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+Project Gutenberg's Was die Grossmutter gelehrt hat, by Johanna Spyri
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Was die Grossmutter gelehrt hat
+
+Author: Johanna Spyri
+
+Posting Date: October 29, 2011 [EBook #9861]
+Release Date: February, 2006
+First Posted: October 25, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT ***
+
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+
+Produced by Delphine Lettau
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+This Etext is in German.
+
+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
+
+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
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+Was die Großmutter gelehrt hat
+
+Erzählung
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+Johanna Spyri
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+1. Kapitel
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+Der Kummer der alten Waschkäthe
+
+
+Die alte Waschkäthe saß in ihrem Stübchen im einsamen Berghüttchen und
+schaute nachdenklich auf ihre gekrümmten Hände, die sie vor sich auf
+die Knie gelegt hatte. Bis der letzte Abendschein hinter den fernen
+Waldhöhen verglommen war, hatte sie fleißig an ihrem Spinnrad
+gearbeitet. Jetzt hatte sie es ein wenig beiseite gerückt, die Hände
+mußten müde sein, die so gekrümmt und abgearbeitet aussahen. Die Alte
+seufzte auf und sagte vor sich hin: "Ja, wenn ich noch könnte wie
+früher!" Sie meinte wohl arbeiten, denn das hatte sie tapfer ihr Leben
+lang getan. Nun war sie alt geworden, und die früher so rüstige und
+unermüdliche Waschfrau konnte gar nichts mehr tun, als ein wenig
+spinnen, und das trug sehr wenig ein. Dennoch hatte sie sich schon
+seit ein paar Jahren auf diese Weise durchgebracht und noch dazu ihr
+Enkelkind erhalten, das bei ihr lebte und noch nicht viel verdienen
+konnte. Es hatte zwar auch seine kleinen Einnahmen, denn es war ein
+flinkes und geschicktes Kind.
+
+Heute erfüllte die Großmutter aber noch ein besonderer Kummer, der ihr
+schon seit dem frühen Morgen das Herz schwer gemacht hatte. Ihr
+Enkelkind, das fröhliche Trini, das sie von klein auf erzogen hatte,
+war zwölf Jahre alt geworden. Es sollte im Frühling aus der Schule
+entlassen werden und dann in einen Dienst gehen. Heute früh nun war
+der ferne Vetter unten aus dem Reußtal heraufgekommen und hatte der
+alten Kusine den Vorschlag gemacht, das Kind ihm anzuvertrauen. Er
+hatte zwar selbst nicht viel und konnte nichts geben, aber es war dort
+unten ein guter Verdienst zu finden. Denn die neue Fabrik, die an der
+wasserreichen Reuß erbaut worden war, brauchte viele Arbeitskräfte.
+Dort konnte das Trini die Woche über ein schönes Stück Geld verdienen,
+und daneben konnte es die nötige Arbeit in seinem Haus verrichten,
+dafür wollte er es beherbergen. Da seine Frau kränklich war und sie
+keine Magd anstellen konnten, so war ihnen das Kind erwünscht, denn
+sie wußten, daß es groß und kräftig und sehr geschickt war.
+
+Die Großmutter halte schweigend zugehört, aber in ihrem Herzen hatten
+die Worte einen großen Kampf entfacht. Der Vetter wünschte auch, daß
+das Kind schon im Herbst herunterkomme, das halbe Schuljahr könne
+schon abgekürzt werden, es wisse genug und könne dann gleich etwas
+verdienen. Außerdem hätte seine Frau es im Winter besonders nötig.
+Die Großmutter hatte noch immer nichts gesagt. Jetzt, als der Vetter
+drängte und gleich das Jawort haben wollte, sagte sie, er müsse ihr
+ein wenig Zeit lassen. Vor dem Herbst wollte sie sich noch nicht
+entscheiden. Sie sehe den Vorteil des Kindes wohl ein, aber sie müsse
+sich das alles erst noch überlegen und dann auch mit dem Kinde reden.
+Der Vetter war nicht recht zufrieden, er hätte gern gleich alles
+festgemacht und den Tag bestimmt, wann das Trini herunterkommen sollte.
+Er meinte, mit dem Kind sei doch nichts zu reden, das besitze noch
+keine Vernunft und kenne seinen eigenen Vorteil nicht. Aber die
+Großmutter blieb standhaft. Im Herbst möge er noch einmal kommen,
+dann solle er bestimmt eine Antwort haben. Wenn sie dann
+einverstanden sei, so könne er dann das Kind gleich selbst mitnehmen,
+für den Augenblick könne sie nichts weiter sagen. Dabei blieb sie.
+Der Vetter sah, daß da nichts zu machen war. Er ermahnte nochmals die
+alte Kusine, des Kindes Vorteil nicht außer acht zu lassen. Es sei ja
+doch auch ihr eigener Vorteil, wenn das Kind etwas einnehme und sie
+nachher auch unterstützen könne. Dann ging er.
+
+Schon den ganzen Tag während der Arbeit dachte die Großmutter nach
+über die Worte des Vetters, aber sie konnte keinen Entschluß fassen.
+Jetzt in der Dämmerung überlegte sie in Ruhe, und sie mußte ein
+paarmal tief aufseufzen dabei. Der Vetter hatte recht, es war ein
+großer Vorteil für das Kind, daß es in seinem Haus wohnen konnte, um
+von da aus in der Fabrik einen sicheren Verdienst zu finden. Sie
+selbst wußte keinen vorteilhafteren Weg für das Kind, sie wußte
+eigentlich gar keinen. Rings herum waren nur kleine Güter, die die
+Leute alle selbst bebauten und die an der Hilfe ihrer eigenen Kinder
+genug hatten. Wer eine Magd anstellte, wie es unten im Pfarrhaus oder
+im Amtshaus oder in dem neuen Wirtshaus die Frauen taten, da mußten es
+ältere Mädchen sein. Es waren kräftige, erwachsene Personen, die in
+Küche und Garten zu arbeiten wußten.
+
+Auch die Goldäpfelbäuerin auf dem großen, obstreichen Hof hatte immer
+eine Magd, aber auch eine große, starke, die ihr in allem helfen
+konnte. Trotzdem konnte auch die nie lange bei der Bäuerin bleiben.
+Wenn ihr also nicht einmal eine erwachsene Person die Arbeit recht
+machen konnte, was wäre dann ein Kind wie das Trini für sie. Daß das
+Kind aber im Frühjahr, wenn es nun aus der Schule entlassen wurde,
+eine Arbeit suchen mußte, das sah die Großmutter wohl ein. Seit sie
+nicht mehr wie früher als Wäscherin auf die Arbeit gehen konnte,
+sondern nur mühsam mit ihren gekrümmten Fingern am Spinnrad arbeitete,
+war sie kaum in der Lage, sich und das Kind zu erhalten. Und mit
+jedem Tage konnte es schwerer für sie werden. Und doch, sich von dem
+Kind trennen zu müssen, das kam der Großmutter als das Allerschwerste
+vor, das sie erleben konnte.
+
+Würde die neue Aufgabe für das junge Kind nicht zu schwer sein? Die
+Alte wußte wohl, wie es bei dem Vetter war. Er selbst hatte eine rohe
+und unfreundliche Art und war meistens unwirsch. Seine Frau war immer
+krank und daher auch nicht gut gelaunt. Sie saß meistens freudlos und
+wie abgestumpft in ihrer Ofenecke und sagte kein Wort. Nun war es so
+schlimm mit ihr geworden, daß der Mann daran denken mußte, eine Hilfe
+ins Haus zu holen. Da hätte dann das Kind die Geschäfte im Haus alle
+allein zu besorgen und konnte dann erst zur Arbeit in die Fabrik gehen.
+War nun für all die Arbeit das Kind nicht noch zu jung? Und wurde
+es ihm nicht zu schwer fallen, von der Großmutter weg, die es so lieb
+hatte, in ein ganz fremdes Haus zu gehen. Würde sie es ertragen, nie
+ein Wort der Liebe und des Trostes zu hören? Daran war ihr liebes
+Trineli nicht gewohnt.
+
+Der Großmutter trat jener Tag vor Augen, als es ihr ins Haus gebracht
+worden war, ein kleines, hilfloses Ding, das niemand brauchen konnte
+und das niemand pflegen wollte. Damals hatte sie noch rüstige Hände
+und gute Kräfte, und wenn sie auch von früh bis spät tätig sein mußte,
+sie tat es gern. Die Waschkäthe hatte drei Kinder gehabt, zwei Söhne
+und eine Tochter. Ihr Mann war an einem hitzigen Fieber gestorben,
+als die Kinder alle drei noch ganz klein waren. Da mußte die Käthe
+viel arbeiten, damit die Kleinen etwas zum Anziehen hatten und keinen
+Mangel litten. Tag und Nacht war sie bei der Arbeit, und jedermann
+ringsum rief sie zur Hilfe bei der großen Wäsche. Denn man wußte,
+keine arbeitete so gut wie die Käthe, die wegen dieser Tätigkeit
+überall nur die Waschkäthe hieß. Als ihre Söhne groß waren, bekamen
+sie Lust, in die Ferne zu wandern, und gingen miteinander nach Amerika.
+Die Tochter verheiratete sich und zog ins Tal hinab. Aber nicht
+viel mehr als ein Jahr später starb sie plötzlich noch ganz jung. Das
+betrübte ihren Mann so sehr, daß er es daheim nicht mehr aushalten
+konnte. Er brachte das ganz kleine Trineli zur Großmutter hinauf und
+sagte: "Da, Mutter, nimm du das Kind, ich weiß nichts damit anzufangen.
+Ich muß fort, es hält mich nichts mehr hier." Dann ging er zu den
+Schwägern nach Amerika.
+
+Von dem Tag an hatte die Waschkäthe eine neue Sorge, aber auch eine
+neue, große Freude nach vielem Kummer und Leid. Das kleine Trineli
+entwickelte sich schnell und lohnte der guten Großmutter ihre Mühe und
+Arbeit mit einer ungewöhnlichen Liebe und Anhänglichkeit. Sie hatten
+viele lustige Stunden miteinander, denn das Kind war immer so
+beweglich und lebendig wie ein munteres Fischlein im Wasser. Mit
+jedem Jahre wurde es der Großmutter lieber und unentbehrlicher.
+
+Alle diese vergangenen Tage stiegen nun in der Dämmerung vor der alten
+Waschkäthe auf, und der Gedanke, das Kind so weit und vielleicht für
+alle Zeit von sich zu schicken, machte ihr das Herz immer schwerer.
+Aber sie kannte einen Tröster, der ihr schon in vielen trüben Stunden
+geholfen und auch manches gefürchtete Leid gemildert hatte. Den
+wollte sie doch nicht vergessen. Lieber, als so die schweren Gedanken
+hin- und herzuwälzen in ihrem Innern, wollte sie jetzt die ganze Sache
+dem lieben Gott übergeben. Mußte es sein und mußte sie dieses Leid
+der Trennung ertragen, so hatte doch der liebe Gott seine schützende
+Hand dabei. Es konnte ja alles zum Besten des Kindes geschehen, und
+sein Wohl ging ihr noch über das eigene. Als die Großmutter dies
+alles überlegt hatte, faltete sie still die Hände und sagte andächtig
+vor sich hin:
+
+"Drum, meine Seele, sei du still
+Zu Gott, wie sich's gebühret,
+Wenn er dich so, wie er es will,
+Und nicht wie du willst führet.
+Kommt dann zum Ziel der dunkle Lauf,
+Tust du den Mund mit Freuden auf,
+Zu loben und zu danken."
+
+
+
+2. Kapitel
+
+In den Erdbeeren
+
+
+Während die alte Käthe so gedankenverloren erst an ihrem Spinnrad und
+dann in der Dämmerung saß, ging es oben am Sonnenrain ziemlich laut zu.
+Hier wuchs jedes Jahr eine Fülle der schönsten, saftigsten Erdbeeren.
+Wenn sie reif waren, schien es oft, als ob ein großer, dunkelroter
+Teppich vom Sonnenrain herunterhinge, der in der Sonne glühte. Der
+Platz war den Kindern von Hochtannen, wie das kleine, aus zerstreuten
+Häusern bestehende Bergdörfchen hieß, wohlbekannt. Sie wußten auch
+recht gut, daß, wenn man die Beeren ausreifen ließ, ein schöner Gewinn
+damit zu erzielen war. Denn diese ungewöhnlich großen, saftigen
+Beeren wurden überall gern gekauft. So gaben die Kinder selbst acht
+aufeinander, daß nicht etwa die einen zu früh die Beeren holten, bevor
+sie die rechte Reife erlangt hatten. Erscholl aber an einem schönen
+Junitag unter den Schulkindern der Ruf: "Sie sind reif am Sonnenrain!
+Sie sind reif!", dann stürzte noch an demselben Abend die ganze Schar
+hinaus zum Sonnenrain. Jedes Kind hatte einen Korb in der Hand, und
+sie liefen, so schnell sie konnten, denn jedes wollte zuerst auf dem
+Platz sein und die schönsten und reifsten Beeren finden.
+
+Die mitgebrachten, Körbe, Kratten genannt, hatten alle dieselbe Form,
+aber verschiedene Größen. Sie hatten die Form von Zylinderhüten, mit
+dem Unterschied, daß bei diesen die Öffnung unten ist, wo der Kopf
+hineingesteckt wird, bei jenen aber oben, wo die Erdbeeren
+hineingeworfen werden. Wenn dann die Dämmerung gekommen war und man
+die Beeren nicht mehr sehen konnte, wurde die Arbeit beendet. Dann
+deckte man die Kratten mit großen Blättern zu und befestigte zwei
+hölzerne Stäbchen kreuzweise darüber, damit der Wind die Blätter nicht
+entführe. Nun stimmte man das Erdbeerlied an, und voller Fröhlichkeit
+zog die ganze Schar heimwärts. Alle sangen aus vollen Kehlen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen,
+Erdbeeren mit Stielen,
+Jetzt trägt man sie heim die vielen,
+Erdbeeren an Ästen,
+Die meinen sind die besten!
+
+
+Am schnellsten und am fleißigsten aber von allen war die Enkelin der
+alten Waschkäthe, das lustige Trini. Immer wußte es, wo die schönsten
+Beeren standen und wo noch am wenigsten gepflückt worden war. Dann
+schoß es dahin und rupfte mit einer Gewandtheit, daß kein anderes Kind
+schneller war und die Langsamen in seiner Nähe gar nichts erwischten.
+Auf einen kleinen Stoß kam es dem Trini dabei auch nicht an, wenn ihm
+eine schöne Stelle besonders ins Auge fiel, wo schon ein anderes Kind
+Beeren sammelte. Niemals aß es von den Früchten, bis sein Kratten so
+voll war, daß es eben noch die hölzernen Stäbchen über den Blättern
+festmachen konnte, ohne die zarten Früchte zusammen zu drücken. Erst
+dann kamen noch einige der süßduftenden Beeren in den Mund und
+schmeckten herrlich nach der harten Arbeit. Vorher hätten sie aber
+dem Trini gar nicht geschmeckt, denn es war ihm, als gehörten sie alle
+der Großmutter, bis keine einzige Beere mehr in den Kratten hineinging.
+
+Das Trini strengte sich sehr an, für seine liebe Großmutter auch etwas
+zu tun. Es fühlte wohl, wie aufopfernd und gut sie zu ihm war und wie
+hart sie immer noch arbeitete, damit sie beide keinen Mangel leiden
+mußten. Es hatte auch sein Leben lang nie andere, als liebevolle
+Worte von ihr gehört. Und wie oft hatte es gespürt, daß sie viel
+lieber sich selbst als ihm etwas versagte. Dafür hing es auch mit dem
+ganzen Herzen an der Großmutter, und mit ungeheurer Freude sah es die
+Beerenzeit wieder kommen. Dann konnte es täglich seinen vollen
+Kratten heimbringen oder ihn dahin tragen, wohin er bestellt war, um
+dann ein schönes Geldstück zu verdienen. Das war für die Großmutter
+eine große Einnahme, die freilich nur eine kurze Zeit dauerte. Viel
+brachten aber nur die allergrößten Kratten ein, und diese hatten das
+Trini und das kleine, bleiche Maneli. Dieses konnte aber niemals
+seinen Kratten auch nur zur Hälfte füllen. Das Maneli, das eigentlich
+Marianne hieß, war mit Trini im gleichen Alter. Beide saßen auf
+derselben Schulbank, aber sie sahen sehr verschieden aus. Trini war
+groß und stark und hatte feste, runde Arme und rote Backen. Es
+fürchtete sich vor den größten Buben in der Schule nicht, denn es
+wußte sich zu wehren.
+
+Das Maneli aber war schmal, blaß und sehr schüchtern. Es war ärmlich
+gekleidet und sah aus, als bekomme es nie genug zu essen, Das stimmte
+wohl auch, denn es hatte noch fünf kleinere Geschwister und seine
+Mutter war oft krank. Der Vater, der ein Tagelöhner war, brachte
+nicht immer so viel heim, daß es zu allem langte. Eben jetzt, da die
+Dämmerung heranrückte, hatte Trini das kraftlose Maneli mit einem
+heftigen Stoß auf die Seite geschoben. Denn es stand noch an einer
+Stelle, die mit besonders großen Beeren bedeckt war, und Trini wollte
+schnell seinen Kratten damit vollfüllen. Es gelang ihm auch, und vor
+allen anderen rief es jetzt siegesgewiß: "Voll! Fertig! Heim! Heim!"
+Nun riefen auch die anderen: "Heim! Heim!" und schon hatte sich das
+Trini mit seinem vollen, schön verpackten Kratten hingestellt, um den
+Zug anzuführen. Mit heller Stimme begann es zu singen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen...
+
+
+Als die Schar singend und jauchzend die ersten Häuser erreicht hatte,
+stoben die Kinder plötzlich alle auseinander, die einen aufwärts, die
+anderen abwärts. Das Trini lief mit allen Kräften den Berg hinauf, es
+hatte noch einen ziemlich langen Weg zu machen. Das Häuschen der
+Großmutter stand hoch oben und war das höchste von ganz Hochtannen.
+Jetzt kam das Trini am Hof der Goldäpfelbäuerin vorbei. Sie schaute
+eben über die Hecke, die den Hof umschloß, und als sie das Kind so
+vorbeirennen sah, rief sie ihm zu: "Komm doch einmal hierher und zeig
+mir deine Beeren!"
+
+Das Trini war in seinem Eifer schon ein gutes Stück über die Stelle
+hinaus, wo die Bäuerin stand, aber es kam schnell zurück, denn die
+Aussicht, die Beeren gleich verkaufen zu können, kam ihm sehr gelegen.
+
+"Hast du auch etwas Rechtes? Zeig her!" fuhr die Bäuerin fort, als
+das Trini an der Hecke stand und seinen Kratten zu ihr emporhob. "Ich
+kaufe sonst keine solche Ware, es wächst Besseres auf meinem Hof.
+Aber man sagt, eingekocht sei das Zeug gut gegen allerhand Übel. So
+gib's her! Was geben sie dir unten im Wirtshaus für die Beeren?"
+
+"Einen Franken", antwortete das Trini.
+
+"So, das ist auch genug für solches Beerenzeug. Aber du mußt's haben,
+um deiner Großmutter willen, das ist eine brave Frau, die viel
+arbeitet. Du bringst ihr doch das Geld heim und machst keinen
+Firlefanz damit?"
+
+"Nein, das tue ich nicht", entgegnete das Trini. Es sah die Bäuerin
+mit Augen an, die denen einer kleinen, wilden Katze nicht unähnlich
+waren, denn es ärgerte sich über diesen Verdacht. Die Bäuerin lachte
+und sprach:
+
+"Nur nicht gleich so aufgebracht, so etwas kommt auch vor. Aber komm,
+wir wollen wieder gut Freund sein! Da, das ist der Franken für die
+Großmutter, und wenn ich dir noch einen Münze für dich gebe, so wird's
+dir auch nicht leid sein. So, jetzt lauf wieder!"
+
+Das Trini dankte hocherfreut und lief davon, hörte auch nicht zu
+rennen auf, bis es oben beim Häuschen angekommen war. Jetzt stürmte
+es in die kleine Stube hinein, wo es fast dunkel geworden war. Nur
+ein letzter, lichter Streifen am Abendhimmel schimmerte noch in das
+Fenster hinein, dort wo die Großmutter saß. Das Trini stürzte zu ihr
+hin und erzählte so eifrig von seinen Erlebnissen, daß immer das
+zweite Wort vor dem ersten heraus wollte. Es dauerte ziemlich lange,
+bis die Großmutter verstanden hatte, daß die Erdbeeren schon verkauft
+seien und ein ganzer Franken und noch ein Geldstück dazu dafür bezahlt
+worden war. Auch den mußte die Großmutter nehmen, das Trini wollte
+kein Geld behalten, denn es sollte alles der Großmutter gehören. Daß
+sie heute noch ein Geldstück über das Gewöhnliche hinaus bekam, machte
+dem Trini eine besondere Freude.
+
+"Ja, Großmutter, und siehst du", fuhr das Trini immer noch halb außer
+Atem fort, "ich war vor allen anderen zuerst fertig und hatte doch den
+Kratten so voll wie kein anderes Kind. Das Maneli hatte seinen nicht
+halb voll. Es machte auch furchtbar langsam, und wenn es an einem
+guten Platz war, an den ich auch kam, so hatte ich schon wieder alles
+weggerupft, ehe es nur eine Handvoll erwischen konnte."
+
+Die Großmutter hatte sich sehr über die guten Nachrichten und auch
+über den reichlichen Gewinn des Kindes gefreut. Aber jetzt sagte sie
+ernsthaft: "Aber Trineli, du stößt doch nicht etwa das Maneli weg,
+wenn es einen guten Platz gefunden hat, so daß du dann die Beeren
+bekommst? Das wäre nicht recht."
+
+"Doch, freilich, das tue ich schon, das tut man immer, Großmutter",
+versicherte das Trini. "Es muß jedes sehen, daß es die meisten und
+die schönsten erwischt. Daher geht es dann natürlich immer so rauh zu."
+
+"Nein, nein, das mußt du mit dem kleinen, schwachen Maneli nicht mehr
+tun", mahnte die Großmutter. "Siehst du, es kann nicht neben dir
+aufkommen, es ist kraftlos und kann sich nicht wehren, und seine
+Mutter hätte die Beeren nötig. Sie weiß gewiß manchmal nicht, wo sie
+für alle die kleinen Kinder Brot hernehmen soll. Tue das nicht mehr,
+Trineli, laß das arme Kleine ein andermal auch zu seinen Beeren kommen.
+Aber jetzt setz dich zu mir her", fuhr die Großmutter in einem
+anderen Ton fort, "ich habe etwas mit dir zu reden, du bist vernünftig
+genug, um es zu verstehen."
+
+Neugierig setzte sich das Kind hin, denn es war noch nie vorgekommen,
+daß die Großmutter es so ernst anblickte, um mit ihm zu reden.
+
+"Trineli", fing sie jetzt bedächtig an, "wir müssen daran denken, was
+du für Arbeit tun könntest, wenn du nun im Frühling aus der Schule
+kommst. Der Vetter aus dem Reußtal ist heute morgen hier gewesen. Im
+Herbst könntest du zu ihm hinunterkommen und dir dort in der Fabrik
+etwas verdienen. Vielleicht würde es dein Glück sein. Du könntest
+von einem Jahr zum anderen weiterkommen und so deinen Weg machen. Was
+meinst du dazu?"
+
+"Lieber will ich sterben!" rief das Trini zornig.
+
+"Mußt nicht so unbedacht reden, Trineli", mahnte die Großmutter
+freundlich. "Sieh, der Vetter will etwas für dich tun. Er meint es
+gut, wir wollen ihn nicht böse machen, wir wollen noch miteinander
+über die Sache nachdenken."
+
+"Und wenn der Vetter käme und mich tausendmal töten wollte, so ginge
+ich doch nicht!" rief das Trini, und man konnte sehen, wie es immer
+wütender wurde.
+
+"Wir wollen jetzt nichts weiter sagen. Wenn es für dich gut ist, so
+wird es so sein müssen, Trineli, und dann wollen wir's annehmen und
+denken: 'Der liebe Gott schickt's, es muß gut sein'."
+
+Die Großmutter wollte damit das Gespräch beenden, aber das Kind fing
+plötzlich an, bitterlich zu weinen. Die Tränen stürzten ihm wie Bäche
+aus den Augen, und unter heftigem Schluchzen stieß es hervor:
+"Großmutter, wer soll dir dann Holz und Wasser bringen, wenn es kalt
+wird? Was willst du denn machen, wenn du wieder im kalten Winter
+nicht aufstehen kannst, und es ist kein Mensch bei dir und zündet
+Feuer an und macht dir ein wenig Kaffee und bringt ihn dir? Und du
+bist ganz allein und kannst nichts machen, und wenn du rufst, so kommt
+kein Mensch. Ich gehe nicht, Großmutter, ich kann nicht gehen! Ich
+kann nicht!"
+
+"Komm, Trineli, komm", sagte beschwichtigend die Alte, die einen
+solchen Ausbruch nicht erwartet hatte, "komm, wir müssen nun unser
+Abendbrot essen, und dann wollen wir beten und zu Bett gehen. Über
+Nacht hat der liebe Gott auch schon manches anders gemacht, als es am
+Abend vorher war."
+
+Aber das Trini mit seiner heftigen Gemütsart war nicht so schnell
+wieder im Gleichgewicht. Es konnte keinen Bissen hinunterbringen, und
+bis tief in die Nacht hinein hörte die Großmutter sein Schluchzen und
+Weinen. Das war ein neuer Kummer für die alte Waschkäthe. Sie hatte
+nicht geglaubt, daß das Kind sich so über den Vorschlag des Vetters
+aufregen würde.
+
+
+
+3. Kapitel
+
+Dem Trini wird etwas Neues verständlich
+
+
+Mehrere sonnige Tage waren seit dem leidvollen Abend vergangen. Die
+Großmutter sagte kein Wort mehr von der drohenden Trennung. Sie
+vergaß sie freilich nie und hatte manchen schweren Augenblick zu
+ertragen, wenn wieder deutlich vor ihr stand, was ja kommen mußte.
+Aber sie wollte nicht mehr davon mit dem Kind reden. Sie hatte ihre
+Sache dem lieben Gott anvertraut. Und deshalb konnte sie sich im
+stillen immer wieder an der Zuversicht festhalten, wenn das Schwere
+kommen müßte, so werde er es für das Kind zum Guten wenden. Als nun
+die Großmutter gar nichts mehr sagte und alles wieder wie vorher war,
+die Sonne schien und die Vögel wie immer lustig pfiffen, da dachte das
+Trini, die Gefahr sei vorüber. Es glaubte, der liebe Gott habe
+wirklich, wie die Großmutter gesagt, über Nacht etwas geändert, und
+die alte Fröhlichkeit kehrte in Trinis Herz zurück. Jeden Abend, wenn
+die Kinder über die Wiesen liefen, hörte man allen anderen voraus
+Trinis helle Stimme erschallen:
+
+Erdbeeren rollen,
+Die Kratten all, die vollen...
+
+
+Der Sonnenrain war nun ganz abgeerntet, und man mußte weiterliegende
+Plätze aufsuchen. Da gab es noch ergiebige Stellen oben beim Wald und
+hinten bei der Mühle, und vor allem war noch die Kornhalde da. Dort
+waren ganze Schätze von Erdbeeren zu finden, das wußten die Kinder
+alle. Aber die wenigsten trauten sich dort hinaufzugehen. Da mußte
+man um das große Kornfeld herum an der Hecke bis zu dem schmalen
+Grasstreifen hinaufsteigen, der zwischen dem Korn und dem großen
+Moosfelsen lag. Dort, wo die Sonne den ganzen Tag heiß brannte,
+schossen die Erdbeeren schon fast rot aus dem Boden und wurden wie
+Kirschen so groß.
+
+Aber der Kornbauer, dem das große Feld gehörte, konnte es nicht leiden,
+daß die Kinder dort Beeren suchten. Denn er behauptete, sie
+zerstampften ihm das Korn, und hier und da mochte es auch geschehen
+sein. Wenn er deshalb die Beerensuchenden dort oben traf, jagte er
+sie augenblicklich mit den größten Drohungen davon. Und nicht selten
+folgte den Drohungen gleich die Erfüllung, denn das Mittel dazu trug
+er immer bei sich, das war seine feste knochige Hand. So wagten es
+nur die Allerkühnsten, an diesem Streifzug teilzunehmen, und zu denen
+gehörte auch das Trini. Eben heute sollte die Unternehmung
+stattfinden, denn schon seit dem frühen Morgen schimmerte es oben am
+Moosfelsen wie feuriges Gold und blitzte und flammte ins Tal hinab.
+Das Trini war zuerst auf dem Platz, von wo man aufbrechen wollte. Es
+hatte seinen großen Kratten an einer langen Schnur um den Hals
+gebunden, damit es nachher immer mit beiden Händen zugleich rupfen und
+die Beeren hineinwerfen konnte. Das ging genau doppelt so schnell wie
+bei denen, die mit der linken Hand den Kratten festhalten mußten.
+Jetzt kamen die Buben gelaufen, die mit wollten. Mädchen kamen keine,
+sie fürchteten sich alle. Nun ging es vorwärts. Aber heute durfte
+unterwegs nicht wie sonst geschwatzt und gelacht werden, denn man
+wollte nicht, daß der Bauer etwas von der Unternehmung bemerkte.
+Sorgsam schritt eines hinter dem anderen die Hecke entlang, denn die
+Furcht hatte sie gelehrt, das Korn zu schonen.
+
+Nun waren sie alle oben, und welch eine wundervolle Ernte lag vor
+ihnen ausgebreitet! Dunkelrot glühten die großen Beeren zwischen
+allen Halmen durch, über alle Blätter hinaus. Es war ein
+überquellender Reichtum, man konnte nur so in die Fülle hineinfahren.
+Mit blitzenden Augen begann auch das Trini zu pflücken, und bevor die
+anderen nur probiert hatten, wie die Beeren schmeckten, hatte es schon
+den halben Kratten gefüllt. Mit beiden Händen faßte es immer zu nach
+allen Seiten hin, denn da guckten ja immer noch schönere und noch
+größere hervor. Aber plötzlich ertönte eine wütende Stimme:
+
+"Ihr Feldratten, seid ihr schon wieder da?" Da stand der kräftige
+Bauer mit den knochigen Händen vor ihnen und hob seine Faust in die
+Höhe. "Macht, daß ihr auf der Stelle fortkommt und ich keines mehr
+sehe, oder..." Wie der Wind waren die Buben alle davongelaufen und
+verschwunden. Aber beharrlich rupfte das Trini noch ein, zwei, drei
+Beeren weg. Jetzt nur noch die drei großen--nur noch jene zwei--das
+Trini konnte sich nicht trennen, die Beeren reuten es gar zu sehr.
+
+"Jetzt weiß ich, wer das Korn zerstampft und so frech ist wie eine
+Schärmaus. Mach, daß du den Fleck räumst, und komm mir nicht noch
+einmal ans Korn!" drohte der Bauer zornig.
+
+"Ich habe gewiß nie das Korn zerstampft, keine Ähre", versicherte das
+Trini, immer noch rupfend, "ich wollte ja nur die Beeren holen."
+
+"Ich kenne dich wohl", brummte der Bauer. "Pack dich, oder ich nehme
+dich bei den Ohren und schüttle dich, daß du meinst, du hättest deren
+vier am Kopf!"
+
+Der Bauer kam heran. Jetzt schoß das Trini auf und davon. Von seiner
+inneren Entrüstung getrieben, daß es alle die schönen Beeren hatte
+stehenlassen müssen und doch nie Korn zerstampft hatte, flog es
+beinahe, bis es daheim war. Geladen wie eine kleine Kanone, stürzte
+es auf die Großmutter los und rief: "Nein, nie habe ich das Korn
+zerstampft, keine Ähre ausgerissen und nur die Beeren genommen. Jetzt
+fressen sie die Schnecken, und ich wollte auch, der liebe Gott ließe
+dem Bauer zur Strafe vier Ohren an den Kopf wachsen, denn ich habe ihm
+nichts Böses getan."
+
+"He, he, Trineli, was kommt dir denn in den Sinn?" sagte mahnend die
+Großmutter. "Komm, setz dich zu mir nieder, es ist Feierabend. Ein
+Licht zünden wir heute nicht an, der Mond scheint hell genug zum
+Abendessen. Komm, erzähl mir alles, wie es zugegangen ist."
+
+Daß die Großmutter anhören wollte, was es zu berichten und zu klagen
+hatte, besänftigte das Trini schon ein wenig. Es setzte sich hin und
+berichtete gern, was es erlebt hatte. Es versicherte, daß es keiner
+Ähre etwas zuleide tun wollte, nur die Beeren nehmen, die jetzt von
+den Würmern und Schnecken verdorben würden. Als es zu des Bauern
+Drohung von den vier Ohren kam, mußte es noch einmal rufen: "Nicht
+wahr, Großmutter, wenn ihm zur Strafe jetzt vier Ohren anwachsen
+würden, das hätte er verdient. Denn ich habe ihm gar nichts getan und
+nie, nie ein Korn zerstampft!"
+
+"Trineli", sagte jetzt die Großmutter, "wir wollen dem Bauer seine
+zwei Ohren lassen, aber wir wollen etwas von ihm profitieren. Siehst
+du, man kann alles brauchen und seinen Gewinn davon haben. Und wäre
+es ein ungerechtes Wort, es kommt nur darauf an, von wem wir die Worte
+nehmen. Wenn einer kommt und uns ohne Grund etwas Böses tut oder sagt,
+so wie dir heute der Bauer, und es tut uns recht weh, dann müssen wir
+ein wenig weiter denken und fragen: 'Haben wir nicht doch so etwas
+verdient?' Dann kommt uns auf einmal in den Sinn, daß wir einmal einem
+anderen recht weh getan haben, der es leiden mußte und sich nicht
+wehren konnte. Und nun haben wir erfahren, wie's tut, und es wird uns
+leid darum sein. Wir wollen es nicht mehr tun und wieder bei den
+anderen gutmachen, wenn wir es können. Das ist dann genau das, was
+der liebe Gott mit uns gewollt hat, darum hat er den Ungerechten so
+böse Worte uns sagen lassen. Siehst du wohl, Trineli? Dann können
+wir aber auch nicht mehr so böse gegen den sein, der das getan hat.
+Denn wir wissen, der liebe Gott hat ihn gebraucht, wie ich meinen
+Besen brauche, wenn ich die Stube schön sauber und rein fegen will.
+So macht der liebe Gott uns das Herz wieder sauber und in Ordnung, und
+wir haben den Gewinn. Denn es wird uns dann wohl und leicht, wie es
+uns vorher nie gewesen ist. Hast du gut zugehört, Trineli, und willst
+du daran denken, was ich dir gesagt habe?"
+
+Das Trineli hatte wirklich aufmerksam zugehört, und über den Worten
+der Großmutter war sein Zorn gegen den Bauern ganz vergangen. Jetzt
+kamen ihm seine schönen Erdbeeren wieder in den Sinn. Es holte sie
+schnell herbei, damit die Großmutter noch im Mondschein die
+Prachtbeeren bewundern konnte. Wenn auch der Kratten nur halb so voll
+war wie gewöhnlich, so hatte sie doch außerordentliche Freude und
+sagte immer wieder, solche Wunderbeeren habe sie noch nie gesehen.
+Das Trini wollte schnell noch damit zur Goldäpfelbäuerin hinunter,
+aber die Großmutter sagte, so spät kaufe die Bäuerin keine Beeren mehr.
+Am nächsten Morgen solle es seine Beeren zum Wirtshaus hinuntertragen.
+
+
+
+4. Kapitel
+
+Noch eine zornige Rede und was daraus folgt
+
+
+Der Juli ging seinem Ende entgegen und mit ihm die schöne
+Erdbeerenzeit. Nur oben beim Wald über Hochtannen war noch eine späte,
+kräftige Sorte der Beeren zu finden, die besonders gut bezahlt wurden.
+Denn jetzt reisten viele Fremde über den Berg, und unten im
+Wirtshaus an der großen Straße machten sie meistens Halt. Die
+seltenen Beeren kamen dann der Wirtin sehr gelegen. Aber man brauchte
+viel Zeit, die Kratten auch nur halb zu füllen, und man mußte genau
+wissen, wo die vereinzelten Beeren wuchsen. Aber wer fröhlichen Mutes
+war wie das Trini, dem machte das keine schweren Gedanken. An einem
+warmen Sommerabend lief es mit freudestrahlendem Gesicht den Berg
+hinauf, dem Tannenwald zu. Es wußte, daß nun die letzten, würzigen
+Beeren dort oben die rechte Reife erlangt hatten. Auch das Maneli und
+noch einige andere Kinder kannten den Platz, aber den meisten war der
+Weg zu weit und die Suche zu mühsam.
+
+Nur das Maneli kam mit seinem großen Kratten hinter dem Trini her,
+blieb aber weit zurück. Denn wie ein Reh die steilen Höhen
+hinaufspringen, konnte nur das Trini, dem an Kraft und Behendigkeit
+nicht ein einziges Mädchen seines Alters gleichkam. Oben gab es viel
+Arbeit. Die Beeren waren reif und schön und dufteten herrlich, aber
+sie mußten erst gesucht werden. In einem sonnigen Winkel standen
+einige der rot schimmernden Büsche dicht beieinander, und dann konnte
+man wieder vergebens danach suchen. Trini spähte in alle Löcher
+hinein, kletterte jeden Erdhügel hinauf, zog alle Grasbüschel
+auseinander, und wo noch ein rotes Beerlein herausguckte, wurde es
+schnell gepflückt. Trini hörte auch nicht auf zu klettern und zu
+suchen und zu rupfen, bis die Dämmerung hereinbrach und aller
+Tätigkeit ein Ende machte.
+
+Aber dem Trini mußte das nicht leid tun. Es schaute stolz auf seinen
+Kratten. Denn auch diesmal, gegen seine eigene Erwartung, war er
+gefüllt bis obenan. Es hatte nur noch Blätter und Stäbchen darauf zu
+befestigen, denn nicht eine der kostbaren Beeren durfte herausrollen.
+Jetzt sauste das Trini wie der Wind den Berg hinab. Zum Wirtshaus zu
+laufen, dazu war's zu spät, aber bis zu der Goldäpfelbäuerin konnte es
+schon noch kommen. Die wollte gewiß diese letzten schönen Beeren noch
+haben, und dann konnte es der Großmutter gleich noch den
+außergewöhnlichen Gewinn heimbringen. Immer eiliger wurde sein
+Schritt.
+
+Still und traurig hinter ihm her ging das Maneli. Man konnte wohl
+sehen, daß es an seinem Kratten nicht schwer zu tragen hatte. Es
+mußte ein anderer Grund sein, warum es so langsam und niedergedrückt
+daherkam.
+
+Die Goldäpfelbäuerin hatte eben Ärger gehabt. Die junge Magd, die
+trotzig neben ihr an dem Gemüsebeet stand, hatte ihr alle jungen
+Setzlinge weggeschwemmt. Es war ihr zu mühsam vorgekommen, den zarten
+Pflänzchen sorgfältig, jedem einzeln mit der Gießkanne Wasser zu geben,
+wie die Bäuerin ihr befohlen hatte. Mit dem großen Kübel hatte sie
+den ganzen Wasserguß über das Beet geschüttet. In der Bäuerin kochte
+der Zorn auf wie heiße Milch, die überlaufen will, als sie die
+Zerstörung sah. Da kam das Trini hergelaufen. "Guten Abend!" rief es
+noch außer Atem, "seht die schönen Beeren. Es sind die letzten,
+wollen Sie sie?"
+
+"Ich brauche nichts", rief die Bäuerin zornig. "Mach, daß du
+fortkommst, ich habe keine Zeit für dich." "Wenn Sie sie nur ansehen
+wollten, sie würden ihnen gefallen", meinte das Trini. "Habe ich dir
+nicht gesagt, daß ich nichts will? Mach, daß du gehst", wiederholte
+die Frau. Aber das Trini blieb immer noch stehen. Es dachte: Wenn
+die Bäuerin nur Zeit hätte, die Beeren anzusehen, dann würde ihr schon
+die Lust kommen, sie zu behalten.
+
+Jetzt aber kochte es über in der Bäuerin, denn ihr Zorn hatte schon
+lange einen Ausweg gesucht. Daß sie ihn nicht an der trotzigen Magd
+ausließ, dafür mochte die Frau ihre Gründe haben.
+
+"Hast du Harz an den Sohlen?" rief sie grimmig, "oder guckst du nach
+den reifen Äpfeln aus, damit du weißt, welchen Baum ihr zuerst wieder
+schütteln wollt, wie ihr es immer macht, du und das andere Lumpenvolk?"
+
+Das konnte aber das Trini nicht auf sich sitzen lassen, so etwas hatte
+es nie getan.
+
+"Ich habe nie, nie die Bäume geschüttelt und nicht einen einzigen
+Apfel..."
+
+"Du wirst nicht besser sein als alle anderen!" unterbrach die Bäuerin.
+"Ich will kein Wort mehr hören, dort geht's hinaus!"
+
+Damit erhob die Frau so rasch und drohend ihren Arm, daß es dem Trini
+nicht mehr sicher zumute war. Es rannte aus dem Garten und um die
+Hecke herum. Aber hier konnte es nicht mehr weiter. Auch sein Blut
+war wegen der ungerechten Anschuldigung in Wallung geraten. Es setzte
+sich auf den Boden hin, es mußte sich Luft machen.
+
+"Nein, das habe ich nicht getan", rief es aufgeregt. "Ich habe nie
+die Äpfelbäume geschüttelt, nie! Aber die Bäuerin ist nur ein Besen,
+ja, sie ist nur ein Besen, das hat die Großmutter gesagt, und der
+liebe Gott will nur etwas herausfegen mit ihr. Aber ich habe gar
+nichts gemacht, ich habe nichts Böses getan." Hier hielt das Trini auf
+einmal inne. Denn plötzlich stieg die Frage in ihm auf, was denn wohl
+der liebe Gott habe ausfegen wollen in seinem Herzen, wenn es doch
+nichts Unrechtes getan hatte. Nun wurde das Trini ganz still und
+nachdenklich. Nach einer Weile stand es langsam auf. Es sah gar
+nicht mehr aufgebracht aus. Halblaut sagte es noch: "Ja, es ist wahr,
+das war doch nicht recht." Dem Trini war beim Nachdenken auf einmal
+eingefallen, daß es heute wieder mehrmals das Maneli auf die Seite
+gestoßen und sich schnell über die Beeren hergemacht hatte, die das
+Maneli auch gern eingesammelt hätte. Es war aber immer still auf die
+Seite gewichen, das Trini war ja viel stärker und flinker. So
+leistete ihm das Maneli niemals Widerstand.
+
+Nun wollte das Trini sein Unrecht wieder gutmachen und dem Maneli
+schnell noch ein wenig von seinen Beeren abtreten. Es lief immer
+eiliger, aber nicht bergan, der Wohnung der Großmutter zu, sondern
+querfeldein eine ganze Strecke weit. Bei einem elenden, kleinen
+Häuschen, an dem die alten Fensterscheiben halb oder ganz zerbrochen
+und mit Papier verklebt waren, blieb es stehen und holte ein wenig
+Atem. Es war jetzt dunkel geworden. Durch die zerbrochenen Scheiben
+schimmerte ein dünnes Lichtlein. Auf einmal hörte das Trini ein
+leises Schluchzen ganz in seiner Nähe. Es schaute sich um. Auf einem
+Holzblock vor dem Häuschen saß ganz unbeweglich eine kleine Gestalt,
+den Kopf auf die Arme gelegt. Trini trat hinzu.
+
+"Was hast du, Maneli?" fragte es erstaunt, als es die kleine Gestalt
+erkannt hatte, "warum weinst du so?"
+
+Das Maneli hob den Kopf und sah so traurig aus, wie Trini es noch nie
+gesehen hatte.
+
+"Ich darf nicht hinein", sagte es schluchzend, "die Mutter ist krank
+und schon zu Mittag hatten wir fast nichts mehr zu essen. Dann sagte
+sie, für den Abend bringe ich, will's Gott, etwas heim, wenn ich in
+die Beeren gehe und sie dann gleich ins Wirtshaus trage. Ich würde
+dann ein Schwarzbrot mitbringen, meinte die Mutter. Aber sieh, Trini,
+nur die habe ich." Damit hob das Maneli seinen Kratten in die Höhe und
+Trini guckte hinein. Es war fast gar nichts darin, kaum der Boden des
+Korbes war bedeckt. Das Trini fühlte seinen schweren Kratten am Arm.
+Es war ihm, als werde er immer schwerer und drücke es nicht nur am Arm,
+sondern auch auf dem Herzen. Auf einmal riß es Stäbchen und Blätter
+weg, kehrte seinen Kratten um und schüttete den ganzen, reichen Inhalt
+in Manelis leeren Korb, so daß dieser bis oben hin voll war und noch
+übrig blieb von den Beeren. Diese legte das Trini schnell auf die
+Blätter am Boden und sagte: "Nimm die auch noch hinein. Gute Nacht."
+Und fort rannte es in hohen Sprüngen.
+
+"Trini! Trini! Danke tausendmal!" rief ihm das Maneli aus allen
+Kräften nach, dann stürzte es in die Hütte hinein. Jetzt hielt das
+Trini auf einmal an und kam zurück gerannt. Es wollte sehen, was die
+Mutter beim Anblick von Manelis Kratten sagen wurde, der ja den ganzen
+Sommer lang nie so voll gewesen war. Durch die zerbrochenen Scheiben
+an dem niedrigen Häuschen konnte es alles sehen, was drinnen vorging.
+Die bleiche Mutter stand, von den kleinen Kindern umringt, am Tisch
+und schaute auf die Beeren im Kratten und auf den Teller daneben, der
+auch noch ganz voll war. Sie schlug ihre Hände zusammen und sagte
+immer wieder zu dem Maneli, das freudestrahlend zu ihr aufschaute:
+"Wie ist es möglich, Kind? Wie ist es nur möglich?"
+
+"Vom Trini, vom Trini!" wiederholte das Maneli drei-, viermal, "es hat
+sie mir alle gegeben, alle! Und denk, Mutter, für diese Menge gibt
+die Wirtin jetzt zwei ganze Franken."
+
+"Gott vergelt's dem Kind und ersetz es ihm und der Großmutter
+hundertfach, was es heute für uns getan hat. Er weiß allein, wie ich
+mich die ganze Nacht hindurch gesorgt habe, wo ich am Morgen Brot für
+euch nehme. Und nun haben wir ja für einige Tage genug."
+
+Die bleiche Frau hatte bei diesen Worten die Hände gefaltet, als danke
+sie im stillen noch für die große Wohltat. Jetzt schoß das Trini
+davon mit einer Freude im Herzen, wie es in seinem ganzen Leben noch
+keine empfunden hatte. Die Großmutter hatte wohl recht gehabt, daß
+man am Ende den Gewinn davon habe, und daß es einem so wohl werde wie
+noch nie, wenn man es recht verstehe, was der liebe Gott ausfegen
+wolle. Nun machte es noch neue Pläne in seinem Herzen: Bald konnte
+man auch in die Heidelbeeren gehen und in die Brombeeren. Und es
+wollte jedesmal, wenn es seinen Kratten gefüllt hatte, noch dem Maneli
+den seinigen füllen helfen. Wenn nicht beide voll wurden, so wollte
+es immer mit ihm teilen. Denn das Trini hatte sich über die Worte der
+armen, kranken Mutter mehr gefreut, als über den eigenen vollen
+Kratten. Als es dann endlich heimkam und nun aufgeregt seine
+Erlebnisse erzählte und zuletzt der Großmutter den ganz leeren Kratten
+vorwies, sagte es bittend: "Nicht wahr, du bist nicht böse mit mir,
+Großmutter, daß ich kein einziges Beerlein heimbringe. Du wirst sie
+gewiß alle dem Maneli und seiner kranken Mutter gönnen?"
+
+Da lobte die Großmutter das Kind und sagte, was es getan habe, freue
+sie mehr, als wenn es ihr zwei ganze Kratten voll nach Haus gebracht
+hätte. So gut wie heute abend dem Trini seine Kartoffelsuppe
+schmeckte, hatte ihm noch kein Essen geschmeckt. Denn es dachte immer
+daran, wie nun das Maneli noch sein Schwarzbrot hatte heimbringen
+können, wie jedes sein Stück bekomme und es gewiß jetzt eben fröhlich
+verspeiste.
+
+
+
+5. Kapitel
+
+Wie es mit dem Vetter geht
+
+
+Schon war der letzte Sommermonat, der warme August da. Auf allen
+Bäumen glänzten die Äpfel rotgolden und kündeten den Herbst an. Der
+Vetter hatte nie wieder etwas von sich hören lassen. In der alten
+Käthe stieg manchmal die freudige Hoffnung auf, er habe sein Vorhaben
+geändert und denke nicht mehr an das Kind. Dann wurde es ihr so
+leicht ums Herz, als seien ihr alle Sorgen abgenommen, als könnte
+sonst kommen, was da wollte. Hunger und Mangel und Entbehrung aller
+Art werde sie ertragen, wenn sie nur das Kind nicht weggeben müßte.
+Das Trini war fröhlich wie ein Vogel vom Morgen bis zum Abend, es
+hatte den Vetter und seinen Wunsch schon lange vergessen.
+
+Da trat eines Morgens ein junger Bursch bei der Waschkäthe ein und
+sagte, er komme aus dem Reußtal und habe ihrem Vetter versprochen, ihr
+eine Bestellung auszurichten. Der Vetter lasse ihr sagen, sie solle
+die Kleider und alles für das Kind bereithalten, er hole es ab, sobald
+er wegen seines Geschäfts über den Berg müsse. Mit dem Vormund des
+Kindes wolle er dann schon alles in Ordnung bringen, was die Schule
+und den Lohn und das übrige betreffe. Der Großmutter wurde es vor
+Schrecken ganz schwarz vor den Augen, sie mußte sich schnell setzen,
+um sich nur wieder ein wenig zu fassen. So war denn plötzlich
+gekommen, was sie freilich immer im stillen befürchtet, aber doch
+immer in so weiter, unsicherer Ferne gesehen hatte. Nun war es da,
+denn daß der Vormund gleich einwilligen und dem Vetter das Kind
+übergeben würde, dessen war sie sicher. Sie konnte ja für keinen
+Verdienst sorgen. Sie wußte nicht einmal, wie lange sie sich selbst
+noch durchbringen konnte. Vielleicht fielen sie beide der Gemeinde
+zur Last. Der Vetter aber konnte einen so guten Verdienst in Aussicht
+stellen und für die Versorgung des Kindes für alle Zukunft garantieren.
+Es mußte sein, das sah sie deutlich vor sich. Die alte Käthe hatte
+schon viel Schweres erlebt. Aber das Weggeben dieses Kindes, das ihre
+ganze Freude und Stütze war, kam ihr vor, als wolle man ihr eines
+ihrer Glieder abreißen, ohne das sie nicht mehr fortleben könnte.
+
+Sie überdachte nun, wie sie dem Kind die Sache beibringen sollte.
+Aber wenn sie sich vorstellte, in welchen Jammer es das erstemal
+ausgebrochen war, als sie darüber geredet hatte, so hatte sie nicht
+den Mut, es wieder und nun mit Bestimmtheit zu tun. Zuletzt dachte
+sie, das beste sei, gar nicht über die Sache zu reden. Ein kurzer
+Kampf, wenn der Vetter komme, sei noch am leichtesten zu ertragen.
+Und inzwischen habe das Kind doch noch ungetrübte Tage. Aber von dem
+Morgen an lag ein solcher Kummer auf dem Gesicht der Großmutter, daß
+es dem Trini manchmal ganz bange wurde und es immer wieder fragte:
+"Großmutter, was hast du denn? Ich will alle Nächte durch Brombeeren
+suchen, wenn du dich sorgst, wir können nicht mehr leben, weil du
+nicht mehr so viel tun kannst. Ich brauche nicht zu schlafen, ich
+kann es schon aushalten, sieh nur, sieh!" Und das Trini streckte seine
+zwei festen Arme der Großmutter als Beweis entgegen, daß sie sich
+nicht zu sorgen brauche. Aber es vermehrte nur ihren Kummer. Denn
+sie sah ja nur zu gut, wie groß und stark das Kind geworden und daß es
+wirklich zu einer ganz anderen Arbeit fähig war als zu der, die es
+jetzt verrichtete. Doch am Abend, wenn sie wieder still in der
+Dämmerung saß und auf alle vergangenen Zeiten und auf so manche
+schwere Not zurückschaute, aus der ihr der liebe Gott so väterlich
+geholfen hatte, dann konnte sie mit Vertrauen sagen:
+
+"Drum, meine Seele, sei du still
+Zu Gott, wie sich's gebühret."
+
+
+So saß sie wieder am Fenster, wo noch der Abendschein hereinschimmerte,
+und wartete auf das Kind, um dann Licht zu machen und das Abendessen
+zu bereiten. Da hörte sie jemand auf ihr Häuschen zukommen. Das war
+nicht das Kind, es waren schwere, feste Tritte. Jetzt kam's--es mußte
+der Vetter sein. Der Großmutter wollte das Herz stillstehen. Nun
+ging die Tür auf, und mit festem Schritt, einen großen Korb am Arm,
+trat die Goldäpfelbäuerin herein und fragte: "Wo sind Sie denn, Käthe?
+Man kann Sie ja gar nicht sehen. Guten Abend wünsch' ich Ihnen!" Die
+Alte war schnell aufgestanden, hatte ihr Lichtlein angezündet und
+schüttelte jetzt ihrem Besuch die Hand. Auf dem Tisch stand nun der
+Korb, und im Schimmer des kleinen Lichts glänzten viele herrliche
+Goldäpfel, von denen der ganze Hof seinen Namen hatte. "Ich habe
+Ihnen ein wenig Äpfel gebracht, die Bäume haben dies Jahr schön
+getragen", sagte die Bäuerin wieder, "was Sie nicht selbst brauchen,
+wird das Kind nehmen, wo ist es?"
+
+Die Käthe berichtete, Trini sei mit den anderen Kindern noch einmal in
+die Brombeeren zum Wald hinauf gegangen, es werde aber nun mit dem
+Beerenlesen bald ein Ende haben. "Das wird's", bestätigte die Bäuerin.
+"Es ist mir aber gerade recht, daß das Kind weg ist, ich möchte noch
+etwas mit Ihnen reden." Die Käthe holte ihre Stühle herbei, und als
+die beiden nun voreinander am Tisch saßen, der große Apfelkorb
+zwischen ihnen, fing die Bäuerin wieder an: "Ich habe da vor kurzem
+etwas mit Ihrem Kind gehabt, es wird Ihnen wohl davon erzählt haben.
+Ich war ein wenig in Zorn geraten, denn die junge Magd hatte mir das
+ganze Kohlrübenbeet verdorben und war dazu noch unverschämt. So sind
+sie heutzutage. Und sagt man ihnen ein einziges Wort, das sie nicht
+gern hören, gleich werfen sie einem den Sack vor die Tür, und es heißt:
+Suchen Sie sich eine andere Magd. Aber immer mit neuen Leuten
+wirtschaften, ist keine Freude. Ich war also sehr ärgerlich, als das
+Kind ankam, und ich habe es beschimpft. Da hörte ich aber etwas, das
+hat mir gefallen, ich mußte zu mir sagen: Die alte Käthe hat das Kind
+etwas Gutes gelehrt. Mit einem Mädchen, das so denkt, mußte gut
+auszukommen sein. Und als ich mir alles so recht überdacht hatte,
+faßte ich einen Entschluß. Darüber möchte ich jetzt mit Ihnen reden.
+
+"Das Kind ist freilich noch jung, aber es ist groß und stark, und
+gelehrig sieht es auch aus. Die paar Schulmonate bis zum Frühling
+haben auch nicht mehr viel zu sagen, und so dachte ich, wenn es Ihnen
+recht wäre, wollte ich das Kind zu mir nehmen. Den Winter über hätte
+ich Zeit, es einzuarbeiten, und bis zum nächsten Sommer würde es eine
+ordentliche Magd für mich. Sie müssen sich aber nicht sorgen, Käthe.
+Ich weiß schon, daß jetzt die Zeit da ist, da das Kind anfangen muß,
+für Sie zu arbeiten und etwas Ordentliches zu verdienen. Ich gebe ihm
+gleich den ganzen Lohn, den die Mägde hatten, und jede Woche noch ein
+Brot dazu, denn das Kind ist mir das wert. Dazu haben Sie den Vorteil,
+daß es Ihnen nicht genommen wird. Es ist flink, es kann, wenn
+Feierabend ist, heim zu Ihnen. Und am Morgen schickt ihr mir's wieder.
+Am Sonntag darf es schon vom Mittag an bei Ihnen bleiben. Warum
+fangen Sie denn an zu weinen, Käthe? Das Kind soll es gut haben bei
+mir, und Sie sollen auch nicht zu kurz kommen. Korn und Obst habe ich
+auf dem Hof und Milch im Stall. Ein Säcklein Mehl und eine Flasche
+Milch soll das Kind jeden Sonntag auch heimbringen, und außerdem gibt
+es das Jahr hindurch noch manches andere, da können Sie sicher sein."
+
+"Sagt nur nichts mehr, es ist ja mehr als genug", konnte hier endlich
+die alte Käthe hervorbringen, "ich weine ja nur vor Freude, vor lauter
+Freude. Sie wissen ja nicht, von welchem Kummer Sie mich befreit
+haben, und welche Wohltat Sie an mir tun."
+
+Und nun erzählte die Alte der Bäuerin, wie sie sich schon den ganzen
+Sommer über gesorgt hätte und nun jeden Augenblick den Vetter erwarte.
+Das habe sie dem Kind gar nicht sagen dürfen, weil sie sich vor
+seinem großen Jammer fürchtete. Eben als die Großmutter fertig
+erzählt hatte, kam das Trini hereingesprungen. Beim Anblick der
+goldenen Äpfel auf dem Tisch und der Bäuerin, die daran saß, stand es
+plötzlich still und schaute mit größter Verwunderung um sich.
+
+"Komm, gib mir die Hand, Trini", sagte die Bäuerin. "Da du meine
+Bäume nie geschüttelt hast, mußt du mit der Großmutter ein paar Äpfel
+davon haben."
+
+Über Trinis Gesicht ging ein freudiges Lächeln. So hatte es die
+Bäuerin doch noch vernommen, daß es das nicht getan hatte, das
+erfreute sein Herz. Es kam eilig herbei, der Frau die Hand zu reichen.
+"Was meinst du?" fuhr die Bäuerin fort, "wie gefiele es dir bei mir
+auf dem Hof, wolltest du brav mit mir arbeiten?"
+
+Das Trini schaute immer verwunderter einmal auf die Bäuerin und dann
+wieder auf die Großmutter. Diese konnte nicht mehr schweigen in ihrer
+Freude: "Trineli, denk nur, denk nur, wie es jetzt kommt", rief sie
+aus, "du kommst nicht ins Reußtal, du sollst nicht von mir fort.
+Jeden Tag darfst du zu der guten Frau hinunter auf den Goldäpfelhof
+und am Abend wieder heim. Ach, was ist das für eine Erlösung aus der
+großen Sorge. Dank ihr, Trineli, dank ihr!"
+
+"So danke ich vielmals. Und ich will gern arbeiten bei Ihnen, was Sie
+nur wollen", sagte das Trini, das erst jetzt das Angebot der Bäuerin
+zu würdigen wußte.
+
+"So ist's recht", schloß die Bäuerin, "die Sache ist abgemacht. Das
+Beerenlesen hat jetzt ein Ende, und das Apfel- und Birnenlesen fängt
+an. Das ist gerade die rechte Zeit, um bei mir mit der Arbeit
+anzufangen. Am Montag schicken Sie mir das Kind, Käthe, und geben ihm
+Ihren Segen mit. Und nun auf Wiedersehen."
+
+Sobald die Tür sich hinter der Bäuerin schloß, fing die Großmutter an,
+laut zu loben und zu danken, daß der liebe Gott alle ihre Sorge in
+solche Freude und Hilfe verwandelt hatte. Das Trini jauchzte laut auf:
+"Juchhe, nun muß ich nie von dir fort, Großmutter! Ich will schon
+tüchtig arbeiten, dann behält mich gewiß die Bäuerin ihr Leben lang."
+
+Jetzt mußte es aber die goldenen Äpfel noch aus der Nähe betrachten.
+Auf einmal sagte es: "Großmutter, darf ich nicht dem Maneli noch
+geschwind die Hälfte bringen? Ich habe jetzt immer mit ihm geteilt."
+
+"Ja, ja", nickte beifällig die Alte, das war ihr gerade recht, daß
+auch der armen Nachbarin etwas von ihrem großen Glück zugute komme.
+"Lauf nur gleich, Trineli, und nimm auch mehr als die Hälfte. Es sind
+so viele, die sich an den Äpfeln freuen werden, geh schnell!"
+
+Trini stürzte fort, und ein ungeheures Freudengeschrei brach bei der
+Kinderschar aus, als es die Äpfel auf den Tisch hinschüttete. Sie
+rollten da und dorthin und der süße Apfelduft durchströmte die ganze
+Stube.
+
+Am Montag, als das Trini unter den Bäumen des Goldäpfelhofes schon
+eifrig bei seiner Arbeit war, trat der Vetter bei der alten Käthe ein.
+Jetzt hatte sie keinen Schrecken mehr. Sie sagte ihm, wo das Kind
+bei der Arbeit sei und daß es dort bleiben werde. Aber so schnell
+ließ sich der Vetter nicht von seinem Plan abbringen, denn er hatte
+fest vor, das Kind mitzunehmen. Er lief gleich zum Vormund und sagte
+ihm, daß das Kind in der Fabrik viel mehr verdienen könne als bei der
+Bäuerin. Aber der Vormund lächelte nur schlau, denn die
+Goldäpfelbäuerin war auch bei ihm gewesen. Sie wußte schon, was sie
+zu tun hatte, wenn sie das Kind behalten wollte. Er sagte, wenn das
+Kind fort sei, sorge niemand für die alte Frau. Solange es aber bei
+der Bäuerin sei, wären sie beide versorgt und könnten ohne fremde
+Hilfe gut leben. Und so sei beschlossen worden, daß das Kind bei der
+Bäuerin bleibe.
+
+Dem Trini geht es mit jedem Tag besser auf dem Goldäpfelhof Jetzt
+kennt es schon alle Arbeit, und die Bäuerin mag das flinke, immer
+frohe Trini so gern, als wäre es ihr eigenes Kind. Die Großmutter
+sorgt auch dafür, daß das Kind nie vergaß, wer zu ihm redet, wenn es
+ertragen soll, was weh tut. Denn sie weiß wohl, wie es zu dem guten
+Platz bei der Bäuerin gekommen ist.
+
+
+Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Was die Großmutter gelehrt hat,
+von Johanna Spyri.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Was die Grossmutter gelehrt hat, by Johanna Spyri
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK WAS DIE GROSSMUTTER GELEHRT HAT ***
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+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
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+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
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+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
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+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
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+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
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+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
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+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
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+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
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+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
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+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
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+
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+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
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+
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
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+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
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+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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