebrig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die +Blaetter am Boden und sagte: "Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht." +Und fort rannte es in hohen Spruengen. + +"Trini! Trini! Danke tausendmal!" rief ihm das Maneli aus allen +Kraeften nach, dann stuerzte es in die Huette hinein. Jetzt hielt das +Trini auf einmal an und kam zurueck gerannt. Es wollte sehen, was die +Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen +Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben +an dem niedrigen Haeuschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging. +Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch +und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der +auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Haende zusammen und sagte +immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute: +"Wie ist es moeglich, Kind? Wie ist es nur moeglich?" + +"Vom Trini, vom Trini!" wiederholte das Maneli drei-, viermal, "es hat +sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, fuer diese Menge gibt +die Wirtin jetzt zwei ganze Franken." + +"Gott vergelt's dem Kind und ersetz es ihm und der Grossmutter +hundertfach, was es heute fuer uns getan hat. Er weiss allein, wie ich +mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot fuer +euch nehme. Und nun haben wir ja fuer einige Tage genug." + +Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Haende gefaltet, als danke +sie im stillen noch fuer die grosse Wohltat. Jetzt schoss das Trini +davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch +keine empfunden hatte. Die Grossmutter hatte wohl recht gehabt, dass +man am Ende den Gewinn davon habe, und dass es einem so wohl werde wie +noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen +wolle. Nun machte es noch neue Plaene in seinem Herzen: Bald konnte +man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es +wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefuellt hatte, noch dem Maneli +den seinigen fuellen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte +es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich ueber die Worte der +armen, kranken Mutter mehr gefreut, als ueber den eigenen vollen +Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine +Erlebnisse erzaehlte und zuletzt der Grossmutter den ganz leeren Kratten +vorwies, sagte es bittend: "Nicht wahr, du bist nicht boese mit mir, +Grossmutter, dass ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie +gewiss alle dem Maneli und seiner kranken Mutter goennen?" + +Da lobte die Grossmutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue +sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht +haette. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe +schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer +daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen +koennen, wie jedes sein Stueck bekomme und es gewiss jetzt eben froehlich +verspeiste. + + + +5. Kapitel + +Wie es mit dem Vetter geht + + +Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen +Baeumen glaenzten die Aepfel rotgolden und kuendeten den Herbst an. Der +Vetter hatte nie wieder etwas von sich hoeren lassen. In der alten +Kaethe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben +geaendert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so +leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als koennte +sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller +Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben muesste. +Das Trini war froehlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es +hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen. + +Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkaethe ein und +sagte, er komme aus dem Reusstal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr +eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle +die Kleider und alles fuer das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald +er wegen seines Geschaefts ueber den Berg muesse. Mit dem Vormund des +Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule +und den Lohn und das uebrige betreffe. Der Grossmutter wurde es vor +Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie musste sich schnell setzen, +um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn ploetzlich +gekommen, was sie freilich immer im stillen befuerchtet, aber doch +immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da, +denn dass der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind +uebergeben wuerde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja fuer keinen +Verdienst sorgen. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie sich selbst +noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde +zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht +stellen und fuer die Versorgung des Kindes fuer alle Zukunft garantieren. +Es musste sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Kaethe hatte +schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre +ganze Freude und Stuetze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines +ihrer Glieder abreissen, ohne das sie nicht mehr fortleben koennte. + +Sie ueberdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte. +Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal +ausgebrochen war, als sie darueber geredet hatte, so hatte sie nicht +den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte +sie, das beste sei, gar nicht ueber die Sache zu reden. Ein kurzer +Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen. +Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetruebte Tage. Aber von dem +Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Grossmutter, dass +es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte: +"Grossmutter, was hast du denn? Ich will alle Naechte durch Brombeeren +suchen, wenn du dich sorgst, wir koennen nicht mehr leben, weil du +nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich +kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!" Und das Trini streckte seine +zwei festen Arme der Grossmutter als Beweis entgegen, dass sie sich +nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn +sie sah ja nur zu gut, wie gross und stark das Kind geworden und dass es +wirklich zu einer ganz anderen Arbeit faehig war als zu der, die es +jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der +Daemmerung sass und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche +schwere Not zurueckschaute, aus der ihr der liebe Gott so vaeterlich +geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebuehret." + + +So sass sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte, +und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen +zu bereiten. Da hoerte sie jemand auf ihr Haeuschen zukommen. Das war +nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam's--es musste +der Vetter sein. Der Grossmutter wollte das Herz stillstehen. Nun +ging die Tuer auf, und mit festem Schritt, einen grossen Korb am Arm, +trat die Goldaepfelbaeuerin herein und fragte: "Wo sind Sie denn, Kaethe? +Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wuensch' ich Ihnen!" Die +Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezuendet und +schuettelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der +Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glaenzten viele herrliche +Goldaepfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. "Ich habe +Ihnen ein wenig Aepfel gebracht, die Baeume haben dies Jahr schoen +getragen", sagte die Baeuerin wieder, "was Sie nicht selbst brauchen, +wird das Kind nehmen, wo ist es?" + +Die Kaethe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in +die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem +Beerenlesen bald ein Ende haben. "Das wird's", bestaetigte die Baeuerin. +"Es ist mir aber gerade recht, dass das Kind weg ist, ich moechte noch +etwas mit Ihnen reden." Die Kaethe holte ihre Stuehle herbei, und als +die beiden nun voreinander am Tisch sassen, der grosse Apfelkorb +zwischen ihnen, fing die Baeuerin wieder an: "Ich habe da vor kurzem +etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzaehlt haben. +Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das +ganze Kohlruebenbeet verdorben und war dazu noch unverschaemt. So sind +sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht +gern hoeren, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tuer, und es heisst: +Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten +wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr aergerlich, als das +Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hoerte ich aber etwas, das +hat mir gefallen, ich musste zu mir sagen: Die alte Kaethe hat das Kind +etwas Gutes gelehrt. Mit einem Maedchen, das so denkt, musste gut +auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht ueberdacht hatte, +fasste ich einen Entschluss. Darueber moechte ich jetzt mit Ihnen reden. + +"Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist gross und stark, und +gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Fruehling +haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen +recht waere, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter ueber haette +ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum naechsten Sommer wuerde es eine +ordentliche Magd fuer mich. Sie muessen sich aber nicht sorgen, Kaethe. +Ich weiss schon, dass jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen muss, +fuer Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm +gleich den ganzen Lohn, den die Maegde hatten, und jede Woche noch ein +Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil, +dass es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn +Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir's wieder. +Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum +fangen Sie denn an zu weinen, Kaethe? Das Kind soll es gut haben bei +mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich +auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Saecklein Mehl und eine Flasche +Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und ausserdem gibt +es das Jahr hindurch noch manches andere, da koennen Sie sicher sein." + +"Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug", konnte hier endlich +die alte Kaethe hervorbringen, "ich weine ja nur vor Freude, vor lauter +Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit +haben, und welche Wohltat Sie an mir tun." + +Und nun erzaehlte die Alte der Baeuerin, wie sie sich schon den ganzen +Sommer ueber gesorgt haette und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. +Das habe sie dem Kind gar nicht sagen duerfen, weil sie sich vor +seinem grossen Jammer fuerchtete. Eben als die Grossmutter fertig +erzaehlt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der +goldenen Aepfel auf dem Tisch und der Baeuerin, die daran sass, stand es +ploetzlich still und schaute mit groesster Verwunderung um sich. + +"Komm, gib mir die Hand, Trini", sagte die Baeuerin. "Da du meine +Baeume nie geschuettelt hast, musst du mit der Grossmutter ein paar Aepfel +davon haben." + +Ueber Trinis Gesicht ging ein freudiges Laecheln. So hatte es die +Baeuerin doch noch vernommen, dass es das nicht getan hatte, das +erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. +"Was meinst du?" fuhr die Baeuerin fort, "wie gefiele es dir bei mir +auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?" + +Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Baeuerin und dann +wieder auf die Grossmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer +Freude: "Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt", rief sie +aus, "du kommst nicht ins Reusstal, du sollst nicht von mir fort. +Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldaepfelhof +und am Abend wieder heim. Ach, was ist das fuer eine Erloesung aus der +grossen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!" + +"So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie +nur wollen", sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Baeuerin +zu wuerdigen wusste. + +"So ist's recht", schloss die Baeuerin, "die Sache ist abgemacht. Das +Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen faengt +an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit +anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Kaethe, und geben ihm +Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen." + +Sobald die Tuer sich hinter der Baeuerin schloss, fing die Grossmutter an, +laut zu loben und zu danken, dass der liebe Gott alle ihre Sorge in +solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: +"Juchhe, nun muss ich nie von dir fort, Grossmutter! Ich will schon +tuechtig arbeiten, dann behaelt mich gewiss die Baeuerin ihr Leben lang." + +Jetzt musste es aber die goldenen Aepfel noch aus der Naehe betrachten. +Auf einmal sagte es: "Grossmutter, darf ich nicht dem Maneli noch +geschwind die Haelfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt." + +"Ja, ja", nickte beifaellig die Alte, das war ihr gerade recht, dass +auch der armen Nachbarin etwas von ihrem grossen Glueck zugute komme. +"Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Haelfte. Es sind +so viele, die sich an den Aepfeln freuen werden, geh schnell!" + +Trini stuerzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der +Kinderschar aus, als es die Aepfel auf den Tisch hinschuettete. Sie +rollten da und dorthin und der suesse Apfelduft durchstroemte die ganze +Stube. + +Am Montag, als das Trini unter den Baeumen des Goldaepfelhofes schon +eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Kaethe ein. +Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind +bei der Arbeit sei und dass es dort bleiben werde. Aber so schnell +liess sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte +fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte +ihm, dass das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen koenne als bei der +Baeuerin. Aber der Vormund laechelte nur schlau, denn die +Goldaepfelbaeuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wusste schon, was sie +zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das +Kind fort sei, sorge niemand fuer die alte Frau. Solange es aber bei +der Baeuerin sei, waeren sie beide versorgt und koennten ohne fremde +Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, dass das Kind bei der +Baeuerin bleibe. + +Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldaepfelhof Jetzt +kennt es schon alle Arbeit, und die Baeuerin mag das flinke, immer +frohe Trini so gern, als waere es ihr eigenes Kind. Die Grossmutter +sorgt auch dafuer, dass das Kind nie vergass, wer zu ihm redet, wenn es +ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiss wohl, wie es zu dem guten +Platz bei der Baeuerin gekommen ist. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Grossmutter gelehrt hat, +von Johanna Spyri. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT *** + +This file should be named 7wgsm10.txt or 7wgsm10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7wgsm11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7wgsm10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +http://gutenberg.net or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. 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If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. 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Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Was die Gromutter gelehrt hat + +Erzhlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Kummer der alten Waschkthe + + +Die alte Waschkthe sa in ihrem Stbchen im einsamen Berghttchen und +schaute nachdenklich auf ihre gekrmmten Hnde, die sie vor sich auf +die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen +Waldhhen verglommen war, hatte sie fleiig an ihrem Spinnrad +gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerckt, die Hnde +muten mde sein, die so gekrmmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte +seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch knnte wie +frher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben +lang getan. Nun war sie alt geworden, und die frher so rstige und +unermdliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig +spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon +seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr +Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen +konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein +flinkes und geschicktes Kind. + +Heute erfllte die Gromutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr +schon seit dem frhen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr +Enkelkind, das frhliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte, +war zwlf Jahre alt geworden. Es sollte im Frhling aus der Schule +entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute frh nun war +der ferne Vetter unten aus dem Reutal heraufgekommen und hatte der +alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er +hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort +unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der +wasserreichen Reu erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskrfte. +Dort konnte das Trini die Woche ber ein schnes Stck Geld verdienen, +und daneben konnte es die ntige Arbeit in seinem Haus verrichten, +dafr wollte er es beherbergen. Da seine Frau krnklich war und sie +keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwnscht, denn +sie wuten, da es gro und krftig und sehr geschickt war. + +Die Gromutter halte schweigend zugehrt, aber in ihrem Herzen hatten +die Worte einen groen Kampf entfacht. Der Vetter wnschte auch, da +das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr knne +schon abgekrzt werden, es wisse genug und knne dann gleich etwas +verdienen. Auerdem htte seine Frau es im Winter besonders ntig. +Die Gromutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter +drngte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er msse ihr +ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht +entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie msse +sich das alles erst noch berlegen und dann auch mit dem Kinde reden. +Der Vetter war nicht recht zufrieden, er htte gern gleich alles +festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte. +Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch +keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die +Gromutter blieb standhaft. Im Herbst mge er noch einmal kommen, +dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann +einverstanden sei, so knne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen, +fr den Augenblick knne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie. +Der Vetter sah, da da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die +alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht auer acht zu lassen. Es sei ja +doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie +nachher auch untersttzen knne. Dann ging er. + +Schon den ganzen Tag whrend der Arbeit dachte die Gromutter nach +ber die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschlu fassen. +Jetzt in der Dmmerung berlegte sie in Ruhe, und sie mute ein +paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein +groer Vorteil fr das Kind, da es in seinem Haus wohnen konnte, um +von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie +selbst wute keinen vorteilhafteren Weg fr das Kind, sie wute +eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Gter, die die +Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder +genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder +im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da muten es +ltere Mdchen sein. Es waren krftige, erwachsene Personen, die in +Kche und Garten zu arbeiten wuten. + +Auch die Goldpfelbuerin auf dem groen, obstreichen Hof hatte immer +eine Magd, aber auch eine groe, starke, die ihr in allem helfen +konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Buerin bleiben. +Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht +machen konnte, was wre dann ein Kind wie das Trini fr sie. Da das +Kind aber im Frhjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde, +eine Arbeit suchen mute, das sah die Gromutter wohl ein. Seit sie +nicht mehr wie frher als Wscherin auf die Arbeit gehen konnte, +sondern nur mhsam mit ihren gekrmmten Fingern am Spinnrad arbeitete, +war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit +jedem Tage konnte es schwerer fr sie werden. Und doch, sich von dem +Kind trennen zu mssen, das kam der Gromutter als das Allerschwerste +vor, das sie erleben konnte. + +Wrde die neue Aufgabe fr das junge Kind nicht zu schwer sein? Die +Alte wute wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe +und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer +krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie sa meistens freudlos und +wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so +schlimm mit ihr geworden, da der Mann daran denken mute, eine Hilfe +ins Haus zu holen. Da htte dann das Kind die Geschfte im Haus alle +allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen. +War nun fr all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde +es ihm nicht zu schwer fallen, von der Gromutter weg, die es so lieb +hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Wrde sie es ertragen, nie +ein Wort der Liebe und des Trostes zu hren? Daran war ihr liebes +Trineli nicht gewohnt. + +Der Gromutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht +worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte +und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch rstige Hnde +und gute Krfte, und wenn sie auch von frh bis spt ttig sein mute, +sie tat es gern. Die Waschkthe hatte drei Kinder gehabt, zwei Shne +und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben, +als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da mute die Kthe +viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen +Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann +ringsum rief sie zur Hilfe bei der groen Wsche. Denn man wute, +keine arbeitete so gut wie die Kthe, die wegen dieser Ttigkeit +berall nur die Waschkthe hie. Als ihre Shne gro waren, bekamen +sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika. +Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht +viel mehr als ein Jahr spter starb sie pltzlich noch ganz jung. Das +betrbte ihren Mann so sehr, da er es daheim nicht mehr aushalten +konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Gromutter hinauf und +sagte: "Da, Mutter, nimm du das Kind, ich wei nichts damit anzufangen. +Ich mu fort, es hlt mich nichts mehr hier." Dann ging er zu den +Schwgern nach Amerika. + +Von dem Tag an hatte die Waschkthe eine neue Sorge, aber auch eine +neue, groe Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli +entwickelte sich schnell und lohnte der guten Gromutter ihre Mhe und +Arbeit mit einer ungewhnlichen Liebe und Anhnglichkeit. Sie hatten +viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so +beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit +jedem Jahre wurde es der Gromutter lieber und unentbehrlicher. + +Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Dmmerung vor der alten +Waschkthe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht fr +alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer. +Aber sie kannte einen Trster, der ihr schon in vielen trben Stunden +geholfen und auch manches gefrchtete Leid gemildert hatte. Den +wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken +hin- und herzuwlzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache +dem lieben Gott bergeben. Mute es sein und mute sie dieses Leid +der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schtzende +Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und +sein Wohl ging ihr noch ber das eigene. Als die Gromutter dies +alles berlegt hatte, faltete sie still die Hnde und sagte andchtig +vor sich hin: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebhret, +Wenn er dich so, wie er es will, +Und nicht wie du willst fhret. +Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf, +Tust du den Mund mit Freuden auf, +Zu loben und zu danken." + + + +2. Kapitel + +In den Erdbeeren + + +Whrend die alte Kthe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und +dann in der Dmmerung sa, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu. +Hier wuchs jedes Jahr eine Flle der schnsten, saftigsten Erdbeeren. +Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein groer, dunkelroter +Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne glhte. Der +Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten +Husern bestehende Bergdrfchen hie, wohlbekannt. Sie wuten auch +recht gut, da, wenn man die Beeren ausreifen lie, ein schner Gewinn +damit zu erzielen war. Denn diese ungewhnlich groen, saftigen +Beeren wurden berall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht +aufeinander, da nicht etwa die einen zu frh die Beeren holten, bevor +sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schnen +Junitag unter den Schulkindern der Ruf: "Sie sind reif am Sonnenrain! +Sie sind reif!", dann strzte noch an demselben Abend die ganze Schar +hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und +sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem +Platz sein und die schnsten und reifsten Beeren finden. + +Die mitgebrachten, Krbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form, +aber verschiedene Gren. Sie hatten die Form von Zylinderhten, mit +dem Unterschied, da bei diesen die ffnung unten ist, wo der Kopf +hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren +hineingeworfen werden. Wenn dann die Dmmerung gekommen war und man +die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann +deckte man die Kratten mit groen Blttern zu und befestigte zwei +hlzerne Stbchen kreuzweise darber, damit der Wind die Bltter nicht +entfhre. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Frhlichkeit +zog die ganze Schar heimwrts. Alle sangen aus vollen Kehlen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen, +Erdbeeren mit Stielen, +Jetzt trgt man sie heim die vielen, +Erdbeeren an sten, +Die meinen sind die besten! + + +Am schnellsten und am fleiigsten aber von allen war die Enkelin der +alten Waschkthe, das lustige Trini. Immer wute es, wo die schnsten +Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflckt worden war. Dann +scho es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, da kein anderes Kind +schneller war und die Langsamen in seiner Nhe gar nichts erwischten. +Auf einen kleinen Sto kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm +eine schne Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind +Beeren sammelte. Niemals a es von den Frchten, bis sein Kratten so +voll war, da es eben noch die hlzernen Stbchen ber den Blttern +festmachen konnte, ohne die zarten Frchte zusammen zu drcken. Erst +dann kamen noch einige der sduftenden Beeren in den Mund und +schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher htten sie aber +dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehrten sie alle +der Gromutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging. + +Das Trini strengte sich sehr an, fr seine liebe Gromutter auch etwas +zu tun. Es fhlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie +hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden +muten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle +Worte von ihr gehrt. Und wie oft hatte es gesprt, da sie viel +lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafr hing es auch mit dem +ganzen Herzen an der Gromutter, und mit ungeheurer Freude sah es die +Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es tglich seinen vollen +Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um +dann ein schnes Geldstck zu verdienen. Das war fr die Gromutter +eine groe Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel +brachten aber nur die allergrten Kratten ein, und diese hatten das +Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals +seinen Kratten auch nur zur Hlfte fllen. Das Maneli, das eigentlich +Marianne hie, war mit Trini im gleichen Alter. Beide saen auf +derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war +gro und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es +frchtete sich vor den grten Buben in der Schule nicht, denn es +wute sich zu wehren. + +Das Maneli aber war schmal, bla und sehr schchtern. Es war rmlich +gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen, Das stimmte +wohl auch, denn es hatte noch fnf kleinere Geschwister und seine +Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tagelhner war, brachte +nicht immer so viel heim, da es zu allem langte. Eben jetzt, da die +Dmmerung heranrckte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem +heftigen Sto auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer +Stelle, die mit besonders groen Beeren bedeckt war, und Trini wollte +schnell seinen Kratten damit vollfllen. Es gelang ihm auch, und vor +allen anderen rief es jetzt siegesgewi: "Voll! Fertig! Heim! Heim!" +Nun riefen auch die anderen: "Heim! Heim!" und schon hatte sich das +Trini mit seinem vollen, schn verpackten Kratten hingestellt, um den +Zug anzufhren. Mit heller Stimme begann es zu singen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Als die Schar singend und jauchzend die ersten Huser erreicht hatte, +stoben die Kinder pltzlich alle auseinander, die einen aufwrts, die +anderen abwrts. Das Trini lief mit allen Krften den Berg hinauf, es +hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Huschen der +Gromutter stand hoch oben und war das hchste von ganz Hochtannen. +Jetzt kam das Trini am Hof der Goldpfelbuerin vorbei. Sie schaute +eben ber die Hecke, die den Hof umschlo, und als sie das Kind so +vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: "Komm doch einmal hierher und zeig +mir deine Beeren!" + +Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stck ber die Stelle +hinaus, wo die Buerin stand, aber es kam schnell zurck, denn die +Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu knnen, kam ihm sehr gelegen. + +"Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!" fuhr die Buerin fort, als +das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. "Ich +kaufe sonst keine solche Ware, es wchst Besseres auf meinem Hof. +Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand bel. So +gib's her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus fr die Beeren?" + +"Einen Franken", antwortete das Trini. + +"So, das ist auch genug fr solches Beerenzeug. Aber du mut's haben, +um deiner Gromutter willen, das ist eine brave Frau, die viel +arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen +Firlefanz damit?" + +"Nein, das tue ich nicht", entgegnete das Trini. Es sah die Buerin +mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unhnlich +waren, denn es rgerte sich ber diesen Verdacht. Die Buerin lachte +und sprach: + +"Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm, +wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken fr die +Gromutter, und wenn ich dir noch einen Mnze fr dich gebe, so wird's +dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!" + +Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hrte auch nicht zu +rennen auf, bis es oben beim Huschen angekommen war. Jetzt strmte +es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur +ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das +Fenster hinein, dort wo die Gromutter sa. Das Trini strzte zu ihr +hin und erzhlte so eifrig von seinen Erlebnissen, da immer das +zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange, +bis die Gromutter verstanden hatte, da die Erdbeeren schon verkauft +seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstck dazu dafr bezahlt +worden war. Auch den mute die Gromutter nehmen, das Trini wollte +kein Geld behalten, denn es sollte alles der Gromutter gehren. Da +sie heute noch ein Geldstck ber das Gewhnliche hinaus bekam, machte +dem Trini eine besondere Freude. + +"Ja, Gromutter, und siehst du", fuhr das Trini immer noch halb auer +Atem fort, "ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den +Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht +halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem +guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles +weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte." + +Die Gromutter hatte sich sehr ber die guten Nachrichten und auch +ber den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie +ernsthaft: "Aber Trineli, du stt doch nicht etwa das Maneli weg, +wenn es einen guten Platz gefunden hat, so da du dann die Beeren +bekommst? Das wre nicht recht." + +"Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Gromutter", +versicherte das Trini. "Es mu jedes sehen, da es die meisten und +die schnsten erwischt. Daher geht es dann natrlich immer so rauh zu." + +"Nein, nein, das mut du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr +tun", mahnte die Gromutter. "Siehst du, es kann nicht neben dir +aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine +Mutter htte die Beeren ntig. Sie wei gewi manchmal nicht, wo sie +fr alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr, +Trineli, la das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen. +Aber jetzt setz dich zu mir her", fuhr die Gromutter in einem +anderen Ton fort, "ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernnftig +genug, um es zu verstehen." + +Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen, +da die Gromutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden. + +"Trineli", fing sie jetzt bedchtig an, "wir mssen daran denken, was +du fr Arbeit tun knntest, wenn du nun im Frhling aus der Schule +kommst. Der Vetter aus dem Reutal ist heute morgen hier gewesen. Im +Herbst knntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik +etwas verdienen. Vielleicht wrde es dein Glck sein. Du knntest +von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was +meinst du dazu?" + +"Lieber will ich sterben!" rief das Trini zornig. + +"Mut nicht so unbedacht reden, Trineli", mahnte die Gromutter +freundlich. "Sieh, der Vetter will etwas fr dich tun. Er meint es +gut, wir wollen ihn nicht bse machen, wir wollen noch miteinander +ber die Sache nachdenken." + +"Und wenn der Vetter kme und mich tausendmal tten wollte, so ginge +ich doch nicht!" rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer +wtender wurde. + +"Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es fr dich gut ist, so +wird es so sein mssen, Trineli, und dann wollen wir's annehmen und +denken: 'Der liebe Gott schickt's, es mu gut sein'." + +Die Gromutter wollte damit das Gesprch beenden, aber das Kind fing +pltzlich an, bitterlich zu weinen. Die Trnen strzten ihm wie Bche +aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stie es hervor: +"Gromutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt +wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter +nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zndet +Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du +bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt +kein Mensch. Ich gehe nicht, Gromutter, ich kann nicht gehen! Ich +kann nicht!" + +"Komm, Trineli, komm", sagte beschwichtigend die Alte, die einen +solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, "komm, wir mssen nun unser +Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. ber +Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am +Abend vorher war." + +Aber das Trini mit seiner heftigen Gemtsart war nicht so schnell +wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und +bis tief in die Nacht hinein hrte die Gromutter sein Schluchzen und +Weinen. Das war ein neuer Kummer fr die alte Waschkthe. Sie hatte +nicht geglaubt, da das Kind sich so ber den Vorschlag des Vetters +aufregen wrde. + + + +3. Kapitel + +Dem Trini wird etwas Neues verstndlich + + +Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die +Gromutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie +verga sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu +ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen mute. +Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre +Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im +stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere +kommen mte, so werde er es fr das Kind zum Guten wenden. Als nun +die Gromutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war, +die Sonne schien und die Vgel wie immer lustig pfiffen, da dachte das +Trini, die Gefahr sei vorber. Es glaubte, der liebe Gott habe +wirklich, wie die Gromutter gesagt, ber Nacht etwas gendert, und +die alte Frhlichkeit kehrte in Trinis Herz zurck. Jeden Abend, wenn +die Kinder ber die Wiesen liefen, hrte man allen anderen voraus +Trinis helle Stimme erschallen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man mute weiterliegende +Pltze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und +hinten bei der Mhle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort +waren ganze Schtze von Erdbeeren zu finden, das wuten die Kinder +alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da mute +man um das groe Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen +Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem groen +Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag hei brannte, +schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie +Kirschen so gro. + +Aber der Kornbauer, dem das groe Feld gehrte, konnte es nicht leiden, +da die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie +zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen +sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er +sie augenblicklich mit den grten Drohungen davon. Und nicht selten +folgte den Drohungen gleich die Erfllung, denn das Mittel dazu trug +er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es +nur die Allerkhnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen +gehrte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung +stattfinden, denn schon seit dem frhen Morgen schimmerte es oben am +Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab. +Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es +hatte seinen groen Kratten an einer langen Schnur um den Hals +gebunden, damit es nachher immer mit beiden Hnden zugleich rupfen und +die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie +bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten muten. +Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Mdchen kamen keine, +sie frchteten sich alle. Nun ging es vorwrts. Aber heute durfte +unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man +wollte nicht, da der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte. +Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die +Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen. + +Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor +ihnen ausgebreitet! Dunkelrot glhten die groen Beeren zwischen +allen Halmen durch, ber alle Bltter hinaus. Es war ein +berquellender Reichtum, man konnte nur so in die Flle hineinfahren. +Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pflcken, und bevor die +anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon +den halben Kratten gefllt. Mit beiden Hnden fate es immer zu nach +allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schnere und noch +grere hervor. Aber pltzlich ertnte eine wtende Stimme: + +"Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?" Da stand der krftige +Bauer mit den knochigen Hnden vor ihnen und hob seine Faust in die +Hhe. "Macht, da ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr +sehe, oder..." Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und +verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei +Beeren weg. Jetzt nur noch die drei groen--nur noch jene zwei--das +Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr. + +"Jetzt wei ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine +Schrmaus. Mach, da du den Fleck rumst, und komm mir nicht noch +einmal ans Korn!" drohte der Bauer zornig. + +"Ich habe gewi nie das Korn zerstampft, keine hre", versicherte das +Trini, immer noch rupfend, "ich wollte ja nur die Beeren holen." + +"Ich kenne dich wohl", brummte der Bauer. "Pack dich, oder ich nehme +dich bei den Ohren und schttle dich, da du meinst, du httest deren +vier am Kopf!" + +Der Bauer kam heran. Jetzt scho das Trini auf und davon. Von seiner +inneren Entrstung getrieben, da es alle die schnen Beeren hatte +stehenlassen mssen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es +beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, strzte +es auf die Gromutter los und rief: "Nein, nie habe ich das Korn +zerstampft, keine hre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt +fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott liee +dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm +nichts Bses getan." + +"He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?" sagte mahnend die +Gromutter. "Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein +Licht znden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum +Abendessen. Komm, erzhl mir alles, wie es zugegangen ist." + +Da die Gromutter anhren wollte, was es zu berichten und zu klagen +hatte, besnftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und +berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, da es keiner +hre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von +den Wrmern und Schnecken verdorben wrden. Als es zu des Bauern +Drohung von den vier Ohren kam, mute es noch einmal rufen: "Nicht +wahr, Gromutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen +wrden, das htte er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und +nie, nie ein Korn zerstampft!" + +"Trineli", sagte jetzt die Gromutter, "wir wollen dem Bauer seine +zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst +du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und wre +es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte +nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Bses tut oder sagt, +so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann mssen wir +ein wenig weiter denken und fragen: 'Haben wir nicht doch so etwas +verdient?' Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, da wir einmal einem +anderen recht weh getan haben, der es leiden mute und sich nicht +wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie's tut, und es wird uns +leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den +anderen gutmachen, wenn wir es knnen. Das ist dann genau das, was +der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so +bse Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann knnen +wir aber auch nicht mehr so bse gegen den sein, der das getan hat. +Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen +Besen brauche, wenn ich die Stube schn sauber und rein fegen will. +So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und +wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es +uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehrt, Trineli, und willst +du daran denken, was ich dir gesagt habe?" + +Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehrt, und ber den Worten +der Gromutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt +kamen ihm seine schnen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie +schnell herbei, damit die Gromutter noch im Mondschein die +Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll +war wie gewhnlich, so hatte sie doch auerordentliche Freude und +sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen. +Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldpfelbuerin hinunter, +aber die Gromutter sagte, so spt kaufe die Buerin keine Beeren mehr. +Am nchsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen. + + + +4. Kapitel + +Noch eine zornige Rede und was daraus folgt + + +Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schne +Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald ber Hochtannen war noch eine spte, +krftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden. +Denn jetzt reisten viele Fremde ber den Berg, und unten im +Wirtshaus an der groen Strae machten sie meistens Halt. Die +seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte +viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu fllen, und man mute genau +wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer frhlichen Mutes +war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem +warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg +hinauf, dem Tannenwald zu. Es wute, da nun die letzten, wrzigen +Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und +noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der +Weg zu weit und die Suche zu mhsam. + +Nur das Maneli kam mit seinem groen Kratten hinter dem Trini her, +blieb aber weit zurck. Denn wie ein Reh die steilen Hhen +hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit +nicht ein einziges Mdchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel +Arbeit. Die Beeren waren reif und schn und dufteten herrlich, aber +sie muten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen +einige der rot schimmernden Bsche dicht beieinander, und dann konnte +man wieder vergebens danach suchen. Trini sphte in alle Lcher +hinein, kletterte jeden Erdhgel hinauf, zog alle Grasbschel +auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es +schnell gepflckt. Trini hrte auch nicht auf zu klettern und zu +suchen und zu rupfen, bis die Dmmerung hereinbrach und aller +Ttigkeit ein Ende machte. + +Aber dem Trini mute das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen +Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er +gefllt bis obenan. Es hatte nur noch Bltter und Stbchen darauf zu +befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen. +Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu +laufen, dazu war's zu spt, aber bis zu der Goldpfelbuerin konnte es +schon noch kommen. Die wollte gewi diese letzten schnen Beeren noch +haben, und dann konnte es der Gromutter gleich noch den +auergewhnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein +Schritt. + +Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl +sehen, da es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es +mute ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrckt +daherkam. + +Die Goldpfelbuerin hatte eben rger gehabt. Die junge Magd, die +trotzig neben ihr an dem Gemsebeet stand, hatte ihr alle jungen +Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu mhsam vorgekommen, den zarten +Pflnzchen sorgfltig, jedem einzeln mit der Giekanne Wasser zu geben, +wie die Buerin ihr befohlen hatte. Mit dem groen Kbel hatte sie +den ganzen Wassergu ber das Beet geschttet. In der Buerin kochte +der Zorn auf wie heie Milch, die berlaufen will, als sie die +Zerstrung sah. Da kam das Trini hergelaufen. "Guten Abend!" rief es +noch auer Atem, "seht die schnen Beeren. Es sind die letzten, +wollen Sie sie?" + +"Ich brauche nichts", rief die Buerin zornig. "Mach, da du +fortkommst, ich habe keine Zeit fr dich." "Wenn Sie sie nur ansehen +wollten, sie wrden ihnen gefallen", meinte das Trini. "Habe ich dir +nicht gesagt, da ich nichts will? Mach, da du gehst", wiederholte +die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn +die Buerin nur Zeit htte, die Beeren anzusehen, dann wrde ihr schon +die Lust kommen, sie zu behalten. + +Jetzt aber kochte es ber in der Buerin, denn ihr Zorn hatte schon +lange einen Ausweg gesucht. Da sie ihn nicht an der trotzigen Magd +auslie, dafr mochte die Frau ihre Grnde haben. + +"Hast du Harz an den Sohlen?" rief sie grimmig, "oder guckst du nach +den reifen pfeln aus, damit du weit, welchen Baum ihr zuerst wieder +schtteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?" + +Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte +es nie getan. + +"Ich habe nie, nie die Bume geschttelt und nicht einen einzigen +Apfel..." + +"Du wirst nicht besser sein als alle anderen!" unterbrach die Buerin. +"Ich will kein Wort mehr hren, dort geht's hinaus!" + +Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, da es dem Trini +nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die +Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut +war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte +sich auf den Boden hin, es mute sich Luft machen. + +"Nein, das habe ich nicht getan", rief es aufgeregt. "Ich habe nie +die pfelbume geschttelt, nie! Aber die Buerin ist nur ein Besen, +ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Gromutter gesagt, und der +liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar +nichts gemacht, ich habe nichts Bses getan." Hier hielt das Trini auf +einmal inne. Denn pltzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl +der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch +nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und +nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar +nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: "Ja, es ist wahr, +das war doch nicht recht." Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal +eingefallen, da es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite +gestoen und sich schnell ber die Beeren hergemacht hatte, die das +Maneli auch gern eingesammelt htte. Es war aber immer still auf die +Seite gewichen, das Trini war ja viel strker und flinker. So +leistete ihm das Maneli niemals Widerstand. + +Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli +schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer +eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Gromutter zu, sondern +querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen +Huschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen +und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig +Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben +schimmerte ein dnnes Lichtlein. Auf einmal hrte das Trini ein +leises Schluchzen ganz in seiner Nhe. Es schaute sich um. Auf einem +Holzblock vor dem Huschen sa ganz unbeweglich eine kleine Gestalt, +den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu. + +"Was hast du, Maneli?" fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt +erkannt hatte, "warum weinst du so?" + +Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie +gesehen hatte. + +"Ich darf nicht hinein", sagte es schluchzend, "die Mutter ist krank +und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte +sie, fr den Abend bringe ich, will's Gott, etwas heim, wenn ich in +die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich wrde +dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini, +nur die habe ich." Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Hhe und +Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des +Korbes war bedeckt. Das Trini fhlte seinen schweren Kratten am Arm. +Es war ihm, als werde er immer schwerer und drcke es nicht nur am Arm, +sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal ri es Stbchen und Bltter +weg, kehrte seinen Kratten um und schttete den ganzen, reichen Inhalt +in Manelis leeren Korb, so da dieser bis oben hin voll war und noch +brig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die +Bltter am Boden und sagte: "Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht." +Und fort rannte es in hohen Sprngen. + +"Trini! Trini! Danke tausendmal!" rief ihm das Maneli aus allen +Krften nach, dann strzte es in die Htte hinein. Jetzt hielt das +Trini auf einmal an und kam zurck gerannt. Es wollte sehen, was die +Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen +Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben +an dem niedrigen Huschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging. +Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch +und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der +auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Hnde zusammen und sagte +immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute: +"Wie ist es mglich, Kind? Wie ist es nur mglich?" + +"Vom Trini, vom Trini!" wiederholte das Maneli drei-, viermal, "es hat +sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, fr diese Menge gibt +die Wirtin jetzt zwei ganze Franken." + +"Gott vergelt's dem Kind und ersetz es ihm und der Gromutter +hundertfach, was es heute fr uns getan hat. Er wei allein, wie ich +mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot fr +euch nehme. Und nun haben wir ja fr einige Tage genug." + +Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Hnde gefaltet, als danke +sie im stillen noch fr die groe Wohltat. Jetzt scho das Trini +davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch +keine empfunden hatte. Die Gromutter hatte wohl recht gehabt, da +man am Ende den Gewinn davon habe, und da es einem so wohl werde wie +noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen +wolle. Nun machte es noch neue Plne in seinem Herzen: Bald konnte +man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es +wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefllt hatte, noch dem Maneli +den seinigen fllen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte +es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich ber die Worte der +armen, kranken Mutter mehr gefreut, als ber den eigenen vollen +Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine +Erlebnisse erzhlte und zuletzt der Gromutter den ganz leeren Kratten +vorwies, sagte es bittend: "Nicht wahr, du bist nicht bse mit mir, +Gromutter, da ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie +gewi alle dem Maneli und seiner kranken Mutter gnnen?" + +Da lobte die Gromutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue +sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht +htte. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe +schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer +daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen +knnen, wie jedes sein Stck bekomme und es gewi jetzt eben frhlich +verspeiste. + + + +5. Kapitel + +Wie es mit dem Vetter geht + + +Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen +Bumen glnzten die pfel rotgolden und kndeten den Herbst an. Der +Vetter hatte nie wieder etwas von sich hren lassen. In der alten +Kthe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben +gendert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so +leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als knnte +sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller +Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben mte. +Das Trini war frhlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es +hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen. + +Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkthe ein und +sagte, er komme aus dem Reutal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr +eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle +die Kleider und alles fr das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald +er wegen seines Geschfts ber den Berg msse. Mit dem Vormund des +Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule +und den Lohn und das brige betreffe. Der Gromutter wurde es vor +Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie mute sich schnell setzen, +um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn pltzlich +gekommen, was sie freilich immer im stillen befrchtet, aber doch +immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da, +denn da der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind +bergeben wrde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja fr keinen +Verdienst sorgen. Sie wute nicht einmal, wie lange sie sich selbst +noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde +zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht +stellen und fr die Versorgung des Kindes fr alle Zukunft garantieren. +Es mute sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Kthe hatte +schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre +ganze Freude und Sttze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines +ihrer Glieder abreien, ohne das sie nicht mehr fortleben knnte. + +Sie berdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte. +Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal +ausgebrochen war, als sie darber geredet hatte, so hatte sie nicht +den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte +sie, das beste sei, gar nicht ber die Sache zu reden. Ein kurzer +Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen. +Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetrbte Tage. Aber von dem +Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Gromutter, da +es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte: +"Gromutter, was hast du denn? Ich will alle Nchte durch Brombeeren +suchen, wenn du dich sorgst, wir knnen nicht mehr leben, weil du +nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich +kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!" Und das Trini streckte seine +zwei festen Arme der Gromutter als Beweis entgegen, da sie sich +nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn +sie sah ja nur zu gut, wie gro und stark das Kind geworden und da es +wirklich zu einer ganz anderen Arbeit fhig war als zu der, die es +jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der +Dmmerung sa und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche +schwere Not zurckschaute, aus der ihr der liebe Gott so vterlich +geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebhret." + + +So sa sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte, +und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen +zu bereiten. Da hrte sie jemand auf ihr Huschen zukommen. Das war +nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam's--es mute +der Vetter sein. Der Gromutter wollte das Herz stillstehen. Nun +ging die Tr auf, und mit festem Schritt, einen groen Korb am Arm, +trat die Goldpfelbuerin herein und fragte: "Wo sind Sie denn, Kthe? +Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wnsch' ich Ihnen!" Die +Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezndet und +schttelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der +Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glnzten viele herrliche +Goldpfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. "Ich habe +Ihnen ein wenig pfel gebracht, die Bume haben dies Jahr schn +getragen", sagte die Buerin wieder, "was Sie nicht selbst brauchen, +wird das Kind nehmen, wo ist es?" + +Die Kthe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in +die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem +Beerenlesen bald ein Ende haben. "Das wird's", besttigte die Buerin. +"Es ist mir aber gerade recht, da das Kind weg ist, ich mchte noch +etwas mit Ihnen reden." Die Kthe holte ihre Sthle herbei, und als +die beiden nun voreinander am Tisch saen, der groe Apfelkorb +zwischen ihnen, fing die Buerin wieder an: "Ich habe da vor kurzem +etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzhlt haben. +Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das +ganze Kohlrbenbeet verdorben und war dazu noch unverschmt. So sind +sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht +gern hren, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tr, und es heit: +Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten +wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr rgerlich, als das +Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hrte ich aber etwas, das +hat mir gefallen, ich mute zu mir sagen: Die alte Kthe hat das Kind +etwas Gutes gelehrt. Mit einem Mdchen, das so denkt, mute gut +auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht berdacht hatte, +fate ich einen Entschlu. Darber mchte ich jetzt mit Ihnen reden. + +"Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist gro und stark, und +gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Frhling +haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen +recht wre, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter ber htte +ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum nchsten Sommer wrde es eine +ordentliche Magd fr mich. Sie mssen sich aber nicht sorgen, Kthe. +Ich wei schon, da jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen mu, +fr Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm +gleich den ganzen Lohn, den die Mgde hatten, und jede Woche noch ein +Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil, +da es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn +Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir's wieder. +Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum +fangen Sie denn an zu weinen, Kthe? Das Kind soll es gut haben bei +mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich +auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Scklein Mehl und eine Flasche +Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und auerdem gibt +es das Jahr hindurch noch manches andere, da knnen Sie sicher sein." + +"Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug", konnte hier endlich +die alte Kthe hervorbringen, "ich weine ja nur vor Freude, vor lauter +Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit +haben, und welche Wohltat Sie an mir tun." + +Und nun erzhlte die Alte der Buerin, wie sie sich schon den ganzen +Sommer ber gesorgt htte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. +Das habe sie dem Kind gar nicht sagen drfen, weil sie sich vor +seinem groen Jammer frchtete. Eben als die Gromutter fertig +erzhlt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der +goldenen pfel auf dem Tisch und der Buerin, die daran sa, stand es +pltzlich still und schaute mit grter Verwunderung um sich. + +"Komm, gib mir die Hand, Trini", sagte die Buerin. "Da du meine +Bume nie geschttelt hast, mut du mit der Gromutter ein paar pfel +davon haben." + +ber Trinis Gesicht ging ein freudiges Lcheln. So hatte es die +Buerin doch noch vernommen, da es das nicht getan hatte, das +erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. +"Was meinst du?" fuhr die Buerin fort, "wie gefiele es dir bei mir +auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?" + +Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Buerin und dann +wieder auf die Gromutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer +Freude: "Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt", rief sie +aus, "du kommst nicht ins Reutal, du sollst nicht von mir fort. +Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldpfelhof +und am Abend wieder heim. Ach, was ist das fr eine Erlsung aus der +groen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!" + +"So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie +nur wollen", sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Buerin +zu wrdigen wute. + +"So ist's recht", schlo die Buerin, "die Sache ist abgemacht. Das +Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fngt +an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit +anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Kthe, und geben ihm +Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen." + +Sobald die Tr sich hinter der Buerin schlo, fing die Gromutter an, +laut zu loben und zu danken, da der liebe Gott alle ihre Sorge in +solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: +"Juchhe, nun mu ich nie von dir fort, Gromutter! Ich will schon +tchtig arbeiten, dann behlt mich gewi die Buerin ihr Leben lang." + +Jetzt mute es aber die goldenen pfel noch aus der Nhe betrachten. +Auf einmal sagte es: "Gromutter, darf ich nicht dem Maneli noch +geschwind die Hlfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt." + +"Ja, ja", nickte beifllig die Alte, das war ihr gerade recht, da +auch der armen Nachbarin etwas von ihrem groen Glck zugute komme. +"Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hlfte. Es sind +so viele, die sich an den pfeln freuen werden, geh schnell!" + +Trini strzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der +Kinderschar aus, als es die pfel auf den Tisch hinschttete. Sie +rollten da und dorthin und der se Apfelduft durchstrmte die ganze +Stube. + +Am Montag, als das Trini unter den Bumen des Goldpfelhofes schon +eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Kthe ein. +Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind +bei der Arbeit sei und da es dort bleiben werde. Aber so schnell +lie sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte +fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte +ihm, da das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen knne als bei der +Buerin. Aber der Vormund lchelte nur schlau, denn die +Goldpfelbuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wute schon, was sie +zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das +Kind fort sei, sorge niemand fr die alte Frau. Solange es aber bei +der Buerin sei, wren sie beide versorgt und knnten ohne fremde +Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, da das Kind bei der +Buerin bleibe. + +Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldpfelhof Jetzt +kennt es schon alle Arbeit, und die Buerin mag das flinke, immer +frohe Trini so gern, als wre es ihr eigenes Kind. Die Gromutter +sorgt auch dafr, da das Kind nie verga, wer zu ihm redet, wenn es +ertragen soll, was weh tut. Denn sie wei wohl, wie es zu dem guten +Platz bei der Buerin gekommen ist. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Gromutter gelehrt hat, +von Johanna Spyri. + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT *** + +This file should be named 8wgsm10.txt or 8wgsm10.zip +Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 8wgsm11.txt +VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 8wgsm10a.txt + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Was die Grossmutter gelehrt hat + +Author: Johanna Spyri + +Posting Date: October 29, 2011 [EBook #9861] +Release Date: February, 2006 +First Posted: October 25, 2003 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + + + + + + +This Etext is in German. + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfgung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Was die Gromutter gelehrt hat + +Erzhlung + +Johanna Spyri + + + + + + + +1. Kapitel + +Der Kummer der alten Waschkthe + + +Die alte Waschkthe sa in ihrem Stbchen im einsamen Berghttchen und +schaute nachdenklich auf ihre gekrmmten Hnde, die sie vor sich auf +die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen +Waldhhen verglommen war, hatte sie fleiig an ihrem Spinnrad +gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerckt, die Hnde +muten mde sein, die so gekrmmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte +seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch knnte wie +frher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben +lang getan. Nun war sie alt geworden, und die frher so rstige und +unermdliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig +spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon +seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr +Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen +konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein +flinkes und geschicktes Kind. + +Heute erfllte die Gromutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr +schon seit dem frhen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr +Enkelkind, das frhliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte, +war zwlf Jahre alt geworden. Es sollte im Frhling aus der Schule +entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute frh nun war +der ferne Vetter unten aus dem Reutal heraufgekommen und hatte der +alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er +hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort +unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der +wasserreichen Reu erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskrfte. +Dort konnte das Trini die Woche ber ein schnes Stck Geld verdienen, +und daneben konnte es die ntige Arbeit in seinem Haus verrichten, +dafr wollte er es beherbergen. Da seine Frau krnklich war und sie +keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwnscht, denn +sie wuten, da es gro und krftig und sehr geschickt war. + +Die Gromutter halte schweigend zugehrt, aber in ihrem Herzen hatten +die Worte einen groen Kampf entfacht. Der Vetter wnschte auch, da +das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr knne +schon abgekrzt werden, es wisse genug und knne dann gleich etwas +verdienen. Auerdem htte seine Frau es im Winter besonders ntig. +Die Gromutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter +drngte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er msse ihr +ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht +entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie msse +sich das alles erst noch berlegen und dann auch mit dem Kinde reden. +Der Vetter war nicht recht zufrieden, er htte gern gleich alles +festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte. +Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch +keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die +Gromutter blieb standhaft. Im Herbst mge er noch einmal kommen, +dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann +einverstanden sei, so knne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen, +fr den Augenblick knne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie. +Der Vetter sah, da da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die +alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht auer acht zu lassen. Es sei ja +doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie +nachher auch untersttzen knne. Dann ging er. + +Schon den ganzen Tag whrend der Arbeit dachte die Gromutter nach +ber die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschlu fassen. +Jetzt in der Dmmerung berlegte sie in Ruhe, und sie mute ein +paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein +groer Vorteil fr das Kind, da es in seinem Haus wohnen konnte, um +von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie +selbst wute keinen vorteilhafteren Weg fr das Kind, sie wute +eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Gter, die die +Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder +genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder +im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da muten es +ltere Mdchen sein. Es waren krftige, erwachsene Personen, die in +Kche und Garten zu arbeiten wuten. + +Auch die Goldpfelbuerin auf dem groen, obstreichen Hof hatte immer +eine Magd, aber auch eine groe, starke, die ihr in allem helfen +konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Buerin bleiben. +Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht +machen konnte, was wre dann ein Kind wie das Trini fr sie. Da das +Kind aber im Frhjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde, +eine Arbeit suchen mute, das sah die Gromutter wohl ein. Seit sie +nicht mehr wie frher als Wscherin auf die Arbeit gehen konnte, +sondern nur mhsam mit ihren gekrmmten Fingern am Spinnrad arbeitete, +war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit +jedem Tage konnte es schwerer fr sie werden. Und doch, sich von dem +Kind trennen zu mssen, das kam der Gromutter als das Allerschwerste +vor, das sie erleben konnte. + +Wrde die neue Aufgabe fr das junge Kind nicht zu schwer sein? Die +Alte wute wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe +und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer +krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie sa meistens freudlos und +wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so +schlimm mit ihr geworden, da der Mann daran denken mute, eine Hilfe +ins Haus zu holen. Da htte dann das Kind die Geschfte im Haus alle +allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen. +War nun fr all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde +es ihm nicht zu schwer fallen, von der Gromutter weg, die es so lieb +hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Wrde sie es ertragen, nie +ein Wort der Liebe und des Trostes zu hren? Daran war ihr liebes +Trineli nicht gewohnt. + +Der Gromutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht +worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte +und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch rstige Hnde +und gute Krfte, und wenn sie auch von frh bis spt ttig sein mute, +sie tat es gern. Die Waschkthe hatte drei Kinder gehabt, zwei Shne +und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben, +als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da mute die Kthe +viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen +Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann +ringsum rief sie zur Hilfe bei der groen Wsche. Denn man wute, +keine arbeitete so gut wie die Kthe, die wegen dieser Ttigkeit +berall nur die Waschkthe hie. Als ihre Shne gro waren, bekamen +sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika. +Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht +viel mehr als ein Jahr spter starb sie pltzlich noch ganz jung. Das +betrbte ihren Mann so sehr, da er es daheim nicht mehr aushalten +konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Gromutter hinauf und +sagte: "Da, Mutter, nimm du das Kind, ich wei nichts damit anzufangen. +Ich mu fort, es hlt mich nichts mehr hier." Dann ging er zu den +Schwgern nach Amerika. + +Von dem Tag an hatte die Waschkthe eine neue Sorge, aber auch eine +neue, groe Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli +entwickelte sich schnell und lohnte der guten Gromutter ihre Mhe und +Arbeit mit einer ungewhnlichen Liebe und Anhnglichkeit. Sie hatten +viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so +beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit +jedem Jahre wurde es der Gromutter lieber und unentbehrlicher. + +Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Dmmerung vor der alten +Waschkthe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht fr +alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer. +Aber sie kannte einen Trster, der ihr schon in vielen trben Stunden +geholfen und auch manches gefrchtete Leid gemildert hatte. Den +wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken +hin- und herzuwlzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache +dem lieben Gott bergeben. Mute es sein und mute sie dieses Leid +der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schtzende +Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und +sein Wohl ging ihr noch ber das eigene. Als die Gromutter dies +alles berlegt hatte, faltete sie still die Hnde und sagte andchtig +vor sich hin: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebhret, +Wenn er dich so, wie er es will, +Und nicht wie du willst fhret. +Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf, +Tust du den Mund mit Freuden auf, +Zu loben und zu danken." + + + +2. Kapitel + +In den Erdbeeren + + +Whrend die alte Kthe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und +dann in der Dmmerung sa, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu. +Hier wuchs jedes Jahr eine Flle der schnsten, saftigsten Erdbeeren. +Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein groer, dunkelroter +Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne glhte. Der +Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten +Husern bestehende Bergdrfchen hie, wohlbekannt. Sie wuten auch +recht gut, da, wenn man die Beeren ausreifen lie, ein schner Gewinn +damit zu erzielen war. Denn diese ungewhnlich groen, saftigen +Beeren wurden berall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht +aufeinander, da nicht etwa die einen zu frh die Beeren holten, bevor +sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schnen +Junitag unter den Schulkindern der Ruf: "Sie sind reif am Sonnenrain! +Sie sind reif!", dann strzte noch an demselben Abend die ganze Schar +hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und +sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem +Platz sein und die schnsten und reifsten Beeren finden. + +Die mitgebrachten, Krbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form, +aber verschiedene Gren. Sie hatten die Form von Zylinderhten, mit +dem Unterschied, da bei diesen die ffnung unten ist, wo der Kopf +hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren +hineingeworfen werden. Wenn dann die Dmmerung gekommen war und man +die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann +deckte man die Kratten mit groen Blttern zu und befestigte zwei +hlzerne Stbchen kreuzweise darber, damit der Wind die Bltter nicht +entfhre. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Frhlichkeit +zog die ganze Schar heimwrts. Alle sangen aus vollen Kehlen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen, +Erdbeeren mit Stielen, +Jetzt trgt man sie heim die vielen, +Erdbeeren an sten, +Die meinen sind die besten! + + +Am schnellsten und am fleiigsten aber von allen war die Enkelin der +alten Waschkthe, das lustige Trini. Immer wute es, wo die schnsten +Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflckt worden war. Dann +scho es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, da kein anderes Kind +schneller war und die Langsamen in seiner Nhe gar nichts erwischten. +Auf einen kleinen Sto kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm +eine schne Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind +Beeren sammelte. Niemals a es von den Frchten, bis sein Kratten so +voll war, da es eben noch die hlzernen Stbchen ber den Blttern +festmachen konnte, ohne die zarten Frchte zusammen zu drcken. Erst +dann kamen noch einige der sduftenden Beeren in den Mund und +schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher htten sie aber +dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehrten sie alle +der Gromutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging. + +Das Trini strengte sich sehr an, fr seine liebe Gromutter auch etwas +zu tun. Es fhlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie +hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden +muten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle +Worte von ihr gehrt. Und wie oft hatte es gesprt, da sie viel +lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafr hing es auch mit dem +ganzen Herzen an der Gromutter, und mit ungeheurer Freude sah es die +Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es tglich seinen vollen +Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um +dann ein schnes Geldstck zu verdienen. Das war fr die Gromutter +eine groe Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel +brachten aber nur die allergrten Kratten ein, und diese hatten das +Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals +seinen Kratten auch nur zur Hlfte fllen. Das Maneli, das eigentlich +Marianne hie, war mit Trini im gleichen Alter. Beide saen auf +derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war +gro und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es +frchtete sich vor den grten Buben in der Schule nicht, denn es +wute sich zu wehren. + +Das Maneli aber war schmal, bla und sehr schchtern. Es war rmlich +gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen, Das stimmte +wohl auch, denn es hatte noch fnf kleinere Geschwister und seine +Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tagelhner war, brachte +nicht immer so viel heim, da es zu allem langte. Eben jetzt, da die +Dmmerung heranrckte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem +heftigen Sto auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer +Stelle, die mit besonders groen Beeren bedeckt war, und Trini wollte +schnell seinen Kratten damit vollfllen. Es gelang ihm auch, und vor +allen anderen rief es jetzt siegesgewi: "Voll! Fertig! Heim! Heim!" +Nun riefen auch die anderen: "Heim! Heim!" und schon hatte sich das +Trini mit seinem vollen, schn verpackten Kratten hingestellt, um den +Zug anzufhren. Mit heller Stimme begann es zu singen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Als die Schar singend und jauchzend die ersten Huser erreicht hatte, +stoben die Kinder pltzlich alle auseinander, die einen aufwrts, die +anderen abwrts. Das Trini lief mit allen Krften den Berg hinauf, es +hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Huschen der +Gromutter stand hoch oben und war das hchste von ganz Hochtannen. +Jetzt kam das Trini am Hof der Goldpfelbuerin vorbei. Sie schaute +eben ber die Hecke, die den Hof umschlo, und als sie das Kind so +vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: "Komm doch einmal hierher und zeig +mir deine Beeren!" + +Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stck ber die Stelle +hinaus, wo die Buerin stand, aber es kam schnell zurck, denn die +Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu knnen, kam ihm sehr gelegen. + +"Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!" fuhr die Buerin fort, als +das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. "Ich +kaufe sonst keine solche Ware, es wchst Besseres auf meinem Hof. +Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand bel. So +gib's her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus fr die Beeren?" + +"Einen Franken", antwortete das Trini. + +"So, das ist auch genug fr solches Beerenzeug. Aber du mut's haben, +um deiner Gromutter willen, das ist eine brave Frau, die viel +arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen +Firlefanz damit?" + +"Nein, das tue ich nicht", entgegnete das Trini. Es sah die Buerin +mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unhnlich +waren, denn es rgerte sich ber diesen Verdacht. Die Buerin lachte +und sprach: + +"Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm, +wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken fr die +Gromutter, und wenn ich dir noch einen Mnze fr dich gebe, so wird's +dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!" + +Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hrte auch nicht zu +rennen auf, bis es oben beim Huschen angekommen war. Jetzt strmte +es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur +ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das +Fenster hinein, dort wo die Gromutter sa. Das Trini strzte zu ihr +hin und erzhlte so eifrig von seinen Erlebnissen, da immer das +zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange, +bis die Gromutter verstanden hatte, da die Erdbeeren schon verkauft +seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstck dazu dafr bezahlt +worden war. Auch den mute die Gromutter nehmen, das Trini wollte +kein Geld behalten, denn es sollte alles der Gromutter gehren. Da +sie heute noch ein Geldstck ber das Gewhnliche hinaus bekam, machte +dem Trini eine besondere Freude. + +"Ja, Gromutter, und siehst du", fuhr das Trini immer noch halb auer +Atem fort, "ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den +Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht +halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem +guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles +weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte." + +Die Gromutter hatte sich sehr ber die guten Nachrichten und auch +ber den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie +ernsthaft: "Aber Trineli, du stt doch nicht etwa das Maneli weg, +wenn es einen guten Platz gefunden hat, so da du dann die Beeren +bekommst? Das wre nicht recht." + +"Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Gromutter", +versicherte das Trini. "Es mu jedes sehen, da es die meisten und +die schnsten erwischt. Daher geht es dann natrlich immer so rauh zu." + +"Nein, nein, das mut du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr +tun", mahnte die Gromutter. "Siehst du, es kann nicht neben dir +aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine +Mutter htte die Beeren ntig. Sie wei gewi manchmal nicht, wo sie +fr alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr, +Trineli, la das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen. +Aber jetzt setz dich zu mir her", fuhr die Gromutter in einem +anderen Ton fort, "ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernnftig +genug, um es zu verstehen." + +Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen, +da die Gromutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden. + +"Trineli", fing sie jetzt bedchtig an, "wir mssen daran denken, was +du fr Arbeit tun knntest, wenn du nun im Frhling aus der Schule +kommst. Der Vetter aus dem Reutal ist heute morgen hier gewesen. Im +Herbst knntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik +etwas verdienen. Vielleicht wrde es dein Glck sein. Du knntest +von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was +meinst du dazu?" + +"Lieber will ich sterben!" rief das Trini zornig. + +"Mut nicht so unbedacht reden, Trineli", mahnte die Gromutter +freundlich. "Sieh, der Vetter will etwas fr dich tun. Er meint es +gut, wir wollen ihn nicht bse machen, wir wollen noch miteinander +ber die Sache nachdenken." + +"Und wenn der Vetter kme und mich tausendmal tten wollte, so ginge +ich doch nicht!" rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer +wtender wurde. + +"Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es fr dich gut ist, so +wird es so sein mssen, Trineli, und dann wollen wir's annehmen und +denken: 'Der liebe Gott schickt's, es mu gut sein'." + +Die Gromutter wollte damit das Gesprch beenden, aber das Kind fing +pltzlich an, bitterlich zu weinen. Die Trnen strzten ihm wie Bche +aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stie es hervor: +"Gromutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt +wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter +nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zndet +Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du +bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt +kein Mensch. Ich gehe nicht, Gromutter, ich kann nicht gehen! Ich +kann nicht!" + +"Komm, Trineli, komm", sagte beschwichtigend die Alte, die einen +solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, "komm, wir mssen nun unser +Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. ber +Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am +Abend vorher war." + +Aber das Trini mit seiner heftigen Gemtsart war nicht so schnell +wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und +bis tief in die Nacht hinein hrte die Gromutter sein Schluchzen und +Weinen. Das war ein neuer Kummer fr die alte Waschkthe. Sie hatte +nicht geglaubt, da das Kind sich so ber den Vorschlag des Vetters +aufregen wrde. + + + +3. Kapitel + +Dem Trini wird etwas Neues verstndlich + + +Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die +Gromutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie +verga sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu +ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen mute. +Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre +Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im +stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere +kommen mte, so werde er es fr das Kind zum Guten wenden. Als nun +die Gromutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war, +die Sonne schien und die Vgel wie immer lustig pfiffen, da dachte das +Trini, die Gefahr sei vorber. Es glaubte, der liebe Gott habe +wirklich, wie die Gromutter gesagt, ber Nacht etwas gendert, und +die alte Frhlichkeit kehrte in Trinis Herz zurck. Jeden Abend, wenn +die Kinder ber die Wiesen liefen, hrte man allen anderen voraus +Trinis helle Stimme erschallen: + +Erdbeeren rollen, +Die Kratten all, die vollen... + + +Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man mute weiterliegende +Pltze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und +hinten bei der Mhle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort +waren ganze Schtze von Erdbeeren zu finden, das wuten die Kinder +alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da mute +man um das groe Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen +Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem groen +Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag hei brannte, +schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie +Kirschen so gro. + +Aber der Kornbauer, dem das groe Feld gehrte, konnte es nicht leiden, +da die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie +zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen +sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er +sie augenblicklich mit den grten Drohungen davon. Und nicht selten +folgte den Drohungen gleich die Erfllung, denn das Mittel dazu trug +er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es +nur die Allerkhnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen +gehrte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung +stattfinden, denn schon seit dem frhen Morgen schimmerte es oben am +Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab. +Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es +hatte seinen groen Kratten an einer langen Schnur um den Hals +gebunden, damit es nachher immer mit beiden Hnden zugleich rupfen und +die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie +bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten muten. +Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Mdchen kamen keine, +sie frchteten sich alle. Nun ging es vorwrts. Aber heute durfte +unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man +wollte nicht, da der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte. +Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die +Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen. + +Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor +ihnen ausgebreitet! Dunkelrot glhten die groen Beeren zwischen +allen Halmen durch, ber alle Bltter hinaus. Es war ein +berquellender Reichtum, man konnte nur so in die Flle hineinfahren. +Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pflcken, und bevor die +anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon +den halben Kratten gefllt. Mit beiden Hnden fate es immer zu nach +allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schnere und noch +grere hervor. Aber pltzlich ertnte eine wtende Stimme: + +"Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?" Da stand der krftige +Bauer mit den knochigen Hnden vor ihnen und hob seine Faust in die +Hhe. "Macht, da ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr +sehe, oder..." Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und +verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei +Beeren weg. Jetzt nur noch die drei groen--nur noch jene zwei--das +Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr. + +"Jetzt wei ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine +Schrmaus. Mach, da du den Fleck rumst, und komm mir nicht noch +einmal ans Korn!" drohte der Bauer zornig. + +"Ich habe gewi nie das Korn zerstampft, keine hre", versicherte das +Trini, immer noch rupfend, "ich wollte ja nur die Beeren holen." + +"Ich kenne dich wohl", brummte der Bauer. "Pack dich, oder ich nehme +dich bei den Ohren und schttle dich, da du meinst, du httest deren +vier am Kopf!" + +Der Bauer kam heran. Jetzt scho das Trini auf und davon. Von seiner +inneren Entrstung getrieben, da es alle die schnen Beeren hatte +stehenlassen mssen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es +beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, strzte +es auf die Gromutter los und rief: "Nein, nie habe ich das Korn +zerstampft, keine hre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt +fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott liee +dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm +nichts Bses getan." + +"He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?" sagte mahnend die +Gromutter. "Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein +Licht znden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum +Abendessen. Komm, erzhl mir alles, wie es zugegangen ist." + +Da die Gromutter anhren wollte, was es zu berichten und zu klagen +hatte, besnftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und +berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, da es keiner +hre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von +den Wrmern und Schnecken verdorben wrden. Als es zu des Bauern +Drohung von den vier Ohren kam, mute es noch einmal rufen: "Nicht +wahr, Gromutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen +wrden, das htte er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und +nie, nie ein Korn zerstampft!" + +"Trineli", sagte jetzt die Gromutter, "wir wollen dem Bauer seine +zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst +du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und wre +es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte +nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Bses tut oder sagt, +so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann mssen wir +ein wenig weiter denken und fragen: 'Haben wir nicht doch so etwas +verdient?' Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, da wir einmal einem +anderen recht weh getan haben, der es leiden mute und sich nicht +wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie's tut, und es wird uns +leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den +anderen gutmachen, wenn wir es knnen. Das ist dann genau das, was +der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so +bse Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann knnen +wir aber auch nicht mehr so bse gegen den sein, der das getan hat. +Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen +Besen brauche, wenn ich die Stube schn sauber und rein fegen will. +So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und +wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es +uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehrt, Trineli, und willst +du daran denken, was ich dir gesagt habe?" + +Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehrt, und ber den Worten +der Gromutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt +kamen ihm seine schnen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie +schnell herbei, damit die Gromutter noch im Mondschein die +Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll +war wie gewhnlich, so hatte sie doch auerordentliche Freude und +sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen. +Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldpfelbuerin hinunter, +aber die Gromutter sagte, so spt kaufe die Buerin keine Beeren mehr. +Am nchsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen. + + + +4. Kapitel + +Noch eine zornige Rede und was daraus folgt + + +Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schne +Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald ber Hochtannen war noch eine spte, +krftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden. +Denn jetzt reisten viele Fremde ber den Berg, und unten im +Wirtshaus an der groen Strae machten sie meistens Halt. Die +seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte +viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu fllen, und man mute genau +wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer frhlichen Mutes +war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem +warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg +hinauf, dem Tannenwald zu. Es wute, da nun die letzten, wrzigen +Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und +noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der +Weg zu weit und die Suche zu mhsam. + +Nur das Maneli kam mit seinem groen Kratten hinter dem Trini her, +blieb aber weit zurck. Denn wie ein Reh die steilen Hhen +hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit +nicht ein einziges Mdchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel +Arbeit. Die Beeren waren reif und schn und dufteten herrlich, aber +sie muten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen +einige der rot schimmernden Bsche dicht beieinander, und dann konnte +man wieder vergebens danach suchen. Trini sphte in alle Lcher +hinein, kletterte jeden Erdhgel hinauf, zog alle Grasbschel +auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es +schnell gepflckt. Trini hrte auch nicht auf zu klettern und zu +suchen und zu rupfen, bis die Dmmerung hereinbrach und aller +Ttigkeit ein Ende machte. + +Aber dem Trini mute das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen +Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er +gefllt bis obenan. Es hatte nur noch Bltter und Stbchen darauf zu +befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen. +Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu +laufen, dazu war's zu spt, aber bis zu der Goldpfelbuerin konnte es +schon noch kommen. Die wollte gewi diese letzten schnen Beeren noch +haben, und dann konnte es der Gromutter gleich noch den +auergewhnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein +Schritt. + +Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl +sehen, da es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es +mute ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrckt +daherkam. + +Die Goldpfelbuerin hatte eben rger gehabt. Die junge Magd, die +trotzig neben ihr an dem Gemsebeet stand, hatte ihr alle jungen +Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu mhsam vorgekommen, den zarten +Pflnzchen sorgfltig, jedem einzeln mit der Giekanne Wasser zu geben, +wie die Buerin ihr befohlen hatte. Mit dem groen Kbel hatte sie +den ganzen Wassergu ber das Beet geschttet. In der Buerin kochte +der Zorn auf wie heie Milch, die berlaufen will, als sie die +Zerstrung sah. Da kam das Trini hergelaufen. "Guten Abend!" rief es +noch auer Atem, "seht die schnen Beeren. Es sind die letzten, +wollen Sie sie?" + +"Ich brauche nichts", rief die Buerin zornig. "Mach, da du +fortkommst, ich habe keine Zeit fr dich." "Wenn Sie sie nur ansehen +wollten, sie wrden ihnen gefallen", meinte das Trini. "Habe ich dir +nicht gesagt, da ich nichts will? Mach, da du gehst", wiederholte +die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn +die Buerin nur Zeit htte, die Beeren anzusehen, dann wrde ihr schon +die Lust kommen, sie zu behalten. + +Jetzt aber kochte es ber in der Buerin, denn ihr Zorn hatte schon +lange einen Ausweg gesucht. Da sie ihn nicht an der trotzigen Magd +auslie, dafr mochte die Frau ihre Grnde haben. + +"Hast du Harz an den Sohlen?" rief sie grimmig, "oder guckst du nach +den reifen pfeln aus, damit du weit, welchen Baum ihr zuerst wieder +schtteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?" + +Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte +es nie getan. + +"Ich habe nie, nie die Bume geschttelt und nicht einen einzigen +Apfel..." + +"Du wirst nicht besser sein als alle anderen!" unterbrach die Buerin. +"Ich will kein Wort mehr hren, dort geht's hinaus!" + +Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, da es dem Trini +nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die +Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut +war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte +sich auf den Boden hin, es mute sich Luft machen. + +"Nein, das habe ich nicht getan", rief es aufgeregt. "Ich habe nie +die pfelbume geschttelt, nie! Aber die Buerin ist nur ein Besen, +ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Gromutter gesagt, und der +liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar +nichts gemacht, ich habe nichts Bses getan." Hier hielt das Trini auf +einmal inne. Denn pltzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl +der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch +nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und +nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar +nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: "Ja, es ist wahr, +das war doch nicht recht." Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal +eingefallen, da es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite +gestoen und sich schnell ber die Beeren hergemacht hatte, die das +Maneli auch gern eingesammelt htte. Es war aber immer still auf die +Seite gewichen, das Trini war ja viel strker und flinker. So +leistete ihm das Maneli niemals Widerstand. + +Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli +schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer +eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Gromutter zu, sondern +querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen +Huschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen +und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig +Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben +schimmerte ein dnnes Lichtlein. Auf einmal hrte das Trini ein +leises Schluchzen ganz in seiner Nhe. Es schaute sich um. Auf einem +Holzblock vor dem Huschen sa ganz unbeweglich eine kleine Gestalt, +den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu. + +"Was hast du, Maneli?" fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt +erkannt hatte, "warum weinst du so?" + +Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie +gesehen hatte. + +"Ich darf nicht hinein", sagte es schluchzend, "die Mutter ist krank +und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte +sie, fr den Abend bringe ich, will's Gott, etwas heim, wenn ich in +die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich wrde +dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini, +nur die habe ich." Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Hhe und +Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des +Korbes war bedeckt. Das Trini fhlte seinen schweren Kratten am Arm. +Es war ihm, als werde er immer schwerer und drcke es nicht nur am Arm, +sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal ri es Stbchen und Bltter +weg, kehrte seinen Kratten um und schttete den ganzen, reichen Inhalt +in Manelis leeren Korb, so da dieser bis oben hin voll war und noch +brig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die +Bltter am Boden und sagte: "Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht." +Und fort rannte es in hohen Sprngen. + +"Trini! Trini! Danke tausendmal!" rief ihm das Maneli aus allen +Krften nach, dann strzte es in die Htte hinein. Jetzt hielt das +Trini auf einmal an und kam zurck gerannt. Es wollte sehen, was die +Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen +Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben +an dem niedrigen Huschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging. +Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch +und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der +auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Hnde zusammen und sagte +immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute: +"Wie ist es mglich, Kind? Wie ist es nur mglich?" + +"Vom Trini, vom Trini!" wiederholte das Maneli drei-, viermal, "es hat +sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, fr diese Menge gibt +die Wirtin jetzt zwei ganze Franken." + +"Gott vergelt's dem Kind und ersetz es ihm und der Gromutter +hundertfach, was es heute fr uns getan hat. Er wei allein, wie ich +mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot fr +euch nehme. Und nun haben wir ja fr einige Tage genug." + +Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Hnde gefaltet, als danke +sie im stillen noch fr die groe Wohltat. Jetzt scho das Trini +davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch +keine empfunden hatte. Die Gromutter hatte wohl recht gehabt, da +man am Ende den Gewinn davon habe, und da es einem so wohl werde wie +noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen +wolle. Nun machte es noch neue Plne in seinem Herzen: Bald konnte +man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es +wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefllt hatte, noch dem Maneli +den seinigen fllen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte +es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich ber die Worte der +armen, kranken Mutter mehr gefreut, als ber den eigenen vollen +Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine +Erlebnisse erzhlte und zuletzt der Gromutter den ganz leeren Kratten +vorwies, sagte es bittend: "Nicht wahr, du bist nicht bse mit mir, +Gromutter, da ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie +gewi alle dem Maneli und seiner kranken Mutter gnnen?" + +Da lobte die Gromutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue +sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht +htte. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe +schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer +daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen +knnen, wie jedes sein Stck bekomme und es gewi jetzt eben frhlich +verspeiste. + + + +5. Kapitel + +Wie es mit dem Vetter geht + + +Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen +Bumen glnzten die pfel rotgolden und kndeten den Herbst an. Der +Vetter hatte nie wieder etwas von sich hren lassen. In der alten +Kthe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben +gendert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so +leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als knnte +sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller +Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben mte. +Das Trini war frhlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es +hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen. + +Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkthe ein und +sagte, er komme aus dem Reutal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr +eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle +die Kleider und alles fr das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald +er wegen seines Geschfts ber den Berg msse. Mit dem Vormund des +Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule +und den Lohn und das brige betreffe. Der Gromutter wurde es vor +Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie mute sich schnell setzen, +um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn pltzlich +gekommen, was sie freilich immer im stillen befrchtet, aber doch +immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da, +denn da der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind +bergeben wrde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja fr keinen +Verdienst sorgen. Sie wute nicht einmal, wie lange sie sich selbst +noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde +zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht +stellen und fr die Versorgung des Kindes fr alle Zukunft garantieren. +Es mute sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Kthe hatte +schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre +ganze Freude und Sttze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines +ihrer Glieder abreien, ohne das sie nicht mehr fortleben knnte. + +Sie berdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte. +Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal +ausgebrochen war, als sie darber geredet hatte, so hatte sie nicht +den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte +sie, das beste sei, gar nicht ber die Sache zu reden. Ein kurzer +Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen. +Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetrbte Tage. Aber von dem +Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Gromutter, da +es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte: +"Gromutter, was hast du denn? Ich will alle Nchte durch Brombeeren +suchen, wenn du dich sorgst, wir knnen nicht mehr leben, weil du +nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich +kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!" Und das Trini streckte seine +zwei festen Arme der Gromutter als Beweis entgegen, da sie sich +nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn +sie sah ja nur zu gut, wie gro und stark das Kind geworden und da es +wirklich zu einer ganz anderen Arbeit fhig war als zu der, die es +jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der +Dmmerung sa und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche +schwere Not zurckschaute, aus der ihr der liebe Gott so vterlich +geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen: + +"Drum, meine Seele, sei du still +Zu Gott, wie sich's gebhret." + + +So sa sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte, +und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen +zu bereiten. Da hrte sie jemand auf ihr Huschen zukommen. Das war +nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam's--es mute +der Vetter sein. Der Gromutter wollte das Herz stillstehen. Nun +ging die Tr auf, und mit festem Schritt, einen groen Korb am Arm, +trat die Goldpfelbuerin herein und fragte: "Wo sind Sie denn, Kthe? +Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wnsch' ich Ihnen!" Die +Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezndet und +schttelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der +Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glnzten viele herrliche +Goldpfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. "Ich habe +Ihnen ein wenig pfel gebracht, die Bume haben dies Jahr schn +getragen", sagte die Buerin wieder, "was Sie nicht selbst brauchen, +wird das Kind nehmen, wo ist es?" + +Die Kthe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in +die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem +Beerenlesen bald ein Ende haben. "Das wird's", besttigte die Buerin. +"Es ist mir aber gerade recht, da das Kind weg ist, ich mchte noch +etwas mit Ihnen reden." Die Kthe holte ihre Sthle herbei, und als +die beiden nun voreinander am Tisch saen, der groe Apfelkorb +zwischen ihnen, fing die Buerin wieder an: "Ich habe da vor kurzem +etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzhlt haben. +Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das +ganze Kohlrbenbeet verdorben und war dazu noch unverschmt. So sind +sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht +gern hren, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tr, und es heit: +Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten +wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr rgerlich, als das +Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hrte ich aber etwas, das +hat mir gefallen, ich mute zu mir sagen: Die alte Kthe hat das Kind +etwas Gutes gelehrt. Mit einem Mdchen, das so denkt, mute gut +auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht berdacht hatte, +fate ich einen Entschlu. Darber mchte ich jetzt mit Ihnen reden. + +"Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist gro und stark, und +gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Frhling +haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen +recht wre, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter ber htte +ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum nchsten Sommer wrde es eine +ordentliche Magd fr mich. Sie mssen sich aber nicht sorgen, Kthe. +Ich wei schon, da jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen mu, +fr Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm +gleich den ganzen Lohn, den die Mgde hatten, und jede Woche noch ein +Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil, +da es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn +Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir's wieder. +Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum +fangen Sie denn an zu weinen, Kthe? Das Kind soll es gut haben bei +mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich +auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Scklein Mehl und eine Flasche +Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und auerdem gibt +es das Jahr hindurch noch manches andere, da knnen Sie sicher sein." + +"Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug", konnte hier endlich +die alte Kthe hervorbringen, "ich weine ja nur vor Freude, vor lauter +Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit +haben, und welche Wohltat Sie an mir tun." + +Und nun erzhlte die Alte der Buerin, wie sie sich schon den ganzen +Sommer ber gesorgt htte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte. +Das habe sie dem Kind gar nicht sagen drfen, weil sie sich vor +seinem groen Jammer frchtete. Eben als die Gromutter fertig +erzhlt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der +goldenen pfel auf dem Tisch und der Buerin, die daran sa, stand es +pltzlich still und schaute mit grter Verwunderung um sich. + +"Komm, gib mir die Hand, Trini", sagte die Buerin. "Da du meine +Bume nie geschttelt hast, mut du mit der Gromutter ein paar pfel +davon haben." + +ber Trinis Gesicht ging ein freudiges Lcheln. So hatte es die +Buerin doch noch vernommen, da es das nicht getan hatte, das +erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen. +"Was meinst du?" fuhr die Buerin fort, "wie gefiele es dir bei mir +auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?" + +Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Buerin und dann +wieder auf die Gromutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer +Freude: "Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt", rief sie +aus, "du kommst nicht ins Reutal, du sollst nicht von mir fort. +Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldpfelhof +und am Abend wieder heim. Ach, was ist das fr eine Erlsung aus der +groen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!" + +"So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie +nur wollen", sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Buerin +zu wrdigen wute. + +"So ist's recht", schlo die Buerin, "die Sache ist abgemacht. Das +Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fngt +an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit +anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Kthe, und geben ihm +Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen." + +Sobald die Tr sich hinter der Buerin schlo, fing die Gromutter an, +laut zu loben und zu danken, da der liebe Gott alle ihre Sorge in +solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf: +"Juchhe, nun mu ich nie von dir fort, Gromutter! Ich will schon +tchtig arbeiten, dann behlt mich gewi die Buerin ihr Leben lang." + +Jetzt mute es aber die goldenen pfel noch aus der Nhe betrachten. +Auf einmal sagte es: "Gromutter, darf ich nicht dem Maneli noch +geschwind die Hlfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt." + +"Ja, ja", nickte beifllig die Alte, das war ihr gerade recht, da +auch der armen Nachbarin etwas von ihrem groen Glck zugute komme. +"Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hlfte. Es sind +so viele, die sich an den pfeln freuen werden, geh schnell!" + +Trini strzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der +Kinderschar aus, als es die pfel auf den Tisch hinschttete. Sie +rollten da und dorthin und der se Apfelduft durchstrmte die ganze +Stube. + +Am Montag, als das Trini unter den Bumen des Goldpfelhofes schon +eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Kthe ein. +Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind +bei der Arbeit sei und da es dort bleiben werde. Aber so schnell +lie sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte +fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte +ihm, da das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen knne als bei der +Buerin. Aber der Vormund lchelte nur schlau, denn die +Goldpfelbuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wute schon, was sie +zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das +Kind fort sei, sorge niemand fr die alte Frau. Solange es aber bei +der Buerin sei, wren sie beide versorgt und knnten ohne fremde +Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, da das Kind bei der +Buerin bleibe. + +Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldpfelhof Jetzt +kennt es schon alle Arbeit, und die Buerin mag das flinke, immer +frohe Trini so gern, als wre es ihr eigenes Kind. Die Gromutter +sorgt auch dafr, da das Kind nie verga, wer zu ihm redet, wenn es +ertragen soll, was weh tut. Denn sie wei wohl, wie es zu dem guten +Platz bei der Buerin gekommen ist. + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Gromutter gelehrt hat, +von Johanna Spyri. + + + + + + + + + +End of Project Gutenberg's Was die Grossmutter gelehrt hat, by Johanna Spyri + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT *** + +***** This file should be named 9861-8.txt or 9861-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/9/8/6/9861/ + +Produced by Delphine Lettau + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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