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+Project Gutenberg's Ein St. Johannis Nachts-Traum, by William Shakespeare
+#17 in our series by William Shakespeare
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+Title: Ein St. Johannis Nachts-Traum
+ (A Midsummer Night's Dream)
+
+Author: William Shakespeare
+
+Release Date: January, 2005 [EBook #7264]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on April 2, 2003]
+
+Edition: 10
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO-Latin-1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN ST. JOHANNIS NACHTS-TRAUM ***
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+This eBook was produced by Delphine Lettau
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+This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE.
+That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/.
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+Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE"
+zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse
+http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar.
+
+
+
+
+Ein St. Johannis Nachts-Traum
+
+William Shakespeare
+
+Übersetzt von Christoph Martin Wieland
+
+
+Personen:
+Theseus.
+Egeus.
+Lysander.
+Demetrius.
+Philostratus.
+Hippolita.
+Hermia.
+Helena.
+Squenz.
+Schnok.
+Zettel.
+Flaut.
+Schnauz.
+Schluker.
+Vorredner.
+Löwe.
+Mondschein.
+Pyramus.
+Thisbe.
+Oberon, König der Feen.
+Puk.
+Titania, die Königin.
+Feen.
+Spinneweb.
+Senfsaamen.
+
+Die Scene ist in Athen, und einem Wald nicht weit davon.
+
+
+
+
+Erster Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+(Des Herzogs Pallast in Athen.)
+(Theseus, Hippolita, Philostratus und Gefolge, treten auf.)
+
+
+Theseus.
+Nun nähert sich, Hippolita, die Stunde
+Die unser Bündniß knüpft, mit starken Schritten.
+Vier frohe Tage bringen einen andern Mond.
+Doch o! wie langsam, deucht mich, schwindet
+Nicht diese alte Luna! Sie ermüdet
+Mein sehnend Herz, gleich einer allzuzähen
+Stiefmutter oder Wittwe, die zu lang
+An eines jungen Mannes Renten zehrt.
+
+Hippolita.
+Schnell werden sich vier Tag' in Nächte tauchen,
+Vier Nächte schnell die Zeit vorüberträumen;
+Dann wird der Mond gleich einem Silberbogen
+Neu aufgespannt im Himmel, auf die Nacht
+Die unsre Liebe krönt, herunter winken.
+
+Theseus.
+Geh, Philostrat, und ruffe durch Athen
+Die Jugend auf zu Lustbarkeiten! wecke
+Den leichten muntern Geist der Frölichkeit.
+Die blasse Schwermuth sey zu Leichen-Zügen,
+Wozu sie besser taugt, von unserm Fest verbannt!
+Hippolita, ich buhlte mit dem Schwerdt
+Um dich, und unterm Lerm der wilden Waffen
+Gewann ich deine Gunst; doch froher soll
+Mit Pomp, Triumph und mitternächtlichen Spielen
+Der Tag, der uns vermählt, begangen werden. (Egeus, Hermia,
+Lysander und Demetrius treten auf.)
+
+Egeus.
+Glüklich sey Theseus, unser grosser Fürst.
+
+Theseus.
+Dank, edler Egeus! was bringst du uns Neues?
+
+Egeus.
+Voll Unmuth komm ich, Fürst, mit Klagen über
+Mein Kind, mit Klagen über Hermia--tritt
+Hervor, Demetrius!--dieser Mann, o Herr,
+Hat meinen Beyfall, sie zur Eh zunehmen--
+Lysander, steh' hervor! Und dieser Mann
+Hat meines Kindes Herz bezaubert. Ja du,
+Lysander, du, du gabst ihr Reime,
+Und wechseltest verstohlne Liebespfänder
+Mit meinem Kinde. Falsche Buhlerlieder
+Sangst du beym Mondschein mit verstellter Stimme
+Vor ihrem Fenster ab, und hast durch Bänder
+Von deinen Haaren, Ringe, Trödelwerke,
+Durch Naschereyen, Puppen, Blumensträusse
+Den Abdruk ihrer Phantasie gestohlen.
+Durch Ränke hast du meiner Tochter Herz
+Entwandt und den Gehorsam, welchen sie
+Mir schuldig ist, in Widerspenstigkeit
+Und schnöden Troz verkehrt. Wofern sie also,
+Mein königlicher Herr, nicht hier
+Vor Eurer Hoheit sich bequemen will,
+Dem Mann, den ich erkohr', die Hand zu geben;
+So sprech ich hier der Bürger von Athen
+Uraltes Vorrecht, und die Freyheit an,
+Mit ihr als meinem Eigenthum zu schalten:
+Und diß wird seyn, sie diesem Edelmanne,
+Wo nicht, dem Tod zu überliefern, wie
+In einem solchen Fall der Buchstab' des Gesezes
+Ausdrüklich lautet--
+
+Theseus.
+Was sagt Hermia
+Hiezu? bedenke dich, mein schönes Kind!
+In deinen Augen soll dein Vater
+Ein Gott, der Schöpfer deiner Schönheit, seyn.
+Mit ihm verglichen, bist du nichts als eine
+Von ihm in Wachs gebildete Figur,
+Die er, nachdem es ihm beliebt, erheben
+Und wieder tilgen kan. Demetrius ist
+Ein würdiger Edelmann.
+
+Hermia.
+Das ist Lysander auch.
+
+Theseus.
+Er ist es an sich selbst,
+Doch da ihm deines Vaters Stimme mangelt,
+So ist der andre würdiger anzusehen.
+
+Hermia.
+O! daß mein Vater nicht mit meinen Augen sieht.
+
+Theseus.
+Weit besser wär' es, deine Augen sähen
+Mit deines Vaters Klugheit.
+
+Hermia.
+--Eure Hoheit
+Vergebe mir. Ich weiß nicht, welche Macht
+Mir diese Kühnheit eingehaucht, noch wie
+Vor so viel Augen, meine Sittsamkeit
+Sich überwinden kan, für meine Neigung
+Das Wort zu nehmen. Aber, meldet mir,
+Mein Herr, das schlimmste, das mich treffen kan,
+Wenn ich mich weig're diesen Mann zu nehmen.
+
+Theseus.
+Den Tod zu sterben, oder Lebenslang
+Die männliche Gesellschaft abzuschwören.
+Befrage also deine Neigung, Hermia!
+Bedenke deine Jugend; Ist dein Blut
+So kühl, und hast du, wenn du deines Vaters
+Beschloßner Wahl dich nicht ergeben willst,
+Auch Muth genug, auf ewig eingeschleyert
+In eines öden Klosters trübe Schatten
+Verschlossen, eine unfruchtbare Schwester
+Dein Leben hinzuleben; traurige Hymnen
+Dem kalten Mond entgegenächzend--
+Dreymal beglükt, die, ihres Blutes Meister,
+Solch' eine keusche Pilgrimschaft bestehen!
+Doch irdischer glüklich ist die abgepflükte Rose,
+Als die am unvermählten Stoke welkend
+In einzelner Glükseligkeit, von niemand
+Gesehen, ungenossen, wächßt und blüht und stirbt.
+
+Hermia.
+So will ich wachsen, so verblüh'n und sterben,
+Mein Königlicher Herr, eh meine Freyheit
+Dem Joch des Manns sich unterwerffen soll,
+Deß unerwünschte Herrschaft meine Seele
+Nicht über sich erkennt.
+
+Theseus.
+Nimm dir Bedenkzeit,
+Und auf den nächsten Neuenmond, den Tag
+Der durch Hippolita mich glüklich macht,
+Bereite dich, nach deines Vaters Willen
+Dich dem Demetrius zu ergeben; oder
+Durch deinen Tod des Ungehorsams Frefel
+Zu büssen; oder an Dianens Altar
+Des Klosterlebens strenge Pflicht zu schwören.
+
+Demetrius.
+Erweiche, Schönste, dich; und du Lysander,
+Tritt deinen schwachen Anspruch meinem stärkern Rechte
+Freywillig ab--
+
+Lysander.
+Du hast, Demetrius, ihres Vaters Liebe,
+Laß du nur Hermias mir; heurathe ihn!
+
+Egeus.
+Ja, hönischer Lysander, es ist wahr,
+Er hat sie, meine Liebe; und was mein ist,
+Soll meine Lieb' ihm geben; sie ist mein,
+Und all mein Recht an sie trett' ich Demetrio ab.
+
+Lysander.
+Ich bin so edel als wie er gebohren;
+Ich bin so reich als er, und liebe mehr
+Als er; mein Glüke blüht an jedem Zweige,
+So schön als seines, um nicht mehr zu sagen;
+Und was diß alles dessen er sich rühmet
+Allein schon überwiegt, mich liebt die schöne Hermia.
+Und sollt ich denn mein Recht nicht durchzusezen suchen?
+Demetrius, ins Gesicht behaupt' ichs ihm,
+Bewarb sich kürzlich noch um Nedars Tochter
+Die schöne Helena, und gewann ihr Herz.
+Izt schmachtet sie, die sanfte Seele! schmachtet
+Bis zur Abgötterey um diesen falschen
+Treulosen Mann--
+
+Theseus.
+Ich muß gestehen
+Daß ich davon gehört, und mit Demetrius
+Davon geredt zu haben, mich beredet;
+Doch eigne Sorgen machten's mir entfallen.
+Kommt ihr indeß, Demetrius und Egeus,
+Ich hab euch beyden etwas aufzutragen,
+Das mich sehr nah' betrift. Du aber, Hermia,
+Sieh' zu, soll anders nicht die ganze Strenge
+Der Sazung von Athen, die ich nicht schwächen kan,
+Dich treffen, daß du deine Schwärmerey
+Dem Willen deines Vaters unterwerffest.
+Wie steht's, Hippolita?* Komm, meine Liebe!
+Demetrius, und Egeus folget mir!
+
+{ed.-* Hippolita hatte diese ganze Zeit über nicht ein einziges Wort
+gesprochen. Hätte ein neuerer Poet das Amt gehabt, ihr ihre Rolle
+anzuweisen, so würden wir sie geschäftiger als alle andre gefunden,
+und zweifelsohne möchten auch die Liebhaber ein gelinderes Urtheil
+von ihr erwartet haben: Allein Shakespearewußte besser was er zu
+thun hatte, und beobachtete das Decorum. Warbürton.}
+
+(Sie gehen ab.)
+
+
+
+Zweyter Auftritt.
+(Lysander und Hermia bleiben.)
+
+
+Lysander.
+Wie? meine Liebe? wie ist deine Wange
+So blaß? warum verwelken ihre Rosen?
+
+Hermia.
+Vielleicht weil sie des Regens mangeln,
+Woraus ich aus den Wolken meiner Augen
+Sie reichlich überthauen könnte.
+
+Lysander.
+Hermia; so viel ich in Geschichten las,
+Und aus Erzählung hörte, floß der Strom
+Der wahren Liebe niemals sanft dahin.
+Entweder hemmte ihn des Standes, oder
+Der Jahre Abstand, oder Widerwille
+Der Anverwandten; und wenn ja die Wahl
+Der Liebenden durch ihre Sympathie
+Beglükt zu seyn versprach, so stellte sich
+Krieg, Krankheit oder Tod dazwischen
+Und macht' ihr Glük vergänglich wie der Schall,
+Flüchtig wie Schatten, kurz als wie ein Traum,
+Vorüberfahrend wie der helle Bliz
+In einer schwarzen Nacht, der Erd und Himmel
+In einem Wink enthüllt, und eh noch einer Zeit hat
+Zu sagen: Sieh! schon von dem offnen Schlunde
+Der Finsterniß verschlungen ist.
+So eitel sind die Dinge, die am schönsten glänzen!
+
+Hermia.
+Wenn denn getreue Liebe jederzeit
+Durch Wiederwärtigkeit geprüfet wurde,
+Und diß der feste Schluß des Schiksals ist;
+So laß uns unsre Prüfung mit Geduld
+Besteh'n, weil Widerwärtigkeit und Leiden
+Ein eben so gewöhnlichs Zugehör
+Der Liebe ist, als Staunen, Träume, Seufzer,
+Wünsche und Thränen, das gewöhnliche
+Gefolg der liebeskranken Phantasie.
+
+Lysander.
+Ein guter Glaube! Höre mich dann, Hermia.
+Nur sieben Stadien von Athen entfernt
+Wohnt eine meiner Basen, reich, verwittwet,
+Und kinderlos. Sie hält und liebet mich
+Wie ihren eignen Sohn. Dort, schönste Hermia,
+Dort kan ein ewig Bündniß uns vereinen,
+Und bis dorthin kan auch Athens Gesez
+Uns nicht verfolgen. Liebest du mich also,
+So schleiche morgen Nachts aus deines Vaters Hause
+Dich weg, in jenen Wald, nah' bey Athen,
+Wo ich dich einst mit Helena gefunden,
+Als ihr des ersten Maytags Ankunft feyrtet.
+
+Hermia.
+Ach! mein Lysander!
+
+Lysander.
+Zaudert Hermia?--
+
+Hermia.
+Nein!
+Bey Amors stärkstem Bogen schwör ich dir,*
+Beym schärfsten seiner goldgespizten Pfeile,
+Lysander, bey der unschuldvollen Einfalt
+Der Dauben, die der Venus Wagen ziehen,
+Beym Feuer das Carthagos Königin
+Verzehrte, da sie mit geblähten Seegeln
+Den ungetreuen Troyer fliehen sah;
+Bey dem was Seelen an einander küttet,
+Bey jedem Schwur, den je ein Mann gebrochen,
+Bey mehr als Mädchen jemals ausgesprochen;
+An jenem Plaz, im Schatten jener Linden,
+Sollt du mich zur bestimmten Stunde finden.
+
+{ed.-* Der Dr. Warbürton fand, daß Hermia sich zu schnell, und
+was das schlimmste ist, auf den ersten Antrag, durch eine Reihe
+von Eyden verbinde, mit dem Lysander davon zu lauffen. Er
+glaubt, daß Shakespearenicht fähig gewesen einen solchen Fehler
+zu machen, und schreibt also allen alten und neuen Ausgaben
+unsers Dichters zuwider, diese schöne Rede: (Bey Amors
+stärkstem Bogen,) u.s.w. dem Lysander, und nur die zween lezten
+Verse der Hermia zu. Meine Empfindung widerspricht hier den
+Vernunftschlüssen des Kunstrichters. Ich finde eine solche
+Weiblichkeit in dieser Rede, daß sie mit Anständigkeit nur von
+Hermia gesagt werden kan. Empfindende Leserinnen mögen den
+Ausspruch thun. Damit aber doch das von Warbürton in dem Text
+vermißte Decorum gerettet werde, habe ich nach seinem Beyspiel die
+Freyheit gebraucht, auf die Worte Hermias, (my good Lysander), den
+Lysander sagen zu lassen: Zaudert Hermia? welches er im Englischen
+nicht sagt. Worauf dann Hermia, als ob sie sich recolligire,
+erwiedert: Nein! bey Amors u.s.w.}
+
+Lysander.
+Vergiß nicht dein Versprechen, holde Liebe.
+Schau, hier kömmt Helena.
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+
+Hermia.
+Wie eilig, schöne Helena, wohin?
+
+Helena.
+Mich nennst du schön? O! nimm diß Schön zurük.
+Demetrius liebet dich! du bist ihm schön
+Glüksel'ge Schöne! Deine Augen sind
+Die Sterne, die ihn leiten; süsser tönt
+Ihm deine Stimme, als der Lerche Lied
+Dem Ohr des Hirten, wenn die Wiesen grünen,
+Und junge Knospen um den Hagdorn blinken!
+Krankheit ist erblich! O! wär's auch die Kunst
+Die uns gefallen macht: Wie wollt ich, eh ich gehe,
+Die deine haschen! Meine Blike sollten
+Die Zauberkraft von deinem Blik, mein Mund
+Den süssen Wohlklang deiner Lippe haschen.
+Wär' mein die Welt, und blieb Demetrius mir,
+Wie gerne ließ ich alles andre dir!
+O lehre mich, wie blikest du ihn an?
+Mit was für Künsten, schöne Freundin, sprich,
+Beherrschest du die Triebe seines Herzens?
+
+Hermia.
+Die Stirne rümpf ich ihm, doch liebt er mich.
+
+Helena.
+O möchten deiner Stirne Falten
+Mein Lächeln solche Wirkung lehren.
+
+Hermia.
+Verwünschung geb ich ihm, doch giebt er stets mir Liebe.
+
+Helena.
+O! wäre mein Gebett von solcher Kraft!
+
+Hermia.
+Je mehr ich hasse, folgt er mir.
+
+Helena.
+Je mehr ich liebe, haßt er mich.
+
+Hermia.
+Sey guten Muths! er soll mich nicht mehr sehen.
+Lysander und ich selbst verlassen diese Gegend.
+Eh ich Lysandern sah, schien mir Athen
+Elysium. O! welch ein Reiz muß dann
+In meiner Liebe seyn, da sie den Ort
+Der einst ein Himmel war, zur Hölle macht.
+
+Lysander.
+Laß uns, o Freundin, unsre Seelen dir
+Vertraut enthüllen. Morgen Mitternachts,
+Wenn Phöbe in der Wellen feuchtem Spiegel
+Ihr silbern Angesicht beschaut, und dekt
+Den grünen Wasen mit zerfloßnen Perlen,
+Zur Zeit, die oft der Liebe Flucht verheelte,
+Sind wir entschlossen, Helena, uns durch
+Die Thore von Athen hinweg zu stehlen.
+
+Hermia.
+Und in dem Hayn, wo oftmals du und ich
+Auf Frühlings-Blumen hingegossen lagen,
+Und unsre von jungfräulichen Gedanken
+Geschwellte Busen ihrer Last entleerten;
+Dort werden wir, Lysander und ich selbst,
+Uns finden, und dann von Athen die Augen wenden,
+Um neue Freunde unter neuen Himmeln
+Zu suchen. Lebe wohl, anmuthige Gespielin!
+Und wie du für uns betest, gebe dir
+Ein günstig Glük den Jüngling den du liebest!
+Lysander halte Wort!--Nun müssen unsre Augen
+Bis morgen Nachts der Liebe Kost entbehren.
+
+Lysander.
+Ich will, meine Hermia!--Lebe wohl, Helena,
+Demetrius liebe dich, wie du ihn liebest!
+
+(Lysander und Hermia gehen ab.)
+
+Helena (allein.)
+Wie manche doch vor manchen glüklich sind!
+Durch ganz Athen werd ich so schön geachtet
+Als Sie--Was hilft es mir? Demetrius nur
+Denkt anders! Er für den ich es allein
+Zu seyn verlange, kan nicht, will nicht sehen,
+Was Aller Augen ausser ihm gestehen.
+Der gleiche Irrthum, der nach Hermias Bliken
+Ihn schmachten macht, bethört mein Herz für ihn.
+Den unscheinbarsten blödsten Dingen kan
+Die Liebe Glanz, Gestalt und Würde geben.
+Die Liebe siehet durch die Phantasie,
+Nicht durch die Augen, und deßwegen wird
+Der goldbeschwingte Amor blind gemahlt.
+Geflügelt ohne Augen deutet er
+Der Liebe Hastigkeit im Wählen an;
+Und weil sie leicht verläßt was sie erkohr,
+So stellt man ihn als einen Knaben vor;
+Wie Knaben oft beym Spiel meineydig werden,
+So scherzt des Knaben Amors Leichtsinn auch
+Mit seinen Schwüren. Eh Demetrius
+Auf Hermias Augen sahe, hagelt er
+Eydschwüre ewig mein zu seyn, herab;
+Allein es fühlte dieser Hagel kaum
+Die Glut von ihrem Blik, so schmolz er hin.
+Izt will ich geh'n und Hermias Flucht ihm melden.
+Dann wird er morgen Nachts sie in den Hayn
+Verfolgen, und wenn anders die Entdekung
+Mir Dank gewinnt, so wird er theur erkauft.
+Doch wird mir dieses meine Pein versüssen,
+Wenn ich es sehe* wie er sie zu finden,
+Der Ungetreue! hie und dort und da
+Umsonst in zitternder Verwirrung läuft;
+Und mein verschmähtes Auge durch den Anblik
+Der eiteln Wuth ergözt, womit er wieder kehrt.
+
+{ed.-* Der Übersezer hat sich hier eine Freyheit erlaubt, die er
+selten zu nehmen gedenkt, nemlich einen etwas dunkeln Vers durch
+fünf andre zu paraphrasieren. Ob er aber den Sinn des Poeten
+getroffen, wird dem Ausspruch der Kunstrichter überlassen.}
+
+(Geht ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+(Squenz, Schnok, Zettel, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)
+
+
+Squenz.
+Ist die Companie beysammen?
+
+Zettel.
+Es wär' am besten, ihr rieffet sie alle Mann für Mann auf, wie es
+der Rodel giebt.
+
+Squenz.
+Hier ist die Liste von jedermanns Namen, der in ganz Athen für
+tüchtig gehalten wird, in unserm Zwischenspiel vor dem Herzog und
+der Herzogin zu spielen, an seinem Hochzeittag zu Nacht.
+
+Zettel.
+Vor allen Dingen, guter Peter Squenz, sagt uns, wovon das Stük
+handelt; dann leset die Namen von den Agenten, und so eins nach dem
+andern.
+
+Squenz.
+Sapperment! es ist die höchstklägliche Comödie, und der
+jämmerliche Tod von Pyramus und Thisbe.
+
+Zettel.
+Ein recht gutes Stük Arbeit, ich kan's euch sagen; und lustig! Izt,
+wakrer Peter Squenz, ruft euere Agenten nach dem Rodel auf--ihr
+Herren! macht euch fertig!
+
+Squenz.
+Antwortet wie ich euch ruffe. Claus Zettel, der Weber!
+
+Zettel.
+Hier! Nennet meinen Part, und weiter!
+
+Squenz.
+Ihr, Claus Zettel, seyd für den Pyramus hingesezt.
+
+Zettel.
+Was ist Pyramus? Ein Liebhaber oder ein Tyrann?
+
+Squenz.
+Ein Liebhaber, der sich selber nur auf eine recht galante Art aus
+Liebe ersticht.
+
+Zettel.
+Das wird einige Zähren erfodern, wofern es recht gemacht werden
+soll. Wenn ich es mache, dann mögen die Zuschauer zu ihren Augen
+sehen! Ich will Stürme erregen, ich will condolieren, daß es eine
+Art haben soll! weiter!--Aber meine gröste Declination ist zu
+einem Tyrannen. Ich wollte einen Herkles spielen, etwas rares!
+Oder einen Part, wo ich ein Vorgebürg einreissen müßte, daß alles
+zersplitterte--"Der Felsen Schooß und toller Stoß zerbricht das
+Schloß der Kerkerthür, und Febbus Karr'n, Kommt angefahr'n, und
+macht erstarr'n, des stolzen Schiksals Zier!"--Das gieng hoch!--
+Namset izt die übrigen Agenten--Das war Herklessens Ader! Eine
+Tyrannen-Ader! Ein Liebhaber geht schon gravitätischer.
+
+Squenz.
+Franz Flaut, der Blasbalg-Fliker.
+
+Flaut.
+Hier, Peter Squenz.
+
+Squenz.
+Ihr müßt Thisbe über euch nehmen.
+
+Flaut.
+Was ist Thisbe? Ein irrender Ritter?
+
+Squenz.
+Es ist die Princessin, in die Pyramus verliebt ist.
+
+Flaut.
+Nein, mein Six! gebt mir keinen Weiber-Part, ich fange schon an
+einen Bart zu bekommen.
+
+Squenz.
+Das ist all eins! Ihr müßt in einer Maske spielen; und ihr könnt
+so zart reden, als ihr wollt.
+
+Zettel.
+Wenn ich mein Gesicht verbergen darf, so gebt mir Thisbe auch; ich
+will mit einer monstrosen zarten Stimme reden--"Thisne, Thisne, ach!
+Pyrimus, mein Liebster werth, dein' Thisbe zart, dein Liebchen
+zart"--
+
+
+Squenz.
+Nein, nein, ihr müßt beym Pyramus bleiben, und Flaut muß Thisbe
+seyn.
+
+Zettel.
+Gut! fortgefahren!
+
+Squenz.
+Max Schluker, der Schneider.
+
+Schluker.
+Hier, Peter Squenz.
+
+Squenz.
+Max Schluker, ihr müßt Thisbes Mutter seyn. Hans Schnauz, der
+Keßler!
+
+Schnauz.
+Hier, Peter Squenz.
+
+Squenz.
+Ihr, des Pyramus Vater, ich selbst Thisbes Vater. Schnok, der
+Schreiner, ihr macht des Löwen Part. Ich hoffe, nun ist unsre
+Comödie in der Ordnung.
+
+Schnok.
+Habt ihr des Löwen Part geschrieben? Wenn es ist, so seyd so gut
+und gebt ihn mir; denn ich bin nicht gar fix zum Studieren.
+
+Squenz.
+Ihr könnt ihn ex tempore machen; denn es ist weiter nichts zu thun,
+als zu brüllen.
+
+Zettel.
+Gebt ihr mir den Löwen noch dazu; ich will brüllen, daß es den
+Leuten im Herzen wohl thun soll; ich will brüllen, daß der Herzog
+sagen soll: Laßt ihn noch einmal brüllen, laßt ihn noch einmal
+brüllen!
+
+Squenz.
+Wenn ihr es gar zu gut machtet, so könntet ihr die Herzogin und die
+Damen so erschreken, daß sie zu schreyen anfiengen, und das wäre
+genug, uns alle an den Galgen zu bringen.
+
+Alle.
+Ja, das würde uns jeden Mutter-Sohn hängen.
+
+Zettel.
+Sapperment! Das glaub ich wol, wenn wir sie erst aus ihren fünf
+Sinnen schrekten, so würden sie nicht mehr Secretion haben, als uns
+aufzuhängen. Aber ich will meine Stimme schon aggraviren, ich will
+euch so artig brüllen wie irgend eine junge Daube, ich will euch
+brüllen, als ob es eine Nachtigall wäre.
+
+Squenz.
+Ihr könnet keinen andern Part machen als den Pyramus; denn Pyramus
+ist ein Mann mit einem Weibergesichtchen, ein sauberer Mann als man
+irgend an einem Sommers-Tag sehen mag, gar ein hübscher Junker-
+mässiger Mann; und also müßt ihr nothwendig den Pyramus machen.
+
+Zettel.
+Gut, ich will ihn auf mich nehmen. Mit was für einem Bart wollt
+ihr, daß ich spielen soll?
+
+Squenz.
+Wie? Was für einen ihr wollt!
+
+Zettel.
+Mir gilt es auch gleich; ich will ihn entweder in euerm
+strohfarbnen Bart machen, oder in euerm orangebraunen Bart, oder in
+euerm carmesin-rothen Bart, oder in euerm französisch-kron-farbnen
+Bart, in euerm hochgelben!
+
+Squenz.
+Etliche von unsern französischen Kronen haben gar kein Haar mehr,
+und das liesse als ob ihr gar mit einem kahlen Gesicht spieltet.
+Aber, ihr Herren, hier sind eure Pärte, und ich bitte, ermahne und
+ersuche euch, sie bis morgen Nachts auswendig zu lernen, und in den
+Schloßwald, eine halbe Stunde von der Stadt, wieder zu mir zu
+kommen, damit wir dort beym Mondschein probieren; denn wenn wir in
+der Stadt zusammen kämen, so würden wir Zuhörer kriegen, und die
+Sache käme aus. Unterdessen will ich einen Aufsaz von den
+Zurüstungen machen, die wir zu unserm Spiele nöthig haben. Ich
+bitte, bleibt mir nicht aus.
+
+Zettel.
+Wir wollen kommen! Der Einfall ist gut; wir können im Wald
+obscener und herzhafter probieren.
+
+Squenz.
+Bey des Herzogs Eiche wollen wir einander antreffen.
+
+Zettel.
+Genug, die Stränge mögen halten oder brechen!--
+
+
+(Sie gehen alle ab.)
+
+
+
+
+
+Zweyter Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+(Ein Wald. Eine Fee tritt von einer, und Puk von der andern Seite
+ auf.)
+
+
+Puk.
+Wohin, Geist, wohin wanderst du?
+
+Fee.
+Über Berg, über Thal,
+Durch Heken und Ruthen,
+Über Holz, über Pfahl,
+Durch Feuer und Fluthen;
+Schneller als des Mondes Sphär
+Wandr' ich rastlos hin und her.
+Ich dien' der Feen-Königin,
+Zum stillen Tanz,
+Beym Sternen-Glanz,
+Bethaute Kreis' im Grünen ihr zu zieh'n.
+Sie ist der Primuln Pflegerin,
+Die auf den jungen Wiesen glüh'n.
+Auf ihrem göldenen Gewand
+Ist jeder Fleken ein Rubin,
+Worein der milden Feyen Hand
+Die Düfte gießt, die euch entzüken.
+Izt muß ich geh'n, und Thau vom Grase pflüken,
+Und jeder Primul Ohr mit einer Perle schmüken.
+Fahr wol, du tölpelhafter Geist, ich muß entflieh'n;
+Die Königin mit allen ihren Elfen
+Ist im Begriff hieher zu zieh'n.
+
+Puk.
+Der König pflegt die Nacht durch hier zu schlummern.
+Gieb Acht, daß deine Königin
+Ihm ja nicht vor die Augen komme.
+Denn Oberon ist noch von Zorn entbrannt,
+Daß sie am Indus jüngst den schönsten Knaben,
+Zu ihrer Aufwart, einem König raubte.
+Der eifersücht'ge Oberon begehrt
+Den schönen Knaben, daß er auf die Jagd
+Ihn durch den wilden Forst begleiten helfe,
+Von ihr zurük; doch immer unerbittlich
+Behält sie ihren Liebling ganz für sich,
+Bekränzt mit eigner Hand sein lokicht Haar,
+Und macht aus ihm nur alle ihre Lust.
+Seitdem begegnen sie sich niemals mehr
+In Lauben, noch auf grünen Fluren, noch
+An Silber-Quellen, noch beym Sternen-Licht;
+So heftig ist ihr Zwist, daß alle ihre Elfen
+Vor Angst in Ahorn-Becher sich verkriechen.
+
+Feye.
+Entweder irr' ich mich an deiner Bildung
+Und Mine gänzlich, oder du
+Bist jener schelmische leichtfert'ge Geist,
+Den Robin Gutgesell das Landvolk nennt.
+Bist du's nicht, der die Mädchen aus dem Dorfe
+Bey Nacht erschrekt, der Milch die Sahne raubt,
+Die Mühle heimlich dreht, macht daß umsonst die Bäurin
+An fettem Rahm sich aus dem Athem rührt,
+Und daß im Bier sich keine Hefen sezt;
+Der arme Wandrer oft des Nachts verleitet,
+In Sümpfe fährt, und ihres Harms noch lachet;
+Allein für die, die dich Hob-Goblin nennen,
+Und holden Puk, ihr Werk unsichtbar thust,
+Und machst, daß sie gut Glük in allem haben;
+Bist du nicht der?
+
+Puk.
+Du irrst dich nicht, ich bin's.
+Ich bin der muntre Nachtgeist, den du meynest.
+Ich gaukle stets um Oberon, und mach' ihn lächeln,
+Wenn ich ein fettes bohnen-sattes Roß
+Vergeblich wiehern mach'; ihm in Gestalt
+Der schönsten Stutte nahend. Auch verberg ich mich
+Oft in den Becher einer guten alten
+Gevatterin, die gern den Becher leert;
+Gleich einem rothgesottnen Krebs schwimm ich
+Darinn herum, und wenn sie trinken will
+Spring ich an ihre Lippen auf, und schütte
+Den Kofent über ihren schlappen Busen.
+Oft sieht, indem sie durch ein fröstig Mährchen
+Die Nachbarinnen sanft zum Schlaf befödert,
+Ein weises Mütterlein, troz ihrer Weisheit,
+Für einen dreygebeinten Stuhl mich an;
+Dann schlüpf ich unter ihr hinweg, sie wakelt
+Mit Schwur und lächerlichem Zorn zu Boden;
+Die ganze Zeche hält mit beyden Händen
+Den Bauch, und schlägt das hallende Getäfel
+Mit wieherndem Gelächter, klatscht und schwört,
+Noch nie so lustig sich gemacht zu haben.*
+Doch, Fee, flieh du, hier kömmt Oberon!
+
+{ed.-* Ich habe mich genöthiget gesehen, einige ekelhafte Ausdrüke
+aus diesem Gemählde in Ostadens Geschmak, wegzulassen. Ein Dichter,
+der nur für Zuhörer arbeitete, hat sich im sechszehnten Jahrhundert
+Freyheiten erlauben können, die sein Übersezer, der im achtzehnten
+für Leser arbeitet, nicht nehmen darf.}
+
+Feye.
+Und hier, zum Unglük, meine Königin.
+
+
+
+Zweyter Auftritt.
+(Oberon der König der Feen, tritt auf einer, und Titania die
+ Königin der Feen, auf der andern Seite auf.)
+
+
+Oberon.
+Du suchst beim Mondschein mich, Titania?
+
+Titania.
+Wie, eifersücht'ger Oberon? du irrest!
+Ihr Feen, schlüpft mit mir hinweg, ich habe
+Sein Bett, und seinen Umgang abgeschworen.
+
+Oberon.
+Halt, Unverschämte, bin ich nicht dein Herr?
+
+Titania.
+So bin ich deine Frau! allein ich weiß
+Die Zeit noch wol, da du vom Feen-Land
+Dich heimlich stahlst, und in Corins Gestalt,
+Den ganzen Tag an einer Linde sizend,
+Auf deinem Haber-Rohr verliebte Seufzer
+Der schönen Phyllida entgegen girrtest!
+Sprich, warum eiltest du vom fernsten Gipfel
+Des Inder-Lands hieher? Weßwegen sonst,
+Als weil die strozende, Dianen-gleich
+Geschürzte Amazonin, deine kriegrische
+Gebieterin, mit Theseus sich vermählt?
+Du kömmst, nicht wahr? ihr Bette zu beglüken?
+
+Oberon.
+Wie? läßt die Schaam diß zu, Titania,
+Die Gunst Hippolitas mir vorzurüken?
+Und weissest doch, ich kenne deine Liebe
+Zu Theseus? Warest du es nicht, die ihn
+Bey deinem eignen Schimmer, durch die Schatten
+Der stillen Nacht, von Perigenias Seite,
+Die er vorher geraubet hatt', entführte!
+Und wer als du verführt' ihn, seine Schwüre
+So viel betrognen Nymphen, Ariadnen,
+Der schönen Ägle, und Antiope
+Zu brechen?--
+
+Titania.
+Falsche, grillenhafte Träume
+Der Eifersucht! Seit diese dich beherrschet,
+Seit jenem Sommer kamen wir nicht mehr
+Auf Hügeln, noch im Thal, im Hayn, auf Wiesen,
+Am Quell' der über kleine Kiesel rauschet,
+Noch raschen Bächen, die aus Felsen sprudeln,
+Noch an des Meeres klippenvollem Strande,
+Zum frohen Tanz zusammen, unsre Loken
+Zum Spiel der flüsternden, scherzhaften Winde
+Zu machen. Alle unsre Spiele hat
+Dein Groll gestört. Drum haben auch die Winde,
+Vergeblich uns zu pfeiffen überdrüssig,
+Als wie zur Rache, seuchenschwangre Nebel
+Tief aus der See gesogen, die hernach,
+Aufs Land ergossen, jeden über uns
+Erzürnten Bach mit solchem Stolze schwellten,
+Daß ihre Fluth die Ebnen überströmte.
+Umsonst hat nun der Stier sein Joch getragen,
+Der Akermann hat seinen Schweiß verlohren,
+Die grüne Ähre fault, eh ihre Jugend
+Das erste Milchhaar kränzt.
+Leer steh'n die Hürden im ertränkten Felde,
+Und Krähen mästet die ersäufte Heerde.
+Mit Schlamme ligt der Kegelplaz erfüllt,
+Unkennbar und verschwemmt der glatte Pfad,
+Der durch des Frühlings grüne Labyrinthe
+Sonst leitete. Die Sterblichen entbehren
+Der winterkürzenden gewohnten Freuden,
+Und keine Nacht wird Hymnen mehr geweyht.
+Nur Luna, die Beherrscherin der Fluthen,
+Vor Unmuth bleich, wascht überall die Luft,
+Und füllet sie mit fieberhaften Flüssen.
+Die Jahreszeiten selbst verwirren sich,
+Beschneyte Fröste sinken in den Schoos
+Der frischen Ros', und auf des alten Winters
+Eys-grauer Scheitel wird, als wie zum Spott,
+Ein Kranz gesezt von holden Sommer-Knospen.
+Der Lenz, der Sommer, der fruchtreiche Herbst,
+Der Winter wechseln ihre Liverey,
+Und die erstaunte Welt erkennt nicht mehr
+An dem gewohnten Schmuk, wer jeder ist.
+Diß ganze Heer von Plagen kömmt allein
+Von unserm Groll, von unsrer Zwiespalt her.
+Wir sind die Eltern dieser schwarzen Brut!
+
+Oberon.
+So helfet dann, es ligt allein an euch!
+Wie kan Titania ihren Oberon
+Noch länger quälen? Alles was ich bitte,
+Ist nur ein kleiner Laff von einem Jungen,
+Aus dem ich einen Pagen machen will.
+
+Titania.
+Gebt euch zufrieden! Niemals kan diß seyn.
+Das ganze Feenland erkaufte nicht
+Diß Kind von mir. Ich liebte seine Mutter,
+Sie war von meinem Orden, und hat oft
+Des Nachts in Indiens süß-gewürzter Luft
+Durch ihre Spiele mir die Nacht verkürzt.
+Sie saß dann auf Neptuni gelbem Sand
+Bey mir, und sah den göldnen Schiffen nach,
+Die durch die Fluth mit Pegus Schäzen eilten;
+Wir lachten, wenn wir sahen, wie die Seegel,
+Vom ausgelaßnen Wind geschwängert, schwollen;
+Diß äffte sie, mir eine Lust zu machen,
+Mit anmuthsvoller schwimmender Bewegung,
+Kurzweilend nach, (ihr Leib war damals reich
+Von meinem jungen Ritter) segelte
+Ans Land, mir Kleinigkeiten abzuholen,
+Und kehrte wieder, wie von einer Reise,
+Mit reichen Waaren, um. Jedoch da sie
+Nur sterblich war, starb sie an diesem Kinde,
+Und ihrentwegen zieh' ich ihren Knaben auf,
+Und ihrentwegen will ich ihn nicht lassen.
+
+Oberon.
+Wie lange denkt ihr noch in diesem Hayn zu bleiben?
+
+Titania.
+Vielleicht bis nach dem Hochzeittag des Theseus.
+Gefällt es euch in unserm Kreis zu tanzen,
+Und unsern Mondlicht-Spielen zuzusehen,
+So folget uns; wo nicht, so weicht mich aus,
+So wie ich eure Jagden meiden will.
+
+Oberon.
+Gieb mir den Knaben, und ich geh' mit dir.
+
+Titania.
+Nicht für dein Königreich. Ihr Elfen, weg!
+Es giebt nur Zank, wenn wir uns länger säumen.
+
+(Die Königin, und ihr Gefolg geht ab.)
+
+
+
+Oberon.
+Gut, geh' nur deinen Weg! eh du den Hayn
+Verlassen hast, soll dich dein Troz bestraffen--
+Hieher, mein muntrer Puk! Besinn'st du dich,
+Daß ich auf einem Vorgebürg einst saß,
+Und hörte der Syrenen einer zu,
+Wie sie, auf eines Delphins Rüken sizend,
+So zaubrisch-süsse Töne von sich hauchte,
+Daß selbst die rohe See bey ihrem Liede
+Mild ward, und liebestrunkne Sterne taumelnd
+Aus ihren Sphären sanken, der Musik
+Der Wasser-Nymphe zuzuhören?--
+
+Puk.
+--Ich
+Erinnere mich's ganz wol.
+
+Oberon.
+Zu gleicher Zeit sah' ich, (du konntest nicht)
+Den Liebesgott in hastiger Unruh, zwischen
+Dem Erdball und dem kalten Monde fliegen;
+Er hielt, und richtete den straffen Bogen
+Nach einer göttlichen Vestalin,* die
+Im Westen thront', und schoß mit solcher Macht
+Den Liebespfeil von seinem Bogen ab,
+Als sollt' er hunderttausend Herzen spalten;
+Allein ich sah' es, wie sein feur'ger Pfeil
+Im keuschen Stral des feuchten Monds sich löschte,
+Und in jungfräulichen Betrachtungen,
+Mit freyem Geist, die königliche Schöne
+Vorübergieng. Da merkt' ich, wo der Pfeil
+Des Amors fiel--Er fiel
+Auf eine kleine Blume, vormals weiß
+Wie Milch, izt röthlicht von der Liebes-Wunde,
+Und Mäd'gens nennen sie die müssige Liebe.
+Brich' diese Blume mir; ich zeigte dir
+Das Kräutchen einst; ihr Saft auf schlummernde
+Auglieder ausgegossen, hat die Kraft,
+Mann oder Mädchen bis zum Aberwiz
+Ins nächste Ding, das ihrem Blik begegnet,
+Verliebt zu machen. Pflüke diese Blume,
+Und sey mir wieder hier,
+Eh Leviathan eine Meile schwimmt.
+
+{ed.-* Der Umstand, daß dieses Lustspiel noch unter der Regierung der
+Königin Elisabeth aufgeführt worden, wird es einem jeden merklich
+machen, daß die Vestalin niemand anders als diese jungfräuliche
+Heldin bezeichne. Daß aber unter der Syrene die Königin Maria von
+Schottland abgebildet sey, scheint der scharfsichtige Warbürton
+zuerst angemerkt zu haben. Er bemerkt überhaupt, dieser
+allegorische Schleyer, unter welchem ein Gemisch von Lob und
+Satyre verborgen ist, müsse uns auf den Schluß leiten, daß die
+Rede von einer Person sey, welche der Poet unverdekt weder loben
+noch schelten durfte. Dieses passe nun völlig auf Maria von
+Schottland. Die Königin Elisabeth konnte nicht leiden, wenn Maria
+gelobt wurde; und ihr Nachfolger, (Jakob der 1ste,) würde eine
+Satyre auf seine Mutter nicht vergeben haben. Allein, fährt
+Warbürton fort, der Poet hat jeden unterscheidenden Umstand ihres
+Lebens und Charakters in dieser schönen Allegorie so deutlich
+ausgezeichnet, daß über seine geheime Absicht kein Zweifel übrig
+bleiben kan. Sie wird 1.) eine Syrene genannt aus dem
+entgegengesezten Grunde, warum Elisabeth eine Vestalin heißt,
+nemlich einer Untugend wegen, um derentwillen diese unglükliche
+Princessin eben so berüchtigt ist, als die Syrene bey den alten
+Dichtern. 2.) Der Rüken des Delphins, worauf sie sizt, deutet auf
+die Vermählung der Königin Maria mit dem Dauphin von Frankreich,
+dem Sohn Heinrichs des 2ten. 3.) Der bezaubernde Gesang dieser
+Syrene ist eine Anspielung auf die ausserordentlichen Reizungen und
+Talente der gedachten Princessin, wodurch sie bey ihrem Aufenthalt
+am Französischen Hofe alle Welt in Verwundrung sezte. 4.) Daß ihre
+Stimme die wilde See selbst zahm gemacht, deutet auf die während
+ihrer Abwesenheit in Schottland entstandnen Unruhen, die ihre
+Wiederkunft sogleich wieder gestillet. Warbürton merkt an, die
+Schönheit dieses Bildes sey desto grösser, weil der gemeinen Sage
+nach, die Syrenen oder Meerweiber nur in Stürmen singen. 5.) Die
+verliebten Sterne, die ihr zulieb aus ihren Sphären sanken,
+bezeichnen verschiedene Herren von dem Englischen hohen Adel,
+welche von dieser Princessin in ihr unglükliches Schiksal gezogen
+worden, besonders die Grafen von Northumberland und Westmorland,
+und den Herzog von Norfolk, den das Project sie zu heurathen das
+Leben kostete.}
+
+Puk.
+Ich wollte, wenn du es befählest,
+In viermal zeh'n Minuten einen Gürtel
+Rings um die Erde zieh'n.
+
+(Geht ab.)
+
+Oberon.
+--Hab' ich nun
+Erst diesen Saft, so will ich lauern, bis
+Titania schlafend ligt, und dann die Tropfen
+Auf ihre Augen träufeln.
+Das nächste Ding, worauf sodann erwachend
+Ihr Auge ruht, sey's Löwe oder Bär,
+Wolf oder Stier, Waldteufel oder Affe,
+Wird sie mit Sehnsucht, mit dem Geist der Liebe
+Verfolgen. Nimmer will ich diesen Zauber
+Von ihren Augen nehmen, (wie ich's kan),
+Bis sie den Knaben mir bewilligt hat.
+Wer kömmt hier, ich bin unsichtbar, und will
+Behorchen, was sie sprechen--
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+(Demetrius, welchem Helena folget)
+
+
+Demetrius.
+Was verfolgst
+Du den, der dich nicht liebt? Wo ist Lysander? wo
+Die schöne Hermia? jenen will ich tödten,
+Und diese tödtet mich. Du sagtest mir,
+Sie hätten sich in diesen Wald gestohlen;
+Und hier bin ich, und wild in diesem Walde,*
+Weil ich hier meine Hermia nicht entdeke.
+Weg, pake dich, und folge mir nicht mehr!
+
+{ed.-* (And here am I, and Wood within this Wood. Wood) heißt
+Wald, und heißt auch wüthend, wild; dieses dem Shakespeareso
+gewöhnliche Spiel mit dem Schall der Worte hat im Deutschen hier
+nur unvollkommen ausgedrükt werden können, und wird künftig oft
+gar nicht geachtet werden.}
+
+Helena.
+Du ziehst mich an, hartherziger Magnet,
+Doch ziehest du nicht Eisen; denn mein Herz
+Ist treu wie Stah'l. Hör' auf mich anzuziehen,
+Und ich will unterlassen dir zu folgen.
+
+Demetrius.
+Such' ich dich zu gewinnen? Sag' ich dir
+Liebkosungen? und nicht vielmehr mit runder
+Aufrichtigkeit, daß ich dich weder liebe,
+Noch lieben kan?
+
+Helena.
+--Und eben dessentwegen
+Lieb' ich dich desto mehr; ich bin dein Hündchen,
+Demetrius! das nur destomehr liebkoset,
+Je mehr du's schlägest. Halte mich nur so,
+Als wie dein Hündchen, scheuche, schlage mich,
+Vergiß, verliehr' mich, nur erlaube mir,
+So werthlos als ich bin, dir stets zu folgen;
+Welch schlechtern Plaz kan ich in deiner Liebe
+Erfleh'n, (und doch ist er in meinen Augen hoch!)
+Als daß du mich wie deinen Hund nur haltest?
+
+Demetrius.
+Reiz nicht zu sehr den Abscheu meiner Seele;
+Mir wird schon übel, wenn ich dich nur sehe.
+
+Helena.
+Und mir ist übel, wenn ich dich nicht sehe.
+
+Demetrius.
+Du sezest deine Tugend in zu grosse
+Gefahr, die Stadt so zu verlassen, und
+Dich in die Hände eines Manns, der dich
+Nicht liebt zu liefern, und der lokenden
+Bequemen Nacht, und dieses öden Waldes
+Versuchung, deiner jungferlichen Ehre
+Kostbaren Werth so sorglos zu vertrauen.
+
+Helena.
+O! Meine Sicherheit ist deine Tugend!
+Und darum, däucht mich, bin ich nicht im Dunkeln.
+Es ist nicht Nacht, wenn ich dein Antliz sehe;
+Auch fehlt es diesem Hayne nicht an Welten
+Gesellschaft; denn für mich bist du die ganze Welt.
+Wie kan man denn, daß ich allein sey, sagen,
+Wenn alle Welt hier ist, und auf mich schaut?
+
+Demetrius.
+Ich werde von dir rennen, in das Farrenkraut;
+Mich dort versteken, und den wilden Thieren
+Dich überlassen--
+
+Helena.
+--O! das wildeste
+Hat kein solch Herz wie du! Flieh', wenn du willst,
+Flieh' nur, so wird sich die Geschichte drehen,
+Apollo flieh'n, und Daphne ihn verfolgen.
+Die Daube jagt den Gey'r, die sanfte Hindin eilt
+Den Tyger zu erhaschen. Schwaches Eilen!
+Wenn Zagheit jagt, und Dapferkeit entflieht.
+
+Demetrius.
+Ich will nicht länger säumen, deine Fragen
+Zu hören. Laß mich geh'n; und folgst du mir,
+So glaube nur, ich füge dir ein Leid
+In diesem Holze zu--
+
+Helena.
+--O! in der Stadt
+Im Feld, im Tempel fügst du Leid mir zu!
+O! schäme dich, Demetrius, deine Härte
+Entehret mein Geschlecht. Wir können nicht
+Für Liebe fechten, wie die Männer mögen;
+Gesucht zu werden, und nicht selbst zu suchen,
+Sind wir gemacht!--jedoch, ich folge dir;
+Und selbst der Tod von dieser werthen Hand
+Wird eine Hölle mir zum Himmel machen.
+
+(Sie gehen ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+
+Oberon.
+Fahr wol, o Nymph'! eh du den Hayn verlässest,
+Sollt du ihn flieh'n, er deine Liebe suchen. (Puk tritt auf.) Wo
+ist die Blume? Willkommen, Wand'rer!
+
+Puk.
+Hier ist sie!
+
+Oberon.
+Gieb sie her. Ein Hügel
+Ist mir bekannt, wo wilder Thymus blüht,
+Wo Ochsenzung' und wankende Violen,
+Hoch überwölbt von weichem Geißblatt,
+Von Muscus-Rosen und Hambutten wachsen;
+Dort schläft Titania einen Theil der Nacht,
+Durch Tänz' und Scherz in Blumen eingewiegt,
+Und eingeschleyert in der schönsten Schlange
+Geschmelzte Haut, die sie dort abwarf, weit
+Genug, um eine Fee darein zu wikeln.
+Schläft sie, dann will ich diesen Zauber-Saft
+Auf ihre Augen streichen, und ihr Hirn
+Mit ungereimten Phantasien füllen.
+Nimm du davon, und suche durch den Hayn.
+Ein holdes Mädchen von Athen verfolgt,
+Von Liebe krank, den Jüngling der sie hasset.
+Bestreiche seine Augen, aber so,
+Damit das erste was er wachend sieht
+Das Mädchen sey. Du wirst am Attischen Gewand
+Ihn leicht erkennen. Mache daß er sie
+Inbrünstiger noch liebe, als sie ihn,
+Und siehe zu noch vor dem ersten Krähen
+Des frühen Hahns, mich wieder hier zu finden.
+
+Puk.
+Verlaß dich, Herr, auf deines Dieners Fleiß!
+
+(Sie gehen ab.)
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+(Die Königin der Feen, und ihr Gefolge.)
+
+
+Königin.
+Kommt einen Rundtanz und ein Feen-Lied,
+Dann für den dritten Theil der Nacht hinweg!
+Die einen in der Muscus-Rose Knospen
+Der Raupen Brut zu tödten; andre sollen
+Mit Fledermäusen um ihre Flügel kämpfen,
+Um meinen Elfen Röke draus zu machen!
+Andre die schreyerische Eule, die uns nächtlich
+Belauscht, und unsrer Scherze sich verwundert
+Von hinnen treiben! Singt mich nun in Schlaf,
+Denn weg zu eurer Pflicht, und laßt mich ruhen. (Die Feen singen.)
+
+1. Ihr zweygezüngten bunten Schlangen,
+Ihr dornenvollen Igel, hin!
+Ihr Nattern, die um Blumen hangen
+Nah't nicht unsrer Königin!
+Philomelens Melodey
+Sing' in unsrer Lullabey!
+Lulla, lulla, lullabey, :|:
+Kein Harm und keine Zauberey,
+Komm unsrer holden Frauen bey!
+So gute Nacht mit lullabey. 2. Ihr webenden Spinnen flieht von
+hier,
+Du langgebeinte--* flieh!
+Ihr schwarzen Schröter nah't nicht ihr!
+Kein Wurm noch Schnaak berühre sie!
+Philomelens Melodie u.s.w.
+
+{ed.-* Spider.}
+
+Eine Fee.
+Hinweg, Sie schläft schon, folget mir,
+Doch Eine bleib und wache hier!
+
+(Die Feen gehen ab.)
+
+(Oberon tritt wieder auf.)
+
+Oberon.
+Was du sieh'st, wenn du erwach'st,
+Soll dein Herz mit Glut erfüllen,
+Brenn' und schmacht' um seinetwillen,
+Möcht es Panther, Stachelschwein,
+Löwe oder Kaze seyn!
+Was zuerst dein Aug erblikt,
+Ist der Schaz, der dich entzükt!
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+(Lysander und Hermia.)
+
+
+Lysander.
+Du schmachtest, Theure, von dem langen Irren
+Im Walde, und die Wahrheit zu gesteh'n,
+Die Nacht hat uns vom rechten Weg verleitet;
+Laß uns hier ruhen, Hermia, und den Tag
+Wenn dir's beliebt, erwarten.
+
+Hermia.
+--Sey es so
+Lysander! Suche dir ein Lager aus;
+Ich will mein Haupt auf diesen Wasen legen.
+
+Lysander.
+Ein Wasen soll zum Kissen beyden dienen;
+Ein Herz, ein Bett, zween Busen, eine Treu!
+
+Hermia.
+Nicht so, Lysander! Mir zu lieb, mein Werther,
+Lig weiter weg, lig nicht so nah' bey mir!
+
+Lysander.
+Nimm, Holde, was ich sagte, wie ich's meynte;
+Laß deiner eignen Liebe Unschuld dir
+Die Sprache meiner Liebe deuten.
+Mein Herz ist so dem deinigen verwebt,
+Daß eine Seele nur in beyden lebt!
+Zween Busen, durch den gleichen Eyd verschlungen;
+So sind's zween Busen zwar, doch eine Treue!
+Versag' mir also nicht den Plaz an deiner Seite,
+O Hermia, denn so ligend lüg ich nicht.
+
+Hermia.
+Lysander spielt ganz artig mit den Worten.
+Doch, liebster Freund, aus Zärtlichkeit und Achtung
+Für mich, lig weiter weg; so weit die Zucht,
+Der Menschheit Vorrecht, sagt, daß einem Mädchen
+Und einem tugendhaften Jüngling zieme,
+So weit entferne dich! Nun gute Nacht,
+Mein süsser Freund, und möge deine Liebe
+Sich nur mit deinem holden Leben enden!
+
+Lysander.
+Mein Leben ende dann, wenn meine Liebe!
+Hier soll mein Bette seyn. Der sanfte Schlaf
+Mög' alle seine Ruh' auf dich ergiessen!
+
+Hermia.
+Und dieses Wunsches Helfte des Wünschers Augen schliessen!
+
+(Sie schlaffen.)
+
+(Puk tritt auf)
+
+Puk.
+Keinen Jüngling von Athen
+Konnt ich in dem Hayn erspäh'n,
+Dessen Auge dieser Blume
+Zauberkraft bewähren könne!
+Nacht und Stille! Wer ist der?
+Kleider von Athen trägt er.
+Der ist's, den der König meynt,
+Um den diß gute Mädchen weint.
+Hier ligt es, hier, und schläft gesund
+Auf dem feuchten lokern Grund.
+Die holde Seele! durft's nicht wagen,
+Sich näher zu dem wilden Manne,
+Dem Mädchen-Hässer hinzulegen.
+Kerl'! ich gieß auf deine Augen
+Allen Zauber dieser Blume!
+Wach'st du auf, so soll dem Schlummer
+Amors Zorn auf deinem Auglied
+Den gewohnten Siz verbieten.
+
+(Geht ab.)
+
+
+
+Siebender Auftritt.
+(Demetrius, und Helena, die ihm nacheilt.)
+
+
+Helena.
+Steh' hier, Demetrius, wär's auch mich zu tödten!
+
+Demetrius.
+Ich sag's dir, weg, und jage mich nicht so!
+
+Helena.
+Ach! willt du hier im Dunkeln mich verlassen?
+
+Demetrius.
+Bleib wo du willt, ich will alleine geh'n.
+
+(Demetrius geht ab.)
+
+Helena.
+O! ich bin athemlos von dieser Jagd.
+Glüksel'ge Hermia, wo du izt auch ligst,
+Dich hat des Himmels Gunst allein mit Augen
+Die Seelen an sich zieh'n, begabt.
+Was machte sie so glänzend? wahrlich nicht
+Gesalzne Thränen; diese waschen öfter
+Die meinen als die ihrigen! Nein! ich bin
+So häßlich als ein Bär, die Thiere selbst
+Die mir begegnen flieh'n erschrekt von mir.
+Was Wunder, daß, wenn mich Demetrius sieh't,
+Er meine Gegenwart wie eines Scheusals flieht.
+Welch ein verwünschtes lügenhaftes Glas
+Beredte mich, mit Hermias Sternen-Augen
+Die meinen zu vergleichen!--Wer ist hier?
+Lysander auf dem Grund! todt oder schlafend?
+Ich sehe weder Blut noch Wund'. Erwache
+Lysander, wenn du lebst, so höre mich!
+
+Lysander (erwachend.)
+Und durch die Flammen selbst renn' ich für dich!
+Glanzreiche Helena! welch eine Kunst,
+Beweiset die Natur, die mich dein Herz
+Durch deinen Busen sehen läßt!
+Wo ist Demetrius? O! verhaßter Name,
+Gemacht, auf meinem Schwerdte zu ersterben.
+
+Helena.
+O! Sprich nicht so, Lysander, sprich nicht so!
+Liebt er gleich deine Hermia! was ists mehr?
+Sie liebet doch nur dich; drum sey zufrieden!
+
+Lysander.
+Mit Hermia? Wahrlich, nein! wie reuen mich
+Die freudenlosen Augenblike,
+Die sie mir stahl! Nicht Hermia, Helena
+Ist's die ich liebe. Wer wird nicht den Raben
+Um eine Daube tauschen? Unser Wille
+Wird durch Vernunft beherrscht, und diese sagt,
+Du sey'st die Liebenswerthere unter beyden.
+Was noch erst wächßt, reift nicht vor seiner Zeit!
+So reift' ich, noch zu jung, nicht zur Vernunft
+Bis diesen Augenblik. Izt da mein Wachsthum
+Den Punct der Reiff erreicht hat, ist Vernunft
+Der Marschall über meinen Willen,
+Und leitet mich zu deinen Augen hin,
+Der Liebe reizendste Geschichten in
+Der Liebe reichstem Buch zu lesen.
+
+Helena.
+Wofür ward ich zu diesem Hohn gebohren?
+Wenn hab' ich diese Schmach um dich verdient?
+Ists nicht genug, ists nicht genug, o Jüngling,
+Daß von Demetrius Augen ich noch nie
+Mir einen günstigen Blik erwerben konnte?
+Must du noch meines Unvermögens spotten?
+Diß ist unedel! Ja, fürwahr, es ist!
+Doch fahre wohl! Du zwingst mir's ab, zu sagen,
+Daß ich dich Meister beßrer Sitten glaubte.
+O! daß ein Mädchen, die ein Mann verschmäht,
+Vom andern noch verspottet werden soll!
+
+(Sie geht.)
+
+Lysander.
+Sie siehet Hermia nicht; Hier, schlaf du, Hermia!
+Und möchtest du Lysandern nimmer nahen!
+Denn wie das Übermaaß der angenehmsten Speisen
+Den Magen nur mit grösserm Ekel drükt;
+Wie Kezereyen, wenn wir sie verlassen,
+Uns nur verhaßter sind, je mehr sie einst uns täuschten,
+So sey du, meine Unverdaulichkeit,
+Und meine Kezerey,* von aller Welt
+Gehasset, doch von niemand mehr als mir!
+Und alle Kräfte meines Wesens sollen,
+Für Helena zu Liebestrieben werden.
+
+{ed.-* Man hat, so seltsam diese Einfälle tönen, eine wörtliche
+Übersezung derselben gut befunden; und wird dieses noch öfters
+thun, damit die Leser den Shakespeareauch von dieser Seite kennen
+lernen.}
+
+(Er geht ab.)
+
+Hermia.
+Hilf mir, Lysander! hilf! ich flehe dir,
+Reiß diese Schlang' aus meiner Brust!--Weh mir!
+Was für ein Traum war das! Lysander! sieh'
+Wie ich vor Schreken schlottre--Eine Schlange,
+Fraß, däuchte mich, mein Herz, und du
+Sah'st lächelnd zu!--Lysander!--wie? Entfernt?
+Lysander! Freund! Wie bist du denn so ferne,
+Daß du nicht hören kanst?--Kein Wort, kein Laut!
+Ach, ach! wo bist du, sprich, wenn du noch hör'st,
+O sprich, um aller Liebesgötter willen!
+(Mir wird vor Angst ohnmächtig)--Nun?--Ich will
+Es bald erfahren, ob du ferne bist.
+Ich geh' den Tod zu finden, oder dich.
+
+(Geht ab.)
+
+
+
+
+Dritter Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+(Der Wald.)
+(Squenz, Zettel, Schnok, Flaut, Schnauz und Schluker treten auf.)
+
+(Die Feen-Königin ligt noch schlafend.)
+
+
+Zettel.
+Sind wir alle beysammen?
+
+Squenz.
+Recht gut! recht gut! Das ist ein unvergleichlicher Plaz zu
+unsrer Probe. Dieser grüne Plaz soll unser Schauplaz seyn; die
+kleine Wiese hinter diesem Weißdorn-Zaun unsre Kammer zum Ankleiden;
+und wir wollen nur gleich so agieren, als ob es vor dem Herzog
+wäre.
+
+Zettel.
+Peter Squenz--
+
+Squenz.
+Was willt du, Schurke Zettel?
+
+Zettel.
+Es sind Sachen in dieser Comödie von Pyramus und Thisbe, die
+nimmermehr gefallen werden. Fürs erste: So muß Pyramus ein
+Schwerdt ziehen, sich selbst umzubringen, und das werden die Damen
+nicht aushalten können. Was antwortet ihr auf das?
+
+Schnauz.
+Beym Velten, das wird Kopf-Verbrechens brauchen!
+
+Schluker.
+Ich denke, wir müssen eben das Umbringen auslassen, wenn alles
+andre vorbey ist.
+
+Zettel.
+Nichts, nichts! ich habe einen Einfall der alles gut machen wird:
+Schreibet mir einen Prologus, und laßt ihn sagen, daß wir mit
+unsern Schwerdtern kein Unglük anstellen werden, und daß Pyramus
+nicht würklich umgebracht wird; und zu desto grösserer Sicherheit
+laßt ihn sagen, daß ich Pyramus nicht Pyramus bin, sondern Claus
+Zettel der Weber; das wird ihnen schon die Furcht benehmen.
+
+Squenz.
+Gut, wir wollen einen solchen Prologus haben, und er soll in acht
+und sechsen* geschrieben seyn.
+
+{ed.-* In einem Sonnet, welches wie bekannt, nur vierzehn Zeilen
+haben darf.}
+
+Zettel.
+Nein, machet zwey mehr; schreibt es in acht und achten.
+
+Schnauz.
+Werden die Damen nicht auch über den Löwen erschreken?
+
+Schluker.
+Ich fürcht' es, das versprach' ich euch.
+
+Zettel.
+Ihr Herren, bedenket vorher was ihr thun wollt; einen Löwen, Gott
+bewahr uns! unter Damen zu bringen, ist eine fürchterliche Sache;
+denn es ist kein schlimmerer Waldvogel als euer Löwe, wenn er
+lebendig ist; wir können zusehen.
+
+Schnauz.
+Es muß also ein andrer Prologus sagen, daß er kein Löwe ist.
+
+Zettel.
+Man kan ja seinen Namen nennen, und sein halbes Gesicht durch des
+Löwen Hals hervor guken lassen; und er selbst kan daraus hervor
+reden, und so oder zu eben diesem Defect sagen: Lädies, oder schöne
+Lädies, ich wollte wünschen, oder ich wollte gebetten haben, oder
+ich wollte ersucht haben, fürchten Sie sich nicht, zittern Sie
+nicht so; mein Leben für das Ihrige, es soll ihnen nichts geschehen!
+Wenn Sie dächten, ich komme hieher als ein Löwe, so daurte mich
+nur meine Haut; Nein, nein, ich bin nichts dergleichen, ich bin ein
+Mensch wie andre Menschen; und dann kan er sich ja nennen, und
+ihnen rund heraus sagen, daß er Schnok der Schreiner ist.
+
+Squenz.
+Gut, so soll es seyn. Aber es sind noch zwey harte Puncten: Eins
+ist, wie wollen wir den Mondschein in das Zimmer bringen? denn ihr
+wißt, Pyramus und Thisbe kommen beym Mondschein zusammen.
+
+Schnok.
+Scheint der Mond in der Nacht, worinn wir spielen?
+
+Zettel.
+Einen Calender! einen Calender! sehet in den Almanach: Suchet
+Mondschein, suchet Mondschein!
+
+Squenz.
+Ja, er scheinet diese Nacht.
+
+Zettel.
+Nun, so kan man ja einen Flügel von dem grossen Kammerfenster, wo
+wir spielen, offen lassen; und der Mond kan durch den Flügel herein
+scheinen.
+
+Squenz.
+Ja, oder es könnte auch einer mit einem Dornbusch und einer Laterne
+heraus kommen, und sagen, er komme die Person des Mondscheins zu
+presidieren, oder zu defiguriren. Aber es ist noch etwas; wir
+müssen in der grossen Kammer eine Wand haben, denn Pyramus und
+Thisbe, sagt die Historie, redten durch die Spalte einer Wand mit
+einander.
+
+Schnok.
+Ihr werdet nimmermehr keine Wand hinein bringen können. Was sagst
+du, Zettel?
+
+Zettel.
+Einer oder ein Andrer muß die Wand vorstellen; er kan etwas
+Pflaster, oder etwas Leim, oder etwas Merdel an sich haben, das
+eine Mauer bedeutet; oder laßt ihn seine Finger so halten, und
+durch die Spalte können Pyramus und Thisbe wispern.
+
+Squenz.
+Wenn das angeht, so ist alles gut. Kommet, jeder Mutters-Sohn size
+nieder, und probieret eure Pärte. Pyramus, ihr fanget an; wenn ihr
+eure Rede gesprochen habet, so geht hinter diesen Zaun; und so ein
+jeder wie es sein Merkwort erfodert.
+
+
+
+Zweyter Auftritt.
+(Puk tritt von hinten auf.)
+
+
+Puk.
+Was für ein Hauffen Galgenschwengel lermen
+So nah' beym Lager unsrer Königin?
+Wie? Gar ein Schauspiel? Ich will Hörer seyn;
+Vielleicht auch Acteur, wenn ich Anlas finde.
+
+Squenz.
+Redet, Pyramus, Thisbe stehet weiter weg.
+
+Pyramus.
+"Thisbe, wie eine Blum' schmekt von Geschmäken süß."
+
+Squenz.
+Gerüchen! Gerüchen!
+
+Pyramus.
+"Gerüchen G'schmäken süß.
+So thut dein Athem auch, o Thisbe, meine Zier!
+Doch horch, ich hör ein' Stimm'; es ist mein Vater g'wiß,
+Bleib eine Weile steh'n, ich bin gleich wieder hier."
+
+Puk.
+Ein Pyramus, wie man nicht immer sieht!
+
+Thisbe.
+Muß ich izt reden?
+
+Squenz.
+Ja, zum Henker, freylich müßt ihr; ihr müßt wissen, daß er nur
+weggegangen ist, weil er ein Getöse gehört hat; er wird gleich
+wieder kommen.
+
+Thisbe.
+"Umstrahlter Pyramus, an Farbe Lilien-weiß,
+Und roth wie eine Ros' auf triumphiern'dem Strauch.
+Du muntrer Juvenil, der Männer Zier und Preis,
+Treu wie das treuste Roß, das nie ermüdet auch.
+Ich will dich treffen an, glaub mir, bey Ninny's* Grab."
+
+Squenz.
+Nini Grab, Mann! Aber das müßt ihr nicht izo sagen; das antwortet
+ihr dem Pyramus. Ihr sagt euern ganzen Part auf einmal her,
+Merkwörter und allen Plunder!--Pyramus!--heraus! Euer Merkwort ist
+schon gesagt, es ist ermüdet auch. (Zettel kömmt wieder mit einem
+Eselskopf heraus.)
+
+Thisbe.
+O! "So treu wie's treuste Roß das nie ermüdet auch."
+
+Pyramus.
+"Wenn, Thisbe, ich wär' schön, so wär' ich einzig dein."
+
+Squenz.
+O! Abentheur! O! Wunder! Es spükt um uns herum. Helft, ihr
+Herren! flieht, ihr Herren, helft!
+
+(Sie lauffen alle davon.)
+
+Puk.
+Ich will euch folgen, ich will euch im Kreise
+Durch Sumpf und Busch, durch Kraut und Disteln jagen,
+Ein Pferd will ich bald seyn, und bald ein Hund,
+Ein Schwein, ein Bär, und bald ein flatternd Feuer,
+Und wiehern, bellen, grunzen, brummen, brennen,
+Wie Pferd, und Hund, und Schwein, und Bär, und Feuer.
+
+(Geht ab.)
+
+Zettel.
+Warum lauffen sie davon. Es ist nur eine Schelmerey von ihnen, mir
+Angst zu machen. (Schnauz kommt heraus.)
+
+Schnauz.
+Zettel, du bist verwandelt! was seh' ich auf dir?
+
+Zettel.
+Was du sieh'st? du sieh'st einen Eselskopf auf deinem eignen;
+nicht so?
+
+(Schnauz geht ab.)
+
+(Squenz kommt)
+
+Squenz.
+Der Himmel sey dir gnädig, Zettel, du bist transferirt.
+
+(Geht ab.)
+
+Zettel.
+Ich merke ihre Schelmerey, sie wollen einen Esel aus mir machen,
+und mich erschreken wenn sie könnten; aber ich will nicht von der
+Stelle gehen, thun sie was sie können; ich will hier auf und ab
+spazieren, und singen, damit sie hören, daß ich mir nicht fürchte.
+
+(Er singt.)
+
+Der Amsel-Hahn von Farb so schwarz,
+Von Schnabel Orangen-gelb,
+Die Drostel, die so lustig singt,
+Das muntre Zeisiglein.
+
+Titania (erwachend.)
+Welch Engel weket mich von meinem Blumenbette?
+
+Zettel.
+Der Fink, der Sperling und die Lerch,
+Der graue Kukuk fein,
+Des wahrhaft Lied so mancher hört,
+Und darf nicht sagen, Nein! Denn, in der That, wer wollte seinen
+Wiz gegen einen so närrischen Vogel sezen? Wer wollte einen Vogel
+lügen heissen, und wenn er noch so viel Kuku** schrie?
+
+Titania.
+Ich bitte dich, sing' wieder, o du schönster
+Der Sterblichen, mein Ohr ist ganz verliebt
+In deine Melodey; so ist mein Auge
+Entzükt von deiner Bildung, und mein Mund
+Von deiner schönen Tugend Macht gezwungen,
+Beym ersten Blik dir zu gesteh'n, zu schwören,
+Daß ich dich liebe--
+
+Zettel.
+Mich dünkt, Frau, ihr solltet nicht viel Ursache dazu haben; und
+doch, die Wahrheit zu sagen, Vernunft und Liebe halten einander
+heut zu Tage selten Gesellschaft. Es ist zu bedauern, daß nicht
+ein oder andre ehrliche Nachbarn sie zu Freunden machen. Gelt!
+ich kan bey Gelegenheit auch spassen?
+
+Titania.
+Du bist so weise, als du reizend bist.
+
+Zettel.
+Keines sonderlich; doch wenn ich Wiz genug hätte, wieder aus diesem
+Wald zu kommen, so hätte ich gerade so viel, als ich für mich
+selbst brauche.
+
+Titania.
+O! wünsche nicht aus diesem Hayn zu kommen;
+Hier sollt du bleiben, willig oder nicht.
+Ich bin ein Geist, von nicht gemeiner Art,
+Ein ew'ger Sommer wohnt auf meinem Staate;
+Ich liebe dich; drum geh' mit mir, ich will
+Dir Feen geben, welche dich bedienen,
+Und dir Juweelen aus der Tieffe holen,
+Und singen, wenn auf Blumen du entschlummerst;
+Und deine grobe sterbliche Natur
+Will ich zur Feinheit lüftiger Geister läutern.
+Senfsaamen, Bohnenblühte, Milbe, Spinnenweb! * Das Wortspiel ligt
+in der Verwechslung von (Ninus's) und (Ninny's. Ninny) heißt ein
+Tölpel, oder dummer Junge. ** Auch hier ligt der Scherz in der
+Ähnlichkeit des Worts (Cuckow), welches einen Kukuk, und (Cuckold),
+welches einen Ritter von dem Orden der grossen Brüderschaft
+bezeichnet.
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+(Die vier Feen treten auf.)
+
+
+1. Fee.
+Bereit!
+
+2. Fee.
+Und ich.
+
+3. Fee.
+Und ich.
+
+4. Fee.
+Und ich: Was sollen wir?
+
+Titania.
+Seyd diesem feinen Herren hold und dienstbar,
+Hüpft vor ihm her, wenn er im Hayn spaziert,
+Und gaukelt ihm kurzweilend um die Augen.
+Speißt ihn mit Abricos und kühlenden Erdbeeren,
+Maulbeeren, Feigen, und mit Purpurtrauben.
+Beraubt die Bienen ihrer Honigwaben,
+Und zündet ihre wachsbeladnen Beine
+Für Fakeln an des Feurwurms Augen an,
+Dem Liebling meiner Brust zur Ruh' zu leuchten;
+Und rauft den buntgemahlten Schmetterlingen
+Die Flügel aus, den Mondschein wenn er schläft,
+Von seinen Augen wegzufächeln.
+Neigt euch ihr Elfen all, und grüsset ihn.
+
+Die Feen.
+Heil! Sterblicher; Heil dir! Heil! Heil!
+
+Zettel.
+Ich bitte Ew. Gestreng von Herzen um Vergebung; mit Erlaubniß,
+Gestrenger Herr, ihren Namen?
+
+Spinnenweb.
+Spinnenweb.
+
+Zettel.
+Ich wünsche besser mit euch bekannt zu werden, guter Herr
+Spinnenweb; wenn ich mich in den Finger schneide, so werde ich
+lustig mit euch machen. Euer Name, Junker?
+
+Bohnenblühte.
+Bohnenblühte.
+
+Zettel.
+Ich bitte, empfehlt mich der Frau Squasch, eurer Mutter, und dem
+Hrn. Bohnenhülse, euerm Vater. Lieber Herr Bohnenblühte, ich
+hoffe noch besser mit ihm bekannt zu werden. Euern Namen, Herr,
+wenn ich bitten darf.?
+
+Senfsaamen.
+Senfsaamen.
+
+Zettel.
+Mein lieber Herr Senfsaamen, ich kenne Ihre Verwandtschaft gar wol;
+dieser bärenhäutrische riesenmässige Schurke, dieser Rinderbraten,
+hat schon manchen wakern Herrn von euerm Hause aufgefressen. Ich
+verspreche euch, eure Freundschaft hat mir schon oft die Augen
+wässern gemacht. Ich wünsche bekannter mit euch zu werden, mein
+guter Herr Senfsaamen.
+
+Titania.
+Kommt, führet ihn in meine Sommerlaube.
+Luna (so däucht mich) scheint mit Augen voller Wasser,
+Und wenn sie weint, weint jede kleine Blume
+Und klagt um irgend eine, durch die Hülfe
+Der kupplerischen Nacht bezwungne Jungfernschaft.
+Bindt meines Lieblings Zunge, führt ihn schweigend!
+
+(Sie gehen ab.)
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+(Der König der Feen.)
+
+
+Oberon.
+Mich wundert, ob Titania schon erwachte. (Puk erscheint.) Doch
+hier kommt mein Mercur! Wie geht es, Gaukler,
+Was Neues giebt's in diesem geistervollen Hayne?
+
+Puk.
+Die Königin ist in ein Ungeheuer
+Verliebt. Nah' an der engen, ihrem Schlummer
+Geweyhten Laube, während daß sie schlief,
+Fand eine Bande lumpichter Gesellen,
+(Taglöhner, welche in den Hallen von Athen
+Ihr täglich Brod mit harter Hand verdienen,)
+Sich ein, ein Schauspiel zu probieren,
+Das sie an Theseus Hochzeitfest zu spielen
+Gesinnet sind. Der abgeschmakteste
+Von diesen Flegeln, der den Pyramus
+Vorstellte, lief aus seiner Scene weg,
+Und kam in einen Plaz mit Farrenkraut,
+Wo ich gleich über ihn den Vortheil nahm,
+Und einen Eselskopf auf seine Schultern sezte.
+Indeß muß Thisbe eine Antwort haben.
+Mein Kerlchen kömmt zurük; wie sie ihn sehen,
+So flieht, wie wilde Gänse die den Vogler
+Am Boden kriechen sehen, oder wie
+Ein bunter Schwarm von rothgefüßten Krähen,
+Vom Knall der Flinten aufgeschrekt, sich krächzend
+Zerstreut und sinnlos um die Wolken flattert;
+So flieht der ganze Trupp bey seinem Anblik;
+Und noch, von meines Fußtritts Ton erschrekt,
+Fiel, weil sie sich verfolgt von Geistern glaubten,
+Der eine überwälzend auf die Erde;
+Ein andrer schrie um Hülfe von Athen.
+Die Angst die ihrer Sinnen sie beraubte,
+Empörte wider sie selbst lebenlose Wesen;
+Denn Dorn und Heken schnappten ihnen nach,
+Hier blieb ein Hut zurük, ein Ermel dort;
+Den Fliehenden berupfen alle Dinge.
+So trieb ich sie vor Furcht entseelt herum,
+Und ließ indeß den holden Pyramus
+Verwandelt hier; im gleichen Augenblik
+Erwacht Titania, und verliebt sich straks
+In einen Esel--
+
+Oberon.
+Diß fiel besser aus
+Als ich vermuthen durfte. Hast du aber
+Auch, wie ich dir zu thun befahl, die Augen
+Des Jünglings von Athen mit diesem Saft bestrichen?
+
+Puk.
+Ich fand ihn schlafend; auch diß ist vorbey.
+Das Mädchen lag dabey, und nah' genug,
+Daß er sie sehen muß, wenn er erwacht.
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+(Demetrius und Hermia.)
+
+
+Oberon.
+Steh' still, diß ist der Jüngling den ich meynte.
+
+Puk.
+Diß ist das Mädchen, aber nicht der Jüngling.
+
+Demetrius.
+Wie hart begegnest du, dem der dich liebt?
+Gieb deinem Todfeind solche bittern Worte!
+
+Hermia.
+Noch schelt' ich nur, weit schlimmer sollt ich dir
+Begegnen; denn, ich fürchte, du hast mir
+Dich zu verfluchen, Grund gegeben:
+Du hast Lysandern als er schlief erschlagen;
+So tief im Blut tauch dich noch tieffer ein,
+Und tödte mich. Die Sonn' ist nicht so rein,
+Als er bis diesen Tag getreu mir war.
+Würd' er von seiner Hermia, weil sie schlief,
+Sich weggestohlen haben? Eher wollt' ich glauben,
+Daß dieser Erdenball durchbohret werden,
+Und Luna durch das hole Centrum kriechen,
+Und ihres Bruders Mittag bey den Gegenfüßlern
+Beschämen könnt'! Es kan nicht anders seyn,
+Ermordet hast du ihn; so wie du blikest,
+So stier, so grimmig sollt ein Mörder bliken.
+
+Demetrius.
+So sollte der Erschlagne ausseh'n, und so, ich,
+Dem deine Grausamkeit das Herz durchbohrt;
+Doch du, die Mörderin, du siehst so glänzend
+Als Venus dort in ihrer Sphäre funkelt.
+
+Hermia.
+Was hat diß mit Lysandern? wo ist er?
+Ach! werther Freund, willt du ihn mir nicht geben?
+
+Demetrius.
+Eh wollt ich seinen Rumpf den Hunden geben!
+
+Hermia.
+Weg, Hund, hinweg! Du treibst mich aus den Grenzen
+Der weiblichen Geduld. So hast du ihn
+Erschlagen? o wenn dieses ist, so werde
+Hinfort nicht mehr den Menschen zugezählt!
+Sprich einmal wahr, sag' es mir zu Gefallen,
+Hätt'st du es wagen dürfen, weil er wachte
+Ihn anzuseh'n, und hast du ihn im Schlaf
+Ermordet? Wahrlich! eine kühne That!
+Kan nicht ein Wurm, ein kriechend Ungeziefer
+Das gleiche thun! Das bist du; keine Otter
+Hat je mit einer zweygespiztern Zunge,
+Als deine ist, du Schlangenbrut, gestochen.
+
+Demetrius.
+Umsonst verschwendest du, o Schönste, deine Wuth;
+Denn ich bin schuldlos an Lysanders Blut,
+Noch ist er tod, so viel ich sagen kan.
+
+Hermia.
+So sag', ich bitte dich, es sey ihm wohl!
+
+Demetrius.
+Und könnt ich's, was gewönn' ich denn damit?
+
+Hermia.
+Das Recht, mich nimmermehr zu sehen.
+Auf ewig meid' ich dein verhaßtes Antliz!
+Was auch Lysander sey, du sollt mich nicht mehr sehen.
+
+(Geht ab.)
+
+Demetrius.
+Es nuzet nichts, bey dieser bösen Laune
+Ihr nachzugeh'n; ich will noch hier verweilen,
+Des Kummers Last wird schwerer durch die Schuld
+Die der bankrotte Schlaf dem Kummer soll;
+Vielleicht bezahlt er einen Theil daran,
+Wenn ich, ihm abzuwarten, hier verweile.
+
+(Er ligt nieder, und schläft.)
+
+Oberon.
+Was thatest du? Du hast aus Mißverstand
+Auf irgend einer treuen Liebe Augen
+Den Zaubersaft gelegt; nun macht dein Irrthum
+Die treue Liebe falsch, und nicht die falsche treu.
+
+Puk.
+So ist des Schiksals Schluß; für einen treuen Mann
+Sind hundert tausend, die mit Eiden spielen.
+
+Oberon.
+Geh' schneller als der Wind, und finde mir
+In diesem Hayne Helena von Athen.
+Ganz Liebeskrank ist sie, und blaß vom Antliz,
+Und haucht ihr Rosenblut in Seufzer aus.
+Verleite sie hieher, ich will die Augen
+Des Jünglings den sie liebt, für sie bezaubern.
+
+Puk.
+Kein Pfeil von eines Tartars Bogen,
+Ist je so schnell wie ich geflogen.
+
+(Er geht ab.)
+
+Oberon (indem er den Saft auf Demetrius Augen gießt.)
+Blume, die durch Amors Schaft
+In Purpur-Farbe glüht,
+Hauche deine Liebes-Kraft
+Durch sein Augenlied!
+Und sieht er dann die er bisher
+Durch Untreu zwang, ihm nachzuweinen,
+So laß sie schöner, glänzender
+Als Venus unterm Sternen-Heer,
+Vor des Entzükten Aug' erscheinen:
+Die Reyhe komme dann an ihn,
+Sich um ihr Lächeln zu bemüh'n,
+Und wenn sie flieht, ihr nachzuweinen!
+
+(Puk kömmt zurük.)
+
+Puk.
+Herr von unserm Feen-Land,
+Helena ist hier zur Hand;
+Ihr folgt der Jüngling von Athen,
+An dem ich vor mich überseh'n,
+Und fleht sie, was er flehen kan
+Um Lind'rung seiner Schmerzen an.
+Es ist ein Spaß dem Schauspiel zuzuseh'n;
+Herr! welch ein albern Volk sind diese Sterblichen!
+
+Oberon.
+Gieb Acht, es könnte leicht vom Lermen so sie machen,
+Demetrius uns zu früh erwachen.
+
+Puk.
+Dann wär' erst unser Spaß vollkommen,
+Dann buhlten ihrer Zwey um Eine.
+Je wiedersinnischer die Sachen
+Sich dreh'n, je mehr hat Puk zu lachen.
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+(Lysander und Helena.)
+
+
+Lysander.
+Wie kanst du denken, daß ich deiner spotte?
+O! wenn zerfloß wol je der Spott in Thränen?
+Sieh', meine Thränen waschen den Verdacht
+Von den Gelübden ab, die ich dir weyhe,
+Und zeugen für die Wahrheit meiner Seufzer.
+
+Helena.
+Je mehr du sprichst, entdekt sich deine Falschheit.
+Wenn Wahrheit Wahrheit tödtet, welch ein Zweykampf,
+Wie teuflisch-heilig!--Alle die Gelübde,
+Die du mir weyh'st, sind Hermias! Wäge nun
+Eyd gegen Eyd, so wirst du gar nichts wägen.
+Treuloser Mann, die Schwüre die du ihr
+Und die du mir geschworen, in zwey Schalen
+Geworffen, wägen gleich, und beyde gleich so viel
+Als Mährchen die der Kinder Schlaf befördern.
+
+Lysander.
+Mir fehlte der Verstand, als ich ihr schwor.
+
+Helena.
+Und fehlt dir izt, da du ihr treulos wirst.
+
+Lysander.
+Demetrius liebet sie, und liebt nicht dich.
+
+Demetrius (erwachend.)
+O Helena, Göttin, Nymphe, Schönste, Beste,
+Womit, Geliebte, soll ich deine Augen
+Vergleichen? Trüb ist gegen sie Crystall!
+Wie loket deiner Lippen reiffe Röthe,
+Gleich Kirschen, die dem Mund entgegen schwellen,
+Zum süssen Kuß; das reine dichte Weiß,
+Auf Taurus Höh' wird rabenschwarz, sobald
+Du deine Hand erhebst! O laß mich dieses Urbild
+Der reinsten Weisse küssen, und im Arme
+Der Göttinnen die Götter neidisch machen.
+
+Helena.
+O! Schmach, o Hölle! Habt ihr's abgeredet,
+So ein barbarisch Spiel mit mir zu treiben?
+Wär't ihr gesittet, und der heiligen Geseze
+Des Wohlstands kundig, o! ihr würdet euch
+So niederträchtig mich zu kränken schämen.
+Könnt ihr mich denn nicht hassen, wie ich weiß
+Ihr thut es, ohne meiner noch zu spotten?
+Wär't ihr was ihr zu seyn scheint, wär't ihr Männer,
+Ihr würdet einem guten Mädchen nicht
+So unverschämt begegnen, ihre Gaben
+Durch übertriebnes Lob zu höhnen, und zu schwören,
+Der Abscheu, den sie euch erwekt, sey Liebe.
+Ihr beyde seyd, ich weiß es, Nebenbuler
+Um Hermia; nun seyd ihr's auch, um meiner
+Zu spotten. Eine feine Heldenthat;
+Fürwahr! ein männlich Unternehmen, Thränen
+Aus eines armen Mädchens Augen
+Zu zwingen! Keiner, dem ein edles Herz
+Im Busen schlüge, würde fähig seyn
+Mit einer Jungfrau so zu handeln!
+
+Lysander.
+Nicht so, Demetrius! Nicht so unleutselig!
+Du liebest Hermia, und du weist, ich weiß es,
+Und hier tret' ich freywillig und von Herzen
+Dir meinen Theil an Hermias Liebe ab,
+Und fordre deinen nur an Helena,
+Die dir gleichgültig ist, und die ich liebe,
+Und bis zum lezten Athem lieben werde.
+
+Helena.
+Niemals verlohren blöde Spötter mehr
+Unnüzen Athem!--
+
+Demetrius.
+Höre mich, Lysander!
+Behalte deine Hermia, ich will keine.
+Liebt' ich sie einst, wie ich mich dessen kaum
+Besinnen kan, so ist es nun vorbey
+Mit dieser Liebe. Gastweis hielte sich
+Mein Herz nur bey ihr auf, und ist nunmehr
+Zu Helena auf ewig heimgekehrt!
+
+Lysander.
+Es ist nicht so.
+
+Demetrius.
+Schmäh' du nicht eine Treue
+Die du nicht kennst; du thätest es auf deine
+Gefahr!--Schau auf, da kömmt sie, deine Liebe.
+
+
+
+Siebender Auftritt.
+(Hermia zu den vorigen.)
+
+
+Hermia.
+Die Nacht entsezt das Auge seines Amtes,
+Und macht des Ohrs Empfindung desto schärfer.
+Was sie dem Sehen raubt, ersezet sie
+Dem Sinn des Hörens zweyfach. O Lysander,
+Mein Auge sucht dich lang' und fand dich nicht;
+Allein mein Ohr, Dank sey ihm, brachte mich,
+Auf deiner Stimme Spur, zu dir. Warum,
+Warum verließst du so unzärtlich mich?
+
+Lysander.
+Wie konnt ich bleiben, da die Liebe mich
+Zu gehen trieb?
+
+Hermia.
+Welch eine Liebe konnte
+Lysandern weg von meiner Seite treiben?
+
+Lysander.
+Lysanders Liebe, die ihm nicht erlaubte
+Fern von der schönen Helena zu bleiben,
+Die mehr die Nacht vergüldt,
+Als alle jene feuerreichen Augen
+Des Himmels. Warum suchest du mich noch?
+Erklärte nicht die Sache selbst dir deutlich,
+Es sey der Haß zu dir, der mich dich fliehen machte.
+
+Hermia.
+Du sprichst nicht wie du denkst, es kan nicht seyn.
+
+Helena.
+Seh't, sie ist eine von dem edeln Bündniß;
+Nun seh' ich, alle drey vereinten sich
+Durch diese Mummerey mich zu verhönen.
+Boshafte Hermia, undankbares Mädchen,
+Was hab' ich dir gethan, daß du dich auch
+Zu ihnen schlägst, ein Spiel aus mir zu machen?
+Ist alle Freundschaft, die wir einst uns weyhten;
+Ist die Vertraulichkeit, die schwesterlichen
+Gelübd'; und jene Stunden, da wir ungern
+Uns scheidend, die zu schnelle Zeit beschalten;
+O! Ist diß alles, alles schon vergessen,
+Die Schultags-Freundschaft, und die spielende
+Schuldlose Liebe unsrer frohen Kindheit?
+Da, Hermia, schuffen wir mit unsern Nadeln
+Gleich zween kunstvollen Göttern eine Blume,
+Nach einem Riß, auf einem Polster sizend;
+Und gurgelten nach einer Melodie
+Ein muntres Lied, die Arbeit zu beleben;
+Als wären unsre Händ' und Stimm' und Herzen
+Verkörpert, nur Ein Leib, beseelt von unsrer Liebe.
+So wuchsen wir, wie eine Doppel-Kirsche
+Getheilt zwar scheinend, doch in Eins verwachsen
+Beysammen auf; zwo anmuthsvolle Beeren,
+An einem Stiele reiffend; so zwey Leiber
+Dem Scheine nach, doch nur ein Herz in beyden.
+Und willt du, kanst du unsre alte Liebe
+Vergessen, und um deiner armen Freundin
+Zu spotten, dich zu Männern zugesellen?
+O! das ist nicht freundschaftlich, nicht jungfräulich
+Gehandelt; du verschuldest dich an unserm
+Geschlechte, nicht an mir allein, obgleich
+Nur ich allein die bittre Kränkung fühle.
+
+Hermia.
+Dein hiziges Reden sezt mich in Erstaunen!
+Nicht ich, du, scheint's, beleidigst mich!
+
+Helena.
+Hast du Lysandern nicht, mir nachzugehen,
+Und mein Gesicht und meine Augen
+Zu preisen, aufgestiftet? Hast du nicht
+Demetrius, deinen andern Freund, der erst
+Mich noch mit seinem Fusse von sich stieß,
+Gereizt, mich Göttin, Nymphe, überirdisch,
+Himmlisch zu nennen? Warum sagt er so
+Zu einer die er haßt? Warum verläugnet
+Lysander deine Liebe, die sein Herz
+Doch ganz erfüllt, und sagt mir Süssigkeiten,
+Als, weil du sie gereizt, und eingewilligt?
+Wie? wenn ich gleich nicht so begünstigt bin,
+Wie du; nicht so beglükt, und so mit Liebe
+Behangen, ja von meinem Unstern gar
+Zur Schmach verurtheilt, ungeliebt zu lieben;
+Diß sollte dich vielmehr zu sanftem Mitleid
+Als zu Verachtung reizen!--
+
+Hermia.
+Ich verstehe nicht,
+Was du mit allem diesem meyn'st--
+
+Helena.
+So recht!
+Fahr immerfort, verstelle deine Minen,
+Zieh' Mäuler gegen mich, wenn ich mich drehe,
+Winkt euch einander zu! o haltet ja
+Diß schöne Spiel recht aus, es ist der Chronik würdig.
+Wenn ihr ein fühlend menschlich Herz, ja nur
+Manieren hättet, würdet ihr aus mir
+Den Inhalt eines solchen Spiels nicht machen.
+Jedoch der Fehler ist zum Theil an mir;
+Bald soll Entfernung oder Tod ihn heilen.
+
+Lysander.
+Steh', holde Helena! hör', o hör' mich an!
+Mein Licht, mein Leben, meine schönste Liebe!
+
+Helena.
+Vortrefflich!
+
+Hermia.
+Lieber Freund, verspotte sie nicht so.
+
+Demetrius.
+Vermag ihr Bitten nichts, so kan ich zwingen.
+
+Lysander.
+Du kanst es so, wie sie erbitten kan.
+Dein Droh'n hat nicht mehr Kraft als ihre schwache Bitten.
+Helena, ich liebe dich; bey meinem Leben,
+Ich liebe dich; bey dem was ich für dich
+Verliehren will, dem der es widerspricht
+Es zu beweisen, daß er lügt--
+
+Demetrius.
+Ich sage,
+Ich liebe dich weit mehr als er dich liebt.
+
+Lysander.
+Wenn du das sagst, so komm es zu beweisen.
+
+Demetrius.
+Nur gleich--
+
+Hermia.
+Lysander, wozu soll diß alles?
+
+Lysander.
+Aus meinem Weg, du Mohr!
+
+Demetrius.
+Besorge nichts,
+Er thut nur so dergleichen; es ist nicht
+Sein Ernst mit mir zu kommen--Geh', Lysander,
+Du bist ein zahmer Mann--
+
+Lysander (zu Hermia.)
+Hinweg du Kaze, du Klette, du nichtswürdigs Ding;
+Laß mich, sonst schleudr' ich dich wie eine Schlange
+Von mir hinweg--
+
+Hermia.
+Warum so rauh? welch eine Änd'rung
+Ist das, mein Herz!
+
+Lysander.
+Dein Herz? Fort, du schwarzgelber Tartar, fort,
+Du ekelhafte Medicin, hinweg!
+
+Hermia.
+Scherzt ihr, Lysander?
+
+Helena.
+Freylich, wie du auch.
+
+Lysander.
+Demetrius, ich will dir mein Wort unfehlbar halten!
+
+Demetrius.
+Du must mir Bürgschaft stellen, denn ich merke,
+Daß deinem Wort nicht viel zu trauen ist.
+
+Lysander.
+Wie? soll ich sie denn stossen, schlagen, tödten?
+Haß' ich sie gleich, so will ich ihr doch nichts
+Zu Leide thun.
+
+Hermia.
+Und welch ein grösseres Leid
+Kanst du mir thun, als hassen? wie? Mich hassen?
+Wofür? weh mir! welch eine Neuigkeit!
+Bin ich nicht Hermia? Bist nicht du, Lysander?
+Ich bin izt noch so schön, als vor so kurzer Weile.
+Noch diese Nacht, war ich von dir geliebt,
+Und doch, in dieser Nacht verließst du mich!
+Warum verliessest du mich?--(O! die Götter
+Verhüten es!) in Ernste, soll ich sagen?
+
+Lysander.
+So ists, bey meinem Leben! Ganz in Ernst,
+Und mit dem Wunsche, nimmer dich zu sehen.
+Sey also ausser Hoffnung, Frag und Zweifel,
+Versichre dich's: Nichts kan gewisser seyn,
+Ich hasse dich, und liebe Helena.
+
+Hermia.
+Weh mir! du Taschenspielerin, wurmstich'ge Blume,
+Du Liebes-Diebin, kamst du bey der Nacht,
+Mir meines Freundes Herz hinweg zu stehlen?
+
+Helena.
+In Wahrheit! fein!--Hast du denn kein Gefühl
+Von Sittsamkeit, von jüngferlicher Schaam?
+Willt du von meiner sanften Zunge Worte
+Der Ungeduld erzwingen! Schäme dich,
+Du angestrichnes Bild, du Puppe, du!
+
+Hermia.
+Puppe? wie so?--Ha, ha! So ligt das Spiel!
+Nun merk ich es! Sie hat ihn das Verhältniß,
+Von ihrer Länge zu der meinigen,
+Bemerken lassen; sie hat ihre Höhe
+Gelten gemacht, und ihm mit ihrer
+Person, mit ihrer langen aufgeschoßnen
+Person, bey meiner Treu! mit ihrer Höhe
+Das Herz genommen--Seyd ihr darum also
+So hoch in seiner Gunst emporgewachsen,
+Weil ich so klein, so Zwergen-mässig bin?
+Wie klein bin ich? Du Bohnenstikel, sprich,
+Wie klein bin ich? Ich bin doch nicht so klein,
+Daß meine Nägel nicht an deine Augen reichen.
+
+Helena.
+Ihr Herr'n, ich bitte euch, so gram ihr mir
+Auch seyn mög't, laßt sie mich nicht schlagen!
+Ich war nie zänkerisch, und habe gar
+Gar keine Gabe mich mit ihr zu rauffen.
+O! laßt sie nicht an mich! Ihr denkt vielleicht,
+Weil sie um etwas kleiner ist als ich,
+Ich könnte sie bezwingen--
+
+Hermia.
+Kleiner! horcht!
+Schon wieder!--
+
+Helena.
+Liebe Hermia, sey doch nicht
+So bitter gegen mich. Ich liebte dich
+Ja immerdar, that dir nie was zu Leide;
+Und schloß, was du mir anvertrautest, schweigend
+In meinen Busen, ausser dißmal nur
+Diß einzige mal entdekt' ich deine Flucht
+In diesen Wald, Demetrio, den ich liebe.
+Er folgte dir. Aus Liebe folgt' ich ihm,
+Allein er schalt mich fort, und drohte mir
+Mich wegzustossen, ja mich gar zu tödten.
+Und nun, wenn ihr mich ruhig gehen lasset,
+Nun will ich meine Thorheit nach Athen
+Zurüke tragen, und euch nicht mehr stören.
+O! laßt mich geh'n! Ihr seh't, was für ein schwaches
+Einfältigs Ding ich bin.
+
+Hermia.
+Geh' deines Weges,
+Wer hindert dich?
+
+Helena.
+Ein thöricht Herz, das ich zurüke lasse.
+
+Hermia.
+Wie? Bey Lysander?
+
+Helena.
+Bey Demetrius.
+
+Lysander.
+Sey ohne Furcht, sie soll kein Leid dir thun
+Geliebte Helena!--
+
+Demetrius.
+Nein, Herr! sie soll nicht,
+Ob du dich gleich zu ihrem Schüzer aufwirfst.
+
+Helena.
+O! wenn sie zornig ist, so ist sie kühn;
+Sie war ein böses Ding, wie sie zur Schule gieng;
+Und hat, so klein sie ist, so viele Stärke.
+
+Hermia.
+Schon wieder klein, und nichts als klein und klein.
+Wie könnt ihr leiden, daß sie so mich höhne?
+Laßt mich an sie!--
+
+Lysander.
+Geh', pake dich, du Zwerg,
+Du Minimus, aus Besem-Kraut gemacht;
+Du Eichel, du, du Paternoster-Kralle.
+
+Demetrius.
+Ihr seid allzudienstfertig, Herr Lysander,
+Für eine die sich eurer Dienste weigert.
+Laß sie allein, sprich nicht von Helena,
+Und laß sie unbeschüzt; denn wenn du dich
+Noch einmal untersteh'st von deiner Liebe
+So wenig als es sey, ihr anzutragen,
+So sollt du es bereun.
+
+Lysander.
+Izt hält sie mich nicht mehr;
+Nun folge, wenn du darfst, es wird sich zeigen,
+Ob dein Recht, oder mein's an Helena
+Das Stärk're ist.
+
+Demetrius.
+Dir folgen? Nein, ich will dich Stirn' an Stirne
+Begleiten--Komm!
+
+(Lysander und Demetrius gehen ab.)
+
+Hermia.
+Ihr, Frauenzimmer, aller dieser Lerm
+Ist eure Schuld--Nein, geh' nicht fort!--
+
+Helena.
+Ich traue dir nicht, ich, noch werd' ich länger
+In deiner zänkischen Gesellschaft bleiben.
+Zum Rauffen hast du schnellere Händ' als ich,
+Doch zum Entlauffen hab' ich längere Beine.
+
+(Sie gehen ab. Hermia verfolgt Helena.)
+
+
+
+Achter Auftritt.
+(Oberon und Puk.)
+
+
+Oberon.
+Diß ist dein Fehler; stets versieh'st du was;
+Doch bist du Schelms genug, vielleicht es gar
+Mit Fleiß gethan zu haben--
+
+Puk.
+Glaubet mir,
+König der Schatten, ich versahe mich.
+Ihr sagtet ja, ich würde meinen Mann
+An seinem Attischen Habit erkennen,
+Und dieser täuschte mich; doch da der Irrthum
+Nun einmal, ohne meine Schuld, begangen ist,
+So freut mich's, weil mich diese Zänkerey
+Kurzweilig däucht--
+
+Oberon.
+Du siehest, diese Nebenbuhler suchen
+Sich einen Plaz zum Fechten. Eile dann,
+Robin, umzieh' die heitre Nacht mit Dunkel,
+Und hülle das gestirnte Firmament
+In Nebel ein, schwarz wie der Acheron;
+Und führe diese Streiter so vonsammen,
+Daß keiner in den Weg des andern komme.
+Bald bilde deine Zunge gleich Lysanders,
+Durch bittern Schimpf Demetrius aufzureizen,
+Und bald Lysandern mit Demetrius Stimme;
+Treib sie so lang umher, doch stets entfernt,
+Bis über ihre Augenlieder
+Der Schlaf mit Leder-Flügeln und mit Füssen
+Von Bley, dem Tod nachäffend kriecht, dann lege
+Diß Kräutchen auf Lysanders Augen, welches
+Die Kraft besizt, von ihnen allen Irrthum
+Hinweg zu thun, und nach gewohnter Art
+Sie seh'n zu machen. Wenn sie dann erwachen,
+So wird sie dünken, dieses ganze Spiel
+Sey nur ein Tand, ein eitles Nachtgesicht
+Der Scherz von einem Sommertraum gewesen;
+Und durch ein Band verknüpft, das nur der Tod soll lösen,
+Wird jedes Liebespaar sich nach Athen
+Zurük begeben. Weil du diß verrichtest,
+Will ich zu meiner Königin, von ihr
+Die Ursach unsers Streits, den Indischen Knaben
+Zu fordern; giebt sie ihn, so will ich ihr
+Bezaubert Auge von dem Schwindel heilen,
+Der für ein Ungeheuer sie entzükt;
+Und alle Fehde soll in süssem Frieden enden.
+
+Puk.
+Diß muß, o Geisterfürst, in Eil verrichtet werden;
+Die schnellen Drachen die den Wagen ziehen
+Der braunen Nacht, durchschneiden schon die Wolken
+Mit größrer Hast, und dorten scheint Aurorens
+Vorläuffer schon, bey dessen Ankunft
+Umirrende Gespenster schaarenweise
+Heim zu Kirchhöfen eilen; Schon sind alle
+Verdammten Geister, die in Scheidewegen
+Und in den Fluthen ihr Begräbniß haben,
+Zu ihrem Würmer-vollen Bette bebend
+Zurük gekehrt; aus Furcht, der lezte Tag
+Möcht' ihre Schande seh'n, verbannen sie
+Freywillig sich vom Licht, und bleiben
+Auf ewig zu der schwarzen Nacht gesellt.
+
+Oberon.
+Doch wir sind Geister einer andern Art.
+Oft hab' ich mit dem Morgenlicht gescherzt,
+Und mag so lang die Hayne, wie ein Jäger
+Durchtraben, bis des Himmels Pfort' in Osten
+Ganz feuerroth, sich gegen den Neptun
+Mit weit umher ergoßnen Stralen öffnend,
+All seine grünen Ström' in Gold verwandelt.
+Doch eile drum nichts minder, zög're nicht,
+Vor Tag kan alles schon verrichtet seyn.
+
+(Oberon geht ab.)
+
+Puk.
+Auf und ab, auf und ab,
+Führ' ich sie in schnellem Trab
+Kobolt, führ' sie auf und ab.
+Hier kömmt einer--(Demetrius tritt auf.)
+
+Demetrius.
+Lysander, sprich noch einmal,
+Du Hasenherz, du feige Memme, du,
+Bist du entlauffen? Sprich aus irgend einem Busch?
+Wo hast du dich verstekt?
+
+Puk.
+Du, Memme selbst, wie? prahlst du zu den Sternen,
+Sag'st zu den Stauden, daß du fechten wollest,
+Und darfst nicht kommen? Komm, du kleiner Bube,
+Die Ruthe sollst du haben; er ist fort
+Der gegen dich ein Schwerdt gezogen.
+
+Demetrius.
+Ha, bist du dort--
+
+Puk.
+Folg' meiner Stimme nach,
+Hier ist kein Plaz zum Fechten.
+
+(Sie gehen ab.)
+
+(Lysander kömmt zurük.)
+
+Lysander.
+Stets läuft er vor mir her, und fordert mich
+Heraus, und wenn ich komme wo er hin mich ruft,
+So ist er fort; der Schlingel ist
+Schnell-füssigter als ich, ich folgt' ihm schnell,
+Doch er floh' schneller noch: Nun bin ich hier
+In diesen dunkeln und unebnen Weg
+Gerathen, und hier will ich ruhen. Komm,
+Du holder Tag,
+
+(er legt sich;)
+
+denn zeigst du mir nur einst
+Dein graues Licht, so will ich bald ihn finden,
+Um diesen Hohn an ihm zu rächen.
+
+(Puk und Demetrius kommen zurük.)
+
+Puk.
+Ho! ho! du Memme, warum kommst du nicht?
+
+Demetrius.
+Komm näher, wenn du darfst; ich weiß es wol,
+Daß du von Ort zu Ort mir stets entläufst,
+Und darfst nicht steh'n und mir ins Antliz sehen.
+Wo bist du?
+
+Puk.
+Komm du nur hieher, hier bin ich!
+
+Demetrius.
+Du äffest mich; du sollt es theur bezahlen,
+Wenn ich je dein Gesicht bey Tag erblike.
+Izt, pake dich, mich zwingt die Mattigkeit,
+Auf dieses kalte Bette mich zu streken.
+Erwarte bey des Tages Anbruch mich!
+
+(Er ligt nieder.)
+
+
+
+Neunter Auftritt.
+
+
+Helena.
+O schwere Nacht, verdrießlich lange Nacht,
+Verkürze deine Stunden! brich heran,
+Erwünschtes Licht, das mich von diesen Leuten
+Die meine Gegenwart verabscheun, nach Athen
+Zurüke leit'. Inzwischen komm, o du
+Der oft des Kummers müdes Auge schließt,
+Komm, sanfter Schlaf, und stiehl mich eine Weile
+Von meiner eigenen Gesellschaft.
+
+(Sie entschläft.)
+
+Puk.
+Noch sind's erst drey; nur eine noch,
+So sind sie alle vier beysammen.
+Hier kömmt sie, unmuthsvoll und traurig!
+Cupido ist ein schlimmer Vogel,
+So arme Mädchens zu bethören. (Hermia tritt auf.)
+
+Hermia.
+Nie so ermüdet, nie von Schmerzen so
+Bedrüket, naß von Thau, von Dornen wund,
+Kan ich nicht weiter geh'n, noch weiter kriechen;
+Hier will ich ruhen, und den Tag erwarten!
+Ihr Götter schüzt Lysandern, wenn ihr Streit
+Mit einem Kampf sich endet--
+
+(Sie liegt nieder.)
+
+Puk.
+Schlafe du
+In süsser Ruh!
+Unterweilen
+Soll die Kraft
+Von diesem Saft
+Deines Lieblings Augen heilen.
+
+(Er gießt den Saft auf Lysanders Augen.)
+
+Erwachest du, so wird in Hermias Bliken
+Dich der gewohnte Reiz entzüken.
+So trift bey euerm Wachen dann
+Das alte Sprüchwort zu:
+Hans nimmt sein Gretchen wieder an,
+Und alles ist in Ruh.
+
+(Puk geht ab.)
+
+
+
+
+Vierter Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+(Der Wald)
+(Die Königin der Feen, Zettel, aufwartende Feen, und Oberon hinter
+ ihnen)
+
+
+Titania.
+Komm, seze dich auf dieses Blumenbette,
+Weil ich dir deine holden Wangen streichle,
+Dein glattes weiches Haupt mit Rosen kränze,
+Und deine schönen langen Ohren küsse,
+Mein süsses Herz--
+
+Zettel.
+Wo ist Bohnenblühte?
+
+Bohnenblühte.
+Hier.
+
+Zettel.
+Krazt mir im Kopf, Bohnenblühte. Wo ist Monsieur Spinnenweb?
+
+Spinnenweb.
+Hier.
+
+Zettel.
+Monsieur Spinnenweb, werther Monsieur, nehmt eure Waffen zur Hand,
+und tödtet mir eine rothgeschenkelte Hummel auf einem Distelkopf;
+und, werther Monsieur, bringt mir den Honigwaben. Lauft euch nicht
+zu sehr aus dem Athem, Monsieur; und, werther Monsieur, habet Sorge,
+daß der Honigwaben nicht breche; es sollte mir leid seyn, euch mit
+Honigseim übergossen zu sehen, Signior. Wo ist Messer Senfsaamen?
+
+Senfsaamen.
+Hier!
+
+Zettel.
+Leih' mir deine Faust, Monsieur Senfsaamen. Ich bitte euch, nicht
+so viel Complimente, werther Monsieur.
+
+Senfsaamen.
+Was beliebt Ihnen?
+
+Zettel.
+Nichts, werther Monsieur, als Cavalero Spinnenweb krazen zu helfen.
+Ich muß zum Barbier, Monsieur, denn mir däucht, ich bin ganz
+erstaunlich haaricht um's Gesichte. Und ich bin ein so zärtlicher
+Esel, wenn mein Haar mich nur ein bißchen kizelt, so muß ich krazen.
+
+Titania.
+Verlangest du Musik, mein werthes Leben?
+
+Zettel.
+Ich hab ein raisonabel gutes Ohr zur Musik.
+
+(Eine ländliche Musik.)
+
+Titania.
+Sag izt, mein Herz, was wünschest du zu essen?
+
+Zettel.
+Die Wahrheit zu sagen, eine Handvoll Futter würde mir nicht übel
+thun; ich wollte euch ein gut Theil von euerm Haber käuen, wenn ich
+hätte. Mich dünkt, ich habe einen grossen Appetit nach einem
+Schober Heu; gutes Heu, zartes Heu, hat nicht seines gleichen.
+
+Titania.
+Sogleich soll eine meiner schnellsten Feen
+Dir aus des Eichhorns Vorrath frische Nüsse hohlen.
+
+Zettel.
+Ich hätte lieber eine Handvoll oder zwo dürre Bohnen. Aber ich
+bitte, laßt niemand von euern Leuten mich beunruhigen; ich habe
+eine Exposition von Schlaf die mich ankommt.
+
+Titania.
+Schlaf du, und ich will dich in meine Arme winden.
+Ihr Feen, geht, hinweg ihr Elfen alle!
+So windet sich das weiche Geißblatt
+Sanft um den Ahorn, Epheu windet so
+Sich um des Ulmbaums ausgestrekte Arme.
+O! wie ich bis zur Schwärmerey dich liebe! (Puk erscheint.)
+
+Oberon.
+Willkommen, Robin! Sieh'st du diesen Anblik?
+Ihr Wahnwiz fängt mein Mitleid an zu reizen.
+Denn da ich sie vorhin in diesem Hayne
+Beschlich, indem sie eben süsse Düfte
+Für dieses abgeschmakte Monkalb suchte,
+Beschalt ich sie, und hielt mit bittern Worten
+Ihr ihren Unsinn vor; denn seine rauhen
+Behaarten Schläfe hatte sie mit Kränzen
+Von auserlesnen Blumen rings umkränzt;
+Und eben dieser Thau, der auf den Rosenknospen
+Gleich runden morgenländischen Perlen sonst geblinkt,
+Stund izt in dieser holden Blümchen Augen
+Wie Thränen, die solch eine Schmach beweinten.
+Als ich sie nun nach Herzenslust gezankt,
+Und sie mich um Geduld in milden Worten bat,
+Da fodert' ich den kleinen Jungen ab,
+Den sie mir sonst so trozig abgeschlagen;
+Sie gab ihn willig her, und schikte ihre Fee
+Ihn gleich in meine Laub' im Feenlande
+Zu tragen. Nun, da ich den Knaben habe,
+Will ich von dieser häßlichen Verblendung
+Ihr Aug' entbinden; du aber, holder Puk,
+Nimm diese Mißgestalt von des Atheners Haupte,
+Daß er zugleich mit jenen Schläfern dort
+Erwachend, wieder heim mit ihnen kehre;
+Und All' an dieser Nacht Begebenheiten
+Nicht weiter denken, als an eines Traumes
+Beängstigungen. Itz will ich zuförderst
+Die Feen-Königin entzaubern.
+
+Sey wieder was du ehmals warst,
+Sieh' wieder wie du ehmals sahst;
+Solch eine heilungsvolle Macht
+Hat Phöbes Knospe über Amors Blume. Erwache nun, Titania, meine
+Königin!
+
+Titania.
+Mein Oberon, was sah' ich für Gesichter!
+Mich däucht' ich war verliebt in einen Esel.
+
+Oberon.
+Hier ligt dein Liebling.
+
+Titania.
+Wie gieng dieses zu?
+Wie ekelt mir vor diesem Anblik izt!
+
+Oberon.
+Still eine Weile! Robin, nimm diß Haupt!
+Titania, horche dieser Symphonie,
+Die, stärker als gemeiner Schlaf, die Sinnen
+Von diesen Schläfern bindet--
+
+Titania.
+Ha! Musik! einschläfernde Musik!
+
+Puk (zu Zettel.)
+Wenn du erwach'st, so guke
+Aus deinen eignen Narren-Augen wieder.
+
+Oberon.
+Ertöne fort, Musik! leg' Hand mit mir
+Titania an, den Grund zu wiegen,
+Wo diese holden Schläfer ligen.
+Die Freundschaft zwischen mir und dir
+Ist nun erneut, und daure für und für.
+Morgen in der Mitternacht
+Wollen wir, wie im Triumphe,
+Wir mit allen unsern Elfen,
+Herzog Theseus Haus durchtanzen,
+Und bis zu den fernsten Enkeln
+Es mit unserm Segen weihen.
+
+Puk.
+Feen-König, horch! mein Ohr
+Hört der frühen Lerchen Chor.
+
+Oberon.
+So laß uns dann, o Königin,
+Den Schatten nach in ernster Stille fliehn.
+
+Titania.
+Komm, mein Gemahl, und weil wir fliehn,
+Enträthsle mir die Wunder dieser Nacht;
+Und wie es kam, daß man mich hier
+Bey diesen Sterblichen schlafend fand?
+
+(Sie gehen ab. Die Schlafenden bleiben liegen. Man hört
+Hifthörner.)
+
+
+
+Zweyter Auftritt.
+(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)
+
+
+Theseus.
+Geh' einer von euch, sucht den Forster auf,
+Denn unsre Mayen-Andacht ist geendigt;
+Und weil die Dämm'rung günstig ist, soll izt
+Hippolita die Musik meiner Hunde hören.
+Eilt, hohlt den Forster, und entfesselt sie.
+Wir wollen, meine schöne Königin,
+Auf dieses Berges Gipfel steigen, und
+Von da die musicalische Verwirrung
+Vom Laut der Hunde mit dem Nachhall hören.
+
+Hippolita.
+Ich war mit Herkules und Cadmus einst
+Als sie in einem Walde von Dictynna
+Den Bären mit Spartanischen Hunden hezten.
+Nie hört' ich solch ein prächtiges Getöne.
+Nicht nur die Büsche, Luft, und Berg, und Quellen,
+Die ganze Gegend schien ein einziges
+Zusammenstimmendes Geschrey. Ich hörte nie
+Solch eine musicalische Dissonanz,
+Solch einen anmuthsvollen Donner.
+
+Theseus.
+Auch meine Hunde sind von Spartas Art,
+So kurz von Haar, so barticht, so mit Ohren,
+Die, schlapp und niederhangend von dem Grase
+Den Thau wegwischen, krumm von Knie, und hautig
+Am Halse wie Thessaliens Stiere, langsam
+Im Jagen, aber wie ein Glokenspiel
+Im Laut gestimmt, stets einer unter'm andern.
+Nie ward ein schöneres Getön in Creta,
+Noch Sparta, noch Thessaliens Plänen,
+Vom Jagdgeschrey und Hifthorn aufgemuntert.
+Urtheile, wenn du hörst. Doch still, was sind
+Für Nymphen hier?
+
+Egeus.
+Mylord, es ist mein Mädchen;
+Diß Helena, des alten Nedars Tochter;
+Und diß Lysander, diß Demetrius, alle
+Schlafend! Mich wundert, wie sie hier zusammen
+Gekommen.
+
+Theseus.
+Ohne Zweifel standen sie
+Früh auf, die festlichen Gebräuche
+Des Mayen zu begeh'n, und auf die Nachricht
+Von unserm Vorsaz kamen sie hieher
+Um unsre Feyrlichkeit zu zieren.
+Doch, sprich Egeus, ist diß nicht der Tag,
+An welchem Hermia ihre Wahl entdeken soll?
+
+Egeus.
+Er ists.
+
+Theseus.
+Geh', laß die Jäger sie mit ihren Hörnern weken.
+
+(Hifthörner und Jagdgeschrey innerhalb der Scene.)
+
+
+(Demetrius, Lysander, Hermia und Helena erwachen, und stehen
+erschroken auf.)
+
+Theseus.
+Ihr Freunde, guten Tag! Sanct Valentin
+Ist schon vorbey: Wie, fangen diese Vögel
+Erst izo sich zu paaren an?
+
+Lysander.
+Vergebung,
+Mein königlicher Herr!
+
+Theseus.
+Ich bitte, stehet auf
+Ich weiß es, daß ihr Feind' und Nebenbuhler seyd.
+Woher dann diese Eintracht, und wie kömmt's
+Daß Haß, so fern von Eifersucht, bey Haß
+In diesem Hayne schläft, und keine Feindschaft fürchtet?
+
+Lysander.
+Halb wach, halb schlafend, und ob allem dem
+Was mir begegnet, selbst erstaunt, was soll ich
+Zur Antwort geben? Glaubet meinem Schwure,
+Ich kan nicht sagen, wie ich eigentlich
+Hieher gekommen--Doch mich dünkt, (denn gerne
+Wollt ich die Wahrheit sagen) izo, ja!
+Besinn' ich wieder mich, so ist's, mit Hermia
+Kam ich hieher. Wir wollten von Athen
+An einen Ort entflieh'n, wo wir sicher
+Vor dem Athenischen Geseze wohnen könnten.
+
+Egeus.
+Genug, genug, mein Fürst; ich ford're wieder ihn
+Die Strenge des Gesezes, das Gesez
+Auf sein verwürktes Haupt! Ihr Vorsaz war
+Sich wegzustehlen, und dadurch, Demetrius
+Uns beyde zu berauben; deines Weibes, dich,
+Mich meiner Einwilligung--
+
+Demetrius.
+Mylord, die schöne Helena
+Verrieth mir ihre Flucht, und ihren Vorsaz,
+In diesem Hayne sich bey Nacht zu finden;
+In Wuth verfolgt' ich sie, mir folgt' aus Liebe
+Die schöne Helena! Nun, mein gnädiger Herr,
+Durch was für eine Gottheit weiß ich nicht,
+Doch ist es wahrlich einer Gottheit Werk,
+Daß meine Leidenschaft für Hermia weg
+Wie Schnee geschmolzen ist, mir izo nur
+Wie die Erinn'rung scheint an eine Puppe,
+Wornach ich mich in meiner Kindheit sehnte;
+Und aller Trieb', und Kräfte meines Herzens
+Einziger Gegenstand, die Wonne meiner Augen
+Diß holde Mädchen ist. Ihr, Mylord, war
+Ich schon versprochen, eh ich Hermia sah';
+Wie uns in Krankheit sonst geliebte Speisen
+Oft widersteh'n, so gieng es mir mit ihr:
+Doch da ich nun zu meinem vorigen
+Natürlichen Geschmak genesen bin;
+Nun wünsch ich, lieb ich sie, und sehne mich
+Nach ihr, und werd' ihr immer treu verbleiben.
+
+Theseus.
+Ihr habt euch, holde Günstlinge der Liebe,
+Zu euerm Glük zusammen hier gefunden.
+Egeus, nun übertret' ich euern Willen selbst,
+Denn dieses Doppel-Paar soll neben uns
+Auf ewig am Altar verbunden werden.
+Und da der Morgen nun verstrichen ist,
+Soll unsre Jagd auf eine andre Zeit
+Verschoben seyn. Kommt mit uns nach Athen,
+Und helft die Feyrlichkeit von unserm Fest vermehren.
+
+(Der Herzog, Hippolita, und Gefolge gehen ab.)
+
+Demetrius.
+Diß alles was uns hier begegnet ist,
+Scheint klein und unerkennbar, gleich entfernten
+Gebürgen, die in Wolken sich verliehren.
+
+Hermia.
+Mich dünkt, ich sehe diese Dinge mit
+Getheilten Augen, die mir alles doppelt
+Erscheinen machen.
+
+Helena.
+Eben so ist's mir,
+Ich fand Demetrius hier gleich einem Kleinod*
+Mein eigen, und nicht mein eigen.
+
+{ed.-* Hr. Warbürton findet hier den Text dunkel, und glaubt
+durch Veränderung des Wortes (Jewel) (Kleinod) in (Gemell)
+(Zwilling) alles deutlich zu machen. Weil ich aber seine
+Verbesserung weit dunkler finde als den Text, so bin ich bey
+dem leztern geblieben, der meiner Meynung nach, einen ganz
+richtigen Sinn darbietet.}
+
+Demetrius.
+Mich dünkt's
+Wir schlafen, träumen noch. Kam's euch nicht vor,
+Der Herzog sey hier, und heiß' uns folgen.
+
+Hermia.
+Ja, und mein Vater.
+
+Helena.
+Und Hippolita.
+
+Lysander.
+Und sagt uns, in den Tempel ihm zu folgen.
+
+Demetrius.
+Wie denn, so wachen wir; laßt uns ihm folgen,
+Und unterwegs uns unsre Träum' erzählen.
+
+(Sie gehen ab.)
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+(Wie sie abgehen, erwacht Zettel.)
+
+
+Zettel.
+Wenn mein Merkwort kömmt, so ruft mir, und ich will antworten.
+Mein nächstes ist--O schönster Pyramus--hey! Holla!--Peter Squenz,
+Flaut der Blasbalgfliker! Schnauz, der Keßler! Schluker! Beym
+Element, sie sind alle fortgelauffen; und lassen mich hier
+schlaffen. Ich habe eine höchst seltsame Vision gehabt. Ich hatte
+einen Traum, es geht über Menschen-Wiz zu sagen, was für ein Traum
+das war: Ein Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lassen
+will, diesen Traum zu begreiffen. Mich dünkte ich war, kein Mensch
+kan sagen was. Mich dünkte ich war, und mich dünkte ich hatte--
+Doch ein Mensch wäre nur ein ausgemachter Narr, wenn er sich dafür
+austhun wollte, zu sagen was ich hatte. Keines Menschen Auge hat
+gehört, keines Menschen Ohr hat gesehen; keines Menschen Hand ist
+vermögend zu schmeken, noch seine Zunge zu begreiffen; noch sein
+Herz zu erzählen, was mein Traum war. Ich will Peter Squenz bitten,
+daß er einen Gesang aus diesem Traum mache; er soll Zettels Traum
+genennt werden, und ich will ihn zu Ende des Spiels vor dem Herzog
+absingen; vielleicht, um es noch graziöser zu machen, will ich ihn
+singen, wenn ich mich erstochen habe.
+
+(Geht ab.)
+
+
+
+
+
+
+Vierte Scene.
+(Die Stadt.)
+(Squenz, Flaut, Schnauz und Schluker.)
+
+
+Squenz.
+Habt ihr nach Zettels Hause geschikt? Ist er noch nicht heim
+gekommen?
+
+Schluker.
+Man hört kein Wort von ihm. Ohne Zweifel haben ihn die Geister
+davon geführt.
+
+Flaut.
+Wenn er nicht kömmt, so ist das Spiel verdorben. Es geht nicht vor
+sich, thut es?
+
+Squenz.
+Es ist unmöglich. Ihr findet keinen Mann in ganz Athen, der im
+Stand wäre, den Pyramus vorzustellen, als ihn.
+
+Flaut.
+Nein, er hat kurzum den besten Kopf unter allen Handwerksleuten in
+Athen.
+
+Squenz.
+So ists, und die beste Person dazu; er ist ein rechter Gegenstand
+für eine zarte Stimme. (Schnok kömmt.)
+
+Schnok.
+Ihr Herren, der Herzog kömmt aus dem Tempel, und es sind noch zwey
+oder drey Herren und Damen mehr vermählt worden. Wenn unser Spiel
+vor sich gegangen wäre, so wären wir alle gemachte Leute gewesen.
+
+Flaut.
+O du guter Zettel, du hast einen Sechser des Tags für dein ganzes
+Lebenlang verlohren. Mein Seel! er hätte einem Sechser des Tags
+nicht entgehen können. Wenn ihm der Herzog nicht einen Sechser des
+Tags für den Pyramus gegeben hätte, so will ich gehangen seyn.
+Einen Sechser des Tags für Pyramus, oder nichts. (Zettel kömmt.)
+
+Zettel.
+Wo sind die Jungens? wo sind diese Hasen-Herzen?
+
+Squenz.
+Zettel!--O! höchst curaschöser Tag! o glükselige Stunde!
+
+Zettel.
+Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzählen, aber fragt mich nicht
+was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch
+sage. Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist.
+
+Squenz.
+Laß uns hören, lieber Zettel.
+
+Zettel.
+Nicht ein Wort von mir. Alles was ich euch sagen will, ist, daß
+der Herzog zu Mittag gegessen hat. Schaft eure Zurüstungen herbey,
+gute Strike für eure Bärte, neue Bänder für eure Stiefeletten;
+kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann übersehe seinen
+Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser
+Spiel wird den Vorzug bekommen. Auf allen Fall, laßt Thisbe weisse
+Wäsche anziehen; und laßt den der den Löwen spielen soll, seine
+Nägel nicht abschneiden, denn sie müssen als des Löwen Klauen
+heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder
+Zwiebel noch Knoblauch; denn wir müssen einen süssen Athem von uns
+geben, und ich zweifle nicht, sie werden sagen, es ist eine recht
+süsse Comödie. Keine Worte mehr, ab! Tretet alle ab.
+
+(Sie gehen.)
+
+
+
+
+Fünfter Aufzug.
+
+
+
+Erster Auftritt.
+(Der Pallast.)
+(Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.)
+
+
+Hippolita.
+Das sind, mein Theseus, wunderbare Dinge,
+Was diese Liebenden erzählen.
+
+Theseus.
+Mehr wunderbar als wahr. Ich habe niemals
+Von diesen alten Fabeln, Feen-Mährchen
+Und Zaubereyen was geglaubt. Verliebte
+Sind hierinn den Verrükten ähnlich: Beyde
+Mit so erhiztem Hirn, so schöpfrischer
+Einbildungskraft begabt, sich vorzustellen,
+Was ruhige Vernunft nicht fassen kan.
+Mondsüchtige, Poeten und Verliebte
+Sind lauter Phantasie; der eine sieht
+Mehr Teufel, als die weite Hölle faßt;
+Indeß daß der Verliebte, gleich phrenetisch
+In einer Mohrin Ledas Schönheit sieht.
+Des Dichters Aug' in feinem Wahnwiz rollend,
+Blizt von der Erde zum Olymp, vom Himmel
+Zur Erd'; und wie die Phantasie Gestalten
+Von unbekannten Dingen ausgebiert,
+So bildet sie sein Kiel, und giebt dem lüftigen Unding
+Verbindung, Ort und Zeit, und einen Namen.
+So ist die Phantasie gewohnt zu würken;
+Sobald sie irgend eine Lust empfindt,
+Erfindt sie einen Schöpfer dieser Lust;
+Denn wenn bey Nacht uns eine Furcht befällt,
+Wie leicht ist's, einen Busch für einen Bär zu halten.
+
+Hippolita.
+Doch diese ganze Nachtgeschichte
+Mit ihren Folgen, dieser wunderbaren
+Verwandlung ihrer Seelen, zeugt von mehr
+Als Dichtungen der Phantasie, und wächßt
+Zu etwas, das zusammenhängend ist;
+Und doch darum nicht minder unbegreiflich. (Lysander, Demetrius,
+Hermia und Helena treten auf.)
+
+Theseus.
+Hier kommen sie, voll Lust und Frölichkeit.
+Heil, holde Freunde, Heil und frische Tage
+Der Lieb', ein Frühling dem kein Winter folge,
+Begleite eure Herzen--
+
+Lysander.
+So mögen sie, in ungezählter Menge
+Um Eure Hoheit wachen.
+
+Theseus.
+Kommet nun,
+Was haben wir für Masken, was für Tänze,
+Um diesen langen Zeitlauf von drey Stunden,
+Vor schlafengehn, hinwegzuscherzen?
+Wo ist der Meister unsrer Lustbarkeiten?
+Was Spiele giebt's? Ist nicht ein Schauspiel da,
+Die Pein von einer langen Stunde zu erleichtern?
+Ruft Philostrat herbey. (Philostratus kömmt.)
+
+Philostratus.
+Hier, mächtiger Theseus.
+
+Theseus.
+Was hast du, diesen Abend zu verkürzen?
+Was für Ballette, für Musik und Tänze?
+Wie können wir die träge Zeit betrügen,
+Wenn nicht durch irgend eine Lustbarkeit?
+
+Philostratus.
+Hier, Prinz, ist eine Liste von den Spielen,
+Die eurer Hoheit Wahl und Wink erwarten.
+
+Theseus (ließt.)
+
+(Die Schlacht mit den Centauren, von einem Athenischen Castraten
+zur Harfe abzusingen.)
+
+Wir wollen nichts hievon. Das hab ich meiner Braut
+Zu Ehren meines Vetters, Herkules,
+Vorlängst erzählt. (Der Aufruhr der berauschten
+Bachantinnen, wie sie in ihrer Wuth
+Den Sänger Thraciens zerreissen.)
+Ein altes Stük, das schon gespielet ward
+Als ich von Thebe siegreich wieder kam. (Die dreymal drey Musen,
+welche den Tod der Gelehrtheit beweinen, die unlängst im
+Bettelstand verschieden.) Das ist irgend eine kühne critische
+Satyre,
+Die sich zu hochzeitlichen Feyrlichkeiten nicht schikt. (Eine
+tediose kurze Scene von dem jungen Pyramus, und seiner lieben
+Thisbe, recht tragicalisch-lustig). Lustig und tragisch? tedios
+und kurz?
+Das ist heisses Eis, eine seltsame Art von Schauspiel. Wie sollen
+wir den Sinn dieses Unsinns errathen?
+
+Philostratus.
+Mylord; es ist ein Schauspiel, ungefehr ein Duzend Worte lang, so
+kurz als ich je ein Schauspiel gesehen habe, aber gerad um zwölf
+Worte zu lang, wodurch es tedios wird; denn in dem ganzen
+Schauspiel ist kein Wort am rechten Orte, und kein Spieler taugt
+etwas. Tragisch ist es, denn Pyramus ersticht sich darinn, welches,
+ich muß bekennen als ich das Stük probieren sah, mir das Wasser in
+die Augen trieb; aber lustigere Thränen hat der Affect des lauten
+Lachens nie vergossen.
+
+Theseus.
+Wer sind die, die es spielen?
+
+Philostratus.
+Männer von rauhen Händen, die hier in Athen arbeiten, aber deren
+Seelen bis izo noch nie gearbeitet, und die nun ihre Memorien mit
+diesem Schauspiel auf Euer Vermählungsfest zermartert haben.
+
+Theseus.
+Wir wollen es hören.
+
+Philostratus.
+Nein, mein Gebieter, es ist nicht für euch. Ich hab es ganz gehört,
+und es ist nichts, nichts in der Welt; es wäre dann wenn euch ihre
+Absicht belustigen könnte, die sich mit jämmerlicher Mühe aufs
+äusserste angestrengt, um euch ihre Aufwartung zu machen.
+
+Theseus.
+Ich will dieses Stük hören; denn niemals ist etwas
+verschmähenswürdig, das von Einfalt und Pflicht dargeboten wird.
+Geh', bring sie her, und sezet euch, Mesdames.
+
+Hippolita.
+Ich sehe nicht gerne die Unglükseligkeit die unter ihrer Last
+einsinkt, und die Pflicht, die in ihrem Dienst zu Grunde geht.
+
+Theseus.
+Wie, holde Liebe, du sollt nichts dergleichen seh'n.
+
+Hippolita.
+Er sagt, sie können nichts in dieser Art.
+
+Theseus.
+Desto gütiger sind wir, wenn wir ihnen für Nichts danken. Unsere
+Lust wird seyn, zu verstehen, was sie mißverstehen; ein
+großmüthiger Sinn schäzt das was die arme willige Pflicht thut,
+nach dem Vorsaz, nicht nach dem Werth. Wie ich hieher kam, hatten
+sich grosse Gelehrte vorgesezt, mich mit studierten Glükwünschen zu
+begrüssen; ich sah sie zittern und bleich werden, mitten in einem
+Saz Perioden machen, ihren gekünstelten Accent vor Angst erstiken,
+und zulezt auf einmal verstummen, ehe sie mich nur willkommen
+geheissen. Glaubet mir, meine Angenehmste, aus diesem
+Stillschweigen selbst brachte ich einen Willkomm heraus; und die
+Bescheidenheit der schüchternen Pflicht sagte mir mehr, als die
+rasselnde Zunge der unverschämten und zuversichtlichen Beredsamkeit.
+Mit einem Wort, Liebe und unberedte Einfalt reden für mich am
+verständlichsten. (Philostratus kömmt.)
+
+Philostratus.
+Der Prologus ist fertig, wenn es Euer Hoheit gefällt.
+
+Theseus.
+Laßt ihn auftreten.
+
+
+
+Zweyter Auftritt.
+(Squenz tritt als Vorredner auf.)
+
+
+Vorredner.
+Wenn wir mißfallen thun, so ist's mit gutem Willen;
+Der Vorsaz bleibet gut, wenn wir ihn nicht erfüllen;
+Zu zeigen unsre Pflicht durch dieses kurze Spiel,
+Das ist der wahre Zwek von unserm End und Ziel.
+Erwäget also dann, warum wir kommen fein.
+Wir kommen nicht, als sollt ihr euch daran ergözen
+Die wahre Absicht ist--zu eurer Lust allein
+Wir sind nicht hier--daß wir in Reu euch sezen.
+Die Spieler sind bereit--wenn ihr sie werdet sehen,
+So wißt ihr alles schon, was ihr nur wollt verstehen.
+
+Theseus.
+Dieser Bursche geht nicht auf Stelzen.
+
+Lysander.
+Er hat seinen Prologus geritten, wie ein junges Füllen; er weiß
+noch nicht, wo er Halt machen soll. Eine gute Moral, Mylord. Es
+ist nicht genug daß man rede, man muß auch wahr reden.
+
+Hippolita.
+In der That, er hat auf seinem Prologus gespielt, wie ein Kind auf
+der Flöte; er brachte wol einen Ton heraus, aber keine Note.
+
+Theseus.
+Seine Rede war wie eine verwikelte Kette, alles zusammenhängend,
+aber alles in Unordnung. Wo ist nun der folgende? (Pyramus und
+Thisbe, Wand, Monschein und Löwe treten als stumme Personen auf.)
+
+Vorredner.
+Was diß bedeuten soll, das wird euch wundern müssen,
+Bis Wahrheit alle Ding stellt an das Licht herfür.
+Der Mann ist Pyramus, wofern ihr es wollt wissen,
+Und diese Fräulein schön, ist Thisbe, glaubt es mir.
+Der Mann mit Pflaster hier und Leimen soll bedeuten
+Die Wand, die garst'ge Wand, die ihre Lieb thät scheiden;
+Doch freut es sie, drob auch sich niemand wundern soll,
+Wenn durch die Spalten klein sie konnten flüstern wol.
+Der Mann da mit Latern, und Hund, und Busch von Dorn
+Den Monschein präsentiert; denn wenn ihr's wollt erwägen,
+Beym Monschein hatten die Verliebten sich geschwohr'n,
+Zu geh'n nach Nini Grab, und dort der Lieb' zu pflegen.
+Diß gräßlich wilde Thier, von Namen Löwe groß,
+Die treue Thisbe die des Nachts zuerst gekommen,
+Thät scheuchen ja vielmehr erschreken, daß sie bloß
+Den Mantel fallen ließ und blutt die Flucht genommen;
+Drauf dieser schnöde Löw in seinen Rachen nahm,
+Und ließ mit Blut beflekt den Mantel lobesam.
+Sofort kömmt Pyramus, ein Jüngling wolgemuth,
+Findt seiner Thisbe treu ihr'n Mantel voller Blut,
+Worauf er mit dem Deg'n, mit blut'gem bösem Degen,
+Die blut'ge heisse Brust sich dapferlich durchstach;
+Und Thisbe, die indeß im Maulbeer-Schatten g'legen,
+Zog seinen Dolch heraus und sich das Herz zerbrach.
+Was noch zu sagen ist, das wird, glaubt mir fürwahr,
+Euch Mondschein, Wand und Löw, und das verliebte Paar,
+Der Läng' und Breite nach, so lang sie hier verweilen,
+Erzählen, wenn ihr wollt, in wolgereimten Zeilen.
+
+(Alle treten ab, bis auf Wand.)
+
+Theseus.
+Mich wundert, ob der Löwe reden wird?
+
+Demetrius.
+Warum nicht ein Löwe, Mylord, da Esel reden können?
+
+Wand.
+In dem besagten Spiel es sich zutragen thut,
+Daß ich, Tom Schnauz genannt, die Wand vorstelle gut,
+Und eine solche Wand, wovon ihr solltet halten,
+Sie sey durch einen Schliz, recht durch und durch gespalten:
+Wodurch denn Pyramus und seine Thisbe fein
+Oft flüsterten fürwahr ganz leis' und ingeheim.
+Der Merdel, und der Leim, und dieser Stein thut zeigen,
+Daß ich bin diese Wand, ich will's euch nicht verschweigen.
+Und diß die Spalte ist, zur Linken und zur Rechten,
+Wodurch die Buhler zwey sich thäten still besprechen.
+
+Theseus.
+Könntet ihr fodern, daß Leim und Haar besser sprechen sollten?
+
+Demetrius.
+Mylord, es ist die sinnreichste Erfindung, von der ich jemals
+gehört habe.
+
+Theseus.
+Pyramus nähert sich der Wand; stille! (Pyramus tritt auf.)
+
+Pyramus.
+O Nacht so schwarz von Farb! o grimmerfüllte Nacht!
+O! Nacht als jemals schien, wenn es nicht Tag mehr war!
+O Nacht, o Nacht, o Nacht! ach! ach! ach, Himmel, ach!
+Ich fürcht' mein' Thisbe hat ihr Wort vergessen gar!
+Und du, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,
+Die zwischen unsrer bey--der Eltern Haus thut stehen,
+Du Wand, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand,
+Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen,
+Hab Dank, du gute Wand! Der Himmel lohn' es dir!
+Jedoch was seh' ich dort? Thisbe die seh' ich nicht.
+O böse Wand, durch die ich nicht seh' meine Zier!
+Verflucht sey'n deine Stein! daß du so äffest mich!
+
+Theseus.
+Mich dünkt, die Wand sollte wieder zurük fluchen, weil sie
+empfindlich ist.
+
+Pyramus.
+Nein, fürwahr, Herr, sie muß nicht. Äffest mich, ist Thisbes
+Merkwort; sie wird gleich kommen, und ich muß sie durch die Wand
+ausspähen. Ihr werdet sehen, es wird gerade so gehen, wie ich euch
+sage. Da kömmt sie schon. (Thisbe tritt auf.)
+
+Thisbe.
+O Wand, oft hast du schon gehört das Seufzen mein,
+Mein'n schönsten Pyramus weil du so trennst von mir!
+Mein rother Mund hat oft geküsset deine Stein,
+Dein' Stein' mit Haar und Leim geküttet auf in dir.
+
+Pyramus.
+Ein' Stimm' ich sehen thu, ich will zur Spalt' und schauen,
+Ob ich nicht hören kan mein'r Thisbe Antliz klar.
+Thisbe!
+
+Thisbe.
+Diß ist mein Schaz! Mein Liebchen ists! fürwahr.
+
+Pyramus.
+Denk was du willt, ich bin's; du kanst mir sicher trauen.
+Und gleich Limander bin ich treu nach meiner Pflicht.
+
+Thisbe.
+Und ich gleich Helena, bis mich der Tod ersticht.
+
+Pyramus.
+So treu war Schefelus zu seiner Procrus nicht!
+
+Thisbe.
+Wie Procrus Scheflus liebt', lieb' ich dein Angesicht.
+
+Pyramus.
+O küß mich durch das Loch von dieser garst'gen Wand!
+
+Thisbe.
+Mein Kuß trift nur das Loch, nicht deiner Lippen Rand.
+
+Pyramus.
+Willt du bey Ninnys Grab heut Nacht mich treffen an.
+
+Thisbe.
+Sey's lebend oder todt, ich komme wenn ich kan.
+
+Wand.
+So hab ich Wand nunmehr mein'n Part gemachet gut,
+Und nun sich also Wand hinwegbegeben thut.
+
+(Geht ab.)
+
+Theseus.
+So ist die Scheidwand zwischen beyden Nachbarn auf einmal gefallen.
+
+Demetrius.
+Kein Wunder, Mylord, da sie so willig war, sich aufzurichten.
+
+Hippolita.
+Elenderes Zeug hab ich niemals gehört.
+
+Theseus.
+Das Beste in dieser Art ist nur Schatten; und das Schlechteste ist
+nicht schlechter, wenn ihm die Einbildungskraft nachhilft.
+
+Hippolita.
+So muß es also eure Einbildungskraft seyn, nicht die ihrige.
+
+Theseus.
+Wenn wir nicht schlechter von ihnen denken als sie von sich selbst,
+so können sie für vortrefliche Leute passieren. Hier kommen zwey
+edle Bestien, in der Person eines Menschen und eines Löwen. (Löwe
+und Monschein treten auf.)
+
+Löwe.
+Ihr Fräulein, deren Herz fürchtet die kleinste Maus,
+Die in monstroser G'stalt thut an dem Boden schweben,
+Möcht izo zweifelsohn erzittern und erbeben,
+Wenn Löwe rauh von Wuth läßt sein Gebrüll heraus.
+So wisset dann, daß ich Hans Schnok, der Schreiner bin,
+Kein böser Löw fürwahr noch eines Löwen Weib;
+Denn käm' ich als ein Löw und hätte Harm im Sinn,
+So daurte, meiner Treu! mich nur mein g'rader Leib.
+
+Theseus.
+Eine höfliche Bestie, und recht gewissenhaft.
+
+Lysander.
+Dieser Löwe ist ein vollkommener Fuchs an Herzhaftigkeit.
+
+Theseus.
+Das ist wahr, und eine Gans an Discretion.
+
+Demetrius.
+Nicht so, Mylord, denn seine Herzhaftigkeit kan seiner Discretion
+nicht Meister werden, wie ein Fuchs einer Gans.
+
+Theseus.
+Ohne Zweifel kan seine Discretion seine Herzhaftigkeit nicht
+bemeistern, denn eine Gans bemeistert keinen Fuchs. Gut! wir
+wollen seine Discretion davor sorgen lassen, und izt hören, was uns
+der Mond zu sagen hat.
+
+Mondschein.
+Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt.
+
+Demetrius.
+Er sollte die Hörner an seiner Stirne tragen.
+
+Theseus.
+Er ist nicht im Zunehmen; seine Hörner steken unsichtbar in der
+Peripherie.
+
+Mondschein.
+Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt,
+Ich selbst den Mann im Mond, wofern es euch beliebt.
+
+Theseus.
+Das ist noch der gröste Fehler unter allen; man hätte den Mann in
+die Laterne sezen sollen; wie kan er sonst der Mann im Monde seyn?
+
+Demetrius.
+Er darf es nicht wegen der Kerze; Ihr sehet ja, daß sie schon
+lauter Buzen ist.
+
+Hippolita.
+Dieser Mond macht mir lange Weile; ich wollte, er änderte sich.
+
+Theseus.
+Man sieht an seinem bescheidnen Licht, daß er im Abnehmen ist; aus
+Höflichkeit und von rechtswegen müssen wir nun schon das Ende
+abwarten.
+
+Lysander.
+Komm besser hervor, Mond!
+
+Mondschein.
+Alles was ich zu sagen habe, ist euch zu melden, daß diese Laterne
+der Mond ist; ich, der Mann im Mond, dieser Dornbusch, mein
+Dornbusch, und dieser Hund, mein Hund.
+
+Demetrius.
+Alle diese Dinge sollten also in der Laterne seyn. Doch stille,
+hier kömmt Thisbe. (Thisbe tritt auf.)
+
+Thisbe.
+Diß ist ja Ninnys Grab, wo ist mein Liebchen dann?
+
+Löwe.
+Oh!--
+
+(der Löwe brüllt, Thisbe läuft davon.)
+
+Demetrius.
+Wol gebrüllt, Löwe.
+
+Theseus.
+Wol geloffen, Thisbe.
+
+Hippolita.
+Wol geschienen, Mond. In der That, der Mond scheint mit einer
+recht guten Art.
+
+Demetrius.
+Und da kam Pyramus.
+
+Lysander.
+Und da verschwand der Löwe. (Pyramus tritt auf.)
+
+Pyramus.
+Ich dank dir, süsser Mond, für deine Sonnenstralen,
+Die also hell und schön den Erdenball bemahlen;
+Dieweil bey deinem Gold und funkelnd süssem Licht
+Zu kosten ich verhoff mein'r Thisbe Angesicht.
+
+Doch halt! o Pein!
+Was soll diß seyn?
+Was für ein Graus ist diß?
+Aug, siehst du noch?
+O! schweres Joch!
+Mein Herz, mein Liebchen süß,
+Dein Mantel gut,
+Beflekt mit Blut!
+Ihr Furien kommt in Trab,
+Herbey und rächt
+Und löscht und brecht
+Den Lebensfaden ab!
+
+Theseus.
+Diese Leidenschaft und der Tod eines werthen Freundes, würden nahe
+zu hinreichen, einen Mann finster sehen zu machen.
+
+Hippolita.
+Ich möchte mir selbst Böses wünschen, daß ich mich nicht verwahren
+kan, den Mann zu bedauern.
+
+Pyramus.
+Warum denn, o Natur, thätst du den Löwen bauen?
+Weil solch ein schnöder Löw mein' Lieb' hat defloriert;
+Sie welche ist--Nein! war--die schönste aller Frauen,
+Die je des Tages Glanz mit ihrem Schein geziert.
+
+Komm, Thränenschaar,
+Aus, Schwerdt, durfahr
+Die Brust des Pyramo!
+Die Linke hier,
+Wo s'Herz hüpft mir,
+So sterb' ich denn, So, so!
+Nun bin ich tod,
+Aus ist die Noth,
+Mein' Seel im Himmel lacht;
+Verliehr dein'n Schein,
+O Zunge mein,
+Flieh' Mond; gut Nacht, gut Nacht!
+
+Demetrius.
+So stirb dann, oder ein Aß für ihn, denn er ist doch eines.
+
+Lysander.
+Minder als ein Aß, Mann; denn er ist todt; er ist nichts.
+
+Theseus.
+Mit Hülfe eines Barbiers möchte er vielleicht noch aufkommen, und
+ein Aß werden.
+
+Hippolita.
+Wie? der Mondschein ist gegangen, eh Thisbe zurük kömmt, und ihren
+Liebhaber findet. (Thisbe kömmt.)
+
+Theseus.
+Sie wird ihn beym Sternenlicht finden. Hier kömmt sie, und ihre
+Passion endet das Spiel.
+
+Hippolita.
+Mich dünkt, sie sollte keine lange für einen solchen Pyramus nöthig
+haben; ich hoffe sie wird kurz seyn.
+
+Thisbe. Schläfst du, mein Kind?
+Steh auf geschwind!
+Wie? Täubchen, bist du todt?
+O! Sprich, o sprich!
+O! rege dich!
+Ach! todt ist er! O Noth!
+Dein Lilien-Mund,
+Dein Auge rund,
+Wie Schnittlauch frisch und grün,
+Dein Kirschen-Nas'
+Dein' Wangen blaß
+Die wie ein Goldlak blüh'n,
+Soll nun ein Stein
+Bedeken fein,
+O klopf, mein Herz, und brich!
+Ihr Schwestern drey
+Kommt, kommt herbey,
+Und leget Hand an mich!
+Schweig, Zunge still,
+Komm, Schwerdt, und ziel
+Nach meines Busens Schnee;
+So fahr ich hin
+Mit treuem Sinn,
+Adieu, adieu, adieu!
+
+(stirbt.)
+
+Theseus.
+Monschein und Löwe sind noch übrig, die Todten zu begraben.
+
+Demetrius.
+Ja, und (Wand) auch.
+
+Zettel.
+Nein, ich versichre euch, die Wand ist niedergerissen, die ihrer
+Väter Häuser trennte. Gefällt es euch den Epilogus zu sehen, oder
+einen Bergomasker-Tanz zwischen zween aus unsrer Companie zu hören?
+
+Theseus.
+Keinen Epilogus, wenn ich bitten darf. Euer Schauspiel bedarf
+keiner Entschuldigung. Keine Entschuldigung! Denn wenn die
+Schauspieler alle todt sind, so hat man nicht nöthig jemand zu
+tadeln. Wahrhaftig, wenn der Autor dieses Stüks den Pyramus
+gemacht, und sich selbst an Thisbes Strumpfband erhenkt hätte, so
+wäre es eine feine Tragödie gewesen; und das ist es auch, in der
+That, und auf eine recht merkwürdige Art vorgestellt. Aber kommt,
+euer Ballet; laßt euern Epilogus nur weg.
+
+(Hier folgt ein Tanz von Bauern.)
+
+Theseus.
+Schon hat die eiserne Zunge der Mitternacht zwölfe geruffen. Ihr
+Liebhaber, zu Bette! Es ist schon Feen-Zeit. Ich fürchte, wir
+werden den nächsten Morgen verschlaffen, wie wir diese Nacht
+verwacht haben. Dieses handgreiflich-dumme Schauspiel hat uns doch
+den schweren Gang der Nacht unmerklich gemacht. Zu Bette, lieben
+Freunde. Vierzehn solche Nächte sollen noch mit nächtlichen
+Spielen, und immer ändernden Lustbarkeiten zugebracht werden.*
+
+{ed.-* Hier folget im Original noch ein kleiner Feen-Auftritt, wo Puk
+zuerst mit einem Besem erscheint, um das Haus zuvor auszukehren,
+Oberon und Titania aber mit ihrem Gefolge dasselbe durchtanzen, und
+durch einen Gesang einsegnen. Es ist mir unmöglich gewesen, diese
+Scene, welche ohnehin bloß die Stelle eines Divertissement vertritt,
+in kleine gereimte Verse zu übersezen; in Prosa aber, oder in
+einer andern Versart als in kleinen Jamben und Trochäen, würde sie
+das tändelnde und Feen-mässige gänzlich verlohren haben, das alle
+ihre Anmuth ausmacht.}
+
+
+Ein St. Johannis Nachts-Traum, von William Shakespeare
+(Übersetzt von Christoph Martin Wieland).
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Ein St. Johannis Nachts-Traum
+by William Shakespeare
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK EIN ST. JOHANNIS NACHTS-TRAUM ***
+
+This file should be named 7264-8.txt or 7264-8.zip
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+This eBook was produced by Delphine Lettau
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+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+https://gutenberg.org or
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+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03
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+Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
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+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
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+We need your donations more than ever!
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+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
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+that have responded.
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+will be made and fund raising will begin in the additional states.
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+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
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+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
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+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
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+made and fund-raising will begin in the additional states.
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