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-The Project Gutenberg eBook of Das Protoplasma der Rhizopoden und der
-Pflanzenzellen., by Max Schultze
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Das Protoplasma der Rhizopoden und der Pflanzenzellen.
-
-Author: Max Schultze
-
-Release Date: September 9, 2022 [eBook #68947]
-
-Language: German
-
-Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed
- Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
- produced from images generously made available by The
- Internet Archive)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PROTOPLASMA DER
-RHIZOPODEN UND DER PFLANZENZELLEN. ***
-
-
- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1863 so weit
- wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
- wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht
- mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
- unverändert.
-
- Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren Umschreibungen
- (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.
-
- Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der
- folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
-
- kursiv: _Unterstriche_
- fett: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
-
- ####################################################################
-
-
-
-
- DAS
-
- PROTOPLASMA
-
- DER
-
- RHIZOPODEN UND DER PFLANZENZELLEN.
-
- EIN BEITRAG
-
- ZUR THEORIE DER ZELLE
-
- VON
-
- MAX SCHULTZE,
- ORD. PROFESSOR DER ANATOMIE UND DIRECTOR DES ANATOMISCHEN INSTITUTES
- IN BONN.
-
- [Illustration]
-
- LEIPZIG,
-
- VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.
-
- 1863.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- pag.
-
- I. +Einleitung+ 1
-
- II. +Das Protoplasma der Rhizopoden+ 10
-
- Die Erscheinung der Körnchenbewegung. Zusammenhang
- dieser Bewegung mit der Contractilität 12
-
- _Unger’s_ Vergleich der Körnchenbewegung mit den
- Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen 13
-
- Meine darauf bezüglichen Arbeiten 14
-
- Versuch, die Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden (die
- sogenannte +Sarkode+) als +Protoplasma+ zu deuten 15
-
- _E. Haeckel’s_ Zustimmung, _Reichert’s_ Opposition 16
-
- Beweis, dass entgegen _Reichert_ die Körnchen in den
- Pseudopodien der Milioliden wirklich existiren 20
-
- Fortsetzung dieses Beweises: Einfluss des destillirten
- Wassers auf die Pseudopodien 21
-
- Einfluss anderer Reagentien, der Wärme, der Zerstörung
- des Thierkörpers auf die Pseudopodien 22
-
- Betrachtungen über die Consistenz der
- Pseudopodiensubstanz 23
-
- Was man beim Aneinanderstossen zweier sich begegnender
- Pseudopodien beobachtet 24
-
- Fütterung mit Carmin und anderen fremden Körpern 26
-
- Verschiedene Consistenz der Pseudopodien bei
- verschiedenen Rhizopoden 28
-
- Consistenzverschiedenheiten an einer und derselben
- Pseudopodie. +Actinophrys Eichhornii+ 29
-
- Zusammensetzung der Pseudopodien von Actinophrys aus
- einer hyalinen Axe und körnigen Rinde 30
-
- Verhältniss beider Bestandtheile zum Thierkörper 30
-
- Verschmelzung der Pseudopodien an der Oberfläche 31
-
- Einfluss von Reagentien auf die Pseudopodien von
- Actinophrys 32
-
- Einfluss der Wärme. Beobachtungen über den Eintritt
- der +Wärmestarre+ bei niedern Thieren 32
-
- Zellenartige Körperchen in der Leibessubstanz von
- Actinophrys 35
-
- Vergleich der Pseudopodien von Actinophrys mit denen
- der Acanthometren und anderer Radiolarien, sowie der
- Polythalamien 36
-
- Einfluss von Reagentien und der Elektricität auf die
- Pseudopodien der Polythalamien 37
-
- III. +Die Bewegungserscheinungen am Protoplasma der
- Pflanzenzellen, verglichen mit denen an den Pseudopodien
- der Rhizopoden+ 39
-
- Die Bewegung am Protoplasma der Pflanzenzellen,
- namentlich der Staubfadenhaare von Tradescantia 40
-
- Einfluss von Reagentien auf diese Bewegungen 42
-
- Einfluss der Elektricität 43
-
- Einfluss höherer Temperaturgrade 46
-
- Hindeutung auf das Vorkommen lebender Organismen in
- heissen Quellen 49
-
- Contractilität ist die Ursache der Bewegung 50
-
- _Brücke’s_ Ansicht über die Natur der Körnchenbewegung 51
-
- Zweifel an der Durchführbarkeit derselben 54
-
- In wie weit Consistenzunterschiede zwischen Rinde und
- Inhalt am Protoplasma bestehen können 58
-
- IV. +Schlussbemerkungen+ 62
-
- Resultate 64
-
- Nachtrag. Lebende Organismen in heissen Quellen 67
-
-
-
-
-I.
-
-Einleitung.
-
-
-In einem Aufsatze »über Muskelkörperchen und das, was man eine Zelle
-zu nennen habe«, welcher in dem Archiv für Anatomie, Physiologie etc.
-herausg. von _Reichert_ und _du Bois Reymond_ Jahrg. 1861 p. 1-27
-abgedruckt ist, habe ich nachzuweisen gesucht, dass in die herrschenden
-Ansichten über die Bestandtheile der Zellen und deren Theilnahme an
-der Gewebebildung bezüglich des thierischen Organismus sich manche
-Glaubenssätze eingemischt haben, welche vor einer strengen Kritik nicht
-Stand halten und deren wir uns entledigen müssen, wenn anders wir die
-Bahn des Fortschrittes auf dem Gebiete der Gewebelehre mit Erfolg
-fernerhin betreten wollen.
-
-Ich versuchte zunächst an dem Beispiele der Muskelkörperchen zu zeigen,
-dass eine befriedigende Beantwortung gewisser in der Histiologie
-seit längerer Zeit aufgeworfener und discutirter Fragen nur deshalb
-nicht möglich gewesen, weil die Dogmen der _Schleiden-Schwann_’schen
-Zellentheorie die Gemüther allzusehr befangen hielten. Ich zeigte, wie
-der lange Zeit geführte heftige Streit über die Bedeutung der Muskel-
-und Bindegewebskörperchen sein Ende finden werde, wenn man es versuchen
-wollte von den herrschenden Lehren über die nothwendigen Bestandtheile
-einer Zelle etwas aufzugeben, und dass diese Abänderung vorzugsweise
-unsere Ansichten über die Zellmembran, über das Verhältniss derselben
-zum Zelleninhalte und zu den sogenannten Intercellularsubstanzen
-betreffen müsse. Zugleich deutete ich an, dass dem sogenannten
-+Zelleninhalte+, oder besser demjenigen Theile der Zelle, welcher der
-von _H. v. Mohl_ +Protoplasma+ genannten Substanz entspricht, eine
-höhere Bedeutung nicht nur für das Zellenleben sondern auch für die
-Gewebebildung thierischer Organismen zuzuschreiben sei, als man bis
-dahin anzunehmen pflegte, und gab die Wege an, auf welchen man diese
-Thätigkeit des Protoplasma besonders augenfällig beobachten könne.
-
-Man hat das Beispiel der Muskelkörperchen ein wenig passendes genannt,
-weil gerade über die Structur und Entwickelung der Muskelsubstanz
-Controversen herrschen, und hat aus der Form dessen, was ich
-(l. c. p. 2) über die Entwickelung der Muskelfaser gesagt habe,
-schliessen wollen, ich stütze mich mehr auf fremde als auf eigene
-Beobachtungen[1]. Ersterer Einwand erledigt sich dadurch, dass ich
-beweisen konnte, wie gerade diese Controversen durch die von mir
-vorgeschlagenen Neuerungen sich bedeutend vereinfachen, und letzterem
-fehlt jede Berechtigung. Meine Angaben über die Entwickelung der
-Muskelfasern sind kurz und daher mehr schematisch gehalten, aber
-dass sie sich auf eigene Beobachtungen stützen liegt in dem Eingange
-zur Mittheilung derselben ausgedrückt, in welchem ich sage: »Für die
-Muskeln wollen wir die zuerst von _Remak_ mit Nachdruck vertheidigte
-+bei Froschlarven leicht zu bestätigende+ Ansicht etc. zu Grunde
-legen.« Uebrigens bemerke ich hier, dass die Mittheilungen von _F.
-E. Schulze_[2] über die Genese der Muskelfasern bei Frosch- und
-Salamanderlarven, welche sich auf unter meinen Augen ausgeführte
-Beobachtungsreihen gründen, den Hergang bei der Entstehung der
-contractilen Substanz aus dem Protoplasma der embryonalen Muskelzelle,
-wie ich ihn kurz beschrieben habe, ausführlich schildern, und diese
-würden also zu widerlegen sein, wenn Jemand eine von der meinigen
-abweichende Ansicht über die Entwickelung der Muskelfasern vorzubringen
-hätte.
-
-Niemand, dem die Ausbildung der allgemeinen Gewebelehre am Herzen
-liegt, wird läugnen wollen, dass das erste Erforderniss zu
-Fortschritten auf diesem Gebiete eine genauere Kenntniss der einzelnen
-Bestandtheile der +Zellen+ und ihrer Theilnahme an der Entwickelung
-der Gewebe sei. Das Bedürfniss nach solchen Fortschritten wird zwar
-auch da empfunden, wo man die Zellentheorie noch nicht verstanden
-hat, und solcher Art ist das Werkchen von _Beale_[3], welches die
-Aufmerksamkeit, die es in vieler Beziehung verdient, deswegen nicht
-finden wird, weil es ausserhalb der Zellentheorie steht. _Beale’s_
-»germinal matter« ist zwar wesentlich das, was wir Protoplasma nennen,
-freilich den Kern mit inbegriffen, und die »formed matter«, das
-Geformte und Formgebende an den Geweben, ist in eine im Wesentlichen
-gewiss richtige Abhängigkeit von dem Protoplasma gebracht. Aber von
-+Zellen+ als Elementartheilen oder Elementarorganismen, von +Kernen+,
-welche vom Protoplasma verschieden und ihm doch so nothwendig sind, ist
-nicht die Rede. Die grosse und unveräusserliche Entdeckung der Zelle
-ist dem Verfasser nur von historischem Interesse.
-
-Dass es von den einzelnen Bestandtheilen der Zellen aus vielen
-Gründen vornehmlich das +Protoplasma+ sei, als die veränderlichste,
-beweglichste, an allen Lebenserscheinungen der Zelle einen
-unzweifelhaft sehr lebhaften Antheil nehmende Substanz, auf welche
-wir unsere Aufmerksamkeit zu richten haben, wird ernstlich nicht
-bestritten werden können. Die Botaniker sind nach _H. v. Mohl’s_
-denkwürdigen Arbeiten längst zu der Ueberzeugung gekommen, dass von
-dem Protoplasma nicht nur die Bildung der Zellmembran, sondern auch
-die inneren Veränderungen, der Stoffwechsel der Zelle in erster
-Linie abhängen. Die merkwürdigen Bewegungserscheinungen, welche das
-Protoplasma vieler Pflanzenzellen darbietet, geben sodann einen
-sichtbaren Ausdruck von dem hohen Grade der Lebensthätigkeit, welche
-in dieser Substanz herrscht. Wenn ich das Protoplasma bei Beurtheilung
-des +Zellenlebens+ so hoch stelle, dass mir die Bedeutung der Membran
-daneben verschwindend klein vorkommt, so kann darin selbstverständlich
-nicht die Meinung gefunden werden, die Membran habe überhaupt
-keine Bedeutung. Sie liegt nur auf einer anderen Seite als die des
-Protoplasma. Die Membran ist vor allen Dingen für die +Gewebebildung+
-absolut nothwendig, sobald es sich um die Erreichung einer höheren
-Differenzirung und einer grösseren Festigkeit des Gewebes handelt, die
-das Protoplasma für sich allein nie geben kann. So können unter den
-Pflanzen die Schleimpilze und auch diese nur während einer gewissen
-Lebensperiode der vom Protoplasma differenten Zellmembran entbehren.
-Jede grössere Festigkeit und höhere Differenzirung des pflanzlichen
-Organismus bedingt dagegen an wenigstens den bei weitem meisten
-Zellen die Membranbildung. Das Protoplasma hat im Grossen und Ganzen
-im lebendigen Zustande überall, wie es scheint eine sehr geringe,
-zur Bildung festerer Gewebe nicht ausreichende Dichtigkeit. Durch
-Ablagerung fremdartiger Stoffe in sich, wie Amylon, Kleber etc. kann
-es allerdings im Ganzen eine grössere Festigkeit annehmen. Auch kann
-nicht geläugnet werden, dass die relative Menge des Protoplasma auf die
-Consistenz der Pflanzentheile im Allgemeinen einen Einfluss ausübe.
-Aber alle auffallenderen Unterschiede in der Dichtigkeit und Festigkeit
-gegebener Pflanzentheile gründen sich vornehmlich auf Verschiedenheiten
-der +Zellmembranen+. Dass lebende und todte Pflanzentheile eine
-verschiedene Consistenz besitzen, kann keinen Gegengrund gegen Obiges
-abgeben, denn die Durchfeuchtung der Zellmembran, welche im lebenden
-und im todten Pflanzentheile verschieden ausfällt, kann Unterschiede
-bedingen.
-
-So ist es meiner Ueberzeugung nach auch in thierischen Geweben. Die
-Membran wird nöthig, sobald es sich um Gewebebildung handelt, aber
-die Zelle als solche kann auch ohne eine vom Protoplasma verschiedene
-Membran bestehen. Wie die Schleimpilze unter den Pflanzen, so sind
-manche Protozoen unter den Thieren von so einfacher Organisation, von
-so geringer Festigkeit, dass das Protoplasma allein zu ihrer Bildung
-genügt. Gehen wir aber über diese einfachsten thierischen Organismen
-hinaus, so ist die Zellmembran ebenso nothwendig wie bei den Pflanzen,
-sobald es sich um höhere Differenzirung und festere Gewebe handelt. Da
-aber im thierischen Körper manche Gewebe eine viel grössere Consistenz,
-als das Protoplasma an sich zu geben vermag, auch im erwachsenen
-Zustande nicht besitzen, so wird der Fall, dass membranlose Zellen
-vorkommen bei Thieren viel häufiger als bei Pflanzen eintreten können.
-
-Ich will damit nur angedeutet haben, dass mir die in die Augen
-fallendste Bedeutung der Zellmembran die die Festigkeit des Gewebes
-bedingende, die eines Skeletes zu sein scheint, gegenüber der
-Bedeutung des Protoplasma als eigentlich lebendiger Substanz der
-Zelle. Selbstverständlich kann und wird die Zellmembran nebenbei noch
-viele andere wichtige Functionen haben. Die Zellmembran als Form
-und Festigkeit gebende Kapsel um das weiche Protoplasma ist aber in
-dieser ihrer Bedeutung von der des Protoplasma so verschieden, dass
-sie letzterem sogar hinderlich werden kann. Wozu hätten sonst die
-dicken Zellmembranen der Pflanzen Porencanäle, die von benachbarten
-Zellen stets genau aufeinander stossen, und bis auf die sogenannte
-primäre Zellmembran vordringen? In diesem Sinne konnte ich in meinem
-oben citirten Aufsatze sagen (l. c. p. 21): »dass man sogar die
-Behauptung vertheidigen könnte, die Bildung einer chemisch differenten
-Membran auf der Oberfläche des Protoplasma sei ein Zeichen beginnenden
-+Rückschrittes+, die Zellmembran gehöre so wenig zum Begriff einer
-Zelle, dass sie sogar als Zeichen herannahender Decrepidität oder
-doch wenigstens eines Stadiums zu betrachten sei, auf welchem die
-Zelle in den ihr ursprünglich zukommenden Lebensthätigkeiten bereits
-eine bedeutende Einschränkung erlitten habe«. Die Form dieses
-Satzes, welchen ich unverkennbar als einen hinstelle, dessen Inhalt
-nicht absolut nothwendig aus dem Voranstehenden folgt, sondern nur
-etwa wie aus Laune +vertheidigt werden könnte+, hätte meine Gegner
-abhalten sollen, ihn gerade als die Spitze meiner Reformbestrebungen
-hinzustellen und gegen ihn die ganze Kraft der herrschenden Ansichten
-aufzubieten.
-
-Doch ich habe mich noch über andere Dinge zu beklagen. Meine
-Behauptung, dass eine Membran zum Begriff der Zelle nicht nothwendig
-gehöre, bezieht sich auf eine, wie ich immer wiederholt habe, +vom
-Protoplasma chemisch differente+, oder wie ich mich auch kürzer
-ausdrücke, +vom Protoplasma differente Membran+, d. h. also auf eine
-vom Protoplasma verschiedene, folglich von ihm abhebbare Haut, welche
-übrig bleiben muss, wenn das Protoplasma entfernt wird, welche faltbar
-oder starr wenn auch noch so dünn immer etwas Selbstständiges neben dem
-Protoplasma darstellt. Eine solche läugne ich an der Oberfläche der
-Furchungszellen, läugne ich auf der Oberfläche der Hydra-Zellen, der
-Amoeben und Myxomyceten etc. _Schleiden_ und _Schwann_ hielten eine
-solche zum Begriffe der Zelle für nöthig, ich behaupte, und bin nicht
-der erste, der es behauptet, dass die Annahme einer solchen Membran
-in vielen Fällen ganz willkürlich geschehen, dass ihre Anwesenheit
-an vielen Zellen sich nicht nachweisen lasse, und dass sie uns also
-fernerhin nicht als nothwendiges Attribut der Zelle erscheinen könne,
-eine Ansicht, welcher _Brücke_[4] später vollkommen beigetreten ist
-und die von ihm in manchen Stücken noch erweitert wurde. _Reichert_
-tritt mit grosser Entschiedenheit dieser Annahme gegenüber[5]. Aber
-schon bei dem ersten Beispiele, den Furchungszellen, denen ich eine
-vom Protoplasma chemisch differente Membran abspreche, schiebt er
-mir den Ausdruck +Grenzschicht+ oder +Lamelle+ statt Membran unter,
-den ich nie gebraucht habe, und sagt dann bezüglich meiner Worte vom
-+Protoplasma, chemisch different+, »+den Sinn dieses Ausdruckes habe
-ich nicht verstanden+« (l. c. p. 97). Man begreift worauf das hinaus
-will. Der berühmte Zellentheoretiker weiss nicht, oder will nicht
-wissen, was eine vom Protoplasma chemisch differente Membran sei, um
-nicht den nach seinem ganzen Auftreten gegen mich erwarteten Beweis
-der Anwesenheit einer solchen Membran bei den fraglichen Zellen führen
-zu müssen. Ja selbst das Wort +Membran+ schwindet unter der Hand und
-wird in Grenzschicht verwandelt, um mit dem Anschein als wenn ich die
-einfachsten Dinge übersehen hätte, die Existenz von etwas zu beweisen,
-was ich nie geläugnet habe. Und wenn _Reichert_ (l. c. p. 100) in
-Verfolg seiner irrthümlichen Annahme, dass ich hyaline Grenzschichten
-auf der Oberfläche des körnigen Protoplasma läugne, sagt: »Als einen
-Irrthum muss ich es ferner bezeichnen, wenn _M. Schultze_ die +Amoeben+
-und +Myxomyceten+ als Organismen bezeichnet, welche nur aus einem
-körnerhaltigen, schleimhaltigen, organischen Stoff bestehen. Dem
-Verfasser ist es wohl bekannt, dass _Lieberkühn_ an den Amoeben eine
-festere hyaline Grenzschicht neben dem körnerhaltigen, mehr flüssigen
-Inhalte des Leibes dargestellt hat, und ich muss hinzufügen, dass
-ich selbst bei Herrn _Cienkowsky_ eine von dem eingeschrumpften (?)
-körnerreichen Inhalte deutlich abstehende Grenzschicht auch bei den
-Myxomyceten gesehen habe«, so habe ich dem einfach gegenüberzustellen,
-was ich über diese Organismen in dem von _Reichert_ seiner Polemik
-zu Grunde gelegten Aufsatze sage (Ueber Muskelkörperchen etc. p.
-15, der einzigen Stelle wo ich über Myxomyceten spreche): »Auch
-die beiden Bestandtheile, hyaline Grundsubstanz und eingebettete
-Körnchen, unterscheidet man leicht, da +wie bei vielen Zellen die
-hyaline Grundsubstanz eine oft ansehnlich breite+ =Rindenschicht=
-+bildet+.« Und von den Amoeben pag. 18: »Manche Species zeichnen sich
-durch ein weicheres, zerfliesslicheres Protoplasma vor anderen aus.
-Wie es lebhafte Amoeben (A. diffluens) und träge, äusserst langsam
-kriechende giebt, bei ersteren die +Rindensubstanz+ feinkörnig und sehr
-vergänglich, bei letzteren +ganz hyalin und gegen Säuren und Alcalien
-verhältnissmässig resistent+ ist, so giebt es auch bei den grösseren
-Rhizopoden Verschiedenheiten der Art im beweglichen Protoplasma.«
-
-Meine Beobachtungen über die Verschiedenheiten im Aussehen und der
-Dichtigkeit des Protoplasma an verschiedenen Zellen und an einer
-und derselben Zelle, sowie über den Gegensatz von Protoplasma und
-Zellflüssigkeit, haben mich bezüglich der thierischen Gewebe zu
-einer Ansicht geführt, welche im Wesentlichen ganz mit derjenigen
-übereinstimmt, welche im Anschluss an _v. Mohl’s_ bahnbrechende
-Arbeiten _Pringsheim_ bereits vor Jahren[6] über das Protoplasma
-der Pflanzenzellen ausgesprochen hat. Im Gegensatze zu der damals
-herrschenden Primordialschlauchtheorie machte jener ausgezeichnete
-Beobachter geltend, dass Alles, was nach innen von der Zellstoffhaut
-einer lebendigen Pflanzenzelle liegt, zwar eine sehr complicirte
-Anordnung und auch eine Schichtung zeigen könne, dennoch aber
-wesentlich aus nichts anderem bestände, als aus Protoplasma und
-Zellflüssigkeit. In den meisten nicht gar zu kleinen Pflanzenzellen ist
-das Protoplasma von einer Zellflüssigkeit (Intracellularflüssigkeit
-_Brücke_) so geschieden, dass ersteres in einer hautartig
-zusammenhängenden, oder netzförmig durchbrochenen Schicht der
-Innenseite der Cellulosewand anliegt, dabei Chlorophyll- und andere
-Körner auch den Zellkern in sich einschliesst, während die geformte
-Bestandtheile nicht enthaltende Zellflüssigkeit den inneren Raum der
-Zelle einnimmt. In einzelnen Fällen durchsetzen diesen inneren Raum
-freie Protoplasmabalken, welche, wenn zahlreich, ein complicirtes
-Netzwerk bilden und alle geformten Substanzen, welche überhaupt
-im Protoplasma vorkommen, folglich auch den Zellkern, enthalten
-können. Statt der freien Balken können auch leisten- oder riffartige
-Vorsprünge des Protoplasma in die Zellflüssigkeit vorhanden sein. In
-der Wandschicht des Protoplasma tritt öfter eine deutliche Schichtung
-hervor, indem sich eine äussere +hyaline+, körnchenfreie +Rinde+ von
-einer zweiten, körnchenhaltigen, an die Zellflüssigkeit grenzenden
-Lage scheidet. _Pringsheim_ bezeichnet beide als +Hautschicht+ und
-+Körnerschicht+ des Protoplasma. Auch in letzterer, wenn sie dick ist,
-können wieder Verschiedenheiten nach Ansehn und Inhalt beobachtet
-werden (l. c. p. 8), indem die Chlorophyllkörner in solchem Falle
-allein der Hautschicht anliegen, die der Zellflüssigkeit angrenzende
-Partie des Protoplasma dagegen nur +farblose+ körnige Bildungen
-einschliesst. Die Hautschicht des Protoplasma befindet sich nach
-_Pringsheim_ in vielen Fällen im Zustande langsamer Verdichtung, und
-wird endlich in allmählichem Uebergange zu einer vom Protoplasma
-chemisch differenten Haut. Diese Hautschicht, bevor sie Cellulosehaut
-wird, oder in anderen Fällen die ganze Wandschicht des Protoplasma,
-ist es, welche von _H. v. Mohl_ +Primordialschlauch+ genannt und von
-ihm und vielen Anderen als eine besondere Membran der Zelle angesehen
-wurde. Sie ist, wie _Pringsheim_ nachweist, entweder Protoplasma,
-dann kann sie natürlich nicht Membran der Zelle sein, oder sie ist
-Cellulosehaut, dann gehört sie den Verdickungsschichten der bereits
-vorhandenen Zellmembran an und kann wiederum von dieser nicht als etwas
-besonderes getrennt werden. So kommt _Pringsheim_ zu der Annahme, dass
-der von _H. v. Mohl_ unterschiedene Primordialschlauch nicht als eine
-zweite, von der Zellstoffhaut verschiedene Hülle der Pflanzenzelle
-existire, und ich habe bereits in meinem Aufsatze über Muskelkörperchen
-etc. p. 11 darauf hingewiesen, dass nach dem gegenwärtigen Zustande
-der Lehre von der Pflanzenzelle die Frage, ob der Primordialschlauch
-als +eine von Protoplasma differente Membran+ aufrecht erhalten werden
-könne, als zu Gunsten _Pringsheim’s_ entschieden angesehen werden darf.
-
-Wenn es nun bei thierischen Zellen, einmal ihrer verhältnissmässig
-geringen Grösse wegen, und sodann weil sie im Durchschnitt reicher
-an Protoplasma sind, seltener als bei Pflanzenzellen zu der scharfen
-Scheidung einer Wandschicht von Protoplasma und einer Zellflüssigkeit
-kommt, so existirt doch, wie an jungen Pflanzenzellen, +bei denen
-diese Scheidung ebenfalls noch nicht eingetreten+, ein Unterschied
-in der Beschaffenheit des Protoplasma der Art sehr gewöhnlich,
-dass eine +Hautschicht+ des Protoplasma, d. i. die bei den Amoeben
-erwähnte hyaline, körnchenlose oder körnchenarme +Rinde+ die übrige
-körnchenreichere Protoplasmasubstanz überzieht. Ich habe auf diese
-hyaline Rinde z. B. bei den embryonalen Muskelzellen hingewiesen und
-die Beobachtungen _Remak’s_ über das vermeintliche Abheben einer
-Membran unter Wasserzusatz auf diese Rindenschicht zurückgeführt (l. c.
-p. 10). Sie ist bei den farblosen Blutkörperchen, wo sie vorzugsweise
-Sitz der amoebenartigen Bewegungen ist, bei den Speichelkörperchen,
-bei Knorpelzellen und während der embryonalen Entwickelung an fast
-allen Zellen zu beobachten. Sie ist unendlich oft für eine Membran
-angesehen worden und doch lässt sich kein einziger Beweis beibringen,
-dass sie etwas anderes als Protoplasma sei. Man hat sie mit dem
-Primordialschlauch verglichen, und das ist das beste was man über sie
-ausgesagt hat. Aber wie der Primordialschlauch als eine besondere
-Membran der Zelle gefallen ist, wird man sie dadurch nicht als
-Zellmembran stempeln. Für mich ist hiernach kein Zweifel darüber übrig,
-was an der thierischen Zelle den Bestandtheilen der Pflanzenzelle
-entspricht. Ich glaube das auch in meinen früheren Aufsätzen
-deutlich genug ausgesprochen zu haben, um mich über den Standpunkt
-im höchsten Grade verwundern zu dürfen, den _Reichert_ mir gegenüber
-einnimmt. Er will beweisen, dass Zellen, denen ich die Membran
-abspreche, eine solche zukomme, indem er auf den Primordialschlauch
-zurückgeht, den ich als Rindenschicht des Protoplasma nie geläugnet
-habe, von dem aber durch _Pringsheim_ bewiesen ist, dass er eine
-vom Protoplasma differente Membran, um die es sich bei mir allein
-handelt, nicht darstellt. Und um endlich Alles zu verwirren, wird
-auch noch der Ausdruck Protoplasma willkürlich als ein ganz nach
-Belieben gebrauchter bezeichnet, dessen Verwendung in der Lehre
-von der thierischen Zelle nur Nachtheil bringen könne[7]. Somit
-fehlt jeder Boden der Verständigung zwischen uns und verzichte ich
-darauf, auf die Einzelheiten weiter einzugehen. Dem Thatsächlichen
-gegenüber bemerke ich nur noch, dass ich die drei Hauptsätze in der
-Opposition _Reichert’s_, seine Mittheilungen über den Faltenkranz des
-sich furchenden Froscheies[8], die Eröffnungen über die sogenannte
-Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Polythalamien[9] und die
-Abweisung der Möglichkeit einer Zusammenstellung des Protoplasma der
-Pflanzenzellen mit der Substanz der Pseudopodien der Rhizopoden[10]
-als vollkommen unhaltbare kennzeichnen werde. Ueber den erstgenannten
-Gegenstand behalte ich mir das Nähere für eine andere Gelegenheit vor,
-letztere beiden Punkte finden in Nachstehendem ihre Erledigung.
-
-
-
-
-II.
-
-Das Protoplasma der Rhizopoden.
-
-
-Wie ich zu wiederholten Malen erprobt habe, ist es nicht schwer,
-+Foraminiferen+ lange Zeit in Gläsern lebendig zu erhalten und lebend
-weite Strecken zu transportiren. So gelang es mir auch neuerdings eine
-grosse Zahl solcher Thiere, welche ich an der Südküste Englands bei
-Weymouth gesammelt hatte, nach Bonn zu bringen und hier eine Reihe
-von Monaten lebendig zu beobachten. Diese Thiere und eine grosse
-Anzahl Exemplare von +Actinophrys Eichhornii+, welches interessante
-Thier an einer bestimmten Localität in der Nähe von Bonn in grosser
-Quantität fast das ganze Jahr hindurch vorkommt, dienten zu den hier
-mitzutheilenden Untersuchungen. Dieselben wurden zunächst unternommen,
-um über die Natur der die Pseudopodien bildenden Substanz und die
-eigenthümliche Bewegung, welche man an derselben wahrnimmt, die
-sogenannte +Körnchenbewegung+, weitere Beobachtungen zu sammeln. Die
-Foraminiferen strecken zu einer grösseren oder zu vielen kleineren
-Oeffnungen ihrer Schale Fäden einer durchsichtigen körnerreichen
-Substanz aus, welche einen hohen Grad von Veränderlichkeit ihrer
-Gestalt und Länge besitzen, es sind die sogenannten Pseudopodien.
-Dieselben verlaufen divergirend, theilen sich meist unter spitzen
-Winkeln, verbinden sich unter einander netzförmig. Sie sind in einer
-fortwährenden Bewegung begriffen und diese äussert sich theils in
-einer Veränderung der Anordnung, in einer Verlängerung, Verkürzung,
-Theilung, Verschmelzung, Brücken- und Netzbildung, theils in einer
-+inneren Bewegung+, welche auch denjenigen Fäden nicht abgeht, welche
-keine der ebengenannten mehr äusserlichen Veränderungen zeigen, also
-sozusagen in Ruhe sind. Diese innere Bewegung ist die sogenannte
-+Körnchenbewegung+. Es ist ein Gleiten, ein Fliessen der in die
-Fadensubstanz eingebetteten Körnchen. Mit grösserer oder geringerer
-Schnelligkeit ziehen sie in dem Faden entweder dem peripherischen Ende
-desselben zu, oder in der umgekehrten Richtung, oft sogar selbst an
-den dünnsten Fäden in beiden Richtungen zugleich. Körnchen, die sich
-begegnen, ziehen entweder einfach aneinander vorbei oder bewegen sich
-umeinander, bis nach einer kleinen Pause beide ihre ursprüngliche
-Richtung fortsetzen oder eins das andere mit sich nimmt. Wie auf einer
-breiten Strasse die Spaziergänger, so wimmeln an einem breiteren Faden
-die Körnchen durcheinander, wenn auch manchmal stockend und zitternd,
-doch immer eine bestimmte der Längsrichtung des Fadens entsprechende
-Richtung verfolgend. Oft stehen sie mitten in ihrem Laufe still und
-kehren dann um, die meisten jedoch gelangen bis zum äussersten Ende
-der Fäden und wechseln hier erst ihre Richtung. Nicht alle Körnchen
-eines Fadens bewegen sich mit gleicher Schnelligkeit, so dass oft
-eins das andere überholt, ein schnelleres das langsamere zu grösserer
-Eile treibt oder an dem langsameren in seiner Bewegung stockt. Wo
-mehrere Fäden zusammenstossen, sieht man die Körnchen von einem auf
-den anderen übergehen. An solchen Stellen befinden sich oft breitere
-Platten, welche aus einer stärkeren Anhäufung der Fadensubstanz
-hervorgegangen sind, und aus welchen dann wie selbstständige Fortsätze
-weitere Fäden sich entwickeln, oder in welche bereits bestehende
-wie eingeschmolzen werden. Viele Körnchen laufen offenbar ganz an
-der äussersten Oberfläche der Fäden, über welche man sie deutlich
-hervorragen sieht. Vielleicht haben alle diese oberflächliche Lage.
-Ausser den kleinen Körnchen sieht man oft grössere Substanzklümpchen
-wie spindelförmige Anschwellungen oder seitliche Auftreibungen eines
-Fadens in ähnlicher Bewegung wie die Körnchen. Selbst fremde Körper,
-welche der Fadensubstanz anhaften und in sie aufgenommen worden,
-schliessen sich dieser Bewegung an. Das sind die Haupterscheinungen
-der Körnchenbewegung, wie sie von mir[11] und in Uebereinstimmung mit
-meiner Beschreibung von _Joh. Müller_[12] und _E. Haeckel_[13] theils
-an Polythalamien, theils an anderen Rhizopoden geschildert worden ist.
-
-Dass die merkwürdige, das Auge stets neu fesselnde, ganz
-einzig dastehende Körnchenbewegung mit der +Contractilität+
-der Pseudopodiensubstanz, wie sie sich in den eigentlichen
-Zusammenziehungen äussert, in Verbindung zu bringen sei, daran sind
-nie Zweifel ausgesprochen worden, haben wir doch zur Bezeichnung des
-inneren Grundes selbstständiger thierischer Bewegungen keinen anderen
-Ausdruck als den der Contractilität. Aber was die Körnchenbewegung
-mit den Contractionserscheinungen an anderen contractilen Theilen,
-am Muskelgewebe gemein habe, darüber hatte bisher Niemand auch nur
-Vermuthungen geäussert. Ich habe die Bewegung der Körnchen ein Fliessen
-genannt, und da die Körnchen offenbar sich nicht activ bewegen, sondern
-nur den Bewegungen der Grundsubstanz folgen, so musste diese natürlich
-auch als in fliessender Bewegung begriffen bezeichnet werden. Damit ein
-Faden sich verlängern könne, müssen ganze Massen von Substanz ihren Ort
-wechseln, was man oft an fortschreitenden grösseren Substanzklümpchen
-beobachtet. Nimmt man diesen Ortswechsel an grösseren Massen der
-Pseudopodiensubstanz wahr, so liegt offenbar kein Grund vor, die
-Möglichkeit eines solchen Ortswechsels für kleinere Abtheilungen der
-Substanz zu läugnen. Somit erschien es am natürlichsten, auch die
-Körnchenbewegung auf ein Gleiten kleiner Partikelchen der Grundsubstanz
-mit eingebetteten Körnchen zurückzuführen, wie man dasselbe für etwas
-grössere Substanzmassen direct beobachten kann. So erklärt sich der
-Ausdruck +fliessende+ Bewegung der Grundsubstanz, welcher zugleich
-eine Hindeutung auf die eigenthümliche Consistenz der contractilen
-Pseudopodiensubstanz enthält, welche in Betracht der merkwürdigen
-Innenveränderungen, welche an ihr zur Beobachtung kommen, an die einer
-Flüssigkeit erinnert.
-
-Bei der Isolirtheit, in welcher unter allen Bewegungserscheinungen
-im Thierreiche die Körnchenbewegung der Pseudopodien stand, musste
-es das höchste Interesse erregen, als ein Analogon der räthselhaften
-Pseudopodiensubstanz an ganz anderer Stelle der organischen Natur
-aufgefunden wurde, als man eine Identität in den Bewegungserscheinungen
-der +Polythalamienfäden+ und der +im Hohlraum einer Pflanzenzelle
-ausgespannten Protoplasmafäden+ erkannte. _Unger_[14] gebührt das
-Verdienst, der Wissenschaft zu diesem Fortschritt verholfen zu haben.
-Freilich ohne die Pseudopodien der Polythalamien aus eigener Anschauung
-zu kennen, nur gestützt auf die von mir gegebenen Beschreibungen
-und Abbildungen erkannte er, was sich glänzend bewahrheitet hat,
-die bis zur Uebereinstimmung gesteigerte Aehnlichkeit in dem Ansehn
-und den Bewegungen der Rhizopodenfortsätze und der sogenannten
-+Protoplasmaströme in vielen Pflanzenzellen+. Nach ausführlichen
-Betrachtungen über die Art der Bewegung bei letzteren kommt er zu dem
-Schluss (p. 280): »Die nächste Ursache der Saftbewegung in den Zellen
-kann weder in der Diasmose noch in der Einwirkung des Kernbläschens
-auf den Zellinhalt, noch in irgend einer mechanischen Einrichtung, wie
-z. B. in Flimmerorganen u. s. w. gesucht werden, sondern sie liegt
-vielmehr in der Beschaffenheit des sich bewegenden Protoplasma, welches
-als ein vorzugsweise stickstoffhaltiger Körper nach Art jener einfachen
-contractilen thierischen Substanz, welche man Sarcode nennt, in der
-Form einer rhythmisch fortschreitenden Contraction und Expansion in die
-Erscheinung tritt.« Und weiter (p. 282): »Alles diess deutet darauf
-hin, dass das Protoplasma nicht als eine Flüssigkeit, sondern als eine
-halbflüssige +contractile+ Substanz angesehen werden müsse, die der
-thierischen Sarcode zunächst vergleichbar ist, wo nicht gar identisch
-mit dieser zusammenfällt.« »Vergleicht man die Sarcodesubstanz niederer
-Thiere, namentlich der Rhizopoden, mit dem Protoplasma, wie es sich
-in den Pflanzenzellen in der Regel darstellt, so wird man durch die
-Uebereinstimmung beider in Form, Beschaffenheit und Wirksamkeit in der
-That sehr überrascht.« Es folgt jetzt eine umständliche Vergleichung
-der von mir gegebenen Beschreibung der Bewegungen von +Amoeba
-porrecta+ mit den Erscheinungen der Protoplasmabewegungen in den jungen
-Samenlappen der Wallnuss, nach welcher _Unger_ erklärt, dass erstere
-auch in allen Stücken auf das pflanzliche Object passe.
-
-Durch diese Angaben war die eigenthümliche Bewegungsform der
-Pseudopodien der Polythalamien aus ihrer Isolirtheit herausgetreten
-und für ihre Betrachtung ein neues Feld eröffnet. Zunächst
-musste eine weitere Feststellung des Thatbestandes in so fern
-wünschenswerth erscheinen, als _Unger_ aus eigener Anschauung nur
-das pflanzliche Object kannte. So widmete ich mich, nachdem mir die
-Angaben _Unger’s_ bekannt geworden, einem ausführlichen Studium der
-Bewegungserscheinungen des Protoplasma der Pflanzenzellen, deren ich
-bis dahin nur die der Nitellen beobachtet hatte, welche mir, wie aus
-der eigenthümlichen Art der hier vorkommenden Bewegungen natürlich
-erscheint, keinen Anknüpfungspunkt zu einer Vergleichung derselben mit
-der Sarkode der Rhizopoden gegeben hatte. Ein viel günstigeres Object
-sind die Staubfadenhaare der Tradescantien. Die Beobachtung derselben
-bestärkte in mir immer fester die Ueberzeugung, dass in der That die
-vollkommenste Uebereinstimmung in der Bewegungsform der scheinbar so
-himmelweit verschiedenen Substanzen herrsche. Als ich auf Helgoland
-Gelegenheit fand, Protoplasmabewegungen in Diatomeen mit Pseudopodien
-von Rhizopoden direct zu vergleichen, theilte ich meine Erfahrungen,
-auch die Beobachtungen, welche ich an Tradescantia angestellt hatte,
-ausführlich mit[15].
-
-Doch enthielt ich mich damals noch aller die Natur der Sarkode
-der Rhizopoden betreffenden Schlüsse, zu denen die vorliegenden
-Beobachtungen hindrängten, indem ich mich darauf beschränkte die
-Tragweite der letzteren mit folgenden Worten anzudeuten (l. c. p. 337):
-»Die geschilderten Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen können
-nach meiner Meinung nicht unberücksichtigt bleiben, wenn es sich um
-eine Deutung der räthselhaften Lebenserscheinungen der Sarkodefäden
-bei den Rhizopoden handelt, und empfehle ich das vergleichende Studium
-der ersteren namentlich Denen, welche eine Zusammensetzung z. B. der
-Polythalamienfäden aus kleinen Zellen für möglich und wahrscheinlich
-halten. Bei Tradescantia verlaufen, wie es scheint, dieselben
-Erscheinungen, welche dort auf thierisches Leben bezogen werden
-müssen, an unzweifelhaftem Zelleninhalt.«
-
-Wenn ich damals anstand die Pseudopodiensubstanz dem Protoplasma
-der Zellen gleichwerthig zu erklären, so lag das an der sehr
-gerechtfertigten Besorgniss durch einen solchen Ausspruch von dem Worte
-Protoplasma an einem Orte Gebrauch zu machen, wo nach den herrschenden
-Ideen über die nothwendigen Bestandtheile einer Zelle von Zellen, also
-auch von Protoplasma, nicht die Rede sein konnte. Es war ein ähnlicher
-Fall, wie wir ihn mit den Muskelkörperchen erlebt haben. Die Schranken
-der dominirenden Zellentheorie liessen es nicht zu, die schwebende
-Frage in dem Sinne zu lösen, zu welchem die Natur offenbar hindrängte.
-Es musste sich also zunächst die Frage aufwerfen, ob die Theorie nicht
-einer Erweiterung fähig sei, welche den natürlichen Verhältnissen mehr
-Rechnung trage ohne doch das einmal als richtig und wichtig Erkannte
-zu zerstören. Diese Angelegenheit brachte ich in den unten genannten
-beiden Aufsätzen zur Sprache. Ich suchte nachzuweisen, dass zum Begriff
-der Zelle die Membran nicht nothwendig gehöre, dass vielmehr eine
-gewisse Menge einer Substanz mit den Eigenschaften des Protoplasma
-wie _H. v. Mohl_, _Pringsheim_ u. A. es bei den Pflanzenzellen kennen
-gelehrt haben, nebst einem Kern als Zellenkern in diesem Protoplasma
-dasjenige repräsentire, was als Wesen der lebendigen Zelle angesehen
-werde. Es konnte mir selbstverständlich nicht in den Sinn kommen, die
-Membran, wo sie sicher nachzuweisen ist, zu läugnen, und ihre hohe
-Wichtigkeit als formgebend und die Festigkeit der Gewebe bedingend
-zu bestreiten, es handelte sich nur darum, ob das Protoplasma eine
-solche Selbstständigkeit besitzen könne, dass es auch ohne äussere, von
-ihm verschiedene Membran existiren, leben, und mit seinem Kerne das
-darstellen könne, was wir als das Wesen einer Zelle vom physiologischen
-Standpunkte aus betrachten. Wenn nun, wie ich Grund fand anzunehmen,
-zum Begriff der Zelle, also auch des Protoplasma, die Membran nicht
-gehöre, man also von nacktem Protoplasma sprechen konnte, so war das
-Hinderniss überwunden, die Rhizopodenpseudopodien, welche eine von der
-contractilen Substanz differente Membran nicht besitzen, als Theile
-einer Zelle, als Protoplasma anzusehen, mit welcher Substanz, wie sie
-uns in gewissen Pflanzenzellen entgegentritt, sie einen so hohen Grad
-der Uebereinstimmung zeigen. Ich schlug endlich vor das missliebige,
-weil in einer gewissen Opposition zur Zellentheorie stehende, Wort
-+Sarkode+ ganz zu verbannen und mit dem Worte +Protoplasma+ zu
-vertauschen, »+in welchem der Triumph der Zellentheorie auch über diese
-niedersten organischen Gebilde ausgedrückt liegt+[16].«
-
-_Ernst Haeckel_ hat sich in seiner auf den umfassendsten Untersuchungen
-beruhenden ausgezeichneten Monographie der Radiolarien meinen Ansichten
-über das Wesen der sogenannten Sarkode vollkommen angeschlossen, und
-hat dieselben durch neue Beispiele wesentlich gestützt.
-
-Ein heftiger Gegner ist ihr in _Reichert_ erwachsen[17]. Obgleich
-derselbe früher gegen die Sarkodetheorie _Dujardin’s_ gerade aus dem
-Grunde ankämpfte[18], weil sie »das wichtige und so durchgreifende
-Naturgesetz, demzufolge die Geschöpfe der organischen Natur durch
-Vermittelung der Zelle gezeugt, entwickelt, gebildet werden, für eine
-Abtheilung und zwar thierischer Geschöpfe eliminirt«, so scheint
-ihm die neue Wendung, nach welcher die Zellentheorie einen Triumph
-auch über die niedersten thierischen Organismen feiert, nicht
-weniger verderblich. _Reichert_ sieht jetzt in der Verherrlichung
-des +Protoplasma+ die alte Lehre vom lebenskräftigen Urschleim neu
-auferstanden, und bekämpft die »Hypothese des unsichtbar organisirten
-Zelleninhaltes« (Archiv etc. 1862, p. 640), wie wenn er der
-ausgesprochenste Gegner der Zellentheorie wäre. Wenn sich _Reichert_
-das »Unbegreifliche« erst »verständlich« machen muss, »wie man auf
-den Gedanken gerieth, die +Saftströmungen in den Zellen+ mit den
-+Contractionsströmungen an den Pseudopodien+ zu identificiren« (l. c.
-p. 646), so geht daraus zwar hervor, dass seine Opposition mehr auf
-theoretischen Bedenken als auf Beobachtungen beruht. Denn unbegreiflich
-und unverständlich muss es genannt werden, wenn Jemand, der die
-Polythalamien im Leben beobachtet hat, über die frappante Aehnlichkeit
-der Bewegung des Protoplasma in den Tradescantia-Zellen mit obigen
-Worten urtheilt. Dennoch müssen wir etwas ausführlicher auf eine Seite
-seiner Opposition eingehen, die nämlich, welche sich auf meine und der
-anderen bisherigen Beobachter Angaben über die +Körnchenbewegung+ und
-das +»angebliche Zusammenfliessen« der Scheinfüsse der Polythalamien+
-bezieht, sowohl um des Gegenstandes selbst willen, als in so fern
-daraus Angriffe gegen die Protoplasmatheorie überhaupt abgeleitet
-werden[19].
-
-Nach _Reichert_ giebt es in der Substanz der Pseudopodien der
-Polythalamien gar keine Körnchen, folglich auch keine Körnchenbewegung.
-Letztere ist eine optische Täuschung, dadurch entstanden, dass man
-+Wellen der Oberfläche+ der Fäden für +Körnchen+ in der Substanz
-gehalten hat. »Das Thier (l. c. p. 647), an welchem ich die
-Körnchenbewegung zum ersten Male beobachtete, liess dieselbe nur an
-einzelnen Fäden wahrnehmen, und es gab zugleich Momente, in welchen
-die sichtbaren, ausgestreckten Pseudopodien sich völlig ruhig
-verhielten. Die Körnchenbewegung gab sich ferner so zu erkennen, wie
-es _Max Schultze_ und _Joh. Müller_ beschrieben haben, als ein +an
-der Oberfläche+ des Fadens sich hin- oder zurückbewegendes Korn oder
-Körnchen. Ich muss jedoch hinzufügen, dass die Bewegung des Korns
-nicht gleichmässig war, sondern dass das Korn über die Oberfläche
-fortzu+hüpfen+ schien, oder doch wenigstens eine +zitternde+ Bewegung
-verrieth. Es war mir aber sehr auffällig, dass ungeachtet zahlreicher
-angeblicher Körnchen-Zuströme, und obgleich man an den Enden der Fäden
-häufig genug das stillstehende Korn nicht zurückkehren sieht, -- im
-ganzen Gesichtsfelde, weder in der umgebenden Flüssigkeit, noch an und
-in der Substanz der Strahlen selbst, irgend ein sichtbares ruhendes
-Kügelchen sich wahrnehmen liess. Und doch sollte die aus dem Körper
-den Strahlen zuströmende Sarkode-Substanz Kügelchen enthalten, und die
-grösseren Kügelchen nicht allein das Hervortreten der fortströmenden
-Masse +über+ das Niveau des Fadens bewirken, sondern überhaupt den
-optischen Ausdruck der Körnchenbewegung bedingen. Leibessubstanz mit
-Kügelchen konnte also den Strahlen nicht zugeflossen sein; -- das
-Trugbild lag offen zu Tage.«
-
-_Reichert_ ist schnell fertig wie man sieht. Und warum ist die
-Körnchenbewegung ein +Trugbild+? Weil _Reichert_ +weder in der
-umgebenden Flüssigkeit+ (sic) +noch an und in der Substanz der
-Strahlen+ selbst irgend ein sichtbares +ruhendes+ Korn wahrgenommen hat!
-
-Schon in der folgenden Zeile ist nur noch von +scheinbaren+ Körnern
-die Rede, über deren Natur und Entstehung es weiter heisst: »An
-irgend einer beliebigen Stelle des hyalinen ausgestreckten Fadens
-zeigt sich plötzlich eine scheinbare Verdickung von spindelförmiger
-Begrenzung, etwas gelblicher Färbung und dunkler Contour; die Spitzen
-der Spindel verlieren sich ganz unmerklich in die unverändert
-gebliebenen angrenzenden Theile des Fadens. Bald darauf erscheint es
-als ob die Spindel kürzer, in ihrer Mitte aber dicker, dunkler werde
-und mit derselben aus dem Niveau des Fadens mehr hervortrete; endlich
-entschwinden die Enden der scheinbar spindelförmigen Verdickung dem
-Blicke, und die erhobene mittlere Partie hüpft unter dem Bilde eines
-Kornes auf der Oberfläche des Fadens hin. Ganz auf dieselbe Weise,
-jedoch in umgekehrter Ordnung, verschwindet das Körnchen beim Aufhören
-der Bewegung.« »Wer das allmähliche Entstehen und Aufhören der
-Körnchenbewegung verfolgt hat, wird die Vorstellung von einer wirklich
-fliessenden Substanz in den Pseudopodien sicherlich fallen lassen.« Es
-bleibt nur noch die Annahme der auf der Oberfläche fortschreitenden
-Contractionswelle übrig, und fragt es sich nur, was diese Welle für
-eine Form haben müsse, um ein scharf contourirtes Körnchen, wie man
-factisch deren sieht, vorspiegeln zu können. Hier kommt _Reichert_ zu
-dem Resultat, dass diese Form nur die einer »am Faden fortziehenden
-Schlinge« sein könne (p. 650). »Die sich erhebende Schlinge wird zuerst
-als eine langgezogene, in ihrer Mitte sich verdickende, aus dem Niveau
-des Fadens heraustretende Anschwellung gesehen. Die erhobene Schlinge
-selbst ferner giebt sich in Folge der Lichtbrechungsverhältnisse der
-Scheitelkrümmung gerade so, wie sehr häufig bei den Querfältchen der
-glatten Muskelfasern als ein auf dem Faden aufliegendes Korn oder
-rundliches, oder ovales Körperchen zu erkennen. Ebenso leuchtet es
-ein, dass die in Fortbewegung begriffene Schlinge als ein auf der
-Oberfläche des Fadens fortziehendes Körnchen erscheinen müsse, und dass
-sie endlich das mikroskopische Bild eines hüpfenden Kornes gewähren
-werde, da vorausgesetzt werden darf, dass die Schlinge bei ihrer
-continuirlichen Neu- und Rückbildung nicht immer die gleiche Höhe
-beibehalte, -- was sich eben als ein Schwanken der Scheitelkrümmung der
-Schlinge oder des scheinbaren Korns zu erkennen giebt. Es ist mir nicht
-gelungen, eine der Schlinge entsprechende Zeichnung im mikroskopischen
-Bilde wahrzunehmen, ich glaube aber nicht, dass hierauf unter den
-obwaltenden Umständen irgend ein Gewicht gelegt werden darf.«
-
-Man könnte zunächst mit _Reichert_ darüber rechten, ob das
-von ihm zur Beobachtung benutzte Material ein ausreichendes
-gewesen, den übereinstimmenden Angaben der bisherigen Beobachter
-der Körnchenbewegung in einer solchen Weise, wie er gethan,
-gegenüberzutreten. Laut eigener Angabe (l. c. p. 642) ist es nur
-+eine+ Species von Miliola und Rotalia, durch deren Beobachtung
-_Reichert_ für ein optisches Trugbild erklären zu können glaubt, was
-ich an mehr als 20 verschiedenen Species[20] sah und _Joh. Müller_
-nach seinen Untersuchungen an mehreren Polythalamien und nahe an 50
-Arten Radiolarien bestätigte. Die +Gromia oviformis+ aber, von der
-ich sage, dass keine der anderen Arten sich so gut zum Studium der
-histiologischen Details eigene (l. c. p. 18), und auf welche sich
-zunächst meine Beschreibung der Körnchenbewegung bezieht (l. c. p. 16
-und 17), hat _Reichert_ gar nicht gesehen.
-
-Doch fragen wir, auf welche Gründe hin _Reichert_ die Existenz
-von Körnchen und danach auch das »Fliessen« von Körnchen in der
-Substanz der Pseudopodien läugnet. Es ist schwer, wenn man die
-Bewegungserscheinungen der Pseudopodien beobachtet, zu begreifen, wie
-es möglich gewesen, dass _Reichert_ die Körnchen für eine optische
-Täuschung erklären konnte. Hätte derselbe Gromia oviformis vor sich
-gehabt, er wäre nie auf diese Idee gekommen. Denn hier sind die
-Körnchen zum grossen Theile Kügelchen von so starkem Glanze wie
-Fetttröpfchen oder ähnliche Gebilde. Schon eine mässige Vergrösserung
-(2-300 Mal) genügt hier, die vollkommen kreisförmige Begrenzung der
-fraglichen Gebilde und den Unterschied in der Lichtbrechung zwischen
-Grundsubstanz und Körnchen deutlich wahrzunehmen. Auch andere
-Gromia-ähnliche Rhizopoden verhalten sich ebenso, und mache ich nur auf
-die Abbildung der +Lieberkühnia+ bei _Claparède_ und _Lachmann_[21],
-von welcher ich eine ganz ähnliche Zeichnung bei _Guido Wagener_
-gesehen habe, aufmerksam. Ist es schon in hohem Grade unwahrscheinlich,
-dass dieselbe Erscheinung, welche an dem einen Rhizopod von gleitenden
-Körnchen herrührt, an einem anderen von ganz verschiedenen Ursachen
-bedingt sein soll: so giebt die aufmerksame Beobachtung auch nicht den
-geringsten Anhaltspunkt zur Annahme einer solchen Verschiedenheit.
-Allerdings sind die der Pseudopodiensubstanz der Milioliden eigenen
-Körnchen viel kleiner als die der Gromiden, doch dieser Unterschied
-kann durch Anwendung stärkerer Vergrösserungen ausgeglichen werden. Mit
-Hülfe solcher ist mir und Anderen, denen ich das Object zeigte, kein
-Zweifel übrig geblieben, dass auch die Milioliden massenhaft Körnchen,
-d. h. Körperchen von einer anderen Lichtbrechung als ihre Umgebung, in
-ihrer Substanz enthalten. Den Beweis dafür entnehme ich aus Folgendem:
-
-1) Scharfe Begrenzung und starker Glanz der fraglichen Körperchen
-sprechen nicht dafür, dass dieselben nur Theile der Fadensubstanz
-selbst seien, denn diese Substanz bricht, wie _Reichert_ zugiebt, das
-Licht nur wenig anders als das umgebende Wasser. Ganz entscheidend
-ist aber der Umstand, dass Körnchen, +welche seitlich über den Rand
-eines Fadens hinausragen+, ebensogut wie die anderen bei Hebung
-des Tubus über diejenige Einstellung, bei welcher man die Bewegung
-am deutlichsten sieht, in einen +Lichtpunkt+ übergehen. Derselbe
-beweist, dass sie wie eine Sammellinse wirken, und dass sie keine
-»am Faden fortziehenden Schlingen« sind, wie _Reichert_ will,
-denn solche müssten, im Profil gesehen, als Ringe oder Oesen von
-Pseudopodiensubstanz beim Heben des Tubus in der Mitte einen dunkeln
-Fleck erhalten, wie aus _Welcker’s_ Bemerkungen über die Unterscheidung
-von Erhabenheiten und Vertiefungen unter dem Mikroskope hervorgeht[22].
-
-2) Man erkennt bei starken Vergrösserungen (_Hartnack_ System 10, oder
-_Zeiss_ F), dass viele der an und in den Fäden der Milioliden auf-
-und abziehenden Körnchen eine längsovale oder stäbchenförmige Gestalt
-besitzen, und dass, wenn sie auch meist mit ihrer längern Axe der
-Längsaxe der Fäden parallel gehen, sie nicht selten sich rechtwinklig
-zu letzterer aufstellen, um dann bei weiterer Bewegung sich wieder
-umzulegen. Kurz die Körperchen befinden sich öfter in einer rotirenden
-Bewegung, und diese beweist ihre körperliche Natur.
-
-3) _Reichert_ will die Abwesenheit von Körnchen in der Substanz der
-Pseudopodien durch folgenden Satz beweisen (l. c. p. 644): »Da die
-körnige Zeichnung jedesmal sofort verloren geht, wenn die Fäden in
-gestreckter Lage ruhig liegen, oder die körnigen Platten und Lamellen
-sich in ruhende gestreckte Fäden wiederauflösen, so muss gefolgert
-werden, dass die körnige Zeichnung nur scheinbar sei und durch
-Formveränderungen der an sich hyalinen Fäden hervorgebracht werde.« Es
-ist mir nicht möglich gewesen, zu ermitteln, welcher Umstand _Reichert_
-so täuschen konnte, dass er obige Behauptung aufstellte. Ich finde bei
-lebenden Thieren mit ausgestreckten Fäden nie und an keiner Stelle eine
-derartige Ruhe, dass die Körnchenbewegung aufhöre und der Faden ein
-+gleichmässig hyalines+ Ansehn annehme. Allerdings sieht man hie und da
-an sehr dünnen Fäden kein Körnchen. Dergleichen kommt bei Thieren wie
-den Milioliden, deren Protoplasma eben nicht sehr körnerreich ist, vor.
-Aber in solchen Fällen vergeht kaum eine Secunde, dass nicht Körnchen
-erscheinen, die von benachbarten Fäden auf die körnchenlosen übergehen.
-Nach _Reichert’s_ Angaben sollte man erwarten, dass an jedem Faden die
-körnige Zeichnung zeitweise ganz verschwinden könne, »wenn die Fäden in
-gestreckter Lage ruhig liegen«, was nach erfolgtem Ausstrecken sich von
-allen Fäden sagen lässt, die nicht in der Retraction begriffen sind.
-Solche in gestreckter Lage ruhig liegende Fäden zeigen aber immer das
-lebhafteste Spiel der Körnchenströmung, ebenso die Fäden, welche sich
-aus körnigen Platten oder Lamellen wiederauflösen. Dagegen kommt man
-recht oft dazu, einzelne Körnchen, wenn auch nur auf kurze Zeit +ruhen+
-zu sehen, so z. B. sehr häufig an sogenannten laufenden Brücken, wenn
-dieselben rechtwinklig auf den Fäden stehen, die sie verbinden; und
-bedient man sich künstlicher Mittel, so kann man die Körnchen auf weite
-Strecken in Ruhe setzen, ohne dass sie, wie _Reichert_ annimmt, dabei
-verschwinden.
-
-Ganz entscheidend in dieser Beziehung ist folgender Versuch: Man
-bringe an den Rand des Deckglases, unter welchem sich ein Thier mit
-ausgestreckten Pseudopodien befindet, einen Tropfen destill. Wasser,
-und beobachte dessen allmähliche Einwirkung. Die Körnchenbewegung
-wird langsamer, ohne dass an den Fäden sonst irgend eine Veränderung
-wahrzunehmen ist, endlich stockt sie ganz. Wenn das destillirte
-Wasser nicht zu heftig einwirkt, bietet der Faden auch jetzt noch,
-abgesehen von dem Mangel der Bewegung, ganz das Ansehn wie im Leben
-dar, die Körnchen sind ebenso deutlich zu sehen und in derselben Menge
-vorhanden, wie zuvor, die Grundsubstanz ist von unverändertem Aussehen.
-Körnchen, die sich eben noch bewegten, sieht man in den ruhenden
-Zustand übergehen und für immer in demselben verharren, ohne dass sich
-an ihnen sonst die geringste Veränderung wahrnehmen lässt. Macht sich
-der Einfluss des destillirten Wassers länger geltend, so treten erst
-kleine dann grösser werdende Vacuolen in der Grundsubstanz der Fäden
-auf, sie verbreitern sich, bekommen ein schaumiges Ansehn und gehen
-endlich unter zunehmenden Quellungserscheinungen zu Grunde.
-
-Die Beobachtung der Körnchen in ihrem allmählich eintretenden
-Stillstande, wobei jedes einzelne scharf im Auge behalten werden kann,
-ist ganz entscheidend. Auch durch andere, energischer wirkende Agentien
-lässt sich ein gleiches Resultat, wie durch destillirtes Wasser
-erzielen z. B. Iodlösung, verdünnte Säuren und Alkalien, durch den
-elektrischen Strom, doch treten hier meist viel schneller Veränderungen
-der Fäden im Ganzen ein, worauf wir unten noch zurückkommen, so dass
-die Beobachtung nicht so rein ist als bei Anwendung des destillirten
-Wassers. Auch die schnelle Erwärmung des Objectträgers, auf welchem
-sich eine Miliolide mit ausgestreckten Pseudopodien befindet, bis
-auf mindestens 45° C., giebt ein belehrendes Bild. Die Pseudopodien
-erstarren in der Lage, in welcher sie sich gerade befinden, und
-verharren so lange in derselben, bis diffundirende Einflüsse des
-umgebenden Wassers sie endlich zerstören.
-
-Jeden Einwand, dass Gerinnungserscheinungen die Beobachtung trüben,
-schliesst endlich folgendes Experiment aus. Zerdrückt man ein Thier,
-welches mit ausgestreckten Pseudopodien unter einem Deckglase
-liegt, sodass die Schale gesprengt und der Inhalt in dichten Massen
-hervorgepresst wird, so bleiben die ausgestreckten Fäden, wo sie
-nicht mechanisch incommodirt wurden, unverändert liegen und setzen
-das Spiel ihrer Bewegungen noch eine Zeit lang in gewohnter Weise
-fort. Sie retrahiren sich nicht, wenn ein Abreissen derselben von der
-Oberfläche des Glases, wenn eine andere Bewegung des Deckglases als
-zum Zerdrücken der Schale nothwendig ist, vermieden wird. Obgleich
-der Zusammenhang der Fäden mit dem Thierkörper durch das Zerdrücken
-des Letzteren an vielen Stellen der Basis der Fäden aufgehoben wird,
-dauert die Körnchenströmung doch noch unverändert fort. Aber sie wird
-allmählich langsamer, die Fäden ziehen sich mehr und mehr zu dichten
-Netzen und breiteren Platten zusammen, aus denen zwar wieder neue
-Fäden ausstrahlen, in denen aber nach und nach die Körnchenbewegung
-aufhört. Nach Verlauf einer Stunde hat dieselbe an den meisten Stellen
-ihr Ende erreicht. +Trotzdem sind die Körnchen in der Grundmasse der
-Fäden noch so deutlich wie vorher+, und halten sich so lange, bis der
-diffundirende Einfluss des Wassers endlich die Auflösung der Fadenreste
-herbeiführt, wobei sich die winzigen Körnchen unter Molekularbewegung
-zerstreuen.
-
-Nach dem Voranstehenden dürfen wir wohl die Existenz von Körnchen in
-den Pseudopodien der Milioliden gegen die _Reichert_’schen Einwürfe für
-+bewiesen+ ansehen. Sind aber Körnchen da, so bleibt es auch mit der
-Körnchenbewegung beim Alten und _Reichert_ mag sich umsehen, wie er
-seine Behauptung, dass dieselbe ein »optisches Trugbild« sei, weiterhin
-stütze.
-
-Die Körnchen der Pseudopodien sind in einer gleitenden Bewegung. Sie
-rücken auf weite Strecken vor und wieder zurück, sie tauschen ihren
-Platz mit anderen, ungehindert ziehen sie von einem Faden auf den
-anderen hinüber -- diese Ortsveränderungen regen in uns die Frage
-nach der +Consistenz+ derjenigen Substanz an, in welcher sie sich
-bewegen. Man hat die Bewegung der Körnchen eine +fliessende+ genannt,
-und gewiss nicht mit Unrecht, denn solche Ortsveränderungen, wie wir
-sie beobachten, setzen voraus, dass die Substanz, in welcher sie
-zu Stande kommen, mit dem Aggregatzustande einer Flüssigkeit etwas
-gemein haben müsse. Nun giebt es aber bekanntlich verschiedene Grade
-des Flüssigen, und wenn wir uns für die Bezeichnung der Consistenz
-der Pseudopodien des Ausdruckes »dickflüssig wie Schleim« bedienten,
-also etwa an eine zähflüssige Gummilösung dachten, so glauben wir
-von dem Rechten nicht weit abgewichen zu sein. _Reichert_ protestirt
-dagegen, die Pseudopodiensubstanz für +tropfbar flüssig+ zu halten.
-Ich glaube nicht, dass sich bisher Jemand dieser Worte zur Bezeichnung
-der Dichtigkeit der Fadensubstanz bedient hat. Aber auch mit flüssigem
-Wachs oder Schleim will er sie nicht vergleichen. Er nennt sie
-+fest-weich+ (p. 652), ausserordentlich weich und biegsam, und hebt
-an ihnen die bemerkenswerthe Eigenschaft des leichten Adhaerirens
-aneinander hervor, welches aber durchaus verschieden sein soll von dem,
-was die früheren Beobachter das Ineinanderfliessen zweier oder mehrerer
-Pseudopodien genannt haben.
-
-Statt aller Discussion über den die Consistenz am passendsten
-bezeichnenden Ausdruck, welche in einen Wortstreit ausarten muss, da
-wir streng genommen, wie _Brücke_ gewiss sehr richtig hervorhebt[23],
-die für die Aggregatzustände lebloser Körper erfundenen Ausdrücke
-auf belebte nicht ohne Weiteres anwenden können, wollen wir die
-Erscheinungen studiren, welche uns einen Begriff von der Consistenz der
-Pseudopodiensubstanz geben können. Wir wollen hier zuerst anführen,
-was wir beim Aneinanderstossen zweier auf ihrem Wege sich begegnender
-Pseudopodien beobachten; sodann die Aufnahme fremder Körper in die
-Pseudopodiensubstanz besprechen.
-
-Verfolgt man an einer eben auf den Objectträger gebrachten Miliolide
-das Ausstrecken der Pseudopodien, so bemerkt man, dass alle schnell
-und in gerader Linie sich verlängernden Fäden an dem Ende abgerundet
-oder mit einer kolbenförmigen Anschwellung versehen sind, welche bald
-kuglig, bald herzförmig oder cylindrisch wurstförmig gestaltet ist.
-Manchmal ragt aus derselben noch eine feine Spitze hervor, welche an
-ihrem Ende auch wieder angeschwollen sein kann. Die Endanschwellung des
-Fadens ist körnig wie der ganze Faden, doch sind bei den Milioliden
-wie bei den meisten Foraminiferen mit Kalkschale die Körnchen kleiner,
-als bei Gromia oviformis, von der ich sie in möglichst naturgetreuer
-Lagerung auf der ersten Tafel meines oben citirten Werkes abgebildet
-habe. Es gehört eine klare, mindestens 4-500 mal. Vergrösserung dazu,
-um ohne zu grosse Anstrengung der Augen ihrem Spiel längere Zeit
-genau folgen zu können. Die Körnchen der Endanschwellung sind wie
-die letztere selbst in einer unruhig zitternden Bewegung. Während
-letztere im Vorrücken wie tastend hin und her schwankt, fliessen von
-der Basis des Fadens her stets neue Körnchen zu und gehen zum Theil
-an dem Ende des Fadens umkehrend in die rückläufige Bewegung über.
-Hat sich ein solcher Faden auf eine ansehnliche Länge ausgedehnt,
-ohne auf einen anderen Faden oder ein Hinderniss gestossen zu sein,
-so biegt er sich oft unter einem ziemlich genau rechten Winkel um und
-bewegt sich jetzt in der neuen Richtung vorwärts, als wisse er, auf
-diesem Wege einigen der anderen divergirend ausstrahlenden Pseudopodien
-zu begegnen. Höchst merkwürdig sind nun die Erscheinungen, wenn ein
-solches Begegnen eintritt, wenn ein geknöpfter Faden in seinem Laufe
-auf einen anderen stösst. Im Momente der Berührung zertheilt sich
-die knopfförmige Anschwellung wie eine platzende, mit Flüssigkeit
-gefüllte Blase und mischt ihre Substanz der des begegnenden Fadens bei.
-Genau wie wenn ein kleinerer Fetttropfen in einem grösseren aufgeht,
-so verschmilzt die Substanz des knopfförmigen Pseudopodienendes,
-indem die Körnchen mit einem Ruck auseinanderfahren, mit dem daneben
-hinziehenden Protoplasmastrome. So namentlich immer wenn letzterer
-recht breit ist; der dünnere Faden muss jetzt dem dickeren folgen,
-ihr Strombett ist ein gemeinschaftliches geworden. Trifft dagegen der
-vorrückende Faden auf einen dünneren als er selbst ist, so beobachtete
-ich mehrere Male, namentlich wenn ersterer unter rechtem oder nahezu
-rechtem Winkel auf den in seinem Wege hinziehenden feineren stiess,
-dass zwar eine Verschmelzung stattfand, der dickere aber seinen Weg
-in der ursprünglichen Richtung fortsetzte. Durch eine verkittende und
-die Winkel der kreuzweis verschmolzenen Fäden ausfüllende Masse mit
-dem anderen organisch verbunden liess er sich in seiner ursprünglichen
-Richtung nicht stören; verlängerte sich vielmehr noch auf eine lange
-Strecke.
-
-Sehr oft begegnet es einem, dass, wenn man den Moment der Verschmelzung
-zweier einander entgegenlaufender Fäden erwartet, dieselben in
-verschiedenen Ebenen übereinander hinwegziehen. Ja die Verschmelzung
-scheint ausbleiben zu können auch bei directer Berührung. Es muss
-danach wahrscheinlich ein Act der Willkür mitwirken, oder es
-ist ein Hinderniss zu überwinden, wie zwei Fetttropfen oft erst
-zusammenfliessen, wenn sie mit einer Nadel angestochen werden.
-
-Dass die Willkür mit im Spiele ist, geht schon daraus hervor, dass die
-Verschmelzung bei aneinanderstossenden Fäden +verschiedener+ Individuen
-bestimmt nicht stattfindet, wie ich mich bei dicht nebeneinander auf
-die Objectträger gebrachten Individuen sehr oft überzeugt habe. Die
-Fäden weichen dann vor ihres Gleichen wie vor einem schlimmen Feinde
-zurück.
-
-Wie die mitgetheilte Beobachtung des plötzlichen Auseinanderfahrens der
-Körnchen im Momente des Ueberganges der Substanz des einen Fadens in
-den anderen, so halte ich auch den so leicht zu beobachtenden Uebergang
-eines gleitenden Körnchens auf einen anderen Faden für beweisend für
-die Verschmelzung solcher Fäden. Die Substanz zweier Pseudopodien
-+muss wenigstens an der Oberfläche+ ineinandergeflossen sein, wenn ein
-Körnchen aus einer in die andere übergeht. Da kann von einem blossen
-Aneinanderkleben nicht die Rede sein.
-
-Sehr belehrend für die Beurtheilung der Consistenz der Pseudopodien
-und die Natur der Körnchenbewegung sind folgende Beobachtungen über
-die Aufnahme fremder Körper in das Innere derselben. Fast an jedem
-Thiere mit ausgestreckten Pseudopodien sieht man, dass hier oder
-dort ein kleiner fremder Körper dem Faden entlang zieht nach Art der
-Körnchen. _Joh. Müller_ machte zuerst auf dies Verhalten ausdrücklich
-aufmerksam, indem er sagt (Die Thalassicollen, Polycystinen und
-Acanthometren etc. p. 9): »Wichtig ist was bisher an den Pseudopodien
-der Rhizopoden noch nicht gesehen war und was ich in vielen Fällen an
-Polycystinen feststellen konnte, dass mit den an der Oberfläche der
-Fäden in wechselnder Richtung fortgeführten Körnchen auch benachbarte
-fremde Körper, ganze Schleimklümpchen, unregelmässige Körnerhaufen in
-die gleiche Strömung entlang den Fäden gerathen.« _E. Haeckel_ hat
-neuerdings diese Beobachtungen für die Radiolarien unter anderem durch
-Fütterung mit Carmin bestätigt[24], und ist es sehr leicht, sich von
-der Richtigkeit derselben auch für die Polythalamien zu überzeugen.
-Ich brachte Milioliden auf dem Objectträger in einen Tropfen
-Seewasser, dem vorher ein wenig feinzertheilter Carmin zugesetzt war.
-Die Menge desselben darf nicht gross sein, damit die Beobachtung
-der zarten Pseudopodien nicht gehindert werde. Schon die ersten
-hervorgestreckten Fäden eignen sich einen Theil der ihnen im Wege
-liegenden Carminkörnchen an. Man sieht die Farbstoffkörnchen an dem
-Faden gleich nach der Berührung festkleben und sich mit den Körnchen
-der Substanz desselben centripetal und centrifugal fortbewegen.
-Hat man einem Thier Zeit gelassen seine Fäden recht vollständig
-auszustrecken, und beobachtet nachdem das Thier etwa ¼ Stunde mit
-dem Carmin in Berührung war, so bietet sich das überraschende und
-wahrhaft prächtige Schauspiel dar, dass alle Pseudopodien eine gewisse
-Menge von Carminkörnchen enthalten, welche, je kleiner sie sind, um
-so lebhafter an der Bewegung der den Pseudopodien eigenen Körnchen
-theilnehmen. Einige gleiten dem peripherischen Ende des Fadens zu,
-andere, und zwar der grössere Theil, werden in entgegengesetzter
-Richtung fortgeführt und in das Innere des Thierkörpers aufgenommen.
-Oft stockt die Bewegung eines Körnchens plötzlich, und erst wie nach
-kurzem Besinnen geht sie fort oder in die entgegengesetzte über. Dabei
-kommt an den Carminkörnchen dasselbe Zittern und Schwanken wie bei
-der Molekularbewegung vor, welches _Reichert_ als +hüpfende+ Körnchen
-bezeichnet und zu Gunsten seiner Schlingentheorie verwendet (l. c. p.
-650). Ein Carminkörnchen überholt das andere, von zwei sich begegnenden
-kehrt eins mit dem anderen um. Endlich sieht man wo Anastomosen sind,
-die Farbstoffkörnchen so gut wie die anderen aus einem Faden in den
-anderen hinüberlaufen. Kurz, das Verhalten ist genau dasselbe, wie es
-uns von der Körnchenbewegung überhaupt bekannt ist, nur viel leichter
-zu beobachten entsprechend der Grösse und intensiven Färbung der
-Carminkörnchen.
-
-Oft beobachtete ich, dass auch grössere Klümpchen Carmin, wie sie durch
-Zusammenkleben zahlreicher kleiner entstehen, selbst wenn sie einen
-mehr als zehnfach grösseren Durchmesser als die Fäden haben, doch mit
-fortgeschleppt wurden. So gelangen auch andere oft ziemlich grosse
-fremde Körper in den Körnchenstrom.
-
-Der erste von mir verwandte Carmin war, wie häufig der Fall ist,
-mit Stärkemehl verfälscht. Es dauerte nicht lange, so bewegten
-sich den ausgestreckten Pseudopodien entlang eine Menge grosser
-Stärkemehlkörner, welche der Oberfläche der klebrigen Fäden
-anhingen. Sie wurden in grosser Masse an der Basis der Fäden an der
-Schalenmündung angehäuft und in das Innere des Körpers aufgenommen.
-Ich habe dann die Versuche mit reinem Stärkemehl wiederholt und mit
-demselben Erfolge. Auch bei ihnen kann man die doppelte, die hin-
-und rücklaufende Bewegung beobachten, doch geht der Hauptstrom der
-Schale zu. Als besonders wichtig ist hier noch hervorzuheben, dass
-die Fäden, an welchen die centripetale Strömung beobachtet wird, sich
-nicht im Ganzen verkürzen, sondern unverändert ihre Länge beibehalten
-oder sich +fortwährend noch verlängern+. Ein Faden, welcher in der
-lebhaftesten Streckung begriffen ist, zeigt neben dem centrifugalen
-auch den umgekehrten Strom seiner Körnchen, und wenn er einen fremden
-Körper aufnahm und derselbe nicht zu gross ist, kann auch dieser an der
-Strömung theilnehmen. Ebenso beobachtete ich oft auf das Deutlichste,
-dass an einem in der Retraction begriffenen Faden die centrifugale
-Strömung noch deutlich fortdauerte. Sie hört erst auf wenn die
-störenden Einflüsse, welche die Retraction hervorriefen, Erschütterung,
-chemische Reagentien, Schläge des Inductionsapparates, ihre Wirkung in
-weiterer Umgebung äussern.
-
-Die Milioliden, welche mir zu meinen Versuchen dienten, bemächtigten
-sich des Carmines oder Stärkemehles so gierig, dass wenn dieselben
-einige Stunden in einem Uhrglas mit diesen Substanzen in Berührung
-gewesen waren, fast der ganze Körper, welcher in der Schale verborgen
-liegt, mit ihnen dicht erfüllt war, wie nach dem Auflösen der Schale in
-Säuren erkannt wurde.
-
-Diese Versuche sind in mehrfacher Beziehung von hohem Interesse. Sie
-lehren zunächst, dass die Consistenz der Pseudopodien-Oberfläche eine
-so geringe ist, dass fremde Körper, welche an dieselbe anstossen, fast
-augenblicklich in dieselbe aufgenommen werden können. Weiter beweisen
-sie auf das schlagendste die von _Reichert_ bestrittene, einem Fliessen
-vergleichbare Bewegung der Körnchen in der Substanz derselben. Sie
-lehren auf das Unzweideutigste, dass mit der Körnchenbewegung eine
-Veränderung der Lage der Theile Hand in Hand geht, welche nicht bloss
-Wellenbewegung ist. Endlich geben sie uns ein Mittel an die Hand, aus
-der Lagerung der in die Schale aufgenommenen fremden Körper diejenigen
-Theile des Thieres zu bestimmen, welche zur Nahrungsaufnahme und
-Verdauung dienen.
-
-Wer viele verschiedene Arten von Rhizopoden aufmerksam untersucht
-hat, weiss sehr wohl, dass ihre Pseudopodien eine sehr verschiedene
-Consistenz und demnach auch eine sehr verschiedene Neigung zum
-Zusammenfliessen haben können. Es ist dasselbe Verhältniss wie mit dem
-Protoplasma verschiedener Zellen und verschiedener Theile einer Zelle.
-Unter den Gromiden treten die Extreme am schärfsten hervor bei den
-beiden Arten, welche ich als +Gromia oviformis+ und +Gromia Dujardinii+
-beschrieb[25].
-
-Letztere Art, welche ich zuerst bei Ancona im adriatischen Meere,
-sodann bei Helgoland auffand, habe ich wieder an der englischen Küste
-beobachtet und noch jetzt lebend in meinen Gläsern. Sie ist nach ihrer
-Schalenbildung von den Gromiden nicht zu trennen, unterscheidet sich
-aber von der erstgenannten Art durch die, soweit unsere Vergrösserungen
-reichen, +vollkommen hyaline+ Beschaffenheit der von ihr ausgesandten
-Fäden. Diese sind äusserst träge in ihren Bewegungen, so starr und
-fest, dass sie keine Neigung zum Zusammenfliessen zeigen, auch
-wenn sie sich berühren. Von Bewegungen der Substanz, welche mit
-der Körnchenbewegung verglichen werden könnten, zeigen sie nicht
-das Geringste. Aber sie verästeln sich, wenn sie sich längere Zeit
-ungestört ausbreiten konnten (vergl. meine Abbildung l. c. Taf. VII,
-Fig. 1). Obgleich die Substanz ziemlich stark lichtbrechend ist,
-scharfe Grenzcontouren gegen das umgebende Wasser zeigt, ist an
-verästelten Fäden doch nicht die geringste Spur davon zu sehen, dass
-ein solcher von der Basis an aus mehreren nur lose aneinanderliegenden
-Fäden zusammengesetzt sei.
-
-Zwischen diesen beiden Extremen liegen offenbar manche in der Mitte. So
-sind die körnerarmen Miliolidenpseudopodien allem Anschein nach etwas
-fester als die der Gromia oviformis, wie aus der ungleich langsameren
-Bewegung und dem seltener eintretenden vollständigen Zusammenfliessen
-gefolgert werden kann.
-
-Aber auch an einem und demselben Thiere kann festere und flüssigere,
-hyaline und körnerreiche Substanz der Pseudopodien zusammen vorkommen.
-Gerade so wie bei vielen Amoeben eine hyaline Grenzschicht das
-körnerreiche Innere bedeckt und beide zusammen erst den Körper der
-Amoebe darstellen[26], so giebt es Pseudopodien, +deren Axe ein
-hyaliner, und wie es scheint festerer Faden ist, auf dessen Oberfläche
-die körnerreiche, weichere Substanz sich bewegt+. Dieses höchst
-merkwürdige Verhalten findet sich nach meinen Beobachtungen an den
-Pseudopodien von +Actinophrys Eichhornii+.
-
-Es ist über dies Thier, welches offenbar unter allen Rhizopoden
-des süssen Wassers den Radiolarien des Meeres am nächsten steht,
-viel Wichtiges geschrieben. Dennoch sind einige beachtenswerthe
-Organisationsverhältnisse desselben nicht genügend aufgeklärt. Dahin
-gehört u. A. das Verhältniss der Pseudopodien zu der Körpersubstanz,
-der Bau der Pseudopodien selbst, und endlich der Unterschied in der
-Bildung des undurchsichtigeren Centraltheiles und der durchsichtigeren
-Rinde. Da diese Verhältnisse für die Lehre vom Protoplasma der
-Rhizopoden überhaupt von Interesse sind, so mögen meine bezüglichen
-Beobachtungen hier eine Stelle finden.
-
-Die Pseudopodien, welche von dem kugelrunden Thiere nach allen
-Richtungen gleichmässig ausstrahlen, gleichen auf den ersten Blick
-starren, steifen Borsten, so wenig Bewegung ist an ihnen zu bemerken.
-Dennoch bestehen sie bekanntlich aus einer contractilen Substanz. Man
-gewahrt hie und da Biegungen, selbst Schlängelungen an ihnen, sie
-besitzen das Vermögen der Retraction, doch alle Gestaltveränderungen
-kommen bei ihnen nur sehr langsam zu Stande. Wie an den Pseudopodien
-ihrer nächsten Verwandten, der Radiolarien, so ist auch an ihnen eine
-Körnchenbewegung zu beobachten. Doch auch diese läuft ausserordentlich
-langsam ab, so dass sie _Ehrenberg_, _Kölliker_, _Stein_ und anderen
-früheren Beobachtern entgangen war. _Claparède_ hat sie, wie uns
-_Joh. Müller_[27] berichtet, zuerst gesehen, doch war 1858 _Joh.
-Müller_ noch unbekannt, »ob die Körnchenbewegung in den strahligen
-Fäden der Actinophrys eine nur innere, oder auch äusserlich ist«[28].
-Die Entscheidung verlangte die Anwendung stärkerer und besserer
-Vergrösserungen. Mit Hülfe solcher (_Zeiss_ System F, _Hartnack_ 9 und
-10) erkannte ich bis dahin übersehene Verhältnisse des feineren Baues
-und Ursprunges dieser Pseudopodien. Dieselben bestehen nach meinen
-Untersuchungen aus einem hyalinen, +festeren Axenfaden+ und einer
-weichen, klebrigen, körnigen, +beweglicheren Rindensubstanz+. Nur in
-letzterer ist der Sitz der Körnchenbewegung, welche danach eine nur
-äusserliche ist. Körnchen in dem Axenfaden müssen, wenn sie vorkommen,
-zu den Seltenheiten gehören, ich habe keine solchen mit Sicherheit
-wahrnehmen können.
-
-Die bisherigen Beobachter nehmen die Pseudopodien von +Actinophrys+
-als einfache Fortsetzungen der äussersten Rinde des Körpers, und
-_Joh. Müller_ hebt dieses Verhältniss den +Acanthometren+ gegenüber
-hervor, bei denen nach _Claparède’s_ Beobachtungen die Pseudopodien
-unter der Hautschicht sich bis in die tiefere organische Masse
-verfolgen lassen[29]. Dennoch scheint kein erheblicher Unterschied in
-dem Ursprunge der Pseudopodien der Actinophrys und der Acanthometren
-zu bestehen. Ich finde nämlich, dass bei Act. +Eichhornii+ alle
-Strahlenfäden mittelst ihrer hyalinen Axe aus dem +Inneren+ des
-Thierkörpers entspringen. Ich konnte sie immer radiär durch die
-Hautschicht bis auf die Oberfläche der dunkleren Marksubstanz
-verfolgen. Die bewegliche körnige Rinde der Fäden stammt dagegen
-deutlich von der äussersten Hautschicht der Actinophrys ab. Dabei
-ist sehr bemerkenswerth, dass oft mehrere hyaline Axenfäden welche
-nebeneinander, doch von getrennten Stellen der Oberfläche der
-Marksubstanz entspringen, sich zu einem gemeinschaftlichen Faden
-aneinander legen. Diese Verbindung tritt gewöhnlich während ihres
-Verlaufes durch die Rindensubstanz ein, kann aber auch noch ausserhalb
-des Körpers zu Stande kommen. Die Berührungsgrenzen verschwinden nicht
-immer ganz vollständig. Solche componirte Strahlen erhalten aber immer
-einen +gemeinschaftlichen Ueberzug+ von der weicheren körnigen Masse
-der äusseren Schicht des Thierkörpers, welche sich wie eine Scheide
-um sie herum legt. Kommt die Verbindung erst ausserhalb des Körpers
-zu Stande, so ist es das, was man Verschmelzung zweier Pseudopodien
-genannt hat[30]. In diesem Falle besitzt jeder Faden bereits einen
-körnigen Ueberzug. Mittelst dieses verschmelzen sie in der That so
-schnell und vollständig, wie die Verschmelzung nur bei den Pseudopodien
-der Polythalamien zu Stande kommt. +Aber die starren hyalinen Axenfäden
-laufen unverschmolzen noch nebeneinander.+ Vielleicht dass allmählich
-auch hier eine innigere Verbindung, ein vollständiges Verschmelzen
-eintritt. So scheint +Actinophrys Eichhornii+ in ihren Pseudopodien
-die +beiden Substanzen nebeneinander+ zu besitzen, welche getrennt
-bei Gromia oviformis und Dujardinii vorkommen, eine hyaline, festere,
-zur Verschmelzung wenig oder gar nicht geneigte Axensubstanz und eine
-zerfliesslich weiche Rinde mit Körnchenbewegung.
-
-Ausser der Beobachtung des lebenden Thieres im unveränderten Zustande
-giebt es noch manche künstliche Mittel, sich von dem eben geschilderten
-Baue der Pseudopodien von Actinophrys zu überzeugen. Sehr belehrend
-ist folgende Beobachtung. Legt man auf ein recht lebenskräftiges, noch
-nicht lange in der Gefangenschaft gehaltenes Thier mit ausgestreckten
-Pseudopodien ein Deckglas, so dass ein mässiger Druck ausgeübt und das
-Thier abgeplattet wird, so zieht dasselbe die Pseudopodien langsam
-zurück. Dabei verändert sich das Aussehen der letzteren, die körnige
-Rinde schmilzt auf einzelne Klümpchen zusammen, welche spindelförmig
-den hyalinen Centralfaden umgeben. Der vorher glatte Faden sieht
-varikös aus. Ein so veränderter Faden zieht sich immer mehr zurück,
-legt sich dabei auch wohl in Biegungen um. Wo nun eine dieser
-spindelförmigen Anhäufungen der Rindensubstanz mit der Oberfläche des
-Thierkörpers in Berührung kommt, fliesst sie mit einem plötzlichen
-Ruck, wie wenn ein Fetttropfen in einem andern aufgeht, in die
-Rindensubstanz des Thierkörpers über. Der Vorgang ist ganz entscheidend
-für den schleimig flüssigen Aggregatzustand der in Rede stehenden
-Substanzen, und beweist, dass eine besondere Membran auf der Oberfläche
-der Pseudopodien nicht existirt.
-
-Ganz ähnlich ist die Veränderung der Pseudopodien bei Zusatz sehr
-verdünnter Säuren und Alkalien. Wirkt z. B. sehr stark verdünnte
-Essigsäure auf das Thier ein, so zieht sich die weiche Rinde der Fäden
-schnell auf einzelne spindelförmige Klümpchen zusammen, deren 6, 8
-und mehr hintereinander an einem Faden auftreten. Die Axe scheint
-unverändert, aber der Zusammenhang der Rindensubstanz ist unterbrochen,
-die Körnchenbewegung hat aufgehört. Der Faden zieht sich noch langsam
-zusammen, wenn die Essigsäure nicht so stark einwirkte, dass die
-Contractilität aufgehoben wurde. Aehnlich wirken sehr stark verdünnte
-Alkalien, Lösungen von +Strychnin+ und +Veratrin+. Ob letzteren eine
-specifische Wirkung zukommt, bleibt zweifelhaft, da die Alkalescenz
-der Lösungen schon allein an den Veränderungen Schuld sein kann. So
-vermag ich auch keinen specifischen Einfluss in der Einwirkung der
-Schläge des Magnetelektromotors auf Actinophrys zu entdecken. Bei einer
-gewissen Stärke der Schläge tritt Contraction der Pseudopodien mit
-Varikositätenbildung ein, wie bei Zusatz der genannten Reagentien. Bei
-kräftigeren Schlägen löst sich das Thier auf. Auf die Körnchenbewegung
-wirken die Inductionsschläge so wenig als der constante Strom hemmend
-oder fördernd. Die Wirkung tritt erst ein mit den beschriebenen
-Erscheinungen der Contraction, welche durch die verschiedensten Mittel
-hervorgerufen werden können.
-
-Bei allen diesen Einwirkungen zeigen wieder die spindelförmigen
-Anschwellungen, so lange die Masse noch lebt, eine grosse Neigung mit
-ähnlichen benachbarter Fäden zusammenzufliessen, bei welchem Vorgange
-immer die hyaline Axe eine mehr passive Rolle spielt.
-
-Auch den Einfluss höherer Temperaturgrade will ich hier erwähnen, da er
-ein ähnlicher ist wie der bisher besprochenen Agentien. Bei 35-38° C.
-beginnt die Contraction der Pseudopodien und gleichzeitig sammelt sich
-wieder die weiche, körnige Rindensubstanz in einzelnen spindelförmigen
-Klümpchen auf der Oberfläche des Axenfadens. Die Pseudopodien ziehen
-sich vollständig zurück, und man könnte das Thier für todt halten,
-was es jedoch nicht ist, da die langsam fortschreitende Bewegung
-einzelner Körnchen im Innern in den Scheidewänden zwischen den Vacuolen
-fortdauert, und +keine Trübung+ der Substanz, auch nicht der gleich
-unten zu erwähnenden, sehr eiweissreichen zellenartigen Körperchen
-eintritt. Mehrere Stunden in diesem Zustande unter dem Deckglase
-aufbewahrte Thiere erhielten sich, ohne dass eine Andeutung von
-Zersetzung eintrat, behielten vielmehr ihr vollkommen unverändertes
-Aussehen. So stimmen meine Beobachtungen bezüglich des Einziehens der
-Fäden bei 35° C. mit den von _Kühne_ bei einer Art Actinophrys des
-Meerwassers angestellten[31] überein. Sie weichen dagegen ab was die
-Angabe des Temperaturgrades betrifft, bei welchem die Körpersubstanz
-der Actinophrys gerinnt, trübe wird, erstarrt, abstirbt, kurz in einen
-Zustand geräth, der mit der von _Kühne_ für die Muskeln entdeckten
-+Wärmestarre+ übereinstimmt. Nach _Kühne_ tritt diese Wärmestarre
-bei Actinophrys und den Amoeben schon bei 35° C. ein. Ich habe
-+Actinophrys Eichhornii+ in vielen Exemplaren successive erwärmt
-und gefunden, dass +erst bei 43° C.+ eine Veränderung Platz greift,
-welche als Gerinnung, Wärmestarre und Tod angesprochen werden kann.
-Möglich, dass das +Meerwasser+, aus welchem _Kühne_ seine Thiere
-entnahm, einen Unterschied bedingt. Ich operirte auf folgende Weise.
-Zunächst bemerke ich, dass ich mich eines _Geisler_’schen Thermometers
-bediente, welches für die Grade 30-50 noch speciell mit _Geisler’s_
-Normalthermometer verglichen wurde. Zur Bestimmung der Temperaturgrade
-wandte ich anfangs einen Apparat zum Luftbade an, wie er in chemischen
-Laboratorien gebräuchlich ist, welcher wie ein Brütofen leicht auf
-constanter Temperatur erhalten werden konnte. Da ich jedoch sehr
-geringe Differenzen auf diese Weise nicht gut normiren konnte, bediente
-ich mich zuletzt des Wasserbades. In dieses, welches schnell jede
-Abstufung der Temperatur gestattete und ebenfalls sehr leicht auf
-constanter Temperatur zu erhalten war, brachte ich die Thiere auf dem
-Objectträger, nachdem sie vor dem Experiment genau gemustert worden
-waren; vorher wurde das Deckgläschen mit mehreren Wachströpfchen am
-Rande befestigt. Auf diese Weise konnte leicht dasselbe Individuum
-zu wiederholten Experimenten fixirt werden, und da der Objectträger
-unmittelbar neben das Thermometer in eine ziemlich ansehnliche
-Wassermenge gebracht und volle 2 Minuten in derselben gelassen wurde,
-so war genügende Sicherheit bezüglich des Temperaturgrades, welcher
-eingewirkt hatte gegeben. Oder ich brachte eine an verschiedenartigen
-Thieren reiche Portion Wasser in einem Reagensglase in das Wasserbad
-neben das Thermometer und führte letzteres zur Controle in das
-im Reagensglase enthaltene Wasser selbst ein. Die Gerinnung der
-Körpersubstanz von Actinophrys Eichhornii lässt sich sehr scharf
-erkennen an dem plötzlichen Hervortreten der eiweissreichen
-zellenartigen Körperchen der Marksubstanz, von denen nachher die Rede
-sein wird. Dieselben sind im Leben nur mit grosser Mühe wahrnehmbar,
-treten aber im Momente der Gerinnung mit scharfen Contouren und
-mit ihren mehrfachen kleinen Kernen sehr deutlich hervor. Diese
-Veränderung beobachtet man bei 43° C. Es fragt sich aber noch, bei
-welcher Temperatur der Tod des Thieres eintritt. Sind die Pseudopodien
-eingezogen, was schon bei 35-38° C. geschieht, so erscheint das
-Thier ein lebloser Klumpen. Hat man Actinophrys in einer grösseren
-Wassermenge im Reagensglase erwärmt und untersucht, nach 12-24
-Stunden, so kann man erwarten, dass, wenn das Thier lebensfähig blieb,
-dasselbe jetzt auch wieder deutliche Lebenszeichen abgebe, andrerseits
-dass, wenn dasselbe getödtet worden, sich jetzt Zeichen beginnender
-Zersetzung geltend machen. Auf diese Weise konnte ich die aufgeworfene
-Frage mit aller wünschenswerthen Genauigkeit beantworten. +Actinophrys
-Eichhornii erhält sich bis 42° C. lebendig.+ Thiere, welche dieser
-Temperatur ausgesetzt waren, fand ich nach 12-24 Stunden stets ohne
-Spuren beginnender Zersetzung und mehrere Male mit +neu ausgestreckten+
-Pseudopodien, deren Zahl freilich gering, deren Bewegungen sehr träge
-waren, an denen ich aber die Körnchenbewegung mit dem Ocular-Mikrometer
-auf das Deutlichste constatiren konnte.
-
-Es ist auffallend und mit Rücksicht auf die _Kühne_’schen
-Untersuchungen über die Wärmestarre der kalt- und warmblütigen
-Wirbelthiere[32] besonders interessant, dass auch bei den Wirbellosen
-nicht unbedeutende Verschiedenheiten bezüglich des Eintrittes der
-Wärmestarre vorkommen. Ohne sehr umfassende Beobachtungsreihen bisher
-angestellt zu haben, konnte ich doch wiederholt bemerken, dass,
-während Vorticellen schon bei 41° C. abzusterben pflegen, Difflugia,
-Actinophrys und Amoeba (radiosa Ehrb.) noch bei 42° lebendig bleiben,
-letztere hatte sich in einem Falle sogar nach der Einwirkung von
-43° C. in Bewegung erhalten. Difflugia sah ich, nachdem sie 12 Stunden
-Zeit gehabt hatte sich nach dem warmen Bade von 42° zu erholen, in
-lebhafter Bewegung umherkriechen. Anguillulinen, Turbellarien, Naiden,
-Räderthiere und Ostracoden leben bei 43° noch munter fort und ertragen
-eine Temperatur bis 45°, wenn auch nicht alle Exemplare. Auch eine
-der häufigen Flagellaten unter den Infusorien, Bodo, war bei 44° in
-mehreren Exemplaren lebendig geblieben. Oscillatorien des Meerwassers
-sah ich bei 42° ihre Bewegungen einstellen, während Anguillulinen in
-diesem Wasser bei gleicher Temperatur munter fortlebten. Wir werden
-unten noch den Einfluss höherer Temperaturgrade auf das Protoplasma der
-Pflanzenzellen besprechen und dann auf die eben angeführten Thatsachen
-verweisen.
-
-Doch kehren wir zu unserer Actinophrys Eichhornii zurück. Verfolgt
-man die hyaline Axe der Pseudopodien derselben bis zu ihrer Wurzel
-an der Oberfläche des dunkleren Kernes, so gewahrt man, wie sie sich
-hier in die Wände der kleinen Alveolen verlieren. Da diese Wände
-Körnchen enthalten, die sich aber nicht oder nur ausnahmsweise ein
-wenig bewegen, so kann möglicherweise auch in die Masse der Fadenaxe
-ein Körnchen eintreten, doch ist das nicht gewöhnlich. Bei meinen
-Versuchen, die Wurzel der Pseudopodien genauer zu verfolgen, stiess
-ich auf zahlreiche zellenartige Körperchen in der Rinde des Kernes,
-welche in der von mir gefundenen Zahl und Lagerung bis dahin unbekannt
-waren. _Kölliker_ erwähnt in seiner Beschreibung der Actinophrys
-sol[33], welche aber Act. Eichhornii ist, zellenartige Körperchen,
-deren er 10-12 in einem Thiere vermuthet und die er auch isoliren
-konnte. Es sind zweifelsohne dieselben von welchen ich reden will. Auch
-_E. Haeckel_ hat sie gesehen und erwähnt ihrer in seiner Monographie
-der Radiolarien p. 165 als kernartige Körperchen. Schon bei schwacher
-Vergrösserung erkennt man sie an einem eigenthümlichen Glanz in situ.
-Sehr deutlich treten sie hervor, wenn man das Thier durch Erwärmung
-des Objectträgers über 42° C. tödtet. Jetzt erkennt man bei starker
-Vergrösserung deutlich, dass die Gebilde in der Rinde der dunkleren
-Marksubstanz zerstreut liegen, und glaube ich, dass sie auch auf
-diese beschränkt sind. Ihre Zahl erreicht bei grösseren Thieren
-40 und darüber. Es sind äusserst zartwandige kuglige Gebilde mit
-gerinnbarem, eiweissartigem Inhalte und meist zahlreichen kleinen,
-wie es scheint homogenen Kernen. Ich habe sie zu verschiedenen
-Jahreszeiten untersucht, aber bisher immer fast genau gleich gefunden;
-die Zahl der Kerne variirt von 2-8. Mit der Wurzel der Pseudopodien
-stehen sie in keinem Zusammenhange. Bei Anwendung verschiedenster, den
-Actinophryskörper langsam lösender chemischer Agentien treten sie meist
-als resistentere Gebilde sehr deutlich hervor.
-
-Die sehr bemerkenswerthe Structur der Actinophrys-Pseudopodien
-scheint sich bei manchen Radiolarien des Meeres zu wiederholen.
-Die Pseudopodien der letzteren gleichen in ihrer Starrheit, ihren
-meist langsamen Bewegungen ganz denen der Actinophrys. Bei den
-Acanthometren lassen sie sich, wie bereits erwähnt wurde, durch die
-Rindensubstanz in radiärer Richtung bis in eine tiefere Substanzlage
-verfolgen. Und auf eine Zusammensetzung derselben aus einer hyalinen,
-körnchenlosen, festeren Axe und einer körnerreichen Rinde glaube ich
-_Haeckel’s_ Angaben (l. c. p. 111 u. 112) deuten zu können. Nach
-denselben kommen bei verschiedenen Individuen derselben Arten bald
-hyaline, bald körnerreiche Pseudopodien vor. In letzterem Falle sind
-viele Verästelungen und Anastomosen an den Fäden sichtbar, welche bei
-hyaliner Beschaffenheit der Fadensubstanz fehlen. Die Verschmelzung
-hängt also auch hier wie bei Actinophrys von der Anwesenheit
-der körnerreichen Substanz ab. Als Grund dieses Wechsels in der
-Beschaffenheit der Pseudopodien betrachtet _Haeckel_ die verschieden
-reichliche Nahrungsaufnahme, indem er bei gut genährten Thieren, d. h.
-solchen welche viele fremde Körper als Nahrung in sich enthielten,
-stets reichliche Körnchenmasse an den Fäden bemerkte, während solche
-mit leerem Körper starre hyaline Fäden hatten. Ich finde diese
-Beobachtungen mit der Annahme nicht unvereinbar, dass auch hier die
-körnerreiche Substanz sich auf der Oberfläche einer hyalinen Axe
-ansammle, und dass in diesen Fällen eine ähnliche Differenzirung der
-Pseudopodiensubstanz obwalte, wie ich bei Actinophrys gefunden habe.
-Künftige Beobachter werden auf diesen Punkt Rücksicht zu nehmen haben.
-
-Fragen wir ob bei den Polythalamien etwas Aehnliches vorkomme,
-so glaube ich nach den bisherigen Beobachtungen nur mit einem
-sehr bedingten Ja antworten zu können. Die einzig bisher bekannte
-Foraminifere mit +ganz hyalinen+ Pseudopodien ist die bereits
-erwähnte +Gromia Dujardinii _mihi_+. An dieser, obgleich ich sie in
-den verschiedensten Grössen, frisch aus dem Meere und nach langer
-Gefangenschaft, endlich von drei verschiedenen Fundorten (Ancona,
-Helgoland, Weymouth) beobachtet habe, ist mir nie eine Spur von
-Körnchen an den Pseudopodien aufgefallen, auch habe ich keine
-Differenzen in Betreff der Consistenz der Substanz derselben nach
-grösserer oder geringerer Neigung zur Anastomosenbildung wahrgenommen.
-Andrerseits glaube ich, dass der +Gromia oviformis+ eine körnchenlose
-centrale Axe der ausgestreckten Pseudopodien gewiss +nicht+ zukomme.
-Denn die äusserst bewegliche Substanz erscheint gleichmässig körnig und
-zerfliesslich, und derartige Consistenzunterschiede in der Dicke der
-Pseudopodien, wie sie bei Actinophrys Eichhornii bestehen, sind nicht
-vorhanden. Wie aber bei denjenigen Foraminiferen, deren Pseudopodien
-bezüglich ihrer Beweglichkeit zwischen den beiden genannten Extremen
-stehen? Hierher gehören z. B. die Milioliden. Ich glaube, dass Manches
-was man an den Pseudopodien derselben beobachtet, für eine gewisse,
-wenn auch weniger deutlich ausgesprochene Verschiedenheit in der
-Consistenz von Rinde und Axe spricht, vor Allem das Verhalten der
-Pseudopodien bei Zusatz gewisser Reagentien. Salzsäure, Essigsäure,
-Osmiumsäure, Ammoniak im äusserst verdünnten Zustande wirken in
-ziemlich gleicher Weise auf die ausgestreckten Pseudopodien ein,
-indem sie eine Contraction, ein Schrumpfen herbeiführen, sodass
-der Faden an Dicke abnimmt. Dabei tritt dieselbe Erscheinung ein,
-welche wir an den Fäden der Actinophrys beobachteten, dass sich
-nämlich ein Theil der Substanz in spindelförmigen Tropfen auf der
-Oberfläche eines hyalinen, wie es scheint resistenteren, centralen
-Fadens ansammelt. Die Pseudopodien werden exquisit +varikös+. Wenn
-auch die Abgrenzung der beiderlei Substanzen bei Miliola nicht so
-scharf ist wie bei Actinophrys, so deutet doch das Auftreten der
-gleichen beschriebenen Veränderung auf eine Verwandtschaft beider im
-Baue. Wie durch die genannten Reagentien kann dieselbe Erscheinung
-auch durch schnelle Erwärmung bis 45° C. und durch kräftige Schläge
-eines Inductionsapparates herbeigeführt werden. Vor dem Einschmelzen
-und gänzlichen Zerstören durch Wärme oder elektrische Ströme tritt
-wieder +Varikositätenbildung+ an den Fäden auf, ganz in ähnlicher
-Weise, wie wir es oben bei Actinophrys erwähnten. Die Wärme wirkt nach
-meinen Versuchen wie bei Actinophrys erst mit 43° tödtlich auf die
-Körpersubstanz der Milioliden. Die Pseudopodien schmelzen zwar schon
-bei 35-38° ein, welche Temperatur ihnen offenbar grosses Unbehagen
-bereitet und sie zu weiteren Bewegungen unfähig macht. Der Tod des
-Thieres erfolgt aber erst mit der wirklichen Gerinnung, der Trübung der
-eiweissartigen Substanzen, nicht bloss in den Pseudopodien, sondern
-auch im Innern der Schale, und diese Einwirkung tritt erst bei
-42-43° C. ein.
-
-Bezüglich des Einflusses der Schläge des Magnetelektromotors auf
-die ausgestreckten Pseudopodien der Milioliden haben meine Versuche
-ergeben, 1) dass schwache Ströme gar keinen, stärkere einen solchen
-Einfluss ausüben, dass die Pseudopodien sich zurückziehen, die
-stärksten eine sofort zersetzende Wirkung ausüben. Bei der Retraction
-verhalten sich die Fäden ganz so, wie wenn sie durch andere störende
-Einwirkungen zur Zusammenziehung gebracht worden, sie heben sich vom
-Glase, auf dem sie festhafteten, ab, krümmen sich, flottiren frei im
-Wasser und verkürzen sich, indem sie sich zu unregelmässigen Bündeln
-und Klumpen vereinen; bei der sofortigen Zersetzung, bei welcher ihnen
-also keine Zeit zur Retraction bleibt, werden sie varikös, schrumpfen
-ein und zertheilen sich im umgebenden Wasser; 2) ist hervorzuheben,
-dass ein specifischer, verlangsamender oder beschleunigender Einfluss
-auf die +Körnchenbewegung+ durch die elektrischen Schläge nicht
-erzielt werden kann. Die Körnchenbewegung wird nur insoweit alterirt,
-als sie mit der Retraction oder Zersetzung der Fäden zusammenhängt.
-
-
-
-
-III.
-
-Die Bewegungserscheinungen am Protoplasma der Pflanzenzellen verglichen
-mit denen an den Pseudopodien der Rhizopoden.
-
-
-Wir haben oben bereits ausführlich auf die Bedeutung aufmerksam gemacht,
-welche die Thatsache für uns hat, dass die Bewegungserscheinungen des
-Protoplasma der Pflanzenzellen denen, welche wir an den Pseudopodien
-der Rhizopoden beobachten, bis zum Verwechseln ähnlich sehen. Ich habe
-die Gelegenheit, welche mir der Besitz der äusserst lebenskräftigen
-Polythalamien von der englischen Küste bot, benutzt, die Bewegungen des
-Protoplasma der Pflanzenzellen nach erneuten Untersuchungen noch einmal
-so genau als möglich mit den Bewegungen der Pseudopodien zu vergleichen.
-
-Die Pflanzen und Pflanzentheile, welche ich beobachtete, sind die
-Staubfadenhaare mehrerer Species +Tradescantia+, die Blumenblätterhaare
-von +Viola+, die Blätterhaare von +Cucurbita+ und von +Urtica+, die
-Blattparenchymzellen und die Wurzelhaare von +Hydrocharis+, und
-die Blätter von +Vallisneria spiralis+. Es ist bekannt, dass die
-Bewegungserscheinungen, welche der Inhalt der Zellen dieser Pflanzen
-darbietet, grosse Verschiedenheiten zeigen. Man unterschied danach
-früher eine Rotationsströmung (Chara, Vallisneria) und eine Circulation
-des Zellsaftes (Tradescantia u. A.). Doch da man erkannte, dass beide
-Arten von Bewegung an derselben Substanz, nämlich dem Protoplasma
-der Zellen, ablaufen, während der wässerig flüssige Zelleninhalt
-keinen Theil an derselben hat, wurde es zweifelhaft, ob eine scharfe
-Unterscheidung der beiden Bewegungsformen möglich sei[34]. Die
-Auffindung aller möglichen Uebergänge zwischen beiden Bewegungsarten
-hat dann jeden Zweifel an der Zusammengehörigkeit beider Erscheinungen
-beseitigt[35].
-
-Die einfachere Form der Bewegung ist da, wo das Protoplasma nur als
-gleichmässige Bekleidung der inneren Oberfläche der Cellulosewand
-vorkommt, wie bei Chara, Nitella, Vallisneria u. A. Bilden sich in
-diesem wandständigen Protoplasma Unterschiede in der Dicke der Art
-aus, dass einzelne Theile wie Riffe oder Leisten in die Höhlung der
-Zelle vorspringen, so entsteht das Verhältniss wie in den Brennhaaren
-von Urtica. Dieses geht wieder ganz allmählich in die Bildung
-über, wie sie sehr entwickelt bei Tradescantia, Viola vorkommt,
-wo zahlreiche Protoplasmafäden, welche mit ihren Enden in dem
-wandständigen Protoplasma wurzeln, die Zellenhöhle frei durchziehen
-und oft ein complicirtes Netzwerk bilden, wie es nach _Schacht’s_
-Beobachtungen wohl am schönsten in der Aussackung des Embryosackes von
-Pedicularis sylvatica gefunden wird, wo das Protoplasmanetzwerk höchst
-wahrscheinlich später in ein Cellulosefadennetz übergeht[36].
-
-Das Object, welches den directesten Vergleich mit den Pseudopodien
-der Polythalamien zulässt, sind die frei durch die Zellenhöhle
-streichenden Protoplasmafäden in den +Tradescantia+-, +Viola+-,
-+Cucurbita+- und +Hydrocharis+-Blattzellen. Wie ich früher für
-+Tradescantia+ ausführlich beschrieb[37], »gehen von der den Kern
-umhüllenden Protoplasmaschicht mehrere dickere und dünnere Fäden aus,
-nach verschiedenen Richtungen die Zelle durchsetzend, auch öfter
-der Zellenwand dicht anliegend. Sie bestehen deutlich aus einer
-Grundsubstanz und eingebetteten, stark lichtbrechenden Körnchen.
-Letztere laufen im Innern oder +wie auf der Oberfläche+ der Fäden hin,
-entweder nur nach +einer+ Richtung oder, wie nicht selten gesehen
-werden kann, nach entgegengesetzten Richtungen zugleich an einem und
-demselben Faden. An den breitesten ist die doppelte Strömungsrichtung
-fast constant, sie kommt aber auch an den feinsten, kaum noch
-erkennbaren Fäden vor. Begegnen sich Körnchen, so gehen sie meist
-ungestört aneinander vorbei, oder es kommt vor, dass die einen die
-anderen mit zurücknehmen -- ein Beweis, dass nicht zwei getrennte
-Fäden die Ursache der doppelten Stromesrichtung waren. An demselben
-Faden überholen einzelne in schnellem Laufe andere langsamere, und
-können dann, wie ich einmal sah, zurücklaufend gemeinschaftlich
-umkehren. Die Fäden theilen sich öfter gabelig, und ein Körnchen an die
-Theilungsstelle gelangt, stockt ehe es sich dem einen oder anderen Wege
-anvertraut. Die Gestalt und Richtung der Fäden ist aber fortwährendem
-Wechsel unterworfen. Die gablige Theilung z. B. rückt von der Basis
-des Fadens am Zellenkern dem anderen an der inneren Oberfläche der
-Zellenwand sich befindenden Ende entgegen. Oder es bildet sich aus der
-gabligen Theilung eine Brücke zu einem nebenanliegenden Faden, indem
-der eine Theilast mit diesem verschmilzt. Die Brücke läuft dann abwärts
-oder aufwärts zwischen beiden Fäden hin, verkürzt sich, indem letztere
-sich einander nähern, endlich verschmelzen sie vollständig miteinander
-zu einem einzigen, so dass jetzt ein breiter Strom fliesst, wo vorher
-einzelne Fäden waren.
-
-An der inneren Oberfläche der Zellenwand befindet sich eine
-zusammenhängende dünne Protoplasmaschicht. So erscheint es nach der
-Anwendung von Reagentien, welche dieselbe, (den Primordialschlauch)
-einschrumpfen machen. Durch Zuckerlösung konnte ich hier dasselbe
-hervorrufen, was _A. Braun_ bei den Characeen gelang. Der Zelleninhalt
-zog sich scharf begränzt von der Zellhaut zurück, dabei dauerten die
-Strömungserscheinungen im Innern noch eine Zeit lang fort. Hiebei kann
-man sich auch überzeugen, dass die in der Rindenschicht des Protoplasma
-vorkommenden Strömchen und Körnchenschwankungen (denn solche sind hier
-stellenweise oft allein vorhanden) nicht die äusserste Schicht des
-Protoplasma (+Hautschicht+ _Pringsheim_) betreffen, sondern nur eine
-innere Lage an der Rindenschicht (+Körnerschicht+ _Pringsheim_).«
-
-Wie _E. Haeckel_ auf Grund eigener Untersuchungen auf das
-Nachdrücklichste bestätigt[38], passt diese Beschreibung so vollständig
-auf die Bewegungen der Pseudopodien der Rhizopoden, dass sie direct
-auf letztere übertragen werden kann. Zu ihrer Vervollständigung will
-ich nur noch hinzufügen, dass man an den freien Plasmafäden öfter
-ausser der Bewegung der kleinen Körnchen auch ein Fortrücken grösserer,
-spindelförmiger Massen oder seitlicher Auftreibungen bemerkt, welche
-mit derselben oder etwas geringerer Geschwindigkeit wie die Körnchen
-fortrücken, gerade so wie es bei den Pseudopodien der Polythalamien
-vorkommt; ferner dass _Haeckel_ beobachtete, wie seitlich aus einem
-Faden ein neuer hervortritt, um sich bei reichlichem Zufluss schnell zu
-verlängern, zu verästeln, mit anderen zu verbinden, oder bei geringem
-Zufluss alsbald wieder zu verschwinden. Etwas dem Entsprechendes sah
-auch _Heidenhain_ bei Hydrocharis und Vallisneria[39]. Auch bedarf der
-Eingang obiger Beschreibung insofern einer Berichtigung, als durchaus
-nicht immer das den Kern der Zelle umhüllende Protoplasma der alleinige
-Ausgangspunkt der Fäden ist, diese vielmehr auch an jeder anderen
-Stelle des Protoplasma wurzeln können.
-
-Weitere Verwandtschaft der beiden in Rede stehenden Arten von Fäden
-ergiebt sich aus dem Verhalten zu Reagentien und zum elektrischen
-Strome. Destillirtes Wasser bringt den Plasmafaden der Pflanzenzelle
-zum Zerfliessen unter denselben Erscheinungen der Vacuolenbildung, wie
-oben von den Pseudopodien der Polythalamien beschrieben worden. An der
-unverletzten Zelle der Tradescantiafäden tritt diese Einwirkung erst
-nach 12-24 Stunden ein, beim Anschneiden der Zelle ist sie sofort da.
-Verdünnte Säuren bringen die Fäden unter Sistirung der Körnchenbewegung
-zum Erstarren, so dass sie oft noch lange in derselben Lage wie zuletzt
-im Leben verharren und keine andere Veränderung eingehen als etwas
-blasser werden. Bei kräftigerer Einwirkung tritt eine theilweise
-Auflösung und Schrumpfung ein. Aehnlich ist die langsame Einwirkung
-verdünnter Kalilauge. Die Fäden werden durchsichtiger und es hört
-jede Bewegung in ihnen auf, bis die lösende Einwirkung der Lauge die
-Protoplasmamassen zerstört. Wie empfindlich das Protoplasma gegen
-die Einwirkung gewisser Agentien ist, beweist folgender interessante
-Versuch. Die Staubfadenhaare der Tradescantia virginica enthalten im
-noch nicht vollkommen entwickelten Zustande, wenn man sie aus einer
-Blüthenknospe nimmt, in dem feinkörnigen Protoplasma viele kleine
-Stärkekörner, welche beim Aufblühen vollständig geschwunden sind.
-Dieselben färben sich mit Iod violettblau. Bringt man zu solchen
-Staubfadenhaaren, deren Protoplasma in lebhafter Bewegung ist, ein
-wenig Iod in Iodkaliumlösung, so hört die Bewegung des Protoplasma auch
-bei grosser Verdünnung der Lösung +sehr schnell+ auf, +viel früher,
-als die Stärkekörner eine Andeutung der blauen Farbe zeigen+ oder
-das Protoplasma und die Zellenwand eine Farbenänderung annehmen. Es
-steht diese Thatsache in auffallendem Gegensatze zu der obigen, dass
-Staubfadenhaare, welche gewohnt sind nur mit +Luft+ in Berührung zu
-sein, bis 24 Stunden in Wasser liegen können, ohne dass letzteres durch
-die Zellenwand hindurch die Integrität des Protoplasma stört, was sich,
-wenn es endlich eintritt, durch veränderte Anordnung des Protoplasma
-und Aufhören der Bewegung zu erkennen giebt.
-
-_Unger_[40] berichtet, dass eine schwache Zucker- oder Gummilösung, und
-noch mehr Milch den Strom der Vallisneria spiralis sehr beschleunige.
-Ich habe bei wiederholten Versuchen nichts von dieser Beschleunigung
-wahrnehmen können, vorausgesetzt natürlich, dass die Lösungen keine
-höhere Temperatur als das Präparat vor dem Zusatze derselben hatten.
-Auch die deletären Wirkungen des Kalkwassers kann ich nicht bestätigen,
-denn an in Kalkwasser gelegten Schnitten von Vallisneria beobachtete
-ich noch nach 24 Stunden ebenso schnelle Bewegungen, wie wenn
-destillirtes Wasser angewandt worden war.
-
-Was ich oben von der Einwirkung der Inductionsströme auf die
-Körnchenbewegung der Pseudopodien der Polythalamien gesagt habe, gilt
-auch für die Protoplasmafäden der Tradescantia. Ich habe in vielen
-Versuchen mit dem Schlittenapparat keinerlei anderen Einfluss der
-Elektricität auf die Körnchenbewegung wahrnehmen können, als dass,
-nachdem schwache Ströme ohne allen Einfluss blieben, stärkere sie
-verlangsamen und ziemlich schnell aufhören machen. Dabei bleiben
-wieder die Fäden entweder noch lange in ihrer natürlichen Lage,
-oder gehen schnell unter, indem sie sich in eine Molekularbewegung
-zeigende Masse zusammenziehen und auflösen. Es ist, soweit sich
-nach der Stellung der Inductionsrollen beurtheilen lässt, ziemlich
-genau dieselbe Stromstärke, bei welcher die Körnchenbewegung in den
-Pseudopodien und in den Pflanzenzellen aufhört. Sehr gewöhnlich
-beobachtet man bei solchen Versuchen, auch wenn die Elektroden mit sehr
-breiten Enden in dem Wassertropfen auslaufen (breiten Staniolstreifen
-oder Spiegelglasbelegung), dass nicht alle Theile des Präparates
-gleichmässig von der Einwirkung der elektrischen Schläge getroffen
-werden. Dabei fiel mir auf, dass die in der Längsrichtung durchströmten
-Haarzellen viel schneller absterben als diejenigen, deren Längsaxe
-rechtwinklig gegen die Verbindungslinie der beiden Elektroden liegt.
-_Jürgensen_, welcher sehr genaue Experimente über die Einwirkung
-des elektrischen Stromes auf die Bewegung des Protoplasma in den
-Blattzellen von Vallisneria spiralis anstellte[41], beobachtete etwas
-Analoges.
-
-Hat die Körnchenbewegung unter dem Einfluss stärkerer Inductionsschläge
-aufgehört, so sah ich dieselbe nicht wieder in Gang kommen, was auch
-mit _Jürgensen’s_ Erfahrungen an Vallisneria übereinstimmt, welche sich
-auf genaue Messungen am Mikrometer gründen. _Heidenhain_, welcher wie
-ich an Tradescantien arbeitete, giebt an, dass auch nach dem Aufhören
-der Bewegung, in Folge der Einwirkung von Inductionsströmen, dieselbe
-wieder in vollen Gang kommen könne, wenn die Ströme nicht zu stark und
-ihre Einwirkungsdauer nicht zu lange gewesen[42].
-
-Der Einfluss, welchen der elektrische Strom auf die +Körnchenbewegung+
-ausübt, beschränkt sich auf eine Verlangsamung, welche der beginnenden
-Zersetzung vorausgeht. Von diesem Einfluss ist zu unterscheiden,
-dass auch +Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen+,
-Gestaltveränderungen der Fäden und dergl. in Folge der Einwirkung des
-elektrischen Stromes auftreten können. Der erste, welcher dergleichen
-beobachtete, ist _Brücke_[43], er schreibt von dem Protoplasma der
-Brennhaare von Urtica: »Um die Wirkung der electrischen Ströme in
-ihren einzelnen Stadien zu verfolgen, thut man am besten, den Kreis
-anfangs nur für eine oder einige Secunden zu schliessen, so dass das
-Haar eine kurze Reihe von Schlägen erhält. Die erste Veränderung,
-die man dann wahrnimmt, besteht in der Regel in dem Erscheinen einer
-grösseren oder geringeren Menge von Fäden, welche vom Zellenleibe aus
-in die Intracellularflüssigkeit hineinragen. Ich habe sie nicht immer,
-aber doch bei weitem in der Mehrzahl der Fälle gesehen, und da sie von
-wechselnder Dicke, oft äusserst dünn sind, so mögen sie sich doch wohl
-das eine oder das andere Mal der Beobachtung entzogen haben. Manchmal
-sieht man sie wie Raketen aus dem Zellenleibe hervorschiessen,
-sobald man den Kreis des Magnetelectromotors schliesst. Sie haben oft
-eine beträchtliche Länge; ich habe deren solche beobachtet, die im
-gestreckten Zustande bis zur Axe in das Innere des Haares hineinragten.
-An ihrem Ende tragen sie eine grössere oder kleinere Anschwellung, und
-man sieht sie in einer fortwährenden, bald schwächeren, bald stärkeren
-zitternden oder schlängelnden Bewegung begriffen. Bisweilen sieht
-man neben den Fäden auch stärkere kolben- oder keulenartige Gebilde
-hervortreten.«
-
-Ich habe die beschriebene Erscheinung bei einer gewissen Stärke
-des Stromes wiederholt eintreten sehen. Man thut am besten an
-einem Theil des wandständigen Protoplasma die Grenze gegen die
-Intracellularflüssigkeit genau einzustellen, und dann den Strom, wie
-_Brücke_ räth, nur kurze Zeit einwirken zu lassen. Derselbe muss aber
-schon recht kräftig sein, wenn man eine Wirkung beobachten will. Die
-vorher glatte Grenzlinie des Protoplasma wird höckerig, zapfen- und
-fadenförmige Vorsprünge kommen an derselben zum Vorschein, von denen
-die feineren die von _Brücke_ angegebenen Bewegungen ausführen, und
-endlich, wenn kein neuer deletärer Strom durch das Protoplasma geleitet
-wird, wieder langsam in das Protoplasma zurückgezogen werden, von
-welchem sie ausgingen. Ein +plötzliches+ Auftreten dieser fadenförmigen
-Fortsätze habe ich nicht gesehen. Die zu diesen Versuchen nöthige
-Stärke des Stromes muss ziemlich nahe derjenigen liegen, welche das
-Protoplasma tödtet, doch ist unsere Erscheinung durchaus kein Zeichen
-des bereits eingetretenen Todes, denn die Körnchenbewegung erhält sich
-und dauert nachher ungestört fort.
-
-Bei Tradescantia konnte ich ähnliche Bewegungen nicht hervorrufen,
-die Anordnung des Protoplasma in den Zellen ist hier auch für das
-Zustandekommen solcher Erscheinungen weniger günstig. Die freien Fäden
-sind zu dünn, um viele neue Fortsätze treiben zu können, und die Menge
-des wandständigen Protoplasma ist sehr gering. Dagegen beobachtete
-ich hier etwas, dessen auch _Heidenhain_[44] Erwähnung thut, und was
-für eine Vergleichung der Protoplasmafäden der Pflanzenzellen mit den
-Pseudopodien der Rhizopoden von Wichtigkeit ist -- die Fäden werden
-unter dem Einfluss eines stärkeren elektrischen Stromes deutlich
-+varikös+. Die Erscheinung sieht aus, als wenn sich eine flüssigere
-Masse auf der Oberfläche des Fadens in einzelnen Tropfen ansammle,
-gerade so wie ich es von den Pseudopodien von Actinophrys und den
-Polythalamien beschrieben habe.
-
-Wir werden sehen, dass ganz ähnliche Erscheinungen, wie durch
-Anwendung stärkerer elektrischer Schläge, an den Protoplasmafäden
-verschiedener Pflanzenzellen auch durch Anwendung +höherer
-Temperaturgrade+ erzielt werden können. Die erste Folge einer
-allmählichen Erwärmung ist eine oft sehr bedeutende +Beschleunigung
-der Körnchenbewegung+. _Dutrochet_[45] bestimmte bei Chara den
-Einfluss höherer Temperaturgrade auf die sogenannte Rotation genauer,
-und fand, dass eine Erwärmung der in schmelzendem Schnee abgekühlten
-Pflanze, in welcher die Bewegung sehr langsam von Statten ging, auf
-18° C. diese letztere ausserordentlich beschleunigte. Erwärmung von
-27-40° brachte zuerst eine Verlangsamung der Bewegung hervor, nach
-längerem Verweilen in dem warmen Wasser wurde die Bewegung jedoch
-immer sehr schnell. Wasser von 45° C. tödtete die Pflanze sofort. Für
-+Vallisneria+ ist es seit längerer Zeit bekannt, dass eine Erwärmung
-des Wassers beschleunigend auf die Bewegung wirkt. _Jürgensen_[46] gab
-für diese Pflanze die äusserste Grenze, bei welcher sich die Bewegung
-noch erhält, auf 36-40° an, d. h. bei 36° beobachtete er noch kräftige
-Bewegung, bei 40° keine mehr. Die Beobachtung des erregenden Einflusses
-der Erwärmung bei Vallisneria ist sehr leicht und sicher. Wendet man
-frisch angefertigte Schnitte an, in welchen gewöhnlich die Bewegung
-nur äusserst langsam vor sich geht, so sieht man sie bei der Erwärmung
-sofort in den meisten Zellen auf das lebhafteste in Gang kommen.
-Nicht so auffallend sind die Veränderungen, welche bei Urtica und
-Tradescantia eintreten. Bei diesen Pflanzen maass ich die Schnelligkeit
-der Körnchenbewegung bei gewöhnlicher Zimmertemperatur, erwärmte dann
-den Objectträger ohne ihn zu verrücken durch Einschiebung einer über
-der Lampe erhitzten Cylinderblendung von unten in den Objecttisch auf
-30-40° C., und maass an derselben Zelle wie vorhin die Schnelligkeit
-der Bewegung von Neuem. So erhielt ich für Urtica bei gewöhnlicher
-Temperatur für die Secunde 0,004-0,005 Millimeter, bei Erwärmung bis
-cc. 35° 0,009 Mm. Bei Tradescantia virginica maass ich die Bewegung
-bei gewöhnlicher Temperatur 0,004-0,005 Mm. in der Secunde, erwärmt
-0,008, einzelne Körnchen 0,010 Mm.
-
-Noch schneller sind die Bewegungen bei Vallisneria spiralis, bei der
-ich nach mässiger Erwärmung die Chlorophyllkügelchen in einer Secunde
-einen Raum von 0,015 Mm. zurücklegen sah.
-
-Meine bei gewöhnlicher Zimmertemperatur angestellten Messungen stimmen
-ziemlich genau überein mit den von _H. v. Mohl_[47] gemachten Angaben,
-welcher bei Tradescantia 1/500‴ d. i. = 0,0045 Mm., bei Urtica 1/750‴
-d. i. = 0,003 Mm. für die Secunde angiebt. Die Erwärmung kann also hier
-die Bewegung +bis auf mehr als das Doppelte+ beschleunigen. Das höchste
-Maass, welches ich erreichte, war bei Vallisneria, nämlich 0,015 Mm. in
-der Secunde.
-
-Es musste von Wichtigkeit sein, die Schnelligkeit, welche die
-Körnchenbewegung an den Pseudopodien der +Polythalamien+ erreicht, im
-Vergleich zu obigen Messungen zu bestimmen. Die Milioliden, welche mir
-zu Gebote standen, ergaben eine Schnelligkeit von 0,007-0,015 Mm. in
-der Secunde und zwar bei gewöhnlicher Temperatur. +Erwärmung brachte
-kaum eine Beschleunigung der Bewegung hervor+, das höchste, was ich
-an einzelnen Körnchen beobachtete, war 0,02 Mm., was aber auch wohl
-in einzelnen Fällen bei gewöhnlicher Temperatur vorkommen dürfte. Wir
-hätten hiernach also zu constatiren, dass die +Geschwindigkeit der
-Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Milioliden übereinstimmt mit
-der höchsten an dem Protoplasma der Pflanzenzellen beobachteten+. Bei
-letzteren wurde diese Geschwindigkeit nur durch Erwärmung über die
-gewöhnliche Zimmertemperatur erzielt, bei den Milioliden bestand sie
-unter den normalen Verhältnissen und ward durch Temperaturerhöhung
-nicht wesentlich beschleunigt[48].
-
-Zu genauer Bestimmung derjenigen höheren Temperaturgrade, bei welchen
-sich Veränderungen tief greifender Art im Protoplasma einstellen,
-bediente ich mich nach einer Anzahl Vorversuche wie oben des
-Wasserbades, in welches die mikroskopischen Präparate mit an den Ecken
-aufgekittetem Deckgläschen oder die ganzen Pflanzentheile eingetaucht
-wurden. Zwei bis drei Minuten können gewiss als hinlänglich lange Zeit
-gelten, um den sehr dünnen Präparaten die Temperatur des umgebenden
-Wassers vollständig mitzutheilen. Die Pflanzen, mit denen ich operirte,
-waren Tradescantia virginica, Urtica urens und Vallisneria spiralis.
-Für alle drei stellte sich gleichmässig heraus, dass die Temperatur,
-welche +absolut tödtlich+ wirkt, erst bei 47-48° C. anfängt. Bei
-46° habe ich immer noch +einige+ Zellen unverändert gefunden,
-bei 45° +viele+ und bei 44°, wie wenigstens bei Vallisneria und
-Tradescantia schien, +alle+. Die Urticahaare sind vielleicht ein wenig
-empfindlicher, wenigstens erschien die Bewegung hier schon bei 44° oft
-fast vollkommen sistirt, ohne dass aber der Tod der Zelle eingetreten
-war. Die Bewegung +verlangsamt+ sich in allen Fällen von 38-40° an,
-kehrt aber, wenn die Temperatur nicht über 43° stieg, bei der Abkühlung
-meist bald zu der ursprünglichen Schnelligkeit zurück.
-
-Bei schneller Erwärmung auf 40° und darüber sah ich bei Urtica oft
-dieselben merkwürdigen Veränderungen des Protoplasma eintreten, wie sie
-_Brücke_ durch starke Schläge des Magnetelektromotors erzeugte.
-Der glatte Contour, welchen das wandständige Protoplasma gegen die
-Intracellularflüssigkeit besitzt, verändert sich durch Hervortreibung
-von kugligen, keulenförmigen und fadenartigen Fortsätzen, deren
-feinste oft eine schlängelnde oder wie tastende Bewegung zeigen. Bei
-der Abkühlung verschwinden sie allmählich wieder, doch pflegt die
-Bewegung der Körnchen nicht immer zu der ursprünglichen Schnelligkeit
-zurückzukehren. Wird die Erwärmung plötzlich auf 45° und darüber
-getrieben, so treten oft die bereits oben erwähnten Varikositäten
-an den freien Protoplasmafäden auf, wie sich besonders deutlich bei
-Tradescantia beobachten lässt. In anderen Fällen erstarren die Fäden in
-der Lage, die sie einnahmen und verharren noch lange in derselben, bis
-sie der allmählich um sich greifenden Auflösung des Plasma anheimfallen.
-
-Es folgt aus diesen Versuchen 1) dass die Wärme ein mächtiges
-Reizmittel für die Protoplasmabewegungen ist und 2) dass das
-Protoplasma der Pflanzenzellen bei ungefähr 45° C. abstirbt. Die
-Bewegung erlischt, worauf eine Veränderung in dem Aussehen der
-Masse eintritt, welche genau derjenigen gleicht, wie sie die
-contractile Substanz der Pseudopodien und des Körpers der Rhizopoden
-+unter dem Einfluss eines etwas niedrigeren, 43° C. betragenden
-Temperaturgrades+ eingeht.
-
-_Heidenhain_ muss die Beobachtungen von _Dutrochet_ und _Jürgensen_
-über den Einfluss der Temperatur auf die Bewegungen des Protoplasma
-übersehen haben, sonst hätte er nicht schreiben können (l. c. p.
-65): »Ich habe bisher noch keine Reize für die im Innern der Zellen
-vor sich gehenden Bewegungen entdecken können d. h. keine derartigen
-Einwirkungen, welche das ruhende Protoplasma in Bewegung zu versetzen
-oder das langsam bewegte zur Beschleunigung anzutreiben vermöchten.«
-Ein solches und sehr ausgezeichnetes Reizmittel ist also die Wärme.
-
-Ich kann von den Temperaturbeobachtungen nicht scheiden, ohne an
-die Beziehungen derselben zu dem Vorkommen lebender thierischer und
-pflanzlicher Organismen +in heissen Quellen+ zu erinnern, und die
-überraschenden Differenzen anzugeben, welche sich bei der Vergleichung
-herausstellen. Nach meinen Beobachtungen stirbt das Protoplasma der
-untersuchten Pflanzenzellen unter Gerinnungserscheinungen bei
-47-48° C. unfehlbar ab. Thierisches Leben erhält sich in Wasser von
-45° nur noch sehr spärlich, einzelne Brachionus und Cypris-Arten
-überdauerten diesen Temperaturgrad, Anguillulinen, Turbellarien,
-Naiden sterben schon bei 44½° meist ab, Rhizopoden ertragen einzeln
-42-43°, Vorticellen sterben bei 41-42° C. Die Wärmestarre der Muskeln
-von Wirbelthieren tritt nach _Kühne’s_ angeführten Untersuchungen bei
-40-50°, verschieden nach dem Grade der Starre und nach der Thierclasse,
-auf. Wir sind berechtigt hiernach vorauszusetzen, dass thierisches und
-pflanzliches Leben über ca. 45° C. sich dauernd nicht erhalten werde.
-Diese Voraussetzung bestätigt sich angesichts kürzlich von _Ehrenberg_
-mitgetheilter Beobachtungen nicht. _Ehrenberg_[49] fand auf Ischia in
-heissen Quellen Filze von grünen und braunen organischen Massen, welche
-aus lebenden Eunotien und grünen Oscillarien bestanden. Beim Ausdrücken
-derselben kamen 4 Arten Räderthiere, Infusorien der Gattungen
-Nassula, Enchelys und Amphileptus zum Vorschein. Das Thermometer +in
-diese heissen Filze eingesenkt+, zeigte 65-68° R., d. i. 81-85° C.!
-Bezüglich anderer heisser Quellen stehen mir keine mit wünschenswerther
-Genauigkeit angestellte Beobachtungen über die Temperatur der
-+wirklich lebende+ Organismen enthaltenden Stellen zu Gebote. Mit der
-grössten Spannung müssen wir der Lösung der hier schwebenden Frage
-entgegensehen.
-
-Wenn wir die Körnchenbewegung der Pseudopodien der Rhizopoden als
-Ausfluss der +Contractilität+ ihrer Substanz betrachten, wogegen
-solange nichts zu erinnern sein wird, als nicht ein anderer Grund
-für diese Bewegung nachgewiesen ist, so können wir folgerichtig auch
-nicht anstehen, als Ursache der Körnchenbewegung am Protoplasma
-der Pflanzenzellen +Contractilität+ anzusehen. Wenn je, so haben
-wir hier einen Grund, aus gleicher Wirkung auf die gleiche Ursache
-zu schliessen. Wenn es sich aber um noch andere Beweise für die
-Contractilität des Protoplasma handelt, so verweise ich zunächst
-zurück auf die Angaben _Brücke’s_ bezüglich des Verhaltens der
-Brennhaare von Urtica gegenüber den Schlägen des Magnetelektromotors,
-welche ich bestätigen konnte, und auf meine Angaben über den
-Einfluss höherer Temperaturgrade. Ferner verdienen hier Beachtungen
-_Heidenhain’s_ (l. c. p. 56) Erwähnung über schnelle, zuckende
-Contractionen an den Protoplasmafäden von Hydrocharisblattzellen.
-Es treten nach _Heidenhain_ an den die Intracellularflüssigkeit
-durchsetzenden Plasmafäden, welche oft in einem centralen
-Plasmaklümpchen zusammenstossen, ruckweise Bewegungen auf, welche
-damit zu enden pflegen, dass einer der Fäden die Oberhand über die
-anderen gewinnt und sich verkürzend das Plasmaklümpchen zu sich und
-zu dem wandständigen Protoplasma hinzieht, in welchem er wurzelt.
-Weiter verweise ich auch auf die oben angeführten Beobachtungen _E.
-Haeckel’s_ bei Tradescantia[50], nach welchen ein Hervortreten und
-Zurückziehen neuer Fäden aus den vorhandenen ganz in der Art vorkommt,
-wie bei den Pseudopodien der Rhizopoden, eine Erscheinung, welche
-nur Theilerscheinung aller der complicirten und stets wechselnden
-Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen ist, welche die
-Bewegungen letzterer, namentlich bei Tradescantia, so vollkommen
-derjenigen gleich erscheinen lassen, welche die Pseudopodien der
-Polythalamien darbieten.
-
-Die vorstehenden Untersuchungen haben, denke ich, zur Genüge
-bewiesen, wie viel Recht ich hatte, die Protoplasmabewegungen in den
-Pflanzenzellen mit den Bewegungen der Pseudopodien der Polythalamien
-zusammenzustellen und aus der Gleichheit der Erscheinung auf eine
-tiefe innere Verwandtschaft der hier in Vergleich stehenden Substanzen
-zu schliessen. Ich überlasse es nun _Reichert_, welcher, ohne Gründe
-anzuführen, gegen den Vergleich protestirt, nicht einmal den Beweis
-geliefert hat, dass er die Körnchenbewegung in den Protoplasmafäden
-der Pflanzenzellen jemals mit Aufmerksamkeit beobachtete, die von ihm
-gefundenen +Unterschiede+ zwischen beiden Substanzen scharf ins Licht
-zu stellen, damit wir das +für+ und das +wider+ abzuwägen vermögen.
-
-Ich habe wiederholt der Arbeit _Brücke’s_ über die Protoplasmabewegungen
-in den Haaren der Brennnessel gedacht. Wir können von dem Gegenstande
-nicht scheiden, ohne einer Ansicht Erwähnung zu thun, welche _Brücke_
-über das +Wesen der Körnchenbewegung+ im Protoplasma dieser Zellen
-aufgestellt hat. Wenn auch zunächst nur für Urtica Gültigkeit
-beanspruchend, muss dieselbe doch bei der nachgewiesenen
-Uebereinstimmung der Grunderscheinung in allen hier besprochenen
-Beispielen einer Verallgemeinerung fähig und für uns also von höchstem
-Interesse sein.
-
-Die Schwierigkeit, die Körnchenbewegung mit den Bewegungen anderer
-contractiler Substanzen in Einklang zu bringen, ist nach dem
-Voranstehenden offenbar sehr gross. Die Körnchenbewegung ist mit einer
-unzweifelhaften Ortsbewegung nicht nur der Körnchen, sondern auch
-deren unmittelbarer Umgebung verbunden, denn nur so erklärt es sich,
-wie die Substanz der Pseudopodien an Stellen gelangt, wo sie vorher
-nicht war, wie die complicirten Veränderungen in der Anordnung der
-Protoplasmamassen zu Stande kommen. Das hat _Brücke_ denn auch für die
-Bewegungen in den Haaren der Nessel sofort anerkannt.
-
-_Brücke_ unterscheidet aber zweierlei Bewegungen an dem Protoplasma
-der Nesselhaare[51]: 1) »eine langsame, ziehende oder kriechende,
-von welcher die Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen
-abhängen« und 2) eine »schnellere, fliessende, welche man an der
-Bewegung der zahlreichen Körnchen wahrnimmt«. Beide sollen wesentlich
-verschieden sein. Während erstere direct aus Contractionsbewegungen
-des Protoplasma abzuleiten sei, soll letztere ihren Sitz in einer
-vom contractilen Plasma umschlossenen körnerreichen Flüssigkeit
-haben. Nicht das Protoplasma selbst befände sich in einer solchen
-Bewegung, wie die Körnchen anzeigen, sondern eine +von dem
-Protoplasma verschiedene+, in dessen Inneren enthaltene, körnerreiche
-Flüssigkeit werde von einer contractilen Rinde fortbewegt, etwa, wie
-sich _Heidenhain_[52] später im Anschluss an und zur Erläuterung
-der _Brücke_’schen Ansicht ausdrückte, wie der Darminhalt bei den
-peristaltischen Bewegungen, welche wellenförmig über die Oberfläche der
-contractilen Darmwand ablaufen.
-
-_Brücke_ drückt sich weiter über die Bewegungen des Protoplasma in den
-Haaren von Urtica wie folgt aus: »Es wird gewöhnlich so dargestellt,
-als ob sich die ganze Protoplasmamasse in einer fliessenden Bewegung
-befände, und die Körnchen nur passiv mitgeschleppt würden; ich muss
-dies aber mit Rücksicht auf mein Object entschieden in Abrede stellen.«
-Und weiter: »Dass dies in der That nicht der Fall, behaupte ich aus
-folgenden Gründen: Erstens sieht man, und zwar oft in ganz schmalen
-Bahnen (den sogenannten Strömchen) Kügelchen in entgegengesetzter
-Richtung fliessen und sich vibrirend umeinander herumbewegen, wie es
-ganz unmöglich wäre, wenn man es hier, wie es gewöhnlich angegeben
-wird, mit dem Fliessen einer zähen Flüssigkeit zu thun hätte; zweitens
-kann man die Bewegungen des Protoplasmas ganz deutlich von denen der
-Körnchen unterscheiden. Es ist zu dem Zwecke am besten, den Basaltheil
-der Zelle in geringer Entfernung von der Zellengruppe, in die derselbe
-eingepflanzt ist, bei starker Vergrösserung (_Hartnack_ syst. à
-immersion No. 10, Ocul. 3) so einzustellen, dass die Mittelebene im
-deutlichen Sehen ist und somit der Durchschnitt der Protoplasmamasse
-zur Anschauung kommt. Man kann dann bei anhaltender Beobachtung oft
-ganz deutlich sehen, wie dieselbe wulstartige Hervorragungen gegen das
-Innere treibt, die eine Zeit lang stehen, ihre Gestalt verändern und
-endlich wieder verschwinden. Unabhängig geht daneben die Bewegung der
-Körnchen fort. Das sogenannte Protoplasma erscheint hiernach als der
-contractile Zellenleib, der an der Basis eine, vermöge seiner leisten-
-und wulstartigen Vorsprünge, unregelmässige Höhle einschliesst und
-von einer Flüssigkeit durchströmt wird, welche zahlreiche kleine
-Körnchen enthält. Diese Flüssigkeit mit dem Blute des Thierleibes zu
-vergleichen, liegt nahe genug; eine solche Analogie aber ist werthlos,
-so lange wir nicht mehr als jetzt über den Bau und den Haushalt des
-Zellenleibes wissen«. _Brücke_ wiederholt später[53] diese Annahme
-zweier in Consistenz verschiedener Bestandtheile des Protoplasma
-in den Brennhaaren von Urtica: »Wenn man bei starker Vergrösserung
-das Mikroskop so einstellt, dass die Mittelebene des Haares sich
-im deutlichen Sehen befindet, so unterscheidet man am leichtesten
-die eigenen Bewegungen des Zellenleibes von denen der körnerreichen
-Flüssigkeit, welche in ihm strömt. Man sieht dann seinen optischen
-Längsschnitt, und einerseits die Körnchen, die sich in ihm fortbewegen,
-andrerseits die Wülste, die er gegen die Intracellularflüssigkeit
-austreibt, man sieht, wie sie wachsen, wie sie ihren Ort verändern und
-wie sie wieder vergehen.
-
-»Man wird sich durch das Fortrücken des Wulstes nicht täuschen lassen,
-zu glauben, dass das sogenannte Protoplasma fliesse; denn man weiss,
-dass eine Contractionswelle der Länge nach über eine ganze Muskelfaser
-abläuft und schliesslich alle Theile derselben doch wieder am alten
-Orte sind. Selbst wenn ein singulär gebildeter Theil des Zellenleibes
-durch das ganze Sehfeld fortrückt, darf man sich dadurch nicht
-verführen lassen, in den alten Irrthum zurückzufallen. Ich habe solche
-Theile verfolgt und gefunden, dass sie endlich stille stehen und dann
-langsam wieder gegen ihren früheren Ort hin zurückkehren. Die Bewegung
-war kein Fliessen, sie war eine Folge der Contractilität.
-
-»Ich kann nicht sagen, ob diese Contractionen die einzige Ursache der
-Bewegung der körnerreichen Flüssigkeit im Zellenleibe sind, aber dass
-sie auf dieselbe einen wesentlichen Einfluss üben müssen, versteht sich
-wohl von selbst.«
-
-Hiernach ist also unzweifelhaft _Brücke’s_ Meinung die, das contractile
-Protoplasma sei es nicht, in welchem die Körnchen sich befinden,
-dieses bilde vielmehr nur eine Rinde um eine die Körnchen enthaltende
-+Flüssigkeit+. Durch wellenartig fortschreitende Contractionen der
-Rinde werde die Flüssigkeit im Innern bewegt und so entstehe die
-Körnchenströmung. Daneben bestehe dann noch als besondere Art der
-Bewegung die »langsame, ziehende oder kriechende«, auf welcher die
-Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen beruhen.
-
-Fragen wir uns zunächst, auf welche Gründe hin _Brücke_ die
-Differenzirung im Protoplasma annimmt, nach welcher die körnchenhaltige
-Flüssigkeit zum Protoplasma sich wie das Blut zum Thierleibe
-verhalte, so wird es uns bei der Kürze dessen, was der genannte
-Forscher über die Protoplasmabewegungen in Pflanzenzellen sagt,
-schwer, einen triftigen Grund für die von ihm vorgetragene Ansicht
-zu finden. Offenbar war es die verhältnissmässig schnelle Bewegung
-der Körnchen, welche ihn zur Annahme einer besonderen, neben der
-organisirten Materie noch vorhandenen +Flüssigkeit+ veranlasste.
-_Brücke_ scheint Anstand genommen zu haben, eine contractile Substanz
-von solchem Aggregatzustande zu denken, dass in ihr das Phänomen der
-Körnchenbewegung zu Stande kommen könne. Daher musste das Bewegende
-ausserhalb der die Körnchenbewegung zeigenden Substanz gelegt werden.
-
-Mit diesem Gedankengange würde ich mich nicht einverstanden erklären
-können, da wir Contractilität zweifellos an Substanzen geknüpft sehen,
-die in ihrer Consistenz von der des Protoplasma schwerlich irgend
-erheblich abweichen. _Brücke’s_ Arbeiten über die quergestreifte
-Muskelfaser haben die ausserordentliche Beweglichkeit der contractilen
-Substanz dargethan, und _Kühne_[54] hat namentlich durch seine
-Beobachtung einer lebenden Nematode in einer lebenden Muskelfaser,
-welche in der contractilen Substanz sich so ungehindert bewegte, wie in
-einer Flüssigkeit, den Beweis geliefert, dass der Aggregatzustand der
-Muskelsubstanz im Leben von dem einer Flüssigkeit nicht weit abweichen
-kann. Warum soll also das Zustandekommen der Körnchenbewegung von einer
-neben der contractilen Substanz vorhandenen Flüssigkeit abhängen?
-
-Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass auf die von _Brücke_
-statuirte Weise etwas der Körnchenbewegung Aehnliches zu Stande kommen
-müsse, aber ich halte es für sehr zweifelhaft, dass alle Formen, in
-welchen die Körnchenbewegung in die Erscheinung tritt, sich durch die
-_Brücke_’sche Annahme erklären lassen. Ich hebe noch einmal hervor,
-dass, obgleich _Brücke_ nur von dem Protoplasma der Nesselhaare
-spricht, ich meine Gegengründe aus den Beobachtungen einer ganzen
-Reihe von Pflanzen und zahlreicher Rhizopoden entnehme, bei welchen
-allen die Körnchenbewegung so sehr mit der bei Urtica zu beobachtenden
-übereinstimmt, dass ich das für letztere Gültige ohne Weiteres auf die
-anderen Beispiele zu übertragen für nothwendig halten würde. Gegen die
-_Brücke_’sche Annahme spricht aber 1) dass die Körnchen sehr häufig
-und sogar gewöhnlich sich nur in der oberflächlichsten Schichte des
-Protoplasma bewegen, und dass die Axe des Protoplasmafadens öfter
-nachweisbar fester, dichter ist als die Oberfläche. Eine hyaline Rinde
-als Bedeckung ganz oberflächlich hinlaufender Körnchen ist nicht
-wahrzunehmen. Wollte man dieselbe dennoch als vorhanden annehmen, so
-würde sie, da die Körnchen mit dem grössten Theile ihrer Oberfläche
-deutlich wie aus der Grundsubstanz frei hervorragen, doch nur
-verschwindend dünn sein. Stellt nun aber, wie aus der _Brücke_’schen
-Annahme folgt, diese Rinde das allein Contractile dar, so würden
-wir zu dem Schluss gedrängt werden, dass nur ein verschwindend
-kleiner Theil des Protoplasma contractil sei, der weitaus grösste
-eine nicht organisirte, körnchenhaltige Flüssigkeit darstelle. 2)
-Bei der Aufnahme fremder Körper, welche sich der Körnchenbewegung
-anschliessen, hätte man anzunehmen, dass auch diese in die im Innern
-des Plasma circulirende Flüssigkeit gelangen, und eine vollständige
-Rinde von contractiler Substanz erhalten, ehe sie sich in Bewegung
-setzen können. Die Beobachtungen an grösseren Carminkörnerklumpen
-und Stärkemehlkörnern, sofern sie sich, einmal in Berührung mit dem
-Faden gelangt, fast augenblicklich in Bewegung setzen, sprechen gegen
-diese Annahme. 3) Der von _Brücke_ für Urtica aufgestellte Unterschied
-einer »langsamen, kriechenden« und einer »schnelleren fliessenden«
-Bewegung im Protoplasma ist nicht durchzuführen. Es ist zwar richtig,
-was _Brücke_ sagt, dass man die Bewegungen grösserer Protoplasmamassen
-von der Körnchenbewegung unterscheiden könne, und _Joh. Müller_
-führte etwas Aehnliches zuerst von den Pseudopodien der Radiolarien
-an. Aber es ist auch leicht zu beobachten, dass die »ziehende oder
-kriechende« Bewegung grösserer Protoplasmamassen mit sehr verschiedener
-Schnelligkeit abläuft und bei geringer Grösse der Protoplasmamassen
-mit der Körnchenbewegung an Schnelligkeit übereinstimmt, und es ist
-weiter von _Brücke_ nicht bewiesen, dass die Körnchenbewegung nicht
-auch zur allmählichen Gestaltveränderung der Protoplasmafäden beitrage.
-Mir scheint das letztere unverkennbar. Denn die Bewegung grösserer
-Massen ist z. B. bei Tradescantia viel zu selten, als dass dadurch die
-stets neuen Veränderungen in der Configuration des Fadennetzes sich
-erklären liessen. Nimmt man dagegen die Körnchenbewegung ebenfalls als
-Ausdruck einer Massen-Bewegung des Protoplasma, so ist Alles einfach.
-Dann unterscheiden sich die beiden von _Brücke_ bezeichneten Arten der
-Bewegung +nur in der Menge des Bewegten und in der Schnelligkeit+, der
-Art dass, je kleiner die fortzuschaffende Masse ist, desto grösser die
-Geschwindigkeit. Wo man, wie bei den Pseudopodien der Polythalamien
-fremde Körper von sehr verschiedener Grösse der Körnchenbewegung sich
-anschliessen sieht, ist es ganz constant, dass die kleinsten (z. B.
-Carmin-) Körnchen mit viel grösserer Geschwindigkeit fortgeführt
-werden als grössere. Auch für die im Protoplasma der Pflanzenzellen
-enthaltenen Körnchen lässt sich das Gleiche beobachten, z. B. sehr
-deutlich bei den Zellen solcher Staubfadenhaare von Tradescantia
-virginica und discolor, welche man aus dem Aufbrechen nahen Knospen
-entnahm. In solchen enthält das Protoplasma, wie bereits oben angeführt
-wurde, neben den gewöhnlichen kleinen Körnchen etwas grössere, welche
-sich durch Iod blau färben, also wohl Stärkekörner sind. Hier ist die
-Schnelligkeit der Bewegung umgekehrt proportional der Grösse. Für
-Vallisneria spiralis führt _Jürgensen_ etwas Aehnliches an, indem er
-sagt, dass von zwei im Laufe sich überholenden Chlorophyllkörnern das
-schnellere stets das kleinere sei (l. c. 94), doch kommt hier möglicher
-Weise noch ein anderes Moment ins Spiel, die geringere oder grössere
-Entfernung von der Zellenwand, welches sich auch bei +Chara+ geltend zu
-machen scheint und seinen Grund in der verschiedenen nach der Zellwand
-zu wachsenden Dichtigkeit des Protoplasma haben dürfte.
-
-Ich glaube hiernach, dass wir vollkommen berechtigt sind, zunächst die
-bisher geltende Ansicht, dass die Körnchenbewegung +in der Substanz
-des contractilen Protoplasma selbst ihren Sitz habe+, aufrecht zu
-halten. Wie _Brücke_ ist auch _Heidenhain_ der Beweis für den von ihm
-mit folgenden Worten aufgestellten Satz: »Im Innern des geformten
-Protoplasmas strömt eine körnerreiche Flüssigkeit (_Brücke_), welche
-wahrscheinlich durch die Contractionen des Protoplasmas in Bewegung
-versetzt wird« (l. c. p. 67) schuldig geblieben.
-
-Wir kommen zu dem zweiten Theil der _Brücke_’schen Ansicht über die
-Protoplasmabewegungen, inwiefern nämlich die Niveauveränderungen des
-Protoplasma gegen die Intracellularflüssigkeit als über die Oberfläche
-hinziehende Contractionswellen zu deuten seien: »Man wird sich
-durch das Fortrücken des Wulstes nicht täuschen lassen, zu glauben,
-dass das sogenannte Protoplasma fliesse: denn man weiss, dass eine
-Contractionswelle der Länge nach über eine ganze Muskelfaser abläuft
-und schliesslich alle Theile derselben doch wieder am alten Orte
-sind.« Es könnte hiernach scheinen, als wenn _Brücke_ die Bewegungen
-des Protoplasma, auf welchen die proteischen Veränderungen in der
-Anordnung desselben beruhen, ganz übersehen habe. Dem ist jedoch nicht
-so. In seinem ersten Aufsatze (l. c. p. 404) sagt er, wie bereits
-wiederholt angeführt worden, es giebt zwei Arten von Bewegungen im
-Protoplasma »eine langsame, ziehende oder kriechende, von dieser
-hängen +die Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen ab+;
-ferner eine zweite schnellere, fliessende etc.« Wenn nun auch _Brücke_
-nicht angiebt, woran er die »ziehende oder kriechende« Bewegung des
-Protoplasma, welche er auch eine langsam +fliessende+ hätte nennen
-können, von der reinen Wellenbewegung der Oberfläche unterscheidet,
-so hat _Heidenhain_ doch _Brücke_ missverstanden, wenn er ihn der
-Ansicht zeiht (l. c. p. 62), »dass das Protoplasma selbst gar keine
-fortschreitende Locomotionsbewegung mache«, und in Folge dessen die auf
-den ersten Blick zu sehenden Locomotionsbewegungen glaubt besonders
-beweisen zu müssen.
-
-Ich habe bereits angeführt, dass ich es nach meinen Beobachtungen
-für vollständig unmöglich halte, die langsam ziehende, kriechende
-von der schneller fliessenden Bewegung des Protoplasma scharf zu
-unterscheiden. Da die erstere unzweifelhaft der Ausdruck einer
-Locomotion des Protoplasma ist, so weiss ich für die zweite die Grenze
-nicht festzustellen, wo sie nicht mehr eine fliessende Bewegung des
-Protoplasma genannt werden kann, sondern von Wellenbewegung der
-Oberfläche abhängen soll. Erinnern wir uns ferner, dass die ganze
-Hypothese mit der contractilen Rinde und der körnerreichen Flüssigkeit,
-welche _Brücke_ aufstellte, zunächst noch vollkommen in der Luft
-schwebt, so fällt vollends jeder Grund fort, die schneller fliessende
-von der langsam kriechenden Bewegung zu trennen und leuchtet ein, dass,
-wenn die eine in einer Locomotion des Protoplasma ihren Grund hat,
-die andere es auch haben kann. Die langsam ziehenden Bewegungen sind
-zugegebenermaassen Ortsveränderungen gewisser, besonderer Abtheilungen
-des Protoplasma. Wenn solche an sich höchst dunkle Bewegungen
-gesonderter Abschnitte des Protoplasma überhaupt vorkommen, so hat es
-sicher nichts Ungereimtes, wie schon angedeutet, diese gesonderten
-Abschnitte immer kleiner werden zu lassen, bis sie auf die nächste
-Umgebung eines einzelnen Kornes herabgesunken sind. Und bewegen sich
-diese ziehend, kriechend, fliessend oder wie man es nennen will, so
-schwindet das Auffallende der Erscheinung, welches _Brücke_ hervorhebt,
-dass »oft in ganz schmalen Bahnen Kügelchen in entgegengesetzter
-Richtung fliessen und sich vibrirend umeinander herumbewegen«; und was
-_Heidenhain_[55] hinzufügt, dass er sogar beobachtet habe, wie »zwei
-Kügelchen direct aufeinander losliefen, aneinander prallten, dann
-das eine umkehrte und die Richtung des anderen stärkeren (?) annahm,
-welches die seinige unverändert beibehalten hatte«, kann natürlich
-ebensowenig als Gegenbeweis dienen.
-
-Wenn ich es somit durchaus nicht für erwiesen betrachten kann, dass
-»+das Fortrücken des Wulstes+« keine Massenbewegung des Protoplasma
-sei, vielmehr solche Massenbewegung mit diesem Fortrücken in bestimmte
-Verbindung bringe, so will ich damit nicht ausgesprochen haben, dass
-es nicht auch Wellenbewegungen sein könnten, welche das Fortrücken
-der Plasmabestandtheile bedingen. Es gehört zum Zustandekommen dieses
-+Fortrückens+ durch Wellenbewegung vor Anderem die Annahme, dass
-die Oberfläche eine etwas grössere Dichtigkeit habe, als die Tiefe.
-Wenn ich den von _Brücke_ angenommenen Unterschied einer +allein+
-contractilen Rinde und einer passiv bewegten Flüssigkeit als unbewiesen
-bezeichnete und mich zu der Annahme desselben nicht verstehen konnte,
-so können doch +Consistenz+unterschiede zwischen Rinde und Inhalt am
-Protoplasma auf zweierlei Weise zugegeben werden.
-
-Ich habe an verschiedenen Orten darauf aufmerksam gemacht, dass das
-Protoplasma einer Zelle eine sehr verschiedene Dichtigkeit haben kann.
-Die Angelegenheit ist oben in der Einleitung ausführlich besprochen
-worden. Bei den kleineren Furchungs- oder Embryonalzellen springt die
-Rinde als hyaline, körnchenfreie Schicht über die körnchenhaltige
-Substanz vor. Aehnliches scheint an fast allen als Zellen fungirenden
-Protoplasmamassen vorzukommen. Für die Amoeben und Myxomyceten
-wurde dasselbe Verhältniss oben besprochen. Hier hat es auch öfter
-den Anschein, als wenn die Rinde das vorzugsweise Contractile, und
-das körnige Innere das mehr passiv Bewegte sei. Es ist aber nicht
-bewiesen, dass diesem Letzteren die Contractilität abgehe. Und wenn,
-wie bei manchen Amoeben, namentlich der von mir beschriebenen Amoeba
-porrecta, eine solche hyaline Rindenschicht nicht mehr zu beobachten
-ist, so leitet uns diese hinüber in das Verhältniss, wie wir es bei
-den Pseudopodien der Polythalamien finden, bei denen wir nach Allem,
-was vorliegt, die zerfliesslich weiche, körnige Substanz als mit
-ausgezeichneter Contractilität begabt ansehen müssen. Und wollten wir
-aus dem Verhalten der hyalinen Pseudopodien der Gromia oviformis oder
-der starren, wenig beweglichen Axe der Strahlenfäden von Actinophrys
-Eichhornii auf den Grad der Contractilität der hyalinen Rindenschicht
-der Amoeben und Myxomyceten zurückschliessen, so könnten wir gerade
-das Umgekehrte von dem, was wir oben anführten, erschliessen, nämlich
-dass das körnige Innere das hauptsächlich bewegende Element und die
-hyaline Rinde das mehr passiv bewegte sei. Ich führe das nur an, um
-darauf aufmerksam zu machen, wie wenig Recht wir vorläufig haben eine
-Differenzirung von contractilen und nicht contractilen Schichten im
-Protoplasma anzunehmen, und wie Organisation und Contractilität sich
-nicht an eine bestimmte Dichtigkeit der organischen Substanz knüpft.
-
-Es giebt aber zweitens noch einen anderen Punkt, welcher uns auf
-Dichtigkeitsunterschiede im Protoplasma führt, auch wenn wir
-aus der Beobachtung keinen Grund entnehmen können, dass solche
-Verschiedenheiten, wie z. B. bei den Amoeben existiren, vielmehr die
-betreffende Protoplasmamasse von durch und durch gleicher Dichtigkeit
-erscheint. Die Physiker sind namentlich durch genauere, von _Poisson_
-angeregte Betrachtungen über die Capillarerscheinungen zu der wichtigen
-Annahme gekommen, dass jedesmal die +Oberfläche+ einer Flüssigkeit eine
-andere und grössere Dichtigkeit besitze, als das Innere[56]. »Leichte,
-unbenetzte Körper veranlassen nur ein Einbiegen der Oberfläche,
-ohne sie zu durchbrechen; neben benetzten Körpern erhebt sich die
-Oberfläche. Die so entstehenden aufwärts oder abwärts gekehrten
-Ränder ziehen sich an, wenn sie gleichartig sind; ein benetzter und
-ein unbenetzter Rand stossen sich ab. Kleine Quantitäten Flüssigkeit
-auf unbenetzten Flächen nehmen durch die Spannung der Oberfläche
-Kugelgestalt an. Bei der Blasenbildung erscheint die Oberfläche ganz
-frei und getrennt von der inneren Masse. Bei strömendem Wasser bewegt
-sich die Oberfläche langsamer als die darunter befindliche Masse,
-wie es der durch momentanes Eintauchen eines mit Tusche gefüllten
-Pinsels entstehende schwarze Streifen zeigt. Auch bei der Bildung und
-dem Zusammenfliessen einzelner Tropfen finden auffallende Bewegungen
-statt. Diese Erscheinungen lassen vermuthen, +dass die Oberfläche eine
-festere Decke sei, deren dicht zusammengedrängte Theilchen, wenn sie
-auch noch immer leicht trennbar und verschiebbar sind, dennoch einen
-viel stärkeren Zusammenhang haben, als die Theilchen im Innern der
-Flüssigkeit+.«
-
-Noch manche Thatsachen lassen sich anführen, welche für die Richtigkeit
-dieses Satzes sprechen. Wasser steigt zwischen zwei parallelen
-Glasplatten vermöge der Capillarität schnell zu einem Maximum der Höhe,
-von welchem es allmählich und noch Tage lang sinkt. Die Erhebung ist
-um so grösser, je +frischer+ die Oberfläche ist. Das Maximum der Höhe
-erreicht man durch wiederholtes Abheben der Oberfläche zwischen den
-beiden Scheiben mittelst dickem Löschpapier. Ein ähnlicher Einfluss
-dieses +Frischmachens+ der Oberfläche lässt sich auch mit einem
-Oeltropfen erkennen, der auf dem frischen Wasserspiegel sich sogleich
-ausbreitet und irisirt, auf einer Oberfläche aber, die längere Zeit
-selbst unter einer Glasglocke gestanden hat, ruhig liegen bleibt. Nach
-allem diesem können wir uns nicht sträuben, eine Anwendung obigen
-Satzes auch auf die dickschleimig-flüssige Protoplasmasubstanz, wo
-sie von wässrig-flüssigem Zellsafte oder von Wasser umgeben ist, zu
-machen. Wir haben dann anzunehmen, dass auch die Oberfläche eines
-Protoplasmafadens oder einer Protoplasmakugel, wo sie das umgebende
-Wasser berührt, eine grössere Dichtigkeit habe, als die unter ihr
-liegende Substanz, und wir kommen dadurch zu der Nothwendigkeit, eine
-Art von Membran anzuerkennen, wo histiologisch eine solche noch nicht
-differenzirt ist. Die Sache hat ihre Wichtigkeit, z. B. bei Erklärung
-der Thatsache, warum zwei aneinander stossende Protoplasmamassen
-von einer so geringen Dichtigkeit, dass ein Zusammenfliessen beider
-möglich ist, nicht immer und sofort bei der Berührung wirklich
-zusammenfliessen. Wie bei zwei aneinanderstossenden Fetttropfen
-beobachtet werden kann, dass das erwartete Zusammenfliessen erst
-eintritt wenn mittelst einer Nadel die Oberfläche eines derselben
-oder beider durchbrochen wird, eine Erscheinung, welche die grössere
-Dichtigkeit der Oberfläche zu beweisen scheint, so dürfte unter
-Umständen auch die oben erwähnte Thatsache, dass zwei derselben
-Polythalamie angehörende Pseudopodien, wo sie sich auf ihrem Wege
-begegnen, nicht immer sofort gleich zusammenfliessen, in einer solchen
-»Contactmembran«, wie ich die dichtere Schicht der Oberfläche nennen
-will, wenigstens theilweise ihre Erklärung finden. Jedenfalls ist die
-ganze Angelegenheit für die Beurtheilung der Dichtigkeitsverhältnisse
-der nackten Protoplasmamassen und der an die Intracellularflüssigkeit
-grenzenden Protoplasmaoberflächen von nicht zu unterschätzender
-Bedeutung.
-
-Wenn die Körnchenbewegung in Contractionen des Protoplasma ihren
-Grund hat, welche sich in über die Oberfläche ablaufenden Wellen
-äussert, so gehört, um die Fortbewegung der Körnchen zu erklären, wie
-angeführt, dazu die Annahme einer härteren Rinde und eines weicheren
-Inhaltes. Möglich, dass schon die geringen Dichtigkeitsunterschiede
-und die verschwindend feine Haut, auf welche wir, gestützt auf obige
-Annahmen, kommen, zur Erklärung der Körnchenbewegung benutzt werden
-können. Schwebt auch diese Deduction, da sie sich auf eine noch nicht
-scharf erwiesene physikalische Praemisse stützt, gewissermaassen in der
-Luft, so hat dieselbe doch ein Recht auf Berücksichtigung. Wir dürfen
-unsere Augen gegen die aus den oben berichteten Thatsachen folgenden
-Consequenzen nicht verschliessen, wenn wir auch gegen eine Uebertragung
-derselben auf eine +lebendige+ Substanz sich Bedenken erheben sehen.
-Denn was für ruhende Flüssigkeiten wahr ist, braucht noch nicht für
-die ununterbrochen veränderliche lebende Protoplasmasubstanz zu
-gelten. Dennoch halte ich die Angelegenheit für die Erklärung der
-Körnchenbewegung, und weiter bei Beurtheilung der Möglichkeit der
-Existenz solcher Zellen, welchen eine vom Protoplasma differente
-Membran fehlt, für nicht gleichgültig.
-
-Ueberblicken wir endlich noch einmal, was wir gegen die von _Brücke_
-angenommene Differenzirung des beweglichen Protoplasma in eine
-contractile äussere Schicht und eine passiv bewegte, körnerreiche
-Flüssigkeit vorgebracht haben, so ergiebt sich, dass, wenn auch ein
-directer Gegenbeweis gegen die Richtigkeit dieser Annahme nicht
-geliefert werden konnte, dieselbe doch durch die Beobachtung zu wenig
-gestützt ist als dass sie beanspruchen könnte, die Frage nach der
-Natur der so merkwürdigen Körnchenbewegung zu einer befriedigenden
-Lösung gebracht zu haben. Die Zeit zu einer solchen scheint mir
-überhaupt noch nicht gekommen zu sein. Ich möchte glauben, dass wir die
-Vorgänge organischer Bewegungen auch in ihrer einfachsten Erscheinung
-noch viel zu wenig übersehen, als dass wir wagen dürften eine Theorie
-der, wie wohl nicht bezweifelt werden kann, höchst verwickelten
-Erscheinungen der Körnchenbewegung aufzustellen.
-
-
-
-
-IV.
-
-Schlussbemerkungen.
-
-
-Die vorstehenden Untersuchungen sind weit davon entfernt,
-einen Abschluss in die Fragen nach den Lebenserscheinungen der
-Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden und den Bewegungen des Protoplasma
-der Pflanzenzellen zu bringen. Sie hatten allein den Zweck einige
-Seiten dieser Erscheinungen genauer als bisher geschehen, zu analysiren
-und von Neuem auf die Bedeutung aufmerksam zu machen, welche die
-genannten Substanzen für die Beantwortung wichtiger Fragen der
-allgemeinen Gewebelehre haben.
-
-Dass eine Substanz von der Natur des Protoplasma der Pflanzenzellen
-den Hauptbestandtheil des Körpers einer grossen Gruppe von Thieren,
-der +Rhizopoden+, bildet, ist eine Thatsache von so fundamentaler
-Wichtigkeit, dass jede auf dieselbe bezügliche Beobachtung unser
-höchstes Interesse in Anspruch nehmen muss. Bestätigt es sich, wie nach
-dem Obigen wohl nicht bezweifelt werden kann, dass die Pseudopodien
-der Polythalamien und Radiolarien eine von der sie bildenden
-Protoplasmasubstanz verschiedene Membran auf der Oberfläche nicht
-besitzen, zeigt es sich hier, dass das Protoplasma auch ohne solche
-Membran seine Integrität bewahren kann, so gelangen wir folgerichtig
-weiter zu der Annahme, dass zum Begriff der Zelle überhaupt die Membran
-nicht nothwendig gehöre. So stehen die obigen Untersuchungen in der
-innigsten Beziehung zu der Theorie der Zelle.
-
-_Reichert_, dem die weittragende Bedeutung dieser Deduction gefährlich
-für den +Bestand der Zellentheorie+, wie dieselbe von _Schleiden_
-und _Schwann_ begründet worden, erschien, versuchte nachzuweisen,
-dass die bisherigen Beobachter die Natur der Pseudopodiensubstanz
-der Polythalamien vollständig verkannt hätten, dass weder eine
-+Körnchenbewegung+ an ihnen existire, noch dass die Pseudopodien bei
-der Berührung +zusammenfliessen+ könnten. Bei so grober Täuschung in
-der Beobachtung müssten natürlich auch alle auf die in Rede stehende
-Substanz gegründeten Vergleiche und Schlüsse falsch sein, namentlich
-müsse eine Zusammenstellung der Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden mit
-dem in strömender Bewegung begriffenen Inhalte vieler Pflanzenzellen
-zurückgewiesen werden.
-
-Ich muss hier zunächst noch einmal ausdrücklich hervorheben, dass
-_Reichert’s_ Besorgnisse, dass durch meine Auffassung der Zelle
-die Grundvesten der Zellentheorie erschüttert würden, vollständig
-ungegründet sind. Niemand kann tiefer von der Ueberzeugung durchdrungen
-sein, als ich, dass die Lehre von der Zelle als Grundelement aller
-thierischen Gewebe für alle Zeiten unveräusserlich gesichert sei.
-Weit entfernt, etwas Neues an die Stelle der Zellentheorie setzen zu
-wollen, suche ich vielmehr durch meine Auffassung des Rhizopodenkörpers
-auch seine Substanz, die sogenannte und bis dahin ausserhalb der
-Zellentheorie stehende +Sarkode+, dieser Theorie unterzuordnen. Und
-was meine Stellung zu den Lehren _Schwann’s_ betrifft, so meine
-ich, dass wir in vielen Stücken zu der reineren Form derselben
-zurückkehren müssen. Meine Beobachtungen drängen mich immer mehr zu
-der Ueberzeugung, dass »die Uebereinstimmung in der Structur und dem
-Wachsthum der Thiere und Pflanzen«, wie _Schwann_ den Inhalt seiner
-berühmten Untersuchungen nannte, eine viel grössere sei, als man
-heutzutage anzunehmen geneigt ist, und einen Beleg hierzu bildet auch
-der Inhalt vorstehender Untersuchungen. Möchte der _Schwann_’sche Geist
-und die _Schwann_’sche Methode in die Arbeiten der Histiologen mehr und
-mehr zurückkehren, das über vielen Fragen der allgemeinen Gewebelehre
-herrschende Dunkel würde sich stetiger lichten.
-
-Was dann aber die Ausstellungen _Reichert’s_ an meiner Beschreibung
-der Polythalamien und dem von mir gezogenen Vergleiche zwischen den
-Pseudopodien der Rhizopoden und dem Protoplasma der Pflanzenzellen
-betrifft, so hat das Obige gelehrt, dass ich mich in der Lage befinde,
-alle von _Reichert_ bestrittenen Punkte in voller Integrität in der
-ursprünglichen Form aufrecht zu erhalten. Nachstehende Uebersicht
-der +Hauptresultate+ meiner Untersuchungen wird schliesslich dies
-Verhältniss möglichst scharf präcisiren:
-
-1) Die Bewegung, welche man an den Pseudopodien der Polythalamien
-wahrnimmt und mit dem Namen der Körnchenbewegung belegt hat, beruht
-auf einem Gleiten zahlreicher in der Pseudopodiensubstanz enthaltener
-Körnchen, nicht, wie _Reichert_ behauptet, allein auf wellenförmigen
-Erhebungen der Oberfläche in Form »einer am Faden fortziehenden
-Schlinge.«
-
-2) Da den Körnchen die Fähigkeit der selbstständigen Bewegung nicht
-zugeschrieben werden kann, muss das Gleiten derselben von einer
-Bewegung der Grundsubstanz, in welche sie eingebettet sind, abhängen.
-Diese Bewegung kann mit Rücksicht auf den eigenthümlichen, dem einer
-Flüssigkeit verwandten Aggregatzustand der Pseudopodiensubstanz,
-eine +fliessende+ genannt werden. Doch kommt bei der Unmöglichkeit
-eine klare Vorstellung von dem Aggregatzustande der +lebendigen+
-Pseudopodiensubstanz zu erhalten, auf den Ausdruck nichts an, wir
-können mit demselben Rechte die Bewegung eine +gleitende+, +ziehende+,
-+kriechende+ etc. nennen. Diese Bewegung der Grundsubstanz ist
-an grösseren Abtheilungen derselben direct zu beobachten. Nichts
-widerspricht der Annahme, dass diese sich bewegenden Abtheilungen der
-Grundsubstanz bis zu minimaler Grösse herabsinken, in welchem Falle sie
-nur ein einziges oder oft auch gar kein Körnchen enthalten. So erklärt
-es sich, dass dicht nebeneinander liegende Körnchen eine verschieden
-schnelle und verschieden gerichtete Bewegung zeigen.
-
-3) Die Frage nach der Consistenz oder dem Aggregatzustande der
-Pseudopodiensubstanz wird ihrer Lösung wesentlich näher geführt
-durch die Beobachtungen über die Erscheinungen, welche bei dem
-Zusammenstossen zweier sich begegnender Pseudopodien auftreten.
-Dieselben sprechen für ein +Zusammenfliessen+ der Substanz derselben.
-Von ähnlicher Bedeutung für die Consistenzfrage sind die Beobachtungen
-über die Aufnahme von Carmin- und Stärkemehlkörnern in die Pseudopodien.
-
-4) Die Consistenz der Pseudopodiensubstanz variirt bei verschiedenen
-Species der Rhizopoden ziemlich bedeutend. Als Extreme können die
-beiden +Gromien+, Gromia oviformis und Dujardinii gelten. Sie variirt
-aber auch in verschiedenen Tiefen einer und derselben Pseudopodie. Ob
-bei den Polythalamien eine Differenzirung der Fäden in hyaline Rinde
-und körnchenhaltiges Innere vorkomme, wie bei den Amoeben ist durchaus
-zweifelhaft, sehen lässt sich nichts davon. Dagegen zeigt sich bei
-+Actinophrys Eichhornii+ deutlich eine Differenzirung der Pseudopodien
-in +hyaline Axe+ und +körnerhaltige Rinde+. Mittelst letzterer als der
-weicheren, zerfliesslicheren Substanz findet auch ein Zusammenfliessen
-der Pseudopodien statt, welches sich nicht auf die hyaline Axe
-erstreckt. Bei manchen Radiolarien des Meeres scheint etwas Aehnliches
-vorzukommen.
-
-5) In der Leibessubstanz der +Actinophrys Eichhornii+ und zwar an
-der Peripherie der dunkleren Markmasse finden sich ganz constant in
-regelmässigen Entfernungen viele zellenartige Körperchen mit meist
-mehrfachen kleinen Kernen.
-
-6) Die Wärmestarre (_Kühne_) als todtbringende Gerinnung tritt bei
-Actinophrys, bei Amoeba, Difflugia und bei den Polythalamien bei
-42-43° C. ein. Anguillulinen, Räderthiere, Naiden, Turbellarien,
-Ostracoden ertragen meist noch 44° C.
-
-7) Die Schläge des Inductionsapparates üben eine andere Wirkung auf
-die Körnchenbewegung der Pseudopodien der Polythalamien nicht aus als
-solche Agentien, welche eine Retraction und endlich eine Auflösung
-derselben herbeiführen.
-
-8) Die Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen gleichen denen der
-Pseudopodien der Polythalamien so sehr, dass, wenn die Anordnung des
-Protoplasma der Art ist, wie z. B. in den Zellen der Staubfadenhaare
-von Tradescantia, kein Unterschied zwischen beiden Arten der Bewegung
-aufzufinden ist.
-
-9) Auch der Einfluss chemischer Reagentien, der Wärme und der
-Elektricität auf die Protoplasmafäden der Pflanzenzellen ist derselbe,
-wie auf die Pseudopodien der Polythalamien. Nur in Betreff des höchsten
-Temperaturgrades, bei welchem sich die Bewegungen noch erhalten, ist
-der Unterschied anzuführen, dass die Grenze bei den Pflanzenzellen
-etwas höher (46-47° C.) liegt, als bei den Rhizopoden (43° C.).
-
-10) Als die Ursache der Bewegung des Protoplasma der Pflanzenzellen
-muss, wie schon vor mehr als 10 Jahren _F. Cohn_ und _Unger_
-aussprachen, eine Eigenschaft in Anspruch genommen werden, welche den
-Namen +Contractilität+ verdient.
-
-11) Wie bei den Pseudopodien der Polythalamien, so ist auch in den
-Protoplasmafäden der Pflanzenzellen eine Differenzirung in Rinde und
-Mark nicht zu beobachten. Aus diesem Grunde kann ich der _Brücke_’schen
-Annahme einer solchen Differenzirung nicht beipflichten. Die
-Körnchenbewegung lässt sich auch ohne solche Annahme ganz auf dieselbe
-Weise wie bei den Pseudopodien der Polythalamien erklären. Theoretisch
-ist allerdings die Möglichkeit der Anwesenheit einer etwas festeren
-Rinde für beide Objecte zuzugeben (vergl. hierzu p. 58-61).
-
-
-Nachtrag,
-
-betreffend das Vorkommen lebender Organismen in heissen Quellen.
-
-Nach Beendigung des Druckes vorstehender Untersuchungen erhalte ich
-Kenntniss von dem eben erschienenen Aufsatze _Ferd. Cohn’s_ »Ueber
-die Algen des Karlsbader Sprudels, mit Rücksicht auf die Bildung des
-Sprudelsinters«, Breslau 1863 besonders abgedruckt aus dem 2. Hefte
-des Jahrg. 1862 der Abhandl. d. schles. Ges. f. vaterl. Kultur.
-Die interessante Schrift enthält einige Notizen über die höchsten
-Temperaturgrade, bei welchen noch lebende Organismen im Karlsbader
-Sprudel gefunden worden. _Cohn’s_ Messungen ergaben übereinstimmend mit
-_Agardh’s_ älteren Angaben, dass +über 43° R. keine Algenvegetation
-vorkomme+. Von 35°-42° R. lebt +Leptothrix lamellosa+ _Kg._, unter
-35° finden sich +Oscillarien+ und +Mastigocladus+, eine neue, den
-Oscillarien verwandte Gattung, die +Oscill. labyrinthiformis+ _Agardh_.
-_Cohn_ will seinen Messungen allerdings noch keine vollkommen
-abschliessende Bedeutung beilegen, da er eine Stelle, das Wasser des
-+Sprudelkorbes+, in welchem _Schwabe_ früher bei 58-59° R. Oscillarien
-gefunden zu haben angiebt, nicht untersucht hat. Doch hegt er Zweifel
-an der Richtigkeit dieser Behauptungen. Jedenfalls kommt an den von
-_Cohn_ untersuchten Stellen eine Vegetation von Algen nicht eher vor,
-bis sich das Wasser +unter+ 43° R. abgekühlt hat. Hiernach wäre also
-vorläufig diese Temperatur d. h. cc 53° C. als die höchste anzunehmen,
-bei welcher im Karlsbader Sprudel Algen gedeihen. Auch diese Temperatur
-erscheint noch gegenüber dem oben pag. 48 mitgetheilten Untersuchungen
-über den höchsten Temperaturgrad, welchen das Protoplasma der
-Pflanzenzellen lebend überdauert, und welchen ich zu 47° C. bestimmte,
-sehr hoch, steht letzteren aber doch näher als die _Ehrenberg_’schen
-Angaben über die Quellen auf Ischia (siehe oben pag. 49), in denen sich
-bei 81-85° C. noch thierisches und pflanzliches Leben finden soll.
-
-
-Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.
-
-
-Fußnoten:
-
-[1] _Reichert_, in dem Archiv für Anat., Physiologie etc. 1863, p. 95.
-
-[2] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 385.
-
-[3] On the structure of the simple tissues of the human body. London
-1861. Deutsch von _V. Carus_, Leipzig, 1862.
-
-[4] Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. der Wiss. zu Wien
-1861, Bd. 44, p. 381.
-
-[5] Die neueren Reformen in der Zellenlehre. Archiv f. Anat.,
-Physiologie etc. 1863, p. 86.
-
-[6] Untersuchungen über den Bau und die Bildung der Pflanzenzelle.
-Berlin 1854.
-
-[7] Vergl. Nachtrag 3 des Aufsatzes ȟber die neueren Reformen in der
-Zellenlehre,« in welchem die gröbsten Missverständnisse bezüglich
-dessen was _Brücke_ und ich Protoplasma genannt haben, enthalten
-sind. So soll _Brücke_ für die sich bewegende Masse in der Zelle
-des Nesselhaares, welche _Mohl_ zum Protoplasma rechnet, den Namen
-+Intracellularflüssigkeit+ einführen wollen, während _Brücke_ mit
-diesem Namen gerade die ruhende Zellflüssigkeit +neben+ dem Protoplasma
-bezeichnet, und ich soll, wo eine Membran vorhanden, »den ganzen
-Zelleninhalt mit Ausnahme des Kernes« Protoplasma nennen, während ich
-doch gerade auf den Gegensatz zwischen Protoplasma und Zellflüssigkeit
-auf das Nachdrücklichste aufmerksam gemacht habe.
-
-[8] Archiv f. Anat., Phys. etc. 1861, p. 133.
-
-[9] Ebenda 1862, p. 638.
-
-[10] Ebenda 1862, p. 646; Ebenda 1863.
-
-[11] Der Organismus der Polythalamien 1854, p. 16, 17.
-
-[12] Monatsberichte der Akad. d. Wiss. z. Berlin 1856, p. 479. Ueber
-die Thalassikollen, Polycystinen und Acanthometren 1858, p. 9, 10, 15.
-
-[13] Die Radiolarien, Berlin 1862, p. 89 ff. Hier findet sich neben den
-eigenen ausserordentlich umfassenden Beobachtungen des Verfassers Alles
-was bis jetzt über die Körnchenbewegung veröffentlicht worden, mit
-grösster Ausführlichkeit und Gewissenhaftigkeit zusammengestellt.
-
-[14] Anatomie und Physiologie der Pflanzen 1855, p. 280-284. Vorher
-hatte schon _F. Cohn_ das Protoplasma der Pflanzenzellen als ein
-contractiles bezeichnet (vergl. meinen Aufsatz im Archiv f. Anatomie,
-Physiologie etc. 1858, p. 335 und _E. Haeckel_ l. c. p. 93), jedoch
-ohne Beziehung zur Körnchenbewegung.
-
-[15] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858, p. 335 ff.
-
-[16] Archiv für Naturgeschichte 1860, p. 300.
-
-[17] Monatsberichte der Akad. der Wiss. zu Berlin 1862, p. 406-426. --
-Archiv f. Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 638-654. Ebenda 1863, p.
-86 ff.
-
-[18] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1857, p. 1.
-
-[19] Archiv etc. 1863, p. 100.
-
-[20] Vergl. mein Buch über den Organismus der Polythalamien und Archiv
-für Anatomie, Physiologie etc. 1856, p. 165.
-
-[21] Etudes sur les Infusoires et les Rhizopodes 1859, Planche 23.
-
-[22] Vergl. meinen Aufsatz: Die Structur der Diatomeenschaale
-verglichen mit gewissen aus Fluorkiesel künstlich darstellbaren
-Kieselhäuten. Verhandlungen des naturhist. Vereines der preuss.
-Rheinlande und Westphalens Jahrg. XX, 1863, p. 31.
-
-[23] Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. zu Wien
-1861, Bd. 44, p. 401.
-
-[24] l. c. p. 136.
-
-[25] Ueber den Organismus der Polythalamien Taf. I u. Taf. VII.
-
-[26] Vergl. oben die Einleitung.
-
-[27] Bericht über die Verhandl. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1855. p.
-674.
-
-[28] Die Thalassicollen etc. aus d. Abhandl. der Akad. zu Berlin 1858.
-p. 20.
-
-[29] Bericht d. Akad. zu Berlin 1855. p. 674.
-
-[30] z. B. _Claparède_ in _Müller’s_ Archiv 1854, p. 413.
-
-[31] Archiv etc. 1859, p. 822.
-
-[32] Archiv etc. 1859, p. 805.
-
-[33] Zeitschr. f. wiss. Zoologie 1859, Bd. I, p. 198. 200, Taf. XVII,
-Fig. 5 _g_.
-
-[34] _Unger_, Anatomie u. Physiologie d. Pflanzen. 1855. p. 274.
-
-[35] _Schacht_, Lehrbuch. der Anat. u. Physiologie der Gewächse. 1856.
-p. 39 ff.
-
-[36] Ebenda p. 45 u. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik, hrsg. v.
-_Pringsheim_, 1863.
-
-[37] Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858. p. 336.
-
-[38] Die Radiolarien etc. p. 94. 98.
-
-[39] Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, Heft II, 1863, p. 63.
-
-[40] Anatomie u. Physiologie der Pflanzen, p. 277.
-
-[41] Studien des physiol. Institutes zu Breslau, herausgegeb. v.
-_Heidenhain_. Heft I. 1861. p. 99.
-
-[42] Ebenda Heft II, p. 66.
-
-[43] Das Verhalten der sogenannten Protoplasmaströme in den Brennhaaren
-von Urtica urens gegen die Schläge des Magnetelectromotors. Sitzungsber.
-d. Akad. d. Wiss. zu Wien, 1862, Bd. 46, p. 1.
-
-[44] l. c. p. 66.
-
-[45] Comptes rendus 1837, Tom. V, p. 777.
-
-[46] Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, hrsgegeb. v.
-_Heidenhain_. I. Heft. 1861. p. 104.
-
-[47] Die vegetabilische Zelle. Handwörterbuch d. Physiologie. Bd. 4, p.
-201.
-
-[48] Nachträglich erhielt ich auch noch eine Species von +Chara+
-zur Beobachtung. Die Schnelligkeit der Bewegung übertrifft hier die
-aller bisher angeführter Formen. Sie betrug an meinen Präparaten bei
-gewöhnlicher Zimmertemperatur 0,025 Mm. und liess sich durch Erwärmung
-bis auf 0,04 Mm. in der Secunde steigern.
-
-[49] Monatsberichte der Akademie zu Berlin 1859, p. 493.
-
-[50] Die Radiolarien, p. 98.
-
-[51] Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. z. Wien 1861, Bd. 44, p. 403,
-Anm. vergl. auch ebenda 1862, Bd. 46, p. 1.
-
-[52] Studien des physiologischen Institutes zu Breslau Heft 2, 1863, p.
-64.
-
-[53] Sitzungsberichte etc. Bd. 46, p. 1.
-
-[54] Archiv f. patholog. Anatomie, Bd. 26, 1862, p. 222. Vergl. auch
-Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1859, p. 814 ff.
-
-[55] Vergl. in _Müller’s_ Archiv 1858, p. 336, meine Beobachtungen über
-Tradescantia.
-
-[56] _Hagen_, Ueber die Oberfläche der Flüssigkeiten. Abhandl. d.
-Königl. Akad. zu Berlin 1845. Pogg. Ann. Bd. 67, p. 1. Citat nach »Die
-Fortschritte der Physik im J. 1845 redig. v. _G. Karsten_. Berlin 1847«
-p. 14.
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS PROTOPLASMA DER RHIZOPODEN
-UND DER PFLANZENZELLEN. ***
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Binary files differ
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@@ -1,4013 +0,0 @@
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- Das Protoplasma der Rhizopoden und der Pflanzenzellen, by Max Schultze—A Project Gutenberg eBook
- </title>
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-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Das Protoplasma der Rhizopoden und der Pflanzenzellen.</span>, by Max Schultze</p>
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
-at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you
-are not located in the United States, you will have to check the laws of the
-country where you are located before using this eBook.
-</div>
-</div>
-
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Das Protoplasma der Rhizopoden und der Pflanzenzellen.</span></p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Max Schultze</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: September 9, 2022 [eBook #68947]</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p>
- <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</p>
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS PROTOPLASMA DER RHIZOPODEN UND DER PFLANZENZELLEN.</span> ***</div>
-
-<div class="transnote mbot3">
-
-<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von
-1863 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
-Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute
-nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
-unverändert.</p>
-
-<p class="p0">Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren
-Umschreibungen (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.</p>
-
-<p class="p0 nohtml">Abhängig von der im jeweiligen Lesegerät
-installierten Schriftart können die im Original <em
-class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in
-serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt
-erscheinen.</p>
-
-</div>
-
-<h1><span class="s7">DAS</span><br />
-
-<b>PROTOPLASMA</b><br />
-
-<span class="s8">DER</span><br />
-
-<span class="s6a">RHIZOPODEN UND DER PFLANZENZELLEN.</span></h1>
-
-<hr class="r5" />
-
-<p class="s5 center mtop2">EIN BEITRAG</p>
-
-<p class="s4 center mtop1">ZUR THEORIE DER ZELLE</p>
-
-<p class="s6 center mtop2">VON</p>
-
-<p class="s3 center mtop1"><b>MAX SCHULTZE,</b></p>
-
-<p class="s6 center mtop2">ORD. PROFESSOR DER ANATOMIE UND DIRECTOR DES
-ANATOMISCHEN INSTITUTES<br />
-IN BONN.</p>
-
-<div class="figcenter illowe8 padtop3" id="deko_titel">
- <img class="w100" src="images/deko_titel.png" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s3 center mtop1">LEIPZIG,</p>
-
-<p class="center mtop1">VERLAG VON WILHELM ENGELMANN.</p>
-
-<p class="center mtop1">1863.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_iii">[S. iii]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Inhalt">Inhalt.</h2>
-
-</div>
-
-<table class="inhalt">
- <tr>
- <td class="s5 vat" colspan="2">
- &#160;
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right">pag.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="right">I.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="left"><em class="gesperrt">Einleitung</em></div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#I_Einleitung">1</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="right">II.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="left"><em class="gesperrt">Das Protoplasma der Rhizopoden</em></div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#II_Das_Protoplasma_der_Rhizopoden">10</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Die Erscheinung der Körnchenbewegung. Zusammenhang
- dieser Bewegung mit der Contractilität</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Koernchen_Contractilitaet">12</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left"><i>Unger’s</i> Vergleich der Körnchenbewegung mit den
- Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Unger">13</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Meine darauf bezüglichen Arbeiten</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Unger_und_eigene_Arbeiten">14</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Versuch, die Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden (die
- sogenannte <em class="gesperrt">Sarkode</em>) als
- <em class="gesperrt">Protoplasma</em> zu deuten</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Pseudopodien_und_Protoplasma">15</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left"><i>E. Haeckel’s</i> Zustimmung, <i>Reichert’s</i>
- Opposition</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Haeckel_und_Reichert">16</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Beweis, dass entgegen <i>Reichert</i> die Körnchen in
- den Pseudopodien der Milioliden wirklich existiren</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Beweis_Milioliden">20</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Fortsetzung dieses Beweises: Einfluss des destillirten
- Wassers auf die Pseudopodien</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Beweis_Fortsetzung">21</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss anderer Reagentien, der Wärme, der Zerstörung
- des Thierkörpers auf die Pseudopodien</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#andere_Einfluesse">22</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Betrachtungen über die Consistenz der Pseudopodiensubstanz</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Pseudopodiensubstanz">23</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Was man beim Aneinanderstossen zweier sich begegnender
- Pseudopodien beobachtet</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Aufeinanderstossen">24</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Fütterung mit Carmin und anderen fremden Körpern</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Aufnahme_fremder_Koerper">26</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Verschiedene Consistenz der Pseudopodien bei
- verschiedenen Rhizopoden</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#verschiedene_Consistenz">28</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Consistenzverschiedenheiten an einer und derselben
- Pseudopodie. <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em></div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Consistenz_bei_gleicher_Pseudopodie">29</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Zusammensetzung der Pseudopodien von Actinophrys aus
- einer hyalinen Axe und körnigen Rinde</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Zusammensetzung_bei_Actinophrys">30</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Verhältniss beider Bestandtheile zum Thierkörper</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Verhaeltnis_zum_Thierkoerper">30</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Verschmelzung der Pseudopodien an der Oberfläche</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Verschmelzung_an_Oberflaeche">31</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss von Reagentien auf die Pseudopodien von
- Actinophrys</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Reagentien_und_Actinophrys">32</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss der Wärme. Beobachtungen über den Eintritt
- der <em class="gesperrt">Wärmestarre</em> bei niedern Thieren</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Einfluss_der_Waerme">32</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
-<span class="pagenum" id="Seite_iv">[S. iv]</span>
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Zellenartige Körperchen in der Leibessubstanz von
- Actinophrys</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#zellenartige_Koerperchen">35</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Vergleich der Pseudopodien von Actinophrys mit denen
- der Acanthometren und anderer Radiolarien, sowie der Polythalamien</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Vergleiche">36</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss von Reagentien und der Elektricität auf die
- Pseudopodien der Polythalamien</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Einfluss_von_Reagentien_und_Elektricitaet">37</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="right">III.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="left"><em class="gesperrt">Die Bewegungserscheinungen am
- Protoplasma der Pflanzenzellen, verglichen mit denen an den
- Pseudopodien der Rhizopoden</em></div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#III_Bewegungserscheinungen">39</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Die Bewegung am Protoplasma der Pflanzenzellen,
- namentlich der Staubfadenhaare von Tradescantia</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Bewegung_Pflanzenzellen_Tradescantia">40</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss von Reagentien auf diese Bewegungen</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Einfluss_von_Reagentien_auf_Bewegung">42</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss der Elektricität</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Einfluss_der_Elektricitaet_auf_Bewegung">43</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Einfluss höherer Temperaturgrade</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#hoehere_Temperaturgrade">46</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Hindeutung auf das Vorkommen lebender Organismen in
- heissen Quellen</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Organismen_in_heissen_Quellen">49</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Contractilität ist die Ursache der Bewegung</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Contractilitaet_Ursache_der_Bewegung">50</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left"><i>Brücke’s</i> Ansicht über die Natur der
- Körnchenbewegung</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Brueckes_Ansicht">51</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Zweifel an der Durchführbarkeit derselben</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Zweifel_an_Durchfuehrbarkeit">54</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">In wie weit Consistenzunterschiede zwischen Rinde und
- Inhalt am Protoplasma bestehen können</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Consistenzunterschiede">58</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="right">IV.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="left"><em class="gesperrt">Schlussbemerkungen</em></div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#IV_Schlussbemerkungen">62</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Resultate</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Resultate">64</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- &#160;
- </td>
- <td class="titel">
- <div class="left">Nachtrag. Lebende Organismen in heissen Quellen</div>
- </td>
- <td class="s5 vab">
- <div class="right"><a href="#Nachtrag">67</a></div>
- </td>
- </tr>
-</table>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[S. 1]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="I_Einleitung"><span class="s5">I.</span><br />
-Einleitung.</h2>
-
-</div>
-
-<p><span class="initial">I</span>n einem Aufsatze »über Muskelkörperchen und das, was man eine Zelle
-zu nennen habe«, welcher in dem Archiv für Anatomie, Physiologie etc.
-herausg. von <i>Reichert</i> und <i>du Bois Reymond</i> Jahrg. 1861
-p. 1–27 abgedruckt ist, habe ich nachzuweisen gesucht, dass in die
-herrschenden Ansichten über die Bestandtheile der Zellen und deren
-Theilnahme an der Gewebebildung bezüglich des thierischen Organismus
-sich manche Glaubenssätze eingemischt haben, welche vor einer strengen
-Kritik nicht Stand halten und deren wir uns entledigen müssen, wenn
-anders wir die Bahn des Fortschrittes auf dem Gebiete der Gewebelehre
-mit Erfolg fernerhin betreten wollen.</p>
-
-<p>Ich versuchte zunächst an dem Beispiele der Muskelkörperchen zu zeigen,
-dass eine befriedigende Beantwortung gewisser in der Histiologie seit
-längerer Zeit aufgeworfener und discutirter Fragen nur deshalb nicht
-möglich gewesen, weil die Dogmen der <i>Schleiden-Schwann</i>’schen
-Zellentheorie die Gemüther allzusehr befangen hielten. Ich zeigte, wie
-der lange Zeit geführte heftige Streit über die Bedeutung der Muskel-
-und Bindegewebskörperchen sein Ende finden werde, wenn man es versuchen
-wollte von den herrschenden Lehren über die nothwendigen Bestandtheile
-einer Zelle etwas aufzugeben, und dass diese Abänderung vorzugsweise
-unsere Ansichten über die Zellmembran, über das Verhältniss derselben
-zum Zelleninhalte und zu den sogenannten Intercellularsubstanzen
-betreffen müsse. Zugleich deutete ich an, dass dem sogenannten
-<em class="gesperrt">Zelleninhalte</em>, oder besser demjenigen Theile der Zelle, welcher
-der von <i>H. v. Mohl</i> <em class="gesperrt">Protoplasma</em> genannten Substanz
-entspricht, eine höhere Bedeutung nicht<span class="pagenum" id="Seite_2">[S. 2]</span> nur für das Zellenleben
-sondern auch für die Gewebebildung thierischer Organismen zuzuschreiben
-sei, als man bis dahin anzunehmen pflegte, und gab die Wege an, auf
-welchen man diese Thätigkeit des Protoplasma besonders augenfällig
-beobachten könne.</p>
-
-<p>Man hat das Beispiel der Muskelkörperchen ein wenig passendes
-genannt, weil gerade über die Structur und Entwickelung der
-Muskelsubstanz Controversen herrschen, und hat aus der Form dessen,
-was ich (l.&#160;c. p. 2) über die Entwickelung der Muskelfaser gesagt
-habe, schliessen wollen, ich stütze mich mehr auf fremde als auf
-eigene Beobachtungen<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a>. Ersterer Einwand erledigt sich dadurch,
-dass ich beweisen konnte, wie gerade diese Controversen durch die
-von mir vorgeschlagenen Neuerungen sich bedeutend vereinfachen,
-und letzterem fehlt jede Berechtigung. Meine Angaben über die
-Entwickelung der Muskelfasern sind kurz und daher mehr schematisch
-gehalten, aber dass sie sich auf eigene Beobachtungen stützen liegt
-in dem Eingange zur Mittheilung derselben ausgedrückt, in welchem ich
-sage: »Für die Muskeln wollen wir die zuerst von <i>Remak</i> mit
-Nachdruck vertheidigte <em class="gesperrt">bei Froschlarven leicht zu bestätigende</em>
-Ansicht etc. zu Grunde legen.« Uebrigens bemerke ich hier, dass
-die Mittheilungen von <i>F. E. Schulze</i><a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a> über die Genese der
-Muskelfasern bei Frosch- und Salamanderlarven, welche sich auf unter
-meinen Augen ausgeführte Beobachtungsreihen gründen, den Hergang bei
-der Entstehung der contractilen Substanz aus dem Protoplasma der
-embryonalen Muskelzelle, wie ich ihn kurz beschrieben habe, ausführlich
-schildern, und diese würden also zu widerlegen sein, wenn Jemand
-eine von der meinigen abweichende Ansicht über die Entwickelung der
-Muskelfasern vorzubringen hätte.</p>
-
-<p>Niemand, dem die Ausbildung der allgemeinen Gewebelehre am
-Herzen liegt, wird läugnen wollen, dass das erste Erforderniss
-zu Fortschritten auf diesem Gebiete eine genauere Kenntniss der
-einzelnen Bestandtheile der <em class="gesperrt">Zellen</em> und ihrer Theilnahme an der
-Entwickelung der Gewebe sei. Das Bedürfniss nach solchen Fortschritten
-wird zwar auch da empfunden, wo man die Zellentheorie noch nicht
-verstanden hat, und solcher Art ist das Werkchen von <i>Beale</i><a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a>,<span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span>
-welches die Aufmerksamkeit, die es in vieler Beziehung verdient,
-deswegen nicht finden wird, weil es ausserhalb der Zellentheorie steht.
-<i>Beale’s</i> »germinal matter« ist zwar wesentlich das, was wir
-Protoplasma nennen, freilich den Kern mit inbegriffen, und die »formed
-matter«, das Geformte und Formgebende an den Geweben, ist in eine im
-Wesentlichen gewiss richtige Abhängigkeit von dem Protoplasma gebracht.
-Aber von <em class="gesperrt">Zellen</em> als Elementartheilen oder Elementarorganismen,
-von <em class="gesperrt">Kernen</em>, welche vom Protoplasma verschieden und ihm doch so
-nothwendig sind, ist nicht die Rede. Die grosse und unveräusserliche
-Entdeckung der Zelle ist dem Verfasser nur von historischem Interesse.</p>
-
-<p>Dass es von den einzelnen Bestandtheilen der Zellen aus vielen Gründen
-vornehmlich das <em class="gesperrt">Protoplasma</em> sei, als die veränderlichste,
-beweglichste, an allen Lebenserscheinungen der Zelle einen
-unzweifelhaft sehr lebhaften Antheil nehmende Substanz, auf welche
-wir unsere Aufmerksamkeit zu richten haben, wird ernstlich nicht
-bestritten werden können. Die Botaniker sind nach <i>H. v. Mohl’s</i>
-denkwürdigen Arbeiten längst zu der Ueberzeugung gekommen, dass von
-dem Protoplasma nicht nur die Bildung der Zellmembran, sondern auch
-die inneren Veränderungen, der Stoffwechsel der Zelle in erster
-Linie abhängen. Die merkwürdigen Bewegungserscheinungen, welche das
-Protoplasma vieler Pflanzenzellen darbietet, geben sodann einen
-sichtbaren Ausdruck von dem hohen Grade der Lebensthätigkeit,
-welche in dieser Substanz herrscht. Wenn ich das Protoplasma bei
-Beurtheilung des <em class="gesperrt">Zellenlebens</em> so hoch stelle, dass mir die
-Bedeutung der Membran daneben verschwindend klein vorkommt, so kann
-darin selbstverständlich nicht die Meinung gefunden werden, die
-Membran habe überhaupt keine Bedeutung. Sie liegt nur auf einer
-anderen Seite als die des Protoplasma. Die Membran ist vor allen
-Dingen für die <em class="gesperrt">Gewebebildung</em> absolut nothwendig, sobald es sich
-um die Erreichung einer höheren Differenzirung und einer grösseren
-Festigkeit des Gewebes handelt, die das Protoplasma für sich allein
-nie geben kann. So können unter den Pflanzen die Schleimpilze und auch
-diese nur während einer gewissen Lebensperiode der vom Protoplasma
-differenten Zellmembran entbehren. Jede grössere Festigkeit und
-höhere Differenzirung des pflanzlichen Organismus bedingt dagegen
-an wenigstens den bei weitem meisten Zellen die Membranbildung.
-Das Protoplasma hat im Grossen und Ganzen im lebendigen Zustande
-überall, wie es scheint eine sehr geringe, zur Bildung festerer
-Gewebe<span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span> nicht ausreichende Dichtigkeit. Durch Ablagerung fremdartiger
-Stoffe in sich, wie Amylon, Kleber etc. kann es allerdings im
-Ganzen eine grössere Festigkeit annehmen. Auch kann nicht geläugnet
-werden, dass die relative Menge des Protoplasma auf die Consistenz
-der Pflanzentheile im Allgemeinen einen Einfluss ausübe. Aber alle
-auffallenderen Unterschiede in der Dichtigkeit und Festigkeit gegebener
-Pflanzentheile gründen sich vornehmlich auf Verschiedenheiten der
-<em class="gesperrt">Zellmembranen</em>. Dass lebende und todte Pflanzentheile eine
-verschiedene Consistenz besitzen, kann keinen Gegengrund gegen Obiges
-abgeben, denn die Durchfeuchtung der Zellmembran, welche im lebenden
-und im todten Pflanzentheile verschieden ausfällt, kann Unterschiede
-bedingen.</p>
-
-<p>So ist es meiner Ueberzeugung nach auch in thierischen Geweben. Die
-Membran wird nöthig, sobald es sich um Gewebebildung handelt, aber
-die Zelle als solche kann auch ohne eine vom Protoplasma verschiedene
-Membran bestehen. Wie die Schleimpilze unter den Pflanzen, so sind
-manche Protozoen unter den Thieren von so einfacher Organisation, von
-so geringer Festigkeit, dass das Protoplasma allein zu ihrer Bildung
-genügt. Gehen wir aber über diese einfachsten thierischen Organismen
-hinaus, so ist die Zellmembran ebenso nothwendig wie bei den Pflanzen,
-sobald es sich um höhere Differenzirung und festere Gewebe handelt. Da
-aber im thierischen Körper manche Gewebe eine viel grössere Consistenz,
-als das Protoplasma an sich zu geben vermag, auch im erwachsenen
-Zustande nicht besitzen, so wird der Fall, dass membranlose Zellen
-vorkommen bei Thieren viel häufiger als bei Pflanzen eintreten können.</p>
-
-<p>Ich will damit nur angedeutet haben, dass mir die in die Augen
-fallendste Bedeutung der Zellmembran die die Festigkeit des Gewebes
-bedingende, die eines Skeletes zu sein scheint, gegenüber der
-Bedeutung des Protoplasma als eigentlich lebendiger Substanz der
-Zelle. Selbstverständlich kann und wird die Zellmembran nebenbei noch
-viele andere wichtige Functionen haben. Die Zellmembran als Form
-und Festigkeit gebende Kapsel um das weiche Protoplasma ist aber in
-dieser ihrer Bedeutung von der des Protoplasma so verschieden, dass
-sie letzterem sogar hinderlich werden kann. Wozu hätten sonst die
-dicken Zellmembranen der Pflanzen Porencanäle, die von benachbarten
-Zellen stets genau aufeinander stossen, und bis auf die sogenannte
-primäre Zellmembran vordringen? In diesem Sinne konnte ich in meinem
-oben citirten Aufsatze sagen (l.&#160;c. p. 21): »dass man<span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span> sogar die
-Behauptung vertheidigen könnte, die Bildung einer chemisch differenten
-Membran auf der Oberfläche des Protoplasma sei ein Zeichen beginnenden
-<em class="gesperrt">Rückschrittes</em>, die Zellmembran gehöre so wenig zum Begriff
-einer Zelle, dass sie sogar als Zeichen herannahender Decrepidität
-oder doch wenigstens eines Stadiums zu betrachten sei, auf welchem die
-Zelle in den ihr ursprünglich zukommenden Lebensthätigkeiten bereits
-eine bedeutende Einschränkung erlitten habe«. Die Form dieses Satzes,
-welchen ich unverkennbar als einen hinstelle, dessen Inhalt nicht
-absolut nothwendig aus dem Voranstehenden folgt, sondern nur etwa
-wie aus Laune <em class="gesperrt">vertheidigt werden könnte</em>, hätte meine Gegner
-abhalten sollen, ihn gerade als die Spitze meiner Reformbestrebungen
-hinzustellen und gegen ihn die ganze Kraft der herrschenden Ansichten
-aufzubieten.</p>
-
-<p>Doch ich habe mich noch über andere Dinge zu beklagen. Meine
-Behauptung, dass eine Membran zum Begriff der Zelle nicht nothwendig
-gehöre, bezieht sich auf eine, wie ich immer wiederholt habe, <em class="gesperrt">vom
-Protoplasma chemisch differente</em>, oder wie ich mich auch kürzer
-ausdrücke, <em class="gesperrt">vom Protoplasma differente Membran</em>, d.&#160;h. also auf
-eine vom Protoplasma verschiedene, folglich von ihm abhebbare Haut,
-welche übrig bleiben muss, wenn das Protoplasma entfernt wird, welche
-faltbar oder starr wenn auch noch so dünn immer etwas Selbstständiges
-neben dem Protoplasma darstellt. Eine solche läugne ich an der
-Oberfläche der Furchungszellen, läugne ich auf der Oberfläche der
-Hydra-Zellen, der Amoeben und Myxomyceten etc. <i>Schleiden</i> und
-<i>Schwann</i> hielten eine solche zum Begriffe der Zelle für nöthig,
-ich behaupte, und bin nicht der erste, der es behauptet, dass die
-Annahme einer solchen Membran in vielen Fällen ganz willkürlich
-geschehen, dass ihre Anwesenheit an vielen Zellen sich nicht nachweisen
-lasse, und dass sie uns also fernerhin nicht als nothwendiges Attribut
-der Zelle erscheinen könne, eine Ansicht, welcher <i>Brücke</i><a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a>
-später vollkommen beigetreten ist und die von ihm in manchen Stücken
-noch erweitert wurde. <i>Reichert</i> tritt mit grosser Entschiedenheit
-dieser Annahme gegenüber<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>. Aber schon bei dem ersten Beispiele, den
-Furchungszellen, denen ich eine vom Protoplasma<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span> chemisch differente
-Membran abspreche, schiebt er mir den Ausdruck <em class="gesperrt">Grenzschicht</em>
-oder <em class="gesperrt">Lamelle</em> statt Membran unter, den ich nie gebraucht habe,
-und sagt dann bezüglich meiner Worte vom <em class="gesperrt">Protoplasma, chemisch
-different</em>, »<em class="gesperrt">den Sinn dieses Ausdruckes habe ich nicht
-verstanden</em>« (l.&#160;c. p. 97). Man begreift worauf das hinaus will.
-Der berühmte Zellentheoretiker weiss nicht, oder will nicht wissen,
-was eine vom Protoplasma chemisch differente Membran sei, um nicht
-den nach seinem ganzen Auftreten gegen mich erwarteten Beweis der
-Anwesenheit einer solchen Membran bei den fraglichen Zellen führen zu
-müssen. Ja selbst das Wort <em class="gesperrt">Membran</em> schwindet unter der Hand und
-wird in Grenzschicht verwandelt, um mit dem Anschein als wenn ich die
-einfachsten Dinge übersehen hätte, die Existenz von etwas zu beweisen,
-was ich nie geläugnet habe. Und wenn <i>Reichert</i> (l.&#160;c. p. 100) in
-Verfolg seiner irrthümlichen Annahme, dass ich hyaline Grenzschichten
-auf der Oberfläche des körnigen Protoplasma läugne, sagt: »Als einen
-Irrthum muss ich es ferner bezeichnen, wenn <i>M. Schultze</i> die
-<em class="gesperrt">Amoeben</em> und <em class="gesperrt">Myxomyceten</em> als Organismen bezeichnet, welche
-nur aus einem körnerhaltigen, schleimhaltigen, organischen Stoff
-bestehen. Dem Verfasser ist es wohl bekannt, dass <i>Lieberkühn</i> an
-den Amoeben eine festere hyaline Grenzschicht neben dem körnerhaltigen,
-mehr flüssigen Inhalte des Leibes dargestellt hat, und ich muss
-hinzufügen, dass ich selbst bei Herrn <i>Cienkowsky</i> eine von
-dem eingeschrumpften (?) körnerreichen Inhalte deutlich abstehende
-Grenzschicht auch bei den Myxomyceten gesehen habe«, so habe ich
-dem einfach gegenüberzustellen, was ich über diese Organismen in
-dem von <i>Reichert</i> seiner Polemik zu Grunde gelegten Aufsatze
-sage (Ueber Muskelkörperchen etc. p. 15, der einzigen Stelle wo
-ich über Myxomyceten spreche): »Auch die beiden Bestandtheile,
-hyaline Grundsubstanz und eingebettete Körnchen, unterscheidet man
-leicht, da <em class="gesperrt">wie bei vielen Zellen die hyaline Grundsubstanz eine
-oft ansehnlich breite</em> <b>Rindenschicht</b> <em class="gesperrt">bildet</em>.« Und
-von den Amoeben pag. 18: »Manche Species zeichnen sich durch ein
-weicheres, zerfliesslicheres Protoplasma vor anderen aus. Wie es
-lebhafte Amoeben (A. diffluens) und träge, äusserst langsam kriechende
-giebt, bei ersteren die <em class="gesperrt">Rindensubstanz</em> feinkörnig und sehr
-vergänglich, bei letzteren <em class="gesperrt">ganz hyalin und gegen Säuren und Alcalien
-verhältnissmässig resistent</em> ist, so giebt es auch bei den grösseren
-Rhizopoden Verschiedenheiten der Art im beweglichen Protoplasma.«</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span></p>
-
-<p>Meine Beobachtungen über die Verschiedenheiten im Aussehen und der
-Dichtigkeit des Protoplasma an verschiedenen Zellen und an einer
-und derselben Zelle, sowie über den Gegensatz von Protoplasma und
-Zellflüssigkeit, haben mich bezüglich der thierischen Gewebe zu
-einer Ansicht geführt, welche im Wesentlichen ganz mit derjenigen
-übereinstimmt, welche im Anschluss an <i>v. Mohl’s</i> bahnbrechende
-Arbeiten <i>Pringsheim</i> bereits vor Jahren<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a> über das Protoplasma
-der Pflanzenzellen ausgesprochen hat. Im Gegensatze zu der damals
-herrschenden Primordialschlauchtheorie machte jener ausgezeichnete
-Beobachter geltend, dass Alles, was nach innen von der Zellstoffhaut
-einer lebendigen Pflanzenzelle liegt, zwar eine sehr complicirte
-Anordnung und auch eine Schichtung zeigen könne, dennoch aber
-wesentlich aus nichts anderem bestände, als aus Protoplasma und
-Zellflüssigkeit. In den meisten nicht gar zu kleinen Pflanzenzellen ist
-das Protoplasma von einer Zellflüssigkeit (Intracellularflüssigkeit
-<i>Brücke</i>) so geschieden, dass ersteres in einer hautartig
-zusammenhängenden, oder netzförmig durchbrochenen Schicht der
-Innenseite der Cellulosewand anliegt, dabei Chlorophyll- und
-andere Körner auch den Zellkern in sich einschliesst, während die
-geformte Bestandtheile nicht enthaltende Zellflüssigkeit den inneren
-Raum der Zelle einnimmt. In einzelnen Fällen durchsetzen diesen
-inneren Raum freie Protoplasmabalken, welche, wenn zahlreich, ein
-complicirtes Netzwerk bilden und alle geformten Substanzen, welche
-überhaupt im Protoplasma vorkommen, folglich auch den Zellkern,
-enthalten können. Statt der freien Balken können auch leisten-
-oder riffartige Vorsprünge des Protoplasma in die Zellflüssigkeit
-vorhanden sein. In der Wandschicht des Protoplasma tritt öfter eine
-deutliche Schichtung hervor, indem sich eine äussere <em class="gesperrt">hyaline</em>,
-körnchenfreie <em class="gesperrt">Rinde</em> von einer zweiten, körnchenhaltigen, an die
-Zellflüssigkeit grenzenden Lage scheidet. <i>Pringsheim</i> bezeichnet
-beide als <em class="gesperrt">Hautschicht</em> und <em class="gesperrt">Körnerschicht</em> des Protoplasma.
-Auch in letzterer, wenn sie dick ist, können wieder Verschiedenheiten
-nach Ansehn und Inhalt beobachtet werden (l.&#160;c. p. 8), indem die
-Chlorophyllkörner in solchem Falle allein der Hautschicht anliegen,
-die der Zellflüssigkeit angrenzende Partie des Protoplasma dagegen nur
-<em class="gesperrt">farblose</em> körnige Bildungen einschliesst. Die Hautschicht des
-Protoplasma<span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span> befindet sich nach <i>Pringsheim</i> in vielen Fällen
-im Zustande langsamer Verdichtung, und wird endlich in allmählichem
-Uebergange zu einer vom Protoplasma chemisch differenten Haut. Diese
-Hautschicht, bevor sie Cellulosehaut wird, oder in anderen Fällen
-die ganze Wandschicht des Protoplasma, ist es, welche von <i>H. v.
-Mohl</i> <em class="gesperrt">Primordialschlauch</em> genannt und von ihm und vielen
-Anderen als eine besondere Membran der Zelle angesehen wurde. Sie ist,
-wie <i>Pringsheim</i> nachweist, entweder Protoplasma, dann kann sie
-natürlich nicht Membran der Zelle sein, oder sie ist Cellulosehaut,
-dann gehört sie den Verdickungsschichten der bereits vorhandenen
-Zellmembran an und kann wiederum von dieser nicht als etwas besonderes
-getrennt werden. So kommt <i>Pringsheim</i> zu der Annahme, dass der
-von <i>H. v. Mohl</i> unterschiedene Primordialschlauch nicht als eine
-zweite, von der Zellstoffhaut verschiedene Hülle der Pflanzenzelle
-existire, und ich habe bereits in meinem Aufsatze über Muskelkörperchen
-etc. p. 11 darauf hingewiesen, dass nach dem gegenwärtigen Zustande der
-Lehre von der Pflanzenzelle die Frage, ob der Primordialschlauch als
-<em class="gesperrt">eine von Protoplasma differente Membran</em> aufrecht erhalten werden
-könne, als zu Gunsten <i>Pringsheim’s</i> entschieden angesehen werden
-darf.</p>
-
-<p>Wenn es nun bei thierischen Zellen, einmal ihrer verhältnissmässig
-geringen Grösse wegen, und sodann weil sie im Durchschnitt reicher
-an Protoplasma sind, seltener als bei Pflanzenzellen zu der scharfen
-Scheidung einer Wandschicht von Protoplasma und einer Zellflüssigkeit
-kommt, so existirt doch, wie an jungen Pflanzenzellen, <em class="gesperrt">bei
-denen diese Scheidung ebenfalls noch nicht eingetreten</em>, ein
-Unterschied in der Beschaffenheit des Protoplasma der Art sehr
-gewöhnlich, dass eine <em class="gesperrt">Hautschicht</em> des Protoplasma, d.&#160;i. die
-bei den Amoeben erwähnte hyaline, körnchenlose oder körnchenarme
-<em class="gesperrt">Rinde</em> die übrige körnchenreichere Protoplasmasubstanz
-überzieht. Ich habe auf diese hyaline Rinde z.&#160;B. bei den embryonalen
-Muskelzellen hingewiesen und die Beobachtungen <i>Remak’s</i> über
-das vermeintliche Abheben einer Membran unter Wasserzusatz auf diese
-Rindenschicht zurückgeführt (l.&#160;c. p. 10). Sie ist bei den farblosen
-Blutkörperchen, wo sie vorzugsweise Sitz der amoebenartigen Bewegungen
-ist, bei den Speichelkörperchen, bei Knorpelzellen und während der
-embryonalen Entwickelung an fast allen Zellen zu beobachten. Sie
-ist unendlich oft für eine Membran angesehen worden und doch lässt
-sich kein einziger Beweis<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> beibringen, dass sie etwas anderes als
-Protoplasma sei. Man hat sie mit dem Primordialschlauch verglichen,
-und das ist das beste was man über sie ausgesagt hat. Aber wie der
-Primordialschlauch als eine besondere Membran der Zelle gefallen ist,
-wird man sie dadurch nicht als Zellmembran stempeln. Für mich ist
-hiernach kein Zweifel darüber übrig, was an der thierischen Zelle
-den Bestandtheilen der Pflanzenzelle entspricht. Ich glaube das auch
-in meinen früheren Aufsätzen deutlich genug ausgesprochen zu haben,
-um mich über den Standpunkt im höchsten Grade verwundern zu dürfen,
-den <i>Reichert</i> mir gegenüber einnimmt. Er will beweisen, dass
-Zellen, denen ich die Membran abspreche, eine solche zukomme, indem er
-auf den Primordialschlauch zurückgeht, den ich als Rindenschicht des
-Protoplasma nie geläugnet habe, von dem aber durch <i>Pringsheim</i>
-bewiesen ist, dass er eine vom Protoplasma differente Membran, um die
-es sich bei mir allein handelt, nicht darstellt. Und um endlich Alles
-zu verwirren, wird auch noch der Ausdruck Protoplasma willkürlich als
-ein ganz nach Belieben gebrauchter bezeichnet, dessen Verwendung in
-der Lehre von der thierischen Zelle nur Nachtheil bringen könne<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a>.
-Somit fehlt jeder Boden der Verständigung zwischen uns und verzichte
-ich darauf, auf die Einzelheiten weiter einzugehen. Dem Thatsächlichen
-gegenüber bemerke ich nur noch, dass ich die drei Hauptsätze in der
-Opposition <i>Reichert’s</i>, seine Mittheilungen über den Faltenkranz
-des sich furchenden Froscheies<a id="FNAnker_8" href="#Fussnote_8" class="fnanchor">[8]</a>, die Eröffnungen über die sogenannte
-Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Polythalamien<a id="FNAnker_9" href="#Fussnote_9" class="fnanchor">[9]</a> und die
-Abweisung der Möglichkeit einer Zusammenstellung des Protoplasma der
-Pflanzenzellen mit der Substanz der Pseudopodien der Rhizopoden<a id="FNAnker_10" href="#Fussnote_10" class="fnanchor">[10]</a>
-als<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> vollkommen unhaltbare kennzeichnen werde. Ueber den erstgenannten
-Gegenstand behalte ich mir das Nähere für eine andere Gelegenheit vor,
-letztere beiden Punkte finden in Nachstehendem ihre Erledigung.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="II_Das_Protoplasma_der_Rhizopoden"><span class="s5">II.</span><br />
-Das Protoplasma der Rhizopoden.</h2>
-
-</div>
-
-<p>Wie ich zu wiederholten Malen erprobt habe, ist es nicht schwer,
-<em class="gesperrt">Foraminiferen</em> lange Zeit in Gläsern lebendig zu erhalten
-und lebend weite Strecken zu transportiren. So gelang es mir auch
-neuerdings eine grosse Zahl solcher Thiere, welche ich an der Südküste
-Englands bei Weymouth gesammelt hatte, nach Bonn zu bringen und hier
-eine Reihe von Monaten lebendig zu beobachten. Diese Thiere und eine
-grosse Anzahl Exemplare von <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em>, welches
-interessante Thier an einer bestimmten Localität in der Nähe von Bonn
-in grosser Quantität fast das ganze Jahr hindurch vorkommt, dienten
-zu den hier mitzutheilenden Untersuchungen. Dieselben wurden zunächst
-unternommen, um über die Natur der die Pseudopodien bildenden Substanz
-und die eigenthümliche Bewegung, welche man an derselben wahrnimmt, die
-sogenannte <em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em>, weitere Beobachtungen zu sammeln.
-Die Foraminiferen strecken zu einer grösseren oder zu vielen kleineren
-Oeffnungen ihrer Schale Fäden einer durchsichtigen körnerreichen
-Substanz aus, welche einen hohen Grad von Veränderlichkeit ihrer
-Gestalt und Länge besitzen, es sind die sogenannten Pseudopodien.
-Dieselben verlaufen divergirend, theilen sich meist unter spitzen
-Winkeln, verbinden sich unter einander netzförmig. Sie sind in einer
-fortwährenden Bewegung begriffen und diese äussert sich theils in
-einer Veränderung der Anordnung, in einer Verlängerung, Verkürzung,<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span>
-Theilung, Verschmelzung, Brücken- und Netzbildung, theils in einer
-<em class="gesperrt">inneren Bewegung</em>, welche auch denjenigen Fäden nicht abgeht,
-welche keine der ebengenannten mehr äusserlichen Veränderungen zeigen,
-also sozusagen in Ruhe sind. Diese innere Bewegung ist die sogenannte
-<em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em>. Es ist ein Gleiten, ein Fliessen der in die
-Fadensubstanz eingebetteten Körnchen. Mit grösserer oder geringerer
-Schnelligkeit ziehen sie in dem Faden entweder dem peripherischen Ende
-desselben zu, oder in der umgekehrten Richtung, oft sogar selbst an
-den dünnsten Fäden in beiden Richtungen zugleich. Körnchen, die sich
-begegnen, ziehen entweder einfach aneinander vorbei oder bewegen sich
-umeinander, bis nach einer kleinen Pause beide ihre ursprüngliche
-Richtung fortsetzen oder eins das andere mit sich nimmt. Wie auf einer
-breiten Strasse die Spaziergänger, so wimmeln an einem breiteren Faden
-die Körnchen durcheinander, wenn auch manchmal stockend und zitternd,
-doch immer eine bestimmte der Längsrichtung des Fadens entsprechende
-Richtung verfolgend. Oft stehen sie mitten in ihrem Laufe still und
-kehren dann um, die meisten jedoch gelangen bis zum äussersten Ende
-der Fäden und wechseln hier erst ihre Richtung. Nicht alle Körnchen
-eines Fadens bewegen sich mit gleicher Schnelligkeit, so dass oft
-eins das andere überholt, ein schnelleres das langsamere zu grösserer
-Eile treibt oder an dem langsameren in seiner Bewegung stockt. Wo
-mehrere Fäden zusammenstossen, sieht man die Körnchen von einem auf
-den anderen übergehen. An solchen Stellen befinden sich oft breitere
-Platten, welche aus einer stärkeren Anhäufung der Fadensubstanz
-hervorgegangen sind, und aus welchen dann wie selbstständige Fortsätze
-weitere Fäden sich entwickeln, oder in welche bereits bestehende
-wie eingeschmolzen werden. Viele Körnchen laufen offenbar ganz an
-der äussersten Oberfläche der Fäden, über welche man sie deutlich
-hervorragen sieht. Vielleicht haben alle diese oberflächliche Lage.
-Ausser den kleinen Körnchen sieht man oft grössere Substanzklümpchen
-wie spindelförmige Anschwellungen oder seitliche Auftreibungen eines
-Fadens in ähnlicher Bewegung wie die Körnchen. Selbst fremde Körper,
-welche der Fadensubstanz anhaften und in sie aufgenommen worden,
-schliessen sich dieser Bewegung an. Das sind die Haupterscheinungen
-der Körnchenbewegung, wie sie von mir<a id="FNAnker_11" href="#Fussnote_11" class="fnanchor">[11]</a> und in<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> Uebereinstimmung
-mit meiner Beschreibung von <i>Joh. Müller</i><a id="FNAnker_12" href="#Fussnote_12" class="fnanchor">[12]</a> und <i>E.
-Haeckel</i><a id="FNAnker_13" href="#Fussnote_13" class="fnanchor">[13]</a> theils an Polythalamien, theils an anderen Rhizopoden
-geschildert worden ist.</p>
-
-<p id="Koernchen_Contractilitaet">Dass die merkwürdige, das Auge stets neu fesselnde, ganz einzig
-dastehende Körnchenbewegung mit der <em class="gesperrt">Contractilität</em>
-der Pseudopodiensubstanz, wie sie sich in den eigentlichen
-Zusammenziehungen äussert, in Verbindung zu bringen sei, daran sind
-nie Zweifel ausgesprochen worden, haben wir doch zur Bezeichnung des
-inneren Grundes selbstständiger thierischer Bewegungen keinen anderen
-Ausdruck als den der Contractilität. Aber was die Körnchenbewegung
-mit den Contractionserscheinungen an anderen contractilen Theilen,
-am Muskelgewebe gemein habe, darüber hatte bisher Niemand auch nur
-Vermuthungen geäussert. Ich habe die Bewegung der Körnchen ein Fliessen
-genannt, und da die Körnchen offenbar sich nicht activ bewegen, sondern
-nur den Bewegungen der Grundsubstanz folgen, so musste diese natürlich
-auch als in fliessender Bewegung begriffen bezeichnet werden. Damit ein
-Faden sich verlängern könne, müssen ganze Massen von Substanz ihren Ort
-wechseln, was man oft an fortschreitenden grösseren Substanzklümpchen
-beobachtet. Nimmt man diesen Ortswechsel an grösseren Massen der
-Pseudopodiensubstanz wahr, so liegt offenbar kein Grund vor, die
-Möglichkeit eines solchen Ortswechsels für kleinere Abtheilungen der
-Substanz zu läugnen. Somit erschien es am natürlichsten, auch die
-Körnchenbewegung auf ein Gleiten kleiner Partikelchen der Grundsubstanz
-mit eingebetteten Körnchen zurückzuführen, wie man dasselbe für etwas
-grössere Substanzmassen direct beobachten kann. So erklärt sich der
-Ausdruck <em class="gesperrt">fliessende</em> Bewegung der Grundsubstanz, welcher zugleich
-eine Hindeutung auf die eigenthümliche Consistenz der contractilen
-Pseudopodiensubstanz enthält, welche in Betracht der merkwürdigen
-Innenveränderungen, welche an ihr zur Beobachtung kommen, an die einer
-Flüssigkeit erinnert.</p>
-
-<p>Bei der Isolirtheit, in welcher unter allen Bewegungserscheinungen<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span>
-im Thierreiche die Körnchenbewegung der Pseudopodien stand, musste
-es das höchste Interesse erregen, als ein Analogon der räthselhaften
-Pseudopodiensubstanz an ganz anderer Stelle der organischen Natur
-aufgefunden wurde, als man eine Identität in den Bewegungserscheinungen
-der <em class="gesperrt">Polythalamienfäden</em> und der <em class="gesperrt">im Hohlraum einer
-Pflanzenzelle ausgespannten Protoplasmafäden</em> erkannte.
-<i id="Unger">Unger</i><a id="FNAnker_14" href="#Fussnote_14" class="fnanchor">[14]</a> gebührt das Verdienst, der Wissenschaft zu diesem
-Fortschritt verholfen zu haben. Freilich ohne die Pseudopodien der
-Polythalamien aus eigener Anschauung zu kennen, nur gestützt auf die
-von mir gegebenen Beschreibungen und Abbildungen erkannte er, was sich
-glänzend bewahrheitet hat, die bis zur Uebereinstimmung gesteigerte
-Aehnlichkeit in dem Ansehn und den Bewegungen der Rhizopodenfortsätze
-und der sogenannten <em class="gesperrt">Protoplasmaströme in vielen Pflanzenzellen</em>.
-Nach ausführlichen Betrachtungen über die Art der Bewegung bei
-letzteren kommt er zu dem Schluss (p. 280): »Die nächste Ursache der
-Saftbewegung in den Zellen kann weder in der Diasmose noch in der
-Einwirkung des Kernbläschens auf den Zellinhalt, noch in irgend einer
-mechanischen Einrichtung, wie z.&#160;B. in Flimmerorganen u.&#160;s.&#160;w. gesucht
-werden, sondern sie liegt vielmehr in der Beschaffenheit des sich
-bewegenden Protoplasma, welches als ein vorzugsweise stickstoffhaltiger
-Körper nach Art jener einfachen contractilen thierischen Substanz,
-welche man Sarcode nennt, in der Form einer rhythmisch fortschreitenden
-Contraction und Expansion in die Erscheinung tritt.« Und weiter (p.
-282): »Alles diess deutet darauf hin, dass das Protoplasma nicht als
-eine Flüssigkeit, sondern als eine halbflüssige <em class="gesperrt">contractile</em>
-Substanz angesehen werden müsse, die der thierischen Sarcode zunächst
-vergleichbar ist, wo nicht gar identisch mit dieser zusammenfällt.«
-»Vergleicht man die Sarcodesubstanz niederer Thiere, namentlich der
-Rhizopoden, mit dem Protoplasma, wie es sich in den Pflanzenzellen in
-der Regel darstellt, so wird man durch die Uebereinstimmung beider in
-Form, Beschaffenheit und Wirksamkeit in der That sehr überrascht.«
-Es folgt jetzt eine umständliche Vergleichung der<span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span> von mir gegebenen
-Beschreibung der Bewegungen von <em class="gesperrt">Amoeba porrecta</em> mit den
-Erscheinungen der Protoplasmabewegungen in den jungen Samenlappen der
-Wallnuss, nach welcher <i>Unger</i> erklärt, dass erstere auch in allen
-Stücken auf das pflanzliche Object passe.</p>
-
-<p id="Unger_und_eigene_Arbeiten">Durch diese Angaben war die eigenthümliche Bewegungsform der
-Pseudopodien der Polythalamien aus ihrer Isolirtheit herausgetreten
-und für ihre Betrachtung ein neues Feld eröffnet. Zunächst musste
-eine weitere Feststellung des Thatbestandes in so fern wünschenswerth
-erscheinen, als <i>Unger</i> aus eigener Anschauung nur das pflanzliche
-Object kannte. So widmete ich mich, nachdem mir die Angaben
-<i>Unger’s</i> bekannt geworden, einem ausführlichen Studium der
-Bewegungserscheinungen des Protoplasma der Pflanzenzellen, deren ich
-bis dahin nur die der Nitellen beobachtet hatte, welche mir, wie aus
-der eigenthümlichen Art der hier vorkommenden Bewegungen natürlich
-erscheint, keinen Anknüpfungspunkt zu einer Vergleichung derselben mit
-der Sarkode der Rhizopoden gegeben hatte. Ein viel günstigeres Object
-sind die Staubfadenhaare der Tradescantien. Die Beobachtung derselben
-bestärkte in mir immer fester die Ueberzeugung, dass in der That die
-vollkommenste Uebereinstimmung in der Bewegungsform der scheinbar so
-himmelweit verschiedenen Substanzen herrsche. Als ich auf Helgoland
-Gelegenheit fand, Protoplasmabewegungen in Diatomeen mit Pseudopodien
-von Rhizopoden direct zu vergleichen, theilte ich meine Erfahrungen,
-auch die Beobachtungen, welche ich an Tradescantia angestellt hatte,
-ausführlich mit<a id="FNAnker_15" href="#Fussnote_15" class="fnanchor">[15]</a>.</p>
-
-<p>Doch enthielt ich mich damals noch aller die Natur der Sarkode
-der Rhizopoden betreffenden Schlüsse, zu denen die vorliegenden
-Beobachtungen hindrängten, indem ich mich darauf beschränkte die
-Tragweite der letzteren mit folgenden Worten anzudeuten (l.&#160;c. p. 337):
-»Die geschilderten Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen können
-nach meiner Meinung nicht unberücksichtigt bleiben, wenn es sich um
-eine Deutung der räthselhaften Lebenserscheinungen der Sarkodefäden
-bei den Rhizopoden handelt, und empfehle ich das vergleichende Studium
-der ersteren namentlich Denen, welche eine Zusammensetzung z.&#160;B. der
-Polythalamienfäden aus kleinen Zellen für möglich und wahrscheinlich
-halten. Bei Tradescantia verlaufen, wie es scheint, dieselben
-Erscheinungen, welche dort auf<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> thierisches Leben bezogen werden
-müssen, an unzweifelhaftem Zelleninhalt.«</p>
-
-<p id="Pseudopodien_und_Protoplasma">Wenn ich damals anstand die Pseudopodiensubstanz dem Protoplasma
-der Zellen gleichwerthig zu erklären, so lag das an der sehr
-gerechtfertigten Besorgniss durch einen solchen Ausspruch von dem Worte
-Protoplasma an einem Orte Gebrauch zu machen, wo nach den herrschenden
-Ideen über die nothwendigen Bestandtheile einer Zelle von Zellen,
-also auch von Protoplasma, nicht die Rede sein konnte. Es war ein
-ähnlicher Fall, wie wir ihn mit den Muskelkörperchen erlebt haben.
-Die Schranken der dominirenden Zellentheorie liessen es nicht zu, die
-schwebende Frage in dem Sinne zu lösen, zu welchem die Natur offenbar
-hindrängte. Es musste sich also zunächst die Frage aufwerfen, ob die
-Theorie nicht einer Erweiterung fähig sei, welche den natürlichen
-Verhältnissen mehr Rechnung trage ohne doch das einmal als richtig und
-wichtig Erkannte zu zerstören. Diese Angelegenheit brachte ich in den
-unten genannten beiden Aufsätzen zur Sprache. Ich suchte nachzuweisen,
-dass zum Begriff der Zelle die Membran nicht nothwendig gehöre, dass
-vielmehr eine gewisse Menge einer Substanz mit den Eigenschaften des
-Protoplasma wie <i>H. v. Mohl</i>, <i>Pringsheim</i> u.&#160;A. es bei den
-Pflanzenzellen kennen gelehrt haben, nebst einem Kern als Zellenkern
-in diesem Protoplasma dasjenige repräsentire, was als Wesen der
-lebendigen Zelle angesehen werde. Es konnte mir selbstverständlich
-nicht in den Sinn kommen, die Membran, wo sie sicher nachzuweisen ist,
-zu läugnen, und ihre hohe Wichtigkeit als formgebend und die Festigkeit
-der Gewebe bedingend zu bestreiten, es handelte sich nur darum, ob das
-Protoplasma eine solche Selbstständigkeit besitzen könne, dass es auch
-ohne äussere, von ihm verschiedene Membran existiren, leben, und mit
-seinem Kerne das darstellen könne, was wir als das Wesen einer Zelle
-vom physiologischen Standpunkte aus betrachten. Wenn nun, wie ich Grund
-fand anzunehmen, zum Begriff der Zelle, also auch des Protoplasma,
-die Membran nicht gehöre, man also von nacktem Protoplasma sprechen
-konnte, so war das Hinderniss überwunden, die Rhizopodenpseudopodien,
-welche eine von der contractilen Substanz differente Membran nicht
-besitzen, als Theile einer Zelle, als Protoplasma anzusehen, mit
-welcher Substanz, wie sie uns in gewissen Pflanzenzellen entgegentritt,
-sie einen so hohen Grad der Uebereinstimmung zeigen. Ich schlug
-endlich vor das missliebige, weil in einer gewissen Opposition zur
-Zellentheorie stehende, Wort <em class="gesperrt">Sarkode</em> ganz zu verbannen<span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> und mit
-dem Worte <em class="gesperrt">Protoplasma</em> zu vertauschen, »<em class="gesperrt">in welchem der Triumph
-der Zellentheorie auch über diese niedersten organischen Gebilde
-ausgedrückt liegt</em><a id="FNAnker_16" href="#Fussnote_16" class="fnanchor">[16]</a>.«</p>
-
-<p id="Haeckel_und_Reichert"><i>Ernst Haeckel</i> hat sich in seiner auf den umfassendsten
-Untersuchungen beruhenden ausgezeichneten Monographie der Radiolarien
-meinen Ansichten über das Wesen der sogenannten Sarkode vollkommen
-angeschlossen, und hat dieselben durch neue Beispiele wesentlich
-gestützt.</p>
-
-<p>Ein heftiger Gegner ist ihr in <i>Reichert</i> erwachsen<a id="FNAnker_17" href="#Fussnote_17" class="fnanchor">[17]</a>. Obgleich
-derselbe früher gegen die Sarkodetheorie <i>Dujardin’s</i> gerade aus
-dem Grunde ankämpfte<a id="FNAnker_18" href="#Fussnote_18" class="fnanchor">[18]</a>, weil sie »das wichtige und so durchgreifende
-Naturgesetz, demzufolge die Geschöpfe der organischen Natur durch
-Vermittelung der Zelle gezeugt, entwickelt, gebildet werden, für eine
-Abtheilung und zwar thierischer Geschöpfe eliminirt«, so scheint ihm
-die neue Wendung, nach welcher die Zellentheorie einen Triumph auch
-über die niedersten thierischen Organismen feiert, nicht weniger
-verderblich. <i>Reichert</i> sieht jetzt in der Verherrlichung des
-<em class="gesperrt">Protoplasma</em> die alte Lehre vom lebenskräftigen Urschleim
-neu auferstanden, und bekämpft die »Hypothese des unsichtbar
-organisirten Zelleninhaltes« (Archiv etc. 1862, p. 640), wie wenn
-er der ausgesprochenste Gegner der Zellentheorie wäre. Wenn sich
-<i>Reichert</i> das »Unbegreifliche« erst »verständlich« machen muss,
-»wie man auf den Gedanken gerieth, die <em class="gesperrt">Saftströmungen in den
-Zellen</em> mit den <em class="gesperrt">Contractionsströmungen an den Pseudopodien</em>
-zu identificiren« (l.&#160;c. p. 646), so geht daraus zwar hervor, dass
-seine Opposition mehr auf theoretischen Bedenken als auf Beobachtungen
-beruht. Denn unbegreiflich und unverständlich muss es genannt
-werden, wenn Jemand, der die Polythalamien im Leben beobachtet hat,
-über die frappante Aehnlichkeit der Bewegung des Protoplasma in den
-Tradescantia-Zellen mit obigen Worten urtheilt. Dennoch müssen wir
-etwas ausführlicher auf eine Seite seiner Opposition eingehen, die
-nämlich, welche sich auf meine und der anderen bisherigen Beobachter
-Angaben über die <em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em> und das <em class="gesperrt">»angebliche
-Zusammenfliessen« der Scheinfüsse der Polythalamien</em> bezieht, sowohl
-um des Gegenstandes selbst willen, als in so<span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span> fern daraus Angriffe
-gegen die Protoplasmatheorie überhaupt abgeleitet werden<a id="FNAnker_19" href="#Fussnote_19" class="fnanchor">[19]</a>.</p>
-
-<p>Nach <i>Reichert</i> giebt es in der Substanz der Pseudopodien der
-Polythalamien gar keine Körnchen, folglich auch keine Körnchenbewegung.
-Letztere ist eine optische Täuschung, dadurch entstanden, dass man
-<em class="gesperrt">Wellen der Oberfläche</em> der Fäden für <em class="gesperrt">Körnchen</em> in der
-Substanz gehalten hat. »Das Thier (l.&#160;c. p. 647), an welchem ich die
-Körnchenbewegung zum ersten Male beobachtete, liess dieselbe nur an
-einzelnen Fäden wahrnehmen, und es gab zugleich Momente, in welchen die
-sichtbaren, ausgestreckten Pseudopodien sich völlig ruhig verhielten.
-Die Körnchenbewegung gab sich ferner so zu erkennen, wie es <i>Max
-Schultze</i> und <i>Joh. Müller</i> beschrieben haben, als ein <em class="gesperrt">an
-der Oberfläche</em> des Fadens sich hin- oder zurückbewegendes Korn
-oder Körnchen. Ich muss jedoch hinzufügen, dass die Bewegung des Korns
-nicht gleichmässig war, sondern dass das Korn über die Oberfläche
-fortzu<em class="gesperrt">hüpfen</em> schien, oder doch wenigstens eine <em class="gesperrt">zitternde</em>
-Bewegung verrieth. Es war mir aber sehr auffällig, dass ungeachtet
-zahlreicher angeblicher Körnchen-Zuströme, und obgleich man an den
-Enden der Fäden häufig genug das stillstehende Korn nicht zurückkehren
-sieht, — im ganzen Gesichtsfelde, weder in der umgebenden Flüssigkeit,
-noch an und in der Substanz der Strahlen selbst, irgend ein sichtbares
-ruhendes Kügelchen sich wahrnehmen liess. Und doch sollte die aus
-dem Körper den Strahlen zuströmende Sarkode-Substanz Kügelchen
-enthalten, und die grösseren Kügelchen nicht allein das Hervortreten
-der fortströmenden Masse <em class="gesperrt">über</em> das Niveau des Fadens bewirken,
-sondern überhaupt den optischen Ausdruck der Körnchenbewegung bedingen.
-Leibessubstanz mit Kügelchen konnte also den Strahlen nicht zugeflossen
-sein; — das Trugbild lag offen zu Tage.«</p>
-
-<p><i>Reichert</i> ist schnell fertig wie man sieht. Und warum ist die
-Körnchenbewegung ein <em class="gesperrt">Trugbild</em>? Weil <i>Reichert</i> <em class="gesperrt">weder in
-der umgebenden Flüssigkeit</em> (sic) <em class="gesperrt">noch an und in der Substanz
-der Strahlen</em> selbst irgend ein sichtbares <em class="gesperrt">ruhendes</em> Korn
-wahrgenommen hat!</p>
-
-<p>Schon in der folgenden Zeile ist nur noch von <em class="gesperrt">scheinbaren</em>
-Körnern die Rede, über deren Natur und Entstehung es weiter heisst:
-»An irgend einer beliebigen Stelle des hyalinen ausgestreckten<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> Fadens
-zeigt sich plötzlich eine scheinbare Verdickung von spindelförmiger
-Begrenzung, etwas gelblicher Färbung und dunkler Contour; die Spitzen
-der Spindel verlieren sich ganz unmerklich in die unverändert
-gebliebenen angrenzenden Theile des Fadens. Bald darauf erscheint es
-als ob die Spindel kürzer, in ihrer Mitte aber dicker, dunkler werde
-und mit derselben aus dem Niveau des Fadens mehr hervortrete; endlich
-entschwinden die Enden der scheinbar spindelförmigen Verdickung dem
-Blicke, und die erhobene mittlere Partie hüpft unter dem Bilde eines
-Kornes auf der Oberfläche des Fadens hin. Ganz auf dieselbe Weise,
-jedoch in umgekehrter Ordnung, verschwindet das Körnchen beim Aufhören
-der Bewegung.« »Wer das allmähliche Entstehen und Aufhören der
-Körnchenbewegung verfolgt hat, wird die Vorstellung von einer wirklich
-fliessenden Substanz in den Pseudopodien sicherlich fallen lassen.« Es
-bleibt nur noch die Annahme der auf der Oberfläche fortschreitenden
-Contractionswelle übrig, und fragt es sich nur, was diese Welle für
-eine Form haben müsse, um ein scharf contourirtes Körnchen, wie man
-factisch deren sieht, vorspiegeln zu können. Hier kommt <i>Reichert</i>
-zu dem Resultat, dass diese Form nur die einer »am Faden fortziehenden
-Schlinge« sein könne (p. 650). »Die sich erhebende Schlinge wird zuerst
-als eine langgezogene, in ihrer Mitte sich verdickende, aus dem Niveau
-des Fadens heraustretende Anschwellung gesehen. Die erhobene Schlinge
-selbst ferner giebt sich in Folge der Lichtbrechungsverhältnisse der
-Scheitelkrümmung gerade so, wie sehr häufig bei den Querfältchen der
-glatten Muskelfasern als ein auf dem Faden aufliegendes Korn oder
-rundliches, oder ovales Körperchen zu erkennen. Ebenso leuchtet es
-ein, dass die in Fortbewegung begriffene Schlinge als ein auf der
-Oberfläche des Fadens fortziehendes Körnchen erscheinen müsse, und dass
-sie endlich das mikroskopische Bild eines hüpfenden Kornes gewähren
-werde, da vorausgesetzt werden darf, dass die Schlinge bei ihrer
-continuirlichen Neu- und Rückbildung nicht immer die gleiche Höhe
-beibehalte, — was sich eben als ein Schwanken der Scheitelkrümmung der
-Schlinge oder des scheinbaren Korns zu erkennen giebt. Es ist mir nicht
-gelungen, eine der Schlinge entsprechende Zeichnung im mikroskopischen
-Bilde wahrzunehmen, ich glaube aber nicht, dass hierauf unter den
-obwaltenden Umständen irgend ein Gewicht gelegt werden darf.«</p>
-
-<p>Man könnte zunächst mit <i>Reichert</i> darüber rechten, ob das
-von<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> ihm zur Beobachtung benutzte Material ein ausreichendes
-gewesen, den übereinstimmenden Angaben der bisherigen Beobachter
-der Körnchenbewegung in einer solchen Weise, wie er gethan,
-gegenüberzutreten. Laut eigener Angabe (l.&#160;c. p. 642) ist es nur
-<em class="gesperrt">eine</em> Species von Miliola und Rotalia, durch deren Beobachtung
-<i>Reichert</i> für ein optisches Trugbild erklären zu können glaubt,
-was ich an mehr als 20 verschiedenen Species<a id="FNAnker_20" href="#Fussnote_20" class="fnanchor">[20]</a> sah und <i>Joh.
-Müller</i> nach seinen Untersuchungen an mehreren Polythalamien und
-nahe an 50 Arten Radiolarien bestätigte. Die <em class="gesperrt">Gromia oviformis</em>
-aber, von der ich sage, dass keine der anderen Arten sich so gut zum
-Studium der histiologischen Details eigene (l.&#160;c. p. 18), und auf
-welche sich zunächst meine Beschreibung der Körnchenbewegung bezieht
-(l.&#160;c. p. 16 und 17), hat <i>Reichert</i> gar nicht gesehen.</p>
-
-<p>Doch fragen wir, auf welche Gründe hin <i>Reichert</i> die Existenz
-von Körnchen und danach auch das »Fliessen« von Körnchen in der
-Substanz der Pseudopodien läugnet. Es ist schwer, wenn man die
-Bewegungserscheinungen der Pseudopodien beobachtet, zu begreifen,
-wie es möglich gewesen, dass <i>Reichert</i> die Körnchen für eine
-optische Täuschung erklären konnte. Hätte derselbe Gromia oviformis
-vor sich gehabt, er wäre nie auf diese Idee gekommen. Denn hier sind
-die Körnchen zum grossen Theile Kügelchen von so starkem Glanze wie
-Fetttröpfchen oder ähnliche Gebilde. Schon eine mässige Vergrösserung
-(2–300 Mal) genügt hier, die vollkommen kreisförmige Begrenzung der
-fraglichen Gebilde und den Unterschied in der Lichtbrechung zwischen
-Grundsubstanz und Körnchen deutlich wahrzunehmen. Auch andere
-Gromia-ähnliche Rhizopoden verhalten sich ebenso, und mache ich nur
-auf die Abbildung der <em class="gesperrt">Lieberkühnia</em> bei <i>Claparède</i> und
-<i>Lachmann</i><a id="FNAnker_21" href="#Fussnote_21" class="fnanchor">[21]</a>, von welcher ich eine ganz ähnliche Zeichnung bei
-<i>Guido Wagener</i> gesehen habe, aufmerksam. Ist es schon in hohem
-Grade unwahrscheinlich, dass dieselbe Erscheinung, welche an dem einen
-Rhizopod von gleitenden Körnchen herrührt, an einem anderen von ganz
-verschiedenen Ursachen bedingt sein soll: so giebt die aufmerksame
-Beobachtung auch nicht den geringsten Anhaltspunkt zur Annahme einer
-solchen Verschiedenheit. Allerdings sind die der Pseudopodiensubstanz
-der<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> Milioliden eigenen Körnchen viel kleiner als die der Gromiden,
-doch dieser Unterschied kann durch Anwendung stärkerer Vergrösserungen
-ausgeglichen werden. Mit Hülfe solcher ist mir und Anderen, denen
-ich das Object zeigte, kein Zweifel übrig geblieben, dass auch die
-Milioliden massenhaft Körnchen, d.&#160;h. Körperchen von einer anderen
-Lichtbrechung als ihre Umgebung, in ihrer Substanz enthalten. <a id="Beweis_Milioliden"></a>Den
-Beweis dafür entnehme ich aus Folgendem:</p>
-
-<p>1) Scharfe Begrenzung und starker Glanz der fraglichen Körperchen
-sprechen nicht dafür, dass dieselben nur Theile der Fadensubstanz
-selbst seien, denn diese Substanz bricht, wie <i>Reichert</i>
-zugiebt, das Licht nur wenig anders als das umgebende Wasser. Ganz
-entscheidend ist aber der Umstand, dass Körnchen, <em class="gesperrt">welche seitlich
-über den Rand eines Fadens hinausragen</em>, ebensogut wie die anderen
-bei Hebung des Tubus über diejenige Einstellung, bei welcher man die
-Bewegung am deutlichsten sieht, in einen <em class="gesperrt">Lichtpunkt</em> übergehen.
-Derselbe beweist, dass sie wie eine Sammellinse wirken, und dass sie
-keine »am Faden fortziehenden Schlingen« sind, wie <i>Reichert</i>
-will, denn solche müssten, im Profil gesehen, als Ringe oder Oesen
-von Pseudopodiensubstanz beim Heben des Tubus in der Mitte einen
-dunkeln Fleck erhalten, wie aus <i>Welcker’s</i> Bemerkungen über die
-Unterscheidung von Erhabenheiten und Vertiefungen unter dem Mikroskope
-hervorgeht<a id="FNAnker_22" href="#Fussnote_22" class="fnanchor">[22]</a>.</p>
-
-<p>2) Man erkennt bei starken Vergrösserungen (<i>Hartnack</i> System 10,
-oder <i>Zeiss</i> F), dass viele der an und in den Fäden der Milioliden
-auf- und abziehenden Körnchen eine längsovale oder stäbchenförmige
-Gestalt besitzen, und dass, wenn sie auch meist mit ihrer längern
-Axe der Längsaxe der Fäden parallel gehen, sie nicht selten sich
-rechtwinklig zu letzterer aufstellen, um dann bei weiterer Bewegung
-sich wieder umzulegen. Kurz die Körperchen befinden sich öfter in einer
-rotirenden Bewegung, und diese beweist ihre körperliche Natur.</p>
-
-<p>3) <i>Reichert</i> will die Abwesenheit von Körnchen in der Substanz
-der Pseudopodien durch folgenden Satz beweisen (l.&#160;c. p. 644): »Da
-die körnige Zeichnung jedesmal sofort verloren geht, wenn die Fäden
-in gestreckter Lage ruhig liegen, oder die körnigen Platten und
-Lamellen sich in ruhende gestreckte Fäden wiederauflösen, so<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> muss
-gefolgert werden, dass die körnige Zeichnung nur scheinbar sei und
-durch Formveränderungen der an sich hyalinen Fäden hervorgebracht
-werde.« Es ist mir nicht möglich gewesen, zu ermitteln, welcher
-Umstand <i>Reichert</i> so täuschen konnte, dass er obige Behauptung
-aufstellte. Ich finde bei lebenden Thieren mit ausgestreckten Fäden nie
-und an keiner Stelle eine derartige Ruhe, dass die Körnchenbewegung
-aufhöre und der Faden ein <em class="gesperrt">gleichmässig hyalines</em> Ansehn annehme.
-Allerdings sieht man hie und da an sehr dünnen Fäden kein Körnchen.
-Dergleichen kommt bei Thieren wie den Milioliden, deren Protoplasma
-eben nicht sehr körnerreich ist, vor. Aber in solchen Fällen vergeht
-kaum eine Secunde, dass nicht Körnchen erscheinen, die von benachbarten
-Fäden auf die körnchenlosen übergehen. Nach <i>Reichert’s</i> Angaben
-sollte man erwarten, dass an jedem Faden die körnige Zeichnung
-zeitweise ganz verschwinden könne, »wenn die Fäden in gestreckter Lage
-ruhig liegen«, was nach erfolgtem Ausstrecken sich von allen Fäden
-sagen lässt, die nicht in der Retraction begriffen sind. Solche in
-gestreckter Lage ruhig liegende Fäden zeigen aber immer das lebhafteste
-Spiel der Körnchenströmung, ebenso die Fäden, welche sich aus körnigen
-Platten oder Lamellen wiederauflösen. Dagegen kommt man recht oft dazu,
-einzelne Körnchen, wenn auch nur auf kurze Zeit <em class="gesperrt">ruhen</em> zu sehen,
-so z.&#160;B. sehr häufig an sogenannten laufenden Brücken, wenn dieselben
-rechtwinklig auf den Fäden stehen, die sie verbinden; und bedient man
-sich künstlicher Mittel, so kann man die Körnchen auf weite Strecken
-in Ruhe setzen, ohne dass sie, wie <i>Reichert</i> annimmt, dabei
-verschwinden.</p>
-
-<p id="Beweis_Fortsetzung">Ganz entscheidend in dieser Beziehung ist folgender Versuch: Man
-bringe an den Rand des Deckglases, unter welchem sich ein Thier mit
-ausgestreckten Pseudopodien befindet, einen Tropfen destill. Wasser,
-und beobachte dessen allmähliche Einwirkung. Die Körnchenbewegung
-wird langsamer, ohne dass an den Fäden sonst irgend eine Veränderung
-wahrzunehmen ist, endlich stockt sie ganz. Wenn das destillirte
-Wasser nicht zu heftig einwirkt, bietet der Faden auch jetzt noch,
-abgesehen von dem Mangel der Bewegung, ganz das Ansehn wie im Leben
-dar, die Körnchen sind ebenso deutlich zu sehen und in derselben Menge
-vorhanden, wie zuvor, die Grundsubstanz ist von unverändertem Aussehen.
-Körnchen, die sich eben noch bewegten, sieht man in den ruhenden
-Zustand übergehen<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> und für immer in demselben verharren, ohne dass sich
-an ihnen sonst die geringste Veränderung wahrnehmen lässt. Macht sich
-der Einfluss des destillirten Wassers länger geltend, so treten erst
-kleine dann grösser werdende Vacuolen in der Grundsubstanz der Fäden
-auf, sie verbreitern sich, bekommen ein schaumiges Ansehn und gehen
-endlich unter zunehmenden Quellungserscheinungen zu Grunde.</p>
-
-<p id="andere_Einfluesse">Die Beobachtung der Körnchen in ihrem allmählich eintretenden
-Stillstande, wobei jedes einzelne scharf im Auge behalten werden kann,
-ist ganz entscheidend. Auch durch andere, energischer wirkende Agentien
-lässt sich ein gleiches Resultat, wie durch destillirtes Wasser
-erzielen z.&#160;B. Iodlösung, verdünnte Säuren und Alkalien, durch den
-elektrischen Strom, doch treten hier meist viel schneller Veränderungen
-der Fäden im Ganzen ein, worauf wir unten noch zurückkommen, so dass
-die Beobachtung nicht so rein ist als bei Anwendung des destillirten
-Wassers. Auch die schnelle Erwärmung des Objectträgers, auf welchem
-sich eine Miliolide mit ausgestreckten Pseudopodien befindet, bis
-auf mindestens 45° C., giebt ein belehrendes Bild. Die Pseudopodien
-erstarren in der Lage, in welcher sie sich gerade befinden, und
-verharren so lange in derselben, bis diffundirende Einflüsse des
-umgebenden Wassers sie endlich zerstören.</p>
-
-<p>Jeden Einwand, dass Gerinnungserscheinungen die Beobachtung trüben,
-schliesst endlich folgendes Experiment aus. Zerdrückt man ein Thier,
-welches mit ausgestreckten Pseudopodien unter einem Deckglase
-liegt, sodass die Schale gesprengt und der Inhalt in dichten Massen
-hervorgepresst wird, so bleiben die ausgestreckten Fäden, wo sie
-nicht mechanisch incommodirt wurden, unverändert liegen und setzen
-das Spiel ihrer Bewegungen noch eine Zeit lang in gewohnter Weise
-fort. Sie retrahiren sich nicht, wenn ein Abreissen derselben von der
-Oberfläche des Glases, wenn eine andere Bewegung des Deckglases als
-zum Zerdrücken der Schale nothwendig ist, vermieden wird. Obgleich
-der Zusammenhang der Fäden mit dem Thierkörper durch das Zerdrücken
-des Letzteren an vielen Stellen der Basis der Fäden aufgehoben wird,
-dauert die Körnchenströmung doch noch unverändert fort. Aber sie wird
-allmählich langsamer, die Fäden ziehen sich mehr und mehr zu dichten
-Netzen und breiteren Platten zusammen, aus denen zwar wieder neue Fäden
-ausstrahlen, in denen aber nach und nach die Körnchenbewegung aufhört.
-Nach Verlauf einer Stunde hat dieselbe an den<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> meisten Stellen ihr Ende
-erreicht. <em class="gesperrt">Trotzdem sind die Körnchen in der Grundmasse der Fäden
-noch so deutlich wie vorher</em>, und halten sich so lange, bis der
-diffundirende Einfluss des Wassers endlich die Auflösung der Fadenreste
-herbeiführt, wobei sich die winzigen Körnchen unter Molekularbewegung
-zerstreuen.</p>
-
-<p id="Pseudopodiensubstanz">Nach dem Voranstehenden dürfen wir wohl die Existenz von Körnchen
-in den Pseudopodien der Milioliden gegen die <i>Reichert</i>’schen
-Einwürfe für <em class="gesperrt">bewiesen</em> ansehen. Sind aber Körnchen da, so bleibt
-es auch mit der Körnchenbewegung beim Alten und <i>Reichert</i> mag
-sich umsehen, wie er seine Behauptung, dass dieselbe ein »optisches
-Trugbild« sei, weiterhin stütze.</p>
-
-<p>Die Körnchen der Pseudopodien sind in einer gleitenden Bewegung. Sie
-rücken auf weite Strecken vor und wieder zurück, sie tauschen ihren
-Platz mit anderen, ungehindert ziehen sie von einem Faden auf den
-anderen hinüber — diese Ortsveränderungen regen in uns die Frage nach
-der <em class="gesperrt">Consistenz</em> derjenigen Substanz an, in welcher sie sich
-bewegen. Man hat die Bewegung der Körnchen eine <em class="gesperrt">fliessende</em>
-genannt, und gewiss nicht mit Unrecht, denn solche Ortsveränderungen,
-wie wir sie beobachten, setzen voraus, dass die Substanz, in welcher
-sie zu Stande kommen, mit dem Aggregatzustande einer Flüssigkeit etwas
-gemein haben müsse. Nun giebt es aber bekanntlich verschiedene Grade
-des Flüssigen, und wenn wir uns für die Bezeichnung der Consistenz
-der Pseudopodien des Ausdruckes »dickflüssig wie Schleim« bedienten,
-also etwa an eine zähflüssige Gummilösung dachten, so glauben wir von
-dem Rechten nicht weit abgewichen zu sein. <i>Reichert</i> protestirt
-dagegen, die Pseudopodiensubstanz für <em class="gesperrt">tropfbar flüssig</em> zu
-halten. Ich glaube nicht, dass sich bisher Jemand dieser Worte zur
-Bezeichnung der Dichtigkeit der Fadensubstanz bedient hat. Aber auch
-mit flüssigem Wachs oder Schleim will er sie nicht vergleichen. Er
-nennt sie <em class="gesperrt">fest-weich</em> (p. 652), ausserordentlich weich und
-biegsam, und hebt an ihnen die bemerkenswerthe Eigenschaft des leichten
-Adhaerirens aneinander hervor, welches aber durchaus verschieden sein
-soll von dem, was die früheren Beobachter das Ineinanderfliessen zweier
-oder mehrerer Pseudopodien genannt haben.</p>
-
-<p>Statt aller Discussion über den die Consistenz am passendsten
-bezeichnenden Ausdruck, welche in einen Wortstreit ausarten muss,
-da wir streng genommen, wie <i>Brücke</i> gewiss sehr richtig
-hervorhebt<a id="FNAnker_23" href="#Fussnote_23" class="fnanchor">[23]</a>,<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> die für die Aggregatzustände lebloser Körper
-erfundenen Ausdrücke auf belebte nicht ohne Weiteres anwenden können,
-wollen wir die Erscheinungen studiren, welche uns einen Begriff von
-der Consistenz der Pseudopodiensubstanz geben können. Wir wollen hier
-zuerst anführen, was wir beim Aneinanderstossen zweier auf ihrem Wege
-sich begegnender Pseudopodien beobachten; sodann die Aufnahme fremder
-Körper in die Pseudopodiensubstanz besprechen.</p>
-
-<p id="Aufeinanderstossen">Verfolgt man an einer eben auf den Objectträger gebrachten Miliolide
-das Ausstrecken der Pseudopodien, so bemerkt man, dass alle schnell
-und in gerader Linie sich verlängernden Fäden an dem Ende abgerundet
-oder mit einer kolbenförmigen Anschwellung versehen sind, welche bald
-kuglig, bald herzförmig oder cylindrisch wurstförmig gestaltet ist.
-Manchmal ragt aus derselben noch eine feine Spitze hervor, welche an
-ihrem Ende auch wieder angeschwollen sein kann. Die Endanschwellung des
-Fadens ist körnig wie der ganze Faden, doch sind bei den Milioliden
-wie bei den meisten Foraminiferen mit Kalkschale die Körnchen kleiner,
-als bei Gromia oviformis, von der ich sie in möglichst naturgetreuer
-Lagerung auf der ersten Tafel meines oben citirten Werkes abgebildet
-habe. Es gehört eine klare, mindestens 4–500 mal. Vergrösserung dazu,
-um ohne zu grosse Anstrengung der Augen ihrem Spiel längere Zeit
-genau folgen zu können. Die Körnchen der Endanschwellung sind wie
-die letztere selbst in einer unruhig zitternden Bewegung. Während
-letztere im Vorrücken wie tastend hin und her schwankt, fliessen von
-der Basis des Fadens her stets neue Körnchen zu und gehen zum Theil
-an dem Ende des Fadens umkehrend in die rückläufige Bewegung über.
-Hat sich ein solcher Faden auf eine ansehnliche Länge ausgedehnt,
-ohne auf einen anderen Faden oder ein Hinderniss gestossen zu sein,
-so biegt er sich oft unter einem ziemlich genau rechten Winkel um und
-bewegt sich jetzt in der neuen Richtung vorwärts, als wisse er, auf
-diesem Wege einigen der anderen divergirend ausstrahlenden Pseudopodien
-zu begegnen. Höchst merkwürdig sind nun die Erscheinungen, wenn ein
-solches Begegnen eintritt, wenn ein geknöpfter Faden in seinem Laufe
-auf einen anderen stösst. Im Momente der Berührung zertheilt sich
-die<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> knopfförmige Anschwellung wie eine platzende, mit Flüssigkeit
-gefüllte Blase und mischt ihre Substanz der des begegnenden Fadens bei.
-Genau wie wenn ein kleinerer Fetttropfen in einem grösseren aufgeht,
-so verschmilzt die Substanz des knopfförmigen Pseudopodienendes,
-indem die Körnchen mit einem Ruck auseinanderfahren, mit dem daneben
-hinziehenden Protoplasmastrome. So namentlich immer wenn letzterer
-recht breit ist; der dünnere Faden muss jetzt dem dickeren folgen,
-ihr Strombett ist ein gemeinschaftliches geworden. Trifft dagegen der
-vorrückende Faden auf einen dünneren als er selbst ist, so beobachtete
-ich mehrere Male, namentlich wenn ersterer unter rechtem oder nahezu
-rechtem Winkel auf den in seinem Wege hinziehenden feineren stiess,
-dass zwar eine Verschmelzung stattfand, der dickere aber seinen Weg
-in der ursprünglichen Richtung fortsetzte. Durch eine verkittende und
-die Winkel der kreuzweis verschmolzenen Fäden ausfüllende Masse mit
-dem anderen organisch verbunden liess er sich in seiner ursprünglichen
-Richtung nicht stören; verlängerte sich vielmehr noch auf eine lange
-Strecke.</p>
-
-<p>Sehr oft begegnet es einem, dass, wenn man den Moment der Verschmelzung
-zweier einander entgegenlaufender Fäden erwartet, dieselben in
-verschiedenen Ebenen übereinander hinwegziehen. Ja die Verschmelzung
-scheint ausbleiben zu können auch bei directer Berührung. Es muss
-danach wahrscheinlich ein Act der Willkür mitwirken, oder es
-ist ein Hinderniss zu überwinden, wie zwei Fetttropfen oft erst
-zusammenfliessen, wenn sie mit einer Nadel angestochen werden.</p>
-
-<p>Dass die Willkür mit im Spiele ist, geht schon daraus hervor, dass
-die Verschmelzung bei aneinanderstossenden Fäden <em class="gesperrt">verschiedener</em>
-Individuen bestimmt nicht stattfindet, wie ich mich bei dicht
-nebeneinander auf die Objectträger gebrachten Individuen sehr oft
-überzeugt habe. Die Fäden weichen dann vor ihres Gleichen wie vor einem
-schlimmen Feinde zurück.</p>
-
-<p>Wie die mitgetheilte Beobachtung des plötzlichen Auseinanderfahrens der
-Körnchen im Momente des Ueberganges der Substanz des einen Fadens in
-den anderen, so halte ich auch den so leicht zu beobachtenden Uebergang
-eines gleitenden Körnchens auf einen anderen Faden für beweisend für
-die Verschmelzung solcher Fäden. Die Substanz zweier Pseudopodien
-<em class="gesperrt">muss wenigstens an der Oberfläche</em> ineinandergeflossen sein,
-wenn ein Körnchen aus einer<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> in die andere übergeht. Da kann von einem
-blossen Aneinanderkleben nicht die Rede sein.</p>
-
-<p id="Aufnahme_fremder_Koerper">Sehr belehrend für die Beurtheilung der Consistenz der Pseudopodien und
-die Natur der Körnchenbewegung sind folgende Beobachtungen über die
-Aufnahme fremder Körper in das Innere derselben. Fast an jedem Thiere
-mit ausgestreckten Pseudopodien sieht man, dass hier oder dort ein
-kleiner fremder Körper dem Faden entlang zieht nach Art der Körnchen.
-<i>Joh. Müller</i> machte zuerst auf dies Verhalten ausdrücklich
-aufmerksam, indem er sagt (Die Thalassicollen, Polycystinen und
-Acanthometren etc. p. 9): »Wichtig ist was bisher an den Pseudopodien
-der Rhizopoden noch nicht gesehen war und was ich in vielen Fällen an
-Polycystinen feststellen konnte, dass mit den an der Oberfläche der
-Fäden in wechselnder Richtung fortgeführten Körnchen auch benachbarte
-fremde Körper, ganze Schleimklümpchen, unregelmässige Körnerhaufen in
-die gleiche Strömung entlang den Fäden gerathen.« <i>E. Haeckel</i> hat
-neuerdings diese Beobachtungen für die Radiolarien unter anderem durch
-Fütterung mit Carmin bestätigt<a id="FNAnker_24" href="#Fussnote_24" class="fnanchor">[24]</a>, und ist es sehr leicht, sich von
-der Richtigkeit derselben auch für die Polythalamien zu überzeugen.
-Ich brachte Milioliden auf dem Objectträger in einen Tropfen
-Seewasser, dem vorher ein wenig feinzertheilter Carmin zugesetzt war.
-Die Menge desselben darf nicht gross sein, damit die Beobachtung
-der zarten Pseudopodien nicht gehindert werde. Schon die ersten
-hervorgestreckten Fäden eignen sich einen Theil der ihnen im Wege
-liegenden Carminkörnchen an. Man sieht die Farbstoffkörnchen an dem
-Faden gleich nach der Berührung festkleben und sich mit den Körnchen
-der Substanz desselben centripetal und centrifugal fortbewegen.
-Hat man einem Thier Zeit gelassen seine Fäden recht vollständig
-auszustrecken, und beobachtet nachdem das Thier etwa &#188; Stunde mit
-dem Carmin in Berührung war, so bietet sich das überraschende und
-wahrhaft prächtige Schauspiel dar, dass alle Pseudopodien eine gewisse
-Menge von Carminkörnchen enthalten, welche, je kleiner sie sind, um
-so lebhafter an der Bewegung der den Pseudopodien eigenen Körnchen
-theilnehmen. Einige gleiten dem peripherischen Ende des Fadens zu,
-andere, und zwar der grössere Theil, werden in entgegengesetzter
-Richtung fortgeführt und in das Innere<span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> des Thierkörpers aufgenommen.
-Oft stockt die Bewegung eines Körnchens plötzlich, und erst wie nach
-kurzem Besinnen geht sie fort oder in die entgegengesetzte über. Dabei
-kommt an den Carminkörnchen dasselbe Zittern und Schwanken wie bei der
-Molekularbewegung vor, welches <i>Reichert</i> als <em class="gesperrt">hüpfende</em>
-Körnchen bezeichnet und zu Gunsten seiner Schlingentheorie verwendet
-(l.&#160;c. p. 650). Ein Carminkörnchen überholt das andere, von zwei
-sich begegnenden kehrt eins mit dem anderen um. Endlich sieht man wo
-Anastomosen sind, die Farbstoffkörnchen so gut wie die anderen aus
-einem Faden in den anderen hinüberlaufen. Kurz, das Verhalten ist genau
-dasselbe, wie es uns von der Körnchenbewegung überhaupt bekannt ist,
-nur viel leichter zu beobachten entsprechend der Grösse und intensiven
-Färbung der Carminkörnchen.</p>
-
-<p>Oft beobachtete ich, dass auch grössere Klümpchen Carmin, wie sie durch
-Zusammenkleben zahlreicher kleiner entstehen, selbst wenn sie einen
-mehr als zehnfach grösseren Durchmesser als die Fäden haben, doch mit
-fortgeschleppt wurden. So gelangen auch andere oft ziemlich grosse
-fremde Körper in den Körnchenstrom.</p>
-
-<p>Der erste von mir verwandte Carmin war, wie häufig der Fall ist,
-mit Stärkemehl verfälscht. Es dauerte nicht lange, so bewegten
-sich den ausgestreckten Pseudopodien entlang eine Menge grosser
-Stärkemehlkörner, welche der Oberfläche der klebrigen Fäden
-anhingen. Sie wurden in grosser Masse an der Basis der Fäden an der
-Schalenmündung angehäuft und in das Innere des Körpers aufgenommen.
-Ich habe dann die Versuche mit reinem Stärkemehl wiederholt und mit
-demselben Erfolge. Auch bei ihnen kann man die doppelte, die hin- und
-rücklaufende Bewegung beobachten, doch geht der Hauptstrom der Schale
-zu. Als besonders wichtig ist hier noch hervorzuheben, dass die Fäden,
-an welchen die centripetale Strömung beobachtet wird, sich nicht im
-Ganzen verkürzen, sondern unverändert ihre Länge beibehalten oder
-sich <em class="gesperrt">fortwährend noch verlängern</em>. Ein Faden, welcher in der
-lebhaftesten Streckung begriffen ist, zeigt neben dem centrifugalen
-auch den umgekehrten Strom seiner Körnchen, und wenn er einen fremden
-Körper aufnahm und derselbe nicht zu gross ist, kann auch dieser an der
-Strömung theilnehmen. Ebenso beobachtete ich oft auf das Deutlichste,
-dass an einem in der Retraction begriffenen Faden die centrifugale
-Strömung noch deutlich fortdauerte. Sie hört erst auf wenn die
-störenden Einflüsse, welche die Retraction hervorriefen, Erschütterung,
-chemische<span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span> Reagentien, Schläge des Inductionsapparates, ihre Wirkung in
-weiterer Umgebung äussern.</p>
-
-<p>Die Milioliden, welche mir zu meinen Versuchen dienten, bemächtigten
-sich des Carmines oder Stärkemehles so gierig, dass wenn dieselben
-einige Stunden in einem Uhrglas mit diesen Substanzen in Berührung
-gewesen waren, fast der ganze Körper, welcher in der Schale verborgen
-liegt, mit ihnen dicht erfüllt war, wie nach dem Auflösen der Schale in
-Säuren erkannt wurde.</p>
-
-<p>Diese Versuche sind in mehrfacher Beziehung von hohem Interesse. Sie
-lehren zunächst, dass die Consistenz der Pseudopodien-Oberfläche eine
-so geringe ist, dass fremde Körper, welche an dieselbe anstossen, fast
-augenblicklich in dieselbe aufgenommen werden können. Weiter beweisen
-sie auf das schlagendste die von <i>Reichert</i> bestrittene, einem
-Fliessen vergleichbare Bewegung der Körnchen in der Substanz derselben.
-Sie lehren auf das Unzweideutigste, dass mit der Körnchenbewegung eine
-Veränderung der Lage der Theile Hand in Hand geht, welche nicht bloss
-Wellenbewegung ist. Endlich geben sie uns ein Mittel an die Hand, aus
-der Lagerung der in die Schale aufgenommenen fremden Körper diejenigen
-Theile des Thieres zu bestimmen, welche zur Nahrungsaufnahme und
-Verdauung dienen.</p>
-
-<p id="verschiedene_Consistenz">Wer viele verschiedene Arten von Rhizopoden aufmerksam untersucht
-hat, weiss sehr wohl, dass ihre Pseudopodien eine sehr verschiedene
-Consistenz und demnach auch eine sehr verschiedene Neigung zum
-Zusammenfliessen haben können. Es ist dasselbe Verhältniss wie mit
-dem Protoplasma verschiedener Zellen und verschiedener Theile einer
-Zelle. Unter den Gromiden treten die Extreme am schärfsten hervor bei
-den beiden Arten, welche ich als <em class="gesperrt">Gromia oviformis</em> und <em class="gesperrt">Gromia
-Dujardinii</em> beschrieb<a id="FNAnker_25" href="#Fussnote_25" class="fnanchor">[25]</a>.</p>
-
-<p>Letztere Art, welche ich zuerst bei Ancona im adriatischen Meere,
-sodann bei Helgoland auffand, habe ich wieder an der englischen Küste
-beobachtet und noch jetzt lebend in meinen Gläsern. Sie ist nach ihrer
-Schalenbildung von den Gromiden nicht zu trennen, unterscheidet sich
-aber von der erstgenannten Art durch die, soweit unsere Vergrösserungen
-reichen, <em class="gesperrt">vollkommen hyaline</em> Beschaffenheit der von ihr
-ausgesandten Fäden. Diese sind äusserst träge in ihren Bewegungen,
-so starr und fest, dass sie keine Neigung zum Zusammenfliessen<span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span>
-zeigen, auch wenn sie sich berühren. Von Bewegungen der Substanz,
-welche mit der Körnchenbewegung verglichen werden könnten, zeigen sie
-nicht das Geringste. Aber sie verästeln sich, wenn sie sich längere
-Zeit ungestört ausbreiten konnten (vergl. meine Abbildung l.&#160;c. Taf.
-VII, Fig. 1). Obgleich die Substanz ziemlich stark lichtbrechend
-ist, scharfe Grenzcontouren gegen das umgebende Wasser zeigt, ist an
-verästelten Fäden doch nicht die geringste Spur davon zu sehen, dass
-ein solcher von der Basis an aus mehreren nur lose aneinanderliegenden
-Fäden zusammengesetzt sei.</p>
-
-<p>Zwischen diesen beiden Extremen liegen offenbar manche in der Mitte. So
-sind die körnerarmen Miliolidenpseudopodien allem Anschein nach etwas
-fester als die der Gromia oviformis, wie aus der ungleich langsameren
-Bewegung und dem seltener eintretenden vollständigen Zusammenfliessen
-gefolgert werden kann.</p>
-
-<p id="Consistenz_bei_gleicher_Pseudopodie">Aber auch an einem und demselben Thiere kann festere und flüssigere,
-hyaline und körnerreiche Substanz der Pseudopodien zusammen vorkommen.
-Gerade so wie bei vielen Amoeben eine hyaline Grenzschicht das
-körnerreiche Innere bedeckt und beide zusammen erst den Körper der
-Amoebe darstellen<a id="FNAnker_26" href="#Fussnote_26" class="fnanchor">[26]</a>, so giebt es Pseudopodien, <em class="gesperrt">deren Axe ein
-hyaliner, und wie es scheint festerer Faden ist, auf dessen Oberfläche
-die körnerreiche, weichere Substanz sich bewegt</em>. Dieses höchst
-merkwürdige Verhalten findet sich nach meinen Beobachtungen an den
-Pseudopodien von <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em>.</p>
-
-<p>Es ist über dies Thier, welches offenbar unter allen Rhizopoden
-des süssen Wassers den Radiolarien des Meeres am nächsten steht,
-viel Wichtiges geschrieben. Dennoch sind einige beachtenswerthe
-Organisationsverhältnisse desselben nicht genügend aufgeklärt. Dahin
-gehört u.&#160;A. das Verhältniss der Pseudopodien zu der Körpersubstanz,
-der Bau der Pseudopodien selbst, und endlich der Unterschied in der
-Bildung des undurchsichtigeren Centraltheiles und der durchsichtigeren
-Rinde. Da diese Verhältnisse für die Lehre vom Protoplasma der
-Rhizopoden überhaupt von Interesse sind, so mögen meine bezüglichen
-Beobachtungen hier eine Stelle finden.</p>
-
-<p>Die Pseudopodien, welche von dem kugelrunden Thiere nach allen
-Richtungen gleichmässig ausstrahlen, gleichen auf den ersten Blick
-starren, steifen Borsten, so wenig Bewegung ist an ihnen zu<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> bemerken.
-Dennoch bestehen sie bekanntlich aus einer contractilen Substanz. Man
-gewahrt hie und da Biegungen, selbst Schlängelungen an ihnen, sie
-besitzen das Vermögen der Retraction, doch alle Gestaltveränderungen
-kommen bei ihnen nur sehr langsam zu Stande. Wie an den Pseudopodien
-ihrer nächsten Verwandten, der Radiolarien, so ist auch an ihnen eine
-Körnchenbewegung zu beobachten. Doch auch diese läuft ausserordentlich
-langsam ab, so dass sie <i>Ehrenberg</i>, <i>Kölliker</i>, <i>Stein</i>
-und anderen früheren Beobachtern entgangen war. <i>Claparède</i> hat
-sie, wie uns <i>Joh. Müller</i><a id="FNAnker_27" href="#Fussnote_27" class="fnanchor">[27]</a> berichtet, zuerst gesehen, doch
-war 1858 <i>Joh. Müller</i> noch unbekannt, »ob die Körnchenbewegung
-in den strahligen Fäden der Actinophrys eine nur innere, oder auch
-äusserlich ist«<a id="FNAnker_28" href="#Fussnote_28" class="fnanchor">[28]</a>. Die Entscheidung verlangte die Anwendung stärkerer
-und besserer Vergrösserungen. Mit Hülfe solcher (<i>Zeiss</i> System
-F, <i>Hartnack</i> 9 und 10) erkannte ich bis dahin übersehene
-Verhältnisse des feineren Baues und Ursprunges dieser Pseudopodien.
-Dieselben bestehen nach meinen Untersuchungen aus einem hyalinen,
-<em class="gesperrt">festeren Axenfaden</em> und einer weichen, klebrigen, körnigen,
-<em class="gesperrt">beweglicheren Rindensubstanz</em>. Nur in letzterer ist der Sitz der
-Körnchenbewegung, welche danach eine nur äusserliche ist. Körnchen in
-dem Axenfaden müssen, wenn sie vorkommen, zu den Seltenheiten gehören,
-ich habe keine solchen mit Sicherheit wahrnehmen können.</p>
-
-<p id="Zusammensetzung_bei_Actinophrys">Die bisherigen Beobachter nehmen die Pseudopodien von
-<em class="gesperrt">Actinophrys</em> als einfache Fortsetzungen der äussersten
-Rinde des Körpers, und <i>Joh. Müller</i> hebt dieses Verhältniss
-den <em class="gesperrt">Acanthometren</em> gegenüber hervor, bei denen nach
-<i>Claparède’s</i> Beobachtungen die Pseudopodien unter der Hautschicht
-sich bis in die tiefere organische Masse verfolgen lassen<a id="FNAnker_29" href="#Fussnote_29" class="fnanchor">[29]</a>.
-<a id="Verhaeltnis_zum_Thierkoerper"></a>Dennoch scheint kein erheblicher Unterschied in dem Ursprunge der
-Pseudopodien der Actinophrys und der Acanthometren zu bestehen. Ich
-finde nämlich, dass bei Act. <em class="gesperrt">Eichhornii</em> alle Strahlenfäden
-mittelst ihrer hyalinen Axe aus dem <em class="gesperrt">Inneren</em> des Thierkörpers
-entspringen. Ich konnte sie immer radiär durch die Hautschicht bis auf
-die Oberfläche der dunkleren Marksubstanz verfolgen. Die bewegliche
-körnige Rinde der Fäden stammt dagegen deutlich von der äussersten
-Hautschicht der Actinophrys ab.<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> Dabei ist sehr bemerkenswerth,
-dass oft mehrere hyaline Axenfäden welche nebeneinander, doch von
-getrennten Stellen der Oberfläche der Marksubstanz entspringen, sich
-zu einem gemeinschaftlichen Faden aneinander legen. Diese Verbindung
-tritt gewöhnlich während ihres Verlaufes durch die Rindensubstanz
-ein, kann aber auch noch ausserhalb des Körpers zu Stande kommen. Die
-Berührungsgrenzen verschwinden nicht immer ganz vollständig. Solche
-componirte Strahlen erhalten aber immer einen <em class="gesperrt">gemeinschaftlichen
-Ueberzug</em> von der weicheren körnigen Masse der äusseren Schicht des
-Thierkörpers, welche sich wie eine Scheide um sie herum legt. <a id="Verschmelzung_an_Oberflaeche"></a>Kommt
-die Verbindung erst ausserhalb des Körpers zu Stande, so ist es das,
-was man Verschmelzung zweier Pseudopodien genannt hat<a id="FNAnker_30" href="#Fussnote_30" class="fnanchor">[30]</a>. In diesem
-Falle besitzt jeder Faden bereits einen körnigen Ueberzug. Mittelst
-dieses verschmelzen sie in der That so schnell und vollständig, wie
-die Verschmelzung nur bei den Pseudopodien der Polythalamien zu Stande
-kommt. <em class="gesperrt">Aber die starren hyalinen Axenfäden laufen unverschmolzen
-noch nebeneinander.</em> Vielleicht dass allmählich auch hier eine
-innigere Verbindung, ein vollständiges Verschmelzen eintritt. So
-scheint <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em> in ihren Pseudopodien die
-<em class="gesperrt">beiden Substanzen nebeneinander</em> zu besitzen, welche getrennt
-bei Gromia oviformis und Dujardinii vorkommen, eine hyaline, festere,
-zur Verschmelzung wenig oder gar nicht geneigte Axensubstanz und eine
-zerfliesslich weiche Rinde mit Körnchenbewegung.</p>
-
-<p>Ausser der Beobachtung des lebenden Thieres im unveränderten Zustande
-giebt es noch manche künstliche Mittel, sich von dem eben geschilderten
-Baue der Pseudopodien von Actinophrys zu überzeugen. Sehr belehrend
-ist folgende Beobachtung. Legt man auf ein recht lebenskräftiges, noch
-nicht lange in der Gefangenschaft gehaltenes Thier mit ausgestreckten
-Pseudopodien ein Deckglas, so dass ein mässiger Druck ausgeübt und das
-Thier abgeplattet wird, so zieht dasselbe die Pseudopodien langsam
-zurück. Dabei verändert sich das Aussehen der letzteren, die körnige
-Rinde schmilzt auf einzelne Klümpchen zusammen, welche spindelförmig
-den hyalinen Centralfaden umgeben. Der vorher glatte Faden sieht
-varikös aus. Ein so veränderter Faden zieht sich immer mehr zurück,
-legt sich dabei auch wohl in Biegungen um. Wo nun eine dieser
-spindelförmigen Anhäufungen<span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span> der Rindensubstanz mit der Oberfläche des
-Thierkörpers in Berührung kommt, fliesst sie mit einem plötzlichen
-Ruck, wie wenn ein Fetttropfen in einem andern aufgeht, in die
-Rindensubstanz des Thierkörpers über. Der Vorgang ist ganz entscheidend
-für den schleimig flüssigen Aggregatzustand der in Rede stehenden
-Substanzen, und beweist, dass eine besondere Membran auf der Oberfläche
-der Pseudopodien nicht existirt.</p>
-
-<p id="Reagentien_und_Actinophrys">Ganz ähnlich ist die Veränderung der Pseudopodien bei Zusatz sehr
-verdünnter Säuren und Alkalien. Wirkt z.&#160;B. sehr stark verdünnte
-Essigsäure auf das Thier ein, so zieht sich die weiche Rinde der
-Fäden schnell auf einzelne spindelförmige Klümpchen zusammen, deren
-6, 8 und mehr hintereinander an einem Faden auftreten. Die Axe
-scheint unverändert, aber der Zusammenhang der Rindensubstanz ist
-unterbrochen, die Körnchenbewegung hat aufgehört. Der Faden zieht sich
-noch langsam zusammen, wenn die Essigsäure nicht so stark einwirkte,
-dass die Contractilität aufgehoben wurde. Aehnlich wirken sehr stark
-verdünnte Alkalien, Lösungen von <em class="gesperrt">Strychnin</em> und <em class="gesperrt">Veratrin</em>.
-Ob letzteren eine specifische Wirkung zukommt, bleibt zweifelhaft,
-da die Alkalescenz der Lösungen schon allein an den Veränderungen
-Schuld sein kann. So vermag ich auch keinen specifischen Einfluss in
-der Einwirkung der Schläge des Magnetelektromotors auf Actinophrys zu
-entdecken. Bei einer gewissen Stärke der Schläge tritt Contraction
-der Pseudopodien mit Varikositätenbildung ein, wie bei Zusatz der
-genannten Reagentien. Bei kräftigeren Schlägen löst sich das Thier auf.
-Auf die Körnchenbewegung wirken die Inductionsschläge so wenig als
-der constante Strom hemmend oder fördernd. Die Wirkung tritt erst ein
-mit den beschriebenen Erscheinungen der Contraction, welche durch die
-verschiedensten Mittel hervorgerufen werden können.</p>
-
-<p>Bei allen diesen Einwirkungen zeigen wieder die spindelförmigen
-Anschwellungen, so lange die Masse noch lebt, eine grosse Neigung mit
-ähnlichen benachbarter Fäden zusammenzufliessen, bei welchem Vorgange
-immer die hyaline Axe eine mehr passive Rolle spielt.</p>
-
-<p id="Einfluss_der_Waerme">Auch den Einfluss höherer Temperaturgrade will ich hier erwähnen, da er
-ein ähnlicher ist wie der bisher besprochenen Agentien. Bei 35–38° C.
-beginnt die Contraction der Pseudopodien und gleichzeitig sammelt sich
-wieder die weiche, körnige Rindensubstanz in einzelnen spindelförmigen
-Klümpchen auf der Oberfläche des Axenfadens.<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span> Die Pseudopodien ziehen
-sich vollständig zurück, und man könnte das Thier für todt halten,
-was es jedoch nicht ist, da die langsam fortschreitende Bewegung
-einzelner Körnchen im Innern in den Scheidewänden zwischen den
-Vacuolen fortdauert, und <em class="gesperrt">keine Trübung</em> der Substanz, auch nicht
-der gleich unten zu erwähnenden, sehr eiweissreichen zellenartigen
-Körperchen eintritt. Mehrere Stunden in diesem Zustande unter dem
-Deckglase aufbewahrte Thiere erhielten sich, ohne dass eine Andeutung
-von Zersetzung eintrat, behielten vielmehr ihr vollkommen unverändertes
-Aussehen. So stimmen meine Beobachtungen bezüglich des Einziehens der
-Fäden bei 35° C. mit den von <i>Kühne</i> bei einer Art Actinophrys des
-Meerwassers angestellten<a id="FNAnker_31" href="#Fussnote_31" class="fnanchor">[31]</a> überein. Sie weichen dagegen ab was die
-Angabe des Temperaturgrades betrifft, bei welchem die Körpersubstanz
-der Actinophrys gerinnt, trübe wird, erstarrt, abstirbt, kurz in
-einen Zustand geräth, der mit der von <i>Kühne</i> für die Muskeln
-entdeckten <em class="gesperrt">Wärmestarre</em> übereinstimmt. Nach <i>Kühne</i> tritt
-diese Wärmestarre bei Actinophrys und den Amoeben schon bei 35° C.
-ein. Ich habe <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em> in vielen Exemplaren
-successive erwärmt und gefunden, dass <em class="gesperrt">erst bei 43° C.</em> eine
-Veränderung Platz greift, welche als Gerinnung, Wärmestarre und Tod
-angesprochen werden kann. Möglich, dass das <em class="gesperrt">Meerwasser</em>, aus
-welchem <i>Kühne</i> seine Thiere entnahm, einen Unterschied bedingt.
-Ich operirte auf folgende Weise. Zunächst bemerke ich, dass ich mich
-eines <i>Geisler</i>’schen Thermometers bediente, welches für die Grade
-30–50 noch speciell mit <i>Geisler’s</i> Normalthermometer verglichen
-wurde. Zur Bestimmung der Temperaturgrade wandte ich anfangs einen
-Apparat zum Luftbade an, wie er in chemischen Laboratorien gebräuchlich
-ist, welcher wie ein Brütofen leicht auf constanter Temperatur erhalten
-werden konnte. Da ich jedoch sehr geringe Differenzen auf diese Weise
-nicht gut normiren konnte, bediente ich mich zuletzt des Wasserbades.
-In dieses, welches schnell jede Abstufung der Temperatur gestattete
-und ebenfalls sehr leicht auf constanter Temperatur zu erhalten war,
-brachte ich die Thiere auf dem Objectträger, nachdem sie vor dem
-Experiment genau gemustert worden waren; vorher wurde das Deckgläschen
-mit mehreren Wachströpfchen am Rande befestigt. Auf diese Weise konnte
-leicht dasselbe Individuum zu wiederholten Experimenten<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> fixirt
-werden, und da der Objectträger unmittelbar neben das Thermometer in
-eine ziemlich ansehnliche Wassermenge gebracht und volle 2 Minuten
-in derselben gelassen wurde, so war genügende Sicherheit bezüglich
-des Temperaturgrades, welcher eingewirkt hatte gegeben. Oder ich
-brachte eine an verschiedenartigen Thieren reiche Portion Wasser in
-einem Reagensglase in das Wasserbad neben das Thermometer und führte
-letzteres zur Controle in das im Reagensglase enthaltene Wasser selbst
-ein. Die Gerinnung der Körpersubstanz von Actinophrys Eichhornii
-lässt sich sehr scharf erkennen an dem plötzlichen Hervortreten der
-eiweissreichen zellenartigen Körperchen der Marksubstanz, von denen
-nachher die Rede sein wird. Dieselben sind im Leben nur mit grosser
-Mühe wahrnehmbar, treten aber im Momente der Gerinnung mit scharfen
-Contouren und mit ihren mehrfachen kleinen Kernen sehr deutlich
-hervor. Diese Veränderung beobachtet man bei 43° C. Es fragt sich
-aber noch, bei welcher Temperatur der Tod des Thieres eintritt. Sind
-die Pseudopodien eingezogen, was schon bei 35–38° C. geschieht, so
-erscheint das Thier ein lebloser Klumpen. Hat man Actinophrys in einer
-grösseren Wassermenge im Reagensglase erwärmt und untersucht, nach
-12–24 Stunden, so kann man erwarten, dass, wenn das Thier lebensfähig
-blieb, dasselbe jetzt auch wieder deutliche Lebenszeichen abgebe,
-andrerseits dass, wenn dasselbe getödtet worden, sich jetzt Zeichen
-beginnender Zersetzung geltend machen. Auf diese Weise konnte ich die
-aufgeworfene Frage mit aller wünschenswerthen Genauigkeit beantworten.
-<em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii erhält sich bis 42° C. lebendig.</em> Thiere,
-welche dieser Temperatur ausgesetzt waren, fand ich nach 12–24 Stunden
-stets ohne Spuren beginnender Zersetzung und mehrere Male mit <em class="gesperrt">neu
-ausgestreckten</em> Pseudopodien, deren Zahl freilich gering, deren
-Bewegungen sehr träge waren, an denen ich aber die Körnchenbewegung mit
-dem Ocular-Mikrometer auf das Deutlichste constatiren konnte.</p>
-
-<p>Es ist auffallend und mit Rücksicht auf die <i>Kühne</i>’schen
-Untersuchungen über die Wärmestarre der kalt- und warmblütigen
-Wirbelthiere<a id="FNAnker_32" href="#Fussnote_32" class="fnanchor">[32]</a> besonders interessant, dass auch bei den Wirbellosen
-nicht unbedeutende Verschiedenheiten bezüglich des Eintrittes der
-Wärmestarre vorkommen. Ohne sehr umfassende Beobachtungsreihen bisher
-angestellt zu haben, konnte ich doch wiederholt bemerken,<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> dass,
-während Vorticellen schon bei 41° C. abzusterben pflegen, Difflugia,
-Actinophrys und Amoeba (radiosa Ehrb.) noch bei 42° lebendig bleiben,
-letztere hatte sich in einem Falle sogar nach der Einwirkung von 43° C.
-in Bewegung erhalten. Difflugia sah ich, nachdem sie 12 Stunden
-Zeit gehabt hatte sich nach dem warmen Bade von 42° zu erholen, in
-lebhafter Bewegung umherkriechen. Anguillulinen, Turbellarien, Naiden,
-Räderthiere und Ostracoden leben bei 43° noch munter fort und ertragen
-eine Temperatur bis 45°, wenn auch nicht alle Exemplare. Auch eine
-der häufigen Flagellaten unter den Infusorien, Bodo, war bei 44° in
-mehreren Exemplaren lebendig geblieben. Oscillatorien des Meerwassers
-sah ich bei 42° ihre Bewegungen einstellen, während Anguillulinen in
-diesem Wasser bei gleicher Temperatur munter fortlebten. Wir werden
-unten noch den Einfluss höherer Temperaturgrade auf das Protoplasma der
-Pflanzenzellen besprechen und dann auf die eben angeführten Thatsachen
-verweisen.</p>
-
-<p id="zellenartige_Koerperchen">Doch kehren wir zu unserer Actinophrys Eichhornii zurück. Verfolgt
-man die hyaline Axe der Pseudopodien derselben bis zu ihrer Wurzel
-an der Oberfläche des dunkleren Kernes, so gewahrt man, wie sie sich
-hier in die Wände der kleinen Alveolen verlieren. Da diese Wände
-Körnchen enthalten, die sich aber nicht oder nur ausnahmsweise ein
-wenig bewegen, so kann möglicherweise auch in die Masse der Fadenaxe
-ein Körnchen eintreten, doch ist das nicht gewöhnlich. Bei meinen
-Versuchen, die Wurzel der Pseudopodien genauer zu verfolgen, stiess
-ich auf zahlreiche zellenartige Körperchen in der Rinde des Kernes,
-welche in der von mir gefundenen Zahl und Lagerung bis dahin unbekannt
-waren. <i>Kölliker</i> erwähnt in seiner Beschreibung der Actinophrys
-sol<a id="FNAnker_33" href="#Fussnote_33" class="fnanchor">[33]</a>, welche aber Act. Eichhornii ist, zellenartige Körperchen,
-deren er 10–12 in einem Thiere vermuthet und die er auch isoliren
-konnte. Es sind zweifelsohne dieselben von welchen ich reden will.
-Auch <i>E. Haeckel</i> hat sie gesehen und erwähnt ihrer in seiner
-Monographie der Radiolarien p. 165 als kernartige Körperchen. Schon
-bei schwacher Vergrösserung erkennt man sie an einem eigenthümlichen
-Glanz in situ. Sehr deutlich treten sie hervor, wenn man das Thier
-durch Erwärmung des Objectträgers über 42° C. tödtet. Jetzt erkennt
-man bei<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span> starker Vergrösserung deutlich, dass die Gebilde in der Rinde
-der dunkleren Marksubstanz zerstreut liegen, und glaube ich, dass
-sie auch auf diese beschränkt sind. Ihre Zahl erreicht bei grösseren
-Thieren 40 und darüber. Es sind äusserst zartwandige kuglige Gebilde
-mit gerinnbarem, eiweissartigem Inhalte und meist zahlreichen kleinen,
-wie es scheint homogenen Kernen. Ich habe sie zu verschiedenen
-Jahreszeiten untersucht, aber bisher immer fast genau gleich gefunden;
-die Zahl der Kerne variirt von 2–8. Mit der Wurzel der Pseudopodien
-stehen sie in keinem Zusammenhange. Bei Anwendung verschiedenster, den
-Actinophryskörper langsam lösender chemischer Agentien treten sie meist
-als resistentere Gebilde sehr deutlich hervor.</p>
-
-<p id="Vergleiche">Die sehr bemerkenswerthe Structur der Actinophrys-Pseudopodien
-scheint sich bei manchen Radiolarien des Meeres zu wiederholen.
-Die Pseudopodien der letzteren gleichen in ihrer Starrheit, ihren
-meist langsamen Bewegungen ganz denen der Actinophrys. Bei den
-Acanthometren lassen sie sich, wie bereits erwähnt wurde, durch die
-Rindensubstanz in radiärer Richtung bis in eine tiefere Substanzlage
-verfolgen. Und auf eine Zusammensetzung derselben aus einer hyalinen,
-körnchenlosen, festeren Axe und einer körnerreichen Rinde glaube ich
-<i>Haeckel’s</i> Angaben (l.&#160;c. p. 111 u. 112) deuten zu können.
-Nach denselben kommen bei verschiedenen Individuen derselben Arten
-bald hyaline, bald körnerreiche Pseudopodien vor. In letzterem Falle
-sind viele Verästelungen und Anastomosen an den Fäden sichtbar,
-welche bei hyaliner Beschaffenheit der Fadensubstanz fehlen. Die
-Verschmelzung hängt also auch hier wie bei Actinophrys von der
-Anwesenheit der körnerreichen Substanz ab. Als Grund dieses Wechsels
-in der Beschaffenheit der Pseudopodien betrachtet <i>Haeckel</i> die
-verschieden reichliche Nahrungsaufnahme, indem er bei gut genährten
-Thieren, d.&#160;h. solchen welche viele fremde Körper als Nahrung in sich
-enthielten, stets reichliche Körnchenmasse an den Fäden bemerkte,
-während solche mit leerem Körper starre hyaline Fäden hatten. Ich finde
-diese Beobachtungen mit der Annahme nicht unvereinbar, dass auch hier
-die körnerreiche Substanz sich auf der Oberfläche einer hyalinen Axe
-ansammle, und dass in diesen Fällen eine ähnliche Differenzirung der
-Pseudopodiensubstanz obwalte, wie ich bei Actinophrys gefunden habe.
-Künftige Beobachter werden auf diesen Punkt Rücksicht zu nehmen haben.</p>
-
-<p>Fragen wir ob bei den Polythalamien etwas Aehnliches vorkomme,<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span>
-so glaube ich nach den bisherigen Beobachtungen nur mit einem
-sehr bedingten Ja antworten zu können. Die einzig bisher bekannte
-Foraminifere mit <em class="gesperrt">ganz hyalinen</em> Pseudopodien ist die bereits
-erwähnte <em class="gesperrt">Gromia Dujardinii <i>mihi</i></em>. An dieser, obgleich
-ich sie in den verschiedensten Grössen, frisch aus dem Meere und
-nach langer Gefangenschaft, endlich von drei verschiedenen Fundorten
-(Ancona, Helgoland, Weymouth) beobachtet habe, ist mir nie eine
-Spur von Körnchen an den Pseudopodien aufgefallen, auch habe ich
-keine Differenzen in Betreff der Consistenz der Substanz derselben
-nach grösserer oder geringerer Neigung zur Anastomosenbildung
-wahrgenommen. Andrerseits glaube ich, dass der <em class="gesperrt">Gromia oviformis</em>
-eine körnchenlose centrale Axe der ausgestreckten Pseudopodien
-gewiss <em class="gesperrt">nicht</em> zukomme. Denn die äusserst bewegliche Substanz
-erscheint gleichmässig körnig und zerfliesslich, und derartige
-Consistenzunterschiede in der Dicke der Pseudopodien, wie sie bei
-Actinophrys Eichhornii bestehen, sind nicht vorhanden. Wie aber
-bei denjenigen Foraminiferen, deren Pseudopodien bezüglich ihrer
-Beweglichkeit zwischen den beiden genannten Extremen stehen? Hierher
-gehören z.&#160;B. die Milioliden. <a id="Einfluss_von_Reagentien_und_Elektricitaet"></a>Ich glaube, dass Manches was man an den
-Pseudopodien derselben beobachtet, für eine gewisse, wenn auch weniger
-deutlich ausgesprochene Verschiedenheit in der Consistenz von Rinde
-und Axe spricht, vor Allem das Verhalten der Pseudopodien bei Zusatz
-gewisser Reagentien. Salzsäure, Essigsäure, Osmiumsäure, Ammoniak
-im äusserst verdünnten Zustande wirken in ziemlich gleicher Weise
-auf die ausgestreckten Pseudopodien ein, indem sie eine Contraction,
-ein Schrumpfen herbeiführen, sodass der Faden an Dicke abnimmt.
-Dabei tritt dieselbe Erscheinung ein, welche wir an den Fäden der
-Actinophrys beobachteten, dass sich nämlich ein Theil der Substanz
-in spindelförmigen Tropfen auf der Oberfläche eines hyalinen, wie es
-scheint resistenteren, centralen Fadens ansammelt. Die Pseudopodien
-werden exquisit <em class="gesperrt">varikös</em>. Wenn auch die Abgrenzung der beiderlei
-Substanzen bei Miliola nicht so scharf ist wie bei Actinophrys, so
-deutet doch das Auftreten der gleichen beschriebenen Veränderung auf
-eine Verwandtschaft beider im Baue. Wie durch die genannten Reagentien
-kann dieselbe Erscheinung auch durch schnelle Erwärmung bis 45° C.
-und durch kräftige Schläge eines Inductionsapparates herbeigeführt
-werden. Vor dem Einschmelzen und gänzlichen Zerstören durch Wärme oder
-elektrische Ströme tritt wieder <em class="gesperrt">Varikositätenbildung</em> an den<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span>
-Fäden auf, ganz in ähnlicher Weise, wie wir es oben bei Actinophrys
-erwähnten. Die Wärme wirkt nach meinen Versuchen wie bei Actinophrys
-erst mit 43° tödtlich auf die Körpersubstanz der Milioliden. Die
-Pseudopodien schmelzen zwar schon bei 35–38° ein, welche Temperatur
-ihnen offenbar grosses Unbehagen bereitet und sie zu weiteren
-Bewegungen unfähig macht. Der Tod des Thieres erfolgt aber erst mit der
-wirklichen Gerinnung, der Trübung der eiweissartigen Substanzen, nicht
-bloss in den Pseudopodien, sondern auch im Innern der Schale, und diese
-Einwirkung tritt erst bei 42–43° C. ein.</p>
-
-<p>Bezüglich des Einflusses der Schläge des Magnetelektromotors auf
-die ausgestreckten Pseudopodien der Milioliden haben meine Versuche
-ergeben, 1) dass schwache Ströme gar keinen, stärkere einen solchen
-Einfluss ausüben, dass die Pseudopodien sich zurückziehen, die
-stärksten eine sofort zersetzende Wirkung ausüben. Bei der Retraction
-verhalten sich die Fäden ganz so, wie wenn sie durch andere störende
-Einwirkungen zur Zusammenziehung gebracht worden, sie heben sich vom
-Glase, auf dem sie festhafteten, ab, krümmen sich, flottiren frei im
-Wasser und verkürzen sich, indem sie sich zu unregelmässigen Bündeln
-und Klumpen vereinen; bei der sofortigen Zersetzung, bei welcher ihnen
-also keine Zeit zur Retraction bleibt, werden sie varikös, schrumpfen
-ein und zertheilen sich im umgebenden Wasser; 2) ist hervorzuheben,
-dass ein specifischer, verlangsamender oder beschleunigender Einfluss
-auf die <em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em> durch die elektrischen Schläge nicht
-erzielt werden kann. Die Körnchenbewegung wird nur insoweit alterirt,
-als sie mit der Retraction oder Zersetzung der Fäden zusammenhängt.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="III_Bewegungserscheinungen"><span class="s5">III.</span><br />
-Die Bewegungserscheinungen am Protoplasma der Pflanzenzellen verglichen
-mit denen an den Pseudopodien der Rhizopoden.</h2>
-
-</div>
-
-<p>Wir haben oben bereits ausführlich auf die Bedeutung
-aufmerksam gemacht, welche die Thatsache für uns hat, dass die
-Bewegungserscheinungen des Protoplasma der Pflanzenzellen denen,
-welche wir an den Pseudopodien der Rhizopoden beobachten, bis zum
-Verwechseln ähnlich sehen. Ich habe die Gelegenheit, welche mir der
-Besitz der äusserst lebenskräftigen Polythalamien von der englischen
-Küste bot, benutzt, die Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen
-nach erneuten Untersuchungen noch einmal so genau als möglich mit den
-Bewegungen der Pseudopodien zu vergleichen.</p>
-
-<p>Die Pflanzen und Pflanzentheile, welche ich beobachtete, sind
-die Staubfadenhaare mehrerer Species <em class="gesperrt">Tradescantia</em>, die
-Blumenblätterhaare von <em class="gesperrt">Viola</em>, die Blätterhaare von
-<em class="gesperrt">Cucurbita</em> und von <em class="gesperrt">Urtica</em>, die Blattparenchymzellen
-und die Wurzelhaare von <em class="gesperrt">Hydrocharis</em>, und die Blätter
-von <em class="gesperrt">Vallisneria spiralis</em>. Es ist bekannt, dass die
-Bewegungserscheinungen, welche der Inhalt der Zellen dieser Pflanzen
-darbietet, grosse Verschiedenheiten zeigen. Man unterschied danach
-früher eine Rotationsströmung (Chara, Vallisneria) und eine Circulation
-des Zellsaftes (Tradescantia u.&#160;A.). Doch da man erkannte, dass beide
-Arten von Bewegung an derselben Substanz, nämlich dem Protoplasma
-der Zellen, ablaufen, während der wässerig flüssige Zelleninhalt
-keinen Theil an derselben hat, wurde es zweifelhaft, ob eine scharfe
-Unterscheidung der beiden Bewegungsformen möglich sei<a id="FNAnker_34" href="#Fussnote_34" class="fnanchor">[34]</a>. Die
-Auffindung aller möglichen Uebergänge<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> zwischen beiden Bewegungsarten
-hat dann jeden Zweifel an der Zusammengehörigkeit beider Erscheinungen
-beseitigt<a id="FNAnker_35" href="#Fussnote_35" class="fnanchor">[35]</a>.</p>
-
-<p id="Bewegung_Pflanzenzellen_Tradescantia">Die einfachere Form der Bewegung ist da, wo das Protoplasma nur als
-gleichmässige Bekleidung der inneren Oberfläche der Cellulosewand
-vorkommt, wie bei Chara, Nitella, Vallisneria u.&#160;A. Bilden sich in
-diesem wandständigen Protoplasma Unterschiede in der Dicke der Art
-aus, dass einzelne Theile wie Riffe oder Leisten in die Höhlung der
-Zelle vorspringen, so entsteht das Verhältniss wie in den Brennhaaren
-von Urtica. Dieses geht wieder ganz allmählich in die Bildung
-über, wie sie sehr entwickelt bei Tradescantia, Viola vorkommt,
-wo zahlreiche Protoplasmafäden, welche mit ihren Enden in dem
-wandständigen Protoplasma wurzeln, die Zellenhöhle frei durchziehen
-und oft ein complicirtes Netzwerk bilden, wie es nach <i>Schacht’s</i>
-Beobachtungen wohl am schönsten in der Aussackung des Embryosackes von
-Pedicularis sylvatica gefunden wird, wo das Protoplasmanetzwerk höchst
-wahrscheinlich später in ein Cellulosefadennetz übergeht<a id="FNAnker_36" href="#Fussnote_36" class="fnanchor">[36]</a>.</p>
-
-<p>Das Object, welches den directesten Vergleich mit den Pseudopodien der
-Polythalamien zulässt, sind die frei durch die Zellenhöhle streichenden
-Protoplasmafäden in den <em class="gesperrt">Tradescantia</em>-, <em class="gesperrt">Viola</em>-,
-<em class="gesperrt">Cucurbita</em>- und <em class="gesperrt">Hydrocharis</em>-Blattzellen. Wie ich früher
-für <em class="gesperrt">Tradescantia</em> ausführlich beschrieb<a id="FNAnker_37" href="#Fussnote_37" class="fnanchor">[37]</a>, »gehen von der
-den Kern umhüllenden Protoplasmaschicht mehrere dickere und dünnere
-Fäden aus, nach verschiedenen Richtungen die Zelle durchsetzend, auch
-öfter der Zellenwand dicht anliegend. Sie bestehen deutlich aus einer
-Grundsubstanz und eingebetteten, stark lichtbrechenden Körnchen.
-Letztere laufen im Innern oder <em class="gesperrt">wie auf der Oberfläche</em> der
-Fäden hin, entweder nur nach <em class="gesperrt">einer</em> Richtung oder, wie nicht
-selten gesehen werden kann, nach entgegengesetzten Richtungen zugleich
-an einem und demselben Faden. An den breitesten ist die doppelte
-Strömungsrichtung fast constant, sie kommt aber auch an den feinsten,
-kaum noch erkennbaren Fäden vor. Begegnen sich Körnchen, so gehen sie
-meist ungestört aneinander vorbei, oder es kommt vor, dass die einen
-die anderen mit zurücknehmen — ein Beweis, dass nicht zwei getrennte
-Fäden die Ursache der<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> doppelten Stromesrichtung waren. An demselben
-Faden überholen einzelne in schnellem Laufe andere langsamere, und
-können dann, wie ich einmal sah, zurücklaufend gemeinschaftlich
-umkehren. Die Fäden theilen sich öfter gabelig, und ein Körnchen an die
-Theilungsstelle gelangt, stockt ehe es sich dem einen oder anderen Wege
-anvertraut. Die Gestalt und Richtung der Fäden ist aber fortwährendem
-Wechsel unterworfen. Die gablige Theilung z.&#160;B. rückt von der Basis
-des Fadens am Zellenkern dem anderen an der inneren Oberfläche der
-Zellenwand sich befindenden Ende entgegen. Oder es bildet sich aus der
-gabligen Theilung eine Brücke zu einem nebenanliegenden Faden, indem
-der eine Theilast mit diesem verschmilzt. Die Brücke läuft dann abwärts
-oder aufwärts zwischen beiden Fäden hin, verkürzt sich, indem letztere
-sich einander nähern, endlich verschmelzen sie vollständig miteinander
-zu einem einzigen, so dass jetzt ein breiter Strom fliesst, wo vorher
-einzelne Fäden waren.</p>
-
-<p>An der inneren Oberfläche der Zellenwand befindet sich eine
-zusammenhängende dünne Protoplasmaschicht. So erscheint es nach der
-Anwendung von Reagentien, welche dieselbe, (den Primordialschlauch)
-einschrumpfen machen. Durch Zuckerlösung konnte ich hier dasselbe
-hervorrufen, was <i>A. Braun</i> bei den Characeen gelang. Der
-Zelleninhalt zog sich scharf begränzt von der Zellhaut zurück, dabei
-dauerten die Strömungserscheinungen im Innern noch eine Zeit lang fort.
-Hiebei kann man sich auch überzeugen, dass die in der Rindenschicht
-des Protoplasma vorkommenden Strömchen und Körnchenschwankungen (denn
-solche sind hier stellenweise oft allein vorhanden) nicht die äusserste
-Schicht des Protoplasma (<em class="gesperrt">Hautschicht</em> <i>Pringsheim</i>)
-betreffen, sondern nur eine innere Lage an der Rindenschicht
-(<em class="gesperrt">Körnerschicht</em> <i>Pringsheim</i>).«</p>
-
-<p>Wie <i>E. Haeckel</i> auf Grund eigener Untersuchungen auf das
-Nachdrücklichste bestätigt<a id="FNAnker_38" href="#Fussnote_38" class="fnanchor">[38]</a>, passt diese Beschreibung so vollständig
-auf die Bewegungen der Pseudopodien der Rhizopoden, dass sie direct
-auf letztere übertragen werden kann. Zu ihrer Vervollständigung will
-ich nur noch hinzufügen, dass man an den freien Plasmafäden öfter
-ausser der Bewegung der kleinen Körnchen auch ein Fortrücken grösserer,
-spindelförmiger Massen oder seitlicher Auftreibungen bemerkt, welche
-mit derselben oder etwas geringerer Geschwindigkeit<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> wie die Körnchen
-fortrücken, gerade so wie es bei den Pseudopodien der Polythalamien
-vorkommt; ferner dass <i>Haeckel</i> beobachtete, wie seitlich aus
-einem Faden ein neuer hervortritt, um sich bei reichlichem Zufluss
-schnell zu verlängern, zu verästeln, mit anderen zu verbinden,
-oder bei geringem Zufluss alsbald wieder zu verschwinden. Etwas
-dem Entsprechendes sah auch <i>Heidenhain</i> bei Hydrocharis und
-Vallisneria<a id="FNAnker_39" href="#Fussnote_39" class="fnanchor">[39]</a>. Auch bedarf der Eingang obiger Beschreibung insofern
-einer Berichtigung, als durchaus nicht immer das den Kern der Zelle
-umhüllende Protoplasma der alleinige Ausgangspunkt der Fäden ist, diese
-vielmehr auch an jeder anderen Stelle des Protoplasma wurzeln können.</p>
-
-<p id="Einfluss_von_Reagentien_auf_Bewegung">Weitere Verwandtschaft der beiden in Rede stehenden Arten von Fäden
-ergiebt sich aus dem Verhalten zu Reagentien und zum elektrischen
-Strome. Destillirtes Wasser bringt den Plasmafaden der Pflanzenzelle
-zum Zerfliessen unter denselben Erscheinungen der Vacuolenbildung, wie
-oben von den Pseudopodien der Polythalamien beschrieben worden. An der
-unverletzten Zelle der Tradescantiafäden tritt diese Einwirkung erst
-nach 12–24 Stunden ein, beim Anschneiden der Zelle ist sie sofort da.
-Verdünnte Säuren bringen die Fäden unter Sistirung der Körnchenbewegung
-zum Erstarren, so dass sie oft noch lange in derselben Lage wie zuletzt
-im Leben verharren und keine andere Veränderung eingehen als etwas
-blasser werden. Bei kräftigerer Einwirkung tritt eine theilweise
-Auflösung und Schrumpfung ein. Aehnlich ist die langsame Einwirkung
-verdünnter Kalilauge. Die Fäden werden durchsichtiger und es hört
-jede Bewegung in ihnen auf, bis die lösende Einwirkung der Lauge die
-Protoplasmamassen zerstört. Wie empfindlich das Protoplasma gegen
-die Einwirkung gewisser Agentien ist, beweist folgender interessante
-Versuch. Die Staubfadenhaare der Tradescantia virginica enthalten im
-noch nicht vollkommen entwickelten Zustande, wenn man sie aus einer
-Blüthenknospe nimmt, in dem feinkörnigen Protoplasma viele kleine
-Stärkekörner, welche beim Aufblühen vollständig geschwunden sind.
-Dieselben färben sich mit Iod violettblau. Bringt man zu solchen
-Staubfadenhaaren, deren Protoplasma in lebhafter Bewegung ist, ein
-wenig Iod in Iodkaliumlösung, so hört die Bewegung des Protoplasma
-auch bei grosser Verdünnung der Lösung <em class="gesperrt">sehr schnell</em> auf,
-<em class="gesperrt">viel früher, als die Stärkekörner eine Andeutung<span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span> der blauen Farbe
-zeigen</em> oder das Protoplasma und die Zellenwand eine Farbenänderung
-annehmen. Es steht diese Thatsache in auffallendem Gegensatze zu der
-obigen, dass Staubfadenhaare, welche gewohnt sind nur mit <em class="gesperrt">Luft</em>
-in Berührung zu sein, bis 24 Stunden in Wasser liegen können, ohne dass
-letzteres durch die Zellenwand hindurch die Integrität des Protoplasma
-stört, was sich, wenn es endlich eintritt, durch veränderte Anordnung
-des Protoplasma und Aufhören der Bewegung zu erkennen giebt.</p>
-
-<p><i>Unger</i><a id="FNAnker_40" href="#Fussnote_40" class="fnanchor">[40]</a> berichtet, dass eine schwache Zucker- oder
-Gummilösung, und noch mehr Milch den Strom der Vallisneria spiralis
-sehr beschleunige. Ich habe bei wiederholten Versuchen nichts von
-dieser Beschleunigung wahrnehmen können, vorausgesetzt natürlich,
-dass die Lösungen keine höhere Temperatur als das Präparat vor dem
-Zusatze derselben hatten. Auch die deletären Wirkungen des Kalkwassers
-kann ich nicht bestätigen, denn an in Kalkwasser gelegten Schnitten
-von Vallisneria beobachtete ich noch nach 24 Stunden ebenso schnelle
-Bewegungen, wie wenn destillirtes Wasser angewandt worden war.</p>
-
-<p id="Einfluss_der_Elektricitaet_auf_Bewegung">Was ich oben von der Einwirkung der Inductionsströme auf die
-Körnchenbewegung der Pseudopodien der Polythalamien gesagt habe, gilt
-auch für die Protoplasmafäden der Tradescantia. Ich habe in vielen
-Versuchen mit dem Schlittenapparat keinerlei anderen Einfluss der
-Elektricität auf die Körnchenbewegung wahrnehmen können, als dass,
-nachdem schwache Ströme ohne allen Einfluss blieben, stärkere sie
-verlangsamen und ziemlich schnell aufhören machen. Dabei bleiben
-wieder die Fäden entweder noch lange in ihrer natürlichen Lage,
-oder gehen schnell unter, indem sie sich in eine Molekularbewegung
-zeigende Masse zusammenziehen und auflösen. Es ist, soweit sich
-nach der Stellung der Inductionsrollen beurtheilen lässt, ziemlich
-genau dieselbe Stromstärke, bei welcher die Körnchenbewegung in den
-Pseudopodien und in den Pflanzenzellen aufhört. Sehr gewöhnlich
-beobachtet man bei solchen Versuchen, auch wenn die Elektroden mit sehr
-breiten Enden in dem Wassertropfen auslaufen (breiten Staniolstreifen
-oder Spiegelglasbelegung), dass nicht alle Theile des Präparates
-gleichmässig von der Einwirkung der elektrischen Schläge getroffen
-werden. Dabei fiel mir auf, dass die in der Längsrichtung durchströmten
-Haarzellen viel schneller absterben als diejenigen, deren Längsaxe
-rechtwinklig gegen die Verbindungslinie<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> der beiden Elektroden liegt.
-<i>Jürgensen</i>, welcher sehr genaue Experimente über die Einwirkung
-des elektrischen Stromes auf die Bewegung des Protoplasma in den
-Blattzellen von Vallisneria spiralis anstellte<a id="FNAnker_41" href="#Fussnote_41" class="fnanchor">[41]</a>, beobachtete etwas
-Analoges.</p>
-
-<p>Hat die Körnchenbewegung unter dem Einfluss stärkerer Inductionsschläge
-aufgehört, so sah ich dieselbe nicht wieder in Gang kommen, was auch
-mit <i>Jürgensen’s</i> Erfahrungen an Vallisneria übereinstimmt, welche
-sich auf genaue Messungen am Mikrometer gründen. <i>Heidenhain</i>,
-welcher wie ich an Tradescantien arbeitete, giebt an, dass auch
-nach dem Aufhören der Bewegung, in Folge der Einwirkung von
-Inductionsströmen, dieselbe wieder in vollen Gang kommen könne, wenn
-die Ströme nicht zu stark und ihre Einwirkungsdauer nicht zu lange
-gewesen<a id="FNAnker_42" href="#Fussnote_42" class="fnanchor">[42]</a>.</p>
-
-<p>Der Einfluss, welchen der elektrische Strom auf die
-<em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em> ausübt, beschränkt sich auf eine Verlangsamung,
-welche der beginnenden Zersetzung vorausgeht. Von diesem Einfluss ist
-zu unterscheiden, dass auch <em class="gesperrt">Veränderungen in der Anordnung der
-Protoplasmamassen</em>, Gestaltveränderungen der Fäden und dergl. in
-Folge der Einwirkung des elektrischen Stromes auftreten können. Der
-erste, welcher dergleichen beobachtete, ist <i>Brücke</i><a id="FNAnker_43" href="#Fussnote_43" class="fnanchor">[43]</a>, er
-schreibt von dem Protoplasma der Brennhaare von Urtica: »Um die Wirkung
-der electrischen Ströme in ihren einzelnen Stadien zu verfolgen, thut
-man am besten, den Kreis anfangs nur für eine oder einige Secunden zu
-schliessen, so dass das Haar eine kurze Reihe von Schlägen erhält. Die
-erste Veränderung, die man dann wahrnimmt, besteht in der Regel in dem
-Erscheinen einer grösseren oder geringeren Menge von Fäden, welche
-vom Zellenleibe aus in die Intracellularflüssigkeit hineinragen. Ich
-habe sie nicht immer, aber doch bei weitem in der Mehrzahl der Fälle
-gesehen, und da sie von wechselnder Dicke, oft äusserst dünn sind, so
-mögen sie sich doch wohl das eine oder das andere Mal der Beobachtung
-entzogen haben. Manchmal sieht man sie wie Raketen aus dem Zellenleibe
-hervorschiessen,<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span> sobald man den Kreis des Magnetelectromotors
-schliesst. Sie haben oft eine beträchtliche Länge; ich habe deren
-solche beobachtet, die im gestreckten Zustande bis zur Axe in das
-Innere des Haares hineinragten. An ihrem Ende tragen sie eine grössere
-oder kleinere Anschwellung, und man sieht sie in einer fortwährenden,
-bald schwächeren, bald stärkeren zitternden oder schlängelnden Bewegung
-begriffen. Bisweilen sieht man neben den Fäden auch stärkere kolben-
-oder keulenartige Gebilde hervortreten.«</p>
-
-<p>Ich habe die beschriebene Erscheinung bei einer gewissen Stärke
-des Stromes wiederholt eintreten sehen. Man thut am besten an
-einem Theil des wandständigen Protoplasma die Grenze gegen die
-Intracellularflüssigkeit genau einzustellen, und dann den Strom, wie
-<i>Brücke</i> räth, nur kurze Zeit einwirken zu lassen. Derselbe muss
-aber schon recht kräftig sein, wenn man eine Wirkung beobachten will.
-Die vorher glatte Grenzlinie des Protoplasma wird höckerig, zapfen- und
-fadenförmige Vorsprünge kommen an derselben zum Vorschein, von denen
-die feineren die von <i>Brücke</i> angegebenen Bewegungen ausführen,
-und endlich, wenn kein neuer deletärer Strom durch das Protoplasma
-geleitet wird, wieder langsam in das Protoplasma zurückgezogen werden,
-von welchem sie ausgingen. Ein <em class="gesperrt">plötzliches</em> Auftreten dieser
-fadenförmigen Fortsätze habe ich nicht gesehen. Die zu diesen Versuchen
-nöthige Stärke des Stromes muss ziemlich nahe derjenigen liegen, welche
-das Protoplasma tödtet, doch ist unsere Erscheinung durchaus kein
-Zeichen des bereits eingetretenen Todes, denn die Körnchenbewegung
-erhält sich und dauert nachher ungestört fort.</p>
-
-<p>Bei Tradescantia konnte ich ähnliche Bewegungen nicht hervorrufen,
-die Anordnung des Protoplasma in den Zellen ist hier auch für das
-Zustandekommen solcher Erscheinungen weniger günstig. Die freien Fäden
-sind zu dünn, um viele neue Fortsätze treiben zu können, und die Menge
-des wandständigen Protoplasma ist sehr gering. Dagegen beobachtete
-ich hier etwas, dessen auch <i>Heidenhain</i><a id="FNAnker_44" href="#Fussnote_44" class="fnanchor">[44]</a> Erwähnung thut, und
-was für eine Vergleichung der Protoplasmafäden der Pflanzenzellen
-mit den Pseudopodien der Rhizopoden von Wichtigkeit ist — die Fäden
-werden unter dem Einfluss eines stärkeren elektrischen Stromes
-deutlich <em class="gesperrt">varikös</em>. Die Erscheinung sieht aus, als wenn sich eine
-flüssigere Masse auf der Oberfläche<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> des Fadens in einzelnen Tropfen
-ansammle, gerade so wie ich es von den Pseudopodien von Actinophrys und
-den Polythalamien beschrieben habe.</p>
-
-<p id="hoehere_Temperaturgrade">Wir werden sehen, dass ganz ähnliche Erscheinungen, wie durch Anwendung
-stärkerer elektrischer Schläge, an den Protoplasmafäden verschiedener
-Pflanzenzellen auch durch Anwendung <em class="gesperrt">höherer Temperaturgrade</em>
-erzielt werden können. Die erste Folge einer allmählichen Erwärmung ist
-eine oft sehr bedeutende <em class="gesperrt">Beschleunigung der Körnchenbewegung</em>.
-<i>Dutrochet</i><a id="FNAnker_45" href="#Fussnote_45" class="fnanchor">[45]</a> bestimmte bei Chara den Einfluss höherer
-Temperaturgrade auf die sogenannte Rotation genauer, und fand, dass
-eine Erwärmung der in schmelzendem Schnee abgekühlten Pflanze, in
-welcher die Bewegung sehr langsam von Statten ging, auf 18° C. diese
-letztere ausserordentlich beschleunigte. Erwärmung von 27–40° brachte
-zuerst eine Verlangsamung der Bewegung hervor, nach längerem Verweilen
-in dem warmen Wasser wurde die Bewegung jedoch immer sehr schnell.
-Wasser von 45° C. tödtete die Pflanze sofort. Für <em class="gesperrt">Vallisneria</em>
-ist es seit längerer Zeit bekannt, dass eine Erwärmung des Wassers
-beschleunigend auf die Bewegung wirkt. <i>Jürgensen</i><a id="FNAnker_46" href="#Fussnote_46" class="fnanchor">[46]</a> gab für
-diese Pflanze die äusserste Grenze, bei welcher sich die Bewegung noch
-erhält, auf 36–40° an, d.&#160;h. bei 36° beobachtete er noch kräftige
-Bewegung, bei 40° keine mehr. Die Beobachtung des erregenden Einflusses
-der Erwärmung bei Vallisneria ist sehr leicht und sicher. Wendet man
-frisch angefertigte Schnitte an, in welchen gewöhnlich die Bewegung
-nur äusserst langsam vor sich geht, so sieht man sie bei der Erwärmung
-sofort in den meisten Zellen auf das lebhafteste in Gang kommen.
-Nicht so auffallend sind die Veränderungen, welche bei Urtica und
-Tradescantia eintreten. Bei diesen Pflanzen maass ich die Schnelligkeit
-der Körnchenbewegung bei gewöhnlicher Zimmertemperatur, erwärmte dann
-den Objectträger ohne ihn zu verrücken durch Einschiebung einer über
-der Lampe erhitzten Cylinderblendung von unten in den Objecttisch auf
-30–40° C., und maass an derselben Zelle wie vorhin die Schnelligkeit
-der Bewegung von Neuem. So erhielt ich für Urtica bei gewöhnlicher
-Temperatur für die Secunde 0,004–0,005 Millimeter, bei Erwärmung bis
-cc. 35° 0,009 Mm. Bei Tradescantia<span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span> virginica maass ich die Bewegung
-bei gewöhnlicher Temperatur 0,004–0,005 Mm. in der Secunde, erwärmt
-0,008, einzelne Körnchen 0,010 Mm.</p>
-
-<p>Noch schneller sind die Bewegungen bei Vallisneria spiralis, bei der
-ich nach mässiger Erwärmung die Chlorophyllkügelchen in einer Secunde
-einen Raum von 0,015 Mm. zurücklegen sah.</p>
-
-<p>Meine bei gewöhnlicher Zimmertemperatur angestellten Messungen
-stimmen ziemlich genau überein mit den von <i>H. v. Mohl</i><a id="FNAnker_47" href="#Fussnote_47" class="fnanchor">[47]</a>
-gemachten Angaben, welcher bei Tradescantia <span class="bruch"><span class="zaehler">1</span>&#8260;<span class="nenner">500</span></span>‴ d.&#160;i. = 0,0045
-Mm., bei Urtica <span class="bruch"><span class="zaehler">1</span>&#8260;<span class="nenner">750</span></span>‴ d.&#160;i. = 0,003 Mm. für die Secunde angiebt.
-Die Erwärmung kann also hier die Bewegung <em class="gesperrt">bis auf mehr als das
-Doppelte</em> beschleunigen. Das höchste Maass, welches ich erreichte,
-war bei Vallisneria, nämlich 0,015 Mm. in der Secunde.</p>
-
-<p>Es musste von Wichtigkeit sein, die Schnelligkeit, welche die
-Körnchenbewegung an den Pseudopodien der <em class="gesperrt">Polythalamien</em> erreicht,
-im Vergleich zu obigen Messungen zu bestimmen. Die Milioliden, welche
-mir zu Gebote standen, ergaben eine Schnelligkeit von 0,007–0,015 Mm.
-in der Secunde und zwar bei gewöhnlicher Temperatur. <em class="gesperrt">Erwärmung
-brachte kaum eine Beschleunigung der Bewegung hervor</em>, das höchste,
-was ich an einzelnen Körnchen beobachtete, war 0,02 Mm., was aber auch
-wohl in einzelnen Fällen bei gewöhnlicher Temperatur vorkommen dürfte.
-Wir hätten hiernach also zu constatiren, dass die <em class="gesperrt">Geschwindigkeit
-der Körnchenbewegung an den Pseudopodien der Milioliden
-übereinstimmt mit der höchsten an dem Protoplasma der Pflanzenzellen
-beobachteten</em>. Bei letzteren wurde diese Geschwindigkeit nur durch
-Erwärmung über die gewöhnliche Zimmertemperatur erzielt, bei den
-Milioliden bestand sie unter den normalen Verhältnissen und ward durch
-Temperaturerhöhung nicht wesentlich beschleunigt<a id="FNAnker_48" href="#Fussnote_48" class="fnanchor">[48]</a>.</p>
-
-<p>Zu genauer Bestimmung derjenigen höheren Temperaturgrade, bei welchen
-sich Veränderungen tief greifender Art im Protoplasma einstellen,
-bediente ich mich nach einer Anzahl Vorversuche wie<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> oben des
-Wasserbades, in welches die mikroskopischen Präparate mit an den Ecken
-aufgekittetem Deckgläschen oder die ganzen Pflanzentheile eingetaucht
-wurden. Zwei bis drei Minuten können gewiss als hinlänglich lange Zeit
-gelten, um den sehr dünnen Präparaten die Temperatur des umgebenden
-Wassers vollständig mitzutheilen. Die Pflanzen, mit denen ich operirte,
-waren Tradescantia virginica, Urtica urens und Vallisneria spiralis.
-Für alle drei stellte sich gleichmässig heraus, dass die Temperatur,
-welche <em class="gesperrt">absolut tödtlich</em> wirkt, erst bei 47–48° C. anfängt. Bei
-46° habe ich immer noch <em class="gesperrt">einige</em> Zellen unverändert gefunden,
-bei 45° <em class="gesperrt">viele</em> und bei 44°, wie wenigstens bei Vallisneria und
-Tradescantia schien, <em class="gesperrt">alle</em>. Die Urticahaare sind vielleicht ein
-wenig empfindlicher, wenigstens erschien die Bewegung hier schon bei
-44° oft fast vollkommen sistirt, ohne dass aber der Tod der Zelle
-eingetreten war. Die Bewegung <em class="gesperrt">verlangsamt</em> sich in allen Fällen
-von 38–40° an, kehrt aber, wenn die Temperatur nicht über 43° stieg,
-bei der Abkühlung meist bald zu der ursprünglichen Schnelligkeit zurück.</p>
-
-<p>Bei schneller Erwärmung auf 40° und darüber sah ich bei Urtica oft
-dieselben merkwürdigen Veränderungen des Protoplasma eintreten, wie sie
-<i>Brücke</i> durch starke Schläge des Magnetelektromotors erzeugte.
-Der glatte Contour, welchen das wandständige Protoplasma gegen die
-Intracellularflüssigkeit besitzt, verändert sich durch Hervortreibung
-von kugligen, keulenförmigen und fadenartigen Fortsätzen, deren
-feinste oft eine schlängelnde oder wie tastende Bewegung zeigen. Bei
-der Abkühlung verschwinden sie allmählich wieder, doch pflegt die
-Bewegung der Körnchen nicht immer zu der ursprünglichen Schnelligkeit
-zurückzukehren. Wird die Erwärmung plötzlich auf 45° und darüber
-getrieben, so treten oft die bereits oben erwähnten Varikositäten
-an den freien Protoplasmafäden auf, wie sich besonders deutlich bei
-Tradescantia beobachten lässt. In anderen Fällen erstarren die Fäden in
-der Lage, die sie einnahmen und verharren noch lange in derselben, bis
-sie der allmählich um sich greifenden Auflösung des Plasma anheimfallen.</p>
-
-<p>Es folgt aus diesen Versuchen 1) dass die Wärme ein mächtiges
-Reizmittel für die Protoplasmabewegungen ist und 2) dass das
-Protoplasma der Pflanzenzellen bei ungefähr 45° C. abstirbt. Die
-Bewegung erlischt, worauf eine Veränderung in dem Aussehen der
-Masse eintritt, welche genau derjenigen gleicht, wie sie die
-contractile Substanz der Pseudopodien und des Körpers der Rhizopoden
-<em class="gesperrt">unter<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> dem Einfluss eines etwas niedrigeren, 43° C. betragenden
-Temperaturgrades</em> eingeht.</p>
-
-<p><i>Heidenhain</i> muss die Beobachtungen von <i>Dutrochet</i> und
-<i>Jürgensen</i> über den Einfluss der Temperatur auf die Bewegungen
-des Protoplasma übersehen haben, sonst hätte er nicht schreiben können
-(l.&#160;c. p. 65): »Ich habe bisher noch keine Reize für die im Innern
-der Zellen vor sich gehenden Bewegungen entdecken können d.&#160;h. keine
-derartigen Einwirkungen, welche das ruhende Protoplasma in Bewegung
-zu versetzen oder das langsam bewegte zur Beschleunigung anzutreiben
-vermöchten.« Ein solches und sehr ausgezeichnetes Reizmittel ist also
-die Wärme.</p>
-
-<p id="Organismen_in_heissen_Quellen">Ich kann von den Temperaturbeobachtungen nicht scheiden, ohne an
-die Beziehungen derselben zu dem Vorkommen lebender thierischer und
-pflanzlicher Organismen <em class="gesperrt">in heissen Quellen</em> zu erinnern, und die
-überraschenden Differenzen anzugeben, welche sich bei der Vergleichung
-herausstellen. Nach meinen Beobachtungen stirbt das Protoplasma der
-untersuchten Pflanzenzellen unter Gerinnungserscheinungen bei 47–48° C.
-unfehlbar ab. Thierisches Leben erhält sich in Wasser von 45° nur
-noch sehr spärlich, einzelne Brachionus und Cypris-Arten überdauerten
-diesen Temperaturgrad, Anguillulinen, Turbellarien, Naiden sterben
-schon bei 44&#189;° meist ab, Rhizopoden ertragen einzeln 42–43°,
-Vorticellen sterben bei 41–42° C. Die Wärmestarre der Muskeln von
-Wirbelthieren tritt nach <i>Kühne’s</i> angeführten Untersuchungen
-bei 40–50°, verschieden nach dem Grade der Starre und nach der
-Thierclasse, auf. Wir sind berechtigt hiernach vorauszusetzen, dass
-thierisches und pflanzliches Leben über ca. 45° C. sich dauernd
-nicht erhalten werde. Diese Voraussetzung bestätigt sich angesichts
-kürzlich von <i>Ehrenberg</i> mitgetheilter Beobachtungen nicht.
-<i>Ehrenberg</i><a id="FNAnker_49" href="#Fussnote_49" class="fnanchor">[49]</a> fand auf Ischia in heissen Quellen Filze von
-grünen und braunen organischen Massen, welche aus lebenden Eunotien
-und grünen Oscillarien bestanden. Beim Ausdrücken derselben kamen 4
-Arten Räderthiere, Infusorien der Gattungen Nassula, Enchelys und
-Amphileptus zum Vorschein. Das Thermometer <em class="gesperrt">in diese heissen Filze
-eingesenkt</em>, zeigte 65–68° R., d.&#160;i. 81–85° C.! Bezüglich anderer
-heisser Quellen stehen mir keine mit wünschenswerther Genauigkeit
-angestellte Beobachtungen über die Temperatur der <em class="gesperrt">wirklich<span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span>
-lebende</em> Organismen enthaltenden Stellen zu Gebote. Mit der grössten
-Spannung müssen wir der Lösung der hier schwebenden Frage entgegensehen.</p>
-
-<p id="Contractilitaet_Ursache_der_Bewegung">Wenn wir die Körnchenbewegung der Pseudopodien der Rhizopoden als
-Ausfluss der <em class="gesperrt">Contractilität</em> ihrer Substanz betrachten, wogegen
-solange nichts zu erinnern sein wird, als nicht ein anderer Grund
-für diese Bewegung nachgewiesen ist, so können wir folgerichtig auch
-nicht anstehen, als Ursache der Körnchenbewegung am Protoplasma der
-Pflanzenzellen <em class="gesperrt">Contractilität</em> anzusehen. Wenn je, so haben
-wir hier einen Grund, aus gleicher Wirkung auf die gleiche Ursache
-zu schliessen. Wenn es sich aber um noch andere Beweise für die
-Contractilität des Protoplasma handelt, so verweise ich zunächst
-zurück auf die Angaben <i>Brücke’s</i> bezüglich des Verhaltens der
-Brennhaare von Urtica gegenüber den Schlägen des Magnetelektromotors,
-welche ich bestätigen konnte, und auf meine Angaben über den
-Einfluss höherer Temperaturgrade. Ferner verdienen hier Beachtungen
-<i>Heidenhain’s</i> (l.&#160;c. p. 56) Erwähnung über schnelle, zuckende
-Contractionen an den Protoplasmafäden von Hydrocharisblattzellen. Es
-treten nach <i>Heidenhain</i> an den die Intracellularflüssigkeit
-durchsetzenden Plasmafäden, welche oft in einem centralen
-Plasmaklümpchen zusammenstossen, ruckweise Bewegungen auf, welche
-damit zu enden pflegen, dass einer der Fäden die Oberhand über die
-anderen gewinnt und sich verkürzend das Plasmaklümpchen zu sich und
-zu dem wandständigen Protoplasma hinzieht, in welchem er wurzelt.
-Weiter verweise ich auch auf die oben angeführten Beobachtungen <i>E.
-Haeckel’s</i> bei Tradescantia<a id="FNAnker_50" href="#Fussnote_50" class="fnanchor">[50]</a>, nach welchen ein Hervortreten und
-Zurückziehen neuer Fäden aus den vorhandenen ganz in der Art vorkommt,
-wie bei den Pseudopodien der Rhizopoden, eine Erscheinung, welche
-nur Theilerscheinung aller der complicirten und stets wechselnden
-Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen ist, welche die
-Bewegungen letzterer, namentlich bei Tradescantia, so vollkommen
-derjenigen gleich erscheinen lassen, welche die Pseudopodien der
-Polythalamien darbieten.</p>
-
-<p>Die vorstehenden Untersuchungen haben, denke ich, zur Genüge
-bewiesen, wie viel Recht ich hatte, die Protoplasmabewegungen<span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span> in den
-Pflanzenzellen mit den Bewegungen der Pseudopodien der Polythalamien
-zusammenzustellen und aus der Gleichheit der Erscheinung auf eine tiefe
-innere Verwandtschaft der hier in Vergleich stehenden Substanzen zu
-schliessen. Ich überlasse es nun <i>Reichert</i>, welcher, ohne Gründe
-anzuführen, gegen den Vergleich protestirt, nicht einmal den Beweis
-geliefert hat, dass er die Körnchenbewegung in den Protoplasmafäden
-der Pflanzenzellen jemals mit Aufmerksamkeit beobachtete, die von
-ihm gefundenen <em class="gesperrt">Unterschiede</em> zwischen beiden Substanzen scharf
-ins Licht zu stellen, damit wir das <em class="gesperrt">für</em> und das <em class="gesperrt">wider</em>
-abzuwägen vermögen.</p>
-
-<p id="Brueckes_Ansicht">Ich habe wiederholt der Arbeit <i>Brücke’s</i> über die
-Protoplasmabewegungen in den Haaren der Brennnessel gedacht. Wir können
-von dem Gegenstande nicht scheiden, ohne einer Ansicht Erwähnung zu
-thun, welche <i>Brücke</i> über das <em class="gesperrt">Wesen der Körnchenbewegung</em>
-im Protoplasma dieser Zellen aufgestellt hat. Wenn auch zunächst
-nur für Urtica Gültigkeit beanspruchend, muss dieselbe doch bei der
-nachgewiesenen Uebereinstimmung der Grunderscheinung in allen hier
-besprochenen Beispielen einer Verallgemeinerung fähig und für uns also
-von höchstem Interesse sein.</p>
-
-<p>Die Schwierigkeit, die Körnchenbewegung mit den Bewegungen anderer
-contractiler Substanzen in Einklang zu bringen, ist nach dem
-Voranstehenden offenbar sehr gross. Die Körnchenbewegung ist mit einer
-unzweifelhaften Ortsbewegung nicht nur der Körnchen, sondern auch
-deren unmittelbarer Umgebung verbunden, denn nur so erklärt es sich,
-wie die Substanz der Pseudopodien an Stellen gelangt, wo sie vorher
-nicht war, wie die complicirten Veränderungen in der Anordnung der
-Protoplasmamassen zu Stande kommen. Das hat <i>Brücke</i> denn auch für
-die Bewegungen in den Haaren der Nessel sofort anerkannt.</p>
-
-<p><i>Brücke</i> unterscheidet aber zweierlei Bewegungen an dem
-Protoplasma der Nesselhaare<a id="FNAnker_51" href="#Fussnote_51" class="fnanchor">[51]</a>: 1) »eine langsame, ziehende oder
-kriechende, von welcher die Veränderungen in der Anordnung der
-Protoplasmamassen abhängen« und 2) eine »schnellere, fliessende,
-welche man an der Bewegung der zahlreichen Körnchen wahrnimmt«.
-Beide sollen wesentlich verschieden sein. Während erstere direct aus
-Contractionsbewegungen des Protoplasma abzuleiten sei, soll letztere<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span>
-ihren Sitz in einer vom contractilen Plasma umschlossenen körnerreichen
-Flüssigkeit haben. Nicht das Protoplasma selbst befände sich in einer
-solchen Bewegung, wie die Körnchen anzeigen, sondern eine <em class="gesperrt">von
-dem Protoplasma verschiedene</em>, in dessen Inneren enthaltene,
-körnerreiche Flüssigkeit werde von einer contractilen Rinde fortbewegt,
-etwa, wie sich <i>Heidenhain</i><a id="FNAnker_52" href="#Fussnote_52" class="fnanchor">[52]</a> später im Anschluss an und zur
-Erläuterung der <i>Brücke</i>’schen Ansicht ausdrückte, wie der
-Darminhalt bei den peristaltischen Bewegungen, welche wellenförmig über
-die Oberfläche der contractilen Darmwand ablaufen.</p>
-
-<p><i>Brücke</i> drückt sich weiter über die Bewegungen des Protoplasma
-in den Haaren von Urtica wie folgt aus: »Es wird gewöhnlich so
-dargestellt, als ob sich die ganze Protoplasmamasse in einer
-fliessenden Bewegung befände, und die Körnchen nur passiv mitgeschleppt
-würden; ich muss dies aber mit Rücksicht auf mein Object entschieden
-in Abrede stellen.« Und weiter: »Dass dies in der That nicht der
-Fall, behaupte ich aus folgenden Gründen: Erstens sieht man, und zwar
-oft in ganz schmalen Bahnen (den sogenannten Strömchen) Kügelchen in
-entgegengesetzter Richtung fliessen und sich vibrirend umeinander
-herumbewegen, wie es ganz unmöglich wäre, wenn man es hier, wie es
-gewöhnlich angegeben wird, mit dem Fliessen einer zähen Flüssigkeit
-zu thun hätte; zweitens kann man die Bewegungen des Protoplasmas
-ganz deutlich von denen der Körnchen unterscheiden. Es ist zu dem
-Zwecke am besten, den Basaltheil der Zelle in geringer Entfernung
-von der Zellengruppe, in die derselbe eingepflanzt ist, bei starker
-Vergrösserung (<i>Hartnack</i> syst. à immersion No. 10, Ocul. 3) so
-einzustellen, dass die Mittelebene im deutlichen Sehen ist und somit
-der Durchschnitt der Protoplasmamasse zur Anschauung kommt. Man kann
-dann bei anhaltender Beobachtung oft ganz deutlich sehen, wie dieselbe
-wulstartige Hervorragungen gegen das Innere treibt, die eine Zeit
-lang stehen, ihre Gestalt verändern und endlich wieder verschwinden.
-Unabhängig geht daneben die Bewegung der Körnchen fort. Das sogenannte
-Protoplasma erscheint hiernach als der contractile Zellenleib, der an
-der Basis eine, vermöge seiner leisten- und wulstartigen Vorsprünge,
-unregelmässige Höhle einschliesst und von einer Flüssigkeit durchströmt
-wird, welche zahlreiche kleine<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> Körnchen enthält. Diese Flüssigkeit
-mit dem Blute des Thierleibes zu vergleichen, liegt nahe genug;
-eine solche Analogie aber ist werthlos, so lange wir nicht mehr
-als jetzt über den Bau und den Haushalt des Zellenleibes wissen«.
-<i>Brücke</i> wiederholt später<a id="FNAnker_53" href="#Fussnote_53" class="fnanchor">[53]</a> diese Annahme zweier in Consistenz
-verschiedener Bestandtheile des Protoplasma in den Brennhaaren von
-Urtica: »Wenn man bei starker Vergrösserung das Mikroskop so einstellt,
-dass die Mittelebene des Haares sich im deutlichen Sehen befindet,
-so unterscheidet man am leichtesten die eigenen Bewegungen des
-Zellenleibes von denen der körnerreichen Flüssigkeit, welche in ihm
-strömt. Man sieht dann seinen optischen Längsschnitt, und einerseits
-die Körnchen, die sich in ihm fortbewegen, andrerseits die Wülste, die
-er gegen die Intracellularflüssigkeit austreibt, man sieht, wie sie
-wachsen, wie sie ihren Ort verändern und wie sie wieder vergehen.</p>
-
-<p>»Man wird sich durch das Fortrücken des Wulstes nicht täuschen lassen,
-zu glauben, dass das sogenannte Protoplasma fliesse; denn man weiss,
-dass eine Contractionswelle der Länge nach über eine ganze Muskelfaser
-abläuft und schliesslich alle Theile derselben doch wieder am alten
-Orte sind. Selbst wenn ein singulär gebildeter Theil des Zellenleibes
-durch das ganze Sehfeld fortrückt, darf man sich dadurch nicht
-verführen lassen, in den alten Irrthum zurückzufallen. Ich habe solche
-Theile verfolgt und gefunden, dass sie endlich stille stehen und dann
-langsam wieder gegen ihren früheren Ort hin zurückkehren. Die Bewegung
-war kein Fliessen, sie war eine Folge der Contractilität.</p>
-
-<p>»Ich kann nicht sagen, ob diese Contractionen die einzige Ursache der
-Bewegung der körnerreichen Flüssigkeit im Zellenleibe sind, aber dass
-sie auf dieselbe einen wesentlichen Einfluss üben müssen, versteht sich
-wohl von selbst.«</p>
-
-<p>Hiernach ist also unzweifelhaft <i>Brücke’s</i> Meinung die, das
-contractile Protoplasma sei es nicht, in welchem die Körnchen sich
-befinden, dieses bilde vielmehr nur eine Rinde um eine die Körnchen
-enthaltende <em class="gesperrt">Flüssigkeit</em>. Durch wellenartig fortschreitende
-Contractionen der Rinde werde die Flüssigkeit im Innern bewegt und so
-entstehe die Körnchenströmung. Daneben bestehe dann noch als besondere
-Art der Bewegung die »langsame, ziehende oder kriechende«,<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> auf welcher
-die Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen beruhen.</p>
-
-<p>Fragen wir uns zunächst, auf welche Gründe hin <i>Brücke</i> die
-Differenzirung im Protoplasma annimmt, nach welcher die körnchenhaltige
-Flüssigkeit zum Protoplasma sich wie das Blut zum Thierleibe verhalte,
-so wird es uns bei der Kürze dessen, was der genannte Forscher über
-die Protoplasmabewegungen in Pflanzenzellen sagt, schwer, einen
-triftigen Grund für die von ihm vorgetragene Ansicht zu finden.
-Offenbar war es die verhältnissmässig schnelle Bewegung der Körnchen,
-welche ihn zur Annahme einer besonderen, neben der organisirten
-Materie noch vorhandenen <em class="gesperrt">Flüssigkeit</em> veranlasste. <i>Brücke</i>
-scheint Anstand genommen zu haben, eine contractile Substanz von
-solchem Aggregatzustande zu denken, dass in ihr das Phänomen der
-Körnchenbewegung zu Stande kommen könne. Daher musste das Bewegende
-ausserhalb der die Körnchenbewegung zeigenden Substanz gelegt werden.</p>
-
-<p id="Zweifel_an_Durchfuehrbarkeit">Mit diesem Gedankengange würde ich mich nicht einverstanden erklären
-können, da wir Contractilität zweifellos an Substanzen geknüpft sehen,
-die in ihrer Consistenz von der des Protoplasma schwerlich irgend
-erheblich abweichen. <i>Brücke’s</i> Arbeiten über die quergestreifte
-Muskelfaser haben die ausserordentliche Beweglichkeit der contractilen
-Substanz dargethan, und <i>Kühne</i><a id="FNAnker_54" href="#Fussnote_54" class="fnanchor">[54]</a> hat namentlich durch seine
-Beobachtung einer lebenden Nematode in einer lebenden Muskelfaser,
-welche in der contractilen Substanz sich so ungehindert bewegte, wie in
-einer Flüssigkeit, den Beweis geliefert, dass der Aggregatzustand der
-Muskelsubstanz im Leben von dem einer Flüssigkeit nicht weit abweichen
-kann. Warum soll also das Zustandekommen der Körnchenbewegung von einer
-neben der contractilen Substanz vorhandenen Flüssigkeit abhängen?</p>
-
-<p>Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass auf die von <i>Brücke</i>
-statuirte Weise etwas der Körnchenbewegung Aehnliches zu Stande kommen
-müsse, aber ich halte es für sehr zweifelhaft, dass alle Formen, in
-welchen die Körnchenbewegung in die Erscheinung tritt, sich durch
-die <i>Brücke</i>’sche Annahme erklären lassen. Ich hebe noch einmal
-hervor, dass, obgleich <i>Brücke</i> nur von dem Protoplasma der
-Nesselhaare spricht, ich meine Gegengründe aus den Beobachtungen<span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span>
-einer ganzen Reihe von Pflanzen und zahlreicher Rhizopoden entnehme,
-bei welchen allen die Körnchenbewegung so sehr mit der bei Urtica
-zu beobachtenden übereinstimmt, dass ich das für letztere Gültige
-ohne Weiteres auf die anderen Beispiele zu übertragen für nothwendig
-halten würde. Gegen die <i>Brücke</i>’sche Annahme spricht aber 1)
-dass die Körnchen sehr häufig und sogar gewöhnlich sich nur in der
-oberflächlichsten Schichte des Protoplasma bewegen, und dass die
-Axe des Protoplasmafadens öfter nachweisbar fester, dichter ist als
-die Oberfläche. Eine hyaline Rinde als Bedeckung ganz oberflächlich
-hinlaufender Körnchen ist nicht wahrzunehmen. Wollte man dieselbe
-dennoch als vorhanden annehmen, so würde sie, da die Körnchen mit dem
-grössten Theile ihrer Oberfläche deutlich wie aus der Grundsubstanz
-frei hervorragen, doch nur verschwindend dünn sein. Stellt nun aber,
-wie aus der <i>Brücke</i>’schen Annahme folgt, diese Rinde das allein
-Contractile dar, so würden wir zu dem Schluss gedrängt werden, dass
-nur ein verschwindend kleiner Theil des Protoplasma contractil
-sei, der weitaus grösste eine nicht organisirte, körnchenhaltige
-Flüssigkeit darstelle. 2) Bei der Aufnahme fremder Körper, welche sich
-der Körnchenbewegung anschliessen, hätte man anzunehmen, dass auch
-diese in die im Innern des Plasma circulirende Flüssigkeit gelangen,
-und eine vollständige Rinde von contractiler Substanz erhalten, ehe
-sie sich in Bewegung setzen können. Die Beobachtungen an grösseren
-Carminkörnerklumpen und Stärkemehlkörnern, sofern sie sich, einmal
-in Berührung mit dem Faden gelangt, fast augenblicklich in Bewegung
-setzen, sprechen gegen diese Annahme. 3) Der von <i>Brücke</i> für
-Urtica aufgestellte Unterschied einer »langsamen, kriechenden« und
-einer »schnelleren fliessenden« Bewegung im Protoplasma ist nicht
-durchzuführen. Es ist zwar richtig, was <i>Brücke</i> sagt, dass man
-die Bewegungen grösserer Protoplasmamassen von der Körnchenbewegung
-unterscheiden könne, und <i>Joh. Müller</i> führte etwas Aehnliches
-zuerst von den Pseudopodien der Radiolarien an. Aber es ist auch leicht
-zu beobachten, dass die »ziehende oder kriechende« Bewegung grösserer
-Protoplasmamassen mit sehr verschiedener Schnelligkeit abläuft und
-bei geringer Grösse der Protoplasmamassen mit der Körnchenbewegung
-an Schnelligkeit übereinstimmt, und es ist weiter von <i>Brücke</i>
-nicht bewiesen, dass die Körnchenbewegung nicht auch zur allmählichen
-Gestaltveränderung der Protoplasmafäden beitrage. Mir scheint das
-letztere unverkennbar. Denn die Bewegung grösserer Massen<span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span> ist z.&#160;B.
-bei Tradescantia viel zu selten, als dass dadurch die stets neuen
-Veränderungen in der Configuration des Fadennetzes sich erklären
-liessen. Nimmt man dagegen die Körnchenbewegung ebenfalls als Ausdruck
-einer Massen-Bewegung des Protoplasma, so ist Alles einfach. Dann
-unterscheiden sich die beiden von <i>Brücke</i> bezeichneten Arten der
-Bewegung <em class="gesperrt">nur in der Menge des Bewegten und in der Schnelligkeit</em>,
-der Art dass, je kleiner die fortzuschaffende Masse ist, desto grösser
-die Geschwindigkeit. Wo man, wie bei den Pseudopodien der Polythalamien
-fremde Körper von sehr verschiedener Grösse der Körnchenbewegung sich
-anschliessen sieht, ist es ganz constant, dass die kleinsten (z.&#160;B.
-Carmin-) Körnchen mit viel grösserer Geschwindigkeit fortgeführt
-werden als grössere. Auch für die im Protoplasma der Pflanzenzellen
-enthaltenen Körnchen lässt sich das Gleiche beobachten, z.&#160;B. sehr
-deutlich bei den Zellen solcher Staubfadenhaare von Tradescantia
-virginica und discolor, welche man aus dem Aufbrechen nahen Knospen
-entnahm. In solchen enthält das Protoplasma, wie bereits oben
-angeführt wurde, neben den gewöhnlichen kleinen Körnchen etwas
-grössere, welche sich durch Iod blau färben, also wohl Stärkekörner
-sind. Hier ist die Schnelligkeit der Bewegung umgekehrt proportional
-der Grösse. Für Vallisneria spiralis führt <i>Jürgensen</i> etwas
-Aehnliches an, indem er sagt, dass von zwei im Laufe sich überholenden
-Chlorophyllkörnern das schnellere stets das kleinere sei (l.&#160;c. 94),
-doch kommt hier möglicher Weise noch ein anderes Moment ins Spiel,
-die geringere oder grössere Entfernung von der Zellenwand, welches
-sich auch bei <em class="gesperrt">Chara</em> geltend zu machen scheint und seinen Grund
-in der verschiedenen nach der Zellwand zu wachsenden Dichtigkeit des
-Protoplasma haben dürfte.</p>
-
-<p>Ich glaube hiernach, dass wir vollkommen berechtigt sind, zunächst
-die bisher geltende Ansicht, dass die Körnchenbewegung <em class="gesperrt">in der
-Substanz des contractilen Protoplasma selbst ihren Sitz habe</em>,
-aufrecht zu halten. Wie <i>Brücke</i> ist auch <i>Heidenhain</i> der
-Beweis für den von ihm mit folgenden Worten aufgestellten Satz: »Im
-Innern des geformten Protoplasmas strömt eine körnerreiche Flüssigkeit
-(<i>Brücke</i>), welche wahrscheinlich durch die Contractionen des
-Protoplasmas in Bewegung versetzt wird« (l.&#160;c. p. 67) schuldig
-geblieben.</p>
-
-<p>Wir kommen zu dem zweiten Theil der <i>Brücke</i>’schen Ansicht über
-die Protoplasmabewegungen, inwiefern nämlich die Niveauveränderungen<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span>
-des Protoplasma gegen die Intracellularflüssigkeit als über die
-Oberfläche hinziehende Contractionswellen zu deuten seien: »Man wird
-sich durch das Fortrücken des Wulstes nicht täuschen lassen, zu
-glauben, dass das sogenannte Protoplasma fliesse: denn man weiss, dass
-eine Contractionswelle der Länge nach über eine ganze Muskelfaser
-abläuft und schliesslich alle Theile derselben doch wieder am alten
-Orte sind.« Es könnte hiernach scheinen, als wenn <i>Brücke</i> die
-Bewegungen des Protoplasma, auf welchen die proteischen Veränderungen
-in der Anordnung desselben beruhen, ganz übersehen habe. Dem ist
-jedoch nicht so. In seinem ersten Aufsatze (l.&#160;c. p. 404) sagt er, wie
-bereits wiederholt angeführt worden, es giebt zwei Arten von Bewegungen
-im Protoplasma »eine langsame, ziehende oder kriechende, von dieser
-hängen <em class="gesperrt">die Veränderungen in der Anordnung der Protoplasmamassen
-ab</em>; ferner eine zweite schnellere, fliessende etc.« Wenn nun auch
-<i>Brücke</i> nicht angiebt, woran er die »ziehende oder kriechende«
-Bewegung des Protoplasma, welche er auch eine langsam <em class="gesperrt">fliessende</em>
-hätte nennen können, von der reinen Wellenbewegung der Oberfläche
-unterscheidet, so hat <i>Heidenhain</i> doch <i>Brücke</i>
-missverstanden, wenn er ihn der Ansicht zeiht (l.&#160;c. p. 62), »dass
-das Protoplasma selbst gar keine fortschreitende Locomotionsbewegung
-mache«, und in Folge dessen die auf den ersten Blick zu sehenden
-Locomotionsbewegungen glaubt besonders beweisen zu müssen.</p>
-
-<p>Ich habe bereits angeführt, dass ich es nach meinen Beobachtungen
-für vollständig unmöglich halte, die langsam ziehende, kriechende
-von der schneller fliessenden Bewegung des Protoplasma scharf zu
-unterscheiden. Da die erstere unzweifelhaft der Ausdruck einer
-Locomotion des Protoplasma ist, so weiss ich für die zweite die Grenze
-nicht festzustellen, wo sie nicht mehr eine fliessende Bewegung des
-Protoplasma genannt werden kann, sondern von Wellenbewegung der
-Oberfläche abhängen soll. Erinnern wir uns ferner, dass die ganze
-Hypothese mit der contractilen Rinde und der körnerreichen Flüssigkeit,
-welche <i>Brücke</i> aufstellte, zunächst noch vollkommen in der Luft
-schwebt, so fällt vollends jeder Grund fort, die schneller fliessende
-von der langsam kriechenden Bewegung zu trennen und leuchtet ein,
-dass, wenn die eine in einer Locomotion des Protoplasma ihren Grund
-hat, die andere es auch haben kann. Die langsam ziehenden Bewegungen
-sind zugegebenermaassen Ortsveränderungen gewisser, besonderer
-Abtheilungen des Protoplasma.<span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span> Wenn solche an sich höchst dunkle
-Bewegungen gesonderter Abschnitte des Protoplasma überhaupt vorkommen,
-so hat es sicher nichts Ungereimtes, wie schon angedeutet, diese
-gesonderten Abschnitte immer kleiner werden zu lassen, bis sie auf
-die nächste Umgebung eines einzelnen Kornes herabgesunken sind. Und
-bewegen sich diese ziehend, kriechend, fliessend oder wie man es
-nennen will, so schwindet das Auffallende der Erscheinung, welches
-<i>Brücke</i> hervorhebt, dass »oft in ganz schmalen Bahnen Kügelchen
-in entgegengesetzter Richtung fliessen und sich vibrirend umeinander
-herumbewegen«; und was <i>Heidenhain</i><a id="FNAnker_55" href="#Fussnote_55" class="fnanchor">[55]</a> hinzufügt, dass er sogar
-beobachtet habe, wie »zwei Kügelchen direct aufeinander losliefen,
-aneinander prallten, dann das eine umkehrte und die Richtung des
-anderen stärkeren (?) annahm, welches die seinige unverändert
-beibehalten hatte«, kann natürlich ebensowenig als Gegenbeweis dienen.</p>
-
-<p>Wenn ich es somit durchaus nicht für erwiesen betrachten kann,
-dass »<em class="gesperrt">das Fortrücken des Wulstes</em>« keine Massenbewegung
-des Protoplasma sei, vielmehr solche Massenbewegung mit diesem
-Fortrücken in bestimmte Verbindung bringe, so will ich damit nicht
-ausgesprochen haben, dass es nicht auch Wellenbewegungen sein könnten,
-welche das Fortrücken der Plasmabestandtheile bedingen. Es gehört
-zum Zustandekommen dieses <em class="gesperrt">Fortrückens</em> durch Wellenbewegung
-vor Anderem die Annahme, dass die Oberfläche eine etwas grössere
-Dichtigkeit habe, als die Tiefe. Wenn ich den von <i>Brücke</i>
-angenommenen Unterschied einer <em class="gesperrt">allein</em> contractilen Rinde und
-einer passiv bewegten Flüssigkeit als unbewiesen bezeichnete und
-mich zu der Annahme desselben nicht verstehen konnte, so können doch
-<em class="gesperrt">Consistenz</em>unterschiede zwischen Rinde und Inhalt am Protoplasma
-auf zweierlei Weise zugegeben werden.</p>
-
-<p id="Consistenzunterschiede">Ich habe an verschiedenen Orten darauf aufmerksam gemacht, dass das
-Protoplasma einer Zelle eine sehr verschiedene Dichtigkeit haben kann.
-Die Angelegenheit ist oben in der Einleitung ausführlich besprochen
-worden. Bei den kleineren Furchungs- oder Embryonalzellen springt die
-Rinde als hyaline, körnchenfreie Schicht über die körnchenhaltige
-Substanz vor. Aehnliches scheint an fast allen als Zellen fungirenden
-Protoplasmamassen vorzukommen. Für die Amoeben und Myxomyceten
-wurde dasselbe Verhältniss oben besprochen.<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> Hier hat es auch öfter
-den Anschein, als wenn die Rinde das vorzugsweise Contractile, und
-das körnige Innere das mehr passiv Bewegte sei. Es ist aber nicht
-bewiesen, dass diesem Letzteren die Contractilität abgehe. Und wenn,
-wie bei manchen Amoeben, namentlich der von mir beschriebenen Amoeba
-porrecta, eine solche hyaline Rindenschicht nicht mehr zu beobachten
-ist, so leitet uns diese hinüber in das Verhältniss, wie wir es bei
-den Pseudopodien der Polythalamien finden, bei denen wir nach Allem,
-was vorliegt, die zerfliesslich weiche, körnige Substanz als mit
-ausgezeichneter Contractilität begabt ansehen müssen. Und wollten wir
-aus dem Verhalten der hyalinen Pseudopodien der Gromia oviformis oder
-der starren, wenig beweglichen Axe der Strahlenfäden von Actinophrys
-Eichhornii auf den Grad der Contractilität der hyalinen Rindenschicht
-der Amoeben und Myxomyceten zurückschliessen, so könnten wir gerade
-das Umgekehrte von dem, was wir oben anführten, erschliessen, nämlich
-dass das körnige Innere das hauptsächlich bewegende Element und die
-hyaline Rinde das mehr passiv bewegte sei. Ich führe das nur an, um
-darauf aufmerksam zu machen, wie wenig Recht wir vorläufig haben eine
-Differenzirung von contractilen und nicht contractilen Schichten im
-Protoplasma anzunehmen, und wie Organisation und Contractilität sich
-nicht an eine bestimmte Dichtigkeit der organischen Substanz knüpft.</p>
-
-<p>Es giebt aber zweitens noch einen anderen Punkt, welcher uns auf
-Dichtigkeitsunterschiede im Protoplasma führt, auch wenn wir
-aus der Beobachtung keinen Grund entnehmen können, dass solche
-Verschiedenheiten, wie z.&#160;B. bei den Amoeben existiren, vielmehr
-die betreffende Protoplasmamasse von durch und durch gleicher
-Dichtigkeit erscheint. Die Physiker sind namentlich durch genauere, von
-<i>Poisson</i> angeregte Betrachtungen über die Capillarerscheinungen
-zu der wichtigen Annahme gekommen, dass jedesmal die <em class="gesperrt">Oberfläche</em>
-einer Flüssigkeit eine andere und grössere Dichtigkeit besitze, als
-das Innere<a id="FNAnker_56" href="#Fussnote_56" class="fnanchor">[56]</a>. »Leichte, unbenetzte Körper veranlassen nur ein
-Einbiegen der Oberfläche, ohne sie zu durchbrechen; neben benetzten
-Körpern erhebt sich die Oberfläche. Die so entstehenden aufwärts
-oder abwärts gekehrten Ränder ziehen sich an, wenn sie gleichartig
-sind;<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> ein benetzter und ein unbenetzter Rand stossen sich ab.
-Kleine Quantitäten Flüssigkeit auf unbenetzten Flächen nehmen durch
-die Spannung der Oberfläche Kugelgestalt an. Bei der Blasenbildung
-erscheint die Oberfläche ganz frei und getrennt von der inneren Masse.
-Bei strömendem Wasser bewegt sich die Oberfläche langsamer als die
-darunter befindliche Masse, wie es der durch momentanes Eintauchen
-eines mit Tusche gefüllten Pinsels entstehende schwarze Streifen
-zeigt. Auch bei der Bildung und dem Zusammenfliessen einzelner Tropfen
-finden auffallende Bewegungen statt. Diese Erscheinungen lassen
-vermuthen, <em class="gesperrt">dass die Oberfläche eine festere Decke sei, deren dicht
-zusammengedrängte Theilchen, wenn sie auch noch immer leicht trennbar
-und verschiebbar sind, dennoch einen viel stärkeren Zusammenhang haben,
-als die Theilchen im Innern der Flüssigkeit</em>.«</p>
-
-<p>Noch manche Thatsachen lassen sich anführen, welche für die Richtigkeit
-dieses Satzes sprechen. Wasser steigt zwischen zwei parallelen
-Glasplatten vermöge der Capillarität schnell zu einem Maximum der Höhe,
-von welchem es allmählich und noch Tage lang sinkt. Die Erhebung ist
-um so grösser, je <em class="gesperrt">frischer</em> die Oberfläche ist. Das Maximum der
-Höhe erreicht man durch wiederholtes Abheben der Oberfläche zwischen
-den beiden Scheiben mittelst dickem Löschpapier. Ein ähnlicher Einfluss
-dieses <em class="gesperrt">Frischmachens</em> der Oberfläche lässt sich auch mit einem
-Oeltropfen erkennen, der auf dem frischen Wasserspiegel sich sogleich
-ausbreitet und irisirt, auf einer Oberfläche aber, die längere Zeit
-selbst unter einer Glasglocke gestanden hat, ruhig liegen bleibt. Nach
-allem diesem können wir uns nicht sträuben, eine Anwendung obigen
-Satzes auch auf die dickschleimig-flüssige Protoplasmasubstanz, wo
-sie von wässrig-flüssigem Zellsafte oder von Wasser umgeben ist, zu
-machen. Wir haben dann anzunehmen, dass auch die Oberfläche eines
-Protoplasmafadens oder einer Protoplasmakugel, wo sie das umgebende
-Wasser berührt, eine grössere Dichtigkeit habe, als die unter ihr
-liegende Substanz, und wir kommen dadurch zu der Nothwendigkeit, eine
-Art von Membran anzuerkennen, wo histiologisch eine solche noch nicht
-differenzirt ist. Die Sache hat ihre Wichtigkeit, z.&#160;B. bei Erklärung
-der Thatsache, warum zwei aneinander stossende Protoplasmamassen
-von einer so geringen Dichtigkeit, dass ein Zusammenfliessen beider
-möglich ist, nicht immer und sofort bei der Berührung wirklich
-zusammenfliessen. Wie bei zwei aneinanderstossenden Fetttropfen
-beobachtet werden kann, dass<span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> das erwartete Zusammenfliessen erst
-eintritt wenn mittelst einer Nadel die Oberfläche eines derselben
-oder beider durchbrochen wird, eine Erscheinung, welche die grössere
-Dichtigkeit der Oberfläche zu beweisen scheint, so dürfte unter
-Umständen auch die oben erwähnte Thatsache, dass zwei derselben
-Polythalamie angehörende Pseudopodien, wo sie sich auf ihrem Wege
-begegnen, nicht immer sofort gleich zusammenfliessen, in einer solchen
-»Contactmembran«, wie ich die dichtere Schicht der Oberfläche nennen
-will, wenigstens theilweise ihre Erklärung finden. Jedenfalls ist die
-ganze Angelegenheit für die Beurtheilung der Dichtigkeitsverhältnisse
-der nackten Protoplasmamassen und der an die Intracellularflüssigkeit
-grenzenden Protoplasmaoberflächen von nicht zu unterschätzender
-Bedeutung.</p>
-
-<p>Wenn die Körnchenbewegung in Contractionen des Protoplasma ihren
-Grund hat, welche sich in über die Oberfläche ablaufenden Wellen
-äussert, so gehört, um die Fortbewegung der Körnchen zu erklären, wie
-angeführt, dazu die Annahme einer härteren Rinde und eines weicheren
-Inhaltes. Möglich, dass schon die geringen Dichtigkeitsunterschiede
-und die verschwindend feine Haut, auf welche wir, gestützt auf obige
-Annahmen, kommen, zur Erklärung der Körnchenbewegung benutzt werden
-können. Schwebt auch diese Deduction, da sie sich auf eine noch nicht
-scharf erwiesene physikalische Praemisse stützt, gewissermaassen in der
-Luft, so hat dieselbe doch ein Recht auf Berücksichtigung. Wir dürfen
-unsere Augen gegen die aus den oben berichteten Thatsachen folgenden
-Consequenzen nicht verschliessen, wenn wir auch gegen eine Uebertragung
-derselben auf eine <em class="gesperrt">lebendige</em> Substanz sich Bedenken erheben
-sehen. Denn was für ruhende Flüssigkeiten wahr ist, braucht noch nicht
-für die ununterbrochen veränderliche lebende Protoplasmasubstanz zu
-gelten. Dennoch halte ich die Angelegenheit für die Erklärung der
-Körnchenbewegung, und weiter bei Beurtheilung der Möglichkeit der
-Existenz solcher Zellen, welchen eine vom Protoplasma differente
-Membran fehlt, für nicht gleichgültig.</p>
-
-<p>Ueberblicken wir endlich noch einmal, was wir gegen die von
-<i>Brücke</i> angenommene Differenzirung des beweglichen Protoplasma in
-eine contractile äussere Schicht und eine passiv bewegte, körnerreiche
-Flüssigkeit vorgebracht haben, so ergiebt sich, dass, wenn auch ein
-directer Gegenbeweis gegen die Richtigkeit dieser Annahme nicht
-geliefert werden konnte, dieselbe doch durch die Beobachtung zu wenig
-gestützt ist als dass sie beanspruchen könnte, die Frage nach<span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span> der
-Natur der so merkwürdigen Körnchenbewegung zu einer befriedigenden
-Lösung gebracht zu haben. Die Zeit zu einer solchen scheint mir
-überhaupt noch nicht gekommen zu sein. Ich möchte glauben, dass wir die
-Vorgänge organischer Bewegungen auch in ihrer einfachsten Erscheinung
-noch viel zu wenig übersehen, als dass wir wagen dürften eine Theorie
-der, wie wohl nicht bezweifelt werden kann, höchst verwickelten
-Erscheinungen der Körnchenbewegung aufzustellen.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="IV_Schlussbemerkungen"><span class="s5">IV.</span><br />
-Schlussbemerkungen.</h2>
-
-</div>
-
-<p>Die vorstehenden Untersuchungen sind weit davon entfernt,
-einen Abschluss in die Fragen nach den Lebenserscheinungen der
-Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden und den Bewegungen des Protoplasma
-der Pflanzenzellen zu bringen. Sie hatten allein den Zweck einige
-Seiten dieser Erscheinungen genauer als bisher geschehen, zu analysiren
-und von Neuem auf die Bedeutung aufmerksam zu machen, welche die
-genannten Substanzen für die Beantwortung wichtiger Fragen der
-allgemeinen Gewebelehre haben.</p>
-
-<p>Dass eine Substanz von der Natur des Protoplasma der Pflanzenzellen
-den Hauptbestandtheil des Körpers einer grossen Gruppe von Thieren,
-der <em class="gesperrt">Rhizopoden</em>, bildet, ist eine Thatsache von so fundamentaler
-Wichtigkeit, dass jede auf dieselbe bezügliche Beobachtung unser
-höchstes Interesse in Anspruch nehmen muss. Bestätigt es sich, wie nach
-dem Obigen wohl nicht bezweifelt werden kann, dass die Pseudopodien
-der Polythalamien und Radiolarien eine von der sie bildenden
-Protoplasmasubstanz verschiedene Membran auf der Oberfläche nicht
-besitzen, zeigt es sich hier, dass das Protoplasma auch ohne solche
-Membran seine Integrität bewahren kann,<span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span> so gelangen wir folgerichtig
-weiter zu der Annahme, dass zum Begriff der Zelle überhaupt die Membran
-nicht nothwendig gehöre. So stehen die obigen Untersuchungen in der
-innigsten Beziehung zu der Theorie der Zelle.</p>
-
-<p><i>Reichert</i>, dem die weittragende Bedeutung dieser Deduction
-gefährlich für den <em class="gesperrt">Bestand der Zellentheorie</em>, wie dieselbe
-von <i>Schleiden</i> und <i>Schwann</i> begründet worden, erschien,
-versuchte nachzuweisen, dass die bisherigen Beobachter die Natur der
-Pseudopodiensubstanz der Polythalamien vollständig verkannt hätten,
-dass weder eine <em class="gesperrt">Körnchenbewegung</em> an ihnen existire, noch dass
-die Pseudopodien bei der Berührung <em class="gesperrt">zusammenfliessen</em> könnten.
-Bei so grober Täuschung in der Beobachtung müssten natürlich auch
-alle auf die in Rede stehende Substanz gegründeten Vergleiche und
-Schlüsse falsch sein, namentlich müsse eine Zusammenstellung der
-Pseudopodiensubstanz der Rhizopoden mit dem in strömender Bewegung
-begriffenen Inhalte vieler Pflanzenzellen zurückgewiesen werden.</p>
-
-<p>Ich muss hier zunächst noch einmal ausdrücklich hervorheben, dass
-<i>Reichert’s</i> Besorgnisse, dass durch meine Auffassung der Zelle
-die Grundvesten der Zellentheorie erschüttert würden, vollständig
-ungegründet sind. Niemand kann tiefer von der Ueberzeugung durchdrungen
-sein, als ich, dass die Lehre von der Zelle als Grundelement aller
-thierischen Gewebe für alle Zeiten unveräusserlich gesichert sei.
-Weit entfernt, etwas Neues an die Stelle der Zellentheorie setzen zu
-wollen, suche ich vielmehr durch meine Auffassung des Rhizopodenkörpers
-auch seine Substanz, die sogenannte und bis dahin ausserhalb der
-Zellentheorie stehende <em class="gesperrt">Sarkode</em>, dieser Theorie unterzuordnen.
-Und was meine Stellung zu den Lehren <i>Schwann’s</i> betrifft, so
-meine ich, dass wir in vielen Stücken zu der reineren Form derselben
-zurückkehren müssen. Meine Beobachtungen drängen mich immer mehr zu
-der Ueberzeugung, dass »die Uebereinstimmung in der Structur und dem
-Wachsthum der Thiere und Pflanzen«, wie <i>Schwann</i> den Inhalt
-seiner berühmten Untersuchungen nannte, eine viel grössere sei, als man
-heutzutage anzunehmen geneigt ist, und einen Beleg hierzu bildet auch
-der Inhalt vorstehender Untersuchungen. Möchte der <i>Schwann</i>’sche
-Geist und die <i>Schwann</i>’sche Methode in die Arbeiten der
-Histiologen mehr und mehr zurückkehren, das über vielen Fragen der
-allgemeinen Gewebelehre herrschende Dunkel würde sich stetiger lichten.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span></p>
-
-<p id="Resultate">Was dann aber die Ausstellungen <i>Reichert’s</i> an meiner
-Beschreibung der Polythalamien und dem von mir gezogenen Vergleiche
-zwischen den Pseudopodien der Rhizopoden und dem Protoplasma der
-Pflanzenzellen betrifft, so hat das Obige gelehrt, dass ich mich in
-der Lage befinde, alle von <i>Reichert</i> bestrittenen Punkte in
-voller Integrität in der ursprünglichen Form aufrecht zu erhalten.
-Nachstehende Uebersicht der <em class="gesperrt">Hauptresultate</em> meiner Untersuchungen
-wird schliesslich dies Verhältniss möglichst scharf präcisiren:</p>
-
-<p>1) Die Bewegung, welche man an den Pseudopodien der Polythalamien
-wahrnimmt und mit dem Namen der Körnchenbewegung belegt hat,
-beruht auf einem Gleiten zahlreicher in der Pseudopodiensubstanz
-enthaltener Körnchen, nicht, wie <i>Reichert</i> behauptet, allein
-auf wellenförmigen Erhebungen der Oberfläche in Form »einer am Faden
-fortziehenden Schlinge.«</p>
-
-<p>2) Da den Körnchen die Fähigkeit der selbstständigen Bewegung nicht
-zugeschrieben werden kann, muss das Gleiten derselben von einer
-Bewegung der Grundsubstanz, in welche sie eingebettet sind, abhängen.
-Diese Bewegung kann mit Rücksicht auf den eigenthümlichen, dem einer
-Flüssigkeit verwandten Aggregatzustand der Pseudopodiensubstanz, eine
-<em class="gesperrt">fliessende</em> genannt werden. Doch kommt bei der Unmöglichkeit
-eine klare Vorstellung von dem Aggregatzustande der <em class="gesperrt">lebendigen</em>
-Pseudopodiensubstanz zu erhalten, auf den Ausdruck nichts an, wir
-können mit demselben Rechte die Bewegung eine <em class="gesperrt">gleitende</em>,
-<em class="gesperrt">ziehende</em>, <em class="gesperrt">kriechende</em> etc. nennen. Diese Bewegung der
-Grundsubstanz ist an grösseren Abtheilungen derselben direct zu
-beobachten. Nichts widerspricht der Annahme, dass diese sich bewegenden
-Abtheilungen der Grundsubstanz bis zu minimaler Grösse herabsinken,
-in welchem Falle sie nur ein einziges oder oft auch gar kein Körnchen
-enthalten. So erklärt es sich, dass dicht nebeneinander liegende
-Körnchen eine verschieden schnelle und verschieden gerichtete Bewegung
-zeigen.</p>
-
-<p>3) Die Frage nach der Consistenz oder dem Aggregatzustande der
-Pseudopodiensubstanz wird ihrer Lösung wesentlich näher geführt
-durch die Beobachtungen über die Erscheinungen, welche bei dem
-Zusammenstossen zweier sich begegnender Pseudopodien auftreten.
-Dieselben sprechen für ein <em class="gesperrt">Zusammenfliessen</em> der Substanz
-derselben. Von ähnlicher Bedeutung für die Consistenzfrage<span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span> sind die
-Beobachtungen über die Aufnahme von Carmin- und Stärkemehlkörnern in
-die Pseudopodien.</p>
-
-<p>4) Die Consistenz der Pseudopodiensubstanz variirt bei verschiedenen
-Species der Rhizopoden ziemlich bedeutend. Als Extreme können die
-beiden <em class="gesperrt">Gromien</em>, Gromia oviformis und Dujardinii gelten.
-Sie variirt aber auch in verschiedenen Tiefen einer und derselben
-Pseudopodie. Ob bei den Polythalamien eine Differenzirung der Fäden in
-hyaline Rinde und körnchenhaltiges Innere vorkomme, wie bei den Amoeben
-ist durchaus zweifelhaft, sehen lässt sich nichts davon. Dagegen zeigt
-sich bei <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em> deutlich eine Differenzirung
-der Pseudopodien in <em class="gesperrt">hyaline Axe</em> und <em class="gesperrt">körnerhaltige Rinde</em>.
-Mittelst letzterer als der weicheren, zerfliesslicheren Substanz findet
-auch ein Zusammenfliessen der Pseudopodien statt, welches sich nicht
-auf die hyaline Axe erstreckt. Bei manchen Radiolarien des Meeres
-scheint etwas Aehnliches vorzukommen.</p>
-
-<p>5) In der Leibessubstanz der <em class="gesperrt">Actinophrys Eichhornii</em> und zwar
-an der Peripherie der dunkleren Markmasse finden sich ganz constant
-in regelmässigen Entfernungen viele zellenartige Körperchen mit meist
-mehrfachen kleinen Kernen.</p>
-
-<p>6) Die Wärmestarre (<i>Kühne</i>) als todtbringende Gerinnung tritt bei
-Actinophrys, bei Amoeba, Difflugia und bei den Polythalamien bei 42–43° C.
-ein. Anguillulinen, Räderthiere, Naiden, Turbellarien, Ostracoden
-ertragen meist noch 44° C.</p>
-
-<p>7) Die Schläge des Inductionsapparates üben eine andere Wirkung auf
-die Körnchenbewegung der Pseudopodien der Polythalamien nicht aus als
-solche Agentien, welche eine Retraction und endlich eine Auflösung
-derselben herbeiführen.</p>
-
-<p>8) Die Bewegungen des Protoplasma der Pflanzenzellen gleichen denen der
-Pseudopodien der Polythalamien so sehr, dass, wenn die Anordnung des
-Protoplasma der Art ist, wie z.&#160;B. in den Zellen der Staubfadenhaare
-von Tradescantia, kein Unterschied zwischen beiden Arten der Bewegung
-aufzufinden ist.</p>
-
-<p>9) Auch der Einfluss chemischer Reagentien, der Wärme und der
-Elektricität auf die Protoplasmafäden der Pflanzenzellen ist derselbe,
-wie auf die Pseudopodien der Polythalamien. Nur in Betreff des höchsten
-Temperaturgrades, bei welchem sich die Bewegungen noch erhalten, ist
-der Unterschied anzuführen, dass die Grenze bei<span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span> den Pflanzenzellen
-etwas höher (46–47° C.) liegt, als bei den Rhizopoden (43° C.).</p>
-
-<p>10) Als die Ursache der Bewegung des Protoplasma der Pflanzenzellen
-muss, wie schon vor mehr als 10 Jahren <i>F. Cohn</i> und <i>Unger</i>
-aussprachen, eine Eigenschaft in Anspruch genommen werden, welche den
-Namen <em class="gesperrt">Contractilität</em> verdient.</p>
-
-<p>11) Wie bei den Pseudopodien der Polythalamien, so ist auch in
-den Protoplasmafäden der Pflanzenzellen eine Differenzirung in
-Rinde und Mark nicht zu beobachten. Aus diesem Grunde kann ich der
-<i>Brücke</i>’schen Annahme einer solchen Differenzirung nicht
-beipflichten. Die Körnchenbewegung lässt sich auch ohne solche Annahme
-ganz auf dieselbe Weise wie bei den Pseudopodien der Polythalamien
-erklären. Theoretisch ist allerdings die Möglichkeit der Anwesenheit
-einer etwas festeren Rinde für beide Objecte zuzugeben (vergl. hierzu
-p. 58–61).</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span></p>
-
-<h3 id="Nachtrag"><em class="gesperrt">Nachtrag,</em><br />
-betreffend das Vorkommen lebender Organismen in heissen Quellen.</h3>
-
-</div>
-
-<p>Nach Beendigung des Druckes vorstehender Untersuchungen erhalte ich
-Kenntniss von dem eben erschienenen Aufsatze <i>Ferd. Cohn’s</i>
-»Ueber die Algen des Karlsbader Sprudels, mit Rücksicht auf die
-Bildung des Sprudelsinters«, Breslau 1863 besonders abgedruckt
-aus dem 2. Hefte des Jahrg. 1862 der Abhandl. d. schles. Ges. f.
-vaterl. Kultur. Die interessante Schrift enthält einige Notizen über
-die höchsten Temperaturgrade, bei welchen noch lebende Organismen
-im Karlsbader Sprudel gefunden worden. <i>Cohn’s</i> Messungen
-ergaben übereinstimmend mit <i>Agardh’s</i> älteren Angaben, dass
-<em class="gesperrt">über 43° R. keine Algenvegetation vorkomme</em>. Von 35°–42° R.
-lebt <em class="gesperrt">Leptothrix lamellosa</em> <i>Kg.</i>, unter 35° finden sich
-<em class="gesperrt">Oscillarien</em> und <em class="gesperrt">Mastigocladus</em>, eine neue, den Oscillarien
-verwandte Gattung, die <em class="gesperrt">Oscill. labyrinthiformis</em> <i>Agardh</i>.
-<i>Cohn</i> will seinen Messungen allerdings noch keine vollkommen
-abschliessende Bedeutung beilegen, da er eine Stelle, das Wasser des
-<em class="gesperrt">Sprudelkorbes</em>, in welchem <i>Schwabe</i> früher bei 58–59° R.
-Oscillarien gefunden zu haben angiebt, nicht untersucht hat. Doch hegt
-er Zweifel an der Richtigkeit dieser Behauptungen. Jedenfalls kommt
-an den von <i>Cohn</i> untersuchten Stellen eine Vegetation von Algen
-nicht eher vor, bis sich das Wasser <em class="gesperrt">unter</em> 43° R. abgekühlt hat.
-Hiernach wäre also vorläufig diese Temperatur d.&#160;h. cc 53° C. als die
-höchste anzunehmen, bei welcher im Karlsbader Sprudel Algen gedeihen.
-Auch diese Temperatur erscheint noch gegenüber dem<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span> oben pag. 48
-mitgetheilten Untersuchungen über den höchsten Temperaturgrad, welchen
-das Protoplasma der Pflanzenzellen lebend überdauert, und welchen ich
-zu 47° C. bestimmte, sehr hoch, steht letzteren aber doch näher als die
-<i>Ehrenberg</i>’schen Angaben über die Quellen auf Ischia (siehe oben
-pag. 49), in denen sich bei 81–85° C. noch thierisches und pflanzliches
-Leben finden soll.</p>
-
-<p class="s5a center padtop3">Druck von Breitkopf und Härtel in Leipzig.</p>
-
-<div class="footnotes">
-
-<p class="s3 center"><b>Fußnoten:</b></p>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> <i>Reichert</i>, in dem Archiv für Anat., Physiologie etc.
-1863, p. 95.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 385.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> On the structure of the simple tissues of the human body.
-London 1861. Deutsch von <i>V. Carus</i>, Leipzig, 1862.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. der Wiss.
-zu Wien 1861, Bd. 44, p. 381.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Die neueren Reformen in der Zellenlehre. Archiv f. Anat.,
-Physiologie etc. 1863, p. 86.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Untersuchungen über den Bau und die Bildung der
-Pflanzenzelle. Berlin 1854.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a> Vergl. Nachtrag 3 des Aufsatzes ȟber die neueren Reformen
-in der Zellenlehre,« in welchem die gröbsten Missverständnisse
-bezüglich dessen was <i>Brücke</i> und ich Protoplasma genannt haben,
-enthalten sind. So soll <i>Brücke</i> für die sich bewegende Masse in
-der Zelle des Nesselhaares, welche <i>Mohl</i> zum Protoplasma rechnet,
-den Namen <em class="gesperrt">Intracellularflüssigkeit</em> einführen wollen, während
-<i>Brücke</i> mit diesem Namen gerade die ruhende Zellflüssigkeit
-<em class="gesperrt">neben</em> dem Protoplasma bezeichnet, und ich soll, wo eine
-Membran vorhanden, »den ganzen Zelleninhalt mit Ausnahme des Kernes«
-Protoplasma nennen, während ich doch gerade auf den Gegensatz zwischen
-Protoplasma und Zellflüssigkeit auf das Nachdrücklichste aufmerksam
-gemacht habe.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_8" href="#FNAnker_8" class="label">[8]</a> Archiv f. Anat., Phys. etc. 1861, p. 133.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_9" href="#FNAnker_9" class="label">[9]</a> Ebenda 1862, p. 638.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_10" href="#FNAnker_10" class="label">[10]</a> Ebenda 1862, p. 646; Ebenda 1863.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_11" href="#FNAnker_11" class="label">[11]</a> Der Organismus der Polythalamien 1854, p. 16, 17.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_12" href="#FNAnker_12" class="label">[12]</a> Monatsberichte der Akad. d. Wiss. z. Berlin 1856, p. 479.
-Ueber die Thalassikollen, Polycystinen und Acanthometren 1858, p. 9,
-10, 15.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_13" href="#FNAnker_13" class="label">[13]</a> Die Radiolarien, Berlin 1862, p. 89 ff. Hier findet
-sich neben den eigenen ausserordentlich umfassenden Beobachtungen des
-Verfassers Alles was bis jetzt über die Körnchenbewegung veröffentlicht
-worden, mit grösster Ausführlichkeit und Gewissenhaftigkeit
-zusammengestellt.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_14" href="#FNAnker_14" class="label">[14]</a> Anatomie und Physiologie der Pflanzen 1855, p. 280–284.
-Vorher hatte schon <i>F. Cohn</i> das Protoplasma der Pflanzenzellen
-als ein contractiles bezeichnet (vergl. meinen Aufsatz im Archiv f.
-Anatomie, Physiologie etc. 1858, p. 335 und <i>E. Haeckel</i> l.&#160;c. p.
-93), jedoch ohne Beziehung zur Körnchenbewegung.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_15" href="#FNAnker_15" class="label">[15]</a> Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858, p. 335 ff.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_16" href="#FNAnker_16" class="label">[16]</a> Archiv für Naturgeschichte 1860, p. 300.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_17" href="#FNAnker_17" class="label">[17]</a> Monatsberichte der Akad. der Wiss. zu Berlin 1862, p.
-406–426. — Archiv f. Anatomie, Physiologie etc. 1862, p. 638–654.
-Ebenda 1863, p. 86 ff.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_18" href="#FNAnker_18" class="label">[18]</a> Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1857, p. 1.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_19" href="#FNAnker_19" class="label">[19]</a> Archiv etc. 1863, p. 100.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_20" href="#FNAnker_20" class="label">[20]</a> Vergl. mein Buch über den Organismus der Polythalamien
-und Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1856, p. 165.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_21" href="#FNAnker_21" class="label">[21]</a> Etudes sur les Infusoires et les Rhizopodes 1859, Planche
-23.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_22" href="#FNAnker_22" class="label">[22]</a> Vergl. meinen Aufsatz: Die Structur der Diatomeenschaale
-verglichen mit gewissen aus Fluorkiesel künstlich darstellbaren
-Kieselhäuten. Verhandlungen des naturhist. Vereines der preuss.
-Rheinlande und Westphalens Jahrg. XX, 1863, p. 31.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_23" href="#FNAnker_23" class="label">[23]</a> Die Elementarorganismen, Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss.
-zu Wien 1861, Bd. 44, p. 401.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_24" href="#FNAnker_24" class="label">[24]</a> l.&#160;c. p. 136.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_25" href="#FNAnker_25" class="label">[25]</a> Ueber den Organismus der Polythalamien Taf. I u. Taf.
-VII.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_26" href="#FNAnker_26" class="label">[26]</a> Vergl. oben die Einleitung.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_27" href="#FNAnker_27" class="label">[27]</a> Bericht über die Verhandl. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin
-1855. p. 674.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_28" href="#FNAnker_28" class="label">[28]</a> Die Thalassicollen etc. aus d. Abhandl. der Akad. zu
-Berlin 1858. p. 20.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_29" href="#FNAnker_29" class="label">[29]</a> Bericht d. Akad. zu Berlin 1855. p. 674.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_30" href="#FNAnker_30" class="label">[30]</a> z.&#160;B. <i>Claparède</i> in <i>Müller’s</i> Archiv 1854, p.
-413.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_31" href="#FNAnker_31" class="label">[31]</a> Archiv etc. 1859, p. 822.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_32" href="#FNAnker_32" class="label">[32]</a> Archiv etc. 1859, p. 805.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_33" href="#FNAnker_33" class="label">[33]</a> Zeitschr. f. wiss. Zoologie 1859, Bd. I, p. 198. 200,
-Taf. XVII, Fig. 5 <i>g</i>.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_34" href="#FNAnker_34" class="label">[34]</a> <i>Unger</i>, Anatomie u. Physiologie d. Pflanzen. 1855.
-p. 274.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_35" href="#FNAnker_35" class="label">[35]</a> <i>Schacht</i>, Lehrbuch. der Anat. u. Physiologie der
-Gewächse. 1856. p. 39 ff.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_36" href="#FNAnker_36" class="label">[36]</a> Ebenda p. 45 u. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik,
-hrsg. v. <i>Pringsheim</i>, 1863.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_37" href="#FNAnker_37" class="label">[37]</a> Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1858. p. 336.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_38" href="#FNAnker_38" class="label">[38]</a> Die Radiolarien etc. p. 94. 98.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_39" href="#FNAnker_39" class="label">[39]</a> Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, Heft II,
-1863, p. 63.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_40" href="#FNAnker_40" class="label">[40]</a> Anatomie u. Physiologie der Pflanzen, p. 277.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_41" href="#FNAnker_41" class="label">[41]</a> Studien des physiol. Institutes zu Breslau, herausgegeb.
-v. <i>Heidenhain</i>. Heft I. 1861. p. 99.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_42" href="#FNAnker_42" class="label">[42]</a> Ebenda Heft II, p. 66.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_43" href="#FNAnker_43" class="label">[43]</a> Das Verhalten der sogenannten Protoplasmaströme in den
-Brennhaaren von Urtica urens gegen die Schläge des Magnetelectromotors.
-Sitzungsber. d. Akad. d. Wiss. zu Wien, 1862, Bd. 46, p. 1.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_44" href="#FNAnker_44" class="label">[44]</a> l.&#160;c. p. 66.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_45" href="#FNAnker_45" class="label">[45]</a> Comptes rendus 1837, Tom. V, p. 777.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_46" href="#FNAnker_46" class="label">[46]</a> Studien des physiolog. Institutes zu Breslau, hrsgegeb.
-v. <i>Heidenhain</i>. I. Heft. 1861. p. 104.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_47" href="#FNAnker_47" class="label">[47]</a> Die vegetabilische Zelle. Handwörterbuch d. Physiologie.
-Bd. 4, p. 201.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_48" href="#FNAnker_48" class="label">[48]</a> Nachträglich erhielt ich auch noch eine Species von
-<em class="gesperrt">Chara</em> zur Beobachtung. Die Schnelligkeit der Bewegung übertrifft
-hier die aller bisher angeführter Formen. Sie betrug an meinen
-Präparaten bei gewöhnlicher Zimmertemperatur 0,025 Mm. und liess sich
-durch Erwärmung bis auf 0,04 Mm. in der Secunde steigern.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_49" href="#FNAnker_49" class="label">[49]</a> Monatsberichte der Akademie zu Berlin 1859, p. 493.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_50" href="#FNAnker_50" class="label">[50]</a> Die Radiolarien, p. 98.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_51" href="#FNAnker_51" class="label">[51]</a> Sitzungsberichte der Akad. d. Wiss. z. Wien 1861, Bd. 44,
-p. 403, Anm. vergl. auch ebenda 1862, Bd. 46, p. 1.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_52" href="#FNAnker_52" class="label">[52]</a> Studien des physiologischen Institutes zu Breslau Heft 2,
-1863, p. 64.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_53" href="#FNAnker_53" class="label">[53]</a> Sitzungsberichte etc. Bd. 46, p. 1.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_54" href="#FNAnker_54" class="label">[54]</a> Archiv f. patholog. Anatomie, Bd. 26, 1862, p. 222.
-Vergl. auch Archiv für Anatomie, Physiologie etc. 1859, p. 814 ff.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_55" href="#FNAnker_55" class="label">[55]</a> Vergl. in <i>Müller’s</i> Archiv 1858, p. 336, meine
-Beobachtungen über Tradescantia.</p>
-
-</div>
-
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_56" href="#FNAnker_56" class="label">[56]</a> <i>Hagen</i>, Ueber die Oberfläche der Flüssigkeiten.
-Abhandl. d. Königl. Akad. zu Berlin 1845. Pogg. Ann. Bd. 67, p. 1.
-Citat nach »Die Fortschritte der Physik im J. 1845 redig. v. <i>G.
-Karsten</i>. Berlin 1847« p. 14.</p>
-
-</div>
-</div>
-
-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DAS PROTOPLASMA DER RHIZOPODEN UND DER PFLANZENZELLEN.</span> ***</div>
-<div style='text-align:left'>
-
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-Updated editions will replace the previous one&#8212;the old editions will
-be renamed.
-</div>
-
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-Defect you cause.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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-</div>
-
-</div>
-</div>
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