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+The Project Gutenberg EBook of Was die Grossmutter gelehrt hat, by Johanna Spyri
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+Title: Was die Grossmutter gelehrt hat
+
+Author: Johanna Spyri
+
+Release Date: February, 2006 [EBook #9861]
+[This file was first posted on October 25, 2003]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: US-ASCII
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT ***
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+E-text prepared by Delphine Lettau
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+This Etext is in German.
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+We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format,
+known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email--
+and one in 8-bit format, which includes higher order characters--
+which requires a binary transfer, or sent as email attachment and
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfuegung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
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+
+Was die Grossmutter gelehrt hat
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+Erzaehlung
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+Johanna Spyri
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+1. Kapitel
+
+Der Kummer der alten Waschkaethe
+
+
+Die alte Waschkaethe sass in ihrem Stuebchen im einsamen Berghuettchen und
+schaute nachdenklich auf ihre gekruemmten Haende, die sie vor sich auf
+die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen
+Waldhoehen verglommen war, hatte sie fleissig an ihrem Spinnrad
+gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerueckt, die Haende
+mussten muede sein, die so gekruemmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte
+seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch koennte wie
+frueher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben
+lang getan. Nun war sie alt geworden, und die frueher so ruestige und
+unermuedliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig
+spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon
+seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr
+Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen
+konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein
+flinkes und geschicktes Kind.
+
+Heute erfuellte die Grossmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr
+schon seit dem fruehen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr
+Enkelkind, das froehliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte,
+war zwoelf Jahre alt geworden. Es sollte im Fruehling aus der Schule
+entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute frueh nun war
+der ferne Vetter unten aus dem Reusstal heraufgekommen und hatte der
+alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er
+hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort
+unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der
+wasserreichen Reuss erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskraefte.
+Dort konnte das Trini die Woche ueber ein schoenes Stueck Geld verdienen,
+und daneben konnte es die noetige Arbeit in seinem Haus verrichten,
+dafuer wollte er es beherbergen. Da seine Frau kraenklich war und sie
+keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwuenscht, denn
+sie wussten, dass es gross und kraeftig und sehr geschickt war.
+
+Die Grossmutter halte schweigend zugehoert, aber in ihrem Herzen hatten
+die Worte einen grossen Kampf entfacht. Der Vetter wuenschte auch, dass
+das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr koenne
+schon abgekuerzt werden, es wisse genug und koenne dann gleich etwas
+verdienen. Ausserdem haette seine Frau es im Winter besonders noetig.
+Die Grossmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter
+draengte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er muesse ihr
+ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht
+entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie muesse
+sich das alles erst noch ueberlegen und dann auch mit dem Kinde reden.
+Der Vetter war nicht recht zufrieden, er haette gern gleich alles
+festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte.
+Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch
+keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die
+Grossmutter blieb standhaft. Im Herbst moege er noch einmal kommen,
+dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann
+einverstanden sei, so koenne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen,
+fuer den Augenblick koenne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie.
+Der Vetter sah, dass da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die
+alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht ausser acht zu lassen. Es sei ja
+doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie
+nachher auch unterstuetzen koenne. Dann ging er.
+
+Schon den ganzen Tag waehrend der Arbeit dachte die Grossmutter nach
+ueber die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluss fassen.
+Jetzt in der Daemmerung ueberlegte sie in Ruhe, und sie musste ein
+paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein
+grosser Vorteil fuer das Kind, dass es in seinem Haus wohnen konnte, um
+von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie
+selbst wusste keinen vorteilhafteren Weg fuer das Kind, sie wusste
+eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Gueter, die die
+Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder
+genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder
+im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mussten es
+aeltere Maedchen sein. Es waren kraeftige, erwachsene Personen, die in
+Kueche und Garten zu arbeiten wussten.
+
+Auch die Goldaepfelbaeuerin auf dem grossen, obstreichen Hof hatte immer
+eine Magd, aber auch eine grosse, starke, die ihr in allem helfen
+konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Baeuerin bleiben.
+Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht
+machen konnte, was waere dann ein Kind wie das Trini fuer sie. Dass das
+Kind aber im Fruehjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde,
+eine Arbeit suchen musste, das sah die Grossmutter wohl ein. Seit sie
+nicht mehr wie frueher als Waescherin auf die Arbeit gehen konnte,
+sondern nur muehsam mit ihren gekruemmten Fingern am Spinnrad arbeitete,
+war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit
+jedem Tage konnte es schwerer fuer sie werden. Und doch, sich von dem
+Kind trennen zu muessen, das kam der Grossmutter als das Allerschwerste
+vor, das sie erleben konnte.
+
+Wuerde die neue Aufgabe fuer das junge Kind nicht zu schwer sein? Die
+Alte wusste wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe
+und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer
+krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie sass meistens freudlos und
+wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so
+schlimm mit ihr geworden, dass der Mann daran denken musste, eine Hilfe
+ins Haus zu holen. Da haette dann das Kind die Geschaefte im Haus alle
+allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen.
+War nun fuer all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde
+es ihm nicht zu schwer fallen, von der Grossmutter weg, die es so lieb
+hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Wuerde sie es ertragen, nie
+ein Wort der Liebe und des Trostes zu hoeren? Daran war ihr liebes
+Trineli nicht gewohnt.
+
+Der Grossmutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht
+worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte
+und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch ruestige Haende
+und gute Kraefte, und wenn sie auch von frueh bis spaet taetig sein musste,
+sie tat es gern. Die Waschkaethe hatte drei Kinder gehabt, zwei Soehne
+und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben,
+als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da musste die Kaethe
+viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen
+Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann
+ringsum rief sie zur Hilfe bei der grossen Waesche. Denn man wusste,
+keine arbeitete so gut wie die Kaethe, die wegen dieser Taetigkeit
+ueberall nur die Waschkaethe hiess. Als ihre Soehne gross waren, bekamen
+sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika.
+Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht
+viel mehr als ein Jahr spaeter starb sie ploetzlich noch ganz jung. Das
+betruebte ihren Mann so sehr, dass er es daheim nicht mehr aushalten
+konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Grossmutter hinauf und
+sagte: "Da, Mutter, nimm du das Kind, ich weiss nichts damit anzufangen.
+Ich muss fort, es haelt mich nichts mehr hier." Dann ging er zu den
+Schwaegern nach Amerika.
+
+Von dem Tag an hatte die Waschkaethe eine neue Sorge, aber auch eine
+neue, grosse Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli
+entwickelte sich schnell und lohnte der guten Grossmutter ihre Muehe und
+Arbeit mit einer ungewoehnlichen Liebe und Anhaenglichkeit. Sie hatten
+viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so
+beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit
+jedem Jahre wurde es der Grossmutter lieber und unentbehrlicher.
+
+Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Daemmerung vor der alten
+Waschkaethe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht fuer
+alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer.
+Aber sie kannte einen Troester, der ihr schon in vielen trueben Stunden
+geholfen und auch manches gefuerchtete Leid gemildert hatte. Den
+wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken
+hin- und herzuwaelzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache
+dem lieben Gott uebergeben. Musste es sein und musste sie dieses Leid
+der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schuetzende
+Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und
+sein Wohl ging ihr noch ueber das eigene. Als die Grossmutter dies
+alles ueberlegt hatte, faltete sie still die Haende und sagte andaechtig
+vor sich hin:
+
+"Drum, meine Seele, sei du still
+Zu Gott, wie sich's gebuehret,
+Wenn er dich so, wie er es will,
+Und nicht wie du willst fuehret.
+Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf,
+Tust du den Mund mit Freuden auf,
+Zu loben und zu danken."
+
+
+
+2. Kapitel
+
+In den Erdbeeren
+
+
+Waehrend die alte Kaethe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und
+dann in der Daemmerung sass, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu.
+Hier wuchs jedes Jahr eine Fuelle der schoensten, saftigsten Erdbeeren.
+Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein grosser, dunkelroter
+Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne gluehte. Der
+Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten
+Haeusern bestehende Bergdoerfchen hiess, wohlbekannt. Sie wussten auch
+recht gut, dass, wenn man die Beeren ausreifen liess, ein schoener Gewinn
+damit zu erzielen war. Denn diese ungewoehnlich grossen, saftigen
+Beeren wurden ueberall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht
+aufeinander, dass nicht etwa die einen zu frueh die Beeren holten, bevor
+sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schoenen
+Junitag unter den Schulkindern der Ruf: "Sie sind reif am Sonnenrain!
+Sie sind reif!", dann stuerzte noch an demselben Abend die ganze Schar
+hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und
+sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem
+Platz sein und die schoensten und reifsten Beeren finden.
+
+Die mitgebrachten, Koerbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form,
+aber verschiedene Groessen. Sie hatten die Form von Zylinderhueten, mit
+dem Unterschied, dass bei diesen die Oeffnung unten ist, wo der Kopf
+hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren
+hineingeworfen werden. Wenn dann die Daemmerung gekommen war und man
+die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann
+deckte man die Kratten mit grossen Blaettern zu und befestigte zwei
+hoelzerne Staebchen kreuzweise darueber, damit der Wind die Blaetter nicht
+entfuehre. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Froehlichkeit
+zog die ganze Schar heimwaerts. Alle sangen aus vollen Kehlen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen,
+Erdbeeren mit Stielen,
+Jetzt traegt man sie heim die vielen,
+Erdbeeren an Aesten,
+Die meinen sind die besten!
+
+
+Am schnellsten und am fleissigsten aber von allen war die Enkelin der
+alten Waschkaethe, das lustige Trini. Immer wusste es, wo die schoensten
+Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflueckt worden war. Dann
+schoss es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, dass kein anderes Kind
+schneller war und die Langsamen in seiner Naehe gar nichts erwischten.
+Auf einen kleinen Stoss kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm
+eine schoene Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind
+Beeren sammelte. Niemals ass es von den Fruechten, bis sein Kratten so
+voll war, dass es eben noch die hoelzernen Staebchen ueber den Blaettern
+festmachen konnte, ohne die zarten Fruechte zusammen zu druecken. Erst
+dann kamen noch einige der suessduftenden Beeren in den Mund und
+schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher haetten sie aber
+dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehoerten sie alle
+der Grossmutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging.
+
+Das Trini strengte sich sehr an, fuer seine liebe Grossmutter auch etwas
+zu tun. Es fuehlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie
+hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden
+mussten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle
+Worte von ihr gehoert. Und wie oft hatte es gespuert, dass sie viel
+lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafuer hing es auch mit dem
+ganzen Herzen an der Grossmutter, und mit ungeheurer Freude sah es die
+Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es taeglich seinen vollen
+Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um
+dann ein schoenes Geldstueck zu verdienen. Das war fuer die Grossmutter
+eine grosse Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel
+brachten aber nur die allergroessten Kratten ein, und diese hatten das
+Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals
+seinen Kratten auch nur zur Haelfte fuellen. Das Maneli, das eigentlich
+Marianne hiess, war mit Trini im gleichen Alter. Beide sassen auf
+derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war
+gross und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es
+fuerchtete sich vor den groessten Buben in der Schule nicht, denn es
+wusste sich zu wehren.
+
+Das Maneli aber war schmal, blass und sehr schuechtern. Es war aermlich
+gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen, Das stimmte
+wohl auch, denn es hatte noch fuenf kleinere Geschwister und seine
+Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tageloehner war, brachte
+nicht immer so viel heim, dass es zu allem langte. Eben jetzt, da die
+Daemmerung heranrueckte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem
+heftigen Stoss auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer
+Stelle, die mit besonders grossen Beeren bedeckt war, und Trini wollte
+schnell seinen Kratten damit vollfuellen. Es gelang ihm auch, und vor
+allen anderen rief es jetzt siegesgewiss: "Voll! Fertig! Heim! Heim!"
+Nun riefen auch die anderen: "Heim! Heim!" und schon hatte sich das
+Trini mit seinem vollen, schoen verpackten Kratten hingestellt, um den
+Zug anzufuehren. Mit heller Stimme begann es zu singen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen...
+
+
+Als die Schar singend und jauchzend die ersten Haeuser erreicht hatte,
+stoben die Kinder ploetzlich alle auseinander, die einen aufwaerts, die
+anderen abwaerts. Das Trini lief mit allen Kraeften den Berg hinauf, es
+hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Haeuschen der
+Grossmutter stand hoch oben und war das hoechste von ganz Hochtannen.
+Jetzt kam das Trini am Hof der Goldaepfelbaeuerin vorbei. Sie schaute
+eben ueber die Hecke, die den Hof umschloss, und als sie das Kind so
+vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: "Komm doch einmal hierher und zeig
+mir deine Beeren!"
+
+Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stueck ueber die Stelle
+hinaus, wo die Baeuerin stand, aber es kam schnell zurueck, denn die
+Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu koennen, kam ihm sehr gelegen.
+
+"Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!" fuhr die Baeuerin fort, als
+das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. "Ich
+kaufe sonst keine solche Ware, es waechst Besseres auf meinem Hof.
+Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand Uebel. So
+gib's her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus fuer die Beeren?"
+
+"Einen Franken", antwortete das Trini.
+
+"So, das ist auch genug fuer solches Beerenzeug. Aber du musst's haben,
+um deiner Grossmutter willen, das ist eine brave Frau, die viel
+arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen
+Firlefanz damit?"
+
+"Nein, das tue ich nicht", entgegnete das Trini. Es sah die Baeuerin
+mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unaehnlich
+waren, denn es aergerte sich ueber diesen Verdacht. Die Baeuerin lachte
+und sprach:
+
+"Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm,
+wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken fuer die
+Grossmutter, und wenn ich dir noch einen Muenze fuer dich gebe, so wird's
+dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!"
+
+Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hoerte auch nicht zu
+rennen auf, bis es oben beim Haeuschen angekommen war. Jetzt stuermte
+es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur
+ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das
+Fenster hinein, dort wo die Grossmutter sass. Das Trini stuerzte zu ihr
+hin und erzaehlte so eifrig von seinen Erlebnissen, dass immer das
+zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange,
+bis die Grossmutter verstanden hatte, dass die Erdbeeren schon verkauft
+seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstueck dazu dafuer bezahlt
+worden war. Auch den musste die Grossmutter nehmen, das Trini wollte
+kein Geld behalten, denn es sollte alles der Grossmutter gehoeren. Dass
+sie heute noch ein Geldstueck ueber das Gewoehnliche hinaus bekam, machte
+dem Trini eine besondere Freude.
+
+"Ja, Grossmutter, und siehst du", fuhr das Trini immer noch halb ausser
+Atem fort, "ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den
+Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht
+halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem
+guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles
+weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte."
+
+Die Grossmutter hatte sich sehr ueber die guten Nachrichten und auch
+ueber den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie
+ernsthaft: "Aber Trineli, du stoesst doch nicht etwa das Maneli weg,
+wenn es einen guten Platz gefunden hat, so dass du dann die Beeren
+bekommst? Das waere nicht recht."
+
+"Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Grossmutter",
+versicherte das Trini. "Es muss jedes sehen, dass es die meisten und
+die schoensten erwischt. Daher geht es dann natuerlich immer so rauh zu."
+
+"Nein, nein, das musst du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr
+tun", mahnte die Grossmutter. "Siehst du, es kann nicht neben dir
+aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine
+Mutter haette die Beeren noetig. Sie weiss gewiss manchmal nicht, wo sie
+fuer alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr,
+Trineli, lass das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen.
+Aber jetzt setz dich zu mir her", fuhr die Grossmutter in einem
+anderen Ton fort, "ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernuenftig
+genug, um es zu verstehen."
+
+Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen,
+dass die Grossmutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden.
+
+"Trineli", fing sie jetzt bedaechtig an, "wir muessen daran denken, was
+du fuer Arbeit tun koenntest, wenn du nun im Fruehling aus der Schule
+kommst. Der Vetter aus dem Reusstal ist heute morgen hier gewesen. Im
+Herbst koenntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik
+etwas verdienen. Vielleicht wuerde es dein Glueck sein. Du koenntest
+von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was
+meinst du dazu?"
+
+"Lieber will ich sterben!" rief das Trini zornig.
+
+"Musst nicht so unbedacht reden, Trineli", mahnte die Grossmutter
+freundlich. "Sieh, der Vetter will etwas fuer dich tun. Er meint es
+gut, wir wollen ihn nicht boese machen, wir wollen noch miteinander
+ueber die Sache nachdenken."
+
+"Und wenn der Vetter kaeme und mich tausendmal toeten wollte, so ginge
+ich doch nicht!" rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer
+wuetender wurde.
+
+"Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es fuer dich gut ist, so
+wird es so sein muessen, Trineli, und dann wollen wir's annehmen und
+denken: 'Der liebe Gott schickt's, es muss gut sein'."
+
+Die Grossmutter wollte damit das Gespraech beenden, aber das Kind fing
+ploetzlich an, bitterlich zu weinen. Die Traenen stuerzten ihm wie Baeche
+aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stiess es hervor:
+"Grossmutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt
+wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter
+nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zuendet
+Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du
+bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt
+kein Mensch. Ich gehe nicht, Grossmutter, ich kann nicht gehen! Ich
+kann nicht!"
+
+"Komm, Trineli, komm", sagte beschwichtigend die Alte, die einen
+solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, "komm, wir muessen nun unser
+Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. Ueber
+Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am
+Abend vorher war."
+
+Aber das Trini mit seiner heftigen Gemuetsart war nicht so schnell
+wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und
+bis tief in die Nacht hinein hoerte die Grossmutter sein Schluchzen und
+Weinen. Das war ein neuer Kummer fuer die alte Waschkaethe. Sie hatte
+nicht geglaubt, dass das Kind sich so ueber den Vorschlag des Vetters
+aufregen wuerde.
+
+
+
+3. Kapitel
+
+Dem Trini wird etwas Neues verstaendlich
+
+
+Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die
+Grossmutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie
+vergass sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu
+ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen musste.
+Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre
+Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im
+stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere
+kommen muesste, so werde er es fuer das Kind zum Guten wenden. Als nun
+die Grossmutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war,
+die Sonne schien und die Voegel wie immer lustig pfiffen, da dachte das
+Trini, die Gefahr sei vorueber. Es glaubte, der liebe Gott habe
+wirklich, wie die Grossmutter gesagt, ueber Nacht etwas geaendert, und
+die alte Froehlichkeit kehrte in Trinis Herz zurueck. Jeden Abend, wenn
+die Kinder ueber die Wiesen liefen, hoerte man allen anderen voraus
+Trinis helle Stimme erschallen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen...
+
+
+Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man musste weiterliegende
+Plaetze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und
+hinten bei der Muehle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort
+waren ganze Schaetze von Erdbeeren zu finden, das wussten die Kinder
+alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da musste
+man um das grosse Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen
+Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem grossen
+Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag heiss brannte,
+schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie
+Kirschen so gross.
+
+Aber der Kornbauer, dem das grosse Feld gehoerte, konnte es nicht leiden,
+dass die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie
+zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen
+sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er
+sie augenblicklich mit den groessten Drohungen davon. Und nicht selten
+folgte den Drohungen gleich die Erfuellung, denn das Mittel dazu trug
+er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es
+nur die Allerkuehnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen
+gehoerte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung
+stattfinden, denn schon seit dem fruehen Morgen schimmerte es oben am
+Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab.
+Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es
+hatte seinen grossen Kratten an einer langen Schnur um den Hals
+gebunden, damit es nachher immer mit beiden Haenden zugleich rupfen und
+die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie
+bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten mussten.
+Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Maedchen kamen keine,
+sie fuerchteten sich alle. Nun ging es vorwaerts. Aber heute durfte
+unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man
+wollte nicht, dass der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte.
+Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die
+Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen.
+
+Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor
+ihnen ausgebreitet! Dunkelrot gluehten die grossen Beeren zwischen
+allen Halmen durch, ueber alle Blaetter hinaus. Es war ein
+ueberquellender Reichtum, man konnte nur so in die Fuelle hineinfahren.
+Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pfluecken, und bevor die
+anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon
+den halben Kratten gefuellt. Mit beiden Haenden fasste es immer zu nach
+allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schoenere und noch
+groessere hervor. Aber ploetzlich ertoente eine wuetende Stimme:
+
+"Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?" Da stand der kraeftige
+Bauer mit den knochigen Haenden vor ihnen und hob seine Faust in die
+Hoehe. "Macht, dass ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr
+sehe, oder..." Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und
+verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei
+Beeren weg. Jetzt nur noch die drei grossen--nur noch jene zwei--das
+Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr.
+
+"Jetzt weiss ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine
+Schaermaus. Mach, dass du den Fleck raeumst, und komm mir nicht noch
+einmal ans Korn!" drohte der Bauer zornig.
+
+"Ich habe gewiss nie das Korn zerstampft, keine Aehre", versicherte das
+Trini, immer noch rupfend, "ich wollte ja nur die Beeren holen."
+
+"Ich kenne dich wohl", brummte der Bauer. "Pack dich, oder ich nehme
+dich bei den Ohren und schuettle dich, dass du meinst, du haettest deren
+vier am Kopf!"
+
+Der Bauer kam heran. Jetzt schoss das Trini auf und davon. Von seiner
+inneren Entruestung getrieben, dass es alle die schoenen Beeren hatte
+stehenlassen muessen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es
+beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, stuerzte
+es auf die Grossmutter los und rief: "Nein, nie habe ich das Korn
+zerstampft, keine Aehre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt
+fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott liesse
+dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm
+nichts Boeses getan."
+
+"He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?" sagte mahnend die
+Grossmutter. "Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein
+Licht zuenden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum
+Abendessen. Komm, erzaehl mir alles, wie es zugegangen ist."
+
+Dass die Grossmutter anhoeren wollte, was es zu berichten und zu klagen
+hatte, besaenftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und
+berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, dass es keiner
+Aehre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von
+den Wuermern und Schnecken verdorben wuerden. Als es zu des Bauern
+Drohung von den vier Ohren kam, musste es noch einmal rufen: "Nicht
+wahr, Grossmutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen
+wuerden, das haette er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und
+nie, nie ein Korn zerstampft!"
+
+"Trineli", sagte jetzt die Grossmutter, "wir wollen dem Bauer seine
+zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst
+du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und waere
+es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte
+nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Boeses tut oder sagt,
+so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann muessen wir
+ein wenig weiter denken und fragen: 'Haben wir nicht doch so etwas
+verdient?' Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, dass wir einmal einem
+anderen recht weh getan haben, der es leiden musste und sich nicht
+wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie's tut, und es wird uns
+leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den
+anderen gutmachen, wenn wir es koennen. Das ist dann genau das, was
+der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so
+boese Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann koennen
+wir aber auch nicht mehr so boese gegen den sein, der das getan hat.
+Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen
+Besen brauche, wenn ich die Stube schoen sauber und rein fegen will.
+So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und
+wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es
+uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehoert, Trineli, und willst
+du daran denken, was ich dir gesagt habe?"
+
+Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehoert, und ueber den Worten
+der Grossmutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt
+kamen ihm seine schoenen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie
+schnell herbei, damit die Grossmutter noch im Mondschein die
+Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll
+war wie gewoehnlich, so hatte sie doch ausserordentliche Freude und
+sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen.
+Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldaepfelbaeuerin hinunter,
+aber die Grossmutter sagte, so spaet kaufe die Baeuerin keine Beeren mehr.
+Am naechsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen.
+
+
+
+4. Kapitel
+
+Noch eine zornige Rede und was daraus folgt
+
+
+Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schoene
+Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald ueber Hochtannen war noch eine spaete,
+kraeftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden.
+Denn jetzt reisten viele Fremde ueber den Berg, und unten im
+Wirtshaus an der grossen Strasse machten sie meistens Halt. Die
+seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte
+viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu fuellen, und man musste genau
+wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer froehlichen Mutes
+war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem
+warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg
+hinauf, dem Tannenwald zu. Es wusste, dass nun die letzten, wuerzigen
+Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und
+noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der
+Weg zu weit und die Suche zu muehsam.
+
+Nur das Maneli kam mit seinem grossen Kratten hinter dem Trini her,
+blieb aber weit zurueck. Denn wie ein Reh die steilen Hoehen
+hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit
+nicht ein einziges Maedchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel
+Arbeit. Die Beeren waren reif und schoen und dufteten herrlich, aber
+sie mussten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen
+einige der rot schimmernden Buesche dicht beieinander, und dann konnte
+man wieder vergebens danach suchen. Trini spaehte in alle Loecher
+hinein, kletterte jeden Erdhuegel hinauf, zog alle Grasbueschel
+auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es
+schnell gepflueckt. Trini hoerte auch nicht auf zu klettern und zu
+suchen und zu rupfen, bis die Daemmerung hereinbrach und aller
+Taetigkeit ein Ende machte.
+
+Aber dem Trini musste das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen
+Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er
+gefuellt bis obenan. Es hatte nur noch Blaetter und Staebchen darauf zu
+befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen.
+Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu
+laufen, dazu war's zu spaet, aber bis zu der Goldaepfelbaeuerin konnte es
+schon noch kommen. Die wollte gewiss diese letzten schoenen Beeren noch
+haben, und dann konnte es der Grossmutter gleich noch den
+aussergewoehnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein
+Schritt.
+
+Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl
+sehen, dass es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es
+musste ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrueckt
+daherkam.
+
+Die Goldaepfelbaeuerin hatte eben Aerger gehabt. Die junge Magd, die
+trotzig neben ihr an dem Gemuesebeet stand, hatte ihr alle jungen
+Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu muehsam vorgekommen, den zarten
+Pflaenzchen sorgfaeltig, jedem einzeln mit der Giesskanne Wasser zu geben,
+wie die Baeuerin ihr befohlen hatte. Mit dem grossen Kuebel hatte sie
+den ganzen Wasserguss ueber das Beet geschuettet. In der Baeuerin kochte
+der Zorn auf wie heisse Milch, die ueberlaufen will, als sie die
+Zerstoerung sah. Da kam das Trini hergelaufen. "Guten Abend!" rief es
+noch ausser Atem, "seht die schoenen Beeren. Es sind die letzten,
+wollen Sie sie?"
+
+"Ich brauche nichts", rief die Baeuerin zornig. "Mach, dass du
+fortkommst, ich habe keine Zeit fuer dich." "Wenn Sie sie nur ansehen
+wollten, sie wuerden ihnen gefallen", meinte das Trini. "Habe ich dir
+nicht gesagt, dass ich nichts will? Mach, dass du gehst", wiederholte
+die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn
+die Baeuerin nur Zeit haette, die Beeren anzusehen, dann wuerde ihr schon
+die Lust kommen, sie zu behalten.
+
+Jetzt aber kochte es ueber in der Baeuerin, denn ihr Zorn hatte schon
+lange einen Ausweg gesucht. Dass sie ihn nicht an der trotzigen Magd
+ausliess, dafuer mochte die Frau ihre Gruende haben.
+
+"Hast du Harz an den Sohlen?" rief sie grimmig, "oder guckst du nach
+den reifen Aepfeln aus, damit du weisst, welchen Baum ihr zuerst wieder
+schuetteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?"
+
+Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte
+es nie getan.
+
+"Ich habe nie, nie die Baeume geschuettelt und nicht einen einzigen
+Apfel..."
+
+"Du wirst nicht besser sein als alle anderen!" unterbrach die Baeuerin.
+"Ich will kein Wort mehr hoeren, dort geht's hinaus!"
+
+Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, dass es dem Trini
+nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die
+Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut
+war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte
+sich auf den Boden hin, es musste sich Luft machen.
+
+"Nein, das habe ich nicht getan", rief es aufgeregt. "Ich habe nie
+die Aepfelbaeume geschuettelt, nie! Aber die Baeuerin ist nur ein Besen,
+ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Grossmutter gesagt, und der
+liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar
+nichts gemacht, ich habe nichts Boeses getan." Hier hielt das Trini auf
+einmal inne. Denn ploetzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl
+der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch
+nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und
+nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar
+nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: "Ja, es ist wahr,
+das war doch nicht recht." Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal
+eingefallen, dass es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite
+gestossen und sich schnell ueber die Beeren hergemacht hatte, die das
+Maneli auch gern eingesammelt haette. Es war aber immer still auf die
+Seite gewichen, das Trini war ja viel staerker und flinker. So
+leistete ihm das Maneli niemals Widerstand.
+
+Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli
+schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer
+eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Grossmutter zu, sondern
+querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen
+Haeuschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen
+und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig
+Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben
+schimmerte ein duennes Lichtlein. Auf einmal hoerte das Trini ein
+leises Schluchzen ganz in seiner Naehe. Es schaute sich um. Auf einem
+Holzblock vor dem Haeuschen sass ganz unbeweglich eine kleine Gestalt,
+den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu.
+
+"Was hast du, Maneli?" fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt
+erkannt hatte, "warum weinst du so?"
+
+Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie
+gesehen hatte.
+
+"Ich darf nicht hinein", sagte es schluchzend, "die Mutter ist krank
+und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte
+sie, fuer den Abend bringe ich, will's Gott, etwas heim, wenn ich in
+die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich wuerde
+dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini,
+nur die habe ich." Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Hoehe und
+Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des
+Korbes war bedeckt. Das Trini fuehlte seinen schweren Kratten am Arm.
+Es war ihm, als werde er immer schwerer und druecke es nicht nur am Arm,
+sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal riss es Staebchen und Blaetter
+weg, kehrte seinen Kratten um und schuettete den ganzen, reichen Inhalt
+in Manelis leeren Korb, so dass dieser bis oben hin voll war und noch
+uebrig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die
+Blaetter am Boden und sagte: "Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht."
+Und fort rannte es in hohen Spruengen.
+
+"Trini! Trini! Danke tausendmal!" rief ihm das Maneli aus allen
+Kraeften nach, dann stuerzte es in die Huette hinein. Jetzt hielt das
+Trini auf einmal an und kam zurueck gerannt. Es wollte sehen, was die
+Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen
+Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben
+an dem niedrigen Haeuschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging.
+Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch
+und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der
+auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Haende zusammen und sagte
+immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute:
+"Wie ist es moeglich, Kind? Wie ist es nur moeglich?"
+
+"Vom Trini, vom Trini!" wiederholte das Maneli drei-, viermal, "es hat
+sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, fuer diese Menge gibt
+die Wirtin jetzt zwei ganze Franken."
+
+"Gott vergelt's dem Kind und ersetz es ihm und der Grossmutter
+hundertfach, was es heute fuer uns getan hat. Er weiss allein, wie ich
+mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot fuer
+euch nehme. Und nun haben wir ja fuer einige Tage genug."
+
+Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Haende gefaltet, als danke
+sie im stillen noch fuer die grosse Wohltat. Jetzt schoss das Trini
+davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch
+keine empfunden hatte. Die Grossmutter hatte wohl recht gehabt, dass
+man am Ende den Gewinn davon habe, und dass es einem so wohl werde wie
+noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen
+wolle. Nun machte es noch neue Plaene in seinem Herzen: Bald konnte
+man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es
+wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefuellt hatte, noch dem Maneli
+den seinigen fuellen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte
+es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich ueber die Worte der
+armen, kranken Mutter mehr gefreut, als ueber den eigenen vollen
+Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine
+Erlebnisse erzaehlte und zuletzt der Grossmutter den ganz leeren Kratten
+vorwies, sagte es bittend: "Nicht wahr, du bist nicht boese mit mir,
+Grossmutter, dass ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie
+gewiss alle dem Maneli und seiner kranken Mutter goennen?"
+
+Da lobte die Grossmutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue
+sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht
+haette. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe
+schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer
+daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen
+koennen, wie jedes sein Stueck bekomme und es gewiss jetzt eben froehlich
+verspeiste.
+
+
+
+5. Kapitel
+
+Wie es mit dem Vetter geht
+
+
+Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen
+Baeumen glaenzten die Aepfel rotgolden und kuendeten den Herbst an. Der
+Vetter hatte nie wieder etwas von sich hoeren lassen. In der alten
+Kaethe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben
+geaendert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so
+leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als koennte
+sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller
+Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben muesste.
+Das Trini war froehlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es
+hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen.
+
+Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkaethe ein und
+sagte, er komme aus dem Reusstal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr
+eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle
+die Kleider und alles fuer das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald
+er wegen seines Geschaefts ueber den Berg muesse. Mit dem Vormund des
+Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule
+und den Lohn und das uebrige betreffe. Der Grossmutter wurde es vor
+Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie musste sich schnell setzen,
+um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn ploetzlich
+gekommen, was sie freilich immer im stillen befuerchtet, aber doch
+immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da,
+denn dass der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind
+uebergeben wuerde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja fuer keinen
+Verdienst sorgen. Sie wusste nicht einmal, wie lange sie sich selbst
+noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde
+zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht
+stellen und fuer die Versorgung des Kindes fuer alle Zukunft garantieren.
+Es musste sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Kaethe hatte
+schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre
+ganze Freude und Stuetze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines
+ihrer Glieder abreissen, ohne das sie nicht mehr fortleben koennte.
+
+Sie ueberdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte.
+Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal
+ausgebrochen war, als sie darueber geredet hatte, so hatte sie nicht
+den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte
+sie, das beste sei, gar nicht ueber die Sache zu reden. Ein kurzer
+Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen.
+Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetruebte Tage. Aber von dem
+Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Grossmutter, dass
+es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte:
+"Grossmutter, was hast du denn? Ich will alle Naechte durch Brombeeren
+suchen, wenn du dich sorgst, wir koennen nicht mehr leben, weil du
+nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich
+kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!" Und das Trini streckte seine
+zwei festen Arme der Grossmutter als Beweis entgegen, dass sie sich
+nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn
+sie sah ja nur zu gut, wie gross und stark das Kind geworden und dass es
+wirklich zu einer ganz anderen Arbeit faehig war als zu der, die es
+jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der
+Daemmerung sass und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche
+schwere Not zurueckschaute, aus der ihr der liebe Gott so vaeterlich
+geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen:
+
+"Drum, meine Seele, sei du still
+Zu Gott, wie sich's gebuehret."
+
+
+So sass sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte,
+und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen
+zu bereiten. Da hoerte sie jemand auf ihr Haeuschen zukommen. Das war
+nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam's--es musste
+der Vetter sein. Der Grossmutter wollte das Herz stillstehen. Nun
+ging die Tuer auf, und mit festem Schritt, einen grossen Korb am Arm,
+trat die Goldaepfelbaeuerin herein und fragte: "Wo sind Sie denn, Kaethe?
+Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wuensch' ich Ihnen!" Die
+Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezuendet und
+schuettelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der
+Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glaenzten viele herrliche
+Goldaepfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. "Ich habe
+Ihnen ein wenig Aepfel gebracht, die Baeume haben dies Jahr schoen
+getragen", sagte die Baeuerin wieder, "was Sie nicht selbst brauchen,
+wird das Kind nehmen, wo ist es?"
+
+Die Kaethe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in
+die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem
+Beerenlesen bald ein Ende haben. "Das wird's", bestaetigte die Baeuerin.
+"Es ist mir aber gerade recht, dass das Kind weg ist, ich moechte noch
+etwas mit Ihnen reden." Die Kaethe holte ihre Stuehle herbei, und als
+die beiden nun voreinander am Tisch sassen, der grosse Apfelkorb
+zwischen ihnen, fing die Baeuerin wieder an: "Ich habe da vor kurzem
+etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzaehlt haben.
+Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das
+ganze Kohlruebenbeet verdorben und war dazu noch unverschaemt. So sind
+sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht
+gern hoeren, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tuer, und es heisst:
+Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten
+wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr aergerlich, als das
+Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hoerte ich aber etwas, das
+hat mir gefallen, ich musste zu mir sagen: Die alte Kaethe hat das Kind
+etwas Gutes gelehrt. Mit einem Maedchen, das so denkt, musste gut
+auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht ueberdacht hatte,
+fasste ich einen Entschluss. Darueber moechte ich jetzt mit Ihnen reden.
+
+"Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist gross und stark, und
+gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Fruehling
+haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen
+recht waere, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter ueber haette
+ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum naechsten Sommer wuerde es eine
+ordentliche Magd fuer mich. Sie muessen sich aber nicht sorgen, Kaethe.
+Ich weiss schon, dass jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen muss,
+fuer Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm
+gleich den ganzen Lohn, den die Maegde hatten, und jede Woche noch ein
+Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil,
+dass es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn
+Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir's wieder.
+Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum
+fangen Sie denn an zu weinen, Kaethe? Das Kind soll es gut haben bei
+mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich
+auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Saecklein Mehl und eine Flasche
+Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und ausserdem gibt
+es das Jahr hindurch noch manches andere, da koennen Sie sicher sein."
+
+"Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug", konnte hier endlich
+die alte Kaethe hervorbringen, "ich weine ja nur vor Freude, vor lauter
+Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit
+haben, und welche Wohltat Sie an mir tun."
+
+Und nun erzaehlte die Alte der Baeuerin, wie sie sich schon den ganzen
+Sommer ueber gesorgt haette und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte.
+Das habe sie dem Kind gar nicht sagen duerfen, weil sie sich vor
+seinem grossen Jammer fuerchtete. Eben als die Grossmutter fertig
+erzaehlt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der
+goldenen Aepfel auf dem Tisch und der Baeuerin, die daran sass, stand es
+ploetzlich still und schaute mit groesster Verwunderung um sich.
+
+"Komm, gib mir die Hand, Trini", sagte die Baeuerin. "Da du meine
+Baeume nie geschuettelt hast, musst du mit der Grossmutter ein paar Aepfel
+davon haben."
+
+Ueber Trinis Gesicht ging ein freudiges Laecheln. So hatte es die
+Baeuerin doch noch vernommen, dass es das nicht getan hatte, das
+erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen.
+"Was meinst du?" fuhr die Baeuerin fort, "wie gefiele es dir bei mir
+auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?"
+
+Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Baeuerin und dann
+wieder auf die Grossmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer
+Freude: "Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt", rief sie
+aus, "du kommst nicht ins Reusstal, du sollst nicht von mir fort.
+Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldaepfelhof
+und am Abend wieder heim. Ach, was ist das fuer eine Erloesung aus der
+grossen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!"
+
+"So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie
+nur wollen", sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Baeuerin
+zu wuerdigen wusste.
+
+"So ist's recht", schloss die Baeuerin, "die Sache ist abgemacht. Das
+Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen faengt
+an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit
+anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Kaethe, und geben ihm
+Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen."
+
+Sobald die Tuer sich hinter der Baeuerin schloss, fing die Grossmutter an,
+laut zu loben und zu danken, dass der liebe Gott alle ihre Sorge in
+solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf:
+"Juchhe, nun muss ich nie von dir fort, Grossmutter! Ich will schon
+tuechtig arbeiten, dann behaelt mich gewiss die Baeuerin ihr Leben lang."
+
+Jetzt musste es aber die goldenen Aepfel noch aus der Naehe betrachten.
+Auf einmal sagte es: "Grossmutter, darf ich nicht dem Maneli noch
+geschwind die Haelfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt."
+
+"Ja, ja", nickte beifaellig die Alte, das war ihr gerade recht, dass
+auch der armen Nachbarin etwas von ihrem grossen Glueck zugute komme.
+"Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Haelfte. Es sind
+so viele, die sich an den Aepfeln freuen werden, geh schnell!"
+
+Trini stuerzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der
+Kinderschar aus, als es die Aepfel auf den Tisch hinschuettete. Sie
+rollten da und dorthin und der suesse Apfelduft durchstroemte die ganze
+Stube.
+
+Am Montag, als das Trini unter den Baeumen des Goldaepfelhofes schon
+eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Kaethe ein.
+Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind
+bei der Arbeit sei und dass es dort bleiben werde. Aber so schnell
+liess sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte
+fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte
+ihm, dass das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen koenne als bei der
+Baeuerin. Aber der Vormund laechelte nur schlau, denn die
+Goldaepfelbaeuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wusste schon, was sie
+zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das
+Kind fort sei, sorge niemand fuer die alte Frau. Solange es aber bei
+der Baeuerin sei, waeren sie beide versorgt und koennten ohne fremde
+Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, dass das Kind bei der
+Baeuerin bleibe.
+
+Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldaepfelhof Jetzt
+kennt es schon alle Arbeit, und die Baeuerin mag das flinke, immer
+frohe Trini so gern, als waere es ihr eigenes Kind. Die Grossmutter
+sorgt auch dafuer, dass das Kind nie vergass, wer zu ihm redet, wenn es
+ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiss wohl, wie es zu dem guten
+Platz bei der Baeuerin gekommen ist.
+
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+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Grossmutter gelehrt hat,
+von Johanna Spyri.
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT ***
+
+This file should be named 7wgsm10.txt or 7wgsm10.zip
+Corrected EDITIONS of our eBooks get a new NUMBER, 7wgsm11.txt
+VERSIONS based on separate sources get new LETTER, 7wgsm10a.txt
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+http://gutenberg.net or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext05 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext05
+
+Or /etext04, 03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92,
+91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+ PROJECT GUTENBERG LITERARY ARCHIVE FOUNDATION
+ 809 North 1500 West
+ Salt Lake City, UT 84116
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+http://www.gutenberg.net/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
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+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
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