diff options
| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:29:20 -0700 |
|---|---|---|
| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:29:20 -0700 |
| commit | 5164d823c3309dd8cbb511e575d25858a36e7208 (patch) | |
| tree | eda0fa2cbfabdf612b4bd25b6adbd3c53bf8849c /7264-8.txt | |
Diffstat (limited to '7264-8.txt')
| -rw-r--r-- | 7264-8.txt | 4067 |
1 files changed, 4067 insertions, 0 deletions
diff --git a/7264-8.txt b/7264-8.txt new file mode 100644 index 0000000..0e51968 --- /dev/null +++ b/7264-8.txt @@ -0,0 +1,4067 @@ +Project Gutenberg's Ein St. Johannis Nachts-Traum, by William Shakespeare +#17 in our series by William Shakespeare + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Ein St. Johannis Nachts-Traum + (A Midsummer Night's Dream) + +Author: William Shakespeare + +Release Date: January, 2005 [EBook #7264] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on April 2, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-Latin-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN ST. JOHANNIS NACHTS-TRAUM *** + + + + +This eBook was produced by Delphine Lettau + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Ein St. Johannis Nachts-Traum + +William Shakespeare + +Übersetzt von Christoph Martin Wieland + + +Personen: +Theseus. +Egeus. +Lysander. +Demetrius. +Philostratus. +Hippolita. +Hermia. +Helena. +Squenz. +Schnok. +Zettel. +Flaut. +Schnauz. +Schluker. +Vorredner. +Löwe. +Mondschein. +Pyramus. +Thisbe. +Oberon, König der Feen. +Puk. +Titania, die Königin. +Feen. +Spinneweb. +Senfsaamen. + +Die Scene ist in Athen, und einem Wald nicht weit davon. + + + + +Erster Aufzug. + + + +Erster Auftritt. +(Des Herzogs Pallast in Athen.) +(Theseus, Hippolita, Philostratus und Gefolge, treten auf.) + + +Theseus. +Nun nähert sich, Hippolita, die Stunde +Die unser Bündniß knüpft, mit starken Schritten. +Vier frohe Tage bringen einen andern Mond. +Doch o! wie langsam, deucht mich, schwindet +Nicht diese alte Luna! Sie ermüdet +Mein sehnend Herz, gleich einer allzuzähen +Stiefmutter oder Wittwe, die zu lang +An eines jungen Mannes Renten zehrt. + +Hippolita. +Schnell werden sich vier Tag' in Nächte tauchen, +Vier Nächte schnell die Zeit vorüberträumen; +Dann wird der Mond gleich einem Silberbogen +Neu aufgespannt im Himmel, auf die Nacht +Die unsre Liebe krönt, herunter winken. + +Theseus. +Geh, Philostrat, und ruffe durch Athen +Die Jugend auf zu Lustbarkeiten! wecke +Den leichten muntern Geist der Frölichkeit. +Die blasse Schwermuth sey zu Leichen-Zügen, +Wozu sie besser taugt, von unserm Fest verbannt! +Hippolita, ich buhlte mit dem Schwerdt +Um dich, und unterm Lerm der wilden Waffen +Gewann ich deine Gunst; doch froher soll +Mit Pomp, Triumph und mitternächtlichen Spielen +Der Tag, der uns vermählt, begangen werden. (Egeus, Hermia, +Lysander und Demetrius treten auf.) + +Egeus. +Glüklich sey Theseus, unser grosser Fürst. + +Theseus. +Dank, edler Egeus! was bringst du uns Neues? + +Egeus. +Voll Unmuth komm ich, Fürst, mit Klagen über +Mein Kind, mit Klagen über Hermia--tritt +Hervor, Demetrius!--dieser Mann, o Herr, +Hat meinen Beyfall, sie zur Eh zunehmen-- +Lysander, steh' hervor! Und dieser Mann +Hat meines Kindes Herz bezaubert. Ja du, +Lysander, du, du gabst ihr Reime, +Und wechseltest verstohlne Liebespfänder +Mit meinem Kinde. Falsche Buhlerlieder +Sangst du beym Mondschein mit verstellter Stimme +Vor ihrem Fenster ab, und hast durch Bänder +Von deinen Haaren, Ringe, Trödelwerke, +Durch Naschereyen, Puppen, Blumensträusse +Den Abdruk ihrer Phantasie gestohlen. +Durch Ränke hast du meiner Tochter Herz +Entwandt und den Gehorsam, welchen sie +Mir schuldig ist, in Widerspenstigkeit +Und schnöden Troz verkehrt. Wofern sie also, +Mein königlicher Herr, nicht hier +Vor Eurer Hoheit sich bequemen will, +Dem Mann, den ich erkohr', die Hand zu geben; +So sprech ich hier der Bürger von Athen +Uraltes Vorrecht, und die Freyheit an, +Mit ihr als meinem Eigenthum zu schalten: +Und diß wird seyn, sie diesem Edelmanne, +Wo nicht, dem Tod zu überliefern, wie +In einem solchen Fall der Buchstab' des Gesezes +Ausdrüklich lautet-- + +Theseus. +Was sagt Hermia +Hiezu? bedenke dich, mein schönes Kind! +In deinen Augen soll dein Vater +Ein Gott, der Schöpfer deiner Schönheit, seyn. +Mit ihm verglichen, bist du nichts als eine +Von ihm in Wachs gebildete Figur, +Die er, nachdem es ihm beliebt, erheben +Und wieder tilgen kan. Demetrius ist +Ein würdiger Edelmann. + +Hermia. +Das ist Lysander auch. + +Theseus. +Er ist es an sich selbst, +Doch da ihm deines Vaters Stimme mangelt, +So ist der andre würdiger anzusehen. + +Hermia. +O! daß mein Vater nicht mit meinen Augen sieht. + +Theseus. +Weit besser wär' es, deine Augen sähen +Mit deines Vaters Klugheit. + +Hermia. +--Eure Hoheit +Vergebe mir. Ich weiß nicht, welche Macht +Mir diese Kühnheit eingehaucht, noch wie +Vor so viel Augen, meine Sittsamkeit +Sich überwinden kan, für meine Neigung +Das Wort zu nehmen. Aber, meldet mir, +Mein Herr, das schlimmste, das mich treffen kan, +Wenn ich mich weig're diesen Mann zu nehmen. + +Theseus. +Den Tod zu sterben, oder Lebenslang +Die männliche Gesellschaft abzuschwören. +Befrage also deine Neigung, Hermia! +Bedenke deine Jugend; Ist dein Blut +So kühl, und hast du, wenn du deines Vaters +Beschloßner Wahl dich nicht ergeben willst, +Auch Muth genug, auf ewig eingeschleyert +In eines öden Klosters trübe Schatten +Verschlossen, eine unfruchtbare Schwester +Dein Leben hinzuleben; traurige Hymnen +Dem kalten Mond entgegenächzend-- +Dreymal beglükt, die, ihres Blutes Meister, +Solch' eine keusche Pilgrimschaft bestehen! +Doch irdischer glüklich ist die abgepflükte Rose, +Als die am unvermählten Stoke welkend +In einzelner Glükseligkeit, von niemand +Gesehen, ungenossen, wächßt und blüht und stirbt. + +Hermia. +So will ich wachsen, so verblüh'n und sterben, +Mein Königlicher Herr, eh meine Freyheit +Dem Joch des Manns sich unterwerffen soll, +Deß unerwünschte Herrschaft meine Seele +Nicht über sich erkennt. + +Theseus. +Nimm dir Bedenkzeit, +Und auf den nächsten Neuenmond, den Tag +Der durch Hippolita mich glüklich macht, +Bereite dich, nach deines Vaters Willen +Dich dem Demetrius zu ergeben; oder +Durch deinen Tod des Ungehorsams Frefel +Zu büssen; oder an Dianens Altar +Des Klosterlebens strenge Pflicht zu schwören. + +Demetrius. +Erweiche, Schönste, dich; und du Lysander, +Tritt deinen schwachen Anspruch meinem stärkern Rechte +Freywillig ab-- + +Lysander. +Du hast, Demetrius, ihres Vaters Liebe, +Laß du nur Hermias mir; heurathe ihn! + +Egeus. +Ja, hönischer Lysander, es ist wahr, +Er hat sie, meine Liebe; und was mein ist, +Soll meine Lieb' ihm geben; sie ist mein, +Und all mein Recht an sie trett' ich Demetrio ab. + +Lysander. +Ich bin so edel als wie er gebohren; +Ich bin so reich als er, und liebe mehr +Als er; mein Glüke blüht an jedem Zweige, +So schön als seines, um nicht mehr zu sagen; +Und was diß alles dessen er sich rühmet +Allein schon überwiegt, mich liebt die schöne Hermia. +Und sollt ich denn mein Recht nicht durchzusezen suchen? +Demetrius, ins Gesicht behaupt' ichs ihm, +Bewarb sich kürzlich noch um Nedars Tochter +Die schöne Helena, und gewann ihr Herz. +Izt schmachtet sie, die sanfte Seele! schmachtet +Bis zur Abgötterey um diesen falschen +Treulosen Mann-- + +Theseus. +Ich muß gestehen +Daß ich davon gehört, und mit Demetrius +Davon geredt zu haben, mich beredet; +Doch eigne Sorgen machten's mir entfallen. +Kommt ihr indeß, Demetrius und Egeus, +Ich hab euch beyden etwas aufzutragen, +Das mich sehr nah' betrift. Du aber, Hermia, +Sieh' zu, soll anders nicht die ganze Strenge +Der Sazung von Athen, die ich nicht schwächen kan, +Dich treffen, daß du deine Schwärmerey +Dem Willen deines Vaters unterwerffest. +Wie steht's, Hippolita?* Komm, meine Liebe! +Demetrius, und Egeus folget mir! + +{ed.-* Hippolita hatte diese ganze Zeit über nicht ein einziges Wort +gesprochen. Hätte ein neuerer Poet das Amt gehabt, ihr ihre Rolle +anzuweisen, so würden wir sie geschäftiger als alle andre gefunden, +und zweifelsohne möchten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil +von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewußte besser was er zu +thun hatte, und beobachtete das Decorum. Warbürton.} + +(Sie gehen ab.) + + + +Zweyter Auftritt. +(Lysander und Hermia bleiben.) + + +Lysander. +Wie? meine Liebe? wie ist deine Wange +So blaß? warum verwelken ihre Rosen? + +Hermia. +Vielleicht weil sie des Regens mangeln, +Woraus ich aus den Wolken meiner Augen +Sie reichlich überthauen könnte. + +Lysander. +Hermia; so viel ich in Geschichten las, +Und aus Erzählung hörte, floß der Strom +Der wahren Liebe niemals sanft dahin. +Entweder hemmte ihn des Standes, oder +Der Jahre Abstand, oder Widerwille +Der Anverwandten; und wenn ja die Wahl +Der Liebenden durch ihre Sympathie +Beglükt zu seyn versprach, so stellte sich +Krieg, Krankheit oder Tod dazwischen +Und macht' ihr Glük vergänglich wie der Schall, +Flüchtig wie Schatten, kurz als wie ein Traum, +Vorüberfahrend wie der helle Bliz +In einer schwarzen Nacht, der Erd und Himmel +In einem Wink enthüllt, und eh noch einer Zeit hat +Zu sagen: Sieh! schon von dem offnen Schlunde +Der Finsterniß verschlungen ist. +So eitel sind die Dinge, die am schönsten glänzen! + +Hermia. +Wenn denn getreue Liebe jederzeit +Durch Wiederwärtigkeit geprüfet wurde, +Und diß der feste Schluß des Schiksals ist; +So laß uns unsre Prüfung mit Geduld +Besteh'n, weil Widerwärtigkeit und Leiden +Ein eben so gewöhnlichs Zugehör +Der Liebe ist, als Staunen, Träume, Seufzer, +Wünsche und Thränen, das gewöhnliche +Gefolg der liebeskranken Phantasie. + +Lysander. +Ein guter Glaube! Höre mich dann, Hermia. +Nur sieben Stadien von Athen entfernt +Wohnt eine meiner Basen, reich, verwittwet, +Und kinderlos. Sie hält und liebet mich +Wie ihren eignen Sohn. Dort, schönste Hermia, +Dort kan ein ewig Bündniß uns vereinen, +Und bis dorthin kan auch Athens Gesez +Uns nicht verfolgen. Liebest du mich also, +So schleiche morgen Nachts aus deines Vaters Hause +Dich weg, in jenen Wald, nah' bey Athen, +Wo ich dich einst mit Helena gefunden, +Als ihr des ersten Maytags Ankunft feyrtet. + +Hermia. +Ach! mein Lysander! + +Lysander. +Zaudert Hermia?-- + +Hermia. +Nein! +Bey Amors stärkstem Bogen schwör ich dir,* +Beym schärfsten seiner goldgespizten Pfeile, +Lysander, bey der unschuldvollen Einfalt +Der Dauben, die der Venus Wagen ziehen, +Beym Feuer das Carthagos Königin +Verzehrte, da sie mit geblähten Seegeln +Den ungetreuen Troyer fliehen sah; +Bey dem was Seelen an einander küttet, +Bey jedem Schwur, den je ein Mann gebrochen, +Bey mehr als Mädchen jemals ausgesprochen; +An jenem Plaz, im Schatten jener Linden, +Sollt du mich zur bestimmten Stunde finden. + +{ed.-* Der Dr. Warbürton fand, daß Hermia sich zu schnell, und +was das schlimmste ist, auf den ersten Antrag, durch eine Reihe +von Eyden verbinde, mit dem Lysander davon zu lauffen. Er +glaubt, daß Shakespearenicht fähig gewesen einen solchen Fehler +zu machen, und schreibt also allen alten und neuen Ausgaben +unsers Dichters zuwider, diese schöne Rede: (Bey Amors +stärkstem Bogen,) u.s.w. dem Lysander, und nur die zween lezten +Verse der Hermia zu. Meine Empfindung widerspricht hier den +Vernunftschlüssen des Kunstrichters. Ich finde eine solche +Weiblichkeit in dieser Rede, daß sie mit Anständigkeit nur von +Hermia gesagt werden kan. Empfindende Leserinnen mögen den +Ausspruch thun. Damit aber doch das von Warbürton in dem Text +vermißte Decorum gerettet werde, habe ich nach seinem Beyspiel die +Freyheit gebraucht, auf die Worte Hermias, (my good Lysander), den +Lysander sagen zu lassen: Zaudert Hermia? welches er im Englischen +nicht sagt. Worauf dann Hermia, als ob sie sich recolligire, +erwiedert: Nein! bey Amors u.s.w.} + +Lysander. +Vergiß nicht dein Versprechen, holde Liebe. +Schau, hier kömmt Helena. + + + +Dritter Auftritt. + + +Hermia. +Wie eilig, schöne Helena, wohin? + +Helena. +Mich nennst du schön? O! nimm diß Schön zurük. +Demetrius liebet dich! du bist ihm schön +Glüksel'ge Schöne! Deine Augen sind +Die Sterne, die ihn leiten; süsser tönt +Ihm deine Stimme, als der Lerche Lied +Dem Ohr des Hirten, wenn die Wiesen grünen, +Und junge Knospen um den Hagdorn blinken! +Krankheit ist erblich! O! wär's auch die Kunst +Die uns gefallen macht: Wie wollt ich, eh ich gehe, +Die deine haschen! Meine Blike sollten +Die Zauberkraft von deinem Blik, mein Mund +Den süssen Wohlklang deiner Lippe haschen. +Wär' mein die Welt, und blieb Demetrius mir, +Wie gerne ließ ich alles andre dir! +O lehre mich, wie blikest du ihn an? +Mit was für Künsten, schöne Freundin, sprich, +Beherrschest du die Triebe seines Herzens? + +Hermia. +Die Stirne rümpf ich ihm, doch liebt er mich. + +Helena. +O möchten deiner Stirne Falten +Mein Lächeln solche Wirkung lehren. + +Hermia. +Verwünschung geb ich ihm, doch giebt er stets mir Liebe. + +Helena. +O! wäre mein Gebett von solcher Kraft! + +Hermia. +Je mehr ich hasse, folgt er mir. + +Helena. +Je mehr ich liebe, haßt er mich. + +Hermia. +Sey guten Muths! er soll mich nicht mehr sehen. +Lysander und ich selbst verlassen diese Gegend. +Eh ich Lysandern sah, schien mir Athen +Elysium. O! welch ein Reiz muß dann +In meiner Liebe seyn, da sie den Ort +Der einst ein Himmel war, zur Hölle macht. + +Lysander. +Laß uns, o Freundin, unsre Seelen dir +Vertraut enthüllen. Morgen Mitternachts, +Wenn Phöbe in der Wellen feuchtem Spiegel +Ihr silbern Angesicht beschaut, und dekt +Den grünen Wasen mit zerfloßnen Perlen, +Zur Zeit, die oft der Liebe Flucht verheelte, +Sind wir entschlossen, Helena, uns durch +Die Thore von Athen hinweg zu stehlen. + +Hermia. +Und in dem Hayn, wo oftmals du und ich +Auf Frühlings-Blumen hingegossen lagen, +Und unsre von jungfräulichen Gedanken +Geschwellte Busen ihrer Last entleerten; +Dort werden wir, Lysander und ich selbst, +Uns finden, und dann von Athen die Augen wenden, +Um neue Freunde unter neuen Himmeln +Zu suchen. Lebe wohl, anmuthige Gespielin! +Und wie du für uns betest, gebe dir +Ein günstig Glük den Jüngling den du liebest! +Lysander halte Wort!--Nun müssen unsre Augen +Bis morgen Nachts der Liebe Kost entbehren. + +Lysander. +Ich will, meine Hermia!--Lebe wohl, Helena, +Demetrius liebe dich, wie du ihn liebest! + +(Lysander und Hermia gehen ab.) + +Helena (allein.) +Wie manche doch vor manchen glüklich sind! +Durch ganz Athen werd ich so schön geachtet +Als Sie--Was hilft es mir? Demetrius nur +Denkt anders! Er für den ich es allein +Zu seyn verlange, kan nicht, will nicht sehen, +Was Aller Augen ausser ihm gestehen. +Der gleiche Irrthum, der nach Hermias Bliken +Ihn schmachten macht, bethört mein Herz für ihn. +Den unscheinbarsten blödsten Dingen kan +Die Liebe Glanz, Gestalt und Würde geben. +Die Liebe siehet durch die Phantasie, +Nicht durch die Augen, und deßwegen wird +Der goldbeschwingte Amor blind gemahlt. +Geflügelt ohne Augen deutet er +Der Liebe Hastigkeit im Wählen an; +Und weil sie leicht verläßt was sie erkohr, +So stellt man ihn als einen Knaben vor; +Wie Knaben oft beym Spiel meineydig werden, +So scherzt des Knaben Amors Leichtsinn auch +Mit seinen Schwüren. Eh Demetrius +Auf Hermias Augen sahe, hagelt er +Eydschwüre ewig mein zu seyn, herab; +Allein es fühlte dieser Hagel kaum +Die Glut von ihrem Blik, so schmolz er hin. +Izt will ich geh'n und Hermias Flucht ihm melden. +Dann wird er morgen Nachts sie in den Hayn +Verfolgen, und wenn anders die Entdekung +Mir Dank gewinnt, so wird er theur erkauft. +Doch wird mir dieses meine Pein versüssen, +Wenn ich es sehe* wie er sie zu finden, +Der Ungetreue! hie und dort und da +Umsonst in zitternder Verwirrung läuft; +Und mein verschmähtes Auge durch den Anblik +Der eiteln Wuth ergözt, womit er wieder kehrt. + +{ed.-* Der Übersezer hat sich hier eine Freyheit erlaubt, die er +selten zu nehmen gedenkt, nemlich einen etwas dunkeln Vers durch +fünf andre zu paraphrasieren. Ob er aber den Sinn des Poeten +getroffen, wird dem Ausspruch der Kunstrichter überlassen.} + +(Geht ab.) + + + +Vierter Auftritt. +(Squenz, Schnok, Zettel, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.) + + +Squenz. +Ist die Companie beysammen? + +Zettel. +Es wär' am besten, ihr rieffet sie alle Mann für Mann auf, wie es +der Rodel giebt. + +Squenz. +Hier ist die Liste von jedermanns Namen, der in ganz Athen für +tüchtig gehalten wird, in unserm Zwischenspiel vor dem Herzog und +der Herzogin zu spielen, an seinem Hochzeittag zu Nacht. + +Zettel. +Vor allen Dingen, guter Peter Squenz, sagt uns, wovon das Stük +handelt; dann leset die Namen von den Agenten, und so eins nach dem +andern. + +Squenz. +Sapperment! es ist die höchstklägliche Comödie, und der +jämmerliche Tod von Pyramus und Thisbe. + +Zettel. +Ein recht gutes Stük Arbeit, ich kan's euch sagen; und lustig! Izt, +wakrer Peter Squenz, ruft euere Agenten nach dem Rodel auf--ihr +Herren! macht euch fertig! + +Squenz. +Antwortet wie ich euch ruffe. Claus Zettel, der Weber! + +Zettel. +Hier! Nennet meinen Part, und weiter! + +Squenz. +Ihr, Claus Zettel, seyd für den Pyramus hingesezt. + +Zettel. +Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann? + +Squenz. +Ein Liebhaber, der sich selber nur auf eine recht galante Art aus +Liebe ersticht. + +Zettel. +Das wird einige Zähren erfodern, wofern es recht gemacht werden +soll. Wenn ich es mache, dann mögen die Zuschauer zu ihren Augen +sehen! Ich will Stürme erregen, ich will condolieren, daß es eine +Art haben soll! weiter!--Aber meine gröste Declination ist zu +einem Tyrannen. Ich wollte einen Herkles spielen, etwas rares! +Oder einen Part, wo ich ein Vorgebürg einreissen müßte, daß alles +zersplitterte--"Der Felsen Schooß und toller Stoß zerbricht das +Schloß der Kerkerthür, und Febbus Karr'n, Kommt angefahr'n, und +macht erstarr'n, des stolzen Schiksals Zier!"--Das gieng hoch!-- +Namset izt die übrigen Agenten--Das war Herklessens Ader! Eine +Tyrannen-Ader! Ein Liebhaber geht schon gravitätischer. + +Squenz. +Franz Flaut, der Blasbalg-Fliker. + +Flaut. +Hier, Peter Squenz. + +Squenz. +Ihr müßt Thisbe über euch nehmen. + +Flaut. +Was ist Thisbe? Ein irrender Ritter? + +Squenz. +Es ist die Princessin, in die Pyramus verliebt ist. + +Flaut. +Nein, mein Six! gebt mir keinen Weiber-Part, ich fange schon an +einen Bart zu bekommen. + +Squenz. +Das ist all eins! Ihr müßt in einer Maske spielen; und ihr könnt +so zart reden, als ihr wollt. + +Zettel. +Wenn ich mein Gesicht verbergen darf, so gebt mir Thisbe auch; ich +will mit einer monstrosen zarten Stimme reden--"Thisne, Thisne, ach! +Pyrimus, mein Liebster werth, dein' Thisbe zart, dein Liebchen +zart"-- + + +Squenz. +Nein, nein, ihr müßt beym Pyramus bleiben, und Flaut muß Thisbe +seyn. + +Zettel. +Gut! fortgefahren! + +Squenz. +Max Schluker, der Schneider. + +Schluker. +Hier, Peter Squenz. + +Squenz. +Max Schluker, ihr müßt Thisbes Mutter seyn. Hans Schnauz, der +Keßler! + +Schnauz. +Hier, Peter Squenz. + +Squenz. +Ihr, des Pyramus Vater, ich selbst Thisbes Vater. Schnok, der +Schreiner, ihr macht des Löwen Part. Ich hoffe, nun ist unsre +Comödie in der Ordnung. + +Schnok. +Habt ihr des Löwen Part geschrieben? Wenn es ist, so seyd so gut +und gebt ihn mir; denn ich bin nicht gar fix zum Studieren. + +Squenz. +Ihr könnt ihn ex tempore machen; denn es ist weiter nichts zu thun, +als zu brüllen. + +Zettel. +Gebt ihr mir den Löwen noch dazu; ich will brüllen, daß es den +Leuten im Herzen wohl thun soll; ich will brüllen, daß der Herzog +sagen soll: Laßt ihn noch einmal brüllen, laßt ihn noch einmal +brüllen! + +Squenz. +Wenn ihr es gar zu gut machtet, so könntet ihr die Herzogin und die +Damen so erschreken, daß sie zu schreyen anfiengen, und das wäre +genug, uns alle an den Galgen zu bringen. + +Alle. +Ja, das würde uns jeden Mutter-Sohn hängen. + +Zettel. +Sapperment! Das glaub ich wol, wenn wir sie erst aus ihren fünf +Sinnen schrekten, so würden sie nicht mehr Secretion haben, als uns +aufzuhängen. Aber ich will meine Stimme schon aggraviren, ich will +euch so artig brüllen wie irgend eine junge Daube, ich will euch +brüllen, als ob es eine Nachtigall wäre. + +Squenz. +Ihr könnet keinen andern Part machen als den Pyramus; denn Pyramus +ist ein Mann mit einem Weibergesichtchen, ein sauberer Mann als man +irgend an einem Sommers-Tag sehen mag, gar ein hübscher Junker- +mässiger Mann; und also müßt ihr nothwendig den Pyramus machen. + +Zettel. +Gut, ich will ihn auf mich nehmen. Mit was für einem Bart wollt +ihr, daß ich spielen soll? + +Squenz. +Wie? Was für einen ihr wollt! + +Zettel. +Mir gilt es auch gleich; ich will ihn entweder in euerm +strohfarbnen Bart machen, oder in euerm orangebraunen Bart, oder in +euerm carmesin-rothen Bart, oder in euerm französisch-kron-farbnen +Bart, in euerm hochgelben! + +Squenz. +Etliche von unsern französischen Kronen haben gar kein Haar mehr, +und das liesse als ob ihr gar mit einem kahlen Gesicht spieltet. +Aber, ihr Herren, hier sind eure Pärte, und ich bitte, ermahne und +ersuche euch, sie bis morgen Nachts auswendig zu lernen, und in den +Schloßwald, eine halbe Stunde von der Stadt, wieder zu mir zu +kommen, damit wir dort beym Mondschein probieren; denn wenn wir in +der Stadt zusammen kämen, so würden wir Zuhörer kriegen, und die +Sache käme aus. Unterdessen will ich einen Aufsaz von den +Zurüstungen machen, die wir zu unserm Spiele nöthig haben. Ich +bitte, bleibt mir nicht aus. + +Zettel. +Wir wollen kommen! Der Einfall ist gut; wir können im Wald +obscener und herzhafter probieren. + +Squenz. +Bey des Herzogs Eiche wollen wir einander antreffen. + +Zettel. +Genug, die Stränge mögen halten oder brechen!-- + + +(Sie gehen alle ab.) + + + + + +Zweyter Aufzug. + + + +Erster Auftritt. +(Ein Wald. Eine Fee tritt von einer, und Puk von der andern Seite + auf.) + + +Puk. +Wohin, Geist, wohin wanderst du? + +Fee. +Über Berg, über Thal, +Durch Heken und Ruthen, +Über Holz, über Pfahl, +Durch Feuer und Fluthen; +Schneller als des Mondes Sphär +Wandr' ich rastlos hin und her. +Ich dien' der Feen-Königin, +Zum stillen Tanz, +Beym Sternen-Glanz, +Bethaute Kreis' im Grünen ihr zu zieh'n. +Sie ist der Primuln Pflegerin, +Die auf den jungen Wiesen glüh'n. +Auf ihrem göldenen Gewand +Ist jeder Fleken ein Rubin, +Worein der milden Feyen Hand +Die Düfte gießt, die euch entzüken. +Izt muß ich geh'n, und Thau vom Grase pflüken, +Und jeder Primul Ohr mit einer Perle schmüken. +Fahr wol, du tölpelhafter Geist, ich muß entflieh'n; +Die Königin mit allen ihren Elfen +Ist im Begriff hieher zu zieh'n. + +Puk. +Der König pflegt die Nacht durch hier zu schlummern. +Gieb Acht, daß deine Königin +Ihm ja nicht vor die Augen komme. +Denn Oberon ist noch von Zorn entbrannt, +Daß sie am Indus jüngst den schönsten Knaben, +Zu ihrer Aufwart, einem König raubte. +Der eifersücht'ge Oberon begehrt +Den schönen Knaben, daß er auf die Jagd +Ihn durch den wilden Forst begleiten helfe, +Von ihr zurük; doch immer unerbittlich +Behält sie ihren Liebling ganz für sich, +Bekränzt mit eigner Hand sein lokicht Haar, +Und macht aus ihm nur alle ihre Lust. +Seitdem begegnen sie sich niemals mehr +In Lauben, noch auf grünen Fluren, noch +An Silber-Quellen, noch beym Sternen-Licht; +So heftig ist ihr Zwist, daß alle ihre Elfen +Vor Angst in Ahorn-Becher sich verkriechen. + +Feye. +Entweder irr' ich mich an deiner Bildung +Und Mine gänzlich, oder du +Bist jener schelmische leichtfert'ge Geist, +Den Robin Gutgesell das Landvolk nennt. +Bist du's nicht, der die Mädchen aus dem Dorfe +Bey Nacht erschrekt, der Milch die Sahne raubt, +Die Mühle heimlich dreht, macht daß umsonst die Bäurin +An fettem Rahm sich aus dem Athem rührt, +Und daß im Bier sich keine Hefen sezt; +Der arme Wandrer oft des Nachts verleitet, +In Sümpfe fährt, und ihres Harms noch lachet; +Allein für die, die dich Hob-Goblin nennen, +Und holden Puk, ihr Werk unsichtbar thust, +Und machst, daß sie gut Glük in allem haben; +Bist du nicht der? + +Puk. +Du irrst dich nicht, ich bin's. +Ich bin der muntre Nachtgeist, den du meynest. +Ich gaukle stets um Oberon, und mach' ihn lächeln, +Wenn ich ein fettes bohnen-sattes Roß +Vergeblich wiehern mach'; ihm in Gestalt +Der schönsten Stutte nahend. Auch verberg ich mich +Oft in den Becher einer guten alten +Gevatterin, die gern den Becher leert; +Gleich einem rothgesottnen Krebs schwimm ich +Darinn herum, und wenn sie trinken will +Spring ich an ihre Lippen auf, und schütte +Den Kofent über ihren schlappen Busen. +Oft sieht, indem sie durch ein fröstig Mährchen +Die Nachbarinnen sanft zum Schlaf befödert, +Ein weises Mütterlein, troz ihrer Weisheit, +Für einen dreygebeinten Stuhl mich an; +Dann schlüpf ich unter ihr hinweg, sie wakelt +Mit Schwur und lächerlichem Zorn zu Boden; +Die ganze Zeche hält mit beyden Händen +Den Bauch, und schlägt das hallende Getäfel +Mit wieherndem Gelächter, klatscht und schwört, +Noch nie so lustig sich gemacht zu haben.* +Doch, Fee, flieh du, hier kömmt Oberon! + +{ed.-* Ich habe mich genöthiget gesehen, einige ekelhafte Ausdrüke +aus diesem Gemählde in Ostadens Geschmak, wegzulassen. Ein Dichter, +der nur für Zuhörer arbeitete, hat sich im sechszehnten Jahrhundert +Freyheiten erlauben können, die sein Übersezer, der im achtzehnten +für Leser arbeitet, nicht nehmen darf.} + +Feye. +Und hier, zum Unglük, meine Königin. + + + +Zweyter Auftritt. +(Oberon der König der Feen, tritt auf einer, und Titania die + Königin der Feen, auf der andern Seite auf.) + + +Oberon. +Du suchst beim Mondschein mich, Titania? + +Titania. +Wie, eifersücht'ger Oberon? du irrest! +Ihr Feen, schlüpft mit mir hinweg, ich habe +Sein Bett, und seinen Umgang abgeschworen. + +Oberon. +Halt, Unverschämte, bin ich nicht dein Herr? + +Titania. +So bin ich deine Frau! allein ich weiß +Die Zeit noch wol, da du vom Feen-Land +Dich heimlich stahlst, und in Corins Gestalt, +Den ganzen Tag an einer Linde sizend, +Auf deinem Haber-Rohr verliebte Seufzer +Der schönen Phyllida entgegen girrtest! +Sprich, warum eiltest du vom fernsten Gipfel +Des Inder-Lands hieher? Weßwegen sonst, +Als weil die strozende, Dianen-gleich +Geschürzte Amazonin, deine kriegrische +Gebieterin, mit Theseus sich vermählt? +Du kömmst, nicht wahr? ihr Bette zu beglüken? + +Oberon. +Wie? läßt die Schaam diß zu, Titania, +Die Gunst Hippolitas mir vorzurüken? +Und weissest doch, ich kenne deine Liebe +Zu Theseus? Warest du es nicht, die ihn +Bey deinem eignen Schimmer, durch die Schatten +Der stillen Nacht, von Perigenias Seite, +Die er vorher geraubet hatt', entführte! +Und wer als du verführt' ihn, seine Schwüre +So viel betrognen Nymphen, Ariadnen, +Der schönen Ägle, und Antiope +Zu brechen?-- + +Titania. +Falsche, grillenhafte Träume +Der Eifersucht! Seit diese dich beherrschet, +Seit jenem Sommer kamen wir nicht mehr +Auf Hügeln, noch im Thal, im Hayn, auf Wiesen, +Am Quell' der über kleine Kiesel rauschet, +Noch raschen Bächen, die aus Felsen sprudeln, +Noch an des Meeres klippenvollem Strande, +Zum frohen Tanz zusammen, unsre Loken +Zum Spiel der flüsternden, scherzhaften Winde +Zu machen. Alle unsre Spiele hat +Dein Groll gestört. Drum haben auch die Winde, +Vergeblich uns zu pfeiffen überdrüssig, +Als wie zur Rache, seuchenschwangre Nebel +Tief aus der See gesogen, die hernach, +Aufs Land ergossen, jeden über uns +Erzürnten Bach mit solchem Stolze schwellten, +Daß ihre Fluth die Ebnen überströmte. +Umsonst hat nun der Stier sein Joch getragen, +Der Akermann hat seinen Schweiß verlohren, +Die grüne Ähre fault, eh ihre Jugend +Das erste Milchhaar kränzt. +Leer steh'n die Hürden im ertränkten Felde, +Und Krähen mästet die ersäufte Heerde. +Mit Schlamme ligt der Kegelplaz erfüllt, +Unkennbar und verschwemmt der glatte Pfad, +Der durch des Frühlings grüne Labyrinthe +Sonst leitete. Die Sterblichen entbehren +Der winterkürzenden gewohnten Freuden, +Und keine Nacht wird Hymnen mehr geweyht. +Nur Luna, die Beherrscherin der Fluthen, +Vor Unmuth bleich, wascht überall die Luft, +Und füllet sie mit fieberhaften Flüssen. +Die Jahreszeiten selbst verwirren sich, +Beschneyte Fröste sinken in den Schoos +Der frischen Ros', und auf des alten Winters +Eys-grauer Scheitel wird, als wie zum Spott, +Ein Kranz gesezt von holden Sommer-Knospen. +Der Lenz, der Sommer, der fruchtreiche Herbst, +Der Winter wechseln ihre Liverey, +Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehr +An dem gewohnten Schmuk, wer jeder ist. +Diß ganze Heer von Plagen kömmt allein +Von unserm Groll, von unsrer Zwiespalt her. +Wir sind die Eltern dieser schwarzen Brut! + +Oberon. +So helfet dann, es ligt allein an euch! +Wie kan Titania ihren Oberon +Noch länger quälen? Alles was ich bitte, +Ist nur ein kleiner Laff von einem Jungen, +Aus dem ich einen Pagen machen will. + +Titania. +Gebt euch zufrieden! Niemals kan diß seyn. +Das ganze Feenland erkaufte nicht +Diß Kind von mir. Ich liebte seine Mutter, +Sie war von meinem Orden, und hat oft +Des Nachts in Indiens süß-gewürzter Luft +Durch ihre Spiele mir die Nacht verkürzt. +Sie saß dann auf Neptuni gelbem Sand +Bey mir, und sah den göldnen Schiffen nach, +Die durch die Fluth mit Pegus Schäzen eilten; +Wir lachten, wenn wir sahen, wie die Seegel, +Vom ausgelaßnen Wind geschwängert, schwollen; +Diß äffte sie, mir eine Lust zu machen, +Mit anmuthsvoller schwimmender Bewegung, +Kurzweilend nach, (ihr Leib war damals reich +Von meinem jungen Ritter) segelte +Ans Land, mir Kleinigkeiten abzuholen, +Und kehrte wieder, wie von einer Reise, +Mit reichen Waaren, um. Jedoch da sie +Nur sterblich war, starb sie an diesem Kinde, +Und ihrentwegen zieh' ich ihren Knaben auf, +Und ihrentwegen will ich ihn nicht lassen. + +Oberon. +Wie lange denkt ihr noch in diesem Hayn zu bleiben? + +Titania. +Vielleicht bis nach dem Hochzeittag des Theseus. +Gefällt es euch in unserm Kreis zu tanzen, +Und unsern Mondlicht-Spielen zuzusehen, +So folget uns; wo nicht, so weicht mich aus, +So wie ich eure Jagden meiden will. + +Oberon. +Gieb mir den Knaben, und ich geh' mit dir. + +Titania. +Nicht für dein Königreich. Ihr Elfen, weg! +Es giebt nur Zank, wenn wir uns länger säumen. + +(Die Königin, und ihr Gefolg geht ab.) + + + +Oberon. +Gut, geh' nur deinen Weg! eh du den Hayn +Verlassen hast, soll dich dein Troz bestraffen-- +Hieher, mein muntrer Puk! Besinn'st du dich, +Daß ich auf einem Vorgebürg einst saß, +Und hörte der Syrenen einer zu, +Wie sie, auf eines Delphins Rüken sizend, +So zaubrisch-süsse Töne von sich hauchte, +Daß selbst die rohe See bey ihrem Liede +Mild ward, und liebestrunkne Sterne taumelnd +Aus ihren Sphären sanken, der Musik +Der Wasser-Nymphe zuzuhören?-- + +Puk. +--Ich +Erinnere mich's ganz wol. + +Oberon. +Zu gleicher Zeit sah' ich, (du konntest nicht) +Den Liebesgott in hastiger Unruh, zwischen +Dem Erdball und dem kalten Monde fliegen; +Er hielt, und richtete den straffen Bogen +Nach einer göttlichen Vestalin,* die +Im Westen thront', und schoß mit solcher Macht +Den Liebespfeil von seinem Bogen ab, +Als sollt' er hunderttausend Herzen spalten; +Allein ich sah' es, wie sein feur'ger Pfeil +Im keuschen Stral des feuchten Monds sich löschte, +Und in jungfräulichen Betrachtungen, +Mit freyem Geist, die königliche Schöne +Vorübergieng. Da merkt' ich, wo der Pfeil +Des Amors fiel--Er fiel +Auf eine kleine Blume, vormals weiß +Wie Milch, izt röthlicht von der Liebes-Wunde, +Und Mäd'gens nennen sie die müssige Liebe. +Brich' diese Blume mir; ich zeigte dir +Das Kräutchen einst; ihr Saft auf schlummernde +Auglieder ausgegossen, hat die Kraft, +Mann oder Mädchen bis zum Aberwiz +Ins nächste Ding, das ihrem Blik begegnet, +Verliebt zu machen. Pflüke diese Blume, +Und sey mir wieder hier, +Eh Leviathan eine Meile schwimmt. + +{ed.-* Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der +Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich +machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche +Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von +Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton +zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser +allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und +Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die +Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben +noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von +Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria +gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine +Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt +Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres +Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich +ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig +bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem +entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt, +nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche +Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten +Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf +die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich, +dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser +Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und +Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt +am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre +Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während +ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre +Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die +Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage +nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die +verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken, +bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel, +welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen +worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland, +und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das +Leben kostete.} + +Puk. +Ich wollte, wenn du es befählest, +In viermal zeh'n Minuten einen Gürtel +Rings um die Erde zieh'n. + +(Geht ab.) + +Oberon. +--Hab' ich nun +Erst diesen Saft, so will ich lauern, bis +Titania schlafend ligt, und dann die Tropfen +Auf ihre Augen träufeln. +Das nächste Ding, worauf sodann erwachend +Ihr Auge ruht, sey's Löwe oder Bär, +Wolf oder Stier, Waldteufel oder Affe, +Wird sie mit Sehnsucht, mit dem Geist der Liebe +Verfolgen. Nimmer will ich diesen Zauber +Von ihren Augen nehmen, (wie ich's kan), +Bis sie den Knaben mir bewilligt hat. +Wer kömmt hier, ich bin unsichtbar, und will +Behorchen, was sie sprechen-- + + + +Dritter Auftritt. +(Demetrius, welchem Helena folget) + + +Demetrius. +Was verfolgst +Du den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? wo +Die schöne Hermia? jenen will ich tödten, +Und diese tödtet mich. Du sagtest mir, +Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen; +Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,* +Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke. +Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr! + +{ed.-* (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt +Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso +gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier +nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft +gar nicht geachtet werden.} + +Helena. +Du ziehst mich an, hartherziger Magnet, +Doch ziehest du nicht Eisen; denn mein Herz +Ist treu wie Stah'l. Hör' auf mich anzuziehen, +Und ich will unterlassen dir zu folgen. + +Demetrius. +Such' ich dich zu gewinnen? Sag' ich dir +Liebkosungen? und nicht vielmehr mit runder +Aufrichtigkeit, daß ich dich weder liebe, +Noch lieben kan? + +Helena. +--Und eben dessentwegen +Lieb' ich dich desto mehr; ich bin dein Hündchen, +Demetrius! das nur destomehr liebkoset, +Je mehr du's schlägest. Halte mich nur so, +Als wie dein Hündchen, scheuche, schlage mich, +Vergiß, verliehr' mich, nur erlaube mir, +So werthlos als ich bin, dir stets zu folgen; +Welch schlechtern Plaz kan ich in deiner Liebe +Erfleh'n, (und doch ist er in meinen Augen hoch!) +Als daß du mich wie deinen Hund nur haltest? + +Demetrius. +Reiz nicht zu sehr den Abscheu meiner Seele; +Mir wird schon übel, wenn ich dich nur sehe. + +Helena. +Und mir ist übel, wenn ich dich nicht sehe. + +Demetrius. +Du sezest deine Tugend in zu grosse +Gefahr, die Stadt so zu verlassen, und +Dich in die Hände eines Manns, der dich +Nicht liebt zu liefern, und der lokenden +Bequemen Nacht, und dieses öden Waldes +Versuchung, deiner jungferlichen Ehre +Kostbaren Werth so sorglos zu vertrauen. + +Helena. +O! Meine Sicherheit ist deine Tugend! +Und darum, däucht mich, bin ich nicht im Dunkeln. +Es ist nicht Nacht, wenn ich dein Antliz sehe; +Auch fehlt es diesem Hayne nicht an Welten +Gesellschaft; denn für mich bist du die ganze Welt. +Wie kan man denn, daß ich allein sey, sagen, +Wenn alle Welt hier ist, und auf mich schaut? + +Demetrius. +Ich werde von dir rennen, in das Farrenkraut; +Mich dort versteken, und den wilden Thieren +Dich überlassen-- + +Helena. +--O! das wildeste +Hat kein solch Herz wie du! Flieh', wenn du willst, +Flieh' nur, so wird sich die Geschichte drehen, +Apollo flieh'n, und Daphne ihn verfolgen. +Die Daube jagt den Gey'r, die sanfte Hindin eilt +Den Tyger zu erhaschen. Schwaches Eilen! +Wenn Zagheit jagt, und Dapferkeit entflieht. + +Demetrius. +Ich will nicht länger säumen, deine Fragen +Zu hören. Laß mich geh'n; und folgst du mir, +So glaube nur, ich füge dir ein Leid +In diesem Holze zu-- + +Helena. +--O! in der Stadt +Im Feld, im Tempel fügst du Leid mir zu! +O! schäme dich, Demetrius, deine Härte +Entehret mein Geschlecht. Wir können nicht +Für Liebe fechten, wie die Männer mögen; +Gesucht zu werden, und nicht selbst zu suchen, +Sind wir gemacht!--jedoch, ich folge dir; +Und selbst der Tod von dieser werthen Hand +Wird eine Hölle mir zum Himmel machen. + +(Sie gehen ab.) + + + +Vierter Auftritt. + + +Oberon. +Fahr wol, o Nymph'! eh du den Hayn verlässest, +Sollt du ihn flieh'n, er deine Liebe suchen. (Puk tritt auf.) Wo +ist die Blume? Willkommen, Wand'rer! + +Puk. +Hier ist sie! + +Oberon. +Gieb sie her. Ein Hügel +Ist mir bekannt, wo wilder Thymus blüht, +Wo Ochsenzung' und wankende Violen, +Hoch überwölbt von weichem Geißblatt, +Von Muscus-Rosen und Hambutten wachsen; +Dort schläft Titania einen Theil der Nacht, +Durch Tänz' und Scherz in Blumen eingewiegt, +Und eingeschleyert in der schönsten Schlange +Geschmelzte Haut, die sie dort abwarf, weit +Genug, um eine Fee darein zu wikeln. +Schläft sie, dann will ich diesen Zauber-Saft +Auf ihre Augen streichen, und ihr Hirn +Mit ungereimten Phantasien füllen. +Nimm du davon, und suche durch den Hayn. +Ein holdes Mädchen von Athen verfolgt, +Von Liebe krank, den Jüngling der sie hasset. +Bestreiche seine Augen, aber so, +Damit das erste was er wachend sieht +Das Mädchen sey. Du wirst am Attischen Gewand +Ihn leicht erkennen. Mache daß er sie +Inbrünstiger noch liebe, als sie ihn, +Und siehe zu noch vor dem ersten Krähen +Des frühen Hahns, mich wieder hier zu finden. + +Puk. +Verlaß dich, Herr, auf deines Dieners Fleiß! + +(Sie gehen ab.) + + + +Fünfter Auftritt. +(Die Königin der Feen, und ihr Gefolge.) + + +Königin. +Kommt einen Rundtanz und ein Feen-Lied, +Dann für den dritten Theil der Nacht hinweg! +Die einen in der Muscus-Rose Knospen +Der Raupen Brut zu tödten; andre sollen +Mit Fledermäusen um ihre Flügel kämpfen, +Um meinen Elfen Röke draus zu machen! +Andre die schreyerische Eule, die uns nächtlich +Belauscht, und unsrer Scherze sich verwundert +Von hinnen treiben! Singt mich nun in Schlaf, +Denn weg zu eurer Pflicht, und laßt mich ruhen. (Die Feen singen.) + +1. Ihr zweygezüngten bunten Schlangen, +Ihr dornenvollen Igel, hin! +Ihr Nattern, die um Blumen hangen +Nah't nicht unsrer Königin! +Philomelens Melodey +Sing' in unsrer Lullabey! +Lulla, lulla, lullabey, :|: +Kein Harm und keine Zauberey, +Komm unsrer holden Frauen bey! +So gute Nacht mit lullabey. 2. Ihr webenden Spinnen flieht von +hier, +Du langgebeinte--* flieh! +Ihr schwarzen Schröter nah't nicht ihr! +Kein Wurm noch Schnaak berühre sie! +Philomelens Melodie u.s.w. + +{ed.-* Spider.} + +Eine Fee. +Hinweg, Sie schläft schon, folget mir, +Doch Eine bleib und wache hier! + +(Die Feen gehen ab.) + +(Oberon tritt wieder auf.) + +Oberon. +Was du sieh'st, wenn du erwach'st, +Soll dein Herz mit Glut erfüllen, +Brenn' und schmacht' um seinetwillen, +Möcht es Panther, Stachelschwein, +Löwe oder Kaze seyn! +Was zuerst dein Aug erblikt, +Ist der Schaz, der dich entzükt! + + + +Sechster Auftritt. +(Lysander und Hermia.) + + +Lysander. +Du schmachtest, Theure, von dem langen Irren +Im Walde, und die Wahrheit zu gesteh'n, +Die Nacht hat uns vom rechten Weg verleitet; +Laß uns hier ruhen, Hermia, und den Tag +Wenn dir's beliebt, erwarten. + +Hermia. +--Sey es so +Lysander! Suche dir ein Lager aus; +Ich will mein Haupt auf diesen Wasen legen. + +Lysander. +Ein Wasen soll zum Kissen beyden dienen; +Ein Herz, ein Bett, zween Busen, eine Treu! + +Hermia. +Nicht so, Lysander! Mir zu lieb, mein Werther, +Lig weiter weg, lig nicht so nah' bey mir! + +Lysander. +Nimm, Holde, was ich sagte, wie ich's meynte; +Laß deiner eignen Liebe Unschuld dir +Die Sprache meiner Liebe deuten. +Mein Herz ist so dem deinigen verwebt, +Daß eine Seele nur in beyden lebt! +Zween Busen, durch den gleichen Eyd verschlungen; +So sind's zween Busen zwar, doch eine Treue! +Versag' mir also nicht den Plaz an deiner Seite, +O Hermia, denn so ligend lüg ich nicht. + +Hermia. +Lysander spielt ganz artig mit den Worten. +Doch, liebster Freund, aus Zärtlichkeit und Achtung +Für mich, lig weiter weg; so weit die Zucht, +Der Menschheit Vorrecht, sagt, daß einem Mädchen +Und einem tugendhaften Jüngling zieme, +So weit entferne dich! Nun gute Nacht, +Mein süsser Freund, und möge deine Liebe +Sich nur mit deinem holden Leben enden! + +Lysander. +Mein Leben ende dann, wenn meine Liebe! +Hier soll mein Bette seyn. Der sanfte Schlaf +Mög' alle seine Ruh' auf dich ergiessen! + +Hermia. +Und dieses Wunsches Helfte des Wünschers Augen schliessen! + +(Sie schlaffen.) + +(Puk tritt auf) + +Puk. +Keinen Jüngling von Athen +Konnt ich in dem Hayn erspäh'n, +Dessen Auge dieser Blume +Zauberkraft bewähren könne! +Nacht und Stille! Wer ist der? +Kleider von Athen trägt er. +Der ist's, den der König meynt, +Um den diß gute Mädchen weint. +Hier ligt es, hier, und schläft gesund +Auf dem feuchten lokern Grund. +Die holde Seele! durft's nicht wagen, +Sich näher zu dem wilden Manne, +Dem Mädchen-Hässer hinzulegen. +Kerl'! ich gieß auf deine Augen +Allen Zauber dieser Blume! +Wach'st du auf, so soll dem Schlummer +Amors Zorn auf deinem Auglied +Den gewohnten Siz verbieten. + +(Geht ab.) + + + +Siebender Auftritt. +(Demetrius, und Helena, die ihm nacheilt.) + + +Helena. +Steh' hier, Demetrius, wär's auch mich zu tödten! + +Demetrius. +Ich sag's dir, weg, und jage mich nicht so! + +Helena. +Ach! willt du hier im Dunkeln mich verlassen? + +Demetrius. +Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n. + +(Demetrius geht ab.) + +Helena. +O! ich bin athemlos von dieser Jagd. +Glüksel'ge Hermia, wo du izt auch ligst, +Dich hat des Himmels Gunst allein mit Augen +Die Seelen an sich zieh'n, begabt. +Was machte sie so glänzend? wahrlich nicht +Gesalzne Thränen; diese waschen öfter +Die meinen als die ihrigen! Nein! ich bin +So häßlich als ein Bär, die Thiere selbst +Die mir begegnen flieh'n erschrekt von mir. +Was Wunder, daß, wenn mich Demetrius sieh't, +Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht. +Welch ein verwünschtes lügenhaftes Glas +Beredte mich, mit Hermias Sternen-Augen +Die meinen zu vergleichen!--Wer ist hier? +Lysander auf dem Grund! todt oder schlafend? +Ich sehe weder Blut noch Wund'. Erwache +Lysander, wenn du lebst, so höre mich! + +Lysander (erwachend.) +Und durch die Flammen selbst renn' ich für dich! +Glanzreiche Helena! welch eine Kunst, +Beweiset die Natur, die mich dein Herz +Durch deinen Busen sehen läßt! +Wo ist Demetrius? O! verhaßter Name, +Gemacht, auf meinem Schwerdte zu ersterben. + +Helena. +O! Sprich nicht so, Lysander, sprich nicht so! +Liebt er gleich deine Hermia! was ists mehr? +Sie liebet doch nur dich; drum sey zufrieden! + +Lysander. +Mit Hermia? Wahrlich, nein! wie reuen mich +Die freudenlosen Augenblike, +Die sie mir stahl! Nicht Hermia, Helena +Ist's die ich liebe. Wer wird nicht den Raben +Um eine Daube tauschen? Unser Wille +Wird durch Vernunft beherrscht, und diese sagt, +Du sey'st die Liebenswerthere unter beyden. +Was noch erst wächßt, reift nicht vor seiner Zeit! +So reift' ich, noch zu jung, nicht zur Vernunft +Bis diesen Augenblik. Izt da mein Wachsthum +Den Punct der Reiff erreicht hat, ist Vernunft +Der Marschall über meinen Willen, +Und leitet mich zu deinen Augen hin, +Der Liebe reizendste Geschichten in +Der Liebe reichstem Buch zu lesen. + +Helena. +Wofür ward ich zu diesem Hohn gebohren? +Wenn hab' ich diese Schmach um dich verdient? +Ists nicht genug, ists nicht genug, o Jüngling, +Daß von Demetrius Augen ich noch nie +Mir einen günstigen Blik erwerben konnte? +Must du noch meines Unvermögens spotten? +Diß ist unedel! Ja, fürwahr, es ist! +Doch fahre wohl! Du zwingst mir's ab, zu sagen, +Daß ich dich Meister beßrer Sitten glaubte. +O! daß ein Mädchen, die ein Mann verschmäht, +Vom andern noch verspottet werden soll! + +(Sie geht.) + +Lysander. +Sie siehet Hermia nicht; Hier, schlaf du, Hermia! +Und möchtest du Lysandern nimmer nahen! +Denn wie das Übermaaß der angenehmsten Speisen +Den Magen nur mit grösserm Ekel drükt; +Wie Kezereyen, wenn wir sie verlassen, +Uns nur verhaßter sind, je mehr sie einst uns täuschten, +So sey du, meine Unverdaulichkeit, +Und meine Kezerey,* von aller Welt +Gehasset, doch von niemand mehr als mir! +Und alle Kräfte meines Wesens sollen, +Für Helena zu Liebestrieben werden. + +{ed.-* Man hat, so seltsam diese Einfälle tönen, eine wörtliche +Übersezung derselben gut befunden; und wird dieses noch öfters +thun, damit die Leser den Shakespeareauch von dieser Seite kennen +lernen.} + +(Er geht ab.) + +Hermia. +Hilf mir, Lysander! hilf! ich flehe dir, +Reiß diese Schlang' aus meiner Brust!--Weh mir! +Was für ein Traum war das! Lysander! sieh' +Wie ich vor Schreken schlottre--Eine Schlange, +Fraß, däuchte mich, mein Herz, und du +Sah'st lächelnd zu!--Lysander!--wie? Entfernt? +Lysander! Freund! Wie bist du denn so ferne, +Daß du nicht hören kanst?--Kein Wort, kein Laut! +Ach, ach! wo bist du, sprich, wenn du noch hör'st, +O sprich, um aller Liebesgötter willen! +(Mir wird vor Angst ohnmächtig)--Nun?--Ich will +Es bald erfahren, ob du ferne bist. +Ich geh' den Tod zu finden, oder dich. + +(Geht ab.) + + + + +Dritter Aufzug. + + + +Erster Auftritt. +(Der Wald.) +(Squenz, Zettel, Schnok, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.) + +(Die Feen-Königin ligt noch schlafend.) + + +Zettel. +Sind wir alle beysammen? + +Squenz. +Recht gut! recht gut! Das ist ein unvergleichlicher Plaz zu +unsrer Probe. Dieser grüne Plaz soll unser Schauplaz seyn; die +kleine Wiese hinter diesem Weißdorn-Zaun unsre Kammer zum Ankleiden; +und wir wollen nur gleich so agieren, als ob es vor dem Herzog +wäre. + +Zettel. +Peter Squenz-- + +Squenz. +Was willt du, Schurke Zettel? + +Zettel. +Es sind Sachen in dieser Comödie von Pyramus und Thisbe, die +nimmermehr gefallen werden. Fürs erste: So muß Pyramus ein +Schwerdt ziehen, sich selbst umzubringen, und das werden die Damen +nicht aushalten können. Was antwortet ihr auf das? + +Schnauz. +Beym Velten, das wird Kopf-Verbrechens brauchen! + +Schluker. +Ich denke, wir müssen eben das Umbringen auslassen, wenn alles +andre vorbey ist. + +Zettel. +Nichts, nichts! ich habe einen Einfall der alles gut machen wird: +Schreibet mir einen Prologus, und laßt ihn sagen, daß wir mit +unsern Schwerdtern kein Unglük anstellen werden, und daß Pyramus +nicht würklich umgebracht wird; und zu desto grösserer Sicherheit +laßt ihn sagen, daß ich Pyramus nicht Pyramus bin, sondern Claus +Zettel der Weber; das wird ihnen schon die Furcht benehmen. + +Squenz. +Gut, wir wollen einen solchen Prologus haben, und er soll in acht +und sechsen* geschrieben seyn. + +{ed.-* In einem Sonnet, welches wie bekannt, nur vierzehn Zeilen +haben darf.} + +Zettel. +Nein, machet zwey mehr; schreibt es in acht und achten. + +Schnauz. +Werden die Damen nicht auch über den Löwen erschreken? + +Schluker. +Ich fürcht' es, das versprach' ich euch. + +Zettel. +Ihr Herren, bedenket vorher was ihr thun wollt; einen Löwen, Gott +bewahr uns! unter Damen zu bringen, ist eine fürchterliche Sache; +denn es ist kein schlimmerer Waldvogel als euer Löwe, wenn er +lebendig ist; wir können zusehen. + +Schnauz. +Es muß also ein andrer Prologus sagen, daß er kein Löwe ist. + +Zettel. +Man kan ja seinen Namen nennen, und sein halbes Gesicht durch des +Löwen Hals hervor guken lassen; und er selbst kan daraus hervor +reden, und so oder zu eben diesem Defect sagen: Lädies, oder schöne +Lädies, ich wollte wünschen, oder ich wollte gebetten haben, oder +ich wollte ersucht haben, fürchten Sie sich nicht, zittern Sie +nicht so; mein Leben für das Ihrige, es soll ihnen nichts geschehen! +Wenn Sie dächten, ich komme hieher als ein Löwe, so daurte mich +nur meine Haut; Nein, nein, ich bin nichts dergleichen, ich bin ein +Mensch wie andre Menschen; und dann kan er sich ja nennen, und +ihnen rund heraus sagen, daß er Schnok der Schreiner ist. + +Squenz. +Gut, so soll es seyn. Aber es sind noch zwey harte Puncten: Eins +ist, wie wollen wir den Mondschein in das Zimmer bringen? denn ihr +wißt, Pyramus und Thisbe kommen beym Mondschein zusammen. + +Schnok. +Scheint der Mond in der Nacht, worinn wir spielen? + +Zettel. +Einen Calender! einen Calender! sehet in den Almanach: Suchet +Mondschein, suchet Mondschein! + +Squenz. +Ja, er scheinet diese Nacht. + +Zettel. +Nun, so kan man ja einen Flügel von dem grossen Kammerfenster, wo +wir spielen, offen lassen; und der Mond kan durch den Flügel herein +scheinen. + +Squenz. +Ja, oder es könnte auch einer mit einem Dornbusch und einer Laterne +heraus kommen, und sagen, er komme die Person des Mondscheins zu +presidieren, oder zu defiguriren. Aber es ist noch etwas; wir +müssen in der grossen Kammer eine Wand haben, denn Pyramus und +Thisbe, sagt die Historie, redten durch die Spalte einer Wand mit +einander. + +Schnok. +Ihr werdet nimmermehr keine Wand hinein bringen können. Was sagst +du, Zettel? + +Zettel. +Einer oder ein Andrer muß die Wand vorstellen; er kan etwas +Pflaster, oder etwas Leim, oder etwas Merdel an sich haben, das +eine Mauer bedeutet; oder laßt ihn seine Finger so halten, und +durch die Spalte können Pyramus und Thisbe wispern. + +Squenz. +Wenn das angeht, so ist alles gut. Kommet, jeder Mutters-Sohn size +nieder, und probieret eure Pärte. Pyramus, ihr fanget an; wenn ihr +eure Rede gesprochen habet, so geht hinter diesen Zaun; und so ein +jeder wie es sein Merkwort erfodert. + + + +Zweyter Auftritt. +(Puk tritt von hinten auf.) + + +Puk. +Was für ein Hauffen Galgenschwengel lermen +So nah' beym Lager unsrer Königin? +Wie? Gar ein Schauspiel? Ich will Hörer seyn; +Vielleicht auch Acteur, wenn ich Anlas finde. + +Squenz. +Redet, Pyramus, Thisbe stehet weiter weg. + +Pyramus. +"Thisbe, wie eine Blum' schmekt von Geschmäken süß." + +Squenz. +Gerüchen! Gerüchen! + +Pyramus. +"Gerüchen G'schmäken süß. +So thut dein Athem auch, o Thisbe, meine Zier! +Doch horch, ich hör ein' Stimm'; es ist mein Vater g'wiß, +Bleib eine Weile steh'n, ich bin gleich wieder hier." + +Puk. +Ein Pyramus, wie man nicht immer sieht! + +Thisbe. +Muß ich izt reden? + +Squenz. +Ja, zum Henker, freylich müßt ihr; ihr müßt wissen, daß er nur +weggegangen ist, weil er ein Getöse gehört hat; er wird gleich +wieder kommen. + +Thisbe. +"Umstrahlter Pyramus, an Farbe Lilien-weiß, +Und roth wie eine Ros' auf triumphiern'dem Strauch. +Du muntrer Juvenil, der Männer Zier und Preis, +Treu wie das treuste Roß, das nie ermüdet auch. +Ich will dich treffen an, glaub mir, bey Ninny's* Grab." + +Squenz. +Nini Grab, Mann! Aber das müßt ihr nicht izo sagen; das antwortet +ihr dem Pyramus. Ihr sagt euern ganzen Part auf einmal her, +Merkwörter und allen Plunder!--Pyramus!--heraus! Euer Merkwort ist +schon gesagt, es ist ermüdet auch. (Zettel kömmt wieder mit einem +Eselskopf heraus.) + +Thisbe. +O! "So treu wie's treuste Roß das nie ermüdet auch." + +Pyramus. +"Wenn, Thisbe, ich wär' schön, so wär' ich einzig dein." + +Squenz. +O! Abentheur! O! Wunder! Es spükt um uns herum. Helft, ihr +Herren! flieht, ihr Herren, helft! + +(Sie lauffen alle davon.) + +Puk. +Ich will euch folgen, ich will euch im Kreise +Durch Sumpf und Busch, durch Kraut und Disteln jagen, +Ein Pferd will ich bald seyn, und bald ein Hund, +Ein Schwein, ein Bär, und bald ein flatternd Feuer, +Und wiehern, bellen, grunzen, brummen, brennen, +Wie Pferd, und Hund, und Schwein, und Bär, und Feuer. + +(Geht ab.) + +Zettel. +Warum lauffen sie davon. Es ist nur eine Schelmerey von ihnen, mir +Angst zu machen. (Schnauz kommt heraus.) + +Schnauz. +Zettel, du bist verwandelt! was seh' ich auf dir? + +Zettel. +Was du sieh'st? du sieh'st einen Eselskopf auf deinem eignen; +nicht so? + +(Schnauz geht ab.) + +(Squenz kommt) + +Squenz. +Der Himmel sey dir gnädig, Zettel, du bist transferirt. + +(Geht ab.) + +Zettel. +Ich merke ihre Schelmerey, sie wollen einen Esel aus mir machen, +und mich erschreken wenn sie könnten; aber ich will nicht von der +Stelle gehen, thun sie was sie können; ich will hier auf und ab +spazieren, und singen, damit sie hören, daß ich mir nicht fürchte. + +(Er singt.) + +Der Amsel-Hahn von Farb so schwarz, +Von Schnabel Orangen-gelb, +Die Drostel, die so lustig singt, +Das muntre Zeisiglein. + +Titania (erwachend.) +Welch Engel weket mich von meinem Blumenbette? + +Zettel. +Der Fink, der Sperling und die Lerch, +Der graue Kukuk fein, +Des wahrhaft Lied so mancher hört, +Und darf nicht sagen, Nein! Denn, in der That, wer wollte seinen +Wiz gegen einen so närrischen Vogel sezen? Wer wollte einen Vogel +lügen heissen, und wenn er noch so viel Kuku** schrie? + +Titania. +Ich bitte dich, sing' wieder, o du schönster +Der Sterblichen, mein Ohr ist ganz verliebt +In deine Melodey; so ist mein Auge +Entzükt von deiner Bildung, und mein Mund +Von deiner schönen Tugend Macht gezwungen, +Beym ersten Blik dir zu gesteh'n, zu schwören, +Daß ich dich liebe-- + +Zettel. +Mich dünkt, Frau, ihr solltet nicht viel Ursache dazu haben; und +doch, die Wahrheit zu sagen, Vernunft und Liebe halten einander +heut zu Tage selten Gesellschaft. Es ist zu bedauern, daß nicht +ein oder andre ehrliche Nachbarn sie zu Freunden machen. Gelt! +ich kan bey Gelegenheit auch spassen? + +Titania. +Du bist so weise, als du reizend bist. + +Zettel. +Keines sonderlich; doch wenn ich Wiz genug hätte, wieder aus diesem +Wald zu kommen, so hätte ich gerade so viel, als ich für mich +selbst brauche. + +Titania. +O! wünsche nicht aus diesem Hayn zu kommen; +Hier sollt du bleiben, willig oder nicht. +Ich bin ein Geist, von nicht gemeiner Art, +Ein ew'ger Sommer wohnt auf meinem Staate; +Ich liebe dich; drum geh' mit mir, ich will +Dir Feen geben, welche dich bedienen, +Und dir Juweelen aus der Tieffe holen, +Und singen, wenn auf Blumen du entschlummerst; +Und deine grobe sterbliche Natur +Will ich zur Feinheit lüftiger Geister läutern. +Senfsaamen, Bohnenblühte, Milbe, Spinnenweb! * Das Wortspiel ligt +in der Verwechslung von (Ninus's) und (Ninny's. Ninny) heißt ein +Tölpel, oder dummer Junge. ** Auch hier ligt der Scherz in der +Ähnlichkeit des Worts (Cuckow), welches einen Kukuk, und (Cuckold), +welches einen Ritter von dem Orden der grossen Brüderschaft +bezeichnet. + + + +Dritter Auftritt. +(Die vier Feen treten auf.) + + +1. Fee. +Bereit! + +2. Fee. +Und ich. + +3. Fee. +Und ich. + +4. Fee. +Und ich: Was sollen wir? + +Titania. +Seyd diesem feinen Herren hold und dienstbar, +Hüpft vor ihm her, wenn er im Hayn spaziert, +Und gaukelt ihm kurzweilend um die Augen. +Speißt ihn mit Abricos und kühlenden Erdbeeren, +Maulbeeren, Feigen, und mit Purpurtrauben. +Beraubt die Bienen ihrer Honigwaben, +Und zündet ihre wachsbeladnen Beine +Für Fakeln an des Feurwurms Augen an, +Dem Liebling meiner Brust zur Ruh' zu leuchten; +Und rauft den buntgemahlten Schmetterlingen +Die Flügel aus, den Mondschein wenn er schläft, +Von seinen Augen wegzufächeln. +Neigt euch ihr Elfen all, und grüsset ihn. + +Die Feen. +Heil! Sterblicher; Heil dir! Heil! Heil! + +Zettel. +Ich bitte Ew. Gestreng von Herzen um Vergebung; mit Erlaubniß, +Gestrenger Herr, ihren Namen? + +Spinnenweb. +Spinnenweb. + +Zettel. +Ich wünsche besser mit euch bekannt zu werden, guter Herr +Spinnenweb; wenn ich mich in den Finger schneide, so werde ich +lustig mit euch machen. Euer Name, Junker? + +Bohnenblühte. +Bohnenblühte. + +Zettel. +Ich bitte, empfehlt mich der Frau Squasch, eurer Mutter, und dem +Hrn. Bohnenhülse, euerm Vater. Lieber Herr Bohnenblühte, ich +hoffe noch besser mit ihm bekannt zu werden. Euern Namen, Herr, +wenn ich bitten darf.? + +Senfsaamen. +Senfsaamen. + +Zettel. +Mein lieber Herr Senfsaamen, ich kenne Ihre Verwandtschaft gar wol; +dieser bärenhäutrische riesenmässige Schurke, dieser Rinderbraten, +hat schon manchen wakern Herrn von euerm Hause aufgefressen. Ich +verspreche euch, eure Freundschaft hat mir schon oft die Augen +wässern gemacht. Ich wünsche bekannter mit euch zu werden, mein +guter Herr Senfsaamen. + +Titania. +Kommt, führet ihn in meine Sommerlaube. +Luna (so däucht mich) scheint mit Augen voller Wasser, +Und wenn sie weint, weint jede kleine Blume +Und klagt um irgend eine, durch die Hülfe +Der kupplerischen Nacht bezwungne Jungfernschaft. +Bindt meines Lieblings Zunge, führt ihn schweigend! + +(Sie gehen ab.) + + + +Vierter Auftritt. +(Der König der Feen.) + + +Oberon. +Mich wundert, ob Titania schon erwachte. (Puk erscheint.) Doch +hier kommt mein Mercur! Wie geht es, Gaukler, +Was Neues giebt's in diesem geistervollen Hayne? + +Puk. +Die Königin ist in ein Ungeheuer +Verliebt. Nah' an der engen, ihrem Schlummer +Geweyhten Laube, während daß sie schlief, +Fand eine Bande lumpichter Gesellen, +(Taglöhner, welche in den Hallen von Athen +Ihr täglich Brod mit harter Hand verdienen,) +Sich ein, ein Schauspiel zu probieren, +Das sie an Theseus Hochzeitfest zu spielen +Gesinnet sind. Der abgeschmakteste +Von diesen Flegeln, der den Pyramus +Vorstellte, lief aus seiner Scene weg, +Und kam in einen Plaz mit Farrenkraut, +Wo ich gleich über ihn den Vortheil nahm, +Und einen Eselskopf auf seine Schultern sezte. +Indeß muß Thisbe eine Antwort haben. +Mein Kerlchen kömmt zurük; wie sie ihn sehen, +So flieht, wie wilde Gänse die den Vogler +Am Boden kriechen sehen, oder wie +Ein bunter Schwarm von rothgefüßten Krähen, +Vom Knall der Flinten aufgeschrekt, sich krächzend +Zerstreut und sinnlos um die Wolken flattert; +So flieht der ganze Trupp bey seinem Anblik; +Und noch, von meines Fußtritts Ton erschrekt, +Fiel, weil sie sich verfolgt von Geistern glaubten, +Der eine überwälzend auf die Erde; +Ein andrer schrie um Hülfe von Athen. +Die Angst die ihrer Sinnen sie beraubte, +Empörte wider sie selbst lebenlose Wesen; +Denn Dorn und Heken schnappten ihnen nach, +Hier blieb ein Hut zurük, ein Ermel dort; +Den Fliehenden berupfen alle Dinge. +So trieb ich sie vor Furcht entseelt herum, +Und ließ indeß den holden Pyramus +Verwandelt hier; im gleichen Augenblik +Erwacht Titania, und verliebt sich straks +In einen Esel-- + +Oberon. +Diß fiel besser aus +Als ich vermuthen durfte. Hast du aber +Auch, wie ich dir zu thun befahl, die Augen +Des Jünglings von Athen mit diesem Saft bestrichen? + +Puk. +Ich fand ihn schlafend; auch diß ist vorbey. +Das Mädchen lag dabey, und nah' genug, +Daß er sie sehen muß, wenn er erwacht. + + + +Fünfter Auftritt. +(Demetrius und Hermia.) + + +Oberon. +Steh' still, diß ist der Jüngling den ich meynte. + +Puk. +Diß ist das Mädchen, aber nicht der Jüngling. + +Demetrius. +Wie hart begegnest du, dem der dich liebt? +Gieb deinem Todfeind solche bittern Worte! + +Hermia. +Noch schelt' ich nur, weit schlimmer sollt ich dir +Begegnen; denn, ich fürchte, du hast mir +Dich zu verfluchen, Grund gegeben: +Du hast Lysandern als er schlief erschlagen; +So tief im Blut tauch dich noch tieffer ein, +Und tödte mich. Die Sonn' ist nicht so rein, +Als er bis diesen Tag getreu mir war. +Würd' er von seiner Hermia, weil sie schlief, +Sich weggestohlen haben? Eher wollt' ich glauben, +Daß dieser Erdenball durchbohret werden, +Und Luna durch das hole Centrum kriechen, +Und ihres Bruders Mittag bey den Gegenfüßlern +Beschämen könnt'! Es kan nicht anders seyn, +Ermordet hast du ihn; so wie du blikest, +So stier, so grimmig sollt ein Mörder bliken. + +Demetrius. +So sollte der Erschlagne ausseh'n, und so, ich, +Dem deine Grausamkeit das Herz durchbohrt; +Doch du, die Mörderin, du siehst so glänzend +Als Venus dort in ihrer Sphäre funkelt. + +Hermia. +Was hat diß mit Lysandern? wo ist er? +Ach! werther Freund, willt du ihn mir nicht geben? + +Demetrius. +Eh wollt ich seinen Rumpf den Hunden geben! + +Hermia. +Weg, Hund, hinweg! Du treibst mich aus den Grenzen +Der weiblichen Geduld. So hast du ihn +Erschlagen? o wenn dieses ist, so werde +Hinfort nicht mehr den Menschen zugezählt! +Sprich einmal wahr, sag' es mir zu Gefallen, +Hätt'st du es wagen dürfen, weil er wachte +Ihn anzuseh'n, und hast du ihn im Schlaf +Ermordet? Wahrlich! eine kühne That! +Kan nicht ein Wurm, ein kriechend Ungeziefer +Das gleiche thun! Das bist du; keine Otter +Hat je mit einer zweygespiztern Zunge, +Als deine ist, du Schlangenbrut, gestochen. + +Demetrius. +Umsonst verschwendest du, o Schönste, deine Wuth; +Denn ich bin schuldlos an Lysanders Blut, +Noch ist er tod, so viel ich sagen kan. + +Hermia. +So sag', ich bitte dich, es sey ihm wohl! + +Demetrius. +Und könnt ich's, was gewönn' ich denn damit? + +Hermia. +Das Recht, mich nimmermehr zu sehen. +Auf ewig meid' ich dein verhaßtes Antliz! +Was auch Lysander sey, du sollt mich nicht mehr sehen. + +(Geht ab.) + +Demetrius. +Es nuzet nichts, bey dieser bösen Laune +Ihr nachzugeh'n; ich will noch hier verweilen, +Des Kummers Last wird schwerer durch die Schuld +Die der bankrotte Schlaf dem Kummer soll; +Vielleicht bezahlt er einen Theil daran, +Wenn ich, ihm abzuwarten, hier verweile. + +(Er ligt nieder, und schläft.) + +Oberon. +Was thatest du? Du hast aus Mißverstand +Auf irgend einer treuen Liebe Augen +Den Zaubersaft gelegt; nun macht dein Irrthum +Die treue Liebe falsch, und nicht die falsche treu. + +Puk. +So ist des Schiksals Schluß; für einen treuen Mann +Sind hundert tausend, die mit Eiden spielen. + +Oberon. +Geh' schneller als der Wind, und finde mir +In diesem Hayne Helena von Athen. +Ganz Liebeskrank ist sie, und blaß vom Antliz, +Und haucht ihr Rosenblut in Seufzer aus. +Verleite sie hieher, ich will die Augen +Des Jünglings den sie liebt, für sie bezaubern. + +Puk. +Kein Pfeil von eines Tartars Bogen, +Ist je so schnell wie ich geflogen. + +(Er geht ab.) + +Oberon (indem er den Saft auf Demetrius Augen gießt.) +Blume, die durch Amors Schaft +In Purpur-Farbe glüht, +Hauche deine Liebes-Kraft +Durch sein Augenlied! +Und sieht er dann die er bisher +Durch Untreu zwang, ihm nachzuweinen, +So laß sie schöner, glänzender +Als Venus unterm Sternen-Heer, +Vor des Entzükten Aug' erscheinen: +Die Reyhe komme dann an ihn, +Sich um ihr Lächeln zu bemüh'n, +Und wenn sie flieht, ihr nachzuweinen! + +(Puk kömmt zurük.) + +Puk. +Herr von unserm Feen-Land, +Helena ist hier zur Hand; +Ihr folgt der Jüngling von Athen, +An dem ich vor mich überseh'n, +Und fleht sie, was er flehen kan +Um Lind'rung seiner Schmerzen an. +Es ist ein Spaß dem Schauspiel zuzuseh'n; +Herr! welch ein albern Volk sind diese Sterblichen! + +Oberon. +Gieb Acht, es könnte leicht vom Lermen so sie machen, +Demetrius uns zu früh erwachen. + +Puk. +Dann wär' erst unser Spaß vollkommen, +Dann buhlten ihrer Zwey um Eine. +Je wiedersinnischer die Sachen +Sich dreh'n, je mehr hat Puk zu lachen. + + + +Sechster Auftritt. +(Lysander und Helena.) + + +Lysander. +Wie kanst du denken, daß ich deiner spotte? +O! wenn zerfloß wol je der Spott in Thränen? +Sieh', meine Thränen waschen den Verdacht +Von den Gelübden ab, die ich dir weyhe, +Und zeugen für die Wahrheit meiner Seufzer. + +Helena. +Je mehr du sprichst, entdekt sich deine Falschheit. +Wenn Wahrheit Wahrheit tödtet, welch ein Zweykampf, +Wie teuflisch-heilig!--Alle die Gelübde, +Die du mir weyh'st, sind Hermias! Wäge nun +Eyd gegen Eyd, so wirst du gar nichts wägen. +Treuloser Mann, die Schwüre die du ihr +Und die du mir geschworen, in zwey Schalen +Geworffen, wägen gleich, und beyde gleich so viel +Als Mährchen die der Kinder Schlaf befördern. + +Lysander. +Mir fehlte der Verstand, als ich ihr schwor. + +Helena. +Und fehlt dir izt, da du ihr treulos wirst. + +Lysander. +Demetrius liebet sie, und liebt nicht dich. + +Demetrius (erwachend.) +O Helena, Göttin, Nymphe, Schönste, Beste, +Womit, Geliebte, soll ich deine Augen +Vergleichen? Trüb ist gegen sie Crystall! +Wie loket deiner Lippen reiffe Röthe, +Gleich Kirschen, die dem Mund entgegen schwellen, +Zum süssen Kuß; das reine dichte Weiß, +Auf Taurus Höh' wird rabenschwarz, sobald +Du deine Hand erhebst! O laß mich dieses Urbild +Der reinsten Weisse küssen, und im Arme +Der Göttinnen die Götter neidisch machen. + +Helena. +O! Schmach, o Hölle! Habt ihr's abgeredet, +So ein barbarisch Spiel mit mir zu treiben? +Wär't ihr gesittet, und der heiligen Geseze +Des Wohlstands kundig, o! ihr würdet euch +So niederträchtig mich zu kränken schämen. +Könnt ihr mich denn nicht hassen, wie ich weiß +Ihr thut es, ohne meiner noch zu spotten? +Wär't ihr was ihr zu seyn scheint, wär't ihr Männer, +Ihr würdet einem guten Mädchen nicht +So unverschämt begegnen, ihre Gaben +Durch übertriebnes Lob zu höhnen, und zu schwören, +Der Abscheu, den sie euch erwekt, sey Liebe. +Ihr beyde seyd, ich weiß es, Nebenbuler +Um Hermia; nun seyd ihr's auch, um meiner +Zu spotten. Eine feine Heldenthat; +Fürwahr! ein männlich Unternehmen, Thränen +Aus eines armen Mädchens Augen +Zu zwingen! Keiner, dem ein edles Herz +Im Busen schlüge, würde fähig seyn +Mit einer Jungfrau so zu handeln! + +Lysander. +Nicht so, Demetrius! Nicht so unleutselig! +Du liebest Hermia, und du weist, ich weiß es, +Und hier tret' ich freywillig und von Herzen +Dir meinen Theil an Hermias Liebe ab, +Und fordre deinen nur an Helena, +Die dir gleichgültig ist, und die ich liebe, +Und bis zum lezten Athem lieben werde. + +Helena. +Niemals verlohren blöde Spötter mehr +Unnüzen Athem!-- + +Demetrius. +Höre mich, Lysander! +Behalte deine Hermia, ich will keine. +Liebt' ich sie einst, wie ich mich dessen kaum +Besinnen kan, so ist es nun vorbey +Mit dieser Liebe. Gastweis hielte sich +Mein Herz nur bey ihr auf, und ist nunmehr +Zu Helena auf ewig heimgekehrt! + +Lysander. +Es ist nicht so. + +Demetrius. +Schmäh' du nicht eine Treue +Die du nicht kennst; du thätest es auf deine +Gefahr!--Schau auf, da kömmt sie, deine Liebe. + + + +Siebender Auftritt. +(Hermia zu den vorigen.) + + +Hermia. +Die Nacht entsezt das Auge seines Amtes, +Und macht des Ohrs Empfindung desto schärfer. +Was sie dem Sehen raubt, ersezet sie +Dem Sinn des Hörens zweyfach. O Lysander, +Mein Auge sucht dich lang' und fand dich nicht; +Allein mein Ohr, Dank sey ihm, brachte mich, +Auf deiner Stimme Spur, zu dir. Warum, +Warum verließst du so unzärtlich mich? + +Lysander. +Wie konnt ich bleiben, da die Liebe mich +Zu gehen trieb? + +Hermia. +Welch eine Liebe konnte +Lysandern weg von meiner Seite treiben? + +Lysander. +Lysanders Liebe, die ihm nicht erlaubte +Fern von der schönen Helena zu bleiben, +Die mehr die Nacht vergüldt, +Als alle jene feuerreichen Augen +Des Himmels. Warum suchest du mich noch? +Erklärte nicht die Sache selbst dir deutlich, +Es sey der Haß zu dir, der mich dich fliehen machte. + +Hermia. +Du sprichst nicht wie du denkst, es kan nicht seyn. + +Helena. +Seh't, sie ist eine von dem edeln Bündniß; +Nun seh' ich, alle drey vereinten sich +Durch diese Mummerey mich zu verhönen. +Boshafte Hermia, undankbares Mädchen, +Was hab' ich dir gethan, daß du dich auch +Zu ihnen schlägst, ein Spiel aus mir zu machen? +Ist alle Freundschaft, die wir einst uns weyhten; +Ist die Vertraulichkeit, die schwesterlichen +Gelübd'; und jene Stunden, da wir ungern +Uns scheidend, die zu schnelle Zeit beschalten; +O! Ist diß alles, alles schon vergessen, +Die Schultags-Freundschaft, und die spielende +Schuldlose Liebe unsrer frohen Kindheit? +Da, Hermia, schuffen wir mit unsern Nadeln +Gleich zween kunstvollen Göttern eine Blume, +Nach einem Riß, auf einem Polster sizend; +Und gurgelten nach einer Melodie +Ein muntres Lied, die Arbeit zu beleben; +Als wären unsre Händ' und Stimm' und Herzen +Verkörpert, nur Ein Leib, beseelt von unsrer Liebe. +So wuchsen wir, wie eine Doppel-Kirsche +Getheilt zwar scheinend, doch in Eins verwachsen +Beysammen auf; zwo anmuthsvolle Beeren, +An einem Stiele reiffend; so zwey Leiber +Dem Scheine nach, doch nur ein Herz in beyden. +Und willt du, kanst du unsre alte Liebe +Vergessen, und um deiner armen Freundin +Zu spotten, dich zu Männern zugesellen? +O! das ist nicht freundschaftlich, nicht jungfräulich +Gehandelt; du verschuldest dich an unserm +Geschlechte, nicht an mir allein, obgleich +Nur ich allein die bittre Kränkung fühle. + +Hermia. +Dein hiziges Reden sezt mich in Erstaunen! +Nicht ich, du, scheint's, beleidigst mich! + +Helena. +Hast du Lysandern nicht, mir nachzugehen, +Und mein Gesicht und meine Augen +Zu preisen, aufgestiftet? Hast du nicht +Demetrius, deinen andern Freund, der erst +Mich noch mit seinem Fusse von sich stieß, +Gereizt, mich Göttin, Nymphe, überirdisch, +Himmlisch zu nennen? Warum sagt er so +Zu einer die er haßt? Warum verläugnet +Lysander deine Liebe, die sein Herz +Doch ganz erfüllt, und sagt mir Süssigkeiten, +Als, weil du sie gereizt, und eingewilligt? +Wie? wenn ich gleich nicht so begünstigt bin, +Wie du; nicht so beglükt, und so mit Liebe +Behangen, ja von meinem Unstern gar +Zur Schmach verurtheilt, ungeliebt zu lieben; +Diß sollte dich vielmehr zu sanftem Mitleid +Als zu Verachtung reizen!-- + +Hermia. +Ich verstehe nicht, +Was du mit allem diesem meyn'st-- + +Helena. +So recht! +Fahr immerfort, verstelle deine Minen, +Zieh' Mäuler gegen mich, wenn ich mich drehe, +Winkt euch einander zu! o haltet ja +Diß schöne Spiel recht aus, es ist der Chronik würdig. +Wenn ihr ein fühlend menschlich Herz, ja nur +Manieren hättet, würdet ihr aus mir +Den Inhalt eines solchen Spiels nicht machen. +Jedoch der Fehler ist zum Theil an mir; +Bald soll Entfernung oder Tod ihn heilen. + +Lysander. +Steh', holde Helena! hör', o hör' mich an! +Mein Licht, mein Leben, meine schönste Liebe! + +Helena. +Vortrefflich! + +Hermia. +Lieber Freund, verspotte sie nicht so. + +Demetrius. +Vermag ihr Bitten nichts, so kan ich zwingen. + +Lysander. +Du kanst es so, wie sie erbitten kan. +Dein Droh'n hat nicht mehr Kraft als ihre schwache Bitten. +Helena, ich liebe dich; bey meinem Leben, +Ich liebe dich; bey dem was ich für dich +Verliehren will, dem der es widerspricht +Es zu beweisen, daß er lügt-- + +Demetrius. +Ich sage, +Ich liebe dich weit mehr als er dich liebt. + +Lysander. +Wenn du das sagst, so komm es zu beweisen. + +Demetrius. +Nur gleich-- + +Hermia. +Lysander, wozu soll diß alles? + +Lysander. +Aus meinem Weg, du Mohr! + +Demetrius. +Besorge nichts, +Er thut nur so dergleichen; es ist nicht +Sein Ernst mit mir zu kommen--Geh', Lysander, +Du bist ein zahmer Mann-- + +Lysander (zu Hermia.) +Hinweg du Kaze, du Klette, du nichtswürdigs Ding; +Laß mich, sonst schleudr' ich dich wie eine Schlange +Von mir hinweg-- + +Hermia. +Warum so rauh? welch eine Änd'rung +Ist das, mein Herz! + +Lysander. +Dein Herz? Fort, du schwarzgelber Tartar, fort, +Du ekelhafte Medicin, hinweg! + +Hermia. +Scherzt ihr, Lysander? + +Helena. +Freylich, wie du auch. + +Lysander. +Demetrius, ich will dir mein Wort unfehlbar halten! + +Demetrius. +Du must mir Bürgschaft stellen, denn ich merke, +Daß deinem Wort nicht viel zu trauen ist. + +Lysander. +Wie? soll ich sie denn stossen, schlagen, tödten? +Haß' ich sie gleich, so will ich ihr doch nichts +Zu Leide thun. + +Hermia. +Und welch ein grösseres Leid +Kanst du mir thun, als hassen? wie? Mich hassen? +Wofür? weh mir! welch eine Neuigkeit! +Bin ich nicht Hermia? Bist nicht du, Lysander? +Ich bin izt noch so schön, als vor so kurzer Weile. +Noch diese Nacht, war ich von dir geliebt, +Und doch, in dieser Nacht verließst du mich! +Warum verliessest du mich?--(O! die Götter +Verhüten es!) in Ernste, soll ich sagen? + +Lysander. +So ists, bey meinem Leben! Ganz in Ernst, +Und mit dem Wunsche, nimmer dich zu sehen. +Sey also ausser Hoffnung, Frag und Zweifel, +Versichre dich's: Nichts kan gewisser seyn, +Ich hasse dich, und liebe Helena. + +Hermia. +Weh mir! du Taschenspielerin, wurmstich'ge Blume, +Du Liebes-Diebin, kamst du bey der Nacht, +Mir meines Freundes Herz hinweg zu stehlen? + +Helena. +In Wahrheit! fein!--Hast du denn kein Gefühl +Von Sittsamkeit, von jüngferlicher Schaam? +Willt du von meiner sanften Zunge Worte +Der Ungeduld erzwingen! Schäme dich, +Du angestrichnes Bild, du Puppe, du! + +Hermia. +Puppe? wie so?--Ha, ha! So ligt das Spiel! +Nun merk ich es! Sie hat ihn das Verhältniß, +Von ihrer Länge zu der meinigen, +Bemerken lassen; sie hat ihre Höhe +Gelten gemacht, und ihm mit ihrer +Person, mit ihrer langen aufgeschoßnen +Person, bey meiner Treu! mit ihrer Höhe +Das Herz genommen--Seyd ihr darum also +So hoch in seiner Gunst emporgewachsen, +Weil ich so klein, so Zwergen-mässig bin? +Wie klein bin ich? Du Bohnenstikel, sprich, +Wie klein bin ich? Ich bin doch nicht so klein, +Daß meine Nägel nicht an deine Augen reichen. + +Helena. +Ihr Herr'n, ich bitte euch, so gram ihr mir +Auch seyn mög't, laßt sie mich nicht schlagen! +Ich war nie zänkerisch, und habe gar +Gar keine Gabe mich mit ihr zu rauffen. +O! laßt sie nicht an mich! Ihr denkt vielleicht, +Weil sie um etwas kleiner ist als ich, +Ich könnte sie bezwingen-- + +Hermia. +Kleiner! horcht! +Schon wieder!-- + +Helena. +Liebe Hermia, sey doch nicht +So bitter gegen mich. Ich liebte dich +Ja immerdar, that dir nie was zu Leide; +Und schloß, was du mir anvertrautest, schweigend +In meinen Busen, ausser dißmal nur +Diß einzige mal entdekt' ich deine Flucht +In diesen Wald, Demetrio, den ich liebe. +Er folgte dir. Aus Liebe folgt' ich ihm, +Allein er schalt mich fort, und drohte mir +Mich wegzustossen, ja mich gar zu tödten. +Und nun, wenn ihr mich ruhig gehen lasset, +Nun will ich meine Thorheit nach Athen +Zurüke tragen, und euch nicht mehr stören. +O! laßt mich geh'n! Ihr seh't, was für ein schwaches +Einfältigs Ding ich bin. + +Hermia. +Geh' deines Weges, +Wer hindert dich? + +Helena. +Ein thöricht Herz, das ich zurüke lasse. + +Hermia. +Wie? Bey Lysander? + +Helena. +Bey Demetrius. + +Lysander. +Sey ohne Furcht, sie soll kein Leid dir thun +Geliebte Helena!-- + +Demetrius. +Nein, Herr! sie soll nicht, +Ob du dich gleich zu ihrem Schüzer aufwirfst. + +Helena. +O! wenn sie zornig ist, so ist sie kühn; +Sie war ein böses Ding, wie sie zur Schule gieng; +Und hat, so klein sie ist, so viele Stärke. + +Hermia. +Schon wieder klein, und nichts als klein und klein. +Wie könnt ihr leiden, daß sie so mich höhne? +Laßt mich an sie!-- + +Lysander. +Geh', pake dich, du Zwerg, +Du Minimus, aus Besem-Kraut gemacht; +Du Eichel, du, du Paternoster-Kralle. + +Demetrius. +Ihr seid allzudienstfertig, Herr Lysander, +Für eine die sich eurer Dienste weigert. +Laß sie allein, sprich nicht von Helena, +Und laß sie unbeschüzt; denn wenn du dich +Noch einmal untersteh'st von deiner Liebe +So wenig als es sey, ihr anzutragen, +So sollt du es bereun. + +Lysander. +Izt hält sie mich nicht mehr; +Nun folge, wenn du darfst, es wird sich zeigen, +Ob dein Recht, oder mein's an Helena +Das Stärk're ist. + +Demetrius. +Dir folgen? Nein, ich will dich Stirn' an Stirne +Begleiten--Komm! + +(Lysander und Demetrius gehen ab.) + +Hermia. +Ihr, Frauenzimmer, aller dieser Lerm +Ist eure Schuld--Nein, geh' nicht fort!-- + +Helena. +Ich traue dir nicht, ich, noch werd' ich länger +In deiner zänkischen Gesellschaft bleiben. +Zum Rauffen hast du schnellere Händ' als ich, +Doch zum Entlauffen hab' ich längere Beine. + +(Sie gehen ab. Hermia verfolgt Helena.) + + + +Achter Auftritt. +(Oberon und Puk.) + + +Oberon. +Diß ist dein Fehler; stets versieh'st du was; +Doch bist du Schelms genug, vielleicht es gar +Mit Fleiß gethan zu haben-- + +Puk. +Glaubet mir, +König der Schatten, ich versahe mich. +Ihr sagtet ja, ich würde meinen Mann +An seinem Attischen Habit erkennen, +Und dieser täuschte mich; doch da der Irrthum +Nun einmal, ohne meine Schuld, begangen ist, +So freut mich's, weil mich diese Zänkerey +Kurzweilig däucht-- + +Oberon. +Du siehest, diese Nebenbuhler suchen +Sich einen Plaz zum Fechten. Eile dann, +Robin, umzieh' die heitre Nacht mit Dunkel, +Und hülle das gestirnte Firmament +In Nebel ein, schwarz wie der Acheron; +Und führe diese Streiter so vonsammen, +Daß keiner in den Weg des andern komme. +Bald bilde deine Zunge gleich Lysanders, +Durch bittern Schimpf Demetrius aufzureizen, +Und bald Lysandern mit Demetrius Stimme; +Treib sie so lang umher, doch stets entfernt, +Bis über ihre Augenlieder +Der Schlaf mit Leder-Flügeln und mit Füssen +Von Bley, dem Tod nachäffend kriecht, dann lege +Diß Kräutchen auf Lysanders Augen, welches +Die Kraft besizt, von ihnen allen Irrthum +Hinweg zu thun, und nach gewohnter Art +Sie seh'n zu machen. Wenn sie dann erwachen, +So wird sie dünken, dieses ganze Spiel +Sey nur ein Tand, ein eitles Nachtgesicht +Der Scherz von einem Sommertraum gewesen; +Und durch ein Band verknüpft, das nur der Tod soll lösen, +Wird jedes Liebespaar sich nach Athen +Zurük begeben. Weil du diß verrichtest, +Will ich zu meiner Königin, von ihr +Die Ursach unsers Streits, den Indischen Knaben +Zu fordern; giebt sie ihn, so will ich ihr +Bezaubert Auge von dem Schwindel heilen, +Der für ein Ungeheuer sie entzükt; +Und alle Fehde soll in süssem Frieden enden. + +Puk. +Diß muß, o Geisterfürst, in Eil verrichtet werden; +Die schnellen Drachen die den Wagen ziehen +Der braunen Nacht, durchschneiden schon die Wolken +Mit größrer Hast, und dorten scheint Aurorens +Vorläuffer schon, bey dessen Ankunft +Umirrende Gespenster schaarenweise +Heim zu Kirchhöfen eilen; Schon sind alle +Verdammten Geister, die in Scheidewegen +Und in den Fluthen ihr Begräbniß haben, +Zu ihrem Würmer-vollen Bette bebend +Zurük gekehrt; aus Furcht, der lezte Tag +Möcht' ihre Schande seh'n, verbannen sie +Freywillig sich vom Licht, und bleiben +Auf ewig zu der schwarzen Nacht gesellt. + +Oberon. +Doch wir sind Geister einer andern Art. +Oft hab' ich mit dem Morgenlicht gescherzt, +Und mag so lang die Hayne, wie ein Jäger +Durchtraben, bis des Himmels Pfort' in Osten +Ganz feuerroth, sich gegen den Neptun +Mit weit umher ergoßnen Stralen öffnend, +All seine grünen Ström' in Gold verwandelt. +Doch eile drum nichts minder, zög're nicht, +Vor Tag kan alles schon verrichtet seyn. + +(Oberon geht ab.) + +Puk. +Auf und ab, auf und ab, +Führ' ich sie in schnellem Trab +Kobolt, führ' sie auf und ab. +Hier kömmt einer--(Demetrius tritt auf.) + +Demetrius. +Lysander, sprich noch einmal, +Du Hasenherz, du feige Memme, du, +Bist du entlauffen? Sprich aus irgend einem Busch? +Wo hast du dich verstekt? + +Puk. +Du, Memme selbst, wie? prahlst du zu den Sternen, +Sag'st zu den Stauden, daß du fechten wollest, +Und darfst nicht kommen? Komm, du kleiner Bube, +Die Ruthe sollst du haben; er ist fort +Der gegen dich ein Schwerdt gezogen. + +Demetrius. +Ha, bist du dort-- + +Puk. +Folg' meiner Stimme nach, +Hier ist kein Plaz zum Fechten. + +(Sie gehen ab.) + +(Lysander kömmt zurük.) + +Lysander. +Stets läuft er vor mir her, und fordert mich +Heraus, und wenn ich komme wo er hin mich ruft, +So ist er fort; der Schlingel ist +Schnell-füssigter als ich, ich folgt' ihm schnell, +Doch er floh' schneller noch: Nun bin ich hier +In diesen dunkeln und unebnen Weg +Gerathen, und hier will ich ruhen. Komm, +Du holder Tag, + +(er legt sich;) + +denn zeigst du mir nur einst +Dein graues Licht, so will ich bald ihn finden, +Um diesen Hohn an ihm zu rächen. + +(Puk und Demetrius kommen zurük.) + +Puk. +Ho! ho! du Memme, warum kommst du nicht? + +Demetrius. +Komm näher, wenn du darfst; ich weiß es wol, +Daß du von Ort zu Ort mir stets entläufst, +Und darfst nicht steh'n und mir ins Antliz sehen. +Wo bist du? + +Puk. +Komm du nur hieher, hier bin ich! + +Demetrius. +Du äffest mich; du sollt es theur bezahlen, +Wenn ich je dein Gesicht bey Tag erblike. +Izt, pake dich, mich zwingt die Mattigkeit, +Auf dieses kalte Bette mich zu streken. +Erwarte bey des Tages Anbruch mich! + +(Er ligt nieder.) + + + +Neunter Auftritt. + + +Helena. +O schwere Nacht, verdrießlich lange Nacht, +Verkürze deine Stunden! brich heran, +Erwünschtes Licht, das mich von diesen Leuten +Die meine Gegenwart verabscheun, nach Athen +Zurüke leit'. Inzwischen komm, o du +Der oft des Kummers müdes Auge schließt, +Komm, sanfter Schlaf, und stiehl mich eine Weile +Von meiner eigenen Gesellschaft. + +(Sie entschläft.) + +Puk. +Noch sind's erst drey; nur eine noch, +So sind sie alle vier beysammen. +Hier kömmt sie, unmuthsvoll und traurig! +Cupido ist ein schlimmer Vogel, +So arme Mädchens zu bethören. (Hermia tritt auf.) + +Hermia. +Nie so ermüdet, nie von Schmerzen so +Bedrüket, naß von Thau, von Dornen wund, +Kan ich nicht weiter geh'n, noch weiter kriechen; +Hier will ich ruhen, und den Tag erwarten! +Ihr Götter schüzt Lysandern, wenn ihr Streit +Mit einem Kampf sich endet-- + +(Sie liegt nieder.) + +Puk. +Schlafe du +In süsser Ruh! +Unterweilen +Soll die Kraft +Von diesem Saft +Deines Lieblings Augen heilen. + +(Er gießt den Saft auf Lysanders Augen.) + +Erwachest du, so wird in Hermias Bliken +Dich der gewohnte Reiz entzüken. +So trift bey euerm Wachen dann +Das alte Sprüchwort zu: +Hans nimmt sein Gretchen wieder an, +Und alles ist in Ruh. + +(Puk geht ab.) + + + + +Vierter Aufzug. + + + +Erster Auftritt. +(Der Wald) +(Die Königin der Feen, Zettel, aufwartende Feen, und Oberon hinter + ihnen) + + +Titania. +Komm, seze dich auf dieses Blumenbette, +Weil ich dir deine holden Wangen streichle, +Dein glattes weiches Haupt mit Rosen kränze, +Und deine schönen langen Ohren küsse, +Mein süsses Herz-- + +Zettel. +Wo ist Bohnenblühte? + +Bohnenblühte. +Hier. + +Zettel. +Krazt mir im Kopf, Bohnenblühte. Wo ist Monsieur Spinnenweb? + +Spinnenweb. +Hier. + +Zettel. +Monsieur Spinnenweb, werther Monsieur, nehmt eure Waffen zur Hand, +und tödtet mir eine rothgeschenkelte Hummel auf einem Distelkopf; +und, werther Monsieur, bringt mir den Honigwaben. Lauft euch nicht +zu sehr aus dem Athem, Monsieur; und, werther Monsieur, habet Sorge, +daß der Honigwaben nicht breche; es sollte mir leid seyn, euch mit +Honigseim übergossen zu sehen, Signior. Wo ist Messer Senfsaamen? + +Senfsaamen. +Hier! + +Zettel. +Leih' mir deine Faust, Monsieur Senfsaamen. Ich bitte euch, nicht +so viel Complimente, werther Monsieur. + +Senfsaamen. +Was beliebt Ihnen? + +Zettel. +Nichts, werther Monsieur, als Cavalero Spinnenweb krazen zu helfen. +Ich muß zum Barbier, Monsieur, denn mir däucht, ich bin ganz +erstaunlich haaricht um's Gesichte. Und ich bin ein so zärtlicher +Esel, wenn mein Haar mich nur ein bißchen kizelt, so muß ich krazen. + +Titania. +Verlangest du Musik, mein werthes Leben? + +Zettel. +Ich hab ein raisonabel gutes Ohr zur Musik. + +(Eine ländliche Musik.) + +Titania. +Sag izt, mein Herz, was wünschest du zu essen? + +Zettel. +Die Wahrheit zu sagen, eine Handvoll Futter würde mir nicht übel +thun; ich wollte euch ein gut Theil von euerm Haber käuen, wenn ich +hätte. Mich dünkt, ich habe einen grossen Appetit nach einem +Schober Heu; gutes Heu, zartes Heu, hat nicht seines gleichen. + +Titania. +Sogleich soll eine meiner schnellsten Feen +Dir aus des Eichhorns Vorrath frische Nüsse hohlen. + +Zettel. +Ich hätte lieber eine Handvoll oder zwo dürre Bohnen. Aber ich +bitte, laßt niemand von euern Leuten mich beunruhigen; ich habe +eine Exposition von Schlaf die mich ankommt. + +Titania. +Schlaf du, und ich will dich in meine Arme winden. +Ihr Feen, geht, hinweg ihr Elfen alle! +So windet sich das weiche Geißblatt +Sanft um den Ahorn, Epheu windet so +Sich um des Ulmbaums ausgestrekte Arme. +O! wie ich bis zur Schwärmerey dich liebe! (Puk erscheint.) + +Oberon. +Willkommen, Robin! Sieh'st du diesen Anblik? +Ihr Wahnwiz fängt mein Mitleid an zu reizen. +Denn da ich sie vorhin in diesem Hayne +Beschlich, indem sie eben süsse Düfte +Für dieses abgeschmakte Monkalb suchte, +Beschalt ich sie, und hielt mit bittern Worten +Ihr ihren Unsinn vor; denn seine rauhen +Behaarten Schläfe hatte sie mit Kränzen +Von auserlesnen Blumen rings umkränzt; +Und eben dieser Thau, der auf den Rosenknospen +Gleich runden morgenländischen Perlen sonst geblinkt, +Stund izt in dieser holden Blümchen Augen +Wie Thränen, die solch eine Schmach beweinten. +Als ich sie nun nach Herzenslust gezankt, +Und sie mich um Geduld in milden Worten bat, +Da fodert' ich den kleinen Jungen ab, +Den sie mir sonst so trozig abgeschlagen; +Sie gab ihn willig her, und schikte ihre Fee +Ihn gleich in meine Laub' im Feenlande +Zu tragen. Nun, da ich den Knaben habe, +Will ich von dieser häßlichen Verblendung +Ihr Aug' entbinden; du aber, holder Puk, +Nimm diese Mißgestalt von des Atheners Haupte, +Daß er zugleich mit jenen Schläfern dort +Erwachend, wieder heim mit ihnen kehre; +Und All' an dieser Nacht Begebenheiten +Nicht weiter denken, als an eines Traumes +Beängstigungen. Itz will ich zuförderst +Die Feen-Königin entzaubern. + +Sey wieder was du ehmals warst, +Sieh' wieder wie du ehmals sahst; +Solch eine heilungsvolle Macht +Hat Phöbes Knospe über Amors Blume. Erwache nun, Titania, meine +Königin! + +Titania. +Mein Oberon, was sah' ich für Gesichter! +Mich däucht' ich war verliebt in einen Esel. + +Oberon. +Hier ligt dein Liebling. + +Titania. +Wie gieng dieses zu? +Wie ekelt mir vor diesem Anblik izt! + +Oberon. +Still eine Weile! Robin, nimm diß Haupt! +Titania, horche dieser Symphonie, +Die, stärker als gemeiner Schlaf, die Sinnen +Von diesen Schläfern bindet-- + +Titania. +Ha! Musik! einschläfernde Musik! + +Puk (zu Zettel.) +Wenn du erwach'st, so guke +Aus deinen eignen Narren-Augen wieder. + +Oberon. +Ertöne fort, Musik! leg' Hand mit mir +Titania an, den Grund zu wiegen, +Wo diese holden Schläfer ligen. +Die Freundschaft zwischen mir und dir +Ist nun erneut, und daure für und für. +Morgen in der Mitternacht +Wollen wir, wie im Triumphe, +Wir mit allen unsern Elfen, +Herzog Theseus Haus durchtanzen, +Und bis zu den fernsten Enkeln +Es mit unserm Segen weihen. + +Puk. +Feen-König, horch! mein Ohr +Hört der frühen Lerchen Chor. + +Oberon. +So laß uns dann, o Königin, +Den Schatten nach in ernster Stille fliehn. + +Titania. +Komm, mein Gemahl, und weil wir fliehn, +Enträthsle mir die Wunder dieser Nacht; +Und wie es kam, daß man mich hier +Bey diesen Sterblichen schlafend fand? + +(Sie gehen ab. Die Schlafenden bleiben liegen. Man hört +Hifthörner.) + + + +Zweyter Auftritt. +(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.) + + +Theseus. +Geh' einer von euch, sucht den Forster auf, +Denn unsre Mayen-Andacht ist geendigt; +Und weil die Dämm'rung günstig ist, soll izt +Hippolita die Musik meiner Hunde hören. +Eilt, hohlt den Forster, und entfesselt sie. +Wir wollen, meine schöne Königin, +Auf dieses Berges Gipfel steigen, und +Von da die musicalische Verwirrung +Vom Laut der Hunde mit dem Nachhall hören. + +Hippolita. +Ich war mit Herkules und Cadmus einst +Als sie in einem Walde von Dictynna +Den Bären mit Spartanischen Hunden hezten. +Nie hört' ich solch ein prächtiges Getöne. +Nicht nur die Büsche, Luft, und Berg, und Quellen, +Die ganze Gegend schien ein einziges +Zusammenstimmendes Geschrey. Ich hörte nie +Solch eine musicalische Dissonanz, +Solch einen anmuthsvollen Donner. + +Theseus. +Auch meine Hunde sind von Spartas Art, +So kurz von Haar, so barticht, so mit Ohren, +Die, schlapp und niederhangend von dem Grase +Den Thau wegwischen, krumm von Knie, und hautig +Am Halse wie Thessaliens Stiere, langsam +Im Jagen, aber wie ein Glokenspiel +Im Laut gestimmt, stets einer unter'm andern. +Nie ward ein schöneres Getön in Creta, +Noch Sparta, noch Thessaliens Plänen, +Vom Jagdgeschrey und Hifthorn aufgemuntert. +Urtheile, wenn du hörst. Doch still, was sind +Für Nymphen hier? + +Egeus. +Mylord, es ist mein Mädchen; +Diß Helena, des alten Nedars Tochter; +Und diß Lysander, diß Demetrius, alle +Schlafend! Mich wundert, wie sie hier zusammen +Gekommen. + +Theseus. +Ohne Zweifel standen sie +Früh auf, die festlichen Gebräuche +Des Mayen zu begeh'n, und auf die Nachricht +Von unserm Vorsaz kamen sie hieher +Um unsre Feyrlichkeit zu zieren. +Doch, sprich Egeus, ist diß nicht der Tag, +An welchem Hermia ihre Wahl entdeken soll? + +Egeus. +Er ists. + +Theseus. +Geh', laß die Jäger sie mit ihren Hörnern weken. + +(Hifthörner und Jagdgeschrey innerhalb der Scene.) + + +(Demetrius, Lysander, Hermia und Helena erwachen, und stehen +erschroken auf.) + +Theseus. +Ihr Freunde, guten Tag! Sanct Valentin +Ist schon vorbey: Wie, fangen diese Vögel +Erst izo sich zu paaren an? + +Lysander. +Vergebung, +Mein königlicher Herr! + +Theseus. +Ich bitte, stehet auf +Ich weiß es, daß ihr Feind' und Nebenbuhler seyd. +Woher dann diese Eintracht, und wie kömmt's +Daß Haß, so fern von Eifersucht, bey Haß +In diesem Hayne schläft, und keine Feindschaft fürchtet? + +Lysander. +Halb wach, halb schlafend, und ob allem dem +Was mir begegnet, selbst erstaunt, was soll ich +Zur Antwort geben? Glaubet meinem Schwure, +Ich kan nicht sagen, wie ich eigentlich +Hieher gekommen--Doch mich dünkt, (denn gerne +Wollt ich die Wahrheit sagen) izo, ja! +Besinn' ich wieder mich, so ist's, mit Hermia +Kam ich hieher. Wir wollten von Athen +An einen Ort entflieh'n, wo wir sicher +Vor dem Athenischen Geseze wohnen könnten. + +Egeus. +Genug, genug, mein Fürst; ich ford're wieder ihn +Die Strenge des Gesezes, das Gesez +Auf sein verwürktes Haupt! Ihr Vorsaz war +Sich wegzustehlen, und dadurch, Demetrius +Uns beyde zu berauben; deines Weibes, dich, +Mich meiner Einwilligung-- + +Demetrius. +Mylord, die schöne Helena +Verrieth mir ihre Flucht, und ihren Vorsaz, +In diesem Hayne sich bey Nacht zu finden; +In Wuth verfolgt' ich sie, mir folgt' aus Liebe +Die schöne Helena! Nun, mein gnädiger Herr, +Durch was für eine Gottheit weiß ich nicht, +Doch ist es wahrlich einer Gottheit Werk, +Daß meine Leidenschaft für Hermia weg +Wie Schnee geschmolzen ist, mir izo nur +Wie die Erinn'rung scheint an eine Puppe, +Wornach ich mich in meiner Kindheit sehnte; +Und aller Trieb', und Kräfte meines Herzens +Einziger Gegenstand, die Wonne meiner Augen +Diß holde Mädchen ist. Ihr, Mylord, war +Ich schon versprochen, eh ich Hermia sah'; +Wie uns in Krankheit sonst geliebte Speisen +Oft widersteh'n, so gieng es mir mit ihr: +Doch da ich nun zu meinem vorigen +Natürlichen Geschmak genesen bin; +Nun wünsch ich, lieb ich sie, und sehne mich +Nach ihr, und werd' ihr immer treu verbleiben. + +Theseus. +Ihr habt euch, holde Günstlinge der Liebe, +Zu euerm Glük zusammen hier gefunden. +Egeus, nun übertret' ich euern Willen selbst, +Denn dieses Doppel-Paar soll neben uns +Auf ewig am Altar verbunden werden. +Und da der Morgen nun verstrichen ist, +Soll unsre Jagd auf eine andre Zeit +Verschoben seyn. Kommt mit uns nach Athen, +Und helft die Feyrlichkeit von unserm Fest vermehren. + +(Der Herzog, Hippolita, und Gefolge gehen ab.) + +Demetrius. +Diß alles was uns hier begegnet ist, +Scheint klein und unerkennbar, gleich entfernten +Gebürgen, die in Wolken sich verliehren. + +Hermia. +Mich dünkt, ich sehe diese Dinge mit +Getheilten Augen, die mir alles doppelt +Erscheinen machen. + +Helena. +Eben so ist's mir, +Ich fand Demetrius hier gleich einem Kleinod* +Mein eigen, und nicht mein eigen. + +{ed.-* Hr. Warbürton findet hier den Text dunkel, und glaubt +durch Veränderung des Wortes (Jewel) (Kleinod) in (Gemell) +(Zwilling) alles deutlich zu machen. Weil ich aber seine +Verbesserung weit dunkler finde als den Text, so bin ich bey +dem leztern geblieben, der meiner Meynung nach, einen ganz +richtigen Sinn darbietet.} + +Demetrius. +Mich dünkt's +Wir schlafen, träumen noch. Kam's euch nicht vor, +Der Herzog sey hier, und heiß' uns folgen. + +Hermia. +Ja, und mein Vater. + +Helena. +Und Hippolita. + +Lysander. +Und sagt uns, in den Tempel ihm zu folgen. + +Demetrius. +Wie denn, so wachen wir; laßt uns ihm folgen, +Und unterwegs uns unsre Träum' erzählen. + +(Sie gehen ab.) + + + +Dritter Auftritt. +(Wie sie abgehen, erwacht Zettel.) + + +Zettel. +Wenn mein Merkwort kömmt, so ruft mir, und ich will antworten. +Mein nächstes ist--O schönster Pyramus--hey! Holla!--Peter Squenz, +Flaut der Blasbalgfliker! Schnauz, der Keßler! Schluker! Beym +Element, sie sind alle fortgelauffen; und lassen mich hier +schlaffen. Ich habe eine höchst seltsame Vision gehabt. Ich hatte +einen Traum, es geht über Menschen-Wiz zu sagen, was für ein Traum +das war: Ein Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lassen +will, diesen Traum zu begreiffen. Mich dünkte ich war, kein Mensch +kan sagen was. Mich dünkte ich war, und mich dünkte ich hatte-- +Doch ein Mensch wäre nur ein ausgemachter Narr, wenn er sich dafür +austhun wollte, zu sagen was ich hatte. Keines Menschen Auge hat +gehört, keines Menschen Ohr hat gesehen; keines Menschen Hand ist +vermögend zu schmeken, noch seine Zunge zu begreiffen; noch sein +Herz zu erzählen, was mein Traum war. Ich will Peter Squenz bitten, +daß er einen Gesang aus diesem Traum mache; er soll Zettels Traum +genennt werden, und ich will ihn zu Ende des Spiels vor dem Herzog +absingen; vielleicht, um es noch graziöser zu machen, will ich ihn +singen, wenn ich mich erstochen habe. + +(Geht ab.) + + + + + + +Vierte Scene. +(Die Stadt.) +(Squenz, Flaut, Schnauz und Schluker.) + + +Squenz. +Habt ihr nach Zettels Hause geschikt? Ist er noch nicht heim +gekommen? + +Schluker. +Man hört kein Wort von ihm. Ohne Zweifel haben ihn die Geister +davon geführt. + +Flaut. +Wenn er nicht kömmt, so ist das Spiel verdorben. Es geht nicht vor +sich, thut es? + +Squenz. +Es ist unmöglich. Ihr findet keinen Mann in ganz Athen, der im +Stand wäre, den Pyramus vorzustellen, als ihn. + +Flaut. +Nein, er hat kurzum den besten Kopf unter allen Handwerksleuten in +Athen. + +Squenz. +So ists, und die beste Person dazu; er ist ein rechter Gegenstand +für eine zarte Stimme. (Schnok kömmt.) + +Schnok. +Ihr Herren, der Herzog kömmt aus dem Tempel, und es sind noch zwey +oder drey Herren und Damen mehr vermählt worden. Wenn unser Spiel +vor sich gegangen wäre, so wären wir alle gemachte Leute gewesen. + +Flaut. +O du guter Zettel, du hast einen Sechser des Tags für dein ganzes +Lebenlang verlohren. Mein Seel! er hätte einem Sechser des Tags +nicht entgehen können. Wenn ihm der Herzog nicht einen Sechser des +Tags für den Pyramus gegeben hätte, so will ich gehangen seyn. +Einen Sechser des Tags für Pyramus, oder nichts. (Zettel kömmt.) + +Zettel. +Wo sind die Jungens? wo sind diese Hasen-Herzen? + +Squenz. +Zettel!--O! höchst curaschöser Tag! o glükselige Stunde! + +Zettel. +Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzählen, aber fragt mich nicht +was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch +sage. Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist. + +Squenz. +Laß uns hören, lieber Zettel. + +Zettel. +Nicht ein Wort von mir. Alles was ich euch sagen will, ist, daß +der Herzog zu Mittag gegessen hat. Schaft eure Zurüstungen herbey, +gute Strike für eure Bärte, neue Bänder für eure Stiefeletten; +kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann übersehe seinen +Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser +Spiel wird den Vorzug bekommen. Auf allen Fall, laßt Thisbe weisse +Wäsche anziehen; und laßt den der den Löwen spielen soll, seine +Nägel nicht abschneiden, denn sie müssen als des Löwen Klauen +heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder +Zwiebel noch Knoblauch; denn wir müssen einen süssen Athem von uns +geben, und ich zweifle nicht, sie werden sagen, es ist eine recht +süsse Comödie. Keine Worte mehr, ab! Tretet alle ab. + +(Sie gehen.) + + + + +Fünfter Aufzug. + + + +Erster Auftritt. +(Der Pallast.) +(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.) + + +Hippolita. +Das sind, mein Theseus, wunderbare Dinge, +Was diese Liebenden erzählen. + +Theseus. +Mehr wunderbar als wahr. Ich habe niemals +Von diesen alten Fabeln, Feen-Mährchen +Und Zaubereyen was geglaubt. Verliebte +Sind hierinn den Verrükten ähnlich: Beyde +Mit so erhiztem Hirn, so schöpfrischer +Einbildungskraft begabt, sich vorzustellen, +Was ruhige Vernunft nicht fassen kan. +Mondsüchtige, Poeten und Verliebte +Sind lauter Phantasie; der eine sieht +Mehr Teufel, als die weite Hölle faßt; +Indeß daß der Verliebte, gleich phrenetisch +In einer Mohrin Ledas Schönheit sieht. +Des Dichters Aug' in feinem Wahnwiz rollend, +Blizt von der Erde zum Olymp, vom Himmel +Zur Erd'; und wie die Phantasie Gestalten +Von unbekannten Dingen ausgebiert, +So bildet sie sein Kiel, und giebt dem lüftigen Unding +Verbindung, Ort und Zeit, und einen Namen. +So ist die Phantasie gewohnt zu würken; +Sobald sie irgend eine Lust empfindt, +Erfindt sie einen Schöpfer dieser Lust; +Denn wenn bey Nacht uns eine Furcht befällt, +Wie leicht ist's, einen Busch für einen Bär zu halten. + +Hippolita. +Doch diese ganze Nachtgeschichte +Mit ihren Folgen, dieser wunderbaren +Verwandlung ihrer Seelen, zeugt von mehr +Als Dichtungen der Phantasie, und wächßt +Zu etwas, das zusammenhängend ist; +Und doch darum nicht minder unbegreiflich. (Lysander, Demetrius, +Hermia und Helena treten auf.) + +Theseus. +Hier kommen sie, voll Lust und Frölichkeit. +Heil, holde Freunde, Heil und frische Tage +Der Lieb', ein Frühling dem kein Winter folge, +Begleite eure Herzen-- + +Lysander. +So mögen sie, in ungezählter Menge +Um Eure Hoheit wachen. + +Theseus. +Kommet nun, +Was haben wir für Masken, was für Tänze, +Um diesen langen Zeitlauf von drey Stunden, +Vor schlafengehn, hinwegzuscherzen? +Wo ist der Meister unsrer Lustbarkeiten? +Was Spiele giebt's? Ist nicht ein Schauspiel da, +Die Pein von einer langen Stunde zu erleichtern? +Ruft Philostrat herbey. (Philostratus kömmt.) + +Philostratus. +Hier, mächtiger Theseus. + +Theseus. +Was hast du, diesen Abend zu verkürzen? +Was für Ballette, für Musik und Tänze? +Wie können wir die träge Zeit betrügen, +Wenn nicht durch irgend eine Lustbarkeit? + +Philostratus. +Hier, Prinz, ist eine Liste von den Spielen, +Die eurer Hoheit Wahl und Wink erwarten. + +Theseus (ließt.) + +(Die Schlacht mit den Centauren, von einem Athenischen Castraten +zur Harfe abzusingen.) + +Wir wollen nichts hievon. Das hab ich meiner Braut +Zu Ehren meines Vetters, Herkules, +Vorlängst erzählt. (Der Aufruhr der berauschten +Bachantinnen, wie sie in ihrer Wuth +Den Sänger Thraciens zerreissen.) +Ein altes Stük, das schon gespielet ward +Als ich von Thebe siegreich wieder kam. (Die dreymal drey Musen, +welche den Tod der Gelehrtheit beweinen, die unlängst im +Bettelstand verschieden.) Das ist irgend eine kühne critische +Satyre, +Die sich zu hochzeitlichen Feyrlichkeiten nicht schikt. (Eine +tediose kurze Scene von dem jungen Pyramus, und seiner lieben +Thisbe, recht tragicalisch-lustig). Lustig und tragisch? tedios +und kurz? +Das ist heisses Eis, eine seltsame Art von Schauspiel. Wie sollen +wir den Sinn dieses Unsinns errathen? + +Philostratus. +Mylord; es ist ein Schauspiel, ungefehr ein Duzend Worte lang, so +kurz als ich je ein Schauspiel gesehen habe, aber gerad um zwölf +Worte zu lang, wodurch es tedios wird; denn in dem ganzen +Schauspiel ist kein Wort am rechten Orte, und kein Spieler taugt +etwas. Tragisch ist es, denn Pyramus ersticht sich darinn, welches, +ich muß bekennen als ich das Stük probieren sah, mir das Wasser in +die Augen trieb; aber lustigere Thränen hat der Affect des lauten +Lachens nie vergossen. + +Theseus. +Wer sind die, die es spielen? + +Philostratus. +Männer von rauhen Händen, die hier in Athen arbeiten, aber deren +Seelen bis izo noch nie gearbeitet, und die nun ihre Memorien mit +diesem Schauspiel auf Euer Vermählungsfest zermartert haben. + +Theseus. +Wir wollen es hören. + +Philostratus. +Nein, mein Gebieter, es ist nicht für euch. Ich hab es ganz gehört, +und es ist nichts, nichts in der Welt; es wäre dann wenn euch ihre +Absicht belustigen könnte, die sich mit jämmerlicher Mühe aufs +äusserste angestrengt, um euch ihre Aufwartung zu machen. + +Theseus. +Ich will dieses Stük hören; denn niemals ist etwas +verschmähenswürdig, das von Einfalt und Pflicht dargeboten wird. +Geh', bring sie her, und sezet euch, Mesdames. + +Hippolita. +Ich sehe nicht gerne die Unglükseligkeit die unter ihrer Last +einsinkt, und die Pflicht, die in ihrem Dienst zu Grunde geht. + +Theseus. +Wie, holde Liebe, du sollt nichts dergleichen seh'n. + +Hippolita. +Er sagt, sie können nichts in dieser Art. + +Theseus. +Desto gütiger sind wir, wenn wir ihnen für Nichts danken. Unsere +Lust wird seyn, zu verstehen, was sie mißverstehen; ein +großmüthiger Sinn schäzt das was die arme willige Pflicht thut, +nach dem Vorsaz, nicht nach dem Werth. Wie ich hieher kam, hatten +sich grosse Gelehrte vorgesezt, mich mit studierten Glükwünschen zu +begrüssen; ich sah sie zittern und bleich werden, mitten in einem +Saz Perioden machen, ihren gekünstelten Accent vor Angst erstiken, +und zulezt auf einmal verstummen, ehe sie mich nur willkommen +geheissen. Glaubet mir, meine Angenehmste, aus diesem +Stillschweigen selbst brachte ich einen Willkomm heraus; und die +Bescheidenheit der schüchternen Pflicht sagte mir mehr, als die +rasselnde Zunge der unverschämten und zuversichtlichen Beredsamkeit. +Mit einem Wort, Liebe und unberedte Einfalt reden für mich am +verständlichsten. (Philostratus kömmt.) + +Philostratus. +Der Prologus ist fertig, wenn es Euer Hoheit gefällt. + +Theseus. +Laßt ihn auftreten. + + + +Zweyter Auftritt. +(Squenz tritt als Vorredner auf.) + + +Vorredner. +Wenn wir mißfallen thun, so ist's mit gutem Willen; +Der Vorsaz bleibet gut, wenn wir ihn nicht erfüllen; +Zu zeigen unsre Pflicht durch dieses kurze Spiel, +Das ist der wahre Zwek von unserm End und Ziel. +Erwäget also dann, warum wir kommen fein. +Wir kommen nicht, als sollt ihr euch daran ergözen +Die wahre Absicht ist--zu eurer Lust allein +Wir sind nicht hier--daß wir in Reu euch sezen. +Die Spieler sind bereit--wenn ihr sie werdet sehen, +So wißt ihr alles schon, was ihr nur wollt verstehen. + +Theseus. +Dieser Bursche geht nicht auf Stelzen. + +Lysander. +Er hat seinen Prologus geritten, wie ein junges Füllen; er weiß +noch nicht, wo er Halt machen soll. Eine gute Moral, Mylord. Es +ist nicht genug daß man rede, man muß auch wahr reden. + +Hippolita. +In der That, er hat auf seinem Prologus gespielt, wie ein Kind auf +der Flöte; er brachte wol einen Ton heraus, aber keine Note. + +Theseus. +Seine Rede war wie eine verwikelte Kette, alles zusammenhängend, +aber alles in Unordnung. Wo ist nun der folgende? (Pyramus und +Thisbe, Wand, Monschein und Löwe treten als stumme Personen auf.) + +Vorredner. +Was diß bedeuten soll, das wird euch wundern müssen, +Bis Wahrheit alle Ding stellt an das Licht herfür. +Der Mann ist Pyramus, wofern ihr es wollt wissen, +Und diese Fräulein schön, ist Thisbe, glaubt es mir. +Der Mann mit Pflaster hier und Leimen soll bedeuten +Die Wand, die garst'ge Wand, die ihre Lieb thät scheiden; +Doch freut es sie, drob auch sich niemand wundern soll, +Wenn durch die Spalten klein sie konnten flüstern wol. +Der Mann da mit Latern, und Hund, und Busch von Dorn +Den Monschein präsentiert; denn wenn ihr's wollt erwägen, +Beym Monschein hatten die Verliebten sich geschwohr'n, +Zu geh'n nach Nini Grab, und dort der Lieb' zu pflegen. +Diß gräßlich wilde Thier, von Namen Löwe groß, +Die treue Thisbe die des Nachts zuerst gekommen, +Thät scheuchen ja vielmehr erschreken, daß sie bloß +Den Mantel fallen ließ und blutt die Flucht genommen; +Drauf dieser schnöde Löw in seinen Rachen nahm, +Und ließ mit Blut beflekt den Mantel lobesam. +Sofort kömmt Pyramus, ein Jüngling wolgemuth, +Findt seiner Thisbe treu ihr'n Mantel voller Blut, +Worauf er mit dem Deg'n, mit blut'gem bösem Degen, +Die blut'ge heisse Brust sich dapferlich durchstach; +Und Thisbe, die indeß im Maulbeer-Schatten g'legen, +Zog seinen Dolch heraus und sich das Herz zerbrach. +Was noch zu sagen ist, das wird, glaubt mir fürwahr, +Euch Mondschein, Wand und Löw, und das verliebte Paar, +Der Läng' und Breite nach, so lang sie hier verweilen, +Erzählen, wenn ihr wollt, in wolgereimten Zeilen. + +(Alle treten ab, bis auf Wand.) + +Theseus. +Mich wundert, ob der Löwe reden wird? + +Demetrius. +Warum nicht ein Löwe, Mylord, da Esel reden können? + +Wand. +In dem besagten Spiel es sich zutragen thut, +Daß ich, Tom Schnauz genannt, die Wand vorstelle gut, +Und eine solche Wand, wovon ihr solltet halten, +Sie sey durch einen Schliz, recht durch und durch gespalten: +Wodurch denn Pyramus und seine Thisbe fein +Oft flüsterten fürwahr ganz leis' und ingeheim. +Der Merdel, und der Leim, und dieser Stein thut zeigen, +Daß ich bin diese Wand, ich will's euch nicht verschweigen. +Und diß die Spalte ist, zur Linken und zur Rechten, +Wodurch die Buhler zwey sich thäten still besprechen. + +Theseus. +Könntet ihr fodern, daß Leim und Haar besser sprechen sollten? + +Demetrius. +Mylord, es ist die sinnreichste Erfindung, von der ich jemals +gehört habe. + +Theseus. +Pyramus nähert sich der Wand; stille! (Pyramus tritt auf.) + +Pyramus. +O Nacht so schwarz von Farb! o grimmerfüllte Nacht! +O! Nacht als jemals schien, wenn es nicht Tag mehr war! +O Nacht, o Nacht, o Nacht! ach! ach! ach, Himmel, ach! +Ich fürcht' mein' Thisbe hat ihr Wort vergessen gar! +Und du, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand, +Die zwischen unsrer bey--der Eltern Haus thut stehen, +Du Wand, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand, +Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen, +Hab Dank, du gute Wand! Der Himmel lohn' es dir! +Jedoch was seh' ich dort? Thisbe die seh' ich nicht. +O böse Wand, durch die ich nicht seh' meine Zier! +Verflucht sey'n deine Stein! daß du so äffest mich! + +Theseus. +Mich dünkt, die Wand sollte wieder zurük fluchen, weil sie +empfindlich ist. + +Pyramus. +Nein, fürwahr, Herr, sie muß nicht. Äffest mich, ist Thisbes +Merkwort; sie wird gleich kommen, und ich muß sie durch die Wand +ausspähen. Ihr werdet sehen, es wird gerade so gehen, wie ich euch +sage. Da kömmt sie schon. (Thisbe tritt auf.) + +Thisbe. +O Wand, oft hast du schon gehört das Seufzen mein, +Mein'n schönsten Pyramus weil du so trennst von mir! +Mein rother Mund hat oft geküsset deine Stein, +Dein' Stein' mit Haar und Leim geküttet auf in dir. + +Pyramus. +Ein' Stimm' ich sehen thu, ich will zur Spalt' und schauen, +Ob ich nicht hören kan mein'r Thisbe Antliz klar. +Thisbe! + +Thisbe. +Diß ist mein Schaz! Mein Liebchen ists! fürwahr. + +Pyramus. +Denk was du willt, ich bin's; du kanst mir sicher trauen. +Und gleich Limander bin ich treu nach meiner Pflicht. + +Thisbe. +Und ich gleich Helena, bis mich der Tod ersticht. + +Pyramus. +So treu war Schefelus zu seiner Procrus nicht! + +Thisbe. +Wie Procrus Scheflus liebt', lieb' ich dein Angesicht. + +Pyramus. +O küß mich durch das Loch von dieser garst'gen Wand! + +Thisbe. +Mein Kuß trift nur das Loch, nicht deiner Lippen Rand. + +Pyramus. +Willt du bey Ninnys Grab heut Nacht mich treffen an. + +Thisbe. +Sey's lebend oder todt, ich komme wenn ich kan. + +Wand. +So hab ich Wand nunmehr mein'n Part gemachet gut, +Und nun sich also Wand hinwegbegeben thut. + +(Geht ab.) + +Theseus. +So ist die Scheidwand zwischen beyden Nachbarn auf einmal gefallen. + +Demetrius. +Kein Wunder, Mylord, da sie so willig war, sich aufzurichten. + +Hippolita. +Elenderes Zeug hab ich niemals gehört. + +Theseus. +Das Beste in dieser Art ist nur Schatten; und das Schlechteste ist +nicht schlechter, wenn ihm die Einbildungskraft nachhilft. + +Hippolita. +So muß es also eure Einbildungskraft seyn, nicht die ihrige. + +Theseus. +Wenn wir nicht schlechter von ihnen denken als sie von sich selbst, +so können sie für vortrefliche Leute passieren. Hier kommen zwey +edle Bestien, in der Person eines Menschen und eines Löwen. (Löwe +und Monschein treten auf.) + +Löwe. +Ihr Fräulein, deren Herz fürchtet die kleinste Maus, +Die in monstroser G'stalt thut an dem Boden schweben, +Möcht izo zweifelsohn erzittern und erbeben, +Wenn Löwe rauh von Wuth läßt sein Gebrüll heraus. +So wisset dann, daß ich Hans Schnok, der Schreiner bin, +Kein böser Löw fürwahr noch eines Löwen Weib; +Denn käm' ich als ein Löw und hätte Harm im Sinn, +So daurte, meiner Treu! mich nur mein g'rader Leib. + +Theseus. +Eine höfliche Bestie, und recht gewissenhaft. + +Lysander. +Dieser Löwe ist ein vollkommener Fuchs an Herzhaftigkeit. + +Theseus. +Das ist wahr, und eine Gans an Discretion. + +Demetrius. +Nicht so, Mylord, denn seine Herzhaftigkeit kan seiner Discretion +nicht Meister werden, wie ein Fuchs einer Gans. + +Theseus. +Ohne Zweifel kan seine Discretion seine Herzhaftigkeit nicht +bemeistern, denn eine Gans bemeistert keinen Fuchs. Gut! wir +wollen seine Discretion davor sorgen lassen, und izt hören, was uns +der Mond zu sagen hat. + +Mondschein. +Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt. + +Demetrius. +Er sollte die Hörner an seiner Stirne tragen. + +Theseus. +Er ist nicht im Zunehmen; seine Hörner steken unsichtbar in der +Peripherie. + +Mondschein. +Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt, +Ich selbst den Mann im Mond, wofern es euch beliebt. + +Theseus. +Das ist noch der gröste Fehler unter allen; man hätte den Mann in +die Laterne sezen sollen; wie kan er sonst der Mann im Monde seyn? + +Demetrius. +Er darf es nicht wegen der Kerze; Ihr sehet ja, daß sie schon +lauter Buzen ist. + +Hippolita. +Dieser Mond macht mir lange Weile; ich wollte, er änderte sich. + +Theseus. +Man sieht an seinem bescheidnen Licht, daß er im Abnehmen ist; aus +Höflichkeit und von rechtswegen müssen wir nun schon das Ende +abwarten. + +Lysander. +Komm besser hervor, Mond! + +Mondschein. +Alles was ich zu sagen habe, ist euch zu melden, daß diese Laterne +der Mond ist; ich, der Mann im Mond, dieser Dornbusch, mein +Dornbusch, und dieser Hund, mein Hund. + +Demetrius. +Alle diese Dinge sollten also in der Laterne seyn. Doch stille, +hier kömmt Thisbe. (Thisbe tritt auf.) + +Thisbe. +Diß ist ja Ninnys Grab, wo ist mein Liebchen dann? + +Löwe. +Oh!-- + +(der Löwe brüllt, Thisbe läuft davon.) + +Demetrius. +Wol gebrüllt, Löwe. + +Theseus. +Wol geloffen, Thisbe. + +Hippolita. +Wol geschienen, Mond. In der That, der Mond scheint mit einer +recht guten Art. + +Demetrius. +Und da kam Pyramus. + +Lysander. +Und da verschwand der Löwe. (Pyramus tritt auf.) + +Pyramus. +Ich dank dir, süsser Mond, für deine Sonnenstralen, +Die also hell und schön den Erdenball bemahlen; +Dieweil bey deinem Gold und funkelnd süssem Licht +Zu kosten ich verhoff mein'r Thisbe Angesicht. + +Doch halt! o Pein! +Was soll diß seyn? +Was für ein Graus ist diß? +Aug, siehst du noch? +O! schweres Joch! +Mein Herz, mein Liebchen süß, +Dein Mantel gut, +Beflekt mit Blut! +Ihr Furien kommt in Trab, +Herbey und rächt +Und löscht und brecht +Den Lebensfaden ab! + +Theseus. +Diese Leidenschaft und der Tod eines werthen Freundes, würden nahe +zu hinreichen, einen Mann finster sehen zu machen. + +Hippolita. +Ich möchte mir selbst Böses wünschen, daß ich mich nicht verwahren +kan, den Mann zu bedauern. + +Pyramus. +Warum denn, o Natur, thätst du den Löwen bauen? +Weil solch ein schnöder Löw mein' Lieb' hat defloriert; +Sie welche ist--Nein! war--die schönste aller Frauen, +Die je des Tages Glanz mit ihrem Schein geziert. + +Komm, Thränenschaar, +Aus, Schwerdt, durfahr +Die Brust des Pyramo! +Die Linke hier, +Wo s'Herz hüpft mir, +So sterb' ich denn, So, so! +Nun bin ich tod, +Aus ist die Noth, +Mein' Seel im Himmel lacht; +Verliehr dein'n Schein, +O Zunge mein, +Flieh' Mond; gut Nacht, gut Nacht! + +Demetrius. +So stirb dann, oder ein Aß für ihn, denn er ist doch eines. + +Lysander. +Minder als ein Aß, Mann; denn er ist todt; er ist nichts. + +Theseus. +Mit Hülfe eines Barbiers möchte er vielleicht noch aufkommen, und +ein Aß werden. + +Hippolita. +Wie? der Mondschein ist gegangen, eh Thisbe zurük kömmt, und ihren +Liebhaber findet. (Thisbe kömmt.) + +Theseus. +Sie wird ihn beym Sternenlicht finden. Hier kömmt sie, und ihre +Passion endet das Spiel. + +Hippolita. +Mich dünkt, sie sollte keine lange für einen solchen Pyramus nöthig +haben; ich hoffe sie wird kurz seyn. + +Thisbe. Schläfst du, mein Kind? +Steh auf geschwind! +Wie? Täubchen, bist du todt? +O! Sprich, o sprich! +O! rege dich! +Ach! todt ist er! O Noth! +Dein Lilien-Mund, +Dein Auge rund, +Wie Schnittlauch frisch und grün, +Dein Kirschen-Nas' +Dein' Wangen blaß +Die wie ein Goldlak blüh'n, +Soll nun ein Stein +Bedeken fein, +O klopf, mein Herz, und brich! +Ihr Schwestern drey +Kommt, kommt herbey, +Und leget Hand an mich! +Schweig, Zunge still, +Komm, Schwerdt, und ziel +Nach meines Busens Schnee; +So fahr ich hin +Mit treuem Sinn, +Adieu, adieu, adieu! + +(stirbt.) + +Theseus. +Monschein und Löwe sind noch übrig, die Todten zu begraben. + +Demetrius. +Ja, und (Wand) auch. + +Zettel. +Nein, ich versichre euch, die Wand ist niedergerissen, die ihrer +Väter Häuser trennte. Gefällt es euch den Epilogus zu sehen, oder +einen Bergomasker-Tanz zwischen zween aus unsrer Companie zu hören? + +Theseus. +Keinen Epilogus, wenn ich bitten darf. Euer Schauspiel bedarf +keiner Entschuldigung. Keine Entschuldigung! Denn wenn die +Schauspieler alle todt sind, so hat man nicht nöthig jemand zu +tadeln. Wahrhaftig, wenn der Autor dieses Stüks den Pyramus +gemacht, und sich selbst an Thisbes Strumpfband erhenkt hätte, so +wäre es eine feine Tragödie gewesen; und das ist es auch, in der +That, und auf eine recht merkwürdige Art vorgestellt. Aber kommt, +euer Ballet; laßt euern Epilogus nur weg. + +(Hier folgt ein Tanz von Bauern.) + +Theseus. +Schon hat die eiserne Zunge der Mitternacht zwölfe geruffen. Ihr +Liebhaber, zu Bette! Es ist schon Feen-Zeit. Ich fürchte, wir +werden den nächsten Morgen verschlaffen, wie wir diese Nacht +verwacht haben. Dieses handgreiflich-dumme Schauspiel hat uns doch +den schweren Gang der Nacht unmerklich gemacht. Zu Bette, lieben +Freunde. Vierzehn solche Nächte sollen noch mit nächtlichen +Spielen, und immer ändernden Lustbarkeiten zugebracht werden.* + +{ed.-* Hier folget im Original noch ein kleiner Feen-Auftritt, wo Puk +zuerst mit einem Besem erscheint, um das Haus zuvor auszukehren, +Oberon und Titania aber mit ihrem Gefolge dasselbe durchtanzen, und +durch einen Gesang einsegnen. Es ist mir unmöglich gewesen, diese +Scene, welche ohnehin bloß die Stelle eines Divertissement vertritt, +in kleine gereimte Verse zu übersezen; in Prosa aber, oder in +einer andern Versart als in kleinen Jamben und Trochäen, würde sie +das tändelnde und Feen-mässige gänzlich verlohren haben, das alle +ihre Anmuth ausmacht.} + + +Ein St. Johannis Nachts-Traum, von William Shakespeare +(Übersetzt von Christoph Martin Wieland). + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Ein St. Johannis Nachts-Traum +by William Shakespeare + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN ST. JOHANNIS NACHTS-TRAUM *** + +This file should be named 7264-8.txt or 7264-8.zip + +This eBook was produced by Delphine Lettau + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +https://gutenberg.org or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03 + +Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +https://www.gutenberg.org/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + |
