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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-06-08 02:21:05 -0700
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--- /dev/null
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@@ -0,0 +1,6872 @@
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 76239 ***
+
+
+ ####################################################################
+
+ Anmerkungen zur Transkription
+
+ Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1927 so weit
+ wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Offensichtliche Fehler
+ wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht mehr
+ verwendete Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original unverändert.
+
+ Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere
+ Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der folgenden
+ Symbole gekennzeichnet:
+
+ fett: =Gleichheitszeichen=
+ gesperrt: +Pluszeichen+
+ Antiqua: ~Tilden~
+
+ ####################################################################
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+
+
+
+ Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen
+
+
+
+
+ Handfertigkeitsbuch für
+ junge Mädchen
+
+ Eine Anleitung für geschickte Mädchenhände
+ zur Anfertigung von Web- und Stickarbeiten, Malereien
+ und allerlei Handfertigkeiten
+ herausgegeben von der Redaktion des „Kränzchens“
+
+ Bearbeitet von
+
+ +Else Pauli+
+
+ +Mit 175 Abbildungen+
+
+ [Illustration]
+
+ Union Deutsche Verlagsgesellschaft Stuttgart, Berlin, Leipzig
+
+
+
+
+ Zweite Auflage
+
+ Nachdruck verboten / Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung,
+ vorbehalten / Druck der Union Deutsche Verlagsgesellschaft in
+ Stuttgart
+
+
+
+
+Inhalt
+
+
+ Vorwort 1
+
+
+ I. Kapitel: Web- und Stickarbeiten 9
+
+ 1. Die Maske 9
+
+ 2. Handwebereien 10
+
+ 3. Buntstickereien 13
+
+ 4. Das handbestickte Kleidungsstück 17
+
+ 5. Kreuzsticharbeiten 19
+
+ 6. Monogramme und Buchstaben 27
+
+ 7. Häkeleien verschiedener Art 31
+
+ 8. Künstlerische Blumen 38
+
+ 9. Teepuppen 44
+
+ 10. Nadelmärchen 51
+
+ 11. Kissen aus bunten Wollresten 55
+
+ 12. Körbchen mit duftenden Rosen 56
+
+ 13. Wollpüppchen 61
+
+ 14. Die Zupfpuppe 64
+
+ 15. Lochstickerei 67
+
+ 16. Tülldecken 70
+
+ 17. Gabelspitzen mit Häkelei 73
+
+
+ II. Kapitel: Malerei 78
+
+ 18. Stoffmalerei 78
+
+ 19. Malerei auf Ton 81
+
+ 20. Holzmalerei 87
+
+ 21. Porzellanmalerei 94
+
+ 22. Malerei mit Emailfarben 100
+
+ 23. Osterkarten mit Malerei 102
+
+
+ III. Kapitel: Handfertigkeiten 105
+
+ 24. Linoleumschnitt 105
+
+ 25. Ausschneidetechnik 108
+
+ 26. Teller und Schalen aus Luftschlangen 113
+
+ 27. Bast- und Stroharbeiten 115
+
+ 28. Untersetzer mit gepreßten Blumen 121
+
+ 29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik 124
+
+ 30. Perlarbeiten 126
+
+
+ IV. Kapitel: Laubsägearbeiten 137
+
+ 31. Puppenstube 137
+
+ 32. Fensterbild 143
+
+ 33. Handgearbeiteter Lampenschirm 146
+
+
+ V. Kapitel: Bastelarbeiten 151
+
+ 34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn) 151
+
+ 35. Knebelpuppen 155
+
+ 36. Kreisel 157
+
+ 37. Holztiere 158
+
+ 38. Holzbasteleien 166
+
+ ~a~) Geburtstagsleuchter 166
+
+ ~b~) Sparbüchse 168
+
+ ~c~) Brieföffner 170
+
+ 39. Hampelmann 171
+
+ 40. Flaschenkork 172
+
+
+ VI. Kapitel: Papp- und Papierarbeiten 174
+
+ 41. Allerlei Spiele 174
+
+ 42. Geduldspiele 181
+
+ 43. Feine Buntpapierarbeiten 181
+
+ 44. Behälter aus Kartonpapier 185
+
+ 45. Schmuckpapier 188
+
+ 46. Lampenschirme aus Papier 195
+
+ 47. Bemalte Deckchen und Papierservietten 197
+
+ 48. Papierpuppen 200
+
+
+ VII. Kapitel: Buntes Allerlei 202
+
+ 49. Bildstickereien 202
+
+ 50. Pinseldruck 204
+
+ 51. Schattenrisse 206
+
+ 52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug 209
+
+ 53. Schattenspiele 211
+
+ 54. Bilderbuch von eigener Hand 212
+
+ 55. Purzelmann 214
+
+
+ VIII. Kapitel: Weihnachtsarbeiten 215
+
+ 56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch 215
+
+ 57. Weihnachtliches Allerlei 228
+
+
+ IX. Kapitel: Handarbeiten für die Reise 235
+
+
+
+
+Vorwort
+
+Liebe Leserinnen!
+
+
+Als ich ein kleines Mädchen war, wollte ich eines Tages Ölbilder
+malen. Ich hatte von berühmten Ölbildern gehört und erkundigte mich,
+„was man dazu braucht“. Nun nahm ich eine große Gänsefeder und tauchte
+sie in das Öl der Nachtlampe, die in Großmamas Zimmer von abends bis
+morgens brannte, dann malte ich los. Zunächst kamen die blaugetünchten
+Wände des „großen Hausflurs“ an die Reihe, und wenn ich nicht daran
+gehindert worden wäre, hätte ich nach und nach sämtliche Flächen, die
+mir in dem alten Hause zur Verfügung standen, mit meinen phantastischen
+Ornamenten bedeckt. So verstand ich die Ölmalerei. Später hatte ich
+noch oft Gelegenheit, allerlei Fehlgriffe zu machen, wenn ich meinem
+Vergnügen, zu basteln und zu pinseln, nachgehen wollte und so gar keine
+Anregung und noch weniger eine Anleitung bekam; denn in der kleinen
+Stadt im Osten gab es für derartige Betätigungen kein Verständnis.
+Später bin ich dann zum Kunstgewerbe gekommen, und noch heute tun mir
+alle die Mädel leid, die Geschick zum Basteln und Pinseln haben und
+denen, besonders in kleinen Städten und auf dem Lande, die Möglichkeit
+fehlt, sich vernünftig belehren zu lassen. Dadurch verlieren sie viel
+Zeit und schließlich vielleicht auch die Lust; denn es ist keine reine
+Freude, immer wieder von vorn anfangen zu müssen, wenn man etwas
+falsch gemacht hat. Und dann besteht die Gefahr, daß die ganze Sache
+in einen lächerlichen Dilettantismus ausartet, daß junge, moderne
+Mädchen alte, längst überholte Techniken ausüben, ebenso überholte
+Muster gedankenlos nacharbeiten und ihre Zeit mit unnützen Spielereien
+vertrödeln, anstatt mit einfachen Mitteln etwas Brauchbares zu
+schaffen, was ihnen Spaß macht, geschmackvoll aussieht und nützlich
+ist. Es gibt ja so viel Kleinkunstgewerbe, das mit Geduld und
+Geschick -- ich sage absichtlich nicht Talent -- und verhältnismäßig
+geringen Ausgaben hergestellt werden kann, und man muß ja auch nicht
++alles+ können.
+
+Es ist nur nötig, sich klarzumachen, was man will; ein kleiner
+Gegenstand, gut und sauber ausgeführt, brauchbar und für die Person
+geeignet, für die er bestimmt ist, ist viel, viel wertvoller als eine
+große, unnütze Gabe. Der materielle Wert spielt bei allen diesen Dingen
+eine unbedeutende Rolle. Junge Mädchen sollen keine Kostbarkeiten
+verschenken, und schließlich ist es doch so, daß fast alles, was von
+euch hergestellt wird, mehr oder weniger für Geschenke verwendet werden
+soll, wenn ihr es nicht gerade für euren Privatgebrauch arbeitet, in
+diesem Fall darf es erst recht nicht viel kosten. Aber, was ihr euch
+auch vornehmt, auf eins müßt ihr unbedingt achten, das ist +gutes
+Material+ und +gutes Handwerkszeug+. Ihr könnt machen, was ihr wollt,
+wenn diese Dinge nichts taugen, ist es schade um Zeit und Mühe. Ich
+will euch in diesem Buch keinen Unterricht erteilen, ich kann euch nur
+einige Anregungen geben; ich will ganz zwanglos mit euch plaudern und
+euch auf mancherlei aufmerksam machen, was ihr vielleicht nicht kennt
+und was leicht herzustellen ist, wenn es euch Freude macht.
+
+Ihr, die ihr vielleicht wenig oder gar keine Gelegenheit habt, hübsche
+und dabei einfache Dinge zu sehen, die ihr nacharbeiten könnt, an euch
+wende ich mich besonders. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, wie das
+ist, wenn man zum Beispiel vor einem Schreibwarengeschäft steht und
+im Schaufenster Tischkarten mit bunten Blümchen ausliegen sieht. Man
+pinselt selber ganz nett, da möchte man doch zu gern wissen, wie man,
+wenn auch nicht ganz dasselbe, aber doch etwas Ähnliches machen kann.
+
+Aber ihr modernen Mädchen, ihr habt es doch viel besser; ihr habt in
+der Schule allerlei Stunden, in denen ihr Handfertigkeiten lernt, und
+für euch sind doch die ungesunden Benzinbrandmalereien und ähnliche
+Kulturgreuel ein überwundener Standpunkt. Oder brennt +ihr+ etwa doch
+noch Blumen und Tiere, Sprüche und Ornamente in weißes Lindenholz? Das
+laßt lieber bleiben, und wenn ihr solch Hausgreuel besitzt, dann seht
+es euch genau an, als abschreckendes Beispiel.
+
+Ein +Schlüsselbrett+ zum Beispiel kann man mit einer Holzbeize glatt
+anstreichen, dann sieht es manierlich aus; dasselbe Mittel eignet
+sich für +Truhen+, +Kasten+, +Kästchen+, +Bilderrahmen+ und so
+weiter. „Haussegen“ habe ich abhobeln lassen, die Bretter wurden für
+Schrankfächer verwendet, da sind sie nützlicher, als wenn sie über
+der Tür hängen und sich mit ihren Sprüchen wichtig tun. Also, solch
+„Kunstgewerbe“ treibt lieber nicht, aber wenn ihr eine +Briefmappe+
+selber kleistern wollt oder einen +Bucheinband+, dann will ich euch
+gern helfen.
+
+Ihr habt doch sicher alle eine kleine Bibliothek, ich kann sie mir ganz
+gut vorstellen; da wird manch ein Buch ein Röckchen brauchen, und die
+vielen Ansichtskarten und all die „Erinnerungen“ an die Tanzstunde, die
+müssen doch unbedingt in eine anständige Mappe hinein, vom „Tagebuch“
+gar nicht zu reden. Ich habe mir mein Tagebuch auch allein gemacht,
+als ich ein Backfisch war. Da nahm ich ein ganz dickes Diarium ohne
+Linien, band es sehr fein in mattes Glanzleinen, auf der Vorderseite
+brachte ich ein kupfernes Schild an, das ich von meiner abgenutzten
+Klaviermappe abtrennte, und dann kam als Hauptsache der Verschluß.
+Ich befestigte eine kleine Schließe mit einem alten Messingschloß
+an den Deckeln, ein Schlüsselchen gehörte dazu. Da dieser Verschluß
+aber den Nachteil hatte, daß man von oben und von unten in das Buch
+hineinsehen konnte, klebte ich aus einem blauen, festen Heftdeckel
+drei Überschlagseiten ein, so daß der Buchinhalt fest darin lag, wie
+in einer Mappe, man konnte nicht mehr oben und unten hineinsehen
+und darin herumlesen. Jetzt habt ihr das Rezept, wie man selber ein
+Tagebuch macht, aber nun hört weiter: Das alte Messingschloß, dieser
+Fund aus der Bodenkammer, wurde gerade an dem Tage morsch, als ich
+meinen Tanzstundenball beschrieben hatte; das Schlüsselchen brach
+ab, blieb stecken, und ich mußte mit meinem Tagebuch in die einzige
+Eisenhandlung der kleinen Heimatstadt wandern, in welcher der Freund
+meines „Schwarms“ beschäftigt war. Ihr könnt euch nicht denken, wie
+aufgeregt ich war, als ich ihm mein treubehütetes Tagebuch über den
+Ladentisch hinüberreichen mußte, als er das Schloß untersuchte, es mit
+der Zange aufknipste und schließlich ein neues Schlößchen anbrachte.
+Also, liebe Leserinnen, nehmt keine alten Schlösser mit rostigen
+Schlüsseln, dann braucht ihr keine Angst zu haben.
+
+Aber wißt ihr, was immer hübsch wird, wenig oder nichts kostet und
+viel Spaß macht? Das ist buntes +Spielzeug+; dafür gibt es allerlei
+Techniken, manches eignet sich auch zum +Tafelschmuck+, als +Damen+-
+und +Herrenspende+, vielleicht auch für +Lotterien+, aber hauptsächlich
+ist es für die kleinen Geschwister gedacht, die haben die größte Freude
+daran. Dafür will ich euch mancherlei Vorschläge machen. Ich bin auch
+sehr für die lustigen +Perlarbeiten+, die +Untersetzer+ aus farbigen
+Glasperlen, die so sehr praktisch sind, weil man heiße Schüsseln darauf
+stellen kann und mit ihrer Hilfe das Tischzeug und die Tischplatte
+schont.
+
+Wenn ihr euch einen einfachen +Webeapparat+ wünschen dürft, dann
+tut es; ihr wißt es vielleicht gar nicht, wie hübsch die bunten
+handgewebten +Gürtel+, +Hutbänder+, +Lautenbänder+, +Kleiderbesätze+,
++Täschchen+ und dergleichen wirken, und außerdem sind sie ganz
+besonders kleidsam.
+
+Wer ein wenig Geschick zum +Laubsägen+ hat, wird auf diesem Gebiet
+oft in Anspruch genommen werden. Früher war das eine ausgesprochene
+Knabenarbeit, aber die Mädchen von heute haben sportgeübte Arme
+und feste Hände, da macht ihnen das Sägen keine Beschwerde. In der
+Häuslichkeit findet sich oft Gelegenheit, sein Können zu zeigen;
+meist kommt es dabei mehr auf die Geschicklichkeit an. Ich sah
++Hausapotheken+ aus großen Zigarrenkisten, die sehr brauchbar waren und
+recht gut aussahen, und mancherlei +Spielzeug+, +Schlüsselbretter+,
++Brieföffner+ und dergleichen mehr, die handwerklich mustergültig waren.
+
+Von den neuen Techniken hat die +Ausschneidearbeit+ viel Freunde
+gefunden. Da gibt es mancherlei Arten: am einfachsten ist das
+Ausschneiden aus zusammengefaltetem Papier; man kann, wenn man
+Geschmack und Phantasie hat, vielfache hübsche Muster entstehen
+lassen und auf diese unterhaltende Weise reizende Tortenblätter und
+Papierservietten anfertigen, die viel, viel hübscher sind als die
+„gekauften“, schon weil sie eben gar nicht im Dutzend gekauft werden
+können. Das ist ja eben der Reiz solcher Handarbeit, daß sie nicht
+überall und immer wieder erhältlich ist; das werdet ihr längst gemerkt
+haben. Aber seid deshalb nur nicht gar zu eitel auf euer Machwerk, wenn
+euch einmal etwas ganz besonders gut gelungen ist, denn ihr könnt euch
+darauf verlassen, es ist wie im Märchen von Schneewittchen; hinter den
+Bergen, bei den sieben Zwergen, gibt es immer jemand und etwas, was
+viel, viel tausendmal schöner ist.
+
+Wer einen eigenartigen Zimmerschmuck braucht, den möchte ich an die
++Lampenschirme+ erinnern. Für euern persönlichen Gebrauch kommen ja
+vor allem die +Papierlampenschirme+ in Betracht, die passen am besten
+in euer Stübchen. Der +seidene+ Schirm wirkt anspruchsvoller; wenn ihr
+aber Gelegenheit habt, die Herstellungsart zu erlernen, laßt sie euch
+nicht entgehen, ihr habt gewiß einmal Veranlassung, Verlobungs- und
+Hochzeitsgeschenke zu machen, da ist solch ein Lampenschirm ein sehr
+geschätzter Gegenstand, besonders wenn ihr nicht auf Überraschungen
+ausgeht, sondern euch rechtzeitig genau erkundigt, welche Größe, Farbe,
+Technik erwünscht ist, sonst könnt ihr mit eurer Überraschung allerlei
+erleben.
+
+Viele von euch werden den +Linoleumdruck+ nicht kennen. Ich will
+euch auch darüber einige Winke und Anleitungen geben, denn diese
+Technik eignet sich nicht nur für Wandschmuck, sondern auch für
++Kalenderrückwände+, +Glückwunsch+- und +Tischkarten+, erfordert
+indessen ganz besonderes Zeichentalent. Wer das nicht besitzt, braucht
+trotzdem nicht zu weinen, es gibt ja so viel anderes, was sich mit
+einigem guten Willen erlernen läßt.
+
+Da sind zum Beispiel die +Buchstaben+ und +Monogramme+, die nicht
+nur, wie üblich, zum Wäschezeichnen zu verwenden sind. Ihr könnt
+euch mit solchen Zeichnungen sehr feine und originelle +Exlibris+
+herstellen; die eignen sich, in entsprechender Größe, zum Schmuck
+für Briefpapier und Karten. Ihr könnt sie bunt in feiner Seide und
+in farbigen Perlen sticken und damit +Handtäschchen+, +Briefmappen+,
++Besuchskartentäschchen+, +Kassetten+ und ähnliches verzieren, es kommt
+nur darauf an, daß ihr die richtige Form für die einzelnen Gegenstände
+findet.
+
+Wer +Gesellschaftsspiele+ selber herstellen kann, macht sich bei alt
+und jung beliebt, denn moderne und eigenartige Spiele sind nicht
+billig. Wenn man sie selber herstellt, kann man sie viel unterhaltender
+machen, als die gekauften, denen doch immer die persönliche Note fehlt.
+Hier kommt es wieder auf den Farben- und Formensinn an.
+
+Wer pinsel- und farbenfroh gestimmt ist, hat mancherlei Aussichten,
+sich mehr oder weniger nützlich zu machen. Die +Tonmalerei+ ist sehr
+unterhaltend; man kann mit starken, ungebrochenen Tönen, am besten
+ohne Vorzeichnung, aus freier Hand +Blumentöpfe+ und +Schalen+ recht
+flott bemalen, sie sollen die wenig geschmackvollen Papierhüllen für
+Blumentöpfe ersetzen; wenn sie vorsichtig behandelt werden, halten
+sie sich recht gut und lange, und wenn sie schließlich unansehnlich
+geworden sind, lassen sie sich ohne viel Kosten wieder ersetzen.
+
+Sehr ähnlich ist die +Malerei+ auf +Holz+ und +Span+; da gibt es
++Körbchen+, +Dosen+, +Schachteln+, +Untersetzer+ und ähnliche
+praktische Gegenstände, die im Haushalt immer Verwendung finden und
+denen ein buntes Ornament recht gut steht.
+
+Schwieriger ist die +Porzellanmalerei+, weil hier das Brennen der
+einzelnen Stücke hinzukommt, das wieder eine besondere Kenntnis der
+Farben und ihrer Wirkung nach dem Brennen voraussetzt. Da man indessen
+auf diesem Gebiet viel Brauchbares leisten kann, solltet ihr es
+nicht versäumen, die +Porzellanmalerei+ zu erlernen, falls euch die
+Gelegenheit hierzu geboten wird; ihr werdet sicherlich klug genug sein,
+keine kostspieligen Arbeiten anzufangen, solange euch die nötige Übung
+fehlt.
+
+Da ist zum Beispiel eine Abart der +Buchbinderei+, die nicht ganz
+einfach ist; das ist das Anfertigen von +Kästchen+, +Dosen+,
++Schachteln+, eine saubere, angenehme Beschäftigung, bei der ihr zeigen
+könnt, ob ihr an peinliche Sauberkeit und Pünktlichkeit im Arbeiten
+gewöhnt seid, denn hier nützt euch der feinste Farben- und Formensinn
+allein gar nichts, ihr müßt auf den Millimeter richtig messen können;
+wenn die Maße nicht stimmen, ist die ganze Arbeit umsonst.
+
+Bunt und lustig geht es auch bei der +Bastarbeit+ zu. Hier gibt es
+außerordentlich viel Möglichkeiten, sich geschickt zu betätigen. Die
+hübschen +Bastuntersetzer+ sind sehr praktisch, sie bewähren sich in
+jedem Haushalt und können in den verschiedensten Arten hergestellt
+werden.
+
+Sehr wirkungsvoll sind auch andere handgearbeitete +Untersetzer+.
+Es gibt da verschiedene Techniken: sehr beliebt sind die kleinen
+Glasuntersetzer, bei denen der Hauptreiz in den Einlagen liegt; man
+verwendet hierzu farbige Seiden, Brokatreste, Stickereien, Strick- und
+Häkeldeckchen, Perl- und Filetmotive. Statt der wenig geschmackvollen
+Einlagen aus bunten Federn oder gar Schmetterlingsflügeln bringt
+man jetzt vielfach +konservierte Blumen+, ein Nachklang aus der
+Biedermeierzeit. Wenn es richtig gemacht wird, sieht es reizend aus,
+eine Geduldsprobe, die sicherlich manchen von unsern lieben jungen
+Leserinnen gelingen dürfte.
+
+Und da wir vorhin von „gefallen“ redeten, denke ich an die zierlichen
++Ansteckblumen+, die immer flott wirken und sicher nicht so bald
+unmodern werden, weil sie kleidsam sind. Diese Ansteckblumen sind ja
+eigentlich weniger für ganz junge Mädchen geeignet, für Backfische kann
+ich mir ein buntes Bändchen für die Bluse hübscher denken. Aber wenn
+ihr die vorgeschlagene Ansteckblume verschenken wollt, würdet ihr euch
+sicher sehr beliebt machen, und für euren eigenen Gebrauch gebe ich
+euch ein paar Winke, wie ihr euch seidene +Blusenbändchen+ recht fein
+und eigenartig bemalen könnt, damit ihr nicht zu kurz kommt. Ich will
+euch auch verraten, wie man +Gesichtsmasken+ anfertigt, weil wir doch
+gerade bei der Eitelkeit angelangt sind.
+
+Manche von euch wird gewiß recht gut sticken. Für solche fleißigen
+Stickerinnen will ich einige +Nadelmalereien+ einfügen, in der
+Voraussetzung, daß ihr die Technik vollkommen beherrscht. Es gibt
+zwar in den einschlägigen Geschäften mancherlei Lehrbücher über die
+einzelnen Textiltechniken, es gibt Vorlagen für +Strick-+, +Häkel+-,
++Kreuzstich+- und +Madeira-Arbeiten+, aber ich will doch nicht
+vergessen, einige einfache Muster zu bringen, von denen ich annehme,
+daß ihr sie gelegentlich recht gut verwerten könnt. Ich bin fest davon
+überzeugt, daß ihr in späteren Jahren gerade die alten Techniken gern
+wiedersehen werdet, manches andere wird inzwischen unmodern geworden
+sein, aber solch ein richtiges, einwandfreies Kreuzstichmuster -- um
+ein Beispiel zu nennen -- wird immer wieder Verwendung finden. Zu
+andern Handfertigkeiten braucht man mancherlei Handwerk, man ist an
+Raum und Zeit gebunden, aber zum Häkeln, Sticken und Stricken braucht
+ihr nur die notwendigen Materialien, nicht wahr?
+
+Ich bin, um euch recht viel Anregungen geben zu können, in viele
+Werkstätten und Schulen, zu Kunstgewerblerinnen und Fachlehrerinnen
+gegangen und habe mir dort, an der Quelle, mancherlei angesehen.
+Was mir am besten gefallen hat, zeige ich euch in diesem Buch und
+schreibe dazu einen Text, eine Anregung, eine Gebrauchsanweisung, wie
+es sich am besten trifft. Es wird ein wenig kunterbunt und gar nicht
+lehrhaft darin zugehen, aber das ist meine Absicht. Es soll durchaus
+keine ausgeklügelte Abhandlung werden, in der Art „das dürft ihr aber
+nicht tun“, es soll wie eine flotte Unterhaltung zwischen Freundinnen
+sein, in der doch auch die Gedanken wechseln, man spricht von diesem
+und jenem und lernt dabei ... Gerade bei den ernstesten Lehrbüchern
+kommt es leicht vor, daß sie vor lauter Gründlichkeit ganz „furchtbar
+langweilig“ werden, wie ihr sagen würdet, und das wäre hier bestimmt
+das Verkehrte. Von dem vielen, was ich für euch, liebe Mädchen,
+zusammengetragen habe, mache ich nun dieses Buch. Hoffentlich habt
+ihr recht viel Nutzen davon; ihr sollt alle darin etwas finden. Ihr,
+die ihr am liebsten mit Nadel und Faden arbeitet, ihr, die ihr pappt
+und kleistert, ihr, die ihr pinselt und bastelt, ihr, die ihr die
+Laubsäge, die Glasperlen, die Buntpapiere handhabt, ihr alle, die ihr
+aus getrockneten Blumen, aus Seide oder glitzernden Flitterrestchen ein
+wenig Freude und Buntheit in eure und anderer Häuslichkeiten bringt,
+euch allen wünsche ich: Fröhliches Handwerk!
+
+
+
+
+I. Kapitel
+
+Web- und Stickarbeiten
+
+
+1. Die Maske
+
+[Illustration: Abb. 1.
+
+Schnittmuster einer Maske.]
+
+Der Gipfel der Tanzstundenfreuden ist der Maskenball. Ist das Kostüm
+selbst entworfen und selbst genäht, so ist der Spaß besonders groß.
+Nun fehlt nur noch die +Maske+, die man ebenfalls ohne viel Mühe und
+Kosten selber herstellen kann. Das Grundmaterial besteht aus einem
+dünnen Seidenrest in entsprechender Größe. Man schneidet den Stoff nach
+der Zeichnung (Abb. 1) aus, den Schnitt stellt man selber her, indem
+man etwas über Kopfhöhe an der Wand ein Stück Papier mit Reißnägeln
+befestigt. Nun setzt man sich zwischen die Lampe und das an der Wand
+angeheftete Papier so weit entfernt, daß der Schatten des Profils in
+natürlicher Größe darauf fällt. Eine zweite Person umzieht nun den
+Schatten, der auf das Papier fällt, mit Bleistift. Der so entstandene
+Schnitt wird sauber nachgezeichnet. So entsteht der Maskenschnitt, der
+immer wieder verwendet werden kann. Er wird mit Ölpauspapier oder mit
+Kreide auf den Seidenstoff übertragen, die Seide wird mit der Schere
+ausgeschnitten und gesäumt. Nun hält man sich die Maskenform vor das
+Gesicht und zeichnet mit Kreide die Augenlöcher ein, die ebenfalls mit
+einer Schere ausgeschnitten werden. Nagelscheren eignen sich ihrer
+gebogenen Form wegen am besten für runde Öffnungen. Die Augenlöcher
+werden mit Langettenstich umsäumt, der Seidenstoff wird mit weißem
+Schleierstoff abgefüttert; ein Gummiband hält die Maske am Hinterkopf
+zusammen, es wird an den beiden äußersten Seiten fest angenäht. Wer
+die Maske besonders reich verzieren will, umnähe die Augenlöcher und
+den Rand mit Pailletten. Es ist empfehlenswert, beim Säumen sehr
+feinen besponnenen Blumendraht einzunähen, damit die Maske festere
+Umrisse bekommt. Den unteren Rand der Maske kann man mit entsprechend
+breiter Spitze benähen, sie verhüllt noch besser und erschwert das
+Erkennen. Am geschmackvollsten sind schwarze Masken mit entsprechend
+schwarzer Spitze; auch grüne Masken sehen hübsch aus, wenn sie zur
+Farbe des Kostüms passen. Wenn die Spitze nicht dieselbe Farbe wie
+der Seidenstoff hat, läßt man sie lieber fort, nur schwarze Spitze
+kann schließlich für jede farbige Maske verwendet werden, sie paßt
+indessen nicht zu Weiß. Wer sich besonders unkenntlich machen will und
+keine passende Spitze zur Verfügung hat, kann einen Volant aus dem
+Maskenstoff anfertigen und mit kleinen Stichen annähen; dieser Vorhang
+darf nicht nach kurzem Tragen der Maske abreißen, dasselbe gilt für die
+Spitze.
+
+
+2. Handwebereien
+
+Die +Hand+-, besonders die +Perlweberei+ ist eine der beliebtesten
+Techniken, weil ihre Vielseitigkeit es ermöglicht, allerlei nützliche
+Gegenstände in dieser ziemlich einfachen Weise zu verzieren. Es
+gehören indessen scharfe Augen dazu, sehr viel Geduld und eine
+gewisse Fingerfertigkeit, die man sich aber mit einigem guten Willen
+aneignen kann. Wer keinen Webeapparat besitzt, kann ihn ohne viel
+Schwierigkeiten, fast kostenlos, selber herstellen.
+
+[Illustration: Abb. 2.
+
+Einfacher Webeapparat aus einer Zigarrenkiste.]
+
+Eine einfache +Zigarrenkiste+, +Fäden+ und +Reißnägel+ bilden
+das Hilfsmaterial; damit kann man mit Leichtigkeit kleinere
+Gegenstände, zum Beispiel +Achselträger+, +Gürtel+, +Hutbänder+ und
++Serviettenringe+ weben. Man schneidet Längsfäden in der gewünschten
+Länge, und zwar einen Faden mehr, als man Perlen in der Breite
+haben will. Diese Fäden werden an einem Ende verknotet, über die
+Zigarrenkiste gespannt und mit Reißnägeln befestigt, wie wir es auf der
+Abb. 2 deutlich zeigen. Damit die Fäden nebeneinander liegen bleiben,
+ritzt man mit einem Messer kleine Kerben in entsprechenden Abständen
+in das Kistenholz. Nachdem die Breite des Perlbandes festgestellt
+worden ist, zieht man entsprechend viel Perlen auf, verknotet den
+Anfangs-Aufziehfaden an einen Längsfaden, legt die aufgezogenen
+Perlen +auf+ die Längsfäden, und zwar in der Art, daß jedesmal eine
+Perle zwischen zwei Längsfäden liegt. Dann fährt man mit der Nähnadel
++unter+ dem Längsfaden wieder durch jede Perle hindurch. Die Muster
+entstehen durch die verschiedenen Farben der einzelnen Perlen, und es
+kommt nun darauf an, bei der Farbenzusammenstellung einen recht guten
+Geschmack zu zeigen. Außer +Glas+- und +Metallperlen+ kann man auch
++Holzperlen+ verwenden. Auf unsrer Abb. 3 zeigen wir ein paar sehr
+feine +Achselträger+ aus weißen Glasperlen, die in der beschriebenen
+Art hergestellt worden sind. Sie sind sehr praktisch für Tanzstunden-
+und leichte Sommerkleider, die silbrig glitzernden Perlen wirken
+durchaus geschmackvoll, gar nicht auffällig, buntes Perlmaterial darf
+man für diesen Zweck nicht verwenden, farbige Achselträger würden
+bestimmt unfein aussehen. An jedem Achselträger wird an beiden Enden
+je ein Perlmutterknopf zum Befestigen angenäht. Auf dem nächsten Bilde
+sehen wir einen +Lacetgürtel+, der aus schildartigen Teilen besteht,
+die über Lacetband gewebt sind. Diese Schilder sind in drei Farben
+gehalten, die geschickt zueinander abgestimmt werden müssen. Bevor man
+einen solchen Gürtel webt, muß man genau wissen, für welches Kleid er
+bestimmt ist; man kann ihn hell, man kann ihn auch dunkel halten. Für
+dunkle Kleider soll man keine hellen Gürtel wählen, auch nicht dunkle
+Gürtel zu hellen Kleidern tragen. Aus diesen verschiedenen Gründen
+müssen die Farben vor der Herstellung sehr genau überlegt werden. Sehr
+fein sind Zusammenstellungen wie zum Beispiel Schwarz-Orangegelb-Weiß,
+Türkis-Orangegelb-Grau, Pfauenblau-Giftgrün-Schwefelgelb,
+Grasgrün-Weiß-Orangegelb, Lachsrosa-Grau-Weiß, Schwarz-Kobaltblau-Weiß,
+Tiefveilchenblau-Giftgrün-Weiß, Ocker-Tütenblau-Türkis. Rot ist so sehr
+auffallend, daß es lieber nicht oder sehr sparsam verwendet werden
+soll, Hellblau und Hellila sind ebenfalls ungeeignet für diesen Zweck.
+Wer besonders hübsche Muster weben will, achte auf die einfachen
+Kreuzstichmotive, die sich dafür stets eignen dürften, besonders,
+wenn man im Anfang zu leichten Übungszwecken solche Kreuzstichmuster
+auseinandernimmt oder auf andere Weise vereinfacht.
+
+[Illustration: Abb. 3. Achselträger in Perlweberei.]
+
+Das zweite Modell auf unsrem Bilde (Abb. 4) ist ein handgewebter
++Gürtel+, der auch als +Hutband+ verwendet werden kann. Er besteht
+aus Wollfäden und ist ebenfalls auf der Zigarrenkiste in der
+angegebenen Art hergestellt. Das Muster eignet sich auch recht
+gut für Perlenweberei; es sind vier Töne, die sehr geschickt
+nebeneinandergesetzt sind; der tiefste Ton ist lila, daneben steht
+Grasgrün, alles übrige ist kirschrot und dottergelb. Die Technik ist
+dieselbe, die Verwendbarkeit des Streifens sehr vielseitig, er kann
+unter anderem auch als +Kleiderbesatz+ benutzt werden; in diesem Fall
+muß er recht schmal gehalten sein und in den Farben dem Stoff sehr
+geschickt angepaßt werden. Wer mit der Technik gut Bescheid weiß,
+kann von diesen einfachen Anfängen zu größeren Arbeiten übergehen.
+Handgewebte +Kissenplatten+ und kleine +Wandteppiche+ sind sehr beliebt
+und werden, wenn die Muster geometrisch gehalten sind, nicht so
+schnell unmodern wie andre Handarbeiten, besonders, wenn man kräftige,
+unvermischte Töne geschickt nebeneinandersetzt. Auf dem kleinen
+Zigarrenkistenapparat kann man große Gegenstände nur dann herstellen,
+wenn sie aus kleinen, dem Miniaturwebeapparat entsprechenden Stücken
+bestehen, die dann zusammengenäht werden.
+
+[Illustration: Abb. 4. Handgewebte Gürtel aus Wollfäden und Lacetband.
+
+Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Während für Perlwebereien dünne Fäden aufgezogen werden müssen, kommt
+bei Wollwebereien ein stärkeres Material, zum Beispiel Bindfaden, in
+Betracht. Das gilt auch, wenn mit Seidenkordel gewebt werden soll. Man
+stopft das Muster zwischen den Fäden, in dieser Art ist das +Band+
+auf unsrer Abbildung ausgeführt.
+
+
+3. Buntstickereien
+
+Wenn man moderne Handstickereien mit solchen früherer Jahre vergleicht,
+vor allem mit den sogenannten „Augenpulvern“ unsrer Mütter und
+Großmütter, so können wir mit Leichtigkeit feststellen, daß die
+Handarbeiten der letzten Moden, was Technik, Grundstoff und Ausführung
+anbelangt, großzügiger, einfacher und dekorativer geworden sind. Und
+wenn wir auch, dem Geschmack der Zeit folgend, vielfach die Ideen zu
+unsern Mustern einer Epoche entnehmen, die in betonter Einfachheit und
+Gefühlseligkeit förmlich schwelgte, so borgen wir uns doch schließlich
+nur den vielfach veränderten Stil und die Farben; die komplizierte
+Technik dieses mühseligen Stich-an-Stichreihens entspricht kaum mehr
+unserm modernen Empfinden, und darum vereinfachen wir die Technik
+und die Muster. Sticken ist heutzutage kein Mittel mehr, um die
+überflüssige Zeit totzuschlagen, +gute+ Handarbeiten werden immer
+teurer, ihr Wert steigert sich durch den Wettbewerb mit billigem
+Dilettantismus.
+
+Auch wir Modernen sticken bunte Blumenkränze und farbenfröhliche
+Sträuße mit glänzender Seide, aber wir verwenden keine zeitraubenden
+dünnen Fäden, wir bevorzugen +starke+ Seidenfäden, die schnell decken,
+wir können uns nicht gar so lange bei einer Blume, bei einem Blatt
+aufhalten wie die Stickerinnen früherer Jahrzehnte.
+
+Während man früher farbige Muster mit den größten Ausmaßen, zum
+Beispiel Vorhänge mit feinsten Seidenfäden stickte, verwendet man
+jetzt zu verhältnismäßig kleinen Arbeiten, zu Taschen, Beuteln,
+Kinderhäubchen, Nähkissen, Nähbüchern, Tabletteinlagen und so weiter
+möglichst starkfädiges Stickmaterial.
+
+Darum hat die Wollstickerei ganz besonderen Anklang gefunden, während
+die Arbeiten mit buntem feinen Garn kaum mehr verwendet werden. Dagegen
+verarbeitet man vielfach Wolle in Verbindung mit Seide und erzielt
+dadurch recht gute Wirkungen mit verhältnismäßig wenig Mitteln.
+
+Was die einzelnen Formen der Muster anlangt, so gilt das ungeschriebene
+Gesetz nicht mehr, das einstmals forderte: „Der Grundstoff muß
+vollständig von der Stickerei bedeckt sein!“ Im Gegenteil, besonders
+bei größeren Handarbeiten findet man häufig eine Art „gesperrte“
+Technik, der man die Absicht, Zeit zu sparen, deutlich ansieht. Solch
+eine Stickerei wirkt, wenn sie technisch einwandfrei ausgeführt ist
+und wenn Grund- und Stickmaterial geschmackvoll zueinander abgestimmt
+sind, häufig fast skizzenhaft, betont flüchtig, ohne an Wirksamkeit
+einzubüßen.
+
+Als Farben des Stickmaterials kommen ständig neue Töne, gebrochen und
+ungebrochen, in den Handel, eine Seide leuchtender und waschechter
+als die andere, eine Wolle weicher und vollfädiger als die andere,
+und auch die Stoffe, die als Grundmaterial zur Verwendung gelangen,
+werden immer mehr darauf eingerichtet, die Wirkung der Stickerei zu
+unterstreichen, vor allem aber auch die Arbeitsdauer so viel wie
+möglich einzuschränken. Selbst die kleinsten modernen Handarbeiten
+tragen unsichtbar, aber leserlich für die Eingeweihten, das Motto: Zeit
+ist Geld.
+
+[Illustration: Abb. 5. Buntstickereien: Kissen, Kaffeewärmer,
+Arbeitstäschchen und Taschentuchbehälter.]
+
+Wir zeigen auf unserer Abb. 5 eine Anzahl solcher Handarbeiten, deren
+Herstellung in diesem Sinne durchaus zu empfehlen ist.
+
+Die verschiedenen kleinen Täschchen können leicht aus Resten
+hergestellt werden, nur das gestickte +Kissen+ unsrer Vorlage erfordert
+ein größeres Stück Stoff. Hier ist karmoisinrotes Tuch in der Größe
+von 32: 51 Zentimeter verwendet. Die Ecken sind mit blätterartigen
+Figuren bestickt, die aus einem Kelch hervorzugehen scheinen. Sie sind
+in bunter Wollstickerei und meist im schrägen Plattstich ausgeführt.
+Die Ecken zieren starke Quasten. -- Sehr gut wirkt der aus feinem
+weißen Waschtüll gearbeitete +Kaffeewärmer+ (im Vordergrund links).
+Die untere Breite mißt ungefähr 36, die Höhe etwa 32 Zentimeter. Die
+Zeichnung überträgt man am besten mit Blaustift auf festes weißes
+Papier und heftet sie dem Tüll unter; die begrenzenden Linien lassen
+sich auf diese Weise leicht einziehen. Größere Blumen und Flitter
+werden noch mit Twist oder Glanzgarn in verschiedenen Stichen
+ausgeführt. In die Verbindungsnaht wird ein schmaler 3 Zentimeter
+breiter Tüllvolant mit eingefaßt; eine Tüllrosette dient zum Anfassen.
+Die Grundform ist mit einfarbigem Seidenstoff überzogen. -- Zu dem
+reizenden +Arbeitstäschchen+ (rechts vom Kaffeewärmer) braucht man ein
+Stückchen Rohseide oder feines gelbliches Leinen von 18 Zentimeter
+Breite und 31 Zentimeter Länge. Von dieser werden 9 Zentimeter zur
+Tasche umgeschlagen. Den Deckel ziert eine Stickerei in bunter Wolle.
+Nachdem das Satinfutter angebracht ist, wird das Ganze mit zwei Fäden
+grüner Wolle eingestochen, über die sich dann noch solche von roter
+Wolle legen. Einen besonderen Ausputz bildet der 11 Zentimeter lange
+und 4 Zentimeter breite Zipfel, der einem alten Siegel nachgebildet ist
+und das Täschchen zugleich schließt. Zu diesem Zwecke muß ein Knopf
+auf der unteren Seite angebracht werden. -- Auch der aus schwarzem
+Tuch hergestellte +Taschentuchbehälter+ (rechts vor dem Kissen) ist
+sehr geschmackvoll. Er mißt 19 Zentimeter im Quadrat; die Ecken
+werden hereingeschlagen und mit kornblumenblauer Wolle bestickt. Drei
+Ecken werden durch Zierstiche -- Bäumchen- oder Languettenstiche --
+zusammengefügt; die vierte dient als Schluß und wird mit einer Schlinge
+versehen. Zuletzt wird die Arbeit mit blauer Seide gefüttert und an den
+Ecken werden kleine blaue Bällchen angebracht. -- Das niedliche andere
++Arbeitstäschchen+ (an der äußersten rechten Ecke unseres Bildes) ist
+12 Zentimeter im Quadrat groß, erfordert also einen Streifen Tuch von
+12 Zentimeter Breite und 24 Zentimeter Länge. Auf der oberen Seite
+ist eine bunte Wollstickerei angebracht; grüner Vorstoß umrandet das
+aus blauem Tuch angefertigte Täschchen, das zuletzt mit grüner Seide
+gefüttert und mit blauen Bändern gebunden wird.
+
+
+4. Das handbestickte Kleidungsstück
+
+Das +handbestickte Kleidungsstück+ erfreut sich besonders bei der
+Jugend einer meist berechtigten Beliebtheit. Jungen Mädchen macht es
+Freude, ihre Schürzen, Blusen, Kleider, Gürtel, Taschen, Mützen und
+so weiter selber zu besticken; häufig entwerfen sie selber die Muster
+dafür und geben sich viel Mühe, mit einem großen Aufwand von Zeit und
+Kosten diese eigenen Entwürfe auszuführen.
+
+[Illustration: Abb. 6. Handbesticktes Überziehjäckchen aus rotem Stoff
+mit farbiger Stickerei.]
+
+Gerade diese selbstentworfenen Muster und ihre Farbenzusammenstellung
+wirken häufig sehr dilettantenhaft; man wundert sich oft, wie viel
+Geschmacklosigkeiten auf einem einzigen Stück vereinigt sind. Da sieht
+man naturalistische Rosen und Veilchen, zu einem Strauß geordnet, und
+all dies auf eine Bluse gestickt, als ob es sich um ein altmodisches
+Sofakissen handelte. Und naturalistisch gehaltene Weinranken auf einem
+Gürtel, und große Schmetterlinge auf einem Kleid! Etwas Ähnliches haben
+wir alle schon erlebt.
+
+Wie lächerlich wirkt solch unverstandenes Kunstgewerbe auf den Kenner.
+Geometrische Figuren sind für solche Ornamentik empfehlenswerter,
+indessen wird auf diesem Gebiet wieder häufig der Fehler gemacht, daß
+die Muster dadurch viel zu langweilig werden, und der Fehler wird
+noch größer, wenn man versucht, die Eintönigkeit der Ornamente durch
+krasse Farben zu vermindern. Diese Wirkung ist noch schlimmer, als wenn
+man eine Bluse mit Lilien bestickt, „weil es die Lieblingsblumen der
+Trägerin sind“.
+
+Wer beim Besticken der einzelnen Kleidungsstücke einen guten Geschmack
+zeigen will, bringe nur stark vereinfachte Formen und Linien. Gewiß
+können Blumen und Schmetterlinge als Vorbild dienen, aber die Formen
+müssen so lange auseinandergenommen werden, die Linien sollen so
+stark stilisiert, das heißt vereinfacht sein, daß man bestimmt
+nicht mehr erkennen darf, woher die Motive stammen. Auch die Farben
+müssen dementsprechend verändert werden, und bei der Auswahl des
+Stickmaterials sei man stets darauf bedacht, daß ein Kleidungsstück
+keine Tischdecke, kein Sofakissen, kein Kaffeekannenwärmer ist.
+Kleidungsstücke, die dem Witterungswechsel ausgesetzt sind -- auch
+Handtaschen gehören in dieses Gebiet --, müssen unbedingt wasch- und
+regenecht bestickt werden; unecht bestickte Hüte, die in den Regen
+kommen und tüchtig abfärben, können einen ganzen Anzug, von Kopf bis zu
+Fuß, gefährden.
+
+Am besten ist es, die Handarbeit auf einem Kleidungsstück in möglichst
+bescheidenen Grenzen zu halten, häufig genügen einige feine Zierstiche,
+um es geschmackvoll zu schmücken. Wer aber durchaus mit Ornamenten
+prunken möchte, dem zeigen wir obiges handbesticktes Überziehjäckchen
+aus rotem Stoff mit farbiger Handstickerei (Abb. 6), das mit seiner
+sparsamen, vornehmen Ornamentik durchaus mustergültig ist. Hier
+sehen wir, wie hochrotes Tuch, das doch stets sehr schwierig in der
+Verarbeitung ist, geschmackvoll und nützlich verwendet wurde. Es ist
+in einzelne Teile aufgeteilt, die mit Zierstichen verbunden sind;
+bestickte Knöpfe und zwei aufgesetzte, ebenfalls handbestickte Taschen
+bilden den Hauptschmuck. Statt der Knopflöcher wurden geschürzte
+Ösen als Verschluß angebracht. Auf den Taschen sehen wir außer den
+umrandenden Zierstichen flachgestickte Ornamente, die aus Rosenknospen
+und Blättchen umgewandelt worden sind, das heißt, man sieht dies nur,
+wenn man sich sehr bemüht. Die Knospe und die Blätter sind auf den Kopf
+gestellt, vor allem aber stark stilisiert. Das „Auf-den-Kopf-Stellen“
+genügt nämlich nicht, um ein Ornament für solchen Zweck geeignet zu
+machen, dazu gehört schließlich doch etwas mehr. Auch die Farben sind
+nicht naturalistisch. Die Muster sind weiß gehalten, mit Grau und Blau
+umrandet. Alte und neue Zierstiche sind für dieses Überziehjäckchen
+zu Hilfe genommen worden, um ihm eine persönliche Note zu geben,
+ein Verfahren, das sehr zu loben ist, wie überhaupt unsere hübschen
+Zierstiche viel mehr verarbeitet werden sollten.
+
+Hoffentlich wird unser gutes Beispiel dazu beitragen, noch mancherlei
+Irrtümer auf diesem Gebiet zu beseitigen oder ungeschehen zu machen.
+
+
+5. Kreuzsticharbeiten
+
+Zu den bekanntesten Handarbeitstechniken gehört der Kreuzstich.
+Daß er sich auch in früheren Zeiten schon einer großen Beliebtheit
+erfreute, davon zeugen u. a. die prachtvollen farbigen Meßgewänder
+in den Klöstern des Mittelalters; welch künstlerische Wirkungen
+wurden da durch den Kreuzstich in seinen originellen Varianten --
+Rosenstich, Augenstich -- erzielt! Nachdem ihn verschiedene andre
+Techniken verdrängt hatten, kam er in der Biedermeierzeit wieder zu
+Ehren, eignete er sich doch wie kein andrer Stich zur Verarbeitung der
+farbenfröhlichen, naiven Muster jener Zeit. Ja, der Kreuzstich war
+weltlich geworden, aber obgleich er immer noch vielfach zu kirchlichen
+Zwecken verwendet wurde, fand man die hübschen Kreuzsticharbeiten mit
+der bunten Ornamentik doch zumeist in den besseren Bürgerhäusern.
+-- Die Gegenwart, die so viel aus den Tagen der Biedermeierzeit
+entlehnt, brachte auch die Kreuzsticharbeiten wieder in Aufnahme. Stark
+modernisiert und stilisiert, den heutigen Begriffen und Bedürfnissen
+angepaßt, erkennen wir die anmutigen Motive in sichtbar veränderter
+Form kaum wieder.
+
+Während man sonst auf groben, löchrigen Geweben -- im Mittelalter
+verwendete man sogar Hanf und Leder -- den Kreuzstich arbeitete, wird
+jetzt meist Seide und mehr oder weniger starkes Leinen gewählt. Am
+beliebtesten sind die bunten Rupfenarten, Leinwand, die in den feinsten
+Nuancen und in reicher Auswahl eingefärbt ist.
+
+[Illustration: Abb. 7. Kreuzstichmuster: Ornament.
+
+Entwurf von Else Levin.]
+
+Wir bringen verschiedene Kreuzstichmuster, die mit einigem Geschick
+selbst von ungeübten Händen nachgemacht werden können, und deren
+Herstellung mit wenig Kosten verknüpft ist. Wir sehen in Abb. 7
+ein modernes Ornament, das, nach rechts und links angesetzt, eine
+außerordentlich wirksame Borte ergibt. Durch Spieglung sind wir in der
+Lage, das Muster auf seine vielfache Verwendbarkeit hin zu prüfen.
+Wir können es sowohl zur Verzierung von Gürteln als auch von Decken
+und Kissen verarbeiten. Es eignet sich zum Schmuck für Kinderkleider,
+Theaterhauben, für elegante Blusen und Schürzen. Als einfaches
+Ornament, wie wir es hier im Bilde sehen, läßt es sich als Mittelstück
+für Kissenplatten in Hochformat verwerten. Man hält es am besten in
+drei Farben, die man dem Hintergrund harmonisch anpaßt. Sehr dekorativ
+wirkt die Stickerei in Schwarz, Orange und Grün auf kobaltblauem
+Grund, ganz gleich, ob es sich um seidenes oder leinenes Material
+handelt. Auf Leinen stickt man am besten mit Perlgarn, dessen Stärke
+sich nach der Gewebeart richtet. Zur Ausführung verwendet man, wie
+bekannt, Kanevas oder Kongreßstoff, ihre Fäden werden, wenn die Arbeit
+vollendet ist, wieder herausgezogen. Abb. 8 stellt eine Bordüre dar,
+die zum Schmuck von großen waschbaren Portieren und Vorhängen aller
+Art zur Verwendung gelangt, zum Beispiel für Vorhänge auf Balkone,
+Loggien, in Schlafzimmern, Dielen, vor Bücherregalen und anderen.
+Unser Originalmodell ist in Schwarz, Zinnoberrot und Zitronengelb
+auf cremefarbenem Grund gestickt und kann je nach Belieben und
+Zweckdienlichkeit in großem oder kleinem Format ausgeführt werden.
+
+[Illustration: Abb. 8. Bordüre für Portieren und Vorhänge.]
+
+In Abb. 9 sehen wir das Muster für eine kleinere Mitteldecke, die
+am besten auf nicht zu starkem weißen Leinen ausgeführt wird. In
+Zinnoberrot, Grün, Violett und Schwarz ist die Stickerei gehalten,
+doch überlassen wir es dem Geschmack unserer Leserinnen, eine andere
+Farbenwahl zu treffen.
+
+[Illustration: Abb. 9. Muster für kleinere Mitteldecken.]
+
+Wer die Arbeit als Nähtischdeckchen oder Kissenplatte verwenden will,
+dürfte sich am besten für grellfarbiges Grundmaterial -- Seide oder
+Leinwand -- entscheiden. Auf kobaltblauem Hintergrund steht sehr
+gut: Weiß, Giftgrün und Orangegelb, auf scharfem Grün: Zinnoberrot,
+Schwarz und Hellkobaltblau, auf Orange: Schwarz, Weiß und Giftgrün.
+Beliebig wiederholt, ergibt unsre Vorlage ein sehr originell wirkendes
+Füllmuster, das besonders für starke Stoffarten in Betracht kommt und
+für Abend-, Garten- und Dielendecken sehr zu empfehlen ist.
+
+[Illustration: Abb. 10. Flächenmuster für Perlstickerei.]
+
+Abb. 10 zeigt ein +Flächenmuster+, das sich auch für +Perlstickerei+
+eignet. Dieses Muster kann sehr vielfach verwendet werden, so zum
+Beispiel für +Bänder+, +Gürtel+, +Borten+, +Kinderhäubchen+ und
++Kleider+, +Taschen+, wenn man nur einen Streifen davon benutzt, sonst
+paßt es für +Gartentischdecken+, +Vorhänge+ und +Kissen+. Unser Modell
+ist schwarz, kobaltblau, giftgrün, mit weißem Mittelpunkt auf weißem
+Grund gehalten.
+
+[Illustration: Abb. 11. Tulpenmuster für Mappen, Kissen und Taschen.
+
+Entwurf von Else Levin.]
+
+Das fünfte Muster (Abb. 11) eignet sich am besten für +Kissen+ in
+drei Farben, zum Beispiel Schwarz, Kobaltblau und Orangegelb. In
+Wolle ausgeführt wirkt es sehr stark, man kann es auch für +Fußbänke+,
++Fußkissen+ und kleine +Vorleger+ benutzen.
+
+[Illustration: Abb. 12. Muster für Kreuzstich- und Filettechnik.
+
+Entwurf von Else Pauli.]
+
+Der sechste Entwurf (Abb. 12) eignet sich auch sehr gut für
++Filettechnik+, ein Füllmuster von vielfacher Verwendbarkeit. In
+Wolle gestickt empfiehlt es sich für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+,
++Vorleger+ und +Mappen+, in Seide ausgeführt paßt es besser
+für kleinere Gegenstände, zum Beispiel +Taschen+, +Nähkissen+,
++Briefmappen+. Es besteht eigentlich aus zwei Teilen, verwendet man
+die rechte oder die linke Seite einzeln, so entsteht ein Motiv zur
+Verzierung von +Häubchen+, +Gürteln+, +Mützen+, +Blusen+; setzt man
+dieses Motiv nach oben und unten fort, so entsteht eine +Borte+, die
+stehend und liegend verwendet werden kann. Solche Borten eignen sich
+für +Decken+, besonders aber für +Gürtel+ und +Kinderkleidung+. Je nach
+dem Hintergrund stickt man die Arbeit in zwei bis drei Farben; eine
+gute Wirkung erzielt man, wenn das Muster in Kobaltblau und Giftgrün
+auf schwefel- oder orangegelben Grund gesetzt wird.
+
+[Illustration: Abb. 13. Leichtes Flächenmuster.]
+
+[Illustration: Abb. 14. Füllmuster.]
+
+Auf der nächsten Vorlage (Abb. 13) sehen wir ein leichtes
++Flächenmuster+, das in +Streifen+ zerlegt werden kann; auf diese
+Weise entsteht eine fortlaufende Borte, die für +Kindersachen+ ganz
+besonders geeignet ist. Das Muster kann sehr farbig gehalten werden:
+die Schmetterlinge abwechselnd in zwei Farben in jeder Reihe, so daß
+vier verschiedenfarbige Schmetterlinge entstehen, in der ersten Reihe:
+der erste feuerrot, der zweite tütenblau, in der zweiten Reihe: der
+erste orangegelb, der zweite giftgrün. Die kleinen Kreuzornamente und
+der Verbindungspunkt zwischen den einzelnen Schmetterlingen werden
+schwefelgelb gestickt. Diese Farbenangabe gilt für einen weißen,
+schwarzen, grauen oder dunkelblauen Grund, Farben, die bei starker
+Leinwand häufig vorkommen. Solches Leinen wird gern zu +Garten-+ und
++Balkonkissen+, auch für +Kinderzimmer-+ und +Dielenkissen+ verwendet,
+und gerade dafür ist das Schmetterlingsmuster ganz besonders geeignet.
+
+Abb. 14 zeigt ein einfaches +Flächenmuster+ in zwei Farben für
++Garten-+ und +Dielentischdecken+, +Kissen+, +Vorleger+, +Schreib-+ und
++Sammelmappen+, +Kassetten+. Am besten wirkt die Stickerei in Wolle
+oder -- waschecht -- in Perlgarn und Garn in drei Farben: schwarz,
+weiß auf orangegelbem, kobaltblauem oder giftgrünem Grund, tütenblau,
+schwefelgelb auf grasgrünem Grund; die Mittelstücke können einzeln für
++Knöpfe+ verwendet werden.
+
+Die nächste Zeichnung (Abb. 15) stellt ein +Flächenmuster+ dar, aus
+dem man eine +Borte+ machen kann, sowohl eine aufrecht stehende, als
+auch eine sich nach rechts und links fortsetzende +Borte+, die sich
+für +Taschen+, +Kindersachen+ und +Deckchen+ recht gut eignet. Als
+Flächenmuster paßt sie für +Kissen+, +Mappen+, +Taschen+ und, wie die
+meisten dieser Entwürfe, auch für +Bucheinbände+. Man stickt das Muster
+am besten in drei Farben: die Herzen kobaltblau auf schwarzem oder
+türkisgrünem Grund, die Verbindungslinien schwefelgelb, oder giftgrüne
+Herzen auf pfauenblauem Grund mit orangegelben Verbindungslinien.
+Solche Farben wirken immer gut; aber nur nicht Rot für die Herzen
+nehmen!
+
+[Illustration: Abb. 15. Flächenmuster. Entwurf von Else Pauli.]
+
+
+6. Monogramme und Buchstaben
+
+Schon unsere Groß- und Urgroßmütter wandten dem Wäschezeichnen ein
+berechtigtes Interesse zu. Gehörte es doch zum „guten Ton“, jedes Stück
+der Aussteuer selbst zu zeichnen, und der runde Stickrahmen spielte
+eine wichtige Rolle im Leben der Braut.
+
+Da aber in früheren Zeiten das Hauswesen unendlich viel mehr Ansprüche
+an die Frauen stellte als heute, gleichviel welchen Standes sie waren,
+so konnte -- wie bei manchen andern Dingen -- auch dem Wäschezeichnen
+nicht allzu viel Zeit gewidmet werden, und so griff man nicht nur aus
+Sparsamkeits- oder Bequemlichkeitsgründen zur „Schablone“. Sehr elegant
+und eigenartig waren die Buchstaben und Monogramme meistenteils nicht,
+die ihr Entstehen dieser dünnen Kupferplatte und dem unvermeidlichen
+Tuschnapf mit Marineblau verdankten, aber die wenig verwöhnten Frauen,
+die sich ihrer bedienten, fragten nicht viel nach „persönlicher Note“.
+-- Man zeichnete eben die Wäschestücke mit Monogrammen (Abb. 16 bis
+20) nicht aus einem besonderen Schönheitsbegriff heraus, sondern weil
+man sein leinenes Hab und Gut auf diese Weise am besten voneinander
+unterscheiden und schneller ordnen konnte. Daher war auch das hellrote
+Stickgarn, das sich scharf vom Weiß der Wäsche abhob, sehr beliebt, und
+es hat lange Zeit gedauert, bis es vom weißen Stickgarn der vornehmeren
+Wirkung wegen verdrängt wurde.
+
+[Illustration: Abb. 16.]
+
+[Illustration: Abb. 17.]
+
+[Illustration: Abb. 18.
+
+Abb. 16-18. Monogramme.]
+
+Heutzutage rechnet man das Wäschezeichnen zum „Augenpulver“ und
+verzichtet meist gern darauf, mit eigener Hand all seine weißen Schätze
+zu signieren. Wir haben es ja auch gar nicht mehr nötig, nimmt uns doch
+die Maschine die unwillkommene Arbeit ab, eine Entlastung, die oft
+doppelt angenehm empfunden wird, da die Maschinenarbeit, was peinliche
+Genauigkeit, Schnelligkeit und Linienschwung anlangt, stets siegreich
+mit der mühseligen Handstickerei konkurrieren dürfte.
+
+Die große Umwälzung, die durch die Maschine auf dem Gebiete der
+Handarbeit herbeigeführt wurde, hat es wohl auch zum Teil bewirkt, daß
+mit der Schablone in ihrer früheren Gestalt aufgeräumt wurde, vertragen
+sich die alten Schablonenzeichen doch kaum mit unserm modernen,
+persönlichen Geschmack.
+
+Das Wäschezeichen ist heutzutage nicht mehr nur ein Ausdruck der
+Ordnungsliebe; man läßt nunmehr vielfach die Zahlen fort und trifft
+dafür mit desto größerer Sorgfalt die Auswahl der Buchstaben und
+Monogramme.
+
+Im Gegensatz zu früher ist das Wäschezeichen zum Schmuck, zur
+anerkannten Zierde einer jeden Ausstattung geworden. Während man
+sich in früheren Jahren damit begnügte, jedes Stück mit einfachen
+Buchstaben zu zeichnen, macht man heutzutage in dieser Beziehung
+feine Unterschiede: nicht alle Stücke einer Ausstattung brauchen in
+ein und derselben Art signiert zu werden. So zum Beispiel zeichnet
+man die +Taschentücher+ mit Buchstaben oder Monogrammen und umrandet
+das Zeichen mit einem geschmackvollen Ornament. Sehr beliebt sind
+dafür Kranzformen, Kreise, Quadrate und ähnliche Ornamente. -- Große
+Buchstaben oder Monogramme wählt man für +Tafeltücher+, während die
+dazugehörigen +Servietten+ zwar dieselben Zeichen, doch bedeutend
+verkleinert, tragen.
+
+[Illustration: Abb. 19. Buchstaben für Taschen, Kassetten, Handtücher
+usw.]
+
+[Illustration: Abb. 20. Buchstabe für Mappen, Taschen,
+Taschentuchbehälter, Badewäsche.]
+
+Man zeichnet jedoch nicht nur +Leib-+ und +Tischwäsche+; viele andre
+Gegenstände, die mehr oder weniger unsrem täglichen Gebrauch dienen,
+erhalten einen praktischen Schmuck durch geschmackvolle Buchstaben
+oder Monogramme, so zum Beispiel +Serviettentaschen+, +Fächerhüllen+,
++Behälter für Tennisschläger+, +Schlittschuhbeutel+, +Schleier-+
+und +Handschuhbehälter+, +Taschentuchordner+, +Badelaken+, auch
++Handtaschen+, +Schreibmappen+, +Besuchskartentäschchen+ und so weiter.
+
+Aus hygienischen Gründen werden einzelne der aufgeführten Gegenstände,
+die meist Handarbeiten sind, waschecht angefertigt. Infolgedessen
+empfiehlt es sich, die Signaturen waschbar zu sticken, wie man sich
+auch bei der Auswahl des Materials, das zur Herstellung der Buchstaben
+und ihrer Umrahmungen verwendet werden soll, genau nach dem dafür in
+Betracht kommenden Grundstoff richten muß. Gegenstände, die häufig der
+Wäsche ausgesetzt werden, dürfen nur mit Waschgarn gezeichnet werden,
+dagegen kann man, wenn es sich um einen Grundstoff aus Seide, Tuch,
+Leder und so weiter handelt, mit farbiger Seide signieren.
+
+Geschmackvolle, deutlich lesbare Buchstaben werden sich stets
+allgemeiner Beliebtheit erfreuen, während Schnörkelzüge mit womöglich
+symbolischen Randverzierungen, die sich vielleicht gar auf Beruf
+oder Charaktereigentümlichkeiten des Besitzers beziehen, ungemein
+lächerlich wirken. Glücklicherweise sind derartige Geschmacklosigkeiten
+kaum mehr anzutreffen, nur mit der „Krone“ wird noch häufig genug
+Unfug getrieben. Seitdem gerade in allerletzter Zeit in Schulen und
+Fortbildungsschulen dem Wäschezeichnen sehr viel Aufmerksamkeit
+entgegengebracht wird, und auch das Kunstgewerbe sich damit
+beschäftigt, hat sich das allgemeine Interesse für zweckmäßige, hübsche
+Monogramme und Buchstaben in den gebildeten Bürgerkreisen wesentlich
+gehoben. Von den Buchstaben, die ich euch zeige, eignen sich einige
+auch recht gut für Briefpapier und Karten, ihr könnt sie auch als
+Exlibris und zum Signieren für Noten verwenden.
+
+
+7. Häkeleien verschiedener Art
+
+Die +Häkeltechnik+ ist in den letzten Jahren wieder modern geworden;
+man hat die hübschen alten Muster hervorgeholt, um sie, ziemlich
+unverändert, vielfach zu verwenden. Wenn auch die riesigen gehäkelten
++Bettdecken+, die +Läufer+ und +Sofaschoner+ schon lange nicht
+mehr gearbeitet werden, so gibt es doch eine ganze Menge Nutz- und
+Zierhandarbeiten, die für Häkeltechnik gedacht sind. Die grobe,
+dickfadige Technik ist indessen verdrängt worden, man verwendet
+lieber feineres Garn, um Einsätze und Spitzen für +Kaffeedecken+,
++Tafeltücher+, +Kissenbezüge+, +Hemdpassen+, +Mitteldecken+ zu
+arbeiten, die Muster wirken leichter und gefälliger, ohne, wenn sie
+richtig angeordnet sind, an Geschmack einzubüßen.
+
+[Illustration: Abb. 21. Gehäkelter Stern.]
+
+[Illustration: Abb. 22. Gehäkelter Stern.]
+
+[Illustration: Abb. 23. Gehäkelte Spitze mit Spitzensticharbeit.]
+
++Wäschestücke+ werden wieder vielfach mit Häkelspitze verziert, man
+schätzt sie, weil sie haltbar ist, das häufige Waschen gut übersteht
+und hübsch aussieht; es gibt ja außerordentlich viele Muster, und
+mit einigem Geschick ist es leicht, die geeigneten Vorlagen für die
+einzelnen Gegenstände auszuwählen. Es ist nicht dasselbe, ob ein
++Taschentuch+ oder eine +Frisierjacke+ mit Häkelspitze verziert werden
+soll, die Anwendung der Muster, die Aufmachung entscheidet darüber, ob
+die fertige Arbeit ansehnlich und modern oder veraltet und unkleidsam
+-- dies gilt besonders für Wäsche -- wirkt. Gehäkelte +Beutel+ sind
+nicht zu empfehlen, aber gehäkelte +Kindertäschchen+ können reizend
+aussehen. Man häkelt auch vielfach +Kinderjäckchen+ und +Kleidchen+,
++Mützchen+ und +Häubchen+ in farbiger Wolle. Wenn Erwachsene oder
+größere Mädchen bunte Wollsachen tragen wollen, müssen Muster und
+Farben sehr sorgfältig ausgewählt werden, damit die Sache nicht in eine
+Maskerade ausartet. Für Sportzwecke benutzt man gern gehäkelte +Mützen+
+und +Schale+, sie können sehr flott wirken, man häkelt auch +Schuhchen+
+für +Babys+ und +Bettschuhe+ für +Großmamas+; solche Arbeiten sind
+unverwüstlich, wenn nicht gerade die Motten in die Wolle kommen.
+
+Auf unseren Bildern (Abb. 21 bis 30) bringen wir eine Anzahl Vorlagen,
+die sich für die verschiedensten Häkelarbeiten verwenden lassen.
+
+[Illustration: Abb. 24. Gehäkeltes Kindertäschchen.]
+
+[Illustration: Abb. 25. Zählmuster zum Kindertäschchen.]
+
+Da sind zunächst einige +Sterne+ (Abb. 21 u. 22), die vielfach benutzt
+werden können. In feinem Material ausgeführt, eignen sie sich recht gut
+für +Taschentuchecken+, für +Untertaillen+, etwas stärker hergestellt
+kommen sie, wie das +Quadrat+, für +Kissenbezüge+ in Betracht. Wenn
+man eine Anzahl farbiger Wollsterne miteinander verbindet, erzielt man
+eine originelle +Fläche+, die man für +Schlummerrollen+ -- wieder sehr
+modern! -- +Puffs+, +Kissen+, +Kaffeekannenwärmer+, +Kindermützchen+
+verwenden kann.
+
+[Illustration: Abb. 26. Gehäkelte Badeteppiche.]
+
+Das nächste Bild (Abb. 23) zeigt eine hübsche +Spitze+, die
+für +Vorhänge+ und +Decken+ recht gut paßt; will man sie für
++Leibwäsche+ benutzen, so muß man feines Material verarbeiten. Für
++Gartentischdecken+ kann man sie in zwei Farben herstellen, falls
+dunkelblaues Fischerleinen oder graues starkes Leinen als Grundstoff
+verwendet wird. Zu blauem Stoff sieht ein grasgrüner Stern mit
+bronzebrauner Spitze oder ein orangegelber Stern mit grasgrüner Spitze
+sehr gut aus. Ist der Stoff grau, so wählt man Kornblumenblau und
+Giftgrün oder Kornblumenblau und Kirschrot.
+
+Auf der Abb. 24 sehen wir ein reizendes +Kindertäschchen+, zu dem wir
+auch das Zählmuster (Abb. 25) bringen. Diese unterhaltende Arbeit
+erinnert an die farbenfröhlichen Biedermeiertäschchen und -mappen,
+von denen noch manches Stück in den einzelnen Familien zur Erinnerung
+aufbewahrt wird.
+
+Abb. 26 stellt zwei +Badeteppiche+ dar, einfache, bescheidene Muster,
+die „wenig hermachen“, indessen sind solche Arbeiten wertvoller als
+manches bunte, unnütze Zeug. Gerade in unserer Zeit muß man auf
+praktische Werte bedacht sein, und ein +Badeteppich+ ist auf alle Fälle
+ein brauchbarer Gegenstand.
+
+[Illustration: Abb. 27. Gehäkeltes Kinderkleidchen.]
+
+Das nächste Bild (Abb. 27) zeigt ein +wollenes Kinderkleid+, es ist
+sehr praktisch in Schnitt und Farben und hat den Vorzug, nicht so
+schnell unmodern zu werden. Außerdem kann es nach Belieben vergrößert
+werden, wenn es „ausgewachsen“ sein sollte. Zum Unterschied von manchen
+andern Wollkleidern wirkt es durchaus nicht plump, auch nicht bäurisch;
+es ist sehr geschickt gemacht, und wenn es sorgfältig nachgearbeitet
+wird, muß es unbedingt kleidsam wirken.
+
+[Illustration: Abb. 28 Aus Wolle gehäkelter Blumenzweig.]
+
+In der Vorlage (Abb. 27) bildet grüne und weiße Wolle das Material.
+Das Leibchen in Kimonoform arbeitet man am besten nach einem Schnitt.
+Man fängt es am vordern Ende an in hin- und hergehenden grünen
+Stäbchenreihen, wobei man stets das hintere Glied erfaßt. Zu den Ärmeln
+schlägt man entsprechend Luftmaschen an; nach zwei Reihen durch die
+ganze Breite beginnt man den Schlitz und häkelt bloß halbseitig bis
+zur Achsel. Dann wird die zweite Hälfte des Vorderteils ebensoweit
+gearbeitet. Für den Rücken geht es in voller Breite weiter; er wird wie
+das Vorderteil beendet. Wenn die Seitennähte verbunden sind, wird der
+Rock an das Leibchen in flachen Bogenformen angehäkelt. Die erste Reihe
+ist aus dreifachen grünen Stäbchenreihen gebildet. Vierzehn solcher
+Stäbchen werden auf drei Maschen des Leibchenrandes verteilt, dann
+fünf Maschen des Randes übergangen, und in die nächsten drei Maschen
+wird wieder eine Stäbchengruppe ausgeführt. Bei dieser Reihe sind die
+beiden Glieder der Maschen erfaßt. Die nächste Reihe sind einfache
+grüne Stäbchen in die der vorigen Reihe. Dann folgt eine Reihe weißer
+Doppelstäbchen, danach zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen. Diese
+weißen Doppelstäbchen und die zwei Reihen grüner einfacher Stäbchen
+wechseln wir neunmal; Grün bildet den Abschluß. Der Kragen und die
+Ärmelaufschläge sind in weißen Stäbchen gehäkelt, der Schlitz wird mit
+weißen Pikots umrandet.
+
+[Illustration: Abb. 29. Große gehäkelte Wollblume.]
+
+Zum Schluß machen wir auf die hübschen +Wollblumen+ (Abb. 28 bis
+30) aufmerksam, die, wie das Kindertäschchen, den Vorlagen aus dem
+Verlag Otto Beyer, Leipzig, entnommen sind. Das „+Gänseblümchen+“
+und die große „+Rundblüte+“ passen zum Schmuck von +Kinderkleidern+
+und +Hüten+, man kann einige dieser Muster in verschiedenen Farben
+anfertigen und daraus ein +Sträußchen+ herstellen, um es in dieser Art
+zu verwenden. Auch zur Verzierung von +Nähkörben+ und +Kannenwärmern+
+eignen sich diese Blumen, ganz besonders der +Blütenzweig+ auf dem
+ersten Bilde.
+
+[Illustration: Abb. 30. Aus Wolle gehäkelte Gänseblume.]
+
+
+8. Künstlerische Blumen
+
+In früheren Jahren gab es eine Mode der „künstlichen“ Blumen als
+Zimmerschmuck. Das war damals, als Hellebarden und Stoßdegen sich an
+der Wand des Speisezimmers kreuzten, als die Büfetts wie hochragende
+Ritterburgen gebaut wurden, und das Makartbukett gemeinsam mit andern
+Staubfängern als eine nicht zu umgehende Wohnungsdekoration etwas galt.
+Diese Blumen mußten naturgetreu wirken, man stellte sie aus Woll- und
+Seidenfäden her, brauchte viel Silberfiligran und dünnen Silberdraht
+dazu und gab ihnen einen Kelch aus Gummimasse; Stengel und Staubgefäße
+wurden aus Federkielen angefertigt. Das waren schöne Kunstwerke! Heute
+ist die +frische+ Blume in Mode, und wenn man für den gedeckten Tisch
+-- gleichzeitig als Damenspende -- künstliche Blumen verwendet, so
+sollen sie künstlerisch wirken und in keiner Weise „wie echt“ aussehen.
+Im Gegenteil, es wird alles vermieden, was irgendwie naturgetreu wirken
+könnte, jede Form wird so lange vereinfacht, jede Linie so stark
+stilisiert, bis ein mehr oder weniger farbenfröhliches Phantasiegebilde
+entsteht, das sich recht gut als Ansteckblüte verwenden läßt und
+ausnahmsweise gelegentlich ein paar Vasenblumen ersetzen kann. Sie
+wirken sehr frisch und lebendig, wenn sie an dem Muff, am Pelzkragen,
+am Mantel oder am Jackett befestigt werden, als Hutschmuck werden sie
+statt einer andern Garnitur gern getragen, auch für Gesellschafts-
+und Ballkleider kommen künstlerische Blumen in Betracht, doch muß
+hier der Geschmack sehr sorgfältig wählen, denn nicht jede Blume
+paßt für jede Gelegenheit. Für Waschkleider und Blusen sind sie zum
+Beispiel kein geeigneter Ausputz und für sportliche Anzüge sind sie
+ebenfalls nicht unbedingt zu empfehlen. Wir zeigen auf unseren Bildern
+eine Anzahl künstlerische Blumen, von +Luise Wolbrandt+ entworfen
+und ausgeführt. Die Wollblüten können recht gut zur Verzierung von
+Kindersachen verwendet werden. Für gehäkelte, gestrickte oder gewebte
+Sporthüte und Mützen sind sie nicht zu brauchen, denn es wäre gegen
+den guten Geschmack, verschiedene Handarbeitstechniken miteinander zu
+verbinden, darum kann man sie auch nicht für handgeflochtene Basthüte
+benutzen. Dagegen wirken sie sehr hübsch als Schmuck für +Pelzhütchen+
+und +Pelzmützen+, für einfarbige +Seidenhüte+, besonders wenn es sich
+um Glockenformen handelt und wenn die Farbenzusammenstellung recht
+sorgfältig ausgewählt worden ist. Wollblumen dieser Art sollte man
+auch für +Tee-+ und +Kaffeekannenwärmer+ verwenden, sie passen für
++Kuchenschützer+ und sehen sehr lustig aus, wenn sie am Bügel eines
++Nähkörbchens+ angebracht sind. Nur muß man sich hüten, die Blumenmode
+zu übertreiben; es sieht nicht gut aus, wenn in jedem Zimmer an irgend
+einer Stelle mehr oder weniger farbige Blumen aus Seide, Wolle oder
+einem andern Material ausgestellt sind. Das würde ganz bestimmt zum
+Dilettantismus führen. Es muß auch sehr klug überlegt werden, für
+welche Zwecke sich die einzelnen Blüten in den einzelnen Techniken
+am besten eignen. Unser erstes Bild (Abb. 31) zeigt stilisierte
+„+Rosenknospen+“, die als Schmuck für +Gesellschaftskleider+ und
+Hüte gedacht sind; „+Glockenblumen+“ (Abb. 32) eignen sich für
++Kinderkleidung+, +Vasenschmuck+, +Tischdekoration+, +Kannenwärmer+,
++Körbe+. „+Seidenblüten+“ (Abb. 33) sind wie die schon erwähnten
+„Rosenknospen“ zu verwerten. „+Wollblumen+“ (Abb. 34) passen für
++Hüte+, +Mützen+, +Kinderkleidung+, zum +Anstecken+, ähnlich wie
+„Glockenblumen.“ Die +tütenförmigen Blüten+ auf Abb. 35 sind in der
+Art der Rosenknospen zu benutzen, sie passen auch in hohe, schlanke
++Glaskelche+, wenn eine elegante +Tischdekoration+ vorgesehen ist,
+kommen aber für Hüte nicht in Betracht, die +Sternblume+ ist die
+echte, rechte +Ansteckblume+, sie wird stets fein wirken, ganz gleich,
+ob sie für +Muffen+, +Kleider+, +Mäntel+, +Hüte+, +Pelzkragen+ oder
++Mützen+ verwendet wird. Dasselbe gilt von dem buntfarbigen +Sträußchen
+aus Wollblümchen+ auf Abb. 36, das auch für +Kindersachen+ sehr zu
+empfehlen ist. Die beiden letzten Modelle sind besonders für junge
+Mädchen geeignet, sie schmücken ohne allzu elegant zu wirken und fallen
+auch nicht peinlich auf, was bei weniger geschmackvoll geformten
+Blumen, deren Farben womöglich ungeschickt zusammengestellt sind, sehr
+leicht geschehen kann.
+
+[Illustration: Abb. 31. Rosenknospen.]
+
+[Illustration: Abb. 32. Glockenblüten.]
+
+[Illustration: Abb. 33. Seidenblüten.]
+
+Die Technik soll recht ausführlich beschrieben werden, sie wird
+sicherlich zu Versuchen Anregung geben. Wenn auch unsre Modelle,
+die von Künstlerhand stammen, nicht erreicht werden können, dürften
+anderseits erfreuliche Erfolge nicht ausbleiben. Auf alle Fälle muß
+gesagt werden, daß die Rosenknospen durchaus nicht rot oder rosa
+gehalten sind, es sind Phantasieblumen, die genau so gut in Rehbraun
+wie in Grau oder Violett ausgeführt werden können, vorausgesetzt, daß
+der Schein der Seide, es kann auch Atlas oder Taft sein, recht weich
+ist. Die Wollblumen können in ungebrochenen Tönen hergestellt werden,
+doch sollen sie nicht bäurisch wirken.
+
+[Illustration: Abb. 34. Wollblumen.]
+
+Bei den Rosenknospen (Abb. 31) fällt uns sogleich die Form der
+Blütenblätter auf, die nicht rund wie natürliche Rosenblätter
+sind, sondern ähnlich wie die Form der Knospen erscheinen, die,
+langgestreckt, durch die Umschließung der Staubfäden unten breiter,
+oben schmäler aussehen. Nach dieser Form biegt man den Blumendraht
+und umspannt ihn doppelt derart mit dem Stoff, daß sich alle Falten
+soviel wie möglich schräg ziehen und die Stoffenden beim Umwickeln
+nicht zu dick auftragen. Die Form wird gebogen, nach unten gerundet
+und die Drahteinlage am Rand dann mit feinen, gleichmäßigen Stichen
+übernäht, damit sie nicht aus der Lage kommt. Kürzer und gerundeter
+sind die Blätter, die vom Mittelteil abstehen. Eigenartig ist auch
+die Befestigung der Stiele, zu denen etwas stärkerer Draht genommen
+werden kann. Man befestigt an einem Drahtende einen langen Faden
+Filoselleseide und umwickelt damit den Draht ein Stück, worauf man
+eine oder mehrere Perlen aufschiebt. Durch diese leitet man zuerst die
+Seide, schiebt die Perle an und umwickelt dann weiter den Stiel, bis
+die Blumenblätter ringsum angebunden werden. Auch nach der Herstellung
+der Knospe, bei welcher der Stiel durch die Mitte geht, wickelt man
+weiter und befestigt dabei die kleinen grünen Blättchen.
+
+[Illustration: Abb. 35. Tütenförmige Blüten und Sternblume.]
+
+Das Sträußchen mit den sechsteiligen Blüten (Abb. 36) ist etwas anders
+ausgeführt. Man überspannt hier auch die einzelnen Blättchen mit weißem
+Seidenstoff, den man an einer Längsseite gegenseitig einschlägt und mit
+der Drahteinlage übernäht. Dann wird mit Filoflosseseide Hexenstich
+auf beiden Seiten über die Blättchen gestickt. Den Mittelpunkt
+bildet man mit einer Perle, die an den Draht geschoben und durch das
+umgebogene Ende festgehalten wird. Die sechs Blättchen werden mit Seide
+angebunden, dann umwickelt man den Stiel und befestigt an ihm ein oder
+mehrere Blättchen, die das Laub darstellen. Knospen kann man hier durch
+einige in die Höhe strebende Blättchen darstellen. Man verfertigt diese
+Blumen meist nur in der hier dargestellten Größe, selten ein wenig
+größer.
+
+Wieder eine andre Art der Ausführung zeigt die Blütengruppe (Abb.
+33), die in zwei Farben gestickt ist. Jedes der drei Blütenblätter
+wird einzeln hergestellt. Man biegt dabei die Grundform aus Draht und
+überspannt sie mit hellem Seidenstoff; dann übernäht man den Draht mit
+feiner schwarzer Seide am Außenrand, daß er wie mit einem Schnürchen
+besetzt erscheint. Mit veilchenblauer, sehr dunkler Filoflosseseide
+stickt man zuerst den äußeren Umriß mit losen, breiten Stichen, dann in
+diese Stiche unten eingreifend eine Reihe Stiche von hellerer Farbe.
+Die Abbildung zeigt, daß drei fast gleiche spitze Blätter und drei
+kleinere helle Blättchen die Innenseite der Blüte bilden. Nachdem man
+auch diese drei kleinen Blättchen mit Seidenstoff überspannt und gelb
+übernäht hat, kann man die Blüte zusammenbinden. Zuerst befestigt man
+eine Perle an dem Draht und bindet nun die kleinen Blätter, dann die
+Blütenblätter flach übereinanderliegend an. Die Abbildung zeigt auch
+noch einige Knospen mit je zwei gestickten Blättern.
+
+[Illustration: Abb. 36. Sträußchen aus sechsteiligen Blüten.]
+
+Ohne Stoffunterlage kann man die glockenförmige Blüte (Abb. 32)
+herstellen, indem man vier Drahtenden an den Stiel bindet und von unten
+anfängt, mit Seide über den Draht zu flechten, die Seide einmal von
+außen nach innen und wieder nach außen um den Draht wickelnd. Dabei
+ist die nach oben sich erweiternde Form zu bilden. Am oberen Rand
+legt man ein Drahtende glatt ringsum und nochmals in Bogen am äußeren
+Rand. Über beide Drähte schürzt man den dreiteiligen Rand mit dichten
+Stichen. Unten am Stiel einer der beiden Blumen ist eine Schnecke aus
+grünüberwickeltem und schwarzübernähtem Draht und eine Spirale, die
+aus überwickeltem und über eine Stricknadel gebogenem Draht besteht,
+angebracht.
+
+Die wirkungsvollste der abgebildeten Blumen ist das weiße tütenförmige
+Modell (Abb. 35). Es erfordert die meiste Geschicklichkeit und sehr
+sorgsame Arbeit. Die Herstellung geschieht in ähnlicher Weise wie bei
+den Rosen; nur sind hier größere und schmalere Formen zu bilden und zu
+übernähen. Die kleine Sternblume zeigt die gleiche Herstellungsart.
+
+
+9. Teepuppen
+
+Die +Teepuppe+ ist ein Kriegskind. Als der Spiritus knapp wurde, als
+der „Rechaud“, der Wärmespender aus Nickel, Messing oder Silber vom
+Teetisch verbannt werden mußte, als die verschiedenen Streike das
+Kochen erschwerten und das Warmhalten der Speisen zeitweilig unmöglich
+machten, damals tauchte die +Teepuppe+ auf, die +Teepuppe+ in ihren
+vielfachen Verkleidungen. Ihr, liebe Leserinnen, saht, wenn ihr euch
+dieser schweren Zeit erinnert, vielleicht nur die zierliche Puppe,
+diesen amüsanten Tafelschmuck, aber ihr damaliges Auftreten hatte
+wirklich eine ernste Veranlassung. Sie ist heute demnach überflüssig
+geworden, und ihre Art wäre schon längst ausgestorben, wenn sie sich
+in den verschiedenen Häuslichkeiten nicht so fest eingebürgert hätte,
+nicht nur, weil sie so reizvoll, sondern weil sie praktisch ist. Eine
+geschmackvolle +Teepuppe+ ist noch immer ein gerngesehenes Geschenk,
+ein freundlicher Schmuck für die Anrichte, für den Teewagen, und ich
+kann mir vorstellen, daß euch das Anziehen solcher +Teepuppe+ sehr viel
+Spaß macht, mindestens so viel Spaß, als wenn ihr als kleine Mamas eure
+Puppenkinder angezogen habt, nur, daß die Sache diesmal doch etwas
+schwieriger ist.
+
+[Illustration: Abb. 37. Jettchen Gebert.
+
+Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger.]
+
+Die +Teepuppe+ kommt als Rokokomarquise mit schneeweiß gepuderter
+Perücke, als Biedermeiermadame im bauschigen Reifrock, als Japanerin in
+farbigen, weiten Phantasiegewändern vor, sie steigt aus alten Stichen
+heraus und nimmt den Namen berühmter Frauen an, wir kennen sie als
+Lady Hamilton, als „Dame mit dem Muff“ von Madame Lebrun, als Tänzerin
+Barbarina, als Marie Antoinette. Dann wieder heißt sie Prinzeß
+Lamballe oder ganz schlicht bürgerlich „das Schokoladenmädchen“. Aber
+welche Rolle die Teepuppe auch spielen mag, der breite faltige Rock
+darf bei ihr nicht fehlen. Darum stammt die gut gearbeitete +Teepuppe+
+stets aus Epochen, in denen die Frau weite Gewänder trug -- die Tracht
+der Königin Luise, der Josephine Beauharnais, und gar ein modernes
+„Komplet“ würden ihr nicht günstig sein, denn der Rock ist es doch, der
+die Teekanne warm halten soll, sonst hat die reizendste Teepuppe ihren
+Zweck verfehlt. Bei ihr kommt es nicht nur auf eine geschmackvolle
+Kleidung, sondern ebensosehr auf eine praktische Montierung an. Mit
+einigem Geschick, mit einer ausgeprägten Nadelfertigkeit kann wohl jede
+von euch eine +Teepuppe+ anfertigen, umso eher, als alle Zutaten in den
+einschlägigen Geschäften erhältlich sind.
+
+Außer dem Oberkörper, den Armen und dem Gestell kommen bei dieser
+Arbeit hauptsächlich nur Stoff-, Band- und Spitzenreste in Betracht,
+diese Reste dürften in jedem Haushalt vorhanden sein. Den Kopf und
+die Arme kann man meist bei denselben Firmen kaufen, bei denen das
+Drahtgestell zu haben ist. Das Montieren und Ankleiden ist nicht sehr
+schwierig, es gehören nur außer einem gebildeten Geschmack -- ihr müßt
+euch da recht gut beraten lassen -- noch ein paar ungestörte Stunden
+dazu.
+
+Zuerst wird das Drahtgestell mit schmalen weißen Bändchen umwickelt,
+dann näht man das Futter, beliebigen weißen Stoff, darüber, und zwar
+in der Art, daß man, vorn beginnend, unter dichtem Anstecken, nach
+der Rückseite zu das Gewebe straff über das Gestell spannt und durch
+Abnäher die Glockenform erzielt. Die beiden Stoffteile werden durch
+eine saubere Saumnaht miteinander verbunden, so daß eine geschlossene
+Glocke entsteht. Der obere und der untere Rand wird fein gesäumt;
+damit die Hülle nicht Falten wirft oder gleitet, befestigt man sie
+mit leichten, aber festen Stichen an jeder Stabkreuzung des Gestells.
+Nun wird aus Watte die wärmende Einlage hergestellt. Man verwendet
+dazu einen Streifen Watte, der genau so breit und hoch wie das
+Drahtgestell sein muß. Die Watte muß gerade geschnitten sein und wird
+zur Rundung geschlossen. Man näht die Längskanten der Watte vorsichtig
+zusammen und stülpt sie zunächst, um die Glockenform zu erhalten,
+über das Gestell; jetzt werden an der Vorder- und an der Rückseite
+zwei Abnäher ausgeführt, der überstehende Stoff wird fortgeschnitten,
+die Schnittkanten verbindet man durch Kreuznähte. Nachdem auf diese
+Weise die Form genau passend hergerichtet ist, wird die Watte in
+die Innenseite des Gestells gesteckt und mit einigen festen Stichen
+am Futterstoff angenäht. Sie wird innen mit leichtem Batistfutter
+versehen, das ebenfalls röhrenförmig, genau wie die Wattierung, genäht
+wird. Damit unter dem Kleid ein Unterrock angedeutet ist, wird ein
+weißes Röckchen, nach Belieben mit Spitze verziert, auf die Futterform
+aufgenäht. Um Stoff zu sparen, bringt man nur eine breite Falbel aus
+weißem Mull oder Batist an -- jeder geeignete Stoff kann verwendet
+werden --, die Falbel wird mit Fältchen und feinen Spitzen geschmückt
+und mit leichten Stichen an einem der unteren Drahtstreifen angenäht.
+Nun wird der Porzellanoberkörper der Puppe mit dem Gestell verbunden,
+nur ein Puppenkopf mit „selbstgemachter“ Taille würde bestimmt nicht
+gut aussehen. Man umwickelt den unteren Teil des Rumpfes mit Band,
+näht es zusammen und steckt ihn in den oberen Ring des Gestells, der
+für diesen Zweck freigelassen worden ist. Nun beginnt das Ankleiden
+der Teepuppe, das sich nach einem bestimmten Modell richten muß. Ob
+ihr „Jettchen Gebert“ anzieht oder eine altfranzösische Hofdame, das
+ist gleich, ich rate euch, auf alle Fälle gute Bilder, Stahlstiche,
+Reproduktionen auf Künstlerkarten zu Rate zu ziehen und immer zu
+bedenken, daß die Teepuppe am besten eine graziöse, jugendliche
+Persönlichkeit darstellen soll; stellt euch vor, wie hübsch es wäre,
+wenn sie sich am Gespräch beteiligen könnte. Man hat auch schon
+mit Erfolg versucht, besondere Kaffeekannenwärmer in dieser Art
+herzustellen, dafür wählt man lieber behäbige Bürgerfrauentypen, sehr
+wirkungsvoll sind Bäuerinnen in ihren echten volkstümlichen Trachten.
+Solche Arbeit ist indessen nicht so leicht, weil die geeigneten Köpfe
+nicht immer vorrätig sind, während die +Teepuppenköpfe+ und Oberkörper
+in den verschiedensten Arten, zu den verschiedensten Trachten passend,
+in den einschlägigen Geschäften stets erhältlich oder leicht zu
+beschaffen sind.
+
+[Illustration: Abb. 38. Die weiße Rose. (Aus Wiener Atelier „Lili“.)]
+
+Ich zeige euch auf den nebenstehenden Bildern einige ganz besonders
+reizende Teepuppen, die vorbildlich genannt werden können; hier seht
+ihr graziöse Figuren, stilechte Aufmachung, hübsche „echte“ Gesichter,
+alles, was zu einer richtigen Teepuppe gehört.
+
+Das erste Modell (Abb. 37) stellt Jettchen Gebert dar, einen gut
+bürgerlichen Biedermeiertyp; seht euch die dickzöpfige Frisur mit dem
+Bandschmuck an, das dunkelseidene Kleid mit den vielen Krausen, ich
+wette, es ist flaschengrün oder pflaumenblau, es kann aber auch braun
+oder veilchenfarben sein, und dann die enge Taille, die noch enger
+aussieht mit ihren vielen Nähten, weil der Rock gar so bauschig fällt.
+Sehr echt ist der spitze, geblümte Seidenkragen, am Ausschnitt steckt
+die übliche Brosche. Die Ärmel sind ziemlich weit, die Unterärmel
+bestehen aus weißem Spitzenstoff, den Abschluß dieses Kostüms bildet
+der seidene Pompadour mit Perlen und Spitzenverzierung und das
+bescheidene Halskettchen. Es können Perlen sein, aber vielleicht ist es
+auch aus dünnem Gold oder Silber.
+
+[Illustration: Abb. 39. Karoline. (Wiener Atelier „Lili“.)]
+
+[Illustration: Abb. 40. Rokoko. (Wiener Atelier „Lili“.)]
+
+Das nächste Bild (Abb. 38) zeigt „die weiße Rose“, eine besonders
+anmutige Teepuppe in einem stumpf-mattlila Seidenkleid, das durch einen
+schimmernden, apfelgrünen Seidenschal ergänzt wird. Der Ausschnitt an
+der schmalen Taille wird vorn von einer weißen Rose mit grünen Blättern
+geschmückt. Diese Rose wiederholt sich an der Frisur, und schließlich
+sehen wir sie wie ein Symbol in der Hand der Schönen.
+
+Die dritte Teepuppe (Abb. 39) stellt ein +junges Mädchen mit
+Hängelocken+ dar, sie könnte ein Lied von Schubert singen; ganz zart
+und niedlich sieht sie aus in ihrem etwas steifen Seidenrock, der bis
+über die Knie mit einem dunklen Spitzenstoff bedeckt ist, der auch die
+enge Taille und die Ärmel verziert. Aus den weiten Spitzenärmeln gucken
+weiße Tüllärmel hervor; aus diesem Tüll besteht auch die schmale Krause
+am Ausschnitt, der in eine Tüllblume verläuft. „Karoline“, so heißt das
+junge Fräulein -- damals, als man so aussah, hieß man Karoline --, hat
+Blumen im Haar und hält einen schwarzen, feinen Spitzenschal über dem
+Arm.
+
+Die +Rokokodame+ der letzten Abbildung (40) trägt ein einfarbiges
+weiches Seidenkleid mit Goldspitzengarnitur, am Ausschnitt sind ein
+paar Seidenblümchen angebracht, das schneeweiß gepuderte Haar ist
+ebenfalls mit solchen farbigen Blumen verziert, die sich als Ranke über
+die Lockenperücke hinziehen. Die Lorgnette aus Golddraht ist an einem
+dünnen, langen Goldkettchen befestigt, das vom Hals der reizenden Frau
+herabhängt.
+
+Die +Teepuppe+ ist eine liebenswürdige Bereicherung unserer gedeckten
+Tafel. Sie gibt dem Teetisch das kultivierte Gepräge, sie bringt einen
+verfeinerten Ton mit sich, es ist, als ob eine reizende Weltdame
+mit eingeladen wäre, und ihr zu Ehren wird der Tisch ganz besonders
+sorgfältig gedeckt. Die dünnen Teetassen werden aus dem Schrank geholt,
+blitzendes Kristall, schimmerndes Silber, ein paar Blumen, liebevoll
+geordnet, all dies ergänzt die geschmackvolle Anordnung; sie darf da
+nicht fehlen, wo eine Teepuppe Verwendung findet. Auf den täglichen
+Frühstücks- oder Nachmittagskaffeetisch mit seinem Alltagsgeschirr
+gehört eine einfache Tee- oder Kaffeemütze, die Teepuppe stellt
+Ansprüche.
+
+
+10. Nadelmärchen
+
+In der Kinderzeit hören wir nichts lieber als die innigen, teils
+fröhlichen, teils traurigen deutschen Märchen, die alle irgendwie von
+mythologischer Bedeutung sind und mit dem Geistesleben der alten
+Germanen eng zusammenhängen. Diese Bedeutung ist längst verloren
+gegangen, und in der Gegenwart bemühen sich berühmte Gelehrte, die
+Zusammenhänge wiederzufinden. Die letzten Reste einer uralten Kultur
+haben sich in die Kindermärchen, in manchen Kinderreim geflüchtet,
+und ganz naiv und jugendselig singen jetzt Knaben und Mädchen kleine
+Lieder, deren Inhalt so einfach klingt, und die einst von den
+germanischen Priestern und den Nornen als Beschwörungsformeln verwendet
+wurden und ganze Stämme in ehrfürchtige Schauer versetzt haben.
+
+[Illustration: Abb. 41. Marienkind.]
+
+Die lieben, uns allen vertrauten Märchen mit ihrer Gemütstiefe sind
+ebenfalls Überbleibsel einer alten Kultur. Niemand kennt die Dichter,
+die sie ersonnen haben; die echten deutschen Märchen haben sich
+fortgeerbt von einem Geschlecht auf das andere, und kein Kind, Knabe
+oder Mädchen, wird sich ihrem Zauber entziehen können.
+
+Wenn die reifere Jugend aus den Märchenzeiten herausgewachsen ist,
+wenn andre Interessen an sie herantreten, die Erinnerung an die selige
+Spannung, an die harmlose Lust geht mit ihnen bis ins späteste Alter.
+Die Märchen aber bleiben ewig jung. Immer wieder ist versucht worden,
+sie in die Kunst zu übertragen. Es gibt Skulpturen, es gibt Malereien,
+außer den vielen mehr oder weniger bekannten Buchillustrationen, die
+alle das deutsche einfältig-liebe Märchen zum Mittelpunkt haben, und
+von Zeit zu Zeit sind sie auch in die bunte Sprache der Stickerei
+übersetzt worden.
+
+Als Beispiele zeigen wir drei handgestickte Wandbilder, die Szenen
+aus alten deutschen Märchen darstellen. Da sehen wir das betende
++Marienkind+ (Abb. 41) aus der Legende, wie es einen Stern auf der Hand
+trägt, und wie aus diesem Stern ein großer Sternenkranz emporsteigt,
+der sich um das Mädchen schließt. Ein Heiligenschein strahlt um ihre
+Gestalt. Nun ist die arme Waise ein frommer Engel geworden.
+
+[Illustration: Abb. 42. Dornröschen.]
+
+Das andre Bild zeigt +Dornröschen+ schlafend unter dem Rosenstrauch
+(Abb. 42). Ein Schmetterling träumt auf ihrer Hand. Alle Zweige und
+alle Blüten neigen sich schützend über das verzauberte Prinzeßchen.
+
+Das dritte Bild stellt +Aschenbrödel+ dar (Abb. 43). Es hat das neue
+goldene Kleid unter dem Machandelbaum anprobiert. Die Kleine breitet es
+mit beiden Händen aus und will nicht glauben, daß es ihr gehören soll.
+Aber bald, bald wird es auch der fremde Königsohn bewundern, wenn sie
+im schimmernden Gewande, den Blütenkranz im Blondhaar, mit ihm tanzen
+wird.
+
+Eine Berliner Künstlerin, Klara Rheinländer, hat die reizenden Bilder
+entworfen und handgestickt. Sie arbeitet mit leuchtenden Farben,
+das sieht man sogar auf unsern Abbildungen, die alle drei ganz
+naturalistisch wirken.
+
+[Illustration: Abb. 43. Aschenbrödel.]
+
+Solche Nadelmärchen-Stickereien sind wohl sehr schwierig, aber es
+ist doch recht gut, wenn ihr seht, was auf diesem Gebiet geleistet
+werden kann, und diese Bilder geben euch sicher mancherlei Anregung.
+Ich würde euch raten, einmal ein paar Einzelheiten aus diesen Bildern
+herauszunehmen und sie nachzuarbeiten, einen Stern, eine Ranke, ein
+paar Blumen. Wenn ihr damit Erfolg habt, könnt ihr weitere Versuche
+machen, die Technik der Nadelmalerei ist euch ja bekannt, und
+schließlich denkt euch einmal selbst etwas aus, das sich aufzeichnen
+und sticken läßt. Ein paar spielende Schmetterlinge, ein Topf mit einer
+blühenden Blume, eine Vase mit farbigen Blüten, ein Vögelchen auf
+einem Zweig, und wenn ihr auf dieser Basis weiter arbeitet, kommt ihr
+schließlich selbst auf kleine Szenen und Märchen, die ihr dann mit der
+Nadel und vielen bunten Seidenfäden lebendig macht.
+
+
+11. Kissen aus bunten Wollresten
+
+In den letzten Jahren sind starkfarbige Handarbeiten sehr modern
+geworden, besonders beliebt sind +Wollarbeiten+ in vielen bunten
+Tönen. Allerlei Techniken wurden für dieses Material ausgedacht, eine
+der hübschesten ist die Sternwickeltechnik, die sich für +Decken+
+und +Kissen+, +Teekannenwärmer+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ am
+besten eignet. Die Herstellungsweise ist sehr einfach, und da allerlei
+Wollreste verwendet werden können, fast kostenlos.
+
+[Illustration: Abb. 44. Die Anfertigung der Sterne.]
+
+Man braucht dazu einen Stern aus Zelluloid, wie er zum Zwirnaufwickeln
+benutzt wird. Findet er sich nicht im Nähtisch, so verwertet man die
+Pappsterne, auf die das starke Nähgarn aufgewickelt ist. Man bespannt
+solchen Stern mit einem einfarbigen Wollfaden und durchstopft, wenn er
+fertig umspannt ist, mit einer Stopfnadel und vier Fäden das Muster,
+bis ein Kreuz entsteht. Wir sehen die Herstellungsart auf dem ersten
+Bild (Abbildung 44); nach und nach werden so viel Sterne angefertigt,
+wie zum Kissen oder einer andern Arbeit notwendig sind. Damit eine
+recht bunte Wirkung entsteht, wird jeder Stern andersfarbig gehalten,
+doch kann man auch eine bestimmte Reihenfolge dabei verfolgen, so
+daß durch die Anordnung der Farben wieder neue Wirkungen entstehen.
+So hält man der Reihe nach die Sterne in Feuerrot, Briefkastenblau,
+Schwefelgelb, Giftgrün, Karmoisinrot, Orangegelb und versetzt die
+Sterne in entsprechender Weise. Weiß, Schwarz, Grau und Braun eignen
+sich für diese Zwecke nicht. Am besten wirkt die Arbeit, wenn das
+Wollmaterial gleich stark ist; jeder Stern muß einfarbig gehalten
+sein. Die fertigen Sterne werden miteinander verbunden, man näht oder
+häkelt sie zusammen, nachdem man ausgerechnet hat, wieviel Sterne
+für die Arbeit verwendet werden sollen. +Kissen+, +Kannenwärmer+,
++Schlummerrollen+, +Kuchenschützer+ und +Beutel+ müssen abgefüttert
+werden, ehe das Sternmuster aufgezogen wird (Abb. 45). Einfarbiger
+Satin in Feuerrot, Papierblau, Gift- oder Grasgrün, Schwefel- oder
+Apfelsinengelb eignet sich am besten dafür. +Decken+ brauchen nicht
+abgefüttert zu werden; dieses Sternmuster eignet sich indessen nur für
+kleine Decken, zum Beispiel für Vasenuntersetzer. Für große Decken
+kann man das Sternmuster darum nicht empfehlen, weil die einzelnen
+Gegenstände leicht darin hängen bleiben können, eine Ausnahme bilden
++Kinderwagendecken+, die entsprechend abgefüttert werden müssen.
+
+[Illustration: Abb. 45. Das fertige Kissen.]
+
+
+12. Körbchen mit duftenden Rosen
+
+Alle jungen Mädchen schwärmen für Parfüm, für Duftstreuer und ähnliche
+angenehme Dinge, die, mit Geschmack und Vorsicht angewendet, sicherlich
+keine Gegner haben dürften. Am feinsten wirkt es, wenn man im Kleider-
+und Wäscheschrank, in den Kommodenschubladen und in der Hutschachtel
+ein paar Duftbeutel verteilt, die möglichst leicht und unauffällig
+parfümiert sind, und die den Duft gleichmäßig auf die verschiedenen
+Gegenstände übertragen. +Handschuhe+, +Taschentücher+, +Halstücher+,
++Schals+, +Wäsche+, +Bänder+ können in dieser Art parfümiert werden,
+wenn man nur den „richtigen“ Ton trifft. Am geschmackvollsten sind
+all die Düfte, die uns die Natur bietet; da sind +wilde Kräuter+,
+wie +Thymian+ und +Rosmarin+, +Waldmeister+ und +Lavendel+, deren
+Geruch zart und angenehm ist und außerdem den Vorzug hat, die Motten
+fernzuhalten. Da sind die +jungen Triebe+ der +Nadelhölzer+, die, im
+Mai gesammelt, sehr aromatisch duften und lange vorhalten. In alten
+Gärten gibt es +Zentifolien+, deren Blüten, am frühen Morgen gepflückt,
+schon von unsern Urgroßmüttern als Duftspender im Kleider- und
+Wäscheschrank beliebt waren. Sie hatten ein einfaches Verfahren dafür:
+In eine festschließende Porzellandose oder in einen „Potpourri“ wurden
+die vorsichtig gepflückten Zentifolienblätter gelegt, je eine Lage
+Blütenblätter und darauf eine Lage Salz, zum Schluß kam eine Lage Salz.
+Wenn diese Mischung fest verschlossen, ungestört, möglichst im Finstern
+einige Wochen gestanden hatte, wurde die Dose geöffnet, und ein feiner
+Rosenduft erfüllte den Raum. Man sagte, erst wenn die Rosenzeit vorüber
+sei, dürfe der Dufttopf geöffnet werden, so lange dauere es, bis der
+Duft „fest“ geworden sei. Er hielt sich bis zur nächsten Rosenzeit,
+dann wurden wieder junge Zentifolienblüten gepflückt, und die
+Duftflasche, der „Potpourri“, gefüllt. Aber auch ohne Salz läßt sich
+der Duft der Zentifolie festhalten, nicht so lange, aber wenigstens
+für ein paar Wochen, wenn die Blütenblätter im Riechbeutel aufbewahrt
+werden.
+
+[Illustration: Abb. 46. Körbchen mit duftenden Rosen.]
+
++Riechbeutel+ und +Riechkissen+ sind immer beliebt, immer modern; man
+stellt sie aus Seidenresten her, verziert sie mit leichten Stickereien,
+verschließt die Beutelchen mit schmalen Seidenbändchen. Die Füllung
+besteht aus parfümierter, nicht zu feiner Kleie, da sie sonst leicht
+durch das Gewebe hindurchdringt. Man legt die Beutel in +Schubladen+
+und +Kartons+, zwischen +Briefpapier+, in +Taschentuch-+, +Band-+ und
++Spitzenbehälter+ und hängt die Beutel in den +Schränken+ und +Fächern+
+auf.
+
+In den Drogerien gibt es Duftextrakte, die für Riechbeutel bestimmt
+sind, unter anderm eine Pflanzenwurzel, die wenig bekannte
++Veilchenwurzel+, die einen feinen Duft hat, der ziemlich lange
+vorhält. Diese +Veilchenwurzel+ kann man im Mörser zerstoßen und mit
+dem Mehl die Beutel und Kissen füllen.
+
+Eine Neuerung, die indessen eigentlich eine Wiederbelebung einer alten
+Mode ist, ist die +Seidenblume+, deren Kelch aus einem Riechbeutelchen
+oder Kissen besteht. Solch kleine Handfertigkeit sieht sehr hübsch aus
+und ist sehr praktisch.
+
+Noch reizender ist ein „+Körbchen mit duftenden Rosen+“. Das Körbchen
+besteht aus einem beliebigen Geflecht, in jedem Haushalt dürfte sich
+solch kleines Körbchen finden. Man frischt es auf, wenn es verstaubt
+oder verbogen ist, meist kann man es mit einer Bürste und Sodawasser
+reinigen, und die Farbe, wenn es nötig ist, mit Spiritusbeize erneuern.
+
+Sehr geeignet sind die zierlichen japanischen Körbchen, auch
+Strohkörbchen passen dafür. Wir zeigen auf unsern Bildern ein +Körbchen
+mit Duftrosen+ (Abb. 46) und die Rose in ihren Einzelheiten (Abb. 47),
+damit sie nachgearbeitet werden kann.
+
+Jede Rose kann einzeln herausgenommen werden, ihre Kelchfülle umgibt
+das Duftbeutelchen, es ist der „Halt“ der Blume, auf dem sie liegt. Man
+füllt den Beutel in der bereits beschriebenen Weise, doch hüte man sich
+vor dem Versuch, jede Rose mit einem andern Duft zu parfümieren. Das
+wäre sehr geschmacklos! Die Rosen werden aus Glasbatist hergestellt,
+man verwende möglichst zwei Schattierungen, zum Beispiel Rosa hell
+und dunkel, Lila hell und dunkel, Gelb hell und dunkel, entweder mit
+hellerem Innenteil oder umgekehrt. Das Kelchbeutelchen soll grün sein.
+Am hübschesten wirkt das Körbchen, wenn es etwa 15 mal 6 Zentimeter
+groß ist und mit vier Rosen gefüllt wird. Für jede Rose braucht man
+fünf innere und vier äußere Blütenblätter in je zwei Schattierungen der
+gleichen Farbe, also etwa fünf hellrosa und vier dunkelrosa Blättchen;
+Altrosa wirkt besonders fein, auch Lachsrosa, wie die altmodischen
+Rosen gefärbt sind.
+
+[Illustration: Abb. 47. Einzelansicht einer Rose mit gefülltem
+Beutelchen.]
+
+Man schneidet Stoffquadrate von 15 Zentimeter Größe, legt sie zum
+Dreieck zusammen und kneift den dadurch entstandenen Rand schmal
+um, was auf unsrer Zeichnung (Abb. 49) gezeigt wird. (Muster eines
+Rosenblattes.) Nun faltet man das Blättchen, das dadurch aus doppeltem
+Stoff besteht, ein und legt nach der unteren Spitze zu seitlich je
+zwei bis drei Fältchen ein, faßt diese unter der Spitze gemeinsam mit
+dem umgerollten Rande zusammen und näht sie mit ein paar Stichen fest.
+Sind genügend Rosenblätter vorhanden, so zieht man für das Innere der
+Blüte ein Streifchen Stoff kraus zusammen, legt die Rosenblätter darum,
+so daß eines stets zur Hälfte das andre deckt, gibt ihnen durch Druck
+und Kniff eine hübsche Form und näht sie mit leichten Stichen zusammen.
+
+[Illustration: Abb. 48. Muster für das zugleich den Blumenkelch
+bildende Beutelchen.]
+
+[Illustration: Abb. 49. Muster eines Rosenblattes.]
+
+Zum Duftbeutelchen schneidet man grüne, 20 Zentimeter große Quadrate
+und reiht sie wie auf der Abb. 48 mit kleinen Stichen aus grünen
+Seidenfäden in der angegebenen Weise ein. Man füllt den auf diese Art
+entstandenen Beutel mit beliebigem Duft. Der Faden wird nun, nicht
+zu fest, zusammengezogen, dadurch bilden sich außer dem Beutelchen
+die vier überstehenden Kelchblätter. In die obere Mitte schiebt man
+die Rose, zieht den Faden fest an, wickelt ihn mehrmals herum, und
+näht damit gleichzeitig die Rose fest an. Den umgewickelten Faden
+bedeckt man, indem man ein schmales, grünes Seidenbändchen darüber
+legt. Man füllt das Körbchen mit vier Rosen, gibt ihnen eine Einlage
+aus Holzwolle oder Watte und bedeckt diese mit grünem Seidenpapier.
+Mit grünem Seidenband wird der Korbhenkel verziert, den Abschluß
+bildet eine flotte Schleife. Solch Körbchen ist für den Toilettentisch
+bestimmt, man kann auch einzelne Rosen verwenden, indem man sie an die
+Kleiderbügel hängt oder einzeln in Schubladen und Schränken verteilt.
+Im Jungmädchenzimmer werden solche Duftrosen sicherlich sehr beliebt
+sein, aber auch die Erwachsenen werden sich ebenso sehr darüber freuen;
+solch Körbchen ist zum Beispiel ein sehr passendes Geschenk „für die
+neue Wohnung“, nur dürfen diese feinen Rosen nicht gleich dutzendweise
+auftreten.
+
+
+13. Wollpüppchen
+
+Von Zeit zu Zeit tauchen als eine Art Spielzeug mehr oder weniger
+geschmackvolle Wollpüppchen auf. Die große Wollmode der letzten
+Jahre brachte Wollpüppchen, die, praktisch verwendbar, einen
+Industriezweig bildeten, der sich bisher immer mehr ausbreitete.
+Immer neue Formen werden erdacht, um dieses neue Kleinkunstgewerbe
+weiter auszugestalten, für viele Frauen bildet es einen Erwerbszweig.
+Die Verwendungsmöglichkeit der Wollpüppchen ist sehr vielseitig,
+man verziert damit Tisch- und Speisefolgenkarten, man bringt sie
+auf Eierwärmern, Flaschenkorken, Nähkissen, Fingerhutbehältern an,
+sie ersetzen die üblichen Fliegenbälle und werden an Buchzeichen
+angebracht; bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß es durchaus
+nicht geschmackvoll wirkt, wenn in einem Zimmer zuviel Wollfigürchen
+ausgestellt sind.
+
+[Illustration: Abb. 50. Der Werdegang eines Wollpüppchens.]
+
+Die Herstellung ist meist sehr einfach, es gehört indessen viel
+Geschmack und Farbensinn dazu, um hübsche Modelle hervorzubringen.
+
+Zu ihrer Anfertigung ist zunächst eine Grundform aus feinem Draht
+nötig. Unsre erste Abbildung (Abb. 50) läßt ganz deutlich erkennen, wie
+er gespannt und umwickelt werden muß. Für den Kopf legt man mehrfach
+rosa Watte um die oberste Drahtschlinge, spannt ein Stückchen weißen
+Mull darüber, dreht ihn fest um den Wattebausch und näht ihn sauber
+zusammen. Das Überstehende wird weggeschnitten. Die Naht verdeckt man
+durch die Haare, die in Zephirwolle mit ungleich langen Plattstichen
+ausgeführt werden, wie die Abbildung zeigt. Zöpfe und hohe Frisuren
+bestehen aus Luftmaschenketten; für Locken zieht man die Wolle
+gleichmäßig durch und läßt immer eine kleine Schleife stehen. Augen,
+Nase und Mund werden durch kleine Stiche in feinem schwarzen und roten
+Garn angedeutet. Dann wird das ganze übrige Drahtgestell fest mit Wolle
+umwickelt, wobei die Schlingen der Arme und Füße einzeln vorzunehmen
+sind. Letztere führt man stets in rosa oder fleischfarbener Wolle
+aus. Die Körperformen müssen der Natur entsprechen, sie dürfen nicht
+gleichmäßig dick oder dünn sein. Zum Hals und Nacken spannt man die
+Fäden kreuzweise, dann wickelt man sie fest um den Oberkörper. Die
+Bekleidung der Püppchen läßt die größte Freiheit hinsichtlich des
+Geschmacks und der Formen zu. Unsre Abbildungen, die dem Heftchen
+„Wollblumen und andres“ (Verlag +Otto Beyer+ in Leipzig) entnommen
+sind, geben sehr nette Anregungen dazu.
+
+Die auf den +Tischkarten+ unsres zweiten Bildes (Abb. 51) angebrachten
+5 bis 6 Zentimeter hohen Figürchen stellen einen blau und weiß
+gekleideten +Ruderer+, eine +Kolombine+ in Weiß und Rot, einen
+unternehmenden +Wintersportler+ in rotem Gewande und weißem Schal und
+endlich eine flotte +Tänzerin+ in orangefarbenem und grünem Kleidchen
+dar. Die Püppchen stehen auf einer Ecke der 10: 4,5 Zentimeter großen
+Karten. Der Draht des einen Beines wird durch das Papier gezogen, auf
+der Rückseite zu einem Ring gebogen und mit einem runden Blättchen
+Papier überklebt.
+
+Die in der letzten Abb. 52 auf dem +Eierwärmer+ tanzende Schöne trägt
+blonde Locken mit eingesticktem blauen Kränzchen; das Röckchen bilden
+2 Zentimeter lange rosa Wollschlingen, das Leibchen und die kurzen
+Ärmelchen sind rund gewickelt. Der Eierwärmer wird mit einem Ring aus
+zwei bis drei Luftmaschen in rosa Wolle angefangen, in den sechzehn
+langgezogene Stäbchen geschlungen werden. Zweite Runde: mit blauer
+Wolle abwechselnd eine feste Masche in ein Stäbchen, eine Luftmasche.
+Dritte Runde: rosa, abwechselnd eine feste Masche in eine feste Masche
+der vorigen Runde, eine Luftmasche. Vierte bis dreizehnte Runde: Blau
+und Rosa wechselnd, wie die dritte Runde; doch von der sechsten Runde
+an werden statt einer Luftmasche zwei Luftmaschen gemacht. Mit der
+dreizehnten Runde in Rosa schließt die Form ab.
+
+[Illustration: Abb. 51. Tischkarten mit Wollpüppchen.]
+
+Der +Flaschenkork+ (Abb. 52, rechts) ist mit einer +Japanerin+ geziert,
+die 6,5 Zentimeter groß ist. Die hohe schwarze Frisur schmücken zu
+beiden Seiten angebrachte Blumen aus bläulich-rosa Wollschlingen.
+Das Kleid ist in Kimonoform gehalten. Zuerst häkelt man zum Rock in
+blaurosa Wolle einen Ring aus fünfzehn Luftmaschen, dessen Fadenenden
+man in der Taille befestigt. Durch die hinteren Glieder der Luftmaschen
+spannt man zur Taille und zurück blaue, gut 2,5 Zentimeter lange
+Fäden, ebenso für die Ärmel bis zum Ellbogen. Der Ärmelrand, der
+Halsausschnitt und der Gürtel, der rückwärts in Schleifen gebunden
+ist, sind aus rosa Wolle. Zum Schirmstock wird ein 6,5 Zentimeter
+langes doppeltes Stückchen Draht durch die rechte Hand gesteckt, die
+Enden werden zum Griff umgebogen und mit schwarzer Wolle umwickelt;
+zur Verzierung dient eine schwarze Schleife aus Luftmaschen. Das
+Schirmdach wird mit einem kleinen Luftmaschenring in dottergelber Wolle
+begonnen. Darein häkelt man siebzehn langgezogene Stäbchen. Die nächste
+und zugleich letzte Runde: je eine feste Masche in ein Stäbchen, eine
+Luftmasche; dabei häkelt man einen fein umwundenen Draht mit ein
+und näht alsdann das Dach am Stockende fest. Das Püppchen wird auf
+dem Kork befestigt, indem man den Draht des rechten Fußes durch die
+Metallscheibe und den Kork zieht und mit einem Knoten abschließt.
+
+[Illustration: Abb. 52. Eierwärmer und Flaschenkork mit Wollpüppchen.]
+
+
+14. Die Zupfpuppe
+
+Die Selbstherstellung von Puppen dürfte für jedes junge Mädchen ein
+besonderer Anreiz sein, weil mit dieser Kunstfertigkeit andern viel
+Vergnügen bereitet werden kann. In jeder Familie gibt es Kinder,
+und wer besonders geschickt und erfinderisch in der Anfertigung
+hübscher Puppen ist, wird bald in den weiteren Kreisen einen Namen als
+Puppenkünstlerin bekommen und in Anspruch genommen werden. Nicht nur zu
+Weihnachten und zu Geburtstagen kann man seine Fähigkeiten ausnützen,
+es findet sich immer wieder eine Gelegenheit, Kinderheime, Ferienasyle
+zu beschenken, dafür sind diese selbst hergestellten Puppen sehr
+angebracht, und man wird sie umso lieber anfertigen und annehmen, als
+die Herstellungskosten sehr gering sind. Man verwendet eigentlich nur
+Abfälle; die Hauptsache ist dabei: ein wenig Zeit übrig haben und mit
+Lust und Liebe nachdenken, wie man die Puppe recht praktisch ausführen
+kann. --
+
+Es kommt vor allem darauf an, daß sie beweglich ist, daß sie nicht
+gleich entzwei geht, daß sie auch mal tüchtig naß werden kann und daß
+keinerlei giftige oder gesundheitsschädliche Materialien dazu verwendet
+werden dürfen.
+
+[Illustration: Abb. 53. Zupfpuppe.]
+
+Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 53) das Modell einer +Zupfpuppe+,
+wie sie sein soll, die sehr leicht nachzuarbeiten ist: +Grobe
+Sackleinewand+ wird in die einzelnen Fäden zerzupft; alle Fäden müssen
+doppelt so lang sein, wie die Puppe hoch sein soll. Dann macht man
+durch Zusammenlegen dieser Fäden einen Strang, er muß so dick wie ein
+Bein der Puppe sein. Diese Fäden dreht man ganz fest zusammen und legt
+sie auf die Hälfte. Aus dem oberen Teil arbeitet man den +Kopf+, der
+mit einem Zwirnfaden abgebunden wird. Man polstert den Kopf mit Watte
+aus und bezieht ihn mit einem viereckigen Stück +Hemdentuch+, das
+auch die Schultern bedecken soll. Die +Arme+ werden ebenfalls aus je
+einem Strang hergestellt. Man legt die Bündel in Schulterhöhe an und
+fängt nun an, kreuzweise von der linken Hüfte zur rechten Schulter zu
+wickeln, dann umgekehrt die andre Seite, so fest wie möglich, damit
+die Puppe nicht nur beweglich, sondern auch haltbar wird. Schließlich
+umwickelt man die +Arme+ mit Perlgarn oder Wolle, nicht ganz bis zum
+Ende, sondern läßt die inneren Fäden als +Hände+ stehen. Nun bewickelt
+man den +Rumpf+ und jedes +Bein+. Soll die Puppe +Füße+ haben, so wird
+eine Haarnadel mit eingewickelt, in der Art, daß in jedem Bein eine
+Nadel enthalten ist. Das unterste Ende der Nadel biegt man als +Fuß+ um
+und umwickelt diesen bis zur Spitze recht sorgfältig, damit der Draht
+sich beim häufigen Gebrauch der Puppe nicht frei machen kann. +Schuhe+
+und +Strümpfe+ wickelt man mit andersfarbigem Perlgarn oder mit Wolle.
+Schließlich malt man das +Gesicht+ mit Wasserfarben an: rosa +Wangen+,
+einen roten +Mund+, die +Nase+ wird durch hellbraune Nasenlöcher
+angedeutet, die auch weggelassen werden können, blaue +Augen+ können
+gepinselt oder durch Perlen ersetzt werden, braune +Augenbrauen+ werden
+angemalt. Braune oder schwarze +Haare+ stellt man aus Wollfäden her,
+die in den Kopf eingezogen werden. Man kann auch dicke Seiden- oder
+Perlgarnfäden verwenden, es gibt verschiedene Farben, vom hellsten
+Blond bis zum tiefsten Braun in Wolle, Garn und Seide.
+
+Als +Bekleidung+ kommen +Hemdhöschen+ oder +Kimonokleidchen+ in
+Betracht. Unser Modell hat ein niedliches Kleidchen mit farbiger
+Stickerei an, sogar ein +Gürtel+ aus Kordonettseide, der an beiden
+Seiten in Ösen läuft und seitlich zu einer feschen Schleife verknüpft
+ist, ist vorhanden. +Halsausschnitt+ und +Ärmel+ sind mit bunten
+Stichen gesäumt. Für die Puppenkleidung kann man indessen jeden
+farbigen Waschstoffrest verwenden, der gerade vorhanden ist, wenn er
+halbwegs „kindlich“ wirkt. Kleingeblümte, gepunkte, gesternte und
+gestreifte oder kleinkarierte, möglichst farbige Stoffe eignen sich
+am besten dazu. Unser Modell trägt braune +Wollfädenschuhe+, die
++Strümpfe+ sind aus blauen Fäden gewickelt, je nach Belieben wird ein
+passendes Material, Wolle, Garn, Perlgarn, starke Seide verwertet.
+
+Will man eine +Puppe+ für +kleine Kinder+ herstellen, so genügt es,
+sie nur bis zur Taille mit buntem Garn oder mit farbiger Wolle zu
+umwickeln, um auf diese Weise eine Bluse anzudeuten. Ein krauses
+Stoffröckchen wird angenäht, auf dem das Püppchen stehen müßte, da der
+untere Teil des Rumpfes an dieser Puppe fehlen würde.
+
+Für größere Kinder, die schon mit Verständnis spielen, ist die
+„vollständige“ Puppe, wie wir sie auf unserm Bilde zeigen, indessen
+empfehlenswerter, sie hält viel aus, kann hingesetzt werden, Arme und
+Beine sind beweglich, und so ersetzt sie eine gekaufte, teure Puppe,
+wenn sie in die Hände eines echten, rechten Spielkindes gerät.
+
+
+15. Lochstickerei
+
+Die Lochstickerei ist wie alle +Weißstickereien+ nur denen zu
+empfehlen, welche die Technik wirklich beherrschen. Bei andern Arbeiten
+entscheidet nicht zuletzt die Farbigkeit über den Erfolg der Stickerei,
+geschickt gewählte Töne täuschen über kleine Stichfehler hinweg. Bei
+der +Lochstickerei+, die, wenn sie unbedingt geschmackvoll wirken soll,
+eine Weißstickerei sein muß, kommt es vor allem auf die tadellose
+Technik an. Jeder holperige Stich ist deutlich zu sehen; was nutzt
+der feinste Stoff, wenn der Linienschwung fehlt, wenn der Grund sich
+kräuselt. Es ist vorteilhaft, mit kleinen Arbeiten zu beginnen, mit
+einfachen Mustern anzufangen.
+
+Die Verwendungsmöglichkeit für +Lochstickerei+ ist ziemlich vielseitig,
+am liebsten verwertet man sie für +Leibwäsche+, wo sie sich als
+durchaus praktisch erweist. Sie hält häufiges Kochen und Waschen aus,
+und eher zerreißt schließlich der Stoff als die Stickerei. Darum zieht
+man sie vielfach der Spitze vor, darum behauptet sie sich neben den
+neuen und neuesten Techniken. Eine gute Weißstickerei wird nicht so
+leicht unmodern; im Haushalt weiß man ihre Vorzüge zu schätzen.
+
+Sie eignet sich besonders zur Verzierung von Bettwäsche,
+Überschlaglaken, Kopfkissen; Bezüge werden mit Lochstickerei bestickt,
+für Säuglings- und Kinderwäsche, die besonders häufig gewaschen
+werden muß, eignet sie sich am besten. Häubchen und Lätzchen, Kleider,
+Schuhchen, Unterwäsche verziert man in dieser Art, ebenso die
+Leibwäsche von Erwachsenen und Backfischen, solch selbstgestickter
+Ausputz ist unverwüstlich.
+
+Man stickt auf Leinen und, wenn es sich zum Beispiel um Zierdeckchen,
+Teller-, Klapper-, Brotkorbdeckchen handelt, auf Seide, in diesem Fall
+mit Seide; Weiß auf Weiß wirkt am feinsten, für diese Arbeiten kann
+man indessen ausnahmsweise schwarze Stickseide verwenden, die durchaus
+waschecht sein muß.
+
+Für Garten- und Balkondecken und Kissen benutzt man gegenwärtig am
+liebsten wasch- und sonnenechte bunt gemusterte Druckstoffe, wenig
+Handarbeiten; hier würden Buntstickereien sehr bald verblassen und von
+Wind und Wetter beschädigt werden.
+
+[Illustration: Abb. 54. Einsatzmuster.]
+
+[Illustration: Abb. 55. Abschlußkante.]
+
+Die Lochstickerei dürfte sich vielleicht für diese Zwecke ausnahmsweise
+empfehlen, wenn man sie in unbedingt waschechtem Garn auf blauem
+Fischerleinen oder auf grauem Leinen ausführt. Diese Stoffe sind
+bestimmt waschbar und den Einflüssen der Witterung fast unzugänglich,
+das Stickmaterial müßte sehr farbig gehalten werden, um in der Natur zu
+wirken. Rot in verschiedenen Tönen, Gras- und Giftgrün, Blau, möglichst
+grell und ungebrochen, Schwefelgelb, Apfelsinengelb, das sind geeignete
+Farben, während Schwarz, Braun, Bronze, Grau hierfür nicht passen. Die
+Technik ist bekannt; das Übertragen der Muster geschieht mit Hilfe von
+Blaupaus- oder Graphitpapier, auch Ölpauspapier bewährt sich recht gut.
+Weißes oder hellgelbes Ölpauspapier verwendet man für dunkle, rotes
+Ölpauspapier benutzt man für helle Stoffe. Sehr eindringlich muß darauf
+aufmerksam gemacht werden, daß ein harter, scharf gespitzter Bleistift
+zum Durchpausen verwendet werden soll, damit die Umrisse möglichst
+scharf und dünn werden, weiche Bleistifte geben verwischte Linien,
+für kreisrunde Formen benutzt man Geldstücke, man kann auch mit dem
+Zirkel korrigieren, denn ganz tadellos werden die Kugelornamente sonst
+bestimmt nicht. Wenn man Klapperdeckchen und ähnliche Arbeiten aus
+dünnem, durchsichtigen Stoff besticken will, so genügt es, die Muster
+unter den Stoff zu schieben und Muster und Stoff straff zu befestigen,
+dann zeichnet man den Entwurf nach, ohne Zuhilfenahme von Pauspapieren,
+die leicht abfärben und den Grundstoff unsauber machen. Man pause
+recht leicht und schnell, damit das Pauspapier nicht länger als nötig
+aufliegt.
+
+Weißstickereien sehen in Verbindung von Klöppelspitzen sehr fein
+aus, das gilt unter anderem für Kaffeedecken, Mitteldecken,
+Kopfkissenbezüge, Kuchenschützer, Kaffeewärmer. Auch andre Spitzen
+kommen in Frage, wenn sie nicht zu dünn und fein sind, man kann
+bei dieser Technik auch Seidenbanddurchzug verwenden; besonders
+gute Wirkungen werden erzielt, wenn man farbige Seide oder farbigen
+Satin unterlegt. Dies betrifft Kissen, Kuchenglocken, Lampenschirme,
+Taschentuchbehälter, Schleierordner, deren Muster dadurch stärker
+betont werden.
+
+Wir bringen als Vorlagen einen Einsatz und eine Abschlußkante (Abb.
+54 und 55). Diese Muster sind leicht nachzuarbeiten und vielfach
+verwendbar.
+
+
+16. Tülldecken
+
++Tülldecken+ sind schließlich immer beliebt und modern; sie behaupten
+sich noch immer, während Filet- und Strickdecken längst wieder unmodern
+geworden sind. Die +Tüllarbeiten+ werden darum so gern verwendet, weil
+ihre Muster an keinen Stil gebunden sind; die verschiedensten Entwürfe
+können dafür benutzt werden, die Arbeit ist sehr angenehm, und die
+Wirkung stets vornehm. Tülldurchzugarbeiten gehören zu den feinen
+Weißstickereien, bei denen es auf das wirkliche Können ankommt, weil
+hier keine bunten Farben über mangelhafte Entwürfe und unordentliche
+Stiche hinwegtäuschen können.
+
+[Illustration: Abb. 56. Achteckige Decke in Tüllstickerei.]
+
+[Illustration: Abb. 57. Einzelansicht zur Stickerei der achteckigen
+Decke.]
+
+Für die hellen oder dunklen glatt polierten Holzmöbel eignen sich
+Tülldecken ganz besonders gut, sie wirken ebenso fein auf Salontischen
+wie auf Kommoden, auf Nähtischen wie in Vitrinen; diese Technik
+erstreckt sich aber nicht nur auf +Decken+, man kann sie auch für
++Kissen+, +Kuchenschützer+, +Kannenwärmer+, für +Lampenschirme+,
++Sonnenschirme+, +Kleider+, +Schals+, +Taschentuchränder+, +Läufer+,
++Einsätze+ und +Abschlußborten+ verwenden. Je nach der Stärke des
+Grundstoffes richtet sich die Stärke des Durchzugfadens, und der
+Grundstoff richtet sich wieder nach dem Zweck der Arbeit. Früher waren
+die Tüllmuster viel steifer als heute; man kannte meist nur Borten und
+Mittelstücke, die moderne Stickerin bringt Landschaften, Tiere, Häuser,
+Menschen, Blumen, Obst auf den Tüll, sie vereinfacht die Muster, ohne
+ihre Wirkung zu beeinträchtigen.
+
+[Illustration: Abb. 58. Stickerei einer runden Tülldecke.]
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 56 bis 58) einige Vorlagen, die
+ganz besonders geschmackvoll sind; sie lassen sich leicht nacharbeiten
+und stellen keine allzu großen Anforderungen an die Stickerin. Auch
+auf unsern Bildern handelt es sich um flotte, leicht zusammenhängende
+Zeichnungen; diese heftet man dem Tüll unter und zieht sie mit feinem
+Garn nach. Bei größeren Flächen folgt man entweder mit einfachen
+Stichen fünf- bis sechsmal der äußeren Linie, oder man füllt die Figur
+mit Gitter- und Zickzackstich vollständig aus. Die achteckige Decke
+(Abb. 56) mißt 42 Zentimeter im Durchmesser, doch schneidet man sie 56
+Zentimeter im Durchmesser, damit der 6 Zentimeter breite Saum gleich
+übergeschlagen werden kann. An jeder Ecke ergibt sich eine kleine
+Falte; der Rand des Saumes wird mit Stielstich aufgenäht.
+
+Die im Durchmesser 1 Meter +große runde Decke+ (Abb. 58) ist sehr reich
+bestickt. Die verschiedensten Modelle stellen sich uns dar: eine stolz
+in die Höhe ragende Burg, eine Mühle, ein Schiff auf wogender See,
+ein Schloß auf steilem Bergrücken, ebenso eines im Tale, dazwischen
+palmenartige Bäume und wolkenähnliche Gebilde. Das muß alles sehr
+leicht eingestickt werden, damit der Tüll sich nicht zusammenzieht.
+Ungefähr 10 Zentimeter vom Saume entfernt, der schmal mit der Hand
+genäht wird, setzt das Muster ein, das in weißem Twist ausgeführt wird.
+Soll die Decke einen runden Tisch zieren, fertigt man sie im gleichen
+Durchmesser der Tischplatte an und umgibt sie mit einem 35 Zentimeter
+breiten, geraden Tüllstreifen als Volant, was sehr duftig wirkt.
+
+
+17. Gabelspitzen mit Häkelei
+
+Die +Gabelspitzen+ haben sich in letzter Zeit eine große Beliebtheit
+erworben, sie wirken leicht und gefällig, können schnell hergestellt
+werden, nehmen in der Arbeitstasche wenig Platz fort und sind, das ist
+die Hauptsache, vielseitig in ihrer Verwendbarkeit. +Taschentücher+
+mit Gabelspitzenverzierung sind ein praktisches Geschenk, wenn sie
+ein wenig elegant hergestellt werden, sie dürften bei Verlobungen und
+Hochzeiten, vor allem aber bei Konfirmationen viel Anklang finden. Es
+wird soviel Unnützes verschenkt, was viel Geld kostet, warum sollte
+man feine +Taschentücher+, noch dazu mit Handarbeit geschmückt, nicht
+höher schätzen, besonders wenn ihre Herstellung mit wenig Kosten
+verknüpft ist. Auch leichte +Untertaillen+ mit Gabelspitzen sind zu
+empfehlen, für die dünnen Sommerblusen sind sie recht brauchbar; ich
+denke es mir sehr nett, wenn junge Mädchen sich in dieser praktischen
+Weise beschenken, man kann dabei sehr gut einige geeignete Stoffreste
+verwenden. +Tellerdeckchen+, +Tablettdeckchen+ lassen sich in
+dieser Technik sehr geschmackvoll verzieren, man darf nur nicht
+übertreiben und diese Technik für alle möglichen und unmöglichen
+Gegenstände verwenden wollen. Das Reizvolle an dieser Technik ist ihre
+Vielseitigkeit, die sich auch auf das Material erstreckt. So kann man
+mit farbiger Wolle mancherlei Nützliches in +Gabeltechnik+ ausführen,
+denn schließlich kommt es sehr darauf an, daß Zeit und Material richtig
+angewendet werden. Wir zeigen auf unsern Bildern einige Muster, die man
+leicht nacharbeiten kann, und die auch weniger geübten Anfängerinnen
+gelingen dürften. Da ist zunächst ein +gehäkeltes Kinderhäubchen+
+(Abb. 59). Obwohl etwas abweichend von der üblichen Form, ist dieses
+Häubchen doch von besonderem Reiz durch die Zusammenstellung der aus
+drei verschiedenen Farben gearbeiteten Gabelbörtchen. Diese sind leicht
+anzufertigen mit Hilfe einer Gabel, die man sich aus starkem Draht
+selbst biegen kann, falls man keine kaufen will. Für das Börtchen
+schlingt man eine Luftmasche, zieht die Häkelnadel heraus und legt die
+Wolle um die eine Zinke der Gabel. Dann holt man die Wolle mit der
+Nadel, zieht sie durch die Schlinge und häkelt eine feste Masche in
+die Luftmasche. Hierauf nimmt man die Nadel wieder heraus, wendet die
+Gabel und legt die Wolle um die andre Zinke, zieht sie wieder durch die
+Schlinge und macht eine feste Masche in die vorige. So arbeitet man
+weiter, bis die gewünschte Länge erreicht ist. Aus leichtem Stoff formt
+man dann das Köpfchen und zeichnet gleich die Linien für die Figuren
+auf. Diesen folgend, setzt man die Börtchen, von der Mitte ausgehend,
+auf; danach faßt man die Schlingen zusammen, je zwei oder mehr, wie
+es die Form bedingt; aus der Abbildung ist dies deutlich erkennbar.
+In unsrer Vorlage ist hellgrüne, dunkelgraue und vergißmeinnichtblaue
+Wolle verwendet. Die ovale Mittelform ist grün, dann kommt das graue
+Börtchen, das wieder vom blauen umrandet wird, und zwar so, daß sich
+dann wieder Grün einfügt. Dem äußeren Rand folgt eine blaue Borte, der
+zum Abschluß graue Schlingen eingehäkelt werden. Zum Zusammenhalten
+dient statt Band ein 22 Zentimeter langer, aus vier Reihen fester
+Maschen bestehender grauer Streifen, der in der Mitte mit grünen Fäden
+durchzogen ist und an einer Seite angeknöpft wird. Zuletzt wird das
+eigenartige Häubchen mit blauer Seide abgefüttert.
+
+[Illustration: Abb. 59. Gehäkeltes Kinderhäubchen.]
+
+[Illustration: Abb. 60. Gabelspitze mit Häkelei, einem
+Batisttaschentuch angearbeitet.]
+
+Sehr ansprechend wirkt auch das feine +Taschentuch+ (Abb. 60), das
+sowohl für ältere Damen als auch für junge Mädchen geeignet ist; es
+kann aus einem kleinen Batist- oder Leinenrest hergestellt werden, ist
+praktisch und macht wenig Kosten. Die Verzierung besteht aus einem
+sauberen Hohlsaum und einer mehr oder weniger breiten Spitze; wir
+bringen zwei Muster (Abb. 60 und 61), die dafür in Betracht kommen,
+die aber auch anderweit, für Wäsche, Deckchen, Häubchen, Untertaillen,
+Kindersachen, verwendet werden können; sie sind ein guter Ersatz für
+die gewebten Bändchen und leicht nachzuarbeiten. Zu der abgebildeten,
+reizenden Zackenspitze führt man kleine Stückchen Gabelborte mit 14
+Schlingen aus. Dann häkelt man wie folgt: Erste Reihe: 1 feste Masche
+in die 1. Schlinge der einen Seite, 5 Lftm., 1 f. M. in die nächste
+Schlinge und so weiter. Wenden. Zweite Reihe: In jede Lftm. 1 f. M.,
+nur in die mittlere zwischen der 7. und 8. f. M. der vorigen Reihe
+werden 3 f. M. gehäkelt. Wenden. Dritte Reihe: Auf jede f. M. der
+zweiten Reihe wieder 1 f. M., in die Mitte des Zackens 3 f. M. Stets
+beide Glieder fassen. Vierte Reihe: 3 Doppelstäbchen, deren obere
+Glieder miteinander abgeschlungen werden, in je 1 f. M., 5 Lftm. Unten
+läßt man zwischen den äußersten Stäbchengruppen dreimal je 3 f. M.
+aus, gegen die Mitte zu stets weniger. Bei der Mitte selbst werden 2
+Stäbchengruppen dicht nebeneinander gesetzt. Dann läßt man wieder mehr
+aus, entgegengesetzt vom Anfang. Fünfte Reihe: 4 f. M., 1 Pikot, 4 f.
+M. in jeden Lftmbogen, in den der Mitte 4 f. M. und 3 Pikot, 4 f. M.
+Bei den ersten 2 Pikots werden die Zacken aneinander geschlungen. Nach
+dem letzten Lftmbogen 3 f. M. in das letzte der drei zunächstliegenden
+Doppelst., 6 f. M. in die äußerste Schlinge, 1 f. M. in die Mitte des
+Gab.-B., 7-8 f. M. in die äußerste Schl. der inneren Seite, 1 f. M.,
+mit der alle 14 Schl. zusammengefaßt werden, 7-8 f. M. in die nächste
+innere Schl., 1 f. M. in die Mitte des Gab.-B., 6 f. M. in die äußerste
+Schl., 3 f. M. in das letzte Glied der 3 Doppelst. Als letzte Reihe 1
+St., 1 Lftm., unten 1 M. liegen lassen.
+
+[Illustration: Abb. 61. Gabelspitze mit Häkelei.]
+
+Als Ausputz an Wäsche eignet sich sehr das abgebildete, aus zwei Reihen
+Gabelbörtchen bestehende +Spitzchen+ (Abb. 61). Es ist gar nicht schwer
+auszuführen. Man macht zweimal die gewünschte Länge; dann verbindet
+man sie, indem man in je 2 Schl. der einen Borte 1. f. M. häkelt,
+sodann 2 Lftm. und 1 f. M. in je 2 Schl. der 2. Borte. Den einen
+Außenrand begrenzt man folgendermaßen: 1 f. M. in 2 Schl., 5 Lftm.; der
+andre Rand für die Spitze ist: Erste Reihe: 2 durch 3 Lftm. getrennte
+Stb. in je 2 Schl., dazwischen 5 Lftm. Zweite Reihe: 1 f. M. in den 1.
+Lftmbogen, 2 Lftm., 3 durch 3 Lftm. getrennte Stb. zwischen die Stb.
+der vorigen Reihe, 2 Lftm.; von da ab wiederholen.
+
+[Illustration: Abb. 62. Gabelspitze mit Häkelei.]
+
+Dasselbe +Spitzchen+, nur mit einem Börtchen, ist zur Verzierung des
+Batisttaschentuchs verwendet. Aus der Abb. 62 ist ersichtlich, wie
+einerseits der schmale Saum gleichzeitig mit tief eingestochenen f.
+M. erfaßt wird, anderseits je nach 3 f. M. des Saums 2 Schlingen mit
+angehäkelt werden. Es fällt also der Außenrand der oben beschriebenen
+Spitze weg.
+
+
+
+
+II. Kapitel
+
+Malerei
+
+
+18. Stoffmalerei
+
+In letzter Zeit wird die +Stoffmalerei+ wieder sehr gepflegt; das
+bedeutet aber noch lange nicht, daß jeder, der ein wenig mit Pinsel und
+Farben umzugehen versteht, sich nun hinsetzt und nach seiner Meinung
+wunderschöne Muster auf irgend einen Stoff malt und sich einbildet,
+daß diese Stoffmalerei nun auch praktisch verwendet, das heißt
+getragen werden soll. Denn die meisten +Stoffmalereien+ gehören in das
+Gebiet der Mode. +Schals+, +Halstücher+, +Taschentücher+, +Fächer+,
++Hutbänder+, +Schärpen+, +Blusenbändchen+, +Sonnenschirme+ werden in
+dieser Technik verziert, es kommen indessen dafür auch +Vorhänge+,
++Scheiben-+ und +Schrankgardinen+ in Betracht. Die gut beherrschte
+Technik läßt eine vielseitige Verwendungsmöglichkeit zu, nur müssen
+Stoff, Farben und Muster geschickt miteinander in Einklang gebracht
+werden. Sehr beliebt sind bemalte +Lampenschirme+. Die Stoffmalerei muß
+unbedingt fach- und sachgemäß beherrscht werden, ehe man von kleineren
+Versuchen zu größeren Arbeiten übergeht. Es gehört viel Geschmack und
+Erfahrung dazu, um festzustellen, welche Farben, welche Technik sich
+für die einzelnen Stoffe eignet, ob das Grundmaterial nicht überhaupt
+lieber unbemalt bleiben soll oder aber eine andre Technik dafür in
+Betracht kommt.
+
+Es gibt nur wenige praktische Winke, die sich indessen immer wieder
+bewähren. Dünne lichtdurchlässige Stoffe, wie Mull, Japonseide,
+Tüll, feines Leinen, bemalt man am besten mit +Wasserfarben+,
++Ausziehtuschen+ und +Beizen+. Spiritusbeizen sind dafür ungeeignet,
+da sie nach dem Auftrocknen hart und glänzend werden. Bei
++Lampenschirmen+, +Schals+, +Scheibengardinen+, +Sonnenschirmen+ kommt
+es darauf an, „durchsichtig“ zu malen, hierzu eignen sich tintenartige
+Farben am besten. Deckfarben sind mit Vorsicht zu gebrauchen, da sie
+leicht kreidig wirken und wenig Leuchtkraft besitzen, „durchsichtig“
+wirken sie keinesfalls.
+
+[Illustration: Abb. 63. Schärpen, Hut- und Blusenbänder in
+Stoffmalerei. Entwurf und Ausführung von Annemarie Irmler, Berlin.]
+
+Auf alle Fälle soll man jede Farbenart vor der Verarbeitung auf dem
+Stoff, für den die Malerei bestimmt ist, sorgfältig ausprobieren. Es
+ist dabei zu beobachten, daß manche Farben vom „Liegen“ einen helleren
+oder dunkleren Ton annehmen. Das Muster muß sehr aufmerksam gewählt
+werden. Geometrische Figuren verlangen eine sichere Hand und viel
+Übung. Wenn auch die Mode gegenwärtig eine gewisse Unregelmäßigkeit der
+Formen bevorzugt, so darf sie doch nicht übertrieben werden, außerdem
+sieht der Kenner sofort, wo die gewollte oder vielmehr vorgeschriebene
+unregelmäßige Linie aufhört und die aus Ungeschicklichkeit entstandene
+falsche Linie anfängt.
+
+Am besten gelingen Stoffmalereien auf lichtem Grund, da hier jede
+Farbe unverändert bleibt. Das Mischen der Farben muß geübt werden,
+man kann durch geschicktes Mischen sehr gute Wirkungen hervorbringen.
+Die gemalte Silhouette auf Seide, Karton oder Papier ist gegenwärtig
+sehr beliebt, nicht nur in Tiefschwarz, sondern auch in verschiedenen
+Farben. Sie eignet sich besonders gut zum Schmuck von +Tischkarten+,
++Exlibris+, +Glückwunschkarten+ und gelingt am besten, wenn man sie in
+Ausziehtusche ausführt.
+
+[Illustration: Abb. 64. Bemalte Stoffe. Entwurf und Ausführung von
+Annemarie Irmler, Berlin.]
+
+Wenn man durchsichtigen Stoff oder dünnes Papier (Pergament) bemalen
+will, legt man das Muster darunter, spannt die zu bemalende Fläche ganz
+glatt darüber, befestigt sie mit Reißnägeln und führt die Arbeit recht
+sorgfältig aus. Ein Reißbrett ist die beste Unterlage, für die Umrisse
+verwende man die dünnen, spitzen Konturenpinsel, das Arbeitsmaterial
+muß sachgemäß zusammengestellt werden.
+
+Im allgemeinen soll man die +Stoffmalerei+ recht sparsam anwenden, es
+dürfen bestimmt nicht verschiedene Stücke in dieser Technik in +einem+
+Zimmer zu sehen sein, das würde langweilig wirken; dasselbe gilt von
+stoffgemaltem Modebeiwerk. Wer einen +Fächer+ oder einen +Sonnenschirm+
+in dieser Technik trägt, braucht durchaus nicht einen „dazu passenden“
++Schal+ zu benutzen; die Wirkung würde verloren gehen.
+
+Wir zeigen auf unserem ersten Bilde (Abb. 63) eine Anzahl handbemalter
+Bänder, entworfen und ausgeführt von +Annemarie Irmler+; sie eignen
+sich besonders gut für +Hüte+, je nach Größe und Breite der Muster kann
+man sie auch für +Schärpen+ und +Blusenbändchen+ verwenden. Das zweite
+Bild (Abb. 64) stellt originelle bemalte Stoffe derselben Künstlerin
+dar, sie sind unter anderem für +Vorhänge+, +Decken+, +Kissen+,
++Lampenschirme+ gedacht.
+
+
+19. Malerei auf Ton
+
+Auf kunstgewerblichem Gebiet hat sich neuerdings eine besondere
+Vorliebe für Bauernkunst geltend gemacht. Die Bevorzugung
+einfacher Formen, satter, ungebrochener Farben erstreckt sich
+auch auf die verschiedenen Zweige der Keramik. So finden wir in
+vielen Häuslichkeiten, die bisher ausschließlich Sammelplätze für
+chinesische Vasen, japanische Schalen, irgendwo ausgegrabene Urnen
+oder altvenezianische Gläser waren, heimische Bauerntöpfereien in
+den verschiedensten Formen und Farben, die mit Stolz als „alt“ und
+„echt“ vorgezeigt werden. Diese bunten, irdenen Gefäße, die früher
+im besten Falle in der ländlichen Küche eine mehr als bescheidene
+Aschenbrödelrolle spielten, sind urplötzlich „salonfähig“ geworden;
+einfache Krüge und Teller, die in der Abgeschiedenheit irgend eines
+Bauernhauses ein still verborgenes, häufig schlechtgekittetes Dasein
+führten, finden sich im Zimmer einer vornehmen Stadtwohnung wieder.
+
+Unsere farbenfreudigen lieben Leserinnen wollen nun sicherlich wissen,
+wie man die +Tonteller+, +Töpfe+ und +Schalen+ selber bemalt, die
+sich so sehr gut zum Schmuck ihres Stübchens eignen. Ich habe einige
+dieser +Teller+, +Töpfe+ und +Schalen+, auch ein paar Krüge selber
+zur Probe nach meinen Entwürfen bemalt, weil ich die Technik ganz
+genau kennenlernen wollte, und erzähle nun, wie es gemacht wird.
+Vorher möchte ich euch aber warnen, diese Gegenstände der Feuchtigkeit
+auszusetzen, denn Ton zieht Wasser, und als Blumenbehälter dürft
+ihr sie ganz bestimmt nicht verwenden. Am besten wirken sie als
++Wanddekoration+, auch als Behälter für Nadeln und andre Kleinigkeiten
+eignen sie sich recht gut; wenn ihr ein Bordbrett habt, dann sieht es
+recht lustig aus, wenn ihr eine Reihe bunter Teller eng nebeneinander
+aufbaut. Die großen +Teller+ kann man für Obst verwenden, für Äpfel,
+Birnen, Apfelsinen; für feuchtes Obst oder Beeren ist solche Schale
+kein passender Aufenthalt, all dies klebt leicht an, und die Tonsachen
+können nicht abgewaschen werden, wenn sie mit Temperafarben bemalt
+und mit Temperalack überzogen sind. Man könnte sie ja schließlich
+auch mit Email- oder Ölfarben wasserfest bemalen, aber die kleinen
+Ornamente würden in diesen Techniken nicht so hübsch wirken, Tempera
+scheint dafür geeigneter zu sein. Die +Blumentöpfe+ sollen die nicht
+sehr geschmackvollen Papierhüllen ersetzen, sie müssen immer ein
+wenig größer als die bepflanzten Töpfe sein, damit ein genügender
+Zwischenraum für die Luftzufuhr vorhanden ist. Direkt bepflanzt dürfen
+die bemalten Töpfe niemals werden, denn der Lack schließt die Luft ab,
+und die Pflanze würde ersticken. Auch als Behälter für Bindfaden, Garn
+und ähnliches Material kann man diese bemalten +Töpfe+ benutzen; am
+besten ist es, wenn sie ziemlich hoch aufgestellt werden, damit man die
+bemalten Wände sieht und nicht den Innenraum.
+
+Als Grundmaterial kommen zunächst die bekannten Tonformen in Betracht,
+die vor dem Bemalen gründlich mit heißem Sodawasser und einer
+Wurzelbürste gereinigt werden müssen; sie dürfen erst dann mit den
+Farben in Berührung gelangen, wenn sie vollständig wieder trocken
+sind, da im andern Fall auf einen günstigen Erfolg nicht gerechnet
+werden kann. Zum Malen benutzt man Aquarelldeckfarben, wie Guasch- oder
+Temperafarben; Ölfarben lassen sich in diesem Fall nicht gut anwenden,
+da die Motive dafür zu klein sind und leicht klecksig wirken könnten.
+Über die Ausführung ist nicht viel zu sagen. Man streicht zunächst
+den Grundton auf; erst wenn dieser völlig aufgetrocknet ist, beginnt
+man mit dem Aufzeichnen der Ornamente. Kreise werden am besten mit
+dem Zirkel übertragen, die übrigen Formen zeichnet man mit Holzkohle
+auf, die, wenn die Arbeit fertig ist, wieder ohne jede Schwierigkeit
+fortgewischt werden kann. Man spitzt sie recht scharf, um feine
+Linien zu erzielen. Die Ornamente werden am besten mit einem kleinen
+Borstenpinsel gemalt, nicht zu naß, eher trocken. Dabei achte man
+vor allen Dingen darauf, daß die Farben, eine nach der anderen, gut
+auftrocknen, da sie sonst leicht ineinanderlaufen; der Ton speichert
+nämlich die Feuchtigkeit ziemlich lange auf. Wer nicht daran gewöhnt
+ist, mit dem Borstenpinsel zu arbeiten, muß Marderhaarpinsel benutzen,
+diese werden aber durch den rauhen Ton ziemlich stark angegriffen.
+Stumpfe Pinsel verwendet man zum Grundieren, spitze zum Konturieren.
+Die gutgetrockneten, fertigen Arbeiten werden mit Spiritus-,
+Braselmann- oder Temperalack schnell und sorgfältig überstrichen. Man
+gebraucht dazu einen weichen, kurzen Pinsel, der unter der Einwirkung
+des Lackes sehr schnell hart wird. Mit Brennspiritus gewaschen, erhält
+er jedoch seine frühere Geschmeidigkeit bald wieder.
+
+[Illustration: Abb. 65. Blumentopf mit Bauernkeramik.]
+
+Wir wollen nun in aller Kürze die Farbenzusammenstellungen der
+einzelnen Abbildungen angeben, da die gute gegenseitige Abstimmung die
+erste Bedingung zur Erzielung einer geschmackvollen Wirkung ist.
+
+Der erste Topf (Abb. 65) ist tiefkobaltblau angestrichen; die Ovale
+sowie der ziemlich breite Rand werden grasgrün gemalt. In den Ovalen
+steht eine weiße Blume mit grüner Mitte, schwarzem Stengel und
+schwarzen Blättern; sämtliche Punkte werden in Schwefelgelb ausgeführt.
+
+Auf dem nächsten Bild (Abb. 66) sehen wir zwei größere Teller, mit
+Ornamenten und Blüten verziert. Der linke ist orangegelb grundiert.
+Den äußersten breiten Rand malt man kobaltblau. Das Ornament darin hält
+man orangegelb und weiß. Das Mittelstück ist kobaltblau grundiert;
+sämtliche Punktmuster werden grasgrün gemalt.
+
+[Illustration: Abb. 66. Teller mit Bauernkeramik.]
+
+Der rechte Teller wird umbrabraun gestrichen. Die Blumen sind
+abwechselnd lachsrosa und schwefelgelb, mit orangegelben und grasgrünen
+Tupfen. Die Blätter werden grasgrün gemalt. Der äußerste Rand des
+Tellers ist tiefkobaltblau grundiert; sämtliche Punktornamente hält man
+kobaltblau.
+
+Die folgende Abbildung (Abb. 67) zeigt drei kleine Tonteller, die mit
+stilisierten Blüten, sowie mit einfachen Ornamenten verziert sind.
+Auf dem ersten Teller sehen wir ein blütengeschmücktes Mittelstück
+als hauptsächlichste Verzierung. Der Hintergrund wird schwefelgelb
+angestrichen, das Mittelstück tiefschwarz. Das Punktmuster am Rande
+wird teils kobaltblau, teils grasgrün gehalten. Die Blumen malt man
+lachsrosa mit orangegelber Mitte und umbrabraunen Punktornamenten.
+Die Stengel und Blätter sind grasgrün gehalten. Das tiefschwarze
+Mittelstück ist von einem Bandornament in Grasgrün und Dunkelkobaltblau
+umgeben.
+
+Der zweite Teller ist tiefschwarz grundiert. Die Blüten werden
+hellkarminrot mit einem Zusatz von ein wenig Weiß gemalt. Sie haben
+einen orangegelben Blütenboden und sind orangegelb getupft. Die Stengel
+bestehen aus grasgrünen Punkten, wie auch die Blumen durch einzelne
+grasgrüne Punkte voneinander getrennt sind. Auf dem Mittelstück des
+Tellers steht ein Kreis aus schwefelgelben Punkten.
+
+Den dritten Teller streicht man kobaltblau an, der breite Rand wird
+tiefbraun grundiert. Das Mittelstück wird begrenzt durch ein kleines
+Punktornament, abwechselnd in Karminlack, hell- und dunkelgrün. Den
+zweiten äußeren Rand bildet ein Punktmuster in Tiefschwarz. Das nächste
+Punktornament wird abwechselnd weiß und orange gemalt. Am äußersten
+Rand steht ein Tupfenmuster in Grasgrün und Weiß.
+
+Der nächste Topf (Abb. 68) ist schneeweiß grundiert. Die Trauben werden
+rotbraun gemalt, die großen, sehr stilisierten Blätter tiefgrün, die
+Strich- und Punktornamente kobaltblau.
+
+[Illustration: Abb. 67. Teller mit Bauernkeramik.]
+
+Auf dem letzten, tiefkobaltblau grundierten Blumentopf (Abb. 69) stehen
+rotbraune Blumen mit grasgrüner Mitte und grasgrüne Blätterornamente
+mit ebensolchen punktierten Stengeln. Das Ornament auf dem oberen Rand
+wird in Schwefelgelb ausgeführt.
+
+Im übrigen mache ich darauf aufmerksam, daß die natürlichen Farben
+der einzelnen Teller bei der photographischen Aufnahme vielfach ganz
+anders gekommen sind, als sie auf unser Auge wirken. Blau erscheint in
+der Reproduktion fast hell, während manches leuchtende Gelb tiefdunkel
+wird. Auf diese Weise ist es erklärlich, daß unsre Farbenangabe von dem
+Aussehen der Bilder mehrfach abzuweichen scheint. Den Besitzerinnen
+eines photographischen Apparates sind solche Farbenumkehrungen längst
+wohlbekannt.
+
+[Illustration: Abb. 68 u. 69. Blumentöpfe.]
+
+Wir fügen ein Gruppenbild (Abb. 70) hinzu, auf dem sowohl Tonkrüge
+und Teller als auch Holzspankörbchen und ein Schlüsselbrett zu sehen
+sind. Der erste Krug ist gelb grundiert, die Ornamente sind feuerrot,
+schwarz und giftgrün gehalten, der andere Krug ist kobaltblau mit
+schwarzen Schlangenlinien, orangegelben, weißen und karminroten Tupfen.
+Der große Teller ist feuerrot mit Schwarz, Schwefelgelb, Kobaltblau
+hell und Orangegelb. Der erste der kleineren Teller ist in zwei
+Farben grundiert, in Grasgrün und Kobaltblau. Die Zierlinien sind
+orangegelb, die Tupfen und Kreise schwefelgelb, karmin- und feuerrot.
+Der nächste Teller hat schwarze, orangegelbe, schwefelgelbe, karminrote
+Muster auf giftgrünem Grund. Der vierte Teller ist kornblumenblau
+angestrichen, die Ornamente werden ziegelrot, giftgrün, weiß und
+schwefelgelb gemalt. Der letzte Teller in der Reihe ist pfauenblau
+gehalten, die Ornamente sind karminrosa, weiß, orangegelb und giftgrün.
+-- Das längliche Spankörbchen ist rehbraun grundiert, die Muster
+sind schwarz, karminrot und schwefelgelb gemalt. Zum Schluß wird eine
+flotte rot- oder grasgrünseidene Schleife am Bügel befestigt. Das runde
+Körbchen ist giftgrün mit schwarzen und kobaltblauen Ornamenten. Das
+Schlüsselbrett ist mit lila Holz-Spiritusbeize angestrichen, darauf
+stehen die stilisierten Blüten und Kränzchen, die Schlangenlinien,
+Blätter und Tupfen in Zinnoberrot, Karminrot, Weiß, Grasgrün,
+Schwefelgelb, Kobaltblau hell und dunkel und Orangegelb. Zum Schluß
+wird ein seidenes, farbiges Band zum Aufhängen mit einem Ziernagel an
+beiden Seiten befestigt und ein paar Messinghaken für die Schlüssel
+eingeschlagen.
+
+[Illustration: Abb. 70. Bemalte Tonkrüge, Teller, Holzspankörbchen und
+Schlüsselbrett. Entwurf von Else Levin.]
+
+
+20. Holzmalerei
+
+
+Was ich euch auf diesen Bildern zeige, das ist +Holzmalerei+, eine
+Technik, die ihr gewiß alle kennt. Auf dem Lande, in waldreichen
+Gegenden, zum Beispiel in Schlesien, in Thüringen, meist im Gebirge,
+gehört diese Holzarbeit zu den Heimarbeiten, von denen ganze Familien
+im Winter, wenn es keine andre Beschäftigung gibt, leben. Selbst
+ganz alte Leute und kleine Kinder, die noch nicht zur Schule gehen,
+müssen dabei helfen, und es kommt, da der Absatz im Vergleich zu dem
+Angebot sehr klein ist, eine schlecht bezahlte Industrie zustande,
+deren Erzeugnisse meist auf Märkten, in Basaren, in Warenhäusern, in
+den Verkaufsständen der Badeorte verkauft werden. Die Muster vererben
+sich in den einzelnen Ortschaften seit undenklichen Zeiten von den
+ältesten Leuten auf die Kinder und Kindeskinder, in manchen Familien
+werden bestimmte Farben immer wiederholt; das ist erklärlich, da es
+sich meist um Massenartikel handelt, die in größeren Mengen möglichst
+schnell an den Aufkäufer geliefert werden müssen. So kommt es
+schließlich dahin, daß die +Spanschachteln+ und +Körbe+ -- dies sind
+die hauptsächlichsten Erzeugnisse -- nach einer gewissen Schablone
+behandelt werden. So werdet ihr bestimmte Muster, Rosen, Tulpen, Vögel,
+Herzen und so weiter immer wieder antreffen, vielleicht ein wenig
+verändert in Größe und Farbe, aber im Grunde sehr gleich, der Tradition
+der einzelnen Bauernkünstler entsprechend. Es gibt, wie überall, auch
+hierbei Ausnahmen, aber im allgemeinen ist es so, daß die älteren
+Familienmitglieder die Hauptmotive malen, die Jungen und Mädel den Rand
+und die einzelnen Kleinigkeiten, Striche und Punkte pinseln und die
+fertigen Arbeiten firnissen. Zu den verschiedenen Hilfeleistungen, die
+dabei notwendig sind, werden dann die Kleinsten hinzugezogen.
+
+[Illustration: Abb. 71. Eierbecher aus Holz und bemalte Hühnereier.]
+
+In den letzten Jahren hat das Interesse für die praktischen
+Holzarbeiten mit ihrer lustigen Bemalung bedeutend zugenommen, man kann
+es wohl der gesamten Richtung zuschreiben, die von den Siedlungen, den
+Einfamilienhäusern mit dem ländlichen Zuschnitt ausgeht. Die einfachen
+Möbel erfordern einen angemessenen Raumschmuck, die farbig gehaltenen
+Truhen, die Korbarbeiten und Spansachen eignen sich ganz besonders
+dafür. In jedem Haushalt gibt es schließlich einen Platz für die
+einzelnen Kleinigkeiten, besonders da sie durchaus praktisch verwendbar
+sind. Aus diesem Grunde zeige ich euch einige Modelle (Abb. 71 bis 74),
+die ich aus der Erinnerung an früher gesehene Holzmalereien selber
+entworfen und ausgeführt habe; sie sind ein wenig „städtisch frisiert“
+und durchweg sehr einfach in der Technik. Besonders nützlich erweisen
+sich die +Schachteln+ und +Körbe+ in den verschiedenen Größen als
+Behälter für Obst, das für Geschenkzwecke hübsch untergebracht werden
+soll. Auch selbstgebackene kleine Kuchen, zum Beispiel Zuckerplätzchen,
+Pfeffer- und Mürbekuchen, Marzipan und Konfekt sehen, wenn es sich um
+geringere Mengen handelt, sehr appetitlich aus, wenn sie zu festlichen
+Gelegenheiten in selbstbemalten Spankörben oder -schachteln (Abb.
+74) versandt werden. Später, wenn von dem süßen Inhalt nichts mehr
+vorhanden ist, treten sie ihren Dienst im Haushalt an. Als +Löffel-+
+oder +Schlüsselkörbchen+, als +Knopfschachteln+, als Behälter für
++Näh-+ und +Stopfsachen+ sind sie sehr handlich, das hölzerne +Osterei+
+wird ein nützliches +Stopfei+, und schließlich finden sich in jeder
+Häuslichkeit Kleinigkeiten, die eine feste Unterkunft brauchen können.
+Indessen paßt die lustige Holzmalerei auch für andre Gegenstände,
+zum Beispiel für +Kalenderrückwände+, für +Schlüsselbretter+, die
+ohne viel Mühe und Kosten aus Zigarrenkistenholz selber hergestellt
+werden können. So kann man auch praktische +Bindfadenbehälter+ aus
+Holzschachteln anfertigen, und schließlich kommt man selber auf alle
+möglichen neuen Gedanken, umso eher, als die Technik sehr anregend ist
+und sich sehr schnell erlernen läßt.
+
+In dieses Kapitel gehören auch die einfachen +Schablonen+, die man
+selber schneiden kann, um größere Gegenstände, zum Beispiel +Truhen+
+und +Kästen+ zu verzieren. Wir kennen sie alle, denn die zünftigen
+Maler benutzen sie im allgemeinen zum Ausschmücken der Küchenmöbel,
+eine Arbeit, die ihr sicher schon oft beobachtet habt. Was die
++Holzmalerei+ anbelangt, so ist es am besten, mit einfachen Mustern zu
+beginnen und nach und nach schwerere Motive zu verwenden, dies gilt
+auch für die +Schablonen+.
+
+[Illustration: Abb. 72. Spandose mit Temperamalerei.]
+
+[Illustration: Abb. 73. Untersetzer aus Holz.]
+
+Außer dem Grundmaterial sind zunächst gute Farben nötig. Man verwendet
++Tempera-+ oder +Guaschfarben+, am besten in Tubenform, die sowohl in
+großen als auch in kleinen Versuchstuben in den Kunstgewerbehandlungen
+und Drogerien erhältlich sind.
+
+Zum Malen benutzt man verschiedene Pinsel. Als +Grundierpinsel+ sind
+stumpfe, runde oder flache Borstenpinsel zu empfehlen, deren Größe
+und Stärke sich nach dem Umfang des zu streichenden Hintergrundes
+richtet. Grundierpinsel sind in den verschiedenen passenden Größen zu
+beschaffen und in den einschlägigen Kunstmaterial- und Drogengeschäften
+erhältlich. Dasselbe gilt von den Malpinseln; Borstenpinsel sind
+für diese Zwecke am geeignetsten. Zum Flächenausmalen benutzt man
+spitze Borstenpinsel, zum Schablonieren verwendet man stumpfe, runde
+Borstenpinsel, Konturen sind mit spitzen Borstenpinseln zu malen.
+Handelt es sich um +kleine+ Gegenstände, für die nicht viel Farbe
+nötig ist, so kommen auch +Haarpinsel+ in Betracht, besonders zum
+Konturieren. Borstenpinsel werden in ganz feinen Nummern nicht geführt,
+dagegen gibt es Haarpinsel mit ganz dünnen Spitzen, sehr dünnhaarig,
+mit Nummer 1 beginnend. Ganz besonders feinhaarige Pinsel, zum Beispiel
++Marderhaarpinsel+, die als Aquarellpinsel bekannt sind, eignen sich
+zum Malen mit Tempera- oder Guaschfarben nicht. Sie würden durch die
+rauhe Farbe sehr strapaziert werden und bald abbrechen; man verzichtet
+daher auf dieses Material.
+
+[Illustration: Abb. 74. Holzmalerei: Körbchen.]
+
++Pauspapier+: Für dunklen Grund verwendet man helles, rotes, gelbes
+oder weißes Ölpauspapier, für hellen Hintergrund benutzt man schwarzes
+oder rotes Ölpauspapier, auch schwarzes Graphit- und blaues Pauspapier
+kommt in Betracht. Für kleine Gegenstände genügt Schreibmaschinenpaus-
+oder Durchschlagpapier, das für hellen Grund zu verwerten ist.
+
++Lack+: Die fertige Arbeit wird mit Spirituslack überzogen, um die
+Farben haltbarer zu machen und ihre Leuchtkraft zu erhöhen. Man
+verwendet +Temperalack+, der sowohl offen in Drogengeschäften, als
+auch geschlossen in Flaschen in den Kunstmaterialienhandlungen und
+Drogerien zu kaufen ist. Ölfarbenfirnis ist für diese Zwecke nicht zu
+benutzen, dagegen kann man, wenn feiner Spiritus oder ~Spiritus vini~
+und Schellack zur Verfügung steht, selber Lack herstellen, der sich
+billiger als der gekaufte Lack stellt. Statt des teuren feinen Spiritus
+kann auch im Notfall +Brennspiritus+ benutzt werden, wenn er nicht gar
+zu schlecht ist. Man füllt eine gut gereinigte, helle Medizinflasche
+mit Spiritus, schüttet Schellack hinein, daß ein Fünftel der Flasche
+knapp bedeckt ist und läßt sie fest verkorkt stehen, bis sich der
+Schellack aufgelöst hat. Dabei ist zu beachten, daß die Flasche nicht
+nur peinlich sauber, sondern auch vollständig trocken sein muß, da die
+geringste Spur von Wasser den Lack trüben und unbrauchbar machen würde.
+Aus diesem Grunde dürfen Lackierpinsel niemals mit Wasser in Berührung
+kommen, man kann sie nur mit Spiritus reinigen.
+
++Schablonen+: Schablonen für einfache Borten sind in den
+Drogenhandlungen und Materialgeschäften fertig käuflich. In den
+meisten Fällen wird man es vorziehen, selber Schablonen nach eigenen
+Entwürfen anzufertigen. Zum Schneiden der Schablonen verwendet man
+Schablonen- oder Ölpapier, in einschlägigen Geschäften erhältlich.
+Das Schablonenpapier wird in beliebigen Mengen verkauft, auch
+zentimeterweise. Zuerst wird das Muster aufgepaust und dann auf einer
+Glas- oder Porzellanunterlage mit einem spitzen Messer ausgeschnitten.
+
++Malnäpfe+ und +Palette+: Malnäpfe aus Porzellan sind in den
+verschiedensten Größen in den einschlägigen Geschäften erhältlich
+und können durch Eierbecher oder Untertassen ersetzt werden, da
+die Tempera- und Guaschfarben sich restlos abwaschen lassen. Das
+Wasser, das zum Anrühren der Farben benutzt wird, wird in Gläsern
+und Tassen zur Verfügung gehalten, die dafür im Handel befindlichen
+Glasbehälter würden die Arbeit unnütz verteuern und kommen für euch
+kaum in Betracht. Zum Farbenmischen wird eine Porzellanpalette einer
+Blechpalette vorgezogen, da letztere im Gebrauch mit Wasserfarben
+leicht rostet und dann eine Behandlung mit Salzsäure durchmachen
+muß, um wieder gebrauchsfähig zu werden. Holzpaletten sind dafür
+unverwendbar, doch können flache Porzellanteller benutzt werden.
+
++Mallappen+ aus alten Servietten, Handtüchern und so weiter halte
+man in größeren Mengen zur Verfügung; dicke weiche Stoffe sind für
+derartige Zwecke am brauchbarsten.
+
++Die Technik+: Die einfachen Muster sind meist der Pflanzen- und
+Tierwelt entnommen und werden in passender Größe auf den zu bemalenden
+Gegenstand übertragen. Zunächst wird die Farbe des Hintergrundes
+angerührt. Tempera- und Guaschfarben trocknen immer einen Schein
+heller auf, was bei der Farbenskizze, die auf Papier stets gemacht
+werden sollte, zu berücksichtigen ist. Man rührt die Farben sehr
+dickflüssig an, da sie sonst nicht decken und streifig auftrocknen. Es
+empfiehlt sich auf alle Fälle, lieber ein wenig mehr Farbe als zu wenig
+anzurühren, da selbst sehr geübte Malerinnen den ersten Ton kaum wieder
+treffen. Darum sollt ihr nur mit ungebrochenen Tönen arbeiten, dadurch
+wird viel Mühe und Farbe gespart, ohne die gute Wirkung der Arbeit zu
+beeinträchtigen. Schwarz, Weiß, Ziegel-, Zinnober-, Feuer-, Mohn-,
+Karminrot, Kornblumenblau, Kobalt hell und dunkel, Delfterblau, Gras-,
+Smaragd-, Giftgrün, Apfelsinen-, Orange-, Schwefel- und Zitronengelb
+wird am liebsten für solche Malerei verwendet. Ein kräftiges Violett
+wirkt, nicht zu oft benutzt, recht gut, Braun, Grau oder ähnliche
+Halbtöne sind am besten zu vermeiden.
+
+Ist der Hintergrund vollständig aufgetrocknet, so wird das Muster
+leicht aufgepaust; man paust mit einem spitzen, harten Bleistift über
+Pauspapier. Dann malt man, indem die größten Flächen zuerst aufgesetzt
+werden und nach und nach die kleineren Ornamente an die Reihe kommen.
+So malt man bei einer Blume erst die Blütenblätter, dann den Kelch
+und schließlich die Staubfäden. Da die Ornamente fast immer stark
+vereinfacht sind, und es sich auch meist um Flächenmalerei handelt,
+ist die Technik sehr einfach und sollte daher von euch recht oft
+geübt werden. Etwas mühseliger als das Ausmalen ist das Konturieren,
+das mit sicherer Hand ausgeführt werden muß, um die gute Wirkung der
+Arbeit nicht zu zerstören. Ein „Ausbessern“ mit Farbe ist niemals
+empfehlenswert, daher soll man die Arbeit vor Wassertropfen beim
+Malen schützen, da Wasserflecke sehr auffallen und von euch kaum zu
+beseitigen sein dürften. Man mache einen Versuch, die Fleckenränder mit
+einem feuchten, farbenfreien Pinsel zu bestreichen, dadurch erreicht
+man ein Verblassen der Flecke.
+
+Ehe die Arbeiten lackiert werden, müssen sie sehr gut trocknen, da
+sonst der Lack verdirbt; man mache niemals den Versuch, lackierte
+Gegenstände am offenen Feuer zu trocknen, der Lack würde abspringen
+und die Malerei mitreißen. In der Sonne kann man derartige Arbeiten
+unbedenklich trocknen, auch die lauwarme Herdplatte ist für diese
+Zwecke ausnahmsweise zu empfehlen. Man muß die Gegenstände stets
+zum Trocknen +aufstellen+, damit sich der Lack nicht stellenweise
+verdickt. Beim Lackieren achte man darauf, daß der Lack strichweise,
+von oben nach unten, von links nach rechts, ein Streifen in den andern
+verlaufend, wie die Farbe beim Grundieren, aufgetragen wird. Nur auf
+diese Weise ist eine gleichmäßige, glatte Lackfläche zu erzielen.
+Sollen die Arbeiten verschickt werden, so achte man darauf, daß sie
+bestimmt völlig trocken sind, da sonst die Verpackung ankleben und die
+Malerei verderben würde.
+
+
+21. Porzellanmalerei
+
+Während in früheren Jahren immer wieder die alten, oft außerordentlich
+geschmackvollen Muster für Porzellanmalerei verwendet wurden, hat man
+sich in letzter Zeit von der Überlieferung freigemacht und mit Erfolg
+versucht, neue Muster zu ersinnen, die natürlich nur dann gut wirken
+können, wenn auch die Form der Porzellanerzeugnisse modern ist. Es wäre
+ja geradezu widersinnig, etwa eine Schale in Rokokoform mit Mustern
+von heute zu bemalen, und es wäre ebenso stilwidrig, wenn man für eine
+moderne Schirmkrücke ein Empiremuster benutzen wollte.
+
+Die Handmalerei ist ein sehr beliebtes kunstgewerbliches Gebiet, das
+leider nur allzuviel von „Dilettanten“ mißbraucht wird. Es gibt deren
+immer noch viel zu viel, die, ohne mit den einfachsten Kenntnissen
+der Technik vertraut zu sein, sich an die schwierigsten Aufgaben
+heranwagen und den gesamten Freundeskreis immer wieder mit mißlungenen
+Erzeugnissen ihres Fleißes überraschen. Die Porzellanmalerei muß wie
+jede andre Technik auch richtig erlernt werden.
+
+Das kalte Weiß des harten Stoffes verlangt einen stark ausgeprägten
+Farbensinn. Es ist nicht gerade leicht, die Form der Stücke mit
+den Mustern und Farbtönen in ein richtiges Verhältnis zu bringen,
+es ist sogar oft recht schwierig zu entscheiden, ob Füll- oder
+Einzelornamente, geometrische Formen oder Blumenmuster besser zur
+Anwendung gelangen. Die Arbeiten von Emmy Seyfried, die unsere Abb.
+75 bis 77 zeigen, mögen in diesem Sinne als Anregung dienen. Sie
+geben ein gutes Beispiel, in welcher Art moderne Porzellanerzeugnisse
+bemalt werden sollen. Wer sich also mit dieser Art Malerei ernsthaft
+beschäftigen und nicht nur einen müßigen Zeitvertreib daraus machen
+will, wird sicherlich mit Interesse einige Ratschläge aufnehmen, die
+sich in jahrelanger Übung immer wieder bewährt haben und fleißige
+Anfängerinnen vor unnötigen Mißerfolgen schützen werden.
+
+Die Gefäße, die man bemalen will, müssen zunächst mit warmem Wasser
+gereinigt werden, damit die kleinsten Staubspuren verschwinden. Mit
+kaltem Wasser soll das Porzellan vor dem Bemalen möglichst gar nicht
+in Berührung kommen. Ebenso wichtig wie gute Farben ist gutes Dicköl,
+ohne das überhaupt nicht auf Porzellan gemalt werden kann. Je nach der
+Größe des Stückes werden ein bis zwei Tropfen Dicköl mit einem reinen
+Leinenläppchen so lange auf der zu bemalenden Fläche verrieben, bis es
+von den Poren des Porzellans aufgesogen ist, also die Fläche nicht mehr
+ölig wirkt. Leinwand eignet sich dafür am besten, weil sie keine Fasern
+hinterläßt. Der Gegenstand muß nun über Nacht stehen bleiben und ist
+dabei vor Kälte und Staub zu schützen.
+
+[Illustration: Abb. 75. Tassen in Porzellanmalerei von Emmy Seyfried,
+München.]
+
+Auf flache Stücke wird jetzt das Muster mit Bleistift aufgezeichnet,
+Pausen befestigt man mit Wachs. Dies gilt besonders für gerundete
+Formen, also für Tassen, Dosen, Tellerwände, Krüge, Obstschalen,
+Deckel und dergleichen. Der Bleistift muß hart und scharf gespitzt
+sein, damit die Umrißlinien dünn und fein ausfallen; breite, weiche
+Striche stören sehr erheblich. Je besser das Öl eingezogen ist, desto
+besser gelingt die Arbeit des Musteraufzeichnens, eine klebrige, fette
+Fläche erschwert es sehr. Will man verschiedene Stücke, zum Beispiel
+eine ganze Garnitur, bemalen, so ist es ratsam, alle Teile zusammen
+vorzubereiten, sowohl was das Reinigen und Einölen als auch das
+Aufzeichnen anlangt. Man spart dadurch Zeit und Farben.
+
+Die Pinsel sind stets sehr sauber zu halten. Jede Anfängerin muß
+darüber sich klar sein, daß sie für andre Malereien nicht mehr in Frage
+kommen. Ferner gehören zum Porzellanmalen außer dem Dicköl noch Nelken-
+und Terpentinöl, die man zum Verdünnen der Farben benutzt. Man rührt
+diese an, indem man eine volle Messerspitze Farbe zusammen mit je einem
+Tropfen Dicköl, einem Tropfen Nelkenöl und zwei Tropfen Terpentinöl
+mischt. Ist die Farbe noch zu dick, so wird zu gleichen Teilen
+Terpentin- und Nelkenöl beigefügt, denn Dicköl würde sie noch mehr
+verdicken. Auf alle Fälle soll man aber sparsam mit den Ölen umgehen,
+da zuviel Fettigkeit die Arbeit erschwert.
+
+Man malt wie bei der Aquarelltechnik, legt also sehr leicht an, beginnt
+mit den hellsten Tönen und spart weiße Stellen aus, so daß der Ton
+des Porzellans stehen bleibt. Will man Schattentöne einsetzen, so muß
+die bemalte Stelle zuerst über einer Spiritus- oder Petroleumlampe
+abgebrannt werden. Dann läßt man sie erkalten; bleibt sie warm, so
+verlaufen die Farben; diese dürfen auch niemals zu dunkel aufgesetzt
+werden, da sie nach dem Brennen zu hart und wenig vornehm wirken
+würden. Ränder auf runden Gegenständen, auf Tellern, Schalen, Dosen und
+dergleichen, werden am besten auf der Ränderscheibe gezogen; es ist
+nicht ratsam, sie freihändig zu ziehen, da sie weder glatt noch sauber
+ausfallen würden. Umrißlinien zieht man mit der Feder und recht dünner
+Farbe nach, feine Linien und Striche müssen sehr sorgfältig aufgesetzt
+werden. Man muß überhaupt sehr aufmerksam malen, um keine Fehler zu
+begehen, denn das Ausbessern ist recht mühselig; verunglückte Muster
+soll man lieber fortwischen und mit dem Einölen, Trocknen, Aufzeichnen
+und Malen von neuem beginnen. Anfänger sollten auch am besten zweimal
+brennen; die fortgebrannten Töne werden nochmals übermalt, andernfalls
+dürfte kaum der richtige Ton zu erzielen sein.
+
+Die fertigen Arbeiten übergibt man einem einschlägigen Geschäft zum
+Brennen, damit die Malereien fest und wasserdicht werden. Selbst bei
+größter Eile dürfen sie aber erst dann zum Brennen gebracht werden,
+wenn die Malerei vollkommen trocken geworden ist. Die Verpackung muß
+sehr sorgfältig geschehen. Als erste Hülle verwendet man Seidenpapier;
+als zweite empfiehlt es sich, Watte oder Pflanzendaunen zu verwenden.
+Dann folgen weiche Papiere und Holzwolle. Harte Bogen, Pappe, Sägespäne
+und ähnliche Verpackungen kommen nicht in Frage.
+
+[Illustration: Abb. 76. Potpourridose. Entwurf und Ausführung von Emmy
+Seyfried, München.]
+
+Die erste fertige, das heißt gebrannte Arbeit dürfte kaum den
+Erwartungen entsprechen, denn die meisten Farben werden nach dem Brand
+recht verblaßt wirken. Purpurrot und Veilchenblau sind die einzigen
+Töne, die dem Brand gut standhalten. Alle Anfänger machen dieselben
+Fehler und erleben daher auch die gleichen Enttäuschungen. Aber bald
+lernt man aus den Mißerfolgen die richtigen Lehren zu ziehen, denn wie
+auf allen Gebieten der Kunst, muß man auch bei der Porzellanmalerei
+das rein Handwerkliche nach und nach richtig erlernen. So werden
+sich ganz von selbst allerlei Erfahrungen einstellen; man wird bald
+merken, daß das Abbrennen über der Lampe das Ineinanderfließen der
+Farben verhindert, daß man aus diesem Grunde alle nebeneinander zu
+setzenden Töne nacheinander abbrennen muß, ehe man weiter malen kann,
+und daß im Gegensatz dazu alle Töne, die ineinanderlaufen sollen, naß
+nebeneinander aufzutragen sind.
+
+[Illustration: Abb. 77. Schreibgerät von Emmy Seyfried, München.]
+
+Als Erstlingsarbeit empfiehlt es sich, einen Teller zu bemalen, der
+als Versuchsgegenstand mit verschiedenen Farben in recht vielen Tönen
+und Schattierungen bedeckt wird; zugleich kann man sich dabei in
+Umrißlinien, in kleinen und größeren Musterteilen üben. Solch einen
+Probeteller teilt man sternförmig ein und schreibt die aufgetragenen
+Farben sorgsam auf. Ist der Teller dann gebrannt, so erweist er sich
+als Farbenmesser außerordentlich nützlich. Überhaupt ist es nicht nur
+für Anfänger sehr ratsam, sich stets Vermerke über die Wirkungen neuer
+Farben und Mischungen vor und nach dem Brennen zu machen. So wird man
+am besten alle Schwierigkeiten überwinden, allerhand Erfahrungen
+sammeln und Fortschritte machen. Will man bemalte Arbeiten verschenken,
+so wähle man besonders dann, wenn es sich um Anfängerarbeiten handelt,
+recht leichte Muster und kleine Stücke; diese müssen aber sehr
+sorgfältig ausgeführt werden, denn bei schwierigen Mustern liegt die
+Möglichkeit des Mißlingens sehr nahe, und verunglückte Arbeiten eignen
+sich, wie ihr einsehen werdet, kaum zum Verschenken.
+
+[Illustration: Abb. 78. Porzellananhänger mit Malerei. Aus den
+Porzellan-Werkstätten Ph. Rosenthal, Selb in Bayern.]
+
+Zu den einfachen Kleidern, Blusen und Jumpern trägt man vielfach
++Porzellananhänger+ mit +Malerei+, die, besonders wenn es sich um
++Handmalerei+ handelt, sehr flott und geschmackvoll wirken. Wir zeigen
+auf unserm Bilde (Abb. 78) eine Anzahl solcher hübscher Anhänger, alle
+verschieden geformt, alle verschieden bemalt. Moderne Blumenmuster,
+sehr farbig gehalten; sie passen sowohl für leichte Sommer- als
+auch für schwere Winterkleidung und sind durchaus kleidsam, weil
+sie jugendlich und anspruchslos wirken. An einem schwarzen oder
+farbigen Seidenband getragen, kommen die feinen Motive auf der
+weißen Porzellanfläche am besten zur Geltung. Die reizvollen Entwürfe
+stammen aus den Werkstätten von +Kurt Severin+, sie sind in der
+Porzellan-Manufaktur von +Ph. Rosenthal+, Selb in Bayern, ausgeführt
+worden.
+
+
+22. Malerei mit Emailfarben
+
++Emailfarben+ sind in Blechdosen in den einschlägigen Geschäften
+erhältlich, sie decken wie Ölfarben, werden wie diese mit Terpentinöl
+verdünnt und mit einem Borstenpinsel auf den Grund aufgetragen. Am
+besten wirken einfache geometrische Muster in dieser Technik. Wir
+zeigen auf unserm Bilde ein +Tablett+ (Abb. 79) aus Metall, das
+durch langen Gebrauch sehr unansehnlich geworden, mit Emailfarben
+aufgefrischt und wieder gebrauchsfähig wurde. Für solche Zwecke sind
+diese Farben ganz besonders zu empfehlen; sie sind haltbar, vertragen
+Wasser und passen für Gebrauchsgegenstände, die gereinigt werden
+müssen. +Tablett+, +Untersetzer+, +Blumenkübel+, +Blumenkästen+ kann
+man mit dieser Malerei verzieren, auch +Glasgegenstände+, zum Beispiel
++Teller+, +Gläser+, +Flaschen+, am besten mit Punktmustern, wie wir
+sie auf unserm Muster zeigen. Die Innenfläche des +Tabletts+ ist
+briefkastenblau angestrichen, der Rand weiß. In der Mitte steht ein
+großer schwarzer Punkt, um diesen gruppieren sich neun orangefarbene
+Punkte. Dann folgt ein Kreis von kleinen Punkten in Grasgrün, der
+nächste Kreis ist schwefelgelb, der letzte kirschrot gehalten.
+Innenwand und Innenfläche sind durch zwei Punktreihen in Mohnrot und
+Orangegelb miteinander verbunden, der äußere Rand des Tabletts zeigt
+ein Ornament in Kirschrot, das aus Punkten und kleinen geraden Strichen
+besteht.
+
+In dieser einfachen Art kann man +Gläser+, +Flaschen+ und +Glasteller+
+verzieren. Es genügt, am oberen Rand ein paar Reihen bunter Punkte
+in verschiedenen Größen anzubringen, wie wir es auf dem +Tablett+
+sehen; in den einschlägigen Geschäften sind +Glasschalen+ in
+verschiedenen Größen erhältlich, die mit Strickdeckchen bezogen
+wurden, als dies modern war. Solch glatte +Glasschälchen+ sind
+für die +Emailmalerei+ sehr geeignet, man verwendet sie als
++Konfektteller+, sie eignen sich indessen auch für den Toilettentisch
+als +Nadelbehälter+. Auch +Glasflaschen+ kann man mit Emailfarben
+bemalen, es gibt +Likörflaschen+, die sehr hübsch geformt sind,
+auch +Toilettewasserflaschen+ haben häufig geschmackvolle Formen;
+solche Flaschen sind zum Bemalen zu empfehlen, es kommt aber nicht
+darauf an, daß sie gar zu bunt gehalten werden, es ist besser, mit
+Mustern und Farben zu sparen; das gilt auch vom Bemalen der kleinen
++Parfümflaschen+, die oft so gut geformt und leicht geschliffen sind,
+daß es sich lohnt, sie zu bemalen und neu zu füllen.
+
+[Illustration: Abb. 79. Tablett in Emailfarben.]
+
+Zum +Aufzeichnen+ der Muster auf Glas kann man Wachs-Signierkreide
+Nummer 770 und 772 verwenden; andernfalls genügen Tusche oder Tinten,
+die von der Emailfarbe bedeckt, schließlich nicht mehr zu sehen sind.
++Glasteller+ und +Schalen+ werden auf der linken Seite bemalt, dafür
+wäre unser Muster auf dem Tablett ebenfalls geeignet. Es kommen
+ausschließlich Strich- und Punktmuster für Malerei mit Emailfarben
+in Betracht, die man nicht nur für Glas und Metall, sondern in der
+beschriebenen Weise auch für Holz und Porzellan verwenden kann.
+
+
+23. Osterkarten mit Malerei
+
+Ostern wird gern im Familienkreise gefeiert, und ein paar farbige
++Tischkarten+ mit österlichen Motiven in der Art unserer Vorlagen
+tragen viel dazu bei, die Festfreude zu erhöhen, die vom Schmuck
+der Tafel stark beeinflußt wird. Für Kartengrüße eignen sich unsre
+Vorlagen (Abb. 80 und 82 sind auf die Hälfte verkleinert, Abb. 81 ist
+Originalgröße) ebenfalls, sie können auch von weniger geübten Händen
+ohne viel Mühe hergestellt werden.
+
+[Illustration: Abb. 80. Eiförmige Oster-Tischkarte.]
+
+Als +Grundmaterial+ verwendet man weißes, nicht zu starkes
+Kartonpapier; man malt am besten mit Aquarellfarben oder
+Ausziehtuschen; Ausziehtuschen lassen sich wie andre Farben mischen,
+indessen malt man in diesem Fall am besten mit klaren, unvermischten
+Tönen. Die Muster werden mit Schreibmaschinen- oder Pauspapier
+und einem scharf gespitzten, sehr harten Bleistift auf den Grund
+übertragen; man malt mit einem spitzen Marderhaarpinsel und zieht die
+Konturen mit einer Zeichenfeder nach. Eine neue Börsenfeder genügt
+ebenfalls. Wer sehr geübt ist, kann mit einem Konturenpinsel die
+Umrisse zeichnen.
+
+[Illustration: Abb. 81 Osterkarte: Hühnchen.]
+
+[Illustration: Abb. 82. Osterkarte: Krähender Hahn im Kranz aus Blumen
+und Eiern.]
+
+Die +eiförmige Karte+ (Abb. 80) ist mit einer +Girlande+ in
+Biedermeierart verziert. Da sind allerlei altmodische Blumen, Veilchen,
+Studentenblumen, Tulpen und andre sehr farbige Blüten, die recht
+bunt zueinander abgestimmt werden. Briefkastenblau, Feuerrot, Rosa,
+Karminrot, Lila, Schwefelgelb, Orangegelb sind die Hauptfarben; die
+Blütenböden werden in abstechenden Farben gehalten. Die Blätter
+und Stiele sind gift- und grasgrün, ebenso die Blütenkelche; die
+Blattrippen zeichnet man schwarz wie die Konturen.
+
+Die +Hühnchenkarte+ (Abb. 81) zeigt ein Küken in einem Kranz, der
+aus bunten Ostereiern und Blumen besteht. Das Hühnchen ist hellgelb,
+mit feuerrotem Schnabel und Kamm, die Augen und Füße sind braun,
+die Krallen grün. Der Kranz ist sehr bunt, rot, blau, grün, gelb in
+verschiedenen Tönen.
+
+Der +Hahn+, der den Ostergruß kräht (Abb. 82), steht ebenfalls in einem
++Kranz+ aus bunten Eiern, Blumen und Blättern; der Hahn ist tiefschwarz
+mit hellbraunen Füßen, die Schuppen sind mit schwarzen Strichen
+angegeben. Der Schnabel ist gelb, ebenso die Augen mit schwarzem
+Mittelpunkt, Kamm und Bartlappen sind feuerrot.
+
+Die +Ostereikarte+ und die +Hahnkarte+ passen am besten für die
+Speisenfolge, die +Kükenkarte+ eignet sich mehr zur Tischkarte, alle
+drei Muster können als Osterkarten verwendet werden.
+
+
+
+
+III. Kapitel
+
+Handfertigkeiten
+
+
+24. Linoleumschnitt
+
+Der +Linoleumschnitt+, auch +Linolschnitt+ genannt, entspricht dem
++Holzschnitt+; nur ist das Material viel leichter zu bearbeiten.
+Dieses Material besteht aus möglichst dickem +Linoleum+, es können
+auch Abfälle von Teppichen verwendet werden. Das notwendigste
+Werkzeug ist ein +Messer+ (Abb. 83), mit dem man sowohl Linien
+als auch Flächen herausarbeiten kann. Die Technik ist für geübte
+Hände sehr einfach, ungeübte Anfänger dürften sie in kurzer Zeit
+erlernen. Sie hat vielerlei Verwendungsmöglichkeiten; vom +Exlibris+
+bis zur +Glückwunschkarte+, vom bescheidenen Bildchen bis zum
+Schmuck von +Gästebüchern+ und +Sammelmappen+ gibt es mancherlei
+Ausdrucksmöglichkeiten, und schließlich ist es doch recht unterhaltsam,
+wenn man bei einigem Zeichentalent Erinnerungen aus der Sommerfrische,
+von Reisen und Ausflügen in dieser Technik herstellen kann; es genügen
+Skizzen und Photos, nach denen man später zu Hause recht gut arbeiten
+kann:
+
+Man streicht mit weißer Deckfarbe (Temperafarbe) die Linolfläche an
+und überträgt darauf die Zeichnung. Dann schneidet man mit dem Messer
+die Flächen aus, die weiß wirken sollen, und läßt alle Flächen stehen,
+die dunkel bleiben sollen. Die Platte legt man vor dem Drucken in
+Wasser und läßt sie zwei bis drei Stunden darin liegen. Inzwischen
+löst sich durch dieses Verfahren die weiße Temperafarbe ab; nun läßt
+man die Platte gut trocknen und streicht sie, wenn dies geschehen ist,
+mit breitem Pinsel (Abb. 83) mit Japanaqua gleichmäßig an. Das lange
+Imwasserliegen der Platte ist nur nötig, wenn mit Japanaqua gedruckt
+wird; sonst braucht sie nicht so lange zu wässern. Es empfiehlt sich,
+die dünnen Platten auf Holz aufzuziehen, damit man sie beim Arbeiten
+besser anfassen und handhaben kann. Zum Abdruck eignet sich am besten
++Bütten-+ oder +Japanpapier+, jedes saugfähige, dünne Papier; im
+Notfall kann sogar +Seidenpapier+ dazu verwendet werden. Dagegen kommen
+Pergament- und Butterbrotpapiere nicht in Betracht. Alle Papiere, die
+für diese Technik verwendet werden sollen, müssen zunächst gleichmäßig
+angefeuchtet und zwischen Löschblätter gelegt werden. Das Papier wird
+vorsichtig auf die gestrichene Platte gelegt, mit festerem Papier
+überdeckt und dann mit einem +Reiber+ (Abb. 83) so lange gerieben, bis
+die Feuchtigkeit des Papiers die Farbe von der Platte löst. Statt des
+Reibers kann ein +Falzbein+ verwendet werden. Den Reiber stellt man
+selber her, er besteht aus einer runden Pappscheibe, die mit rauhem
+Steifleinen bezogen wird. Über das Steifleinen spannt man möglichst
+straff ein Stück Schweinsleder und befestigt diese Hülle entsprechend.
+
+[Illustration: Abb. 83. Werkzeug für den Linoleumschnitt.]
+
+[Illustration: Abb. 84. Linoleumschnitt.]
+
+Wir zeigen auf unserm nebenstehenden Bilde eine Arbeit in
++Linoleumschnitt+, ein stimmungsvolles Städtebild (Abb. 84). Man sieht
+hier eine einfache Zeichnung und kann aus unsrer Vorlage erkennen, wie
+viel sich bei einiger Übung auf diesem Gebiet erreichen läßt. Wer
+eine besondere Vorliebe für das Ornament hat, kann in +Linoleumschnitt+
+mancherlei sehr reizvolle +Bucheinbände+, +Vorsatzpapiere+ und
++Einbände+ für +Notizbücher+ und +Blocks+ herstellen; +Linoleumdruck+
+paßt auch zur Verzierung von +Rückwänden+ für +Kalender+ und für
++Stundenpläne+. Wenn man darüber nachdenkt, wird man immer wieder neue
+Verwendungsmöglichkeiten für diese wirkungsvolle, interessante Technik
+finden.
+
+
+25. Ausschneidetechnik
+
+Bei der +Ausschneidetechnik+ werden die Formen mit der Schere möglichst
+genau ausgeschnitten und aufgeklebt. Es gibt Muster, die sehr einfach
+sind, man klebt sie mit einem beliebigen Klebemittel ziemlich mühelos
+auf. Amüsanter sind die Arbeiten, bei denen mehrere Farben verwendet
+werden; dies ist zwar schwieriger, hat aber eine bedeutend stärkere,
+malerische Wirkung: Man schneidet das +Buntpapier+ nach den Formen,
+die größte Fläche wird als Grund gewählt, die übrigen Töne werden
+aufgesetzt, die kleinsten Flächen kommen ganz zuletzt an die Reihe. Im
+übrigen muß man darauf achten, daß alles, was im Hintergrund liegt,
+zuerst, und alles, was im Vordergrund liegt, zum Schluß aufgeklebt wird.
+
+Als Arbeitsmaterial verwendet man +Buntpapier+, das in verschiedenen
+Farben in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, +Kartonpapier+,
+ebenfalls farbig, als Hintergrund für die Muster und irgend ein gutes
++Klebemittel+.
+
+Man klebt ohne Aufzeichnung das Muster auf den Hintergrund und bedeckt
+ihn nach und nach mit den Ornamenten, die man, genau wie bei der
+Reißtechnik, besonders für den Anfang, dem Pflanzen- und Tierreich
+entnimmt. Auch Landschaften und Stilleben eignen sich für diese
+Technik, wenn schon einige Übung vorhanden ist. Am hübschesten wirken
+einfache Blumenstücke, Einzelblüten, Ranken, in mehreren Farben,
+möglichst vereinfacht in der Form.
+
+Die +Verwendungsmöglichkeit+ der +Ausschneidetechnik+ ist sehr
+verschieden, man kann allerlei damit anfangen. Als +Wandschmuck+ unter
+Glas, einfach mit Kaliko gerahmt, sind sie, wenn sie nicht in Mengen
+auftreten, eine sehr reizvolle Zierde für das Jungmädchen-, Fremden-
+und Kinderzimmer, für Gartenhäuschen und Diele, besonders, wenn es
+sich um fortgeschrittene Arbeiten handelt. Sehr hübsch wirken sie
+als Verzierung von +Gratulationskarten+; man kann +Widmungsblätter+
+für +Gästebücher+, +Lichtschirme+, +Notizbücher+, +Bucheinbände+,
++Telegramm-+ und +Sammelmappen+ damit schmücken, sie passen für
++Erinnerungsbücher+, als +Einlagen+ für +Tablett+ und +Untersetzer+,
+wo sie unter Glas gerahmt werden. Wer es versteht, kleine Untersetzer
+mit Goldband zu umranden, kann die +Ausschneidetechnik+ für die runden
+oder ovalen Einlagen verwenden, auch auf +Kassetten+ für +Briefpapier+,
++Taschentuchbehältern+ und +Handschuhkästen+ kann man farbige
+Ausschneidebilder anbringen.
+
+[Illustration: Abb. 85. Blumen in Ausschneidetechnik.]
+
+Wer diese Technik gut beherrscht, wird immer wieder Möglichkeiten
+finden, sie geschmackvoll anzuwenden, man muß es indessen vermeiden,
+allzuviel davon gleichzeitig aufzuhängen oder aufzustellen, weil sonst
+die Wirkung des einzelnen in Frage gestellt wird.
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern drei Originale, die ganz besonders hübsch
+sind und sich für diese Technik außerordentlich gut eignen. Hier
+zeigen sich die Feinheiten der +Ausschneidearbeit+ sehr genau, es sind
+vorzügliche Muster für Anfänger und Vorgeschrittene.
+
+Das erste Muster (Abb. 85) ist am einfachsten: eine flächig angelegte
+Blüte. Die schönen Farben sind im Druck leider nicht zu sehen, bei
+einiger Vorstellungsgabe wird es aber auch Anfängern möglich sein, sich
+die Farbenwirkung des Musters zu denken. Auf ockerfarbenem Grund --
+Kartonpapier -- stehen die großen Blüten in Bischofslila, die Blume,
+die sich uns voll zuwendet, hat einen Mittelpunkt in der Farbe des
+Hintergrundes, die andre Blüte liegt in einem zinnobergrünen Kelch,
+der mit dem Stengel verbunden ist, und der auch mit den gefiederten
+Blättchen und dem Stiel der großen Hauptblüte zusammenhängt. Das
+bedeutet, daß die beiden Stengel, das Blatt und der Kelch, ohne
+abzusetzen, zusammen ausgeschnitten worden sind. Die Knospe steht
+seitwärts, auch hier sind Stiel, Blatt und Kelch aus einem Stück
+geschnitten, die Knospe ist hellila, sehr matt, das im Schatten
+liegende Blütenblatt ist bischofslila, die Staubgefäße, die ein wenig
+durchblicken, sind ockergelb wie der Hintergrund, stechen daher wenig
+vom Grundton ab.
+
+Die Arbeit ist folgendermaßen eingeteilt: zuerst wird alles, was
+bischofslila gehalten ist, aufgeklebt, dann folgt alles, was grün ist,
+darauf das Zartlila und schließlich das Ockerfarbene.
+
+Die Umrisse der einzelnen Blüten und der Knospe sind nicht glatt,
+sondern sehr bewegt, was nicht mit schief und krumm zu verwechseln
+ist, nur die Stengel müssen gerade Linien zeigen und recht gleichmäßig
+geschnitten werden. Man muß darauf achten, daß die Stengel stets unter
+den Blumen liegen.
+
+[Illustration: Abb. 86. Rose in Ausschneidetechnik.]
+
+Das zweite Bild (Abb. 86) zeigt eine +Rose+ auf schwarzem Grund, sehr
+streng stilisiert, man sieht nur die notwendigsten Linien. Die Blüte
+ist in vier Tönen gehalten, Hellrosa, Rosa, Dunkelrosa und Krapplack.
+Das Mittelstück der Blume ist rosa, es ist die größte Fläche, die
+zuerst aufgeklebt wird. Man sieht auf der Photographie die Verteilung
+der übrigen Farben, am dunkelsten wirken die überschlagenen Teile. Nun
+wird der Stengel aufgeklebt, er ist am oberen Teil, unter dem Kelch,
+hellbraun; zum Schluß werden die grünen Teile aufgeklebt, der untere
+Teil des Stengels, an dem das Blatt am feinen Stiel steht, alles aus
+einem Teil, und zu allerletzt der grüne Kelch, der über den untersten
+Teil der Rosenblüte geklebt wird.
+
+[Illustration: Abb. 87. Strauß in Ausschneidetechnik. Entwurf und
+Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Am hübschesten wirkt der mehrfarbige Strauß (Abb. 87), der für
+Vorgeschrittene gedacht ist. Die +Aster+ auf der rechten Seite ist
+dunkellila, mit einem schwefelgelben runden Mittelstück, das aufgeklebt
+wird. Daneben steht die orangegelbe +Studentenblume+, etwas seitlich
+und tiefer die +Herbstaster+, in zwei Tönen lila, sehr hell und ein
+wenig dunkler, aber nicht etwa dunkellila; in dem dunkleren Lilaton
+sind die kleinen +Korbblütler+ oberhalb des Straußes gehalten;
+sie haben je einen schwefelgelben Mittelpunkt und sind besonders
+stark vereinfacht in der Form. Alle +Stengel+ und +Blätter+ sind
+zinnobergrün, möglichst aus einem Stück geschnitten und sorgsam über-
+und nebeneinander geklebt. Das +Bukett+ steht auf einem holzbraunen
+Hintergrund aus Kartonpapier. Mit wenigen Farben, es sind nur sechs
+Töne, ist hier eine gute malerische Wirkung gegeben, wie überhaupt die
++Ausschneidetechnik+ eine praktische Vorübung zur Malerei ist, denn
+sie übt den Blick und den Farbensinn, man bekommt eine sichere Hand,
+wenn man häufig solche Arbeiten ausführt, die Phantasie wird ungemein
+angeregt und die Sorgfältigkeit ebenfalls gefördert.
+
+Einige Handwerkskniffe, welche die Arbeit erleichtern, gibt es auch
+bei dieser Technik: So kann man größere runde Formen mit dem Zirkel
+leicht angeben, wenn das Augenmaß noch nicht sehr ausgebildet ist;
+für kleinere Kreise verwendet man Geldstücke oder Spielmünzen. Für
+runde Ausschnitte empfiehlt es sich, gebogene Nagel- oder Stickscheren
+zu verwenden, sie erleichtern die Arbeit nicht unbeträchtlich. Ein
+besonders brauchbares Klebemittel ist Dextrin, ein aus getrockneten
+Roßkastanien hergestelltes Mehl, das in beliebiger Menge in kaltem
+Wasser aufgelöst und zu einem mehr oder weniger dicken Brei glatt
+verrührt wird. Man trägt das Klebemittel mit einem Pinsel auf,
+unter möglichster Schonung der Papierränder, um jedem Verschmieren
+vorzubeugen.
+
+Die reizvollen Muster eignen sich auch zum +Malen+. Als Material
+verwendet man Haarpinsel, Guasch- oder Temperafarben; auch als Vorlagen
+für kleine +Flachstickereien+ kann man die zierlichen Blumenmuster
+verwenden. Am besten passen sie indessen für die +Ausschneidetechnik+,
+für die sie gedacht sind.
+
+Wie die meisten der kunstgewerblichen Arbeiten, ist auch die
+Ausschneidetechnik vor hundert Jahren ganz besonders gepflegt worden.
+In der Mitte des vorigen Jahrhunderts ging sie zurück; man findet in
+Familienerinnerungen, in Stammbüchern hin und wieder noch mancherlei
+hübsche Ausschneidearbeiten; es gibt Bildchen und Kassetten dieser Art,
+die durch ihr Alter einen gewissen Wert bekommen haben, die Farben sind
+zwar meist verblichen, aber die Technik ist noch genau zu erkennen,
+und man kann sehr deutlich an solchen Arbeiten von Urgroßmutters Hand
+den Unterschied zwischen der damaligen Arbeitsweise und der heutigen
+erkennen. Damals hat man die Einzelheiten viel mehr hervorgehoben,
+heute arbeitet man viel einheitlicher, geschlossener. Eines ist
+jedenfalls dabei geblieben: die peinliche Sauberkeit und Genauigkeit,
+ohne die keine gute Wirkung erzielt werden kann.
+
+
+26. Teller und Schalen aus Luftschlangen
+
++Luftschlangen+ sind wohl bei allen jungen Mädchen beliebt. Lustige
+Erinnerungen an Silvesterabende oder an Tanzstundenbälle sind
+damit verknüpft; Luftschlangen sind für viele der Inbegriff der
+Ausgelassenheit, denn meist treten sie in Erscheinung, wenn das
+Vergnügen seinen Höhepunkt erreicht hat. Das ist allgemein bekannt,
+durchaus nicht allgemein bekannt aber ist die Tatsache, daß die bunten
+Luftschlangen ein vorzügliches Material für mancherlei sehr brauchbare
+Basteleien sind, daß man hübsche Gegenstände aus ihnen herstellen kann,
+die wenig kosten und vielfach verwendbar sind.
+
+[Illustration: Abb. 88. Schälchen aus Luftschlangen.]
+
+So kann man tiefe und flache +Tellerchen+ und +Schalen+ aus
+Luftschlangen herstellen; einige Muster zeigen wir auf unsern
+Bildern (Abb. 88 und 89). Die niedlichen Arbeiten erweisen sich
+auf dem Näh- und Toilettentisch, auf der Diele sehr nützlich, sie
+dienen zum +Aufbewahren+ von +Knöpfen+, +Nadeln+, +Schreibfedern+,
++Stopfmaterial+; ein wenig +Nähzeug+ kann man darin unterbringen;
+auch für +kleine Kuchen+, die nicht fettig sind, eignen sich die
+anspruchslosen Behälter. Wer ein paar Süßigkeiten, zum Beispiel
++Pfeffernüsse+ oder +Pfefferminzplätzchen+ als Erfrischungen für die
+Reise verschenken will, wer zum Geburtstag oder zu Weihnachten Marzipan
+und ähnliche, vielleicht selbstgebackene Leckereien verschicken möchte,
+wird mit diesen farbenfrohen Behältern sicherlich viel Freude machen;
+solch zierliche Behälter wirft man nicht achtlos fort, wenn sie geleert
+sind, wie das bei den gekauften, manchmal sogar sehr geschmackvollen
+Schachteln geschieht, weil man kein Interesse an den leeren Behältern
+mehr hat. Die +Teller+ und +Schalen+ aus +Luftschlangen+ stellen
+indessen eine nette +Handarbeit+ dar, die sich vielfach verwenden läßt,
+und die, wenn sie schließlich unansehnlich geworden ist, durch eine
+sicherlich ebenso hübsche Neuheit auf diesem Gebiet ersetzt werden kann.
+
+[Illustration: Abb. 89. Schälchen aus Luftschlangen.]
+
+Die +Technik+ ist sehr einfach, man kann -- selbst ohne Übung -- kaum
+etwas daran verderben. Zunächst wickelt man die Luftschlangen von
+außen zu einer großen Fläche oder Scheibe auf, nicht von innen, das
+wäre falsch; das ganze Stück braucht nicht vollständig aufgewickelt
+zu sein, bevor man mit der Arbeit beginnt. Man legt die Scheibe auf
+den Tisch, dreht mit der rechten Hand und hält mit der linken den
+Mittelpunkt der Scheibe und das Ende der Papierschlange fest. Die
+Farben kann man nach Belieben wählen, je bunter die Arbeit wirkt,
+desto besser; darum empfiehlt es sich, eine große Farbenauswahl
+bereitzuhalten. Die Farbenreihe kann beliebig unterbrochen werden. Die
+Enden werden -- zum Schluß -- aneinander geklebt. Die Arbeit besteht
+darin, daß man eine Scheibe vorsichtig mit den Händen dreht und so
+lange formt, bis +Schalen+, +Töpfchen+, +Teller+ entstehen. Ist die
+notwendige Höhe des Gegenstandes erreicht, so hört man mit dem Schieben
+auf. Für +Nadelschälchen+ wird eine kleinere Scheibe gebraucht als
+für +Konfektteller+; allzu groß darf der Kreis niemals werden. Diese
+Technik eignet sich +nicht+ für umfangreiche Gegenstände. Die fertigen
+Stücke bestreicht man mit +farblosem Lack+ oder mit +Wasserglas+.
+Wasserglas ist in Drogerien erhältlich, es ist im Küchengebrauch
+bekannt, weil man Eier darin einlegt. Da Wasserglas feuerfest ist,
+kann man die damit bestrichenen Schalen als +Aschbecher+ benutzen.
+Solch bunte Aschbecher eignen sich recht gut für Vielliebchengeschenke
+und können wie die übrigen Schalen und Tellerchen als farbenfröhliche
++Tischdekoration+ zu festlichen Gelegenheiten verwendet werden.
+
+
+27. Bast- und Stroharbeiten
+
++Bast-+ und +Stroharbeiten+ waren lange Zeit durchaus aus der Mode
+gekommen, sehr mit Unrecht, denn mit beiden Materialien kann man sehr
+viel anfangen, wenn man Farbensinn, Geschmack und Fingerspitzengefühl
+hat. In alten Vitrinen sieht man noch hin und wieder mancherlei +bunte
+Stroharbeiten+, deren Hauptreiz in der guten Form, in der praktischen
+Verwendbarkeit des Gegenstandes, in der feinen Farbenzusammenstellung
+liegt. Da gibt es +Fingerhutbehälter+, +Kassetten+, +Federkästen+,
+kleine +Tablette+, +Dosen+ und andre Kleinigkeiten, die besonders als
+Reiseandenken sehr geschätzt wurden. Diese nicht sehr umfangreiche
+Industrie kam in der Biedermeierzeit, die all diesen feinen
+Heimarbeiten sehr günstig war, besonders hoch, dann verfiel sie und
+endete in der Mitte des vorigen Jahrhunderts, schließlich wurde sie
+ganz vergessen. Es kamen die hübschen Japanwaren auf, die aus denselben
+Materialien hergestellt waren; ihr sehr geringer Preis sorgte für eine
+außerordentliche Verbreitung. Wer kennt sie nicht, die +Kästchen+ und
++Matten+, die +Untersetzer+ und +Körbchen+ aus dem Osten. In Dorf und
+Stadt haben die Japanwaren Anklang gefunden. Es ist gar nicht so lange
+her, daß die deutsche Heimindustrie sich auf ihre alte Überlieferung
+besann. Wo früher Bast- und Stroharbeiten angefertigt wurden, hat man
+an die Vergangenheit angeknüpft, und in manchen Gegenden, besonders
+in Süddeutschland, ist diese Industrie wieder lebendig geworden. Es
+handelt sich indessen hierbei meistenteils um ein feines Kunstgewerbe;
+Kunstgewerblerinnen machen die Entwürfe, die von Heimarbeiterinnen
+ausgeführt werden. Man sieht wieder reizende Gegenstände in Stroh
+und Bast, +Teller+, +Schalen+, +Körbchen+, +Blumentopfbehälter+,
++Untersetzer+, praktische Dinge, die nicht so billig sein können wie
+die Japanwaren, sondern vielmehr als Einzelstücke eine persönliche Note
+zeigen und daher ihren Preis halten müssen.
+
+[Illustration: Abb. 90. Anfertigen von Schälchen aus Stroh und Bast.]
+
+Auf den Messen sah man in letzter Zeit ausgezeichnete +Bast-+ und
++Strohgegenstände+ dieser Art, sie bürgern sich wieder im Haushalt ein,
+sind ein geschätzter Raumschmuck und werden auch als Liebhaberarbeiten
+gern nachgearbeitet, da die Technik nicht sehr schwierig ist. Wenn die
+Stücke gut aussehen sollen, müssen sie sehr sorgfältig ausgeführt sein,
+sonst hat es gar keinen Zweck, damit zu beginnen, es wäre schade um
+das Material, das in den einschlägigen Geschäften zu beziehen ist. Man
+versuche, recht buntes Material zu bekommen. Der Bast ist in einzelnen
+farbigen Strähnen erhältlich, er kommt aus dem Ausland.
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 90 bis 95) mehrere ganz besonders
+hübsche Arbeiten in +Stroh+ und +Bast+, die nicht nur gut aussehen,
+sondern auch unbedingt brauchbar sind.
+
+Die +Untersetzer+ (Abb. 92, 93 und 95) können sowohl in der Wohnung
+als auch im Garten benutzt werden; sie sind als Schutz für die Tische
+gedacht. Auf lackierten, gestrichenen, furnierten Platten sind die
+schmiegsamen +Bastuntersetzer+ sehr angebracht, man legt sie unter
+Schüsseln und Teller mit heißen Speisen; auf dem gedeckten Tisch
+sehen sie reizend aus, ihre Vielfarbigkeit, ihre zierlichen Formen
+schmücken die Tafel in einer ganz besonderen Weise. Wenn man sie
+unter Blumentöpfe legen will, achte man darauf, daß ein wasserdichter
+Blumenuntersetzer unter den Topf gestellt wird, denn es ist besser,
+wenn die Bastteller nicht feucht werden. Im allgemeinen ist der Bast
+echt eingefärbt, aber es lohnt nicht, damit Experimente zu machen,
+außerdem leiden die Formen durch Nässe. Unter +Vasen+, +Körbe+,
++Schalen+ und dergleichen kann man sie unbedenklich legen; sie erweisen
+sich als sehr praktisch, wenn man bei plötzlichem Besuch nicht den
+Tisch decken möchte und Erfrischungen auftragen will. Wenn man die
+Bastgegenstände naturfarben hält, kann man sie, wenn keine Pappe dazu
+verwendet worden ist, noch vielseitiger benützen, denn dann sind sie
+„waschecht“, es findet sich stets Gelegenheit im Haushalt dazu.
+
+[Illustration: Abb. 91. Bast- und Stroharbeiten; flache Schale. Entwurf
+und Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Sehr brauchbar sind auch die selbst hergestellten +Bastkörbchen+ (Abb.
+94), die ohne Henkel als +Schalen+ zu benutzen sind. Für +Näh-+ und
++Stopfsachen+ kommen sie in Betracht, wenn man sie in entsprechender
+Größe anfertigt, sonst eignen sie sich für +Obst+ und +Backwerk+,
+besonders für den +Frühstückstisch+. Wenn man einen passenden
+Glasbehälter hineinstellt, kann man die Schalen und Körbchen nicht nur
+für Obst und Konfekt verwenden, sondern auch für Blumen; man ersieht
+daraus, wie vielfach die Verwendbarkeit dieser Gegenstände ist.
+
+[Illustration: Abb. 92. Schüssel-, Flaschen- und Gläseruntersetzer.
+
+Aus den Werkstätten: Trude Study.]
+
+Auf unsern Bildern zeigen wir mehrere Beispiele von besonders hübschen,
+einwandfrei ausgeführten Arbeiten +in diesen Techniken+.
+
+Da sind +Untersetzer+ in verschiedenen Größen und Ausführungen, und ein
++Körbchen+, das auch als Schale gedacht ist, wenn der Henkel fortbleibt.
+
+Als Technik kommt zunächst das +Wickeln+ in Betracht; in dieser Art
+sind die drei +Teller+ in verschiedenen Größen und das +Körbchen+
+ausgeführt.
+
+Man wickelt über Papierbindfaden, über Bast oder Stroh. Man legt
+den Bindfaden zu einer Schlinge und überwickelt zunächst die
+doppelte Stelle, dann die Rundung und weiterhin das Ende des Fadens
+mit Achterstich auf der vorhergehenden Runde fest, wie es auf dem
+Körbchenbild an einigen kleinen Beispielen gezeigt ist. Man kann auch
+den Bindfaden ein paarmal umwickeln und ihn erst dann auf der letzten
+Runde festmachen. Die bunte Musterung erzielt man durch Anlegen eines
+farbigen Bastfadens, der an der Musterstelle an den Anfangsfaden
+angelegt wird. Soll der Teller hochwandig ausgeführt werden, so zieht
+man die Schnur aus Bast oder Stroh straff an. Zum Schluß schneidet man
+die Enden der Bastfäden ab, der Bindfaden wird schräg abgeschnitten,
+um einen allmählichen Übergang zu erzielen.
+
+Eine andre Technik ist die +Bastflechterei+, wir zeigen auf zwei
+Bildern einige +geflochtene Untersetzer+ (Abb. 92 und 93). die in
+folgender Weise hergestellt worden sind:
+
+Man schneidet einen Stern aus fester Pappe, umwickelt die Zacken
+strahlenförmig mit Bast, auf der oberen Seite, in der Art, wie wir bei
+den bekannten Teneriffaspitzen oder Sonnenspitzen sehen. Dann stopft
+man den ganzen Stern möglichst dicht mit Bast zu. Man kann bunte Kanten
+einstopfen; der Rand wird mit einem Bastfaden umstochen, die fertige
+Arbeit feuchtet man leicht an und preßt sie zwischen schweren Büchern,
+damit die Teller flach aufliegen.
+
+[Illustration: Abb. 93. Likörglas- und Flaschenuntersetzer aus Bast.
+
+Aus den Werkstätten: Trude Study.]
+
+[Illustration: Abb. 94. Henkelkörbchen.]
+
+Auf unsern Bildern (Abb. 92 und 93) sehen wir +Bastuntersetzer+, deren
+Grundmaterial aus mehreren Pappkreisen besteht, die in der Größe
+voneinander abweichen und mit Bastfäden fest miteinander verbunden
+sind. Das in der Mitte entstandene Loch ist mit Spinnen aus Bastfäden
+ausgefüllt. Einige dieser Spinnen sind ganz einfach gehalten, andre
+sind leicht gehäkelt und zierlich geschlungen, das Mittelloch auf dem
+einen Teller ist mit Hardangerstichen zugeflochten. Diese Teller sind
+besonders reizvoll, weil ihre Farben sehr hübsch zusammengestellt sind.
+Das sechseckige Modell ist in Schwefelgelb gehalten, die sternförmigen
+Zierstiche sind papierblau, der Stern in der Mitte ist in derselben
+Farbe gearbeitet. Der Hardanger Teller ist dreifarbig: orangegelb,
+grasgrün und bronzebraun. Die vier Teller auf dem nächsten Bild (Abb.
+93) sind ebenfalls mehrfarbig, der kleine Likörglasuntersetzer ist
+schwarz mit altrosa Umrandungsstichen und altrosa Stern. Der große
+Flaschenuntersetzer rechts daneben ist abwechselnd lila und bronze
+gewickelt, mit lila Stern und Verbindungsstichen. Der unterste Teller
+ist grün und blau mit grünem Stern und blauem Sternornament auf grünem
+Grund. Der erste Teller auf dem Bild -- linksstehend -- ist zweifarbig
+geflochten, die Konturstiche sind in der helleren, der Stern in der
+dunkleren Farbe gehalten. Will man solch einen Teller verschenken,
+so ist es empfehlenswert, aus mehreren eine größere oder kleinere
+Serie herzustellen. Ein Dutzend Likörglasuntersetzer, drei große
+Flaschenuntersetzer, sechs mittlere Teller in verschiedenen Formen, das
+würde am besten wirken, besonders wenn alle Arbeiten in verschiedenen
+Farben gehalten sind. Wer drei Flaschenuntersetzer verschenkt, kann
+auch die Formen wechseln; für Schüsseluntersetzer wähle man besonders
+große Formen, hierfür eignen sich auch ovale Muster, die ebenso
+ausgeführt werden. Will man Gläseruntersetzer anfertigen, so achte man
+genau auf den inneren Ausschnitt, man nehme ein Bier-, ein Likör-, ein
+Wasserglas als Muster dafür. Ist das Mittelloch zu klein oder zu groß,
+so wird das Glas schlecht auf der Spinne stehen; will man das Loch in
+Hardangertechnik verschließen, so achte man besonders darauf, daß das
+Muster nicht zu dick wird, für Gläser kommen diese Muster überhaupt
+nicht in Betracht; Gläser würden umkippen, aber für größere, nicht so
+leichte Gegenstände jeder Art, Schüsseln, Teller, Blumentöpfe eignen
+sie sich recht gut. Statt des Spinnetzes kann ein einfacher Stern in
+den Mittelpunkt hineingearbeitet werden.
+
+[Illustration: Abb. 95. Schüsseluntersetzer.
+
+Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Solch Bastteller kann man jederzeit verwenden, sie eignen sich als
+Damen- und Herrenspenden bei Gesellschaften und Lotterien, als
+Geschenke „für die neue Wohnung“, sie passen zu Verlobungs- und
+Hochzeitsgeschenken, müssen aber in diesem Fall serienweise hergestellt
+werden, damit sie recht dekorativ wirken.
+
+
+28. Untersetzer mit gepreßten Blumen
+
+Starkfarbige Blumen, die nicht allzu schnell verblassen, eignen sich
+am besten für die zierlichen Untersetzer, die im Haushalt vielfach
+praktisch verwendet werden können. Um die Tischplatten zu schützen,
+benutzt man die niedlichen Glasuntersetzer als Kannenteller und
+Gläsertellerchen, wenn die Tafel aus Zeitmangel nicht gedeckt werden
+kann; Vasen, Konfektschalen, Obstschüsseln stellt man darauf. Solch
+farbiges Kleinkunstgewerbe wirkt sehr ansprechend und gibt geschickten
+jungen Mädchen immer wieder Gelegenheit, sich auch auf diesem Gebiet
+nützlich zu machen.
+
+In der Biedermeierzeit war das Blumenpressen eine vielfach geübte
+häusliche Kunst; man findet noch heute in alten Poesie- und
+„Stammbüchern“ gepreßte Sträußchen und Kränze, die mit viel Liebe
+und Sorgfalt zusammengestellt und sorgfältig gepreßt und eingeklebt
+worden sind. In vergilbten Briefen rascheln noch manchmal die einstmals
+duftenden Zeugen mancher ernsten und heiteren Stunden, und wer sich
+darauf versteht, wird sich immer wieder wundern, daß die gepreßten
+zarten Veilchen, die dünnstengligen, feinen Vergißmeinnichtblüten
+die Jahrzehnte überdauert haben, während von den Menschen, die sie
+gesammelt und gepreßt haben, kaum eine Erinnerung mehr vorhanden ist.
+
+[Illustration: Abb. 96. Untersetzer mit gepreßten Blumen.]
+
+Zum Pressen und Aufkleben eignen sich kleine Blüten und Blätter am
+besten, die schönste, bunteste Betunie, die reizendste Aster, sie
+kommen dafür nicht in Betracht, während Dotterblumen, Veilchen,
+Vergißmeinnicht, Leberblümchen und andre Feld- und Wiesenblumen sich
+recht gut dafür eignen. Man preßt sie zwischen reinem Löschpapier,
+beschwert die Blätter mit dicken Büchern oder Steinen und achtet
+darauf, daß die Fläche, auf der die Blüten liegen, gerade ist. Wenn
+die Blumen trocken sind, beginnt das Ordnen, denn für einen Untersatz
+genügen nicht ein bis zwei Blümchen, da muß schon ein kleines
+Füllmuster zusammengestellt werden.
+
+[Illustration: Abb. 97. Wandbild mit gepreßten Blumen.]
+
+Der Untersetzer (Abb. 96) besteht aus einem kreisrunden oder ovalen
+Rähmchen, statt des Bildes wird die Fläche mit den getrockneten Blumen
+eingesetzt. Weiße, gelbe, schwarze Holzrähmchen mit Glas eignen sich am
+besten für diesen Zweck. Man kann indessen auf diesen fertigen Rahmen
+verzichten und den Untersetzer selber herstellen, indem man unter das
+Glas einen starken, entsprechend geschnittenen Pappbogen legt; auf
+die Pappe spannt man ein passendes Stückchen Seide, einfarbig, in
+Lila, Grün, Braun oder Papierblau, darauf befestigt man die Blumen;
+darüber wird die Glasscheibe gelegt, die Papprückwand wird mit
+sauberem Packpapier beklebt, und zum Schluß umzieht man das Glas mit
+einer nicht zu breiten Goldborte, so daß ein Rahmen entsteht. Solche
+Goldborten und Brokatborten werden vielfach in Möbelhandlungen, bei
+Dekorateuren verwendet, meist als Abschluß von Vorhängen und Decken;
+die Reste eignen sich für Untersetzer sehr gut. Wenn die Blumen nicht
+mehr gefallen, trennt man den Rand auf und erneuert den Inhalt. Es gibt
+eine Sorte farbiger Strohblumen, die für diesen Zweck sehr empfohlen
+werden können, auch Immortellen sehen sehr hübsch unter Glas aus,
+sogar der bescheidene Mauerpfeffer kann dafür verwendet werden. Bei
+einiger Übung kommt man schließlich selber darauf, welche Blüten sich
+für diesen Zweck am besten eignen, und das Zusammensetzen von Mustern
+ist so reizvoll und anregend, daß alle, die einmal damit begonnen
+haben, nach und nach eine besondere Fertigkeit erlangen und selbst die
+verschiedensten Möglichkeiten ersinnen, um ihre zierlichen Versuche
+anzubringen.
+
+In früheren Jahren war es üblich, den Myrtenkranz der Braut unter
+Glas zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder aufzuheben. Solch
+sentimentaler Zimmerschmuck ist unmodern geworden, indessen gibt
+es einen unauffälligen, geschmackvollen Ersatz dafür, den sich die
+Freundinnen einer Braut merken sollten. Aus einigen Zweigen vom
+Myrtenkranz kann man in der beschriebenen Art ein kleines +Wandbild+
+(Abb. 97) herstellen, ein Untersetzer würde dafür nicht in Betracht
+kommen. Wenn die Brautjungfer solche hübsche Überraschung im Heim der
+jungen Frau anbringt, wird die Freude groß sein; in dieser Weise können
+mancherlei Erinnerungen an frohe Feste und gemeinsam verlebte Tage
+festgehalten werden.
+
+Die Gold- oder Brokatborte über Glas als Rahmen kann vielfach
+Verwendung finden; für Liebhaberphotos, Künstlerkarten, kleine
+Stickereien, Silhouetten, Klebebilder ist diese Art der Umrahmung sehr
+zu empfehlen.
+
+
+29. Klapperdeckchen und Tortenpapier in Ausschneidetechnik
+
+Statt der üblichen Spitzen- und Stickereiklapperdeckchen wird man
+bei passender Gelegenheit gern selbstausgeschnittene +Klapper-+ und
++Tellerdeckchen+ aus Papier verwenden, besonders, wenn es sich um
+improvisierte Feste handelt, bei denen es mehr auf die lustige Stimmung
+als auf die feierliche Aufmachung ankommt. Das wären sommerliche
+Gartenfeste, kleine Tanzgesellschaften im Freien, Geburtstagsfeiern von
+jungen Leuten, Geselligkeit im größeren Kreise von guten Bekannten; vor
+allem müssen in diesem Rahmen die häuslichen Kostüm- und Maskenbälle
+genannt werden, bei denen die Tafel scherzhaft und möglichst originell
+gedeckt werden soll.
+
+Da die Herstellung der ausgeschnittenen +Klapperdeckchen+ (Abb. 98
+und 99) wenig Zeit und Kosten in Anspruch nimmt, eignen sie sich für
+diese Zwecke sehr gut, sie bringen eine persönliche Note in die
+Tischdekoration und können in mancherlei Abarten ausgeführt werden.
+
+[Illustration: Abb. 98. Klapperdeckchen in Ausschneidetechnik.]
+
+Man faltet das in der gewünschten Größe quadratisch zugeschnittene
+Papier -- Butterbrotpapier ist dafür sehr brauchbar, auch Pergament-
+und Kaffeefiltrierpapiere kommen in Betracht -- in entsprechender
+Weise dreimal in der Diagonale und schneidet dann mit einer scharfen
+Schere die beliebigen Muster: Dreiecke, Kreise, Streifen und so weiter
+hinein. Beim Auseinanderfalten ist das ganze Papier symmetrisch mit
+Mustern bedeckt. Will man nur den Rand verzieren, dann darf man nur
+den Rand des zusammengefalteten Papiers ausschneiden. Man kann auch
+mit dem Zirkel Muster aufzeichnen und danach die Formen schneiden.
+Nach Belieben wird man die ausgeschnittenen Muster farbig unterlegen;
+man klebt gelbes, orangefarbenes, grünes oder tütenblaues Glanzpapier
+dahinter; wo es angebracht ist, kann man die +Klapperdeckchen+ auch aus
+farbigem Glanzpapier herstellen. Das gilt für lustige Gesellschaften,
+wenn die gesamte Tischdekoration auf Farbe eingestellt ist, wenn unter
+anderem Papierketten, Konfetti und Lampions dabei eine Rolle spielen.
+
+[Illustration: Abb. 99. Klapperdeckchen.]
+
+In derselben Weise wird man selber +Tortenpapier+ herstellen; gekaufte
+gute Tortenpapiere sind nicht billig, und zum selbstgebackenen Kuchen
+paßt eine selbsthergestellte Unterlage recht gut. Sie eignet sich für
+Obst und Konfekt, auch für selbstgebackenes Marzipan; es sieht sehr
+hübsch aus, wenn ein Körbchen, eine Platte in dieser anspruchslosen
+Weise verziert ist. Für solches +Tortenpapier+ eignet sich dünnes,
+weißes Zeichen- oder auch Pergamentpapier am besten, wenn es nicht
+vorrätig ist, genügt schließlich Butterbrotpapier.
+
+Mit Hilfe solcher mehr oder weniger einfachen Ausschnittmuster kann
+man sich sehr praktische +Untersetzer+ herstellen. Man klebt die
+ausgeschnittenen Papiere auf Pappe, legt eine passend zugeschnittene
+Glasscheibe darauf und rahmt den Untersetzer, der beliebig rund oder
+eckig gehalten werden kann, mit Kaliko ein. Beim Photographen bekommt
+man ausgesonderte Glasplatten, sie eignen sich sehr gut dafür. Sehr
+hübsch sehen sechs- und achteckige Untersetzer aus, in jeder Glaserei
+wird diese Form beliebig zugeschnitten. Die Wirkung ist am besten, wenn
+runde Ausschnittflächen eckig und eckige Muster rund eingerahmt werden.
+
+In der Ausschnitt-Technik stellt man auch hübsche +Schrankpapiere+
+her. Wenn sie recht sorgfältig ausgeführt werden, dürften sie bestimmt
+viel origineller und geschmackvoller als die üblichen gekauften
+„Papierspitzen“ wirken; man verwendet sie am liebsten für Schränke im
+Kinderzimmer und in der Küche.
+
+
+30. Perlarbeiten
+
+Die +Perlarbeit+ wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. In
+früheren Jahren ist das glitzernde, blitzend bunte Material nur als
+Kinderspielzeug gewertet worden. Damit soll indessen nicht gesagt
+werden, daß unsere Zeit die Perle entdeckt hat, im Gegenteil, vor
+hundert Jahren machten die Frauen so reizende +Perlarbeiten+, daß wir
+Modernen diese Art nie erreichen werden, schon darum nicht, weil man im
+Jahrhundert des Autos, des Luftschiffes, im Zeichen der Eile und der
+damit verbundenen Rekorde gar nicht die Ruhe hat, solche zeitraubende
+Augenpulver zu fabrizieren. Auch in die kleinsten Dörfer kommt die
+moderne Technik und nimmt den stillen Menschen die Gemächlichkeit, die
+unbedingt erforderlich ist, wenn man langwierige, kniffliche Arbeiten
+ausführen will. Diese Ruhe hatte man vor hundert Jahren, und darum
+sehen wir in alten Vitrinen noch heute wunderfeine +Perlarbeiten+,
+die unter einigermaßen ungünstigen Beleuchtungsverhältnissen
+entstanden sind. Wer von euch hat nicht schon einmal Urgroßmutters
++Klingelzug+ bewundert, der im Glasschrank neben Urgroßvaters
++Perlenbörse+ zur Erinnerung aufbewahrt ist. Da sind +Schreibmappen+
+und feine +Geldtäschchen+, +Brotkörbchen+ mit perlgesticktem Boden,
++Nähtischeinlagen+, auf denen Schäferinnen mit Schafen und Hunden aus
+ganz kleinen, bunten Perlen spazieren gehen. +Lichtmanschetten+, die
+das Tropfen der Kerzen auf den Fußboden und auf den Tisch verhindern
+sollten, arbeitete man aus großen, langen, goldenen und silbernen
+Perlen; +Tabletteinlagen+ aus winzigen, farbigen Glasperlen waren
+keine Seltenheit, selbst +Huthalter+ und +Handtuchständer+ wurden mit
+Perlen gestickt, meist in Verbindung von Gobelinstickerei, schwimmende
+Schwäne, in einem Kranz von Efeu- und Weinblättern und vollen Trauben
+-- aber das war schon in der Verfallzeit, in den siebziger Jahren.
+Vor hundert Jahren arbeitete man viel geschmackvoller; reizende
++Bilder+ wurden aus Perlen hergestellt, kleine, feine Landschaften
+und Stilleben, die häufig mit bunten Papieren in Klebetechnik gerahmt
+wurden. Die großen +Reisetaschen+ mit der Inschrift „Bon voyage“, denen
+wir in den alten Lustspielen begegnen, wurden vielfach mit Perlen
+bestickt, man bestickte unter anderem +Kassetten+ und +Zeitungshalter+,
++Sofakissen+, +Fußbänke+, +Nähkissen+, +Brieftaschen+, +Serviettenringe+
+und +Taschentuchbehälter+ mit Perlen; natürlich wurde die +Perlarbeit+
+in ihren verschiedenen Techniken auch für die Mode -- besonders die
+Damenmode -- herangezogen. Noch heute bewundern wir die feine Arbeit,
+Blumen und Früchte, Stilleben, Landschaften, Hunde und Katzen, Vögel
+und Lämmchen, Liebespaare, Amoretten und sentimentale Ornamentik, zum
+Beispiel rankenumsponnene Säulen, Köcher und Pfeile mit Herzen auf
+den alten +Pompadours+ und +Ridiküls+, die von unseren Urgroßmüttern
+sehr gern getragen wurden. Gleichzeitig waren auch +Perlarmbänder+
+modern, breite oder schmale, meist schwarze Samtbänder, die mit
+Silberperlen benäht wurden; auch +Hut-+ und +Halsbänder+ in dieser Art
+kamen auf und waren -- den überlieferten Bildern nach zu schließen --
+außerordentlich kleidsam. Später wurde diese Mode sehr vergröbert, aus
+den zierlichen „Amibändchen“ wurden geschmacklose, perlenstrotzende
+Samt- und Seidenbänder, die mit schlechten Mustern „geschmückt“ waren.
+Schließlich, als mit dieser Mode wirklich kein Staat mehr zu machen
+war, geriet sie -- mit Recht -- in Vergessenheit, und ebenso wie diesem
+Modebeiwerk erging es den anderen Perlarbeiten, die ebenfalls sehr
+zurückgegangen waren. -- Sie hatten das Schicksal aller Modesachen:
+solange sie in der Minderheit auftreten, teuer und gut ausgeführt
+sind, gefallen sie sehr; dann dringen sie in die breite Masse, indem
+sie billiger hergestellt und demnach zur Imitation werden, und diese
+Wandlung führt zu ihrem mehr oder weniger schnellen Ende.
+
+[Illustration: Abb. 100. Muster für Perlarbeiten.]
+
+[Illustration: Abb. 101. Zwei Serviettenringe aus farbigen Holzperlen.]
+
+Wenn die +Perlarbeiten+ in den letzten Jahren wieder aufgekommen sind,
+so bedeutet dies durchaus nicht, daß die alten Muster und Techniken
+wieder hervorgeholt wurden; man knüpfte zwar an die erprobte Tradition
+an, ging und geht heute indessen sichtlich andere Wege. Handgestrickte
+und handgehäkelte +Perlbeutel+ für Theater und Besuchszwecke werden
+zwar wieder gearbeitet, bewegen sich aber, wenn sie geschmackvoll und
+vornehm sind, in so hohen Preislagen, daß sie nicht einmal für die
+gute bürgerliche Gesellschaft in Betracht kommen, die Herstellung ist
+zu teuer. Als Handarbeit -- wie irgend eine andere -- kommen sie auch
+nicht in Frage, weil die Technik zu anstrengend und zu zeitraubend
+für heutige Verhältnisse ist. Nur wenn die Perlen sehr klein sind,
+und das Muster ganz besonders fein ist, sieht solch Beutel gut aus,
+und wer hat schließlich ein Interesse daran, solch mühseliges Stück
+zu arbeiten, umso weniger, als das Material sehr kostspielig ist,
+wenn andere Techniken zeitgemäßer, angenehmer und billiger sind. Man
+braucht heutzutage auch keine +Klingelzüge+ mit und ohne Perlen mehr,
+die +Brot-+ und +Kuchenkörbchen+ mit Perlenboden empfinden wir Modernen
+als unhygienisch, +Taschenbücher+ und +Schreibmappen+, +Brieftaschen+
+und Geldbeutel können unserer Auffassung nach gar nicht fest und
+handlich genug sein. Perlenverzierungen bedeuten Rücksicht nehmen,
+Zeit verlieren; da muß man andere Gegenstände wählen, um die Perlen
+anzubringen.
+
+Für die +Halsbänder+ hat die Mode einen guten Ersatz gefunden, die
+langen farbigen +Perlketten+, die so hübsch schlank machen, und die zu
+den einfachen Kleidern sehr gut passen. Man hat auch +Holzperlketten+
+in den Handel gebracht, aber sie sind lange nicht so reizvoll wie die
+Ketten aus bunten Glasperlen, die es mit Korallen- und Bernsteinketten
+aufnehmen können. Wer geschickt ist und Farbensinn besitzt, kann solch
+feine +Perlenketten+ selber ohne viel Mühe und Kosten auffädeln,
+wir bringen auf unseren Bildern entsprechende Muster, die leicht
+nachzuarbeiten sind.
+
+Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 100 bis 105) zunächst einige
+handgezeichnete Proben für die verschiedenen Arten, große und kleine
+Perlen aufzufädeln. Auf dem ersten Muster, das sich sowohl für
++Hutbänder+ als auch für +Gürtel+ eignet, zieht man zwei längliche
+und eine runde Perle in der Länge des zu arbeitenden Gegenstandes
+auf, fädelt wieder zurück, nimmt nun zwei längliche Perlen auf und
+sticht durch die runde, schon aufgezogene Perle zurück. Statt der
+zwei langen Perlen kann man auch vier runde Perlen in abstechender
+Farbe nehmen (siehe Abb. 100 b). Dieses Muster eignet sich für farbige
++Glas-+ und +Holzperlen+, man verwendet es nicht nur für +Gürtel+ und
++Hutbänder+ usw., sondern auch zum Schmuck von +Lampenschirmen+, +Näh-+
+und +Papierkörben+, man kann daraus +Serviettenringe+ und ähnliche
+Perlarbeiten herstellen. Handelt es sich um Modesachen, so beachte man
+die Farbenzusammenstellung; allzu grelle Farben kommen dafür überhaupt
+nicht in Frage. Für Wandervogelkleider sind solche Ketten ein sehr
+hübscher Schmuck, für die Stadtkleidung werden Holzperlenketten weniger
+getragen. Die beschriebene Technik kommt aber auch für Glas- und
+Bernsteinperlen in Betracht; schließlich gibt es nicht nur die kleinen
+runden, bunten +Glasperlen+, für die Modeindustrie hat man +große+ und
++kleine+, +längliche+, +runde+, +eckige+, +einfarbige+ und +bemalte+
+oder +irisierende Perlen+ in den Handel gebracht. All diese Perlen
+lassen sich für +Ketten+ und +Gürtel+ und für kettenartige Verzierungen
+in der Art verwerten, wie wir sie auf unseren fünf Zeichnungen so
+anschaulich zeigen, daß eine allzulange Erklärung sich erübrigt, denn
+die Technik ist immer dieselbe, es wechseln nur Formen und Farben,
+und schließlich ergeben sich bei einiger Übung und Geschicklichkeit
+vielerlei Möglichkeiten.
+
+[Illustration: Abb. 102. Perlenhutband.]
+
+Die Herstellung der +Serviettenringe+ (Abb. 101) geschieht in folgender
+Weise:
+
+1. Zwei runde, eine lange, eine runde Holzperle werden aufgereiht, dann
+fährt man mit der Nadel wieder durch die beiden zuerst aufgezogenen
+runden Perlen zurück, reiht weitere drei runde Perlen auf, sticht durch
+die lange Perle zurück, fährt durch die obere der drei runden Perlen
+und beginnt wieder von vorn, bis der Serviettenring die richtige Größe
+hat.
+
+2. Man reiht eine lange, drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die
+lange Perle, reiht drei runde Perlen auf, sticht wieder durch die lange
+Perle, reiht wieder eine runde Perle auf und so weiter (Abb. 100 ~d~).
+Man kann statt der langen Perle auch eine runde Perle in abstechender
+Farbe nehmen und die einzelne, zuletzt aufgezogene, runde Perle
+fortlassen (Abb. 100 ~e~).
+
+Eine einfarbige lila +Kette+, die auch als +Hutgarnitur+ gedacht ist,
+bringen wir auf unserer Abb. 102, um einen fertigen Gegenstand dieser
+Art vorzuführen; man ersieht daraus, daß die Technik sehr einfach ist.
+
+In derselben Art sind die +Serviettenringe+ aus Holzperlen ausgeführt
+(Abb. 101); auf der Abbildung sehen wir ein Modell als Einzelaufnahme
+und daneben ein anderes Modell „im Betrieb“. Es liegt wie ein Armband
+um die Serviette; beide Muster sind voneinander verschieden und können
+auch als +Kinderarmbänder+ verwendet werden; hier sind Holzperlen sehr
+angebracht, wenn man keine schwarzen Holzperlen verwendet, die immer
+sehr stark an Trauerschmuck erinnern.
+
+[Illustration: Abb. 103. Farbige Schmuckketten von Liselotte Volk.]
+
+[Illustration: Abb. 104. Farbige Ketten aus Glasperlen.
+
+Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Auf dem dritten Bilde (Abb. 103) sehen wir eine geschmackvolle, etwas
+komplizierte +Kette+ aus bunten Glasperlen und eine einfache +Kette+
+aus farbigen Holz- oder Glasperlen. Die erste +Kette+ besteht aus
+einfarbigen kleinen Glasperlen, die auf eine lange Schnur aufgereiht
+sind; sie ist leicht verschlungen und hat als Abschluß größere bemalte
+venezianische Perlen; aus der größten Abschlußperle hängt eine volle,
+lange +Troddel+ herab, die aus denselben Perlen besteht, die für die
+verschlungene +Kette+ verwendet worden ist. Die Abbildung ist so
+deutlich, daß jede weitere Beschreibung überflüssig ist. Nur über die
+Farbe der Kette soll gesprochen werden. Ein tiefes Porzellanblau, nicht
+etwa Marineblau, ist immer kleidsam, Hellblau wäre sehr geschmacklos,
+dagegen ist Pfauenblau, Violett, Gelb, besonders Dunkelgelb sehr
+originell, und Grün, ganz gleich ob Türkisgrün oder Giftgrün, Blattgrün
+oder Jadegrün, wird immer hübsch und vornehm wirken. Lapislazuli ist
+sehr begehrt, das ist ein weiches, warmes Blau, ebenso Bronzebraun
+hell. Nur keine Gold- oder Silberperlen! Das würde nach Zirkus
+aussehen. Zwischen die großen venezianischen Perlen können ein paar
+kleine, runde Perlen gesetzt werden, wie wir es auf der Photographie
+sehen. Wenn die +Kette+ blau ist, wählt man für die runden Perlen Grün
+oder Bronzebraun, ist sie grün, so wäre Blau oder Weiß angebracht,
+ist sie gelb oder bronzebraun, so wähle man Grün oder Schwarz. Die
+venezianischen Perlen sind buntfarbig, irisierend, man kann ebensogut
+längliche wie kugelige oder auch eckige, große Abschlußperlen
+verwenden, dunkle wirken feiner als helle, große Perlen. Die daneben
+abgebildete +Kette+ soll eine Anregung geben, wie man Perlen richtig
+aufzieht. Man sieht hier Perlen in verschiedenen Größen, Formen und
+Farben. Die drei größten Perlen werden als Mittelstück verwendet, von
+kleineren, länglichen Perlen unterbrochen, dann folgt je eine ganz
+kleine, runde Perle. Und nun wird genau abgezählt, daß die Perlen bis
+zum Schluß in richtiger Reihenfolge nebeneinander stehen, sonst sieht
+die ganze +Kette+ nach nichts aus und hängt immer schief. Den Abschluß
+bilden die kleinsten Perlen, die der Farbe nach richtig abgestimmt
+werden müssen. Solche +Kette+ kann man sowohl aus Holz-, als auch aus
+Glasperlen herstellen, es gibt sehr schöne böhmische Glasperlen in
+feinen Farben, Grün, Bernsteingelb, Granatrot, meist durchsichtig,
+aber auch perlmutterartig. Besonders für Kostümfeste eignen sich
+solche +Ketten+ sehr gut. Wer Zeit und Geschmack hat, kann seine
++Kette+ selber aufziehen und wird viel Geld sparen, denn die fertigen,
+sogenannten böhmischen +Bauernketten+ sind ziemlich teuer. Sie eignen
+sich auch als Schmuck für Wandervogelkleider, denn zum Wandern wird
+man am besten nur Schmucksachen tragen, die nicht kostspielig sind und
+keine wertvollen Erinnerungsstücke darstellen.
+
+In der Art, wie die +einfache Kette+ auf dem Bilde dargestellt ist,
+kann man auch Bernstein-, Korallen- und Perlmutterketten aufziehen. Es
+gibt dafür in den einschlägigen Geschäften gewachste und gedrahtete
+Aufziehschnur in Weiß, Gelb und Rot, sowohl für Korallen, Granaten,
+als auch für Bernstein und Perlmutter geeignet. Blaue und grüne Perlen
+zieht man am besten auf weiße Schnur; an den käuflichen Fäden, die
+meterweise aufgewickelt sind, ist ein Draht zum Aufreihen angebracht,
+andernfalls muß man eine +Aufziehnadel+ verwenden. Es ist immer
+notwendig, gute, feste Schnur zu verarbeiten; eine +Kette+ wird beim
+Tragen mehr strapaziert, als man annehmen sollte; wenn sie reißt, ist
+es fast niemals möglich, alle Perlen zu retten.
+
+Das nächste Bild (Abb. 104) veranschaulicht uns drei hübsche +Ketten+
+aus farbigen Glasperlen, die sowohl für Erwachsene als auch für
+Backfische und Kinder gedacht sind. Die erste +Kette+ besteht aus
+weißen, undurchsichtigen Glasperlen; es werden je siebzehn dieser
+Perlen aufgezogen, dann folgen je drei größere, runde, grüne
+Glasperlen, und nun folgt ein Muster aus denselben Perlen, je zwei
+davon, in der Mitte eine große, längliche, dunkelblaue Perle. Diese
+Farbenzusammenstellung wirkt immer jugendlich und kleidsam. Die
+zweite +Kette+ ist sehr ähnlich; der Unterschied besteht darin, daß
+die weißen Perlen auf einer dreifachen Schnur stehen und diese drei
+Ketten zusammengedreht sind. Auch die dritte +Kette+ ist nach diesem
+Rezept angefertigt, nur ist die Anordnung der verschiedenen Perlen
+in verschiedenen Größen ein wenig anders. Man ersieht dies aus dem
+Bilde sehr deutlich; was die Farben anbelangt, so sind dafür die
+zuerst angegebenen Töne, Lapislazuli, Türkis, Porzellanblau, Grün in
+den verschiedenen Schattierungen, Bronze, Gelb, auch Altgold sehr
+zu empfehlen, vielleicht wird ein helles Rot ebenfalls gern gewählt
+werden, doch sind andere Farben praktischer, weil man sich Rot sehr
+leicht über sieht, außerdem ist es sehr auffallend und kann nicht zu
+jedem Kleid, zu jeder Bluse getragen werden.
+
+[Illustration: Abb. 105. Probe zu Perlarbeiten.]
+
+Auf dem letzten Bild (Abb. 105) sehen wir +Proben+ zu +Perlarbeiten+,
+sowohl für +Ketten+ als auch für +Armbänder+ und anderen Schmuck.
+Man hat in den letzten Jahren verschiedene +Untersetzer+ aus Perlen
+eingeführt, die sich auf der gedeckten Tafel sehr bewähren; man
+verwendet sie zum Abstellen heißer Schüsseln und benutzt sie auch gern
+zum Schutz der Tischplatte, damit Vasen und Blumentöpfe, Teller und so
+weiter nicht die Politur verderben. Für solche Zwecke eignet sich der
++Stern+ in zwei Farben sehr gut; man kann ihn aus Glasoder Holzperlen
+ausführen und auch verschieden geformte Perlen dazu verwerten. Die
+beiden anderen Muster zeigen eine praktische Art, mehrfarbige Glas-
+oder Holzperlen aufzureihen; das erste Muster kann ebenfalls als
++Untersetzer+ verwendet werden, wenn man größere Glas- oder Holzperlen
+dafür benutzt. Je mehr wir uns mit dieser Technik beschäftigen, desto
+mehr Muster fallen uns ein. Eigentlich kommt es doch nur darauf an,
+verschiedenfarbige Perlen in verschiedenen Größen geschickt miteinander
+zu verbinden; es wäre indessen geschmacklos, Holz- und Glasperlen
+gemeinsam zu verwenden.
+
+
+
+
+IV. Kapitel
+
+Laubsägearbeiten
+
+
+31. Puppenstube
+
+Gut eingerichtete +Puppenstuben+ sind teuer und meist nach einem
+bestimmten Geschmack hergestellt. Wer etwas Besonderes haben möchte,
+muß sich selber an die Arbeit machen, sie ist unterhaltend und lohnend;
+sie macht den Schaffenden eine doppelte Freude, denn einmal ist es
+doch sehr reizvoll, einen Gegenstand von Anfang bis zu Ende selber zu
+arbeiten, und außerdem wird das Vergnügen der kleinen Wohnungsbesitzer
+umso größer sein, je persönlicher die +Puppenstube+ wirkt, je mehr ihre
+eigenen Wünsche berücksichtigt werden, und dies läßt sich schließlich
+nur dann erreichen, wenn man die Arbeit selber ausführt.
+
+Die +Puppenstube+ ist nicht nur irgend ein Spielzeug, sie ist viel
+mehr. Die kleinen Mädchen lieben ihre Puppenstube so sehr, weil sie
+hier ihre eigenen Interessen vertreten können; nach ihrem Willen können
+sie die Möbel umstellen, „umziehen“, wann es ihnen notwendig erscheint;
+sie können ungestört ein „großes Aufräumen“ vornehmen und all das
+ausführen, was sie bei den Großen sehen. Beim Spiel mit der Puppenstube
+lassen sich frühzeitig die hauswirtschaftlichen Begabungen der Kleinen
+feststellen, und manche Eigenschaft, wie Ordnungsliebe, Sauberkeit,
+praktischer Sinn, wird beim Spiel mit der Puppenstube gestärkt, durch
+Lob oder Tadel anerzogen.
+
+Darum wird die ältere Schwester, die junge Verwandte oder Freundin sich
+gewiß gern ans Werk machen, wenn es gilt, solch eine Puppenwohnung
+herzustellen. Es gibt häufig genug Gelegenheit dazu. Junge Mädchen,
+die ihre Ferien bei Freunden oder Verwandten angenehm verlebt haben,
+wollen sich erkenntlich zeigen. Es sind Kinder, kleine Mädchen
+im Hause; was gibt es da Hübscheres als eine selbst hergestellte
+Puppenwohnung als Danksagung. Keine gehäkelte Decke, kein gesticktes
+Kissen wird so viel Freude bei den Gastgebern hervorrufen, denn
+Handarbeiten können schließlich auch andre schenken. Eine gut
+eingerichtete, selbst hergestellte Puppenstube aber ist etwas ganz
+Besonderes, das kann nicht jeder.
+
+Als Grundmaterial dient eine feste +Kiste+, deren Vorderwand losgelöst
+wird. In eine Wand sägt man Fenster, am besten in die breiteste Wand,
+eins oder zwei, je nach Belieben. Nun gilt es, die Zimmerwände zu
+tapezieren oder anzustreichen. Als Tapete kann man kleinmusterige
++Tapetenreste+ verwenden, die mit Kleister befestigt werden; auch
++Vorsatzpapiere+ kann man dazu verwerten. Wer gute +Holzbeize+ besitzt,
+beize die drei Wände in Hell- oder Dunkelbraun, in Dunkelgrün oder
+Dunkelblau. Auch +Ölfarbe+ eignet sich zum Wandanstrich. Man macht
+sich eine hübsche Farbe zurecht, Ockergelb, Bronze, pompejanisch Rot,
+Briefkastenblau, Tütenblau oder Türkis. Dann streicht man mit einer
+dieser Farben die Wände und läßt sie einige Tage ruhig trocknen. Sehr
+gut ist die Wirkung, wenn man am oberen Rande der Wände eine zweite
+hellere Farbe aufstreicht und beide Töne mit einem schmalen Streifen
+verbindet. Am besten sehen folgende Farbenzusammenstellungen aus:
+Oben Hellcreme, unten Blaugrün oder pompejanisch Rot mit sepiabraunem
+Streifen, oder: oben Türkis, unten Pfauenblau mit schwarzem Streifen,
+oder oben Weiß, unten Kobalt- oder Briefkastenblau mit grasgrünem
+Streifen, oder oben Weiß, unten Ockergelb mit pompejanischrotem
+Streifen. Der Streifen wird auch um die Fenster gelegt, damit sie mehr
+betont werden.
+
+Wir raten, den Fußboden der Puppenstube, nachdem die Wände gestrichen
+oder tapeziert sind, oder auch vorher, zu streichen. Am besten eignet
+sich hell- oder dunkelbraune Ölfarbe dazu, auch dunkelgraue Töne
+dürften Anklang finden.
+
+Die Möbel stellt man mit der Laubsäge her, die Holzstärke beträgt am
+besten 5 Millimeter.
+
+In eine praktisch eingerichtete Puppenstube, wie sie z. B. in unserer
+Abb. 106 zu sehen ist, gehören folgende Möbel: ein +Bett+, ein
++Schrank+, ein +Waschtisch+, ein paar +Stühle+, eine +Eckbank+ statt
+des Sofas, dessen Herstellung zu schwierig sein dürfte -- eine Bank
+erfüllt, mit Kissen belegt, denselben Zweck --, ein +Wandbrett+, ein
++Tisch+, ein oder zwei +Sessel+ -- je nach Größe der Puppenstube -- ein
++Nachttisch+, eine +Fußbank+. Die Größenverhältnisse sind in folgender
+Weise festgelegt:
+
+[Illustration: Abb. 106. Selbstgearbeitete Puppenstube.
+
+Entwurf und Ausführung: Irmgard Volk.]
+
++Bett+: Kopf- und Fußwand 9 mal 11 Zentimeter Höhe. Daraus werden die
+Füße, 2 Zentimeter hoch, gleich mit ausgesägt. Der Boden des Bettes
+beträgt 17 mal 8 Zentimeter, die Seitenwände sind 17 mal 2 Zentimeter
+groß.
+
+Der +Schrank+ (Abb. 107) hat eine Rückwand von 10 mal 16 Zentimeter,
+die Seitenwände sind 5 mal 16 Zentimeter groß, der Boden beträgt 11 mal
+5½ Zentimeter, der Schrankaufsatz 6 mal 11 Zentimeter, die Tür 11 mal
+16 Zentimeter.
+
+Der +Waschtisch+ hat eine Platte von 10 mal 7 Zentimeter, die
+Seitenwände betragen je 6 mal 8 Zentimeter, die Rückwand ist 8 mal 8
+Zentimeter groß, das innere Brett 5½ mal 8 Zentimeter.
+
+Der +Nachttisch+ hat eine Platte von 5 mal 5 Zentimeter, zwei
+Seitenwände zu je 3 mal 8 Zentimeter, eine Rückwand von 4 mal 8
+Zentimeter, ein inneres Brett 3 mal 3 Zentimeter.
+
+Der +Sessel+ hat eine Rückwand von 6 mal 12 Zentimeter, zwei
+Seitenwände zu 6 mal 8 Zentimeter, einen Sitz 5½ mal 6 Zentimeter, die
+Höhe der ausgesägten Stuhlbeine beträgt 3½ Zentimeter.
+
+Der +Stuhl+ hat eine Rückwand 5 mal 11 Zentimeter, einen Sitz 5
+mal 5 Zentimeter, die Beine werden in 1 Zentimeter Stärke und 4
+Zentimeter Höhe aus der Rückwand und aus dem Vorderbrett ausgesägt.
+Die Vorderbeine sind 5 mal 5 Zentimeter, die Seitenteile 1½ mal 4½
+Zentimeter.
+
+Die +Fußbank+ ist 18 mal 18 Zentimeter groß, die Mittelbeine werden
+über Eck 6 mal 5 Zentimeter angenagelt, die andern Beine sind 4½ mal 5
+Zentimeter groß. Der Durchmesser des Holzes beträgt 5½ Zentimeter.
+
+Zeichnung zur Fußbank.
+
+[Illustration]
+
+Das +Wandbrett+ hat ein Brett 3 mal 15 Zentimeter, Stütze: 4 mal 3½
+Zentimeter.
+
+Der +Tisch+ hat eine runde Tischplatte von 12 Zentimeter Durchmesser,
+der Fuß besteht aus einer entsprechend großen Garnrolle.
+
+Die +Möbel+ werden mit Messingnägeln zusammengenagelt, man achte
+darauf, daß die Nägel runde Köpfe haben.
+
+[Illustration: Abb. 107. Puppenschrank, Innenansicht.]
+
+Die fertigen Stücke wird man am besten mit +Holzbeize+ färben.
+Am feinsten wirkt Eiche, Palisander, hell- oder dunkelbraun, die
+Ränder streicht man mit schwarzer Ölfarbe an. Die Beize wird
+mehrmals aufgetragen, nachdem der erste Anstrich eingezogen ist;
+der Anstrich darf nicht streifig wirken. Erst wenn die Beize völlig
+eingezogen ist und bestimmt nicht nochmals aufgetragen zu werden
+braucht, werden die Streifen mit Ölfarbe gestrichen. Der Ölanstrich
+muß einige Tage auftrocknen. Wir zeigen auf unserer Abb. 106 die
+vollständig eingerichtete +Puppenstube+ und bringen den +Schrank+
+in einer Einzelansicht (Abb. 107), weil er aus technischen Gründen
+bei der Aufnahme aus der Puppenstube entfernt werden mußte. In
+dieser hübschen Originalpuppenstube steht der Schrank an Stelle des
+Waschtisches, und der Waschtisch an Stelle des Sessels, der neben dem
+Tisch stehen müßte. Der Schrank hätte die Aussicht verdeckt, man kann
+ihn beliebig in der Puppenstube aufstellen. Auf unserm Bilde sieht
+man das große +Einzelfenster+. Man kann eine vom Glaser entsprechend
+groß geschnittene Glasscheibe mit Glaserkitt vorkleben, man kann
+auch, wenn die Puppenstube sehr groß ist, zwei Fenster anbringen.
+Aus buntem +Waschstoff+, am besten +Druckstoff+, +Kretonne+ -- ein
+Restchen genügt -- wird der gekrauste kurze +Vorhang+ hergestellt,
+und an kleinen +Ringen+ über eine +Stange+ gezogen. Wer Lust hat,
+kann aus +Gardinenstoff+, aus +Tüll+ oder +Schleierstoff+ Gardinen
+nähen, das ist Geschmacksache; geraffte Gardinen, Vorhänge, mehr oder
+weniger lang, passen ebenfalls in dies Zimmer. Der +Teppich+ unter
+dem Tisch ist handgestickt. Er zeigt ein geometrisches Muster, über
+Kanevas in Kreuzstich gearbeitet, mit einer schwarzen Schnur am Rande
+abgepaßt. Wer Zeit sparen will, verwendet am besten ein Stückchen
++Möbelstoff+ als Teppich, auch handgewebte streifige oder gekästelte,
+kleinmusterige Stoffe passen dafür. Wie man +Betten+ herstellt, weiß
+jedes größere Mädchen; statt der Federn verwendet man Kissenfüllung,
+die in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, am besten eignen
+sich +Pflanzendaunen+ dafür. Man näht rote oder blaue +Inletts+ und
+weiße +Bezüge+ und +Bettlaken+; je ähnlicher sie den „richtigen“ Betten
+der Großen sind, desto mehr Anklang werden sie finden.
+
+Auf den +Waschtisch+ stellt man ein Puppenwaschservice, vielleicht
+treibt man für den Nachttisch einen +Leuchter+ auf.
+
+Es gibt in Spielwarenhandlungen kleine +Schalen+, die, auf den Tisch
+gestellt, den Raum sehr hübsch beleben, dort findet man auch +Kännchen+
+für das Wandbrett.
+
+Zum Schmuck der Wände stellt man +Bilder+ her, indem man passende
+Bildchen auf Pappe klebt, mit Kaliko rahmt und an schwarzen Schnüren
+oder Perlgarn aufhängt.
+
+Über dem Waschtisch hängt ein +Spiegel+, es ist ein Taschenspiegelchen,
+das für diesen Zweck sehr geeignet ist. Man kann indessen selber solch
+Wandspiegel aus einem Spiegelrest herstellen; der Glaser schneidet die
+Form, dann rahmt man den Spiegel mit Kaliko, wie die Bilder, ein.
+
+Was wir auf unsern Abbildungen zeigen und hier beschreiben, sind Möbel,
+die sich durch einfache Linien und praktische Formen auszeichnen.
+Da sind keine gedrehten Füße, keine überflüssigen Schnörkel, jedes
+Stück ist auf Brauchbarkeit eingestellt und im besten Sinne „modern“.
+Solche Puppenmöbel kann man kaum kaufen; was man im Laden erhält, ist
+mehr oder weniger teure Dutzendware, was wir als Muster geben, ist
+vorbildliche Handarbeit.
+
+Der geöffnete +Schrank+ zeigt die kleinen Messingscharniere, an denen
+die Tür befestigt ist, wir sehen das +Brett+ für die Hüte, sehr
+praktisch ausgedacht; ein Draht ist in die Wände gezogen als Stange für
+die Kleider; so sehen die Kleinen es bei den Erwachsenen, so wünschen
+sie es sich für ihre Puppenkinder.
+
+Auf der Eckbank liegt ein +Kissen+ mit einem farbigen Stoffrestchen
+bezogen; wer Zeit und Lust hat, kann mehrere solcher Kissen anfertigen
+und auf die Bank legen.
+
+Die fertigen Möbel werden am besten gewachst, um die Haltbarkeit
+der Beize zu erhöhen und sie vor Unsauberkeit zu schützen. Es wird
+sich nicht vermeiden lassen, daß sie sehr häufig und nicht immer mit
+tadellos sauberen Händen angefaßt werden, es werden wohl auch fremde
+Kinder, kleine Gäste damit spielen, wenn auch die jungen Besitzer
+solcher Puppenstube selber ihr Spielzeug in acht nehmen werden.
+
+Als besondere +Handwerksregel+ wollen wir noch betonen, daß man für die
+Möbel +Pappel-+, +Birnen-+, +Linden-+ oder +Ahornholz+ verwenden soll,
+es ist weich und fest und läßt sich mit der Laubsäge gut behandeln.
+Die Maserung des Holzes soll stets in der Längsrichtung liegen, das
+Sägeblatt soll beim Sägen straff eingespannt werden. Man achte stets
+darauf, daß die Zacken nach unten zeigen. Die fertig ausgesägten Stücke
+werden sauber ausgefeilt, man reibt sie zum Schluß mit Sandpapier nach,
+um alle Rauheiten zu ebnen. Je glatter die Flächen, desto handlicher
+und ansehnlicher die Arbeit.
+
+Da alle Möbelstücke aus festem Holz gut gearbeitet sind, kann man
+wirklich nach Belieben damit spielen ohne befürchten zu müssen, daß
+sie nach längerem Gebrauch „aus dem Leim gehen“. Das können sie nicht,
+denn sie sind genagelt und nicht geleimt und, wenn es darauf ankommt,
+schon einen Puff vertragen. Sie werden auch nicht so leicht unsauber,
+denn die gewachsten Flächen wirken immer sauber. Indessen besteht wenig
+Gefahr für diese reizende Puppenstube und ihre hübschen Möbel, denn die
+Kinder, die solch gute Sachen zum Spiel erhalten, werden aus eigenem
+Antrieb darauf bedacht sein, sie nicht unnötig zu strapazieren, und
+wahrscheinlich sehr stolz auf ihre eigenartige Puppenstube sein.
+
+
+32. Fensterbild
+
++Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt
+geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen
+Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte
+Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen
+sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied
+aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war
+eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für
+solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem
+Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem
+Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu
+den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger,
+sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer
+und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird
+man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art
+herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln.
+
+Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese
+Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände
+dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden
+können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet
+das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil
+dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung
+des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-,
+Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst
+die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem
+Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick
+sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer
+Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt
+senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das
+Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man
+darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt.
+
+Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien
+fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das
+Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus
+auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben
+werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch
+nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes
+besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige
+Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche
+Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr
+oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich
+die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen
+„+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so
+löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der
+Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind,
+sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am
+besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie
++gewachst+ werden kann.
+
+Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt;
+man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse
+tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer
+harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein
+weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz
+ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren.
+Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild
+dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde.
+
+[Illustration: Abb. 108. Fensterbild in Laubsägearbeit.]
+
+Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man
+reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs
+in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter
+und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt
+sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum
+Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin
+das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem
+trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen
+gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig
+Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das
+Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig.
+Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er
+mißlungen ist.
+
+Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und
+wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht
+gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum
+Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz
+entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei
+bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird
+beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist
+kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken.
+
+Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke
+an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden
+kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten
+angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer
+Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild
+verwendet werden.
+
+
+33. Handgearbeiteter Lampenschirm
+
+Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über
+ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die
+durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum
+Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über
+einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch
+ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf
+der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide,
+andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am
+feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und
+Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot
+ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist
+ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden
+soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in
+Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet
+ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot
+ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die
+Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der
+richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß
+gefüttert.
+
+Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus
+leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne
+Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die
+Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt.
+
+[Illustration: Abb. 109. Arbeitsprobe zum handgearbeiteten
+Lampenschirm.]
+
+Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen
+darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird.
+Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken
+sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber
+ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr
+empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man
+beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird
+mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders
+gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-,
+Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes
+stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes
+Holz sich ziehen würde.
+
+Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert,
+gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird
+er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen.
+
++Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in
+Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher
+mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und
+gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter
+Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun,
+Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten.
+Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem
+weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche
+Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit
+einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse
+soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder
+Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür
+verwendbar.
+
+Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den
+Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und
+schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser
+und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und
+Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen
+Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann
+läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich
+sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften.
+
+Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig
+käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber
+herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht
+man jedes Stäubchen auf der Arbeit.
+
+Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete
+Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz
+überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren.
+
+Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich
+sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen
+wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet,
+eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus
+unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich
+zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des
+Stoffes.
+
+Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an
+der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle
+verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am
+besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die
+Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und
+„durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen
+kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den
+ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch
+Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen.
+
+[Illustration: Abb. 110. Handgearbeiteter Lampenschirm mit ausgesägtem
+Holzrand. Von Liselotte Volk.]
+
+[Illustration: Abb. 111. Handgearbeiteter Lampenschirm. Der ausgesägte
+Rand ist aufgestellt.]
+
+Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf
+ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des
+Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in
+den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den
+ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige
+Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin.
+Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff
+nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal
+aufzukräuseln.
+
+Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist
+ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben,
+damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt
+um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die
+Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes
+aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun
+schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll
+wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn
+aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen
+zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen,
+damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff
+sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff
+in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand
+aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der
+Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen,
+um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum,
+zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man
+nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt
+wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide
+kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff,
+zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes
+läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam
+sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener
+feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man
+probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da
+sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede
+Herstellungsart.
+
+
+
+
+V. Kapitel
+
+Bastelarbeiten
+
+
+34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn)
+
+An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent
+zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei
+ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen;
+da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut
+gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene
+Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas
+ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als
+das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf
+einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen
+wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit
+Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu
+sein.
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame
++kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante
+oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne
+sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen
+Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen
+Gegenstände herzustellen.
+
+Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus
++Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt
+werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches,
+großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum
+eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden.
+
+Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man
+die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen,
+aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die
+Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün
+in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun
+oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu
+Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet
+ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann
+weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln.
+Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+
+besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden
+kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie
+wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich
+geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt
+man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln
+übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das
+Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise
+aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der
+Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+
+bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht,
+daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand
+schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht
+aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+
+bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf
+darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle
+oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze
+aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht
+aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die
+übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man
+sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf
+Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke
+aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben.
+Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund,
+mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne
+und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit
+abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der
+Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern
+werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht
+beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den
+Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt.
+
+[Illustration: Abb. 112. Ein Dorf aus Streichholzschachteln. Von
+Liselotte Volk.]
+
+Besonders malerisch wirken die +Bäume+. Der Baumstamm besteht aus
+Holzstöckchen in entsprechender Höhe, die auf Holzknöpfe geleimt
+werden, damit sie feststehen. Man kann auch viereckige Holzstückchen
+dafür verwenden. Das +Laub+ besteht aus grünem Seidenpapier; ein
+langer Streifen Seidenpapier wird an einer Längsseite in Abständen
+von ½ Zentimeter eingeschnitten. Der Baumstamm wird mit Kleister
+oder Leim bestrichen, soweit das „Laub“ reicht, und nun wird der
+Seidenpapierstreifen, von oben anfangend, nach unten darüber gewickelt,
+bis ein voller Wipfel entsteht. Der Stamm wird braun angestrichen,
+ebenso der Knopf oder das Standbrettchen. Noch einfacher ist die
+Herstellung der Bäume, wenn man Luffaschwamm in grüner Beize färbt und
+an den Baumstämmchen befestigt.
+
+[Illustration: Abb. 113. Eisenbahn aus Streichholzschachteln.]
+
+Die +Eisenbahn+ (Abb. 113) ist ein Spielzeug, das in jedem Kinderzimmer
+helle Begeisterung auslösen dürfte; besonders Jungen sind immer für
+Eisenbahnen zu haben, die ihre Phantasie anregen und die man nach
+Belieben bewegen kann. Die +Wagen+ bestehen aus Streichholzschachteln,
+die mit braunem oder dunkelgrünem Papier, mit Hilfe von Kleister,
+Dextrin oder irgend einem anderen Klebestoff, verkleidet werden.
++Fenster+ und +Türen+ werden aus schwarzem oder braunem abstechenden
+Papier sorgfältig ausgeschnitten und aufgeklebt. Um gerade Linien zu
+erzielen, nimmt man das Lineal zu Hilfe, die Linien werden mit einer
+Stricknadel längs des Lineals eingeritzt oder mit einem harten, scharf
+gespitzten Bleistift vorgezogen. Die +Räder+ bestehen aus Pappe;
+zum Aufzeichnen verwendet man runde Schachteln (Pillenschachteln),
+legt sie unter die Pappe und zieht mit Bleistift den Kreis. Die
+Zündholzschachteln werden zum Anbringen der Räder an geeigneter
+Stelle durchlocht, die Räder durchlocht man genau in der Mitte und
+befestigt sie mit Streichhölzern oder Zahnstochern an den Wagenwänden,
+am einfachsten ist es, wenn man die Räder mit Reißnägeln anbringt.
+Die +Lokomotive+ erhält einen +Schornstein+ aus einer Garnrolle,
+die einzelnen Wagen werden mit Bindfaden miteinander verbunden, man
+durchlocht die Schachteln und zieht den dünnen Bindfaden durch. Die
+Wagenreihe kann beliebig verlängert werden, man kann auch Nummern auf
+die einzelnen Abteile pinseln, um sie nach Klassen einzuteilen.
+
+
+35. Knebelpuppen
+
+[Illustration: Abb. 114. Puppen aus Paketknebeln und Streichhölzern.]
+
+Die niedlichen +Knebelpuppen+, die wir auf Abb. 114 zeigen, eignen sich
+sehr gut als +Tafelschmuck+, besonders als +Tischkartenhalter+. Man
+kann damit eine sehr lustige „bunte Reihe“ erzielen. Die Herstellung
+ist sehr einfach und kostenlos; im letzten Augenblick gelingt es
+geschickten Händen noch, solche farbige Figürchen anzufertigen. Bei
+einiger Übung kann man sie dutzendweise nacharbeiten. Man nagelt die
+bekannten +Paketholzknebel+ auf +Holzknöpfe+ auf; es genügt auch,
+sie mit Tischlerleim aufzukleben. Die Arme bestehen aus abgebrannten
++Streichhölzern+, die ebenfalls an beiden Seiten des Knebelrumpfes
+angeleimt werden. Sollen sie beweglich sein, so befestigt man sie
+mit Draht. Die +Paketknebel+ werden durchbohrt, der Draht wird
+durchgezogen, und die Streichhölzer werden am oberen Teil fest
+umwickelt; es muß aber so viel Raum bleiben, daß die Arme bewegt werden
+können. Die „Dame“ auf unserer Photographie hat solche beweglichen
+Arme, während die Arme ihrer beiden Kavaliere fest angeleimt sind.
+Man malt die Knebelpuppen mit Guasch-, Leim- oder Temperafarben recht
+bunt an und lackiert sie mit +Spirituslack+, möglichst mehrmals,
+damit ein harter Hochglanz entsteht. Nach jedem Lackieren muß der
+Anstrich auftrocknen, ehe man mit dem nächsten beginnt. Die +Gesichter+
+werden rosa angepinselt, mit roten Backen und rotem Mund, die Augen
+bestehen aus schwarzen Punkten, die Haare sind braun oder ockergelb.
+Die +Jacken+ hält man tütenblau oder feuerrot, auch Kirschrot und
+Orangegelb sind passende Töne. Sollen sie grün bemalt werden, so
+verwendet man am besten einen giftigen Ton, auch Grasgrün kommt in
+Frage. Die +Hosen+ werden in einer abstechenden Farbe angepinselt
+und mit einem braunen oder schwarzen Strich getrennt. Hübsche
+Farbenzusammenstellungen sind Kirschrot und Tütenblau, Giftgrün und
+Orangegelb, Zitronengelb und Feuerrot.
+
+Die „+Dame+“ bekommt ein angekraustes weites +Röckchen+ aus
+Seidenpapier, das mit bunten Tupfen bepinselt wird. Irgend ein
+Seidenstoffrestchen kann ebenfalls verwendet werden. Die +Holzknöpfe+,
+die als Standbrett dienen, werden in einer der genannten Farben
+angestrichen, möglichst abstechend, da der Hauptreiz der Knebelpuppen
+in ihrer Buntheit besteht. Will man sie als +Lotteriegewinne+ paarweise
+verwenden, so schlinge man farbige Woll- oder Perlgarnfäden um ihre
+eingekerbten Taillen und verbinde je ein Pärchen durch diese zu
+Schleifen verschlungenen, entsprechend langen Fäden. Man kann auch
+schmale, bunte Seidenbandreste dazu verwenden, indessen soll man
+dabei beachten, daß es sich um eine scherzhafte Spielerei handelt
+und kein wertvolles Material dafür benutzen. Will man die Figürchen
+als +Tischkartenhalter+ verwerten, so stecke man die Karte mit einer
+Stecknadel an dem Holzknopf fest, damit sie nicht herunterfällt. Als
++Kinderspielzeug+ werden die +Knebelpuppen+ von den Kleinen sehr
+geschätzt, man kann mit ihnen die Puppenstuben beleben; auch in ein
+selbstgebasteltes Dorf, in einen Geflügelhof, möglichst „von eigener
+Hand“, passen sie recht gut. Will man sie in sehr kleinem Format
+herstellen, so halbiert man die Paketknebel und die Streichhölzer,
+benutzt kleine Holzknöpfe als Ständer und verfährt im übrigen genau
+wie bei den andern Figürchen. Die kleinen Leute sind besonders für
++Silvesterscherze+ zu empfehlen; man kann Namen auf die Knöpfe pinseln
+und mancherlei Ulk damit treiben; bei Tanzstundenbällen und ähnlichen
+Festen wird man sehr viel Fröhlichkeit damit hervorrufen.
+
+
+36. Kreisel
+
++Kreisel+ sind ein altes Spiel, das sowohl von Knaben, als auch von
+Mädchen sehr geliebt wird. Wer solches Spielzeug selber herstellen
+kann, wird viel Freude haben und sich sehr beliebt machen. Junge
+Mädchen, die in Familien mit Kindern verkehren, werden ihnen sicherlich
+gern etwas „mitbringen“ ein selbstgemachter Kreisel macht keine Kosten
+und wird gern angenommen, oftmals lieber als Süßigkeiten, mit denen man
+sich im allgemeinen behilft.
+
+[Illustration: Abb. 115. Kreisel.]
+
+Der eine +Kreisel+, den wir im Bilde (Abb. 115 rechts) zeigen, besteht
+aus einem +Paketknebel+ und einer +Garnrolle+, die mit kräftigen Farben
+angemalt ist, das andere Modell ist aus einem +Paketknebel+ und einem
++Pappstern+, der zum Zwirnwickeln gedient hat, hergestellt; auch dieses
+Modell ist bunt angepinselt. Haltbarer ist der erste Kreisel. Die
+breiten Teile einer Garnrolle werden mit der Laubsäge abgesägt, die
+Flächen reibt man mit Sandpapier glatt, man kann sie auch abfeilen.
+
+Ein +Paketknebel+ wird durchgeschlagen, damit er fest sitzt. Dann
+streicht man den fertigen Knebel mit einer haltbaren Farbe an, am
+besten mit +Emailfarbe+, die nicht lackiert wird. Es genügt indessen
+auch +Ölfarbe+, die mit Terpentinöl verdünnt und aufgetragen wird;
+das Holz darf nicht durchscheinen. Ist die Ölfarbe aufgetrocknet,
+so lackiert man den Kreisel mit +Ölfarbenfirnis+, der sehr langsam
+auftrocknet. Man darf den Kreisel nicht eher anfassen, als bis der Lack
+vollständig aufgetrocknet ist.
+
+Auch der andere +Kreisel+ (Abb. 115 links) wird in dieser Weise
+angepinselt; man kann die Kreisel mit bunten Tupfen verzieren. Den
+Holzkreisel schmückt man am besten, wenn man den Garnrollenteil
+in mehrere Felder aufteilt und jedes Feld in einer anderen Farbe
+anstreicht; doch genügen auch Strich- und Punktornamente.
+
+Am hübschesten sehen die +Kreisel+ aus, wenn sie recht grell bemalt
+sind; als Grundton verwendet man Feuerrot, Kirschrot, Tütenblau,
+Briefkastenblau oder Grasgrün. Die Tupfen hält man in Gelb und Blau,
+wenn der Grund rot ist, in Rot und Grün, wenn er blau ist, in Weiß
+und Gelb, wenn er grün ist. Teilt man den +Kreisel+ in Felder auf,
+so streiche man sie rot, blau, grün, gelb, weiß an und trenne sie
+mit schwarzen Strichen. Man kann auch zwei der genannten Farben zum
+Grundieren verwenden, wenn man den +Paketknebel+ und die +Garnrolle+
+oder den +Zwirnhalter+ in zwei voneinander abstechenden Tönen bemalt.
+
+
+37. Holztiere
+
+Es ist eine alte Erfahrung, daß man, wenn es sich um Spielzeug handelt,
+für Mädchen viel eher etwas Passendes findet als für Knaben. Wenn man
+die Spielsachen nun gar noch selber herstellen möchte, wird die Auswahl
+immer geringer, und wenn man außerdem Zeit und Kosten beschränken will,
+bleibt bestimmt sehr wenig übrig.
+
+Wir zeigen auf unseren Bildern (Abb. 116 und 117) zwei Holztiere, die
+als Spielzeug für Knaben großen Beifall finden dürften, umso eher, als
+auch das Schwesterchen und alle Freunde und Freundinnen damit spielen
+können. Es ist ein Spielzeug, das weder auf das Haus, noch auf den
+Spielplatz im Freien beschränkt ist; ihre vielseitige Verwendung in
+Kinderhänden ist es, die solche Tierfiguren so sehr beliebt macht,
+abgesehen davon, daß das Tier in der Kinderstube überhaupt eine
+große Rolle spielt. Unsere Modelle sind aus +Holz ausgesägt+; da
+die Laubsägearbeit in letzter Zeit in Jungmädchenkreisen vielfach
+ausgeführt wird, dürften solche Anregungen sicherlich gern aufgenommen
+werden, umso eher als auch Anfänger damit Versuche machen können.
+
+[Illustration: Abb. 116. Elefant.
+
+Von Liselotte Volk.]
+
+Bei der Anfertigung der Holztiere achte man zunächst auf geeignetes
+Material. Die Holzfaser ist entscheidend; paßt man bei der Auswahl des
+Holzes nicht genau darauf auf, daß die Richtung der Holzfaser mit der
+Form des Modells übereinstimmt, so kann es geschehen, daß das Stück
+schon während der Arbeit zerbricht, jedenfalls wird es, wenn es die
+Herstellung übersteht, keine lange Lebensdauer haben; Spielzeug muß
+manchen Fall, manchen harten Griff vertragen können. Wenn ein Anfänger
+mit diesen Begriffen noch nicht recht vertraut ist, ist es ratsam,
+einen Fachmann darüber zu befragen, jeder Tischler weiß damit Bescheid.
+
+Wenn man Zeit und Geld sparen will, versuche man die +einfache+
+Ausführung der Holztiere, das heißt, man schneide die Silhouette des
+Tieres aus einem Brett, dessen Stärke sich nach der Größe des Modells
+richten muß. Wir zeigen auf unseren Abbildungen einen +Elefanten+
+(Abb. 116) und einen +Pfau+ (Abb. 117). Für den Elefanten geben wir
+auf der Zeichnung (Abb. 119) ein gebrauchsfertiges Schnittmuster und
+eine Einzelzeichnung (Abb. 120), aus denen man die Größenverhältnisse
+und alles Notwendige ersehen kann. Außerdem bringen wir das Muster von
+einem +Kaninchen+ in natürlicher Größe (Abb. 118). Die Zeichnung wird
+auf das Holz übertragen; man macht zunächst eine Pause auf Pauspapier
+und überträgt das Muster mit einem harten, scharf gespitzten Bleistift
+über Graphit-, Blaupaus- oder rotem Ölpauspapier auf das Holz,
+dann werden die Umrißlinien ausgesägt. Will man ein ganz besonders
+widerstandsfähiges Spielzeug herstellen, so verwende man nicht nur
++ein+ Brett, sondern +drei+ Bretter von derselben Art. Alle drei
+Bretter werden einzeln ausgeschnitten, man braucht aber nicht dreimal
+dieselbe Silhouette auszuführen. Es genügt meist, nur den Rumpf mit
+den Beinen beiderseits auf das Mittelstück zu leimen, das Rumpf, Hals,
+Kopf und Schwanz darstellen soll. Das Mittelstück soll stärker als die
+Seitenteile sein, die Seitenbretter hält man etwa halb so stark wie das
+Rumpfbrett, man kann auch 1 bis 2 Millimeter zugeben; das Rumpfbrett
+wird am besten 10 bis 12 Millimeter dick gehalten.
+
+Wenn man die Tiere einfach aus +einem+ Holzbrett aussägt, müssen sie
+auf einem Standbrett angebracht werden, ein Zapfen verbindet Standbrett
+und Holztier. Notwendig ist es, den Zapfen mit der Silhouette
+gleichzeitig auszusägen, zum Anleimen wird Tischlerleim verwendet.
+Wenn die Tiere aus mehreren Holzbrettern angefertigt sind, braucht man
++keine+ Standbretter, sie sind breit genug, um das Gleichgewicht zu
+halten.
+
+Die Kinder freuen sich am meisten mit den Spielsachen, die möglichst
+beweglich sind, darum lieben sie besonders die Tiere, die sie auf
+Rädern herumfahren können. Die Mühe ist so gering, daß man die
+notwendigen vier Räder gern anbringen wird. Man sägt sie aus einem
+Brett, durchbohrt ihren Mittelpunkt mit einem Bohrer, befestigt in dem
+so entstandenen Loch eine passende Schraube, die in das vorgebohrte
+Standbrett hineingeschraubt wird. Am Standbrett wird außerdem in
+der Mitte der Vorderseite eine Metallöse eingeschraubt, damit das
+Holztier an einer darin befestigten Schnur gezogen werden kann. Man
+kann die Räder auch beim Drechsler herstellen lassen, am einfachsten
+ist es, wenn man aus großen oder kleinen Garnrollen Räder macht,
+indem man die beiden radähnlichen Teile absägt und mit einer Schraube
+am Standbrett anbringt. Für größere Tiere verwendet man die großen
+Schneidergarnrollen, für kleine Tiere genügen die Garnrollen, die im
+Haushalt gebraucht werden. Um die Reibung der Räder zu vermindern, legt
+man auf jede Seite des Rades ein Metallplättchen.
+
+[Illustration: Abb. 117. Pfau in Laubsägetechnik.]
+
+[Illustration: Abb. 118. Kaninchen.]
+
+Tiere, die aus dreifachem Holz hergestellt werden, können zwar auch
+ohne Standbrett „von selber“ stehen, wenn sie aber Räder erhalten
+sollen, ist ein Standbrett notwendig.
+
+Die Holzflächen sollen glatt sein; gerade da es sich um Spielzeug
+handelt, das sehr häufig angefaßt werden soll, muß die Glätte
+besonders betont werden, damit die Holztiere auch nicht die geringsten
+Verletzungen hervorrufen, nur ausgesprochen glatte Gegenstände sind
+wirklich handlich. Darum empfiehlt es sich, die rohen Bretter mit der
+Ziehklinge abzuziehen oder sie vom Tischler abhobeln zu lassen. Die
+einzelnen Umrißlinien werden am besten mit Sandpapier nachgeschliffen,
+wobei alle Feinheiten berücksichtigt werden müssen, damit die Konturen
+unter dem Nachschleifen nicht leiden.
+
+Zum Schluß werden die Holztiere bemalt, am besten „nach der Natur“. Wer
+nicht ganz sicher ist, nehme Naturgeschichtsbücher zu Hilfe, in denen
+die einzelnen Tiere, die hergestellt werden sollen, genau beschrieben
+sind. Wer nach unseren Angaben einige Übungen gut bestanden hat, kann
+die verschiedensten Tiere mit der Laubsäge herstellen; wer Freude daran
+findet, wird sich spezialisieren, das heißt man kann einen Geflügelhof,
+eine Schafherde, einen zoologischen Garten, eine Serie Teichvögel,
+eine Viehherde anfertigen. Solche Arbeit macht nicht nur den Kleinen,
+sondern auch den Großen selber Vergnügen.
+
+Das +Bemalen+ der einzelnen Stücke ist sehr einfach. Man benutzt dazu
+die +billigen Leimfarben+, einfache Wasserfarben würden nicht decken,
+Guasch- und Temperafarben stellen sich dafür zu teuer. Wenn man die
+höheren Kosten nicht scheut, sind Email+lackfarben+ zu empfehlen,
+sie haben eine starke Leuchtkraft und eignen sich besonders gut für
+Spielsachen, weil sie immer wieder abgewaschen werden können, was
+gerade bei dieser Art Spielzeug sehr angebracht ist. Auch +Ölfarben+
+verwendet man vielfach zum Bemalen der Holztiere, sie müssen aber
+längere Zeit trocknen, ehe die Spielsachen in Gebrauch genommen werden
+können.
+
++Leimfarben+ werden in den einschlägigen Geschäften oder in Drogerien
+in Pulverform gekauft. Man macht zunächst eine Lösung aus dünnflüssigem
+Leim, das heißt, man kocht +Tischlerleim+, den man mit Wasser stark
+verdünnt, und vermischt damit die Farbpulver, am besten in einer alten
+Tasse oder einem ausrangierten Töpfchen. Ist die Farbmischung gut
+verrührt, so streicht man die Holztiere mit einem +Borstenpinsel+ an;
+zuerst kommt die Grundfarbe an die Reihe, zum Schluß die kleinsten
+Farbflecke. Kleine Holztiere taucht man vorsichtig in die Farblösung
+ein, um das Grundieren zu vereinfachen.
+
+Der +Elefant+ ist grau, das Auge ist schwarz auf weißem Grund, der
+Stoßzahn ist weiß, einige Konturen werden, wie die Photographie
+zeigt, mit Hellgrau eingezeichnet, man benutzt dazu einen spitzen
+Borstenpinsel und zeichnet die Linien beiderseits recht flott. Das
+Standbrett und die Räder streicht man feuerrot oder briefkastenblau an,
+auch Schwefelgelb eignet sich recht gut dafür.
+
+[Illustration: Abb. 119. Schnittmuster für den Elefanten.]
+
+Der +Pfau+ (Abb. 117) kann etwas phantastischer bemalt werden. Man hält
+den Rumpf pfauenblau, die eingezeichneten eckigen Schmucklinien werden
+abwechselnd giftgrün und briefkastenblau gehalten. Die „Pfauenaugen“ im
+Schweif und in der Krone haben weiße Halbkreise, die sich scharf vom
+Hintergrund abheben. Die Augen sind weiß mit schwarzem Mittelpunkt, den
+Schnabel malt man gelb oder feuerrot, die Füße dunkelgrau.
+
+Das +Kaninchen+ (Abb. 118) wird weiß angestrichen, die Konturen hält
+man schwarz oder dunkelgrau, nach Belieben kann man es auch grau
+grundieren oder tiefschwarz mit weißen Konturen.
+
+Die fertig gemalten Holztiere werden lackiert, um die Farben zu
+schonen; lackierte Gegenstände färben nicht, wenn sie gelegentlich
+feucht werden; die Farben behalten durch das Lackieren nicht nur ihre
+Leuchtkraft, die sonst leicht verloren geht, sie treten auch unter dem
+Lack noch ganz besonders hervor.
+
+[Illustration: Abb. 120. Der Elefant. (Einzelzeichnung.)]
+
+Für die Leimfarben verwendet man Spirituslack, er trocknet schnell und
+genügt meist, besonders wenn nach jedesmaligem Auftrocknen der Anstrich
+zwei- bis dreimal wiederholt wird. Der Lack muß aber vollständig
+aufgetrocknet sein, ehe man den nächsten Aufstrich beginnen darf, sonst
+wird er streifig und unansehnlich. Spirituslack ist fertig käuflich,
+im Haushalt kennt man ihn, weil man damit Strohhüte auffrischt. Man
+kann Spirituslack selber herstellen: In einer Medizinflasche mischt
+man ein Viertel Schellack mit drei Viertel Brennspiritus. Für größere
+Gegenstände dürfte diese Menge indessen nicht ausreichen, es empfiehlt
+sich, in den Geschäften, in denen man den Schellack kauft, die Größe
+des Gegenstandes anzugeben, um die genügende Quantität zu erhalten und
+die Mischung dementsprechend vorzunehmen. Bei einiger Übung wird man
+sehr bald die richtige Mischung selbst zusammenstellen können, sie
+hängt von der Stärke des Brennspiritus ab.
+
+Auch +Ölfarben+ werden +lackiert+, aber nicht mit Spirituslack; für
+Ölfarben erhält man in Farbenhandlungen den geeigneten Lack, der aus
+Leinöl und Kopal oder Bernstein besteht. Gegenstände, die mit Ölfarben
+bemalt sind, kann man, wenn man +Hochglanz+ erreichen will, mehrmals
+lackieren. Die Ölfarben werden zum Bemalen mit Terpentinöl verdünnt; je
+mehr Terpentinöl verwendet wird, desto dünner wird der Anstrich, man
+achte daher darauf, daß sie nicht allzu flüssig werden, damit das Holz
+nicht durchscheine.
+
+Auch +Emaillackfarben+ werden mit Terpentinöl verdünnt und wie diese
+behandelt, aber nicht lackiert.
+
+Eine andere Art, Holztiere herzustellen, ist folgende: Man zeichnet die
+Konturen des Modells auf Sperrholz auf, für die Übertragung benutzt man
+Graphit-, Öl-, Paus- oder Schreibmaschinenpapier. Ein Laufbrettchen
+gehört zu den Tieren; man verlängert die Füße der Holztiere nach unten
+in der Stärke des Laufbrettchens und sägt aus diesem Laufbrettchen
+genau in der Mitte die entsprechenden Teile aus, damit die verlängerten
+Füße hineinpassen. Hat man das Modell ausgesägt, so steckt man die
+verlängerten Teile in die ausgesägten Schlitze, die vorher mit heißem
+Tischlerleim bestrichen wurden. Die oberen Kanten des Laufbrettchens
+werden vor dem Einsetzen der Holzteile schräg abgefeilt. Die Räder
+werden in der bereits beschriebenen Weise angefertigt, auch die
+Bemalung wird in denselben Techniken ausgeführt. Dasselbe gilt vom
+Lackieren.
+
+Nach dem Bemalen und Lackieren müssen alle Gefäße gereinigt und alle
+Pinsel sorgfältig ausgewaschen werden. Ölfarbenpinsel und Öllackpinsel
+werden mit Terpentinöl gesäubert, Spirituslackpinsel behandelt man mit
+Brennspiritus. Bleiben die Pinsel ungereinigt, so werden sie steif,
+und die Borsten brechen ab, ein Verlust, der sich bei sorgfältiger
+Behandlung des Arbeitsmaterials sehr lange hinausschieben läßt.
+
+
+38. Holzbasteleien
+
+
+~a~) Geburtstagsleuchter
+
+Holz ist ein außerordentlich dankbares Material; man kann mit einiger
+Übung allerlei nützliche und hübsche Gegenstände aus Holz herstellen;
+wenn man Holzarbeiten ausführen will, hat man eine große Auswahl,
+sowohl was die Gegenstände als auch was die Techniken anbetrifft.
+
+Besonders gut eignet sich das Holz für +Basteleien+, für kleine,
+amüsante Stücke, die ihrer Nützlichkeit wegen kein Krimskrams genannt
+werden dürfen, die aber nicht unbedingt notwendig sind und schließlich
+eine niedliche Spielerei darstellen. Einige solcher Modelle zeigen wir
+im Bilde (Abb. 121 bis 123); sie lassen sich leicht nacharbeiten und
+eignen sich für +Vielliebchengeschenke+, für „+Überraschungen+“ und
++Lotteriegewinne+ bei festlichen Anlässen im Freundeskreise. Einiges
+davon dürfte man auch als +Tafelschmuck+ verwenden.
+
+[Illustration: Abb. 121 Geburtstagsleuchter. Von Liselotte Volk.]
+
+Da ist ein lustiger +Geburtstagsleuchter+ (Abb. 121), der sicherlich
+gern nachgearbeitet werden wird. Das Grundmaterial besteht aus
+einem +Holzreifen+ in beliebiger Größe, er soll ½ Zentimeter
+stark sein. Wenn man keinen fertigen Reifen in den einschlägigen
+Spielzeuggeschäften bekommen kann, ist es ratsam, ihn vom Tischler
+anfertigen zu lassen; andernfalls sägt man ihn selber mit der
+Bandsäge, die in die Laubsäge gespannt wird, aus. Man klebt mit
+Tischlerleim dicke +Holzperlen+ als Füße unter den Reifen; solch
+dicke, große Holzperlen werden auch als +Lichthalter+ aufgeleimt.
+Der Holzreifen, die Füße und die Lichthalter werden mit Deckfarbe
+bunt angemalt und lackiert. Tempera- oder Leimfarben eignen sich am
+besten dafür. Temperafarben sind in Tuben erhältlich, Leimfarben
+werden in Farbenhandlungen oder Drogerien gekauft; sie werden als
+Farbpulver geführt, in einer dünnen Tischlerleimlösung aufgelöst und
+vermischt. Sowohl Tempera- als auch Leimfarben werden mit Spirituslack
+überzogen; ist der erste Aufstrich trocken, so beginnt man mit dem
+zweiten und setzt dies fort, bis ein kräftiger Hochglanz entstanden
+ist. Man streicht die Farben mit dem Borstenpinsel auf, der Lack wird
+ebenfalls mit einem völlig trockenen Borstenpinsel aufgetragen. Am
+hübschesten sieht der +Geburtstagsleuchter+ aus, wenn der Rand und
+die Füße feuerrot, und die Lichthalterperlen briefkastenblau oder
+delfterblau angestrichen werden. Schließlich kommen die +Glücksvögel+
+an die Reihe: Sie bestehen aus je zwei Holzperlen, eine große Holzperle
+stellt den +Rumpf+ dar, eine kleinere wird als +Kopf+ mit Tischlerleim
+daraufgeklebt. Man benutzt die kleine Öffnung in der Perle, steckt ein
+angespitztes Stückchen Holz als +Schnabel+ hinein und klebt es fest.
+Ein dreieckiges Stückchen dünnes Holz aus einer Zigarrenkiste wird
+als +Schwanz+ in die große Perle, die entsprechend angebohrt wird,
+eingeleimt. Diese Glücksvögel haben keine Füße, die große Rumpfperle
+wird mit Tischlerleim auf den Holzreifen geleimt, nachdem sie bemalt
+und lackiert worden ist. Man malt abwechselnd einen Vogel zitronengelb
+und einen Vogel orangegelb oder giftgrün. Die Schnäbel und Schwänze
+hält man kirschrot, die +Augen+ werden als schwarze Punkte gepinselt,
+die +Flügel+ durch schwarze Linien angedeutet. Auf der +Brust+ kann ein
+kleines Ornament in Schwarz oder in einer beliebig abstechenden Farbe
+gemalt werden, Feuer- oder Kirschrot auf Zitronengelb, Kornblumenblau
+auf Orangegelb, Weiß oder Kirschrot oder Schwefelgelb auf Giftgrün.
+Die +Lichthalter+ und die +Glücksvögel+ werden in genau abgemessenen
+Abständen abwechselnd auf dem Holzrand verteilt. Die Holzperlen
+müssen angebohrt werden, damit die dünnen, bunten Weihnachtslichter
+darin befestigt werden können. Doch besser ist es, von Garnrollen
+die breiten Teile abzusägen, in der Farbe der Lichthalter oder in
+einer abstechenden Farbe anzustreichen, zu lackieren und auf die
+Lichthalterperlen mit Tischlerleim aufzukleben, wie wir es auf unserem
+Bilde sehen; die Öffnungen müssen, wenn es notwendig ist, mit dem
+Bohrer erweitert werden.
+
+
+~b~) Sparbüchse
+
+Die zierliche +Sparbüchse+, die wir auf dem nächsten Bilde (Abb.
+122) zeigen, wird sicherlich gern nachgearbeitet werden; sie ist
+einfach in der Herstellung und macht wenig Kosten, dafür sieht
+sie, wenn sie richtig gearbeitet wird, umso niedlicher aus; sie
+eignet sich für +Tischdekorationen+ bei fröhlichen Festen, für
++Silvesterüberraschungen+, +Lotteriegewinne+, +Vielliebchengeschenke+,
+auch als +Geburtstagsgeschenk+ kann man sie verwenden. In vielen
+Familien gibt es eine Sparbüchse, die für die Weihnachtslichter
+herangezogen wird, es gibt auch Strafgeldkassetten, besonders beliebt
+sind solche Sparbüchsen in den verschiedenen „Kränzchen“; für den
+Inhalt der kleinen Sparbüchse wird sich gewiß mancherlei Verwendung
+finden.
+
+Man sägt mit der Laubsäge kleine Holzbrettchen in Holzstärke von 5
+Millimeter zu einem Würfel. Drei Brettchen sind 9 mal 9, zwei Brettchen
+8 mal 9, ein Brettchen 10 mal 10 Zentimeter groß. Die beiden Brettchen,
+die 8 mal 9 Zentimeter groß sind, werden zwischen die Brettchen 9
+mal 10 Zentimeter gesetzt, das Brettchen, das 10 mal 10 Zentimeter
+groß ist, bildet den Boden und steht ½ Zentimeter über. Das vierte
+Brettchen wird mit einem Schlitz versehen und stellt den Deckel dar.
+Man kann die einzelnen Wände zusammennageln, man kann sie aber auch
+zusammenleimen. Als Füße verwendet man entsprechend große +Holzperlen+,
+die untergeschraubt oder angeleimt werden. Die so entstandene Kassette
+wird zum Schluß angestrichen, bemalt und lackiert. Man benutzt
++Wasserdeckfarben+, zum Beispiel Leim-, Guasch- oder Temperafarben,
+die dick angerührt und mit einem starken Pinsel aufgetragen werden.
+Zunächst wird die Sparbüchse grundiert; ein kräftiger Grundton in
+Zinnoberrot, Kobaltblau, Grasgrün oder Orangegelb wird mit dem
+Grundierpinsel breit und schnell aufgestrichen, damit die Farbe nicht
+streifig auftrocknet. Erst wenn sie völlig trocken ist, wird ein
+einfaches Ornament in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen,
+mit Graphit- oder Schreibmaschinenpapier und einem harten, scharf
+gespitzten Bleistift auf das Holz übertragen, nachdem man das Muster
+auf Paus- oder Butterbrotpapier sauber aufgezeichnet hat. Mit einem
+spitzen Pinsel wird das Ornament einfarbig gemalt; wer Freude an bunten
+Farben hat, kann mehrere voneinander abstechende Farben verwenden.
+Ungebrochene Töne sind dafür am besten geeignet. Auf rotem Grund sieht
+Tütenblau, Zitronengelb und Weiß sehr gut aus; ist der Hintergrund
+blau, so hält man das Ornament in einem grellen Rot, in Giftgrün und
+Orangegelb. Auf grünem Ton stehen am besten Orangegelb, Zitronengelb
+und Weiß. Ist der Grund orangegelb, so bemalt man ihn mit Delfter Blau,
+Zitronengelb und Zinnoberrot.
+
+[Illustration: Abb. 122. Sparbüchse aus Holz.]
+
+Von den genannten Farben werden nach Belieben eine oder zwei
+ausgewählt; will man das Ornament indessen in drei Tönen malen, so hält
+man sich an die beschriebenen Zusammenstellungen. Sehr wirksam ist ein
+gelber Grund mit schwarzem Ornament.
+
+Die +Umrandung+ des +Schlitzes+, die vorstehende +Leiste+ und die
++Füße+ der Sparkasse werden am besten in +einer+ Farbe gehalten.
+
+Ist die Malerei vollständig aufgetrocknet, so lackiert man sie. Es gibt
+in den einschlägigen Geschäften den bekannten +Hochglanzlack+, wenn man
+aber keine weitere Verwendung dafür hat, lohnt es sich nicht, ihn für
+diese kleine Arbeit zu kaufen. Man stellt ihn selber her, indem man in
+einer Medizinflasche +Brennspiritus+ mit +Schellack+ auflöst. In der
+Farbenhandlung oder in der Drogerie, wo der Schellack erhältlich ist,
+wird die Größe des Gegenstandes, der lackiert werden soll, angegeben,
+danach richtet sich die Menge von Schellack und Brennspiritus, die
+man mischen will. Je mehr Schellack verwendet wird und je stärker der
+Brennspiritus ist, desto kräftiger wirkt der Glanz; genügt er nicht,
+so läßt man ihn gut auftrocknen und lackiert nochmals, bis ein heller
+Hochglanz erreicht ist.
+
+
+~c~) Brieföffner
+
+Ein sehr praktisches Geschenk ist der +Brieföffner+ (Abb. 123),
+der auf keinem Schreibtisch fehlen dürfte und besonders geschätzt
+wird, wenn er als Handarbeit auftritt. Er eignet sich für Damen und
+Herren in gleicher Weise, paßt für alt und jung und kommt sowohl als
+„ernsthaftes“ Geschenk zu Geburts- und Namenstagen, zu Weihnachten
+und als Gastgeschenk, wie auch als „lustiges“ Geschenk in Betracht,
+zum Beispiel zu Silvester, oder wenn man Gegenstände für Lotterien,
+Julklapp, Tafelspenden braucht. Ein +Brieföffner+ ist eine sehr
+nützliche Sache, die man häufig in die Hand nimmt, und wenn man darauf
+schreibt „Zur Erinnerung“, so wird der oder die Beschenkte die fleißige
+Spenderin ganz bestimmt nicht so bald vergessen, umso eher, als
+hölzerne Handarbeiten, wenn sie gut gearbeitet sind, sehr lange halten.
+
+[Illustration: Abb. 123. Brieföffner.]
+
+Man sägt ihn aus 3 Millimeter starkem +Ahornholz+ mit der +Laubsäge+
+aus, das Muster in Dolchform zeigen wir auf nebenstehender Zeichnung.
+
+Die Kanten des Griffes werden rund gefeilt, die Schneide feilt man
+scharf, damit sie gut schneidet. Damit alle Unebenheiten verschwinden,
+überreibt man die Formen mit Sandpapier, bis sie sauber und glatt sind.
+Zum Schluß wird der Dolch mit einer Holzbeize angestrichen und mit
+Beizenlack überzogen. Naturfarbene Beizen wirken am besten, man wähle
+Eiche, Polisander, Ebenholz oder Silbergrau.
+
+Wer den Brieföffner farbig halten möchte, beize ihn mit Holzfarben in
+Lila, Blau, Braun oder Grün, Rot sieht nicht sehr fein aus; Widmungen
+schreibt man in natürlicher Schrift, bevor der Lack aufgetragen wird,
+am besten mit schwarzer Ausziehtusche. Weiße Tinte, in Farbengeschäften
+wie die Lacke und Beizen erhältlich, kann man für einen Grund
+verwenden, von dem eine schwarze Schrift nicht genügend abstechen würde.
+
+
+39. Hampelmann
+
+[Illustration: Abb. 124. Hampelmann.]
+
+Der Hampelmann ist nur für die Kleinsten gedacht. Wir bringen eine
+Zeichnung (Abb. 124), aus der man die Herstellungsweise sehr deutlich
+erkennen kann. Aus dünnem Holz wird die Figur mit der Laubsäge
+ausgesägt, man kann sie indessen auch aus starker Pappe ausschneiden.
+Dann malt man sie recht farbig an; für Holz kommen +Lack-+, +Öl-+ und
++Wasserdeckfarben+ in Betracht. Öl- und Wasserdeckfarben (+Guasch-+ und
++Temperafarben+) müssen mit entsprechendem Firnis bestrichen werden,
+wenn die Farben vollständig aufgetrocknet sind. Man achte darauf, daß
+für +Ölanstrich+ ein +Terpentinlack+, für +Wasserfarbenanstrich+ ein
++Spirituslack+ verwendet wird. Man kann diesen aus Brennspiritus und
+Schellack selber herstellen; in einer Medizinflasche wird Schellack
+mit Brennspiritus vermischt und tüchtig geschüttelt. Im Drogen-
+und Farbengeschäft wird die Schellackmenge nach der Menge Spiritus
+berechnet, die sich wieder nach der Größe des Gegenstandes richtet, der
+lackiert werden soll. Es gibt käuflichen fertigen Lack in Flaschen und
+lose, es lohnt aber nicht, ihn zu kaufen, wenn es sich um so kleine
+und ziemlich wertlose Gegenstände handelt. -- Dem +Hampelmann+ zieht
+man feuerrote Hosen, eine gelbe Bluse und knallblaue Schuhe an, setzt
+ihm einen giftgrünen Hut auf, malt Hände und Gesicht rosa, pinselt
+Augen, Mund, Nase in der üblichen Weise nach Belieben und lackiert das
+Ganze erst dann, wenn die Malerei völlig trocken ist, was bei Ölfarbe
+ziemlich lange, manchmal einige Tage, dauert. Handelt es sich um ein
+eiliges Geschenk, so sind +Wasserdeckfarben+ mehr zu empfehlen, sie
+trocknen in 24 Stunden auf. Der +Ölfarbenfirnis+ muß auch tagelang
+trocknen, es hat keinen Zweck, diesen Vorgang beschleunigen zu wollen,
+indem man die Arbeit auf die heiße Herdplatte oder in die Ofenröhre
+legt, im Gegenteil, man zerstört die Arbeit, da die Farben abspringen.
+Das gilt auch für den +Wasserfarbenlack+, den man, ohne das Stück zu
+berühren, auftrocknen lassen muß, damit sich keine Fingerabdrücke
+darauf zeigen. Arme und Beine werden befestigt, indem man an den
+betreffenden Stellen (siehe Bild!) Löcher bohrt, einen entsprechend
+langen Draht durchzieht, der hinten und vorn um die Spitze eines
+Bleistifts gedreht und dann fest angedrückt wird, damit man sich nicht
+daran sticht. Zum Schluß wird die Verschnürung, die Hampelvorrichtung,
+ausgeführt, wie sie auf unserer Zeichnung angegeben ist.
+
+
+40. Flaschenkork
+
+Wir zeigen auf unserm Bilde (Abb. 125) einen sehr lustigen
++Schmuckkork+, der mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann.
+Der +Glücksvogel+, der mit Tischlerleim auf den neuen Flaschenkork
+aufgeleimt ist, besteht aus einer großen und einer kleineren
+Holzperle, die Rumpf und Kopf des Vogels darstellen. Die Kopfperle
+ist entsprechend abgesägt und mit Tischlerleim auf die untere Perle
+aufgeleimt. Auch diese ist an der unteren Seite abgeplattet, damit
+der Vogel recht fest -- ohne Füße -- auf dem Kork sitzen kann. Der
+Schwanz besteht aus einem entsprechend geformten Stückchen Holz, das
+in die Perle hineingeleimt wird, nachdem diese mit dem Messer oder mit
+dem Bohrer vorbereitet worden ist. Dasselbe gilt von dem Schnabel, der
+aus einem Stückchen Zahnstocher oder einem angespitzten Streichholz
+besteht. Ist der +Glücksvogel+ in dieser Weise hergerichtet, so wird
+er bemalt. Man verwendet Wasserdeckfarben, zum Beispiel Tempera-,
+Leim- oder Guaschfarben, die, wenn sie aufgetrocknet sind, mehrmals
+mit Spirituslack überzogen werden, bis sie Hochglanz bekommen. Jeder
+Firnisaufstrich muß völlig aufgetrocknet sein, ehe man mit dem nächsten
+beginnt. Der Firnis wird mit einem Borstenpinsel aufgetragen. Man
+bemalt den Vogel möglichst bunt, Kopf und Rumpf hält man feuerrot,
+die Brust zitronengelb, den Schwanz grasgrün oder tütenblau, den
+Schnabel orangegelb. Die Augen bestehen aus schwarzen Punkten, auf dem
+Kopf stehen seitwärts ein paar gelbe Blattornamente, auf der Brust
+kirschrote Tupfen, auf jedem Flügel drei zitronengelbe oder tütenblaue
+Punkte, auf dem Schwanz zwei orangegelbe Tupfen.
+
+Wenn man mehrere dieser lustigen Glücksvögel herstellen will, ist es
+ratsam, sie nicht in gleichen Farben zu bemalen, sondern mit den Farben
+abzuwechseln; auf alle Fälle müssen die Korkverzierungen recht bunt
+wirken. Man achte darauf, daß der Schmuckkork bis ins kleinste sauber
+und sorgfältig ausgeführt wird, sowohl was die Malerei, als das Kleben
+anbelangt; wenn der Glücksvogel beim Gebrauch auseinandergeht, wenn er
+schief aufgeleimt ist, hat die ganze Arbeit ihren Sinn verloren, umso
+eher, als es sich hierbei nicht um einen wertvollen Gegenstand handelt.
+
+[Illustration: Abb. 125. Glücksvogel als Flaschenkork.]
+
+
+
+
+VI. Kapitel
+
+Papp- und Papierarbeiten
+
+
+41. Allerlei Spiele
+
+Die Vereinfachung der Gebräuche, die für unsere Zeit besonders typisch
+ist, die Einschränkung der gesamten Lebenshaltung, die mehr als je
+an die Häuslichkeit geknüpft ist, bringt es mit sich, daß auch die
+Geselligkeit einfachere Formen annimmt als in den früheren Jahren.
+Man feiert Feste, besonders Geburtstage, im engeren Verwandten- und
+Freundeskreise und pflegt besonders im Winter die Geselligkeit im
+eigenen Heim. Das gilt sowohl für die ältere als auch für die jüngere
+Generation; die „Kränzchen“ sind wieder modern geworden, bei denen
+es nicht so sehr auf die mehr oder weniger reichhaltige „Aufwartung“
+als auf die Unterhaltung ankommt. Gesellschaftspiele kommen wieder
+auf, alt und jung belustigt sich an diesen Unterhaltungen, die
+oft nur einen harmlosen Zeitvertreib, manchmal aber auch ein
+geistiges Vergnügen darstellen. Man soll solches Zusammenspiel nicht
+unterschätzen, im Spiel erkennt man frühzeitig die Charaktere der
+einzelnen Mitspieler, das Gesellige, Liebenswürdige, Kameradschaftliche
+kommt hierbei unverfälscht zum Ausdruck, und am reizvollsten sind die
+Gesellschaftspiele, bei denen groß und klein vereinigt sind. Schach und
+Halma sind die bekanntesten Spiele, die indessen größere Anforderungen
+an die Partner stellen; es gibt aber auch eine Anzahl hübscher Spiele,
+die „leichter“ sind und schon darum viele Freunde haben.
+
+[Illustration: Abb. 126. Lottospiel.]
+
+Solche Spiele selber herzustellen, dürfte manchem jungen Mädchen Spaß
+machen, abgesehen davon, daß die verringerten Kosten dabei mit ins
+Gewicht fallen. Es gehören geschickte Hände dazu und eine gewisse
+Sorgfalt, sonst kommt nichts Rechtes dabei heraus; wer sich aber Mühe
+geben will, wird viel Freude am Ergebnis haben.
+
+Da ist zunächst ein +Lotto+, von dem wir ein Bild (Abb. 126) bringen.
+Die Tafeln läßt man sich beim Buchbinder schneiden. Man braucht 6
+Tafeln zu 14 mal 21 Zentimeter, dazu gehören 6 Decktäfelchen zu 6 mal
+6 Zentimeter. Jede der großen Tafeln wird in 6 Felder eingeteilt.
+Auf diese große Tafel und je ein Decktäfelchen wird je ein gleiches
+Bild gezeichnet, dies Bild wird farbig angetuscht, mit schwarzer
+Ausziehtusche umrandet und mit Bohnerwachs leicht poliert. Man reibt
+das Bohnerwachs mit einem reinen, weichen Lappen auf die Fläche, es
+darf nur wenig Bohnermasse verwendet werden, da der Überzug ganz dünn
+sein soll. Mit einem zweiten Lappen wird nachgerieben; die Wachsschicht
+dient dazu, die Tafeln, die viel angefaßt werden, vor Fingerabdrücken
+zu schützen. Aus unsern Bildern kann man sehr genau erkennen, wie die
+Sache gemacht wird; das beste daran ist die amüsante Ausgestaltung,
+die nach eigenem Ermessen möglichst phantastisch sein soll. Es gibt
+Lieder-, Gedichte- oder Sprichwörterlottos; auf die Decktafel schreibt
+man das Lied, das Sprichwort oder das Gedicht auf und illustriert es
+mehr oder weniger einfach; auf die große Tafel muß das Bild gemalt oder
+gezeichnet werden.
+
+Ebenso unterhaltend ist das +Domino+ (Abb. 127 und 128) und besonders
+das +Bilderdomino+, zu dem 36 Karten aus Pappe gehören, die am besten
+vom Buchbinder geschnitten werden, damit sie recht gleichmäßig werden.
+Die Größe 5 mal 10 Zentimeter bewährt sich sehr, ist handlich und dafür
+geeignet. Statt Zahlen, wie üblich, beim Domino aufzuschreiben, wählt
+man Bilder, die auf die Karten aufgezeichnet werden. Für größere Kinder
+wählt man ein +Dominospiel aus zusammengesetzten Wörtern+.
+
+[Illustration: Abb. 127. Dominospiel. Von Liselotte Volk.]
+
+Noch nicht allzu bekannt, aber sehr beliebt ist das +Angelspiel+,
+bei dem es besonders auf die Geschicklichkeit ankommt. Man schneidet
+aus dünner Pappe eine Anzahl +Fische+ (Abb. 129) aus, es können auch
++Frösche+ dabei sein, denn man angelt schließlich auch mal einen
+Frosch; diese Tiere werden farbig angepinselt, durch das Maul eines
+jeden Fisches oder Frosches wird ein kleiner dünner Drahtring gezogen.
+Wir bringen auf unseren Bildern eine Anzahl solcher „Muster“, nach
+denen man sich recht gut richten kann; im übrigen kann jeder nach
+Belieben seine Lieblingsfische ausschneiden und bemalen und das
+Naturgeschichtsbuch zu Hilfe nehmen. Am besten ist die Wirkung, wenn
+man die Fische mit Aquarellfarben aus dem Tuschkasten bemalt und die
+Umrißlinien mit schwarzer Ausziehtusche nachzieht. Dies gilt besonders
+für die Flossen, Augen, Schuppen und Kiemen. Auch Temperafarben kann
+man dafür verwenden; wer mit Ausziehtuschen umzugehen versteht -- das
+Mischen dieser Tuschen will verstanden sein -- wird auch diese Farben
+verwenden können; sie haben einen frischen Glanz, der für die Fische
+und Frösche recht gut passen dürfte. Pastellstifte kann man zum
+Bemalen verwenden, wenn man die fertigen Stücke mit Fixativ behandelt,
+damit sie beim Spielen nicht abfärben. Dies gilt für die Herstellung
+der Fische und Frösche. Nun wird das +Aquarium+ hergestellt. Eine Hut-
+oder Herrenkragenschachtel eignet sich am besten dazu, das Wasser
+muß man sich dazu denken. Die Fische und so weiter werden auf den
+Grund der Schachtel gelegt, je tiefer diese ist, desto unterhaltender
+gestaltet sich das Spiel, denn die Mitspielenden müssen versuchen, mit
+einem Magneten, der an einer entsprechend langen Angelschnur befestigt
+ist, die Wasserbewohner herauszufischen; wer am meisten fängt, ist
+Sieger. Ist das Aquarium sehr groß und die Zahl der Mitspielenden
+dementsprechend, so können sich mehrere Angler zugleich betätigen,
+andernfalls würden sich die Angelschnüre verwickeln.
+
+[Illustration: Abb. 128. Domino.]
+
+[Illustration: Abb. 129. Fische für das Angelspiel.]
+
+[Illustration: Abb. 130. Spiel: Fliegende Hüte.]
+
+Noch weniger bekannt ist wahrscheinlich das Spiel „+Fliegende Hüte+“
+(Abb. 130), bei dem es viel mehr als beim Lotto auf besondere
+Gewandtheit ankommt. Den Boden einer Pappschachtel durchlocht man in
+Zwischenräumen von 1 bis 2 Zentimeter. Die Löcher sollen 3 Zentimeter
+Durchmesser haben, die Schachtel wird umgedreht auf dem Tisch, der als
+Spieltisch dienen soll, aufgestellt, also mit dem Boden nach oben.
+Dann wird ein Sprungbrett hergestellt: Paketknebel mit einem Brettchen
+aus Zigarrenkistenholz, Größe 4 mal 15 Zentimeter. Nun stellt man die
+Hütchen her, aus buntem Papier, von jeder Farbe sechs Stück. Wir
+bringen einen Schnitt für die Abwicklung des Kegels (Abb. 131), in
+die Spitze der Hütchen wird je eine Schrotkugel mit Fischleim oder
+Tischlerleim geklebt. Das Spiel besteht darin, daß man versucht,
+mit dem Sprungbrett die Hütchen in die Löcher zu schleudern. Der
+Packknebel wird unter das Brettchen fest aufgeleimt, er liegt parallel
+der Schmalseite des Brettchens; da wir aus der Turnstunde derartige
+Sprungbretter kennen, ist ein Mißverständnis wohl ausgeschlossen. Die
+Hütchen sollen wie Zuckerhüte aussehen; wenn man mit dem Zeigefinger
+auf die richtige Stelle des Sprungbrettchens fest drückt, dann fliegen
+die Hütchen kopfüber in die Löcher; wer am meisten trifft, ist Sieger.
+Das ist ein Spiel, das auch größeren Knaben und Mädchen Vergnügen
+machen dürfte, besonders, wenn das Spielzeug nicht allzu einfach
+aussieht. So kann man zum Beispiel nicht nur die Hütchen farbig halten,
+sondern auch die Schachtel bunt bekleben. Die runden Löcher wird man,
+damit sie recht sauber werden, vom Buchbinder stanzen lassen. Will
+man das Hütchenspiel als Geschenk verwenden, wozu es sich besonders
+gut eignet, so wird man sich gern ein wenig mehr bemühen, als wenn es
+für den eigenen Hausgebrauch hergestellt werden soll. So kann man
+den Schachteldeckel in derselben Art wie die Schachtel bunt bekleben;
+verschließt man nun nicht die offene, sondern die gelochte Bodenseite,
+so schont man die Löcher, außerdem wirkt das Spiel vollkommener. Um die
+Löcher kann man mit Temperafarben kleine Ornamente pinseln, auch die
+Hütchen können am Rand in dieser Weise verziert werden. Die Ziellöcher
+müssen ganz besonders sorgfältig ausgeklebt werden. Den Schachteldeckel
+kann man bemalen; geometrische Muster, Punkte in verschiedenen Größen
+und Farben, zu Mustern zusammengesetzt, passen für dieses Spiel am
+besten, ganz gleich, ob sie für den Deckel, die Schachtel oder für die
+Hütchen verwendet werden sollen. Um die Schachtel widerstandsfähiger
+zu machen, kann man sie mit Lackfarbe anstreichen, man wähle einen
+kräftigen Ton, zum Beispiel Feuerrot, Briefkastenblau, Grasgrün oder
+Orangegelb. Wer die Löcher in der Schachtel selber ausschneiden will,
+zeichne sie sorgfältig auf, am besten mit Hilfe des Zirkels, schneide
+sie mit der Schere aus und feile mit einer Rundfeile nach, weil sonst
+Ecken und Kanten stehen bleiben würden.
+
+[Illustration: Abb. 131. Schnitt eines Hütchens.]
+
+
+42. Geduldspiele
+
+Man kann auf billige Weise ein sehr unterhaltsames Geduldspiel selber
+herstellen, das besonders den kleineren Geschwistern und deren Freunden
+viel Vergnügen bereiten dürfte. Es ist das „+Geduldspiel+“, mit dem
+sich eine ganze Kindergesellschaft stundenlang die Zeit vertreiben
+kann. Für Regentage in den Ferien, falls es sich um schulpflichtige
+Knaben und Mädchen handelt, ist es wie geschaffen; man kann dieses
+Spielzeug auch mit auf die Reise nehmen, da es nicht allzuviel
+Platz einnimmt und unzerbrechlich ist, ein großer Vorteil für ein
+Spielzeug. Es besteht aus +Bildern+ jeder Art, die auf Holz oder Pappe
+aufgeklebt werden; man leimt sie mit dünnem Tischlerleim auf, beschwert
+die Plättchen oder Klötze mit dicken Büchern, damit sie sich beim
+Trocknen nicht werfen, läßt sie 24 Stunden liegen und sägt sie, wenn
+sie vollständig glatt und trocken geworden sind, mit der +Laubsäge+
+in kleine Teile, die von den Kindern wieder zusammengesetzt werden
+sollen. +Ansichtskarten+, +Reklamebilder+, +Zeitungsillustrationen+
+und so weiter eignen sich sehr gut dafür; am liebsten werden sich die
+Kleinen solche Stücke zusammensetzen, auf denen Kinder, Blumen, Tiere
+abgebildet sind. Zu diesem Spielzeug geben wir keine Abbildung, da es
+sich auch ohne diese nach unserer Beschreibung sehr leicht und schnell
+anfertigen läßt.
+
+
+43. Feine Buntpapierarbeiten
+
+Da in vielen Schulen Klebearbeiten gelehrt werden und sich manches
+junge Mädchen für diese hübsche, saubere Technik interessiert,
+bringen wir auf unsern Bildern einige Anregungen für moderne Formen
+und geschmackvolle Ausstattung solcher Kleinarbeiten. In der
+Biedermeierzeit waren Buntpapierarbeiten besonders beliebt. Es gab
+damals die sogenannten „Papeterien“, das waren bunte Kassetten, in
+denen verschiedene Karten und Kärtchen zu mancherlei Gelegenheiten
+eingeordnet waren. Diese „Papeterien“ waren nahe Verwandte unserer
+heutigen Briefkassetten, auf alle Fälle waren es sehr oft Meisterwerke
+der Buchbindekunst. Auch kleine Döschen und Rähmchen, Schachteln
+und Schächtelchen zeigten bunten Papierschmuck, der in späteren
+Jahren in einer verkommenen Art wieder auftauchte, als man begann,
+Kammkästen, Schmucktruhen und so weiter aus Pappe herzustellen und dies
+Machwerk mit farbigen Tapeten zu bekleben. Das war nun wirklich sehr
+geschmacklos, und diese Kulturgreuel kamen sehr schnell wieder ab.
+
+[Illustration: Abb. 132. Fusselkörbchen für die Nähmaschine.]
+
+Jahrzehntelang hat man sich mit derartigem Kunstgewerbe nicht mehr
+beschäftigt, jetzt beginnt es langsam wieder hochzukommen und größeres
+Interesse zu erregen. Es gibt viele junge Mädchen, die es verstehen,
+ihre kleine Bibliothek selbst einzubinden, Schreibmappen herzustellen,
+Markenkästen, Briefkassetten zu arbeiten. Das sind nützliche
+Beschäftigungen, die gefördert werden sollen, denn hier kommt es darauf
+an, das Augenmaß zu verbessern, die peinlichste Akkuratesse zu üben und
+den Geschmack zu heben. Das Handwerkliche ist dabei die Hauptsache;
+wenn der Deckel auf dem Kästchen nicht paßt, ist die schönste Farbe
+kein Heilmittel dagegen.
+
+Auf unsern Bildern zeigen wir eine Anzahl von gefälligen Mustern, die
+zum Nacharbeiten empfohlen werden können. Da ist ein Fusselkörbchen
+(Abbildung 132) für die Nähmaschine; das Papier ist grün-lila-gelb, der
+Innenraum grün tapeziert.
+
+[Illustration: Abb. 133. Schmuckschachtel.]
+
+Das zweite Modell (Abb. 133) ist eine Schmuckschachtel, sehr modern
+in der Linie mit dem hohen zuckerhutförmigen Deckel. Dieser kleine
+Behälter ist hellblau, rötlichgelb abgepaspelt, der Deckel ist grau,
+das Innere rötlichgelb.
+
+Etwas einfacher ist der schalenartige, deckellose Behälter, den unsere
+umseitige Abbildung 134 zeigt. Er ist sechseckig, für Besuchskarten
+und andere trockene Kleinigkeiten bestimmt, und gehört auf einen
+Dielentisch oder auf einen Ankleidetisch, wo er sich zum Aufbewahren
+von Nadeln und dergleichen recht gut eignet. Er ist grau, rötlichgelb
+abgepaspelt und hellgrün.
+
+[Illustration: Abb. 134. Schale für die Diele oder den Ankleidetisch.]
+
+[Illustration: Abb. 135. Bonbonniere.]
+
+Unser viertes Muster (Abb. 135) eignet sich als Bonbonniere, wenn man
+es recht sorgfältig mit auswechselbarem Stanniol- oder Seidenpapier
+auslegt, um es sauber zu erhalten. Sonst paßt es auch für den
+Spiegeltisch, für Nadeln und andere Kleinigkeiten. Es ist hellblau
+mit Gold gehalten, innen ist gelbes Papier mit Goldpunkten; die Füße
+sind schwarz. Das geschmackvoll gemusterte Papier wirkt sehr hübsch,
+solche Papiere sollte man den andern, weniger ausdrucksvollen Papieren
+vorziehen.
+
+[Illustration: Abb. 136. Markenkästchen für den Schreibtisch.]
+
+Unser letztes Modell (Abb. 136) zeigt ein Markenkästchen für den
+Schreibtisch. Indessen eignen sich auch andere Formen für diesen
+Zweck, wenn die quadratischen Einteilungen gemacht werden. Es
+ist mit lederartigem gelbem Papier beklebt. Der Innenteil zeigt
+lila-gelb-braunes Batikpapier, die Füße sowie der Deckelknopf sind
+schwarz gehalten.
+
+
+44. Behälter aus Kartonpapier
+
+Häufig kommt es vor, daß man Kleinigkeiten verschenken oder verschicken
+muß. Die einfache Papierpackung soll durch eine geschmackvolle
+Umhüllung ersetzt werden; diese Umhüllung darf nicht viel kosten, man
+will sie recht schnell herstellen, sie soll nicht wie eine Handarbeit
+wirken, darf keineswegs zu Gegenleistungen verpflichten; da kommt es
+nun wirklich darauf an, seine Geschicklichkeit zu zeigen.
+
+[Illustration: Abb. 137. Schälchen aus grauem Karton mit
+Ausschneidemuster.]
+
+Wir geben auf unsern Bildern (Abb. 137 bis 139) einige Beispiele, wie
+solche Behälter für Kleinigkeiten, die noch „im letzten Augenblick“
+angefertigt werden können, aussehen. Da ist ein +Schälchen+ (Abb.
+137) und ein +Kästchen+ (Abbildung 138), beide Modelle sind sehr
+niedlich und praktisch. Wenn man Geburtstags- und Weihnachtspakete
+zusammenstellt, wenn für die Sommerreise allerlei verpackt werden soll,
+wenn etwas für den Umzug gestiftet werden soll, ist solch ein Behälter
+sehr brauchbar; er kann nicht nur leicht hergestellt, sondern ebenso
+leicht wieder zusammengelegt werden, und -- überhaupt -- wer spricht
+da noch viel über solche Kleinigkeiten! Sie passen für trockenes
++Konfekt+, +Pfefferminzplätzchen+, +Süßigkeiten+, die noch schnell
+ins Abteil gereicht werden, wenn man Freunde und Verwandte zur Bahn
+begleitet. Man verwendet sie in Kästchenform für kleines +Nähzeug+,
++Briefmarken+, +Spielpfennige+, für +kleine Reiseandenken+, einfachen
++Schmuck+, +Fingerhüte+, die man mitbringt, besonders wenn es sich um
+Kleinigkeiten für Kinder handelt. Die Verwendungsmöglichkeit solcher
+Kartonschälchen und -kästchen ist fast unbegrenzt. Man kann sie in
+verschiedenen Größen herstellen, mehr oder weniger farbig, ganz nach
+Belieben. Auch für +Schreibtischutensilien+ eignen sich die offenen und
+geschlossenen Kartonarbeiten recht gut.
+
+Als +Grundmaterial+ wird Kartonpapier verwendet, darauf zeichnet man
+den Schnitt sorgfältig auf (Abb. 139). Dann ritzt man die Seiten,
+die geknickt werden sollen, auf der +äußeren+ Seite ein, schließlich
+schneidet man die Kästchen mit dem Messer aus, leimt die Seiten mit
+Tischlerleim zusammen oder befestigt sie mit Metallklammern, wie wir
+es auf unsern Bildern zeigen. Zum Schluß bemalt man die Innenseite der
+Schale oder den Deckel des Kästchens mit einer Wasserdeckfarbe, am
+besten Guasch- oder Temperafarbe. Viel malerischer ist die Wirkung,
+wenn man Buntpapier ausschneidet und das Ornament mit einem Papierleim,
+zum Beispiel Fischleim, möglichst sauber aufklebt. Das Ornament muß
+in der Mitte stehen und darf nicht krumm und schief aussehen. Sehr
+einfach ist die Verzierung auf dem +Kästchen+; da sehen wir +Kugeln+
+aus Buntpapier, die in regelmäßigen Abständen voneinander in einem
+Kreise aufgeklebt sind. Mit Geldstücken erzielt man die runde Form, der
+Kreis wird mit dem Zirkel gezogen, mit dem Zirkel teilt man auch die
+Abstände ein. Statt Buntpapier kann man für diese kleinen Ornamente
+auch farbiges Papier verwenden, wie wir es von Schokolade-, Seifen-,
+Konfekt- und Kerzenverpackungen her kennen, je bunter, desto besser.
+Das Grundmaterial -- Kartonpapier -- finden wir in jedem Haushalt vor,
+wenn wir uns umsehen; es kommt nicht so sehr auf die Farbe an, wenn es
+nur nicht fleckig ist.
+
+[Illustration: Abb. 138. Behälter aus Karton mit aufgeklebten Mustern.]
+
+Will man die niedlichen Behälter kleineren Kindern schenken, so genügt
+es schließlich, wenn man auf Klebe- und Maltechnik verzichtet und
+die Kartons mit bunten Bildchen, sogenannten Oblaten verziert. Man
+kann auch aus Reklame- oder Ansichtskarten geeignete Motive, zum
+Beispiel Tiere, Tierköpfe, Blumen und so weiter ausschneiden und
+auf den Karton kleben. Die hübschen Basteleien eignen sich auch für
+Kinderbeschäftigung; sie lassen sich leicht erklären, machen viel
+Spaß und gehören zu den nützlichen Handfertigkeiten, die von groß und
+klein geschätzt werden. Wir fügen einige Schnitte bei (Abb. 139),
+aus denen zu ersehen ist, wie eine Bleistiftschale, ein Kästchen mit
+angeschnittenem Deckel, als Markenkästchen gedacht, eine einfache Mappe
+in dieser Technik am besten nachgearbeitet werden können.
+
+[Illustration: Abb. 139. Schnitte für Kartonarbeiten.]
+
+
+45. Schmuckpapier
+
++Schmuckpapier+ gehört in das Buchbinderfach. Seine Herstellung ist
+altes Kunsthandwerk, das mit dem Buchgewerbe eng zusammenhängt und als
++Handwerk+ in früheren Jahren außerordentlich in Gunst stand. +Bücher+
+mit +Einbänden+ aus +Schmuckpapieren+ waren sehr beliebt, Buchhändler
+und Büchersammler legten großen Wert auf schöne Schmuckpapiere; es
+gehörte zum Buch wie der gute Druck.
+
+Als die Maschine sich auch des Schmuckpapiers bemächtigte, gingen die
++handgearbeiteten+ Papiere zurück. Die Maschinendruckpapiere wurden
+so billig hergestellt, daß es sich nicht mehr lohnte, handgearbeitete
+Schmuckpapiere anzufertigen; so kam ein uralter Handwerkszweig fast in
+Vergessenheit.
+
+In allerletzter Zeit ist man wieder darauf zurückgekommen, man findet
+wieder Gefallen am +handgebundenen Buch+, an +handgeschriebenen+
+Texten, an +handgearbeiteten+ Vorsatzpapieren. Bücher, die in dieser
+Art geschmückt sind, bilden den Stolz der Hausbibliotheken; die Jugend
+hat Freude an solchem Handwerk, sie hat auch Zeit dazu, es auszuüben,
+sie lernt schnell alle Handgriffe und bringt bei einiger Übung
+mancherlei Geschmackvolles zustande.
+
+[Illustration: Abb. 140. Schmuckpapier.]
+
+Hübsche Schmuckpapiere kann man sehr vielseitig verwenden, nicht nur
+als Buchschmuck. Zum Bekleben von +Kassetten+ verschiedener Art,
++Dosen+, +Mappen+, +Kalenderrückwänden+, +Notizblöcken+ eignen sie
+sich ganz besonders; wer sorgfältig arbeitet, wird auf diesem Gebiet
+sicherlich manchen Erfolg haben.
+
+Das einfachste Schmuckpapier, das auch von Anfängern gern hergestellt
+wird, ist das +Kleisterpapier+. Es besteht aus Papier, Farbe und
+Kleister und kann schnell und fast kostenlos angefertigt werden.
+
+Als +Grundmaterial+ kommen verschiedene Arten Papier in Frage:
++Zeichen-+, +Ton-+, +Pack-+, +Konzept-+ und +Einwickelpapier+. Soll das
+Schmuckpapier stark sein, so verwendet man starkes Papier, für kleine
+Gegenstände genügt meist dünnes Grundmaterial.
+
+Zum +Aufstreichen+ verwendet man sogenannte +Leimpinsel+, das sind
+Borstenpinsel, die in beliebiger Stärke in Farbengeschäften und
+Drogerien erhältlich sind.
+
+Den +Kleister+ kann man selber herstellen; Stärkekleister eignet
+sich für diese Zwecke am besten; Reisstärke, die in jedem Haushalt
+gebraucht wird, benutzt man auch zur Anfertigung von Schmuckpapieren.
+In einem halben Glase Wasser löst man einen Eßlöffel voll Reisstärke
+auf, man nimmt dazu kaltes Wasser, damit die Stärke nicht kleine
+Klümpchen bildet. Dann läßt man ½ Liter Wasser kochen, am besten in
+einer sauberen Konservenbüchse, die das Doppelte faßt, und gießt, wenn
+es kocht, die aufgelöste Stärke unter ständigem Rühren in das Wasser
+hinein. Sehr bald entsteht ein dünner Brei, der nach dem Aufkochen
+vom Feuer genommen wird. Erst wenn der so entstandene Kleister völlig
+erkaltet ist, darf man ihn verwenden.
+
+Um dem Kleister die entsprechende +Farbe+ zu geben, benutzt man
++Leimfarben+, die in Pulverform in den Drogerien und Farbengeschäften
+erhältlich sind. Das Auflösen dieser Farben geschieht in kleinen
+Näpfen, in Salbentöpfchen, in Tassen oder irgendwelchen Töpfchen; mit
+Wasser wird ein dicker Brei hergestellt, den man mit einem ausgedienten
+Federhalter oder einem Pinselgriff so lange verrührt, bis er flüssig
+ist und keine Klümpchen mehr zeigt. Wenn man die Farben nicht sehr
+sorgfältig verrührt, werden sie körnig, die Farbkörnchen lösen sich auf
+dem Papier beim Aufstreichen auf und verderben das Muster. Da sich die
+Farben meist nicht lange halten, sondern leicht schimmelig werden, soll
+man nur so viel anrühren, wie man braucht, was sich bei einiger Übung
+sehr bald feststellen läßt.
+
+[Illustration: Abb. 141. Vorsatzpapier.]
+
+Ist das Material zusammengestellt, so beginnt die Arbeit: Man
+vermengt in einer Untertasse so viel Kleister mit der Farbe, daß er
+einen kräftigen Ton zeigt; am besten ist es, erst den Kleister in
+entsprechender Menge in das Gefäß zu füllen und nach und nach die Farbe
+dazuzugeben, unter ständigem Verrühren, damit die Mischung gleichmäßig
+wird. Dann macht man auf billigem Papier allerlei Pinselübungen,
+unter möglichster Schonung der Tischplatte, die durch Unterlagen
+(Zeitungsbogen) vor Kleisterspritzern geschützt werden muß.
+
+Zuerst streicht man mit dem Pinsel gerade Linien und Wellenlinien auf;
+wenn man beim Streichen den Pinsel kräftig aufdrückt, entstehen Muster,
+wenn man den Pinsel steil oder schräg aufstellt, ihn auf dem Papier
+dreht und hin und her schiebt, entstehen wieder andere Formen. Wird nun
+der Bogen glatt zugestrichen und darauf solche Pinselübung regelrecht
+betrieben, so entstehen immer weitere Muster, die schließlich nach
+Belieben aufgesetzt werden.
+
+Bei diesen Pinselübungen braucht es nicht zu bleiben, man kann
+allerlei „+Stempel+“ verwenden, die man selber herstellen kann, wenn
+man mit einem scharfen Messer Kreuze und andere leichte Muster
+in Flaschenkorke schneidet und diese „Stempel“ auf das grundierte
+Papier drückt. Außer Kork gibt es noch andere geeignete Materialien,
+zum Beispiel +Gummistücke+, +Radiergummi+, +Kartoffel+- und
++Mohrrübenscheiben+, in die man beliebige Stempel hineinschneiden kann.
+Wenn man in bestimmten Abständen mit der +Fingerspitze+ auf das Papier
+tupft oder bestimmte Linien zeichnet, entstehen Muster; aus +Knöpfen+,
++ungespitzten Bleistiften+, +dicken Buntstiften+ in Holzfassung, mit
++Schwämmen+, die in Farbe eingetaucht und über dem Papier ausgedrückt
+oder ausgespritzt werden, kann man gute Formen und Farbwirkungen
+erzielen. Eine Art +Batik+ erreicht man, wenn man das gefärbte
+Papier zusammenballt und wieder ausbreitet. Will man ein +geädertes+
+Schmuckpapier haben, so bespritzt man das Papier mit verschiedenen
+Farben und hält es so lange senkrecht, bis durch das Herunterlaufen der
+Farben das gewünschte Adermuster entstanden ist.
+
+Sehr originelle Musterungen erzielt man mit +kleinen Blechdosen+,
+Schuhputz- und Cremedosen, mit +Zigarettenspitzen+ aus +Papier+, mit
++Weidenkätzchen+; auch +Streichhölzer+, +Hasenpfoten+, +Watte+ und
++Pappstreifen+ kann man verwenden. +Pappstreifen+ ergeben je nach ihrer
+Form schmale und breite, gerade, gebogene oder Wellenlinien.
+
+Wird ein Bogen gleichmäßig mit Kleisterfarbe bemalt, in der Mitte
+gebrochen, mit den nassen Hälften wieder zusammengelegt, daß er ganz
+schnell zusammenklebt, und wieder auseinandergenommen, so entsteht beim
+Auseinanderziehen ein brauchbares Muster.
+
++Marmorierungen+ erzielt man, wenn man mit großen +Vogelfedern+
+arbeitet; ähnliche Wirkungen kommen heraus, wenn man +Seidenpapier+
+zusammenbauscht und darüber fährt; statt des zerdrückten Seidenpapiers
+kann man auch +Watte+ zum Marmorieren benutzen.
+
+Wenn man aus starker Pappe einen „Kamm“ ausschneidet und über das
+Grundierte fährt, entstehen allerlei Muster; es kommt darauf an, ob man
+den Kamm gerade oder schräg aufsetzt, ob die „Zähne“ des Kamms schmal
+oder breit sind.
+
+Wer sich mit solchen Kleisterpapieren beschäftigt, wird sehr bald
+selber auf mancherlei Möglichkeiten kommen; mit einiger Phantasie
+gelingen die amüsantesten Muster, und wenn noch eine längere Übung
+dazukommt, können die Papiere kaum mißlingen.
+
+[Illustration: Abb. 142. Schmuckpapier.
+
+Entwurf und Ausführung: Liselotte Volk.]
+
+Man kann die Papiere in +Quadrate+, +Zickzacklinien+ und +Wellenlinien+
+aufteilen. +Helle Bänder+ entstehen, wenn man mit einem leicht
+zugespitzten Stück Pappe in die grundierte Fläche hineinzeichnet. Diese
+Bänder können beliebige Formen haben.
+
+Ist ein Muster mißlungen, gefällt die Farbe nicht, so ist der Schaden
+sehr schnell behoben. Man streicht das Muster wieder zu und beginnt
+von neuem; Grundfarben muß man mit dem nassen Schwamm abwaschen.
+
+Wenn ein Ton zu dunkel geworden ist, so wird er wieder aufgelichtet,
+indem man reinen Kleister darüberstreicht. Ist der Kleister zu dick,
+so gibt man mit einem Pinsel oder einem Schwamm reines Wasser auf
+das Papier; Wasser hilft auch, wenn die Kleisterfarben zu zäh und
+dickflüssig geworden sind. Je fester der Kleister ist, desto schärfer
+und dünner werden die Formen; will man also verschwimmende Ornamente
+erzielen, so muß man den Kleister verwässern.
+
+[Illustration: Abb. 143. Aufsetzen des Grundes.]
+
+Das +Trocknen+ der Kleisterpapiere dauert nicht lange; man breitet
+sie über Nacht über einigen Lagen Zeitungspapier aus, dann beschwert
+man sie mit dicken Büchern; dadurch werden sie gleichmäßig glatt und
+können, nachdem sie getrocknet sind, verwendet werden.
+
+Die +Gerätschaften+ muß man sehr sorgfältig behandeln; die
++Farbentöpfe+ werden am besten mit Seifen- oder Sodawasser heiß
+ausgewaschen, ebenso die +Pinsel+, deren Borsten lang ausgezogen
+werden, ehe man sie, mit den Borsten aufwärts, wegstellt. Bleiben sie
+mit den Borsten im Kleister stehen, so verbiegen sie sich und brechen
+sehr bald ab.
+
+Statt der beliebten +Leimfarben+ kann man auch +Tempera-+ und
++Aquarellfarben+ verwenden; für Übungszwecke dürften sie indessen zu
+teuer sein. Sehr gut wirken die feurigen +Anilinfarben+, die sich
+besonders für solche Schmuckpapiere eignen, die zum Beziehen von
+kleinen Arbeiten, von Kassetten und Dosen verwendet werden. Mit ein
+paar Tropfen der in heißem Wasser aufgelösten Farbe kann man den
+Kleister sehr lebhaft färben. Das Farbpulver wird in heißem Wasser
+flüssig. Man achte darauf, daß die entstandene Farbflüssigkeit nicht zu
+dünn wird, da sie sonst nicht genügend färbt.
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 140 bis 143) vier +Kleisterpapiere+,
+die nach den obigen Beschreibungen entstanden sind. Nummer 1 ist
+grün mit Goldtupfen; die Goldtupfen sind in Bronzefarbe aufgesetzt,
+ebensogut kann man auch Silberfarbe verwenden.
+
+Das zweite Papier ist in Rot und Grün gehalten, das dritte in Grau,
+Blau und Weiß, das vierte in Rot mit schwarzen Kreisen. Nebenstehend
+sieht man, wie der Grund mit breiten Pinselstrichen aufgesetzt wird.
+Die Kreise werden mit kleinen Blechdosen aufgestempelt.
+
+
+46. Lampenschirme aus Papier
+
++Lampenschirme+ aus Papier sind seit einigen Jahren sehr beliebt; diese
+Mode wird sich voraussichtlich noch längere Zeit halten, denn der
++Papierlampenschirm+ ist eine sehr stimmungsvolle Bereicherung unserer
+Wohnungseinrichtung, vorausgesetzt, daß er wirklich geschmackvoll
+wirkt. Wenn er nicht sehr sauber gearbeitet und in schönen Farben
+gehalten ist, hat er gar keinen Zweck, dann fällt er nur peinlich
+auf und kommt als Zimmerschmuck gar nicht in Betracht. Wenn man
+einen +Papierlampenschirm+ verschenken will, verzichte man darauf,
+„überraschen“ zu wollen; im Gegenteil, man soll sich erst einmal
+genau erkundigen, welche Form und Farbe für die betreffende Lampe
+erwünscht ist, damit der Schirm auch wirklich verwendet werden kann
+und nicht unbenutzt in die Rumpelkammer wandert, weil er „unmöglich“
+ist. Unmöglich wird er sehr leicht, wenn das Papier schlecht gefaltet
+ist, wenn es eine unfeine Tönung hat und womöglich kitschig bepinselt
+ist. Das beste Material ist +Pergament-+ oder weißes +Zeichenpapier+,
+das meist einen leichten gelblichen Ton zeigt. Das Papier wird mit
+Fischleim oder einem beliebigen Papierklebemittel in der notwendigen
+Länge zusammengeklebt, diese Länge richtet sich nach der Größe der
+Lampe. Dann knifft man es in möglichst regelmäßigen Abständen; von der
+Regelmäßigkeit dieser Abstände hängt der „gute Sitz“ des Lampenschirms
+ab. Mit einem Falzbein werden die Falten scharf angeglättet; nach
+Belieben plissiert man flache oder tiefe, große oder kleine Falten,
+dies richtet sich nach der Größe des Lampenschirms, der nach der Größe
+der Lampe berechnet wird. Durch das gefältelte Papier werden mit einem
+Locher die Löcher für die Schnur geschlagen, damit -- an der oberen
+Kante des Schirms -- eine entsprechend starke Seidenschnur durchgezogen
+werden kann; sie wird zu einer Schleife mit lang herunterfallenden
+Enden geknüpft; diese Enden werden verknotet, nach Belieben wird
+je eine +Holzperle+ als Abschluß vor dem Knoten aufgenommen. Der
+fertige +Papierlampenschirm+ sieht wie ein steifes, plissiertes
+Röckchen aus, das mit Metallklammern oder Druckknöpfen geschlossen
+wird. Man kann die Endstreifen auch mit Papierleim aneinanderkleben.
+Meist genügt ein weißer Lichtschirm indessen nicht, man tönt das
+Papier mit Wasserfarben in einer Farbe, die zu der Lampe, zu dem
+Gesamtraum passen muß. Am feinsten wirkt Grün, Wasserblau, Altgold,
+Zitronengelb, Orange, Dunkelgelb; man kann am oberen und am unteren
+Rand leichte Abschlußstreifen aufmalen. Sehr häufig wird die ganze
+Schirmhülle bepinselt, mit Vögeln oder Blumen, mit Schmetterlingen oder
+Landschaften. Das ist viel zu viel, denn schließlich sind es durchaus
+nicht immer Kunstwerke, die dem Pinsel entfließen; außerdem kann der
+Charakter des Lampenschirms durch solch überflüssiges Gepinsel sehr
+leicht verwischt werden. Je einfacher, desto besser; ein paar leichte
+Randleisten in Silber oder Bronze wirken oft sehr viel besser als
+die gut gemeinten Malereien, denn die steife Form des Lampenschirms
+gestattet nur eine sparsame Verzierung. Die Innenseite des Schirms
+bleibt weiß, sonst verdunkelt sie das Licht. Streifig bemalte
+Lampenschirme können sehr geschmackvoll sein, verlangen indessen einige
+Übung, denn das Streifige soll sich nicht auf die Technik beziehen; das
+wäre ein Fehler, gemeint ist ein gestreifter Hintergrund in mehreren
+Tönen, die recht fein zueinander abgestimmt werden müssen, zum Beispiel
+Pfauenblau und Türkis, Orangegelb und Wasserblau; doch muß man sich
+vorher erkundigen, ob solche oder andere Farbenzusammenstellungen
+erwünscht sind. Für den eigenen Gebrauch ist es ebenfalls notwendig,
+die Farben des Lichtschirms zur Farbe der Tapeten, der Möbel und der
+im Zimmer befindlichen Webwaren abzustimmen. Man tönt und bemalt
+das Papier, bevor es plissiert wird; die Farben müssen vollständig
+aufgetrocknet sein, Lampenschirme werden nicht lackiert.
+
+Wir bringen zum Papierlampenschirm keine Abbildung, da die
+Herstellungsart sehr deutlich beschrieben ist, und betonen nochmals zum
+Schluß, daß vor dem Zuschneiden des Papiers genau Maß genommen werden
+muß, damit er weder zu eng noch zu weit, zu lang oder zu kurz wird. Es
+empfiehlt sich, zu Übungszwecken zunächst Modelle aus Zeitungspapier
+herzustellen, das starke Katalogpapier eignet sich besonders gut dafür.
+
+
+47. Bemalte Deckchen und Papierservietten
+
+Bei Picknicks und andern zwanglosen Vergnügungen macht es den Töchtern
+des Hauses Vergnügen, nicht nur die Tafel festlich zu decken, sondern
+nach eigenem Geschmack etwas „Besonderes“ dazuzustiften. Es gibt da
+allerlei, was als Damenspende, als Tafelschmuck von eigener Hand
+hergestellt werden kann; am beliebtesten dürften die selbstbemalten
++Papierservietten+ sein, wenn sie wirklich hübsch sind. Die Herstellung
+ist indessen nur dann angebracht, wenn die Tafelrunde nicht zu groß
+ist, die +selbstbemalten Papierservietten+ eignen sich mehr für einen
+intimeren Kreis, in dem sich alle recht gut untereinander kennen, sonst
+würde sich die Mühe der fleißigen Haustochter auch kaum lohnen.
+
+Man verwendet am besten ausgebogte weiße, einfache +Papierservietten+,
+die man mit farbiger Ausziehtusche und einem spitzen Marderhaarpinsel
+recht sorgfältig bemalt. Statt Ausziehtusche kann auch Aquarellfarbe
+verwendet werden. Man macht zunächst ein paar Skizzen von den
+Zeichnungen, die dafür in Betracht kommen, dann pinselt man die
+Muster direkt auf die Papierservietten, nachdem man sich ein paar
+Anhaltspunkte und Linien mit feingespitztem harten Bleistift, wenn dies
+notwendig ist, gemacht hat. Nun bemalt man die Papierserviette mit
+einem bunten Rand oder einer farbigen Ecke. Auf unsern Bildern zeigen
+wir zwei ganz besonders geschmackvolle Muster, die sich dafür eignen.
+
+Nummer 1 (Abb. 144) ist mit einem +Randmuster+ verziert, kurze,
+ineinander greifende Linien in Kobaltblau dunkel, Zinnoberrot und
+Schwarz.
+
+Ganz besonders hübsch ist die andere Papierserviette bemalt (Abb. 145),
+ein +laufendes Muster+; die äußeren Formen sind kobaltblau hell, die
+inneren zinnoberrot gehalten.
+
+[Illustration: Abb. 144. Bemalte Papierserviette; Randmuster.]
+
+Diese Ornamente wirken so reizvoll, weil sie sehr geschickt, ohne
+Vorzeichnung, aus freier Hand dahingepinselt sind. Man sieht die
+Leichtigkeit des Entwurfs, die schnelle Ausführung; da ist nicht lange
+herumgetiftelt, und so muß auch die Wirkung sein, wenn es sich um
+improvisierte kleine Handfertigkeiten handelt.
+
+[Illustration: Abb. 145. Bemalte Papierserviette; laufendes Muster.]
+
+Diese Muster kann man indessen auch anderweit verwenden: für
++Taschentücher+, sowohl in als auch in Batist oder einem andern feinen
+Gewebe; für diese Art Kunstgewerbe ist indessen Übung notwendig, denn
+es ist ein Unterschied, ob eine ungeratene Papierserviette fortgeworfen
+wird oder ein verklextes Taschentuch. Wenn ein Taschentuch oder ein
++Brotkorbdeckchen+ bemalt werden soll, werden keine Ausziehtuschen
+und keine Wasserfarben verwendet, sondern +waschechte Farben+, die
+in den einschlägigen Geschäften erhältlich sind. Am besten ist es,
+eine genaue Bleistiftzeichnung zu machen, sie unter das Gewebe zu
+schieben, mit Reißnägeln rechts und links zu befestigen, damit sie
+nicht verrutscht, und nun mit dem Pinsel die Formen nachzuziehen, die
+man durch den dünnen Stoff hindurchsehen kann. Das gilt sowohl für
++Deckchen+ als auch für +Taschentücher+. Die Muster eignen sich auch
+für +Kinderkleider+ und +Schürzen+, die ebenfalls waschecht bemalt
+werden müssen; auch für +Porzellanmalerei+ kann man die einfachen,
+zierlichen +Rand-+ und +Eckmuster+ verwenden.
+
+[Illustration: Skizzen für Randmuster.]
+
+
+48. Papierpuppen
+
+[Illustration: Abb. 146. Papierpuppe mit Papierkleidern.]
+
+Für die jüngeren Mädchen gibt es ein Beschäftigungsspiel, das besonders
+dann sehr angebracht ist, wenn sie, zum Beispiel bei schlechtem
+Wetter, im Zimmer bleiben müssen oder wenn sie krank und sich selbst
+überlassen sind. Dieses hübsche Spielzeug besteht aus +Papierpuppen+,
+die man aus Modenzeitungen ausschneidet, und für die man passende
+Kleidungsstücke herstellt. Ein Spielzeug, das keinen Spektakel macht
+und das von den Kindern ohne Unterbrechung stundenlang gehandhabt wird,
+ohne sie zu ermüden. Erwachsene brauchen sich an diesem Spiel nicht
+zu beteiligen, es braucht nicht erklärt zu werden, es ist ohne Kosten
+herzustellen und macht allen Beteiligten viel Spaß. Am geeignetsten
+dafür sind +Kindermodefiguren+, die in jedem Modenheft und in vielen
+Katalogen und Zeitungsanzeigen anzutreffen sind. Man schneidet sie
+aus und klebt sie mit Papierleim auf festes weißes Papier auf. Nicht
+zu stark verdünntes Gummiarabikum ist ebenfalls dafür verwendbar. An
+den Füßen soll das Papier überstehen, an einem Fuß wird es nach vorn,
+am anderen Fuß nach hinten gebogen, damit die Puppe stehen kann.
+Auf weißes +Zeichenpapier+ werden +Kleider+, +Schürzen+, +Mäntel+
+und so weiter aufgezeichnet, angepinselt und ausgeschnitten. An den
+Schultern und Hüften läßt man kleine Streifen überstehen, die --
+nach hinten gebogen -- die Kleidungsstücke an den Puppen festhalten.
+Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 146) einige Beispiele, in
+welcher Art solche +Papierpuppen hergestellt+ und angekleidet werden;
+zum Anpinseln verwendet man einfache +Tuschwasserfarben+ aus einem
+billigen Tuschkasten oder billige +Buntstifte+. Um die runden Linien
+recht schnell und sauber auszuschneiden, benutzt man eine gebogene
+Nagelschere.
+
+
+
+
+VII. Kapitel
+
+Buntes Allerlei
+
+
+49. Bildstickereien
+
+In vergangenen Jahrzehnten war es Mode, eine bestimmte Art der
+Nadelmalerei zu bevorzugen. Der Jugendstil war gerade aufgekommen und
+mit ihm die gespreizten, langstengeligen Formen, in die mit Vorliebe
+Schwertlilien, Alpenveilchen, Mohn, Tulpen und ähnliche Blüten
+hineingezwängt wurden.
+
+Inzwischen ist man längst von diesen gequälten Linien abgekommen, und
+wenn die Mode sich aufs neue der Nadelmalerei zuwendet, so meint sie
+damit ganz etwas anderes. Einige Malerinnen, die sich bereits einen
+Namen gemacht haben, wandten sich der Stickerei zu und bringen modern
+aufgefaßte Blumen und Landschaften in dieser Technik auf die Fläche.
+So zum Beispiel Frau Hanna Schreiber de Grahl, die als Schülerin des
+märkischen Meisters Hagemeister an der Havel malte und hier ihre
+Eindrücke empfangen hat. Sie hat als Bildstickerin verschiedene
+ausgezeichnete Arbeiten hervorgebracht.
+
+[Illustration: Abb. 147. Bildstickerei; roter Mohn.]
+
+[Illustration: Abb. 148. Bildstickerei; blühender Apfelbaum.]
+
+An zwei Modellen solcher gestickter Bilder (Abb. 147 und 148) wollen
+wir ihre Technik zeigen. Freilich fehlt der Hauptreiz, die Farbe, ohne
+die man sich solche Arbeiten nur sehr schwer vorstellen kann. Es ist
+daher hier nicht möglich, einen Vorhang wie den „Roten Mohn“ (Abb. 147)
+zu beschreiben; die Phantasie muß uns helfen, die Wirkung zu ergänzen.
+Auf alle Fälle ist dieses Stück Mohnfeld ausgezeichnet empfunden;
+die großen und kleinen Blüten, die Mohnkapseln, die schlanken Stiele
+und massigen Blätter sind durchaus naturalistisch wiedergegeben.
+Hier ist nichts aufgebaut oder aus dem Gedächtnis gearbeitet; die
+Künstlerin hat solch ein Mohnfeld studiert, aus vielen mühevollen
+Skizzen ist die Stickerei entstanden, die so leicht und zierlich wirkt.
+Der zweite Wandbehang, „Blühender Apfelbaum“ (Abb. 148), ist von
+gleicher Art. Das Motiv steht im Vordergrund auf einer Wiese; Bäume,
+Sträucher, Wolken bilden den malerischen Hintergrund für den prächtig
+blühenden Apfelbaum, der das ganze Bild beherrscht. Die weiten Flächen
+des Himmels sind geschickt durch Linien und Formen unterbrochen.
+Die gesamte Komposition ist sehr reizvoll und, wie bei dem ersten
+Wandbehang, ebenfalls durchaus naturalistisch. Hier sehen wir zwei
+Nadelmalereien, die dem modernen Geschmack entsprechen und -- obgleich
+sie rein bildhaft wirken -- dennoch als Stickerei technisch völlig
+einwandfrei ausgeführt worden sind.
+
+Wenn wir solche Bilder zeigen, wollen wir geschickten Stickerinnen eine
+Anregung geben; es sind sicherlich viele unter ihnen, die recht hübsch
+nach der Natur zeichnen und aquarellieren können. Da müßte einmal der
+Versuch gemacht werden, ein kleines Stilleben, ein paar Blumen, einen
+Ausschnitt aus einer Landschaft zu sticken; für den Anfang genügen
+kleine Motive, die möglichst sorgfältig behandelt werden müssen. Von
+der handgestickten +Tischkarte+ bis zum +Wandbild+ ist ein weiter
+Weg, indessen kommt es vor allem darauf an, einen Versuch zu machen.
+Es ist auch gar nicht notwendig, solche Stickereien als Wandschmuck
+zu verwenden, kleine Arbeiten passen als Einlage für +Kassetten+,
++Andenken-+ und +Depeschenmappen+, für +Einbände+ zu +Gästebüchern+,
+für +Schmucktruhen+ und ähnliche Gegenstände, die eine persönliche Note
+tragen sollen.
+
+
+50. Pinseldruck
+
+Zu den einfachsten und hübschesten Verzierungen, die vielfach
+Verwendung finden, gehört der +Pinseldruck+. Die Technik ist nicht
+schwierig, wenn man sie erst einmal erfaßt hat, und es kommt nur darauf
+an, dem Pinsel allerlei Stellungen zu geben und ihn geschmeidig zu
+machen, damit er die verschiedenen Figuren willig ausführt. Unser Bild
+(Abb. 149) zeigt einige Muster, deren farbige Ausführung der Phantasie
+jedes einzelnen überlassen bleibt.
+
+[Illustration: Abb. 149. Muster für Pinseldrucke.]
+
+Man verwendet Pinsel von mittlerer Stärke, die mit Wasserfarben, am
+besten Deckfarben, gut angefeuchtet werden. Durch Aufdrücken in
+verschiedener Stellung des Pinsels werden die Muster ausgeführt. Solche
+Ornamentik eignet sich recht gut zum Schmuck von +Spanschachteln+, von
++Holzkassetten+, +Pillenschachteln+, +Zigarrenkisten+, +Holzleisten+,
+die als +Schlüsselbretter+ benutzt werden sollen, überhaupt für
+einfache Gegenstände, die einfach verziert werden sollen. Solche Muster
+kommen aber auch für +Seidenbänder+, zum Beispiel für +Hutbänder+,
++Gürtel+, +Blusenbändchen+ und ähnliches Modebeiwerk in Betracht; in
+diesem Fall verwendet man am besten waschechte Farben, die in den
+einschlägigen Geschäften für diese Zwecke käuflich sind. Diese Technik
+eignet sich ganz besonders für +Lampenschirme+, für +Untersetzer+,
++Tablette+ und ähnliche +Einlagen+, die zum Schutz vor Staub und
+Feuchtigkeit unter Glas gerahmt werden. In Emailfarben ausgeführt, kann
+man die Technik sowohl auf +Glas+ als auch auf +Metall+, +Ton+ und
++Holz+ verwenden, es gibt dafür vielerlei Möglichkeiten; auch +Schals+
+und +Halstücher+ lassen sich in dieser Art je nach Übung und Geschick
+mit geeignetem Farbenmaterial recht geschmackvoll verzieren. Wer noch
+nicht sehr geübt ist, macht am besten ein paar leichte Aufzeichnungen
+auf den Hintergrund; bei Ton, Metall und Holz ist +Kreide+ oder +Kohle+
+sehr zu empfehlen; beide Hilfsmittel können wieder entfernt werden,
+ohne Spuren zu hinterlassen.
+
+Der +Pinseldruck+ paßt besonders zur Verzierung von +Blumentöpfen+,
++Blumenkübeln+ und +Topfuntersetzern+, auch +Tonkästen+ können in
+dieser Weise geschmückt werden.
+
+
+51. Schattenrisse
+
+Im achtzehnten Jahrhundert stand der +Schattenriß+ in seiner höchsten
+Blüte, und im achtzehnten Jahrhundert bekam er auch den Namen
+„+Silhouette+“, den er noch heute trägt, und unter dem er in der ganzen
+gebildeten Welt bekannt ist. Die Bezeichnung stammt aus Frankreich.
+Dort forderte der Finanzminister Etienne de Silhouette energische
+Sparmaßnahmen in den Gesetzen, er wollte Ordnung in die zerrütteten
+Finanzen des Reiches bringen und wollte es durchsetzen, daß an Stelle
+der farbigen Porträte des Königs nur noch Schattenrisse, die sich
+billiger stellten, als Ehrengaben verliehen werden sollten. Dieser
+sparsame Finanzminister machte sich bei den Parisern sehr unbeliebt,
+und nach seinem Sturz kam der Spottname +Silhouette+ auf, den nun alle
+Schattenrisse tragen.
+
+[Illustration: Abb. 150. Schattenriß.]
+
+Die Mode begünstigte die Silhouette, man fand Ende des achtzehnten
+Jahrhunderts Gefallen an der Neubelebung der Antike; die griechischen
+Vasenbilder, damals sehr beliebt, zeigten Ähnlichkeit mit den
+Schattenrissen, die dadurch noch begehrter wurden. Nicht nur Personen
+wurden in Schattenrissen wiedergegeben, auch Säulen, Sträuße,
+Landschaften, Stilleben hat man ausgeschnitten. Diese Mode hielt sich
+bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts; wir können noch heute in
+alten Stammbüchern und auf den vergilbten Freundschaftsbändern solche
+schwarze Kunst bewundern, die in der Biedermeierzeit besonders von
+den bürgerlichen Kreisen hochgeschätzt wurde. Da sind Porträte und
+sentimentale Kränze, gebrochene Säulen und flammende Herzen, zärtliche
+Girlanden, die sich um ebenso zärtliche Widmungen schlingen, üppige
+Füllhörner und andere Sinnbilder einer in Gefühlen schwelgenden Zeit.
+
+Als Mitte des neunzehnten Jahrhunderts die Daguerreotypie aufkam,
+verdrängte sie den Porträt-Schattenriß nach und nach, bis die
+Silhouette in ihren verschiedenen Formen ganz und gar in Vergessenheit
+geriet und nur noch bei Antiquitätensammlern und in alten
+Familienbüchern zu finden war.
+
+Die Mode wechselt, alles kehrt wieder. Die Nachkriegszeit mit ihrer
+Wohnungsnot bedingt Verhältnisse, die denen am Anfang des neunzehnten
+Jahrhunderts, nach den Napoleonischen Kriegen, ähnlich sind. Mit
+der Raumnot und der verringerten Kaufkraft, mit der Verarmung
+und der Vereinfachung der Lebenshaltung, kam die Freude an alten
+Erbstücken, an antiken Möbeln und Urväterhausrat auf. Zwischen
+praktischen Sekretären und liebevoll betreuten Vitrinen zeigte sich
+die Silhouette, vereinzelt schon vor dem Kriege, als große Mode in den
+nachfolgenden Jahren, nachdem sie bis dahin nur auf Jahrmärkten ein
+halb verstecktes, unbeachtetes Dasein geführt hatte. Man schnitt wieder
++Porträtsilhouetten+, aber man begnügte sich nicht mit diesen Übungen.
+Die Schattenrisse paßten sich zunächst der Mode an, es wurden weniger
+Bildnisse als Genrebilder geschnitten. Buchillustrationen in dieser
+Technik kamen wieder auf, in Form und Linie modernisiert, man schnitt
+Bilder, Szenen aus Theaterstücken, aus Volksliedern und Gedichten, und
+schließlich, ganz unsentimental, hat sich auch in allerletzter Zeit der
+Film des Schattenrisses bemächtigt.
+
+In den bürgerlichen Kreisen herrscht das +geschnittene Bild+, das
+als Wandschmuck und im Zierschränkchen hinter blanken Scheiben
+Bewunderung erregt und dessen Technik je nach Geschmack, Geschick und
+Übung immer wieder gern erlernt wird. Es gehört eine sichere Hand und
+ein sicheres Auge dazu, und wer im Anfang bescheidene Motive wählt,
+kann, wenn die Vorbedingungen zutreffen und wenn die Geduld nicht
+erlahmt, schließlich recht gute Erfolge erzielen. Man braucht dafür
+keine großen Vorkenntnisse und wenig Material; die Silhouette wird
+mit der Schere geschnitten, man trägt die Zeichnung auf der Rückseite
+des Silhouettenpapiers auf, für schwarzes Papier verwendet man helle
+Kreide. Am besten läßt man rund herum einen schwarzen Rand stehen, an
+den auch die anderen Teile anstoßen.
+
+Den sogenannten „+Papierschnitt+“ führt man mit einem scharfen
+Messer aus, es gibt dafür auch Federn in Messerform. Man legt die
+Aufzeichnung aus dünnem Pauspapier auf das Silhouettenpapier und
+schneidet nun die Teile, die weiß bleiben sollen, mit dem Messer heraus.
+
+[Illustration: Abb. 151. Schattenriß.]
+
+Wir geben zwei Modelle wieder (Abb. 150 und 151), die dem modernen
+Geschmack entsprechen und die sich zum Raumschmuck eignen. Derartige
+Bilder werden möglichst anspruchslos eingerahmt, Kaliko, schmale weiße
+und schwarze Leisten, ganz dünne, unverzierte Goldleisten passen dafür
+am besten. Schattenrisse in der Art der Blumenranken kann man zum
+Schmuck von Glückwunschkarten, für die Widmungsseite von Gästebüchern,
+Sammelmappen und für Kassettendeckel -- unter Glas -- verwenden. Sie
+eignen sich auch für Tablette und Untersetzer.
+
+
+52. Dackel als Bi-ba-bo-Spielzeug
+
+Wer kennt es nicht, das lustige Spielzeug, das in den letzten Jahren
+unter dem Namen „Bi-ba-bo“ in den Handel gekommen ist und durch seine
+natürliche Beweglichkeit die Herzen von jung und alt gewonnen hat,
+denn die Bi-ba-bo-Spiele sind für Erwachsene ebenso unterhaltend wie
+für Kinder.
+
+Nun ist eine Neuheit aufgekommen. Maria Skutsch, die bekannte Berliner
+Kunstgewerblerin, hat sehr niedliche Dackel entworfen und selbst
+ausgeführt, die als Bi-ba-bo-Spielzeug viel Anklang finden. Wenn man
+sie in Bewegung setzen will, so steckt man den Zeigefinger in die
+Höhlung des Kopfes, auf Daumen und Mittelfinger werden die Vorderfüße
+gezogen, während die untere Hand unter dem verschränkten Arm versteckt
+ist. So täuscht ein solcher Bi-ba-bo-Teckel einen lebendigen Männe
+vor, der mit den Ohren wackelt, mit dem Kopf nickt und sich wie ein
+richtiges Hundebaby gebärdet.
+
+An solchem Spielzeug (Abb. 152) finden sowohl Jungen wie Mädel ein
+rechtes Vergnügen, und dieses Vergnügen steigert sich, wenn man das
+amüsante Spielzeug selber herstellt oder wenigstens dabei hilft.
+Das Fell der kleinen Hunde besteht aus schwarzem und braunem Tuch
+oder Satin. Den Rumpf fertigt man aus einer 24 mal 21 Zentimeter
+langen Röhre, die sorgfältig zusammengenäht wird, ein ovales Stück
+mit untergelegter Pappe fügt man als Sitzboden ein. Mit Lumpen und
+Holzwolle wird der Rumpf fest ausgestopft, damit keine leeren Stellen
+entstehen, und schließlich oben fest zugenäht; dabei schrägt man
+die Schultern leicht ab. Für den Kopf schneidet man zwei Teile der
+Profilansicht etwa 12 mal 9 Zentimeter groß zu, dazwischen wird ein
+Streifen, 2,5 mal 3 Zentimeter breit, am vordern Ende in ein Dreieck
+auslaufend, genäht. Die nach oben spitz auslaufende „Kehle“ wird als
+ein 4 mal 6 Zentimeter großes Stück Stoff zwischen die unteren vorderen
+Ränder eingenäht. Die Nähte werden links in dichtem Stich ausgeführt.
+Zum Schluß wird der Kopf umgewendet, fest ausgefüllt und auf den Rumpf
+genäht. Die Schlappohren werden verkehrt angenäht und zurückgeklappt,
+nachdem man an der hinteren Seite vorher eine kleine Falte genäht hat.
+Die Augen bestehen aus Jettplättchen, die in der Art aufgenäht werden,
+daß die Augenwinkel mit weißer Wolle angedeutet werden. Über den Augen
+und seitlich der Nase stickt man gelbbraune Flecke mit Wolle ein. In
+dieser Art wird auch die Schnauze dunkelgrau gehalten. Die Pfötchen
+bestehen aus zwei Gliedern. Das obere ist ein zusammengestepptes,
+doppelt gelegtes Stück schwarzes Tuch; die eigentliche Pfote wird aus
+gelbbraunem Tuch geschnitten, links zusammengenäht und nach dem Wenden
+mit Watte ausgestopft. In den Kopf wird eine über das obere Glied des
+Zeigefingers zu ziehende Pappröhre mit eingenäht. Sie wird so dicht mit
+Stoff umwickelt, daß sie die Halsweite des Dackels ziemlich ausfüllt.
+
+[Illustration: Abb. 152. Selbstgemachtes Kinderspielzeug; kleine Dackel
+in Bi-ba-bo-Art.
+
+Entworfen und ausgeführt von Maria Skutsch, Berlin.]
+
+Maria Skutsch hat mit diesen Hunde-Bi-ba-bos etwas Reizendes
+geschaffen. Geschickte Hände werden daraus manch frohes Spiel für die
+Kleinen gestalten.
+
+
+53. Schattenspiele
+
+Ebenso unterhaltend und phantastisch sind die +Schattenspiele+,
+an denen sich die „Großen“ stets sehr gern beteiligen. Wir wollen
+dazu keine Illustrationen bringen, sondern nur kurz darauf
+hinweisen und die Erinnerung daran wecken, falls diese reizvolle,
+harmlose Beschäftigung, dieser fröhliche Zeitvertreib an traurigen
+Regenabenden, an Wintertagen, wenn es noch zu früh zum Schlafengehen
+ist und die Schularbeiten erledigt sind, nicht bekannt sein sollte.
+Wie manche Stunde vergeht viel zu schnell beim +Schattenspiel+, das
+die Einbildungskraft aufrüttelt und schon vor hundert Jahren zu den
+beliebtesten Gesellschaftsspielen gehört hat. In einer Tür wird ein
+Bettlaken mit Reißnägeln festgespannt; zwischen der Spannung und
+einer hellen Lampe wird Theater gespielt, möglichst in einer Reihe.
+Die Begebenheiten müssen sich +nebeneinander+ abwickeln, da der
+Zuschauer nur die im Vordergrunde Auftretenden sehen kann; was sich
+im Hintergrund abspielt, kann er nicht beobachten. Auf das Publikum
+wirkt das Ganze silhouettenhaft; es ist im Interesse des Spiels,
+wenn es schnell aufgeführt wird; je flüchtiger und schattenhafter es
+wirkt, desto besser ist es. Wer Phantasie besitzt, kann es -- mit
+Musikbegleitung -- außerordentlich reizvoll gestalten, denn das alte
++Schattenspiel+ ist nicht nur ein Zeitvertreib für Kinder von Kindern,
+es kann auch für die Heranwachsenden und für die Großen zur fröhlichen
+Unterhaltung werden.
+
+
+54. Bilderbuch von eigener Hand
+
+In dieses Kapitel gehört das „+Bilderbuch von eigener Hand+“, dem
+man eine besondere persönliche Note geben kann, wenn man unter die
+einzelnen Bilder lustige +Unterschriften+ setzt oder -- wenn es
+irgend möglich ist -- passende +Knittelverse+ darunterschreibt. Als
+Grundmaterial verwendet man +Kartonpapier+, für kleinere Kinder eignet
+sich ein Bilderbuch aus +Pappbogen+ noch besser, weil Pappbogen
+haltbarer sind. Man klebt mit +Fischleim+ oder +Dextrin+ Bilder auf
+die Bogen, die Bilder schneidet man aus illustrierten Zeitschriften,
+Katalogen, Reklameblättern, Ansichtskarten und Zeitungen aus. Es kommt
+gar nicht darauf an, daß die Bilder gleich groß sind, es genügt, wenn
+sie +deutlich+ sind. So kann man zum Beispiel den Katalogen von Blumen-
+und Tierhandlungen sehr gutes, leicht verständliches Bildermaterial
+entnehmen. +Dextrin+ zum Aufkleben stellt man selber her, indem man
+das gelbe Dextrinmehl -- es besteht aus fein gemahlenen, getrockneten
+Roßkastanien -- in einer Tasse oder in einer sauberen Konservenbüchse
+mit lauwarmem Wasser dünn verrührt und mit einem breiten, kleinen
++Leimpinsel+, einem sogenannten +Bureauleimpinsel+, aufstreicht. Die
+Bilder werden sorgfältig ausgeschnitten, am besten im Quadrat; es macht
+zu viel Mühe, ihre Umrißlinien auszuschneiden, bei manchen Bildern
+dürfte das gar nicht möglich sein. Man klebt eine Seite voll mit
+Illustrationen und belegt sie mit schweren Büchern, damit sie glatt
+auftrocknen. Dann schreibt man die Knittelverse unter die Bilder,
+es genügt indessen, wenn man verständliche Unterschriften gibt, die
+von den kleinen Lesern sicherlich ebensogern in ihre Gedankenwelt
+aufgenommen werden; phantasiebegabte Kinder erfinden mehr oder weniger
+hübsche Geschichten dazu. Auf alle Fälle sind solch selbsthergestellte
+Bilderbücher sehr anregend. Pinselfreudige Knaben und Mädchen können
+die Schwarzweißzeichnungen selber nach Belieben mit und ohne Hilfe
+der Erwachsenen antuschen; ein billiger kleiner Tuschkasten mit
+entsprechenden Pinseln als Beigabe zu diesem originellen Bilderbuch
+dürfte seinen Zweck kaum verfehlen.
+
+Man hält das Buch am besten in Mappenform, das heißt, man durchbohrt
+die einzelnen Bogen mit dem Locher und zieht eine feste Schnur durch,
+die auf dem Deckel zu einer Schleife verknüpft wird. Dies Verfahren hat
+den Vorteil, daß man, wenn man Zeit und Lust hat, das Buch immer wieder
+erweitern kann; vielleicht macht es den Kindern Freude, selber ans Werk
+zu gehen und nach eigenem Belieben ein recht dickes, unterhaltsames
+Bilderbuch herzustellen. Als Umschlag verwendet man besonders starke
+Pappdeckel, die mit einem hübschen Titel und einer passenden Widmung
+versehen werden. Dies +Bilderbuch+ kann man auseinandernehmen, so daß
+sich mehrere Parteien damit beschäftigen können, ohne in Streit zu
+geraten. Wir bringen von diesem eigenartigen Buch keine Abbildung, da
+die ausführliche Beschreibung wohl genügen dürfte; außerdem steht es
+jedem frei, solch Kinderbuch nach Belieben auszugestalten, es gibt
+viele Möglichkeiten dafür.
+
+
+55. Purzelmann
+
+Ebenso beliebt wie der altbekannte Hampelmann ist der +Purzelmann+, mit
+dem die kleinen Knaben und Mädel sehr gern spielen. Man kann ihn ohne
+viel Mühe und Kosten selber herstellen; ein Purzelmann ist in jedem
+Kinderzimmer ein gern gesehener Gast und eignet sich schon darum sehr
+gut als „Mitbringsel“ für die Kleinen; auf diese Art kann man andere,
+teuere Aufmerksamkeiten sparen. -- Man halbiert eine möglichst breite
++Glühstrumpfhülse+, legt eine schwere +Kugel+ hinein und leimt beide
+Deckel fest; diese Glühstrumpfhülse stellt den Kopf dar, auf den ein
+Gesicht aufgemalt wird. Wir zeigen auf unserer Zeichnung (Abb. 153)
+ein Modell, nach dem man das Spielzeug herstellen kann. Hier sehen wir
+das aufgemalte Gesicht, Augen, Mund, Nasenlöcher, so einfach wie nur
+möglich. Am besten ist es, das Gesicht auf weißes Papier zu pinseln
+und dieses auf den Kopf aufzuleimen. Der Rumpf -- aus Stoff -- wird am
+Kopf festgeklebt, Hände und Füße -- aus dünner Pappe -- werden mit ein
+paar Stichen angenäht. Man hält den Anzug am besten feuerrot, die Mütze
+tütenblau, die Schuhe giftgrün, die Knöpfe zitronengelb. Auf einer
+schrägen Ebene schlägt der Purzelmann so viel Purzelbäume wie man will,
+vorwärts und rückwärts; darum macht dieses bewegliche Spielzeug den
+Kleinen immer wieder Spaß, ohne sie zu langweilen.
+
+[Illustration: Abb. 153. Purzelmann.]
+
+
+
+
+VIII. Kapitel
+
+Weihnachtsarbeiten
+
+
+56. Handarbeiten für den Weihnachtstisch
+
+Weihnachtshandarbeiten? Ja, sind die denn anders als alle übrigen
+Handarbeiten? Gibt es auch auf diesem Gebiet Unterschiede? Natürlich.
+Man braucht sich nur zu überlegen, was Weihnachtshandarbeiten uns
+allen für Kopfzerbrechen machen. Immer findet man noch im letzten
+Augenblick, daß irgend jemand vergessen worden ist; dagegen soll es
+seltener vorkommen, daß jemand doppelt bedacht wird. Die Großmama, die
+von sechs verschiedenen Enkeltöchtern sechs nicht sehr verschiedene
+Kaffeekannenwärmer bekommen hat, die gibt es in jedem Jahr, und sie
+hätte so viel andere Handarbeiten viel nötiger gebraucht. Aber das
+kommt von den Überraschungen. Heutzutage sind Zeit und Materialien
+wirklich zu kostspielig, als daß man gar so verschwenderisch damit
+umgehen sollte, und darum wäre es durchaus angebracht, die sonst
+sehr hübsche Sitte des Überraschens zu durchbrechen und sich lieber
+nach den Wünschen der einzelnen sehr genau zu erkundigen. Wenn, was
+sicher eintreffen dürfte, mehrere Gegenstände genannt werden, ist
+die Überraschung wirklich groß genug, wenn einer davon, möglichst
+geschmackvoll und praktisch ausgeführt, auf dem Weihnachtstisch
+ausliegt. Ist die Freude nicht größer, wenn uns ein Wunsch erfüllt,
+wenn uns etwas geschenkt wird, was uns fehlt, als wenn wir etwas
+bekommen, das wir nicht recht verwenden können? Schließlich kann die
+Anregung ja von den Schenkenden ausgehen. Die Frage „Kannst du das
+brauchen?“ zeugt stets von Interesse, von Fürsorglichkeit.
+
+Man muß aber wirklich nachdenken, um etwas Passendes vorzuschlagen;
+immer Sofakissen und Tischläufer, das ist auf die Dauer nicht möglich.
+
+[Illustration: Abb. 154. Vornehme Einkaufstasche.]
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern eine Anzahl Handarbeiten, die praktisch
+und hübsch zugleich sind, nicht zu viel kosten und nicht gar zu
+zeitraubend sind, denn den Weihnachtshandarbeiten darf man nicht etwa
+ansehen, daß sie ein „Augenpulver“, eine „Schinderei“ gewesen sind.
+Der Beschenkte muß unbedingt den Eindruck haben, daß die Arbeit mit
+Vergnügen von Anfang bis zu Ende hergestellt worden ist.
+
+Zunächst einmal ein Geschenk für eine alte Dame. Das ist nicht
+so einfach; alte Damen haben meist „schon alles“. Hier muß etwas
+sehr Praktisches vorgeschlagen werden; darum bringen wir als
+Anregung eine +Einkaufstasche+ (Abb. 154), die möglichst hübsch
+ausgeführt wird, damit sie nicht nur für den Wochenmarkt, sondern
+auch für nachmittägliche Einkäufe, die sich an einen Besuch oder
+einen Spaziergang anschließen, benutzt werden kann, und die vom
+Nachmittagsanzug nicht abstechen darf.
+
+Unser Modell besteht aus schwarzem Seidenstoff, es ist mit einem
+Bodenteil aus starkem Stoff versehen, 10 Zentimeter breit, 29
+Zentimeter lang. Die Tasche selbst ist 34 zu 34 Zentimeter groß. Da das
+Futter an der Außenseite zu sehen ist, wählt man am besten einen modern
+gemusterten Satin- oder Seidenstoff, für die Schnüre verwendet man
+schwarze Beinringe, die 8 bis 9 Zentimeter vom inneren Rand entfernt
+angenäht werden.
+
+Eine +gestrickte Hemdenpasse+ (Abb. 155), in der Art, wie wir sie auf
+unserer Vorlage zeigen, paßt für jedes junge Mädchen.
+
+Unsere Abbildung zeigt deutlich, wie ein entsprechend weites, glattes
+Stück von gestricktem Einsatz möglichst „unsichtbar“ zusammengefügt
+wird. Die Naht soll unter dem Arm angebracht sein. Ungefähr je 15
+Zentimeter von der vorderen und je 13 Zentimeter von der hinteren Mitte
+entfernt, bringt man die gestrickten Achselbänder an. Sie werden 1
+bis 6 Zentimeter breit und 40 Zentimeter lang gehalten. Wenn man das
+beste Garn, möglichst fein, verwendet, wird die Hemdenpasse manches
+Hemd überleben; darum soll man sie mit der Hand annähen, um sie beim
+Abtrennen nicht zu beschädigen, falls sie für ein neues Hemd verwendet
+werden soll. Strickarbeiten wirken erst dann schön, wenn sie gut
+gespannt sind. Das Spannverfahren ist sehr einfach: Nach der Wäsche
+spannt man die Arbeit noch feucht auf ein sauberes weißes Tuch über
+einer dicken Decke und steckt sie mit rostfreien Nadeln fest. Zacken
+und Bogen werden einzeln gerade gezupft, die Mühe lohnt sich, denn
+nach dem Spannen zeigt sich die Eigenart der Strickspitze bis in die
+kleinsten Teile.
+
+[Illustration: Abb. 155. Gestrickte Hemdenpasse.]
+
+Ein +Tee-+ oder +Kaffeekannenwärmer+ für den Hausgebrauch ist stets ein
+praktisches Geschenk für denjenigen, dem er fehlt. Nun muß man sich
+aber auch erkundigen, für welche Zwecke er gewünscht ist; meistenteils
+bekommt man sehr elegante Kannenwärmer, mit Spitze und reicher
+Stickerei verziert, also für den Alltag nicht zu brauchen. Da ein
+Strapazierkannenwärmer aber viel eher und öfter gebraucht wird als ein
+eleganter, muß auch darauf Rücksicht genommen werden, und wir bringen
+zwei Modelle, (Abb. 156 und 157), ein ganz einfaches und ein reich
+besticktes Muster, zur Auswahl.
+
+Der +einfache Kannenwärmer+ (Abb. 156) besteht aus einem Tuchrest;
+Tütenblau, Giftgrün, Feuerrot, Orangegelb, Türkis, Pfauenblau, Altgold,
+Bischofslila, Grasgrün, Kirschrot, das sind Farben, die sehr gut dazu
+passen, denn man will auch auf dem alltäglichen Tisch etwas Farbiges
+sehen; dadurch wird die Stimmung gehoben. Dieser farbenfröhliche
+Hintergrund wird mit einer leichten Häkelei verziert, nachdem man
+die „Mütze“ zugeschnitten hat. Zuerst schneidet man eine Papierform
+von 30 Zentimeter Höhe, 35 Zentimeter Breite; am besten ist es, wenn
+die Maße an den betreffenden Kannen ausprobiert werden. Will man
+die Arbeit nach auswärts senden, so erbittet man auf alle Fälle die
+genauen Maße, sicherheitshalber für Kaffee- +und+ Teekanne; es hat
+keinen Zweck, drauflos zu arbeiten, wenn man keine Ahnung von den
+notwendigen Größenverhältnissen hat. Unser Maß ist für die einfache
+Durchschnittskanne gedacht; am wichtigsten ist es indessen, wenn es
+sich um ein Geschenk handelt, das Muster der größten in Frage kommenden
+Kanne abzunehmen.
+
+Man schneidet nun zwei Teile und beginnt mit der Häkelei, die in zwei
+Farben gehalten wird. Auf Rot wirken Tütenblau und Schwefelgelb am
+besten, für einen grünen Grund verwendet man Orangegelb und Schwarz,
+auf Blau Orangegelb und Giftgrün, auf Gelb Schwarz und Tütenblau oder
+Grasgrün, auf Bischofslila Schwefelgelb und Schwarz oder Giftgrün, auf
+Altgold Türkis und Tütenblau, auf Türkis Orangegelb und Schwarz.
+
+Man verwendet feines Perl- oder Papiergarn und häkelt recht fein,
+sonst wird das Muster zu groß und plump. Die Häkelei beginnt mit dem
+kleinsten Ring in der Mitte, Anschlag 20 Luftmaschen, mit einer festen
+Kettenmasche zum Ring geschlossen.
+
+[Illustration: Abb. 156. Einfacher Kannenwärmer.]
+
+1. Reihe: 3 Lftm. für die 1. Stäbchenmasche, 3 Lftm., 9mal 1 St., 3
+Lftm., 1 Masche übergehen, zuletzt 1 f. Kttm. in die 3. Lftm. am
+Anfang der Reihe. 2. Reihe: 1 feste Masche in die nächste M., 3 Lftm.,
+1 M. übergehen, 1 f. M., ringsum wiederholt -- es müssen 20 Bogen sein
+-- zuletzt 1 f. Kttm. in die 1. f. M. 3. Reihe: 2 f. Kttm. in die
+ersten Lftm. der vorigen Reihe, 3 Lftm. statt 1 St., 3 Lftm., 20mal
+1 St., 3 Lftm., 1 f. Kttm. in die 3 Lftm. am Anfang der Reihe. Damit
+ist die Grundlage für die Häkelarbeit gegeben. Die nächste Reihe von
+Ovalen wird mit 1 f. Kttm. am 4. Bogen der letzten Reihe angehängt; 2
+Bogen bleiben dazwischen. Am nächsten wird wieder ein Oval angehängt.
+Fünfmal sind die betreffenden Ovale, die wie das erste mit nur 1 Reihe
+aus 12 St. weiß gehäkelt werden, nach Übergehen von 2 Bogen angehängt
+und so die Hauptlinien des Musters gegeben. Die nächsten Ovale sind
+wieder farbig mit 14 St. hergestellt; es folgen dann weiße mit 16
+St. und zuletzt farbige mit 20 St. Sind so die Ovale zusammengehängt,
+werden sie am Außenrand mit farbigem Garn im Zusammenhang umhäkelt.
+1 f. M. um den mittelsten der 7 Bogen, die bei dem 1. Oval übrig
+geblieben sind, 4 Lftm., 1 St. in die 1. derselben, 1 f. M. um den
+folgenden Bogen. Der Übergang von einem Oval zum nächsten muß so glatt
+wie möglich ausgeführt werden. Zuletzt, wenn die ganze Häkelarbeit
+fertig und aufgenäht ist, durchzieht man die Ovale zweimal versetzt
+in Schlangenlinien mit mittelstarkem weißen Perlgarn. Daß noch vier
+besondere Teile mit je drei Ovalen zwischen die Hauptlinien eingefügt
+werden, zeigt die Abbildung; sie lehrt auch, wie und wo mit dem
+Perlgarn durchgezogen wird. Nachdem die Arbeit von der Rückseite aus
+gut geglättet ist, legt man Watte und Futter auf, reiht alles ringsum
+an und näht den unteren Saum nach innen ein. Der Außenrand wird sehr
+fest aufeinandergereiht und dann zusammen mit festen Maschen umhäkelt.
+Man nimmt dazu entweder Wolle von der gleichen Farbe des Grundstoffes
+oder von der Farbe der Häkelarbeit. Schließlich häkelt man die Teile
+von der Rückseite aus mit festen Maschen zusammen. Ein kleiner Ring,
+mit festen Maschen umhäkelt und oben in der Mitte festgenäht, dient als
+Griff.
+
+[Illustration: Abb. 157. Reich bestickter Kannenwärmer.]
+
+Man verziert den Kannenwärmer auf +beiden+ Seiten in der beschriebenen
+Weise; da solch eine Häkelei unverwüstlich ist, kann sie immer wieder
+verwendet werden.
+
+Der zweite +Kannenwärmer+ (Abb. 157) zeigt einen reichen Schmuck in
+Flachstickerei. Er besteht aus schwarzem Tuch, hat ebenfalls Mützenform
+und wird genau wie das andere Modell zugeschnitten und montiert. Das
+Muster wird mit weißem, gelbem oder rotem Ölpauspapier auf den Stoff
+übertragen; man stickt es am besten im Rahmen. Der Entwurf besteht
+aus großen und kleinen Blumen und Blättern; man kann ihn leicht von
+unserm Modell abzeichnen, und es kommt nicht darauf an, ob eine
+Blüte etwas größer oder kleiner ausfällt als auf der Vorlage; es ist
+wichtiger, daß das Ganze recht harmonisch sich in die Form einfügt. Man
+arbeitet mit bunter Wolle oder Seide, kann aber auch beide Materialien
+mischen. Die Verbindungen der einzelnen Stoffteile werden mit großen
+Knopflochstichen hergestellt. Dieser Kannenwärmer wirkt auch in starkem
+Leinen sehr gut; in diesem Fall muß er unbedingt waschecht bestickt
+werden, zum Beispiel mit Perlgarn oder waschechten, starken Seidenfäden.
+
+[Illustration: Abb. 158. Wirtschaftsschürze mit leichter Stickerei.]
+
+Ein praktisches Geschenk für junge Frauen und Mädchen ist die
++Wirtschaftsschürze+ mit leichter Stickerei, die wir in unserer
+Abbildung 158 bringen. Als Grundstoff eignet sich dunkelblaues
+„Fuhrmannsleinen“ am besten, doch kommt auch dunkelgraues Leinen in
+Betracht. Sehr brauchbar ist auch englisches Lederleinen. Diese Stoffe
+lassen sich gut waschen und sind unverwüstlich. Man bestickt sie
+mit rotem, unbedingt waschechtem Perlgarn, auch weißes Garn kommt in
+Betracht. Graues Leinen kann man auch mit tütenblauem oder giftgrünem
+Garn besticken. Ziemlich auffallend, aber nicht unpraktisch sind rote
+Leinenschürzen; roter Stoff fällt meist sehr haltbar aus, wenn eine
+gute Qualität gewählt wird. Man bestickt ihn in Weiß, Tütenblau,
+Dunkelblau oder Schwarz. Die schmale Borte ist 3 bis 4 Zentimeter
+breit, die Blumen werden 10 Zentimeter hoch gehalten. Die Größe der
+Wirtschaftsschürze richtet sich nach der Figur der Trägerin, man
+rechnet im Durchschnitt eine Länge von 70 bis 75 Zentimeter, sie wird
+dementsprechend 60 bis 65 Zentimeter breit geschnitten. Der doppelte
+Bund ist 3 Zentimeter breit, der Latz oben 30 Zentimeter breit und 20
+Zentimeter hoch. Die Bänder werden angeschnitten, nach unten etwas
+abgeschrägt, auch der Latz wird auf jeder Seite nach unten 2 Zentimeter
+abgeschrägt. Die Schürze ist gerade geschnitten. Sie wird mit je zwei
+Falten auf jeder Seite in den doppelten Bund gefaßt; der Latz wird mit
+je zwei nach außen gelegten Falten unter dem Bund angenäht. An den Bund
+werden auch die gesäumten Bänder genäht, man näht zwei Wäsche- oder
+Perlmutterknöpfe für die mit Knopflöchern versehenen Tragbänder an.
+Die Stickerei über dem unteren Schürzenrand besteht aus Zackenlinien,
+die in Stielstich ausgeführt werden, die länglichen Punkte hält man
+in Flachstich, die Blumen in langem Kettenstich, die Blättchen in
+Plattstich. Der etwa 15 Zentimeter breite Ausschnitt am Latz ist in
+derselben Weise verziert, ebenso die 12 bis 14 Zentimeter breite
+Tasche. Eine Stielstichreihe begrenzt den unteren und den seitlichen
+Saum sowie den inneren Latzausschnitt.
+
++Buchhüllen+ sind ein sehr beliebtes Weihnachtsgeschenk; man schützt
+mit ihnen sehr zweckmäßig eigene und geliehene Bücher, die man auf
+diese Weise auf Reisen, auf Ausflüge, auf Spaziergänge mitnehmen kann,
+ohne ihnen Schaden zuzufügen. Wir zeigen auf unserer Abb. 159 drei sehr
+hübsche, einfache Modelle in Kreuzstichtechnik, die noch „ganz zuletzt“
+ohne viel Mühe und Kosten angefertigt werden können.
+
+Sie stammen aus Beyers Handarbeitsbüchern, Band 22, Kreuzsticharbeiten,
+Heft 3. Die Hüllen werden bestickt; ihre Größe beträgt durchschnittlich
+20 zu 30 Zentimeter. Man verwendet dazu ein Stück Stoff von 22
+Zentimeter Höhe und 40 Zentimeter Breite. Wenn die Stickerei ausgeführt
+worden ist, wird das Futter gegengenäht; je 5 Zentimeter der Breite
+werden als Tasche nach innen geklappt und oben und unten mit kleinen
+Stichen dem Deckel angenäht. Die Stickerei muß mit kleinen Stichen
+hergestellt werden, so daß ungefähr sechs Stiche auf 1 Zentimeter
+kommen. Die linke Buchhülle ist auf terrakottafarbenem Leinen auch über
+dem Buchrücken mit schwarzem Twist gestickt. Die erste Zickzacklinie
+ist hellblau gehalten; das Futter ist aus dem Oberstoff hergestellt.
+Die mittlere Hülle wird aus holzbraunem Leinen mit braunem Satinfutter
+gearbeitet. Außer den kleinen Dreieckformen in moosgrünem Twist ist die
+Stickerei schwarz gestickt. Zur dritten Hülle wurde graublaues Leinen
+verwendet; die Ecken sind lavendelblau bestickt, die Randlinien schwarz
+und blau; das Futter besteht aus blauem Satin.
+
+[Illustration: Abb. 159. Drei Buchhüllen mit Kreuzstichstickerei.]
+
+Häufig bietet sich gerade zu Weihnachten Gelegenheit, Fernerstehenden
+eine kleine Aufmerksamkeit zu erweisen; sie darf nicht viel kosten,
+soll eigentlich nur zeigen, daß man auch an diese oder jene
+Persönlichkeit in liebenswürdiger Weise gedacht hat, und eine Art
+freundliches Gedenken bezeichnen.
+
+Da ist zum Beispiel die alte oder junge Hausschneiderin, die noch
+schnell das neue Festkleid genäht hat; da sind alleinstehende Tanten
+und Hausfreundinnen, die zum Heiligen Abend eingeladen worden sind. Für
+sie soll noch eine Kleinigkeit fertig werden. Was kann man wählen?
+
+[Illustration: Abb. 160. Stecknadelfisch.]
+
+Da wäre ein niedlicher Stecknadelfisch (Abb. 160), eine praktische
+Handarbeit, die bestimmt nicht viel Mühe macht. Die Grundform wird auf
+Papier gezeichnet. Dann erst schneidet man sie von kräftigem Stoff und
+zuletzt von dem des Überzugs, etwa grauem Samt oder Seide, aus. Die
+Länge beträgt 20 Zentimeter, an der dicksten Stelle 8 Zentimeter für
+eine Hälfte. Ist die Grundform zugeschnitten, zeichnet man Kopf, Maul
+und Augen mit einigen geraden Strichen auf; zu den Schuppen schneidet
+man bogig geformte Pappdeckelstückchen in drei Größen und zeichnet sie
+auf dem Stoff nach, indem man am Kopfe die größten, ungefähr sechs
+Reihen, nimmt, hierauf die mittleren und gegen das Ende die kleinsten.
+Dann näht man die Form zu, füllt sie fest mit trockenem Sand und zieht
+den Außenstoff darüber. Zuletzt werden, der Vorzeichnung folgend,
+Stecknadeln eingesteckt, und zwar Kopf an Kopf. Auch hier nimmt man
+drei Größen: die stärksten für den Kopf und die ersten sechs Reihen,
+die zweite Größe für das Mittelstück, die kleinsten für den Schwanz.
+Zu den Flossen braucht man längere Stecknadeln. Man steckt diese nur
+so tief, daß man die richtige Form bekommt, wie aus der Abbildung
+ersichtlich ist. Haupterfordernis ist, nicht damit zu sparen; man
+braucht eine ganze Menge Nadeln.
+
+[Illustration: Abb. 161. Schere mit Fingerhutbehälter in Form einer
+Nelke.]
+
+Ein ähnliches Geschenk ist die +Schere+ mit dem +Fingerhutbehälter+ in
+Form einer +Nelke+. Das ist etwas sehr Praktisches, was auch jungen
+Mädchen viel Spaß machen wird. Man nimmt ganz wenig Maschen auf und
+häkelt die Blume, deren Kelch den Fingerhut enthalten soll. In Hochrot,
+Bischofslila, Pfauenblau, Orange wirkt die Blüte am besten. Statt des
+Stiels wird eine doppelte Schnur aus Luftmaschen gehäkelt, an der
+die große oder kleine Schere, natürlich in diesem Fall keine Nagel-,
+sondern eine +Schneider-+ oder +Stickschere+, befestigt wird. Dieses
+Geschenk, vielleicht zusammen mit dem Stecknadelfisch, ist eine sehr
+geschmackvolle Aufmerksamkeit, die in Jungmädchenkreisen sicherlich
+Anklang finden dürfte (Abb. 161).
+
+Etwas ganz besonders Hübsches ist das +Kinderkleid+ (Abb. 162), das von
+jungen Tanten und Patinnen bestimmt in die engere Wahl gestellt werden
+wird, auch die „große“ Schwester wird dafür Verwendung finden.
+
+[Illustration: Abb. 162. Gesticktes Kinderkleidchen, nach einem Entwurf
+von Ida Blell, Berlin.]
+
+Den eigenartigen Schnitt des Leibchens kann man nach der Abbildung
+mit Hilfe des Körpermaßes leicht ausprobieren. Die Stickerei,
+stilisierte Blätter und Blüten, wird mit geteilter rosa Waschseide fast
+durchweg im Linienstich ausgeführt. Man arbeitet dabei immer rings
+um eine Musterfigur, ein Blatt oder eine Blume, mit Vorstichen, dann
+zurückgehend ebenfalls mit Vorstichen ringsum, indem man jetzt die
+rosa Vorstiche auf die Nadel nimmt und die leeren Stellen überspannt.
+Das Röckchen ist etwa 180 Zentimeter weit; die Länge kann verschieden
+sein. Der Saum ist 3 Zentimeter breit; er wird als Lochsaum mit rosa
+Seide ausgenäht. Man kann das Leibchen rückwärts in gleicher Länge
+wie an der Seite herumgehen lassen oder auch wie vorn ausschneiden.
+Die untere Kante, der obere Ausschnitt und die Ärmel werden mit rosa
+Seide umhäkelt, nachdem die Schnittkante 1 Zentimeter breit nach
+innen umgebogen wurde. Beim Umhäkeln führt man 2 feste Maschen in dem
+gleichen Stich aus und häkelt 1 bis 2 Luftmaschen dazwischen, dann
+wieder 1 f. M., 2 Lftm., 1 f. M. Das Röckchen muß selbstverständlich
+beim Ausschnitt entsprechend höher heraufgehen; die Falten oben
+werden mehrmals fein gezogen, worauf man die obere Kante auf der
+Rückseite an die Häkelmaschen annäht. Ein einfaches Spitzchen in
+Schiffchenarbeit schließt den oberen Ausschnitt und die Ärmel vorne ab.
+Der Halsausschnitt ist mit rosa Band durchzogen.
+
+Das niedliche +Körbchen+ (Abb. 163) ist ein sogenanntes
++Verlegenheitsgeschenk+, es soll nur eine kleine Aufmerksamkeit
+vorstellen. Man wählt ein einfaches, hübsch geformtes Körbchen aus
+Weiden oder Span in der Art, wie wir es auf unserem Bilde zeigen. Ist
+es weiß, das heißt naturfarben, so beizt man es mit einer beliebigen
+Holzbeize, am feinsten wirkt Grün, Braun oder Hellbraun. Dann reiht
+man große, gleichmäßige Glasperlen auf einen starken Faden und
+befestigt ihn an der Korbwand, wie wir es auf unserem Bilde sehen.
+Diese Perlen sind in zwei Farben gehalten, in Dunkelblau und Gelb, wie
+Bernstein getönt; es sind sogenannte böhmische Glasperlen, die sich für
+solche Zwecke sehr gut eignen. Solch Körbchen kann man als Näh- oder
+Stopfkörbchen herrichten, indem man ein Nadelkissen, einen Stopfer,
+am besten auch einen Handschuhstopfer, Garn, Twist, Wolle in den
+gebräuchlichsten Farben, einen Fingerhut, vielleicht auch eine Schere
+darin verteilt. Es genügt aber, wenn man es als Schlüsselkörbchen
+bestimmt und zunächst mit Süßigkeiten füllt.
+
+[Illustration: Abb. 163. Körbchen aus Span mit Glasperlen.]
+
+Zum „Füllen“ eignet sich auch die +Spanschachtel mit Handmalerei+, die
+als Kragenbehälter sicherlich Gefallen finden dürfte (Abb. 164). Man
+bemalt sie mit Temperafarben; der Grund ist Kobaltblau, die großen
+Blumen an den Wänden sind abwechselnd feuerrot mit gelber Mitte und
+schwefelgelb mit grüner Mitte gehalten. Blätter und Stengel sind
+grasgrün. Der Deckel zeigt große Blumen, die dicht nebeneinanderstehen.
+Sie sind abwechselnd orange und schwefelgelb, zinnober- und karminrot,
+mit abstechender Mitte und Punkten in Grün und Gelb, die Punkte
+sollen die Staubgefäße andeuten. Alle Blüten sind schwarz umrandet.
+Die Spanschachtel wird stark glänzend lackiert, die Tempera- oder
+Guaschfarben, die zum Malen verwendet werden, hält man dickflüssig.
+Diese starkgetönte Spanschachtel eignet sich besonders zum Verpacken
+von Süßigkeiten, die nach auswärts geschickt werden sollen. Auch zum
+Julklapp ist sie gut zu gebrauchen. Man kann eine Menge Kleinigkeiten,
+dicht umhüllt, hineinpacken, Strümpfe, Handschuhe, Kragen,
+Taschentücher, ein passendes Geschenk für jüngere Herren.
+
+[Illustration: Abb. 164. Spanschachtel mit Handmalerei.
+
+Entwurf und Ausführung: Else Levin, Berlin.]
+
+
+57. Weihnachtliches Allerlei
+
+Zum Weihnachtsfest regen sich die Hände der mehr oder weniger fleißigen
+Haustöchter mit besonderem Eifer. Nicht nur die Handarbeiten spielen
+schon wochen-, sogar monatelang eine wichtige Rolle im Backfischleben,
+es gibt noch mancherlei anderes, was ebenso ernsthaft vorbereitet
+werden muß.
+
+[Illustration: Abb. 165. Christbaumschmuck aus Oblaten.]
+
+Da ist zum Beispiel der +Schmuck der Weihnachts-+ und -- ein wenig
+später -- der +Silvestertafel+. Aber das letztere ist ein Kapitel
+für sich. Und der +Christbaum+ und sein +Schmuck+, das ist eigentlich
+etwas, was in jeder Familie traditionell behandelt wird. Wo nur
+Erwachsene oder Halberwachsene das Weihnachtsfest gemeinsam feiern,
+dürfte die Tanne im Schmuck weißer Kerzen, die Zweige mit Engelshaar
+verhangen, ohne jede weitere Verzierung, am liebsten gesehen werden. Wo
+Kinder unter dem Christbaum stehen, wird man vielleicht etwas weniger
+feierlich sein und bunte Lichte, versilberte und vergoldete Nüsse,
+Äpfel, Zuckerzeug und Pfefferkuchen an den grünen Zweigen anbringen,
+damit es am +Dreikönigstag+ etwas zu „plündern“ gibt. Und wer noch
+ein wenig weiter gehen will, der hängt +bunte Weihnachtsbildchen+ und
++Papierketten+ und vor allem recht farbige +Papiernetze+ und +Körbchen+
+an den Christbaum, und in den Netzen und Körbchen schaukeln sich
+Pfeffernüsse und kleine Steinpflaster, das übliche Weihnachtsgebäck,
+das auch die Großen nicht verschmähen. Ja, man kann solch einen
+Christbaum so lieb und lustig ausschmücken, daß ihn die Kinder ihr
+ganzes Leben lang nicht vergessen und daß sich in ihrem späten Alter
+die Erinnerung an Jugendseligkeit und Kinderglück immer wieder um
+den brennenden Lichterbaum drängt. Der Christbaum, strahlend im
+Kerzenschein, der Inbegriff aller Seligkeiten!
+
+Wie leicht ist es, solchen fröhlichen +Christbaumschmuck+ selber
+herzustellen; an einem Abend kann man die ganze bunte Herrlichkeit
+hervorzaubern.
+
+Wie macht man ein Netz? Man faltet ein quadratisches Stück
+durchgefärbtes, ungummiertes +Buntpapier+ wie ein Taschentuch, dann
+nochmals diagonal. Dann schneidet man mit einer scharfen Schere
+parallel dem unteren Rand in ganz schmalen Abständen einmal von rechts
+und einmal von links bis fast an den gegenüberliegenden Rand. Wenn
+man es auseinanderfaltet, durch die äußeren Ränder einen festen Faden
+zieht, ist das Netz fertig. Man legt eine bronzierte Nuß, einen kleinen
+Pfefferkuchen hinein und hängt das bunte Netz an einen Zweig.
+
++Papierketten+, die um den Christbaum geschlungen werden, macht man
+aus Papierstreifen; man benutzt dazu durchgefärbtes, ungummiertes
+Buntpapier. Es wird 1 Zentimeter breit, 6 Zentimeter lang geschnitten
+und zum Ring geklebt. Durch diesen Ring zieht man einen Streifen, klebt
+diesen wieder zu einem Ring und so weiter, so lang man die Kette haben
+will. Je bunter sie ist, desto hübscher wirkt sie, darum kann jedes
+einzelne Kettenglied in einer anderen Farbe gehalten sein.
+
+Sehr einfach in der Herstellung ist auch der +Christbaumschmuck+ aus
++Oblaten+, den wir in Abb. 165 zeigen.
+
+Einige Vorsicht ist bei dieser Arbeit indessen notwendig, da
+Oblaten leicht zerbrechlich sind. Als Unterlage dient ein farbiges
+Kartenblatt. Auf diesem ordnet man die Oblaten zu Figuren, und zwar
+nach Belieben in einer oder auch in mehreren Farben. Zum Ausstechen
+kann jede scharfrandige Metallhülse dienen, zum Beispiel eine
+Bleistifthülse oder eine leere Patrone. Als Klebstoff eignen sich
+dickflüssige Zuckerlösung, Gummiarabikum oder Mehlkleister. Die unteren
+Scheibchen bleiben, wie sie sind, und werden nur dachziegelartig
+übereinandergeschoben. Für die aufgesetzten Sterne teilt man die
+Scheibchen mit einem Messer in Hälften beziehungsweise Viertel. Wer
+sehr geschickt ist, kann auch die Kartonunterlage weglassen.
+
+[Illustration: Abb. 166. Weihnachtsleuchter.]
+
+Nun zur +Weihnachtstafel+, für die ein besonderer Schmuck ausgedacht
+werden muß, denn wenn den Kleinen zuliebe vielleicht die feierliche
+Note des Festes ein wenig gemildert und zurückgedrängt wird und der
++Tannenbaum+ ein buntes Aussehen bekommt, so muß die +Weihnachtstafel+,
+an der die Großen herrschen, desto ruhiger und würdiger geschmückt
+werden. Der Christbaum und die aufgebauten Geschenke, all dies soll
+den Kindern gehören, die Erwachsenen aber sollen die „Heilige Nacht“
++feiern+, und darum muß die Weihnachtstafel in Grün und Weiß gehalten
+sein, strahlender +Kerzenschein+ und +Tannenzweige+, und dazwischen
+flimmerndes +Engelshaar+.
+
+Wer geschickt ist, kann jeden Leuchter in einen +weihnachtlichen
+Kerzenhalter+ umwandeln; wir zeigen auf unserer Abb. 166 solch einen
+feierlichen Lichthalter. Ständer und Arme sind dicht mit Tannengrün
+umkleidet, Lametta ist darübergelegt, und den Abschluß bilden die
+brennenden, dicken weißen Kerzen. Weiße Lichte wirken am schönsten,
+es wird wohl niemand auf den Gedanken kommen, dafür +bunte+ Kerzen zu
+verwenden; nur echte, gelbliche Wachskerzen kämen dafür in Betracht,
+wie sie in der Kirche brennen.
+
+Ein solch feierlicher Weihnachtsleuchter kann im Ausnahmefall den
+Christbaum ersetzen, in manchem Stübchen wird wohl am Heiligen
+Abend solch tannenumkränzter Leuchter aufgestellt werden, ein
+Weihnachtsleuchter, den ein treues Gedenken für liebe Freunde und
+Angehörige festlich geschmückt hat.
+
+Ähnlich ist der +Tafelschmuck+ auf unserem nächsten Bild (Abb. 167)
+gehalten: hier sieht man +kleine Tännchen+ in Blumentöpfen, die mit
+dunkelgrünem Kreppapier umhüllt sind. Lametta hängt in den Zweigen und
+verdeckt, lang herabhängend, die Töpfe, sie fließt über das Tischtuch
+dahin, im Umkreis einen silbernen Schein verbreitend.
+
+Sehr geschmackvoll ist der +mittlere Tafelschmuck+, etwas
+schwieriger als die anderen, aber bei einigem Geschick kann man ihn
+sehr schnell, noch in letzter Stunde, herstellen. Es gehört ein
+hölzerner +Lichthalter+ dazu, der in den größeren Blumengeschäften
+erhältlich ist. Eine Art rundes Tablett auf einem Holzständer,
+weiß oder einfarbig grundiert, mit bunten Ornamenten bemalt, meist
+Bauernblumen in Rot, Blau, Gelb und Grün, scharf vom Hintergrund
+abstechend. Jeder Dorftischler kann diesen +Kerzenhalter+ herstellen,
+die Bemalung ist so einfach, daß sie sehr leicht ausgeführt werden
+kann. Man verwendet Wasserdeckfarben, die nach dem Auftrocknen mit
+Hochglanzlack überstrichen werden. Der fertige +Lichthalter+ wirkt wie
+ein Tafelaufsatz; der Fuß wird mit Tannengrün umkleidet, in den Kreis
+stellt man die weißen Weihnachtslichte, der Rand ist durch eingebohrte
+Löcher dafür vorbereitet. Die Kerzen müssen fest eingesetzt werden,
+damit sie nicht umfallen. Zum Schluß stellt man eine hohe Schale in die
+Mitte, die mit kleinen roten Weihnachtsäpfeln und Nüssen gefüllt wird.
+
+[Illustration: Abb. 167. Tafelschmuck: Weihnachtsleuchter zwischen
+Weihnachtstännchen.]
+
+Solch +Weihnachtstafelaufsatz+ ist ein sehr originelles
+Weihnachtsgeschenk, das sich besonders für eine Sendung nach auswärts
+eignet. Man kann damit seinen Lieben, die den Heiligen Abend nicht im
+Elternhause oder im Freundeskreise verleben können, eine große Freude
+machen.
+
+Eine originelle +Weihnachtsampel+ sehen wir auf Abb. 168, einen
++Weihnachtsherzkranz+ mit +Kerze+, +Lametta+ und +Perlenstern+, der
+an einer Seidenschleife am besten im Türrahmen angebracht wird. Die
+Herzform fertigt man aus sehr starkem Draht an, es gibt auch hölzerne
+Formen für diesen Zweck, am sichersten dürften sie in Blumengeschäften
+erhältlich sein. Die Form wird mit Tannengrün umkränzt, die weiße Kerze
+steht in einem Lichthalter, wie er für den Christbaum verwendet wird.
+
+Von der inneren Spitze hängt der +Perlenstern+ herab; er besteht aus
+Blumendraht und großen länglichen Silberperlen; als Ersatz für diesen
+Perlenstern kann ein Weihnachtsstern angebracht werden. Es ist auch
+nicht unbedingt notwendig, ein kariertes Seidenband als Anhänger zu
+benutzen, ein silbernes Band ist ebenso wirksam, auch ein grasgrünes,
+feuerrotes oder tütenblaues Band würde sehr hübsch aussehen, wenn man
+es geschickt befestigt.
+
+[Illustration: Abb. 168. Weihnachtsherzkranz mit Kerze und Perlenstern.]
+
+Zum +Silvesterabend+ wird man die obenbeschriebenen bunten
++Papierketten+, die farbigen +Papiernetze+ als Tafelschmuck und
+Zimmerdekoration benutzen; der +Tafelaufsatz+ mit den Lichten eignet
+sich ebenfalls dafür, in diesem Fall kann man bunte Kerzen verwerten.
+Was sonst an Tombolageschenken und kleinen Überraschungen, an Masken
+und andern Scherzen notwendig erscheint, ist an verschiedenen Stellen
+in diesem Buch ausführlich beschrieben worden, eine reiche Auswahl, in
+der alle etwas Passendes finden dürften.
+
+
+
+
+IX. Kapitel
+
+Handarbeiten für die Reise
+
+
+Eine verregnete Sommerreise ist keine Seltenheit. Man traut sich,
+wie es so schön heißt, nicht weit vom Hause fort, man ist froh, wenn
+man im Park, im Garten herumsitzen darf, und kann doch schließlich
+nicht andauernd „schmökern“. Wenn wir bei Bekannten oder Verwandten
+als Besuch unsere Ferien verbringen, bemühen wir uns bei schlechtem
+Wetter, im Sommer und im Winter, uns nützlich zu machen und unter
+anderm auch mal tüchtig unter den zerrissenen Strümpfen aufzuräumen,
+vom Ausbessern der Kleider abgesehen. Aber wenn wir „richtig auf Reisen
+gehen“, womöglich in Badeorte mitgenommen werden, dann sind diese
+intimen Handarbeiten zwar notwendig, aber nicht für die Öffentlichkeit
+bestimmt. Auf einer Promenadebank macht sich eine feine +Stickerei+
+schon besser, und am Strand ist eine hübsche +Häkelarbeit+ nicht zu
+verachten. Handarbeiten wirken immer kleidsam in geschickten Händen,
+aber gar nicht kleidsam, wenn sie kaum von der Stelle kommen und eher
+schwarz als fertig werden.
+
+Zum +Mitnehmen auf die Reise+ eignen sich heikle Sachen, wie zum
+Beispiel helles Tuch oder empfindliche Seide, sowieso nicht;
+Ferienarbeiten muß man schnell zusammenrollen und wegpacken können,
+sie dürfen nicht viel Platz einnehmen, und schon darum verzichte man
+auf große Handarbeiten, auf Decken, Läufer, Kleider und so weiter.
+Wie leicht wird man im Sommer von einem Platzregen überrascht! Da muß
+die Handarbeit schnell in der Tasche, im Beutel verschwinden, auf ein
+paar Kniffe oder Falten darf es dabei nicht ankommen. Eine vornehme
+Flügeldecke aus teurem Tuch oder aus schwerem Seidenmaterial ließe sich
+solche Behandlung bestimmt nicht bieten. +Häkel-+ und +Strickarbeiten,
+Bändchenarbeiten+ oder +Leinenstickereien+ können schon ein paar
+Tropfen vertragen, außerdem werden sie, wenn es notwendig ist, leicht
+und ohne viel Kosten gewaschen, die chemische Reinigung erübrigt sich
+dafür.
+
+Daß man sich am sandigen Strand nicht ausgerechnet mit Perlarbeiten
+beschäftigt, ist selbstverständlich. Batiken und Schnitzereien lasse
+man zu Hause, schon der vielen dazugehörigen Werkzeuge wegen, die --
+wenn sie unterwegs beschädigt werden -- nicht überall repariert oder
+ersetzt werden können. All dies Handwerkszeug nimmt viel zuviel Platz
+im Koffer ein und eignet sich nicht zum Zeitvertreib für die Ferien.
+
+Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 169 bis 175) verschiedene
++Handarbeiten für die Reise+, die gleichzeitig als „+Mitbringsel+“
+gedacht sind. Es gibt Ferienhandarbeiten, die zum „+Mitbringen+“
+unterwegs angefertigt werden, es gibt andere, die als +Gastgeschenke+,
+als Dank für die erwiesene Gastfreundschaft verwendet werden sollen,
+und solche, die +auf Vorrat+ angefertigt werden; die letzteren dürften
+als +Gelegenheitsgeschenke+ zu Geburtstagen, in größerem Maßstab auch
+zu Verlobungen und Hochzeiten und, wenn man „auf lange Sicht“ arbeitet,
+zu Weihnachten -- natürlich im selben Jahre -- ihre Bestimmung
+erreichen.
+
+Auf alle Fälle ist es besser, sich mit Material für mehrere +kleine+
+Handarbeiten zu versorgen, falls sich die Zeit dazu findet, als
+andauernd an +einer+ Riesenarbeit herumzusticheln. Sehr wichtig ist
+auch die Beschaffung der erforderlichen +Reservematerialien+, die
+unterwegs oft nur unter viel Schwierigkeiten und mit größeren Kosten
+als notwendig herangeschafft werden können.
+
+Das erste Bild (Abb. 169) zeigt ein +Tellerdeckchen+ in +Rundfilet+,
+aus Beyers Mustervorlagen für Handarbeiten, Band 103. Einige Stäbchen
+und Nadeln in verschiedener Stärke bilden das Handwerkszeug.
+
+[Illustration: Abb. 169. Tellerdeckchen in Rundfilet.]
+
+Zu dem abgebildeten Deckchen ist ein starkes Stäbchen (st. St.) von 7
+Millimeter Breite und eine Nadel (N.) von 2,5 Millimeter Durchmesser
+erforderlich. Um letzteren bemessen zu können, sticht man die Nadel
+langsam senkrecht in ein Blatt Papier und mißt dann das entstandene
+Loch. Mit Häkelgarn Nummer 70 ausgeführt, wird das Deckchen etwa 15
+Zentimeter groß. Man arbeitet in einen Hilfsring über die Nadel in der
+1. Runde 18 Knoten (Kn.); die 2. und 3. Rd. wird glatt. 4. Rd. (st.
+St.) 4 Kn. in jede Schlinge (Schl.) der vorigen Rd. 5. Rd. (N). In
+die Übergangsmaschen der 4. Rd. 1 Kn., * die 3 folgenden Schl. in 1
+Kn. fassen, 1 M. glatt, vom * fortlaufend wiederholen. 6. und 7. Rd.
+glatt. 8. Rd. (st. St.). Fortlaufend zwischen zwei Gruppen der 5. Rd.
+zweimal je 5 Kn. (das ist 1 M.) in 1 Schl., 2 M. glatt. 9. Rd. * Beide
+Mu.-Teile in 1 Kn. fassen, 1 M. glatt; für den Anfang des Fächers 9
+Kn. in die nächste Schl., 1 M. glatt, * fortlaufend wiederholen. 10.
+Rd. (st. St.) * In die inneren 8 Schl. des Fächerteiles je 2 Kn., 4
+M. glatt * fortlaufend wiederholen. 11. und 12. Rd. glatt. 13. Rd.
+Die Maschen über den Mu. der 9. Rd. übergehen, sonst fortlaufend
+abwechselnd 4 Schl. in 1 Kn. fassen und 1 Schl. auslassen, wie aus
+der Abbildung zu ersehen ist. Die Maschen des inneren Rings werden
+zusammengezogen und die Fäden verknotet.
+
+Die zweite Vorlage (Abb. 170) stellt einige übereinanderliegende
++Wäschestücke+ dar, die in +Ausschnittechnik+ ausgeführt werden,
+typische +Verlobungs-+ und +Hochzeitsgeschenke+, die verhältnismäßig
+weniger Arbeit machen, als man denkt, wenn man die großzügigen Muster
+sieht. Solche Arbeiten eignen sich sehr für Ferienbesuche, nicht so
+sehr für „unterwegs“, trotzdem sie mancherlei aushalten können, da sie
+schließlich, wenn die Stickerei fertig ist, doch „auf neu“ gewaschen
+werden. Zunächst sind unsere Muster für +Kopf+- und +Paradekissen+,
++Überschlaglaken+ und +Bettdecken+ gedacht, sie kommen aber auch
+für vornehme +Kaffeedecken+, für +Hemdeneinsätze+, +Vorhänge+ und
++Tischläufer+ in Betracht.
+
+Die Ausführung der Arbeit dürfte allgemein bekannt sein. Alle Umrisse
+werden mit Vorstichen von mittelstarker Baumwolle umzogen und dabei
+die Stäbchen ausgeführt, welche die gestickten Figuren verbinden. Sie
+werden nach dem Spannen entweder nur einfach mehrmals übernäht, daß
+sie wie ein gedrehtes Schnürchen aussehen, oder mehrmals gespannt
+und überbogt. Alle Umrisse werden gleichmäßig überbogt, auch die
+begrenzenden Ränder des Grundstoffes. Erfahrene Stickerinnen schneiden
+die Stickerei erst aus, wenn sie gewaschen ist.
+
+Sehr fein wirkt unsere nächste Vorlage, der +Einsatz in genähter
+Bändchenarbeit+ (Abb. 171).
+
+Er ist für +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ ein reizender Schmuck,
+der sich leicht nacharbeiten läßt. Die Muster zur Bändchenarbeit
+werden auf einfarbigen Kattun gepaust, mit Tinte ausgezeichnet, gut
+getrocknet und abgerieben, damit die Zeichnung nicht abfärbt; dann kann
+man mit dem Aufreihen der Bändchen beginnen. Unsere Vorlage erfordert
+eine kleine Ergänzung beim Aufzeichnen, ehe das Muster fortgesetzt
+werden kann. Links muß der Bogen, der in die drei Blättchen endigt,
+vervollständigt werden, darüber wird man die Spitze des Blättchens
+noch weiter auszeichnen und dem Muster rechts anfügen. Die füllenden
+Spitzenstiche werden gespannt und übernäht.
+
+[Illustration: Abb. 170. Ausschnittstickerei.
+
+Entwurf und Ausführung: Anna Schmücker, Steglitz.]
+
+Eine praktische Arbeit „für unterwegs“ ist die hübsche +Buchhülle+
+aus der Werkstatt der Berliner Kunstgewerblerin +Käthe Ruppel+ (Abb.
+172). Sie unterscheidet sich vorteilhaft von dem leider wieder
+überhandnehmenden Krimskrams, für den noch immer, oder besser schon
+wieder, viel Geld und Zeit verschleudert wird.
+
+[Illustration: Abb. 171. Einsatz in genähter Bändchenarbeit. Von Rosa
+Piltz, Berlin.]
+
+Auf dem starken Leinenstoff steht das Muster, zwei farbige, große
+Vögel, sehr wirkungsvoll. Die Linien sind stark vereinfacht, es sind
+nur wenig Farben für das Ornament verwendet worden. Die Muster sind in
+Flach-, Punkt- und Kettenstich gestickt; es sieht aus, als ob die Vögel
+auf stilisierten Zweigen stünden.
+
+Eine echte, rechte +Reisehandarbeit+ ist die +breite Strickspitze+,
+die man für +Vorhänge+, +Bettdecken+, +Kaffeedecken+, vielleicht auch
+für +Scheibengardinen+, auf alle Fälle sehr vielseitig verwenden kann.
+Unser Modell (Abb. 173) ist mit starkem Garn gestrickt, es kann aber
+auch, je nachdem es angewendet werden soll, in feinem und feinstem Garn
+ausgeführt werden. Wird solche Arbeit unterwegs „grau“, so schadet das
+nichts, gewaschen und gespannt wirkt sie wieder wie neu. Man kann sie
+fest zusammendrücken, man kann die Arbeit immer wieder unterbrechen und
+anfangen, wann sich die Gelegenheit bietet, und es gehört sehr wenig
+Handwerkszeug dazu.
+
+Die Spitze, nach einem alten Muster mit nicht zu feinen Nadeln und
+weißer Baumwolle Nummer 7 gestrickt, kann, aus sehr feinem Garn
+hergestellt, auch zur Verzierung von Kragen und dergleichen benutzt
+werden.
+
+[Illustration: Abb. 172. Bestickte Buchhülle aus Leinenstoff.
+
+Entwurf und Ausführung: Käthe Ruppel, Berlin.]
+
+Auf einem Anschlag von 48 Maschen strickt man zuerst 1 Reihe rechts.
+Dann beginnt das Muster. Abkürzungen: abh. = abheben, r. = rechts, l. =
+links, aufschl. = aufschlagen, abg. = abgenommen, vorw. abg. = vorwärts
+abgenommen. Dabei faßt man die nächste Masche nach dem Aufschlagen
+so, als wollte man sie rechts abstricken, hebt sie von der Nadel und
+strickt die folgende M. rechts; dann wird die abgehobene M. über die M.
+rechts gezogen.
+
+Erste Reihe: 1 abh., 9 r., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1
+vorw. abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 aufschl., 1 abh., 1 abg., die
+abgehobene M. über die abgenommene M. ziehen, 1 aufschl., 1 abg., 1
+aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 abg., 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1
+abg., zweimal aufschl., 3 M. r. zusammengestrickt, 2 aufschl., 1 abg.,
+2 aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg.,
+dann 1 aufschl., 2 r. Zweite Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 1 l., zweimal 2
+r., 1 l., dann 2 r., 7 l., 3 r., 7 l., 9 r. Dritte Reihe: 1 abh., 7 r.,
+1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., viermal 1
+aufschl., 1 vorw. abg., dann 10 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg.,
+zuletzt 1 r. Vierte Reihe: 1 abh., 9 l., 10 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r.
+Fünfte Reihe: 1 abh., 6 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1
+aufschl., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal
+aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1
+abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechste Reihe: 1 abh., 9
+l., 3 r., 1 l.,2 r., 1 l.,2 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Siebente Reihe:
+1 abh., 5 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 7
+r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r.; 1 abg., viermal 1
+aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Achte Reihe: 1 abh., 9 l., 7 r., 7 l., 9
+r., 7 l., 6 r. Neunte Reihe: 1 abh., 4 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl.,
+1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann
+5 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zehnte Reihe: 1
+abh., 9 l., 5 r., 7 l., 11 r., 7 l., 5 r. Elfte Reihe: 1 abh., 3 r.,
+1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg.,
+zweimal aufschl., 3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg.,
+2 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., viermal 1
+aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Zwölfte Reihe: 1 abh., 9 l., 3 r., 7 l.,
+5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 4 r. Dreizehnte Reihe: 1 abh., 2
+r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 13 r., viermal
+1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., viermal 1 aufschl., 1
+abg., zuletzt 1 r. Vierzehnte Reihe: 1 abh., 9 l., 1 r., 7 l., 15 r., 7
+l., 3 r. Fünfzehnte Reihe: 1 abh., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1
+abg., dann 1 aufschl., 1 vorw. abg., 1 r., 1 abg., zweimal aufschl.,
+3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., zweimal aufschl., 1
+abg., 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl.,
+1 abh., 1 abg., die abgehobene Masche über die abgenommene M. ziehen,
+viermal 1 aufschl., 1 abg., zuletzt 1 r. Sechzehnte Reihe: 1 abh., 7
+l., 3 r., 7 l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 8 l., 3 r.
+Siebzehnte Reihe: 1 abh., 3 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., 10
+r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 3 r., dreimal
+1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Achtzehnte Reihe: 1
+abh., 7 l., 5 r., 7 l., 10 r., 7 l., 5 r. Neunzehnte Reihe: 1 abh., 4
+r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 2 r., zweimal aufschl., 3
+r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 1 r., 1 abg., dreimal
+1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 5 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw.
+abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 7 r., 7
+l., 3 r., 1 l., 2 r., 1 l., 2 r., 7 l., 6 r. Einundzwanzigste Reihe:
+1 abh., 5 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 7 r., 1 abg.,
+dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl.,7 r., dreimal 1 aufschl.,
+1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Zweiundzwanzigste Reihe: 1 abh.,
+7 l., 9 r., 7 l., 7 r., 7 l., 7 r. Dreiundzwanzigste Reihe: 1 abh.,
+6 r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 5 r., 1 abg., dreimal 1
+aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 9 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw.
+abg., dann 1 aufschl., 2 r. Vierundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l.,
+11 r., 7 l., 5 r., 7 l., 8 r. Fünfundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7
+r., viermal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 3 r., 1 abg., dreimal 1
+aufschl., 1 abg., dann 1 aufschl., 2 r., 1 abg., zweimal aufschl.,
+3 r. zusammengestrickt, zweimal aufschl., 1 abg., 2 r., dreimal 1
+aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2 r. Sechsundzwanzigste
+Reihe: 1 abh., 7 l., 5 r., 1 l., 2 r., 1 l., 4 r., 7 l., 3 r., 7 l.,
+9 r. Siebenundzwanzigste Reihe: 1 abh., 8 r., viermal 1 aufschl., 1
+vorw. abg., dann 1 r., 1 abg., dreimal 1 aufschl., 1 abg., dann 1
+aufschl., 13 r., dreimal 1 aufschl., 1 vorw. abg., dann 1 aufschl., 2
+r. Achtundzwanzigste Reihe: 1 abh., 7 l., 15 r., 7 l., 1 r., 7 l., 10 r.
+
+[Illustration: Abb. 173. Gestrickte Spitze.]
+
+[Illustration: Abb. 174. Teil einer Blusenstickerei in „Ajour“
+(ruthenisch).]
+
+[Illustration: Abb. 175. Allerlei Körbchen.
+
+Entwurf und Ausführung: Emilie Krüger, München.]
+
+Wer sehr geschickt ist und sich selber Blusen und Kleider nähen
+oder ausschmücken kann, wird an dem Teil einer +Blusenstickerei+ in
+„+Ajour+“ (ruthenisch) viel Freude haben. Unsere Abb. 174 zeigt einen
+sehr reizvollen +Zwischensatz+, der sich für leichte +Kleidung+ aus
+Voile, besonders für +Blusen+ und +Kleider+ besonders gut eignet. Wir
+sehen auf dem Muster eine zierliche +Durchbrucharbeit+, von feiner
+Filet- und Ajourstickerei unterbrochen, auf Krepp gearbeitet, eine
+Vorlage, die auch für vornehme +Tisch-+, +Bett-+ und +Leibwäsche+ in
+Betracht kommt.
+
+Als letzte Anregung, wieder für Logierbesuch geeignet, bringen wir
+in Abbildung 175 reizende +Körbchen+, die als +Flick-+, +Näh-+,
++Schlüssel-+ und +Löffelkörbchen+ gedacht sind. Sie stammen aus den
+Werkstätten der bekannten Kunstgewerblerin +Emilie Krüger+, München,
+und sind sehr originell teils mit großen +Glasperlen+, teils mit bunt
++gehäkelten aufgenähten Wollblumen+ verziert. Dieser Schmuck ist es,
+der ohne viel Mühe selber gearbeitet werden kann; die Körbchen sind
+bei der Künstlerin erhältlich. Man kann auch +Glasschalen+ in die
+hübschen Körbe stellen, dann kann man sie als +Blumen-+, +Obst-+ und
++Kuchenbehälter+ vielseitig verwenden, umso eher, als diese feinen
+Korbarbeiten gerade in den letzten Jahren wieder sehr in Mode gekommen
+sind. Da es sich um deutsches Material handelt, sollte diese vornehme
+Korbarbeit besonders gern gewählt werden; sie ist nicht nur für das
+Jungmädchenzimmer allein, sondern auch für die Wohnstube, die Diele und
+das Schlafzimmer ein vornehmer Schmuck; hier handelt es sich nicht um
+überflüssige Luxus-, sondern um brauchbare Gegenstände, die, von langer
+Dauer, immer wieder zu praktischen Zwecken ausgenutzt werden können.
+
+
+
+
+~UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT IN STUTTGART~
+
+
+Naturwissenschaftliche Jugendbücher
+
+des Union-Verlags
+
+
+Monatsausflüge mit einem Tierkundigen
+
+Von =Dr. Curt Floericke=
+
+ 1. Band: +Die Monate Januar bis Mai.+ Mit 84 Abbildungen.
+
+ 2. Band: +Die Monate Juni bis Dezember.+ Mit 85 Abbildungen.
+ Jeder Band in Ganzleinen gebunden Rm. 4.--
+
+
+Botanische Streifzüge in Haus, Hof und Garten
+
+Von =Dr. Georg Schlenker=
+
+Mit 96 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.--
+
++Inhalt+: Botanische Streifzüge im und am Hause -- Zimmer- und
+Aquarienpflanzen -- Blumen vor dem Fenster -- Pflanzen am Hause
+-- Kübelpflanzen am Hause -- Pflanzen auf dem Dache -- Botanische
+Streifzüge auf dem Hofe, der Hofmauer und im Garten
+
+
+Botanische Streifzüge in Feld und Wald
+
+Von =Dr. Georg Schlenker=
+
+Mit 99 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.--
+
++Inhalt+: Landstraße mit Bäumen -- Wiese -- Weiden und Grasplätze
+-- Wege, unbebaute Schuttplätze -- Äcker, Weinberge, Ödflächen,
+Feldraine und Gebüsche -- Der Wald
+
+
+Geologische Streifzüge
+
+Von =Dr. Hans Wohlbold=
+
+Mit 66 Abbildungen. In Ganzleinenband Rm. 4.--
+
++Inhalt+: Im Torfmoor -- Im Steinkohlenwald -- Eine Reise durch
+die Vergangenheit -- Vom Winde und vom Wasser -- Das Meer -- Die
+Gewalten der Tiefe -- Die Neuzeit der Erde und der Urmensch
+
+
+Ausführlicher Prospekt über die Sammlung kostenfrei
+
+
+~ZU HABEN IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN~
+
+
+
+
+~UNION DEUTSCHE VERLAGSGESELLSCHAFT IN STUTTGART~
+
+
+Neue Mädchenbücher beliebter Autorinnen
+
+
+Wiltruds Werdegang
+
+Erzählung für junge Mädchen. Von =Berta Clement=. Mit 26 Bildern
+von H. R. Pfeiffer. In Ganzleinenband Rm. 5.50
+
+Diese Geschichte erzählt von einem musikalisch hochbegabten Mädchen,
+dessen größte Sehnsucht es ist, als Sängerin ausgebildet zu werden.
+Ihre Entwicklung im Zusammenleben mit lieben Freundinnen wird in
+frischer, fesselnder Weise und in reich bewegter, spannender Handlung
+geschildert. (Rheinischer Kurier, Duisburg)
+
+
+Barbaras Probezeit
+
+Eine Erzählung von =Hildegard Mohr=
+
+Mit 10 Bildern von Lutz Ehrenberger. In Ganzleinenband Rm. 6.50
+
+Kinostern möchte die junge Barbara gern werden. Wie sie der Vater von
+dieser überspannten Idee heilt, das bildet den Hauptinhalt dieser flott
+und frisch erzählten Geschichte, die als äußerst zeitgemäß unsere
+Mädchen anziehen und gut unterhalten wird, vielleicht auch manchen,
+die gern unerreichbare Luftschlösser bauen oder ähnliche Träume hegen,
+besonders nützlich sein mag.
+
+
+Kleinode deutscher Mädchenerzählungen
+
+
+Ein Sonnenjahr
+
+Eine Erzählung von =Etta Federn-Kohlhaas=. In Ganzleinenband Rm.
+4.50
+
+Die beliebte Verfasserin einer ganzen Reihe von Dichterbildnissen hat
+hier ein Jahr aus dem Leben eines Mädchens von heute geschildert.
+Die Heldin wird aus dem Rahmen der Häuslichkeit über den Weg des
+Universitätsstudiums zu den Höhen der Kunst geführt, wo sie Sinn und
+Trost ihres Lebens findet. Ein nachdenkliches, anregendes Buch.
+
+
+Mein Frühling bist du --!
+
+Eine Erzählung von =Else von Steinkeller=. In Ganzleinenband Rm.
+4.50
+
+Eine Frühlingsmelodie klingt durch das anmutige Jugendbuch.
+Frühlingsglanz durchleuchtet die Umwelt, in der sich die
+Liebeskonflikte der jungen Menschen in lebendigen Szenen und harmlos
+ergötzlichen Abenteuern abspielen. Aber auch ein ernster Konflikt
+erhöht den Reiz der Erzählung. Es ist ein Buch voll Fröhlichkeit und
+Innigkeit, ganz besonders geeignet, junge Mädchenseelen zu erfreuen.
+
+Hannoverscher Anzeiger.
+
+
+Der Gläserne Berg
+
+Ein Buch von jungen Herzen. Von =Lotte Gumtau=. Gebunden Rm. 3.50
+
+Allerlei von Sehnsucht und Ereignissen und Liebe junger Herzen enthält
+dieses nachdenkliche, von stiller Kraft des Fühlens durchglühte Buch;
+möge es die Herzen finden, in denen sein Klang widerhallt.
+
+
+~ZU HABEN IN ALLEN BUCHHANDLUNGEN~
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 76239 ***