diff options
Diffstat (limited to '76239-0.txt')
| -rw-r--r-- | 76239-0.txt | 6872 |
1 files changed, 6872 insertions, 0 deletions
diff --git a/76239-0.txt b/76239-0.txt new file mode 100644 index 0000000..ce4465f --- /dev/null +++ b/76239-0.txt @@ -0,0 +1,6872 @@ + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 76239 *** + + + #################################################################### + + Anmerkungen zur Transkription + + Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1927 so weit + wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler + wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr + verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert. + + Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere + Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden + Symbole gekennzeichnet: + + fett: =Gleichheitszeichen= + gesperrt: +Pluszeichen+ + Antiqua: ~Tilden~ + + #################################################################### + + + + + Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen + + + + + Handfertigkeitsbuch für + junge Mädchen + + Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände + zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien + und allerlei Handfertigkeiten + herausgegeben von der Redaktion des „Kränzchens“ + + Bearbeitet von + + +Else Pauli+ + + +Mit 175 Abbildungen+ + + [Illustration] + + Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig + + + + + Zweite Auflage + + Nachdruck verboten / Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, + vorbehalten / Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in + Stuttgart + + + + +Inhalt + + + Vorwort 1 + + + I. Kapitel: Web- und Stickarbeiten 9 + + 1. Die Maske 9 + + 2. Handwebereien 10 + + 3. Buntstickereien 13 + + 4. Das handbestickte Kleidungsstück 17 + + 5. Kreuzsticharbeiten 19 + + 6. Monogramme und Buchstaben 27 + + 7. Häkeleien verschiedener Art 31 + + 8. Künstlerische Blumen 38 + + 9. Teepuppen 44 + + 10. Nadelmärchen 51 + + 11. Kissen aus bunten Wollresten 55 + + 12. Körbchen mit duftenden Rosen 56 + + 13. Wollpüppchen 61 + + 14. Die Zupfpuppe 64 + + 15. Lochstickerei 67 + + 16. Tülldecken 70 + + 17. Gabelspitzen mit Häkelei 73 + + + II. Kapitel: Malerei 78 + + 18. Stoffmalerei 78 + + 19. Malerei auf Ton 81 + + 20. Holzmalerei 87 + + 21. Porzellanmalerei 94 + + 22. Malerei mit Emailfarben 100 + + 23. Osterkarten mit Malerei 102 + + + III. Kapitel: Handfertigkeiten 105 + + 24. Linoleumschnitt 105 + + 25. Ausschneidetechnik 108 + + 26. Teller und Schalen aus Luftschlangen 113 + + 27. Bast- und Stroharbeiten 115 + + 28. Untersetzer mit gepreßten Blumen 121 + + 29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik 124 + + 30. Perlarbeiten 126 + + + IV. Kapitel: Laubsägearbeiten 137 + + 31. Puppenstube 137 + + 32. Fensterbild 143 + + 33. Handgearbeiteter Lampenschirm 146 + + + V. Kapitel: Bastelarbeiten 151 + + 34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn) 151 + + 35. Knebelpuppen 155 + + 36. Kreisel 157 + + 37. Holztiere 158 + + 38. Holzbasteleien 166 + + ~a~) Geburtstagsleuchter 166 + + ~b~) Sparbüchse 168 + + ~c~) Brieföffner 170 + + 39. Hampelmann 171 + + 40. Flaschenkork 172 + + + VI. Kapitel: Papp- und Papierarbeiten 174 + + 41. Allerlei Spiele 174 + + 42. Geduldspiele 181 + + 43. Feine Buntpapierarbeiten 181 + + 44. Behälter aus Kartonpapier 185 + + 45. Schmuckpapier 188 + + 46. Lampenschirme aus Papier 195 + + 47. Bemalte Deckchen und Papierservietten 197 + + 48. Papierpuppen 200 + + + VII. Kapitel: Buntes Allerlei 202 + + 49. Bildstickereien 202 + + 50. Pinseldruck 204 + + 51. Schattenrisse 206 + + 52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug 209 + + 53. Schattenspiele 211 + + 54. Bilderbuch von eigener Hand 212 + + 55. Purzelmann 214 + + + VIII. Kapitel: Weihnachtsarbeiten 215 + + 56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch 215 + + 57. Weihnachtliches Allerlei 228 + + + IX. Kapitel: Handarbeiten für die Reise 235 + + + + +Vorwort + +Liebe Leserinnen! + + +Als ich ein kleines Mädchen war, wollte ich eines Tages Ölbilder +malen. Ich hatte von berühmten Ölbildern gehört und erkundigte mich, +„was man dazu braucht“. Nun nahm ich eine große Gänsefeder und tauchte +sie in das Öl der Nachtlampe, die in Großmamas Zimmer von abends bis +morgens brannte, dann malte ich los. Zunächst kamen die blaugetünchten +Wände des „großen Hausflurs“ an die Reihe, und wenn ich nicht daran +gehindert worden wäre, hätte ich nach und nach sämtliche Flächen, die +mir in dem alten Hause zur Verfügung standen, mit meinen phantastischen +Ornamenten bedeckt. So verstand ich die Ölmalerei. Später hatte ich +noch oft Gelegenheit, allerlei Fehlgriffe zu machen, wenn ich meinem +Vergnügen, zu basteln und zu pinseln, nachgehen wollte und so gar keine +Anregung und noch weniger eine Anleitung bekam; denn in der kleinen +Stadt im Osten gab es für derartige Betätigungen kein Verständnis. +Später bin ich dann zum Kunstgewerbe gekommen, und noch heute tun mir +alle die Mädel leid, die Geschick zum Basteln und Pinseln haben und +denen, besonders in kleinen Städten und auf dem Lande, die Möglichkeit +fehlt, sich vernünftig belehren zu lassen. Dadurch verlieren sie viel +Zeit und schließlich vielleicht auch die Lust; denn es ist keine reine +Freude, immer wieder von vorn anfangen zu müssen, wenn man etwas +falsch gemacht hat. Und dann besteht die Gefahr, daß die ganze Sache +in einen lächerlichen Dilettantismus ausartet, daß junge, moderne +Mädchen alte, längst überholte Techniken ausüben, ebenso überholte +Muster gedankenlos nacharbeiten und ihre Zeit mit unnützen Spielereien +vertrödeln, anstatt mit einfachen Mitteln etwas Brauchbares zu +schaffen, was ihnen Spaß macht, geschmackvoll aussieht und nützlich +ist. Es gibt ja so viel Kleinkunstgewerbe, das mit Geduld und +Geschick -- ich sage absichtlich nicht Talent -- und verhältnismäßig +geringen Ausgaben hergestellt werden kann, und man muß ja auch nicht ++alles+ können. + +Es ist nur nötig, sich klarzumachen, was man will; ein kleiner +Gegenstand, gut und sauber ausgeführt, brauchbar und für die Person +geeignet, für die er bestimmt ist, ist viel, viel wertvoller als eine +große, unnütze Gabe. Der materielle Wert spielt bei allen diesen Dingen +eine unbedeutende Rolle. Junge Mädchen sollen keine Kostbarkeiten +verschenken, und schließlich ist es doch so, daß fast alles, was von +euch hergestellt wird, mehr oder weniger für Geschenke verwendet werden +soll, wenn ihr es nicht gerade für euren Privatgebrauch arbeitet, in +diesem Fall darf es erst recht nicht viel kosten. Aber, was ihr euch +auch vornehmt, auf eins müßt ihr unbedingt achten, das ist +gutes +Material+ und +gutes Handwerkszeug+. Ihr könnt machen, was ihr wollt, +wenn diese Dinge nichts taugen, ist es schade um Zeit und Mühe. Ich +will euch in diesem Buch keinen Unterricht erteilen, ich kann euch nur +einige Anregungen geben; ich will ganz zwanglos mit euch plaudern und +euch auf mancherlei aufmerksam machen, was ihr vielleicht nicht kennt +und was leicht herzustellen ist, wenn es euch Freude macht. + +Ihr, die ihr vielleicht wenig oder gar keine Gelegenheit habt, hübsche +und dabei einfache Dinge zu sehen, die ihr nacharbeiten könnt, an euch +wende ich mich besonders. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, wie das +ist, wenn man zum Beispiel vor einem Schreibwarengeschäft steht und +im Schaufenster Tischkarten mit bunten Blümchen ausliegen sieht. Man +pinselt selber ganz nett, da möchte man doch zu gern wissen, wie man, +wenn auch nicht ganz dasselbe, aber doch etwas Ähnliches machen kann. + +Aber ihr modernen Mädchen, ihr habt es doch viel besser; ihr habt in +der Schule allerlei Stunden, in denen ihr Handfertigkeiten lernt, und +für euch sind doch die ungesunden Benzinbrandmalereien und ähnliche +Kulturgreuel ein überwundener Standpunkt. Oder brennt +ihr+ etwa doch +noch Blumen und Tiere, Sprüche und Ornamente in weißes Lindenholz? Das +laßt lieber bleiben, und wenn ihr solch Hausgreuel besitzt, dann seht +es euch genau an, als abschreckendes Beispiel. + +Ein +Schlüsselbrett+ zum Beispiel kann man mit einer Holzbeize glatt +anstreichen, dann sieht es manierlich aus; dasselbe Mittel eignet +sich für +Truhen+, +Kasten+, +Kästchen+, +Bilderrahmen+ und so +weiter. „Haussegen“ habe ich abhobeln lassen, die Bretter wurden für +Schrankfächer verwendet, da sind sie nützlicher, als wenn sie über +der Tür hängen und sich mit ihren Sprüchen wichtig tun. Also, solch +„Kunstgewerbe“ treibt lieber nicht, aber wenn ihr eine +Briefmappe+ +selber kleistern wollt oder einen +Bucheinband+, dann will ich euch +gern helfen. + +Ihr habt doch sicher alle eine kleine Bibliothek, ich kann sie mir ganz +gut vorstellen; da wird manch ein Buch ein Röckchen brauchen, und die +vielen Ansichtskarten und all die „Erinnerungen“ an die Tanzstunde, die +müssen doch unbedingt in eine anständige Mappe hinein, vom „Tagebuch“ +gar nicht zu reden. Ich habe mir mein Tagebuch auch allein gemacht, +als ich ein Backfisch war. Da nahm ich ein ganz dickes Diarium ohne +Linien, band es sehr fein in mattes Glanzleinen, auf der Vorderseite +brachte ich ein kupfernes Schild an, das ich von meiner abgenutzten +Klaviermappe abtrennte, und dann kam als Hauptsache der Verschluß. +Ich befestigte eine kleine Schließe mit einem alten Messingschloß +an den Deckeln, ein Schlüsselchen gehörte dazu. Da dieser Verschluß +aber den Nachteil hatte, daß man von oben und von unten in das Buch +hineinsehen konnte, klebte ich aus einem blauen, festen Heftdeckel +drei Überschlagseiten ein, so daß der Buchinhalt fest darin lag, wie +in einer Mappe, man konnte nicht mehr oben und unten hineinsehen +und darin herumlesen. Jetzt habt ihr das Rezept, wie man selber ein +Tagebuch macht, aber nun hört weiter: Das alte Messingschloß, dieser +Fund aus der Bodenkammer, wurde gerade an dem Tage morsch, als ich +meinen Tanzstundenball beschrieben hatte; das Schlüsselchen brach +ab, blieb stecken, und ich mußte mit meinem Tagebuch in die einzige +Eisenhandlung der kleinen Heimatstadt wandern, in welcher der Freund +meines „Schwarms“ beschäftigt war. Ihr könnt euch nicht denken, wie +aufgeregt ich war, als ich ihm mein treubehütetes Tagebuch über den +Ladentisch hinüberreichen mußte, als er das Schloß untersuchte, es mit +der Zange aufknipste und schließlich ein neues Schlößchen anbrachte. +Also, liebe Leserinnen, nehmt keine alten Schlösser mit rostigen +Schlüsseln, dann braucht ihr keine Angst zu haben. + +Aber wißt ihr, was immer hübsch wird, wenig oder nichts kostet und +viel Spaß macht? Das ist buntes +Spielzeug+; dafür gibt es allerlei +Techniken, manches eignet sich auch zum +Tafelschmuck+, als +Damen+- +und +Herrenspende+, vielleicht auch für +Lotterien+, aber hauptsächlich +ist es für die kleinen Geschwister gedacht, die haben die größte Freude +daran. Dafür will ich euch mancherlei Vorschläge machen. Ich bin auch +sehr für die lustigen +Perlarbeiten+, die +Untersetzer+ aus farbigen +Glasperlen, die so sehr praktisch sind, weil man heiße Schüsseln darauf +stellen kann und mit ihrer Hilfe das Tischzeug und die Tischplatte +schont. + +Wenn ihr euch einen einfachen +Webeapparat+ wünschen dürft, dann +tut es; ihr wißt es vielleicht gar nicht, wie hübsch die bunten +handgewebten +Gürtel+, +Hutbänder+, +Lautenbänder+, +Kleiderbesätze+, ++Täschchen+ und dergleichen wirken, und außerdem sind sie ganz +besonders kleidsam. + +Wer ein wenig Geschick zum +Laubsägen+ hat, wird auf diesem Gebiet +oft in Anspruch genommen werden. Früher war das eine ausgesprochene +Knabenarbeit, aber die Mädchen von heute haben sportgeübte Arme +und feste Hände, da macht ihnen das Sägen keine Beschwerde. In der +Häuslichkeit findet sich oft Gelegenheit, sein Können zu zeigen; +meist kommt es dabei mehr auf die Geschicklichkeit an. Ich sah ++Hausapotheken+ aus großen Zigarrenkisten, die sehr brauchbar waren und +recht gut aussahen, und mancherlei +Spielzeug+, +Schlüsselbretter+, ++Brieföffner+ und dergleichen mehr, die handwerklich mustergültig waren. + +Von den neuen Techniken hat die +Ausschneidearbeit+ viel Freunde +gefunden. Da gibt es mancherlei Arten: am einfachsten ist das +Ausschneiden aus zusammengefaltetem Papier; man kann, wenn man +Geschmack und Phantasie hat, vielfache hübsche Muster entstehen +lassen und auf diese unterhaltende Weise reizende Tortenblätter und +Papierservietten anfertigen, die viel, viel hübscher sind als die +„gekauften“, schon weil sie eben gar nicht im Dutzend gekauft werden +können. Das ist ja eben der Reiz solcher Handarbeit, daß sie nicht +überall und immer wieder erhältlich ist; das werdet ihr längst gemerkt +haben. Aber seid deshalb nur nicht gar zu eitel auf euer Machwerk, wenn +euch einmal etwas ganz besonders gut gelungen ist, denn ihr könnt euch +darauf verlassen, es ist wie im Märchen von Schneewittchen; hinter den +Bergen, bei den sieben Zwergen, gibt es immer jemand und etwas, was +viel, viel tausendmal schöner ist. + +Wer einen eigenartigen Zimmerschmuck braucht, den möchte ich an die ++Lampenschirme+ erinnern. Für euern persönlichen Gebrauch kommen ja +vor allem die +Papierlampenschirme+ in Betracht, die passen am besten +in euer Stübchen. Der +seidene+ Schirm wirkt anspruchsvoller; wenn ihr +aber Gelegenheit habt, die Herstellungsart zu erlernen, laßt sie euch +nicht entgehen, ihr habt gewiß einmal Veranlassung, Verlobungs- und +Hochzeitsgeschenke zu machen, da ist solch ein Lampenschirm ein sehr +geschätzter Gegenstand, besonders wenn ihr nicht auf Überraschungen +ausgeht, sondern euch rechtzeitig genau erkundigt, welche Größe, Farbe, +Technik erwünscht ist, sonst könnt ihr mit eurer Überraschung allerlei +erleben. + +Viele von euch werden den +Linoleumdruck+ nicht kennen. Ich will +euch auch darüber einige Winke und Anleitungen geben, denn diese +Technik eignet sich nicht nur für Wandschmuck, sondern auch für ++Kalenderrückwände+, +Glückwunsch+- und +Tischkarten+, erfordert +indessen ganz besonderes Zeichentalent. Wer das nicht besitzt, braucht +trotzdem nicht zu weinen, es gibt ja so viel anderes, was sich mit +einigem guten Willen erlernen läßt. + +Da sind zum Beispiel die +Buchstaben+ und +Monogramme+, die nicht +nur, wie üblich, zum Wäschezeichnen zu verwenden sind. Ihr könnt +euch mit solchen Zeichnungen sehr feine und originelle +Exlibris+ +herstellen; die eignen sich, in entsprechender Größe, zum Schmuck +für Briefpapier und Karten. Ihr könnt sie bunt in feiner Seide und +in farbigen Perlen sticken und damit +Handtäschchen+, +Briefmappen+, ++Besuchskartentäschchen+, +Kassetten+ und ähnliches verzieren, es kommt +nur darauf an, daß ihr die richtige Form für die einzelnen Gegenstände +findet. + +Wer +Gesellschaftsspiele+ selber herstellen kann, macht sich bei alt +und jung beliebt, denn moderne und eigenartige Spiele sind nicht +billig. Wenn man sie selber herstellt, kann man sie viel unterhaltender +machen, als die gekauften, denen doch immer die persönliche Note fehlt. +Hier kommt es wieder auf den Farben- und Formensinn an. + +Wer pinsel- und farbenfroh gestimmt ist, hat mancherlei Aussichten, +sich mehr oder weniger nützlich zu machen. Die +Tonmalerei+ ist sehr +unterhaltend; man kann mit starken, ungebrochenen Tönen, am besten +ohne Vorzeichnung, aus freier Hand +Blumentöpfe+ und +Schalen+ recht +flott bemalen, sie sollen die wenig geschmackvollen Papierhüllen für +Blumentöpfe ersetzen; wenn sie vorsichtig behandelt werden, halten +sie sich recht gut und lange, und wenn sie schließlich unansehnlich +geworden sind, lassen sie sich ohne viel Kosten wieder ersetzen. + +Sehr ähnlich ist die +Malerei+ auf +Holz+ und +Span+; da gibt es ++Körbchen+, +Dosen+, +Schachteln+, +Untersetzer+ und ähnliche +praktische Gegenstände, die im Haushalt immer Verwendung finden und +denen ein buntes Ornament recht gut steht. + +Schwieriger ist die +Porzellanmalerei+, weil hier das Brennen der +einzelnen Stücke hinzukommt, das wieder eine besondere Kenntnis der +Farben und ihrer Wirkung nach dem Brennen voraussetzt. Da man indessen +auf diesem Gebiet viel Brauchbares leisten kann, solltet ihr es +nicht versäumen, die +Porzellanmalerei+ zu erlernen, falls euch die +Gelegenheit hierzu geboten wird; ihr werdet sicherlich klug genug sein, +keine kostspieligen Arbeiten anzufangen, solange euch die nötige Übung +fehlt. + +Da ist zum Beispiel eine Abart der +Buchbinderei+, die nicht ganz +einfach ist; das ist das Anfertigen von +Kästchen+, +Dosen+, ++Schachteln+, eine saubere, angenehme Beschäftigung, bei der ihr zeigen +könnt, ob ihr an peinliche Sauberkeit und Pünktlichkeit im Arbeiten +gewöhnt seid, denn hier nützt euch der feinste Farben- und Formensinn +allein gar nichts, ihr müßt auf den Millimeter richtig messen können; +wenn die Maße nicht stimmen, ist die ganze Arbeit umsonst. + +Bunt und lustig geht es auch bei der +Bastarbeit+ zu. Hier gibt es +außerordentlich viel Möglichkeiten, sich geschickt zu betätigen. Die +hübschen +Bastuntersetzer+ sind sehr praktisch, sie bewähren sich in +jedem Haushalt und können in den verschiedensten Arten hergestellt +werden. + +Sehr wirkungsvoll sind auch andere handgearbeitete +Untersetzer+. +Es gibt da verschiedene Techniken: sehr beliebt sind die kleinen +Glasuntersetzer, bei denen der Hauptreiz in den Einlagen liegt; man +verwendet hierzu farbige Seiden, Brokatreste, Stickereien, Strick- und +Häkeldeckchen, Perl- und Filetmotive. Statt der wenig geschmackvollen +Einlagen aus bunten Federn oder gar Schmetterlingsflügeln bringt +man jetzt vielfach +konservierte Blumen+, ein Nachklang aus der +Biedermeierzeit. Wenn es richtig gemacht wird, sieht es reizend aus, +eine Geduldsprobe, die sicherlich manchen von unsern lieben jungen +Leserinnen gelingen dürfte. + +Und da wir vorhin von „gefallen“ redeten, denke ich an die zierlichen ++Ansteckblumen+, die immer flott wirken und sicher nicht so bald +unmodern werden, weil sie kleidsam sind. Diese Ansteckblumen sind ja +eigentlich weniger für ganz junge Mädchen geeignet, für Backfische kann +ich mir ein buntes Bändchen für die Bluse hübscher denken. Aber wenn +ihr die vorgeschlagene Ansteckblume verschenken wollt, würdet ihr euch +sicher sehr beliebt machen, und für euren eigenen Gebrauch gebe ich +euch ein paar Winke, wie ihr euch seidene +Blusenbändchen+ recht fein +und eigenartig bemalen könnt, damit ihr nicht zu kurz kommt. Ich will +euch auch verraten, wie man +Gesichtsmasken+ anfertigt, weil wir doch +gerade bei der Eitelkeit angelangt sind. + +Manche von euch wird gewiß recht gut sticken. Für solche fleißigen +Stickerinnen will ich einige +Nadelmalereien+ einfügen, in der +Voraussetzung, daß ihr die Technik vollkommen beherrscht. Es gibt +zwar in den einschlägigen Geschäften mancherlei Lehrbücher über die +einzelnen Textiltechniken, es gibt Vorlagen für +Strick-+, +Häkel+-, ++Kreuzstich+- und +Madeira-Arbeiten+, aber ich will doch nicht +vergessen, einige einfache Muster zu bringen, von denen ich annehme, +daß ihr sie gelegentlich recht gut verwerten könnt. Ich bin fest davon +überzeugt, daß ihr in späteren Jahren gerade die alten Techniken gern +wiedersehen werdet, manches andere wird inzwischen unmodern geworden +sein, aber solch ein richtiges, einwandfreies Kreuzstichmuster -- um +ein Beispiel zu nennen -- wird immer wieder Verwendung finden. Zu +andern Handfertigkeiten braucht man mancherlei Handwerk, man ist an +Raum und Zeit gebunden, aber zum Häkeln, Sticken und Stricken braucht +ihr nur die notwendigen Materialien, nicht wahr? + +Ich bin, um euch recht viel Anregungen geben zu können, in viele +Werkstätten und Schulen, zu Kunstgewerblerinnen und Fachlehrerinnen +gegangen und habe mir dort, an der Quelle, mancherlei angesehen. +Was mir am besten gefallen hat, zeige ich euch in diesem Buch und +schreibe dazu einen Text, eine Anregung, eine Gebrauchsanweisung, wie +es sich am besten trifft. Es wird ein wenig kunterbunt und gar nicht +lehrhaft darin zugehen, aber das ist meine Absicht. Es soll durchaus +keine ausgeklügelte Abhandlung werden, in der Art „das dürft ihr aber +nicht tun“, es soll wie eine flotte Unterhaltung zwischen Freundinnen +sein, in der doch auch die Gedanken wechseln, man spricht von diesem +und jenem und lernt dabei ... Gerade bei den ernstesten Lehrbüchern +kommt es leicht vor, daß sie vor lauter Gründlichkeit ganz „furchtbar +langweilig“ werden, wie ihr sagen würdet, und das wäre hier bestimmt +das Verkehrte. Von dem vielen, was ich für euch, liebe Mädchen, +zusammengetragen habe, mache ich nun dieses Buch. Hoffentlich habt +ihr recht viel Nutzen davon; ihr sollt alle darin etwas finden. Ihr, +die ihr am liebsten mit Nadel und Faden arbeitet, ihr, die ihr pappt +und kleistert, ihr, die ihr pinselt und bastelt, ihr, die ihr die +Laubsäge, die Glasperlen, die Buntpapiere handhabt, ihr alle, die ihr +aus getrockneten Blumen, aus Seide oder glitzernden Flitterrestchen ein +wenig Freude und Buntheit in eure und anderer Häuslichkeiten bringt, +euch allen wünsche ich: Fröhliches Handwerk! + + + + +I. Kapitel + +Web- und Stickarbeiten + + +1. Die Maske + +[Illustration: Abb. 1. + +Schnittmuster einer Maske.] + +Der Gipfel der Tanzstundenfreuden ist der Maskenball. Ist das Kostüm +selbst entworfen und selbst genäht, so ist der Spaß besonders groß. +Nun fehlt nur noch die +Maske+, die man ebenfalls ohne viel Mühe und +Kosten selber herstellen kann. Das Grundmaterial besteht aus einem +dünnen Seidenrest in entsprechender Größe. Man schneidet den Stoff nach +der Zeichnung (Abb. 1) aus, den Schnitt stellt man selber her, indem +man etwas über Kopfhöhe an der Wand ein Stück Papier mit Reißnägeln +befestigt. Nun setzt man sich zwischen die Lampe und das an der Wand +angeheftete Papier so weit entfernt, daß der Schatten des Profils in +natürlicher Größe darauf fällt. Eine zweite Person umzieht nun den +Schatten, der auf das Papier fällt, mit Bleistift. Der so entstandene +Schnitt wird sauber nachgezeichnet. So entsteht der Maskenschnitt, der +immer wieder verwendet werden kann. Er wird mit Ölpauspapier oder mit +Kreide auf den Seidenstoff übertragen, die Seide wird mit der Schere +ausgeschnitten und gesäumt. Nun hält man sich die Maskenform vor das +Gesicht und zeichnet mit Kreide die Augenlöcher ein, die ebenfalls mit +einer Schere ausgeschnitten werden. Nagelscheren eignen sich ihrer +gebogenen Form wegen am besten für runde Öffnungen. Die Augenlöcher +werden mit Langettenstich umsäumt, der Seidenstoff wird mit weißem +Schleierstoff abgefüttert; ein Gummiband hält die Maske am Hinterkopf +zusammen, es wird an den beiden äußersten Seiten fest angenäht. Wer +die Maske besonders reich verzieren will, umnähe die Augenlöcher und +den Rand mit Pailletten. Es ist empfehlenswert, beim Säumen sehr +feinen besponnenen Blumendraht einzunähen, damit die Maske festere +Umrisse bekommt. Den unteren Rand der Maske kann man mit entsprechend +breiter Spitze benähen, sie verhüllt noch besser und erschwert das +Erkennen. Am geschmackvollsten sind schwarze Masken mit entsprechend +schwarzer Spitze; auch grüne Masken sehen hübsch aus, wenn sie zur +Farbe des Kostüms passen. Wenn die Spitze nicht dieselbe Farbe wie +der Seidenstoff hat, läßt man sie lieber fort, nur schwarze Spitze +kann schließlich für jede farbige Maske verwendet werden, sie paßt +indessen nicht zu Weiß. Wer sich besonders unkenntlich machen will und +keine passende Spitze zur Verfügung hat, kann einen Volant aus dem +Maskenstoff anfertigen und mit kleinen Stichen annähen; dieser Vorhang +darf nicht nach kurzem Tragen der Maske abreißen, dasselbe gilt für die +Spitze. + + +2. Handwebereien + +Die +Hand+-, besonders die +Perlweberei+ ist eine der beliebtesten +Techniken, weil ihre Vielseitigkeit es ermöglicht, allerlei nützliche +Gegenstände in dieser ziemlich einfachen Weise zu verzieren. Es +gehören indessen scharfe Augen dazu, sehr viel Geduld und eine +gewisse Fingerfertigkeit, die man sich aber mit einigem guten Willen +aneignen kann. Wer keinen Webeapparat besitzt, kann ihn ohne viel +Schwierigkeiten, fast kostenlos, selber herstellen. + +[Illustration: Abb. 2. + +Einfacher Webeapparat aus einer Zigarrenkiste.] + +Eine einfache +Zigarrenkiste+, +Fäden+ und +Reißnägel+ bilden +das Hilfsmaterial; damit kann man mit Leichtigkeit kleinere +Gegenstände, zum Beispiel +Achselträger+, +Gürtel+, +Hutbänder+ und ++Serviettenringe+ weben. Man schneidet Längsfäden in der gewünschten +Länge, und zwar einen Faden mehr, als man Perlen in der Breite +haben will. Diese Fäden werden an einem Ende verknotet, über die +Zigarrenkiste gespannt und mit Reißnägeln befestigt, wie wir es auf der +Abb. 2 deutlich zeigen. Damit die Fäden nebeneinander liegen bleiben, +ritzt man mit einem Messer kleine Kerben in entsprechenden Abständen +in das Kistenholz. Nachdem die Breite des Perlbandes festgestellt +worden ist, zieht man entsprechend viel Perlen auf, verknotet den +Anfangs-Aufziehfaden an einen Längsfaden, legt die aufgezogenen +Perlen +auf+ die Längsfäden, und zwar in der Art, daß jedesmal eine +Perle zwischen zwei Längsfäden liegt. Dann fährt man mit der Nähnadel ++unter+ dem Längsfaden wieder durch jede Perle hindurch. Die Muster +entstehen durch die verschiedenen Farben der einzelnen Perlen, und es +kommt nun darauf an, bei der Farbenzusammenstellung einen recht guten +Geschmack zu zeigen. Außer +Glas+- und +Metallperlen+ kann man auch ++Holzperlen+ verwenden. Auf unsrer Abb. 3 zeigen wir ein paar sehr +feine +Achselträger+ aus weißen Glasperlen, die in der beschriebenen +Art hergestellt worden sind. Sie sind sehr praktisch für Tanzstunden- +und leichte Sommerkleider, die silbrig glitzernden Perlen wirken +durchaus geschmackvoll, gar nicht auffällig, buntes Perlmaterial darf +man für diesen Zweck nicht verwenden, farbige Achselträger würden +bestimmt unfein aussehen. An jedem Achselträger wird an beiden Enden +je ein Perlmutterknopf zum Befestigen angenäht. Auf dem nächsten Bilde +sehen wir einen +Lacetgürtel+, der aus schildartigen Teilen besteht, +die über Lacetband gewebt sind. Diese Schilder sind in drei Farben +gehalten, die geschickt zueinander abgestimmt werden müssen. Bevor man +einen solchen Gürtel webt, muß man genau wissen, für welches Kleid er +bestimmt ist; man kann ihn hell, man kann ihn auch dunkel halten. Für +dunkle Kleider soll man keine hellen Gürtel wählen, auch nicht dunkle +Gürtel zu hellen Kleidern tragen. Aus diesen verschiedenen Gründen +müssen die Farben vor der Herstellung sehr genau überlegt werden. Sehr +fein sind Zusammenstellungen wie zum Beispiel Schwarz-Orangegelb-Weiß, +Türkis-Orangegelb-Grau, Pfauenblau-Giftgrün-Schwefelgelb, +Grasgrün-Weiß-Orangegelb, Lachsrosa-Grau-Weiß, Schwarz-Kobaltblau-Weiß, +Tiefveilchenblau-Giftgrün-Weiß, Ocker-Tütenblau-Türkis. Rot ist so sehr +auffallend, daß es lieber nicht oder sehr sparsam verwendet werden +soll, Hellblau und Hellila sind ebenfalls ungeeignet für diesen Zweck. +Wer besonders hübsche Muster weben will, achte auf die einfachen +Kreuzstichmotive, die sich dafür stets eignen dürften, besonders, +wenn man im Anfang zu leichten Übungszwecken solche Kreuzstichmuster +auseinandernimmt oder auf andere Weise vereinfacht. + +[Illustration: Abb. 3. Achselträger in Perlweberei.] + +Das zweite Modell auf unsrem Bilde (Abb. 4) ist ein handgewebter ++Gürtel+, der auch als +Hutband+ verwendet werden kann. Er besteht +aus Wollfäden und ist ebenfalls auf der Zigarrenkiste in der +angegebenen Art hergestellt. Das Muster eignet sich auch recht +gut für Perlenweberei; es sind vier Töne, die sehr geschickt +nebeneinandergesetzt sind; der tiefste Ton ist lila, daneben steht +Grasgrün, alles übrige ist kirschrot und dottergelb. Die Technik ist +dieselbe, die Verwendbarkeit des Streifens sehr vielseitig, er kann +unter anderem auch als +Kleiderbesatz+ benutzt werden; in diesem Fall +muß er recht schmal gehalten sein und in den Farben dem Stoff sehr +geschickt angepaßt werden. Wer mit der Technik gut Bescheid weiß, +kann von diesen einfachen Anfängen zu größeren Arbeiten übergehen. +Handgewebte +Kissenplatten+ und kleine +Wandteppiche+ sind sehr beliebt +und werden, wenn die Muster geometrisch gehalten sind, nicht so +schnell unmodern wie andre Handarbeiten, besonders, wenn man kräftige, +unvermischte Töne geschickt nebeneinandersetzt. Auf dem kleinen +Zigarrenkistenapparat kann man große Gegenstände nur dann herstellen, +wenn sie aus kleinen, dem Miniaturwebeapparat entsprechenden Stücken +bestehen, die dann zusammengenäht werden. + +[Illustration: Abb. 4. Handgewebte Gürtel aus Wollfäden und Lacetband. + +Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.] + +Während für Perlwebereien dünne Fäden aufgezogen werden müssen, kommt +bei Wollwebereien ein stärkeres Material, zum Beispiel Bindfaden, in +Betracht. Das gilt auch, wenn mit Seidenkordel gewebt werden soll. Man +stopft das Muster zwischen den Fäden, in dieser Art ist das +Band+ +auf unsrer Abbildung ausgeführt. + + +3. Buntstickereien + +Wenn man moderne Handstickereien mit solchen früherer Jahre vergleicht, +vor allem mit den sogenannten „Augenpulvern“ unsrer Mütter und +Großmütter, so können wir mit Leichtigkeit feststellen, daß die +Handarbeiten der letzten Moden, was Technik, Grundstoff und Ausführung +anbelangt, großzügiger, einfacher und dekorativer geworden sind. Und +wenn wir auch, dem Geschmack der Zeit folgend, vielfach die Ideen zu +unsern Mustern einer Epoche entnehmen, die in betonter Einfachheit und +Gefühlseligkeit förmlich schwelgte, so borgen wir uns doch schließlich +nur den vielfach veränderten Stil und die Farben; die komplizierte +Technik dieses mühseligen Stich-an-Stichreihens entspricht kaum mehr +unserm modernen Empfinden, und darum vereinfachen wir die Technik +und die Muster. Sticken ist heutzutage kein Mittel mehr, um die +überflüssige Zeit totzuschlagen, +gute+ Handarbeiten werden immer +teurer, ihr Wert steigert sich durch den Wettbewerb mit billigem +Dilettantismus. + +Auch wir Modernen sticken bunte Blumenkränze und farbenfröhliche +Sträuße mit glänzender Seide, aber wir verwenden keine zeitraubenden +dünnen Fäden, wir bevorzugen +starke+ Seidenfäden, die schnell decken, +wir können uns nicht gar so lange bei einer Blume, bei einem Blatt +aufhalten wie die Stickerinnen früherer Jahrzehnte. + +Während man früher farbige Muster mit den größten Ausmaßen, zum +Beispiel Vorhänge mit feinsten Seidenfäden stickte, verwendet man +jetzt zu verhältnismäßig kleinen Arbeiten, zu Taschen, Beuteln, +Kinderhäubchen, Nähkissen, Nähbüchern, Tabletteinlagen und so weiter +möglichst starkfädiges Stickmaterial. + +Darum hat die Wollstickerei ganz besonderen Anklang gefunden, während +die Arbeiten mit buntem feinen Garn kaum mehr verwendet werden. Dagegen +verarbeitet man vielfach Wolle in Verbindung mit Seide und erzielt +dadurch recht gute Wirkungen mit verhältnismäßig wenig Mitteln. + +Was die einzelnen Formen der Muster anlangt, so gilt das ungeschriebene +Gesetz nicht mehr, das einstmals forderte: „Der Grundstoff muß +vollständig von der Stickerei bedeckt sein!“ Im Gegenteil, besonders +bei größeren Handarbeiten findet man häufig eine Art „gesperrte“ +Technik, der man die Absicht, Zeit zu sparen, deutlich ansieht. Solch +eine Stickerei wirkt, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt ist +und wenn Grund- und Stickmaterial geschmackvoll zueinander abgestimmt +sind, häufig fast skizzenhaft, betont flüchtig, ohne an Wirksamkeit +einzubüßen. + +Als Farben des Stickmaterials kommen ständig neue Töne, gebrochen und +ungebrochen, in den Handel, eine Seide leuchtender und waschechter +als die andere, eine Wolle weicher und vollfädiger als die andere, +und auch die Stoffe, die als Grundmaterial zur Verwendung gelangen, +werden immer mehr darauf eingerichtet, die Wirkung der Stickerei zu +unterstreichen, vor allem aber auch die Arbeitsdauer so viel wie +möglich einzuschränken. Selbst die kleinsten modernen Handarbeiten +tragen unsichtbar, aber leserlich für die Eingeweihten, das Motto: Zeit +ist Geld. + +[Illustration: Abb. 5. Buntstickereien: Kissen, Kaffeewärmer, +Arbeitstäschchen und Taschentuchbehälter.] + +Wir zeigen auf unserer Abb. 5 eine Anzahl solcher Handarbeiten, deren +Herstellung in diesem Sinne durchaus zu empfehlen ist. + +Die verschiedenen kleinen Täschchen können leicht aus Resten +hergestellt werden, nur das gestickte +Kissen+ unsrer Vorlage erfordert +ein größeres Stück Stoff. Hier ist karmoisinrotes Tuch in der Größe +von 32: 51 Zentimeter verwendet. Die Ecken sind mit blätterartigen +Figuren bestickt, die aus einem Kelch hervorzugehen scheinen. Sie sind +in bunter Wollstickerei und meist im schrägen Plattstich ausgeführt. +Die Ecken zieren starke Quasten. -- Sehr gut wirkt der aus feinem +weißen Waschtüll gearbeitete +Kaffeewärmer+ (im Vordergrund links). +Die untere Breite mißt ungefähr 36, die Höhe etwa 32 Zentimeter. Die +Zeichnung überträgt man am besten mit Blaustift auf festes weißes +Papier und heftet sie dem Tüll unter; die begrenzenden Linien lassen +sich auf diese Weise leicht einziehen. Größere Blumen und Flitter +werden noch mit Twist oder Glanzgarn in verschiedenen Stichen +ausgeführt. In die Verbindungsnaht wird ein schmaler 3 Zentimeter +breiter Tüllvolant mit eingefaßt; eine Tüllrosette dient zum Anfassen. +Die Grundform ist mit einfarbigem Seidenstoff überzogen. -- Zu dem +reizenden +Arbeitstäschchen+ (rechts vom Kaffeewärmer) braucht man ein +Stückchen Rohseide oder feines gelbliches Leinen von 18 Zentimeter +Breite und 31 Zentimeter Länge. Von dieser werden 9 Zentimeter zur +Tasche umgeschlagen. Den Deckel ziert eine Stickerei in bunter Wolle. +Nachdem das Satinfutter angebracht ist, wird das Ganze mit zwei Fäden +grüner Wolle eingestochen, über die sich dann noch solche von roter +Wolle legen. Einen besonderen Ausputz bildet der 11 Zentimeter lange +und 4 Zentimeter breite Zipfel, der einem alten Siegel nachgebildet ist +und das Täschchen zugleich schließt. Zu diesem Zwecke muß ein Knopf +auf der unteren Seite angebracht werden. -- Auch der aus schwarzem +Tuch hergestellte +Taschentuchbehälter+ (rechts vor dem Kissen) ist +sehr geschmackvoll. Er mißt 19 Zentimeter im Quadrat; die Ecken +werden hereingeschlagen und mit kornblumenblauer Wolle bestickt. Drei +Ecken werden durch Zierstiche -- Bäumchen- oder Languettenstiche -- +zusammengefügt; die vierte dient als Schluß und wird mit einer Schlinge +versehen. Zuletzt wird die Arbeit mit blauer Seide gefüttert und an den +Ecken werden kleine blaue Bällchen angebracht. -- Das niedliche andere ++Arbeitstäschchen+ (an der äußersten rechten Ecke unseres Bildes) ist +12 Zentimeter im Quadrat groß, erfordert also einen Streifen Tuch von +12 Zentimeter Breite und 24 Zentimeter Länge. Auf der oberen Seite +ist eine bunte Wollstickerei angebracht; grüner Vorstoß umrandet das +aus blauem Tuch angefertigte Täschchen, das zuletzt mit grüner Seide +gefüttert und mit blauen Bändern gebunden wird. + + +4. Das handbestickte Kleidungsstück + +Das +handbestickte Kleidungsstück+ erfreut sich besonders bei der +Jugend einer meist berechtigten Beliebtheit. Jungen Mädchen macht es +Freude, ihre Schürzen, Blusen, Kleider, Gürtel, Taschen, Mützen und +so weiter selber zu besticken; häufig entwerfen sie selber die Muster +dafür und geben sich viel Mühe, mit einem großen Aufwand von Zeit und +Kosten diese eigenen Entwürfe auszuführen. + +[Illustration: Abb. 6. Handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff +mit farbiger Stickerei.] + +Gerade diese selbstentworfenen Muster und ihre Farbenzusammenstellung +wirken häufig sehr dilettantenhaft; man wundert sich oft, wie viel +Geschmacklosigkeiten auf einem einzigen Stück vereinigt sind. Da sieht +man naturalistische Rosen und Veilchen, zu einem Strauß geordnet, und +all dies auf eine Bluse gestickt, als ob es sich um ein altmodisches +Sofakissen handelte. Und naturalistisch gehaltene Weinranken auf einem +Gürtel, und große Schmetterlinge auf einem Kleid! Etwas Ähnliches haben +wir alle schon erlebt. + +Wie lächerlich wirkt solch unverstandenes Kunstgewerbe auf den Kenner. +Geometrische Figuren sind für solche Ornamentik empfehlenswerter, +indessen wird auf diesem Gebiet wieder häufig der Fehler gemacht, daß +die Muster dadurch viel zu langweilig werden, und der Fehler wird +noch größer, wenn man versucht, die Eintönigkeit der Ornamente durch +krasse Farben zu vermindern. Diese Wirkung ist noch schlimmer, als wenn +man eine Bluse mit Lilien bestickt, „weil es die Lieblingsblumen der +Trägerin sind“. + +Wer beim Besticken der einzelnen Kleidungsstücke einen guten Geschmack +zeigen will, bringe nur stark vereinfachte Formen und Linien. Gewiß +können Blumen und Schmetterlinge als Vorbild dienen, aber die Formen +müssen so lange auseinandergenommen werden, die Linien sollen so +stark stilisiert, das heißt vereinfacht sein, daß man bestimmt +nicht mehr erkennen darf, woher die Motive stammen. Auch die Farben +müssen dementsprechend verändert werden, und bei der Auswahl des +Stickmaterials sei man stets darauf bedacht, daß ein Kleidungsstück +keine Tischdecke, kein Sofakissen, kein Kaffeekannenwärmer ist. +Kleidungsstücke, die dem Witterungswechsel ausgesetzt sind -- auch +Handtaschen gehören in dieses Gebiet --, müssen unbedingt wasch- und +regenecht bestickt werden; unecht bestickte Hüte, die in den Regen +kommen und tüchtig abfärben, können einen ganzen Anzug, von Kopf bis zu +Fuß, gefährden. + +Am besten ist es, die Handarbeit auf einem Kleidungsstück in möglichst +bescheidenen Grenzen zu halten, häufig genügen einige feine Zierstiche, +um es geschmackvoll zu schmücken. Wer aber durchaus mit Ornamenten +prunken möchte, dem zeigen wir obiges handbesticktes Überziehjäckchen +aus rotem Stoff mit farbiger Handstickerei (Abb. 6), das mit seiner +sparsamen, vornehmen Ornamentik durchaus mustergültig ist. Hier +sehen wir, wie hochrotes Tuch, das doch stets sehr schwierig in der +Verarbeitung ist, geschmackvoll und nützlich verwendet wurde. Es ist +in einzelne Teile aufgeteilt, die mit Zierstichen verbunden sind; +bestickte Knöpfe und zwei aufgesetzte, ebenfalls handbestickte Taschen +bilden den Hauptschmuck. Statt der Knopflöcher wurden geschürzte +Ösen als Verschluß angebracht. Auf den Taschen sehen wir außer den +umrandenden Zierstichen flachgestickte Ornamente, die aus Rosenknospen +und Blättchen umgewandelt worden sind, das heißt, man sieht dies nur, +wenn man sich sehr bemüht. Die Knospe und die Blätter sind auf den Kopf +gestellt, vor allem aber stark stilisiert. Das „Auf-den-Kopf-Stellen“ +genügt nämlich nicht, um ein Ornament für solchen Zweck geeignet zu +machen, dazu gehört schließlich doch etwas mehr. Auch die Farben sind +nicht naturalistisch. Die Muster sind weiß gehalten, mit Grau und Blau +umrandet. Alte und neue Zierstiche sind für dieses Überziehjäckchen +zu Hilfe genommen worden, um ihm eine persönliche Note zu geben, +ein Verfahren, das sehr zu loben ist, wie überhaupt unsere hübschen +Zierstiche viel mehr verarbeitet werden sollten. + +Hoffentlich wird unser gutes Beispiel dazu beitragen, noch mancherlei +Irrtümer auf diesem Gebiet zu beseitigen oder ungeschehen zu machen. + + +5. Kreuzsticharbeiten + +Zu den bekanntesten Handarbeitstechniken gehört der Kreuzstich. +Daß er sich auch in früheren Zeiten schon einer großen Beliebtheit +erfreute, davon zeugen u. a. die prachtvollen farbigen Meßgewänder +in den Klöstern des Mittelalters; welch künstlerische Wirkungen +wurden da durch den Kreuzstich in seinen originellen Varianten -- +Rosenstich, Augenstich -- erzielt! Nachdem ihn verschiedene andre +Techniken verdrängt hatten, kam er in der Biedermeierzeit wieder zu +Ehren, eignete er sich doch wie kein andrer Stich zur Verarbeitung der +farbenfröhlichen, naiven Muster jener Zeit. Ja, der Kreuzstich war +weltlich geworden, aber obgleich er immer noch vielfach zu kirchlichen +Zwecken verwendet wurde, fand man die hübschen Kreuzsticharbeiten mit +der bunten Ornamentik doch zumeist in den besseren Bürgerhäusern. +-- Die Gegenwart, die so viel aus den Tagen der Biedermeierzeit +entlehnt, brachte auch die Kreuzsticharbeiten wieder in Aufnahme. Stark +modernisiert und stilisiert, den heutigen Begriffen und Bedürfnissen +angepaßt, erkennen wir die anmutigen Motive in sichtbar veränderter +Form kaum wieder. + +Während man sonst auf groben, löchrigen Geweben -- im Mittelalter +verwendete man sogar Hanf und Leder -- den Kreuzstich arbeitete, wird +jetzt meist Seide und mehr oder weniger starkes Leinen gewählt. Am +beliebtesten sind die bunten Rupfenarten, Leinwand, die in den feinsten +Nuancen und in reicher Auswahl eingefärbt ist. + +[Illustration: Abb. 7. Kreuzstichmuster: Ornament. + +Entwurf von Else Levin.] + +Wir bringen verschiedene Kreuzstichmuster, die mit einigem Geschick +selbst von ungeübten Händen nachgemacht werden können, und deren +Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Wir sehen in Abb. 7 +ein modernes Ornament, das, nach rechts und links angesetzt, eine +außerordentlich wirksame Borte ergibt. Durch Spieglung sind wir in der +Lage, das Muster auf seine vielfache Verwendbarkeit hin zu prüfen. +Wir können es sowohl zur Verzierung von Gürteln als auch von Decken +und Kissen verarbeiten. Es eignet sich zum Schmuck für Kinderkleider, +Theaterhauben, für elegante Blusen und Schürzen. Als einfaches +Ornament, wie wir es hier im Bilde sehen, läßt es sich als Mittelstück +für Kissenplatten in Hochformat verwerten. Man hält es am besten in +drei Farben, die man dem Hintergrund harmonisch anpaßt. Sehr dekorativ +wirkt die Stickerei in Schwarz, Orange und Grün auf kobaltblauem +Grund, ganz gleich, ob es sich um seidenes oder leinenes Material +handelt. Auf Leinen stickt man am besten mit Perlgarn, dessen Stärke +sich nach der Gewebeart richtet. Zur Ausführung verwendet man, wie +bekannt, Kanevas oder Kongreßstoff, ihre Fäden werden, wenn die Arbeit +vollendet ist, wieder herausgezogen. Abb. 8 stellt eine Bordüre dar, +die zum Schmuck von großen waschbaren Portieren und Vorhängen aller +Art zur Verwendung gelangt, zum Beispiel für Vorhänge auf Balkone, +Loggien, in Schlafzimmern, Dielen, vor Bücherregalen und anderen. +Unser Originalmodell ist in Schwarz, Zinnoberrot und Zitronengelb +auf cremefarbenem Grund gestickt und kann je nach Belieben und +Zweckdienlichkeit in großem oder kleinem Format ausgeführt werden. + +[Illustration: Abb. 8. Bordüre für Portieren und Vorhänge.] + +In Abb. 9 sehen wir das Muster für eine kleinere Mitteldecke, die +am besten auf nicht zu starkem weißen Leinen ausgeführt wird. In +Zinnoberrot, Grün, Violett und Schwarz ist die Stickerei gehalten, +doch überlassen wir es dem Geschmack unserer Leserinnen, eine andere +Farbenwahl zu treffen. + +[Illustration: Abb. 9. Muster für kleinere Mitteldecken.] + +Wer die Arbeit als Nähtischdeckchen oder Kissenplatte verwenden will, +dürfte sich am besten für grellfarbiges Grundmaterial -- Seide oder +Leinwand -- entscheiden. Auf kobaltblauem Hintergrund steht sehr +gut: Weiß, Giftgrün und Orangegelb, auf scharfem Grün: Zinnoberrot, +Schwarz und Hellkobaltblau, auf Orange: Schwarz, Weiß und Giftgrün. +Beliebig wiederholt, ergibt unsre Vorlage ein sehr originell wirkendes +Füllmuster, das besonders für starke Stoffarten in Betracht kommt und +für Abend-, Garten- und Dielendecken sehr zu empfehlen ist. + +[Illustration: Abb. 10. Flächenmuster für Perlstickerei.] + +Abb. 10 zeigt ein +Flächenmuster+, das sich auch für +Perlstickerei+ +eignet. Dieses Muster kann sehr vielfach verwendet werden, so zum +Beispiel für +Bänder+, +Gürtel+, +Borten+, +Kinderhäubchen+ und ++Kleider+, +Taschen+, wenn man nur einen Streifen davon benutzt, sonst +paßt es für +Gartentischdecken+, +Vorhänge+ und +Kissen+. Unser Modell +ist schwarz, kobaltblau, giftgrün, mit weißem Mittelpunkt auf weißem +Grund gehalten. + +[Illustration: Abb. 11. Tulpenmuster für Mappen, Kissen und Taschen. + +Entwurf von Else Levin.] + +Das fünfte Muster (Abb. 11) eignet sich am besten für +Kissen+ in +drei Farben, zum Beispiel Schwarz, Kobaltblau und Orangegelb. In +Wolle ausgeführt wirkt es sehr stark, man kann es auch für +Fußbänke+, ++Fußkissen+ und kleine +Vorleger+ benutzen. + +[Illustration: Abb. 12. Muster für Kreuzstich- und Filettechnik. + +Entwurf von Else Pauli.] + +Der sechste Entwurf (Abb. 12) eignet sich auch sehr gut für ++Filettechnik+, ein Füllmuster von vielfacher Verwendbarkeit. In +Wolle gestickt empfiehlt es sich für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+, ++Vorleger+ und +Mappen+, in Seide ausgeführt paßt es besser +für kleinere Gegenstände, zum Beispiel +Taschen+, +Nähkissen+, ++Briefmappen+. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, verwendet man +die rechte oder die linke Seite einzeln, so entsteht ein Motiv zur +Verzierung von +Häubchen+, +Gürteln+, +Mützen+, +Blusen+; setzt man +dieses Motiv nach oben und unten fort, so entsteht eine +Borte+, die +stehend und liegend verwendet werden kann. Solche Borten eignen sich +für +Decken+, besonders aber für +Gürtel+ und +Kinderkleidung+. Je nach +dem Hintergrund stickt man die Arbeit in zwei bis drei Farben; eine +gute Wirkung erzielt man, wenn das Muster in Kobaltblau und Giftgrün +auf schwefel- oder orangegelben Grund gesetzt wird. + +[Illustration: Abb. 13. Leichtes Flächenmuster.] + +[Illustration: Abb. 14. Füllmuster.] + +Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes ++Flächenmuster+, das in +Streifen+ zerlegt werden kann; auf diese +Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für +Kindersachen+ ganz +besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden: +die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß +vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe: +der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der +erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und +der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden +schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen, +schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker +Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu +Garten-+ und ++Balkonkissen+, auch für +Kinderzimmer-+ und +Dielenkissen+ verwendet, +und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet. + +Abb. 14 zeigt ein einfaches +Flächenmuster+ in zwei Farben für ++Garten-+ und +Dielentischdecken+, +Kissen+, +Vorleger+, +Schreib-+ und ++Sammelmappen+, +Kassetten+. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle +oder -- waschecht -- in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz, +weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau, +schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für ++Knöpfe+ verwendet werden. + +Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein +Flächenmuster+ dar, aus +dem man eine +Borte+ machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als +auch eine sich nach rechts und links fortsetzende +Borte+, die sich +für +Taschen+, +Kindersachen+ und +Deckchen+ recht gut eignet. Als +Flächenmuster paßt sie für +Kissen+, +Mappen+, +Taschen+ und, wie die +meisten dieser Entwürfe, auch für +Bucheinbände+. Man stickt das Muster +am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder +türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne +Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien. +Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen +nehmen! + +[Illustration: Abb. 15. Flächenmuster. Entwurf von Else Pauli.] + + +6. Monogramme und Buchstaben + +Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein +berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück +der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte +eine wichtige Rolle im Leben der Braut. + +Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche +an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren, +so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen +nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus +Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant +und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht, +die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen +Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen, +die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“. +-- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis +20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil +man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander +unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote +Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und +es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren +Wirkung wegen verdrängt wurde. + +[Illustration: Abb. 16.] + +[Illustration: Abb. 17.] + +[Illustration: Abb. 18. + +Abb. 16-18. Monogramme.] + +Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und +verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze +zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch +die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft +doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche +Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich +mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte. + +Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der +Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß +mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen +sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen, +persönlichen Geschmack. + +Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der +Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft +dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und +Monogramme. + +Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur +anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man +sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen +Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung +feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in +ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet +man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet +das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind +dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große +Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die +dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend +verkleinert, tragen. + +[Illustration: Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher +usw.] + +[Illustration: Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen, +Taschentuchbehälter, Badewäsche.] + +Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre +Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen, +erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben +oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+, ++Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+ +und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch ++Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter. + +Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände, +die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen +empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich +auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben +und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in +Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der +Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden, +dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch, +Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren. + +Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets +allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich +symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf +oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein +lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten +kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug +Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und +Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit +entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit +beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche +Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich +gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige +auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als +Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden. + + +7. Häkeleien verschiedener Art + +Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden; +man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich +unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten ++Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht +mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und +Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe, +dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet +lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+, ++Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu +arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie +richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen. + +[Illustration: Abb. 21. Gehäkelter Stern.] + +[Illustration: Abb. 22. Gehäkelter Stern.] + +[Illustration: Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.] + ++Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man +schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht +und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und +mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die +einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein ++Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden +soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob +die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam +-- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind +nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend +aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+, ++Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder +größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und +Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine +Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+ +und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+ +für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind +unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen. + +Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen, +die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen. + +[Illustration: Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.] + +[Illustration: Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.] + +Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt +werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut +für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt +kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn +man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man +eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr +modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+ +verwenden kann. + +[Illustration: Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.] + +Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die +für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für ++Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für ++Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls +dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff +verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit +bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze +sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und +Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot. + +Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir +auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit +erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen, +von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung +aufbewahrt wird. + +Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster, +die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als +manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf +praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle +ein brauchbarer Gegenstand. + +[Illustration: Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.] + +Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist +sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so +schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert +werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen +andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch; +es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet +wird, muß es unbedingt kleidsam wirken. + +[Illustration: Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.] + +In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material. +Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt. +Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen +Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln +schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die +ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis +zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit +gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie +das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der +Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe +ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher +Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann +fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen +wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die +beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache +grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer +Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese +weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen +wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die +Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit +weißen Pikots umrandet. + +[Illustration: Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.] + +Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis +30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem +Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“ +und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+ +und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben +anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art +zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+ +eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem +ersten Bilde. + +[Illustration: Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.] + + +8. Künstlerische Blumen + +In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als +Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an +der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende +Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern +Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt. +Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und +Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht +dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße +wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute +ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch +-- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so +sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen. +Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken +könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark +stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde +entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und +ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie +wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen, +am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie +statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts- +und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß +hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume +paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum +Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie +ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern +eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen +und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von +Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte +Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen +den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu +verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte +benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+ +und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich +um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht +sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man +auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für ++Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines ++Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode +zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend +einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder +einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum +Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für +welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken +am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte +„+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und +Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für ++Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+, ++Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten +„Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für ++Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie +„Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der +Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke ++Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist, +kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die +echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich, +ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder ++Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen +aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu +empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge +Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen +auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten +Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr +leicht geschehen kann. + +[Illustration: Abb. 31. Rosenknospen.] + +[Illustration: Abb. 32. Glockenblüten.] + +[Illustration: Abb. 33. Seidenblüten.] + +Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird +sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle, +die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften +anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß +gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa +gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun +wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß +der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich +ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden, +doch sollen sie nicht bäurisch wirken. + +[Illustration: Abb. 34. Wollblumen.] + +Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der +Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter +sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die, +langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter, +oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht +und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten +soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln +nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet +und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen +übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter +sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch +die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen +werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden +Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man +eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die +Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis +die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung +der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man +weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen. + +[Illustration: Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.] + +Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders +ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem +Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit +der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich +auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt +bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das +umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide +angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder +mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch +einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese +Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig +größer. + +Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb. +33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter +wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und +überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit +feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen +besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide +stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in +diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe. +Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei +kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man +auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb +übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man +eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die +Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch +noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern. + +[Illustration: Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.] + +Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32) +herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten +anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von +außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei +ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand +legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren +Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten +Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus +grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die +aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht, +angebracht. + +Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige +Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr +sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei +den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu +übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart. + + +9. Teepuppen + +Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als +der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom +Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das +Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich +machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren +vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch +dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe, +diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte +wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig +geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich +in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte, +nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine +geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk, +ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich +kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel +Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure +Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas +schwieriger ist. + +[Illustration: Abb. 37. Jettchen Gebert. + +Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.] + +Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter +Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in +farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen +heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als +Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin +Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß +Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber +welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock +darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+ +stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht +der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes +„Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der +die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren +Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle +Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit +einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede +von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den +einschlägigen Geschäften erhältlich sind. + +Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser +Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht, +diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und +die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das +Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr +schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt +euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden +dazu. + +Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt, +dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar +in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach +der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch +Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch +eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene +Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt; +damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie +mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells. +Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet +dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das +Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird +zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig +zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten, +über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite +zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten, +die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese +Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in +die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen +am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter +versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht +wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein +weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform +aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus +weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet +werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt +und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht. +Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden, +nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht +gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band, +näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der +für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden +der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob +ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das +ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche, +Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu +bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche +Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre, +wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon +mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art +herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr +wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten. +Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe +nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper +in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend, +in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu +beschaffen sind. + +[Illustration: Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)] + +Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders +reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht +ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter, +alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört. + +Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut +bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem +Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich +wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun +oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger +aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt. +Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt +die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel +bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet +der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das +bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es +auch aus dünnem Gold oder Silber. + +[Illustration: Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)] + +[Illustration: Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)] + +Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders +anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen +schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an +der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern +geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich +sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen. + +Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit +Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart +und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis +über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die +enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken +weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause +am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das +junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat +Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem +Arm. + +Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges +weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein +paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist +ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über +die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem +dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau +herabhängt. + +Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten +Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen +verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame +mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders +sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt, +blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll +geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da +nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen +Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr +gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt +Ansprüche. + + +10. Nadelmärchen + +In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils +fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von +mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten +Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren +gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die +Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur +haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet, +und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine +Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den +germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet +wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben. + +[Illustration: Abb. 41. Marienkind.] + +Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind +ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter, +die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich +fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe +oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können. + +Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist, +wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige +Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter. +Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden, +sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien, +außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die +alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und +von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei +übersetzt worden. + +Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen +aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende ++Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand +trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt, +der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre +Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden. + +[Illustration: Abb. 42. Dornröschen.] + +Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch +(Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und +alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen. + +Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue +goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es +mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll. +Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie +im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen +wird. + +Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder +entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben, +das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz +naturalistisch wirken. + +[Illustration: Abb. 43. Aschenbrödel.] + +Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es +ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet +werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung. +Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern +herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein +paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche +machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und +schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen +und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer +blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf +einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr +schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der +Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht. + + +11. Kissen aus bunten Wollresten + +In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern +geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten +Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine +der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+ +und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am +besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei +Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos. + +[Illustration: Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.] + +Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln +benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die +Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt +solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er +fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster, +bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten +Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt, +wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine +recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten, +doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so +daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen. +So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau, +Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die +Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen +sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das +Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten +sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder +häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne +für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+, ++Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert +werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger +Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder +Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht +abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für +kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken +kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen +Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden ++Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen. + +[Illustration: Abb. 45. Das fertige Kissen.] + + +12. Körbchen mit duftenden Rosen + +Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche +angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich +keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider- +und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel +ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig +parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen +Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+, ++Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden, +wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind +all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+, +wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren +Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten +fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im +Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten +Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt, +schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und +Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür: +In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden +die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage +Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz. +Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern +einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner +Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber +sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der +Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit, +dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die +Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich +der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens +für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt +werden. + +[Illustration: Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.] + ++Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man +stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien, +verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung +besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht +durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+ +und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und ++Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+ +auf. + +In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt +sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte ++Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange +vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit +dem Mehl die Beutel und Kissen füllen. + +Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten +Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen +oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus +und ist sehr praktisch. + +Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen +besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich +solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt +oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser +reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern. + +Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch +Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen +mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47), +damit sie nachgearbeitet werden kann. + +Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt +das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man +füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich +vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das +wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt, +man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell +und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit +hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein. +Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter +groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man +fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der +gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen; +Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen +Rosen gefärbt sind. + +[Illustration: Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem +Beutelchen.] + +Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum +Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal +um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines +Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem +Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je +zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit +dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest. +Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der +Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum, +so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck +und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen. + +[Illustration: Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch +bildende Beutelchen.] + +[Illustration: Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.] + +Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate +und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen +Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art +entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht +zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen +die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man +die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und +näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden +bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber +legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage +aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier. +Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß +bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch +bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die +Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt. +Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt +sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen; +solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die +neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise +auftreten. + + +13. Wollpüppchen + +Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger +geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten +Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen +Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete. +Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe +weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig. +Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig, +man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie +auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an, +sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen +angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus +nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen +ausgestellt sind. + +[Illustration: Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.] + +Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel +Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen. + +Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht +nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie +er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach +rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen +Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber +zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man +durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen +ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren +bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle +gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen, +Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten +Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle +umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen +sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle +aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht +gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die +Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die +Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des +Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen +„Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen +sind, geben sehr nette Anregungen dazu. + +Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten +5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß +gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen +unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und +endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen +dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen +Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf +der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen +Papier überklebt. + +Die in der letzten Abb. 52 auf dem +Eierwärmer+ tanzende Schöne trägt +blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden +2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen +Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus +zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn +langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer +Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche. +Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche +der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau +und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde +an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der +dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab. + +[Illustration: Abb. 51. Tischkarten mit Wollpüppchen.] + +Der +Flaschenkork+ (Abb. 52, rechts) ist mit einer +Japanerin+ geziert, +die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu +beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen. +Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in +blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden +man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen +spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange +Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der +Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden +ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter +langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die +Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt; +zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das +Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle +begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste +und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine +Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein +und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf +dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die +Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt. + +[Illustration: Abb. 52. Eierwärmer und Flaschenkork mit Wollpüppchen.] + + +14. Die Zupfpuppe + +Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein +besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel +Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder, +und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung +hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als +Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu +Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen, +es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle +zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr +angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als +die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur +Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit +Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen +kann. -- + +Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht +gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß +keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet +werden dürfen. + +[Illustration: Abb. 53. Zupfpuppe.] + +Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer +Zupfpuppe+, +wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: +Grobe +Sackleinewand+ wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen +doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man +durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein +Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt +sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den +Kopf+, der +mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte +aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück +Hemdentuch+, das +auch die Schultern bedecken soll. Die +Arme+ werden ebenfalls aus je +einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und +fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu +wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit +die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich +umwickelt man die +Arme+ mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum +Ende, sondern läßt die inneren Fäden als +Hände+ stehen. Nun bewickelt +man den +Rumpf+ und jedes +Bein+. Soll die Puppe +Füße+ haben, so wird +eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine +Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als +Fuß+ um +und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht +sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. +Schuhe+ +und +Strümpfe+ wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle. +Schließlich malt man das +Gesicht+ mit Wasserfarben an: rosa +Wangen+, +einen roten +Mund+, die +Nase+ wird durch hellbraune Nasenlöcher +angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue +Augen+ können +gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune +Augenbrauen+ werden +angemalt. Braune oder schwarze +Haare+ stellt man aus Wollfäden her, +die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder +Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten +Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide. + +Als +Bekleidung+ kommen +Hemdhöschen+ oder +Kimonokleidchen+ in +Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger +Stickerei an, sogar ein +Gürtel+ aus Kordonettseide, der an beiden +Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft +ist, ist vorhanden. +Halsausschnitt+ und +Ärmel+ sind mit bunten +Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden +farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er +halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und +gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich +am besten dazu. Unser Modell trägt braune +Wollfädenschuhe+, die ++Strümpfe+ sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein +passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet. + +Will man eine +Puppe+ für +kleine Kinder+ herstellen, so genügt es, +sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu +umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses +Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der +untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde. + +Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die +„vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen +empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und +Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe, +wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät. + + +15. Lochstickerei + +Die Lochstickerei ist wie alle +Weißstickereien+ nur denen zu +empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten +entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei, +geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei +der +Lochstickerei+, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll, +eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose +Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt +der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich +kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit +einfachen Mustern anzufangen. + +Die Verwendungsmöglichkeit für +Lochstickerei+ ist ziemlich vielseitig, +am liebsten verwertet man sie für +Leibwäsche+, wo sie sich als +durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus, +und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht +man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den +neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so +leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen. + +Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche, +Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt, +für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen +werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider, +Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die +Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter +Ausputz ist unverwüstlich. + +Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen, +Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall +mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann +man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus +waschecht sein muß. + +Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am +liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig +Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von +Wind und Wetter beschädigt werden. + +[Illustration: Abb. 54. Einsatzmuster.] + +[Illustration: Abb. 55. Abschlußkante.] + +Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise +empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem +Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind +bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich, +das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu +wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst +grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete +Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die +Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von +Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut. +Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes +Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf +aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift +zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst +scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien, +für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem +Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst +bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus +dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster +unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen, +dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren, +die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause +recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig +aufliegt. + +Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein +aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken, +Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen +kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann +bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders +gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen +Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme, +Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker +betont werden. + +Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb. +54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach +verwendbar. + + +16. Tülldecken + ++Tülldecken+ sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten +sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern +geworden sind. Die +Tüllarbeiten+ werden darum so gern verwendet, weil +ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe +können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die +Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen +Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil +hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche +Stiche hinwegtäuschen können. + +[Illustration: Abb. 56. Achteckige Decke in Tüllstickerei.] + +[Illustration: Abb. 57. Einzelansicht zur Stickerei der achteckigen +Decke.] + +Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich +Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen +wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik +erstreckt sich aber nicht nur auf +Decken+, man kann sie auch für ++Kissen+, +Kuchenschützer+, +Kannenwärmer+, für +Lampenschirme+, ++Sonnenschirme+, +Kleider+, +Schals+, +Taschentuchränder+, +Läufer+, ++Einsätze+ und +Abschlußborten+ verwenden. Je nach der Stärke des +Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der +Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren +die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und +Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser, +Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne +ihre Wirkung zu beeinträchtigen. + +[Illustration: Abb. 58. Stickerei einer runden Tülldecke.] + +Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die +ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten +und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch +auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende +Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem +Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen +Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur +mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke +(Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56 +Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich +übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine +Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht. + +Die im Durchmesser 1 Meter +große runde Decke+ (Abb. 58) ist sehr reich +bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz +in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See, +ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen +palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr +leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht. +Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand +genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird. +Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen +Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter +breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt. + + +17. Gabelspitzen mit Häkelei + +Die +Gabelspitzen+ haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit +erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt +werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist +die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. +Taschentücher+ +mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie +ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und +Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es +wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte +man feine +Taschentücher+, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht +höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten +verknüpft ist. Auch leichte +Untertaillen+ mit Gabelspitzen sind zu +empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich +denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen +Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste +verwenden. +Tellerdeckchen+, +Tablettdeckchen+ lassen sich in +dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht +übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen +Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre +Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man +mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in +Gabeltechnik+ ausführen, +denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig +angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man +leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen +gelingen dürften. Da ist zunächst ein +gehäkeltes Kinderhäubchen+ +(Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses +Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus +drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht +anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht +selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen +schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die +Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der +Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in +die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die +Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die +Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man +weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt +man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren +auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend, +auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie +es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar. +In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue +Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue +Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich +dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der +zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten +dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester +Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden +durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das +eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert. + +[Illustration: Abb. 59. Gehäkeltes Kinderhäubchen.] + +[Illustration: Abb. 60. Gabelspitze mit Häkelei, einem +Batisttaschentuch angearbeitet.] + +Sehr ansprechend wirkt auch das feine +Taschentuch+ (Abb. 60), das +sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es +kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist +praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem +sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir +bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen, +die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen, +Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für +die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten, +reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14 +Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche +in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste +Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M., +nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe +werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der +zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets +beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere +Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten +läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M. +aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2 +Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr +aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f. +M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M. +Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach +dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden +Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des +Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M., +mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste +innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste +Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1 +St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen. + +[Illustration: Abb. 61. Gabelspitze mit Häkelei.] + +Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen +Gabelbörtchen bestehende +Spitzchen+ (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer +auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet +man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt, +sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen +Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der +andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte +Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1. +Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb. +der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen. + +[Illustration: Abb. 62. Gabelspitze mit Häkelei.] + +Dasselbe +Spitzchen+, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des +Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie +einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f. +M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit +angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen +Spitze weg. + + + + +II. Kapitel + +Malerei + + +18. Stoffmalerei + +In letzter Zeit wird die +Stoffmalerei+ wieder sehr gepflegt; das +bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder, der ein wenig mit Pinsel und +Farben umzugehen versteht, sich nun hinsetzt und nach seiner Meinung +wunderschöne Muster auf irgend einen Stoff malt und sich einbildet, +daß diese Stoffmalerei nun auch praktisch verwendet, das heißt +getragen werden soll. Denn die meisten +Stoffmalereien+ gehören in das +Gebiet der Mode. +Schals+, +Halstücher+, +Taschentücher+, +Fächer+, ++Hutbänder+, +Schärpen+, +Blusenbändchen+, +Sonnenschirme+ werden in +dieser Technik verziert, es kommen indessen dafür auch +Vorhänge+, ++Scheiben-+ und +Schrankgardinen+ in Betracht. Die gut beherrschte +Technik läßt eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu, nur müssen +Stoff, Farben und Muster geschickt miteinander in Einklang gebracht +werden. Sehr beliebt sind bemalte +Lampenschirme+. Die Stoffmalerei muß +unbedingt fach- und sachgemäß beherrscht werden, ehe man von kleineren +Versuchen zu größeren Arbeiten übergeht. Es gehört viel Geschmack und +Erfahrung dazu, um festzustellen, welche Farben, welche Technik sich +für die einzelnen Stoffe eignet, ob das Grundmaterial nicht überhaupt +lieber unbemalt bleiben soll oder aber eine andre Technik dafür in +Betracht kommt. + +Es gibt nur wenige praktische Winke, die sich indessen immer wieder +bewähren. Dünne lichtdurchlässige Stoffe, wie Mull, Japonseide, +Tüll, feines Leinen, bemalt man am besten mit +Wasserfarben+, ++Ausziehtuschen+ und +Beizen+. Spiritusbeizen sind dafür ungeeignet, +da sie nach dem Auftrocknen hart und glänzend werden. Bei ++Lampenschirmen+, +Schals+, +Scheibengardinen+, +Sonnenschirmen+ kommt +es darauf an, „durchsichtig“ zu malen, hierzu eignen sich tintenartige +Farben am besten. Deckfarben sind mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie +leicht kreidig wirken und wenig Leuchtkraft besitzen, „durchsichtig“ +wirken sie keinesfalls. + +[Illustration: Abb. 63. Schärpen, Hut- und Blusenbänder in +Stoffmalerei. Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.] + +Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem +Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es +ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren +oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt +werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel +Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der +Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem +sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene +unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene +falsche Linie anfängt. + +Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede +Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden, +man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen. +Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig +sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen +Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von +Tischkarten+, ++Exlibris+, +Glückwunschkarten+ und gelingt am besten, wenn man sie in +Ausziehtusche ausführt. + +[Illustration: Abb. 64. Bemalte Stoffe. Entwurf und Ausführung von +Annemarie Irmler, Berlin.] + +Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen +will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz +glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht +sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse +verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial +muß sachgemäß zusammengestellt werden. + +Im allgemeinen soll man die +Stoffmalerei+ recht sparsam anwenden, es +dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in +einem+ +Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von +stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen +Fächer+ oder einen +Sonnenschirm+ +in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“ ++Schal+ zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen. + +Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter +Bänder, entworfen und ausgeführt von +Annemarie Irmler+; sie eignen +sich besonders gut für +Hüte+, je nach Größe und Breite der Muster kann +man sie auch für +Schärpen+ und +Blusenbändchen+ verwenden. Das zweite +Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin +dar, sie sind unter anderem für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+, ++Lampenschirme+ gedacht. + + +19. Malerei auf Ton + +Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere +Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung +einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich +auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in +vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für +chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen +oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in +den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und +„echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher +im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene +Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden; +einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines +Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein +führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder. + +Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen, +wie man die +Tonteller+, +Töpfe+ und +Schalen+ selber bemalt, die +sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige +dieser +Teller+, +Töpfe+ und +Schalen+, auch ein paar Krüge selber +zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz +genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird. +Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit +auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft +ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als ++Wanddekoration+, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten +eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es +recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander +aufbaut. Die großen +Teller+ kann man für Obst verwenden, für Äpfel, +Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale +kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen +können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt +und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich +auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen +Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera +scheint dafür geeigneter zu sein. Die +Blumentöpfe+ sollen die nicht +sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein +wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender +Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen +die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab, +und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn +und ähnliches Material kann man diese bemalten +Töpfe+ benutzen; am +besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die +bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum. + +Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht, +die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer +Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den +Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken +sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet +werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder +Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden, +da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten. +Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst +den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt +man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit +dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle +auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit +fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine +Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen +Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man +vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut +auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert +nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt +ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen, +diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen. +Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren. +Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-, +Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man +gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung +des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält +er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder. + +[Illustration: Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.] + +Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der +einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die +erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist. + +Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale +sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen +steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und +schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt. + +Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit +Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert. +Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält +man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert; +sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt. + +[Illustration: Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.] + +Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind +abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen +Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des +Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man +kobaltblau. + +Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit +stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind. +Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück +als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb +angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande +wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man +lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten. +Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze +Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau +umgeben. + +Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden +hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben +einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel +bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne +grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des +Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten. + +Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird +tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines +Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den +zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste +Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten +Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß. + +Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden +rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die +Strich- und Punktornamente kobaltblau. + +[Illustration: Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.] + +Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen +rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente +mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand +wird in Schwefelgelb ausgeführt. + +Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben +der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz +anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in +der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel +wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem +Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen +eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst +wohlbekannt. + +[Illustration: Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.] + +Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge +und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen +sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot, +schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit +schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen. +Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau +hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei +Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind +orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot. +Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote +Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau +angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und +schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau +gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün. +-- Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster +sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine +flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde +Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das +Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf +stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien, +Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün, +Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß +wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an +beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel +eingeschlagen. + +[Illustration: Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und +Schlüsselbrett. Entwurf von Else Levin.] + + +20. Holzmalerei + + +Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist +Holzmalerei+, eine +Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen +Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge, +gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien +im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst +ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen, +müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem +Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande, +deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in +den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben +sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den +ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien +werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es +sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst +schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es +schließlich dahin, daß die +Spanschachteln+ und +Körbe+ -- dies sind +die hauptsächlichsten Erzeugnisse -- nach einer gewissen Schablone +behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel, +Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig +verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition +der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch +hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren +Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand +und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die +fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die +dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen. + +[Illustration: Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.] + +In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen +Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann +es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den +Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen +Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen +Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders +dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die +einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar +sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74), +die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber +entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“ +und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen +sich die +Schachteln+ und +Körbe+ in den verschiedenen Größen als +Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden +soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen, +Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um +geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen +Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb. +74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr +vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als +Löffel-+ +oder +Schlüsselkörbchen+, als +Knopfschachteln+, als Behälter für ++Näh-+ und +Stopfsachen+ sind sie sehr handlich, das hölzerne +Osterei+ +wird ein nützliches +Stopfei+, und schließlich finden sich in jeder +Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können. +Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände, +zum Beispiel für +Kalenderrückwände+, für +Schlüsselbretter+, die +ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt +werden können. So kann man auch praktische +Bindfadenbehälter+ aus +Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle +möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist +und sich sehr schnell erlernen läßt. + +In dieses Kapitel gehören auch die einfachen +Schablonen+, die man +selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel +Truhen+ +und +Kästen+ zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen +Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel, +eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die ++Holzmalerei+ anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu +beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt +auch für die +Schablonen+. + +[Illustration: Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei.] + +[Illustration: Abb. 73. Untersetzer aus Holz.] + +Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet ++Tempera-+ oder +Guaschfarben+, am besten in Tubenform, die sowohl in +großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen +und Drogerien erhältlich sind. + +Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als +Grundierpinsel+ sind +stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe +und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes +richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu +beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften +erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind +für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man +spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde +Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen. +Handelt es sich um +kleine+ Gegenstände, für die nicht viel Farbe +nötig ist, so kommen auch +Haarpinsel+ in Betracht, besonders zum +Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt, +dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig, +mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel ++Marderhaarpinsel+, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich +zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die +rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet +daher auf dieses Material. + +[Illustration: Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.] + ++Pauspapier+: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes +oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes +oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier +kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus- +oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist. + ++Lack+: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die +Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man +verwendet +Temperalack+, der sowohl offen in Drogengeschäften, als +auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und +Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu +benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder ~Spiritus vini~ +und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich +billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus +kann auch im Notfall +Brennspiritus+ benutzt werden, wenn er nicht gar +zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche +mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche +knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der +Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht +nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die +geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde. +Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung +kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen. + ++Schablonen+: Schablonen für einfache Borten sind in den +Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den +meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen +Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man +Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich. +Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch +zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer +Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten. + ++Malnäpfe+ und +Palette+: Malnäpfe aus Porzellan sind in den +verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich +und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da +die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das +Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern +und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen +Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch +kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer +Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben +leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen +muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür +unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden. + ++Mallappen+ aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte +man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für +derartige Zwecke am brauchbarsten. + ++Die Technik+: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und +Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden +Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes +angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein +heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht +werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr +dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es +empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig +anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder +treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch +wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu +beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-, +Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-, +Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb +wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett +wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche +Halbtöne sind am besten zu vermeiden. + +Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster +leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über +Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt +werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen. +So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch +und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark +vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt, +ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft +geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren, +das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der +Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals +empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim +Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu +beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit +einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht +man ein Verblassen der Flecke. + +Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da +sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte +Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen +und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten +unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese +Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets +zum Trocknen +aufstellen+, damit sich der Lack nicht stellenweise +verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise, +von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern +verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf +diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen. +Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie +bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die +Malerei verderben würde. + + +21. Porzellanmalerei + +Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich +geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man +sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg +versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken +können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre +ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern +von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine +moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte. + +Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das +leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren +immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen +der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben +heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen +Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie +jede andre Technik auch richtig erlernt werden. + +Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten +Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit +den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen, +es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder +Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur +Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb. +75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie +geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse +bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft +beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen +will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die +sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige +Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden. + +Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser +gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit +kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht +in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl, +ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der +Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen +Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es +von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr +ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern +hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist +dabei vor Kälte und Staub zu schützen. + +[Illustration: Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried, +München.] + +Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet, +Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete +Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen, +Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt +sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche +Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto +besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette +Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel +eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen +vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das +Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben. + +Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß +darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage +kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken- +und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt +diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem +Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl +mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen +Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr +verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen, +da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert. + +Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt +mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton +des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß +die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe +abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so +verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt +werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken +würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und +dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist +nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber +ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner +Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt +werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu +begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster +soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen +und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal +brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls +dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein. + +Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum +Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei +größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden, +wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß +sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier; +als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden. +Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne +und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage. + +[Illustration: Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy +Seyfried, München.] + +Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den +Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand +recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen +Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben +Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald +lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie +auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei +das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden +sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald +merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der +Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu +setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann, +und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß +nebeneinander aufzutragen sind. + +[Illustration: Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.] + +Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der +als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen +und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in +Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen +Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen +Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich +als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur +für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer +Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man +am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen +sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken, +so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt, +recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr +sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die +Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen +sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken. + +[Illustration: Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den +Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.] + +Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach ++Porzellananhänger+ mit +Malerei+, die, besonders wenn es sich um ++Handmalerei+ handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen +auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle +verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster, +sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als +auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil +sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder +farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der +weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe +stammen aus den Werkstätten von +Kurt Severin+, sie sind in der +Porzellan-Manufaktur von +Ph. Rosenthal+, Selb in Bayern, ausgeführt +worden. + + +22. Malerei mit Emailfarben + ++Emailfarben+ sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften +erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl +verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am +besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir +zeigen auf unserm Bilde ein +Tablett+ (Abb. 79) aus Metall, das +durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben +aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind +diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen +Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden +müssen. +Tablett+, +Untersetzer+, +Blumenkübel+, +Blumenkästen+ kann +man mit dieser Malerei verzieren, auch +Glasgegenstände+, zum Beispiel ++Teller+, +Gläser+, +Flaschen+, am besten mit Punktmustern, wie wir +sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des +Tabletts+ ist +briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein +großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene +Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der +nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten. +Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und +Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt +ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen +besteht. + +In dieser einfachen Art kann man +Gläser+, +Flaschen+ und +Glasteller+ +verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte +in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem +Tablett+ +sehen; in den einschlägigen Geschäften sind +Glasschalen+ in +verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen +wurden, als dies modern war. Solch glatte +Glasschälchen+ sind +für die +Emailmalerei+ sehr geeignet, man verwendet sie als ++Konfektteller+, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch +als +Nadelbehälter+. Auch +Glasflaschen+ kann man mit Emailfarben +bemalen, es gibt +Likörflaschen+, die sehr hübsch geformt sind, +auch +Toilettewasserflaschen+ haben häufig geschmackvolle Formen; +solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht +darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit +Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen ++Parfümflaschen+, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind, +daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen. + +[Illustration: Abb. 79. Tablett in Emailfarben.] + +Zum +Aufzeichnen+ der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide +Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten, +die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind. ++Glasteller+ und +Schalen+ werden auf der linken Seite bemalt, dafür +wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen +ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben +in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der +beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann. + + +23. Osterkarten mit Malerei + +Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige ++Tischkarten+ mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen +tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck +der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre +Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist +Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen +ohne viel Mühe hergestellt werden. + +[Illustration: Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.] + +Als +Grundmaterial+ verwendet man weißes, nicht zu starkes +Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder +Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen, +indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten +Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier +und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund +übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die +Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt +ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die +Umrisse zeichnen. + +[Illustration: Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.] + +[Illustration: Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen +und Eiern.] + +Die +eiförmige Karte+ (Abb. 80) ist mit einer +Girlande+ in +Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen, +Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht +bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa, +Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die +Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter +und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die +Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen. + +Die +Hühnchenkarte+ (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der +aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb, +mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun, +die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in +verschiedenen Tönen. + +Der +Hahn+, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem ++Kranz+ aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz +mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen +angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem +Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot. + +Die +Ostereikarte+ und die +Hahnkarte+ passen am besten für die +Speisenfolge, die +Kükenkarte+ eignet sich mehr zur Tischkarte, alle +drei Muster können als Osterkarten verwendet werden. + + + + +III. Kapitel + +Handfertigkeiten + + +24. Linoleumschnitt + +Der +Linoleumschnitt+, auch +Linolschnitt+ genannt, entspricht dem ++Holzschnitt+; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten. +Dieses Material besteht aus möglichst dickem +Linoleum+, es können +auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste +Werkzeug ist ein +Messer+ (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien +als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte +Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit +erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom +Exlibris+ +bis zur +Glückwunschkarte+, vom bescheidenen Bildchen bis zum +Schmuck von +Gästebüchern+ und +Sammelmappen+ gibt es mancherlei +Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam, +wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische, +von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen +Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten +kann: + +Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an +und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer +die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen, +die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in +Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen +löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt +man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist, +mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange +Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt +wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich, +die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten +besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten ++Bütten-+ oder +Japanpapier+, jedes saugfähige, dünne Papier; im +Notfall kann sogar +Seidenpapier+ dazu verwendet werden. Dagegen kommen +Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die +für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig +angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird +vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier +überdeckt und dann mit einem +Reiber+ (Abb. 83) so lange gerieben, bis +die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des +Reibers kann ein +Falzbein+ verwendet werden. Den Reiber stellt man +selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem +Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst +straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend. + +[Illustration: Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.] + +[Illustration: Abb. 84. Linoleumschnitt.] + +Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in ++Linoleumschnitt+, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht +hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie +viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer +eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in +Linoleumschnitt+ +mancherlei sehr reizvolle +Bucheinbände+, +Vorsatzpapiere+ und ++Einbände+ für +Notizbücher+ und +Blocks+ herstellen; +Linoleumdruck+ +paßt auch zur Verzierung von +Rückwänden+ für +Kalender+ und für ++Stundenpläne+. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue +Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik +finden. + + +25. Ausschneidetechnik + +Bei der +Ausschneidetechnik+ werden die Formen mit der Schere möglichst +genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach +sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos +auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet +werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere, +malerische Wirkung: Man schneidet das +Buntpapier+ nach den Formen, +die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden +aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im +übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt, +zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird. + +Als Arbeitsmaterial verwendet man +Buntpapier+, das in verschiedenen +Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, +Kartonpapier+, +ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes ++Klebemittel+. + +Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt +ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der +Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich +entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese +Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken +einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben, +möglichst vereinfacht in der Form. + +Die +Verwendungsmöglichkeit+ der +Ausschneidetechnik+ ist sehr +verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als +Wandschmuck+ unter +Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen +auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden- +und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es +sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie +als Verzierung von +Gratulationskarten+; man kann +Widmungsblätter+ +für +Gästebücher+, +Lichtschirme+, +Notizbücher+, +Bucheinbände+, ++Telegramm-+ und +Sammelmappen+ damit schmücken, sie passen für ++Erinnerungsbücher+, als +Einlagen+ für +Tablett+ und +Untersetzer+, +wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer +mit Goldband zu umranden, kann die +Ausschneidetechnik+ für die runden +oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf +Kassetten+ für +Briefpapier+, ++Taschentuchbehältern+ und +Handschuhkästen+ kann man farbige +Ausschneidebilder anbringen. + +[Illustration: Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.] + +Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten +finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden, +allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst +die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird. + +Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch +sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier +zeigen sich die Feinheiten der +Ausschneidearbeit+ sehr genau, es sind +vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene. + +Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte +Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei +einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich +die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund -- +Kartonpapier -- stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume, +die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des +Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch, +der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten +Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das +bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne +abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht +seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück +geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten +liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig +durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig +vom Grundton ab. + +Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was +bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist, +darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene. + +Die Umrisse der einzelnen Blüten und der Knospe sind nicht glatt, +sondern sehr bewegt, was nicht mit schief und krumm zu verwechseln +ist, nur die Stengel müssen gerade Linien zeigen und recht gleichmäßig +geschnitten werden. Man muß darauf achten, daß die Stengel stets unter +den Blumen liegen. + +[Illustration: Abb. 86. Rose in Ausschneidetechnik.] + +Das zweite Bild (Abb. 86) zeigt eine +Rose+ auf schwarzem Grund, sehr +streng stilisiert, man sieht nur die notwendigsten Linien. Die Blüte +ist in vier Tönen gehalten, Hellrosa, Rosa, Dunkelrosa und Krapplack. +Das Mittelstück der Blume ist rosa, es ist die größte Fläche, die +zuerst aufgeklebt wird. Man sieht auf der Photographie die Verteilung +der übrigen Farben, am dunkelsten wirken die überschlagenen Teile. Nun +wird der Stengel aufgeklebt, er ist am oberen Teil, unter dem Kelch, +hellbraun; zum Schluß werden die grünen Teile aufgeklebt, der untere +Teil des Stengels, an dem das Blatt am feinen Stiel steht, alles aus +einem Teil, und zu allerletzt der grüne Kelch, der über den untersten +Teil der Rosenblüte geklebt wird. + +[Illustration: Abb. 87. Strauß in Ausschneidetechnik. Entwurf und +Ausführung: Liselotte Volk.] + +Am hübschesten wirkt der mehrfarbige Strauß (Abb. 87), der für +Vorgeschrittene gedacht ist. Die +Aster+ auf der rechten Seite ist +dunkellila, mit einem schwefelgelben runden Mittelstück, das aufgeklebt +wird. Daneben steht die orangegelbe +Studentenblume+, etwas seitlich +und tiefer die +Herbstaster+, in zwei Tönen lila, sehr hell und ein +wenig dunkler, aber nicht etwa dunkellila; in dem dunkleren Lilaton +sind die kleinen +Korbblütler+ oberhalb des Straußes gehalten; +sie haben je einen schwefelgelben Mittelpunkt und sind besonders +stark vereinfacht in der Form. Alle +Stengel+ und +Blätter+ sind +zinnobergrün, möglichst aus einem Stück geschnitten und sorgsam über- +und nebeneinander geklebt. Das +Bukett+ steht auf einem holzbraunen +Hintergrund aus Kartonpapier. Mit wenigen Farben, es sind nur sechs +Töne, ist hier eine gute malerische Wirkung gegeben, wie überhaupt die ++Ausschneidetechnik+ eine praktische Vorübung zur Malerei ist, denn +sie übt den Blick und den Farbensinn, man bekommt eine sichere Hand, +wenn man häufig solche Arbeiten ausführt, die Phantasie wird ungemein +angeregt und die Sorgfältigkeit ebenfalls gefördert. + +Einige Handwerkskniffe, welche die Arbeit erleichtern, gibt es auch +bei dieser Technik: So kann man größere runde Formen mit dem Zirkel +leicht angeben, wenn das Augenmaß noch nicht sehr ausgebildet ist; +für kleinere Kreise verwendet man Geldstücke oder Spielmünzen. Für +runde Ausschnitte empfiehlt es sich, gebogene Nagel- oder Stickscheren +zu verwenden, sie erleichtern die Arbeit nicht unbeträchtlich. Ein +besonders brauchbares Klebemittel ist Dextrin, ein aus getrockneten +Roßkastanien hergestelltes Mehl, das in beliebiger Menge in kaltem +Wasser aufgelöst und zu einem mehr oder weniger dicken Brei glatt +verrührt wird. Man trägt das Klebemittel mit einem Pinsel auf, +unter möglichster Schonung der Papierränder, um jedem Verschmieren +vorzubeugen. + +Die reizvollen Muster eignen sich auch zum +Malen+. Als Material +verwendet man Haarpinsel, Guasch- oder Temperafarben; auch als Vorlagen +für kleine +Flachstickereien+ kann man die zierlichen Blumenmuster +verwenden. Am besten passen sie indessen für die +Ausschneidetechnik+, +für die sie gedacht sind. + +Wie die meisten der kunstgewerblichen Arbeiten, ist auch die +Ausschneidetechnik vor hundert Jahren ganz besonders gepflegt worden. +In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging sie zurück; man findet in +Familienerinnerungen, in Stammbüchern hin und wieder noch mancherlei +hübsche Ausschneidearbeiten; es gibt Bildchen und Kassetten dieser Art, +die durch ihr Alter einen gewissen Wert bekommen haben, die Farben sind +zwar meist verblichen, aber die Technik ist noch genau zu erkennen, +und man kann sehr deutlich an solchen Arbeiten von Urgroßmutters Hand +den Unterschied zwischen der damaligen Arbeitsweise und der heutigen +erkennen. Damals hat man die Einzelheiten viel mehr hervorgehoben, +heute arbeitet man viel einheitlicher, geschlossener. Eines ist +jedenfalls dabei geblieben: die peinliche Sauberkeit und Genauigkeit, +ohne die keine gute Wirkung erzielt werden kann. + + +26. Teller und Schalen aus Luftschlangen + ++Luftschlangen+ sind wohl bei allen jungen Mädchen beliebt. Lustige +Erinnerungen an Silvesterabende oder an Tanzstundenbälle sind +damit verknüpft; Luftschlangen sind für viele der Inbegriff der +Ausgelassenheit, denn meist treten sie in Erscheinung, wenn das +Vergnügen seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist allgemein bekannt, +durchaus nicht allgemein bekannt aber ist die Tatsache, daß die bunten +Luftschlangen ein vorzügliches Material für mancherlei sehr brauchbare +Basteleien sind, daß man hübsche Gegenstände aus ihnen herstellen kann, +die wenig kosten und vielfach verwendbar sind. + +[Illustration: Abb. 88. Schälchen aus Luftschlangen.] + +So kann man tiefe und flache +Tellerchen+ und +Schalen+ aus +Luftschlangen herstellen; einige Muster zeigen wir auf unsern +Bildern (Abb. 88 und 89). Die niedlichen Arbeiten erweisen sich +auf dem Näh- und Toilettentisch, auf der Diele sehr nützlich, sie +dienen zum +Aufbewahren+ von +Knöpfen+, +Nadeln+, +Schreibfedern+, ++Stopfmaterial+; ein wenig +Nähzeug+ kann man darin unterbringen; +auch für +kleine Kuchen+, die nicht fettig sind, eignen sich die +anspruchslosen Behälter. Wer ein paar Süßigkeiten, zum Beispiel ++Pfeffernüsse+ oder +Pfefferminzplätzchen+ als Erfrischungen für die +Reise verschenken will, wer zum Geburtstag oder zu Weihnachten Marzipan +und ähnliche, vielleicht selbstgebackene Leckereien verschicken möchte, +wird mit diesen farbenfrohen Behältern sicherlich viel Freude machen; +solch zierliche Behälter wirft man nicht achtlos fort, wenn sie geleert +sind, wie das bei den gekauften, manchmal sogar sehr geschmackvollen +Schachteln geschieht, weil man kein Interesse an den leeren Behältern +mehr hat. Die +Teller+ und +Schalen+ aus +Luftschlangen+ stellen +indessen eine nette +Handarbeit+ dar, die sich vielfach verwenden läßt, +und die, wenn sie schließlich unansehnlich geworden ist, durch eine +sicherlich ebenso hübsche Neuheit auf diesem Gebiet ersetzt werden kann. + +[Illustration: Abb. 89. Schälchen aus Luftschlangen.] + +Die +Technik+ ist sehr einfach, man kann -- selbst ohne Übung -- kaum +etwas daran verderben. Zunächst wickelt man die Luftschlangen von +außen zu einer großen Fläche oder Scheibe auf, nicht von innen, das +wäre falsch; das ganze Stück braucht nicht vollständig aufgewickelt +zu sein, bevor man mit der Arbeit beginnt. Man legt die Scheibe auf +den Tisch, dreht mit der rechten Hand und hält mit der linken den +Mittelpunkt der Scheibe und das Ende der Papierschlange fest. Die +Farben kann man nach Belieben wählen, je bunter die Arbeit wirkt, +desto besser; darum empfiehlt es sich, eine große Farbenauswahl +bereitzuhalten. Die Farbenreihe kann beliebig unterbrochen werden. Die +Enden werden -- zum Schluß -- aneinander geklebt. Die Arbeit besteht +darin, daß man eine Scheibe vorsichtig mit den Händen dreht und so +lange formt, bis +Schalen+, +Töpfchen+, +Teller+ entstehen. Ist die +notwendige Höhe des Gegenstandes erreicht, so hört man mit dem Schieben +auf. Für +Nadelschälchen+ wird eine kleinere Scheibe gebraucht als +für +Konfektteller+; allzu groß darf der Kreis niemals werden. Diese +Technik eignet sich +nicht+ für umfangreiche Gegenstände. Die fertigen +Stücke bestreicht man mit +farblosem Lack+ oder mit +Wasserglas+. +Wasserglas ist in Drogerien erhältlich, es ist im Küchengebrauch +bekannt, weil man Eier darin einlegt. Da Wasserglas feuerfest ist, +kann man die damit bestrichenen Schalen als +Aschbecher+ benutzen. +Solch bunte Aschbecher eignen sich recht gut für Vielliebchengeschenke +und können wie die übrigen Schalen und Tellerchen als farbenfröhliche ++Tischdekoration+ zu festlichen Gelegenheiten verwendet werden. + + +27. Bast- und Stroharbeiten + ++Bast-+ und +Stroharbeiten+ waren lange Zeit durchaus aus der Mode +gekommen, sehr mit Unrecht, denn mit beiden Materialien kann man sehr +viel anfangen, wenn man Farbensinn, Geschmack und Fingerspitzengefühl +hat. In alten Vitrinen sieht man noch hin und wieder mancherlei +bunte +Stroharbeiten+, deren Hauptreiz in der guten Form, in der praktischen +Verwendbarkeit des Gegenstandes, in der feinen Farbenzusammenstellung +liegt. Da gibt es +Fingerhutbehälter+, +Kassetten+, +Federkästen+, +kleine +Tablette+, +Dosen+ und andre Kleinigkeiten, die besonders als +Reiseandenken sehr geschätzt wurden. Diese nicht sehr umfangreiche +Industrie kam in der Biedermeierzeit, die all diesen feinen +Heimarbeiten sehr günstig war, besonders hoch, dann verfiel sie und +endete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, schließlich wurde sie +ganz vergessen. Es kamen die hübschen Japanwaren auf, die aus denselben +Materialien hergestellt waren; ihr sehr geringer Preis sorgte für eine +außerordentliche Verbreitung. Wer kennt sie nicht, die +Kästchen+ und ++Matten+, die +Untersetzer+ und +Körbchen+ aus dem Osten. In Dorf und +Stadt haben die Japanwaren Anklang gefunden. Es ist gar nicht so lange +her, daß die deutsche Heimindustrie sich auf ihre alte Überlieferung +besann. Wo früher Bast- und Stroharbeiten angefertigt wurden, hat man +an die Vergangenheit angeknüpft, und in manchen Gegenden, besonders +in Süddeutschland, ist diese Industrie wieder lebendig geworden. Es +handelt sich indessen hierbei meistenteils um ein feines Kunstgewerbe; +Kunstgewerblerinnen machen die Entwürfe, die von Heimarbeiterinnen +ausgeführt werden. Man sieht wieder reizende Gegenstände in Stroh +und Bast, +Teller+, +Schalen+, +Körbchen+, +Blumentopfbehälter+, ++Untersetzer+, praktische Dinge, die nicht so billig sein können wie +die Japanwaren, sondern vielmehr als Einzelstücke eine persönliche Note +zeigen und daher ihren Preis halten müssen. + +[Illustration: Abb. 90. Anfertigen von Schälchen aus Stroh und Bast.] + +Auf den Messen sah man in letzter Zeit ausgezeichnete +Bast-+ und ++Strohgegenstände+ dieser Art, sie bürgern sich wieder im Haushalt ein, +sind ein geschätzter Raumschmuck und werden auch als Liebhaberarbeiten +gern nachgearbeitet, da die Technik nicht sehr schwierig ist. Wenn die +Stücke gut aussehen sollen, müssen sie sehr sorgfältig ausgeführt sein, +sonst hat es gar keinen Zweck, damit zu beginnen, es wäre schade um +das Material, das in den einschlägigen Geschäften zu beziehen ist. Man +versuche, recht buntes Material zu bekommen. Der Bast ist in einzelnen +farbigen Strähnen erhältlich, er kommt aus dem Ausland. + +Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 90 bis 95) mehrere ganz besonders +hübsche Arbeiten in +Stroh+ und +Bast+, die nicht nur gut aussehen, +sondern auch unbedingt brauchbar sind. + +Die +Untersetzer+ (Abb. 92, 93 und 95) können sowohl in der Wohnung +als auch im Garten benutzt werden; sie sind als Schutz für die Tische +gedacht. Auf lackierten, gestrichenen, furnierten Platten sind die +schmiegsamen +Bastuntersetzer+ sehr angebracht, man legt sie unter +Schüsseln und Teller mit heißen Speisen; auf dem gedeckten Tisch +sehen sie reizend aus, ihre Vielfarbigkeit, ihre zierlichen Formen +schmücken die Tafel in einer ganz besonderen Weise. Wenn man sie +unter Blumentöpfe legen will, achte man darauf, daß ein wasserdichter +Blumenuntersetzer unter den Topf gestellt wird, denn es ist besser, +wenn die Bastteller nicht feucht werden. Im allgemeinen ist der Bast +echt eingefärbt, aber es lohnt nicht, damit Experimente zu machen, +außerdem leiden die Formen durch Nässe. Unter +Vasen+, +Körbe+, ++Schalen+ und dergleichen kann man sie unbedenklich legen; sie erweisen +sich als sehr praktisch, wenn man bei plötzlichem Besuch nicht den +Tisch decken möchte und Erfrischungen auftragen will. Wenn man die +Bastgegenstände naturfarben hält, kann man sie, wenn keine Pappe dazu +verwendet worden ist, noch vielseitiger benützen, denn dann sind sie +„waschecht“, es findet sich stets Gelegenheit im Haushalt dazu. + +[Illustration: Abb. 91. Bast- und Stroharbeiten; flache Schale. Entwurf +und Ausführung: Liselotte Volk.] + +Sehr brauchbar sind auch die selbst hergestellten +Bastkörbchen+ (Abb. +94), die ohne Henkel als +Schalen+ zu benutzen sind. Für +Näh-+ und ++Stopfsachen+ kommen sie in Betracht, wenn man sie in entsprechender +Größe anfertigt, sonst eignen sie sich für +Obst+ und +Backwerk+, +besonders für den +Frühstückstisch+. Wenn man einen passenden +Glasbehälter hineinstellt, kann man die Schalen und Körbchen nicht nur +für Obst und Konfekt verwenden, sondern auch für Blumen; man ersieht +daraus, wie vielfach die Verwendbarkeit dieser Gegenstände ist. + +[Illustration: Abb. 92. Schüssel-, Flaschen- und Gläseruntersetzer. + +Aus den Werkstätten: Trude Study.] + +Auf unsern Bildern zeigen wir mehrere Beispiele von besonders hübschen, +einwandfrei ausgeführten Arbeiten +in diesen Techniken+. + +Da sind +Untersetzer+ in verschiedenen Größen und Ausführungen, und ein ++Körbchen+, das auch als Schale gedacht ist, wenn der Henkel fortbleibt. + +Als Technik kommt zunächst das +Wickeln+ in Betracht; in dieser Art +sind die drei +Teller+ in verschiedenen Größen und das +Körbchen+ +ausgeführt. + +Man wickelt über Papierbindfaden, über Bast oder Stroh. Man legt +den Bindfaden zu einer Schlinge und überwickelt zunächst die +doppelte Stelle, dann die Rundung und weiterhin das Ende des Fadens +mit Achterstich auf der vorhergehenden Runde fest, wie es auf dem +Körbchenbild an einigen kleinen Beispielen gezeigt ist. Man kann auch +den Bindfaden ein paarmal umwickeln und ihn erst dann auf der letzten +Runde festmachen. Die bunte Musterung erzielt man durch Anlegen eines +farbigen Bastfadens, der an der Musterstelle an den Anfangsfaden +angelegt wird. Soll der Teller hochwandig ausgeführt werden, so zieht +man die Schnur aus Bast oder Stroh straff an. Zum Schluß schneidet man +die Enden der Bastfäden ab, der Bindfaden wird schräg abgeschnitten, +um einen allmählichen Übergang zu erzielen. + +Eine andre Technik ist die +Bastflechterei+, wir zeigen auf zwei +Bildern einige +geflochtene Untersetzer+ (Abb. 92 und 93). die in +folgender Weise hergestellt worden sind: + +Man schneidet einen Stern aus fester Pappe, umwickelt die Zacken +strahlenförmig mit Bast, auf der oberen Seite, in der Art, wie wir bei +den bekannten Teneriffaspitzen oder Sonnenspitzen sehen. Dann stopft +man den ganzen Stern möglichst dicht mit Bast zu. Man kann bunte Kanten +einstopfen; der Rand wird mit einem Bastfaden umstochen, die fertige +Arbeit feuchtet man leicht an und preßt sie zwischen schweren Büchern, +damit die Teller flach aufliegen. + +[Illustration: Abb. 93. Likörglas- und Flaschenuntersetzer aus Bast. + +Aus den Werkstätten: Trude Study.] + +[Illustration: Abb. 94. Henkelkörbchen.] + +Auf unsern Bildern (Abb. 92 und 93) sehen wir +Bastuntersetzer+, deren +Grundmaterial aus mehreren Pappkreisen besteht, die in der Größe +voneinander abweichen und mit Bastfäden fest miteinander verbunden +sind. Das in der Mitte entstandene Loch ist mit Spinnen aus Bastfäden +ausgefüllt. Einige dieser Spinnen sind ganz einfach gehalten, andre +sind leicht gehäkelt und zierlich geschlungen, das Mittelloch auf dem +einen Teller ist mit Hardangerstichen zugeflochten. Diese Teller sind +besonders reizvoll, weil ihre Farben sehr hübsch zusammengestellt sind. +Das sechseckige Modell ist in Schwefelgelb gehalten, die sternförmigen +Zierstiche sind papierblau, der Stern in der Mitte ist in derselben +Farbe gearbeitet. Der Hardanger Teller ist dreifarbig: orangegelb, +grasgrün und bronzebraun. Die vier Teller auf dem nächsten Bild (Abb. +93) sind ebenfalls mehrfarbig, der kleine Likörglasuntersetzer ist +schwarz mit altrosa Umrandungsstichen und altrosa Stern. Der große +Flaschenuntersetzer rechts daneben ist abwechselnd lila und bronze +gewickelt, mit lila Stern und Verbindungsstichen. Der unterste Teller +ist grün und blau mit grünem Stern und blauem Sternornament auf grünem +Grund. Der erste Teller auf dem Bild -- linksstehend -- ist zweifarbig +geflochten, die Konturstiche sind in der helleren, der Stern in der +dunkleren Farbe gehalten. Will man solch einen Teller verschenken, +so ist es empfehlenswert, aus mehreren eine größere oder kleinere +Serie herzustellen. Ein Dutzend Likörglasuntersetzer, drei große +Flaschenuntersetzer, sechs mittlere Teller in verschiedenen Formen, das +würde am besten wirken, besonders wenn alle Arbeiten in verschiedenen +Farben gehalten sind. Wer drei Flaschenuntersetzer verschenkt, kann +auch die Formen wechseln; für Schüsseluntersetzer wähle man besonders +große Formen, hierfür eignen sich auch ovale Muster, die ebenso +ausgeführt werden. Will man Gläseruntersetzer anfertigen, so achte man +genau auf den inneren Ausschnitt, man nehme ein Bier-, ein Likör-, ein +Wasserglas als Muster dafür. Ist das Mittelloch zu klein oder zu groß, +so wird das Glas schlecht auf der Spinne stehen; will man das Loch in +Hardangertechnik verschließen, so achte man besonders darauf, daß das +Muster nicht zu dick wird, für Gläser kommen diese Muster überhaupt +nicht in Betracht; Gläser würden umkippen, aber für größere, nicht so +leichte Gegenstände jeder Art, Schüsseln, Teller, Blumentöpfe eignen +sie sich recht gut. Statt des Spinnetzes kann ein einfacher Stern in +den Mittelpunkt hineingearbeitet werden. + +[Illustration: Abb. 95. Schüsseluntersetzer. + +Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.] + +Solch Bastteller kann man jederzeit verwenden, sie eignen sich als +Damen- und Herrenspenden bei Gesellschaften und Lotterien, als +Geschenke „für die neue Wohnung“, sie passen zu Verlobungs- und +Hochzeitsgeschenken, müssen aber in diesem Fall serienweise hergestellt +werden, damit sie recht dekorativ wirken. + + +28. Untersetzer mit gepreßten Blumen + +Starkfarbige Blumen, die nicht allzu schnell verblassen, eignen sich +am besten für die zierlichen Untersetzer, die im Haushalt vielfach +praktisch verwendet werden können. Um die Tischplatten zu schützen, +benutzt man die niedlichen Glasuntersetzer als Kannenteller und +Gläsertellerchen, wenn die Tafel aus Zeitmangel nicht gedeckt werden +kann; Vasen, Konfektschalen, Obstschüsseln stellt man darauf. Solch +farbiges Kleinkunstgewerbe wirkt sehr ansprechend und gibt geschickten +jungen Mädchen immer wieder Gelegenheit, sich auch auf diesem Gebiet +nützlich zu machen. + +In der Biedermeierzeit war das Blumenpressen eine vielfach geübte +häusliche Kunst; man findet noch heute in alten Poesie- und +„Stammbüchern“ gepreßte Sträußchen und Kränze, die mit viel Liebe +und Sorgfalt zusammengestellt und sorgfältig gepreßt und eingeklebt +worden sind. In vergilbten Briefen rascheln noch manchmal die einstmals +duftenden Zeugen mancher ernsten und heiteren Stunden, und wer sich +darauf versteht, wird sich immer wieder wundern, daß die gepreßten +zarten Veilchen, die dünnstengligen, feinen Vergißmeinnichtblüten +die Jahrzehnte überdauert haben, während von den Menschen, die sie +gesammelt und gepreßt haben, kaum eine Erinnerung mehr vorhanden ist. + +[Illustration: Abb. 96. Untersetzer mit gepreßten Blumen.] + +Zum Pressen und Aufkleben eignen sich kleine Blüten und Blätter am +besten, die schönste, bunteste Betunie, die reizendste Aster, sie +kommen dafür nicht in Betracht, während Dotterblumen, Veilchen, +Vergißmeinnicht, Leberblümchen und andre Feld- und Wiesenblumen sich +recht gut dafür eignen. Man preßt sie zwischen reinem Löschpapier, +beschwert die Blätter mit dicken Büchern oder Steinen und achtet +darauf, daß die Fläche, auf der die Blüten liegen, gerade ist. Wenn +die Blumen trocken sind, beginnt das Ordnen, denn für einen Untersatz +genügen nicht ein bis zwei Blümchen, da muß schon ein kleines +Füllmuster zusammengestellt werden. + +[Illustration: Abb. 97. Wandbild mit gepreßten Blumen.] + +Der Untersetzer (Abb. 96) besteht aus einem kreisrunden oder ovalen +Rähmchen, statt des Bildes wird die Fläche mit den getrockneten Blumen +eingesetzt. Weiße, gelbe, schwarze Holzrähmchen mit Glas eignen sich am +besten für diesen Zweck. Man kann indessen auf diesen fertigen Rahmen +verzichten und den Untersetzer selber herstellen, indem man unter das +Glas einen starken, entsprechend geschnittenen Pappbogen legt; auf +die Pappe spannt man ein passendes Stückchen Seide, einfarbig, in +Lila, Grün, Braun oder Papierblau, darauf befestigt man die Blumen; +darüber wird die Glasscheibe gelegt, die Papprückwand wird mit +sauberem Packpapier beklebt, und zum Schluß umzieht man das Glas mit +einer nicht zu breiten Goldborte, so daß ein Rahmen entsteht. Solche +Goldborten und Brokatborten werden vielfach in Möbelhandlungen, bei +Dekorateuren verwendet, meist als Abschluß von Vorhängen und Decken; +die Reste eignen sich für Untersetzer sehr gut. Wenn die Blumen nicht +mehr gefallen, trennt man den Rand auf und erneuert den Inhalt. Es gibt +eine Sorte farbiger Strohblumen, die für diesen Zweck sehr empfohlen +werden können, auch Immortellen sehen sehr hübsch unter Glas aus, +sogar der bescheidene Mauerpfeffer kann dafür verwendet werden. Bei +einiger Übung kommt man schließlich selber darauf, welche Blüten sich +für diesen Zweck am besten eignen, und das Zusammensetzen von Mustern +ist so reizvoll und anregend, daß alle, die einmal damit begonnen +haben, nach und nach eine besondere Fertigkeit erlangen und selbst die +verschiedensten Möglichkeiten ersinnen, um ihre zierlichen Versuche +anzubringen. + +In früheren Jahren war es üblich, den Myrtenkranz der Braut unter +Glas zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder aufzuheben. Solch +sentimentaler Zimmerschmuck ist unmodern geworden, indessen gibt +es einen unauffälligen, geschmackvollen Ersatz dafür, den sich die +Freundinnen einer Braut merken sollten. Aus einigen Zweigen vom +Myrtenkranz kann man in der beschriebenen Art ein kleines +Wandbild+ +(Abb. 97) herstellen, ein Untersetzer würde dafür nicht in Betracht +kommen. Wenn die Brautjungfer solche hübsche Überraschung im Heim der +jungen Frau anbringt, wird die Freude groß sein; in dieser Weise können +mancherlei Erinnerungen an frohe Feste und gemeinsam verlebte Tage +festgehalten werden. + +Die Gold- oder Brokatborte über Glas als Rahmen kann vielfach +Verwendung finden; für Liebhaberphotos, Künstlerkarten, kleine +Stickereien, Silhouetten, Klebebilder ist diese Art der Umrahmung sehr +zu empfehlen. + + +29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik + +Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man +bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene +Klapper-+ und ++Tellerdeckchen+ aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um +improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung +als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche +Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von +jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor +allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle +genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell +gedeckt werden soll. + +Da die Herstellung der ausgeschnittenen +Klapperdeckchen+ (Abb. 98 +und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für +diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die +Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden. + +[Illustration: Abb. 98. Klapperdeckchen in Ausschneidetechnik.] + +Man faltet das in der gewünschten Größe quadratisch zugeschnittene +Papier -- Butterbrotpapier ist dafür sehr brauchbar, auch Pergament- +und Kaffeefiltrierpapiere kommen in Betracht -- in entsprechender +Weise dreimal in der Diagonale und schneidet dann mit einer scharfen +Schere die beliebigen Muster: Dreiecke, Kreise, Streifen und so weiter +hinein. Beim Auseinanderfalten ist das ganze Papier symmetrisch mit +Mustern bedeckt. Will man nur den Rand verzieren, dann darf man nur +den Rand des zusammengefalteten Papiers ausschneiden. Man kann auch +mit dem Zirkel Muster aufzeichnen und danach die Formen schneiden. +Nach Belieben wird man die ausgeschnittenen Muster farbig unterlegen; +man klebt gelbes, orangefarbenes, grünes oder tütenblaues Glanzpapier +dahinter; wo es angebracht ist, kann man die +Klapperdeckchen+ auch aus +farbigem Glanzpapier herstellen. Das gilt für lustige Gesellschaften, +wenn die gesamte Tischdekoration auf Farbe eingestellt ist, wenn unter +anderem Papierketten, Konfetti und Lampions dabei eine Rolle spielen. + +[Illustration: Abb. 99. Klapperdeckchen.] + +In derselben Weise wird man selber +Tortenpapier+ herstellen; gekaufte +gute Tortenpapiere sind nicht billig, und zum selbstgebackenen Kuchen +paßt eine selbsthergestellte Unterlage recht gut. Sie eignet sich für +Obst und Konfekt, auch für selbstgebackenes Marzipan; es sieht sehr +hübsch aus, wenn ein Körbchen, eine Platte in dieser anspruchslosen +Weise verziert ist. Für solches +Tortenpapier+ eignet sich dünnes, +weißes Zeichen- oder auch Pergamentpapier am besten, wenn es nicht +vorrätig ist, genügt schließlich Butterbrotpapier. + +Mit Hilfe solcher mehr oder weniger einfachen Ausschnittmuster kann +man sich sehr praktische +Untersetzer+ herstellen. Man klebt die +ausgeschnittenen Papiere auf Pappe, legt eine passend zugeschnittene +Glasscheibe darauf und rahmt den Untersetzer, der beliebig rund oder +eckig gehalten werden kann, mit Kaliko ein. Beim Photographen bekommt +man ausgesonderte Glasplatten, sie eignen sich sehr gut dafür. Sehr +hübsch sehen sechs- und achteckige Untersetzer aus, in jeder Glaserei +wird diese Form beliebig zugeschnitten. Die Wirkung ist am besten, wenn +runde Ausschnittflächen eckig und eckige Muster rund eingerahmt werden. + +In der Ausschnitt-Technik stellt man auch hübsche +Schrankpapiere+ +her. Wenn sie recht sorgfältig ausgeführt werden, dürften sie bestimmt +viel origineller und geschmackvoller als die üblichen gekauften +„Papierspitzen“ wirken; man verwendet sie am liebsten für Schränke im +Kinderzimmer und in der Küche. + + +30. Perlarbeiten + +Die +Perlarbeit+ wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. In +früheren Jahren ist das glitzernde, blitzend bunte Material nur als +Kinderspielzeug gewertet worden. Damit soll indessen nicht gesagt +werden, daß unsere Zeit die Perle entdeckt hat, im Gegenteil, vor +hundert Jahren machten die Frauen so reizende +Perlarbeiten+, daß wir +Modernen diese Art nie erreichen werden, schon darum nicht, weil man im +Jahrhundert des Autos, des Luftschiffes, im Zeichen der Eile und der +damit verbundenen Rekorde gar nicht die Ruhe hat, solche zeitraubende +Augenpulver zu fabrizieren. Auch in die kleinsten Dörfer kommt die +moderne Technik und nimmt den stillen Menschen die Gemächlichkeit, die +unbedingt erforderlich ist, wenn man langwierige, kniffliche Arbeiten +ausführen will. Diese Ruhe hatte man vor hundert Jahren, und darum +sehen wir in alten Vitrinen noch heute wunderfeine +Perlarbeiten+, +die unter einigermaßen ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen +entstanden sind. Wer von euch hat nicht schon einmal Urgroßmutters ++Klingelzug+ bewundert, der im Glasschrank neben Urgroßvaters ++Perlenbörse+ zur Erinnerung aufbewahrt ist. Da sind +Schreibmappen+ +und feine +Geldtäschchen+, +Brotkörbchen+ mit perlgesticktem Boden, ++Nähtischeinlagen+, auf denen Schäferinnen mit Schafen und Hunden aus +ganz kleinen, bunten Perlen spazieren gehen. +Lichtmanschetten+, die +das Tropfen der Kerzen auf den Fußboden und auf den Tisch verhindern +sollten, arbeitete man aus großen, langen, goldenen und silbernen +Perlen; +Tabletteinlagen+ aus winzigen, farbigen Glasperlen waren +keine Seltenheit, selbst +Huthalter+ und +Handtuchständer+ wurden mit +Perlen gestickt, meist in Verbindung von Gobelinstickerei, schwimmende +Schwäne, in einem Kranz von Efeu- und Weinblättern und vollen Trauben +-- aber das war schon in der Verfallzeit, in den siebziger Jahren. +Vor hundert Jahren arbeitete man viel geschmackvoller; reizende ++Bilder+ wurden aus Perlen hergestellt, kleine, feine Landschaften +und Stilleben, die häufig mit bunten Papieren in Klebetechnik gerahmt +wurden. Die großen +Reisetaschen+ mit der Inschrift „Bon voyage“, denen +wir in den alten Lustspielen begegnen, wurden vielfach mit Perlen +bestickt, man bestickte unter anderem +Kassetten+ und +Zeitungshalter+, ++Sofakissen+, +Fußbänke+, +Nähkissen+, +Brieftaschen+, +Serviettenringe+ +und +Taschentuchbehälter+ mit Perlen; natürlich wurde die +Perlarbeit+ +in ihren verschiedenen Techniken auch für die Mode -- besonders die +Damenmode -- herangezogen. Noch heute bewundern wir die feine Arbeit, +Blumen und Früchte, Stilleben, Landschaften, Hunde und Katzen, Vögel +und Lämmchen, Liebespaare, Amoretten und sentimentale Ornamentik, zum +Beispiel rankenumsponnene Säulen, Köcher und Pfeile mit Herzen auf +den alten +Pompadours+ und +Ridiküls+, die von unseren Urgroßmüttern +sehr gern getragen wurden. Gleichzeitig waren auch +Perlarmbänder+ +modern, breite oder schmale, meist schwarze Samtbänder, die mit +Silberperlen benäht wurden; auch +Hut-+ und +Halsbänder+ in dieser Art +kamen auf und waren -- den überlieferten Bildern nach zu schließen -- +außerordentlich kleidsam. Später wurde diese Mode sehr vergröbert, aus +den zierlichen „Amibändchen“ wurden geschmacklose, perlenstrotzende +Samt- und Seidenbänder, die mit schlechten Mustern „geschmückt“ waren. +Schließlich, als mit dieser Mode wirklich kein Staat mehr zu machen +war, geriet sie -- mit Recht -- in Vergessenheit, und ebenso wie diesem +Modebeiwerk erging es den anderen Perlarbeiten, die ebenfalls sehr +zurückgegangen waren. -- Sie hatten das Schicksal aller Modesachen: +solange sie in der Minderheit auftreten, teuer und gut ausgeführt +sind, gefallen sie sehr; dann dringen sie in die breite Masse, indem +sie billiger hergestellt und demnach zur Imitation werden, und diese +Wandlung führt zu ihrem mehr oder weniger schnellen Ende. + +[Illustration: Abb. 100. Muster für Perlarbeiten.] + +[Illustration: Abb. 101. Zwei Serviettenringe aus farbigen Holzperlen.] + +Wenn die +Perlarbeiten+ in den letzten Jahren wieder aufgekommen sind, +so bedeutet dies durchaus nicht, daß die alten Muster und Techniken +wieder hervorgeholt wurden; man knüpfte zwar an die erprobte Tradition +an, ging und geht heute indessen sichtlich andere Wege. Handgestrickte +und handgehäkelte +Perlbeutel+ für Theater und Besuchszwecke werden +zwar wieder gearbeitet, bewegen sich aber, wenn sie geschmackvoll und +vornehm sind, in so hohen Preislagen, daß sie nicht einmal für die +gute bürgerliche Gesellschaft in Betracht kommen, die Herstellung ist +zu teuer. Als Handarbeit -- wie irgend eine andere -- kommen sie auch +nicht in Frage, weil die Technik zu anstrengend und zu zeitraubend +für heutige Verhältnisse ist. Nur wenn die Perlen sehr klein sind, +und das Muster ganz besonders fein ist, sieht solch Beutel gut aus, +und wer hat schließlich ein Interesse daran, solch mühseliges Stück +zu arbeiten, umso weniger, als das Material sehr kostspielig ist, +wenn andere Techniken zeitgemäßer, angenehmer und billiger sind. Man +braucht heutzutage auch keine +Klingelzüge+ mit und ohne Perlen mehr, +die +Brot-+ und +Kuchenkörbchen+ mit Perlenboden empfinden wir Modernen +als unhygienisch, +Taschenbücher+ und +Schreibmappen+, +Brieftaschen+ +und Geldbeutel können unserer Auffassung nach gar nicht fest und +handlich genug sein. Perlenverzierungen bedeuten Rücksicht nehmen, +Zeit verlieren; da muß man andere Gegenstände wählen, um die Perlen +anzubringen. + +Für die +Halsbänder+ hat die Mode einen guten Ersatz gefunden, die +langen farbigen +Perlketten+, die so hübsch schlank machen, und die zu +den einfachen Kleidern sehr gut passen. Man hat auch +Holzperlketten+ +in den Handel gebracht, aber sie sind lange nicht so reizvoll wie die +Ketten aus bunten Glasperlen, die es mit Korallen- und Bernsteinketten +aufnehmen können. Wer geschickt ist und Farbensinn besitzt, kann solch +feine +Perlenketten+ selber ohne viel Mühe und Kosten auffädeln, +wir bringen auf unseren Bildern entsprechende Muster, die leicht +nachzuarbeiten sind. + +Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 100 bis 105) zunächst einige +handgezeichnete Proben für die verschiedenen Arten, große und kleine +Perlen aufzufädeln. Auf dem ersten Muster, das sich sowohl für ++Hutbänder+ als auch für +Gürtel+ eignet, zieht man zwei längliche +und eine runde Perle in der Länge des zu arbeitenden Gegenstandes +auf, fädelt wieder zurück, nimmt nun zwei längliche Perlen auf und +sticht durch die runde, schon aufgezogene Perle zurück. Statt der +zwei langen Perlen kann man auch vier runde Perlen in abstechender +Farbe nehmen (siehe Abb. 100 b). Dieses Muster eignet sich für farbige ++Glas-+ und +Holzperlen+, man verwendet es nicht nur für +Gürtel+ und ++Hutbänder+ usw., sondern auch zum Schmuck von +Lampenschirmen+, +Näh-+ +und +Papierkörben+, man kann daraus +Serviettenringe+ und ähnliche +Perlarbeiten herstellen. Handelt es sich um Modesachen, so beachte man +die Farbenzusammenstellung; allzu grelle Farben kommen dafür überhaupt +nicht in Frage. Für Wandervogelkleider sind solche Ketten ein sehr +hübscher Schmuck, für die Stadtkleidung werden Holzperlenketten weniger +getragen. Die beschriebene Technik kommt aber auch für Glas- und +Bernsteinperlen in Betracht; schließlich gibt es nicht nur die kleinen +runden, bunten +Glasperlen+, für die Modeindustrie hat man +große+ und ++kleine+, +längliche+, +runde+, +eckige+, +einfarbige+ und +bemalte+ +oder +irisierende Perlen+ in den Handel gebracht. All diese Perlen +lassen sich für +Ketten+ und +Gürtel+ und für kettenartige Verzierungen +in der Art verwerten, wie wir sie auf unseren fünf Zeichnungen so +anschaulich zeigen, daß eine allzulange Erklärung sich erübrigt, denn +die Technik ist immer dieselbe, es wechseln nur Formen und Farben, +und schließlich ergeben sich bei einiger Übung und Geschicklichkeit +vielerlei Möglichkeiten. + +[Illustration: Abb. 102. Perlenhutband.] + +Die Herstellung der +Serviettenringe+ (Abb. 101) geschieht in folgender +Weise: + +1. Zwei runde, eine lange, eine runde Holzperle werden aufgereiht, dann +fährt man mit der Nadel wieder durch die beiden zuerst aufgezogenen +runden Perlen zurück, reiht weitere drei runde Perlen auf, sticht durch +die lange Perle zurück, fährt durch die obere der drei runden Perlen +und beginnt wieder von vorn, bis der Serviettenring die richtige Größe +hat. + +2. Man reiht eine lange, drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die +lange Perle, reiht drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange +Perle, reiht wieder eine runde Perle auf und so weiter (Abb. 100 ~d~). +Man kann statt der langen Perle auch eine runde Perle in abstechender +Farbe nehmen und die einzelne, zuletzt aufgezogene, runde Perle +fortlassen (Abb. 100 ~e~). + +Eine einfarbige lila +Kette+, die auch als +Hutgarnitur+ gedacht ist, +bringen wir auf unserer Abb. 102, um einen fertigen Gegenstand dieser +Art vorzuführen; man ersieht daraus, daß die Technik sehr einfach ist. + +In derselben Art sind die +Serviettenringe+ aus Holzperlen ausgeführt +(Abb. 101); auf der Abbildung sehen wir ein Modell als Einzelaufnahme +und daneben ein anderes Modell „im Betrieb“. Es liegt wie ein Armband +um die Serviette; beide Muster sind voneinander verschieden und können +auch als +Kinderarmbänder+ verwendet werden; hier sind Holzperlen sehr +angebracht, wenn man keine schwarzen Holzperlen verwendet, die immer +sehr stark an Trauerschmuck erinnern. + +[Illustration: Abb. 103. Farbige Schmuckketten von Liselotte Volk.] + +[Illustration: Abb. 104. Farbige Ketten aus Glasperlen. + +Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.] + +Auf dem dritten Bilde (Abb. 103) sehen wir eine geschmackvolle, etwas +komplizierte +Kette+ aus bunten Glasperlen und eine einfache +Kette+ +aus farbigen Holz- oder Glasperlen. Die erste +Kette+ besteht aus +einfarbigen kleinen Glasperlen, die auf eine lange Schnur aufgereiht +sind; sie ist leicht verschlungen und hat als Abschluß größere bemalte +venezianische Perlen; aus der größten Abschlußperle hängt eine volle, +lange +Troddel+ herab, die aus denselben Perlen besteht, die für die +verschlungene +Kette+ verwendet worden ist. Die Abbildung ist so +deutlich, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Nur über die +Farbe der Kette soll gesprochen werden. Ein tiefes Porzellanblau, nicht +etwa Marineblau, ist immer kleidsam, Hellblau wäre sehr geschmacklos, +dagegen ist Pfauenblau, Violett, Gelb, besonders Dunkelgelb sehr +originell, und Grün, ganz gleich ob Türkisgrün oder Giftgrün, Blattgrün +oder Jadegrün, wird immer hübsch und vornehm wirken. Lapislazuli ist +sehr begehrt, das ist ein weiches, warmes Blau, ebenso Bronzebraun +hell. Nur keine Gold- oder Silberperlen! Das würde nach Zirkus +aussehen. Zwischen die großen venezianischen Perlen können ein paar +kleine, runde Perlen gesetzt werden, wie wir es auf der Photographie +sehen. Wenn die +Kette+ blau ist, wählt man für die runden Perlen Grün +oder Bronzebraun, ist sie grün, so wäre Blau oder Weiß angebracht, +ist sie gelb oder bronzebraun, so wähle man Grün oder Schwarz. Die +venezianischen Perlen sind buntfarbig, irisierend, man kann ebensogut +längliche wie kugelige oder auch eckige, große Abschlußperlen +verwenden, dunkle wirken feiner als helle, große Perlen. Die daneben +abgebildete +Kette+ soll eine Anregung geben, wie man Perlen richtig +aufzieht. Man sieht hier Perlen in verschiedenen Größen, Formen und +Farben. Die drei größten Perlen werden als Mittelstück verwendet, von +kleineren, länglichen Perlen unterbrochen, dann folgt je eine ganz +kleine, runde Perle. Und nun wird genau abgezählt, daß die Perlen bis +zum Schluß in richtiger Reihenfolge nebeneinander stehen, sonst sieht +die ganze +Kette+ nach nichts aus und hängt immer schief. Den Abschluß +bilden die kleinsten Perlen, die der Farbe nach richtig abgestimmt +werden müssen. Solche +Kette+ kann man sowohl aus Holz-, als auch aus +Glasperlen herstellen, es gibt sehr schöne böhmische Glasperlen in +feinen Farben, Grün, Bernsteingelb, Granatrot, meist durchsichtig, +aber auch perlmutterartig. Besonders für Kostümfeste eignen sich +solche +Ketten+ sehr gut. Wer Zeit und Geschmack hat, kann seine ++Kette+ selber aufziehen und wird viel Geld sparen, denn die fertigen, +sogenannten böhmischen +Bauernketten+ sind ziemlich teuer. Sie eignen +sich auch als Schmuck für Wandervogelkleider, denn zum Wandern wird +man am besten nur Schmucksachen tragen, die nicht kostspielig sind und +keine wertvollen Erinnerungsstücke darstellen. + +In der Art, wie die +einfache Kette+ auf dem Bilde dargestellt ist, +kann man auch Bernstein-, Korallen- und Perlmutterketten aufziehen. Es +gibt dafür in den einschlägigen Geschäften gewachste und gedrahtete +Aufziehschnur in Weiß, Gelb und Rot, sowohl für Korallen, Granaten, +als auch für Bernstein und Perlmutter geeignet. Blaue und grüne Perlen +zieht man am besten auf weiße Schnur; an den käuflichen Fäden, die +meterweise aufgewickelt sind, ist ein Draht zum Aufreihen angebracht, +andernfalls muß man eine +Aufziehnadel+ verwenden. Es ist immer +notwendig, gute, feste Schnur zu verarbeiten; eine +Kette+ wird beim +Tragen mehr strapaziert, als man annehmen sollte; wenn sie reißt, ist +es fast niemals möglich, alle Perlen zu retten. + +Das nächste Bild (Abb. 104) veranschaulicht uns drei hübsche +Ketten+ +aus farbigen Glasperlen, die sowohl für Erwachsene als auch für +Backfische und Kinder gedacht sind. Die erste +Kette+ besteht aus +weißen, undurchsichtigen Glasperlen; es werden je siebzehn dieser +Perlen aufgezogen, dann folgen je drei größere, runde, grüne +Glasperlen, und nun folgt ein Muster aus denselben Perlen, je zwei +davon, in der Mitte eine große, längliche, dunkelblaue Perle. Diese +Farbenzusammenstellung wirkt immer jugendlich und kleidsam. Die +zweite +Kette+ ist sehr ähnlich; der Unterschied besteht darin, daß +die weißen Perlen auf einer dreifachen Schnur stehen und diese drei +Ketten zusammengedreht sind. Auch die dritte +Kette+ ist nach diesem +Rezept angefertigt, nur ist die Anordnung der verschiedenen Perlen +in verschiedenen Größen ein wenig anders. Man ersieht dies aus dem +Bilde sehr deutlich; was die Farben anbelangt, so sind dafür die +zuerst angegebenen Töne, Lapislazuli, Türkis, Porzellanblau, Grün in +den verschiedenen Schattierungen, Bronze, Gelb, auch Altgold sehr +zu empfehlen, vielleicht wird ein helles Rot ebenfalls gern gewählt +werden, doch sind andere Farben praktischer, weil man sich Rot sehr +leicht über sieht, außerdem ist es sehr auffallend und kann nicht zu +jedem Kleid, zu jeder Bluse getragen werden. + +[Illustration: Abb. 105. Probe zu Perlarbeiten.] + +Auf dem letzten Bild (Abb. 105) sehen wir +Proben+ zu +Perlarbeiten+, +sowohl für +Ketten+ als auch für +Armbänder+ und anderen Schmuck. +Man hat in den letzten Jahren verschiedene +Untersetzer+ aus Perlen +eingeführt, die sich auf der gedeckten Tafel sehr bewähren; man +verwendet sie zum Abstellen heißer Schüsseln und benutzt sie auch gern +zum Schutz der Tischplatte, damit Vasen und Blumentöpfe, Teller und so +weiter nicht die Politur verderben. Für solche Zwecke eignet sich der ++Stern+ in zwei Farben sehr gut; man kann ihn aus Glasoder Holzperlen +ausführen und auch verschieden geformte Perlen dazu verwerten. Die +beiden anderen Muster zeigen eine praktische Art, mehrfarbige Glas- +oder Holzperlen aufzureihen; das erste Muster kann ebenfalls als ++Untersetzer+ verwendet werden, wenn man größere Glas- oder Holzperlen +dafür benutzt. Je mehr wir uns mit dieser Technik beschäftigen, desto +mehr Muster fallen uns ein. Eigentlich kommt es doch nur darauf an, +verschiedenfarbige Perlen in verschiedenen Größen geschickt miteinander +zu verbinden; es wäre indessen geschmacklos, Holz- und Glasperlen +gemeinsam zu verwenden. + + + + +IV. Kapitel + +Laubsägearbeiten + + +31. Puppenstube + +Gut eingerichtete +Puppenstuben+ sind teuer und meist nach einem +bestimmten Geschmack hergestellt. Wer etwas Besonderes haben möchte, +muß sich selber an die Arbeit machen, sie ist unterhaltend und lohnend; +sie macht den Schaffenden eine doppelte Freude, denn einmal ist es +doch sehr reizvoll, einen Gegenstand von Anfang bis zu Ende selber zu +arbeiten, und außerdem wird das Vergnügen der kleinen Wohnungsbesitzer +umso größer sein, je persönlicher die +Puppenstube+ wirkt, je mehr ihre +eigenen Wünsche berücksichtigt werden, und dies läßt sich schließlich +nur dann erreichen, wenn man die Arbeit selber ausführt. + +Die +Puppenstube+ ist nicht nur irgend ein Spielzeug, sie ist viel +mehr. Die kleinen Mädchen lieben ihre Puppenstube so sehr, weil sie +hier ihre eigenen Interessen vertreten können; nach ihrem Willen können +sie die Möbel umstellen, „umziehen“, wann es ihnen notwendig erscheint; +sie können ungestört ein „großes Aufräumen“ vornehmen und all das +ausführen, was sie bei den Großen sehen. Beim Spiel mit der Puppenstube +lassen sich frühzeitig die hauswirtschaftlichen Begabungen der Kleinen +feststellen, und manche Eigenschaft, wie Ordnungsliebe, Sauberkeit, +praktischer Sinn, wird beim Spiel mit der Puppenstube gestärkt, durch +Lob oder Tadel anerzogen. + +Darum wird die ältere Schwester, die junge Verwandte oder Freundin sich +gewiß gern ans Werk machen, wenn es gilt, solch eine Puppenwohnung +herzustellen. Es gibt häufig genug Gelegenheit dazu. Junge Mädchen, +die ihre Ferien bei Freunden oder Verwandten angenehm verlebt haben, +wollen sich erkenntlich zeigen. Es sind Kinder, kleine Mädchen +im Hause; was gibt es da Hübscheres als eine selbst hergestellte +Puppenwohnung als Danksagung. Keine gehäkelte Decke, kein gesticktes +Kissen wird so viel Freude bei den Gastgebern hervorrufen, denn +Handarbeiten können schließlich auch andre schenken. Eine gut +eingerichtete, selbst hergestellte Puppenstube aber ist etwas ganz +Besonderes, das kann nicht jeder. + +Als Grundmaterial dient eine feste +Kiste+, deren Vorderwand losgelöst +wird. In eine Wand sägt man Fenster, am besten in die breiteste Wand, +eins oder zwei, je nach Belieben. Nun gilt es, die Zimmerwände zu +tapezieren oder anzustreichen. Als Tapete kann man kleinmusterige ++Tapetenreste+ verwenden, die mit Kleister befestigt werden; auch ++Vorsatzpapiere+ kann man dazu verwerten. Wer gute +Holzbeize+ besitzt, +beize die drei Wände in Hell- oder Dunkelbraun, in Dunkelgrün oder +Dunkelblau. Auch +Ölfarbe+ eignet sich zum Wandanstrich. Man macht +sich eine hübsche Farbe zurecht, Ockergelb, Bronze, pompejanisch Rot, +Briefkastenblau, Tütenblau oder Türkis. Dann streicht man mit einer +dieser Farben die Wände und läßt sie einige Tage ruhig trocknen. Sehr +gut ist die Wirkung, wenn man am oberen Rande der Wände eine zweite +hellere Farbe aufstreicht und beide Töne mit einem schmalen Streifen +verbindet. Am besten sehen folgende Farbenzusammenstellungen aus: +Oben Hellcreme, unten Blaugrün oder pompejanisch Rot mit sepiabraunem +Streifen, oder: oben Türkis, unten Pfauenblau mit schwarzem Streifen, +oder oben Weiß, unten Kobalt- oder Briefkastenblau mit grasgrünem +Streifen, oder oben Weiß, unten Ockergelb mit pompejanischrotem +Streifen. Der Streifen wird auch um die Fenster gelegt, damit sie mehr +betont werden. + +Wir raten, den Fußboden der Puppenstube, nachdem die Wände gestrichen +oder tapeziert sind, oder auch vorher, zu streichen. Am besten eignet +sich hell- oder dunkelbraune Ölfarbe dazu, auch dunkelgraue Töne +dürften Anklang finden. + +Die Möbel stellt man mit der Laubsäge her, die Holzstärke beträgt am +besten 5 Millimeter. + +In eine praktisch eingerichtete Puppenstube, wie sie z. B. in unserer +Abb. 106 zu sehen ist, gehören folgende Möbel: ein +Bett+, ein ++Schrank+, ein +Waschtisch+, ein paar +Stühle+, eine +Eckbank+ statt +des Sofas, dessen Herstellung zu schwierig sein dürfte -- eine Bank +erfüllt, mit Kissen belegt, denselben Zweck --, ein +Wandbrett+, ein ++Tisch+, ein oder zwei +Sessel+ -- je nach Größe der Puppenstube -- ein ++Nachttisch+, eine +Fußbank+. Die Größenverhältnisse sind in folgender +Weise festgelegt: + +[Illustration: Abb. 106. Selbstgearbeitete Puppenstube. + +Entwurf und Ausführung: Irmgard Volk.] + ++Bett+: Kopf- und Fußwand 9 mal 11 Zentimeter Höhe. Daraus werden die +Füße, 2 Zentimeter hoch, gleich mit ausgesägt. Der Boden des Bettes +beträgt 17 mal 8 Zentimeter, die Seitenwände sind 17 mal 2 Zentimeter +groß. + +Der +Schrank+ (Abb. 107) hat eine Rückwand von 10 mal 16 Zentimeter, +die Seitenwände sind 5 mal 16 Zentimeter groß, der Boden beträgt 11 mal +5½ Zentimeter, der Schrankaufsatz 6 mal 11 Zentimeter, die Tür 11 mal +16 Zentimeter. + +Der +Waschtisch+ hat eine Platte von 10 mal 7 Zentimeter, die +Seitenwände betragen je 6 mal 8 Zentimeter, die Rückwand ist 8 mal 8 +Zentimeter groß, das innere Brett 5½ mal 8 Zentimeter. + +Der +Nachttisch+ hat eine Platte von 5 mal 5 Zentimeter, zwei +Seitenwände zu je 3 mal 8 Zentimeter, eine Rückwand von 4 mal 8 +Zentimeter, ein inneres Brett 3 mal 3 Zentimeter. + +Der +Sessel+ hat eine Rückwand von 6 mal 12 Zentimeter, zwei +Seitenwände zu 6 mal 8 Zentimeter, einen Sitz 5½ mal 6 Zentimeter, die +Höhe der ausgesägten Stuhlbeine beträgt 3½ Zentimeter. + +Der +Stuhl+ hat eine Rückwand 5 mal 11 Zentimeter, einen Sitz 5 +mal 5 Zentimeter, die Beine werden in 1 Zentimeter Stärke und 4 +Zentimeter Höhe aus der Rückwand und aus dem Vorderbrett ausgesägt. +Die Vorderbeine sind 5 mal 5 Zentimeter, die Seitenteile 1½ mal 4½ +Zentimeter. + +Die +Fußbank+ ist 18 mal 18 Zentimeter groß, die Mittelbeine werden +über Eck 6 mal 5 Zentimeter angenagelt, die andern Beine sind 4½ mal 5 +Zentimeter groß. Der Durchmesser des Holzes beträgt 5½ Zentimeter. + +Zeichnung zur Fußbank. + +[Illustration] + +Das +Wandbrett+ hat ein Brett 3 mal 15 Zentimeter, Stütze: 4 mal 3½ +Zentimeter. + +Der +Tisch+ hat eine runde Tischplatte von 12 Zentimeter Durchmesser, +der Fuß besteht aus einer entsprechend großen Garnrolle. + +Die +Möbel+ werden mit Messingnägeln zusammengenagelt, man achte +darauf, daß die Nägel runde Köpfe haben. + +[Illustration: Abb. 107. Puppenschrank, Innenansicht.] + +Die fertigen Stücke wird man am besten mit +Holzbeize+ färben. +Am feinsten wirkt Eiche, Palisander, hell- oder dunkelbraun, die +Ränder streicht man mit schwarzer Ölfarbe an. Die Beize wird +mehrmals aufgetragen, nachdem der erste Anstrich eingezogen ist; +der Anstrich darf nicht streifig wirken. Erst wenn die Beize völlig +eingezogen ist und bestimmt nicht nochmals aufgetragen zu werden +braucht, werden die Streifen mit Ölfarbe gestrichen. Der Ölanstrich +muß einige Tage auftrocknen. Wir zeigen auf unserer Abb. 106 die +vollständig eingerichtete +Puppenstube+ und bringen den +Schrank+ +in einer Einzelansicht (Abb. 107), weil er aus technischen Gründen +bei der Aufnahme aus der Puppenstube entfernt werden mußte. In +dieser hübschen Originalpuppenstube steht der Schrank an Stelle des +Waschtisches, und der Waschtisch an Stelle des Sessels, der neben dem +Tisch stehen müßte. Der Schrank hätte die Aussicht verdeckt, man kann +ihn beliebig in der Puppenstube aufstellen. Auf unserm Bilde sieht +man das große +Einzelfenster+. Man kann eine vom Glaser entsprechend +groß geschnittene Glasscheibe mit Glaserkitt vorkleben, man kann +auch, wenn die Puppenstube sehr groß ist, zwei Fenster anbringen. +Aus buntem +Waschstoff+, am besten +Druckstoff+, +Kretonne+ -- ein +Restchen genügt -- wird der gekrauste kurze +Vorhang+ hergestellt, +und an kleinen +Ringen+ über eine +Stange+ gezogen. Wer Lust hat, +kann aus +Gardinenstoff+, aus +Tüll+ oder +Schleierstoff+ Gardinen +nähen, das ist Geschmacksache; geraffte Gardinen, Vorhänge, mehr oder +weniger lang, passen ebenfalls in dies Zimmer. Der +Teppich+ unter +dem Tisch ist handgestickt. Er zeigt ein geometrisches Muster, über +Kanevas in Kreuzstich gearbeitet, mit einer schwarzen Schnur am Rande +abgepaßt. Wer Zeit sparen will, verwendet am besten ein Stückchen ++Möbelstoff+ als Teppich, auch handgewebte streifige oder gekästelte, +kleinmusterige Stoffe passen dafür. Wie man +Betten+ herstellt, weiß +jedes größere Mädchen; statt der Federn verwendet man Kissenfüllung, +die in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, am besten eignen +sich +Pflanzendaunen+ dafür. Man näht rote oder blaue +Inletts+ und +weiße +Bezüge+ und +Bettlaken+; je ähnlicher sie den „richtigen“ Betten +der Großen sind, desto mehr Anklang werden sie finden. + +Auf den +Waschtisch+ stellt man ein Puppenwaschservice, vielleicht +treibt man für den Nachttisch einen +Leuchter+ auf. + +Es gibt in Spielwarenhandlungen kleine +Schalen+, die, auf den Tisch +gestellt, den Raum sehr hübsch beleben, dort findet man auch +Kännchen+ +für das Wandbrett. + +Zum Schmuck der Wände stellt man +Bilder+ her, indem man passende +Bildchen auf Pappe klebt, mit Kaliko rahmt und an schwarzen Schnüren +oder Perlgarn aufhängt. + +Über dem Waschtisch hängt ein +Spiegel+, es ist ein Taschenspiegelchen, +das für diesen Zweck sehr geeignet ist. Man kann indessen selber solch +Wandspiegel aus einem Spiegelrest herstellen; der Glaser schneidet die +Form, dann rahmt man den Spiegel mit Kaliko, wie die Bilder, ein. + +Was wir auf unsern Abbildungen zeigen und hier beschreiben, sind Möbel, +die sich durch einfache Linien und praktische Formen auszeichnen. +Da sind keine gedrehten Füße, keine überflüssigen Schnörkel, jedes +Stück ist auf Brauchbarkeit eingestellt und im besten Sinne „modern“. +Solche Puppenmöbel kann man kaum kaufen; was man im Laden erhält, ist +mehr oder weniger teure Dutzendware, was wir als Muster geben, ist +vorbildliche Handarbeit. + +Der geöffnete +Schrank+ zeigt die kleinen Messingscharniere, an denen +die Tür befestigt ist, wir sehen das +Brett+ für die Hüte, sehr +praktisch ausgedacht; ein Draht ist in die Wände gezogen als Stange für +die Kleider; so sehen die Kleinen es bei den Erwachsenen, so wünschen +sie es sich für ihre Puppenkinder. + +Auf der Eckbank liegt ein +Kissen+ mit einem farbigen Stoffrestchen +bezogen; wer Zeit und Lust hat, kann mehrere solcher Kissen anfertigen +und auf die Bank legen. + +Die fertigen Möbel werden am besten gewachst, um die Haltbarkeit +der Beize zu erhöhen und sie vor Unsauberkeit zu schützen. Es wird +sich nicht vermeiden lassen, daß sie sehr häufig und nicht immer mit +tadellos sauberen Händen angefaßt werden, es werden wohl auch fremde +Kinder, kleine Gäste damit spielen, wenn auch die jungen Besitzer +solcher Puppenstube selber ihr Spielzeug in acht nehmen werden. + +Als besondere +Handwerksregel+ wollen wir noch betonen, daß man für die +Möbel +Pappel-+, +Birnen-+, +Linden-+ oder +Ahornholz+ verwenden soll, +es ist weich und fest und läßt sich mit der Laubsäge gut behandeln. +Die Maserung des Holzes soll stets in der Längsrichtung liegen, das +Sägeblatt soll beim Sägen straff eingespannt werden. Man achte stets +darauf, daß die Zacken nach unten zeigen. Die fertig ausgesägten Stücke +werden sauber ausgefeilt, man reibt sie zum Schluß mit Sandpapier nach, +um alle Rauheiten zu ebnen. Je glatter die Flächen, desto handlicher +und ansehnlicher die Arbeit. + +Da alle Möbelstücke aus festem Holz gut gearbeitet sind, kann man +wirklich nach Belieben damit spielen ohne befürchten zu müssen, daß +sie nach längerem Gebrauch „aus dem Leim gehen“. Das können sie nicht, +denn sie sind genagelt und nicht geleimt und, wenn es darauf ankommt, +schon einen Puff vertragen. Sie werden auch nicht so leicht unsauber, +denn die gewachsten Flächen wirken immer sauber. Indessen besteht wenig +Gefahr für diese reizende Puppenstube und ihre hübschen Möbel, denn die +Kinder, die solch gute Sachen zum Spiel erhalten, werden aus eigenem +Antrieb darauf bedacht sein, sie nicht unnötig zu strapazieren, und +wahrscheinlich sehr stolz auf ihre eigenartige Puppenstube sein. + + +32. Fensterbild + ++Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt +geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen +Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte +Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen +sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied +aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war +eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für +solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem +Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem +Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu +den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger, +sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer +und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird +man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art +herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln. + +Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese +Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände +dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden +können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet +das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil +dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung +des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-, +Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst +die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem +Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick +sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer +Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt +senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das +Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man +darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt. + +Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien +fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das +Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus +auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben +werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch +nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes +besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige +Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche +Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr +oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich +die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen +„+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so +löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der +Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind, +sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am +besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie ++gewachst+ werden kann. + +Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt; +man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse +tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer +harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein +weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz +ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren. +Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild +dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde. + +[Illustration: Abb. 108. Fensterbild in Laubsägearbeit.] + +Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man +reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs +in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter +und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt +sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum +Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin +das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem +trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen +gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig +Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das +Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig. +Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er +mißlungen ist. + +Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und +wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht +gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum +Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz +entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei +bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird +beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist +kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken. + +Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke +an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden +kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten +angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer +Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild +verwendet werden. + + +33. Handgearbeiteter Lampenschirm + +Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über +ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die +durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum +Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über +einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch +ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf +der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide, +andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am +feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und +Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot +ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist +ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden +soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in +Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet +ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot +ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die +Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der +richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß +gefüttert. + +Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus +leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne +Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die +Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt. + +[Illustration: Abb. 109. Arbeitsprobe zum handgearbeiteten +Lampenschirm.] + +Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen +darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird. +Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken +sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber +ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr +empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man +beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird +mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders +gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-, +Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes +stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes +Holz sich ziehen würde. + +Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert, +gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird +er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen. + ++Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in +Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher +mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und +gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter +Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun, +Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten. +Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem +weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche +Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit +einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse +soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder +Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür +verwendbar. + +Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den +Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und +schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser +und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und +Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen +Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann +läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich +sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften. + +Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig +käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber +herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht +man jedes Stäubchen auf der Arbeit. + +Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete +Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz +überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren. + +Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich +sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen +wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet, +eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus +unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich +zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des +Stoffes. + +Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an +der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle +verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am +besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die +Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und +„durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen +kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den +ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch +Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen. + +[Illustration: Abb. 110. Handgearbeiteter Lampenschirm mit ausgesägtem +Holzrand. Von Liselotte Volk.] + +[Illustration: Abb. 111. Handgearbeiteter Lampenschirm. Der ausgesägte +Rand ist aufgestellt.] + +Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf +ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des +Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in +den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den +ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige +Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin. +Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff +nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal +aufzukräuseln. + +Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist +ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben, +damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt +um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die +Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes +aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun +schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll +wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn +aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen +zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen, +damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff +sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff +in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand +aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der +Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen, +um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum, +zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man +nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt +wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide +kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff, +zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes +läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam +sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener +feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man +probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da +sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede +Herstellungsart. + + + + +V. Kapitel + +Bastelarbeiten + + +34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn) + +An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent +zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei +ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen; +da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut +gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene +Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas +ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als +das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf +einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen +wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit +Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu +sein. + +Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame ++kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante +oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne +sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen +Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen +Gegenstände herzustellen. + +Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus ++Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt +werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches, +großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum +eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden. + +Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man +die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen, +aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die +Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün +in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun +oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu +Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet +ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann +weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln. +Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+ +besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden +kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie +wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich +geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt +man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln +übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das +Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise +aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der +Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+ +bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht, +daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand +schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht +aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+ +bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf +darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle +oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze +aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht +aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die +übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man +sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf +Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke +aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben. +Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund, +mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne +und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit +abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der +Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern +werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht +beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den +Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt. + +[Illustration: Abb. 112. Ein Dorf aus Streichholzschachteln. Von +Liselotte Volk.] + +Besonders malerisch wirken die +Bäume+. Der Baumstamm besteht aus +Holzstöckchen in entsprechender Höhe, die auf Holzknöpfe geleimt +werden, damit sie feststehen. Man kann auch viereckige Holzstückchen +dafür verwenden. Das +Laub+ besteht aus grünem Seidenpapier; ein +langer Streifen Seidenpapier wird an einer Längsseite in Abständen +von ½ Zentimeter eingeschnitten. Der Baumstamm wird mit Kleister +oder Leim bestrichen, soweit das „Laub“ reicht, und nun wird der +Seidenpapierstreifen, von oben anfangend, nach unten darüber gewickelt, +bis ein voller Wipfel entsteht. Der Stamm wird braun angestrichen, +ebenso der Knopf oder das Standbrettchen. Noch einfacher ist die +Herstellung der Bäume, wenn man Luffaschwamm in grüner Beize färbt und +an den Baumstämmchen befestigt. + +[Illustration: Abb. 113. Eisenbahn aus Streichholzschachteln.] + +Die +Eisenbahn+ (Abb. 113) ist ein Spielzeug, das in jedem Kinderzimmer +helle Begeisterung auslösen dürfte; besonders Jungen sind immer für +Eisenbahnen zu haben, die ihre Phantasie anregen und die man nach +Belieben bewegen kann. Die +Wagen+ bestehen aus Streichholzschachteln, +die mit braunem oder dunkelgrünem Papier, mit Hilfe von Kleister, +Dextrin oder irgend einem anderen Klebestoff, verkleidet werden. ++Fenster+ und +Türen+ werden aus schwarzem oder braunem abstechenden +Papier sorgfältig ausgeschnitten und aufgeklebt. Um gerade Linien zu +erzielen, nimmt man das Lineal zu Hilfe, die Linien werden mit einer +Stricknadel längs des Lineals eingeritzt oder mit einem harten, scharf +gespitzten Bleistift vorgezogen. Die +Räder+ bestehen aus Pappe; +zum Aufzeichnen verwendet man runde Schachteln (Pillenschachteln), +legt sie unter die Pappe und zieht mit Bleistift den Kreis. Die +Zündholzschachteln werden zum Anbringen der Räder an geeigneter +Stelle durchlocht, die Räder durchlocht man genau in der Mitte und +befestigt sie mit Streichhölzern oder Zahnstochern an den Wagenwänden, +am einfachsten ist es, wenn man die Räder mit Reißnägeln anbringt. +Die +Lokomotive+ erhält einen +Schornstein+ aus einer Garnrolle, +die einzelnen Wagen werden mit Bindfaden miteinander verbunden, man +durchlocht die Schachteln und zieht den dünnen Bindfaden durch. Die +Wagenreihe kann beliebig verlängert werden, man kann auch Nummern auf +die einzelnen Abteile pinseln, um sie nach Klassen einzuteilen. + + +35. Knebelpuppen + +[Illustration: Abb. 114. Puppen aus Paketknebeln und Streichhölzern.] + +Die niedlichen +Knebelpuppen+, die wir auf Abb. 114 zeigen, eignen sich +sehr gut als +Tafelschmuck+, besonders als +Tischkartenhalter+. Man +kann damit eine sehr lustige „bunte Reihe“ erzielen. Die Herstellung +ist sehr einfach und kostenlos; im letzten Augenblick gelingt es +geschickten Händen noch, solche farbige Figürchen anzufertigen. Bei +einiger Übung kann man sie dutzendweise nacharbeiten. Man nagelt die +bekannten +Paketholzknebel+ auf +Holzknöpfe+ auf; es genügt auch, +sie mit Tischlerleim aufzukleben. Die Arme bestehen aus abgebrannten ++Streichhölzern+, die ebenfalls an beiden Seiten des Knebelrumpfes +angeleimt werden. Sollen sie beweglich sein, so befestigt man sie +mit Draht. Die +Paketknebel+ werden durchbohrt, der Draht wird +durchgezogen, und die Streichhölzer werden am oberen Teil fest +umwickelt; es muß aber so viel Raum bleiben, daß die Arme bewegt werden +können. Die „Dame“ auf unserer Photographie hat solche beweglichen +Arme, während die Arme ihrer beiden Kavaliere fest angeleimt sind. +Man malt die Knebelpuppen mit Guasch-, Leim- oder Temperafarben recht +bunt an und lackiert sie mit +Spirituslack+, möglichst mehrmals, +damit ein harter Hochglanz entsteht. Nach jedem Lackieren muß der +Anstrich auftrocknen, ehe man mit dem nächsten beginnt. Die +Gesichter+ +werden rosa angepinselt, mit roten Backen und rotem Mund, die Augen +bestehen aus schwarzen Punkten, die Haare sind braun oder ockergelb. +Die +Jacken+ hält man tütenblau oder feuerrot, auch Kirschrot und +Orangegelb sind passende Töne. Sollen sie grün bemalt werden, so +verwendet man am besten einen giftigen Ton, auch Grasgrün kommt in +Frage. Die +Hosen+ werden in einer abstechenden Farbe angepinselt +und mit einem braunen oder schwarzen Strich getrennt. Hübsche +Farbenzusammenstellungen sind Kirschrot und Tütenblau, Giftgrün und +Orangegelb, Zitronengelb und Feuerrot. + +Die „+Dame+“ bekommt ein angekraustes weites +Röckchen+ aus +Seidenpapier, das mit bunten Tupfen bepinselt wird. Irgend ein +Seidenstoffrestchen kann ebenfalls verwendet werden. Die +Holzknöpfe+, +die als Standbrett dienen, werden in einer der genannten Farben +angestrichen, möglichst abstechend, da der Hauptreiz der Knebelpuppen +in ihrer Buntheit besteht. Will man sie als +Lotteriegewinne+ paarweise +verwenden, so schlinge man farbige Woll- oder Perlgarnfäden um ihre +eingekerbten Taillen und verbinde je ein Pärchen durch diese zu +Schleifen verschlungenen, entsprechend langen Fäden. Man kann auch +schmale, bunte Seidenbandreste dazu verwenden, indessen soll man +dabei beachten, daß es sich um eine scherzhafte Spielerei handelt +und kein wertvolles Material dafür benutzen. Will man die Figürchen +als +Tischkartenhalter+ verwerten, so stecke man die Karte mit einer +Stecknadel an dem Holzknopf fest, damit sie nicht herunterfällt. Als ++Kinderspielzeug+ werden die +Knebelpuppen+ von den Kleinen sehr +geschätzt, man kann mit ihnen die Puppenstuben beleben; auch in ein +selbstgebasteltes Dorf, in einen Geflügelhof, möglichst „von eigener +Hand“, passen sie recht gut. Will man sie in sehr kleinem Format +herstellen, so halbiert man die Paketknebel und die Streichhölzer, +benutzt kleine Holzknöpfe als Ständer und verfährt im übrigen genau +wie bei den andern Figürchen. Die kleinen Leute sind besonders für ++Silvesterscherze+ zu empfehlen; man kann Namen auf die Knöpfe pinseln +und mancherlei Ulk damit treiben; bei Tanzstundenbällen und ähnlichen +Festen wird man sehr viel Fröhlichkeit damit hervorrufen. + + +36. Kreisel + ++Kreisel+ sind ein altes Spiel, das sowohl von Knaben, als auch von +Mädchen sehr geliebt wird. Wer solches Spielzeug selber herstellen +kann, wird viel Freude haben und sich sehr beliebt machen. Junge +Mädchen, die in Familien mit Kindern verkehren, werden ihnen sicherlich +gern etwas „mitbringen“ ein selbstgemachter Kreisel macht keine Kosten +und wird gern angenommen, oftmals lieber als Süßigkeiten, mit denen man +sich im allgemeinen behilft. + +[Illustration: Abb. 115. Kreisel.] + +Der eine +Kreisel+, den wir im Bilde (Abb. 115 rechts) zeigen, besteht +aus einem +Paketknebel+ und einer +Garnrolle+, die mit kräftigen Farben +angemalt ist, das andere Modell ist aus einem +Paketknebel+ und einem ++Pappstern+, der zum Zwirnwickeln gedient hat, hergestellt; auch dieses +Modell ist bunt angepinselt. Haltbarer ist der erste Kreisel. Die +breiten Teile einer Garnrolle werden mit der Laubsäge abgesägt, die +Flächen reibt man mit Sandpapier glatt, man kann sie auch abfeilen. + +Ein +Paketknebel+ wird durchgeschlagen, damit er fest sitzt. Dann +streicht man den fertigen Knebel mit einer haltbaren Farbe an, am +besten mit +Emailfarbe+, die nicht lackiert wird. Es genügt indessen +auch +Ölfarbe+, die mit Terpentinöl verdünnt und aufgetragen wird; +das Holz darf nicht durchscheinen. Ist die Ölfarbe aufgetrocknet, +so lackiert man den Kreisel mit +Ölfarbenfirnis+, der sehr langsam +auftrocknet. Man darf den Kreisel nicht eher anfassen, als bis der Lack +vollständig aufgetrocknet ist. + +Auch der andere +Kreisel+ (Abb. 115 links) wird in dieser Weise +angepinselt; man kann die Kreisel mit bunten Tupfen verzieren. Den +Holzkreisel schmückt man am besten, wenn man den Garnrollenteil +in mehrere Felder aufteilt und jedes Feld in einer anderen Farbe +anstreicht; doch genügen auch Strich- und Punktornamente. + +Am hübschesten sehen die +Kreisel+ aus, wenn sie recht grell bemalt +sind; als Grundton verwendet man Feuerrot, Kirschrot, Tütenblau, +Briefkastenblau oder Grasgrün. Die Tupfen hält man in Gelb und Blau, +wenn der Grund rot ist, in Rot und Grün, wenn er blau ist, in Weiß +und Gelb, wenn er grün ist. Teilt man den +Kreisel+ in Felder auf, +so streiche man sie rot, blau, grün, gelb, weiß an und trenne sie +mit schwarzen Strichen. Man kann auch zwei der genannten Farben zum +Grundieren verwenden, wenn man den +Paketknebel+ und die +Garnrolle+ +oder den +Zwirnhalter+ in zwei voneinander abstechenden Tönen bemalt. + + +37. Holztiere + +Es ist eine alte Erfahrung, daß man, wenn es sich um Spielzeug handelt, +für Mädchen viel eher etwas Passendes findet als für Knaben. Wenn man +die Spielsachen nun gar noch selber herstellen möchte, wird die Auswahl +immer geringer, und wenn man außerdem Zeit und Kosten beschränken will, +bleibt bestimmt sehr wenig übrig. + +Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 116 und 117) zwei Holztiere, die +als Spielzeug für Knaben großen Beifall finden dürften, umso eher, als +auch das Schwesterchen und alle Freunde und Freundinnen damit spielen +können. Es ist ein Spielzeug, das weder auf das Haus, noch auf den +Spielplatz im Freien beschränkt ist; ihre vielseitige Verwendung in +Kinderhänden ist es, die solche Tierfiguren so sehr beliebt macht, +abgesehen davon, daß das Tier in der Kinderstube überhaupt eine +große Rolle spielt. Unsere Modelle sind aus +Holz ausgesägt+; da +die Laubsägearbeit in letzter Zeit in Jungmädchenkreisen vielfach +ausgeführt wird, dürften solche Anregungen sicherlich gern aufgenommen +werden, umso eher als auch Anfänger damit Versuche machen können. + +[Illustration: Abb. 116. Elefant. + +Von Liselotte Volk.] + +Bei der Anfertigung der Holztiere achte man zunächst auf geeignetes +Material. Die Holzfaser ist entscheidend; paßt man bei der Auswahl des +Holzes nicht genau darauf auf, daß die Richtung der Holzfaser mit der +Form des Modells übereinstimmt, so kann es geschehen, daß das Stück +schon während der Arbeit zerbricht, jedenfalls wird es, wenn es die +Herstellung übersteht, keine lange Lebensdauer haben; Spielzeug muß +manchen Fall, manchen harten Griff vertragen können. Wenn ein Anfänger +mit diesen Begriffen noch nicht recht vertraut ist, ist es ratsam, +einen Fachmann darüber zu befragen, jeder Tischler weiß damit Bescheid. + +Wenn man Zeit und Geld sparen will, versuche man die +einfache+ +Ausführung der Holztiere, das heißt, man schneide die Silhouette des +Tieres aus einem Brett, dessen Stärke sich nach der Größe des Modells +richten muß. Wir zeigen auf unseren Abbildungen einen +Elefanten+ +(Abb. 116) und einen +Pfau+ (Abb. 117). Für den Elefanten geben wir +auf der Zeichnung (Abb. 119) ein gebrauchsfertiges Schnittmuster und +eine Einzelzeichnung (Abb. 120), aus denen man die Größenverhältnisse +und alles Notwendige ersehen kann. Außerdem bringen wir das Muster von +einem +Kaninchen+ in natürlicher Größe (Abb. 118). Die Zeichnung wird +auf das Holz übertragen; man macht zunächst eine Pause auf Pauspapier +und überträgt das Muster mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift +über Graphit-, Blaupaus- oder rotem Ölpauspapier auf das Holz, +dann werden die Umrißlinien ausgesägt. Will man ein ganz besonders +widerstandsfähiges Spielzeug herstellen, so verwende man nicht nur ++ein+ Brett, sondern +drei+ Bretter von derselben Art. Alle drei +Bretter werden einzeln ausgeschnitten, man braucht aber nicht dreimal +dieselbe Silhouette auszuführen. Es genügt meist, nur den Rumpf mit +den Beinen beiderseits auf das Mittelstück zu leimen, das Rumpf, Hals, +Kopf und Schwanz darstellen soll. Das Mittelstück soll stärker als die +Seitenteile sein, die Seitenbretter hält man etwa halb so stark wie das +Rumpfbrett, man kann auch 1 bis 2 Millimeter zugeben; das Rumpfbrett +wird am besten 10 bis 12 Millimeter dick gehalten. + +Wenn man die Tiere einfach aus +einem+ Holzbrett aussägt, müssen sie +auf einem Standbrett angebracht werden, ein Zapfen verbindet Standbrett +und Holztier. Notwendig ist es, den Zapfen mit der Silhouette +gleichzeitig auszusägen, zum Anleimen wird Tischlerleim verwendet. +Wenn die Tiere aus mehreren Holzbrettern angefertigt sind, braucht man ++keine+ Standbretter, sie sind breit genug, um das Gleichgewicht zu +halten. + +Die Kinder freuen sich am meisten mit den Spielsachen, die möglichst +beweglich sind, darum lieben sie besonders die Tiere, die sie auf +Rädern herumfahren können. Die Mühe ist so gering, daß man die +notwendigen vier Räder gern anbringen wird. Man sägt sie aus einem +Brett, durchbohrt ihren Mittelpunkt mit einem Bohrer, befestigt in dem +so entstandenen Loch eine passende Schraube, die in das vorgebohrte +Standbrett hineingeschraubt wird. Am Standbrett wird außerdem in +der Mitte der Vorderseite eine Metallöse eingeschraubt, damit das +Holztier an einer darin befestigten Schnur gezogen werden kann. Man +kann die Räder auch beim Drechsler herstellen lassen, am einfachsten +ist es, wenn man aus großen oder kleinen Garnrollen Räder macht, +indem man die beiden radähnlichen Teile absägt und mit einer Schraube +am Standbrett anbringt. Für größere Tiere verwendet man die großen +Schneidergarnrollen, für kleine Tiere genügen die Garnrollen, die im +Haushalt gebraucht werden. Um die Reibung der Räder zu vermindern, legt +man auf jede Seite des Rades ein Metallplättchen. + +[Illustration: Abb. 117. Pfau in Laubsägetechnik.] + +[Illustration: Abb. 118. Kaninchen.] + +Tiere, die aus dreifachem Holz hergestellt werden, können zwar auch +ohne Standbrett „von selber“ stehen, wenn sie aber Räder erhalten +sollen, ist ein Standbrett notwendig. + +Die Holzflächen sollen glatt sein; gerade da es sich um Spielzeug +handelt, das sehr häufig angefaßt werden soll, muß die Glätte +besonders betont werden, damit die Holztiere auch nicht die geringsten +Verletzungen hervorrufen, nur ausgesprochen glatte Gegenstände sind +wirklich handlich. Darum empfiehlt es sich, die rohen Bretter mit der +Ziehklinge abzuziehen oder sie vom Tischler abhobeln zu lassen. Die +einzelnen Umrißlinien werden am besten mit Sandpapier nachgeschliffen, +wobei alle Feinheiten berücksichtigt werden müssen, damit die Konturen +unter dem Nachschleifen nicht leiden. + +Zum Schluß werden die Holztiere bemalt, am besten „nach der Natur“. Wer +nicht ganz sicher ist, nehme Naturgeschichtsbücher zu Hilfe, in denen +die einzelnen Tiere, die hergestellt werden sollen, genau beschrieben +sind. Wer nach unseren Angaben einige Übungen gut bestanden hat, kann +die verschiedensten Tiere mit der Laubsäge herstellen; wer Freude daran +findet, wird sich spezialisieren, das heißt man kann einen Geflügelhof, +eine Schafherde, einen zoologischen Garten, eine Serie Teichvögel, +eine Viehherde anfertigen. Solche Arbeit macht nicht nur den Kleinen, +sondern auch den Großen selber Vergnügen. + +Das +Bemalen+ der einzelnen Stücke ist sehr einfach. Man benutzt dazu +die +billigen Leimfarben+, einfache Wasserfarben würden nicht decken, +Guasch- und Temperafarben stellen sich dafür zu teuer. Wenn man die +höheren Kosten nicht scheut, sind Email+lackfarben+ zu empfehlen, +sie haben eine starke Leuchtkraft und eignen sich besonders gut für +Spielsachen, weil sie immer wieder abgewaschen werden können, was +gerade bei dieser Art Spielzeug sehr angebracht ist. Auch +Ölfarben+ +verwendet man vielfach zum Bemalen der Holztiere, sie müssen aber +längere Zeit trocknen, ehe die Spielsachen in Gebrauch genommen werden +können. + ++Leimfarben+ werden in den einschlägigen Geschäften oder in Drogerien +in Pulverform gekauft. Man macht zunächst eine Lösung aus dünnflüssigem +Leim, das heißt, man kocht +Tischlerleim+, den man mit Wasser stark +verdünnt, und vermischt damit die Farbpulver, am besten in einer alten +Tasse oder einem ausrangierten Töpfchen. Ist die Farbmischung gut +verrührt, so streicht man die Holztiere mit einem +Borstenpinsel+ an; +zuerst kommt die Grundfarbe an die Reihe, zum Schluß die kleinsten +Farbflecke. Kleine Holztiere taucht man vorsichtig in die Farblösung +ein, um das Grundieren zu vereinfachen. + +Der +Elefant+ ist grau, das Auge ist schwarz auf weißem Grund, der +Stoßzahn ist weiß, einige Konturen werden, wie die Photographie +zeigt, mit Hellgrau eingezeichnet, man benutzt dazu einen spitzen +Borstenpinsel und zeichnet die Linien beiderseits recht flott. Das +Standbrett und die Räder streicht man feuerrot oder briefkastenblau an, +auch Schwefelgelb eignet sich recht gut dafür. + +[Illustration: Abb. 119. Schnittmuster für den Elefanten.] + +Der +Pfau+ (Abb. 117) kann etwas phantastischer bemalt werden. Man hält +den Rumpf pfauenblau, die eingezeichneten eckigen Schmucklinien werden +abwechselnd giftgrün und briefkastenblau gehalten. Die „Pfauenaugen“ im +Schweif und in der Krone haben weiße Halbkreise, die sich scharf vom +Hintergrund abheben. Die Augen sind weiß mit schwarzem Mittelpunkt, den +Schnabel malt man gelb oder feuerrot, die Füße dunkelgrau. + +Das +Kaninchen+ (Abb. 118) wird weiß angestrichen, die Konturen hält +man schwarz oder dunkelgrau, nach Belieben kann man es auch grau +grundieren oder tiefschwarz mit weißen Konturen. + +Die fertig gemalten Holztiere werden lackiert, um die Farben zu +schonen; lackierte Gegenstände färben nicht, wenn sie gelegentlich +feucht werden; die Farben behalten durch das Lackieren nicht nur ihre +Leuchtkraft, die sonst leicht verloren geht, sie treten auch unter dem +Lack noch ganz besonders hervor. + +[Illustration: Abb. 120. Der Elefant. (Einzelzeichnung.)] + +Für die Leimfarben verwendet man Spirituslack, er trocknet schnell und +genügt meist, besonders wenn nach jedesmaligem Auftrocknen der Anstrich +zwei- bis dreimal wiederholt wird. Der Lack muß aber vollständig +aufgetrocknet sein, ehe man den nächsten Aufstrich beginnen darf, sonst +wird er streifig und unansehnlich. Spirituslack ist fertig käuflich, +im Haushalt kennt man ihn, weil man damit Strohhüte auffrischt. Man +kann Spirituslack selber herstellen: In einer Medizinflasche mischt +man ein Viertel Schellack mit drei Viertel Brennspiritus. Für größere +Gegenstände dürfte diese Menge indessen nicht ausreichen, es empfiehlt +sich, in den Geschäften, in denen man den Schellack kauft, die Größe +des Gegenstandes anzugeben, um die genügende Quantität zu erhalten und +die Mischung dementsprechend vorzunehmen. Bei einiger Übung wird man +sehr bald die richtige Mischung selbst zusammenstellen können, sie +hängt von der Stärke des Brennspiritus ab. + +Auch +Ölfarben+ werden +lackiert+, aber nicht mit Spirituslack; für +Ölfarben erhält man in Farbenhandlungen den geeigneten Lack, der aus +Leinöl und Kopal oder Bernstein besteht. Gegenstände, die mit Ölfarben +bemalt sind, kann man, wenn man +Hochglanz+ erreichen will, mehrmals +lackieren. Die Ölfarben werden zum Bemalen mit Terpentinöl verdünnt; je +mehr Terpentinöl verwendet wird, desto dünner wird der Anstrich, man +achte daher darauf, daß sie nicht allzu flüssig werden, damit das Holz +nicht durchscheine. + +Auch +Emaillackfarben+ werden mit Terpentinöl verdünnt und wie diese +behandelt, aber nicht lackiert. + +Eine andere Art, Holztiere herzustellen, ist folgende: Man zeichnet die +Konturen des Modells auf Sperrholz auf, für die Übertragung benutzt man +Graphit-, Öl-, Paus- oder Schreibmaschinenpapier. Ein Laufbrettchen +gehört zu den Tieren; man verlängert die Füße der Holztiere nach unten +in der Stärke des Laufbrettchens und sägt aus diesem Laufbrettchen +genau in der Mitte die entsprechenden Teile aus, damit die verlängerten +Füße hineinpassen. Hat man das Modell ausgesägt, so steckt man die +verlängerten Teile in die ausgesägten Schlitze, die vorher mit heißem +Tischlerleim bestrichen wurden. Die oberen Kanten des Laufbrettchens +werden vor dem Einsetzen der Holzteile schräg abgefeilt. Die Räder +werden in der bereits beschriebenen Weise angefertigt, auch die +Bemalung wird in denselben Techniken ausgeführt. Dasselbe gilt vom +Lackieren. + +Nach dem Bemalen und Lackieren müssen alle Gefäße gereinigt und alle +Pinsel sorgfältig ausgewaschen werden. Ölfarbenpinsel und Öllackpinsel +werden mit Terpentinöl gesäubert, Spirituslackpinsel behandelt man mit +Brennspiritus. Bleiben die Pinsel ungereinigt, so werden sie steif, +und die Borsten brechen ab, ein Verlust, der sich bei sorgfältiger +Behandlung des Arbeitsmaterials sehr lange hinausschieben läßt. + + +38. Holzbasteleien + + +~a~) Geburtstagsleuchter + +Holz ist ein außerordentlich dankbares Material; man kann mit einiger +Übung allerlei nützliche und hübsche Gegenstände aus Holz herstellen; +wenn man Holzarbeiten ausführen will, hat man eine große Auswahl, +sowohl was die Gegenstände als auch was die Techniken anbetrifft. + +Besonders gut eignet sich das Holz für +Basteleien+, für kleine, +amüsante Stücke, die ihrer Nützlichkeit wegen kein Krimskrams genannt +werden dürfen, die aber nicht unbedingt notwendig sind und schließlich +eine niedliche Spielerei darstellen. Einige solcher Modelle zeigen wir +im Bilde (Abb. 121 bis 123); sie lassen sich leicht nacharbeiten und +eignen sich für +Vielliebchengeschenke+, für „+Überraschungen+“ und ++Lotteriegewinne+ bei festlichen Anlässen im Freundeskreise. Einiges +davon dürfte man auch als +Tafelschmuck+ verwenden. + +[Illustration: Abb. 121 Geburtstagsleuchter. Von Liselotte Volk.] + +Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich +gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus +einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter +stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen +Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler +anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der +Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit +Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch +dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt. +Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe +bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am +besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben +werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als +Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und +vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack +überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem +zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden +ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird +ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am +hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und +die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder +delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+ +an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle +stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim +daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein +angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest. +Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird +als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird, +eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle +wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt +und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb +und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze +hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt, +die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein +kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe +gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau +auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün. +Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen +Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen +müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter +darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen +die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in +einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die +Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem +Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem +Bohrer erweitert werden. + + +~b~) Sparbüchse + +Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb. +122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist +einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht +sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie +eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für ++Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+, +auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen +Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter +herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt +sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den +Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung +finden. + +Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5 +Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen +8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen, +die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9 +mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter +groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte +Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar. +Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch +zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+, +die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette +wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt ++Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben, +die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden. +Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in +Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem +Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht +streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein +einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen, +mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf +gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster +auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem +spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten +Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden. +Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht +Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund +blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und +Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb +und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau, +Zitronengelb und Zinnoberrot. + +[Illustration: Abb. 122. Sparbüchse aus Holz.] + +Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei +ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält +man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein +gelber Grund mit schwarzem Ornament. + +Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die ++Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten. + +Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt +in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man +aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für +diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in +einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der +Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist, +wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben, +danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die +man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der +Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht, +so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller +Hochglanz erreicht ist. + + +~c~) Brieföffner + +Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123), +der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt +wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und +Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als +„ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten +und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht, +zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien, +Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr +nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf +schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige +Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als +hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten. + +[Illustration: Abb. 123. Brieföffner.] + +Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+ +aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung. + +Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man +scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden, +überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind. +Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit +Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle +Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau. + +Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in +Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen +schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird, +am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften +wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund +verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde. + + +39. Hampelmann + +[Illustration: Abb. 124. Hampelmann.] + +Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine +Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich +erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge +ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden. +Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und ++Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und ++Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden, +wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß +für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein ++Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und +Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack +mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen- +und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus +berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der +lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und +lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine +und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht +man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt +ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt +Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das +Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe +ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein +eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie +trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang +trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen, +indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre +legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen. +Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu +berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke +darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den +betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend +langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines +Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht +daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung, +ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist. + + +40. Flaschenkork + +Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen ++Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann. +Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork +aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren +Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle +ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle +aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit +der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der +Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das +in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit +dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der +aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz +besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird +er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-, +Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals +mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder +Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten +beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man +bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot, +die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den +Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem +Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust +kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue +Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen. + +Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es +ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben +abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt +wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber +und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben +anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er +schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso +eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt. + +[Illustration: Abb. 125. Glücksvogel als Flaschenkork.] + + + + +VI. Kapitel + +Papp- und Papierarbeiten + + +41. Allerlei Spiele + +Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch +ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je +an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die +Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren. +Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und +Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im +eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere +Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen +es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“ +als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder +auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die +oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein +geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht +unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der +einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche +kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die +Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und +Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen +an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele, +die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben. + +[Illustration: Abb. 126. Lottospiel.] + +Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß +machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins +Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse +Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe +geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben. + +Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen. +Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6 +Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal +6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt. +Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches +Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer +Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt +das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es +darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn +sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht +dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken +zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die +Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung, +die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt +Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt +man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es +mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder +gezeichnet werden. + +Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders +das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten +vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden. +Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür +geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt +man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder +wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+. + +[Illustration: Abb. 127. Dominospiel. Von Liselotte Volk.] + +Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+, +bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet +aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch ++Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen +Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines +jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen. +Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach +denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach +Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das +Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn +man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die +Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders +für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann +man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das +Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben +verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische +und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum +Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt, +damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung +der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut- +oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser +muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den +Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender +gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit +einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt +ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist +Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden +dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen, +andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln. + +[Illustration: Abb. 128. Domino.] + +[Illustration: Abb. 129. Fische für das Angelspiel.] + +[Illustration: Abb. 130. Spiel: Fliegende Hüte.] + +Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“ +(Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere +Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in +Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter +Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als +Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben. +Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen +aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die +Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir +bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in +die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder +Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht, +mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der +Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel +der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige +Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die +Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger +auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen +die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger. +Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen +machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach +aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten, +sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man, +damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will +man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders +gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es +für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man +den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben; +verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite, +so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die +Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die +Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher +müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel +kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen +und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am +besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die +Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger +zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen +kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder +Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will, +zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide +sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst +Ecken und Kanten stehen bleiben würden. + +[Illustration: Abb. 131. Schnitt eines Hütchens.] + + +42. Geduldspiele + +Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber +herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden +viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem +sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben +kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige +Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses +Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel +Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein +Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe +aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert +die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim +Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn +sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+ +in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden +sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+ +und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die +Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere +abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es +sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell +anfertigen läßt. + + +43. Feine Buntpapierarbeiten + +Da in vielen Schulen Klebearbeiten gelehrt werden und sich manches +junge Mädchen für diese hübsche, saubere Technik interessiert, +bringen wir auf unsern Bildern einige Anregungen für moderne Formen +und geschmackvolle Ausstattung solcher Kleinarbeiten. In der +Biedermeierzeit waren Buntpapierarbeiten besonders beliebt. Es gab +damals die sogenannten „Papeterien“, das waren bunte Kassetten, in +denen verschiedene Karten und Kärtchen zu mancherlei Gelegenheiten +eingeordnet waren. Diese „Papeterien“ waren nahe Verwandte unserer +heutigen Briefkassetten, auf alle Fälle waren es sehr oft Meisterwerke +der Buchbindekunst. Auch kleine Döschen und Rähmchen, Schachteln +und Schächtelchen zeigten bunten Papierschmuck, der in späteren +Jahren in einer verkommenen Art wieder auftauchte, als man begann, +Kammkästen, Schmucktruhen und so weiter aus Pappe herzustellen und dies +Machwerk mit farbigen Tapeten zu bekleben. Das war nun wirklich sehr +geschmacklos, und diese Kulturgreuel kamen sehr schnell wieder ab. + +[Illustration: Abb. 132. Fusselkörbchen für die Nähmaschine.] + +Jahrzehntelang hat man sich mit derartigem Kunstgewerbe nicht mehr +beschäftigt, jetzt beginnt es langsam wieder hochzukommen und größeres +Interesse zu erregen. Es gibt viele junge Mädchen, die es verstehen, +ihre kleine Bibliothek selbst einzubinden, Schreibmappen herzustellen, +Markenkästen, Briefkassetten zu arbeiten. Das sind nützliche +Beschäftigungen, die gefördert werden sollen, denn hier kommt es darauf +an, das Augenmaß zu verbessern, die peinlichste Akkuratesse zu üben und +den Geschmack zu heben. Das Handwerkliche ist dabei die Hauptsache; +wenn der Deckel auf dem Kästchen nicht paßt, ist die schönste Farbe +kein Heilmittel dagegen. + +Auf unsern Bildern zeigen wir eine Anzahl von gefälligen Mustern, die +zum Nacharbeiten empfohlen werden können. Da ist ein Fusselkörbchen +(Abbildung 132) für die Nähmaschine; das Papier ist grün-lila-gelb, der +Innenraum grün tapeziert. + +[Illustration: Abb. 133. Schmuckschachtel.] + +Das zweite Modell (Abb. 133) ist eine Schmuckschachtel, sehr modern +in der Linie mit dem hohen zuckerhutförmigen Deckel. Dieser kleine +Behälter ist hellblau, rötlichgelb abgepaspelt, der Deckel ist grau, +das Innere rötlichgelb. + +Etwas einfacher ist der schalenartige, deckellose Behälter, den unsere +umseitige Abbildung 134 zeigt. Er ist sechseckig, für Besuchskarten +und andere trockene Kleinigkeiten bestimmt, und gehört auf einen +Dielentisch oder auf einen Ankleidetisch, wo er sich zum Aufbewahren +von Nadeln und dergleichen recht gut eignet. Er ist grau, rötlichgelb +abgepaspelt und hellgrün. + +[Illustration: Abb. 134. Schale für die Diele oder den Ankleidetisch.] + +[Illustration: Abb. 135. Bonbonniere.] + +Unser viertes Muster (Abb. 135) eignet sich als Bonbonniere, wenn man +es recht sorgfältig mit auswechselbarem Stanniol- oder Seidenpapier +auslegt, um es sauber zu erhalten. Sonst paßt es auch für den +Spiegeltisch, für Nadeln und andere Kleinigkeiten. Es ist hellblau +mit Gold gehalten, innen ist gelbes Papier mit Goldpunkten; die Füße +sind schwarz. Das geschmackvoll gemusterte Papier wirkt sehr hübsch, +solche Papiere sollte man den andern, weniger ausdrucksvollen Papieren +vorziehen. + +[Illustration: Abb. 136. Markenkästchen für den Schreibtisch.] + +Unser letztes Modell (Abb. 136) zeigt ein Markenkästchen für den +Schreibtisch. Indessen eignen sich auch andere Formen für diesen +Zweck, wenn die quadratischen Einteilungen gemacht werden. Es +ist mit lederartigem gelbem Papier beklebt. Der Innenteil zeigt +lila-gelb-braunes Batikpapier, die Füße sowie der Deckelknopf sind +schwarz gehalten. + + +44. Behälter aus Kartonpapier + +Häufig kommt es vor, daß man Kleinigkeiten verschenken oder verschicken +muß. Die einfache Papierpackung soll durch eine geschmackvolle +Umhüllung ersetzt werden; diese Umhüllung darf nicht viel kosten, man +will sie recht schnell herstellen, sie soll nicht wie eine Handarbeit +wirken, darf keineswegs zu Gegenleistungen verpflichten; da kommt es +nun wirklich darauf an, seine Geschicklichkeit zu zeigen. + +[Illustration: Abb. 137. Schälchen aus grauem Karton mit +Ausschneidemuster.] + +Wir geben auf unsern Bildern (Abb. 137 bis 139) einige Beispiele, wie +solche Behälter für Kleinigkeiten, die noch „im letzten Augenblick“ +angefertigt werden können, aussehen. Da ist ein +Schälchen+ (Abb. +137) und ein +Kästchen+ (Abbildung 138), beide Modelle sind sehr +niedlich und praktisch. Wenn man Geburtstags- und Weihnachtspakete +zusammenstellt, wenn für die Sommerreise allerlei verpackt werden soll, +wenn etwas für den Umzug gestiftet werden soll, ist solch ein Behälter +sehr brauchbar; er kann nicht nur leicht hergestellt, sondern ebenso +leicht wieder zusammengelegt werden, und -- überhaupt -- wer spricht +da noch viel über solche Kleinigkeiten! Sie passen für trockenes ++Konfekt+, +Pfefferminzplätzchen+, +Süßigkeiten+, die noch schnell +ins Abteil gereicht werden, wenn man Freunde und Verwandte zur Bahn +begleitet. Man verwendet sie in Kästchenform für kleines +Nähzeug+, ++Briefmarken+, +Spielpfennige+, für +kleine Reiseandenken+, einfachen ++Schmuck+, +Fingerhüte+, die man mitbringt, besonders wenn es sich um +Kleinigkeiten für Kinder handelt. Die Verwendungsmöglichkeit solcher +Kartonschälchen und -kästchen ist fast unbegrenzt. Man kann sie in +verschiedenen Größen herstellen, mehr oder weniger farbig, ganz nach +Belieben. Auch für +Schreibtischutensilien+ eignen sich die offenen und +geschlossenen Kartonarbeiten recht gut. + +Als +Grundmaterial+ wird Kartonpapier verwendet, darauf zeichnet man +den Schnitt sorgfältig auf (Abb. 139). Dann ritzt man die Seiten, +die geknickt werden sollen, auf der +äußeren+ Seite ein, schließlich +schneidet man die Kästchen mit dem Messer aus, leimt die Seiten mit +Tischlerleim zusammen oder befestigt sie mit Metallklammern, wie wir +es auf unsern Bildern zeigen. Zum Schluß bemalt man die Innenseite der +Schale oder den Deckel des Kästchens mit einer Wasserdeckfarbe, am +besten Guasch- oder Temperafarbe. Viel malerischer ist die Wirkung, +wenn man Buntpapier ausschneidet und das Ornament mit einem Papierleim, +zum Beispiel Fischleim, möglichst sauber aufklebt. Das Ornament muß +in der Mitte stehen und darf nicht krumm und schief aussehen. Sehr +einfach ist die Verzierung auf dem +Kästchen+; da sehen wir +Kugeln+ +aus Buntpapier, die in regelmäßigen Abständen voneinander in einem +Kreise aufgeklebt sind. Mit Geldstücken erzielt man die runde Form, der +Kreis wird mit dem Zirkel gezogen, mit dem Zirkel teilt man auch die +Abstände ein. Statt Buntpapier kann man für diese kleinen Ornamente +auch farbiges Papier verwenden, wie wir es von Schokolade-, Seifen-, +Konfekt- und Kerzenverpackungen her kennen, je bunter, desto besser. +Das Grundmaterial -- Kartonpapier -- finden wir in jedem Haushalt vor, +wenn wir uns umsehen; es kommt nicht so sehr auf die Farbe an, wenn es +nur nicht fleckig ist. + +[Illustration: Abb. 138. Behälter aus Karton mit aufgeklebten Mustern.] + +Will man die niedlichen Behälter kleineren Kindern schenken, so genügt +es schließlich, wenn man auf Klebe- und Maltechnik verzichtet und +die Kartons mit bunten Bildchen, sogenannten Oblaten verziert. Man +kann auch aus Reklame- oder Ansichtskarten geeignete Motive, zum +Beispiel Tiere, Tierköpfe, Blumen und so weiter ausschneiden und +auf den Karton kleben. Die hübschen Basteleien eignen sich auch für +Kinderbeschäftigung; sie lassen sich leicht erklären, machen viel +Spaß und gehören zu den nützlichen Handfertigkeiten, die von groß und +klein geschätzt werden. Wir fügen einige Schnitte bei (Abb. 139), +aus denen zu ersehen ist, wie eine Bleistiftschale, ein Kästchen mit +angeschnittenem Deckel, als Markenkästchen gedacht, eine einfache Mappe +in dieser Technik am besten nachgearbeitet werden können. + +[Illustration: Abb. 139. Schnitte für Kartonarbeiten.] + + +45. Schmuckpapier + ++Schmuckpapier+ gehört in das Buchbinderfach. Seine Herstellung ist +altes Kunsthandwerk, das mit dem Buchgewerbe eng zusammenhängt und als ++Handwerk+ in früheren Jahren außerordentlich in Gunst stand. +Bücher+ +mit +Einbänden+ aus +Schmuckpapieren+ waren sehr beliebt, Buchhändler +und Büchersammler legten großen Wert auf schöne Schmuckpapiere; es +gehörte zum Buch wie der gute Druck. + +Als die Maschine sich auch des Schmuckpapiers bemächtigte, gingen die ++handgearbeiteten+ Papiere zurück. Die Maschinendruckpapiere wurden +so billig hergestellt, daß es sich nicht mehr lohnte, handgearbeitete +Schmuckpapiere anzufertigen; so kam ein uralter Handwerkszweig fast in +Vergessenheit. + +In allerletzter Zeit ist man wieder darauf zurückgekommen, man findet +wieder Gefallen am +handgebundenen Buch+, an +handgeschriebenen+ +Texten, an +handgearbeiteten+ Vorsatzpapieren. Bücher, die in dieser +Art geschmückt sind, bilden den Stolz der Hausbibliotheken; die Jugend +hat Freude an solchem Handwerk, sie hat auch Zeit dazu, es auszuüben, +sie lernt schnell alle Handgriffe und bringt bei einiger Übung +mancherlei Geschmackvolles zustande. + +[Illustration: Abb. 140. Schmuckpapier.] + +Hübsche Schmuckpapiere kann man sehr vielseitig verwenden, nicht nur +als Buchschmuck. Zum Bekleben von +Kassetten+ verschiedener Art, ++Dosen+, +Mappen+, +Kalenderrückwänden+, +Notizblöcken+ eignen sie +sich ganz besonders; wer sorgfältig arbeitet, wird auf diesem Gebiet +sicherlich manchen Erfolg haben. + +Das einfachste Schmuckpapier, das auch von Anfängern gern hergestellt +wird, ist das +Kleisterpapier+. Es besteht aus Papier, Farbe und +Kleister und kann schnell und fast kostenlos angefertigt werden. + +Als +Grundmaterial+ kommen verschiedene Arten Papier in Frage: ++Zeichen-+, +Ton-+, +Pack-+, +Konzept-+ und +Einwickelpapier+. Soll das +Schmuckpapier stark sein, so verwendet man starkes Papier, für kleine +Gegenstände genügt meist dünnes Grundmaterial. + +Zum +Aufstreichen+ verwendet man sogenannte +Leimpinsel+, das sind +Borstenpinsel, die in beliebiger Stärke in Farbengeschäften und +Drogerien erhältlich sind. + +Den +Kleister+ kann man selber herstellen; Stärkekleister eignet +sich für diese Zwecke am besten; Reisstärke, die in jedem Haushalt +gebraucht wird, benutzt man auch zur Anfertigung von Schmuckpapieren. +In einem halben Glase Wasser löst man einen Eßlöffel voll Reisstärke +auf, man nimmt dazu kaltes Wasser, damit die Stärke nicht kleine +Klümpchen bildet. Dann läßt man ½ Liter Wasser kochen, am besten in +einer sauberen Konservenbüchse, die das Doppelte faßt, und gießt, wenn +es kocht, die aufgelöste Stärke unter ständigem Rühren in das Wasser +hinein. Sehr bald entsteht ein dünner Brei, der nach dem Aufkochen +vom Feuer genommen wird. Erst wenn der so entstandene Kleister völlig +erkaltet ist, darf man ihn verwenden. + +Um dem Kleister die entsprechende +Farbe+ zu geben, benutzt man ++Leimfarben+, die in Pulverform in den Drogerien und Farbengeschäften +erhältlich sind. Das Auflösen dieser Farben geschieht in kleinen +Näpfen, in Salbentöpfchen, in Tassen oder irgendwelchen Töpfchen; mit +Wasser wird ein dicker Brei hergestellt, den man mit einem ausgedienten +Federhalter oder einem Pinselgriff so lange verrührt, bis er flüssig +ist und keine Klümpchen mehr zeigt. Wenn man die Farben nicht sehr +sorgfältig verrührt, werden sie körnig, die Farbkörnchen lösen sich auf +dem Papier beim Aufstreichen auf und verderben das Muster. Da sich die +Farben meist nicht lange halten, sondern leicht schimmelig werden, soll +man nur so viel anrühren, wie man braucht, was sich bei einiger Übung +sehr bald feststellen läßt. + +[Illustration: Abb. 141. Vorsatzpapier.] + +Ist das Material zusammengestellt, so beginnt die Arbeit: Man +vermengt in einer Untertasse so viel Kleister mit der Farbe, daß er +einen kräftigen Ton zeigt; am besten ist es, erst den Kleister in +entsprechender Menge in das Gefäß zu füllen und nach und nach die Farbe +dazuzugeben, unter ständigem Verrühren, damit die Mischung gleichmäßig +wird. Dann macht man auf billigem Papier allerlei Pinselübungen, +unter möglichster Schonung der Tischplatte, die durch Unterlagen +(Zeitungsbogen) vor Kleisterspritzern geschützt werden muß. + +Zuerst streicht man mit dem Pinsel gerade Linien und Wellenlinien auf; +wenn man beim Streichen den Pinsel kräftig aufdrückt, entstehen Muster, +wenn man den Pinsel steil oder schräg aufstellt, ihn auf dem Papier +dreht und hin und her schiebt, entstehen wieder andere Formen. Wird nun +der Bogen glatt zugestrichen und darauf solche Pinselübung regelrecht +betrieben, so entstehen immer weitere Muster, die schließlich nach +Belieben aufgesetzt werden. + +Bei diesen Pinselübungen braucht es nicht zu bleiben, man kann +allerlei „+Stempel+“ verwenden, die man selber herstellen kann, wenn +man mit einem scharfen Messer Kreuze und andere leichte Muster +in Flaschenkorke schneidet und diese „Stempel“ auf das grundierte +Papier drückt. Außer Kork gibt es noch andere geeignete Materialien, +zum Beispiel +Gummistücke+, +Radiergummi+, +Kartoffel+- und ++Mohrrübenscheiben+, in die man beliebige Stempel hineinschneiden kann. +Wenn man in bestimmten Abständen mit der +Fingerspitze+ auf das Papier +tupft oder bestimmte Linien zeichnet, entstehen Muster; aus +Knöpfen+, ++ungespitzten Bleistiften+, +dicken Buntstiften+ in Holzfassung, mit ++Schwämmen+, die in Farbe eingetaucht und über dem Papier ausgedrückt +oder ausgespritzt werden, kann man gute Formen und Farbwirkungen +erzielen. Eine Art +Batik+ erreicht man, wenn man das gefärbte +Papier zusammenballt und wieder ausbreitet. Will man ein +geädertes+ +Schmuckpapier haben, so bespritzt man das Papier mit verschiedenen +Farben und hält es so lange senkrecht, bis durch das Herunterlaufen der +Farben das gewünschte Adermuster entstanden ist. + +Sehr originelle Musterungen erzielt man mit +kleinen Blechdosen+, +Schuhputz- und Cremedosen, mit +Zigarettenspitzen+ aus +Papier+, mit ++Weidenkätzchen+; auch +Streichhölzer+, +Hasenpfoten+, +Watte+ und ++Pappstreifen+ kann man verwenden. +Pappstreifen+ ergeben je nach ihrer +Form schmale und breite, gerade, gebogene oder Wellenlinien. + +Wird ein Bogen gleichmäßig mit Kleisterfarbe bemalt, in der Mitte +gebrochen, mit den nassen Hälften wieder zusammengelegt, daß er ganz +schnell zusammenklebt, und wieder auseinandergenommen, so entsteht beim +Auseinanderziehen ein brauchbares Muster. + ++Marmorierungen+ erzielt man, wenn man mit großen +Vogelfedern+ +arbeitet; ähnliche Wirkungen kommen heraus, wenn man +Seidenpapier+ +zusammenbauscht und darüber fährt; statt des zerdrückten Seidenpapiers +kann man auch +Watte+ zum Marmorieren benutzen. + +Wenn man aus starker Pappe einen „Kamm“ ausschneidet und über das +Grundierte fährt, entstehen allerlei Muster; es kommt darauf an, ob man +den Kamm gerade oder schräg aufsetzt, ob die „Zähne“ des Kamms schmal +oder breit sind. + +Wer sich mit solchen Kleisterpapieren beschäftigt, wird sehr bald +selber auf mancherlei Möglichkeiten kommen; mit einiger Phantasie +gelingen die amüsantesten Muster, und wenn noch eine längere Übung +dazukommt, können die Papiere kaum mißlingen. + +[Illustration: Abb. 142. Schmuckpapier. + +Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.] + +Man kann die Papiere in +Quadrate+, +Zickzacklinien+ und +Wellenlinien+ +aufteilen. +Helle Bänder+ entstehen, wenn man mit einem leicht +zugespitzten Stück Pappe in die grundierte Fläche hineinzeichnet. Diese +Bänder können beliebige Formen haben. + +Ist ein Muster mißlungen, gefällt die Farbe nicht, so ist der Schaden +sehr schnell behoben. Man streicht das Muster wieder zu und beginnt +von neuem; Grundfarben muß man mit dem nassen Schwamm abwaschen. + +Wenn ein Ton zu dunkel geworden ist, so wird er wieder aufgelichtet, +indem man reinen Kleister darüberstreicht. Ist der Kleister zu dick, +so gibt man mit einem Pinsel oder einem Schwamm reines Wasser auf +das Papier; Wasser hilft auch, wenn die Kleisterfarben zu zäh und +dickflüssig geworden sind. Je fester der Kleister ist, desto schärfer +und dünner werden die Formen; will man also verschwimmende Ornamente +erzielen, so muß man den Kleister verwässern. + +[Illustration: Abb. 143. Aufsetzen des Grundes.] + +Das +Trocknen+ der Kleisterpapiere dauert nicht lange; man breitet +sie über Nacht über einigen Lagen Zeitungspapier aus, dann beschwert +man sie mit dicken Büchern; dadurch werden sie gleichmäßig glatt und +können, nachdem sie getrocknet sind, verwendet werden. + +Die +Gerätschaften+ muß man sehr sorgfältig behandeln; die ++Farbentöpfe+ werden am besten mit Seifen- oder Sodawasser heiß +ausgewaschen, ebenso die +Pinsel+, deren Borsten lang ausgezogen +werden, ehe man sie, mit den Borsten aufwärts, wegstellt. Bleiben sie +mit den Borsten im Kleister stehen, so verbiegen sie sich und brechen +sehr bald ab. + +Statt der beliebten +Leimfarben+ kann man auch +Tempera-+ und ++Aquarellfarben+ verwenden; für Übungszwecke dürften sie indessen zu +teuer sein. Sehr gut wirken die feurigen +Anilinfarben+, die sich +besonders für solche Schmuckpapiere eignen, die zum Beziehen von +kleinen Arbeiten, von Kassetten und Dosen verwendet werden. Mit ein +paar Tropfen der in heißem Wasser aufgelösten Farbe kann man den +Kleister sehr lebhaft färben. Das Farbpulver wird in heißem Wasser +flüssig. Man achte darauf, daß die entstandene Farbflüssigkeit nicht zu +dünn wird, da sie sonst nicht genügend färbt. + +Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 140 bis 143) vier +Kleisterpapiere+, +die nach den obigen Beschreibungen entstanden sind. Nummer 1 ist +grün mit Goldtupfen; die Goldtupfen sind in Bronzefarbe aufgesetzt, +ebensogut kann man auch Silberfarbe verwenden. + +Das zweite Papier ist in Rot und Grün gehalten, das dritte in Grau, +Blau und Weiß, das vierte in Rot mit schwarzen Kreisen. Nebenstehend +sieht man, wie der Grund mit breiten Pinselstrichen aufgesetzt wird. +Die Kreise werden mit kleinen Blechdosen aufgestempelt. + + +46. Lampenschirme aus Papier + ++Lampenschirme+ aus Papier sind seit einigen Jahren sehr beliebt; diese +Mode wird sich voraussichtlich noch längere Zeit halten, denn der ++Papierlampenschirm+ ist eine sehr stimmungsvolle Bereicherung unserer +Wohnungseinrichtung, vorausgesetzt, daß er wirklich geschmackvoll +wirkt. Wenn er nicht sehr sauber gearbeitet und in schönen Farben +gehalten ist, hat er gar keinen Zweck, dann fällt er nur peinlich +auf und kommt als Zimmerschmuck gar nicht in Betracht. Wenn man +einen +Papierlampenschirm+ verschenken will, verzichte man darauf, +„überraschen“ zu wollen; im Gegenteil, man soll sich erst einmal +genau erkundigen, welche Form und Farbe für die betreffende Lampe +erwünscht ist, damit der Schirm auch wirklich verwendet werden kann +und nicht unbenutzt in die Rumpelkammer wandert, weil er „unmöglich“ +ist. Unmöglich wird er sehr leicht, wenn das Papier schlecht gefaltet +ist, wenn es eine unfeine Tönung hat und womöglich kitschig bepinselt +ist. Das beste Material ist +Pergament-+ oder weißes +Zeichenpapier+, +das meist einen leichten gelblichen Ton zeigt. Das Papier wird mit +Fischleim oder einem beliebigen Papierklebemittel in der notwendigen +Länge zusammengeklebt, diese Länge richtet sich nach der Größe der +Lampe. Dann knifft man es in möglichst regelmäßigen Abständen; von der +Regelmäßigkeit dieser Abstände hängt der „gute Sitz“ des Lampenschirms +ab. Mit einem Falzbein werden die Falten scharf angeglättet; nach +Belieben plissiert man flache oder tiefe, große oder kleine Falten, +dies richtet sich nach der Größe des Lampenschirms, der nach der Größe +der Lampe berechnet wird. Durch das gefältelte Papier werden mit einem +Locher die Löcher für die Schnur geschlagen, damit -- an der oberen +Kante des Schirms -- eine entsprechend starke Seidenschnur durchgezogen +werden kann; sie wird zu einer Schleife mit lang herunterfallenden +Enden geknüpft; diese Enden werden verknotet, nach Belieben wird +je eine +Holzperle+ als Abschluß vor dem Knoten aufgenommen. Der +fertige +Papierlampenschirm+ sieht wie ein steifes, plissiertes +Röckchen aus, das mit Metallklammern oder Druckknöpfen geschlossen +wird. Man kann die Endstreifen auch mit Papierleim aneinanderkleben. +Meist genügt ein weißer Lichtschirm indessen nicht, man tönt das +Papier mit Wasserfarben in einer Farbe, die zu der Lampe, zu dem +Gesamtraum passen muß. Am feinsten wirkt Grün, Wasserblau, Altgold, +Zitronengelb, Orange, Dunkelgelb; man kann am oberen und am unteren +Rand leichte Abschlußstreifen aufmalen. Sehr häufig wird die ganze +Schirmhülle bepinselt, mit Vögeln oder Blumen, mit Schmetterlingen oder +Landschaften. Das ist viel zu viel, denn schließlich sind es durchaus +nicht immer Kunstwerke, die dem Pinsel entfließen; außerdem kann der +Charakter des Lampenschirms durch solch überflüssiges Gepinsel sehr +leicht verwischt werden. Je einfacher, desto besser; ein paar leichte +Randleisten in Silber oder Bronze wirken oft sehr viel besser als +die gut gemeinten Malereien, denn die steife Form des Lampenschirms +gestattet nur eine sparsame Verzierung. Die Innenseite des Schirms +bleibt weiß, sonst verdunkelt sie das Licht. Streifig bemalte +Lampenschirme können sehr geschmackvoll sein, verlangen indessen einige +Übung, denn das Streifige soll sich nicht auf die Technik beziehen; das +wäre ein Fehler, gemeint ist ein gestreifter Hintergrund in mehreren +Tönen, die recht fein zueinander abgestimmt werden müssen, zum Beispiel +Pfauenblau und Türkis, Orangegelb und Wasserblau; doch muß man sich +vorher erkundigen, ob solche oder andere Farbenzusammenstellungen +erwünscht sind. Für den eigenen Gebrauch ist es ebenfalls notwendig, +die Farben des Lichtschirms zur Farbe der Tapeten, der Möbel und der +im Zimmer befindlichen Webwaren abzustimmen. Man tönt und bemalt +das Papier, bevor es plissiert wird; die Farben müssen vollständig +aufgetrocknet sein, Lampenschirme werden nicht lackiert. + +Wir bringen zum Papierlampenschirm keine Abbildung, da die +Herstellungsart sehr deutlich beschrieben ist, und betonen nochmals zum +Schluß, daß vor dem Zuschneiden des Papiers genau Maß genommen werden +muß, damit er weder zu eng noch zu weit, zu lang oder zu kurz wird. Es +empfiehlt sich, zu Übungszwecken zunächst Modelle aus Zeitungspapier +herzustellen, das starke Katalogpapier eignet sich besonders gut dafür. + + +47. Bemalte Deckchen und Papierservietten + +Bei Picknicks und andern zwanglosen Vergnügungen macht es den Töchtern +des Hauses Vergnügen, nicht nur die Tafel festlich zu decken, sondern +nach eigenem Geschmack etwas „Besonderes“ dazuzustiften. Es gibt da +allerlei, was als Damenspende, als Tafelschmuck von eigener Hand +hergestellt werden kann; am beliebtesten dürften die selbstbemalten ++Papierservietten+ sein, wenn sie wirklich hübsch sind. Die Herstellung +ist indessen nur dann angebracht, wenn die Tafelrunde nicht zu groß +ist, die +selbstbemalten Papierservietten+ eignen sich mehr für einen +intimeren Kreis, in dem sich alle recht gut untereinander kennen, sonst +würde sich die Mühe der fleißigen Haustochter auch kaum lohnen. + +Man verwendet am besten ausgebogte weiße, einfache +Papierservietten+, +die man mit farbiger Ausziehtusche und einem spitzen Marderhaarpinsel +recht sorgfältig bemalt. Statt Ausziehtusche kann auch Aquarellfarbe +verwendet werden. Man macht zunächst ein paar Skizzen von den +Zeichnungen, die dafür in Betracht kommen, dann pinselt man die +Muster direkt auf die Papierservietten, nachdem man sich ein paar +Anhaltspunkte und Linien mit feingespitztem harten Bleistift, wenn dies +notwendig ist, gemacht hat. Nun bemalt man die Papierserviette mit +einem bunten Rand oder einer farbigen Ecke. Auf unsern Bildern zeigen +wir zwei ganz besonders geschmackvolle Muster, die sich dafür eignen. + +Nummer 1 (Abb. 144) ist mit einem +Randmuster+ verziert, kurze, +ineinander greifende Linien in Kobaltblau dunkel, Zinnoberrot und +Schwarz. + +Ganz besonders hübsch ist die andere Papierserviette bemalt (Abb. 145), +ein +laufendes Muster+; die äußeren Formen sind kobaltblau hell, die +inneren zinnoberrot gehalten. + +[Illustration: Abb. 144. Bemalte Papierserviette; Randmuster.] + +Diese Ornamente wirken so reizvoll, weil sie sehr geschickt, ohne +Vorzeichnung, aus freier Hand dahingepinselt sind. Man sieht die +Leichtigkeit des Entwurfs, die schnelle Ausführung; da ist nicht lange +herumgetiftelt, und so muß auch die Wirkung sein, wenn es sich um +improvisierte kleine Handfertigkeiten handelt. + +[Illustration: Abb. 145. Bemalte Papierserviette; laufendes Muster.] + +Diese Muster kann man indessen auch anderweit verwenden: für ++Taschentücher+, sowohl in als auch in Batist oder einem andern feinen +Gewebe; für diese Art Kunstgewerbe ist indessen Übung notwendig, denn +es ist ein Unterschied, ob eine ungeratene Papierserviette fortgeworfen +wird oder ein verklextes Taschentuch. Wenn ein Taschentuch oder ein ++Brotkorbdeckchen+ bemalt werden soll, werden keine Ausziehtuschen +und keine Wasserfarben verwendet, sondern +waschechte Farben+, die +in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Am besten ist es, +eine genaue Bleistiftzeichnung zu machen, sie unter das Gewebe zu +schieben, mit Reißnägeln rechts und links zu befestigen, damit sie +nicht verrutscht, und nun mit dem Pinsel die Formen nachzuziehen, die +man durch den dünnen Stoff hindurchsehen kann. Das gilt sowohl für ++Deckchen+ als auch für +Taschentücher+. Die Muster eignen sich auch +für +Kinderkleider+ und +Schürzen+, die ebenfalls waschecht bemalt +werden müssen; auch für +Porzellanmalerei+ kann man die einfachen, +zierlichen +Rand-+ und +Eckmuster+ verwenden. + +[Illustration: Skizzen für Randmuster.] + + +48. Papierpuppen + +[Illustration: Abb. 146. Papierpuppe mit Papierkleidern.] + +Für die jüngeren Mädchen gibt es ein Beschäftigungsspiel, das besonders +dann sehr angebracht ist, wenn sie, zum Beispiel bei schlechtem +Wetter, im Zimmer bleiben müssen oder wenn sie krank und sich selbst +überlassen sind. Dieses hübsche Spielzeug besteht aus +Papierpuppen+, +die man aus Modenzeitungen ausschneidet, und für die man passende +Kleidungsstücke herstellt. Ein Spielzeug, das keinen Spektakel macht +und das von den Kindern ohne Unterbrechung stundenlang gehandhabt wird, +ohne sie zu ermüden. Erwachsene brauchen sich an diesem Spiel nicht +zu beteiligen, es braucht nicht erklärt zu werden, es ist ohne Kosten +herzustellen und macht allen Beteiligten viel Spaß. Am geeignetsten +dafür sind +Kindermodefiguren+, die in jedem Modenheft und in vielen +Katalogen und Zeitungsanzeigen anzutreffen sind. Man schneidet sie +aus und klebt sie mit Papierleim auf festes weißes Papier auf. Nicht +zu stark verdünntes Gummiarabikum ist ebenfalls dafür verwendbar. An +den Füßen soll das Papier überstehen, an einem Fuß wird es nach vorn, +am anderen Fuß nach hinten gebogen, damit die Puppe stehen kann. +Auf weißes +Zeichenpapier+ werden +Kleider+, +Schürzen+, +Mäntel+ +und so weiter aufgezeichnet, angepinselt und ausgeschnitten. An den +Schultern und Hüften läßt man kleine Streifen überstehen, die -- +nach hinten gebogen -- die Kleidungsstücke an den Puppen festhalten. +Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 146) einige Beispiele, in +welcher Art solche +Papierpuppen hergestellt+ und angekleidet werden; +zum Anpinseln verwendet man einfache +Tuschwasserfarben+ aus einem +billigen Tuschkasten oder billige +Buntstifte+. Um die runden Linien +recht schnell und sauber auszuschneiden, benutzt man eine gebogene +Nagelschere. + + + + +VII. Kapitel + +Buntes Allerlei + + +49. Bildstickereien + +In vergangenen Jahrzehnten war es Mode, eine bestimmte Art der +Nadelmalerei zu bevorzugen. Der Jugendstil war gerade aufgekommen und +mit ihm die gespreizten, langstengeligen Formen, in die mit Vorliebe +Schwertlilien, Alpenveilchen, Mohn, Tulpen und ähnliche Blüten +hineingezwängt wurden. + +Inzwischen ist man längst von diesen gequälten Linien abgekommen, und +wenn die Mode sich aufs neue der Nadelmalerei zuwendet, so meint sie +damit ganz etwas anderes. Einige Malerinnen, die sich bereits einen +Namen gemacht haben, wandten sich der Stickerei zu und bringen modern +aufgefaßte Blumen und Landschaften in dieser Technik auf die Fläche. +So zum Beispiel Frau Hanna Schreiber de Grahl, die als Schülerin des +märkischen Meisters Hagemeister an der Havel malte und hier ihre +Eindrücke empfangen hat. Sie hat als Bildstickerin verschiedene +ausgezeichnete Arbeiten hervorgebracht. + +[Illustration: Abb. 147. Bildstickerei; roter Mohn.] + +[Illustration: Abb. 148. Bildstickerei; blühender Apfelbaum.] + +An zwei Modellen solcher gestickter Bilder (Abb. 147 und 148) wollen +wir ihre Technik zeigen. Freilich fehlt der Hauptreiz, die Farbe, ohne +die man sich solche Arbeiten nur sehr schwer vorstellen kann. Es ist +daher hier nicht möglich, einen Vorhang wie den „Roten Mohn“ (Abb. 147) +zu beschreiben; die Phantasie muß uns helfen, die Wirkung zu ergänzen. +Auf alle Fälle ist dieses Stück Mohnfeld ausgezeichnet empfunden; +die großen und kleinen Blüten, die Mohnkapseln, die schlanken Stiele +und massigen Blätter sind durchaus naturalistisch wiedergegeben. +Hier ist nichts aufgebaut oder aus dem Gedächtnis gearbeitet; die +Künstlerin hat solch ein Mohnfeld studiert, aus vielen mühevollen +Skizzen ist die Stickerei entstanden, die so leicht und zierlich wirkt. +Der zweite Wandbehang, „Blühender Apfelbaum“ (Abb. 148), ist von +gleicher Art. Das Motiv steht im Vordergrund auf einer Wiese; Bäume, +Sträucher, Wolken bilden den malerischen Hintergrund für den prächtig +blühenden Apfelbaum, der das ganze Bild beherrscht. Die weiten Flächen +des Himmels sind geschickt durch Linien und Formen unterbrochen. +Die gesamte Komposition ist sehr reizvoll und, wie bei dem ersten +Wandbehang, ebenfalls durchaus naturalistisch. Hier sehen wir zwei +Nadelmalereien, die dem modernen Geschmack entsprechen und -- obgleich +sie rein bildhaft wirken -- dennoch als Stickerei technisch völlig +einwandfrei ausgeführt worden sind. + +Wenn wir solche Bilder zeigen, wollen wir geschickten Stickerinnen eine +Anregung geben; es sind sicherlich viele unter ihnen, die recht hübsch +nach der Natur zeichnen und aquarellieren können. Da müßte einmal der +Versuch gemacht werden, ein kleines Stilleben, ein paar Blumen, einen +Ausschnitt aus einer Landschaft zu sticken; für den Anfang genügen +kleine Motive, die möglichst sorgfältig behandelt werden müssen. Von +der handgestickten +Tischkarte+ bis zum +Wandbild+ ist ein weiter +Weg, indessen kommt es vor allem darauf an, einen Versuch zu machen. +Es ist auch gar nicht notwendig, solche Stickereien als Wandschmuck +zu verwenden, kleine Arbeiten passen als Einlage für +Kassetten+, ++Andenken-+ und +Depeschenmappen+, für +Einbände+ zu +Gästebüchern+, +für +Schmucktruhen+ und ähnliche Gegenstände, die eine persönliche Note +tragen sollen. + + +50. Pinseldruck + +Zu den einfachsten und hübschesten Verzierungen, die vielfach +Verwendung finden, gehört der +Pinseldruck+. Die Technik ist nicht +schwierig, wenn man sie erst einmal erfaßt hat, und es kommt nur darauf +an, dem Pinsel allerlei Stellungen zu geben und ihn geschmeidig zu +machen, damit er die verschiedenen Figuren willig ausführt. Unser Bild +(Abb. 149) zeigt einige Muster, deren farbige Ausführung der Phantasie +jedes einzelnen überlassen bleibt. + +[Illustration: Abb. 149. Muster für Pinseldrucke.] + +Man verwendet Pinsel von mittlerer Stärke, die mit Wasserfarben, am +besten Deckfarben, gut angefeuchtet werden. Durch Aufdrücken in +verschiedener Stellung des Pinsels werden die Muster ausgeführt. Solche +Ornamentik eignet sich recht gut zum Schmuck von +Spanschachteln+, von ++Holzkassetten+, +Pillenschachteln+, +Zigarrenkisten+, +Holzleisten+, +die als +Schlüsselbretter+ benutzt werden sollen, überhaupt für +einfache Gegenstände, die einfach verziert werden sollen. Solche Muster +kommen aber auch für +Seidenbänder+, zum Beispiel für +Hutbänder+, ++Gürtel+, +Blusenbändchen+ und ähnliches Modebeiwerk in Betracht; in +diesem Fall verwendet man am besten waschechte Farben, die in den +einschlägigen Geschäften für diese Zwecke käuflich sind. Diese Technik +eignet sich ganz besonders für +Lampenschirme+, für +Untersetzer+, ++Tablette+ und ähnliche +Einlagen+, die zum Schutz vor Staub und +Feuchtigkeit unter Glas gerahmt werden. In Emailfarben ausgeführt, kann +man die Technik sowohl auf +Glas+ als auch auf +Metall+, +Ton+ und ++Holz+ verwenden, es gibt dafür vielerlei Möglichkeiten; auch +Schals+ +und +Halstücher+ lassen sich in dieser Art je nach Übung und Geschick +mit geeignetem Farbenmaterial recht geschmackvoll verzieren. Wer noch +nicht sehr geübt ist, macht am besten ein paar leichte Aufzeichnungen +auf den Hintergrund; bei Ton, Metall und Holz ist +Kreide+ oder +Kohle+ +sehr zu empfehlen; beide Hilfsmittel können wieder entfernt werden, +ohne Spuren zu hinterlassen. + +Der +Pinseldruck+ paßt besonders zur Verzierung von +Blumentöpfen+, ++Blumenkübeln+ und +Topfuntersetzern+, auch +Tonkästen+ können in +dieser Weise geschmückt werden. + + +51. Schattenrisse + +Im achtzehnten Jahrhundert stand der +Schattenriß+ in seiner höchsten +Blüte, und im achtzehnten Jahrhundert bekam er auch den Namen +„+Silhouette+“, den er noch heute trägt, und unter dem er in der ganzen +gebildeten Welt bekannt ist. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich. +Dort forderte der Finanzminister Etienne de Silhouette energische +Sparmaßnahmen in den Gesetzen, er wollte Ordnung in die zerrütteten +Finanzen des Reiches bringen und wollte es durchsetzen, daß an Stelle +der farbigen Porträte des Königs nur noch Schattenrisse, die sich +billiger stellten, als Ehrengaben verliehen werden sollten. Dieser +sparsame Finanzminister machte sich bei den Parisern sehr unbeliebt, +und nach seinem Sturz kam der Spottname +Silhouette+ auf, den nun alle +Schattenrisse tragen. + +[Illustration: Abb. 150. Schattenriß.] + +Die Mode begünstigte die Silhouette, man fand Ende des achtzehnten +Jahrhunderts Gefallen an der Neubelebung der Antike; die griechischen +Vasenbilder, damals sehr beliebt, zeigten Ähnlichkeit mit den +Schattenrissen, die dadurch noch begehrter wurden. Nicht nur Personen +wurden in Schattenrissen wiedergegeben, auch Säulen, Sträuße, +Landschaften, Stilleben hat man ausgeschnitten. Diese Mode hielt sich +bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts; wir können noch heute in +alten Stammbüchern und auf den vergilbten Freundschaftsbändern solche +schwarze Kunst bewundern, die in der Biedermeierzeit besonders von +den bürgerlichen Kreisen hochgeschätzt wurde. Da sind Porträte und +sentimentale Kränze, gebrochene Säulen und flammende Herzen, zärtliche +Girlanden, die sich um ebenso zärtliche Widmungen schlingen, üppige +Füllhörner und andere Sinnbilder einer in Gefühlen schwelgenden Zeit. + +Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Daguerreotypie aufkam, +verdrängte sie den Porträt-Schattenriß nach und nach, bis die +Silhouette in ihren verschiedenen Formen ganz und gar in Vergessenheit +geriet und nur noch bei Antiquitätensammlern und in alten +Familienbüchern zu finden war. + +Die Mode wechselt, alles kehrt wieder. Die Nachkriegszeit mit ihrer +Wohnungsnot bedingt Verhältnisse, die denen am Anfang des neunzehnten +Jahrhunderts, nach den Napoleonischen Kriegen, ähnlich sind. Mit +der Raumnot und der verringerten Kaufkraft, mit der Verarmung +und der Vereinfachung der Lebenshaltung, kam die Freude an alten +Erbstücken, an antiken Möbeln und Urväterhausrat auf. Zwischen +praktischen Sekretären und liebevoll betreuten Vitrinen zeigte sich +die Silhouette, vereinzelt schon vor dem Kriege, als große Mode in den +nachfolgenden Jahren, nachdem sie bis dahin nur auf Jahrmärkten ein +halb verstecktes, unbeachtetes Dasein geführt hatte. Man schnitt wieder ++Porträtsilhouetten+, aber man begnügte sich nicht mit diesen Übungen. +Die Schattenrisse paßten sich zunächst der Mode an, es wurden weniger +Bildnisse als Genrebilder geschnitten. Buchillustrationen in dieser +Technik kamen wieder auf, in Form und Linie modernisiert, man schnitt +Bilder, Szenen aus Theaterstücken, aus Volksliedern und Gedichten, und +schließlich, ganz unsentimental, hat sich auch in allerletzter Zeit der +Film des Schattenrisses bemächtigt. + +In den bürgerlichen Kreisen herrscht das +geschnittene Bild+, das +als Wandschmuck und im Zierschränkchen hinter blanken Scheiben +Bewunderung erregt und dessen Technik je nach Geschmack, Geschick und +Übung immer wieder gern erlernt wird. Es gehört eine sichere Hand und +ein sicheres Auge dazu, und wer im Anfang bescheidene Motive wählt, +kann, wenn die Vorbedingungen zutreffen und wenn die Geduld nicht +erlahmt, schließlich recht gute Erfolge erzielen. Man braucht dafür +keine großen Vorkenntnisse und wenig Material; die Silhouette wird +mit der Schere geschnitten, man trägt die Zeichnung auf der Rückseite +des Silhouettenpapiers auf, für schwarzes Papier verwendet man helle +Kreide. Am besten läßt man rund herum einen schwarzen Rand stehen, an +den auch die anderen Teile anstoßen. + +Den sogenannten „+Papierschnitt+“ führt man mit einem scharfen +Messer aus, es gibt dafür auch Federn in Messerform. Man legt die +Aufzeichnung aus dünnem Pauspapier auf das Silhouettenpapier und +schneidet nun die Teile, die weiß bleiben sollen, mit dem Messer heraus. + +[Illustration: Abb. 151. Schattenriß.] + +Wir geben zwei Modelle wieder (Abb. 150 und 151), die dem modernen +Geschmack entsprechen und die sich zum Raumschmuck eignen. Derartige +Bilder werden möglichst anspruchslos eingerahmt, Kaliko, schmale weiße +und schwarze Leisten, ganz dünne, unverzierte Goldleisten passen dafür +am besten. Schattenrisse in der Art der Blumenranken kann man zum +Schmuck von Glückwunschkarten, für die Widmungsseite von Gästebüchern, +Sammelmappen und für Kassettendeckel -- unter Glas -- verwenden. Sie +eignen sich auch für Tablette und Untersetzer. + + +52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug + +Wer kennt es nicht, das lustige Spielzeug, das in den letzten Jahren +unter dem Namen „Bi-ba-bo“ in den Handel gekommen ist und durch seine +natürliche Beweglichkeit die Herzen von jung und alt gewonnen hat, +denn die Bi-ba-bo-Spiele sind für Erwachsene ebenso unterhaltend wie +für Kinder. + +Nun ist eine Neuheit aufgekommen. Maria Skutsch, die bekannte Berliner +Kunstgewerblerin, hat sehr niedliche Dackel entworfen und selbst +ausgeführt, die als Bi-ba-bo-Spielzeug viel Anklang finden. Wenn man +sie in Bewegung setzen will, so steckt man den Zeigefinger in die +Höhlung des Kopfes, auf Daumen und Mittelfinger werden die Vorderfüße +gezogen, während die untere Hand unter dem verschränkten Arm versteckt +ist. So täuscht ein solcher Bi-ba-bo-Teckel einen lebendigen Männe +vor, der mit den Ohren wackelt, mit dem Kopf nickt und sich wie ein +richtiges Hundebaby gebärdet. + +An solchem Spielzeug (Abb. 152) finden sowohl Jungen wie Mädel ein +rechtes Vergnügen, und dieses Vergnügen steigert sich, wenn man das +amüsante Spielzeug selber herstellt oder wenigstens dabei hilft. +Das Fell der kleinen Hunde besteht aus schwarzem und braunem Tuch +oder Satin. Den Rumpf fertigt man aus einer 24 mal 21 Zentimeter +langen Röhre, die sorgfältig zusammengenäht wird, ein ovales Stück +mit untergelegter Pappe fügt man als Sitzboden ein. Mit Lumpen und +Holzwolle wird der Rumpf fest ausgestopft, damit keine leeren Stellen +entstehen, und schließlich oben fest zugenäht; dabei schrägt man +die Schultern leicht ab. Für den Kopf schneidet man zwei Teile der +Profilansicht etwa 12 mal 9 Zentimeter groß zu, dazwischen wird ein +Streifen, 2,5 mal 3 Zentimeter breit, am vordern Ende in ein Dreieck +auslaufend, genäht. Die nach oben spitz auslaufende „Kehle“ wird als +ein 4 mal 6 Zentimeter großes Stück Stoff zwischen die unteren vorderen +Ränder eingenäht. Die Nähte werden links in dichtem Stich ausgeführt. +Zum Schluß wird der Kopf umgewendet, fest ausgefüllt und auf den Rumpf +genäht. Die Schlappohren werden verkehrt angenäht und zurückgeklappt, +nachdem man an der hinteren Seite vorher eine kleine Falte genäht hat. +Die Augen bestehen aus Jettplättchen, die in der Art aufgenäht werden, +daß die Augenwinkel mit weißer Wolle angedeutet werden. Über den Augen +und seitlich der Nase stickt man gelbbraune Flecke mit Wolle ein. In +dieser Art wird auch die Schnauze dunkelgrau gehalten. Die Pfötchen +bestehen aus zwei Gliedern. Das obere ist ein zusammengestepptes, +doppelt gelegtes Stück schwarzes Tuch; die eigentliche Pfote wird aus +gelbbraunem Tuch geschnitten, links zusammengenäht und nach dem Wenden +mit Watte ausgestopft. In den Kopf wird eine über das obere Glied des +Zeigefingers zu ziehende Pappröhre mit eingenäht. Sie wird so dicht mit +Stoff umwickelt, daß sie die Halsweite des Dackels ziemlich ausfüllt. + +[Illustration: Abb. 152. Selbstgemachtes Kinderspielzeug; kleine Dackel +in Bi-ba-bo-Art. + +Entworfen und ausgeführt von Maria Skutsch, Berlin.] + +Maria Skutsch hat mit diesen Hunde-Bi-ba-bos etwas Reizendes +geschaffen. Geschickte Hände werden daraus manch frohes Spiel für die +Kleinen gestalten. + + +53. Schattenspiele + +Ebenso unterhaltend und phantastisch sind die +Schattenspiele+, +an denen sich die „Großen“ stets sehr gern beteiligen. Wir wollen +dazu keine Illustrationen bringen, sondern nur kurz darauf +hinweisen und die Erinnerung daran wecken, falls diese reizvolle, +harmlose Beschäftigung, dieser fröhliche Zeitvertreib an traurigen +Regenabenden, an Wintertagen, wenn es noch zu früh zum Schlafengehen +ist und die Schularbeiten erledigt sind, nicht bekannt sein sollte. +Wie manche Stunde vergeht viel zu schnell beim +Schattenspiel+, das +die Einbildungskraft aufrüttelt und schon vor hundert Jahren zu den +beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört hat. In einer Tür wird ein +Bettlaken mit Reißnägeln festgespannt; zwischen der Spannung und +einer hellen Lampe wird Theater gespielt, möglichst in einer Reihe. +Die Begebenheiten müssen sich +nebeneinander+ abwickeln, da der +Zuschauer nur die im Vordergrunde Auftretenden sehen kann; was sich +im Hintergrund abspielt, kann er nicht beobachten. Auf das Publikum +wirkt das Ganze silhouettenhaft; es ist im Interesse des Spiels, +wenn es schnell aufgeführt wird; je flüchtiger und schattenhafter es +wirkt, desto besser ist es. Wer Phantasie besitzt, kann es -- mit +Musikbegleitung -- außerordentlich reizvoll gestalten, denn das alte ++Schattenspiel+ ist nicht nur ein Zeitvertreib für Kinder von Kindern, +es kann auch für die Heranwachsenden und für die Großen zur fröhlichen +Unterhaltung werden. + + +54. Bilderbuch von eigener Hand + +In dieses Kapitel gehört das „+Bilderbuch von eigener Hand+“, dem +man eine besondere persönliche Note geben kann, wenn man unter die +einzelnen Bilder lustige +Unterschriften+ setzt oder -- wenn es +irgend möglich ist -- passende +Knittelverse+ darunterschreibt. Als +Grundmaterial verwendet man +Kartonpapier+, für kleinere Kinder eignet +sich ein Bilderbuch aus +Pappbogen+ noch besser, weil Pappbogen +haltbarer sind. Man klebt mit +Fischleim+ oder +Dextrin+ Bilder auf +die Bogen, die Bilder schneidet man aus illustrierten Zeitschriften, +Katalogen, Reklameblättern, Ansichtskarten und Zeitungen aus. Es kommt +gar nicht darauf an, daß die Bilder gleich groß sind, es genügt, wenn +sie +deutlich+ sind. So kann man zum Beispiel den Katalogen von Blumen- +und Tierhandlungen sehr gutes, leicht verständliches Bildermaterial +entnehmen. +Dextrin+ zum Aufkleben stellt man selber her, indem man +das gelbe Dextrinmehl -- es besteht aus fein gemahlenen, getrockneten +Roßkastanien -- in einer Tasse oder in einer sauberen Konservenbüchse +mit lauwarmem Wasser dünn verrührt und mit einem breiten, kleinen ++Leimpinsel+, einem sogenannten +Bureauleimpinsel+, aufstreicht. Die +Bilder werden sorgfältig ausgeschnitten, am besten im Quadrat; es macht +zu viel Mühe, ihre Umrißlinien auszuschneiden, bei manchen Bildern +dürfte das gar nicht möglich sein. Man klebt eine Seite voll mit +Illustrationen und belegt sie mit schweren Büchern, damit sie glatt +auftrocknen. Dann schreibt man die Knittelverse unter die Bilder, +es genügt indessen, wenn man verständliche Unterschriften gibt, die +von den kleinen Lesern sicherlich ebensogern in ihre Gedankenwelt +aufgenommen werden; phantasiebegabte Kinder erfinden mehr oder weniger +hübsche Geschichten dazu. Auf alle Fälle sind solch selbsthergestellte +Bilderbücher sehr anregend. Pinselfreudige Knaben und Mädchen können +die Schwarzweißzeichnungen selber nach Belieben mit und ohne Hilfe +der Erwachsenen antuschen; ein billiger kleiner Tuschkasten mit +entsprechenden Pinseln als Beigabe zu diesem originellen Bilderbuch +dürfte seinen Zweck kaum verfehlen. + +Man hält das Buch am besten in Mappenform, das heißt, man durchbohrt +die einzelnen Bogen mit dem Locher und zieht eine feste Schnur durch, +die auf dem Deckel zu einer Schleife verknüpft wird. Dies Verfahren hat +den Vorteil, daß man, wenn man Zeit und Lust hat, das Buch immer wieder +erweitern kann; vielleicht macht es den Kindern Freude, selber ans Werk +zu gehen und nach eigenem Belieben ein recht dickes, unterhaltsames +Bilderbuch herzustellen. Als Umschlag verwendet man besonders starke +Pappdeckel, die mit einem hübschen Titel und einer passenden Widmung +versehen werden. Dies +Bilderbuch+ kann man auseinandernehmen, so daß +sich mehrere Parteien damit beschäftigen können, ohne in Streit zu +geraten. Wir bringen von diesem eigenartigen Buch keine Abbildung, da +die ausführliche Beschreibung wohl genügen dürfte; außerdem steht es +jedem frei, solch Kinderbuch nach Belieben auszugestalten, es gibt +viele Möglichkeiten dafür. + + +55. Purzelmann + +Ebenso beliebt wie der altbekannte Hampelmann ist der +Purzelmann+, mit +dem die kleinen Knaben und Mädel sehr gern spielen. Man kann ihn ohne +viel Mühe und Kosten selber herstellen; ein Purzelmann ist in jedem +Kinderzimmer ein gern gesehener Gast und eignet sich schon darum sehr +gut als „Mitbringsel“ für die Kleinen; auf diese Art kann man andere, +teuere Aufmerksamkeiten sparen. -- Man halbiert eine möglichst breite ++Glühstrumpfhülse+, legt eine schwere +Kugel+ hinein und leimt beide +Deckel fest; diese Glühstrumpfhülse stellt den Kopf dar, auf den ein +Gesicht aufgemalt wird. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 153) +ein Modell, nach dem man das Spielzeug herstellen kann. Hier sehen wir +das aufgemalte Gesicht, Augen, Mund, Nasenlöcher, so einfach wie nur +möglich. Am besten ist es, das Gesicht auf weißes Papier zu pinseln +und dieses auf den Kopf aufzuleimen. Der Rumpf -- aus Stoff -- wird am +Kopf festgeklebt, Hände und Füße -- aus dünner Pappe -- werden mit ein +paar Stichen angenäht. Man hält den Anzug am besten feuerrot, die Mütze +tütenblau, die Schuhe giftgrün, die Knöpfe zitronengelb. Auf einer +schrägen Ebene schlägt der Purzelmann so viel Purzelbäume wie man will, +vorwärts und rückwärts; darum macht dieses bewegliche Spielzeug den +Kleinen immer wieder Spaß, ohne sie zu langweilen. + +[Illustration: Abb. 153. Purzelmann.] + + + + +VIII. Kapitel + +Weihnachtsarbeiten + + +56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch + +Weihnachtshandarbeiten? Ja, sind die denn anders als alle übrigen +Handarbeiten? Gibt es auch auf diesem Gebiet Unterschiede? Natürlich. +Man braucht sich nur zu überlegen, was Weihnachtshandarbeiten uns +allen für Kopfzerbrechen machen. Immer findet man noch im letzten +Augenblick, daß irgend jemand vergessen worden ist; dagegen soll es +seltener vorkommen, daß jemand doppelt bedacht wird. Die Großmama, die +von sechs verschiedenen Enkeltöchtern sechs nicht sehr verschiedene +Kaffeekannenwärmer bekommen hat, die gibt es in jedem Jahr, und sie +hätte so viel andere Handarbeiten viel nötiger gebraucht. Aber das +kommt von den Überraschungen. Heutzutage sind Zeit und Materialien +wirklich zu kostspielig, als daß man gar so verschwenderisch damit +umgehen sollte, und darum wäre es durchaus angebracht, die sonst +sehr hübsche Sitte des Überraschens zu durchbrechen und sich lieber +nach den Wünschen der einzelnen sehr genau zu erkundigen. Wenn, was +sicher eintreffen dürfte, mehrere Gegenstände genannt werden, ist +die Überraschung wirklich groß genug, wenn einer davon, möglichst +geschmackvoll und praktisch ausgeführt, auf dem Weihnachtstisch +ausliegt. Ist die Freude nicht größer, wenn uns ein Wunsch erfüllt, +wenn uns etwas geschenkt wird, was uns fehlt, als wenn wir etwas +bekommen, das wir nicht recht verwenden können? Schließlich kann die +Anregung ja von den Schenkenden ausgehen. Die Frage „Kannst du das +brauchen?“ zeugt stets von Interesse, von Fürsorglichkeit. + +Man muß aber wirklich nachdenken, um etwas Passendes vorzuschlagen; +immer Sofakissen und Tischläufer, das ist auf die Dauer nicht möglich. + +[Illustration: Abb. 154. Vornehme Einkaufstasche.] + +Wir zeigen auf unsern Bildern eine Anzahl Handarbeiten, die praktisch +und hübsch zugleich sind, nicht zu viel kosten und nicht gar zu +zeitraubend sind, denn den Weihnachtshandarbeiten darf man nicht etwa +ansehen, daß sie ein „Augenpulver“, eine „Schinderei“ gewesen sind. +Der Beschenkte muß unbedingt den Eindruck haben, daß die Arbeit mit +Vergnügen von Anfang bis zu Ende hergestellt worden ist. + +Zunächst einmal ein Geschenk für eine alte Dame. Das ist nicht +so einfach; alte Damen haben meist „schon alles“. Hier muß etwas +sehr Praktisches vorgeschlagen werden; darum bringen wir als +Anregung eine +Einkaufstasche+ (Abb. 154), die möglichst hübsch +ausgeführt wird, damit sie nicht nur für den Wochenmarkt, sondern +auch für nachmittägliche Einkäufe, die sich an einen Besuch oder +einen Spaziergang anschließen, benutzt werden kann, und die vom +Nachmittagsanzug nicht abstechen darf. + +Unser Modell besteht aus schwarzem Seidenstoff, es ist mit einem +Bodenteil aus starkem Stoff versehen, 10 Zentimeter breit, 29 +Zentimeter lang. Die Tasche selbst ist 34 zu 34 Zentimeter groß. Da das +Futter an der Außenseite zu sehen ist, wählt man am besten einen modern +gemusterten Satin- oder Seidenstoff, für die Schnüre verwendet man +schwarze Beinringe, die 8 bis 9 Zentimeter vom inneren Rand entfernt +angenäht werden. + +Eine +gestrickte Hemdenpasse+ (Abb. 155), in der Art, wie wir sie auf +unserer Vorlage zeigen, paßt für jedes junge Mädchen. + +Unsere Abbildung zeigt deutlich, wie ein entsprechend weites, glattes +Stück von gestricktem Einsatz möglichst „unsichtbar“ zusammengefügt +wird. Die Naht soll unter dem Arm angebracht sein. Ungefähr je 15 +Zentimeter von der vorderen und je 13 Zentimeter von der hinteren Mitte +entfernt, bringt man die gestrickten Achselbänder an. Sie werden 1 +bis 6 Zentimeter breit und 40 Zentimeter lang gehalten. Wenn man das +beste Garn, möglichst fein, verwendet, wird die Hemdenpasse manches +Hemd überleben; darum soll man sie mit der Hand annähen, um sie beim +Abtrennen nicht zu beschädigen, falls sie für ein neues Hemd verwendet +werden soll. Strickarbeiten wirken erst dann schön, wenn sie gut +gespannt sind. Das Spannverfahren ist sehr einfach: Nach der Wäsche +spannt man die Arbeit noch feucht auf ein sauberes weißes Tuch über +einer dicken Decke und steckt sie mit rostfreien Nadeln fest. Zacken +und Bogen werden einzeln gerade gezupft, die Mühe lohnt sich, denn +nach dem Spannen zeigt sich die Eigenart der Strickspitze bis in die +kleinsten Teile. + +[Illustration: Abb. 155. Gestrickte Hemdenpasse.] + +Ein +Tee-+ oder +Kaffeekannenwärmer+ für den Hausgebrauch ist stets ein +praktisches Geschenk für denjenigen, dem er fehlt. Nun muß man sich +aber auch erkundigen, für welche Zwecke er gewünscht ist; meistenteils +bekommt man sehr elegante Kannenwärmer, mit Spitze und reicher +Stickerei verziert, also für den Alltag nicht zu brauchen. Da ein +Strapazierkannenwärmer aber viel eher und öfter gebraucht wird als ein +eleganter, muß auch darauf Rücksicht genommen werden, und wir bringen +zwei Modelle, (Abb. 156 und 157), ein ganz einfaches und ein reich +besticktes Muster, zur Auswahl. + +Der +einfache Kannenwärmer+ (Abb. 156) besteht aus einem Tuchrest; +Tütenblau, Giftgrün, Feuerrot, Orangegelb, Türkis, Pfauenblau, Altgold, +Bischofslila, Grasgrün, Kirschrot, das sind Farben, die sehr gut dazu +passen, denn man will auch auf dem alltäglichen Tisch etwas Farbiges +sehen; dadurch wird die Stimmung gehoben. Dieser farbenfröhliche +Hintergrund wird mit einer leichten Häkelei verziert, nachdem man +die „Mütze“ zugeschnitten hat. Zuerst schneidet man eine Papierform +von 30 Zentimeter Höhe, 35 Zentimeter Breite; am besten ist es, wenn +die Maße an den betreffenden Kannen ausprobiert werden. Will man +die Arbeit nach auswärts senden, so erbittet man auf alle Fälle die +genauen Maße, sicherheitshalber für Kaffee- +und+ Teekanne; es hat +keinen Zweck, drauflos zu arbeiten, wenn man keine Ahnung von den +notwendigen Größenverhältnissen hat. Unser Maß ist für die einfache +Durchschnittskanne gedacht; am wichtigsten ist es indessen, wenn es +sich um ein Geschenk handelt, das Muster der größten in Frage kommenden +Kanne abzunehmen. + +Man schneidet nun zwei Teile und beginnt mit der Häkelei, die in zwei +Farben gehalten wird. Auf Rot wirken Tütenblau und Schwefelgelb am +besten, für einen grünen Grund verwendet man Orangegelb und Schwarz, +auf Blau Orangegelb und Giftgrün, auf Gelb Schwarz und Tütenblau oder +Grasgrün, auf Bischofslila Schwefelgelb und Schwarz oder Giftgrün, auf +Altgold Türkis und Tütenblau, auf Türkis Orangegelb und Schwarz. + +Man verwendet feines Perl- oder Papiergarn und häkelt recht fein, +sonst wird das Muster zu groß und plump. Die Häkelei beginnt mit dem +kleinsten Ring in der Mitte, Anschlag 20 Luftmaschen, mit einer festen +Kettenmasche zum Ring geschlossen. + +[Illustration: Abb. 156. Einfacher Kannenwärmer.] + +1. Reihe: 3 Lftm. für die 1. Stäbchenmasche, 3 Lftm., 9mal 1 St., 3 +Lftm., 1 Masche übergehen, zuletzt 1 f. Kttm. in die 3. Lftm. am +Anfang der Reihe. 2. Reihe: 1 feste Masche in die nächste M., 3 Lftm., +1 M. übergehen, 1 f. M., ringsum wiederholt -- es müssen 20 Bogen sein +-- zuletzt 1 f. Kttm. in die 1. f. M. 3. Reihe: 2 f. Kttm. in die +ersten Lftm. der vorigen Reihe, 3 Lftm. statt 1 St., 3 Lftm., 20mal +1 St., 3 Lftm., 1 f. Kttm. in die 3 Lftm. am Anfang der Reihe. Damit +ist die Grundlage für die Häkelarbeit gegeben. Die nächste Reihe von +Ovalen wird mit 1 f. Kttm. am 4. Bogen der letzten Reihe angehängt; 2 +Bogen bleiben dazwischen. Am nächsten wird wieder ein Oval angehängt. +Fünfmal sind die betreffenden Ovale, die wie das erste mit nur 1 Reihe +aus 12 St. weiß gehäkelt werden, nach Übergehen von 2 Bogen angehängt +und so die Hauptlinien des Musters gegeben. Die nächsten Ovale sind +wieder farbig mit 14 St. hergestellt; es folgen dann weiße mit 16 +St. und zuletzt farbige mit 20 St. Sind so die Ovale zusammengehängt, +werden sie am Außenrand mit farbigem Garn im Zusammenhang umhäkelt. +1 f. M. um den mittelsten der 7 Bogen, die bei dem 1. Oval übrig +geblieben sind, 4 Lftm., 1 St. in die 1. derselben, 1 f. M. um den +folgenden Bogen. Der Übergang von einem Oval zum nächsten muß so glatt +wie möglich ausgeführt werden. Zuletzt, wenn die ganze Häkelarbeit +fertig und aufgenäht ist, durchzieht man die Ovale zweimal versetzt +in Schlangenlinien mit mittelstarkem weißen Perlgarn. Daß noch vier +besondere Teile mit je drei Ovalen zwischen die Hauptlinien eingefügt +werden, zeigt die Abbildung; sie lehrt auch, wie und wo mit dem +Perlgarn durchgezogen wird. Nachdem die Arbeit von der Rückseite aus +gut geglättet ist, legt man Watte und Futter auf, reiht alles ringsum +an und näht den unteren Saum nach innen ein. Der Außenrand wird sehr +fest aufeinandergereiht und dann zusammen mit festen Maschen umhäkelt. +Man nimmt dazu entweder Wolle von der gleichen Farbe des Grundstoffes +oder von der Farbe der Häkelarbeit. Schließlich häkelt man die Teile +von der Rückseite aus mit festen Maschen zusammen. Ein kleiner Ring, +mit festen Maschen umhäkelt und oben in der Mitte festgenäht, dient als +Griff. + +[Illustration: Abb. 157. Reich bestickter Kannenwärmer.] + +Man verziert den Kannenwärmer auf +beiden+ Seiten in der beschriebenen +Weise; da solch eine Häkelei unverwüstlich ist, kann sie immer wieder +verwendet werden. + +Der zweite +Kannenwärmer+ (Abb. 157) zeigt einen reichen Schmuck in +Flachstickerei. Er besteht aus schwarzem Tuch, hat ebenfalls Mützenform +und wird genau wie das andere Modell zugeschnitten und montiert. Das +Muster wird mit weißem, gelbem oder rotem Ölpauspapier auf den Stoff +übertragen; man stickt es am besten im Rahmen. Der Entwurf besteht +aus großen und kleinen Blumen und Blättern; man kann ihn leicht von +unserm Modell abzeichnen, und es kommt nicht darauf an, ob eine +Blüte etwas größer oder kleiner ausfällt als auf der Vorlage; es ist +wichtiger, daß das Ganze recht harmonisch sich in die Form einfügt. Man +arbeitet mit bunter Wolle oder Seide, kann aber auch beide Materialien +mischen. Die Verbindungen der einzelnen Stoffteile werden mit großen +Knopflochstichen hergestellt. Dieser Kannenwärmer wirkt auch in starkem +Leinen sehr gut; in diesem Fall muß er unbedingt waschecht bestickt +werden, zum Beispiel mit Perlgarn oder waschechten, starken Seidenfäden. + +[Illustration: Abb. 158. Wirtschaftsschürze mit leichter Stickerei.] + +Ein praktisches Geschenk für junge Frauen und Mädchen ist die ++Wirtschaftsschürze+ mit leichter Stickerei, die wir in unserer +Abbildung 158 bringen. Als Grundstoff eignet sich dunkelblaues +„Fuhrmannsleinen“ am besten, doch kommt auch dunkelgraues Leinen in +Betracht. Sehr brauchbar ist auch englisches Lederleinen. Diese Stoffe +lassen sich gut waschen und sind unverwüstlich. Man bestickt sie +mit rotem, unbedingt waschechtem Perlgarn, auch weißes Garn kommt in +Betracht. Graues Leinen kann man auch mit tütenblauem oder giftgrünem +Garn besticken. Ziemlich auffallend, aber nicht unpraktisch sind rote +Leinenschürzen; roter Stoff fällt meist sehr haltbar aus, wenn eine +gute Qualität gewählt wird. Man bestickt ihn in Weiß, Tütenblau, +Dunkelblau oder Schwarz. Die schmale Borte ist 3 bis 4 Zentimeter +breit, die Blumen werden 10 Zentimeter hoch gehalten. Die Größe der +Wirtschaftsschürze richtet sich nach der Figur der Trägerin, man +rechnet im Durchschnitt eine Länge von 70 bis 75 Zentimeter, sie wird +dementsprechend 60 bis 65 Zentimeter breit geschnitten. Der doppelte +Bund ist 3 Zentimeter breit, der Latz oben 30 Zentimeter breit und 20 +Zentimeter hoch. Die Bänder werden angeschnitten, nach unten etwas +abgeschrägt, auch der Latz wird auf jeder Seite nach unten 2 Zentimeter +abgeschrägt. Die Schürze ist gerade geschnitten. Sie wird mit je zwei +Falten auf jeder Seite in den doppelten Bund gefaßt; der Latz wird mit +je zwei nach außen gelegten Falten unter dem Bund angenäht. An den Bund +werden auch die gesäumten Bänder genäht, man näht zwei Wäsche- oder +Perlmutterknöpfe für die mit Knopflöchern versehenen Tragbänder an. +Die Stickerei über dem unteren Schürzenrand besteht aus Zackenlinien, +die in Stielstich ausgeführt werden, die länglichen Punkte hält man +in Flachstich, die Blumen in langem Kettenstich, die Blättchen in +Plattstich. Der etwa 15 Zentimeter breite Ausschnitt am Latz ist in +derselben Weise verziert, ebenso die 12 bis 14 Zentimeter breite +Tasche. Eine Stielstichreihe begrenzt den unteren und den seitlichen +Saum sowie den inneren Latzausschnitt. + ++Buchhüllen+ sind ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk; man schützt +mit ihnen sehr zweckmäßig eigene und geliehene Bücher, die man auf +diese Weise auf Reisen, auf Ausflüge, auf Spaziergänge mitnehmen kann, +ohne ihnen Schaden zuzufügen. Wir zeigen auf unserer Abb. 159 drei sehr +hübsche, einfache Modelle in Kreuzstichtechnik, die noch „ganz zuletzt“ +ohne viel Mühe und Kosten angefertigt werden können. + +Sie stammen aus Beyers Handarbeitsbüchern, Band 22, Kreuzsticharbeiten, +Heft 3. Die Hüllen werden bestickt; ihre Größe beträgt durchschnittlich +20 zu 30 Zentimeter. Man verwendet dazu ein Stück Stoff von 22 +Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Breite. Wenn die Stickerei ausgeführt +worden ist, wird das Futter gegengenäht; je 5 Zentimeter der Breite +werden als Tasche nach innen geklappt und oben und unten mit kleinen +Stichen dem Deckel angenäht. Die Stickerei muß mit kleinen Stichen +hergestellt werden, so daß ungefähr sechs Stiche auf 1 Zentimeter +kommen. Die linke Buchhülle ist auf terrakottafarbenem Leinen auch über +dem Buchrücken mit schwarzem Twist gestickt. Die erste Zickzacklinie +ist hellblau gehalten; das Futter ist aus dem Oberstoff hergestellt. +Die mittlere Hülle wird aus holzbraunem Leinen mit braunem Satinfutter +gearbeitet. Außer den kleinen Dreieckformen in moosgrünem Twist ist die +Stickerei schwarz gestickt. Zur dritten Hülle wurde graublaues Leinen +verwendet; die Ecken sind lavendelblau bestickt, die Randlinien schwarz +und blau; das Futter besteht aus blauem Satin. + +[Illustration: Abb. 159. Drei Buchhüllen mit Kreuzstichstickerei.] + +Häufig bietet sich gerade zu Weihnachten Gelegenheit, Fernerstehenden +eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen; sie darf nicht viel kosten, +soll eigentlich nur zeigen, daß man auch an diese oder jene +Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise gedacht hat, und eine Art +freundliches Gedenken bezeichnen. + +Da ist zum Beispiel die alte oder junge Hausschneiderin, die noch +schnell das neue Festkleid genäht hat; da sind alleinstehende Tanten +und Hausfreundinnen, die zum Heiligen Abend eingeladen worden sind. Für +sie soll noch eine Kleinigkeit fertig werden. Was kann man wählen? + +[Illustration: Abb. 160. Stecknadelfisch.] + +Da wäre ein niedlicher Stecknadelfisch (Abb. 160), eine praktische +Handarbeit, die bestimmt nicht viel Mühe macht. Die Grundform wird auf +Papier gezeichnet. Dann erst schneidet man sie von kräftigem Stoff und +zuletzt von dem des Überzugs, etwa grauem Samt oder Seide, aus. Die +Länge beträgt 20 Zentimeter, an der dicksten Stelle 8 Zentimeter für +eine Hälfte. Ist die Grundform zugeschnitten, zeichnet man Kopf, Maul +und Augen mit einigen geraden Strichen auf; zu den Schuppen schneidet +man bogig geformte Pappdeckelstückchen in drei Größen und zeichnet sie +auf dem Stoff nach, indem man am Kopfe die größten, ungefähr sechs +Reihen, nimmt, hierauf die mittleren und gegen das Ende die kleinsten. +Dann näht man die Form zu, füllt sie fest mit trockenem Sand und zieht +den Außenstoff darüber. Zuletzt werden, der Vorzeichnung folgend, +Stecknadeln eingesteckt, und zwar Kopf an Kopf. Auch hier nimmt man +drei Größen: die stärksten für den Kopf und die ersten sechs Reihen, +die zweite Größe für das Mittelstück, die kleinsten für den Schwanz. +Zu den Flossen braucht man längere Stecknadeln. Man steckt diese nur +so tief, daß man die richtige Form bekommt, wie aus der Abbildung +ersichtlich ist. Haupterfordernis ist, nicht damit zu sparen; man +braucht eine ganze Menge Nadeln. + +[Illustration: Abb. 161. Schere mit Fingerhutbehälter in Form einer +Nelke.] + +Ein ähnliches Geschenk ist die +Schere+ mit dem +Fingerhutbehälter+ in +Form einer +Nelke+. Das ist etwas sehr Praktisches, was auch jungen +Mädchen viel Spaß machen wird. Man nimmt ganz wenig Maschen auf und +häkelt die Blume, deren Kelch den Fingerhut enthalten soll. In Hochrot, +Bischofslila, Pfauenblau, Orange wirkt die Blüte am besten. Statt des +Stiels wird eine doppelte Schnur aus Luftmaschen gehäkelt, an der +die große oder kleine Schere, natürlich in diesem Fall keine Nagel-, +sondern eine +Schneider-+ oder +Stickschere+, befestigt wird. Dieses +Geschenk, vielleicht zusammen mit dem Stecknadelfisch, ist eine sehr +geschmackvolle Aufmerksamkeit, die in Jungmädchenkreisen sicherlich +Anklang finden dürfte (Abb. 161). + +Etwas ganz besonders Hübsches ist das +Kinderkleid+ (Abb. 162), das von +jungen Tanten und Patinnen bestimmt in die engere Wahl gestellt werden +wird, auch die „große“ Schwester wird dafür Verwendung finden. + +[Illustration: Abb. 162. Gesticktes Kinderkleidchen, nach einem Entwurf +von Ida Blell, Berlin.] + +Den eigenartigen Schnitt des Leibchens kann man nach der Abbildung +mit Hilfe des Körpermaßes leicht ausprobieren. Die Stickerei, +stilisierte Blätter und Blüten, wird mit geteilter rosa Waschseide fast +durchweg im Linienstich ausgeführt. Man arbeitet dabei immer rings +um eine Musterfigur, ein Blatt oder eine Blume, mit Vorstichen, dann +zurückgehend ebenfalls mit Vorstichen ringsum, indem man jetzt die +rosa Vorstiche auf die Nadel nimmt und die leeren Stellen überspannt. +Das Röckchen ist etwa 180 Zentimeter weit; die Länge kann verschieden +sein. Der Saum ist 3 Zentimeter breit; er wird als Lochsaum mit rosa +Seide ausgenäht. Man kann das Leibchen rückwärts in gleicher Länge +wie an der Seite herumgehen lassen oder auch wie vorn ausschneiden. +Die untere Kante, der obere Ausschnitt und die Ärmel werden mit rosa +Seide umhäkelt, nachdem die Schnittkante 1 Zentimeter breit nach +innen umgebogen wurde. Beim Umhäkeln führt man 2 feste Maschen in dem +gleichen Stich aus und häkelt 1 bis 2 Luftmaschen dazwischen, dann +wieder 1 f. M., 2 Lftm., 1 f. M. Das Röckchen muß selbstverständlich +beim Ausschnitt entsprechend höher heraufgehen; die Falten oben +werden mehrmals fein gezogen, worauf man die obere Kante auf der +Rückseite an die Häkelmaschen annäht. Ein einfaches Spitzchen in +Schiffchenarbeit schließt den oberen Ausschnitt und die Ärmel vorne ab. +Der Halsausschnitt ist mit rosa Band durchzogen. + +Das niedliche +Körbchen+ (Abb. 163) ist ein sogenanntes ++Verlegenheitsgeschenk+, es soll nur eine kleine Aufmerksamkeit +vorstellen. Man wählt ein einfaches, hübsch geformtes Körbchen aus +Weiden oder Span in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen. Ist +es weiß, das heißt naturfarben, so beizt man es mit einer beliebigen +Holzbeize, am feinsten wirkt Grün, Braun oder Hellbraun. Dann reiht +man große, gleichmäßige Glasperlen auf einen starken Faden und +befestigt ihn an der Korbwand, wie wir es auf unserem Bilde sehen. +Diese Perlen sind in zwei Farben gehalten, in Dunkelblau und Gelb, wie +Bernstein getönt; es sind sogenannte böhmische Glasperlen, die sich für +solche Zwecke sehr gut eignen. Solch Körbchen kann man als Näh- oder +Stopfkörbchen herrichten, indem man ein Nadelkissen, einen Stopfer, +am besten auch einen Handschuhstopfer, Garn, Twist, Wolle in den +gebräuchlichsten Farben, einen Fingerhut, vielleicht auch eine Schere +darin verteilt. Es genügt aber, wenn man es als Schlüsselkörbchen +bestimmt und zunächst mit Süßigkeiten füllt. + +[Illustration: Abb. 163. Körbchen aus Span mit Glasperlen.] + +Zum „Füllen“ eignet sich auch die +Spanschachtel mit Handmalerei+, die +als Kragenbehälter sicherlich Gefallen finden dürfte (Abb. 164). Man +bemalt sie mit Temperafarben; der Grund ist Kobaltblau, die großen +Blumen an den Wänden sind abwechselnd feuerrot mit gelber Mitte und +schwefelgelb mit grüner Mitte gehalten. Blätter und Stengel sind +grasgrün. Der Deckel zeigt große Blumen, die dicht nebeneinanderstehen. +Sie sind abwechselnd orange und schwefelgelb, zinnober- und karminrot, +mit abstechender Mitte und Punkten in Grün und Gelb, die Punkte +sollen die Staubgefäße andeuten. Alle Blüten sind schwarz umrandet. +Die Spanschachtel wird stark glänzend lackiert, die Tempera- oder +Guaschfarben, die zum Malen verwendet werden, hält man dickflüssig. +Diese starkgetönte Spanschachtel eignet sich besonders zum Verpacken +von Süßigkeiten, die nach auswärts geschickt werden sollen. Auch zum +Julklapp ist sie gut zu gebrauchen. Man kann eine Menge Kleinigkeiten, +dicht umhüllt, hineinpacken, Strümpfe, Handschuhe, Kragen, +Taschentücher, ein passendes Geschenk für jüngere Herren. + +[Illustration: Abb. 164. Spanschachtel mit Handmalerei. + +Entwurf und Ausführung: Else Levin, Berlin.] + + +57. Weihnachtliches Allerlei + +Zum Weihnachtsfest regen sich die Hände der mehr oder weniger fleißigen +Haustöchter mit besonderem Eifer. Nicht nur die Handarbeiten spielen +schon wochen-, sogar monatelang eine wichtige Rolle im Backfischleben, +es gibt noch mancherlei anderes, was ebenso ernsthaft vorbereitet +werden muß. + +[Illustration: Abb. 165. Christbaumschmuck aus Oblaten.] + +Da ist zum Beispiel der +Schmuck der Weihnachts-+ und -- ein wenig +später -- der +Silvestertafel+. Aber das letztere ist ein Kapitel +für sich. Und der +Christbaum+ und sein +Schmuck+, das ist eigentlich +etwas, was in jeder Familie traditionell behandelt wird. Wo nur +Erwachsene oder Halberwachsene das Weihnachtsfest gemeinsam feiern, +dürfte die Tanne im Schmuck weißer Kerzen, die Zweige mit Engelshaar +verhangen, ohne jede weitere Verzierung, am liebsten gesehen werden. Wo +Kinder unter dem Christbaum stehen, wird man vielleicht etwas weniger +feierlich sein und bunte Lichte, versilberte und vergoldete Nüsse, +Äpfel, Zuckerzeug und Pfefferkuchen an den grünen Zweigen anbringen, +damit es am +Dreikönigstag+ etwas zu „plündern“ gibt. Und wer noch +ein wenig weiter gehen will, der hängt +bunte Weihnachtsbildchen+ und ++Papierketten+ und vor allem recht farbige +Papiernetze+ und +Körbchen+ +an den Christbaum, und in den Netzen und Körbchen schaukeln sich +Pfeffernüsse und kleine Steinpflaster, das übliche Weihnachtsgebäck, +das auch die Großen nicht verschmähen. Ja, man kann solch einen +Christbaum so lieb und lustig ausschmücken, daß ihn die Kinder ihr +ganzes Leben lang nicht vergessen und daß sich in ihrem späten Alter +die Erinnerung an Jugendseligkeit und Kinderglück immer wieder um +den brennenden Lichterbaum drängt. Der Christbaum, strahlend im +Kerzenschein, der Inbegriff aller Seligkeiten! + +Wie leicht ist es, solchen fröhlichen +Christbaumschmuck+ selber +herzustellen; an einem Abend kann man die ganze bunte Herrlichkeit +hervorzaubern. + +Wie macht man ein Netz? Man faltet ein quadratisches Stück +durchgefärbtes, ungummiertes +Buntpapier+ wie ein Taschentuch, dann +nochmals diagonal. Dann schneidet man mit einer scharfen Schere +parallel dem unteren Rand in ganz schmalen Abständen einmal von rechts +und einmal von links bis fast an den gegenüberliegenden Rand. Wenn +man es auseinanderfaltet, durch die äußeren Ränder einen festen Faden +zieht, ist das Netz fertig. Man legt eine bronzierte Nuß, einen kleinen +Pfefferkuchen hinein und hängt das bunte Netz an einen Zweig. + ++Papierketten+, die um den Christbaum geschlungen werden, macht man +aus Papierstreifen; man benutzt dazu durchgefärbtes, ungummiertes +Buntpapier. Es wird 1 Zentimeter breit, 6 Zentimeter lang geschnitten +und zum Ring geklebt. Durch diesen Ring zieht man einen Streifen, klebt +diesen wieder zu einem Ring und so weiter, so lang man die Kette haben +will. Je bunter sie ist, desto hübscher wirkt sie, darum kann jedes +einzelne Kettenglied in einer anderen Farbe gehalten sein. + +Sehr einfach in der Herstellung ist auch der +Christbaumschmuck+ aus ++Oblaten+, den wir in Abb. 165 zeigen. + +Einige Vorsicht ist bei dieser Arbeit indessen notwendig, da +Oblaten leicht zerbrechlich sind. Als Unterlage dient ein farbiges +Kartenblatt. Auf diesem ordnet man die Oblaten zu Figuren, und zwar +nach Belieben in einer oder auch in mehreren Farben. Zum Ausstechen +kann jede scharfrandige Metallhülse dienen, zum Beispiel eine +Bleistifthülse oder eine leere Patrone. Als Klebstoff eignen sich +dickflüssige Zuckerlösung, Gummiarabikum oder Mehlkleister. Die unteren +Scheibchen bleiben, wie sie sind, und werden nur dachziegelartig +übereinandergeschoben. Für die aufgesetzten Sterne teilt man die +Scheibchen mit einem Messer in Hälften beziehungsweise Viertel. Wer +sehr geschickt ist, kann auch die Kartonunterlage weglassen. + +[Illustration: Abb. 166. Weihnachtsleuchter.] + +Nun zur +Weihnachtstafel+, für die ein besonderer Schmuck ausgedacht +werden muß, denn wenn den Kleinen zuliebe vielleicht die feierliche +Note des Festes ein wenig gemildert und zurückgedrängt wird und der ++Tannenbaum+ ein buntes Aussehen bekommt, so muß die +Weihnachtstafel+, +an der die Großen herrschen, desto ruhiger und würdiger geschmückt +werden. Der Christbaum und die aufgebauten Geschenke, all dies soll +den Kindern gehören, die Erwachsenen aber sollen die „Heilige Nacht“ ++feiern+, und darum muß die Weihnachtstafel in Grün und Weiß gehalten +sein, strahlender +Kerzenschein+ und +Tannenzweige+, und dazwischen +flimmerndes +Engelshaar+. + +Wer geschickt ist, kann jeden Leuchter in einen +weihnachtlichen +Kerzenhalter+ umwandeln; wir zeigen auf unserer Abb. 166 solch einen +feierlichen Lichthalter. Ständer und Arme sind dicht mit Tannengrün +umkleidet, Lametta ist darübergelegt, und den Abschluß bilden die +brennenden, dicken weißen Kerzen. Weiße Lichte wirken am schönsten, +es wird wohl niemand auf den Gedanken kommen, dafür +bunte+ Kerzen zu +verwenden; nur echte, gelbliche Wachskerzen kämen dafür in Betracht, +wie sie in der Kirche brennen. + +Ein solch feierlicher Weihnachtsleuchter kann im Ausnahmefall den +Christbaum ersetzen, in manchem Stübchen wird wohl am Heiligen +Abend solch tannenumkränzter Leuchter aufgestellt werden, ein +Weihnachtsleuchter, den ein treues Gedenken für liebe Freunde und +Angehörige festlich geschmückt hat. + +Ähnlich ist der +Tafelschmuck+ auf unserem nächsten Bild (Abb. 167) +gehalten: hier sieht man +kleine Tännchen+ in Blumentöpfen, die mit +dunkelgrünem Kreppapier umhüllt sind. Lametta hängt in den Zweigen und +verdeckt, lang herabhängend, die Töpfe, sie fließt über das Tischtuch +dahin, im Umkreis einen silbernen Schein verbreitend. + +Sehr geschmackvoll ist der +mittlere Tafelschmuck+, etwas +schwieriger als die anderen, aber bei einigem Geschick kann man ihn +sehr schnell, noch in letzter Stunde, herstellen. Es gehört ein +hölzerner +Lichthalter+ dazu, der in den größeren Blumengeschäften +erhältlich ist. Eine Art rundes Tablett auf einem Holzständer, +weiß oder einfarbig grundiert, mit bunten Ornamenten bemalt, meist +Bauernblumen in Rot, Blau, Gelb und Grün, scharf vom Hintergrund +abstechend. Jeder Dorftischler kann diesen +Kerzenhalter+ herstellen, +die Bemalung ist so einfach, daß sie sehr leicht ausgeführt werden +kann. Man verwendet Wasserdeckfarben, die nach dem Auftrocknen mit +Hochglanzlack überstrichen werden. Der fertige +Lichthalter+ wirkt wie +ein Tafelaufsatz; der Fuß wird mit Tannengrün umkleidet, in den Kreis +stellt man die weißen Weihnachtslichte, der Rand ist durch eingebohrte +Löcher dafür vorbereitet. Die Kerzen müssen fest eingesetzt werden, +damit sie nicht umfallen. Zum Schluß stellt man eine hohe Schale in die +Mitte, die mit kleinen roten Weihnachtsäpfeln und Nüssen gefüllt wird. + +[Illustration: Abb. 167. Tafelschmuck: Weihnachtsleuchter zwischen +Weihnachtstännchen.] + +Solch +Weihnachtstafelaufsatz+ ist ein sehr originelles +Weihnachtsgeschenk, das sich besonders für eine Sendung nach auswärts +eignet. Man kann damit seinen Lieben, die den Heiligen Abend nicht im +Elternhause oder im Freundeskreise verleben können, eine große Freude +machen. + +Eine originelle +Weihnachtsampel+ sehen wir auf Abb. 168, einen ++Weihnachtsherzkranz+ mit +Kerze+, +Lametta+ und +Perlenstern+, der +an einer Seidenschleife am besten im Türrahmen angebracht wird. Die +Herzform fertigt man aus sehr starkem Draht an, es gibt auch hölzerne +Formen für diesen Zweck, am sichersten dürften sie in Blumengeschäften +erhältlich sein. Die Form wird mit Tannengrün umkränzt, die weiße Kerze +steht in einem Lichthalter, wie er für den Christbaum verwendet wird. + +Von der inneren Spitze hängt der +Perlenstern+ herab; er besteht aus +Blumendraht und großen länglichen Silberperlen; als Ersatz für diesen +Perlenstern kann ein Weihnachtsstern angebracht werden. Es ist auch +nicht unbedingt notwendig, ein kariertes Seidenband als Anhänger zu +benutzen, ein silbernes Band ist ebenso wirksam, auch ein grasgrünes, +feuerrotes oder tütenblaues Band würde sehr hübsch aussehen, wenn man +es geschickt befestigt. + +[Illustration: Abb. 168. Weihnachtsherzkranz mit Kerze und Perlenstern.] + +Zum +Silvesterabend+ wird man die obenbeschriebenen bunten ++Papierketten+, die farbigen +Papiernetze+ als Tafelschmuck und +Zimmerdekoration benutzen; der +Tafelaufsatz+ mit den Lichten eignet +sich ebenfalls dafür, in diesem Fall kann man bunte Kerzen verwerten. +Was sonst an Tombolageschenken und kleinen Überraschungen, an Masken +und andern Scherzen notwendig erscheint, ist an verschiedenen Stellen +in diesem Buch ausführlich beschrieben worden, eine reiche Auswahl, in +der alle etwas Passendes finden dürften. + + + + +IX. Kapitel + +Handarbeiten für die Reise + + +Eine verregnete Sommerreise ist keine Seltenheit. Man traut sich, +wie es so schön heißt, nicht weit vom Hause fort, man ist froh, wenn +man im Park, im Garten herumsitzen darf, und kann doch schließlich +nicht andauernd „schmökern“. Wenn wir bei Bekannten oder Verwandten +als Besuch unsere Ferien verbringen, bemühen wir uns bei schlechtem +Wetter, im Sommer und im Winter, uns nützlich zu machen und unter +anderm auch mal tüchtig unter den zerrissenen Strümpfen aufzuräumen, +vom Ausbessern der Kleider abgesehen. Aber wenn wir „richtig auf Reisen +gehen“, womöglich in Badeorte mitgenommen werden, dann sind diese +intimen Handarbeiten zwar notwendig, aber nicht für die Öffentlichkeit +bestimmt. Auf einer Promenadebank macht sich eine feine +Stickerei+ +schon besser, und am Strand ist eine hübsche +Häkelarbeit+ nicht zu +verachten. Handarbeiten wirken immer kleidsam in geschickten Händen, +aber gar nicht kleidsam, wenn sie kaum von der Stelle kommen und eher +schwarz als fertig werden. + +Zum +Mitnehmen auf die Reise+ eignen sich heikle Sachen, wie zum +Beispiel helles Tuch oder empfindliche Seide, sowieso nicht; +Ferienarbeiten muß man schnell zusammenrollen und wegpacken können, +sie dürfen nicht viel Platz einnehmen, und schon darum verzichte man +auf große Handarbeiten, auf Decken, Läufer, Kleider und so weiter. +Wie leicht wird man im Sommer von einem Platzregen überrascht! Da muß +die Handarbeit schnell in der Tasche, im Beutel verschwinden, auf ein +paar Kniffe oder Falten darf es dabei nicht ankommen. Eine vornehme +Flügeldecke aus teurem Tuch oder aus schwerem Seidenmaterial ließe sich +solche Behandlung bestimmt nicht bieten. +Häkel-+ und +Strickarbeiten, +Bändchenarbeiten+ oder +Leinenstickereien+ können schon ein paar +Tropfen vertragen, außerdem werden sie, wenn es notwendig ist, leicht +und ohne viel Kosten gewaschen, die chemische Reinigung erübrigt sich +dafür. + +Daß man sich am sandigen Strand nicht ausgerechnet mit Perlarbeiten +beschäftigt, ist selbstverständlich. Batiken und Schnitzereien lasse +man zu Hause, schon der vielen dazugehörigen Werkzeuge wegen, die -- +wenn sie unterwegs beschädigt werden -- nicht überall repariert oder +ersetzt werden können. All dies Handwerkszeug nimmt viel zuviel Platz +im Koffer ein und eignet sich nicht zum Zeitvertreib für die Ferien. + +Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 169 bis 175) verschiedene ++Handarbeiten für die Reise+, die gleichzeitig als „+Mitbringsel+“ +gedacht sind. Es gibt Ferienhandarbeiten, die zum „+Mitbringen+“ +unterwegs angefertigt werden, es gibt andere, die als +Gastgeschenke+, +als Dank für die erwiesene Gastfreundschaft verwendet werden sollen, +und solche, die +auf Vorrat+ angefertigt werden; die letzteren dürften +als +Gelegenheitsgeschenke+ zu Geburtstagen, in größerem Maßstab auch +zu Verlobungen und Hochzeiten und, wenn man „auf lange Sicht“ arbeitet, +zu Weihnachten -- natürlich im selben Jahre -- ihre Bestimmung +erreichen. + +Auf alle Fälle ist es besser, sich mit Material für mehrere +kleine+ +Handarbeiten zu versorgen, falls sich die Zeit dazu findet, als +andauernd an +einer+ Riesenarbeit herumzusticheln. Sehr wichtig ist +auch die Beschaffung der erforderlichen +Reservematerialien+, die +unterwegs oft nur unter viel Schwierigkeiten und mit größeren Kosten +als notwendig herangeschafft werden können. + +Das erste Bild (Abb. 169) zeigt ein +Tellerdeckchen+ in +Rundfilet+, +aus Beyers Mustervorlagen für Handarbeiten, Band 103. Einige Stäbchen +und Nadeln in verschiedener Stärke bilden das Handwerkszeug. + +[Illustration: Abb. 169. Tellerdeckchen in Rundfilet.] + +Zu dem abgebildeten Deckchen ist ein starkes Stäbchen (st. St.) von 7 +Millimeter Breite und eine Nadel (N.) von 2,5 Millimeter Durchmesser +erforderlich. Um letzteren bemessen zu können, sticht man die Nadel +langsam senkrecht in ein Blatt Papier und mißt dann das entstandene +Loch. Mit Häkelgarn Nummer 70 ausgeführt, wird das Deckchen etwa 15 +Zentimeter groß. Man arbeitet in einen Hilfsring über die Nadel in der +1. Runde 18 Knoten (Kn.); die 2. und 3. Rd. wird glatt. 4. Rd. (st. +St.) 4 Kn. in jede Schlinge (Schl.) der vorigen Rd. 5. Rd. (N). In +die Übergangsmaschen der 4. Rd. 1 Kn., * die 3 folgenden Schl. in 1 +Kn. fassen, 1 M. glatt, vom * fortlaufend wiederholen. 6. und 7. Rd. +glatt. 8. Rd. (st. St.). Fortlaufend zwischen zwei Gruppen der 5. Rd. +zweimal je 5 Kn. (das ist 1 M.) in 1 Schl., 2 M. glatt. 9. Rd. * Beide +Mu.-Teile in 1 Kn. fassen, 1 M. glatt; für den Anfang des Fächers 9 +Kn. in die nächste Schl., 1 M. glatt, * fortlaufend wiederholen. 10. +Rd. (st. St.) * In die inneren 8 Schl. des Fächerteiles je 2 Kn., 4 +M. glatt * fortlaufend wiederholen. 11. und 12. Rd. glatt. 13. Rd. +Die Maschen über den Mu. der 9. Rd. übergehen, sonst fortlaufend +abwechselnd 4 Schl. in 1 Kn. fassen und 1 Schl. auslassen, wie aus +der Abbildung zu ersehen ist. Die Maschen des inneren Rings werden +zusammengezogen und die Fäden verknotet. + +Die zweite Vorlage (Abb. 170) stellt einige übereinanderliegende ++Wäschestücke+ dar, die in +Ausschnittechnik+ ausgeführt werden, +typische +Verlobungs-+ und +Hochzeitsgeschenke+, die verhältnismäßig +weniger Arbeit machen, als man denkt, wenn man die großzügigen Muster +sieht. Solche Arbeiten eignen sich sehr für Ferienbesuche, nicht so +sehr für „unterwegs“, trotzdem sie mancherlei aushalten können, da sie +schließlich, wenn die Stickerei fertig ist, doch „auf neu“ gewaschen +werden. Zunächst sind unsere Muster für +Kopf+- und +Paradekissen+, ++Überschlaglaken+ und +Bettdecken+ gedacht, sie kommen aber auch +für vornehme +Kaffeedecken+, für +Hemdeneinsätze+, +Vorhänge+ und ++Tischläufer+ in Betracht. + +Die Ausführung der Arbeit dürfte allgemein bekannt sein. Alle Umrisse +werden mit Vorstichen von mittelstarker Baumwolle umzogen und dabei +die Stäbchen ausgeführt, welche die gestickten Figuren verbinden. Sie +werden nach dem Spannen entweder nur einfach mehrmals übernäht, daß +sie wie ein gedrehtes Schnürchen aussehen, oder mehrmals gespannt +und überbogt. Alle Umrisse werden gleichmäßig überbogt, auch die +begrenzenden Ränder des Grundstoffes. Erfahrene Stickerinnen schneiden +die Stickerei erst aus, wenn sie gewaschen ist. + +Sehr fein wirkt unsere nächste Vorlage, der +Einsatz in genähter +Bändchenarbeit+ (Abb. 171). + +Er ist für +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ ein reizender Schmuck, +der sich leicht nacharbeiten läßt. Die Muster zur Bändchenarbeit +werden auf einfarbigen Kattun gepaust, mit Tinte ausgezeichnet, gut +getrocknet und abgerieben, damit die Zeichnung nicht abfärbt; dann kann +man mit dem Aufreihen der Bändchen beginnen. Unsere Vorlage erfordert +eine kleine Ergänzung beim Aufzeichnen, ehe das Muster fortgesetzt +werden kann. Links muß der Bogen, der in die drei Blättchen endigt, +vervollständigt werden, darüber wird man die Spitze des Blättchens +noch weiter auszeichnen und dem Muster rechts anfügen. Die füllenden +Spitzenstiche werden gespannt und übernäht. + +[Illustration: Abb. 170. Ausschnittstickerei. + +Entwurf und Ausführung: Anna Schmücker, Steglitz.] + +Eine praktische Arbeit „für unterwegs“ ist die hübsche +Buchhülle+ +aus der Werkstatt der Berliner Kunstgewerblerin +Käthe Ruppel+ (Abb. +172). Sie unterscheidet sich vorteilhaft von dem leider wieder +überhandnehmenden Krimskrams, für den noch immer, oder besser schon +wieder, viel Geld und Zeit verschleudert wird. + +[Illustration: Abb. 171. Einsatz in genähter Bändchenarbeit. Von Rosa +Piltz, Berlin.] + +Auf dem starken Leinenstoff steht das Muster, zwei farbige, große +Vögel, sehr wirkungsvoll. Die Linien sind stark vereinfacht, es sind +nur wenig Farben für das Ornament verwendet worden. Die Muster sind in +Flach-, Punkt- und Kettenstich gestickt; es sieht aus, als ob die Vögel +auf stilisierten Zweigen stünden. + +Eine echte, rechte +Reisehandarbeit+ ist die +breite Strickspitze+, +die man für +Vorhänge+, +Bettdecken+, +Kaffeedecken+, vielleicht auch +für +Scheibengardinen+, auf alle Fälle sehr vielseitig verwenden kann. +Unser Modell (Abb. 173) ist mit starkem Garn gestrickt, es kann aber +auch, je nachdem es angewendet werden soll, in feinem und feinstem Garn +ausgeführt werden. Wird solche Arbeit unterwegs „grau“, so schadet das +nichts, gewaschen und gespannt wirkt sie wieder wie neu. Man kann sie +fest zusammendrücken, man kann die Arbeit immer wieder unterbrechen und +anfangen, wann sich die Gelegenheit bietet, und es gehört sehr wenig +Handwerkszeug dazu. + +Die Spitze, nach einem alten Muster mit nicht zu feinen Nadeln und +weißer Baumwolle Nummer 7 gestrickt, kann, aus sehr feinem Garn +hergestellt, auch zur Verzierung von Kragen und dergleichen benutzt +werden. + +[Illustration: Abb. 172. Bestickte Buchhülle aus Leinenstoff. + +Entwurf und Ausführung: Käthe Ruppel, Berlin.] + +Auf einem Anschlag von 48 Maschen strickt man zuerst 1 Reihe rechts. +Dann beginnt das Muster. Abkürzungen: abh. = abheben, r. = rechts, l. = +links, aufschl. = aufschlagen, abg. = abgenommen, vorw. abg. = vorwärts +abgenommen. Dabei faßt man die nächste Masche nach dem Aufschlagen +so, als wollte man sie rechts abstricken, hebt sie von der Nadel und +strickt die folgende M. rechts; dann wird die abgehobene M. über die M. +rechts gezogen. + +Erste Reihe: 1 abh., 9 r., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1 +vorw. abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1 abh., 1 abg., die +abgehobene M. über die abgenommene M. ziehen, 1 aufschl., 1 abg., 1 +aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1 +abg., zweimal aufschl., 3 M. r. zusammengestrickt, 2 aufschl., 1 abg., +2 aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., +dann 1 aufschl., 2 r. Zweite Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 1 l., zweimal 2 +r., 1 l., dann 2 r., 7 l., 3 r., 7 l., 9 r. Dritte Reihe: 1 abh., 7 r., +1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., viermal 1 +aufschl., 1 vorw. abg., dann 10 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., +zuletzt 1 r. Vierte Reihe: 1 abh., 9 l., 10 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r. +Fünfte Reihe: 1 abh., 6 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 +aufschl., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal +aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1 +abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechste Reihe: 1 abh., 9 +l., 3 r., 1 l.,2 r., 1 l.,2 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Siebente Reihe: +1 abh., 5 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 7 +r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r.; 1 abg., viermal 1 +aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Achte Reihe: 1 abh., 9 l., 7 r., 7 l., 9 +r., 7 l., 6 r. Neunte Reihe: 1 abh., 4 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., +1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann +5 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zehnte Reihe: 1 +abh., 9 l., 5 r., 7 l., 11 r., 7 l., 5 r. Elfte Reihe: 1 abh., 3 r., +1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg., +zweimal aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., +2 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., viermal 1 +aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zwölfte Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 7 l., +5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 4 r. Dreizehnte Reihe: 1 abh., 2 +r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 13 r., viermal +1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 +abg., zuletzt 1 r. Vierzehnte Reihe: 1 abh., 9 l., 1 r., 7 l., 15 r., 7 +l., 3 r. Fünfzehnte Reihe: 1 abh., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 +abg., dann 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1 abg., zweimal aufschl., +3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., zweimal aufschl., 1 +abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., +1 abh., 1 abg., die abgehobene Masche über die abgenommene M. ziehen, +viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechzehnte Reihe: 1 abh., 7 +l., 3 r., 7 l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 8 l., 3 r. +Siebzehnte Reihe: 1 abh., 3 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., 10 +r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., dreimal +1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Achtzehnte Reihe: 1 +abh., 7 l., 5 r., 7 l., 10 r., 7 l., 5 r. Neunzehnte Reihe: 1 abh., 4 +r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal aufschl., 3 +r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal +1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 5 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. +abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 7 r., 7 +l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 7 l., 6 r. Einundzwanzigste Reihe: +1 abh., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r., 1 abg., +dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl.,7 r., dreimal 1 aufschl., +1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zweiundzwanzigste Reihe: 1 abh., +7 l., 9 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Dreiundzwanzigste Reihe: 1 abh., +6 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 5 r., 1 abg., dreimal 1 +aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. +abg., dann 1 aufschl., 2 r. Vierundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., +11 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r. Fünfundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 +r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., dreimal 1 +aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg., zweimal aufschl., +3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 2 r., dreimal 1 +aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Sechsundzwanzigste +Reihe: 1 abh., 7 l., 5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 3 r., 7 l., +9 r. Siebenundzwanzigste Reihe: 1 abh., 8 r., viermal 1 aufschl., 1 +vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 +aufschl., 13 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 +r. Achtundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 15 r., 7 l., 1 r., 7 l., 10 r. + +[Illustration: Abb. 173. Gestrickte Spitze.] + +[Illustration: Abb. 174. Teil einer Blusenstickerei in „Ajour“ +(ruthenisch).] + +[Illustration: Abb. 175. Allerlei Körbchen. + +Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger, München.] + +Wer sehr geschickt ist und sich selber Blusen und Kleider nähen +oder ausschmücken kann, wird an dem Teil einer +Blusenstickerei+ in +„+Ajour+“ (ruthenisch) viel Freude haben. Unsere Abb. 174 zeigt einen +sehr reizvollen +Zwischensatz+, der sich für leichte +Kleidung+ aus +Voile, besonders für +Blusen+ und +Kleider+ besonders gut eignet. Wir +sehen auf dem Muster eine zierliche +Durchbrucharbeit+, von feiner +Filet- und Ajourstickerei unterbrochen, auf Krepp gearbeitet, eine +Vorlage, die auch für vornehme +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ in +Betracht kommt. + +Als letzte Anregung, wieder für Logierbesuch geeignet, bringen wir +in Abbildung 175 reizende +Körbchen+, die als +Flick-+, +Näh-+, ++Schlüssel-+ und +Löffelkörbchen+ gedacht sind. Sie stammen aus den +Werkstätten der bekannten Kunstgewerblerin +Emilie Krüger+, München, +und sind sehr originell teils mit großen +Glasperlen+, teils mit bunt ++gehäkelten aufgenähten Wollblumen+ verziert. Dieser Schmuck ist es, +der ohne viel Mühe selber gearbeitet werden kann; die Körbchen sind +bei der Künstlerin erhältlich. Man kann auch +Glasschalen+ in die +hübschen Körbe stellen, dann kann man sie als +Blumen-+, +Obst-+ und ++Kuchenbehälter+ vielseitig verwenden, umso eher, als diese feinen +Korbarbeiten gerade in den letzten Jahren wieder sehr in Mode gekommen +sind. Da es sich um deutsches Material handelt, sollte diese vornehme +Korbarbeit besonders gern gewählt werden; sie ist nicht nur für das +Jungmädchenzimmer allein, sondern auch für die Wohnstube, die Diele und +das Schlafzimmer ein vornehmer Schmuck; hier handelt es sich nicht um +überflüssige Luxus-, sondern um brauchbare Gegenstände, die, von langer +Dauer, immer wieder zu praktischen Zwecken ausgenutzt werden können. + + + + +~UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT IN STUTTGART~ + + +Naturwissenschaftliche Jugendbücher + +des Union-Verlags + + +Monatsausflüge mit einem Tierkundigen + +Von =Dr. Curt Floericke= + + 1. Band: +Die Monate Januar bis Mai.+ Mit 84 Abbildungen. + + 2. Band: +Die Monate Juni bis Dezember.+ Mit 85 Abbildungen. + Jeder Band in Ganzleinen gebunden Rm. 4.-- + + +Botanische Streifzüge in Haus, Hof und Garten + +Von =Dr. Georg Schlenker= + +Mit 96 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.-- + ++Inhalt+: Botanische Streifzüge im und am Hause -- Zimmer- und +Aquarienpflanzen -- Blumen vor dem Fenster -- Pflanzen am Hause +-- Kübelpflanzen am Hause -- Pflanzen auf dem Dache -- Botanische +Streifzüge auf dem Hofe, der Hofmauer und im Garten + + +Botanische Streifzüge in Feld und Wald + +Von =Dr. Georg Schlenker= + +Mit 99 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.-- + ++Inhalt+: Landstraße mit Bäumen -- Wiese -- Weiden und Grasplätze +-- Wege, unbebaute Schuttplätze -- Äcker, Weinberge, Ödflächen, +Feldraine und Gebüsche -- Der Wald + + +Geologische Streifzüge + +Von =Dr. Hans Wohlbold= + +Mit 66 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.-- + ++Inhalt+: Im Torfmoor -- Im Steinkohlenwald -- Eine Reise durch +die Vergangenheit -- Vom Winde und vom Wasser -- Das Meer -- Die +Gewalten der Tiefe -- Die Neuzeit der Erde und der Urmensch + + +Ausführlicher Prospekt über die Sammlung kostenfrei + + +~ZU HABEN IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN~ + + + + +~UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT IN STUTTGART~ + + +Neue Mädchenbücher beliebter Autorinnen + + +Wiltruds Werdegang + +Erzählung für junge Mädchen. Von =Berta Clement=. Mit 26 Bildern +von H. R. Pfeiffer. In Ganzleinenband Rm. 5.50 + +Diese Geschichte erzählt von einem musikalisch hochbegabten Mädchen, +dessen größte Sehnsucht es ist, als Sängerin ausgebildet zu werden. +Ihre Entwicklung im Zusammenleben mit lieben Freundinnen wird in +frischer, fesselnder Weise und in reich bewegter, spannender Handlung +geschildert. (Rheinischer Kurier, Duisburg) + + +Barbaras Probezeit + +Eine Erzählung von =Hildegard Mohr= + +Mit 10 Bildern von Lutz Ehrenberger. In Ganzleinenband Rm. 6.50 + +Kinostern möchte die junge Barbara gern werden. Wie sie der Vater von +dieser überspannten Idee heilt, das bildet den Hauptinhalt dieser flott +und frisch erzählten Geschichte, die als äußerst zeitgemäß unsere +Mädchen anziehen und gut unterhalten wird, vielleicht auch manchen, +die gern unerreichbare Luftschlösser bauen oder ähnliche Träume hegen, +besonders nützlich sein mag. + + +Kleinode deutscher Mädchenerzählungen + + +Ein Sonnenjahr + +Eine Erzählung von =Etta Federn-Kohlhaas=. In Ganzleinenband Rm. +4.50 + +Die beliebte Verfasserin einer ganzen Reihe von Dichterbildnissen hat +hier ein Jahr aus dem Leben eines Mädchens von heute geschildert. +Die Heldin wird aus dem Rahmen der Häuslichkeit über den Weg des +Universitätsstudiums zu den Höhen der Kunst geführt, wo sie Sinn und +Trost ihres Lebens findet. Ein nachdenkliches, anregendes Buch. + + +Mein Frühling bist du --! + +Eine Erzählung von =Else von Steinkeller=. In Ganzleinenband Rm. +4.50 + +Eine Frühlingsmelodie klingt durch das anmutige Jugendbuch. +Frühlingsglanz durchleuchtet die Umwelt, in der sich die +Liebeskonflikte der jungen Menschen in lebendigen Szenen und harmlos +ergötzlichen Abenteuern abspielen. Aber auch ein ernster Konflikt +erhöht den Reiz der Erzählung. Es ist ein Buch voll Fröhlichkeit und +Innigkeit, ganz besonders geeignet, junge Mädchenseelen zu erfreuen. + +Hannoverscher Anzeiger. + + +Der Gläserne Berg + +Ein Buch von jungen Herzen. Von =Lotte Gumtau=. Gebunden Rm. 3.50 + +Allerlei von Sehnsucht und Ereignissen und Liebe junger Herzen enthält +dieses nachdenkliche, von stiller Kraft des Fühlens durchglühte Buch; +möge es die Herzen finden, in denen sein Klang widerhallt. + + +~ZU HABEN IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN~ + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 76239 *** |
