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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-04-17 11:21:14 -0700 |
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Und doch bietet dieses Thema +nicht allein vom ethnographischen und allgemein kulturhistorischen +Standpunkte aus ein hohes Interesse; auch bei der Beurteilung +prähistorischer Fragen ist es von Wichtigkeit zu wissen, wie +die primitiven Völker zur Kenntnis der Metalle gelangen, wie +sie dieselben erschmelzen und benutzen, denn hier eröffnet sich +die Aussicht, auf dem Wege der Analogie wertvolle Ergebnisse zu +gewinnen. + +Wie bei so vielen ethnographischen Dingen, ist es auch auf diesem +Gebiete die höchste Zeit, zu sammeln und zu retten, was noch +vorhanden ist. Europäische und amerikanische Metalle dringen +bei erleichtertem Verkehr bis in die fernsten Erdenwinkel und +vernichten altheimische Industrien der Naturvölker. Schon erlegt +der centralafrikanische Schwarze den Elefanten mit dem Hinterlader +und die weltberühmten Damaszenerklingen von Schiras und Meschhed +in Persien werden nur noch aus russischem Eisen geschmiedet. Die +einheimische Metallindustrie der meisten Naturvölker ist auf +den Aussterbestand gesetzt, sie ist den billigeren und besseren +europäischen Erzeugnissen gegenüber nicht mehr konkurrenzfähig, die +letzte Stunde naht für sie und noch, so fürchten wir, ist manche +wichtige Thatsache nicht eingeheimst, die uns Aufschluß zu geben +vermöchte über das ursprüngliche Verfahren in diesem oder jenem +Zweige der Metalltechnik. Von den Reisenden, auf deren Berichte +wir zum großen Teile angewiesen sind, ist im allgemeinen wenig +Aufmerksamkeit dem uns hier interessierenden Gegenstande zugewendet +worden, einmal, weil die hüttenmännische Einsicht den meisten +mangelt und dann, weil die Wichtigkeit der Sache für prähistorische +Fragen erst neuerdings erkannt wurde, zumal seit CHRISTIAN HOSTMANN +in seiner vernichtenden Kritik der Dreiperiodenteilung mit Erfolg +auf die Bedeutung der Metallurgie bei den Naturvölkern hinwies. +Wenige Ausnahmen abgerechnet, unter denen einer der genialsten +Reisenden der Gegenwart, GEORG SCHWEINFURTH, hervorragt, sind +wir meist auf dürftige Berichte angewiesen, die uns das Bild der +Darstellung und Benutzung der Metalle bei den Naturvölkern liefern +müssen. Wünschenswerte Ergänzungen bringen die in unseren Museen +aufgestapelten Schätze. + +Sehr wohl ist der Verfasser sich bewußt gewesen, daß bei der +Behandlung der so weitschichtigen und in die verschiedensten +Wissensgebiete eingreifenden Aufgabe eigentlich nur mit vereinten +Kräften etwas vollständiges zu erreichen ist und daß ein einzelner +hier nicht zum Abschluß gelangen kann. Geognosie und Geographie, +Ethnographie, Hüttenkunde, Chemie, Prähistorie und Linguistik +-- alle diese Wissenschaften verlangen Berücksichtigung bei der +Bearbeitung unseres Themas, und wo wäre der Mann, der von sich +sagen dürfte, er beherrsche sie gleichmäßig? Da wird jeder nach +seinem Wissensstandpunkte auf Lücken stoßen. Aber doch mußte der +Anfang gemacht und das Gebäude wenigstens aus dem Rohen heraus +gestaltet werden. So gebe ich denn, was ich fand, als Beiträge, +Stoff und Grundlage für den weiteren Ausbau. + +Der europäische und der semitische Kulturkreis sind in der +vorliegenden Arbeit ausgeschlossen. Was die Metalle innerhalb +derselben betrifft, so haben so zahlreiche Gelehrte sich damit +beschäftigt und die interessierenden Fragen der Lösung nahe +gebracht, daß auch nicht einmal von einer Rekapitulation die Rede +sein konnte; auch wird sich im Verlaufe der Darstellung zeigen, daß +die Einwirkung jener wichtigsten Kulturkreise unserer Erde auf die +Metallindustrie der Naturvölker eine kaum nennenswerte war, ja, +daß die letzteren, bis auf die neue, umgestaltende Zeit, fast ganz +unberührt von jenen blieben. Dagegen war es des Vergleiches wegen +geboten, die ostasiatischen und amerikanischen Kulturvölker in die +Betrachtung einzubeziehen und zu fragen, ob sie von Einfluß auf die +Metallurgie benachbarter Naturvölker waren: aber auch jene zeigen +in bezug auf die Metalle abgeschlossene Reiche mit geringen oder +gar keinen Ausstrahlungen auf die Nachbarn. + +Die Metalle, welche wesentlich ins Auge zu fassen waren, sind +Eisen, Kupfer, Zinn und die Legierung aus den beiden letzteren, +die Bronze. Um diese drehen sich wichtige wissenschaftliche +Streitfragen, sie sind es, die in kultureller Beziehung vor +allen anderen in Betracht kommen, während die edlen Metalle eine +geringere Rolle spielen, auch bei ihnen sich noch kein Streit +um »Entlehnung der Kenntnis« erhoben hat, ihr Vorkommen im +augenfälligen gediegenen Zustande einen solchen auch unnötig machte. + +Geographisch vorschreitend, beginne ich den Rundgang mit den +alten Ägyptern, denen neben der Bronze in den ältesten Zeiten +zweifellos das Eisen bekannt war. Daß von ihnen die Eisenkenntnis +zu den benachbarten Nigritiern gelangte, läßt sich keineswegs +mit Bestimmtheit behaupten, eher neige ich der Ansicht zu, +daß die Eisenbearbeitung ein durchaus ursprüngliches Gewerbe +der Neger ist, die ein »Eisenreich« für sich bilden, von so +ausgeprägter Entwickelung, daß neuerdings ein durch wenig Kritik +ausgezeichneter Kopf alle Eisenindustrie von den Schwarzen +abzuleiten versucht.[1] In Afrika folgte das Eisen direkt auf den +Stein und zwar entwickelte sich die Eisendarstellung im Nordosten +oder in Centralafrika, von wo sie erst spät nach dem Süden +gelangte. Kupfer, wiewohl es auch von den Negern erschmolzen wird, +ist nur auf wenige Gebiete beschränkt, von denen aus es auf dem +Handelswege verbreitet wird. Es ist höchstens gleichalterig mit dem +Eisen bei den Nigritiern, und von einer dem Eisen vorangehenden +»Kupferperiode«, geschweige denn von einer »Bronzeperiode« kann in +Afrika keine Rede sein. + +Vorderindien bietet ein abgeschlossenes Reich für sich. Auch hier +ist eine Steinzeit nachweisbar und eine Einführung der Metalle +von außen her nicht zu erkennen. Daß Vorderindien das Stammland +aller Bronze gewesen sein soll (WORSAAE), erweist sich als eine +willkürliche Annahme. Alte Bronzen gehören dort zu den größten +Seltenheiten; sie sind von ganz anderer Zusammensetzung als +unsere Bronzen und kommen zusammen mit Eisen vor. Vorderindien +war in alter Zeit kein »Bronzeland«, es bezog selbst im Altertum +sein Zinn aus dem fernen Abendlande, denn die reichen und näher +liegenden hinterindischen Zinnvorkommnisse waren damals wohl noch +kaum erschlossen. Dagegen deuten häufige alte Kupferfunde auf das +hohe Alter dieses Metalles in Indien, das heute dort, ebenso wie +das Eisen, noch nach uralter Art erschmolzen wird nach Methoden, +die in mancher Beziehung an jene der Nigritier erinnern, ohne daß +dabei an Entlehnung gedacht zu werden braucht. Ob Eisen, ob Kupfer +das ältere Metall in Vorderindien war -- wer vermag das heute mit +Sicherheit zu entscheiden? Zwar spricht sich die vergleichende +Sprachforschung zu Gunsten des Kupfers aus, aber die Sicherheit +ihrer Entscheidung läßt manches zu wünschen übrig. Als ein Ausfluß +der indischen Metallarbeit ragen in unser europäisches Kulturleben +die konservativen Zigeunerschmiede hinein mit uralten Methoden +und Instrumenten; ihnen ist eine besondere Betrachtung gewidmet, +welche allerdings von des sonst verdienten BATAILLARD's Phantasien, +daß nämlich die Zigeuner die Verbreiter der alten Bronzekultur in +Europa waren, nichts wissen mag. + +Abermals ein selbständiges metallurgisches Reich bilden die +malayischen Völker. Ihr wohlcharakterisiertes, seit uralter Zeit +bei ihnen heimisches Verfahren der Eisenbereitung reicht von +Madagaskar bis Neuguinea und im Norden bis zu den Philippinen. +Eisen ist ihr ältestes Metall. Kupfer, das sie gleichfalls, aber +weniger darstellen, erscheint später und ebenso die Bronze. + +Hinterindien, von wo die uns angehenden Nachrichten spärlich +fließen und wo das Studium der Metalle bei den hochinteressanten +Aboriginern des Innern eine dankbare Aufgabe bilden würde, +tritt uns mit prähistorischen Zeugen der jüngeren Steinzeit +in Gesellschaft von Bronzen entgegen und deutet durch die +Verschiedenartigkeit der Methoden, nach denen seine Urvölker (in +Kambodja und Birma) das Eisen gewinnen, auf eine selbständige +und ursprüngliche Darstellung desselben, ohne erkennbare fremde +Einflüsse. + +Für das in seiner Kultur völlig isoliert dastehende China wird +bereits vor 3500 Jahren eine hochentwickelte Bronzeindustrie +bezeugt und Sinologen sind geneigt, der Bronze dort die Priorität +vor dem Eisen zuzuerkennen -- ob aber nicht unter dem Einflusse +skandinavischer Anschauungen? Eisen ist in der älteren chinesischen +Litteratur neben Zinn und Kupfer gleichfalls ein durchaus bekanntes +Metall und die chinesische Eisendarstellung erscheint uns noch +jetzt als eine ganz eigentümliche, von der aller übrigen Völker +völlig geschiedene und selbständige. Daß aber die Chinesen, die in +so vielen Dingen die Lehrmeister der Japaner gewesen, letzteren +auch die Eisenkenntnis übermittelt haben sollten, läßt sich kaum +annehmen: denn Japan zeigt in dieser Richtung ein ganz anderes +Verfahren als China, nämlich die Eisenschmelzung in Öfen, während +China bis zum heutigen Tage nur in kleinen Schmelztiegeln sein +Eisen gewinnt. Für China sind die prähistorischen Verhältnisse +noch wenig oder gar nicht studiert, wiewohl wir wissen, daß auch +dieses Land seine Steinzeit hatte; in Japan aber, wo Europäer +einflußreich wirken und Gelegenheit zu Studien haben, erkannte man +die große Ähnlichkeit der dortigen vorgeschichtlichen Funde mit +jenen Europas, die Übereinstimmung der zugehauenen und polierten +Steingeräte, gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch in Japan +für älter als das Eisen anspricht. + +Licht beginnt sich zu verbreiten über den Norden Asiens in +prähistorischer Zeit. Nicht alle sibirischen Völkerschaften +befanden sich, als die russischen Entdecker in das Land kamen, +im Zustande der Steinzeit; einzelne Stämme verstanden es +bereits, das Eisen zu reduzieren und zu schmieden, wohl als ein +Erbteil türkischer Völker, die, aus Centralasien kommend und als +Eroberer eindringend, die Eisenkunde mitbrachten. Aber lange +vor den eisenkundigen Türkvölkern hatten vom Ural bis zum Altai +finnische Stämme, die in der Tradition als »Tschuden« fortleben, +eifrig Bergbau und Metallschmelzerei betrieben. Kupfer war ihr +Hauptmetall, das sie zu schmelzen und gießen verstanden. Neben dem +Kupfer der Tschuden und dem Eisen der Türken erhielt sich aber im +fernen Osten der alten Welt, da, wo diese sich Amerika nähert, +die Steinzeit, welche erst den erobernden Russen wich und bei den +Tschuktschen in ihren letzten Ausläufern heute vor unseren Augen +dahinsiecht. + +Nicht geleugnet kann werden die Einheit des Menschen in der alten +und neuen Welt. Aber die Differenzierung beider liegt so weit +zurück, daß von einer gemeinsamen Quelle ihrer beiderseitigen +Metallkenntnisse keine Rede sein kann. Oder, wenn man grundlos +diese Kenntnis von der alten nach der neuen Welt gelangen ließ, +warum dreht man, mit gleich gutem Grunde, die Sache nicht einmal +um und läßt die Inkaperuaner die Bronzelehrmeister der Asiaten +werden? Das gäbe doch Abwechselung. Auch in der neuen Welt zeigen +sich die »Metallreiche« unabhängig von einander. Eisen kannte +man im vorkolumbischen Amerika nicht, wenigstens kein künstlich +dargestelltes; aber Meteoreisen wurde wiederholt, so namentlich +von den Eskimos, benutzt und auf ähnlicher Stufe stand auch die +Anwendung des gediegenen Kupfers in Nordamerika. Es wird von +den Indianern wie weicher Stein verarbeitet und kennzeichnet +höchstens die Grenze zwischen Stein- und Metallzeit. Der große +Kulturfortschritt, die Erze mit Kohlen zu reduzieren und die +Metalle im Feuer zu behandeln, ist dreimal in Amerika gemacht +worden: in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber +selbständig und unabhängig von einander. In Mexiko war Kupfer +das Hauptmetall, seltener war Bronze und beide wurden noch +neben dem Stein benutzt, im ganzen auch, wie die spärlichen +Funde beweisen, nicht häufig. Weiter war man in bezug auf die +Bronze in Peru, wo umgekehrt die Kupfergeräte seltener sind. +Alle metallurgischen Arbeiten dieser amerikanischen Kulturvölker +wurden ohne Gebläse ausgeführt. Die Analysen der Bronzen +ergeben eine große Verschiedenheit in der Zusammensetzung und +keinerlei Übereinstimmung zwischen mexikanischen und peruanischen +Erzeugnissen. + +In alle die hier aufgezählten Länder, den größeren Teil unserer +Erde, brauchten die Europäer nicht erst die Metalle zu bringen, +weil sie selbständig dort entdeckt und verarbeitet worden waren. +Das Eisen freilich haben sie in Amerika eingeführt; der Nordwesten +erhielt es ziemlich spät durch die Russen, in die übrigen Gebiete +hatten sich Spanier, Portugiesen und Briten geteilt. Den Peruanern +und Mexikanern war dasselbe nur »schwarzes Kupfer«. Metalllos war +die Südsee, deren zahlreiche Inselfluren sich über ein Gebiet von +hundert Längengraden erstrecken und wo zunächst die Spanier mit +der Verbreitung des Eisens begannen. Aber volle drei Jahrhunderte +hat hier der Prozeß der Metallverbreitung in Anspruch genommen, +denn erst das achte Jahrzehnt unseres Säkulums sah den Abschluß auf +Neuguinea, dessen Bewohner die letzten unseres Erdballes waren, +welche in die Metallkenntnis eingeführt wurden. + +Überblicken wir alle Gebiete, die wir mit Rücksicht auf die +Metalle durchwandert haben, so vermögen wir wohl eine große +Abwechselung, nirgends aber die »gesetzmäßige Reihenfolge« von +Stein, Bronze, Eisen zu entdecken. Bei den Naturvölkern, die +wir jetzt in ihrem Verhalten zur Metalldarstellung zu übersehen +vermögen, ist kein Grund für die Anlegung einer solchen Zwangsjacke +vorhanden. Die thatsächlichen Verhältnisse lassen da nichts +Schablonenhaftes erkennen. Hat es doch schon an und für sich +wenig Wahrscheinlichkeit, daß alle Völker in den verschiedensten +Ländern und ganz unabhängig, ohne Verkehr mit einander, zu +derselben Reihenfolge in der Erfindung der Metalle gelangt sein +sollen: Kupfer, Zinn, Bronze, Eisen. Wir werden im Verlaufe der +Darstellung sehen, daß gediegenes Kupfer, wo es vorhanden, von +Naturvölkern im kalten Zustande zu Waffen und Geräten gehämmert +wird; auch metallisches Zinn ist durch zufälliges Ausschmelzen +bekannt geworden. Doch zur Mischung der beiden räumlich getrennten +und nur durch den Verkehr zusammengeführten Metalle, zu ihrem +kunstreichen Formen und Gießen gehört mehr, als im Durchschnitt +bei Naturvölkern verlangt werden kann. Die Bronzedarstellung ist +nicht so einfach und leicht, wie jene des Eisens, welches die +primitivsten Völker zu erschmelzen wissen, während Bronze stets mit +einem höheren Kulturgrad verknüpft ist. Daraus mag man sich die +Parallele für unsere europäischen Vorfahren ziehen, die in ihrem +primitiven Zustande sicher eher auf die Eisendarstellung, als auf +das Komponieren und Formen der Bronze verfielen. + +Eine zweite Lehre, die wir aus dem Verhalten der Naturvölker +gegenüber den Metallen zu ziehen vermögen, betrifft die so +beliebten Entlehnungstheorien. Wieviel Mühe und Gelehrsamkeit +ist nicht aufgewendet worden, um die Metallkenntnis von einem +Mittelpunkt gleichsam konzentrisch ausgehen, sie durch ein Volk +zum anderen verbreiten zu lassen! Man braucht nur einmal die +verschiedenen nach und nach aufgestellten »Ursprungsquellen« +und »Lehrmeister« zusammenzustellen und man wird da auf eine +beträchtliche Anzahl Konkurrenten und auf die wunderlichsten +Widersprüche stoßen. Ich glaube, daß auf die Entlehnung und +das Übergehen der Metallkenntnis von einem Volke auf das +andere noch zuviel Gewicht gelegt wird und daß dadurch weit +schwierigere Verhältnisse künstlich geschaffen werden, als in der +That vorliegen. Ohne für viele Fälle das Entlehnen und Lernen +auszuschließen -- sie liegen zu häufig offenkundig zu Tage --, +meine ich doch, daß uns ein gesunder Polygenismus weiter bringt, +der die Metalle auch da erfunden sein läßt, wo sie in selbständiger +Weise uns entgegentreten. + + ~Leipzig~, im Februar 1884. + + =Dr. R. Andree.= + + +Fußnoten: + +[1] _Le fer, comme emploi industriel, est originaire d'Afrique. +En effet, c'est en Afrique seulement (!!) que nous rencontrons +des peuples sauvages, connaissant l'emploi du fer, sachant le +produire et travailler._ Dieser Satz des Herrn GABRIEL DE MORTILLET +(Bulletins de la soc. d'Anthropol. 1883. 562) zeigt wiederum die +große Oberflächlichkeit des bei uns noch ernst genommenen Mannes. + + + + +Inhalt. + + + Seite + + ~Vorwort und Einleitung.~ + + ~Das Eisen bei den Nigritiern~ 1 + + Eisen den Altägyptern bekannt 1. -- Älteste ägyptische + Eisenfunde 1. -- Das Eisen in den Inschriften 2. -- + Meteoreisen führt nicht zur Kenntnis des künstlichen + Eisens 2. -- Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von + Nord nach Süd 3. -- Kulturbeziehungen zwischen Negern und + Altägyptern 3. -- Altägyptische Blasebälge 4. -- Die Steinzeit + Afrikas 4. -- Historische Nachrichten über dieselbe 5. -- + Traditionen aus derselben 6. -- Funde aus der Steinzeit 6. + -- Späte Eisenkenntnis in Südafrika 7. und auf Fernando Po + 8. -- Eisenindustrie im Nilgebiete bei den Bari 8. -- Bei + den Djur 10. -- Schmelzöfen der Djur 11. -- Eisen bei den + Bongo 12. -- Eisenindustrie in Centralafrika 15. -- Bei den + Monbuttu 15. -- In Uganda 16. -- Am Kongo 16. -- Manjema, + das centralafrikanische Eisenland 17. -- Die Metalle in + Lunda 19. -- Bei den Ganguellas 19. -- Eisenindustrie in + Ostafrika 20. -- Die Raseneisenerze 20. -- Rohe Art der + Verhüttung in Ostafrika 21. -- Kunstfertige Schmiede und + Drahtziehen am Kilimandscharo 21. -- Eisengewinnung der + Waitumba 23. -- Eisenindustrie am Njassasee 24. -- Steinhämmer + 25. -- Eisenmangel bei den Masai 25. -- Eisenindustrie + im äquatorialen Westafrika 26. -- Bei den Fan 26. -- + Eisenindustrie in Nordwestafrika 27. -- Fremde Einflüsse in + diesem Teile des Kontinentes 27. -- Eisen als Geld 27. -- + Eisen in Tibesti 28. -- In Bornu und Sokoto 29. -- In Futa + Djallon 29. -- Bei den Mandingo 30. -- Goldarbeiter der + Mandingo 32. -- Eisenindustrie in Südafrika 33. -- Mangelnde + Kenntnis bei den Buschmännern 33. -- Eisengewinnung der + Hottentotten 33. -- Eisenindustrie der Kaffern 34. -- Der + Marutse 35. -- Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie 35. + -- Uralte bodenständige Industrie 36. -- Das Rohmaterial, der + Laterit 37. -- Rösten der Erze, Zuschläge, Köhlerei 37. -- + Arten des Ausbringens 38. -- Die Gebläse 38. -- Das Produkt + 39. -- Die Schmiedearbeit 39. -- Fremde Einflüsse 40. -- + Die Stellung der Schmiede in Afrika 40. -- Zauberkraft des + Eisens 41. -- Die europäische Parallele 43. -- Reste der alten + Eisendarstellung in Europa 44. + + ~Das Kupfer bei den Nigritiern~ 45 + + Vorkommen und Darstellung 45. -- Hofrat e Nahhas und seine + Kupferhütten 46. -- Das Katangakupfer 47. -- Weite Verbreitung + desselben 48. -- Kupfer am Binué, in Angola, Namaqualand und + Transvaal 48. -- Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege + 49. -- Kupferlegierungen in Afrika 50. -- Die Bronze der + Ägypter 50. -- Alter derselben 50. -- Zinndarstellung bei den + Negern 51. -- Einfuhr von Messing 51. -- Bronzedarstellung bei + den Kaffern 52. -- Drahtziehen der Neger 53. -- Goldarbeiten + an der Goldküste 53. -- Formen und Gießen in Guinea 54. -- + Priorität des Eisens 55. -- Kupferhandel 56. -- Gegenseitige + Wertstellung des Eisens und Kupfers 56. + + ~Das Kupfer in Vorderindien~ 58 + + Die Steinzeit in Vorderindien 58. -- Das Alter indischer + Bronzen 58. -- Die Quellen des Zinnhandels 59. -- Nur eine + Fundstätte von Zinn in Vorderindien 59. -- Vorderindien + bezog sein Zinn aus dem Abendlande 59. -- Zinn in Drangiana, + Chorassan 60. -- Seltenheit alter indischer Bronzen 61. -- + Alte Kupfergeräte in Vorderindien 62. -- Bergbau auf Kupfer in + Indien 63. -- Die Kupferhütten von Chetri 64. + + ~Das Eisen in Vorderindien~ 66 + + Alte Eisenfunde in Vorderindien 66. -- Eisen aus den + megalithischen Denkmälern in Malabar 66. -- Die Tumuli von + Oapur 67. -- Ausgrabungen in den Barrows der Centralprovinzen + 67. -- Gegenwärtige Eisenproduktion in Indien 69. -- Vorkommen + der Eisenerze 69. -- Verschiedene Schmelzmethoden 69. -- Der + Eisenhüttenbetrieb in Orissa 70. -- In Katak 72. -- In Alwar + 72. -- In Firospur 73. -- In Kamaon 73. -- Eisenschmelzen der + Khasias 74. -- Eisendarstellung auf Ceylon 75. -- Priorität + des Kupfers oder Eisens in Indien 76. -- Sprachliche Gründe + für das höhere Alter des Kupfers 77. -- Der indische Stahl + (Wootz) 78. -- Alte Nachrichten über das Eisen 78. -- + Eisenbenutzung auf den Andamanen 79. + + ~Die Zigeuner als Metallarbeiter~ 79 + + Indische Schmiede 79. -- Zigeunerschmiede 80. -- Schmelzöfen + der schottischen Zigeuner 81. -- Die Calderari 81. -- Die + Malkotsch 81. -- Bataillard's Ansichten über die Bronze 82. -- + Die Zlotari oder Gelbgießer in Galizien 82. -- Ihre Bälge 83. + + ~Die Metallurgie der Malayen~ 84 + + Alter der Metallkenntnis bei den Malayen 84. -- Stellung + der Schmiede 85. -- Die malayischen Gebläse auf Sumatra 86. + -- Eisenschmelzen der Dajaks 87. -- Die Gebläse auf den + Philippinen und in Pegu 88. -- Schmiede der Igorroten 89. -- + Schmiede auf Neuguinea 89. -- Malayisches Schmelzverfahren + und Gebläse auf Madagaskar 90. -- Kupfer bei den Malayen 91. + -- Kupferindustrie der Igorroten 92. -- Zinn bei den Malayen + 95. -- Vorkommen der Zinnerze in Hinterindien 95. -- Alter der + Zinnkenntnis in Hinterindien 96. -- Zinngruben von Malakka 96. + -- Von Bangka 97. + + ~Die Metalle in Hinterindien~ 98 + + Die jüngere Steinzeit in Kambodja 98. -- Alte Bronzen in + Kambodja 98. -- Die Eisengewinnung der Cuois in Hinterindien + 99. -- Eisenschmelzen in Birma 101. + + ~Die Metalle in China und Japan~ 103 + + Steinzeit in China 103. -- Alte Bronzen in China 104. -- + Ting-Urnen 104. -- Shang-Vasen 105. -- Zusammensetzung der + chinesischen Bronzen 106. -- Alter der Bronze und des Eisens + in China 106. -- Die eiserne Pagode von Tai-ngan-fu 107. -- + Gegenwärtige Eisenindustrie Chinas 107. -- Die Eisenschmelzen + von Schansi 108. -- Prähistorisches aus Japan 110. -- Die + Muschelhaufen von Omori 110. -- Japanische Steingeräte 111. -- + Heutiger Bergbau der Japaner 111. -- Aufbereiten der Erze 112. + -- Eisenschmelzöfen in Japan 113. -- Verhältnis von Kupfer und + Eisen in Japan 114. + + ~Die Metalle im Norden Asiens~ 114 + + Die Ostjaken als Eisenschmelzer 114. -- Jakutische + Eisenindustrie 115. -- Steinzeit Sibiriens 116. -- Steinzeit + in Kamtschatka 117. -- Einführung des Eisens durch die Russen + 117. -- Steinzeit und Eisen bei den Tschuktschen 118. -- Die + alten Tschudenbergbaue im Ural 119. -- Dergleichen im Altai + 120. -- Wer waren die Tschuden? 121. -- Kurgane und alte + Gräber in Sibirien 122. -- Bronzefunde von Krasnojarsk 122. + -- Die Kurgane am oberen Jenisei 123. -- Jüngere und ältere + Gräber 124. -- Die Türkstämme führten das Eisen ein 126. -- + Sprachliche Gründe dafür 127. + + ~Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen~ 128 + + Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt 128. -- Verwendung + von Meteoreisen bei den Eskimos 129.-- Meteoreisen in den + Mounds 132. -- Einführung des europäischen Eisens in Grönland + 132. -- Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien 133. + -- Japanische Dschonken vom Kuro Siwo verschlagen 133. -- + Der Tabak in Nordwestamerika durch die Russen eingeführt + 134. -- Eiseneinführung in Unalaschka, am Nutkasunde, + in Britisch Kolumbia 134. -- Europäisches Eisen in + kalifornischen Indianergräbern 135. -- In Gräbern in Yukatan + 136. -- Die Patagonier als Eisenarbeiter 136. -- Schmiede + in Nordwestamerika 137. -- Tradition der Tinné 137. -- + Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern 137. + + ~Das Kupfer bei den Nordamerikanern~ 139 + + Kupfergerät der Eskimos 139. -- Der Kupferminenfluß 139. -- + Kupfergeräte der Tinné 140. -- Der Athna oder Kupferfluß 140. + -- Die alten Kupferbergwerke am Oberen See 140. -- Verfall + derselben 141. -- Verbreitung der Kupfergeräte vom Oberen See + 142. -- Funde in den Mounds 142. -- Beschaffenheit der alten + Kupfergeräte 144. + + ~Kupfer und Bronze in Mexiko~ 145 + + Die Bronzegebiete Amerikas 146. -- Kultur der Mexikaner 147. + -- Kupfergeräte der Mexikaner 148. -- Die Zinngruben von Tasco + 150. -- Bronze der Mexikaner 150. -- Die Metalltechnik in + Mexiko 151. -- Bergbau in Mexiko 152. -- Kupfer in Nikaragua + 153. + + ~Die Metalle bei den Chibchas~ 153 + + Isolierte Kultur der Chibchas 153. -- Gold- und Bronzeobjekte + der Chibchas 154. -- Goldarbeiten von Antioquia 154. + + ~Kupfer und Bronze in Peru~ 155 + + Metallgeräte der Inkaperuaner 156. -- Kupfer 156. -- + Kupfergeräte in Chile 156. -- Analysen peruanischer + Bronzesachen 157. -- Die Bronzen von Chimu 158. + + ~Die Verbreitung des Eisens auf den Südseeinseln~ 160 + + Bekanntwerden der Insulaner mit dem Eisen 160. -- + Wertschätzung desselben 160. -- Eisen auf Neuguinea 162. + -- Abschluß der Eisenverbreitung über den Globus 162. + -- Archaistische Formung der neuen Eisengeräte bei den + Naturvölkern 163 -- und in prähistorischer Zeit 164. -- + Sprachliche Anpassung 164. -- Wirkungen des Eisens auf die + Ozeanier 165. + + + + +Verzeichnis der Abbildungen. + + + Seite + + Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON 4 + + Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER 9 + + Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach SCHWEINFURTH 11 + + Fig. 4. Durchschnitt desselben 11 + + Fig. 5. Grundriß desselben 11 + + Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 12 + + Fig. 7. Grundriß desselben 12 + + Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 13 + + Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH 14 + + Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH 14 + + Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach LIVINGSTONE 25 + + Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT 30 + + Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB 35 + + Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB 35 + + Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON 47 + + Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE 64 + + Fig. 17. Eisenofen in Orissa. Durchschnitt. Nach BLANFORD 70 + + Fig. 18. Seitenansicht desselben 70 + + Fig. 19. Obere Ansicht desselben 71 + + Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach BLANFORD 71 + + Fig. 21. Ausgepreßter Balg in Orissa. Nach demselben 71 + + Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach HOOKER 73 + + Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI 83 + + Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK 87 + + Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK 88 + + Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS 91 + + Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA 100 + + Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach BLANFORD 102 + + Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der Shang-Dynastie. + Nach V. RICHTHOFEN 104 + + Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie. + Nach V. RICHTHOFEN 105 + + Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE 130 + + Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art der + Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. + Geogr. Surveys, west of 100th meridian 135 + + Fig. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte Kupfergeräte. + Nach SHORTT 143 + + Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach DUPAIX 148 + + Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM 149 + + Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM 149 + + Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach PUTNAM 149 + + Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS 154 + + Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach EWBANK 156 + + Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte. Nach SQUIER 159 + + Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben 159 + + Fig. 55-56. Peruanische Bronzemesser. Nach demselben 159 + + Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben 159 + + + + +Das Eisen bei den Nigritiern. + + +~Eisen den Altägyptern bekannt.~ Wenn auch neuerdings Zweifel +geäußert worden sind, ob die alten Ägypter das Eisen gekannt +hätten[2], so sind doch solche Zweifel hinfällig gegenüber den +thatsächlichen Funden von altem Eisen in den Monumenten jenes +Volkes. Eisen existierte bereits vor 5000 Jahren, zur Zeit als die +große Pyramide gebaut wurde; ja, es war damals, wie LEPSIUS sagt, +»im gewöhnlichen Gebrauche«. Ein Stück davon, das beim Bau jener +Pyramide verwendet wurde, ist 1835 aufgefunden worden, eine 14 cm +lange und 5 cm breite Schabklinge, welche, luftdicht verschlossen, +sich bis auf unsere Tage erhalten hat.[3] Schon WILKINSON hat +darauf hingewiesen[4], daß in den Gräbern von Theben Fleischer +dargestellt sind, die ihre Messer an einem runden Metallstabe +schärfen, der an ihrer Schürze hängt; die blaue Farbe der Klingen +und die Unterscheidung von Bronze- und Stahlwaffen im Grabe RAMSES' +III., die einen rot, die anderen blau gemalt, lassen wenig Zweifel +darüber, daß die Ägypter der frühen pharaonischen Zeit mit dem +Gebrauche des Eisens vertraut waren, eine Beobachtung, welche in +bezug auf die polychrome Behandlung der die Metalle darstellenden +Hieroglyphen (rot = Kupfer, grün = Bronze, blau = Eisen) von +EBERS[5] und LEPSIUS bestätigt wird. + +Die Inschriften belehren uns vollkommen über das Vorkommen und +den Gebrauch des Eisens in der ältesten Zeit in Ägypten. Die +Reihenfolge der Metalle und einiger Mineralien, die auf den +Denkmälern befolgt wird, ist dort: Gold, Silber, Lasurstein, +Malachit, Kupfer und Men. Dieses Men nun ist, wie Lepsius gezeigt +hat[6], die älteste Bezeichnung für Eisen. Es werden daraus Geräte +gefertigt, Helme und Panzer wenigstens teilweise, auch Waffen. +In der späteren Zeit wird das Eisen dann _tehset_ genannt und zu +Thürschlössern, Beschlägen und ähnlichen Geräten verwendet. Man +erhielt es aus Persien, von einer Insel Mas und einem Orte Bektot. +Trotzdem meint LEPSIUS, daß die Entdeckung der Eisengewinnung sehr +wohl von Ägypten ausgegangen sein könne, da das Material dazu +genügend vorkomme und auch eine alte Eisenerzmine nachgewiesen +worden sei.[7] + +Eisen war ja außerordentlich früh auch bei den Nachbarvölkern der +Ägypter im Gebrauch und »es ist klar, daß auch die Ägypter es noch +viel früher, als bei jenen nachzuweisen ist, gekannt und allgemein +angewandt haben werden«. LEPSIUS sieht auch im gehärteten Eisen den +Stoff, mit welchem die Ägypter den Granit bearbeiteten, »doch ist +es sehr bemerkenswert, daß in allen Darstellungen des alten Reiches +blau gemalte Instrumente kaum nachzuweisen sein dürften«. Daraus +geht, nach ihm, wenigstens hervor, daß das Eisen im alten Reiche +sehr viel weniger im Gebrauche war und überall, wo es nicht wegen +seiner Härte unentbehrlich war, durch das Erz ersetzt wurde.[8] + +Über die Prioritätsfrage zwischen Eisen und Kupfer, resp. Bronze +in Ägypten läßt sich LEPSIUS nicht näher aus, wiewohl er geneigt +scheint, das Kupfer für älter anzusehen, was auch dadurch +Bestätigung erhält, daß das Wort für Eisen durch das Zeichen für +Kupfer, einen Schmelztiegel, determiniert wird. + +Die alten Ägypter kannten also das Eisen, wiewohl die meisten +Dinge des täglichen Gebrauches, die sich massenhaft in unseren +Museen befinden, von ihnen aus Bronze dargestellt wurden. Von +LAUTH ist die Ansicht aufgestellt worden, daß das erste Eisen, +welches die Ägypter zu Geräten verarbeiteten, ~meteorischen~ +Ursprungs gewesen sei. Mit Anlehnung an das koptische _benipe_ +(_ferrum_), in dem der erste Bestandteil das altägyptische _ba_ +ist, sucht er nachzuweisen, daß letzteres Eisen bedeutet. Er +fand es mit dem Zusätze _ne-pe_, des Himmels, somit Metall des +Himmels, meteorisches Eisen.[9] So verführerisch dieses aber auch +klingt, so läßt sich hiergegen doch manches einwenden, wie denn +andere Völker, die das Meteoreisen zu Messern etc. verwendeten +(z. B. die Eskimo) dadurch auch nicht zur Gewinnung desselben +geführt wurden. Was an sonstigen Gründen gegen die Ansicht, der +Mensch sei durch die Benutzung des Meteoreisens zur Fabrikation +des künstlichen Eisens gelangt, gesagt werden kann, hat L. BECK +zusammengestellt[10] und mag hier einfach darauf verwiesen werden. + +~Ausbreitung der Eisenkenntnis in Afrika von Nord nach Süd.~ +Es liegt nahe die Frage aufzuwerfen: Haben die Neger von den +Altägyptern die Darstellung des Eisens erlernt? Wir wollen dieselbe +nicht absolut bejahen, da es uns ganz denkbar erscheint, daß die +schwarzen Afrikaner selbständig auf diese Entdeckung gekommen sind, +wofür die große Verbreitung und Bodenständigkeit dieses Zweiges +der Metallurgie bei ihnen spricht; aber es sind trotzdem Anzeichen +vorhanden, welche einen uralten Einfluß der ägyptischen Kultur +und damit der Eisenkenntnis auf die südlicher wohnenden Nigritier +glaubhaft machen. Wer die Abbildungen in SCHWEINFURTHs Reisewerk +und in dessen Artes africanae aufmerksam betrachtet, wird betroffen +werden über die Übereinstimmung mancher Geräte und Waffen der +Neger mit jenen der Altägypter. Da finden wir die Nugaratrommeln +bei den Dinka genau so wie auf den Monumenten; Haarnadeln und +Löffel der Bongo und der Altägypter sind fast identisch und +wie diese ehemals die Schalen der Anodontamuschel als Löffel +benutzten, so jene noch heute. Im hohen Grade auffallend ist die +Übereinstimmung eines Kundih genannten Saiteninstrumentes bei den +Niam-Niam mit einem ganz gleichen Instrumente, einem Mittelding +zwischen Harfe und Laute, bei den Ägyptern. Der guitarreartige +Resonanzboden, die harfenartig gespannten Saiten, die Wirbel, alles +ist hier wie da.[11] Harfen und Lauten stimmen ja in ihrer Form +bei verschiedenen Völkern und in verschiedenen Zeiten recht gut +miteinander überein -- das merkwürdige ist aber hier die identische +Wiederholung eines alten zwitterhaften ägyptischen Instrumentes +bei den menschenfressenden Niam-Niam von heute und es wird schwer, +hier von dem Gedanken einer Entlehnung in alter Zeit abzusehen. +Demgegenüber muß aber auch nachdrücklich hervorgehoben werden, daß +eine Menge Kultureinrichtungen, die den Negern bei den Altägyptern +zu Gebote standen, nicht adoptiert wurden; ich erinnere nur an +die Drehscheibe, die in Ägypten bekannt, bei den Negern fehlt, wie +wohl letztere aus freier Hand Thongefäße von schönster Symmetrie +bilden. Dagegen deuten wieder auf eine Anlehnung an Ägypten die +altägyptischen ~Blasebälge~, die in ähnlicher Form noch heute +über ganz Afrika verbreitet sind. Solche Blasebälge aus der +Zeit des PHARAO THUTMES III. haben sich in Abbildungen (Fig. 1) +erhalten[12]; sie wurden paarweise abwechselnd mit den Füßen +getreten und dann mit den Händen wieder aufgezogen und waren auch +bei den Hebräern im Gebrauche.[13] Die Pfeifen und Düsen daran, +sowie die einfache Herstellung aus Lederschläuchen entsprechen +ganz den weiter unten noch häufig zu erwähnenden Negerblasebälgen. +Auch bei den Schmieden im heutigen Ägypten sind sie noch im +Gebrauche.[14] + +[Illustration: Fig. 1. Altägyptische Blasebälge. Nach WILKINSON.] + +~Die Steinzeit Afrikas.~ Will man für die Nigritier annehmen, +daß sie nicht selbständig die Kunst, das Eisen herzustellen, +erfunden, so lassen sich für eine Einführung dieser Kunst noch die +Phönizier als Lehrherren oder später die Alexandriner annehmen, +welche die Ostküste und die Häfen am Roten Meere beschifften. +Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres ersehen[15], +wurden im ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung (in welche der +Periplus gesetzt wird) in Adulis und anderen Küstenplätzen neben +anderen Waren eingeführt Messing (+oreichalkos+), das man zum +Schmuck und zerschnitten statt Münze gebrauchte, Kupferbarren, +»sowohl zum weiteren Schmelzen, als auch zum Zerschneiden für +Arm- und Schenkelbänder für manche Frauen« und Eisen, das zu +Lanzen gegen die Elefanten und andere wilde Tiere, wie gegen +die Feinde verwendet wird. Ebenso importierte man kleine Beile, +Holzäxte, Dolche etc., wofür dann im Tausch Elfenbein, Schildkrot +und Rhinozeroshorn gegeben wurden. Daraus ergiebt sich, daß +zu jener Periode die Metallindustrie bei den nordöstlichen +Afrikanern, den heutigen Nubiern und Abessiniern, noch nicht so +vorgeschritten sein konnte, daß sie den einheimischen Bedarf an +Metallgegenständen deckte. Daß in jenen früheren Perioden aber noch +Steingeräte bei den Afrikanern im Gebrauch waren, läßt sich aus +historischen Quellen nur spärlich belegen. DIODOROS SICULUS[16] +(erstes Jahrhundert vor Chr.) spricht von Schleudersteinen der +Libyer. Ob die Lanzen, welche dieser Schriftsteller an der +genannten Stelle erwähnt, eiserne oder steinerne Spitzen hatten, +ist nicht ersichtlich. Dagegen findet sich beim AGATHARCHIDES eine +Stelle[17], in welcher Pfeile mit steinernen Spitzen sehr genau +geschildert sind. Sie lautet: »Es bedienen sich in Kriegsgefahren +die Athioper großer Bogen, aber kurzer Pfeile; an der Spitze +des Rohrstabes ist anstatt des Eisens ein seiner Gestalt nach +länglicher Stein befestigt, der durch Sehnen festgebunden ist, +übermäßig spitz und in tödliches Gift getaucht.« STRABO erzählt +von den Sumpfbewohnern am Weißen Nil, daß sie sich »angesengter +Pfeile« bedienen, worunter wohl solche von Holz zu verstehen, die +durch Ankohlen der Spitze gehärtet sind, und von den »plattnasigen +Äthiopiern« sagt er, daß sie die Antilopenhörner als Waffen +gebrauchen.[18] + +Die Steinzeit der Afrikaner läßt sich, abgesehen von diesen +historischen Nachrichten, noch auf zweierlei Art beweisen: erstens +durch die Überlebsel aus derselben, zweitens durch die Funde von +alten Steingeräten. + +Zu den Überlebseln rechne ich die Kornreibsteine, die noch überall +im Gebrauche sind, die Verwendung von Steinen zu Hammer und Ambos +beim Schmieden, die Verwendung von Knochen zu Pfeilspitzen bei +den Buschmännern, die Benutzung knöcherner Schaufeln (aus dem +Schulterblatte des Elefanten) zum Ackerbau bei den Jangbara im +Westen von Gondokoro[19], die Pfeilspitzen aus hartem Holze neben +solchen aus Eisen im Reiche des Muata Jamwo.[20] + +Auch Traditionen aus der Steinzeit sind noch vorhanden. In einem +Hereromärchen, das unserem deutschen »Was geschenkt ist, bleibt +geschenkt« entspricht, hat das kleine Mädchen vom Vater ein Beil +geschenkt erhalten. Damit geht es aus und trifft Burschen, die +damit beschäftigt sind, Honig auszunehmen, »und um dieses thun zu +können, mußten sie ~die Bäume mit Steinen fällen~. Und es sprach +zu ihnen: Ihr Söhne unseres Hauses, warum gebraucht ihr doch +Steine, um den Honig herauszunehmen? Weshalb sagt ihr denn nicht, +unsere Erstgeborene, gieb uns das Beil?«[21] Eine Geschichte, die +sicherlich eine Erinnerung an die Steinzeit der Herero bewahrt. + +Was zweitens die Funde aus der Steinzeit selbst betrifft, so +habe ich ein reichliches Material zusammengestellt[22], welches +deren einstige Verbreitung über den ganzen Kontinent darthut. Die +Steinzeit läßt sich auch für Ägypten nicht mehr leugnen. Der ganze +Norden von der Oase Kufra im Osten bis zu der großen von Marokko +nach Timbuktu führenden Karawanenstraße im Westen weist Funde von +Steinwaffen und Geräten auf. Algerien, Marokko sind reich daran. +Sie sind aus Oberguinea, sehr reichlich aus Südafrika, aus dem +Somalland und Centralafrika bekannt, wiewohl die Berichte aus dem +letzteren noch spärlich lauten, selbstverständlich aus Mangel an +Beobachtung.[23] + +Wie bei uns in Europa zeigen die Funde der Steinzeit Afrikas auch +Entstehung in verschiedenen Epochen; alte Geräte vom Typus der +Driftfunde und neuere, polierte aus anscheinend späterer Zeit +mit verschiedenen Übergängen sind vertreten. Wunderbar ist die +Übereinstimmung nach Material und Form der afrikanischen mit +den europäischen Geräten und Waffen; dieselben Äxte, Schaber, +Meißel, Speer- und Pfeilspitzen, die Sägen, Späne und Nuclei +werden gefunden; auch »Ateliers« sind vorhanden und vom Material +wird, wie anderwärts, der Feuerstein bevorzugt wegen seiner Härte +und leichten Bruchfähigkeit. Daneben sind Basalte, Grünstein, +kieselreiche Sandsteine u. s. w. benutzt. + +Am allerreichlichsten sind die Steinobjekte aber in Südafrika +vertreten; hier haben wir auch die lebendige Tradition aus der +Steinzeit gefunden, hier benutzt der Buschmann noch Steingeräte +beim Ackerbau; nach allem zu schließen, hat gerade in Südafrika +die Steinzeit am längsten gedauert, ist hier am spätesten die +Kunst, das Eisen zu schmelzen, zur Ausübung gekommen. Zwar meint +O. SCHRADER[24]: »Jedenfalls muß das Eisen im südlichen Afrika am +ersten bekannt gewesen sein«, allein er weiß dafür keinen anderen +Beweis anzuführen, als daß die Bachapin, ein Kaffernstamm, alle +Metalle vom Standpunkte des Eisens _tsipi_ aus benennen, nämlich +Gold _tsipi e tseka_ gelbes Eisen, Silber _tsipi e shu_ weißes +Eisen, Kupfer _tsipi e kubila_ rotes Eisen. Dieses zeigt jedoch +nur, daß ihnen unter den Metallen das Eisen am frühesten bekannt +war, beweist aber nichts dafür, daß zuerst Südafrika das Eisen +kannte. + +Gerade das Gegenteil war der Fall, wofür außer den in Südafrika +am lebendigsten vorhandenen Traditionen aus der Steinzeit und +den reichsten Funden aus derselben noch die Berichte der ersten +europäischen Händler sprechen. Die am Kap und überhaupt im Süden +wohnenden Stämme warfen sich nämlich mit Begierde auf das ihnen +zugeführte europäische Eisen, was nicht der Fall gewesen wäre, wenn +die heimische Eisenindustrie irgendwie entwickelt gewesen wäre. +An der Westküste, nördlich vom Kap, traf 1598 JOHN DAVIS (an der +Saldanha Bai) auf viehzüchtende Hottentotten. Für ein Stück von +einer alten eisernen Schaufel erhielt er ein fettes Schaf oder +einen Ochsen; doch bereits sechs Jahre später, 1604, klagt NICHOLAS +DAUNTON, Kapitän des Schiffes »Pepper Corne«, daß dieser schöne +Zustand der Dinge, der Verkauf eines _beife for a piece of an iron +hoope of fourteen inches long and a sheepe for a lesser piece_ zu +Ende sei, da die Holländer _by their ouer much liberalitie_ den +Markt verdorben hätten.[25] + +Das deutet doch alles auf eine späte Einführung der +Eisenschmelzkunst im Süden. Dazu nehme man die lebendige Tradition, +in der selbst von Messern aus der Rinde des Zuckerrohres die Rede +ist, welche ähnlich wie Bambussplitter benutzt wurden.[26] + +Auch auf der Insel Fernando Po ist das Eisen erst durch die +Europäer (entdeckt 1471 durch FERNAO DO PO) bekannt geworden. +»Mir wurde mitgeteilt,« erzählt Konsul HUTCHINSON, »daß an einem +Orte mit Namen Bassakatu, bei Ballilipa, der König noch Steinäxte +aufbewahre. Mit diesen Geräten spaltete man Holz oder hieb die +Palmnußbündel von den Bäumen ab, ehe man dort das Eisen kannte. +Dieses Metall lernten sie zuerst im Austausch von Früchten und +Vieh gegen unsere Schaufeln kennen bei den frühesten Besuchen +europäischer Händler auf ihrer Insel. Jetzt sind sie zur Kultur +der Birminghamäxte, Messer und Beile vorgeschritten, welche sie im +Tauschhandel gegen Yams und Palmöl erhalten.«[27] Dabei hat aber +der Kontinent seit langem das Eisen gekannt. + +Aus allem diesem scheint mir soviel hervorzugehen, daß die Kenntnis +der Eisengewinnung in Afrika von Nordosten nach Süden und Westen +vorrückte und ohne irgend eine Zwischenperiode der Steinzeit +folgte. In der That treffen wir auch bei den Völkern im Gebiet +des Nil und bei den benachbarten Stämmen die Eisenindustrie am +höchsten entwickelt, weil dort wohl am ältesten. Ich will es nun +versuchen, einen Überblick über den Stand und die Ausbreitung +der Eisenfabrikation in ganz Afrika zu geben, wobei ich in +geographischer Reihenfolge verfahre. Wiederholungen lassen sich +dabei nicht vermeiden, aber es liegt mir daran, das Material +zusammenzubringen, um damit auch anderen zu einem möglichst +genauen Einblick zu verhelfen. Vorausgeschickt werde mögen, daß +Eisenerze, die bei niedriger Temperatur geschmolzen werden, kein +Gußeisen liefern, sondern ein unreines Schmiedeeisen. In unseren +europäischen Hochöfen, wo eine große Hitze erzeugt wird, sickert +das ausgeschmolzene gekohlte Eisen im dünnflüssigen Zustande in +den Herd des Ofens und wird hier »abgestochen«, d. h. es läuft, +nachdem das Öffnungsloch des Herdes frei gelegt ist, in einem +Strome heraus. Das so gewonnene und in Sandformen abgekühlte Eisen +ist sprödes, nicht schmiedebares Gußeisen (Roheisen). Anders bei +dem ursprünglichen und von den Naturvölkern angewendeten Verfahren, +wo nicht so große Hitze erzeugt wird und eine andere Art Eisen +entsteht, ein nur weiches, nicht flüssiges Schmiedeeisen, das am +Grunde des Ofens mit Schlacke und Kohle vermischt als »Stück«, +»Luppe« oder »Wolf« sich absetzt und das dort herausgenommen werden +muß. + +~Eisenindustrie im Gebiete des Nil.~ Den Schmied bei der Arbeit +am blauen Nil in Sennar hat MARNO abgebildet[28], doch lassen die +Zange und die Form des Hammers, beide europäischer Gestalt, hier +bereits auf fremden Einfluß schließen, da der Afrikaner sonst +erstere durch ein Stück gespaltenes Holz ersetzt und an Stelle +des Hammers einen Stein oder ein konisches Stück Eisen ohne Stiel +anwendet. Nach der von MARNO gegebenen Abbildung schließen die +Blasebälge hinten mit einer Klappe. + +[Illustration: Fig. 2. Schmiede im Barilande. Nach V. HARNIER.] + +Bei den Bari unter 5° nördl. Br. am Weißen Nil sind die +Wanderschmiede eine verachtete Pariakaste, dennoch aber den +Schwarzen unentbehrlich. »Aus eisenhaltigem Kies, der vielfach +in diesen Ländern oberflächlich zu finden ist, wird das Roheisen +auf höchst einfache Art gewonnen; sehr primitiver Art sind auch +die Blasebälge, deren sich die Schmiede bedienen. Zwei thönerne +Gefäße, ähnlich einem Trichter, dessen sich verengernder Hals +seitwärts gebogen ist, werden auf dem Boden so aufgestellt, daß +die beiden Mündungen gegen die Feuerstelle gerichtet sind; ihre +obere breite Öffnung wird mit einem Stück durch Anfeuchten dehnbar +gemachter Tierhaut, in der Mitte mit einer Handhabe versehen, fest +zugebunden. Durch rasches Auf- und Niederbewegen dieser Haut und +das dadurch entstellende Ein- und Ausströmen der Luft durch die +Mündung am Feuer wird ein doppeltes Gebläse und die nötige Hitze +bewirkt. Das von Natur äußerst weiche, so glühend gemachte Eisen +wird von dem Schmiede auf einem als Ambos dienenden Stein mit +einem den Hammer ersetzenden zweiten Stein geschmiedet, indem er +es mit einer leichten Zange handhabt (Fig. 2). Das Stählen und +Schweißen des Eisens ist nicht bekannt.«[29] Genau so sind die +Schmiedevorrichtungen weiter östlich bei der Latuka.[30] + +Hochentwickelt ist die Eisenindustrie im Bar-el-Ghasalgebiete +an den westlichen Zuflüssen des Weißen Nil, zwischen 3° und 8° +nördl. Br. und 26° und 30° östl. L. v. Gr., wo wir auf fast +durchweg eisenhaltigem Boden uns befinden. Hier läßt sich mit +einigen geringen Abwechselungen bei bald größerer, bald geringerer +Geschicklichkeit eine vorgeschrittene und im ganzen sich gleich +bleibende Weise der Eisengewinnung nach Art der alten Rennarbeit +nachweisen. + +Zwischen 7° und 8° nördl. Br. und 28° und 29° östl. L. v. Gr. +wohnt das Volk der Djur. Ihr Land ist die unterste Terrasse des +eisenhaltigen ostafrikanischen Felsbodens; auf Hunderte von Meilen +ist dort der Raseneisenstein verbreitet, doch nur an einzelnen +Stellen sind die Brauneisensteinaggregate genügend zur Verhüttung +vorhanden. An der Hauptseriba Kurschuk Alis sah SCHWEINFURTH bei +einer solchen ausgiebigen Stelle ausgedehnte Gruben von drei +Meter Tiefe angelegt, aus welchen die Djur ein Material zu tage +förderten, welches der bei uns Rogenstein genannten Varietät am +meisten gleicht. Große Mengen von Eisenocker finden sich dazwischen +überall eingesprengt; diesen werfen die Djur weg, da sie ihn bei +ihrer Behandlungsmanier nicht zu verwerten wissen. Im März, kurz +vor Beginn der Aussaat, verlassen die Djur ihre Hütten, um teils +zum Fischfang an die Ufer der Flüsse zu ziehen, teils um sich +mit Erzschmelzen im Walde zu beschäftigen. Inmitten eines recht +holzreichen Platzes formt man die Schmelzöfen aus reiner Thonerde +und gruppiert sie nach der Zahl der sich beteiligenden Arbeiter bis +zu einem Dutzend hintereinander an schattigen, von Strauchhecken +und Dornumfriedigungen umgebenen Stellen. Das Ausschmelzen des +Erzes erfolgt mit Holzkohlen. Allein auf Kohlenbrennen verstehen +sich die Djur ebensowenig als die Bongo, weder wissen sie den Brand +unter Abschluß der Luft in Gruben, noch in regelrechten Meilern zu +bewerkstelligen; ihr ganzes Verfahren besteht darin, kleingehauene +Holzstücke schnell in Brand zu stecken und in vollen Flammen +auseinanderzuwerfen, bis das Feuer erstickt, oder sie dämpfen +das Feuer nur durch Aufgießen von Wasser; das werden dann die +Kohlen. »Mir ist nicht bekannt,« sagt SCHWEINFURTH, dem wir obige +Nachrichten über die Eisengewinnung der Djur verdanken, »ob andere +Negervölker hinter die Geheimnisse der Kohlenbrennerei gelangt +sind. Sollte das von den Djur gesagte für ganz Afrika gelten, so +könnte man hierin leicht eine Erklärung finden für die merkwürdige +Erscheinung, daß das Eisen trotz seiner ungeheuren Massenhaftigkeit +in Afrika bisher noch von keinem Volke daselbst im großen gewonnen +wurde. Allerdings fehlt es an Kalk, um steinerne Bauten aufführen +zu können.«[31] Wir werden jedoch weiter unten sehen, daß +regelrechte Meiler bei den Negern vorkommen. + +[Illustration: Fig. 3. Tundsch, Schmelzofen der Djur. Nach +SCHWEINFURTH.] + +[Illustration: Fig. 4. Durchschnitt desselben. Nach SCHWEINFURTH.] + +[Illustration: Fig. 5. Grundriß desselben. Nach SCHWEINFURTH.] + +Fig. 5 zeigt den Grundriß des Schmelzofens der Djur mit vier +Zuglöchern zur Einfügung der Düsen, durch welche ein starker +Luftzug dem Boden des Ofens zugeführt wird. Vor der einen +Öffnung befindet sich die zur Ansammlung der Schlacken dienende +Grube. Fig. 4 zeigt den Ofen im Längsdurchschnitt mit der +becherförmigen Erweiterung am oberen Ende, welche zur Aufnahme des +feinzerstückelten Brauneisensteins dient, wie er in diesem Lande +massenhaft aller Orten zu tage gefördert zu werden vermag. Der +Schacht wird bis zur erweiterten Stelle mit Holzkohlen aufgefüllt +und von unten auf in Brand gesetzt. Zuletzt ist der Brand so +vollständig, daß man die Flamme hoch zur oberen Öffnung durch +die Erzmasse hindurch emporzüngeln sieht. Nach Verlauf von 40 +Stunden beginnen die Eisenpartikelchen in tropfbarer Form durch +die glühende Kohlenmasse hindurchzusickern, um sich in der Grube +auf dem Boden des Gestelles zu sammeln. Die Masse wird aus einer +der Düsenöffnungen hervorgeholt und später durch wiederholtes +Hämmern mit Steinen und wiederholtes Erhitzen im Feuer im +Schmiedeofen in dem Grade von jeder Mineralbeimengung gereinigt, +bis alle Eisentropfen zu einer homogenen Masse zusammengeschweißt +erscheinen, woraus ein vorzügliches Schmiedeeisen erzielt werden +kann. Dieser thönerne Schmelzofen ist 1,3 m hoch und heißt Tundsch +(Fig. 3). Die einzelne Düse wird Atschu genannt.[32] PETHERICK, +der den Prozeß in gleicher Weise schildert, fügt hinzu, daß die +Schlacken noch gepocht und durch Waschen daraus die kleinen +Eisenkügelchen gewonnen werden. In einem Schmelztiegel werden sie +dann im Schmiedefeuer zusammengeschmolzen.[33] + +Südliche Nachbarn der Djur sind die Bongo oder Dor, bei denen die +Eisenindustrie noch höher als bei jenen entwickelt ist. Ihre ganze +Kunstfertigkeit konzentriert sich auf die Gewinnung und Bearbeitung +dieses wichtigen Metalles, dessen Besitz ihnen eine gewisse +Überlegenheit über die nicht Eisen erzeugenden Dinka erteilt zu +haben scheint. Wenn die Feldgeschäfte beendigt sind, betreiben die +Bongo Eisenindustrie. Erzreicher Boden findet sich im ganzen Lande; +die Eisenarbeiter suchen vornehmlich diejenigen losen Eisenthone +auf, welche durch Hochwasser etwas gereinigt und in muldenartigen +Vertiefungen mit Humus und Thon angeschwemmt vorkommen. Diese haben +auch die zweckdienlichste Form, da es meist Körner von Eigröße bis +zu der einer Bohne sind.[34] Die Öfen der Bongo, welche sie zur +Ausbringung der Eisenerze benutzen, sind von zweierlei Art; die +eine schildert uns SCHWEINFURTH, die andere TH. V. HEUGLIN. + +[Illustration: Fig. 6. Berr, Schmelzofen der Bongo. Nach +SCHWEINFURTH.] + +[Illustration: Fig. 7. Grundriß desselben.] + +SCHWEINFURTH schreibt: »Bei den Bongo heißt der thönerne, zur +Gewinnung des Eisens dienende Schmelzofen Berr; er ist nur 1,5 +bis 1,7 m hoch und ganz aus Thon; denn zu mauern verstehen diese +Völker nicht, auch gebricht es ihnen hierzu an Kalk. Fig. 6 +zeigt einen Längsdurchschnitt durch den in Gestalt einer Glocke +aufgeführten Schmelzofen. Im Innern desselben nimmt man drei +Abteilungen wahr, von denen die mittelste zur Aufnahme von +Eisenmineral und Holzkohle in abwechselnder Schichtung bestimmt +ist, die obere und die untere Abteilung dagegen mit reiner Kohle +gefüllt werden. Von der untersten, das Gestell darstellenden +Zelle ist die mittlere durch eine ringartige Verdickung an der +Innenwandung des Ofens abgegrenzt, letztere dient als Rast. Die +oberste kugelrunde Zelle steht mit der mittleren nur durch eine +zur Vermehrung des Luftzuges sehr verengte Öffnung in Verbindung. +Am Fuße des Ofens sind vier Öffnungen angebracht, durch welche die +Düsen eingeführt werden; eine fünfte ist nach Belieben mit Thon +zu verschmieren, um durch sie die in der Bodengrube angesammelten +Schlacken herauszuschaffen.« Fig. 7 zeigt den Ofen im Grundriß; +die vier eingesetzten Düsenrohre werden mit ebenso vielen +Blasebälgen in Verbindung gesetzt, um einen sehr starken, den +Verbrennungsprozeß beschleunigenden Luftdurchzug durch den Ofen zu +treiben. Das Gebläse, Borro, Fig. 8, besteht aus zwei mit Häuten +überspannten Thongefäßen. Die in den nebeneinander gestellten +Gefäßen befindliche Luft wird durch das Niederdrücken der über +ihre obere Öffnung gespannten Häute hinausgestoßen und in dem +röhrenförmigen Gefäße zu einem Strom vereinigt. Die Vereinigung der +beiden alternierenden Luftströme soll dem Mangel einer Ventilklappe +abhelfen, welche Einrichtung den Negervölkern unbekannt geblieben +ist. + +[Illustration: Fig. 8. Borro, Blasebalg der Bongo. Nach +SCHWEINFURTH.] + +Gewöhnlich bedienen sich die Bongoschmiede als Ambos sowohl als +auch als Hammer eines glatten Gneis-Steines oder Kiesels. Zuweilen +dient statt deren ein viereckiger 0,2 m langer Eisenblock. In +jedem Falle ist die sehnige Hand des Negers der einzige Stiel +dieses plumpen Werkzeuges. Als Zange dient, wie Fig. 9 zeigt, +ein gespaltenes Stück grünen Holzes, das durch einen Ring +zusammengehalten wird. Dasselbe ermöglicht das Hervorholen der +rotglühenden Masse aus dem Schmiedefeuer und das Festhalten +derselben während des Hämmerns. Abgesehen von kleinen Meißeln, +zur Hervorbringung feinerer Stacheln und Widerhaken, fehlen den +Bongoschmieden andere Werkzeuge. Ihre mit zahlreichen Stacheln +und Widerhaken versehenen Lanzen (Fig. 10) erregten SCHWEINFURTHs +höchste Bewunderung. »Kein anderes Erzeugnis centralafrikanischer +Eisenarbeit kann diesen Meisterwerken an die Seite gestellt +werden.«[35] + +[Illustration: Fig. 9. Zange der Bongo. Nach SCHWEINFURTH.] + +[Illustration: Fig. 10. Bongolanzen. Nach SCHWEINFURTH.] + +HEUGLIN[36] schildert einen einfacheren Ofen, welcher mehr jenem +der Djur entspricht, aber ohne die kelchartige obere Ausbauchung +derselben. Man gräbt in die Erde ein Loch von 2/3 bis 1 m Tiefe +und 2/3 m Durchmesser, kleidet es mit Thon aus und läßt diesen +vollkommen trocknen. Dann füllt der Schmied die Grube mit Kohle +aus hartem Holz, welche er auch in Thongruben gebrannt hat, +und giebt obenauf einen Satz gut gereinigtes Erz ohne weiteren +Zuschlag von Kalk oder Quarz, welche Gesteine hier überhaupt gar +nicht vorkommen. Über den Herd, wenn man die Grube so nennen kann, +stellt man eine trichterförmige 1-2 m hohe Esse, gleichfalls von +gebranntem Thon. In den Herd führen überdies vier bis sechs schräg +angebrachte Öffnungen, in welche ebenso viele thönerne Röhren oder +Düsen eingeführt werden. Ist die Esse gehörig auf den Herd gepaßt, +sind die Fugen mit Thon verstrichen und letzterer abgetrocknet, so +giebt man von unten Feuer. Auf jedem Düsenrohr ist ein lederner +Sack befestigt, welcher als Blasebalg dient und beständig mit +der Hand oder mittels eines kleinen Stockes aufgezogen und +zusammengedrückt wird. Der Satz geht binnen weniger als einer +Stunde nieder und auf dem Grund des Ofens bleibt ein durch +Schlacken etwas verunreinigtes, stahlartiges Schmiedeeisen, welches +dann auf einem steinernen oder eisernen Ambos ausgehämmert und zu +runden Platten (Melót) oder zu Lanzen verarbeitet wird. Häufig ist +dieses Produkt aber noch nicht gar und rein genug und enthält noch +zu viel Kohlenstoff. In diesem Falle und überhaupt, wenn etwas +feinere Ware dargestellt werden soll, muß ersteres noch eine Art +Frischprozeß durchmachen. Dieses geschieht wieder in einer Grube, +die jedoch kleiner und flacher ist, als die, in welcher geschmolzen +wurde, auch fehlt hier die Esse. In diesen Frischherd münden zwei +sich gegenüberliegende Doppeldüsen, welche auch etwas Steigung +nach der Mitte des Herdes haben. Das zu reinigende Eisen liegt, in +Kohlen eingehüllt, im Herd und nun wird wieder gefeuert und mit +Handblasebälgen beständig Wind gegeben, bis die nötige Entkohlung +stattfindet und das Eisen zu schweißen beginnt. Die Eisenmenge, +welche durch einen Satz gewonnen wird, beträgt nicht über einige +Pfund, das Erz dürfte kaum 15-18% Metall enthalten. Das Erzeugnis +selbst ist gerne rotbrüchig, die Arbeit trotzdem jedoch sauber. + +~Eisenindustrie in Centralafrika.~ Noch südlicher, zwischen +3° und 4° nördl. Br., wohnen die Monbuttu, das kunstfertigste +centralafrikanische Volk. Da sie Bewohner derselben roten Eisenerde +sind, welche sich vom Gazellenflusse aus über einen großen Teil von +Centralafrika zu erstrecken scheint, so nimmt das Schmiedehandwerk +unter ihren Kunstfertigkeiten eine hervorragende Stellung ein und +sie übertreffen darin alle übrigen Völker des von SCHWEINFURTH +bereisten Gebietes. Die Gewinnung des Materiales, die ventillosen +Blasebälge sind so, wie sie eben bei Djur und Bongo geschildert +wurden. Statt der Häute aber, welche die Thongefäße der Blasebälge +zum Luftpumpen abschließen, bedecken sie dieselben mit abgebrühtem +Bananenlaub, welches durch derartige Behandlung mit heißem Wasser +eine seidenartige Geschmeidigkeit annimmt. Kneifzange, Feilen und +Hämmer fehlen auch bei ihnen, doch haben sie statt des steinernen +einen eisernen Ambos. Um die geschmiedeten Waffen zu wetzen und zu +schärfen, bedienen sie sich eines feinkörnigen Sandsteines oder +einer Gneisplatte. Faustgroße Eisenklumpen bilden das Rohmaterial, +aus welchem der Künstler seine Waffen formt. »Ihre Geschicklichkeit +ist bewundernswürdig und ihre Gewandtheit, in kürzester Frist aus +solchen Klumpen Spaten und Lanzen zu formen, ohne Beispiel. Das +Meisterstück des Monbuttuschmiedes sind die feinen Eisenketten, die +als Schmuck getragen werden und welche, was Formvollendung und +Feinheit anbelangt, mit unseren besten Stahlketten konkurrieren +können. Der Prozeß des Stählens ist ihnen natürlich unbekannt und +die Härtung wird durch fortgesetztes Hämmern erzielt.«[37] + +Im äquatorialen Centralafrika wiederholt sich der Eisenreichtum +und die kunstfertige Verarbeitung dieses nützlichen Metalles in +gleicher Weise, wie bei den oben in Betracht gezogenen Völkern. In +Uganda, dem Reich des Königs Mtesa, ist die Eisengewinnung samt den +nötigen Apparaten dieselbe, wie bei den eben erwähnten Nilvölkern, +doch sind von Sansibar aus hier bereits eiserne Hämmer, Zangen und +Feilen (durch die Araber) in das Land gebracht worden.[38] Schnell +greifen in Uganda, das zuerst vor 20 Jahren durch SPEKE bekannt +wurde, europäische Methoden um sich und die Waganda verstehen es +jetzt schon, Flintschloß- in Perkussionsgewehre zu verändern und +Patronenhülsen aus Messing zu gießen.[39] In der Rüstkammer des +Königs Rumanika von Karagwé, im Westen des Victoriasees, fand +STANLEY »eiserne Streitäxte von wirklich bewundernswerter Arbeit, +Speere mit doppelten Klingen, mehrere gewaltig große Klingen +mit außerordentlich scharfer Schneide, 19 cm querüber und 42 cm +lang, vorzüglich gute Speere, einige mit Klingen und Schäften +von zusammengeschmiedetem Eisen, andere mit einem kettenförmigen +Schaft und andere mit Massen kleiner starrer und scharfer Ringe, +die unten an der Klinge und am Ende des Stabes kugelähnlich +zusammengeballt sind. Es waren ferner aufgestellt: große in Eisen +gefaßte Fliegenwedel, deren Griffe bewundernswerte Probestücke +einheimischer Kunst waren, massive Messer, den Hackemessern der +Fleischer ähnlich, mit polierten Klingen«.[40] + +Im Lande Uregga am Kongo, unter dem Äquator, fand derselbe Reisende +eine hochentwickelte Eisenindustrie mitten im Urwalde. Ein +Schmelzofen war errichtet und dabei eine Schmiede, in welcher etwa +ein Dutzend Leute arbeiteten. Das Eisenerz ist sehr rein. »Hier +sah ich die Speere von Süd-Uregga mit breiter Klinge und ebenfalls +breite Messer von allen Größen, vom kleinen, drei Centimeter langen +Taschenmesser an bis zum schweren, einem altrömischen Schwerte +ähnlichen Hackmesser.« Der Schmelzofen aus Lehm, die Blasebälge, +deren »Brausen man fast eine halbe englische Meile weit hört«, +die thönernen Düsen, das alles ist ungefähr so, wie auch weiter +oben geschildert. Dicht neben dem Schmelzofen standen aus Matten +verfertigte Säcke mit Holzkohle aufgeschichtet und dabei ein paar +Knaben, welche das Feuerungsmaterial herbeitrugen; ungefähr 2 m +weiterhin war eine kleine Schmiede hergerichtet, wo das Eisen +zu Hämmern, Beilen, Streitäxten, Spießen, Messern, Schwertern, +Draht, eisernen Kugeln mit Spitzen, Bein- und Armbändern, eisernen +Knöpfchen, Perlen etc. geformt wurde. »Die Kunst dieser Schmiede +steht in diesen Wäldern, wenn man die Abgeschiedenheit der Bewohner +in Betracht zieht, auf einer hohen Stufe der Ausbildung. Die Leute +zeigen viel durch Überlieferung fortgepflanzte Fertigkeit.«[41] Und +so ähnlich den Kongo weiter abwärts, wie aus verschiedenen Stellen +bei STANLEY ersichtlich. + +In den südlich vom Kongo gelegenen Landschaften und an den +Zuflüssen dieses Riesenstromes finden wir gleichfalls eine rege +Eisengewinnung und Verarbeitung. Von Manjema sagt der Reisende +CAMERON: »_In fact this country may be called >the black country< +of Africa. I have seen foundries 50 feet long by 30 feet wide. As +many as twenty bellows are worked at one time and 150 to 200 pounds +of metal are frequently obtained in one smelting._«[42] + +Das Erz wird in diesen Gegenden aus tiefen Gruben gewonnen und +ist »eine Art Hämatit«. Zerstörte alte Schmelzwerke trifft man +vielfach.[43] + +Was die Einrichtung der Hütten, die Gebläse und die Schmiedearbeit +in Manjema betrifft, so gebe ich hier CAMERON's Bericht vollständig +wieder: »Jedes dieser Dörfer,« sagt er, »besaß zwei oder drei +Schmelzhütten bis zu 9 m lang und 6 m breit, mit niedrigen Mauern +und sehr hohem Dache, in der Mitte mit einer Grube von 1,5 m +Breite, 1 m Tiefe und 5,5 m Länge, an dem einen Ende etwas flacher +als am anderen und mit einem quer über letzterem, etwa 2 m von +dem flachen Ende stehenden thönernen Ofen von 1 m im Durchmesser. +Die kleinere von den beiden Abteilungen der Grube diente als +Feuerstatt, die andere als Reservoir, in welches das Erz und die +Schlacken abflossen, während kleine Abteilungen um den Rand herum +Holzkohlen und Eisenerze enthielten. Um Luftzug hervorzubringen, +wird oft ein Dutzend Paar Blasebälge gleichzeitig in Thätigkeit +gesetzt; sie bestehen aus zwei vertikal nebeneinander laufenden +Holzcylindern mit Ventilen, die alle in ein einziges, vor der +Einwirkung des Feuers durch einen Lehmüberzug geschütztes Blaserohr +münden. Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt und mit einer in der +Mitte befestigten 80 cm langen Stange versehen; ihre Thätigkeit +wird dadurch bewirkt, daß man, mit jeder Hand eine der beiden +Stangen erfassend, diese abwechselnd so schnell als möglich auf +und ab bewegt. Auf diese Weise erzeugt man einen ausreichenden und +beständigen Luftstrom.«[44] + +Da ich das CAMERONsche Originalwerk nicht besitze, vermag ich +die Übersetzung an dieser Stelle nicht zu controllieren. Höchst +auffallend ist die Erwähnung von »Ventilen«, die sonst in ganz +Afrika nicht vorkommen und die durch Entlehnung wohl schwerlich +nach dem so abgelegenen, erst neuerdings von Europäern entdeckten +und besuchten Lande (LIVINGSTONE 1871, CAMERON 1874, STANLEY 1876, +WISSMANN und POGGE 1881) gelangt sein können. Ich bin geneigt, +hier ein Versehen anzunehmen. Wenn es ferner bei CAMERON heißt: +»Die Cylinder sind mit Zeug umwickelt«, so müssen darunter die +elastischen Häute verstanden werden, mit welchen, wie anderwärts, +die Cylinder oben geschlossen sind. + +Was das Schmiedeverfahren in Manjema betrifft, so wird das +erschmolzene Eisen in etwa 1 Kilo schwere Stücken gehämmert, welche +die Form von zwei, an ihrer Basis mit einander verbundenen Kugeln +haben und an deren beiden Enden ein Stift vom Umfang einer dicken +Stricknadel hervorragt. In solcher Gestalt kommt das Metall in den +Handel. Als Schmiedewerkstätten dienen offene kleine Schuppen. Die +Ambosse und die schweren Hämmer sind von Stein, die leichteren +Hämmer von Eisen; an jene ist ein Strick mit zwei Schlingen +befestigt, durch welche sie gehandhabt werden; die eisernen Hämmer +aber haben gar keinen Stiel, sondern werden einfach mit der Hand +gepackt.[45] + +Weiter im südlichen Kongobecken ist Urua ein Eisenland, wo +CAMERON häufig »rauchende Kohlenmeiler« und bei einigen Dörfern +Eisenschmelzen sah, die er nicht näher schildert. Das Erz wurde aus +5-9 m tiefen Gruben gefördert.[46] + +Südwestlich von Urua ist Lovale, ein anderes centralafrikanisches +Eisenland, zwischen 11° und 12° südl. Br. und 20° und 21° östl. L. +v. Gr. CAMERON sah dort »einen Schmelzofen von merkwürdiger Form«, +die er leider nicht näher schildert. Das Erz findet sich in großen +Klumpen auf dem Grunde der Flüsse, von wo man es gegen Ende der +trockenen Jahreszeit mit Schleppnetzen herausholt.[47] + +Von Lunda, dem angrenzenden Reiche des Muata Jamwo, erzählt uns +POGGE, daß das Eisen dort vielfach aus Kioko (weiter westlich +gelegen) eingeführt, aber auch im Lande selbst gewonnen wird. Außer +Eisen, Kupfer und dem von der Westküste kommenden Messingdraht sind +keine Metalle im Lande bekannt. Das Schmiedehandwerk in Mussumba, +der Hauptstadt Muata Jamwos, befindet sich vielfach in den Händen +eingewanderter Kiokoschmiede.[48] OTTO SCHÜTT ist bei den berühmten +Eisenerzgruben der Kioko vorbeigekommen; sie liegen am Bache +Cavemba, einem Nebengewässer des Kuilu, etwa unter 20° 25´ östl. L. +und 10° südl. Br. v. Gr., also westlich von Kimbundo. Ein dem Dorfe +Camba Humbo gegenüber befindlicher Riß enthält die Grube. Die Neger +gewinnen die aus dem Boden ragenden Blöcke oder die fast zu tage +tretenden Stücke, also auch hier wohl Raseneisensteine. Die Hütte +soll ein mehr als primitiver Frischofen sein.[49] + +Daß auch in den Kimbundaländern Eisen nicht fehlt, sehen wir aus +der Notiz bei LADISLAUS MAGYAR, daß bei Kibala und Ganda dasselbe +in guter Qualität vorkommt.[50] + +Im östlichen Teile des portugiesischen Westafrika und in den +Landschaften am oberen Sambesistrome nebst dessen Zuflüssen haben +wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns beweisen, daß auch +dort eine ausgedehnte heimische Eisenindustrie angesessen ist. Die +Hüttenleute der Ganguellas (Gonzellos), südlich von Bihé, wandern +in den »kalten« Monaten Juni und Juli nach den Eisenminen und +schlagen dort ausgedehnte Lager auf. Um das Erz zu gewinnen, graben +sie Schachte von 3-3,5 m Durchmesser, nie aber tiefer als 1,5-2 m, +»höchstwahrscheinlich, weil sie kein Mittel besitzen, das Erz höher +zu heben«. Sobald sie genügend Erz zu tage gefördert haben, um für +die Arbeit des ganzen Jahres genug zu haben, beginnen sie das Eisen +auszuschmelzen. Dieses geschieht in nicht sehr tiefen Löchern, +in denen das Erz mit Holzkohle vermischt und die Temperatur +vermittels ihres primitiven Blasebalges erhöht wird, der aus zwei +30 cm breiten und 9 cm tief ausgehöhlten Holzcylindern besteht, +über welchen je ein Stück gegerbtes Ziegenfell angebracht und an +denen je ein 50 cm langer und 1 cm dicker Handgriff befestigt ist. +Der Luftstrom wird durch zwei Holzröhren in eine thönerne Düse +geleitet. Das gewonnene Eisen wird in Schaufeln, Kriegsbeile, +Pfeilspitzen, Assagais, Nägel, Messer und Kugeln für Feuerwaffen +umgewandelt, »ja sie fertigen gelegentlich selbst Feuerwaffen an, +wobei sie das Eisen mit Ochsenfett und Salz weich machen«. Sobald +das Metall in Handelsartikel umgewandelt ist, kehren die Arbeiter +mit diesen Gegenständen beladen wieder nach Hause zurück.[51] + +So ist es auch bei den Luchazes zwischen 12° und 13° südl. Br. und +unter 18° östl. L. v. Gr. und bei den Luinas am oberen Zambesi.[52] + +~Eisenindustrie in Ostafrika.~ Durch Ostafrika, zwischen den großen +Seen und dem Indischen Ozean, ist das Eisen in gleicher Menge wie +im Gazellenflußgebiete verbreitet, doch steht die Industrie hier +keineswegs auf der hohen Stufe wie dort. THOMSON giebt an, daß +das Erz in Ostafrika, welches verarbeitet wird, nicht in Lagern, +Adern oder Gruben vorkommt; er fand es nur in einzelnen Klumpen im +Boden oder kleine Mengen Raseneisenerz. Reichlich war letzteres +namentlich bei Muluchuchu, zwischen dem Nyassa- und Tanganjikasee, +vorhanden. »Alles im östlichen Centralafrika von den Schwarzen +erschmolzene Eisen stammt aus solcher Sumpferzquelle.«[53] Nach R. +BURTON ist auf der Route Sansibar-Tanganjikasee das Eisenerz unter +dem Namen Utundwe oder Gangue bekannt; es wird an den Flanken der +niedrigen Sandsteinhügel in Klumpen und Knollen aus metertiefen +Löchern ergraben.[54] + +Anders liegen die Verhältnisse im Ugonogebirge südlich vom +Kilimandscharo, der Heimat eines vortrefflichen Eisens, welches +durch einen großen Teil von Ostafrika verbreitet ist und »höher +geschätzt wird, als das beste schwedische«. Gewonnen wird es +namentlich in dem Landstriche Usanga und zwar aus Eisensand, +der magnetischer Natur zu sein scheint. Man wäscht ihn aus den +Bächen und V. D. DECKEN glaubt, daß er aus der Zersetzung eines +eisenglimmerhaltigen Gneises entstanden sei.[55] + +Die Verhüttung ist in diesem Teile Ostafrikas eine weit rohere als +im Gazellenstromgebiet. Nach BURTON ist der Schmelzofen ein Loch +in der Erde, das mit brennender Holzkohle gefüllt wird, auf welche +man das Erz legt, dann wieder eine Schicht Kohle und so fort. Das +Gebläse wird durch die bekannten Blasebälge (Mafukutu) erzeugt, +deren Düsen aus Thon sind. Zuweilen werden fünf Paar derselben +angewendet, um eine tüchtige Hitze zu erzeugen.[56] Im Eisenlande +Usanga schichtet man den Eisensand in tiefen Gruben gar nur mit +Holz, zündet den Brand an und unterhält das Feuer fünf Tage lang. +Nach dem Erkalten der Glut findet das zusammengefrittete und mit +Schlacken gemengte Eisen sich auf der Sohle des Herdes, dieses +rohe Eisen wird im Schmiedefeuer zu kleinen Hacken verarbeitet, in +welcher Gestalt es auch in den Handel kommt.[57] Auf so niedrigem +Standpunkte nun auch hier die Gewinnung des Rohmaterials steht, +um so höher ist die Schmiedekunst im Gebiete des Kilimandscharo +entwickelt, worüber wir eine sehr genaue Schilderung des Geologen +THORNTON, Begleiter V. D. DECKEN's, besitzen. Er schreibt: »Wir +trafen den Meister innerhalb eines länglichrunden, von hoher, +lebendiger Hecke umschlossenen Hofes bei seiner Arbeit. Er zeigte +uns der Reihe nach alle seine Künste. Zuerst führte er uns zu +der außerhalb des Zaunes gelegenen Schmiede, welche in ihrer +Einrichtung wesentlich mit den Suaheliwerkstätten Sansibars +übereinstimmt. Seine Hämmer sahen aus, als ob sie von Europa +her eingeführt wären, doch versicherte uns der Mann, daß er sie +selbst gefertigt habe. Als Amboß dienten einige harte, glatte +Steine. Das Gebläse ist doppelt wirkend und besteht aus zwei +gegerbten, in Form von Säcken hergerichteten Fellen, deren jedes +an seinem unteren Ende an der Gabel eines ausgehöhlten, mit +einem Steine beschwerten Baumastes festgebunden ist, während das +obere Ende einen langen Schlitz zeigt, längs dessen zwei flache +Stöcke befestigt sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet +und emporhebt, schließt und niederdrückt, erzeugt man einen +Luftstrom, welcher durch die Gabelröhre vereinigt und in einen +Herd einfachster Art geleitet wird. Der Meister trug ein wenig +Feuer zum Ofen, legte Holzkohlen darauf und fachte die Glut kräftig +an. Dann erhitzte er mehrere Stücke altes Eisen und schweißte sie +mit Zuhilfenahme eines Schweißmittels, bestehend aus den Brocken +einer großen Muschel, zusammen. Ebenso vereinigte er mehrere alte +Messer in kleine Barren und hämmerte diese zu längeren Stücken von +vierkantigem Querschnitte aus. Zwei solche Stäbchen, an einem Ende +zusammengeschweißt, am anderen etwas auseinander gebogen und mit +einem darübergleitenden Ringe versehen, bilden eine sehr wirksame +Zange, welche zum Drahtziehen benutzt wird, wie wir sogleich sehen +sollten.« + +»Der Schmied erhitzte eine Rolle dicken Draht in einem leichten +Feuer von Blättern und Stroh zu dunkler Rotglut. Während dieses +langsam brannte, richtete er sein Zieheisen her, eine weiche +Eisenplatte, deren Löcher je nach Bedürfnis durch Hammerschläge +verengt oder durch Eintreiben eines glatten Domes erweitert wurden. +Dann hämmerte er den Draht am Ende dünner, fettete ihn gehörig ein, +steckte ihn in das Zieheisen, spannte das durchgekommene Stück in +die Zange, setzte sich auf den Boden, legte die Ziehplatte zwischen +seine Füße, zog einen langen Lederstreifen durch die Zange, faßte +diesen mit der Hand an und beugte sich schnell rückwärts, so daß +der Draht ein kleines Stück verlängert ward. Als durch mehrmaliges +Wiederholen derselben Arbeit etwa eine Fußlänge des Drahtes +verdünnt worden, stand unser geschickter Freund auf, ging an eine +zwischen Pfählen befestigte, mit zahlreichen Löchern durchbohrte +Pfoste, legte das Zieheisen in eine Kerbe hinter dieser, steckte +den Draht durch das Loch, befestigte die Zange wieder am spitzen +Ende und zog nun ein größeres Stück aus. Begreiflicherweise +erweiterte sich das Loch in der ungehärteten Ziehplatte ziemlich +schnell, und der letzte Teil des Drahtes ging mit Leichtigkeit +hindurch; es gehört also nicht wenig Mühe dazu, um eine ganze Rolle +gleichmäßig zu ziemlicher Feinheit auszustrecken.« + +»Darauf sahen wir uns den feinen, auf diese Weise gewonnenen Draht +an, aus welchem die hier so beliebten Schmuckkettchen bereitet +werden. Der gefällige Künstler befriedigte unsere Neugierde, indem +er auch noch an einer solchen Kette zu arbeiten begann. Er wickelte +den feineren Draht um ein dickeres, stricknadelförmiges Eisen und +schnitt längs desselben hin die ganze Schneckenwindung mit einem +scharfen Meißel in kleinere Ringe, von denen jeder ein Gliedchen +bildet -- ganz in derselben Art, wie dies auch unsere Handwerker +thun.« + +»Wir blieben wohl anderthalb Stunden bei dem geschickten Manne. Der +Baron bestellte beim Weggehen einige Kettchen, ein Schwert, ein +Paar Messer und Lanzenklingen; der Schmied nahm jedoch nur ersteren +Auftrag an und weigerte sich entschieden, Waffen zu fertigen oder +zu verkaufen.«[58] + +Hier treffen wir also auf das Schweißen, das sonst wenig bei den +Negern bekannt ist; auch die Art des Drahtziehens erregt unsere +Aufmerksamkeit. Die Zange, im Prinzip dieselbe wie die Holzzange +der Bongo (Fig. 9), zeigt einen Fortschritt, indem sie aus Eisen +hergestellt ist. Was aber stark abweicht, sind die Blasebälge, +denen der trichterförmige untere Fortsatz aus Thon fehlt und die +nur aus Lederschläuchen bestehen, welche mit flachen Holzstäben, +die aneinanderpassen, am Schlitz versehen, beim Einlassen der Luft +geöffnet, beim Ausdrücken derselben geschlossen werden. Es ist +dieses eine Variation des afrikanischen Blasebalges, die nicht +vereinzelt dasteht, da MARNO aus Sennâr[59] und LIVINGSTONE[60] +aus den Hochlanden am südlichen Njassasee dieselbe abbilden. Die +Übereinstimmung mit indischen Bälgen werden wir kennen lernen. + +Eine ziemlich eingehende Schilderung der lebhaften Eisenindustrie +des Volkes der Waitumba besitzen wir durch J. T. LAST.[61] Sie +wohnen in den Humbabergen zwischen 6° und 7° südl. Breite und 36° +und 37° östl. L. v. Gr. Das Ausgraben der Eisenerze und Waschen +derselben wird von Weibern besorgt, die an den Abhängen der Berge +etwa 60 cm tiefe Löcher graben, um auf einen roten thonigen Sand +zu stoßen, in welchem das Eisenerz in kleinen Stücken verteilt +liegt; es macht etwa fünf Prozent des Sandes aus. Dieser Sand +wird zu einem kleinen Bache gebracht, der über terrassenförmig +angelegte große Löcher geführt wird, die er eines nach dem anderen +durchläuft. In diese Löcher wird der erzhaltige Sand geschüttet, +um von seinen feineren Teilen durch successives Auswaschen in +denselben befreit zu werden. Es bleiben nur grober Kies und die +Erzstücke zurück, die, nachdem sie in der Sonne getrocknet sind, +mit einer Worfelschaufel (_ungo_) von einander getrennt werden. +Das so erhaltene Eisenerz (_mudapu_) wird in Säcken aus Palmfaser +an die Schmelzer verkauft. Die Stelle, wo das Erz vorkommt, ist +Eigentum des Distriktshäuptlings, der sie durch seine Leute +ausbeuten läßt. Bezahlt wird das Erz durch ein gleiches Volumen +Korn. + +Die Schmelzer schlagen nun zunächst Holz, spalten dasselbe in +1,3-1,6 m lange Scheiter und häufen dieselben zu einer 1,6 m hohen, +etwa 2,7 m im Gevierte haltenden Pyramide auf, die in Brand gesetzt +und zu Kohlen gebrannt wird. Von einer meilerartigen Bedeckung +mit Erde berichtet LAST nichts. Die abgekühlten Kohlen werden +mit Binsen zu Bündeln zusammengeschnürt und so zum Schmelzplatze +gebracht. Nachdem Erz und Holzkohle (_makala_) bereit, werden die +Luftröhren (_kelwa_) und Bälge (_nuvukuto_) fabriziert; erstere +werden aus Thon über Bambus modelliert; sie sind 1,4 m lang, haben +einen Durchmesser von 6 cm und am Ende eine verstärkte Schnauze. +Der Blasebalg besteht aus einem Holzcylinder mit Röhre aus dem +gleichen Material; er ist oben mit einem Stück Leder geschlossen, +aus dem ein Stock als Handhabe hervorragt. Nun wird Feuer in einer +Grube entzündet und wenn dieses lustig brennt, wird eine doppelte +Handvoll Erz, gefolgt von Holzkohle, hineingeworfen, und so fort +unter gleichzeitigem Blasen von drei Paar Bälgen, die je von +einem Mann und Burschen abwechselnd bedient werden. Gegen Ende +des Schmelzganges wird das Erz vermindert und Kohle in größerem +Maßstabe gegeben; ist alles durchgeschmolzen, so bleibt die Masse +eine halbe Stunde ruhig stehen und alsdann werden drei Töpfe voll +Wasser über dieselbe ausgegossen. Der Prozeß ist jetzt beendigt +und der erhaltene Eisenklumpen wird mit einem dicken Seile von +Kongigras aus der Grube herausgezogen, um gänzlich abzukühlen. Der +Klumpen hat gewöhnlich 35-40 cm Durchmesser bei 50-70 cm Länge. Man +bereitet sich einen Vorrat solcher Klumpen, zerschlägt sie dann +mit einem eisernen Hammer in wallnußgroße Schirbeln und schmilzt +diese abermals mit Holzkohle, jedoch nur unter Anwendung von ~ein~ +paar Blasebälgen, in einer Grube um. Die so erhaltene Luppe wird +mit einer Zange aus dem Loche gezogen und mit schweren Hämmern +auf einem Amboß aus Stein zu einer soliden viereckigen Masse +zusammengehämmert. Doch ist diese immer noch sehr porös, so daß dem +Schmiede, der dieses Eisen zu Hacken formt, noch viel Arbeit übrig +bleibt. + +Auch am Njassasee, der noch in diese ostafrikanische Region gehört, +hat sich eine sehr ausgebreitete Eisenindustrie entwickelt. +Westlich von demselben »muß das Eisengewerbe schon sehr lange +betrieben worden sein, denn man kann nicht eine Viertelstunde +weit gehen, ohne auf Schlacken und zerbrochene Töpfe, oxydierte +Röhren und Reste der Schmelzöfen zu stoßen, die durch das Feuer in +Ziegelsteine verwandelt sind.«[62] Das Erz -- wahrscheinlich das +schwarze Oxyd, schreibt LIVINGSTONE -- sah wie Sand aus und wurde +durch die Öffnung in der Spitze des Schmelzofens hineingeschüttet, +vermischt mit Holzkohle. In den südlichen Hochlanden am Njassa +wird das Eisenerz »aus den Bergen« gegraben. Jedes Dorf hat dort +sein Schmelzfeuer, seine Holzkohlenbrenner, seine Schmiede. Die +Äxte, Speere, Nadeln, Pfeilspitzen, Arm- und Beinringe sind in +Betracht der einfachen Werkzeuge, welche dabei angewendet werden, +recht gut und sehr billig. Eine Hacke im Gewicht von 1 kg wird +für Kaliko im Werte von vier Pence verkauft.[63] Über die Art +des Schmiedens bei den hier wohnenden Mangandscha berichtet +LIVINGSTONE[64] ferner: »Der Hammer ist ein großer Stein, umschnürt +mit starken Bastseilen, woran Öhsen gelassen sind, welche Handhaben +bilden (Fig. 11). Zwei Stücke Rinde bilden die Zange und ein großer +in den Boden eingelassener Stein den Ambos. Der offene Blasebalg +besteht aus zwei Ziegenfellen, mit Stöcken an den Enden, welche +sich bei jedem Luftstrome öffnen und schließen.« + +[Illustration: Fig. 11. Hammerstein der Mangandscha. Nach +LIVINGSTONE.] + +Geographisch anschließend sind hier die Marawi zu erwähnen, deren +Land 1830 Monteiro und Gamitto durchzogen. Sie sammeln das Eisenerz +an der Oberfläche. »Man thut das Eisenerz in ein Thonrohr von 7 m +(40 Palmos) Höhe und 20 cm Breite, dessen untere weitere Basis +mit Kohlen angefüllt ist.« Hier liegt entschieden ein Fehler vor, +denn eine 7 m lange und nur 20 cm breite Thonröhre von Negern +hergestellt und zur Eisengewinnung dienend, wäre ein Wunder. Es +wird hier wohl ein thönerner Schmelzofen gemeint sein, wie wir +ihn schon mehrfach kennen lernten. Über dem Fußboden sind Löcher +angebracht, in welche die einfachen Fellblasebälge ihren Windstrom +ergießen. Beim Ausschmieden dienen Steine als Ambos und Hammer, +zwei Stücken Holz als Zange.[65] + +Ein ostafrikanisches Volk, welches das Eisen kennt und reichlich +benutzt, aber nicht selbst darstellt, sind die Masai. T. T. LAST +berichtet von ihnen: »_There is no iron in the country, nor do the +Masai know how to work it. I have been told that formerly the Masai +used wooden swords and spears made from hard wood, but when they +came to Ugogo they laid aside their wooden arms and took those of +the Wagogo._«[66] + +~Eisenindustrie im äquatorialen Westafrika.~ Aus dem Innern Afrikas +sind bis an die Westküste unter dem Äquator die kannibalischen +Gewohnheiten ergebenen Fan vorgedrungen. Sie werden wegen +vieler Übereinstimmungen in Sitten und Gebräuchen mit den durch +SCHWEINFURTH geschilderten Monbuttu in Zusammenhang gebracht. Geht +man auf ihre Eisenindustrie ein, so läßt sich diese Übereinstimmung +jedoch nur teilweise konstatieren. + +Die in der Nähe der Küste ansässigen Fan haben die Eisenproduktion +jetzt schon aufgegeben, da sie das Eisen aus den europäischen +Faktoreien erhalten. Die weiter im Innern wohnenden aber wissen +dasselbe aus einem überall massenhaft vorkommenden thonigen +Brauneisenstein herzustellen. Sie graben nicht nach demselben, +sondern suchen denselben an der Oberfläche zusammen. Der Prozeß +ist ein äußerst roher und wird ohne jede Art von Ofen betrieben. +Man stapelt einfach einen großen Holzstoß auf und schüttet darauf +eine Menge des zerkleinerten Erzes; darunter legt man abermals Holz +und dann zündet man den Haufen an. Brennt der Stoß nieder, so wird +neues Holz zugeführt, bis man den Reduktionsprozeß beendigt glaubt. + +Die Ausschmiedung des so erhaltenen Rohproduktes ist natürlich +eine höchst langwierige Operation. Doch die Fan sind weit +bessere Schmiede als Hüttenleute. Die Blasebälge sind nach dem +allgemein afrikanischen Prinzipe geformt, nur werden zum unteren +Teil Holzcylinder statt der Thongefäße angewendet. Die Cylinder +sind oben mit genau passenden Häuten geschlossen, an denen sich +Handhaben befinden, welche der die zwei Blasebälge Bedienende sehr +schnell auf- und abzieht. Die Luft wird durch enge Holzröhren +mit eisernen Düsen dem Schmiedefeuer zugeführt. Der Ambos der +Fanschmiede ist ein solides, in den Boden eingelassenes Eisenstück. +Statt eines Hammers, den die Fan nicht kennen, bedienen sie sich +eines 1-1/2 bis 3 Kilo schweren konischen Eisenstückes, wie die +Bongo etc. Das durch wiederholtes Durchschmieden erhaltene Eisen +ist von vorzüglicher Güte und wird von ihnen dem europäischen +vorgezogen. Die Schwerter, Messer, Lanzen- und Pfeilspitzen der +Fan zeugen von vorzüglicher Arbeit. Worin aber die Fan noch +hervorragen, das ist die Bereitung der Holzkohlen zum Schmieden in +Meilern, die mit Erde bedeckt sind, so daß darin das Holz langsam +verkohlt.[67] + +Auch die Osaka weiter aufwärts am Ogowé sind gute Eisenarbeiter, +kennen die Meiler, die eisernen Amboße und die doppelten Blasebälge +genau wie die Fan. Die Schmelzöfen sind auch ihnen unbekannt. Das +Eisen gewinnen sie aus den roten thonigen Eisensteinkonkretionen, +die überall in der alles überziehenden Lehmdecke stecken.[68] + +~Eisenindustrie in Nordwestafrika.~ Dieses hat verhältnismäßig +am intensivsten und längsten unter fremdem Einflüsse gestanden. +Von Norden her drang der Islam vor und er ist nun fast an der +Guineaküste angelangt; seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts reihte +sich eine Faktorei der Europäer nach der anderen vom Senegal bis +zur Goldküste aneinander und damit wurden fremde Handelsprodukte +in das Land der Schwarzen gebracht. Der uralte Karawanenverkehr +vom Mittelmeer nach dem Sudan hat wohl frühzeitig auch Eisenwaren +und Waffen bis zum Niger und Tsadsee gebracht, so daß seit langem +schon in dieser Region die heimische Eisenindustrie der fremden +Konkurrenz weichen mußte. Das europäische Eisen in Stabform wurde +Wertmesser in den Senegalländern. »In ihrem früheren Handel mit +den Europäern,« sagt MUNGO PARK von den Einwohnern derselben, »war +Eisen die von ihnen am meisten geachtete Ware. Durch dessen Nutzen, +da es die Werkzeuge des Krieges und Ackerbaues giebt, wurde ihm +vor allem anderen der Vorzug erteilt. Eisen wurde daher bald der +Maßstab, nach dem sich der Wert aller anderen Waren bestimmt.«[69] +Eisenstücke sind südlich von Wandala (11° nördl. Br.) als Münze im +Verkehr und in Bagirmi sah NACHTIGAL, wie Wurfeisen gegen Getreide +eingetauscht wurden; dieses war nämlich die einzige Münzsorte, +welche die Eingeborenen für Getreide annahmen.[70] Eisengeld, das +in Korórofa am Binué gilt, lernte FLEGEL in Danzufa kennen. Er +schildert dasselbe als eine eiserne Erdhacke ohne Stiel.[71] Es ist +gerade so, wie in dem Gebiete der westlichen Nilzuflüsse, wo bei +den Djur Lanzenspitzen, bei den Bongo tellergroße Eisenplatten die +Rolle gemünzten Geldes spielen.[72] In Boni an der Nigermündung +dient ein hufeisenförmiges Eisenstück, Igbi oder Manilla genannt, +als Münze[73]; daß dieses hufeisenförmige Eisengeld bis zum Gabon +reicht und dort bei den Mpongwe in Bündeln von acht bis zehn Stück +umläuft, wissen wir durch WILSON, der hinzufügt, es sei nicht bloß +Tauschmittel, sondern _real currency_.[74] + +Wie sehr Afrika von Norden her mit europäischen Eisenwaren +überschwemmt wird, ersehen wir z. B. aus den Schilderungen des +Marktes in Kano, wo Schwertklingen aus Solingen und Rasiermesser +aus Steiermark einen bedeutenden Handelsartikel ausmachen. Mit den +Solinger Klingen werden die Tuareg der Wüste, die Haussaua, die +Fulbe, Nyffaua und Bornuaner von Kano aus versorgt. BARTH schätzt +ihre Einfuhr auf jährlich 50000 Stück, und ähnlich verhält es sich +mit den ordinären steirischen Rasiermessern.[75] + +Es ist begreiflich, daß unter solchen Umständen die einheimische +Eisenindustrie leiden und allmählich verkümmern mußte. Der +Neger vermochte nicht mit der billigen ausländischen Ware zu +konkurrieren, die er mit seinen Naturprodukten ohnedies leicht +bezahlen konnte. So finden wir denn auch in Nordwestafrika +gegenüber den centralafrikanischen Ländern eine weit weniger +ausgedehnte heimische Eisenindustrie, deren Produkte sich auch +nicht in bezug auf Güte und Kunstfertigkeit mit jenen der +centralafrikanischen Neger messen können. Immerhin ist aber die +heimische Eisenindustrie in Nordwestafrika noch ausgebreitet +genug, um zu zeigen, daß sie hier so selbständig wie in anderen +Negerländern von Anfang an war. Selbst in dem mitten in der +Wüste gelegenen Lande Tibesti oder Tu wird Eisen, wenn auch in +unzureichender Menge, gewonnen und die Einwohner (Tibbu oder Teda) +verfertigen sich ihre Waffen wenigstens teilweise selbst, doch +werden die Lanzen meist aus den umliegenden Ländern eingeführt.[76] +Bornu ist seiner geologischen Beschaffenheit nach kein Land der +Eisenerzeugung; doch arbeiten dort die Schmiede ganz so wie bei +den übrigen Afrikanern und ihre primitiven Blasebälge sind aus +einem Ziegen- oder Schaffell hergestellt, dessen hintere Enden +sich beim Drucke durch Klappen schließen.[77] Dagegen ist +Mandara oder Wandala südlich von Bornu ein Hauptsitz vorzüglicher +Eisenindustrie, von wo schöne Sachen in den Handel kommen, +ebenso Gurgara im südlichen Bagirmi.[78] Im Reiche Sokoto finden +sich Eisenminen bei Schiri, eine Tagereise nördlich von Garo N +Bautschi, bei Fagam, zwei Tagereisen nordwestlich von der eben +genannten Stadt, bei Kirfi am rechten Ufer des Gombe, bei Bele und +Fali, sechs bis acht Stunden östlich von Kirfi; andere Orte der +Eisenerzeugung sind noch Baura, Gulda, Muta, Kagalám, Mia Biri, +Kaatana[79], doch fehlen alle näheren Angaben über die Art der +Gewinnung etc. + +Nordwestafrika, zumal in den Gebieten am Senegal, dem Casamance +und Rio Grande, ist nach den Berichten der verschiedenen Reisenden +reich an Eisenerzen und an Gold. Allein die Eisenerze bilden +hier (wie anderwärts in Afrika) keine fortlaufenden Lagerstätten +in unserem Sinne, sondern sind in der eisenführenden Formation, +die sich weit über das Land erstreckt, verteilt. Die meisten +Erze gehören zum Laterit. Oft finden sich darin kleinere oder +größere Parteien, in denen das Erz, Brauneisen oder auch Roteisen +konzentriert ist und die bis 60% Eisenoxyd enthalten. Alle Erze +finden sich auf sekundärer oberflächlicher Lagerstätte, weshalb +auch von einem eigentlichen Bergbau hier schon deshalb nicht +die Rede sein kann, weil es keinen Sinn hätte, in die tieferen +Schichten zu gehen. Alles von den Eingeborenen gesammelte Erz +stammt von der Oberfläche.[80] + +Die westlichen Fulbe sind gute Eisenarbeiter. LAMBERT, welcher 1860 +bis Timbo in Futa Djallon vordrang, bildet aus diesem Lande einen +_Fonte du minerai de fer_ ab (Fig. 12), welcher die Form eines +kleinen Hochofens hat, giebt aber keine Beschreibung. Die Schmiede +arbeiten dort mit den Blasebälgen aus Fellen.[81] + +Von den aus Serracoletts bestehenden Einwohnern des Dorfes +Langebane in Futa Djallon bemerkt MOLLIEN, daß sie alle Besitzer +von Eisenschmelzöfen seien. Er schildert aber die Öfen und +den Prozeß der Gewinnung nicht, sondern sagt nur, daß man, um +das fertige Metall zu hämmern, sich eines rundlich geformten +Granitblockes bediene. Diesen umfassen die Schmiede mit einem +Streifen Leder und an diesem Streifen sind wieder lederne Riemen +befestigt, welche der Arbeiter in die Hand nimmt; so hebt er nun +den Stein in die Höhe und läßt ihn auf das Eisen, welches auf einem +niedrigen, in der Erde stehenden Amboß liegt, herabfallen.[82] + +[Illustration: Fig. 12. Schmelzofen in Futa Djallon. Nach LAMBERT.] + +Über das Schmelzverfahren der Mandingo sind wir durch MUNGO PARK +unterrichtet worden.[83] »Während meiner Anwesenheit zu Kamalia,« +schreibt er, »war ein Schmelzofen in geringer Entfernung von der +Hütte, wo ich wohnte, und der Eigentümer sowohl als seine Arbeiter +machten kein Geheimnis aus der Art ihres Verfahrens und erlaubten +mir recht gern, den Ofen zu untersuchen und ihnen zu helfen, den +Eisenstein zu zerstoßen. Der Schmelzofen war ein zirkelförmiger +Turm von Lehm, 3 m hoch und 1 m im Durchmesser. Er war an zwei +Orten mit einem Geflechte eingefaßt, um den Lehm zu verhindern +durch die Hitze des Feuers zu bersten und auseinander zu fallen. +Rund um den unteren Teil, mit dem Boden gleich, aber nicht so +tief als der Boden des Ofens, der ein wenig höher war, hatte man +sieben Öffnungen angebracht, in deren jede man drei Röhren von +Lehm gesteckt und die Öffnungen wieder so verklebt hatte, daß +keine Luft in den Ofen als nur durch diese Röhren dringen konnte, +durch deren Öffnung und Zuschließung sie das Feuer leiteten. Diese +Röhren wurden gemacht, indem man ein Gemisch von Lehm und Gras +um ein glattes Rollholz klebte, welches, sobald der Lehm hart +wurde, herausgezogen und die Röhre in der Sonne getrocknet wurde. +Der Eisenstein, den ich sah, war sehr schwer und von einer matten +roten Farbe mit grauen Flecken. Er wurde in Stücken ungefähr von +der Größe eines Hühnereies zerbrochen. Ein Bündel Holz, welches +sehr trocken war, wurde zuerst in den Ofen gelegt und mit vielen +Holzkohlen bedeckt, die man fertig gebrannt aus dem Walde brachte. +Hierüber wurde wieder eine Schicht Eisenstein gelegt und dann +wieder eine andere von Holzkohlen und so fort, bis der Ofen ganz +voll war. Das Feuer wurde durch eine der Röhren entzündet und +während einiger Zeit mit Blasebälgen, die man aus Ziegenhaut +gemacht hatte, angefacht. Die Operation ging vorerst sehr langsam +fort und es vergingen einige Stunden, ehe die Flamme über den Ofen +hinausschlug. Nach diesem aber brannte es mit großer Heftigkeit +während der ganzen ersten Nacht; und die dabei stehenden Leute +warfen von Zeit zu Zeit mehr Holzkohlen hinein. + +»Am folgenden Tage war das Feuer nicht so wild, und in der zweiten +Nacht wurden einige Röhren herausgezogen und mehr Luft in den Ofen +gelassen. Die Hitze war indessen noch immer sehr gewaltig, und eine +blaue Flamme schlug einen halben Meter über die Spitze des Ofens +hinaus. + +»Am dritten Tage vom Anfang der Operation wurden alle Röhren +herausgenommen, da dann die Enden mehrerer derselben zu Glas durch +die Hitze gebrannt worden; das Metall wurde aber nicht eher, als +einige Tage nachher gerührt, als das Ganze vollkommen abgekühlt +war. Ein Teil des Ofens wurde dann niedergerissen und das Eisen +lag da in Form einer großen unregelmäßigen Masse mit Stücken +Holzkohlen, welche daran festklebten. Es war klingend, und wenn +irgend ein Teil davon abgebrochen war, so sah es bei dem Bruche +körnig aus wie zerbrochener Stahl. Der Eigentümer sagte mir, +daß viele Teile dieses Kuchens nichts taugten, daß aber dennoch +hinlänglich gutes Eisen übrig war, um ihn für seine Mühe zu +entschädigen. + +»Dieses Eisen oder vielmehr Stahl wird zu mannigfachen Werkzeugen +verarbeitet, indem man es wiederholt in einer Schmiede heiß +macht, deren Hitze durch ein paar doppelte Blasebälge, von sehr +einfacher Zusammensetzung unterhalten wird. Sie werden aus zwei +Ziegenhäuten gemacht, deren Röhren zusammenstoßen, ehe sie in +die Schmiede kommen und ein unaufhörliches und sehr regelmäßiges +Blasen unterhalten. Hammer, Zange und Amboß sind alle sehr einfach +und die Arbeit -- sonderlich in der Verfertigung von Messern und +Speeren -- ist nicht ohne alles Verdienst. Das Eisen ist in der +That hart und bröcklich und erfordert viel Arbeit, ehe man es +soweit tauglich machen kann, daß es dem Endzwecke entspricht. + +»Die meisten afrikanischen Eisenschmiede sind auch mit der Art zu +schmelzen bekannt, in welchem Prozeß sie von einem alkalischen +Salze Gebrauch machen, welches man von der Lauge verbrannter +Maisstengel erhält, die man bis zum Trocknen hat verdunsten lassen.« + +Nach dieser Schilderung ist der Ofen ähnlich dem von LAMBERT +abgebildeten. Interessant ist der von MUNGO PARK erwähnte +alkalische Zuschlag aus Maisasche, welcher dazu dient, das Eisenerz +leichtflüssiger beim Schmelzen zu machen; es ist dieses das einzige +mir bekannt gewordene Beispiel dieser Art in Afrika. + +Die Mandingo gelten für die vorzüglichsten Metallarbeiter in +Nordwestafrika. Häufig lassen sie sich als Schmiede unter anderen +Völkern nieder und bei den Fullahs werden Metallarbeiten meist +durch Mandingosklaven verrichtet. Sie sind auch gute Goldschmiede. +»Das Schmelzen des Goldes oder Silbers geschieht gewöhnlich in +einem thönernen Tiegel, welcher nach dem Hineinlegen des Goldsandes +ganz mit Kohlen bedeckt wird. Die Schmelze wird dann in ein anderes +irdenes Gefäß oder in ein Loch in der Erde gegossen und erst später +durch neuerliches Erhitzen geformt. Manche dieser Goldgegenstände +bestehen aus reinem natürlichen Gold, während bei anderen etwas +Bronze beigegeben wird. Die Goldsorten haben eine etwas blasse +Farbe, ungefähr so, wie die der englischen Münzen ist. Die Form der +Gold- und Silberringe ist in den meisten Fällen die spiralförmig +gewundene, wie die der Armbänder, seltener sind flache Ringe +mit eingravirten Verzierungen.«[84] Woher »die Bronze«, welche +als Zusatz verwendet wird, stamme, sagt unsere Quelle nicht. +Ist es wirkliche Bronze, kein Messing, so wird sie wohl auf dem +Handelswege von der Küste zu den Mandingos gelangt sein. + +Von den Aschanti wissen wir, daß sie vortreffliche Schmiede und +Gießer sind, aber das Eisen nicht aus den Erzen zu erschmelzen +verstehen.[85] + +~Eisenindustrie in Südafrika.~ Betrachten wir zum Schluß die +Eisengewinnung bei den Südafrikanern. Es sind drei verschiedene +Völker oder Stämme, mit denen wir uns hier zu beschäftigen haben: +die Buschmänner, die Hottentotten und die Kaffern nebst Verwandten. + +Die Buschmänner, am tiefsten auf der Skala der Afrikaner stehend, +kennen die Bearbeitung der Metalle in der Glühhitze nicht, +geschweige denn die Darstellung des Eisens. Das Rohmaterial zu +ihren eisernen Pfeilspitzen erhalten sie von auswärts und es +ist dabei charakteristisch, daß sie die Spitzen ihrer Pfeile +»mit unendlicher Mühe fast nur mittels einiger geeigneter Steine +herstellen«.[86] Sie behandeln also das Metall selbst als Stein. + +Den Hottentotten ist dagegen die Bearbeitung des Eisens bekannt, +wiewohl es gerade bei ihnen (siehe oben S. 7) am spätesten +selbst dargestellt wurde und beim Auftreten der Europäer noch +verhältnismäßig selten war. Europäisches Eisen tauschten sie gern +ein, doch stellten sie, wie wir durch KOLBEN u. a. wissen, auch +solches selbst dar; unter allen Handwerkern giebt der Hottentott +den Schmieden den Vorzug. »Ich kann versichern,« sagt KOLBEN, +»daß ihre Arbeit, so wie sie selbige verfertigen, keine geringe +Geschicklichkeit erfordert. Man muß das Eisenerz suchen, schmelzen, +bearbeiten und das alles mit Steinen, statt alles Werkzeuges. Es +wird jedermann gestehen, daß die Sache nicht einmal leicht zu +begreifen ist. Wollen sie das Erz schmelzen, so graben sie ein +großes Loch in die Erde, worin man eine große Menge schütten kann. +Dieses Loch erhitzen sie, indem sie viel Holz darin verbrennen. +Hernach werfen sie das Erz hinein, viel Holz darüber her und +zünden dieses an. Aus diesem Loche geht ein unterirdischer Gang +oder Röhre in ein anderes niedrigeres Loch, worin das geschmolzene +Eisen läuft(?). Wenn es erkaltet, schlagen sie es mit Steinen zu +Stücken und schmieden hernach ebenfalls mit Steinen ihr Gewehr +daraus, ihre Pfeilspitzen, Assagaien und Angeln.«[87] So kurz und +roh die Beschreibung, läßt sich doch ungefähr der Prozeß verfolgen, +aber von einem »Laufen« des geschmolzenen Eisens kann keine Rede +sein, hier muß sich KOLBEN geirrt haben, auch werden wohl den +Hottentotten damals schon die Blasebälge nicht gefehlt haben. + +Was die eigentlichen Kaffern, also die südlichsten der Abantu, +betrifft, so giebt FRITSCH an, daß sie das rohe Eisen aus dem +Innern, also zivilisierteren Gegenden, bezogen und daß wohl nur +ein sehr kleiner Teil bei ihnen selbst gewonnen wurde[88], was +wieder dafür sprechen dürfte, daß die Kenntnis des Eisenschmelzens +von Nord nach Süd vorrückte. Dagegen sind die Kaffern geschickte +Schmiede, deren Blasebälge nach der Beschreibung, die FRITSCH +giebt, mit jenen der weiter unten zu erwähnenden Barotse +übereinstimmen. Das Schmieden geschieht mit entsprechend geformten +Steinen, die einfach in der rechten Hand gehalten werden, auf +einem flachen Stein als Amboß, was natürlich eine unendlich +mühsame Arbeit ist. Die geschmiedeten Produkte sind sehr weich +und geschmeidig, so daß man eine dünne Assagaiklinge aufrollen +kann, ohne daß sie bricht. Das Geheimnis der geringen Neigung +zum Rosten im Vergleich mit europäischem Metall beruht einfach +darin, daß das Kafferneisen anhaltend gehämmert und dabei +angelassen ist, wodurch ein sehr widerstandsfähiges Häutchen von +einer niedrigen Oxydationsstufe auf demselben entsteht, während +europäisches Material stark erhitzt, mäßig gehämmert, dann mit der +Feile bearbeitet und vielleicht auch noch poliert wird, so daß es +eines ähnlichen Schutzes entbehrt. Die afrikanischen Waffen sind +demgemäß auch nicht blank, sondern von einer bräunlich grauen +Färbung.[89] Von den benachbarten Zulu berichtet KRANZ, daß sie +allerdings das rohe Eisen aus den Erzen darstellen, wobei sie +Blasebälge von der gewöhnlichen Form und beim Ausschmieden Steine +benutzen[90] und so auch bei den Betschuanen, die ihr Rohmaterial +aus Raseneisenstein erhalten. »Sie bauen einen Meiler(!) von Kohlen +auf ebener Erde oder in einer Vertiefung, von wo thönerne Röhren in +radiärer Richtung nach außen führen, um von allen Seiten mittels +Blasebälgen einen starken Luftstrom hineintreiben zu können. Wenige +zerkleinerte Erzstücke, welche in der Mitte aufgehäuft sind, kommen +so durch andauerndes Erhitzen allmählich zum Schmelzen und werden +in ein unreines Roheisen(!) verwandelt, welches nachher durch +Hämmern und wiederholtes Erhitzen weiter gereinigt wird.«[91] +Die Speerspitzen der Betschuanen zeigen dieselben feinen und +künstlichen Widerhaken und Ansätze, wie die der Monbuttu und +Bongo. Am höchsten stehen aber, nach HOLUB's Urteile, unter den +Südafrikanern in der Eisenbearbeitung die Völker des Marutsereiches +am mittleren Sambesi. HOLUB, der uns allerdings nicht sagt, ob +sie das rohe Material aus den Erzen erschmelzen, beobachtete bei +ihnen Blasebälge, drei Arten von Hämmern, Werkzeuge um Löcher ins +Eisen zu schlagen, Bohrer für Metall und Holz, Zangen, Amboße, +Meißel.[92] Die Form der Hämmer gleicht der europäischen; da aber +die südlicheren Völker, welche weit mehr dem europäischen Einflusse +ausgesetzt waren, solche Geräte nicht kennen und das Land am +mittleren Sambesi überhaupt erst durch LIVINGSTONE erschlossen +wurde, so würde hier kaum auf Entlehnung zu schließen sein, wenn +nicht HOLUB ausdrücklich berichtete, daß die Barotse unsere +Kugelzieher und Schrauben bereits nachahmten. Die Zange (Fig. 14) +ist dagegen wieder echt afrikanisch, wiewohl auch einen Fortschritt +aufweisend: ihr zu Grunde liegt das gespaltene durch einen +laufenden Ring weit und eng stellbare Stück Holz, doch ist sie +aus Eisen. Die Blasebälge (Fig. 13) sind zwei hölzerne Schüsseln, +oben mit Leder überzogen, von denen zwei Holzröhren ausgehen, +die zunächst in zwei Hornröhren, aus den Hörnern der Säbel- oder +Gemsbockantilope, führen und dann in eine thönerne Düse münden. Das +ganze Instrument ist 1-1-1/4 m lang. + +[Illustration: Fig. 13. Blasebalg der Marutse. Nach HOLUB.] + +[Illustration: Fig. 14. Zange der Marutse. Nach HOLUB.] + +~Gesamtbild der afrikanischen Eisenindustrie.~ Versuchen wir es, +nach den mitgeteilten Einzelheiten ein Gesamtbild der afrikanischen +Eisenindustrie zu entwerfen, so müssen wir zunächst die Verbreitung +derselben über den ganzen Kontinent hervorheben. Der Norden kommt +für uns nicht in Betracht; hier wirkten von den Tagen des Altertums +an die Kulturvölker am Mittelmeer auf die Libyer und wurden später +mohamedanische Einflüsse geltend. Von den Ägyptern haben wir +gesehen, daß sie früh, bei ihrem Eintreten in die Geschichte, mit +dem Eisen vertraut waren, wiewohl Bronze bei ihnen das herrschende +Metall war; auch ist es nicht unmöglich, daß von ihnen die Kenntnis +der Eisenbereitung zu den Schwarzen überging, wofür oben einige +Gründe hervorgehoben wurden, auf die wir indessen nicht allzugroßen +Wert legen, da wir den Neger für vollkommen fähig halten, selbst +auf die Eisenreduktion zu verfallen, zumal sein Land weit und +breit dazu ein gutes, leichtflüssiges Material in den weichen +Raseneisensteinen liefert. Die Annahme, daß ein Fortschreiten der +afrikanischen Eisenkenntnis von Nordosten nach Süden zu stattfand, +wird gestützt durch die hohe Entwickelung des Eisenhüttenwesens bei +den Völkern am Bahr el Ghazal und die lange Zeitdauer der Steinzeit +im Süden, wo selbst noch die europäischen Entdecker begierige +Abnehmer ihres Eisens fanden und einzelne Stämme, wie z. B. die +auf der tiefsten Stufe der afrikanischen Völkerskala stehenden +Buschmänner, überhaupt die Eisenbereitung und die Schmiedekunst +noch heute nicht kennen. Im allgemeinen sind aber alle Afrikaner +wenigstens mit der letzteren vertraut und in manchen Ländern hat +sich die Eisenindustrie vergleichsweise großartig entwickelt, so +daß sie weit über den heimischen Bedarf arbeitet und im reichlichen +Maßstabe exportiert, wie in Manjema, das von CAMERON _the black +country of Africa_ genannt wird. Deutlich läßt sich in Afrika +verfolgen, wie mit der Kenntnis und der Darstellung des Eisens +das Bedürfnis nach Arbeitsteilung erwacht und verknüpft ist. Hier +entwickelt sich ein wirkliches, fast zünftiges Schmiedegewerbe, +mit großer Fertigkeit meist von besonderen Klassen oder Familien +ausgeübt, während die Töpferei, die Weberei etc. von allen +Stammesgliedern betrieben werden. Der Schmied stellt aber überall +eine besondere Klasse vor.[93] + +Wenn es nun auch scheint, daß eine ungeheuere Menge Eisen in Afrika +produziert wird, so darf man doch nicht vergessen, daß dieselbe +fast nur zu Waffen und Geräten verwendet wird und »daß ein Stamm +von mehreren tausend Menschen im Laufe des Jahres noch nicht eine +Tonne Eisen verbraucht«.[94] Überall aber erkennen wir, daß diese +Industrie uralt und bodenständig, daß sie die Metallindustrie der +Afrikaner _par excellence_ ist und jedes andere Metall neben dem +Eisen zurücktritt. + +Das Rohmaterial zur Eisenerzeugung ist im größten Teile des +Kontinentes leicht zur Hand. »Die rote Eisenerde«, welche in den +Berichten vieler Reisenden eine Rolle spielt, ist über ungeheuere +Strecken Afrikas verbreitet. SCHWEINFURTH schildert sie aus +dem Gebiete des weißen Nil; am Ogowé wird der »Laterit« von +LENZ erwähnt, der die weite Verbreitung dieser Gesteinsart in +Westafrika auf seiner geologischen Karte[95] darstellt. M. BUCHNER +fand diese ziegelrote, die Oberfläche der Hochplateaus bildende +Erde im Innern ganz Südwestafrikas, an den südlichen Zuflüssen des +Kongo. Nach ihm ist sie wahrscheinlich ein Verwitterungsprodukt +_in situ_, aus älteren krystallinischen Gesteinen entstanden. +Der Eisengehalt, der dem Laterit die Färbung erteilt, rührt von +Eisenglanz her. Die Zusammensetzung dieses Laterits ist 80,5 +Kieselsäure, 11,0 Thonerde und 4,0 Eisenoxyd.[96] DOELTER, der den +Laterit am Rio Grande studierte, giebt an, er sei Detritusmaterial, +aber ~nicht~ _in situ_ gebildet. Er hat nachgewiesen, daß unter +diesem Namen sehr verschiedene Gesteinsarten verstanden werden und +identifiziert den nordwestafrikanischen teilweise mit dem indischen +Laterit als eine braune, sehr eisenreiche, dichte, an der Luft +vollkommen harte Masse, mit eingestreuten Quarzkörnchen, welche +abgerollt sind, und eingeschlossener weißer, lehmiger Substanz.[97] + +Die im Laterit eingebetteten leichtflüssigen Brauneisensteine +bilden das gewöhnliche Material. Man liest sie meist an der +Oberfläche, in Flüssen und Regenschluchten auf oder schürft nur +leicht nach ihnen. Doch sind auch Gruben bekannt, die ohne jede +bergmännische Geschicklichkeit angelegt werden und in Urua bis +10 m tief sein sollen. In Usanga am Kilimandscharo verarbeitet man +magnetischen Eisensand. + +Ein Rösten dieser Erze vor dem Reduktionsprozeß ist nirgends +erwähnt und im allgemeinen sind Zuschläge zur Beschickung, wie +Kalk etc., unbekannt; nur bei den Mandingo wird ein Zuschlag von +Alkali, aus Pflanzenasche gewonnen, erwähnt. Der Neger reduziert +seine leichtflüssigen Erze einfach durch Kohlen oder gar Holz (wie +in Usanga). Die Köhlerei ist verschieden entwickelt. Bei Bongo und +Djur, die sonst sehr hoch in der Eisenindustrie dastehen, findet +eine sehr unvollkommene Verkohlung des Holzes statt. Klein gehackte +Holzstücke werden schnell in Brand gesteckt, in vollen Flammen +auseinandergeworfen und dann gelöscht. Dagegen sah CAMERON in +Urua »rauchende Kohlenmeiler« und LENZ war erstaunt, bei den Fan +und Osaka im äquatorialen Westafrika gut hergestellte, mit Erde +gedeckte Meiler zu finden, wiewohl sie die erzeugten Kohlen auch +nicht zum Ausschmelzen der Erze, sondern nur zum Schmiedefeuer +benutzen. Die Betschuanen in Südafrika brennen aber die +Holzkohlen, die sie zum Eisenschmelzen gebrauchen, in förmlichen +Meilern.[98] + +Dieselben Fan, welche regelrechte Meiler bauen, reduzieren das +Eisen nach der allerrohesten, primitivsten Weise, indem sie das +Erz in immer erneuten flammenden Holzstößen ausschmelzen, wobei +ein Produkt erhalten wird, bei dem die nachfolgende Schmiedearbeit +das beste noch thun muß. Eine Stufe höher steht das Verfahren +der Ganguellas und Ostafrikaner (nach BURTON), bei denen das +Erz in Gruben, mit Kohlen und Holz gemischt, einem Gebläsestrom +ausgesetzt ist. Zu regelrechten Schmelzöfen aus Thon -- gemauerte +Öfen kommen nirgends vor -- haben sich endlich manche Völker +emporgeschwungen, Schmelzöfen mit Rasten und Herd, von 1-1/2 m, +ja bei den Serrakoletts bis 4 m Höhe. Die Reduktion geht überall, +wie die Schilderungen ergeben, sehr leicht und verhältnismäßig +schnell vor sich; das Eisenerz formt sich unter dem Einflüsse der +reduzierenden Holzkohle und der Gebläseluft zu einem weichen, wenn +auch nicht flüssigen, zusammengeschweißten Klumpen. Das Eisen ist +nicht flüssig und kann nicht »abgestochen« werden, wie das Roheisen +unserer Hochöfen. + +Die Gebläse sind allerdings sehr einfacher Natur, aber doch +stark genug, um, wenn wir STANLEY glauben sollen, ein Brausen +hervorzubringen, das eine halbe englische Meile weit hörbar ist. +Ganz Afrika kennt die Blasebälge und sie werden beim Ausschmelzen +des Eisens wie beim Schmieden von derselben fast überall gleichen, +nur wenig abweichenden Form angewendet, die ähnlich schon auf den +altägyptischen Monumenten erscheint. Die verbreitetste Form, die +vom Weißen Nil bis zu den Betschuanen im Süden reicht, besteht aus +zwei thönernen oder hölzernen cylinder- oder trichterförmigen, nach +unten zu verjüngten Gefäßen, welche in zwei Luftröhren auslaufen, +vor welche noch eine thönerne, seltener hörnerne oder eiserne +Düse gelegt ist. Überzogen sind diese Gefäße an ihrem oberen Ende +mit elastischen Häuten (oder selbst Bananenblättern), welche +abwechselnd auf- und abgezogen werden, um einen alternierenden +Luftstrom zu erzeugen. Ventile, wie bei unseren Blasebälgen, +sind in ganz Afrika unbekannt und ich lege der ganz isolierten +oberflächlichen Erwähnung derselben bei CAMERON nicht den +geringsten Wert bei. Blasebälge einer etwas anderen Art werden aus +Bornu und vom Njassasee, sowie vom Kilimandscharo erwähnt. Die +Ledersäcke derselben zeigen am oberen, mit den Händen gefaßten +Teile einen Schlitz, längs dessen zwei flache Stöcke befestigt +sind; indem man die Bälge mit der Hand öffnet und emporhebt, dann +schließt und niederdrückt, erzeugt man den gewünschten Luftstrom. +Solche Bälge kommen auch in Indien vor. + +Das erschmolzene, weiche Eisen ist fast überall dasselbe und wird +gewöhnlich gleich von den Schmieden durch fortgesetztes Hämmern +weiter verarbeitet und gereinigt. Die Bongo unterwerfen das +kohlenstoffreiche Produkt noch einer Art von Frischprozeß und die +Luchazes im Gebiete des oberen Cubango sollen es sogar verstehen, +Stahl herzustellen. Um Feuer zu machen, verwendet merkwürdigerweise +dieser Stamm Stahl, Zunder und Feuerstein. Letzteren beziehen die +Luchazes durch die Kioko auf dem Handelswege, »während sie den +Stahl selbst aus Schmiedeeisen herstellen, das in rotglühendem +Zustande in kaltes Wasser geworfen und dadurch gehärtet wird«.[99] +Es fehlt auch nicht an einer gewissen Ökonomie beim Eisenschmelzen +der Schwarzen, wie denn von den Djur bekannt ist, daß sie durch +Pochen und Waschen der Schlacken die noch darin enthaltenen +Eisenteilchen zu gewinnen trachten. + +Der Schmied, oft noch der Wanderschmied, der durch eifriges +Hämmern das unrein erhaltene Produkt dieses primitiven Prozesses +weiter verarbeitet, bedient sich gleichfalls nur höchst einfacher +Werkzeuge. Aber gerade dadurch erregt er unsere Bewunderung, da die +von ihm hergestellten Erzeugnisse im umgekehrten Verhältnisse zu +seinen elenden Werkzeugen stehen. Die Lanzenspitzen der Bongo und +Monbuttu sind von solcher Feinheit, daß sie mit jeder europäischen +Schmiedearbeit den Wettbewerb aushalten. Den Blasebalg kennen +wir schon; er ist beim Schmiede derselbe wie beim Hüttenmann. +Der Amboß ist meist noch ein Stein, seltener ein Stück in den +Boden gelassenes Eisen; ebenso der Hammer.[100] Wir können den +letzteren in drei Stadien der Entwickelung verfolgen. Er tritt +zunächst auf als einfacher, länglicher Stein, der mit der sehnigen +Faust erfaßt wird; ein Fortschritt ist es schon, wenn er durch ein +konisches Eisenstück ersetzt und gleichfalls mit der Hand bewegt +wird. Zum Hammerstiel hat der Neger sich nirgends aus eigenem +Triebe emporgeschwungen, wohl aber lernen wir bei ihm einen nicht +uninteressanten Übergang kennen, indem der schwere Schlag- oder +Hammerstein mit einem Lederriemen umfaßt wird, an welchem wieder +Schlingen für die Hand befestigt sind (bei Serracolletts etc.) oder +mit Bastseilen, wie bei den Mangandscha. Zum Schneiden, Formen, +Spalten und Modellieren feiner Teile des rotglühenden Metalles +benutzt man einen einfachen Meißel oder in Ermangelung eines +solchen eine Lanzenspitze. Die Zange besteht im primitivsten Falle +aus ein paar Rindenstücken oder sie ist ein gespaltenes Stück +frisches Holz mit einem laufenden Ringe darüber zum Enger- oder +Weiterstellen dieser Klammer. Einen Fortschritt deutet es an, wenn +dieselbe (wie bei den Barotse) aus Eisen hergestellt wird, doch +noch genau nach dem Modell der hölzernen Zange. Das Drahtziehen +ist bei vielen Negerstämmen bekannt und hier und da wird auch das +Schweißen erwähnt. + +Heute noch steht die afrikanische Eisenindustrie in ihrer alten +urtümlichen Form vor uns, doch dürften ihre Tage gezählt sein, +je mehr der schwarze Kontinent erschlossen und dem weißen +Händler zugängig gemacht wird. Sobald Berührungen mit Europäern +stattfinden, beginnen sich europäische Einwirkungen auf die +Eisenindustrie der Schwarzen einzustellen, so daß man, will +man letztere in ihrer Ursprünglichkeit kennen lernen, sich an +unberührte Stämme halten muß. Die Schmiede in Sennar haben +bereits europäische Hämmer und Zangen angenommen, und die Barotse +am mittleren Zambesi, in einer Gegend, die erst vor dreißig +Jahren bekannt wurde, kennen schon unsere Bohrer, Kugelzieher, +Feilen und Hämmer. Geht so die Ursprünglichkeit im Gewerbe durch +Fremderlerntes zu Grunde, so ist die afrikanische Eisenindustrie +an sich selbst in Frage gestellt durch das Einströmen billiger +europäischer Produkte, mit denen die heimischen Erzeugnisse nicht +zu konkurrieren vermögen. + +~Die Stellung der Schmiede in Afrika.~ Wo das Eisen im Volksmunde +auftritt und Traditionen von seinem Ursprunge erzählen, sind häufig +sonderbare Vorstellungen mit demselben verknüpft: dem Schmiede +haftet etwas geheimnisvolles an. Das neue Metall, welches bestimmt +war, den Stein zu ersetzen, ist den alten Geistern, den Elfen +und Nixen, die dem Steinalter entstammen, verhaßt und wird ihnen +gefährlich, daher man denn auch zum Schutze gegen jene Hufeisen +an die Stallthüren nagelt, was in England »noch bei der Hälfte +der Stallthüren« der Fall ist.[101] Ein Messer in den Wirbelwind +geworfen, ist in Deutschland ein Mittel, den in der Windsbraut +einherfahrenden Dämon zu verwunden.[102] Nach dem Glauben der +ägyptischen Fellahs haben die Dschinnen großen Respekt vor dem +Eisen. Sehen sie eine Sandhose kommen, so rufen sie dem darin +sitzenden Geiste zu: _Chadid ya maschun_, Eisen, o Unseliger! +und glauben sich dadurch geschützt.[103] Umgekehrt wird es in +hieratischen Dingen damit gehalten: der steinerne Altar wird aus +unbehauenen Steinen errichtet, denn das Eisen entweiht ihn.[104] +Und so ähnlich noch vielfach. + +Einheimische Traditionen, welche auf den Ursprung des Eisens in +Afrika hinweisen, sind bisher wenig bekannt geworden, doch dürften +dieselben gewiß nicht fehlen. Während, namentlich in Südafrika, +sich in Sagen und Märchen noch Erinnerungen an die Steinzeit +erhalten haben[105], ist mir nur eine Stelle aufgestoßen, die vom +Ursprunge des Eisens redet. »Die Leute (im Westen des Njassasees) +sagen, die Kunst, das Eisen zu schmelzen, sei ihnen von Chisumpi +gelehrt worden, welches der Name von Mulungu (Gott) ist.«[106] Hier +weist also die Tradition auf einen höheren, göttlichen Ursprung +des nützlichen Metalles hin, wie dieses auch bei anderen Völkern +der Fall ist. Damit wird zugleich die afrikanische Eisenkenntnis +in ein hohes Alter hinaufgerückt, wofür auch andererseits die +besondere Stellung, welche die Schmiede einnehmen, spricht. +Es ist dieses jedoch nicht etwa eine spezifisch afrikanische +Erscheinung, sondern bei allen Völkern, wo es Schmiede giebt, +tritt derselbe Fall ein.[107] Die afrikanischen Schmiede sind, +unabhängig von geographischer oder ethnographischer Gruppierung, +bald verachtet, bald hochgeehrt und stets klebt ihrer Beschäftigung +etwas geheimnisvolles an, so sehr, daß sie auch, wo sie eine +Pariastellung einnehmen, mit einer gewissen Scheu betrachtet +werden. Die Erklärung, daß die Schmiede, als eine besondere Kaste +bildend, von anderer Abstammung als die übrigen Mitbewohner +eines Landes seien, wird hier nicht immer ausreichen, wennschon +dieselbe sehr oft zutrifft. Wenn ein eroberndes Volk, welches +das Schmiedehandwerk nicht kennt, in dem von ihm besetzten +Lande bereits Schmiede vorfand, welche das Metall zu bearbeiten +verstanden, so mußte es natürlich die ihm fremde, geheimnisvolle +Kunst bewundern, aber auch fürchten. Wegen der augenscheinlichen +Nützlichkeit ließ es aber die Unterjochten bei ihrem Gewerbe, zog +daraus die nötigen Vorteile, verachtete aber die Träger der ihm +ursprünglich fremden Kunst und betrachtete sie gleichsam mit Scheu +als Zauberer und Träger überirdischer Kräfte. Andererseits aber, +wenn die nützliche Kunst ein tiefer stehendes Volk von einem höher +stehenden erlernt hatte, so blieb sie und diejenigen, welche sie +erlernt, in besonderer Gunst und Verehrung; die Schmiede wurden der +bevorzugte Stand.[108] + +Hoch in Ehren steht der afrikanische Schmied in Congo, wo er +königlicher Abkunft sein soll. Bei den Fan ist der Schmied +zugleich Priester und Medizinmann, und die kleinen, kein Eisen +produzierenden Völker am Ogowé verehren die Blasebälge der Fan in +ihren Fetischhäusern.[109] In den Kimbundaländern ist der Schmied +(Kangula) der vornehmste Handwerker; der Schmiedeobermeister +oder »Fürst der Eisenarbeiter« hat bei Hofe in Bautschi eine +der höchsten Stellen. Dagegen tritt uns die entgegengesetzte +Anschauung, welche einer Pariastellung der Schmiede gleichkommt, +bei mindestens ebensoviel afrikanischen Völkern entgegen. Der +Eisenschmied ist bei den Bari am Weißen Nil verachtet. Ausgestoßen +und verachtet sind die Schmiede (Adschwôn) bei den Dinka; diese +Verachtung ist bei den Dscholofs so groß, daß nicht einmal ein +Sklave in eine Schmiedefamilie hineinheiratet. Ausgeschlossen +aus der Gesellschaft sind die Schmiede bei den Tibbu. Jemanden +dort einen Schmied nennen ist eine Beleidigung, die nur mit +Blut abgewaschen werden kann. Das Handwerk erbt dort innerhalb +der streng geschiedenen Kaste vom Vater auf den Sohn. Der Grund +dieser Pariastellung ist hier um so schwerer zu ergründen, als, +wie NACHTIGAL ausdrücklich hervorhebt, die Schmiede mit ihren +übrigen Landsleuten desselben Ursprunges sind. Auch in Wadai nimmt +der Schmied diese Stellung ein, trotzdem ist ihr »Sultan« ein +höchst angesehener Mann, der Zutritt zum Harem des Herrschers hat +und bei dessen Thronbesteigung dessen Verwandten verschneidet. +Unter den Somal ist es die Pariakaste der Tumalod, welche das +Schmiedehandwerk betreibt.[110] + +~Die europäische Parallele.~ Man mag die sogenannte Bronzeperiode +so hoch in die Zeit zurückschieben, wie man will, so wird sie doch +bei den indogermanischen Völkern Europas nicht bis in eine Periode +hineinragen, welche unsere Völker oder deren damaliges Äquivalent +auf einer niedrigeren Kulturstufe antrifft, als die Afrikaner von +heute zeigen. In vielen Stücken, das beweist die vergleichende +Sprachwissenschaft, standen sie entschieden höher als die +gegenwärtigen Neger und es liegt kein innerlicher Grund vor, daß +bei ihnen, wo Feuer und Kohle bekannt und Raseneisenerz vorhanden +war, nicht jener allereinfachste Verhüttungsprozeß stattgefunden +hat, der bis ins vorige Jahrhundert noch in Deutschland ausgeübt +wurde und in Catalonien erst vor nicht langer Zeit verschwand. Die +alte Luppenfrischerei und Stückofenarbeit ist die echte Parallele +zu dem Eisenhüttenwesen der Naturvölker. + +Wenn auch bei HOMER das Eisen als mühsam dargestellt -- ++poluchmêtos sidêros+ -- bezeichnet wird und nicht gediegen, wie +Gold, Silber, Kupfer, vorkommt, so ist doch seine Erschmelzung +keine mit besonderer Schwierigkeit verknüpfte Arbeit, wie die +afrikanische Eisenindustrie uns bewiesen hat. Während die Bronze, +eine Legierung aus zwei Metallen, die in den seltensten Fällen +nebeneinander vorkommen, eine weit höhere metallurgische Kunst und +die Kenntnis des Gießens und Formens erfordert, ergeben weiche +Brauneisensteine in heftigem Kohlenfeuer behandelt schon ein +schmiedbares Eisen. Zu dieser Entdeckung kann der Zufall geführt +haben, was bei der Bronze kaum denkbar ist. + +Bei unseren europäischen Vorfahren müssen wir uns die älteste +Darstellung des Eisens gerade so vorstellen, wie wir dieselbe bei +den Negern kennen gelernt haben, und dieses älteste Verfahren +reichte bis in die Neuzeit unverändert herein. Die Geschichte +unseres Eisenhüttenwesens beginnt mit den Luppenfeuern, dem +Schmelzprozeß in Gruben und geht über zu den bis ins vorige +Jahrhundert gebräuchlichen Wolfs- oder Stücköfen, die von +entwickelteren afrikanischen Öfen nicht sehr verschieden waren und +gleich diesen kein flüssiges Roheisen, sondern ein ungeschmolzenes, +stahlartiges Eisen lieferten. + +Die Überreste des alten Eisenhüttenbetriebes in Deutschland sind +gar nicht so selten; sie werden mehr und mehr aufgefunden, seit +man seine Aufmerksamkeit darauf wendet. Am Hüttenberger Erzberge +in Steiermark deuten alte Halden und Schmelzgruben auf derartige +Eisenindustrie. Erst wenige Jahrhunderte sind darüber verflossen, +daß in der dortigen Gegend noch jeder einzelne Grundbesitzer +und Höfler bei seinem Hause am Erzberge kleine 2-3 m hohe Öfen +besaß, in denen mit Kohlen die den alten Erzgängen geraubten +Erze verhüttet wurden. Noch sind die alten Ofenruinen zahlreich +vorhanden. Älter als diese sind die gleichfalls vorhandenen +Gruben, die einfach in den ebenen Thalboden gegraben, mit Lehm +ausgeschlagen sind und keinen Luftkanal an der unteren Bodenfläche +zeigen. Graf WURMBRAND fand in solchen wenig reduzierten +Eisenstein, Schlacken und rohe Topfscherben.[111] Auch ganz +ähnlich gestaltete römische Schmelzgruben hat Graf WURMBRAND in +der dortigen Gegend nachgewiesen und schließlich hat derselbe +Forscher das alte Schmelzverfahren in Gruben unter Zuhilfenahme +eines einfachen Blasebalges nachgeahmt, wobei Holzkohle und +geröstetes Erz schichtenweise gelagert wurde. In 48 Stunden +reduzierte er 12,5 kg Eisen, das nach seiner Abkühlung sich gleich +zu Lanzenspitzen verarbeiten ließ.[112] + +Über alte Eisenschmelzen im Posenschen, wo in der primitivsten +Weise Raseneisensteine ausgeschmolzen wurden, berichtet W. +SCHWARTZ[113], über ganz ähnliche in der Lausitz und Westfalen +Bergrat VIEDENZ[114]; ungeheuere Schlackenhaufen, Reste +prähistorischer Eisenwerke bei Ramsen in der Pfalz, fand C. +MEHLIS[115], sehr große alte Schlackenhalden, die Reste eines etwas +komplizierteren Schmelzverfahrens (mit Tiegeln), entdeckte H. +WANKEL nördlich von Brünn bei Ruditz und Habruwka.[116] MEHLIS hat +endlich auch die altrömischen Eisenwerke von Rufiana (Eisenberg) in +der Pfalz mit ihren Öfen, Düsen und Luppen wieder an das Tageslicht +gezogen.[117] + +Überall war zu jenen Zeiten die Eisendarstellung in Europa nur ein +Handwerk, wie es bei den Negern betrieben wurde, keineswegs eine +Fabrikation. Die ganzen notwendigen mechanischen Leistungen, wie +die Windgebung und das Aushämmern der mit Schlacken verunreinigten, +im primitiven Schmelzofen erhaltenen Eisenluppen, wurden durch der +Hände Arbeit besorgt; von irgend welchen Maschinen ist bei unseren +Vorfahren so wenig wie bei den Negern die Rede gewesen. + + +Fußnoten: + +[2] SOLDI in Bull. soc. d'Anthropol. 1881. 34 ff. + +[3] LEPSIUS in Verhandl. Berliner Anthropol. Ges. 1873. 63. 64. + +[4] Manners and Customs of the ancient Egyptians. III. 247. + +[5] Zeitschrift f. ägyptische Sprache 1871. 19. + +[6] Die Metalle in den ägyptischen Inschriften. 102. Abhandlungen +der Berl. Akad. der Wissenschaften 1871. + +[7] WILKINSON, Manners and Customs. III. 246. It lies in the +eastern desert, between the Nile and the Red Sea, at a place called +Hammámi, and was discovered by my friend Mr. Burton, who visited it +in 1822 and found the metal to be in the form of specular and red +iron ore. + +[8] LEPSIUS a. a. O. 107. 112. + +[9] »Altes Eisen.« Allgemeine Zeitung, 12. Januar 1868. + +[10] Das Meteoreisen in technischer und kulturhistorischer +Beziehung. Arch. f. Anthropol. XII. 297 (1880). + +[11] SCHWEINFURTH, Artes africanae Taf. XIV. Fig. 5-7 und +WILKINSON, Ancient Egyptians II. 287. + +[12] WILKINSON a. a. O. III. 339. + +[13] Jeremias 6, 20. + +[14] KLUNZINGER, Bilder aus Oberägypten. Stuttg. 1877. 13. + +[15] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 42. + +[16] III. 49, 4. + +[17] II. 19 in KARL MÜLLER's Geographi graeci minores. Par. 1855. + +[18] STRABO 771. 772. ed. CASAUB. + +[19] MORLANG, in PETERMANN's Mittheil. Ergänzungsband II. (122). + +[20] POGGE, Muata Jamwo. Berlin 1880. 238. + +[21] BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika. Weimar 1870. 71. + +[22] Die Steinzeit Afrikas. Globus XLI. 169 ff. + +[23] Durchbohrte Steine vom Tanganjikasee beschreibt HORE in +Proc. Roy. geogr. Soc., 1882. 7. Durchbohrte Porphyrsteine, die +Zauberkraft besitzen sollen und deren ursprüngliche Verwendung den +Leuten bereits unbekannt war, LIVINGSTONE in Centralafrika. (Letzte +Reise, deutsche Ausgabe I. 271.) + +[24] Sprachvergleichung und Urgeschichte. Jena 1883. 218 Anm. + +[25] PURCHAS, Pilgrims I. 118. 133. 275. 417. + +[26] SANDERSON im Journ. Anthropol. Instit. VIII. 17 (1879). + +[27] HUTCHINSON, Western Africa. London 1858. 192. + +[28] Reise im Gebiete des Blauen und Weißen Nil. Wien 1874. 33, +Taf. 2. + +[29] WILHELM V. HARNIER's Reise am oberen Nil. Darmstadt 1866. Taf. +XIX. + +[30] S. W. BAKER, Der Albert Nyanza. Jena 1867. I. 182. + +[31] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 227. + +[32] SCHWEINFURTH, Artes africanae. Leipzig 1875. Taf. II. + +[33] JOHN PETHERICK, Egypt, the Soudan and Central-Africa. Edinburg +1861. 396. + +[34] TH. V. HEUGLIN, Reise in das Gebiet des Weißen Nil. Leipzig +und Heidelberg 1869. 196. + +[35] Artes africanae taf. V. + +[36] A. a. O. 197. + +[37] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 116. + +[38] WILSON und FELKIN, Uganda, deutsch. Stuttgart 1883. I. 73. + +[39] A. a. O. I. 89. + +[40] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. I. 514. + +[41] STANLEY a. a. O. II. 156. + +[42] Journal Anthropol. Instit. VI. 170. LIVINGSTONE (Letzte Reise +II. 174) kam in dieser Gegend an 30 Schmelzhütten vorüber. + +[43] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 291. 293. + +[44] CAMERON a. a. O. I. 319. + +[45] CAMERON a. a. O. I. 320. + +[46] CAMERON a. a. O. II. 44. + +[47] CAMERON a. a. O. II. 157. + +[48] POGGE, Im Reiche des Muata Jamwo. Berlin 1880. 238. + +[49] O. SCHÜTT, Reisen im südwestlichen Becken des Kongo. Berlin +1881. 128. + +[50] Reisen in Südafrika. Pest und Leipzig 1859. 384. 376. + +[51] SERPA PINTO's Wanderung quer durch Afrika. Leipzig 1881. I. +118. + +[52] SERPA PINTO I. 236. II. 31. + +[53] JOS. THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. Jena +1882. II. 209. I. 227. + +[54] BURTON, Lake Regions of Central Africa. London 1860. II. 312. + +[55] V. D. DECKENs Reisen II. 17. 19. + +[56] BURTON a. a. O. II. 312. + +[57] V. D. DECKEN a. a. O. II. 19. + +[58] V. D. DECKEN II. 19. + +[59] Blauer und Weißer Nil. Taf. II. + +[60] Expedition to the Zambezi. 113. + +[61] Proceedings R. Geogr. Soc. 1883. 586. + +[62] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise, deutsch. Hamburg 1875. I. +183. + +[63] LIVINGSTONE, Expedition to the Zambezi. London 1865. 113. + +[64] Letzte Reise I. 180. + +[65] MONTEIRO, Der Muata Cazembe. Deutsch von W. PETERS in +Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. VI. 268. Berlin 1856. + +[66] Proceed. R. Geogr. Soc. 1883. 531. + +[67] DU CHAILLU, Equatorial Africa. London 1861. 90. -- O. LENZ, +Skizzen aus Westafrika. Berlin 1878. 85. + +[68] LENZ a. a. O. 274. + +[69] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Deutsch. Hamburg +1799. 32. + +[70] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 62. -- NACHTIGAL im Globus +XXIV. 231. + +[71] Mitt. Hamburg. Geogr. Ges. 1878-79. 316. Tafel 8, Fig. 9. + +[72] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. I. 224. 306. + +[73] BASTIAN, Geogr. und ethnolog. Bilder. Jena 1873. 171. + +[74] L. WILSON, Western Africa. London 1856. 304. + +[75] H. BARTH, Reisen. II. 154. 157. 158. + +[76] NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 457. 451. + +[77] NACHTIGAL a. a. O. I. 680. Der Blasebalg wird in Bornu durch +ein Onomatopoeon: _bubutu_ bezeichnet (BARTH, Reisen II. 458). + +[78] BARTH a. a. O. II. 645. III. 400. + +[79] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207. + +[80] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. +224. + +[81] Tour du Monde. III. 388 (1861). + +[82] MOLLIEN, Reise in das Innere von Afrika. Weimar 1820. 226. + +[83] MUNGO PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 332. + +[84] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. +178. + +[85] BOWDICH, Mission nach Ashantee. Weimar 1820. S. 417. + +[86] FRITSCH, Eingeborene Südafrikas. 434. + +[87] PETER KOLBEN's Beschreibung des Vorgebirges der guten +Hoffnung. Frankfurt und Leipzig 1745. 177. + +[88] FRITSCH a. a. O. 72. + +[89] FRITSCH a. a. O. 71. 72. + +[90] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 66. + +[91] FRITSCH a. a. O. 172. + +[92] HOLUB in den Mitt. der Wiener geograph. Ges. 1879. 321. 322. + +[93] Nur noch die Gerberei wird bei den Mandingo von den von Stadt +zu Stadt reisenden Karrankea oder Gaungay zünftig betrieben, +während die übrigen Einwohner sich nicht damit abgeben (MUNGO +PARK's Reise in das Innere von Afrika. Hamburg 1799. 330). + +[94] THOMSON, Expedition nach den Seen von Centralafrika. II. 209. + +[95] PETERMANN's Geographische Mitteilungen. 1882. Taf. 1. + +[96] Ausland. 1883. S. 850. + +[97] DOELTER, Über die Capverden nach dem Rio Grande. Leipzig 1884. +220 ff. + +[98] LICHTENSTEIN, Reise im südlichen Afrika. Berlin 1812. 523. + +[99] SERPA PINTO a. a. O. I. 236. Diese Art des Härtens war schon +zur Homerischen Zeit bekannt, wie aus der Stelle hervorgeht, wo +Odysseus den Polyphem blendet, Odyssee IX. 393-395: + + So wie der Erzarbeiter die Holzaxt oder das Schlichtbeil + In abkühlendes Wasser mit mächtigem Zischen hinabtaucht, + Um es zu härten mit Kunst; das giebt ja dem Eisen die Stärke. + +[100] Auch bei unseren indogermanischen Vorfahren bestanden die +ursprünglichen Schmiedewerkzeuge aus Stein; Beweis dafür die +Häufigkeit der Namen dieser Werkzeuge, welche aus dem Worte für +Stein (Sanskrit _áçman_ = Altslavisch _kamen_) hervorgehen. Hierher +gehören im Germanischen altnordisch _hamarr_ = althochdeutsch +_hamar_ und griechisch _+kaminos+_, Ofen. Im Sanskrit _áçman_ +Hammer und Amboß. + +[101] TYLOR, Anfänge der Kultur. I. 140. + +[102] SCHÖNWERTH, Aus der Oberpfalz. II. 113. + +[103] MANNHARDT, Baumkultus. Berlin 1875. 132. + +[104] 2 Mos. 20, 25. + +[105] Vergl. das Hereromärchen in BLEEK, Reinecke Fuchs in Afrika. +Weimar 1870. 71. + +[106] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. Deutsch. Hamburg 1875. I. 183. + +[107] R. ANDREE, Ethnographische Parallelen. Stuttgart 1878. 153. +»Der Schmied.« + +[108] Es läßt sich historisch nachweisen, wie Schmiede und +Metallarbeiter von den Siegern in deren Land verpflanzt wurden, +wo sie, dem besiegten Stamme angehörig, nun eine Kaste bildeten. +Nebukadnezar führte die Schmiede aus Juda nach Babel (2 Kön. 24, +14) und der Inka Yupanqui brachte die Metallarbeiter des von ihm +eroberten Reiches Chimu nach seiner Hauptstadt Cuzco (SQUIER, Peru. +London 1877. 170). + +[109] Es möge hierzu eine indische Parallele Platz finden. Bei +den Bhils, einem der wilden Urstämme Vorderindiens, steht das +Eisen in hoher Verehrung. Lanzenspitzen oder Pflugscharen werden +an Baumzweige gehängt und diesem Eisen widmet der Bhil die +Erstlingsfrüchte der Ernte oder Teile seiner Beute. Der Ursprung +dieses Brauches soll in die Zeit der Einführung des Eisens bei den +Bhils zurückreichen. L. ROUSSELET, Revue d'Anthropol. II. 61. 1873. + +[110] BASTIAN, San Salvador. 161. -- LENZ, Skizzen aus Westafrika. +85. -- MAGYAR, Reisen in Südafrika. I. 338. -- ROHLFS, Quer durch +Afrika. II. 156. -- V. HARNIER in PETERMANN's Ergänzungsheft No. +10. 133. -- PRUYSSENAERE daselbst No. 50. 25. -- MOLLIEN, Reise in +das Innere von Afrika. 49. -- NACHTIGAL, Sahara und Sudan. I. 443. +-- Derselbe in Zeitschrift der Ges. f. Erdkunde zu Berlin. VI. 533 +und XII. 43. -- HILDEBRANDT in Zeitschrift für Ethnologie. 1875. 4. + +[111] Arch. f. Anthropologie. XI. 401. + +[112] Korrespondenzblatt d. deutsch. Anthropol. Ges. 1877. 151. + +[113] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 88. + +[114] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1881. 133. + +[115] Korrespondenzblatt. 1878. 73. + +[116] Mitt. d. Wiener Anthropol. Ges. VIII. 312. + +[117] Korrespondenzblatt. 1883. 147. + + + + +Das Kupfer bei den Nigritiern. + + +~Vorkommen und Darstellung.~ Kupfer gehört in Afrika zu den nicht +selten vorkommenden, in der Ausbeute aber auf einige wenige +Lokalitäten beschränkten Metallen. Seit alter Zeit wird es im +Norden wie im Süden von den Eingeborenen erschmolzen und in den +Handel gebracht. Daß es als gediegenes Metall zur direkten kalten +Verarbeitung gelange, ist mir für Afrika nicht bekannt geworden. +Die Hauptvorkommnisse, von denen aus es auf Handelswegen weit und +breit über den Kontinent verbreitet wird, sind folgende: + +Zunächst die vielfach genannte Hofrat e Nahhas im Süden von +Darfur. RUSSEGGER, der zuerst diese Kupferbergwerke erwähnt, +gab an, daß das Metall dort gediegen in Form feiner Gräupchen +vorkomme.[118] Indessen dieses beruht auf falschen Erkundigungen. +Nach den von V. HEUGLIN eingezogenen Nachrichten wird das Kupfer +dort metallurgisch gewonnen. »Die Kupfererze werden an Schluchten +gebrochen, gewaschen und in einer Vertiefung mit Kohle geschichtet. +Zwei bis drei Schafhäute dienen den Arbeitern als Blasebälge. Beim +Niedergehen des Satzes entwickelt sich eine giftige grüne Flamme. +Das Ausbringen eines Schmelzprozesses beträgt zwischen 12 bis 15 +Rottel schönes Rotkupfer.«[119] + +SCHWEINFURTH sah das Kupfer von Hofrat e Nahhas im Handel in der +Form geschmiedeter kantiger, sehr plumper Ringe von 2-1/2 bis 25 kg +Gewicht und in 1/2 oder 1 kg schweren, länglich ovalen Barren oder +Kuchen von ziemlich unreiner Gußmasse. Er zahlte für 40 kg 75 +Mariatheresiathaler. Auch von dem kupferhaltigen Mineral erhielt +SCHWEINFURTH Proben; es bestand aus Kies- und Quarzstücken mit +Malachitbeschlag.[120] Wie weit dieses Kupfer von Hofrat in Afrika +durch den Handel verbreitet wird, erkennen wir aus der Angabe von +HEINRICH BARTH[121], daß es, über Wadai kommend, auf dem Markte von +Kano den hauptsächlichsten Vorrat ausmacht und hier in Konkurrenz +mit dem europäischen, über Tripolis importierten Kupfer tritt. + +Hofrat e Nahhas ist zum ersten Male im Jahre 1876 von dem +Amerikaner PURDY besucht worden, dessen Bericht[122] ich +vollständig hier wiedergeben will. »Heufrah,« schreibt er, +»liegt auf dem rechten Ufer des Bahr-el-Fertit, einem Zuflusse +des Bahr-el-Arab. Das Dorf ist von dem Flusse eine halbe Meile +(_mille_) entfernt und die im Sudan so berühmten Kupferwerke +liegen einen Kilometer südwestlich vom Dorfe. Die Mineralader ist +schon in weiter Entfernung sichtbar; sie tritt etwa 50 cm über +die Oberfläche des Bodens hervor und verläuft von Nordwest nach +Südost. Man hat hier eine etwa 140 m lange, 14 m breite und 2-3 m +tiefe Ausgrabung gemacht. Aus dieser Aushöhlung ist eine große +Menge Mineral herausgefördert worden; etwas weiter westlich hat man +einen 8,5 m tiefen Schacht abgeteuft, der eine weißliche Thonmasse +durchsetzt. Die Arbeiter benutzen nicht das ganze Mineral, sondern +nur den kupferreichsten Teil desselben, ein fast reines Karbonat +oder Bikarbonat. Die Ausschmelzung erfolgt in einfachen Thonöfen. +Die gemachten Beobachtungen berechtigen zu dem Glauben, daß man +hier eine große Menge dieses guten Minerals finden kann. Die +Minen liegen etwa 28 m über dem Hochwasser des Bahr-el-Fertit. Die +oben erwähnte Erzader ist die einzige, welche heute bearbeitet +wird. Doch findet man in einem Umkreise von 500 m unzählige +alte Schächte. Heufrah liegt unter 9° 48´ 24´´ nördl. Br. und +24° 05´ 38´´ östl. L. v. Gr. Das Land ist ringsum durchaus eben und +der Horizont nirgends von Bergen begrenzt.« + +Leider erfahren wir von diesem einzigen Augenzeugen gar nichts +näheres über den eigentlichen metallurgischen Prozeß. Es wäre aber +gerade sehr wünschenswert, daß über diese primitive Ausbringung +der Kupfererze uns Kunde würde, da das Kupfer denn doch nicht +so einfach wie das Eisen darzustellen ist, wenigstens nicht das +»gare«, für die Technik verwendbare Kupfer, welches erst eine +Raffinierung durchgemacht haben muß, wie dieselbe auch in Indien +ausgeführt wird. + +[Illustration: Fig. 15. Handakupferbarre. Nach CAMERON.] + +Ein zweites und für die Verbreitung des Kupfers in Afrika wichtiges +Vorkommen ist jenes von Katanga, welches nach CAMERON's Karte etwa +unter 10° südl. Br. und 26° östl. L. liegt. Es wird hier in großen +Mengen gewonnen und zu Stücken von 1-1/4 bis 1-1/2 kg Schwere +geformt, welche den Namen Handa führen. Sie haben die Gestalt +eines roh geformten Andreaskreuzes und messen in der Diagonale +33-35 cm, während die Arme etwa 4-1/2 cm breit und 1 cm dick +sind. Bei manchen läuft oben an den Armen ein erhabener Streifen +hin (Fig. 15). Diese Kupferminen sind noch von keinem Europäer +besucht worden, sondern nur durch Erkundigungen und durch das +Vorkommen ihres Produktes im Handel bekannt geworden. CAMERON traf +die kreuzförmigen Kupferstücke zuerst in Uguhha, westlich vom +Tanganjikasee. Je neun bis zehn Stücken davon werden übereinander +gelegt, zusammengebunden und an die beiden Enden einer Stange +gebunden, um so eine Traglast zu bilden. Während das Kupfer so +weit nach Osten geht, erreicht es umgekehrt die Westküste, wo es +nach Lux in 1-1/2-2 kg schweren Stücken in den Handel kommt. In +Kimbundu heißen diese kreuzförmigen Stücke »Uwanda«, offenbar +derselbe Name wie Handa.[123] LIVINGSTONE fand Katangakupfer +beim Cazembe. Es hatte die Form wie ein großes I; ein Barren wog +25-50 kg. In Uniamwesi (Tabora oder Kaseh, zwischen dem Tanganjika +und der Ostküste) sah derselbe Reisende das gleiche Kupfer; es hieß +dort Vigera. Daneben war aber auch das in Kreuzesform gegossene +zu finden und es wurde dort Handiplé Mahandi genannt.[124] Im +letzteren Worte haben wir das »Handa« CAMERON's wieder. Dieses +Katangakupfer ist dasjenige, welches am weitesten durch Afrika +verbreitet ist. + +Von geringerer Bedeutung scheint das Kupfervorkommen und die +Kupfergewinnung im Gebiete des Binué, des großen östlichen +Zuflusses des Nigers, zu sein. ROBERT FLEGEL schreibt[125], daß +Kupfer in größeren Mengen vorkomme und verarbeitet werde in der +Gegend von Gazza, einer Stadt etwa drei Tagereisen südlich von +Ngaundere gelegen. »Ich habe selbst verschiedene Gegenstände, nach +Aussagen aus jenem Kupfer gefertigt, erworben und man erzählt, daß +zwei ganz aus Kupfer bestehende große menschliche Figuren dem Ardo +Isa, früheren Herrn von Ngaundere, als Kriegsbeute in die Hände +gefallen seien.« + +Im portugiesischen Westafrika werden durch Europäer die großen +Kupferminen von Pembe in Angola ausgebeutet, die ausführlich von A. +BASTIAN geschildert sind.[126] + +Großartig und seit altersher bekannt ist der Kupferreichtum von +Klein-Namaqualand, wo die Kupferminen sich über einen Flächenraum +von 8000-9000 englischen Quadratmeilen ausdehnen und wo das Erz +sich nicht nur in den Schichten der Erde, sondern reichlich an der +Oberfläche findet. Zahlreiche Aktiengesellschaften beuten dasselbe +aus. + +In Transvaal findet sich häufig Buntkupfererz und Kupferlehm und +es ist von Wichtigkeit zu hören, daß hier alte Gruben in Menge +vorkommen, die früher von den Kaffern ausgebeutet wurden[127], +denn keineswegs ist die Kupferindustrie in Südafrika erst durch +die Europäer eingeführt worden. Selbst die Hottentotten stellten +dieses Metall (wie das Eisen) durch Ausschmelzen der Erze mit +Holz in Gruben dar. »Sie graben, schmelzen und polieren es mit +unglaublicher Kunst und bereiten die kleinen Zieraten davon, womit +sie sich schmücken,« sagt der alte Peter Kolben.[128] + +~Verbreitung des Kupfers auf dem Handelswege.~ Dieses sind die +wichtigsten Vorkommnisse des Kupfers in Afrika, soweit bekannt, +und von hier hat dasselbe sich auf dem Handelswege zu den Völkern +verbreitet, die es nicht selbst erschmelzen, wohl aber, bei +der bekannten Schmiedegeschicklichkeit der Schwarzen, gut zu +verarbeiten verstanden. Die Monbuttu in Centralafrika kannten +das Kupfer bereits, ehe sie mit den von Norden vorrückenden +Mohamedanern in Berührung kamen und ihr König besaß große Massen +davon. Es stammte aus dem südwestlichen Afrika, ja vielleicht, +wie SCHWEINFURTH vermutet, aus Angola. Doch dürften die Minen von +Katanga wohl auch hierbei in Betracht zu ziehen sein. Bei diesem +Volke sind fast alle künstlichen Zieraten aus diesem Metalle +gearbeitet, welches (außer Eisen) das einzige ihnen bekannte ist. +Am häufigsten wird es in Gestalt klafterlanger, ausgezogener und +flach geschlagener Drähte angewendet, um die Handhaben an Säbeln +und Messern, die Lanzenschäfte, Bogen etc. zu umwickeln. Von +Kupfer und Eisen sind auch die agraffenartigen Klammern, welche +zur Zier an den Holzschilden angebracht sind. Lange Halsketten von +Kupfer sieht man häufig und Kupferbeschlag fehlt weder an den aus +Büffelhaut geschnittenen Ringen, noch an den dicken Gürtelriemen. +Jeder Schmuck, an dem sich Kupfer anbringen läßt, ist damit +versehen. Vornehme bestellen sich eigens aus Kupfer geschmiedete +Prunkwaffen.[129] + +Und noch weit tiefer im Innern Afrikas, bei den Wavinzu am +mittleren Congo, fand STANLEY, der als der erste Weiße zu ihnen +kam, Kupfer im Überfluß. »Es war um die Speerschäfte gewunden und +umgab in Ringen ihre Beine und Arme, die Griffe ihrer Messer, +ihre Spazierstöcke und hing in Perlenform von ihren Hälsen herab, +während schrotförmige Kügelchen desselben an ihren Haaren befestigt +waren.«[130] + +Wie massenhaft Kupfer- und Messingringe oft zu Zieraten verwendet +werden, erkennt man an dem Hauptweibe des Häuptlings Sescheke am +mittleren Sambesi. LIVINGSTONE schreibt: »Sie trug achtzehn massive +fingerdicke Messingringe an jedem Bein und drei Kupferringe unter +dem Knie; neunzehn Messingringe am linken und acht Messing- und +Kupferringe am rechten Arm. Das Gewicht derselben behinderte ihr +Gehen.«[131] + +~Kupferlegierungen in Afrika.~ Bei den Altägyptern hieß das +Kupfer Chomt; es erscheint wie Silber und Blei in großen +aneinandergelehnten Platten abgebildet in der Schatzkammer Ramses +III. im Tempel zu Medinet Habu. Unter den Tributgaben, welche die +Völker Syriens und Assyriens, die Rotennu, Anaukasa, Asi u. a. +Thutmosis III. bringen, wird vorzüglich auch Kupfer in rohen +Klumpen, massiv, aber nicht raffiniert, erwähnt, welches nach Tob, +d. i. Ziegeln von ca. 2 kg, gemessen wurde. + +Chomt bezeichnete aber nicht bloß das Kupfer, sondern auch +die verschiedenen Mischungen von Bronze, wie sie häufig bei +der Verarbeitung zu Gefäßen, Instrumenten und kleinen Statuen +angewendet wurden. In der That bestehen viele Gegenstände in +den europäischen Museen, die hierher gehören, nicht aus reinem +Kupfer, das sich namentlich für den Guß weniger eignet, sondern +aus mannigfaltigen Legierungen, an denen man ohne Zweifel auch die +helleren Farben schätzte. Einzelne Stücke des Berliner Museums sind +von VAUGUELIN analysiert worden. Ein Spiegel, den er untersuchte, +enthielt 85% Kupfer, 14% Zinn und 1% Eisen. Wenig verschieden +sind die Kompositionen anderer Spiegel und Instrumente; ein Dolch +enthielt »wenig Zinn«. Götter, heilige Tiere, Embleme wurden aus +Bronze dargestellt. Das Berliner Museum besitzt eine besonders +interessante Bronzestatuette des Königs Ramses II. in Osirisform +von feinster Arbeit, welche hohl gegossen ist, wohl das früheste +Beispiel von Hohlguß, da sie aus dem 14. Jahrhundert vor Christus +stammt. Außerdem finden sich in den Museen noch Instrumente +aller Art, wie Sistren, Schlüssel, Löffel, Nägel, chirurgische +Instrumente; Waffen, wie Dolche, Beile, Messer, Lanzenspitzen; +ferner Spiegel, Spangen, Gefäße, namentlich heilige Schöpfgefäße +mit ihren langstieligen Löffeln, Schalen, Näpfe und vieles +andere.[132] + +Was das Alter der Bronze in Ägypten betrifft, so ist sie schon in +den frühesten Zeiten konstatiert worden. Es würde genügend sein, +sich auf die im britischen Museum noch vorhandene Zwinge des +szepterartigen Stabes Pepis, eines Königs der sechsten Dynastie +(3233 v. Chr.), zu berufen. Auch hat CHABAS bereits hervorgehoben, +daß man Gegenstände aus Bronze in Texten erwähnt findet, die man +in vor der Errichtung der großen Pyramiden liegende Zeiten setzen +darf. Sehr schöne Bronzestatuetten der POSNO'schen Sammlung werden +bis in die Zeit der sechsten Dynastie zurückversetzt; sie sind, bis +auf die angesetzten Arme, im Ganzen geformt, der Guß hohl und der +Sandkern steckt noch darinnen. Im Gießen von Bronzefiguren scheint +danach Ägypten die Priorität zu behaupten.[133] + +So verhält es sich mit dem thatsächlichen Vorkommen. Dem gegenüber +aber muß hervorgehoben werden, daß in den alten Inschriften Kupfer +und Kupfergerät als aus Asien stammend, von asiatischen Völkern +gebracht, erwähnt wird, was wieder auf asiatischen Ursprung der +Bronze deuten könnte, eine Ansicht, die dadurch bestärkt wird, daß +Zinn auf den ägyptischen Denkmälern nicht nachzuweisen ist, wiewohl +es, als zur Bronze dienend, den Ägyptern bekannt sein mußte.[134] + +An ~Zinn~, um Bronze darzustellen, fehlt es übrigens in Afrika +nicht und es wird sogar von den Schwarzen gewonnen. »Ein sehr +ergiebiges Zinnbergwerk ist bei Rirué (in Sokoto) im Betrieb, +von wo das geförderte Metall nach Wukari und Adamaua, sowie nach +Kano und Sokoto verführt wird.«[135] Legierungen von Kupfer +und einem anderen Metall sind erst spät von Norden her zu den +Völkern am Weißen Nil gelangt, durch die Baggara, welche das +Messing den Negern jener Gegenden zuführten, die es höher als das +selbstbereitete Kupfer schätzten. Zu SCHWEINFURTH's Zeit (1870) +war das Messing erst bis zu den Djur (zwischen 9° und 12° nördl. +Br.) vorgedrungen, bei den südlicher wohnenden Völkern aber noch +ziemlich unbekannt.[136] Nirgends aber findet sich in diesen +Gegenden eine Spur, daß ihre Bewohner die Bronze gekannt oder +dargestellt hätten. Wenn LIVINGSTONE[137] erwähnt, daß er von +einem Häuptling am Südende des Tanganjikasees »zum Andenken ein +Messer aus Bronze mit elfenbeinerner Scheide« erhalten habe, so +ist dieses eine isolierte, ohne jede Analogie dastehende Äußerung, +die auf einer Verwechselung beruhen kann, und der ich keinen Wert +beilegen möchte, wenigstens insoweit es sich um die Darstellung von +Bronze bei den Eingeborenen handelt. Die Ausnahme, welche ich oben +andeutete, ist aber folgende. + +Als HEINRICH LICHTENSTEIN im Anfange unseres Jahrhunderts seine +südafrikanische Reise machte, kam er auch zu den südlichen +Bedschuanenstämmen, bei denen er Ringe aus Kupferdraht, wie er +sagt, fand, die durch langes Hämmern selbst hergestellt worden +waren, wie ihm halbfertige Stücke bewiesen. Das Metall dieser +Ringe aber bestand nach einer Analyse KLAPROTH's aus 93% Kupfer +und 7% Zinn. »Da nun bis jetzt,« fügt LICHTENSTEIN hinzu, »noch +kein zinnhaltiges Mineral im südlichen Afrika gefunden worden ist, +so ist es sehr wahrscheinlich, daß diese Ringe noch weiter von +Norden herstammen und vielleicht von den Kaffervölkern auf ihren +Wanderungen von Alters her aufbewahrt worden sind.«[138] + +Nach unserer jetzigen Kenntnis der Verhältnisse ist es jedoch +nicht notwendig, das letztere anzunehmen, denn Zinn kommt in +Südafrika vor, MERENSKY kennt zwei Fundstellen in Transvaal[139], +doch ist über die Darstellung des Metalles durch die Eingeborenen +noch nichts bekannt geworden und es muß die Quelle des Zinns +zu jener Bronzedarstellung noch erforscht werden. Dieses von +LICHTENSTEIN mitgeteilte Beispiel des Vorkommens von Bronze bei den +Südafrikanern ist nicht das einzige, da dieselbe auch bei den Zulu +beobachtet worden ist. + +Dr. KRANZ, auf den ich mich wegen der Thatsache beziehe[140], nennt +die Legierung »Messing«, jedenfalls eine falsche Bezeichnung, da +es sich um ein Gemenge von Zinn und Kupfer handelt. Das Kupfer, +sagt er, verstehen die Zulu selbst aus den Erzen zu reduzieren +-- woher aber das Zinn stammt, darüber berichtet er kein Wort +und doch wäre dieses von größter Wichtigkeit zu erfahren. Wäre +dasselbe europäischen Ursprunges, dann würde diese Bronzebereitung +der Zulu auch keinesfalls als autochthone Kunst aufzufassen sein. +Den Prozeß selbst stellt unser Gewährsmann folgendermaßen dar: +»In einem zerbrochenen irdenen Topf als Schmelztiegel wird ein +wenig Kupfer und Zinn mitten in einem Holzkohlenfeuer geschmolzen. +Vorher werden nach Art spielender Kinder Haufen oder Häufchen von +feinem Sand gemacht und mit einem dünnen Stock Löcher in schiefer +Richtung hineingebohrt, wohinein das geschmolzene Metall nachher +gegossen wird. Die so entstandenen dünnen Messingstöcke (sic!) +werden dann mit einem kleinen Hammer auf einem Stein gehämmert und +zwischendurch wieder im Feuer erweicht, bis dieselben beinahe 3 mm +dick sind. Das eine Ende wird dann durch Reiben auf einem Steine +zugespitzt und durch die auch in Europa bekannte eiserne Platte +gezogen und immer dünner, bis der Messingdraht ungefähr wie dicker +Sattlerzwirn ist.« Genau so wird der Prozeß von dem bekannten +Missionar MOFFAT, LIVINGSTONE's Schwiegervater, geschildert. Die +Ziehplatten sind sehr roh geformt aus weichem Eisen, die Löcher +sind ungleich und so wird auch der Draht sehr unregelmäßig.[141] + +~Drahtziehen und Gießen in Afrika.~ Auch südlich vom Tanganjikasee +verstehen es die Neger Kupferdraht zu ziehen, zu welchem das Kupfer +aus Katanga kommt, »indem sich die Drahtzieher zu einem Teil des +Herstellungsverfahrens eines siebenzölligen Kabels bedienen«, +was eine sehr unklare Beschreibung ist. »Sie machen sehr schönen +Draht und dieser wird hauptsächlich zu Knöchel- und Beinringen +verarbeitet.«[142] + +Mit dem oben geschilderten Verfahren des Tiegelschmelzens und +Barrengießens der Zulu vor Augen, wird uns auch die nachstehende, +sonst wenig klare Schilderung LIVINGSTONE's verständlich, welche +sich auf eingewanderte, am Nordgestade des Bangweolosees wohnende +Wanjamwesi bezieht. Mit den gewöhnlichen afrikanischen Gebläsen +schmelzen sie »Stücke der großen Kupferstangen in einem Tiegel, +nahezu gefüllt mit Holzasche. Das Feuer ist angemacht inmitten +vieler Ameisenhügel, in welche Höhlungen gebrochen sind zur +Aufnahme des geschmolzenen Kupfers; beim Ausgießen des Metalls +wird der Tiegel in der Hand gehalten, die durch nasse Lumpen +geschützt ist«.[143] Letzteres, weil eine Zange in unserem Sinne +den Afrikanern unbekannt ist; was die Ameisenhügel betrifft, +so scheinen sie die Rolle zu spielen wie die oben erwähnten +Sandhäufchen der Zulu. + +Zur Charakterisierung der Metallindustrie Afrikas mag hier +noch erwähnt werden, daß die Neger es im Formen und Gießen zu +einer vergleichsweisen hohen Stufe gebracht haben, wenn auch +nicht in Eisen (da sie kein Roheisen darstellen) und selten in +Kupfer, sondern in Gold. Von den Negern an der Goldküste sagt +CRUICKSHANK[144]: »Sie sind erfinderische Goldarbeiter und machen +Ringe, Ketten und Broschen, welche einem europäischen Künstler +nicht zur Unehre gereichen würden. Sie formen das Gold in jederlei +Gestalt, als Tiere, Vögel, kriechende Geschöpfe und schmücken ihre +Person mit solchen Zieraten.« Den Prozeß finden wir bei BOWDICH +geschildert, der sich auf die Bewohner von Dagwumba (Dagomba, +nördlich vom Rio Volta unter 0° L. und 9° nördl. Br.) bezieht. »Um +das Modell zu machen, streicht man Wachs über ein glattes Stück +Holz neben einem Feuer, worauf ein Topf mit Wasser steht; nun +taucht man einen hölzernen Leisten hinein und macht damit das Wachs +gehörig weich. Sie brauchen ungefähr eine Viertelstunde, um das +Modell zu einem Ringe zu machen. Ist dieses fertig, so umgiebt man +es mit einer Masse von nassem Thon und Kohle, welche man ringsherum +fest andrückt, um so die Form zu bekommen, trocknet es in der +Sonne und bringt eine Art von Trichter von derselben Masse an, der +mit dem Modell durch eine kleine Öffnung in Verbindung steht, um +das Gold hineinzugießen. Ist nun das Ganze fertig, und das Gold +sorgfältig in dem Trichter verwahrt, so wird es, der Trichter nach +unten, über ein Steinkohlen(?)feuer gehalten. Denkt man, daß das +Gold gehörig geschmolzen ist, so kehrt man das Ganze um, damit +das Gold an die Stelle des geschmolzenen Wachses hereinfließt und +bricht den Thon herunter, sobald es kühl geworden, wo dann mit dem +nicht gelungenen der ganze Prozeß noch einmal vorgenommen wird. +Um dem Golde seine eigentümliche Farbe zu geben, umgeben sie es +mit einer Lage von feingemahlenem Ocker, den sie _Inchuma_ nennen, +und tauchen es in siedendes Wasser, worin ebenfalls Ocker und +ein wenig Salz gethan wird; hierin siedet es eine halbe Stunde, +wird dann herausgenommen und sorgfältig von allem gereinigt, was +noch daran hängen könnte.«[145] Die Schilderung ist nicht ganz +klar, was an der unbeholfenen Übersetzung liegen mag. Sehr schöne +Exemplare solcher Goldgießereien aus Aschanti besitzt das Berliner +ethnographische Museum. + +Gegossen scheinen auch die seltsamen Figuren gewesen zu sein, +die STANLEY in der Schatzkammer des Königs Rumanika von Karagwé +(westlich vom Victoria Nyanza) sah. Er berichtet darüber: +»Es befanden sich daselbst ungefähr sechzehn roh aus Messing +gearbeitete Figuren von Enten mit Kupferflügeln, zehn sonderbare +Dinge aus demselben Metall, welche Elenantilopen darstellen +sollten, und zehn Kühe von Kupfer ohne Kopf.«[146] Weiteres giebt +STANLEY nicht an; jedenfalls handelt es sich hier um einheimische +Arbeit, zu der das »Messing« wohl importiert sein dürfte. -- Von +den Mpongwe am Gabon sagt WILSON[147]: _They show a good deal of +mechanical ingenuity in casting copperrings._ + +~Verhältnis von Eisen und Kupfer. Prioritätserwägungen.~ Ist das +Kupfer in Afrika auch nicht gerade selten zu nennen, so ist seine +Darstellung im großen doch nur auf wenige Gegenden beschränkt, +von denen aus es auf dem Handelswege über den größten Teil des +Kontinentes verbreitet wird. Hofrat e Nahhas, Katanga, Angola, +Namaqualand sind diese Hauptcentren der Kupfergewinnung. Mag das +Kupfer auch im gediegenen Zustande in Afrika vorkommen, so haben +wir doch kein Zeugnis dafür, daß es in dieser Form direkt von den +Negern verarbeitet und wie bei den nordamerikanischen Indianern +als »weicher Stein« gehandhabt wird. Im Gegenteil, überall ist +die Gewinnung des Kupfers bei den Negern eine metallurgische, +durch Reduktion aus den Erzen mittels Kohlen bewirkte. Im +allgemeinen wird dieser Prozeß, soweit er uns bekannt wurde, +gerade wie derjenige der Eisengewinnung und mit den gleichen Öfen +und Instrumenten betrieben. Das Verfahren erscheint überall so +ursprünglich und in den fernsten Gegenden gleichartig, daß an eine +Entlehnung von auswärts nicht leicht gedacht werden kann. + +Aus der ganz gleichen Behandlung der Kupfererze und der weichen +Brauneisensteine läßt sich eher auf eine gleichalterige Entstehung +der Kupfer- und der Eisengewinnung schließen als darauf, daß +das eine Metall vor dem anderen im Gebrauche gewesen sei. Es +deuten aber manche Umstände darauf hin, daß das Eisen in Afrika +doch früher und jedenfalls allgemeiner im Gebrauche als das +Kupfer war. Überall erscheint das Eisen durchaus urwüchsig und +Dutzende von afrikanischen Vokabularien, welche ich auf seine +Benennung durchging, zeigen echt heimische Namen. Die Geräte bei +der Darstellung sind meist ursprüngliche und in ihren primitiven +Formen auf eigene Erfindung deutend. Sind auch, wie wir gesehen +haben, »alte« Kupferwerke in Südafrika vorhanden, so fehlen doch +andererseits alte Kupfergeräte gänzlich; von Funden derselben ist +gar nichts bekannt geworden, wiewohl gerade sie -- gegenüber altem +Eisen -- sich vortrefflich erhalten. Alte Steingeräte sind aber +durch ganz Afrika nachgewiesen worden. Auf die Steinzeit dürfte +direkt die Metallzeit, eine Zeit gefolgt sein, in der ungefähr +gleichzeitig Eisen und Kupfer geschmolzen und verarbeitet wurde. +Eine besondere »Kupferperiode« vor der Eisenzeit erscheint schon +wegen der durchaus lokalen Verbreitung des Kupfers gegenüber der +ganz allgemeinen des Eisens nicht wahrscheinlich. Das Eisen wird +fast überall an Ort und Stelle gewonnen und ist in weit geringerem +Maße Handelsgegenstand als das Kupfer. + +Das Kupfer dagegen findet in Afrika seine Verbreitung wesentlich +durch den Handel. Von den oben angeführten Mittelpunkten seiner +Gewinnung verbreitet es sich fast über den ganzen Kontinent, +meist aber im rohen Zustande, in Barrenform, indem die weitere +Ausarbeitung den allenthalben schmiedekundigen Völkern überlassen +bleibt, die es zu Draht ausziehen, zu den verschiedensten +Zieraten und Prunkwaffen verarbeiten, ja zu gießen verstehen, +wenn auch diese Kunst selten ist und sich zumeist auf die +Westküste beschränkt, wo sie jedoch (in Gold) anerkennenswertes +leistet. Das von Hofrat e Nahhas kommende Kupfer geht über Wadai +bis Kano, dasjenige von Katanga in Centralafrika bildet einen +höchst wichtigen Handelsartikel, der sowohl nach der Ost- als der +Westküste verführt wird. Zu LIVINGSTONE's Zeit hatten arabische +Händler in Lunda den Kupferhandel in der Hand. Ein gewisser Said +bin Habib hatte dort neben 150 Farsilahs (2625 kg) Elfenbein 300 +Farsilahs (5250 kg) aus Katanga stammendes Kupfer zusammengebracht, +das weiter nach Udschidschi transportiert werden sollte. »Mit +hundert Trägern muß er vier Ablösungen haben zu einer Reise, sonst +aber die ganze Reise viermal machen.«[148] Dieses giebt eine Idee +von der verhältnismäßigen Großartigkeit des centralafrikanischen +Kupferhandels und seiner Ausdehnung. + +Über die gegenseitige Wertstellung des Eisens und des Kupfers in +Afrika besitzen wir einige Andeutungen. SCHWEINFURTH[149] sagt: +»Im Verhältnis zu anderen Werten des täglichen Lebens beansprucht +das Eisen in Afrika überall einen Wert, der mindestens demjenigen +des Kupfers bei uns gleich zu achten wäre, das Kupfer daselbst +würde an Wert unserem Silber entsprechen.« LIVINGSTONE, als er in +Manjema in Centralafrika war, ließ sich durch seine Schmiede aus +Kupfer große kupferne Armbänder machen, »denn sie werden als sehr +wertvoll betrachtet und haben die eisernen Armbänder ganz aus der +Mode gebracht«.[150] In Uganda dürfen nur der König und die Großen +Speere mit Kupferspitzen tragen.[151] Und so ist es im ganzen +Kontinente ähnlich.[152] + +Daß Kupfer das teurere, geschätztere Metall ist, liegt wesentlich +aber an seiner größeren Seltenheit und daran, daß es im größten +Teile des Kontinentes erst durch den Handel bezogen werden muß. +Eisen ist nur wegen seines massenhaften Vorkommens billiger in +Afrika, nicht wegen leichterer Arbeit. In dieser Beziehung mag +der Wert beider Metalle ursprünglich derselbe gewesen sein. Viel +Arbeit und wenig Produkt heißt es hier wie da. Es läßt sich hieraus +eine allgemeine Anschauung ableiten, die für unsere europäischen +Prioritätsfragen wohl nicht ohne Interesse ist. Das Eisen ist bei +uns überhaupt erst infolge der technischen Fortschritte in der +Neuzeit billig geworden, seit die kontinuierlich wirkenden Hochöfen +ein gießbares Roheisen liefern. Ursprünglich war es auch bei uns +so teuer wie Kupfer, vielleicht nicht viel billiger als Bronze. +Unter gleichen oder fast gleichen Preisverhältnissen wurde aber die +letztere, weil sie nicht rostete und eine schönere Farbe hatte, dem +Eisen vorgezogen. Dieses mag das häufigere Vorkommen von Bronze in +alten Funden, gegenüber den Eisensachen, teilweise mit erklären. + +Wollte man die Darstellung des Kupfers und kupferner Geräte, das +Gießen und Formen, wie es in einzelnen Fällen für Afrika von uns +nachgewiesen wurde, für eine Art »Bronzezeit« dieses Kontinentes +im Sinne der skandinavischen Archäologen ansehen, so geben wir +zu bedenken, daß es bei dem primitiven Stande der afrikanischen +Kupferindustrie sich höchstens um einen ersten Akt, um die +Uranfänge einer solchen »Periode« handeln kann, abgesehen davon, +daß diese »Kupferzeit« höchst wahrscheinlich, ja fast sicher später +als die »Eisenzeit« auf afrikanischem Boden erscheint. Zur Annahme +einer »Bronzezeit«, repräsentiert durch die erwähnten Kupfergeräte, +können wir für Afrika aber auch darum nicht gelangen, weil jene +höhere Kultur und künstlerische Ausbildung bei den Negern fehlt, +die überall die entwickelte Bronzezeit -- sei es in Ägypten oder +China, in Mexiko oder Peru -- charakterisiert. + + +Fußnoten: + +[118] HARTMANN, Skizze der Nilländer. Berlin 1865. 64. + +[119] V. HEUGLIN im Ergänzungsheft No. 10 zu PETERMANN's +Mitteilungen. Gotha 1862. 107. + +[120] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 389. + +[121] Reisen in Nord- und Centralafrika. II. 159. + +[122] Bulletin de la société Khédivale de Géographie No. 8. Mai +1880. 9 und 10. + +[123] CAMERON, Quer durch Afrika. I. 275. II. 121. 128. -- Lux, Von +Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 123. + +[124] DAVID LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 319. II. 216. + +[125] Ausland. 1883. 955. + +[126] San Salvador. Bremen 1859. 215. + +[127] MERENSKY, Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6. + +[128] Beschreibung des Vorgebirges der Guten Hoffnung. Frankfurt +und Leipzig 1745. 178. + +[129] SCHWEINFURTH, Im Herzen von Afrika. II. 117. + +[130] STANLEY, Durch den dunklen Weltteil. II. 160. + +[131] LIVINGSTONE, Exped. to the Zambesi. London 1865. 184. + +[132] LEPSIUS, Die Metalle in den ägypt. Inschriften. Berlin 1871. +91-102. + +[133] PERROT und CHIPIEZ, Gesch. d. Kunst im Altertum. Ägypten. +Deutsch von PIETSCHMANN. 590 ff. + +[134] LEPSIUS a. a. O. 114. + +[135] ROHLFS, Quer durch Afrika. II. 207. + +[136] Artes africanae unter Djur. + +[137] Letzte Reise. I. 237. + +[138] LICHTENSTEIN, Reisen im südlichen Afrika. Berlin 1812. II. +537. + +[139] Beiträge zur Kenntnis Südafrikas. Berlin 1875. 6. + +[140] KRANZ, Natur- und Kulturleben der Zulus. Wiesbaden 1880. 67. + +[141] WOOD, Natural History of Man. London 1868. Africa. 100. + +[142] LIVINGSTONE, Letzte Reise. I. 241. + +[143] LIVINGSTONE a. a. O. I. 381. + +[144] Eighteen years on the Gold Coast. London 1853. II. 269. + +[145] E. BOWDICH, Mission von Cape Coast Castle nach Ashantee. +Deutsch von LEIDENFROST. Weimar 1820. 415. + +[146] Durch den dunklen Weltteil. I. 514. + +[147] Western Africa. 304. + +[148] LIVINGSTONE's Letzte Reise. I. 395. + +[149] Im Herzen von Afrika. I. 228. + +[150] D. LIVINGSTONE's Letzte Reise. II. 43. + +[151] WILSON und FELKIN, Uganda. Deutsche Ausgabe. I. 101. + +[152] LUX (Von Loanda nach Kimbundu. Wien 1880. 122) erzählt, +daß die Kalunda in Centralafrika dem Eisen unbedingt den Rang +vor dem Kupfer einräumen. Eiserne Armringe dürfe bloß der Muata +Jamwo (König) tragen, während der kupfernen sich jeder Eingeborene +bedienen dürfe. Daraus könnte man wohl schließen wollen, daß das +Eisen hier später als das Kupfer aufgetreten sei. Aber LUX war +nicht in Lunda und seine Bemerkung ist unrichtig. POGGE (Im Reiche +des Muata Jamwo. Berlin 1880. 145) sagt ausdrücklich, daß der Muata +Jamwo Kupfer- und Messingspangen trug, von Eisen ist keine Rede. +Eine Prinzessin (S. 140) trug Eisen- und Kupferringe. + + + + +Das Kupfer in Vorderindien. + + +~Die Steinzeit in Vorderindien.~ Auch Indien hatte seine Steinzeit. +Steinwerkzeuge, die mehr oder weniger unseren paläolithischen +Charakter tragen, sind von BRUCE FOOT beschrieben worden. Sie +sind in den Bezirken von Madras und Nord-Arcot gefunden, bestehen +aus Quarzit und wurden mehreremal in einer Tiefe von 1-3 m _in +situ_ angetroffen. Abbildungen veranschaulichen ihre ungemeine +Ähnlichkeit mit unseren europäischen. Auch bearbeitete Achate haben +sich in den Ablagerungen der Nerbada und in den Knochenlagern des +oberen Godavery gefunden, gleichalterig mit _Elephas insignis_, +_Hippopotamus palaeindicus_ etc.[153] + +Deuten diese und andere ähnliche Funde auf ein hohes Alter des +Menschengeschlechtes in Vorderindien, so müssen die wörtlich zu +tausenden vorkommenden Cairns, Cromlechs, Kistvaens und verwandte +Steinbauten zum großen Teil in eine weit jüngere Periode gesetzt +werden. Die in ihnen beigesetzten Leichen sind teils in Skeletten +erhalten, teils verbrannt und in Urnen aufbewahrt. Grabbeigaben +kommen in beiden Fällen vor[154], und hier treffen wir sowohl auf +Eisen als auf Bronze, teils jedes Metall für sich, teils beide +vereinigt. + +~Das Alter indischer Bronzen.~ Bei einem der Hauptvertreter +der Dreiperiodenteilung, bei WORSAAE, finden wir die Ansicht +ausgesprochen, daß Indien, das »an Kupfer und Zinn so reiche«, der +wahrscheinliche Ausgangspunkt der Bronzekultur überhaupt gewesen +sei. Bronze, ein künstlich geschaffenes Metall, mußte in einem an +Zinn und Kupfer reichen Lande wie Indien erfunden sein und von hier +aus läßt dann WORSAAE die Erfindung nach den übrigen asiatischen +Ländern und weiter nach Europa wandern. In Indien, so nimmt der +dänische Forscher an, seien zahlreiche durch Guß hergestellte +Geräte und Waffen aus Bronze von sehr primitiver Form gefunden +worden mit den Spuren einer an Ort und Stelle stattgehabten +Fabrikation.[155] + +Allein die »zahlreichen« alten Bronzen, die in Indien gefunden +worden sein sollen, führt WORSAAE nicht an und wir möchten sehr +bezweifeln, daß sie überhaupt zahlreich vorhanden sind; auch +für die Wanderung der Bronzeerfindung von dem Centrum Indiens +über die halbe Welt (ja nach Neuguinea!!) giebt uns WORSAAE +keinerlei Beweise, und die zahlreichen »vielleicht«, »scheint« und +»möglicherweise« in seiner Auseinandersetzung bieten dafür keinen +Ersatz. + +~Quellen des Zinnhandels.~ Zunächst ist hervorzuheben, daß +Vorderindien fast ganz entblößt von Zinn ist, ja, daß dieses +Metall seit den ältesten Zeiten dort importiert wird.[156] Es ist +nur eine Fundstätte von Zinnerzen in Ostindien bekannt, und zwar +in Mewar (Udaipur in Radschputana), zwischen der Parnassa und +ihrem Nordzuflusse Kotasari[157], und daß von dieser Stätte aus +frühzeitig ein Zinnexport stattgefunden, ja, daß die Zinnwerke +überhaupt dort früh betrieben worden seien, dafür liegt keinerlei +Anzeichen vor. Damit fällt eine der von WORSAAE angeführten +Bedingungen weg, daß gerade Indien das Mutterland der Bronze +gewesen sein soll. Was die hinterindische Halbinsel betrifft, so +ist diese allerdings eine der ergiebigsten Zinnquellen, doch erst, +wie wir sehen werden, in verhältnismäßig junger Zeit. Vorderindien +aber, das reiche Kulturland, bezog, wie historisch sich nachweisen +läßt, seinen Zinnbedarf aus dem Abendlande. + +Der von einem Anonymus herrührende Periplus des erythräischen +Meeres -- höchst wahrscheinlich aus dem ersten Jahrhundert unserer +Zeitrechnung stammend -- führt an, daß zu Aualites am arabischen +Busen (Seïla an der Tadschurabai) +kassiteros oligos+ neben anderen +Waren eingeführt worden sei.[158] Dieses »wenig Zinn« soll nun, +so hat man vielfach angenommen, aus Indien gekommen sein. Schon +LASSEN[159] hatte das Zinn, welches frühzeitig im Abendlande +gebraucht wurde, aus Indien stammen lassen und dafür als Hauptgrund +angeführt, daß das homerische +kassiteros+ von dem Sanskritworte +_kastira_ stamme. Danach wären also schon zur homerischen Zeit +die Hellenen mit dem indischen Zinn vertraut gewesen. Allein +es scheint alles dafür zu sprechen, daß die Sache sich gerade +umgekehrt verhält und daß das griechische Wort mit der Sache nach +Vorderindien gewandert sei.[160] Das Zinn der Mittelmeerländer +und Vorderasiens stammte im Altertum nur aus dem phönizischen +Handel, der in den britischen und iberischen Zinnwerken seine +Quelle hatte. »Zinn aus Indien ist aber im vorderasiatischen +Handel nicht nur unerweislich, sondern es ist auch bekannt, daß +noch in jüngerer Zeit Indien kein Zinn produzierte und daß es +aus den Westländern dahin ausgeführt wurde.« MOVERS, der diesen +Ausspruch thut[161], beruft sich dabei auf PLINIUS[162], welcher, +nachdem er vom _plumbum album_ oder Zinn und vom _plumbum nigrum_ +oder Blei gehandelt, schreibt: »_India neque aes neque plumbum +habet, gemmisque suis ac margaritis haec permutat._« Nun hatte +Indien allerdings Kupfer (_aes_), und wollte man danach die Stelle +bei PLINIUS anfechten und nicht gelten lassen, so liegen aus dem +bereits angeführten Periplus noch einige Stellen vor, die uns den +direkten Import von +kassiteros+ und zwar von Alexandrien, einmal +nach Kane in Arabien und zweimal nach der indischen Westküste +(Barygaza und Bakare), neben Kupfer (+chalkos+) anführen.[163] Als +phönizischer Monopolgegenstand hatte das Zinn einen hohen Wert +erreicht und wurde, wie PLINIUS uns erzählt, gegen Edelsteine und +Perlen in Vorderindien vertauscht. Dieses hätte aber nicht der Fall +sein können, wenn um jene Zeit bereits die reichen hinterindischen +Zinngruben im Betriebe gewesen wären. + +Möglich, daß für Vorderasien noch eine andere Zinnquelle +von Bedeutung war, aus der vielleicht das Material zu den +altassyrischen Bronzen geflossen sein kann. STRABO erzählt von dem +am Paropamisus angesessenen Volke der Drangen, daß sie »Mangel an +Wein leiden, aber Zinn findet sich bei ihnen«.[164] Beglaubigung +erhält diese Nachricht durch das neuerdings bestätigte Vorkommen +von Zinn in Chorassan, das auf K. E. V. BAER's Anregung hin +dort von OGORODNIKOW erkundigt wurde. Zwanzig Farasangen (à 7 +Werst) von der Stadt Utschan Mion Abot befinden sich reiche Lager +von Zinn, Eisen, Kupfer und sechs Farasangen von Meschhed ein +Zinnbergwerk, das sogenannte Rabotje Alokaband. Zinnerne Krüge und +Waschschüsseln, aus dem Zinn dieser Bergwerke verfertigt, sind in +Meschhed im Überfluß vorhanden.[165] + +~Vorkommen indischer Bronzen.~ Wie steht es nun mit den Funden +alter indischer Bronzen? Zunächst ist hervorzuheben, daß die +typische Bronze, wie sie vom Kaukasus an und von Kleinasien bis +nach England und Skandinavien vorkommt, eine ganz bestimmte +Mischung ist, welche (kleine Schwankungen abgerechnet) durchgängig +9 Kupfer und 1 Zinn enthält, woraus auf einen gemeinsamen Ursprung +für diese abendländische Bronze geschlossen werden kann. Vielleicht +reicht diese bestimmte Bronze bis Persien[166], weiter nach Osten +ist sie aber nicht nachgewiesen, wie wir an den Analysen indischer +Bronzen sehen werden. + +Alte Bronzen sind in Indien nicht häufig und es ist +charakteristisch für die wenigen Bronzefunde, daß sie mehr Schmuck- +und Luxusgegenstände, als solche zum täglichen Gebrauch, wie Messer +u. dgl., darstellen. »_Dans la péninsule indienne les instruments +en bronze sont des plus rares et l'on ne peut guére citer que la +découverte faite dans les environs de Jabalpur; les instruments +exhumés dans cette localité avaient comme composition suivant M. +Twean: cuivre 86,7; étain 13,3._«[167] Es ist dieses also eine von +unserer typischen Bronze abweichende Komposition. + +Indessen liegen doch noch mehr alte Bronzefunde aus Vorderindien +vor. Im Nilgirigebirge und im Coimbatoredistrikt (Südindien) +sind Schalen und gerippte Armbänder ausgegraben worden, die +sich teilweise jetzt im königlichen Museum zu Berlin befinden +und die aus Steinkreisen jüngerer Zeit stammen. Die Armbänder +waren eine Zink-Kupferlegierung; der Zinn- und Kupfergehalt +der Schalen schwankte sehr beträchtlich (8,52; 9,45; 14,74 und +25,23% Zinn).[168] -- Bei der Stadt Hyderabad im Dominion Nizam's +befinden sich zahlreiche Gruppen von Cairns, in denen Ausgrabungen +unternommen wurden; es zeigten sich dabei zwei Glocken, die eine +aus Bronze, die andere aus Kupfer, zusammen mit Töpfergeschirr, +sowie Speer- und Pfeilspitzen.[169] Ob letztere von Eisen +oder Bronze waren, ist nicht gesagt, doch ist -- wie aus dem +nachfolgenden Funde hervorgeht -- wohl das erstere anzunehmen. +Diese Gegenstände befinden sich im Asiatic Society-Museum zu +Bombay. -- Im Jahre 1867 grub MEADOWS TAYLOR einen Cairn bei Hyat +Nugger, etwa zehn Miles südöstlich von Hyderabad, aus, dessen +Inhalt sich jetzt im Museum der Irischen Akademie befindet. Das +bemerkenswertheste Stück unter den Funden war ein Deckel, wie +es scheint zu einer Schüssel gehörig, oben mit der Figur eines +Schafes oder Hirsches geziert. Der Durchmesser betrug 25 cm und die +Wölbung erhob sich 8,5 cm über den Rand. Das Metall war gleichmäßig +25 mm stark, sorgfältig gegossen und poliert. »_This, with the +exception of a bell and a small drinking cup_ (der eben angeführte +Fall ist gemeint) _are the only bronze articles, which have been +found in the Hyderabad cairns and I found none in the cairns of +Sorapoor._« In dem gleichen Cairn wurden mehrere Exemplare von +_Turbinella pyrum_ und ein Halsband aus den gleichen Schnecken, +einiges rohe Töpfergeschirr und einige eiserne verrostete Speer- +und Pfeilspitzen gefunden.[170] + +Bronze ist also selten in Indien zusammen mit Eisen und außerdem +in meist jüngeren Gräbern und von anderer Komposition als +unsere abendländische gefunden worden. Das in Indien noch jetzt +vielfach erzeugte ~Kupfer~ ist dagegen weit häufiger in alten +Grabstätten entdeckt worden. Beile, eine Lanzenspitze und Armbänder +aus diesem Metall sind bei Mainpur in den Nordwestprovinzen +ausgegraben worden; die Beile gleichen europäischen Formen und +die Lanzenspitzen zeigen Widerhaken. Ein größerer Fund von +404 Kupfergeräten und 102 Silberstücken wurde bei dem Dorfe +Gangaria im Distrikte Balaghat, Centralprovinzen, gemacht. Diese +Kupferinstrumente bestanden in langen Meißeln; die Silberstückchen +hatten als Schmuck gedient. Bei Pachumla im Distrikt Hazaribagh hat +man eine dicke Kupferaxt und in Sind einen 20 cm langen Kupfercelt +ausgegraben.[171] + +Auch in früher historischer Zeit tritt uns eher Kupfer als Bronze +in Indien bei Gebrauchsgegenständen entgegen, wie denn NEARCHOS +berichtet, daß die Inder sich der Gefäße aus geschmolzenem, +nicht getriebenem Kupfer bedienten, und KLEITARCHOS, daß sie +aus demselben Metalle Tische, Sessel, Becher und Wassergefäße +verfertigten.[172] + +Die Seltenheit der Bronze- und die Häufigkeit der alten +Kupfergeräte, zusammengenommen mit dem häufigen Vorkommen von +alten Eisenfunden, deuten keineswegs darauf, daß in Indien eine +Bronzezeit der Eisenzeit voranging. + +~Gegenwärtige Kupfererzeugung in Indien.~ Eine zum Teil sehr +altertümliche und hochinteressante Kupferproduktion, welche in +ihrem ganzen Wesen einen primitiven Charakter trägt, hat sich +zu Chetri am Fuße der Arvaliberge in der Radschputana erhalten. +Glücklicherweise sind wir durch einen eingehenden Bericht des +Colonel J. C. BROOKE über dieselben genau unterrichtet[173], so daß +wir uns eine vollständige Vorstellung von dieser Industrie machen +können. + +In den Ausläufern des Gebirges sind reiche Eisen-, Kupfer-, Alaun- +und Kobaltgruben und von den Einwohnern der 1000 bis 1500 Häuser +zählenden Stadt lebt ein großer Teil, namentlich die ärmere +Klasse, vom Bergbau und Hüttenwesen. Hindus sind in den Alaun- und +Kupfervitriolwerken thätig, während Mohamedaner in den Gruben und +Schmelzhütten arbeiten. + +Die Bergwerke liegen etwa 80 m über der Ebene und die Schächte +führen in einem Winkel von 60 Grad im Zickzack, doch sehr +unregelmäßig und oft abzweigend, in die Tiefe. Manchmal sind die +Gänge so niedrig, daß ein Mann nur liegend durch dieselben gelangen +kann, oft erweitern sie sich zu Kammern, aus denen durch Raubbau +das Kupfererz gewonnen wird. Je tiefer, desto reicher sind die +Erze, doch ist denselben wegen des Wassers nicht beizukommen, denn +die Bewältigung der Wässer ist eine außerordentlich primitive. Die +Leute bilden eine Kette vom Mundloche bis zum Wasser und reichen +sich so von Hand zu Hand Thongefäße (Ghurrahs) mit dem geschöpften +Wasser oder taubem Gestein gefüllt -- ein kostspieliges und +langsames Verfahren. In einem Schachte des Kulhanwerkes fand BROOKE +27 Leute mit dieser Arbeit beschäftigt und da jeder derselben einen +Raum von etwa 2 m beherrschte, so ergiebt sich daraus die Tiefe der +Mine mit 54 m. + +Diese Kupferbergwerke werden teils von den Eigentümern bearbeitet, +teils an Meistbietende versteigert. Die genannte Kulhanmine +hat sechs oder sieben Schachte, von denen jeder mit 50 bis 100 +Rupien jährlich bezahlt wird; eine geringe Summe, wenn man den +großen Reichtum an oft 75% Metall haltenden Kupfererzen bedenkt. +Die Bergleute arbeiten in Abteilungen von je acht Mann. Die +Schicht dauert von früh acht Uhr bis zum Abend und in dieser Zeit +fördern sie etwa 2-1/2-3 Maunds Erz. Das Erz wird in kleinen +3 kg haltenden Körben emporgebracht und in der Stadt Chetri an +mohamedanische Borahs versteigert. Gutes schwarzes Schwefelkupfer +wird mit zehn Rupien, Pyrit mit 4-5 Rupien per Maund verkauft. + +Der Borah mietet sich nun Arbeiter, die monatlich drei Rupien +erhalten und mit kleinen Hämmern das Erz zerschlagen und vom tauben +Gestein sondern. Dann wird das Erz zerstampft. Dieses geschieht +mit Ghuns, 16 kg schweren Hämmern von eigentümlicher Form, ähnlich +den Stampfen der Pflasterer. Es sind cylindrische Eisenstücke, an +welchen horizontal angebrachte Stäbe als Handhaben sitzen und die +mit beiden Händen gestoßen werden. Dabei schiebt der Arbeiter das +Erz mit den Füßen zusammen, indem er die Zehen wie Finger gebraucht. + +[Illustration: Fig. 16. Kupferschmelze in Chetri. Nach BROOKE.] + +Das mehremal so durchstampfte feine Erz wird nun mit Kuhmist +vermischt und in 2 cm lange Rollen geformt, die erst an der Sonne +getrocknet und dann in einem Feuer aus Kuhdünger an der offenen +Luft geröstet werden. Jetzt ist das Erz fertig zum Schmelzen. Um +den Ofen zu errichten, werden Kumhars oder Töpfer geholt. Der Ofen +ist 1 m hoch, hat 28 cm Durchmesser und besteht aus Schlacken, die +mit Thon verkittet werden. Die »Düsen« (Mündungen) der Blasebälge +werden gleich mit unten eingebaut. Diese Düsen sind irdene Röhren, +die nach dem Ofen zu dicker werden und hier ein Luftloch haben, +das mit einem nassen Lappen zugestopft ist, der von Zeit zu +Zeit herausgenommen wird, um die Düsen zu reinigen. Das andere +dünnere Ende der Düse ist mit dem Schlauchblasebalg verbunden. Die +Luftklappe der Schläuche ist durch zwei Stöcke am Ende derselben +gebildet, welche der Arbeiter öffnet, wenn der Schlauch für die +Zulassung der Luft emporgezogen wird und die er schließt, wenn +der Schlauch zur Auspressung der Luft niedergedrückt wird. Der +obere Teil des Ofens ist aus Ringen von feuerfestem Thon, etwa +25 cm hoch, gebildet. Im ganzen wendet man drei Blasebälge an; an +der vierten Seite des Ofens liegt die Öffnung desselben mit einer +Tümpelplatte aus feuerfestem Thon. Am Grunde derselben ist ein +Loch, um das geschmolzene Metall abzulassen. (Fig. 16). + +Der Ofen wird täglich frisch beschickt; jede Schmelzung dauert +12-14 Stunden. Das geröstete Erz wird schichtweise mit Holzkohle in +den Ofen gethan, auch ein Zuschlag beigefügt, welcher _Rit_ genannt +wird. Letzterer besteht aus Abfall (_refuse_) von alten Eisenöfen, +der in ganzen Halden noch vorhanden ist, denn das Eisen wurde lange +vorher hier schon verarbeitet, ehe das Kupfererz entdeckt war. +Auf jede Beschickung des Ofens kommen fünf Maunds geröstetes Erz, +ebensoviel Zuschlag (_Rit_) und vier Maunds Holzkohle. + +Da das erschmolzene Metall schwefelhaltig ist, muß es raffiniert +werden. Dieses geschieht dadurch, daß ein Strom erhitzter Luft +über das flüssige Metall getrieben und dieses fortwährend dabei +abgeschäumt wird. Der Luftstrom wird durch einen einzigen Blasebalg +erzeugt, welchen ein Mann aufzieht, während zwei andere ihn dann +wieder niedertreten. + +So schildert BROOKE das Verfahren, aus dem wir deutlich die +beiden bei der Darstellung des Kupfers stattfindenden Prozesse +erkennen können: einmal die Niederschmelzung des rohen mit Schwefel +etc. verunreinigten Schwarzkupfers und dann dessen Raffinierung +(Garmachen), indem das letztere einem neuen Gebläsestrom ausgesetzt +wird. Dadurch erst wird das reine, gare, zur weiteren Verarbeitung +brauchbare Kupfer gewonnen. Es liegen also hier zwei Prozesse vor, +während bei der primitiven Eisengewinnung, wie wir sie bei den +Negern kennen lernten, nur ein Prozeß nöthig ist, was doch darauf +schließen läßt, daß zunächst dieses letztere Verfahren, nämlich die +Eisendarstellung bekannt sein mußte, ehe zu dem komplizierteren, +der Kupferreduktion und Raffination, Übergegangen werden konnte. + + +Fußnoten: + +[153] LUBBOCK, Vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. II. 57. + +[154] MEADOWS TAYLOR, On prehistoric Archaeology of India. Journ. +of the Ethnological Society. I. 157-181 (1869). + +[155] WORSAAE, Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 48 ff. und +Arch. f. Anthropol. XII. 518. + +[156] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 9. + +[157] Zeitschrift für allgem. Erdkunde. I. 133. + +[158] Editio FABRICIUS. Leipzig 1883. 44. + +[159] Indische Altertumskunde. I. 239. + +[160] Siehe die Beweise bei MOVERS, Phönizier. II. Bd. III. T. 63. + +[161] A. a. O. + +[162] Hist. nat. XXXIV. 48. + +[163] Ed. FABRICIUS. 64. 90. 96. + +[164] STRABO. 724 ed. CASAUB. + +[165] V. BAER, Von wo das Zinn zu den ganz alten Bronzen gekommen +sein mag? Archiv für Anthropologie. IX. 265. + +[166] VIRCHOW im Korrespondenzblatt 1883. 81. + +[167] Revue d'Anthropologie. 1880. 299. + +[168] JAGOR in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1877. 206. + +[169] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 169. + +[170] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 176. + +[171] Revue d'Anthropologie. 1880. 299 nach Proceed. Asiatic +Society of Bengal. 1870. + +[172] LASSEN, Indische Altertumskunde. II. 726. + +[173] The mines of Khetree in Rajpootana. Journ. Asiat. Soc. +Bengal. Calcutta 1864. 519-529. (New Series No. CXXIII). + + + + +Das Eisen in Vorderindien. + + +~Alte Eisenfunde in Vorderindien.~ Bei der leichten Zerstörbarkeit +des Eisens ist das häufige Vorkommen von prähistorischen +Eisenfunden in altindischen Gräbern und Steindenkmälern sehr +beachtenswert, wobei aber -- was schon bei der Bronze betont wurde +-- nicht zu übersehen ist, daß viele jener Steindenkmale jüngeren +Datums sind. Dagegen sollen die »_Korumba rings_« in Südindien aus +einer Zeit datieren, die noch vor der arischen Einwanderung in jene +Lande liegt; man hält sie für gleichalterig mit den megalithischen +Bauten Europas. Während nun letztere meist mit Bronzesachen +associiert sind, findet man bei und unter den indischen +Steindenkmälern vorzugsweise Eisengeräte. MADLICOT und BLANFORD +in ihrem Werke über die posttertiären Gebilde und das Alter des +Menschen auf der indischen Halbinsel (Kalkutta 1879) bemerken, +daß das Eisen höchstwahrscheinlich viel früher in Indien als in +Europa bearbeitet wurde[174], wofür denn auch die verhältnismäßig +zahlreichen »prähistorischen« Eisenfunde sprechen. Bereits im Jahre +1820 hat BABINGTON die pilz- oder schirmförmigen megalithischen +Denkmäler in Malabar, die man Topie-Kulls oder Pandu-Kulies +nennt, untersucht und außer Urnen darin eiserne Geräte und Waffen +verschiedener Art gefunden, darunter einen eisernen Dreifuß und +eine eiserne Lampe.[175] Ganz die gleichen eisernen Gegenstände: +Lanzenspitzen, Speerspitzen, Fragmente von Schwertern, Dreifuße und +Lampen entdeckte MEADOWS TAYLOR[176] in den alten Kistvaens von +Sorapur, zusammen mit glasierten und unglasierten Urnen. Dr. BELL, +welcher die Narkael-pulli-Cairns zwischen Hyderabad und Masulipatam +untersuchte, fand darin neben einem Skelett ein Stück Eisen.[177] + +Die Tumuli in den Bergen von Oapur (Mysore bei Bangalore), +welche W. DENISON öffnete, zeigten im Innern Gräber, bedeckt mit +ungeheueren Gneisplatten (5,30 m lang, 3,50 m breit, 1,40 m dick +und 20 Tonnen wiegend!), deren Transport unerklärlich erscheint. +Sie deckten eine Steinkiste, welche im Innern irdene Tschattis +oder Töpfe enthielt, genau von der Form, wie sie jetzt noch in +jener Gegend im Gebrauch. Die Töpfe enthielten Asche und eiserne +Pfeilspitzen, in der Kiste selbst lagen die verrosteten Reste von +eisernen Schwertklingen.[178] + +Noch andere Eisenfunde sind zahlreich in den Steinkreisen oder +Barrows der Centralprovinzen in der Umgegend von Nagpur gemacht +worden. »_The barrows in the Hingnah plains are countless: one +gazes on them in mute astonishment._« Die ersten dort von dem +Schotten HYSLOP und später von RIVETT-CARNAC gemachten Ausgrabungen +befinden sich im Museum zu Nagpur; es sind Bruchstücke von +Töpferwaren; kleine steinerne Wassertröge und verschiedene +Geräte aus Eisen und Stahl -- nichts von Knochen, Horn, Stein, +Feuerstein oder Bronze. Im Jahre 1867 unternahm Major G. G. +PEARSE die Ausgrabung eines dortigen Barrow, desjenigen von +Warrigaon, welcher von den Hindu mit einer mythischen Rasse von +Kuhhirten in Verbindung gebracht wird. Der Barrow hat 75 Yards +Umfang, ist eiförmig, enthält 9800 qm Erde und ist mit einem +stellenweise doppelten Kreise von 0,30-1,10 m hohen Steinen +versehen. Die Ausgrabung wurde im Centrum begonnen und hier stieß, +1,40 m unter der Oberfläche, PEARSE auf reihenweise gestellte +schwarze und braune irdene, mit der Drehscheibe hergestellte +Gefäße; die schwarzen zerfielen zu Staub, sie hatten kegelförmige +Deckel und breite Böden. Die braunen, wiewohl auch zerfallend, +waren aus dauerhafterem Material. Alle diese Gefäße hatten +eine durchaus verschiedene Form von den jetzt in jener Gegend +üblichen thönernen Ghurras. Bei dem ferneren Graben wurden gut +erhaltene, aber ebenholzschwarze Kokosnußschalen entdeckt; dann +kam in 1,60 m Tiefe und 30 cm unter den Thongefäßen das eiserne +verstählte Ende eines Pfluges zum Vorschein, ein noch jetzt bei +den Eingeborenen benutztes und unter dem Namen _Nangur ke oolie_ +bekanntes Ackergerät. Noch etwas tiefer folgte das Skelett eines +starkknochigen, 1,68 m großen Menschen, von dem nur wenig erhalten +blieb. Auf der rechten Seite des Skeletts wurde eine verstählte +Pflugschar und ein anderes Stahlgerät, auf der linken verschiedene +Eisen- und Stahlgeräte gefunden, die nicht näher in unserer Quelle +beschrieben sind, sich aber im British-Museum befinden. Auf der +Brust lagen Kupfergefäße, die bei Berührung zerfielen. Auf dem +Deckel eines der 12 cm im Durchmesser haltenden Kupfergefäße +befanden sich in Hochrelief Figuren, welche Gänse, eine Schlange +und einen Vogel darstellten. Bei einem zweiten Skelette wurde eine +»Bratpfanne«, ähnlich den noch jetzt bei den dortigen Eingeborenen +gebrauchten und _Kurraie_ genannten, gefunden; ferner ein großer +goldener Ring, Löffel, Messer, Pflugenden, Spatel von Eisen und +Stahl. Auch dieses Skelett, welches gleichfalls zerfiel, hatte +ebenfalls zerbrechende Kupfergefäße auf der Brust liegen. Im Innern +eines der Kupfergefäße befand sich ein kleines Kupferornament, +geziert mit Gänsen[179]; es scheint ein Schalenhalter für eine +Öllampe gewesen zu sein, und wenn dieses der Fall, das Vorbild für +die großen Messinglampen mit Figuren aus Vögeln, die jetzt in den +Bazars der großen indischen Städte verkauft werden. PEARSE grub bis +zu 3,30 m Tiefe, ohne weitere Funde in dem Barrow zu machen. + +Die Schlüsse, die PEARSE aus seiner Ausgrabung zieht, sind +folgende. Die Erbauer des Barrow waren weder Buddhisten noch +Hindu, denn sonst würden sie ihre Toten verbrannt haben. Es war +ein starkes, kräftiges Volk, welches vortrefflichen Stahl kannte, +Ackerbau trieb, Öl brannte, die Töpferscheibe kannte, Kupfer +schmolz, Tier- und andere Ornamente darstellte und wohl auch +Handel trieb, worauf die aus weiter Ferne stammenden Kokosschalen +hindeuten. Manche der aufgefundenen Geräte scheinen Vorläufer der +heute in Indien gebrauchten zu sein. Trotz der uralt erscheinenden +Bestattungsweise unter einem mit Steinen umkreisten Tumulus und der +Beigabe von Ackergeräten ist aber PEARSE wegen der Bratpfannen und +modern gestalteten Löffel doch abgeneigt, die Barrows von Nagpur +einer alten prähistorischen Rasse zuzuschreiben.[180] Und damit +thut er wohl recht, da der bis heute in Indien fortdauernde Brauch +der Errichtung von Steinpfeilern, die nicht selten vorkommende +Vereinigung uralter und sehr moderner Bräuche die größte Vorsicht +in der Altersbeurteilung derartiger Funde erheischen. + +~Gegenwärtige einheimische Eisenproduktion Indiens.~ Die +systematische Durchforschung Vorderindiens, welche in der neuesten +Zeit von der Regierung angestellt wurde, hat reiche Kohlen- und +Eisenerzstätten ergeben. Das Wardhathal in den Centralprovinzen +wird als eine der reichsten Eisenerzstätten der Welt geschildert. +Ein nicht minder reicher Distrikt, Ranigunge, liegt in der Nähe +von Kalkutta; im Salemdistrikt tritt der Magneteisenstein in +meilenlangen Lagern von 15-30 m Mächtigkeit auf; ein zwei Miles +langer und eine halbe Mile breiter Berg in Lohara besteht ganz aus +Magneteisenstein und reinem Eisenglanz. + +Vorderindien ist also reich an Eisenerzen, darunter ganz +vorzügliche Sorten Magneteisen und Hämatite, auch sind titanhaltige +Eisensande häufig. Auf der Weltausstellung zu London im Jahre +1862 waren indische Eisenerze und Hüttenprodukte reichlich +vertreten.[181] + +In der einheimischen, uralt bodenständigen Eisenindustrie werden +Magneteisensteine, roter und brauner Glaskopf, Eisenglanz, +namentlich aber Brauneisenerze verwendet. Zur Holzkohle bedient +man sich des Teakholzes, der Akazie und besonders des Salbaumes +(_Shorea robusta_). Auch in Vorderindien ist der Schmelzprozeß die +alte Rennarbeit, die unmittelbare Gewinnung des schmiedbaren Eisens +aus dem Erze, mit niedrigen Öfen und einfachen Gebläsen betrieben, +wobei das schmiedbare Eisen, eine Mischung von Schmiedeeisen und +Stahl, als Frischstück oder Luppe erhalten wird. + +Die in Indien angewandten Öfen, wiewohl einander nahe stehend, +zeigen doch lokale Verschiedenheiten und werden nach PERCY[182] +in drei verschiedene Arten eingeteilt. An der Westküste, +den westlichen Ghats, dann im Deccan und Carnatic ist die +roheste Form vorhanden, welche namentlich bei den halbwilden +Bergstämmen angewendet wird. Die anderen beiden Arten kommen in +Mittelindien und dem Nordwesten vor; es gleicht davon die eine den +catalonischen Feuern, die andere den Stücköfen Europas. Sie zeigen +gegenüber der ersten Form einen Fortschritt, namentlich was die +Produktionsfähigkeit betrifft. + +In denjenigen Gegenden, wo die einfachste Methode betrieben wird, +ist an Arbeitsteilung nicht zu denken. Hier sammelt dieselbe +Familie das Erz, brennt die Holzkohle und macht das Eisen, +welches sie nachher auch in solche Artikel verarbeitet, wie +die Dorfbewohner verlangen. Oft ziehen die Schmelzer im Lande +umher und bauen da ihre Öfen, wo ein Begehr nach Eisen und Erz +und Holzkohle in genügender Menge vorhanden. Die in Orissa +gebräuchliche primitive Art ist von M. T. BLANFORD[183] mitgeteilt +worden; wir reproduzieren dieselbe hier auszugsweise. Die Form des +Ofens wird aus den Figg. 17 und 18 ersichtlich; sie ist typisch +für Niederbengalen. BLANFORD zeichnete sie im Dorfe Kunkerai, +dessen elende und schmutzige Bewohner Tamulen sind, also zu der +sogenannten Drawidarasse gehören. Die Leute ziehen von Ort zu Ort +und bleiben dort, so lange Erz und Holz vorhanden sind. Beginnen +diese zu fehlen oder ereignet sich ein böses Omen, so wandern sie +weiter und nur große Schlackenhalden zeugen von ihrer ehemaligen +Anwesenheit. + +[Illustration: Fig. 17. Eisenofen in Orissa, Durchschnitt. Nach +BLANFORD.] + +[Illustration: Fig. 18. Seitenansicht desselben.] + +[Illustration: Fig. 19. Eisenofen in Orissa. Obere Ansicht.] + +Die wesentlichen Teile des Ofens sind der cylindrische Schacht +und das Gebläse. An den oben offenen Schacht schließt sich ein +geneigter thönerner Trog (_c_ in Fig. 17-19), der zum Aufgeben +der Beschickung dient und von einem Holzgerüste getragen wird. +Dieser Trog findet sich nur in wenigen Dörfern. Der Ofen selbst +ist roh aus thonigem Sand cylindrisch oder kegelförmig mit 7 cm +dicken Wandungen, 85 cm hoch und im Durchmesser 28 cm haltend, +hergestellt. Am unteren Teil befinden sich zwei Öffnungen, eine +vorn zur Einsetzung der Form (für die Düse), aus der auch später +das schwammige Eisen herausgezogen wird und die während des Ganges +verschmiert ist; die zweite Öffnung (_b_ in Fig. 18. 19) im +rechten Winkel zur vorigen, unter der Oberfläche des Erdbodens, +mündet in einen geneigten kleinen Graben, in welchen die Schlacke +absickert; wenn letztere erstarrt ist, wird sie gelegentlich von +einem Arbeiter mit einer Zange entfernt. »Das in Orissa angewendete +Gebläse,« sagt BLANFORD, »ist sehr sinnreich und vielleicht +ökonomischer für menschliche Arbeit als irgend eine andere Form +von Handbalgen. Die Figuren 20 und 21 zeigen Durchschnitte davon, +ersterer, wie das Gefäß mit Luft gefüllt, letzterer, wie die Luft +ausgepreßt ist. Es besteht aus einem kreisförmigen Stück von hartem +Holz, meist Mangoholz, welches roh ausgehöhlt und mit einem Stück +Büffelhaut überzogen ist, in deren Mitte sich ein kleines Loch +befindet. Durch dieses Loch ist ein starker Strick gezogen, welcher +an der Innenseite des Balges mit einem Holzknebel versehen ist, um +sein Herausgleiten zu verhindern, während das andere Ende an eine +gebogene, fest im Boden neben dem Ofen befestigte Bambusstange +gebunden ist. Dies Bambusrohr wirkt als Feder und zieht den Strick +und folglich die Hautbedeckung des Balges so hoch als möglich, +während die Luft neben dem Stricke durch das Loch in den Hohlraum +tritt. Ist der Balg so gefüllt, so stellt der Arbeiter seinen +Fuß auf die Haut, schließt dabei mit der Ferse das Loch in deren +Mitte und preßt mit dem ganzen Gewichte seines Körpers die Haut +hinab und die Luft hinaus. Letztere nimmt ihren Weg durch das +Bambusrohr, welches den Balg mit der Form des Ofens in Verbindung +setzt. Zugleich zieht er den Bambusstock an derselben Seite mit +dem Arme nieder. Es sind nun zwei derartige Bälge nebeneinander +aufgestellt, welche, vermittels Bambusröhren mit derselben Form in +Verbindung gesetzt, die Luft beim Drucke des einen oder anderen +Fußes abwechselnd und ziemlich ununterbrochen in den Ofen liefern.« + +[Illustration: Fig. 20. Aufgeblasener Balg in Orissa. Nach +BLANFORD.] + +[Illustration: Fig. 21. Ausgepresster Balg in Orissa. Nach +demselben.] + +Man wird aus dieser Schilderung BLANFORD's, sowie aus den +Abbildungen sofort die große Ähnlichkeit, ja Übereinstimmung dieses +Gebläses mit dem altägyptischen und vielen afrikanischen Gebläsen +erkennen. Die federnden Bambusstöcke sind jedoch speciell indische +Zuthat. + +FORBES WATSON, der ganz ähnliche Schilderungen von dem +Eisenhüttenwesen in Katak und Dependenzen (Orissa) entwirft, giebt +an, daß namentlich die Gegend von Talchir, Dhenkanal, Pal Lahara, +Ungul und Sambhalpur reich an Eisen sei. Das rohe einheimische +Metall wird dort zu einem Anna per Seer verkauft, was etwa acht +Pfennigen per halbes Kilogramm entspricht. Nach Dr. SHORTT ist +das in jenen Gegenden verwendete Erz ein roter Oker, mit 46% +metallischem Eisen; die Holzkohle stellt man aus Sal (_Shorea +robusta_) her. Der erhaltene Eisenklumpen wird nach dem Aufbrechen +des unteren Ofenteils (bei der Form) noch glühend mit eisernen +Zangen hervorgezogen und auf einem Ambos aus Stein (seltener aus +Eisen) ausgehämmert.[184] + +Eine höher entwickelte Eisenindustrie finden wir in Alwar in der +Radschputana, südwestlich von Dehli, wo jährlich über 500 Tons +gutes Eisen von den Eingeborenen dargestellt werden. Die Öfen +sind 1,10 m hoch und werden mit 13 Maunds (260 kg) Eisenerz und +elf Maunds (220 kg) Kohlen in abwechselnden Lagen beschickt. Zwei +von Kindern und Frauen bediente Blasebälge bilden das Gebläse. +Die Düse, durch welche die Luft zuströmt, ist von Thon und heißt +»Twyere«; ist sie bis auf 5 cm Länge abgeschmolzen, so ist +dieses ein Zeichen, daß das Eisen heruntergegangen ist und sich +als Klumpen (Schori) im Herde gesammelt hat. Man bricht nun den +unteren Teil des Ofens auf und der noch rotglühende »Schori« wird +mit Keilen in zwei Hälften von je 50-70 kg zerschlagen. Diese +zwei Hälften bringt man nun nochmals in einen Ofen, wo sie zur +Weißglühhitze gebracht und dann zu Stücken gehämmert werden.[185] + +Anschließend an den Eisendistrikt von Alwar ist jener von Firospur +südlich von Dehli zu erwähnen. Hier wird in Gruben von 1,70 m Tiefe +der Hämatit, Bura genannt, gewonnen. Das Erz wird mit Steinen +in kleine Stückchen zerschlagen und dann in den Naudri oder +Schmelzofen gebracht. Dieser ist rund, kegelförmig, 2,5 m hoch, +oben spitz, unten weit. Er wird mit 13 Maunds Erz und 12 Maunds +Holzkohle in Wechsellagen beschickt. Jeder Ofen hat zwei Paar +Blasebälge, welche 18 Stunden lang kontinuierlich in Thätigkeit +sind. Dann wird der Prozeß eingestellt und am Boden des Ofens +finden sich drei Maunds unreines Eisen. Dieses wird nun wiederholt +erhitzt und gehämmert bis 1-1/2 Maund reines Eisen (_loha pakka_) +das Endresultat sind. Zum wiederholten Erhitzen braucht man noch +fünf Maunds Holzkohle.[186] + +In Kamaon (Nordindien, am Fuße des Himalaya) benutzt man zur +Darstellung des Eisens einen niedrigen Herd von 56 cm Durchmesser +und lederne Schlauchblasebälge. SOWERBY, der diese Nachricht +giebt, meint, die Eisenindustrie sei hier unabhängig von Südindien +entstanden.[187] + +[Illustration: Fig. 22. Eisengewinnung in den Khasiabergen. Nach +HOOKER.] + +Wie die Gebirgsbewohner Assams sich noch durch Ursprünglichkeit +der Sitten und Gebräuche auszeichnen und bei ihnen noch +heute megalithische Male errichtet werden, so ist auch die +Eisendarstellung bei ihnen noch eine höchst primitive, wie aus +zwei vorliegenden Berichten hervorgeht. + +HOOKER hat über die Eisenschmelzen im Nonkreemthale der Khasiaberge +berichtet.[188] Danach ist das von den dortigen Ureinwohnern +verhüttete Erz Eisensand, der durch Auswaschen aus einem +Granitsande gewonnen wird. Das Erz muß sehr reichlich vorhanden +sein, da das Land überall von Waschgräben durchzogen ist und einige +große Teiche nur für diesen Zweck aufgestaut sind. Das Schmelzen +wird in sehr primitiv angelegten Holzkohlenfeuern vollführt, die +ihren Wind aus kolossalen, doppelt wirkenden Bälgen erhalten. +Diese letzteren werden von je zwei Personen getreten, wie es Fig. +22 veranschaulicht. Weder Öfen noch Flußmittel werden bei der +Reduktion angewendet. Das Feuer wird an der einen Seite eines +aufrecht stehenden Steines (ähnlich einem Grabstein) angezündet. +Durch diesen geht unten ein halbrundes Loch, in welches die Düse +mündet, welche durch ein gegabeltes Bambusrohr den Wind der beiden +Bälge empfängt, die HOOKER leider nicht näher schildert. Das Erz +wird zu zweifaustgroßen Metallstücken mit runzliger Oberfläche +verblasen. + +Dieselben Gebläse kommen bei einer zweiten abweichenden +Schmelzmethode zur Verwendung, die gleichfalls von den Khasias +angewendet, und von W. CRACROFT beschrieben wird.[189] »Man hat +große Rasenhütten gegen 7 m hoch und mit einem ringsum bis zur Erde +reichenden Strohdache. Das Innere von ovaler Form, 4,5 m und 6 m +den Durchmessern, ist in drei Abteilungen geteilt, deren mittlerer +der Schmelzraum ist. Zwei große Doppelbälge, deren Düsen abwärts +gehen, sind an der einen Seite dieser Abteilung aufgestellt; auf +denselben steht ein Mann, mit einem Fuß auf jedem, seinen Rücken +unterstützt durch zwei Bretter. In seiner linken Hand hält er einen +Stecken, welcher am Dach aufgehängt und mit zwei an den Bälgen +befestigten Stricken nach unten zu versehen ist. Die Bälge werden +sehr schnell durch eine schaukelnde Bewegung der Lenden und die +Gewalt des Beines bewegt. Die Düsen vereinigen sich zu einer Röhre, +welche unterhalb des Erdbodens von einer Art Windsammler zu dem +etwa 1 m davon angelegten Ofenherd läuft. Über dem Herde ist ein +mit Eisenbändern versehener Rauchfang von Pfeifenthon mit 56 cm +Durchmesser und etwa 1,70 m Höhe angebracht. Die untere Mündung +befindet sich an der von den Bälgen abliegenden Seite und die Esse +ist in entgegengesetzter Richtung geneigt, um die heiße Luft vom +Schmelzer ab und nach einer Öffnung im Dache zu führen. Rechts +von dem Gebläse und in gleicher Höhe mit dem obersten Teil des +Rauchfanges befindet sich ein Trog, welcher feuchte Holzkohle und +Eisensand enthält. Bei jeder Bewegung seines Körpers greift der +Arbeiter mit einem langen Löffel ein Stück Holzkohle und wirft es +samt dem anhängenden Eisensand durch die Esse des Ofens. Sobald +eine Masse geschmolzenen oder besser erweichten Eisens sich in dem +Herde gebildet hat, wird sie mit Zangen herausgeholt und mit einem +schweren hölzernen Schlägel auf einem großen als Amboß dienenden +Stein bearbeitet. Das Eisen wird dann in diesem Zustande in die +Ebenen hinabgesendet, teils zum Verkauf, teils zum Tausch.« + +Dieses sind die wesentlichen primitiven Methoden der Eisenerzeugung +bei den Hindu, den Drawida und assamesischen Bergvölkern in +Vorderindien. Das Produkt ist für den Bedarf genügend und wohl +geeignet zu allen heimischen Geräten und Waffen. Ohne alle +mechanische Hilfsmittel, von den Bälgen abgesehen, wird es, nach +BLACKWELL, dem Mineral Viewer für Bombay, billiger dargestellt, +als es in Europa mit all seinen Maschinen der Fall ist. Freilich +besteht das indische Eisen nur aus kleinen Stäben. + +~Eisendarstellung auf Ceylon.~ Eisenhaltige Erze sind auf Ceylon +vorhanden, nämlich rote und braune Eisensteine. Es wird jedoch +kein Bergbau darauf getrieben, sondern die Erze werden nach +Bedarf von der Oberfläche gesammelt und von Zeit zu Zeit auf sehr +einfache Weise ausgebracht. Doch hat diese einfache Eisenerzeugung +der Singalesen in der letzten Zeit sehr abgenommen, da das +englische eingeführte Eisen weit billiger zu stehen kommt, als das +einheimische. L. SCHMARDA hat die singalesische Eisengewinnung +in der Umgegend Radnapuras kennen gelernt und folgendermaßen +geschildert[190]: »Unter einem leichten Dache waren zwei Herde aus +Thon, ganz in der Form der hessischen Tiegel und auch nicht viel +größer. Durch eine Lehmwand waren sie von dem Gebläse, welches +höchst originell ist, getrennt. Ein hölzernes Gefäß ist mit einer +nassen Tierhaut, die in der Mitte ein Loch hat, zugebunden. Ein +dünner Baumstamm, ungefähr 5 cm dick, ist mit dem einen Ende an +einen Querbalken befestigt und hat an seinem freien Ende einen +Strick, welcher durch das Loch in die Haut geht und durch ein am +Ende befestigtes Stückchen Holz diese gespannt erhält. Für jeden +Herd sind zwei solcher Bälge nebeneinander, die nicht durch ein +Windrohr, sondern durch eine oben offene Rinne in den Grund des +Herdes münden. Die Blasebälge werden durch einen mit den Füßen +arbeitenden Mann in Bewegung gesetzt, indem er abwechselnd die +gespannte Haut niedertritt, wobei er mit seiner Fußsohle wie mit +einem Ventil die Öffnung des Balges schließt. Durch die allerdings +geringe Elastizität des dünnen Baumstammes, der aus der gebogenen +Lage in seine normale zurückzukehren strebt, wird die Haut wieder +in die gespannte Lage gebracht. Das Treten der Bälge geht rasch vor +sich und ist sehr anstrengend, daher sich die Arbeiter dabei alle +Viertelstunden ablösen. Die Zuschickung des Herdes war folgende: +Mit einer aus Palmblättern geflochtenen Schaufel werden glühende +Kohlen in den Grund des Herdes gebracht und mit einer Lage anderer +Kohlen bedeckt. Der übrige Raum wird durch eine Matte in zwei +Kammern geteilt; in die hintere werden Kohlen, in die vordere +die gerösteten Erze geschüttet; die Röstung derselben geschieht +im Freien durch Holzfeuer. Darauf wird nun angeblasen, indem der +Arbeiter bald den einen, bald den anderen Blasebalg niedertritt. +Die hintere Kammer wird mit kleinen Quantitäten Kohle fortwährend +gespeist und von Zeit zu Zeit mit einem Stück Holz durchstoßen, +um einen größeren Zug zu erzeugen. Am Ende der Feuerung, die 15 +singalesische Stunden à 20 Minuten dauert, wird die Schlacke +entfernt und das Eisen bleibt als großer Klumpen im Grunde des +Herdes zurück. Die auf einmal in einen Herd gebrachte Erzmasse +enthält 20-25 kg, die gewonnene Eisenmasse 10-12 kg. Die Erze mögen +also 50-60prozentig sein. Das Eisen ist weich und gut und hat alle +Eigenschaften des Stabeisens, daher können die Schmiede es auch +unmittelbar verarbeiten.« + +Der Prozeß, wie er hier geschildert wird, zeigt Ähnlichkeit mit +jenem in Orissa, namentlich ist die Art des Tretens der Blasebälge +und die Form der letzteren übereinstimmend mit dem durch BLANFORD +weiter oben beschriebenen. + +~Priorität des Kupfers oder Eisens in Indien.~ Weder die heute +heimische Kupfer- und Eisengewinnung, noch die Funde aus den +vorgeschichtlichen Grabstätten in Vorderindien geben uns sichere +Antwort auf die Frage nach der Priorität des Kupfers oder des +Eisens in diesem Lande. Die Altersbestimmung der verschiedenartigen +Gräber, sowie ihre ethnographische Zuteilung in einem Lande, +das so viele Völkerstürme gesehen hat, lassen viel zu wünschen +übrig. Es bleibt somit noch die Sprache übrig, an welche die Frage +nach der Priorität und dem Alter des einen oder anderen Metalles +gerichtet werden kann. Soviel wir jetzt sagen können, ist sie noch +das relativ sicherste Auskunftsmittel, wiewohl es immer etwas +mißliches hat, daß ein einziges Wort und seine Geschichte uns für +die Aufhellung einer wichtigen kulturgeschichtlichen Thatsache +genügen sollen, für eine Thatsache, zu deren Beurteilung sonst +eine ganze Reihe von Wissenschaften herangezogen werden muß. Und +wie schwankend das Ergebnis gerade in dem hier interessierenden +Falle sein kann, darüber möge uns das nachstehende belehren: »Will +man sich,« sagt O. SCHRADER, »durch ein praktisches Beispiel davon +überzeugen, wie überaus unsicher die nur auf Etymologien beruhenden +Schlüsse über die Kultur der Indogermanen zu sein pflegen, so +stelle man sich die Urteile zusammen, welche die namhaftesten +Sprachforscher, Männer wie PICTET, SCHLEICHER, M. MÜLLER, L. +GEIGER, HEHN, BENFEY und andere, über die Bekanntschaft oder +Nichtbekanntschaft der Indogermanen mit den Metallen ausgesprochen +haben. Man wird dann finden, daß in dieser Frage nur eins sicher +ist, daß nämlich das Vorhandensein keines Metalles für die Urzeit +sicher, d. h. von allen oder den meisten Gelehrten gebilligt ist. +Alle Metalle werden, eins wie das andere, für die Urzeit behauptet +und geleugnet, obgleich doch die sprachlichen Thatsachen dieselben +sind und obgleich wir es hier nicht mit Dilettanten, sondern mit +bewährten Meistern der Sprachforschung zu thun haben.«[191] + +MAX MÜLLER[192] ist dafür, daß in Indien das Kupfer resp. die +Bronze vor dem Eisen bekannt war. Im Sanskrit nämlich bedeutet +_ayas_, welches mit lateinisch _aes_ und gothisch _aiz_ dasselbe +Wort ist, ausschließlich Eisen. MÜLLER vermutet jedoch, daß auch +im Sanskrit _ayas_ ursprünglich Metall (= Kupfer) bedeutete und +daß diese Bedeutung von _ayas_ verändert und spezialisiert wurde, +als das Eisen an die Stelle des Kupfers trat. In Athara-Veda- und +Vajasaneyi-sanhita-Stellen wird ein Unterschied zwischen _syamam +ayas_, dunkelbraunem Metall, und _lohitam ayas_, glänzendem Metall, +gemacht, indem das erstere Kupfer, das letztere Eisen bedeutet. +Das Fleisch eines Tieres wird mit dem Kupfer, sein Blut mit dem +Eisen verglichen. »Dies zeigt, daß die ausschließliche Bedeutung +Eisen für _ayas_ erst später sich festsetzte und macht es mehr als +wahrscheinlich, daß die Hindu, wie die Römer und Deutschen, dem +Worte _ayas_ (_aes_ und _aiz_) ursprünglich die Bedeutung Metall +_par excellence_, d. i. Kupfer, beilegten.«[193] + +So läßt sich also Eisen in Vorderindien gegen den Ausgang +der vedischen Periode mit Sicherheit nachweisen, dann aber +ist auch sein weitgehender Gebrauch durch die litterarischen +Quellen bestätigt. Es wird in den Vedas häufig und wie ein ganz +gewöhnlicher Gegenstand erwähnt und es scheint auch, daß die Inder +zuerst den Stahl darzustellen verstanden. Der Name des sehr frühe +bekannten Stahles Wutz (Wootz) ist aus dem Sanskrit _vadschra_, +Diamant und Donnerkeil, entstanden.[194] Bekannt ist, daß PORUS dem +ALEXANDER 15 kg Stahl, als das beste Geschenk, das er zu bieten +vermochte, übergab.[195] Wir lesen in den Vedas von Panzern aus +Eisenstahl, von glänzenden Lanzen und Helmen, von Schwertern und +Speeren, von Pfeilen mit Stahlspitzen, kurz wir sehen hier das +Eisen vor 3000 Jahren in verschiedenen Formen allgemein angewendet. +Neben der Erzeugung im eigenen Lande läßt sich auch in den ältesten +Zeiten Import und Export von Eisen in Indien nachweisen. Mit den +nördlichen Ländern stand Indien frühzeitig in regem Verkehr. Auf +dem Wege über Khotan erhielten die Inder aus dem oberen Gebiete +des Jaxartes und aus Baktrien Seide und seidene Zeuge, Gold, +Edelsteine, Pferde, Esel, Felle und Eisenwaren, trotzdem sie nicht +nur selbst vortreffliches Eisen besaßen, sondern frühe die Kunst, +es zu verarbeiten, ausgebildet hatten. Von Khotan berichten die +Chinesen, daß seine Bewohner es verstanden, das Eisen zu gießen; +ein Schreibzeug aus blauem Eisen wurde von einem Beherrscher des +Landes einem ihrer Kaiser zugesandt.[196] Auch im Mahabharata, +in dem aber Eisen selten erwähnt wird, ist die Rede von eisernen +Pfeilen (_naraka_), die aus den östlichen Ländern nach Indien +importiert wurden.[197] Vom Export vortrefflicher eiserner +Schwerter nach den westlichen Ländern hören wir beim Ktesias +(400 v. Chr.); in seiner bekannten Weise berichtet er, daß jene +Schwerter, in die Erde gepflanzt, Gewölk, Hagel und Blitzstrahlen +abwendeten und daß das Eisen dazu aus einem tiefen Brunnen +geschöpft werde, der sich jedes Jahr mit flüssigem Golde füllte etc. + +~Eisenbenutzung auf den Andamanen.~ Im Anhange zu Indien möge +hier der Behandlungsweise des Eisens auf den Andamaneninseln im +bengalischen Busen gedacht werden. Irgendwelche metallurgische +Kenntnisse besitzen die Eingeborenen, die sogenannten Mincopies, +welche man mit den Negritos zusammengestellt hat, nicht. Noch +in der Mitte unseres Jahrhunderts verharrten sie völlig im +Steinzeitalter und bedienten sich zur Herstellung ihrer Messer und +sonstiger Geräte des Quarzes. Ihr Eisen haben sie zunächst durch +Schiffbrüche und dann mit Gründung der englischen Strafkolonie +(1784) erhalten, doch wurde es kaum benutzt und Quarzinstrumente +blieben bis auf unsere Tage im Gebrauch. Auch jetzt verstehen die +Eingeborenen noch nicht, es zu schmieden, sondern sie behandeln +dasselbe ganz wie den Stein, d. h. sie hämmern es mit Steinen zu +Pfeilspitzen und schleifen es zu Messern.[198] + + +Fußnoten: + +[174] Revue d'Anthropologie. 1880. 299. + +[175] Journ. Ethnol. Soc. New Series. I. 160 und 178 nach Transact. +Literary Soc. of Bombay. 1820. vol. III. + +[176] A. a. O. I. 160. + +[177] A. a. O. I. 170. + +[178] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 198 (1869). + +[179] »_The goose_,« sagt PEARSE, »_was sacred to the early +Buddhists of India; but it is not therefore necessary to be +inferred that this barrow was erected over Buddhists. The contra +argument is just as probable, viz. that when Buddhism arose in +India the goose was then venerated._« + +[180] On the excavation of a large raised Stone Circle near +Wurreegaon. Journ. Ethnolog. Soc. New Series. I. 207-217. + +[181] FORBES WATSON, A classified and descriptive catalogue of the +Indian Departement (London 1862) No. 16-123. + +[182] Die Metallurgie. Deutsch von KNAPP und WEDDING. II. 490 ff. + +[183] Bei PERCY a. a. O. II. 493. + +[184] FORBES WATSON a. a. O. 5 unter No. 96. + +[185] POWLETT, Gazetteer of Ulwur. London 1878. 81. + +[186] POWELL, Economic Products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 2. + +[187] The Annals of Indian Administration. Serampore 1860. IV. 69. + +[188] Himalayan Journals. London 1854. II. 310. Citiert bei PERCY +a. a. O. II. 501. + +[189] Smelting of iron in the Kasya-Hills. Journal of the Asiatic +Soc. of Bengal. 1832. I. 150. Citiert bei PERCY a. a. O. II. 502. + +[190] LUDWIG K. SCHMARDA's Reise um die Erde. Braunschweig 1861. +421 bis 424. + +[191] O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte. 208. + +[192] Vorlesungen über die Wissenschaft der Sprache. Leipzig 1866. +I. 220. + +[193] Vergl. auch O. SCHRADER, Sprachvergleichung und Urgeschichte. +266, nach welchem Kupfer, nach den sprachlichen Beweisen zu +schließen, bereits in der proethnischen Epoche der gesamten +europäisch-asiatischen Menschheit bekannt war. + +[194] LASSEN, Indische Altertumskunde. I. 238. + +[195] Stahlfabrikation wird in Indien auch jetzt noch vielfach +erwähnt, selbst auf Ceylon, bei Ballangodde in der Gegend von +Radnapura wird Gußstahl, in kurze Thonröhren gegossen, dargestellt +(SCHMARDA's Reise um die Erde. I. 424). Wie dieser und andere +Stahlsorten indessen genauer beschaffen sind, ist bei dem jetzt +nach seinen Grenzen hin flüssig gewordenen Begriffe des Stahl, +nicht näher zu sagen. Erwähnenswert ist noch folgendes Urteil +POWELL's (Economic products of the Punjab. Roorkee 1868. I. 1): +»_Nowhere within British Territory_ (Indiens) _is indigenous steel +procurable, at all events such steel as would be of any use in the +finer classes of manufacture. The cutlery of Nizambad and Gujrat is +exclusively manufactured with imported steel, while the interior +kinds are not steel at all, but merely polished iron._« + +[196] LASSEN II. 566. 567. RITTER, Asien. V. 645. 737. 746. + +[197] LASSEN II. 550. + +[198] LANE FOX in Journ. Anthropol. Institut. VII. 443. -- A. DE +ROEPSTORFF in Zeitschrift d. Ges. f. Erdkunde zu Berlin. 1879. 11. + + + + +Die Zigeuner als Metallarbeiter. + + +Es ist als ob wir das Seitenstück zu den Schmieden Afrikas kennen +lernten, wenn wir die Beschreibungen der Schmiede Indiens lesen; +beide stehen auf derselben primitiven Stufe. SONNERAT schreibt: +»Der (indische) Schmied führt sein Werkzeug, seine Schmiede und +seine Esse stets mit sich und arbeitet überall, wo man ihn brauchen +will. Die Schmiede richtet er vor dem Hause desjenigen auf, der +ihn berufen hat. Aus zerriebener Erde führt er eine kleine Mauer +auf, vor der er seinen Herd anlegt: hinter dieser Mauer sind zwei +lederne Blasebälge angebracht, die sein Lehrbursche wechselweise +drückt und damit das Feuer anbläßt. Statt des Amboßes nimmt er +einen Stein und sein ganzes Werkzeug besteht in einer Zange, einem +Hammer, einem Schlägel und einer Feile.«[199] + +Und so wie diese indischen Schmiede, so sind ihre Abkömmlinge, +wenn man so sagen darf, unsere Zigeuner noch heute; sie ragen mit +der Art und Weise ihres Schmiedebetriebes als ein Überlebsel in +unsere Zeit herein, merkwürdig konservativ, unverändert durch die +umgebende Kultur und unbeleckt davon. Überall in Europa betreibt +der Zigeunerschmied noch heute ~sitzend~ sein Gewerbe[200], das +Handwerkszeug ist bei allen das nämliche, höchst einfache, doch +sind oft schon an die Stelle der Lederschläuche zwei europäische +alternierend benutzte Handblasebälge getreten. »Unter allen +Nahrungsarten der Zigeuner,« sagt GRELLMANN, »ist Schlosser- +und Schmiedearbeit die gemeinste, so daß man ein ungarisches +Sprichwort hat: soviel Zigeuner, soviel Schmiede, und bereits in +einer Urkunde des ungarischen Königs Ladislaus vom Jahre 1496 +werden Zigeunerschmiede erwähnt. Große, schwere Dinge schmieden sie +nicht, sondern nur Kleinigkeiten: Hufeisen, Ringe, Maultrommeln, +Nägel, Messer.« Nirgends schmelzen die Zigeuner das Eisen aus, +sondern sie verarbeiten nur altes, bereits vorhandenes. »Ihr Amboß +ist ein Stein und was sie weiter gebrauchen, besteht in ein Paar +Handbälgen, einer Zange, einem Hammer, Schraubstock und einer +Feile.« Kohlen brennen sie selbst in kleinen Meilern. »Er schmiedet +nicht stehend, sondern sitzt dabei mit übereinandergeschlagenen +Beinen auf der Erde; und das darum, weil sowohl die Einrichtung +seiner Werkstatt, als seine Gewohnheit diese Stellung erfordert. +Sein Weib sitzt ihm zur Seite und bewegt die Blasebälge.«[201] + +Die Zigeuner außereuropäischer Länder sind gleichfalls Schmiede +in der angegebenen Weise; so z. B. die persischen (Kauli oder +Karatschi genannt), welche außer dem Schmiedehandwerk und +der Verfertigung schöner Ketten sich auf das Verzieren der +Gerätschaften verstehen.[202] + +Auch Schmelzöfen verstehen die europäischen Zigeuner in höchst +ursprünglicher Weise herzustellen, wenigstens ist dieses von +SIMSON[203] für die schottischen Zigeuner in Tweeddale und +Clydesdale dargethan worden. Die Art, wie sie Eisen zu Pflugscharen +und Bügeleisen aus solchen Öfen gießen, ist höchst einfach. +Der Stamm wählt sich einen geschützten Ort, wo er aus Steinen, +Rasenstücken und Thon einen runden Ofen von 80 cm Höhe und 40 cm +Durchmesser herstellt, der auf der Außenseite bis oben hin +sorgfältig mit einem Mörtel aus Thon verkleidet wird. Am Boden wird +die Erde im Ofen etwas ausgehöhlt, um ihm größere Tiefe zu geben; +dann wird er mit Kohlen oder verkohltem Torfe gefüllt und das +Eisen, welches umgeschmolzen werden soll, in kleinen Stücken oben +aufgegeben. Unten ist eine Öffnung gelassen, groß genug, um einen +auf der Innenseite mit Thon ausgeschlagenen eisernen Schöpflöffel +einzuführen. Durch eine andere kleine, wenig über dem Boden +angelegte Öffnung wird die nötige Luft mit einem großen, von einem +Weibe bedienten Handblasebalg gegeben. Schmilzt das Eisen nieder, +so wird es unten in dem Schöpflöffel aufgefangen und in die bereit +gehaltenen Sandformen gegossen. SIMSON sagt ausdrücklich, daß mit +Eisen (_iron_) beschickt wird, doch ließe sich aus leichtflüssigen +Erzen gerade so gut auf solche Weise das Metall herstellen, wenn +auch nicht zum Gießen. Ob der Prozeß ein ursprünglicher bei diesen +Zigeunern oder nur ein abgelernter ist, kann nicht mehr entschieden +werden; wohl letzteres. + +Eisenschmiede, Wahrsager und Musikanten sind die Zigeuner +überall; mit dem Kupfer befaßt sich aber nur eine bestimmte +Gruppe derselben in Südosteuropa, es sind dieses die (rumänisch) +Calderari genannten, also Keßler, welche von der Türkei und unteren +Donau durch Siebenbürgen und Ungarn bis zu den Karpaten und nach +Böhmen kommen. Auch das Verzinnen verstehen sie und die damit +Beschäftigten nennt man in Rumänien Spoïtori, ein Wort, dem wohl +das deutsche »Spiauter« zu Grunde liegt. Daß sie Goldwäscher (in +Siebenbürgen, der Walachei) und auch Goldschmiede sind, ist bekannt. + +Von einer Gruppe kleinasiatischer Zigeuner, den Malkotsch, sagt +PASPATI[204], daß sie meistens Christen seien und sowohl in Eisen +als in Bronze zu arbeiten verständen. P. BATAILLARD, einer der +größten Kenner der Zigeuner, hat diese Notiz aufgegriffen und, +unterstützt von einigen Scheingründen, sie weiter dahin ausgebaut, +daß die Zigeuner dasjenige Volk waren, welches in Europa die Bronze +einführte. Indien allein habe Kupfer und Zinn gemeinsam, dort wäre +die Bronze entdeckt und von zigeunerischen _Commis voyageurs_ über +Europa verbreitet worden. Um diese Ansicht durchführen zu können, +läßt BATAILLARD die Zigeuner seit Urzeiten in Europa auftreten; +für ihn ist es keinem Zweifel unterworfen, daß sie die Sigynen des +Herodot sind etc.[205] + +Andere Gründe -- als etwa noch die Kleinheit der Zigeunerhände +und die auf kleine Hände deutenden Griffe der Bronzeschwerter -- +weiß BATAILLARD nicht beizubringen und er muß ebenso wie jene +auf Abwege geraten, welche die Bronze, wie die Metalltechnik +überhaupt, aus einer einzigen Quelle abzuleiten und mit Hilfe +von Wandervölkern über den Globus verbreiten wollen, statt einen +gesunden Polygenismus auch auf diesem Gebiete anzunehmen. Ob etwa +unsere Bronzen in ihrem Stil mit indischen übereinstimmen, an eine +so untergeordnete Frage hat der sonst hochverdiente Forscher nicht +gedacht und seine Hypothese dürfte wohl kaum zu erwähnen gewesen +sein, wenn nicht im Verfolge derselben die interessante Thatsache +zu Tage getreten wäre, daß es auch noch in Europa Zigeuner giebt, +die in Bronze arbeiten. + +Wir verdanken diese Entdeckung dem verdienten polnischen +Anthropologen J. KOPERNICKI, welcher zigeunerische Gelbgießer im +südöstlichen Galizien an der Grenze der Bukowina auffand und ihre +Technik studierte.[206] Man nennt sie Zlotari (Plural von Zlotar, +vom slavischen _zloto_, Gold), Goldarbeiter, oder Dzvonkari (von +_dzvon_, Glocke), Glockengießer, weil sie Glocken von verschiedener +Größe für das Weidevieh gießen. Ferner stellen sie aus Bronze oder +Messing die Beile her, welche von den Ruthenen an ihren Stöcken +getragen werden, Buckeln für Gürtel, Agraffen, kleine Kreuze, +mit denen Bauermädchen am Halse sich schmücken, nadelförmige +Pfeifenräumer u. dgl. Waffen fabrizieren sie nicht, ja es fehlen in +ihrer Sprache die Namen dafür. Die Hauptsitze der zigeunerischen +Gelbgießer sind Hlinnitza am rechten Ufer des Pruth und Sadogora +bei Czernowitz. Im ersteren Orte hat KOPERNICKI sie besucht und sie +bei der Arbeit gesehen. + +[Illustration: Fig. 23. Blasebalg der Zlotars. Nach KOPERNICKI.] + +Zur Fabrikation benutzen sie, wie erwähnt, Bronze (_tscharkom_) +und Messing (_galbeni tscharkom_), sowie Packfong. Die Bronze +wird ausschließlich zu den Glocken verwendet. In ihrer Sprache +besitzen sie Ausdrücke für schmelzen (_te bilbel_ oder _te +bilarel_) und gießen (_te sorel_); benutzt wird altes Messing, +das sie umschmelzen und dem sie nach Bedarf Kupfer (_tscharkom_) +oder Zinn (_artschitsch_) zusetzen; Zink (_sperton_, Lehnwort) +wird wenig benutzt, dagegen ist Borax (_poroska_, also Lehnwort) +ihnen unentbehrlich. Alle diese Materialien kaufen sie in kleinen +Städten. Ihre Geräte und Werkzeuge bestehen in Graphittiegeln +(_kutschi_) und Blasebälgen (_pischod_), welche letztere nach der +Beschreibung und Abbildung (Fig. 23), die KOPERNICKI giebt, eine +durchaus altertümliche und mit der indischen übereinstimmende +Form haben. Dieser Blasebalg dient zugleich, wenn die Zlotari +ihr Gewerbe an einem anderen Orte ausüben wollen, als Reisesack. +»Dieser Sack,« berichtet KOPERNICKI, »besteht aus einem einzigen +Stücke: man zieht ein Kalb oder einen Hammel ab, indem man einen +Rundschnitt um den Körper gerade hinter den Achseln macht.[207] +Ohne die Haut zu verletzen, zieht man das Fell bis zu den Knieen +und soweit als möglich bis zum Schwanze ab. Nachdem dies Fell +so gut es angeht, gegerbt worden, um es geschmeidig zu machen, +verschließt man hermetisch die beiden Öffnungen am Eingange +der Beine, welche nun zwei seitliche Anhängsel (~cc~) bilden, +setzt eine Röhre an der Stelle des Schwanzes ein und bringt zwei +Stäbe (~bb~) am Eingange des Sackes an -- und der Blasebalg ist +fertig.« Die absolute Übereinstimmung dieses Blasebalges mit +verschiedenen in Afrika und Indien benutzten liegt auf der Hand; +er ist uraltes Besitztum dieser Zigeuner und, wie ich glaube, fast +das einzige bei dem Prozesse der Zlotari gebrauchte ursprüngliche +Stück. Was aber dann KOPERNICKI uns über das Formen und Gießen +berichtet, stimmt zugleich mit den in allen europäischen Gießereien +beobachteten Methoden überein; namentlich tragen die sogenannten +Gußkästen durchaus den Charakter wie in unseren Fabriken und +die dargestellten Glocken und Christusbilder etc. zeigen ganz +offenbar entlehnte Gestaltung. Hier ist nichts ursprünglich +zigeunerisches[208]; echt dagegen ist wieder, daß der Zlotar +sitzend arbeitet, wie dieses schon von den Zigeunerschmieden +hervorgehoben wurde. + +Es ist wohl zu beachten, daß die (deutschen) Zigeuner die Metalle +vom Standpunkte des Eisens aus benennen. Eisen, _saster_, ist aus +dem Sanskrit _çastra_, einer späten Bezeichnung für dieses Metall, +entstanden; Kupfer ist ihnen _lolo saster_, rotes, und Messing +_dscheldo saster_, gelbes Eisen. Danach wäre ihnen das Eisen am +frühesten und ursprünglich bekannt gewesen. Kupfer und Messing +haben sie wohl erst in Europa kennen gelernt. + + +Fußnoten: + +[199] SONNERAT, Reise nach Ostindien, citiert bei GRELLMANN, Die +Zigeuner. Göttingen 1787. 323. + +[200] Siehe die Abbildungen bosnischer Zigeunerschmiede Tour du +Monde 1870. I. 284 und kaukasischer daselbst 1868. I. 189. + +[201] GRELLMANN a. a. O. 80-84. + +[202] POLAK, Persien. I. 33. + +[203] History of the Gipsies. London 1865. 234. + +[204] Les Tschinghianés de l'empire ottoman. 346. + +[205] BATAILLARD, Sur les origines des Bohémiens und Les Tsiganes +de l'âge du bronze. Bullet. soc. d'Anthropol. 1875. 546 und 563. + +[206] KOPERNICKI's ausführlicher Bericht ist mitgeteilt und mit +Bemerkungen versehen von BATAILLARD unter dem Titel Les Zlotars, +dits aussi Dzvonkars in Mém. soc. d'Anthropol. Deuxième serie. I. +499-566 und Tafel 17. + +[207] Wie unser deutsches Wort »Balg« in Blasebalg bezeugt, sind +diese Instrumente bei uns auch ursprünglich nichts anderes gewesen +als die abgezogenen Tierhäute. Und so ist es auch im Russischen, wo +auch das Wort für Haut (_mjech_) dieses Gerät bezeichnet. + +[208] KOPERNICKI führt die einfachen, wertvollen Thatsachen an. -- +Die unhaltbare Hypothese von der Einführung der Bronze in Europa +durch die Zigeuner ist lediglich BATAILLARD's Eigentum. + + + + +Die Metallurgie der Malayen. + + +~Malayische Eisenbereitung.~ Die Malayen und ihnen nahe stehende +Völker sind seit sehr alter Zeit mit der Eisenschmelzung vertraut +gewesen, wie sie denn überhaupt vortreffliche Metallarbeiter sind. +Einheimischen, malayischen Ursprunges, sind die Bezeichnungen für +Gold, Eisen und Zinn in den verschiedenen Idiomen dieser Rasse, so +daß man annehmen kann, die Darstellung dieser Metalle entstamme +ursprünglich heimischer Kenntnis. Silber, Bronze und Kupfer dagegen +werden mit Sanskritnamen auf den ostasiatischen Inseln bezeichnet, +was auf Einführung dieser beiden Metalle aus Indien deutet. Doch +giebt es auf Sumatra eine heimische Bezeichnung für Kupfer, nicht +aber auf den übrigen Eilanden.[209] Die Einführung jener Metalle +aber darf in die Zeit gesetzt werden, als von Indien aus der +Brahmanismus nach Java vordrang und dort seine riesigen Tempel +errichtete, in deren Ruinen man wohl Götzenbilder, Opferschalen +etc. aus Bronze, aber keinerlei schneidende Werkzeuge und Geräte +aus dieser Legierung fand, weil letztere wohl bereits aus dem +heimischen Eisen von den Eingeborenen verfertigt worden waren. +Alles deutet darauf hin, daß Eisen früher als Bronze im malayischen +Archipel bekannt und gebraucht wurde. + +Bei den verschiedenen malayischen Völkern, zumal den Javanen, gilt +das Handwerk eines Schmiedes als ein höchst ehrenvolles; in der +alten Geschichte werden die Schmiede als hoch im Ansehen stehend +und reich mit Ländereien belohnt erwähnt. So schon im elften +Jahrhundert, zur Zeit des Reiches Pajajaran, nach dessen Verfalle +800 Schmiedefamilien sich in das Reich Majapahit wandten. Nach +dessen Zerstörung im 15. Jahrhundert zerstreuten sich die Schmiede +über ganz Java, wo sie heute unter dem Namen _pandi_ bekannt sind. +Die charakteristischen malayischen Gebläse, welche wir gleich näher +schildern werden, waren in jener Zeit schon im Gebrauche, wie die +Steinskulpturen in den alten Ruinen von Suku beweisen, auf denen +die Gebläse dargestellt sind.[210] Für das hohe Ansehen, in welchem +die Schmiede standen, spricht das Wort _pandi_, welches zugleich +den kundigen und gelehrten Mann bedeutet, entstanden wohl durch +die Wertschätzung, welche man dem Eisen beilegte, als es noch neu +war. Diese Schätzung hat sich lange erhalten, da bis in unsere Tage +das Eisen vielfach Geld und Wertmesser in den malayischen Ländern +blieb. In Bruni (Borneo) liefen in der Mitte unseres Jahrhunderts +neben Shirtingstreifen noch zolllange Eisenstückchen (englischen +Ursprunges) um, die jetzt aber durch englische und chinesische +Kupfermünzen ersetzt sind.[211] + +In der malayischen und javanischen Sprache stimmen die Wörter für +Eisen, Amboß, Hammer, Zange, Feile, Meißel, Messer, Dolch, Schwert +überein; dieselben sind auch bei den Dajaks von Borneo gebräuchlich +und vereinzelt bis zu den Philippinen mit der malayischen Invasion +vorgedrungen.[212] Alle Mythen und Traditionen der malayischen +Völker deuten auf die Halbinsel Malakka und die Insel Sumatra +als Ausgangspunkt ihrer Rasse und da nun Sumatra sehr reich an +Eisen ist und alte Eisenschmelzen dort wiederholt, so in der +Nähe des Merapi, gefunden worden sind, auch die Eisenindustrie +dort eine alt bodenständige ist, so kann man annehmen, daß von +hier aus dieselbe sich über die Inselwelt verbreitete und zwar +bis Neuguinea im Osten, bis zu den Philippinen im Norden und +Madagaskar im Westen.[213] Es giebt für den Zusammenhang und den +gemeinschaftlichen Ursprung der Eisenindustrie innerhalb des eben +bezeichneten Raumes ein untrügliches Kennzeichen, nämlich die Art +der eigentümlichen angewandten Gebläse, welche eine Doppelpumpe +mit Stempeln darstellen, die entweder aus zwei Bambusröhren oder +zwei ausgehöhlten Baumstämmen besteht und die wir überall in den +nachfolgenden Einzelschilderungen wiedertreffen werden. + +Die Eingeborenen Sumatras bedienen sich bei ihren Schmiedearbeiten +des Holzkohlenfeuers. Die Gebläse schildert MARSDEN[214] +folgendermaßen: »Zwei Bambus, etwa 10 cm im Durchmesser und 1,5 m +lang, stehen senkrecht neben dem Feuer und sind oben offen, unten +aber verstopft. Ungefähr 3-5 cm vom Boden wird in jedes ein kleines +Stück Bambus eingesetzt, welches auf das Feuer zugeht und die +Stelle der Nase vertritt. Um einen Luftstrom zu bekommen, werden +Bündel von Federn oder anderen weichen Körpern an langen Stielen +in den senkrechten Röhren auf- und niedergestoßen, wie der Stempel +in einer Pumpe. Wenn sie niederwärts gestoßen werden, so treiben +sie die Luft durch die kleinen horizontalen Röhren und da jede +derselben wechselweise auf- und niedergestoßen wird, so wird ein +beständiger Wind erhalten. Es wird dies gemeiniglich von einem +Knaben verrichtet, welcher auf einem erhöhten Gestell steht.« + +Völlig gleich diesen Gebläsen, oder nur in kleinen Einzelheiten +abweichend, sind jene, welche von den Dajaks, den Eingeborenen +Borneos, benutzt werden und deren auf die einfachste Weise +hergestelltes stahlartiges Eisen _is preferred to that of European +make_.[215] Während in Sawarak der Stamm der Kayan als der +erfahrenste im Eisenschmelzen gilt, haben diesen Ruf im Südosten +die Bewohner des Distrikts Dusun Ulu, welche nach SCHWANER's +Bericht Thoneisensteine der Braunkohlenformation verhütten. Die +cylindrischen Schmelzöfen werden über einem Holzkern in einer +Form aus Rinde von Thon gestampft; sie sind 90 cm hoch und rings +von Bambusstreifen zusammengehalten. Das Innere ist gleichmäßig +cylindrisch, der Herd aber rechteckig, 40 cm breit, 60 cm lang und +20 cm tief. + +Jeder Ofen hat ein oder mehrere Öffnungen mit Thonformen für den +Wind und eine für den Schlackenabfluß. Der Wind wird vom Boden +des Cylinders durch Bambusröhren zu den Formen geführt. Die Art, +wie der Gebläsestempel in Bewegung gesetzt wird, ist aus der +Abbildung Fig. 24 ersichtlich. Das Erz wird vor dem Aufgeben mit +Holz geröstet, in kleine Stücken zerschlagen, mit der zehnfachen +Menge Holzkohlen gemischt und so in den bereits zu zwei Dritteln +mit Holzkohlen gefüllten Ofen gebracht. Das Gebläse wird dann mit +40 Hüben pro Minute angelassen. Die Schlacken sticht man von 20 zu +20 Minuten ab und unterbricht währenddem den Wind. Gegen Ende der +Operation steigert man den Wind. Es resultiert schließlich eine +Eisenluppe von 45 kg. Dieselbe wird am Boden des Ofen vermittels +hölzerner Zangen herausgeholt und mit hölzernen Schlägeln +bearbeitet. An einem solchen Stück arbeiten vier Mann einen Tag +lang. Sein Handelswert ist 3-1/2 Mark.[216] + +[Illustration: Fig. 24. Eisenschmelze der Dajaks. Nach TEMMINCK.] + +Daß auch auf den Philippinen, die von den Malayen besiedelt +wurden, durch dieses Volk die Eisenschmelzung eingeführt wurde -- +während die eingeborenen Negritos nicht zur Metallindustrie sich +aufschwangen -- geht aus der Schilderung des alten DAMPIER[217] +hervor, dem sofort die eigentümlichen Gebläse auffielen. »_Their +bellows are much different from ours. They are made of a wooden +cylinder, the trunk of a tree, about three feet long, bored +hollow like a pump, and set upright on the ground, on which the +fire itself is made. Near the lower end there is a small hole, +in the side of the trunk next the fire, made to receive a pipe, +through which the wind is driven to the fire by a great bunch of +fine feathers, fastened to one end of the stick, which, closing +up the inside of the cylinder, drives the air out of the cylinder +through the pipe. Two of these trunks or cylinders are placed so +nigh together, that a man standing between them may work them +both alternately, one with each hand._« Als Amboß dient ihnen ein +harter Stein, das Feuer wird mit Holzkohlen genährt; mit ihren +einfachen Instrumenten arbeiten sie aber, wie DAMPIER sagt, »_to +admiration_«. Sägen waren unbekannt und Bretter wurden durch +Behauen mit der Axt hergestellt. + +Eine sinnreiche Abänderung, um beide Stempel durch eine Person +bewegen zu können, findet sich an den Luftpumpen, die von den +Schmieden in Rangun (Pegu) benutzt werden, wie an einem von +Dr. RIEBECK (Nr. 3709 seiner Sammlung) mitgebrachten Exemplare +ersichtlich (Fig. 25). Die Stempelstangen _aa_ sind durch einen +als Doppelhebel wirkenden, mit einfacher Schnitzerei verzierten +Querbalken _bb_ verbunden, der durch ein bei _c_ in der Mitte +angebrachtes Querholz mit einer hinter dem Gebläse stehenden festen +Wand verbunden ist. Durch Auf- und Abziehen der Stange _d_ wird die +alternierende Bewegung der Stempel bewirkt. + +[Illustration: Fig. 25. Malayisches Gebläse. Sammlung RIEBECK.] + +Wenden wir uns noch weiter nach Norden, so treffen wir auf die +Igorroten im Innern der Insel Luzon, welche gleichfalls das Eisen +nach der allgemeinen malayischen Art darstellen, wie aus den +Schilderungen von Dr. HANS MEYER[218] hervorgeht. + +»Im ganzen Distrikt hat Bugias einen Ruf wegen seiner +Eisenschmiede. Aber die Leute, die ihre Kunst als Geheimnis +bewahren, sind bisher noch von keinem Reisenden zu bewegen gewesen, +einen Einblick in ihr Schmiedehandwerk zu gestatten. Mir gelang es +nach vielem Zureden und Versprechen. Sie führten uns nach einem +Hügel abseits der Rancheria, wo unter einem Schilfdache Schmiede +bei der Arbeit waren. Nebeneinander in den Boden gerammt stehen +zwei etwa 1 m hohe ausgehöhlte Baumstämme, in die unten unmittelbar +über dem Erdboden je ein Loch gebohrt ist, groß genug, daß zwei +Bambusrohre hineingefügt werden können, die ihrerseits nach einem +ebenfalls auf der Erde liegenden Thonrohre konvergieren und durch +dieses das nötige Gebläse dem Kohlenfeuer zuführen, das vor der +anderen Öffnung des Thonrohres brennt. Das Gebläse wird durch zwei +Holzscheiben hervorgebracht, die, des dichteren Schlusses wegen, +mit Federn gefüttert in die beiden Baumstämme eingelassen sind und +an zwei Stäben als Handhaben von einem Igorroten abwechselnd auf +und ab bewegt werden, wie die Stempel zweier Dampfcylinder. Das +Gußeisen (soll wohl heißen das rohe Frischeisen?), das sie oben in +den Bergen angeblich durch denselben Mechanismus aus dem dortigen +Erz gewinnen, verwandeln sie hier durch nichts als aufeinander +folgendes Glühen, Schmieden und Kühlen in Schmiedeeisen, und dies +verarbeiten sie durch Schmieden auf Quarzsteinblöcken mit Hämmern +aus Basalt oder Quarz zu Waffen und Geräten. Die Schmiede sind +das erste mir bisher vorkommende Beispiel einer eigentlichen +Handwerkerklasse unter den Igorroten.« + +Haben wir hier die malayische Art der Eisengewinnung und +Verarbeitung bis zu ihrer nördlichsten Grenze verfolgt, so finden +wir die östlichste Ausdehnung derselben in Neuguinea und zwar im +westlichsten Teile dieser großen Insel bei Doreh. Die Gebläse sind +dort identisch mit den schon geschilderten und von den Malayen +auf ihren Raubzügen nach dem westlichen Neuguinea eingeführt, +worauf auch die Sitte der Schmiede von Doreh deutet, daß sie kein +Schweinefleisch essen, was sie von den Mohamedanern annahmen. »Ihre +Schmiedekunst ist aber nicht groß und besteht hauptsächlich darin, +daß sie von eisernen Stangen Hackemesser arbeiten. Auch verstehen +sie das Eisen mit Stahl zu vermischen.«[219] Danach scheint es, +als ob sie bloß Schmiede sind, nicht aber das Metall aus den Erzen +ausbringen. + +Von besonderem Interesse ist es, daß die Verbreitung der malayischen +Art der Eisengewinnung bis auf die Afrika vorgelagerte Insel +Madagaskar nachgewiesen werden kann. Sprache und Körperbeschaffenheit +der Bewohner Madagaskars deuten auf malayische Abkunft hin; aber +das Eisen heißt in der Howasprache _vi_, in den malayischen Idiomen +_besi_ -- dadurch würden wir also keine Aufklärung erhalten, wenn +nicht wieder die höchst eigentümlichen Gebläse uns durch ihre Form +belehrten, daß sie malayischen Ursprunges wären, während sie von den +afrikanischen Schlauchblasebälgen durchaus verschieden sind. Aus +diesem Vorkommen der Gebläsepumpe läßt sich aber schließen, daß die +Besiedelung Madagaskars erst stattfand, als schon das Eisengewerbe +auf den Sundainseln bekannt war. Die Gebläse sind uns hier ein +sicherer Führer als die Sprache. + +Über die Einzelheiten belehrt uns ELLIS. Eisen von vorzüglicher +Beschaffenheit kommt in den Centralprovinzen rings um die +Hauptstadt vor, wo es nahe an der Oberfläche gefunden wird. Das +Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran, daß es geradezu das +»Eisengebirge« heißt. Man hat dort selten mehr als 1/2 m tief zu +graben, um auf Eisen zu stoßen. + +Die Schmelzöfen der Eingeborenen (Fig. 26), welche sehr roh und +primitiv gearbeitet sind, liegen stets in der Nähe eines Stromes. +Das gesammelte Erz wird in kleine Stückchen geschlagen und dann +durch Waschen von Erde gereinigt. Die Öfen werden 60-80 cm tief in +den Boden gegraben und die Seiten mit Steinen ausgelegt, die dann +mit Thon überschlagen werden. Auf den Boden wird alsdann Brennstoff +gelegt und darüber Erz mit Holzkohle in Wechselschichten. Das Ganze +wird oben mit einer dicken Thonlage geschlossen(?). Das Gebläse +wird mit zwei Paar Stempeln betrieben, die in hölzernen Cylindern +gehen, gewöhnlich sind letztere ausgehöhlte Baumstämme. Vom Boden +dieser Cylinder erstrecken sich Röhren aus Bambus oder aus alten +Flintenläufen in den Ofen hinein. Nachdem der Inhalt des letzteren +eine Zeitlang in Weißglut erhalten, wird er erkalten gelassen, und +aufgebrochen findet man das Eisen in Klumpen am Boden. So oder zu +Barren geschmiedet kommt es in den Handel. Der einheimische Schmied +errichtet seinen Feuerherd auf dem Flur des Hauses und benutzt dazu +die gleichen, nur kleineren Gebläse wie beim Hüttenprozeß. Der +eiserne Amboß, 14 cm im Geviert und 14 cm hoch, steckt in einem +dicken Holzblocke; Hämmer, Zangen etc. sind von Eisen.[220] + +[Illustration: Fig. 26. Eisenschmelze auf Madagaskar. Nach ELLIS.] + +Eine Schließung des Ofens, wie ELLIS sie anführt, ist einfach +unrichtig; seine Abbildung selbst zeigt ein kleines Rohr, durch +welches die Ofengase abziehen; von wo der »Ofen« beschickt wird, +ist weder aus der Abbildung, noch Beschreibung ersichtlich; +vermutlich handelt es sich nur um eine einmalige Füllung der Grube. + +~Kupfer bei den Malayen.~ Kupfer ist teils gediegen, teils in +Erzen auf verschiedenen Inseln des Archipelagus vorhanden. Die +Kupferminen von Limun auf Sumatra sind seit sehr alter Zeit +betrieben worden, auch kommt es dort und auf Timor gediegen vor, +kann daher dort auch in den frühesten Zeiten kalt zu Geräten +verarbeitet worden sein. Mit Ausnahme von Sumatra, wo ein +einheimischer Name für Kupfer existiert, gilt im ganzen Archipel +das aus dem Sanskrit stammende _tambaga_ (_tamra_, _tamraka_ +bedeutet dort das dunkle Metall, es ist ein späterer Sanskritname +des Kupfers) und hieraus kann man schließen, daß die Kunst, das +Kupfer zu schmelzen und zu gießen, eine aus Vorderindien zu den +malayischen Völkern gelangte sei. + +Fast alle die gegossenen Hindugötzenbilder und andere in Java +gefundenen Gegenstände bestehen aus einer Kupfer-Eisenmischung; +Waffen und Geräte für den häuslichen Bedarf wurden aber nicht +unter den javanischen Altertümern aus Kupfer gefunden. Zinn und +Zink kommen in den Mischungen nicht vor, waren auch wohl den alten +Javanern unbekannt[221], was mit der Annahme von einem späteren +Bekanntwerden des Zinnes auf Malakka stimmen würde. + +Eine ausgedehnte, höchst beachtenswerte Kupferindustrie treffen +wir bei einem der nördlichsten malayischen Völker, den auch +in der Eisenbereitung erfahrenen Igorroten im Innern der +Philippineninsel Luzon. Luzon hat gediegenes Kupfer und sehr +beträchtliche Lagerstätten von Kupfererzen bei Mancayan im +Distrikte Lepanto, sowie im Centralgebirge zwischen Cagayan und +Ilocos. Die europäischen Unternehmungen auf Kupfer sind hier +erfolglos geblieben, dagegen haben die wilden Igorroten, die jenes +Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten und in verhältnismäßig +großer Ausdehnung den Kupferbergbau und die Kupferverhüttung hier +betrieben, was um so bemerkenswerter ist, als das Metall in jenen +Gegenden fast nur in der Form von Kiesen vorkommt, die auch in +Europa nur durch umständliches Verfahren und nicht ohne Zuschlag +verwertet werden können. + +Nach JAGOR, dem wir die Nachrichten über das Kupferhüttenwesen +der Igorroten verdanken[222], brachten dieselben in der letzten +Zeit jährlich 300 picos (à 63-1/4 kg) Kupfer, teils roh, teils +verarbeitet, in den Handel. Die Ausdehnung der unterirdischen +Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken +weisen auf einen lange bestehenden beträchtlichen Betrieb. Die +Kupfergeräte der Igorroten waren jahrhundertelang bei den Spaniern +Manilas in Gebrauch, ohne daß diese über den Ursprung genau +unterrichtet waren[223]; höchst wahrscheinlich übten die Igorroten +schon vor der Ankunft der Spanier die Kunst, aus den Kiesen Kupfer +zu gewinnen. Man vermutet, daß Chinesen oder Japanesen ihre +Lehrmeister gewesen; jedenfalls aber ist die Thatsache, daß ein +wildes, isoliert im Gebirge wohnendes Volk in der Hüttenkunde so +weit vorgeschritten ist, von großem Interesse. + +Nach den Mitteilungen des von JAGOR angeführten Oberingenieurs +SANTOS war das erzführende Gebiet von Mancayan bei den Igorroten +in größere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der +anliegenden Dorfschaften, eingeteilt, deren Grenzen eifersüchtig +gehütet wurden. Das Besitztum eines jeden Dorfes war wiederum +unter bestimmte Familien verteilt, weshalb jene Bergdistrikte +noch heute den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Förderung +des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an +geeigneten Stellen Feuer anzündeten, um durch die Spannkraft des +in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers mit Zuhilfenahme +eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung +des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube +Gestein blieb liegen und höhete den Boden auf, so daß bei späterem +Feuersetzen die Flamme der Holzstöße stets die Decke traf. Wegen +der Beschaffenheit des Gesteins und der Unvollkommenheiten des +Verfahrens fanden häufig sehr bedeutende Einstürze statt. Die Erze +wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres +verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Röstung +unterworfen, wobei, nachdem sich ein Teil des Schwefels, Antimons +und Arsens verflüchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer +und Schwefeleisen stattfand, die sich als »Stein« oder in Kugeln +an der Oberfläche des Quarzes festsetzten und zum größten Teil +abgelöst werden konnten. Die Öfen oder Schmelzvorrichtungen +bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten +30 cm Durchmesser bei 15 cm Tiefe. Eine damit in Verbindung +stehende 30° gegen die Vertiefung geneigte konische Röhre (Düse) +von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die +unteren Enden zweier ausgehöhlter Fichtenstämme eingepaßt waren, in +denen sich zwei an ihrem Umfange mit trockenem Grase oder Federn +bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten und die für das +Schmelzen erforderliche Luft zuführten. + +Wenn die Igorroten Schwarzkupfer oder gediegenes Kupfer erblasen +hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem +sie einen Tiegel aus gutem feuerfestem Thon in Gestalt eines +Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward, das Metall +in Formen zu gießen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem +der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18-20 kg reichen +oder gerösteten Erzes und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich, +indem sie das Erz stets an der Mündung der Düse, also dem Luftzuge +ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wänden des Ofens aufgaben, die +aus losen, zur Höhe von 50 cm übereinander geschichteten Steinen +bestanden. Nachdem das Feuer angezündet und das beschriebene +Gebläse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weiße +und orangengelbe, von der teilweisen Verflüchtigung des Schwefels, +Arsens und Antimons herrührende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer +Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Säure bildete und +die Hitze den höchsten bei diesem Verfahren möglichen Grad erreicht +hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde. +Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen +Erzstücken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines +sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalles in eine poröse +Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure +Verbindungen eingehen konnten, weil es sowohl an Basen, als an +der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen +»Stein« von 4-5 kg Gewicht und etwa 50-60% Kupfergehalt. + +Mehrere solcher »Steine« wurden zusammen 12-15 Stunden lang in +starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein großer +Teil der genannten drei flüchtigen Körper entfernt. In denselben +Ofen stellten sie die schon geglühten »Steine« aufrecht, und +zwar ebenfalls so, daß sie sich im Kontakt mit der Luft, die +Kohlen dagegen an den Wänden des Ofens befanden, und erhielten, +nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken +ein Silikat von Eisen und Antimon und Spuren von Arsen, einen +»Stein« von 70-75% Kupfergehalt, den sie in sehr dünnen Scheiben +abhoben (Konzentrationsstein), indem sie die Abkühlungsflächen +benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse +mehr oder weniger entschwefelt war, eine größere oder geringere +Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurück. Die durch diesen +zweiten Prozeß gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals +geglüht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie +nicht aneinander schmelzen konnten, bevor sie das Feuer von den +Unreinigkeiten befreit hatte. Das bei der zweiten Beschickung +erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation +niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine +verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer +dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem +Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen +wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer +enthielt 92-94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre +gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben +Metalls, und das durch langsame Abkühlung an der Oberfläche +entstandene Oxyd, das sich stets bildete, trotz der angewandten +Vorsichtsmaßregeln, die der Oxydation ausgesetzte Oberfläche mit +grünen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von +Kesseln, Pfeifen und anderem häuslichen Gerät oder Schmuck dienen +sollte, die von den Igorroten mit so großer Geschicklichkeit +und Geduld ausgeführt werden, so wurde es dem Läuterungsprozeß +unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden +unterschied, daß man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom +vermehrte, in dem Maße, als der Schmelzprozeß sich seinem Ende +näherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch +Oxydation zur Folge hatte. + +~Zinn bei den Malayen.~ Bei allen Völkern des Archipelagus +wird Zinn mit dem malayischen Worte _timah_ benannt, was auf +eine gemeinsame Ursprungsquelle hindeutet. Als solche dürfte +die hinterindische Halbinsel mit den Inseln, die sich südlich +vorlagern, zu betrachten sein. Wie überall, wo Zinnerze gefunden +werden, haben dieselben auch hier eine beschränkte geographische +Verbreitung, sind aber dafür an dem Orte ihres Vorkommens ungemein +häufig. + +In Hinterindien kommen die Zinnerze von 10° nördl. Br., also von +dem bekannten Isthmus von Krah an[224], bis 3° südl. Br., somit bis +zur Insel Billiton, in einem fortlaufenden Zuge vor, in welchem +die berühmten Zinnvorkommnisse von Malakka und Bangka liegen. +Gerade wie in Europa, in Cornwall, Devonshire, der Bretagne, +dem Erzgebirge und dem spanischen Galizien, sind auch auf der +hinterindischen Halbinsel die Zinnerze an den Granit gebunden. +Gold, sowie Zinn kommen dort ursprünglich in Quarzadern vor, +welche zwischen Granit auf der einen und Glimmerschiefer auf der +anderen Seite eingebettet sind. Aus diesen Originalstätten sind +sie herausgewaschen und in die Alluvionen übergegangen, die sich +zu beiden Seiten des Gebirges erstrecken, welches das Rückgrat der +malayischen Halbinsel ausmacht.[225] + +Über das Alter der Ausbeutung sind wir im Unklaren. Wir haben +gesehen, daß Vorderindien im Altertum abendländisches Zinn bezog +(S. 60), daß also bis zum ersten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, +in dem die Alexandriner dieses Metall nach Barygaza brachten, +es schwerlich schon in Hinterindien gewonnen wurde, daß es aber +keineswegs um jene Zeit Exportgegenstand dieses Landes war. +Aber trotzdem zwingt uns das Vorkommen hinterindischer, mit +Steingeräten vergesellschafteter Bronzen (siehe unten), ein +relativ hohes Alter für die dortige Zinnproduktion anzunehmen. +Zinn, das möge hervorgehoben werden, ist dasjenige Metall, welches +am allerleichtesten aus den Erzen reduziert werden kann. Daß +der Zufall hier der Lehrmeister gewesen sein könne, ist nicht +auszuschließen, wie wir an dem bestimmten Beispiel des Zinnes von +Bangka zeigen können. Im Beginn des vorigen Jahrhunderts herrschte +über Bangka der Sultan Badur U'din von Palembang (auf Sumatra), +unter dessen Regierung die Entdeckung stattfand, welche Kapitän +HAMILTON[226] folgendermaßen erzählt: »Im Jahre 1710 war ein Sohn +des Königs von Pullamban (Palembang) Herrscher (über Bangka), als +zufällig ein Feuer in einem Dorfe entstand; als das Feuer gelöscht +war, fand man viel geschmolzenes Metall unter dem Schutte und +dieses Metall war Zinn. Der Herrscher befahl seinem Volke, etwas in +den Boden zu graben, wo sie viel Erz fanden, das er nun mit gutem +Vorteil ausbeutete.« + +So mögen die Anfänge der Zinngewinnung auch an anderen Orten +gewesen sein. Indessen fehlen mir alte Nachrichten über das +hinterindische Zinn gänzlich und erst im Mittelalter treten +bestimmte Zeugnisse über seine Verbreitung im Handel auf. So +erwähnt es der arabische Schriftsteller ABU ZEID[227] und ferner +der bekannte AL WARDI CASDIR. Im Beginne des 16. Jahrhunderts +sprechen dann LUDWIG BARTHEMA[228] und der abenteuerliche FERNAN +MENDEZ PINTO von Malakkas Zinnreichtum. + +Die gegenwärtige Darstellung von Zinn ist überall da, wo Malayen +die Sache betreiben, noch eine höchst einfache, während anderwärts +durch Europäer und Chinesen hüttenmännische Verbesserungen +eingeführt wurden. Die berühmten Zinngruben von Malakka liegen bei +dem Dorfe Kassang und werden von tausenden von Chinesen bearbeitet. +Der Grund ist hier weit und breit aufgerissen, Schächte sind +nirgends getrieben. Die zinnführende Schicht (_wash dirt_) liegt +5,5-7 m unter der Oberfläche und soll 1,10 m mächtig sein. Ist eine +große Menge des _wash-dirt_ zusammengebracht, so wird derselbe +mit Schleußen (_by means of sluices_) ausgewaschen. Es erfolgt +das Ausschmelzen auf höchst primitive Weise. Öfen aus Thon werden +errichtet und vermittels Ruten zusammengebunden. Am Fuße jedes +Ofens befinden sich zwei, etwa 5 cm Durchmesser haltende Löcher, +durch deren eines das geschmolzene Metall abfließt, während das +andere die Zugluft -- ohne künstliche Windzuführung -- vermittelt. +Das Erz wird einfach mit Holzkohle geschichtet und dann Feuer +gegeben. Das durch die kleine Öffnung abtropfende Metall wird in +einer Erdhöhlung aufgefangen, dort ausgeschöpft und in Formen +gegossen, worauf man es nach Malakka sendet.[229] + +Nach Kapitän BURN dagegen werden in den Zinnwerken von Tringanu, +Pattani, Dschohor, Lanwan, Lingie, Pahang und auch bei dem oben +erwähnten Kassang die bekannten cylinderförmigen malayischen +Gebläse angewendet, was auch annehmbar erscheint. Die Holzkohle +stammt vom Gompoßbaume, die Hochöfen sind 1,5 m hoch und aus Thon +geschlagen. Das reduzierte Metall fließt konstant in einen Trog vor +dem Ofen ab und wird dort ausgeschöpft und in Sandformen gegossen. +Das Ausbringen beträgt, je nach der Güte des Erzes, 45-60% +Zinn.[230] + +Die Zinnproduktion von Bangka ist wesentlich in den Händen von +Chinesen, die unter europäischem Einflusse allerlei verbesserte +Aufbereitungs- und Verhüttungsmethoden eingeführt haben, die uns +hier nicht interessieren können.[231] Auf dem ebenso zinnreichen +Biliton begann die Ausbeute erst 1851, auch auf den Karimoninseln +bei Singapur ist sie neueren Datums.[232] + +Neben dem chinesischen Betrieb der Zinngruben auf Bangka fand +früher noch ein sehr primitiver der Eingeborenen statt; sie teuften +enge cylindrische Schächte ab, gerade groß genug, um eine Person +einzulassen. Fanden sie das Zinnerzlager ergiebig, so verfolgten +sie mit Lebensgefahr dasselbe unter dem hangenden Alluvium. Da sie +die Wässer nicht zu bewältigen verstanden, legten sie ihre Schächte +nur an Abhängen an, wo keine Wasseransammlungen stattfinden +konnten. Das Ausbringen der gewaschenen Erze war so, wie es weiter +oben geschildert wurde.[233] + + +Fußnoten: + +[209] CRAWFURD, Hist. Indian Archipelago. I. 182 und Transactions +Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4 (1866). + +[210] STAMFORD RAFFLES, History of Java. London 1830. I. 192. + +[211] SPENSER ST. JOHN, Life in the far east. II. 277. + +[212] CRAWFURD in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 4. + +[213] Es mag hier an einem Beispiel gezeigt werden, wie innerhalb +eines durchaus metallkundigen Volkes sich Oasen erhalten, welche +im alten Zustande vormetallischer Zeit beharren. Der metallreichen +Insel Sumatra ist westlich vorgelagert das Eiland Engano. Die +Eingeborenen lebten dort bis vor kurzem noch in der Steinperiode. +Die Schmiedekunst, sonst bei allen Malayen verbreitet, war ihnen +fremd. Seit ihnen Eisen zugeführt wird, verfertigen sie ihre +Lanzenspitzen auf kaltem Wege durch Klopfen und Schleifen aus +gewöhnlichen Messern. (V. ROSENBERG, Der malayische Archipel. +Leipzig 1878. 210.) Es zeigt dieses, wie bei demselben Volke in +unmittelbarer Nachbarschaft zwei sogenannte Kulturperioden in +derselben Zeit nebeneinander bestehen können, ein Wink, der für +die Bestimmung mancher prähistorischen Funde nicht aus den Augen +gelassen werden mag. + +[214] Beschreibung der Insel Sumatra. Leipzig 1785. 190. + +[215] H. EVERETT, Useful minerals of Sarawak in Journ. of the +Straits Branch of the R. As. Soc. I. 20 (1878). + +[216] Nach Dr. SCHWANER's Reisen in Borneo bei PERCY a. a. O. I. +512. Die Abbildung nach TEMMINCK im Globus. XXX. 40. + +[217] Voyages. London 1703. I. 331. + +[218] Blätter aus meinem Reisetagebuche. Als Manuskript gedruckt. +Leipzig 1883. 275. + +[219] G. WINDSOR EARL, Papuans. London 1853. 76. -- VAN HASSELT in +Zeitschrift f. Ethnologie. 1876. 171. + +[220] W. ELLIS, Three visits to Madagascar. London 1858. 264. + +[221] CRAWFURD, Malayan Archipelago. III. 491. + +[222] F. JAGOR, Reisen in den Philippinen. Berlin 1873. 145-149. + +[223] Ein von MEYEN mitgebrachter und dem Berliner Museum +übergebener, getriebener Kupferkessel der Igorroten ist bei JAGOR +a. a. O. 146 abgebildet. + +[224] Nach MC CLELLAND im Journ. Asiat. Soc. of Bengal. 1842. XI. +25. + +[225] DALY, The metalliferous formation of the Peninsula. Journ. +Straits Branch. Asiat. Soc. II. 194. + +[226] New Account of the East Indies. II. 120. -- CRAWFURD, History +Malay. Archip. III. 451. + +[227] RENAUDOT, Voyage des deux pélérins arabes. Paris 1838. + +[228] RAMUSIO, Viaggi. 1613. I. 166a. + +[229] J. CAMERON, Our tropical possessions in Malayan India. London +1865. 387. + +[230] Kapt. BURN im Catalogue of the Indian Departement (The +international exhibition of 1862). 9 unter Nr. 162. + +[231] Über die Zinnminen von Bangka vgl. CRAWFURD, Indian +Archipelago. III. 453-458. Tijdschr. vor Neêrl. Indie 1843. II. +392-419. Sehr ausführliche Schilderung, auch des chinesischen +Schmelzverfahrens in MOHNIKE, Banka und Palembang. Münster 1874. +24-49. + +[232] Zeitschr. f. allgem. Erdkunde. I. 134 ff. + +[233] CRAWFURD a. a. O. III. 458. + + + + +Die Metalle in Hinterindien. + + +~Prähistorisches.~ Für Hinterindien liegen uns angehende +Nachrichten besonders aus dem unter französischer Oberhoheit +stehenden Königreiche Kambodja vor. Hier sind die prähistorischen +Zeugen einer jüngeren Steinzeit zusammen mit Bronzefunden +nachgewiesen und von hier kennen wir auch die Darstellung des +Eisens bei den wilden und halbkultivierten Völkern im Innern. + +Die ersten prähistorischen Funde in Kambodja, welche dort eine +neolithische und eine »Bronzezeit« darthaten, stammen aus dem +Jahre 1879. Sie wurden durch den Marinearzt Dr. CORRE in den +Muschelhaufen von Som-ron-Sen gemacht und sind seitdem von Dr. +MOURA und anderen weiter verfolgt worden.[234] Som-ron-Sen +liegt an den Ufern des Stung Chinit, eines Zuflusses des großen +Tonli-Sapsees, und die Muschelhaufen sind namentlich aus Paludina-, +Corbicula- und Unioarten gebildet. Die Steingeräte, Beile, Meißel, +Kelte, Ringe etc. aus einer Art Amphibol sind poliert und gleichen +den verwandten europäischen Instrumenten dieser Art. Mit und +zwischen diesen Steingeräten und in denselben Muschelhaufen sind +nun auch Bronzegeräte gefunden worden: große Ringe, eine Axt mit +Dille, Pfeilspitzen, Angelhaken, Scheiben, alles dieses von ganz +verwandtem Charakter wie die europäischen prähistorischen Bronzen. +Wie man aber in Europa auch beides, die Geräte aus Stein und +diejenigen aus Bronze, oft nebeneinander findet, so ist dieses +auch hier der Fall gewesen. Indo-China war bereits im Besitze des +Kupfers und der Bronze, als man noch fortfuhr, den Stein zu Geräten +zu gestalten und zu polieren. + +Von wo die Bronzen kamen und ob sie älter als das Eisen hier +in Hinterindien sind, wird nicht gesagt. Doch läßt der bloße +Mangel des letzteren in den Muschelhaufen und das Vorhandensein +der ersteren noch keineswegs den Schluß zu, daß in Hinterindien +die Bronze älter als das Eisen sei. Wie die ganze Kultur der +hinterindischen Halbinsel unter dem Einflusse Chinas steht und +gestanden ist, so mag auch in früher Zeit aus diesem Lande die +Bronze nach Kambodja gekommen sein, wenn es überhaupt nötig ist, +einen Import aus der Fremde anzunehmen. Eisen wird seit »Urzeiten« +in Hinterindien dargestellt. + +~Eisengewinnung in Kambodja.~ Über die Darstellung des Eisens bei +den wilden Völkern Hinterindiens besitzen wir gleichfalls einen +Bericht von J. MOURA, der sich auf Kambodja bezieht.[235] »In +den >Eisenbergen< der Provinz Compong-Soai,« sagt MOURA, »kommen +zwei Arten Eisenerz vor, welche die wilden Cuois als schweren +und leichten Stein bezeichnen. Die erste Sorte ist ergiebiger +an Eisen als die zweite, ist aber weniger geschätzt, da das +daraus erzielte Produkt unrein und zur Herstellung von Waffen +und Geräten wenig geeignet ist. Das leichte Erz ist dagegen von +besserer Beschaffenheit. Direkt mit Holzkohle in einem einfachen +Schmelzofen behandelt, giebt es eine Art von natürlichem Stahl +oder ein Gut, welches die Eigenschaften des Zementstahles besitzt. +Es wird von den Eingeborenen zur Herstellung von Beilen, Messern, +landwirtschaftlichen Geräten, Feuerstahl und sehr guten Sägen +benutzt.« + +Dieses »leichte« Mineral ist ein sehr reiches Eisenoxydul mit +65-70% Metall. Die Gegend, wo die Schmelzen der Cuois stehen, ist +außerordentlich waldreich, so daß es an Brennstoff zur Fabrikation +nicht fehlt. Wenn sie eine gewisse Menge Erz gewonnen haben, +werfen sie dasselbe, um es zu rösten, in ein großes Holzfeuer und +zerklopfen es alsdann in nußgroße Stücke. Gleichzeitig brennen sie +Holzkohle (wie, wird nicht gesagt) und nun ist alles zum Schmelzen +bereit. Die Schilderung des Schmelzofens und seiner Zubehöre lassen +wir in der Originalsprache hier folgen: + +»_L'appareil employé pour la fusion est des plus simples; il laisse +perdre une très grande partie de la chaleur développée et donne +comme rendement à peu près la moitié de ce qu'on obtient en Europe +avec les hauts-fourneaux perfectionnés. Cet appareil_ (Fig. 27) _se +compose d'un fourneau en terre glaise de forme parallélipipède, +ouvert par le haut. Il est percé au bas des grandes faces latérales +d'une série de trous situés sur la même ligne horizontale et dans +lesquels on passe des bouts de bambous creux disposés comme les +tuyaux de flûte de Pan. Ces tuyaux correspondent, un par un, avec +ceux d'une trompe ou machine soufflante placée de chaque côté des +grandes faces du fourneau et composée d'un cylindre creux en terre +glaise, coiffé d'un cône en cuir faisant office de piston ou de +soufflet, que trois hommes aplatissent en sautant dessus pour +refouler l'air, et qui se relève par l'effet de la détente d'un +levier en bois flexible relié an sommet du cône à l'aide d'une +corde. Ces trois hommes se tiennent debout sur une petite estrade +en bois élevée à côté du soufflet; ils sautent sur le cône ou +reviennent sur l'estrade, suivant qu'il s'agit de refouler l'air ou +de l'aspirer._« + +[Illustration: Fig. 27. Eisenschmelze der Cuois. Nach MOURA.] + +Nach dieser Schilderung des Gebläses hat dasselbe mit den +malayischen Gebläsen, die durch den auf und ab gehenden +Stempel charakterisiert werden, keine Ähnlichkeit, was bei +der geographischen Lage Kambodjas zu den Malayenländern wohl +zu beachten ist und darauf hindeutet, daß den Cuois die +Eisenfabrikation nicht aus dem malayischen Kulturkreise überkommen +sein kann. Ihre Gebläse sind eher nach dem Prinzipe der indischen +hergestellt, die bei Orissa beschrieben wurden; nur sind sie +größer. MOURA führt in seiner Schilderung fort: + +»_Lorsque le piston descend, c'est-à-dire lorsque le cône est +aplati, l'air est refoulé par les trous du bas du cylindre et +passe dans les tuyères du fourneau. Ces tuyaux, ainsi que nous +venons de le dire, se correspondent, mais ne se touchent pas, ils +sont même distants les uns des autres de plusieurs centimètres. Le +fond du fourneau, situé en contre-bas de la ligne des trous, est +destiné à recevoir le fer en fusion. On remarque au bas de chacune +des petites faces du fourneau un trou que l'on bouche ou que l'on +dégage an moyen d'une longue tape en bois. C'est par ces trous, que +l'on débouche opportunément, que s'en va, disent les Khmers, le +>ach-dec< (ordure de fer), c'est à dire le mâchefer, la scorie._« + +Auf jeder Seite des Ofens erheben sich, nach oben zu sich +ausdehnend, zwei große Schirme aus geflochtenen Bambuslatten, +welche nur dazu dienen, um die an den Gebläsen Arbeitenden vor der +Glut zu schützen. Der Ofen steht unter einem großen Schirmdach, in +welchem der »Fabrikdirektor« seine Wohnung hat. Auch steht unter +demselben ein kleiner Altar, auf welchem der Götze Visvacarma +thront, der göttliche Baumeister, und ein großer, fest in den Boden +gefügter Pfahl, dessen Spitze wie ein Feuerbüschel gestaltet ist. +Die Verehrung, die ihm gezollt wird, erinnert an den Feuerkultus, +dessen Spuren man durch ganz Indo-China findet. + +Da wenige Cuois reich genug sind, um für sich allein eine solche +Eisenschmelze zu unterhalten, so vereinigt sich zu diesem Zwecke +ein ganzes Dorf oder mehrere Dörfer. + +Die an den Breitseiten des Ofens angebrachten Löcher liegen hoch +genug über dem Boden des Ofens, um nicht durch die im Schmelzen +befindliche Masse verstopft zu werden; doch kommt es zuweilen +vor, daß man aus ihnen kleine Rundstücke von Eisen herauszieht, +welchen der Aberglaube der Eingeborenen ungewöhnliche Eigenschaften +zuschreibt. Die Cuois zerschneiden diese Barren und machen daraus +Amulette, die sie um den Hals oder am Handgelenk tragen, wodurch +sie sich gegen Verwundungen sicher glauben. + +Die mit solchem Eisen in Saigon angestellten Versuche haben +ergeben, daß es sich gut schweißen und hämmern läßt. Der Bruch +ist feinkörnig und zackig. Es ist rein und liefert guten Stahl. +Phosphor und Arsenik kommen darin nicht vor. + +~Die Eisenerzeugung in Birma~ ist von W. T. BLANFORD eingehend +beschrieben worden. Aus seinem Berichte[236] teilen wir das +Folgende auszugsweise mit. Der Beobachtungsort war Puppa (Paopa), +6-1/2 Miles östlich vom Irawadi, unter 19° 50´ nördl. Br. und +95° 20´ östl. L. v. Gr. Der Prozeß unterscheidet sich wesentlich +dadurch von den in Vorderindien angewendeten Methoden, daß +kein künstlicher Windstrom benutzt wird. Das Erz besteht aus +Brauneisensteinkonkretionen, die in den das Land bedeckenden Kiesen +gesammelt und zu haselnußgroßen Stücken zerschlagen werden. Als +Brennmaterial dient Holzkohle, besonders von dem schon wiederholt +erwähnten Salbaume. Das Holz wird in leidlich konstruierten, mit +Erde überdeckten Meilern von 4 m im Quadrat und 2 m Höhe, welche +20-30 Tage schwelen, zu Kohlen gebrannt. »Es ist auffallend, +ein so gutes Verkohlungssystem bei einer so rohen Methode der +Eisenerzeugung zu finden.« + +[Illustration: Fig. 28. 29. Eisenschmelzofen aus Birma. Nach +BLANFORD.] + +Ebensowenig wie ein Windstrom wird ein Zuschlag benutzt. Die +Beschreibung der Schmelzstätte ist folgende: Ein steiler Abhang +sandigen Thonbodens von 3 bis 3,5 m Höhe wird für den Ofen gewählt, +welcher, einfach aus einem Loche besonderer Form bestehend, in den +Boden 60-80 cm von der oberen Kante entfernt angelegt, während +die Böschung hier zu einer vertikalen Fläche verhauen ist. Oft +umgeben auch drei oder vier Öfen einen kleinen Schacht. Sie sind +etwa 3 m tief und von ungleichem trapezoidalem Querschnitt, da +die Breite der Vorderwand von 50 cm an der Gicht auf 1,20 m +auf dem Boden, die der Rückwand von 30 cm auf 1,50 m anwächst, +während die Tiefe zwischen Vorder- und Rückwand von 50 cm an der +Gicht auf etwa 55 cm in halber Höhe wächst und dann schnell bis +zu 30 cm am Boden abnimmt. Die Figg. 28 und 29 sind im Maßstabe +von 1:40 nach BLANFORD's Aufnahme angefertigt. Die Vorderwand +des Ofens wird durch kreuzweis angebrachte Holzstücke gehalten, +welche ihrerseits wieder durch zwei starke senkrechte Pfähle +gestützt werden. Der untere Teil der Vorderwand ist fortgenommen, +wie dieses die Durchschnitte zeigen. Die so gebildete Öffnung +mündet in den Ofen mit einer Höhe von etwa 30 cm und in der ganzen +Breite des inneren Raumes und dient zum Austragen der Schlacke +und des fertigen Eisens. Wenn der Ofen im Gange ist, so wird diese +Öffnung mit feuchtem Thon verschlossen, in welchem etwa 20 kleine +Thonröhren (Formen) eingelegt sind. Diese Röhren werden über +runden Holzstämmchen aus feuchtem Thon geformt, dann in Stücke +von etwa 10 cm Länge geschnitten und gebrannt. Ihre Durchmesser +betragen etwa 5 cm. Sie werden in einer Linie nebeneinander, +etwa in halber Höhe der erwähnten Öffnung, angebracht. Ist der +Ofen so geschlossen, so wird brennendes Holz hineingeworfen und +darauf zwei Schwingen Holzkohle von je 25 Viss (à 1-3/4 kg) oder +39-3/8 kg geschüttet, dann folgen drei kleine Schwingen von je 10 +Viss oder 15-3/4 kg. Hierauf kommt wieder eine Schwinge Holzkohlen, +dann sechs kleine Schwingen Erz, noch eine Schwinge Holzkohlen, +abermals drei Schwingen Erz und schließlich eine fünfte Schwinge +Holzkohlen. Ist das Ganze gut durchgebrannt und der die untere +Öffnung füllende Thon ganz und gar getrocknet, was etwa acht oder +neun Stunden nach Anfang der Fall ist, so wird der den Herd des +Ofens bildende Sand fortgekratzt und ein Loch von etwa 10 cm Höhe +und in der Breite des Ofens gemacht, um die Schlacke zu entfernen. +Hierauf schließt man dieses Loch wieder und öffnet es alle halbe +Stunden und wenn nötig häufiger, bis keine Schlacke mehr erfolgt. +Nach 24 Stunden ist das Schmelzen vollendet. Jetzt wird der Thon +aus der unteren Ofenöffnung ganz fortgebrochen und die Eisenmasse +entfernt. Sie hat die Form des Herdes, 1,10-1,40 m Länge, aber +geringe Breite, wiegt durchschnittlich 25 Viss, also etwa 40 kg. +Das Eisen ist außerordentlich unrein, mit Schlacke, Stücken +unverbrannter Kohle, Sand und anderen Unreinigkeiten vermischt, +wird aber nichtsdestoweniger für etwa 14 Mark pr. 150 kg verkauft. +Zu Messern u. dgl. verarbeitet, zeigt dieses Eisen ausgezeichnete +Eigenschaften. Drei Arbeiter bedienen den Ofen. Dem Ende jeder +Charge folgt sogleich eine neue, so daß gewöhnlich alle Tage ein +Eisenstück gewonnen wird. + + +Fußnoten: + +[234] Sur les instruments de l'âge de pierre au Cambodge, par M. +CORRE. Bullet. soc. d'Anthropol. 1880. 532. -- L'âge de la pierre +polie et du bronze au Cambodge par J. NAULET. Toulouse 1879 und +Revue d'Anthropologie 1882. 676. -- Le Cambodge préhistorique par +J. MOURA. Revue d'ethnographie 1882. 505. + +[235] Fabrication du fer chez les Cuois du Compong-Soai. Revue +d'Ethnographie. I. 435 (1882). + +[236] Bei PERCY a. a. O. II. 508. + + + + +Die Metalle in China und Japan. + + +~Alter der Bronze und des Eisens in China.~ So früh und +hochentwickelt uns auch bei den Chinesen die Kenntnis der Metalle +entgegentritt, hat dieses Volk doch keine Ausnahme gemacht und +gleich allen anderen Völkern eine Steinzeit gekannt, ja es scheint, +als ob in einigen Provinzen in verhältnismäßig neuer Zeit noch +Steingeräte im Gebrauche waren. Mit Bezug auf Nan-hiu-fu in der +Provinz Kwan-tung im südlichen China heißt es: »Sie finden in den +Bergen und Felsen der Umgebung einen schweren Stein, so hart, daß +sie Beile und schneidende Instrumente aus demselben machen.«[237] +Man muß sich erinnern, daß China nicht von einer homogenen Rasse +bewohnt wird, sondern daß namentlich im Süden und Südwesten noch +verschiedene kleinere und auf tieferer Kulturstufe stehende +Völker (wie z. B. die Miaotse) eingesprenkelt sind, welche dort +als Aboriginer gelten. Unter diesen können die Steingeräte am +längsten im Gebrauche gewesen sein. Außerdem sprechen chinesische +Traditionen von dem früheren Gebrauche der Steinwaffen und +Instrumente. Fuhi, so sagen sie, machte Waffen; diese waren von +Holz. Dann kam Schinnung, der solche aus Stein machte, und endlich +Tschi-yu, der metallene darstellte.[238] + +[Illustration: Fig. 30. Chinesische Ting-Urne aus der +Shang-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.] + +Was die Bronze betrifft, so tritt dieselbe uns in ihren frühesten, +an sich uralten Formen bereits so hoch entwickelt entgegen, daß ihr +ein sehr hohes Alter zugeschrieben werden muß. Neben schriftlichen +Aufzeichnungen sind Bronzegeräte die kostbarsten Reliquien des +hohen Altertums und unter diesen besonders die Ting, Urnen mit +drei Füßen und zwei Henkeln. »Die alte Bronzeindustrie,« sagt V. +RICHTHOFEN[239], »blühte insbesondere während zweier Perioden, +nämlich in den ersten Jahrhunderten der Shang- und unter den ersten +Kaisern der Tschóu-Dynastie (1766-1496 und 1100-900 v. Chr.), +soweit man die auf vielen derselben befindlichen Inschriften zu +entziffern vermocht hat.« Die Gegenstände sind ausschließlich +Gefäße, niemals tierische oder menschliche Darstellungen für +sich allein. Doch sind phantastische Anklänge an menschliche +Gesichtsbildung und an Tiergestalten in der Ornamentik deutlich +zu erkennen, wenn auch ein großer Teil der letzteren aus +Linienkombinationen hervorgeht. Die erstere Art der Verzierung +herrscht neben der zweiten in den Shang-Vasen (Fig. 30), während +in denjenigen der Tschóu-Dynastie (Fig. 30a) die letztere Form +bedeutend vorwaltet. Die ergiebigste Fundstelle der alten Bronzen +ist der Löß des Wéithales, wo man sie bei Erdarbeiten findet. Sie +sind mit einer dicken Schicht von Grünspan durchdrungenem und +dadurch gehärtetem Löß umgeben und haben die Gestalt unförmlicher +Lehmklumpen. Der Wert richtet sich nach dem Alter, der Art der +Ornamentik, der Deutlichkeit und Länge der Inschrift. Zuweilen +findet man auch goldene Gefäße. Bis hinauf in die Zeit der +Shang-Dynastie hat man das Alter einer größeren Zahl von Gefäßen +mit Sicherheit feststellen können. Weiter zurück wagt man in der +Bestimmung nicht zu gehen, wiewohl bei einigen Gefäßen ein noch +höheres Alter vermutet wird. + +[Illustration: Fig. 30a. Chinesisches Gefäß aus der +Tschóu-Dynastie. Nach V. RICHTHOFEN.] + +Nicht nur nach der Seite der Ornamentik hin stand die +Bronzeindustrie zur Zeit jener alten Herrscher schon auf einer +sehr hohen Stufe, auch auf die Zusammensetzung derselben +wurde, je nach der verschiedenen Art des Gebrauches, große +Aufmerksamkeit verwendet. Zur Zeit der Tschóu-Dynastie gab es +sechs Mischungsverhältnisse für Bronze, welche in folgender Weise +verwendet wurden: 5 Teile Kupfer und 1 Teil Zinn für Glocken und +Kessel; 4 Kupfer und 1 Zinn für große und kleine Beile; 3 Kupfer +und 1 Zinn für Lanzen und Piken; 2 Kupfer und 1 Zinn für große +Messer und Säbel; 4 Kupfer und 1 Zinn (wahrscheinlich 3 Zinn) für +Messer zum Schreiben auf Bambus und Pfeilspitzen; 1 Kupfer und +1 Zinn für Metallspiegel.[240] Diese also um das Jahr 1000 v. +Chr. geltenden Verhältnisse der Bronzelegierung sind deshalb von +Interesse, weil sich unter ihnen kein einziges findet, welches +unserer eigentlichen Bronze (9 Kupfer und 1 Zinn) entspricht +und weil schon hieraus die Selbständigkeit des chinesischen +Bronzereiches erhellt, was sich auch dadurch schließen ließ, daß +die chinesische Kultur eine selbständig erwachsene, von außen her +in keiner Weise beeinflußte von Anfang an gewesen ist. + +Für die Priorität der Bronze in China gegenüber dem Eisen hat sich +PFITZMAYER ausgesprochen. »In den ältesten chinesischen Werken,« +sagt er, »giebt es kein Wort für Bronze, da dieser Gegenstand durch +das allgemeine Wort _kin_, Metall, bezeichnet wird. _Thie_, Eisen, +kommt das erste Mal in dem Schu-king, Tribut des Yü (etwa 2200 +v. Chr.) vor. Es findet sich unter den Gegenständen des Tributs +einer einzigen Gegend; man hält es für weiches Eisen, über dessen +Verwendung nichts angegeben wird, während von dem harten Eisen +gesagt wird, daß es zu Meißeln dient und nützlicher als Silber +ist. »Daß das Eisen,« fährt PFITZMAYER fort, »in ältester Zeit +zu Waffen oder Geräten verwendet wurde, ist mir nicht bekannt +geworden. Es scheint wie bei HOMER zu sein, wo Eisen zwar erwähnt +wird, aber fast alle in dem trojanischen Kriege gebrauchten Waffen +als kupferne (eherne) bezeichnet werden. Im Jahre 475 v. Chr. +schenkte Fu-tscha, König von U, seinem Minister U-tse-tsin ein +Schwert von Stahl und hieß ihn damit sich den Hals abschneiden. +Chinesische Nachrichten besagen: Im Altertum verfertigte man die +Waffen aus Kupfer. Zu den Zeiten des Thsin (drittes Jahrhundert v. +Chr.) ersetzte man das Kupfer durch Eisen. Alles zusammen genommen +kann ich für vollkommen gewiß halten, daß in China der Gebrauch +des Kupfers oder der Bronze demjenigen des Eisens vorangegangen +ist.«[241] + +Jedenfalls wird in der älteren chinesischen Litteratur das Eisen, +neben Zinn und Kupfer, als durchaus bekanntes Metall erwähnt. +Was alte Eisenfunde betrifft, so ist mir darüber nichts bekannt +geworden. Doch möge hier der Bericht des englischen Konsuls +MARKHAM über einen alten chinesischen Eisenbau stehen, den wir mit +möglichst kritischen Augen zu lesen bitten. + +MARKHAM, welcher von Tschifu aus die Provinz Shantung bereiste, +erzählt bei seinem Besuche der Stadt Tai-ngau-fu folgendes: +»_Outside the west gate of the city is a cast-iron pagoda in the +midst of the ruins of a temple. I was told this pagoda was erected +in honor of the empress Min, wife of the emperor Seang, 5th of +the Hea Dynasty B. C. 2146, by a succeeding emperor Shuo-kang +B. C. 2074. It is a curious old structure, 40 feet in height, and +apparently one solid piece._«[242] + +Es ist diese 11 m hohe Pagode, wenn sie wirklich aus einem Stück +Gußeisen besteht, eine großartige Leistung der Technik, und würde +sich das hohe Alter, welches MARKHAM angegeben, bestätigen, so +repräsentierte dieser Bau mit der in der großen ägyptischen +Pyramide gefundenen Klinge das älteste bekannte Eisen! Mag auch +die Pagode vielleicht aus mehreren Teilen zusammengesetzt sein und +ihr Alter nicht so hoch hinaufreichen, wie dem englischen Konsul +angegeben wurde, so wird sie immerhin als ein uralter Zeuge der +chinesischen Metallindustrie dastehen. Wer die alten chinesischen +Metallarbeiten, wie sie zahlreich in unseren Museen sich befinden, +betrachtet, der erhält sofort den Eindruck, daß dieses Volk in +der Metallurgie uns bis zum vorigen Jahrhundert ebenbürtig oder +überlegen war. Sie trieben Bergbau auf Eisen, Gold, Silber, Kupfer, +Zinn, Blei und Zink. Letzteres wurde metallisch weit früher in +China als in Europa gewonnen und gegen Ende des 16. Jahrhunderts +von dort zu uns eingeführt. + +~Chinesische Eisenindustrie.~ China hat noch gegenwärtig, wiewohl +ihm das Abendland vielfach Eisenwaren sendet, eine noch sehr +ausgebreitete und alte Eisenindustrie, die bei dem Reichtum an +Eisenerzen und Steinkohlen sich ganz naturgemäß entwickelt hat. +Sie ist eigentümlich durch und durch, wie fast alles chinesische, +und entbehrt bei der Herstellung des Rohmateriales der Öfen, +benutzt vielmehr dazu Schmelztiegel, wie aus den im nachstehenden +reproduzierten Beschreibungen V. RICHTHOFEN's hervorgeht, der +namentlich die Eisenwerke der Provinz Schansi studiert hat. + +Schansi produziert ungefähr jährlich 1700000 Tonnen Steinkohlen, +die hier schon vor Jahrtausenden im großen Maßstabe gewonnen +wurden. Die mächtigen Kohlenfelder dieser Provinz erhalten einen +besonderen Wert durch die sie begleitenden ausgezeichneten +Eisenerze, welche man früh mit Steinkohlen verhüttete. Seit alter +Zeit ist der größere Teil von China von dieser Provinz aus mit +Roheisen und Schmiedeeisen versorgt worden und die Nachbarprovinzen +bezogen von ihr einen Teil ihres Bedarfes an Gußwaren. In den +Handel kommt das Eisen von Schansi unter dem Namen Pingeisen +und Lueisen. Die jährliche Produktion an Roh-, Schmiede- und +Gußeisen schätzt V. RICHTHOFEN auf ungefähr 160000 Tonnen im +Gesamtwert von 18 Millionen Mark. Diese Produktion ist auf einige +Plätze beschränkt, welche reiche Erze und gute Verkehrswege +besitzen, wo auch das Eisengewerbe von altersher festen Fuß faßte. +Gegenwärtig beschränkt sich diese Industrie in Schansi auf das +Verbreitungsgebiet des Anthracits, welcher für die chinesische +Schmelzmethode sich geeigneter erweist als Coaks.[243] + +Bei dem volkreichen Städtchen Tai-yang ist die Oberfläche des +Dolomits voll von regellosen Aushöhlungen und in diesen finden +sich die Eisenerze angehäuft, ein Gemenge von Brauneisenstein, +Roteisenstein, Thoneisenstein und Spateisenstein. »Wohl hundert +Millionen Menschen mögen, ehe der europäische Import störend +eingriff, ihren Bedarf an Eisen aus dem Gebiet des Kreises +Föng-tai-hsiën (zu dem der Ort gehört) bezogen haben.« Dafür zeugen +denn auch die imponirenden, gigantischen Haufwerke zerschlagener, +verbrauchter Schmelztiegel. + +Die Eisenerze werden meist in Tagbauen gewonnen und auch der +Anthracit ist leicht zugängig, so daß für die Gewinnung des +Lueisens sehr günstige Bedingungen vorliegen. »Die Schmelzung +geschieht in einer großen Zahl kleiner Werkstätten. Ein +ausgeebneter und ein wenig geneigter Platz von 2,25 m Länge und +1,40 m Breite ist wie eine Tenne ausgestampft. An den beiden +Langseiten wird er von Lehmmauern begrenzt. Die vordere Seite, +nach welcher die Fläche sich senkt, ist offen, während die +vierte durch die Lehmwand einer kleinen Hütte geschlossen ist, +in welcher sich der von zwei bis vier Mann getriebene Blasebalg +befindet. (Letzterer ist nicht näher geschildert.) Der Boden ist +mit faustgroßen Stücken von Anthracit belegt. Darauf stellt man +ungefähr 150 Schmelztiegel von feuerfestem Thon, welche 35 cm hoch +sind und oben 15 cm Durchmesser haben. Die Tiegel werden mit +einem Gemenge gefüllt, das in folgender Weise bereitet wird. Das +Erz wird mit der Hand klein geschlagen und das gröbere durch ein +Sieb abgeschieden. Das feine wird mit Grubenklein von Anthracit +und kleinen Stücken eisenreicher Schlacken vermengt. Dies wird nun +in den Tiegel geschüttet. Den Raum zwischen den Tiegeln füllt man +sorgfältig mit Anthracit aus und zuletzt breitet man eine Lage des +letzteren über die Tiegelschicht aus. Darauf stellt man dann eine +zweite Schicht von 150 angefüllten Tiegeln, die auch mit Kohle +bedeckt wird. Obenauf werden alte, unbrauchbare Tiegel gelegt und +ebenso wird vorn eine Wand von horizontal liegenden alten Tiegeln +aufgesetzt. Nun wird Feuer gemacht und Luft eingeblasen. Sobald +die Hitze groß genug ist, hört man auf zu blasen, da die frei +hindurchstreifende Luft hinreichend ist, die Glut zu erhalten. Die +weitere Behandlung richtet sich danach, ob das Metall zur Bereitung +von Gußware oder von Schmiedeeisen dienen soll. Für den ersteren +Zweck werden die Tiegel aus der Glut genommen und der flüssige +Inhalt auf eine ebene Fläche ausgegossen. Man erhält dadurch ein +weißes sprödes Eisen in dünnen Scheiben. Will man Schmiedeeisen +haben, so läßt man den Haufen durch vier Tage langsam abkühlen. +Die Tiegel werden dann zerschlagen; an ihrem Boden befindet sich +das Eisen in halbkugeligen Stücken. Der Preis des so dargestellten +Eisens von beiden Arten ist etwas über drei Mark pro 50 kg. + +Ein anderer berühmter Ort Schansis für Eisenindustrie ist Nantsun, +wo Gießereien, Nagelschmiede, Frischfeuer, Drahtziehereien +bestehen. Um Gußwaren herzustellen, verfährt man gerade so +wie bei der Bereitung des Roheisens, die plattenförmigen +Stücken des letzteren werden zerschlagen und mit Anthracit und +Frischschlacken gemengt, in Tiegel gefüllt, die in zwei Reihen +von je 150 übereinander gestellt werden. Ist alles in Glut, so +faßt man die Tiegel mit eisernen Zangen und gießt ihren Inhalt +in Formen. Vorwaltend verfertigt man große eiserne Kessel von +0,50-1 m Durchmesser und 15-30 cm Tiefe, die sich durch Dünne +des Metalls und Haltbarkeit auszeichnen. Außerdem wird eine +große Anzahl anderer Gegenstände für Haushalt und Landwirtschaft +hergestellt. Man wendet für sie je nach den Anforderungen an die +Eigenschaften des Eisens verschiedene Mischungen und Methoden an. +Diese sind das lange vererbte Geheimnis der einzelnen Fabriken. +Die Darstellung des Schmiedeeisens konnte V. RICHTHOFEN nicht +sehen; es wird dazu nur das langsam gekühlte Roheisen verwendet. +Das Produkt ist so vorzüglich, daß die Chinesen es bei gleichem +Preise dem importierten europäischen vorziehen. Drahtzieherei +und Nagelschmieden ist Hausindustrie. Die Eisenindustrie von +Nantsun muß sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr großen +Schlackenhalden, zwischen denen die Straße oft mehrere Li (à 556 m) +weit hindurchführt. + +Ein dritter wichtiger Eisenindustrieplatz in Schansi ist +Shwo-fàng-tsun, wo alle Materialien billig zur Hand sind und das +Terrain sich in bester Weise für die Anlage der Eisenwerke eignet. +Das Erz, ein Gemenge von Brauneisenstein und Spateisenstein wird in +kleinen Gruben gewonnen; einige werden durch Tagebau betrieben, in +anderen erreicht man das Erz durch einen kurzen Stollen und nicht +selten sind Schachte 6-9 m tief gesenkt. Der Bauer gräbt das Erz +auf seinem eigenen Felde und verkauft es an eines der zahlreichen +Schmelzwerke. Die Hüttenwerke, nach Art der oben beschriebenen +eingerichtet, sind in Lösterrassen angelegt; nur stellt man die +Tiegel in 30 Reihen von je 11 Stück, die 60 cm hoch sind und +beinahe 15 cm Durchmesser haben. Die Beschickung und Schmelzmethode +sind wie oben angegeben.[244] + +Bei Lang-tiën in der Provinz Honan wurde in früherer Zeit Eisen +geschmolzen, wie die Überreste der Schmelzwerke und die erstaunlich +großen Schlackenhalden beweisen. Sie sollen aus der Zeit der +Ming-Dynastie (14.-17. Jahrhundert) stammen. Jetzt verstehen die +Einwohner die Kunst des Schmelzens nicht mehr.[245] + +~Prähistorisches aus Japan.~ Die prähistorischen Verhältnisse +Japans zeigen in vielen Beziehungen überraschende Ähnlichkeit mit +den unsrigen. Hat man auch noch keine Pfahlbauten entdeckt, so +sind doch Tumuli, Steingräber, Kjökkenmöddings, zugehauene und +polierte Steine, Bronzen und Thongefäße gefunden worden; auch +fehlen Knochen- und Horngeräte nicht. Die Funde werden meist in +den Küstenprovinzen, sowie auf den Inseln, selbst den Liukiu- +und Bonininseln, gemacht und zeigen auch in ihren Formen eine +überraschende Ähnlichkeit mit unseren europäischen Geräten und +Waffen. Besondere Aufmerksamkeit haben in der letzten Zeit die +Muschelhaufen von Omori an der Bucht von Jedo erregt, die vielfach +untersucht sind und über die wir schon eine eigene Litteratur +besitzen. Hier sind die rohesten, behauenen Formen der Steingeräte +vertreten und Metallbeigaben fehlen. Man schreibt diese Funde +der japanischen Urbevölkerung, den Ebisu, zu, Vorfahren der +heutigen Ainos, welche nach dem Norden zurückgedrängt wurden. +Dafür spricht die Ornamentierung der Thonscherben und Thongefäße +in den Muschelhaufen, welche nach MILNE _is very like that of the +modern Aino_. Eine zweite Gruppe von Funden zeigt nach HEINRICH +VON SIEBOLD weit höhere Formen. Das verwendete Gestein kommt in +Japan gar nicht oder nur spärlich vor, um so häufiger aber auf +den malayischen Inseln, in Korea und China. Die Stücke sind meist +poliert, oft auch verziert und werden in Gemeinschaft mit Bronze +angetroffen. Man nimmt an, daß sie von Djimo-tenno herrührten, +dessen Krieger Waffen aus Stein und Bronze führten und der die Aino +besiegte und nach Norden drängte.[246] Das alles erscheint wie +Ausläufer der chinesischen Kultur. + +Bereits der ältere V. SIEBOLD hatte uns in seinem klassischen +Werke über Japan mit jenen alten Steingeräten bekannt gemacht +und auf deren Übereinstimmung mit den europäischen Pfeilspitzen +etc. hingewiesen. Nach den japanischen Traditionen fielen die +alten Steinwaffen vom Himmel, wenn ein wütendes Heer von Geistern +in Sturm und Hagel dahinbrauste. Nachdem der Himmel wieder klar +geworden, zogen die Leute aufs Feld und fanden dort die Waffen und +Geräte, welche schon vor Zeiten in Raritätenkabinetten aufbewahrt +wurden und als _Rai fu seki_, Donnerkeile, bekannt waren, wie die +gleichen Steinbeile in Europa und anderwärts, von denen derselbe +Aberglaube herrscht. In den Tempeln wurden die ausgegrabenen +Steinobjekte als Überbleibsel der _Kami_, der Geister, von denen +die Japanesen abzustammen glauben, aufbewahrt.[247] Was Symmetrie +und Politur betrifft, sind diese japanischen Steingeräte noch +vollkommener, als die schönsten neolithischen Exemplare Europas. + +~Heutige Metallurgie der Japaner.~ Wie bekannt, sind Bergbau und +Hüttenwesen heute in Japan hochentwickelt und in einzelnen Zweigen +der Metalltechnik ist das merkwürdige Volk des Sonnenaufganglandes +uns Europäern entschieden voraus. Zur Vervollständigung unserer +Angaben möge hier noch ein kurzer Bericht über das japanische +Montanwesen Platz finden, nach den Mitteilungen, welche GÜMBEL +gelegentlich der Weltausstellung in Philadelphia gegeben hat.[248] +Danach war zu Ende des achten Jahrhunderts der ~Bergbau~ in Japan +schon lebhaft im Betriebe, wie dieses auch durch zahlreiche +auflässige alte Baue bewiesen wird. Man trieb Stollen, einen unter +dem anderen, so weit es Wetter und Wasserzudrang gestatteten; die +Wasserhebungsvorrichtungen waren aber stets unvollkommen. Die +Stollen sind oft von so geringer Höhe, daß sie nur von Jungen +befahren werden konnten, die das zu fördernde Material in Säcken +zu Tage brachten. Die Fahrten bestehen aus einfachen Baumstämmen +mit eingeschnittenen Stufen. In der Gesteinsarbeit bediente man +sich der einfachsten Gezähe: Keilhammer, Schaufel, Hammer und +Meißel; zur Wasserhaltung benutzte man kleine hölzerne Handpumpen +und Kübel. Die Ventilierung war eine vorgeschrittenere, indem man, +um die Luftcirkulation herzustellen, die in verschiedener Höhe +angelegten Stollen vertikal verband und auch Wetterlutten anlegte, +die, aus hölzernen Dielen hergestellt, durch die Stollen geführt +wurden. Späne oder Lampen mit Fischöl und Docht aus Binsen dienten +zur Beleuchtung. + +Uns interessieren hier die alten einheimischen metallurgischen +Prozesse, welche neuerdings den europäischen Methoden weichen +müssen. Aufbereitung und Herstellung der Edelmetalle war sehr +einfach. Die Erze wurden zuerst von Weibern auf der Grube +zerschlagen, sortiert und die haltigen Stücke zur Hütte gebracht, +hier das Erz weiter mit Hämmern auf geneigten Steinplatten in +Pulverform verwandelt und geschlämmt, wohl auch durch Handmühlen +verfeinert und verwaschen. Die erhaltenen Goldteilchen schmilzt +man in kleinen Schmelztiegeln auf offenem Holzkohlenfeuer, dessen +Intensität durch Handblasebälge verstärkt wird. Beim Silber +bediente man sich bisher der Schmelz- und Abtreibemethode, wie in +anderen Ländern, während man zur Scheidung von Gold und Silber das +Zusammenschmelzen mit Schwefel in Anwendung brachte. + +Zur Darstellung von Gußeisen und Stahl bediente man sich bis in +die neueste Zeit ausschließlich des Magneteisens in Form kompakter +Massen oder von Sand, wie dieses Mineral im Gneis, granathaltigem +Diorit und Hornblendegestein reichlich vorzukommen pflegt. +Besonders reich an solchen Erzen ist die Provinz Rikuckiu, wo zu +Heigori die erzführenden Lagerzüge sich meilenweit fortsetzen. +Ähnliche Lager finden sich auch im kalkigen Schiefer der Provinz +Iwaki. Der Gehalt der Erze beträgt durchschnittlich 62 bis 65%. +Eisenglanz und Brauneisensteine wurden nicht benutzt. + +Diese Magneteisenerze werden nach der alten Methode in kleinen +Öfen von rektangulärem Querschnitt nach Art der Stücköfen von +3,5-4,5 m Höhe verschmolzen. Zum Ofenbau benutzt man feuerfesten +Thon, den man für die Herstellung des Herdes mit Holzkohlenpulver +vermengt. Als Gebläse dienen hölzerne, mit der Hand in Bewegung +gesetzte gewöhnliche Blasebälge oder auch ganz eigentümlich +konstruierte, aus zwei liegenden cylindrischen Sektoren bestehende +blasebalgähnliche Maschinen, in welchen durch eine oszillierende +Auf- und Niederbewegung zweier an einer Achse befestigter Bretter +ein Luftstrom erzeugt wird. Ventile regulieren das Aus- und +Einströmen der Luft, während die Bewegung durch das Herüber- und +Hinübertreten von zwei oder drei Menschen bewirkt wird. + +Wendet man Magneteisen in Sandform an, so stellt man eine Grube von +3,5-4,5 m Weite und 3 m Tiefe im Boden her, füllt diese lagerweise +mit Holzkohlenstaub und feuerfestem Thon, den man durch Entzünden +der Kohle brennt und härtet, um auf diese Weise den Unterbau zu +gewinnen, auf dem man den eigentlichen Ofen an der Basis 2-3/4 m +auf 1-1/2 m breit und 1 m hoch mit einem keilförmigen Hohlraume +errichtet. Beim Beginne des Schmelzens wird der Ofen mit Holzkohle +gefüllt, das Gebläse angelassen und sobald die Füllung sich +setzt, nach etwa zwölf Stunden, Magneteisensand gegen 3750 kg und +gleichviel Kohle nachgefüllt. Der Schmelzprozeß dauert zwei Tage +und drei Nächte und man erzeugt gegen 45% Roheisen und 1% Stahl, +der, nachdem das Eisen abgelassen ist, als eine an den Wänden +hängenbleibende Luppe herausgenommen wird. Die ganze Manipulation, +vom Ofenbau bis zum Wegbringen des Produktes, nimmt acht Tage in +Anspruch. + +Zinnerze kommen in Satsuma, Suwo und Bingo vor; die Zinnproduktion +ist aber nicht bedeutend. Das Kupfer, so heißt es bei GÜMBEL, sei +in Japan zuerst im Jahre 684 unserer Zeitrechnung entdeckt worden, +was jedenfalls zu spät angesetzt ist. Die Art seiner Darstellung +ist ähnlich wie in Europa. Bekannt sind die vielen schönen farbigen +Legierungen, zu denen man es benutzt. + +Da die Bronzen, welche mit Steingeräten zusammen in Japan gefunden +werden, im strengsten Sinne prähistorisch sind, so muß das Kupfer +auch zu jener Zeit in Japan bekannt gewesen und nicht erst vor +1200 Jahren entdeckt worden sein. Zur Zeit, als unser Landsmann E. +KÄMPFER (1690) Japan bereiste[249], war Kupfer das gewöhnlichste +unter allen Metallen des Landes. Messing war aber selten und teurer +als Kupfer, da man das hierzu nötige Galmei aus Tonkin beziehen +mußte. Eisen aber war, was uns interessiert, mit Kupfer im gleichen +Preise und eiserne Werkzeuge waren teurer als solche aus Kupfer +oder Messing. Nägel, Klammern, Haken, welche anderwärts aus Eisen +hergestellt wurden, machte man zu KÄMPFER's Zeit aus Kupfer. Sehr +feines Zinn wurde damals in der Provinz Bongo gewonnen, aber wenig +gebraucht. Bronze wird von KÄMPFER nicht erwähnt, wiewohl man +sie vortrefflich zu bereiten wußte und daraus die herrlichsten +kunstgewerblichen Gegenstände herstellte. Mag man auch eine +»Kupferzeit« in Japan annehmen, eine »Bronzeperiode« in dem Sinne, +daß die Bronze das Material zur Herstellung der gewöhnlichen +Gebrauchsgegenstände war, hat es in Japan nicht gegeben. + +China sowohl als Japan zeigen die Metalltechnik seit der ältesten +Zeit und unabhängig vom Abendlande. Sie bilden ein abgeschlossenes +Reich für sich, von dem aber, bei geographischem Zusammenhange ganz +naturgemäß, Ausstrahlungen nach Nordwest und Norden, zu türkischen, +finnischen und hyperboräischen Völkern stattfinden mußten. + + +Fußnoten: + +[237] GROSIER, De la Chine. Paris 1818. I. 191. + +[238] GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history of mankind. +208. + +[239] China. I. 369 ff. + +[240] V. RICHTHOFEN a. a. O. I. 373. + +[241] Mitteil. der Anthropol. Ges. in Wien. IX. 218. + +[242] J. MARKHAM, Notes on a journey through Shantung. Journ. R. +Geogr. Soc. vol. 40. 217 (1870). + +[243] V. RICHTHOFEN, China. II. 477. + +[244] V. RICHTHOFEN, China II. 411. 412. 436. + +[245] A. a. O. II. 500. + +[246] V. SIEBOLD in Verhandl. Berlin. Anthropol. Ges. 1878. 429. +-- MORSE, Traces of an early race in Japan. New-York 1879. -- J. +MILNE, The stone age in Japan. Journ. Anthropol. Inst. X. 389. + +[247] PH. FR. V. SIEBOLD, Nippon, Archiv zur Beschreibung von +Japan. II. 45 ff. Taf. 11-13. + +[248] Das Ausland. Nr. 37. 1877. + +[249] Geschichte und Beschreibung von Japan. Lemgo 1777. + + + + +Die Metalle im Norden Asiens. + + +~Das Eisen bei den sibirischen Völkerschaften.~ Als die Russen +über den Ural gingen und im 17. Jahrhundert erobernd Sibirien +durchzogen, trafen sie neben den Gerätschaften und Waffen aus Stein +und Knochen bei den dortigen Stämmen wenige eiserne Werkzeuge, die +auf dem Handelswege dorthin gelangt waren, jedoch nur einzelne +Völker, welche mit der Darstellung und Bearbeitung des Eisens +vertraut waren. + +Daß die Ostjaken bei der Ankunft der Russen Eisen schmolzen und +Schmiedearbeiten ausführten, erwähnt J. G. MÜLLER[250], doch +ist diese Kunst jetzt bei ihnen verloren gegangen, wie POLJAKOW +angiebt[251], wohl infolge der russischen Eiseneinfuhr. Die Tataren +am Tom wurden von den Russen bei ihrem Vordringen nach Sibirien +als Kusnezi (Schmiede) bezeichnet, »weil in ihrer Gegend viel +Eisenerz fällt, woraus sie Eisen schmelzen und dasselbe zum Haus- +und Jagdgebrauche verarbeiteten«.[252] + +Auf das eisenkundigste sibirische Volk trafen die Russen aber erst, +als sie bis zur Lena vorgedrungen waren. Hier saßen die Jakuten, +türkischen Stammes, welche Waffen, wie Messer, Beile, Lanzen, +Pfeile, Streitäxte und Kurjaks, d. h. Lederpanzer mit kleinen +eisernen Platten benäht, Helme etc., verfertigten. Von den Jakuten +lernten ihre nächsten Nachbarn, die Tungusen und Lamuten, den +Gebrauch des Eisens kennen, denn bereits 1652 trafen die Russen +die Lamuten an der Ochota mit ganz gleichen Waffen wie die Jakuten +versehen.[253] + +Trotzdem in Sibirien russische Eisenwaren den Markt behaupten, +bereiten die Jakuten noch jetzt in der primitivsten Weise ihr +Eisen selbst aus den Erzen. Das Eisenerz gewinnt man in zwei +jakutischen Bezirken, dem Chatschikat- und dem Schemkonbezirke. Im +erstgenannten, am Flusse Botama, werden in Darkylach, Schestakowsk +und Kürtägija jährlich über 25000 kg, im Schamkonbezirke, am Bache +Lütäga, über 3500 kg Eisen gewonnen (zu V. MIDDENDORFF's Zeit). Als +Blasebälge dienen beim Ausbringen zwei lederne Butterschläuche. +Ein solcher »Simirj« wird aus halbgegerbten, geräucherten Fellen +zusammengenäht und ist sackartig geformt. Die obere Öffnung »wird +durch zwei Stöcke geschlossen, gleich einem Portemonnaie«. Dieser +Verschluß ist so luftdicht, daß es genügt, eine Röhre (am unteren +Ende) einzufügen, zwei Säcke nebeneinander zu stellen und durch +abwechselndes Ausdrücken der Luft einen Blasebalg zu ersetzen. Beim +Emporziehen des Sackes wird momentan die Mundöffnung gelüftet.[254] +Es ist dieses also dieselbe Art von Blasebalg, wie wir sie bei +den Zigeunern, in Indien und teilweise in Afrika kennen gelernt +haben.[255] Näheres über die Eisendarstellung giebt unsere Quelle +nicht an, aber sie erwähnt, daß die aus dem gewonnenen Eisen +hergestellten jakutischen Schmiedearbeiten vorzüglich sind, +namentlich die Messer. Die Klinge ist ähnlich wie die Schneide +unserer Hobeleisen gebildet, indem die eine Fläche der Klinge +im spitzen, die andere im rechten Winkel zum Rücken derselben +gerichtet ist. Der Holzgriff ist mit eingelegten Messingstreifen +verziert, Umgüsse von Blei festigen die Klinge im Griffe. Diese +Klingen sind außerordentlich biegsam, so daß der Jakut sie im +Halbkreis biegen kann, um damit aus freier Hand zu drechseln. +Außerordentlich geschickt in der Metallbearbeitung, fertigen sie +noch Äxte, Bärenspieße, Sicheln, Scheren, alle verziert und oft +mit Silber tauschiert. Noch jetzt stehen die Eisenarbeiter bei den +Jakuten in hohem Ansehen, wie z. B. TEMIR JEGOR, der eiserne Jegor, +den F. MÜLLER[256] am Olenek unter 69° nördl. Br. traf und der dort +seine Kunstfertigkeit ausübte. Die Eisenbereitung bei den Jakuten +ist um deswillen von Interesse, weil sie einmal uns zeigt, wie +weit dieselbe nach Norden hin vorgedrungen ist und andererseits, +wie dieselbe mit dem Charakter eines nomadischen Volkes nicht +unverträglich ist; ursprünglich Schafzüchter, sind die Jakuten +zur Pferdezucht übergegangen und, allmählich ihre Weidegründe +erweiternd, bis zur Eismeerküste vorgerückt. + +Die übrigen Völker Sibiriens befanden sich beim Einrücken der +Russen noch in der Steinzeit und stürzten sich, gerade so wie es +von den Südseeinsulanern bekannt ist, auf das neue Metall, das +neben Tabak und Branntwein ihnen der begehrteste Tauschartikel +wurde, so daß für ein gewöhnliches Messer ein Zobelfell gegeben +wurde.[257] + +Ausgeschlossen ist nicht, daß bei den östlichen, Japan und China +zugewandten Völkern hin und wieder Eisen, aus ostasiatischer Quelle +stammend, vorkommt, doch war diese Einwirkung nur eine höchst +untergeordnete und keinen durchgreifenden Einfluß ausübende. Nach +STELLER[258] lernten die Kamtschadalen das Eisen erst durch die +Russen kennen; sie besaßen im Anfange des 18. Jahrhunderts fast nur +Gerätschaften aus Stein oder Knochen. Noch eingehender als unser +Landsmann behandelt die hier interessierenden Verhältnisse der +Russe KRASCHENINNIKOW. »Aus Knochen und Stein,« sagt er, »waren der +Kamtschadalen Äxte, Wurfpfeile, Nadeln, Spieße. Die Äxte bestanden +aus den Knochen der Walfische oder Rentiere, zuweilen aus Achat +und Kieselstein. Sie hatten die Gestalt eines Keiles und waren +an gekrümmte Handhaben befestigt. Damit höhlten sie ihre Kanoes, +Schalen und Tröge aus; allein mit so viel Mühe und Zeitaufwand, +daß ein Kahn drei Jahre und eine große Schale wohl ein Jahr Zeit +erforderte. Natürlich erhielten dadurch diese Gegenstände einen +hohen Wert. Auch sehr feine Arbeiten konnten die Kamtschadalen mit +ihren einfachen Werkzeugen ausführen. So sah KRASCHENINNIKOW eine +Kette aus Walroßzahn mit den feinsten Gliedern, wie gedrechselt. +Sie war 40 cm lang, aus einem Stück geschnitten und »ein Kunststück +des größten Meisters würdig«. Die Ansicht, daß die Kamtschadalen +vor Ankunft der Russen durch die Japanesen (via Kurilen) das Eisen +kennen gelernt, weist KRASCHENINNIKOW nicht zurück[259], doch fand +der Import jedenfalls nur im geringen Maße statt. + +Die nördlichen Nachbarn der Kamtschadalen, die Koriäken, erhielten +dagegen das Eisen sicher erst durch die Russen, verstanden es aber +bald, dasselbe in meisterlicher Weise zu bewältigen, wenn sie +es auch nicht aus den Erzen darstellen lernten. »Messer, Beile, +Piken, Ringe für die Rentier- und Hundegespanne, Armspangen von +eigener Arbeit sieht man überall bei diesen Nomaden. Besonders +aber zeichnen sich Messer und Piken durch Zierlichkeit aus, +indem sie meist von ausgelegter Arbeit sind. Arabesken aller +Art werden tief in das Eisen eingraviert und in die Einschnitte +feine Kupferstreifen eingehämmert. Es ist oft erstaunlich, +wie diese Leute mit so sehr mangelhaften Instrumenten die +regelmäßigsten Formen den Messern und Piken geben und diese auf das +geschmackvollste verzieren können.«[260] + +Noch weiter nördlich uns wendend, treffen wir auf die Tschuktschen, +bei denen nach KARL VON NEUMANN, der sie 1869 besuchte, die +Einführung des Eisens durch den Engländer BILLINGS am Ende des +vorigen Jahrhunderts erfolgte, ohne die geringste Änderung in +den Lebensgewohnheiten dieses Volkes hervorzubringen.[261] Sie +sind noch heute, wie wir durch NORDENSKIÖLD erfahren, ein Volk, +bei dem der Übergang vom Gebrauche des Steines und Knochens zum +Eisen sich studieren läßt, da mehr und mehr europäische und +amerikanische Eisenwaren bei ihnen zur Verwendung kommen, ohne +jedoch jene soziale und kulturelle Umwälzung hervorzurufen, die +wir gewöhnlich mit der Einführung des Eisens verknüpft wähnen. +Das Material wechselt, aber sonst bleibt alles beim alten. Zur +Ausrüstung der Schlitten gehört jetzt ein Stab mit Eisenbeschlag +und einer Menge Eisenringe. Ihre Pfeile sind noch teils mit +Holz- und Knochenspitzen, teils mit Eisenspitzen versehen, die +Angelhaken aus Knochen oder Eisen, die Löffel aus Knochen, Kupfer +oder (eingeführt) Eisenblech; die Hämmer zum Zermalmen der Knochen +aber -- echt prähistorischer Form! -- aus Stein. Neben dem alten +Drillbohrer zum Feuermachen benutzen die Tschuktschen schon Stahl, +Feuer und Zunder. »Der Feuerstahl besteht oft aus einer Pfeilspitze +oder einem anderen alten Stahlgerät oder auch aus extra für diesen +Zweck geschmiedeten Eisen- und Stahlstücken. Gewöhnlich verrät die +Form dieser Geräte einen europäischen oder russisch-sibirischen +Ursprung, doch erwarb ich mir auch plump gehämmerte Eisenstücke, +welche Proben einheimischer Schmiedegeschicklichkeit zu sein +schienen. Ein Tschuktsche zeigte mir einen großen Feuerstahl +letztgenannter Art, welcher mit einem kupfernen Griff für den +Finger versehen und durch lange Benutzung hübsch geglättet war.« +Das Eisen zu diesen Feuerstählen war nicht meteorisch, mußte daher +eingeführt und jedenfalls kalt geschmiedet sein.[262] + +Was die vielbesprochenen Onkilon jener Gegend betrifft, so lieferte +die Untersuchung ihrer Gräber nur Gerätschaften von Knochen und +Stein, nichts von Metall.[263] + +~Die alten Bergbaue der Tschuden.~ So sind die Beziehungen der +nordsibirischen Völker zu den Metallen in historischer Zeit und in +der Gegenwart. Nordasien hat aber auch seine Völkerverschiebungen +und Wanderungen gehabt und alte Funde in den erzführenden +Gebirgen, wie in den Ebenen deuten auf vergangene Stämme, welche +mit der Bearbeitung der Metalle wohl vertraut waren, ja hierin +relativ Hervorragendes leisteten. In Bergbauen und Gräbern haben +sich die Schätze jener prähistorischen Zeit erhalten, die zusammen +mit der Linguistik uns Aufschlüsse über die vorgeschichtlichen +Metallarbeiter geben. + +Vom Ural bis zum Altai und wieder bis Transbaikalien werden die +alten Bergbaue und Gräber vom Volke den Tschuden oder Tschudaki +zugeschrieben. Daß es sich auf dieser weiten Ausdehnung um ein Volk +gehandelt habe, läßt sich nicht annehmen, wie denn auch die große +Verschiedenartigkeit der Grabfunde auf verschiedene Völker deutet +und ihre Beschaffenheit und ihr Stil verschiedene Zeitperioden +erkennen läßt. Die Wogulen, die jetzigen Bewohner des Ural, wußten, +als die Russen zu ihnen kamen, nicht mehr, von wem die alten Halden +und Schürfe herrührten, auch betrieben sie selbst keinen Bergbau, +sondern wiesen auf die Tschuden hin. Die alten Minen selbst, die +sich im Ural erhalten haben, schildert PALLAS folgendermaßen: + +»Auf allen erzreichen Strecken am uralischen Gebirge finden sich +alte, von einer uns unbekannten Nation, welche den Bergbau sehr +fleißig getrieben haben muß, herrührende, oft ziemlich tief +getriebene Schachte, Stollen und Schürfe; ja die besten heutigen +Bergwerke im Orenburgischen haben ihre Entdeckung diesen alten +Spuren, welche unter dem Namen Starie- oder Tschudskie-Kopi +bekannt sind, zu danken. Sie sind um desto merkwürdiger, weil sie +gemeiniglich bloß in runden Kanälen und Gängen bestehen, welche +weder ausgezimmert, noch gestützt sind. Selbige sind zuweilen so +enge, daß die Arbeit darin höchst beschwerlich muß gewesen sein, +weil man in den getriebenen Örtern oft nicht einmal aufrecht +stehen kann. Bei der Saigatschi Rudnik (bei Orenburg) ist außer +vielen Schürfen ein außerordentlich geräumiger und mit vielen +Örtern ausgetriebener Stollen noch im besten Stande gefunden +worden, bei dessen Ausräumung man nicht nur geschmolzenes Kupfer in +runden Kuchen, sondern auch viele runde, aus weißem Thon gemachte +Töpfe, worin die Schmelzung verrichtet worden, ja auch Gebeine +von verschütteten Arbeitern beisammen gefunden, von Herden oder +Schmelzöfen aber nicht die geringste Spur bemerkt haben soll.«[264] + +Als 1573 die Russen begannen, den Metallschätzen im Salairgebirge +und dem Kusnezkischen Alatau -- beides Ausläufer des Altai +-- Aufmerksamkeit zuzuwenden, waren die wichtigsten Gruben +bereits 10-15 m tief ausgebeutet und verschüttet und alte +Schlackenhaufen, aus denen man noch zwei Prozent Kupfer gewann, +enthielten Schmelztiegel und kupferne Waffen. Außerdem bewiesen +verschieden gestaltete Keile, Hacken und Hämmer mit Stiellöchern +aus geschliffenem Diorit, Trapp und Sandstein das hohe Alter dieser +Baue. Dagegen fehlten steinerne Geräte für die Bedürfnisse des +täglichen Lebens.[265] + +Ganz besonders entwickelt sind die alten Bergbaue am Schlangenberge +im Altai, wo »die Tschuden« die reichen und milden ockerigen Erze +mit tiefen Schürfen und selbst Schächten von zehn und mehr Meter +förderten. In die festen Erze einzudringen, haben ihnen die Mittel +gefehlt, wiewohl man Spuren davon gefunden, daß sie in dieser +Richtung wenigstens Versuche gemacht haben. Über die Art, wie jene +Alten den Bergbau betrieben, lassen sich einige Andeutungen geben. +Ihre Keilhauen und andere Gezähe waren aus Kupfer gegossen, wie +die gemachten Funde beweisen; statt der Fäustel aber benutzten +sie länglichrunde, sehr harte Steine, um welche in der Mitte eine +Vertiefung ausgeschliffen ist, die zur Befestigung des Steines mit +einem Riemen diente. Die Erze förderten sie in Ledersäcken an die +Oberfläche, wie ein solcher mit reichem Ocker bei einem Skelett +aufgefundener Sack beweist. Dieser goldhaltige Ocker war das +Hauptziel des Bergbaues, wie auch die alten goldhaltigen Geschütte +an den Bachufern darthun, wo der Goldschlich ausgewaschen wurde. +Von Eisenwerkzeugen ist keine Spur gefunden worden.[266] Auch in +der Gegend von Nertschinsk entdeckten die Russen alte Schürfe und +Bingen, sowie alte verwachsene Schmelzherde und von Blei- und +Kupferarbeit zeugende Schlacken und Glätten[267], und auch diese +wurden den Tschuden zugeschrieben. + +Wer waren nun jene Tschuden, durch die die alten Bergbaue im Ural +und Altai angelegt wurden, Bergbaue, die viel gemeinschaftliches +in der Art und Weise ihrer Anlage zeigen und an beiden, wiewohl +weit von einander entfernten Orten, durch das Vorhandensein von +Kupfergeräten, sowie die Abwesenheit von Eisen charakterisiert +werden? + +Es sind viele Mutmaßungen darüber aufgestellt worden. Vor hundert +Jahren bereits identifizierte der Petersburger Akademiker BAYER +die Tschuden mit den Skythen, die ja einen großen Teil Rußlands +bewohnten. Dieser Ansicht hat sich später ED. V. EICHWALD +angeschlossen, indem er die Skythen für die Vorfahren der heutigen +finnischen Völker ansah. + +Bekanntlich werden die Skythen noch als Vorfahren einer Reihe +anderer Völker in Beschlag genommen und wir wollen die Ansicht V. +EICHWALD's dahingestellt sein lassen; daß aber die Tschuden -- +deren Namen unter den westlichen Finnen noch fortlebt -- Finnen +gewesen sein können, dafür sprechen noch andere Gründe. Die +älteste Schmiedekunst der Finnen, als sie noch ungeteilt am Ural +und in Sibirien beisammen saßen, muß nach AHLQVIST[268] auf das +Kupfer bezogen werden; die Sprache legt hierfür Zeugnis ab, daß +die Bekanntschaft der Finnen mit dem Kupfer eine sehr frühzeitige +war, die Namen für dieses Metall sind in den finnischen Sprachen +genuin. Bronze aber kannten sie wahrscheinlich nicht, da in ihrer +Sprache sich keine Benennung für dieses Mischmetall vorfindet und +da sie für das Zinn, welches zu einer solchen Bereitung nötig, den +Namen erst aus den germanischen Sprachen entlehnt, also erst nach +ihrer Ankunft an der Ostsee dieses Metall kennen gelernt.[269] +Dort auch erhielten die baltischen Finnen von indogermanischen +Völkern die Bezeichnung für Eisen, während die östlichen, den +Ursitzen näher gebliebenen Finnen (Wogulen, Ostjaken, Wotjaken, +Syrjänen, Tscheremissen) für dieses Metall einen gemeinsamen, nicht +entlehnten Namen haben, der folglich erst entstanden sein kann, +nachdem Ost- und Westfinnen sich getrennt hatten.[270] + +Kupfer also ist das älteste Metall der Finnen und auf Kupfer +und mit Kupfergezähen wurden die alten Bergbaue betrieben; die +ursprünglichen Sitze der Finnen lagen gleichfalls am Ural und in +Westsibirien, wo ja noch ein Teil dieses Volkes wohnt; endlich +ist der Name der Tschuden, welcher den alten Bergleuten und +Metallschmelzern Sibiriens traditionell gegeben wird, ein noch +teilweise auf die heutigen Finnen angewandter. Auch A. ERMAN ist +nicht abgeneigt, in den Tschuden finnische Völker, Vorfahren +der jetzigen Ostjaken zu sehen, deren Name aus dem tartarischen +_Uschstjak_ entstanden ist.[271] Dieses alles scheint darauf zu +deuten, daß jene alten Metallurgen finnischen Stammes waren, +wiewohl die Gründe nicht stark genug sind, um diese Mutmaßung zur +Gewißheit zu erheben. + +~Kurgane und Gräber in Sibirien.~ Abgesehen von den alten Bergbauen +finden sich im westlichen und südlichen Sibirien zahlreiche Gräber +sehr verschiedener Art und, nach den reichen Grabbeigaben zu +schließen, von sehr verschiedenen Völkern und aus verschiedenen +Perioden herrührend. Sie fesselten frühzeitig die Aufmerksamkeit +der Reisenden und auch der Schatzgräber, die, nach Gold wühlend, +manches kostbare Denkmal vorgeschichtlicher Zeit zerstörten. +STRAHLENBERG, PALLAS, GMELIN, EICHWALD, RADLOFF, POGOW, MEYNIER +und EICHTHAL, DESOR und andere haben sich mit diesen Gräbern und +ihrem Inhalte beschäftigt; es existiert darüber in russischen +Fachschriften eine reiche Litteratur, die ich zu meinem Bedauern +aus Unkenntnis der russischen Sprache nicht benutzen konnte. Es +mögen daher die nachfolgenden Mitteilungen unter dem Gesichtspunkte +der Unvollständigkeit beurteilt werden. + +Das Centrum der Verbreitung dieser Gräber liegt am oberen Jenisei +und seinen Nebenflüssen im Kreise Minusinsk, da wo dieser große +Fluß aus der Mongolei nach Sibirien übertritt. Entlang dem +Jenisei haben die Metallerzeugnisse jenes alten Kulturvolkes oder +jener alten Kulturvölker sich gegen Norden hin verbreitet, denn +tatarische Hirten finden in den Steppen bei Krasnojarsk am Jenisei +beim Weiden hin und wieder Bronzegegenstände mit Tierbildern, +welche in ihrer Ausführung eine weit höhere Kultur voraussetzen, +als sie unter den dortigen, jetzt bekannten Eingeborenen besteht +oder bestanden hat und die gleichfalls mit den »Tschuden« in +Zusammenhang gebracht wird. Derartige Bronzemesser zeigen am Griffe +nach DESOR[272] sehr gut ausgeführte Steinböcke, Wölfe, Elentiere, +ja Tiger oder Löwinnen, aber mit einer Art von Elefantenrüssel. + +Die Gegenstände, auf denen solche Ornamente vorkommen, sind Dolche, +Beile, Piken, Meißel, gewöhnlich mit brauner, seltener mit grüner +Patina überzogen. Die Formen werden von DESOR, dem die Bronzen von +dem Entdecker, dem russischen Ingenieur LAPATIN zugeschickt wurden, +für schön und elegant erklärt.[273] + +Diese Funde, welche nach ihrer artistischen Ausgestaltung auf eine +höhere Kultur schließen lassen, können nicht von den Vorfahren der +heutigen Eingeborenen jener Gegenden herrühren und wohl auch kaum +in diesen Gegenden entstanden sein, die mit einer Wintertemperatur, +in der häufig das Thermometer bis auf -40° R. sinkt, dem Aufblühen +der Künste und Gewerbe wenig förderlich waren. Sie weisen nach +Süden, nach dem Grenzgebiete gegen die Mongolei hin, wo in der That +ein schöneres Klima herrscht und die zahlreichen Gräber als Quelle +jener Funde von Krasnojarsk zu erkennen sind. + +Übersicht und System in die Gräber am oberen Jenisei hat W. RADLOFF +gebracht, der die zahlreichen, verschiedenartigen Grabstätten im +Kreise Minusinsk, an dem Ufer des Jenisei, in den Steppen des +Abakan und Jüs untersuchte, sowie an den Strömen, die östlich vom +Altai herabkommen. Tumuli und Steingräber liegen unregelmäßig +zerstreut in den Uferlandschaften und begleiten in ununterbrochener +Reihe die Gestade der Flüsse. Schon ihre große Anzahl zeugt von +einem langjährigen Aufenthalte eines zahlreichen Volkes in diesen +Gegenden. + +Wohl auszuscheiden von den alten Gräbern dortiger Gegend, die +gleich näher charakterisiert werden sollen, sind die jüngeren, +nicht auf der Steppenfläche verteilten, sondern entfernt von den +Flüssen in den Vorgebirgen gelegenen Gräber, die oft zu 60 bis 80 +an einer Stelle sich beisammen finden und von Kirgisen herrühren. +Sie enthalten neben Skeletten Eisengerät, Kessel, auch aus Kupfer, +Messer und Pfeile aus Metall und selbst aus Knochen, kurz, eine +Sammlung verschiedenartiger Kulturgegenstände, neben welchen auch +russische Münzen aus dem 17. Jahrhundert nicht fehlen.[274] + +In den älteren, an den Flüssen gelegenen Grabstätten mit +Steinsetzungen fand aber RADLOFF fast durchweg nur Kupfergeräte und +er sieht in ihnen den Nachlaß der ältesten Bewohner jener Gegenden. +Es sind dieses die bereits von PALLAS erwähnten Erdhügel oder +Kurgane, teilweise mit Steinsetzungen, welche dieser gründliche +Beobachter bereits vor hundert Jahren folgendermaßen schildert: + +»Man findet in solchen durchgängig ganz deutliches und oft +noch ziemlich unverbrochenes Zimmerwerk von sehr verwestem +Lerchenholz, aus dessen Lage man sieht, daß vor die Leiche aus +ziemlich dicken, übereinander liegenden Balken, fast nach Art +der russischen Bauernstuben, ein kleines, länglich viereckiges +Behältnis zusammengefügt und mit Erde überschüttet worden ist. +Gemeiniglich findet man über der von dicken Bohlen gezimmerten +Decke des Grabkellers entweder ausgebreitete Birkenrinden, welche, +wie bekannt, schwer verwesen, oder Steinfließen, welche die +morsche Decke eingedrückt haben. Der Boden des Behältnisses ist +gleichfalls mit Brettern gedielt. In solchen Behältnissen findet +man gemeiniglich die Knochen von zweien, auch wohl nur von einer +Leiche, und in einem Hügel oft mehrere, durch hölzerne Scheidewände +oder auch gänzlich durch Erdräume von einander abgesonderte +Behältnisse nebeneinander. Am Fußende findet man verschiedene mit +der Leiche beerdigte Kleinigkeiten, irdene oder auch kupferne +Kessel und Töpfchen, Überbleibsel hölzerner Geschirre und +Schöpfkellen, kupferne Werkzeuge von allerlei Art. In der Gegend +des Gürtels pflegen hirschförmige und andere Bleche des Beschlages, +die Dolche und Messer mit Spuren einer Scheide und andere kleine +Gegenstände zu liegen. Um den Kopf finden sich mit Gold überzogene +Knöpfe, Spangen und andere Spuren der beigelegten Kleidung. Man +soll sogar noch zuweilen sichtbare Stücke von golddurchwirkten +Seidenzeugen und übergebliebene Haare von Zobel- und anderen Pelzen +in den wohlerhaltensten Grabkellern angetroffen haben. Bei einigen +hat man eine Menge Hackenknochen von großen und kleinen Tieren, +die durchlöchert und abwechselnd nebeneinander gelegen, als ob +sie aneinander gereiht gewesen, oder auch viele kleine eckige +Pyramiden von verschiedener Gestalt aus Gußkupfer, die vielleicht +ein Brettspiel oder etwas ähnliches vorgestellt, gefunden. Die +Spuren der Lanzen oder auch der Ehrenstäbe, die bei männlichen +Leichen oft gefunden werden und mit Krücken von Gußkupfer +geziert zu sein pflegen, sind zuweilen mit schmalen Streifen von +geschlagenem Golde schlangenweise umschlungen. Noch finden sich +zuweilen echte Goldblättchen, die zur Zierat um den Hals oder die +Ärmel mögen gelegt gewesen sein oder womit auch die Griffe der +Dolche und die Zieratsbleche der Gürtel gleichsam nur umwickelt +scheinen. Zuweilen sind in einem Behältnisse bei ganzen Leichen +auch verbrannte beigesetzt, deren Knochen in einem Haufen beisammen +gemeiniglich nahe an den Wänden des hölzernen Grabes liegen; +auf solchen Aschenhaufen sind die Goldblättchen und andere mit +beigesetzte Kleinigkeiten zu oberst gelegt. -- Alles Kupfergerät +ist Gußwerk; von Eisen fehlen zwar in dergleichen Gräbern nicht +alle Spuren, aber es ist doch eine sehr große Seltenheit. Nur habe +ich von einem kleinen verrosteten Beile, die man sonst aus Kupfer +nicht so selten findet, und von einer Keilhaue gehört, welche +in Gestalt den jetzt bei unseren Bergleuten gebräuchlichen ganz +ähnlich gewesen seien. -- In großen Kurganen werden Pferdegerippe +mit Spuren von Sattel und Zeug über den Grabkellern in der bloßen +Erde gefunden.«[275] + +Diese letzteren gehören aber offenbar in eine ganz andere Kategorie +von Gräbern, wie wir aus den Forschungen RADLOFF's erkennen. In +den Gräbern mit Kupfer- und Bronzegegenständen fand dieser nämlich +niemals Pferdeknochen in größerer Anzahl, während in den späteren +Steingräbern mit Eisen sich Pferdeskelette in Menge zeigten. Die +Steingräber mit Eisenwerkzeugen zeigten in der Form der letzteren +deutliche Nachbildungen alter kupferner Werkzeuge und Waffen. +Diese Gräber stellt RADLOFF an die »Grenze zwischen Bronze- +und Eisenperiode«. Es sind solche Gräber, wie sie PALLAS[276] +gleichfalls erwähnt, als Bestattungsplätze Vornehmer mit +zierlichem Silbergeschirre, Gold in Blechen, Knöpfen und anderen +Zieraten, mit Steigbügeln und anderem Pferdegeschirre von Eisen +mit Silber und Gold eingelegt oder überzogen und nur mit wenig +Kupfergerät. RADLOFF nimmt an, daß diese Gräber mit Eisen, mit den +seidenüberzogenen Pelzgewändern, wie er eines von 28 m Durchmesser +an der Katanda öffnete, von einem eingerückten Reitervolke +türkischen Stammes herrühren, von einem Volke, welches die älteren +Kupfer- und Bronzearbeiter vertrieb.[277] + +Hierhin gehören auch die von STRAHLENBERG[278] aufgefundenen +kleinen gegossenen Götzenbilderchen von Erz, Kupfer, Messing, +Zinn, Silber und Gold, die zu tausenden in den »alten tatarischen +Gräbern oder _tumulis sepulchralibus_« zu seiner Zeit enthalten +waren und von denen er Abbildungen giebt; dahin gehören die +Pferdezaumbuckeln, Glöckchen, die »Degen, Pfeile, Dolche und mehr +dergleichen Dinge, welche die Russen ausgegraben und die nicht +geschmiedet, sondern von Kupfer gegossen sind«. Jüngerer Zeit +gehören dann wieder jene Gräber an, aus denen Medaillen von Gold +und Silber, ganze Schachspiele von Gold und große goldene Bleche, +worauf der Tote gelegen, polierte Metallspiegel etc. ans Licht +gefördert wurden. Auf den südlichen mohamedanischen Kulturkreis +weisen ornamentierte Schalen mit kufischen Inschriften, schön +ziselierte Bronzegefäße mit darauf dargestellten Falkenjagden +hin, andere zeigen chinesischen Charakter, jedenfalls importierte +Gegenstände, während die älteren Gräber höchst wahrscheinlich +heimisches Metallgerät zeigen. MEYNIER und V. EICHTHAL, welche +die Kurgane von Gonba bei Barnaul öffneten, die gleichfalls +vom Volke den Tschuden zugeschrieben werden, sprechen sich aus +anthropologischen Gründen, zumal auf die brachykephalen Schädel der +Skelette jener Gräber sich stützend, dahin aus, daß jene Kurgane +von einem türktatarischen Volke stammen. Sie fanden Eisen und +Stoffe, wie PALLAS und RADLOFF, während Bronze vollständig fehlte +und die Zieraten aus gegossenem Kupfer bestanden.[279] + +Denn das alte Volk, von dem die zahlreichen Gräber stammen, +muß massenhaft hier gesessen und seine Metallsachen an Ort und +Stelle gefertigt haben, wofür noch andere Anzeichen sprechen. Der +Mineralreichtum des dortigen Gebirges, die alten, weithin sich +ziehenden Schürfe und Baue, die Schlacken und Glätten sprechen +dafür, daß am Jenisei ein metallkundiges Volk wohnte. Doch ist der +Bergbau nur oberflächlich betrieben worden und die Gruben hören +gewöhnlich da auf, wo hartes Gestein anfängt. POPOW hat gezeigt, +daß das alte Kulturvolk am Jenisei das Schmelzen der Metalle in +kleinen Öfen ausführte, daß es das Legieren der Metalle (z. B. von +Kupfer und Silber) verstand, mit der Abscheidung des Silbers aus +dem Kupfer aber unbekannt war.[280] + +Die Vermutung RADLOFF's, daß die Türken oder ein Volk türkischen +Stammes das Eisen im Altai schmolz und in Sibirien diese Kunst +verbreitete, erhält mehrfache Bestätigung. Die alten chinesischen +Geschichtswerke erzählen, daß das Eisenschmelzen im Kinschan +(Altai) durch die Türken eingeführt wurde[281], und die Sprache +zeigt uns gleichfalls die uralte Bekanntschaft der Türken mit +dem Eisen, wiewohl auch andere Metalle ihnen frühzeitig bekannt +waren. Vergleichen wir die turkotatarischen Idiome, so finden wir +bei allen gleichlautend und gleichbedeutend _temir_ für Eisen, +ein Wort, das somit einem vordialektischen Zeitalter entsprungen +und seit den ältesten Zeiten bekannt gewesen sein muß. Es geht +ohne Zweifel auf die Stammsilbe _tim, tem_, fest, dicht, stark +zurück. Aber ganz ähnlich verhält es sich mit dem Kupfer, _bakir_, +_pakir_, dem die Stammsilbe _bak_, _pak_ zu Grunde liegt, +welche gleichfalls fest, hart bedeutet. Bei solcher Sachlage +läßt sich auf sprachlichem Wege die Frage, welches das erste, +dem turkotatarischen Urmenschen bekannte Metall gewesen, nicht +entscheiden. + +Können wir danach Eisen und Kupfer als gleichalterig vermuten, +so läßt sich für die Bronze nachweisen, daß sie im frühesten +Kulturstadium der Türken unbekannt war und ihnen erst von +benachbarten Völkern zugeführt wurde. Das tschagataische _[vz]es_, +altaische _jes_, stammt vom mongolischen _dzes_, wobei jedoch +hervorgehoben werden muß, daß, während mit diesem tschagataischen +Worte heute Bronze bezeichnet wird, dasselbe im Altaischen und +Mongolischen entschieden Messing und Kupfer bedeutet. Diese +schwankende Definition des fraglichen Begriffes ist an und für sich +hinreichend, um das Fremdartige dieses Metalles bei den Türken +außer Zweifel zu stellen. Ein solches Schwanken ist nicht der +Fall, wo die Wortbildung auf heimischem, festem Boden sich bewegt. +Es ist, so rekapituliert VAMBÉRY, unmöglich, bei den primitiven +Turkotataren sprachlich ein Stein-, Bronze- und Eisenalter +nachzuweisen.[282] + + +Fußnoten: + +[250] Sammlung Russischer Geschichte. St. Petersburg 1763. VIII. +101. 188. + +[251] Archiv f. Anthropol. XI. 323. + +[252] J. G. MÜLLER a. a. O. VI. 540. + +[253] POPOW in Zeitschr. für Ethnologie 1878. 461. + +[254] V. MIDDENDORFF, Sibirische Reise. IV. 1557. + +[255] Dieser Blasebalg erscheint auch bei den Völkern im +europäischen Rußland, so bei den nomadisierenden Kalmüken am +Uralflusse, die kleine Eisenarbeiten und Waffen -- trotz ihrer +nomadisierenden Lebensweise -- zu verfertigen verstehen. »Ihr +Blasebalg besteht bloß in einem ledernen Sack mit einer Röhre in +einer zwischen zwei glatten Hölzlein gefaßten Öffnung, welche sie +mit der Hand ergreifen und, indem der Sack aufgehoben wird, öffnen, +darauf schließen und den Sack zugleich niederdrücken.« (PALLAS, +Reise durch verschiedene Provinzen des russischen Reiches. St. +Petersburg 1771. I. 324.) + +[256] Unter Tungusen und Jakuten. Leipzig 1882. 143. + +[257] »Vor Alters war alle Gerätschaft von Eisen und anderem +Metall in Sibirien sehr kostbar. Wenn man (die Russen) zu einem +neubezwungenen Volke kam, welches entweder gar nicht oder noch +nicht zu Genüge damit versehen war, so bekam man für einen eisernen +oder kupfernen Kessel so viel Zobel und schwarze Füchse, als sich +dahinein packen ließen.« MÜLLER, Sammlung Russ. Geschichte. St. +Petersburg 1758. III. 485. + +[258] Kamtschatka. 247. 320. + +[259] KRASCHENINNIKOW, Kamtschatka. Lemgo 1766. 223. 225. -- ERMAN +(Reise um die Erde. III. 454) fand einen Obsidiannucleus, von +dem Spähne abgeschlagen waren, zu Maschura in Kamtschatka. Die +Bestimmung desselben war den Eingeborenen unbekannt. Er schloß +daraus, daß infolge des Verkehrs mit den metallreichen Japanern +»das sogenannte steinerne Zeitalter für Kamtschatka schon sehr +früh seine Endschaft erreicht hätte. Namentlich aber weit vor der +Ankunft der Russen«. Das steht aber im direkten Widerspruch zu +STELLER's Angabe. + +[260] V. DITMAR, Über die Koriäken. Melanges russes. Tome III. +1./13. Juni 1855. + +[261] Globus XXVI. 347 (1874). + +[262] NORDENSKIÖLD, Umsegelung Asiens und Europas auf der Vega. II. +93. 106. 108. 110. 111. 117. + +[263] NORDENSKIÖLD. I. 405. + +[264] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen +Reiches. St. Petersburg 1771. I. 246. + +[265] BUTENEW im Archiv f. Wissenschaftl. Kunde von Rußland. XXIV. +509. + +[266] PALLAS a. a. O. II. 608. + +[267] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig +1783. IV. 207. + +[268] Die Kulturwörter in den westfinnischen Sprachen. 63. + +[269] AHLQVIST a. a. O. 66. + +[270] AHLQVIST a. a. O. 67. 70. + +[271] Reise um die Erde. Berlin 1838. II. 38. + +[272] Journ. Anthropol. Instit. III. 175. + +[273] Bull. soc. d'Anthropologie 1873. 441 ff. + +[274] RADLOFF in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1871. 83 ff. + +[275] PALLAS, Reise durch verschiedene Provinzen des russischen +Reiches. III. 386 und Tafel VII. Der hier abgebildete »Ehrenstab« +und die Glocken sind mit ziemlich gut ausgeführten Steinböcken +versehen -- alle Gußwaren zeigen eine vorgeschrittene Technik. +Diese Steinböcke (wohl Argali) sind charakteristisch für die +gegossenen Kupferobjekte der Gräber am Jenisei. Man braucht +sie aber nicht in eine wohlfeile Parallele mit Ziegen- und +Antilopenbildern auf altgriechischen Vasen und Schwertbeschlägen +der la Tène-Periode zu bringen, um ein Hauptargument dafür zu +gewinnen, daß jene Tschuden die Lehrmeister der Urindogermanen in +der Metalltechnik waren, wie dieses Prof. UNGER thut (Mitteil. +aus dem Göttinger Anthropol. Verein. 1874. I. 25). Eine solche +Analogie hat keine Beweiskraft, ebensowenig wie die hier angezogene +Spirale, da beides sich von selbst ergebende Darstellungen bei den +verschiedensten Völkern des Erdballes sind. + +[276] A. a. O. II. 360-362. 384. + +[277] Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1882. 430 ff. -- Vergl. +den Bericht von HAWELKA über die Ausgrabungen der k. archäolog. +Kommission in Sibirien. Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. VII. 221 ff. + +[278] PH. J. VON STRAHLENBERG, Das Nord- und östliche Teil von +Europa und Asia. Stockholm 1730. 313. 317. 356. 359. 399 und Taf. +III. IV und XX. + +[279] MEYNIER et L. D'EICHTHAL, Les Tumuli des anciens habitants de +la Sibérie, Revue d'Anthropol. 1874. 270. 274. + +[280] Mitteil. der sibirischen Abteilung der russ. geogr. Ges. II. +Heft 4 u. 5. 1872. -- Arch. f. Anthropologie. XI. 318. + +[281] SCHOTT in Verhandl. Berl. Anthropol. Ges. 1883. 242. + +[282] H. VAMBÉRY, Die primitive Kultur des turko-tatarischen +Volkes. Leipzig 1879. 174-177. + + + + +Das Bekanntwerden der Amerikaner mit dem Eisen. + + +~Eisen im vorkolumbischen Amerika unbekannt.~ Sir JOHN LUBBOCK +erzählt, daß bei der Entdeckung Amerikas am La Plata eine +Völkerschaft gewohnt habe, welche mit Eisen beschlagene Pfeile +besaß; die Beschläge wurden, wie man glaubt, aus Klumpen +gediegenen Eisens gewonnen.[283] LUBBOCK führt keine Quelle für +diese Angabe an; bestätigt sich dieselbe, so kann es sich nur um +Meteoreisen handeln, das von jenen Indianern etwa ähnlich wie +von den Eskimos verwendet wurde. Dahin gehört wohl auch, was +ACOSTA von eisernen Keilen (_cuños de hierro_) berichtet, die in +Paraguay als Münze umliefen.[284] Es läßt sich sonst keine Spur von +Eisenverwendung im vorkolumbischen Amerika nachweisen. Die Mounds +des Mississippithales enthalten nach SQUIER Silber-, Kupfer-, +Stein- und Knochengeräte, aber kein Eisen ist -- von einem einzigen +Meteoreisenfunde abgesehen -- gefunden worden.[285] Nirgends +weist die Sprache der alten Kulturvölker Amerikas auf das Eisen +hin, und wo Spanier, Portugiesen, Engländer mit den Eingeborenen +in Berührung kamen, bestätigen sie überall die Unbekanntschaft +derselben mit dem Eisen. Von den Cariben schrieb 1494 KOLUMBUS, daß +sie, weil sie kein Eisen besäßen, ihre Pfeilspitzen aus Schildpatt +oder Fischstacheln herstellten.[286] Der Eindruck, welchen die +Unbekanntschaft der Eingeborenen der neuen Welt mit dem Eisen auf +die ersten Entdecker hervorbrachte, war ein tiefer, und zwei Jahre +nach der Auffindung Amerikas durch KOLUMBUS schrieb Dr. CHANCA +an das Domkapitel zu Sevilla: »_Tienen muchas ferramientas, ansi +como hachas e azuelas hechas de piedra tan gentiles é tan labradas +que es maravilla como sin fierro se pueden hacer._« Mit ihren +trostlosen Werkzeugen aus Stein und Muschelschalen verfertigten +sie Skulpturen aus Holz, Götzenbilder, kunstreich geschnitzte +Sessel und Zieraten für die Schnäbel der Schiffe. Am besten geriet +diese Industrie den kunstsinnigen Bewohnern der Insel Guanaba im +Westen von Haiti. Gold wurde als Schmuck geschätzt und in der Nase +getragen; auf Haiti verarbeitete man es zu Stangen und mancherlei +anderen Dingen, namentlich zu Marken, die mit guten Steinen besetzt +waren; auch von goldenen Kronen der Kaziken ist die Rede; doch +verstanden sie -- worauf in kulturhistorischer Beziehung viel +ankommt -- es nicht zu schmelzen, sondern nur zu hämmern.[287] Wie +findig aber die Eingeborenen Kubas sich dem neuen Metall gegenüber +zeigten, erkennen wir daraus, daß sie, wie OVIEDO (lib. VII. cap. +8) bezeugt, es verstanden, sich der eisernen Fesseln in spanischen +Gefängnissen zu entledigen, indem sie Schnüre aus den Fasern des +Henequenhanfes mit feinem Sande bestreuten und die Ketten so +durchfeilten[288] -- ein Fingerzeig dafür, wie auch manche Steine +bearbeitet wurden. + +~Verwendung von Meteoreisen bei den Eskimos.~ Meteorisches Eisen +war bei den Amerikanern früh im Gebrauche und es wird namentlich +bei den Grönländern und Eskimos von verschiedenen Reisenden +erwähnt. In bezug auf den Kulturfortschritt, das Eisen aus den +Erzen geschmolzen zu haben, ist dieses Vorkommen des gediegenen +Metalles bei jenen Nordländern aber ohne alle Bedeutung. Sie +haben heute noch nicht, wiewohl sie mit dem europäischen Eisen +nun lange bekannt sind, die Darstellung desselben erlernt und es +liegt hierzu bei ihnen auch keine Veranlassung vor, abgesehen +davon, daß die Rohmaterialien, Eisenerz und Kohlen, meist fehlen. +Das Meteoreisen aber, welches die Eskimos zu Messern, Pfeilspitzen +etc. verwerteten, wird von ihnen wie der Stein gehandhabt und +verarbeitet durch einfaches Zuschleifen und Fassen in Holz oder +Knochen, gerade so wie das gediegene Kupfer bei südlicher wohnenden +Indianerstämmen. + +Als 1823 CLAVERING und SABINE den nördlichsten Teil Ostgrönlands +entdeckten, trafen sie dort unter 75° nördl. Br. noch einige, +seitdem ausgestorbene Eskimos, die zum erstenmale weiße Menschen +sahen und die auch mit den Grönländern der Westküste in keinerlei +Beziehungen standen. Dieser abgeschiedene Posten besaß Harpunen und +Speere mit Knochenspitzen, doch waren einige Spitzen von Eisen, +welches allem Anscheine nach meteorischen Ursprunges war.[289] + +[Illustration: Fig. 31. Eskimomesser mit Meteoreisen. Nach SABINE.] + +Von der Westküste Grönlands kennen wir durch denselben SABINE +auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit JOHN ROSS den +kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes) +entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen +auf. Er berichtet[290]: »Jeder der uns am 10. August besuchenden +Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß +ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers +vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem +Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem +auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl +plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück +bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des +Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe +besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden, +welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig. +31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen +erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es +am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den +Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur +wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre +Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere +Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch, +als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten, +als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter +uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der +Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher +ZACHEUS richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder +herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das +Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt +worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn +zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es +sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme +von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der +Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in +Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon +ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht +wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben +nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm +heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland +nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von +keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das +Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert +vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei. +Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem +Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden +Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz +und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen, +daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der +Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke +entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie +dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir +sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird +von den Eingeborenen _Sowilie_ (_Sauwilie_) genannt, abgeleitet +von _Sowie_ (_Sauwie_), dem bei den Grönländern gebräuchlichen +Namen für Eisen. ZACHEUS sagte mir, das Wort bedeute eigentlich +einen »harten, schwarzen Stein«, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren +Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß +nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen +bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen +in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen +benutzten. Der Bericht über Kapitän COOK's dritte Reise belehrt +uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der +Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes +Eisen _Shawie_ nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die +eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit +von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus +Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen +hat.« + +Soweit der interessante Bericht SABINE's, der uns die nördlichen, +1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt, +über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden +wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der +Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten +riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch +NORDENSKIÖLD, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von +Meteoreisenmessern bei Eskimos. + +Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches +S. HEARNE 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand, +bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und +Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, »eins 3,5 cm +lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das +andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war +in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein +Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem +Namen _Mokeatoggen_ bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen +sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.«[292] + +Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten +Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch +selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist +erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des +Peabody-Museums, PUTNAM, gelungen. Er fand in einem Mound am Little +Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen +überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen +Ursprung bezeugten.[293] + +Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet, +wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch +die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann. +Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des +14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße +via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in +feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe, +breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus +Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen +geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte +im 17. Jahrhundert -- lange nach dem Eingehen der normannischen +Kolonien -- den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald +erkannte, wie denn die durch DANELL 1654 nach Dänemark gebrachten +Grönländer, welche OLEARIUS in Flensburg kennen lernte, stets +begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere +Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295] +Noch zu EGEDE's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der +Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus +Eisen.[296] + +~Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien.~ Den westlichen +Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern +kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon +vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt. + +Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide +sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen. +Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen +Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und +Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos +der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten +Kleinigkeiten. »Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel +auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.) +so gleich, als ein Ei dem anderen«, schreibt der alte STELLER[297], +und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander +steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter +südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin, +haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit +geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen +die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika +hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem +vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter +Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den +Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets +Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch +in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika +gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die +Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter +nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen +Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden. +Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden +her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an +der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt +es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu +jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher +somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern, +gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller +als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem +seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine +Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen +nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in +den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren +große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen +schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte. +Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei +auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden. + +Die Expedition BERING's, auf welcher Amerika von Kamtschatka +aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf +begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und +dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich +Eisengeräte. BILLINGS fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln +aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit +Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er +ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles, +was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir +erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt, +wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die +Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den +Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300] + +Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60° +nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem +Eisen wenigstens vertraut, so fand es COOK 1778 am Nutkasund +im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen +Schiffbrüchigen erhalten hatten. _It was certainly used in +British Columbia for various purposes before the coming of the +whites._[301] VANCOUVER, dessen Reise etwas später fällt, sah +bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt +Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, »doch hatten +auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen«. An der +Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande, +fand er bei den Indianern »viele Speere mit eisernen Spitzen«, +und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die »oben eine +lange polierte eiserne Spitze« hatten; anderseits aber traf er +in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen +Übergangszustand charakterisiert auch MAURELLE, der Steuermann +BODEGA's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen +Küste kam. Die Waffen der Indianer »waren hauptsächlich Pfeile mit +Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel +wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem +Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf +Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe«.[303] + +~Eisen in Kalifornien.~ Bis hierher reicht der russische Einfluß. +Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen +Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten +Gräbern deuten. CABRILLO hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs +von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten +spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die +südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben +silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über +die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den +Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die +hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer +dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen +Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und +befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32), +wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die +als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe +oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei +den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten +haben.[304] + +[Illustration: Fig. 32. Europäisches Eisen von Indianern nach Art +der Feuersteinspitzen in Holz gefaßt. Nach U. S. Geogr. Surveys, +west of 100th meridian.] + +Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten +Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten +Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen, +geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande +gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein +Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. _At +the time of the conquest it was doubtless considered precious, +worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of +accompanying him to the world of spirits._[305] + +So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei +den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte +Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter +verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß +die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten, +nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben +schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig +zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen +Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb +zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint +daher auffallend und als Ausnahme, wenn MUSTERS berichtet, daß +die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das +gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner +sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem +Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks +von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem +Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch _Kikerki_ genannte +Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer +der Vereinigten Staaten haben sich nirgends -- es sei denn da, +wo sie ansässig in den Reservationen wurden -- zum Schmieden, +geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die _Wihinkpi_ +oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt +solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches +(oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen +zugeschliffen.[307] + +Nach ~Traditionen~ und ~Sagen~ in bezug auf das Eisen bei den +Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am +Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der +Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß +die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie +in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den +Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden, +erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu +teil wurde. Noch zu HOLMBERG's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis +bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308] +Als KITTLITZ in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet +im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige +Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern +an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten _until it was +found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to +see the value, when they made him a chief_.[310] + +Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens +bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die +ich bei Abbé PETITOT[311] finde und die auf die Entdeckung und +Ausarbeitung des Eisens aus _fer oligiste_ durch die Tinnéindianer +hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese +Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier »Kupfer« statt +Eisen zu lesen ist, worauf die _substance dure et rouge_ hinweist. +Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den +Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. _Il apperçut une +substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir +frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours). +C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis +d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître +le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du +vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De +ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur +du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux +Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards._ + +~Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern.~ Die +Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen +lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden +Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit +Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine +neue zusammengesetzte Bezeichnung. In MOLINA's _Vocabulario de +la lengua Mexicana_, Mexico 1571, ist _hierro metal_ mit _tlitic +tepuztli_ wiedergegeben. _Tlitic_ wird als _cosa negra_ erklärt +und _tepuztli_ als _cobre o hierro_; wir hätten danach bei den +Mexikanern ein »schwarzes Kupfer« für Eisen. + +Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher +Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_ +für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber +_quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir +auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall +auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_ +einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_ +und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_ +nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara, +denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_. +_Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de +Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und +_metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_ +(rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt +_hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de +metal_ erläutert. + +Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein +_siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun +die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken, +nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber +_topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie +durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den +arowakischen Namen annahmen.[317] + +Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet +Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für +Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich +Messerthongefäß.[318] + +Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der +Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem +Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319] + + +Fußnoten: + +[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244. + +[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590. +199. + +[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848. + +[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677. + +[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98. +115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325. + +[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182. + +[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326. + +[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79. + +[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und +Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von +den Eskimos benutzt wurden. + +[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118. + +[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438. + +[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873. +I. 234. + +[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696. +88. + +[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125. + +[297] STELLER, Kamtschatka. 251. + +[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132. + +[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika. +Weimar 1803. 161. 179. 190. + +[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101. + +[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164. + +[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283. + +[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig +1782. III. 223. + +[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th +Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und +Plate IV. Fig. 8. + +[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344. + +[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183. + +[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde. + +[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28. + +[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214. + +[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877. +I. 237. + +[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII. + +[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560). + +[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608. + +[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603. + +[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima +1765. + +[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701). + +[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863. +308. 309. 342. 350. + +[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc. +vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875. + +[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148. + + + + +Das Kupfer bei den Nordamerikanern. + + +Ebenso wie die Eskimos das meteorische Eisen im kalten Zustande +verarbeiteten, hämmerten und meißelten, ohne daß sie es verstanden, +es zu schmieden oder gar zu gießen, so benutzten sie auch das +Kupfer; es war ihnen gleichsam ein weicher, formbarer Stein, ein +Gegenstand, der nach unserer Anschauung etwa das Übergangsstadium +von der Stein- zur Metallbenutzung fixiert. Die Eskimopfeile, +die HEARNE 1772 an der Mündung des Kupferminenflusses bei den +Eingeborenen fand, waren mit Spitzen aus Stein oder Kupfer +versehen. »Ihre Beile,« schreibt er, »verfertigen sie aus einem +dicken 10-15 cm langen und 2-7 cm breiten Klumpen Kupfer. Sie +sind an ein 30-35 cm langes Stück Holz mit Schnüren festgebunden +und werden wie ein Meißel gebraucht, indem man mit einer schweren +Keule darauf schlägt, sind aber zu leicht und stumpf, um wie +ein Beil gebraucht zu werden.« Auch »Bajonette« in Spatenform +und in Hirschhorn gefaßt, sowie Weibermesser aus Kupfer erwähnt +HEARNE.[320] Dasselbe berichtet RAE von den weiter östlich an der +Repulsebai wohnenden Eskimos. »Fast alle Geräte und Waffen dieses +Volkes waren aus heimischem Kupfer geformt, welches sie hübsch +in Messer, Dolche, Speere, Lanzen- und Pfeilspitzen gehämmert +hatten.«[321] Wahrscheinlich stammte dieses Kupfer auch vom +Kupferminenfluß, von wo es auf dem Handelswege an die Repulsebai +gelangte. + +Ehe die Hudsonsbaicompagnie ihre Faktorei am Churchillflusse +anlegte (ungefähr 1720), gebrauchten die nördlichen Indianer kein +anderes Metall als das Kupfer, einzelnes Eisenwerk ausgenommen, +welches etwa am Fort York (seit 1713) von ihnen eingetauscht +wurde. Alljährlich zogen sie in großer Anzahl an die Mündung +des Kupferminenflusses, um das dort gediegen vorkommende Metall +zu suchen, aus dem sie Beile, Eishacken, Lanzenspitzen, Messer, +Pfriemen, Pfeilspitzen verfertigten. »Die vielen auf diesen Reisen +ausgetretenen Fußsteige, welche an manchen Orten auf den trockenen +Steinklippen und Bergen sichtbar sind, erregen wirklich ihrer +Anzahl wegen Erstaunen.« Noch zu HEARNE's Zeit (1772) zogen diese +nördlichen (Tinné-) Indianer das Kupfer »beinahe für jedes Werkzeug +dem Eisen vor, Beile etwa oder Eishacken und Pfriemen ausgenommen. +Zu diesen drei notwendigen Stücken aber läßt sich das Kupfer nicht +gut benutzen.« Im Tauschhandel gaben sie gleichgroße Stücken Kupfer +für Eisen.[322] + +Eine zweite wichtige Kupferquelle für die Indianer war der +Kupferfluß oder Athna, der sich unter 60° nördl. Br. in den Stillen +Ozean ergießt und eine Menge gediegenes Kupfer auswirft, das +wegen seiner Geschmeidigkeit bei allen Stämmen der Nordwestküste +im hohen Ansehen stand. Die Anwohner desselben hämmerten es; +überall an der Nordwestküste trafen die Entdecker kupferne Lanzen- +und Pfeilspitzen bei den Indianern, und wenn HOLMBERG sagt, daß +die Thlinklithen dieses Kupfer zu »schmieden« verstanden, so +ist darunter doch wohl nur ein kaltes Hämmern zu verstehen, da +die Bearbeitung der Metalle im Feuer bei allen hier in Betracht +kommenden Völkern unbekannt war.[323] + +Die dritte und bedeutendste Quelle des gediegenen Kupfers, das von +den Indianern Nordamerikas verarbeitet wurde, zugleich das reichste +Kupfervorkommen der Erde, ist der Native-Copperdistrikt am Oberen +See auf einem Teile der oberen Halbinsel Michigan, doch gehört hier +die Verarbeitung bereits der vorkolumbischen Zeit an.[324] + +Die Auffindung der alten Kupferbergwerke am Oberen See erfolgte +1847 durch den Ingenieur S. O. KNAPP. Einer der Schachte, welchen +er untersuchte, war 8,5 m tief und mit Erde und vegetabilischer +Masse erfüllt. 5 m von der Oberfläche stieß er auf einen 2,80 m +langen Kupferklumpen, der 85 cm hoch und 60 cm dick war und über 6 +Tonnen wog. Derselbe ruhte auf einem Pfahlwerk von Holzbalken, das +indessen ganz vermorscht war. Kolossale Steinschlägel, bis 18 kg +schwer, und kleine Hämmer aus Grünstein und Porphyr, die Geräte +der ehemaligen Bergleute, lagen dabei. Auch eine roh gearbeitete +Leiter aus Eichenholz und einen auf kaltem Wege hergestellten 10 kg +schweren Schlägel aus Kupfer fand KNAPP, desgleichen Holzschalen, +die bei der Entwässerung des Schachtes gedient hatten. Alle +Anzeichen, namentlich die großartigen auf den Halden wachsenden +Bäume deuteten an, daß dieses Werk schon seit langem verlassen sein +mußte. Ähnliche, bis 14 m tiefe Schachte wurden auf Isle Royal im +Oberen See entdeckt, und in der Ontonagongegend kann man auf 30 +englische Meilen Entfernung die Spuren der alten Kupferbergleute +verfolgen.[325] + +Wenn es auch auf den ersten Blick scheinen mag, als ob ein anderes +Volk als die Vorfahren der heutigen Indianer die Kupferbergwerke +am Oberen See betrieb und diese Ansicht in Amerika selbst die +herrschende ist[326] -- wo man ein besonderes, verschwundenes Volk +der Moundbuilders konstruiert hat --, so scheinen mir doch die von +Dr. E. SCHMIDT, der sich eingehend mit dieser Frage beschäftigte, +angeführten Gründe durchschlagend, daß es die Vorfahren der +jetzigen Indianer waren, welche die Kupfergruben am Lake superior +bearbeiteten, und daß der Kupferbergbau erst nach dem Erscheinen +der Weißen (infolge auftretender Seuchen etc.) rasch einging.[327] + +Dieser Verfall ist äußerst schnell eingetreten und bei den +Chippewäs der Gegenwart, die am Oberen See wohnen, ist außer +dem Wort für Kupfer (_pewabic_) nichts von dem Bergbau ihrer +Vorfahren übrig geblieben. Schon im 17. Jahrhundert, als die alten +Jesuitenväter in die Region der Seen vordrangen, betrachteten die +Indianer das Kupfer als eine Art von heiligem Stoff. »_Instead of +viewing copper as an object of every day use, they regarded it as +a sacred Manitou and carefully preserved pieces of it wrapped up +in skin in their lodges for many years and this custom has been +continued to modern times._«[328] Sehr anschaulich hat dieses +der Jesuit ALLOUEZ in seiner Relation geschildert: »_L'on trouve +souvent au fond de l'eau des pièces de cuivre tout formé, de la +pesanteur de dix et vingt livres; i'en ay veu plusieurs fois entre +les mains des sauvages et comme ils sont superstitieux, ils les +gardent comme autant de divinités, ou comme des presents que les +dieux qui sont au fond de l'eau leur on faits pour estre la cause +de leur bonheur; c'est pour cela, qu'ils conservent ces morceaux de +cuivre envelopés parmi leurs meubles les plus pretieux; il y en a +qui les gardent depuis plus de cinquante ans; d'autres les ont dans +leurs familles du temps immemorial, et les cherissent comme des +dieux domestiques._«[329] + +KARL RAU hat in seiner wertvollen Abhandlung über die +Tauschverhältnisse der Eingeborenen Nordamerikas[330] auch das +Kupfer behandelt und wir ersehen daraus, daß das ästige oder +zackige gediegene Metall vom Oberen See niemals von den Indianern +geschmolzen, sondern nur gehämmert wurde; auch verstanden sie es +nicht, dasselbe mit Zinn zu legieren und so Bronze herzustellen, +einen Fortschritt, welchen die alten Peruaner und Mexikaner +kannten. Trotzdem hatten sie in der Bearbeitung des Kupfers, wie +die daraus dargestellten und erhaltenen Gegenstände bezeugen, eine +nicht geringe Geschicklichkeit erlangt (Figg. 33-44). Bereits +die ersten Reisenden, welche Nordamerika besuchten, fanden +Kupferzieraten bei den Indianern, z. B. kupferne Ohrringe. So 1524 +VERAZZANO; auf DE SOTO's Zuge sah man kupferne Äxte (1539 bis 1543) +und HENRY HUDSON fand, als er 1609 den nach ihm benannten Strom +entdeckte, daß die Indianer Pfeifen aus rotem Kupfer hatten. Als +Quelle dieser Kupfersachen wurde aber stets die Gegend im Inneren +bezeichnet, von wo aus das Metall auf dem Handelswege gekommen war. + +In den Mounds sind altindianische Kunsterzeugnisse aus Kupfer +gefunden worden, welches seiner eigentümlichen Beschaffenheit nach +-- es enthält kleine Partien gediegenen Silbers -- vom Oberen See +stammen muß. Namentlich SQUIER und DAVIS[331] haben dieselben +beschrieben und abgebildet. Es sind keltartige Äxte, Meißel, +spitze Grabstichel, Armringe, Schmucksachen. Während die ersteren +alle gehämmert sind, befinden sich unter den letzteren 3-5 cm im +Durchmesser haltende runde Scheiben, sowie kleine Metallknöpfe, die +geprägt sind. Dr. RAU führt an, daß die aus Kupfer gearbeiteten +Gegenstände in den Vereinigten Staaten übrigens ziemlich selten +sind und daß auf tausende von indianischen Steingeräten kaum einige +Kupfererzeugnisse kommen. »Ihr Vorkommen erstreckt sich von den +Großen Seen bis zu den Golfstaaten und von der atlantischen Küste +bis an den Mississippi und vielleicht noch über denselben hinaus. +Nimmt man, wozu man vollständig berechtigt ist, den nördlichen +Teil von Michigan als den Punkt an, von wo aus das Metall über +diesen Flächenraum verbreitet wurde, so stellt sich die Ausdehnung +des Kupferhandels als ziemlich bedeutend dar. Die Schwierigkeiten, +welche mit der Gewinnung des Kupfers verknüpft waren, machten +dasselbe zu einem wertvollen Gegenstande, der vielleicht in +ähnlicher Weise geschätzt wurde, wie in Europa die Bronze in der +ersten Periode ihrer Anwendung.«[332] + +[Illustration: Figg. 33-43. Nordamerikanische gehämmerte +Kupfergeräte. Nach SHORTT.] + +Dr. E. SCHMIDT, welcher sich am eingehendsten mit den +prähistorischen Kupfergeräten Nordamerikas beschäftigt hat[333], +zeigt, daß die Verbreitung derselben eine ungleiche ist: je näher +der großen Seenregion, desto häufiger werden sie gefunden, je +ferner, also nach den Küsten des Atlantischen Meeres und des +Mexikanischen Golfes zu, desto seltener werden sie. Im Innern des +Landes findet man vorzugsweise Beile, Lanzen- und Pfeilspitzen, +Messer und Pfriemen, nach der Peripherie hin überwiegen +Schmuckgegenstände, Platten, Perlen etc. Den Erhaltungszustand +schildert Dr. SCHMIDT als einen meist guten, da das Kupfer +zerstörenden äußeren Einflüssen leicht widersteht und die rotbraune +Oxydul- oder schwarze Oxydschicht es vor weiterer Zerstörung +schützen. Die Geräte bestehen aus fast chemisch reinem Kupfer, +dem nur Silber und zwar mechanisch in Schuppen- oder Körnerform +beigemischt ist. »Die Verbindung beider Metalle ist so fest, daß +es gelingt, beide zusammen zu silberplattierten Kupferplatten +auszurecken.« Daß die Geräte stets nur gehämmert und niemals +gegossen sind, wurde schon hervorgehoben, und ebensowenig war +den alten amerikanischen Kupferschmieden das Löten bekannt. Die +Versuche, welche Dr. SCHMIDT mit den alten Kupfermessern, Lanzen +und Beilen in bezug auf ihre Brauchbarkeit anstellte, ergaben sehr +günstige Resultate. Mit einem 10 mm dicken Kupferbeile bearbeitete +er Buchen- und Tannenholz, aber nach viertelstündigem Gebrauche war +nicht die geringste Scharte daran wahrzunehmen. »Als ich dasselbe +Beil dagegen an ganz weichem Stein (pariser Grobkalk) versuchte, +machte jeder Hieb starke, rauhe Scharten.«[334] + +»Prähistorisch« sind diese Kupfergeräte aber nur mit Einschränkung +zu nennen. Sie sind in ihrer ganzen Art zu sehr mit jenen verwandt, +welche wir bei den weiter nördlicher wohnenden Indianern oben +kennen lernten, als daß wir auf ein weit rückwärts entlegenes Volk +schließen sollten, von dem sie stammen dürften. + +Wir sehen also die Kupfergeräte und Waffen der nordamerikanischen +Indianer wesentlich aus drei verschiedenen Quellen stammen und jede +dieser Quellen beherrschte einen geographisch abgegrenzten Bezirk. +1. Vom Kupferminenflusse bezogen die Eskimos und die nördlichen +Indianer ihr Kupfer; 2. vom Athna- oder Kupferflusse die Anwohner +der pazifischen Küste von der Beringstraße bis Kalifornien; 3. vom +Oberen See die Bewohner der heutigen Vereinigten Staaten bis zum +Atlantischen Ozean und Mexikanischen Golf. Nach Westen zu scheinen +aber die Kupfergegenstände aus dieser Quelle nicht allzuweit +vorgedrungen zu sein. In der »Archäology« der _U. S. Geographical +Surveys west of the 100th Meridian_ ist nirgends von aufgefundenen +alten Kupfergeräten oder Waffen die Rede. + +Soviel vom Gebrauche des Kupfers bei den nordamerikanischen +Völkern. Aber benutzten sie auch das Kupfer, so waren sie darum +doch noch nicht in die Metallzeit eingetreten, denn das Material +wurde von ihnen wie Stein behandelt. Der große Kulturfortschritt +der Behandlung der Erze mit Feuer und die Reduktion derselben durch +Kohlen, das Gießen, Schmieden, Löten war den Indianern Nordamerikas +unbekannt. Diesen finden wir aber bei den südlicher wohnenden +ackerbauenden Völkern, welche bei Ankunft der Europäer in der +»Bronzezeit« standen. + + +Fußnoten: + +[320] S. HEARNE's Reise nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. +117. + +[321] RAE in Transact. Ethnolog. Soc. New Series. IV. 148 (1866). + +[322] HEARNE a. a. O. 122. 123. + +[323] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 135. -- +HOLMBERG, Völker d. russ. Amerika. I. 27. + +[324] Die geologischen Verhältnisse des Kupferdistrikts sind +geschildert im Geological Survey of Michigan. Upper Peninsula +1869-73. Part. II. Copper bearing rocks, by R. PUMPELLY. Danach der +Auszug von Dr. E. SCHMIDT im Archiv f. Anthropologie. XI. 91. + +[325] CH. WHITTLESEY, Ancient mining on the shores of Lake +superior. Smithson. Contr. to Knowledge, vol. XIII. 1863. + +[326] _The idea that the Indians formerly worked these mines +was abandoned shortly after their discovery. They possess no +tradition of copper mines, nor did their ancestors visited by the +Jesuit fathers in the early part of the 17th century obtain any +intelligence of mines._ SHORT, The North Americans of Antiquity. +New York 1880. 91. + +[327] E. SCHMIDT, Die prähistorischen Kupfergeräte Nordamerikas. +Arch. f. Anthropologie. XI. 105. + +[328] WHITTLESEY a. a. O. 2. + +[329] Relations des Jésuits. Année 1667. Tome III. 8. Quebecker +Wiederabdruck von 1858. + +[330] Archiv für Anthropologie. V. 1 (1872). + +[331] Ancient Monuments of the Mississippi Valley. Washington 1848. +196 bis 207. + +[332] RAU a. a. O. 7. Neuere Funde lassen die Geräte indessen nicht +mehr selten erscheinen. + +[333] Archiv für Anthropologie. XI. 65 ff. + +[334] A. a. O. 75. + + + + +Kupfer und Bronze in Mexiko. + + +In der geographischen Verbreitung der zu Geräten und Waffen von den +Amerikanern benutzten Stoffe lassen sich ganz bestimmte und genau +geschiedene Bezirke unterscheiden, bei denen die Kulturstufe und +das verwendete Material (je nach Ausbildung und Zeit) sich einander +decken. Im Norden, also im Gebiete der heutigen Vereinigten Staaten +und im britischen Nordamerika, herrschten in der vorkolumbischen +Zeit und darüber hinaus die Geräte und Waffen aus Stein und +Knochen. Von Metallen verwendete man daneben, aber stets ohne +Anwendung von Feuer, Kupfer und meteorisches Eisen. Diese beiden +wurden, wie zuerst DANA bemerkte, wesentlich wie weiche Steine +angesehen. Von einer Feuerbearbeitung der Metalle, von einem +Vorkommen von Bronze, geschweige denn von der Herstellung von +Legierungen und künstlerischer Bearbeitung des Metalles ist keine +Rede. + +Südlich von diesem eben abgegrenzten Gebiete, dessen Bewohner +unkultivierte Jäger- und Fischernomaden waren, dehnt sich das +Gebiet der Bronze aus, welches mit dem Territorium der Kulturvölker +Amerikas zusammenfällt. Die Bronze herrschte, wenn auch keineswegs +ausschließlich und im Parallelgebrauch mit anderen Materialien, +südlich von 30° nördl. Br. durch das heutige Mexiko, teilweise +Centralamerika und dann auf der Südhälfte des Kontinentes in dessen +andinischem Westen bis abermals zum 30° südl. Br. Es umfaßte +dieses Gebiet die alten Kulturstaaten Mexikos, Kolumbiens und +Perus. Was östlich und südlich von diesen lag, nahm wiederum eine +ähnliche Stellung in bezug auf die zu Waffen und Geräten verwandten +Materialien ein wie der Norden, ja stand noch tiefer als derselbe. +Die Jägernomaden des westlichen Südamerika erhoben sich niemals +über den Gebrauch der Steine und Knochen. Anfänge des Ackerbaues +waren allerdings hier (wie in Nordamerika) vorhanden[335], was sie +aber etwa an Metallen besaßen, war wenig und ihnen vom Westen auf +dem Wege entlang der großen Flüsse zugeführt. ORELLANA fand auf +seiner Fahrt den Amazonas abwärts bei den Omaguas eine kupferne +Axt, wie sie in Peru gebräuchlich war; die Guarani aus der Gegend +vom heutigen Assuncion am Paraguay führten an der Stirn einen +glänzenden Metallschmuck, als sich 1540 ALVAR NUNEZ CABEÇA DE +VACA mit einer Expedition zur Aufsuchung einer Verbindung mit dem +Hochlande der Anden in ihrem Lande befand[336], und auch dieser +Metallschmuck ist zweifelsohne aus dem Westen bezogen worden. + +Auch ohne das Eisen zu kennen, waren die mexikanischen und +peruanischen Kulturvölker zu einer vergleichsweise hohen Stufe +emporgestiegen. Das Kupfer, welches sie zu härten verstanden +und die Bronze, welche sie darstellten, lieferten ihnen Ersatz +und genügten ihnen, um jene Kunstwerke zu schaffen, welche das +Erstaunen aller Konquistadoren waren. CORTEZ, in einem seiner +Berichte an Kaiser Karl V., ruft aus: »Was kann großartiger sein, +als daß ein Barbarenfürst (Montezuma) wie dieser, Nachbildungen +in Gold, Silber, Edelsteinen und Federn besaß, von allen Dingen, +die unter dem Himmel seines Gebietes zu finden sind; und zwar so +natürlich in Gold und Silber, daß es keinen Goldschmied in der Welt +giebt, der sie besser machen könnte, und die in Edelsteinen von der +Art, daß die Vernunft nicht ausreicht, zu begreifen, mit welchen +Instrumenten eine so vollkommene Arbeit gemacht sei.«[337] Im +alten Mexiko wurde der Ackerbau mit Hilfe von Bewässerungsanlagen +betrieben, alle Künste und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, +Malerei, Bilderschrift zeigten einen verhältnismäßigen Grad +von Vollendung; die Ruinen der alten Bauten beweisen uns, daß +Meister in der Architektur hier hausten, die Verwaltung war eine +geregelte, das Hofzeremoniell ein fein durchgebildetes, und wer +an der Civilisation des alten Mexiko zweifeln wollte, den werden +die von CORTEZ mit Auffallen bemerkten Bettlergilden eines anderen +belehren, denn Bettelei kann nur da existieren, wo eine hohe +Kultur sich entwickelt hat. Die Bronzeindustrie, wie sie in Mexiko +uns entgegentritt, erscheint uns mit ihren schönen Formen, mit +ihrer guten Technik erst als ein Ausfluß der hohen Gesamtkultur +dieses Volkes. Nicht die geringste Spur und Ursache liegt aber +vor, anzunehmen, daß den Mexikanern, wie den amerikanischen +Kulturvölkern überhaupt, die Kenntnis der Bronze und ihrer +Darstellung von außen her geworden sei. Es ist ganz haltlos, wenn +WORSAAE[338] die Äußerung thut, daß bei Mexikanern und Peruanern +die gegossenen Metallgeräte »durch fremden Einfluß entstanden sein +mögen«. Es paßt ihm das Vorkommen der Bronzen in Amerika nicht +in seine unbegründete Hypothese von dem Ursprunge der Bronze in +Indien, von wo aus ihre Kenntnis in alle Welt gewandert sein soll. + +Die Schilderung der Darstellung und Verwendung der Bronze bei den +Mexikanern fällt außerhalb der Grenzen, die wir uns für diese +Abhandlung gezogen haben, da wir wesentlich die sogenannten +Naturvölker beachten, und es müssen hier einige kurze Andeutungen +genügen, die zur Charakteristik der amerikanischen Metalltechnik +noch von nöten sind. Die Metalle, welche zur Zeit der Entdeckung +im alten Mexiko benutzt wurden, finden wir aufgeführt bei BERNAL +DIAZ[339]; es sind dieses Gold, Silber, Kupfer und Blei, die teils +in rohem Zustande, teils zu Schmuck geformt, unter den Marktwaren +feilgehalten wurden. Zur Herstellung von Waffen wurden aber die +Metalle nicht häufig benutzt, wiewohl solche aus Kupfer und Bronze +vorhanden sind, auch giebt es knöcherne. Die Hauptrolle spielte +hier der Obsidian, _iztli_, aus dem Schwerter, Sägen, Lanzen- und +Dolchspitzen verfertigt wurden[340], so daß hier »Steinzeit« und +»Metallzeit« zusammenfielen. + +[Illustration: Fig. 44. Kupfergerät von Zocho-Xocotlan. Nach +DUPAIX.] + +Was das Kupfer betrifft, so erwähnen verschiedene spanische +Geschichtsschreiber, daß dasselbe von den Mexikanern sowohl zu +Zieraten, als zu Werkzeugen verwendet wurde und als Bezugsquelle +werden die Gebirge von Zacotollan angegeben.[341] Es war nicht +nötig, dies Metall aus dem Norden, von den großen Vorkommnissen +gediegenen Kupfers am Lake superior zu beziehen, wiewohl wir +durch CH. RAU wissen, daß es von dort aus auf dem Handelswege +sehr weit verbreitet wurde. Die Mexikaner verstanden es, ihr +Kupfer derart zu härten, daß sie mit den daraus dargestellten +Beilen Bäume fällten[342], ja, man benutzte solche Beile nach +HERRERA zu Bergwerksarbeiten _en lugar del hierro, porque corta +como acero_.[343] Der Mexikaner J. SANCHEZ hat neuerdings eine +ganze Reihe altmexikanischer Kupfergeräte zusammengestellt.[344] +Die Coatl, heute _coa_ genannt, mit welcher man die Erde umgrub, +bestand aus Kupfer und hatte (nach CLAVIGERO) einen Holzstiel. +Ein kupferner Discus von 28 cm Durchmesser wurde zu Zapotlan +(Jalisco) entdeckt. _Es una pieza trabajada á martillo y cincel._ +Mit letzterem war wohl die menschliche Figur in der Mitte, ein +Götzenbild mit Strahlenkrone, eingraviert. Aufsehen hat der Fund +des Kapitän DUPAIX im Anfange unseres Jahrhunderts zu Zocho +Xocotlan (Oajaca) gemacht; er entdeckte zwei große irdene Gefäße, +die 276 Stück Tförmige Kupfergeräte von 11 cm Länge und 15 cm +Breite enthielten (Fig. 44). _Este instrumenta antiguo de cobre +rojo y muy fino es de fundicion y no de martillo._ Sind es die +von TORQUEMADA erwähnten Tförmigen Münzen? Letzterer schreibt: +_En otras (partes) usaban mucho de unas monedas de cobre casi +de hechura de Tau._[345] Andere halten diese Objekte für kleine +Beile. Wie Sanchez anführt, besitzt das Museum in Mexiko auch +einige kupferne Nadeln aus alten Gräbern, kupferne Ringe und aus +einem Tumulus in Huasteca Schildkröten aus Kupfer, _formadas de +varias piezas_. Von den von verschiedenen alten spanischen Autoren +erwähnten kupfernen Lanzenspitzen der Mexikaner findet sich im +Museum aber kein einziges Exemplar.[346] + +[Illustration: Fig. 45. Kupferaxt von Venis Meicis. Nach PUTNAM.] + +[Illustration: Fig. 46. Kupferaxt von Tlacolula. Nach PUTNAM.] + +Die im Peabody-Museum befindlichen gegossenen Kupferbeile aus +Mexiko sind von J. W. PUTNAM beschrieben worden.[347] Das älteste +Stück ist eine etwa centimeterdicke Axt, 7,4 cm lang und 4 cm +breit, welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate S. Luis +Potosi stammt (Fig. 45). Diese Axt ist in einer Form gegossen und +durch Hämmerung vollendet. Mit ihr zusammen wurden Figürchen aus +Thon, zahlreiche Spinnwirtel, drei Vasen, Obsidiansplitter und ein +Steinmörser gefunden. + +Einen zweiten Typus vertreten die 1881 zu Tlacolula im Staate +Oajaca gefundenen, aus sehr reinem Kupfer bestehenden Äxte, von +denen sechs Stück in das Peabody-Museum gelangten, die größte mißt +15 cm in der Länge und 6 cm in der Breite. Die Stärke übersteigt +nicht 8 mm, wechselt jedoch sehr, namentlich nach der durch +Hämmerung verdünnten Schneide zu, während die Axt sonst gegossen +ist (Fig. 46). + +[Illustration: Fig. 47. Kupfergerät von Teotitlan del Valle. Nach +PUTNAM.] + +Die dritte Form, welche mit den Tförmigen Äxten von DUPAIX, +die oben erwähnt wurden, übereinstimmt, wurde zu Teotitlan +del Valle zwischen Oajaca und Mitla gefunden (Fig. 47). Es +erscheint dieser Typus als Ackerbauinstrument.[348] Die konvexe +Schneide ist 14, die Länge (mit dem Stiel aus Kupfer) 16 cm -- +immerhin für eine Schaufel etwas klein und eher den Schabemessern +der Gerber entsprechend. Vier, nicht näher beschriebene, von +CHARNAY mitgebrachte Kupferäxte aus Mexiko, sind im Pariser +ethnographischen Museum.[349] Letzteres besitzt auch aus der +Kollection PINART sehr hübsche mexikanische Schellen aus +Kupfer.[350] Die Kleinheit aller bisher gefundenen mexikanischen +Kupfer- und Bronzegeräte weist darauf hin, daß diese Metalle bei +den Mexikanern immerhin noch verhältnismäßig wenig häufig waren, +was auch mit der relativen Seltenheit der Funde im Zusammenhang +steht. + +Als CORTEZ im Jahre 1524 dazu schritt, sich in Mexiko selbst +Geschütze zu gießen, fand er zu diesem Zwecke wohl Kupfer vor, +»aber kein Zinn, ohne welches die Stückgießerei unmöglich ist«. Nur +schwierig trieb er zu diesem Zwecke (europäische) Zinnteller und +sonstige Gefäße zusammen, aber dieser Vorrat war bald erschöpft. +Doch bald fand er unter den Eingeborenen der Provinz Tachco +(Tasco) Stückchen davon »nach Art sehr dünner Münzen«, die dort +als Geld cirkulierten und daselbst gewonnen wurden. Kurz darauf +hatte CORTEZ die Zinngruben entdeckt, die er nun von Spaniern mit +eisernen Werkzeugen bearbeiten ließ.[351] So waren also die Stoffe +zur Bronzebereitung vorhanden. Die mexikanischen Bronzen enthalten +im Durchschnitte 9-10% Zinn und sind wohl geeignet, die härtesten +Stoffe zu bearbeiten, doch sind sie nur selten, auch wurde +Bronze wenig zu Waffen benutzt. Sehr schöne, in der Stadt Mexiko +ausgegrabene Bronzebeile (neben Glöckchen und Nadeln aus dieser +Legierung) besitzt die Christy Collection.[352] Ein 98 mm langer, +oben cylindrischer, nach unten zu prismatischer, an der Schneide +schräg abgeschnittener Bronzemeißel liegt im Nationalmuseum zu +Mexiko. Die Legierung besteht aus 97,9% Kupfer, etwas über 2% Zinn +und geringen Mengen Gold und Zink. Die Anwesenheit des letzteren +Metalls läßt das Alter des Instrumentes zweifelhaft erscheinen.[353] + +Als KOLUMBUS auf seiner vierten Reise 1502 bei der Insel Guanaja +(Isla de Pinos) landete, traf er auf eine yukatekische, 2 m +breite und aus einem Baumstamme hergestellte Galeere, deren +Ladung aus verschiedenen Produkten heimischer Industrie bestand, +darunter wieder eherne Glöckchen und Äxte, Tiegel mit Deckeln zum +Schmelzen des Kupfers und daneben hölzerne Schwerter mit Zähnen +von Feuerstein (Obsidian) besetzt.[354] Stein- und Metallzeit +waren hier also gleichsam an Bord vereinigt und die ausdrücklich +erwähnten Schmelztiegel für Kupfer lassen uns wenigstens einiges +von den metallurgischen Prozessen der Mexikaner ahnen. + +Wohl erzählen die alten Autoren, daß die Mexikaner die Metalle +mit Feuer bearbeiteten und die erhaltenen Werke bestätigen dieses +durch den Augenschein; über die Methode und die dabei angewendeten +Geräte bleiben wir aber im Unklaren, doch dürfen wir etwa annehmen, +daß das Ausschmelzen des Kupfers in derselben primitiven Weise +erfolgte, wie sie etwa heute bei den Negern ausgeübt wird. +Die alten Mexikaner verstanden es zu schmelzen, zu gießen, zu +treiben; gelötete Metallsachen sind mir nicht bekannt geworden. +Einige Andeutungen über die Art, wie die Indianer die Metalle +behandelten, giebt uns AUGUSTIN DE ZEVALLOS, der 1614 aus Granada +in Nicaragua einen Brief an König Philipp III. sandte, welcher sich +mit dem damaligen Zustande des heutigen Costarica befaßte, wo die +Eingeborenen noch in ziemlich ungebrochenem Zustande lebten. Sie +gaben im Tausch die Produkte ihres Landes, unter denen ZEVALLOS +erwähnt »Stücke Goldes in Form von Adlern, Schlangen, Kröten, +Spinnen, Medaillen, Schaumünzen und andere Machwerke, die sie in +den verschiedensten Formen anfertigen, indem sie das in Thonpfannen +geschmolzene Gold in Formen gießen«. Das Gold wurde, wie ZEVALLOS +hervorhebt, mit Kupfer legiert und die Schaumünzen (_patenas_) +wurden durch Hämmern erzeugt.[355] + +Daß wir so dürftig über die Metalltechnik dieses alten +amerikanischen Kulturvolkes unterrichtet sind, liegt auch +wesentlich mit darin, daß nach der Ankunft der Spanier und nach +der Einführung des Eisens eine schnelle Vernichtung der heimischen +Metallindustrie eintrat. CORTEZ hebt selbst in seinen Berichten an +KARL V. hervor, daß nach der Konquista die Künste und bewunderten +Kunstprodukte der Eingeborenen schnell verschwanden. Diesem bald +vollständigen Verfall haben wir es auch zuzuschreiben, daß der +verspäteten Aufmerksamkeit der Beobachter vieles und wichtiges auf +dem uns interessierenden Felde entgehen mußte. + +Die zuerst nach Mexiko gelangten Spanier, welche die dortigen +Gußwerke sahen, waren erstaunt darüber, und die europäischen +Goldschmiede konnten nicht genug die Arbeiten ihrer mexikanischen +Genossen bewundern, welche CORTEZ an KARL V. gesandt hatte. Die +Nachbildungen nach der Natur galten als außerordentlich treu; +gegossen waren ein Fisch, dessen Schuppen abwechselnd aus Gold +und Silber bestanden, ein Papagei mit beweglichem Kopfe und +beweglichen Flügeln; ein Affe, dessen Kopf und Füße beweglich +waren. Diese Kunst, deren Erfindung man dem Gotte Quetzalcoatl +zuschrieb, ist den späteren Indianern verloren gegangen. Auch das +Treiben mit dem Hammer verstand man, wenn auch in dieser Beziehung +die Arbeiten mit den gleichartigen europäischen keinen Vergleich +aushielten; das Kupfer wurde mit Steinen gehämmert. Gießer und +Goldschmiede bildeten in Mexiko eine angesehene Korporation, deren +Schutzgott Xipe war. Zu seinen Ehren wird im zweiten Monat ein Fest +abgehalten, bei dem man Menschenopfer darbrachte.[356] + +Wenig ist, was wir vom Bergbau wissen. In Michoacan soll derselbe +sehr primitiv gewesen sein. Weiter war man im eigentlichen Mexiko, +wo die Azteken es verstanden, Stollen mit Galerien zu schlagen +und Schachte zur Kommunikation wie zur Lüftung anzulegen. Das +zerkleinerte Erz wurde, wie SAHAGUN erzählt, mit drei verschiedenen +Arten von Kräutern gemischt(!) und dann in Öfen geschmolzen.[357] +Als im Jahre 1873 SANCHEZ Nachforschungen nach der _veta de Cobre_ +(Kupferader) im Cerro del Aguila im Staate Guerrero anstellte, +durchstieß ein Peon mit seiner Stange den Boden dergestalt, daß +sie völlig verschwand. Man entdeckte infolge dessen eine alte 3 m +breite und 1,50 m tiefe Aushöhlung, auf deren Boden eine reiche +Kupferader verlief. Es zeigte sich, daß man es mit einem alten +Bergbau zu thun hatte; am Hangenden entdeckte man Spuren von der +Wirkung des Feuers und 142 Schlägel aus Stein von verschiedener +Form und aus einem der Grube fremden Gesteine zeigten, womit das +Erz abgebaut worden war.[358] + +In den südlichen und östlichen Nachbarländern Mexikos scheint das +Kupfer keine große Rolle gespielt zu haben. In Yukatan werden keine +Metalle gefunden und wenn dort bei den Mayas neben Pfeilspitzen +aus Feuerstein und Fischgräten solche aus Kupfer vorkamen, so muß +hierbei an den Import von Mexiko gedacht werden.[359] + +Dagegen ist Nicaragua reich an Kupfer und die Insel Ometepec im +Nicaraguasee ist als der Fundort kleiner, gutgearbeiteter Goldidole +und von Figürchen aus Terracotta bekannt geworden. Auch hat man +einzelne Kupfergeräte dort gefunden; SQUIER erhielt eine Maske aus +Kupfer, welche einen Tigerkopf darstellt.[360] Aber der Ursprung +dieser Maske erscheint _extremely problematical_[361], da sie als +einziges Kunstwerk ihrer Art in dem kupferreichen Lande auftritt +und nichts anderes ihr nach Stil und Stoff verwandtes dort gefunden +worden ist. + + +Fußnoten: + +[335] »Es ist ein in Europa weitverbreiteter Irrtum, alle +nicht bekehrten Indianer als Nomaden und Jäger anzusehen. Der +Ackerbau ist lange vor der Ankunft der Europäer in der neuen Welt +betrieben worden und ist noch zu finden zwischen dem Orinoko und +Amazonas unter den Waldschlägern, bis zu denen die Missionare +nun vorgedrungen sind.« HUMBOLDT et BONPLAND, Voyage. Relation +historique. Paris 1814. I. 460. + +[336] CABEÇA DE VACA, Commentaires Cap. 44. In TERNAUX-COMPANS, +Voyages etc. pour servir à l'histoire de l'Amérique. 140. _Les +naturels -- portaient de nombreuses plaques de cuivre, qui, lorsque +de soleil frappait dessus, réfléchissaient une si vive lumière, que +cela produisait un coup d'oeil merveilleux._ + +[337] Drei Berichte des F. CORTEZ etc. Deutsch. Berlin 1834. 112. + +[338] Die Vorgeschichte des Nordens. Hamburg 1878. 49. + +[339] Hist. de los sucesos de la conquista etc. Madrid 1852. 89. + +[340] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London +1787. II. 368. + +[341] CLAVIGERO a. a. O. + +[342] PETR. MARTYR, Dec. V. Lib. X. + +[343] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 663. + +[344] El congresso internacional de Americanistas y el cobre entre +los Aztecas. Anales del Museo nacional de México. I. 387 (1879). + +[345] Monarquia Indiana. II. 560. + +[346] SANCHEZ a. a. O. 394. + +[347] Notes on copper implements from Mexico. Proceedings of the +Americ. Antiqu. Soc. October 1882. + +[348] Nur der spätere CLAVIGERO erwähnt das oben schon +beschriebene, _coatl_ genannte Ackerinstrument aus Kupfer mit +Holzstiel. STEFFEN (Die Landwirtschaft bei den altamerikanischen +Kulturvölkern. Leipzig 1883. 22) hebt hervor, daß die alten Quellen +hiervon nichts sagen, sondern nur von Holzschaufeln sprechen. Bis +jetzt seien noch keine Funde von anderen Ackerbauinstrumenten +gemacht worden. + +[349] Revue d'Ethnographie. II. 367. + +[350] Daselbst. II. 441 nebst Abbildung. + +[351] Drei Berichte von F. CORTEZ an Karl V. Berlin 1834. 471. + +[352] TYLOR, Anahuac. 138. + +[353] G. MENDOZA, Un cincel de bronce de los antiguos Aztecas. +Anales del Museo nacional de Méjico. I. 117. + +[354] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 369. + +[355] POLAKOWSKY, Bericht des Franziskanermönchs A. DE CEBALLOS +über die Provinz Costarica. Jahresbericht d. Ver. f. Erdkunde zu +Dresden. 1883. 123. + +[356] CLAVIGERO, History of Mexico. Translated by CULLEN. London +1787. I. 413. + +[357] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 104. + +[358] J. SANCHEZ a. a. O. + +[359] BANCROFT a. a. O. II. 742. 743. + +[360] SQUIER, Nicaragua. New York 1852. II. 87. 89. + +[361] BANCROFT a. a. O. IV. 67. + + + + +Die Metalle bei den Chibchas. + + +Jener Teil der Kordillere, dessen westlichen Fuß der Rio Magdalena +bespült und der, in nordöstlicher Richtung streichend, die +Hochebenen von Bogotá und Tunja bildet, südlicher aber in den +einsam stillen Regionen des _Paramo de la suma Paz_ gipfelt, wurde +zur Zeit der spanischen Konquista von dem Chibchavolke bewohnt, +welches die Spanier irrtümlich Muyscas genannt haben. Die Kultur, +welche die Konquistadoren bei ihnen antrafen, war selbständig +entstanden, nicht in Abhängigkeit von jener Mexikos. Gold, Silber, +Kupfer und Bronze waren in beiden Hälften Amerikas unabhängig von +einander dargestellt worden. Die mexikanische Metallurgie läßt sich +vielleicht bis Nicaragua oder zum Isthmus von Panama verfolgen -- +hier aber hören aztekische Einflüsse auf und ein neues Kulturreich +beginnt. So war es zur Zeit der Eroberung, doch würde es wohl nur +noch kurzer Zeit bedurft haben und die nördlichen und südlichen +Kulturvölker wären in Austausch getreten, wenn nicht die Hand +der Konquistadoren sich vernichtend und eine fremde Kultur an die +Stelle setzend, schwer auf sie gelegt hätte. Von einer Verbindung +der Chibchas und Peruaner mit den Mexikanern ist uns nichts bekannt +geworden. Die Metalle sind, das Eisen ausgenommen, hier wie da +selbständig dargestellt worden und hier wie da mehr ausnahmsweise +und neben dem die Hauptgeräte und Hauptwaffen bildenden Steine im +Gebrauche gewesen. + +Zur Zeit der Konquista lebten die Chibchas in einer relativ +vorgeschrittenen Kultur, die indessen nicht auf die Höhe der +mexikanischen oder peruanischen Gesittung hinaufreichte. Ihre +Kulturstufe lag zwischen jener des polierten Steines und der ihnen +bekannten Bronze. In einem an Metallen reichen Lande wohnend, wo +das Gold sich ihnen im gediegenen Zustande leicht offenbarte, +haben die Chibchas frühzeitig die Bearbeitung der Metalle gelernt, +wie die noch erhaltenen Gegenstände beweisen. Eigentümlich im +Stile sind namentlich die häufigen Goldfigürchen, während die +Bronzen weit seltener sind. Eine solche (Fig. 48), eine rohe +menschliche Figur, in dem bekannten Stile jenes Landes ausgeführt, +12,50 cm lang, mit über der Brust gekreuzten Armen und männlichem +Geschlechtsteile, befindet sich als die einzige ihrer Art neben 13 +ähnlichen Goldfiguren im Leidener Museum.[362] + +LEEMANNS sagt, diese Bronzefigur sei von gleich roher Arbeit, wie +die von ihm geschilderten Goldfigürchen, und die Abbildung deutet +auf gleiche Technik. Nach LEEMANNS sind die Figuren teils mit dem +Hammer und dem Lötrohr hergestellt, teils in Formen gegossen. Die +ersteren bestehen aus einer Platte, der man die allgemeinen Formen +gegeben hat und auf welche man dann die einzelnen Körperteile und +Details aus Metallfäden aufgelötet hat. + +[Illustration: Fig. 48. Bronzefigur der Chibchas. Nach LEEMANNS.] + +Von den den Chibchas verwandten und auf einer ähnlichen +Gesittungsstufe stehenden Eingeborenen des heutigen kolumbischen +Staates Antioquia wissen wir, daß sie zur Zeit der Entdeckung sehr +verschiedene Geräte und Waffen aus Stein besaßen, daß daneben aber +auch die Metallindustrie es zu einer nicht unerheblichen Ausdehnung +gebracht hatte. Man hat die gravierten Steinformen gefunden, +in denen Goldblättchen geschlagen wurden, und Meißel aus einer +Goldkupferlegierung, die hart genug zur Bearbeitung des Steines +waren. In dem goldreichen Staate sind zahlreiche Gegenstände und +charakteristische Figürchen aus Gold gefunden worden, und die +heutigen Bewohner erzählen sich, die alten Indianer hätten es +verstanden, mittels Kräutern das Gold zu erweichen und dann wie +Wachs mit der Hand zu formen. In der That verstanden sie es, das +Gold im Feuer zu bearbeiten, nicht bloß zu hämmern und zu treiben, +wie die Guß- und Lötstellen an den Figürchen deutlich zeigen; auch +wissen wir, daß VADILLO in Buritica bei den Indianern kleine Öfen, +Formen und andere Werkzeuge, um das Gold zu verarbeiten, antraf. +Bei Santa Marta hat man eine ganze Bevölkerung von Goldschmieden +getroffen, welche als _tairona_, d. h. die Schmiede, bezeichnet +wurde. Die Indianer konnten also das Gold schmelzen und gießen, +ziselieren und löten; die Geräte, welche sie hierzu benutzten, +bestanden teils aus einer Goldkupferlegierung, teils aus Stein. + +Das Gold, dessen sie sich zu ihren Werken bedienten, war 12- +oder 14karätig. Die dargestellten Gegenstände sind meistens +Schmucksachen, Ohrringe und Nasenanhängsel von sehr verschiedenen +Formen und teilweise aus Filigran, sehr biegsame Gürtel, +Brustplatten, Vasen, Kelche, Haken und namentlich Figuren von +Menschen und Tieren, zumal Kröten, Eidechsen, Vögel und Fische, +niemals aber Früchte oder Blumen.[363] + + +Fußnoten: + +[362] LEEMANNS, Congrès des Americanistes. Luxembourg 1877. II. +286. Fig. 14. + +[363] Dr. POSADA ARANGO in Mém. d. l. soc. d'Anthropol. 2. série. +I. 211. + + + + +Kupfer und Bronze in Peru. + + +»_No tenian herramientas de hierro ni azero_«, berichtet ONDEGARDO +von den Inkaperuanern, wiewohl ihr Boden ungemein reich an Eisen +ist. Dagegen waren sie in der Kunst, andere Metalle darzustellen, +zu schmieden, zu gießen, ja selbst zu löten, weit vorgeschritten. +Gold, Silber, Kupfer, Blei und Zinn waren im metallischen Zustande +bekannt. + +Da für uns hier dieselben Gesichtspunkte bei der Beurteilung der +Metallkenntnisse dieses altamerikanischen Kulturvolkes maßgebend +sind, wie bei den Mexikanern, so vermögen wir auch hier nur einen +kurzen Überblick zu geben. Bergbau, wie derselbe heute noch auf den +peruanischen Kordilleren in der Nähe von Yauri, 4000 m über dem +Meere, viele tausende von Indianern beschäftigt, und zwar nach den +von ihren Voreltern vererbten Methoden, war die Hauptbeschäftigung +eines großen Teiles der Eingeborenen. Sie förderten das Erz aus +Schachten, die noch erhalten sind und bauten Öfen (_guairas_) +aus Thon, um es mit Holz und Holzkohlen zu schmelzen. Diese Öfen +hatten einfache Luftzüge, denn Blasebälge waren den Inkaperuanern +unbekannt und wurden erst durch die Spanier eingeführt.[364] Die +peruanischen Goldschmiede arbeiteten ebenso kunstvoll wie die +mexikanischen. Ihre Gußmodelle waren aus Wachs und die getriebenen +Arbeiten zeichnen sich durch große Sauberkeit und Kunstfertigkeit +aus. Die Gräber der Inkas, ebenso deren Schatzkammern, lieferten +zahlreiche Beweise künstlerischer Thätigkeit in der feineren +Bearbeitung edler Metalle, wie Halsschmucke, Armspangen, Vasen aus +reinem Gold, Spiegel aus poliertem Silber, sehr empfindliche Wagen +aus Silber, zierliche Glocken aus Silber und Bronze, gewöhnlichere +Geräte aus Kupfer und Bronze -- sie alle geben Zeugnis von der +erlangten Fertigkeit der alten Peruaner in der Metalltechnik. + +[Illustration: Fig. 49. Gegossener Kupferhammer aus Chile. Nach +EWBANK.] + +Wie das Kupfer dargestellt wurde, wissen wir nicht, und im +gediegenen Zustande kommt es im Lande nicht vor. Möglicherweise +reduzierten sie dasselbe in einem der oben angeführten Öfen oder +sie importierten dasselbe aus Chile.[365] Bis vor nicht langer +Zeit waren überhaupt nur wenige, im Museum zu Lima befindliche +Gegenstände aus Kupfer in Peru gefunden worden, einige Idole, +Stäbe von Meterlänge und Schlangen[366]; seitdem sind aber weit +mehr Kupferobjekte entdeckt worden, wie deren denn die MACEDO'sche +Sammlung, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindlich, +allein 48 aufweist, darunter Beile, Morgensterne, Idole, +Tierfiguren, Scheiben, Halbmonde etc.[367] + +Mit ihren Eroberungen trugen die Inkaperuaner ihre Kultur auch +weiter nach Süden und auf sie dürfen auch die alten Kupfergeräte +zurückgeführt werden, welche in Chile gefunden wurden. Ein 1,60 kg +schwerer gegossener Kupferhammer (Fig. 49) stammt aus einer +Quebrada der Provinz Atacama, gelegen unter 26° 42´ südl. Br., +nicht fern vom Camino de los Incas. Er ist viel gebraucht und, wie +Schlagmarken beweisen, durch Hämmern wieder geschärft, nachdem +die Schneide abgenutzt war.[368] Da die Peruaner das Zinn und +seine Legierung mit Kupfer, sowie die daraus für das letztere sich +ergebende Härtung kannten, so ist anzunehmen, daß die Kupfergeräte +älter als jene aus Bronze sind. Nachdem jener Fortschritt einmal +erkannt war, mußte die Herstellung von Kupferbeilen etc. von selbst +fortfallen. + +In der That ist die Bronze weit häufiger verbreitet unter den +alten Funden in Peru als Kupfer und man verstand sie von so +vortrefflicher Härte darzustellen, daß sie zur Anfertigung der +schwierigen unter den Inkas ausgeführten Bauten genügte. Ein in +den alten, zur Inkazeit bearbeiteten Silbergruben in der Nähe +Cuzcos gefundener Bronzemeißel, welchen HUMBOLDT nach Europa +brachte, enthielt nach VAUQUELIN's Analyse 96 Teile Kupfer und 4 +Teile Zinn.[369] Etwas anderer Art ist die Zusammensetzung des +»Morgensterns« beschaffen, den DAVID FORBES analysieren ließ und +der bei Sorata gefunden wurde. Er enthielt 88% Kupfer und 11,4% +Zinn, sowie Eisen und Silber in geringer Menge.[370] Peruanische, +aber in Chile am Flusse Maypa gefundene Bronzen enthielten +dagegen wieder, ähnlich wie der Bronzemeißel HUMBOLDT's, 6% und +5% Zinn.[371] Ein von BOUSSIGNAULT analysierter Bronzemeißel aus +Steinbrüchen, welche zum Teil das Plattenmaterial der langen +Straße von Quito nach Cuzco lieferten, bestand aus 95% Kupfer und +4,5% Zinn, sowie etwas Blei, Eisen und Spuren von Silber.[372] +Eine konstante Mischung von Zinn und Kupfer, wie wir sie als +maßgebend für Bronze ansehen (9 Kupfer, 1 Zinn), ist daher in Peru +nicht vorhanden gewesen. Die mexikanischen Bronzen zeigen eine +andere Zusammensetzung als die peruanischen, was wieder für die +Unabhängigkeit beider Bronzereiche spricht. + +Eine der Hauptfundstätten für peruanische Bronzen ist Chimu +an der Küste bei Truxillo gewesen, wo Waffen und Geräte so +massenhaft vorkamen, daß sie zentnerweise verkauft wurden. Viele +derselben gleichen in der Form europäischen Bronzekelten und +wurden wohl ähnlich wie diese benutzt. Die Abbildung Fig. 50 ist +ein Durchschnittstypus dieser Art und 22 cm lang; ganz gleiche +Ackerwerkzeuge werden heute noch in Nicaragua gebraucht, nur ist +Eisen an die Stelle der Bronze getreten; man benutzt sie zum +Umgraben des Bodens. Doch der Peruaner hatte Ackerwerkzeuge, welche +unserem Spaten in der Form näher kamen, wie Figg. 51 und 52 zeigen. +Der glatte Spaten ist 25 cm lang und 10 cm breit, der ornamentierte +30 cm lang und 10 cm breit. Auch ein Ackerwerkzeug mit gekrümmter +Schaufel (Fig. 53) ist in Chimu gefunden worden. Es ist 25 cm lang. + +In großer Anzahl sind in Peru eigentümlich gestaltete Geräte +gefunden worden, welche in der Form sich stets gleich bleiben, +in der Größe aber von wenigen Centimetern bis zu einer Länge von +fast 60 cm wechseln und scheinbar aus einer dünnen, aber festen +Bronzeplatte geschlagen sind. Das untere, halbmondförmige Ende +ist stets zugeschärft, das obere, gerade abgeschnittene aber +nur gelegentlich. SQUIER hält dieses Instrument (Fig. 54) für +eine Kelle, welche bei der Anwendung des Thones beim Bau oder +in der Töpferei Verwendung fand. Als Messer der Peruaner werden +eigentümlich halbmondförmige und mit einem zuweilen ornamentierten +Stiele versehene Geräte aus Bronze bezeichnet, welche die Gestalt +von Figg. 55 und 56 zeigen. + +Die häufigsten Bronzegeräte der Peruaner sind Lanzenspitzen +verschiedener Form, breit und schwer oder zierlich schlank und +leicht. Sie sind bis 50 cm lang gefunden worden, während die +Bronzepfeilspitzen 5-10 cm lang waren. Auch Morgensterne oder +Cassetêtes von der Form wie Fig. 57 haben die Peruaner aus Bronze +hergestellt.[373] Daß die Peruaner ihre Bronzekultur nach Süden +ausbreiteten, wurde bereits erwähnt. Doch sind die Bronzefunde +aus Chile, dessen Eroberung in der Mitte des 15. Jahrhunderts +durch den Inka Yupanki erfolgte, nicht häufig. Ihr Typus ist rein +peruanisch.[374] + +[Illustration: Fig. 50-53. Peruanische Ackergeräte aus Bronze. Nach +SQUIER.] + +[Illustration: Fig. 54. Peruanische Maurerkelle. Nach demselben.] + +[Illustration: Fig. 55. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.] + +[Illustration: Fig. 56. Peruanisches Bronzemesser. Nach demselben.] + +[Illustration: Fig. 57. Peruanischer Morgenstern. Nach demselben.] + +Auf dem berühmten peruanischen Friedhofe von Ancon bei Lima wurden +im Jahre 1877 von dem Reisenden LEON DE CESSAC fünf Metallbänder +gefunden, die um die Schädel dort Begrabener gewickelt waren. Zum +Teil bestanden sie aus einem Gemisch von Kupfer und Gold, oder +Kupfer, Gold und Silber; eins derselben aber bestand aus Messing, +denn es enthielt 62,90% Kupfer und 32,04% Zink. Zink fehlt aber +in Peru; das Messing kann also nur durch die Spanier in das Land +gekommen sein.[375] + + +Fußnoten: + +[364] WAITZ, Anthropologie der Naturvölker. IV. 444. + +[365] RIVERO and TSCHUDI, Peruvian Antiquities. New York 1853. 215. + +[366] RIVERO and TSCHUDI a. a. O. 222. + +[367] Catalogue d'objets archéologiques du Perou. Paris 1881. + +[368] THOMAS EWBANK in U. S. Naval astronomical expedition. +Washington 1855. II. 112 und Taf. VIII. + +[369] Vue des Cordillères. 117. + +[370] Journ. Ethnolog. Soc. New Series. II. 261 (1870). + +[371] EWBANK a. a. O. II. 114. + +[372] Acad. des sciences de Paris. Séance du 26. Fevr. 1883. + +[373] G. SQUIER, Peru. London 1877. 174 ff. + +[374] MEDINA, Los Aboríjenes de Chile. Santiago 1882. 333-413. + +[375] Revue d'Ethnographie. I. 74 (1882). Das große und kostbare +Werk von REISS und STÜBEL über das Todtenfeld von Ancon vermochte +ich mir nicht zu verschaffen. + + + + +Die Verbreitung des Eisens über die Südseeinseln. + + +DAS BEKANNTWERDEN MIT DEM EISEN. Auf den Südseeinseln verbreiteten +zunächst die Spanier das Eisen. Das tahitische Wort für dieses +Metall, welches die Eingeborenen bei COOK's Anwesenheit +gebrauchten, nämlich _yuri_, ist aus _hierro_ entstanden. Als +OLIVIER VAN NOORT im Jahre 1600 nach der Insel Guaham (Ladronen) +kam, verlangten die Eingeborenen für ihre Landesprodukte von +ihm _hierro_. Als ROGGEWEEN 1727 auf dem flachen Eilande O-Anna +eins seiner Schiffe verlor, erhielten die Südseeinsulaner +neue Eisenvorräte. So gelang es ihnen auch, die Anker, welche +BOUGAINVILLE im Hafen O-Hiddia (Tahiti) zurückgelassen, vom Grunde +des Meeres aufzufischen, und der König von Tahiti schickte ein +Stück derselben dem Könige Opuni von Borabora, als eine Seltenheit, +zum Geschenke. Die englischen Entdecker brachten große Massen Eisen +auf die Südseeinseln. Selbst die kleinsten Stückchen des wertvollen +Metalles wurden von den Insulanern mit der größten Sorgfalt +aufgehoben. Als J. R. FORSTER nach Tongatabu kam, verkaufte man ihm +einen ganz kleinen, sorgfältig in ein Heft gefaßten Nagel, der ohne +Zweifel von TASMAN (1643) stammte und sich 130 Jahre lang erhalten +hatte. FORSTER übergab ihn dem britischen Museum.[376] + +Auf Neuseeland wurde das Eisen durch COOK eingeführt. Schon bei +seinem zweiten Besuche 1773 machten sich die Maori am Charlottesund +nichts mehr aus Korallen, Bändern, Papier und ähnlichen Dingen, da +sie den Wert des Eisens erkannt hatten; sie wollten Nägel und Beile +haben, die sie nun durch die Erfahrung hatten schätzen lernen. +Bei der ersten Anwesenheit COOK's dagegen hatten sie sich gegen +Eisen ganz gleichgültig gezeigt, da sie von dessen Nutzen damals +noch keinen Begriff hatten. Ebenso war es an der Duskybai, wo die +Eingeborenen Beile und Nägel, die man ihnen gab, nicht wieder aus +den Händen ließen, während sie sich aus anderen Dingen nichts +machten. Der Mann, dem COOK damals 9 oder 10 Beile und 40 große +Nägel schenkte, war »der reichste in ganz Neuseeland«.[377] Überall +stand bald das schwarze Metall in hohem Werte und auf Huaheine +erhielt COOK für wenig Eisen ganz ungeheuere Vorräte von Schweinen, +Hunden und Hühnern.[378] + +Daß einzelne Stückchen Eisen auf Handelswegen sich weit über den +ozeanischen Archipel vor der Ankunft der Europäer verbreitet +hatten, wird mehrfach bestätigt. Als 1783 das Schiff »Antilope«, +Kapitän WILSON, auf den Palauinseln strandete, stahlen die +Eingeborenen, die hier zuerst mit Europäern in direkte Berührung +kamen, sofort das Eisen und setzten es an die Stelle ihrer +Muschelschneiden an den Äxten; doch ein Zeichen, daß sie den Wert +dieses Metalles schon zu würdigen wußten. Das Eisen war in der That +schon früher, wiewohl als große Seltenheit und auf unbekannten +Wegen nach den Inseln gebracht worden, denn der Fürst von Korror +trug auf der Schulter ein Beil mit eiserner Schneide, »worüber sich +unsere Leute sehr wunderten, da man hierzulande gewöhnlich Stücken +von Muscheln dazu braucht«.[379] + +Für die übrigen Karolinen lassen sich die ersten Decennien +unseres Jahrhunderts als die Periode der Ausbreitung des Eisens +bezeichnen. »Eiserne Beile galten zu unserer Zeit (1827) bei allen +Karolinenbewohnern als das Wünschenswerteste, was sie bei uns +erhalten konnten,« schreibt V. KITTLITZ, der mit LÜTKE dort war. +Auf Ualan fand derselbe Gewährsmann Muschelbeile noch allgemein im +Gebrauche, doch waren einzelne eiserne Werkzeuge bereits vorhanden, +die wahrscheinlich von dem französischen Schiffe Coquille stammten, +dem Augenschein nach Hobeleisen, die man der passenden Form +wegen gleich zu Beilen verwendete.[380] Der russische Reisende +MIKLUCHO-MACLAY erfuhr auf Yap von einem 50jährigen Eingeborenen, +daß zu dessen Jugendzeit schon vorwiegend eiserne Werkzeuge im +Gebrauche gewesen seien -- also in den dreißiger Jahren, während +zur Jugendzeit des Vaters des Erzählers Steinbeile allgemein +benutzt wurden.[381] + +Die Schiffahrt erwies sich in Polynesien der Ausbreitung des Eisens +ungemein günstig und war die Ursache, daß das nützliche Metall +bald auf allen Inselgruppen bekannt war. Wir finden dagegen, daß +in Ländern, wo unter den Bewohnern kein erleichterter Verkehr +stattfand, der eine Teil derselben lange mit dem Eisen vertraut +sein konnte, während der andere noch absolut im Steinzeitalter +verharrte. Ein solches Land ist Neuguinea. + +Seit altersher sind die Malayen mit der Darstellung des Eisens +vertraut und durch ihre Handelszüge gelangte die Kunst, es +zu gewinnen, zu den Papuas an der Westspitze von Neuguinea. +Die Schmiede bilden dort eine bestimmte Zunft, die sich des +Schweinefleisches enthält[382], ein Zeichen, daß mohamedanischer +Einfluß bei ihnen wirksam war. Ein fernerer Beweis dafür, daß sie +von den Malayen die Kunst, das Eisen zu verarbeiten, lernten, ist +die Art ihrer Windpumpen, welche ganz die charakteristische Form +haben, die von Madagaskar bis Neuguinea reicht. Während nun hier +im Westen der Insel schon lange die Eisenindustrie sich entwickelt +hatte, blieb das Metall im Osten derselben bis auf unsere Tage +vollkommen unbekannt. Dr. COMRIE, welcher 1874 auf dem »Basilisk« +das Ostkap Neuguineas besuchte, wo bis dahin die Eingeborenen noch +keinerlei Verkehr mit den Europäern gehabt hatten, fand jene noch +vollständig im Steinzeitalter. »_Iron up to our arrival being +unknown._« Sie erkannten aber bald den Vorzug der europäischen +Geräte und waren sehr begierig auf Eisen.[383] Eine Bestätigung +erhalten wir durch den Italiener BECCARI, der 1876 die Humboldtbai +im Norden der Insel besuchte, die allerdings schon früher durch +europäische Schiffe angelaufen war. Eiserne Geräte waren in den +Augen der dortigen Papuas von höherem Werte, als in den unserigen +Gold. »Ein einziges Stückchen Eisen, in eine rohe, doch für sie +furchtbare Waffe geformt, genügte, um das Ansehen eines ganzen +Stammes zu erhöhen.«[384] + +In Neuguinea ist das letzte größere Land unserer Erde zu sehen, +welches mit dem Eisen bekannt wurde, und mit dem in unsere Zeit +fallenden Vertrautwerden seiner Eingeborenen mit dem wertvollen +Metalle ~findet die Verbreitung des Eisens über den Globus seinen +Abschluß~. Im tiefen vorgeschichtlichen Dunkel ruhen die Anfänge +-- den Abschluß können wir aber mit dem achten Jahrzehnt unseres +Jahrhunderts genau bezeichnen. Wie Neuguinea, so verhalten sich +auch die vorgelagerten, erst jetzt näher bekannt werdenden Inseln +Neubritannien und Neuirland. WILFRED POWELL[385], der an der +Spaciousbai auf Neubritannien Tauschhandel trieb, fand, daß dort +die Eingeborenen die auf Neuguinea jetzt so geschätzten eisernen +Hacken nicht kannten; sie kümmerten sich nicht um die ihnen +gezeigten eisernen Beile, da sie selbst steinerne noch benutzten; +nur nach Perlen und rotem Zeug stand ihr Verlangen. + +~Archaistische Formung der neuen Eisengeräte.~ Mit einer +Übereinstimmung, die ein psychisches Gesetz offenbart, verfuhren +überall die Südseeinsulaner mit dem ihnen neuen Metall in der +ganz gleichen Weise. Sie behandelten dasselbe nämlich völlig nach +Art ihrer alten Stein- und Muschelgeräte und formten es diesen +gleich. Auf den Fidschiinseln bedient man sich jetzt zum Bearbeiten +des Holzes ganz allgemein unserer europäischen Beile, die jedoch +noch immer in der alten Weise, wie ehemals die Steinäxte, an den +Stiel befestigt werden, nämlich die Schneide nicht, wie bei uns, +parallel, sondern quer zum Griff.[386] MIKLUCHO-MACLAY sagt von +den Yapern: »Charakteristisch ist, daß sie die neuen Eisenbeile, +zu denen man Stahlmeißel benutzt, ganz so wie die alten Beile +aus Stein oder Muscheln am Stiele befestigten«[387], und an der +Ostspitze Neuguineas nahmen die Papuas das erste Eisen, welches sie +erhielten, z. B. Stücke von Schaufeln, schärften es und _hafted it +in the same way as their stone tools_.[388] + +Dieses Verfahren läßt sich übrigens auch bei anderen Naturvölkern +nachweisen, die zum erstenmale mit dem Eisen vertraut wurden. +Die eisernen Pfeilspitzen auf den Andamanen werden jetzt genau +so in der Form aus Eisen geschliffen, wie die alten aus Knochen +und Schweinszähnen hergestellten, die man in den Küchenabfällen +findet.[389] HANS STADEN aus Homberg in Hessen schildert uns den +Übergang der brasilianischen Tupis aus der Stein- in die Eisenzeit; +er berichtet, wie sie vordem überall und zu seiner Zeit teilweise +noch da, wo keine europäischen Schiffe hinkommen, Steingeräte +hatten und zwar »ein Art schwarzblauer Stein, machen ihnen wie ein +Keil und den breitesten Ort (des Steines) machen sie stumpf scharf, +ist wohl einer Spannen lang, zweier Finger dick, einer Hand breit, +etliche sein größer, etliche kleiner. Danach nehmen sie ein schmal +reidelin (eine Gerte) und beugen es oben drum her, bindens mit Bast +zusammen. Dieselbige Figur haben nun auch die eisern Keil, so ihnen +die Christen geben auf etlichen Orten«.[390] Die eisernen Beile der +Patagonier sind jetzt ganz nach Art der alten Steinäxte gestaltet +und an die Handhabe befestigt.[391] Die eisernen Beile, welche die +Konjagen in Nordwestamerika machten, wurden ganz nach dem Modelle +der alten Steinwerkzeuge hergestellt.[392] Die gewöhnliche Axt der +Grönländer besteht aus einem breiten Meißel in einer hölzernen +Handhabe _apparently in the same way as the stone chisels from the +prehistoric age have been fitted for use_.[393] Und so zeigten auch +die Hallstätter prähistorischen Eisenwaffen die für Bronzewaffen +charakteristischen Formen.[394] Wir haben selbst direkte Beweise +dafür, daß in vorgeschichtlicher Zeit in der gleichen Weise beim +Übergange vom Stein zum Metall verfahren wurde. Graf G. WURMBRAND +hat bei den Funden in den Pfahlbauten des Attersees nachgewiesen, +daß Lehmformen über Steinbeilen angefertigt und darin Metallbeile +gegossen wurden.[395] Nach dem gleichen Gesetze haben sich bis zum +heutigen Tage im Taunus Äxte, Meißel, Beile, Schlüssel bei der +ländlichen Bevölkerung im Gebrauche erhalten, welche durch ihre +Formen beweisen, daß sie nach römischen Mustern gearbeitet sind, da +die Originale in den Funden des römischen Kastells Saalburg sich +nachweisen lassen.[396] + +~Sprachliche Anpassung.~ Die Südseeinsulaner hatten sich zunächst +auch sprachlich mit dem neuen Metalle auseinander zu setzen und es +ist lehrreich, zu beachten, wie sie dabei verfuhren. In fast allen +den zahlreichen melanesischen Sprachen finden wir heute Wörter +für Eisen[397], in denen wir aber weder einen Anklang an _iron_, +_hierro_, noch an das malayische _besi_ entdecken können und die +auf anderweitigen, einheimischen und übertragenen Begriffen zu +beruhen scheinen. Es läßt sich dieses wenigstens aus dem auf den +Admiralitätsinseln für Eisen gebrauchten Worte _laban_ schließen, +das nicht etwa die Verstümmelung eines europäischen Wortes ist, +welches den Eingeborenen bei dem Bekanntwerden mit dem Metalle +übermittelt wurde, sondern das einheimische für Manganerz übliche, +denn mit diesem pflegen sie ihren Körper zu schwärzen. Sie hatten +für Eisen keine ähnliche Substanz und übertrugen daher diesen Namen +auf dasselbe.[398] + +Im westlichen Polynesien und östlichen Melanesien finden wir +für Eisen ein Wort im Gebrauch, welches in den Wörterbüchern +übereinstimmend als gleichwertig mit »Metall« gegeben wird, wie +wohl Metalle den Südseeinsulanern unbekannt waren. Es lautet +_ukamea_ auf Tonga, _kaukamea_ auf Fidschi, _hackoumea_ auf der zu +den Salomonen gehörigen Kokosinsel. Auf Samoa ist die Bezeichnung +_uamea_ und hier giebt das Lexikon[399] den Schlüssel, denn +mit _uamea_ bezeichnet man dort »alles, was gut ist«. In dem +neuseeländischen _rino_ und dem auf Fidschi auch gebräuchlichen +_aironi_ ist unschwer das englische _iron_ zu erkennen, wie das +_aúri_ der Markesasinsulaner auf _hierro_ zurückzuführen sein +dürfte. Dann würde dieses Wort bis zum Jahre 1595 zurückreichen und +entstanden sein, als damals ALVARO MENDANA die Inseln entdeckte. + +~Wirkungen des Eisens auf die Ozeanier.~ Die Wirkungen, welche +die Einführung des neuen Metalles auf die Eingeborenen der Südsee +hervorbrachte, sind keineswegs als günstige aufzufassen. Wie das +Gold, wenn es einer Bevölkerung zuströmt, auch Laster im Gefolge +hat, so das Eisen bei den Polynesiern. Für einen eisernen Nagel +war den Maori Neuseelands die Keuschheit einer Frau feil und für +eisernes Geräte boten die Männer ihre Töchter und Schwestern +ohne Unterschied an. Wie die offen stehenden, riegellosen Häuser +zeigten, kannten die Tahitier vor der Ankunft der Europäer den +Diebstahl nicht: aber der verführerische Reiz des Eisens brachte +sie dazu, daß sie dasselbe von den europäischen Schiffen +stahlen.[400] Als die Südseeinsulaner noch in der Steinperiode +standen, mußten sie mit ihren geringen Geräten verhältnismäßig +hart arbeiten, um sich ihre Bedürfnisse zu erringen. Es verlangte +Ausdauer und Zeit, um einen Baum mit einem Muschelbeil zu fällen, +ein Kanoe mit einem Steine zu zimmern. Mit den Waffen und Beilen +aus Stein und Fischknochen haben wir Europäer ihnen das einzige +Mittel genommen, sich des schädlichen Einflusses ihrer natürlichen +Faulheit zu erwehren: das Bewußtsein, leicht etwas erreichen zu +können, er tötet nicht bloß bei Wilden die Begierde nach dem +Besitz. »Das Eisen des Europäers folgte zu rasch auf den Stein des +Wilden; so mußte notwendig das, was für sie angeblich ein Segen +werden sollte, sie krank machen und hinsiechen lassen an Leib und +Seele.«[401] Es ist das plötzliche Hereinbrechen der neuen Kultur, +das Unvermittelte derselben, welches, mit dem Eisen eine gänzliche +Umwälzung der Lebensgewohnheiten bringend, so gefährlich für die +Südseeinsulaner wurde und nicht wenig dazu beitrug, daß sie in der +bekannten Weise sich verminderten. + + +Fußnoten: + +[376] J. R. FORSTER's Bemerk. auf seiner Reise um die Welt. Berlin +1783. 321. + +[377] GEORG FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 178. 147. 154. + +[378] Das. I. 313. + +[379] KEATE, Nachrichten von den Pelewinseln. Deutsch. Hamburg +1789. 46. 412. 74. + +[380] V. KITTLITZ, Denkwürdigkeiten einer Reise etc. Gotha 1858. +II. 2. I. 376. + +[381] Archiv für Anthropologie. XI. 337. + +[382] VAN HASSELT in Zeitschrift für Ethnologie. 1876. 171. + +[383] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111 (1871). + +[384] Geograph. Magazine. 1876. 213. + +[385] Wanderings in a wild country. London 1883. 111. + +[386] M. BUCHNER, Reise durch den Stillen Ozean. Breslau 1878. 237. + +[387] Archiv f. Anthropol. XI. 337. + +[388] Journ. Anthropol. Instit. VI. 111. + +[389] A. DE ROEPSTORFF in Zeitschr. d. Ges. für Erdkunde zu Berlin. +1879. 11. -- MAN im Journ. Anthropol. Inst XII. 379 giebt an, daß +sie das Eisen zu diesem Zwecke kalt mit Steinen hämmern. + +[390] HANS STADEN, Wahrhaftige Beschreibung etc. Kap. X der zweiten +Abteilung. Marburg 1557. + +[391] MUSTERS, Unter den Patagoniern. 180. Fig. 6. + +[392] HOLMBERG, Völker des russischen Amerika. Helsingfors 1855. +I. 101. Und so auch die benachbarten Thlinkithen. KRAUSE in +Verhandlungen der Berl. Anthropol. Ges. 1883. 207. + +[393] H. RINK, Danish Greenland. London 1877. 271. + +[394] UNDSET, Eisen in Nordeuropa. 14. 333. + +[395] Mitteil. Wiener Anthropol. Ges. V. 131. + +[396] Korrespondenzblatt der deutschen anthropol. Ges. 1882. 225. + +[397] G. V. D. GABELENTZ und A. B. MEYER, Beiträge zur Kenntnis der +melanesischen Sprachen. Leipzig 1882. No. 98. + +[398] MOSELEY im Journ. Anthropol. Instit. VI. 395 (1877). + +[399] VIOLETTE, Dictionnaire samoa-français. Paris 1880. s. v. + +[400] G. FORSTER, Sämmtliche Schriften. I. 182. 183. 282. + +[401] SEMPER, Die Palauinseln. Leipzig 1873. 355. + + + + +Verlag von VEIT & COMP. in Leipzig. + + + =du Bois-Reymond, Emil=, =Dr. Carl Sachs' Untersuchungen am + Zitteraal= -- Gymnotus electricus. -- Nach seinem Tode bearbeitet. + Mit zwei Abhandlungen von ~Gustav Fritsch~. Mit 49 Abbildungen + im Text und 7 Tafeln. Roy.-8. 1881. geh. M 26.-- + + + =Fürst, Livius=, =Die Maass- und Neigungverhältnisse des Beckens=. + Nach Profil-Durchschnitten gefrorener Leichen. Mit 7 lithographirten + Tafeln. 4. 1875. cart. M 10.-- + + + =Groddeck, Albrecht von=, =Die Lehre von den Lagerstätten der Erze=. + Ein Zweig der Geologie. Mit 119 Abbildungen in Holzschnitt. gr. 8. + 1879. geh. M 8.-- + + + =Hartmann, Robert=, =Der Gorilla=. Zoologisch-zootomische + Untersuchungen. Mit XIII in den Text gedruckten Holzschnitten und + XXI Tafeln. 4. 1880. geh. M 30.-- + + + =Hoernes, R.=, =Elemente der Palaeontologie=. Mit gegen 700 in den + Text eingedruckten Holzschnitten, gr. 8. 1884. geh. ca. M 14.-- + + + =Magnus, Hugo=, =Die Anatomie des Auges= bei den Griechen und Römern, + gr. 8. 1878. geh. M 2.40 + + ---- =Die geschichtliche Entwickelung des Farbensinnes.= + gr. 8. 1877. geh. M 1.40 + + ---- =Geschichte des grauen Staares.= Mit 1 lithographirten + Tafel. gr. 8. 1876. geh. M 8.-- + + + =Ploss, H. H.=, =Ueber die Lage und Stellung der Frau während der + Geburt bei verschiedenen Völkern=. Eine anthropologische Studie. Mit + 6 Holzschnitten, gr. 8. 1872. geh. M 1.50 + + ---- =Zur Geschichte, Verbreitung und Methodik der + Fruchtabtreibung.= Culturgesch.-mediz. Skizze. gr. 8. + 1883. geh. M 1.40 + + + =Ribot, Th.=, =Die Erblichkeit=. Eine psychologische Untersuchung + ihrer Erscheinungen, Gesetze, Ursachen und Folgen. Deutsch von Dr. + med. ~Otto Hotzen~, gr. 8. 1876. geh. M 7.-- + + Eine umfassende Darstellung und Verarbeitung der + wichtigsten über die Vererbung bekannten Thatsachen. + Die körperliche Vererbung wird als Grundlage des + ganzen Gebietes in der Einleitung behandelt, des + Werk selbst ist dagegen hauptsächlich den hierher + gehörigen psychologischen Erscheinungen gewidmet. Der + erste Abschnitt enthält eine Zusammenstellung des + Thatsächlichen, der zweite die Gesetze der Vererbung, der + dritte deren Ursachen und der vierte deren Folgen. + + + =Stannius, H.=, =Handbuch der Anatomie der Wirbelthiere=. Zweite Aufl. + + Erstes Heft: ~Zootomie der Fische~, gr. 8. 1854. geh. M 6.-- + Zweites Heft: ~Zootomie der Amphibien~, gr. 8. 1856. geh. M 6.-- + + + =Hahn, F. G.=, =Insel-Studien=. Versuch einer auf orographische und + geologische Verhältnisse gegründeten Eintheilung der Inseln. Mit + einer Karte in Farbendruck, gr. 8. 1883. geh. M 7.20 + + + =Kohl, J. G.=, =Die geographische Lage der Hauptstädte Europa's=. + gr. 8. 1874. geh. M 10.-- + + Der Verfasser schildert die Ursachen der Lage und + Weltstellung der namhaften Hauptstädte Europa's. Er + behandelt die Richtung der auf sie zielenden Flussläufe + und Thalbecken oder der bei ihnen zusammentreffenden + Küstenlinien und entwickelt daraus, wie der lebendige + Verkehr das Emporblühen der einzelnen Plätze herbeigeführt + hat. + + + =Der Periplus des Erythräischen Meeres= von einem Unbekannten. + Griechisch und deutsch mit kritischen und erklärenden Anmerkungen + nebst vollständigem Wörterverzeichniss von =B. Fabricius=. gr. 8. + 1883. geh. M 6.-- + + Ein ägyptischer Kaufmann schildert im Periplus seine + im letzten Drittel des ersten Jahrhunderts unserer + Zeitrechnung unternommenen Fahrten an der Westseite des + rothen Meeres mit der sich anschliessenden Ostküste + Afrika's und an der Ostküste des rothen Meeres hin bis + nach Indien, um Vorderindien herum, an Ceylon vorüber bis + an die Mündung des Ganges. Zum ersten Male werden diese + für die Culturgeschichte so wichtigen Aufzeichnungen + in deutscher Uebersetzung mit ausführlichem Commentar + veröffentlicht. + + + =Petermann, J. H.=, =Reisen im Orient=. Mit Titelbild und + Uebersichtskarte der Reisen 1852-1855. Zweite Ausgabe. Zwei Bände + in einem Band. gr. 8. 1865. geh. M 9.-- + + + =Richthofen, Ferd.= Freiherr von, =Aufgaben und Methoden der heutigen + Geographie=. Akademische Antrittsrede gehalten in der Aula der + Universität Leipzig am 27. April 1883. gr. 8. geh. M 1.80 + + + =Sachs, Carl=, =Aus den Llanos=. Schilderung einer + naturwissenschaftlichen Reise nach Venezuela. Mit Abbildungen im + Text und einem Titelbilde. gr. 8. 1879. geh. M 9.-- + + Das Werk des in den Tiroler Alpen verunglückten + hoffnungsvollen jungen Gelehrten ist eine der + besten Erscheinungen auf dem Gebiete der neueren + Reisebeschreibung. Es schildert in lebendiger und + anziehender Weise die Erlebnisse und Eindrücke des + Verfassers auf einer im Auftrage der Berliner Akademie + der Wissenschaften auf Kosten der Humboldtstiftung in den + Jahren 1876-1877 ausgeführten Reise nach Venezuela. + + + =Schultze, Victor=, =Die Katakomben=. Die altchristlichen Grabstätten. + Ihre Geschichte und Monumente. Mit 52 Abbildungen im Text und einem + Titelbilde. Roy.-8. 1882. geh. M 10.-- + + Wohl selten verlässt ein Reisender Rom, ohne in die + Katakomben hinabgestiegen zu sein und die grosse + unterirdische Todtenstadt besichtigt zu haben. Die Anlage, + die Inschriften und Embleme, die Wand- und Deckenmalereien + sind für die Erkenntniss christlicher Anschauung, für + die Gefühle und Ausdrucksweise der ersten christlichen + Jahrhunderte von grösster Wichtigkeit, und das Interesse + dafür tritt in immer weiteren Kreisen hervor. Zum ersten + Male in deutscher Sprache werden im Schultze'schen Werke + die Resultate der ~gesammten~ Katakombenforschung auf + Grund selbständiger Forschung dargestellt. Nicht nur die + Katakomben zu Rom, sondern auch diejenigen in Sicilien, + Griechenland u. s. w. finden eingehende Berücksichtigung. + + + =Supan, A.=, =Grundzüge der physischen Erdkunde=. Mit 139 Abbildungen + im Text u. 20 Karten in Farbendruck, gr. 8. 1884. geh. M 10.-- + + + + +Anmerkungen zur Transkription 2: + + +Im Original _kursiv_ gesetzter Text wurde mit _ markiert. + +Im Original ~gesperrt~ gesetzter Text wurde mit ~ markiert. + +Im Original =fett= gesetzter Text wurde mit = markiert. + +Im Original +griechisch+ gesetzter Text wurde mit + markiert. + +Überschriften wurden im Schriftbild vereinheitlicht. + +Bildunterschriften wurden weitesgehend vereinheitlicht. + +Abbildungen wurden innerhalb des Textes an den Beginn oder das +Ende von Absätzen verschoben und entsprechend ihrer Nummerierung +reorganisiert. + +Brüche werden folgendermaßen dargestellt: 1 Viertel = 1/4, 1 Achtel = +1/8 u. s. w., die volle Zahl wird durch - vom Bruch separiert, d. h. +eineinhalb = 1-1/2. + +Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; +lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Bis +auf offensichtliche Druckfehler wurde vom Haupttext abweichende +Schreibweise innerhalb der Zitate beibehalten. Die Punktuation in +Referenzen, Inhaltsverzeichnis, Tabellen und Abbildungen wurde +weitestgehend egalisiert. Die Angaben im Inhalsverzeichnis wurde zu einer +chronologischen Darstellung korrigiert und Formatierungen egalisiert. +Fehlende Seitenzahlen im Inhalsverzeichnis auf Seite XII wurden eingefügt. +Referenzen zu Abbildungen werden im Text normalerweise wie folgt +dargestellt: (Fig. xyz). + + +Übernommen wurden: + + Binué statt Binuë (Inhaltsverzeichnis, Seiten 27 und 48) + + Bruce Foot, wahrscheinlich ist Robert Bruce Foote (22 September + 1834 - 29 Dezember 1912) gemeint, ein britischer Geologe und + Archäologe, der oft als Gründer der prähistorischen Studien + von Indien bezeichnet wird (Encyclopedia Britannica: + www.Britannica.com). (Seite 58) + + Bugias statt Buguias (Seite 89) + + Camba Humbo statt Camba Huambo (Seite 19) + + Fernao do Po statt Ferñao do Pó (Seite 7) + + Fluß Botama statt Fluß Buotama (Seite 115) + + Futa Djallon statt Fouta Djallon (Inhaltsverzeichnis, + Abbildungsverzeichnis, Seite 29 und Abbildung 12) + + Hlinnitza statt Hlinitza (Seite 82) + + Hofrat e Nahhas statt Hofrat En Nahas (Inhaltsverzeichnis, + Seiten 45, 46, 55 und 56) + + Insel Ometepec im Nicaraguasee statt Insel Ometepe im + Nicaraguasee (Seite 153) + + König Mtesa statt König Mutesa (Seite 16) + + König Rumanika von Karagwé statt König Rumanyika von Karagwé + (Seiten 16 und 54) + + Lake superior statt Lake Superior (Seiten 141 und 148, sowie + Fußnote 325) + + Maypa statt Maipo River (Seite 157) + + Madlicot statt Henry Benedict Medlicott, ein irischer Geologe, + der oft als Coautor in Texten über die Geologie in Indien + zitiert wird (Seite 66) + + Michoacan statt Michoacán (Seite 152) + + pariser Grobkalk statt Pariser Grobkalk (Seite 144) + + Pharao Thutmes III, welcher wahrscheinlich Pharao Thutmosis + (Seite 5)/Thutmose III (Seite 4) war. + + Roggeween statt Roggeveen (Seite 160) + + Schildkrot (Seite 5 Tausch Elfenbein, Schildkrot und + Rhinozeroshorn gegeben wurden.), möglicherweise meinte man + Schildkröte. Der Text wurde im Original beibehalten. + + Shwo-fàng-tsun statt evt. Shwo-fang-tsun (Seite 110) + + Sorapur (Seite 66) und Sorapoor (Seite 62), wahrscheinlich ist + die indische Stadt Shorapur/Surapura im Yadgir Distrikt gemeint. + + Teotitlan del Valle statt Teotitlán del Valle + (Abbildungsverzeichnis, Abbildung 47 und Seite 149) + + Tonli-Sapsees statt Tonle-Sapsees (Seite 98) + + Tongatabu statt Tongatapu (Seite 160) + + Visvacarma statt Vishwakarma (Seite 101) + + Wraks statt Wracks (Seite 136) + + +Einige Ausdrücke wurden in beiden Schreibweisen übernommen: + + Amboss, Ambosse und Amboß, Amboße (verschiedene Textstellen) + + Äthiopiern (Seite 5) und Athiopier (Seite 5) + + Ausgepresster (Abbildung 21) und Ausgepreßter + (Abbildungsverzeichnis) + + Ghurras (Seite 67) und Ghurrahs (Seite 63) + + mehreremal (Seite 58) und mehrere Mal (Seite 131) + + Njassasee, Nyasa-See, Malawi See und Abwandlungen (verschiedene + Textstellen) + + Oker (Seite 72) und Ocker (Seiten 54 und 120) + + Sambesi und Wortkombinationen (Seiten 19, 34, 35 und 49), + Zambesi (Seiten 20, 40 und 50) und Zambezi (Fußnoten 60 und 63) + + Schachte (Seiten 19, 63, 110, 119, 140, 141 und 152) und + Schächte (Seiten 47, 63, 96 und 97) + + Schamkonbezirke und Schemkonbezirke (beide Seite 115) + + schmiedbare (Seite 69), schmiedbaren (Seite 69), schmiedbares + (Seite 44) und schmiedebares (Seite 8) + + Serracoletts (Seite 29) und Serracolletts (Seite 40) + + speziell (Seite 138) und speciell (Seite 72) + + Tai-ngan-fu (Inhaltsverzeichnis) und Tai-ngau-fu (Seite 107) + + ungeheuren (Seite 11) und ungeheueren (Seite 67) + + wie wohl (Seite IV) und wiewohl (ca. 28 Textstellen) + + zum ersten Male (Seite 46 und 2x Werbeseiten am Ende) und zum + erstenmale (Seiten 129 und 163) + + +Folgende offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert: + + geändert wurde "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellnng + desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse." + in "auf eine selbständige und ursprüngliche Darstellung + desselben, ohne erkennbare fremde Einflüsse." + (Seite VI) + + geändert wurde "gesellt mit Bronzen; welche letztere man auch" + in "gesellt mit Bronzen, welche letztere man auch" + (Seite VII) + + geändert wurde "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber + selbstständig und unabhängig von einander." + in "in Mexiko, in Cundinamarca und in Peru, stets aber + selbständig und unabhängig von einander." + (Seite VIII) + + geändert wurde "Chinesisches Gefäß aus der Tschou-Dynastie." + in "Chinesisches Gefäß aus der Tschóu-Dynastie." + (Seite XV Abbildungsverzeichnis) + + geändert wurde "Peruanische Mauerkelle. Nach demselben" + in "Peruanische Maurerkelle. Nach demselben" + (Seite XVI Abbildungsverzeichnis) + + geändert wurde "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres + ersehen[14], wurden im ersten" + in "Wie wir aus dem Periplus des Erythräischen Meeres + ersehen[15], wurden im ersten" + (Seite 4 Fußnotenanker vom [14] auf [15] geändert) + + geändert wurde "in Kriegsgefahren die Athioper grosser Bogen, aber + kurzer Pfeile;" + in "in Kriegsgefahren die Athioper großer Bogen, aber + kurzer Pfeile;" + (Seite 5) + + geändert wurde "spitz und in tötliches Gift getaucht." + in "spitz und in tödliches Gift getaucht." + (Seite 5) + + geändert wurde "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlieh." + in "dennoch aber den Schwarzen unentbehrlich." + (Seite 9) + + geändert wurde "die Eisenindustrie im Bar el Ghasalgebiete an den" + in "die Eisenindustrie im Bahr-el-Ghasalgebiete an den" + (Seite 10) + + geändert wurde "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOS, welche uns" + in "haben wir die Nachrichten SERPA PINTOs, welche uns" + (Seite 19) + + geändert wurde "Beinringe sind in betracht der einfachen Werkzeuge," + in "Beinringe sind in Betracht der einfachen Werkzeuge," + (Seite 25) + + geändert wurde "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partieen, + in denen das Erz," + in "Oft finden sich darin kleinere oder größere Partien, + in denen das Erz," + (Seite 29) + + geändert wurde "selbst auf die Eisenreduction zu verfallen," + in "selbst auf die Eisenreduktion zu verfallen," + (Seite 36) + + geändert wurde "Rolle zu spielen wie die obenerwähnten Sandhäufchen + der Zulu." + in "Rolle zu spielen wie die oben erwähnten Sandhäufchen + der Zulu." + (Seite 53) + + geändert wurde "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida nnd + assamesischen Bergvölkern in Vorderindien." + in "Eisenerzeugung bei den Hindu, den Drawida und + assamesischen Bergvölkern in Vorderindien." + (Seite 75) + + geändert wurde "Hufeisen, Ringe, Maultrommeden, Nägel, Messer." + in "Hufeisen, Ringe, Maultrommeln, Nägel, Messer." + (Seite 80) + + geändert wurde "welche von der Türkei und untern Donau durch" + in "welche von der Türkei und unteren Donau durch" + (Seite 81) + + geändert wurde "may work them both alternetely, one with each hand." + in "may work them both alternately, one with each hand." + (Seite 88) + + geändert wurde "Das Ambohimiangavogebirge ist so reich daran," + in "Das Ambohimiangavorgebirge ist so reich daran," + (Seite 90) + + geändert wurde "Kupfererzen bei Mancayan im Districte Lepanto, + sowie im" + in "Kupfererzen bei Mancayan im Distrikte Lepanto, + sowie im" + (Seite 92) + + geändert wurde "eines das geschmolzene Metall abfließt. während das + andere" + in "eines das geschmolzene Metall abfließt, während das + andere" + (Seite 96) + + geändert wurde "Som-ron-sen liegt an den Ufern des Sung Chinit, + eines Zuflusses des" + in "Som-Ron-Sen liegt an den Ufern des Stung Chinit, + eines Zuflusses des" + (Seite 98) + + geändert wurde "_by a succeding emperor Shuo-kang_" + in "_by a succeeding emperor Shuo-kang_" + (Seite 107) + + geändert wurde "sehr alt sein, Denn das Thal ist voll von sehr" + in "sehr alt sein, denn das Thal ist voll von sehr" + (Seite 110) + + geändert wurde "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor + des Peabodymuseums," + in "allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des + Peabody-Museums," + (Seite 132) + + geändert wurde "mit Pfeilspitzen aus Obsidien und dazwischen + ein Federmesser" + in "mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen + ein Federmesser" + (Seite 136) + + geändert wurde "_toutefois ils devaient connaitre le métal, car leur + tradition dit que jusqu'a la trouvaille du vieillard,_" + in "_toutefois ils devaient connaître le métal, car leur + tradition dit que jusqu'à la trouvaille du vieillard,_" + (Seite 137) + + geändert wurde "doch gehört hier die Verarbeitung bereit der + vorkolumbischen Zeit an." + in "doch gehört hier die Verarbeitung bereits der + vorkolumbischen Zeit an." + (Seite 140) + + geändert wurde "und Gewerbe blüten, Weberei, Färberei, Malerei, + Bilderschrift zeigten" + in "und Gewerbe blühten, Weberei, Färberei, Malerei, + Bilderschrift zeigten" + (Seite 147) + + geändert wurde "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate + S. Luiz Potosi stammt (Fig. 45)." + in "welche aus einem Tumulus von Venis Meicis im Staate + S. Luis Potosi stammt (Fig. 45)." + (Seite 149) + + geändert wurde "das letztere sich erergebende Härtung kannten," + in "das letztere sich ergebende Härtung kannten," + (Seite 157) + + geändert wurde "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Eearly history + of mankind. 208." + in "GOGUET, III. 331 citiert bei TYLOR, Early history + of mankind. 208." + (Fußnote 238) + + geändert wurde "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. + 251. 233." + in "VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. + 251. 283." + (Fußnote 302) + + geändert wurde "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th + Meridian. vol. VII. Archäology. Wash. 1879. 273. + Plate XV. und Plate IV. Fig. 8." + in "Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th + Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. + Plate XV. und Plate IV. Fig. 8." + (Fußnote 304) + + geändert wurde "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings + of the Americ. Antiqu. Soc. Octobre 1882." + in "Notes on copper implements from Mexico. Proceedings + of the Americ. Antiqu. Soc. October 1882." + (Fußnote 347) + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 75891 *** |
