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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Deutsche Nordseeküste - Friesische Inseln und Helgoland. - -Author: Hippolyt Haas - -Release Date: January 30, 2023 [eBook #69903] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Marc-André Seekamp and the Online - Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This - file was produced from images generously made available by - The Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE NORDSEEKÜSTE *** - - +------------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Gesperrter Text ist als ¯gesperrt¯ dargestellt, Antiquaschrift | - | als ~Antiqua~. | - | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | - +------------------------------------------------------------------+ - - - Land und Leute - - - Monographien zur Erdkunde - - - Land und Leute - - Monographien zur Erdkunde - - - In Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten - - herausgegeben von - - A. Scobel - - - ~VIII.~ - - - - - Deutsche Nordseeküste - - Friesische Inseln und Helgoland. - - - Bielefeld und Leipzig - - Verlag von Velhagen & Klasing - - 1900 - - - - - Deutsche - Nordseeküste - - Friesische Inseln und Helgoland. - - - Von - - - Professor ~Dr.~ H. Haas - - - ¯Mit 166 Abbildungen nach photographischen Aufnahmen - und einer farbigen Karte.¯ - - [Illustration] - - - Bielefeld und Leipzig - - ¯Verlag von Velhagen & Klasing¯ - 1900 - - - ¯Alle Rechte vorbehalten.¯ - - - Druck von Fischer & Wittig in Leipzig. - - - - -Inhalt. - - - Seite - - I. Allgemeines 3 - - II. Etwas von der Nordsee 5 - - III. Geologisches 17 - - IV. Sturmfluten 26 - - V. Land und Leute 39 - - VI. Geschichtliches 58 - - VII. Von Husum nach Tondern und an die Grenze Jütlands 62 - - VIII. Die nordfriesischen Inseln 74 - - IX. Eiderstedt 98 - - X. Die schleswig-holsteinische Westküste von der Eider - bis Hamburg-Altona 102 - - XI. Hamburg-Altona 114 - - XII. Helgoland 129 - - XIII. Die Marschlande am linken Elbufer 137 - - XIV. Das Geestland zwischen Unterelbe und Unterweser 142 - - XV. Bremen und die Marschlande am rechten Ufer der Weser 147 - - XVI. Das Küstengebiet Oldenburgs und Ostfrieslands. - Die ostfriesischen Inseln 158 - - * * * * * - - Litteratur 172 - - Register 173 - - -[Illustration: Abb. 1. ¯Helgoland. Unterland und die Düne.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - - -[Illustration: Abb. 2. ¯Strand von Wyk auf Föhr¯. - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - - - - -Deutsche Nordseeküste. - - - Thalatta, Thalatta! - Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer! - Sei mir gegrüßt viel tausendmal - Aus jauchzendem Herzen, - Wie einst dich begrüßten - Zehntausend Griechenherzen, - Unglückbekämpfende, heimatverlangende, - Weltberühmte Griechenherzen. - - Sei mir gegrüßt, du ewiges Meer, - Wie Sprache der Heimat rauscht mir dein Wasser, - Wie Träume der Kindheit seh’ ich es flimmern - Auf deinem wogenden Wellengebiet. -- - - (H. ¯Heine¯.) - - - - -~I.~ - -Allgemeines. - - -Thalatta, Thalatta! - -Gekannt hatte ich ihn zwar schon von meinen Schülerzeiten her, den -Freudenruf der Zehntausend, die nach langem Umherstreifen in der -Fremde den wogenden Ocean wieder erblicken durften. Gekannt wohl, -aber nachempfunden? Nein! Man wird’s wohl bei den Tertianern einer -Gelehrtenschule in einer weit von den Gestaden der See belegenen -Binnenstadt verzeihlich finden, daß ihnen das nötige Verständnis -für den Jubelschrei der griechischen Söldner und noch für sonstige -andere Schönheiten in des Xenophon Anabasis gemangelt hat. Das lag -so in der Natur der Sache, und die Gründe dafür mögen hier besser -nicht erörtert werden. Viele Jahre später aber, an einem hellen und -sonnigen Junimorgen, sollte mir dieses Verständnis für den Erlösungsruf -des umherirrenden Griechenvolkes desto gewaltiger aufgehen, und -sicherlich mit nicht geringerer Ergriffenheit, als des jüngeren Cyrus -Waffengefährten sie vor Zeiten hinausgeschmettert haben in die schöne -Gottesnatur, hat auch mein Mund damals die Worte hervorgestammelt: -„Thalatta, Thalatta!“ - -[Sidenote: Einleitung.] - -Auf den Höhen des roten Kliffs bei Wenningstedt auf der Insel Sylt -ist’s gewesen, als ich zum erstenmal die brausende Nordsee erblickte -(Abb. 3). In meinem Leben habe ich viel Schönes gesehen und manches -herrliche Landschaftsbild im Norden und Süden, im Westen und Osten -bewundert. Nichts aber von dem allem hat mir jemals wieder einen so -großartigen Eindruck gemacht, nichts meine Sinne wieder in solchem -Maße gefangen genommen, als diese meine erste Bekanntschaft mit dem -brandenden und tosenden nordischen Meere. Noch ebenso lebendig, als ob -es gestern gewesen wäre, steht heute, nach mehr als zwanzig Jahren, -jenes herrliche Bild in meiner Erinnerung. Vor mir am Rande des steil -wie eine Mauer abfallenden Kliffs die stark bewegte, wild aufschäumende -See, zu meinen Füßen das lang dahingestreckte, wie ein Schild gegen den -unermeßlichen Ocean vorgeschobene Eiland mit seinen weiß schimmernden -Dünenketten, seinen freundlichen Dörfern und seiner braunen Heide, -im Norden die klargezeichnete Insel Röm, tief am südlichen Horizont -der Leuchtturm von Amrum und die Umrisse von Föhr, und hinter mir die -grauen, schlammigen Fluten des Wattenmeeres, begrenzt im fernen Osten -von der nur leicht angedeuteten Küstenlinie Schleswigs. Und das alles -beschienen von der warmen Sonne eines schönen nordischen Sommertages, -während um mich herum die Bienen summten und die Möven in den Lüften -umherflogen, fürwahr ein Bild, an dem sich mein schönheitstrunkenes -Auge nicht genugsam satt sehen konnte! Ganz im fernen Westen aber, auf -den Wellen schaukelnd und nicht größer als wie Nußschalen erscheinend, -die rauchenden und hochmastigen Panzerkolosse unserer zu jenen Zeiten -noch in ihren Kinderschuhen steckenden deutschen Flotte, die auf einer -Übungsfahrt in den heimischen Gewässern begriffen waren. - -Nichts von der leuchtenden Farbenpracht, welche den blauen Spiegel -des Mittelmeeres verklärt, nichts von der Lieblichkeit und Anmut der -vom Schatten der Buchenwälder und vom schwellenden Grün der Wiesen -umrahmten Ostsee zeigen die Gestade des nordischen Meeres. Grau in -grau, nur selten unbewegt und meist gepeitscht von schäumenden Wellen -liegt es da. Keine großen Städte, keine üppigen Fluren spiegeln sich -in seinen Fluten, allein der von einer dünnen Grasnarbe bewachsene -Deich oder der blinkende weiße Sand der Dünen rahmen seine weiten -Ufer ein. Eine gewisse Öde und Einförmigkeit schwebt auf dem Wasser, -aber eine Öde und Einförmigkeit, welchen der Stempel der Erhabenheit -und Gewaltigkeit aufgeprägt ist. Wie ein überirdischer Schimmer, -wie ein mystischer Schleier liegt’s über dem Gebrüll und Getobe der -Nordseewellen. Freilich, die menschliche Sprache ist zu arm, um das in -Worten ausdrücken zu können, aber die Tonkunst vermag’s. Einer ihrer -größten Meister hat es fertig gebracht, den Zauber, den die Nordsee -auf ihren Beschauer ausübt, in Töne zu bannen: Richard Wagner in den -gespensterhaften Akkorden seiner Einleitung zum Fliegenden Holländer. -Ob sie mit ihrer wellendurchfurchten Fläche im Sonnenschein daliegt, ob -das scheidende Abendrot sie rosig erglühen läßt, oder ob aus schwarzer -Wolkenwand der zackige Wetterstrahl rasch aufleuchtet über das wüste, -wogende Wasser, wenn der Donner weithin rollt und des Boreas weiße -Wellenrosse dahinspringen, die Nordsee bleibt sich doch immer gleich -in ihrer eigenartigen Pracht, ein Abglanz der Unendlichkeit und der -Allmacht Dessen, der sie ins Dasein gerufen hat. - -Goethe hat einmal gesagt: „Das freie Meer befreit den Geist.“ Wohl -auf wenige Stellen auf unserem Planeten dürfte dieses Wort bessere -Anwendung finden, als auf dasjenige Gebiet, dessen Beschreibung dieses -Büchlein gewidmet ist. Die Unbeugsamkeit und der Freiheitsdrang des -steifnackigen Friesenvolkes, das seine Wohnplätze an den Ufern der -Nordsee hat, sie sind zweifellos Produkte jenes fortgesetzten und -harten Kampfes, den es seit mehr denn zweitausend Jahren mit den wilden -Meeresfluten um seine Heimat führen mußte. Denn nur durch unausgesetzte -Anstrengungen sind die Bewohner der Nordseeküste im stande gewesen, das -ihnen von der Vorsehung angewiesene Land dem Meere abzugewinnen und -dasselbe vor dem Untergang zu bewahren. - - ~Deus mare, Friso litora fecit~, - -so lautet ein alter stolzer Spruch des friesischen Stammes. Seine -Richtigkeit werden wir im Verlaufe der nun folgenden Schilderungen -kennen lernen, zugleich aber auch die Wahrheit der Verse vom alten -Vater Homer: - - Denn nichts Schrecklicheres ist mir bekannt, - als die Schrecken des Meeres. - -Ist doch die Nordsee zugleich auch eine Mordsee! - - - - -~II.~ - -Etwas von der Nordsee. - - - „Das Meer ist der Raum der Hoffnung - Und der Zufälle launisch Reich: - Wie der Wind mit Gedankensschnelle - Läuft um die ganze Windesrose, - Wechseln hier des Geschickes Lose, - Dreht das Glück seine Kugel um: - Auf den Wellen ist alles Welle, - Auf dem Meer ist kein Eigentum.“ - - (¯Schiller.¯) - -[Sidenote: Grenzen der Nordsee.] - -Unter allen Meeresräumen unserer Erde nimmt die Nordsee insofern eine -Ausnahmestellung ein, als ihre Grenzen genau so wie die politischen -Areale der civilisierten Welt auf diplomatischem Wege vereinbart -und festgesetzt sind. Das ist in dem internationalen Vertrage zu -Haag geschehen, der am 6. Mai 1882 von den sechs Nordseemächten: -Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden und -Dänemark über die polizeiliche Regelung der Fischerei in der Nordsee -außerhalb der Küstengewässer abgeschlossen wurde. - -[Illustration: Abb. 3. ¯Rotes Kliff bei Wenningstedt.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -Nach den Bestimmungen dieses Vertrages werden die Grenzen der Nordsee -gebildet: - -im Norden: durch den 61. Grad nördl. Breite, - -im Osten und im Süden: - - 1. durch die norwegische Küste zwischen dem 61. Grade nördl. Breite - und dem Leuchtturm von Lindesnäs (Norwegen), - - 2. durch eine gerade Linie, die man sich von dem Leuchtturm von - Lindesnäs (Norwegen) nach dem Leuchtturm von Hanstholm (Dänemark) - gezogen denkt, - - 3. durch die Küsten Dänemarks, Deutschlands, der Niederlande, Belgiens - und Frankreichs bis zum Leuchtturm von Gris-Nez (Frankreich); - -im Westen: - - 1. durch eine gerade Linie, die man sich vom Leuchtturm von Gris-Nez - (Frankreich) nach dem östlichen Feuer von South Foreland (England) - gezogen denkt, - - 2. durch die Ostküsten von England und Schottland, - - 3. durch eine gerade Linie, welche Duncansby Head (Schottland) mit - der Südspitze von South Ronaldsha (Orkneyinseln) verbindet, - - 4. durch die Ostküsten der Orkneyinseln, - - 5. durch eine gerade Linie, welche das Feuer von North Ronaldsha - (Orkneyinseln) mit dem Feuer von Sumburgh Head (Shetlandinseln) - verbindet, - - 6. durch die Ostküsten der Shetlandinseln, - - 7. durch den Meridian des Feuers von North Unst (Shetlandinseln) bis - zum 61. Grad nördl. Breite. - -[Illustration: Abb. 4. ¯Rettungsstation „Borkum Süd“.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Der deutsche Anteil an der Nordsee.] - -Der deutsche Anteil der Nordseeküste gleicht in seiner Grundform einem -rechten Winkel, dessen Scheitel etwa bei Brunsbüttel an der Elbe zu -suchen ist, und dessen beide Schenkel gleiche Länge besitzen, und -einerseits bei Borkum, andererseits bei Hvidding in Nordschleswig -endigen. Ihr westlichster Punkt ist die Westspitze der äußersten -der ostfriesischen Inseln, des Eilands Borkum, der unter 6° 40′ -östl. Länge und 53° 35′ nördl. Breite liegt, ihr nördlichster ist -da zu suchen, wo die deutsch-dänische Grenze zwischen dem dänischen -Grenzorte Vester-Vedstedt und dem deutschen Dorfe Endrup bei Hvidding -in Nordschleswig das Wattenmeer erreicht, und zwar unter 8° 40′ -östl. Länge und 55° 17′ nördl. Breite. Der südlichste Punkt der -deutschen Nordseeküste ist zugleich der südlichste des deutschen -Dollartufers, da, wo die deutsche Westgrenze den Dollart erreicht, an -der Mündung des Grenzflüßchens zwischen Deutschland und Holland, der -Westerwoldschen Aa, und befindet sich unter 7° 13′ östl. Länge und 53° -14′ nördl. Breite. Als der östlichste Punkt präsentiert sich Meldorf in -Ditmarschen unter 9° 2′ östl. Länge und 54° 29′ nördl. Breite. - -Zwei Inselguirlanden umsäumen das deutsche Nordseegestade, und auf -diese Weise entsteht eine Doppelküste, deren innerer Teil von der -eigentlichen Festlandsküste gebildet wird, während der äußere der -Inselküste mit der Westspitze von Borkum und der Nordspitze von Röm als -Eckpfeiler angehört. - -[Illustration: Abb. 5. ¯Boot zu Wasser.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -Der nordsüdlich verlaufende Teil unseres Küstengebietes zeigt in -seiner nördlichen Hälfte drei Einbuchtungen, diejenige von Husum, -von Tönning und von Meldorf, denen die Halbinseln Eiderstedts, der -Landschaft Wesselburen und Dieksands entsprechen. Die Buchten des -Dollart und der Jade und die Mündungen der Weser und der Elbe gliedern -den ostwestlich verlaufenden Küstenteil. - -[Sidenote: Gezeiten und Strömungen.] - -Eine selbständige Flutwelle besitzt die Nordsee bekanntlich nicht, -sondern ihre Gezeitenbewegung erhält sie durch zwei aus dem -Atlantischen Ocean nördlich von Schottland und durch den Ärmelkanal -eintretende Flutwellen. So entstehen eine Anzahl von Strömungen, welche -die Gezeitenbewegungen an der Nordseeküste zu recht komplizierten -machen. Sechs Stunden braucht die Flutwelle, um von der britischen -Ostküste bis zu den nordfriesischen Inseln zu gelangen, sechs -Stunden lang läuft der Ebbestrom denselben Weg zurück. Wenn sich -der Meeresspiegel am Ostrande des Beckens hebt, sinkt er an dessen -Westrande, und umgekehrt. - -An der dem offenen Meere zugewandten deutschen Nordseeküste schwankt -der Flutwechsel zwischen 2,5 und 3,5 Meter, und wird im Mittel als -3,3 Meter angenommen. Den höchsten Betrag zeigt Wilhelmshaven mit 3,5 -Meter, dann folgen Geestemünde und Bremerhaven mit 3,3 Meter, Brake mit -3 Meter, Emden mit 2,8 Meter, Borkum und Wangeroog mit 2,5 Meter u. -s. f. Das Minimum aller unmittelbar am Meere gelegenen deutschen Orte -weist Helgoland aus, 2,8 Meter zur Springzeit, 1,8 Meter zur Nippzeit. - -[Illustration: Abb. 6. ¯Versandetes Wrack.¯] - -Von den Gezeiten unabhängige, also selbständige Strömungen sind -nur in demjenigen Teile der Nordsee vorhanden, in welchem die -Gezeitenerscheinungen nahezu verschwinden, kommen also für unser -Küstengebiet nicht in Betracht. In den geringen Tiefen der Nordsee, wo -die Wellenbewegung sich bis auf den Grund fortpflanzt, vermögen die -Windströmungen die ganze Wassermasse in Bewegung zu setzen. Sobald aber -der Wind wieder aufhört, müssen auch diese ganzen Wallungen derselben -wieder verschwinden. Von der Erregung beständiger Strömungen in der -mittleren Windesrichtung kann in der Nordsee keine Rede sein. Dagegen -bedingt die Gestaltung der Küsten Veränderungen des Meeresniveaus, -sobald der Wind das Wasser vor sich hertreibt, und dieser Windstau gibt -dann zu Strömungen Veranlassung, welche noch andauern können, wenn sich -die Windrichtung bereits geändert hat. - -[Sidenote: Sturmfluten.] - -Zu den charakteristischen Erscheinungen der Nordsee gehören -die Sturmfluten, die dann eintreten, wenn auf einen starken und -anhaltenden Südweststurm, der das Wasser durch den Kanal in die Nordsee -gepreßt hat, plötzlich ein Nordweststurm folgt, der die vereinigten -Wassermassen gegen die deutschen Küsten treibt. Vernichtende Wirkungen -von grausiger Art, beträchtliche Verluste an Land und Menschenleben -haben diese Sturmfluten zuweilen hervorgebracht, wenn auch diese -Verheerungen von der Sage manchmal ins Maßlose und Ungeheuerliche -übertrieben worden sind. An den Küsten, und besonders an deren sich -verengenden Winkeln und Buchten steigt die Flut dann am höchsten. Nach -den von Eilker angestellten Untersuchungen fällt die Mehrzahl der -sämtlichen Sturmfluten, von denen man bisher überhaupt Kunde erhalten -hat, in den Monat November, etwa ein Viertel der Gesamtsumme! Dann -folgen Januar, Dezember und Oktober, die geringste Zahl zeigen Juni und -Juli. Auf die sechs Wintermonate Oktober bis März kommt eine fünfmal -größere Zahl schwererer Sturmfluten, als auf die Sommermonate. Das -wird erklärlich, wenn man bedenkt, daß es heftige Stürme, förmliche -Orkane sind, welche diese Katastrophen herbeiführen. Ungewöhnlich -heftige Stürme und Orkane sind aber weiter nichts, als abnorme -Gleichgewichtsstörungen des Luftmeeres, und die an unserer Nordseeküste -gemachten Beobachtungen zeigen, daß gerade in den Wintermonaten die -extremsten Barometerschwankungen vorkommen. Unser Gebiet ist in dem -Zeitraum von 1500–1800 durchschnittlich von 50 schweren Sturmfluten in -jedem Jahrhundert heimgesucht worden. - -[Illustration: Abb. 7. ¯Postfahrt durch das Wattenmeer im Sommer.¯] - -Weiter oben ist bereits betont worden, daß die Überlieferungen von -den durch diese Katastrophen hervorgerufenen Verheerungen in vielen -Dingen zuweilen gar sehr übertrieben sind. Ganz besonders gilt dies von -den Chronisten des Mittelalters, deren Zahl keine geringe ist. Ihre -Erzählungen bedürften daher erst einer recht gründlichen kritischen -Sichtung, bevor man dieselben als Grundlagen für eine Gesamtdarstellung -der Sturmfluten an unserer Nordseeküste benutzen könnte. Für -Nordfriesland ist das durch die schönen Untersuchungen Reimer Hansens -geschehen, und es soll deshalb in einem der folgenden Abschnitte ein -kurzer Überblick über die hier in Frage kommenden Ereignisse an der -schleswig-holsteinischen Meeresküste mit eingehender Berücksichtigung -der soeben angeführten Forschungen gegeben werden. - -[Sidenote: Temperatur.] - -Die Temperatur an der Wasseroberfläche der Nordsee folgt der -Temperatur der Luft, unter Abstumpfung der Extreme, wegen der -großen Wärmeabsorption des Wassers. Die Temperaturschwankungen des -Oberflächenwassers sind in der Nähe des offenen Oceans am geringsten, -da, wo das Wasser vom Lande eingeschlossen ist, am größten, und das -Maximum der Temperatur fällt in die Mitte August, das Minimum in -die erste Hälfte des Monats März. Mit zunehmender Tiefe nehmen die -Temperaturschwankungen des Wassers ab. - -[Sidenote: Salzgehalt der Nordsee.] - -Die Schwankungen des Salzgehalts im Nordseewasser sind weniger groß -und weniger ungleichmäßig als die der Lufttemperatur folgenden -Wassertemperaturen. Im nördlichen tiefen Teil der Nordsee treffen wir -das schwerste, salzigste Wasser an, mit 3,56–3,52% Salzgehalt. - -Als dem Nordseewasser in seinem mittleren, von fremden Zuflüssen -wenig berührten Becken zukommend kann ein Salzgehalt von 3,52–3,48% -gelten. In der deutschen Bucht erleidet das Seewasser durch die -Zuflüsse der deutschen Ströme eine Verdünnung, die sich sehr weit -bemerkbar macht. Das Maximum der Dichtigkeit fällt hier in den -Sommer und Herbst, das Minimum in den Winter und in das Frühjahr, -entsprechend den schwankenden Wassermengen, welche von den Flüssen -abgeführt werden. Für die Zeit vom November bis einschließlich April -betragen die Abflußmengen der Elbe und Weser mehr als das Doppelte -(1 : 0,45) derjenigen für die Sommerzeit vom Mai bis Oktober. Die Weser -erreicht im Februar, die Elbe im März ihren höchsten, beide Flüsse im -September ihren niedrigsten Wasserstand. Für die Weser verhält sich die -Abflußmenge des wasserärmsten Monats zu der des wasserreichsten (bei -Minden) wie 1 : 4, für die Elbe (bei Torgau) wie 1 : 5,2. - -[Illustration: Abb. 8. ¯Postfahrt durch das Wattenmeer im Winter (von -Dagebüll nach Föhr).¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Folgende Jahreszeitenmittel des Salzgehaltes an der Oberfläche des -Nordseewassers sind in den Jahren 1874–1876 festgestellt worden: - - ===================================================================== - Beobachtungsort | Winter | Frühling | Sommer | Herbst | Jahr - ========================+========+==========+========+========+====== - Borkum (Feuerschiff) | 3,25 | 3,25 | 3,28 | 3,31 | 3,28 - Weser (Außenfeuerschiff)| 3,46 | 3,31 | 3,28 | 3,35 | 3,35 - Helgoland | 3,42 | 3,29 | 3,26 | 3,41 | 3,34 - List auf Sylt | 2,97 | 3,03 | 3,24 | 3,08 | 3,08 - -Nach den Mitteilungen von Arends enthalten 7680 Teile Nordseewasser: - - Chlornatrium 197,5 Teile - Chlormagnesium 28,362 " - Chlorkalium 4,446 " - Schwefelsaure Talkerde 10,2 " - Schwefelsaure Kalkerde 4,926 " - Kieselerde 0,782 " - -Nach Pfaff zerfällt der Salzgehalt des Nordseewassers, zu 3,44% -angenommen, in: - - Chlornatrium 74,20 Teile - Chlormagnesium 11,04 " - Chlorkalium 3,80 " - Bromnatrium 1,09 " - Schwefelsaurer Kalk 4,72 " - Schwefelsaure Magnesia 5,15 " - -Der starke Salzgehalt und die hohe Temperatur ihres Wassers lassen -ein Zufrieren der Nordsee auf hoher See niemals zu. Dagegen sind -Eisbildungen an den Küsten und im Wattenmeer nicht selten; wir werden -noch im folgenden Gelegenheit haben, darauf zurückzukommen. Unsere Abb. -7 u. 8 veranschaulichen die besonders im Winter erhöhte Schwierigkeit -des Verkehrs im Wattenmeer. - -[Illustration: Abb. 9. ¯Eine Hallig bei Sturmflut.¯] - -[Sidenote: Deutsche Nordseeschiffahrt.] - -Bezüglich der dem deutschen Küstengebiete der Nordsee zugehörigen -Schiffe mögen hier einige genaue Mitteilungen gemacht werden. Dieselben -sind der Statistik des Deutschen Reiches entnommen und gelten für -den 1. Januar 1897. An diesem Tage waren in den Häfen des gesamten -deutschen Nordseegebietes beheimatet: - - 2043 Segler mit 550258 Registertonnen - br. Rauminh. - - 737 Dampfer " 1200348 Registertonnen - br. Rauminh. - ------------------------------------------------ - Zus.: 2780 Seeschiffe mit 1750606 Registertonnen - br. Rauminh. - -Auf die einzelnen Teile der Nordseeküste verteilen sich diese Zahlen -wie folgt: - -Nordseeküste Schleswig-Holsteins: - - 383 Segler mit 16985 Rt. br. - 29 Dampfer " 10608 " " - ----------------------------------- - Zus.: 412 Schiffe mit 27593 Rt. br. - -Hamburg und die zu diesem Freistaat gehörigen Häfen: - - 430 Segler mit 205842 Rt. br. - 388 Dampfer " 764146 " " - ------------------------------------ - Zus.: 818 Schiffe mit 969988 Rt. br. - -Provinz Hannover, u. zw. Elbe- und Wesergebiet: - - 422 Segler mit 17843 Rt. br. - 51 Dampfer " 30468 " " - ----------------------------------- - Zus.: 473 Schiffe mit 48311 Rt. br. - -Freie Stadt Bremen: - - 221 Segler mit 199982 Rt. br. - 218 Dampfer " 369072 " " - ------------------------------------ - Zus.: 439 Schiffe mit 569054 Rt. br. - -Großherzogtum Oldenburg: - - 219 Segler mit 78063 Rt. br. - 19 Dampfer " 11303 " " - ----------------------------------- - Zus.: 238 Schiffe mit 89366 Rt. br. - -Provinz Hannover, u. zw. Emsgebiet und Regierungsbezirk Aurich: - - 365 Segler mit 31010 Rt. br. - 23 Dampfer " 3305 " " - ----------------------------------- - Zus.: 388 Schiffe mit 34315 Rt. br. - -[Illustration: Abb. 10. ¯Eine Halligwerft nahe vor dem Einsturz -(Langeneß).¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -[Sidenote: Schiffsunfälle.] - -In betreff der Schiffsunfälle, welche etwa durchschnittlich in -Jahresfrist auf der 295 Seemeilen langen Küstenstrecke des deutschen -Nordseegebietes stattfinden, geben die Mitteilungen des kaiserlichen -statistischen Amtes ebenfalls interessante Aufschlüsse. - -Die Aufstellung für das Jahr 1896 weist aus: - - 51 Strandungen, - 7 Kentern, - 5 Sinken, - 65 Kollisionen, - 37 andere Unfälle. - ---------- - Zusammen: 165 Unfälle. - -Der Verlust an Schiffen betrug 31, Verluste an Menschenleben werden 22 -verzeichnet. - -Diese Zahlen beziehen sich natürlich nicht nur auf deutsche Schiffe -allein, sondern auch auf solche anderer seefahrender Nationen, also -auf sämtliche Schiffsunfälle an der deutschen Nordseeküste überhaupt. -Betrachten wir die Verunglückungen, die nur deutsche Schiffe betroffen -haben, so finden wir in der Statistik für das Jahr 1896 folgende Daten: - -Der Gesamtverlust an deutschen Schiffen in sämtlichen Meeren dieser -Erde zusammen betrug 79. Darunter befanden sich 35 Strandungen und 10 -verschollene Schiffe. - -[Illustration: Abb. 11. ¯Grab Theodor Storms in Husum.¯ - -(Nach einer Photographie von Hans Breuer in Hamburg.)] - -Auf das Gebiet der Nordsee mit dem Skagerak fallen hiervon: 28 -Schiffe mit 36 verlorenen Menschenleben, auf dasjenige der Ostsee, -einschließlich der Belte, des Sundes und des Kattegats: 20 Schiffe mit -20 verlorenen Menschenleben! - -Auch in Bezug auf die Verluste an Schiffen und Menschenleben, mit -welchen die Schiffsunfälle verbunden waren, steht das deutsche -Nordseegebiet dem Ostseegebiet im Verhältnis zu seiner Küstenlänge -bedeutend voran. Besonders stark ist dort der Verlust an Schiffen und -Menschenleben im Küstengebiet zwischen Eider und Elbe mit den Mündungen -und Gebieten dieser Flüsse, an welch letzterem Küstenteile sich -zugleich der stärkste Verlust an Menschenleben zeigt. Ziemlich groß -ist auch die Zahl der verlorenen Schiffe an der Küste von Ostfriesland -mit den ostfriesischen Inseln nebst dem Dollart und dem Emsgebiet bis -Papenburg, dann im Mündungsgebiet der Weser und Jade, und schließlich -an der Westküste von Schleswig-Holstein von der dänischen Grenze bis -zur Eidermündung mit den dazu gehörigen Inseln. - -Untersucht man das Verhältnis der Totalverluste zur Gesamtzahl der -von Unfällen betroffenen Schiffe, so war im Jahre 1896 die Strecke -zwischen der dänischen Grenze und der Eidermündung die verlustreichste. -Ihr stand an Gefährlichkeit am nächsten die Küstenstrecke zwischen -Wangeroog und der niederländischen Grenze. Dann folgt das -Mündungsgebiet der Weser und Jade. Der verhältnismäßig geringste -Verlust entfiel auf die Westküste Schleswig-Holsteins zwischen Eider -und Elbe. - -[Sidenote: Deutsche Hochseefischerei.] - -Es wäre nicht angängig, von der deutschen Schiffahrt in der Nordsee -zu sprechen, ohne nicht auch etwas der im blühenden Aufschwunge -begriffenen deutschen Hochseefischerei zu gedenken. Am 1. Januar 1898 -betrug die im Dienste der deutschen Hochseefischerei stehende Flotte -der Nordsee: - -563 Fahrzeuge mit 94898 ~cbm~ Raumgehalt und 3503 Mann Besatzung. -Darunter waren 117 Dampfer mit 48027 ~cbm~ Raumgehalt und 1185 Mann -Besatzung. - -Der Wert der Hochseefischereifahrzeuge im deutschen Nordseegebiet und -ihrer Ausrüstung, unter Abrechnung von 10–25% vom Anschaffungswert -betrug für 1897 etwa 12660000 Mark. Heute kann man nach der Begründung -großer Gesellschaften für Hochseefischerei in den Jahren 1897 und 1898 -jedoch einen wesentlich höheren Kapitalsanlagewert annehmen. - -Zu den Zeiten der alten Hansa beherrschte Deutschland in Wisby, Bergen, -Schonen und vor allem in Island den Fischmarkt. Dann aber wurden die -deutschen Fischer und Händler überall von den Engländern und Schotten, -Franzosen, Holländern, Skandinaviern und Dänen zurückgedrängt. Vor -achtzig Jahren machte man in Bremen nach langer Zeit wieder einen -Versuch, die Heringsfischerei neu zu beleben, doch konnte sich die zu -diesem Behufe gegründete Aktiengesellschaft nicht lange halten, weil -der Zoll für deutsche Heringe höher war als derjenige für holländische, -und so ging das Unternehmen wieder ein. Später und besonders in den -vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts wurde dann von Bremen -aus ein lebhafter Walfischfang sowohl im nördlichen wie im südlichen -Eismeer betrieben. - -[Illustration: Abb. 12. ¯Hafen von Tönning.¯ - -(Nach einer Photographie von Hans Breuer in Hamburg.)] - -[Sidenote: Hochseefischerei.] - -Im Jahre 1866 erwachte in weiteren Kreisen der Nation auch wieder -der Sinn für die Förderung der deutschen Seefischerei, und zu Beginn -der siebziger Jahre war bereits in Blankenese und Finkenwerder eine -nennenswerte Hochseefischerei im Betrieb, welche über 139 kleine Segler -mit 437 Mann Besatzung verfügen konnte und, je nach der Güte des -Jahres, Erträgnisse von 100000 bis 250000 Mark aufwies. Der eigentliche -Aufschwung der deutschen Hochseefischerei stammt jedoch erst aus -dem Ende des neunten Jahrzehnts. Wie groß dieselbe für das deutsche -Nordseegebiet zur Stunde schon geworden ist, das haben wir weiter oben -schon gesagt. - -Bedeutende kapitalistische Hochseefischereiunternehmungen der -neueren Zeit sind die Aktiengesellschaft Nordsee in Nordenham, die -mit 26 Dampfern und drei Millionen Mark Kapital Fischfang betreibt, -sodann eine große Herings- und Hochseefischereigesellschaft in -Geestemünde, welche den Heringsfang mit zehn Dampfloggern statt mit -Segelloggern betreibt, ferner neue Heringsfischereigesellschaften in -Emden, in Vegesack, in Elsfleth und in Glückstadt. Man hofft, damit -der großen Einfuhr von Heringen aus dem Auslande eine erfolgreiche -Konkurrenz bieten und die hohen Geldsummen, welche für dieses wichtige -Volksnahrungsmittel fremden Nationen zufließen, dem Reiche erhalten zu -können, namentlich wenn entsprechende Zollveränderungen durchgeführt -würden. Im Zeitraum von fünf Jahren hat Deutschland nicht weniger als -355 Millionen Mark für eingeführte frische und zubereitete Seefische an -das Ausland bezahlt, darunter für Salzheringe und frische Fische, meist -sogenannte grüne Heringe, 330 Millionen Mark! - -[Illustration: Abb. 13. ¯Kirkeby auf Röm.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -[Illustration: Abb. 14. ¯Die Blockhäuser des Seebades Lakolk auf Röm.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Die Fischkutter der verschiedenen Hochseefischereigesellschaften -gehen in der Regel als Flottillen von zwanzig, dreißig und noch mehr -Schiffen in See. Die Dampfer sind etwa 31 Meter lang, besitzen 150 -Tonnen Rauminhalt und Maschinen von 259 Pferdekräften. Etwa acht Tage -bleiben die Fahrzeuge in der Regel dem Heimathafen fern, und es kommt -vor, daß ein solcher Dampfer 30000 Kilogramm und noch mehr Fische an -den Markt bringt. Sie sind bestrebt, am Sonntag zurück zu sein, Montag -und Dienstag findet alsdann die Versendung der gefangenen Fische statt, -um vor Freitag, dem Haupttage für den Fischgenuß, die gesamte Beute auf -die Märkte zu schaffen. - -[Illustration: Abb. 15. ¯Mädchen in Römer Tracht.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Mangelnder Absatz hat ursprünglich die gedeihliche Entwickelung des -Fischhandels gehemmt, so daß der Verbrauch von frischen Seefischen -eigentlich nur auf die Küstenstriche beschränkt gewesen ist. Erst -die fortschreitende Organisation des Fischhandels, besonders -vermittelst großer Fischauktionen in Hamburg, Altona, Geestemünde und -Bremerhaven, der verbesserte, mit praktischen neuen Verpackungs- und -Kühlvorrichtungen versehene Transportdienst der Fische ins Binnenland -u. dergl. Dinge mehr konnten die Fortentwickelung unseres Fischhandels -in gedeihlicher Weise fördern, so daß im Jahre 1896 die Bruttoerträge -der deutschen Hochseefischerei in der Nordsee bereits zehn Millionen -Mark erreichten. Der dauernd steigende Umsatz der Fischauktionen betrug -im Jahre 1898: - - in Hamburg 1295139 Mark, - in Altona 1993632 " - in Geestemünde 3459908 " - in Bremerhaven 729946 " - -was an diesen vier Plätzen einem Gesamtumsatz von 7478625 Mark -entspricht, gegenüber 6938902 Mark im Vorjahre. Doch ist hier zu -bemerken, daß den Auktionsmärkten auch von ausländischen Fischereien -und Fischern Waren zugeführt werden. Dagegen aber ist in der -Gesamtsumme ein fünfter Fischmarkt, Nordenham, nicht verzeichnet, wo -Auktionen nicht stattfinden, der aber jährlich für mindestens 1500000 -Mark Fische anbringen dürfte. - -Sowohl das Reich, als auch dessen dabei interessierte Einzelstaaten -suchen die Seefischerei in Deutschland nach Kräften zu fördern, wobei -der Deutsche Seefischereiverein wirksame Unterstützung bietet. Von -Reichs wegen werden gegenwärtig 400000 Mark im Jahre für diese Zwecke -aufgewendet, abgesehen von verschiedenen wissenschaftlichen Forschungen -und Unternehmungen, die aus dem Reichssäckel bezahlt werden und der -Erweiterung unserer Gesamtkenntnisse von der Tiefsee, also damit auch -den Fischverhältnissen dienen (Plankton- und Valdiviaexpedition). - -[Illustration: Abb. 16. ¯Strand von Sylt zur Zeit der Flut.¯] - -Die deutsche Hochseefischerei wird bekanntlich alle Jahre von -einem Kreuzer der Kaiserlichen Marine überwacht. An Bord desselben -war in den jüngstverflossenen Jahren eine Fischereischule -eingerichtet, in der eine Anzahl von Berufsfischern -- 1897 waren -es deren 14 -- durch einen besonders ausgebildeten Offizier und -einen Arzt Unterricht in Navigation, über Wissenswertes aus ihrem -Gewerbe und über den menschlichen Körper nebst Anleitung für das -Verhalten bei Unglücksfällen erhielten. Dieser Kreuzer dient -zugleich als Sanitätswache für die Fischer, und er hilft auch den -Fischereifahrzeugen, die bei schwerem Wetter in Seenot wrack geworden -sind. Für den allgemeinen Reiseplan dieser Marinefahrzeuge sind die -Wünsche des Deutschen Seefischervereins angehört worden. - -Vom 29. März bis zum 18. November 1898 versah die „Olga“ den -Schutzdienst der Nordseefischerei; 1899 haben „Zieten“ und „Blitz“ -diese Arbeit besorgt. - - Hoch klingt das Lied vom braven Mann, - Wie Orgelton und Glockenklang! - -[Sidenote: Rettungsstationen.] - -Wer müßte nicht an Bürgers Verse denken, wenn er der Rettungsstationen -der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ansichtig -wird, die, 116 an der Zahl, allenthalben an der deutschen Meeresküste -verbreitet sind. 51 davon sind sog. Doppelstationen, mit Boot und mit -Raketenapparat ausgerüstet, 49 Boots-, 16 Raketenstationen. 44 dieser -Stationen entfallen auf das Gebiet der deutschen Nordseeküste, 72 auf -das Gelände an der Ostsee. Seit der Begründung der Gesellschaft im -Jahre 1865 sind 2510 Menschenleben durch ihre Stationen und Geräte -dem grausigen Tod in den Fluten entrissen worden, und zwar 2169 -Personen in 388 Strandungsfällen durch Boote und 341 Menschen in 75 -Strandungsfällen durch die Raketenapparate. Allein im Jahre 1898–1899 -wurden auf solche Weise 96 brave Seeleute vor dem Untergang bewahrt -(Abb. 4 u. 5). - -Aus dem gesamten deutschen Vaterlande fließen diesem Unternehmen -warmer Nächstenliebe milde Gaben zu, und ein über das ganze Reich -ausgespanntes Netz von Vereinigungen ist thätig, um diese Hilfsquellen -nicht versiegen zu lassen, deren Totalbetrag im Rechnungsjahre -1898/1899 151064 Mark 62 Pfennige betrug, wozu noch 87107 Mark 81 -Pfennige außerordentlicher Einnahmen hinzukamen, so daß sich die -Gesamtsumme der Einnahmen in der besagten Zeit, incl. der Zinsen -von belegten Kapitalien, auf 301714 Mark 20 Pfennige belaufen hat, -denen 199846 Mark 32 Pfennige Ausgaben gegenüber standen. Seit ihrer -Begründung, also in den verflossenen 35 Jahren, hat die Gesellschaft -4674254 Mark 37 Pfennige für ihre edlen Zwecke verausgabt. - -Freilich, neben diesen Aufwendungen an klingender Münze hat es noch -ganz anderer an Aufopferung und kühnem Mute von seiten der Männer von -der Waterkante bedurft, die furchtlos ihr Leben einzusetzen gewohnt -sind, wenn es gilt, die armen Schiffbrüchigen aus schwerer Todesnot zu -erretten. Aber diese Dinge lassen sich ja nicht in gemünztes Gold und -Silber umwerten! - -[Illustration: Abb. 17. ¯Westerland auf Sylt.¯ (Nach einer Photographie -von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - - - - -~III.~ - -Geologisches. - - -„Wie viele der Reisenden, die die Nordsee auf den großen Post- und -Passagierrouten kreuzten, mögen sich wohl gefragt haben, wie lange -diese merkwürdige See schon existiere, d. h. wann die jetzt von ihren -Wogen überspülte Fläche sich so weit gesenkt habe, daß sie so viel -niedriger liegt, als ihre Umgebung?“ So fragt der bekannte Kieler -Geograph und Oceanograph Otto Krümmel in einem kleinen Aufsatz über die -geographische Entwickelung der Nordsee, aus dessen reichem Inhalte wir -hier Verschiedenes schöpfen wollen. - -[Sidenote: Tiefe der Nordsee. Urgeschichte der Nordsee.] - -Die Nordsee ist ein sehr seichtes Gewässer -- sie besitzt nur eine -durchschnittliche Tiefe von 89 Metern --, und eine Hebung des Bodens -um hundert Meter würde völlig genügen, ihren ganzen südlichen Teil in -trockenes Land umzuwandeln, das dann England, Dänemark und Holland -verbände. Nun ist wohl kaum eine Stelle auf unserem Erdballe vorhanden, -welche, wenn sie heute vom Ocean überspült wird, im Verlaufe der Äonen -nicht auch einmal festes Land gewesen wäre, und umgekehrt. Das ist -so auch mit dem von der Nordsee der Gegenwart eingenommenen Areale -der Fall gewesen. Während der cretaceischen Periode zog sich wohl -ein ziemlich tiefes Meer vom Atlantischen Ocean her über Frankreich, -die Britischen Inseln, die Nordsee, das südliche Skandinavien und -die baltischen Gebiete hin, dessen Absätze -- die Kreideschichten -- -hier überall bekannt sind. Mit Beginn der Tertiärzeit war das Bild -wohl schon ein etwas anderes. Der Norden unseres Gebietes war zum -größeren Teil Festland, das von Skandinavien nach Schottland und von -dort über die Britischen Inseln nach Frankreich herüberreichte und ein -flaches, von sumpfigen Küsten umgebenes Meer über dem jetzigen unteren -Themsengebiete, der südlichen Nordsee und Belgien im Norden und Westen -abschloß. Im nördlichen Teile des Landes erhoben sich mächtige Gebirge -und Hochländer, Vulkane rauchten dort, und große Flüsse strömten dem -Meere zu. Etwas später, zur Zeit als die Londonthone abgesetzt wurden, -griff dieses flache Binnenmeer nach Nordwesten hinüber, und am Ende -des Eocäns stand es auch durch Flandern, Nordfrankreich und die Gegend -des jetzigen Ärmelkanals durch einen schmalen Zugang mit dem damaligen -Atlantischen Ocean in Verbindung. - -[Illustration: Abb. 18. ¯Kurhaus in Westerland.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -Wiederum verschieden gestalteten sich die Verhältnisse während des -Oligocäns, indem sich wieder ein Abschluß in Gestalt eines Isthmus von -Dover nach Flandern und den Ardennen hinüber gebildet hatte, welcher -die holländisch-ostenglische Bucht dieses Oligocänmeeres von einem -Golfe des Atlantischen Oceans trennte. - -Von nun an beginnt eine allmähliche allgemeine Trockenlegung -unseres Areals, und gegen Schluß der Miocänzeit griff das miocäne -Meer nur noch durch einen verhältnismäßig schmalen Arm über Belgien, -Schleswig-Holstein und Hannover bis in das baltische Gebiet hinüber, -ohne jedoch den Osten Deutschlands und Skandinavien noch zu erreichen. -Jukes-Browne ist der Ansicht, daß sich damals auch die bekannte tiefe -Rinne ausgebildet habe, welche die Uferlinien Norwegens gegen die -jetzige Nordsee abgrenzt und dem Skagerrak so erhebliche Tiefe gibt. -Sie soll zu jener Zeit das breite Thal eines großen, aus den baltischen -Landflächen hier den Weg ins Nordmeer sich suchenden und mit der -fortschreitenden Hebung des Landes sich immer tiefer einschneidenden -Riesenflusses gewesen sein. - -In der Pliocänzeit war im anglo-belgischen Gebiete wiederum Meer, -das im Westen durch das Festland begrenzt wurde, welches sich noch -ungebrochen von England nach Frankreich hinüberzog. Die damals -abgelagerten Diesterschichten enthalten eine große Überzahl von -mediterranen Fossilien; von 250 Arten haben 205 unzweifelhaft ihre -Hauptverbreitung in den südeuropäischen Gebieten, und 51 davon sind -noch im heutigen Mittelmeer lebend zu finden. Doch reichte dieser Golf -wärmeren Wassers sicherlich nicht weit nach Norden, wo noch das alte -schottisch-skandinavisch-baltische Festland eine gewaltige Schranke -gegen das Nordmeer hin bildete. Dieses Festland genoß lange Zeit -hindurch ein warmes und feuchtes Klima, unter dessen Einwirkung die -Gesteine seiner Oberfläche zu lateritischem Detritus verwitterten. Und -aus diesem dürfte wiederum das Material zu den tertiären marinen und -vielleicht auch noch andersgestaltigen Ablagerungen in dem hier in -Frage kommenden Areale genommen worden sein. - -[Illustration: Abb. 19. ¯Friedhof für Heimatlose.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -Noch in die Pliocänzeit hinein fallen wohl die großartigen -Bodenbewegungen, welche den völligen Zusammenbruch dieses soeben -erwähnten, Schottland mit Skandinavien und Finland verbindenden -Festlandes zur Folge hatten und auch einen sehr großen, wenn nicht gar -den allergrößten Teil des heutigen Norddeutschlands in Mitleidenschaft -gezogen haben. Dadurch trat eine Verbindung mit dem nördlichen Ocean -ein, und es entstand ein Meeresgebilde, das unserer heutigen Nordsee -in vielem wohl schon recht ähnlich gesehen haben mag, doch noch etwas -kleiner war, als diese. Die Shetlandsinseln waren damals noch mit -Schottland landfest, die Ostküste Englands reichte etwa 100 Kilometer -weiter nach Osten, dagegen waren wieder die östlichen Teile von -Norfolk und Suffolk vom Meere bedeckt, ebenso auch Belgien, das untere -Rheingebiet, die Küste Ostfrieslands, jedenfalls aber nicht viel mehr -vom schleswig-holsteinischen Lande. Der Süden Englands war noch im -landfesten Zusammenhang mit Frankreich. Diese erste, pliocäne Nordsee -hatte also die Gestalt eines allein nach Norden zum arktischen Gebiet -hin geöffneten Golfes. Groß wurde ihr Alter jedoch nicht. Schon am -Schlusse der Pliocänzeit wurde der belgisch-niederländische Teil wieder -trockenes Land, vielleicht zugebaut von den Anschwemmungen des Rheines, -der damals, wie aus seinen Schottern und Ablagerungen im sogenannten -Cromer-forest hervorgeht, an der Küste Nordenglands nach Norden strömte -und die Themse als linken Nebenfluß aufnahm, um irgendwo in der Höhe -von Norfolk in einer see- und sumpfreichen Deltalandschaft zu münden. - -[Illustration: Abb. 20. ¯Leuchtturm bei Kampen.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -Dann kam die Eiszeit. Mächtige Eisströme zogen von Skandinavien her -über die wieder ganz festländisch gewordene Nordsee, überall ihren -Moränenschutt ausbreitend. Und als diese Kälteperiode auch zum Abschluß -gelangte und die gewaltigen Eismassen zum Schmelzen gebracht worden -waren, lag an der Stelle der heutigen Nordsee wiederum ein ausgedehntes -Festland. Ein milderes Klima herrschte über dieses von Mitteleuropa -aus überall zugängliche Gebiet, und die Vertreter derselben Flora und -Tierwelt, die wir heute noch finden, gediehen auf seinem Boden neben -vielen anderen seitdem ausgestorbenen Formen, wie Mammut, Nashorn, -Löwen, Bären u. s. w. Gleichzeitig hielt der paläolithische Mensch -seinen Einzug in das eisfrei gewordene Land. Abermals ließ der Rhein -als Hauptsammler der atmosphärischen Niederschläge Mitteleuropas -seine gewaltigen Fluten nach Norden strömen. Die Doggerbank, unseren -Fischern als Fischgrund wohlbekannt, bildet das Überbleibsel eines -alten Höhenrückens, der durch keine jüngeren Ablagerungen sich hat -verdecken lassen, und hier scharren die Fischer, mit ihren Grundnetzen -nach Plattfischen jagend, die Überreste vom Mammut, vom Bison, vom -wollhaarigen Rhinoceros, von Rentieren, Elchen, Hyänen, Wildpferden -und noch anderen Tieren mehr auf. Diese Knochenansammlungen werden als -die Ablagerungen und Schotter des alten Rheinlaufes gedeutet, die hier -zusammengeschwemmt zur Ruhe gelangt sind. - -Die zweite, und zwar die heutige Nordsee folgte dann durch allmähliche -Senkung auf dieses letzte angloskandinavische Festland. Allenthalben -drang das Meer vor, dessen Wellen erst die Doggerbank als eine -Insel umspülten und in später Zeit ganz überflutet haben. Von der -Nordspitze Jütlands bis zum Isthmus von Calais-Dover zog sich, auf -erhöhtem Vorlande belegen, ein großartiger Dünenwall dahin, der einem -hinter ihm vorhandenen weiten von Hügeln, Heiden, Mooren und Sümpfen -bedeckten Gebiete Schutz gewährte. Größere und kleinere, von dem -hohen Geestrücken der cimbrischen Halbinsel herabkommende Wasserläufe -mögen dasselbe durchzogen haben. An dem höher belegenen Küstensaume -brachen sich die Seewinde, so daß sich auf dem Hinterlande eine -kräftige Waldvegetation entwickeln konnte. Dem gewaltigen Andrange -der Meereswogen von Norden und Westen her konnte die immer schmaler -gewordene anglogallische Landenge nicht länger mehr widerstehen. Sie -zerriß, und die Verbindung zwischen Kanal und Nordsee entstand. Ein -allgemeiner Senkungsprozeß im fraglichen Gebiet begünstigte wohl -diesen Vorgang. Damit war aber auch die das Festland schützende -Dünenkette preisgegeben. Die Fluten brachen in das Land ein und -zerstörten die Dünenwälle mehr und mehr, so daß im Laufe der Zeit nur -noch die Inseln davon übriggeblieben sind, welche heute die äußere -Umsäumung unserer Nordseeküste bilden. Auch diese sind durch den -stetigen Anprall der Wellen immer geringer an Umfang und Ausdehnung -geworden, und jedes Jahr bringt hier neue Zerstückelungen mit sich. Die -Überreste der zerstörten Waldungen und Moorbildungen sind uns in den -unterseeischen Wäldern und in den Dargmassen erhalten geblieben, die -sich in großartiger Ausdehnung längs der ganzen deutschen Nordseeküste -finden und die Unterlage des Watts bilden. An gewissen Stellen, so in -den Marschen von Jever in Ostfriesland, besitzen diese Moore sogar -an 16 Meter Mächtigkeit. Ohne Ausnahme zeigen sie deutlich, daß sie -von Süßwasserpflanzen gebildet wurden; Eichen, Birken, Espen, Erlen, -Weißdorn, Haselstaude und mehrere Arten von Nadelhölzern nehmen an -dieser Zusammensetzung teil. Die Bäume stehen teilweise noch frei und -aufrecht im Meerwasser, teilweise sind dieselben von einer zwei bis -drei Meter mächtigen Schlickschicht bedeckt; in den meisten Fällen sind -sie, jedenfalls unter der Einwirkung der Stürme und Fluten, denen sie -einst ausgesetzt waren, in der Richtung nach Südost überkippt. Es sind, -wie schon vor Jahren von dem schleswig-holsteinischen Geologen Ludwig -Meyn ausdrücklich betont worden ist, keine brackischen oder salzigen -Lagunenmoore, sondern vollkommene Festlands- und Süßwasserbildungen, -welche mit diesen ihren Eigenschaften nur entstehen konnten in einem -wesentlich über der See erhabenen, hügeligen Terrain und unter einem -Klima, das der natürlichen ungepflegten Baumvegetation mehr hold ist, -als das gegenwärtige Klima unserer Westküste mit ihren ungebrochenen -Sturmwinden. - -[Illustration: Abb. 21. ¯Weg nach Rantum.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -[Sidenote: Der Boden der Nordsee.] - -An der Westküste von Sylt liegen sogar noch solche untermeerische -Torfbänke, über welche die äußere Landgrenze längst zurückgeschritten -ist. Ungewöhnliche Sturmfluten zerreißen die äußersten derselben und -werfen ihre losgelösten Schollen ans Land, ein Umstand, der auf der -Insel stets als eine Wohlthat und eine dankenswerte Gabe des Meeres -betrachtet wird, da dieselbe an Brennmaterial arm ist. - -[Sidenote: Entstehung von Watt und Marsch.] - -Man wird kaum fehlgehen, wenn man sich das Landschaftsbild an -der deutschen Nordseeküste nach dem Eindringen des Meeres in das -obenerwähnte Areal nicht viel anders vorstellen will, als dasselbe -in der Gegenwart erscheint. Natürlich nur dem Typus, dem Charakter -nach, denn was die Umgrenzungen des damaligen Festlandes und der -Inselwelt jener vergangenen Tage betrifft, so waren dieselben -grundverschieden von denjenigen der Jetztzeit. Der westliche Rand der -Inseln lag sicherlich viel weiter seewärts, als dies nunmehr der Fall -ist, und die Konturen der Festlandsküste, so wie sie sich heutzutage -darstellen, sind nach vielen Peripetien größtenteils die Produkte der -späteren Zeiten und das Werk menschlicher Arbeit und unablässigen -Fleißes. Aber gerade so wie heute haben wohl auch dazumal größere und -kleinere Eilande aus dem seichten Meere hervorgeragt, die Überreste -der hügeligen Partien des untergesunkenen Landes, geradeso wie heute -füllte das Watt mit seinen Tiefen und Prielen den Zwischenraum -zwischen diesen Inseln und dem Festlande aus, geradeso vollzog sich -schon damals jener eigentümliche Wechselprozeß der Zerstörung des -Küstenlandes durch das Meer und das Wiederabsetzen dieses losgelösten -Materials an einer anderen Stelle, jener Vorgang, dem das Watt und die -daraus hervorgegangenen Marschen ihr Dasein verdanken. Denn was die -See an einer Stelle nimmt, das schenkt sie an einer anderen wieder -her. Allerdings, sehr einfach ist dieser Prozeß der Landneubildung -nicht, es ist derselbe vielmehr ein kompliziertes Ding, bei welchem -vielerlei noch nicht gehörig aufgeklärt ist. Das Material, das hierbei -in Betracht kommt, ist ein sandiger und glimmerreicher Schlick, welcher -unter der Einwirkung von Ebbe und Flut abgesetzt wird, und zwar nicht -vom Meere allein, sondern auch von den verschiedenen Zuflüssen der -Nordsee. Er besteht aus den feinerdigen Stoffen, welche die Flüsse mit -sich führen, aber mehr von zerstörten älteren Flußalluvionen als von -zerstörtem Gebirge herrührend, dann aus den mineralischen Teilen, die -von den Abnagungen des Meeres an den benachbarten tertiären, diluvialen -und alluvialen Küsten stammen, aus dem feinen Meeressande, welcher -durch die Brandung mit in Suspension gebracht wird, aus den unzähligen -Resten von winzig kleinen Lebewesen der marinen Tier- und Pflanzenwelt -und der ins Meer geführten Süßwasserbewohner, und den Humussäuren der -von allen Seiten kommenden Moorwässer, welche sich mit den Kalk- und -Talkerdesalzen des Meeres niederschlagen. „Letztere liefern so den -Schlamm, das wichtigste Bindemittel für die Sandmassen und übrigen -Stoffe, welche vom Meere und den Flüssen an den Mündungen angehäuft -werden. Die humussauren Salze bilden den Hauptfaktor für die Entstehung -der Watten und der Marschen. Hieraus erklärt sich auch in gewisser -Hinsicht das Fehlen der Wattenbildungen in anderen Meeren, wie z. B. in -der salzarmen Ostsee“ (Haage). - -Die Watten sind nun, wie man sie treffend genannt hat, ein -amphibisches Übergangsgebilde zwischen Wasser und Land, ein Gebiet, das -für das gewöhnliche Auge vom übrigen Meere nicht zu unterscheiden ist, -wenn das Wasser seinen Höhepunkt erreicht hat, das aber bei niedrigem -Wasser in der Gestalt von trockenen gelben Sandflächen erscheint, -die nur nach dem Festlande hin und in der Umrandung der Inseln mit -grauem Schlick bekleidet sind. Eine Unmenge von Wasserrinnen, sog. -Tiefe, Baljen, Priele u. s. f., umsäumen und gliedern die Watten und -vereinigen sich zu größeren Tiefen, in welchen Strömungen cirkulieren, -die, wie Meyn sagt, „mit der Geschwindigkeit des Rheinstromes dem Meere -zuschießen, allen eingewehten Sand vor sich herfegend und den größten -Schiffen Einfahrt räumend“. Der eingeborene Fischer und Schiffer, -dessen Erwerb, ja dessen Leben von der richtigen Beurteilung der -Wasserfläche abhängen, gewahrt bei Hochwasserstand mit Leichtigkeit -diese Tiefen und vermag dieselben von den ausgedehnten Untiefen zu -unterscheiden, auch wo sie nicht durch die in Wind und Wogenschlag -schwankenden jungen Birkenstämme bezeichnet sind, die überall als -Zeichen des Tiefs in seinen untiefen Rändern versenkt sind und die -Binnenschiffahrt erleichtern. Das Areal dieser amphibischen Grenzzone -der Watten zwischen dem deutschen Festlandsboden und der Nordsee ist -3655,9 Quadratkilometer groß; hiervon bilden 3372 Quadratkilometer = -92¼% einen geschlossenen Grenzsaum, die übrigen 283,9 Quadratkilometer -= 7¾% liegen als Exklaven innerhalb des Meeresgebietes. Es sind diese -letzteren isolierte Wattinseln, die mit dem geschlossenen Wattensaum -nicht in fester Berührung stehen und sich nicht wie dieser an dauernd -trockenes Land anlehnen. Vereinzelt tauchen sie als „Sande“ vor den -Friesischen Inseln und innerhalb der zahlreichen Buchten, die das -Meer in das Wattland hineinsendet, aus dessen Wassern auf. Auf die -Watten an der Küste Schleswig-Holsteins entfallen insgesamt 2023,4 -Quadratkilometer, auf diejenigen an der Küste von Hannover und -Oldenburg 1632,5 Quadratkilometer. - -[Illustration: Abb. 22. ¯Keitum nebst Kliff, von Osten gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie von Bernh. Lassen in Westerland-Sylt.)] - -Die großen Flächen der Watten sind sandig und fest zu betreten, dagegen -sinkt man tief in dieselben ein, wenn sie schlammiger Natur sind. Der -Marschbewohner Nordfrieslands geht bei Ostwind an vielen Stellen von -Insel zu Insel, sogar von Sylt nach dem Festlande. Doch ist eine solche -Wanderung, ein Schlicklauf, nicht immer ohne Gefahr, und Vorsicht thut -hier besonders not (Abb. 6–8). - -[Sidenote: Bernsteinfunde.] - -In früheren Zeiten hat der auf den Watten häufig vorkommende Bernstein -bei den Bewohnern der umliegenden Küsten zur Beleuchtung gedient. -Nach jeder höheren Flut wirft die See Bernsteinstücke verschiedenen -Formates aus und diese bleiben dann, wie Meyn bemerkt, „mit einem -schwarzen Brockenwerk aus Braunkohlenstückchen, Schiffstrümmerchen, -Torfstückchen und zerriebenem Torfholze, teilweise auch glattgerollten -größeren Holzstücken aus dem Torfe, dem sog. ‚Rollholz‘, in langen -braunen Streifen als äußerste Wattenkante an Hochsanden, Hochstranden -und sonstigen erhabenen Stellen liegen, wo sie von den Schlickläufern -gesammelt, weiter südlich durch die abenteuerlichen ‚Bernsteinreiter‘ -gefischt werden“. Über die mit diesem Bernsteinsammeln verbundenen -Gefahren hat vor 112 Jahren der Pastor Heinrich Wolf zu Wesselburen -eine belehrende Darstellung in den schleswig-holsteinischen -Provinzialberichten gegeben, worin derselbe u. a. mitteilt, daß oft -Stücke von 24 Lot gefunden würden und kurz vorher sogar ein solches von -dritthalb Pfund aufgelesen worden sei. „Man will mir sagen,“ schreibt -er weiter, „daß ein gewisser Mann in einer benachbarten Gegend jährlich -über tausend Mark auf diese Weise umgesetzt habe.“ Tausend Mark Banko -waren aber im Jahre 1788 eine recht beträchtliche Summe. - -[Illustration: Abb. 23. ¯Kurhaus in Wittdün auf Amrum.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -Ludwig Meyn hat den Beweis dafür erbracht, daß hier an ein originales -Bernsteingebirge nicht gedacht werden kann, sondern daß das Material -aus dritter, vierter oder fünfter Lagerstätte kommen müsse, und daß -seine Anwesenheit demnach als das Zeichen eines zerstörten Miocän- -resp. Diluviallandes zu gelten habe. - -Aber nicht nur vom geologischen Standpunkte aus, auch von demjenigen -des Altertumsforschers ist das Vorkommen des Bernsteins in größerer -Menge an den deutschen Nordseeküsten von Wichtigkeit. Es ist -bekanntlich ein lange Zeit hindurch strittiger Punkt gewesen, woher -die Römer ihren Bernstein bezogen hätten, und wo die von Pytheas von -Massilia geschilderte Bernsteininsel Abalus zu suchen sei. Der eben -genannte Reisende hat zu Alexander des Großen Zeiten, den Schritten der -Phönicier und Karthager folgend, die britannische Küste und auch zuerst -das germanische Nordseegestade besucht, von dem er die Schilderung -eines Ästuars -- Mentonomon nennt er es -- von 6000 Stadien Ausdehnung -gibt. „Dort,“ so lautet sein durch Aufzeichnungen des Timäus von -Müllenhoff ergänzter Bericht, „wohnen die Teutonen und vor ihrer Küste -liegt im Meere außer mehreren unbenannten Inseln in der Entfernung von -einer Tagefahrt die Insel Abalus, wohin im Frühjahr die Fluten den -Bernstein, der eine Absonderung des geronnenen Meeres ist, tragen und -in großer Menge auswerfen. Die Einwohner dort sammeln ihn und haben so -reichlich davon, daß sie ihn statt des Holzes zum Feuern gebrauchen“ u. -s. f. Oberhalb der Elbe im Gebiete der Eidermündungen wird noch jetzt -der meiste Bernstein an der Nordsee gefunden und in dieser Gegend mag -wohl die mythische Bernsteininsel gelegen haben, die, wie Müllenhoff -meint, Pytheas wohl mit eigenen Augen erblickt hat, was mehrfach in -Zweifel gezogen worden war. Er war der erste namhafte Mann, der wohl -die Germanen in ihrer Heimat aufsuchte und von Angesicht sah, und -jedenfalls der erste, der von ihnen eine Kunde erlangt und Nachricht -gegeben hat. Wenn es auch unzweifelhaft erscheinen dürfte, daß ein -großer Teil des von dem römischen Volke verbrauchten Bernsteins, -besonders seit Domitian, aus dem Samland kam, so ist es doch wohl nicht -minder sicher, daß schon in früheren Zeiten auch von der Nordseeküste -aus dieses edle Harz seinen Weg an den Tiberstrom gefunden hat. - -In eigentümlicher Weise geschliffen, von den rollenden Wellen zu -Kugeln, Ellipsoiden, Doppelkugeln, Spindeln u. s. f. geformt, stellt -sich das Rollholz dar, das aus den submarinen Mooren und Wäldern -stammt. Seine Spalten sind erfüllt von Sandkörnern, Foraminiferen und -winzigen Tierresten, als kleine Echinitenstacheln u. s. f. Es zeigt -uns, daß Moore und Wälder unter dem Sande jetzt bis an die äußerste, -vor der Brandung liegende und sich verzehrende Kante reichen, daß also -jetzt die Brandung bereits innerhalb des ehemaligen hochbelegenen -Küstensaums im Bereich des vormaligen Niederlandes aufschlägt. - -[Sidenote: Bernstein. Die Watten.] - -Die Unterlage der Watten besteht, wie gezeigt worden ist, aus einem -untergetauchten und von den Wellen teilweise zerstörten, mannigfaltig -gegliederten Festlande, und damit hängt auch der Umstand zusammen, daß -sich auf ihrem Gebiete Süßwasserquellen vorfinden, wodurch wiederum der -geologische Zusammenhang mit dem naheliegenden Küstenlande bewiesen -wird. So soll vormals bei der Hallig Nordmarsch eine solche Quelle -gewesen sein, eine andere nördlich von Langeneß, wo „ein Brunnen mit -frischem Wasser mitten in dem salzen Meere hervorquillt“, wie Lorenz -Lorenzen, der Halligmann, in Camerers Nachrichten von merkwürdigen -Gegenden der Herzogtümer Schleswig und Holstein erzählt. Dann ist in -früheren Zeiten nicht selten berichtet worden, daß Tuulgräber im Watt -ertrunken seien, weil plötzlich in der unterseeischen Torfgrube das -süße Wasser aufsprudelte. - -[Illustration: Abb. 24. ¯Leuchtturm auf Amrum.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -[Sidenote: Landverluste. Sturmfluten.] - -Die Watten und ganz besonders diejenigen Nordfrieslands verdienten -eigentlich als ein großer Kirchhof bezeichnet zu werden. Denn alsbald, -nachdem die Anschlickung an die Überreste des zusammengerissenen und -teilweise von den Wogen verschlungenen alten Festlandes wieder begonnen -und die erste Marschbildung sich vollzogen hatte, mag es auch nicht -an Menschen gefehlt haben, welche von dem so gebildeten Neulande -Besitz nahmen und in diesem Gebiete ihre Ansiedelungen erbauten. -Neue Meereseinbrüche, veranlaßt durch die von den Sturmfluten auf -das nunmehr schutzlos gewordene Land hinaufgetriebenen Wassermassen, -brachten neue Zerstörungen mit sich, denen wiederum neue Anschlickungen -und neue Besiedelungen folgten, die ebenfalls ein Opfer der Wellen -wurden. Und so ist es zweifellos von den ältesten Zeiten her gegangen, -in denen der Mensch im Lande erschien; ein immerwährender Wechsel war -es, der die Oberfläche des Gebietes immer und immer wieder anders -gestaltete, allerdings aber so, daß der Landverlust den Landgewinn -durch Anschlickung schließlich um ein sehr Bedeutendes überwog. Erst -als der Mensch gelernt hatte, sich vermittelst der Deiche Schutzwehren -gegen den vernichtenden Anprall und den alles zernagenden Zahn der -Meereswogen zu bauen, wurde es besser. Aber auch in dieser Beziehung -hat der Marschbewohner mit Leib und Leben, mit Hab und Gut gar oft -Lehrgeld bezahlen müssen, und bis er die Kunst des Deichbaues so -erfaßt hatte, daß ihm die grünen an der Küste aufsteigenden Wälle -nicht nur bei der nächsten besten Sturmflut von der Brandung wieder -zusammengerissene Brustwehren waren, sondern zum mächtigen Schild -wurden, hinter dem er sein Eigentum und sein Leben in Sicherheit -barg, hat es gar lange und bis in unser Jahrhundert hinein gedauert! -Millionen von Menschen, Tausende von Wohnstätten haben bis dahin dem -wütenden Elemente zum Opfer fallen müssen, ganze Kirchspiele sind -von der Erdoberfläche verschwunden, große Landareale von den nassen -Wogen verschlungen worden, bedeutende Städte mußten „vergehen“, wie -die Chronisten aus früheren Zeiten sich ausdrückten, bevor dies -geschah. Über diese weiten großen Flächen, in deren Tiefen dies alles -versunken ist, rollt heute die salzige Welle der Nordsee dahin und -nur Pfahlstümpfe, Mauertrümmer, verwitterte Leichensteine und dergl. -Dinge mehr, welche die tiefe Ebbe bisweilen auf dem Watt bloßlegt, -erinnern daran, daß ehemals hier menschliche Wohnstätten gestanden und -menschliche Wesen hier gelebt, geliebt, gehofft und auch gelitten haben. - - - - -~IV.~ - -Sturmfluten. - - -Plinius berichtet schon von einer gewaltigen Sturmflut, welche den -größten Teil der Cimbern und die Teutonen gezwungen haben soll, sich -nach gesicherteren Wohnstätten in Südeuropa umzuschauen. Wie wir aus -Mitteilungen des eben genannten Schriftstellers und aus solchen des -Ptolemäus wissen, lag die Heimat des cimbrischen Volkes im äußersten -Norden des germanischen Landes, im cimbrischen Chersonesus, also in -dem heutigen Jütland und wohl auch im nördlichen Teil des Herzogtums -Schleswig. Das erste Erscheinen der Cimbern im Lande der Taurisker, -in der Umgegend von Klagenfurt, fällt in das Jahr 113 v. Chr., woraus -zu schließen wäre, daß die obenerwähnte Wasserflut wohl einige -Jahre früher stattgehabt hätte. Nach Eugen Traeger ist jedoch die -erste historisch festgestellte Flut diejenige gewesen, welche 445 -Jahre später, ~anno~ 333 nach des Heilands Geburt, die germanische -Nordseeküste verheert hat. In den darauf folgenden Jahrhunderten -haben sich derartige Ereignisse mehrfach wiederholt, so um 516, wo in -den friesischen Landen über 6000 Menschenleben von den Wasserfluten -vernichtet wurden, und im Jahre 819, das den Untergang von 2000 -Wohnstätten an der Nordsee gesehen hat. In jene fernen Zeiten fallen -auch die ersten bedeutenderen Versuche, die Küsten durch besondere -Schutzbauten, durch Deiche, vor der Zerstörung durch die See zu -bewahren, zumal die von den Fluten immer mehr und mehr zerrissenen und -zu Grunde gerichteten Dünensäume nicht länger mehr dem Anprall der -Wogen stand zu halten vermochten. Aber erst vom Jahre 1100 ab wurden -die Deichbauten mit größerem Eifer betrieben, insbesondere in den -Dreilanden, dem jetzigen Eiderstedt und auf Nordstrand. - -[Illustration: Abb. 25. ¯Strand von Wyk auf Föhr.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -[Sidenote: Sturmfluten.] - -Von den zahlreichen Fluten, über welche uns von den verschiedenen -Chronisten Frieslands, insbesondere von Anton Heinreich in seiner -nordfriesischen Chronik berichtet wird, ist, wie in neuerer Zeit von -Reimer Hansen an der Hand kritischer historischer Forschung dargethan -wurde, bei weitem der größere Prozentsatz zu streichen. Im zwölften -Jahrhundert kommen für Dithmarschen und Nordfriesland in Betracht die -Flut vom 16. Februar 1164 und vielleicht auch diejenige von 1158. Für -das dreizehnte Säkulum ist wohl die Katastrophe vom 17. November 1218 -verbürgt, bei welcher nach Peter Sax „im Oldenburgischen Jadeleh, -Wardeleh, Aldessen in Rustringen vergangen; in den Nordländern volle -36000 Menschen ertrunken“. Vielleicht ist damals auch die Lundenburger -Harde durchgerissen worden, wie Heimreich erzählt. Ebenso wird die -Flut vom 28. Dezember 1248 von nordalbingischen Chronisten so ziemlich -sicher bezeugt. 1277 und 1287 entstand durch die Zerstörung von 385 -Quadratkilometern des fruchtbarsten Landes mit 50 Ortschaften der -Mündungsbusen der Ems mit dem Dollart, und mit dem Jahre 1300 begann -dann eine Periode, die im Bereich der friesischen Lande mit Recht die -Elendszeit genannt worden ist. Eine wenig günstige Schilderung der -Charaktereigentümlichkeiten des Friesenvolkes jener Zeit haben uns, -allerdings erst einige Jahrhunderte später, einige Chronisten gegeben. -Es heißt da, sie seien durch ihren Reichtum hochmütig gewordene und das -Wort Gottes und die heiligen Sakramente verachtende Menschen gewesen, -die sich durch ihre Sündhaftigkeit diese schrecklichen Strafen Gottes -zugezogen hätten. Es mag hier dahingestellt bleiben, ob dieses harte -Urteil nicht sehr durch Parteilichkeit getrübt ist, und inwiefern -die Ursache der Unfolgsamkeit des sonst so schlichten, wenn auch -derben friesischen Volkes nicht in einem gegründeten Verdachte oder -in Mißtrauen gegen seine katholischen Priester zu suchen war, denn, -wie Petrejus in seiner Beschreibung des Landes Nordstrand sagt: „Die -Papisterey und Mönnicherey ist ihnen vielleicht verdächtig gewesen.“ - -[Illustration: Abb. 26. ¯Frauentracht auf Föhr.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Unsicher ist die Flut vom 1. Mai 1313, sicherer eine solche aus dem -Jahre 1341, wahrscheinlich eine weitere am 1. Mai 1380, am sichersten -aber diejenige vom 16. Januar 1362, die schlimmste von allen vor -der zweiten großen Manndränke am 11. Oktober 1634. Damals stieg das -Wasser über die höchsten Deiche Nordfrieslands, richtete in den -Außenlanden furchtbare Verwüstungen an und riß an der Südseite der -Insel Nordstrand einen beträchtlichen Teil des Landes hinweg, so daß -ein bedeutender Meerbusen an dessen Stelle entstand. Die überaus -reiche Stadt Rungholt und noch sieben andere Kirchspiele auf dem -ebengedachten Eiland wurden zerstört, an der Hever und ihren Enden -sollen 28 Gemeinden untergegangen sein, und 7600 Menschen haben dabei -ihren Tod in den mörderischen Wellen gefunden. Der Rungholter Sand -zwischen Pellworm und dem heutigen Nordstrand erinnert jetzt noch an -die versunkene Stadt, deren Missethaten der Sage nach den Zorn des -Herrn besonders heraufbeschworen haben sollen. Als die Rungholter gar -ein Schwein betrunken gemacht und dasselbe in ein Bett gelegt hatten -und hierauf ihren Priester rufen ließen, damit dieser dem Kranken -das heilige Abendmahl gebe, war das Maß göttlicher Langmut voll. Der -Bitte des gesalbten Mannes, der ob jener Zumutung aufs höchste empört -in die Kirche gelaufen war, um dort Gottes Strafe auf die gottlosen -Leute herabzuflehen, wurde von oben stattgegeben, und es erfolgte, wie -uns Jonas Hoyer überliefert hat, „in der Nacht ein so erschrecklich -Erdbeben und gräulich Wetter“, daß Rungholt gänzlich umkam und in den -Tiefen des Meeres versank. - - Als endlich sich der Tag gelichtet - Und sich besänftigt die Natur, - Da sah man, Rungholt war gerichtet -- - Der ganzen Landschaft keine Spur! - Nur Wasser deckte ihre Matten - und floß im Wechsel zu und ab; - Noch heute sind die Rungholtwatten - Ein weites, nasses Totengrab. - - (¯Eugen Traeger.¯) - -Am gleichen Tage sollen auf Sylt das alte Wendingstadt und der -Friesenhafen der Zerstörung anheim gefallen sein. Den letzteren -haben der Überlieferung nach die Angelsachsen auf ihren Zügen ins -britannische Land als Abfahrtshafen benutzt. - -[Illustration: Abb. 27. ¯Dorfstraße in Nieblum.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -Zeitgenossen haben die Zahl der an jenem Unglückstage zwischen Elbe -und Ripenersfjord umgekommenen Menschen auf etwa 200000 geschätzt, -weshalb diese gewaltige Flut auch den Namen „Manndränke“ oder -„Manndrankelse“ bekommen hat, eine Bezeichnung, die übrigens noch für -andere ähnliche Ereignisse in Anspruch genommen worden ist. „Wenn man -nun,“ so äußerte sich Traeger, „fortwährend von solchen Zahlen hört, -so drängt sich die Vermutung auf, daß die Schätzungen damaliger Zeit -wiederholt nur pessimistischer Abrundung eine so erschreckende Höhe -verdanken. Wo hätten denn immer wieder in den sicherlich nicht dicht -bevölkerten Küstengebieten die Menschen herkommen sollen, um allein -von den Meeresfluten so massenweise verschlungen zu werden!“ Man darf -ja nicht vergessen, daß, wie solches von Reimer Hansen ausdrücklich -hervorgehoben wird, die Chronisten des sechzehnten und siebzehnten -Jahrhunderts über die Fluten des zwölften, dreizehnten, vierzehnten -und zum Teil auch des fünfzehnten Jahrhunderts außerordentlich wenig -sichere Mitteilungen machen und, daß Heimreichs zahlreiche Angaben fast -ganz wertlos sind. - -Größere Fluten des fünfzehnten Jahrhunderts waren am 22. November 1412, -am 29. September 1426, am 1. November 1436, am 6. Januar 1471, am -16. Oktober 1476, am 4. Dezember 1479 und am 16. Oktober und 22. -November 1483. Die bedeutendsten davon scheinen die vom 1. November -1436 und vom 16. Oktober 1483 gewesen zu sein. - -Am Allerheiligentage 1530, und am gleichen Tage genau zwei Jahre -später brachen die Wogen der Nordsee von neuem mit besonderem Ungestüm -in Nordfriesland ein. Dann begann mit den ersten Novembertagen -1570 wiederum eine neue Periode großen Elends in der langen -Leidensgeschichte des Friesenvolkes, die ebenfalls eine ungeheure -Anzahl Menschenleben zum Opfer gefordert haben soll. - -[Illustration: Abb. 28. ¯Dorfstraße in Boldixum.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -Genauere und bestimmtere Darstellungen von dem durch die Sturmfluten -verursachten und heraufbeschworenen Unglück besitzen wir erst aus -späteren Jahrhunderten, und das erste derartige Ereignis, von dem sich -einigermaßen zuverlässige Mitteilungen bis auf unsere Tage erhalten -haben, ist wohl die Sturmflut vom 11. Oktober 1634 gewesen. Diese -bildet, um hier Traegers Worte zu gebrauchen, einen entscheidenden -Zeitpunkt in der Geschichte der schleswigschen Westküste. In seiner im -Jahre 1652 erschienenen großen neuen Landesbeschreibung der Herzogtümer -Schleswig und Holstein erzählt der ehrenwerte Kaspar Danckwerth von -dieser „überaus argen und grausamen Flut, so anno 1634 auf Burchardi -durch Gottes Verhängnis inner fünf oder sechs Stunden alle diese -Nordfriesische Marschländer übergangen, und den Nordstrandt schier ganz -dahin gerissen hat, also daß nur das Kirspel Pillworm wieder errettet -worden: und ist zu verwundern, daß man zu der Zeit in Holland von -überaus großem Sturm weniger von erfolgetem Schaden durch Einbrüche -des Meeres nicht gehöret“. Und Adam Olearius, der Sekretarius, -Mathematikus, Antiquarius und Rat Friedrichs ~III.~, Herzogs von -Holstein-Gottorp (1600–1671), schreibt darüber in seinem kurzen Begriff -einer Holsteinischen Chronik: „Es halten ihrer viel davor, daß dies -erschreckliche Unglück und Garauß sie (die Bewohner Nordstrands) unter -anderen ihren groben frevelhafften Sünden, auch mit dem Ungehorsam -und Rebellion wider ihren frommen Landesfürsten durch einen Fluch -ihnen über den Hals gezogen. Matthias Boetius, ihr eigen Landsmann und -Pfarrherr gedenket bei Beschreibung des Cataclismi, so sie anno 1615 -auch erlitten, ihrer groben Laster, Wildheit und Frechheit mit vielen -Worten: daß sie den Todtschlag eines Menschen nur eines Hundes gleich -geachtet, daher sie auch damahls solche Straffe wol verdienet hätten.“ - -[Illustration: Abb. 29. ¯Strand von Wyk auf Föhr.¯ (Nach einer -Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -Es mag hier wohl am Platze sein, etwas bei dem Berichte über jene -verhängnisvolle Sturmflut zu verweilen, welchen uns C. P. Hansen -in seiner Chronik der friesischen Uthlande in warmempfundener und -poetischer Sprache hinterlassen hat. Derselbe fußt größtenteils auf -Niederschriften von Augenzeugen und von Zeitgenossen der Katastrophe. - -„Endlich kam,“ so beginnt der Autor, „der jüngste, der schrecklichste -Tag des alten Nordstrands, und ich möchte sagen, des alten -Nordfrieslands. Noch am 10. Oktober 1634 lag es da, das grüne, von -Fett und Fruchtbarkeit erfüllte Tiefland inmitten der finsteren, -grollenden See, die Freude, die Kraft, der Stolz und Mittelpunkt der -Uthlande, nicht ahnend dessen, was ihm bevorstand, nach hundert trüben -Erfahrungen noch immer fest bauend auf den Schutz seiner erst vor -kurzem wieder errichteten Deiche. Ringsum lag ein Kranz von Halligen -und Hallighütten, die wie seltsam gestaltete und gruppierte Felsen -aus der Wasser- und Wattenwüste hervorragten; weiterhin, jenseits -derselben, glänzte ein Schaumgürtel der sich brechenden Wellen an den -äußeren Sandbänken und Inseln. Im Westen und Süden zogen finstere -Wolkenmassen am Himmel herauf, obgleich der Wind noch ruhte. Es war die -Totenstille, die oft dem Sturm vorhergeht. Im fernen Westen blitzte -es, und als es Abend wurde, die finstere lange Nacht heranschlich, -da flüchtete ahnungsvoll der Schiffer wie die Seemöve ans Ufer, die -vorsichtige Krähe aber aufs Festland. Die Nacht verging, der Morgen -des 11. Oktober kam, der letzte, welchen das altberühmte Nordstrand -erlebte. Blutrot stieg die Sonne im Südost hinter Eiderstedt herauf, -beschaute noch einmal das schöne, fruchtbare Eiland mit seinem -goldenen Ring, mit seinen grünen Wiesen und weidenden Viehherden, mit -seinen gesegneten Äckern, seinen Kirchen und Mühlen, seinen stillen -Dörfern und zerstreuten Bauernhöfen, seiner emsigen, tüchtigen, Gott -und sich selber vertrauenden Bevölkerung; dann verbarg sie sich wie -weinend hinter die dichten Wolken, die für den Tag ihr die Herrschaft -stahlen. Noch einmal läuteten die Kirchenglocken die gläubigen Christen -zum Gottesdienst in die Kirchen -- denn es war eben Sonntag. Noch -einmal scharten sich die Schlachtopfer betend in den heimatlichen -Gotteshäusern, stimmten noch einmal ein Loblied dem Herrn an, während -der Donner schon über ihre Häuser rollte und der Regen sich in Strömen -ergoß. Noch einmal sammelten sich die Familien an ihrem freien -Eigentumsherd und um den gefüllten Tisch im Frieden, nicht ahnend, daß -es das letzte Mal sein würde.“ - -[Illustration: Abb. 30. ¯Blick auf das Watt zwischen Föhr und Amrum.¯] - -Ein ungeheurer Sturmwind aus Südwesten kommend brach los, dessen -Ungestüm sich den Tag über immer mehr und mehr steigerte, und gegen -neun Uhr abends geschah das Entsetzliche, daß im Verlaufe einer -einzigen Stunde das Meer durch 44 Deichbrüche in die Köge stürzte. -Schon um zehn Uhr war die Insel vernichtet, und Nordstrand hatte -aufgehört zu sein. „Da waren mehr als 6200 Menschen und 50000 Stück -Vieh dort ertrunken; da waren die Deiche der Insel an zahllosen Stellen -zerstört; da lagen 30 Mühlen und mehr als 1300 Häuser zertrümmert -danieder; da war vernichtet die Heimat und das Glück von mehr als -8000 Menschen. Nur die Kirchtürme und Kirchen ragten, obgleich auch -beschädigt, aus diesem wilden Chaos, aus diesem großen Kirchhofe wie -kolossale Grabmäler hervor. Der kalte Nordwest hatte unterdessen in der -Nacht über die Trauerscene geweht, jedoch der Sturm sich allmählich -gelegt. Nur 2633 Menschen hatten diese Schreckensnacht, hatten den -Untergang ihrer Heimatinsel überlebt, blickten aber jetzt trostlos -auf die verödeten Land- und Häusertrümmer, auf die zerrissenen Deiche -und das frei ein- und ausströmende erbarmungslose Meer, auf die im -Wasser und Schlamm umherliegenden Menschen- und Tierleichen, auf die -zerstörten und verdorbenen Geräte und Vorräte und vor allem auf den -nahen Winter mit seinem Frost und Schnee, mit neuen Stürmen und Fluten -und neuem Elend, und auf ihr eigenes nacktes Dasein inmitten dieser -Wasserwüste und dieser wilden Elemente.“ - -[Illustration: Abb. 31. ¯Peterswerft auf Langeneß vor dem Einsturz.¯ - -(Nach einer Photographie von Waldemar Lind in Wyk auf Föhr.)] - -[Sidenote: Nordstrandisch-Moor.] - -Der gelehrte und in diesen Blättern schon genannte friesische Chronist -Anton Heinrich Walther, der 30 Jahre lang (1656–1685) Prediger an -der Kirche der Hallig Nordstrandisch-Moor gewesen ist, fügt seinem -eigenen Bericht über den 11. Oktober 1634 noch die Worte hinzu: „Es -ist aber der Wasserfluth nicht genug gewesen, sondern es hat auch -Gott der Herr viele daneben mit der Feuerruthe gestrafet, indem eines -Theils aus Unvorsichtigkeit, anderen Theils aus Ungestümigkeit der -Winde ihr Feuer ihre eigenen Häuser, darauf sie gesessen und den Tod -stündlich erwartet, hat eingeäschert, also daß sie einen zwiefachen Tod -vor ihren Augen haben sehen müssen, auch wol, wie man Exempel weiß, -aus Furcht vor dem Feuer selbst in’s Wasser gesprungen und sich also -ersäuft, da man sonst noch das Leben hätte retten können. Und ist nicht -ungläublich, daß mehrermeldeter ungeheurer Sturmwind mit einem Erdbeben -vermenget gewesen.“ - -Von der Mitte der Insel Nordstrand waren nur einige Halligen -übriggeblieben, die im Laufe der Zeit bis auf wenige Überreste nach -und nach gänzlich von den Meereswogen verschlungen worden sind. Eines -dieser Überbleibsel bildet die heutige Hallig Nordstrandisch-Moor, -ehemals ein in der Mitte des alten Nordstrand befindliches, hoch -belegenes Moor, auf welches sich ein Teil der Einwohner geflüchtet -hatte. Sie bauten sich hier Werften, Häuser und 1656 sogar eine eigene -Kirche und nährten sich in der Folge von Fischfang, Schiffahrt, -Schafzucht und Torfgraben. Auch Nordstrandisch-Moor hat hernach -noch viele böse Zeiten erleben müssen, mehrfach sind die brandenden -Wogen der Nordsee wieder über die Hallig hinweggezogen und Elend und -Not haben sie in noch mannigfacher Weise heimgesucht. Ihre letzten -Unglückstage waren der 1. Dezember 1821 und dann wieder der 4. Februar -1825, an denen die Meereswellen die Kirche zusammengerissen haben, -die seither nicht wieder aufgebaut worden ist. Die Kirchwerft steht -heute verlassen da. Der letzte Geistliche, welcher in dem zerstörten -Gotteshause seines Amtes gewaltet hat, war Johann Christoph Biernatzki, -der berühmte Verfasser der Novelle „Die Hallig“. Seine darin -niedergelegte ergreifende Schilderung der Sturmflut von 1825 ist längst -ein Gemeingut des deutschen Volkes geworden. - -[Sidenote: Nordstrand.] - -Das westliche Ende des alten Nordstrand, Pellworm, wurde später -mit Hilfe der Holländer wiedergewonnen, das östliche, das jetzige -Nordstrand, erst viele Jahre nachher wieder eingedeicht. Von den 40000 -Demat, welche die Insel eben vor der Flut noch maß, sind jetzt, nach -276 Jahren, kaum der dritte Teil wieder dem Meere entrissen. - -Es mangelt uns hier an Raum, um weiter von den Zerstörungen zu -berichten, welche die Sturmflut von 1634 noch an anderen Stellen der -deutschen Nordseeküste angerichtet hat. Die Schätzung Hansens, daß -dieselbe in allen ehemaligen nordfriesischen Uthlanden etwa 9089 -Menschen, in ganz Nordfriesland ca. 10300 menschliche Wesen, in allen -Marschländern der cimbrischen Halbinsel jedoch deren an 15000 zum Opfer -gefordert habe, dürfte kaum zu hoch gegriffen sein. - -[Illustration: Abb. 32. ¯Auf der Hallig Oland.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Im achtzehnten Jahrhundert verzeichnet die Chronik eine ganze Anzahl -von Unglückstagen, welche das stürmische und wildbewegte Meer über die -friesischen Lande heraufbeschworen hat. Da war es der Christtag 1717, -an dem, fünf Tage nach dem Vollmond, bei heftig wütendem Südwestwinde, -der in der Nacht nach Nordwesten umsprang, das Wasser an der Küste -um eine ganze Elle höher gestanden haben soll als im Jahre 1634. -Schon um die dritte Stunde des Weihnachtsmorgens war das ganze Land -überschwemmt, aber erst gegen acht Uhr hatte die Flut ihren höchsten -Stand erreicht. Die Halligen, die Inseln Föhr und Sylt, Dithmarschen -und das Land nördlich der Eider mußten alle gewaltig unter dem Andrang -des Wassers leiden. Auf Langeneß durchwühlten die Wogen den Kirchhof -und rissen die Särge aus ihren Gräbern. In Süderdithmarschen kamen -468 Menschen und 6530 Stück Vieh um, 1067 Häuser wurden zerstört. Man -begann überall sofort, soweit das bei der Witterung im Winter angängig -war, die entstandenen Schäden wieder auszubessern, allein schon zwei -Monate später, am 25. Februar 1718, entstand abermals ein entsetzliches -Unwetter, das eine neue Überflutung zur Folge hatte. Der Sturm trieb -das Wasser der Nordsee in ungewöhnliche Höhe über die Inseln und -Marschen Frieslands hinweg, zerbrach die Eisdecke des inneren Haffes, -schob die Eistrümmer aufeinander und führte sie mit sich gegen die -Ufer und Deiche, ja zum Teil weit in das Land hinein, so daß die -Wirkungen dieser Sturmflut teilweise noch viel zerstörender wurden, als -diejenigen der Weihnachtsflut. - -Eine weitere Katastrophe ereignete sich in den Tagen des 9. zum -11. September 1751, wobei unter anderen die Insel Föhr durch einen -fünffachen Deichbruch stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dann ist -der Oktobersturm von 1756 (7. Oktober) nicht zu vergessen, der von -gewaltigen Deichbrüchen und Unheil aller Art begleitet gewesen ist. -„Auf Gröde,“ so erzählt Hansen, „schien eine Auferstehung der Toten vor -sich zu gehen. Die aus den Gräbern des dortigen Kirchhofes durch die -tobenden Wellen herausgespülten Särge stießen die Wand des dortigen -Pastorates ein und stürzten in die Stube desselben.“ - -Nachdem schon der Dezember 1790 sehr sturmreich gewesen war -- allein -während dieses Monats werden sieben Sturmtage gezählt --, brachte das -Jahr 1791 eine wahre Unzahl von Stürmen, deren stärkster mit einer -großen Wassersflut am 21.–22. März erfolgte. Noch gewaltiger tobten -aber die aufgeregten Wellen der See in der Zeit vom 4. zum 11. Dezember -1792, bei vorherrschendem Südwest- und nachher wieder, wie gewöhnlich -nach Nordwesten umspringendem Winde. Die friesischen Deiche litten -überall in hohem Maße; nur noch „wie Klippen ragten die besonders -arg mitgenommenen Deiche Pellworms aus dem wogenden und schäumenden -Meere hervor“, und die dortigen Köge sollen sogar meist sechs Fuß -unter Wasser gestanden haben. Von Föhr und von verschiedenen Stellen -des Festlandes werden ebenfalls viele Deichbrüche gemeldet, und die -Marschen blieben dort noch geraume Zeit vom salzigen Wasser bedeckt, -das sich nur langsam verlief. Übrigens ereigneten sich schon wieder am -18., 19. und 21. Dezember neue, wenn auch viel schwächere Stürme. - -Kaum waren die so arg heimgesuchten Bewohner wieder etwas zur Besinnung -gekommen, als bereits am 3. März 1793 und am 26. Januar 1794 neuer -Schrecken und Not über Nordfriesland hereinbrachen. - -[Sidenote: Höhen der Fluten.] - -Traeger hat die Höhen einzelner Fluten des achtzehnten Jahrhunderts -zusammengestellt. Sie betrugen: - - Anno 1717 20 Fuß - " 1751 20 " 2 Zoll, - " 1756 20 " 5 " - " 1791 20 " 2 " - " 1792 20 " 6 " - -Zum letztenmal in größerem Umfang ist die friesische Küste am Ende -des neunzehnten Jahrhunderts der Tummelplatz der zerstörenden Wellen -gewesen. Das ist in der denkwürdigen Nacht vom 3. zum 4. Februar -1825 geschehen. In vielen Dingen soll dieses grausige Ereignis den -Sturmfluten von 1634 und 1717 ähnlich gewesen sein. Auch diesmal kam -der Sturm erst aus Südwesten und drehte dann nach Nordwesten um. -Sylt, Amrum, Föhr, am meisten aber die Halligen und Pellworm wissen -von dieser Unglücksnacht zu erzählen. In mehr als 100 Häuser auf -der erstgenannten Insel drangen die Wasserströme ein, viele davon -wurden zerstört, und das kleine, verarmte Dorf Rantum ging fast ganz -verloren. Föhrs Deiche brachen an fünf verschiedenen Stellen; seine -Marschen wurden überschwemmt, zwei Menschenleben, viele Kühe und 4000 -Schafe kamen in den Wellen um. Auf den Halligen standen vor dieser -Sturmflut 339 Häuser; davon waren 79 ganz verschwunden und 233 durch -das Wasser unbewohnbar geworden. Auf Hooge ertranken 28 Menschen, 30 -auf Nordmarsch und Langeneß, 10 auf Gröde. Die von den Wellen verschont -gebliebenen Halligbewohner saßen durchnäßt, hungernd und frierend auf -den Trümmern ihrer Wohnstätten, fanden aber durch die Barmherzigkeit -der Föhringer fast alle Obdach und freundliche Aufnahme in Wyk auf -Föhr. Manche blieben für immer dort, andere siedelten sich auf dem -Festlande an, die übrigen kehrten bald wieder auf ihre verödeten -Heimstätten zurück und fingen von neuem an zu bauen an Werften und -Häusern. Nur Norderoog ist nach dieser Flut nicht wieder bewohnt -worden. Im Sommer 1825 ist König Friedrich ~VI.~ von Dänemark selbst -nach den nordfriesischen Inseln gekommen, um sich persönlich von dem -unhaltbaren Zustand an den Westmarken seines Reiches zu überzeugen. Das -Königshaus auf der Hallig Hooge erinnert heute noch an diesen seltenen -Besuch. Seither ist manches geschehen, um den bestehenden Übelständen -abzuhelfen und das gefährdete Land vor neuem zerstörenden Anprall der -Nordseewogen zu beschützen. Im Laufe der Jahre hatte man gelernt, daß -die Eindeichung des Landes die größte Gefahr bringt, solange sie nicht -auch gegen die höchste Flut Sicherheit zu gewähren vermag. „Während -selbst das empörteste Meer und die höchste Flut machtlos über den -uneingedeichten ebenen Rasen rollt, vernichtet die Sturmflut, welche -den Deich zerbricht, nicht bloß diesen, daß er in ruinenhaften Trümmern -stehen bleibt und maßlose Erdopfer zu seiner Wiederherstellung braucht, -sondern an der Stelle des Bruches entsteht auch durch den Wasserfall -ein ausgewühlter, tiefer Kolk, eine Wehle, die sich wohl immer und -immer wieder als neue Angriffsstelle darbietet. Auch das innerhalb -des Kooges beackerte, also seiner Rasendecke beraubte Land wird bis -zu jener Tiefe abgeschält, die dem Aus- und Einlaufen der Fluten -entspricht, und geht dadurch, wenn neue Eindeichung nicht bald möglich -ist, gänzlich verloren, wird wieder zu Watt. Leider ist diese Erfahrung -so spät gewonnen, daß der größte Teil des alten Nordfrieslands verloren -war, als man lernte, die Kraft des ganzen Hinterlandes zu verwenden, um -den Schutz gegen das Meer zu einem wirklich vollständigen zu machen“ -(Meyn). - -[Illustration: Abb. 33. ¯Die Häuser der Hallig Gröde.¯ (Nach einer -Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -[Sidenote: Rettung der Inseln.] - -Die heutigen, gegen die verflossenen Zeiten so sehr veränderten -Verkehrsverhältnisse ermöglichen das Heranziehen großer Arbeitermengen, -und dadurch ist nach dem Landesbaurat Eckermann, aus dessen Geschichte -der Eindeichungen in Norderdithmarschen wir citieren, der Deichbau der -Jetztzeit gegen die früheren Jahrhunderte in außerordentlich günstiger -Lage. In alter Zeit war jede Kommune bei den Eindeichungen auf ihre -eigenen Kräfte angewiesen; nur bei ganz außergewöhnlichen Aufgaben -wurden die benachbarten Harden und Kirchspiele auf fürstlichen Befehl -mit zu der Arbeit herangezogen. Dammbauten zwischen den Halligen und -dem Festlande helfen neuerdings zur Befestigung und Rettung der Inseln. - -[Illustration: Abb. 34. ¯Haus der Hallig Gröde.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - - - - -~V.~ - -Land und Leute. - - -[Illustration] - -[Sidenote: Die Watten.] - -Bei Endrup, gegenüber der kleinen dänischen Insel Manö, beginnt der -deutsche Teil der Nordseeküste und zieht sich in etwa nordsüdlicher -Linie bis zu der Elbmündung hin. Von hier nimmt ihr Verlauf eine -westöstliche Richtung und erreicht an dem Einfluß der Ems ins Meer und -am Dollart die holländische Grenze. Wie wir schon weiter oben gesehen -haben, trägt das deutsche Gestade an der Nordsee den Charakter einer -Doppelküste, indem der mannigfach gegliederten Festlandsküste eine -Inselküste vorgelagert ist, der Überrest eines großen, im Laufe der -Äonen zerstörten und vormals bis weit nach Westen reichenden Areales. -Zwischen beiden Küstenlinien dehnt sich das Watt aus, das vor den -Einmündungen der Eider, Elbe, Weser und Ems Unterbrechungen erleidet, -aber längs der Unterläufe dieser Ströme seine Fortsetzung in das -Flachland hinein in der Gestalt der Flußwatten besitzt. Neben diesen -Wasserläufen ergießen sich noch eine beträchtliche Anzahl von kleineren -Flüssen in das deutsche Meer, so von Schleswig-Holstein her die Bredau, -die Wiedau bei Hoyer, die Husumer Au, die Miele bei Meldorf u. s. f., -und die zahlreichen Küstenflüsse in Hadeln und Wursten, Butjadingen, im -Gebiete der Jade und in Ostfriesland. - -[Illustration: Abb. 35. ¯Küche des Gröder Hauses.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -Es ist in allerneuester Zeit die Ansicht ausgesprochen worden, daß -in den sogenannten Baljen, welche die einzelnen ostfriesischen Inseln -voneinander trennen, die Fortsetzung etlicher dieser Gewässer zu suchen -sein könnte, ebenso, wie an der Westküste von Schleswig-Holstein -die dort ins Meer fallenden Wasserläufe in Verbindung mit den ihren -Mündungsstellen entsprechenden Tiefen stehen dürften, so die Brönsau -im äußersten Norden unseres Gebietes mit dem Juvrer Tief, die Wiedau -mit dem Römer Tief, die Eider mit dem Süderhever, die Miele mit dem -Norderpiep u. s. f. - -[Sidenote: Die Inselreihen.] - -Die Inselküste gliedert sich in die zur cimbrischen Halbinsel -gehörige Kette der nordfriesischen Eilande. Röm oder Romö ist das -nördlichste derselben, dann folgen das lang gestreckte Sylt und Amrum, -mehr landeinwärts und von Amrum gedeckt, Föhr, hierauf die Gruppe -der Halligen mit Nordstrand und Pellworm. Vor dem linken Ufer der -Elbemündung erhebt sich Neuwerk aus den Fluten und weit draußen, rings -von der offenen Nordsee umspült, steigt der rote Felsen Helgolands -mit seinen Riffen aus dem Wasser empor. Wangeroog eröffnet den -ostfriesischen Inselkranz, den weiter Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, -Norderney, Juist und Borkum bilden, und der sich jenseits der deutschen -Meeresgrenze längs der niederländischen Küste über die Zuidersee hinaus -fortsetzt. Von der vielgestaltigen Gliederung der Festlandsküste mit -den Halbinseln Eiderstedt, Dieksand u. s. f. ist schon weiter oben kurz -die Rede gewesen. - -[Illustration: Abb. 36. ¯Einholen des Netzes beim Sandspierenfang.¯] - -Was nun das Klima anbetrifft, so schreibt Penck darüber, daß nicht -die Bodengestaltung die klimatischen Verschiedenheiten einzelner -Teile Norddeutschlands bedinge. Die geographische Breite im Verein -mit der mehr oder minder großen Nähe des Meeres erweist sich -dagegen als Hauptfaktor bei der Bestimmung der Temperatur und -Regenverhältnisse eines Ortes. Die wärmsten Gegenden sind im Westen, -im Bereiche der großen Moore belegen, und längs der Ems findet man -mittlere Jahrestemperaturen von 9° und darüber. Die Regenmenge auf -den nordfriesischen Inseln erhebt sich bis auf 1000 ~mm~; in den -Moorgegenden beträgt dieselbe an 800 ~mm~. - -In politischer Beziehung gehören die Lande an dem deutschen -Nordseegestade mit alleiniger Ausnahme des Gebietes der freien Städte -Hamburg und Bremens, sowie des oldenburgischen Küstenstriches dem -Königreich Preußen, und zwar den Provinzen Schleswig-Holstein und -Hannover an. - -[Illustration: Abb. 37. ¯Seehundsjäger.¯] - -[Sidenote: Geest und Marsch.] - -Mit Ausnahme einiger weniger Stellen, an denen anstehendes Gestein -zu Tage tritt (Helgoland, Stade, Hemmoor, Umgebung von Altona und an -anderen Orten, Lägerdorf bei Itzehoe, Schobüller Berg bei Husum), -das dem Zechstein, der Trias, der Kreide und dem Tertiär angehört, -nehmen ausschließlich nur Diluvium und Alluvium, in den Dünen und dem -Flugsande auch Gebilde äolischer Art an dem Aufbau der Lande an der -deutschen Nordseeküste teil. Aus dem Diluvium besteht der innere Kern -des Küstenlandes, der wiederum in der Tiefe auf älteren Formationen -aufruht. Da und dort tritt diese Quartärbildung hervor, jedoch wird -sie auch vielfach von Alluvium und zwar von Mooren und Marschen, -oder von Dünen überlagert. Vom geographischen Standpunkte aus sind -zu unterscheiden: die Geest und die Marsch. Schon vor 50 Jahren hat -Bernhard von Cotta den zwischen den beiden ebengenannten Bildungen -bestehenden Gegensatz also definiert: „Die Marsch ist niedrig, flach -und eben, die Geest hoch, uneben und minder fruchtbar. Die Marsch -ist kahl und völlig baumlos, die Geest stellenweise bewaldet, die -Marsch zeigt nirgends Sand und Heide, sondern ist ein ununterbrochener -fetter, höchst fruchtbarer Erdstrich, Acker an Acker, Wiese an Wiese; -die Geest ist heidig, sandig und nur stellenweise bebaut. Die Marsch -ist von Deichen und schnurgeraden Kanälen durchzogen, ohne Quellen -und Flüsse, die Geest hat Quellen, Bäche und Ströme.“ Der eigentliche -Geest- oder Heiderücken, ursprünglich nur mit Heide, Brahm und -verkrüppelten Eichen bestanden und Roggen als Ackerfrucht tragend, -wird von einem schwach lehmigen, aber sehr eisenschüssigen Sande -bedeckt, der gewöhnlich reich an Grand und stark abgerundeten Geröllen -ist. Nicht selten liegen einzelne Riesenblöcke umher, welche von den -germanischen Ureinwohnern zu ihren Steinsetzungen und zur Herstellung -ihrer Hünengräber verwendet worden sind. Breite Thäler unterbrechen -zuweilen den Geestrücken, von grobem Sande ohne Rollsteine erfüllt oder -auch wirkliche Moorsümpfe tragend. Man hat diese Erscheinungen zum -Unterschiede von der eigentlichen Geest auch als Blachfeld bezeichnet. -Der Sand des letzteren ist alluvialen Alters, während die sandigen -Lagen der eigentlichen Geest, der Geschiebedecksand, noch dem Diluvium -zugerechnet werden müssen, wie auch der an manchen vom letzteren freien -Stellen des Bodens zu Tage tretende Geschiebe- resp. Moränenmergel. -Weiter nach der Küste zu entwickelt sich aus dem Blachfelde die von -steinleerem, mehligem Sande bedeckte Heideebene oder Vorgeest, deren -unfruchtbarste Teile durch die unzugänglichen Einöden der Hochmoore -gebildet werden oder von Binnenlandsdünen durchzogen sind, Sandschollen -und Sandhügel, die der Wind aus dem Heidesand aufgetürmt hat. Solche -Hochmoore befinden sich in ganz besonders großartiger Entfaltung im -westlichen Teil der deutschen Nordseeküstenländer, am stärksten im -Gebiete zwischen den Mündungen der Weser und Ems. Im Regierungsbezirk -Aurich entfallen 748,8 Quadratkilometer = 24,6% der Bodenfläche -auf Moor, im Regierungsbezirk Osnabrück 1249,9 Quadratkilometer -= 20,5%, im Regierungsbezirk Lüneburg 776,4 Quadratkilometer = -7%, im Regierungsbezirk Stade 1877,6 Quadratkilometer = 28,2%, im -Großherzogtum Oldenburg 945,4 Quadratkilometer = 18,6%. Etwa 27500 -Quadratkilometer Moorlandes befinden sich innerhalb der Grenzen des -Deutschen Reiches, und davon kommt auf die Provinz Hannover mit -Oldenburg zusammen allein beinahe der vierte Teil, ungefähr 6525 -Quadratkilometer. Schleswig-Holsteins Moorflächen schätzt man auf 1500 -Quadratkilometer, von denen etwa ein Drittteil auf das eigentliche -Areal der Nordseeküste zu stellen wäre, und wenn man die Wasserscheide -zwischen Nord- und Ostsee als östliche Grenzlinie unseres Areals -ansehen wollte -- was in rein geographischem Sinne seine Richtigkeit -hätte --, so müßte der weitaus beträchtliche Teil dieser Zahl dazu -gerechnet werden. - -[Illustration: Abb. 38. ¯Nordstrand. Partie am Norderhafen.¯ -(Liebhaberaufnahme von A. Höck in Nordstrand.)] - -[Sidenote: Moorbildungen.] - -Man hat in unserem Gebiet zweierlei Moorbildungen zu unterscheiden, -nämlich die Grünlands-, Wiesen- oder Niederungsmoore und die -Hochmoore. Die ersteren bestehen vorwiegend aus den Resten von -Gräsern, Scheingräsern, Moosen und Sumpfwiesenpflanzen und sind -reich an wichtigen Pflanzennährstoffen, so an Stickstoff und Kalk. -Wir finden diese Art Moore in den Niederungen, den Thälern träge -fließender Gewässer, die zur Versumpfung des Geländes Anlaß geben. Ihre -Erhebung über den Wasserspiegel ist nur sehr gering. In den weiten -Flußthälern des Nordwestens sind sie in großer Ausdehnung vorhanden, so -beispielsweise im Gebiet der Wümme und Hamme, die vereint als Lesum in -die Weser fließen. - -[Illustration: Abb. 39. ¯Ein Mövennest.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Moor und Heide.] - -Die verbreitetste Moorart im deutschen Nordwesten stellen jedoch -die Hochmoore dar, die dort ungeheure Flächen bedecken. Sphagneen -(Torfmoose), einzelne grasartige Pflanzen, als Simsen und Wollgräser -und heidekrautartige Gewächse nehmen an ihrer Zusammensetzung teil. -Die Hochmoore zeigen eine Art von Schichtung, indem deren untere Lagen -gewöhnlich sehr dicht, ziemlich stark zersetzt, dunkel gefärbt und -nicht selten reich an Holzresten sind, während die oberen häufig hell, -locker, faserig und mit bloßem Auge schon als Reste von Torfmoosen -erkennbar sind. „Diese letzteren besitzen ein außerordentlich hohes -Vermögen, das Wasser aufzusaugen und festzuhalten, sie bilden einen -ungeheuren, wassererfüllten Schwamm, Generationen auf Generationen -wachsen empor, solange die Feuchtigkeit ausreicht, und gehen unter, um -dem eigentümlichen Prozeß der Vertorfung zu verfallen; nicht selten -erheben sich die centralen Teile des Hochmoors merklich über die -Umgebung, was zur Entstehung des Namens Veranlassung gegeben haben mag. -In unberührtem, jungfräulichem Zustand trägt die Oberfläche unserer -Hochmoore ein dichtes, üppiges Torfmoospolster, in dem spärlicher oder -zahlreicher Simsen und Wollgräser, und nach dem Grade der natürlichen -Abwässerung Heidekräuter eingestreut erscheinen. Hin und wieder fristet -eine Kiefer oder eine Birke ein kümmerliches Dasein. In unzähligen -Lachen und Rinnsalen steht das braune Moorwasser; ein Beschreiten des -schwankenden Bodens ist unmöglich oder mit großer Vorsicht nur zu sehr -trockener Zeit oder im Winter, bei Frost ausführbar“ (Tacke). - -Da, wo das Gebiet der Vorgeest von Bächen durchzogen wird, die vom -Blachfeld herkommen, tritt die Heidebildung zurück, und ihre Stelle -nimmt eine dem Acker- und Wiesenbau zugängliche Grasvegetation ein, -die zur förmlichen Sandmarsch wird und an manchen Stellen in die -eigentliche Marsch übergeht. Dieser Übergang wird nicht selten durch -graswüchsige Grünlandsmoore vermittelt. - -Ohne ihre landschaftlichen Reize ist die Heide übrigens nicht, und sie -bietet dem Beschauer gar oftmals ganz herrliche Stimmungsbilder, denen -eine gewisse schwermütige Färbung zu eigen ist. Meisterlich hat es -der schleswig-holsteinische Schriftsteller und Dichter Wilhelm Jensen -verstanden, in seinen Werken die eigentümlichen, düsteren Reize der -Heide in seiner Heimat zu schildern, und ein wundervolles Bild davon -rollt uns Theodor Storm in seinem „Abseits“ betitelten Gedicht auf: - - Es ist so still; die Heide liegt - Im warmen Mittagssonnenstrahle, - Ein rosenroter Schimmer fliegt - Um ihre alten Gräbermale, - Die Kräuter blühn; der Heideduft - Steigt in die blaue Sonnenluft. - - Laufkäfer hasten durchs Gesträuch - In ihren goldnen Panzerröckchen, - Die Bienen hängen Zweig um Zweig - Sich an der Edelheide Glöckchen, - Die Vögel schwirren aus dem Kraut -- - Die Luft ist voller Lerchenlaut. - -[Illustration: Abb. 40. ¯Meldorf.¯] - -Wenn uns so der große Sohn Husums die Heide in der Schwüle eines heißen -Sommertages zeigt, im rotvioletten Schimmer ihrer blühenden Erica, so -hat uns Herman Allmers, der Friesendichter, eine nicht minder herrliche -Beschreibung der Heidelandschaft gegeben, wenn sie mit ihren weiten -Flächen im Zwielicht der Dämmerung oder in der gespenstigen Beleuchtung -des Mondscheins daliegt: - - Wenn trüb’ das verlöschende letzte Rot - Herschimmert über die Heide, - Wenn sie liegt so still, so schwarz und tot, - Soweit du nur schauest, die Heide; - Wenn der Mond steigt auf und mit bleichem Schein - Erhellt den granitenen Hünenstein, - Und der Nachtwind seufzt und flüstert darein - Auf der Heide, der stillen Heide. - - Das ist die Zeit, dann mußt du gehn - Ganz einsam über die Heide, - Mußt achten still auf des Nachtwinds Wehn - und des Mondes Licht auf der Heide; - Was du nie vernahmst durch Menschenmund, - Uraltes Geheimnis, es wird dir kund, - Es durchschauert dich tief in der Seele Grund - Auf der Heide, der stillen Heide. - -[Sidenote: Marsch und Watt.] - -Ein Marschgürtel von verschiedener Breite (an der Küste -Schleswig-Holsteins von 7 bis 22 Kilometer) umgibt das deutsche -Küstenland an der Nordsee von Hoyer in Nordschleswig bis zu den -Grenzpfählen der Niederlande. Es ist das dem Meere wieder abgerungene -und durch Deiche vor seiner Zerstörungswut geschützte Land, Watt, das -urbar gemacht und in kulturfähigen Zustand übergeführt worden ist. Dies -wird bewirkt durch geeignete Vorrichtungen, als die zapfenförmig in das -Meer hineinreichenden, sogenannten Schlengen oder Lahnungen, lange mit -Pfählen befestigte Buschdämme und durch Auswerfen von sehr breiten, -aber ganz flachen Gräben, in denen sich bei richtiger Anlage und unter -günstigen Verhältnissen der Schlick rasch ablagert. „Im Frühling,“ sagt -L. Meyn, „sieht man das sonst schwarzgraue Watt auf weite Flächen vom -Lande aus mit dunkelgrüner Farbe bedeckt. Der Landmann sagt: das Watt -blüht. Im Sonnenschein wird das Grün heller, es trocknet ein und wird -schließlich zu einer gelben oder braunen Kruste, aus unzähligen Fäden -einer Konserve zusammengefügt, welche vorher während der Bedeckung lang -hingestreckt mit dem Ebbe- oder Flutstrom im Wasser schwanken.“ - -[Illustration: Abb. 41. ¯Binnenhafen zu Brunsbüttel.¯ - -(Nach einer Photographie von Th. Backens in Marne.)] - -Die zarten, schnell wachsenden Keime dieser Kryptogamen, welche -unendlich verbreitet sind, finden ihren Halt, indem sie sich auf die -weichen Teile des Schlicks heften. Mit jeder neuen Flut aufgeweicht -oder neugesät, erscheinen sie von neuem, beitragend zur Vermehrung der -Masse und zur Befestigung des neuen Bodensatzes. Mit bezeichnendem -Namen ist diese nur in Massen sichtbare Pflanze als „landbildend“ -(~Conferva chtonoplastes~) in der Naturgeschichte eingeführt. - -[Illustration: Abb. 42. ¯Kaiser Wilhelms-Kanal. Elbschleuse.¯ (Nach -einer Photographie von Th. Backens in Marne.)] - -Wenn die Anschlickung nun schon so hoch geworden ist, daß die -gewöhnliche Flut sie täglich nur noch kurze Zeit bedecken kann, so -erscheint ein Gewächs, das „zu den auffallendsten Gestalten im ganzen -deutschen Pflanzenschatze gehört“. Das ist der Queller oder Quendel -(~Salicornia herbacea, L.~). Dasselbe besitzt das Aussehen eines -fetthenneartigen, fausthohen, vollsaftigen Pflänzchens mit vielen Ästen -und Abzweigungen, das vermöge dieser letzteren besonders geeignet ist, -den Schlick festzuhalten. Noch im Bereiche der Wellen, als wären sie -künstlich in den Sand gesteckt, finden sich bereits einige Individuen -des Quellers; landaufwärts zeigen sich immer mehr und gehen dann -ziemlich rasch, aber immer nur der Böschung gerecht werdend, in einen -ganz geschlossenen buschigen Rasen über. - -[Sidenote: Entstehung der Marschen.] - -Durch stetiges Auffangen des Schlammes erhöhen und festigen die -Quellergewächse die Wattflächen, und in stillen Buchten, wo keine -heftige Strömung oder große und stürmische Fluten diesen Prozeß störend -unterbrechen, kann der Anwuchs bis zu 50 Meter im Jahre groß werden, -während das geringste Maß auf 2 Meter geschätzt wird. Allmählich -stellen sich dann noch andere Pflanzen ein, darunter fleischige -Salzpflanzen (~Salsola Kali, L.~, ~Atriplex arenaria, Woods~, u. -s. f.), Sandkräuter von kleinem Wuchse (~Lepigonum marinum, L.~, -~Plantago maritima, L.~, ~Armeria maritima, Willd.~), das Seegras, die -Meergrasnelke, der Strandwermut u. s. f. - -Ihnen allen gelingt es aber nicht, den Queller zu verdrängen; -das vollbringt nur die sich nun in gewaltiger Masse ausbreitende -Binsenlilie (~Juncus bottnicus, Wahlenb.~), „die den bezeichnenden -Namen Drückdahl erhalten hat, weil sie alles Höherwachsende -niederdrückt“. - -[Illustration: Abb. 43. ¯Kaiser Wilhelms-Kanal. Brunsbütteler Schleuse.¯ - -(Nach einer Photographie von Th. Backens in Marne.)] - -Nun wächst die Anschlickung immer mehr und mehr, bis sie jene Höhe -bekommen hat, wo sie durch das Regenwasser genügend von den immer -seltener werdenden salzigen Überflutungen der See ausgesüßt werden -kann. Wenn das der Fall geworden ist, müssen die vorgenannten Gewächse -dem Graswuchse weichen. Bald entstehen denn auch auf dem so dem -Meere entstiegenen Vorlande dichte Rasen von zwei Gräsern, ~Glyceria -distans, Wahlenb.~ und ~Glyceria maritima, Drej~, der Andel, die -reiches Futtergras und äußerst wertvolles Heu liefern. Wenn sich nun -im Laufe der Jahre der Boden noch mehr erhöht und seinen Salzgehalt -fast gänzlich verloren hat, so ist die Zeit gekommen, sein Areal vor -dem ferneren Eindringen des Meeres dauernd zu schützen. Es hat nun -alle hierzu erforderlichen Eigenschaften erhalten, es ist „deichreif“ -geworden, und das deutsche Küstenland kann einen Koog (an der -schleswig-holsteinischen Küste) oder Polder (westlich der Elbe) mehr zu -seinem Gebiete zählen. - -[Illustration: Abb. 44. ¯Kaiser Wilhelms-Kanal. Binnenhafen am -Brunsbüttelkoog.¯ (Nach einer Photographie von Th. Backens in Marne.)] - -[Sidenote: Eindeichungen.] - -Die Deiche, in einigen Gegenden auch Kaje genannt (das französische -Wort ~quai~ ist ja bekannt), welche im Landschaftsbild als hohe, -grasbewachsene Wälle erscheinen, die jede Fernsicht abschneiden und -den Horizont der Marsch recht einförmig begrenzen, umranden das ganze -Gebiet unserer Nordseeküste und ziehen sich bis weit in die Unterläufe -der großen Wasserläufe hinein. Nur an wenigen Stellen, auf der langen -Linie zwischen dem Dollart und Hoyer und zwar da, wo Geest oder Dünen -bis an den Meeresstrand vorrücken, setzt diese Deichumwallung aus. Dies -ist der Fall beim Dorfe Dangast am Jadebusen, in der Nähe von Cuxhaven, -an der Hitzbank bei St. Peter in Eiderstedt und am Schobüller Berg bei -Husum. Nach der Seeseite zu sind diese 6–8 Meter über der gewöhnlichen -Fluthöhe sich erhebenden, grasbewachsenen Deiche sanft abgeböscht, -und zuweilen ist hier ihr Fuß mit starken Pfählen berammt oder mit -großen Steinsetzungen bewehrt, um sie widerstandsfähiger gegen den -Andrang der Wogen zu machen. Förmliche Steindossierungen an besonders -exponierten Stellen kommen ebenfalls vor. Nach dem Lande zu fällt der -Deich ziemlich steil ab, etwa mit 45° Neigung. Im allgemeinen dürfte -die Breite des Deichfußes 15–40 Meter betragen, diejenige des Kammes -oder der Kappe ungefähr 2–4 Meter. - -Um dem Binnenwasser Abfluß zu verschaffen, ebenso um dessen Wasserläufe -in schiffbarer Verbindung mit dem Meere zu erhalten, sind die Deiche -mit Schleusenanlagen, mit Sielen versehen, deren Thore durch die -ankommende Flut geschlossen, bei Niedrigwasser jedoch durch den Druck -der davor angesammelten Binnengewässer wieder geöffnet werden. - -Die Unterhaltung ihrer Deiche ist eine der Hauptsorgen der -Marschbewohner und eine nicht minder kostspielige Sache, als deren -Aufbau. Nach Jensen waren zur Eindeichung eines Kooges in der -tondernschen Marsch von 670 Hektar Größe 6,5 Kilometer Deich notwendig, -zu rund 700 Mark Kosten für das Hektar. Nach dem Genannten erforderte -der 14,32 Kilometer Gesamtlänge besitzende Osterlandföhrer Deich -in dem Zeitraum von 1825–1880 etwa 300000 Mark für Verstärkung und -Verbesserung, außerdem noch jährlich an 37318 Mark für Strohbestrickung -und ähnliche Dinge, ein Betrag, der von den Besitzern der 2591,56 -Hektare deichpflichtiger Marschländereien aufgebracht werden mußte. -Durch die Deichverbände wird für diese Instandhaltung bestens gesorgt. -Das Herzogtum Schleswig hat beispielsweise drei solche Vereinigungen, -deren eine die Marschen des früheren Amtes Tondern, 32 Köge mit 32500 -Hektaren, die zweite diejenige des vormaligen Amtes Bredstedt, 40 Köge -mit 20500 Hektaren, und die dritte diejenige des früheren Amtes Husum, -Eiderstedt u. s. f. mit ungefähr 31800 Hektaren Marschlandes umfaßt. -Holsteins Marschen sind in sechs größere Deichverbände eingeteilt, -so derjenige der Wilstermarsch, der Süderdithmarschens, derjenige -Norderdithmarschens u. s. f. - -Übrigens darf nicht zu früh zur Eindeichung geschritten werden, und -Hand in Hand mit derselben muß auch eine rationelle Entwässerung des -neueingedeichten Landes vor sich gehen, damit das letztere nicht unter -allzu großer Nässe zu leiden hat, wie dies z. B. mit dem Stedinger -Lande am linken Weserufer der Fall ist. - -Dem „blanken Hans“, so nennt der Nordfriese die Nordsee, hat man -im Verlaufe der Jahrhunderte an der Westküste Schleswigs etwa 120 -Köge abgerungen, die in ihrem gegenwärtigen Bestand ungefähr 900 -Quadratkilometer umfassen. „Von den 20000 Hektaren,“ sagt Jensen, -„welche Nordstrand 1634 verloren, sind 6700 Hektare wieder gewonnen -worden, während im übrigen seit 1634 an der ganzen schleswigschen -Westküste etwa 130 Quadratkilometer eingenommen worden sind. -Seit 1860 haben 2252 Hektare Fläche mit 2476000 Mark Wert dem -Überschwemmungsgebiete des Meeres entzogen werden können. Wie demnach -die Watten der ausgebreitete Kirchhof der Marschen sind, so sind also -die Marschen Koog an Koog ein ebenso langer Triumphzug des Menschen -über die Natur.“ - -Der auf diese Weise gewonnene Boden, der Marschklei, ist von äußerster -Fruchtbarkeit; derselbe besitzt eine zu ungewöhnlichen Tiefen -reichende, fast gar nicht schwankende Zusammensetzung der tragfähigen -Krume und ist in ausgezeichneter Weise für den Anbau des Korns, der Öl- -und der Hülsenfrüchte geeignet. Natürlich ist dementsprechend auch der -Wert des Landes in den Marschen ein hoher. So sind im jüngsten Kooge -an der Westküste der Herzogtümer, im Kaiserin Auguste Viktoria-Kooge -im April 1900 für 367 Hektare 1038850 Mark erzielt worden, so daß der -Durchschnittspreis für 1 Hektar 2617 Mark beträgt. Der höchste Preis -für 1 Hektar war 3000 Mark, der niedrigste 1500 Mark. - -[Illustration: Abb. 45. ¯Kaiser Wilhelms-Kanal. Hochbrücke bei -Grünenthal.¯] - -[Sidenote: Deiche.] - -Innerhalb des vom großen See- resp. Außendeich umwallten Landes -liegen vielfach kleine Erdwälle, die Sommerdeiche, welche größere -Landkomplexe umschließen und gegen Überschwemmung von seiten der die -Marschländereien durchziehenden Kanäle schützen sollen, teilweise auch -ehemalige durch Gewinnung vom neuen Vorlande außer Dienst gesetzte -Seedeiche sind. Windmühlen und andere derartige Anlagen schaffen das -überflüssige Wasser aus den Gräben und kleineren Kanälen fort und -dann durch die Schleusen bei Ebbezeit in die See. Wie schon weiter -oben bemerkt wurde, trägt die Marsch keinerlei größere Holzungen, -dagegen sind die Wohnstätten oftmals von ansehnlichen, wohlgepflegten -Baumgruppen umgeben, welche von der Ferne gesehen den Eindruck kleiner, -schattiger Haine beim Beschauer erwecken. - -[Sidenote: Werften.] - -Schon Plinius erwähnt in seiner Naturgeschichte jene von Menschenhand -aufgeworfenen Hügel, worauf das armselige Volk an den Gestaden des -germanischen Meeres seine Hütten erbaut hatte. Auf solchen Erhöhungen, -die entweder aus gewachsenem Boden bestehen, also natürliche Erhebungen -des Erdreiches darstellen, oder künstlich gemacht worden sind, steht -die größte Mehrzahl der menschlichen Ansiedelungen in den Marschlanden. -Man nennt diese Hügel Warfen, Warften, Würten, Worften, Werften und -Wurthen. - -[Sidenote: Geographische Lage der Städte.] - -In seinem interessanten Werke über die Städte der norddeutschen -Tiefebene in ihren Beziehungen zur Bodengestaltung hat der Königsberger -Geograph Hahn auf die Lage der Städte in unserem Areale, als Randstädte -an der Grenze zwischen Geest und Marsch aufmerksam gemacht. Der Boden -der eingedeichten Marschlande mit seinem hohen Wert war offenbar kein -günstiger Bauplatz für größere Ortschaften und Städte. Man wollte das -kostbare Land nicht durch Bebauung der Kultur entziehen, andererseits -aber auch Haus und Hof vor etwaigen Überschwemmungen schützen, und -darum suchte man sich besonders dort, wo das Marschgebiet nicht -mehr so breit war, den nahebelegenen Geestrücken zur Errichtung -der Ansiedelungen aus. Von dort ließen sich die Marschareale gut -übersehen und ebenso bequem bewirtschaften. So liegt z. B. Hoyer auf -einem Geesthügel, der rings von Marschwiesen umgeben ist, dagegen -macht Tondern eine Ausnahme, und seine niedere Lage ist wohl mit -Rücksicht auf die Ausnützung der Schiffahrtsgelegenheit gewählt -worden. Bredstedt, Husum, Garding in Eiderstedt, Lunden, Heide, -Meldorf, Itzehoe gehören zu dieser Art von Randstädten, hinwiederum -sind Wesselburen und Marne typische Marschorte. Ebenso ist Hamburg -ursprünglich auf der schmalen Geestzunge erwachsen, welche Elbe -und Alster trennt. Erst später griff sein Weichbild über auf das -Marschland. Dann müssen links des Elbstroms Harburg, Buxtehude, -Horneburg an der Lühe, Stade, Varel und Jever hier genannt werden, -ebenso in Ostfriesland Wittmund, Esens und Norden. Zu denjenigen -Randstädten, welche zwar auf Geestboden erbaut sind, der aber mehr von -Moor als von Marsch oder ganz von ersterem umgrenzt wird, wären Aurich, -Weener und Bunde, alle drei in Ostfriesland, zu zählen. - -[Sidenote: Volksdichte.] - -Sehr verschieden ist die Größe der Volksdichte im Geest-, Moor- und -Marschland. Auf den Geestflächen Schleswig-Holsteins beträgt sie 30–40 -Seelen auf den Quadratkilometer, in den Gegenden der großen Moore sinkt -sie sogar öfters unter 30 herab, während in den Marschen an 80 Menschen -den Quadratkilometer Land bewohnen. Der Stader Marschkreis weist eine -Volksdichte von 75 Einwohnern für den Quadratkilometer auf, der Stader -Geestkreis nur eine solche von 42 Seelen für die gleiche Fläche. - -[Illustration: Abb. 46. ¯Itzehoe.¯ - -(Nach einer Photographie von H. Mehlert in Itzehoe.)] - -[Sidenote: Die Bevölkerung.] - -Dänen im Norden, Friesen, Sachsen, eingewanderte Holländer in den -Marschen, Sachsen auf der Geest, das sind die Volksstämme, welche -die deutsche Nordseeküste bewohnen. Die ursprünglichen Landsassen -waren wohl die germanische Völkerschaft der Chauken, welchen Tacitus -das Lob gespendet hat, der edelste Stamm unter den Germanen zu sein, -gerechtigkeitsliebend, ohne Gier nach fremdem Hab und Gut, mann- und -wehrhaft. Die großen Sachsenzüge nach England im fünften Jahrhundert -entvölkerten das Land, und die Friesen nahmen, von Westen her -vordringend, die leer gewordenen Wohnplätze der Chauken ein. Noch zur -Römerzeit reichten die Ansiedelungen dieses ersteren Volkes im Osten -nur bis zur Ems. So kamen die Friesen auch auf die cimbrische Halbinsel -und machten die Treene und Wiedau zur Grenze ihrer Ansiedelungen. Von -Hattstedt bei Husum bis nach Hoyer und auf den nach ihrer Bevölkerung -benannten nordfriesischen Inseln ist heute noch dieses Element unter -den eigentlichen Einwohnern des Landes vorherrschend. Jenseits der -Elbe hat Kehdingen eine aus Sachsen und Friesen gemischte Bevölkerung, -Wursten, das Vieland, Wührden und Osterstade sind ganz friesisch, und -bis oberhalb Bremen läßt sich am rechten Weserufer der friesische -Charakter, wenn auch nicht allgemein, so doch da und dort nachweisen. -Auch an der linken Seite der Weser finden sich mitten im Sachsenlande -friesische Enklaven. Stedingerland, Stadland, Butjadingen und die ganze -Provinz Ostfriesland mit Ausnahme des Lengener Landes gehören völlig -den Friesen an. Dithmarschen und die Geestgebiete der cimbrischen -Halbinsel sind sächsisch, ebenso wird links der Elbe das Land Hadeln -von Sachsen bewohnt, während im Alten Lande und teilweise in den -Elbmarschen eingewanderte Holländer sich niedergelassen haben. - -[Illustration: Abb. 47. ¯Elmshorn.¯] - -Diese Verschiedenheit in der Abstammung der Bewohner unserer -Nordseeküste kommt naturgemäß auch in ihrem Körperbau und ihrem -Charakter, in ihren Sitten und Gebräuchen, ihrer Sprache, Tracht und -in der Art ihrer Wohnstätten zum Ausdruck. So ist beispielsweise -der Marschfriese von breitschultriger, nicht über das Mittelmaß der -Höhe hinausgehender Gestalt, stark, mit breiten Händen und feinem, -schlichtem hellfarbigen Haar, hellblauen oder grauen Augen, weißer -Gesichtsfarbe und rundlichem Antlitz, meist ohne scharf ausgeprägte -Züge. Sein Charakter ist ernst, zuweilen sogar finster, er wird nicht -leicht fröhlich, wenn er aber lustig wird, so hat seine Heiterkeit -leicht etwas Gewaltsames. Das Sprichwort: „~Frisia non cantat~“ ist ja -bekannt. Schwer geht der Friese aus sich heraus, zeigt aber großen Hang -zum Aufwand und zur Pracht, ist von peinlicher Sauberkeit und stolz -auf seinen von seinen Vätern dem Meere abgerungenen Besitz. Dagegen -ist der Sachse schmächtiger und hagerer gebaut, hat lange Beine und -einen kurzen Oberkörper, ein schmales Gesicht und ausgeprägte Züge. -Bewunderungswürdig ist die Heimatsliebe der Friesen. Wie weit sie auch -in der Welt herumkamen, wie groß auch der Wohlstand war, zu dem sie es -dort gebracht hatten, Länder und Städte draußen hatten keinen Reiz für -sie, immer und immer wieder zog sie ihre meerumspülte Heimat an. Hier -war es am schönsten und besten; nach langem Umherfahren auf den Meeren -dieser Erde hier ausruhen und in Frieden sterben zu dürfen, das war ihr -Wunsch vor Zeiten, das ist auch heute noch die Sehnsucht, die jeder -Nordseefriese in den geheimen Falten seines Herzens birgt. Das mag -wohl, so hat schon vor anderthalbhundert Jahren der Halligmann Lorenz -Lorenzen gesagt, darin seinen Grund haben, weil sie auf der ganzen Welt -keinen besseren Fleck finden konnten, als ihr Heim, wo sie geboren und -erzogen waren! - -[Illustration: Abb. 48. ¯Uhlenhorst, mit Fährhaus.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -Dem Friesen wird eine hervorragende Begabung für die Mathematik -nachgerühmt, ein Umstand, der übrigens wohl auch für den Niedersachsen -volle Geltung hat. Eine Reihe großer Männer in Litteratur und -Wissenschaft sind dem deutschen Volke in den Ländern an der Nordsee -erwachsen. In Heide in Norderdithmarschen kam der Sänger des Quickborn, -Klaus Groth, zur Welt, Wesselburen darf sich rühmen, der Geburtsort -eines der Größten unter unseren Großen im Reiche der Geister, Friedrich -Hebbels, zu sein, in Husum, der grauen Stadt am Meer, hat Theodor -Storm die Sonne zum erstenmal gegrüßt. Zu Rechtenfleth in Osterstade -weilt noch heute Hermann Allmers, der Friesendichter, und Garding -in Eiderstedt hat den weltbekannten Historiker Theodor Mommsen zum -Landsmann. In Jever in Ostfriesland sind der Geschichtsschreiber -Schlosser und der Chemiker Mitscherlich geboren. Die schaffende -Tonkunst hat an den deutschen Nordseegestaden weniger ihr Heim -gefunden, doch hat auch sie unter den hier zur Welt gekommenen Männern -einen hoch bedeutenden Namen zu verzeichnen, denjenigen von Johannes -Brahms, der zwar von Geburt Hamburger, aber, wenn wir nicht irren, -von dithmarsischer Abkunft ist. Dagegen ist unser Areal unter den -ausübenden Tonkünstlern recht gut vertreten. Für die plastischen -Künste ist von jeher viel Sinn an unseren Nordseeküsten gewesen; die -wundervoll geschnitzten Schränke und Truhen, die man allenthalben -in wohlhabenderen Häusern noch finden kann, der berühmte Swynsche -Pesel aus Lehe, jetzt in Meldorf, und des großen Bildschnitzers -Hans Brüggemann Werke, so das Altarblatt im Schleswiger Dom, legen -beredtes Zeugnis dafür ab. Prächtige Schilderungen von den Halligen -und aus dem Volksleben der Friesen, die wir dem Pinsel der noch jetzt -wirkenden Meister Alberts und Jessen verdanken, haben weit und breit -die verdiente Anerkennung gefunden, und die Worpsweder Schule durfte -in der Darstellung ihrer stimmungsvollen Bilder aus dem Moor nicht -minder große Erfolge verzeichnen. Die Städte und Ortschaften an der -Westküste Schleswig-Holsteins haben leider mit der Zeit so manche -Gebäude, die ihrer Architektur einen bestimmten Stempel aufgedrückt -hatten, verloren. Doch wird dem Auge des aufmerksamen Beschauers auch -in Husum oder Tondern noch vielerlei Schönes und Beachtenswertes -auffallen. Durch den großen Brand von 1842 erhielt Hamburg eine -veränderte Physiognomie, und ein großer Teil der alten Stadt fiel den -Flammen zum Raub. Andere alte, wenn auch vom Standpunkte der Baukunst -nicht besonders in Betracht fallende Stadtviertel mußten den neuen -Hafenanlagen weichen, und so ist denn heute Deutschlands reichste -und größte Handelsstadt durchweg eines besonderen architektonischen -Charakters bar. Hinwiederum bietet Bremens Altstadt desto mehr, und -da und dort in den Städten links der Elbe und in Ostfriesland sind -noch manche Bauten erhalten geblieben, die an vergangene Pracht und -Herrlichkeit erinnern und wohlthuend von dem modernen Kasernenstil -abstechen, der sich auch hier, wie anderswo, breit zu machen anfängt. - -[Illustration: Abb. 49. ¯Außenalster und Binnenalster.¯] - -[Illustration: Abb. 50. ¯Hamburger Hafen. Abendstimmung.¯ - -(Nach einer Photographie von W. Dreesen in Flensburg.)] - -[Sidenote: Bauart der Häuser.] - -Auf dem Lande dagegen und in den kleineren Ortschaften tragen die -Wohnstätten auch heute noch ihr eigentümliches Gepräge. Da treffen -wir in den von den Sachsen eingenommenen Gebieten auf die sächsische -Bauart der Häuser. Lange, schornsteinlose Gebäude, deren Ende der -Straße zugekehrt liegt, und die am Giebelende eine Einfahrt haben, -charakterisieren dieselbe. Wenn wir das Haus durch die letztere -betreten, kommen wir auf die Diele, die auch als Tenne dienen muß; -rechts und links davon befinden sich die Ställe, in denen das Vieh -mit seinen Köpfen nach innen zugekehrt steht. Der Einfahrt gegenüber -erblicken wir den oben gewölbten, schornsteinlosen Herd, dessen Rauch -unter der Decke hinzieht und zum Einräuchern von Speckseiten, Würsten -etc. benützt wird. Dahinter, am anderen Ende des Hauses, sind die Wohn- -und Schlafräume der Familie. Zuweilen, so in Dithmarschen, tritt am -oberen Ende der Diele noch ein großer Raum, der Pesel, hinzu. Hölzerne -Pferdeköpfe am Ende der First schmücken meist noch das Haus. - -[Illustration: Abb. 51. ¯Hamburger Segelschiffhafen.¯] - -Der Hauberg, Heuberg oder kurzweg „Berg“ ist friesischen Ursprungs. -Sein Name will so viel besagen als Bergeplatz des Heus. Hauberge kannte -man schon im Mittelalter in den Niederlanden, und gegen Ende des -sechzehnten Jahrhunderts tauchten sie bereits in der Gegend zwischen -Ems und Weser und in Dithmarschen auf. Von hier aus breitete sich -diese Bauart über Eiderstedt aus, wo dieselbe vor einem Menschenalter -noch die herrschende war, und ging sogar auch noch weiter nach Norden -bis in die Umgegend von Tondern. Das charakteristischste Merkmal am -Hauberg ist der von vier bis sechs hohen Pfosten getragene Vierkant, -westlich von der Elbe Gulf genannt, ein Raum von sechs bis acht -Metern im Quadrat, bei den älteren Gebäuden hoch wie eine Kirche. -Selbst an sonnenhellen Sommertagen ist er düster, da Licht nur durch -ein einziges Loch im First einfällt, das zuweilen 50 Fuß über dem -Fußboden angebracht ist. Der gewaltige Dachraum wird zum Unterbringen -des Heues oder auch als Kornmagazin benutzt. Um den Vierkant liegen, -wie die Seitenschiffe einer Kirche um das Hauptschiff, vier weitere -langgestreckte Räume, deren vorderster, meist nach Süden gekehrt, die -Wohnung des Besitzers und seiner Familie birgt. Auch hier trägt die -größte Stube den Namen Pesel. Gegen Osten und Norden befinden sich -die Ställe, gegen Westen die Tenne. Zumeist ist der Hauberg auf einer -Werft erbaut, die wiederum von einem fünf bis acht Meter breiten Graben -umgeben ist und in vergangenen Zeiten durch eine Zugbrücke mit der -Umgebung verbunden war, die in der Gegenwart durch feste Stege ersetzt -wird. - -Die anglisch-dänische Bauart, die wir im Norden finden, ist wiederum -anderer Gestalt. Hier stellen die Gebäude eines Hofes ein Viereck -dar, das den Hofplatz einschließt. Eine Seite des Vierecks bildet das -mit einem ebenfalls als Pesel bezeichneten Raume versehene Wohnhaus, -welches Schornsteine besitzt, und von dem Stall, Scheune und andere -Nebengebäude streng gesondert sind. Das Vieh steht in den Ställen mit -den Köpfen der Außenwand zugekehrt. - -Selbstverständlich kommen in den verschiedenen Landstrichen wiederum -mancherlei Abweichungen in der Bauart der Häuser vor, und in der -neueren Zeit gar verwischt sich da und dort der landesübliche Stil, -und Wohnungen moderner Art treten an seine Stelle. Das alte Strohdach -verschwindet mehr und mehr, mit Schiefer oder Dachpfannen gedeckte -Dächer kommen dafür auf, und die von den Ureltern herstammenden -Schränke, Truhen und andere Haushaltungsgeräte kunstvoller Art werden -verschachert und müssen modernen Möbeln und neumodischem Tand weichen. - -Ebenso ist es mit den Trachten, die nur noch bei besonderen -Gelegenheiten getragen werden oder auch überhaupt gar nicht mehr. Hier -ebenfalls hat die städtische Kleidung das Alte und Schöne fast schon -ganz ersetzt, und die Zeit ist vielleicht nicht mehr allzu ferne, in -der auch der letzte Rest davon von dem Moloch Mode verschlungen sein -wird. Und so geschieht es noch mit vielen anderen Dingen, auf die wir -wegen Mangels an Raum nicht mehr näher eingehen können. - -[Illustration: Abb. 52. ¯Hamburger Hafen und Werft von Blohm & Voß.¯] - -[Sidenote: Sprache und Charakter der Bevölkerung.] - -Was die Sprache anbetrifft, so hat das Plattdeutsche die friesische -Mundart heutzutage fast vollständig verdrängt. Friesisch wird -heute nur noch im oldenburgischen Saterlande, auf den ost- und den -nordfriesischen Inseln gesprochen und ist aber auch hier im Aussterben -begriffen. In konfessioneller Beziehung gehören die Bewohner unserer -deutschen Nordseeküste fast durchgängig dem protestantischen Glauben an. - -„Marsch, Geest und Moor,“ so sagt Hermann Allmers einmal in seinem -Marschenbuch, „vergegenwärtigen uns gewissermaßen die menschlichen -Temperamente. Die Marsch repräsentiert, auf den ersten Blick erkennbar, -das Phlegmatische. Die leichte Geest dagegen ist durch und durch -sanguinisch. Hier ist alles Wechsel, bald ernst, bald heiter, bald -dürr, bald fruchtbar, bald Thal, bald Hügel, hier dämmeriger Wald, -dort schattenlose Sandwüste; hier grünender Wiesengrund und wallende -Kornfelder, dort steiniges unfruchtbares Heideland; hier rauschende -Mühlenbäche, dort stille, rohrumflüsterte Teiche -- alles in schroffen -Gegensätzen, wie der Ausdruck eines sanguinischen Gemüts. Wie das -Geestvieh leichter und lebhafter ist, als das Vieh der Marsch, so oft -auch der Menschenschlag. Im Moor endlich findet die tiefste Melancholie -ihren Ausdruck, welche der köstlichste Frühlingsmorgen und der -sonnigblaueste Sommertag nicht ganz verscheuchen können, der aber bei -trübem, wolkigem Himmel, im Spätherbst und zur Winterszeit wahrhaft -grauenerregend auf die Seele zu wirken vermag.“ - -[Illustration: Abb. 53. ¯Sandthorkai und Freihafenlagerhäuser.¯ (Nach -einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - - - - -~VI.~ - -Geschichtliches. - - -Es leuchtet ein, daß ein von so verschiedenartigen Volksstämmen -bewohntes und im Laufe der Jahrhunderte so vielen verschiedenen -Herren unterthan gewesenes Areal wie das Land, welches die deutsche -Nordseeküste umsäumt, auch eine höchst wechselvolle Geschichte hat. -Nun ist es nicht unseres Amtes, eingehendere Ausführungen darüber zu -machen, ganz abgesehen vom Mangel an Platz dafür, so daß wir uns hier -auf einige allgemeine Bemerkungen über dieses Thema zu beschränken -haben werden. - -[Illustration: Abb. 54. ¯Fleet zwischen Deichstraße und Cremon.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -[Sidenote: Älteste Völkerverschiebungen. Kämpfe mit den Dänen.] - -Die cimbrische Halbinsel hat schon im grauen Altertum mannigfache -Schicksale über sich ergehen lassen müssen. Der eherne Tritt der -römischen Legionen wird wohl ihren Boden kaum berührt haben, wenn -ihre Adler auch an den Mündungen des Elbstroms aufgepflanzt gewesen -sein dürften. Um so mehr Unruhe hat aber die Zeit der Völkerwanderung -in das schleswig-holsteinische Land getragen. Von hier aus wanderten -die Cimbern und Teutonen in den sonnigeren Süden, von hier aus zogen -Hengist und Horsa mit ihren Mannen nach Britannien hinüber. Als es -in der germanischen Welt wieder etwas ruhiger geworden war und die -einzelnen Volksstämme dauernd seßhaft wurden, da kamen von Norden und -von Osten her andere Eindringlinge ins Land. Hier Slaven, dort Dänen. -Erstere berührten freilich die Gegenden an der Nordsee kaum, dagegen -hat es bis in die Gegenwart hinein von seiten der dänischen Nachbarn -nicht an stetig erneuten und nie erlahmenden Versuchen gefehlt, sich -des meerumschlungenen Landes zu bemächtigen. Und diese Umstände sind -nicht zum geringsten Teil maßgebend geworden für die ferneren Geschicke -der Herzogtümer. Am Maria-Magdalenentage 1227 schlug der Holsteiner -Graf Adolph ~IV.~ den Dänenkönig Waldemar ~II.~ aus dem Felde, und bei -Oldenswort und Mildenburg mußte König Abel der friesischen Streitmacht, -die er zu unterjochen gedachte, durch eilige Flucht weichen. -Jahrhunderte hindurch folgte dann noch Fehde auf Fehde bis in die -neuere Zeit hinein. Die Bauernrepublik der Dithmarschen war den Holsten -und den Dänen schon lange ein Dorn im Auge, und mit vereinten Kräften -zogen sie los, um den kleinen Staat zu vernichten. Der aber war auf der -Hut, und beim Dusenddüvels-Warf bei Hemmingstedt in Dithmarschen kam -es am 17. Februar 1500 zur blutigen Schlacht. Zwar blieben die Bauern -dieses Mal noch Sieger, aber die Stunde, welche ihrer Unabhängigkeit -ein Ende machen sollte, war nicht mehr fern, und im Entscheidungskampf -bei Heide wurde ihnen durch Heinrich Rantzau ihre Selbständigkeit für -immer genommen. - -[Illustration: Abb. 55. ¯Fleet bei der Reimersbrücke, mit -Katharinenkirche.¯ (Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring -in Hamburg.)] - -[Sidenote: Schleswig-Holstein bis zur Neuzeit.] - -Von den Schreckensjahren des großen Religionskrieges ist -Schleswig-Holstein schwer heimgesucht worden. Als Kreisoberster von -Niedersachsen rückte bekanntlich Christian ~IV.~ von Dänemark, Herzog -von Schleswig-Holstein, ins Feld und zog sich nach dem verhängnisvollen -Tage bei Lutter am Barenberge in seine Stammlande zurück. Tilly und der -Friedländer folgten ihm eilends nach, und so wurde Schleswig-Holstein -ein großes Schlachtfeld. Dann kamen nach dem Frieden zu Lübeck die -Zeiten des dänisch-schwedischen und hierauf die Tage des großen -nordischen Krieges; Steenbock verheerte das Land. Mit Anbeginn des -Jahrhunderts sahen die Herzogtümer wiederum fremde Söldnerscharen -innerhalb ihrer Grenzen. Das Jahr 1848 brachte die erste Erhebung, -und die Totenglocken Friedrichs ~VII.~ am 15. November 1863 waren -zugleich das Grabgeläut für die dänische Herrschaft im Lande. Am -Morgen des 18. April 1864 hat der Danebrog zum letztenmal auf dem -schleswig-holsteinischen Festlande geweht, am 29. Juni des gleichen -Jahres wurde auch Alsen, die letzte Insel des Landes, über der er noch -flatterte, frei vom dänischen Joch. - -Einige der wichtigsten Begebenheiten in der Geschichte der beiden -Hansastädte Hamburg und Bremen werden wir bei der Besprechung und -Schilderung dieser letzteren selbst bringen. - -[Illustration: Abb. 56. ¯Winserbaum in Hamburg.¯] - -[Sidenote: Geschichte des Gebietes westlich der Elbe.] - -Mancherlei Ähnlichkeiten mit der Geschichte der Herzogtümer -Schleswig-Holsteins hat diejenige der Herzogtümer Bremen und -Verden. Hier waren es die Bischöfe, die fast in ständiger Fehde -mit den Bewohnern der Marschlande links der Elbe lagen. Die Macht -der Kirchenfürsten verfiel aber immer mehr und mehr im fünfzehnten -Jahrhundert, und das sechzehnte Säculum brachte die Reformation, die -1521 bereits in Hadeln, 1522 durch Heinrich von Zütphen in Bremen -eingeführt wurde. Erzbischof Christoph von Verden wollte zwar ihrer -Verbreitung mit allen Mitteln Einhalt thun, doch hinderten ihn seine -langen Kämpfe mit den Wurstern daran, dies mit Erfolg zur Ausführung -zu bringen. 1567 trat Eberhard von Holle, Bischof von Verden, zum -evangelischen Glauben über, kurz darauf that Erzbischof Heinrich ~III.~ -von Bremen ebenso. Von nun ab folgte die fast hundertjährige Periode -der protestantischen Bischöfe, und nur kurze Zeit über wurde gemäß dem -Restitutionsedikt der katholische Gottesdienst in Verden und Stade -wiederhergestellt. Der Westfälische Friede verwies die Herzogtümer -an Schweden, unter dessen Scepter sie bis 1719 blieben. Hierauf nahm -Hannover Besitz davon, wie denn auch das Land Hadeln um 1773 nach -Aussterben der Herzöge von Lauenburg an diese Regierung kam. Während -der Napoleonischen Herrschaft zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts -wurden bekanntlich alle deutschen Küstenländer an der Nordsee dem -französischen Kaiserstaate einverleibt. 1811 wurden dieselben mit dem -Königreich Westfalen, später abermals mit Frankreich vereinigt. Nach -dem Sturze des korsischen Eroberers fielen diese Lande wieder ihren -rechtmäßigen Fürsten zu und blieben unter deren Scepter, bis 1866 -Hannover eine preußische Provinz geworden ist. - -Der in der Geschichte berühmt gewordenen Kämpfe der Stedinger gegen die -Erzbischöfe von Bremen im dreizehnten Jahrhundert mag hier ebenfalls -mit einigen Worten Erwähnung gethan werden. Letztere veranstalteten -förmliche Kreuzzüge gegen die Stedinger, die zuvor als Ketzer erklärt -und vom Papst in den Bann, vom Kaiser in die Reichsacht gethan worden -waren. Erst war der Erfolg auf seiten der braven Bauern; mehrfach -schlugen sie den gegen sie aufgebotenen Heerbann zurück, mußten aber -am 27. Mai 1234 bei Altenesch unterliegen, und damit war auch ihr -Schicksal besiegelt. Ein im Jahre 1834 errichteter Obelisk erinnert -heute noch an diesen Kampf, in dem die tapferen Stedinger für Freiheit -und Glauben gefallen sind. - -[Illustration: Abb. 57. ¯Steckelhörn in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -Unter den Vasallen Heinrichs des Löwen werden bereits Oldenburger -Grafen genannt. Nach deren Aussterben gegen die Mitte des siebzehnten -Jahrhunderts fiel ihr Land in den Besitz der dänischen Könige -und der Herzöge von Schleswig-Holstein-Gottorp. Als Herzogtum -Holstein-Oldenburg erscheint es im Jahre 1777 zuerst, Friedrich August -von Holstein-Gottorp, Bischof von Lübeck, eröffnet die Reihe seiner -selbständigen Fürsten. Zu Beginn des Jahrhunderts war Oldenburg -französisches Land, 1813 wurde das Herzogtum aber wiederhergestellt, -und 1829 nahm Paul Friedrich August den Titel eines Großherzogs an. - -Ostfriesland, das sogenannte Emder Land, war ehemals eine unabhängige -Grafschaft, die seit dem Jahre 1454 unter der Regierung des Cirksena -stand. Seine Herrscher erhielten 1654 den Rang von Reichsfürsten. 1744 -starb der letzte Cirksena, der Fürst Carl Edzard, und nach dessen Tode -nahm Friedrich der Große das Land für Preußen in Besitz. 1807 kam aber -Ostfriesland an Holland, wurde dann auf kurze Zeit wieder preußisch, -hierauf nochmals an Hannover abgetreten, bis es 1866 wieder unter -Preußens Oberhoheit kam. Heute bildet Ostfriesland den Regierungsbezirk -Aurich. - -[Illustration: Abb. 58. ¯Hamburg, von Steinwärder gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - - - - -~VII.~ - -Von Husum nach Tondern und an die Grenze Jütlands. - - - Am grauen Strand, am grauen Meer - und seitab liegt die Stadt; - Der Nebel drückt die Dächer schwer, - und durch die Stille braust das Meer - Eintönig um die Stadt. - - Es rauscht kein Wald, es schlägt im Mai - Kein Vogel ohn’ Unterlaß; - Die Wandergans mit hartem Schrei - Nur fliegt in Herbstesnacht vorbei, - Am Strande weht das Gras. - - Doch hängt mein ganzes Herz an dir, - Du graue Stadt am Meer; - Der Jugendzauber für und für - Ruht lächelnd doch auf dir, auf dir, - Du graue Stadt am Meer. - -[Sidenote: Husum.] - -So hat ein großer Sohn Husums, so hat der am 14. September 1817 hier -geborene Dichter von Immensee und vom Schimmelreiter seine Vaterstadt -mit wenigen Strichen gekennzeichnet. In einer seiner Novellen entwirft -Theodor Storm allerdings ein etwas heitereres und sonnigeres Bild von -der grauen Stadt am Meer. „Es ist nur ein schmuckloses Städtchen, meine -Vaterstadt; sie liegt in einer baumlosen Küstenebene und ihre Häuser -sind alt und finster. Dennoch habe ich sie immer für einen angenehmen -Ort gehalten, und zwei den Menschen heilige Vögel scheinen diese -Meinung zu teilen. Bei hoher Sommerluft schweben fortwährend Störche -über der Stadt, die ihre Nester unten auf den Dächern haben; und wenn -im April die ersten Lüfte aus dem Süden wehen, so bringen sie gewiß die -Schwalben mit, und ein Nachbar sagt’s dem anderen, daß sie da sind.“ -Ein schmuckloses Städtchen am Rande von Geest und Marsch! Je nun, aber -mit Einschränkungen! Denn es hat etwas an sich, was manchen anderen -Städten und Städtlein Schleswig-Holsteins fehlt: es heimelt einen -an, um einen süddeutschen Ausdruck für dieses Gefühl zu gebrauchen. -Und dann birgt das kleine Husum doch noch einige Erinnerungen an die -alte Zeit seines nunmehr verblichenen Glanzes in seinen Mauern, an -die dahingeschwundenen Tage, da „die vor Kurtzem so florisante Stadt“ -noch nicht in „Decadence“ geraten war, wie in seinem ~Theatrum Daniae~ -Erich Pontoppidan berichtet. Da stehen noch etliche schöne alte Häuser, -deren Zahl freilich mit jedem Jahr geringer wird, und dann das Schloß, -welches Herzog Adolph ~I.~ von 1577–1582 an der Stelle eines alten -Franziskanerklosters errichten ließ, „mit großen Kosten und dessen -verwittibten Hertzoginnen des Gottorfischen Hauses zur Residentz -gewidmet“. - -Durch die Größe und Schönheit ihrer Hallen und den reichen Schmuck -ihres Inneren erfreute sich die gotische Marienkirche in verflossenen -Jahrhunderten eines großen Ruhmes. Im Jahre 1474 erbaut, um 1500 -vergrößert, wurde sie, angeblich wegen Baufälligkeit, zu Beginn des -neunzehnten Säculums abgebrochen. Damals machte im Volksmund der -Spottvers die Runde: - - De Tönninger Tom is hoch und spitz; - De Husumer Herrn hemm Verstand in de Mütz! - -1829 wurde die Kirche durch ein Gotteshaus ersetzt, dem man besonders -Schmeichelhaftes leider nicht nachsagen kann. Die schönste Zierde der -Marienkirche war das vom großen Bildschnitzer Hans Brüggemann, der ein -Sohn Husums gewesen sein soll, gefertigte Sakramentshäuschen, welches -leider verschwunden ist. Vor hundert Jahren soll es noch in irgend -einem Winkel des Städtchens in sehr verdorbenem Zustand herumgestanden -sein. - -[Illustration: Abb. 59. ¯Schnelldampfer „Auguste Victoria“.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -Ja, Husum hat bessere Tage gesehen, und wenn es auch heute noch -der bedeutendste Ort an Schleswigs Westküste ist, weithin bekannt -durch seine großen Viehmärkte und die bedeutende Ausfuhr von Rindern -und Schafen -- der jährliche Geldumsatz auf dem Viehmarkt dürfte -gegenwärtig 28–30 Millionen Mark betragen --, so will das doch nichts -sagen gegen die hohe Blüte, in welcher die Stadt im sechzehnten und -bis ins siebzehnte Jahrhundert hinein gestanden hat. Heinrich Rantzau -schreibt im Jahre 1597 von Husum: „Eine reiche und ansehnliche und -mit Flensburg wetteifernde Stadt, mit berühmtem Seehafen und Handel -aus Schottland, England, Holland, Seeland durch viele eigene Schiffe, -in kurzer Zeit zu hohem Wohlstand erwachsen. Ihr Aussehen zeugt -von erstaunlichem Reichtum; darin und auch an Größe übertrifft sie -eigentlich alle Städte des Herzogtums.“ - -[Illustration: Abb. 60. ¯Deutsche Seewarte.¯ - -(Nach einer Photographie von Strumper & Co. in Hamburg.)] - -Im siebzehnten Jahrhundert haben auch „die zwei vortrefflich gelahrte -Männer“ Caspar Dankwerth und Johannes Meyer hier gelebt, der erstere -als Bürgermeister und als „Geographus, der das große und rühmenswürdige -Werk: Landes-Beschreibung der beyden Herzogthümer Schleswig und -Holstein genannt, abgefaßt, der zweyte aber als Mathematicus, der die -dabey befindliche viele Speciale Land Karten und Grund Risse der Städte -verfertiget“. - -Eine Aue fließt an der Stadt vorbei und mündet in den Hever. Trotz des -zur Ebbezeit fast wasserleer daliegenden Hafens, der nur von Fahrzeugen -mit geringem Tiefgang benützt werden kann, ist die Schiffahrt, welche -Husum auf dem Wattenmeere mit Nordstrand, Pellworm und den Halligen -unterhält, durchaus nicht unbedeutend. - -[Sidenote: Der Geestrücken nördlich von Husum.] - -Wenn wir uns von Husum nordwärts begeben, sehen wir vor uns einen -breiten Geestrücken, den Schobüller Berg. Ein Spaziergang auf denselben -lohnt sowohl in landschaftlicher, als auch in naturwissenschaftlicher -Hinsicht aufs beste. Es ist ein ganz eigenartiges Bild, das sich auf -diesem Wege vor uns aufrollt. Langsam steigt die sandige Straße an, und -bald tritt zur Rechten der hohe Kirchturm von Hattstedt hervor, dessen -Einwohner viele Jahre hindurch so sehr von den großen Deichlasten -bedrückt wurden, daß das Sprichwort entstand: - - Hatten de Hattstedter nich de böse Diek, - Se kehmen nümmer int Himmelriek. - -[Sidenote: Geestufer von Schobüll.] - -Zur Linken aber blicken wir erst auf den grünbewachsenen Außendeich, -dessen gerade Linie bis zu dem an die See vorgeschobenen Schobüller -Geestrücken reicht. Hier verläuft er dann in diesem Vorsprung. Ueber -dem hohen Schutzwall aber erscheint eine graue einförmige, kaum bewegte -Fläche, auf der die verschiedensten Lichter spielen, das Wattenmeer. -Fern am Horizont hebt sich, wie über dem Wasser schwebend, ein Streifen -Landes heraus: klar sind darauf eine Windmühle und die Dächer einiger -Häuser zu erkennen. Es ist die Insel Nordstrand. Je mehr wir ansteigen, -um so größer wird auch der Raum, den unser Gesichtskreis umspannt, -und wenn wir etwa an der kleinen Schobüller Ziegelei angelangt sind, -so dünkt uns derselbe grenzenlos. Dunklere Punkte, kleine Eilande im -Westen und Nordwesten gewähren dem Auge einige Ruhepunkte. Je nach der -Beleuchtung tritt ihr Umriß bald nur ganz licht, wie Luftspiegelung -hervor, bald aber so scharf und klar gezeichnet, daß wir die Häuser -auf ihren Werften ganz deutlich zu erkennen vermögen. Das sind die -Halligen. An regentrüben Sommertagen jedoch, wenn Flut und Land am -Horizont miteinander verschwimmen und die See regungslos daliegt, - - Dann steht an unserm grauen Strande - Das Wunder aus dem Morgenlande, - Morgane, die berufne Fee ... - Doch hebt sich nicht, wie dort im Süden - Auf rosigen Karyatiden - Ein Wundermärchenschloß ins Blau; - Nur eines Hauberg graues Bildnis - Schwimmt einsam in der Nebelwildnis, - Und keinen lockt der Hexenbau. - -[Illustration: Abb. 61. ¯Michaeliskirche in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -Der Eindruck, den solche Anblicke bei ihren Beschauern hinterlassen, -ist ein unbeschreiblich großartiger, zumal wenn man das Glück hat, -dieses einzig in seiner Art dastehende Landschaftsbild bei wechselnden -Farben genießen zu können. Für denjenigen aber, der sich auch für -geologische Dinge interessiert, bietet dieser Geestvorsprung noch eine -ganz besondere Überraschung. Die schon weiter oben erwähnte kleine -Ziegelei ist nämlich auf anstehendem Gestein erbaut, das sich an der -Oberfläche als eine rötliche, zuweilen von helleren Adern durchzogene -thonige Masse darstellt, nach der Tiefe zu jedoch steinhart wird und -zweifelsohne ein Analogon des thonigen Gesteines ist, von welchem die -Basis der roten Felsen Helgolands zusammengesetzt wird. Aber nicht nur -dieser am Strande des Wattenmeeres anstehende Zechsteinletten ist von -großer Merkwürdigkeit, sondern auch das Vorkommen der gequetschten und -wiederverkitteten Kalksteingeschiebe, die sich an der oberen Grenze des -roten Thones mit dem darüber liegenden diluvialen Moränenmergel finden -und besondere Curiosa im Gebiete der norddeutschen Diluvialablagerungen -sind. - -[Sidenote: Die Küstenlandschaft von Bredstedt bis Niebüll.] - -Von Wobbenbüll bis Hattstedt, wo der Deich nordwärts zu wieder seinen -Anfang nimmt, bis hinauf nach Hoyer tritt die Geest nicht wieder an die -Meeresküste heran. „In alter Zeit war hier ein sich stets veränderndes -und für uns unentwirrbares Labyrinth von Halligen, Meeresarmen und -Geestinseln. Hier finden sich auch die tief ins Land hineingehenden -Auen, welche das Wasser der Geest in die unbedeichten und später auch -in die bedeichten Niederungen gesandt haben, denn erst hart am Rande -der Ostseebuchten liegt die Wasserscheide.“ Eindeichungen, die sich -an die Geest anschlossen, oder auch solche, welche von den Inseln -selbst ausgegangen sind, schufen die jetzige Küstenlinie. Eine, -wenn auch nicht sehr starke Bevölkerung bewohnte schon vor dieser -Landfestigung die Niederungen auf künstlich aufgeworfenen Wurthen. Die -Nutzung der sich neu bildenden Landflächen fand aber von der Geest aus -statt, deren Rand hier stark besiedelt ist. Hier befinden sich das -stattliche Bredstedt mit dem nahebei belegenen Missionsort Breklum, -Bordelum, Bargum, Stedesand, Leck und noch andere Flecken und Dörfer -mehr. In der Marsch selbst treffen wir zuweilen auf einsam liegende -Geestinseln, auf denen sich dann ebenfalls stattliche Ansiedelungen -erheben. Lindholm, Riesum, Niebüll-Deezbüll mögen hier als Beispiele -dafür angeführt werden. Die Marschen und deren erste Eindeichungen sind -zweifelsohne schon sehr alt. Bereits im zwölften Jahrhundert beschreibt -Saxo Grammaticus die Friesische Marsch als einen von niedrigen Wällen -umgebenen gesegneten Boden, eine Bezeichnung, die sie heute noch in -vollem Maße verdient. Steht doch der alte Christian-Albrechts-Koog -bei Tondern im Rufe, das fruchtbarste Land im gesamten Marschgebiete -zu sein! Bei der Eindeichung der rückliegenden Ländereien ist aber -in früheren Zeiten bisweilen etwas zu rasch verfahren und unreifes -Marschland mitgenommen worden. Der Gotteskoogsee ist ein warnendes -Beispiel hierfür. - -[Illustration: Abb. 62. ¯Großer Burstah in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -[Sidenote: Die Horsbüllharde.] - -Der vorspringende Teil unserer Küstenlinie, welcher etwas südlich -von Emmelsbüll beginnt und sich über Horsbüll und Klauxbüll bis etwas -nördlich von Rodenäs hinzieht und heute noch den Namen der Horsbüll- -oder Wiedingharde führt, war jahrhundertelang eine erst uneingedeichte, -später aber nur ungenügend eingedeichte feste Marschinsel, die von -der Geest zwischen Hoyer, Tondern u. s. f. durch niedrige Ländereien, -große Wasserflächen und Meeresarme getrennt gewesen ist. Ihre Bewohner -konnten die westlichen Grenzen des Eilands aber nicht gegen den Ansturm -des Meeres behaupten, und die Deiche mußten mehrfach zurückverlegt -werden, während viel Land verloren ging. So versanken die Kirchen -von Wippenbüll und Alt-Feddersbüll; ebenso wurde am 1. Dezember 1615 -die Rickelsbüller Kirche im Norden der Harde, welche damals schon -mit ihrem Kirchdorf im Haffdeich lag, in den Meeresfluten begraben. -Die Särge sind dabei aus den Gräbern getrieben worden. Es hat in das -siebzehnte Jahrhundert hinein gedauert, bis die Horsbüllharde mit dem -schleswigschen Festlande verbunden war, nachdem mehrere Versuche immer -und immer wieder gescheitert waren. - -[Illustration: Abb. 63. ¯Hopfenmarkt und Nikolaikirche in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -[Sidenote: Die Marsch bei Tondern.] - -Als weiteres Beispiel für die Verhältnisse dieser verwickelten -Marschlandschaft mag hier noch die merkwürdige, inselartig aus den -Marschalluvionen herausragende sandige, im Kerne moorige Fläche des -Risummoor, auch Kornkoog genannt, erwähnt werden, an deren Rändern -Deetzbüll und Lindholm belegen sind. Noch im Jahre 1624 war dies -abgesonderte Ländchen so sehr Insel, daß eine schwedische Flottille an -ihr landen konnte. ~Tempora mutantur!~ Heute ist Lindholm Station der -Marschbahnstrecke Husum-Tondern. - -[Illustration: Abb. 64. ¯Lombardsbrücke in Hamburg.¯] - -[Sidenote: Die Marschbahn.] - -Es ist wirklich eine angenehme Sache, an einem schönen Sommertage auf -dieser Eisenbahnlinie, welche das nordwestliche Schleswig so recht dem -Verkehr erschlossen hat, dem Rücken der Geest entlang zu fahren. Da -liegen gegen Westen die grünen Marschen vor uns ausgebreitet, flach und -eben wie ein Teller und durchzogen von unzähligen Gräben und Sielen. Da -und dort ein einsames Gehöft oder ein kleines Stück Deich, der wie ein -Festungswall erscheint, am Horizont, sonst nichts als weites Grasland, -darauf unzählige Rinderherden weiden. Bisweilen scheucht die keuchende -Lokomotive auch ein paar Pferde auf, die sich hier gütlich thun -dürfen; beängstigt von dem so ungewohnten Lärm in der sonst so stillen -Landschaft galoppieren sie in wilder Hast davon. Phlegmatisch aber -steht Freund Adebar dabei und beschaut sich in philosophischer Ruhe den -dahinbrausenden Eisenbahnzug. Ihn stört das alles nicht; verächtlich -blickt er auf die erschrocken dahinspringenden Vierfüßer herab, die -noch nicht über die Grenzen ihrer Gemarkung gekommen sind, während er, -der Weltreisende, der Globetrotter unter der Tierwelt unserer Zonen, -doch schon so viel gesehen hat, und ebenso zu Hause ist in südlichen -Geländen, wo der Nil träge dahinflutet und die Pyramiden gen Himmel -ragen, als hier, in seiner Sommerheimat an den Gestaden des deutschen -Meeres. Und ihre Sommerheimat ist es wirklich, dieses Marschland, das -mit seinem Reichtum an Fröschen und anderem kleinen Getier den Störchen -geradezu die allergünstigsten Lebensbedingungen bietet. Im weiten -Umkreis ist fast kein Giebel zu schauen, der nicht wenigstens ein -Storchennest trüge, und Meister Langbein gehört mindestens so gut zum -vollen Landschaftsbild, wie sonst etwas darin: ja, er ist geradezu ein -eigentümliches Merkmal desselben. - -[Illustration: Abb. 65. ¯Rathaus in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie von Conrad Döring in Hamburg.)] - -Dem Charakter des Landes und seiner Bevölkerung entsprechend, dem -sie als Verkehrsmittel dient, geht es in gewöhnlichen Zeiten auf der -Marschbahn nicht allzu lebhaft zu. Es wird eben alles, wenn auch -pünktlich und genau, so doch mit einer gewissen Ruhe und Behäbigkeit -besorgt. Eigentliche Schnellzüge befahren die Strecke im Winter nicht, -denn die Bahn soll ja in erster Linie den lokalen Verhältnissen -Rechnung tragen. Anders aber ist’s in den schönen Sommertagen, wenn in -den Monaten Juli, August und September die Badezüge durch das weite -grüne Feld dahinsausen und die erholungsbedürftige Menschheit aus der -heißen Stickluft der großen Städte des Binnenlandes hinausführen zu -dem stärkenden Odem der Nordsee. Dann ist die Physiognomie der Bahn -eine gänzlich veränderte. Dann zieht das schnaubende Dampfroß nur -vollbesetzte Wagen hinter sich her durch die saftigen Auen der Marsch, -und erstaunt ob des ungewohnten Anblicks schaut der kleine Hirtenjunge -da unten am Bahndamm dem mit Windesbraus an ihm vorbeirollenden und -seinem Gesichtskreise alsbald wieder entschwindenden funkensprühenden -Ungetüm nach, vielleicht zuweilen nicht ohne die leise Sehnsucht, es -doch auch einmal so zu können und zurückgelehnt in die schwellenden -Polster durch die Lande fliegen zu dürfen. - -[Sidenote: Dagebüll.] - -Und vollends gar, wenn die Zeit der Schulferien beginnt! In Niebüll -reißt der Schaffner die Wagenthüren auf. „Niebüll,“ schreit er, -„Wagenwechsel für die Reisenden nach Dagebüll und Wyk auf Föhr!“ Da -stürzt es heraus aus den vollgepfropften Abteilen, ein erster Schwarm -von Großen und Kleinen verläßt den Zug und stürmt die auf einem -Nebengeleise schon bereitstehenden Vehikel der kleinen Bahnlinie nach -Dagebüll. Von da geht’s auf das Schiff, das in einer kurzen Stunde das -Wattenmeer durchquert und seine Passagiere wohlbehalten und von der -bösen Seekrankheit unbehelligt im sicheren Hafen von Wyk landet. - -[Sidenote: Hoyerschleuse.] - -Von Niebüll nach Tondern ist es nur eine kurze Strecke. Hier verlassen -auch wir den Zug, der nach kurzem Aufenthalt weiterrast nach Hoyer und -zur Hoyerschleuse. Dort entleert er seine Wagen, deren Insassen die -Insel Sylt zum Reiseziel genommen haben und von hier aus zuweilen noch -tüchtig von den Wellen geschaukelt werden, bevor der Dampfer sie bei -Munkmarsch wieder auf festen Boden gesetzt hat. Der Geburtsort Johann -Georg Forchhammers und die Heimat des Propsten Balthasar Petersen ist -es aber wohl wert, daß wir ihr einige wenige Stunden der Betrachtung -schenken. - -[Illustration: Abb. 66. ¯Partie aus dem Hamburger Ratskeller.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -[Sidenote: Tondern.] - -Tondern ist eine kleine freundliche und saubere Stadt von etwa 3800 -Seelen, an der wasserreichen Widau auf einer äußerst geringfügigen -Bodenerhebung gelegen. Dieser ungünstige Bauplatz ist vermutlich -darum gewählt worden, um von der Schiffahrt Nutzen ziehen zu können, -denn die Nähe der Stadt zur See war ehedem eine viel größere, als in -der Gegenwart, und Tondern besaß zahlreiche Meeresfahrzeuge. Bis zum -Jahre 1554 konnten selbst größere Schiffe noch ungehindert an Tondern -herankommen, als aber von 1553 bis 1555 die sich von Hoyer bis Humptrup -erstreckenden und vor der Tonderner Geest gelegenen Niederungen -eingedeicht wurden, versperrte die von holländischen Baumeistern -erbaute neue Schleuse bedeutenderen Schiffen den Weg. Später konnten -selbst kleinere Fahrzeuge nicht mehr bis zur Stadt gelangen, als -nach und nach neue Anschlickungen stattfanden und immer mehr Deiche -entstanden. Seiner tiefen Lage wegen hat Tondern mehrfach unter den -Sturmfluten zu leiden gehabt. Im Jahre 1532 stand das Wasser drei Ellen -hoch in der Stadt, 1593 brach es abermals in die Häuser herein und that -großen Schaden, nicht minder ~anno~ 1615. Am stärksten aber ist Tondern -von der großen und denkwürdigen Oktoberflut 1634 heimgesucht worden. -Auch die Pest war in verflossenen Tagen ein mehrfacher unheimlicher -Gast in der Stadt. So besonders im sechzehnten und zu Beginn des -siebzehnten Jahrhunderts. Vielleicht, so meint Hahn, hängen diese -zahlreichen Pestepidemien mit der niedrigen Lage der Stadt zusammen. - -[Illustration: Abb. 67. ¯Rathausbrunnen in Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie von Joh. Thiele in Hamburg.)] - -In Tondern befindet sich eins der Lehrerseminare der Provinz -Schleswig-Holstein. Der schon erwähnte Propst Balthasar Petersen hat es -gegen Ende des verflossenen Säculums gegründet. Dann hat, wie ebenfalls -schon kurz angedeutet wurde, die Wiege eines großen Naturforschers -des Landes, des im Jahre 1863 zu Kopenhagen verstorbenen Geologen -Forchhammers hier gestanden. Er hat zu den bedeutendsten Männern seiner -Zeit gehört und hat bis zum heutigen Tage in seinem engeren Heimatlande -leider immer noch nicht die Anerkennung gefunden, die er eigentlich -verdiente. - -Weder in landschaftlicher noch in künstlerischer Hinsicht besitzt -Tondern viel Bemerkenswertes, es sei denn eine sehr schöne, alte -Kirche, deren innere im Stil der Renaissance gehaltene Ausstattung alle -anderen des Landes in ihrem jetzigen Zustand an Pracht übertrifft, -sodann einige gotische Giebelhäuser, die zierlichen, in Hausteinarbeit -ausgeführten Barock- und Rokokoportale, welche sich an verschiedenen -Wohnhäusern finden, nicht zu vergessen. Es sind dies wahre Juwele in -ihrer Art. - -In früheren Zeiten blühten in Tondern neben dem Handel besonders die -Weberei und das Spitzenklöppeln. Das letztere Gewerbe soll schon gegen -1639 von Dortmund aus eingeführt worden sein und gelangte sowohl für -die Stadt selbst, als auch für ihre Umgebung zu hoher Bedeutung. Im -Jahre 1780 waren an 1200 Frauen damit beschäftigt, und zu Anbeginn -dieses Jahrhunderts sind noch 13 Spitzenfabriken vorhanden gewesen. -Seit 1825 ist die Spitzenklöppelei sehr zurückgegangen, wird aber bis -in die Gegenwart noch, wenn auch in kleinerem Umfange betrieben. Die -Tonderner Spitzen sind bei der Frauenwelt des deutschen Nordens auch -jetzt noch ein sehr geschätzter Gegenstand. - -[Illustration: Abb. 68. ¯Kriegerdenkmal in Hamburg.¯] - -[Sidenote: Der Strand von Jerpstedt bis zur dänischen Grenze.] - -Westlich von Tondern, an Mögeltondern und dem schon sehr alten, -früheren bischöflichen Schlosse Schackenburg vorbei, führt uns die -Bahn nach dem auf einem rings von Marschlanden umgebenen Geesthügel in -der Nähe des Meeres erbauten Hoyer und von da in wenigen Minuten zur -Hoyerschleuse, dem bereits genannten Hafenort für die Schiffahrt nach -der Insel Sylt. Zieht man von hier aus am Strande nordwärts, so gelangt -man über Emmerlef mit seinem hell ins Wattenmeer hinausschimmernden -Kliff, einem kleinen Steilufer, über Jerpstedt nach Ballum, dem -Ausgangspunkt für die Insel Röm. Über die Brede-Au hinüber führt der -Weg nach Bröns, woselbst man die von Tondern über Bredebro, Döstrup -und Scherrebek nach dem Norden führende Westbahn wieder erreicht. Dann -folgen noch Reisby, das keine selbständige Bahnstation hat, und hierauf -Hvidding. Hier ist dann die Nordgrenze des Reiches erreicht und wir -betreten dänisches Gebiet. Der ganze Meeresstrand von Jerpstedt ab bis -hinauf nach Jütland ist so flach, daß bei Hochfluten die Bahnlinie -sogar schon überschwemmt und das Wasser bis nach Döstrup und Scherrebek -hineingetrieben worden ist. Von diesen ebengenannten Ortschaften nimmt -eigentlich nur das letztgenannte Kirchdorf unser besonderes Interesse -in Anspruch, und zwar wegen der mannigfachen und segensreichen -Bestrebungen seines geistlichen Hirten, des Herrn Pastor Jacobsen. -Dieselben beruhen auf echt nationaler Basis und sind industrieller -und socialer Natur, darunter ein Bankinstitut, eine Webeschule, mit -ganz hervorragenden Leistungen, einen Arbeiterbauverein und andere die -Volkswohlfahrt in hohem Maße befördernde Einrichtungen mehr. - -[Sidenote: Entwaldung.] - -Im Mittelalter soll fast ganz Nordschleswig vom Walde bedeckt gewesen -sein, und von den Marschwiesen bei Farup nördlich von der jetzt -dänischen Stadt Ripen erstreckte sich der Sage nach der Farriswald, -über die ganze Halbinsel bis zum Kleinen Belt, acht Meilen lang und -anderthalb Meilen breit. Im Osten sind diese Wälder noch vorhanden und -ziehen sich bis Gramm, Rödding und Lintrup gegen Westen. Von hier ab -fehlen aber mit nur wenigen und kümmerlichen Ausnahmen die Holzungen, -weil man fortwährend Holz geschlagen, aber keine jungen Bäume zum -Nachwuchs gepflanzt hat. Auch durch Heidebrand entstandene Waldbrände -mögen Schuld daran tragen. Stellenweise legten die Bauern sogar selbst -Feuer an, wie beispielsweise bei Scherrebek, um eine Räuberbande -auszurotten, die sich im Holz verborgen hielt. Die Eiche war der -wichtigste Baum; auf sumpfigem Boden jedoch hatten sich besonders -die Erle und die Birke angesiedelt. In den Waldungen wimmelte es von -allerhand Wild; Hirsche, Rehe und Wildschweine lebten dort in großer -Zahl. Auch an Wölfen soll kein Mangel gewesen sein. - -Das Land im Westen ist heutzutage nackt und kahl, bei so magerem -Boden, daß selbst das Heidekraut nur niedrig bleibt und das Getreide -erbärmlich steht. Aber an Wasserläufen und Bächen, wo Binsen und -Seerosen wachsen, wo dichtes mit Wachtelweizen untermengtes Gras grünt -und das Vergißmeinnicht und die goldgelbe Butterblume wachsen, da hat -es dennoch auch seine Reize. - -[Sidenote: Lügumkloster.] - -Schon im bewaldeten Teil des Mittelrückens Nordschleswigs, in -lieblicher, holzreicher Umgebung befindet sich der Flecken -Lügumkloster, von dem hier noch einige wenige Worte gesagt seien, bevor -wir von dieser Gegend Abschied nehmen wollen. Seinen Namen hat der Ort -von einem ehemaligen der heiligen Jungfrau gewidmeten Kloster, das um -1173 Cisterciensermönche gegründet haben. In verflossenen Jahrhunderten -erfreute es sich keines geringen Ruhmes in den cimbrischen Landen, -und bei mancherlei Anlässen ist das Wort seiner 23 Äbte gar gewichtig -in die Wagschale gefallen. Vier Bischöfe von Ripen, deren Hirtenstab -Lügumkloster vor Zeiten untergestellt gewesen ist, liegen in der -spätromanischen und im Übergangsstil aufgeführten schönen Klosterkirche -begraben. Nach der Marienkirche in Hadersleben wird sie für das -schönste Bauwerk Nordschleswigs gehalten. Der anmutige und freundliche -Flecken ist durch eine von Bredebro abgehende Zweiglinie mit der -Westbahn verbunden. Die vormals auch hier, wie in und bei Tondern -eifrig betriebene Spitzenklöppelei, die früher vielen Wohlstand in die -Gegend brachte, hat nunmehr fast ganz aufgehört. - -[Illustration: Abb. 69. ¯Der Jungfernstieg in Hamburg.¯] - - - - -~VIII.~ - -Die nordfriesischen Inseln. - - -[Sidenote: Röm.] - -Röm, die nördlichste der nordfriesischen Inseln, ist ungefähr zwei -deutsche Meilen lang und fünf Kilometer breit, von halbmondförmiger -Gestalt, und durch das Lister Tief von Sylt getrennt. Letzteres ist -eine der wenigen tiefen Wasserstraßen an der sonst so flachen deutschen -Nordseeküste, und die einzige für große Schiffe zugängliche Einfahrt an -diesem ganzen Areal. Die ungemein reißende Strömung verhindert auch im -strengsten Winter das Zufrieren des Lister Tiefs, das sich als Römer -Tief um die Südseite der Insel herum bis an deren Ostküste fortsetzt. - -[Illustration: Abb. 70. ¯Hamburger Volkstrachten.¯] - -Der größte Teil Röms ist von Dünen bedeckt, die am Westrande auch -Ketten bilden, im Inneren der Insel aber meist als Einzeldünen -auftreten und an vielen Stellen dicht bewachsen sind. „Am Ostrande -der Dünen, aber teilweise tief in dieselben hineingedrängt liegen die -dadurch vollkommen unregelmäßig verstreuten Häuser der Insulaner, -welche durch aufgeschüttete, mit Tang und Marschschlick gedeckte, -durch Dünenpflanzen gefestete, hohe Wälle sich und ihre kleinen -Gärten schirmend, vor dem Flugsande sich gewehrt und teilweise seiner -Verbreitung andere, als die natürlichen Formen gegeben haben“ (Meyn). -Dazwischen finden sich mit üppigen Früchten, so besonders mit Gerste -bestandene Ackerfelder. - -Kirkeby im Süden belegen, ist das Kirchdorf der Insel, welche sonst -noch eine Anzahl von kleineren und größeren Gehöften als Juvre, Toftum, -Bolilmark u. s. f. im Nordosten, Kongsmark im Osten u. s. f. trägt. -Die Bewohner sind friesischer Abstammung, und deren männlichem Teil -wird große Erfahrung und Tüchtigkeit im Seemannsberufe nachgerühmt. -Ihre ursprüngliche friesische Sprache, die sich heutzutage nur noch in -einzelnen Ausdrücken und Worten verrät, hat dem landesüblichen Idiom -des Plattdänischen weichen müssen. - -Mit dem Festlande steht Röm durch Schiffahrt über Ballum oder über -Scherrebek in Verbindung. Die letztere ist neueren Datums. Nach einer -Fahrt von etwa fünfzig Minuten landet man bei Kongsmark, und von -hier führt eine Dampfspurbahn die Passagiere in wenig Minuten nach -dem Westrande der Insel, in das Nordseebad Lakolk. Den Namen hat -dieses jüngste der deutschen Nordseebäder von dem jetzt in den Fluten -versunkenen Dorfe gleicher Benennung erhalten, das vor Zeiten westwärts -vom jetzigen Westrande des Eilands lag, und dessen Überreste bei -besonders tiefer Ebbe zuweilen noch sichtbar sein sollen (Abb. 13–15). - -[Illustration: Abb. 71. ¯Denkmal für Matthias Claudius bei Wandsbek.¯] - -[Sidenote: Sylt.] - -Sylt, die nächstfolgende Insel, zwischen 55° 3´ und 54° 44´ nördlicher -Breite belegen, erstreckt sich in nordsüdlicher Richtung 35 Kilometer -weit, bei einer wechselnden Breitenausdehnung von 1–4 Kilometer. -Sylts Flächeninhalt beträgt 102 Quadratkilometer, 50 davon sind von -Dünen bedeckt, die im Norden, bei List, über 80 Meter Höhe erreichen -und sowohl am nördlichen, als auch am südlichen Teile der Insel ein -Hochgebirge im kleinen darstellen, das die verschiedenartigsten -Bildungen von Längs- und Querthälern aufweist und auch kleine -Binnengewässer enthält. Hinter den Dünen kommt das Heideland und auf -dem weit nach Osten zurückgestreckten mittleren Teile der Insel das -fruchtbare Marschland mit den Dörfern Keitum, Archsum und Morsum. -Nahe bei der äußersten Spitze dieses Vorsprungs gegen Norden liegt -das Morsumkliff, an dessen Steilabhang die Schichten des oberen -Miocängebirges in der Gestalt von Limonitsandsteinen, Glimmerthon -und Kaolinsand zu Tage treten. Das Kliff selbst steigt im Munkehoi -(Mönchshügel) bis zur Höhe von 23 Meter über den Spiegel der Nordsee -auf. Auch noch an anderen Stellen der Insel, so in der Nähe des Roten -Kliffs bei Wenningstedt, können diese tertiären Bildungen anstehend -beobachtet werden. - -[Illustration: Abb. 72. ¯Vierländerin.¯ - -Studie von Friedrich Kallmorgen.] - -Der mittlere Teil des Eilands trägt an der Westseite die beiden -Ortschaften Westerland und Wennigstedt. In diesen beiden konzentriert -sich auch das eigentliche Badeleben. Westerland, das 1900 das 43. Jahr -seines Bestehens als Nordseebad feiert und bisher von weit über 100000 -Badegästen besucht worden ist, trägt im Höhepunkt der Saison durchaus -den Charakter eines Badeortes ersten Ranges. Große Gasthöfe, breite und -saubere Straßen, flankiert von schön gebauten Ziegelhäusern, in jeder -Beziehung gut ausgestattete Kaufläden und ein imposantes, in den Jahren -1896–1897 erbautes Kurhaus lassen uns ganz und gar vergessen, daß wir -uns auf einer einsamen Insel im Wattenmeer befinden. Am merkwürdigsten -ist das Leben am Strand, das auf den ersten Anblick völlig einem -bunten Jahrmarkttreiben gleicht. Am Abhang der Düne und teilweise -über diese selbst hin zieht sich die lange hölzerne Wandelbahn und -längs derselben haben die hauptsächlichsten Gasthöfe Westerlands zur -Bequemlichkeit ihrer Kurgäste besondere Strandhallen erbaut. Dort -erhebt sich auch der kleine Musiktempel für die Kurkapelle, deren Töne -sich freilich gegenüber der brausenden, wenn auch etwas monotonen -Symphonie, welche die Wellen der Nordsee hier aufspielen, zuweilen -recht ärmlich ausnehmen. Am Strand aber reiht sich Zelt an Zelt und -Burg an Burg. So nennt man die aus dem feinen weißen Ufersande von -den Badegästen aufgeführten Bauten, in ihrer primitivsten Einrichtung -einfach Umwallungen, die eine Vertiefung im Sande umschließen, in -welche Stühle, Bänke, Tische oder auch Zelte gestellt werden, und deren -jede einen kleineren oder größeren Flaggenmast oder auch nur eine -einfache Stange besitzt, von welchen herab die Fahne des Landes weht, -dessen Angehöriger der Burgbesitzer ist. Ein ungemein farbenreiches, -vom Lärmen und geschäftigen Treiben von Tausenden von Menschen, Großen -wie Kleinen belebtes Bild ist’s, das so entsteht, und zu dem die Wogen -ihr sich ewig gleichbleibendes Lied bald im gemächlichen Andante, bald -im Allegro furioso singen. - -[Illustration: Abb. 73. ¯Bauernhäuser von Neuengamme.¯] - -Wie an vielen anderen Stellen auf unserer Erde, so berühren sich auch -hier die Gegensätze. Gleich hinter dem Badestrande mit seinem frisch -pulsierenden Leben steht ein dunkles Mauerviereck. „Heimatstätte für -Heimatlose“ besagen die Worte an der Eingangspforte. Der stille und -friedliche Raum birgt eine große Anzahl von Gräbern; jedes derselben -trägt ein einfaches Kreuz, dessen Inschrift Auskunft gibt über den Tag, -da der hier Bestattete in die kühle Erde gebettet worden ist, und über -die Stelle, wo er gefunden wurde. Nur eine einzige Grabstätte nennt -auch noch den Namen des Toten, der unter dem Hügel schläft, von allen -den übrigen armen Schiffbrüchigen aber, welche das Meer an den Sylter -Strand geworfen hat, kennt man weder „Nam’ noch Art“. Vor 45 Jahren, -am 3. Oktober 1855 hat man hier den ersten Heimatlosen in die kühle -Erde gesenkt, und seither sind über 40 Strandleichen an dieser Stelle -geborgen worden. Wenn das so recht wehmutsvoll stimmende Fleckchen Land -heute in so gutem Stande gehalten und im vollen Sinne des Wortes eine -Heimatstätte für Heimatlose geworden ist, so gebührt das Verdienst -hierfür in allererster Linie einer deutschen Fürstin auf einem fremden -Throne, der rumänischen Königin Elisabeth. Im Sommer 1888 weilte sie -auf Sylt, hat den kleinen Friedhof oft besucht, seine Gräber mit Blumen -geschmückt und für denselben einen großen Granitblock gestiftet, in -welchen die folgenden, vom verstorbenen Hofprediger Kögel gedichteten -schönen Verse eingemeißelt stehen: - - Wir sind ein Volk, vom Strom der Zeit - Gespült zum Erdeneiland, - Voll Unfall und voll Herzeleid, - Bis heim uns holt der Heiland. - Das Vaterhaus ist immer nah, - Wie wechselnd auch die Lose -- - Es ist das Kreuz von Golgatha - „Heimat für Heimatlose“. - -[Illustration: Abb. 74. ¯Vierländer.¯] - -[Illustration: Abb. 75. ¯Einfahrt der Heuernte auf den Hof eines -Bauerngutes in Kurslak.¯] - -Ein schärferer Kontrast, als derjenige zwischen Westerland und dem -etwa 4,5 Kilometer nördlich davon belegenen Wenningstedt ist kaum -denkbar. Hier alles noch im ursprünglichen Zustande, keine großen -Gasthöfe, keine Kurhäuser, keine Kurtaxe, nur etliche strohbedeckte -Friesenhäuser, dort der gesamte Komfort des modernen Modebades, hier -idyllische Ruhe, dort geräuschvolles Badeleben. Wenningstedt liegt am -Ostabhange einer alten auf hohem Steilufer aufsitzenden Dünenkette, -mitten in der Sylter Heide und etwa fünf bis zehn Minuten vom Strande -selbst entfernt, zu dem eine breite und bequeme Holztreppe hinabführt. -In landschaftlicher Beziehung bietet der Ort selbst nicht viel, -um so schöner und herrlicher ist aber seine Umgebung. Ein kurzer -Spaziergang bringt uns an diejenige Stelle, wo sich die Natur Sylts -am großartigsten entfaltet, an den Steilabsturz des Roten Kliffs -mit einer der wundervollsten Fernsichten, die man überhaupt an der -deutschen Nordseeküste haben kann. Eine der darauf befindlichen -Einzeldünen, der Uwenberg, erreicht die Höhe von 46 Meter über dem -Meeresspiegel. Auf luftiger Höhe des Kliffs steht ein im großen Stil -erbauter Gasthof, das Kurhaus von Kampen. Dessen Erbauung soll, wie -man sich erzählt, den Westerländern wegen der für ihren Badeort zu -fürchtenden Konkurrenz ein arger Dorn im Auge gewesen sein. Mehr -landeinwärts liegt das Dorf Kampen selbst mit einer Rettungsstation für -Schiffbrüchige und seinem weit auf das Meer hinaus und über die Insel -dahinschauenden 35 Meter hohen Leuchtturm, dessen Fuß selbst schon -27 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Nahebei sieht man auf etliche -Hünengräber, wie denn die Insel Sylt im wahrsten Sinne des Wortes mit -solchen Grabhügeln aus grauer Vorzeit überdeckt ist. Der schönste davon -ist der Denghoog ganz dicht bei Wenningstedt, der „Gerichtshügel“, -wie sein friesischer Name besagt. Der Denghoog ist ein sogenannter -Gangbau und stellt in seiner heutigen Gestalt einen etwa 4½ Meter -hohen Hügel dar, dessen Erdmauern ein aus mächtigen, teilweise ganz -herrliche Gletscherschrammen tragenden und glatt polierten Findlingen -aufgemauertes Gewölbe, die Steinkammer, decken. Letztere war von Westen -her durch einen gepflasterten Gang zu betreten. Die mannigfachen -Gegenstände, welche in diesem Grab aus der jüngeren Steinzeit gefunden -wurden, so Knochenreste, Thonwaren, Steingeräte, Bernsteinperlen, -Holzkohlen u. s. f. befinden sich im Museum vaterländischer Altertümer -zu Kiel. - -[Illustration: Abb. 76. ¯Wohnstube mit geöffnetem Wandbett in einem -Bauernhaus in Neuengamme.¯] - -Vor Wenningstedt, draußen im Meer, liegt das alte Wendingstadt mit dem -berühmten Friesenhafen, das am 16. Januar 1300 (nach anderen Ansichten -vielleicht erst 1362) von den Fluten verschlungen worden ist. Noch im -Jahre 1640 waren die Überreste der alten Stadt etwa eine halbe Meile -weit von der Küste bei tiefer Ebbe sichtbar. Heute erinnert nur noch -der kleine Ort Wenningstedt an diese vergangenen Zeiten, über den -Ruinen Wendingstadts aber rollen die Wogen der See. - -Am Strande entlang wandern wir nordwärts, unter den Abhängen des Roten -Kliffs vorbei, das seinen Namen eigentlich nicht ganz mit Recht trägt, -denn die Farbe seines zumeist aus diluvialen Gebilden bestehenden -Steilabsturzes ist eher gelblich, als rot. Bald sind wir mitten in -die großartige Dünenlandschaft gelangt, die hier beginnt und sich bis -an die Nordspitze der Insel hinauf zieht. Die gewaltigen, beweglichen -Sandberge bildet vorzugsweise der Nordwestwind und treibt dieselben -nach Südosten zu, in der vorherrschenden Windrichtung weiter. Man hat -berechnet, daß ihr jährliches Vordringen bis sechs Meter betragen kann. -Schon im verflossenen Jahrhundert wurde der Versuch gemacht, den Sand -der Dünen durch rationelles Bepflanzen mit gewissen Gewächsen, so mit -dem Halm, dem Sandhafer und der Dünengerste festzulegen. Diese Pflanzen -besitzen nämlich sehr lange und ausdauernde Wurzelstöcke, die sich weit -hinein in den Sand bohren und denselben binden. Derartige Dünenkulturen -lagen besonders den Frauen ob. In neuerer Zeit wird diese Methode in -großem Maßstabe angewendet, und seit 1867 ist diese Arbeit Sache des -Staates selbst. Im verflossenen Jahrzehnt sind jährlich etwa 16000 Mark -für die Bepflanzung der Sylter Dünen verausgabt worden. - -[Illustration: Abb. 77. ¯Diele in einem Bauernhaus in Kurslak.¯] - -Zum weiteren Schutze des Strandes führt man in der Gegenwart -kostspielige Pfahl- und Steinbuhnen auf, so beispielsweise im Zeitraum -von 1872–1881 20 Stück, welche allein einen Aufwand von 596550 Mark -verursacht und deren Unterhaltung von 1875–1881 beinahe 60000 Mark -gekostet hat. Seither sind noch eine ganze Reihe weiterer solcher -Bauten hinzugekommen, und unablässig ist die Regierung bemüht, ihr -möglichstes für die Erhaltung des Strandes zu thun. - -Achtzehn Kilometer nördlich von Westerland zeigen sich auf einer -grünen Oase die Häuser der kleinen Ortschaft List, im Westen von -gewaltigen Dünenzügen geschützt, im Norden und Osten von den Wellen des -Wattenmeeres bespült, das hier als tiefe Bucht in die Nordspitze der -Insel eingreift, und der Königshafen genannt wird. Derselbe muß einst -eine immerhin beträchtlichere Tiefe gehabt haben, denn im Jahre 1644 -lagen darin die verbündeten holländischen und dänischen Flotten, welche -Christian ~IV.~ von Dänemark angriff und schlug. In der Gegenwart ist -der Königshafen mehr und mehr versandet. Am Ufer des Wattenmeeres -selbst hat die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger ein -Bootshaus erbaut, und ganz dicht dabei liegt, vom Sande schon halb -überdeckt, das Wrack eines größeren Fahrzeugs, das hier gestrandet ist. - -Das äußerste Nordende der Insel wird von der sandigen Halbinsel -Ellenbogen gebildet, welche zwei 18 und 20 Meter hohe Leuchtfeuer -trägt, der Ost- und der Westleuchtturm, wichtige Orientierungspunkte -für die in das Lister Tief einsegelnden Schiffe. - -Den Rückweg von List nehmen wir längs des Wattenmeeres und haben -nun die Gelegenheit, die zahlreichen Vögel aller Art, als Möven, -verschiedenerlei Enten, Strandläufer, Eidergänse, Seeschwalben, -Kiebitze u. s. f. zu beobachten, welche die weiten Dünenketten und die -dazwischen gelegenen Thäler bevölkern. Im Frühjahr wird hier zuweilen -eifrig nach Möveneiern gesucht, und die bewaffnete Staatsgewalt der -Insel hat mehr als genug zu thun, um die Nester dieser Vögel vor der -Ausraubung beutegieriger Eiersucher zu schützen. In verflossenen -Jahren, bevor das Eiersammeln verboten war, sollen jährlich an -50000 Stück davon in den Lister Dünen aufgelesen worden sein. An -der Vogelkoje, welche sich auf unserem Wege befindet -- sie soll -die älteste auf den nordfriesischen Inseln und schon im Jahre 1767 -hergestellt worden sein --, gehen wir nicht vorbei, ohne nicht auch -einen Blick hineingeworfen zu haben. Es ist, wie auch alle übrigen -Einrichtungen dieser Art, ein viereckiger Teich, von dichtem Gebüsch, -das aus Weiden, Eschen, Pappeln und anderen Bäumen und Gesträuchen -besteht, umgeben, und an jedem Ende mit einem immer enger werdenden -und schließlich mit Netzen überspannten Kanal, einer Pfeife, versehen. -Gezähmte Enten verschiedener Art locken die wilden an, die in die -Pfeifen und von da in die Netze geraten und dort ergriffen werden. Bis -150 Vögel sind auf ein einziges Mal in einer solchen Vogelkoje gefangen -worden, deren es auf Sylt, Amrum und Föhr zusammen elf gibt. Im Jahre -1887 wurden auf diesen drei Inseln zusammen etwa 56000 Stück Enten in -den Vogelkojen gefangen. - -[Illustration: Abb. 78. ¯Schloß Friedrichsruh. Einfahrtsthor und -Hauptansicht.¯] - -[Illustration: Abb. 79. ¯Das Schlaf- und Sterbezimmer des Fürsten -Bismarck.¯] - -[Illustration: Abb. 80. ¯Schloß Friedrichsruh. Zimmer im Erdgeschoß.¯] - -[Illustration: Abb. 81. ¯Das Mausoleum des Fürsten Bismarck in -Friedrichsruh.¯ - -(Nach einer Photographie von H. Breuer in Hamburg.)] - -Einen nicht minder guten Einblick in das Tierleben des Wattenmeeres -gewährt uns ein zur Ebbezeit von List nach Kampen oder umgekehrt -unternommener Spaziergang. Da liegen leere Gehäuse des Wellhorns, -dort ein wabenpäckchenartiges Gebilde, die leeren Eischalen dieser -Schnecke (~Buccinum undatum, L.~). Hier hat ein seltsames Tier, der -Einsiedlerkrebs (~Pagurus Bernhardus, L.~), seinen nackten Hinterleib -zum Schutze in ein leeres Wellhorn gesteckt. In den von der Flut -zurückgelassenen Wassertümpeln wimmelt es von kleinen Nordseekrabben -(~Crangon vulgaris, L.~), welche die Watten bevölkern und hier in Menge -gefangen werden, dichte Haufen von Muscheln aller Art, so ~Cardium~, -~Pecten~, und vor allem die Mießmuschel (~Mytilus edulis~) haben die -Wellen auf dem Lande aufgetürmt und dazwischen lagern zahllose Leichen -von Quallen, welchen der Rückzug des Wassers das Leben gekostet hat. -Hier und da trifft man auch auf Fische, die sich nicht rechtzeitig -mit den Wellen auf und davon gemacht haben, und häufig auf leere -Austernschalen, welche die Wogen von den im Wattenmeere vorhandenen -Austernbänken losspülten. Die Befischung dieser letzteren hat in -vergangenen Zeiten den Bewohnern des Wattenmeeres reichen Erwerb -gebracht. Seit 1587 hatte Friedrich ~II.~ von Dänemark ihre Ausbeutung -als ein Recht der Krone in Anspruch genommen und vom 1. September bis -zum Mai wurde der Fang dieses Schaltieres betrieben. Im Jahre 1746 -betrug die von den Pächtern des Fangrechtes zu erlegende Summe noch -2000 Thaler, im Jahre 1879 mußten Hamburger Herren 163000 Mark dafür -zahlen. - -[Illustration: Abb. 82. ¯Rathaus in Altona.¯ - -(Nach einer Photographie von M. Kruse in Altona-Ottensen.)] - -[Illustration: Abb. 83. ¯Altona. Palmaille mit Blücherdenkmal.¯ - -(Nach einer Photographie von M. Kruse in Altona-Ottensen.)] - -[Sidenote: Die Austernbänke.] - -Die Austernbänke, deren es in Sylt etwa elf gibt, liegen am Rande -der tiefen Rinnen des Wattenmeeres, ihre Ergiebigkeit ist aber -allmählich immer geringer und geringer geworden, indem man dieselben -zweifelsohne zu stark ausgebeutet hat. So ist denn im letzten -Jahrzehnt ihre Befischung ganz und gar eingestellt worden. Doch sorgen -die Austernzuchtanstalten bei Husum einigermaßen für Ersatz dieses -Leckerbissens, den schon anno 1565 der ehrsame Johannes Petrejus, -Pastor zu Odenbüll auf Nordstrand, „vor ein Fürsten Essen geachtet“. -Allerdings ist auch hier die Nachfrage größer, als die Produktion, und -meist sind schon im Januar keine Husumer Austern mehr zu haben. Noch -im Anfang des neunzehnten Jahrhunderts kosteten 1000 Stück Austern an -der Westküste Schleswig-Holsteins eine Mark, in den letzten Fangjahren -war der Preis schon auf 40–50 Mk. gestiegen und dürfte in Zukunft -ein beträchtlich höherer werden, falls der Austernfang hier wieder -aufblühen sollte. Im Dezember des verflossenen Jahres galten 100 Stück -Husumer Austern an Ort und Stelle 18 Mk. - -Auch Seehunde leben im Wattenmeere, und die Jagd auf diese klugen, den -Fischgründen aber äußerst verderblichen Tiere wird von den Badegästen -auf den nordfriesischen Inseln nicht selten als Sport geübt. Jährlich -sollen am Sylter Strande etwa 100 Stück davon geschossen werden (vergl. -Abb. 37). - -Von Kampen aus schlagen wir den Weg über das Heidedorf Braderup nach -Munkmarsch ein, der heutigen Landungsstelle für den Schiffsverkehr mit -Sylt, nachdem der frühere Hafen der Insel bei Keitum im Laufe der Jahre -so versandete und verschlickte, daß er seit 1868 nicht mehr benützt -werden konnte. Mehrere Dampfer halten die Verbindung Sylts mit dem -Festlande einigemal am Tage aufrecht, außerdem ist das Eiland aber -auch noch von Hamburg aus auf dem direkten Seewege zu erreichen, und -zwar dreimal wöchentlich über Helgoland, täglich aber für die aus dem -Westen Deutschlands kommenden Reisenden über Bremerhaven-Helgoland-Wyk, -jedoch derart, daß die Passagiere zur Fahrt auf dem Wattenmeere selbst -auf kleinere Dampfer übersteigen müssen. Für denjenigen, welcher die -Seekrankheit fürchten sollte, ist die Reise über Hoyerschleuse immer -das geringere Übel, wenn auch dabei die Gefahr, Ägir opfern zu müssen, -nie ganz ausgeschlossen ist. Von Munkmarsch führt eine vier Kilometer -lange Kleinbahn nach Westerland. - -[Illustration: Abb. 84. ¯Klopstocks Grab.¯ - -(Nach einer Photographie von M. Kruse in Altona-Ottensen.)] - -Am Panderkliff vorbei lenken wir unsere Schritte nach dem freundlichen -Keitum, einem etwa 870 Einwohner zählenden hübschen Orte, mit -freundlichen Häusern, netten Gärten und schönen Bäumen in denselben, -ein sonst für Sylt mit seinen baumlosen Heiden und wenigen vom Winde -im Baumwuchse gedrückten Hainen ziemlich seltener Anblick, den wir nur -an den vor dem Westwinde geschützten Stellen der Ostseite des Eilandes -genießen können. Keitum hat eine schöne, dem heiligen Severinus -geweihte Kirche, deren hoher Turm den Schiffern des Wattenmeeres als -Merkzeichen gilt, und ist das Kirchdorf für Archsum, Tinnum, Kampen, -Braderup, Wenningstedt und für Munkmarsch. Hier ist der berühmte -schleswig-holsteinische Patriot Uwe Jens Lornsen geboren, dem sein -Heimatsdorf ein hübsches Denkmal gesetzt hat, und hier befindet sich -auch das Sylter Museum, eine Gründung des verstorbenen und um die -Geschichte der nordfriesischen Inseln sehr verdienten Lehrers C. P. -Hansen. - -Wenige Kilometer von Keitum treffen wir das niedrig gelegene Dorf -Archsum mit den Resten eines alten Burgwalles an, der Archsumburg, -welche vom Volksmund dem Zwingherrn Limbek zugeschrieben wird. Das Dorf -hatte unter der Sturmflut von 1825 viel zu leiden. Wenn wir von hier -aus unsere Wanderung ostwärts ausdehnen, so betreten wir schon nach -kurzer Zeit die hufeisenförmig angelegte Ortschaft Morsum mit ihrem -bleigedeckten und turmlosen Gotteshause. - -Über das uns schon bekannte Morsumkliff steigend, statten wir noch dem -östlichsten Punkte Sylts, Näs Odde oder Nösse, einen kurzen Besuch ab. -In Näs Odde befindet sich eine Eisbootstation, die wir etwas näher -kennen lernen wollen. Wenn nämlich bei eintretendem starken Froste das -Wattenmeer sich mit Eis überzieht, nicht mit einer zusammenhängenden -Decke, sondern mit unzähligen, von den Wellen und den Strömungen stetig -übereinander geschobenen Eisschollen, die zuweilen zu eisbergähnlichen -mächtigen Bildungen werden, so hört die gewöhnliche Postverbindung der -nordfriesischen Inseln, vermittelst der Postfahrzeuge und Dampfer auf, -und das Eisboot tritt an ihre Stelle (Abb. 7 u. 8). - -[Illustration: Abb. 85. ¯Neumühlen.¯] - -So gelangt dann die Post, zuweilen mit recht unliebsamem Aufenthalt von -13–14 Stunden, an ihr Ziel! Wenn die Eisdecke die nötige Festigkeit -erlangt hat, um Pferde und Gefährt zu tragen und ein zusammenhängendes -Ganzes bildet, dann kommt wohl auch der von Rossen gezogene Schlitten -zur Postbeförderung in Betracht. Im Winter 1899–1900 sind zwischen -Ballum und Röm in jeder Richtung 26 schwierige Eisfahrten verrichtet -worden, zwischen Rodenäs und Näs Odde 28 ebensolche, zwischen Husum und -Nordstrand 18, u. s. f. - -[Illustration: Abb. 86. ¯Blankenese und Süllberg, vom Bismarckstein -gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie im Verlag von Conrad Döring in Hamburg.)] - -[Illustration: Abb. 87. ¯Blankenese, vom Süllberg gesehen.¯] - -Neun Kilometer südwärts von Westerland grüßen uns die wenigen Häuser -von Rantum, dem südlichsten Dorfe auf der Insel, vor Zeiten ansehnlich -und wohlhabend, aber durch die Fluten und die landeinwärts wandernden -Dünen zu einem der ärmsten Dörfer herabgesunken. Die im Jahre 1757 -aufgeführte Kirche Rantums, deren Vorgängerin schon einmal wegen -Gefahr der Verschüttung durch die Sandberge abgebrochen werden mußte, -war bereits 1802 zur Hälfte von den Dünen bedeckt und mußte ebenfalls -wieder abgerissen werden. Am 18. Juli 1801 bestieg der Prediger -zum letztenmal die schon vom Sande umgebene Kanzel. Auch die alte -Rantumburg, auf welcher in den ältesten Zeiten die Sylter ihre Landtage -abhielten, ist jetzt vom Sande begraben. Bei anhaltendem Ostwinde -sollen die Spuren vergangener Dörfer, Kirchen, Wohnstellen und Brunnen -draußen im Wasser vor Rantum noch deutlich zu erkennen sein. - -[Illustration: Abb. 88. ¯Hafeneinfahrt von Cuxhaven.¯] - -[Illustration: Abb. 89. ¯„Alte Liebe“ bei Cuxhaven.¯] - -Eine nicht minder großartige Dünenlandschaft, als der Nordflügel der -Insel aufweist, zeigt auch deren südliches Ende, das bei Hörnum in -einer Art Hochstrand endigt. - -Daß Sylt einen verhältnismäßig geringen, nur in geschützter Lage -gedeihenden Baumwuchs hat -- einige Gehölzanpflanzungen, die jedoch -auch an Verkrüppelung durch den Westwind leiden, sind der Viktoriahain -und der Lornsenhain im Centrum der Insel --, das wurde schon -angedeutet. Die Flora bietet aber sonst allerlei Interessantes und -Schönes, und als besonderes Curiosum wird angeführt, daß alpine Formen -von Enzian darunter sind. - -In verflossenen Jahrhunderten hatten die Sylter, wie auch die Bewohner -der anderen nordfriesischen Inseln ihre besondere Tracht, die in der -Gegenwart ganz und gar abgekommen ist. „Die Weiber aber“, so hat in -der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts Herr Erich Pontoppidan -in seinem ~Theatrum Daniae~ gemeint, „distinguieren sich durch ihre -lächerliche Kleidung am allermeisten. Ihre Haare tragen sie ganz -lang herabhangend, und zieren einen jeden Zopff, mit verschiedenen -Messingen Ringen, Rechen-Pfennigen, und dergleichen Possen. Ihre Wämbse -sind weit, und bestehen aus lauter Falten; und ihre Röcke sind gar -nicht nach der Ehrbarkeit eingerichtet, indem sie kaum bis über die -bloßen Knie hinunterreichen, gleich wie vormals an denen Spartanischen -Weibern, denen sie sich auch an Muth und Herz gleichen.“ Die -Bevölkerung Sylts zählt gegenwärtig etwa 4000 Seelen, die Zahl der im -Jahre 1899 in Westerland und Wenningstedt zusammen anwesenden Kurgäste -betrug 12695, im Jahre 1890 nur erst 7300. - -[Illustration: Abb. 90. ¯Insel Neuwerk.¯] - -[Sidenote: Amrum.] - -Südlich von Sylt, südwestlich von Föhr, von der ersteren Insel durch -das Fartrapp-Tief, von letzterer durch das Amrumer Tief getrennt, -liegt das Eiland Amrum, 10 Kilometer lang, bis 3 Kilometer breit, und -30 Kilometer vom Westrande des schleswig-holsteinischen Festlandes -entfernt. Amrum ist nicht mit Unrecht als kleines Sylt bezeichnet -worden, mit dem es in seiner Beschaffenheit viel Ähnlichkeit hat. Dem -hochliegenden (16–20 Meter über dem Meer) diluvialen Hauptkörper der -Insel sind in dessen östlichen Buchten schmale, sandige Marschbildungen -angelagert, eine Dünenkette folgt dem ganzen Verlaufe der Insel, -und nördlich wie südlich bildet dieselbe, über dem Hauptkörper -hinausragend, eine eigene Dünenhalbinsel. Die scharf abgebrochenen -Ränder, die wir auf Sylt in den verschiedenen Kliffbildungen kennen -gelernt haben, fehlen Amrum bis auf eine einzige Stelle an der -Ostseite, wo das jüngere Diluvium sich kliffartig bis zur Höhe von -12,6 Meter aus dem Wattenmeer erhebt. Amrums Bewohner beanspruchen, -der edelste Stamm unter den Friesen zu sein, bestehen aus ca. 900 -Seelen und leben von Schiffahrt, Fischerei und Ackerbau. Für den -Altertumsforscher besitzt Amrum großes Interesse, befindet sich doch -nordwestlich von Kirchdorf Nebel und südwestlich von Norddorf die -altheidnische Opferstelle des Skalnas-Thales dort. Es ist dies ein von -hohen Dünenwällen eingerahmtes, von diesen aber auch schon verschüttet -gewesenes 100 Schritt langes, und 80 Schritte breites Thal mit 22 -verschiedenen Steinkreisen von verschiedener Form und Größe, mit und -ohne Thorsetzungen, die -- leider! -- zum Teil beim Deichbau benutzt -worden sind. - -[Illustration: Abb. 91. ¯Scharhörnwatt.¯] - -Ein gewaltiger Leuchtturm im Süden Amrums, dessen Laterne (Drehfeuer) -in 67 Meter Meereshöhe leuchtet und 22 Seemeilen weit sichtbar ist, -der höchste an der deutschen Nordseeküste, gewährt einen guten -Überblick über das Eiland und seine Umgebung, über Föhr, die Halligen, -die der Insel im Westen vorgelagerte Sandbank Kniepsand u. s. f. -Im Norden stehen die Häuser von Norddorf, schon auf der südlichen -Hälfte desselben das Haupt- und Kirchdorf Nebel mit der alten St. -Clemens-Kirche und dem interessanten Friedhofe, und südlich davon das -Süddorf. Auf Amrum sind in den jüngstverflossenen Jahren mit allem -Komfort der Neuzeit ausgerüstete Badeetablissements entstanden. Dahin -gehört Wittdün mit schönem Kurhaus und vorzüglich eingerichteten -Gasthöfen an der Südseite. Von dort führt eine Dampfspurbahn -die Badegäste an den Badestrand auf Kniepsand. Etwa 4 Kilometer -nordwestlich von Wittdün treffen wir mitten in den Dünen, am Fuße der -29 Meter hohen Satteldüne das gleichnamige Hotel mit eigenem, durch -eine Pferdebahn mit dem Gasthofe verbundenen, ebenfalls auf Kniepsand -belegenen Badestrande (Abb. 23 u. 24). - -[Illustration: Abb. 92. ¯Helgoland aus der Vogelperspektive.¯] - -[Illustration: Abb. 93. ¯Helgoland, von der Düne gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - -Für eine direkte Verbindung Amrums mit verschiedenen Stellen der -deutschen Nordseeküste während des Sommers ist bestens gesorgt. Dampfer -der Nordseelinie vermitteln dieselbe, sowohl von Bremerhaven ab, als -auch von Hamburg aus, beide Fahrten über Helgoland. Wer eine allzulange -Seefahrt scheut, kann Amrum aber auch von Husum aus erreichen; diese -interessantere Reise führt durch die Inselwelt der Halligen hindurch. -Noch bequemer aber ist der Weg über Niebüll und Wyk auf Föhr. Die -Landungsbrücke für alle Dampfer befindet sich in Wittdün. - -[Illustration: Abb. 94. ¯Mönch und Predigtstuhl.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - -[Sidenote: Föhr.] - -Wesentlich anders als der Boden der drei nordfriesischen Inseln, die -wir bisher kennen gelernt haben, ist der Untergrund der übrigen, -hierher gehörigen Eilande beschaffen. Derselbe besteht nämlich -größtenteils aus Marschboden. Föhr macht davon allerdings insofern -eine kleine Ausnahme, als dessen südwestlicher Teil, etwa zwei -Fünftel des ganzen Areals dieser Insel, hochliegendes Geestland, das -übrige aber Marschland ist. Neben Föhr kommen hier in Betracht die -Eilande Pellworm und Nordstrand und die zehn Halligen, als Oland, -Langeneß-Nordmarsch, Gröde mit Appelland, Habel, Hamburger Hallig, -Hooge, Nordstrandisch-Moor, Norderoog, Süderoog, Südfall. Pohnshallig -hat seine Eigenschaft als selbständige Insel verloren infolge seiner -Verbindung mit Nordstrand durch einen Damm, und ist nur mehr noch -als ein Vorland dieses letzten Eilandes zu betrachten. Die südliche -Begrenzungslinie dieser ganzen Inselwelt bildet der Hever. - -Föhr hat einen Umfang von 37 Kilometer, einen Flächeninhalt von 82 -Quadratkilometer und seine Marschen sind durch starke Deiche gegen -den Anprall der Nordseewogen geschützt. Im Westen der Insel tritt an -die Stelle des gewöhnlichen Deiches ein gewaltiger Steindeich, dessen -Gesamtlänge zur Zeit über 3500 Meter beträgt. Zur Verstärkung der -Deiche Föhrs, die voraussichtlich im Jahr 1900 beendet sein wird, sind -362000 Mark (als 4. und letzte Rate) in den Staatshaushaltsplan des -Königreichs Preußen für 1900 eingestellt worden. - -[Illustration: Abb. 95. ¯Helgoland. Das Oberland und die Nordspitze.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - -Der Flecken Wyk im Südosten ist die bekannteste und wichtigste -Ortschaft der Insel Föhr, berühmt durch sein seit 1819 bestehendes -Nordseebad, das in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts -ein Sammelplatz der dänischen Aristokratie gewesen ist. Die Könige -Christian ~VIII.~ und Friedrich ~VII.~ hielten sich gerne hier auf. -Wyk ist noch immer im stetigen Aufschwung begriffen, und 1899 wurde -das Bad von 5169 Kurgästen besucht. Der Verein für Kinderheilstätten -an den deutschen Seeküsten hat hier eine Kinderheilanstalt gegründet, -ein Liebeswerk, das in erster Linie armen Kindern aus allen deutschen -Gauen zu gut kommt, und in neuester Zeit ist an der Südseite von Föhr -und nahe bei Wyk ein Nordsee-Sanatorium entstanden, das bezweckt, -der leidenden Menschheit einen verlängerten Aufenthalt an der See zu -ermöglichen und als Herbst- und Winterstation dienen soll. - -[Illustration: Abb. 96. ¯Helgoländerinnen.¯ - -(Nach dem Gemälde von Bennewitz von Loesen jr.)] - -Neben Wyk, das bei der Volkszählung von 1895 von 1154 Menschen bewohnt -war, liegen noch eine große Anzahl von Dörfern auf dem im ganzen von -etwa 5000 Menschen bevölkerten Eilande Föhr, so Alkersum, Boldixum, -Goting, Nieblum, Övenum, Utersum u. s. f. Der höchste Punkt der Insel -ist der 13 Meter hohe Sülwert bei Witsum am Südrande Föhrs. Etwas -östlich davon, bei Borgsum ist ein alter Burgwall, dessen Errichtung -ebenfalls auf den uns schon von Sylt her bekannten Ritter Claes Limbek, -einen Vasallen König Waldemars von Dänemark, zurückgeführt wird. An -Grabhügeln und anderen Denkmälern aus prähistorischer Zeit fehlt es auf -Föhr ebensowenig als auf Sylt oder Amrum. - -In Nieblum steht die große St. Johannis-Kirche, eine der größten -Landkirchen des Landes, 58 Meter lang. Die Nordseite des Schiffes -besitzt Stroh-, der übrige Teil des Gotteshauses Bleibedeckung. St. -Johannis ist die Mutterkirche Föhrs, das außerdem noch im Westen, -östlich von Utersum die St. Laurenti-Kirche und im Osten, in Boldixum -ein dem heiligen Nikolaus geweihtes Gotteshaus hat. Eine Anzahl von -Kirchen sind im Verlaufe der Zeiten durch die Fluten in die Tiefe -gerissen worden, so beispielsweise die Hanumkirche, von der in einem -Hause von Midlum noch Balken vorhanden sein sollen. - -Das Föhringer Land ist gut bebaut; üppige Kornfelder und fruchtbare -Wiesen bedecken es, und viel Wohlstand ist auf dem Eilande zu finden. -Ihre reizende, durch schöne, große, in Filigranarbeit ausgeführte -Silberknöpfe ausgeschmückte Nationaltracht haben die Föhringerinnen -noch nicht in dem Maße abgelegt, wie die Frauen von Sylt. Die -erheblichen Kosten bei der Neuanschaffung des Kleides mögen immerhin an -dem allmählichen Verschwinden der Tracht auch auf Föhr Schuld tragen -(Abb. 25–29). - -[Sidenote: Nordstrand. Pellworm.] - -Nordstrand und Pellworm sind Reste der großen Insel Nordstrand, welche -die Sturmflut 1634 zerrissen und zerstört hat. Das übriggebliebene -östliche Stück ist das heutige Nordstrand, das westliche Pellworm, ein -Ueberbleibsel vom Mittelstück bildet die Hallig Nordstrandisch-Moor -(vgl. hier den Abschnitt über die Sturmfluten, S. 26). - -Das 8 Kilometer lange und ebenso breite Nordstrand wurde nach der -Katastrophe von 1634 von Herzog Friedrich ~III.~ von Gottorp Brabantern -und Niederländern zur Eindeichung überlassen, nachdem sich die von der -Sturmflut übriggebliebenen früheren Bewohner zum Teil geweigert hatten, -wieder auf die Insel zurückzukehren. Gegenwärtig besteht es aus 6 -Kögen und wird von etwas über 2400 Menschen bewohnt. Von den vor 1634 -vorhanden gewesenen Gebäuden ist nur noch die Vincenzkirche zu Odenbüll -erhalten, zugleich das einzige, das die Fluten damals verschonten. -Der in diesen Blättern mehrfach genannte Chronist Johannes Petrejus, -gestorben 1608, war hier Pastor. Die Vincenzkirche ist ein turmloser -Ziegelbau auf hoher Werft mit schöngeschnitztem Altar aus dem Ende des -fünfzehnten Jahrhunderts. - -Pellworm ist 8 Kilometer lang und 7 Kilometer breit, von mächtigen -Deichen, darunter im Westen ein riesenhafter Steindeich, umwallt. -Es bildete früher ein sehr hohes Marschland, das aber infolge einer -beträchtlichen Lagerung des Bodens in den letzten Jahrhunderten -gegenwärtig unter gewöhnlicher Fluthöhe liegt. Das Moor unter der -Marsch ist zusammengepreßt, und so wurde die Marscherde selbst -allmählich dichter. An den in der Mitte der Insel belegenen „großen -Koog“ gliedern sich 10 weitere, verschieden eingedeichte, aber, wie -betont, von einem einheitlichen Außendeich umzogene Köge an. - -[Illustration: Abb. 97. ¯Helgoländer Fischerwohnung.¯] - -Zwei Kirchspiele befinden sich auf der Insel, die alte Kirche und die -neue Kirche. Die erstere, ein sehr merkwürdiges und mit verschiedenen, -interessanten Kunstschätzen ausgestattetes Gotteshaus, aus dem Anfang -des elften Jahrhunderts, hatte einen Turm von 57 Meter Höhe, der um -1611 einstürzte und dabei einen Teil der Kirche zerschmetterte. Seine -stehen gebliebene Westmauer war lange Zeit hindurch ein wichtiges -Seezeichen. Die Einwohnerzahl Pellworms betrug am 1. Dezember 1890 2406 -Seelen. - -[Illustration: Abb. 98. ¯Hengst und Nordspitze von Helgoland.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - -[Sidenote: Die Halligen.] - -Unter demselben Namen „Halligen“ umfaßt der heutige Sprachgebrauch -„alle Grasländereien, die ohne den Schutz von Dämmen den -Überschwemmungen durch die See ausgesetzt sind, also auch den ganzen -Vorlandssaum längs der Außendeiche“, sagt Eugen Traeger, der beredte -Schilderer und unermüdliche Anwalt der Halligenwelt. Mit diesem Autor -beschränken wir hier diesen Ausdruck auf die echten Inselhalligen, die -wir weiter oben schon namentlich aufgeführt haben. Eine elfte Hallig -ist das erst im Laufe dieses Jahrhunderts neu emporgewachsene und noch -unbewohnte Helmsand in der Meldorfer Bucht, eine zwölfte Jordsand bei -Sylt, das nicht mehr bewohnt ist. Die Halligen sind insulare Reste -des in geschichtlicher Zeit von den Sturmfluten, dem Eisgang und den -Gezeitenströmungen zerrissenen Festlandes, welche das Meer ehemals im -Schutze der äußeren Dünenkette abgelagert hatte. Eine Hallig steigt -mit stark zerklüfteten und zerrissenen, ½–1½ Meter hohen Wänden -senkrecht von dem Wattenplateau empor, welches um sie her bei Ebbe vom -Meer verlassen, bei Flut aber wieder überschwemmt wird. Ihr Boden ist -ganz eben, von größter Fruchtbarkeit und dicht bestanden mit einem -feinen, kräftigen und außerordentlich dichten Gras (~Poa maritima~ und -~Poa laxa~), zwischen dessen Halmen weiß blühender Klee und die Sude -(~Plantago maritima~) neben vielen anderen Kindern Floras gedeihen. Bei -jeder Überschwemmung läßt das Meer eine Schicht feinen Schlicks auf dem -Halligboden zurück und besorgt so dessen Düngung. Die Halligen nehmen -also, ähnlich wie die Lande am Nilstrom, jährlich unmerklich an Höhe -zu. Gräben von verschiedener Länge und Tiefe durchziehen die Halligen, -bisweilen in solchem Maße, daß sie den Wattenfahrzeugen als Häfen -dienen können. Wie freundliche Oasen liegen die Halligen in der grauen, -öden Wüste der Wattengefilde da. - -Die menschlichen Wohnstätten und Stallungen für das Vieh liegen auf -Werften von etwa vier Meter absoluter Höhe, bald nur eine, bald mehrere -an der Zahl, mit Gärtchen umgeben. Bei den Häusern befindet sich der -„Fething“ genannte Teich, welcher zum Auffangen der Niederschläge dient -und im Falle der Not mit seinem Wasservorrat auszuhelfen hat. Aus dem -Fething werden auch die Wassertröge für das Vieh gespeist. Das Wasser -für den menschlichen Gebrauch wird in etwa zehn bis zwölf Fuß tiefen, -aufgemauerten Cisternen gesammelt (vergl. Abb. 9 u. 10, sowie Abb. -31–35). - -Eigenartig ist die innere Einrichtung der mit Rohrschauben bedeckten, -ziemlich hochgiebligen Häuser mit ihren holzverschalten oder mit -Kacheln verkleideten Zimmerwänden, ihren durch Thüren abgeschlossenen -Bettnischen, der reinlichen Küche u. s. f. Eine berühmte -Hallighauswohnstube birgt das Könighaus auf Hooge, den „Königspesel“, -so genannt nach Friedrich ~VI.~ von Dänemark, der hier im Jahre 1825 -einige Tage zugebracht hat. - -Die Halligbewohner sind von ungeheuchelter Frömmigkeit und -bemerkenswerter Wohlanständigkeit, ihre Frauen züchtig, ehrbar und -freundlich, dagegen von etwas schwerfälliger Bedächtigkeit, so daß es, -wie Traeger bemerkt, fast unmöglich erscheint, sie zu Privatleistungen -zu bewegen, bei denen gemeinsames Handeln unter Aufbietung persönlicher -Opfer im allgemeinen Interesse erforderlich ist. „Das ist ihr -Hauptfehler, ihr nationales Unglück, welches sie im Kampfe mit den -Fluten der Nordsee durch schreckliche Verluste an Menschenleben, Land -und beweglicher Habe gebüßt haben.“ Ihre hauptsächlichste Beschäftigung -bilden die Viehzucht und die Schiffahrt. Die Männer der Halligen -sind geborene Seeleute und sollen in dieser Beziehung von keinem -Volk der Erde übertroffen werden. Im achtzehnten Jahrhundert blieb -kein Mensch, der gesunde Glieder hatte, zu Haus: gleich im Frühjahr -verschwand die ganze männliche Bevölkerung und ging aufs Schiff, um -erst um Weihnachten heimzukehren. Mancher freilich hat die Heimat nicht -wieder gesehen. Mitsamt den Männern von Amrum, Föhr, Sylt und den -Nachbarinseln lieferten die Halligleute vorzugsweise die Bemannung der -nach Indien, China oder ins Eismeer zum Walfischfang fahrenden Schiffe. -Viele brachten es zu hohen Ehren und großem Reichtum, aber zäh und fest -hingen sie doch immer mit allen Fasern ihres Herzens an ihrer Heimat. - -[Illustration: Abb. 99. ¯Helgoland. Oberland und Unterland.¯ - -(Nach einer Photographie von F. Schensky in Helgoland.)] - -Eine kleinere Erwerbsquelle für die Halligbewohner bildet auch der -Porren-(Krabben-)fang. Jede Hallig hat ihren Porrenpriel, woselbst -diese kleinen Krebse, besonders in der Zeit nach der Heuernte bis zu -Anfang November vermittelst eines besonders dazu konstruierten Netzes -gefangen werden. Man nennt diesen Vorgang das Porrenstreichen. Die -Fische fängt man in sogenannten Fischgärten, Faschinenreiser, die in -der Gestalt eines langschenkligen Winkels auf geneigten Wattenflächen -in den Boden gesteckt werden und am Scheitelpunkte des Winkels einen -mit einem Netz in Verbindung stehenden Durchlaß haben. Die in die -Einhegung geratenen Fische ziehen sich bei eintretender Ebbe immer -weiter nach dem Durchlaß hin zurück und geraten schließlich ins Netz. -In der Gegenwart soll diese Art der Fischerei immer mehr abkommen. -Dagegen pflegt man mit dem Stecheisen die Plattfische aufzuspießen, -und in den schlammigen Halliggräben die darin befindlichen Fische, -besonders Aale, mit der Hand zu greifen. - -[Illustration: Abb. 100. ¯Die neue Brücke von Harburg nach Hamburg.¯ - -(Nach einer Photographie von Max Wichmann in Harburg.)] - -Die Jagd auf Vögel (Regenpfeifer, Austernfischer, wilde Enten, Gänse u. -s. f.) wird selten mehr mit dem Netz, sondern durch Schießen ausgeübt, -mit besonderem Erfolge bei Nacht, indem man die Vögel durch den Schein -einer brennenden Laterne anlockt. Das systematische Einsammeln der -Vogeleier (Möven, Enten u. s. f.) verschafft den Halligbewohnern -gute Einnahmen. An den Rändern der Wasserflächen befinden sich -zahllose Nester, und von hier holen sie sich ihre Ernte an Eiern und -Jungen. Auf Süderoog soll es besonders von Vögeln wimmeln. Am Ende -des achtzehnten Jahrhunderts war die Menge dort so groß, daß die -kleinen Leute auf Pellworm fast den ganzen Sommer hindurch davon leben -konnten. Ganze Massen davon wurden ferner auf das Festland gebracht -und dort von den Bauern als Schweinefutter verwendet. Des weiteren -sind die Halligbewohner nicht selten geschickte Seehundsjäger; der -Schiffszimmermann Holdt auf Hooge hat im Jahre 1891 80 Stück davon -erlegt, deren Durchschnittsertrag sechs Mark war, so daß ihm eine -Bruttoeinnahme von 500 Mark daraus erwachsen ist (Abb. 36 u. 37). - -Die längste der Halligen ist Langeneß-Nordmarsch; nach der Vermessung -von 1882 betrug ihr Areal etwa 1025 Hektar, gegenüber 1179 Hektaren, -die sie bei derjenigen von 1873–1874 noch besaß. Norderoog, mit 16,96 -Hektaren (gegenüber 22,72 Hektaren 1873–1874) ist die kleinste. In der -Gegenwart hat die preußische Regierung die Fürsorge für die fernere -Erhaltung dieser kleinen Inseln, die schon deshalb besonders geschützt -werden müßten, weil sie die Wellenbrecher für das Festland bilden, -besonders im Auge. 1896 bewilligte der Landtag hierfür die Summe von -1320000 Mark. Ein großer Teil des Verdienstes, das mit veranlaßt und -herbeigeführt zu haben, mag wohl dem Sekretär der Handelskammer zu -Offenbach a. M., ~Dr.~ Eugen Traeger gebühren, der unablässig dafür -eingetreten ist. So hat in den jüngstverflossenen Jahren Oland mächtige -Dämme mit schwerer Steindecke und Busch und Pfahlbuhnen erhalten, und -nicht minder großartige Dämme wurden zur Verbindung dieser Insel mit -dem Festlande bei Fahretoft (Kosten 408000 Mark) und mit Langeneß -(Kosten 207000 Mark) in die See gebaut, zum Teil unter unsäglichen -Schwierigkeiten, denn die Strecke Oland-Fahretoft hat allein im -Jahre 1898 infolge schwerer Beschädigung durch die Wellen an 100000 -Mark Ausbesserungskosten verursacht und mußte in ihrer Anlage etwas -verändert werden. Die Herstellung der Olander Dämme, deren Sohlenbreite -10 Meter beträgt, die sich zu einer Kronenbreite von 4 Metern verjüngt, -an besonders exponierten Stellen aber, so am Olander Tief 7½ Meter groß -bleibt, hat rund 90000 Kubikmeter Faschinen, 100000 laufende Meter -Würste aus Busch- und Pfahlwerk, 200000 Stackpfähle zur Befestigung und -4000 Kubikmeter Felsbelag erfordert, von der massenhaft verwendeten -Erde ganz zu schweigen. Zur Zeit haben auch die Arbeiten zum Schutze -der Insel Gröde ihren Anfang genommen, und man war im Frühjahr 1900 -damit beschäftigt, an denjenigen Stellen Erde auszuheben, wo die -Steindossierung angelegt werden soll. - -Über Hooge läuft das Kabel, das von Amrum, Pellworm und Nordstrand nach -dem Festland führt. Hooge ist auch die einzige der Halligeninseln, die -außer Kirche und Pfarrhaus noch ein eigenes Schulhaus besitzt. Die -Kirchen sind einfache Gebäude, ohne Turm, mit dem Giebel von Osten -nach Westen gerichtet, wie alle Gebäude auf den Halligen, daneben ein -kleines hölzernes Glockentürmchen. Im Inneren sind Gänge und Altarraum -mit Ziegelpflaster versehen, der übrige Raum ist mit Meeressand -bedeckt, Bänke, Kanzel und Altar sind bescheiden ohne viel Schmuck. -Dem Langenesser Gotteshaus fehlt das Glockentürmchen an der Seite; das -Zeichen zum Beginn des Gottesdienstes wird hier mit der Kirchenflagge -gegeben. Von besonderem Interesse sind auch die Friedhöfe mit manchen -alten Grabsteinen und bemerkenswerten Inschriften darauf. Den alten -Kirchhof von Nordstrandisch-Moor haben die Wellen zerstört, und aus dem -tiefen Schlamm schauen die Reste der Särge und die Skelette der Toten -hervor. Auf verschiedenen Halligen sind Schulen; wo das nicht der Fall -ist, da werden die schulpflichtigen Kinder in Pension gegeben. - -[Illustration: Abb. 101. ¯Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm der Große“.¯ - -(Nach einer Photographie im Besitz des Norddeutschen Lloyd.)] - -Die Postverbindung mit den Halligen erfolgt über Husum-Nordstrand, -von hier weiter durch einen Postschiffer zwei- bis dreimal in der -Woche. Bei starken Stürmen oder bei schwerem Eisgang erleidet dieselbe -natürlich allerlei Unterbrechungen von kürzerer oder längerer -Dauer. Dies war beispielsweise im Winter 1888 der Fall, wo man auf -Hooge und Gröde noch am 22. März den 91. Geburtstag des damals -schon seit 14 Tagen entschlafenen Kaisers Wilhelm ~I.~ feierte. Die -Telegraphenverbindung Hooges mit der Festlandküste war damals noch -nicht vorhanden. - -[Illustration: Abb. 102. ¯Gesellschaftszimmer im Schnelldampfer „Kaiser -Wilhelm der Große“.¯ - -(Nach einer Photographie im Besitz des Norddeutschen Lloyd.)] - - - - -~IX.~ - -Eiderstedt. - - -[Sidenote: Die Landschaft Eiderstedt.] - -Südlich von Husum, zwischen dem vom Heverstrom durchzogenen Teil -des Wattenmeeres im Norden und der Eidermündung in ihrer heutigen -Gestalt, sowie den Ditmarscher Gründen im Süden, westlich von der -Nordsee begrenzt, dehnt sich die erst in historischen Zeiten mit -dem Festland verbundene Landschaft Eiderstedt aus. Politisch bildet -dieselbe den 330,5 Quadratkilometer umfassenden, gleichnamigen -Landkreis, dessen Bewohnerzahl nach der Volkszählung vom 2. Dezember -1895 15788 Seelen betrug, was einer Volksdichte von etwa 49 Menschen -auf dem Quadratkilometer gleichkommt. Eiderstedts Boden besteht -größtenteils aus dem besten Marschlande, und der dortige Klei ist, um -mit Pontoppidan zu reden, „eine Mutter des wohlriechenden und großen, -kräftigen Wiesen-Klees: daher in Eiderstedt die vortrefflichsten -Meyereyen anzutreffen, und soll eine Kuh des Tages 16 ~à~ 18 Kannen der -allerbesten Milch ausgeben können; daher die Eiderstedtische Butter und -Käse in sehr großer Menge außerhalb Landes verführet wird“. Nach aus -dem Anfang des siebzehnten Jahrhunderts datierenden Zollabrechnungen -wurden jährlich an dritthalb Millionen Käse nach Hamburg, Bremen und -sogar nach Amsterdam versandt. Und was der Autor des ~Theatrum Daniae~ -vor nunmehr 170 Jahren schrieb, hat auch noch heute volle Geltung. Es -geht die Rede, daß nach dem Garten Eden Eiderstedt der schönste Fleck -auf Gottes weiter Erde sei. Für den Eiderstedter Bauern mag diese -Auffassung sicherlich ihre Berechtigung haben. Behauptet doch ein -landesübliches Sprichwort, daß ein solcher Landmann von echtem Schrot -und Korn weiter nicht viel mehr zu thun habe, als: Slopen, Äten, Supen, -Spazierengahn und -- ordentlich zu verdauen. Das letzte Reimwort im -Originaltext richtig wiederzugeben, verbietet mir hier der Anstand. - -[Illustration: Abb. 103. ¯Rauchzimmer im Schnelldampfer „Kaiser Wilhelm -der Große“.¯ - -(Nach einer Photographie im Besitz des Norddeutschen Lloyd.)] - -[Sidenote: Der Boden Eiderstedts.] - -Eigentliche Bodenerhebungen gibt es im Inneren Eiderstedts kaum. -Seine Küstenlinie umzieht der grüne Wall der Seedeiche, und -Binnendeiche trennen die zu verschiedenen Zeiten dem Meere abgetrotzten -Köge voneinander. Ebensowenig wird man von der Natur geschaffene -Vertiefungen hier finden und vergebens nach Flüssen, Bächen oder Seen -suchen. Aber Graben- und Wasserzüge durchqueren Eiderstedt allenthalben -und schaffen die viereckige Landeinteiluug der Fennen. Wenn der Bauer -über Land geht, so führt er den „Klüwerstock“, einen vier bis sechs -Ellen langen Springstock, mit sich, mit dessen Hilfe er über diese -Gräben hinwegsetzt. Frauen, Kinder und Landfremde müssen aber den -Fußsteigen folgen, die oftmals erst über lange Umwege zum Hause des -Nachbarn führen. Einen Gang durch Eiderstedt hat Professor Meiborg in -Kopenhagen in gar anziehender Weise mit folgenden Worten geschildert: -„Wir gehen landeinwärts. Der Kuckuck ruft, solange der Tag währt, -und die Lerche schlägt ihre Triller. Eine zahllose Menge von Pferden -und Rindern grast auf den Weiden; ausgedehnte Strecken sehen von der -Anzahl des Viehes aus, wie ungeheure Marktplätze. Bald fesseln das Auge -einzelne Tiere, bald ziehen es einzelne Gruppen an, die sich um die -Scheunenplätze gesammelt haben. Mehr in der Ferne sehen sie aus wie -bunte Flecke auf dem grünen Teppich, die, je weiter der Blick geht, -desto enger zusammenrücken. -- Sonst läßt sich die Landschaft mit einem -englischen Park von ungemessener Größe vergleichen: auf meilenweiter -Grasfläche, die wie ein einziger wundervoll herrlicher Rasen erscheint, -hingesäet liegen die Gehöfte, wie im Gehölze halb versteckt, hinter -Gruppen prächtiger Eschen, und der Kranz dieser Haine vereinigt sich am -Gesichtskreis wie in einen einzigen zusammenhängenden Wald.“ - -In der Nähe der Küste ist das Landschaftsbild zuweilen ein etwas -anderes, denn die jüngsten Köge sind teilweise noch von Sümpfen -eingenommen und stehen in Regenzeiten manchmal sogar unter Wasser. -In trockenen Sommern aber erscheinen sie dann auf weite Strecken hin -als nackte Lehmflächen, die von modernden Algen weiß und blaurot -gefärbt sind und dann in grellem Kontraste mit dem sonst so üppigen -Pflanzenwuchse stehen. Zahlreiche Schafherden weiden hier, und eine -Menge von Möven (Abb. 39), Kiebitzen, Regenpfeifern und anderen -Strandvögeln halten sich hier auf. - -[Sidenote: Viehzucht und Ackerbau in Eiderstedt.] - -Große Strecken Landes haben seit undenklichen Zeiten nur als -Weideplätze gedient, und da dem Landmann, welcher nur Viehzucht treibt, -ein viel leichteres und angenehmeres Leben blüht, als dem Ackerbauern, -so hat das weiter oben angeführte Verslein natürlich in erster Linie -auf jenen Bezug. Soll doch das fette Eiderstedter Gras sogar dem Hafer -an Mastwert gleichkommen. Jährlich werden hier etwa 3000 bis 4000 Stück -Fettvieh und eine bedeutende Zahl von Schafen hervorgebracht, welche -meistenteils nach Husum auf den Markt wandern. Bei der Zählung am 10. -Januar 1883 betrug der gesamte Viehstand des Kreises 2522 Pferde, 13304 -Rinder, 24453 Stück Schafe und 1322 Schweine. - -In vergangenen Zeiten hatte Eiderstedts Viehzucht nicht wenig unter -Ueberflutungen zu leiden gehabt, so daß das Vieh unter unaufhörlichem -Gebrüll ruhelos auf den Fennen herumwaten mußte und kein trockenes -Plätzchen zum Hinliegen finden konnte. Seitdem aber das Sielwesen -im Lande so verbessert wurde, ist das anders geworden. Auch die -Rinderpesten haben zuweilen viel Schaden gebracht, so besonders -im Jahre 1745, wo wiederholt binnen wenigen Wochen fast der ganze -Viehstand fiel. - -Nicht minder lohnend als die Viehzucht ist aber auch der Ackerbau im -Lande Eiderstedt, wenn auch sehr viel mühsamer und beschwerlicher. -Denn in trockenem Zustande ist der schwere Kleiboden so hart, daß der -Pflug kaum hindurchkommen kann, und bei Regenwetter wiederum wird die -Erde so weich, daß es den Pferden nur bei allergrößter Anstrengung -möglich ist, sich hindurchzuarbeiten. Bisweilen müssen ihrer sechs am -Pfluge ziehen, und dann müssen die Schollen doch noch hier und da mit -Schlägeln zertrümmert werden. Dafür steht aber in guten Jahren das -Korn so dicht und stark, daß es mit der Sichel geschnitten werden muß, -und der Hafer 30-, die Gerste 44fältig trägt; vom Raps geben 20 Kannen -Aussaat 150–200 Tonnen Ertrag. „Wer,“ so schreibt Meiborg weiter, „von -den angrenzenden Harden des mittleren Schleswigs, die den magersten -Sandboden haben, herüberkommt nach Eiderstedt, dem erscheint es, als -komme er in ein ganz anderes Land, und er versteht wohl die Äußerung -des alten eiderstedtischen Bauern, der zu seinem wanderlustigen Sohne -sagte: ‚Hier ist die Marsch; die ganze übrige Welt ist nur Geest; was -willst du doch in der Wüste?‘“ - -Der wohlhabende Eiderstedter Bauer ist eine stattliche Erscheinung und -soll noch heutzutage, wie vorzeiten seine Ahnen etwas phlegmatisch -angelegt sein und mit einer gewissen Geringschätzung auf Leute anderen -Berufes und anderer Herkunft herabschauen. - -Große, hochgiebelige Häuser, sogenannte Hauberge, sind die -Wohnstätten des Eiderstedter Landmannes. Im Verlaufe des siebzehnten -und des achtzehnten Jahrhunderts kamen sie in Eiderstedt immer -mehr auf und verdrängten nach und nach den bisher im Lande üblich -gewesenen Haustypus, den man im übrigen schleswigischen Frieslande -noch allgemeiner findet, und der in der Gegenwart im Eiderstedtischen -bis auf ganz wenige vereinzelte Überreste vollständig verschwunden -zu sein scheint. Ein berühmtes Beispiel eines Haubergs steht an der -Nordküste, nahe bei Husum; es ist der sogenannte „rote Hauberg“, -einer der ältesten im Lande und wohl schon in der ersten Hälfte des -siebzehnten Jahrhunderts errichtet. Es unterscheidet sich derselbe -übrigens in manchen Einzelheiten von seinen Genossen, so durch seine -zwei Hauptthüren, seine beiden Dachgiebel, durch die eigentümlichen -Verzierungen seiner Thüreinfassungen und noch durch anderes mehr. Im -Volksmunde heißt er auch der Hauberg mit den 100 Fenstern, und die Sage -nennt den leibhaftigen Satan als seinen Baumeister. - -[Illustration: Abb. 104. ¯Bremen.¯ (Nach einer Photographie von Louis -Koch in Bremen.)] - -Denselben Anstrich von prunkendem Reichtum, den das eiderstedtische -Haus in seinen äußeren Teilen zeigt, besitzt es meist auch in seinen -inneren Räumen. Der Fremde, der dort willkommen geheißen wird, kann -sich des Gefühles nicht erwehren, als ob er bei einem Landedelmann zu -Gaste wäre. - -Über die Sitten und Gebräuche der Eiderstedter in dahingeschwundenen -Tagen ließe sich recht viel Interessantes berichten. Leider aber -mangelt uns der nötige Platz hierfür. Immerhin mag hier noch die -Blutrache Erwähnung finden, die noch lange Zeit nach der Einführung -des jütischen Gesetzbuches Waldemars des Siegers in den Marschlanden -vorgeherrscht hat. Ein vor nicht gar langer Zeit im roten Hauberg -entdecktes Gefängnis, ein unterirdisches Verließ mit Pfahl, Ketten -und Halseisen erinnert an diese schreckliche Sitte. Rings auf den -Bauernhöfen gab es ähnliche Kerker, in denen man Angehörige des -Getöteten, die man am Leben lassen wollte, in Ketten gefangen hielt, -bis die Mannbuße für sie gezahlt war. - -[Sidenote: Tönning.] - -Verhältnismäßig gute Landstraßen und die Bahnlinie -Husum-Tönning-Garding sind die Adern des Verkehrs in Eiderstedt. Große -Städte hat es nicht; die größte, Tönning, zugleich Sitz des Landrats, -hat etwa 3300 Einwohner. Sie liegt an der Eider, nur wenige Meilen von -deren Mündung entfernt, und hat einen 1613 von Herzog Johann Adolph -mit großem Kostenaufwand angelegten, früher recht bedeutenden Hafen, -der an 100 Schiffe mittlerer Größe, deren Tiefgang nicht mehr als elf -Fuß betrug, fassen konnte. In der Gegenwart kommt derselbe nicht mehr -in Betracht, und von dem lebhaften Handel, den sie ehemals betrieb, -ist in der recht still gewordenen Stadt wenig mehr zu merken. Am 1. -Januar 1891 war ihr Schiffsbestand sechs Segler und acht Dampfschiffe -groß, mit insgesamt 5081 Registertons Rauminhalt (Abb. 12). Besondere -Berühmtheit in der Kriegsgeschichte Schleswig-Holsteins hat Tönning -durch das Bombardement im April 1700 erlangt -- die Dänen unter dem -Herzog von Württemberg warfen damals 11000 Bomben und 20000 Kugeln in -die Stadt -- und durch die unter ihren Mauern am 16. Mai 1713 erfolgte -Kapitulation des schwedischen Generals Steenbock nach seinem bekannten -Übergang über die vereiste Eider. - -Am Endpunkte der Bahn steht Garding, eine kleine, kaum 1700 Einwohner -zählende Stadt, die Heimat des Historikers Theodor Mommsen. Von hier -aus gelangt man auf guten Wegen nach Tating, dessen Umgebung von der -Sturmflut im Jahre 1825 hart mitgenommen wurde, und wenn man noch -weiter westwärts zieht, zu dem durch den langen Dünenwall der Hitzbank -geschützten Kirchdorfe St. Peter. Hier hat sich im Verlaufe der -jüngsten Jahre ein kleiner Nordseebadeort entwickelt, der zweifelsohne -einer günstigen Zukunft entgegensieht. Beinahe ganz in Eiderstedts -Nordwestecke treffen wir auf das Kirchspiel Westerhever, einen Teil der -in den Fluten vergangenen Insel Utholm. Die älteste Kirche des Dorfes -soll um 1362 von den Wellen der See weggespült worden sein. - - - - -~X.~ - -Die schleswig-holsteinische Westküste von der Eider bis Hamburg-Altona. - - -Die lange Küstenstrecke von der Eider bis Hamburg wird durch eine -Anzahl von Eisenbahnlinien durchzogen, die meist in den letzten -Jahrzehnten entstanden sind und viel dazu beigetragen haben, diese -bis dahin ziemlich abgelegenen Lande dem Reiseverkehr zu erschließen. -Die Hauptlinie, die Marsch- oder Westbahn, zweigt in Elmshorn von -der Bahnlinie Altona-Vamdrup, der verkehrsreichsten Ader in den -Herzogtümern ab. Über Glückstadt, Itzehoe, Meldorf, Heide und -Friedrichstadt erreicht sie Husum, Tondern und geht jenseits der Grenze -in die Bahn nach Ripen über. Von Husum bis nach Jütland hinauf ist uns -die Strecke ja schon bekannt geworden. An die Marschbahn schließen -sich nun mehrere Zweiglinien an, so in Husum diejenige nach Eiderstedt -(Garding über Tönning), die uns ebenfalls schon bekannt ist, und die -die Marschbahn mit der Hauptlinie bei Jübek verbindende Strecke. Bei -Heide mündet ein weiterer Verbindungsstrang mit dieser letzteren, -der bis Neumünster läuft und bei Grünenthal den Kaiser Wilhelm-Kanal -vermittelst einer schönen Hochbrücke überquert, von der im folgenden -noch einiges gesagt werden soll. Nach Westen zu setzt sich diese Linie -über Wesselburen bis nach Büsum fort. In St. Michaelisdonn steigen -die Reisenden für Marne und den Friedrichskoog um, eine andere nur -kurze Zweigbahn verbindet die Hafenanlagen des ebenerwähnten Kanals -an den Brunsbütteler Schleusen mit der Station St. Margareten, und -von Itzehoe aus ist die Hauptlinie ebenfalls wieder über die Strecke -Lockstedt-Kellinghusen-Wrist zu erreichen. Endlich besteht eine von -Altona bis nach Wedel reichende Bahnlinie über die Ortschaften am -rechten Elbufer. - -[Illustration: Abb. 105. ¯Bremer Freihafen.¯ (Nach einer Photographie -von Louis Koch in Bremen.)] - -[Illustration: Abb. 106. ¯Weserbrücke in Bremen.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Die Marschen südlich der Eider.] - -Der nördliche Teil unseres Gebietes gehört noch zum Kreis Schleswig, -der hier weit nach Westen übergreift, dann folgen Norderditmarschen, -Süderditmarschen, Steinburg und Pinneberg. An der Zusammensetzung -des Bodens nehmen sowohl Geest, als auch Marsch teil, in dem von uns -zu besprechenden Küstenareal in vorwiegender Weise die letztere, -die aus einer größeren Menge der fruchtbarsten Köge besteht, so der -Sophienkoog, der Kronprinzenkoog, der Friedrichskoog (so genannt nach -König Friedrich ~VII.~ von Dänemark) auf der früheren, jetzt zur -Halbinsel gewordenen Insel Dieksand, der Kaiser Wilhelm-Koog, u. s. f. -Daran schließen sich südlich die holsteinischen Elbmarschen, und zwar -im Kreise Steinburg die im zwölften Jahrhundert von Holländern und -Flamländern eingedeichten Wilstermarsch und die Krempermarsch, und dann -noch weiter nach Süden die Haseldorfer Marschen. - -[Sidenote: Friedrichstadt. Lunden. Heide.] - -An der Mündung der Treene in den Eiderstrom liegt Friedrichstadt, -mit 2350 Einwohnern, 1621 nach holländischer Art im Viereck mit -regelmäßigen und gerade verlaufenden Straßen von Herzog Friedrich -~III.~ von Gottorp gebaut. Die Hoffnungen ihres Begründers, daß sie -einmal einer der ersten Handelsplätze in seinen Landen werden sollte, -hat die Stadt im Laufe der Zeit unerfüllt gelassen. Ihre ursprünglichen -Bewohner waren holländische Remonstranten, sogenannte Arminianer, die -ihr Vaterland aus Glaubensgründen verließen, und in der Gegenwart -noch gibt es hier eine remonstrantisch-reformierte Gemeinde neben der -lutherischen. In den verflossenen Jahrzehnten hat Friedrichstadt einen -nicht unbedeutenden industriellen Aufschwung zu verzeichnen gehabt -(Knochenmehl-, Kunstdünger-, Seifenfabriken), in der Kriegsgeschichte -der Herzogtümer ist es durch den Kampf, der am 4. Oktober 1850 -zwischen den Dänen und den Schleswig-Holsteinern unter seinen Mauern -ausgefochten wurde (der Friedrichstädter Sturm), bekannt. - -Hier führt eine lange Brücke über die Eider (Ägidora, Ögysdyr, das -heißt Meeresthor, Thor des Meergottes Ägir), die wir bereits von -Tönning her kennen. Schon auf holsteinischem Boden liegt das alte -Lunden, ein Flecken in Norderditmarschen, mit 4000 Seelen, in sandiger -Gegend, am Rande der Marsch. In den vergangenen Tagen des freien -Ditmarschens war es einmal ein reicher und wichtiger Punkt für Handel -und Verkehr, nunmehr ist es ein stiller Ort. Joachim Rachel, der -bekannte Satirendichter, hat im Jahre 1618 das Licht der Welt hier -erblickt. Nicht weit davon ist das alte Kirchdorf Weddingstedt mit -seiner dem heiligen Andreas geweihten Kirche, welche nächst derjenigen -Meldorfs die älteste Ditmarschens ist. Heide, mit 7500 Einwohnern ist -die Hauptstadt Norderditmarschens und war nach Meldorf die zweite der -ehemaligen Bauernrepublik, in deren Gebiet wir uns befinden. Riesig, -27000 Quadratmeter groß, ist der Marktplatz von Heide, auf dem seit -1434 die Landesversammlungen gehalten wurden. Auch heute herrscht -noch rühriges Leben in der Stadt, welche sich rühmen darf, des Landes -Schleswig-Holsteins größten Lyriker, den erst 1899 zu Kiel verstorbenen -Dichter Klaus Groth, hervorgebracht zu haben. - -[Illustration: Abb. 107. ¯Rathaus in Bremen.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Wesselburen. Büsum.] - -Westlich von Heide erhebt sich auf großen Werften das alte Wesselburen -mit etwa 6500 Einwohnern, ein seines bedeutenden Kornhandels wegen -wichtiger Ort. In der Geschichte der deutschen Litteratur steht -Wesselburens Namen vorne an. Dort wurde am 18. März 1813 der Mann -geboren - - Von düstrer Größ’ umwoben, - Der uns den Nibelungenhort - Zum zweitenmal gehoben. - Der von der Tischlertochter Lied - Das grause Lied gesungen! - Ditmarschens Trotz und Mächtigkeit - Hat keinen so durchdrungen. - - (Bartels.) - -Ein einfaches Denkmal mit der Büste des Geistestitanen erinnert an -Friedrich Hebbel. Das Haus seiner Eltern steht nicht mehr, wohl aber -noch die ehemalige Kirchspielvogtei, in deren dumpfer Schreiberstube -der Dichter geduldet und gelitten hat, bis er, einem jungen -freigelassenen Adler gleich, seinen Flug anheben konnte in die weite -Welt, die er mit seinem Ruhm erfüllen sollte. Draußen an der See liegt -Büsum, der alte Rest eines großen Kirchspiels, das in vergangenen -Jahrhunderten südwestlich sich ausgedehnt hat, aber größtenteils von -den Fluten verschlungen worden ist. - -Später setzte sich dafür wieder an einer anderen Stelle Land an, und -mit der Zeit wurde Büsum mit dem festen Lande verbunden. Auf der -ehemaligen, in der Gegenwart ebenfalls landfest gewordenen Insel Horst -befindet sich ein vielbesuchtes Seebad. Es wird an der dortigen Küste -der Krabbenfang in großem Maße betrieben, von Büsum allein zur Zeit -durch nicht weniger als 36 Fahrzeuge, denen sich im Sommer noch ein -dazu erbautes Dampfschiff zugesellen wird. Büsum ist die Heimat des -bekannten Chronisten aus dem Beginn des siebzehnten Jahrhunderts, -Neocorus. - -[Illustration: Abb. 108. ¯Saal im Bremer Rathaus.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Hemmingstedt.] - -Im Süden von Heide gelangen wir bei Hemmingstedt auf das bekannte -Schlachtfeld vom Jahre 1500, auf welchem sich seit wenigen Monaten -ein Erinnerungsdenkmal an den großen Sieg der Ditmarscher erhebt. -Vor vierzig Jahren wurde hier auch Erdöl gewonnen, das im Jahre 1856 -bei Anlaß einer Brunnenbohrung in den daselbst ziemlich nahe an die -Erdoberfläche tretenden Kreideschichten zufällig entdeckt worden war. -Das mit der Ausbeutung dieses Vorkommens beschäftigte Unternehmen -stand längere Zeit hindurch in Blüte und das Erdöl von Heide erhielt -sogar auf der Weltausstellung zu London im Jahre 1862 eine ehrenvolle -Auszeichnung. Der Betrieb konnte wegen der immer mehr zunehmenden -Konkurrenz des billigeren amerikanischen Petroleums später nicht -mehr aufrecht erhalten werden, und auch ein weiterer, im Jahre 1880 -unternommener Versuch der Erdölgewinnung mußte leider scheitern. - -[Illustration: Abb. 109. ¯Partie aus dem Bremer Ratskeller.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Illustration: Abb. 110. ¯Partie aus dem Bremer Ratskeller.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Meldorf.] - -Meldorf ist das vormalige Melinthorp oder auch Milethorp. Noch bis -in das sechzehnte Jahrhundert hinein besaß die Stadt einen Hafen, der -aber nunmehr an eine halbe Meile von ihrem Weichbild entfernt ist. Das -sehr gemütliche Städtchen zählt zur Zeit etwa 4000 Einwohner und ist -auf der Geest, dicht am Marschrande erbaut (Abb. 40). Schon um 1259 -hatte Meldorf Stadtrecht erhalten, sank aber nach der Eroberung von -Ditmarschen zum Flecken herab, um 1870 aufs neue zum Range einer Stadt -erhoben zu werden. Hier tagten in alten Zeiten die Landesversammlungen -der Bauernrepublik. Man rühmt der Kirche Meldorfs nach, nunmehr die -schönste in den schleswig-holsteinischen Landen zu sein, nachdem sie -in den jüngstverflossenen Jahrzehnten einer gründlichen Reparatur -unterworfen gewesen ist. Sie ist schon sehr alt, und der erste Bischof -von Bremen, Willehad, soll sie um 780 begründet haben. Dann befindet -sich in Meldorf noch der aus Lehe bei Lunden hierher gebrachte Pesel -des ersten ditmarschen Landvogts Markus Swyn, mit wundervollen -Schnitzereien und herrlichen Möbelstücken. Ferner ist auch die alte -berühmte, aus dem sechzehnten Jahrhundert stammende Gelehrtenschule zu -erwähnen, die sich heute noch des besten Rufes erfreut. Im Pastorate -Meldorfs wurde der Reformator Heinrich von Zütphen gefangen genommen, -um nach Heide gebracht und daselbst als Märtyrer verbrannt zu werden. -Heinrich Christoph Boje, der bekannte Hainbunddichter, ist in Meldorf -geboren, und der weitberühmte Reisende Karsten Niebuhr, der Vater des -Historikers, hat hier gelebt. - -[Illustration: Abb. 111. ¯Bremer Börse.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Illustration: Abb. 112. ¯Der Dom in Bremen¯ (links das Rathaus, rechts -die Börse). - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -Südwestlich von Meldorf, mitten im fetten Marschlande, an der -Zweigbahn St. Michaelisdonn-Friedrichskoog liegt das große Kirchdorf, -resp. der Flecken Marne (2600 Einwohner), der bedeutenden Kornhandel -treibt, für welchen der Neudorfer Hafen an der Elbe, südlich von Marne, -von Bedeutung ist. Zwei große Männer des Landes sind hier zur Welt -gekommen, der Germanist Karl Müllenhoff in Marne selbst, und im ganz -nahebei belegenen Fahrstedt der Theologe Klaus Harms, weiland Propst in -Kiel und ein weithin bekannter Kanzelredner und Menschenfreund. - -[Illustration: Abb. 113. ¯Das Essighaus in Bremen.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Kaiser Wilhelms-Kanal.] - -Brunsbüttel mit Brunsbüttlerhafen war bis vor wenigen Jahren ein -kleiner für die Kornausfuhr wichtiger Hafenort an der Elbe, der mehr -als einmal in verflossenen Jahrhunderten durch die Wasserfluten zu -leiden gehabt hat. Im Jahre 1676 war der ganze Flecken mitsamt der -Kirche davon zu Grunde gerichtet worden. Durch die Einmündung des -Kaiser Wilhelm-Kanals in die Elbe nahe beim Orte hat Brunsbüttel -nunmehr erhöhte Bedeutung gewonnen. Gewaltige Schleusenanlagen -bezeichnen den Anfang dieser 98,65 Kilometer langen, durchschnittlich -etwa neun Meter tiefen Wasserstraße, die mit zwei großen weit in -die Elbe bis zur Fahrwassertiefe hinausgebauten Molen beginnt. Die -Schleusenhäupter selbst liegen 250 Meter hinter der Deichlinie -zurück, so daß dadurch ein geräumiger, nach innen trichterförmig -verlaufender Vorhafen geschaffen worden ist. Um den Wasserstand im -Kanal regulieren zu können und denselben von den Einflüssen der durch -Ebbe und Flut hervorgerufenen Schwankungen des Wasserstandes der -Elbe unabhängig zu machen -- bei Brunsbüttel beträgt der Unterschied -zwischen mittlerem Niedrig- und mittlerem Hochwasser 2,8 Meter --, -sind große Schleusen mit zwei nebeneinander liegenden Schleusenkammern -von 150 Meter nutzbarer Länge und 25 Meter Breite erbaut, deren -eiserne Thore durch hydraulische Maschinen bewegt werden. Da, wo bei -Grünenthal die westholsteinische Bahn Neumünster-Heide die Kanallinie -überquert, spannt sich eine großartige eiserne Bogenbrücke von 156,5 -Meter Stützweite, deren Unterkante 42 Meter hoch über dem mittleren -Kanalwasserspiegel liegt, über diese ebengenannte Wasserstraße, -mit ihrer Schwester bei Levensau, welche zur Überführung der Bahn -Kiel-Eckernförde-Flensburg über den Kanal dient, wahre Wunder der -Brückenbaukunst. Neben der eminenten strategischen Bedeutung des -Kanals besitzt derselbe eine kaum minder große für die Handelsflotte. -Der Verkehr der Handelsschiffe auf demselben nimmt seit den fünf -Jahren seiner Eröffnung ständig zu und diese Wasserstraße trägt -ungemein viel zur Förderung des sich mehr und mehr entwickelnden -Schleppschiffverkehrs aus der Nord- in die Ostsee und umgekehrt bei -(Abb. 41–45). - -[Illustration: Abb. 114. ¯Der Markt in Bremen.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -[Sidenote: Die Wilstermarsch.] - -Etwas südöstlich von Brunsbüttel liegt St. Margareten. Von hier aus -wird in einer knappen halben Stunde das Dorf Büttel mit der bekannten -Elblotsenstation der „Bösch“ erreicht. Besteigen wir in St. Margareten -wieder den Bahnzug, so erscheint bald nach Eddelak und dem flachen -Kudensee die kleine in der Anlage und Bauart ihrer Häuser an Holland -gemahnende Stadt Wilster (ca. 2750 Einwohner) in der Wilstermarsch. -Charakteristisch für diese Landschaften sind die zahlreichen -Windmühlen, welche angelegt wurden, um das von der Geest zur Marsch -herniederströmende Wasser mittels Schnecken aus den Laufgräben in -die Abzugskanäle zu heben. Der größte Teil der Wilstermarsch liegt -nämlich auf Moorgrund, und durch die fortschreitende Entwässerung und -Trockenlegung dieses letzteren senkte sich allmählich der darüber -liegende Marschboden, und zwar so tief, daß derselbe jetzt unter dem -Wasserspiegel der Elbe liegt. In den Häusern der Wilstermarsch läßt -sich holländischer Einfluß nachweisen; dieselben nehmen insbesondere -noch unser Interesse dadurch in Anspruch, als der Rokokostil Eingang -darin gefunden hat, ohne jedoch die bäuerliche Behaglichkeit zu -beeinträchtigen. Die übrigen Elbmarschen Schleswig-Holsteins weisen -echte Sachsenhäuser auf, sogar die schönsten und reichsten in den -Marschlanden überhaupt. - -[Sidenote: Itzehoe. Breitenburg.] - -Wir werfen noch einen kurzen Blick auf das kleine in blauer Ferne auf -hohem Geestrande thronende Burg und eilen dann weiter nach Itzehoe -(Abb. 46). Ein buntes und bewegtes Bild heiteren Wallensteinischen -Lagerlebens wird sich bei Nennung dieses Namens vor dem geistigen Auge -unserer Leser aufrollen. - - Ihr kennt ihn alle aus dem „Wallenstein“, - Den langen Peter aus Itzehö. - Zwar würd’ er schwerlich unser Landsmann sein, - Wenn nicht der schöne Reim wär’ auf „Mußjö“. - - (Bartels.) - -[Illustration: Abb. 115. ¯Bremer Typen.¯] - -[Illustration: Abb. 116. ¯Das Museum für Natur-, Völker- und -Handelskunde in Bremen.¯ - -(Nach einer Photographie von Louis Koch in Bremen.)] - -Und dem langen Peter mag es Itzehoe wohl zu verdanken haben, wenn es -in den Landen deutscher Zunge die bestbekannte Stadt an der Westseite -Schleswig-Holsteins ist. In anmutiger Lage am schiffbaren Störfluß -erbaut, zählt das gewerbe- und industriereiche Itzehoe (Cement- und -Zuckerfabriken etc.), in der Gegenwart etwa 12500 Seelen. In früherer -Zeit nahm die Stadt als der Versammlungsort der holsteinischen Stände -eine besonders wichtige Stellung ein, doch hat sie dadurch, daß -dies nunmehr aufgehört hat, nicht verloren, sondern ist in stetigem -Aufblühen begriffen. Durch das Villenviertel hindurch führt ein schöner -Spazierweg an Amönenhöhe vorbei, längs der windungsreichen Stör nach -dem Schlosse Breitenburg, das von Johann von Rantzau, dem Statthalter -der Herzogtümer und dem Besieger der Ditmarschen in der letzten Fehde -(1559), erbaut worden ist. Hier hat sich in den Septembertagen 1627 -eine Episode abgespielt, die wohl wert ist, in einigen Worten an dieser -Stelle erwähnt zu werden. Damals war Breitenburg eine von starken -Mauern umgebene, durch Türme und Bastionen geschützte und vom Störfluß -umspülte Feste, in welcher der in dänischen Kriegsdiensten befindliche -schottische Major Dumbarre mit vier Compagnien Schotten und einigem -deutschen Fußvolk lag, im ganzen wohl nicht viel mehr als 600 Mann. -Außerdem hatten aber die Landleute der Umgebung ihre Familien und -ihren wertvolleren Besitz nach Breitenburg geflüchtet. Vor der Feste -erschien nun Wallenstein mit seinen Scharen und versuchte bereits am -17. September den ersten Sturmlauf auf Breitenburg, der abgeschlagen -wurde. Alsdann begann eine regelmäßige vom Friedländer selbst geleitete -Belagerung, die elf Tage später zur Übergabe Breitenburgs führte, -nachdem inzwischen Dumbarre getötet worden war. Alle noch am Leben -befindlichen Verteidiger des Schlosses wurden von den erbarmungslosen -Feinden niedergemacht, nur wenige Frauen und Kinder blieben verschont. -Die ergrimmten Sieger sollen der Leiche Dumbarres das Herz aus dem Leib -gerissen und in den Mund gesteckt haben. Damals wurde auch Breitenburgs -Stolz, die berühmte Bibliothek des Humanisten Heinrich Rantzau, -des Sohnes des Erbauers von Breitenburg, verschleppt und teilweise -vernichtet. Wallenstein hatte dieselbe dem Beichtvater Ferdinands -~II.~, dem Pater Lamormain, zum Geschenk gemacht und nach Leitmeritz -schaffen lassen. - -Vom alten Breitenburg steht noch die Schloßkapelle, als -Sehenswürdigkeit das einzige Stück des alten Schlosses, sonst erinnert -nichts mehr, auch in der ganzen friedlichen Umgebung nicht, an die -Greuel des Septembers 1627, mit Ausnahme eines ehrwürdigen Eichbaumes, -der Wallensteineiche. - -Etwas südöstlich von Itzehoe, bei Lägerdorf, tritt die senone Kreide -zu Tage und wird daselbst in großartigem Maßstabe ausgebeutet, um -teils dort, teils in Itzehoe unter Zusatz von tertiärem Thon, der -bei dieser letzteren Stadt und in deren Umgebung gefunden wird, zu -Cement verarbeitet zu werden. Nordöstlich von Itzehoe befindet sich -das Lockstedter Lager, ein riesiger Truppenübungs- und Schießplatz, -auf welchem sich das ganze Frühjahr und den Sommer hindurch reges -militärisches Leben entfaltet. Lockstedt ist eine der Zwischenstationen -auf der Bahnlinie Itzehoe-Wrist, die auch das kleine freundliche -Städtchen Kellinghusen berührt. - -[Sidenote: Krempe. Glückstadt. Elmshorn. Ütersen.] - -Mitten im kornreichen Marschgebiete gleichen Namens liegt Holsteins -kleinste Stadt, das alte Krempe. Die Gründung Glückstadts hat ihm viel -Schaden gethan, denn bis dahin war es der Stapelplatz der Landschaft -für den Kornhandel gewesen und soll auch keine geringe Schiffahrt -besessen haben, bevor die Kremper Aue verschlammte. Als Festung -genoß Krempe eines bedeutenden Rufes und ist durch die lange und -schwere Belagerung von seiten der Kaiserlichen, die es im Jahre 1627 -durchzumachen hatte, in der Geschichte des dreißigjährigen Krieges -bekannt geworden. Später sank Krempe zum Range einer kleinen, nicht -vermögenden Landstadt herab, und der Spruch: „Ein Herr von Glückstadt, -ein Bürger von Itzehoe, ein Mann von Wilster und ein Kerl von Krempe“ -war für die Vergangenheit charakteristisch. - -Auch Glückstadt ist vormals eine starke Festung gewesen. Von dem -Dänenkönig Christian ~IV.~ in der Absicht gegründet, dem Handel des -emporblühenden Hamburgs erfolgreich die Spitze zu bieten, und zu diesem -Zwecke mit weitgehenden Privilegien ausgestattet, hat es mit der Zeit -die Hoffnungen seines Erbauers aber nicht zu erfüllen vermocht. Doch -ist es in der Gegenwart eine aufstrebende Landstadt mit gutem Hafen, -dessen Verkehr durch die in den jüngsten Jahren hier aufgekommene -Heringsfischerei sicherlich gehoben werden wird. Die etwa von 6000 -Menschen bewohnte Stadt hat ein Gymnasium, und die Korrektionsanstalt -der Provinz befindet sich in ihren Mauern. - -Lebhaften Handel und Industrie besitzt das an 10000 Einwohner zählende -Elmshorn an der Krückau, am Rande von Geest und Marsch (Abb. 47). -Nahebei, zwischen Elmshorn und dem kleinen Tornesch hat der preußische -Fiskus vor 25 Jahren auf Steinkohlen gebohrt, aber vergeblich. Das -Bohrloch an der Lieth hatte mehrere Jahre über die Ehre, das tiefste -der Erde (1330 Meter) zu sein, bis dasselbe von demjenigen zu -Schladebach überflügelt worden ist. - -Ütersen an der schiffbaren Pinnau, am Rande der Haseldorfer -Marsch belegen, ist ein nicht unbedeutender Industrieort von über -5300 Einwohnern, hat seit 1870 Stadtrecht und steht vermittelst -einer Pferdebahn mit der eben erwähnten Station Tornesch der -schleswig-holsteinischen Hauptbahnlinie in Verbindung. Das ehemalige, -dem Cistercienserorden angehörige Nonnenkloster ist in der Gegenwart -ein Stift für die Töchter der Ritterschaft des Landes geworden. Im -Jahre 1412 soll eine Sturmflut Ütersen so sehr mitgenommen haben, daß -die Klosterjungfrauen bettelnd ihre Nahrung in der Umgegend suchen -mußten. - -Pinneberg an der schon erwähnten, bis dahin schiffbaren Pinnau (3800 -Einwohner) war lange Zeit hindurch der Sitz einer eigenen Linie der -Schauenburger Grafen. Es ist mit seinen herrlichen Buchenwaldungen -ein beliebter Ausflugsort der Hamburger Bevölkerung. In historischer -Beziehung ist es bekannt durch die Belagerung durch Tilly im Jahre -1627, der hier verwundet wurde, und dann hat es den Ruhm, den bekannten -schleswig-holsteinischen Geologen ~Dr.~ Ludwig Meyn hervorgebracht zu -haben. Das Gebiet zwischen Pinnau und Krückau pflegt man auch nach dem -alten Kirchdorfe Seestermühe die Seestermüher Marsch zu nennen, an die -sich dann südlich die eigentliche Haseldorfer Marsch anschließt. Auf -den geräumigen Vorlanden der letzteren, zwischen dem Deich und dem -Elbstrom gedeiht die Korbweide in großer Zahl und wird als Material für -Tonnen- und Faßbänder benützt. Dessen Zurichtung, das „Bandreißen“, -gewährt zahlreichen Bewohnern der dortigen Gegenden lohnenden Erwerb. -Auch das Rohrschilf (~Phragmites communis~) wird dort gezogen und -verwertet. - -[Illustration: Abb. 117. ¯Geestemünde.¯] - -Am schönen Haseldorfer Schloß, einem alten prächtigen Herrensitze -vorbei gelangen wir nach dem etwa 2000 Einwohner zählenden Städtchen -Wedel an der Wedelau, der zweitkleinsten Stadt Holsteins. Hier war in -alten Zeiten eine bedeutende Fähre über die Elbe, und Wedels große -Ochsenmärkte hatten eine ganz außerordentliche Bedeutung. Auf dem -Marktplatz steht eine alte Rolandssäule, um deren Restaurierung sich -der Stifter des Elbschwanenordens Johann Rist, der als Prediger zu -Wedel geamtet hat, Verdienste erwarb. Eine eigene Bahnlinie verbindet -Wedel über das an hohem Geestrücken malerisch an den Ufern der Elbe -gelegenen Blankenese mit den Städten Hamburg-Altona, die wir im -folgenden kennen lernen wollen. - - - - -~XI.~ - -Hamburg-Altona. - - -[Sidenote: Hamburg.] - -Das Areal des Freistaates Hamburg mit der dazu gehörigen, 256 Hektare -großen Elbfläche, beträgt 414,97 Quadratkilometer und wird von -insgesamt 681632 Seelen bewohnt (Volkszählung vom 2. Dezember 1895. -Die Einwohnerzahl Hamburgs am 1. Dezember 1890 betrug dagegen 622530 -Menschen). Danach kommen auf ein Quadratkilometer Landfläche 1642,61 -Einwohner. - -An den Mündungen der Alster und der Bille in den Elbstrom ist die Stadt -Hamburg erbaut. Die erstere, deren beide seenartigen Erweiterungen, -die Große oder Außenalster und die Kleine oder Binnenalster, dem -Städtebild Hamburgs besondere Reize verleiht, kommt aus der Gegend von -Poppenbüttel in Holstein und trägt durch ihre starke Strömung nicht -wenig zum Schutze des Hamburger Hafens vor Versandung bei, während -die Bille, im Amte Steinhorst entspringend, bis nahe an ihre Mündung -die Südostgrenze des eben genannten Herzogtums bildet, um im letzten -Teil ihres Laufes auf Hamburger Gebiet überzutreten. Die Elbe selbst -durchschneidet mit zahlreichen Armen das Marschgebiet der Stadt. - -Die älteste Anlage Hamburgs befand sich nämlich auf der schmalen -Geestzunge, welche die Elbe von der Alster trennt. Zwischen dem -ersteren Strom und der Stadt lag eine erst später eingedeichte -Marschfläche, welche im Verlaufe der Zeiten dann bebaut wurde, deren -tiefer belegenen Teile aber bis in die letzten Jahre hinein bei den -Sturmfluten und bei starkem Hochwasser der Überschwemmung ausgesetzt -waren. Nicht mit Unrecht ist darum von einem sachkundigen Manne -behauptet worden, daß nicht die Nähe einer zum Weltmeer führenden -großen Wasserstraße die Gründung der Stadt Hamburg bedingt habe, -sondern daß der günstigen Baugrund darbietende Geestrücken, der hier -erleichterte Elbübergang und das große Wasserbecken der Alster (Abb. 48 -u. 49) wohl die hauptsächlichsten Ursachen dafür gewesen seien. - -[Illustration: Abb. 118. ¯Bremerhaven, vom Leuchtturm gesehen.¯] - -Nordwärts von der Stadt breitet sich ein wellenförmiges, vom -Alsterthale durchschnittenes Gelände aus, die Geestlande, längs des -Elbstromes dagegen fette Marschlande. In treffender Weise hat man diese -Wasserstraße die Pulsader von Hamburgs Leben und Weben genannt. 135 -Kilometer unterhalb der Stadt ergießt sich dieselbe in die Nordsee, -welche die regelmäßigen Tagesschwankungen ihres Wasserspiegels bis -nach Hamburg hinauf fortpflanzt. Von Hamburg abwärts hat die Elbe eine -so bedeutende, nur hin und wieder durch Sandplatten unterbrochene -Tiefe, daß Segler oder Dampfer vom größten Tiefgange bis an die -Stadt herankommen können, und durch kostspielige Baggerarbeiten wird -die Fahrrinne des Stromes stets offen gehalten. An der Ostseite, am -Deichthor, tritt ein schmaler Elbarm in die Stadt ein und teilt sich -hier in mehrere Kanäle, die sogenannten Fleete, um sich weiter unten, -im Binnenhafen, wiederum mit dem Hauptstrom zu vereinigen. Diese -Fleete schlängeln sich auf der Hinterseite der Häuser durch die untere -Stadt, wo die großen Speicher und Magazine sich befinden, und werden -mit Booten befahren, welche die eingegangenen Waren, die Erzeugnisse -aller Zonen des Erdenrundes, aus dem Hafen holen und die zur Ausfuhr -bestimmten Produkte deutscher Arbeit nach dem Hafen zum Verladen -auf die Schiffe führen. Auch die Alster spaltet sich innerhalb des -Weichbildes Hamburgs in mehrere Fleete, die zur Zeit der niedrigsten -Ebbe allerdings halb trocken liegen, da das Wasser des erwähnten -Flusses zu ihrer Speisung nicht ausreicht, dagegen bei eintretender -Flut rasch von den aufsteigenden Fluten der Elbe gefüllt werden (Abb. -50 bis 58). - -[Illustration: Abb. 119. ¯Das Schloß in Oldenburg.¯] - -„Für den Verkehr auf der Elbe selbst,“ sagt Hahn, „ist Hamburg ein -weit wichtigerer Grenzort zwischen Fluß- und Seeschiffahrt, als Bremen -dies für die Weser ist. Die Elbe ist der Weser gegenüber fast in allen -Beziehungen im Vorteil. Die Weserschiffahrt reicht kaum bis in das -nördliche Hessen, die Elbe dagegen beherrscht mit ihren Nebenflüssen -noch einen ansehnlichen Teil von Sachsen und Böhmen. Sie steht mit Oder -und Weichsel durch die märkischen Kanallinien in Verbindung, während -die Weser nur auf sich selbst angewiesen ist. Ist auch die Elbe, wie -alle deutschen Flüsse, vom Ideal einer Wasserstraße ziemlich weit -entfernt, so fehlen ihr doch so auffällige Schiffahrtshindernisse, wie -sie an der Weser zwischen Minden und Karlshafen, namentlich bei Hameln -vorkommen.“ - -Während im Verlaufe der Zeit die Süderelbe immer mehr dem Schicksal -der Versandung anheimgefallen ist, nahm die Norderelbe zusehends an -Bedeutung zu. An ihren Ufern entstanden die ersten Hafenanlagen, -Kaimauern wurden gebaut, Pfahlreihen in das Flußbett geschlagen, und es -entwickelte sich hier der Hafen- und Liegeplatz der Schiffe. Bis zur -Mitte des neunzehnten Jahrhunderts dauerte dieser Zustand an. Immerhin -war dadurch der ganze Hafenverkehr ein noch recht primitiver, zumal -besondere Lösch- und Ladevorrichtungen fehlten und die Waren aus den -Seeschiffen vermittelst der Schuten und Leichter nach den Lagerschuppen -übergeführt wurden. Als aber bei der stetig zunehmenden Entwickelung -der Seeschiffahrt diese Übelstände und besonders auch der Platzmangel -sich recht merklich fühlbar machten, ging man an das Errichten von -Dockhäfen und Kaianlagen mit genügender Wassertiefe, an denen die -großen Fahrzeuge direkt anlegen konnten und in die Lage versetzt -wurden, mit Hilfe mächtiger Kranen Löschen und Laden rasch und bequem -zu bewerkstelligen. Die langen Kaistrecken wurden mit Schienengeleisen -versehen und dadurch die Hafenbauten in direkte Verbindung mit den -inzwischen ebenfalls entstandenen Bahnhöfen und Eisenbahnlinien -gebracht. - -Auch diese eben geschilderten Hafenanlagen genügten dem gewaltig -emporwachsenden Bedürfnis des Verkehrs nicht mehr, und der am 15. -Oktober 1888 vollzogene Zollanschluß Hamburgs mit Altona und Wandsbek -an das Reich bedingte vollends gänzlich veränderte Hafenverhältnisse in -diesem ersten Seehandelsplatz Deutschlands. - -Die Folge dieser Umstände war eine gründliche Umwälzung der -Hafenbauten Hamburgs, und es entstand das Freihafengebiet, das von -1883–1888 mit einem Kostenaufwand von über 120 Millionen Mark, von -welchen das Reich 40 Millionen zu tragen hatte, geschaffen wurde. -Ein ganzer Stadtteil des alten Hamburgs ist niedergerissen worden, -um den neuen Hafenanlagen Platz zu machen, etwa 20000 Einwohner -mußten anderswo untergebracht und an 1000 Häuser expropriiert werden. -Durch dieses großartige Unternehmen wurde die Stadt mit ihrer ganzen -Bevölkerung und ihren sämtlichen Verkehrsanlagen in das Zollinland mit -eingeschlossen, ohne daß aber die freie Bewegung des Schiffsverkehrs -und des großen Warenhandels dadurch preisgegeben worden ist. Auch für -die Lagerung und gewerbliche Verarbeitung der dem Ausland entstammenden -Rohmaterialien wurde im Freibezirk genügender Raum vorgesehen, so daß -auch fernerhin die Exportindustrie ohne jede Zollkontrolle ermöglicht -ist. Der Zollkanal und schwimmende Schranken im Elbstrom grenzen das -Freihafengebiet gegen die Stadt hin ab; es erstreckt sich 5 Kilometer -in die Länge und 2 Kilometer in die Breite und umfaßt etwa 300 Hektar -Wasserfläche und 700 Hektar Land. - -[Illustration: Abb. 120. ¯Rathaus in Oldenburg.¯] - -Und schon wieder sind abermals große Erweiterungen der Hafenanlagen -Hamburgs ins Auge gefaßt worden, welche bereits die Genehmigung der -maßgebenden Behörden erlangt haben und wohl in den nächsten Jahren der -Verwirklichung entgegensehen werden. Das kann uns aber bei dem enormen -Aufschwung, den Hamburgs Handel während der jüngstverflossenen Jahre -genommen hat, nicht wundern. Einige Zahlen mögen das belegen: - -Im Jahre 1897 sind -- nach den Aufzeichnungen des statistischen Büreaus -in Hamburg -- im dortigen Hafen eingelaufen: - - 11173 Seeschiffe mit insgesamt 6708070 Registertonnen Rauminhalt. - Davon waren 3336 Segler mit 672374 Registertonnen und 7837 Dampfer mit - 6035696 Registertonnen. - -Aus dem Hamburger Hafen sind während derselben Zeit ausgelaufen: - - 11293 Seeschiffe mit 6851987 Registertonnen, und zwar 3367 Segler mit - 698303 Registertonnen und 7926 Dampfer mit 6153684 Registertonnen. - -Nach der vom Deutschen Reich herausgegebenen Statistik wies Hamburgs -Seeverkehr im Jahre 1898 insgesamt folgende Zahlen auf -- (die -angekommenen und abgegangenen Schiffe zusammengezählt, und davon die -Hälfte): - - 11163 Schiffe mit 7273778 Registertonnen (netto). - -In den zum Gebiet der freien Hansestadt Hamburg gehörigen Häfen waren -am 1. Januar 1897 beheimatet: - - Segler 430 mit 205842 Registertonn. br. - Dampfer 388 " 764146 " " - -------------------------------- - Summa 818 Schiffe mit 969988 Registertonn. br. - -Davon gehören dem Hamburger Hafen besonders: - - Segler 275 mit 200276 Registertonn. br. - Dampfer 387 " 763923 " " - ------------------------------- - Summa 662 Schiffe mit 964199 Registertonn. br. - -Im Jahre 1900 besitzt Hamburg 690 Schiffe mit 767168 Registertonnen -netto, davon 392 Dampfschiffe mit 542200 Registertonnen. - -Hamburg hat die größte Seglerflotte Deutschlands, sowohl was die Zahl, -als auch was den Rauminhalt der Schiffe betrifft, und ebenso ist -seine Dampferflotte derjenigen der übrigen deutschen Seehäfen weit -voran, indem sie mehr als die Hälfte des gesamten Dampferraumgehalts -aller deutschen Küstenstaaten ihr eigen nennt. Im Jahre 1897 -zählte Hamburg sieben Schiffe von mehr als 6000 Registertonnen zu -seinem Flottenbestand. Innerhalb der letzten 50 Jahre hat sich der -Schiffsbestand Hamburgs an Zahl der Schiffe fast auf das Dreifache und -an Raumgehalt der Schiffe fast auf das Fünfzehnfache vermehrt. - -Einige wenige Angaben über die Größe der deutschen Kauffarteiflotte -überhaupt, mögen hier wohl am Platze sein. Dieselbe nimmt unter den -Handelsflotten der Erde jetzt den zweiten Platz ein und dürfte etwa -750 Millionen Mark Wert besitzen. Die Reichsstatistik vom 1. Januar -1897 ergibt an registrierten Fahrzeugen von mehr als 50 Kubikmeter -Bruttoraumgehalt: - - 3678 Schiffe mit einem Gesamtraumgehalt von 2059948 Registertonnen - brutto und 1487577 Registertonnen netto. - -Davon waren: - - 2552 Segler mit 632030 Registertonnen brutto und 1126 Dampfer mit - 1427918 Registertonnen brutto. - -Der Löwenanteil dieser Flotte fällt, wie wir weiter oben schon gesehen -haben, Hamburg zu. Ein Vergleich dieses seines Schiffsbestandes mit -demjenigen der in dieser Beziehung drei nächstfolgenden deutschen -Seehäfen ist von großem Interesse: - - ===================================================================== - Hafen Segel- Rauminhalt, Dampf- Rauminhalt, Schiffe Rauminhalt, - schiffe Reg.Tonnen, schiffe Reg.Tonnen, insgesamt insgesamt - brutto brutto Reg.Tonnen, - brutto - ===================================================================== - Hamburg 275 200276 387 763983 662 964259 - Bremen 177 161845 170 334668 347 496513 - Bremerhaven 30 37036 48 34404 78 71440 - Flensburg 8 1432 61 57572 69 59004 - -[Illustration: Abb. 121. ¯Der Stau in Oldenburg.¯] - -Im Jahre 1897 betrug das Gewicht der Gesamteinfuhr im Hamburger Hafen -122598236 Doppelcentner und dasjenige der Gesamtausfuhr 79451087 -Doppelcentner. Die Gesamteinfuhr und -ausfuhr betrugen also 202043323 -Doppelcentner. - -1851 hatte sie 15279249 Doppelcentner betragen, sie hat sich demnach -seit dieser Zeit um das Dreizehnfache vermehrt. - -Der Wert der Gesamteinfuhr im Hamburger Hafen war im Jahre 1897 -= 3026582308 Mark, und zwar verteilte sich derselbe auf die -Hauptwarengruppen, wie folgt: - - Verzehrungsgegenstände 36,4% - Bau- und Brennmaterial 2,0" - Rohstoffe und Halbfabrikate 52,0" - Manufakturwaren 3,4" - Kunst- und Industriegegenstände 6,2" - ------- - 100% - -Der Wert der Gesamtausfuhr war = 2693445570 Mark, der Gesamtwert der -Ein- und Ausfuhr zusammen betrug 1897 im Hamburger Hafen also: - -5720027878 Mark, - -gegen 920166156 Mark im Jahre 1851, so daß sich derselbe seither also -versechsfacht hat. - -[Illustration: Abb. 122. ¯Die Lambertikirche in Oldenburg.¯] - -Wichtige Handelsartikel sind Kaffee, Zucker, Spiritus, Farbstoffe, -Wein, Eisen, Getreide, Butter, Häute, Galanteriewaren, letztere fünf -besonders in der Ausfuhr, und Kohlen (1897 Einfuhr von etwa 21,5 -Millionen Doppelcentner von England und 9,7 Millionen Doppelcentner -deutsche Kohlen). Von den bedeutenderen Industriezweigen Hamburgs -selbst nennen wir Dampfzuckersiedereien, Wachsbleichen, Cigarren- -und Tabakfabriken, Chemikalien, Lederwaren, Maschinen, Stöcke, -Musikinstrumente, Schiffsbau (Blohm und Voß, Reiherstiegwerft) und -die dazu gehörigen Gegenstände wie Ankertaue, Seile, Segeltuch, Anker -u. s. f., Branntweinbrennereien, Eisengießereien, Maschinenfabriken, -Manufakturen für Kautschuk- und Guttaperchawaren, Seifen- und -Leimsiedereien, Konservenfabriken u. s. f. - -Weltberühmt sind Hamburgs Reedereien, in erster Linie die über eine -Gesamttonnage von 541083 Registertonnen brutto verfügende im Jahre 1847 -gegründete Hamburg-Amerikanische-Packetfahrt-Aktien-Gesellschaft, die -größte Reederei der Erde. Weitere Schiffe von 116300 Registertonnen -Rauminhalt hat die Gesellschaft z. Z. im Bau. Vergessen wollen wir hier -nicht die den Schiffsverkehr zwischen Hamburg und verschiedenen Küsten- -und Inselorten vermittelnde Nordseelinie, deren bequem und luxuriös -eingerichtete Dampfer für die Reisenden in die Nordseebäder besonders -in Betracht kommen (Abb. 59). - -Daß Hamburg einer der wichtigsten Auswanderungshäfen Deutschlands ist, -das ist ja bekannt, und wenn in den letzten Jahren die Auswanderung aus -Deutschland auch erheblich zurückgegangen ist, so dürfte das bei der -jährlichen Bevölkerungsvermehrung im Reiche doch nicht lange anhalten, -und ein Wiederanwachsen des Auswanderungstriebes wird wohl bald wieder -bemerkbar werden. - -Der Freistaat Hamburg wird regiert vom Senat und der Bürgerschaft -als gesetzgebenden Faktoren, und vom Senat als der vollziehenden -Gewalt. Die Verwaltung geschieht durch die sogenannten Deputationen -oder Kollegien, deren jede von einem Senator geleitet wird; die -Militärhoheit übt Preußen aus. Die vorwiegende Konfession ist die -protestantische, etwa 24000 Seelen der Bevölkerung bekennen sich -zur römisch-katholischen Kirche, und ungefähr 18000 gehören der -israelitischen Religion an. Der Rest verteilt sich auf andere -Glaubensgemeinschaften. Durch ein Oberlandesgericht, ein Landgericht -und verschiedene Amtsgerichte ist für die Rechtspflege gesorgt, sehr -gut ist das Unterrichtswesen eingerichtet. Hervorragend ist die -Rolle, die Hamburg in der Entwickelung der deutschen Litteratur und -Kunst gespielt hat. Wem fielen da nicht die Namen Schröder, Lessing, -Klopstock, Matthias Claudius, die Neuberin und noch andere mehr ein? - -Auch Heinrich Heine gehört so etwas zu Hamburg, wenn er auch sonst -nicht recht gut auf die alte Hansestadt zu sprechen war. - - Ihr Wolken droben, nehmt mich mit, - Gleichviel nach welchem fernen Ort! - Nach Lappland oder Afrika, - Und sei’s nach Pommern -- fort! nur fort! - -singt er einmal in jungen Tagen, von der Sehnsucht ergriffen, aus -dieser Stadt „des faulen Schellfischseelendufts“ herauszukommen. - -Vor mehr als zweihundert Jahren fand die erste deutsche Opernbühne ihr -Heim in Hamburg, und der Sinn für das Musikdrama und das Singspiel hat -sich in seinen Mauern seither nicht vermindert. Manches Meisterwerk -dieser Gattung, das nachher seinen Triumphzug durch die weite Welt -gehalten hat, erblickte hier zuerst das Licht der Lampen; wir erinnern -nur an Flotows Alessandro Stradella, dessen erste Aufführung am -Weihnachtstage 1844 in Hamburgs Theater erfolgte, und an den am 15. -April 1845 hier begonnenen Siegeslauf von Lortzings Undine. - -Hamburgs Bevölkerung ist äußerst intelligent und besitzt einen -ausgesprochenen Zug für die praktischen Seiten des Lebens, ohne -daß aber das Geistige nicht auch seine Rechnung dabei fände. Diese -praktische Veranlagung, verbunden mit einem hohen Maße von Energie -bildet einen der bezeichnendsten Charakterzüge des Hamburger -Kaufmanns. Rasch und bestimmt wird alles abgewickelt, denn Zeit ist -Geld. Dabei zeigt der wohlhabende Hamburger eine ausgeprägte Vorliebe -für ein wohlgepflegtes Äußeres und schätzt die Genauigkeit und -Pünktlichkeit nicht nur im geschäftlichen, sondern auch ebensosehr -im gesellschaftlichen Leben. Letzteres ist in vielen Dingen nach -englischem Muster zugeschnitten. - -Harte und herbe Urteile sind bisweilen über die Hamburger -gefällt worden, Pfeffer- und Kaffeesäcke hat man sie gescholten, -indem man ihnen dabei jede tiefergehende Neigung für des Lebens -idealere Güter von vornherein absprach. Aber das ist alles nicht -wahr. Hochentwickelter Gemeinsinn, gepaart mit einem großen -Wohlthätigkeitstrieb, gehört mit zu den allerbesten Eigenschaften des -Hamburger Bürgers. Nicht nur die zahlreichen Anstalten und milden -Stiftungen für Waisen, Arme, Kranke und die von den Schlägen des -Schicksals hart Betroffenen zeugen öffentlich für diesen Hang des -Hamburgers zum Wohlthun, sondern in noch viel höherem Maße ist das mit -jenen thätlichen Äußerungen der Nächstenliebe der Fall, von denen die -Allgemeinheit nur wenig bemerkt, und die zu jener Art von Handlungen -gehören, welche die linke Hand nicht wissen lassen, was die rechte thut. - -Hamburgs Gründung fällt in Karls des Großen Zeit, welcher hier eine -Kirche und eine Burg errichtete. Unter Ludwig dem Frommen wurde der -Ort der Sitz eines nordischen Metropoliten, den zuerst der berühmte -Mönch von Corvey, Ansgar, der Apostel des Nordens, innegehabt hat. -Von hier aus nahm das Christentum seinen Weg in die mitternächtigen -Länder. Unter den holsteinischen Grafen wuchs Hamburgs Bedeutung, die -nach Bardowieks Zerstörung durch Heinrich den Löwen noch mehr zunahm. -Schon um 1255 besaß die Stadt ein eigenes Stadtrecht, seit 1255 die -Münzgerechtigkeit, und im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert sehen -wir sie als ein starkes Glied des mächtigen Hansabundes, an dessen -wichtigen Unternehmungen sie lebhaften Anteil genommen hat. Seine sich -immer vergrößernde Geldmacht und seine kluge Politik gewannen Hamburg -den Schutz des deutschen Reiches, und neben der einsichtigen Benutzung -von Handelsvorteilen aller Art, welche Örtlichkeit und die Verhältnisse -darboten, dachte seine strebsame Bürgerschaft, besonders seit dem -fünfzehnten Jahrhundert an den Ausbau ihres Staatsorganismus. - -[Illustration: Abb. 123. ¯Wilhelmshaven. Kriegshafen und Hauptschleuse.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Kaiser Maximilian nahm die Stadt um 1510 in die Reihe der -Reichsstädte auf, nachdem sie bereits seit 1470 zum Reichstage berufen -worden war. Günstig beeinflußt wurde die Entwickelung Hamburgs durch -die Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien. Dagegen hatte -es durch die jahrhundertelang fortgesetzten Angriffe Dänemarks, -des Erben der schauenburgischen Hoheitsrechte, auf ihre städtische -Selbständigkeit nicht wenig zu leiden. Erst im Vergleich von 1768 -wurde die Unabhängigkeit Hamburgs vom Gesamthause Holstein dauernd -festgestellt. Fast gar nicht berührt wurde die Stadt von den Schrecken -des dreißigjährigen Krieges trotz des vielfachen Vorbeiziehens von -allerhand Kriegsvölkern in der Nähe ihrer Mauern. Doch geriet Hamburg -über den Zoll mit Christian ~IV.~ in Streitigkeiten, die zu einem Kampf -zwischen hamburgischen und dänischen Schiffen auf der Elbe führten, -jedoch 1643 durch Entrichtung einer Abfindungssumme an Dänemark zum -Abschluß gebracht wurden. Als nun am Ende des siebzehnten Jahrhunderts -viele Flüchtlinge aus Frankreich sich in der Stadt ansiedelten und -Großhandel betrieben, erhöhte sich der blühende Zustand von Handel -und Schiffahrt immer mehr, und neue kommerzielle Verbindungen kamen -zu stande. Allerlei Mißhelligkeiten und Zwietracht zwischen dem Rat -und der Bürgerschaft, dann ferner noch Fehden und Streit mit dem -Herzog von Braunschweig-Lüneburg, mit den dänischen Königen und -noch anderen mehr hatten eine Zeit des Rückganges zur Folge, die -jedoch mit dem zwischen Holstein und Hamburg zu Gottorp am 27. Mai -1768 abgeschlossenen Vertrage einer neuen Periode des Aufschwungs -weichen mußte. Hamburg erhielt unbeschränkte Handelsfreiheit, König -Christian ~VII.~ von Dänemark erkannte dessen Reichsunmittelbarkeit -an, die Grenzstreitigkeiten hörten auf, und so konnte der Schluß -des achtzehnten Jahrhunderts noch eine große Anzahl zweckmäßiger -Anordnungen und Einrichtungen zur gedeihlichen Fortbildung des Handels -und der Erwerbszweige registrieren. Die politischen Stürme und -Umwälzungen, denen in den letzten Jahren des achtzehnten und in den -ersten des neunzehnten Säculums Europa zum Opfer fiel, haben auch für -Hamburg allerlei böse Zeiten mitgebracht. Erst zog der Landgraf Karl -von Hessen mit den Dänen in seine Mauern ein, dann kam der Marschall -Mortier mit seinen Franzosen, und am 18. Dezember 1810 verleibte ein -Napoleonisches Dekret die deutsche Hansestadt dem französischen Reiche -ein. Unberechenbare Nachteile und Zerrüttungen erlitt in jenen Zeiten -die Stadt; starke Einquartierungen, Kontributionen, die Blockierung der -Elbe durch die Engländer und noch anderes Elend mehr ließen Handel und -Wohlstand immer tiefer sinken. So ging das bis zum März 1813; da schien -es, als ob die Zeit des Unglücks vorbei wäre. Die Franzosen zogen ab, -Tettenborn rückte ein, der Senat nahm die Regierung der Stadt wieder in -seine Hände. Aber die Stunde der Erlösung hatte noch nicht geschlagen. -Am 30. Mai mußte der russische General Hamburg wieder räumen, und die -Franzosen schlugen abermals ihr Quartier darin auf. Hamburg wurde außer -dem Gesetze erklärt, mußte 48 Millionen Franken Strafgelder zahlen und -unter Vandamme und Davoust schwere Unbill erdulden. Napoleons Fall -machte auch diesen bösen Tagen ein Ende, am 25. April 1814 hatten seine -Truppen Hamburg geräumt, und unter großem Jubel der Einwohner zog Graf -Bennigsen in die befreite Stadt ein. - -[Illustration: Abb. 124. ¯Das Rathaus in Wilhelmshaven.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -[Illustration: Abb. 125. ¯Denkmal Kaiser Wilhelms ~I.~ in -Wilhelmshaven.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Nimmer ruhender Fleiß und rastlose Thätigkeit verwischten binnen -wenigen Jahrzehnten nicht nur alle Spuren, welche die Fremdherrschaft -des Korsen in der Hansestadt hinterlassen hatten, sondern hoben deren -Wohlstand auf eine bisher noch nicht dagewesene Höhe empor. Dank -dieser zähen und trotz alles Mißgeschickes immer wieder üppigere -Blüten treibenden Energie und Lebenskraft vermochte Hamburg auch -das schreckensvolle Ereignis des großen Brandes überwinden, der am -5. Mai 1842 ausbrach und innerhalb einiger Tage den fünften Teils -ihres Weichbildes verzehrte. Aber schon drei Jahre nachher waren -die abgebrannten Stadtteile dem Phönix gleich desto schöner aus der -Asche erstanden. Welchen ungeahnten Aufschwung Hamburgs Handel in den -jüngstverflossenen 50 Jahren genommen hat, das haben wir schon weiter -oben gesehen. - -Die Stadt Hamburg selbst mit ihren ehemaligen 15 Vororten (Rotherbaum, -Harvestehude, Eimsbüttel, Eppendorf, Borgfelde, Hamm, Hohenfelde u. -s. f.) zählt in der Gegenwart 668000 Einwohner. Der Fremde, welcher -die Stadt besichtigen will, wird seine Schritte wohl zuerst zu den -Hafenanlagen lenken, die sich etwa 8000 Meter weit auf beiden Ufern -der Elbe bis nach Altona hin erstrecken. Hunderte von großen und -kleinen Schiffen fast aller seefahrenden Nationen liegen dort, und ihre -so verschiedenfarbigen Flaggen und Wimpel bringen einen gar bunten -Ton in das großartige Bild. In neuester Zeit sind von verschiedenen -Unternehmern eigene Hafenrundfahrten für die auswärtigen Besucher ins -Leben gerufen worden, welche Gelegenheit bieten, unter sachkundiger -Führung nicht nur das großartige Leben und Treiben im Hafen selbst -in den Hauptsachen kennen zu lernen, sondern auch einen der großen -transatlantischen Dampfer eingehend in Augenschein zu nehmen. Auch -ein Besuch des gewaltigen am Kaiserquai erbauten Staatsspeichers mit -seinen ingeniösen Einrichtungen und des 32 Meter hohen Riesenkrans -sollte nicht versäumt werden. Auf luftiger Höhe über dem Hafen erhebt -sich das Seemannshaus, ein Asyl für alte und kranke Seeleute und ein -Unterkommen für beschäftigungslose Männer dieses Berufes, und nicht -weit davon ist auf einer schönen Terrasse die deutsche Seewarte -erbaut, ein Institut der deutschen Kriegsmarine (Abb. 60). Es werden -dort die meteorologischen Tagebücher und die nautischen Berichte -über Seehäfen und dergleichen Dinge aller deutschen Kriegsschiffe -und der größten Zahl deutscher Handelsschiffe, die freiwillige -Mitarbeiter sind, gesammelt und zu großen maritim-meteorologischen -Segelhandbüchern für die großen Weltmeere verarbeitet, und auch sonst -besondere meteorologische Arbeiten von weittragender wissenschaftlicher -Bedeutung, die Wetterkarten, welche auch in den bedeutendsten -Tagesblättern Veröffentlichung finden, und dergleichen mehr -veröffentlicht. Dann besorgt die Seewarte den für die Schiffahrt so -äußerst wichtigen Sturmwarnungs- und Witterungsdienst. - -Durch allerlei alte und teilweise recht enge Straßen und Gassen, -welchen weder die Wohlgerüche des Morgenlandes noch die Reinlichkeit -holländischer Ansiedelungen zu eigen sind, gelangen wir zu der St. -Michaels-Kirche mit ihrem 132 Meter hohen Turm, einem Meisterwerk -des bekannten Architekten Sonnin, der sie 1762–1786 erbaute, nachdem -ein Blitzstrahl 1750 ihre Vorgängerin, die St. Salvator-Kirche, -eingeäschert hatte. Von hier ziehen wir über den Zeughausmarkt zum -Millernthor, und an Hornhardts Konzerthaus vorbei nach St. Pauli. Der -Spielbudenplatz mit seinen verschiedensten Lockungen für die nach -langer Seefahrt wieder festen Boden betretenden Seeleute, mit seinen -Wachsfigurenkabinetten, seinen Tingel-Tangeln, Theatern, Tanzlokalen, -Menagerien und solchen Dingen mehr vermag uns nicht lange zu fesseln. -Wir besteigen die elektrische Ringbahn, die uns auf breiter Straße, -zur linken Hand das weite Heiligengeistfeld, zur rechten schöne -Anlagen an der Stelle der ehemaligen Wälle, die schon mehrfach als -Ausstellungsplatz gedient haben, -- so 1897 bei Anlaß der hervorragend -schön gelungenen Gartenbauausstellung -- rasch zum Holstenthore bringt. -Hier erheben sich die neuen und weitläufigen Justizgebäude und das -Untersuchungsgefängnis, die wir zur Rechten liegen lassen, um am -botanischen Garten und den alten Begräbnisplätzen vorbei den Eingang -zum zoologischen Garten zu erreichen, der seinesgleichen in Deutschland -sucht, und zwar nicht nur wegen der Reichhaltigkeit seiner vierfüßigen, -fliegenden und kriechenden oder schwimmenden Bewohner, sondern auch -wegen seiner ganz wundervollen landschaftlichen Anlage. Eine prächtige -Aussicht auf den Garten selbst, dann aber auf die Riesenstadt und ihre -Umgebung gewährt die auf einem Hügel belegene Eulenburg. Das Aquarium, -das lehrreiche Einblicke in die marine Tierwelt und in die Fauna des -Süßwassers thun läßt, ist ein besonderes Schaustück. - -Durch das Dammthor betreten wir die innere Stadt. Zunächst fesseln -am Stephansplatz der große Renaissancebau der kaiserlichen Post- -und Telegraphenverwaltung und das architektonisch nicht besonders -hervorragende, aber geräumige und durch seine künstlerischen Leistungen -bedeutende Stadttheater unsere Blicke, dann nimmt am Gänsemarkt -Lessings Bronzebild, von Schaper modelliert, unsere Aufmerksamkeit in -Anspruch. Der Dichter der Minna von Barnhelm ist auf hohem Granitsockel -sitzend dargestellt: an letzterem sind die Medaillons von Eckhof und -Reimarus angebracht. - -Nun sind wir bis zur Binnenalster vorgedrungen. Das von Dampfschiffen, -Segel- und Ruderbooten und Frachtschiffen belebte Wasserbecken, auf -dem sich Schwäne und andere Wasservögel tummeln, bietet vollends vom -Jungfernstieg aus gesehen, ein ganz besonders anziehendes Bild. Ein -Rundgang um dasselbe lohnt der Mühe. Da ist der neuerdings verbreiterte -Jungfernstieg selbst, mit einer Reihe von großartigen Baulichkeiten -(Hamburger Hof, Filiale der Dresdener Bank), dann der Alsterdamm mit -seiner stattlichen Häuserreihe. Bald stehen wir auf dem parkartig -angelegten Platze vor der Kunsthalle und betrachten uns die von -Blumenteppichen umgebene Lippeltsche Statue Schillers. Der im Stil -italienischer Frührenaissance aufgeführte Ziegelbau der Kunsthalle -steht offen und ladet zu einer eingehenden Besichtigung seiner -zahlreichen Gemälde und plastischen Kunstwerke ein (Abb. 61–70). - -Auf den in der Gegenwart schön angepflanzten ehemaligen Umwallungen -spazieren wir zur Lombardsbrücke. Weit schweift von hier der Blick -über die glänzende Fläche der Außenalster hin, deren grüne Ufer -dicht besetzt sind von Villen, Gärten-, Baum- und Parkanlagen. An -der linken Alsterseite erheben sich die Stadtteile St. Georg und die -langgedehnte Uhlenhorst, während die Dächer von Winterhude und von -Eppendorf dieses herrlichste aller deutschen Städtebilder im äußersten -Hintergrunde abschließen. Auf dem anderen Ufer wird das Wasserbecken -von den nicht selten schloßartig gebauten Häusern von Harvestehude und -des Rabenstraßenviertels umsäumt. Hier steigt das Gelände allmählich -an, während das linke Ufer flach ist, so daß beide Seiten des zur -See erweiterten Flusses landschaftlich starke Kontraste bilden. Am -Harvestehuder Weg wohnt das „reiche“ Hamburg, und dieses Wort will -etwas heißen. Durch die Rabenstraße und den Mittelweg führt uns der Weg -an das Alsterglacis und zurück auf die alten Umwallungen. Zur Zeit, -als Hamburg noch eine Festung war, lagen jenseits derselben am Flusse -einige Vergnügungsörter, wo man sich an den Genüssen der Tafel und des -Tanzes ergötzen konnte oder unter den Klängen von Musik und Gesang -auf der Alster umher gondelte. Ein deutscher Dichter aus jenen fernen -Tagen, Friedrich von Hagedorn, hat uns ein Lied davon gesungen. - -An der Esplanade hat Hamburg seinen im Kriege von 1870–1871 gefallenen -Söhnen durch den berühmten Bildhauer Schilling ein schönes Denkmal -errichten lassen. Zwei der Hauptverkehrsadern Hamburgs zweigen sich -vom Jungfernstieg ab, die Große Bleichen und der Neue Wall. Großartige -Läden mit reichbesetzten Auslagen hinter den hohen Spiegelglasfenstern -bieten hier die verschiedensten Erzeugnisse der Kunst und Industrie zum -Kaufe an. - -Nahebei, am Adolphsplatze, erhebt sich die schon vor 60 Jahren erbaute, -seitdem aber mehrfach vergrößerte und verschönerte Börse. Wenn man -den Elbstrom die Pulsader von Hamburgs Leben und Weben genannt hat, -so verdient die Börse dagegen die Bezeichnung vom Herzen seines -Handels. Hier ist zwischen ½2 und ½3 Uhr die kommerzielle Welt Hamburgs -versammelt, um ihre Geschäfte abzuschließen und abzuwickeln und jeden -Tag viele Millionen umzusetzen. Nebendran, auf dem Rathausmarkte, -befindet sich dann das politische Centrum des Freistaates, sein -Rathaus. Dieser imponierende und gewaltige Renaissancebau, aus -Sandstein aufgeführt, ist für das beim großen Brande von 1842 -untergegangene alte Rathaus in den Jahren 1886–1897 erbaut worden. -Zahlreiche Bildwerke und Wappen aus Stein und Erz schmücken sein -Äußeres. - -[Illustration: Abb. 126. ¯Rathaus in Leer, vom Hafen gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Die alte Domkirche Hamburgs, sein ältestes Gotteshaus, existiert -nicht mehr. Im Verlaufe der Zeit wurde es baufällig und kam 1805 zum -Abbruch. Seine Stelle als städtische Hauptkirche hat nunmehr St. -Nikolai eingenommen, die nach dem Brande von 1842 im gotischen Stil -des dreizehnten Jahrhunderts neu erstanden ist, und deren 147 Meter -hohe Turm, eins der Wahrzeichen Hamburgs, zu den höchsten Bauten -Europas gehört. Auch die schon um 1195 urkundlich erwähnte Petrikirche -wurde bei der Brandkatastrophe ein Raub der Flammen und stammt in -ihrer heutigen Gestalt erst aus dem Jahre 1849. Dagegen hat das -Feuer St. Katharinen verschont; durch einige alte Gemälde in ihren -Hallen, darunter ein schönes Altarblatt, ist ihre Besichtigung nicht -ohne Interesse. Reichhaltige Sammlungen zoologischer, geologischer, -mineralogischer und ethnographischer Natur birgt das am Steinwall -neuerbaute naturhistorische Museum. Es verfügt dasselbe nicht nur über -verhältnismäßig große Mittel, sondern die Munificenz der Hamburger -Kaufherren und Privatleute hat auch viel zu seiner Bereicherung -beigetragen. Im ehemaligen Realschulgebäude beim Lübeckerthor ist die -botanische Sammlung aufgestellt, deren kolonialer Teil nicht genug -gerühmt werden kann. Kein Besucher Hamburgs möge aber versäumen, dem -Museum für Kunst und Gewerbe in St. Georg einige Stunden aufmerksamer -Betrachtung zu schenken, das nächst seiner Schwesteranstalt in Berlin -wohl das beste seiner Art im Reiche ist. Die herrlichen Fayencen -und wundervollen geschnitzten alten Schränke und Truhen aus den -niederdeutschen und holländischen Gebieten sind das Entzücken aller -Kenner. - -Zu den besichtigungswerten Dingen der Hansestadt gehören noch das große -Musterkrankenhaus von Eppendorf, ganz am Ende der Außenalster, und -die großartigen Friedhofsanlagen von Ohlsdorf, wo das still gewordene -Hamburg von dieses Lebens Hast und Kampf ausruht. Dann werden Fachleute -die Stadt nicht verlassen, ohne noch einen Blick auf die großen -Sandfiltrationen auf der Elbinsel Kaltehofe bei Billwerder geworfen zu -haben, welche das von der Wasserleitung Hamburgs gebrauchte Stromwasser -reinigen und genießbar machen. Diese Werke wurden 1893 nach der großen -Choleraheimsuchung angelegt. - -[Sidenote: Wandsbek. Die Vierlande.] - -Ein Zeitaufwand von nur wenig Stunden genügt, um die in nordöstlicher -Richtung gelegene, holsteinische Stadt Wandsbek an der Wanse kennen zu -lassen. Der 21700 Einwohner zählende Ort ist durch eine elektrische -und die Bahnlinie nach Lübeck leicht zu erreichen und bot den -Bankerottierern früher eine Freistatt dar, ein Umstand, welcher dem Ruf -des Städtchens begreiflicherweise nicht wenig geschadet hat. Friedrich -~V.~ von Dänemark hob im Jahre 1754 aber dieses sonderbare Privilegium -auf. Auf dem Friedhof Wandsbeks ist Matthias Claudius begraben, und im -nahen Gehölz hat die Stadt dem Wandsbeker Boten ein einfaches, aber -stimmungsvolles Denkmal gesetzt (Abb. 71). - -Südlich von Hamburg ist Bergedorf, ebenfalls ein freundliches -Städtchen am Ufer der Bille. Es besitzt ein von schönen Gärten -umgebenes altes Schloß, das in der Vergangenheit eine Rolle gespielt -hat. Der Weg dorthin zieht an den bekannten Anstalten des „Rauhen -Hauses“ vorbei. Der Marschdistrikt zwischen Elbe und Bille, aus -den vier reichen Kirchspielen Neuengamme, Altengamme, Kurslack und -Kirchwerder, außerdem noch aus der Ortschaft Geesthacht bestehend, -führt den Namen „Vierlande“; derselbe ist vortrefflich angebaut und -von größter Fruchtbarkeit. Es ist Hamburgs Obst- und Gemüsegarten. Die -Vierländer zeichnen sich durch ihre Obst-, Erdbeeren-, Gemüsekultur und -Blumenzucht aus, die Reinlichkeit ihrer Behausungen ist sprichwörtlich -geworden. Originell ist die Frauentracht in den Vierlanden, -eigentümlich sind dort Sprache und Sitten (Abb. 72–77). Auch des -reizend gelegenen Kurortes Reinbeck an der Bille mit seinen vielen -Villen und Sommerhäusern und des nicht minder freundlich gelegenen -Aumühle sei hier gedacht, sowie des nahen Friedrichsruh, wo unweit von -seinem einfachen Schlosse, das die Zuflucht seiner letzten Lebensjahre -war, der Alte vom Sachsenwalde in einem zwar äußerlich schmucklosen, -aber würdigen Mausoleum zur Ruhe gebettet worden ist (Abb. 78–81). - -St. Pauli verbindet Hamburg mit dem diesen gegenüber verhältnismäßig -jungen Altona, dessen Name urkundlich erst um 1547 Erwähnung gethan -wird. - -[Sidenote: Altona.] - -Altona ist Schleswig-Holsteins größte Stadt, zählt 156800 Einwohner -und liegt auf einem Höhenzuge, der ziemlich schroff gegen die Elbe -hin abfällt, so daß die zum Hafen führenden Straßen abschüssig sind. -Es besitzt eine in den letzten Jahren sich immer mehr ausbreitende -Handelsthätigkeit, besonders im Export mit Nordamerika, und hat in -neuerer Zeit Anstrengungen gemacht, um sich in der Hochseefischerei -einen achtunggebietenden Platz zu erobern, den es in früheren Jahren -schon einmal inne gehabt hatte. Sein Fischmarkt ist beträchtlich; im -Jahre 1898 erzielten die in Altona abgehaltenen Fischauktionen einen -Umsatz von 1993632 Reichsmark. Daneben blühen in der Stadt allerlei -industrielle Unternehmungen. - -In architektonischer Beziehung bietet die Stadt Altona nicht viel. -Ihre Hauptstraße ist die Palmaille, eine mit schönen Linden bepflanzte -Verkehrsader, in der das eherne Standbild des früheren dänischen -Oberpräsidenten Grafen Konrad von Blücher steht. Ihm dankt die Stadt -ihre Errettung von dem Schicksale, zur Franzosenzeit in Brand gesetzt -zu werden. In der Königstraße pulsiert das gewerbliche Leben. Hier -befindet sich auch das hübsche Stadttheater und eine vom Bildhauer -Brütt geschaffene Statue des Fürsten Bismarck (Abb. 82–84). - -Die sich an die Hamburger anschließenden Hafenanlagen Altonas sind -gut und zweckmäßig eingerichtet, haben geräumige, mit Lagerschuppen -versehene Kaibauten, starke Kräne neuester Konstruktion und stehen -durch ein Schienennetz mit der Eisenbahn in Verbindung. 1894 sind 938 -Seeschiffe aus dem Altonaer Hafen ausgelaufen und 677 darin angekommen. -Die von überseeischen Ländern in gleichem Jahre eingeführten Waren -besaßen ungefähr 29000 Mark an Wert, die seewärts ausgeführten 11000000 -Mark. - -[Illustration: Abb. 127. ¯Emden, vom Hafen gesehen.¯] - -Im Verlaufe ihrer Entwickelung hat die Stadt Altona nicht minder viele -Krisen durchzumachen gehabt, als ihre Nachbarstadt Hamburg. Zu den -schlimmsten Ereignissen, welche in ihren Annalen verzeichnet stehen, -dürften die Brandlegung der Stadt gehören, mit welcher sie Steenbock am -9.–11. Januar 1713 wegen des durch die Dänen verursachten Brandes von -Stade und einer nichtbezahlten Kriegskontribution bestraft hat. 1546 -Wohnungen wurden durch Hineinwerfen von Pechkränzen und Brandfackeln -ein Raub der Flammen, und nur 693 Häuser blieben vom Feuer verschont. - -Trotzdem blühte aber Altona im achtzehnten Jahrhundert rasch empor, -der Handel hob sich zusehends, besonders als ihm der in Nordamerika -entbrannte Krieg neue Bahnen eröffnete. Während der Zeit der -Kontinentalsperre stockten die Geschäfte aber wieder, der Wohlstand -verschwand, und Altona wurde eine recht stille Stadt, bis sie in -den letzten 40–50 Jahren, unter Preußens Oberhoheit, einen erneuten -Aufschwung genommen hat. Im Jahre 1835 zählte sie kaum 26300 Einwohner, -heute das Sechsfache dieser Zahl. - -Seit dem Jahre 1889 ist Ottensen, dem ehemals der Ruhm zukam, Holsteins -größtes Kirchdorf zu sein, mit Altona vereinigt. Auf seinem Friedhofe -ruht unter einer alten Linde der Dichter Klopstock im gemeinsamen Grabe -mit seinen beiden Frauen aus. „Saat von Gott gesäet, dem Tage der -Garben zu reifen“ steht auf dem Grabstein zu lesen. - -[Illustration: Abb. 128. ¯Am Delft in Emden.¯] - -[Sidenote: Die Elbe unterhalb Hamburgs.] - -Zwei Wege stehen uns offen, um von Hamburg-Altona an die See zu -gelangen. Der eine führt uns aufs Dampfboot, das uns in etwa 3½–4½ -Stunden nach Cuxhaven bringt, der andere ist die Eisenbahnlinie, -welche über Harburg und Stade an der linken Elbseite das gleiche Ziel -erreichen läßt. Wir bestiegen einen der recht bequem eingerichteten -Dampfer der Nordseelinie, der alsbald die Landungsbrücke von St. -Pauli verläßt und seinen Bug elbabwärts wendet. Das rechte Stromufer -ist zunächst noch von allerlei industriellen Anlagen dicht bebaut, -bald aber treten diese zurück, Villen und Landhäuser mit prächtigen -Parkanlagen und große Vergnügungslokale mit weiten Gärten zeigen sich -im bunten Wechsel, darunter die vielbesuchten Neumühlen (Abb. 85) -und Teufelsbrücke. Dann erscheint das freundliche Blankenese am Fuße -des 76 Meter hohen Süllberges, eines bis an den Strom herantretenden -Vorsprunges der Geest (Abb. 86 u. 87). Dem linken Ufer sind breite und -flache Inseln vorgelagert, so daß dasselbe nicht besonders anziehend -erscheint und von dem Alten Lande wenig zu sehen ist. Gegenüber von -Nienstedten nahe bei Blankenese vereinigt sich die Süderelbe mit -dem Hauptstrom. Rechts folgen bald Schulau und dann die fruchtbaren -Marschen Holsteins, links bis nach Stade hin immer noch die grünen -dorfbesäeten Flächen des Alten Landes, welche nordwärts von der -ebengenannten Stadt in diejenigen des Landes Kehdingen und von hier -noch weiter nach Norden in die Landschaft Hadeln übergehen. Bei -Cuxhaven (Abb. 88 u. 89) ist die offene See beinahe schon erreicht. Nur -ein kurzer Aufenthalt, schon werden die Anker wieder gelichtet, und das -Schiff dampft seewärts, an Neuwerk und Scharhörn vorbei (Abb. 90 u. -91). Dann umspülen es die echten und rechten Nordseewellen, weit hinter -uns verschwindet allmählich das Land, und um uns herum ist nichts mehr -zu sehen, als das wellenbewegte Meer, über uns hängen graue Wolken -am Himmel. So geht es einige Zeit fort, bis plötzlich am Horizont -ein kleiner dunkler Punkt auftaucht. „Helgoland in Sicht!“ ruft der -Kapitän. Unter den Passagieren wird es lebendig, selbst die armen -Seekranken erheben sich von ihrem Schmerzenslager und schöpfen neuen -Mut. Fernstecher und Fernrohre werden hervorgeholt, Seekarten studiert, -Gepäck zurechtgelegt. Mit Macht arbeitet sich der Dampfer durch die -Wogen, der Punkt wird größer und größer, rasch kommen wir ihm näher, -und ebenso rasch verwandelt er sich auch in das rötlich schimmernde -Felseneiland, in dessen Hafen wir in wenigen Minuten vor Anker gehen -werden. - -[Illustration: Abb. 129. ¯Rathaus in Emden.¯] - - - - -~XII.~ - -Helgoland. - - - Grön is det Lunn, - Road is de Kant, - Witt is de Sunn; - Deet is det Woapen - Vun’t „hillige Lunn“. - -[Sidenote: Helgoland.] - -Zwischen den Mündungen der Elbe und denjenigen der Weser, unter 54° -11′ nördlicher Breite und 7° 53′ östlicher Länge von Greenwich, 50 -Kilometer von Neuwerk, 62 von Cuxhaven und ca. 150 von Hamburg entfernt -liegt Helgoland. Senkrecht bis zur Höhe von 58 Meter steigt dieses -jüngste Glied deutscher Erde aus den Fluten der Nordsee auf mit seinen -bräunlichrot gefärbten felsigen Kanten, die das ungefähr 46 Hektare -große Oberland tragen. Die Schichten der Insel fallen von Nordwesten -nach Südosten in einem Winkel von 10–15° ein. An der Ostseite steigen -die Felswände zumeist steil ab und bilden eine kahle Mauer, an der -Westseite jedoch zeigt die Insel ein abwechselungsreiches Bild der -Zerklüftung, mit Buchten, Felsthoren und einzeln dastehenden Pfeilern, -welche vom Mutterfelsen losgenagt worden sind, so den Mönch, den -Predigerstuhl und das Nathurn. Gegen Südosten ist dem Oberland das nur -wenige Meter über den Meeresspiegel erhabene, aber sehr geschützte -Unterland vorgelagert. Helgoland ist 0,59 Quadratkilometer groß, und -gestaltet als ein langes und schmales Dreieck, dessen Spitze, das eben -erwähnte Nathurn, nach Nordwesten gerichtet ist. Die größte Länge der -Insel mag 1600 Meter betragen, die größte Breite 500 Meter, der Umfang -des Oberlandes etwa 3000 Meter und derjenige des Unterlandes ungefähr -900 Meter (Abb. 1 u. 92–99). - -Im Osten der Insel und etwa einen halben Kilometer davon entfernt -erstreckt sich die längliche, jetzt durch weit in die See hinaus -gebaute Buhnen vollkommen geschützte Düne. Ihr Untergrund besteht aus -geschichteten Gesteinen (Triasformation), wird jedoch von Rollsteinen -und Sanden bedeckt. Die Länge der Düne bei Ebbe mag etwa 2000 Meter -groß sein, bei 300 Meter Breite. Es ist so recht der Lebensnerv -Helgolands; dort befindet sich der schöne, stets steinfreie, feste -und ebene Badestrand. Die auf der Insel wohnenden Kurgäste erreichen -denselben vermittelst Überfahrt in Fährbooten, welche entweder durch -Riemen und Segel vorwärts bewegt oder seit dem Jahre 1897 durch einen -Dampfer geschleppt werden. Für diejenigen aber, welchen ein Bad in der -offenen See nicht zuträglich ist, ist ein geräumiges und möglichst -vollkommenes Badehaus mit hoher luftiger Schwimmhalle, warmen Seebädern -u. s. f. erbaut worden, das seinen Platz an der äußersten Südseite -des Unterlandes gefunden hat. Wenn stürmisches Wetter die Überfahrt -zur Düne nicht gestattet, ist damit ein gewisser Ersatz für die Bäder -in See gegeben. Die Düne setzt sich nach Nordwesten in riffartigen -Klippenreihen fort, die bei Niedrigwasser stellenweise freiliegen, wie -denn überhaupt das ganze Eiland von solchen Felsenriffen rings umgeben -wird. Letztere sind zwar den nahenden Schiffen gefährlich und die -Ursache zu vielen Strandungen gewesen, der Insel selbst aber bieten -sie als natürliche Wogenbrecher Schutz, indem sie den Hauptanprall der -Wellen von ihr fernhalten. - -Unter der Zahl der Nordseebäder figuriert Helgoland seit dem Jahre -1823. Sein günstiges Inselklima und die reine, feuchte und warme -Seeluft, deren Wärme während der Monate Juni bis September zwischen 14° -und 15° ~C.~ schwankt, während die Nordsee als höchste und niedrigste -Temperaturen während der Badezeit 20° und 12° ~C.~ aufweist, haben dem -Eiland als Seebad im Laufe der Jahre immer mehr Freunde verschafft, so -daß der Fremdenbesuch sich stetig hob und damit Hand in Hand auch der -Wohlstand der Insulaner dauernd gestiegen ist. Die Fremdenfrequenz, -welche im Jahre 1890 noch 12732 Besucher aufweist, hat im Jahre 1898 -schon die hohe Zahl 20669 erreicht. - -[Illustration: Abb. 130. ¯Norden.¯] - -Die Straßen des Ober- und Unterlandes mit ihren vom Dach bis zum Keller -blitzblanken Häusern machen einen gar freundlichen Eindruck. Ihrer -großen Reinlichkeit und Sauberkeit wegen sind die Bewohner Helgolands -ja bekannt. Interessant und eigenartig ist das Innere der Kirche, -deren Gewölbe mit den lukenartig geformten oberen Fenstern lebhaft an -das Innere eines Schiffes erinnert. Auf dem Altar stehen zwei große -silberne Leuchter, welche der Gemeinde Helgoland von dem als Oberst -Gustavsson bekannten entthronten König Gustav ~IV.~ Adolph von Schweden -zur Erinnerung an seinen Aufenthalt auf der Insel im Jahre 1811 verehrt -worden sind. - -Auf dem höchsten Teil des Oberlandes befindet sich der 1810 -aufgeführte neue Leuchtturm mit weiter Rundsicht; westlich davon -erblickt man den „Pharus“, den alten Leuchtturm, welchen die -Hamburger um 1670 errichtet haben und in den ersten Zeiten durch -Kerzenlicht erleuchteten. Derselbe dient in der Gegenwart nur noch -als Signalstation. Bei Anlaß seiner Erbauung zeigte sich, daß die -Erderhebung, auf welcher er steht, ein alter Grabhügel war, der Urnen -und Gebeine enthielt. Ähnliche Grabstätten aus vorgeschichtlicher Zeit -dürften auch der Flaggenberg, der Bredberg und der Billberg gewesen -sein; vom Moderberg steht das unzweifelhaft fest. Im letzteren hat man -ein männliches Skelett, von zwei Gipsplatten eingeschlossen, gefunden, -eine Bronzewaffe und zwei goldene Spiralringe. - -[Illustration: Abb. 131. ¯Inneres der Liudgerikirche in Norden.¯] - -An der Falm, der Hauptverkehrsstation, „dem Ausguck der Helgoländer“, -wie sie genannt worden ist, steht das die kaiserliche Kommandantur -beherbergende Regierungsgebäude. Die Straße selbst mündet auf die -das Oberland mit dem Unterland vermittelst 188 Stufen verbindende -Treppe; in der Nähe ihres Fußes befindet sich die heilige Quelle, ein -Süßwasserbrunnen, an welchem der Sage nach die Taufen der von Liudger -bekehrten heidnischen Bewohner des Eilands stattgefunden haben sollen, -wie Müllenhoff in seinen Sagen, Märchen und Liedern der Herzogtümer -Schleswig-Holstein und Lauenburg erzählt. Im Unterlande finden wir -die zwecks Erforschung der Nordseefauna und -Flora im Jahre 1892 vom -preußischen Staate ins Leben gerufene biologische Anstalt mit dem -Nordseemuseum, das im alten Konversationshause untergebracht ist. Den -Grundstock des Museums bildet die vom Deutschen Reiche angekaufte -berühmte Gätkesche Vogelsammlung, welche im unteren Saale aufgestellt -ist, während die oberen Räumlichkeiten der Veranschaulichung der -marinen Tier- und Pflanzenwelt Helgolands und der Nordsee dienen. -Besondere Berücksichtigung haben dabei die nutzbaren Seetiere, wie -auch die verschiedenen Arten ihres Fanges gefunden. Die geologische -Beschaffenheit der Insel wird durch eine Sammlung von Gesteinen und -Fossilien erläutert. - -Am 26. August 1841 dichtete hier auf dem England unterthanen Stück -deutscher Erde August Heinrich Hoffmann, in der Litteratur Hoffmann von -Fallersleben genannt, sein berühmtestes Lied „Deutschland, Deutschland -über alles, über alles in der Welt“. Zur Erinnerung an diese That -ist ihm 50 Jahre später am Meeresstrande Helgolands ein aus Schapers -Meisterhand hervorgegangenes Denkmal gesetzt worden, nachdem kurz -vorher, am 10. August 1890, Kaiser Wilhelm ~II.~ namens des Deutschen -Reiches wiederum von der Insel Besitz ergriffen hatte. Sie ist dann -dem schleswig-holsteinischen Landkreis Süderditmarschen zugeteilt -worden. 76 Jahre lang war Helgoland englisch gewesen; von 1674 bis -1714 hatte der Danebrog darüber geweht. In noch früheren Zeiten war -das Eiland abwechselnd Eigentum der Hansestadt Hamburg und der Herzöge -von Schleswig-Gottorp, die wiederum in normännischen Seeräubern und im -ersten Jahrtausend unserer Zeitrechnung in verschiedenen Friesenkönigen -ihre Vorgänger gehabt haben. Der bekannteste unter diesen letzteren -war nach des Alkuins Bericht König Ratbod, der als Bundesgenosse König -Dagoberts mit diesen zugleich von Pipin 689 bei Dorstedt geschlagen -worden ist und auf Helgoland eine sichere Zuflucht fand. Alkuin -erwähnt unser Eiland unter dem Namen Fositesland, dessen Identität -mit Helgoland jedoch von Adam von Bremen (nach 1072) als „Heiligland“ -ausdrücklich bezeugt worden ist. Als der schon weiter oben erwähnte -Liudger, Bischof von Münster, um 785 die Insel auf Weisung Karls des -Großen hin aufsuchte, war dieselbe der geheiligte Wohnsitz des Gottes -Fosete, dessen Heiligtümer hier erbaut waren. Ob Helgoland bereits -den Römern bekannt gewesen ist, oder ob nicht, das muß dahingestellt -bleiben; nach gewissen Stellen in des Tacitus Germania sowie in dessen -Annalen wäre die Annahme nicht ganz von der Hand zu weisen, daß auch -schon römische Augen auf die roten Felsen Helgolands geschaut und -daß Wimpel römischer Schiffe, die des Germanicus Kohorten nach der -Schlacht auf dem idistavischen Felde aus der Ems in die Nordsee trugen, -nach Fositesland hinübergegrüßt haben könnten. Noch unbestimmter aber -ist es, ob Herr Pytheas von Massilia, der um die Zeit Alexanders des -Großen in das sagenhafte und vielfach und immer wieder anders gedeutete -Thule eine Reise gethan hat, seinen Fuß auf Fositesland setzte. Es ist -zuweilen die Ansicht laut geworden, daß die Bernsteininsel Abalus im -Busen Metuonis Helgoland gewesen sei. Aber wer mag das mit Bestimmtheit -wissen? - -In den meisten Schriften früherer Jahrhunderte wird von unserer -Insel als vom „hilligen Lunn“ gesprochen, aus welcher Bezeichnung -das offizielle englische „Heligoland“ und das deutsche „Helgoland“ -sich mit der Zeit herausgebildet haben. Auch der Name „Farria“ ist -bisweilen dafür gebraucht worden, der nach Lindemann am richtigsten als -„Far-öer“, „Schafinsel“ gedeutet wird, „denn Schafe waren früher in -großer Menge auf der Insel“. - -In den Blättern der neuesten deutschen Kriegsgeschichte finden wir -Helgoland zweimal verzeichnet. Am 4. Juni 1848 fand hier die Feuertaufe -der deutschen Flotte statt, indem drei Schiffe des Deutschen Bundes mit -einer dänischen Segelkorvette ins Gefecht gerieten, und am 9. Mai 1864 -kamen hier österreichische und preußische Kriegsschiffe mit einem Teil -der dänischen Flotte aneinander. Der Befehlshaber des österreichischen -Geschwaders, der spätere Seeheld von Lissa, Freiherr Wilhelm von -Tegethoff, hat sich bei diesem Anlaß die Kontreadmirals-Epauletten -geholt. - -Kernig und kräftig ist der zum friesischen Stamme gehörige -Menschenschlag Helgolands, die Männer sind entschlossene und -willensstarke Leute, zierlich und schlank die Frauen und Mädchen. -Phlegmatische Ruhe ist der Grundcharakterzug der Bevölkerung; mitten in -den stürmischen Wogen des Meeres verliert der Helgoländer diese Ruhe -nicht, sondern bleibt kaltblütig und gelassen, eine Eigenschaft, die -für seinen Beruf als Seefahrer nicht hoch genug angeschlagen werden -kann. Am Althergebrachten hält er unwandelbar fest, so auch an der -friesischen Mundart, welche die Kinder dort schon sprechen, bevor sie -in der Schule deutsch reden lernen. Die schöne Nationaltracht der -Helgoländerinnen hat allerdings mit der Zeit der modernen Kleidung -weichen müssen und wird heutzutage nur noch bei besonderen festlichen -Gelegenheiten angelegt. Schiffahrt, Fischerei und Lotsendienst, und -nicht zum geringsten der Badebetrieb bilden die hauptsächlichsten -Erwerbsquellen der Inselbewohner. In früheren Jahrhunderten pflegten -gewaltige Heringszüge vor Helgoland zu erscheinen, und damit brachen -Zeiten des Glanzes und besonderen Wohlstandes für das Eiland an. -Die Gewässer wimmelten von fremden Schiffen, und große Faktoreien -entstanden auf der Insel. Schon im sechzehnten Jahrhundert fingen -die Heringszüge aber wieder an abzunehmen und waren im achtzehnten -Jahrhundert beinahe ganz verschwunden. - -Gebilde des Zechsteins, der Trias und der Kreide nehmen am -geologischen Aufbau Helgolands teil. Die ältesten Ablagerungen der -Insel bestehen aus einer einheitlichen Folge rotbrauner, dickbankiger, -kalkhaltiger Thonschichten, die auf ihren Schichtflächen häufig -Glimmerblättchen führen, nur unterbrochen durch eine etwa 20 Centimeter -starke Schicht eines weißen zerreiblichen Sandes -- der Katersand -der Helgoländer. Eine Anzahl von Kupfermineralien, so Rotkupfererz, -Ziegelerz, Kupferglanz und gediegenes Kupfer kommt in diesen Thonbänken -vor, ebenso zeigen sich elliptische Kalkmandeln, im Inneren oft hohl -und an den Wänden mit Kalkspatkrystallen ausgekleidet, darin. Gemäß dem -Fallen und Steigen der Schichten taucht dieser untere Gesteinskomplex -etwa in der Mitte der Westseite aus dem Meer empor und steigt bis zur -Nordspitze derart an, daß er am Nathurn und Hengst fast den ganzen -Steilabfall bildet und nur noch durch wenige Meter mächtige Schichten -der darüber liegenden Gebilde der Trias überlagert wird. - -Diese älteren Ablagerungen Helgolands, Äquivalente der Zechsteinletten, -also oberster Zechstein, sind, auch im unteren Elbgebiet, so an der -Lieth bei Elmshorn in Holstein, bei Stade in Hannover und auf dem -Schobüller Berg in der Nähe von Husum bekannt geworden. - -[Illustration: Abb. 132. ¯Wangeroog.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Dem unteren Buntsandstein entspricht ein Wechsel von roten, schiefrigen -Thonen mit grünlich-grauen oder rot und grün gefleckten Kalksandsteinen -und dünn geschichteten grauen Kalken, ohne Beimengungen von Kupfererz. -Aus diesen Schichten setzt sich die Oberfläche der Insel zusammen. Aus -Bildungen des Muschelkalks und wohl auch des unteren Keupers sind die -Düne und die sich von dieser nordwestwärts erstreckenden Klippenzüge -des Wite Klif und Olde Höve Brunnens aufgebaut. Zwischen diesen -letzteren und der Hauptinsel dürfte wohl im Verlaufe der Aeonen eine -etwa 370 Meter mächtige Reihe von Sedimenten verschwunden sein, welche -den mittleren und den oberen Buntsandstein repräsentiert hat. - -Ablagerungen des mittleren und oberen Keupers sowie der Juraformation -sind auf Helgoland unbekannt, dagegen finden sich dort Schichten -sowohl der unteren, als auch der oberen Kreide vertreten, teils als -anstehendes Gestein, teils in der Gestalt von Geröllen. Erstere -zeigt sich in dem etwa 500 Meter breiten, den ersten vom zweiten -Klippenzuge trennenden Graben, im Skit-Gatt. Fossilien aus diesen -als graue, schiefrige Thone oder gelbrote und gelbe thonige Kalke -auftretenden älteren cretaceischen Sedimenten stellen die von -den Helgoländern den Badegästen zuweilen zum Kauf angebotenen -„Katzenpfoten“ und „Hummerschwänze“ dar, Ausfüllungen der Luftkammern -von Cephalopodenschalen (Crioceras). - -Auf den östlich vom Skit-Gatt sich hinziehenden, bei Ebbe hochgelegenen -Klippenzügen des Krid-Brunnens (resp. des Selle-Brunnens), des -Kälbertanzes und des Peck-Brunnens kommt die obere Kreide vor. -Cenomane Gesteine und solche der tiefsten Zone des Turons sind nur -aus Geschieben bekannt, während die Kreideschichten mit Feuerstein -am Krid- und am Selle-Brunnen den Zonen des Inoceramus Bonguiarti -und des Scaphites Geinitzi entsprechen, und in ähnlichem Gestein -des Peck-Brunnens das untere Senon anstehend nachgewiesen ist. Aus -Petrefaktenauswürflingen der See geht auch das Vorhandensein jüngerer -senonen Bildungen bei Helgoland hervor. - -Die Diluvialablagerungen der Insel unterscheiden sich nicht wesentlich -von denjenigen Schleswig-Holsteins und des nordwestlichen Deutschlands, -und das in größeren Blöcken und in kleineren Geröllen auf der Insel -sowie auf der Düne herumliegende erratische Material stammt aus dem -mittleren und dem südlichen Schweden. - -Zwischen der Hauptinsel und den die Fortsetzung der Düne bildenden -Riffen und Klippen liegt der Nordhafen. In einer -- geologisch genommen --- sehr jungen Zeit stellte derselbe einen Süßwassersee dar. Den Grund -dieses Nordhafens bildet nämlich ein hellgrauer bis dunkelbrauner -Thon, von den Helgoländern Töck genannt, wobei zu beachten ist, daß -diese Bezeichnung auch noch auf die Gesteine der unteren Kreide -im Skit-Gatt angewandt wurde. In dem Töck des Nordhafens nun sind -zahlreiche Süßwassermollusken gefunden worden, welche sämtlich noch -unter der heutigen Fauna Norddeutschlands vertreten sind, und daneben -noch einzelne Pflanzenreste (Ahornblätter und anderes). Damit ist der -Beweis geliefert worden, daß der rote Felsen auf einer Insel lag, -welche eine Ausdehnung besaß, daß eine Süßwasserfauna und Landflora -auf ihr existieren konnten, daß also das Eiland ehemals, und zwar -schon in Zeiten der jetzt währenden Erdbildungsperiode -- ob sonst in -historischer Zeit, muß dahingestellt bleiben -- größer war, als in der -Gegenwart. Es ist aber nicht ein größeres Felseneiland gewesen, sondern -eine Geestinsel von gleicher Beschaffenheit etwa wie Sylt und die eine -Hälfte von Föhr, eine Geestinsel, aus welcher der rote Fels und das -weiße massige Gestein des Witen Kliff hervorragten. - -[Illustration: Abb. 133. ¯Wangeroog, vom Leuchtturm gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -„Helgoland,“ sagt Dames, „stellt einen vorgeschobenen Posten deutschen -Bodens dar. Durch seine Einverleibung in Deutschland ist auch politisch -ein Zusammenhang wiederhergestellt, der geologisch seit dem Schluß der -paläozoischen Formation fast ununterbrochen bestanden hat.“ - -[Illustration: Abb. 134. ¯Strand von Wangeroog, mit Seezeichen und -Giftbude.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Der schon früher bei der Besprechung seiner Vaterstadt Husum und a. -a. O. erwähnte „königliche Geographus und Mathematicus“ Johann Meyer -hat um das Jahr 1649 eine „Newe Landtcarte von der Insel Helgelandt“ -gezeichnet und dazu eine höchst phantastische Darstellung dieser -Insel „in ~annis Christi~ 800 und 1300“, welche dem Buche Danckwerths -beigefügt ist. „Die Insel soll viel größer gewesen seyn, dann itzo“, -und „der Author der Land Carten hat davon zweyerley Vorbilde des -alten Heiligen Landes vorgestellet, ~de annis~ 800 und 1300, wie -man sie ~ex traditionibus~, ~sed humanis~ erhalten“, schreibt der -vormalige Bürgermeister der grauen Stadt am Meere dazu. Eben diese, -von der kritischen Forschung unserer Tage längst in das Reich der -Mythe verwiesene kartographische Darstellung des Eilands hat nicht -wenig dazu beigetragen, die alte Sage von der vormaligen gewaltigen -Ausdehnung Helgolands noch bis in die neueste Zeit hinein, und sogar in -wissenschaftlichen Lehrbüchern, aufrecht zu erhalten. Die Umrisse des -alten, von Meyer rekonstruierten Eilands verhalten sich zu denjenigen -der gegenwärtigen Insel etwa wie der Elefant zur Maus. Wenn man die -zuverlässigen und geschichtlichen Zeugnisse überblickt, so kommt man zu -dem bestimmten Schluß, daß das Eiland, soweit historische Nachrichten -zurückreichen, immer nur eine kleine, stark isolierte Insel mit einer -geringen Bewohnerzahl gewesen ist. - -Daß der Umfang der Insel allmählich abnimmt und daß einmal eine -Zeit kommen muß und wird, in der die Meeresfluten ungehindert über -den Boden Helgolands dahinrollen werden, das ist jedoch sicher. Der -Verwitterungsprozeß am Gestein, hervorgerufen durch Frost, Sonnenwärme -und Niederschläge, unterstützt ferner durch die Thätigkeit gewisser -Meerestange (Laminarien) nagt unaufhaltsam an den Wänden und Klippen -des Eilands, und die zerstörende, am roten Felsen und seinen Riffen -stetig anprallende Brandungswelle übt eine noch vernichtendere Wirkung -daran aus. Wann das aber geschehen wird, das läßt sich in präzisen -Zahlen nicht ausdrücken. Der Zukunft mag’s vorbehalten bleiben, und -zweifelsohne werden noch Jahrtausende darüber hingehen bis zu dem -Zeitpunkte, an dem die letzte Felsenklippe Helgolands in die Wogen -hinabgestürzt sein wird. - -Noch im siebzehnten Jahrhundert verband ein Steinwall, „de Waal“, -die Düne mit dem Unterlande Helgolands, so daß dadurch je ein nach -Norden und Süden geöffneter, halbkreisförmiger Hafen gebildet war. Im -Zusammenhang mit der Düne war ferner der in ihrem Nordwesten belegene -Klippenzug des Wite Klif. Um 1500 soll dieser weiße Gipsfelsen noch -so hoch gewesen sein, wie die Hauptinsel selbst; er verlieh der Düne -und dem Steinwall den nötigen Schutz vor dem Ansturm der Wellen, zumal -die Hauptströmung des Meeres von Nordwesten her eindrang. Nicht die -stark brandenden Wogen tragen aber die Schuld an der allmählichen -Zerstörung des Wite Klif allein, sondern die Bewohner Helgolands -selbst, indem sie Stücke von dem Felsen abtrugen und verkauften. Die -alte Bolzendahlsche Chronik der Insel verzeichnet im Jahre 1615 unter -anderen Begebenheiten auch noch den Umstand, daß „die Gips oder weiße -Kalksteine hier bey Lande bei der Wittklippe häufig vorhanden gewesen -und hat man die Last von zwölf Heringtonnen allhier verkauft vor 5 -Pfund“. Am 1. November 1711, des Nachmittags um drei Uhr, wurde der -letzte damals noch vorhandene Rest des Wite Klif, „so bey zwölf Jahren -noch als ein Heuschober gestanden, durch eine hohe Fluth bey N. W. Wind -vollends umgeworfen und absorbiert“. Nach der Vernichtung des Felsens, -an den heute nur die bei tiefer Ebbe aus dem Meere hervorragende -Klippe erinnert, hielt der schmale Steinwall den Andrang der Wogen -nicht mehr lange aus. Ein „rechter Haupt-Sturm und hieselbst ein -ungemein hohes Wasser mit so grausamen Wellen, daß auch einige Häuser -und Buden bey Norden dem Lande wegspülten“, riß am Sylvesterabend und -dem darauffolgenden Neujahrstag gegen zwei Uhr den Steinwall zwischen -dem Lande und der Düne durch, „und war beynahe ein ganzes Jahr ein -Loch darin, daß man allemal mit halber Fluth mit Giollen und Chalupen -durchfahren konnte“. - -Damit war die Düne für immer vom Haupteiland getrennt. Die andringenden -Wogen schwemmten die Geröllmassen und den Schutt des Steinwalls an -das Unterland an, welches dadurch bedeutend vergrößert wurde, so daß -am Strande neue Häuserreihen entstehen konnten. Dagegen nahm die Düne -besonders im Norden und Osten ab, und das blieb in der Folgezeit -lange so, bis vor etwa 30 Jahren eine allmähliche Versandung der -nordöstlichen Klippen und eine Änderung in der Strömung eintrat, die -seither eine Verringerung der Düne im Westen und eine Zunahme im Osten -bedingte. Besonders die Breite der Düne hat sich in der letzten Zeit -vergrößert, wie ihre Gestaltung denn abhängig ist von Meeresströmung -und Windrichtung, indem Nordostwinde sie verkleinern, Südwestwinde -dagegen zunehmen lassen. - -Helgolands Flora stimmt, wie auch diejenige der übrigen nordfriesischen -Inseln, mit dem Pflanzenteppich der cimbrischen Halbinsel im großen und -ganzen völlig überein. Doch fehlen die Heidepflanzen hier völlig. - -Sämtliche Holzpflanzen sind von Menschenhand an geschützten Orten -angepflanzt worden; in vergangenen Jahrhunderten war die Insel -baumlos. In der Gegenwart zeigt Helgoland verschiedene, teilweise -recht schöne Bäume, so den alljährlich reife Früchte tragenden, im -Jahre 1814 gepflanzten Maulbeerbaum im Garten des Pastors, die Ulmen -mit 1½ Fuß Stammesdurchmesser am Fuße der Treppe, die Ahornbäume der -Siemensterrasse im Unterland und noch andere mehr. Auf dem Oberlande, -in der Nähe des Armenhauses, dem „langen Jammer“, ist der größte -Blumengarten der Insel, eine Gärtnerei, in der neben vielen anderen -Zierpflanzen jährlich 4000 Rosenstöcke zur Blüte gelangen. Einen -Beweis der Vorliebe der Helgoländer für blühende Blumen geben die -zahlreichen Blumenstöcke und die zierlichen Gärtchen ihrer schmucken -Häuser. Bekannt ist der „Kartoffelallee“ benannte Spazierweg auf dem -Oberland, so benannt nach den an seinen beiden Seiten befindlichen -Kartoffelfeldern. Daneben wird noch etwas Klee, Gerste und Hafer -gebaut. Den Rest des Oberlandes nehmen Wiesen ein. Bei Niedrigwasser -zeigen sich rings um das Eiland weite, submarine Wiesen, von grünen, -roten und braunen Algen und Tangen bedeckt. - -Ebensowenig, wie das auf den übrigen Nordseeinseln der Fall sein soll, -kommen Maulwürfe oder Spitzmäuse auf Helgoland vor. Auf der Sanddüne -haben früher Kaninchen in großer Anzahl ihr Unwesen getrieben. Durch -Unterwühlen und Abfressen der Pflanzen thaten sie großen Schaden, -so daß, wie Hallier berichtet, 1866 die Sandinsel geradezu ihres -Vegetationskleides beraubt war. In der Gegenwart dürften die kleinen -Tiere dort wohl vollständig ausgerottet sein. Haustiere, so Kühe und -besonders Schafe, werden von den Bewohnern in dem für ihren und ihrer -Badegäste Lebensunterhalt erforderlichen Verhältnis gehalten. Bei dem -in verflossenen Tagen auf dem Oberlande betriebenen Kornbau sollen auch -Pferde verwendet worden sein. - -An Zugvögeln ist Helgoland besonders reich, und über 300 Vogelarten -statten im Früh- und Spätjahr auf ihren Wanderzügen der Insel ihren -Besuch ab. Unter ihnen finden sich zuweilen seltene Formen, sogar -solche aus Sibirien und Nordamerika. Möven, Taucher, Seeschwalben -und Strandläufer beleben das Eiland, auch Sperlinge fehlen nicht, -und auf einem Felsen an der Nordküste, dem Lummenfelsen, brüten die -Lummen, nordische Tauchervögel, die vom Februar bis Ende August auf -Helgoland erscheinen. Die Meeresfauna ist eine überaus reichhaltige, -und an schwülen Augustabenden rufen hier die zahlreich im oceanischen -Wasser vorhandenen Mikroorganismen die Erscheinung des Meeresleuchtens -besonders schön hervor, woran das funkelnde Leuchtbläschen (~Noctiluca -scintillans~) wohl einen Hauptanteil hat. Bei jeder Bewegung, beim -Ruderschlag, beim Hineinwerfen von Steinen ins Wasser, im Kielwasser -des Bootes und auf den Kämmen der sich überstürzenden Wellen funkelt -und erglänzt das Meer in phosphorischem Scheine. - -Helgoland besitzt ein ausgeprägtes gleichmäßig mildes Seeklima und -weist infolgedessen im Spätherbst und Winteranfang (November, Dezember -und Januar) eine höhere Durchschnittstemperatur auf, als Bozen, Meran, -Montreux und Lugano. In diesen erwähnten Monaten ist die Insel, mit -zahlreichen, wahrscheinlich sämtlichen Städten Deutschlands verglichen, -der wärmste Ort. Der Herbst ist warm, der Winter mild, das Frühjahr -kalt, der Sommer kühl. - -[Illustration: Abb. 135. ¯Spiekeroog.¯] - - - - -~XIII.~ - -Die Marschlande am linken Elbufer. - - -Ein breites Band fetter Marschländereien begleitet die linke Seite der -Elbe von dem aufblühenden Harburg, das durch gewaltige Elbbrücken mit -Hamburg verbunden ist (Abb. 100), an bis an die Mündungen des Stromes -in die See. Da ist zuerst vom Amte Moorburg an bis an das Ufer der -Schwinge das Alte Land, von den Schwingemündungen bis zu denjenigen der -Oste das Land Kehdingen, dann an der Oste die Ostemarsch, als schmaler, -sich südlich in die Geest hineinziehender Landstreifen zwischen -Kehdingen und dem Lande Hadeln. Dieses grenzt seinerseits an das Land -Wursten, das wir bei Besprechung der Marschen auf dem rechten Weserufer -kennen lernen werden. - -[Sidenote: Das alte Land.] - -Das Alte Land betreibt den Obstbau im großen und im Frühjahr, wenn -die zahllosen Kirschen-, Zwetschen- und Apfelbäume in Blüte stehen, -bietet es ein Landschaftsbild von besonderer Pracht dar. Alle Häuser -sind umgeben von den eben genannten Obstbäumen, zwischen denen auch -Walnuß- und Birnbäume in geringerer Menge zu sehen sind, und wo nur ein -Fleckchen frei ist, selbst auf den Deichen, werden dieselben bepflanzt. -Der Export des gewonnenen Obstes ist ein ungemein bedeutender und geht -neben Hamburg besonders in den Norden, so nach Dänemark, Schweden und -Norwegen und nach Rußland, selbst nach London. Daneben werden Ackerbau -und Viehzucht nicht vernachlässigt, von welchem etwa die Hälfte der -Bevölkerung lebt, -- in Bezug auf das Großvieh nimmt das „Alte Land“ -eine bedeutende Stellung ein -- ebenso wird in einzelnen Gegenden viel -Gemüse, unter anderem besonders Meerrettich kultiviert. Die Einwohner -sind eingewanderte Niederländer, höchst wahrscheinlich Flamländer und -die lebendigsten und rührigsten sämtlicher Marschbewohner. Ihre Frauen -und Mädchen gelten als die schönsten und zierlichsten der Marschlande -überhaupt. Ihre eigenartig eingerichteten Häuser mit dem farben- und -formenreichen Vordergiebel, die Wahrzeichen an denselben, zwei Schwäne -darstellend, deren jeder sich in die Brust beißt, ihre schön gepflegten -Hausgärten und kleidsame, aber mehr und mehr in Abgang kommende Tracht, -sowie eine Anzahl besonderer Gebräuche und Sitten unterscheidet die -Altenländer scharf von ihren sächsischen Nachbarn. - -[Sidenote: Buxtehude.] - -Das Alte Land -- der Sitz seines Amtsbezirkes ist Jork mit Amtsgericht -und Superintendenten -- wird von der unterhalb Buxtehude in dasselbe -eintretenden Este und von der Lühe durchflossen. Am östlichen Rande -des Alten Landes liegt das gewerbreiche Buxtehude an der schiffbaren -Este. Die Stadt, welche vor Zeiten Mitglied des Hansabundes gewesen -ist, zählt gegenwärtig an 3600 Einwohner. Ihre drei Thore, das Marsch-, -Geest- und Moorthor, lassen die Lage der Stadt sofort erkennen, doch -ist sie selbst auf Moorboden erbaut. Schöne Laubwaldungen befinden sich -auf der nahen Geest und tragen dazu bei, Buxtehude zu einem hübschen -Aufenthaltsort zu stempeln. Schon im siebzehnten Jahrhundert ist es -„eine feine und lustige Stadt“ genannt worden, ein Ehrentitel, den -sie, wie man sagt, heute auch noch verdienen soll. Buxtehude liegt -an der Bahnlinie von Harburg nach Cuxhaven, die sich bis Kadenberge -teils dem Geestrande entlang zieht, teils auf dieser selbst erbaut ist -und erst von dort ab die Marsch des Landes Hadeln durchquert. Diese -Bahnlinie berührt nördlich von Buxtehude das ebenfalls am Geestrande -erbaute Horneburg an der Lühe mit einer vorwiegend Ackerbau treibenden -Bevölkerung. - -[Illustration: Abb. 136. ¯Dorfstraße in Spiekeroog.¯] - -[Sidenote: Land Kehdingen.] - -In großem Gegensatze mit dem obstreichen Alten Lande steht das Land -Kehdingen mit seiner ausgedehnten Wiesen- und Weidenwirtschaft und -seinen gut bestellten Äckern. Dieses lange, aber ziemlich schmale -Marschgebiet wird von hohen Deichen umsäumt, denen es auch seinen Namen -verdankt. Kehdingen (von Kaje-Deich) bedeutet ein gedeichtes Land. -Sächsische Stämme haben vom Geestrücken bei Kadenberge her den Norden -und von Stade aus den Süden besiedelt, Friesen sind später, von den -Erzbischöfen zur Urbarmachung des Moor- und Buschlandes herbeigezogen, -dazu gekommen. Die Bevölkerung treibt Viehzucht, in neuerer Zeit auch -Pferdezucht, und Ackerbau, der des schwer zu pflügenden Bodens wegen -zwar mühsam, doch um so lohnender ist. An den schlammigen Ufern der -Elbe wächst viel Rohr, hier Reet oder Reit genannt, das gewonnen und -zur Bedachung der Häuser verwendet wird. Auch Weiden werden gepflanzt -und zu gewerblichen Zwecken verbraucht. - -Der Mittelpunkt des Amtsbezirkes ist Freiburg, das durch das Freiburger -Tief, einen zwei Meter tiefen Kanal, mit der Elbe in Verbindung steht. -Die Ortschaften liegen entweder langgestreckt an der das Land der Länge -nach durchziehenden Landstraße, so Assel, Neuland, Hammelwörden u. -s. f., die jede mehr als 1000 Einwohner besitzen, oder auch am Rande -des Kehdinger Moores, welches Kehdingen im Westen vom eigentlichen -Geestrücken trennt. - -[Illustration: Abb. 137. ¯Spiekeroog. Teil des Dorfes.¯] - -Am Südrande dieser Moorbildung, auf einem Ausläufer der Geest gegen -die Marsch treffen wir Stade an der schiffbaren Schwinge mit über -10000 Einwohnern, Hauptstadt des Regierungsbezirks und des Herzogtums -Bremen, ehemals ein bedeutender Handelsort und Hansestadt. Stade -hat viel industrielles Leben (Cigarrenfabrik, Eisengießereien, -Maschinenfabriken) und betreibt Fischerei und Schiffahrt. Es ist -Station der Eisenbahnlinie Harburg-Cuxhaven und ferner durch einen -weiteren Schienenstrang von 69 Kilometer Länge über Bremervörde mit -Geestemünde in Verbindung. In geschichtlicher Hinsicht ist diese Stadt -durch verschiedene Ereignisse bekannt geworden, so durch die Belagerung -durch Tilly, dem es sich am 5. Mai 1628 ergeben mußte, durch den großen -Brand vom 26. Mai 1659, sowie durch die Belagerung der Dänen, vor denen -es nach heftiger Beschießung am 7. September 1712 kapitulierte. - -Um und in Stade treten Gebilde des permischen Systems, rote -Zechsteinletten, auf, und fiskalische Bohrungen haben daselbst in -etwa 180 Meter Tiefe eine sehr gesättigte Sole erschrotet. Gleiches -war in der Nähe, bei Campe, der Fall, wo die Sole schon bei 162 Meter -erschlossen wurde. An der Mündung der Schwinge ist die Schwinger -Schanze und das Dorf Brunshausen, wo früher der 1861 abgelöste Stader- -oder Elbzoll erhoben worden ist, und die transatlantischen Dampfer der -Hamburger Linien zu leichtern pflegen. - -Die Ostemarsch beginnt mit einer schmalen Zunge, die südlich bis in die -Gegend von Kranenburg reicht, füllt anfänglich den Raum zwischen den -Krümmungen des Flusses aus, um sich dann allmählich zu verbreitern, -indem sie sich auf dem rechten Ufer schneller entwickelt, als auf -dem linken. Zahlreiche Ortschaften, darunter welche mit mehr als -1000 Bewohnern (Hüll, Altendorf, Isensee u. s. f.), teils am Rande -der Geest, teils im Marschland selbst belegen, gehören zu diesem -Gebiet, das bei Neuhaus an die Elbe tritt und durch den Hadeler Kanal -vom Lande Hadeln geschieden wird. Ackerbau und Viehzucht bilden die -Haupterwerbszweige der Bewohner. Die untere Ostemarsch hat Neuhaus an -der Oste (mit etwa 1500 Seelen) mit lebhafter Schiffahrt zum Hauptort, -die obere Ostemarsch bildet einen eigenen Amtsbezirk mit Oste (etwa 850 -Einwohner) als Mittelpunkt. - -[Sidenote: Land Hadeln.] - -Vor Ablagerung der Marsch war das heutige Land Hadeln zum größten Teile -ein tief in die Geest hineinschneidender Meerbusen zwischen Wingst und -Hoher-Lieth. Allmählich wurde derselbe von Schlick ausgefüllt, und nur -in der Innenseite, welche bei der Marschbildung immer niedriger bleibt, -erhielt sich das Wasser, und in ihr bildete sich das ausgedehnte -Moor, welches Hadeln im Süden bedeckt. Das abgelagerte Marschland -hat die Gestalt eines Dreiecks, dessen Grundlinie nach der Elbe -zu, dessen Spitze aber im Süden liegt. Der nach dem Flusse zu sich -erstreckende Teil der Marsch ist höher als das innere Gebiet, und so -unterscheidet man das äußere „Hochland“ von dem inneren „Sietland“ -(Niedrigland), die beide heute noch politisch getrennte Gebiete bilden. -Letzteres, an der Grenze der Moore mit ihren Seen belegen, war im -Winter stets Ueberschwemmungen ausgesetzt und drohte zu versumpfen, -da die beiden Flüsse, die Aue und die Gösche, es nicht hinreichend -entwässern konnten. Um dem Abhilfe zu schaffen, wurde von 1854 bis -1856 der Hadeler Kanal gegraben, der nach Norden mit der Elbe in -Verbindung steht, und 1860 begann man den Geestekanal zu schaffen, -der nach Süden zur Geeste verläuft. Beide Kanäle haben ihren Ausgang -im Bederkesaer See. Durch eine große Schleuse ist der Kanal mit der -Medem in Verbindung, welche nördlich von Oster-Ihlienworth aus der -Vereinigung der Gösche und Aue entsteht und in vielen Krümmungen den -Deich erreicht. Die „torfgefärbte Mäme“ hat der Dichter J. H. Voß -diesen Fluß genannt. Geeste- und Hadeler Kanal sind zusammen 43,5 -Kilometer lang und dienen neben den Zwecken der Entwässerung des Landes -auch der Schiffahrt, da sie bei gewöhnlichem Wasserstande 1,5 Meter -Tiefe besitzen, so daß Schiffe bis zu 16 Tonnen von der Elbe zur Weser -gelangen können. Durchschnittlich wird diese Wasserstraße jährlich von -700–800 Fahrzeugen benützt. - -Die ausgedehnten Moorländereien des Südens (20,8% des Gesamtareals von -Hadeln) sind nur teilweise entwässert und in Kultur genommen und werden -nur zum Torfstich benützt. Das Wasser aus dem Westermoor führt die -unterhalb Altenbruch in die Elbe fallende Bracke ab, das Wannaer Moor -entwässert die Emmelcke, ein Nebenfluß der Aue. An das letztgenannte -Moor grenzt die kleine gleichnamige Geestinsel mit dem Kirchspiel -Wanna, aus leichtem, mit Heidekraut bewachsenem Sandboden bestehend. -Der Boden der Hadeler Marsch selbst ist nicht so schwer, als derjenige -Kehdingens und darum zum Ackerbau auch sehr geeignet. Sein Untergrund -besteht aus einem kalkreichen Schlick, der aus der Tiefe an die -Oberfläche gebracht und mit Dünger und Ackerkrume vermischt, dem Boden -eine besondere Ertragsfähigkeit gibt. Man nennt diese Bodenumarbeitung -das Kuhlen; trotz seiner Kostspieligkeit trägt es reichlich Zinsen. -Die Viehzucht tritt in Hadeln zurück, dafür blüht der Ackerbau um so -mehr, und im Sommer ist das Marschland von einem Ende zum anderen -ein prächtig wogendes Saatenmeer. Raps, Weizen und Roggen bilden den -Hauptbestand der Felder. - -[Illustration: Abb. 138. ¯Langeoog, von der westlichen Kaapdüne -gesehen.¯] - -[Illustration: Abb. 139. ¯Langeoog, Abtei und Blick auf die Nordsee.¯] - -Hadelns Bewohner sind rein sächsischen Stammes, und unter allen -Marschen hat dieses Land seine Eigentümlichkeiten und Freiheiten -(Hadelnsche Provinzialstände u. s. f.) am treusten bewahrt. Politisch -zerfällt das Land in drei Verbände, in die Stadt Otterndorf, Kreisstadt -und Amtsgericht, der Mittelpunkt des Landes, in dem sich Hadelns -Handel und Verkehr vereinigt, in das Hochland und in das Sietland. -Otterndorf, ein altmodisches, aber freundliches Landstädtchen, in das -noch vor einigen Jahrzehnten ein altes Burgthor führte, geschmückt mit -dem lauenburgischen und dem Stadtwappen, einer Otter (Fischotter) über -dem sächsischen „Rautenkranze“, wie Allmers schreibt, hat eine höhere -Bürgerschule, die früher als Progymnasium existierte, und an welcher -der Dichter Johann Heinrich Voß einst Prorektor gewesen ist. Die -einzelnen Ortschaften, - - -- -- die Wohnung ländlicher Freiheit, - Durch die Gefilde verstreut, jede von Eschen begrünt -- - -liegen auf einen weiten Raum verteilt, die größeren Höfe vereinzelt. -Noch mehr Bewohner, als Otterndorf (etwa 1760 Seelen) zählt die -Gemeinde Altenbruch (2200 Seelen) mit der ältesten und bedeutendsten, -einen berühmten Altarschrein aus dem Anfang des sechzehnten -Jahrhunderts bergenden zweitürmigen Kirche. Neben Altenbruch sei hier -noch Lüdingworth, der Geburtsort des bekannten Reisenden Karsten -Niebuhr, erwähnt. - -[Illustration: Abb. 140. ¯Langeoog-Dünen mit Blick auf das Dorf.¯] - - - - -~XIV.~ - -Das Geestland zwischen Unterelbe und Unterweser. - - -[Sidenote: Geestland zwischen Unterelbe und Unterweser.] - -Die im vorigen beschriebenen Marschlande am linken Elbufer umschließen -zusammen mit den im folgenden Abschnitte zu besprechenden Marschen von -Osterstade, Wührden, Vieland und Wursten ein weites und großes Areal, -das zum allergrößten Teile den ehemaligen Herzogtümern Bremen und -Verden angehört hat und in der Gegenwart der Hauptsache nach unter der -Verwaltung der Landdrostei resp. des Regierungsbezirkes Stade steht. - -Das Teufelsmoor und die ausgedehnten Moore an der Oste trennen das -Geestland unseres Areals in zwei Hälften, in eine östliche und in -eine westliche, die durch einen schmalen Arm bei Bremervörde, etwa im -Mittelpunkt des Landes miteinander in Verbindung stehen. Im Nordosten -reicht der östliche Teil bis an die Elbmarschen, westlich wird -derselbe vom Teufelsmoor und dem mittleren Thal der Oste begrenzt. -Wir unterscheiden in seinem Gebiet verschiedene scharf ausgeprägte -Rücken, so denjenigen von Zeven im Süden, am Oberlaufe der Oste, in der -Mitte den Rücken von Harsefeld, und nördlich von diesem und durch die -Schwinge getrennt, denjenigen von Himmelpforten. - -Bei Bremervörde durchbricht die Oste das auf 3,5 Kilometer -zusammengedrängte Verbindungsglied der östlichen und westlichen Hälfte. -Letztere tritt im Süden und im Westen an den Weserstrom, während ihr -nördliches Ende im Amte Ritzebüttel die Elbe erreicht und hier auf -eine kurze Strecke die Deiche überflüssig macht. Ein schmaler Rücken, -vom Verbindungsraume bei Bremervörde ausgehend, zieht zwischen dem -langen und großen Moore hin und teilt sich wieder in die Hügelgruppen -des Westerbergs und der Wingst; letztere bildet in den sie umgebenden -Marschen eine weithin sichtbare Marke. Ein zweiter Zug folgt beiden -Seiten der Geest; sein südlicher Teil dacht sich allmählich zum -Vielande hin ab, der nördliche hingegen kehrt sich zwischen Geest und -den Hadeler Mooren nach Norden und endet mit Sanddünen an der äußersten -Landesspitze. Als öder Heiderücken der Hohen Lieth scheidet er Hadeln -von Wursten. Südlich von der Lüne endlich, zwischen dem Teufelsmoor und -der Weser ist ein weiterer Geestrücken entwickelt, der von Süden an in -Höhe zunimmt und die Garlstedter und Brundorfer Heide trägt. Er fällt -im Süden steil in das Thal der Lesum und Weser ab, letztere dadurch zur -westlichen Richtung zwingend. - -[Illustration: Abb. 141. ¯Langeoog, Badestrand und Badewärter.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Das Land bildet eine 10–20 Meter hohe, von zahlreichen Bächen und -Flüssen durchflossene leichtwellige Ebene, deren höchste Punkte 80 -Meter nicht erreichen (Camper Höhe bei Stade 24 Meter; Litberg bei -Sauensiek auf dem Harsfelder Rücken 65 Meter; Lohberg auf dem Rücken -von Himmelpforten 42 Meter; Wingst 74 Meter; Hohe Lieth bei Altenwalde -31 Meter; höchster Punkt der Garlstedter Heide 45 Meter). - -[Illustration: Abb. 142. ¯Langeoog. Neutraler Strand mit der -gestrandeten „Aurora“.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -[Sidenote: Grünlandsmoore.] - -Im Gebiete des Regierungsbezirks Stade werden 183576 Hektare oder 28% -der Gesamtfläche des Landes von Mooren bedeckt (der Regierungsbezirk -Osnabrück enthält deren nur 20,5% und der von Aurich 24,6% seines -Areals). Kein einziger Amtsbezirk unseres Areals ist ohne Moore, die im -Amte Lilienthal an der Grenze des Bremerlandes 80% des Flächeninhalts -ausmachen, dagegen in anderen, so im Amte Jork, nur wiederum 0,7%. -Die Moore, die sich zwischen Marsch und Geest oder auch zwischen zwei -Marschgebieten hinziehen, nennen wir Randmoore. Es sind größtenteils -Grünlands- resp. Wiesenmoore, mit scharfem Absatz gegen die Geest, aber -nur allmählich durch „anmooriges Land“, welches meist tiefer liegt als -das Moor und die Marsch, in diese übergehend. Hierher zu rechnen sind -das Altenländer Moor, das Kehdinger Moor, die unteren Oste-Moore, die -Hadeler Moore, die Osterstader Moore. Moore, die sich in Niederungen -oder auf beinahe horizontal liegenden Flächen der Geest gebildet -haben, bezeichnet man als Binnenmoore. Es sind fast nur Hochmoore. -Als Beispiel dieser auf unserem Gebiete sehr verbreiteten Moore möge -der größte hierher gehörige Moordistrikt dienen, das Teufelsmoor, das -sich nördlich von dem flachen Bremer Gebiet keilartig in die Geest -hineinschiebt. - -[Sidenote: Die Moorkulturen.] - -Die von Holland zu uns herübergekommene Art der Moornutzung, das -Moorbrennen oder die Moorbrandkultur, deren Wirkungen sich im weiten -Umkreise durch den Moor- oder Höhenrauch in so unangenehmer Weise -bemerkbar machen, hat sehr wenig segenbringend gewirkt, und da, wo -solche Hochmoorsiedelungen lediglich auf Grundlage des Moorbrennens -angelegt wurden, ohne vorherige Aufschließung der Moore durch Kanäle -und Wege u. s. f., verfielen dieselben meist schon nach kurzer Zeit dem -allergrößten Elend. - -Dagegen hat eine zweite Form der Hochmoorkultur, gleichfalls -holländischer Herkunft, sehr segensreich gewirkt, die Fehnkultur -oder Sandmischkultur, welche den Zweck hat, die unter den Torfmooren -befindlichen Landflächen urbar und der Kultur zugänglich zu machen. -Es kommt dabei auch darauf an, den abgegrabenen Torf zu verwerten und -ihm billige Transportwege zu eröffnen, und zu diesem Behufe legt man -von dem zunächst befindlichen Wasserlaufe Kanäle in das Moor hinein -an, die mit Schiffen befahren werden können, die Fehnkanäle, an die -sich wiederum im Laufe der fortschreitenden Unternehmung Seiten- -und Parallelkanäle anschließen. Durch dieses Netz von Wasserstraßen -wird außerdem noch für die notwendige Entwässerung des in Fehnkultur -begriffenen Areals gesorgt. Die abgetorften Ländereien werden mit -Seeschlick, mit Kleierde, mit Sand und mit Dünger bedeckt und dann -bebaut. - -Die Fehnkultur ist um den Anfang des siebzehnten Jahrhunderts in -Holland zuerst aufgekommen, und im Jahre 1630 brachte der Graf -Landsberg-Velen diese Art der Moorbebauung bereits in Anwendung auf -deutschem Boden, indem er die Kolonie Papenborg, das heutige Papenburg, -anlegte, eine aufblühende Stadt im Regierungsbezirk Osnabrück, mit etwa -7000 Einwohnern, dem Muster einer Fehnkolonie. Die deutschen Fehnkanäle -haben zur Zeit eine Gesamtlänge von 195,8 Kilometer. - -Fehnkolonien befinden sich besonders in Ostfriesland und im -Oldenburgischen. In einem gewissen Gegensatz zu denselben stehen -die Moorkolonien, die nicht die Bebauung des Mooruntergrundes, -sondern der Mooroberfläche selbst als Endzweck haben. Das preußische -Landwirtschafts-Ministerium hat es als eine seiner vornehmsten -Aufgaben erachtet, die Moorkultur immer mehr und mehr thatkräftig -zu fördern. Zu diesem Zweck wurde von dieser Behörde in Bremen -eine Moorversuchsstation gegründet, welche durch wissenschaftliche -Forschungen die Eigenschaften und Eigenarten des Hochmoorbodens -feststellen und zugleich durch praktische Versuche in den Mooren -selbst neue Hilfsmittel für die Hochmoorkultur schaffen soll. An -den verschiedensten Stellen des Areals zwischen Elbe und Weser und -Ostfrieslands sind neue Moorsiedelungen unter der Leitung der Regierung -entstanden, und im letztgenannten Lande ist diesen Unternehmungen -die Erschließung der weiten Flächen durch den Ems-Jade- und den -Süd-Nord-Kanal sehr zu statten gekommen. Im Jahre 1890 bestanden -im deutschen Flachlande westlich der Elbe (Regierungsbezirk Stade, -Osnabrück und Aurich, sowie Oldenburg) bereits über 250 Moorkolonien -von 55000 Hektaren Gesamtareal und mit 60000 Einwohnern. Das Gebiet -von Waakhausen am südlichen Ufer der Hamme zeichnet sich durch sein -weit und breit bekanntes „schwimmendes Land“ aus. Es ist dasselbe ein -Grünlandmoor von noch unsolider Beschaffenheit, an seiner Oberfläche -mit einer festen Borke versehen, die aus verfilztem Wurzelgeflecht -besteht, aber eine Verbindung mit dem Untergrunde noch vermissen läßt. -Die zwischenliegende Schicht ist ein schlammiger Moorboden, der sich -mit steigendem Wasser ausdehnt und die obere Schicht, solange sie nicht -zu schwer ist, hebt. Bei eintretendem niedrigen Wasserstand senkt sich -das Moor wieder und das Land erhält seine frühere Lage zurück. Die -Häuser auf dem schwimmenden Lande sind auf Wurten gebaut, die auf dem -festen Untergrunde aufgeschüttet sind, und infolge des wechselnden -Wasserstandes bald auf Hügel erbaut zu sein, bald in Vertiefungen zu -stehen scheinen, da sie von den Hebungen und Senkungen des schwimmenden -Landes ja selbst unberührt bleiben. Da aber auch der Untergrund, der -die Wurten trägt, nicht sehr fest ist, und diese letzteren erst mit der -Zeit beständiger werden, so senken sich oftmals die auf neuen Wurten -erbauten Häuser oder sie werden schief und müssen dann geschroben -werden, meistens alle zehn Jahre. Darum sind alte Wurten gesuchte -Grundstücke. Ähnliche schwimmende Ländereien haben auch das Altländer -Moor (bei Dammhausen) und das Oldenburger Land an verschiedenen Stellen -aufzuweisen. - -[Illustration: Abb. 143. ¯Baltrum, Ostdorf.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Nahe bei Waakhausen liegt das Malerdorf Worpswede, von dem im nächsten -Abschnitt noch etwas eingehender die Rede sein wird. - -Südlich der Hamme trifft man ein weites Niederungsgebiet, das St. -Jürgens-Land, ein großes Wiesenmoor, das von mehreren Kanälen und -zahllosen Gräben durchzogen wird, aber auch stellenweise größere -Wasserflächen neben einer Unmenge von „Braaken und Kuhlen“ besitzt. -Es ist 4569 Hektare groß. Vom Oktober bis April ist das Land meist -überschwemmt, und selbst im Sommer treten zuweilen noch Überflutungen -ein. Das Leben der Bewohner hat sich den Verhältnissen angepaßt, und -der Verkehr zwischen den einzelnen Wurten geschieht fast nur zu Boot. -Die das Land durchquerende Landstraße ist im Winter meist nicht zu -benutzen. - -[Illustration: Abb. 144. ¯Baltrum, Westdorf.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Die zahlreichen Wasserläufe, welche das hier besprochene Gebiet -durchziehen, haben wir zum größten Teil schon da und dort kennen -gelernt. Im Südosten tritt die Este in unser Gebiet, der weiter -nördlich die Horneburg bespülende Lühe, in ihrem Oberlauf Aue genannt, -folgt, hierauf die durch den Elmer Schiffgraben mit der Oste in -Verbindung stehende Schwinge, die Oste und die aus Aue und Gösche -entstandene Medem. Diese alle sind der Elbe tributpflichtig. Im Westen, -als Nebenflüsse der Weser, treffen wir die Geeste, die Lüne und die -Drepte und noch weiter südlich die Lesum, wie die Vereinigung der -aus dem Moorlande herauskommenden Hamme mit der langen, unser Areal -im Süden begrenzenden Wümme heißt. Größere Wasserbecken weist der -Nordwesten und Norden des Landes zwischen Elbe und Weser auf, so den -Balksee, dem der Remperbach das Wasser des nördlichen Westerberges -und der südlichen Wingst zuführt. Seine öde, unwirtliche und schwer -zugängliche Umgebung hat ihn beim Volke zum Schauplatz schauriger Sagen -gestempelt. Durch schöne Waldungen und liebliche Umgebung ist der See -von Bederkesa ausgezeichnet, die Dahlemer, Halemmer und Flögelner Seen -sind mit der Hadelner Aue verbunden, in der Nähe des Hymensees war im -Mittelalter ein berühmter Falkenfang. - -[Illustration: Abb. 145. ¯Baltrum, Pfahlwerk in Sturmflut.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Neben den Gebilden des Diluviums und Alluviums, welche der Hauptsache -nach den Boden des Landes zwischen Unterelbe und Unterweser bilden, -treffen wir noch einige ältere Formationsglieder in unserem Gebiete an. -Der Zechsteinletten von Stade ist bereits Erwähnung gethan worden. Am -Südostrande der Wingst, bei Hemmoor, treten die Schichten der oberen -weißen Kreide auf, welche daselbst die Veranlassung einer bedeutenden -Cementfabrikation geworden sind, neben verschiedenen tertiären -Sedimenten (eocäner Thon u. a. m.). Tertiäre Ablagerungen sind noch da -und dort im Lande zerstreut. - -[Sidenote: Bremervörde. Harburg.] - -Die wichtigeren Niederlassungen im Osten des Landes sind bereits -aufgeführt worden. Von den Ortschaften im Inneren ist das beinahe -central gelegene Bremervörde an der Oste, 1852 zur Stadt erhoben, die -bedeutendste. Es lebt hauptsächlich von Ackerbau. Doch treibt es auch -etwas Handel. Die Flut der Oste steigt bis hierher, so daß Bremervörde -für die Elbschiffe zugänglich ist, die besonders Holz aus den -benachbarten größeren Waldungen und Torf verfrachten und hauptsächlich -in Hamburg absetzen, jährlich etwa 4500 Ewerladungen Torf und an 300 -solcher mit Holz. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 2920 Seelen. Zeven -im Süden, ehemals Sitz eines Nonnenklosters vom Orden St. Benedikts, -hat etwas über 1250 Bewohner. Es wird in der Kriegsgeschichte -Niedersachsens oftmals genannt und ist durch den hier zwischen dem -Herzog von Cumberland und dem Herzog von Richelieu am 8. September 1757 -abgeschlossenen Vertrag (Konvention von Kloster Zeven) noch besonders -bekannt geworden. Bederkesa, durch einen Schienenstrang mit Lehe -verbunden, am gleichnamigen, schon weiter oben erwähnten See, mit einem -Lehrerseminar, hat gegenwärtig etwa 1300 Einwohner. Reger Fabrikbetrieb -und große industrielle Thätigkeit entfaltet das an der Süderelbe -belegene, rasch aufblühende Harburg. Die gegenwärtig von 49000 Seelen -bevölkerte Stadt hat einen bedeutenden Schiffahrtsverkehr; mehr als -700 Seeschiffe laufen jährlich im Harburger Hafen ein. Die Bahnlinie -Hamburg-Hannover-Cassel berührt Harburg und überquert die zwischen -dieser Stadt und Hamburg dahinziehenden beiden Elbarme auf zwei großen -eisernen Brücken. Harburg ist ferner Knotenpunkt für die Linie nach -Cuxhaven und nach Bremen. Letztere ist 114,5 Kilometer lang und führt -über Buchholz und den im dreißigjährigen Kriege vielgenannten Flecken -Rotenburg (2350 Einw.). Die Cuxhavener Bahn ist besonders wichtig, -seit sie von Stade und von Cuxhaven Verbindung mit Bremerhaven hat. -Die Lande am rechten Weserufer mit ihren Städten, Flecken und Dörfern -werden wir im Anschluß an die Beschreibung von Bremen im folgenden -Abschnitt kennen lernen. - - - - -~XV.~ - -Bremen und die Marschlande am rechten Ufer der Weser. - - -Das Gebiet der freien Handelsstadt Bremen umfaßt ein Areal von 255,56 -Quadratkilometer, von denen 23,12 Quadratkilometer auf die Stadt -selbst, 226,33 Quadratkilometer auf das Landgebiet des Freistaates -fallen. Letzteres gliedert sich in das Blockland im Nordosten, in -das Hollerland im Osten, in das Werderland im Nordwesten und das -Niedervieland im Westen. Im Süden der Stadt liegt dann noch das -Obervieland. Der Boden des Freistaates besteht aus Geest und aus -Marschland, im äußersten Nordwesten nimmt auch Hochmoor an dessen -Zusammensetzung teil. - -[Sidenote: Die Weser.] - -Bremens Lebensader ist die Weser (Oberweser von Münden bis Bremen, -Unterweser von Bremen bis Bremerhaven, Außenweser von Bremerhaven bis -zur eigentlichen Mündung, den untersten Flußtrichter begreifend). -Früher konnten nur flachgehende Fahrzeuge nach Bremen hinaufgelangen. -Da der Tiefgang der Schiffe mit der Zeit zunahm, die Versandung des -Weserstroms aber stärker wurde, so entstand im siebzehnten Jahrhundert -der Hafen von Vegesack, 17 Kilometer stromabwärts von Bremen, aber -schon bald darauf mußten größere Fahrzeuge noch weiter unterhalb, -in Elsfleth und Brake, vor Anker gehen. Der aufblühende Handel der -alten Hansestadt verlangte gebieterisch die Anlage eines geeigneten -Hafens für Schiffe mit größerem Tiefgange, und so wurde um das Jahr -1830 ein solcher bei Bremerhaven gebaut, auf den wir später noch -zurückkommen werden. Mit der Zeit trat aber der Umstand deutlich -zum Vorschein, daß Bremen selbst wieder zum Seehafen werden mußte, -wenn es seine Stellung auf dem Weltmarkt ebenbürtig neben Hamburg, -Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen behaupten wollte. Nachdem sich -Bremen 1884 zum Zollanschluß bereit erklärt hatte, ging man zuerst -an die Erweiterung der Hafenanlagen der Stadt. Unter der bewährten -Leitung des Oberbaudirektors Franzius erstand so in dem ein Areal von -90 Hektaren umfassenden Freibezirk der 22 Hektare große, 2000 Meter -lange, 120 Meter breite und 7,8 Meter tiefe Freihafen mit seinen -Verwaltungsgebäuden, Warenschuppen, hydraulischen Kränen u. s. f. Den -Hafen umschließt eine große Kaimauer, deren Oberkante 5 Meter über -Null, im ganzen 7,2 Meter hoch liegt, eine 5 Meter breite Sohle besitzt -und auf einem Pfahlrost steht, der auf 30000 Rundpfählen von großer -Stärke ruht. Die Gesamtkosten des Zollanschlusses Bremens an das Reich -wurden auf 34,5 Millionen Mark berechnet, wozu das Reich selbst zwölf -Millionen beigesteuert hat. Und schon wieder ist Bremen im Begriff, -seine Hafenbauten mehr als zu verdoppeln und über 40 Millionen Mark -für die Verbesserung seiner Verkehrsanlagen auszuwerfen. Durch die -fortgesetzte Korrektion der Unter- und der Außenweser ist dieser -Strom nämlich im Begriff, sich zu einer Wasserstraße ersten Ranges zu -entwickeln. - -[Illustration: Abb. 146. ¯Haus in den Dünen von Baltrum.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -[Sidenote: Die Weserkorrektion.] - -Die nutzbare Wassertiefe der Unterweser bei gewöhnlichem Hochwasser -betrug früher etwa 2,75 Meter. Infolge der nach den Plänen von -Franzius ausgeführten und im Jahre 1887 in Angriff genommenen -Korrektionsarbeiten war schon im Jahre 1894 eine nutzbare Wassertiefe -von 5,4 Meter erreicht. Die Deckung der über 30 Millionen betragenden -Kosten dieses riesigen Unternehmens wurde ebenfalls mit Beihilfe des -Reiches erreicht, indem ein Reichsgesetz vom 5. April 1886 Bremen -ermächtigt, auf der Strecke Bremen-Bremerhaven von allen über 300 -Kubikmeter Raum besitzenden Schiffen eine Abgabe zu erheben, sobald -Fahrzeuge mit fünf Meter Tiefgang dort fahren könnten. Doch darf -dieselbe nur von solchen Ladungen erhoben werden, welche aus See nach -bremischen Häfen oberhalb Bremerhavens bestimmt sind oder von solchen -Häfen nach See gehen, also nicht von den für die oldenburgischen Häfen -Brake, Elsfleth u. s. f. bestimmten Schiffen. - -Mit dem 1. April 1895 konnte diese Schiffahrtsabgabe zum erstenmal -erhoben werden, und der Erfolg war der, daß an Stelle der 3 Schiffe mit -4,5–5 Meter Tiefgang, welche 1891 nach Bremen kamen, dies 1896 schon -300 waren, daß die Verzinsung des Anlagekapitals nicht, wie vorsichtig -veranschlagt, nach 28 Jahren, sondern schon nach drei Jahren eintrat, -und daß der Handel Bremens sich schon jetzt auf das Fünffache gehoben -hat. - -[Illustration: Abb. 147. ¯Landungsbuhne von Baltrum.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Infolge dieses überraschend günstigen Ergebnisses schlossen Preußen, -Bremen und Oldenburg ein Abkommen miteinander, dahinzielend, die -Außenweser unterhalb Bremerhaven auf acht Meter unter Niedrigwasser -zu vertiefen, so daß die großen Kriegs- und Handelsschiffe bei ihrem -Ein- und Auslaufen nicht mehr an die Zeit des Hochwassers gebunden sein -werden. Die Ausführung der Arbeiten wurde Bremen übertragen, und die -bisherigen Fortschritte derselben berechtigen zu den weitestgehenden -Hoffnungen. Gleichzeitig mit dieser Unternehmung ist auch eine -Erweiterung der Hafenanlagen in Bremerhaven in Angriff genommen worden. - -Bremen besitzt gegenwärtig 517 Schiffe mit 556665 Registertonnen, -darunter 225 Dampfer mit 285500 Registertonnen. Darunter sind, wie -ebenfalls in der Hamburger Flotte, die größten Oceanriesen. Deutschland -besitzt über 20 Dampfer von mehr als 10000 Tonnen, mehr, als irgend -eine andere Nation der Erde. - -[Sidenote: Bremens Schiffahrt und Handel.] - -Bereits im Jahre 1773 machte man von Bremen aus den ersten Versuch -einer Fahrt nach Amerika, welcher mißlang, aber zehn Jahre später einen -weiteren zur Folge hatte, der so günstig verlief, daß schon um 1796 -etwa 70 Bremer Schiffe in der Amerikafahrt beschäftigt waren. Den im -folgenden Jahrhundert sich rasch steigernden überseeischen Verkehr -nahm auch Bremen wahr und trotz der damals noch geringen Erfahrungen -und des allgemein herrschenden Mißtrauens gegen eine transatlantische -Verbindung mittels Dampfschiffe erkannten Mitte der fünfziger Jahre -weitblickende Bremer Kaufleute, an ihrer Spitze H. H. Meyer, die -weltumgestaltende Bedeutung des Dampfes und gründeten im Jahre 1857 -den Norddeutschen Lloyd mit drei Millionen Thaler Gold als Kapital. -Die vier in England gebauten Dampfschiffe „Bremen“, „New-York“, -„Hudson“ und „Weser“ sind die ersten der neuen Gesellschaft gewesen, -die gegenwärtig 69 Seedampfer, davon 10 im Bau, 36 Küstendampfer, -davon ebenfalls 10 im Bau, 24 Flußdampfer, das Schulschiff „Herzogin -Sophie Charlotte“ und 114 Leichterfahrzeuge und Kohlenprähme zählt, -mit einem Gesamtraumgehalt von 506754 Registertonnen. Die großen -neuesten Lloyddoppelschraubenschnelldampfer des Lloyd, „Kaiser Wilhelm -der Große“ (Abb. 101–103) und „Kaiserin Maria Theresia“, werden mit -Recht als ein Triumph des deutschen Schiffs- und Maschinenbaues -geschildert und bilden den Gegenstand der Bewunderung der ganzen Welt. -Der Norddeutsche Lloyd beherrscht heutzutage 20 Schiffahrtslinien, und -zwar die Schnelldampferlinien Bremen-New-York und Genua-New-York, eine -Postdampferlinie nach New-York, zwei Linien nach Baltimore, eine nach -Galveston, zwei nach Brasilien, je zwei nach Argentinien und Ostasien, -eine nach Australien, vier Zweiglinien im asiatischen Verkehr und vier -europäische Linien. Am 1. Dezember 1899 verfügte der Norddeutsche -Lloyd über ein Aktienkapital von 80000000 Mark, die Prioritätsanleihen -der Gesellschaft betrugen 31050000 Mark, der Anschaffungspreis der -vorhandenen Schiffe erreicht die Höhe von 143710000 Mark und deren -Buchwert eine solche von 93530000 Mark. - -[Illustration: Abb. 148. ¯Alter Friedhof von Baltrum.¯ - -(Nach einer Photographie von A. Overbeck in Düsseldorf.)] - -Neben dem Norddeutschen Lloyd bestehen in Bremen zur Zeit noch -sechs weitere Reedereien (Rickmers’ Reismühlen, Reederei und -Schiffbauaktiengesellschaft, 13000000 Mark Aktien- und 5000000 -Prioritätsanleihenkapital; Deutsche Dampfschiffahrtsgesellschaft -„Hansa“, 10000000 Mark Aktien-, 4950000 Prioritätsanleihenkapital u. s. -f.). - -Im Jahre 1897 betrug Bremens Einfuhr 2233212 Tonnen brutto, seine -Ausfuhr 1161371 Tonnen brutto, das Gesamtgewicht seiner ein- und -ausgeführten Handelswaren 3394583 Tonnen brutto, der Wert der Einfuhr -613500000 Mark, derjenige der Ausfuhr 385700000 Mark, der Wert der -gesamten aus- und eingeführten Waren also 999000000 Mark. Im Jahre -1896 wanderten über Bremen aus 67040 Personen, 1897 deren 47000. -Sehr bedeutend ist die Industrie und der Gewerbebetrieb Bremens, -als Eisengießereien, Reismühlen, Jutespinnereien und Webereien, -Cigarrenfabrikation, Segelmachereien, Seilereien, Schiffswerften u. s. -f. - -[Sidenote: Bremen.] - -Bremen wurde um 789 durch den heiligen Willehad gegründet und -zum Bischofssitze erhoben, der vom heiligen Ansgar um 848 mit -demjenigen von Hamburg vereinigt wurde. Unter dem starken Schutz -der Kirche entwickelte sich die Stadt rasch weiter, die im zwölften -Jahrhundert von Heinrich dem Löwen mehrfach hart bedrängt wurde. An -dem Kampf der Welfen mit den Staufern nahm Bremen als kaisertreue -Stadt teil. Schon im dreizehnten Jahrhundert war die Abhängigkeit -vom Bischof fast völlig beseitigt, und die Stadt fing an, sich die -Verkehrsfreiheit auf der Weser vertragsmäßig zu sichern und auch mit -den Waffen zu erkämpfen. Schwere innere Zwistigkeiten hatte Bremen im -dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert durchzumachen. Als Mitglied -des Hansabundes hatte es zuweilen eine eigene Stellung gegenüber den -übrigen Verbündeten inne, und seine Weigerung, sich dem Kampfe gegen -Norwegen anzuschließen, trug ihm eine zeitweilige Ausschließung, -die Verhansung, ein. Heinrich von Zütphen brachte ums Jahr 1522 die -Reformation nach Bremen, das später ein Glied des schmalkaldischen -Bundes wurde. 1623 errichteten die Oldenburger Grafen den Elsflether -Zoll, gegen den Bremen jahrhundertelang vergebens Einspruch erhoben -hat, und dessen Abschaffung erst im Jahre 1820 gelungen ist. 1646 wurde -die Reichsunmittelbarkeit Bremens durch den Kaiser ausgesprochen, aber -von den Schweden bestritten, denen das Erzstift durch den Westfälischen -Frieden zugefallen war. Der kleine Staat führte deshalb zwei Kriege -mit Schweden, die aber keinen Erfolg hatten. Als im Jahre 1741 das -Erzstift in den Besitz des Kurfürsten von Hannover übergegangen war, -wurde die Reichsunmittelbarkeit anerkannt, die aber durch schwere -Opfer (Gebietsabtretungen) erkauft werden mußte. 1810 wurde Bremen -dem französischen Kaiserreiche einverleibt und blieb bis 1813 die -Hauptstadt des Departements der Wesermündungen. 1812 zählte Bremens -Bevölkerung 35000 Seelen. Seit dieser Zeit hat es, wie wir auch schon -weiter oben gesehen haben, einen gewaltigen Aufschwung genommen, wozu -die Gründung Bremerhavens 1827–1830 den ersten bedeutenden Anstoß -gegeben hat. Die jetzt in Bremen gültige Verfassung stammt von 21. -Februar 1854. Die Stadt zählt jetzt 152000 Einwohner. - -Die Stadt Bremen liegt 74 Kilometer von der Nordsee entfernt, am -rechten Ufer die ehemals von Wällen umgebene Altstadt, am linken die -Neustadt. Auf den drei Hauptplätzen der Altstadt, dem Markt, dem -Domshof und der Domsheide, konzentriert sich das Leben Bremens. Vom -Markt gehen auch drei der bedeutendsten Verkehrsadern der Stadt, die -Langen-, Ober- und Sögestraße ab. Derselbe gewährt ein malerisches -Bild; hier liegt zunächst das gotische, 1405–1410 erbaute Rathaus mit -einer um 1610 hinzugekommenen Renaissancefassade an der Südwestseite. -An der Westseite des Hauses ist der Eingang zu dem durch Hauffs -„Phantasien“ weit und breit bekannt gewordenen Ratskeller, der mit -Fresken von Arthur Fitger und mit Kernsprüchen von Hermann Allmers und -anderen verziert ist (Abb. 104–116). - -Vor der Südwestseite des Rathauses erblickt man die aus grauem -Sandstein gefertigte Bildsäule des Roland, 5,5 Meter hoch, 1404 -an Stelle einer hölzernen Statue des Paladins Karls des Großen -hierhergestellt. Dem Rathause gegenüber steht das ehemalige Gildehaus -der Kaufleute, 1537–1594 erbaut, jetzt der Sitz der Handelskammer, -mit renovierter Fassade, und nahebei die im gotischen Stil gehaltene -1861–1864 errichtete Börse. Auf dem kleinen Platz zwischen Börse, -Dom und Rathaus befindet sich der aus dem Jahre 1883 stammende -Willhadibrunnen, auf dem die Statue des heiligen Willehad, von vier -wasserspeienden Delphinen umgeben, zu sehen ist. An der Nordwestseite -des Rathauses erhebt sich seit 1893 das von Bärwald modellierte -Reiterstandbild Kaiser Wilhelms ~I.~ - -Der dem Alter nach bis zu den ersten Anfängen Bremens hinabreichende -Dom ist mehrfach umgestaltet worden. Das dem heiligen Petrus geweihte, -103 Meter lange, 40 Meter breite und 31 Meter hohe Gotteshaus ist reich -an verschiedenartigen Kunstschätzen, darunter eine von der Königin -Christina von Schweden geschenkte Kanzel, ein bronzenes Taufbecken aus -dem elften Jahrhundert u. s. f. Es besitzt ferner eine vorzügliche -Orgel. Eigenartig ist der unter dem Chor befindliche Bleikeller, in -welchem die darin aufbewahrten Leichname -- der älteste soll 400 Jahre -alt sein -- nicht verwesen. - -Nördlich vom Dom breitet sich der Domhof aus, an welchem verschiedene, -in architektonischer Beziehung hervorragende Baulichkeiten liegen, so -der Rutenhof und das Museum. Südlich vom Dom kommt man zur Domsheide, -die das ursprünglich für Gotenburg bestimmte Denkmal des Königs Gustav -Adolph von Schweden ziert. Stattliche Gebäude umgeben den Platz, so -das gotische Künstlervereinsgebäude mit geräumigen Sälen, das im -Renaissancestil gehaltene Reichspostgebäude von Schwalbe, 1876 bis -1878 erbaut, und das Gerichtshaus, ein Ziegelhausteinbau in deutscher -Renaissance. - -Von weiteren interessanten Bauten der Altstadt erwähnen wir hier -noch die aus dem zwölften und dreizehnten Jahrhundert stammende -Liebfrauenkirche und die St. Johannis-Kirche, ein reingotischer -Backsteinbau aus dem vierzehnten Jahrhundert, die alte Klosterkirche -der Franziskaner. Am nördlichen Ende der verkehrsreichen Obernstraße -treffen wir auf die 1856 restaurierte gotische Ansgariikirche -(1229–1243 erbaut) mit einem schönen Altarblatt von Tischbein und einem -97 Meter hohen Turme. Davor steht eine von Steinhäusers Meisterhand -geschaffene Marmorgruppe, der heilige Ansgar, der Apostel des Nordens, -im Begriff, einem Heidenknaben das Joch abzunehmen. Gegenüber erblicken -wir das alte Gildehaus der Tuchhändler, mit schöner Renaissancefassade. -Dasselbe zeigt eine besonders schöne Eingangshalle mit den lebensgroßen -Porträts bremischer Bürgermeister und Ratsherren und geräumige Säle -(großer Saal und Kaisersaal). Zur Zeit ist das Haus der Sitz der -Gewerbekammer von Bremen. Die Stephanikirche, eine in Kreuzform -gehaltene romanische Pfeilerbasilika aus dem zwölften Jahrhundert, am -nordwestlichen Ende der Altstadt, ist neuerdings renoviert worden und -birgt ein schönes Marmorrelief von Steinhäuser, die Grablegung Christi. -In der Langenstraße kann man noch eine Reihe interessanter Giebelhäuser -beobachten, so das alte Kornhaus, das Stissersche Haus, das Essighaus -u. s. f. - -[Illustration: Abb. 149. ¯Strand von Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -Die Brücken vermitteln den Verkehr aus der Altstadt in die Neustadt, -im Nordwesten die auch für Fußgänger eingerichtete Eisenbahnbrücke, -dann die 204 Meter lange eiserne Kaiserbrücke in der Mitte und die -ebenfalls eiserne 137 Meter lange und 19 Meter breite Große Brücke -im Süden. Am Rande der Altstadt ziehen sich die vom zickzackförmigen -Stadtgraben umspülten und von Altmann geschaffenen Wallanlagen an -Stelle der ehemaligen Festungsumwallungen hin, die, umrahmt von -schönen Villen, mit den vor der Kontreskarpe belegenen Vorstädten -durch sechs nach den alten Stadtthoren benannten Übergängen verbunden -sind. Auf den Wallanlagen stehen das Stadttheater, die Kunsthalle mit -der Gemäldesammlung, meist von der Hand moderner Meister, und schönen -plastischen Kunstwerken, das Denkmal für die im Feldzuge 1870 bis -1871 gebliebenen Söhne Bremens, das Marmorstandbild des Astronomen -Olbers, die Büste Altmanns und Steinhäusers Marmorvase mit der -Reliefdarstellung des sogenannten „Klosterochsenzuges“. Am südlichen -Ende befindet sich ein kleiner Hügel mit schönem Blick auf die Weser -und die Neustadt, die Altmannshöhe. - -Jenseits des Stadtgrabens gelangt man in die von geschmackvollen -Häusern und Villen -- meist Einfamilienhäusern -- gebildeten neuen -Stadtteile mit schönen Kirchenbauten (St. Remberti, Methodistenkirche, -Friedenskirche), und Brunnen (Centaurbrunnen), sowie dem großen -Krankenhause (am Ende der mit Ulmen bepflanzten Humboldtstraße). Am -Körnerwall, nahe bei dem an der Weser sich hinziehenden Osterdeiche -steht ein Miniaturbronzestandbild Theodor Körners. In der Nähe des -geräumigen Hauptbahnhofes trifft man das städtische Museum für Natur-, -Völker- und Handelskunde, 1891–1893 erbaut, mit den vereinigten -städtischen Sammlungen, die äußerst sehenswert und sehr wertvoll -sind; daneben erhebt sich die Stadtbibliothek, ein holländischer -Renaissancebau, mit 120000 Bänden. Ueber dem Bahnhof hinaus führt der -Weg zum Herdenthorfriedhof und zu dem 136 Hektare großen, wundervoll -angelegten Bürgerpark mit herrlichen Waldpartien, Wildgehege, Meierei -und dem äußerst behaglichen Parkhause, das Wirtschaftszwecken dient. - -Der Freibezirk mit dem 7,8 Meter tiefen Freihafen liegt vor dem -Stephanithor, im Nordwesten der Altstadt, nahebei das Haus Seefahrt, -ein Asyl für alte Seeleute und deren Witwen, mit Fresken von Fitger -im Hauptsaale. Über dem Thorwege liest man die Inschrift: „~Navigare -necesse est, vivere non necesse est.~“ Am Freibezirk sind ferner eine -Reihe bedeutender gewerblicher Anlagen, so die Reparaturwerkstätten des -Norddeutschen Lloyd, die Werkstätten und Werft der Aktiengesellschaft -Weser, Reismühlen u. s. f. - -Die von 1622–1626 angelegte Neustadt weist keine große Besonderheiten -auf. Im Barockstil erbaut, erhebt sich dort am Weserstrom die aus dem -Ende des siebzehnten Jahrhunderts stammende St. Pauli-Kirche und die -1822 gegründete Seefahrtsschule. In der Neustadt befinden sich auch die -Kasernen. - -[Sidenote: Bremen. Vegesack. Worpswede.] - -Bremens Umgebung ist reich an großen und wohlhabenden Dörfern, -welche teilweise beliebte Ausflugsorte seiner Bevölkerung sind. -Mittels Dampfboot sowohl, als auch durch die Bahn ist das rechts -von der Weser befindliche, über 4000 Einwohner besitzende, von den -Landhäusern reicher Bremer Bürger umgebene Vegesack zu erreichen, mit -bedeutender Industrie (Schiffswerften, Bootsbauereien, Tauwerkfabriken, -Baumwollenspinnereien u. s. f.). Eine Fischereigesellschaft für -Heringsfischerei besteht hier ebenfalls. In der Nähe sind die schöne -Villen und Gärten besitzenden Orte Blumenthal und Rönnebeck. Auf -der Bahnfahrt nach Vegesack erblicken wir bei Oslebshausen die -große bremische Strafanstalt; bei Burglesum zweigt die Bahn nach -Geestemünde und Bremerhaven ab. Osterholz-Scharmbeck mit regem -gewerblichen Betriebe (Cigarren und Eisenwaren) an dieser Linie ist die -Eisenbahnstation für die Malerkolonie Worpswede. - -Letzteres ist ein freundlicher Ort am Weyersberge, von dessen mit -einem Denkmal des Moorkommissars Findorf geschmückten Höhe man einen -weiten Rundblick genießen kann. Wie eine Insel steigt die Erhebung aus -der weiten Ebene auf, die im Hintergrunde von den blauen Linien der -Geesthöhen begrenzt wird. Aus der Ferne winken die Türme der alten -Hansestadt an der Weser herüber. - -Den Künstlern, die dort schaffen, den „Worpswedern“, ist die Natur, -mit welcher sie dauernd zusammenleben, aufs innigste vertraut. „Und -doch ist nicht photographisch korrekte Wiedergabe, sondern die stark -persönliche Auffassung, das Temperament für diese Worpsweder Bilder -charakteristisch. Daher das Befremden des Beschauers, der ein solches -Bild der wohlbekannten heimischen Natur verlangt, wie er es sieht. -Daher die packende Wirkung auf den, welchem die Persönlichkeiten in -der Kunst (und vielleicht auch in Wissenschaft und Leben) alles sind. -Denn was uns sterblichen Menschen erreichbar und nötig, ist subjektive -Wahrhaftigkeit, nicht objektive Wahrheit“ (Gildemeister). - -Durch die so stimmungsvollen Bilder Fritz Overbecks, Fritz Mackensens, -Otto Modersohns und Heinrich Vogelers ist die landschaftliche Scenerie -um Worpswede weit in der Welt bekannt geworden. Freilich, wer etwas von -der Worpsweder Malerkunst sehen will, wird in München oder in Dresden -mehr davon finden, als in Worpswede selbst. „Was dort sichtbar ist,“ -sagt Gildemeister, „sind die Ateliers der Maler -- von außen.“ - -[Illustration: Abb. 150. ¯Kaiserstraße in Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -[Sidenote: Geestemünde. Bremerhaven.] - -An Oldenbüttel und Stubben, sowie an Loxstedt mit seiner großen -Torfstreufabrik vorbei wird die hannoversche Stadt Geestemünde am -linken Ufer der Geeste, die hier in die Weser mündet, erreicht. -Der 17500 Einwohner besitzende Ort ist 1857 von der hannoverschen -Regierung angelegt worden, um Bremerhaven Konkurrenz zu machen, von -dem es nur das Geesteflüßchen trennt. Geestemünde verfügt über einen -geräumigen Hafen, 506 Meter lang, 117 Meter breit, mit hydraulischen -Hebevorrichtungen u. s. f., der mit der Weser durch einen Vorhafen -und eine mächtige Kammerschleuse mit Ebbe- und Flutthoren, die 67 -Meter lange Schiffe aufnehmen kann, betreibt ferner eine aufblühende -Hochseefischerei und besitzt Schiffswerften und Trockendocks (Abb. 117). - -Bremerhaven ist an der Stelle der alten schwedischen Feste Karlsburg -entstanden, die Karl ~XII.~ 1673 durch seinen Artillerieobersten Melle -anlegen ließ. Dahinter sollte sich eine neue Handelsstadt mit Namen -Karlsstadt erheben, von der bereits einige wenige Häuser standen, -als ein vereinigtes Korps von Dänen, münsterischen, cellischen und -wolfenbüttelischen Truppen vor Karlsburg erschien, dasselbe belagerte -und größtenteils zerstörte. Ein späterer Wiederherstellungsversuch -scheiterte, und die furchtbare Weihnachtsflut im Jahre 1717 that den -Rest. Durch Vertrag vom 11. Januar 1827 trat Hannover das Gebiet des -heutigen Bremerhavens an Bremen ab (für 73658 Thaler 17 Groschen -1 Pfennig), wofür Bremen sich verpflichtete, hier einen Seehafen -anzulegen. Bald darauf fing man an, und am 12. September 1830 lief als -erstes Schiff das amerikanische Fahrzeug Draper im neuen Hafen ein. -Dem damaligen Bürgermeister Smidt von Bremen hat man im Jahre 1888 auf -dem Markte des von ihm gegründeten 1853 zur Stadt erhobenen Ortes ein -Denkmal aufgerichtet. - -[Sidenote: Bremerhaven. Wesermündung.] - -Das rasche Emporblühen Bremerhavens ist aufs innigste verknüpft -gewesen mit dem großen Aufschwung, den Bremens Handel seit 50 Jahren -genommen hat, wie wir weiter oben schon betont haben. Zur Zeit hat -die Bevölkerung der Stadt die Zahl von 20000 Menschen erreicht. Drei -mächtige, durch Deiche gegen Sturmfluten wohlgeschützten Dockhäfen, der -Alte Hafen (jetzt 730 Meter lang und 100 Meter breit) südlich belegen -und 1830 in Betrieb genommen, der 1851 eröffnete Neue Hafen in der -Mitte (840 Meter lang und 100 Meter breit) und als nördlichster der -1876 dem Verkehr übergebene Kaiserhafen, der 1897 bedeutend vergrößert -worden ist und den größten Schiffen Einfahrtsgelegenheit bietet -- -die neue Kaiserschleuse hat eine Länge von 215 Meter, 26 Meter Breite -und 10,56 Meter Tiefe -- bilden die 34 Hektare große Wasserfläche des -Hafens. Zum Freihafengebiete, das nach dem Anschluße Bremens an den -Zollverein geblieben ist, gehören der Kaiserhafen und der nördliche -Teil des Neuen Hafens. - -[Illustration: Abb. 151. ¯Seesteg in Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -Bremerhaven ist mit breiten und regelmäßigen Straßen angelegt. Die -etwa 70 Meter hohe Turmspitze seiner schönen, gotischen Kirche dient -weithin auf der Weser dem Schiffer als Wahrzeichen (Abb. 118). Von -großem Interesse ist auch ein Besuch im 1849 erbauten Auswandererhause, -das zur Aufnahme der Auswanderer vor ihrer Einschiffung dient und von -mustergültiger Einrichtung ist. Es kann 2000 Auswanderer zugleich -beherbergen. - -„Meine Besuche dieses Hauses,“ so erzählt Hermann Allmers, „gehören -zu den interessantesten Erinnerungen meines Lebens, und manche Stunde -schon trieb ich mich umher unter dem bunten Gewimmel, das von unten bis -oben seine Räume füllte, mischte mich unter die Gruppen der Männer und -Frauen, frischen Burschen und rosigen Mädchen, redete freundlich mit -ihnen und fragte sie wohl mit Freiligrath: - - O sprecht! warum zogt ihr von dannen? - Das Neckarthal hat Wein und Korn; - Der Schwarzwald steht voll finstrer Tannen, - Im Spessart klingt des Älplers Horn. - -Da hab’ ich denn manch tiefen Blick ins Menschenherz gethan, war’s -nun in ein hoffnungsfreudiges oder in ein armes, halb verzweifelndes, -und oft Niegeahntes hab’ ich vernommen.“ Unmittelbar grenzt im Norden -Bremerhavens der hannoversche Flecken Lehe mit 22000 Einwohnern an -die Stadt. Sowohl die Eisenbahn als auch eine teilweise elektrisch -betriebene Straßenbahn verbinden beide Orte miteinander. Die Einfahrt -in die Unterweser wird durch starke Befestigungen beherrscht, die auf -beiden Seiten des Stromes aufgeworfen sind. Sieben Leuchttürme, zwei -Leuchtschiffe und mehrere Leuchtbaken bezeichnen zur Nachtzeit das -Fahrwasser des Weserstromes. Der Hohewegsleuchtturm und derjenige auf -Rotesand sind besonders erwähnenswert. Der erstere von beiden erhebt -sich im Dwarsgatt, und seine Laterne leuchtet aus einer Höhe von 35 -Metern über das Wasser. Der Rotesandleuchtturm im offenen Meere wurde -1885 fertiggestellt und steht 14 Meter tief im Sande auf Caissons. Sein -Laternendach erhebt sich 28,4 Meter über Hochwasser. Beide Leuchttürme -sind mit Telegraphenstationen versehen. - -[Sidenote: Osterstade.] - -Nördlich von Bremen, zwischen Lesum und Neuenkehn, tritt die Geest -an das rechte Weserufer heran, alsdann begrenzt wiederum Marschland -in der Breite von 5–7 Kilometer und mehr den Strom. Dieser schmale -Marschstrich zerfällt in das Land Osterstade im Süden, etwa von -Rade im Amte Blumenthal an bis zum Lande Wührden. Osterstade gehört -zu Hannover, das nicht einmal eine Quadratmeile große Land Wührden -dagegen ist oldenburgisches Gebiet. Dann folgt nördlich von Wührden das -hannoversche Vieland, ein schmaler, aber sehr fruchtbarer Marschrand, -der sich bis zum Geestefluß hinzieht. Die vier sehr wohlhabenden -Dörfer, die dazu gehören, liegen alle auf der Geest selbst. Daran -schließt sich wiederum weiter nach Norden zu das uns bereits bekannt -gewordene Gebiet von Geestemünde und Bremerhaven, und dann kommt -schließlich als nördlichstes der Marschlande am rechten Weserufer das -Land Wursten. - -[Illustration: Abb. 152. ¯Ausblick von den Dünen in Norderney.¯] - -Osterstade -- der Name will so viel besagen als das östliche -Stedingerland -- unterscheidet sich eigentümlich auf den ersten -Blick von den meisten Marschlanden. „Es trägt den Charakter einer -einzigen weiten, üppiggrünen, von zahllosen Wassergräben nach allen -Richtungen durchschnittenen Ebene, die, als fast durchweg kräftiges -Weideland, von tausend buntscheckigen Rindern belebt wird. Hier und -dort inmitten der weiten grünen Flächen ein paar Kornfelder; alle -halbe Stunde ein buschreiches Dorf, meistens in der Nähe des Deiches, -und endlich die großen Bauernhöfe, nicht wie in anderen Marschen -einzeln umhergestreut, sondern fast alle im Weichbilde der Dörfer -selbst liegend, die dadurch ein stattliches Ansehen erhalten. -- Außer -den Bäumen, welche die Häuser beschatten, und außer einer langen -Reihe hoher Weiden der äußeren Deichbärme trifft das Auge selten auf -Baumwuchs, da die Wege hier nicht, wie in anderen Marschen mit solchen -bepflanzt sind.“ So beschreibt Hermann Allmers seine engere Heimat! -Bei Alisni, dem jetzigen Dorfe Alse im oldenburgischen Kirchspiele -Rodenkirchen, überschritt Karl der Große 797 die Weser und betrat -Osterstade beim Dorfe Rechtenfleth, das, nebenbei bemerkt, Hermann -Allmers’ Wohnsitz ist. Von hier aus zog er über Stotel nach Bederkesa -und von dort ins Hadelner Land, dessen sächsische Bewohner er nach -hartnäckigem Widerstand bezwang. Nahe bei Bederkesa wurde im Jahre -1855 eine lange Holzbrücke im Moor entdeckt, wie man meint, ein -Denkmal dieses Heereszuges. Von den männlichen Bewohnern wird hier, -wie übrigens auch noch in anderen Marschgebieten, der Springstock, in -Osterstade „Klubenstock“ benannt, benützt, den wir schon bei den Bauern -Eiderstedts kennen gelernt haben. Im Süden Osterstades herrscht das -rein niedersächsische Element vor, im Norden das gemischt friesische, -in Wührden dagegen tritt das Friesische im Gesichtstypus, im Charakter -und in dem Namen der Bewohner schon ungleich merklicher hervor und läßt -den Wührdener schon bedeutend derber, selbständiger und entschlossener -auftreten, als seinen südlichen Nachbar, den Allmers, dem wir hier -weiter folgen, als den in politischer Hinsicht allerzahmsten, -gleichgültigsten und allerloyalsten sämtlicher Marschbewohner -schildert. In Wührden und in den Marschen der nördlich davon in die -Weser mündenden Lune ist reger Ziegeleibetrieb, da der schwarze -Marschthon sich sehr gut dazu eignet und sehr harte und dauerhafte -Mauersteine liefert, die fast durchweg von Arbeitern aus dem Lippeschen -hergestellt werden. - -[Sidenote: Vieland. Wursten.] - -Das Vieland -- vom altfriesischen, mit „Sumpf“ gleichbedeutendem Worte -„Vie“ -- ist die Übergangsregion von der Fluß- zur Meeresstrandflora. -Das Rohr nimmt ab, und dafür zeigen sich das Löffelkraut und andere -Pflanzen des Meeresstrandes. In landwirtschaftlicher Beziehung steht -dieser kleine Marschdistrikt oben an. Die Nähe von Bremerhaven, -Geestemünde und Lehe, der vortrefflichen Absatzgebiete für die Produkte -des Vielandes, trägt ungemein viel zu dessen stetig wachsendem -Wohlstande bei. - -[Illustration: Abb. 153. ¯Im Bade von Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -[Sidenote: Land Wursten.] - -Das Land Wursten ist fast gänzlich von Seemarsch gebildet, doch -tritt in seinem nördlichen Teil, der vom Hamburger Amte Ritzebüttel -eingenommen wird, die Geest bis an den Elbstrom heran. Die Marsch -Wurstens grenzt unmittelbar an das Geestland, deutliche Randmoore -fehlen hier. Dem südlichen Teil des Landes liegt auf dem linken -Weserufer der Langlütjensand gegenüber, vor dem mittleren und -nördlichen Teile desselben breiten sich weitausgedehnte Watten aus. -Besonders fest ist der Seedeich gebaut; in seiner jetzigen Stärke wurde -derselbe erst in den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts -errichtet und durch einen großen Umzug sämtlicher Bauern Wurstens -zu Pferd und zu Wagen, durch einen feierlichen Gottesdienst in der -Hauptkirche des Landes zu Dorum und durch ein Festessen eingeweiht. -„In seiner Grundfläche 160 Fuß breit und nahe an 30 Fuß in seiner Höhe -haltend, steht der Wurster Deich wohl als der stärkste Seewall der -Provinz Hannover da. An schönen Sommertagen auf ihm zu lustwandeln ist -einer der interessantesten Genüsse, gehoben durch die überraschenden -Kontraste des segeltragenden Flusses, des mövenumschwärmten Watts und -des fruchtbaren Landes mit seinen auffallend zahlreichen Kirchtürmen, -Höfen und Dörfern im wogenden Saatenmeere“ (Allmers). Wursten ist -3,97 Quadratmeilen groß (= 21797 Hektaren) und hat eine Bevölkerung -von 9000 Seelen, so daß auf die Quadratmeile 2264 Menschen kommen. -Dorum mit etwa 1850 Bewohnern ist sein Hauptort und liegt etwa in der -Mitte zwischen den vier südlichen Kirchspielen (Imsum, Wremen, Mulxum, -Misselwarden) und den vier nördlichen (Paddingbüttel, Midlum, Cappel -und Spieka). Die Kirchen sind klein und niedrig, an der Westseite -mit einem dicken stumpfen Turm versehen und aus einem cyklopischen -Mauerwerk von unbehauenen Findlingen aufgeführt. Der Boden Wurstens -ist heller und sandiger als in den oberen Weser- und Elbmarschen, -daher geeigneter zum Ackerbau, der die Haupterwerbsquelle der Bewohner -bildet; nur im Süden des Landes wird auch Viehzucht getrieben. Der Name -bedeutet so viel als das Land der auf den Wurten (Werften) sitzenden -Bauern, der „Wurtsassen“, „worsati“ der lateinischen Schriftsteller, -und des Plinius bekannte Beschreibung von unserer Nordseeküste paßt -ganz für die ersten Ansiedelungen der Wurster, die sich schon in -frühen Zeiten zu einem kühnen Seeräubervolk ausgebildet hatten. Die -Bevölkerung ist rein friesischer Abkunft, und noch bis in die Mitte des -achtzehnten Jahrhunderts hinein hatte sich in Wursten die friesische -Sprache erhalten, die jetzt nur noch in den Namen der Einwohner und -der Ortschaften klingt. Von den alten Rechten der Wurster ist noch -vielerlei erhalten geblieben, so die Landesversammlung zu Dorum, welche -die Verwaltung der inneren Angelegenheiten des Landes, wie das Deich- -und Sielwesen zu regeln hat. - -[Illustration: Abb. 154. ¯In den Dünen von Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -Zwei große Übelstände im Lande Wursten, die sich übrigens auch in -den übrigen Marschlanden mehr oder weniger fühlbar machen, sind das -Marschfieber und der Mangel an gutem Wasser, so daß besonders in -letzterer Hinsicht Winterkälte und dürre Sommer große Not hervorrufen. - -Ihre besondere Freiheitsliebe und ihren großen Unabhängigkeitssinn -haben die Wurster von alters her in vielen Kriegen bewährt, die -meist von seiten der Bremer Erzbischöfe zu ihrer Unterwerfung gegen -sie geführt worden sind, und selbst schreckliche Niederlagen, die -sie erleiden mußten, und die argen Verwüstungen ihres Landes durch -den Feind (1516 und 1526) hielten sie nicht ab, den Kampf für ihre -Selbständigkeit immer wieder von neuem zu beginnen. In der Mitte des -sechzehnten Jahrhunderts trat in der Geschichte des Landes Wursten ein -Wendepunkt ein. Des langen Haders und Kämpfens müde, entschlossen sie -sich, dem Bremer Erzbischof billige Steuern zu zahlen, der dafür ihre -Rechte anerkannte und gewährleistete. Später kam Wursten dann unter das -schwedische, hierauf unter das dänische Scepter, im Jahre 1715 aber -unter den Schutz des Kurhuts von Hannover. Seither hat es die Geschicke -dieses letzteren Landes geteilt. - -[Sidenote: Cuxhaven. Das Land zwischen Weser und Ems.] - -Eine 44 Kilometer lange Eisenbahnlinie verbindet nunmehr, das Land -Wursten durchziehend, Geestemünde über Lehe, Imsum, Dorum u. s. f. mit -Cuxhaven. Letzteres ist ein emporstrebender Flecken im hamburgischen -Amte Ritzebüttel und seit 1872 mit dem gleichnamigen letzteren Orte -vereinigt. Gegenwärtig zählt es 6200 Einwohner, verfügt über große im -letzten Jahrzehnt erbaute Hafenanlagen (Anlegestelle für die Dampfer -der Hamburg-Amerika-Linie), eine Lotsenstation und hat zugleich auch -ein früher vielbesuchtes, später durch die Konkurrenz der Seebäder -auf den ostfriesischen Inseln etwas herabgekommenes, neuerdings aber -wieder im Aufschwung begriffenes Seebad (Abb. 88 u. 89). Am Ende -der Alten Liebe, der Strandpromenade Cuxhavens, steht ein 25 Meter -hoher Leuchtturm; draußen an den äußersten Mündungen der Elbe erheben -sich zwei weitere Leuchtfeuer auf der kleinen Marschinsel Neuwerk, -nordwestlich von dieser bezeichnet die „Rote Tonne“ die Einfahrt in -den Strom. Starke Küstenbefestigungen etwas nördlich von Cuxhaven -verteidigen diese letztere. Ganz an der Nordspitze des Landes liegen -endlich noch die kleinen unbedeutenden Orte Döse auf Marschland und -Duhnen auf Geest, in welchen in neuerer Zeit Kinderhospize entstanden -sind. - - - - -~XVI.~ - -Das Küstengebiet Oldenburgs und Ostfrieslands. Die ostfriesischen -Inseln. - - -Ein schmales Band Landes trennt die Weser vom Jadebusen. Es hat einmal -eine Zeit gegeben, in der die Weser in mehrere Arme geteilt sich in die -Nordsee ergoß und im Westen des gegenwärtigen Stromes die Entwickelung -einer großen Deltabildung verursacht hatte. Das war in den Tagen, da -der Jadebusen noch festes Land war, und bevor noch die Meeresfluten -das Land Rustringen durchbrochen und diese 190 Quadratkilometer große -Meereseinbuchtung geschaffen hatten, deren heutige Gestaltung erst -in historischer Zeit vollendet worden ist. Soll doch die sogenannte -Eisflut vom 17. Januar 1511 noch fünf Kirchspiele mit Mann und Maus -alldort verschlungen haben. - -Durch spätere Anschlickung, Verschlemmung und wohl auch durch -die Arbeit fleißiger Menschenhände ist dieses Weserdelta in der -Gegenwart verschwunden, wenn auch die einzelnen Arme desselben in der -orographischen Beschaffenheit des Landes sich noch nachweisen lassen. -Die Weser fließt heutzutage als ein breiter Strom nach der Nordsee, -dessen Fahrwasser sich dicht an der Küste Oldenburgs hinzieht, hier -und dort mit Sanden und Platen in ihrem Bette, wie beispielsweise die -Strohauser Plate, die Luneplate u. s. f. Bei Geestemünde hat der Strom -bereits eine Breite von 1325 Meter. Nordwestlich von Bremen legen sich -die Marschen des Stedinger Landes an das linke Weserufer, denen weiter -nördlich diejenigen des Stadlandes, und nach diesen das Butjadingerland -folgen. Dem Nordosten und dem Norden der Halbinsel zwischen Weser und -Jade lagern sich Watt- und Sandbildungen vor, der uns schon bekannte -Langlütjensand im Osten, das Solthörner Watt, der Hohe Weg und die -Alte Mellum im Norden. Westlich wird dieses Areal vom Jadebusen selbst -und dann weiter nach Süden von großen Mooren umrandet. Derjenige Teil -des Großherzogtums Oldenburg, der in das Bereich unserer Betrachtungen -fällt und südlich etwa von der Bahnlinie begrenzt wird, welche von der -Landeshauptstadt nach Leer führt, besteht aus Geestland (Ammerland) -mit der Wasserfläche des Zwischenahner Meeres und daran liegenden -großen Moorgebieten (Jührdener Feld), während die östliche Grenze -des Oldenburger Küstenlandes in seinem südlichen Teil vom Lengener -Moor bezeichnet wird, das mit dem großen Hochmoor Ostfrieslands im -Zusammenhang ist. Der an der Jade belegene nördliche Teil besteht -wiederum aus Alluvionen. Es ist das Jeverland. - -Moore in überwiegendem Maße und dann Geest setzen Ostfrieslands Boden -zusammen, der im Norden und Westen, an der See, am Dollart und am -äußeren Mündungstrichter der Ems von Marschen und diesen vorgelagerten -Watten umsäumt wird, über welchen hinaus die Wellen der Nordsee das -Band der ostfriesischen Inseln bespülen. - -Bäche und Flüsse in großer Zahl entwässern das ganze Areal zwischen -Weser und Ems, von denen die an der Stadt Oldenburg vorbeiziehende und -bei Elsfleth in die Weser fallende Hunte und die unweit von Leer in die -Ems sich ergießende Leda die beiden bedeutendsten sind. Auch der 22 -Kilometer lange Küstenfluß der Jade, welcher aus dem Vareler Hochmoor -kommt und sich in den gleichnamigen Meerbusen wirft, mag hier noch -erwähnt werden. - -[Sidenote: Stedingen. Stadland. Butjadingen.] - -Das Stedinger Land besteht aus sehr tiefliegenden und vielfach den -Überschwemmungen ausgesetzten Marschen, in denen viel Hafer, Hanf -und Weiden gebaut und kultiviert werden, letztere um als Korbweiden, -Faßbänder, zu Schlengen u. s. f. Verwendung zu finden. Die Entwässerung -des Landes wird von großen, aus Steinen gebauten und einer Anzahl -kleinerer wasserhebender Windmühlen besorgt. Großer Reichtum herrscht -im Stedinger Lande nicht, dagegen ist aber auch kaum wirkliche Armut -unter der dortigen, äußerst intelligenten, soliden und wohlgesitteten -Bevölkerung zu finden, die ein beträchtliches Kontingent der Seeleute -für die Weserhäfen abgibt. Wer nicht Landmann oder Handwerker ist, -fährt zur See. Am Einfluß der Hunte in die Weser liegt an der Eisenbahn -von Hude, einem Knotenpunkt an der Linie Bremen-Oldenburg-Leer, nach -Nordenham, die kleine Stadt Elsfleth, wo früher ein wichtiger Weserzoll -erhoben wurde, ein Schiffbau, Schiffahrt und Handel treibender Ort mit -Navigationsschule. Hier schiffte sich am 7. August 1809 der Held von -Olfers und von Quatrebras, Herzog Wilhelm von Braunschweig, mit dem -Häuflein seiner Getreuen am Schlusse seines Zuges durch das vom Feinde -besetzte deutsche Land ein. Eine gotische Steinpyramide erinnert an -diese Begebenheit. - -Zwischen der Hunte und dem Südrande des Stadlandes heißt das Land -Moorriem, zu dem Elsfleth eigentlich schon gehört. Etwa elf Kilometer -nördlich von dieser Stadt erscheint Brake (mit über 4000 Einwohnern), -Station der Bahn nach Nordenham und durch eine Zweigbahn mit -Oldenburg verbunden, eine gewerbreiche und viel Schiffahrt treibende -Hafenstadt, in den Jahren 1848 und 1849 die Hauptstation der deutschen -Kriegsflotte, in früherer Zeit ein wichtiger Ausfuhrort für das nach -England verschiffte Butjadinger Vieh, worin ihm nun Nordenham den Rang -abgelaufen hat. - -Stadland trägt den Charakter der Flußmarsch, während Klima und -Strandflora die Marschen Budjadingens als völlige Seemarsch -kennzeichnen, die rings vom Salzwasser bespült werden. Auch hier steckt -im Untergrunde des Bodens jener kalkreiche Schlick, wie in der Hadelner -Marsch, den man ebenfalls zur Aufbesserung der Bodenoberfläche benützt, -indem man denselben heraufbringt, eine Arbeit, die hier „wühlen“ -genannt und etwas anders ausgeführt wird, als in den Elbmarschen. -Stadland treibt mehr Viehzucht als Ackerbau, in Butjadingen herrscht -letzterer vor. Die Marschhöfe sind gut gepflegt, und die Wohnstätten -sind nicht nur zu zahlreichen kleinen Dörfern vereinigt, sondern auch -als Einzelhöfe, dann aber fast immer an den Hauptstraßen des Landes -reihenweise angeordnet, vorhanden. Die Bauart der Häuser ist meist -die uns schon als Hauberg, hier „Berg“ genannt bekannt gewordene. -Butjadingen und Stadland gehörten zu dem durch die Meeresfluten -teilweise verschlungenen Land Rustringen, einem der sieben zu einem -Bunde vereinigten friesischen Seelande, die ihre Versammlungen bei -Aurich unter dem Upstallsboom abhielten. - -[Illustration: Abb. 155. ¯Leuchtturm von Norderney.¯ - -(Nach einer Photographie von E. Risse in Norderney-Bochum.)] - -[Sidenote: Nordenham. Delmenhorst. Neuenburger Urwald.] - -Golzwarden, in der Geschichte des Landes viel genannt, Rodenkirchen -mit seiner alten Kreuzkirche und Atens, wo die erste der von den -Bremern erbauten Zwingburgen sich erhob, sind wichtige Orte unseres -Gebietes. Bei Atens liegt das durch eine Dampffähre mit Geestemünde -in Verbindung stehende Nordenham, ein Hochseefischereihafen. Die -dortige Dampffischereigesellschaft „Nordsee“ hat in den drei ersten -Monaten des Jahres 1900 2100500 Kilogramm Seefische auf den Markt -gebracht (im gleichen Zeitraume 1899 1648000 Kilogramm), was etwa dem -Schlachtgewicht von 21000 fetten Schweinen entsprechen würde. Blexen, -Burhave, an dessen Kirchenmauer das alte Rustringer Landesmaß, eine -Rute von 22 Fuß Länge, eingehauen ist, und Langwarden befinden sich -noch weiter nördlich. Beim letztgenannten Orte wendet das Land um, und -über die Kirchdörfer Tossens, Eckwarden, Stollhamm und Seefeld kommen -wir längs der durch starkes Mauerwerk von hartgebrannten Ziegeln und -sonstige Befestigungsmittel geschützten mächtigen Deiche am Ufer der -Jade nach dem freundlichen, 5000 Seelen zählenden Städtlein Varel, -das bedeutende Fabriken, so Spinnereien, Webereien, Färbereien, auch -Eisengießereien und Maschinenfabriken, außerdem Viehhandel hat und -ebenso regen Schiffsverkehr in seinen vom Vareler Siel gebildeten Hafen -betreibt. - -Die direkte Bahnverbindung von Bremen nach Varel führt über Delmenhorst -nach Oldenburg. Hier zweigt der Schienenstrang nach Wilhelmshaven ab, -welcher Varel berührt. - -[Illustration: Abb. 156. ¯Juist.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Das industriereiche Delmenhorst mit über 12500 Einwohnern, an der -Delme, liegt zwölf Kilometer westlich von Bremen und hat große -Cigarren- und Korkfabriken. Im Amte Delmenhorst selbst gibt es viele -Korkschneidereien. Auch die Linoleum-Industrie Delmenhorsts ist von -großer Wichtigkeit. Bei Grüppenbühren befindet sich der berühmte -Eichenwald Hasbruch, der zusammen mit dem Urwald von Neuenburg im -Jadegebiete im nördlichen Deutschland seinesgleichen sucht. „Echt -urwaldschauerlich weht es uns an,“ wenn wir diesen prächtigen Wald -mit seinen urgewaltigen Stämmen betreten, deren es so gewaltige gibt, -daß sechs Männer sie kaum umklaftern können. Nach den Jahresringen -zu urteilen, waren mehrere dieser Eichenbäume, welche gefällt werden -mußten, 1000–1100 Jahre alt, reichten also auf die Zeit Karls des -Großen heran. Und diese gefällten Eichen waren nicht einmal die -größten. Das in der Nähe liegende Hude ist seiner großartigen Ruine -der ehemaligen, im Jahre 1538 durch den bischöflich münsterischen -Drosten Wilke Steding zerstörten Cisterzienserabtei wegen berühmt, ein -frühgotischer Ziegelbau aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts. - -[Sidenote: Oldenburg.] - -Oldenburg, die Haupt- und Residenzstadt des Landes, an der hier -schiffbaren Hunte und am Hunte-Ems-Kanal, sowie an einer Anzahl nach -den verschiedensten Richtungen hinführender Bahnlinien belegen, -zugleich bedeutender Garnisonsort, zählt gegenwärtig 26000 Einwohner. -Im Südosten der Stadt erhebt sich das Schloß des Großherzogs, das -schöne Gemälde und Fresken und mancherlei sehenswerte Kunstschätze -enthält, auch eine reichhaltige Bibliothek sowie verschiedene -Sammlungen. Besonders gerühmt werden die schönen Anlagen des -Schloßgartens. Im Augusteum ist eine treffliche Gemäldesammlung -älterer, besonders zahlreicher niederländischer Meister aufgehängt, die -Sammlungen des Museums gewähren einen vortrefflichen Einblick in die -Natur- und die älteste Kulturgeschichte Oldenburgs. Die ehrwürdige, aus -dem dreizehnten Jahrhundert stammende, nunmehr renovierte fünftürmige -Lambertikirche steht am Markt und ist das älteste Gotteshaus der -Stadt, deren neuere Viertel von schönen Villen bebaut sind. Das 1891 -abgebrannte und im verflossenen Jahrzehnt neu aufgeführte stilvolle -Theatergebäude mag hier ebenfalls Erwähnung finden. Oldenburg betreibt -lebhaften Handel und Schiffahrt, seine Pferdemärkte sind von großer -Bedeutung und werden von weither besucht (Abb. 119–122). - -Auf der Bahnfahrt zwischen Oldenburg und Varel kommen wir an der -kleinen Ortschaft Rastede mit einem reizend gelegenen großherzoglichen -Schlosse aus dem achtzehnten Jahrhundert in schattigen Parkanlagen -vorbei. Hier stand früher ein Benediktinerkloster. In Rastede pflegt -der Landesfürst einen Teil des Sommers zuzubringen. - -[Illustration: Abb. 157. ¯Juist. Strand und Giftbude.¯ - -(Nach einer Photographie von Römmler & Jonas in Dresden.)] - -Nördlich von dem uns schon bekannten Varel finden wir am Jadebusen -auf einem Dünenvorsprung das Seebad Dangast, eine der wenigen Stellen -an der ganzen Nordseeküste, an denen die künstliche Eindeichung -unterbrochen ist. Draußen im Jadebusen liegt die Insel Arngast, die -viel und stark von den Fluten heimgesucht worden ist und früher ein -ansehnliches Dorf und grüne Weiden getragen hat. Nördlich davon, nahe -dem Westrande des Busens, sind kleine uneingedeichte Schollen alten -Marschlandes, echte Halligen, im Winter unbewohnt und nur im Sommer von -Hirten mit ihren Schafherden aufgesucht, die Oberahnschen Felder. - -Westlich von Varel, bei dem durch eine 19 Kilometer lange Zweigbahn mit -diesem verbundenen Neuenburg, steht ein ähnlicher Urwald, wie derjenige -von Hasbruch, der wundervolle Baumgruppen enthält und einen Flächenraum -von etwa 30 Hektaren bedeckt, eine der ältesten Waldungen Deutschlands. - -Die von Varel nach Wilhelmshaven ziehende Bahnlinie berührt Sande, -den Knotenpunkt für die nach Wittmund oder nach Karolinensiel in -Ostfriesland führenden Strecken, die sich wiederum in Jever verzweigen. - -[Sidenote: Wilhelmshaven.] - -Wilhelmshaven, gegenwärtig 28000 Einwohner zählend, ist eine neue -Stadt und die deutsche Marinestation der Nordsee, am in seinen inneren -Teilen flachen, hier aber unseren größten Kriegsschiffen Einfahrt -gestattenden Jadebusen. Als Preußen 1853 das Gebiet zur Anlage von -Wilhelmshaven von Oldenburg erwarb, zählte dasselbe 109 Einwohner auf -340 Hektaren. Mit der zunehmenden Bedeutung, die unsere Marine durch -die Gründung des Reiches erlangt hat, hat sich auch Wilhelmshavens -Weichbild mehr und mehr gehoben. Die großartigen Hafenanlagen zerfallen -in den im Südwesten der Stadt belegenen Neuen Hafen, der eine Fläche -von 70000 Quadratmeter umfaßt und 8 Meter Tiefe hat. Derselbe dient -für die in Dienst gestellten Kriegsschiffe und hat eine besondere für -die Torpedoboote bestimmte Abteilung. Eine 174 Meter lange Schleuse -verbindet den Neuen Hafen mit der 1886 eröffneten Neuen Einfahrt. Im -Westen mündet der Ems-Jade-Kanal, von dem noch später die Rede sein -wird, vermittelst einer 50 Meter langen und 7,5 Meter breiten Schleuse -in diesen Hafen. - -Nördlich vom Neuen Hafen treffen wir auf den Ausrüstungshafen, der -sich in einer Länge von 1168 Meter bei 136 Meter Breite ausdehnt und -mit dem vorgenannten in Verbindung steht. Eine 48 Meter lange Schleuse -führt von hier in den Vorhafen und dann durch die Alte Einfahrt in -die Jade hinaus. Der Bauhafen (377 Meter lang, 206 Meter breit) mit -Trockendocks, je zwei zu 138 Meter und eines zu 120 Meter Länge, -schließt sich im Westen an den Ausrüstungshafen an. Die Hafenanlagen -sind von den zahlreichen Gebäuden der kaiserlichen Werft umgeben, auf -welcher eine Anzahl unserer achtungsgebietenden Kriegsschiffe vom -Stapel gelaufen sind, und die in Zukunft wohl noch weitere solcher Art -erbauen wird (Abb. 123–125). Der deutsche Michel ist ja in diesen Tagen -erwacht und hat begriffen, was der Große Kurfürst einmal in den Worten: -„Schiffahrt und Handelung sind die fürnehmsten Säulen des Estats“ -ausgedrückt hat. - - Michel, horch, der Seewind pfeift, - Auf und spitz’ die Ohren! - Wer nicht jetzt ins Ruder greift, - Hat das Spiel verloren. - Wer nicht jetzt sein Teil gewinnt, - Wird es ewig missen, - Michel, horch, es pfeift der Wind, - Segel gilt’s zu hissen! - - Denk des Ruhms vergangner Zeit - Und der alten Lehre: - Volkes Wohl und Herrlichkeit - Blüht auf freiem Meere. - Schläfst du wieder, altes Kind? - Hurtig aus den Kissen! - Hurtig auf, ins Boot geschwind, - Segel gilt’s zu hissen! - - (Gottfried Schwab.) - -Zweier Denkmäler, die in Wilhelmshaven errichtet worden sind, sei hier -noch kurz gedacht, desjenigen des Prinzen-Admiral Adalbert von Preußen, -von Schuler entworfen und 1882 enthüllt, vor der Elisabethkirche, und -des vom gleichen Künstler modellierten Monuments Kaiser Wilhelms ~I.~, -im Jahre 1896 eingeweiht. Heppens im Norden und Bant im Westen der -Stadt Wilhelmshaven befinden sich bereits auf oldenburgischem Grund -und Boden. Wilhelmshaven wird nach der Land- und der Seeseite zu von -starken Befestigungen verteidigt. - -Das Jeverland (Wangerland), das bis 1575 eine selbständige Herrschaft -bildete und seit 1818 unter der Oberhoheit Oldenburgs steht, breitet -sich nördlich von Wilhelmshaven bis an das Gestade der Nordsee aus. -Jever, an einem nach Hooksiel führenden schiffbaren Kanale, mit 5300 -Einwohnern, ist die Hauptstadt dieses Gebietes. Das Schloß ist der -herrlichen im Renaissancestil gehaltenen Decke seines Audienzsaales -wegen berühmt. Die Heimat der „Getreuen“ ist zugleich auch der -Geburtsort des großen Historikers Schlosser (1776 bis 1861) und -des bekannten Chemikers Mitscherlich (1791 bis 1863). Beiden hat -ihre Vaterstadt Denkmäler gesetzt. Hooksiel am Jadebusen besitzt -Schiffswerften und betreibt Schiffahrt. - -[Sidenote: Von Oldenburg nach Leer.] - -Über die reichbewaldete Geest, nur hier und da die vom Süden -herantretenden Moorflächen berührend, zieht die Bahnlinie von -Oldenburg nach Leer am schönen Zwischenahner Meer vorbei, das von -einem Dampfer befahren wird und ein beliebtes Ausflugsziel der -Bewohner der Landeshauptstadt bildet. Dann folgt Ocholt mit einer nach -dem Geestorte Westerstede führenden Zweigbahn. Noch bevor wir die -Landesgrenze überschreiten, erscheint Augustfehn im Lengener Moor mit -seinem 4 Kilometer langen, etwa 6 Meter Sohlbreite und 1,5 Meter Tiefe -besitzenden Kanal. Diese Fehnkolonie gedeiht besonders durch die dort -im Jahre 1856 gegründete und mit Torf heizende Eisenhüttengesellschaft. -Südlich dehnt sich das Saterland aus. Während Moor und Geestland die -Bahnlinie im Norden begrenzen, zeigen sich allmählich im Süden die -Alluvionen der Jümme, durch welche dieser Fluß sich hindurchwindet, der -sich eine Meile oberhalb Leer mit der Leda vereinigt. - -[Illustration: Abb. 158. ¯Borkum, von der hohen Düne gesehen.¯ (Nach -einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Ostfriesland.] - -Ostfriesland bildet in politischer Beziehung den Regierungsbezirk -Aurich. Die einzelnen Teile Ostfrieslands tragen jedoch im Volksmunde -besondere Bezeichnungen. Im Norden und Osten von der Ems, im Westen -vom Dollart und der holländischen Grenze, südlich von dem Bourtanger -Moor umzogen breitet sich das Reiderland aus. Weener mit etwas über -3800 Einwohnern ist sein Hauptort, der Sammelplatz seiner Produkte, -mit Handel und Industrie, großen Baumschulen und weithin bekanntem -Pferdemarkt. - -Auf dem rechten Emsufer bis Oldersum und landeinwärts bis gegen -Oldendorf an der Westseite des Hochmoors heißt das Gebiet Moormer Land. -Zwischen Ems und der 2 Kilometer unterhalb in diese mündenden Leda -treffen wir als beträchtlichste Niederlassung dieses Gebiets die 11500 -Einwohner zählende Handels- und auch Industriestadt Leer an. Erst spät -hat sich der so günstig belegene Ort zum Handelsplatz entwickelt und -bis zur Mitte des achtzehnten Jahrhunderts wird er als solcher kaum -genannt. Schiffe bis zu 5 Meter Tiefgang können auf der Ems und Leda -bis zur Stadt gelangen und hier löschen (Abb. 126). Im Osten reicht -das kleine nur das eine Kirchspiel Remels (in alten Zeiten Uplengen -genannt) umfassende Lengener Land an das Moormer Gebiet. Besondere, -hier übliche Rechtsgebräuche lassen darauf schließen, daß es eine -sächsische Kolonie innerhalb des alten Friesenlandes ist. Nördlich von -Oldersum, zwischen Ems, Dollart und dem Emsbusen der Ley, folgt das -fast nur aus reinem Marschboden bestehende Emsiger Land. Seine Marschen -sind reich an Werften, auf denen sich die Bevölkerung angesammelt hat. -Einige derselben sind so klein, daß nur die dichtgedrängten Häuser -des Dorfes darauf Platz haben und die Gärten auf dem tiefer liegenden -Boden angelegt werden mußten. Den Marschgürtel Ostfrieslands begleitet -ein Streifen anmoorigen Bodens, das sogenannte Dargland, auf seiner -Innenseite, der wesentlich tiefer liegt als Marsch und Hochmoor, -aus welchem Grunde er auch mit zahlreichen Seenflächen besetzt ist, -beispielsweise das große Meer bei Wiegoldsbur nordöstlich von Emden. -Es sind im Darglande dieselben Verhältnisse, die wir im Sietlande -Hadelns bereits kennen gelernt haben. Im Winter ist das Ganze meist -überschwemmt. - -[Illustration: Abb. 159. ¯Borkum. Das Dorf.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -Noch bis in die zweite Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts hinein war -das heute vom Dollart eingenommene Areal ein etwa 400 Quadratkilometer -großes Land, darauf eine Stadt, drei Flecken und fünfzig Ortschaften -und Dörfer standen. Die Mehrzahl dieser Orte lag im nordöstlichen -Teil des Gebietes. Am 12. Januar 1277 fingen die Zerstörungen durch -die Meereswellen an, und die Flut von 1287 vollendete, was die -ersteren begonnen hatten. Von 1539 ab datieren die Versuche, dem -Ocean das entrissene Land wieder abzugewinnen, zunächst auf der -Seite Hollands, seit dem Ende des siebzehnten Jahrhunderts auch auf -der rechten Seite des Busens. 1682 wurde der Charlottenpolder, 1752 -der Landschaftspolder, gesegnete Marschländer, eingedeicht. Die Ems -floß vor dem Einbruch des Dollart mit einem Bogen von kurzem Radius -unmittelbar an der Stadt Emden vorüber, und die Seeschiffe konnten -vor ihren Thoren ankern. Als aber 1277 der hoch aufgestaute Fluß -die Halbinsel Nesserland zerriß und zur Insel machte, bevorzugten -die Gezeitenströme das nunmehr gerade gelegte Flußbett und spülten -die seitwärts gelegene Stromschlinge, das Emdener Fahrwasser nur -mangelhaft, so daß dort ein fataler Schlickfall die Wassertiefen rasch -und stetig verminderte. „Emden,“ sagt Krümmel, dessen Abhandlung über -die Haupttypen der natürlichen Seehäfen wir diese Mitteilungen entlehnt -haben, „stand damals, im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert, unter -den berühmten und blühenden Hansastädten vorn in erster Reihe, was es -dem Vorzug verdankte, daß die Schiffahrt auf der unteren Ems niemals -durch Eis behindert wird; der Tuchhandel nach England und die nordische -Fischerei auf Wale und Heringe beschäftigten über 600 große Seeschiffe, -und an Unternehmungsgeist und Reichtum übertraf es unzweifelhaft das -damalige Hamburg und Bremen. Der noch heute viel bewunderte Rathausbau -entstammt dieser goldenen Zeit.“ - -[Illustration: Abb. 160. ¯Strandstraße in Borkum, vom Leuchtturm -gesehen.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Emden.] - -Bei zunehmender Versandung des Flußarmes am Ende des sechzehnten -Jahrhunderts stellten die Emdener unter großen Kosten und mit vieler -Mühe den Zustand von 1277 vermittelst des langen Dammes „Neßmer Höft“ -wieder her. Die Ems wurde in ihr altes Bett zurückgeleitet, und -Nesserland wurde wieder zur Halbinsel. Im Verlaufe der Zeit waren aber -Emdens Bewohner durch verschiedene Umstände verhindert, das Neßmer -Höft zu erhalten. Dasselbe verfiel und wurde im Jahre 1632 aufgegeben. -Infolgedessen suchte der Fluß abermals sein geradeaus führendes Bett -auf, das alte, an Emden vorbeiziehende verschlickte, und so liegt -die Stadt denn heutzutage etwa 4 Kilometer von der Ems entfernt. -Der kurze Aufschwung von Handel und Schiffahrt, den Emden nach dem -Frieden zu Basel 1795 erleben durfte, nahm durch die Kriege mit -Napoleon, die Kontinentalsperre, die holländische und die französische -Fremdherrschaft ein rasches Ende. Während dieser Zeiten wurden 278 -Emdener Schiffe mit wertvoller Ladung in fremden Häfen fortgenommen. -Emden wurde zum Rang einer kleinen Landstadt herabgedrückt. Auch -das im Jahre 1846 mit großen Opfern von der Stadt geschaffene neue -Fahrwasser nach der Ems konnte ihr nicht aufhelfen. In der Gegenwart -ändert sich aber die Sachlage. Dadurch, daß die preußische Regierung -die Unterhaltung des Hafens in Verbindung mit der Anlage des -Ems-Jade-Kanals übernahm und eine neue Seeschleuse (120 Meter lang, -6,5 Meter tief und von 15 Meter nutzbarer Breite) schuf, die den -Wasserspiegel beständig auf Hochwasser erhält, ferner umfangreiche -Binnenhafenanlagen erstehen ließ, hat der Schiffsverkehr zugenommen und -wird durch den weiteren Umstand, daß der Dortmund-Emshäfen-Kanal Emdens -Handel ein großes Hinterland durch eine schiffbare, ihresgleichen -suchende Wasserstraße erschlossen hat, noch weiter und glänzend gehoben -werden (Abb. 127–129). - -Nach einer Zusammenstellung des königl. Hafenamtes zu Emden aus dem -laufenden Jahre über die Entwickelung des dortigen Schiffsverkehrs seit -der Verstaatlichung des Hafens im Jahre 1888 betrug die Zahl der ein- -und der ausgegangenen Schiffe: - - 1888: 806 Seeschiffe ( 33818 Registert.), - 1209 Flußschiffe ( 18599 Registert.), - 1893: 1022 Seeschiffe ( 51774 Registert.), - 2938 Flußschiffe ( 42811 Registert.), - 1899: 1319 Seeschiffe (141844 Registert.), - 4290 Flußschiffe ( 70553 Registert.). - -In der Berichtszeit hat sich also der Verkehr, was die Schiffszahl -anlangt, beinahe, was den Raumgehalt der Fahrzeuge angeht, mehr als -verdreifacht. - -[Illustration: Abb. 161. ¯Borkum. Flut.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Illustration: Abb. 162. ¯Borkum. Nach der Flut.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -Der Dortmund-Emshäfen-Kanal liegt außerhalb des Bereiches unserer -Betrachtungen, der Ems-Jade-Kanal jedoch, der Ostfriesland durchquert, -gehört in unser Gebiet. Derselbe war ursprünglich geplant und angelegt, -um die großen Moorflächen dieses Landes aufzuschließen und um in -Kriegszeiten Wilhelmshaven von Ostfriesland her verproviantieren -zu können, ferner um die Entwässerung eines großen Teiles dieser -Provinz zu verbessern und um seine Spülkraft für den Kriegshafen an -der Nordsee zu verwerten. In Emden beginnt diese Wasserstraße und -endet im Neuen Hafen zu Wilhelmshaven. Dieselbe ist 73 Kilometer -lang. Mit Benutzung der älteren Treckfahrt zwischen Emden und Aurich -wurde der Kanal von der preußischen im Verein mit der Reichsregierung -in den Jahren 1880–1887 mit einem Kostenaufwand von 13967500 Mark -gebaut. Er ist im Wasserspiegel 18 Meter breit, 8,5 Meter auf -seiner Sohle und in der Mitte 2,1 Meter tief. Vor der Mündung bei -Wilhelmshaven ist diese Tiefe auf einen Kilometer Strecke auf 3 -Meter erhöht worden. Fünf Schleusen, mit je 33 Meter Kammerlänge, -6,5 Meter lichter Weite und 2,1 Meter Tiefe befinden sich auf seiner -Gesamtlänge. Der Schleuse in Wilhelmshaven ist schon früher gedacht -worden; ihre größeren Dimensionen wurden im Hinblick auf eine spätere -Erweiterung der Wasserstraße, die wohl einmal in denjenigen des -Dortmund-Emshäfen-Kanals ausgebaut werden dürfte, gewählt. Mit dem -letzteren steht der Ems-Jade-Kanal durch den Seitenkanal Oldersum-Emden -in Verbindung. Kleine Schraubendampfer vermitteln den Güterverkehr und -die Passagierfahrten zwischen Emden-Aurich und Aurich-Wilhelmshaven. -Auf die Melioration des von ihm durchzogenen Landes wirkt der Kanal -ungemein fördernd ein (Marccardsmoor bei Wiesede). Die Baggerarbeiten -in der Jade fördern jährlich etwa 200000 Kubikmeter Schlick, wovon -große Mengen auf dem Kanal für die daran belegenen Moorkolonien -verschifft werden. - -Das älteste Emden wurde auf einer großen Werft, vielleicht der größten -an der ganzen Nordseeküste, 400 Morgen Fläche umfassend und 10–12 Fuß -über die umliegende Marsch erhaben, erbaut. Daraus entstand die später -so bedeutende Handelsstadt. Gegenwärtig zählt Emden 14800 Einwohner. -Es bietet mancherlei Interessantes. Das im edelsten Renaissancestil -errichtete Rathaus aus den Jahren 1574 bis 1576 enthält wertvolle -alte Waffen, das Museum der Gesellschaft für Kunst und vaterländische -Altertümer, schöne Gemälde niederländischer Künstler, Münzen- und -Altertumssammlungen. Auch die Große Kirche mit dem Denkmal des -Grafen Enno ~II.~ von Ostfriesland ist sehenswert. Eine Kleinbahn -führt von Emden in die Halbinsel Krumme Hörn. Die Leybucht, welche -dieselbe nördlich umgrenzt, ist wohl erst durch die Flut im Jahre 1373 -entstanden. - -[Illustration: Abb. 163. ¯Borkum. Ebbe.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Aurich. Norden.] - -Die Marschen des Norderlandes im Norden, der Rücken des Hochmoores -im Osten begrenzen das sich östlich an das Emsiger Land anschließende -Broekmer Land, dessen Name von den vielen Wiesenmooren oder Brüchen, -die seinen Boden bedecken, kommt. Es war in den Zeiten des Mittelalters -seiner vier ansehnlichen Kirchspiele Marienhave, Utengerhave, -Victorhave und Lambertushave wegen berühmt. Marienhave stand, bevor -die Eindeichungen an der Ostseite der Ley zustande gekommen waren, -durch ein vertieftes Fahrwasser, das Störtebeckers Tief, in Verbindung -mit der See und bot den Vitalienbrüdern einen Zufluchtsort. Auf dem -quer durch das sonst unwegsame Hochmoor verlaufenden, sich bis Esens -und Wittmund hinziehenden und zuweilen sogar von Dünen besetzten -Geestrücken, über welchen der Verbindungsweg von der Ems zur Nordküste -Frieslands dahingeht, lag die von zehn Dörfern umgebene Kirche von -Lambertushave. Eines dieser letzteren, Aurichhave oder Aurike, -überflügelte die übrigen und wurde von den Cirksena, den Fürsten des -Landes, zu ihrer Residenz erhoben. Die heutzutage 5900 Einwohner -zählende Stadt Aurich, Hauptort des Regierungsbezirks, Gewerbe und -Handel betreibend, bekannt durch ihren starken Gartenbau und ihren -bedeutenden Pferdemarkt, ist daraus entstanden. Südlich von Aurich, -bei Rahe, erhebt sich ein kleiner, rasenbewachsener Hügel, der von -niedrigem Gestrüpp umgeben ist. Vor Zeiten trug sein Scheitel drei -hohe Eichen, und hier, am Upstallsboom (Obergerichtsbaum) kamen die -Abgeordneten von ganz Friesland zusammen, um über Landfriedensbündnisse -oder kriegerische Dinge zu beraten. Im Osten von Aurich dehnt sich das -Hochmoor und weites Heidegebiet aus bis an die Marschen Wangerlandes. -Dieser Teil, die ödeste Strecke Ostfrieslands, bildete ehemals zusammen -mit dem früheren Amte Friedburg und dem schon im Marschlande liegenden -Gebiete von Neustadt-Gödens das Land Ostringen. Die Marschen an der -Nordsee zerfallen in das Nordernerland im Westen, etwa mit Dornum als -Ostgrenze; die nachher zu besprechenden Eilande Norderney und Baltrum -gehören dazu. Von der Gegend von Dornum bis an die oldenburgischen -Marken, Langeoog und Spiekeroog in sich einbegreifend, reicht das etwa -400 Quadratkilometer umfassende Harlinger Land. Ein tiefer Busen, -die Harlbucht, die trichterförmig in das Land eingriff und südlich -bis Wittmund vordrang, trennte dasselbe noch bis in das sechzehnte -Jahrhundert hinein vom Wangerlande. 1547 wurde mit den Eindeichungen -der Anfang gemacht. Wittmund, Esens und Stedesdorf waren die drei -Häuptlingschaften vom Harlinger Land, dessen Herrscher zwar die -Cirksena als Nachfolger der alten Häuptlingsfamilie des Sibo waren, -das aber nur durch Personalunion mit Ostfriesland verbunden gewesen -ist. Erst durch Preußen wurde es 1745 mit letzterem vereinigt. -Norden mit 7000 Einwohnern, an einem zum Leybusen führenden Kanal, -mit viel Gewerbsamkeit (Geneverbrennereien, Zuckerwarenfabrikation, -Tabakindustrie) und Handel, hat einen architektonisch schönen -Marktplatz (s. Abb. 130 u. 131). Vier Kilometer davon liegt Norddeich, -die Dampferstation für Norderney. Eine Eisenbahnlinie verbindet Norden -über Georgsheil, von wo sich ein Schienenstrang nach Aurich abzweigt, -mit Emden, und längs der Marsch über Esens, einer Stadt mit etwa -2100 Seelen, die durch das Benser Siel mit dem Meere verbunden ist, -sowie Wittmund und Jever. Das erstere ist durch das Harletief für -kleinere Fahrzeuge vom Meere her erreichbar. Es hat nicht unbedeutenden -Viehhandel. Nördlich davon, an der See, liegt Karolinensiel mit gutem -Hafen und aufblühendem Handel. - -[Illustration: Abb. 164. ¯Borkum. Im alten Dorf.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -[Sidenote: Die ostfriesischen Inseln.] - -Eine Gesamtlänge von 90 Kilometer hat die Kette der ostfriesischen -Inseln, die sich von der Jade im Osten bis zur Westerems hinzieht -und erst eine ost-westliche Richtung bis einschließlich Norderney -einnimmt, um dann mit den beiden westlichsten dieser Eilande, mit Juist -und Borkum, nach Süden abzuweichen. Im Osten beginnt die Kette mit -dem unter Oldenburgs Oberhoheit stehenden Wangeroog, nach Westen zu -folgen Spiekeroog, Langeoog, Baltrum, Norderney, Juist und Borkum, zum -Regierungsbezirk Aurich gehörig. Schmale Seegate trennen die einzelnen -Eilande voneinander, bis auf das mitten im äußersten Mündungstrichter -der Ems belegene Borkum, und mit Ausnahme dieses letzteren sind die -Inseln auch alle wattfest. Ihre Größe ist verschieden angegeben worden, -je nachdem man nur die Dünen und das bewachsene Grasland, oder auch -den oft weit ausgedehnten Strand mit einbezieht. Wenn man als diesen -letzteren das bei gewöhnlichem Hochwasser noch unbenetzte Areal -begreift, so würde der Flächenraum der Inseln etwa 80 Quadratkilometer -ausmachen. Der Körper der Eilande besteht aus einem sehr gleichmäßigen -und feinen gelblich weißen Sande mit Beimengung von zahlreichen -Titaneisenkörnern und von Kalk, dem Überreste der zerriebenen -Muschelschalen, und diese gesamten Sandmassen ruhen wiederum entweder -auf alten Sandbänken oder auf dem Schlick der Wattwiesen. Auch auf -den ostfriesischen Inseln tritt uns die Dünenbildung in großartiger -Weise entgegen. Buchenau, dem wir eine interessante und sehr wertvolle -Darstellung dieser Eilande und ihrer Flora verdanken, schildert -dieselbe wie folgt: - -„Dem mannigfachen Aufbau der Dünen entsprechend ist denn auch der -Anblick unserer Inseln ein überraschender. Er bietet sich am besten auf -dem Watt von einem Fährschiff aus dar. Die Insel mit ihren mannigfach -eingeschnittenen Erhebungen gleicht dann einem fernen Hochgebirge, -und die Schwierigkeit der Schätzung von Entfernungen und Höhen auf -der Wasserfläche verstärkt diesen Eindruck für den Landbewohner noch -sehr. Das Gewirre der Sandhügel ahmt steile Gipfel und ausgedehnte -Schneefelder, schroffe Einstürze und plötzliche Gletscherabstürze nach, -und vor ihnen dehnen sich scheinbar bewaldete Berge und die flache -Kulturebene aus.“ - -[Illustration: Abb. 165. ¯Landungsbrücke von Borkum.¯ - -(Nach einer Photographie von Wolffram & Co. in Bremen.)] - -Bäume gedeihen nur im unmittelbaren Schutze der Dünen und Häuser. -Auf den Dünen wachsen der Dünenweizen, die Dünengerste und besonders -der Dünenhafer oder Helm, der bekanntlich durch seine Stöcke dazu -beiträgt, die Düne zu erhöhen, und durch seine zähen, bis 5 Meter -Länge erreichenden Wurzelausläufer mit ihren zahlreichen, nicht minder -langen, geschlängelten Wurzeln die Düne durchzieht und sie auf solche -Weise festigen hilft. Auf den Wattweiden grünen die Meerstrandbinse -und der Krückfuß, in den Dünenthälern die Zwergweide, der stachelige -Sanddorn u. s. f. Die Gesamtzahl der auf den ostfriesischen Inseln -einheimischen höheren Gewächse beträgt etwa 400 Arten. - -Unter der Tierwelt zeichnet sich der hier ungewöhnlich häufige Kuckuck -aus, Strand- und Wasservögel beleben die Inselwelt, Fledermäuse, die -Wühlmäuse und am Strande die Seehunde vertreten die Säuger, die früher -hier zahlreichen Kaninchen sind ausgerottet worden. In neuerer Zeit -wurden Hasen eingeführt, die sich auf einigen Inseln, so auf Langeoog, -sehr vermehrt haben. - -Die Bevölkerung ist echt friesisch; sie treibt Schiffahrt, Fischfang -und da, wo es geht, etwas Ackerbau, so die Kartoffelkultur, immerhin -aber nur in sehr beschränktem Maße. Die meisten ostfriesischen Inseln -besitzen Rettungsstationen, und auf allen sind Nordseebäder, die, wie -Borkum und Norderney, Weltberühmtheit erlangt haben. Das letztgenannte -Eiland hat das besuchteste deutsche Nordseebad überhaupt und zählt -jährlich etwa 24000 Badegäste. Starke Uferschutzwälle halten an den -dem Andrang der Fluten ausgesetzten Stellen die brandenden Wogen der -Nordsee ab und tragen zur Sicherung der auf den Inseln befindlichen -Dörfer und Wohnstätten bei. - -Wangeroog (Abb. 132–134) steht über Karolinensiel-Harle mit dem -Festlande in Verbindung. Als Seebad ist die Insel schon seit dem -Jahre 1819 bekannt. Kirche und Dorf befinden sich auf dem Eiland. -Spiekeroog (Abb. 135–137) ist auf demselben Wege oder über Esens -und Neu-Harlingersiel zu erreichen, und vom Dorfe bis zum Strand -führt eine Pferdebahn. Auf Langeoog, das 1717 durch die Wogen mitten -durchgerissen worden ist, so daß Kirche und Dorf zerstört wurden, ist -ein vom Kloster Loccum verwaltetes Hospiz; das dortige aufblühende -Seebad ist, wie dasjenige von Spiekeroog einfacheren Verhältnissen -angepaßt (Abb. 138–142). Über Esens und Bensersiel gelangt man dorthin, -und über Dornum und Neßmersiel nach Baltrum, der kleinsten der sieben -ostfriesischen Inseln, die ein Ost- und ein Westdorf besitzt (Abb. -143–148). Nach der Flut vom Jahre 1825 mußten Dorf und Kirche, die an -der Westseite der Insel gelegen hatten, nach deren Mitte übertragen -werden. - -Norderney ist 13 Kilometer lang und 4 Kilometer breit; an der -Südwestecke der Insel erhebt sich das gegenwärtig 3000 Seelen -zählende gleichnamige Dorf. In der schönen Sommerszeit ist das unter -staatlicher Verwaltung stehende Seebad Norderney ein Modebad im vollen -Sinne des Wortes, mit allen Annehmlichkeiten und jedem nur denkbaren -Komfort, das Ostende und Blankenberghe in den Schatten stellt. Ein -schön und zweckmäßig eingerichtetes Konversationshaus, großartige -Gasthöfe, praktische Badehäuser, auch für warme Seebäder, wie sich -solche übrigens auch auf der Mehrzahl der anderen ostfriesischen -Inseln finden, gut ausgerüstete Verkaufsläden und dergleichen Dinge -mehr befinden sich hier. Am nördlichen Strande steht der bekannte -Restaurationspavillon, die Giftbude. In Norderney hat der Verein -für Kinderheilstätten an den Seeküsten ein zur Aufnahme von 240 -Kindern eingerichtetes Seehospiz erbaut, das unter dem Protektorate -der Kaiserin Friedrich steht, ebenso ist auf der Insel eine -evangelische Diakonissenanstalt zur Heilung skrophulöser Kinder, zwei -Unternehmungen, die seit der Zeit ihres Bestehens schon vielen Segen -gestiftet und manchem kranken Kinde wieder zur Gesundheit verholfen -haben (Abb. 149–155). - -Im Osten ist Norderney von 11–15 Meter hohen Dünen bedeckt, im Süden -steigt der 54 Meter hohe, einen prächtigen Rundblick gewährende -Leuchtturm auf, nördlich davon erhebt sich der höchste Punkt der Insel, -die nunmehr mit Helm bepflanzte, früher aber kahle Weiße Düne. - -Während der tiefen Ebbe ist Norderney vom Festlande aus durch das -seichte Watt trockenen Fußes zu erreichen. Auch der Postwagen fährt -dann über die Watten. - -Das langgestreckte Juist hing in alten Zeiten mit Borkum zusammen. Im -dreizehnten Jahrhundert soll eine grausige Wasserflut beide Eilande -voneinander getrennt haben. Der Pastor Janus zu Juist war zu Ausgang -des achtzehnten Jahrhunderts der erste, der, wenn auch damals ohne -Erfolg, auf die heilsamen Wirkungen der Seebäder hingewiesen hat. -Juists Bedeutung als Seebad nimmt jährlich zu. Gegenwärtig ist der -Landungsplatz mit dem Dorfe bereits durch eine Eisenbahn verbunden -(Abb. 156 u. 157). - -Man fährt nach Norderney und Juist über Norden und Norddeich, Norderney -ist außerdem noch in direktem Seeverkehr mit Bremen und Hamburg durch -Schiffe der Hamburger Nordseelinie, die auch nach Borkum fahren. -Letzteres erreicht man auch mittels Dampfboot von Emden oder von Leer -aus. - -Das 8 Kilometer lange und 4 Kilometer breite Borkum, das ~Burchana~ -oder ~Fabaria~ der Römer, hat durch die Sturmfluten in früheren -Jahrhunderten viel zu leiden gehabt. Nunmehr ist die in West- und -Ostland zerfallende Insel ein sehr emporstrebender und vielbesuchter -Badeort, der Norderney nicht allzusehr nachstehen dürfte (jährlich -14000 Badegäste) und einen vorzüglichen Badestrand besitzt. Der -Hauptort liegt auf dem Westlande; in demselben ragen die beiden -Leuchttürme empor, der alte, 47 Meter hohe, und der neue, 60 Meter -Höhe aufweisende und ein Blinkfeuer erster Ordnung besitzende (Abb. -158–165). Der Ort selbst steht mit der Landungsbrücke durch eine -Eisenbahn in Verbindung. Borkums Weiden ernähren einen ansehnlichen -Viehstand. Eine Eigentümlichkeit der Insel bilden die aus -Walfischknochen hergestellten Straßenzäune. Ansehnliche Brutstätten von -vielerlei Seevögeln liegen auf Borkums Ostlande, in noch größerem Maße -ist dies auf Rottum der Fall, einem westwärts von Borkum belegenen und -schon Holland zugehörigen Eiland. - -Hier sind wir am Ziele unserer Reise angelangt. Hoch oben, im Norden -Schleswigs, bei Endrup haben wir den Wanderstab in die Hand genommen, -an der Nordwestgrenze des Reiches, angesichts der holländischen -Küste, stellen wir denselben wieder beiseite. Unseren Lesern aber, -die uns auf dieser langen Fahrt begleitet haben, die mit durch die -großen Hansestädte, durch die alten Flecken und die reichen Dörfer -gezogen sind, über die schwermütig stimmende Heide, das düstere und -öde Moorland oder in die fetten Marschen, und dann hinaus an den vom -frischen und lebendigen Hauch der brandenden Nordsee durchwehten -Inselstrand mit seinem weißblinkenden Dünensaum, sagen wir ein -herzliches Lebewohl! - -[Illustration] - - - - -Einige der wichtigsten Quellenwerke und Abhandlungen zu dem -vorliegenden Buche. - - - =Allmers=, Hermann. Marschenbuch. Land- und Volksbilder aus den - Marschen der Weser und Elbe. Dritte Auflage. Oldenburg und Leipzig. - Ohne Jahreszahl. - - =Boysen=, L. ~Dr.~ Statistische Übersichten über die Provinz - Schleswig-Holstein. Kiel und Leipzig, 1892. - - =Buchenau=, ~Dr.~ F. Über die ostfriesischen Inseln und ihre Flora. - (Verhandlungen des elften deutschen Geographentages zu Bremen, 1895.) - Berlin, 1896. - - =Bücking=, H., Baurat in Bremen. Die Unterweser und ihre Korrektion. - (Verhandlungen des elften deutschen Geographentages zu Bremen, 1895.) - Berlin, 1896. - - =Eckermann=, Baurat in Kiel. Verschiedene Abhandlungen über die - Geschichte der Eindeichungen an der Westküste Schleswig-Holsteins. - (Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holstein-Lauenburgische - Geschichte.) Kiel. - - =Eilker=, Georg. Die Sturmfluten der Nordsee. Emden, 1877. - - =Festschrift= zur fünfzigjährigen Jubelfeier des Provinzial-Vereins zu - Bremervörde (Regierungsbezirk Stade). Stade, 1885. - - =Guthe=, H. Die Lande Braunschweig und Hannover, mit Rücksicht auf - ihre Nachbargebiete geographisch dargestellt. Hannover, 1867. - - =Haage=, Reinhold. Die deutsche Nordseeküste in physikalischer und - morphologischer Hinsicht. (Inauguraldissertation) Leipzig, 1899. - - =Haas=, H., =Krumm=, H. und =Stoltenberg=, Fritz. Schleswig-Holstein - meerumschlungen in Wort und Bild. Kiel, 1897. - - =Hahn=, F. G. Die Städte der norddeutschen Tiefebene in ihrer - Beziehung zur Bodengestaltung. Stuttgart, 1885. - - =Hansen=, C. P. Chronik der friesischen Uthlande. Altona, 1856. - - =Hansen=, Reimer. Beiträge zur Geschichte und Geographie - Nordfrieslands im Mittelalter. (Zeitschrift der Gesellschaft für - Schleswig-Holstein-Lauenburgische Geschichte, Bd. 24.) Kiel, 1894. - - =Jensen=, Chr. Die nordfriesischen Inseln Sylt, Föhr, Amrum und die - Halligen vormals und jetzt. Hamburg, 1891. - - =Krümmel=, Otto. Die geographische Entwickelung der Nordsee. Ausland. - - =Lepsius=, R. Geologische Karte des Deutschen Reiches. Gotha, - 1894–1897. - - =Meiborg=, R. Das Bauernhaus im Herzogtum Schleswig und das Leben des - schleswigschen Bauernstandes im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Deutsche - Ausgabe besorgt von R. Haupt. Schleswig, 1896. - - =Meyn=, Ludwig. Geographische Beschreibung der Insel Sylt und ihrer - Umgebung. Berlin. - - =Meyn=, L. Geologische Übersichtskarte der Provinz Schleswig-Holstein - 1 : 300000. Berlin, 1881. - - =Nauticus.= Jahrbuch für Deutschlands Seeinteressen. Berlin, 1899. - - =Reventlow=, Graf Arthur von. Über Marschbildung an der Küste des - Herzogtums Schleswig und die Mittel zur Beförderung derselben. Kiel, - 1863. - - =Salfeld=, ~Dr.~ Die Hochmoore auf dem früheren Weser-Delta. - (Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, 16. Bd.) Berlin, - 1881. - - =Schröder=, J. von und Herm. =Biernatzki=. Topographie der Herzogtümer - Holstein und Lauenburg, des Fürstentums Lübeck und des Gebiets der - Freien und Hanse-Städte Hamburg und Lübeck. Oldenburg i. Holstein, - 1855 bis 1856. - - =Schröder=, J. von. Topographie des Herzogtums Schleswig. Schleswig, - 1837. - - =Seelhorst=, C. von. Acker- und Wiesenbau auf Moorboden. Berlin, 1892. - - =Segel-Handbuch= für die Nordsee, herausgegeben von dem - hydrographischen Amte der Admiralität. Erstes Heft. Berlin, 1884. - - =Tacke=, ~Dr.~ Br. Die nordwestdeutschen Moore, ihre Nutzbarmachung - und ihre volkswirtschaftliche Bedeutung. (Verhandlungen des elften - deutschen Geographentages zu Bremen, 1896.) Berlin, 1896. - - =Tittel=, Ernst. Die natürlichen Verhältnisse Helgolands und die - Quellen über dieselben. (Inauguraldissertation.) Leipzig, 1894. - - =Traeger=, Eugen. Die Halligen der Nordsee. Stuttgart, 1892. - - =Traeger=, Eugen. Die Rettung der Halligen und die Zukunft der - schleswig-holsteinischen Nordseewatten. Stuttgart, 1900. - - =Vierteljahrsheft= zur Statistik des Deutschen Reichs, herausgegeben - vom kaiserlichen statistischen Amt. Siebenter Jahrgang, 1898. Berlin, - 1898. - - =Wichmann=, E. H. Die Elbmarschen. (Zeitschrift der Gesellschaft für - Erdkunde zu Berlin, 20. Bd.) Berlin, 1885. - - - - -Register. - - - Alkersum 92. - - Alse 155. - - Alster 114. - - Alte Land, das 128. 137. 138. - - Alte Mellum 158. - - Altenbruch 140. 142. - - Altendorf 140. - - Altengamme 126. - - Altenländer Moor 143. - - Altenwalde 143. - - Altländer Moor 145. - - Altmannshöhe 152. - - Altona 126. 127. 128; - Palmaille mit Blücherdenkmal 82 (Abb. 83); - Rathaus 82 (Abb. 82). - - Ammerland 158. - - Amönenhöhe 111. - - Amrum 36. 87–90; - Leuchtturm 25 (Abb. 24). - - Amrumer-Tief 87. - - Appelland 90. - - Archsum 75. 84. - - Archsumburg 84. - - Arngast 161. - - Assel 139. - - Atens 159. - - Aue 140. 145. - - Augustfehn 163. - - Aumühle 126. - - Aurich 163. 168. - - Außenalster 114. 53 (Abb. 49). - - Austernbänke 82. - - - Baljen 39. - - Balksee 146. - - Ballum 72. 74. - - Baltrum 170. 145 (Abb. 144); - alter Friedhof 149 (Abb. 148); - Haus in den Dünen 147 (Abb. 146); - Landungsbuhne 148 (Abb. 147); - Ostdorf 145 (Abb. 143); - Pfahlwerk in Sturmflut 146 (Abb. 145). - - Bant 162. - - Bargum 66. - - Bauernhäuser in Kurslak 77 (Abb. 75). 79 (Abb. 77); - in Neuengamme 76 (Abb. 73); 78 (Abb. 76). - - Bederkesa 146. 155. - - Bederkesaer See 140. 146. - - Benser Siel 169. - - Bergedorf 126. - - Bernstein 24. 25. - - Bevölkerung 51. 52. 56. - - Billberg 131. - - Bille 114. 126. - - Billwerder 126. - - Binnenalster 114. 53 (Abb. 49). - - Binnenmoore 144. - - Blankenese 128. 85 (Abb. 86), (Abb. 87). - - Blexen 160. - - Blockhäuser des Seebades Lakolk auf Röm 14 (Abb. 14). - - Blockland 147. - - Blumenthal 152. 155. - - Boldixum 92. 30 (Abb. 28). - - Bolilmark 74. - - Boot zu Wasser 6 (Abb. 5). - - Bordelum 66. - - Borkum 170. 171. 6 (Abb. 4). - 163 (Abb. 158). 164 (Abb. 159). 165 (Abb. 160). 166 (Abb. 161); - (Abb. 162). 167 (Abb. 163). 168 (Abb. 164). 169 (Abb. 165). - - Bösch 110. - - Bracke 140. - - Braderup 83. 84. - - Brake 147. 159. - - Bredau 39. - - Bredberg 131. - - Brede-Au 72. - - Bredebro 72. 73. - - Bredstedt 66. - - Breitenburg, Schloß 111. - - Breklum 66. - - Bremen 147–152. 101 (Abb. 104); - Börse 108 (Abb. 111); - Dom 108 (Abb. 112); - Essighaus 109 (Abb. 113); - Freihafen 103 (Abb. 105); - Markt 110 (Abb. 114); - Museum 111 (Abb. 116); - Rathaus 105 (Abb. 107); 106 (Abb. 108). 107 (Abb. 109); (Abb. 110); - Weserbrücke 104 (Abb. 106). - - Bremer Typen 111 (Abb. 115). - - Bremerhaven 147. 153. 154. 115 (Abb. 118). - - Bremervörde 142. 146. - - Broekmer Land 167. - - Bröns 72. - - Brönsau 39. - - Brundorfer Heide 143. - - Brunsbüttel 109. 44 (Abb. 41). 46 (Abb. 43). - - Brunsbüttelkoog, Binnenhafen 47 (Abb. 44). - - Brunshausen 140. - - Buchholz 146. - - Burg 110. - - Burglesum 152. - - Burhave 160. - - Büsum 106. - - Butjadingen 159. - - Butjadingerland 158. - - Büttel 110. - - Buxtehude 138. - - - Campe 140. - - Camper Höhe 143. - - Cappel 156. - - Charlottenpolder 165. - - Christian-Albrechts-Koog bei Tondern 66. - - Cuxhaven 128. 157. 158. 86 (Abb. 88). (Abb. 89). - - - Dagebüll 70. - - Dahlemer See 146. - - Dammhausen 145. - - Dangast 161. - - Dargland 164. - - Deetzbüll 68. - - Deichen 48. 49. - - Delme 160. - - Delmenhorst 160. - - Denghoog 78. - - Dieksand 104. - - Doggerbank 20. - - Dollart 28. 158. 164. - - Dornum 168. - - Dorum 156. 157. - - Döse 158. - - Döstrup 72. - - Drepte 145. - - Duhnen 158. - - Düne (Helgoland) 130. 2 (Abb. 1). - - Dwarsgatt 154. - - - Eckwarden 160. - - Eddelak 110. - - Eider 105. - - Eiderstedt 98. 99. 100. 102. - - Eindeichungen 48. - - Elbe 114. 126. - - Elbschleuse 45 (Abb. 42). - - Ellenbogen, Halbinsel 79. - - Elmer Schiffgraben 145. - - Elmshorn 112. 51 (Abb. 47). - - Elsfleth 147. 158. 159. - - Emden 165. 166. 167. 127 (Abb. 127); - am Delft in 128 (Abb. 128); - Rathaus 129 (Abb. 129). - - Emmelcke 140. - - Emmelsbüll 66. - - Emmerlef 72. - - Ems 158. 165. - - Ems-Jade-Kanal 166. 167. - - Emsiger Land 164. 167. - - Endrup 39. - - Eppendorf 126. - - Esens 169. - - Este 138. 145. - - - Fahretoft 97. - - Fahrstedt 109. - - Fartrapp-Tief 87. - - Fehnkolonien 144. - - Fischerwohnung, Helgoländer 93 (Abb. 97). - - Flaggenberg 131. - - Flögelner See 146. - - Föhr 36. 90. 92; - Strand von Wyk auf Föhr 3 (Abb. 2). - - Frauentracht auf Föhr 28 (Abb. 26). - - Freiburg 139. - - Freiburger Tief 139. - - Friedburg 168. - - Friedhof für Heimatlose (Sylt) 19 (Abb. 19). - - Friedrichskoog 104. 108. - - Friedrichsruh 126. 80 (Abb. 78). 81 (Abb. 80); - Mausoleum 81 (Abb. 81); - Schlaf- und Sterbezimmer des Fürsten Bismarck 80 (Abb. 79). - - Friedrichsstadt 104. 105. - - - Garding 102. - - Garlstedter Heide 143. - - Geest 41. - - Geeste 142. 145. - - Geestemünde 153. 158. 113 (Abb. 117). - - Geesthacht 126. - - Geestland zwischen Unterelbe und Unterweser 142. - - Geestufer von Schobüll 65. - - Geologisches 17. - - Georgsheil 169. - - Gerichtshügel 78. - - Geschichtliches 58. - - Gezeiten 7. - - Glückstadt 112. - - Golzwarden 159. - - Gösche 140. 145. - - Goting 92. - - Gotteskoogsee 66. - - Gramm 73. - - Gröde 36. 90. 97; 37 (Abb. 33). 38 (Abb. 34). 39 (Abb. 35). - - Grünenthal 109; - Hochbrücke 49 (Abb. 45). - - Grünlandmoor 144. - - Grüppenbühren 160. - - - Habel 90. - - Hadeln 128. 137. 140. 141. - - Hadeler Kanal 140. - - Hadeler Marsch 140. - - Hadeler Moore 144. - - Halemmer See 146. - - Halligen 36. 94. 95. 96. 97. 10 (Abb. 9). - - Halligwerft nahe vor dem Einsturz (Langeneß) 11 (Abb. 10). - - Hamburg 114–126. 61 (Abb. 57). 62 (Abb. 58). 64 (Abb. 60); - Fleet zwischen Deichstraße und Cremon 58 (Abb. 54); - Fleet bei der Reimersbrücke 59 (Abb. 55); - Freihafenlagerhäuser 57 (Abb. 53); - Großer Burstah 66 (Abb. 62); - Hafen 54 (Abb. 50). 56 (Abb. 52); - Hopfenmarkt 67 (Abb. 63); - Jungfernstieg 73 (Abb. 69); - Katharinenkirche 59 (Abb. 55); - Kriegerdenkmal 72 (Abb. 68); - Lombardsbrücke 68 (Abb. 64); - Michaeliskirche 65 (Abb. 61); - Nikolaikirche 67 (Abb. 63); - Rathaus 69 (Abb. 65); - Rathausbrunnen 71 (Abb. 67); - Ratskeller 70 (Abb. 66); - Sandthorkai 57 (Abb. 53); - Seewarte 64 (Abb. 60); - Segelschiffhafen 55 (Abb. 51); - Steckelhörn 61 (Abb. 57); - Winserbaum 60 (Abb. 56); - neue Brücke nach Harburg 96 (Abb. 100). - - Hamburger Hallig 90. - - Hamburger Volkstrachten 74 (Abb. 70). - - Hamme 42. 144. 145. - - Hammelwörden 139. - - Harburg 137. 146; neue Brücke nach Hamburg 96 (Abb. 100). - - Harlbucht 168. - - Harletief 169. - - Harlinger Land 168. - - Harsefeld 142. - - Harsfelder Rücken 143. - - Hasbruch 160. - - Haseldorfer Marschen 104. 112. - - Haseldorfer Schloß 114. - - Hattstedt 64. - - Heide 43. 105. - - Helgoland 129–137. 89 (Abb. 92), (Abb. 93); - Hengst und Nordspitze 94 (Abb. 98); - Oberland und Unterland 95 (Abb. 99); - Oberland und Nordspitze 91 (Abb. 95); - Unterland und die Düne 2 (Abb. 1). - - Helgoländer Fischerwohnung 93 (Abb. 97). - - Helgoländerinnen 92 (Abb. 96). - - Helmsand 94. - - Hemmingstedt 106. - - Hemmoor 146. - - Heppens 162. - - Hever 64. 90. - - Himmelpforten 142. 143. - - Hitzbank 102. - - Hochland 140. 141. - - Hochmoore 41. 42. 144. - - Hochseefischerei, deutsche 13–15. - - Hohe Lieth 143. - - Hoher-Lieth 140. - - Hoher Weg 158. - - Hohewegsleuchtturm 154. - - Hollerland 147. - - Hooge 36. 90. 95. 96. 97. - - Hooksiel 162. 163. - - Horneburg 138. 145. - - Hörnum 86. - - Horsbüll 66. - - Horsbüllharde 67. 68. - - Horst 106. - - Hoyer 50. 70. 71. 72. - - Hoyerschleuse 70. 72. - - Hude 159. 160. - - Hüll 140. - - Humptrup 71. - - Hunte 158. 159. 161. - - Hunte-Ems-Kanal 161. - - Husum 62. 63. 64; - Storms Grab in 12 (Abb. 11). - - Husumer Au 39. - - Hvidding 72. - - Hymensee 146. - - - Imsum 156. - - Isensee 140. - - Itzehoe 110. 111. 50 (Abb. 46). - - - Jade 158. - - Jadebusen 158. 161. - - Jerpstedt 72. - - Jever 162. 169. - - Jeverland 158. 162. - - Jordsand 94. - - Jork 138. 143. - - Jührdener Feld 158. - - Juist 170. 171. 160 (Abb. 156). 161 (Abb. 157). - - Jümmer 163. - - Juvre 74. - - Juvrer Tief 40. - - - Kaiser Wilhelm-Kanal 109. 45 (Abb. 42). 46 (Abb. 43). - 47 (Abb. 44). 49 (Abb. 45). - - Kaiser Wilhelm-Koog 104. - - Kaltehofe 126. - - Kampen 78. 84; - Kurhaus 77; - Leuchtturm 20 (Abb. 20). - - Karolinensiel 162. 169. - - Kehdingen 128. 137. 138. 139. - - Kehdinger Moor 139. 144. - - Keitum 75. 83. 23 (Abb. 22). - - Kellinghusen 112. - - Kirchwerder 126. - - Kirkeby 74. 14 (Abb. 13). - - Klauxbüll 67. - - Klopstocks Grab 83 (Abb. 84). - - Kniepsand 88. - - Kongsmark 74. - - Königshafen 79. - - Königspesel 95. - - Kornkoog 68. - - Kranenburg 140. - - Krempe 112. - - Krempermarsch 104. - - Kronprinzenkoog 104. - - Krückau 112. - - Krumme Hörn 167. - - Kudensee 110. - - Kurslack 126; - Bauernhaus 77 (Abb. 75). 79 (Abb. 77). - - - Lägerdorf 112. - - Lakolk 74; - Blockhäuser 14 (Abb. 14). - - Land und Leute 39. - - Landschaftspolder 165. - - Langeneß 25. 36. 97; - Halligwerft 11 (Abb. 10); - Peterswerft 34 (Abb. 31). - - Langeneß-Nordmarsch 90. 96. - - Langeoog 170; 141 (Abb. 138). 141 (Abb. 139); 143 (Abb. 141); - Neutraler Strand 143 (Abb. 142). - - Langeoog-Dünen 142 (Abb. 140). - - Langlütjensand 156. 158. - - Langwarden 160. - - Leck 66. - - Leda 158. 163. 164. - - Leer 158. 164; - Rathaus 125 (Abb. 126). - - Lehe 154. - - Lengener Land 164. - - Lengener Moor 158. 163. - - Lesum 42. 143. 145. 154. - - Ley 164. - - Lieth 112. - - Lilienthal 143. - - Lindholm 66. 68. - - Lintrup 73. - - List 79. - - Lister Tief 74. 79. - - Litberg 143. - - Lockstedt 112. - - Lockstedter Lager 112. - - Lohberg 143. - - Lombardsbrücke in Hamburg 68 (Abb. 64). - - Lornsenhain 86. - - Lüdingworth 142. - - Lügumkloster 73. - - Lühe 138. 145. - - Lunden 105. - - Lune 145. 156. - - - Manö 39. - - Marccardsmoor 167. - - Marne 109. - - Marschen 22. 41. 44. 46. - - Marschlande am linken Elbufer 137. - - Marschlande am rechten Weserufer 147. - - Medem 140. 145. - - Meldorf 107. 108. 43 (Abb. 40). - - Meldorfer Bucht 94. - - Midlum 156. - - Miele 39. - - Misselwarden 156. - - Moderberg 131. - - Mögeltondern 72. - - Mönch 90 (Abb. 94). - - Mönchshügel 75. - - Moorburg 137. - - Moore 43. - - Moorbildungen 42. - - Moorkolonien 144. - - Moorkultur 144. - - Moormer Land 164. - - Moornutzung 144. - - Moorriem 159. - - Morsum 75. 84. - - Morsumkliff 75. - - Mövennest 42 (Abb. 39). - - Mulxum 156. - - Munkehoi 75. - - Munkmarsch 70. 83. 84. - - - Näs Odde 84. - - Nebel, Kirchdorf 88. - - Nesserland 165. - - Neßmer Höft 165. - - Neudorfer Hafen 109. - - Neuenburg 162; - Urwald von 160. - - Neuengamme 126; - Bauernhäuser in 76 (Abb. 73). 78 (Abb. 76). - - Neuenkehn 154. - - Neuhaus 140. - - Neuland 139. - - Neumühlen 128. 84 (Abb. 85). - - Neustadt-Gödens 168. - - Neuwerk 128. 158. 87 (Abb. 90). - - Nieblum 92. 29 (Abb. 27). - - Niebüll-Deezbüll 66. - - Niedervieland 147. - - Nienstedten 128. - - Norddeich 168. - - Norddeutscher Lloyd 148. - - Norddorf 88. - - Norden 168. 130 (Abb. 130); - Liudgerikirche 131 (Abb. 131). - - Nordenham 159. 160. - - Nordernerland 168. - - Norderney, Ausblick von den Dünen 155 (Abb. 152); - Dünen 157 (Abb. 154); - Leuchtturm 159 (Abb. 155); - Seesteg 154 (Abb. 151); - Strand 151 (Abb. 149). - - Norderoog 36. 90. 96. - - Norderpiep 40. - - Nordmarsch 25. 36. - - Nordsee, Grenzen 5; - Salzgehalt 9. - - Nordseeschiffahrt, deutsche 10. - - Nordstrand 35. 64. 90. 93. 42 (Abb. 38). - - Nordstrandisch-Moor 34. 90. 93. 97. - - Nösse 84. - - - Oberahnsche Felder 162. - - Obervieland 147. - - Ocholt 163. - - Odenbüll 93. - - Ohlsdorf 126. - - Oland 90. 96. 97. 35 (Abb. 32). - - Oldenburg 158. 161; - Lambertikirche 119 (Abb. 122); - Rathaus 117 (Abb. 120); - Schloß 116 (Abb. 119); - der Stau in 118 (Abb. 121). - - Oldenbüttel 153. - - Oldendorf 164. - - Oldersum 164. - - Oslebshausen 152. - - Oste 137. 140. 142. 145. - - Ostemarsch 137. 140. - - Oste-Moore 144. - - Osterholz-Scharmbeck 152. - - Oster-Ihlienworth 140. - - Osterstade 154. 155. - - Osterstader Moore 144. - - Ostfriesische Inseln 158. 169. - - Ostfriesland 163. 164. 165. - - Ostringen 168. - - Ottensen 128. - - Otterndorf 141. 142. - - Övenum 92. - - - Paddingbüttel 156. - - Panderkliff 83. - - Papenburg 144. - - Pellworm 35. 36. 90. 93. 96. - - Pinnau 112. - - Pinneberg 112. - - Pohnshallig 90. - - Poppenbüttel 114. - - Postfahrt durch das Wattenmeer 8 (Abb. 7). 9 (Abb. 8). - - Predigtstuhl 90 (Abb. 94). - - - Rade 155. - - Rahe 168. - - Rantum 85. 21 (Abb. 21). - - Rastede 161. - - Rechtenfleth 155. - - Reiderland 164. - - Reinbeck 126. - - Reisby 72. - - Remperbach 146. - - Rettungsstationen 6 (Abb. 4). 16 (Abb. 16). - - Riesum 66. - - Risummoor 68. - - Ritzebüttel 156. - - Rödding 73. - - Rodenäs 67. - - Rodenkirchen 155. 159. - - Röm 72. 74. 14 (Abb. 13). - - Römer Tief 40. 74. - - Römer Tracht, Mädchen in 15 (Abb. 15). - - Rönnebeck 152. - - Rotenburg 146. - - Rotesand 154. - - Rotes Kliff 75. 77. 78. 5 (Abb. 3). - - Rottum 171. - - Rungholter Sand 29. - - Rustringen 158. - - - Sande 162. - - Sandspierenfang 40 (Abb. 36). - - Sankt Jürgens-Land 145. - - Sankt Margareten 110. - - Sankt Michaelisdonn 108. - - Sankt Peter 102. - - Saterland 163. - - Satteldüne 89. - - Sauensiek 143. - - Schackenburg, Schloß 72. - - Scharhörn 128. - - Scharhörnwatt 88 (Abb. 91). - - Scherrebek 72. 74. - - Schiffsunfälle 12. - - Schleswig-Holsteinische Westküste 102. - - Schnelldampfer „Auguste Victoria“ 63 (Abb. 59); - „Kaiser Wilhelm der Große“ 97 (Abb. 101). 98 (Abb. 102). 99 (Abb. 103). - - Schobüll, Geestufer 65. - - Schobüller Berg 64. - - Schwinge 137. 139. 145. - - Seefeld 160. - - Seehundsjäger 41 (Abb. 37). - - Seestermühe 112. - - Seestermüher Marsch 112. - - Seewarte in Hamburg 64 (Abb. 60). - - Sietland 140. 141. - - Skalnasthal 88. - - Solthörner Watt 158. - - Sophienkoog 104. - - Spieka 156. - - Spiekeroog 170. 137 (Abb. 135). 138 (Abb. 136). 139 (Abb. 137). - - Stade 139. - - Stadland 158. 159. - - Stedesand 66. - - Stedinger Land 158. 159. - - Steinhorst 114. - - Stollhamm 160. - - Störfluß 111. - - Störtebecker Tief 168. - - Stotel 155. - - Strömungen 7. - - Stubben 153. - - Sturmfluten 7. 8. 26. 28. 29. 30. 32. 33. - - Süddorf 88. - - Süderhever 40. - - Süderoog 90. 96. - - Südfall 90. - - Süllberg, vom Bismarckstein gesehen 85 (Abb. 86). - - Sülwert 92. - - Sylt 36. 74–87. 16 (Abb. 16). 17 (Abb. 17). - - Sylter Heide 77. - - - Tating 102. - - Temperatur 8. - - Teufelsbrücke 128. - - Teufelsmoor 142. 144. - - Tinnum 84. - - Toftum 74. - - Tondern 50. 70. 71. - - Tönning 102; - Hafen 13 (Abb. 12). - - Tornesch 112. - - Tossens 160. - - Trachten: Hamburger Volkstrachten 74 (Abb. 70); - Römer Tracht 15 (Abb. 15); - Vierländer 75 (Abb. 72). 77 (Abb. 74). - - - Uhlenhorst 52 (Abb. 48). - - Unterland (Helgoland) 129. 2 (Abb. 1). - - Ütersen 112. - - Ütersum 92. - - Uwenberg 77. - - - Varel 160. - - Vareler Hochmoor 158. - - Vegesack 147. 152. - - Versandetes Wrack 7 (Abb. 6). - - Vieland 143. 155. 156. - - Vierlande 126. - - Vierländer 75 (Abb. 72). 77 (Abb. 74). - - Viktoriahain 86. - - Vogelkoje 80. - - Volksdichte 80. - - - Waakhausen 144. 145. - - Wandsbek 126; - Denkmal für Matthias Claudius 75 (Abb. 71). - - Wangerland 162. 168. - - Wangeroog 170. 133 (Abb. 132). 134 (Abb. 133). 135 (Abb. 134). - - Wanna 140. - - Wannaer Moor 140. - - Wanse 126. - - Watten 22. 24. 25. 39. 44. 33 (Abb. 30). - - Wattenmeer 64. - - Weddingstedt 105. - - Wedel 114. - - Wedelau 114. - - Weener 164. - - Wendingstadt 29. - - Wenningstedt 75. 77. 84; - Rotes Kliff 5 (Abb. 3). - - Werderland 147. - - Werften 49. - - Weser 143. 147. 158. - - Weserbrücke in Bremen 104 (Abb. 106). - - Wesselburen 105. 106. - - Westerberg 142. 146. - - Westerhever 102. - - Westerland auf Sylt 75. 17 (Abb. 17). 18 (Abb. 18). - - Westerstede 163. - - Widau 70. - - Wiedau 39. - - Wiedingharde 67. - - Wiegoldsbur 164. - - Wiesede 167. - - Wilhelmshaven 162; - Kaiser Wilhelmsdenkmal 123 (Abb. 125); - Kriegshafen und Hauptschleuse 121 (Abb. 123); - Rathaus 122 (Abb. 124). - - Wilster 110. - - Wilstermarsch 104. 110. - - Wingst 140. 142. 143. 146. - - Wite Klif 136. - - Witsum 92. - - Wittdün 88. 24 (Abb. 23). - - Wittmund 162. 168. 169. - - Worpswede 145. 152. - - Wremen 156. - - Wührden 155. 156. - - Wümme 42. 145. - - Wursten 137. 155. 156. 157. - - Wyk 70. 90. 92. 3 (Abb. 2). 27 (Abb. 25). 31 (Abb. 29). - - - Zeven 142. 146. - - Zwischenahner Meer 163. - - -[Illustration: DIE DEUTSCHE NORDSEEKÜSTE.] - - - - - +----------------------------------------------------------------+ - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Der vorliegende Text wurde so weit wie möglich originalgetreu | - | wiedergegeben. Typographische Fehler wurden stillschweigend | - | korrigiert. | - | | - | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: | - | S. 46: „Lepigonim“ in „Lepigonum“ geändert. | - | S. 49: „Wohnstättten“ in „Wohnstätten“ geändert. | - | S. 49: „wohl gepflegten“ in „wohlgepflegten“ geändert. | - | S. 92 & 176: „Uetersum“ und „Ütersum“ in „Utersum“ geändert. | - | S. 114: „Phragmitis“ in „Phragmites“ geändert. | - | S. 124: „Heilgengeistfeld“ in „Heiligengeistfeld“ geändert. | - | S. 133: „Steichen“ in „Steigen“ geändert. | - | S. 143: „Garlsstedter“ in „Garlstedter“ geändert. | - | S. 144: „Ems-Jahde“ in „Ems-Jade“ geändert. | - | S. 146: „Hadelner“ in „Hadeler“ geändert. | - | S. 170: „Kirche und Insel befinden sich auf dem Eiland“ in | - | „Kirche und Dorf befinden sich auf dem Eiland“ geändert. | - | S. 176: „Rotes“ in „Rotes Kliff“ geändert. | - +----------------------------------------------------------------+ - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE NORDSEEKÜSTE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's website -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
