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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75891 ***
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+Anmerkungen zur Transkription 1:
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+Im Original _kursiv_ gesetzter Text wurde mit _ markiert.
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+Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.
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+Im Original =fett= gesetzter Text wurde mit = markiert.
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+Im Original +griechisch+ gesetzter Text wurde mit + markiert.
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+
+ DIE METALLE
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+ BEI DEN NATURVÖLKERN
+
+ MIT BERÜCKSICHTIGUNG
+
+ PRÄHISTORISCHER VERHÄLTNISSE
+
+
+ VON
+
+
+ RICHARD ANDREE.
+
+
+ MIT 57 ABBILDUNGEN IM TEXT.
+
+
+ [Illustration: Dekoration]
+
+
+
+ LEIPZIG,
+ VERLAG VON VEIT & COMP.
+ 1884.
+
+
+
+
+ Das Recht der Herausgabe von Übersetzungen vorbehalten.
+
+ Druck von ~Metzger~ & ~Wittig~ in Leipzig.
+
+
+
+
+Vorwort und Einleitung.
+
+
+Die Darstellung und Benutzung der Metalle bei den sogenannten
+Naturvölkern ist noch nicht im Zusammenhange und mit Rücksicht
+auf den Vergleich behandelt worden. Und doch bietet dieses Thema
+nicht allein vom ethnographischen und allgemein kulturhistorischen
+Standpunkte aus ein hohes Interesse; auch bei der Beurteilung
+prähistorischer Fragen ist es von Wichtigkeit zu wissen, wie
+die primitiven Völker zur Kenntnis der Metalle gelangen, wie
+sie dieselben erschmelzen und benutzen, denn hier eröffnet sich
+die Aussicht, auf dem Wege der Analogie wertvolle Ergebnisse zu
+gewinnen.
+
+Wie bei so vielen ethnographischen Dingen, ist es auch auf diesem
+Gebiete die höchste Zeit, zu sammeln und zu retten, was noch
+vorhanden ist. Europäische und amerikanische Metalle dringen
+bei erleichtertem Verkehr bis in die fernsten Erdenwinkel und
+vernichten altheimische Industrien der Naturvölker. Schon erlegt
+der centralafrikanische Schwarze den Elefanten mit dem Hinterlader
+und die weltberühmten Damaszenerklingen von Schiras und Meschhed
+in Persien werden nur noch aus russischem Eisen geschmiedet. Die
+einheimische Metallindustrie der meisten Naturvölker ist auf
+den Aussterbestand gesetzt, sie ist den billigeren und besseren
+europäischen Erzeugnissen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig, die
+letzte Stunde naht für sie und noch, so fürchten wir, ist manche
+wichtige Thatsache nicht eingeheimst, die uns Aufschluß zu geben
+vermöchte über das ursprüngliche Verfahren in diesem oder jenem
+Zweige der Metalltechnik. Von den Reisenden, auf deren Berichte
+wir zum großen Teile angewiesen sind, ist im allgemeinen wenig
+Aufmerksamkeit dem uns hier interessierenden Gegenstande zugewendet
+worden, einmal, weil die hüttenmännische Einsicht den meisten
+mangelt und dann, weil die Wichtigkeit der Sache für prähistorische
+Fragen erst neuerdings erkannt wurde, zumal seit CHRISTIAN HOSTMANN
+in seiner vernichtenden Kritik der Dreiperiodenteilung mit Erfolg
+auf die Bedeutung der Metallurgie bei den Naturvölkern hinwies.
+Wenige Ausnahmen abgerechnet, unter denen einer der genialsten
+Reisenden der Gegenwart, GEORG SCHWEINFURTH, hervorragt, sind
+wir meist auf dürftige Berichte angewiesen, die uns das Bild der
+Darstellung und Benutzung der Metalle bei den Naturvölkern liefern
+müssen. Wünschenswerte Ergänzungen bringen die in unseren Museen
+aufgestapelten Schätze.
+
+Sehr wohl ist der Verfasser sich bewußt gewesen, daß bei der
+Behandlung der so weitschichtigen und in die verschiedensten
+Wissensgebiete eingreifenden Aufgabe eigentlich nur mit vereinten
+Kräften etwas vollständiges zu erreichen ist und daß ein einzelner
+hier nicht zum Abschluß gelangen kann. Geognosie und Geographie,
+Ethnographie, Hüttenkunde, Chemie, Prähistorie und Linguistik
+-- alle diese Wissenschaften verlangen Berücksichtigung bei der
+Bearbeitung unseres Themas, und wo wäre der Mann, der von sich
+sagen dürfte, er beherrsche sie gleichmäßig? Da wird jeder nach
+seinem Wissensstandpunkte auf Lücken stoßen. Aber doch mußte der
+Anfang gemacht und das Gebäude wenigstens aus dem Rohen heraus
+gestaltet werden. So gebe ich denn, was ich fand, als Beiträge,
+Stoff und Grundlage für den weiteren Ausbau.
+
+Der europäische und der semitische Kulturkreis sind in der
+vorliegenden Arbeit ausgeschlossen. Was die Metalle innerhalb
+derselben betrifft, so haben so zahlreiche Gelehrte sich damit
+beschäftigt und die interessierenden Fragen der Lösung nahe
+gebracht, daß auch nicht einmal von einer Rekapitulation die Rede
+sein konnte; auch wird sich im Verlaufe der Darstellung zeigen, daß
+die Einwirkung jener wichtigsten Kulturkreise unserer Erde auf die
+Metallindustrie der Naturvölker eine kaum nennenswerte war, ja,
+daß die letzteren, bis auf die neue, umgestaltende Zeit, fast ganz
+unberührt von jenen blieben. Dagegen war es des Vergleiches wegen
+geboten, die ostasiatischen und amerikanischen Kulturvölker in die
+Betrachtung einzubeziehen und zu fragen, ob sie von Einfluß auf die
+Metallurgie benachbarter Naturvölker waren: aber auch jene zeigen
+in bezug auf die Metalle abgeschlossene Reiche mit geringen oder
+gar keinen Ausstrahlungen auf die Nachbarn.
+
+Die Metalle, welche wesentlich ins Auge zu fassen waren, sind
+Eisen, Kupfer, Zinn und die Legierung aus den beiden letzteren,
+die Bronze. Um diese drehen sich wichtige wissenschaftliche
+Streitfragen, sie sind es, die in kultureller Beziehung vor
+allen anderen in Betracht kommen, während die edlen Metalle eine
+geringere Rolle spielen, auch bei ihnen sich noch kein Streit
+um »Entlehnung der Kenntnis« erhoben hat, ihr Vorkommen im
+augenfälligen gediegenen Zustande einen solchen auch unnötig machte.
+
+Geographisch vorschreitend, beginne ich den Rundgang mit den
+alten Ägyptern, denen neben der Bronze in den ältesten Zeiten
+zweifellos das Eisen bekannt war. Daß von ihnen die Eisenkenntnis
+zu den benachbarten Nigritiern gelangte, läßt sich keineswegs
+mit Bestimmtheit behaupten, eher neige ich der Ansicht zu,
+daß die Eisenbearbeitung ein durchaus ursprüngliches Gewerbe
+der Neger ist, die ein »Eisenreich« für sich bilden, von so
+ausgeprägter Entwickelung, daß neuerdings ein durch wenig Kritik
+ausgezeichneter Kopf alle Eisenindustrie von den Schwarzen
+abzuleiten versucht.[1] In Afrika folgte das Eisen direkt auf den
+Stein und zwar entwickelte sich die Eisendarstellung im Nordosten
+oder in Centralafrika, von wo sie erst spät nach dem Süden
+gelangte. Kupfer, wiewohl es auch von den Negern erschmolzen wird,
+ist nur auf wenige Gebiete beschränkt, von denen aus es auf dem
+Handelswege verbreitet wird. Es ist höchstens gleichalterig mit dem
+Eisen bei den Nigritiern, und von einer dem Eisen vorangehenden
+»Kupferperiode«, geschweige denn von einer »Bronzeperiode« kann in
+Afrika keine Rede sein.
+
+Vorderindien bietet ein abgeschlossenes Reich für sich. Auch hier
+ist eine Steinzeit nachweisbar und eine Einführung der Metalle
+von außen her nicht zu erkennen. Daß Vorderindien das Stammland
+aller Bronze gewesen sein soll (WORSAAE), erweist sich als eine
+willkürliche Annahme. Alte Bronzen gehören dort zu den größten
+Seltenheiten; sie sind von ganz anderer Zusammensetzung als
+unsere Bronzen und kommen zusammen mit Eisen vor. Vorderindien
+war in alter Zeit kein »Bronzeland«, es bezog selbst im Altertum
+sein Zinn aus dem fernen Abendlande, denn die reichen und näher
+liegenden hinterindischen Zinnvorkommnisse waren damals wohl noch
+kaum erschlossen. Dagegen deuten häufige alte Kupferfunde auf das
+hohe Alter dieses Metalles in Indien, das heute dort, ebenso wie
+das Eisen, noch nach uralter Art erschmolzen wird nach Methoden,
+die in mancher Beziehung an jene der Nigritier erinnern, ohne daß
+dabei an Entlehnung gedacht zu werden braucht. Ob Eisen, ob Kupfer
+das ältere Metall in Vorderindien war -- wer vermag das heute mit
+Sicherheit zu entscheiden? Zwar spricht sich die vergleichende
+Sprachforschung zu Gunsten des Kupfers aus, aber die Sicherheit
+ihrer Entscheidung läßt manches zu wünschen übrig. Als ein Ausfluß
+der indischen Metallarbeit ragen in unser europäisches Kulturleben
+die konservativen Zigeunerschmiede hinein mit uralten Methoden
+und Instrumenten; ihnen ist eine besondere Betrachtung gewidmet,
+welche allerdings von des sonst verdienten BATAILLARD's Phantasien,
+daß nämlich die Zigeuner die Verbreiter der alten Bronzekultur in
+Europa waren, nichts wissen mag.
+
+Abermals ein selbständiges metallurgisches Reich bilden die
+malayischen Völker. Ihr wohlcharakterisiertes, seit uralter Zeit
+bei ihnen heimisches Verfahren der Eisenbereitung reicht von
+Madagaskar bis Neuguinea und im Norden bis zu den Philippinen.
+Eisen ist ihr ältestes Metall. Kupfer, das sie gleichfalls, aber
+weniger darstellen, erscheint später und ebenso die Bronze.
+
+Hinterindien, von wo die uns angehenden Nachrichten spärlich
+fließen und wo das Studium der Metalle bei den hochinteressanten
+Aboriginern des Innern eine dankbare Aufgabe bilden würde,
+tritt uns mit prähistorischen Zeugen der jüngeren Steinzeit
+in Gesellschaft von Bronzen entgegen und deutet durch die
+Verschiedenartigkeit der Methoden, nach denen seine Urvölker (in
+Kambodja und Birma) das Eisen gewinnen, auf eine selbständige
+und ursprüngliche Darstellung desselben, ohne erkennbare fremde
+Einflüsse.
+
+Für das in seiner Kultur völlig isoliert dastehende China wird
+bereits vor 3500 Jahren eine hochentwickelte Bronzeindustrie
+bezeugt und Sinologen sind geneigt, der Bronze dort die Priorität
+vor dem Eisen zuzuerkennen -- ob aber nicht unter dem Einflusse
+skandinavischer Anschauungen? Eisen ist in der älteren chinesischen
+Litteratur neben Zinn und Kupfer gleichfalls ein durchaus bekanntes
+Metall und die chinesische Eisendarstellung erscheint uns noch
+jetzt als eine ganz eigentümliche, von der aller übrigen Völker
+völlig geschiedene und selbständige. Daß aber die Chinesen, die in
+so vielen Dingen die Lehrmeister der Japaner gewesen, letzteren
+auch die Eisenkenntnis übermittelt haben sollten, läßt sich kaum
+annehmen: denn Japan zeigt in dieser Richtung ein ganz anderes
+Verfahren als China, nämlich die Eisenschmelzung in Öfen, während
+China bis zum heutigen Tage nur in kleinen Schmelztiegeln sein
+Eisen gewinnt. Für China sind die prähistorischen Verhältnisse
+noch wenig oder gar nicht studiert, wiewohl wir wissen, daß auch
+dieses Land seine Steinzeit hatte; in Japan aber, wo Europäer
+einflußreich wirken und Gelegenheit zu Studien haben, erkannte man
+die große Ähnlichkeit der dortigen vorgeschichtlichen Funde mit
+jenen Europas, die Übereinstimmung der zugehauenen und polierten
+Steingeräte, gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch in Japan
+für älter als das Eisen anspricht.
+
+Licht beginnt sich zu verbreiten über den Norden Asiens in
+prähistorischer Zeit. Nicht alle sibirischen Völkerschaften
+befanden sich, als die russischen Entdecker in das Land kamen,
+im Zustande der Steinzeit; einzelne Stämme verstanden es
+bereits, das Eisen zu reduzieren und zu schmieden, wohl als ein
+Erbteil türkischer Völker, die, aus Centralasien kommend und als
+Eroberer eindringend, die Eisenkunde mitbrachten. Aber lange
+vor den eisenkundigen Türkvölkern hatten vom Ural bis zum Altai
+finnische Stämme, die in der Tradition als »Tschuden« fortleben,
+eifrig Bergbau und Metallschmelzerei betrieben. Kupfer war ihr
+Hauptmetall, das sie zu schmelzen und gießen verstanden. Neben dem
+Kupfer der Tschuden und dem Eisen der Türken erhielt sich aber im
+fernen Osten der alten Welt, da, wo diese sich Amerika nähert,
+die Steinzeit, welche erst den erobernden Russen wich und bei den
+Tschuktschen in ihren letzten Ausläufern heute vor unseren Augen
+dahinsiecht.
+
+Nicht geleugnet kann werden die Einheit des Menschen in der alten
+und neuen Welt. Aber die Differenzierung beider liegt so weit
+zurück, daß von einer gemeinsamen Quelle ihrer beiderseitigen
+Metallkenntnisse keine Rede sein kann. Oder, wenn man grundlos
+diese Kenntnis von der alten nach der neuen Welt gelangen ließ,
+warum dreht man, mit gleich gutem Grunde, die Sache nicht einmal
+um und läßt die Inkaperuaner die Bronzelehrmeister der Asiaten
+werden? Das gäbe doch Abwechselung. Auch in der neuen Welt zeigen
+sich die »Metallreiche« unabhängig von einander. Eisen kannte
+man im vorkolumbischen Amerika nicht, wenigstens kein künstlich
+dargestelltes; aber Meteoreisen wurde wiederholt, so namentlich
+von den Eskimos, benutzt und auf ähnlicher Stufe stand auch die
+Anwendung des gediegenen Kupfers in Nordamerika. Es wird von
+den Indianern wie weicher Stein verarbeitet und kennzeichnet
+höchstens die Grenze zwischen Stein- und Metallzeit. Der große
+Kulturfortschritt, die Erze mit Kohlen zu reduzieren und die
+Metalle im Feuer zu behandeln, ist dreimal in Amerika gemacht
+worden: in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
+selbständig und unabhängig von einander. In Mexiko war Kupfer
+das Hauptmetall, seltener war Bronze und beide wurden noch
+neben dem Stein benutzt, im ganzen auch, wie die spärlichen
+Funde beweisen, nicht häufig. Weiter war man in bezug auf die
+Bronze in Peru, wo umgekehrt die Kupfergeräte seltener sind.
+Alle metallurgischen Arbeiten dieser amerikanischen Kulturvölker
+wurden ohne Gebläse ausgeführt. Die Analysen der Bronzen
+ergeben eine große Verschiedenheit in der Zusammensetzung und
+keinerlei Übereinstimmung zwischen mexikanischen und peruanischen
+Erzeugnissen.
+
+In alle die hier aufgezählten Länder, den größeren Teil unserer
+Erde, brauchten die Europäer nicht erst die Metalle zu bringen,
+weil sie selbständig dort entdeckt und verarbeitet worden waren.
+Das Eisen freilich haben sie in Amerika eingeführt; der Nordwesten
+erhielt es ziemlich spät durch die Russen, in die übrigen Gebiete
+hatten sich Spanier, Portugiesen und Briten geteilt. Den Peruanern
+und Mexikanern war dasselbe nur »schwarzes Kupfer«. Metalllos war
+die Südsee, deren zahlreiche Inselfluren sich über ein Gebiet von
+hundert Längengraden erstrecken und wo zunächst die Spanier mit
+der Verbreitung des Eisens begannen. Aber volle drei Jahrhunderte
+hat hier der Prozeß der Metallverbreitung in Anspruch genommen,
+denn erst das achte Jahrzehnt unseres Säkulums sah den Abschluß auf
+Neuguinea, dessen Bewohner die letzten unseres Erdballes waren,
+welche in die Metallkenntnis eingeführt wurden.
+
+Überblicken wir alle Gebiete, die wir mit Rücksicht auf die
+Metalle durchwandert haben, so vermögen wir wohl eine große
+Abwechselung, nirgends aber die »gesetzmäßige Reihenfolge« von
+Stein, Bronze, Eisen zu entdecken. Bei den Naturvölkern, die
+wir jetzt in ihrem Verhalten zur Metalldarstellung zu übersehen
+vermögen, ist kein Grund für die Anlegung einer solchen Zwangsjacke
+vorhanden. Die thatsächlichen Verhältnisse lassen da nichts
+Schablonenhaftes erkennen. Hat es doch schon an und für sich
+wenig Wahrscheinlichkeit, daß alle Völker in den verschiedensten
+Ländern und ganz unabhängig, ohne Verkehr mit einander, zu
+derselben Reihenfolge in der Erfindung der Metalle gelangt sein
+sollen: Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen. Wir werden im Verlaufe der
+Darstellung sehen, daß gediegenes Kupfer, wo es vorhanden, von
+Naturvölkern im kalten Zustande zu Waffen und Geräten gehämmert
+wird; auch metallisches Zinn ist durch zufälliges Ausschmelzen
+bekannt geworden. Doch zur Mischung der beiden räumlich getrennten
+und nur durch den Verkehr zusammengeführten Metalle, zu ihrem
+kunstreichen Formen und Gießen gehört mehr, als im Durchschnitt
+bei Naturvölkern verlangt werden kann. Die Bronzedarstellung ist
+nicht so einfach und leicht, wie jene des Eisens, welches die
+primitivsten Völker zu erschmelzen wissen, während Bronze stets mit
+einem höheren Kulturgrad verknüpft ist. Daraus mag man sich die
+Parallele für unsere europäischen Vorfahren ziehen, die in ihrem
+primitiven Zustande sicher eher auf die Eisendarstellung, als auf
+das Komponieren und Formen der Bronze verfielen.
+
+Eine zweite Lehre, die wir aus dem Verhalten der Naturvölker
+gegenüber den Metallen zu ziehen vermögen, betrifft die so
+beliebten Entlehnungstheorien. Wieviel Mühe und Gelehrsamkeit
+ist nicht aufgewendet worden, um die Metallkenntnis von einem
+Mittelpunkt gleichsam konzentrisch ausgehen, sie durch ein Volk
+zum anderen verbreiten zu lassen! Man braucht nur einmal die
+verschiedenen nach und nach aufgestellten »Ursprungsquellen«
+und »Lehrmeister« zusammenzustellen und man wird da auf eine
+beträchtliche Anzahl Konkurrenten und auf die wunderlichsten
+Widersprüche stoßen. Ich glaube, daß auf die Entlehnung und
+das Übergehen der Metallkenntnis von einem Volke auf das
+andere noch zuviel Gewicht gelegt wird und daß dadurch weit
+schwierigere Verhältnisse künstlich geschaffen werden, als in der
+That vorliegen. Ohne für viele Fälle das Entlehnen und Lernen
+auszuschließen -- sie liegen zu häufig offenkundig zu Tage --,
+meine ich doch, daß uns ein gesunder Polygenismus weiter bringt,
+der die Metalle auch da erfunden sein läßt, wo sie in selbständiger
+Weise uns entgegentreten.
+
+ ~Leipzig~, im Februar 1884.
+
+ =Dr. R. Andree.=
+
+
+Fußnoten:
+
+[1] _Le fer, comme emploi industriel, est originaire d'Afrique.
+En effet, c'est en Afrique seulement (!!) que nous rencontrons
+des peuples sauvages, connaissant l'emploi du fer, sachant le
+produire et travailler._ Dieser Satz des Herrn GABRIEL DE MORTILLET
+(Bulletins de la soc. d'Anthropol. 1883. 562) zeigt wiederum die
+große Oberflächlichkeit des bei uns noch ernst genommenen Mannes.
+
+
+
+
+Inhalt.
+
+
+ Seite
+
+ ~Vorwort und Einleitung.~
+
+ ~Das Eisen bei den Nigritiern~ 1
+
+ Eisen den Altägyptern bekannt 1. -- Älteste ägyptische
+ Eisenfunde 1. -- Das Eisen in den Inschriften 2. --
+ Meteoreisen führt nicht zur Kenntnis des künstlichen
+ Eisens 2. -- Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von
+ Nord nach Süd 3. -- Kulturbeziehungen zwischen Negern und
+ Altägyptern 3. -- Altägyptische Blasebälge 4. -- Die Steinzeit
+ Afrikas 4. -- Historische Nachrichten über dieselbe 5. --
+ Traditionen aus derselben 6. -- Funde aus der Steinzeit 6.
+ -- Späte Eisenkenntnis in Südafrika 7. und auf Fernando Po
+ 8. -- Eisenindustrie im Nilgebiete bei den Bari 8. -- Bei
+ den Djur 10. -- Schmelzöfen der Djur 11. -- Eisen bei den
+ Bongo 12. -- Eisenindustrie in Centralafrika 15. -- Bei den
+ Monbuttu 15. -- In Uganda 16. -- Am Kongo 16. -- Manjema,
+ das centralafrikanische Eisenland 17. -- Die Metalle in
+ Lunda 19. -- Bei den Ganguellas 19. -- Eisenindustrie in
+ Ostafrika 20. -- Die Raseneisenerze 20. -- Rohe Art der
+ Verhüttung in Ostafrika 21. -- Kunstfertige Schmiede und
+ Drahtziehen am Kilimandscharo 21. -- Eisengewinnung der
+ Waitumba 23. -- Eisenindustrie am Njassasee 24. -- Steinhämmer
+ 25. -- Eisenmangel bei den Masai 25. -- Eisenindustrie
+ im äquatorialen Westafrika 26. -- Bei den Fan 26. --
+ Eisenindustrie in Nordwestafrika 27. -- Fremde Einflüsse in
+ diesem Teile des Kontinentes 27. -- Eisen als Geld 27. --
+ Eisen in Tibesti 28. -- In Bornu und Sokoto 29. -- In Futa
+ Djallon 29. -- Bei den Mandingo 30. -- Goldarbeiter der
+ Mandingo 32. -- Eisenindustrie in Südafrika 33. -- Mangelnde
+ Kenntnis bei den Buschmännern 33. -- Eisengewinnung der
+ Hottentotten 33. -- Eisenindustrie der Kaffern 34. -- Der
+ Marutse 35. -- Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie 35.
+ -- Uralte bodenständige Industrie 36. -- Das Rohmaterial, der
+ Laterit 37. -- Rösten der Erze, Zuschläge, Köhlerei 37. --
+ Arten des Ausbringens 38. -- Die Gebläse 38. -- Das Produkt
+ 39. -- Die Schmiedearbeit 39. -- Fremde Einflüsse 40. --
+ Die Stellung der Schmiede in Afrika 40. -- Zauberkraft des
+ Eisens 41. -- Die europäische Parallele 43. -- Reste der alten
+ Eisendarstellung in Europa 44.
+
+ ~Das Kupfer bei den Nigritiern~ 45
+
+ Vorkommen und Darstellung 45. -- Hofrat e Nahhas und seine
+ Kupferhütten 46. -- Das Katangakupfer 47. -- Weite Verbreitung
+ desselben 48. -- Kupfer am Binué, in Angola, Namaqualand und
+ Transvaal 48. -- Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege
+ 49. -- Kupferlegierungen in Afrika 50. -- Die Bronze der
+ Ägypter 50. -- Alter derselben 50. -- Zinndarstellung bei den
+ Negern 51. -- Einfuhr von Messing 51. -- Bronzedarstellung bei
+ den Kaffern 52. -- Drahtziehen der Neger 53. -- Goldarbeiten
+ an der Goldküste 53. -- Formen und Gießen in Guinea 54. --
+ Priorität des Eisens 55. -- Kupferhandel 56. -- Gegenseitige
+ Wertstellung des Eisens und Kupfers 56.
+
+ ~Das Kupfer in Vorderindien~ 58
+
+ Die Steinzeit in Vorderindien 58. -- Das Alter indischer
+ Bronzen 58. -- Die Quellen des Zinnhandels 59. -- Nur eine
+ Fundstätte von Zinn in Vorderindien 59. -- Vorderindien
+ bezog sein Zinn aus dem Abendlande 59. -- Zinn in Drangiana,
+ Chorassan 60. -- Seltenheit alter indischer Bronzen 61. --
+ Alte Kupfergeräte in Vorderindien 62. -- Bergbau auf Kupfer in
+ Indien 63. -- Die Kupferhütten von Chetri 64.
+
+ ~Das Eisen in Vorderindien~ 66
+
+ Alte Eisenfunde in Vorderindien 66. -- Eisen aus den
+ megalithischen Denkmälern in Malabar 66. -- Die Tumuli von
+ Oapur 67. -- Ausgrabungen in den Barrows der Centralprovinzen
+ 67. -- Gegenwärtige Eisenproduktion in Indien 69. -- Vorkommen
+ der Eisenerze 69. -- Verschiedene Schmelzmethoden 69. -- Der
+ Eisenhüttenbetrieb in Orissa 70. -- In Katak 72. -- In Alwar
+ 72. -- In Firospur 73. -- In Kamaon 73. -- Eisenschmelzen der
+ Khasias 74. -- Eisendarstellung auf Ceylon 75. -- Priorität
+ des Kupfers oder Eisens in Indien 76. -- Sprachliche Gründe
+ für das höhere Alter des Kupfers 77. -- Der indische Stahl
+ (Wootz) 78. -- Alte Nachrichten über das Eisen 78. --
+ Eisenbenutzung auf den Andamanen 79.
+
+ ~Die Zigeuner als Metallarbeiter~ 79
+
+ Indische Schmiede 79. -- Zigeunerschmiede 80. -- Schmelzöfen
+ der schottischen Zigeuner 81. -- Die Calderari 81. -- Die
+ Malkotsch 81. -- Bataillard's Ansichten über die Bronze 82. --
+ Die Zlotari oder Gelbgießer in Galizien 82. -- Ihre Bälge 83.
+
+ ~Die Metallurgie der Malayen~ 84
+
+ Alter der Metallkenntnis bei den Malayen 84. -- Stellung
+ der Schmiede 85. -- Die malayischen Gebläse auf Sumatra 86.
+ -- Eisenschmelzen der Dajaks 87. -- Die Gebläse auf den
+ Philippinen und in Pegu 88. -- Schmiede der Igorroten 89. --
+ Schmiede auf Neuguinea 89. -- Malayisches Schmelzverfahren
+ und Gebläse auf Madagaskar 90. -- Kupfer bei den Malayen 91.
+ -- Kupferindustrie der Igorroten 92. -- Zinn bei den Malayen
+ 95. -- Vorkommen der Zinnerze in Hinterindien 95. -- Alter der
+ Zinnkenntnis in Hinterindien 96. -- Zinngruben von Malakka 96.
+ -- Von Bangka 97.
+
+ ~Die Metalle in Hinterindien~ 98
+
+ Die jüngere Steinzeit in Kambodja 98. -- Alte Bronzen in
+ Kambodja 98. -- Die Eisengewinnung der Cuois in Hinterindien
+ 99. -- Eisenschmelzen in Birma 101.
+
+ ~Die Metalle in China und Japan~ 103
+
+ Steinzeit in China 103. -- Alte Bronzen in China 104. --
+ Ting-Urnen 104. -- Shang-Vasen 105. -- Zusammensetzung der
+ chinesischen Bronzen 106. -- Alter der Bronze und des Eisens
+ in China 106. -- Die eiserne Pagode von Tai-ngan-fu 107. --
+ Gegenwärtige Eisenindustrie Chinas 107. -- Die Eisenschmelzen
+ von Schansi 108. -- Prähistorisches aus Japan 110. -- Die
+ Muschelhaufen von Omori 110. -- Japanische Steingeräte 111. --
+ Heutiger Bergbau der Japaner 111. -- Aufbereiten der Erze 112.
+ -- Eisenschmelzöfen in Japan 113. -- Verhältnis von Kupfer und
+ Eisen in Japan 114.
+
+ ~Die Metalle im Norden Asiens~ 114
+
+ Die Ostjaken als Eisenschmelzer 114. -- Jakutische
+ Eisenindustrie 115. -- Steinzeit Sibiriens 116. -- Steinzeit
+ in Kamtschatka 117. -- Einführung des Eisens durch die Russen
+ 117. -- Steinzeit und Eisen bei den Tschuktschen 118. -- Die
+ alten Tschudenbergbaue im Ural 119. -- Dergleichen im Altai
+ 120. -- Wer waren die Tschuden? 121. -- Kurgane und alte
+ Gräber in Sibirien 122. -- Bronzefunde von Krasnojarsk 122.
+ -- Die Kurgane am oberen Jenisei 123. -- Jüngere und ältere
+ Gräber 124. -- Die Türkstämme führten das Eisen ein 126. --
+ Sprachliche Gründe dafür 127.
+
+ ~Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen~ 128
+
+ Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. -- Verwendung
+ von Meteoreisen bei den Eskimos 129.-- Meteoreisen in den
+ Mounds 132. -- Einführung des europäischen Eisens in Grönland
+ 132. -- Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien 133.
+ -- Japanische Dschonken vom Kuro Siwo verschlagen 133. --
+ Der Tabak in Nordwestamerika durch die Russen eingeführt
+ 134. -- Eiseneinführung in Unalaschka, am Nutkasunde,
+ in Britisch Kolumbia 134. -- Europäisches Eisen in
+ kalifornischen Indianergräbern 135. -- In Gräbern in Yukatan
+ 136. -- Die Patagonier als Eisenarbeiter 136. -- Schmiede
+ in Nordwestamerika 137. -- Tradition der Tinné 137. --
+ Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern 137.
+
+ ~Das Kupfer bei den Nordamerikanern~ 139
+
+ Kupfergerät der Eskimos 139. -- Der Kupferminenfluß 139. --
+ Kupfergeräte der Tinné 140. -- Der Athna oder Kupferfluß 140.
+ -- Die alten Kupferbergwerke am Oberen See 140. -- Verfall
+ derselben 141. -- Verbreitung der Kupfergeräte vom Oberen See
+ 142. -- Funde in den Mounds 142. -- Beschaffenheit der alten
+ Kupfergeräte 144.
+
+ ~Kupfer und Bronze in Mexiko~ 145
+
+ Die Bronzegebiete Amerikas 146. -- Kultur der Mexikaner 147.
+ -- Kupfergeräte der Mexikaner 148. -- Die Zinngruben von Tasco
+ 150. -- Bronze der Mexikaner 150. -- Die Metalltechnik in
+ Mexiko 151. -- Bergbau in Mexiko 152. -- Kupfer in Nikaragua
+ 153.
+
+ ~Die Metalle bei den Chibchas~ 153
+
+ Isolierte Kultur der Chibchas 153. -- Gold- und Bronzeobjekte
+ der Chibchas 154. -- Goldarbeiten von Antioquia 154.
+
+ ~Kupfer und Bronze in Peru~ 155
+
+ Metallgeräte der Inkaperuaner 156. -- Kupfer 156. --
+ Kupfergeräte in Chile 156. -- Analysen peruanischer
+ Bronzesachen 157. -- Die Bronzen von Chimu 158.
+
+ ~Die Verbreitung des Eisens auf den Südseeinseln~ 160
+
+ Bekanntwerden der Insulaner mit dem Eisen 160. --
+ Wertschätzung desselben 160. -- Eisen auf Neuguinea 162.
+ -- Abschluß der Eisenverbreitung über den Globus 162.
+ -- Archaistische Formung der neuen Eisengeräte bei den
+ Naturvölkern 163 -- und in prähistorischer Zeit 164. --
+ Sprachliche Anpassung 164. -- Wirkungen des Eisens auf die
+ Ozeanier 165.
+
+
+
+
+Verzeichnis der Abbildungen.
+
+
+ Seite
+
+ Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON 4
+
+ Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER 9
+
+ Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach SCHWEINFURTH 11
+
+ Fig. 4. Durchschnitt desselben 11
+
+ Fig. 5. Grundriß desselben 11
+
+ Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 12
+
+ Fig. 7. Grundriß desselben 12
+
+ Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 13
+
+ Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 14
+
+ Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH 14
+
+ Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach LIVINGSTONE 25
+
+ Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT 30
+
+ Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB 35
+
+ Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB 35
+
+ Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON 47
+
+ Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE 64
+
+ Fig. 17. Eisenofen in Orissa. Durchschnitt. Nach BLANFORD 70
+
+ Fig. 18. Seitenansicht desselben 70
+
+ Fig. 19. Obere Ansicht desselben 71
+
+ Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach BLANFORD 71
+
+ Fig. 21. Ausgepreßter Balg in Orissa. Nach demselben 71
+
+ Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach HOOKER 73
+
+ Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI 83
+
+ Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK 87
+
+ Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK 88
+
+ Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS 91
+
+ Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA 100
+
+ Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach BLANFORD 102
+
+ Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der Shang-Dynastie.
+ Nach V. RICHTHOFEN 104
+
+ Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie.
+ Nach V. RICHTHOFEN 105
+
+ Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE 130
+
+ Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der
+ Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S.
+ Geogr. Surveys, west of 100th meridian 135
+
+ Fig. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte.
+ Nach SHORTT 143
+
+ Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach DUPAIX 148
+
+ Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM 149
+
+ Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM 149
+
+ Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach PUTNAM 149
+
+ Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS 154
+
+ Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach EWBANK 156
+
+ Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte. Nach SQUIER 159
+
+ Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben 159
+
+ Fig. 55-56. Peruanische Bronzemesser. Nach demselben 159
+
+ Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben 159
+
+
+
+
+Das Eisen bei den Nigritiern.
+
+
+~Eisen den Altägyptern bekannt.~ Wenn auch neuerdings Zweifel
+geäußert worden sind, ob die alten Ägypter das Eisen gekannt
+hätten[2], so sind doch solche Zweifel hinfällig gegenüber den
+thatsächlichen Funden von altem Eisen in den Monumenten jenes
+Volkes. Eisen existierte bereits vor 5000 Jahren, zur Zeit als die
+große Pyramide gebaut wurde; ja, es war damals, wie LEPSIUS sagt,
+»im gewöhnlichen Gebrauche«. Ein Stück davon, das beim Bau jener
+Pyramide verwendet wurde, ist 1835 aufgefunden worden, eine 14 cm
+lange und 5 cm breite Schabklinge, welche, luftdicht verschlossen,
+sich bis auf unsere Tage erhalten hat.[3] Schon WILKINSON hat
+darauf hingewiesen[4], daß in den Gräbern von Theben Fleischer
+dargestellt sind, die ihre Messer an einem runden Metallstabe
+schärfen, der an ihrer Schürze hängt; die blaue Farbe der Klingen
+und die Unterscheidung von Bronze- und Stahlwaffen im Grabe RAMSES'
+III., die einen rot, die anderen blau gemalt, lassen wenig Zweifel
+darüber, daß die Ägypter der frühen pharaonischen Zeit mit dem
+Gebrauche des Eisens vertraut waren, eine Beobachtung, welche in
+bezug auf die polychrome Behandlung der die Metalle darstellenden
+Hieroglyphen (rot = Kupfer, grün = Bronze, blau = Eisen) von
+EBERS[5] und LEPSIUS bestätigt wird.
+
+Die Inschriften belehren uns vollkommen über das Vorkommen und
+den Gebrauch des Eisens in der ältesten Zeit in Ägypten. Die
+Reihenfolge der Metalle und einiger Mineralien, die auf den
+Denkmälern befolgt wird, ist dort: Gold, Silber, Lasurstein,
+Malachit, Kupfer und Men. Dieses Men nun ist, wie Lepsius gezeigt
+hat[6], die älteste Bezeichnung für Eisen. Es werden daraus Geräte
+gefertigt, Helme und Panzer wenigstens teilweise, auch Waffen.
+In der späteren Zeit wird das Eisen dann _tehset_ genannt und zu
+Thürschlössern, Beschlägen und ähnlichen Geräten verwendet. Man
+erhielt es aus Persien, von einer Insel Mas und einem Orte Bektot.
+Trotzdem meint LEPSIUS, daß die Entdeckung der Eisengewinnung sehr
+wohl von Ägypten ausgegangen sein könne, da das Material dazu
+genügend vorkomme und auch eine alte Eisenerzmine nachgewiesen
+worden sei.[7]
+
+Eisen war ja außerordentlich früh auch bei den Nachbarvölkern der
+Ägypter im Gebrauch und »es ist klar, daß auch die Ägypter es noch
+viel früher, als bei jenen nachzuweisen ist, gekannt und allgemein
+angewandt haben werden«. LEPSIUS sieht auch im gehärteten Eisen den
+Stoff, mit welchem die Ägypter den Granit bearbeiteten, »doch ist
+es sehr bemerkenswert, daß in allen Darstellungen des alten Reiches
+blau gemalte Instrumente kaum nachzuweisen sein dürften«. Daraus
+geht, nach ihm, wenigstens hervor, daß das Eisen im alten Reiche
+sehr viel weniger im Gebrauche war und überall, wo es nicht wegen
+seiner Härte unentbehrlich war, durch das Erz ersetzt wurde.[8]
+
+Über die Prioritätsfrage zwischen Eisen und Kupfer, resp. Bronze
+in Ägypten läßt sich LEPSIUS nicht näher aus, wiewohl er geneigt
+scheint, das Kupfer für älter anzusehen, was auch dadurch
+Bestätigung erhält, daß das Wort für Eisen durch das Zeichen für
+Kupfer, einen Schmelztiegel, determiniert wird.
+
+Die alten Ägypter kannten also das Eisen, wiewohl die meisten
+Dinge des täglichen Gebrauches, die sich massenhaft in unseren
+Museen befinden, von ihnen aus Bronze dargestellt wurden. Von
+LAUTH ist die Ansicht aufgestellt worden, daß das erste Eisen,
+welches die Ägypter zu Geräten verarbeiteten, ~meteorischen~
+Ursprungs gewesen sei. Mit Anlehnung an das koptische _benipe_
+(_ferrum_), in dem der erste Bestandteil das altägyptische _ba_
+ist, sucht er nachzuweisen, daß letzteres Eisen bedeutet. Er
+fand es mit dem Zusätze _ne-pe_, des Himmels, somit Metall des
+Himmels, meteorisches Eisen.[9] So verführerisch dieses aber auch
+klingt, so läßt sich hiergegen doch manches einwenden, wie denn
+andere Völker, die das Meteoreisen zu Messern etc. verwendeten
+(z. B. die Eskimo) dadurch auch nicht zur Gewinnung desselben
+geführt wurden. Was an sonstigen Gründen gegen die Ansicht, der
+Mensch sei durch die Benutzung des Meteoreisens zur Fabrikation
+des künstlichen Eisens gelangt, gesagt werden kann, hat L. BECK
+zusammengestellt[10] und mag hier einfach darauf verwiesen werden.
+
+~Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von Nord nach Süd.~
+Es liegt nahe die Frage aufzuwerfen: Haben die Neger von den
+Altägyptern die Darstellung des Eisens erlernt? Wir wollen dieselbe
+nicht absolut bejahen, da es uns ganz denkbar erscheint, daß die
+schwarzen Afrikaner selbständig auf diese Entdeckung gekommen sind,
+wofür die große Verbreitung und Bodenständigkeit dieses Zweiges
+der Metallurgie bei ihnen spricht; aber es sind trotzdem Anzeichen
+vorhanden, welche einen uralten Einfluß der ägyptischen Kultur
+und damit der Eisenkenntnis auf die südlicher wohnenden Nigritier
+glaubhaft machen. Wer die Abbildungen in SCHWEINFURTHs Reisewerk
+und in dessen Artes africanae aufmerksam betrachtet, wird betroffen
+werden über die Übereinstimmung mancher Geräte und Waffen der
+Neger mit jenen der Altägypter. Da finden wir die Nugaratrommeln
+bei den Dinka genau so wie auf den Monumenten; Haarnadeln und
+Löffel der Bongo und der Altägypter sind fast identisch und
+wie diese ehemals die Schalen der Anodontamuschel als Löffel
+benutzten, so jene noch heute. Im hohen Grade auffallend ist die
+Übereinstimmung eines Kundih genannten Saiteninstrumentes bei den
+Niam-Niam mit einem ganz gleichen Instrumente, einem Mittelding
+zwischen Harfe und Laute, bei den Ägyptern. Der guitarreartige
+Resonanzboden, die harfenartig gespannten Saiten, die Wirbel, alles
+ist hier wie da.[11] Harfen und Lauten stimmen ja in ihrer Form
+bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Zeiten recht gut
+miteinander überein -- das merkwürdige ist aber hier die identische
+Wiederholung eines alten zwitterhaften ägyptischen Instrumentes
+bei den menschenfressenden Niam-Niam von heute und es wird schwer,
+hier von dem Gedanken einer Entlehnung in alter Zeit abzusehen.
+Demgegenüber muß aber auch nachdrücklich hervorgehoben werden, daß
+eine Menge Kultureinrichtungen, die den Negern bei den Altägyptern
+zu Gebote standen, nicht adoptiert wurden; ich erinnere nur an
+die Drehscheibe, die in Ägypten bekannt, bei den Negern fehlt, wie
+wohl letztere aus freier Hand Thongefäße von schönster Symmetrie
+bilden. Dagegen deuten wieder auf eine Anlehnung an Ägypten die
+altägyptischen ~Blasebälge~, die in ähnlicher Form noch heute
+über ganz Afrika verbreitet sind. Solche Blasebälge aus der
+Zeit des PHARAO THUTMES III. haben sich in Abbildungen (Fig. 1)
+erhalten[12]; sie wurden paarweise abwechselnd mit den Füßen
+getreten und dann mit den Händen wieder aufgezogen und waren auch
+bei den Hebräern im Gebrauche.[13] Die Pfeifen und Düsen daran,
+sowie die einfache Herstellung aus Lederschläuchen entsprechen
+ganz den weiter unten noch häufig zu erwähnenden Negerblasebälgen.
+Auch bei den Schmieden im heutigen Ägypten sind sie noch im
+Gebrauche.[14]
+
+[Illustration: Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON.]
+
+~Die Steinzeit Afrikas.~ Will man für die Nigritier annehmen,
+daß sie nicht selbständig die Kunst, das Eisen herzustellen,
+erfunden, so lassen sich für eine Einführung dieser Kunst noch die
+Phönizier als Lehrherren oder später die Alexandriner annehmen,
+welche die Ostküste und die Häfen am Roten Meere beschifften.
+Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres ersehen[15],
+wurden im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung (in welche der
+Periplus gesetzt wird) in Adulis und anderen Küstenplätzen neben
+anderen Waren eingeführt Messing (+oreichalkos+), das man zum
+Schmuck und zerschnitten statt Münze gebrauchte, Kupferbarren,
+»sowohl zum weiteren Schmelzen, als auch zum Zerschneiden für
+Arm- und Schenkelbänder für manche Frauen« und Eisen, das zu
+Lanzen gegen die Elefanten und andere wilde Tiere, wie gegen
+die Feinde verwendet wird. Ebenso importierte man kleine Beile,
+Holzäxte, Dolche etc., wofür dann im Tausch Elfenbein, Schildkrot
+und Rhinozeroshorn gegeben wurden. Daraus ergiebt sich, daß
+zu jener Periode die Metallindustrie bei den nordöstlichen
+Afrikanern, den heutigen Nubiern und Abessiniern, noch nicht so
+vorgeschritten sein konnte, daß sie den einheimischen Bedarf an
+Metallgegenständen deckte. Daß in jenen früheren Perioden aber noch
+Steingeräte bei den Afrikanern im Gebrauch waren, läßt sich aus
+historischen Quellen nur spärlich belegen. DIODOROS SICULUS[16]
+(erstes Jahrhundert vor Chr.) spricht von Schleudersteinen der
+Libyer. Ob die Lanzen, welche dieser Schriftsteller an der
+genannten Stelle erwähnt, eiserne oder steinerne Spitzen hatten,
+ist nicht ersichtlich. Dagegen findet sich beim AGATHARCHIDES eine
+Stelle[17], in welcher Pfeile mit steinernen Spitzen sehr genau
+geschildert sind. Sie lautet: »Es bedienen sich in Kriegsgefahren
+die Athioper großer Bogen, aber kurzer Pfeile; an der Spitze
+des Rohrstabes ist anstatt des Eisens ein seiner Gestalt nach
+länglicher Stein befestigt, der durch Sehnen festgebunden ist,
+übermäßig spitz und in tödliches Gift getaucht.« STRABO erzählt
+von den Sumpfbewohnern am Weißen Nil, daß sie sich »angesengter
+Pfeile« bedienen, worunter wohl solche von Holz zu verstehen, die
+durch Ankohlen der Spitze gehärtet sind, und von den »plattnasigen
+Äthiopiern« sagt er, daß sie die Antilopenhörner als Waffen
+gebrauchen.[18]
+
+Die Steinzeit der Afrikaner läßt sich, abgesehen von diesen
+historischen Nachrichten, noch auf zweierlei Art beweisen: erstens
+durch die Überlebsel aus derselben, zweitens durch die Funde von
+alten Steingeräten.
+
+Zu den Überlebseln rechne ich die Kornreibsteine, die noch überall
+im Gebrauche sind, die Verwendung von Steinen zu Hammer und Ambos
+beim Schmieden, die Verwendung von Knochen zu Pfeilspitzen bei
+den Buschmännern, die Benutzung knöcherner Schaufeln (aus dem
+Schulterblatte des Elefanten) zum Ackerbau bei den Jangbara im
+Westen von Gondokoro[19], die Pfeilspitzen aus hartem Holze neben
+solchen aus Eisen im Reiche des Muata Jamwo.[20]
+
+Auch Traditionen aus der Steinzeit sind noch vorhanden. In einem
+Hereromärchen, das unserem deutschen »Was geschenkt ist, bleibt
+geschenkt« entspricht, hat das kleine Mädchen vom Vater ein Beil
+geschenkt erhalten. Damit geht es aus und trifft Burschen, die
+damit beschäftigt sind, Honig auszunehmen, »und um dieses thun zu
+können, mußten sie ~die Bäume mit Steinen fällen~. Und es sprach
+zu ihnen: Ihr Söhne unseres Hauses, warum gebraucht ihr doch
+Steine, um den Honig herauszunehmen? Weshalb sagt ihr denn nicht,
+unsere Erstgeborene, gieb uns das Beil?«[21] Eine Geschichte, die
+sicherlich eine Erinnerung an die Steinzeit der Herero bewahrt.
+
+Was zweitens die Funde aus der Steinzeit selbst betrifft, so
+habe ich ein reichliches Material zusammengestellt[22], welches
+deren einstige Verbreitung über den ganzen Kontinent darthut. Die
+Steinzeit läßt sich auch für Ägypten nicht mehr leugnen. Der ganze
+Norden von der Oase Kufra im Osten bis zu der großen von Marokko
+nach Timbuktu führenden Karawanenstraße im Westen weist Funde von
+Steinwaffen und Geräten auf. Algerien, Marokko sind reich daran.
+Sie sind aus Oberguinea, sehr reichlich aus Südafrika, aus dem
+Somalland und Centralafrika bekannt, wiewohl die Berichte aus dem
+letzteren noch spärlich lauten, selbstverständlich aus Mangel an
+Beobachtung.[23]
+
+Wie bei uns in Europa zeigen die Funde der Steinzeit Afrikas auch
+Entstehung in verschiedenen Epochen; alte Geräte vom Typus der
+Driftfunde und neuere, polierte aus anscheinend späterer Zeit
+mit verschiedenen Übergängen sind vertreten. Wunderbar ist die
+Übereinstimmung nach Material und Form der afrikanischen mit
+den europäischen Geräten und Waffen; dieselben Äxte, Schaber,
+Meißel, Speer- und Pfeilspitzen, die Sägen, Späne und Nuclei
+werden gefunden; auch »Ateliers« sind vorhanden und vom Material
+wird, wie anderwärts, der Feuerstein bevorzugt wegen seiner Härte
+und leichten Bruchfähigkeit. Daneben sind Basalte, Grünstein,
+kieselreiche Sandsteine u. s. w. benutzt.
+
+Am allerreichlichsten sind die Steinobjekte aber in Südafrika
+vertreten; hier haben wir auch die lebendige Tradition aus der
+Steinzeit gefunden, hier benutzt der Buschmann noch Steingeräte
+beim Ackerbau; nach allem zu schließen, hat gerade in Südafrika
+die Steinzeit am längsten gedauert, ist hier am spätesten die
+Kunst, das Eisen zu schmelzen, zur Ausübung gekommen. Zwar meint
+O. SCHRADER[24]: »Jedenfalls muß das Eisen im südlichen Afrika am
+ersten bekannt gewesen sein«, allein er weiß dafür keinen anderen
+Beweis anzuführen, als daß die Bachapin, ein Kaffernstamm, alle
+Metalle vom Standpunkte des Eisens _tsipi_ aus benennen, nämlich
+Gold _tsipi e tseka_ gelbes Eisen, Silber _tsipi e shu_ weißes
+Eisen, Kupfer _tsipi e kubila_ rotes Eisen. Dieses zeigt jedoch
+nur, daß ihnen unter den Metallen das Eisen am frühesten bekannt
+war, beweist aber nichts dafür, daß zuerst Südafrika das Eisen
+kannte.
+
+Gerade das Gegenteil war der Fall, wofür außer den in Südafrika
+am lebendigsten vorhandenen Traditionen aus der Steinzeit und
+den reichsten Funden aus derselben noch die Berichte der ersten
+europäischen Händler sprechen. Die am Kap und überhaupt im Süden
+wohnenden Stämme warfen sich nämlich mit Begierde auf das ihnen
+zugeführte europäische Eisen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn
+die heimische Eisenindustrie irgendwie entwickelt gewesen wäre.
+An der Westküste, nördlich vom Kap, traf 1598 JOHN DAVIS (an der
+Saldanha Bai) auf viehzüchtende Hottentotten. Für ein Stück von
+einer alten eisernen Schaufel erhielt er ein fettes Schaf oder
+einen Ochsen; doch bereits sechs Jahre später, 1604, klagt NICHOLAS
+DAUNTON, Kapitän des Schiffes »Pepper Corne«, daß dieser schöne
+Zustand der Dinge, der Verkauf eines _beife for a piece of an iron
+hoope of fourteen inches long and a sheepe for a lesser piece_ zu
+Ende sei, da die Holländer _by their ouer much liberalitie_ den
+Markt verdorben hätten.[25]
+
+Das deutet doch alles auf eine späte Einführung der
+Eisenschmelzkunst im Süden. Dazu nehme man die lebendige Tradition,
+in der selbst von Messern aus der Rinde des Zuckerrohres die Rede
+ist, welche ähnlich wie Bambussplitter benutzt wurden.[26]
+
+Auch auf der Insel Fernando Po ist das Eisen erst durch die
+Europäer (entdeckt 1471 durch FERNAO DO PO) bekannt geworden.
+»Mir wurde mitgeteilt,« erzählt Konsul HUTCHINSON, »daß an einem
+Orte mit Namen Bassakatu, bei Ballilipa, der König noch Steinäxte
+aufbewahre. Mit diesen Geräten spaltete man Holz oder hieb die
+Palmnußbündel von den Bäumen ab, ehe man dort das Eisen kannte.
+Dieses Metall lernten sie zuerst im Austausch von Früchten und
+Vieh gegen unsere Schaufeln kennen bei den frühesten Besuchen
+europäischer Händler auf ihrer Insel. Jetzt sind sie zur Kultur
+der Birminghamäxte, Messer und Beile vorgeschritten, welche sie im
+Tauschhandel gegen Yams und Palmöl erhalten.«[27] Dabei hat aber
+der Kontinent seit langem das Eisen gekannt.
+
+Aus allem diesem scheint mir soviel hervorzugehen, daß die Kenntnis
+der Eisengewinnung in Afrika von Nordosten nach Süden und Westen
+vorrückte und ohne irgend eine Zwischenperiode der Steinzeit
+folgte. In der That treffen wir auch bei den Völkern im Gebiet
+des Nil und bei den benachbarten Stämmen die Eisenindustrie am
+höchsten entwickelt, weil dort wohl am ältesten. Ich will es nun
+versuchen, einen Überblick über den Stand und die Ausbreitung
+der Eisenfabrikation in ganz Afrika zu geben, wobei ich in
+geographischer Reihenfolge verfahre. Wiederholungen lassen sich
+dabei nicht vermeiden, aber es liegt mir daran, das Material
+zusammenzubringen, um damit auch anderen zu einem möglichst
+genauen Einblick zu verhelfen. Vorausgeschickt werde mögen, daß
+Eisenerze, die bei niedriger Temperatur geschmolzen werden, kein
+Gußeisen liefern, sondern ein unreines Schmiedeeisen. In unseren
+europäischen Hochöfen, wo eine große Hitze erzeugt wird, sickert
+das ausgeschmolzene gekohlte Eisen im dünnflüssigen Zustande in
+den Herd des Ofens und wird hier »abgestochen«, d. h. es läuft,
+nachdem das Öffnungsloch des Herdes frei gelegt ist, in einem
+Strome heraus. Das so gewonnene und in Sandformen abgekühlte Eisen
+ist sprödes, nicht schmiedebares Gußeisen (Roheisen). Anders bei
+dem ursprünglichen und von den Naturvölkern angewendeten Verfahren,
+wo nicht so große Hitze erzeugt wird und eine andere Art Eisen
+entsteht, ein nur weiches, nicht flüssiges Schmiedeeisen, das am
+Grunde des Ofens mit Schlacke und Kohle vermischt als »Stück«,
+»Luppe« oder »Wolf« sich absetzt und das dort herausgenommen werden
+muß.
+
+~Eisenindustrie im Gebiete des Nil.~ Den Schmied bei der Arbeit
+am blauen Nil in Sennar hat MARNO abgebildet[28], doch lassen die
+Zange und die Form des Hammers, beide europäischer Gestalt, hier
+bereits auf fremden Einfluß schließen, da der Afrikaner sonst
+erstere durch ein Stück gespaltenes Holz ersetzt und an Stelle
+des Hammers einen Stein oder ein konisches Stück Eisen ohne Stiel
+anwendet. Nach der von MARNO gegebenen Abbildung schließen die
+Blasebälge hinten mit einer Klappe.
+
+[Illustration: Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER.]
+
+Bei den Bari unter 5° nördl. Br. am Weißen Nil sind die
+Wanderschmiede eine verachtete Pariakaste, dennoch aber den
+Schwarzen unentbehrlich. »Aus eisenhaltigem Kies, der vielfach
+in diesen Ländern oberflächlich zu finden ist, wird das Roheisen
+auf höchst einfache Art gewonnen; sehr primitiver Art sind auch
+die Blasebälge, deren sich die Schmiede bedienen. Zwei thönerne
+Gefäße, ähnlich einem Trichter, dessen sich verengernder Hals
+seitwärts gebogen ist, werden auf dem Boden so aufgestellt, daß
+die beiden Mündungen gegen die Feuerstelle gerichtet sind; ihre
+obere breite Öffnung wird mit einem Stück durch Anfeuchten dehnbar
+gemachter Tierhaut, in der Mitte mit einer Handhabe versehen, fest
+zugebunden. Durch rasches Auf- und Niederbewegen dieser Haut und
+das dadurch entstellende Ein- und Ausströmen der Luft durch die
+Mündung am Feuer wird ein doppeltes Gebläse und die nötige Hitze
+bewirkt. Das von Natur äußerst weiche, so glühend gemachte Eisen
+wird von dem Schmiede auf einem als Ambos dienenden Stein mit
+einem den Hammer ersetzenden zweiten Stein geschmiedet, indem er
+es mit einer leichten Zange handhabt (Fig. 2). Das Stählen und
+Schweißen des Eisens ist nicht bekannt.«[29] Genau so sind die
+Schmiedevorrichtungen weiter östlich bei der Latuka.[30]
+
+Hochentwickelt ist die Eisenindustrie im Bar-el-Ghasalgebiete
+an den westlichen Zuflüssen des Weißen Nil, zwischen 3° und 8°
+nördl. Br. und 26° und 30° östl. L. v. Gr., wo wir auf fast
+durchweg eisenhaltigem Boden uns befinden. Hier läßt sich mit
+einigen geringen Abwechselungen bei bald größerer, bald geringerer
+Geschicklichkeit eine vorgeschrittene und im ganzen sich gleich
+bleibende Weise der Eisengewinnung nach Art der alten Rennarbeit
+nachweisen.
+
+Zwischen 7° und 8° nördl. Br. und 28° und 29° östl. L. v. Gr.
+wohnt das Volk der Djur. Ihr Land ist die unterste Terrasse des
+eisenhaltigen ostafrikanischen Felsbodens; auf Hunderte von Meilen
+ist dort der Raseneisenstein verbreitet, doch nur an einzelnen
+Stellen sind die Brauneisensteinaggregate genügend zur Verhüttung
+vorhanden. An der Hauptseriba Kurschuk Alis sah SCHWEINFURTH bei
+einer solchen ausgiebigen Stelle ausgedehnte Gruben von drei
+Meter Tiefe angelegt, aus welchen die Djur ein Material zu tage
+förderten, welches der bei uns Rogenstein genannten Varietät am
+meisten gleicht. Große Mengen von Eisenocker finden sich dazwischen
+überall eingesprengt; diesen werfen die Djur weg, da sie ihn bei
+ihrer Behandlungsmanier nicht zu verwerten wissen. Im März, kurz
+vor Beginn der Aussaat, verlassen die Djur ihre Hütten, um teils
+zum Fischfang an die Ufer der Flüsse zu ziehen, teils um sich
+mit Erzschmelzen im Walde zu beschäftigen. Inmitten eines recht
+holzreichen Platzes formt man die Schmelzöfen aus reiner Thonerde
+und gruppiert sie nach der Zahl der sich beteiligenden Arbeiter bis
+zu einem Dutzend hintereinander an schattigen, von Strauchhecken
+und Dornumfriedigungen umgebenen Stellen. Das Ausschmelzen des
+Erzes erfolgt mit Holzkohlen. Allein auf Kohlenbrennen verstehen
+sich die Djur ebensowenig als die Bongo, weder wissen sie den Brand
+unter Abschluß der Luft in Gruben, noch in regelrechten Meilern zu
+bewerkstelligen; ihr ganzes Verfahren besteht darin, kleingehauene
+Holzstücke schnell in Brand zu stecken und in vollen Flammen
+auseinanderzuwerfen, bis das Feuer erstickt, oder sie dämpfen
+das Feuer nur durch Aufgießen von Wasser; das werden dann die
+Kohlen. »Mir ist nicht bekannt,« sagt SCHWEINFURTH, dem wir obige
+Nachrichten über die Eisengewinnung der Djur verdanken, »ob andere
+Negervölker hinter die Geheimnisse der Kohlenbrennerei gelangt
+sind. Sollte das von den Djur gesagte für ganz Afrika gelten, so
+könnte man hierin leicht eine Erklärung finden für die merkwürdige
+Erscheinung, daß das Eisen trotz seiner ungeheuren Massenhaftigkeit
+in Afrika bisher noch von keinem Volke daselbst im großen gewonnen
+wurde. Allerdings fehlt es an Kalk, um steinerne Bauten aufführen
+zu können.«[31] Wir werden jedoch weiter unten sehen, daß
+regelrechte Meiler bei den Negern vorkommen.
+
+[Illustration: Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach
+SCHWEINFURTH.]
+
+[Illustration: Fig. 4. Durchschnitt desselben. Nach SCHWEINFURTH.]
+
+[Illustration: Fig. 5. Grundriß desselben. Nach SCHWEINFURTH.]
+
+Fig. 5 zeigt den Grundriß des Schmelzofens der Djur mit vier
+Zuglöchern zur Einfügung der Düsen, durch welche ein starker
+Luftzug dem Boden des Ofens zugeführt wird. Vor der einen
+Öffnung befindet sich die zur Ansammlung der Schlacken dienende
+Grube. Fig. 4 zeigt den Ofen im Längsdurchschnitt mit der
+becherförmigen Erweiterung am oberen Ende, welche zur Aufnahme des
+feinzerstückelten Brauneisensteins dient, wie er in diesem Lande
+massenhaft aller Orten zu tage gefördert zu werden vermag. Der
+Schacht wird bis zur erweiterten Stelle mit Holzkohlen aufgefüllt
+und von unten auf in Brand gesetzt. Zuletzt ist der Brand so
+vollständig, daß man die Flamme hoch zur oberen Öffnung durch
+die Erzmasse hindurch emporzüngeln sieht. Nach Verlauf von 40
+Stunden beginnen die Eisenpartikelchen in tropfbarer Form durch
+die glühende Kohlenmasse hindurchzusickern, um sich in der Grube
+auf dem Boden des Gestelles zu sammeln. Die Masse wird aus einer
+der Düsenöffnungen hervorgeholt und später durch wiederholtes
+Hämmern mit Steinen und wiederholtes Erhitzen im Feuer im
+Schmiedeofen in dem Grade von jeder Mineralbeimengung gereinigt,
+bis alle Eisentropfen zu einer homogenen Masse zusammengeschweißt
+erscheinen, woraus ein vorzügliches Schmiedeeisen erzielt werden
+kann. Dieser thönerne Schmelzofen ist 1,3 m hoch und heißt Tundsch
+(Fig. 3). Die einzelne Düse wird Atschu genannt.[32] PETHERICK,
+der den Prozeß in gleicher Weise schildert, fügt hinzu, daß die
+Schlacken noch gepocht und durch Waschen daraus die kleinen
+Eisenkügelchen gewonnen werden. In einem Schmelztiegel werden sie
+dann im Schmiedefeuer zusammengeschmolzen.[33]
+
+Südliche Nachbarn der Djur sind die Bongo oder Dor, bei denen die
+Eisenindustrie noch höher als bei jenen entwickelt ist. Ihre ganze
+Kunstfertigkeit konzentriert sich auf die Gewinnung und Bearbeitung
+dieses wichtigen Metalles, dessen Besitz ihnen eine gewisse
+Überlegenheit über die nicht Eisen erzeugenden Dinka erteilt zu
+haben scheint. Wenn die Feldgeschäfte beendigt sind, betreiben die
+Bongo Eisenindustrie. Erzreicher Boden findet sich im ganzen Lande;
+die Eisenarbeiter suchen vornehmlich diejenigen losen Eisenthone
+auf, welche durch Hochwasser etwas gereinigt und in muldenartigen
+Vertiefungen mit Humus und Thon angeschwemmt vorkommen. Diese haben
+auch die zweckdienlichste Form, da es meist Körner von Eigröße bis
+zu der einer Bohne sind.[34] Die Öfen der Bongo, welche sie zur
+Ausbringung der Eisenerze benutzen, sind von zweierlei Art; die
+eine schildert uns SCHWEINFURTH, die andere TH. V. HEUGLIN.
+
+[Illustration: Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach
+SCHWEINFURTH.]
+
+[Illustration: Fig. 7. Grundriß desselben.]
+
+SCHWEINFURTH schreibt: »Bei den Bongo heißt der thönerne, zur
+Gewinnung des Eisens dienende Schmelzofen Berr; er ist nur 1,5
+bis 1,7 m hoch und ganz aus Thon; denn zu mauern verstehen diese
+Völker nicht, auch gebricht es ihnen hierzu an Kalk. Fig. 6
+zeigt einen Längsdurchschnitt durch den in Gestalt einer Glocke
+aufgeführten Schmelzofen. Im Innern desselben nimmt man drei
+Abteilungen wahr, von denen die mittelste zur Aufnahme von
+Eisenmineral und Holzkohle in abwechselnder Schichtung bestimmt
+ist, die obere und die untere Abteilung dagegen mit reiner Kohle
+gefüllt werden. Von der untersten, das Gestell darstellenden
+Zelle ist die mittlere durch eine ringartige Verdickung an der
+Innenwandung des Ofens abgegrenzt, letztere dient als Rast. Die
+oberste kugelrunde Zelle steht mit der mittleren nur durch eine
+zur Vermehrung des Luftzuges sehr verengte Öffnung in Verbindung.
+Am Fuße des Ofens sind vier Öffnungen angebracht, durch welche die
+Düsen eingeführt werden; eine fünfte ist nach Belieben mit Thon
+zu verschmieren, um durch sie die in der Bodengrube angesammelten
+Schlacken herauszuschaffen.« Fig. 7 zeigt den Ofen im Grundriß;
+die vier eingesetzten Düsenrohre werden mit ebenso vielen
+Blasebälgen in Verbindung gesetzt, um einen sehr starken, den
+Verbrennungsprozeß beschleunigenden Luftdurchzug durch den Ofen zu
+treiben. Das Gebläse, Borro, Fig. 8, besteht aus zwei mit Häuten
+überspannten Thongefäßen. Die in den nebeneinander gestellten
+Gefäßen befindliche Luft wird durch das Niederdrücken der über
+ihre obere Öffnung gespannten Häute hinausgestoßen und in dem
+röhrenförmigen Gefäße zu einem Strom vereinigt. Die Vereinigung der
+beiden alternierenden Luftströme soll dem Mangel einer Ventilklappe
+abhelfen, welche Einrichtung den Negervölkern unbekannt geblieben
+ist.
+
+[Illustration: Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach
+SCHWEINFURTH.]
+
+Gewöhnlich bedienen sich die Bongoschmiede als Ambos sowohl als
+auch als Hammer eines glatten Gneis-Steines oder Kiesels. Zuweilen
+dient statt deren ein viereckiger 0,2 m langer Eisenblock. In
+jedem Falle ist die sehnige Hand des Negers der einzige Stiel
+dieses plumpen Werkzeuges. Als Zange dient, wie Fig. 9 zeigt,
+ein gespaltenes Stück grünen Holzes, das durch einen Ring
+zusammengehalten wird. Dasselbe ermöglicht das Hervorholen der
+rotglühenden Masse aus dem Schmiedefeuer und das Festhalten
+derselben während des Hämmerns. Abgesehen von kleinen Meißeln,
+zur Hervorbringung feinerer Stacheln und Widerhaken, fehlen den
+Bongoschmieden andere Werkzeuge. Ihre mit zahlreichen Stacheln
+und Widerhaken versehenen Lanzen (Fig. 10) erregten SCHWEINFURTHs
+höchste Bewunderung. »Kein anderes Erzeugnis centralafrikanischer
+Eisenarbeit kann diesen Meisterwerken an die Seite gestellt
+werden.«[35]
+
+[Illustration: Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH.]
+
+[Illustration: Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH.]
+
+HEUGLIN[36] schildert einen einfacheren Ofen, welcher mehr jenem
+der Djur entspricht, aber ohne die kelchartige obere Ausbauchung
+derselben. Man gräbt in die Erde ein Loch von 2/3 bis 1 m Tiefe
+und 2/3 m Durchmesser, kleidet es mit Thon aus und läßt diesen
+vollkommen trocknen. Dann füllt der Schmied die Grube mit Kohle
+aus hartem Holz, welche er auch in Thongruben gebrannt hat,
+und giebt obenauf einen Satz gut gereinigtes Erz ohne weiteren
+Zuschlag von Kalk oder Quarz, welche Gesteine hier überhaupt gar
+nicht vorkommen. Über den Herd, wenn man die Grube so nennen kann,
+stellt man eine trichterförmige 1-2 m hohe Esse, gleichfalls von
+gebranntem Thon. In den Herd führen überdies vier bis sechs schräg
+angebrachte Öffnungen, in welche ebenso viele thönerne Röhren oder
+Düsen eingeführt werden. Ist die Esse gehörig auf den Herd gepaßt,
+sind die Fugen mit Thon verstrichen und letzterer abgetrocknet, so
+giebt man von unten Feuer. Auf jedem Düsenrohr ist ein lederner
+Sack befestigt, welcher als Blasebalg dient und beständig mit
+der Hand oder mittels eines kleinen Stockes aufgezogen und
+zusammengedrückt wird. Der Satz geht binnen weniger als einer
+Stunde nieder und auf dem Grund des Ofens bleibt ein durch
+Schlacken etwas verunreinigtes, stahlartiges Schmiedeeisen, welches
+dann auf einem steinernen oder eisernen Ambos ausgehämmert und zu
+runden Platten (Melót) oder zu Lanzen verarbeitet wird. Häufig ist
+dieses Produkt aber noch nicht gar und rein genug und enthält noch
+zu viel Kohlenstoff. In diesem Falle und überhaupt, wenn etwas
+feinere Ware dargestellt werden soll, muß ersteres noch eine Art
+Frischprozeß durchmachen. Dieses geschieht wieder in einer Grube,
+die jedoch kleiner und flacher ist, als die, in welcher geschmolzen
+wurde, auch fehlt hier die Esse. In diesen Frischherd münden zwei
+sich gegenüberliegende Doppeldüsen, welche auch etwas Steigung
+nach der Mitte des Herdes haben. Das zu reinigende Eisen liegt, in
+Kohlen eingehüllt, im Herd und nun wird wieder gefeuert und mit
+Handblasebälgen beständig Wind gegeben, bis die nötige Entkohlung
+stattfindet und das Eisen zu schweißen beginnt. Die Eisenmenge,
+welche durch einen Satz gewonnen wird, beträgt nicht über einige
+Pfund, das Erz dürfte kaum 15-18% Metall enthalten. Das Erzeugnis
+selbst ist gerne rotbrüchig, die Arbeit trotzdem jedoch sauber.
+
+~Eisenindustrie in Centralafrika.~ Noch südlicher, zwischen
+3° und 4° nördl. Br., wohnen die Monbuttu, das kunstfertigste
+centralafrikanische Volk. Da sie Bewohner derselben roten Eisenerde
+sind, welche sich vom Gazellenflusse aus über einen großen Teil von
+Centralafrika zu erstrecken scheint, so nimmt das Schmiedehandwerk
+unter ihren Kunstfertigkeiten eine hervorragende Stellung ein und
+sie übertreffen darin alle übrigen Völker des von SCHWEINFURTH
+bereisten Gebietes. Die Gewinnung des Materiales, die ventillosen
+Blasebälge sind so, wie sie eben bei Djur und Bongo geschildert
+wurden. Statt der Häute aber, welche die Thongefäße der Blasebälge
+zum Luftpumpen abschließen, bedecken sie dieselben mit abgebrühtem
+Bananenlaub, welches durch derartige Behandlung mit heißem Wasser
+eine seidenartige Geschmeidigkeit annimmt. Kneifzange, Feilen und
+Hämmer fehlen auch bei ihnen, doch haben sie statt des steinernen
+einen eisernen Ambos. Um die geschmiedeten Waffen zu wetzen und zu
+schärfen, bedienen sie sich eines feinkörnigen Sandsteines oder
+einer Gneisplatte. Faustgroße Eisenklumpen bilden das Rohmaterial,
+aus welchem der Künstler seine Waffen formt. »Ihre Geschicklichkeit
+ist bewundernswürdig und ihre Gewandtheit, in kürzester Frist aus
+solchen Klumpen Spaten und Lanzen zu formen, ohne Beispiel. Das
+Meisterstück des Monbuttuschmiedes sind die feinen Eisenketten, die
+als Schmuck getragen werden und welche, was Formvollendung und
+Feinheit anbelangt, mit unseren besten Stahlketten konkurrieren
+können. Der Prozeß des Stählens ist ihnen natürlich unbekannt und
+die Härtung wird durch fortgesetztes Hämmern erzielt.«[37]
+
+Im äquatorialen Centralafrika wiederholt sich der Eisenreichtum
+und die kunstfertige Verarbeitung dieses nützlichen Metalles in
+gleicher Weise, wie bei den oben in Betracht gezogenen Völkern. In
+Uganda, dem Reich des Königs Mtesa, ist die Eisengewinnung samt den
+nötigen Apparaten dieselbe, wie bei den eben erwähnten Nilvölkern,
+doch sind von Sansibar aus hier bereits eiserne Hämmer, Zangen und
+Feilen (durch die Araber) in das Land gebracht worden.[38] Schnell
+greifen in Uganda, das zuerst vor 20 Jahren durch SPEKE bekannt
+wurde, europäische Methoden um sich und die Waganda verstehen es
+jetzt schon, Flintschloß- in Perkussionsgewehre zu verändern und
+Patronenhülsen aus Messing zu gießen.[39] In der Rüstkammer des
+Königs Rumanika von Karagwé, im Westen des Victoriasees, fand
+STANLEY »eiserne Streitäxte von wirklich bewundernswerter Arbeit,
+Speere mit doppelten Klingen, mehrere gewaltig große Klingen
+mit außerordentlich scharfer Schneide, 19 cm querüber und 42 cm
+lang, vorzüglich gute Speere, einige mit Klingen und Schäften
+von zusammengeschmiedetem Eisen, andere mit einem kettenförmigen
+Schaft und andere mit Massen kleiner starrer und scharfer Ringe,
+die unten an der Klinge und am Ende des Stabes kugelähnlich
+zusammengeballt sind. Es waren ferner aufgestellt: große in Eisen
+gefaßte Fliegenwedel, deren Griffe bewundernswerte Probestücke
+einheimischer Kunst waren, massive Messer, den Hackemessern der
+Fleischer ähnlich, mit polierten Klingen«.[40]
+
+Im Lande Uregga am Kongo, unter dem Äquator, fand derselbe Reisende
+eine hochentwickelte Eisenindustrie mitten im Urwalde. Ein
+Schmelzofen war errichtet und dabei eine Schmiede, in welcher etwa
+ein Dutzend Leute arbeiteten. Das Eisenerz ist sehr rein. »Hier
+sah ich die Speere von Süd-Uregga mit breiter Klinge und ebenfalls
+breite Messer von allen Größen, vom kleinen, drei Centimeter langen
+Taschenmesser an bis zum schweren, einem altrömischen Schwerte
+ähnlichen Hackmesser.« Der Schmelzofen aus Lehm, die Blasebälge,
+deren »Brausen man fast eine halbe englische Meile weit hört«,
+die thönernen Düsen, das alles ist ungefähr so, wie auch weiter
+oben geschildert. Dicht neben dem Schmelzofen standen aus Matten
+verfertigte Säcke mit Holzkohle aufgeschichtet und dabei ein paar
+Knaben, welche das Feuerungsmaterial herbeitrugen; ungefähr 2 m
+weiterhin war eine kleine Schmiede hergerichtet, wo das Eisen
+zu Hämmern, Beilen, Streitäxten, Spießen, Messern, Schwertern,
+Draht, eisernen Kugeln mit Spitzen, Bein- und Armbändern, eisernen
+Knöpfchen, Perlen etc. geformt wurde. »Die Kunst dieser Schmiede
+steht in diesen Wäldern, wenn man die Abgeschiedenheit der Bewohner
+in Betracht zieht, auf einer hohen Stufe der Ausbildung. Die Leute
+zeigen viel durch Überlieferung fortgepflanzte Fertigkeit.«[41] Und
+so ähnlich den Kongo weiter abwärts, wie aus verschiedenen Stellen
+bei STANLEY ersichtlich.
+
+In den südlich vom Kongo gelegenen Landschaften und an den
+Zuflüssen dieses Riesenstromes finden wir gleichfalls eine rege
+Eisengewinnung und Verarbeitung. Von Manjema sagt der Reisende
+CAMERON: »_In fact this country may be called >the black country<
+of Africa. I have seen foundries 50 feet long by 30 feet wide. As
+many as twenty bellows are worked at one time and 150 to 200 pounds
+of metal are frequently obtained in one smelting._«[42]
+
+Das Erz wird in diesen Gegenden aus tiefen Gruben gewonnen und
+ist »eine Art Hämatit«. Zerstörte alte Schmelzwerke trifft man
+vielfach.[43]
+
+Was die Einrichtung der Hütten, die Gebläse und die Schmiedearbeit
+in Manjema betrifft, so gebe ich hier CAMERON's Bericht vollständig
+wieder: »Jedes dieser Dörfer,« sagt er, »besaß zwei oder drei
+Schmelzhütten bis zu 9 m lang und 6 m breit, mit niedrigen Mauern
+und sehr hohem Dache, in der Mitte mit einer Grube von 1,5 m
+Breite, 1 m Tiefe und 5,5 m Länge, an dem einen Ende etwas flacher
+als am anderen und mit einem quer über letzterem, etwa 2 m von
+dem flachen Ende stehenden thönernen Ofen von 1 m im Durchmesser.
+Die kleinere von den beiden Abteilungen der Grube diente als
+Feuerstatt, die andere als Reservoir, in welches das Erz und die
+Schlacken abflossen, während kleine Abteilungen um den Rand herum
+Holzkohlen und Eisenerze enthielten. Um Luftzug hervorzubringen,
+wird oft ein Dutzend Paar Blasebälge gleichzeitig in Thätigkeit
+gesetzt; sie bestehen aus zwei vertikal nebeneinander laufenden
+Holzcylindern mit Ventilen, die alle in ein einziges, vor der
+Einwirkung des Feuers durch einen Lehmüberzug geschütztes Blaserohr
+münden. Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt und mit einer in der
+Mitte befestigten 80 cm langen Stange versehen; ihre Thätigkeit
+wird dadurch bewirkt, daß man, mit jeder Hand eine der beiden
+Stangen erfassend, diese abwechselnd so schnell als möglich auf
+und ab bewegt. Auf diese Weise erzeugt man einen ausreichenden und
+beständigen Luftstrom.«[44]
+
+Da ich das CAMERONsche Originalwerk nicht besitze, vermag ich
+die Übersetzung an dieser Stelle nicht zu controllieren. Höchst
+auffallend ist die Erwähnung von »Ventilen«, die sonst in ganz
+Afrika nicht vorkommen und die durch Entlehnung wohl schwerlich
+nach dem so abgelegenen, erst neuerdings von Europäern entdeckten
+und besuchten Lande (LIVINGSTONE 1871, CAMERON 1874, STANLEY 1876,
+WISSMANN und POGGE 1881) gelangt sein können. Ich bin geneigt,
+hier ein Versehen anzunehmen. Wenn es ferner bei CAMERON heißt:
+»Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt«, so müssen darunter die
+elastischen Häute verstanden werden, mit welchen, wie anderwärts,
+die Cylinder oben geschlossen sind.
+
+Was das Schmiedeverfahren in Manjema betrifft, so wird das
+erschmolzene Eisen in etwa 1 Kilo schwere Stücken gehämmert, welche
+die Form von zwei, an ihrer Basis mit einander verbundenen Kugeln
+haben und an deren beiden Enden ein Stift vom Umfang einer dicken
+Stricknadel hervorragt. In solcher Gestalt kommt das Metall in den
+Handel. Als Schmiedewerkstätten dienen offene kleine Schuppen. Die
+Ambosse und die schweren Hämmer sind von Stein, die leichteren
+Hämmer von Eisen; an jene ist ein Strick mit zwei Schlingen
+befestigt, durch welche sie gehandhabt werden; die eisernen Hämmer
+aber haben gar keinen Stiel, sondern werden einfach mit der Hand
+gepackt.[45]
+
+Weiter im südlichen Kongobecken ist Urua ein Eisenland, wo
+CAMERON häufig »rauchende Kohlenmeiler« und bei einigen Dörfern
+Eisenschmelzen sah, die er nicht näher schildert. Das Erz wurde aus
+5-9 m tiefen Gruben gefördert.[46]
+
+Südwestlich von Urua ist Lovale, ein anderes centralafrikanisches
+Eisenland, zwischen 11° und 12° südl. Br. und 20° und 21° östl. L.
+v. Gr. CAMERON sah dort »einen Schmelzofen von merkwürdiger Form«,
+die er leider nicht näher schildert. Das Erz findet sich in großen
+Klumpen auf dem Grunde der Flüsse, von wo man es gegen Ende der
+trockenen Jahreszeit mit Schleppnetzen herausholt.[47]
+
+Von Lunda, dem angrenzenden Reiche des Muata Jamwo, erzählt uns
+POGGE, daß das Eisen dort vielfach aus Kioko (weiter westlich
+gelegen) eingeführt, aber auch im Lande selbst gewonnen wird. Außer
+Eisen, Kupfer und dem von der Westküste kommenden Messingdraht sind
+keine Metalle im Lande bekannt. Das Schmiedehandwerk in Mussumba,
+der Hauptstadt Muata Jamwos, befindet sich vielfach in den Händen
+eingewanderter Kiokoschmiede.[48] OTTO SCHÜTT ist bei den berühmten
+Eisenerzgruben der Kioko vorbeigekommen; sie liegen am Bache
+Cavemba, einem Nebengewässer des Kuilu, etwa unter 20° 25´ östl. L.
+und 10° südl. Br. v. Gr., also westlich von Kimbundo. Ein dem Dorfe
+Camba Humbo gegenüber befindlicher Riß enthält die Grube. Die Neger
+gewinnen die aus dem Boden ragenden Blöcke oder die fast zu tage
+tretenden Stücke, also auch hier wohl Raseneisensteine. Die Hütte
+soll ein mehr als primitiver Frischofen sein.[49]
+
+Daß auch in den Kimbundaländern Eisen nicht fehlt, sehen wir aus
+der Notiz bei LADISLAUS MAGYAR, daß bei Kibala und Ganda dasselbe
+in guter Qualität vorkommt.[50]
+
+Im östlichen Teile des portugiesischen Westafrika und in den
+Landschaften am oberen Sambesistrome nebst dessen Zuflüssen haben
+wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns beweisen, daß auch
+dort eine ausgedehnte heimische Eisenindustrie angesessen ist. Die
+Hüttenleute der Ganguellas (Gonzellos), südlich von Bihé, wandern
+in den »kalten« Monaten Juni und Juli nach den Eisenminen und
+schlagen dort ausgedehnte Lager auf. Um das Erz zu gewinnen, graben
+sie Schachte von 3-3,5 m Durchmesser, nie aber tiefer als 1,5-2 m,
+»höchstwahrscheinlich, weil sie kein Mittel besitzen, das Erz höher
+zu heben«. Sobald sie genügend Erz zu tage gefördert haben, um für
+die Arbeit des ganzen Jahres genug zu haben, beginnen sie das Eisen
+auszuschmelzen. Dieses geschieht in nicht sehr tiefen Löchern,
+in denen das Erz mit Holzkohle vermischt und die Temperatur
+vermittels ihres primitiven Blasebalges erhöht wird, der aus zwei
+30 cm breiten und 9 cm tief ausgehöhlten Holzcylindern besteht,
+über welchen je ein Stück gegerbtes Ziegenfell angebracht und an
+denen je ein 50 cm langer und 1 cm dicker Handgriff befestigt ist.
+Der Luftstrom wird durch zwei Holzröhren in eine thönerne Düse
+geleitet. Das gewonnene Eisen wird in Schaufeln, Kriegsbeile,
+Pfeilspitzen, Assagais, Nägel, Messer und Kugeln für Feuerwaffen
+umgewandelt, »ja sie fertigen gelegentlich selbst Feuerwaffen an,
+wobei sie das Eisen mit Ochsenfett und Salz weich machen«. Sobald
+das Metall in Handelsartikel umgewandelt ist, kehren die Arbeiter
+mit diesen Gegenständen beladen wieder nach Hause zurück.[51]
+
+So ist es auch bei den Luchazes zwischen 12° und 13° südl. Br. und
+unter 18° östl. L. v. Gr. und bei den Luinas am oberen Zambesi.[52]
+
+~Eisenindustrie in Ostafrika.~ Durch Ostafrika, zwischen den großen
+Seen und dem Indischen Ozean, ist das Eisen in gleicher Menge wie
+im Gazellenflußgebiete verbreitet, doch steht die Industrie hier
+keineswegs auf der hohen Stufe wie dort. THOMSON giebt an, daß
+das Erz in Ostafrika, welches verarbeitet wird, nicht in Lagern,
+Adern oder Gruben vorkommt; er fand es nur in einzelnen Klumpen im
+Boden oder kleine Mengen Raseneisenerz. Reichlich war letzteres
+namentlich bei Muluchuchu, zwischen dem Nyassa- und Tanganjikasee,
+vorhanden. »Alles im östlichen Centralafrika von den Schwarzen
+erschmolzene Eisen stammt aus solcher Sumpferzquelle.«[53] Nach R.
+BURTON ist auf der Route Sansibar-Tanganjikasee das Eisenerz unter
+dem Namen Utundwe oder Gangue bekannt; es wird an den Flanken der
+niedrigen Sandsteinhügel in Klumpen und Knollen aus metertiefen
+Löchern ergraben.[54]
+
+Anders liegen die Verhältnisse im Ugonogebirge südlich vom
+Kilimandscharo, der Heimat eines vortrefflichen Eisens, welches
+durch einen großen Teil von Ostafrika verbreitet ist und »höher
+geschätzt wird, als das beste schwedische«. Gewonnen wird es
+namentlich in dem Landstriche Usanga und zwar aus Eisensand,
+der magnetischer Natur zu sein scheint. Man wäscht ihn aus den
+Bächen und V. D. DECKEN glaubt, daß er aus der Zersetzung eines
+eisenglimmerhaltigen Gneises entstanden sei.[55]
+
+Die Verhüttung ist in diesem Teile Ostafrikas eine weit rohere als
+im Gazellenstromgebiet. Nach BURTON ist der Schmelzofen ein Loch
+in der Erde, das mit brennender Holzkohle gefüllt wird, auf welche
+man das Erz legt, dann wieder eine Schicht Kohle und so fort. Das
+Gebläse wird durch die bekannten Blasebälge (Mafukutu) erzeugt,
+deren Düsen aus Thon sind. Zuweilen werden fünf Paar derselben
+angewendet, um eine tüchtige Hitze zu erzeugen.[56] Im Eisenlande
+Usanga schichtet man den Eisensand in tiefen Gruben gar nur mit
+Holz, zündet den Brand an und unterhält das Feuer fünf Tage lang.
+Nach dem Erkalten der Glut findet das zusammengefrittete und mit
+Schlacken gemengte Eisen sich auf der Sohle des Herdes, dieses
+rohe Eisen wird im Schmiedefeuer zu kleinen Hacken verarbeitet, in
+welcher Gestalt es auch in den Handel kommt.[57] Auf so niedrigem
+Standpunkte nun auch hier die Gewinnung des Rohmaterials steht,
+um so höher ist die Schmiedekunst im Gebiete des Kilimandscharo
+entwickelt, worüber wir eine sehr genaue Schilderung des Geologen
+THORNTON, Begleiter V. D. DECKEN's, besitzen. Er schreibt: »Wir
+trafen den Meister innerhalb eines länglichrunden, von hoher,
+lebendiger Hecke umschlossenen Hofes bei seiner Arbeit. Er zeigte
+uns der Reihe nach alle seine Künste. Zuerst führte er uns zu
+der außerhalb des Zaunes gelegenen Schmiede, welche in ihrer
+Einrichtung wesentlich mit den Suaheliwerkstätten Sansibars
+übereinstimmt. Seine Hämmer sahen aus, als ob sie von Europa
+her eingeführt wären, doch versicherte uns der Mann, daß er sie
+selbst gefertigt habe. Als Amboß dienten einige harte, glatte
+Steine. Das Gebläse ist doppelt wirkend und besteht aus zwei
+gegerbten, in Form von Säcken hergerichteten Fellen, deren jedes
+an seinem unteren Ende an der Gabel eines ausgehöhlten, mit
+einem Steine beschwerten Baumastes festgebunden ist, während das
+obere Ende einen langen Schlitz zeigt, längs dessen zwei flache
+Stöcke befestigt sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet
+und emporhebt, schließt und niederdrückt, erzeugt man einen
+Luftstrom, welcher durch die Gabelröhre vereinigt und in einen
+Herd einfachster Art geleitet wird. Der Meister trug ein wenig
+Feuer zum Ofen, legte Holzkohlen darauf und fachte die Glut kräftig
+an. Dann erhitzte er mehrere Stücke altes Eisen und schweißte sie
+mit Zuhilfenahme eines Schweißmittels, bestehend aus den Brocken
+einer großen Muschel, zusammen. Ebenso vereinigte er mehrere alte
+Messer in kleine Barren und hämmerte diese zu längeren Stücken von
+vierkantigem Querschnitte aus. Zwei solche Stäbchen, an einem Ende
+zusammengeschweißt, am anderen etwas auseinander gebogen und mit
+einem darübergleitenden Ringe versehen, bilden eine sehr wirksame
+Zange, welche zum Drahtziehen benutzt wird, wie wir sogleich sehen
+sollten.«
+
+»Der Schmied erhitzte eine Rolle dicken Draht in einem leichten
+Feuer von Blättern und Stroh zu dunkler Rotglut. Während dieses
+langsam brannte, richtete er sein Zieheisen her, eine weiche
+Eisenplatte, deren Löcher je nach Bedürfnis durch Hammerschläge
+verengt oder durch Eintreiben eines glatten Domes erweitert wurden.
+Dann hämmerte er den Draht am Ende dünner, fettete ihn gehörig ein,
+steckte ihn in das Zieheisen, spannte das durchgekommene Stück in
+die Zange, setzte sich auf den Boden, legte die Ziehplatte zwischen
+seine Füße, zog einen langen Lederstreifen durch die Zange, faßte
+diesen mit der Hand an und beugte sich schnell rückwärts, so daß
+der Draht ein kleines Stück verlängert ward. Als durch mehrmaliges
+Wiederholen derselben Arbeit etwa eine Fußlänge des Drahtes
+verdünnt worden, stand unser geschickter Freund auf, ging an eine
+zwischen Pfählen befestigte, mit zahlreichen Löchern durchbohrte
+Pfoste, legte das Zieheisen in eine Kerbe hinter dieser, steckte
+den Draht durch das Loch, befestigte die Zange wieder am spitzen
+Ende und zog nun ein größeres Stück aus. Begreiflicherweise
+erweiterte sich das Loch in der ungehärteten Ziehplatte ziemlich
+schnell, und der letzte Teil des Drahtes ging mit Leichtigkeit
+hindurch; es gehört also nicht wenig Mühe dazu, um eine ganze Rolle
+gleichmäßig zu ziemlicher Feinheit auszustrecken.«
+
+»Darauf sahen wir uns den feinen, auf diese Weise gewonnenen Draht
+an, aus welchem die hier so beliebten Schmuckkettchen bereitet
+werden. Der gefällige Künstler befriedigte unsere Neugierde, indem
+er auch noch an einer solchen Kette zu arbeiten begann. Er wickelte
+den feineren Draht um ein dickeres, stricknadelförmiges Eisen und
+schnitt längs desselben hin die ganze Schneckenwindung mit einem
+scharfen Meißel in kleinere Ringe, von denen jeder ein Gliedchen
+bildet -- ganz in derselben Art, wie dies auch unsere Handwerker
+thun.«
+
+»Wir blieben wohl anderthalb Stunden bei dem geschickten Manne. Der
+Baron bestellte beim Weggehen einige Kettchen, ein Schwert, ein
+Paar Messer und Lanzenklingen; der Schmied nahm jedoch nur ersteren
+Auftrag an und weigerte sich entschieden, Waffen zu fertigen oder
+zu verkaufen.«[58]
+
+Hier treffen wir also auf das Schweißen, das sonst wenig bei den
+Negern bekannt ist; auch die Art des Drahtziehens erregt unsere
+Aufmerksamkeit. Die Zange, im Prinzip dieselbe wie die Holzzange
+der Bongo (Fig. 9), zeigt einen Fortschritt, indem sie aus Eisen
+hergestellt ist. Was aber stark abweicht, sind die Blasebälge,
+denen der trichterförmige untere Fortsatz aus Thon fehlt und die
+nur aus Lederschläuchen bestehen, welche mit flachen Holzstäben,
+die aneinanderpassen, am Schlitz versehen, beim Einlassen der Luft
+geöffnet, beim Ausdrücken derselben geschlossen werden. Es ist
+dieses eine Variation des afrikanischen Blasebalges, die nicht
+vereinzelt dasteht, da MARNO aus Sennâr[59] und LIVINGSTONE[60]
+aus den Hochlanden am südlichen Njassasee dieselbe abbilden. Die
+Übereinstimmung mit indischen Bälgen werden wir kennen lernen.
+
+Eine ziemlich eingehende Schilderung der lebhaften Eisenindustrie
+des Volkes der Waitumba besitzen wir durch J. T. LAST.[61] Sie
+wohnen in den Humbabergen zwischen 6° und 7° südl. Breite und 36°
+und 37° östl. L. v. Gr. Das Ausgraben der Eisenerze und Waschen
+derselben wird von Weibern besorgt, die an den Abhängen der Berge
+etwa 60 cm tiefe Löcher graben, um auf einen roten thonigen Sand
+zu stoßen, in welchem das Eisenerz in kleinen Stücken verteilt
+liegt; es macht etwa fünf Prozent des Sandes aus. Dieser Sand
+wird zu einem kleinen Bache gebracht, der über terrassenförmig
+angelegte große Löcher geführt wird, die er eines nach dem anderen
+durchläuft. In diese Löcher wird der erzhaltige Sand geschüttet,
+um von seinen feineren Teilen durch successives Auswaschen in
+denselben befreit zu werden. Es bleiben nur grober Kies und die
+Erzstücke zurück, die, nachdem sie in der Sonne getrocknet sind,
+mit einer Worfelschaufel (_ungo_) von einander getrennt werden.
+Das so erhaltene Eisenerz (_mudapu_) wird in Säcken aus Palmfaser
+an die Schmelzer verkauft. Die Stelle, wo das Erz vorkommt, ist
+Eigentum des Distriktshäuptlings, der sie durch seine Leute
+ausbeuten läßt. Bezahlt wird das Erz durch ein gleiches Volumen
+Korn.
+
+Die Schmelzer schlagen nun zunächst Holz, spalten dasselbe in
+1,3-1,6 m lange Scheiter und häufen dieselben zu einer 1,6 m hohen,
+etwa 2,7 m im Gevierte haltenden Pyramide auf, die in Brand gesetzt
+und zu Kohlen gebrannt wird. Von einer meilerartigen Bedeckung
+mit Erde berichtet LAST nichts. Die abgekühlten Kohlen werden
+mit Binsen zu Bündeln zusammengeschnürt und so zum Schmelzplatze
+gebracht. Nachdem Erz und Holzkohle (_makala_) bereit, werden die
+Luftröhren (_kelwa_) und Bälge (_nuvukuto_) fabriziert; erstere
+werden aus Thon über Bambus modelliert; sie sind 1,4 m lang, haben
+einen Durchmesser von 6 cm und am Ende eine verstärkte Schnauze.
+Der Blasebalg besteht aus einem Holzcylinder mit Röhre aus dem
+gleichen Material; er ist oben mit einem Stück Leder geschlossen,
+aus dem ein Stock als Handhabe hervorragt. Nun wird Feuer in einer
+Grube entzündet und wenn dieses lustig brennt, wird eine doppelte
+Handvoll Erz, gefolgt von Holzkohle, hineingeworfen, und so fort
+unter gleichzeitigem Blasen von drei Paar Bälgen, die je von
+einem Mann und Burschen abwechselnd bedient werden. Gegen Ende
+des Schmelzganges wird das Erz vermindert und Kohle in größerem
+Maßstabe gegeben; ist alles durchgeschmolzen, so bleibt die Masse
+eine halbe Stunde ruhig stehen und alsdann werden drei Töpfe voll
+Wasser über dieselbe ausgegossen. Der Prozeß ist jetzt beendigt
+und der erhaltene Eisenklumpen wird mit einem dicken Seile von
+Kongigras aus der Grube herausgezogen, um gänzlich abzukühlen. Der
+Klumpen hat gewöhnlich 35-40 cm Durchmesser bei 50-70 cm Länge. Man
+bereitet sich einen Vorrat solcher Klumpen, zerschlägt sie dann
+mit einem eisernen Hammer in wallnußgroße Schirbeln und schmilzt
+diese abermals mit Holzkohle, jedoch nur unter Anwendung von ~ein~
+paar Blasebälgen, in einer Grube um. Die so erhaltene Luppe wird
+mit einer Zange aus dem Loche gezogen und mit schweren Hämmern
+auf einem Amboß aus Stein zu einer soliden viereckigen Masse
+zusammengehämmert. Doch ist diese immer noch sehr porös, so daß dem
+Schmiede, der dieses Eisen zu Hacken formt, noch viel Arbeit übrig
+bleibt.
+
+Auch am Njassasee, der noch in diese ostafrikanische Region gehört,
+hat sich eine sehr ausgebreitete Eisenindustrie entwickelt.
+Westlich von demselben »muß das Eisengewerbe schon sehr lange
+betrieben worden sein, denn man kann nicht eine Viertelstunde
+weit gehen, ohne auf Schlacken und zerbrochene Töpfe, oxydierte
+Röhren und Reste der Schmelzöfen zu stoßen, die durch das Feuer in
+Ziegelsteine verwandelt sind.«[62] Das Erz -- wahrscheinlich das
+schwarze Oxyd, schreibt LIVINGSTONE -- sah wie Sand aus und wurde
+durch die Öffnung in der Spitze des Schmelzofens hineingeschüttet,
+vermischt mit Holzkohle. In den südlichen Hochlanden am Njassa
+wird das Eisenerz »aus den Bergen« gegraben. Jedes Dorf hat dort
+sein Schmelzfeuer, seine Holzkohlenbrenner, seine Schmiede. Die
+Äxte, Speere, Nadeln, Pfeilspitzen, Arm- und Beinringe sind in
+Betracht der einfachen Werkzeuge, welche dabei angewendet werden,
+recht gut und sehr billig. Eine Hacke im Gewicht von 1 kg wird
+für Kaliko im Werte von vier Pence verkauft.[63] Über die Art
+des Schmiedens bei den hier wohnenden Mangandscha berichtet
+LIVINGSTONE[64] ferner: »Der Hammer ist ein großer Stein, umschnürt
+mit starken Bastseilen, woran Öhsen gelassen sind, welche Handhaben
+bilden (Fig. 11). Zwei Stücke Rinde bilden die Zange und ein großer
+in den Boden eingelassener Stein den Ambos. Der offene Blasebalg
+besteht aus zwei Ziegenfellen, mit Stöcken an den Enden, welche
+sich bei jedem Luftstrome öffnen und schließen.«
+
+[Illustration: Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach
+LIVINGSTONE.]
+
+Geographisch anschließend sind hier die Marawi zu erwähnen, deren
+Land 1830 Monteiro und Gamitto durchzogen. Sie sammeln das Eisenerz
+an der Oberfläche. »Man thut das Eisenerz in ein Thonrohr von 7 m
+(40 Palmos) Höhe und 20 cm Breite, dessen untere weitere Basis
+mit Kohlen angefüllt ist.« Hier liegt entschieden ein Fehler vor,
+denn eine 7 m lange und nur 20 cm breite Thonröhre von Negern
+hergestellt und zur Eisengewinnung dienend, wäre ein Wunder. Es
+wird hier wohl ein thönerner Schmelzofen gemeint sein, wie wir
+ihn schon mehrfach kennen lernten. Über dem Fußboden sind Löcher
+angebracht, in welche die einfachen Fellblasebälge ihren Windstrom
+ergießen. Beim Ausschmieden dienen Steine als Ambos und Hammer,
+zwei Stücken Holz als Zange.[65]
+
+Ein ostafrikanisches Volk, welches das Eisen kennt und reichlich
+benutzt, aber nicht selbst darstellt, sind die Masai. T. T. LAST
+berichtet von ihnen: »_There is no iron in the country, nor do the
+Masai know how to work it. I have been told that formerly the Masai
+used wooden swords and spears made from hard wood, but when they
+came to Ugogo they laid aside their wooden arms and took those of
+the Wagogo._«[66]
+
+~Eisenindustrie im äquatorialen Westafrika.~ Aus dem Innern Afrikas
+sind bis an die Westküste unter dem Äquator die kannibalischen
+Gewohnheiten ergebenen Fan vorgedrungen. Sie werden wegen
+vieler Übereinstimmungen in Sitten und Gebräuchen mit den durch
+SCHWEINFURTH geschilderten Monbuttu in Zusammenhang gebracht. Geht
+man auf ihre Eisenindustrie ein, so läßt sich diese Übereinstimmung
+jedoch nur teilweise konstatieren.
+
+Die in der Nähe der Küste ansässigen Fan haben die Eisenproduktion
+jetzt schon aufgegeben, da sie das Eisen aus den europäischen
+Faktoreien erhalten. Die weiter im Innern wohnenden aber wissen
+dasselbe aus einem überall massenhaft vorkommenden thonigen
+Brauneisenstein herzustellen. Sie graben nicht nach demselben,
+sondern suchen denselben an der Oberfläche zusammen. Der Prozeß
+ist ein äußerst roher und wird ohne jede Art von Ofen betrieben.
+Man stapelt einfach einen großen Holzstoß auf und schüttet darauf
+eine Menge des zerkleinerten Erzes; darunter legt man abermals Holz
+und dann zündet man den Haufen an. Brennt der Stoß nieder, so wird
+neues Holz zugeführt, bis man den Reduktionsprozeß beendigt glaubt.
+
+Die Ausschmiedung des so erhaltenen Rohproduktes ist natürlich
+eine höchst langwierige Operation. Doch die Fan sind weit
+bessere Schmiede als Hüttenleute. Die Blasebälge sind nach dem
+allgemein afrikanischen Prinzipe geformt, nur werden zum unteren
+Teil Holzcylinder statt der Thongefäße angewendet. Die Cylinder
+sind oben mit genau passenden Häuten geschlossen, an denen sich
+Handhaben befinden, welche der die zwei Blasebälge Bedienende sehr
+schnell auf- und abzieht. Die Luft wird durch enge Holzröhren
+mit eisernen Düsen dem Schmiedefeuer zugeführt. Der Ambos der
+Fanschmiede ist ein solides, in den Boden eingelassenes Eisenstück.
+Statt eines Hammers, den die Fan nicht kennen, bedienen sie sich
+eines 1-1/2 bis 3 Kilo schweren konischen Eisenstückes, wie die
+Bongo etc. Das durch wiederholtes Durchschmieden erhaltene Eisen
+ist von vorzüglicher Güte und wird von ihnen dem europäischen
+vorgezogen. Die Schwerter, Messer, Lanzen- und Pfeilspitzen der
+Fan zeugen von vorzüglicher Arbeit. Worin aber die Fan noch
+hervorragen, das ist die Bereitung der Holzkohlen zum Schmieden in
+Meilern, die mit Erde bedeckt sind, so daß darin das Holz langsam
+verkohlt.[67]
+
+Auch die Osaka weiter aufwärts am Ogowé sind gute Eisenarbeiter,
+kennen die Meiler, die eisernen Amboße und die doppelten Blasebälge
+genau wie die Fan. Die Schmelzöfen sind auch ihnen unbekannt. Das
+Eisen gewinnen sie aus den roten thonigen Eisensteinkonkretionen,
+die überall in der alles überziehenden Lehmdecke stecken.[68]
+
+~Eisenindustrie in Nordwestafrika.~ Dieses hat verhältnismäßig
+am intensivsten und längsten unter fremdem Einflüsse gestanden.
+Von Norden her drang der Islam vor und er ist nun fast an der
+Guineaküste angelangt; seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts reihte
+sich eine Faktorei der Europäer nach der anderen vom Senegal bis
+zur Goldküste aneinander und damit wurden fremde Handelsprodukte
+in das Land der Schwarzen gebracht. Der uralte Karawanenverkehr
+vom Mittelmeer nach dem Sudan hat wohl frühzeitig auch Eisenwaren
+und Waffen bis zum Niger und Tsadsee gebracht, so daß seit langem
+schon in dieser Region die heimische Eisenindustrie der fremden
+Konkurrenz weichen mußte. Das europäische Eisen in Stabform wurde
+Wertmesser in den Senegalländern. »In ihrem früheren Handel mit
+den Europäern,« sagt MUNGO PARK von den Einwohnern derselben, »war
+Eisen die von ihnen am meisten geachtete Ware. Durch dessen Nutzen,
+da es die Werkzeuge des Krieges und Ackerbaues giebt, wurde ihm
+vor allem anderen der Vorzug erteilt. Eisen wurde daher bald der
+Maßstab, nach dem sich der Wert aller anderen Waren bestimmt.«[69]
+Eisenstücke sind südlich von Wandala (11° nördl. Br.) als Münze im
+Verkehr und in Bagirmi sah NACHTIGAL, wie Wurfeisen gegen Getreide
+eingetauscht wurden; dieses war nämlich die einzige Münzsorte,
+welche die Eingeborenen für Getreide annahmen.[70] Eisengeld, das
+in Korórofa am Binué gilt, lernte FLEGEL in Danzufa kennen. Er
+schildert dasselbe als eine eiserne Erdhacke ohne Stiel.[71] Es ist
+gerade so, wie in dem Gebiete der westlichen Nilzuflüsse, wo bei
+den Djur Lanzenspitzen, bei den Bongo tellergroße Eisenplatten die
+Rolle gemünzten Geldes spielen.[72] In Boni an der Nigermündung
+dient ein hufeisenförmiges Eisenstück, Igbi oder Manilla genannt,
+als Münze[73]; daß dieses hufeisenförmige Eisengeld bis zum Gabon
+reicht und dort bei den Mpongwe in Bündeln von acht bis zehn Stück
+umläuft, wissen wir durch WILSON, der hinzufügt, es sei nicht bloß
+Tauschmittel, sondern _real currency_.[74]
+
+Wie sehr Afrika von Norden her mit europäischen Eisenwaren
+überschwemmt wird, ersehen wir z. B. aus den Schilderungen des
+Marktes in Kano, wo Schwertklingen aus Solingen und Rasiermesser
+aus Steiermark einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen. Mit den
+Solinger Klingen werden die Tuareg der Wüste, die Haussaua, die
+Fulbe, Nyffaua und Bornuaner von Kano aus versorgt. BARTH schätzt
+ihre Einfuhr auf jährlich 50000 Stück, und ähnlich verhält es sich
+mit den ordinären steirischen Rasiermessern.[75]
+
+Es ist begreiflich, daß unter solchen Umständen die einheimische
+Eisenindustrie leiden und allmählich verkümmern mußte. Der
+Neger vermochte nicht mit der billigen ausländischen Ware zu
+konkurrieren, die er mit seinen Naturprodukten ohnedies leicht
+bezahlen konnte. So finden wir denn auch in Nordwestafrika
+gegenüber den centralafrikanischen Ländern eine weit weniger
+ausgedehnte heimische Eisenindustrie, deren Produkte sich auch
+nicht in bezug auf Güte und Kunstfertigkeit mit jenen der
+centralafrikanischen Neger messen können. Immerhin ist aber die
+heimische Eisenindustrie in Nordwestafrika noch ausgebreitet
+genug, um zu zeigen, daß sie hier so selbständig wie in anderen
+Negerländern von Anfang an war. Selbst in dem mitten in der
+Wüste gelegenen Lande Tibesti oder Tu wird Eisen, wenn auch in
+unzureichender Menge, gewonnen und die Einwohner (Tibbu oder Teda)
+verfertigen sich ihre Waffen wenigstens teilweise selbst, doch
+werden die Lanzen meist aus den umliegenden Ländern eingeführt.[76]
+Bornu ist seiner geologischen Beschaffenheit nach kein Land der
+Eisenerzeugung; doch arbeiten dort die Schmiede ganz so wie bei
+den übrigen Afrikanern und ihre primitiven Blasebälge sind aus
+einem Ziegen- oder Schaffell hergestellt, dessen hintere Enden
+sich beim Drucke durch Klappen schließen.[77] Dagegen ist
+Mandara oder Wandala südlich von Bornu ein Hauptsitz vorzüglicher
+Eisenindustrie, von wo schöne Sachen in den Handel kommen,
+ebenso Gurgara im südlichen Bagirmi.[78] Im Reiche Sokoto finden
+sich Eisenminen bei Schiri, eine Tagereise nördlich von Garo N
+Bautschi, bei Fagam, zwei Tagereisen nordwestlich von der eben
+genannten Stadt, bei Kirfi am rechten Ufer des Gombe, bei Bele und
+Fali, sechs bis acht Stunden östlich von Kirfi; andere Orte der
+Eisenerzeugung sind noch Baura, Gulda, Muta, Kagalám, Mia Biri,
+Kaatana[79], doch fehlen alle näheren Angaben über die Art der
+Gewinnung etc.
+
+Nordwestafrika, zumal in den Gebieten am Senegal, dem Casamance
+und Rio Grande, ist nach den Berichten der verschiedenen Reisenden
+reich an Eisenerzen und an Gold. Allein die Eisenerze bilden
+hier (wie anderwärts in Afrika) keine fortlaufenden Lagerstätten
+in unserem Sinne, sondern sind in der eisenführenden Formation,
+die sich weit über das Land erstreckt, verteilt. Die meisten
+Erze gehören zum Laterit. Oft finden sich darin kleinere oder
+größere Parteien, in denen das Erz, Brauneisen oder auch Roteisen
+konzentriert ist und die bis 60% Eisenoxyd enthalten. Alle Erze
+finden sich auf sekundärer oberflächlicher Lagerstätte, weshalb
+auch von einem eigentlichen Bergbau hier schon deshalb nicht
+die Rede sein kann, weil es keinen Sinn hätte, in die tieferen
+Schichten zu gehen. Alles von den Eingeborenen gesammelte Erz
+stammt von der Oberfläche.[80]
+
+Die westlichen Fulbe sind gute Eisenarbeiter. LAMBERT, welcher 1860
+bis Timbo in Futa Djallon vordrang, bildet aus diesem Lande einen
+_Fonte du minerai de fer_ ab (Fig. 12), welcher die Form eines
+kleinen Hochofens hat, giebt aber keine Beschreibung. Die Schmiede
+arbeiten dort mit den Blasebälgen aus Fellen.[81]
+
+Von den aus Serracoletts bestehenden Einwohnern des Dorfes
+Langebane in Futa Djallon bemerkt MOLLIEN, daß sie alle Besitzer
+von Eisenschmelzöfen seien. Er schildert aber die Öfen und
+den Prozeß der Gewinnung nicht, sondern sagt nur, daß man, um
+das fertige Metall zu hämmern, sich eines rundlich geformten
+Granitblockes bediene. Diesen umfassen die Schmiede mit einem
+Streifen Leder und an diesem Streifen sind wieder lederne Riemen
+befestigt, welche der Arbeiter in die Hand nimmt; so hebt er nun
+den Stein in die Höhe und läßt ihn auf das Eisen, welches auf einem
+niedrigen, in der Erde stehenden Amboß liegt, herabfallen.[82]
+
+[Illustration: Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT.]
+
+Über das Schmelzverfahren der Mandingo sind wir durch MUNGO PARK
+unterrichtet worden.[83] »Während meiner Anwesenheit zu Kamalia,«
+schreibt er, »war ein Schmelzofen in geringer Entfernung von der
+Hütte, wo ich wohnte, und der Eigentümer sowohl als seine Arbeiter
+machten kein Geheimnis aus der Art ihres Verfahrens und erlaubten
+mir recht gern, den Ofen zu untersuchen und ihnen zu helfen, den
+Eisenstein zu zerstoßen. Der Schmelzofen war ein zirkelförmiger
+Turm von Lehm, 3 m hoch und 1 m im Durchmesser. Er war an zwei
+Orten mit einem Geflechte eingefaßt, um den Lehm zu verhindern
+durch die Hitze des Feuers zu bersten und auseinander zu fallen.
+Rund um den unteren Teil, mit dem Boden gleich, aber nicht so
+tief als der Boden des Ofens, der ein wenig höher war, hatte man
+sieben Öffnungen angebracht, in deren jede man drei Röhren von
+Lehm gesteckt und die Öffnungen wieder so verklebt hatte, daß
+keine Luft in den Ofen als nur durch diese Röhren dringen konnte,
+durch deren Öffnung und Zuschließung sie das Feuer leiteten. Diese
+Röhren wurden gemacht, indem man ein Gemisch von Lehm und Gras
+um ein glattes Rollholz klebte, welches, sobald der Lehm hart
+wurde, herausgezogen und die Röhre in der Sonne getrocknet wurde.
+Der Eisenstein, den ich sah, war sehr schwer und von einer matten
+roten Farbe mit grauen Flecken. Er wurde in Stücken ungefähr von
+der Größe eines Hühnereies zerbrochen. Ein Bündel Holz, welches
+sehr trocken war, wurde zuerst in den Ofen gelegt und mit vielen
+Holzkohlen bedeckt, die man fertig gebrannt aus dem Walde brachte.
+Hierüber wurde wieder eine Schicht Eisenstein gelegt und dann
+wieder eine andere von Holzkohlen und so fort, bis der Ofen ganz
+voll war. Das Feuer wurde durch eine der Röhren entzündet und
+während einiger Zeit mit Blasebälgen, die man aus Ziegenhaut
+gemacht hatte, angefacht. Die Operation ging vorerst sehr langsam
+fort und es vergingen einige Stunden, ehe die Flamme über den Ofen
+hinausschlug. Nach diesem aber brannte es mit großer Heftigkeit
+während der ganzen ersten Nacht; und die dabei stehenden Leute
+warfen von Zeit zu Zeit mehr Holzkohlen hinein.
+
+»Am folgenden Tage war das Feuer nicht so wild, und in der zweiten
+Nacht wurden einige Röhren herausgezogen und mehr Luft in den Ofen
+gelassen. Die Hitze war indessen noch immer sehr gewaltig, und eine
+blaue Flamme schlug einen halben Meter über die Spitze des Ofens
+hinaus.
+
+»Am dritten Tage vom Anfang der Operation wurden alle Röhren
+herausgenommen, da dann die Enden mehrerer derselben zu Glas durch
+die Hitze gebrannt worden; das Metall wurde aber nicht eher, als
+einige Tage nachher gerührt, als das Ganze vollkommen abgekühlt
+war. Ein Teil des Ofens wurde dann niedergerissen und das Eisen
+lag da in Form einer großen unregelmäßigen Masse mit Stücken
+Holzkohlen, welche daran festklebten. Es war klingend, und wenn
+irgend ein Teil davon abgebrochen war, so sah es bei dem Bruche
+körnig aus wie zerbrochener Stahl. Der Eigentümer sagte mir,
+daß viele Teile dieses Kuchens nichts taugten, daß aber dennoch
+hinlänglich gutes Eisen übrig war, um ihn für seine Mühe zu
+entschädigen.
+
+»Dieses Eisen oder vielmehr Stahl wird zu mannigfachen Werkzeugen
+verarbeitet, indem man es wiederholt in einer Schmiede heiß
+macht, deren Hitze durch ein paar doppelte Blasebälge, von sehr
+einfacher Zusammensetzung unterhalten wird. Sie werden aus zwei
+Ziegenhäuten gemacht, deren Röhren zusammenstoßen, ehe sie in
+die Schmiede kommen und ein unaufhörliches und sehr regelmäßiges
+Blasen unterhalten. Hammer, Zange und Amboß sind alle sehr einfach
+und die Arbeit -- sonderlich in der Verfertigung von Messern und
+Speeren -- ist nicht ohne alles Verdienst. Das Eisen ist in der
+That hart und bröcklich und erfordert viel Arbeit, ehe man es
+soweit tauglich machen kann, daß es dem Endzwecke entspricht.
+
+»Die meisten afrikanischen Eisenschmiede sind auch mit der Art zu
+schmelzen bekannt, in welchem Prozeß sie von einem alkalischen
+Salze Gebrauch machen, welches man von der Lauge verbrannter
+Maisstengel erhält, die man bis zum Trocknen hat verdunsten lassen.«
+
+Nach dieser Schilderung ist der Ofen ähnlich dem von LAMBERT
+abgebildeten. Interessant ist der von MUNGO PARK erwähnte
+alkalische Zuschlag aus Maisasche, welcher dazu dient, das Eisenerz
+leichtflüssiger beim Schmelzen zu machen; es ist dieses das einzige
+mir bekannt gewordene Beispiel dieser Art in Afrika.
+
+Die Mandingo gelten für die vorzüglichsten Metallarbeiter in
+Nordwestafrika. Häufig lassen sie sich als Schmiede unter anderen
+Völkern nieder und bei den Fullahs werden Metallarbeiten meist
+durch Mandingosklaven verrichtet. Sie sind auch gute Goldschmiede.
+»Das Schmelzen des Goldes oder Silbers geschieht gewöhnlich in
+einem thönernen Tiegel, welcher nach dem Hineinlegen des Goldsandes
+ganz mit Kohlen bedeckt wird. Die Schmelze wird dann in ein anderes
+irdenes Gefäß oder in ein Loch in der Erde gegossen und erst später
+durch neuerliches Erhitzen geformt. Manche dieser Goldgegenstände
+bestehen aus reinem natürlichen Gold, während bei anderen etwas
+Bronze beigegeben wird. Die Goldsorten haben eine etwas blasse
+Farbe, ungefähr so, wie die der englischen Münzen ist. Die Form der
+Gold- und Silberringe ist in den meisten Fällen die spiralförmig
+gewundene, wie die der Armbänder, seltener sind flache Ringe
+mit eingravirten Verzierungen.«[84] Woher »die Bronze«, welche
+als Zusatz verwendet wird, stamme, sagt unsere Quelle nicht.
+Ist es wirkliche Bronze, kein Messing, so wird sie wohl auf dem
+Handelswege von der Küste zu den Mandingos gelangt sein.
+
+Von den Aschanti wissen wir, daß sie vortreffliche Schmiede und
+Gießer sind, aber das Eisen nicht aus den Erzen zu erschmelzen
+verstehen.[85]
+
+~Eisenindustrie in Südafrika.~ Betrachten wir zum Schluß die
+Eisengewinnung bei den Südafrikanern. Es sind drei verschiedene
+Völker oder Stämme, mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben:
+die Buschmänner, die Hottentotten und die Kaffern nebst Verwandten.
+
+Die Buschmänner, am tiefsten auf der Skala der Afrikaner stehend,
+kennen die Bearbeitung der Metalle in der Glühhitze nicht,
+geschweige denn die Darstellung des Eisens. Das Rohmaterial zu
+ihren eisernen Pfeilspitzen erhalten sie von auswärts und es
+ist dabei charakteristisch, daß sie die Spitzen ihrer Pfeile
+»mit unendlicher Mühe fast nur mittels einiger geeigneter Steine
+herstellen«.[86] Sie behandeln also das Metall selbst als Stein.
+
+Den Hottentotten ist dagegen die Bearbeitung des Eisens bekannt,
+wiewohl es gerade bei ihnen (siehe oben S. 7) am spätesten
+selbst dargestellt wurde und beim Auftreten der Europäer noch
+verhältnismäßig selten war. Europäisches Eisen tauschten sie gern
+ein, doch stellten sie, wie wir durch KOLBEN u. a. wissen, auch
+solches selbst dar; unter allen Handwerkern giebt der Hottentott
+den Schmieden den Vorzug. »Ich kann versichern,« sagt KOLBEN,
+»daß ihre Arbeit, so wie sie selbige verfertigen, keine geringe
+Geschicklichkeit erfordert. Man muß das Eisenerz suchen, schmelzen,
+bearbeiten und das alles mit Steinen, statt alles Werkzeuges. Es
+wird jedermann gestehen, daß die Sache nicht einmal leicht zu
+begreifen ist. Wollen sie das Erz schmelzen, so graben sie ein
+großes Loch in die Erde, worin man eine große Menge schütten kann.
+Dieses Loch erhitzen sie, indem sie viel Holz darin verbrennen.
+Hernach werfen sie das Erz hinein, viel Holz darüber her und
+zünden dieses an. Aus diesem Loche geht ein unterirdischer Gang
+oder Röhre in ein anderes niedrigeres Loch, worin das geschmolzene
+Eisen läuft(?). Wenn es erkaltet, schlagen sie es mit Steinen zu
+Stücken und schmieden hernach ebenfalls mit Steinen ihr Gewehr
+daraus, ihre Pfeilspitzen, Assagaien und Angeln.«[87] So kurz und
+roh die Beschreibung, läßt sich doch ungefähr der Prozeß verfolgen,
+aber von einem »Laufen« des geschmolzenen Eisens kann keine Rede
+sein, hier muß sich KOLBEN geirrt haben, auch werden wohl den
+Hottentotten damals schon die Blasebälge nicht gefehlt haben.
+
+Was die eigentlichen Kaffern, also die südlichsten der Abantu,
+betrifft, so giebt FRITSCH an, daß sie das rohe Eisen aus dem
+Innern, also zivilisierteren Gegenden, bezogen und daß wohl nur
+ein sehr kleiner Teil bei ihnen selbst gewonnen wurde[88], was
+wieder dafür sprechen dürfte, daß die Kenntnis des Eisenschmelzens
+von Nord nach Süd vorrückte. Dagegen sind die Kaffern geschickte
+Schmiede, deren Blasebälge nach der Beschreibung, die FRITSCH
+giebt, mit jenen der weiter unten zu erwähnenden Barotse
+übereinstimmen. Das Schmieden geschieht mit entsprechend geformten
+Steinen, die einfach in der rechten Hand gehalten werden, auf
+einem flachen Stein als Amboß, was natürlich eine unendlich
+mühsame Arbeit ist. Die geschmiedeten Produkte sind sehr weich
+und geschmeidig, so daß man eine dünne Assagaiklinge aufrollen
+kann, ohne daß sie bricht. Das Geheimnis der geringen Neigung
+zum Rosten im Vergleich mit europäischem Metall beruht einfach
+darin, daß das Kafferneisen anhaltend gehämmert und dabei
+angelassen ist, wodurch ein sehr widerstandsfähiges Häutchen von
+einer niedrigen Oxydationsstufe auf demselben entsteht, während
+europäisches Material stark erhitzt, mäßig gehämmert, dann mit der
+Feile bearbeitet und vielleicht auch noch poliert wird, so daß es
+eines ähnlichen Schutzes entbehrt. Die afrikanischen Waffen sind
+demgemäß auch nicht blank, sondern von einer bräunlich grauen
+Färbung.[89] Von den benachbarten Zulu berichtet KRANZ, daß sie
+allerdings das rohe Eisen aus den Erzen darstellen, wobei sie
+Blasebälge von der gewöhnlichen Form und beim Ausschmieden Steine
+benutzen[90] und so auch bei den Betschuanen, die ihr Rohmaterial
+aus Raseneisenstein erhalten. »Sie bauen einen Meiler(!) von Kohlen
+auf ebener Erde oder in einer Vertiefung, von wo thönerne Röhren in
+radiärer Richtung nach außen führen, um von allen Seiten mittels
+Blasebälgen einen starken Luftstrom hineintreiben zu können. Wenige
+zerkleinerte Erzstücke, welche in der Mitte aufgehäuft sind, kommen
+so durch andauerndes Erhitzen allmählich zum Schmelzen und werden
+in ein unreines Roheisen(!) verwandelt, welches nachher durch
+Hämmern und wiederholtes Erhitzen weiter gereinigt wird.«[91]
+Die Speerspitzen der Betschuanen zeigen dieselben feinen und
+künstlichen Widerhaken und Ansätze, wie die der Monbuttu und
+Bongo. Am höchsten stehen aber, nach HOLUB's Urteile, unter den
+Südafrikanern in der Eisenbearbeitung die Völker des Marutsereiches
+am mittleren Sambesi. HOLUB, der uns allerdings nicht sagt, ob
+sie das rohe Material aus den Erzen erschmelzen, beobachtete bei
+ihnen Blasebälge, drei Arten von Hämmern, Werkzeuge um Löcher ins
+Eisen zu schlagen, Bohrer für Metall und Holz, Zangen, Amboße,
+Meißel.[92] Die Form der Hämmer gleicht der europäischen; da aber
+die südlicheren Völker, welche weit mehr dem europäischen Einflusse
+ausgesetzt waren, solche Geräte nicht kennen und das Land am
+mittleren Sambesi überhaupt erst durch LIVINGSTONE erschlossen
+wurde, so würde hier kaum auf Entlehnung zu schließen sein, wenn
+nicht HOLUB ausdrücklich berichtete, daß die Barotse unsere
+Kugelzieher und Schrauben bereits nachahmten. Die Zange (Fig. 14)
+ist dagegen wieder echt afrikanisch, wiewohl auch einen Fortschritt
+aufweisend: ihr zu Grunde liegt das gespaltene durch einen
+laufenden Ring weit und eng stellbare Stück Holz, doch ist sie
+aus Eisen. Die Blasebälge (Fig. 13) sind zwei hölzerne Schüsseln,
+oben mit Leder überzogen, von denen zwei Holzröhren ausgehen,
+die zunächst in zwei Hornröhren, aus den Hörnern der Säbel- oder
+Gemsbockantilope, führen und dann in eine thönerne Düse münden. Das
+ganze Instrument ist 1-1-1/4 m lang.
+
+[Illustration: Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB.]
+
+[Illustration: Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB.]
+
+~Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie.~ Versuchen wir es,
+nach den mitgeteilten Einzelheiten ein Gesamtbild der afrikanischen
+Eisenindustrie zu entwerfen, so müssen wir zunächst die Verbreitung
+derselben über den ganzen Kontinent hervorheben. Der Norden kommt
+für uns nicht in Betracht; hier wirkten von den Tagen des Altertums
+an die Kulturvölker am Mittelmeer auf die Libyer und wurden später
+mohamedanische Einflüsse geltend. Von den Ägyptern haben wir
+gesehen, daß sie früh, bei ihrem Eintreten in die Geschichte, mit
+dem Eisen vertraut waren, wiewohl Bronze bei ihnen das herrschende
+Metall war; auch ist es nicht unmöglich, daß von ihnen die Kenntnis
+der Eisenbereitung zu den Schwarzen überging, wofür oben einige
+Gründe hervorgehoben wurden, auf die wir indessen nicht allzugroßen
+Wert legen, da wir den Neger für vollkommen fähig halten, selbst
+auf die Eisenreduktion zu verfallen, zumal sein Land weit und
+breit dazu ein gutes, leichtflüssiges Material in den weichen
+Raseneisensteinen liefert. Die Annahme, daß ein Fortschreiten der
+afrikanischen Eisenkenntnis von Nordosten nach Süden zu stattfand,
+wird gestützt durch die hohe Entwickelung des Eisenhüttenwesens bei
+den Völkern am Bahr el Ghazal und die lange Zeitdauer der Steinzeit
+im Süden, wo selbst noch die europäischen Entdecker begierige
+Abnehmer ihres Eisens fanden und einzelne Stämme, wie z. B. die
+auf der tiefsten Stufe der afrikanischen Völkerskala stehenden
+Buschmänner, überhaupt die Eisenbereitung und die Schmiedekunst
+noch heute nicht kennen. Im allgemeinen sind aber alle Afrikaner
+wenigstens mit der letzteren vertraut und in manchen Ländern hat
+sich die Eisenindustrie vergleichsweise großartig entwickelt, so
+daß sie weit über den heimischen Bedarf arbeitet und im reichlichen
+Maßstabe exportiert, wie in Manjema, das von CAMERON _the black
+country of Africa_ genannt wird. Deutlich läßt sich in Afrika
+verfolgen, wie mit der Kenntnis und der Darstellung des Eisens
+das Bedürfnis nach Arbeitsteilung erwacht und verknüpft ist. Hier
+entwickelt sich ein wirkliches, fast zünftiges Schmiedegewerbe,
+mit großer Fertigkeit meist von besonderen Klassen oder Familien
+ausgeübt, während die Töpferei, die Weberei etc. von allen
+Stammesgliedern betrieben werden. Der Schmied stellt aber überall
+eine besondere Klasse vor.[93]
+
+Wenn es nun auch scheint, daß eine ungeheuere Menge Eisen in Afrika
+produziert wird, so darf man doch nicht vergessen, daß dieselbe
+fast nur zu Waffen und Geräten verwendet wird und »daß ein Stamm
+von mehreren tausend Menschen im Laufe des Jahres noch nicht eine
+Tonne Eisen verbraucht«.[94] Überall aber erkennen wir, daß diese
+Industrie uralt und bodenständig, daß sie die Metallindustrie der
+Afrikaner _par excellence_ ist und jedes andere Metall neben dem
+Eisen zurücktritt.
+
+Das Rohmaterial zur Eisenerzeugung ist im größten Teile des
+Kontinentes leicht zur Hand. »Die rote Eisenerde«, welche in den
+Berichten vieler Reisenden eine Rolle spielt, ist über ungeheuere
+Strecken Afrikas verbreitet. SCHWEINFURTH schildert sie aus
+dem Gebiete des weißen Nil; am Ogowé wird der »Laterit« von
+LENZ erwähnt, der die weite Verbreitung dieser Gesteinsart in
+Westafrika auf seiner geologischen Karte[95] darstellt. M. BUCHNER
+fand diese ziegelrote, die Oberfläche der Hochplateaus bildende
+Erde im Innern ganz Südwestafrikas, an den südlichen Zuflüssen des
+Kongo. Nach ihm ist sie wahrscheinlich ein Verwitterungsprodukt
+_in situ_, aus älteren krystallinischen Gesteinen entstanden.
+Der Eisengehalt, der dem Laterit die Färbung erteilt, rührt von
+Eisenglanz her. Die Zusammensetzung dieses Laterits ist 80,5
+Kieselsäure, 11,0 Thonerde und 4,0 Eisenoxyd.[96] DOELTER, der den
+Laterit am Rio Grande studierte, giebt an, er sei Detritusmaterial,
+aber ~nicht~ _in situ_ gebildet. Er hat nachgewiesen, daß unter
+diesem Namen sehr verschiedene Gesteinsarten verstanden werden und
+identifiziert den nordwestafrikanischen teilweise mit dem indischen
+Laterit als eine braune, sehr eisenreiche, dichte, an der Luft
+vollkommen harte Masse, mit eingestreuten Quarzkörnchen, welche
+abgerollt sind, und eingeschlossener weißer, lehmiger Substanz.[97]
+
+Die im Laterit eingebetteten leichtflüssigen Brauneisensteine
+bilden das gewöhnliche Material. Man liest sie meist an der
+Oberfläche, in Flüssen und Regenschluchten auf oder schürft nur
+leicht nach ihnen. Doch sind auch Gruben bekannt, die ohne jede
+bergmännische Geschicklichkeit angelegt werden und in Urua bis
+10 m tief sein sollen. In Usanga am Kilimandscharo verarbeitet man
+magnetischen Eisensand.
+
+Ein Rösten dieser Erze vor dem Reduktionsprozeß ist nirgends
+erwähnt und im allgemeinen sind Zuschläge zur Beschickung, wie
+Kalk etc., unbekannt; nur bei den Mandingo wird ein Zuschlag von
+Alkali, aus Pflanzenasche gewonnen, erwähnt. Der Neger reduziert
+seine leichtflüssigen Erze einfach durch Kohlen oder gar Holz (wie
+in Usanga). Die Köhlerei ist verschieden entwickelt. Bei Bongo und
+Djur, die sonst sehr hoch in der Eisenindustrie dastehen, findet
+eine sehr unvollkommene Verkohlung des Holzes statt. Klein gehackte
+Holzstücke werden schnell in Brand gesteckt, in vollen Flammen
+auseinandergeworfen und dann gelöscht. Dagegen sah CAMERON in
+Urua »rauchende Kohlenmeiler« und LENZ war erstaunt, bei den Fan
+und Osaka im äquatorialen Westafrika gut hergestellte, mit Erde
+gedeckte Meiler zu finden, wiewohl sie die erzeugten Kohlen auch
+nicht zum Ausschmelzen der Erze, sondern nur zum Schmiedefeuer
+benutzen. Die Betschuanen in Südafrika brennen aber die
+Holzkohlen, die sie zum Eisenschmelzen gebrauchen, in förmlichen
+Meilern.[98]
+
+Dieselben Fan, welche regelrechte Meiler bauen, reduzieren das
+Eisen nach der allerrohesten, primitivsten Weise, indem sie das
+Erz in immer erneuten flammenden Holzstößen ausschmelzen, wobei
+ein Produkt erhalten wird, bei dem die nachfolgende Schmiedearbeit
+das beste noch thun muß. Eine Stufe höher steht das Verfahren
+der Ganguellas und Ostafrikaner (nach BURTON), bei denen das
+Erz in Gruben, mit Kohlen und Holz gemischt, einem Gebläsestrom
+ausgesetzt ist. Zu regelrechten Schmelzöfen aus Thon -- gemauerte
+Öfen kommen nirgends vor -- haben sich endlich manche Völker
+emporgeschwungen, Schmelzöfen mit Rasten und Herd, von 1-1/2 m,
+ja bei den Serrakoletts bis 4 m Höhe. Die Reduktion geht überall,
+wie die Schilderungen ergeben, sehr leicht und verhältnismäßig
+schnell vor sich; das Eisenerz formt sich unter dem Einflüsse der
+reduzierenden Holzkohle und der Gebläseluft zu einem weichen, wenn
+auch nicht flüssigen, zusammengeschweißten Klumpen. Das Eisen ist
+nicht flüssig und kann nicht »abgestochen« werden, wie das Roheisen
+unserer Hochöfen.
+
+Die Gebläse sind allerdings sehr einfacher Natur, aber doch
+stark genug, um, wenn wir STANLEY glauben sollen, ein Brausen
+hervorzubringen, das eine halbe englische Meile weit hörbar ist.
+Ganz Afrika kennt die Blasebälge und sie werden beim Ausschmelzen
+des Eisens wie beim Schmieden von derselben fast überall gleichen,
+nur wenig abweichenden Form angewendet, die ähnlich schon auf den
+altägyptischen Monumenten erscheint. Die verbreitetste Form, die
+vom Weißen Nil bis zu den Betschuanen im Süden reicht, besteht aus
+zwei thönernen oder hölzernen cylinder- oder trichterförmigen, nach
+unten zu verjüngten Gefäßen, welche in zwei Luftröhren auslaufen,
+vor welche noch eine thönerne, seltener hörnerne oder eiserne
+Düse gelegt ist. Überzogen sind diese Gefäße an ihrem oberen Ende
+mit elastischen Häuten (oder selbst Bananenblättern), welche
+abwechselnd auf- und abgezogen werden, um einen alternierenden
+Luftstrom zu erzeugen. Ventile, wie bei unseren Blasebälgen,
+sind in ganz Afrika unbekannt und ich lege der ganz isolierten
+oberflächlichen Erwähnung derselben bei CAMERON nicht den
+geringsten Wert bei. Blasebälge einer etwas anderen Art werden aus
+Bornu und vom Njassasee, sowie vom Kilimandscharo erwähnt. Die
+Ledersäcke derselben zeigen am oberen, mit den Händen gefaßten
+Teile einen Schlitz, längs dessen zwei flache Stöcke befestigt
+sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet und emporhebt, dann
+schließt und niederdrückt, erzeugt man den gewünschten Luftstrom.
+Solche Bälge kommen auch in Indien vor.
+
+Das erschmolzene, weiche Eisen ist fast überall dasselbe und wird
+gewöhnlich gleich von den Schmieden durch fortgesetztes Hämmern
+weiter verarbeitet und gereinigt. Die Bongo unterwerfen das
+kohlenstoffreiche Produkt noch einer Art von Frischprozeß und die
+Luchazes im Gebiete des oberen Cubango sollen es sogar verstehen,
+Stahl herzustellen. Um Feuer zu machen, verwendet merkwürdigerweise
+dieser Stamm Stahl, Zunder und Feuerstein. Letzteren beziehen die
+Luchazes durch die Kioko auf dem Handelswege, »während sie den
+Stahl selbst aus Schmiedeeisen herstellen, das in rotglühendem
+Zustande in kaltes Wasser geworfen und dadurch gehärtet wird«.[99]
+Es fehlt auch nicht an einer gewissen Ökonomie beim Eisenschmelzen
+der Schwarzen, wie denn von den Djur bekannt ist, daß sie durch
+Pochen und Waschen der Schlacken die noch darin enthaltenen
+Eisenteilchen zu gewinnen trachten.
+
+Der Schmied, oft noch der Wanderschmied, der durch eifriges
+Hämmern das unrein erhaltene Produkt dieses primitiven Prozesses
+weiter verarbeitet, bedient sich gleichfalls nur höchst einfacher
+Werkzeuge. Aber gerade dadurch erregt er unsere Bewunderung, da die
+von ihm hergestellten Erzeugnisse im umgekehrten Verhältnisse zu
+seinen elenden Werkzeugen stehen. Die Lanzenspitzen der Bongo und
+Monbuttu sind von solcher Feinheit, daß sie mit jeder europäischen
+Schmiedearbeit den Wettbewerb aushalten. Den Blasebalg kennen
+wir schon; er ist beim Schmiede derselbe wie beim Hüttenmann.
+Der Amboß ist meist noch ein Stein, seltener ein Stück in den
+Boden gelassenes Eisen; ebenso der Hammer.[100] Wir können den
+letzteren in drei Stadien der Entwickelung verfolgen. Er tritt
+zunächst auf als einfacher, länglicher Stein, der mit der sehnigen
+Faust erfaßt wird; ein Fortschritt ist es schon, wenn er durch ein
+konisches Eisenstück ersetzt und gleichfalls mit der Hand bewegt
+wird. Zum Hammerstiel hat der Neger sich nirgends aus eigenem
+Triebe emporgeschwungen, wohl aber lernen wir bei ihm einen nicht
+uninteressanten Übergang kennen, indem der schwere Schlag- oder
+Hammerstein mit einem Lederriemen umfaßt wird, an welchem wieder
+Schlingen für die Hand befestigt sind (bei Serracolletts etc.) oder
+mit Bastseilen, wie bei den Mangandscha. Zum Schneiden, Formen,
+Spalten und Modellieren feiner Teile des rotglühenden Metalles
+benutzt man einen einfachen Meißel oder in Ermangelung eines
+solchen eine Lanzenspitze. Die Zange besteht im primitivsten Falle
+aus ein paar Rindenstücken oder sie ist ein gespaltenes Stück
+frisches Holz mit einem laufenden Ringe darüber zum Enger- oder
+Weiterstellen dieser Klammer. Einen Fortschritt deutet es an, wenn
+dieselbe (wie bei den Barotse) aus Eisen hergestellt wird, doch
+noch genau nach dem Modell der hölzernen Zange. Das Drahtziehen
+ist bei vielen Negerstämmen bekannt und hier und da wird auch das
+Schweißen erwähnt.
+
+Heute noch steht die afrikanische Eisenindustrie in ihrer alten
+urtümlichen Form vor uns, doch dürften ihre Tage gezählt sein,
+je mehr der schwarze Kontinent erschlossen und dem weißen
+Händler zugängig gemacht wird. Sobald Berührungen mit Europäern
+stattfinden, beginnen sich europäische Einwirkungen auf die
+Eisenindustrie der Schwarzen einzustellen, so daß man, will
+man letztere in ihrer Ursprünglichkeit kennen lernen, sich an
+unberührte Stämme halten muß. Die Schmiede in Sennar haben
+bereits europäische Hämmer und Zangen angenommen, und die Barotse
+am mittleren Zambesi, in einer Gegend, die erst vor dreißig
+Jahren bekannt wurde, kennen schon unsere Bohrer, Kugelzieher,
+Feilen und Hämmer. Geht so die Ursprünglichkeit im Gewerbe durch
+Fremderlerntes zu Grunde, so ist die afrikanische Eisenindustrie
+an sich selbst in Frage gestellt durch das Einströmen billiger
+europäischer Produkte, mit denen die heimischen Erzeugnisse nicht
+zu konkurrieren vermögen.
+
+~Die Stellung der Schmiede in Afrika.~ Wo das Eisen im Volksmunde
+auftritt und Traditionen von seinem Ursprunge erzählen, sind häufig
+sonderbare Vorstellungen mit demselben verknüpft: dem Schmiede
+haftet etwas geheimnisvolles an. Das neue Metall, welches bestimmt
+war, den Stein zu ersetzen, ist den alten Geistern, den Elfen
+und Nixen, die dem Steinalter entstammen, verhaßt und wird ihnen
+gefährlich, daher man denn auch zum Schutze gegen jene Hufeisen
+an die Stallthüren nagelt, was in England »noch bei der Hälfte
+der Stallthüren« der Fall ist.[101] Ein Messer in den Wirbelwind
+geworfen, ist in Deutschland ein Mittel, den in der Windsbraut
+einherfahrenden Dämon zu verwunden.[102] Nach dem Glauben der
+ägyptischen Fellahs haben die Dschinnen großen Respekt vor dem
+Eisen. Sehen sie eine Sandhose kommen, so rufen sie dem darin
+sitzenden Geiste zu: _Chadid ya maschun_, Eisen, o Unseliger!
+und glauben sich dadurch geschützt.[103] Umgekehrt wird es in
+hieratischen Dingen damit gehalten: der steinerne Altar wird aus
+unbehauenen Steinen errichtet, denn das Eisen entweiht ihn.[104]
+Und so ähnlich noch vielfach.
+
+Einheimische Traditionen, welche auf den Ursprung des Eisens in
+Afrika hinweisen, sind bisher wenig bekannt geworden, doch dürften
+dieselben gewiß nicht fehlen. Während, namentlich in Südafrika,
+sich in Sagen und Märchen noch Erinnerungen an die Steinzeit
+erhalten haben[105], ist mir nur eine Stelle aufgestoßen, die vom
+Ursprunge des Eisens redet. »Die Leute (im Westen des Njassasees)
+sagen, die Kunst, das Eisen zu schmelzen, sei ihnen von Chisumpi
+gelehrt worden, welches der Name von Mulungu (Gott) ist.«[106] Hier
+weist also die Tradition auf einen höheren, göttlichen Ursprung
+des nützlichen Metalles hin, wie dieses auch bei anderen Völkern
+der Fall ist. Damit wird zugleich die afrikanische Eisenkenntnis
+in ein hohes Alter hinaufgerückt, wofür auch andererseits die
+besondere Stellung, welche die Schmiede einnehmen, spricht.
+Es ist dieses jedoch nicht etwa eine spezifisch afrikanische
+Erscheinung, sondern bei allen Völkern, wo es Schmiede giebt,
+tritt derselbe Fall ein.[107] Die afrikanischen Schmiede sind,
+unabhängig von geographischer oder ethnographischer Gruppierung,
+bald verachtet, bald hochgeehrt und stets klebt ihrer Beschäftigung
+etwas geheimnisvolles an, so sehr, daß sie auch, wo sie eine
+Pariastellung einnehmen, mit einer gewissen Scheu betrachtet
+werden. Die Erklärung, daß die Schmiede, als eine besondere Kaste
+bildend, von anderer Abstammung als die übrigen Mitbewohner
+eines Landes seien, wird hier nicht immer ausreichen, wennschon
+dieselbe sehr oft zutrifft. Wenn ein eroberndes Volk, welches
+das Schmiedehandwerk nicht kennt, in dem von ihm besetzten
+Lande bereits Schmiede vorfand, welche das Metall zu bearbeiten
+verstanden, so mußte es natürlich die ihm fremde, geheimnisvolle
+Kunst bewundern, aber auch fürchten. Wegen der augenscheinlichen
+Nützlichkeit ließ es aber die Unterjochten bei ihrem Gewerbe, zog
+daraus die nötigen Vorteile, verachtete aber die Träger der ihm
+ursprünglich fremden Kunst und betrachtete sie gleichsam mit Scheu
+als Zauberer und Träger überirdischer Kräfte. Andererseits aber,
+wenn die nützliche Kunst ein tiefer stehendes Volk von einem höher
+stehenden erlernt hatte, so blieb sie und diejenigen, welche sie
+erlernt, in besonderer Gunst und Verehrung; die Schmiede wurden der
+bevorzugte Stand.[108]
+
+Hoch in Ehren steht der afrikanische Schmied in Congo, wo er
+königlicher Abkunft sein soll. Bei den Fan ist der Schmied
+zugleich Priester und Medizinmann, und die kleinen, kein Eisen
+produzierenden Völker am Ogowé verehren die Blasebälge der Fan in
+ihren Fetischhäusern.[109] In den Kimbundaländern ist der Schmied
+(Kangula) der vornehmste Handwerker; der Schmiedeobermeister
+oder »Fürst der Eisenarbeiter« hat bei Hofe in Bautschi eine
+der höchsten Stellen. Dagegen tritt uns die entgegengesetzte
+Anschauung, welche einer Pariastellung der Schmiede gleichkommt,
+bei mindestens ebensoviel afrikanischen Völkern entgegen. Der
+Eisenschmied ist bei den Bari am Weißen Nil verachtet. Ausgestoßen
+und verachtet sind die Schmiede (Adschwôn) bei den Dinka; diese
+Verachtung ist bei den Dscholofs so groß, daß nicht einmal ein
+Sklave in eine Schmiedefamilie hineinheiratet. Ausgeschlossen
+aus der Gesellschaft sind die Schmiede bei den Tibbu. Jemanden
+dort einen Schmied nennen ist eine Beleidigung, die nur mit
+Blut abgewaschen werden kann. Das Handwerk erbt dort innerhalb
+der streng geschiedenen Kaste vom Vater auf den Sohn. Der Grund
+dieser Pariastellung ist hier um so schwerer zu ergründen, als,
+wie NACHTIGAL ausdrücklich hervorhebt, die Schmiede mit ihren
+übrigen Landsleuten desselben Ursprunges sind. Auch in Wadai nimmt
+der Schmied diese Stellung ein, trotzdem ist ihr »Sultan« ein
+höchst angesehener Mann, der Zutritt zum Harem des Herrschers hat
+und bei dessen Thronbesteigung dessen Verwandten verschneidet.
+Unter den Somal ist es die Pariakaste der Tumalod, welche das
+Schmiedehandwerk betreibt.[110]
+
+~Die europäische Parallele.~ Man mag die sogenannte Bronzeperiode
+so hoch in die Zeit zurückschieben, wie man will, so wird sie doch
+bei den indogermanischen Völkern Europas nicht bis in eine Periode
+hineinragen, welche unsere Völker oder deren damaliges Äquivalent
+auf einer niedrigeren Kulturstufe antrifft, als die Afrikaner von
+heute zeigen. In vielen Stücken, das beweist die vergleichende
+Sprachwissenschaft, standen sie entschieden höher als die
+gegenwärtigen Neger und es liegt kein innerlicher Grund vor, daß
+bei ihnen, wo Feuer und Kohle bekannt und Raseneisenerz vorhanden
+war, nicht jener allereinfachste Verhüttungsprozeß stattgefunden
+hat, der bis ins vorige Jahrhundert noch in Deutschland ausgeübt
+wurde und in Catalonien erst vor nicht langer Zeit verschwand. Die
+alte Luppenfrischerei und Stückofenarbeit ist die echte Parallele
+zu dem Eisenhüttenwesen der Naturvölker.
+
+Wenn auch bei HOMER das Eisen als mühsam dargestellt --
++poluchmêtos sidêros+ -- bezeichnet wird und nicht gediegen, wie
+Gold, Silber, Kupfer, vorkommt, so ist doch seine Erschmelzung
+keine mit besonderer Schwierigkeit verknüpfte Arbeit, wie die
+afrikanische Eisenindustrie uns bewiesen hat. Während die Bronze,
+eine Legierung aus zwei Metallen, die in den seltensten Fällen
+nebeneinander vorkommen, eine weit höhere metallurgische Kunst und
+die Kenntnis des Gießens und Formens erfordert, ergeben weiche
+Brauneisensteine in heftigem Kohlenfeuer behandelt schon ein
+schmiedbares Eisen. Zu dieser Entdeckung kann der Zufall geführt
+haben, was bei der Bronze kaum denkbar ist.
+
+Bei unseren europäischen Vorfahren müssen wir uns die älteste
+Darstellung des Eisens gerade so vorstellen, wie wir dieselbe bei
+den Negern kennen gelernt haben, und dieses älteste Verfahren
+reichte bis in die Neuzeit unverändert herein. Die Geschichte
+unseres Eisenhüttenwesens beginnt mit den Luppenfeuern, dem
+Schmelzprozeß in Gruben und geht über zu den bis ins vorige
+Jahrhundert gebräuchlichen Wolfs- oder Stücköfen, die von
+entwickelteren afrikanischen Öfen nicht sehr verschieden waren und
+gleich diesen kein flüssiges Roheisen, sondern ein ungeschmolzenes,
+stahlartiges Eisen lieferten.
+
+Die Überreste des alten Eisenhüttenbetriebes in Deutschland sind
+gar nicht so selten; sie werden mehr und mehr aufgefunden, seit
+man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. Am Hüttenberger Erzberge
+in Steiermark deuten alte Halden und Schmelzgruben auf derartige
+Eisenindustrie. Erst wenige Jahrhunderte sind darüber verflossen,
+daß in der dortigen Gegend noch jeder einzelne Grundbesitzer
+und Höfler bei seinem Hause am Erzberge kleine 2-3 m hohe Öfen
+besaß, in denen mit Kohlen die den alten Erzgängen geraubten
+Erze verhüttet wurden. Noch sind die alten Ofenruinen zahlreich
+vorhanden. Älter als diese sind die gleichfalls vorhandenen
+Gruben, die einfach in den ebenen Thalboden gegraben, mit Lehm
+ausgeschlagen sind und keinen Luftkanal an der unteren Bodenfläche
+zeigen. Graf WURMBRAND fand in solchen wenig reduzierten
+Eisenstein, Schlacken und rohe Topfscherben.[111] Auch ganz
+ähnlich gestaltete römische Schmelzgruben hat Graf WURMBRAND in
+der dortigen Gegend nachgewiesen und schließlich hat derselbe
+Forscher das alte Schmelzverfahren in Gruben unter Zuhilfenahme
+eines einfachen Blasebalges nachgeahmt, wobei Holzkohle und
+geröstetes Erz schichtenweise gelagert wurde. In 48 Stunden
+reduzierte er 12,5 kg Eisen, das nach seiner Abkühlung sich gleich
+zu Lanzenspitzen verarbeiten ließ.[112]
+
+Über alte Eisenschmelzen im Posenschen, wo in der primitivsten
+Weise Raseneisensteine ausgeschmolzen wurden, berichtet W.
+SCHWARTZ[113], über ganz ähnliche in der Lausitz und Westfalen
+Bergrat VIEDENZ[114]; ungeheuere Schlackenhaufen, Reste
+prähistorischer Eisenwerke bei Ramsen in der Pfalz, fand C.
+MEHLIS[115], sehr große alte Schlackenhalden, die Reste eines etwas
+komplizierteren Schmelzverfahrens (mit Tiegeln), entdeckte H.
+WANKEL nördlich von Brünn bei Ruditz und Habruwka.[116] MEHLIS hat
+endlich auch die altrömischen Eisenwerke von Rufiana (Eisenberg) in
+der Pfalz mit ihren Öfen, Düsen und Luppen wieder an das Tageslicht
+gezogen.[117]
+
+Überall war zu jenen Zeiten die Eisendarstellung in Europa nur ein
+Handwerk, wie es bei den Negern betrieben wurde, keineswegs eine
+Fabrikation. Die ganzen notwendigen mechanischen Leistungen, wie
+die Windgebung und das Aushämmern der mit Schlacken verunreinigten,
+im primitiven Schmelzofen erhaltenen Eisenluppen, wurden durch der
+Hände Arbeit besorgt; von irgend welchen Maschinen ist bei unseren
+Vorfahren so wenig wie bei den Negern die Rede gewesen.
+
+
+Fußnoten:
+
+[2] SOLDI in Bull. soc. d'Anthropol. 1881. 34 ff.
+
+[3] LEPSIUS in Verhandl. Berliner Anthropol. Ges. 1873. 63. 64.
+
+[4] Manners and Customs of the ancient Egyptians. III. 247.
+
+[5] Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1871. 19.
+
+[6] Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. 102. Abhandlungen
+der Berl. Akad. der Wissenschaften 1871.
+
+[7] WILKINSON, Manners and Customs. III. 246. It lies in the
+eastern desert, between the Nile and the Red Sea, at a place called
+Hammámi, and was discovered by my friend Mr. Burton, who visited it
+in 1822 and found the metal to be in the form of specular and red
+iron ore.
+
+[8] LEPSIUS a. a. O. 107. 112.
+
+[9] »Altes Eisen.« Allgemeine Zeitung, 12. Januar 1868.
+
+[10] Das Meteoreisen in technischer und kulturhistorischer
+Beziehung. Arch. f. Anthropol. XII. 297 (1880).
+
+[11] SCHWEINFURTH, Artes africanae Taf. XIV. Fig. 5-7 und
+WILKINSON, Ancient Egyptians II. 287.
+
+[12] WILKINSON a. a. O. III. 339.
+
+[13] Jeremias 6, 20.
+
+[14] KLUNZINGER, Bilder aus Oberägypten. Stuttg. 1877. 13.
+
+[15] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 42.
+
+[16] III. 49, 4.
+
+[17] II. 19 in KARL MÜLLER's Geographi graeci minores. Par. 1855.
+
+[18] STRABO 771. 772. ed. CASAUB.
+
+[19] MORLANG, in PETERMANN's Mittheil. Ergänzungsband II. (122).
+
+[20] POGGE, Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.
+
+[21] BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71.
+
+[22] Die Steinzeit Afrikas. Globus XLI. 169 ff.
+
+[23] Durchbohrte Steine vom Tanganjikasee beschreibt HORE in
+Proc. Roy. geogr. Soc., 1882. 7. Durchbohrte Porphyrsteine, die
+Zauberkraft besitzen sollen und deren ursprüngliche Verwendung den
+Leuten bereits unbekannt war, LIVINGSTONE in Centralafrika. (Letzte
+Reise, deutsche Ausgabe I. 271.)
+
+[24] Sprachvergleichung und Urgeschichte. Jena 1883. 218 Anm.
+
+[25] PURCHAS, Pilgrims I. 118. 133. 275. 417.
+
+[26] SANDERSON im Journ. Anthropol. Instit. VIII. 17 (1879).
+
+[27] HUTCHINSON, Western Africa. London 1858. 192.
+
+[28] Reise im Gebiete des Blauen und Weißen Nil. Wien 1874. 33,
+Taf. 2.
+
+[29] WILHELM V. HARNIER's Reise am oberen Nil. Darmstadt 1866. Taf.
+XIX.
+
+[30] S. W. BAKER, Der Albert Nyanza. Jena 1867. I. 182.
+
+[31] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 227.
+
+[32] SCHWEINFURTH, Artes africanae. Leipzig 1875. Taf. II.
+
+[33] JOHN PETHERICK, Egypt, the Soudan and Central-Africa. Edinburg
+1861. 396.
+
+[34] TH. V. HEUGLIN, Reise in das Gebiet des Weißen Nil. Leipzig
+und Heidelberg 1869. 196.
+
+[35] Artes africanae taf. V.
+
+[36] A. a. O. 197.
+
+[37] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 116.
+
+[38] WILSON und FELKIN, Uganda, deutsch. Stuttgart 1883. I. 73.
+
+[39] A. a. O. I. 89.
+
+[40] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. I. 514.
+
+[41] STANLEY a. a. O. II. 156.
+
+[42] Journal Anthropol. Instit. VI. 170. LIVINGSTONE (Letzte Reise
+II. 174) kam in dieser Gegend an 30 Schmelzhütten vorüber.
+
+[43] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 291. 293.
+
+[44] CAMERON a. a. O. I. 319.
+
+[45] CAMERON a. a. O. I. 320.
+
+[46] CAMERON a. a. O. II. 44.
+
+[47] CAMERON a. a. O. II. 157.
+
+[48] POGGE, Im Reiche des Muata Jamwo. Berlin 1880. 238.
+
+[49] O. SCHÜTT, Reisen im südwestlichen Becken des Kongo. Berlin
+1881. 128.
+
+[50] Reisen in Südafrika. Pest und Leipzig 1859. 384. 376.
+
+[51] SERPA PINTO's Wanderung quer durch Afrika. Leipzig 1881. I.
+118.
+
+[52] SERPA PINTO I. 236. II. 31.
+
+[53] JOS. THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. Jena
+1882. II. 209. I. 227.
+
+[54] BURTON, Lake Regions of Central Africa. London 1860. II. 312.
+
+[55] V. D. DECKENs Reisen II. 17. 19.
+
+[56] BURTON a. a. O. II. 312.
+
+[57] V. D. DECKEN a. a. O. II. 19.
+
+[58] V. D. DECKEN II. 19.
+
+[59] Blauer und Weißer Nil. Taf. II.
+
+[60] Expedition to the Zambezi. 113.
+
+[61] Proceedings R. Geogr. Soc. 1883. 586.
+
+[62] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise, deutsch. Hamburg 1875. I.
+183.
+
+[63] LIVINGSTONE, Expedition to the Zambezi. London 1865. 113.
+
+[64] Letzte Reise I. 180.
+
+[65] MONTEIRO, Der Muata Cazembe. Deutsch von W. PETERS in
+Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. VI. 268. Berlin 1856.
+
+[66] Proceed. R. Geogr. Soc. 1883. 531.
+
+[67] DU CHAILLU, Equatorial Africa. London 1861. 90. -- O. LENZ,
+Skizzen aus Westafrika. Berlin 1878. 85.
+
+[68] LENZ a. a. O. 274.
+
+[69] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Deutsch. Hamburg
+1799. 32.
+
+[70] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 62. -- NACHTIGAL im Globus
+XXIV. 231.
+
+[71] Mitt. Hamburg. Geogr. Ges. 1878-79. 316. Tafel 8, Fig. 9.
+
+[72] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 306.
+
+[73] BASTIAN, Geogr. und ethnolog. Bilder. Jena 1873. 171.
+
+[74] L. WILSON, Western Africa. London 1856. 304.
+
+[75] H. BARTH, Reisen. II. 154. 157. 158.
+
+[76] NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 457. 451.
+
+[77] NACHTIGAL a. a. O. I. 680. Der Blasebalg wird in Bornu durch
+ein Onomatopoeon: _bubutu_ bezeichnet (BARTH, Reisen II. 458).
+
+[78] BARTH a. a. O. II. 645. III. 400.
+
+[79] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.
+
+[80] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
+224.
+
+[81] Tour du Monde. III. 388 (1861).
+
+[82] MOLLIEN, Reise in das Innere von Afrika. Weimar 1820. 226.
+
+[83] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 332.
+
+[84] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
+178.
+
+[85] BOWDICH, Mission nach Ashantee. Weimar 1820. S. 417.
+
+[86] FRITSCH, Eingeborene Südafrikas. 434.
+
+[87] PETER KOLBEN's Beschreibung des Vorgebirges der guten
+Hoffnung. Frankfurt und Leipzig 1745. 177.
+
+[88] FRITSCH a. a. O. 72.
+
+[89] FRITSCH a. a. O. 71. 72.
+
+[90] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 66.
+
+[91] FRITSCH a. a. O. 172.
+
+[92] HOLUB in den Mitt. der Wiener geograph. Ges. 1879. 321. 322.
+
+[93] Nur noch die Gerberei wird bei den Mandingo von den von Stadt
+zu Stadt reisenden Karrankea oder Gaungay zünftig betrieben,
+während die übrigen Einwohner sich nicht damit abgeben (MUNGO
+PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 330).
+
+[94] THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. II. 209.
+
+[95] PETERMANN's Geographische Mitteilungen. 1882. Taf. 1.
+
+[96] Ausland. 1883. S. 850.
+
+[97] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884.
+220 ff.
+
+[98] LICHTENSTEIN, Reise im südlichen Afrika. Berlin 1812. 523.
+
+[99] SERPA PINTO a. a. O. I. 236. Diese Art des Härtens war schon
+zur Homerischen Zeit bekannt, wie aus der Stelle hervorgeht, wo
+Odysseus den Polyphem blendet, Odyssee IX. 393-395:
+
+ So wie der Erzarbeiter die Holzaxt oder das Schlichtbeil
+ In abkühlendes Wasser mit mächtigem Zischen hinabtaucht,
+ Um es zu härten mit Kunst; das giebt ja dem Eisen die Stärke.
+
+[100] Auch bei unseren indogermanischen Vorfahren bestanden die
+ursprünglichen Schmiedewerkzeuge aus Stein; Beweis dafür die
+Häufigkeit der Namen dieser Werkzeuge, welche aus dem Worte für
+Stein (Sanskrit _áçman_ = Altslavisch _kamen_) hervorgehen. Hierher
+gehören im Germanischen altnordisch _hamarr_ = althochdeutsch
+_hamar_ und griechisch _+kaminos+_, Ofen. Im Sanskrit _áçman_
+Hammer und Amboß.
+
+[101] TYLOR, Anfänge der Kultur. I. 140.
+
+[102] SCHÖNWERTH, Aus der Oberpfalz. II. 113.
+
+[103] MANNHARDT, Baumkultus. Berlin 1875. 132.
+
+[104] 2 Mos. 20, 25.
+
+[105] Vergl. das Hereromärchen in BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika.
+Weimar 1870. 71.
+
+[106] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. Deutsch. Hamburg 1875. I. 183.
+
+[107] R. ANDREE, Ethnographische Parallelen. Stuttgart 1878. 153.
+»Der Schmied.«
+
+[108] Es läßt sich historisch nachweisen, wie Schmiede und
+Metallarbeiter von den Siegern in deren Land verpflanzt wurden,
+wo sie, dem besiegten Stamme angehörig, nun eine Kaste bildeten.
+Nebukadnezar führte die Schmiede aus Juda nach Babel (2 Kön. 24,
+14) und der Inka Yupanqui brachte die Metallarbeiter des von ihm
+eroberten Reiches Chimu nach seiner Hauptstadt Cuzco (SQUIER, Peru.
+London 1877. 170).
+
+[109] Es möge hierzu eine indische Parallele Platz finden. Bei
+den Bhils, einem der wilden Urstämme Vorderindiens, steht das
+Eisen in hoher Verehrung. Lanzenspitzen oder Pflugscharen werden
+an Baumzweige gehängt und diesem Eisen widmet der Bhil die
+Erstlingsfrüchte der Ernte oder Teile seiner Beute. Der Ursprung
+dieses Brauches soll in die Zeit der Einführung des Eisens bei den
+Bhils zurückreichen. L. ROUSSELET, Revue d'Anthropol. II. 61. 1873.
+
+[110] BASTIAN, San Salvador. 161. -- LENZ, Skizzen aus Westafrika.
+85. -- MAGYAR, Reisen in Südafrika. I. 338. -- ROHLFS, Quer durch
+Afrika. II. 156. -- V. HARNIER in PETERMANN's Ergänzungsheft No.
+10. 133. -- PRUYSSENAERE daselbst No. 50. 25. -- MOLLIEN, Reise in
+das Innere von Afrika. 49. -- NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 443.
+-- Derselbe in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde zu Berlin. VI. 533
+und XII. 43. -- HILDEBRANDT in Zeitschrift für Ethnologie. 1875. 4.
+
+[111] Arch. f. Anthropologie. XI. 401.
+
+[112] Korrespondenzblatt d. deutsch. Anthropol. Ges. 1877. 151.
+
+[113] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 88.
+
+[114] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 133.
+
+[115] Korrespondenzblatt. 1878. 73.
+
+[116] Mitt. d. Wiener Anthropol. Ges. VIII. 312.
+
+[117] Korrespondenzblatt. 1883. 147.
+
+
+
+
+Das Kupfer bei den Nigritiern.
+
+
+~Vorkommen und Darstellung.~ Kupfer gehört in Afrika zu den nicht
+selten vorkommenden, in der Ausbeute aber auf einige wenige
+Lokalitäten beschränkten Metallen. Seit alter Zeit wird es im
+Norden wie im Süden von den Eingeborenen erschmolzen und in den
+Handel gebracht. Daß es als gediegenes Metall zur direkten kalten
+Verarbeitung gelange, ist mir für Afrika nicht bekannt geworden.
+Die Hauptvorkommnisse, von denen aus es auf Handelswegen weit und
+breit über den Kontinent verbreitet wird, sind folgende:
+
+Zunächst die vielfach genannte Hofrat e Nahhas im Süden von
+Darfur. RUSSEGGER, der zuerst diese Kupferbergwerke erwähnt,
+gab an, daß das Metall dort gediegen in Form feiner Gräupchen
+vorkomme.[118] Indessen dieses beruht auf falschen Erkundigungen.
+Nach den von V. HEUGLIN eingezogenen Nachrichten wird das Kupfer
+dort metallurgisch gewonnen. »Die Kupfererze werden an Schluchten
+gebrochen, gewaschen und in einer Vertiefung mit Kohle geschichtet.
+Zwei bis drei Schafhäute dienen den Arbeitern als Blasebälge. Beim
+Niedergehen des Satzes entwickelt sich eine giftige grüne Flamme.
+Das Ausbringen eines Schmelzprozesses beträgt zwischen 12 bis 15
+Rottel schönes Rotkupfer.«[119]
+
+SCHWEINFURTH sah das Kupfer von Hofrat e Nahhas im Handel in der
+Form geschmiedeter kantiger, sehr plumper Ringe von 2-1/2 bis 25 kg
+Gewicht und in 1/2 oder 1 kg schweren, länglich ovalen Barren oder
+Kuchen von ziemlich unreiner Gußmasse. Er zahlte für 40 kg 75
+Mariatheresiathaler. Auch von dem kupferhaltigen Mineral erhielt
+SCHWEINFURTH Proben; es bestand aus Kies- und Quarzstücken mit
+Malachitbeschlag.[120] Wie weit dieses Kupfer von Hofrat in Afrika
+durch den Handel verbreitet wird, erkennen wir aus der Angabe von
+HEINRICH BARTH[121], daß es, über Wadai kommend, auf dem Markte von
+Kano den hauptsächlichsten Vorrat ausmacht und hier in Konkurrenz
+mit dem europäischen, über Tripolis importierten Kupfer tritt.
+
+Hofrat e Nahhas ist zum ersten Male im Jahre 1876 von dem
+Amerikaner PURDY besucht worden, dessen Bericht[122] ich
+vollständig hier wiedergeben will. »Heufrah,« schreibt er,
+»liegt auf dem rechten Ufer des Bahr-el-Fertit, einem Zuflusse
+des Bahr-el-Arab. Das Dorf ist von dem Flusse eine halbe Meile
+(_mille_) entfernt und die im Sudan so berühmten Kupferwerke
+liegen einen Kilometer südwestlich vom Dorfe. Die Mineralader ist
+schon in weiter Entfernung sichtbar; sie tritt etwa 50 cm über
+die Oberfläche des Bodens hervor und verläuft von Nordwest nach
+Südost. Man hat hier eine etwa 140 m lange, 14 m breite und 2-3 m
+tiefe Ausgrabung gemacht. Aus dieser Aushöhlung ist eine große
+Menge Mineral herausgefördert worden; etwas weiter westlich hat man
+einen 8,5 m tiefen Schacht abgeteuft, der eine weißliche Thonmasse
+durchsetzt. Die Arbeiter benutzen nicht das ganze Mineral, sondern
+nur den kupferreichsten Teil desselben, ein fast reines Karbonat
+oder Bikarbonat. Die Ausschmelzung erfolgt in einfachen Thonöfen.
+Die gemachten Beobachtungen berechtigen zu dem Glauben, daß man
+hier eine große Menge dieses guten Minerals finden kann. Die
+Minen liegen etwa 28 m über dem Hochwasser des Bahr-el-Fertit. Die
+oben erwähnte Erzader ist die einzige, welche heute bearbeitet
+wird. Doch findet man in einem Umkreise von 500 m unzählige
+alte Schächte. Heufrah liegt unter 9° 48´ 24´´ nördl. Br. und
+24° 05´ 38´´ östl. L. v. Gr. Das Land ist ringsum durchaus eben und
+der Horizont nirgends von Bergen begrenzt.«
+
+Leider erfahren wir von diesem einzigen Augenzeugen gar nichts
+näheres über den eigentlichen metallurgischen Prozeß. Es wäre aber
+gerade sehr wünschenswert, daß über diese primitive Ausbringung
+der Kupfererze uns Kunde würde, da das Kupfer denn doch nicht
+so einfach wie das Eisen darzustellen ist, wenigstens nicht das
+»gare«, für die Technik verwendbare Kupfer, welches erst eine
+Raffinierung durchgemacht haben muß, wie dieselbe auch in Indien
+ausgeführt wird.
+
+[Illustration: Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON.]
+
+Ein zweites und für die Verbreitung des Kupfers in Afrika wichtiges
+Vorkommen ist jenes von Katanga, welches nach CAMERON's Karte etwa
+unter 10° südl. Br. und 26° östl. L. liegt. Es wird hier in großen
+Mengen gewonnen und zu Stücken von 1-1/4 bis 1-1/2 kg Schwere
+geformt, welche den Namen Handa führen. Sie haben die Gestalt
+eines roh geformten Andreaskreuzes und messen in der Diagonale
+33-35 cm, während die Arme etwa 4-1/2 cm breit und 1 cm dick
+sind. Bei manchen läuft oben an den Armen ein erhabener Streifen
+hin (Fig. 15). Diese Kupferminen sind noch von keinem Europäer
+besucht worden, sondern nur durch Erkundigungen und durch das
+Vorkommen ihres Produktes im Handel bekannt geworden. CAMERON traf
+die kreuzförmigen Kupferstücke zuerst in Uguhha, westlich vom
+Tanganjikasee. Je neun bis zehn Stücken davon werden übereinander
+gelegt, zusammengebunden und an die beiden Enden einer Stange
+gebunden, um so eine Traglast zu bilden. Während das Kupfer so
+weit nach Osten geht, erreicht es umgekehrt die Westküste, wo es
+nach Lux in 1-1/2-2 kg schweren Stücken in den Handel kommt. In
+Kimbundu heißen diese kreuzförmigen Stücke »Uwanda«, offenbar
+derselbe Name wie Handa.[123] LIVINGSTONE fand Katangakupfer
+beim Cazembe. Es hatte die Form wie ein großes I; ein Barren wog
+25-50 kg. In Uniamwesi (Tabora oder Kaseh, zwischen dem Tanganjika
+und der Ostküste) sah derselbe Reisende das gleiche Kupfer; es hieß
+dort Vigera. Daneben war aber auch das in Kreuzesform gegossene
+zu finden und es wurde dort Handiplé Mahandi genannt.[124] Im
+letzteren Worte haben wir das »Handa« CAMERON's wieder. Dieses
+Katangakupfer ist dasjenige, welches am weitesten durch Afrika
+verbreitet ist.
+
+Von geringerer Bedeutung scheint das Kupfervorkommen und die
+Kupfergewinnung im Gebiete des Binué, des großen östlichen
+Zuflusses des Nigers, zu sein. ROBERT FLEGEL schreibt[125], daß
+Kupfer in größeren Mengen vorkomme und verarbeitet werde in der
+Gegend von Gazza, einer Stadt etwa drei Tagereisen südlich von
+Ngaundere gelegen. »Ich habe selbst verschiedene Gegenstände, nach
+Aussagen aus jenem Kupfer gefertigt, erworben und man erzählt, daß
+zwei ganz aus Kupfer bestehende große menschliche Figuren dem Ardo
+Isa, früheren Herrn von Ngaundere, als Kriegsbeute in die Hände
+gefallen seien.«
+
+Im portugiesischen Westafrika werden durch Europäer die großen
+Kupferminen von Pembe in Angola ausgebeutet, die ausführlich von A.
+BASTIAN geschildert sind.[126]
+
+Großartig und seit altersher bekannt ist der Kupferreichtum von
+Klein-Namaqualand, wo die Kupferminen sich über einen Flächenraum
+von 8000-9000 englischen Quadratmeilen ausdehnen und wo das Erz
+sich nicht nur in den Schichten der Erde, sondern reichlich an der
+Oberfläche findet. Zahlreiche Aktiengesellschaften beuten dasselbe
+aus.
+
+In Transvaal findet sich häufig Buntkupfererz und Kupferlehm und
+es ist von Wichtigkeit zu hören, daß hier alte Gruben in Menge
+vorkommen, die früher von den Kaffern ausgebeutet wurden[127],
+denn keineswegs ist die Kupferindustrie in Südafrika erst durch
+die Europäer eingeführt worden. Selbst die Hottentotten stellten
+dieses Metall (wie das Eisen) durch Ausschmelzen der Erze mit
+Holz in Gruben dar. »Sie graben, schmelzen und polieren es mit
+unglaublicher Kunst und bereiten die kleinen Zieraten davon, womit
+sie sich schmücken,« sagt der alte Peter Kolben.[128]
+
+~Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege.~ Dieses sind die
+wichtigsten Vorkommnisse des Kupfers in Afrika, soweit bekannt,
+und von hier hat dasselbe sich auf dem Handelswege zu den Völkern
+verbreitet, die es nicht selbst erschmelzen, wohl aber, bei
+der bekannten Schmiedegeschicklichkeit der Schwarzen, gut zu
+verarbeiten verstanden. Die Monbuttu in Centralafrika kannten
+das Kupfer bereits, ehe sie mit den von Norden vorrückenden
+Mohamedanern in Berührung kamen und ihr König besaß große Massen
+davon. Es stammte aus dem südwestlichen Afrika, ja vielleicht,
+wie SCHWEINFURTH vermutet, aus Angola. Doch dürften die Minen von
+Katanga wohl auch hierbei in Betracht zu ziehen sein. Bei diesem
+Volke sind fast alle künstlichen Zieraten aus diesem Metalle
+gearbeitet, welches (außer Eisen) das einzige ihnen bekannte ist.
+Am häufigsten wird es in Gestalt klafterlanger, ausgezogener und
+flach geschlagener Drähte angewendet, um die Handhaben an Säbeln
+und Messern, die Lanzenschäfte, Bogen etc. zu umwickeln. Von
+Kupfer und Eisen sind auch die agraffenartigen Klammern, welche
+zur Zier an den Holzschilden angebracht sind. Lange Halsketten von
+Kupfer sieht man häufig und Kupferbeschlag fehlt weder an den aus
+Büffelhaut geschnittenen Ringen, noch an den dicken Gürtelriemen.
+Jeder Schmuck, an dem sich Kupfer anbringen läßt, ist damit
+versehen. Vornehme bestellen sich eigens aus Kupfer geschmiedete
+Prunkwaffen.[129]
+
+Und noch weit tiefer im Innern Afrikas, bei den Wavinzu am
+mittleren Congo, fand STANLEY, der als der erste Weiße zu ihnen
+kam, Kupfer im Überfluß. »Es war um die Speerschäfte gewunden und
+umgab in Ringen ihre Beine und Arme, die Griffe ihrer Messer,
+ihre Spazierstöcke und hing in Perlenform von ihren Hälsen herab,
+während schrotförmige Kügelchen desselben an ihren Haaren befestigt
+waren.«[130]
+
+Wie massenhaft Kupfer- und Messingringe oft zu Zieraten verwendet
+werden, erkennt man an dem Hauptweibe des Häuptlings Sescheke am
+mittleren Sambesi. LIVINGSTONE schreibt: »Sie trug achtzehn massive
+fingerdicke Messingringe an jedem Bein und drei Kupferringe unter
+dem Knie; neunzehn Messingringe am linken und acht Messing- und
+Kupferringe am rechten Arm. Das Gewicht derselben behinderte ihr
+Gehen.«[131]
+
+~Kupferlegierungen in Afrika.~ Bei den Altägyptern hieß das
+Kupfer Chomt; es erscheint wie Silber und Blei in großen
+aneinandergelehnten Platten abgebildet in der Schatzkammer Ramses
+III. im Tempel zu Medinet Habu. Unter den Tributgaben, welche die
+Völker Syriens und Assyriens, die Rotennu, Anaukasa, Asi u. a.
+Thutmosis III. bringen, wird vorzüglich auch Kupfer in rohen
+Klumpen, massiv, aber nicht raffiniert, erwähnt, welches nach Tob,
+d. i. Ziegeln von ca. 2 kg, gemessen wurde.
+
+Chomt bezeichnete aber nicht bloß das Kupfer, sondern auch
+die verschiedenen Mischungen von Bronze, wie sie häufig bei
+der Verarbeitung zu Gefäßen, Instrumenten und kleinen Statuen
+angewendet wurden. In der That bestehen viele Gegenstände in
+den europäischen Museen, die hierher gehören, nicht aus reinem
+Kupfer, das sich namentlich für den Guß weniger eignet, sondern
+aus mannigfaltigen Legierungen, an denen man ohne Zweifel auch die
+helleren Farben schätzte. Einzelne Stücke des Berliner Museums sind
+von VAUGUELIN analysiert worden. Ein Spiegel, den er untersuchte,
+enthielt 85% Kupfer, 14% Zinn und 1% Eisen. Wenig verschieden
+sind die Kompositionen anderer Spiegel und Instrumente; ein Dolch
+enthielt »wenig Zinn«. Götter, heilige Tiere, Embleme wurden aus
+Bronze dargestellt. Das Berliner Museum besitzt eine besonders
+interessante Bronzestatuette des Königs Ramses II. in Osirisform
+von feinster Arbeit, welche hohl gegossen ist, wohl das früheste
+Beispiel von Hohlguß, da sie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus
+stammt. Außerdem finden sich in den Museen noch Instrumente
+aller Art, wie Sistren, Schlüssel, Löffel, Nägel, chirurgische
+Instrumente; Waffen, wie Dolche, Beile, Messer, Lanzenspitzen;
+ferner Spiegel, Spangen, Gefäße, namentlich heilige Schöpfgefäße
+mit ihren langstieligen Löffeln, Schalen, Näpfe und vieles
+andere.[132]
+
+Was das Alter der Bronze in Ägypten betrifft, so ist sie schon in
+den frühesten Zeiten konstatiert worden. Es würde genügend sein,
+sich auf die im britischen Museum noch vorhandene Zwinge des
+szepterartigen Stabes Pepis, eines Königs der sechsten Dynastie
+(3233 v. Chr.), zu berufen. Auch hat CHABAS bereits hervorgehoben,
+daß man Gegenstände aus Bronze in Texten erwähnt findet, die man
+in vor der Errichtung der großen Pyramiden liegende Zeiten setzen
+darf. Sehr schöne Bronzestatuetten der POSNO'schen Sammlung werden
+bis in die Zeit der sechsten Dynastie zurückversetzt; sie sind, bis
+auf die angesetzten Arme, im Ganzen geformt, der Guß hohl und der
+Sandkern steckt noch darinnen. Im Gießen von Bronzefiguren scheint
+danach Ägypten die Priorität zu behaupten.[133]
+
+So verhält es sich mit dem thatsächlichen Vorkommen. Dem gegenüber
+aber muß hervorgehoben werden, daß in den alten Inschriften Kupfer
+und Kupfergerät als aus Asien stammend, von asiatischen Völkern
+gebracht, erwähnt wird, was wieder auf asiatischen Ursprung der
+Bronze deuten könnte, eine Ansicht, die dadurch bestärkt wird, daß
+Zinn auf den ägyptischen Denkmälern nicht nachzuweisen ist, wiewohl
+es, als zur Bronze dienend, den Ägyptern bekannt sein mußte.[134]
+
+An ~Zinn~, um Bronze darzustellen, fehlt es übrigens in Afrika
+nicht und es wird sogar von den Schwarzen gewonnen. »Ein sehr
+ergiebiges Zinnbergwerk ist bei Rirué (in Sokoto) im Betrieb,
+von wo das geförderte Metall nach Wukari und Adamaua, sowie nach
+Kano und Sokoto verführt wird.«[135] Legierungen von Kupfer
+und einem anderen Metall sind erst spät von Norden her zu den
+Völkern am Weißen Nil gelangt, durch die Baggara, welche das
+Messing den Negern jener Gegenden zuführten, die es höher als das
+selbstbereitete Kupfer schätzten. Zu SCHWEINFURTH's Zeit (1870)
+war das Messing erst bis zu den Djur (zwischen 9° und 12° nördl.
+Br.) vorgedrungen, bei den südlicher wohnenden Völkern aber noch
+ziemlich unbekannt.[136] Nirgends aber findet sich in diesen
+Gegenden eine Spur, daß ihre Bewohner die Bronze gekannt oder
+dargestellt hätten. Wenn LIVINGSTONE[137] erwähnt, daß er von
+einem Häuptling am Südende des Tanganjikasees »zum Andenken ein
+Messer aus Bronze mit elfenbeinerner Scheide« erhalten habe, so
+ist dieses eine isolierte, ohne jede Analogie dastehende Äußerung,
+die auf einer Verwechselung beruhen kann, und der ich keinen Wert
+beilegen möchte, wenigstens insoweit es sich um die Darstellung von
+Bronze bei den Eingeborenen handelt. Die Ausnahme, welche ich oben
+andeutete, ist aber folgende.
+
+Als HEINRICH LICHTENSTEIN im Anfange unseres Jahrhunderts seine
+südafrikanische Reise machte, kam er auch zu den südlichen
+Bedschuanenstämmen, bei denen er Ringe aus Kupferdraht, wie er
+sagt, fand, die durch langes Hämmern selbst hergestellt worden
+waren, wie ihm halbfertige Stücke bewiesen. Das Metall dieser
+Ringe aber bestand nach einer Analyse KLAPROTH's aus 93% Kupfer
+und 7% Zinn. »Da nun bis jetzt,« fügt LICHTENSTEIN hinzu, »noch
+kein zinnhaltiges Mineral im südlichen Afrika gefunden worden ist,
+so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Ringe noch weiter von
+Norden herstammen und vielleicht von den Kaffervölkern auf ihren
+Wanderungen von Alters her aufbewahrt worden sind.«[138]
+
+Nach unserer jetzigen Kenntnis der Verhältnisse ist es jedoch
+nicht notwendig, das letztere anzunehmen, denn Zinn kommt in
+Südafrika vor, MERENSKY kennt zwei Fundstellen in Transvaal[139],
+doch ist über die Darstellung des Metalles durch die Eingeborenen
+noch nichts bekannt geworden und es muß die Quelle des Zinns
+zu jener Bronzedarstellung noch erforscht werden. Dieses von
+LICHTENSTEIN mitgeteilte Beispiel des Vorkommens von Bronze bei den
+Südafrikanern ist nicht das einzige, da dieselbe auch bei den Zulu
+beobachtet worden ist.
+
+Dr. KRANZ, auf den ich mich wegen der Thatsache beziehe[140], nennt
+die Legierung »Messing«, jedenfalls eine falsche Bezeichnung, da
+es sich um ein Gemenge von Zinn und Kupfer handelt. Das Kupfer,
+sagt er, verstehen die Zulu selbst aus den Erzen zu reduzieren
+-- woher aber das Zinn stammt, darüber berichtet er kein Wort
+und doch wäre dieses von größter Wichtigkeit zu erfahren. Wäre
+dasselbe europäischen Ursprunges, dann würde diese Bronzebereitung
+der Zulu auch keinesfalls als autochthone Kunst aufzufassen sein.
+Den Prozeß selbst stellt unser Gewährsmann folgendermaßen dar:
+»In einem zerbrochenen irdenen Topf als Schmelztiegel wird ein
+wenig Kupfer und Zinn mitten in einem Holzkohlenfeuer geschmolzen.
+Vorher werden nach Art spielender Kinder Haufen oder Häufchen von
+feinem Sand gemacht und mit einem dünnen Stock Löcher in schiefer
+Richtung hineingebohrt, wohinein das geschmolzene Metall nachher
+gegossen wird. Die so entstandenen dünnen Messingstöcke (sic!)
+werden dann mit einem kleinen Hammer auf einem Stein gehämmert und
+zwischendurch wieder im Feuer erweicht, bis dieselben beinahe 3 mm
+dick sind. Das eine Ende wird dann durch Reiben auf einem Steine
+zugespitzt und durch die auch in Europa bekannte eiserne Platte
+gezogen und immer dünner, bis der Messingdraht ungefähr wie dicker
+Sattlerzwirn ist.« Genau so wird der Prozeß von dem bekannten
+Missionar MOFFAT, LIVINGSTONE's Schwiegervater, geschildert. Die
+Ziehplatten sind sehr roh geformt aus weichem Eisen, die Löcher
+sind ungleich und so wird auch der Draht sehr unregelmäßig.[141]
+
+~Drahtziehen und Gießen in Afrika.~ Auch südlich vom Tanganjikasee
+verstehen es die Neger Kupferdraht zu ziehen, zu welchem das Kupfer
+aus Katanga kommt, »indem sich die Drahtzieher zu einem Teil des
+Herstellungsverfahrens eines siebenzölligen Kabels bedienen«,
+was eine sehr unklare Beschreibung ist. »Sie machen sehr schönen
+Draht und dieser wird hauptsächlich zu Knöchel- und Beinringen
+verarbeitet.«[142]
+
+Mit dem oben geschilderten Verfahren des Tiegelschmelzens und
+Barrengießens der Zulu vor Augen, wird uns auch die nachstehende,
+sonst wenig klare Schilderung LIVINGSTONE's verständlich, welche
+sich auf eingewanderte, am Nordgestade des Bangweolosees wohnende
+Wanjamwesi bezieht. Mit den gewöhnlichen afrikanischen Gebläsen
+schmelzen sie »Stücke der großen Kupferstangen in einem Tiegel,
+nahezu gefüllt mit Holzasche. Das Feuer ist angemacht inmitten
+vieler Ameisenhügel, in welche Höhlungen gebrochen sind zur
+Aufnahme des geschmolzenen Kupfers; beim Ausgießen des Metalls
+wird der Tiegel in der Hand gehalten, die durch nasse Lumpen
+geschützt ist«.[143] Letzteres, weil eine Zange in unserem Sinne
+den Afrikanern unbekannt ist; was die Ameisenhügel betrifft,
+so scheinen sie die Rolle zu spielen wie die oben erwähnten
+Sandhäufchen der Zulu.
+
+Zur Charakterisierung der Metallindustrie Afrikas mag hier
+noch erwähnt werden, daß die Neger es im Formen und Gießen zu
+einer vergleichsweisen hohen Stufe gebracht haben, wenn auch
+nicht in Eisen (da sie kein Roheisen darstellen) und selten in
+Kupfer, sondern in Gold. Von den Negern an der Goldküste sagt
+CRUICKSHANK[144]: »Sie sind erfinderische Goldarbeiter und machen
+Ringe, Ketten und Broschen, welche einem europäischen Künstler
+nicht zur Unehre gereichen würden. Sie formen das Gold in jederlei
+Gestalt, als Tiere, Vögel, kriechende Geschöpfe und schmücken ihre
+Person mit solchen Zieraten.« Den Prozeß finden wir bei BOWDICH
+geschildert, der sich auf die Bewohner von Dagwumba (Dagomba,
+nördlich vom Rio Volta unter 0° L. und 9° nördl. Br.) bezieht. »Um
+das Modell zu machen, streicht man Wachs über ein glattes Stück
+Holz neben einem Feuer, worauf ein Topf mit Wasser steht; nun
+taucht man einen hölzernen Leisten hinein und macht damit das Wachs
+gehörig weich. Sie brauchen ungefähr eine Viertelstunde, um das
+Modell zu einem Ringe zu machen. Ist dieses fertig, so umgiebt man
+es mit einer Masse von nassem Thon und Kohle, welche man ringsherum
+fest andrückt, um so die Form zu bekommen, trocknet es in der
+Sonne und bringt eine Art von Trichter von derselben Masse an, der
+mit dem Modell durch eine kleine Öffnung in Verbindung steht, um
+das Gold hineinzugießen. Ist nun das Ganze fertig, und das Gold
+sorgfältig in dem Trichter verwahrt, so wird es, der Trichter nach
+unten, über ein Steinkohlen(?)feuer gehalten. Denkt man, daß das
+Gold gehörig geschmolzen ist, so kehrt man das Ganze um, damit
+das Gold an die Stelle des geschmolzenen Wachses hereinfließt und
+bricht den Thon herunter, sobald es kühl geworden, wo dann mit dem
+nicht gelungenen der ganze Prozeß noch einmal vorgenommen wird.
+Um dem Golde seine eigentümliche Farbe zu geben, umgeben sie es
+mit einer Lage von feingemahlenem Ocker, den sie _Inchuma_ nennen,
+und tauchen es in siedendes Wasser, worin ebenfalls Ocker und
+ein wenig Salz gethan wird; hierin siedet es eine halbe Stunde,
+wird dann herausgenommen und sorgfältig von allem gereinigt, was
+noch daran hängen könnte.«[145] Die Schilderung ist nicht ganz
+klar, was an der unbeholfenen Übersetzung liegen mag. Sehr schöne
+Exemplare solcher Goldgießereien aus Aschanti besitzt das Berliner
+ethnographische Museum.
+
+Gegossen scheinen auch die seltsamen Figuren gewesen zu sein,
+die STANLEY in der Schatzkammer des Königs Rumanika von Karagwé
+(westlich vom Victoria Nyanza) sah. Er berichtet darüber:
+»Es befanden sich daselbst ungefähr sechzehn roh aus Messing
+gearbeitete Figuren von Enten mit Kupferflügeln, zehn sonderbare
+Dinge aus demselben Metall, welche Elenantilopen darstellen
+sollten, und zehn Kühe von Kupfer ohne Kopf.«[146] Weiteres giebt
+STANLEY nicht an; jedenfalls handelt es sich hier um einheimische
+Arbeit, zu der das »Messing« wohl importiert sein dürfte. -- Von
+den Mpongwe am Gabon sagt WILSON[147]: _They show a good deal of
+mechanical ingenuity in casting copperrings._
+
+~Verhältnis von Eisen und Kupfer. Prioritätserwägungen.~ Ist das
+Kupfer in Afrika auch nicht gerade selten zu nennen, so ist seine
+Darstellung im großen doch nur auf wenige Gegenden beschränkt,
+von denen aus es auf dem Handelswege über den größten Teil des
+Kontinentes verbreitet wird. Hofrat e Nahhas, Katanga, Angola,
+Namaqualand sind diese Hauptcentren der Kupfergewinnung. Mag das
+Kupfer auch im gediegenen Zustande in Afrika vorkommen, so haben
+wir doch kein Zeugnis dafür, daß es in dieser Form direkt von den
+Negern verarbeitet und wie bei den nordamerikanischen Indianern
+als »weicher Stein« gehandhabt wird. Im Gegenteil, überall ist
+die Gewinnung des Kupfers bei den Negern eine metallurgische,
+durch Reduktion aus den Erzen mittels Kohlen bewirkte. Im
+allgemeinen wird dieser Prozeß, soweit er uns bekannt wurde,
+gerade wie derjenige der Eisengewinnung und mit den gleichen Öfen
+und Instrumenten betrieben. Das Verfahren erscheint überall so
+ursprünglich und in den fernsten Gegenden gleichartig, daß an eine
+Entlehnung von auswärts nicht leicht gedacht werden kann.
+
+Aus der ganz gleichen Behandlung der Kupfererze und der weichen
+Brauneisensteine läßt sich eher auf eine gleichalterige Entstehung
+der Kupfer- und der Eisengewinnung schließen als darauf, daß
+das eine Metall vor dem anderen im Gebrauche gewesen sei. Es
+deuten aber manche Umstände darauf hin, daß das Eisen in Afrika
+doch früher und jedenfalls allgemeiner im Gebrauche als das
+Kupfer war. Überall erscheint das Eisen durchaus urwüchsig und
+Dutzende von afrikanischen Vokabularien, welche ich auf seine
+Benennung durchging, zeigen echt heimische Namen. Die Geräte bei
+der Darstellung sind meist ursprüngliche und in ihren primitiven
+Formen auf eigene Erfindung deutend. Sind auch, wie wir gesehen
+haben, »alte« Kupferwerke in Südafrika vorhanden, so fehlen doch
+andererseits alte Kupfergeräte gänzlich; von Funden derselben ist
+gar nichts bekannt geworden, wiewohl gerade sie -- gegenüber altem
+Eisen -- sich vortrefflich erhalten. Alte Steingeräte sind aber
+durch ganz Afrika nachgewiesen worden. Auf die Steinzeit dürfte
+direkt die Metallzeit, eine Zeit gefolgt sein, in der ungefähr
+gleichzeitig Eisen und Kupfer geschmolzen und verarbeitet wurde.
+Eine besondere »Kupferperiode« vor der Eisenzeit erscheint schon
+wegen der durchaus lokalen Verbreitung des Kupfers gegenüber der
+ganz allgemeinen des Eisens nicht wahrscheinlich. Das Eisen wird
+fast überall an Ort und Stelle gewonnen und ist in weit geringerem
+Maße Handelsgegenstand als das Kupfer.
+
+Das Kupfer dagegen findet in Afrika seine Verbreitung wesentlich
+durch den Handel. Von den oben angeführten Mittelpunkten seiner
+Gewinnung verbreitet es sich fast über den ganzen Kontinent,
+meist aber im rohen Zustande, in Barrenform, indem die weitere
+Ausarbeitung den allenthalben schmiedekundigen Völkern überlassen
+bleibt, die es zu Draht ausziehen, zu den verschiedensten
+Zieraten und Prunkwaffen verarbeiten, ja zu gießen verstehen,
+wenn auch diese Kunst selten ist und sich zumeist auf die
+Westküste beschränkt, wo sie jedoch (in Gold) anerkennenswertes
+leistet. Das von Hofrat e Nahhas kommende Kupfer geht über Wadai
+bis Kano, dasjenige von Katanga in Centralafrika bildet einen
+höchst wichtigen Handelsartikel, der sowohl nach der Ost- als der
+Westküste verführt wird. Zu LIVINGSTONE's Zeit hatten arabische
+Händler in Lunda den Kupferhandel in der Hand. Ein gewisser Said
+bin Habib hatte dort neben 150 Farsilahs (2625 kg) Elfenbein 300
+Farsilahs (5250 kg) aus Katanga stammendes Kupfer zusammengebracht,
+das weiter nach Udschidschi transportiert werden sollte. »Mit
+hundert Trägern muß er vier Ablösungen haben zu einer Reise, sonst
+aber die ganze Reise viermal machen.«[148] Dieses giebt eine Idee
+von der verhältnismäßigen Großartigkeit des centralafrikanischen
+Kupferhandels und seiner Ausdehnung.
+
+Über die gegenseitige Wertstellung des Eisens und des Kupfers in
+Afrika besitzen wir einige Andeutungen. SCHWEINFURTH[149] sagt:
+»Im Verhältnis zu anderen Werten des täglichen Lebens beansprucht
+das Eisen in Afrika überall einen Wert, der mindestens demjenigen
+des Kupfers bei uns gleich zu achten wäre, das Kupfer daselbst
+würde an Wert unserem Silber entsprechen.« LIVINGSTONE, als er in
+Manjema in Centralafrika war, ließ sich durch seine Schmiede aus
+Kupfer große kupferne Armbänder machen, »denn sie werden als sehr
+wertvoll betrachtet und haben die eisernen Armbänder ganz aus der
+Mode gebracht«.[150] In Uganda dürfen nur der König und die Großen
+Speere mit Kupferspitzen tragen.[151] Und so ist es im ganzen
+Kontinente ähnlich.[152]
+
+Daß Kupfer das teurere, geschätztere Metall ist, liegt wesentlich
+aber an seiner größeren Seltenheit und daran, daß es im größten
+Teile des Kontinentes erst durch den Handel bezogen werden muß.
+Eisen ist nur wegen seines massenhaften Vorkommens billiger in
+Afrika, nicht wegen leichterer Arbeit. In dieser Beziehung mag
+der Wert beider Metalle ursprünglich derselbe gewesen sein. Viel
+Arbeit und wenig Produkt heißt es hier wie da. Es läßt sich hieraus
+eine allgemeine Anschauung ableiten, die für unsere europäischen
+Prioritätsfragen wohl nicht ohne Interesse ist. Das Eisen ist bei
+uns überhaupt erst infolge der technischen Fortschritte in der
+Neuzeit billig geworden, seit die kontinuierlich wirkenden Hochöfen
+ein gießbares Roheisen liefern. Ursprünglich war es auch bei uns
+so teuer wie Kupfer, vielleicht nicht viel billiger als Bronze.
+Unter gleichen oder fast gleichen Preisverhältnissen wurde aber die
+letztere, weil sie nicht rostete und eine schönere Farbe hatte, dem
+Eisen vorgezogen. Dieses mag das häufigere Vorkommen von Bronze in
+alten Funden, gegenüber den Eisensachen, teilweise mit erklären.
+
+Wollte man die Darstellung des Kupfers und kupferner Geräte, das
+Gießen und Formen, wie es in einzelnen Fällen für Afrika von uns
+nachgewiesen wurde, für eine Art »Bronzezeit« dieses Kontinentes
+im Sinne der skandinavischen Archäologen ansehen, so geben wir
+zu bedenken, daß es bei dem primitiven Stande der afrikanischen
+Kupferindustrie sich höchstens um einen ersten Akt, um die
+Uranfänge einer solchen »Periode« handeln kann, abgesehen davon,
+daß diese »Kupferzeit« höchst wahrscheinlich, ja fast sicher später
+als die »Eisenzeit« auf afrikanischem Boden erscheint. Zur Annahme
+einer »Bronzezeit«, repräsentiert durch die erwähnten Kupfergeräte,
+können wir für Afrika aber auch darum nicht gelangen, weil jene
+höhere Kultur und künstlerische Ausbildung bei den Negern fehlt,
+die überall die entwickelte Bronzezeit -- sei es in Ägypten oder
+China, in Mexiko oder Peru -- charakterisiert.
+
+
+Fußnoten:
+
+[118] HARTMANN, Skizze der Nilländer. Berlin 1865. 64.
+
+[119] V. HEUGLIN im Ergänzungsheft No. 10 zu PETERMANN's
+Mitteilungen. Gotha 1862. 107.
+
+[120] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 389.
+
+[121] Reisen in Nord- und Centralafrika. II. 159.
+
+[122] Bulletin de la société Khédivale de Géographie No. 8. Mai
+1880. 9 und 10.
+
+[123] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 275. II. 121. 128. -- Lux, Von
+Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 123.
+
+[124] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 319. II. 216.
+
+[125] Ausland. 1883. 955.
+
+[126] San Salvador. Bremen 1859. 215.
+
+[127] MERENSKY, Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
+
+[128] Beschreibung des Vorgebirges der Guten Hoffnung. Frankfurt
+und Leipzig 1745. 178.
+
+[129] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 117.
+
+[130] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. II. 160.
+
+[131] LIVINGSTONE, Exped. to the Zambesi. London 1865. 184.
+
+[132] LEPSIUS, Die Metalle in den ägypt. Inschriften. Berlin 1871.
+91-102.
+
+[133] PERROT und CHIPIEZ, Gesch. d. Kunst im Altertum. Ägypten.
+Deutsch von PIETSCHMANN. 590 ff.
+
+[134] LEPSIUS a. a. O. 114.
+
+[135] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207.
+
+[136] Artes africanae unter Djur.
+
+[137] Letzte Reise. I. 237.
+
+[138] LICHTENSTEIN, Reisen im südlichen Afrika. Berlin 1812. II.
+537.
+
+[139] Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6.
+
+[140] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 67.
+
+[141] WOOD, Natural History of Man. London 1868. Africa. 100.
+
+[142] LIVINGSTONE, Letzte Reise. I. 241.
+
+[143] LIVINGSTONE a. a. O. I. 381.
+
+[144] Eighteen years on the Gold Coast. London 1853. II. 269.
+
+[145] E. BOWDICH, Mission von Cape Coast Castle nach Ashantee.
+Deutsch von LEIDENFROST. Weimar 1820. 415.
+
+[146] Durch den dunklen Weltteil. I. 514.
+
+[147] Western Africa. 304.
+
+[148] LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 395.
+
+[149] Im Herzen von Afrika. I. 228.
+
+[150] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. II. 43.
+
+[151] WILSON und FELKIN, Uganda. Deutsche Ausgabe. I. 101.
+
+[152] LUX (Von Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 122) erzählt,
+daß die Kalunda in Centralafrika dem Eisen unbedingt den Rang
+vor dem Kupfer einräumen. Eiserne Armringe dürfe bloß der Muata
+Jamwo (König) tragen, während der kupfernen sich jeder Eingeborene
+bedienen dürfe. Daraus könnte man wohl schließen wollen, daß das
+Eisen hier später als das Kupfer aufgetreten sei. Aber LUX war
+nicht in Lunda und seine Bemerkung ist unrichtig. POGGE (Im Reiche
+des Muata Jamwo. Berlin 1880. 145) sagt ausdrücklich, daß der Muata
+Jamwo Kupfer- und Messingspangen trug, von Eisen ist keine Rede.
+Eine Prinzessin (S. 140) trug Eisen- und Kupferringe.
+
+
+
+
+Das Kupfer in Vorderindien.
+
+
+~Die Steinzeit in Vorderindien.~ Auch Indien hatte seine Steinzeit.
+Steinwerkzeuge, die mehr oder weniger unseren paläolithischen
+Charakter tragen, sind von BRUCE FOOT beschrieben worden. Sie
+sind in den Bezirken von Madras und Nord-Arcot gefunden, bestehen
+aus Quarzit und wurden mehreremal in einer Tiefe von 1-3 m _in
+situ_ angetroffen. Abbildungen veranschaulichen ihre ungemeine
+Ähnlichkeit mit unseren europäischen. Auch bearbeitete Achate haben
+sich in den Ablagerungen der Nerbada und in den Knochenlagern des
+oberen Godavery gefunden, gleichalterig mit _Elephas insignis_,
+_Hippopotamus palaeindicus_ etc.[153]
+
+Deuten diese und andere ähnliche Funde auf ein hohes Alter des
+Menschengeschlechtes in Vorderindien, so müssen die wörtlich zu
+tausenden vorkommenden Cairns, Cromlechs, Kistvaens und verwandte
+Steinbauten zum großen Teil in eine weit jüngere Periode gesetzt
+werden. Die in ihnen beigesetzten Leichen sind teils in Skeletten
+erhalten, teils verbrannt und in Urnen aufbewahrt. Grabbeigaben
+kommen in beiden Fällen vor[154], und hier treffen wir sowohl auf
+Eisen als auf Bronze, teils jedes Metall für sich, teils beide
+vereinigt.
+
+~Das Alter indischer Bronzen.~ Bei einem der Hauptvertreter
+der Dreiperiodenteilung, bei WORSAAE, finden wir die Ansicht
+ausgesprochen, daß Indien, das »an Kupfer und Zinn so reiche«, der
+wahrscheinliche Ausgangspunkt der Bronzekultur überhaupt gewesen
+sei. Bronze, ein künstlich geschaffenes Metall, mußte in einem an
+Zinn und Kupfer reichen Lande wie Indien erfunden sein und von hier
+aus läßt dann WORSAAE die Erfindung nach den übrigen asiatischen
+Ländern und weiter nach Europa wandern. In Indien, so nimmt der
+dänische Forscher an, seien zahlreiche durch Guß hergestellte
+Geräte und Waffen aus Bronze von sehr primitiver Form gefunden
+worden mit den Spuren einer an Ort und Stelle stattgehabten
+Fabrikation.[155]
+
+Allein die »zahlreichen« alten Bronzen, die in Indien gefunden
+worden sein sollen, führt WORSAAE nicht an und wir möchten sehr
+bezweifeln, daß sie überhaupt zahlreich vorhanden sind; auch
+für die Wanderung der Bronzeerfindung von dem Centrum Indiens
+über die halbe Welt (ja nach Neuguinea!!) giebt uns WORSAAE
+keinerlei Beweise, und die zahlreichen »vielleicht«, »scheint« und
+»möglicherweise« in seiner Auseinandersetzung bieten dafür keinen
+Ersatz.
+
+~Quellen des Zinnhandels.~ Zunächst ist hervorzuheben, daß
+Vorderindien fast ganz entblößt von Zinn ist, ja, daß dieses
+Metall seit den ältesten Zeiten dort importiert wird.[156] Es ist
+nur eine Fundstätte von Zinnerzen in Ostindien bekannt, und zwar
+in Mewar (Udaipur in Radschputana), zwischen der Parnassa und
+ihrem Nordzuflusse Kotasari[157], und daß von dieser Stätte aus
+frühzeitig ein Zinnexport stattgefunden, ja, daß die Zinnwerke
+überhaupt dort früh betrieben worden seien, dafür liegt keinerlei
+Anzeichen vor. Damit fällt eine der von WORSAAE angeführten
+Bedingungen weg, daß gerade Indien das Mutterland der Bronze
+gewesen sein soll. Was die hinterindische Halbinsel betrifft, so
+ist diese allerdings eine der ergiebigsten Zinnquellen, doch erst,
+wie wir sehen werden, in verhältnismäßig junger Zeit. Vorderindien
+aber, das reiche Kulturland, bezog, wie historisch sich nachweisen
+läßt, seinen Zinnbedarf aus dem Abendlande.
+
+Der von einem Anonymus herrührende Periplus des erythräischen
+Meeres -- höchst wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert unserer
+Zeitrechnung stammend -- führt an, daß zu Aualites am arabischen
+Busen (Seïla an der Tadschurabai) +kassiteros oligos+ neben anderen
+Waren eingeführt worden sei.[158] Dieses »wenig Zinn« soll nun,
+so hat man vielfach angenommen, aus Indien gekommen sein. Schon
+LASSEN[159] hatte das Zinn, welches frühzeitig im Abendlande
+gebraucht wurde, aus Indien stammen lassen und dafür als Hauptgrund
+angeführt, daß das homerische +kassiteros+ von dem Sanskritworte
+_kastira_ stamme. Danach wären also schon zur homerischen Zeit
+die Hellenen mit dem indischen Zinn vertraut gewesen. Allein
+es scheint alles dafür zu sprechen, daß die Sache sich gerade
+umgekehrt verhält und daß das griechische Wort mit der Sache nach
+Vorderindien gewandert sei.[160] Das Zinn der Mittelmeerländer
+und Vorderasiens stammte im Altertum nur aus dem phönizischen
+Handel, der in den britischen und iberischen Zinnwerken seine
+Quelle hatte. »Zinn aus Indien ist aber im vorderasiatischen
+Handel nicht nur unerweislich, sondern es ist auch bekannt, daß
+noch in jüngerer Zeit Indien kein Zinn produzierte und daß es
+aus den Westländern dahin ausgeführt wurde.« MOVERS, der diesen
+Ausspruch thut[161], beruft sich dabei auf PLINIUS[162], welcher,
+nachdem er vom _plumbum album_ oder Zinn und vom _plumbum nigrum_
+oder Blei gehandelt, schreibt: »_India neque aes neque plumbum
+habet, gemmisque suis ac margaritis haec permutat._« Nun hatte
+Indien allerdings Kupfer (_aes_), und wollte man danach die Stelle
+bei PLINIUS anfechten und nicht gelten lassen, so liegen aus dem
+bereits angeführten Periplus noch einige Stellen vor, die uns den
+direkten Import von +kassiteros+ und zwar von Alexandrien, einmal
+nach Kane in Arabien und zweimal nach der indischen Westküste
+(Barygaza und Bakare), neben Kupfer (+chalkos+) anführen.[163] Als
+phönizischer Monopolgegenstand hatte das Zinn einen hohen Wert
+erreicht und wurde, wie PLINIUS uns erzählt, gegen Edelsteine und
+Perlen in Vorderindien vertauscht. Dieses hätte aber nicht der Fall
+sein können, wenn um jene Zeit bereits die reichen hinterindischen
+Zinngruben im Betriebe gewesen wären.
+
+Möglich, daß für Vorderasien noch eine andere Zinnquelle
+von Bedeutung war, aus der vielleicht das Material zu den
+altassyrischen Bronzen geflossen sein kann. STRABO erzählt von dem
+am Paropamisus angesessenen Volke der Drangen, daß sie »Mangel an
+Wein leiden, aber Zinn findet sich bei ihnen«.[164] Beglaubigung
+erhält diese Nachricht durch das neuerdings bestätigte Vorkommen
+von Zinn in Chorassan, das auf K. E. V. BAER's Anregung hin
+dort von OGORODNIKOW erkundigt wurde. Zwanzig Farasangen (à 7
+Werst) von der Stadt Utschan Mion Abot befinden sich reiche Lager
+von Zinn, Eisen, Kupfer und sechs Farasangen von Meschhed ein
+Zinnbergwerk, das sogenannte Rabotje Alokaband. Zinnerne Krüge und
+Waschschüsseln, aus dem Zinn dieser Bergwerke verfertigt, sind in
+Meschhed im Überfluß vorhanden.[165]
+
+~Vorkommen indischer Bronzen.~ Wie steht es nun mit den Funden
+alter indischer Bronzen? Zunächst ist hervorzuheben, daß die
+typische Bronze, wie sie vom Kaukasus an und von Kleinasien bis
+nach England und Skandinavien vorkommt, eine ganz bestimmte
+Mischung ist, welche (kleine Schwankungen abgerechnet) durchgängig
+9 Kupfer und 1 Zinn enthält, woraus auf einen gemeinsamen Ursprung
+für diese abendländische Bronze geschlossen werden kann. Vielleicht
+reicht diese bestimmte Bronze bis Persien[166], weiter nach Osten
+ist sie aber nicht nachgewiesen, wie wir an den Analysen indischer
+Bronzen sehen werden.
+
+Alte Bronzen sind in Indien nicht häufig und es ist
+charakteristisch für die wenigen Bronzefunde, daß sie mehr Schmuck-
+und Luxusgegenstände, als solche zum täglichen Gebrauch, wie Messer
+u. dgl., darstellen. »_Dans la péninsule indienne les instruments
+en bronze sont des plus rares et l'on ne peut guére citer que la
+découverte faite dans les environs de Jabalpur; les instruments
+exhumés dans cette localité avaient comme composition suivant M.
+Twean: cuivre 86,7; étain 13,3._«[167] Es ist dieses also eine von
+unserer typischen Bronze abweichende Komposition.
+
+Indessen liegen doch noch mehr alte Bronzefunde aus Vorderindien
+vor. Im Nilgirigebirge und im Coimbatoredistrikt (Südindien)
+sind Schalen und gerippte Armbänder ausgegraben worden, die
+sich teilweise jetzt im königlichen Museum zu Berlin befinden
+und die aus Steinkreisen jüngerer Zeit stammen. Die Armbänder
+waren eine Zink-Kupferlegierung; der Zinn- und Kupfergehalt
+der Schalen schwankte sehr beträchtlich (8,52; 9,45; 14,74 und
+25,23% Zinn).[168] -- Bei der Stadt Hyderabad im Dominion Nizam's
+befinden sich zahlreiche Gruppen von Cairns, in denen Ausgrabungen
+unternommen wurden; es zeigten sich dabei zwei Glocken, die eine
+aus Bronze, die andere aus Kupfer, zusammen mit Töpfergeschirr,
+sowie Speer- und Pfeilspitzen.[169] Ob letztere von Eisen
+oder Bronze waren, ist nicht gesagt, doch ist -- wie aus dem
+nachfolgenden Funde hervorgeht -- wohl das erstere anzunehmen.
+Diese Gegenstände befinden sich im Asiatic Society-Museum zu
+Bombay. -- Im Jahre 1867 grub MEADOWS TAYLOR einen Cairn bei Hyat
+Nugger, etwa zehn Miles südöstlich von Hyderabad, aus, dessen
+Inhalt sich jetzt im Museum der Irischen Akademie befindet. Das
+bemerkenswertheste Stück unter den Funden war ein Deckel, wie
+es scheint zu einer Schüssel gehörig, oben mit der Figur eines
+Schafes oder Hirsches geziert. Der Durchmesser betrug 25 cm und die
+Wölbung erhob sich 8,5 cm über den Rand. Das Metall war gleichmäßig
+25 mm stark, sorgfältig gegossen und poliert. »_This, with the
+exception of a bell and a small drinking cup_ (der eben angeführte
+Fall ist gemeint) _are the only bronze articles, which have been
+found in the Hyderabad cairns and I found none in the cairns of
+Sorapoor._« In dem gleichen Cairn wurden mehrere Exemplare von
+_Turbinella pyrum_ und ein Halsband aus den gleichen Schnecken,
+einiges rohe Töpfergeschirr und einige eiserne verrostete Speer-
+und Pfeilspitzen gefunden.[170]
+
+Bronze ist also selten in Indien zusammen mit Eisen und außerdem
+in meist jüngeren Gräbern und von anderer Komposition als
+unsere abendländische gefunden worden. Das in Indien noch jetzt
+vielfach erzeugte ~Kupfer~ ist dagegen weit häufiger in alten
+Grabstätten entdeckt worden. Beile, eine Lanzenspitze und Armbänder
+aus diesem Metall sind bei Mainpur in den Nordwestprovinzen
+ausgegraben worden; die Beile gleichen europäischen Formen und
+die Lanzenspitzen zeigen Widerhaken. Ein größerer Fund von
+404 Kupfergeräten und 102 Silberstücken wurde bei dem Dorfe
+Gangaria im Distrikte Balaghat, Centralprovinzen, gemacht. Diese
+Kupferinstrumente bestanden in langen Meißeln; die Silberstückchen
+hatten als Schmuck gedient. Bei Pachumla im Distrikt Hazaribagh hat
+man eine dicke Kupferaxt und in Sind einen 20 cm langen Kupfercelt
+ausgegraben.[171]
+
+Auch in früher historischer Zeit tritt uns eher Kupfer als Bronze
+in Indien bei Gebrauchsgegenständen entgegen, wie denn NEARCHOS
+berichtet, daß die Inder sich der Gefäße aus geschmolzenem,
+nicht getriebenem Kupfer bedienten, und KLEITARCHOS, daß sie
+aus demselben Metalle Tische, Sessel, Becher und Wassergefäße
+verfertigten.[172]
+
+Die Seltenheit der Bronze- und die Häufigkeit der alten
+Kupfergeräte, zusammengenommen mit dem häufigen Vorkommen von
+alten Eisenfunden, deuten keineswegs darauf, daß in Indien eine
+Bronzezeit der Eisenzeit voranging.
+
+~Gegenwärtige Kupfererzeugung in Indien.~ Eine zum Teil sehr
+altertümliche und hochinteressante Kupferproduktion, welche in
+ihrem ganzen Wesen einen primitiven Charakter trägt, hat sich
+zu Chetri am Fuße der Arvaliberge in der Radschputana erhalten.
+Glücklicherweise sind wir durch einen eingehenden Bericht des
+Colonel J. C. BROOKE über dieselben genau unterrichtet[173], so daß
+wir uns eine vollständige Vorstellung von dieser Industrie machen
+können.
+
+In den Ausläufern des Gebirges sind reiche Eisen-, Kupfer-, Alaun-
+und Kobaltgruben und von den Einwohnern der 1000 bis 1500 Häuser
+zählenden Stadt lebt ein großer Teil, namentlich die ärmere
+Klasse, vom Bergbau und Hüttenwesen. Hindus sind in den Alaun- und
+Kupfervitriolwerken thätig, während Mohamedaner in den Gruben und
+Schmelzhütten arbeiten.
+
+Die Bergwerke liegen etwa 80 m über der Ebene und die Schächte
+führen in einem Winkel von 60 Grad im Zickzack, doch sehr
+unregelmäßig und oft abzweigend, in die Tiefe. Manchmal sind die
+Gänge so niedrig, daß ein Mann nur liegend durch dieselben gelangen
+kann, oft erweitern sie sich zu Kammern, aus denen durch Raubbau
+das Kupfererz gewonnen wird. Je tiefer, desto reicher sind die
+Erze, doch ist denselben wegen des Wassers nicht beizukommen, denn
+die Bewältigung der Wässer ist eine außerordentlich primitive. Die
+Leute bilden eine Kette vom Mundloche bis zum Wasser und reichen
+sich so von Hand zu Hand Thongefäße (Ghurrahs) mit dem geschöpften
+Wasser oder taubem Gestein gefüllt -- ein kostspieliges und
+langsames Verfahren. In einem Schachte des Kulhanwerkes fand BROOKE
+27 Leute mit dieser Arbeit beschäftigt und da jeder derselben einen
+Raum von etwa 2 m beherrschte, so ergiebt sich daraus die Tiefe der
+Mine mit 54 m.
+
+Diese Kupferbergwerke werden teils von den Eigentümern bearbeitet,
+teils an Meistbietende versteigert. Die genannte Kulhanmine
+hat sechs oder sieben Schachte, von denen jeder mit 50 bis 100
+Rupien jährlich bezahlt wird; eine geringe Summe, wenn man den
+großen Reichtum an oft 75% Metall haltenden Kupfererzen bedenkt.
+Die Bergleute arbeiten in Abteilungen von je acht Mann. Die
+Schicht dauert von früh acht Uhr bis zum Abend und in dieser Zeit
+fördern sie etwa 2-1/2-3 Maunds Erz. Das Erz wird in kleinen
+3 kg haltenden Körben emporgebracht und in der Stadt Chetri an
+mohamedanische Borahs versteigert. Gutes schwarzes Schwefelkupfer
+wird mit zehn Rupien, Pyrit mit 4-5 Rupien per Maund verkauft.
+
+Der Borah mietet sich nun Arbeiter, die monatlich drei Rupien
+erhalten und mit kleinen Hämmern das Erz zerschlagen und vom tauben
+Gestein sondern. Dann wird das Erz zerstampft. Dieses geschieht
+mit Ghuns, 16 kg schweren Hämmern von eigentümlicher Form, ähnlich
+den Stampfen der Pflasterer. Es sind cylindrische Eisenstücke, an
+welchen horizontal angebrachte Stäbe als Handhaben sitzen und die
+mit beiden Händen gestoßen werden. Dabei schiebt der Arbeiter das
+Erz mit den Füßen zusammen, indem er die Zehen wie Finger gebraucht.
+
+[Illustration: Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE.]
+
+Das mehremal so durchstampfte feine Erz wird nun mit Kuhmist
+vermischt und in 2 cm lange Rollen geformt, die erst an der Sonne
+getrocknet und dann in einem Feuer aus Kuhdünger an der offenen
+Luft geröstet werden. Jetzt ist das Erz fertig zum Schmelzen. Um
+den Ofen zu errichten, werden Kumhars oder Töpfer geholt. Der Ofen
+ist 1 m hoch, hat 28 cm Durchmesser und besteht aus Schlacken, die
+mit Thon verkittet werden. Die »Düsen« (Mündungen) der Blasebälge
+werden gleich mit unten eingebaut. Diese Düsen sind irdene Röhren,
+die nach dem Ofen zu dicker werden und hier ein Luftloch haben,
+das mit einem nassen Lappen zugestopft ist, der von Zeit zu
+Zeit herausgenommen wird, um die Düsen zu reinigen. Das andere
+dünnere Ende der Düse ist mit dem Schlauchblasebalg verbunden. Die
+Luftklappe der Schläuche ist durch zwei Stöcke am Ende derselben
+gebildet, welche der Arbeiter öffnet, wenn der Schlauch für die
+Zulassung der Luft emporgezogen wird und die er schließt, wenn
+der Schlauch zur Auspressung der Luft niedergedrückt wird. Der
+obere Teil des Ofens ist aus Ringen von feuerfestem Thon, etwa
+25 cm hoch, gebildet. Im ganzen wendet man drei Blasebälge an; an
+der vierten Seite des Ofens liegt die Öffnung desselben mit einer
+Tümpelplatte aus feuerfestem Thon. Am Grunde derselben ist ein
+Loch, um das geschmolzene Metall abzulassen. (Fig. 16).
+
+Der Ofen wird täglich frisch beschickt; jede Schmelzung dauert
+12-14 Stunden. Das geröstete Erz wird schichtweise mit Holzkohle in
+den Ofen gethan, auch ein Zuschlag beigefügt, welcher _Rit_ genannt
+wird. Letzterer besteht aus Abfall (_refuse_) von alten Eisenöfen,
+der in ganzen Halden noch vorhanden ist, denn das Eisen wurde lange
+vorher hier schon verarbeitet, ehe das Kupfererz entdeckt war.
+Auf jede Beschickung des Ofens kommen fünf Maunds geröstetes Erz,
+ebensoviel Zuschlag (_Rit_) und vier Maunds Holzkohle.
+
+Da das erschmolzene Metall schwefelhaltig ist, muß es raffiniert
+werden. Dieses geschieht dadurch, daß ein Strom erhitzter Luft
+über das flüssige Metall getrieben und dieses fortwährend dabei
+abgeschäumt wird. Der Luftstrom wird durch einen einzigen Blasebalg
+erzeugt, welchen ein Mann aufzieht, während zwei andere ihn dann
+wieder niedertreten.
+
+So schildert BROOKE das Verfahren, aus dem wir deutlich die
+beiden bei der Darstellung des Kupfers stattfindenden Prozesse
+erkennen können: einmal die Niederschmelzung des rohen mit Schwefel
+etc. verunreinigten Schwarzkupfers und dann dessen Raffinierung
+(Garmachen), indem das letztere einem neuen Gebläsestrom ausgesetzt
+wird. Dadurch erst wird das reine, gare, zur weiteren Verarbeitung
+brauchbare Kupfer gewonnen. Es liegen also hier zwei Prozesse vor,
+während bei der primitiven Eisengewinnung, wie wir sie bei den
+Negern kennen lernten, nur ein Prozeß nöthig ist, was doch darauf
+schließen läßt, daß zunächst dieses letztere Verfahren, nämlich die
+Eisendarstellung bekannt sein mußte, ehe zu dem komplizierteren,
+der Kupferreduktion und Raffination, Übergegangen werden konnte.
+
+
+Fußnoten:
+
+[153] LUBBOCK, Vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. II. 57.
+
+[154] MEADOWS TAYLOR, On prehistoric Archaeology of India. Journ.
+of the Ethnological Society. I. 157-181 (1869).
+
+[155] WORSAAE, Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 48 ff. und
+Arch. f. Anthropol. XII. 518.
+
+[156] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 9.
+
+[157] Zeitschrift für allgem. Erdkunde. I. 133.
+
+[158] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 44.
+
+[159] Indische Altertumskunde. I. 239.
+
+[160] Siehe die Beweise bei MOVERS, Phönizier. II. Bd. III. T. 63.
+
+[161] A. a. O.
+
+[162] Hist. nat. XXXIV. 48.
+
+[163] Ed. FABRICIUS. 64. 90. 96.
+
+[164] STRABO. 724 ed. CASAUB.
+
+[165] V. BAER, Von wo das Zinn zu den ganz alten Bronzen gekommen
+sein mag? Archiv für Anthropologie. IX. 265.
+
+[166] VIRCHOW im Korrespondenzblatt 1883. 81.
+
+[167] Revue d'Anthropologie. 1880. 299.
+
+[168] JAGOR in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1877. 206.
+
+[169] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 169.
+
+[170] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 176.
+
+[171] Revue d'Anthropologie. 1880. 299 nach Proceed. Asiatic
+Society of Bengal. 1870.
+
+[172] LASSEN, Indische Altertumskunde. II. 726.
+
+[173] The mines of Khetree in Rajpootana. Journ. Asiat. Soc.
+Bengal. Calcutta 1864. 519-529. (New Series No. CXXIII).
+
+
+
+
+Das Eisen in Vorderindien.
+
+
+~Alte Eisenfunde in Vorderindien.~ Bei der leichten Zerstörbarkeit
+des Eisens ist das häufige Vorkommen von prähistorischen
+Eisenfunden in altindischen Gräbern und Steindenkmälern sehr
+beachtenswert, wobei aber -- was schon bei der Bronze betont wurde
+-- nicht zu übersehen ist, daß viele jener Steindenkmale jüngeren
+Datums sind. Dagegen sollen die »_Korumba rings_« in Südindien aus
+einer Zeit datieren, die noch vor der arischen Einwanderung in jene
+Lande liegt; man hält sie für gleichalterig mit den megalithischen
+Bauten Europas. Während nun letztere meist mit Bronzesachen
+associiert sind, findet man bei und unter den indischen
+Steindenkmälern vorzugsweise Eisengeräte. MADLICOT und BLANFORD
+in ihrem Werke über die posttertiären Gebilde und das Alter des
+Menschen auf der indischen Halbinsel (Kalkutta 1879) bemerken,
+daß das Eisen höchstwahrscheinlich viel früher in Indien als in
+Europa bearbeitet wurde[174], wofür denn auch die verhältnismäßig
+zahlreichen »prähistorischen« Eisenfunde sprechen. Bereits im Jahre
+1820 hat BABINGTON die pilz- oder schirmförmigen megalithischen
+Denkmäler in Malabar, die man Topie-Kulls oder Pandu-Kulies
+nennt, untersucht und außer Urnen darin eiserne Geräte und Waffen
+verschiedener Art gefunden, darunter einen eisernen Dreifuß und
+eine eiserne Lampe.[175] Ganz die gleichen eisernen Gegenstände:
+Lanzenspitzen, Speerspitzen, Fragmente von Schwertern, Dreifuße und
+Lampen entdeckte MEADOWS TAYLOR[176] in den alten Kistvaens von
+Sorapur, zusammen mit glasierten und unglasierten Urnen. Dr. BELL,
+welcher die Narkael-pulli-Cairns zwischen Hyderabad und Masulipatam
+untersuchte, fand darin neben einem Skelett ein Stück Eisen.[177]
+
+Die Tumuli in den Bergen von Oapur (Mysore bei Bangalore),
+welche W. DENISON öffnete, zeigten im Innern Gräber, bedeckt mit
+ungeheueren Gneisplatten (5,30 m lang, 3,50 m breit, 1,40 m dick
+und 20 Tonnen wiegend!), deren Transport unerklärlich erscheint.
+Sie deckten eine Steinkiste, welche im Innern irdene Tschattis
+oder Töpfe enthielt, genau von der Form, wie sie jetzt noch in
+jener Gegend im Gebrauch. Die Töpfe enthielten Asche und eiserne
+Pfeilspitzen, in der Kiste selbst lagen die verrosteten Reste von
+eisernen Schwertklingen.[178]
+
+Noch andere Eisenfunde sind zahlreich in den Steinkreisen oder
+Barrows der Centralprovinzen in der Umgegend von Nagpur gemacht
+worden. »_The barrows in the Hingnah plains are countless: one
+gazes on them in mute astonishment._« Die ersten dort von dem
+Schotten HYSLOP und später von RIVETT-CARNAC gemachten Ausgrabungen
+befinden sich im Museum zu Nagpur; es sind Bruchstücke von
+Töpferwaren; kleine steinerne Wassertröge und verschiedene
+Geräte aus Eisen und Stahl -- nichts von Knochen, Horn, Stein,
+Feuerstein oder Bronze. Im Jahre 1867 unternahm Major G. G.
+PEARSE die Ausgrabung eines dortigen Barrow, desjenigen von
+Warrigaon, welcher von den Hindu mit einer mythischen Rasse von
+Kuhhirten in Verbindung gebracht wird. Der Barrow hat 75 Yards
+Umfang, ist eiförmig, enthält 9800 qm Erde und ist mit einem
+stellenweise doppelten Kreise von 0,30-1,10 m hohen Steinen
+versehen. Die Ausgrabung wurde im Centrum begonnen und hier stieß,
+1,40 m unter der Oberfläche, PEARSE auf reihenweise gestellte
+schwarze und braune irdene, mit der Drehscheibe hergestellte
+Gefäße; die schwarzen zerfielen zu Staub, sie hatten kegelförmige
+Deckel und breite Böden. Die braunen, wiewohl auch zerfallend,
+waren aus dauerhafterem Material. Alle diese Gefäße hatten
+eine durchaus verschiedene Form von den jetzt in jener Gegend
+üblichen thönernen Ghurras. Bei dem ferneren Graben wurden gut
+erhaltene, aber ebenholzschwarze Kokosnußschalen entdeckt; dann
+kam in 1,60 m Tiefe und 30 cm unter den Thongefäßen das eiserne
+verstählte Ende eines Pfluges zum Vorschein, ein noch jetzt bei
+den Eingeborenen benutztes und unter dem Namen _Nangur ke oolie_
+bekanntes Ackergerät. Noch etwas tiefer folgte das Skelett eines
+starkknochigen, 1,68 m großen Menschen, von dem nur wenig erhalten
+blieb. Auf der rechten Seite des Skeletts wurde eine verstählte
+Pflugschar und ein anderes Stahlgerät, auf der linken verschiedene
+Eisen- und Stahlgeräte gefunden, die nicht näher in unserer Quelle
+beschrieben sind, sich aber im British-Museum befinden. Auf der
+Brust lagen Kupfergefäße, die bei Berührung zerfielen. Auf dem
+Deckel eines der 12 cm im Durchmesser haltenden Kupfergefäße
+befanden sich in Hochrelief Figuren, welche Gänse, eine Schlange
+und einen Vogel darstellten. Bei einem zweiten Skelette wurde eine
+»Bratpfanne«, ähnlich den noch jetzt bei den dortigen Eingeborenen
+gebrauchten und _Kurraie_ genannten, gefunden; ferner ein großer
+goldener Ring, Löffel, Messer, Pflugenden, Spatel von Eisen und
+Stahl. Auch dieses Skelett, welches gleichfalls zerfiel, hatte
+ebenfalls zerbrechende Kupfergefäße auf der Brust liegen. Im Innern
+eines der Kupfergefäße befand sich ein kleines Kupferornament,
+geziert mit Gänsen[179]; es scheint ein Schalenhalter für eine
+Öllampe gewesen zu sein, und wenn dieses der Fall, das Vorbild für
+die großen Messinglampen mit Figuren aus Vögeln, die jetzt in den
+Bazars der großen indischen Städte verkauft werden. PEARSE grub bis
+zu 3,30 m Tiefe, ohne weitere Funde in dem Barrow zu machen.
+
+Die Schlüsse, die PEARSE aus seiner Ausgrabung zieht, sind
+folgende. Die Erbauer des Barrow waren weder Buddhisten noch
+Hindu, denn sonst würden sie ihre Toten verbrannt haben. Es war
+ein starkes, kräftiges Volk, welches vortrefflichen Stahl kannte,
+Ackerbau trieb, Öl brannte, die Töpferscheibe kannte, Kupfer
+schmolz, Tier- und andere Ornamente darstellte und wohl auch
+Handel trieb, worauf die aus weiter Ferne stammenden Kokosschalen
+hindeuten. Manche der aufgefundenen Geräte scheinen Vorläufer der
+heute in Indien gebrauchten zu sein. Trotz der uralt erscheinenden
+Bestattungsweise unter einem mit Steinen umkreisten Tumulus und der
+Beigabe von Ackergeräten ist aber PEARSE wegen der Bratpfannen und
+modern gestalteten Löffel doch abgeneigt, die Barrows von Nagpur
+einer alten prähistorischen Rasse zuzuschreiben.[180] Und damit
+thut er wohl recht, da der bis heute in Indien fortdauernde Brauch
+der Errichtung von Steinpfeilern, die nicht selten vorkommende
+Vereinigung uralter und sehr moderner Bräuche die größte Vorsicht
+in der Altersbeurteilung derartiger Funde erheischen.
+
+~Gegenwärtige einheimische Eisenproduktion Indiens.~ Die
+systematische Durchforschung Vorderindiens, welche in der neuesten
+Zeit von der Regierung angestellt wurde, hat reiche Kohlen- und
+Eisenerzstätten ergeben. Das Wardhathal in den Centralprovinzen
+wird als eine der reichsten Eisenerzstätten der Welt geschildert.
+Ein nicht minder reicher Distrikt, Ranigunge, liegt in der Nähe
+von Kalkutta; im Salemdistrikt tritt der Magneteisenstein in
+meilenlangen Lagern von 15-30 m Mächtigkeit auf; ein zwei Miles
+langer und eine halbe Mile breiter Berg in Lohara besteht ganz aus
+Magneteisenstein und reinem Eisenglanz.
+
+Vorderindien ist also reich an Eisenerzen, darunter ganz
+vorzügliche Sorten Magneteisen und Hämatite, auch sind titanhaltige
+Eisensande häufig. Auf der Weltausstellung zu London im Jahre
+1862 waren indische Eisenerze und Hüttenprodukte reichlich
+vertreten.[181]
+
+In der einheimischen, uralt bodenständigen Eisenindustrie werden
+Magneteisensteine, roter und brauner Glaskopf, Eisenglanz,
+namentlich aber Brauneisenerze verwendet. Zur Holzkohle bedient
+man sich des Teakholzes, der Akazie und besonders des Salbaumes
+(_Shorea robusta_). Auch in Vorderindien ist der Schmelzprozeß die
+alte Rennarbeit, die unmittelbare Gewinnung des schmiedbaren Eisens
+aus dem Erze, mit niedrigen Öfen und einfachen Gebläsen betrieben,
+wobei das schmiedbare Eisen, eine Mischung von Schmiedeeisen und
+Stahl, als Frischstück oder Luppe erhalten wird.
+
+Die in Indien angewandten Öfen, wiewohl einander nahe stehend,
+zeigen doch lokale Verschiedenheiten und werden nach PERCY[182]
+in drei verschiedene Arten eingeteilt. An der Westküste,
+den westlichen Ghats, dann im Deccan und Carnatic ist die
+roheste Form vorhanden, welche namentlich bei den halbwilden
+Bergstämmen angewendet wird. Die anderen beiden Arten kommen in
+Mittelindien und dem Nordwesten vor; es gleicht davon die eine den
+catalonischen Feuern, die andere den Stücköfen Europas. Sie zeigen
+gegenüber der ersten Form einen Fortschritt, namentlich was die
+Produktionsfähigkeit betrifft.
+
+In denjenigen Gegenden, wo die einfachste Methode betrieben wird,
+ist an Arbeitsteilung nicht zu denken. Hier sammelt dieselbe
+Familie das Erz, brennt die Holzkohle und macht das Eisen,
+welches sie nachher auch in solche Artikel verarbeitet, wie
+die Dorfbewohner verlangen. Oft ziehen die Schmelzer im Lande
+umher und bauen da ihre Öfen, wo ein Begehr nach Eisen und Erz
+und Holzkohle in genügender Menge vorhanden. Die in Orissa
+gebräuchliche primitive Art ist von M. T. BLANFORD[183] mitgeteilt
+worden; wir reproduzieren dieselbe hier auszugsweise. Die Form des
+Ofens wird aus den Figg. 17 und 18 ersichtlich; sie ist typisch
+für Niederbengalen. BLANFORD zeichnete sie im Dorfe Kunkerai,
+dessen elende und schmutzige Bewohner Tamulen sind, also zu der
+sogenannten Drawidarasse gehören. Die Leute ziehen von Ort zu Ort
+und bleiben dort, so lange Erz und Holz vorhanden sind. Beginnen
+diese zu fehlen oder ereignet sich ein böses Omen, so wandern sie
+weiter und nur große Schlackenhalden zeugen von ihrer ehemaligen
+Anwesenheit.
+
+[Illustration: Fig. 17. Eisenofen in Orissa, Durchschnitt. Nach
+BLANFORD.]
+
+[Illustration: Fig. 18. Seitenansicht desselben.]
+
+[Illustration: Fig. 19. Eisenofen in Orissa. Obere Ansicht.]
+
+Die wesentlichen Teile des Ofens sind der cylindrische Schacht
+und das Gebläse. An den oben offenen Schacht schließt sich ein
+geneigter thönerner Trog (_c_ in Fig. 17-19), der zum Aufgeben
+der Beschickung dient und von einem Holzgerüste getragen wird.
+Dieser Trog findet sich nur in wenigen Dörfern. Der Ofen selbst
+ist roh aus thonigem Sand cylindrisch oder kegelförmig mit 7 cm
+dicken Wandungen, 85 cm hoch und im Durchmesser 28 cm haltend,
+hergestellt. Am unteren Teil befinden sich zwei Öffnungen, eine
+vorn zur Einsetzung der Form (für die Düse), aus der auch später
+das schwammige Eisen herausgezogen wird und die während des Ganges
+verschmiert ist; die zweite Öffnung (_b_ in Fig. 18. 19) im
+rechten Winkel zur vorigen, unter der Oberfläche des Erdbodens,
+mündet in einen geneigten kleinen Graben, in welchen die Schlacke
+absickert; wenn letztere erstarrt ist, wird sie gelegentlich von
+einem Arbeiter mit einer Zange entfernt. »Das in Orissa angewendete
+Gebläse,« sagt BLANFORD, »ist sehr sinnreich und vielleicht
+ökonomischer für menschliche Arbeit als irgend eine andere Form
+von Handbalgen. Die Figuren 20 und 21 zeigen Durchschnitte davon,
+ersterer, wie das Gefäß mit Luft gefüllt, letzterer, wie die Luft
+ausgepreßt ist. Es besteht aus einem kreisförmigen Stück von hartem
+Holz, meist Mangoholz, welches roh ausgehöhlt und mit einem Stück
+Büffelhaut überzogen ist, in deren Mitte sich ein kleines Loch
+befindet. Durch dieses Loch ist ein starker Strick gezogen, welcher
+an der Innenseite des Balges mit einem Holzknebel versehen ist, um
+sein Herausgleiten zu verhindern, während das andere Ende an eine
+gebogene, fest im Boden neben dem Ofen befestigte Bambusstange
+gebunden ist. Dies Bambusrohr wirkt als Feder und zieht den Strick
+und folglich die Hautbedeckung des Balges so hoch als möglich,
+während die Luft neben dem Stricke durch das Loch in den Hohlraum
+tritt. Ist der Balg so gefüllt, so stellt der Arbeiter seinen
+Fuß auf die Haut, schließt dabei mit der Ferse das Loch in deren
+Mitte und preßt mit dem ganzen Gewichte seines Körpers die Haut
+hinab und die Luft hinaus. Letztere nimmt ihren Weg durch das
+Bambusrohr, welches den Balg mit der Form des Ofens in Verbindung
+setzt. Zugleich zieht er den Bambusstock an derselben Seite mit
+dem Arme nieder. Es sind nun zwei derartige Bälge nebeneinander
+aufgestellt, welche, vermittels Bambusröhren mit derselben Form in
+Verbindung gesetzt, die Luft beim Drucke des einen oder anderen
+Fußes abwechselnd und ziemlich ununterbrochen in den Ofen liefern.«
+
+[Illustration: Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach
+BLANFORD.]
+
+[Illustration: Fig. 21. Ausgepresster Balg in Orissa. Nach
+demselben.]
+
+Man wird aus dieser Schilderung BLANFORD's, sowie aus den
+Abbildungen sofort die große Ähnlichkeit, ja Übereinstimmung dieses
+Gebläses mit dem altägyptischen und vielen afrikanischen Gebläsen
+erkennen. Die federnden Bambusstöcke sind jedoch speciell indische
+Zuthat.
+
+FORBES WATSON, der ganz ähnliche Schilderungen von dem
+Eisenhüttenwesen in Katak und Dependenzen (Orissa) entwirft, giebt
+an, daß namentlich die Gegend von Talchir, Dhenkanal, Pal Lahara,
+Ungul und Sambhalpur reich an Eisen sei. Das rohe einheimische
+Metall wird dort zu einem Anna per Seer verkauft, was etwa acht
+Pfennigen per halbes Kilogramm entspricht. Nach Dr. SHORTT ist
+das in jenen Gegenden verwendete Erz ein roter Oker, mit 46%
+metallischem Eisen; die Holzkohle stellt man aus Sal (_Shorea
+robusta_) her. Der erhaltene Eisenklumpen wird nach dem Aufbrechen
+des unteren Ofenteils (bei der Form) noch glühend mit eisernen
+Zangen hervorgezogen und auf einem Ambos aus Stein (seltener aus
+Eisen) ausgehämmert.[184]
+
+Eine höher entwickelte Eisenindustrie finden wir in Alwar in der
+Radschputana, südwestlich von Dehli, wo jährlich über 500 Tons
+gutes Eisen von den Eingeborenen dargestellt werden. Die Öfen
+sind 1,10 m hoch und werden mit 13 Maunds (260 kg) Eisenerz und
+elf Maunds (220 kg) Kohlen in abwechselnden Lagen beschickt. Zwei
+von Kindern und Frauen bediente Blasebälge bilden das Gebläse.
+Die Düse, durch welche die Luft zuströmt, ist von Thon und heißt
+»Twyere«; ist sie bis auf 5 cm Länge abgeschmolzen, so ist
+dieses ein Zeichen, daß das Eisen heruntergegangen ist und sich
+als Klumpen (Schori) im Herde gesammelt hat. Man bricht nun den
+unteren Teil des Ofens auf und der noch rotglühende »Schori« wird
+mit Keilen in zwei Hälften von je 50-70 kg zerschlagen. Diese
+zwei Hälften bringt man nun nochmals in einen Ofen, wo sie zur
+Weißglühhitze gebracht und dann zu Stücken gehämmert werden.[185]
+
+Anschließend an den Eisendistrikt von Alwar ist jener von Firospur
+südlich von Dehli zu erwähnen. Hier wird in Gruben von 1,70 m Tiefe
+der Hämatit, Bura genannt, gewonnen. Das Erz wird mit Steinen
+in kleine Stückchen zerschlagen und dann in den Naudri oder
+Schmelzofen gebracht. Dieser ist rund, kegelförmig, 2,5 m hoch,
+oben spitz, unten weit. Er wird mit 13 Maunds Erz und 12 Maunds
+Holzkohle in Wechsellagen beschickt. Jeder Ofen hat zwei Paar
+Blasebälge, welche 18 Stunden lang kontinuierlich in Thätigkeit
+sind. Dann wird der Prozeß eingestellt und am Boden des Ofens
+finden sich drei Maunds unreines Eisen. Dieses wird nun wiederholt
+erhitzt und gehämmert bis 1-1/2 Maund reines Eisen (_loha pakka_)
+das Endresultat sind. Zum wiederholten Erhitzen braucht man noch
+fünf Maunds Holzkohle.[186]
+
+In Kamaon (Nordindien, am Fuße des Himalaya) benutzt man zur
+Darstellung des Eisens einen niedrigen Herd von 56 cm Durchmesser
+und lederne Schlauchblasebälge. SOWERBY, der diese Nachricht
+giebt, meint, die Eisenindustrie sei hier unabhängig von Südindien
+entstanden.[187]
+
+[Illustration: Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach
+HOOKER.]
+
+Wie die Gebirgsbewohner Assams sich noch durch Ursprünglichkeit
+der Sitten und Gebräuche auszeichnen und bei ihnen noch
+heute megalithische Male errichtet werden, so ist auch die
+Eisendarstellung bei ihnen noch eine höchst primitive, wie aus
+zwei vorliegenden Berichten hervorgeht.
+
+HOOKER hat über die Eisenschmelzen im Nonkreemthale der Khasiaberge
+berichtet.[188] Danach ist das von den dortigen Ureinwohnern
+verhüttete Erz Eisensand, der durch Auswaschen aus einem
+Granitsande gewonnen wird. Das Erz muß sehr reichlich vorhanden
+sein, da das Land überall von Waschgräben durchzogen ist und einige
+große Teiche nur für diesen Zweck aufgestaut sind. Das Schmelzen
+wird in sehr primitiv angelegten Holzkohlenfeuern vollführt, die
+ihren Wind aus kolossalen, doppelt wirkenden Bälgen erhalten.
+Diese letzteren werden von je zwei Personen getreten, wie es Fig.
+22 veranschaulicht. Weder Öfen noch Flußmittel werden bei der
+Reduktion angewendet. Das Feuer wird an der einen Seite eines
+aufrecht stehenden Steines (ähnlich einem Grabstein) angezündet.
+Durch diesen geht unten ein halbrundes Loch, in welches die Düse
+mündet, welche durch ein gegabeltes Bambusrohr den Wind der beiden
+Bälge empfängt, die HOOKER leider nicht näher schildert. Das Erz
+wird zu zweifaustgroßen Metallstücken mit runzliger Oberfläche
+verblasen.
+
+Dieselben Gebläse kommen bei einer zweiten abweichenden
+Schmelzmethode zur Verwendung, die gleichfalls von den Khasias
+angewendet, und von W. CRACROFT beschrieben wird.[189] »Man hat
+große Rasenhütten gegen 7 m hoch und mit einem ringsum bis zur Erde
+reichenden Strohdache. Das Innere von ovaler Form, 4,5 m und 6 m
+den Durchmessern, ist in drei Abteilungen geteilt, deren mittlerer
+der Schmelzraum ist. Zwei große Doppelbälge, deren Düsen abwärts
+gehen, sind an der einen Seite dieser Abteilung aufgestellt; auf
+denselben steht ein Mann, mit einem Fuß auf jedem, seinen Rücken
+unterstützt durch zwei Bretter. In seiner linken Hand hält er einen
+Stecken, welcher am Dach aufgehängt und mit zwei an den Bälgen
+befestigten Stricken nach unten zu versehen ist. Die Bälge werden
+sehr schnell durch eine schaukelnde Bewegung der Lenden und die
+Gewalt des Beines bewegt. Die Düsen vereinigen sich zu einer Röhre,
+welche unterhalb des Erdbodens von einer Art Windsammler zu dem
+etwa 1 m davon angelegten Ofenherd läuft. Über dem Herde ist ein
+mit Eisenbändern versehener Rauchfang von Pfeifenthon mit 56 cm
+Durchmesser und etwa 1,70 m Höhe angebracht. Die untere Mündung
+befindet sich an der von den Bälgen abliegenden Seite und die Esse
+ist in entgegengesetzter Richtung geneigt, um die heiße Luft vom
+Schmelzer ab und nach einer Öffnung im Dache zu führen. Rechts
+von dem Gebläse und in gleicher Höhe mit dem obersten Teil des
+Rauchfanges befindet sich ein Trog, welcher feuchte Holzkohle und
+Eisensand enthält. Bei jeder Bewegung seines Körpers greift der
+Arbeiter mit einem langen Löffel ein Stück Holzkohle und wirft es
+samt dem anhängenden Eisensand durch die Esse des Ofens. Sobald
+eine Masse geschmolzenen oder besser erweichten Eisens sich in dem
+Herde gebildet hat, wird sie mit Zangen herausgeholt und mit einem
+schweren hölzernen Schlägel auf einem großen als Amboß dienenden
+Stein bearbeitet. Das Eisen wird dann in diesem Zustande in die
+Ebenen hinabgesendet, teils zum Verkauf, teils zum Tausch.«
+
+Dieses sind die wesentlichen primitiven Methoden der Eisenerzeugung
+bei den Hindu, den Drawida und assamesischen Bergvölkern in
+Vorderindien. Das Produkt ist für den Bedarf genügend und wohl
+geeignet zu allen heimischen Geräten und Waffen. Ohne alle
+mechanische Hilfsmittel, von den Bälgen abgesehen, wird es, nach
+BLACKWELL, dem Mineral Viewer für Bombay, billiger dargestellt,
+als es in Europa mit all seinen Maschinen der Fall ist. Freilich
+besteht das indische Eisen nur aus kleinen Stäben.
+
+~Eisendarstellung auf Ceylon.~ Eisenhaltige Erze sind auf Ceylon
+vorhanden, nämlich rote und braune Eisensteine. Es wird jedoch
+kein Bergbau darauf getrieben, sondern die Erze werden nach
+Bedarf von der Oberfläche gesammelt und von Zeit zu Zeit auf sehr
+einfache Weise ausgebracht. Doch hat diese einfache Eisenerzeugung
+der Singalesen in der letzten Zeit sehr abgenommen, da das
+englische eingeführte Eisen weit billiger zu stehen kommt, als das
+einheimische. L. SCHMARDA hat die singalesische Eisengewinnung
+in der Umgegend Radnapuras kennen gelernt und folgendermaßen
+geschildert[190]: »Unter einem leichten Dache waren zwei Herde aus
+Thon, ganz in der Form der hessischen Tiegel und auch nicht viel
+größer. Durch eine Lehmwand waren sie von dem Gebläse, welches
+höchst originell ist, getrennt. Ein hölzernes Gefäß ist mit einer
+nassen Tierhaut, die in der Mitte ein Loch hat, zugebunden. Ein
+dünner Baumstamm, ungefähr 5 cm dick, ist mit dem einen Ende an
+einen Querbalken befestigt und hat an seinem freien Ende einen
+Strick, welcher durch das Loch in die Haut geht und durch ein am
+Ende befestigtes Stückchen Holz diese gespannt erhält. Für jeden
+Herd sind zwei solcher Bälge nebeneinander, die nicht durch ein
+Windrohr, sondern durch eine oben offene Rinne in den Grund des
+Herdes münden. Die Blasebälge werden durch einen mit den Füßen
+arbeitenden Mann in Bewegung gesetzt, indem er abwechselnd die
+gespannte Haut niedertritt, wobei er mit seiner Fußsohle wie mit
+einem Ventil die Öffnung des Balges schließt. Durch die allerdings
+geringe Elastizität des dünnen Baumstammes, der aus der gebogenen
+Lage in seine normale zurückzukehren strebt, wird die Haut wieder
+in die gespannte Lage gebracht. Das Treten der Bälge geht rasch vor
+sich und ist sehr anstrengend, daher sich die Arbeiter dabei alle
+Viertelstunden ablösen. Die Zuschickung des Herdes war folgende:
+Mit einer aus Palmblättern geflochtenen Schaufel werden glühende
+Kohlen in den Grund des Herdes gebracht und mit einer Lage anderer
+Kohlen bedeckt. Der übrige Raum wird durch eine Matte in zwei
+Kammern geteilt; in die hintere werden Kohlen, in die vordere
+die gerösteten Erze geschüttet; die Röstung derselben geschieht
+im Freien durch Holzfeuer. Darauf wird nun angeblasen, indem der
+Arbeiter bald den einen, bald den anderen Blasebalg niedertritt.
+Die hintere Kammer wird mit kleinen Quantitäten Kohle fortwährend
+gespeist und von Zeit zu Zeit mit einem Stück Holz durchstoßen,
+um einen größeren Zug zu erzeugen. Am Ende der Feuerung, die 15
+singalesische Stunden à 20 Minuten dauert, wird die Schlacke
+entfernt und das Eisen bleibt als großer Klumpen im Grunde des
+Herdes zurück. Die auf einmal in einen Herd gebrachte Erzmasse
+enthält 20-25 kg, die gewonnene Eisenmasse 10-12 kg. Die Erze mögen
+also 50-60prozentig sein. Das Eisen ist weich und gut und hat alle
+Eigenschaften des Stabeisens, daher können die Schmiede es auch
+unmittelbar verarbeiten.«
+
+Der Prozeß, wie er hier geschildert wird, zeigt Ähnlichkeit mit
+jenem in Orissa, namentlich ist die Art des Tretens der Blasebälge
+und die Form der letzteren übereinstimmend mit dem durch BLANFORD
+weiter oben beschriebenen.
+
+~Priorität des Kupfers oder Eisens in Indien.~ Weder die heute
+heimische Kupfer- und Eisengewinnung, noch die Funde aus den
+vorgeschichtlichen Grabstätten in Vorderindien geben uns sichere
+Antwort auf die Frage nach der Priorität des Kupfers oder des
+Eisens in diesem Lande. Die Altersbestimmung der verschiedenartigen
+Gräber, sowie ihre ethnographische Zuteilung in einem Lande,
+das so viele Völkerstürme gesehen hat, lassen viel zu wünschen
+übrig. Es bleibt somit noch die Sprache übrig, an welche die Frage
+nach der Priorität und dem Alter des einen oder anderen Metalles
+gerichtet werden kann. Soviel wir jetzt sagen können, ist sie noch
+das relativ sicherste Auskunftsmittel, wiewohl es immer etwas
+mißliches hat, daß ein einziges Wort und seine Geschichte uns für
+die Aufhellung einer wichtigen kulturgeschichtlichen Thatsache
+genügen sollen, für eine Thatsache, zu deren Beurteilung sonst
+eine ganze Reihe von Wissenschaften herangezogen werden muß. Und
+wie schwankend das Ergebnis gerade in dem hier interessierenden
+Falle sein kann, darüber möge uns das nachstehende belehren: »Will
+man sich,« sagt O. SCHRADER, »durch ein praktisches Beispiel davon
+überzeugen, wie überaus unsicher die nur auf Etymologien beruhenden
+Schlüsse über die Kultur der Indogermanen zu sein pflegen, so
+stelle man sich die Urteile zusammen, welche die namhaftesten
+Sprachforscher, Männer wie PICTET, SCHLEICHER, M. MÜLLER, L.
+GEIGER, HEHN, BENFEY und andere, über die Bekanntschaft oder
+Nichtbekanntschaft der Indogermanen mit den Metallen ausgesprochen
+haben. Man wird dann finden, daß in dieser Frage nur eins sicher
+ist, daß nämlich das Vorhandensein keines Metalles für die Urzeit
+sicher, d. h. von allen oder den meisten Gelehrten gebilligt ist.
+Alle Metalle werden, eins wie das andere, für die Urzeit behauptet
+und geleugnet, obgleich doch die sprachlichen Thatsachen dieselben
+sind und obgleich wir es hier nicht mit Dilettanten, sondern mit
+bewährten Meistern der Sprachforschung zu thun haben.«[191]
+
+MAX MÜLLER[192] ist dafür, daß in Indien das Kupfer resp. die
+Bronze vor dem Eisen bekannt war. Im Sanskrit nämlich bedeutet
+_ayas_, welches mit lateinisch _aes_ und gothisch _aiz_ dasselbe
+Wort ist, ausschließlich Eisen. MÜLLER vermutet jedoch, daß auch
+im Sanskrit _ayas_ ursprünglich Metall (= Kupfer) bedeutete und
+daß diese Bedeutung von _ayas_ verändert und spezialisiert wurde,
+als das Eisen an die Stelle des Kupfers trat. In Athara-Veda- und
+Vajasaneyi-sanhita-Stellen wird ein Unterschied zwischen _syamam
+ayas_, dunkelbraunem Metall, und _lohitam ayas_, glänzendem Metall,
+gemacht, indem das erstere Kupfer, das letztere Eisen bedeutet.
+Das Fleisch eines Tieres wird mit dem Kupfer, sein Blut mit dem
+Eisen verglichen. »Dies zeigt, daß die ausschließliche Bedeutung
+Eisen für _ayas_ erst später sich festsetzte und macht es mehr als
+wahrscheinlich, daß die Hindu, wie die Römer und Deutschen, dem
+Worte _ayas_ (_aes_ und _aiz_) ursprünglich die Bedeutung Metall
+_par excellence_, d. i. Kupfer, beilegten.«[193]
+
+So läßt sich also Eisen in Vorderindien gegen den Ausgang
+der vedischen Periode mit Sicherheit nachweisen, dann aber
+ist auch sein weitgehender Gebrauch durch die litterarischen
+Quellen bestätigt. Es wird in den Vedas häufig und wie ein ganz
+gewöhnlicher Gegenstand erwähnt und es scheint auch, daß die Inder
+zuerst den Stahl darzustellen verstanden. Der Name des sehr frühe
+bekannten Stahles Wutz (Wootz) ist aus dem Sanskrit _vadschra_,
+Diamant und Donnerkeil, entstanden.[194] Bekannt ist, daß PORUS dem
+ALEXANDER 15 kg Stahl, als das beste Geschenk, das er zu bieten
+vermochte, übergab.[195] Wir lesen in den Vedas von Panzern aus
+Eisenstahl, von glänzenden Lanzen und Helmen, von Schwertern und
+Speeren, von Pfeilen mit Stahlspitzen, kurz wir sehen hier das
+Eisen vor 3000 Jahren in verschiedenen Formen allgemein angewendet.
+Neben der Erzeugung im eigenen Lande läßt sich auch in den ältesten
+Zeiten Import und Export von Eisen in Indien nachweisen. Mit den
+nördlichen Ländern stand Indien frühzeitig in regem Verkehr. Auf
+dem Wege über Khotan erhielten die Inder aus dem oberen Gebiete
+des Jaxartes und aus Baktrien Seide und seidene Zeuge, Gold,
+Edelsteine, Pferde, Esel, Felle und Eisenwaren, trotzdem sie nicht
+nur selbst vortreffliches Eisen besaßen, sondern frühe die Kunst,
+es zu verarbeiten, ausgebildet hatten. Von Khotan berichten die
+Chinesen, daß seine Bewohner es verstanden, das Eisen zu gießen;
+ein Schreibzeug aus blauem Eisen wurde von einem Beherrscher des
+Landes einem ihrer Kaiser zugesandt.[196] Auch im Mahabharata,
+in dem aber Eisen selten erwähnt wird, ist die Rede von eisernen
+Pfeilen (_naraka_), die aus den östlichen Ländern nach Indien
+importiert wurden.[197] Vom Export vortrefflicher eiserner
+Schwerter nach den westlichen Ländern hören wir beim Ktesias
+(400 v. Chr.); in seiner bekannten Weise berichtet er, daß jene
+Schwerter, in die Erde gepflanzt, Gewölk, Hagel und Blitzstrahlen
+abwendeten und daß das Eisen dazu aus einem tiefen Brunnen
+geschöpft werde, der sich jedes Jahr mit flüssigem Golde füllte etc.
+
+~Eisenbenutzung auf den Andamanen.~ Im Anhange zu Indien möge
+hier der Behandlungsweise des Eisens auf den Andamaneninseln im
+bengalischen Busen gedacht werden. Irgendwelche metallurgische
+Kenntnisse besitzen die Eingeborenen, die sogenannten Mincopies,
+welche man mit den Negritos zusammengestellt hat, nicht. Noch
+in der Mitte unseres Jahrhunderts verharrten sie völlig im
+Steinzeitalter und bedienten sich zur Herstellung ihrer Messer und
+sonstiger Geräte des Quarzes. Ihr Eisen haben sie zunächst durch
+Schiffbrüche und dann mit Gründung der englischen Strafkolonie
+(1784) erhalten, doch wurde es kaum benutzt und Quarzinstrumente
+blieben bis auf unsere Tage im Gebrauch. Auch jetzt verstehen die
+Eingeborenen noch nicht, es zu schmieden, sondern sie behandeln
+dasselbe ganz wie den Stein, d. h. sie hämmern es mit Steinen zu
+Pfeilspitzen und schleifen es zu Messern.[198]
+
+
+Fußnoten:
+
+[174] Revue d'Anthropologie. 1880. 299.
+
+[175] Journ. Ethnol. Soc. New Series. I. 160 und 178 nach Transact.
+Literary Soc. of Bombay. 1820. vol. III.
+
+[176] A. a. O. I. 160.
+
+[177] A. a. O. I. 170.
+
+[178] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 198 (1869).
+
+[179] »_The goose_,« sagt PEARSE, »_was sacred to the early
+Buddhists of India; but it is not therefore necessary to be
+inferred that this barrow was erected over Buddhists. The contra
+argument is just as probable, viz. that when Buddhism arose in
+India the goose was then venerated._«
+
+[180] On the excavation of a large raised Stone Circle near
+Wurreegaon. Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 207-217.
+
+[181] FORBES WATSON, A classified and descriptive catalogue of the
+Indian Departement (London 1862) No. 16-123.
+
+[182] Die Metallurgie. Deutsch von KNAPP und WEDDING. II. 490 ff.
+
+[183] Bei PERCY a. a. O. II. 493.
+
+[184] FORBES WATSON a. a. O. 5 unter No. 96.
+
+[185] POWLETT, Gazetteer of Ulwur. London 1878. 81.
+
+[186] POWELL, Economic Products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 2.
+
+[187] The Annals of Indian Administration. Serampore 1860. IV. 69.
+
+[188] Himalayan Journals. London 1854. II. 310. Citiert bei PERCY
+a. a. O. II. 501.
+
+[189] Smelting of iron in the Kasya-Hills. Journal of the Asiatic
+Soc. of Bengal. 1832. I. 150. Citiert bei PERCY a. a. O. II. 502.
+
+[190] LUDWIG K. SCHMARDA's Reise um die Erde. Braunschweig 1861.
+421 bis 424.
+
+[191] O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte. 208.
+
+[192] Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache. Leipzig 1866.
+I. 220.
+
+[193] Vergl. auch O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte.
+266, nach welchem Kupfer, nach den sprachlichen Beweisen zu
+schließen, bereits in der proethnischen Epoche der gesamten
+europäisch-asiatischen Menschheit bekannt war.
+
+[194] LASSEN, Indische Altertumskunde. I. 238.
+
+[195] Stahlfabrikation wird in Indien auch jetzt noch vielfach
+erwähnt, selbst auf Ceylon, bei Ballangodde in der Gegend von
+Radnapura wird Gußstahl, in kurze Thonröhren gegossen, dargestellt
+(SCHMARDA's Reise um die Erde. I. 424). Wie dieser und andere
+Stahlsorten indessen genauer beschaffen sind, ist bei dem jetzt
+nach seinen Grenzen hin flüssig gewordenen Begriffe des Stahl,
+nicht näher zu sagen. Erwähnenswert ist noch folgendes Urteil
+POWELL's (Economic products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 1):
+»_Nowhere within British Territory_ (Indiens) _is indigenous steel
+procurable, at all events such steel as would be of any use in the
+finer classes of manufacture. The cutlery of Nizambad and Gujrat is
+exclusively manufactured with imported steel, while the interior
+kinds are not steel at all, but merely polished iron._«
+
+[196] LASSEN II. 566. 567. RITTER, Asien. V. 645. 737. 746.
+
+[197] LASSEN II. 550.
+
+[198] LANE FOX in Journ. Anthropol. Institut. VII. 443. -- A. DE
+ROEPSTORFF in Zeitschrift d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin. 1879. 11.
+
+
+
+
+Die Zigeuner als Metallarbeiter.
+
+
+Es ist als ob wir das Seitenstück zu den Schmieden Afrikas kennen
+lernten, wenn wir die Beschreibungen der Schmiede Indiens lesen;
+beide stehen auf derselben primitiven Stufe. SONNERAT schreibt:
+»Der (indische) Schmied führt sein Werkzeug, seine Schmiede und
+seine Esse stets mit sich und arbeitet überall, wo man ihn brauchen
+will. Die Schmiede richtet er vor dem Hause desjenigen auf, der
+ihn berufen hat. Aus zerriebener Erde führt er eine kleine Mauer
+auf, vor der er seinen Herd anlegt: hinter dieser Mauer sind zwei
+lederne Blasebälge angebracht, die sein Lehrbursche wechselweise
+drückt und damit das Feuer anbläßt. Statt des Amboßes nimmt er
+einen Stein und sein ganzes Werkzeug besteht in einer Zange, einem
+Hammer, einem Schlägel und einer Feile.«[199]
+
+Und so wie diese indischen Schmiede, so sind ihre Abkömmlinge,
+wenn man so sagen darf, unsere Zigeuner noch heute; sie ragen mit
+der Art und Weise ihres Schmiedebetriebes als ein Überlebsel in
+unsere Zeit herein, merkwürdig konservativ, unverändert durch die
+umgebende Kultur und unbeleckt davon. Überall in Europa betreibt
+der Zigeunerschmied noch heute ~sitzend~ sein Gewerbe[200], das
+Handwerkszeug ist bei allen das nämliche, höchst einfache, doch
+sind oft schon an die Stelle der Lederschläuche zwei europäische
+alternierend benutzte Handblasebälge getreten. »Unter allen
+Nahrungsarten der Zigeuner,« sagt GRELLMANN, »ist Schlosser-
+und Schmiedearbeit die gemeinste, so daß man ein ungarisches
+Sprichwort hat: soviel Zigeuner, soviel Schmiede, und bereits in
+einer Urkunde des ungarischen Königs Ladislaus vom Jahre 1496
+werden Zigeunerschmiede erwähnt. Große, schwere Dinge schmieden sie
+nicht, sondern nur Kleinigkeiten: Hufeisen, Ringe, Maultrommeln,
+Nägel, Messer.« Nirgends schmelzen die Zigeuner das Eisen aus,
+sondern sie verarbeiten nur altes, bereits vorhandenes. »Ihr Amboß
+ist ein Stein und was sie weiter gebrauchen, besteht in ein Paar
+Handbälgen, einer Zange, einem Hammer, Schraubstock und einer
+Feile.« Kohlen brennen sie selbst in kleinen Meilern. »Er schmiedet
+nicht stehend, sondern sitzt dabei mit übereinandergeschlagenen
+Beinen auf der Erde; und das darum, weil sowohl die Einrichtung
+seiner Werkstatt, als seine Gewohnheit diese Stellung erfordert.
+Sein Weib sitzt ihm zur Seite und bewegt die Blasebälge.«[201]
+
+Die Zigeuner außereuropäischer Länder sind gleichfalls Schmiede
+in der angegebenen Weise; so z. B. die persischen (Kauli oder
+Karatschi genannt), welche außer dem Schmiedehandwerk und
+der Verfertigung schöner Ketten sich auf das Verzieren der
+Gerätschaften verstehen.[202]
+
+Auch Schmelzöfen verstehen die europäischen Zigeuner in höchst
+ursprünglicher Weise herzustellen, wenigstens ist dieses von
+SIMSON[203] für die schottischen Zigeuner in Tweeddale und
+Clydesdale dargethan worden. Die Art, wie sie Eisen zu Pflugscharen
+und Bügeleisen aus solchen Öfen gießen, ist höchst einfach.
+Der Stamm wählt sich einen geschützten Ort, wo er aus Steinen,
+Rasenstücken und Thon einen runden Ofen von 80 cm Höhe und 40 cm
+Durchmesser herstellt, der auf der Außenseite bis oben hin
+sorgfältig mit einem Mörtel aus Thon verkleidet wird. Am Boden wird
+die Erde im Ofen etwas ausgehöhlt, um ihm größere Tiefe zu geben;
+dann wird er mit Kohlen oder verkohltem Torfe gefüllt und das
+Eisen, welches umgeschmolzen werden soll, in kleinen Stücken oben
+aufgegeben. Unten ist eine Öffnung gelassen, groß genug, um einen
+auf der Innenseite mit Thon ausgeschlagenen eisernen Schöpflöffel
+einzuführen. Durch eine andere kleine, wenig über dem Boden
+angelegte Öffnung wird die nötige Luft mit einem großen, von einem
+Weibe bedienten Handblasebalg gegeben. Schmilzt das Eisen nieder,
+so wird es unten in dem Schöpflöffel aufgefangen und in die bereit
+gehaltenen Sandformen gegossen. SIMSON sagt ausdrücklich, daß mit
+Eisen (_iron_) beschickt wird, doch ließe sich aus leichtflüssigen
+Erzen gerade so gut auf solche Weise das Metall herstellen, wenn
+auch nicht zum Gießen. Ob der Prozeß ein ursprünglicher bei diesen
+Zigeunern oder nur ein abgelernter ist, kann nicht mehr entschieden
+werden; wohl letzteres.
+
+Eisenschmiede, Wahrsager und Musikanten sind die Zigeuner
+überall; mit dem Kupfer befaßt sich aber nur eine bestimmte
+Gruppe derselben in Südosteuropa, es sind dieses die (rumänisch)
+Calderari genannten, also Keßler, welche von der Türkei und unteren
+Donau durch Siebenbürgen und Ungarn bis zu den Karpaten und nach
+Böhmen kommen. Auch das Verzinnen verstehen sie und die damit
+Beschäftigten nennt man in Rumänien Spoïtori, ein Wort, dem wohl
+das deutsche »Spiauter« zu Grunde liegt. Daß sie Goldwäscher (in
+Siebenbürgen, der Walachei) und auch Goldschmiede sind, ist bekannt.
+
+Von einer Gruppe kleinasiatischer Zigeuner, den Malkotsch, sagt
+PASPATI[204], daß sie meistens Christen seien und sowohl in Eisen
+als in Bronze zu arbeiten verständen. P. BATAILLARD, einer der
+größten Kenner der Zigeuner, hat diese Notiz aufgegriffen und,
+unterstützt von einigen Scheingründen, sie weiter dahin ausgebaut,
+daß die Zigeuner dasjenige Volk waren, welches in Europa die Bronze
+einführte. Indien allein habe Kupfer und Zinn gemeinsam, dort wäre
+die Bronze entdeckt und von zigeunerischen _Commis voyageurs_ über
+Europa verbreitet worden. Um diese Ansicht durchführen zu können,
+läßt BATAILLARD die Zigeuner seit Urzeiten in Europa auftreten;
+für ihn ist es keinem Zweifel unterworfen, daß sie die Sigynen des
+Herodot sind etc.[205]
+
+Andere Gründe -- als etwa noch die Kleinheit der Zigeunerhände
+und die auf kleine Hände deutenden Griffe der Bronzeschwerter --
+weiß BATAILLARD nicht beizubringen und er muß ebenso wie jene
+auf Abwege geraten, welche die Bronze, wie die Metalltechnik
+überhaupt, aus einer einzigen Quelle abzuleiten und mit Hilfe
+von Wandervölkern über den Globus verbreiten wollen, statt einen
+gesunden Polygenismus auch auf diesem Gebiete anzunehmen. Ob etwa
+unsere Bronzen in ihrem Stil mit indischen übereinstimmen, an eine
+so untergeordnete Frage hat der sonst hochverdiente Forscher nicht
+gedacht und seine Hypothese dürfte wohl kaum zu erwähnen gewesen
+sein, wenn nicht im Verfolge derselben die interessante Thatsache
+zu Tage getreten wäre, daß es auch noch in Europa Zigeuner giebt,
+die in Bronze arbeiten.
+
+Wir verdanken diese Entdeckung dem verdienten polnischen
+Anthropologen J. KOPERNICKI, welcher zigeunerische Gelbgießer im
+südöstlichen Galizien an der Grenze der Bukowina auffand und ihre
+Technik studierte.[206] Man nennt sie Zlotari (Plural von Zlotar,
+vom slavischen _zloto_, Gold), Goldarbeiter, oder Dzvonkari (von
+_dzvon_, Glocke), Glockengießer, weil sie Glocken von verschiedener
+Größe für das Weidevieh gießen. Ferner stellen sie aus Bronze oder
+Messing die Beile her, welche von den Ruthenen an ihren Stöcken
+getragen werden, Buckeln für Gürtel, Agraffen, kleine Kreuze,
+mit denen Bauermädchen am Halse sich schmücken, nadelförmige
+Pfeifenräumer u. dgl. Waffen fabrizieren sie nicht, ja es fehlen in
+ihrer Sprache die Namen dafür. Die Hauptsitze der zigeunerischen
+Gelbgießer sind Hlinnitza am rechten Ufer des Pruth und Sadogora
+bei Czernowitz. Im ersteren Orte hat KOPERNICKI sie besucht und sie
+bei der Arbeit gesehen.
+
+[Illustration: Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI.]
+
+Zur Fabrikation benutzen sie, wie erwähnt, Bronze (_tscharkom_)
+und Messing (_galbeni tscharkom_), sowie Packfong. Die Bronze
+wird ausschließlich zu den Glocken verwendet. In ihrer Sprache
+besitzen sie Ausdrücke für schmelzen (_te bilbel_ oder _te
+bilarel_) und gießen (_te sorel_); benutzt wird altes Messing,
+das sie umschmelzen und dem sie nach Bedarf Kupfer (_tscharkom_)
+oder Zinn (_artschitsch_) zusetzen; Zink (_sperton_, Lehnwort)
+wird wenig benutzt, dagegen ist Borax (_poroska_, also Lehnwort)
+ihnen unentbehrlich. Alle diese Materialien kaufen sie in kleinen
+Städten. Ihre Geräte und Werkzeuge bestehen in Graphittiegeln
+(_kutschi_) und Blasebälgen (_pischod_), welche letztere nach der
+Beschreibung und Abbildung (Fig. 23), die KOPERNICKI giebt, eine
+durchaus altertümliche und mit der indischen übereinstimmende
+Form haben. Dieser Blasebalg dient zugleich, wenn die Zlotari
+ihr Gewerbe an einem anderen Orte ausüben wollen, als Reisesack.
+»Dieser Sack,« berichtet KOPERNICKI, »besteht aus einem einzigen
+Stücke: man zieht ein Kalb oder einen Hammel ab, indem man einen
+Rundschnitt um den Körper gerade hinter den Achseln macht.[207]
+Ohne die Haut zu verletzen, zieht man das Fell bis zu den Knieen
+und soweit als möglich bis zum Schwanze ab. Nachdem dies Fell
+so gut es angeht, gegerbt worden, um es geschmeidig zu machen,
+verschließt man hermetisch die beiden Öffnungen am Eingange
+der Beine, welche nun zwei seitliche Anhängsel (~cc~) bilden,
+setzt eine Röhre an der Stelle des Schwanzes ein und bringt zwei
+Stäbe (~bb~) am Eingange des Sackes an -- und der Blasebalg ist
+fertig.« Die absolute Übereinstimmung dieses Blasebalges mit
+verschiedenen in Afrika und Indien benutzten liegt auf der Hand;
+er ist uraltes Besitztum dieser Zigeuner und, wie ich glaube, fast
+das einzige bei dem Prozesse der Zlotari gebrauchte ursprüngliche
+Stück. Was aber dann KOPERNICKI uns über das Formen und Gießen
+berichtet, stimmt zugleich mit den in allen europäischen Gießereien
+beobachteten Methoden überein; namentlich tragen die sogenannten
+Gußkästen durchaus den Charakter wie in unseren Fabriken und
+die dargestellten Glocken und Christusbilder etc. zeigen ganz
+offenbar entlehnte Gestaltung. Hier ist nichts ursprünglich
+zigeunerisches[208]; echt dagegen ist wieder, daß der Zlotar
+sitzend arbeitet, wie dieses schon von den Zigeunerschmieden
+hervorgehoben wurde.
+
+Es ist wohl zu beachten, daß die (deutschen) Zigeuner die Metalle
+vom Standpunkte des Eisens aus benennen. Eisen, _saster_, ist aus
+dem Sanskrit _çastra_, einer späten Bezeichnung für dieses Metall,
+entstanden; Kupfer ist ihnen _lolo saster_, rotes, und Messing
+_dscheldo saster_, gelbes Eisen. Danach wäre ihnen das Eisen am
+frühesten und ursprünglich bekannt gewesen. Kupfer und Messing
+haben sie wohl erst in Europa kennen gelernt.
+
+
+Fußnoten:
+
+[199] SONNERAT, Reise nach Ostindien, citiert bei GRELLMANN, Die
+Zigeuner. Göttingen 1787. 323.
+
+[200] Siehe die Abbildungen bosnischer Zigeunerschmiede Tour du
+Monde 1870. I. 284 und kaukasischer daselbst 1868. I. 189.
+
+[201] GRELLMANN a. a. O. 80-84.
+
+[202] POLAK, Persien. I. 33.
+
+[203] History of the Gipsies. London 1865. 234.
+
+[204] Les Tschinghianés de l'empire ottoman. 346.
+
+[205] BATAILLARD, Sur les origines des Bohémiens und Les Tsiganes
+de l'âge du bronze. Bullet. soc. d'Anthropol. 1875. 546 und 563.
+
+[206] KOPERNICKI's ausführlicher Bericht ist mitgeteilt und mit
+Bemerkungen versehen von BATAILLARD unter dem Titel Les Zlotars,
+dits aussi Dzvonkars in Mém. soc. d'Anthropol. Deuxième serie. I.
+499-566 und Tafel 17.
+
+[207] Wie unser deutsches Wort »Balg« in Blasebalg bezeugt, sind
+diese Instrumente bei uns auch ursprünglich nichts anderes gewesen
+als die abgezogenen Tierhäute. Und so ist es auch im Russischen, wo
+auch das Wort für Haut (_mjech_) dieses Gerät bezeichnet.
+
+[208] KOPERNICKI führt die einfachen, wertvollen Thatsachen an. --
+Die unhaltbare Hypothese von der Einführung der Bronze in Europa
+durch die Zigeuner ist lediglich BATAILLARD's Eigentum.
+
+
+
+
+Die Metallurgie der Malayen.
+
+
+~Malayische Eisenbereitung.~ Die Malayen und ihnen nahe stehende
+Völker sind seit sehr alter Zeit mit der Eisenschmelzung vertraut
+gewesen, wie sie denn überhaupt vortreffliche Metallarbeiter sind.
+Einheimischen, malayischen Ursprunges, sind die Bezeichnungen für
+Gold, Eisen und Zinn in den verschiedenen Idiomen dieser Rasse, so
+daß man annehmen kann, die Darstellung dieser Metalle entstamme
+ursprünglich heimischer Kenntnis. Silber, Bronze und Kupfer dagegen
+werden mit Sanskritnamen auf den ostasiatischen Inseln bezeichnet,
+was auf Einführung dieser beiden Metalle aus Indien deutet. Doch
+giebt es auf Sumatra eine heimische Bezeichnung für Kupfer, nicht
+aber auf den übrigen Eilanden.[209] Die Einführung jener Metalle
+aber darf in die Zeit gesetzt werden, als von Indien aus der
+Brahmanismus nach Java vordrang und dort seine riesigen Tempel
+errichtete, in deren Ruinen man wohl Götzenbilder, Opferschalen
+etc. aus Bronze, aber keinerlei schneidende Werkzeuge und Geräte
+aus dieser Legierung fand, weil letztere wohl bereits aus dem
+heimischen Eisen von den Eingeborenen verfertigt worden waren.
+Alles deutet darauf hin, daß Eisen früher als Bronze im malayischen
+Archipel bekannt und gebraucht wurde.
+
+Bei den verschiedenen malayischen Völkern, zumal den Javanen, gilt
+das Handwerk eines Schmiedes als ein höchst ehrenvolles; in der
+alten Geschichte werden die Schmiede als hoch im Ansehen stehend
+und reich mit Ländereien belohnt erwähnt. So schon im elften
+Jahrhundert, zur Zeit des Reiches Pajajaran, nach dessen Verfalle
+800 Schmiedefamilien sich in das Reich Majapahit wandten. Nach
+dessen Zerstörung im 15. Jahrhundert zerstreuten sich die Schmiede
+über ganz Java, wo sie heute unter dem Namen _pandi_ bekannt sind.
+Die charakteristischen malayischen Gebläse, welche wir gleich näher
+schildern werden, waren in jener Zeit schon im Gebrauche, wie die
+Steinskulpturen in den alten Ruinen von Suku beweisen, auf denen
+die Gebläse dargestellt sind.[210] Für das hohe Ansehen, in welchem
+die Schmiede standen, spricht das Wort _pandi_, welches zugleich
+den kundigen und gelehrten Mann bedeutet, entstanden wohl durch
+die Wertschätzung, welche man dem Eisen beilegte, als es noch neu
+war. Diese Schätzung hat sich lange erhalten, da bis in unsere Tage
+das Eisen vielfach Geld und Wertmesser in den malayischen Ländern
+blieb. In Bruni (Borneo) liefen in der Mitte unseres Jahrhunderts
+neben Shirtingstreifen noch zolllange Eisenstückchen (englischen
+Ursprunges) um, die jetzt aber durch englische und chinesische
+Kupfermünzen ersetzt sind.[211]
+
+In der malayischen und javanischen Sprache stimmen die Wörter für
+Eisen, Amboß, Hammer, Zange, Feile, Meißel, Messer, Dolch, Schwert
+überein; dieselben sind auch bei den Dajaks von Borneo gebräuchlich
+und vereinzelt bis zu den Philippinen mit der malayischen Invasion
+vorgedrungen.[212] Alle Mythen und Traditionen der malayischen
+Völker deuten auf die Halbinsel Malakka und die Insel Sumatra
+als Ausgangspunkt ihrer Rasse und da nun Sumatra sehr reich an
+Eisen ist und alte Eisenschmelzen dort wiederholt, so in der
+Nähe des Merapi, gefunden worden sind, auch die Eisenindustrie
+dort eine alt bodenständige ist, so kann man annehmen, daß von
+hier aus dieselbe sich über die Inselwelt verbreitete und zwar
+bis Neuguinea im Osten, bis zu den Philippinen im Norden und
+Madagaskar im Westen.[213] Es giebt für den Zusammenhang und den
+gemeinschaftlichen Ursprung der Eisenindustrie innerhalb des eben
+bezeichneten Raumes ein untrügliches Kennzeichen, nämlich die Art
+der eigentümlichen angewandten Gebläse, welche eine Doppelpumpe
+mit Stempeln darstellen, die entweder aus zwei Bambusröhren oder
+zwei ausgehöhlten Baumstämmen besteht und die wir überall in den
+nachfolgenden Einzelschilderungen wiedertreffen werden.
+
+Die Eingeborenen Sumatras bedienen sich bei ihren Schmiedearbeiten
+des Holzkohlenfeuers. Die Gebläse schildert MARSDEN[214]
+folgendermaßen: »Zwei Bambus, etwa 10 cm im Durchmesser und 1,5 m
+lang, stehen senkrecht neben dem Feuer und sind oben offen, unten
+aber verstopft. Ungefähr 3-5 cm vom Boden wird in jedes ein kleines
+Stück Bambus eingesetzt, welches auf das Feuer zugeht und die
+Stelle der Nase vertritt. Um einen Luftstrom zu bekommen, werden
+Bündel von Federn oder anderen weichen Körpern an langen Stielen
+in den senkrechten Röhren auf- und niedergestoßen, wie der Stempel
+in einer Pumpe. Wenn sie niederwärts gestoßen werden, so treiben
+sie die Luft durch die kleinen horizontalen Röhren und da jede
+derselben wechselweise auf- und niedergestoßen wird, so wird ein
+beständiger Wind erhalten. Es wird dies gemeiniglich von einem
+Knaben verrichtet, welcher auf einem erhöhten Gestell steht.«
+
+Völlig gleich diesen Gebläsen, oder nur in kleinen Einzelheiten
+abweichend, sind jene, welche von den Dajaks, den Eingeborenen
+Borneos, benutzt werden und deren auf die einfachste Weise
+hergestelltes stahlartiges Eisen _is preferred to that of European
+make_.[215] Während in Sawarak der Stamm der Kayan als der
+erfahrenste im Eisenschmelzen gilt, haben diesen Ruf im Südosten
+die Bewohner des Distrikts Dusun Ulu, welche nach SCHWANER's
+Bericht Thoneisensteine der Braunkohlenformation verhütten. Die
+cylindrischen Schmelzöfen werden über einem Holzkern in einer
+Form aus Rinde von Thon gestampft; sie sind 90 cm hoch und rings
+von Bambusstreifen zusammengehalten. Das Innere ist gleichmäßig
+cylindrisch, der Herd aber rechteckig, 40 cm breit, 60 cm lang und
+20 cm tief.
+
+Jeder Ofen hat ein oder mehrere Öffnungen mit Thonformen für den
+Wind und eine für den Schlackenabfluß. Der Wind wird vom Boden
+des Cylinders durch Bambusröhren zu den Formen geführt. Die Art,
+wie der Gebläsestempel in Bewegung gesetzt wird, ist aus der
+Abbildung Fig. 24 ersichtlich. Das Erz wird vor dem Aufgeben mit
+Holz geröstet, in kleine Stücken zerschlagen, mit der zehnfachen
+Menge Holzkohlen gemischt und so in den bereits zu zwei Dritteln
+mit Holzkohlen gefüllten Ofen gebracht. Das Gebläse wird dann mit
+40 Hüben pro Minute angelassen. Die Schlacken sticht man von 20 zu
+20 Minuten ab und unterbricht währenddem den Wind. Gegen Ende der
+Operation steigert man den Wind. Es resultiert schließlich eine
+Eisenluppe von 45 kg. Dieselbe wird am Boden des Ofen vermittels
+hölzerner Zangen herausgeholt und mit hölzernen Schlägeln
+bearbeitet. An einem solchen Stück arbeiten vier Mann einen Tag
+lang. Sein Handelswert ist 3-1/2 Mark.[216]
+
+[Illustration: Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK.]
+
+Daß auch auf den Philippinen, die von den Malayen besiedelt
+wurden, durch dieses Volk die Eisenschmelzung eingeführt wurde --
+während die eingeborenen Negritos nicht zur Metallindustrie sich
+aufschwangen -- geht aus der Schilderung des alten DAMPIER[217]
+hervor, dem sofort die eigentümlichen Gebläse auffielen. »_Their
+bellows are much different from ours. They are made of a wooden
+cylinder, the trunk of a tree, about three feet long, bored
+hollow like a pump, and set upright on the ground, on which the
+fire itself is made. Near the lower end there is a small hole,
+in the side of the trunk next the fire, made to receive a pipe,
+through which the wind is driven to the fire by a great bunch of
+fine feathers, fastened to one end of the stick, which, closing
+up the inside of the cylinder, drives the air out of the cylinder
+through the pipe. Two of these trunks or cylinders are placed so
+nigh together, that a man standing between them may work them
+both alternately, one with each hand._« Als Amboß dient ihnen ein
+harter Stein, das Feuer wird mit Holzkohlen genährt; mit ihren
+einfachen Instrumenten arbeiten sie aber, wie DAMPIER sagt, »_to
+admiration_«. Sägen waren unbekannt und Bretter wurden durch
+Behauen mit der Axt hergestellt.
+
+Eine sinnreiche Abänderung, um beide Stempel durch eine Person
+bewegen zu können, findet sich an den Luftpumpen, die von den
+Schmieden in Rangun (Pegu) benutzt werden, wie an einem von
+Dr. RIEBECK (Nr. 3709 seiner Sammlung) mitgebrachten Exemplare
+ersichtlich (Fig. 25). Die Stempelstangen _aa_ sind durch einen
+als Doppelhebel wirkenden, mit einfacher Schnitzerei verzierten
+Querbalken _bb_ verbunden, der durch ein bei _c_ in der Mitte
+angebrachtes Querholz mit einer hinter dem Gebläse stehenden festen
+Wand verbunden ist. Durch Auf- und Abziehen der Stange _d_ wird die
+alternierende Bewegung der Stempel bewirkt.
+
+[Illustration: Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK.]
+
+Wenden wir uns noch weiter nach Norden, so treffen wir auf die
+Igorroten im Innern der Insel Luzon, welche gleichfalls das Eisen
+nach der allgemeinen malayischen Art darstellen, wie aus den
+Schilderungen von Dr. HANS MEYER[218] hervorgeht.
+
+»Im ganzen Distrikt hat Bugias einen Ruf wegen seiner
+Eisenschmiede. Aber die Leute, die ihre Kunst als Geheimnis
+bewahren, sind bisher noch von keinem Reisenden zu bewegen gewesen,
+einen Einblick in ihr Schmiedehandwerk zu gestatten. Mir gelang es
+nach vielem Zureden und Versprechen. Sie führten uns nach einem
+Hügel abseits der Rancheria, wo unter einem Schilfdache Schmiede
+bei der Arbeit waren. Nebeneinander in den Boden gerammt stehen
+zwei etwa 1 m hohe ausgehöhlte Baumstämme, in die unten unmittelbar
+über dem Erdboden je ein Loch gebohrt ist, groß genug, daß zwei
+Bambusrohre hineingefügt werden können, die ihrerseits nach einem
+ebenfalls auf der Erde liegenden Thonrohre konvergieren und durch
+dieses das nötige Gebläse dem Kohlenfeuer zuführen, das vor der
+anderen Öffnung des Thonrohres brennt. Das Gebläse wird durch zwei
+Holzscheiben hervorgebracht, die, des dichteren Schlusses wegen,
+mit Federn gefüttert in die beiden Baumstämme eingelassen sind und
+an zwei Stäben als Handhaben von einem Igorroten abwechselnd auf
+und ab bewegt werden, wie die Stempel zweier Dampfcylinder. Das
+Gußeisen (soll wohl heißen das rohe Frischeisen?), das sie oben in
+den Bergen angeblich durch denselben Mechanismus aus dem dortigen
+Erz gewinnen, verwandeln sie hier durch nichts als aufeinander
+folgendes Glühen, Schmieden und Kühlen in Schmiedeeisen, und dies
+verarbeiten sie durch Schmieden auf Quarzsteinblöcken mit Hämmern
+aus Basalt oder Quarz zu Waffen und Geräten. Die Schmiede sind
+das erste mir bisher vorkommende Beispiel einer eigentlichen
+Handwerkerklasse unter den Igorroten.«
+
+Haben wir hier die malayische Art der Eisengewinnung und
+Verarbeitung bis zu ihrer nördlichsten Grenze verfolgt, so finden
+wir die östlichste Ausdehnung derselben in Neuguinea und zwar im
+westlichsten Teile dieser großen Insel bei Doreh. Die Gebläse sind
+dort identisch mit den schon geschilderten und von den Malayen
+auf ihren Raubzügen nach dem westlichen Neuguinea eingeführt,
+worauf auch die Sitte der Schmiede von Doreh deutet, daß sie kein
+Schweinefleisch essen, was sie von den Mohamedanern annahmen. »Ihre
+Schmiedekunst ist aber nicht groß und besteht hauptsächlich darin,
+daß sie von eisernen Stangen Hackemesser arbeiten. Auch verstehen
+sie das Eisen mit Stahl zu vermischen.«[219] Danach scheint es,
+als ob sie bloß Schmiede sind, nicht aber das Metall aus den Erzen
+ausbringen.
+
+Von besonderem Interesse ist es, daß die Verbreitung der malayischen
+Art der Eisengewinnung bis auf die Afrika vorgelagerte Insel
+Madagaskar nachgewiesen werden kann. Sprache und Körperbeschaffenheit
+der Bewohner Madagaskars deuten auf malayische Abkunft hin; aber
+das Eisen heißt in der Howasprache _vi_, in den malayischen Idiomen
+_besi_ -- dadurch würden wir also keine Aufklärung erhalten, wenn
+nicht wieder die höchst eigentümlichen Gebläse uns durch ihre Form
+belehrten, daß sie malayischen Ursprunges wären, während sie von den
+afrikanischen Schlauchblasebälgen durchaus verschieden sind. Aus
+diesem Vorkommen der Gebläsepumpe läßt sich aber schließen, daß die
+Besiedelung Madagaskars erst stattfand, als schon das Eisengewerbe
+auf den Sundainseln bekannt war. Die Gebläse sind uns hier ein
+sicherer Führer als die Sprache.
+
+Über die Einzelheiten belehrt uns ELLIS. Eisen von vorzüglicher
+Beschaffenheit kommt in den Centralprovinzen rings um die
+Hauptstadt vor, wo es nahe an der Oberfläche gefunden wird. Das
+Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran, daß es geradezu das
+»Eisengebirge« heißt. Man hat dort selten mehr als 1/2 m tief zu
+graben, um auf Eisen zu stoßen.
+
+Die Schmelzöfen der Eingeborenen (Fig. 26), welche sehr roh und
+primitiv gearbeitet sind, liegen stets in der Nähe eines Stromes.
+Das gesammelte Erz wird in kleine Stückchen geschlagen und dann
+durch Waschen von Erde gereinigt. Die Öfen werden 60-80 cm tief in
+den Boden gegraben und die Seiten mit Steinen ausgelegt, die dann
+mit Thon überschlagen werden. Auf den Boden wird alsdann Brennstoff
+gelegt und darüber Erz mit Holzkohle in Wechselschichten. Das Ganze
+wird oben mit einer dicken Thonlage geschlossen(?). Das Gebläse
+wird mit zwei Paar Stempeln betrieben, die in hölzernen Cylindern
+gehen, gewöhnlich sind letztere ausgehöhlte Baumstämme. Vom Boden
+dieser Cylinder erstrecken sich Röhren aus Bambus oder aus alten
+Flintenläufen in den Ofen hinein. Nachdem der Inhalt des letzteren
+eine Zeitlang in Weißglut erhalten, wird er erkalten gelassen, und
+aufgebrochen findet man das Eisen in Klumpen am Boden. So oder zu
+Barren geschmiedet kommt es in den Handel. Der einheimische Schmied
+errichtet seinen Feuerherd auf dem Flur des Hauses und benutzt dazu
+die gleichen, nur kleineren Gebläse wie beim Hüttenprozeß. Der
+eiserne Amboß, 14 cm im Geviert und 14 cm hoch, steckt in einem
+dicken Holzblocke; Hämmer, Zangen etc. sind von Eisen.[220]
+
+[Illustration: Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS.]
+
+Eine Schließung des Ofens, wie ELLIS sie anführt, ist einfach
+unrichtig; seine Abbildung selbst zeigt ein kleines Rohr, durch
+welches die Ofengase abziehen; von wo der »Ofen« beschickt wird,
+ist weder aus der Abbildung, noch Beschreibung ersichtlich;
+vermutlich handelt es sich nur um eine einmalige Füllung der Grube.
+
+~Kupfer bei den Malayen.~ Kupfer ist teils gediegen, teils in
+Erzen auf verschiedenen Inseln des Archipelagus vorhanden. Die
+Kupferminen von Limun auf Sumatra sind seit sehr alter Zeit
+betrieben worden, auch kommt es dort und auf Timor gediegen vor,
+kann daher dort auch in den frühesten Zeiten kalt zu Geräten
+verarbeitet worden sein. Mit Ausnahme von Sumatra, wo ein
+einheimischer Name für Kupfer existiert, gilt im ganzen Archipel
+das aus dem Sanskrit stammende _tambaga_ (_tamra_, _tamraka_
+bedeutet dort das dunkle Metall, es ist ein späterer Sanskritname
+des Kupfers) und hieraus kann man schließen, daß die Kunst, das
+Kupfer zu schmelzen und zu gießen, eine aus Vorderindien zu den
+malayischen Völkern gelangte sei.
+
+Fast alle die gegossenen Hindugötzenbilder und andere in Java
+gefundenen Gegenstände bestehen aus einer Kupfer-Eisenmischung;
+Waffen und Geräte für den häuslichen Bedarf wurden aber nicht
+unter den javanischen Altertümern aus Kupfer gefunden. Zinn und
+Zink kommen in den Mischungen nicht vor, waren auch wohl den alten
+Javanern unbekannt[221], was mit der Annahme von einem späteren
+Bekanntwerden des Zinnes auf Malakka stimmen würde.
+
+Eine ausgedehnte, höchst beachtenswerte Kupferindustrie treffen
+wir bei einem der nördlichsten malayischen Völker, den auch
+in der Eisenbereitung erfahrenen Igorroten im Innern der
+Philippineninsel Luzon. Luzon hat gediegenes Kupfer und sehr
+beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen bei Mancayan im
+Distrikte Lepanto, sowie im Centralgebirge zwischen Cagayan und
+Ilocos. Die europäischen Unternehmungen auf Kupfer sind hier
+erfolglos geblieben, dagegen haben die wilden Igorroten, die jenes
+Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten und in verhältnismäßig
+großer Ausdehnung den Kupferbergbau und die Kupferverhüttung hier
+betrieben, was um so bemerkenswerter ist, als das Metall in jenen
+Gegenden fast nur in der Form von Kiesen vorkommt, die auch in
+Europa nur durch umständliches Verfahren und nicht ohne Zuschlag
+verwertet werden können.
+
+Nach JAGOR, dem wir die Nachrichten über das Kupferhüttenwesen
+der Igorroten verdanken[222], brachten dieselben in der letzten
+Zeit jährlich 300 picos (à 63-1/4 kg) Kupfer, teils roh, teils
+verarbeitet, in den Handel. Die Ausdehnung der unterirdischen
+Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken
+weisen auf einen lange bestehenden beträchtlichen Betrieb. Die
+Kupfergeräte der Igorroten waren jahrhundertelang bei den Spaniern
+Manilas in Gebrauch, ohne daß diese über den Ursprung genau
+unterrichtet waren[223]; höchst wahrscheinlich übten die Igorroten
+schon vor der Ankunft der Spanier die Kunst, aus den Kiesen Kupfer
+zu gewinnen. Man vermutet, daß Chinesen oder Japanesen ihre
+Lehrmeister gewesen; jedenfalls aber ist die Thatsache, daß ein
+wildes, isoliert im Gebirge wohnendes Volk in der Hüttenkunde so
+weit vorgeschritten ist, von großem Interesse.
+
+Nach den Mitteilungen des von JAGOR angeführten Oberingenieurs
+SANTOS war das erzführende Gebiet von Mancayan bei den Igorroten
+in größere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der
+anliegenden Dorfschaften, eingeteilt, deren Grenzen eifersüchtig
+gehütet wurden. Das Besitztum eines jeden Dorfes war wiederum
+unter bestimmte Familien verteilt, weshalb jene Bergdistrikte
+noch heute den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung
+des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an
+geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des
+in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers mit Zuhilfenahme
+eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung
+des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube
+Gestein blieb liegen und höhete den Boden auf, so daß bei späterem
+Feuersetzen die Flamme der Holzstöße stets die Decke traf. Wegen
+der Beschaffenheit des Gesteins und der Unvollkommenheiten des
+Verfahrens fanden häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze
+wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres
+verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung
+unterworfen, wobei, nachdem sich ein Teil des Schwefels, Antimons
+und Arsens verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer
+und Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln
+an der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum größten Teil
+abgelöst werden konnten. Die Öfen oder Schmelzvorrichtungen
+bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten
+30 cm Durchmesser bei 15 cm Tiefe. Eine damit in Verbindung
+stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse)
+von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die
+unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepaßt waren, in
+denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn
+bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten und die für das
+Schmelzen erforderliche Luft zuführten.
+
+Wenn die Igorroten Schwarzkupfer oder gediegenes Kupfer erblasen
+hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem
+sie einen Tiegel aus gutem feuerfestem Thon in Gestalt eines
+Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward, das Metall
+in Formen zu gießen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem
+der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18-20 kg reichen
+oder gerösteten Erzes und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich,
+indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse, also dem Luftzuge
+ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die
+aus losen, zur Höhe von 50 cm übereinander geschichteten Steinen
+bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene
+Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weiße
+und orangengelbe, von der teilweisen Verflüchtigung des Schwefels,
+Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer
+Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Säure bildete und
+die Hitze den höchsten bei diesem Verfahren möglichen Grad erreicht
+hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde.
+Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen
+Erzstücken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines
+sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalles in eine poröse
+Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure
+Verbindungen eingehen konnten, weil es sowohl an Basen, als an
+der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen
+»Stein« von 4-5 kg Gewicht und etwa 50-60% Kupfergehalt.
+
+Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12-15 Stunden lang in
+starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein großer
+Teil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben
+Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und
+zwar ebenfalls so, daß sie sich im Kontakt mit der Luft, die
+Kohlen dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten,
+nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken
+ein Silikat von Eisen und Antimon und Spuren von Arsen, einen
+»Stein« von 70-75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben
+abhoben (Konzentrationsstein), indem sie die Abkühlungsflächen
+benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse
+mehr oder weniger entschwefelt war, eine größere oder geringere
+Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück. Die durch diesen
+zweiten Prozeß gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals
+geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie
+nicht aneinander schmelzen konnten, bevor sie das Feuer von den
+Unreinigkeiten befreit hatte. Das bei der zweiten Beschickung
+erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation
+niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine
+verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer
+dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem
+Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen
+wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer
+enthielt 92-94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre
+gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben
+Metalls, und das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche
+entstandene Oxyd, das sich stets bildete, trotz der angewandten
+Vorsichtsmaßregeln, die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit
+grünen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von
+Kesseln, Pfeifen und anderem häuslichen Gerät oder Schmuck dienen
+sollte, die von den Igorroten mit so großer Geschicklichkeit
+und Geduld ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozeß
+unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden
+unterschied, daß man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom
+vermehrte, in dem Maße, als der Schmelzprozeß sich seinem Ende
+näherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch
+Oxydation zur Folge hatte.
+
+~Zinn bei den Malayen.~ Bei allen Völkern des Archipelagus
+wird Zinn mit dem malayischen Worte _timah_ benannt, was auf
+eine gemeinsame Ursprungsquelle hindeutet. Als solche dürfte
+die hinterindische Halbinsel mit den Inseln, die sich südlich
+vorlagern, zu betrachten sein. Wie überall, wo Zinnerze gefunden
+werden, haben dieselben auch hier eine beschränkte geographische
+Verbreitung, sind aber dafür an dem Orte ihres Vorkommens ungemein
+häufig.
+
+In Hinterindien kommen die Zinnerze von 10° nördl. Br., also von
+dem bekannten Isthmus von Krah an[224], bis 3° südl. Br., somit bis
+zur Insel Billiton, in einem fortlaufenden Zuge vor, in welchem
+die berühmten Zinnvorkommnisse von Malakka und Bangka liegen.
+Gerade wie in Europa, in Cornwall, Devonshire, der Bretagne,
+dem Erzgebirge und dem spanischen Galizien, sind auch auf der
+hinterindischen Halbinsel die Zinnerze an den Granit gebunden.
+Gold, sowie Zinn kommen dort ursprünglich in Quarzadern vor,
+welche zwischen Granit auf der einen und Glimmerschiefer auf der
+anderen Seite eingebettet sind. Aus diesen Originalstätten sind
+sie herausgewaschen und in die Alluvionen übergegangen, die sich
+zu beiden Seiten des Gebirges erstrecken, welches das Rückgrat der
+malayischen Halbinsel ausmacht.[225]
+
+Über das Alter der Ausbeutung sind wir im Unklaren. Wir haben
+gesehen, daß Vorderindien im Altertum abendländisches Zinn bezog
+(S. 60), daß also bis zum ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung,
+in dem die Alexandriner dieses Metall nach Barygaza brachten,
+es schwerlich schon in Hinterindien gewonnen wurde, daß es aber
+keineswegs um jene Zeit Exportgegenstand dieses Landes war.
+Aber trotzdem zwingt uns das Vorkommen hinterindischer, mit
+Steingeräten vergesellschafteter Bronzen (siehe unten), ein
+relativ hohes Alter für die dortige Zinnproduktion anzunehmen.
+Zinn, das möge hervorgehoben werden, ist dasjenige Metall, welches
+am allerleichtesten aus den Erzen reduziert werden kann. Daß
+der Zufall hier der Lehrmeister gewesen sein könne, ist nicht
+auszuschließen, wie wir an dem bestimmten Beispiel des Zinnes von
+Bangka zeigen können. Im Beginn des vorigen Jahrhunderts herrschte
+über Bangka der Sultan Badur U'din von Palembang (auf Sumatra),
+unter dessen Regierung die Entdeckung stattfand, welche Kapitän
+HAMILTON[226] folgendermaßen erzählt: »Im Jahre 1710 war ein Sohn
+des Königs von Pullamban (Palembang) Herrscher (über Bangka), als
+zufällig ein Feuer in einem Dorfe entstand; als das Feuer gelöscht
+war, fand man viel geschmolzenes Metall unter dem Schutte und
+dieses Metall war Zinn. Der Herrscher befahl seinem Volke, etwas in
+den Boden zu graben, wo sie viel Erz fanden, das er nun mit gutem
+Vorteil ausbeutete.«
+
+So mögen die Anfänge der Zinngewinnung auch an anderen Orten
+gewesen sein. Indessen fehlen mir alte Nachrichten über das
+hinterindische Zinn gänzlich und erst im Mittelalter treten
+bestimmte Zeugnisse über seine Verbreitung im Handel auf. So
+erwähnt es der arabische Schriftsteller ABU ZEID[227] und ferner
+der bekannte AL WARDI CASDIR. Im Beginne des 16. Jahrhunderts
+sprechen dann LUDWIG BARTHEMA[228] und der abenteuerliche FERNAN
+MENDEZ PINTO von Malakkas Zinnreichtum.
+
+Die gegenwärtige Darstellung von Zinn ist überall da, wo Malayen
+die Sache betreiben, noch eine höchst einfache, während anderwärts
+durch Europäer und Chinesen hüttenmännische Verbesserungen
+eingeführt wurden. Die berühmten Zinngruben von Malakka liegen bei
+dem Dorfe Kassang und werden von tausenden von Chinesen bearbeitet.
+Der Grund ist hier weit und breit aufgerissen, Schächte sind
+nirgends getrieben. Die zinnführende Schicht (_wash dirt_) liegt
+5,5-7 m unter der Oberfläche und soll 1,10 m mächtig sein. Ist eine
+große Menge des _wash-dirt_ zusammengebracht, so wird derselbe
+mit Schleußen (_by means of sluices_) ausgewaschen. Es erfolgt
+das Ausschmelzen auf höchst primitive Weise. Öfen aus Thon werden
+errichtet und vermittels Ruten zusammengebunden. Am Fuße jedes
+Ofens befinden sich zwei, etwa 5 cm Durchmesser haltende Löcher,
+durch deren eines das geschmolzene Metall abfließt, während das
+andere die Zugluft -- ohne künstliche Windzuführung -- vermittelt.
+Das Erz wird einfach mit Holzkohle geschichtet und dann Feuer
+gegeben. Das durch die kleine Öffnung abtropfende Metall wird in
+einer Erdhöhlung aufgefangen, dort ausgeschöpft und in Formen
+gegossen, worauf man es nach Malakka sendet.[229]
+
+Nach Kapitän BURN dagegen werden in den Zinnwerken von Tringanu,
+Pattani, Dschohor, Lanwan, Lingie, Pahang und auch bei dem oben
+erwähnten Kassang die bekannten cylinderförmigen malayischen
+Gebläse angewendet, was auch annehmbar erscheint. Die Holzkohle
+stammt vom Gompoßbaume, die Hochöfen sind 1,5 m hoch und aus Thon
+geschlagen. Das reduzierte Metall fließt konstant in einen Trog vor
+dem Ofen ab und wird dort ausgeschöpft und in Sandformen gegossen.
+Das Ausbringen beträgt, je nach der Güte des Erzes, 45-60%
+Zinn.[230]
+
+Die Zinnproduktion von Bangka ist wesentlich in den Händen von
+Chinesen, die unter europäischem Einflusse allerlei verbesserte
+Aufbereitungs- und Verhüttungsmethoden eingeführt haben, die uns
+hier nicht interessieren können.[231] Auf dem ebenso zinnreichen
+Biliton begann die Ausbeute erst 1851, auch auf den Karimoninseln
+bei Singapur ist sie neueren Datums.[232]
+
+Neben dem chinesischen Betrieb der Zinngruben auf Bangka fand
+früher noch ein sehr primitiver der Eingeborenen statt; sie teuften
+enge cylindrische Schächte ab, gerade groß genug, um eine Person
+einzulassen. Fanden sie das Zinnerzlager ergiebig, so verfolgten
+sie mit Lebensgefahr dasselbe unter dem hangenden Alluvium. Da sie
+die Wässer nicht zu bewältigen verstanden, legten sie ihre Schächte
+nur an Abhängen an, wo keine Wasseransammlungen stattfinden
+konnten. Das Ausbringen der gewaschenen Erze war so, wie es weiter
+oben geschildert wurde.[233]
+
+
+Fußnoten:
+
+[209] CRAWFURD, Hist. Indian Archipelago. I. 182 und Transactions
+Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4 (1866).
+
+[210] STAMFORD RAFFLES, History of Java. London 1830. I. 192.
+
+[211] SPENSER ST. JOHN, Life in the far east. II. 277.
+
+[212] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4.
+
+[213] Es mag hier an einem Beispiel gezeigt werden, wie innerhalb
+eines durchaus metallkundigen Volkes sich Oasen erhalten, welche
+im alten Zustande vormetallischer Zeit beharren. Der metallreichen
+Insel Sumatra ist westlich vorgelagert das Eiland Engano. Die
+Eingeborenen lebten dort bis vor kurzem noch in der Steinperiode.
+Die Schmiedekunst, sonst bei allen Malayen verbreitet, war ihnen
+fremd. Seit ihnen Eisen zugeführt wird, verfertigen sie ihre
+Lanzenspitzen auf kaltem Wege durch Klopfen und Schleifen aus
+gewöhnlichen Messern. (V. ROSENBERG, Der malayische Archipel.
+Leipzig 1878. 210.) Es zeigt dieses, wie bei demselben Volke in
+unmittelbarer Nachbarschaft zwei sogenannte Kulturperioden in
+derselben Zeit nebeneinander bestehen können, ein Wink, der für
+die Bestimmung mancher prähistorischen Funde nicht aus den Augen
+gelassen werden mag.
+
+[214] Beschreibung der Insel Sumatra. Leipzig 1785. 190.
+
+[215] H. EVERETT, Useful minerals of Sarawak in Journ. of the
+Straits Branch of the R. As. Soc. I. 20 (1878).
+
+[216] Nach Dr. SCHWANER's Reisen in Borneo bei PERCY a. a. O. I.
+512. Die Abbildung nach TEMMINCK im Globus. XXX. 40.
+
+[217] Voyages. London 1703. I. 331.
+
+[218] Blätter aus meinem Reisetagebuche. Als Manuskript gedruckt.
+Leipzig 1883. 275.
+
+[219] G. WINDSOR EARL, Papuans. London 1853. 76. -- VAN HASSELT in
+Zeitschrift f. Ethnologie. 1876. 171.
+
+[220] W. ELLIS, Three visits to Madagascar. London 1858. 264.
+
+[221] CRAWFURD, Malayan Archipelago. III. 491.
+
+[222] F. JAGOR, Reisen in den Philippinen. Berlin 1873. 145-149.
+
+[223] Ein von MEYEN mitgebrachter und dem Berliner Museum
+übergebener, getriebener Kupferkessel der Igorroten ist bei JAGOR
+a. a. O. 146 abgebildet.
+
+[224] Nach MC CLELLAND im Journ. Asiat. Soc. of Bengal. 1842. XI.
+25.
+
+[225] DALY, The metalliferous formation of the Peninsula. Journ.
+Straits Branch. Asiat. Soc. II. 194.
+
+[226] New Account of the East Indies. II. 120. -- CRAWFURD, History
+Malay. Archip. III. 451.
+
+[227] RENAUDOT, Voyage des deux pélérins arabes. Paris 1838.
+
+[228] RAMUSIO, Viaggi. 1613. I. 166a.
+
+[229] J. CAMERON, Our tropical possessions in Malayan India. London
+1865. 387.
+
+[230] Kapt. BURN im Catalogue of the Indian Departement (The
+international exhibition of 1862). 9 unter Nr. 162.
+
+[231] Über die Zinnminen von Bangka vgl. CRAWFURD, Indian
+Archipelago. III. 453-458. Tijdschr. vor Neêrl. Indie 1843. II.
+392-419. Sehr ausführliche Schilderung, auch des chinesischen
+Schmelzverfahrens in MOHNIKE, Banka und Palembang. Münster 1874.
+24-49.
+
+[232] Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. I. 134 ff.
+
+[233] CRAWFURD a. a. O. III. 458.
+
+
+
+
+Die Metalle in Hinterindien.
+
+
+~Prähistorisches.~ Für Hinterindien liegen uns angehende
+Nachrichten besonders aus dem unter französischer Oberhoheit
+stehenden Königreiche Kambodja vor. Hier sind die prähistorischen
+Zeugen einer jüngeren Steinzeit zusammen mit Bronzefunden
+nachgewiesen und von hier kennen wir auch die Darstellung des
+Eisens bei den wilden und halbkultivierten Völkern im Innern.
+
+Die ersten prähistorischen Funde in Kambodja, welche dort eine
+neolithische und eine »Bronzezeit« darthaten, stammen aus dem
+Jahre 1879. Sie wurden durch den Marinearzt Dr. CORRE in den
+Muschelhaufen von Som-ron-Sen gemacht und sind seitdem von Dr.
+MOURA und anderen weiter verfolgt worden.[234] Som-ron-Sen
+liegt an den Ufern des Stung Chinit, eines Zuflusses des großen
+Tonli-Sapsees, und die Muschelhaufen sind namentlich aus Paludina-,
+Corbicula- und Unioarten gebildet. Die Steingeräte, Beile, Meißel,
+Kelte, Ringe etc. aus einer Art Amphibol sind poliert und gleichen
+den verwandten europäischen Instrumenten dieser Art. Mit und
+zwischen diesen Steingeräten und in denselben Muschelhaufen sind
+nun auch Bronzegeräte gefunden worden: große Ringe, eine Axt mit
+Dille, Pfeilspitzen, Angelhaken, Scheiben, alles dieses von ganz
+verwandtem Charakter wie die europäischen prähistorischen Bronzen.
+Wie man aber in Europa auch beides, die Geräte aus Stein und
+diejenigen aus Bronze, oft nebeneinander findet, so ist dieses
+auch hier der Fall gewesen. Indo-China war bereits im Besitze des
+Kupfers und der Bronze, als man noch fortfuhr, den Stein zu Geräten
+zu gestalten und zu polieren.
+
+Von wo die Bronzen kamen und ob sie älter als das Eisen hier
+in Hinterindien sind, wird nicht gesagt. Doch läßt der bloße
+Mangel des letzteren in den Muschelhaufen und das Vorhandensein
+der ersteren noch keineswegs den Schluß zu, daß in Hinterindien
+die Bronze älter als das Eisen sei. Wie die ganze Kultur der
+hinterindischen Halbinsel unter dem Einflusse Chinas steht und
+gestanden ist, so mag auch in früher Zeit aus diesem Lande die
+Bronze nach Kambodja gekommen sein, wenn es überhaupt nötig ist,
+einen Import aus der Fremde anzunehmen. Eisen wird seit »Urzeiten«
+in Hinterindien dargestellt.
+
+~Eisengewinnung in Kambodja.~ Über die Darstellung des Eisens bei
+den wilden Völkern Hinterindiens besitzen wir gleichfalls einen
+Bericht von J. MOURA, der sich auf Kambodja bezieht.[235] »In
+den >Eisenbergen< der Provinz Compong-Soai,« sagt MOURA, »kommen
+zwei Arten Eisenerz vor, welche die wilden Cuois als schweren
+und leichten Stein bezeichnen. Die erste Sorte ist ergiebiger
+an Eisen als die zweite, ist aber weniger geschätzt, da das
+daraus erzielte Produkt unrein und zur Herstellung von Waffen
+und Geräten wenig geeignet ist. Das leichte Erz ist dagegen von
+besserer Beschaffenheit. Direkt mit Holzkohle in einem einfachen
+Schmelzofen behandelt, giebt es eine Art von natürlichem Stahl
+oder ein Gut, welches die Eigenschaften des Zementstahles besitzt.
+Es wird von den Eingeborenen zur Herstellung von Beilen, Messern,
+landwirtschaftlichen Geräten, Feuerstahl und sehr guten Sägen
+benutzt.«
+
+Dieses »leichte« Mineral ist ein sehr reiches Eisenoxydul mit
+65-70% Metall. Die Gegend, wo die Schmelzen der Cuois stehen, ist
+außerordentlich waldreich, so daß es an Brennstoff zur Fabrikation
+nicht fehlt. Wenn sie eine gewisse Menge Erz gewonnen haben,
+werfen sie dasselbe, um es zu rösten, in ein großes Holzfeuer und
+zerklopfen es alsdann in nußgroße Stücke. Gleichzeitig brennen sie
+Holzkohle (wie, wird nicht gesagt) und nun ist alles zum Schmelzen
+bereit. Die Schilderung des Schmelzofens und seiner Zubehöre lassen
+wir in der Originalsprache hier folgen:
+
+»_L'appareil employé pour la fusion est des plus simples; il laisse
+perdre une très grande partie de la chaleur développée et donne
+comme rendement à peu près la moitié de ce qu'on obtient en Europe
+avec les hauts-fourneaux perfectionnés. Cet appareil_ (Fig. 27) _se
+compose d'un fourneau en terre glaise de forme parallélipipède,
+ouvert par le haut. Il est percé au bas des grandes faces latérales
+d'une série de trous situés sur la même ligne horizontale et dans
+lesquels on passe des bouts de bambous creux disposés comme les
+tuyaux de flûte de Pan. Ces tuyaux correspondent, un par un, avec
+ceux d'une trompe ou machine soufflante placée de chaque côté des
+grandes faces du fourneau et composée d'un cylindre creux en terre
+glaise, coiffé d'un cône en cuir faisant office de piston ou de
+soufflet, que trois hommes aplatissent en sautant dessus pour
+refouler l'air, et qui se relève par l'effet de la détente d'un
+levier en bois flexible relié an sommet du cône à l'aide d'une
+corde. Ces trois hommes se tiennent debout sur une petite estrade
+en bois élevée à côté du soufflet; ils sautent sur le cône ou
+reviennent sur l'estrade, suivant qu'il s'agit de refouler l'air ou
+de l'aspirer._«
+
+[Illustration: Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA.]
+
+Nach dieser Schilderung des Gebläses hat dasselbe mit den
+malayischen Gebläsen, die durch den auf und ab gehenden
+Stempel charakterisiert werden, keine Ähnlichkeit, was bei
+der geographischen Lage Kambodjas zu den Malayenländern wohl
+zu beachten ist und darauf hindeutet, daß den Cuois die
+Eisenfabrikation nicht aus dem malayischen Kulturkreise überkommen
+sein kann. Ihre Gebläse sind eher nach dem Prinzipe der indischen
+hergestellt, die bei Orissa beschrieben wurden; nur sind sie
+größer. MOURA führt in seiner Schilderung fort:
+
+»_Lorsque le piston descend, c'est-à-dire lorsque le cône est
+aplati, l'air est refoulé par les trous du bas du cylindre et
+passe dans les tuyères du fourneau. Ces tuyaux, ainsi que nous
+venons de le dire, se correspondent, mais ne se touchent pas, ils
+sont même distants les uns des autres de plusieurs centimètres. Le
+fond du fourneau, situé en contre-bas de la ligne des trous, est
+destiné à recevoir le fer en fusion. On remarque au bas de chacune
+des petites faces du fourneau un trou que l'on bouche ou que l'on
+dégage an moyen d'une longue tape en bois. C'est par ces trous, que
+l'on débouche opportunément, que s'en va, disent les Khmers, le
+>ach-dec< (ordure de fer), c'est à dire le mâchefer, la scorie._«
+
+Auf jeder Seite des Ofens erheben sich, nach oben zu sich
+ausdehnend, zwei große Schirme aus geflochtenen Bambuslatten,
+welche nur dazu dienen, um die an den Gebläsen Arbeitenden vor der
+Glut zu schützen. Der Ofen steht unter einem großen Schirmdach, in
+welchem der »Fabrikdirektor« seine Wohnung hat. Auch steht unter
+demselben ein kleiner Altar, auf welchem der Götze Visvacarma
+thront, der göttliche Baumeister, und ein großer, fest in den Boden
+gefügter Pfahl, dessen Spitze wie ein Feuerbüschel gestaltet ist.
+Die Verehrung, die ihm gezollt wird, erinnert an den Feuerkultus,
+dessen Spuren man durch ganz Indo-China findet.
+
+Da wenige Cuois reich genug sind, um für sich allein eine solche
+Eisenschmelze zu unterhalten, so vereinigt sich zu diesem Zwecke
+ein ganzes Dorf oder mehrere Dörfer.
+
+Die an den Breitseiten des Ofens angebrachten Löcher liegen hoch
+genug über dem Boden des Ofens, um nicht durch die im Schmelzen
+befindliche Masse verstopft zu werden; doch kommt es zuweilen
+vor, daß man aus ihnen kleine Rundstücke von Eisen herauszieht,
+welchen der Aberglaube der Eingeborenen ungewöhnliche Eigenschaften
+zuschreibt. Die Cuois zerschneiden diese Barren und machen daraus
+Amulette, die sie um den Hals oder am Handgelenk tragen, wodurch
+sie sich gegen Verwundungen sicher glauben.
+
+Die mit solchem Eisen in Saigon angestellten Versuche haben
+ergeben, daß es sich gut schweißen und hämmern läßt. Der Bruch
+ist feinkörnig und zackig. Es ist rein und liefert guten Stahl.
+Phosphor und Arsenik kommen darin nicht vor.
+
+~Die Eisenerzeugung in Birma~ ist von W. T. BLANFORD eingehend
+beschrieben worden. Aus seinem Berichte[236] teilen wir das
+Folgende auszugsweise mit. Der Beobachtungsort war Puppa (Paopa),
+6-1/2 Miles östlich vom Irawadi, unter 19° 50´ nördl. Br. und
+95° 20´ östl. L. v. Gr. Der Prozeß unterscheidet sich wesentlich
+dadurch von den in Vorderindien angewendeten Methoden, daß
+kein künstlicher Windstrom benutzt wird. Das Erz besteht aus
+Brauneisensteinkonkretionen, die in den das Land bedeckenden Kiesen
+gesammelt und zu haselnußgroßen Stücken zerschlagen werden. Als
+Brennmaterial dient Holzkohle, besonders von dem schon wiederholt
+erwähnten Salbaume. Das Holz wird in leidlich konstruierten, mit
+Erde überdeckten Meilern von 4 m im Quadrat und 2 m Höhe, welche
+20-30 Tage schwelen, zu Kohlen gebrannt. »Es ist auffallend,
+ein so gutes Verkohlungssystem bei einer so rohen Methode der
+Eisenerzeugung zu finden.«
+
+[Illustration: Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach
+BLANFORD.]
+
+Ebensowenig wie ein Windstrom wird ein Zuschlag benutzt. Die
+Beschreibung der Schmelzstätte ist folgende: Ein steiler Abhang
+sandigen Thonbodens von 3 bis 3,5 m Höhe wird für den Ofen gewählt,
+welcher, einfach aus einem Loche besonderer Form bestehend, in den
+Boden 60-80 cm von der oberen Kante entfernt angelegt, während
+die Böschung hier zu einer vertikalen Fläche verhauen ist. Oft
+umgeben auch drei oder vier Öfen einen kleinen Schacht. Sie sind
+etwa 3 m tief und von ungleichem trapezoidalem Querschnitt, da
+die Breite der Vorderwand von 50 cm an der Gicht auf 1,20 m
+auf dem Boden, die der Rückwand von 30 cm auf 1,50 m anwächst,
+während die Tiefe zwischen Vorder- und Rückwand von 50 cm an der
+Gicht auf etwa 55 cm in halber Höhe wächst und dann schnell bis
+zu 30 cm am Boden abnimmt. Die Figg. 28 und 29 sind im Maßstabe
+von 1:40 nach BLANFORD's Aufnahme angefertigt. Die Vorderwand
+des Ofens wird durch kreuzweis angebrachte Holzstücke gehalten,
+welche ihrerseits wieder durch zwei starke senkrechte Pfähle
+gestützt werden. Der untere Teil der Vorderwand ist fortgenommen,
+wie dieses die Durchschnitte zeigen. Die so gebildete Öffnung
+mündet in den Ofen mit einer Höhe von etwa 30 cm und in der ganzen
+Breite des inneren Raumes und dient zum Austragen der Schlacke
+und des fertigen Eisens. Wenn der Ofen im Gange ist, so wird diese
+Öffnung mit feuchtem Thon verschlossen, in welchem etwa 20 kleine
+Thonröhren (Formen) eingelegt sind. Diese Röhren werden über
+runden Holzstämmchen aus feuchtem Thon geformt, dann in Stücke
+von etwa 10 cm Länge geschnitten und gebrannt. Ihre Durchmesser
+betragen etwa 5 cm. Sie werden in einer Linie nebeneinander,
+etwa in halber Höhe der erwähnten Öffnung, angebracht. Ist der
+Ofen so geschlossen, so wird brennendes Holz hineingeworfen und
+darauf zwei Schwingen Holzkohle von je 25 Viss (à 1-3/4 kg) oder
+39-3/8 kg geschüttet, dann folgen drei kleine Schwingen von je 10
+Viss oder 15-3/4 kg. Hierauf kommt wieder eine Schwinge Holzkohlen,
+dann sechs kleine Schwingen Erz, noch eine Schwinge Holzkohlen,
+abermals drei Schwingen Erz und schließlich eine fünfte Schwinge
+Holzkohlen. Ist das Ganze gut durchgebrannt und der die untere
+Öffnung füllende Thon ganz und gar getrocknet, was etwa acht oder
+neun Stunden nach Anfang der Fall ist, so wird der den Herd des
+Ofens bildende Sand fortgekratzt und ein Loch von etwa 10 cm Höhe
+und in der Breite des Ofens gemacht, um die Schlacke zu entfernen.
+Hierauf schließt man dieses Loch wieder und öffnet es alle halbe
+Stunden und wenn nötig häufiger, bis keine Schlacke mehr erfolgt.
+Nach 24 Stunden ist das Schmelzen vollendet. Jetzt wird der Thon
+aus der unteren Ofenöffnung ganz fortgebrochen und die Eisenmasse
+entfernt. Sie hat die Form des Herdes, 1,10-1,40 m Länge, aber
+geringe Breite, wiegt durchschnittlich 25 Viss, also etwa 40 kg.
+Das Eisen ist außerordentlich unrein, mit Schlacke, Stücken
+unverbrannter Kohle, Sand und anderen Unreinigkeiten vermischt,
+wird aber nichtsdestoweniger für etwa 14 Mark pr. 150 kg verkauft.
+Zu Messern u. dgl. verarbeitet, zeigt dieses Eisen ausgezeichnete
+Eigenschaften. Drei Arbeiter bedienen den Ofen. Dem Ende jeder
+Charge folgt sogleich eine neue, so daß gewöhnlich alle Tage ein
+Eisenstück gewonnen wird.
+
+
+Fußnoten:
+
+[234] Sur les instruments de l'âge de pierre au Cambodge, par M.
+CORRE. Bullet. soc. d'Anthropol. 1880. 532. -- L'âge de la pierre
+polie et du bronze au Cambodge par J. NAULET. Toulouse 1879 und
+Revue d'Anthropologie 1882. 676. -- Le Cambodge préhistorique par
+J. MOURA. Revue d'ethnographie 1882. 505.
+
+[235] Fabrication du fer chez les Cuois du Compong-Soai. Revue
+d'Ethnographie. I. 435 (1882).
+
+[236] Bei PERCY a. a. O. II. 508.
+
+
+
+
+Die Metalle in China und Japan.
+
+
+~Alter der Bronze und des Eisens in China.~ So früh und
+hochentwickelt uns auch bei den Chinesen die Kenntnis der Metalle
+entgegentritt, hat dieses Volk doch keine Ausnahme gemacht und
+gleich allen anderen Völkern eine Steinzeit gekannt, ja es scheint,
+als ob in einigen Provinzen in verhältnismäßig neuer Zeit noch
+Steingeräte im Gebrauche waren. Mit Bezug auf Nan-hiu-fu in der
+Provinz Kwan-tung im südlichen China heißt es: »Sie finden in den
+Bergen und Felsen der Umgebung einen schweren Stein, so hart, daß
+sie Beile und schneidende Instrumente aus demselben machen.«[237]
+Man muß sich erinnern, daß China nicht von einer homogenen Rasse
+bewohnt wird, sondern daß namentlich im Süden und Südwesten noch
+verschiedene kleinere und auf tieferer Kulturstufe stehende
+Völker (wie z. B. die Miaotse) eingesprenkelt sind, welche dort
+als Aboriginer gelten. Unter diesen können die Steingeräte am
+längsten im Gebrauche gewesen sein. Außerdem sprechen chinesische
+Traditionen von dem früheren Gebrauche der Steinwaffen und
+Instrumente. Fuhi, so sagen sie, machte Waffen; diese waren von
+Holz. Dann kam Schinnung, der solche aus Stein machte, und endlich
+Tschi-yu, der metallene darstellte.[238]
+
+[Illustration: Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der
+Shang-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
+
+Was die Bronze betrifft, so tritt dieselbe uns in ihren frühesten,
+an sich uralten Formen bereits so hoch entwickelt entgegen, daß ihr
+ein sehr hohes Alter zugeschrieben werden muß. Neben schriftlichen
+Aufzeichnungen sind Bronzegeräte die kostbarsten Reliquien des
+hohen Altertums und unter diesen besonders die Ting, Urnen mit
+drei Füßen und zwei Henkeln. »Die alte Bronzeindustrie,« sagt V.
+RICHTHOFEN[239], »blühte insbesondere während zweier Perioden,
+nämlich in den ersten Jahrhunderten der Shang- und unter den ersten
+Kaisern der Tschóu-Dynastie (1766-1496 und 1100-900 v. Chr.),
+soweit man die auf vielen derselben befindlichen Inschriften zu
+entziffern vermocht hat.« Die Gegenstände sind ausschließlich
+Gefäße, niemals tierische oder menschliche Darstellungen für
+sich allein. Doch sind phantastische Anklänge an menschliche
+Gesichtsbildung und an Tiergestalten in der Ornamentik deutlich
+zu erkennen, wenn auch ein großer Teil der letzteren aus
+Linienkombinationen hervorgeht. Die erstere Art der Verzierung
+herrscht neben der zweiten in den Shang-Vasen (Fig. 30), während
+in denjenigen der Tschóu-Dynastie (Fig. 30a) die letztere Form
+bedeutend vorwaltet. Die ergiebigste Fundstelle der alten Bronzen
+ist der Löß des Wéithales, wo man sie bei Erdarbeiten findet. Sie
+sind mit einer dicken Schicht von Grünspan durchdrungenem und
+dadurch gehärtetem Löß umgeben und haben die Gestalt unförmlicher
+Lehmklumpen. Der Wert richtet sich nach dem Alter, der Art der
+Ornamentik, der Deutlichkeit und Länge der Inschrift. Zuweilen
+findet man auch goldene Gefäße. Bis hinauf in die Zeit der
+Shang-Dynastie hat man das Alter einer größeren Zahl von Gefäßen
+mit Sicherheit feststellen können. Weiter zurück wagt man in der
+Bestimmung nicht zu gehen, wiewohl bei einigen Gefäßen ein noch
+höheres Alter vermutet wird.
+
+[Illustration: Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der
+Tschóu-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.]
+
+Nicht nur nach der Seite der Ornamentik hin stand die
+Bronzeindustrie zur Zeit jener alten Herrscher schon auf einer
+sehr hohen Stufe, auch auf die Zusammensetzung derselben
+wurde, je nach der verschiedenen Art des Gebrauches, große
+Aufmerksamkeit verwendet. Zur Zeit der Tschóu-Dynastie gab es
+sechs Mischungsverhältnisse für Bronze, welche in folgender Weise
+verwendet wurden: 5 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn für Glocken und
+Kessel; 4 Kupfer und 1 Zinn für große und kleine Beile; 3 Kupfer
+und 1 Zinn für Lanzen und Piken; 2 Kupfer und 1 Zinn für große
+Messer und Säbel; 4 Kupfer und 1 Zinn (wahrscheinlich 3 Zinn) für
+Messer zum Schreiben auf Bambus und Pfeilspitzen; 1 Kupfer und
+1 Zinn für Metallspiegel.[240] Diese also um das Jahr 1000 v.
+Chr. geltenden Verhältnisse der Bronzelegierung sind deshalb von
+Interesse, weil sich unter ihnen kein einziges findet, welches
+unserer eigentlichen Bronze (9 Kupfer und 1 Zinn) entspricht
+und weil schon hieraus die Selbständigkeit des chinesischen
+Bronzereiches erhellt, was sich auch dadurch schließen ließ, daß
+die chinesische Kultur eine selbständig erwachsene, von außen her
+in keiner Weise beeinflußte von Anfang an gewesen ist.
+
+Für die Priorität der Bronze in China gegenüber dem Eisen hat sich
+PFITZMAYER ausgesprochen. »In den ältesten chinesischen Werken,«
+sagt er, »giebt es kein Wort für Bronze, da dieser Gegenstand durch
+das allgemeine Wort _kin_, Metall, bezeichnet wird. _Thie_, Eisen,
+kommt das erste Mal in dem Schu-king, Tribut des Yü (etwa 2200
+v. Chr.) vor. Es findet sich unter den Gegenständen des Tributs
+einer einzigen Gegend; man hält es für weiches Eisen, über dessen
+Verwendung nichts angegeben wird, während von dem harten Eisen
+gesagt wird, daß es zu Meißeln dient und nützlicher als Silber
+ist. »Daß das Eisen,« fährt PFITZMAYER fort, »in ältester Zeit
+zu Waffen oder Geräten verwendet wurde, ist mir nicht bekannt
+geworden. Es scheint wie bei HOMER zu sein, wo Eisen zwar erwähnt
+wird, aber fast alle in dem trojanischen Kriege gebrauchten Waffen
+als kupferne (eherne) bezeichnet werden. Im Jahre 475 v. Chr.
+schenkte Fu-tscha, König von U, seinem Minister U-tse-tsin ein
+Schwert von Stahl und hieß ihn damit sich den Hals abschneiden.
+Chinesische Nachrichten besagen: Im Altertum verfertigte man die
+Waffen aus Kupfer. Zu den Zeiten des Thsin (drittes Jahrhundert v.
+Chr.) ersetzte man das Kupfer durch Eisen. Alles zusammen genommen
+kann ich für vollkommen gewiß halten, daß in China der Gebrauch
+des Kupfers oder der Bronze demjenigen des Eisens vorangegangen
+ist.«[241]
+
+Jedenfalls wird in der älteren chinesischen Litteratur das Eisen,
+neben Zinn und Kupfer, als durchaus bekanntes Metall erwähnt.
+Was alte Eisenfunde betrifft, so ist mir darüber nichts bekannt
+geworden. Doch möge hier der Bericht des englischen Konsuls
+MARKHAM über einen alten chinesischen Eisenbau stehen, den wir mit
+möglichst kritischen Augen zu lesen bitten.
+
+MARKHAM, welcher von Tschifu aus die Provinz Shantung bereiste,
+erzählt bei seinem Besuche der Stadt Tai-ngau-fu folgendes:
+»_Outside the west gate of the city is a cast-iron pagoda in the
+midst of the ruins of a temple. I was told this pagoda was erected
+in honor of the empress Min, wife of the emperor Seang, 5th of
+the Hea Dynasty B. C. 2146, by a succeeding emperor Shuo-kang
+B. C. 2074. It is a curious old structure, 40 feet in height, and
+apparently one solid piece._«[242]
+
+Es ist diese 11 m hohe Pagode, wenn sie wirklich aus einem Stück
+Gußeisen besteht, eine großartige Leistung der Technik, und würde
+sich das hohe Alter, welches MARKHAM angegeben, bestätigen, so
+repräsentierte dieser Bau mit der in der großen ägyptischen
+Pyramide gefundenen Klinge das älteste bekannte Eisen! Mag auch
+die Pagode vielleicht aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein und
+ihr Alter nicht so hoch hinaufreichen, wie dem englischen Konsul
+angegeben wurde, so wird sie immerhin als ein uralter Zeuge der
+chinesischen Metallindustrie dastehen. Wer die alten chinesischen
+Metallarbeiten, wie sie zahlreich in unseren Museen sich befinden,
+betrachtet, der erhält sofort den Eindruck, daß dieses Volk in
+der Metallurgie uns bis zum vorigen Jahrhundert ebenbürtig oder
+überlegen war. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold, Silber, Kupfer,
+Zinn, Blei und Zink. Letzteres wurde metallisch weit früher in
+China als in Europa gewonnen und gegen Ende des 16. Jahrhunderts
+von dort zu uns eingeführt.
+
+~Chinesische Eisenindustrie.~ China hat noch gegenwärtig, wiewohl
+ihm das Abendland vielfach Eisenwaren sendet, eine noch sehr
+ausgebreitete und alte Eisenindustrie, die bei dem Reichtum an
+Eisenerzen und Steinkohlen sich ganz naturgemäß entwickelt hat.
+Sie ist eigentümlich durch und durch, wie fast alles chinesische,
+und entbehrt bei der Herstellung des Rohmateriales der Öfen,
+benutzt vielmehr dazu Schmelztiegel, wie aus den im nachstehenden
+reproduzierten Beschreibungen V. RICHTHOFEN's hervorgeht, der
+namentlich die Eisenwerke der Provinz Schansi studiert hat.
+
+Schansi produziert ungefähr jährlich 1700000 Tonnen Steinkohlen,
+die hier schon vor Jahrtausenden im großen Maßstabe gewonnen
+wurden. Die mächtigen Kohlenfelder dieser Provinz erhalten einen
+besonderen Wert durch die sie begleitenden ausgezeichneten
+Eisenerze, welche man früh mit Steinkohlen verhüttete. Seit alter
+Zeit ist der größere Teil von China von dieser Provinz aus mit
+Roheisen und Schmiedeeisen versorgt worden und die Nachbarprovinzen
+bezogen von ihr einen Teil ihres Bedarfes an Gußwaren. In den
+Handel kommt das Eisen von Schansi unter dem Namen Pingeisen
+und Lueisen. Die jährliche Produktion an Roh-, Schmiede- und
+Gußeisen schätzt V. RICHTHOFEN auf ungefähr 160000 Tonnen im
+Gesamtwert von 18 Millionen Mark. Diese Produktion ist auf einige
+Plätze beschränkt, welche reiche Erze und gute Verkehrswege
+besitzen, wo auch das Eisengewerbe von altersher festen Fuß faßte.
+Gegenwärtig beschränkt sich diese Industrie in Schansi auf das
+Verbreitungsgebiet des Anthracits, welcher für die chinesische
+Schmelzmethode sich geeigneter erweist als Coaks.[243]
+
+Bei dem volkreichen Städtchen Tai-yang ist die Oberfläche des
+Dolomits voll von regellosen Aushöhlungen und in diesen finden
+sich die Eisenerze angehäuft, ein Gemenge von Brauneisenstein,
+Roteisenstein, Thoneisenstein und Spateisenstein. »Wohl hundert
+Millionen Menschen mögen, ehe der europäische Import störend
+eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des Kreises
+Föng-tai-hsiën (zu dem der Ort gehört) bezogen haben.« Dafür zeugen
+denn auch die imponirenden, gigantischen Haufwerke zerschlagener,
+verbrauchter Schmelztiegel.
+
+Die Eisenerze werden meist in Tagbauen gewonnen und auch der
+Anthracit ist leicht zugängig, so daß für die Gewinnung des
+Lueisens sehr günstige Bedingungen vorliegen. »Die Schmelzung
+geschieht in einer großen Zahl kleiner Werkstätten. Ein
+ausgeebneter und ein wenig geneigter Platz von 2,25 m Länge und
+1,40 m Breite ist wie eine Tenne ausgestampft. An den beiden
+Langseiten wird er von Lehmmauern begrenzt. Die vordere Seite,
+nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die
+vierte durch die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist,
+in welcher sich der von zwei bis vier Mann getriebene Blasebalg
+befindet. (Letzterer ist nicht näher geschildert.) Der Boden ist
+mit faustgroßen Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man
+ungefähr 150 Schmelztiegel von feuerfestem Thon, welche 35 cm hoch
+sind und oben 15 cm Durchmesser haben. Die Tiegel werden mit
+einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das
+Erz wird mit der Hand klein geschlagen und das gröbere durch ein
+Sieb abgeschieden. Das feine wird mit Grubenklein von Anthracit
+und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken vermengt. Dies wird nun
+in den Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln füllt man
+sorgfältig mit Anthracit aus und zuletzt breitet man eine Lage des
+letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine
+zweite Schicht von 150 angefüllten Tiegeln, die auch mit Kohle
+bedeckt wird. Obenauf werden alte, unbrauchbare Tiegel gelegt und
+ebenso wird vorn eine Wand von horizontal liegenden alten Tiegeln
+aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald
+die Hitze groß genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei
+hindurchstreifende Luft hinreichend ist, die Glut zu erhalten. Die
+weitere Behandlung richtet sich danach, ob das Metall zur Bereitung
+von Gußware oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für den ersteren
+Zweck werden die Tiegel aus der Glut genommen und der flüssige
+Inhalt auf eine ebene Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein
+weißes sprödes Eisen in dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen
+haben, so läßt man den Haufen durch vier Tage langsam abkühlen.
+Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet sich
+das Eisen in halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten
+Eisens von beiden Arten ist etwas über drei Mark pro 50 kg.
+
+Ein anderer berühmter Ort Schansis für Eisenindustrie ist Nantsun,
+wo Gießereien, Nagelschmiede, Frischfeuer, Drahtziehereien
+bestehen. Um Gußwaren herzustellen, verfährt man gerade so
+wie bei der Bereitung des Roheisens, die plattenförmigen
+Stücken des letzteren werden zerschlagen und mit Anthracit und
+Frischschlacken gemengt, in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen
+von je 150 übereinander gestellt werden. Ist alles in Glut, so
+faßt man die Tiegel mit eisernen Zangen und gießt ihren Inhalt
+in Formen. Vorwaltend verfertigt man große eiserne Kessel von
+0,50-1 m Durchmesser und 15-30 cm Tiefe, die sich durch Dünne
+des Metalls und Haltbarkeit auszeichnen. Außerdem wird eine
+große Anzahl anderer Gegenstände für Haushalt und Landwirtschaft
+hergestellt. Man wendet für sie je nach den Anforderungen an die
+Eigenschaften des Eisens verschiedene Mischungen und Methoden an.
+Diese sind das lange vererbte Geheimnis der einzelnen Fabriken.
+Die Darstellung des Schmiedeeisens konnte V. RICHTHOFEN nicht
+sehen; es wird dazu nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet.
+Das Produkt ist so vorzüglich, daß die Chinesen es bei gleichem
+Preise dem importierten europäischen vorziehen. Drahtzieherei
+und Nagelschmieden ist Hausindustrie. Die Eisenindustrie von
+Nantsun muß sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr großen
+Schlackenhalden, zwischen denen die Straße oft mehrere Li (à 556 m)
+weit hindurchführt.
+
+Ein dritter wichtiger Eisenindustrieplatz in Schansi ist
+Shwo-fàng-tsun, wo alle Materialien billig zur Hand sind und das
+Terrain sich in bester Weise für die Anlage der Eisenwerke eignet.
+Das Erz, ein Gemenge von Brauneisenstein und Spateisenstein wird in
+kleinen Gruben gewonnen; einige werden durch Tagebau betrieben, in
+anderen erreicht man das Erz durch einen kurzen Stollen und nicht
+selten sind Schachte 6-9 m tief gesenkt. Der Bauer gräbt das Erz
+auf seinem eigenen Felde und verkauft es an eines der zahlreichen
+Schmelzwerke. Die Hüttenwerke, nach Art der oben beschriebenen
+eingerichtet, sind in Lösterrassen angelegt; nur stellt man die
+Tiegel in 30 Reihen von je 11 Stück, die 60 cm hoch sind und
+beinahe 15 cm Durchmesser haben. Die Beschickung und Schmelzmethode
+sind wie oben angegeben.[244]
+
+Bei Lang-tiën in der Provinz Honan wurde in früherer Zeit Eisen
+geschmolzen, wie die Überreste der Schmelzwerke und die erstaunlich
+großen Schlackenhalden beweisen. Sie sollen aus der Zeit der
+Ming-Dynastie (14.-17. Jahrhundert) stammen. Jetzt verstehen die
+Einwohner die Kunst des Schmelzens nicht mehr.[245]
+
+~Prähistorisches aus Japan.~ Die prähistorischen Verhältnisse
+Japans zeigen in vielen Beziehungen überraschende Ähnlichkeit mit
+den unsrigen. Hat man auch noch keine Pfahlbauten entdeckt, so
+sind doch Tumuli, Steingräber, Kjökkenmöddings, zugehauene und
+polierte Steine, Bronzen und Thongefäße gefunden worden; auch
+fehlen Knochen- und Horngeräte nicht. Die Funde werden meist in
+den Küstenprovinzen, sowie auf den Inseln, selbst den Liukiu-
+und Bonininseln, gemacht und zeigen auch in ihren Formen eine
+überraschende Ähnlichkeit mit unseren europäischen Geräten und
+Waffen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der letzten Zeit die
+Muschelhaufen von Omori an der Bucht von Jedo erregt, die vielfach
+untersucht sind und über die wir schon eine eigene Litteratur
+besitzen. Hier sind die rohesten, behauenen Formen der Steingeräte
+vertreten und Metallbeigaben fehlen. Man schreibt diese Funde
+der japanischen Urbevölkerung, den Ebisu, zu, Vorfahren der
+heutigen Ainos, welche nach dem Norden zurückgedrängt wurden.
+Dafür spricht die Ornamentierung der Thonscherben und Thongefäße
+in den Muschelhaufen, welche nach MILNE _is very like that of the
+modern Aino_. Eine zweite Gruppe von Funden zeigt nach HEINRICH
+VON SIEBOLD weit höhere Formen. Das verwendete Gestein kommt in
+Japan gar nicht oder nur spärlich vor, um so häufiger aber auf
+den malayischen Inseln, in Korea und China. Die Stücke sind meist
+poliert, oft auch verziert und werden in Gemeinschaft mit Bronze
+angetroffen. Man nimmt an, daß sie von Djimo-tenno herrührten,
+dessen Krieger Waffen aus Stein und Bronze führten und der die Aino
+besiegte und nach Norden drängte.[246] Das alles erscheint wie
+Ausläufer der chinesischen Kultur.
+
+Bereits der ältere V. SIEBOLD hatte uns in seinem klassischen
+Werke über Japan mit jenen alten Steingeräten bekannt gemacht
+und auf deren Übereinstimmung mit den europäischen Pfeilspitzen
+etc. hingewiesen. Nach den japanischen Traditionen fielen die
+alten Steinwaffen vom Himmel, wenn ein wütendes Heer von Geistern
+in Sturm und Hagel dahinbrauste. Nachdem der Himmel wieder klar
+geworden, zogen die Leute aufs Feld und fanden dort die Waffen und
+Geräte, welche schon vor Zeiten in Raritätenkabinetten aufbewahrt
+wurden und als _Rai fu seki_, Donnerkeile, bekannt waren, wie die
+gleichen Steinbeile in Europa und anderwärts, von denen derselbe
+Aberglaube herrscht. In den Tempeln wurden die ausgegrabenen
+Steinobjekte als Überbleibsel der _Kami_, der Geister, von denen
+die Japanesen abzustammen glauben, aufbewahrt.[247] Was Symmetrie
+und Politur betrifft, sind diese japanischen Steingeräte noch
+vollkommener, als die schönsten neolithischen Exemplare Europas.
+
+~Heutige Metallurgie der Japaner.~ Wie bekannt, sind Bergbau und
+Hüttenwesen heute in Japan hochentwickelt und in einzelnen Zweigen
+der Metalltechnik ist das merkwürdige Volk des Sonnenaufganglandes
+uns Europäern entschieden voraus. Zur Vervollständigung unserer
+Angaben möge hier noch ein kurzer Bericht über das japanische
+Montanwesen Platz finden, nach den Mitteilungen, welche GÜMBEL
+gelegentlich der Weltausstellung in Philadelphia gegeben hat.[248]
+Danach war zu Ende des achten Jahrhunderts der ~Bergbau~ in Japan
+schon lebhaft im Betriebe, wie dieses auch durch zahlreiche
+auflässige alte Baue bewiesen wird. Man trieb Stollen, einen unter
+dem anderen, so weit es Wetter und Wasserzudrang gestatteten; die
+Wasserhebungsvorrichtungen waren aber stets unvollkommen. Die
+Stollen sind oft von so geringer Höhe, daß sie nur von Jungen
+befahren werden konnten, die das zu fördernde Material in Säcken
+zu Tage brachten. Die Fahrten bestehen aus einfachen Baumstämmen
+mit eingeschnittenen Stufen. In der Gesteinsarbeit bediente man
+sich der einfachsten Gezähe: Keilhammer, Schaufel, Hammer und
+Meißel; zur Wasserhaltung benutzte man kleine hölzerne Handpumpen
+und Kübel. Die Ventilierung war eine vorgeschrittenere, indem man,
+um die Luftcirkulation herzustellen, die in verschiedener Höhe
+angelegten Stollen vertikal verband und auch Wetterlutten anlegte,
+die, aus hölzernen Dielen hergestellt, durch die Stollen geführt
+wurden. Späne oder Lampen mit Fischöl und Docht aus Binsen dienten
+zur Beleuchtung.
+
+Uns interessieren hier die alten einheimischen metallurgischen
+Prozesse, welche neuerdings den europäischen Methoden weichen
+müssen. Aufbereitung und Herstellung der Edelmetalle war sehr
+einfach. Die Erze wurden zuerst von Weibern auf der Grube
+zerschlagen, sortiert und die haltigen Stücke zur Hütte gebracht,
+hier das Erz weiter mit Hämmern auf geneigten Steinplatten in
+Pulverform verwandelt und geschlämmt, wohl auch durch Handmühlen
+verfeinert und verwaschen. Die erhaltenen Goldteilchen schmilzt
+man in kleinen Schmelztiegeln auf offenem Holzkohlenfeuer, dessen
+Intensität durch Handblasebälge verstärkt wird. Beim Silber
+bediente man sich bisher der Schmelz- und Abtreibemethode, wie in
+anderen Ländern, während man zur Scheidung von Gold und Silber das
+Zusammenschmelzen mit Schwefel in Anwendung brachte.
+
+Zur Darstellung von Gußeisen und Stahl bediente man sich bis in
+die neueste Zeit ausschließlich des Magneteisens in Form kompakter
+Massen oder von Sand, wie dieses Mineral im Gneis, granathaltigem
+Diorit und Hornblendegestein reichlich vorzukommen pflegt.
+Besonders reich an solchen Erzen ist die Provinz Rikuckiu, wo zu
+Heigori die erzführenden Lagerzüge sich meilenweit fortsetzen.
+Ähnliche Lager finden sich auch im kalkigen Schiefer der Provinz
+Iwaki. Der Gehalt der Erze beträgt durchschnittlich 62 bis 65%.
+Eisenglanz und Brauneisensteine wurden nicht benutzt.
+
+Diese Magneteisenerze werden nach der alten Methode in kleinen
+Öfen von rektangulärem Querschnitt nach Art der Stücköfen von
+3,5-4,5 m Höhe verschmolzen. Zum Ofenbau benutzt man feuerfesten
+Thon, den man für die Herstellung des Herdes mit Holzkohlenpulver
+vermengt. Als Gebläse dienen hölzerne, mit der Hand in Bewegung
+gesetzte gewöhnliche Blasebälge oder auch ganz eigentümlich
+konstruierte, aus zwei liegenden cylindrischen Sektoren bestehende
+blasebalgähnliche Maschinen, in welchen durch eine oszillierende
+Auf- und Niederbewegung zweier an einer Achse befestigter Bretter
+ein Luftstrom erzeugt wird. Ventile regulieren das Aus- und
+Einströmen der Luft, während die Bewegung durch das Herüber- und
+Hinübertreten von zwei oder drei Menschen bewirkt wird.
+
+Wendet man Magneteisen in Sandform an, so stellt man eine Grube von
+3,5-4,5 m Weite und 3 m Tiefe im Boden her, füllt diese lagerweise
+mit Holzkohlenstaub und feuerfestem Thon, den man durch Entzünden
+der Kohle brennt und härtet, um auf diese Weise den Unterbau zu
+gewinnen, auf dem man den eigentlichen Ofen an der Basis 2-3/4 m
+auf 1-1/2 m breit und 1 m hoch mit einem keilförmigen Hohlraume
+errichtet. Beim Beginne des Schmelzens wird der Ofen mit Holzkohle
+gefüllt, das Gebläse angelassen und sobald die Füllung sich
+setzt, nach etwa zwölf Stunden, Magneteisensand gegen 3750 kg und
+gleichviel Kohle nachgefüllt. Der Schmelzprozeß dauert zwei Tage
+und drei Nächte und man erzeugt gegen 45% Roheisen und 1% Stahl,
+der, nachdem das Eisen abgelassen ist, als eine an den Wänden
+hängenbleibende Luppe herausgenommen wird. Die ganze Manipulation,
+vom Ofenbau bis zum Wegbringen des Produktes, nimmt acht Tage in
+Anspruch.
+
+Zinnerze kommen in Satsuma, Suwo und Bingo vor; die Zinnproduktion
+ist aber nicht bedeutend. Das Kupfer, so heißt es bei GÜMBEL, sei
+in Japan zuerst im Jahre 684 unserer Zeitrechnung entdeckt worden,
+was jedenfalls zu spät angesetzt ist. Die Art seiner Darstellung
+ist ähnlich wie in Europa. Bekannt sind die vielen schönen farbigen
+Legierungen, zu denen man es benutzt.
+
+Da die Bronzen, welche mit Steingeräten zusammen in Japan gefunden
+werden, im strengsten Sinne prähistorisch sind, so muß das Kupfer
+auch zu jener Zeit in Japan bekannt gewesen und nicht erst vor
+1200 Jahren entdeckt worden sein. Zur Zeit, als unser Landsmann E.
+KÄMPFER (1690) Japan bereiste[249], war Kupfer das gewöhnlichste
+unter allen Metallen des Landes. Messing war aber selten und teurer
+als Kupfer, da man das hierzu nötige Galmei aus Tonkin beziehen
+mußte. Eisen aber war, was uns interessiert, mit Kupfer im gleichen
+Preise und eiserne Werkzeuge waren teurer als solche aus Kupfer
+oder Messing. Nägel, Klammern, Haken, welche anderwärts aus Eisen
+hergestellt wurden, machte man zu KÄMPFER's Zeit aus Kupfer. Sehr
+feines Zinn wurde damals in der Provinz Bongo gewonnen, aber wenig
+gebraucht. Bronze wird von KÄMPFER nicht erwähnt, wiewohl man
+sie vortrefflich zu bereiten wußte und daraus die herrlichsten
+kunstgewerblichen Gegenstände herstellte. Mag man auch eine
+»Kupferzeit« in Japan annehmen, eine »Bronzeperiode« in dem Sinne,
+daß die Bronze das Material zur Herstellung der gewöhnlichen
+Gebrauchsgegenstände war, hat es in Japan nicht gegeben.
+
+China sowohl als Japan zeigen die Metalltechnik seit der ältesten
+Zeit und unabhängig vom Abendlande. Sie bilden ein abgeschlossenes
+Reich für sich, von dem aber, bei geographischem Zusammenhange ganz
+naturgemäß, Ausstrahlungen nach Nordwest und Norden, zu türkischen,
+finnischen und hyperboräischen Völkern stattfinden mußten.
+
+
+Fußnoten:
+
+[237] GROSIER, De la Chine. Paris 1818. I. 191.
+
+[238] GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history of mankind.
+208.
+
+[239] China. I. 369 ff.
+
+[240] V. RICHTHOFEN a. a. O. I. 373.
+
+[241] Mitteil. der Anthropol. Ges. in Wien. IX. 218.
+
+[242] J. MARKHAM, Notes on a journey through Shantung. Journ. R.
+Geogr. Soc. vol. 40. 217 (1870).
+
+[243] V. RICHTHOFEN, China. II. 477.
+
+[244] V. RICHTHOFEN, China II. 411. 412. 436.
+
+[245] A. a. O. II. 500.
+
+[246] V. SIEBOLD in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1878. 429.
+-- MORSE, Traces of an early race in Japan. New-York 1879. -- J.
+MILNE, The stone age in Japan. Journ. Anthropol. Inst. X. 389.
+
+[247] PH. FR. V. SIEBOLD, Nippon, Archiv zur Beschreibung von
+Japan. II. 45 ff. Taf. 11-13.
+
+[248] Das Ausland. Nr. 37. 1877.
+
+[249] Geschichte und Beschreibung von Japan. Lemgo 1777.
+
+
+
+
+Die Metalle im Norden Asiens.
+
+
+~Das Eisen bei den sibirischen Völkerschaften.~ Als die Russen
+über den Ural gingen und im 17. Jahrhundert erobernd Sibirien
+durchzogen, trafen sie neben den Gerätschaften und Waffen aus Stein
+und Knochen bei den dortigen Stämmen wenige eiserne Werkzeuge, die
+auf dem Handelswege dorthin gelangt waren, jedoch nur einzelne
+Völker, welche mit der Darstellung und Bearbeitung des Eisens
+vertraut waren.
+
+Daß die Ostjaken bei der Ankunft der Russen Eisen schmolzen und
+Schmiedearbeiten ausführten, erwähnt J. G. MÜLLER[250], doch
+ist diese Kunst jetzt bei ihnen verloren gegangen, wie POLJAKOW
+angiebt[251], wohl infolge der russischen Eiseneinfuhr. Die Tataren
+am Tom wurden von den Russen bei ihrem Vordringen nach Sibirien
+als Kusnezi (Schmiede) bezeichnet, »weil in ihrer Gegend viel
+Eisenerz fällt, woraus sie Eisen schmelzen und dasselbe zum Haus-
+und Jagdgebrauche verarbeiteten«.[252]
+
+Auf das eisenkundigste sibirische Volk trafen die Russen aber erst,
+als sie bis zur Lena vorgedrungen waren. Hier saßen die Jakuten,
+türkischen Stammes, welche Waffen, wie Messer, Beile, Lanzen,
+Pfeile, Streitäxte und Kurjaks, d. h. Lederpanzer mit kleinen
+eisernen Platten benäht, Helme etc., verfertigten. Von den Jakuten
+lernten ihre nächsten Nachbarn, die Tungusen und Lamuten, den
+Gebrauch des Eisens kennen, denn bereits 1652 trafen die Russen
+die Lamuten an der Ochota mit ganz gleichen Waffen wie die Jakuten
+versehen.[253]
+
+Trotzdem in Sibirien russische Eisenwaren den Markt behaupten,
+bereiten die Jakuten noch jetzt in der primitivsten Weise ihr
+Eisen selbst aus den Erzen. Das Eisenerz gewinnt man in zwei
+jakutischen Bezirken, dem Chatschikat- und dem Schemkonbezirke. Im
+erstgenannten, am Flusse Botama, werden in Darkylach, Schestakowsk
+und Kürtägija jährlich über 25000 kg, im Schamkonbezirke, am Bache
+Lütäga, über 3500 kg Eisen gewonnen (zu V. MIDDENDORFF's Zeit). Als
+Blasebälge dienen beim Ausbringen zwei lederne Butterschläuche.
+Ein solcher »Simirj« wird aus halbgegerbten, geräucherten Fellen
+zusammengenäht und ist sackartig geformt. Die obere Öffnung »wird
+durch zwei Stöcke geschlossen, gleich einem Portemonnaie«. Dieser
+Verschluß ist so luftdicht, daß es genügt, eine Röhre (am unteren
+Ende) einzufügen, zwei Säcke nebeneinander zu stellen und durch
+abwechselndes Ausdrücken der Luft einen Blasebalg zu ersetzen. Beim
+Emporziehen des Sackes wird momentan die Mundöffnung gelüftet.[254]
+Es ist dieses also dieselbe Art von Blasebalg, wie wir sie bei
+den Zigeunern, in Indien und teilweise in Afrika kennen gelernt
+haben.[255] Näheres über die Eisendarstellung giebt unsere Quelle
+nicht an, aber sie erwähnt, daß die aus dem gewonnenen Eisen
+hergestellten jakutischen Schmiedearbeiten vorzüglich sind,
+namentlich die Messer. Die Klinge ist ähnlich wie die Schneide
+unserer Hobeleisen gebildet, indem die eine Fläche der Klinge
+im spitzen, die andere im rechten Winkel zum Rücken derselben
+gerichtet ist. Der Holzgriff ist mit eingelegten Messingstreifen
+verziert, Umgüsse von Blei festigen die Klinge im Griffe. Diese
+Klingen sind außerordentlich biegsam, so daß der Jakut sie im
+Halbkreis biegen kann, um damit aus freier Hand zu drechseln.
+Außerordentlich geschickt in der Metallbearbeitung, fertigen sie
+noch Äxte, Bärenspieße, Sicheln, Scheren, alle verziert und oft
+mit Silber tauschiert. Noch jetzt stehen die Eisenarbeiter bei den
+Jakuten in hohem Ansehen, wie z. B. TEMIR JEGOR, der eiserne Jegor,
+den F. MÜLLER[256] am Olenek unter 69° nördl. Br. traf und der dort
+seine Kunstfertigkeit ausübte. Die Eisenbereitung bei den Jakuten
+ist um deswillen von Interesse, weil sie einmal uns zeigt, wie
+weit dieselbe nach Norden hin vorgedrungen ist und andererseits,
+wie dieselbe mit dem Charakter eines nomadischen Volkes nicht
+unverträglich ist; ursprünglich Schafzüchter, sind die Jakuten
+zur Pferdezucht übergegangen und, allmählich ihre Weidegründe
+erweiternd, bis zur Eismeerküste vorgerückt.
+
+Die übrigen Völker Sibiriens befanden sich beim Einrücken der
+Russen noch in der Steinzeit und stürzten sich, gerade so wie es
+von den Südseeinsulanern bekannt ist, auf das neue Metall, das
+neben Tabak und Branntwein ihnen der begehrteste Tauschartikel
+wurde, so daß für ein gewöhnliches Messer ein Zobelfell gegeben
+wurde.[257]
+
+Ausgeschlossen ist nicht, daß bei den östlichen, Japan und China
+zugewandten Völkern hin und wieder Eisen, aus ostasiatischer Quelle
+stammend, vorkommt, doch war diese Einwirkung nur eine höchst
+untergeordnete und keinen durchgreifenden Einfluß ausübende. Nach
+STELLER[258] lernten die Kamtschadalen das Eisen erst durch die
+Russen kennen; sie besaßen im Anfange des 18. Jahrhunderts fast nur
+Gerätschaften aus Stein oder Knochen. Noch eingehender als unser
+Landsmann behandelt die hier interessierenden Verhältnisse der
+Russe KRASCHENINNIKOW. »Aus Knochen und Stein,« sagt er, »waren der
+Kamtschadalen Äxte, Wurfpfeile, Nadeln, Spieße. Die Äxte bestanden
+aus den Knochen der Walfische oder Rentiere, zuweilen aus Achat
+und Kieselstein. Sie hatten die Gestalt eines Keiles und waren
+an gekrümmte Handhaben befestigt. Damit höhlten sie ihre Kanoes,
+Schalen und Tröge aus; allein mit so viel Mühe und Zeitaufwand,
+daß ein Kahn drei Jahre und eine große Schale wohl ein Jahr Zeit
+erforderte. Natürlich erhielten dadurch diese Gegenstände einen
+hohen Wert. Auch sehr feine Arbeiten konnten die Kamtschadalen mit
+ihren einfachen Werkzeugen ausführen. So sah KRASCHENINNIKOW eine
+Kette aus Walroßzahn mit den feinsten Gliedern, wie gedrechselt.
+Sie war 40 cm lang, aus einem Stück geschnitten und »ein Kunststück
+des größten Meisters würdig«. Die Ansicht, daß die Kamtschadalen
+vor Ankunft der Russen durch die Japanesen (via Kurilen) das Eisen
+kennen gelernt, weist KRASCHENINNIKOW nicht zurück[259], doch fand
+der Import jedenfalls nur im geringen Maße statt.
+
+Die nördlichen Nachbarn der Kamtschadalen, die Koriäken, erhielten
+dagegen das Eisen sicher erst durch die Russen, verstanden es aber
+bald, dasselbe in meisterlicher Weise zu bewältigen, wenn sie
+es auch nicht aus den Erzen darstellen lernten. »Messer, Beile,
+Piken, Ringe für die Rentier- und Hundegespanne, Armspangen von
+eigener Arbeit sieht man überall bei diesen Nomaden. Besonders
+aber zeichnen sich Messer und Piken durch Zierlichkeit aus,
+indem sie meist von ausgelegter Arbeit sind. Arabesken aller
+Art werden tief in das Eisen eingraviert und in die Einschnitte
+feine Kupferstreifen eingehämmert. Es ist oft erstaunlich,
+wie diese Leute mit so sehr mangelhaften Instrumenten die
+regelmäßigsten Formen den Messern und Piken geben und diese auf das
+geschmackvollste verzieren können.«[260]
+
+Noch weiter nördlich uns wendend, treffen wir auf die Tschuktschen,
+bei denen nach KARL VON NEUMANN, der sie 1869 besuchte, die
+Einführung des Eisens durch den Engländer BILLINGS am Ende des
+vorigen Jahrhunderts erfolgte, ohne die geringste Änderung in
+den Lebensgewohnheiten dieses Volkes hervorzubringen.[261] Sie
+sind noch heute, wie wir durch NORDENSKIÖLD erfahren, ein Volk,
+bei dem der Übergang vom Gebrauche des Steines und Knochens zum
+Eisen sich studieren läßt, da mehr und mehr europäische und
+amerikanische Eisenwaren bei ihnen zur Verwendung kommen, ohne
+jedoch jene soziale und kulturelle Umwälzung hervorzurufen, die
+wir gewöhnlich mit der Einführung des Eisens verknüpft wähnen.
+Das Material wechselt, aber sonst bleibt alles beim alten. Zur
+Ausrüstung der Schlitten gehört jetzt ein Stab mit Eisenbeschlag
+und einer Menge Eisenringe. Ihre Pfeile sind noch teils mit
+Holz- und Knochenspitzen, teils mit Eisenspitzen versehen, die
+Angelhaken aus Knochen oder Eisen, die Löffel aus Knochen, Kupfer
+oder (eingeführt) Eisenblech; die Hämmer zum Zermalmen der Knochen
+aber -- echt prähistorischer Form! -- aus Stein. Neben dem alten
+Drillbohrer zum Feuermachen benutzen die Tschuktschen schon Stahl,
+Feuer und Zunder. »Der Feuerstahl besteht oft aus einer Pfeilspitze
+oder einem anderen alten Stahlgerät oder auch aus extra für diesen
+Zweck geschmiedeten Eisen- und Stahlstücken. Gewöhnlich verrät die
+Form dieser Geräte einen europäischen oder russisch-sibirischen
+Ursprung, doch erwarb ich mir auch plump gehämmerte Eisenstücke,
+welche Proben einheimischer Schmiedegeschicklichkeit zu sein
+schienen. Ein Tschuktsche zeigte mir einen großen Feuerstahl
+letztgenannter Art, welcher mit einem kupfernen Griff für den
+Finger versehen und durch lange Benutzung hübsch geglättet war.«
+Das Eisen zu diesen Feuerstählen war nicht meteorisch, mußte daher
+eingeführt und jedenfalls kalt geschmiedet sein.[262]
+
+Was die vielbesprochenen Onkilon jener Gegend betrifft, so lieferte
+die Untersuchung ihrer Gräber nur Gerätschaften von Knochen und
+Stein, nichts von Metall.[263]
+
+~Die alten Bergbaue der Tschuden.~ So sind die Beziehungen der
+nordsibirischen Völker zu den Metallen in historischer Zeit und in
+der Gegenwart. Nordasien hat aber auch seine Völkerverschiebungen
+und Wanderungen gehabt und alte Funde in den erzführenden
+Gebirgen, wie in den Ebenen deuten auf vergangene Stämme, welche
+mit der Bearbeitung der Metalle wohl vertraut waren, ja hierin
+relativ Hervorragendes leisteten. In Bergbauen und Gräbern haben
+sich die Schätze jener prähistorischen Zeit erhalten, die zusammen
+mit der Linguistik uns Aufschlüsse über die vorgeschichtlichen
+Metallarbeiter geben.
+
+Vom Ural bis zum Altai und wieder bis Transbaikalien werden die
+alten Bergbaue und Gräber vom Volke den Tschuden oder Tschudaki
+zugeschrieben. Daß es sich auf dieser weiten Ausdehnung um ein Volk
+gehandelt habe, läßt sich nicht annehmen, wie denn auch die große
+Verschiedenartigkeit der Grabfunde auf verschiedene Völker deutet
+und ihre Beschaffenheit und ihr Stil verschiedene Zeitperioden
+erkennen läßt. Die Wogulen, die jetzigen Bewohner des Ural, wußten,
+als die Russen zu ihnen kamen, nicht mehr, von wem die alten Halden
+und Schürfe herrührten, auch betrieben sie selbst keinen Bergbau,
+sondern wiesen auf die Tschuden hin. Die alten Minen selbst, die
+sich im Ural erhalten haben, schildert PALLAS folgendermaßen:
+
+»Auf allen erzreichen Strecken am uralischen Gebirge finden sich
+alte, von einer uns unbekannten Nation, welche den Bergbau sehr
+fleißig getrieben haben muß, herrührende, oft ziemlich tief
+getriebene Schachte, Stollen und Schürfe; ja die besten heutigen
+Bergwerke im Orenburgischen haben ihre Entdeckung diesen alten
+Spuren, welche unter dem Namen Starie- oder Tschudskie-Kopi
+bekannt sind, zu danken. Sie sind um desto merkwürdiger, weil sie
+gemeiniglich bloß in runden Kanälen und Gängen bestehen, welche
+weder ausgezimmert, noch gestützt sind. Selbige sind zuweilen so
+enge, daß die Arbeit darin höchst beschwerlich muß gewesen sein,
+weil man in den getriebenen Örtern oft nicht einmal aufrecht
+stehen kann. Bei der Saigatschi Rudnik (bei Orenburg) ist außer
+vielen Schürfen ein außerordentlich geräumiger und mit vielen
+Örtern ausgetriebener Stollen noch im besten Stande gefunden
+worden, bei dessen Ausräumung man nicht nur geschmolzenes Kupfer in
+runden Kuchen, sondern auch viele runde, aus weißem Thon gemachte
+Töpfe, worin die Schmelzung verrichtet worden, ja auch Gebeine
+von verschütteten Arbeitern beisammen gefunden, von Herden oder
+Schmelzöfen aber nicht die geringste Spur bemerkt haben soll.«[264]
+
+Als 1573 die Russen begannen, den Metallschätzen im Salairgebirge
+und dem Kusnezkischen Alatau -- beides Ausläufer des Altai
+-- Aufmerksamkeit zuzuwenden, waren die wichtigsten Gruben
+bereits 10-15 m tief ausgebeutet und verschüttet und alte
+Schlackenhaufen, aus denen man noch zwei Prozent Kupfer gewann,
+enthielten Schmelztiegel und kupferne Waffen. Außerdem bewiesen
+verschieden gestaltete Keile, Hacken und Hämmer mit Stiellöchern
+aus geschliffenem Diorit, Trapp und Sandstein das hohe Alter dieser
+Baue. Dagegen fehlten steinerne Geräte für die Bedürfnisse des
+täglichen Lebens.[265]
+
+Ganz besonders entwickelt sind die alten Bergbaue am Schlangenberge
+im Altai, wo »die Tschuden« die reichen und milden ockerigen Erze
+mit tiefen Schürfen und selbst Schächten von zehn und mehr Meter
+förderten. In die festen Erze einzudringen, haben ihnen die Mittel
+gefehlt, wiewohl man Spuren davon gefunden, daß sie in dieser
+Richtung wenigstens Versuche gemacht haben. Über die Art, wie jene
+Alten den Bergbau betrieben, lassen sich einige Andeutungen geben.
+Ihre Keilhauen und andere Gezähe waren aus Kupfer gegossen, wie
+die gemachten Funde beweisen; statt der Fäustel aber benutzten
+sie länglichrunde, sehr harte Steine, um welche in der Mitte eine
+Vertiefung ausgeschliffen ist, die zur Befestigung des Steines mit
+einem Riemen diente. Die Erze förderten sie in Ledersäcken an die
+Oberfläche, wie ein solcher mit reichem Ocker bei einem Skelett
+aufgefundener Sack beweist. Dieser goldhaltige Ocker war das
+Hauptziel des Bergbaues, wie auch die alten goldhaltigen Geschütte
+an den Bachufern darthun, wo der Goldschlich ausgewaschen wurde.
+Von Eisenwerkzeugen ist keine Spur gefunden worden.[266] Auch in
+der Gegend von Nertschinsk entdeckten die Russen alte Schürfe und
+Bingen, sowie alte verwachsene Schmelzherde und von Blei- und
+Kupferarbeit zeugende Schlacken und Glätten[267], und auch diese
+wurden den Tschuden zugeschrieben.
+
+Wer waren nun jene Tschuden, durch die die alten Bergbaue im Ural
+und Altai angelegt wurden, Bergbaue, die viel gemeinschaftliches
+in der Art und Weise ihrer Anlage zeigen und an beiden, wiewohl
+weit von einander entfernten Orten, durch das Vorhandensein von
+Kupfergeräten, sowie die Abwesenheit von Eisen charakterisiert
+werden?
+
+Es sind viele Mutmaßungen darüber aufgestellt worden. Vor hundert
+Jahren bereits identifizierte der Petersburger Akademiker BAYER
+die Tschuden mit den Skythen, die ja einen großen Teil Rußlands
+bewohnten. Dieser Ansicht hat sich später ED. V. EICHWALD
+angeschlossen, indem er die Skythen für die Vorfahren der heutigen
+finnischen Völker ansah.
+
+Bekanntlich werden die Skythen noch als Vorfahren einer Reihe
+anderer Völker in Beschlag genommen und wir wollen die Ansicht V.
+EICHWALD's dahingestellt sein lassen; daß aber die Tschuden --
+deren Namen unter den westlichen Finnen noch fortlebt -- Finnen
+gewesen sein können, dafür sprechen noch andere Gründe. Die
+älteste Schmiedekunst der Finnen, als sie noch ungeteilt am Ural
+und in Sibirien beisammen saßen, muß nach AHLQVIST[268] auf das
+Kupfer bezogen werden; die Sprache legt hierfür Zeugnis ab, daß
+die Bekanntschaft der Finnen mit dem Kupfer eine sehr frühzeitige
+war, die Namen für dieses Metall sind in den finnischen Sprachen
+genuin. Bronze aber kannten sie wahrscheinlich nicht, da in ihrer
+Sprache sich keine Benennung für dieses Mischmetall vorfindet und
+da sie für das Zinn, welches zu einer solchen Bereitung nötig, den
+Namen erst aus den germanischen Sprachen entlehnt, also erst nach
+ihrer Ankunft an der Ostsee dieses Metall kennen gelernt.[269]
+Dort auch erhielten die baltischen Finnen von indogermanischen
+Völkern die Bezeichnung für Eisen, während die östlichen, den
+Ursitzen näher gebliebenen Finnen (Wogulen, Ostjaken, Wotjaken,
+Syrjänen, Tscheremissen) für dieses Metall einen gemeinsamen, nicht
+entlehnten Namen haben, der folglich erst entstanden sein kann,
+nachdem Ost- und Westfinnen sich getrennt hatten.[270]
+
+Kupfer also ist das älteste Metall der Finnen und auf Kupfer
+und mit Kupfergezähen wurden die alten Bergbaue betrieben; die
+ursprünglichen Sitze der Finnen lagen gleichfalls am Ural und in
+Westsibirien, wo ja noch ein Teil dieses Volkes wohnt; endlich
+ist der Name der Tschuden, welcher den alten Bergleuten und
+Metallschmelzern Sibiriens traditionell gegeben wird, ein noch
+teilweise auf die heutigen Finnen angewandter. Auch A. ERMAN ist
+nicht abgeneigt, in den Tschuden finnische Völker, Vorfahren
+der jetzigen Ostjaken zu sehen, deren Name aus dem tartarischen
+_Uschstjak_ entstanden ist.[271] Dieses alles scheint darauf zu
+deuten, daß jene alten Metallurgen finnischen Stammes waren,
+wiewohl die Gründe nicht stark genug sind, um diese Mutmaßung zur
+Gewißheit zu erheben.
+
+~Kurgane und Gräber in Sibirien.~ Abgesehen von den alten Bergbauen
+finden sich im westlichen und südlichen Sibirien zahlreiche Gräber
+sehr verschiedener Art und, nach den reichen Grabbeigaben zu
+schließen, von sehr verschiedenen Völkern und aus verschiedenen
+Perioden herrührend. Sie fesselten frühzeitig die Aufmerksamkeit
+der Reisenden und auch der Schatzgräber, die, nach Gold wühlend,
+manches kostbare Denkmal vorgeschichtlicher Zeit zerstörten.
+STRAHLENBERG, PALLAS, GMELIN, EICHWALD, RADLOFF, POGOW, MEYNIER
+und EICHTHAL, DESOR und andere haben sich mit diesen Gräbern und
+ihrem Inhalte beschäftigt; es existiert darüber in russischen
+Fachschriften eine reiche Litteratur, die ich zu meinem Bedauern
+aus Unkenntnis der russischen Sprache nicht benutzen konnte. Es
+mögen daher die nachfolgenden Mitteilungen unter dem Gesichtspunkte
+der Unvollständigkeit beurteilt werden.
+
+Das Centrum der Verbreitung dieser Gräber liegt am oberen Jenisei
+und seinen Nebenflüssen im Kreise Minusinsk, da wo dieser große
+Fluß aus der Mongolei nach Sibirien übertritt. Entlang dem
+Jenisei haben die Metallerzeugnisse jenes alten Kulturvolkes oder
+jener alten Kulturvölker sich gegen Norden hin verbreitet, denn
+tatarische Hirten finden in den Steppen bei Krasnojarsk am Jenisei
+beim Weiden hin und wieder Bronzegegenstände mit Tierbildern,
+welche in ihrer Ausführung eine weit höhere Kultur voraussetzen,
+als sie unter den dortigen, jetzt bekannten Eingeborenen besteht
+oder bestanden hat und die gleichfalls mit den »Tschuden« in
+Zusammenhang gebracht wird. Derartige Bronzemesser zeigen am Griffe
+nach DESOR[272] sehr gut ausgeführte Steinböcke, Wölfe, Elentiere,
+ja Tiger oder Löwinnen, aber mit einer Art von Elefantenrüssel.
+
+Die Gegenstände, auf denen solche Ornamente vorkommen, sind Dolche,
+Beile, Piken, Meißel, gewöhnlich mit brauner, seltener mit grüner
+Patina überzogen. Die Formen werden von DESOR, dem die Bronzen von
+dem Entdecker, dem russischen Ingenieur LAPATIN zugeschickt wurden,
+für schön und elegant erklärt.[273]
+
+Diese Funde, welche nach ihrer artistischen Ausgestaltung auf eine
+höhere Kultur schließen lassen, können nicht von den Vorfahren der
+heutigen Eingeborenen jener Gegenden herrühren und wohl auch kaum
+in diesen Gegenden entstanden sein, die mit einer Wintertemperatur,
+in der häufig das Thermometer bis auf -40° R. sinkt, dem Aufblühen
+der Künste und Gewerbe wenig förderlich waren. Sie weisen nach
+Süden, nach dem Grenzgebiete gegen die Mongolei hin, wo in der That
+ein schöneres Klima herrscht und die zahlreichen Gräber als Quelle
+jener Funde von Krasnojarsk zu erkennen sind.
+
+Übersicht und System in die Gräber am oberen Jenisei hat W. RADLOFF
+gebracht, der die zahlreichen, verschiedenartigen Grabstätten im
+Kreise Minusinsk, an dem Ufer des Jenisei, in den Steppen des
+Abakan und Jüs untersuchte, sowie an den Strömen, die östlich vom
+Altai herabkommen. Tumuli und Steingräber liegen unregelmäßig
+zerstreut in den Uferlandschaften und begleiten in ununterbrochener
+Reihe die Gestade der Flüsse. Schon ihre große Anzahl zeugt von
+einem langjährigen Aufenthalte eines zahlreichen Volkes in diesen
+Gegenden.
+
+Wohl auszuscheiden von den alten Gräbern dortiger Gegend, die
+gleich näher charakterisiert werden sollen, sind die jüngeren,
+nicht auf der Steppenfläche verteilten, sondern entfernt von den
+Flüssen in den Vorgebirgen gelegenen Gräber, die oft zu 60 bis 80
+an einer Stelle sich beisammen finden und von Kirgisen herrühren.
+Sie enthalten neben Skeletten Eisengerät, Kessel, auch aus Kupfer,
+Messer und Pfeile aus Metall und selbst aus Knochen, kurz, eine
+Sammlung verschiedenartiger Kulturgegenstände, neben welchen auch
+russische Münzen aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.[274]
+
+In den älteren, an den Flüssen gelegenen Grabstätten mit
+Steinsetzungen fand aber RADLOFF fast durchweg nur Kupfergeräte und
+er sieht in ihnen den Nachlaß der ältesten Bewohner jener Gegenden.
+Es sind dieses die bereits von PALLAS erwähnten Erdhügel oder
+Kurgane, teilweise mit Steinsetzungen, welche dieser gründliche
+Beobachter bereits vor hundert Jahren folgendermaßen schildert:
+
+»Man findet in solchen durchgängig ganz deutliches und oft
+noch ziemlich unverbrochenes Zimmerwerk von sehr verwestem
+Lerchenholz, aus dessen Lage man sieht, daß vor die Leiche aus
+ziemlich dicken, übereinander liegenden Balken, fast nach Art
+der russischen Bauernstuben, ein kleines, länglich viereckiges
+Behältnis zusammengefügt und mit Erde überschüttet worden ist.
+Gemeiniglich findet man über der von dicken Bohlen gezimmerten
+Decke des Grabkellers entweder ausgebreitete Birkenrinden, welche,
+wie bekannt, schwer verwesen, oder Steinfließen, welche die
+morsche Decke eingedrückt haben. Der Boden des Behältnisses ist
+gleichfalls mit Brettern gedielt. In solchen Behältnissen findet
+man gemeiniglich die Knochen von zweien, auch wohl nur von einer
+Leiche, und in einem Hügel oft mehrere, durch hölzerne Scheidewände
+oder auch gänzlich durch Erdräume von einander abgesonderte
+Behältnisse nebeneinander. Am Fußende findet man verschiedene mit
+der Leiche beerdigte Kleinigkeiten, irdene oder auch kupferne
+Kessel und Töpfchen, Überbleibsel hölzerner Geschirre und
+Schöpfkellen, kupferne Werkzeuge von allerlei Art. In der Gegend
+des Gürtels pflegen hirschförmige und andere Bleche des Beschlages,
+die Dolche und Messer mit Spuren einer Scheide und andere kleine
+Gegenstände zu liegen. Um den Kopf finden sich mit Gold überzogene
+Knöpfe, Spangen und andere Spuren der beigelegten Kleidung. Man
+soll sogar noch zuweilen sichtbare Stücke von golddurchwirkten
+Seidenzeugen und übergebliebene Haare von Zobel- und anderen Pelzen
+in den wohlerhaltensten Grabkellern angetroffen haben. Bei einigen
+hat man eine Menge Hackenknochen von großen und kleinen Tieren,
+die durchlöchert und abwechselnd nebeneinander gelegen, als ob
+sie aneinander gereiht gewesen, oder auch viele kleine eckige
+Pyramiden von verschiedener Gestalt aus Gußkupfer, die vielleicht
+ein Brettspiel oder etwas ähnliches vorgestellt, gefunden. Die
+Spuren der Lanzen oder auch der Ehrenstäbe, die bei männlichen
+Leichen oft gefunden werden und mit Krücken von Gußkupfer
+geziert zu sein pflegen, sind zuweilen mit schmalen Streifen von
+geschlagenem Golde schlangenweise umschlungen. Noch finden sich
+zuweilen echte Goldblättchen, die zur Zierat um den Hals oder die
+Ärmel mögen gelegt gewesen sein oder womit auch die Griffe der
+Dolche und die Zieratsbleche der Gürtel gleichsam nur umwickelt
+scheinen. Zuweilen sind in einem Behältnisse bei ganzen Leichen
+auch verbrannte beigesetzt, deren Knochen in einem Haufen beisammen
+gemeiniglich nahe an den Wänden des hölzernen Grabes liegen;
+auf solchen Aschenhaufen sind die Goldblättchen und andere mit
+beigesetzte Kleinigkeiten zu oberst gelegt. -- Alles Kupfergerät
+ist Gußwerk; von Eisen fehlen zwar in dergleichen Gräbern nicht
+alle Spuren, aber es ist doch eine sehr große Seltenheit. Nur habe
+ich von einem kleinen verrosteten Beile, die man sonst aus Kupfer
+nicht so selten findet, und von einer Keilhaue gehört, welche
+in Gestalt den jetzt bei unseren Bergleuten gebräuchlichen ganz
+ähnlich gewesen seien. -- In großen Kurganen werden Pferdegerippe
+mit Spuren von Sattel und Zeug über den Grabkellern in der bloßen
+Erde gefunden.«[275]
+
+Diese letzteren gehören aber offenbar in eine ganz andere Kategorie
+von Gräbern, wie wir aus den Forschungen RADLOFF's erkennen. In
+den Gräbern mit Kupfer- und Bronzegegenständen fand dieser nämlich
+niemals Pferdeknochen in größerer Anzahl, während in den späteren
+Steingräbern mit Eisen sich Pferdeskelette in Menge zeigten. Die
+Steingräber mit Eisenwerkzeugen zeigten in der Form der letzteren
+deutliche Nachbildungen alter kupferner Werkzeuge und Waffen.
+Diese Gräber stellt RADLOFF an die »Grenze zwischen Bronze-
+und Eisenperiode«. Es sind solche Gräber, wie sie PALLAS[276]
+gleichfalls erwähnt, als Bestattungsplätze Vornehmer mit
+zierlichem Silbergeschirre, Gold in Blechen, Knöpfen und anderen
+Zieraten, mit Steigbügeln und anderem Pferdegeschirre von Eisen
+mit Silber und Gold eingelegt oder überzogen und nur mit wenig
+Kupfergerät. RADLOFF nimmt an, daß diese Gräber mit Eisen, mit den
+seidenüberzogenen Pelzgewändern, wie er eines von 28 m Durchmesser
+an der Katanda öffnete, von einem eingerückten Reitervolke
+türkischen Stammes herrühren, von einem Volke, welches die älteren
+Kupfer- und Bronzearbeiter vertrieb.[277]
+
+Hierhin gehören auch die von STRAHLENBERG[278] aufgefundenen
+kleinen gegossenen Götzenbilderchen von Erz, Kupfer, Messing,
+Zinn, Silber und Gold, die zu tausenden in den »alten tatarischen
+Gräbern oder _tumulis sepulchralibus_« zu seiner Zeit enthalten
+waren und von denen er Abbildungen giebt; dahin gehören die
+Pferdezaumbuckeln, Glöckchen, die »Degen, Pfeile, Dolche und mehr
+dergleichen Dinge, welche die Russen ausgegraben und die nicht
+geschmiedet, sondern von Kupfer gegossen sind«. Jüngerer Zeit
+gehören dann wieder jene Gräber an, aus denen Medaillen von Gold
+und Silber, ganze Schachspiele von Gold und große goldene Bleche,
+worauf der Tote gelegen, polierte Metallspiegel etc. ans Licht
+gefördert wurden. Auf den südlichen mohamedanischen Kulturkreis
+weisen ornamentierte Schalen mit kufischen Inschriften, schön
+ziselierte Bronzegefäße mit darauf dargestellten Falkenjagden
+hin, andere zeigen chinesischen Charakter, jedenfalls importierte
+Gegenstände, während die älteren Gräber höchst wahrscheinlich
+heimisches Metallgerät zeigen. MEYNIER und V. EICHTHAL, welche
+die Kurgane von Gonba bei Barnaul öffneten, die gleichfalls
+vom Volke den Tschuden zugeschrieben werden, sprechen sich aus
+anthropologischen Gründen, zumal auf die brachykephalen Schädel der
+Skelette jener Gräber sich stützend, dahin aus, daß jene Kurgane
+von einem türktatarischen Volke stammen. Sie fanden Eisen und
+Stoffe, wie PALLAS und RADLOFF, während Bronze vollständig fehlte
+und die Zieraten aus gegossenem Kupfer bestanden.[279]
+
+Denn das alte Volk, von dem die zahlreichen Gräber stammen,
+muß massenhaft hier gesessen und seine Metallsachen an Ort und
+Stelle gefertigt haben, wofür noch andere Anzeichen sprechen. Der
+Mineralreichtum des dortigen Gebirges, die alten, weithin sich
+ziehenden Schürfe und Baue, die Schlacken und Glätten sprechen
+dafür, daß am Jenisei ein metallkundiges Volk wohnte. Doch ist der
+Bergbau nur oberflächlich betrieben worden und die Gruben hören
+gewöhnlich da auf, wo hartes Gestein anfängt. POPOW hat gezeigt,
+daß das alte Kulturvolk am Jenisei das Schmelzen der Metalle in
+kleinen Öfen ausführte, daß es das Legieren der Metalle (z. B. von
+Kupfer und Silber) verstand, mit der Abscheidung des Silbers aus
+dem Kupfer aber unbekannt war.[280]
+
+Die Vermutung RADLOFF's, daß die Türken oder ein Volk türkischen
+Stammes das Eisen im Altai schmolz und in Sibirien diese Kunst
+verbreitete, erhält mehrfache Bestätigung. Die alten chinesischen
+Geschichtswerke erzählen, daß das Eisenschmelzen im Kinschan
+(Altai) durch die Türken eingeführt wurde[281], und die Sprache
+zeigt uns gleichfalls die uralte Bekanntschaft der Türken mit
+dem Eisen, wiewohl auch andere Metalle ihnen frühzeitig bekannt
+waren. Vergleichen wir die turkotatarischen Idiome, so finden wir
+bei allen gleichlautend und gleichbedeutend _temir_ für Eisen,
+ein Wort, das somit einem vordialektischen Zeitalter entsprungen
+und seit den ältesten Zeiten bekannt gewesen sein muß. Es geht
+ohne Zweifel auf die Stammsilbe _tim, tem_, fest, dicht, stark
+zurück. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kupfer, _bakir_,
+_pakir_, dem die Stammsilbe _bak_, _pak_ zu Grunde liegt,
+welche gleichfalls fest, hart bedeutet. Bei solcher Sachlage
+läßt sich auf sprachlichem Wege die Frage, welches das erste,
+dem turkotatarischen Urmenschen bekannte Metall gewesen, nicht
+entscheiden.
+
+Können wir danach Eisen und Kupfer als gleichalterig vermuten,
+so läßt sich für die Bronze nachweisen, daß sie im frühesten
+Kulturstadium der Türken unbekannt war und ihnen erst von
+benachbarten Völkern zugeführt wurde. Das tschagataische _[vz]es_,
+altaische _jes_, stammt vom mongolischen _dzes_, wobei jedoch
+hervorgehoben werden muß, daß, während mit diesem tschagataischen
+Worte heute Bronze bezeichnet wird, dasselbe im Altaischen und
+Mongolischen entschieden Messing und Kupfer bedeutet. Diese
+schwankende Definition des fraglichen Begriffes ist an und für sich
+hinreichend, um das Fremdartige dieses Metalles bei den Türken
+außer Zweifel zu stellen. Ein solches Schwanken ist nicht der
+Fall, wo die Wortbildung auf heimischem, festem Boden sich bewegt.
+Es ist, so rekapituliert VAMBÉRY, unmöglich, bei den primitiven
+Turkotataren sprachlich ein Stein-, Bronze- und Eisenalter
+nachzuweisen.[282]
+
+
+Fußnoten:
+
+[250] Sammlung Russischer Geschichte. St. Petersburg 1763. VIII.
+101. 188.
+
+[251] Archiv f. Anthropol. XI. 323.
+
+[252] J. G. MÜLLER a. a. O. VI. 540.
+
+[253] POPOW in Zeitschr. für Ethnologie 1878. 461.
+
+[254] V. MIDDENDORFF, Sibirische Reise. IV. 1557.
+
+[255] Dieser Blasebalg erscheint auch bei den Völkern im
+europäischen Rußland, so bei den nomadisierenden Kalmüken am
+Uralflusse, die kleine Eisenarbeiten und Waffen -- trotz ihrer
+nomadisierenden Lebensweise -- zu verfertigen verstehen. »Ihr
+Blasebalg besteht bloß in einem ledernen Sack mit einer Röhre in
+einer zwischen zwei glatten Hölzlein gefaßten Öffnung, welche sie
+mit der Hand ergreifen und, indem der Sack aufgehoben wird, öffnen,
+darauf schließen und den Sack zugleich niederdrücken.« (PALLAS,
+Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St.
+Petersburg 1771. I. 324.)
+
+[256] Unter Tungusen und Jakuten. Leipzig 1882. 143.
+
+[257] »Vor Alters war alle Gerätschaft von Eisen und anderem
+Metall in Sibirien sehr kostbar. Wenn man (die Russen) zu einem
+neubezwungenen Volke kam, welches entweder gar nicht oder noch
+nicht zu Genüge damit versehen war, so bekam man für einen eisernen
+oder kupfernen Kessel so viel Zobel und schwarze Füchse, als sich
+dahinein packen ließen.« MÜLLER, Sammlung Russ. Geschichte. St.
+Petersburg 1758. III. 485.
+
+[258] Kamtschatka. 247. 320.
+
+[259] KRASCHENINNIKOW, Kamtschatka. Lemgo 1766. 223. 225. -- ERMAN
+(Reise um die Erde. III. 454) fand einen Obsidiannucleus, von
+dem Spähne abgeschlagen waren, zu Maschura in Kamtschatka. Die
+Bestimmung desselben war den Eingeborenen unbekannt. Er schloß
+daraus, daß infolge des Verkehrs mit den metallreichen Japanern
+»das sogenannte steinerne Zeitalter für Kamtschatka schon sehr
+früh seine Endschaft erreicht hätte. Namentlich aber weit vor der
+Ankunft der Russen«. Das steht aber im direkten Widerspruch zu
+STELLER's Angabe.
+
+[260] V. DITMAR, Über die Koriäken. Melanges russes. Tome III.
+1./13. Juni 1855.
+
+[261] Globus XXVI. 347 (1874).
+
+[262] NORDENSKIÖLD, Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega. II.
+93. 106. 108. 110. 111. 117.
+
+[263] NORDENSKIÖLD. I. 405.
+
+[264] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen
+Reiches. St. Petersburg 1771. I. 246.
+
+[265] BUTENEW im Archiv f. Wissenschaftl. Kunde von Rußland. XXIV.
+509.
+
+[266] PALLAS a. a. O. II. 608.
+
+[267] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig
+1783. IV. 207.
+
+[268] Die Kulturwörter in den westfinnischen Sprachen. 63.
+
+[269] AHLQVIST a. a. O. 66.
+
+[270] AHLQVIST a. a. O. 67. 70.
+
+[271] Reise um die Erde. Berlin 1838. II. 38.
+
+[272] Journ. Anthropol. Instit. III. 175.
+
+[273] Bull. soc. d'Anthropologie 1873. 441 ff.
+
+[274] RADLOFF in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1871. 83 ff.
+
+[275] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen
+Reiches. III. 386 und Tafel VII. Der hier abgebildete »Ehrenstab«
+und die Glocken sind mit ziemlich gut ausgeführten Steinböcken
+versehen -- alle Gußwaren zeigen eine vorgeschrittene Technik.
+Diese Steinböcke (wohl Argali) sind charakteristisch für die
+gegossenen Kupferobjekte der Gräber am Jenisei. Man braucht
+sie aber nicht in eine wohlfeile Parallele mit Ziegen- und
+Antilopenbildern auf altgriechischen Vasen und Schwertbeschlägen
+der la Tène-Periode zu bringen, um ein Hauptargument dafür zu
+gewinnen, daß jene Tschuden die Lehrmeister der Urindogermanen in
+der Metalltechnik waren, wie dieses Prof. UNGER thut (Mitteil.
+aus dem Göttinger Anthropol. Verein. 1874. I. 25). Eine solche
+Analogie hat keine Beweiskraft, ebensowenig wie die hier angezogene
+Spirale, da beides sich von selbst ergebende Darstellungen bei den
+verschiedensten Völkern des Erdballes sind.
+
+[276] A. a. O. II. 360-362. 384.
+
+[277] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1882. 430 ff. -- Vergl.
+den Bericht von HAWELKA über die Ausgrabungen der k. archäolog.
+Kommission in Sibirien. Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. VII. 221 ff.
+
+[278] PH. J. VON STRAHLENBERG, Das Nord- und östliche Teil von
+Europa und Asia. Stockholm 1730. 313. 317. 356. 359. 399 und Taf.
+III. IV und XX.
+
+[279] MEYNIER et L. D'EICHTHAL, Les Tumuli des anciens habitants de
+la Sibérie, Revue d'Anthropol. 1874. 270. 274.
+
+[280] Mitteil. der sibirischen Abteilung der russ. geogr. Ges. II.
+Heft 4 u. 5. 1872. -- Arch. f. Anthropologie. XI. 318.
+
+[281] SCHOTT in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1883. 242.
+
+[282] H. VAMBÉRY, Die primitive Kultur des turko-tatarischen
+Volkes. Leipzig 1879. 174-177.
+
+
+
+
+Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen.
+
+
+~Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt.~ Sir JOHN LUBBOCK
+erzählt, daß bei der Entdeckung Amerikas am La Plata eine
+Völkerschaft gewohnt habe, welche mit Eisen beschlagene Pfeile
+besaß; die Beschläge wurden, wie man glaubt, aus Klumpen
+gediegenen Eisens gewonnen.[283] LUBBOCK führt keine Quelle für
+diese Angabe an; bestätigt sich dieselbe, so kann es sich nur um
+Meteoreisen handeln, das von jenen Indianern etwa ähnlich wie
+von den Eskimos verwendet wurde. Dahin gehört wohl auch, was
+ACOSTA von eisernen Keilen (_cuños de hierro_) berichtet, die in
+Paraguay als Münze umliefen.[284] Es läßt sich sonst keine Spur von
+Eisenverwendung im vorkolumbischen Amerika nachweisen. Die Mounds
+des Mississippithales enthalten nach SQUIER Silber-, Kupfer-,
+Stein- und Knochengeräte, aber kein Eisen ist -- von einem einzigen
+Meteoreisenfunde abgesehen -- gefunden worden.[285] Nirgends
+weist die Sprache der alten Kulturvölker Amerikas auf das Eisen
+hin, und wo Spanier, Portugiesen, Engländer mit den Eingeborenen
+in Berührung kamen, bestätigen sie überall die Unbekanntschaft
+derselben mit dem Eisen. Von den Cariben schrieb 1494 KOLUMBUS, daß
+sie, weil sie kein Eisen besäßen, ihre Pfeilspitzen aus Schildpatt
+oder Fischstacheln herstellten.[286] Der Eindruck, welchen die
+Unbekanntschaft der Eingeborenen der neuen Welt mit dem Eisen auf
+die ersten Entdecker hervorbrachte, war ein tiefer, und zwei Jahre
+nach der Auffindung Amerikas durch KOLUMBUS schrieb Dr. CHANCA
+an das Domkapitel zu Sevilla: »_Tienen muchas ferramientas, ansi
+como hachas e azuelas hechas de piedra tan gentiles é tan labradas
+que es maravilla como sin fierro se pueden hacer._« Mit ihren
+trostlosen Werkzeugen aus Stein und Muschelschalen verfertigten
+sie Skulpturen aus Holz, Götzenbilder, kunstreich geschnitzte
+Sessel und Zieraten für die Schnäbel der Schiffe. Am besten geriet
+diese Industrie den kunstsinnigen Bewohnern der Insel Guanaba im
+Westen von Haiti. Gold wurde als Schmuck geschätzt und in der Nase
+getragen; auf Haiti verarbeitete man es zu Stangen und mancherlei
+anderen Dingen, namentlich zu Marken, die mit guten Steinen besetzt
+waren; auch von goldenen Kronen der Kaziken ist die Rede; doch
+verstanden sie -- worauf in kulturhistorischer Beziehung viel
+ankommt -- es nicht zu schmelzen, sondern nur zu hämmern.[287] Wie
+findig aber die Eingeborenen Kubas sich dem neuen Metall gegenüber
+zeigten, erkennen wir daraus, daß sie, wie OVIEDO (lib. VII. cap.
+8) bezeugt, es verstanden, sich der eisernen Fesseln in spanischen
+Gefängnissen zu entledigen, indem sie Schnüre aus den Fasern des
+Henequenhanfes mit feinem Sande bestreuten und die Ketten so
+durchfeilten[288] -- ein Fingerzeig dafür, wie auch manche Steine
+bearbeitet wurden.
+
+~Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos.~ Meteorisches Eisen
+war bei den Amerikanern früh im Gebrauche und es wird namentlich
+bei den Grönländern und Eskimos von verschiedenen Reisenden
+erwähnt. In bezug auf den Kulturfortschritt, das Eisen aus den
+Erzen geschmolzen zu haben, ist dieses Vorkommen des gediegenen
+Metalles bei jenen Nordländern aber ohne alle Bedeutung. Sie
+haben heute noch nicht, wiewohl sie mit dem europäischen Eisen
+nun lange bekannt sind, die Darstellung desselben erlernt und es
+liegt hierzu bei ihnen auch keine Veranlassung vor, abgesehen
+davon, daß die Rohmaterialien, Eisenerz und Kohlen, meist fehlen.
+Das Meteoreisen aber, welches die Eskimos zu Messern, Pfeilspitzen
+etc. verwerteten, wird von ihnen wie der Stein gehandhabt und
+verarbeitet durch einfaches Zuschleifen und Fassen in Holz oder
+Knochen, gerade so wie das gediegene Kupfer bei südlicher wohnenden
+Indianerstämmen.
+
+Als 1823 CLAVERING und SABINE den nördlichsten Teil Ostgrönlands
+entdeckten, trafen sie dort unter 75° nördl. Br. noch einige,
+seitdem ausgestorbene Eskimos, die zum erstenmale weiße Menschen
+sahen und die auch mit den Grönländern der Westküste in keinerlei
+Beziehungen standen. Dieser abgeschiedene Posten besaß Harpunen und
+Speere mit Knochenspitzen, doch waren einige Spitzen von Eisen,
+welches allem Anscheine nach meteorischen Ursprunges war.[289]
+
+[Illustration: Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE.]
+
+Von der Westküste Grönlands kennen wir durch denselben SABINE
+auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit JOHN ROSS den
+kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes)
+entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen
+auf. Er berichtet[290]: »Jeder der uns am 10. August besuchenden
+Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß
+ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers
+vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem
+Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem
+auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl
+plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück
+bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des
+Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe
+besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden,
+welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig.
+31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen
+erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es
+am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den
+Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur
+wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre
+Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere
+Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch,
+als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten,
+als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter
+uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der
+Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher
+ZACHEUS richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder
+herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das
+Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt
+worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn
+zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es
+sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme
+von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der
+Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in
+Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon
+ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht
+wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben
+nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm
+heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland
+nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von
+keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das
+Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert
+vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei.
+Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem
+Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden
+Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz
+und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen,
+daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der
+Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke
+entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie
+dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir
+sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird
+von den Eingeborenen _Sowilie_ (_Sauwilie_) genannt, abgeleitet
+von _Sowie_ (_Sauwie_), dem bei den Grönländern gebräuchlichen
+Namen für Eisen. ZACHEUS sagte mir, das Wort bedeute eigentlich
+einen »harten, schwarzen Stein«, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren
+Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß
+nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen
+bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen
+in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen
+benutzten. Der Bericht über Kapitän COOK's dritte Reise belehrt
+uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der
+Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes
+Eisen _Shawie_ nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die
+eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit
+von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus
+Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen
+hat.«
+
+Soweit der interessante Bericht SABINE's, der uns die nördlichen,
+1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt,
+über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden
+wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der
+Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten
+riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch
+NORDENSKIÖLD, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von
+Meteoreisenmessern bei Eskimos.
+
+Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches
+S. HEARNE 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand,
+bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und
+Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, »eins 3,5 cm
+lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das
+andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war
+in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein
+Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem
+Namen _Mokeatoggen_ bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen
+sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.«[292]
+
+Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten
+Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch
+selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist
+erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des
+Peabody-Museums, PUTNAM, gelungen. Er fand in einem Mound am Little
+Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen
+überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen
+Ursprung bezeugten.[293]
+
+Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet,
+wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch
+die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann.
+Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des
+14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße
+via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in
+feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe,
+breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus
+Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen
+geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte
+im 17. Jahrhundert -- lange nach dem Eingehen der normannischen
+Kolonien -- den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald
+erkannte, wie denn die durch DANELL 1654 nach Dänemark gebrachten
+Grönländer, welche OLEARIUS in Flensburg kennen lernte, stets
+begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere
+Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295]
+Noch zu EGEDE's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der
+Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus
+Eisen.[296]
+
+~Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien.~ Den westlichen
+Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern
+kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon
+vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt.
+
+Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide
+sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen.
+Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen
+Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und
+Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos
+der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten
+Kleinigkeiten. »Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel
+auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.)
+so gleich, als ein Ei dem anderen«, schreibt der alte STELLER[297],
+und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander
+steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter
+südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin,
+haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit
+geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen
+die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika
+hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem
+vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter
+Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den
+Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets
+Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch
+in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika
+gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die
+Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter
+nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen
+Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden.
+Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden
+her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an
+der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt
+es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu
+jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher
+somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern,
+gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller
+als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem
+seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine
+Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen
+nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in
+den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren
+große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen
+schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte.
+Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei
+auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden.
+
+Die Expedition BERING's, auf welcher Amerika von Kamtschatka
+aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf
+begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und
+dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich
+Eisengeräte. BILLINGS fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln
+aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit
+Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er
+ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles,
+was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir
+erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt,
+wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die
+Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den
+Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300]
+
+Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60°
+nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem
+Eisen wenigstens vertraut, so fand es COOK 1778 am Nutkasund
+im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen
+Schiffbrüchigen erhalten hatten. _It was certainly used in
+British Columbia for various purposes before the coming of the
+whites._[301] VANCOUVER, dessen Reise etwas später fällt, sah
+bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt
+Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, »doch hatten
+auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen«. An der
+Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande,
+fand er bei den Indianern »viele Speere mit eisernen Spitzen«,
+und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die »oben eine
+lange polierte eiserne Spitze« hatten; anderseits aber traf er
+in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen
+Übergangszustand charakterisiert auch MAURELLE, der Steuermann
+BODEGA's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen
+Küste kam. Die Waffen der Indianer »waren hauptsächlich Pfeile mit
+Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel
+wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem
+Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf
+Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe«.[303]
+
+~Eisen in Kalifornien.~ Bis hierher reicht der russische Einfluß.
+Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen
+Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten
+Gräbern deuten. CABRILLO hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs
+von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten
+spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die
+südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben
+silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über
+die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den
+Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die
+hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer
+dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen
+Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und
+befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32),
+wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die
+als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe
+oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei
+den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten
+haben.[304]
+
+[Illustration: Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art
+der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys,
+west of 100th meridian.]
+
+Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten
+Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten
+Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen,
+geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande
+gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein
+Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. _At
+the time of the conquest it was doubtless considered precious,
+worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of
+accompanying him to the world of spirits._[305]
+
+So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei
+den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte
+Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter
+verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß
+die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten,
+nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben
+schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig
+zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen
+Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb
+zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint
+daher auffallend und als Ausnahme, wenn MUSTERS berichtet, daß
+die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das
+gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner
+sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem
+Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks
+von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem
+Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch _Kikerki_ genannte
+Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer
+der Vereinigten Staaten haben sich nirgends -- es sei denn da,
+wo sie ansässig in den Reservationen wurden -- zum Schmieden,
+geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die _Wihinkpi_
+oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt
+solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches
+(oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen
+zugeschliffen.[307]
+
+Nach ~Traditionen~ und ~Sagen~ in bezug auf das Eisen bei den
+Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am
+Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der
+Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß
+die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie
+in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den
+Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden,
+erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu
+teil wurde. Noch zu HOLMBERG's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis
+bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308]
+Als KITTLITZ in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet
+im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige
+Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern
+an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten _until it was
+found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to
+see the value, when they made him a chief_.[310]
+
+Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens
+bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die
+ich bei Abbé PETITOT[311] finde und die auf die Entdeckung und
+Ausarbeitung des Eisens aus _fer oligiste_ durch die Tinnéindianer
+hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese
+Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier »Kupfer« statt
+Eisen zu lesen ist, worauf die _substance dure et rouge_ hinweist.
+Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den
+Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. _Il apperçut une
+substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir
+frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours).
+C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis
+d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître
+le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du
+vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De
+ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur
+du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux
+Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards._
+
+~Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern.~ Die
+Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen
+lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden
+Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit
+Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine
+neue zusammengesetzte Bezeichnung. In MOLINA's _Vocabulario de
+la lengua Mexicana_, Mexico 1571, ist _hierro metal_ mit _tlitic
+tepuztli_ wiedergegeben. _Tlitic_ wird als _cosa negra_ erklärt
+und _tepuztli_ als _cobre o hierro_; wir hätten danach bei den
+Mexikanern ein »schwarzes Kupfer« für Eisen.
+
+Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher
+Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_
+für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber
+_quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir
+auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall
+auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_
+einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_
+und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_
+nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara,
+denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_.
+_Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de
+Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und
+_metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_
+(rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt
+_hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de
+metal_ erläutert.
+
+Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein
+_siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun
+die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken,
+nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber
+_topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie
+durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den
+arowakischen Namen annahmen.[317]
+
+Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet
+Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für
+Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich
+Messerthongefäß.[318]
+
+Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der
+Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem
+Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319]
+
+
+Fußnoten:
+
+[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.
+
+[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590.
+199.
+
+[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.
+
+[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.
+
+[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98.
+115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325.
+
+[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.
+
+[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326.
+
+[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.
+
+[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und
+Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von
+den Eskimos benutzt wurden.
+
+[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.
+
+[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.
+
+[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873.
+I. 234.
+
+[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696.
+88.
+
+[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.
+
+[297] STELLER, Kamtschatka. 251.
+
+[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132.
+
+[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika.
+Weimar 1803. 161. 179. 190.
+
+[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101.
+
+[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164.
+
+[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.
+
+[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig
+1782. III. 223.
+
+[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
+Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und
+Plate IV. Fig. 8.
+
+[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.
+
+[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.
+
+[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.
+
+[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28.
+
+[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.
+
+[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877.
+I. 237.
+
+[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.
+
+[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).
+
+[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.
+
+[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.
+
+[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima
+1765.
+
+[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).
+
+[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863.
+308. 309. 342. 350.
+
+[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc.
+vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.
+
+[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.
+
+
+
+
+Das Kupfer bei den Nordamerikanern.
+
+
+Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande
+verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden,
+es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das
+Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein
+Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium
+von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile,
+die HEARNE 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den
+Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer
+versehen. »Ihre Beile,« schreibt er, »verfertigen sie aus einem
+dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie
+sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden
+und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren
+Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie
+ein Beil gebraucht zu werden.« Auch »Bajonette« in Spatenform
+und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt
+HEARNE.[320] Dasselbe berichtet RAE von den weiter östlich an der
+Repulsebai wohnenden Eskimos. »Fast alle Geräte und Waffen dieses
+Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch
+in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert
+hatten.«[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom
+Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai
+gelangte.
+
+Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse
+anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein
+anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen,
+welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht
+wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung
+des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall
+zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer,
+Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. »Die vielen auf diesen Reisen
+ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen
+Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer
+Anzahl wegen Erstaunen.« Noch zu HEARNE's Zeit (1772) zogen diese
+nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer »beinahe für jedes Werkzeug
+dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen.
+Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht
+gut benutzen.« Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer
+für Eisen.[322]
+
+Eine zweite wichtige Kupferquelle für die Indianer war der
+Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen
+Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das
+wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste
+im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es;
+überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen-
+und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn HOLMBERG sagt, daß
+die Thlinklithen dieses Kupfer zu »schmieden« verstanden, so
+ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da
+die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht
+kommenden Völkern unbekannt war.[323]
+
+Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von
+den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste
+Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen
+See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier
+die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324]
+
+Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte
+1847 durch den Ingenieur S. O. KNAPP. Einer der Schachte, welchen
+er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer
+Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m
+langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6
+Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das
+indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg
+schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte
+der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete
+Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg
+schweren Schlägel aus Kupfer fand KNAPP, desgleichen Holzschalen,
+die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle
+Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden
+Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein
+mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im
+Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30
+englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute
+verfolgen.[325]
+
+Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes
+Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke
+am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die
+herrschende ist[326] -- wo man ein besonderes, verschwundenes Volk
+der Moundbuilders konstruiert hat --, so scheinen mir doch die von
+Dr. E. SCHMIDT, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte,
+angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der
+jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior
+bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen
+der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327]
+
+Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den
+Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer
+dem Wort für Kupfer (_pewabic_) nichts von dem Bergbau ihrer
+Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten
+Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die
+Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. »_Instead of
+viewing copper as an object of every day use, they regarded it as
+a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up
+in skin in their lodges for many years and this custom has been
+continued to modern times._«[328] Sehr anschaulich hat dieses
+der Jesuit ALLOUEZ in seiner Relation geschildert: »_L'on trouve
+souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la
+pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre
+les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les
+gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les
+dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause
+de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de
+cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a
+qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans
+leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des
+dieux domestiques._«[329]
+
+KARL RAU hat in seiner wertvollen Abhandlung über die
+Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das
+Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder
+zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern
+geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es
+nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen,
+einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner
+kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie
+die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine
+nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits
+die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden
+Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524
+VERAZZANO; auf DE SOTO's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543)
+und HENRY HUDSON fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom
+entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als
+Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren
+bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war.
+
+In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer
+gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach
+-- es enthält kleine Partien gediegenen Silbers -- vom Oberen See
+stammen muß. Namentlich SQUIER und DAVIS[331] haben dieselben
+beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel,
+spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren
+alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im
+Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die
+geprägt sind. Dr. RAU führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten
+Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten
+sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige
+Kupfererzeugnisse kommen. »Ihr Vorkommen erstreckt sich von den
+Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste
+bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus.
+Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen
+Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über
+diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung
+des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten,
+welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten
+dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in
+ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der
+ersten Periode ihrer Anwendung.«[332]
+
+[Illustration: Figg. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte
+Kupfergeräte. Nach SHORTT.]
+
+Dr. E. SCHMIDT, welcher sich am eingehendsten mit den
+prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333],
+zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher
+der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je
+ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des
+Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des
+Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen,
+Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen
+Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand
+schildert Dr. SCHMIDT als einen meist guten, da das Kupfer
+zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune
+Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung
+schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer,
+dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform
+beigemischt ist. »Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß
+es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten
+auszurecken.« Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals
+gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war
+den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die
+Versuche, welche Dr. SCHMIDT mit den alten Kupfermessern, Lanzen
+und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr
+günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete
+er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war
+nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. »Als ich dasselbe
+Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte,
+machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.«[334]
+
+»Prähistorisch« sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung
+zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt,
+welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben
+kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk
+schließen sollten, von dem sie stammen dürften.
+
+Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen
+Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede
+dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk.
+1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen
+Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner
+der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom
+Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum
+Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen
+aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit
+vorgedrungen zu sein. In der »Archäology« der _U. S. Geographical
+Surveys west of the 100th Meridian_ ist nirgends von aufgefundenen
+alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede.
+
+Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen
+Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum
+doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material
+wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt
+der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch
+Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas
+unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden
+ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der
+»Bronzezeit« standen.
+
+
+Fußnoten:
+
+[320] S. HEARNE's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797.
+117.
+
+[321] RAE in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866).
+
+[322] HEARNE a. a. O. 122. 123.
+
+[323] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 135. --
+HOLMBERG, Völker d. russ. Amerika. I. 27.
+
+[324] Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind
+geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula
+1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. PUMPELLY. Danach der
+Auszug von Dr. E. SCHMIDT im Archiv f. Anthropologie. XI. 91.
+
+[325] CH. WHITTLESEY, Ancient mining on the shores of Lake
+superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863.
+
+[326] _The idea that the Indians formerly worked these mines
+was abandoned shortly after their discovery. They possess no
+tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the
+Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any
+intelligence of mines._ SHORT, The North Americans of Antiquity.
+New York 1880. 91.
+
+[327] E. SCHMIDT, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas.
+Arch. f. Anthropologie. XI. 105.
+
+[328] WHITTLESEY a. a. O. 2.
+
+[329] Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker
+Wiederabdruck von 1858.
+
+[330] Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872).
+
+[331] Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848.
+196 bis 207.
+
+[332] RAU a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht
+mehr selten erscheinen.
+
+[333] Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff.
+
+[334] A. a. O. 75.
+
+
+
+
+Kupfer und Bronze in Mexiko.
+
+
+In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den
+Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau
+geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und
+das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander
+decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten
+und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen
+Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und
+Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne
+Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden
+wurden, wie zuerst DANA bemerkte, wesentlich wie weiche Steine
+angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem
+Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von
+Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine
+Rede.
+
+Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner
+unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das
+Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker
+Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs
+ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien,
+südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise
+Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen
+andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte
+dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und
+Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine
+ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten
+Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe.
+Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals
+über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues
+waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie
+aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf
+dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. ORELLANA fand auf
+seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne
+Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend
+vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen
+glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 ALVAR NUNEZ CABEÇA DE
+VACA mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem
+Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser
+Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden.
+
+Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und
+peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe
+emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden
+und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz
+und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das
+Erstaunen aller Konquistadoren waren. CORTEZ, in einem seiner
+Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: »Was kann großartiger sein,
+als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen
+in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen,
+die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so
+natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt
+giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der
+Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen
+Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.«[337] Im
+alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen
+betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei,
+Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad
+von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß
+Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine
+geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer
+an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden
+die von CORTEZ mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen
+belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe
+Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko
+uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit
+ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur
+dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber
+vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen
+Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer
+Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn
+WORSAAE[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern
+die gegossenen Metallgeräte »durch fremden Einfluß entstanden sein
+mögen«. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht
+in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in
+Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll.
+
+Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den
+Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese
+Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten
+Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen
+genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik
+noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung
+im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei BERNAL
+DIAZ[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils
+in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren
+feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die
+Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze
+vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte
+hier der Obsidian, _iztli_, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und
+Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier »Steinzeit« und
+»Metallzeit« zusammenfielen.
+
+[Illustration: Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach
+DUPAIX.]
+
+Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische
+Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu
+Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle
+werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht
+nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen
+gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir
+durch CH. RAU wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege
+sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr
+Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten
+Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach
+HERRERA zu Bergwerksarbeiten _en lugar del hierro, porque corta
+como acero_.[343] Der Mexikaner J. SANCHEZ hat neuerdings eine
+ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344]
+Die Coatl, heute _coa_ genannt, mit welcher man die Erde umgrub,
+bestand aus Kupfer und hatte (nach CLAVIGERO) einen Holzstiel.
+Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan
+(Jalisco) entdeckt. _Es una pieza trabajada á martillo y cincel._
+Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein
+Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund
+des Kapitän DUPAIX im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho
+Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße,
+die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm
+Breite enthielten (Fig. 44). _Este instrumenta antiguo de cobre
+rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo._ Sind es die
+von TORQUEMADA erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt:
+_En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi
+de hechura de Tau._[345] Andere halten diese Objekte für kleine
+Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch
+einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus
+einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, _formadas de
+varias piezas_. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren
+erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im
+Museum aber kein einziges Exemplar.[346]
+
+[Illustration: Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM.]
+
+[Illustration: Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM.]
+
+Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus
+Mexiko sind von J. W. PUTNAM beschrieben worden.[347] Das älteste
+Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm
+breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis
+Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und
+durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus
+Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein
+Steinmörser gefunden.
+
+Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate
+Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von
+denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt
+15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt
+nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch
+Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen
+ist (Fig. 46).
+
+[Illustration: Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach
+PUTNAM.]
+
+Die dritte Form, welche mit den Tförmigen Äxten von DUPAIX,
+die oben erwähnt wurden, übereinstimmt, wurde zu Teotitlan
+del Valle zwischen Oajaca und Mitla gefunden (Fig. 47). Es
+erscheint dieser Typus als Ackerbauinstrument.[348] Die konvexe
+Schneide ist 14, die Länge (mit dem Stiel aus Kupfer) 16 cm --
+immerhin für eine Schaufel etwas klein und eher den Schabemessern
+der Gerber entsprechend. Vier, nicht näher beschriebene, von
+CHARNAY mitgebrachte Kupferäxte aus Mexiko, sind im Pariser
+ethnographischen Museum.[349] Letzteres besitzt auch aus der
+Kollection PINART sehr hübsche mexikanische Schellen aus
+Kupfer.[350] Die Kleinheit aller bisher gefundenen mexikanischen
+Kupfer- und Bronzegeräte weist darauf hin, daß diese Metalle bei
+den Mexikanern immerhin noch verhältnismäßig wenig häufig waren,
+was auch mit der relativen Seltenheit der Funde im Zusammenhang
+steht.
+
+Als CORTEZ im Jahre 1524 dazu schritt, sich in Mexiko selbst
+Geschütze zu gießen, fand er zu diesem Zwecke wohl Kupfer vor,
+»aber kein Zinn, ohne welches die Stückgießerei unmöglich ist«. Nur
+schwierig trieb er zu diesem Zwecke (europäische) Zinnteller und
+sonstige Gefäße zusammen, aber dieser Vorrat war bald erschöpft.
+Doch bald fand er unter den Eingeborenen der Provinz Tachco
+(Tasco) Stückchen davon »nach Art sehr dünner Münzen«, die dort
+als Geld cirkulierten und daselbst gewonnen wurden. Kurz darauf
+hatte CORTEZ die Zinngruben entdeckt, die er nun von Spaniern mit
+eisernen Werkzeugen bearbeiten ließ.[351] So waren also die Stoffe
+zur Bronzebereitung vorhanden. Die mexikanischen Bronzen enthalten
+im Durchschnitte 9-10% Zinn und sind wohl geeignet, die härtesten
+Stoffe zu bearbeiten, doch sind sie nur selten, auch wurde
+Bronze wenig zu Waffen benutzt. Sehr schöne, in der Stadt Mexiko
+ausgegrabene Bronzebeile (neben Glöckchen und Nadeln aus dieser
+Legierung) besitzt die Christy Collection.[352] Ein 98 mm langer,
+oben cylindrischer, nach unten zu prismatischer, an der Schneide
+schräg abgeschnittener Bronzemeißel liegt im Nationalmuseum zu
+Mexiko. Die Legierung besteht aus 97,9% Kupfer, etwas über 2% Zinn
+und geringen Mengen Gold und Zink. Die Anwesenheit des letzteren
+Metalls läßt das Alter des Instrumentes zweifelhaft erscheinen.[353]
+
+Als KOLUMBUS auf seiner vierten Reise 1502 bei der Insel Guanaja
+(Isla de Pinos) landete, traf er auf eine yukatekische, 2 m
+breite und aus einem Baumstamme hergestellte Galeere, deren
+Ladung aus verschiedenen Produkten heimischer Industrie bestand,
+darunter wieder eherne Glöckchen und Äxte, Tiegel mit Deckeln zum
+Schmelzen des Kupfers und daneben hölzerne Schwerter mit Zähnen
+von Feuerstein (Obsidian) besetzt.[354] Stein- und Metallzeit
+waren hier also gleichsam an Bord vereinigt und die ausdrücklich
+erwähnten Schmelztiegel für Kupfer lassen uns wenigstens einiges
+von den metallurgischen Prozessen der Mexikaner ahnen.
+
+Wohl erzählen die alten Autoren, daß die Mexikaner die Metalle
+mit Feuer bearbeiteten und die erhaltenen Werke bestätigen dieses
+durch den Augenschein; über die Methode und die dabei angewendeten
+Geräte bleiben wir aber im Unklaren, doch dürfen wir etwa annehmen,
+daß das Ausschmelzen des Kupfers in derselben primitiven Weise
+erfolgte, wie sie etwa heute bei den Negern ausgeübt wird.
+Die alten Mexikaner verstanden es zu schmelzen, zu gießen, zu
+treiben; gelötete Metallsachen sind mir nicht bekannt geworden.
+Einige Andeutungen über die Art, wie die Indianer die Metalle
+behandelten, giebt uns AUGUSTIN DE ZEVALLOS, der 1614 aus Granada
+in Nicaragua einen Brief an König Philipp III. sandte, welcher sich
+mit dem damaligen Zustande des heutigen Costarica befaßte, wo die
+Eingeborenen noch in ziemlich ungebrochenem Zustande lebten. Sie
+gaben im Tausch die Produkte ihres Landes, unter denen ZEVALLOS
+erwähnt »Stücke Goldes in Form von Adlern, Schlangen, Kröten,
+Spinnen, Medaillen, Schaumünzen und andere Machwerke, die sie in
+den verschiedensten Formen anfertigen, indem sie das in Thonpfannen
+geschmolzene Gold in Formen gießen«. Das Gold wurde, wie ZEVALLOS
+hervorhebt, mit Kupfer legiert und die Schaumünzen (_patenas_)
+wurden durch Hämmern erzeugt.[355]
+
+Daß wir so dürftig über die Metalltechnik dieses alten
+amerikanischen Kulturvolkes unterrichtet sind, liegt auch
+wesentlich mit darin, daß nach der Ankunft der Spanier und nach
+der Einführung des Eisens eine schnelle Vernichtung der heimischen
+Metallindustrie eintrat. CORTEZ hebt selbst in seinen Berichten an
+KARL V. hervor, daß nach der Konquista die Künste und bewunderten
+Kunstprodukte der Eingeborenen schnell verschwanden. Diesem bald
+vollständigen Verfall haben wir es auch zuzuschreiben, daß der
+verspäteten Aufmerksamkeit der Beobachter vieles und wichtiges auf
+dem uns interessierenden Felde entgehen mußte.
+
+Die zuerst nach Mexiko gelangten Spanier, welche die dortigen
+Gußwerke sahen, waren erstaunt darüber, und die europäischen
+Goldschmiede konnten nicht genug die Arbeiten ihrer mexikanischen
+Genossen bewundern, welche CORTEZ an KARL V. gesandt hatte. Die
+Nachbildungen nach der Natur galten als außerordentlich treu;
+gegossen waren ein Fisch, dessen Schuppen abwechselnd aus Gold
+und Silber bestanden, ein Papagei mit beweglichem Kopfe und
+beweglichen Flügeln; ein Affe, dessen Kopf und Füße beweglich
+waren. Diese Kunst, deren Erfindung man dem Gotte Quetzalcoatl
+zuschrieb, ist den späteren Indianern verloren gegangen. Auch das
+Treiben mit dem Hammer verstand man, wenn auch in dieser Beziehung
+die Arbeiten mit den gleichartigen europäischen keinen Vergleich
+aushielten; das Kupfer wurde mit Steinen gehämmert. Gießer und
+Goldschmiede bildeten in Mexiko eine angesehene Korporation, deren
+Schutzgott Xipe war. Zu seinen Ehren wird im zweiten Monat ein Fest
+abgehalten, bei dem man Menschenopfer darbrachte.[356]
+
+Wenig ist, was wir vom Bergbau wissen. In Michoacan soll derselbe
+sehr primitiv gewesen sein. Weiter war man im eigentlichen Mexiko,
+wo die Azteken es verstanden, Stollen mit Galerien zu schlagen
+und Schachte zur Kommunikation wie zur Lüftung anzulegen. Das
+zerkleinerte Erz wurde, wie SAHAGUN erzählt, mit drei verschiedenen
+Arten von Kräutern gemischt(!) und dann in Öfen geschmolzen.[357]
+Als im Jahre 1873 SANCHEZ Nachforschungen nach der _veta de Cobre_
+(Kupferader) im Cerro del Aguila im Staate Guerrero anstellte,
+durchstieß ein Peon mit seiner Stange den Boden dergestalt, daß
+sie völlig verschwand. Man entdeckte infolge dessen eine alte 3 m
+breite und 1,50 m tiefe Aushöhlung, auf deren Boden eine reiche
+Kupferader verlief. Es zeigte sich, daß man es mit einem alten
+Bergbau zu thun hatte; am Hangenden entdeckte man Spuren von der
+Wirkung des Feuers und 142 Schlägel aus Stein von verschiedener
+Form und aus einem der Grube fremden Gesteine zeigten, womit das
+Erz abgebaut worden war.[358]
+
+In den südlichen und östlichen Nachbarländern Mexikos scheint das
+Kupfer keine große Rolle gespielt zu haben. In Yukatan werden keine
+Metalle gefunden und wenn dort bei den Mayas neben Pfeilspitzen
+aus Feuerstein und Fischgräten solche aus Kupfer vorkamen, so muß
+hierbei an den Import von Mexiko gedacht werden.[359]
+
+Dagegen ist Nicaragua reich an Kupfer und die Insel Ometepec im
+Nicaraguasee ist als der Fundort kleiner, gutgearbeiteter Goldidole
+und von Figürchen aus Terracotta bekannt geworden. Auch hat man
+einzelne Kupfergeräte dort gefunden; SQUIER erhielt eine Maske aus
+Kupfer, welche einen Tigerkopf darstellt.[360] Aber der Ursprung
+dieser Maske erscheint _extremely problematical_[361], da sie als
+einziges Kunstwerk ihrer Art in dem kupferreichen Lande auftritt
+und nichts anderes ihr nach Stil und Stoff verwandtes dort gefunden
+worden ist.
+
+
+Fußnoten:
+
+[335] »Es ist ein in Europa weitverbreiteter Irrtum, alle
+nicht bekehrten Indianer als Nomaden und Jäger anzusehen. Der
+Ackerbau ist lange vor der Ankunft der Europäer in der neuen Welt
+betrieben worden und ist noch zu finden zwischen dem Orinoko und
+Amazonas unter den Waldschlägern, bis zu denen die Missionare
+nun vorgedrungen sind.« HUMBOLDT et BONPLAND, Voyage. Relation
+historique. Paris 1814. I. 460.
+
+[336] CABEÇA DE VACA, Commentaires Cap. 44. In TERNAUX-COMPANS,
+Voyages etc. pour servir à l'histoire de l'Amérique. 140. _Les
+naturels -- portaient de nombreuses plaques de cuivre, qui, lorsque
+de soleil frappait dessus, réfléchissaient une si vive lumière, que
+cela produisait un coup d'oeil merveilleux._
+
+[337] Drei Berichte des F. CORTEZ etc. Deutsch. Berlin 1834. 112.
+
+[338] Die Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 49.
+
+[339] Hist. de los sucesos de la conquista etc. Madrid 1852. 89.
+
+[340] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
+1787. II. 368.
+
+[341] CLAVIGERO a. a. O.
+
+[342] PETR. MARTYR, Dec. V. Lib. X.
+
+[343] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 663.
+
+[344] El congresso internacional de Americanistas y el cobre entre
+los Aztecas. Anales del Museo nacional de México. I. 387 (1879).
+
+[345] Monarquia Indiana. II. 560.
+
+[346] SANCHEZ a. a. O. 394.
+
+[347] Notes on copper implements from Mexico. Proceedings of the
+Americ. Antiqu. Soc. October 1882.
+
+[348] Nur der spätere CLAVIGERO erwähnt das oben schon
+beschriebene, _coatl_ genannte Ackerinstrument aus Kupfer mit
+Holzstiel. STEFFEN (Die Landwirtschaft bei den altamerikanischen
+Kulturvölkern. Leipzig 1883. 22) hebt hervor, daß die alten Quellen
+hiervon nichts sagen, sondern nur von Holzschaufeln sprechen. Bis
+jetzt seien noch keine Funde von anderen Ackerbauinstrumenten
+gemacht worden.
+
+[349] Revue d'Ethnographie. II. 367.
+
+[350] Daselbst. II. 441 nebst Abbildung.
+
+[351] Drei Berichte von F. CORTEZ an Karl V. Berlin 1834. 471.
+
+[352] TYLOR, Anahuac. 138.
+
+[353] G. MENDOZA, Un cincel de bronce de los antiguos Aztecas.
+Anales del Museo nacional de Méjico. I. 117.
+
+[354] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 369.
+
+[355] POLAKOWSKY, Bericht des Franziskanermönchs A. DE CEBALLOS
+über die Provinz Costarica. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu
+Dresden. 1883. 123.
+
+[356] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London
+1787. I. 413.
+
+[357] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 104.
+
+[358] J. SANCHEZ a. a. O.
+
+[359] BANCROFT a. a. O. II. 742. 743.
+
+[360] SQUIER, Nicaragua. New York 1852. II. 87. 89.
+
+[361] BANCROFT a. a. O. IV. 67.
+
+
+
+
+Die Metalle bei den Chibchas.
+
+
+Jener Teil der Kordillere, dessen westlichen Fuß der Rio Magdalena
+bespült und der, in nordöstlicher Richtung streichend, die
+Hochebenen von Bogotá und Tunja bildet, südlicher aber in den
+einsam stillen Regionen des _Paramo de la suma Paz_ gipfelt, wurde
+zur Zeit der spanischen Konquista von dem Chibchavolke bewohnt,
+welches die Spanier irrtümlich Muyscas genannt haben. Die Kultur,
+welche die Konquistadoren bei ihnen antrafen, war selbständig
+entstanden, nicht in Abhängigkeit von jener Mexikos. Gold, Silber,
+Kupfer und Bronze waren in beiden Hälften Amerikas unabhängig von
+einander dargestellt worden. Die mexikanische Metallurgie läßt sich
+vielleicht bis Nicaragua oder zum Isthmus von Panama verfolgen --
+hier aber hören aztekische Einflüsse auf und ein neues Kulturreich
+beginnt. So war es zur Zeit der Eroberung, doch würde es wohl nur
+noch kurzer Zeit bedurft haben und die nördlichen und südlichen
+Kulturvölker wären in Austausch getreten, wenn nicht die Hand
+der Konquistadoren sich vernichtend und eine fremde Kultur an die
+Stelle setzend, schwer auf sie gelegt hätte. Von einer Verbindung
+der Chibchas und Peruaner mit den Mexikanern ist uns nichts bekannt
+geworden. Die Metalle sind, das Eisen ausgenommen, hier wie da
+selbständig dargestellt worden und hier wie da mehr ausnahmsweise
+und neben dem die Hauptgeräte und Hauptwaffen bildenden Steine im
+Gebrauche gewesen.
+
+Zur Zeit der Konquista lebten die Chibchas in einer relativ
+vorgeschrittenen Kultur, die indessen nicht auf die Höhe der
+mexikanischen oder peruanischen Gesittung hinaufreichte. Ihre
+Kulturstufe lag zwischen jener des polierten Steines und der ihnen
+bekannten Bronze. In einem an Metallen reichen Lande wohnend, wo
+das Gold sich ihnen im gediegenen Zustande leicht offenbarte,
+haben die Chibchas frühzeitig die Bearbeitung der Metalle gelernt,
+wie die noch erhaltenen Gegenstände beweisen. Eigentümlich im
+Stile sind namentlich die häufigen Goldfigürchen, während die
+Bronzen weit seltener sind. Eine solche (Fig. 48), eine rohe
+menschliche Figur, in dem bekannten Stile jenes Landes ausgeführt,
+12,50 cm lang, mit über der Brust gekreuzten Armen und männlichem
+Geschlechtsteile, befindet sich als die einzige ihrer Art neben 13
+ähnlichen Goldfiguren im Leidener Museum.[362]
+
+LEEMANNS sagt, diese Bronzefigur sei von gleich roher Arbeit, wie
+die von ihm geschilderten Goldfigürchen, und die Abbildung deutet
+auf gleiche Technik. Nach LEEMANNS sind die Figuren teils mit dem
+Hammer und dem Lötrohr hergestellt, teils in Formen gegossen. Die
+ersteren bestehen aus einer Platte, der man die allgemeinen Formen
+gegeben hat und auf welche man dann die einzelnen Körperteile und
+Details aus Metallfäden aufgelötet hat.
+
+[Illustration: Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS.]
+
+Von den den Chibchas verwandten und auf einer ähnlichen
+Gesittungsstufe stehenden Eingeborenen des heutigen kolumbischen
+Staates Antioquia wissen wir, daß sie zur Zeit der Entdeckung sehr
+verschiedene Geräte und Waffen aus Stein besaßen, daß daneben aber
+auch die Metallindustrie es zu einer nicht unerheblichen Ausdehnung
+gebracht hatte. Man hat die gravierten Steinformen gefunden,
+in denen Goldblättchen geschlagen wurden, und Meißel aus einer
+Goldkupferlegierung, die hart genug zur Bearbeitung des Steines
+waren. In dem goldreichen Staate sind zahlreiche Gegenstände und
+charakteristische Figürchen aus Gold gefunden worden, und die
+heutigen Bewohner erzählen sich, die alten Indianer hätten es
+verstanden, mittels Kräutern das Gold zu erweichen und dann wie
+Wachs mit der Hand zu formen. In der That verstanden sie es, das
+Gold im Feuer zu bearbeiten, nicht bloß zu hämmern und zu treiben,
+wie die Guß- und Lötstellen an den Figürchen deutlich zeigen; auch
+wissen wir, daß VADILLO in Buritica bei den Indianern kleine Öfen,
+Formen und andere Werkzeuge, um das Gold zu verarbeiten, antraf.
+Bei Santa Marta hat man eine ganze Bevölkerung von Goldschmieden
+getroffen, welche als _tairona_, d. h. die Schmiede, bezeichnet
+wurde. Die Indianer konnten also das Gold schmelzen und gießen,
+ziselieren und löten; die Geräte, welche sie hierzu benutzten,
+bestanden teils aus einer Goldkupferlegierung, teils aus Stein.
+
+Das Gold, dessen sie sich zu ihren Werken bedienten, war 12-
+oder 14karätig. Die dargestellten Gegenstände sind meistens
+Schmucksachen, Ohrringe und Nasenanhängsel von sehr verschiedenen
+Formen und teilweise aus Filigran, sehr biegsame Gürtel,
+Brustplatten, Vasen, Kelche, Haken und namentlich Figuren von
+Menschen und Tieren, zumal Kröten, Eidechsen, Vögel und Fische,
+niemals aber Früchte oder Blumen.[363]
+
+
+Fußnoten:
+
+[362] LEEMANNS, Congrès des Americanistes. Luxembourg 1877. II.
+286. Fig. 14.
+
+[363] Dr. POSADA ARANGO in Mém. d. l. soc. d'Anthropol. 2. série.
+I. 211.
+
+
+
+
+Kupfer und Bronze in Peru.
+
+
+»_No tenian herramientas de hierro ni azero_«, berichtet ONDEGARDO
+von den Inkaperuanern, wiewohl ihr Boden ungemein reich an Eisen
+ist. Dagegen waren sie in der Kunst, andere Metalle darzustellen,
+zu schmieden, zu gießen, ja selbst zu löten, weit vorgeschritten.
+Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn waren im metallischen Zustande
+bekannt.
+
+Da für uns hier dieselben Gesichtspunkte bei der Beurteilung der
+Metallkenntnisse dieses altamerikanischen Kulturvolkes maßgebend
+sind, wie bei den Mexikanern, so vermögen wir auch hier nur einen
+kurzen Überblick zu geben. Bergbau, wie derselbe heute noch auf den
+peruanischen Kordilleren in der Nähe von Yauri, 4000 m über dem
+Meere, viele tausende von Indianern beschäftigt, und zwar nach den
+von ihren Voreltern vererbten Methoden, war die Hauptbeschäftigung
+eines großen Teiles der Eingeborenen. Sie förderten das Erz aus
+Schachten, die noch erhalten sind und bauten Öfen (_guairas_)
+aus Thon, um es mit Holz und Holzkohlen zu schmelzen. Diese Öfen
+hatten einfache Luftzüge, denn Blasebälge waren den Inkaperuanern
+unbekannt und wurden erst durch die Spanier eingeführt.[364] Die
+peruanischen Goldschmiede arbeiteten ebenso kunstvoll wie die
+mexikanischen. Ihre Gußmodelle waren aus Wachs und die getriebenen
+Arbeiten zeichnen sich durch große Sauberkeit und Kunstfertigkeit
+aus. Die Gräber der Inkas, ebenso deren Schatzkammern, lieferten
+zahlreiche Beweise künstlerischer Thätigkeit in der feineren
+Bearbeitung edler Metalle, wie Halsschmucke, Armspangen, Vasen aus
+reinem Gold, Spiegel aus poliertem Silber, sehr empfindliche Wagen
+aus Silber, zierliche Glocken aus Silber und Bronze, gewöhnlichere
+Geräte aus Kupfer und Bronze -- sie alle geben Zeugnis von der
+erlangten Fertigkeit der alten Peruaner in der Metalltechnik.
+
+[Illustration: Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach
+EWBANK.]
+
+Wie das Kupfer dargestellt wurde, wissen wir nicht, und im
+gediegenen Zustande kommt es im Lande nicht vor. Möglicherweise
+reduzierten sie dasselbe in einem der oben angeführten Öfen oder
+sie importierten dasselbe aus Chile.[365] Bis vor nicht langer
+Zeit waren überhaupt nur wenige, im Museum zu Lima befindliche
+Gegenstände aus Kupfer in Peru gefunden worden, einige Idole,
+Stäbe von Meterlänge und Schlangen[366]; seitdem sind aber weit
+mehr Kupferobjekte entdeckt worden, wie deren denn die MACEDO'sche
+Sammlung, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindlich,
+allein 48 aufweist, darunter Beile, Morgensterne, Idole,
+Tierfiguren, Scheiben, Halbmonde etc.[367]
+
+Mit ihren Eroberungen trugen die Inkaperuaner ihre Kultur auch
+weiter nach Süden und auf sie dürfen auch die alten Kupfergeräte
+zurückgeführt werden, welche in Chile gefunden wurden. Ein 1,60 kg
+schwerer gegossener Kupferhammer (Fig. 49) stammt aus einer
+Quebrada der Provinz Atacama, gelegen unter 26° 42´ südl. Br.,
+nicht fern vom Camino de los Incas. Er ist viel gebraucht und, wie
+Schlagmarken beweisen, durch Hämmern wieder geschärft, nachdem
+die Schneide abgenutzt war.[368] Da die Peruaner das Zinn und
+seine Legierung mit Kupfer, sowie die daraus für das letztere sich
+ergebende Härtung kannten, so ist anzunehmen, daß die Kupfergeräte
+älter als jene aus Bronze sind. Nachdem jener Fortschritt einmal
+erkannt war, mußte die Herstellung von Kupferbeilen etc. von selbst
+fortfallen.
+
+In der That ist die Bronze weit häufiger verbreitet unter den
+alten Funden in Peru als Kupfer und man verstand sie von so
+vortrefflicher Härte darzustellen, daß sie zur Anfertigung der
+schwierigen unter den Inkas ausgeführten Bauten genügte. Ein in
+den alten, zur Inkazeit bearbeiteten Silbergruben in der Nähe
+Cuzcos gefundener Bronzemeißel, welchen HUMBOLDT nach Europa
+brachte, enthielt nach VAUQUELIN's Analyse 96 Teile Kupfer und 4
+Teile Zinn.[369] Etwas anderer Art ist die Zusammensetzung des
+»Morgensterns« beschaffen, den DAVID FORBES analysieren ließ und
+der bei Sorata gefunden wurde. Er enthielt 88% Kupfer und 11,4%
+Zinn, sowie Eisen und Silber in geringer Menge.[370] Peruanische,
+aber in Chile am Flusse Maypa gefundene Bronzen enthielten
+dagegen wieder, ähnlich wie der Bronzemeißel HUMBOLDT's, 6% und
+5% Zinn.[371] Ein von BOUSSIGNAULT analysierter Bronzemeißel aus
+Steinbrüchen, welche zum Teil das Plattenmaterial der langen
+Straße von Quito nach Cuzco lieferten, bestand aus 95% Kupfer und
+4,5% Zinn, sowie etwas Blei, Eisen und Spuren von Silber.[372]
+Eine konstante Mischung von Zinn und Kupfer, wie wir sie als
+maßgebend für Bronze ansehen (9 Kupfer, 1 Zinn), ist daher in Peru
+nicht vorhanden gewesen. Die mexikanischen Bronzen zeigen eine
+andere Zusammensetzung als die peruanischen, was wieder für die
+Unabhängigkeit beider Bronzereiche spricht.
+
+Eine der Hauptfundstätten für peruanische Bronzen ist Chimu
+an der Küste bei Truxillo gewesen, wo Waffen und Geräte so
+massenhaft vorkamen, daß sie zentnerweise verkauft wurden. Viele
+derselben gleichen in der Form europäischen Bronzekelten und
+wurden wohl ähnlich wie diese benutzt. Die Abbildung Fig. 50 ist
+ein Durchschnittstypus dieser Art und 22 cm lang; ganz gleiche
+Ackerwerkzeuge werden heute noch in Nicaragua gebraucht, nur ist
+Eisen an die Stelle der Bronze getreten; man benutzt sie zum
+Umgraben des Bodens. Doch der Peruaner hatte Ackerwerkzeuge, welche
+unserem Spaten in der Form näher kamen, wie Figg. 51 und 52 zeigen.
+Der glatte Spaten ist 25 cm lang und 10 cm breit, der ornamentierte
+30 cm lang und 10 cm breit. Auch ein Ackerwerkzeug mit gekrümmter
+Schaufel (Fig. 53) ist in Chimu gefunden worden. Es ist 25 cm lang.
+
+In großer Anzahl sind in Peru eigentümlich gestaltete Geräte
+gefunden worden, welche in der Form sich stets gleich bleiben,
+in der Größe aber von wenigen Centimetern bis zu einer Länge von
+fast 60 cm wechseln und scheinbar aus einer dünnen, aber festen
+Bronzeplatte geschlagen sind. Das untere, halbmondförmige Ende
+ist stets zugeschärft, das obere, gerade abgeschnittene aber
+nur gelegentlich. SQUIER hält dieses Instrument (Fig. 54) für
+eine Kelle, welche bei der Anwendung des Thones beim Bau oder
+in der Töpferei Verwendung fand. Als Messer der Peruaner werden
+eigentümlich halbmondförmige und mit einem zuweilen ornamentierten
+Stiele versehene Geräte aus Bronze bezeichnet, welche die Gestalt
+von Figg. 55 und 56 zeigen.
+
+Die häufigsten Bronzegeräte der Peruaner sind Lanzenspitzen
+verschiedener Form, breit und schwer oder zierlich schlank und
+leicht. Sie sind bis 50 cm lang gefunden worden, während die
+Bronzepfeilspitzen 5-10 cm lang waren. Auch Morgensterne oder
+Cassetêtes von der Form wie Fig. 57 haben die Peruaner aus Bronze
+hergestellt.[373] Daß die Peruaner ihre Bronzekultur nach Süden
+ausbreiteten, wurde bereits erwähnt. Doch sind die Bronzefunde
+aus Chile, dessen Eroberung in der Mitte des 15. Jahrhunderts
+durch den Inka Yupanki erfolgte, nicht häufig. Ihr Typus ist rein
+peruanisch.[374]
+
+[Illustration: Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte aus Bronze. Nach
+SQUIER.]
+
+[Illustration: Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben.]
+
+[Illustration: Fig. 55. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
+
+[Illustration: Fig. 56. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.]
+
+[Illustration: Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben.]
+
+Auf dem berühmten peruanischen Friedhofe von Ancon bei Lima wurden
+im Jahre 1877 von dem Reisenden LEON DE CESSAC fünf Metallbänder
+gefunden, die um die Schädel dort Begrabener gewickelt waren. Zum
+Teil bestanden sie aus einem Gemisch von Kupfer und Gold, oder
+Kupfer, Gold und Silber; eins derselben aber bestand aus Messing,
+denn es enthielt 62,90% Kupfer und 32,04% Zink. Zink fehlt aber
+in Peru; das Messing kann also nur durch die Spanier in das Land
+gekommen sein.[375]
+
+
+Fußnoten:
+
+[364] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 444.
+
+[365] RIVERO and TSCHUDI, Peruvian Antiquities. New York 1853. 215.
+
+[366] RIVERO and TSCHUDI a. a. O. 222.
+
+[367] Catalogue d'objets archéologiques du Perou. Paris 1881.
+
+[368] THOMAS EWBANK in U. S. Naval astronomical expedition.
+Washington 1855. II. 112 und Taf. VIII.
+
+[369] Vue des Cordillères. 117.
+
+[370] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. II. 261 (1870).
+
+[371] EWBANK a. a. O. II. 114.
+
+[372] Acad. des sciences de Paris. Séance du 26. Fevr. 1883.
+
+[373] G. SQUIER, Peru. London 1877. 174 ff.
+
+[374] MEDINA, Los Aboríjenes de Chile. Santiago 1882. 333-413.
+
+[375] Revue d'Ethnographie. I. 74 (1882). Das große und kostbare
+Werk von REISS und STÜBEL über das Todtenfeld von Ancon vermochte
+ich mir nicht zu verschaffen.
+
+
+
+
+Die Verbreitung des Eisens über die Südseeinseln.
+
+
+DAS BEKANNTWERDEN MIT DEM EISEN. Auf den Südseeinseln verbreiteten
+zunächst die Spanier das Eisen. Das tahitische Wort für dieses
+Metall, welches die Eingeborenen bei COOK's Anwesenheit
+gebrauchten, nämlich _yuri_, ist aus _hierro_ entstanden. Als
+OLIVIER VAN NOORT im Jahre 1600 nach der Insel Guaham (Ladronen)
+kam, verlangten die Eingeborenen für ihre Landesprodukte von
+ihm _hierro_. Als ROGGEWEEN 1727 auf dem flachen Eilande O-Anna
+eins seiner Schiffe verlor, erhielten die Südseeinsulaner
+neue Eisenvorräte. So gelang es ihnen auch, die Anker, welche
+BOUGAINVILLE im Hafen O-Hiddia (Tahiti) zurückgelassen, vom Grunde
+des Meeres aufzufischen, und der König von Tahiti schickte ein
+Stück derselben dem Könige Opuni von Borabora, als eine Seltenheit,
+zum Geschenke. Die englischen Entdecker brachten große Massen Eisen
+auf die Südseeinseln. Selbst die kleinsten Stückchen des wertvollen
+Metalles wurden von den Insulanern mit der größten Sorgfalt
+aufgehoben. Als J. R. FORSTER nach Tongatabu kam, verkaufte man ihm
+einen ganz kleinen, sorgfältig in ein Heft gefaßten Nagel, der ohne
+Zweifel von TASMAN (1643) stammte und sich 130 Jahre lang erhalten
+hatte. FORSTER übergab ihn dem britischen Museum.[376]
+
+Auf Neuseeland wurde das Eisen durch COOK eingeführt. Schon bei
+seinem zweiten Besuche 1773 machten sich die Maori am Charlottesund
+nichts mehr aus Korallen, Bändern, Papier und ähnlichen Dingen, da
+sie den Wert des Eisens erkannt hatten; sie wollten Nägel und Beile
+haben, die sie nun durch die Erfahrung hatten schätzen lernen.
+Bei der ersten Anwesenheit COOK's dagegen hatten sie sich gegen
+Eisen ganz gleichgültig gezeigt, da sie von dessen Nutzen damals
+noch keinen Begriff hatten. Ebenso war es an der Duskybai, wo die
+Eingeborenen Beile und Nägel, die man ihnen gab, nicht wieder aus
+den Händen ließen, während sie sich aus anderen Dingen nichts
+machten. Der Mann, dem COOK damals 9 oder 10 Beile und 40 große
+Nägel schenkte, war »der reichste in ganz Neuseeland«.[377] Überall
+stand bald das schwarze Metall in hohem Werte und auf Huaheine
+erhielt COOK für wenig Eisen ganz ungeheuere Vorräte von Schweinen,
+Hunden und Hühnern.[378]
+
+Daß einzelne Stückchen Eisen auf Handelswegen sich weit über den
+ozeanischen Archipel vor der Ankunft der Europäer verbreitet
+hatten, wird mehrfach bestätigt. Als 1783 das Schiff »Antilope«,
+Kapitän WILSON, auf den Palauinseln strandete, stahlen die
+Eingeborenen, die hier zuerst mit Europäern in direkte Berührung
+kamen, sofort das Eisen und setzten es an die Stelle ihrer
+Muschelschneiden an den Äxten; doch ein Zeichen, daß sie den Wert
+dieses Metalles schon zu würdigen wußten. Das Eisen war in der That
+schon früher, wiewohl als große Seltenheit und auf unbekannten
+Wegen nach den Inseln gebracht worden, denn der Fürst von Korror
+trug auf der Schulter ein Beil mit eiserner Schneide, »worüber sich
+unsere Leute sehr wunderten, da man hierzulande gewöhnlich Stücken
+von Muscheln dazu braucht«.[379]
+
+Für die übrigen Karolinen lassen sich die ersten Decennien
+unseres Jahrhunderts als die Periode der Ausbreitung des Eisens
+bezeichnen. »Eiserne Beile galten zu unserer Zeit (1827) bei allen
+Karolinenbewohnern als das Wünschenswerteste, was sie bei uns
+erhalten konnten,« schreibt V. KITTLITZ, der mit LÜTKE dort war.
+Auf Ualan fand derselbe Gewährsmann Muschelbeile noch allgemein im
+Gebrauche, doch waren einzelne eiserne Werkzeuge bereits vorhanden,
+die wahrscheinlich von dem französischen Schiffe Coquille stammten,
+dem Augenschein nach Hobeleisen, die man der passenden Form
+wegen gleich zu Beilen verwendete.[380] Der russische Reisende
+MIKLUCHO-MACLAY erfuhr auf Yap von einem 50jährigen Eingeborenen,
+daß zu dessen Jugendzeit schon vorwiegend eiserne Werkzeuge im
+Gebrauche gewesen seien -- also in den dreißiger Jahren, während
+zur Jugendzeit des Vaters des Erzählers Steinbeile allgemein
+benutzt wurden.[381]
+
+Die Schiffahrt erwies sich in Polynesien der Ausbreitung des Eisens
+ungemein günstig und war die Ursache, daß das nützliche Metall
+bald auf allen Inselgruppen bekannt war. Wir finden dagegen, daß
+in Ländern, wo unter den Bewohnern kein erleichterter Verkehr
+stattfand, der eine Teil derselben lange mit dem Eisen vertraut
+sein konnte, während der andere noch absolut im Steinzeitalter
+verharrte. Ein solches Land ist Neuguinea.
+
+Seit altersher sind die Malayen mit der Darstellung des Eisens
+vertraut und durch ihre Handelszüge gelangte die Kunst, es
+zu gewinnen, zu den Papuas an der Westspitze von Neuguinea.
+Die Schmiede bilden dort eine bestimmte Zunft, die sich des
+Schweinefleisches enthält[382], ein Zeichen, daß mohamedanischer
+Einfluß bei ihnen wirksam war. Ein fernerer Beweis dafür, daß sie
+von den Malayen die Kunst, das Eisen zu verarbeiten, lernten, ist
+die Art ihrer Windpumpen, welche ganz die charakteristische Form
+haben, die von Madagaskar bis Neuguinea reicht. Während nun hier
+im Westen der Insel schon lange die Eisenindustrie sich entwickelt
+hatte, blieb das Metall im Osten derselben bis auf unsere Tage
+vollkommen unbekannt. Dr. COMRIE, welcher 1874 auf dem »Basilisk«
+das Ostkap Neuguineas besuchte, wo bis dahin die Eingeborenen noch
+keinerlei Verkehr mit den Europäern gehabt hatten, fand jene noch
+vollständig im Steinzeitalter. »_Iron up to our arrival being
+unknown._« Sie erkannten aber bald den Vorzug der europäischen
+Geräte und waren sehr begierig auf Eisen.[383] Eine Bestätigung
+erhalten wir durch den Italiener BECCARI, der 1876 die Humboldtbai
+im Norden der Insel besuchte, die allerdings schon früher durch
+europäische Schiffe angelaufen war. Eiserne Geräte waren in den
+Augen der dortigen Papuas von höherem Werte, als in den unserigen
+Gold. »Ein einziges Stückchen Eisen, in eine rohe, doch für sie
+furchtbare Waffe geformt, genügte, um das Ansehen eines ganzen
+Stammes zu erhöhen.«[384]
+
+In Neuguinea ist das letzte größere Land unserer Erde zu sehen,
+welches mit dem Eisen bekannt wurde, und mit dem in unsere Zeit
+fallenden Vertrautwerden seiner Eingeborenen mit dem wertvollen
+Metalle ~findet die Verbreitung des Eisens über den Globus seinen
+Abschluß~. Im tiefen vorgeschichtlichen Dunkel ruhen die Anfänge
+-- den Abschluß können wir aber mit dem achten Jahrzehnt unseres
+Jahrhunderts genau bezeichnen. Wie Neuguinea, so verhalten sich
+auch die vorgelagerten, erst jetzt näher bekannt werdenden Inseln
+Neubritannien und Neuirland. WILFRED POWELL[385], der an der
+Spaciousbai auf Neubritannien Tauschhandel trieb, fand, daß dort
+die Eingeborenen die auf Neuguinea jetzt so geschätzten eisernen
+Hacken nicht kannten; sie kümmerten sich nicht um die ihnen
+gezeigten eisernen Beile, da sie selbst steinerne noch benutzten;
+nur nach Perlen und rotem Zeug stand ihr Verlangen.
+
+~Archaistische Formung der neuen Eisengeräte.~ Mit einer
+Übereinstimmung, die ein psychisches Gesetz offenbart, verfuhren
+überall die Südseeinsulaner mit dem ihnen neuen Metall in der
+ganz gleichen Weise. Sie behandelten dasselbe nämlich völlig nach
+Art ihrer alten Stein- und Muschelgeräte und formten es diesen
+gleich. Auf den Fidschiinseln bedient man sich jetzt zum Bearbeiten
+des Holzes ganz allgemein unserer europäischen Beile, die jedoch
+noch immer in der alten Weise, wie ehemals die Steinäxte, an den
+Stiel befestigt werden, nämlich die Schneide nicht, wie bei uns,
+parallel, sondern quer zum Griff.[386] MIKLUCHO-MACLAY sagt von
+den Yapern: »Charakteristisch ist, daß sie die neuen Eisenbeile,
+zu denen man Stahlmeißel benutzt, ganz so wie die alten Beile
+aus Stein oder Muscheln am Stiele befestigten«[387], und an der
+Ostspitze Neuguineas nahmen die Papuas das erste Eisen, welches sie
+erhielten, z. B. Stücke von Schaufeln, schärften es und _hafted it
+in the same way as their stone tools_.[388]
+
+Dieses Verfahren läßt sich übrigens auch bei anderen Naturvölkern
+nachweisen, die zum erstenmale mit dem Eisen vertraut wurden.
+Die eisernen Pfeilspitzen auf den Andamanen werden jetzt genau
+so in der Form aus Eisen geschliffen, wie die alten aus Knochen
+und Schweinszähnen hergestellten, die man in den Küchenabfällen
+findet.[389] HANS STADEN aus Homberg in Hessen schildert uns den
+Übergang der brasilianischen Tupis aus der Stein- in die Eisenzeit;
+er berichtet, wie sie vordem überall und zu seiner Zeit teilweise
+noch da, wo keine europäischen Schiffe hinkommen, Steingeräte
+hatten und zwar »ein Art schwarzblauer Stein, machen ihnen wie ein
+Keil und den breitesten Ort (des Steines) machen sie stumpf scharf,
+ist wohl einer Spannen lang, zweier Finger dick, einer Hand breit,
+etliche sein größer, etliche kleiner. Danach nehmen sie ein schmal
+reidelin (eine Gerte) und beugen es oben drum her, bindens mit Bast
+zusammen. Dieselbige Figur haben nun auch die eisern Keil, so ihnen
+die Christen geben auf etlichen Orten«.[390] Die eisernen Beile der
+Patagonier sind jetzt ganz nach Art der alten Steinäxte gestaltet
+und an die Handhabe befestigt.[391] Die eisernen Beile, welche die
+Konjagen in Nordwestamerika machten, wurden ganz nach dem Modelle
+der alten Steinwerkzeuge hergestellt.[392] Die gewöhnliche Axt der
+Grönländer besteht aus einem breiten Meißel in einer hölzernen
+Handhabe _apparently in the same way as the stone chisels from the
+prehistoric age have been fitted for use_.[393] Und so zeigten auch
+die Hallstätter prähistorischen Eisenwaffen die für Bronzewaffen
+charakteristischen Formen.[394] Wir haben selbst direkte Beweise
+dafür, daß in vorgeschichtlicher Zeit in der gleichen Weise beim
+Übergange vom Stein zum Metall verfahren wurde. Graf G. WURMBRAND
+hat bei den Funden in den Pfahlbauten des Attersees nachgewiesen,
+daß Lehmformen über Steinbeilen angefertigt und darin Metallbeile
+gegossen wurden.[395] Nach dem gleichen Gesetze haben sich bis zum
+heutigen Tage im Taunus Äxte, Meißel, Beile, Schlüssel bei der
+ländlichen Bevölkerung im Gebrauche erhalten, welche durch ihre
+Formen beweisen, daß sie nach römischen Mustern gearbeitet sind, da
+die Originale in den Funden des römischen Kastells Saalburg sich
+nachweisen lassen.[396]
+
+~Sprachliche Anpassung.~ Die Südseeinsulaner hatten sich zunächst
+auch sprachlich mit dem neuen Metalle auseinander zu setzen und es
+ist lehrreich, zu beachten, wie sie dabei verfuhren. In fast allen
+den zahlreichen melanesischen Sprachen finden wir heute Wörter
+für Eisen[397], in denen wir aber weder einen Anklang an _iron_,
+_hierro_, noch an das malayische _besi_ entdecken können und die
+auf anderweitigen, einheimischen und übertragenen Begriffen zu
+beruhen scheinen. Es läßt sich dieses wenigstens aus dem auf den
+Admiralitätsinseln für Eisen gebrauchten Worte _laban_ schließen,
+das nicht etwa die Verstümmelung eines europäischen Wortes ist,
+welches den Eingeborenen bei dem Bekanntwerden mit dem Metalle
+übermittelt wurde, sondern das einheimische für Manganerz übliche,
+denn mit diesem pflegen sie ihren Körper zu schwärzen. Sie hatten
+für Eisen keine ähnliche Substanz und übertrugen daher diesen Namen
+auf dasselbe.[398]
+
+Im westlichen Polynesien und östlichen Melanesien finden wir
+für Eisen ein Wort im Gebrauch, welches in den Wörterbüchern
+übereinstimmend als gleichwertig mit »Metall« gegeben wird, wie
+wohl Metalle den Südseeinsulanern unbekannt waren. Es lautet
+_ukamea_ auf Tonga, _kaukamea_ auf Fidschi, _hackoumea_ auf der zu
+den Salomonen gehörigen Kokosinsel. Auf Samoa ist die Bezeichnung
+_uamea_ und hier giebt das Lexikon[399] den Schlüssel, denn
+mit _uamea_ bezeichnet man dort »alles, was gut ist«. In dem
+neuseeländischen _rino_ und dem auf Fidschi auch gebräuchlichen
+_aironi_ ist unschwer das englische _iron_ zu erkennen, wie das
+_aúri_ der Markesasinsulaner auf _hierro_ zurückzuführen sein
+dürfte. Dann würde dieses Wort bis zum Jahre 1595 zurückreichen und
+entstanden sein, als damals ALVARO MENDANA die Inseln entdeckte.
+
+~Wirkungen des Eisens auf die Ozeanier.~ Die Wirkungen, welche
+die Einführung des neuen Metalles auf die Eingeborenen der Südsee
+hervorbrachte, sind keineswegs als günstige aufzufassen. Wie das
+Gold, wenn es einer Bevölkerung zuströmt, auch Laster im Gefolge
+hat, so das Eisen bei den Polynesiern. Für einen eisernen Nagel
+war den Maori Neuseelands die Keuschheit einer Frau feil und für
+eisernes Geräte boten die Männer ihre Töchter und Schwestern
+ohne Unterschied an. Wie die offen stehenden, riegellosen Häuser
+zeigten, kannten die Tahitier vor der Ankunft der Europäer den
+Diebstahl nicht: aber der verführerische Reiz des Eisens brachte
+sie dazu, daß sie dasselbe von den europäischen Schiffen
+stahlen.[400] Als die Südseeinsulaner noch in der Steinperiode
+standen, mußten sie mit ihren geringen Geräten verhältnismäßig
+hart arbeiten, um sich ihre Bedürfnisse zu erringen. Es verlangte
+Ausdauer und Zeit, um einen Baum mit einem Muschelbeil zu fällen,
+ein Kanoe mit einem Steine zu zimmern. Mit den Waffen und Beilen
+aus Stein und Fischknochen haben wir Europäer ihnen das einzige
+Mittel genommen, sich des schädlichen Einflusses ihrer natürlichen
+Faulheit zu erwehren: das Bewußtsein, leicht etwas erreichen zu
+können, er tötet nicht bloß bei Wilden die Begierde nach dem
+Besitz. »Das Eisen des Europäers folgte zu rasch auf den Stein des
+Wilden; so mußte notwendig das, was für sie angeblich ein Segen
+werden sollte, sie krank machen und hinsiechen lassen an Leib und
+Seele.«[401] Es ist das plötzliche Hereinbrechen der neuen Kultur,
+das Unvermittelte derselben, welches, mit dem Eisen eine gänzliche
+Umwälzung der Lebensgewohnheiten bringend, so gefährlich für die
+Südseeinsulaner wurde und nicht wenig dazu beitrug, daß sie in der
+bekannten Weise sich verminderten.
+
+
+Fußnoten:
+
+[376] J. R. FORSTER's Bemerk. auf seiner Reise um die Welt. Berlin
+1783. 321.
+
+[377] GEORG FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 178. 147. 154.
+
+[378] Das. I. 313.
+
+[379] KEATE, Nachrichten von den Pelewinseln. Deutsch. Hamburg
+1789. 46. 412. 74.
+
+[380] V. KITTLITZ, Denkwürdigkeiten einer Reise etc. Gotha 1858.
+II. 2. I. 376.
+
+[381] Archiv für Anthropologie. XI. 337.
+
+[382] VAN HASSELT in Zeitschrift für Ethnologie. 1876. 171.
+
+[383] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111 (1871).
+
+[384] Geograph. Magazine. 1876. 213.
+
+[385] Wanderings in a wild country. London 1883. 111.
+
+[386] M. BUCHNER, Reise durch den Stillen Ozean. Breslau 1878. 237.
+
+[387] Archiv f. Anthropol. XI. 337.
+
+[388] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111.
+
+[389] A. DE ROEPSTORFF in Zeitschr. d. Ges. für Erdkunde zu Berlin.
+1879. 11. -- MAN im Journ. Anthropol. Inst XII. 379 giebt an, daß
+sie das Eisen zu diesem Zwecke kalt mit Steinen hämmern.
+
+[390] HANS STADEN, Wahrhaftige Beschreibung etc. Kap. X der zweiten
+Abteilung. Marburg 1557.
+
+[391] MUSTERS, Unter den Patagoniern. 180. Fig. 6.
+
+[392] HOLMBERG, Völker des russischen Amerika. Helsingfors 1855.
+I. 101. Und so auch die benachbarten Thlinkithen. KRAUSE in
+Verhandlungen der Berl. Anthropol. Ges. 1883. 207.
+
+[393] H. RINK, Danish Greenland. London 1877. 271.
+
+[394] UNDSET, Eisen in Nordeuropa. 14. 333.
+
+[395] Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. V. 131.
+
+[396] Korrespondenzblatt der deutschen anthropol. Ges. 1882. 225.
+
+[397] G. V. D. GABELENTZ und A. B. MEYER, Beiträge zur Kenntnis der
+melanesischen Sprachen. Leipzig 1882. No. 98.
+
+[398] MOSELEY im Journ. Anthropol. Instit. VI. 395 (1877).
+
+[399] VIOLETTE, Dictionnaire samoa-français. Paris 1880. s. v.
+
+[400] G. FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 182. 183. 282.
+
+[401] SEMPER, Die Palauinseln. Leipzig 1873. 355.
+
+
+
+
+Verlag von VEIT & COMP. in Leipzig.
+
+
+ =du Bois-Reymond, Emil=, =Dr. Carl Sachs' Untersuchungen am
+ Zitteraal= -- Gymnotus electricus. -- Nach seinem Tode bearbeitet.
+ Mit zwei Abhandlungen von ~Gustav Fritsch~. Mit 49 Abbildungen
+ im Text und 7 Tafeln. Roy.-8. 1881. geh. M 26.--
+
+
+ =Fürst, Livius=, =Die Maass- und Neigungverhältnisse des Beckens=.
+ Nach Profil-Durchschnitten gefrorener Leichen. Mit 7 lithographirten
+ Tafeln. 4. 1875. cart. M 10.--
+
+
+ =Groddeck, Albrecht von=, =Die Lehre von den Lagerstätten der Erze=.
+ Ein Zweig der Geologie. Mit 119 Abbildungen in Holzschnitt. gr. 8.
+ 1879. geh. M 8.--
+
+
+ =Hartmann, Robert=, =Der Gorilla=. Zoologisch-zootomische
+ Untersuchungen. Mit XIII in den Text gedruckten Holzschnitten und
+ XXI Tafeln. 4. 1880. geh. M 30.--
+
+
+ =Hoernes, R.=, =Elemente der Palaeontologie=. Mit gegen 700 in den
+ Text eingedruckten Holzschnitten, gr. 8. 1884. geh. ca. M 14.--
+
+
+ =Magnus, Hugo=, =Die Anatomie des Auges= bei den Griechen und Römern,
+ gr. 8. 1878. geh. M 2.40
+
+ ---- =Die geschichtliche Entwickelung des Farbensinnes.=
+ gr. 8. 1877. geh. M 1.40
+
+ ---- =Geschichte des grauen Staares.= Mit 1 lithographirten
+ Tafel. gr. 8. 1876. geh. M 8.--
+
+
+ =Ploss, H. H.=, =Ueber die Lage und Stellung der Frau während der
+ Geburt bei verschiedenen Völkern=. Eine anthropologische Studie. Mit
+ 6 Holzschnitten, gr. 8. 1872. geh. M 1.50
+
+ ---- =Zur Geschichte, Verbreitung und Methodik der
+ Fruchtabtreibung.= Culturgesch.-mediz. Skizze. gr. 8.
+ 1883. geh. M 1.40
+
+
+ =Ribot, Th.=, =Die Erblichkeit=. Eine psychologische Untersuchung
+ ihrer Erscheinungen, Gesetze, Ursachen und Folgen. Deutsch von Dr.
+ med. ~Otto Hotzen~, gr. 8. 1876. geh. M 7.--
+
+ Eine umfassende Darstellung und Verarbeitung der
+ wichtigsten über die Vererbung bekannten Thatsachen.
+ Die körperliche Vererbung wird als Grundlage des
+ ganzen Gebietes in der Einleitung behandelt, des
+ Werk selbst ist dagegen hauptsächlich den hierher
+ gehörigen psychologischen Erscheinungen gewidmet. Der
+ erste Abschnitt enthält eine Zusammenstellung des
+ Thatsächlichen, der zweite die Gesetze der Vererbung, der
+ dritte deren Ursachen und der vierte deren Folgen.
+
+
+ =Stannius, H.=, =Handbuch der Anatomie der Wirbelthiere=. Zweite Aufl.
+
+ Erstes Heft: ~Zootomie der Fische~, gr. 8. 1854. geh. M 6.--
+ Zweites Heft: ~Zootomie der Amphibien~, gr. 8. 1856. geh. M 6.--
+
+
+ =Hahn, F. G.=, =Insel-Studien=. Versuch einer auf orographische und
+ geologische Verhältnisse gegründeten Eintheilung der Inseln. Mit
+ einer Karte in Farbendruck, gr. 8. 1883. geh. M 7.20
+
+
+ =Kohl, J. G.=, =Die geographische Lage der Hauptstädte Europa's=.
+ gr. 8. 1874. geh. M 10.--
+
+ Der Verfasser schildert die Ursachen der Lage und
+ Weltstellung der namhaften Hauptstädte Europa's. Er
+ behandelt die Richtung der auf sie zielenden Flussläufe
+ und Thalbecken oder der bei ihnen zusammentreffenden
+ Küstenlinien und entwickelt daraus, wie der lebendige
+ Verkehr das Emporblühen der einzelnen Plätze herbeigeführt
+ hat.
+
+
+ =Der Periplus des Erythräischen Meeres= von einem Unbekannten.
+ Griechisch und deutsch mit kritischen und erklärenden Anmerkungen
+ nebst vollständigem Wörterverzeichniss von =B. Fabricius=. gr. 8.
+ 1883. geh. M 6.--
+
+ Ein ägyptischer Kaufmann schildert im Periplus seine
+ im letzten Drittel des ersten Jahrhunderts unserer
+ Zeitrechnung unternommenen Fahrten an der Westseite des
+ rothen Meeres mit der sich anschliessenden Ostküste
+ Afrika's und an der Ostküste des rothen Meeres hin bis
+ nach Indien, um Vorderindien herum, an Ceylon vorüber bis
+ an die Mündung des Ganges. Zum ersten Male werden diese
+ für die Culturgeschichte so wichtigen Aufzeichnungen
+ in deutscher Uebersetzung mit ausführlichem Commentar
+ veröffentlicht.
+
+
+ =Petermann, J. H.=, =Reisen im Orient=. Mit Titelbild und
+ Uebersichtskarte der Reisen 1852-1855. Zweite Ausgabe. Zwei Bände
+ in einem Band. gr. 8. 1865. geh. M 9.--
+
+
+ =Richthofen, Ferd.= Freiherr von, =Aufgaben und Methoden der heutigen
+ Geographie=. Akademische Antrittsrede gehalten in der Aula der
+ Universität Leipzig am 27. April 1883. gr. 8. geh. M 1.80
+
+
+ =Sachs, Carl=, =Aus den Llanos=. Schilderung einer
+ naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela. Mit Abbildungen im
+ Text und einem Titelbilde. gr. 8. 1879. geh. M 9.--
+
+ Das Werk des in den Tiroler Alpen verunglückten
+ hoffnungsvollen jungen Gelehrten ist eine der
+ besten Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren
+ Reisebeschreibung. Es schildert in lebendiger und
+ anziehender Weise die Erlebnisse und Eindrücke des
+ Verfassers auf einer im Auftrage der Berliner Akademie
+ der Wissenschaften auf Kosten der Humboldtstiftung in den
+ Jahren 1876-1877 ausgeführten Reise nach Venezuela.
+
+
+ =Schultze, Victor=, =Die Katakomben=. Die altchristlichen Grabstätten.
+ Ihre Geschichte und Monumente. Mit 52 Abbildungen im Text und einem
+ Titelbilde. Roy.-8. 1882. geh. M 10.--
+
+ Wohl selten verlässt ein Reisender Rom, ohne in die
+ Katakomben hinabgestiegen zu sein und die grosse
+ unterirdische Todtenstadt besichtigt zu haben. Die Anlage,
+ die Inschriften und Embleme, die Wand- und Deckenmalereien
+ sind für die Erkenntniss christlicher Anschauung, für
+ die Gefühle und Ausdrucksweise der ersten christlichen
+ Jahrhunderte von grösster Wichtigkeit, und das Interesse
+ dafür tritt in immer weiteren Kreisen hervor. Zum ersten
+ Male in deutscher Sprache werden im Schultze'schen Werke
+ die Resultate der ~gesammten~ Katakombenforschung auf
+ Grund selbständiger Forschung dargestellt. Nicht nur die
+ Katakomben zu Rom, sondern auch diejenigen in Sicilien,
+ Griechenland u. s. w. finden eingehende Berücksichtigung.
+
+
+ =Supan, A.=, =Grundzüge der physischen Erdkunde=. Mit 139 Abbildungen
+ im Text u. 20 Karten in Farbendruck, gr. 8. 1884. geh. M 10.--
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription 2:
+
+
+Im Original _kursiv_ gesetzter Text wurde mit _ markiert.
+
+Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert.
+
+Im Original =fett= gesetzter Text wurde mit = markiert.
+
+Im Original +griechisch+ gesetzter Text wurde mit + markiert.
+
+Überschriften wurden im Schriftbild vereinheitlicht.
+
+Bildunterschriften wurden weitesgehend vereinheitlicht.
+
+Abbildungen wurden innerhalb des Textes an den Beginn oder das
+Ende von Absätzen verschoben und entsprechend ihrer Nummerierung
+reorganisiert.
+
+Brüche werden folgendermaßen dargestellt: 1 Viertel = 1/4, 1 Achtel =
+1/8 u. s. w., die volle Zahl wird durch - vom Bruch separiert, d. h.
+eineinhalb = 1-1/2.
+
+Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Bis
+auf offensichtliche Druckfehler wurde vom Haupttext abweichende
+Schreibweise innerhalb der Zitate beibehalten. Die Punktuation in
+Referenzen, Inhaltsverzeichnis, Tabellen und Abbildungen wurde
+weitestgehend egalisiert. Die Angaben im Inhalsverzeichnis wurde zu einer
+chronologischen Darstellung korrigiert und Formatierungen egalisiert.
+Fehlende Seitenzahlen im Inhalsverzeichnis auf Seite XII wurden eingefügt.
+Referenzen zu Abbildungen werden im Text normalerweise wie folgt
+dargestellt: (Fig. xyz).
+
+
+Übernommen wurden:
+
+ Binué statt Binuë (Inhaltsverzeichnis, Seiten 27 und 48)
+
+ Bruce Foot, wahrscheinlich ist Robert Bruce Foote (22 September
+ 1834 - 29 Dezember 1912) gemeint, ein britischer Geologe und
+ Archäologe, der oft als Gründer der prähistorischen Studien
+ von Indien bezeichnet wird (Encyclopedia Britannica:
+ www.Britannica.com). (Seite 58)
+
+ Bugias statt Buguias (Seite 89)
+
+ Camba Humbo statt Camba Huambo (Seite 19)
+
+ Fernao do Po statt Ferñao do Pó (Seite 7)
+
+ Fluß Botama statt Fluß Buotama (Seite 115)
+
+ Futa Djallon statt Fouta Djallon (Inhaltsverzeichnis,
+ Abbildungsverzeichnis, Seite 29 und Abbildung 12)
+
+ Hlinnitza statt Hlinitza (Seite 82)
+
+ Hofrat e Nahhas statt Hofrat En Nahas (Inhaltsverzeichnis,
+ Seiten 45, 46, 55 und 56)
+
+ Insel Ometepec im Nicaraguasee statt Insel Ometepe im
+ Nicaraguasee (Seite 153)
+
+ König Mtesa statt König Mutesa (Seite 16)
+
+ König Rumanika von Karagwé statt König Rumanyika von Karagwé
+ (Seiten 16 und 54)
+
+ Lake superior statt Lake Superior (Seiten 141 und 148, sowie
+ Fußnote 325)
+
+ Maypa statt Maipo River (Seite 157)
+
+ Madlicot statt Henry Benedict Medlicott, ein irischer Geologe,
+ der oft als Coautor in Texten über die Geologie in Indien
+ zitiert wird (Seite 66)
+
+ Michoacan statt Michoacán (Seite 152)
+
+ pariser Grobkalk statt Pariser Grobkalk (Seite 144)
+
+ Pharao Thutmes III, welcher wahrscheinlich Pharao Thutmosis
+ (Seite 5)/Thutmose III (Seite 4) war.
+
+ Roggeween statt Roggeveen (Seite 160)
+
+ Schildkrot (Seite 5 Tausch Elfenbein, Schildkrot und
+ Rhinozeroshorn gegeben wurden.), möglicherweise meinte man
+ Schildkröte. Der Text wurde im Original beibehalten.
+
+ Shwo-fàng-tsun statt evt. Shwo-fang-tsun (Seite 110)
+
+ Sorapur (Seite 66) und Sorapoor (Seite 62), wahrscheinlich ist
+ die indische Stadt Shorapur/Surapura im Yadgir Distrikt gemeint.
+
+ Teotitlan del Valle statt Teotitlán del Valle
+ (Abbildungsverzeichnis, Abbildung 47 und Seite 149)
+
+ Tonli-Sapsees statt Tonle-Sapsees (Seite 98)
+
+ Tongatabu statt Tongatapu (Seite 160)
+
+ Visvacarma statt Vishwakarma (Seite 101)
+
+ Wraks statt Wracks (Seite 136)
+
+
+Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen:
+
+ Amboss, Ambosse und Amboß, Amboße (verschiedene Textstellen)
+
+ Äthiopiern (Seite 5) und Athiopier (Seite 5)
+
+ Ausgepresster (Abbildung 21) und Ausgepreßter
+ (Abbildungsverzeichnis)
+
+ Ghurras (Seite 67) und Ghurrahs (Seite 63)
+
+ mehreremal (Seite 58) und mehrere Mal (Seite 131)
+
+ Njassasee, Nyasa-See, Malawi See und Abwandlungen (verschiedene
+ Textstellen)
+
+ Oker (Seite 72) und Ocker (Seiten 54 und 120)
+
+ Sambesi und Wortkombinationen (Seiten 19, 34, 35 und 49),
+ Zambesi (Seiten 20, 40 und 50) und Zambezi (Fußnoten 60 und 63)
+
+ Schachte (Seiten 19, 63, 110, 119, 140, 141 und 152) und
+ Schächte (Seiten 47, 63, 96 und 97)
+
+ Schamkonbezirke und Schemkonbezirke (beide Seite 115)
+
+ schmiedbare (Seite 69), schmiedbaren (Seite 69), schmiedbares
+ (Seite 44) und schmiedebares (Seite 8)
+
+ Serracoletts (Seite 29) und Serracolletts (Seite 40)
+
+ speziell (Seite 138) und speciell (Seite 72)
+
+ Tai-ngan-fu (Inhaltsverzeichnis) und Tai-ngau-fu (Seite 107)
+
+ ungeheuren (Seite 11) und ungeheueren (Seite 67)
+
+ wie wohl (Seite IV) und wiewohl (ca. 28 Textstellen)
+
+ zum ersten Male (Seite 46 und 2x Werbeseiten am Ende) und zum
+ erstenmale (Seiten 129 und 163)
+
+
+Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert:
+
+ geändert wurde "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellnng
+ desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse."
+ in "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellung
+ desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse."
+ (Seite VI)
+
+ geändert wurde "gesellt mit Bronzen; welche letztere man auch"
+ in "gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch"
+ (Seite VII)
+
+ geändert wurde "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
+ selbstständig und unabhängig von einander."
+ in "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber
+ selbständig und unabhängig von einander."
+ (Seite VIII)
+
+ geändert wurde "Chinesisches Gefäß aus der Tschou-Dynastie."
+ in "Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie."
+ (Seite XV Abbildungsverzeichnis)
+
+ geändert wurde "Peruanische Mauerkelle. Nach demselben"
+ in "Peruanische Maurerkelle. Nach demselben"
+ (Seite XVI Abbildungsverzeichnis)
+
+ geändert wurde "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres
+ ersehen[14], wurden im ersten"
+ in "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres
+ ersehen[15], wurden im ersten"
+ (Seite 4 Fußnotenanker vom [14] auf [15] geändert)
+
+ geändert wurde "in Kriegsgefahren die Athioper grosser Bogen, aber
+ kurzer Pfeile;"
+ in "in Kriegsgefahren die Athioper großer Bogen, aber
+ kurzer Pfeile;"
+ (Seite 5)
+
+ geändert wurde "spitz und in tötliches Gift getaucht."
+ in "spitz und in tödliches Gift getaucht."
+ (Seite 5)
+
+ geändert wurde "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlieh."
+ in "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlich."
+ (Seite 9)
+
+ geändert wurde "die Eisenindustrie im Bar el Ghasalgebiete an den"
+ in "die Eisenindustrie im Bahr-el-Ghasalgebiete an den"
+ (Seite 10)
+
+ geändert wurde "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOS, welche uns"
+ in "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns"
+ (Seite 19)
+
+ geändert wurde "Beinringe sind in betracht der einfachen Werkzeuge,"
+ in "Beinringe sind in Betracht der einfachen Werkzeuge,"
+ (Seite 25)
+
+ geändert wurde "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partieen,
+ in denen das Erz,"
+ in "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partien,
+ in denen das Erz,"
+ (Seite 29)
+
+ geändert wurde "selbst auf die Eisenreduction zu verfallen,"
+ in "selbst auf die Eisenreduktion zu verfallen,"
+ (Seite 36)
+
+ geändert wurde "Rolle zu spielen wie die obenerwähnten Sandhäufchen
+ der Zulu."
+ in "Rolle zu spielen wie die oben erwähnten Sandhäufchen
+ der Zulu."
+ (Seite 53)
+
+ geändert wurde "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida nnd
+ assamesischen Bergvölkern in Vorderindien."
+ in "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida und
+ assamesischen Bergvölkern in Vorderindien."
+ (Seite 75)
+
+ geändert wurde "Hufeisen, Ringe, Maultrommeden, Nägel, Messer."
+ in "Hufeisen, Ringe, Maultrommeln, Nägel, Messer."
+ (Seite 80)
+
+ geändert wurde "welche von der Türkei und untern Donau durch"
+ in "welche von der Türkei und unteren Donau durch"
+ (Seite 81)
+
+ geändert wurde "may work them both alternetely, one with each hand."
+ in "may work them both alternately, one with each hand."
+ (Seite 88)
+
+ geändert wurde "Das Ambohimiangavogebirge ist so reich daran,"
+ in "Das Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran,"
+ (Seite 90)
+
+ geändert wurde "Kupfererzen bei Mancayan im Districte Lepanto,
+ sowie im"
+ in "Kupfererzen bei Mancayan im Distrikte Lepanto,
+ sowie im"
+ (Seite 92)
+
+ geändert wurde "eines das geschmolzene Metall abfließt. während das
+ andere"
+ in "eines das geschmolzene Metall abfließt, während das
+ andere"
+ (Seite 96)
+
+ geändert wurde "Som-ron-sen liegt an den Ufern des Sung Chinit,
+ eines Zuflusses des"
+ in "Som-Ron-Sen liegt an den Ufern des Stung Chinit,
+ eines Zuflusses des"
+ (Seite 98)
+
+ geändert wurde "_by a succeding emperor Shuo-kang_"
+ in "_by a succeeding emperor Shuo-kang_"
+ (Seite 107)
+
+ geändert wurde "sehr alt sein, Denn das Thal ist voll von sehr"
+ in "sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr"
+ (Seite 110)
+
+ geändert wurde "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor
+ des Peabodymuseums,"
+ in "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des
+ Peabody-Museums,"
+ (Seite 132)
+
+ geändert wurde "mit Pfeilspitzen aus Obsidien und dazwischen
+ ein Federmesser"
+ in "mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen
+ ein Federmesser"
+ (Seite 136)
+
+ geändert wurde "_toutefois ils devaient connaitre le métal, car leur
+ tradition dit que jusqu'a la trouvaille du vieillard,_"
+ in "_toutefois ils devaient connaître le métal, car leur
+ tradition dit que jusqu'à la trouvaille du vieillard,_"
+ (Seite 137)
+
+ geändert wurde "doch gehört hier die Verarbeitung bereit der
+ vorkolumbischen Zeit an."
+ in "doch gehört hier die Verarbeitung bereits der
+ vorkolumbischen Zeit an."
+ (Seite 140)
+
+ geändert wurde "und Gewerbe blüten, Weberei, Färberei, Malerei,
+ Bilderschrift zeigten"
+ in "und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, Malerei,
+ Bilderschrift zeigten"
+ (Seite 147)
+
+ geändert wurde "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate
+ S. Luiz Potosi stammt (Fig. 45)."
+ in "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate
+ S. Luis Potosi stammt (Fig. 45)."
+ (Seite 149)
+
+ geändert wurde "das letztere sich erergebende Härtung kannten,"
+ in "das letztere sich ergebende Härtung kannten,"
+ (Seite 157)
+
+ geändert wurde "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Eearly history
+ of mankind. 208."
+ in "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history
+ of mankind. 208."
+ (Fußnote 238)
+
+ geändert wurde "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233.
+ 251. 233."
+ in "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233.
+ 251. 283."
+ (Fußnote 302)
+
+ geändert wurde "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
+ Meridian. vol. VII. Archäology. Wash. 1879. 273.
+ Plate XV. und Plate IV. Fig. 8."
+ in "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th
+ Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273.
+ Plate XV. und Plate IV. Fig. 8."
+ (Fußnote 304)
+
+ geändert wurde "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings
+ of the Americ. Antiqu. Soc. Octobre 1882."
+ in "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings
+ of the Americ. Antiqu. Soc. October 1882."
+ (Fußnote 347)
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75891 ***