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-The Project Gutenberg eBook of Die Radierung, by Alois Leopold
-Seibold
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Die Radierung
- Ein Leitfaden und Ratgeber
-
-Author: Alois Leopold Seibold
-
-Illustrator: Alois Leopold Seibold
-
-Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735]
-
-Language: German
-
-Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG ***
-
-
-
-
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
-
- Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
- ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
- ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
- Buches.
-
-
-
-
-Die Radierung.
-
-[Illustration: Christnacht
-
-Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-
-
-
- Die Radierung
-
- Ein Leitfaden und Ratgeber
-
- von
-
- Professor Alois Leopold Seibold
-
- Maler und Radierer in Wien
-
- Vierte vermehrte und verbesserte Auflage
-
- Mit 10 Kunstbeilagen und
- 16 Abbildungen im Text
-
- [Illustration]
-
- Eßlingen a. N.
- Paul Neff Verlag (Max Schreiber)
- 1922
-
-
-
-
-Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N.
-
-
-
-
-Meinem hochgeschätzten Meister,
-
-Professor Viktor Jasper in Wien
-
-in dankbarer Verehrung zugeeignet
-
- _Alois L. Seibold_
-
-
-
-
-Vorwort zur ersten Auflage.
-
-
-Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da
-war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise
-mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete
-zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen,
-doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen
-Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor
-Entmutigung zu bewahren.
-
-Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck
-der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet
-und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden
-ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf
-Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum
-Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient.
-
-Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben
-dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende
-erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten
-Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen,
-ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren.
-
-Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe -- der Erste -- über
-die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die
-Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem
-Gebiete aufzuweisen hat.
-
-Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf
-der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan;
-die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es,
-die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf
-daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne.
-
-Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da
-ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer
-Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den
-graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu
-haben.
-
-Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir
-zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum
-Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu
-haben.
-
- Prag, im September 1909.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Vorwort zur 3. und 4. Auflage.
-
-
-Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not und Verwirrung, die uns
-die letzten Jahre gebracht, geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren
-sicheren Weg.
-
-Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am Schönen, können im gesunden
-Volke nicht untergraben werden; das sind unverlierbare Schätze,
-Quellen, die immer fließen.
-
- * * * * *
-
-Nach kaum drei Jahren -- es waren bisher die ärgsten -- ward die dritte
-Auflage notwendig, nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist
-klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist groß und stolz.
-
-Und nun zum viertenmal hinaus!
-
-In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und Schaffenslust!
-
-Und das Weggeleit ist die verständnisvolle Freundschaft, die dem
-Büchlein beschieden ist; möge sie ihm erhalten bleiben!
-
- Wien, im Juni 1922.
-
- =Der Verfasser.=
-
-
-
-
-Inhalt.
-
-
- _Vorwort_
-
- Seite
-
- 1. _Über das Wesen der Radierung_ 1
-
- 2. _Vorbereitung zum Arbeiten_ 6
-
- ~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung 6
-
- ~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes 8
-
- ~c~) Das Grundieren der Kupferplatte 11
-
- ~d~) Das Anrauchen 15
-
- 3. _Das eigentliche Radieren_ 20
-
- ~a~) Von der Wahl des Motives 20
-
- ~b~) Das Aufbringen der Konturen 21
-
- ~c~) Die Radiernadeln 24
-
- ~d~) Über die Führung der Nadel 25
-
- 4. _Der Ätzprozeß_ 28
-
- ~a~) Die Bereitung des Ätzwassers 28
-
- ~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen 31
-
- ~c~) Die Bereitung von Ätzwachs 34
-
- ~d~) Die erste Ätzung 35
-
- ~e~) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis) 38
-
- ~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme 41
-
- ~g~) Das Reinigen der Platte 43
-
- 5. _Das Abdrucken von der Platte_ 45
-
- ~a~) Über die Bedeutung des Handabdrucks 45
-
- ~b~) Das Druckpapier 46
-
- ~c~) Die Druckfarbe 48
-
- ~d~) Das Einschwärzen der Platte 50
-
- ~e~) Der Abdruck 52
-
- ~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege 57
-
- 6. _Retouche-Arbeiten_ 62
-
- 7. _Über Mißerfolge_ 68
-
- 8. _Abschleifen der Platte_ 74
-
- 9. _Strich und Ton_ 77
-
- 10. _Wege und Ziele_ 84
-
- 11. _Das fertige Blatt_ 92
-
- _Schlußwort_ 94
-
- _Alphabetisches Verzeichnis_ 100
-
-
-
-
-Kunstbeilagen.
-
-
-Original-Radierungen von Alois L. Seibold.
-
- I. »Christnacht« Titelbild
-
- II. »Das Gehölz« S. 40/41
-
- III. »Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe
- eines mit dem Beinstab
- gewonnenen Plattenabzuges S. 56/57
-
- IV. »Motiv aus Obersteiermark« S. 60/61
-
- V. »Bildnisstudie« S. 68/69
-
- VI. »Karlskirche in Wien« S. 80/81
-
- VII. »Überfahrt« S. 84/85
-
- VIII. »Pieta« S. 88/89
-
- IX. »Im Sturm« S. 92/93
-
- X. »Der heilige Franziskus« S. 96/97
-
-
-
-
-1. Über das Wesen der Radierung.
-
-
-Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von Salpetersäure aufgelöst
-wird. Es geht mit ihr eine Verbindung ein, welche in Wasser leicht
-löslich ist und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig
-steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von Gasbläschen auf. (Giftige
-Dämpfe!)
-
-(3~Cu~+8~HNO~_{3} = 3~Cu~(~NO~_{3})_{2}+4~H~_{2}~O~+2~NO~.)
-
-Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage der Radierung. Das Kupfer
-kommt hierbei in Form von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis
-zur feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält nun
-einen dünnen säurefesten Überzug von eigens hierzu bereitetem Firnis,
-welcher die darunterliegende Kupferfläche vor Zerstörung durch die
-Salpetersäure schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener
-Form, der sogenannten _Radiernadeln_, wird nun eine Zeichnung in
-diesen Firnis geritzt, so daß das Kupfer an den betreffenden Stellen
-frei zutage tritt. Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen
-ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. Diese rein
-künstlerische Tätigkeit nennt man das »_Radieren_«; nach ihr hat die
-ganze Technik überhaupt ihren Namen »_Radierung_« erhalten.
-
-Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, so kann letztere ihre
-Wirkung nur an jenen Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet;
-es sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den Firnisüberzug
-gerissen hat. Diese Striche haben in den meisten Fällen das Kupfer
-gar nicht geritzt, sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses
-unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und das Niveau der blanken
-Kupferplatte wird dadurch an diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung
-der Säure aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso
-größer, je länger der chemische Prozeß andauert. Diesen Vorgang nennt
-man den »_Ätzprozeß_« oder die »_Ätzung_«. Beendet wird dieser Prozeß
-dadurch, daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser von der
-letzten Spur der Säure befreit wird. Sobald die Platte trocken ist,
-wird der Firnis mit Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt
-nun, nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, wieder ihre
-blanke Oberfläche; aus den Strichen der Zeichnung aber sind infolge
-der Wirkung der Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die Platte
-gegen das Licht gehalten wird, dunkel von der glänzenden Fläche
-abheben. Diese Rinnen nun sind weit verschieden von solchen, welche in
-die Platte mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert worden
-wären; denn während die auf letzterem Wege erzeugte Furche infolge der
-glättenden Wirkung der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche
-zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, sondern was sehr
-wichtig ist für die resultierende Bildwirkung, eine Aufrauhung der
-vertieften Rinne an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche.
-
-Wird eine also behandelte Kupferplatte mit Kupferdruckschwärze
-eingerieben, so füllen sich die vertieften Striche mit Farbe, während
-diese über das blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht
-allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte abgewischt werden,
-in den Strichen sitzt sie fest.
-
-Also vorbereitet, wird die Platte mit einem Blatt gefeuchteten
-Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, belegt; auf dieses kommt
-noch ein Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun zwischen zwei
-Stahlwalzen[1] unter großem Drucke durchgezogen, so daß das feuchte
-Papier mittelst des weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten
-Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen des Druckpapieres haftet
-die Farbe auf dem Papier und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der
-Druck ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser Schärfe,
-jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, ein Umstand, der beim
-Entwerfen der Zeichnung auf der Platte bereits berücksichtigt werden
-muß, wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter Form aus dem
-Druck hervorgehen soll.
-
- [1] In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung.
-
-Das von der Platte gelieferte Bild heißt _Abzug_, _Druck_ oder zur
-Spezifizierung der Art, in der es hergestellt wurde, »_Radierung_«.
-Das ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »_Tiefdruckes_«, eine
-Bezeichnung für alle diejenigen graphischen Techniken, bei deren
-Ausübung die bilderzeugenden Elemente (Striche, Punkte und dergl.) in
-die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle Vorrichtung zur
-Herstellung aller Arten des Tiefdruckes heißt »_Kupferdruckpresse_«,
-das handwerkliche Verfahren: »der _Kupferdruck_«. Den Gegensatz dazu
-bildet der »_Hochdruck_«. Obwohl er eigentlich in den Rahmen dieser
-Arbeit nicht gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das
-vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser Druckart bleiben die
-Striche der Zeichnung auf der Platte erhaben, während alles, was weiß
-bleiben soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend vertieft
-wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche durch kräftiges Reiben mit
-Druckfarbe gefüllt, so genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken
-des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise ein
-Übergehen desselben mit einer Farbwalze, um alle Striche zu schwärzen.
-
-Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen Tiefdruck und
-Hochdruck wieder deutlich: Während beim Tiefdruck das Papier in
-die Striche hineingepreßt werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein
-einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten Druckstockes das
-Abfärben auf das Papier und somit die Bilderzeugung.
-
-Zur ersten Gattung gehören: der _Kupferstich_, der _Stahlstich_
-in allen seinen Abarten, die _Radierung_ und andere Verfahren,
-die jedoch mit unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf
-den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) und sich von
-künstlerischen Fertigkeiten in den Mitteln wesentlich unterscheiden.
-(Zum »_Hochdruck_« gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der
-Stempeldruck, die Zinkhochätzung, Autotypie -- Zinkotypie -- u. s.
-w.)[2].
-
- [2] Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei
- Kampmann’s »Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf
- das angelegentlichste empfohlen.
-
-
-
-
-2. Vorbereitung zum Arbeiten.
-
-
-~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung.
-
-Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine besondere liebe Aufgabe
-ist, den Anfänger unmittelbar ins Praktische der Technik einzuführen
-und ihn mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer
-entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig ist, zu verschonen.
-Deshalb auch habe ich es vermieden, mich in langen technologischen
-Abhandlungen über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei den
-heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich nicht schwer, zu der
-einwandfreien Reinheit und Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu
-haben. Nun zur Sache!:
-
-Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die _Kupferplatte_
-anzusehen. Sie wird in größeren Metallhandlungen aus gewalzten
-Kupferplatten geschnitten und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt.
-Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, sei folgendes erwähnt:
-
-1. Die Platte soll etwa 1½--3 ~mm~ dick sein.
-
-2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format ist 13 × 18 ~cm~.
-Dem Anfänger ist dringend zu raten, bei seinen ersten Versuchen über
-dieses Maß nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte Bequemlichkeit
-bei allen folgenden Hantierungen bietet. Bei erlangter Sicherheit
-steigert sich von selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal ja
-die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage ohnehin nicht mit dem
-ersten Versuch erreicht (und auch gar nicht bezweckt) wird.
-
-3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten schwankt und
-beträgt ungefähr 8·7--8·9. Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes
-der Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 ~cm~, 3 ~mm~ dick, wiegt also:
-
- 13 × 18 × 0·3 × 8·9
- 104
- ---
- 234 × 0·3
- ----
- 70·2 × 8·9
- ----
- 5616
- 6318
- ------
- 624·78; das sind also 624·78 Gramm.
- =======
-
-Der Preis des Kupfers schwankt stetig im Handel. Nach obigen Daten und
-Kenntnis des Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen
-Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun einem geschickten
-Kupferschmied oder noch besser einer Plattieranstalt übergeben. Hier
-wird die Platte »gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden
-nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung der Schräge
-soll ungefähr 45° betragen; je dicker die Platte ist, desto flacher
-muß diese Neigung sein, damit die Oberwalze beim Drucken die Platte
-leicht anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, daß das
-Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger Platte zerschnitten wird.
-Die Ecken können abgerundet werden. Diese Schräge heißt _Facette_, die
-Arbeit: das _Facettieren_. Die Bildfläche soll den feinsten Schliff --
-frei von jeder Spur eines Ritzes -- zeigen, vor allzu spiegelglatter
-_Polierung_ ist jedoch zu warnen, da eine solche Fläche für das
-spätere Arbeiten zuweilen Ursache von Mißlichkeiten werden kann (siehe
-Mißerfolge).
-
-Hat man die Platte in diesem Zustand, so überzeuge man sich durch
-vorsichtiges Auflegen derselben auf eine Spiegelscheibe, von ihrer
-wirklichen Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und läßt sie
-sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, dann wird dieses
-Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, erfolgen. Um sie vor dem
-Zerkratztwerden zu schützen, lege man in eine flache Schachtel ein
-Flanelltuch und auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten.
-
-Man bekommt fertig hergerichtete Platten in allen gangbaren Formaten in
-größeren Mal- und Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese
-Beschaffung aber etwas teurer stellen.
-
-
-~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes.
-
-Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung dieses wichtigen
-Materials gibt, will ich dennoch von ihrer Anführung absehen, um
-nicht durch verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit
-hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein der Wahl zu überlassen,
-wenn ein erprobtes Rezept ihm gutes Gelingen gewährleistet!
-
-Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen:
-
- 1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten Säuren;
-
- 2. leichte Schmelzbarkeit;
-
- 3. festes Haften an der Metallfläche;
-
- 4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis nicht
- zersplittern, sondern ihn nur glatt durchschneiden.
-
-Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch Asphalt, die zweite
-durch Bienenwachs, die dritte durch Mastix, die vierte durch ganz
-homogenes Gefüge des Gemisches. Dieses wird nach folgendem Rezept
-bereitet:
-
-weißes Wachs 3 } Mastix 2 } Gewichtsteile. echter _Syrischer_ Asphalt 4
-}
-
-Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto härter und
-wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, aber auch desto
-undurchsichtiger. Deshalb setzt man dort, wo man auf dessen
-Durchsichtigkeit Gewicht legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem
-Rezept etwa 2 Gewichtsteile.)
-
-Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, welche ja nicht zu klein
-gewählt werden dürfen. Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute
-Dienste. Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, jedoch hübsch
-abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet werden kann. Eine Zange oder ein
-feuchtes Tuch liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe.
-
-Die runden Körnchen des Mastix werden mit dem zerstoßenen Kolophonium
-zuerst geschmolzen; erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für
-Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit einem Blechlöffel oder
-dergl. bewirkt die vollkommene Mischung. Man darf den Topf auch nicht
-aus den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem Rauchen das Gemisch
-sofort von der Hitze wegrücken. Das Rauchen ist übrigens schon ein
-bedenkliches Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame Behandlung
-überhaupt vermieden werden. Diese Masse läßt man nun bei etwa 100°
-Celsius abseits stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls
-klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. Unter großer Vorsicht
-und stetem Umrühren gießt man das Gemisch in einigen Absätzen in den
-bereits vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das Ganze bei sehr
-mäßiger Hitze noch etwa 5 bis 10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte
-Homogenität der Masse ganz sicher erreicht werde. Hierauf gießt man
-die flüssige Masse in ein großes Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier
-erstarrt sie sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem Wasser
-lassen sich diese wie Teig kneten und die Finger fühlen leicht jedes
-Knötchen oder Körnchen, welches sich vielleicht noch in der Masse
-befindet; alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse entfernt
-werden; dann werden aus dem also gereinigten Ätzgrund Walzen oder
-Kugeln geformt und erkalten gelassen.
-
-Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen länglichen Blechbüchsen
-aufbewahrt, wie man sie mit diversen Pulvern oder dergl. in den
-Geschäften als Verpackung bekommt.
-
-Man hüte sich die Masse trocken, also außer Wasser zu lange zu kneten,
-da sie sonst an der Hand festklebt und diese nur durch energisches
-Reiben mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann.
-
-
-~c~) Das Grundieren der Kupferplatte.
-
-Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist zur Aufnahme des
-Ätzgrundes noch nicht geeignet, da sie noch einen Hauch von Fett
-besitzt, welcher den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis nicht
-zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte Wasser auf, so sehen wir,
-daß es wie Quecksilber in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch
-ein Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu entfernen, bereiten
-wir in einer Schale einen Brei von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton
-mit Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch auf der
-Platte tüchtig aufgerieben und bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist
-dieser Anstrich trocken geworden, so wird er mit einem ganz trockenen,
-frischgewaschenen Leinwandlappen von der Platte abgerieben. Die
-Schlemmkreide hat alles Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum
-Grundieren bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da ihre Unterlassung
-später ein Abblättern des Firnisses leicht zur Folge haben könnte.
-(Siehe »Über Mißerfolge« Nr. 8, Ursache ~b~).
-
-[Illustration: Abb. 1. Rost aus starkem Draht ohne Überkreuzungen,
-damit die Platte flach darauf liegen kann.]
-
-Es handelt sich nun darum, den Ätzgrund in feiner Schicht auf die
-Platte zu bringen. Man nennt diesen Vorgang das »Aufbringen« des
-Ätzgrundes; er wird damit eingeleitet, daß die Platte gleichmäßig und
-gelinde über einer Spiritus- oder Gasflamme erhitzt wird. Zum bequemen
-Halten der Platte dient eine Beißzange oder eine Feilklobe, welche man
-in die Platte festschrauben kann. Gegen das Zerkratzen des Kupfers
-schützt eine zwischen den Angriffsstellen angebrachte Einlage von
-mehrfach gefaltetem Filtrierpapier oder dickem, weichem Leder. Man kann
-sich auch aus sehr starkem Draht einen Rost mit Handhabe machen lassen
-(Abb. 1). Die Kupferplatte wird -- Schliff nach oben -- darauf gelegt
-und so über die Flamme gehalten.
-
-Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte zu bewirken, bewege
-man sie über der Flamme hin und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers
-zu dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; länger darf
-man nicht warten, denn das bald eintretende Farbenspiel von Orange,
-Karminrot bis Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung und
-ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren Platten erzielt man eine
-ausreichende Erhitzung, wenn man sie etwa 5 ~cm~ über den Zylinder
-einer brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch auf ein sehr
-reines Brett gelegt (Schliffläche oben) und mit der Asphaltmasse erst
-vorsichtig am Rande hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja
-nicht zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre ein sicheres
-Zeichen von Überhitzung! In einem solchen Falle muß ein Sinken der
-Hitze abgewartet werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der Masse
-über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch nicht zu reichlich, ein
-vollkommenes Bestreichen der Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig;
-man streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei großen Platten
-eventuell noch zwischen ihnen ein paar Striche. Der geschmolzene
-Ätzgrund wird nun mit der Grundierwalze (Abb. 2) auf der ganzen Fläche
-ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende Haut auf dem Kupfer
-in gleichmäßiger Feinheit erscheint.
-
-[Illustration: Abb. 2. Grundierwalze.]
-
-Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder von etwa 5 ~cm~ Länge
-und 3 ~cm~ Durchmesser, welcher mit dünnem, glattem Leder derart
-überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). Denselben
-Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, doch ist Leder unbedingt
-vorzuziehen. Diese Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um ihre
-Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei ist darauf zu achten, daß
-die Schraubenköpfe ~A~ und ~B~ die Walze daran verhindern müssen, mit
-der _Gabel_ in Berührung zu kommen, weil sie sonst stecken bliebe,
-wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten tritt. Deshalb muß überhaupt
-auch ein genügender Raum beiderseits zwischen Walze und Gabel frei
-bleiben. Man erhält Grundierwalzen auch gebrauchsfertig zu kaufen.
-(Große Platten erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.)
-Ist die Walze neu, so tut man gut daran, sie erst auf irgend einem
-heißen Blech mit Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte
-zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende Ätzgrund wird nie
-davon entfernt, bei kleineren Platten genügt dieser oft allein zum
-Grundieren. Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht weggelegt
-werden, da sie infolge des noch klebrigen Ätzgrundes überall haften und
-Staub und dergl. an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf einen
-Gegenstand so, daß die Walze frei in der Luft bleibt.
-
-[Illustration: Abb. 3. ~ABCD~ Kupferplatte.]
-
-
-~d~) Das Anrauchen.
-
-Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der Säure geschützt. Der
-Metallglanz des Kupfers schimmert jedoch noch durch und würde den
-Augen des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja unerträglich
-werden. Zur Abhilfe dessen wird die noch warme Platte mittelst einer
-Wachsfackel angerußt. Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird sie mit
-starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt, jedoch nicht in der
-Mitte des Brettes, sondern an einem Ende. (Abb. 3). Das Brett wird nun
-derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges hohes Möbelstück gelegt,
-daß die Platte nach unten kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer
-Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes (Abb. 4). Man kann
-auch in den Kasten oben einen Haken einschrauben; dann schiebt man das
-Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst beschweren zu müssen.
-Aus drei oder vier Wachsstocksträngen wird nun eine Fackel gedreht und
-diese angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter der Platte in
-entsprechender Entfernung hin- und hergeführt wie ein Anstreichpinsel.
-Dabei sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen:
-
- 1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig sein. Zugluft,
- Herumgehen anderer Personen in der Nähe der Fackel,
- Türenöffnen oder -Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil
- man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte Richtung geben
- kann.
-
- 2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf die Platte berühren.
-
- 3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt werden.
-
-[Illustration: Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.]
-
-Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren roten Glanz verliert und
-sich schwärzt. Ist dies an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit
-vollendet. Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man das Brett mit
-der Platte auf den Tisch, so sieht man auf ihr einen braunschwarzen,
-matt glänzenden und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten sehr
-angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des Anrauchens darf dieser Überzug
-nach dem Erkalten nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen,
-daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel bringt nämlich den
-Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; der Ruß wird durch den weichen
-Firnis in beschränkter Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen lassen
-sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen abwischen; das darf
-selbstverständlich nur auf gänzlich erkalteter Platte geschehen, da die
-Firnisschicht im warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt
-irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so heißt es die Platte mit
-Terpentin abwaschen, entfetten und mit Grundieren und Rauchen von neuem
-beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart bleiben dürfte, da hier
-Übung die Hauptsache ist; also nicht den Mut verlieren!
-
-Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige und dabei
-säurefeste Substanz (zum Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das
-Anrauchen erspart bleibe.
-
-Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige Mischung dieser
-zwei Stoffe schwer möglich ist. Und wenn auch, -- die Graphitstäubchen
-rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn diese Körnchen werden
-von der Nadel aus dem Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen
-Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver verwendete. Eine
-starke Lupe wird den Unterschied der Probestriche auf den beiden
-Ätzgründen deutlich zeigen. Übrigens ist auch die Dichtheit des
-Überzuges durch solche Beimengungen in Frage gestellt.
-
-Die vollkommen kalte Platte wird wieder in die früher erwähnte
-Schachtel mit Flanellboden gelegt, falls sie nicht gleich in Verwendung
-genommen wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund in dünner
-Schichte nicht unbegrenzt lange seine Festigkeit gegen Säure bewahrt;
-er beginnt unter dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern.
-Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst kurz vor der Inangriffnahme
-der Arbeit zu grundieren und auch während derselben keine allzugroßen
-(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen.
-
-Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, so kann man ihn
-dadurch regenerieren, daß man die Platte von unten her gelinde
-erhitzt. Dieses neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig
-und erspart das neuerliche Grundieren. Daß man diese Prozedur bei
-einer bereits angefangenen Arbeit nicht unternehmen darf, ist
-selbstverständlich; der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits
-radierten Striche wieder schließen.
-
-
-
-
-3. Das eigentliche Radieren.
-
-
-~a~) Von der Wahl des Motives.
-
-Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, einen geeigneten Stoff für
-seine ersten Versuche zu wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage
-etwas verweilen.
-
-Vor allem Andern muß betont werden, daß die Radierung sich auf den
-Strich aufbaut; Tonqualitäten können erst bei einiger Übung angestrebt
-werden und erfordern schon eine weitergehende Schulung und Erfahrung.
-Das Dankbarste für den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei
-einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger und ausdrucksvoller
-die Formen, je geschlossener die darin vorkommenden Flächen, desto
-besser für die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend ans
-Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren wollen!« Bald nach den
-ersten Strichen würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und dem
-Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. Gewiß hat jeder meiner
-lieben Lernbegierigen genug flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen
-von selbst geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind recht
-dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten und dürften in den
-wenigsten Fällen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja
-zunächst einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut werden und
-beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, denen man das mühevolle und
-angestrengte Arbeiten schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt
-_vieles_ Radieren, Abwechslung in den Vorlagen zur Tüchtigkeit.
-
-
-~b~) Das Aufbringen der Konturen.
-
-Wenn wir auch nicht daran denken, unsere Kunstweise zu Kopierzwecken
-herabzuwürdigen, so geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch
-selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in Feder oder Kreide
-ist meistens Vorlage für die Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf
-den Ätzgrund mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem Bleistift
-wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. Ein Stück weißes, dünnes
-Schreibpapier wird auf eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit
-weichem Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; nach
-vollendeter Arbeit wird das überschüssige, noch am Papier liegende
-Rötelpulver abgestaubt, denn es würde sich beim Aufbringen der
-Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar machen. Überdies reibt
-man das aufgestrichene Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier.
-Die Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln befestigt.
-Darüber wird die gepauste Zeichnung, Bildseite nach unten, gelegt,
-ihre Lage auf der Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an
-_einer_ Seite befestigt, damit man beim Pausen immer nachsehen kann.
-Das Rötelpapier wird dann zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite
-nach unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage nicht genau
-fixiert zu werden. Mit einem mittelharten Bleistift, einem Holz- oder
-Beingriffel erfolgt nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund.
-Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem Grund sichtbar.
-
-Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund einen mehr oder weniger
-dichten Schleier von Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung
-undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit einem sehr weichen
-Lappen, einem Stückchen Flanell oder Watte leicht wegwischen, die
-Zeichnung hält fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage.
-
-Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann das Pauspapier
-erspart werden. Man zeichnet dann die Konturen auf deren Rückseite
-durchs Fenster nach. Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren
-Gelatineblättern, kann die Pause hergestellt werden. Hier werden die
-Konturen nicht gezeichnet, sondern mit scharfer Radiernadel eingeritzt.
-Diese geritzte Zeichnung wird dann mit Rötelpulver eingerieben und
-blankgewischt. Sodann legt man sie -- Bildseite nach unten -- auf die
-grundierte Platte, legt zähes graphitiertes Papier darauf und reibt mit
-dem Beinstab kräftig (Abb. 13), oder läßt Platte mit Pause und Papier
-durch die Walzen gehen bei schwach gestellter Spannung. Das Resultat
-dieses Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen
-Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. Wer radieren will, muß
-eben ein kundiger Zeichner sein, und dem wird das Pausen gewiß keine
-Schwierigkeit bereiten.
-
-Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch außerordentliche
-Genauigkeit aus und sind dann notwendig, wenn eine sehr komplizierte
-Zeichnung mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie,
-Landkarten und dergl.)
-
-Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die Platte übertragen und zwar
-wie folgt: Man stellt das Bild -- ohne viel Detail -- auf glattem
-Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; dabei zeichne man
-alles sehr kräftig und präzis, vermeide jede Verschwommenheit und
-sehe auf klare Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem Gummi
-und etwas Seife reibt man die grundierte Platte ein und beeilt sich,
-auf diese noch feuchte Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung --
-Bildseite nach unten -- draufzulegen. Sofort wird damit begonnen, die
-Rückseite der Zeichnung mit dem Beinstab (Abb. 13) zu reiben. Dieser
-Vorgang liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises Spiegelbild unserer
-Vorlage; man kann daran ohne weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei
-reiner Linienzeichnung schummert man das Naturpapier vorerst ganz mit
-weißer Kreide an und zeichnet mit schwarzer Fettkreide auf diesen
-weißlichen Grund. Die Seifen-Gummischicht muß _sehr_ dünn, gleichsam
-wie ein Hauch auf der Platte sein.
-
-
-~c~) Die Radiernadeln.
-
-[Illustration: Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)]
-
-Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des künstlerischen Teiles
-der Radierung ist die Radiernadel. Sie muß aus gutem Stahl und darf
-nicht so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken schon
-biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste leisten Nähnadeln von
-mittlerer Stärke. Sie sind so hart, daß sie eher brechen als sich
-biegen und schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. Zwei
-solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, genügen für den Anfang
-vollkommen. Sie werden in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre
-Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche Radiernadel hat dann
-das Aussehen eines feingespitzten Bleistiftes, dessen Dicke das Heft
-auch nicht übertreffen soll. (Abb. 5.) Wichtig ist, daß die Nadel fest
-und ohne zu wackeln oder zu »federn« im Holze sitze. Die Brauchbarkeit
-der Spitze prüft man, indem man auf einer anderen Kupferplatte (ein
-Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren von Nadel und Ätzwasser)
-krumme Linien nach allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne
-daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe zur Arbeit
-brauchbar; im andern Falle muß die Nadel erst durch Wetzen auf glattem
-Holz, Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In Fachgeschäften erhält
-man Radiernadeln gebrauchsfertig zu kaufen.
-
-
-~d~) Über die Führung der Nadel.
-
-Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen Erstlingsarbeiten sich
-bloß _einer_ Nadel zu bedienen. Diese sei nicht allzu dünn, damit die
-Strichführung nicht kleinlich und zaghaft werde.
-
-Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse beginnen, damit sie nicht
-durch Verwischen verloren gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen
-Nadel wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des Kupfers
-durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt werden, also nicht
-»_gravieren_« wollen, das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure!
-
-Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu legen, da sie ihn
-erwärmen und verwischen würde. Man lege ein Stück Pauspapier unter die
-Hand.
-
-Von den Konturen geht man dann allmählich zu Strichlagen über. Hier
-ist Vorsicht geboten. Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des
-unerfahrenen Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur Abschätzung der
-im angestrebten Bilde beabsichtigten Dunkelheit des Tons. Der Anfänger
-ist leicht verleitet, mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien
-hineinzuarbeiten, aus dem Radieren wird ein Gravieren, die offene
-Strichlage geht verloren und mit ihr die Aussicht auf einen guten
-Abdruck.
-
-Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen Absatz länger
-aufhalten, denn hier sind die ersten ernsteren Gefahren zu bestehen,
-hier ist die Quelle so manches Mißerfolges zu suchen.
-
-Der Anfänger bedenke Folgendes:
-
-Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung sitzen bleiben, von
-wo sie mit der Hand oder dem Wischballen nicht herausgewischt werden
-kann. Wird also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen eine
-ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt die Säure an dieser Stelle
-nicht voneinander getrennte, vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein,
-der Form der Fläche entsprechend. Der Boden dieser Grube ist aber nicht
-fähig, Farbe an sich zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte
-einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte zeigt dann an der
-betreffenden Stelle einen schmutzigen, flauen Fleck und die Arbeit ist
-verdorben.
-
-Die Strichlagen müssen also offen gehalten bleiben, d. h. es muß dafür
-gesorgt werden, daß zwischen den Strichen auch genügend breit der
-Ätzgrund bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure nicht nur nach der
-Tiefe, sondern selbstredend auch seitlich ätzt; die Folge davon ist
-ein Breiterwerden des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend, daß
-zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art ihren »Steg« (das ist
-die vom Ätzgrund geschützte Fläche zwischen beiden) verlieren können;
-man nennt diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der Stege. Solche
-Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche Flecke (sogenannte »Nester«).
-Will der Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden Stellen
-eine feinere Radiernadel neben der stärkeren mit verwenden, so ist
-dagegen nichts einzuwenden. Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit
-verwechselt werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der Nadel ab,
-die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich von der verschiedenen
-tiefen Ätzung. Ein haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im
-Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober Nadel erzeugter
-infolge _schwacher_ Ätzung ganz hell und duftig kommen. Diese
-Wechselbeziehungen zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter
-des resultierenden Bildes, und schon bei der Anlage der ersten
-Strichlagen muß der Radierer sein Endziel klar vor Augen haben, wenn
-es ihm mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht ernst ist
-und er den Erfolg seiner Mühen nicht dem blinden Zufall überlassen will
-mit einem leichtsinnigen »Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt ja der
-Genuß, die Freude an dieser edlen Technik, daß sie alle künstlerischen
-Intellekte vereint; Geschmack in der Form, in der Raumverteilung und
-in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint mit den nun erst zu
-erwerbenden technischen Erfahrungen führen dann zur Meisterschaft.
-
-
-
-
-4. Der Ätzprozeß.
-
-
-~a~) Die Bereitung des Ätzwassers.
-
-Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von Ätzwässern, doch will ich
-auch hier meinem Vorsatz treu bleiben und einfach nur _ein_, allerdings
-wohlerprobtes, Rezept anführen, mit dem der Anfänger, wie auch der
-Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen wird.
-
-Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die Salpetersäure. Sie
-ist in jeder feineren Drogerie in einwandfreier Reinheit erhältlich
-und gewöhnlich 40 -- seltener 42 -- prozentig. Diese konzentrierte
-(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr bereitete Ätzwasser
-muß unbedingt in Flaschen mit eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten
-Säureflaschen) aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk des
-Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind zum bequemen, sicheren
-Arbeiten sehr wünschenswert. Eine in Kubikzentimeter eingeteilte
-zylindrische Glasmensur dient zu den verschiedenen Messungen, welche
-zum richtigen Mischen notwendig sind.
-
-Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; zum Lösen beider
-dient abgekochtes oder destilliertes kaltes Wasser. Das Ätzwasser
-soll nicht mehr als 17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes
-Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung mit der
-Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll sich bei mittlerer
-Zimmertemperatur nach etwa 30 bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen
-belegen.
-
-Recht bequem ist folgender Vorgang:
-
-In 100 ~cm~³ reinem (destill.) Wasser werden 2 Gramm chlorsaures
-Kali vollständig gelöst. In diese Lösung gießt man sehr langsam nach
-und nach im ganzen 100 ~cm~³ konzentrierte Säure. Hierbei tritt eine
-Erwärmung des Gemisches ein. Nach dessen Erkalten schüttelt man bei
-geschlossener Flasche tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige
-Mischung erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und sinkt vor der
-gänzlichen Lösung darin unter.) Diese Lösung ist jetzt (genau kennt
-der Händler den Prozentgehalt seiner Säure meistens nicht, und die
-Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht notwendig) _ungefähr_
-20prozentig, also wahrscheinlich zu stark. Wir gießen nun in die
-Glasmensur genau 10 ~cm~³ unseres Ätzwassers und heben mittelst eines
-Glasröhrchens einen Tropfen Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte
-und entfettete Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung zu bald und
-zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu stark. Wir gießen nun etwa 1 ~cm~³
-(destill.) Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst die Probe
-wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser auf 10 ~cm~³ ergänzen. Eine
-zweite Probe auf Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen
-der Energie bekunden. Dies setzt man fort, bis die Flüssigkeit in der
-Mensur den gewünschten Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach Zugießen
-des 3. ~cm~³ erfolgt, so heißt das: 3 ~cm~³ Wasser zu 10 ~cm~³ Lösung
-gibt den gewünschten Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen des Ätzwassers
-muß noch Wasser zugegossen werden. Hat man nun 200 ~cm~³ Lösung
-angesetzt, so bedarf sie noch 60 ~cm~³ Wasser, um den erwünschten Grad
-zu erreichen.
-
-Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, ist auch angezeigt, wenn
-man ein zu schwach geratenes Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu
-Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter Säure verstärken
-will.
-
-Statt der Probeplatte kann man sich auch eines blanken Probestreifens
-aus Kupferblech bedienen. Man senkt ihn in die mit dem fraglichen
-Ätzwasser gefüllte Mensur.
-
-Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers nicht unumgänglich
-notwendig, jedoch als Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit
-einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden Wirkung dieser
-Substanz sehr angenehm und der Ätzeffekt viel harmonischer ist.
-Die Konzentration des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung
-erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art berücksichtigt
-werden muß. Für besonders tiefe sammetartige Töne erhöhen wir den
-Säuregehalt, soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit
-des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und duftige Partien bedürfen
-hinwiederum eines stark verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß
-mit größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt werden, wie
-sie bei dünnerem Agens entsprechend verlängert werden muß.
-
-Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen für Stoffe und dergl.
-sehr verderblich werden können, daß die Hände vor Berührung mit
-ihr sorgfältig zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges
-gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen zu retten sind,
-ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen Säure auf ein Tuch, so kann
-unverzügliches Übergießen oder reichliches Betupfen mit gesättigter
-Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen vor Schaden
-bewahren.
-
-
-~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.
-
-Es handelt sich nun darum, die radierte Platte für die Ätzung derart
-auszurüsten, daß zuverlässig nur die Zeichnung der Wirkung der Säure
-ausgesetzt werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, namentlich
-die Rückseite davor geschützt sei. Der Mittel hierzu gibt es einige,
-sie seien hier der Vollständigkeit wegen alle behandelt.
-
-1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern noch heute angewendet,
-besteht darin, daß man um die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa
-daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert, welcher mit der Platte
-zusammen eine Art rechteckiger Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa
-10--15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich muß vor dem
-Eingießen der Säure die Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale
-erst sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden.
-
-2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man die ganze Platte
-(mit Ausnahme des zu ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack
-bestreicht. Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, kann
-die Ätzung in einer photographischen Schale aus Porzellan oder Glas
-geschehen.
-
-Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast nur Schattenseiten: Ist
-schon das Aufmodellieren des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist
-das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen des Ätzwassers
-in die Flasche aber trotz einer in die Wachsmasse eingedrückten
-Ausflußdille geradezu problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die
-Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung mit Nadel und
-Pinsel weiter bearbeitet werden soll, daß hierauf abermaliges Ätzen und
-abermaliges Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da mit der Nadel
-und dem Pinsel vielleicht über den weichen klebrigen Wachsrand hinweg
-arbeiten, oder gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen und nach
-erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung ihn wieder aufmodellieren?
-
-Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie nichts einzuwenden. In der
-Praxis zeigt sich jedoch, daß der Asphaltlack an den Kanten und
-Ecken durch Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst wenn der
-Anstrich noch so dick wäre. Auf der Rückseite ist derselbe fortwährend
-Beschädigungen infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten
-»Schadenätzungen« Anlaß geben.
-
-Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem Ausweg geführt. Hierzu ist
-bloß eine stärkere Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 ~cm~ größer
-sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem Falle wäre die Platte
-13 × 18; dann müßte die Glastafel 16 × 21 ~cm~ messen.
-
-Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter jede Ecke ein
-erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt und die Platte mittelst dieser
-Klümpchen an der Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt,
-daß _erstens_ die Klümpchen ganz flach gequetscht werden, _zweitens_,
-daß die Kupferplatte in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß
-ein 1½ ~cm~ breiter Rand freien Glases um die Platte herumläuft. Mit
-einem geeigneten Modellierholz werden nun die Fugen zwischen Kupfer und
-Glas mit Ätzwachs _wasserdicht_ verschmiert, damit ja kein Ätzwasser
-an die Hinterfläche der Kupferplatte gelangen kann. Das gelingt nur,
-wenn Kupfer und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit kann
-jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese bis an die Bildgrenze)
-mit Asphaltlack bestrichen werden. (Abb. 6.) Eine also ausgerüstete
-Platte bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern auch
-zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch immer bereit zu sein; ein
-Zerstören des Schutzüberzuges an den Kanten ist hier ausgeschlossen.
-Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur einer einzigen Ätzung zu
-tun, so genügt das unter P. 2 beschriebene Verfahren.
-
-[Illustration:
-
- -- . -- . -- . ~Platte~
- ////////////// ~Wasserdichter Wachsrand~
- ~G~ ~Glasrand~
-
-Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.]
-
-
-~c~) Die Bereitung von Ätzwachs.
-
-Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund
-(siehe Bereitung Seite 7) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs
-und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz
-erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz
-von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht
-eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der
-Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten.
-Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses,
-wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und
-darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem
-Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar
-zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder
-einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein
-geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden.
-
-
-~d~) Die erste Ätzung.
-
-Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite
-nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale
-aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da
-sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf
-das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 ~cm~
-hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden
-gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum
-vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein
-offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.
-
-Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis
-dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren
-und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat.
-Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig
-radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich
-steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis
-zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen.
-Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der
-Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht
-aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie
-derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann
-nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen
-gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale
-das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist --
-eingeatmet -- gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht
-über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die
-Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu
-halten.
-
-_J. Roller_ empfiehlt in seinem Buche »_Technik der Radierung_«
-(Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da
-damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht:
-10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser +
-2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses
-Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder
-energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es
-wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.
-
-Die erste Ätzung kann in 5--10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll
-für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit
-einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die
-Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus
-und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen
-Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung
-abbraust. _Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich_, da in den
-feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich
-schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt
-man durch Andrücken, (_nicht Wischen!_) reiner trockener Leinwand
-oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen
-Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund
-entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat.
-Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis
-wieder sorgfältig gedeckt (siehe Seite 40). Die Striche werden mit sehr
-spitziger Nadel nachradiert.
-
-
-~e~) =Abgestuftes Ätzen= (Pinselfirnis.)
-
-Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die
-Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt,
-so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der
-Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das
-ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte,
-in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres
-Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.
-
-Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen
-im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer
-und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die
-dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der
-Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken
-weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben;
-sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein.
-Zur weiteren Behandlung der _trockenen_ Platte bereiten wir uns
-»_Deckfirnis_« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger
-Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt,
-daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern
-dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt
-ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis«
-oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem
-kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung
-eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser.
-Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser
-Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln
-zusetzen.
-
-Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in ein Porzellanschälchen
-und decken mittelst eines elastischen Pinsels (am besten Marder-
-oder Fischpinsel) alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr
-zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies die Luft und
-das lichte Gemäuer. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß der
-Firnis auch wirklich in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte
-Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. Nachdem dieser
-Pinselfirnis vollkommen getrocknet ist, kommt die Platte zum
-zweitenmale in die Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird auch
-die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende geführt. Dabei muß der Gang
-des Prozesses sorgfältig überwacht werden, damit nicht die auf Seite 27
-schon erwähnten Stege unterfressen werden. Ist der Ätzgrund gut, das
-Ätzwasser nicht zu stark und die Zimmertemperatur normal, so wird dies
-auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung durch sofortiges
-Herausnehmen der Platte und Spülen derselben im Wasser zu unterbrechen.
-
-Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte gespült und getrocknet
-und die weitere Abdeckung mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der
-dritten Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten der Säure
-ausgesetzt und sind somit am tiefsten geätzt. Es versteht sich von
-selbst, daß die Zahl der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers
-anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß _nicht_ hinausgehen
-wird, ist einleuchtend, denn Kontrastwirkungen gehören eben zu den
-dankbarsten Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht.
-Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum Wohle seiner Arbeit,
-nicht über drei Teilätzungen versteigen.
-
-Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung beim Abdecken Striche mit
-Firnis gedeckt, welche noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach
-dem Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; sie sind, da sie
-infolge der früheren Ätzung schon vertieft sind, unter dem Firnis ganz
-gut sichtbar. Auch fehlerhafte Striche (welche vor der _ersten_ Ätzung
-schon richtig gestellt werden müssen) deckt man mit Pinselfirnis,
-ebenso alle Verletzungen, welche während des Arbeitens im Firnis
-entstanden sind, sowie die freigelegten Probestellen.
-
-[Illustration: »Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, damit der Firnis sich auf
-der Platte nicht in unerwünschter Weise ausbreite und Striche verdecke,
-die weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der Pinsel mit Terpentin
-oder Seife gründlich gereinigt.
-
-
-~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme.
-
-Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll sich der Radierer eine klare
-Disposition für den Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er
-seine Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition ist
-hauptsächlich abhängig und bestimmt von der beabsichtigten Bildwirkung.
-Diese verlangt oft nach einem dem Gegenstande eigens angepaßten
-Arbeitsprogramm, nach welchem allein oft den verschiedentlichen
-technischen Schwierigkeiten beizukommen ist.
-
-Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, dessen dunkle Silhouette
-sich in zerrissenen Konturen von lichtem Hintergrunde abhebt.
-
-Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung das Decken mit
-Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken erfordern! In allen solchen
-Fällen wird man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar drei
-Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt wird. Die Aufmachung
-der Platte auf der Glastafel gestaltet ein solches Abwechseln von
-Radier- und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen Partien des
-Vordergrundes werden zuerst radiert und gleich tief -- jedoch mit
-Rücksichtnahme auf die noch folgenden Ätzungen -- geätzt. Über die
-geätzten Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt darüber
-gegangen werden, da solche Striche den ohnehin tiefen Ton der früher
-geätzten Flächen nicht verändern.
-
-Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel aufgemacht ist, genügt
-eine Unterlage aus Pauspapier für die Hand nicht mehr, weil das Papier
-an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen uns deshalb ein Bänkchen
-aus einem Holzbrettchen und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die
-Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so dick sein, daß der
-Ätzgrund vom darüberliegenden Brettchen _nicht_ berührt wird. Glasdicke
-+ Plattendicke + etwa 3 ~mm~ ergibt die Höhe der Füßchen. Das Bänkchen
-muß auch genügend lang sein, damit man es in beliebigen Lagen über
-der Platte verwenden kann. Auch muß das Brettchen so stark sein, daß
-es nicht vom Gewicht der Hand auf den Ätzgrund niedergedrückt werde.
-(Abb. 7.)
-
-Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und geätzt werden;
-dann muß aber zwecks weiterer Arbeit die Platte neu grundiert
-werden. Auf dem neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so
-komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. Diese kann
-selbstverständlich für sich wieder in Teilätzungen behandelt werden,
-nur ist in diesem Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach der
-ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte Aufmachen auf die
-Glastafel lästig und gestaltet den Gang der Arbeit etwas schleppend.
-
-Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, bietet diese Technik eine
-Fülle der Mannigfaltigkeit in der Behandlung, wie sie kaum eine andere
-aufzuweisen hat. Deshalb auch wird sie immer mehr der treue Spiegel
-der Persönlichkeit des Radierers, denn bei solcher Mannigfaltigkeit der
-Ausdrucksmittel ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise in immer
-neuer Art aus der Hand des Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt.
-
-[Illustration: Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.]
-
-
-~g~) Das Reinigen der Platte.
-
-Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich gespült, getrocknet,
-und mit dem Modellierholz langsam und vorsichtig von der Glastafel
-abgehoben, dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, denn
-das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel zur Folge. Das
-Ätzwachs wird, soweit es angeht, abgenommen und in die Vorratdose
-zurückgestrichen. Die Platte selbst wird, auf einem Brette liegend,
-mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. Hierzu eignet sich ein Bausch
-von Zeitungspapier. Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die
-Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem ganz reinen Lappen
-(am besten aus Leinwand oder Baumwolle) solange gescheuert, bis die
-letzte Spur von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. Solange der
-weiße Lappen sich noch schwärzt, muß gescheuert werden. Ein Zeichen der
-gründlich erfolgten Reinigung ist es, wenn die radierten Striche in
-hellrotem Kupferglanz schimmern.
-
-Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs nicht zu entfernen; eine
-zweite Glastafel, darübergelegt, schützt das Wachs vor Staub und uns
-selbst vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen sich in
-einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz bequem aufbewahren.
-
-
-
-
-5. Das Abdrucken von der Platte.
-
-
-~a~) Über die Bedeutung des Handabdruckes.
-
-Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger
-dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte
-Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der
-Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht
-an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter
-Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst
-unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen
-Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt
-der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen
-Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger
-reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so
-viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren
-Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und
-beherrschen lernt.
-
-Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das
-geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: _Wir
-dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen
-mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung
-führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse
-hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind._ (Siehe
-sämtliche Kunstbeilagen.)
-
-Unsre erste Sorge richtet sich auf
-
-
-~b~) Das Druckpapier.
-
-Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein.
-
-Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen;
-um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es
-auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie
-»Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre
-Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet.
-Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr
-licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik
-Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch
-»Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes
-Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von
-Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten
-Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.
-
-Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der
-Kupferplatte entspricht. Es soll um ein _Beträchtliches_ größer sein
-als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.
-
-Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem
-Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht
-aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben
-könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und
-wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann
-überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto
-länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere
-badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man
-mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier,
-dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei
-Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen _mehrere_ Filtrierblätter ab.
-Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig
-gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig
-verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und
-beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart
-und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten,
-welches ein wenig _kleiner_ als die Kupferplatte sein muß. Dann
-werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das
-Japanpapier kommt sodann in _trockenem_ Zustand zwischen die feuchten
-Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier;
-sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.
-
- [3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.
-
-Bretter aus Holz dürfen zum Pressen _nicht_ verwendet werden, weil
-sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man
-zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech
-überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den
-zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten.
-
-Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß
-seine matte, _glanzlose_ Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und
-zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man
-trockene Filtrierblätter ein.
-
-Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der
-Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier
-mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden.
-
-
-~c~) Die Druckfarbe.
-
-Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten
-»Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht
-allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede
-Farbenhandlung -- in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu
-haben sein; deshalb halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung
-hier einzugehen:
-
-Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu
-nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und
-Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet.
-Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der
-Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa
-die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings
-innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß
-die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt
-man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit.
-Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz
-(Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht
-allzurötlichen Braun vorzieht.
-
-Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der
-Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe
-beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich
-von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche
-füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng«
-oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine
-Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt.
-Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und
-wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt.
-
-
-~d~) Das Einschwärzen der Platte.
-
-[Illustration: Abb. 8. Der Druckballen (der untere Teil im
-Längsschnitt.)]
-
-Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf
-ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas
-Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit
-dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der
-Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit
-dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und
-dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist.
-Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her:
-
-Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8 ~cm~)
-wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule
-oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und
-so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz
-zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle
-Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibe spannt man
-nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder
-(Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in
-vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses
-Druckballens zeigt Abb. 8, die Anwendung Abb. 9.
-
-[Illustration: Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)]
-
-Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit
-die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht,
-dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen
-blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu;
-sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen. Besonders
-reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den
-Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr
-sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses
-Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann
-umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu
-erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es
-besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten
-Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie
-man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an
-den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten
-werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt
-diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild
-vollends klar sichtbar ist.
-
-[Illustration: Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.]
-
-(Nicht für Anfänger!)
-
-
-~e~) Der Abdruck.
-
-Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem sauberen Lappen an
-den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte
-Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker
-Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach
-oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden
-Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung
-wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier
-wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit
-Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte gelegt, indem
-man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt.
-Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus
-dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von
-den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze
-beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker
-Pappe geschnitten, in den die Platte _locker_ hineinpaßt, dessen
-ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2 ~mm~ größer sind als die
-Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das
-Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11).
-
-[Illustration:
-
- ~ABCD~ ~Rahmenausschnitt u. Plattengrösse~
- //////// ~Spannrahmen~
- -- -- -- ~Druckpapier~
-
-Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.]
-
-Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres
-von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt
-wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar
-aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten
-Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte.
-Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher
-die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat.
-
-[Illustration:
-
- ~A~ - ~B~ = ~Arbeitsbrett~
- ########### ~Druckplatte~
- -- -- -- -- ~Druckpapier~
- ~R~________ ~Reibpapier~
- /////////// ~Spannrahmen~
-
-Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)]
-
-Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck, von 2 ~cm~ : 1 ~cm~
-Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet,
-damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im
-Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz
-denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.
-
-Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach
-an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer
-Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens
-derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben
-muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in
-die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt
-Abb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der
-Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen
-weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts
-nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel
-dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend
-verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier
-nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die
-Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert
-auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch
-ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo
-nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle
-Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier
-erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim
-Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch
-Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen
-muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte
-der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres
-mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn
-man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.
-
-[Illustration: Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.]
-
-Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite
-gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an
-der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in
-die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte
-streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon
-der beste sein, aber das, _was_ erreicht wurde, wird, so mangelhaft es
-auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen
-aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen
-beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des
-Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht
-zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu
-dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig,
-oder zu kräftig --?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten
-wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier
-heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von
-fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist --
-wer möcht’ es leugnen?!
-
-[Illustration: »Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold
-
-Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges]
-
-Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und
-zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die
-Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine
-kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann
-leicht und ohne zu reißen abheben.
-
-
-~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege.
-
-Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich
-lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die
-Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht
-werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht
-nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren
-Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage
-von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für
-Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. Abb. 14. Das
-Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen
-des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen
-besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die
-Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem
-Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine
-dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke
-Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für
-verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird
-von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4]
-
- [4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem
- Holze hergestellten Walzen.
-
-Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte,
-die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit
-dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr
-nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer
-Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere
-Tischblatt nimmt dasselbe auf.
-
-[Illustration:
-
- ================== ~A~ ~Auflagetuch~
- ~D~ -- -- -- -- -- ~D~ ~Druckpapier~
- ###################### ~Druckplatte~
- ~L~ |============| ~B~ ~Auflagebrett~
- ~T~_1 ---- ~T~_2 ~Tischblätter~
-
-Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.]
-
-Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung
-in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können
-wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen
-Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird,
-kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man
-erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit
-dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker
-gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt
-sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton,
-der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird.
-
-Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den
-Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir
-ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der
-Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische
-Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln
-und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner
-bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn
-wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte
-überdies zu »_bemalen_«, bevor wir sie abdrucken?
-
-Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit,
-Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu
-bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers
-versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen
--- womöglich noch in verschiedenen Farben -- um über die Kargheit,
-über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung
-des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der
-Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen
-will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf
-den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse
-einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.
-
-[Illustration: »Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois
-L. Seibold]
-
-Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen
-Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist.
-200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im stande sein.
-Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem
-Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen
-langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das
-Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.
-
-Ein »Aufätzen«[5] der Platte bringt nicht selten eine Störung der
-harmonischen Tonwirkung mit sich.
-
- [5] d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
-
-Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen
-Verstählung der Platte hinweg.
-
-Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer
-niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung
-und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken.
-
-Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege
-ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen;
-bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche
-Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.
-
-In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu
-fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen,
-daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt
-wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie
-der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die
-intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne
-Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist
-der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.
-
-
-
-
-6. Retouche-Arbeiten.
-
-
-Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin gebracht haben, einen in
-allen Strichen scharfen Abdruck zu erzielen, haben wir Gelegenheit,
-uns von dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich
-wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität der einzelnen
-Flächen zu richten haben: Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu
-seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen Striche zu
-scharf hervor; hier wieder hat eine Ätzung vielleicht noch gar nicht
-gegriffen, und die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist
-dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff genug zum Nachdenken,
-teils über die Ursachen, teils über die Art einer allfälligen Abhilfe.
-Ohne Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in zwei große
-Gruppen teilen können: »Entweder es wurde zu tief oder zu wenig geätzt.«
-
-Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine Art Nachradieren, indem
-wir die Platte von neuem mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe
-von der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen mit siedendem
-Wasser (besser noch Sodalösung oder Ätzlauge) gereinigt werden. Das
-Grundieren ist jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. Es
-muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf der erhitzten Platte in
-alle Ritzen eindringe, sonst würde an solch’ mangelhaft grundierten
-Stellen die Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb erhitze
-man die Platte von unten her ein wenig, damit der Ätzgrund schmilzt
-und in die Striche vollends einsinken kann. _Geraucht_ wird die Platte
-nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. Solche Platten
-grundiert man am besten mittelst des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie
-folgt hergestellt: Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann abseits
-vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, daß das Gemisch im
-kalten Zustand leichtflüssig bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem
-Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange kräftig geschüttelt.
-Zum Auftragen dieses Firnisses dient ein breiter flacher Haarpinsel.
-Nach dem Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten etwas, damit der
-Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. Dieser Ätzgrund kann auch auf der
-blanken, neuen Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig
-wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. Aufgetragen wird er immer
-auf der kalten Platte; bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben
-verschwindet jede allfällige, durch schlechte Pinselführung entstandene
-Streifung des Aufstriches.
-
-Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf aufmerksam gemacht
-werden, daß sie mit allem künstlerischen Takt und zielbewußt
-vorgenommen werden muß. Oft genügt das Herausholen einer brillanten
-Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende Tonmassen mit einer
-verbindenden Strichlage zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja
-nur ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere Abdrücke
-hergestellt, so kann man mittelst Feder oder schwarzen Stifts an ihnen
-versuchsweise eine oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst
-wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte Drucke geben dann
-wieder Vorlagen für die weitere Behandlung der Platte ab.
-
-[Illustration: Abb. 15. Schneidefeder.]
-
-Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen Radiernadel ist es
-oft schwer, die Richtung der beabsichtigten Striche beizubehalten,
-weil sie von den geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte,
-Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu diesem Zweck die
-Anwendung der sogenannten »photographischen Beschneidefeder«, welche
-in allen photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat die
-Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und wird in einem Federstiele
-steckend in einfachster Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie
-die Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, dessen
-Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche wieder in eine Spitze
-auslaufen. (Abb. 15). Die aus sehr hartem Stahl bestehende Feder
-erzeugt, steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht nur
-den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, eine Eigenschaft, die,
-wenn es sich um saftige Tiefen handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist
-noch, daß die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, in der
-Ebene des Schildchens liegen muß, da die Feder sonst nicht schneidet,
-sondern kratzt.
-
-Ist das Nachradieren vollendet, so wird die Ätzung wieder in der
-bereits beschriebenen Weise durchgeführt. Um den Fortschritt der
-Arbeit auf der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich von
-jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl reiner Abzüge zu nehmen
-und sie eventuell mit bezüglichen Notizen versehen in einer Mappe
-aufzubewahren. Eine solche Sammlung von Abdrücken, in der auch nicht
-die am ärgsten mißlungene Platte fehlen darf, hat soviel Lehrreiches
-für den Radierer, sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang
-bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein ernstes, zielbewußtes
-Streben zur Meisterschaft gelangt.
-
-Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, wenn zu tief geätzt
-wurde, wenn also Stellen, welche duftig beabsichtigt waren, im Abzug
-zu derb, zu kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses Mißgeschick
-meistens, wenn er, die Wirkung des Ätzwassers unterschätzend, lichte
-und zarte Partien zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht
-dadurch gut machen, daß man die benachbarten dunklen Stellen durch
-Nachradieren und Nachätzen verstärkt und somit den Kontrast zu heben
-sucht, dann muß die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden.
-Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft sich einen solchen
-von außerordentlicher Härte, indem man eine prismatische Feile mit
-dreieckigem Querschnitt einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag
-übergibt, die Flächen am vorderen Ende in sanfter Schwingung derart
-zu schleifen, daß sie mit den drei Kanten zusammen in eine Spitze
-auslaufen. Kanten und Spitze müssen abgerundet und das Instrument in
-seinem geschwungenen Teile noch überdies feinst poliert werden.
-
-Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen Stellen auspoliert.
-Durch den Druck des Polierstahles werden die Stege zwischen den
-Furchen geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge der
-Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann im Abdruck dünner und
-duftiger, weil die scharfen Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich
-gehalten, jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des Polierstahles ist
-umso energischer, je steiler man eine seiner Kanten über die Platte
-führt. Zum Schluß soll jedoch immer mit der _Fläche_ des Werkzeugs
-poliert werden, um etwaige feine Streifen, welche während des Arbeitens
-entstanden sein mögen, auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren,
-den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. Außer Gebrauch muß der
-Polierstahl vor Feuchtigkeit sorgfältigst bewahrt werden; vor allen
-Verletzungen ist das polierte Ende in einer Scheide aus dickem Leder
-geschützt.
-
-Sollten beim Polieren auf der Platte graue Streifen entstanden sein,
-so putzt man mit etwas Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem
-man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten Lappen reibt und
-trocken nachwischt. Nach einer solchen Behandlung muß die Bildfläche
-mit Terpentin noch gründlich gereinigt werden.
-
-Nach allen derartigen Prozeduren holen wir uns durch Abdrücke Auskunft
-über das Gelingen des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen durch
-den interessanten Vergleich der im Bilde deutlich wiedergegebenen
-Plattenzustände.
-
-Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja schließlich zu dem einen
-Ziele führen: unsre Erfahrung und Technik derart vervollkommnet zu
-haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit _auf einen Wurf_ zu Ende zu
-führen.
-
-
-
-
-7. Über Mißerfolge.
-
-
-Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten;
-ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes
-Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis
-abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten
-bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten
-Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in
-chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den
-einzelnen Arbeitsphasen einstellen.
-
-[Illustration: »Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-
-Beim Grundieren.
-
- 1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz
- wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden
- wollen.
-
- Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer
- Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen
- verbrannt.
-
- Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches
- Grundieren bei gelinder Hitze.
-
- 2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen
- schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche
- zurück.
-
- Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug.
-
- Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder
- Spirituslampe.
-
- 3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften
- Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der
- tiefbraunen, matten Oberfläche.
-
- Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte
- gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen.
-
- Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches
- Grundieren und Rauchen.
-
-
-Beim Radieren.
-
- 4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an
- den Rändern.
-
- Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur
- überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund.
-
- Abhilfe:
-
- ~a~) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des
- Handbänkchens.
-
- ~b~) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder
- jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.)
-
- 5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel.
-
- Ursache:
-
- ~a~) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;
-
- ~b~) Platte war nicht gut entfettet;
-
- ~c~) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt.
-
- ~d~) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder
- beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) Zusatz von Wachs und Mastix;
-
- für ~b~) Selbstverständlich;
-
- für ~c~) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix
- zusetzen;
-
- für ~d~) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der
- ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt
- und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden.
- Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man
- die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen
- Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit
- Deckfirnis wieder schließen.
-
-
-Beim Ätzen.
-
- 6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher
- Glätte der Platte vor).
-
- Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft
- gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer
- Kälte (im Winter).
-
- Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt
- oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.)
-
- 7. _Heftiges Aufschäumen_ der Platte hat zur
-
- Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben.
-
- Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit
- Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch
- unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet
- werden.
-
- 8. _Abblättern des Ätzgrundes_ (Begleiterscheinung des in 7.
- Angeführten).
-
- Ursache:
-
- ~a~) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;
-
- ~b~) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure
- zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den
- schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum
- Abschwimmen bringen kann.
-
- ~c~) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) (siehe in 7.)
-
- für ~b~) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11).
-
- für ~c~) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches
- Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß
- das Abblättern nicht schon zu arg geworden.
-
-
-Beim Drucken.
-
- 9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem
- Beinstab nicht auf’s Papier.
-
- Ursache:
-
- ~a~) Das Papier ist zu trocken;
-
- ~b~) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt;
-
- ~c~) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es
- saugt nicht.
-
- Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn
- es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des
- Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe).
-
- Abhilfe:
-
- für ~a~) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet
- zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die
- Druckversuche wieder aufgenommen;
-
- für ~b~) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige
- Druckfarbe;
-
- für ~c~) Selbstverständlich.
-
- 10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.
-
- Ursache: Zu nasses Druckpapier.
-
- Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen
- aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener
- geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den
- gefeuchteten Vorrat.
-
- 11. An _flauen Flecken_ und blinden Stellen, deren Ursachen
- auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der
- Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine
-
- Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch
- nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für
- den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen
- einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen
- werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von
- der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als
- Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben.
-
-Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das
-Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen.
-
-
-
-
-8. Abschleifen der Platte.
-
-
-Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch eingeleitet werden,
-soll die ganze Prozedur nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei
-kleineren Platten ist es am besten, wenn man die ganze Arbeit mit
-einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem Hieb abfeilt; das geht
-sehr rasch und schadet der Platte bei geschickter Hantierung nicht.
-Die Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen, damit man
-sie bequem handhaben kann. Bei richtiger Führung der Feile ist eine
-vom Feilenhieb herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers nicht
-zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten würden zum Ausfeilen
-sehr langer Feilen bedürfen; hier arbeitet man besser mit dem
-Schabeisen. Man beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile
-(siehe Seite 67) kauft und sie in der schon beschriebenen Weise vom
-Messerschmied schleifen läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit
-abgerundeten, sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff ist nicht
-notwendig, ebensowenig ein Polieren des Werkzeuges. Mit den Kanten
-dieses Instrumentes wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht
-vergessen werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft und dergl.)
-auch zu bearbeiten, da sonst die Platte ungleich dick aus der Arbeit
-hervorgehen würde. Ist die letzte Spur der Striche von der Platte
-verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens mit Blaustein[6]
-begonnen. Es ist dies ein in jeder Werkzeughandlung erhältlicher
-Stein von prismatischer Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet,
-muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese Forderung meist
-nicht, sie müssen erst auf einer anderen, harten Fläche ausgearbeitet
-werden. Beabsichtigt man im Anfang eine energischere Wirkung, so kann
-der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver angewendet werden.
-Schleift man die Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die
-separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig. Das Schleifen
-mit Bimsstein und Blaustein geschieht auf einem starken Brett
-mit reichlichem Zuguß von Wasser parallel den Kanten der Platte.
-Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung und die Glätte
-kann bis zu einem recht hohen Grade getrieben werden; dabei muß die
-Platte fleißig gespült werden, damit man das gänzliche Verschwinden
-sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher beobachten kann. Der Blaustein
-wird seiner Längsachse parallel über die Platte geführt und zwar mit
-einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich wird die Platte endgültig
-gespült und abgetrocknet.
-
- [6] Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen
- Karborundstein von statten.
-
-Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun dieselbe -- im rechten
-Winkel zur letzten Schliffrichtung -- mit einer Bürste aus feinem
-Stahldraht (erhältlich in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (Abb. 16).
-
-Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet werden. Die Glätte der
-Platte steigert sich nun zusehends und kann durch die Anwendung des
-flachgehaltenen Polierstahles noch gehoben werden; er wird in einer zu
-sich stets parallelbleibenden, eventuell einer zweiten dazu senkrechten
-Richtung über die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst
-dichte Strichlage.
-
-[Illustration: Abb. 16. Stahldrahtbürste.]
-
-Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem man die Platte
-mittelst eines mit Filz überspannten Brettchens, einer sogenannten
-Filzfeile, unter Anwendung von Globuspasta[7] poliert.
-
- [7] In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus Öl mit
- Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver.
-
-Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf aber behufs Aufbringen
-des Ätzgrundes noch einer auf Seite 11 beschriebenen gründlichen
-Entfettung.
-
-Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit nicht verrichten kann,
-der lasse seine Kupferplatte bei einem Messerschmied oder in einer
-Plattier-Anstalt blank schleifen.
-
-
-
-
-9. Strich und Ton.
-
-
-So sehr auch zugegeben werden muß, daß unsere Technik in ihrer
-bisher beschriebenen Ausübung geeignet erscheint, dem Künstler ein
-Ausdrucksmittel zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes vor dem
-Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich heute nicht mehr die
-Nadel allein das ganze Rüstzeug des Radierers.
-
-Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude seine Fortschritte
-mit der Nadel begrüßen und es wäre falsch, wollte man behaupten, daß
-der Nadel allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck der
-Stimmungen versagt seien.
-
-Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen überstanden hat, wird
-mit seiner Nadel einer beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem
-er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre Wirkung seinem Empfinden
-entspricht, und darin liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er
-die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art der kalten Nadel
-Furchen schneidend über die Fläche, bald läßt er sie, steilgehalten, in
-Punktreihen, statt in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen.
-Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in Ton zu arbeiten, denn
-eine gekreuzte Strichlage wird bei springend geführter Nadel nicht
-störend empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes malerisch, also
-farbig Empfindenden.
-
-Denn wenn auch -- technisch -- eine Arbeit mit der Nadel rein in
-Konturen denkbar ist, die Ziele der Radierung liegen doch fernab von
-trockenem Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in Strichlagen.
-
-Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden Könnens begrüßt hat,
-empfindet er in der Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn
-verlangt. Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu Gebote stehen,
-die Kupferfläche derart zu bearbeiten, daß uns der Abdruck nicht als
-Skelett der Zeichnung allein, sondern den verbindenden Ton grauer
-Flächen bringt.
-
-In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach sammetartig homogenem Ton.
-So dicht auch die Strichlage hier gehalten werden kann, immer und
-namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen den notwendigen
-Stegen, die die Striche trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen,
-die sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken können. Bei
-Flächen von schmälerer Gestalt hilft man sich bisweilen mit der
-»springenden Nadel«, wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt.
-Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste. Größere Flächen
-werden mittelst Beizemitteln getont. Zu solchen Beizemitteln zählt
-die Schwefelmilch, ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie
-vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem Brei verrieben und
-auf die zu tonende Fläche aufgetragen. Das Auftragen kann mit einem
-Haarpinsel erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich die Wirkung,
-wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme auf die Begrenzung der zu
-tonenden Fläche, den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um den
-Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden Stelle verreibt. Bei
-Flächen von bestimmter Begrenzung arbeitet man am besten mit einem
-Papierwischer (Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize besteht in
-einer infolge schwacher Ätzung erzielten feinen Aufrauhung der allzu
-glatten Stellen des Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß diese
-Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt werden.
-
-Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als eine ergänzende
-Nacharbeit des Hauptvorganges aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur
-entsprechend nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau einer
-Radierung, wesentlich zu verändern.
-
-Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen Mitteln der Ätzkunst
-aus. Ihre Anwendung bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter
-des Werkes, und von ihrer zielbewußten, taktvollen Anwendung hängt der
-künstlerische Wert einer Arbeit vornehmlich ab.
-
-Hier möchte ich der Meinung entgegentreten, daß maschinelle Mittel bei
-einer Radierung von der Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch
-seien.«
-
-Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist auf getontem
-Naturpapier gearbeitet, die Lichter in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr:
-die Farbe des Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt. --
-Und dieser Farbenton des Papiers, ist er vielleicht nicht auch ein
-maschinelles Mittel, das dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer
-Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch? Wenn nicht,
-dann wird auch der Radierung ein solches Mittel nicht verwehrt werden
-dürfen, wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht. Freilich
-muß künstlerischer Geschmack bei einer solchen Arbeit Pate gestanden
-sein, freilich muß der Radierer schon lange _vor_ Beginn seiner Arbeit
-über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein, soll das Ende vom
-wohlüberlegten und trefflich disponierten Anfang, von zielbewußtem
-Aufbau uns erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen
-Verquickung der beiden Begriffe: Strich und Ton. Eine Radierung kann
-gewiß auf den Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv,
-welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine Arbeit auch auf die
-Wirkung des Tones berechnet sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung
-oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In der Mitte der beiden
-Extreme jedoch steht die Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende
-Zusammenwirken von Strich und Ton berechnet ist; sei es, daß der
-Ton die Zeichnung als eine Art graue Lasur überzieht, oder, daß ein
-hauptsächlich in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel
-bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben wird. -- Welche
-Fülle von Wegen zum Ziele!
-
-[Illustration: Karlskirche in Wien
-
-Original-Radierung von Alois Seibold]
-
-Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel, welche uns gestatten,
-über die Platte einen gleichmäßigen Ton von verschiedener Textur
-auszubreiten. Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je nach der
-Entstehungsart des erzielten Effektes. Bei der Radierung in unserem
-Sinne beschränkten sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine
-zweckmäßige Behandlung des auf der Platte befindlichen Ätzgrundes.
-
-Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten besteht darin, daß man auf
-die grundierte, heißgehaltene Platte mittelst eines Siebes Steinsalz
-streut. Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund kleben
-und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte in der geschmolzenen
-Firnisschicht bis auf das blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte
-gelangt nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen werden hierin
-ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht feine Löcher zurück, welche
-bis aufs Kupfer reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die blanke
-Platte gewähren. (»Aquatinta«).
-
-Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier, welches in der Art, wie wir
-unsre Probedrucke herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte Platte
-gedrückt wird. (Abb. 13). Die scharfkantigen Körnchen durchlöchern in
-zahllosen Stichen den Ätzgrund und legen das Kupfer für die Ätzung
-bloß.
-
-Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit der Stahldrahtbürste.
-(Abb. 16).
-
-Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt und mit einer
-gestielten feinen Stahldrahtbürste (siehe Abb. 16) sachte geschlagen,
-wobei die Kupferplatte mit der linken Hand fortwährend zu drehen ist,
-damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die Verletzungen des Ätzgrundes
-haben nämlich die Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter
-Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken Hand soll also das
-Vorherrschen einer gewissen Richtung der Strichelchen verhüten.
-
-Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell noch vor der Ätzung
-auch mit der Nadel bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich
-vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«).
-Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis erlaubt dann noch einen Reichtum
-an Tonstärken zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses Maß
-nicht überschritten werden, damit der Reiz der Kontraste dadurch nicht
-verschleiert werde.
-
-Das fertige Blatt wird von manchem Radierer noch weiter »bearbeitet«.
-Die noch weiche, verwischbare Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen
-Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert,
-um so etwas wie »_Ton_« zu erzielen; doch nicht genug damit: Mit
-dem Radiergummi werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken --
-hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von der Schönheit dieser
-Technik? Dem Laien, der in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht
-eingeweiht, ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter mit
-Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene selbst um eines groben
-Effektes willen die Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung
-einer Technik arbeitet, die in ihren _echten_ Mitteln ohnehin so
-unerschöpflich reich und schön ist, so ist dies ein bedauernswerter,
-von vielen Kunsthändlern protegierter Tiefstand, dem der Einzelne durch
-konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten kann und muß.
-
-
-
-
-10. Wege und Ziele.
-
-
-Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten kann, das haben wir bei
-verschiedenen Gelegenheiten ersehen können, und je mehr der Radierer
-mit ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen zu machen sucht,
-desto vielverzweigter sieht er die Wege sich auftun, die zum Ziele
-führen.
-
-Vor allem ist es das _Wie_, mit welchem wir ringen in heißem Bemühen.
-Grundfalsch wäre es, wollte ich wähnen, erschöpfend über diese
-Technik geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter der
-Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie sind eben der treue Spiegel der
-Persönlichkeit.
-
-Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren war, dem es zukam,
-Kunstwerke größeren Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu
-machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen und es mußte so sein;
-was sollte auch dort ein persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine
-Aufgabe zu erfüllen, die heute der photographischen Kamera zufällt!
-Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten und seine Art hinter der
-Aufgabe verbergen. Es lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so
-willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit ihren Mitteln, die
-dazu berufen sind, eine ganz eigene Sprache zu reden, eine Sprache, die
-dem Künstler aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis knüpft sich
-der Aufschwung der modernen Radierung; sie wurde Selbstzweck und jeder
-Strich, früher vom Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird zum
-Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht, das uns aber der Seele
-des Künstlers, seinem Empfinden nachfühlen läßt.
-
-[Illustration: »Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen, wer die Hände über dem
-Kopf zusammenschlagen, wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht,
-einer Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder zum Radieren
-benutzt oder mit den scharfen Kanten einer abgebrochenen Nadel
-arbeitet? Nimmer kann ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik
-mehr wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat, wird seinen Weg
-finden, wenn ernstes Streben ihn beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht
-gesagt sein, daß der Anfänger sich sobald als möglich nach einer recht
-»originellen« Ausdrucksweise umsehen soll; das wäre erbärmlicher
-Manierismus, weitab von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie
-sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste Aufgabe sein soll.
-Ohne äußeres Hinzutun wird die künstlerische Ader sich regen und der
-Hand, ihr unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite. Denn
-bei fast keiner anderen Technik kann das Inhaltliche so unabhängig von
-manueller Fertigkeit zu uns sprechen als bei der Radierung.
-
-Und das Inhaltliche ist es auch, welches der ganzen Technik Seele
-verleihen soll; denn wie hier die Ausdrucksform vom _rein Malerischen_
-beherrscht werden muß, so ist das _Erzählende_ das Impuls gebende
-Moment für das _Inhaltliche_.
-
-Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer auch die größten Grübler
-waren, vom Forschergeiste Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf bis
-zu unserer Modernsten einem.
-
-Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich noch einmal mit, und
-jemehr er nach Ausdruck ringt, umso lieber wird ihm diese trotzige,
-spröde Technik, die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger
-neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen einer neuen
-Ausdrucksmöglichkeit lohnt.
-
-Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da nicht noch alles zu
-denken, zu überlegen! Schon beim Grundieren fragen wir uns: »Was für
-Druckfarbe? Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon beim ersten Strich
-allen diesen Faktoren Rechnung zu tragen und die Arbeit dem Endzweck
-anzupassen! Wie anders muß gearbeitet werden für getontes als für
-weißes Papier, für warmtonige als für kühlwirkende Druckfarbe!
-
-Man versuche es nur einmal, eine für weißes Papier berechnete Platte
-auf farbiggetontem abzudrucken oder umgekehrt!
-
-Und doch ist das Wie noch nicht allein der Endzweck, das Ziel! Was
-dem Pinsel oft versagt bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln,
-das wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das offenbart sich
-in der Lapidarschrift der Nadel mit überzeugender Kraft und Wärme.
-Menschenbeobachtung, dieses hehre Problem, es zeigt uns stets neue
-Ziele; und wieder ist es die Radierung, die das _Momentane_ des
-Erschauten festzuhalten berufen ist. Und wenn nun auch die Hand des
-Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute zu bilden, wenn
-das weichere Naturell des Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer
-fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit dem Künstler auf uns
-wirken, wenn wir uns in die Anschauung solcher Blätter versenken.
-
-Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit auf den Weg geben und wie
-ich glaube, wird mir jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »_Nie
-soll das Radieren eine Kopierarbeit sein, nie sollen die Mittel ihrer
-Sprache einer andern als ihrer eigenen Sache dienen!_« Ich habe den
-Anfänger vor dem Kopieren von Photographien gewarnt, (siehe Seite 20),
-es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten Abstufungen in den
-Tonstärken ist sie wirklich nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten
-des Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit, zumal er den Ton,
-auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut ist, in ein System von Strichen
-bringen müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei den ersten
-Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren würde.
-
-Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu einem Kunstwerk, aus einer
-_Anschauung_ entspringen kann, das Denken an die Bewältigung mit dem
-_Material_ ist doch erst das eigentlich Schöpferische.
-
- * * * * *
-
-_Schönheit in der Natur -- Schönheit des Materials -- es sind zwei
-Welten; sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk, das ist »Kunst«, und
-daß mit dem geeigneten Material der erschöpfende Ausdruck für den
-Impuls gefunden werde._ Ist es nicht denkbar, daß ein an und für sich
-herrliches Motiv, -- sei es landschaftlicher oder figuraler Art --, zur
-bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten und Strengen trotz
-meisterhafter Technik nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm
-versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger Formatwahl
-verfehlt! Es gibt Motive, die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum
-köstlichen Juwel werden können, und die auf großem Format all’ ihren
-Reiz verlieren würden. Aber mehr noch als dieses bestimmt die _Wahl des
-Materials_ das Schicksal des Werkes.
-
-Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet sich gleich gut für eine
-Durchführung in Aquarell, in Holzschnitt, für eine Radierung oder für
-ein Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus der Schluß, daß
-er nicht ohne Überlegung an sein Werk gehen darf. Linienschönheit,
-Tonschönheit, das sind die Mittel, mit denen die Radierung arbeitet.
-Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck, wenn sie im Motiv, in der Idee,
-Verwandtes findet und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren
-Einheit erheben kann.
-
-[Illustration: Pieta
-
-Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Dann wird neben der Idee auch das Material zu uns sprechen wie eine
-lebendige Sprache. Dann genießen wir nicht als Nebensache den feinen,
-matten Strich, den beruhigenden Ton und -- nicht zuletzt auch den
-Reiz des eigenartigen Glanzes, den die Metallfläche dem Druckpapier
-verleiht --, die Freude am schönen Material.
-
-Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht wie von selbst die
-Frage nach der zulässigen Größe einer Radierung.
-
-Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen, deren eine Bildkante
-fast einen Meter erreicht! Sind solche Riesenformate -- Bravourarbeiten
--- künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte Ton der Druckfarbe
-geeignet, in solchen Dimensionen zu wirken? Das geheimnisvolle
-Weben, dem nachzugehen vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung
-von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von einem Werk dieser
-Technik zurücktritt -- und zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal
-80 × 100 ~cm~ mißt. Wenn wir eine Radierung betrachten, dann wollen wir
-in dem Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes, lesen all’ das, was
-der Künstler mit der Nadel ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei
-war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust; und Strich für
-Strich mitfühlen, was da geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude
-vibrierenden Hand!
-
-Dabei wollen wir aber doch auch nicht den steten Überblick über das
-Ganze missen; ergeben sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die
-Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der Bildgröße nicht von
-selbst? --
-
-Ein Ölgemälde 30 × 40 ~cm~ nennen wir ein »Bildchen«. Eine Radierung
-von derselben Bildgröße nennen wir ein »großes Blatt« -- wie
-kommt das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung in bescheidenen
-Dimensionen fesselnd, wuchtig und kraftstrotzend wirken kann und eine
-Riesenradierung daneben schlaff und leer?
-
-Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht, seine Vorzüge und
-Schwächen, dem wird es nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt,
-vor denen es versagen oder doch zum mindesten die Eigenart einbüßen muß.
-
- * * * * *
-
-Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der Arbeit auf
-Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen.
-
-Dem Anfänger muß neben der Schulung der Technik an sich auch
-diejenige des Auges angelegen sein. Es muß sich an die Wirkungen der
-verschiedenen Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande sein,
-scharf zu urteilen und Gutes von Unbrauchbarem -- wie doch beides der
-Werdegang des Radierers notwendig mit sich bringt -- zu scheiden.
-Solches wird bei kontrastreichem Vortrag besser als bei einer mehr
-flachen Ausdrucksweise erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein
-soll, daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung
-aufweisen muß, ist wohl einleuchtend; denn eine schleierige
-Wirkung kann ja gegebenenfalls zur beabsichtigten Stimmung gerade
-erforderlich sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher schreiben
-möchte -- oder nichts --; Hier hört das Lehren auf, hier tritt das
-künstlerisch-schöpferische Empfinden in sein unantastbares Recht.
-
-
-
-
-11. Das fertige Blatt.
-
-
-Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die
-Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es
-auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren
-zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer
-Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen
-oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße,
-Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich
-in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben
-Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das
-Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das
-Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle
-macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen
-Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand
-eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich
-stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um
-die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier
-kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit
-den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es
-einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder
-Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand
-um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz
-bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt
-und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf
-kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen
-kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage.
-Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt
-Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers
-kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und
-geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton
-schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand
-des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_
-diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das
-Ansehen einer Radierung außerordentlich.
-
-[Illustration: »Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
-
-Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche
-entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben.
-Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr
-vornehm.
-
-Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck
-unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung
-»Originalradierung von N. N.« enthält.
-
-
-
-
-Schlußwort.
-
-
-Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude
-nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen,
-in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer
-Kunstbetätigung.
-
-Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der
-Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem
-Lernenden so bald als möglich zu gute komme.
-
-Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre
-von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen
-anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern
-aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als
-wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem
-Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente,
-wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in
-technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit
-künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will.
-
-Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte
-Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen
-Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese
-entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die
-Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das
-Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht,
-oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten
-der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer
-solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver,
-gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und
-Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den
-Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung
-ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.
-
-Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt,
-da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten
-Platte ist.
-
-Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig
-sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder
-leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen
-Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten
-Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei,
-daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als
-die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen
-muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner
-harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt
-neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten,
-die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit
-der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde
-beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige
-Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen
-mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur
-Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen,
-sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde.
-
- * * * * *
-
-Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die
-Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln
-betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im
-Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung
-unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser
-muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes
-Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine
-_gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt
-gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen
-aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute
-mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen
-Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird
-dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem
-Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf
-Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets
-ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet).
-
-[Illustration: Der heilige Franziskus
-
-Original-Radierung von Alois Seibold]
-
-Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine
-glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser
-bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung
-auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in
-Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja
-nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll
-doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen,
-ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.
-
-Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit
-einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir
-das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen
-Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber,
-die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit
-begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und
-Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist
-nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn
-nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, --
-vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind
-Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden
-soll!
-
-Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar
-zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt,
-selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr
-zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein
-vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche
-Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern
-mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen
-wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen
-Achsenlager nicht vergessen werden.
-
-Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die
-Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien.
-
- * * * * *
-
-Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche
-Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei,
-allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren
-ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand
-des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum
-Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen,
-nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß
-dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren
-berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.
-
-
-
-
-Alphabetisches Verzeichnis.
-
-
- Abblättern des Ätzgrundes 12, 71
-
- Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82
-
- Abfärben der Rauchschicht 18
-
- Abgestuftes Ätzen 38, 82
-
- Abschleifen der Platte 74
-
- Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15
-
- Aquatinta 81, 95
-
- Arbeitsprogramme 41
-
- Asphalt 9
-
- Asphaltlack 32, 33, 63
-
- Ätzdamm 31
-
- Ätzgruben-»Nester« 27
-
- Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8
-
- Ätzprozeß 2, 28
-
- Ätzschalen 32, 35
-
- Ätzwachs 34
-
- Ätzwasser für Kupfer 28, 37
-
- Ätzwasser für Zink 96
-
- Aufätzen 61
-
- Aufpausen der Zeichnung 21
-
- Aufbewahren von Ätzgrund 11
-
- Aufbewahren von Ätzwachs 35
-
- Aufbewahren von Druckfarbe 49
-
- Aufbewahren von Pinselfirnis 39
-
- Aufbewahren der Platten 8, 19
-
- Aufbewahren des Polierstahls 67
-
- Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62
-
- Aufbringen der Konturen 21
-
- Auflagetuch (Abb. 14) 59
-
- Aufmachen des fertigen Bildes 93
-
- Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97
-
-
- Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81
-
- Beißzange 12
-
- Beizemittel 78
-
- Bequeme Plattengröße 6
-
- Bienenwachs 9, 35
-
- Bildgröße 89, 92
-
- Bimsstein 75
-
- Blasenbildung 36, 71
-
- Blattrand und Blattgröße 92
-
- Blaustein 75
-
- Böttchers Ätzwasser 37
-
- Brennöl 35
-
-
- Chlorsaures Kali 29, 37
-
-
- Deckfirnis 38, 70, 82
-
- Druck 45
-
- Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51
-
- Drucken (maschinelles) 57
-
- Druckfarbe 48
-
- Druckpapier 46
-
- Duplikatplatten 61
-
-
- Einleiten der Ätzung 35
-
- Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50
-
- Engelrot 76
-
- Entfetten 11
-
-
- Facette, Facettieren 8
-
- Farbkissen 4
-
- Feilklobe 12
-
- Fetthauch auf der Platte 11
-
- Fettrötel 21
-
- Filtrierpapier 37, 46, 47, 72
-
- Filzfeile 76
-
- Fisch- oder Marderpinsel 39
-
- »Flammen« 78
-
- Flanelltuch 8, 19, 58
-
- Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73
-
- Flüssiger Ätzgrund 63
-
- Führung der Nadel 25, 65
-
- Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56
-
- Führung des Druckballens (Abb. 9) 51
-
-
- Gänsefeder 36
-
- Gasentwicklung (schädliche) 36
-
- Glasmensur 29
-
- Glastafelmethode (Abb. 6) 33
-
- Globuspasta 67, 76
-
- Graphische Künste 5
-
- Graphit 18, 56
-
- Grate 96
-
- Gravieren 25
-
- Griffel zum Pausen 22
-
- Grundieren 11, 68
-
- Grundierwalze (Abb. 2) 14
-
-
- Handabzug 45
-
- Handbänkchen (Abb. 7) 43
-
- Handwalzenpresse 98
-
- Herrichten und Prüfen der Nadeln 24
-
- Hochdruck 4, 61
-
-
- Japanpapier 47, 93
-
-
- Kalte Nadel 95
-
- Kampmann: »Die graphischen Künste« 5
-
- Karborundstein 75
-
- Klecksige Abzüge 72
-
- Kochsalz 96
-
- Kolophonium 9
-
- Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10
-
- Kupferdruckfarbe 48
-
- Kupferdruckfirnis 49
-
- Kupferdruckpapier 46
-
- Kupferplatte 6
-
-
- Leinöl 49
-
-
- Manierismus 85
-
- Marder- oder Fischpinsel 39
-
- Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57
-
- Maschinelle Tonungsmittel 79
-
- Mastix 9, 70
-
- Mißerfolge 68
-
- Modellierholz 33
-
-
- Nadelführung 25, 64
-
- Nadel (Herrichten und Prüfen) 24
-
- »Nester« = Ätzgruben 27
-
-
- Offenhalten der Strichlagen 26
-
-
- Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54
-
- Pausen 21
-
- Photographie 20, 87
-
- Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
-
- Pinselfirnis 38, 70, 82
-
- Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12
-
- Plattieranstalt 7, 76
-
- Polieren 8, 66
-
- Polierpasta 78
-
- Polierstahl 66
-
- Probedrucke 65, 67
-
-
- Radiernadel (Abb. 5) 24
-
- Reinigen der Platte 43
-
- Retouche-Arbeiten 62
-
- Rezept für Ätzgrund 8
-
- Rezept für Ätzwachs 34
-
- Rezept für Ätzwasser 28
-
- Rezept für Deckfirnis 38
-
- Rezept für Druckfarbe 48
-
- Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12
-
-
- Salpetersäure 28
-
- Salzsäure 37, 96
-
- Säureflaschen 28
-
- Schabeisen 74
-
- Schadenätzungen 33, 63
-
- Schlemmkreide 11
-
- Schlichtfeile 74
-
- Schmierseife 49
-
- Schmirgelpapier 81
-
- Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95
-
- Schräge -- Facette 8
-
- Schreibfeder 85
-
- Schwefelmilch 78
-
- Sodalösung 31
-
- Spachtel (Abb. 10) 52
-
- »Springende Nadel« 77, 78
-
- Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82
-
- Steinsalzmethode 81
-
- Strichlagen 26
-
- Strich und Ton 77
-
-
- Teilätzungen 38, 40, 82
-
- Terpentin 38, 44
-
- Terpentinessenz 38
-
- Tiefdruck 3
-
- Tonen beim Drucken 61
-
- Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81
-
-
- Überhitzen der Platte 13
-
- Unschlitt 35
-
- Unterfressen der Stege 27, 71
-
- Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27
-
-
- Verstählen 62
-
- Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10
-
- Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16
-
- Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31
-
-
- Wachsfackel 16
-
- Wahl des Motivs 20
-
- Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14
-
- Walzendruck 58
-
- Walzenpresse 59, 99
-
- Wasserdichter Ätzdamm 31
-
- Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34
-
- Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und
- Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27
-
- Weißer Ton 11
-
- Wischer 59
-
-
- Zahl der erreichbaren Abzüge 61
-
- Zahl der Teilätzungen 40
-
- Zeitungspapier 44
-
- Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18
-
-
-
-
-Raum für Bemerkungen.
-
-
-
-
- Weitere Anmerkungen zur Transkription
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- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die
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-/* Transcriber's notes */
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-</head>
-<body>
-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Die Radierung</span>, by Alois Leopold Seibold</p>
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
-at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you
-are not located in the United States, you will have to check the laws of the
-country where you are located before using this eBook.
-</div>
-</div>
-
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Die Radierung</span></p>
-<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Ein Leitfaden und Ratgeber</span></p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Alois Leopold Seibold</p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Illustrator: Alois Leopold Seibold</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735]</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p>
- <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p>
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DIE RADIERUNG</span> ***</div>
-
-<div class="transnote">
-<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p>
-
-<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt.
-Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>.
-Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>.
-</p>
-
-<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich
-am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<p class="h2">Die Radierung.</p>
-</div>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="plate01">
- <img class="w100" src="images/illu-004.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Christnacht<br />
-Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<h1>Die Radierung</h1>
-
-<p class="center">Ein Leitfaden und Ratgeber</p>
-
-<p class="center smaller">von</p>
-
-<p class="h2">Professor Alois Leopold Seibold</p>
-
-<p class="center">Maler und Radierer in Wien</p>
-
-<p class="center">Vierte vermehrte und verbesserte Auflage</p>
-
-<p class="center smaller">Mit 10 Kunstbeilagen und<br />
-16 Abbildungen im Text</p>
-
-<div class="figcenter" id="illu-005">
- <img src="images/illu-005.jpg" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="center p2"><b>Eßlingen a. N.</b><br />
-Paul Neff Verlag (Max Schreiber)<br />
-1922
-</p>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-</div>
-
-<div class="chapter">
-<p class="center smaller p2">Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N.</p>
-</div>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p class="center">Meinem hochgeschätzten Meister,</p>
-
-<p class="h2">Professor Viktor Jasper in Wien</p>
-
-<p class="center">in dankbarer Verehrung zugeeignet</p>
-
-<p class="right p2">
-<em class="gesperrt">Alois L. Seibold</em>
-</p>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-</div>
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_ersten_Auflage">Vorwort zur ersten Auflage.</h2>
-</div>
-
-<p class="drop">Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch
-zu schreiben, da war es vor allem der Wunsch,
-nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise mitzuteilen,
-und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem
-Gebiete zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch
-immerhin sein mögen, doch berufen sein dürften, wo
-immer nur möglich bei den anfänglichen Versuchen
-die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich
-vor Entmutigung zu bewahren.</p>
-
-<p>Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt
-wird, der Ausdruck der freischaffenden Künstlerseele
-ist und mit ihren Mitteln geeignet und berufen
-erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden ihrer
-Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik
-an sich auf Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift,
-deren sich die Hand zum Niederschreiben des Erschauten,
-des innerlich Erlebten bedient.</p>
-
-<p>Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich
-ist, war mein Bestreben dahin gerichtet, das
-rein künstlerische Moment als das leitende erscheinen
-zu lassen und den Anfänger an der Hand eines
-gesichteten Materiales unmittelbar ins Praktische dieser
-Kunstweise einzuführen, ohne ihn erst mit viel theoretischem
-Ballast zu beschweren.</p>
-
-<p>Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich
-schriebe – der Erste – über die Radierung, bedarf
-wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die Zahl
-(allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur
-auf diesem Gebiete aufzuweisen hat.</p>
-
-<p>Im allgemeinen muß ich mich auch an diese
-halten; denn das Um und Auf der Radierung ist
-ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan;
-die Methode aber, mit der dem Schüler die
-Wege zu weisen sind, ist es, die das Vertrauensamt
-hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten,
-auf daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen
-Weg bezeichne.</p>
-
-<p>Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist
-mir umso lieber, da ich gewiß zu sein glaube, mit
-dieser meiner bescheidenen Arbeit einer Kunstweise,
-welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den
-graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und
-Schätzer geworben zu haben.</p>
-
-<p>Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen
-vergönnt, dann soll es mir zu ehrender Genugtuung
-gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum
-Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik
-beigetragen zu haben.</p>
-
-<p class="noind p2">
-Prag, im September 1909.
-</p>
-
-<p class="mright">
-<b>Der Verfasser.</b><br />
-</p>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_3_und_4_Auflage">Vorwort zur 3. und 4. Auflage.</h2>
-</div>
-
-<p>Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not
-und Verwirrung, die uns die letzten Jahre gebracht,
-geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren sicheren Weg.</p>
-
-<p>Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am
-Schönen, können im gesunden Volke nicht untergraben
-werden; das sind unverlierbare Schätze,
-Quellen, die immer fließen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Nach kaum drei Jahren – es waren bisher
-die ärgsten – ward die dritte Auflage notwendig,
-nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist
-klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist
-groß und stolz.</p>
-
-<p>Und nun zum viertenmal hinaus!</p>
-
-<p>In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und
-Schaffenslust!</p>
-
-<p>Und das Weggeleit ist die verständnisvolle
-Freundschaft, die dem Büchlein beschieden ist; möge
-sie ihm erhalten bleiben!</p>
-
-<p class="noind p2">
-Wien, im Juni 1922.
-</p>
-
-<p class="right">
-<b>Der Verfasser.</b>
-</p>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Inhalt">Inhalt.</h2>
-</div>
-
-<table>
-<tr>
-<td></td><td><em class="gesperrt">Vorwort</em></td><td></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td></td><td class="tdr">Seite</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">1.</td><td><em class="gesperrt">Über das Wesen der Radierung</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap01">1</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">2.</td><td><em class="gesperrt">Vorbereitung zum Arbeiten</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap02">6</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec02a">6</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Über die Bereitung des Ätzgrundes</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec02b">8</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Das Grundieren der Kupferplatte</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec02c">11</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Das Anrauchen</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec02d">15</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">3.</td><td><em class="gesperrt">Das eigentliche Radieren</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap03">20</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Von der Wahl des Motives</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec03a">20</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Das Aufbringen der Konturen</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec03b">21</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Radiernadeln</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec03c">24</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Über die Führung der Nadel</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec03d">25</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">4.</td><td><em class="gesperrt">Der Ätzprozeß</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap04">28</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Die Bereitung des Ätzwassers</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04a">28</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04b">31</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Bereitung von Ätzwachs</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04c">34</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Die erste Ätzung</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04d">35</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">e</em>) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis)</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04e">38</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">f</em>) Über verschiedene Arbeitsprogramme</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04f">41</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">g</em>) Das Reinigen der Platte</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec04g">43</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">5.</td><td><em class="gesperrt">Das Abdrucken von der Platte</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap05">45</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Über die Bedeutung des Handabdrucks</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05a">45</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Das Druckpapier</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05b">46</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Druckfarbe</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05c">48</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Das Einschwärzen der Platte</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05d">50</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">e</em>) Der Abdruck</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05e">52</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="antiqua">f</em>) Das Drucken auf maschinellem Wege</td>
- <td class="tdr"><a href="#sec05f">57</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">6.</td><td><em class="gesperrt">Retouche-Arbeiten</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap06">62</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">7.</td><td><em class="gesperrt">Über Mißerfolge</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap07">68</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">8.</td><td><em class="gesperrt">Abschleifen der Platte</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap08">74</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">9.</td><td><em class="gesperrt">Strich und Ton</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap09">77</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">10.</td><td><em class="gesperrt">Wege und Ziele</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap10">84</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">11.</td><td><em class="gesperrt">Das fertige Blatt</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#chap11">92</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="gesperrt">Schlußwort</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#Schlu_wort">94</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td></td><td><em class="gesperrt">Alphabetisches Verzeichnis</em></td>
- <td class="tdr"><a href="#Alphabetisches_Verzeichnis">100</a></td>
-</tr>
-</table>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="nobreak" id="Kunstbeilagen">Kunstbeilagen.</h2>
-</div>
-
-<p class="center smaller">Original-Radierungen von Alois L. Seibold.</p>
-
-<table>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">I.</td><td>»Christnacht«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate01">Titelbild</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">II.</td><td>»Das Gehölz«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate02">S. 40/41</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">III.</td><td>»Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe
-eines mit dem Beinstab
-gewonnenen Plattenabzuges</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate03">S. 56/57</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">IV.</td><td>»Motiv aus Obersteiermark«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate04">S. 60/61</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">V.</td><td>»Bildnisstudie«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate05">S. 68/69</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">VI.</td><td>»Karlskirche in Wien«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate06">S. 80/81</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">VII.</td><td>»Überfahrt«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate07">S. 84/85</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">VIII.</td><td>»Pieta«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate08">S. 88/89</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">IX.</td><td>»Im Sturm«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate09">S. 92/93</a></td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr tdt">X.</td><td>»Der heilige Franziskus«</td>
- <td class="tdr tdb"><a href="#plate10">S. 96/97</a></td>
-</tr>
-</table>
-
-<div class="figcenter" id="illu-014">
- <img src="images/illu-014.jpg" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[1]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap01">1. Über das Wesen der Radierung.</h2>
-</div>
-
-<p>Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von
-Salpetersäure aufgelöst wird. Es geht mit ihr eine
-Verbindung ein, welche in Wasser leicht löslich ist
-und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig
-steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von
-Gasbläschen auf. (Giftige Dämpfe!)</p>
-
-<p class="center">(3<em class="antiqua">Cu</em>+8<em class="antiqua">HNO</em><sub>3</sub> = 3<em class="antiqua">Cu</em>(<em class="antiqua">NO</em><sub>3</sub>)<sub>2</sub>+4<em class="antiqua">H</em><sub>2</sub><em class="antiqua">O</em>+2<em class="antiqua">NO</em>.)
-</p>
-
-<p>Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage
-der Radierung. Das Kupfer kommt hierbei in Form
-von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis zur
-feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält
-nun einen dünnen säurefesten Überzug von eigens
-hierzu bereitetem Firnis, welcher die darunterliegende
-Kupferfläche vor Zerstörung durch die Salpetersäure
-schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener
-Form, der sogenannten <em class="gesperrt">Radiernadeln</em>, wird nun
-eine Zeichnung in diesen Firnis geritzt, so daß das
-Kupfer an den betreffenden Stellen frei zutage tritt.
-Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen
-ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung.
-Diese rein künstlerische Tätigkeit nennt man das
-»<em class="gesperrt">Radieren</em>«; nach ihr hat die ganze Technik
-überhaupt ihren Namen »<em class="gesperrt">Radierung</em>« erhalten.</p>
-
-<p>Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt,
-so kann letztere ihre Wirkung nur an jenen
-Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet; es<span class="pagenum" id="Seite_2">[2]</span>
-sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den
-Firnisüberzug gerissen hat. Diese Striche haben in
-den meisten Fällen das Kupfer gar nicht geritzt,
-sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses
-unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und
-das Niveau der blanken Kupferplatte wird dadurch an
-diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung der Säure
-aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso
-größer, je länger der chemische Prozeß andauert.
-Diesen Vorgang nennt man den »<em class="gesperrt">Ätzprozeß</em>« oder
-die »<em class="gesperrt">Ätzung</em>«. Beendet wird dieser Prozeß dadurch,
-daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser
-von der letzten Spur der Säure befreit wird.
-Sobald die Platte trocken ist, wird der Firnis mit
-Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt nun,
-nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde,
-wieder ihre blanke Oberfläche; aus den Strichen
-der Zeichnung aber sind infolge der Wirkung der
-Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die
-Platte gegen das Licht gehalten wird, dunkel von
-der glänzenden Fläche abheben. Diese Rinnen nun
-sind weit verschieden von solchen, welche in die Platte
-mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert
-worden wären; denn während die auf letzterem
-Wege erzeugte Furche infolge der glättenden Wirkung
-der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche
-zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung,
-sondern was sehr wichtig ist für die resultierende
-Bildwirkung, eine Aufrauhung der vertieften Rinne
-an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[3]</span></p>
-
-<p>Wird eine also behandelte Kupferplatte mit
-Kupferdruckschwärze eingerieben, so füllen sich die
-vertieften Striche mit Farbe, während diese über das
-blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht
-allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte
-abgewischt werden, in den Strichen sitzt sie fest.</p>
-
-<p>Also vorbereitet, wird die Platte mit einem
-Blatt gefeuchteten Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier,
-belegt; auf dieses kommt noch ein
-Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun
-zwischen zwei Stahlwalzen<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> unter großem Drucke
-durchgezogen, so daß das feuchte Papier mittelst des
-weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten
-Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen
-des Druckpapieres haftet die Farbe auf dem Papier
-und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der Druck
-ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser
-Schärfe, jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt,
-ein Umstand, der beim Entwerfen der Zeichnung
-auf der Platte bereits berücksichtigt werden muß,
-wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter
-Form aus dem Druck hervorgehen soll.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Das von der Platte gelieferte Bild heißt
-<em class="gesperrt">Abzug</em>, <em class="gesperrt">Druck</em> oder zur Spezifizierung der Art,
-in der es hergestellt wurde, »<em class="gesperrt">Radierung</em>«. Das
-ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »<em class="gesperrt">Tiefdruckes</em>«,
-eine Bezeichnung für alle diejenigen<span class="pagenum" id="Seite_4">[4]</span>
-graphischen Techniken, bei deren Ausübung die bilderzeugenden
-Elemente (Striche, Punkte und dergl.)
-in die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle
-Vorrichtung zur Herstellung aller Arten des Tiefdruckes
-heißt »<em class="gesperrt">Kupferdruckpresse</em>«, das handwerkliche
-Verfahren: »der <em class="gesperrt">Kupferdruck</em>«. Den
-Gegensatz dazu bildet der »<em class="gesperrt">Hochdruck</em>«. Obwohl
-er eigentlich in den Rahmen dieser Arbeit nicht
-gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das
-vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser
-Druckart bleiben die Striche der Zeichnung auf der
-Platte erhaben, während alles, was weiß bleiben
-soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend
-vertieft wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche
-durch kräftiges Reiben mit Druckfarbe gefüllt, so
-genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken
-des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise
-ein Übergehen desselben mit einer Farbwalze,
-um alle Striche zu schwärzen.</p>
-
-<p>Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen
-Tiefdruck und Hochdruck wieder deutlich: Während
-beim Tiefdruck das Papier in die Striche hineingepreßt
-werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein
-einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten
-Druckstockes das Abfärben auf das Papier und somit
-die Bilderzeugung.</p>
-
-<p>Zur ersten Gattung gehören: der <em class="gesperrt">Kupferstich</em>,
-der <em class="gesperrt">Stahlstich</em> in allen seinen Abarten, die <em class="gesperrt">Radierung</em>
-und andere Verfahren, die jedoch mit
-unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf<span class="pagenum" id="Seite_5">[5]</span>
-den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure)
-und sich von künstlerischen Fertigkeiten in den
-Mitteln wesentlich unterscheiden. (Zum »<em class="gesperrt">Hochdruck</em>«
-gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der Stempeldruck,
-die Zinkhochätzung, Autotypie – Zinkotypie –
-u. s. w.)<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei Kampmann’s
-»Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf das
-angelegentlichste empfohlen.</p>
-</div>
-</div>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_6">[6]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap02">2. Vorbereitung zum Arbeiten.</h2>
-</div>
-
-<h3 id="sec02a"><em class="antiqua">a</em>) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung.</h3>
-
-<p>Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine
-besondere liebe Aufgabe ist, den Anfänger unmittelbar
-ins Praktische der Technik einzuführen und ihn
-mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer
-entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig
-ist, zu verschonen. Deshalb auch habe ich es vermieden,
-mich in langen technologischen Abhandlungen
-über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei
-den heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich
-nicht schwer, zu der einwandfreien Reinheit und
-Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu haben.
-Nun zur Sache!:</p>
-
-<p>Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die
-<em class="gesperrt">Kupferplatte</em> anzusehen. Sie wird in größeren
-Metallhandlungen aus gewalzten Kupferplatten geschnitten
-und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt.
-Um den Anfänger gleich hier zu orientieren,
-sei folgendes erwähnt:</p>
-
-<p>1. Die Platte soll etwa 1½–3 <em class="antiqua">mm</em> dick sein.</p>
-
-<p>2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format
-ist 13 × 18 <em class="antiqua">cm</em>. Dem Anfänger ist dringend zu
-raten, bei seinen ersten Versuchen über dieses Maß
-nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte<span class="pagenum" id="Seite_7">[7]</span>
-Bequemlichkeit bei allen folgenden Hantierungen
-bietet. Bei erlangter Sicherheit steigert sich von
-selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal
-ja die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage
-ohnehin nicht mit dem ersten Versuch erreicht (und
-auch gar nicht bezweckt) wird.</p>
-
-<p>3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten
-schwankt und beträgt ungefähr 8·7–8·9.
-Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes der
-Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 <em class="antiqua">cm</em>,
-3 <em class="antiqua">mm</em> dick, wiegt also:</p>
-
-<p class="noind">
-<span class="m2">13 × 18 × 0·3 × 8·9</span><br />
-<span class="m2 bb">104</span><br />
-<span class="m2 bb">234</span> × 0·3<br />
-<span class="m1 bb">70·2</span> × 8·9<br />
-<span>5616</span><br />
-<span class="m1 bb">6318</span><br />
-<span class="bb2">624·78</span>; das sind also 624·78 Gramm.
-</p>
-
-<p>Der Preis des Kupfers schwankt stetig im
-Handel. Nach obigen Daten und Kenntnis des
-Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen
-Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun
-einem geschickten Kupferschmied oder noch besser einer
-Plattieranstalt übergeben. Hier wird die Platte
-»gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden
-nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung
-der Schräge soll ungefähr 45° betragen; je dicker
-die Platte ist, desto flacher muß diese Neigung sein,<span class="pagenum" id="Seite_8">[8]</span>
-damit die Oberwalze beim Drucken die Platte leicht
-anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt,
-daß das Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger
-Platte zerschnitten wird. Die Ecken können
-abgerundet werden. Diese Schräge heißt <em class="gesperrt">Facette</em>,
-die Arbeit: das <em class="gesperrt">Facettieren</em>. Die Bildfläche
-soll den feinsten Schliff – frei von jeder Spur
-eines Ritzes – zeigen, vor allzu spiegelglatter <em class="gesperrt">Polierung</em>
-ist jedoch zu warnen, da eine solche
-Fläche für das spätere Arbeiten zuweilen Ursache
-von Mißlichkeiten werden kann (siehe Mißerfolge).</p>
-
-<p>Hat man die Platte in diesem Zustand, so
-überzeuge man sich durch vorsichtiges Auflegen derselben
-auf eine Spiegelscheibe, von ihrer wirklichen
-Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und
-läßt sie sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben,
-dann wird dieses Zurückfallen lautlos, ohne Klappern,
-erfolgen. Um sie vor dem Zerkratztwerden zu schützen,
-lege man in eine flache Schachtel ein Flanelltuch und
-auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten.</p>
-
-<p>Man bekommt fertig hergerichtete Platten in
-allen gangbaren Formaten in größeren Mal- und
-Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese
-Beschaffung aber etwas teurer stellen.</p>
-
-<h3 id="sec02b"><em class="antiqua">b</em>) Über die Bereitung des Ätzgrundes.</h3>
-
-<p>Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung
-dieses wichtigen Materials gibt, will ich
-dennoch von ihrer Anführung absehen, um nicht durch<span class="pagenum" id="Seite_9">[9]</span>
-verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit
-hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein
-der Wahl zu überlassen, wenn ein erprobtes Rezept
-ihm gutes Gelingen gewährleistet!</p>
-
-<p>Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen:</p>
-
-<div class="hang">
-<p>1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten
-Säuren;</p>
-
-<p>2. leichte Schmelzbarkeit;</p>
-
-<p>3. festes Haften an der Metallfläche;</p>
-
-<p>4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis
-nicht zersplittern, sondern ihn nur glatt
-durchschneiden.</p>
-</div>
-
-<p>Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch
-Asphalt, die zweite durch Bienenwachs, die dritte
-durch Mastix, die vierte durch ganz homogenes Gefüge
-des Gemisches. Dieses wird nach folgendem
-Rezept bereitet:</p>
-
-<table>
-<tr>
-<td class="tdr">weißes Wachs 3</td><td rowspan="3" class="bt br bb"> </td><td rowspan="3">Gewichtsteile</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">Mastix 2</td>
-</tr>
-<tr>
-<td class="tdr">echter <em class="gesperrt">Syrischer</em> Asphalt 4</td>
-</tr>
-</table>
-
-<p>Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto
-härter und wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund,
-aber auch desto undurchsichtiger. Deshalb setzt man
-dort, wo man auf dessen Durchsichtigkeit Gewicht
-legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem
-Rezept etwa 2 Gewichtsteile.)</p>
-
-<p>Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich,
-welche ja nicht zu klein gewählt werden dürfen.
-Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute Dienste.<span class="pagenum" id="Seite_10">[10]</span>
-Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde,
-jedoch hübsch abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet
-werden kann. Eine Zange oder ein feuchtes Tuch
-liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe.</p>
-
-<p>Die runden Körnchen des Mastix werden mit
-dem zerstoßenen Kolophonium zuerst geschmolzen;
-erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für
-Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit
-einem Blechlöffel oder dergl. bewirkt die vollkommene
-Mischung. Man darf den Topf auch nicht aus
-den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem
-Rauchen das Gemisch sofort von der Hitze wegrücken.
-Das Rauchen ist übrigens schon ein bedenkliches
-Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame
-Behandlung überhaupt vermieden werden. Diese
-Masse läßt man nun bei etwa 100° Celsius abseits
-stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls
-klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß.
-Unter großer Vorsicht und stetem Umrühren gießt
-man das Gemisch in einigen Absätzen in den bereits
-vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das
-Ganze bei sehr mäßiger Hitze noch etwa 5 bis
-10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte Homogenität
-der Masse ganz sicher erreicht werde.
-Hierauf gießt man die flüssige Masse in ein großes
-Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier erstarrt sie
-sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem
-Wasser lassen sich diese wie Teig kneten und die
-Finger fühlen leicht jedes Knötchen oder Körnchen,
-welches sich vielleicht noch in der Masse befindet;<span class="pagenum" id="Seite_11">[11]</span>
-alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse
-entfernt werden; dann werden aus dem also gereinigten
-Ätzgrund Walzen oder Kugeln geformt
-und erkalten gelassen.</p>
-
-<p>Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen
-länglichen Blechbüchsen aufbewahrt, wie man sie
-mit diversen Pulvern oder dergl. in den Geschäften
-als Verpackung bekommt.</p>
-
-<p>Man hüte sich die Masse trocken, also außer
-Wasser zu lange zu kneten, da sie sonst an der
-Hand festklebt und diese nur durch energisches Reiben
-mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann.</p>
-
-<h3 id="sec02c"><em class="antiqua">c</em>) Das Grundieren der Kupferplatte.</h3>
-
-<p>Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist
-zur Aufnahme des Ätzgrundes noch nicht geeignet,
-da sie noch einen Hauch von Fett besitzt, welcher
-den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis
-nicht zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte
-Wasser auf, so sehen wir, daß es wie Quecksilber
-in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch ein
-Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu
-entfernen, bereiten wir in einer Schale einen Brei
-von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton mit
-Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch
-auf der Platte tüchtig aufgerieben und
-bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist dieser Anstrich
-trocken geworden, so wird er mit einem ganz<span class="pagenum" id="Seite_12">[12]</span>
-trockenen, frischgewaschenen Leinwandlappen von der
-Platte abgerieben. Die Schlemmkreide hat alles
-Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum Grundieren
-bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da
-ihre Unterlassung später ein Abblättern des Firnisses
-leicht zur Folge haben könnte. (Siehe »Über
-Mißerfolge« Nr. 8, Ursache <em class="antiqua">b</em>).</p>
-
-<div class="figright illowp40" id="fig01">
- <img class="w100" src="images/illu-026.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 1. Rost aus
-starkem Draht ohne
-Überkreuzungen, damit
-die Platte flach darauf
-liegen kann.</div>
-</div>
-
-<p>Es handelt sich nun darum,
-den Ätzgrund in feiner
-Schicht auf die Platte zu
-bringen. Man nennt diesen
-Vorgang das »Aufbringen«
-des Ätzgrundes; er wird
-damit eingeleitet, daß die
-Platte gleichmäßig und gelinde
-über einer Spiritus-
-oder Gasflamme erhitzt
-wird. Zum bequemen Halten
-der Platte dient eine
-Beißzange oder eine Feilklobe,
-welche man in die
-Platte festschrauben kann.
-Gegen das Zerkratzen des
-Kupfers schützt eine zwischen
-den Angriffsstellen angebrachte
-Einlage von mehrfach
-gefaltetem Filtrierpapier
-oder dickem, weichem Leder.
-Man kann sich auch aus sehr starkem Draht einen
-Rost mit Handhabe machen lassen (<a href="#fig01">Abb. 1</a>). Die<span class="pagenum" id="Seite_13">[13]</span>
-Kupferplatte wird – Schliff nach oben – darauf
-gelegt und so über die Flamme gehalten.</p>
-
-<p>Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte
-zu bewirken, bewege man sie über der Flamme hin
-und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers zu
-dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt;
-länger darf man nicht warten, denn das bald eintretende
-Farbenspiel von Orange, Karminrot bis
-Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung
-und ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren
-Platten erzielt man eine ausreichende Erhitzung,
-wenn man sie etwa 5 <em class="antiqua">cm</em> über den Zylinder einer
-brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch
-auf ein sehr reines Brett gelegt (Schliffläche oben)
-und mit der Asphaltmasse erst vorsichtig am Rande
-hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja nicht
-zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre
-ein sicheres Zeichen von Überhitzung! In einem
-solchen Falle muß ein Sinken der Hitze abgewartet
-werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der
-Masse über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch
-nicht zu reichlich, ein vollkommenes Bestreichen der
-Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig; man
-streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei
-großen Platten eventuell noch zwischen ihnen ein
-paar Striche. Der geschmolzene Ätzgrund wird nun
-mit der Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) auf der ganzen
-Fläche ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende
-Haut auf dem Kupfer in gleichmäßiger
-Feinheit erscheint.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_14">[14]</span></p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig02">
- <img class="w100" src="images/illu-028.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 2. Grundierwalze.</div>
-</div>
-
-<p>Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder
-von etwa 5 <em class="antiqua">cm</em> Länge und 3 <em class="antiqua">cm</em> Durchmesser,
-welcher mit dünnem, glattem Leder derart
-überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit).
-Denselben Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen,
-doch ist Leder unbedingt vorzuziehen. Diese
-Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um
-ihre Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei
-ist darauf zu achten, daß die Schraubenköpfe <em class="antiqua">A</em>
-und <em class="antiqua">B</em> die Walze daran verhindern müssen, mit der
-<em class="gesperrt">Gabel</em> in Berührung zu kommen, weil sie sonst
-stecken bliebe, wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten
-tritt. Deshalb muß überhaupt auch ein genügender
-Raum beiderseits zwischen Walze und
-Gabel frei bleiben. Man erhält Grundierwalzen
-auch gebrauchsfertig zu kaufen. (Große Platten
-erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.)
-Ist die Walze neu, so tut man gut
-daran, sie erst auf irgend einem heißen Blech mit
-Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte
-zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende<span class="pagenum" id="Seite_15">[15]</span>
-Ätzgrund wird nie davon entfernt, bei kleineren
-Platten genügt dieser oft allein zum Grundieren.
-Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht
-weggelegt werden, da sie infolge des noch klebrigen
-Ätzgrundes überall haften und Staub und dergl.
-an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf
-einen Gegenstand so, daß die Walze frei in der
-Luft bleibt.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig03">
- <img class="w100" src="images/illu-029.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 3. <em class="antiqua">ABCD</em> Kupferplatte.</div>
-</div>
-
-<h3 id="sec02d"><em class="antiqua">d</em>) Das Anrauchen.</h3>
-
-<p>Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der
-Säure geschützt. Der Metallglanz des Kupfers
-schimmert jedoch noch durch und würde den Augen<span class="pagenum" id="Seite_16">[16]</span>
-des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja
-unerträglich werden. Zur Abhilfe dessen wird die
-noch warme Platte mittelst einer Wachsfackel angerußt.
-Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird
-sie mit starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt,
-jedoch nicht in der Mitte des Brettes, sondern
-an einem Ende. (<a href="#fig03">Abb. 3</a>). Das Brett wird
-nun derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges
-hohes Möbelstück gelegt, daß die Platte nach unten
-kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer
-Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes
-(<a href="#fig04">Abb. 4</a>). Man kann auch in den Kasten oben
-einen Haken einschrauben; dann schiebt man das
-Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst
-beschweren zu müssen. Aus drei oder vier Wachsstocksträngen
-wird nun eine Fackel gedreht und diese
-angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter
-der Platte in entsprechender Entfernung hin- und
-hergeführt wie ein Anstreichpinsel. Dabei sind
-folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen:</p>
-
-<div class="hang">
-
-<p>1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig
-sein. Zugluft, Herumgehen anderer Personen
-in der Nähe der Fackel, Türenöffnen oder
--Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil
-man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte
-Richtung geben kann.</p>
-
-<p>2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf
-die Platte berühren.</p>
-
-<p>3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt
-werden.</p>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_17">[17]</span></p>
-
-<div class="figcenter illowp60" id="fig04">
- <img class="w100" src="images/illu-031.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.</div>
-</div>
-
-<p>Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren
-roten Glanz verliert und sich schwärzt. Ist dies
-an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit vollendet.
-Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man
-das Brett mit der Platte auf den Tisch, so sieht
-man auf ihr einen braunschwarzen, matt glänzenden
-und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten
-sehr angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des<span class="pagenum" id="Seite_18">[18]</span>
-Anrauchens darf dieser Überzug nach dem Erkalten
-nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen,
-daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel
-bringt nämlich den Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen;
-der Ruß wird durch den weichen Firnis in beschränkter
-Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen
-lassen sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen
-abwischen; das darf selbstverständlich nur auf gänzlich
-erkalteter Platte geschehen, da die Firnisschicht im
-warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt
-irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so
-heißt es die Platte mit Terpentin abwaschen, entfetten
-und mit Grundieren und Rauchen von neuem
-beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart
-bleiben dürfte, da hier Übung die Hauptsache ist;
-also nicht den Mut verlieren!</p>
-
-<p>Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige
-und dabei säurefeste Substanz (zum
-Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das
-Anrauchen erspart bleibe.</p>
-
-<p>Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige
-Mischung dieser zwei Stoffe schwer möglich
-ist. Und wenn auch, – die Graphitstäubchen
-rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn
-diese Körnchen werden von der Nadel aus dem
-Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen
-Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver
-verwendete. Eine starke Lupe wird den
-Unterschied der Probestriche auf den beiden Ätzgründen
-deutlich zeigen. Übrigens ist auch die<span class="pagenum" id="Seite_19">[19]</span>
-Dichtheit des Überzuges durch solche Beimengungen
-in Frage gestellt.</p>
-
-<p>Die vollkommen kalte Platte wird wieder in
-die früher erwähnte Schachtel mit Flanellboden gelegt,
-falls sie nicht gleich in Verwendung genommen
-wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund
-in dünner Schichte nicht unbegrenzt lange seine
-Festigkeit gegen Säure bewahrt; er beginnt unter
-dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern.
-Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst
-kurz vor der Inangriffnahme der Arbeit zu grundieren
-und auch während derselben keine allzugroßen
-(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen.</p>
-
-<p>Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte,
-so kann man ihn dadurch regenerieren, daß man
-die Platte von unten her gelinde erhitzt. Dieses
-neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig
-und erspart das neuerliche Grundieren. Daß
-man diese Prozedur bei einer bereits angefangenen
-Arbeit nicht unternehmen darf, ist selbstverständlich;
-der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits
-radierten Striche wieder schließen.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_20">[20]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap03">3. Das eigentliche Radieren.</h2>
-</div>
-
-<h3 id="sec03a"><em class="antiqua">a</em>) Von der Wahl des Motives.</h3>
-
-<p>Für den Anfänger ist es keine leichte Sache,
-einen geeigneten Stoff für seine ersten Versuche zu
-wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage etwas
-verweilen.</p>
-
-<p>Vor allem Andern muß betont werden, daß
-die Radierung sich auf den Strich aufbaut; Tonqualitäten
-können erst bei einiger Übung angestrebt
-werden und erfordern schon eine weitergehende
-Schulung und Erfahrung. Das Dankbarste für
-den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei
-einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger
-und ausdrucksvoller die Formen, je geschlossener
-die darin vorkommenden Flächen, desto besser für
-die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend
-ans Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren
-wollen!« Bald nach den ersten Strichen
-würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und
-dem Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen.
-Gewiß hat jeder meiner lieben Lernbegierigen genug
-flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen von selbst
-geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind
-recht dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten
-und dürften in den wenigsten Fällen erhebliche<span class="pagenum" id="Seite_21">[21]</span>
-Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja zunächst
-einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut
-werden und beabsichtigen keine Bilder zu schaffen,
-denen man das mühevolle und angestrengte Arbeiten
-schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt
-<em class="gesperrt">vieles</em> Radieren, Abwechslung in den Vorlagen
-zur Tüchtigkeit.</p>
-
-<h3 id="sec03b"><em class="antiqua">b</em>) Das Aufbringen der Konturen.</h3>
-
-<p>Wenn wir auch nicht daran denken, unsere
-Kunstweise zu Kopierzwecken herabzuwürdigen, so
-geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch
-selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in
-Feder oder Kreide ist meistens Vorlage für die
-Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf den Ätzgrund
-mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem
-Bleistift wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt.
-Ein Stück weißes, dünnes Schreibpapier wird auf
-eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit weichem
-Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen;
-nach vollendeter Arbeit wird das überschüssige,
-noch am Papier liegende Rötelpulver abgestaubt,
-denn es würde sich beim Aufbringen der
-Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar
-machen. Überdies reibt man das aufgestrichene
-Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier. Die
-Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln
-befestigt. Darüber wird die gepauste Zeichnung,<span class="pagenum" id="Seite_22">[22]</span>
-Bildseite nach unten, gelegt, ihre Lage auf der
-Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an
-<em class="gesperrt">einer</em> Seite befestigt, damit man beim Pausen
-immer nachsehen kann. Das Rötelpapier wird dann
-zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite nach
-unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage
-nicht genau fixiert zu werden. Mit einem mittelharten
-Bleistift, einem Holz- oder Beingriffel erfolgt
-nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund.
-Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem
-Grund sichtbar.</p>
-
-<p>Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund
-einen mehr oder weniger dichten Schleier von
-Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung
-undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit
-einem sehr weichen Lappen, einem Stückchen Flanell
-oder Watte leicht wegwischen, die Zeichnung hält
-fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage.</p>
-
-<p>Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann
-das Pauspapier erspart werden. Man zeichnet dann
-die Konturen auf deren Rückseite durchs Fenster nach.
-Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren Gelatineblättern,
-kann die Pause hergestellt werden. Hier
-werden die Konturen nicht gezeichnet, sondern mit
-scharfer Radiernadel eingeritzt. Diese geritzte Zeichnung
-wird dann mit Rötelpulver eingerieben und
-blankgewischt. Sodann legt man sie – Bildseite
-nach unten – auf die grundierte Platte, legt zähes
-graphitiertes Papier darauf und reibt mit dem
-Beinstab kräftig (<a href="#fig13">Abb. 13</a>), oder läßt Platte mit<span class="pagenum" id="Seite_23">[23]</span>
-Pause und Papier durch die Walzen gehen bei
-schwach gestellter Spannung. Das Resultat dieses
-Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen
-Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit.
-Wer radieren will, muß eben ein kundiger Zeichner
-sein, und dem wird das Pausen gewiß keine
-Schwierigkeit bereiten.</p>
-
-<p>Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch
-außerordentliche Genauigkeit aus und sind dann
-notwendig, wenn eine sehr komplizierte Zeichnung
-mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie,
-Landkarten und dergl.)</p>
-
-<p>Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die
-Platte übertragen und zwar wie folgt: Man stellt
-das Bild – ohne viel Detail – auf glattem
-Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her;
-dabei zeichne man alles sehr kräftig und präzis,
-vermeide jede Verschwommenheit und sehe auf klare
-Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem
-Gummi und etwas Seife reibt man die grundierte
-Platte ein und beeilt sich, auf diese noch feuchte
-Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung –
-Bildseite nach unten – draufzulegen. Sofort wird
-damit begonnen, die Rückseite der Zeichnung mit
-dem Beinstab (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) zu reiben. Dieser Vorgang
-liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises
-Spiegelbild unserer Vorlage; man kann daran ohne
-weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei reiner
-Linienzeichnung schummert man das Naturpapier
-vorerst ganz mit weißer Kreide an und zeichnet<span class="pagenum" id="Seite_24">[24]</span>
-mit schwarzer Fettkreide auf diesen weißlichen Grund.
-Die Seifen-Gummischicht muß <em class="gesperrt">sehr</em> dünn, gleichsam
-wie ein Hauch auf der Platte sein.</p>
-
-<h3 id="sec03c"><em class="antiqua">c</em>) Die Radiernadeln.</h3>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig05">
- <img class="w100" src="images/illu-038.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)</div>
-</div>
-
-<p>Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des
-künstlerischen Teiles der Radierung ist die Radiernadel.
-Sie muß aus gutem Stahl und darf nicht
-so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken
-schon biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste
-leisten Nähnadeln von mittlerer Stärke. Sie sind
-so hart, daß sie eher brechen als sich biegen und
-schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein.
-Zwei solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere,
-genügen für den Anfang vollkommen. Sie werden
-in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre
-Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche
-Radiernadel hat dann das Aussehen eines feingespitzten
-Bleistiftes, dessen Dicke das Heft auch nicht
-übertreffen soll. (<a href="#fig05">Abb. 5.</a>) Wichtig ist, daß die
-Nadel fest und ohne zu wackeln oder zu »federn«
-im Holze sitze. Die Brauchbarkeit der Spitze prüft
-man, indem man auf einer anderen Kupferplatte
-(ein Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren
-von Nadel und Ätzwasser) krumme Linien nach<span class="pagenum" id="Seite_25">[25]</span>
-allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne
-daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe
-zur Arbeit brauchbar; im andern Falle muß
-die Nadel erst durch Wetzen auf glattem Holz,
-Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In
-Fachgeschäften erhält man Radiernadeln gebrauchsfertig
-zu kaufen.</p>
-
-<h3 id="sec03d"><em class="antiqua">d</em>) Über die Führung der Nadel.</h3>
-
-<p>Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen
-Erstlingsarbeiten sich bloß <em class="gesperrt">einer</em> Nadel zu bedienen.
-Diese sei nicht allzu dünn, damit die Strichführung
-nicht kleinlich und zaghaft werde.</p>
-
-<p>Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse
-beginnen, damit sie nicht durch Verwischen verloren
-gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen Nadel
-wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des
-Kupfers durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt
-werden, also nicht »<em class="gesperrt">gravieren</em>« wollen,
-das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure!</p>
-
-<p>Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu
-legen, da sie ihn erwärmen und verwischen würde.
-Man lege ein Stück Pauspapier unter die Hand.</p>
-
-<p>Von den Konturen geht man dann allmählich
-zu Strichlagen über. Hier ist Vorsicht geboten.
-Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des unerfahrenen
-Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur
-Abschätzung der im angestrebten Bilde beabsichtigten
-Dunkelheit des Tons. Der Anfänger ist leicht verleitet,<span class="pagenum" id="Seite_26">[26]</span>
-mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien hineinzuarbeiten,
-aus dem Radieren wird ein Gravieren,
-die offene Strichlage geht verloren und mit ihr die
-Aussicht auf einen guten Abdruck.</p>
-
-<p>Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen
-Absatz länger aufhalten, denn hier sind die
-ersten ernsteren Gefahren zu bestehen, hier ist die
-Quelle so manches Mißerfolges zu suchen.</p>
-
-<p id="Seite_26_9">Der Anfänger bedenke Folgendes:</p>
-
-<p>Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung
-sitzen bleiben, von wo sie mit der Hand oder dem
-Wischballen nicht herausgewischt werden kann. Wird
-also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen
-eine ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt
-die Säure an dieser Stelle nicht voneinander getrennte,
-vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein,
-der Form der Fläche entsprechend. Der Boden
-dieser Grube ist aber nicht fähig, Farbe an sich
-zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte
-einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte
-zeigt dann an der betreffenden Stelle einen schmutzigen,
-flauen Fleck und die Arbeit ist verdorben.</p>
-
-<p>Die Strichlagen müssen also offen gehalten
-bleiben, d. h. es muß dafür gesorgt werden, daß
-zwischen den Strichen auch genügend breit der Ätzgrund
-bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure
-nicht nur nach der Tiefe, sondern selbstredend auch
-seitlich ätzt; die Folge davon ist ein Breiterwerden
-des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend,
-daß zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art<span class="pagenum" id="Seite_27">[27]</span>
-ihren »Steg« (das ist die vom Ätzgrund geschützte
-Fläche zwischen beiden) verlieren können; man nennt
-diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der
-Stege. Solche Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche
-Flecke (sogenannte »Nester«). Will der
-Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden
-Stellen eine feinere Radiernadel neben der stärkeren
-mit verwenden, so ist dagegen nichts einzuwenden.
-Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit verwechselt
-werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der
-Nadel ab, die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich
-von der verschiedenen tiefen Ätzung. Ein
-haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im
-Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober
-Nadel erzeugter infolge <em class="gesperrt">schwacher</em> Ätzung ganz
-hell und duftig kommen. Diese Wechselbeziehungen
-zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter
-des resultierenden Bildes, und schon bei der
-Anlage der ersten Strichlagen muß der Radierer
-sein Endziel klar vor Augen haben, wenn es ihm
-mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht
-ernst ist und er den Erfolg seiner Mühen nicht
-dem blinden Zufall überlassen will mit einem leichtsinnigen
-»Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt
-ja der Genuß, die Freude an dieser edlen Technik,
-daß sie alle künstlerischen Intellekte vereint; Geschmack
-in der Form, in der Raumverteilung und
-in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint
-mit den nun erst zu erwerbenden technischen Erfahrungen
-führen dann zur Meisterschaft.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_28">[28]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap04">4. Der Ätzprozeß.</h2>
-</div>
-
-<h3 id="sec04a"><em class="antiqua">a</em>) Die Bereitung des Ätzwassers.</h3>
-
-<p>Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von
-Ätzwässern, doch will ich auch hier meinem Vorsatz
-treu bleiben und einfach nur <em class="gesperrt">ein</em>, allerdings wohlerprobtes,
-Rezept anführen, mit dem der Anfänger,
-wie auch der Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen
-wird.</p>
-
-<p>Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die
-Salpetersäure. Sie ist in jeder feineren Drogerie
-in einwandfreier Reinheit erhältlich und gewöhnlich
-40 – seltener 42 – prozentig. Diese konzentrierte
-(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr
-bereitete Ätzwasser muß unbedingt in Flaschen mit
-eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten Säureflaschen)
-aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk
-des Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind
-zum bequemen, sicheren Arbeiten sehr wünschenswert.
-Eine in Kubikzentimeter eingeteilte zylindrische Glasmensur
-dient zu den verschiedenen Messungen, welche
-zum richtigen Mischen notwendig sind.</p>
-
-<p>Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali;
-zum Lösen beider dient abgekochtes oder destilliertes
-kaltes Wasser. Das Ätzwasser soll nicht mehr als
-17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes<span class="pagenum" id="Seite_29">[29]</span>
-Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung
-mit der Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll
-sich bei mittlerer Zimmertemperatur nach etwa 30
-bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen belegen.</p>
-
-<p>Recht bequem ist folgender Vorgang:</p>
-
-<p>In 100 <em class="antiqua">cm</em>³ reinem (destill.) Wasser werden
-2 Gramm chlorsaures Kali vollständig gelöst. In
-diese Lösung gießt man sehr langsam nach und nach
-im ganzen 100 <em class="antiqua">cm</em>³ konzentrierte Säure. Hierbei
-tritt eine Erwärmung des Gemisches ein. Nach
-dessen Erkalten schüttelt man bei geschlossener Flasche
-tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige Mischung
-erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und
-sinkt vor der gänzlichen Lösung darin unter.) Diese
-Lösung ist jetzt (genau kennt der Händler den Prozentgehalt
-seiner Säure meistens nicht, und die
-Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht
-notwendig) <em class="gesperrt">ungefähr</em> 20prozentig, also wahrscheinlich
-zu stark. Wir gießen nun in die Glasmensur
-genau 10 <em class="antiqua">cm</em>³ unseres Ätzwassers und
-heben mittelst eines Glasröhrchens einen Tropfen
-Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte und entfettete
-Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung
-zu bald und zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu
-stark. Wir gießen nun etwa 1 <em class="antiqua">cm</em>³ (destill.)
-Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst
-die Probe wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser
-auf 10 <em class="antiqua">cm</em>³ ergänzen. Eine zweite Probe auf
-Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen
-der Energie bekunden. Dies setzt man<span class="pagenum" id="Seite_30">[30]</span>
-fort, bis die Flüssigkeit in der Mensur den gewünschten
-Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach
-Zugießen des 3. <em class="antiqua">cm</em>³ erfolgt, so heißt das:
-3 <em class="antiqua">cm</em>³ Wasser zu 10 <em class="antiqua">cm</em>³ Lösung gibt den gewünschten
-Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen
-des Ätzwassers muß noch Wasser zugegossen werden.
-Hat man nun 200 <em class="antiqua">cm</em>³ Lösung angesetzt, so bedarf
-sie noch 60 <em class="antiqua">cm</em>³ Wasser, um den erwünschten
-Grad zu erreichen.</p>
-
-<p>Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert,
-ist auch angezeigt, wenn man ein zu schwach geratenes
-Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu
-Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter
-Säure verstärken will.</p>
-
-<p>Statt der Probeplatte kann man sich auch eines
-blanken Probestreifens aus Kupferblech bedienen.
-Man senkt ihn in die mit dem fraglichen Ätzwasser
-gefüllte Mensur.</p>
-
-<p>Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers
-nicht unumgänglich notwendig, jedoch als
-Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit
-einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden
-Wirkung dieser Substanz sehr angenehm und der
-Ätzeffekt viel harmonischer ist. Die Konzentration
-des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung
-erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art
-berücksichtigt werden muß. Für besonders tiefe
-sammetartige Töne erhöhen wir den Säuregehalt,
-soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit
-des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und<span class="pagenum" id="Seite_31">[31]</span>
-duftige Partien bedürfen hinwiederum eines stark
-verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß mit
-größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt
-werden, wie sie bei dünnerem Agens entsprechend
-verlängert werden muß.</p>
-
-<p>Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen
-für Stoffe und dergl. sehr verderblich werden können,
-daß die Hände vor Berührung mit ihr sorgfältig
-zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges
-gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen
-zu retten sind, ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen
-Säure auf ein Tuch, so kann unverzügliches Übergießen
-oder reichliches Betupfen mit gesättigter
-Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen
-vor Schaden bewahren.</p>
-
-<h3 id="sec04b"><em class="antiqua">b</em>) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.</h3>
-
-<p>Es handelt sich nun darum, die radierte Platte
-für die Ätzung derart auszurüsten, daß zuverlässig
-nur die Zeichnung der Wirkung der Säure ausgesetzt
-werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber,
-namentlich die Rückseite davor geschützt sei. Der
-Mittel hierzu gibt es einige, sie seien hier der
-Vollständigkeit wegen alle behandelt.</p>
-
-<p>1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern
-noch heute angewendet, besteht darin, daß man um
-die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa
-daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert,<span class="pagenum" id="Seite_32">[32]</span>
-welcher mit der Platte zusammen eine Art rechteckiger
-Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa
-10–15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich
-muß vor dem Eingießen der Säure die
-Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale erst
-sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden.</p>
-
-<p>2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß
-man die ganze Platte (mit Ausnahme des zu
-ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack bestreicht.
-Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden,
-kann die Ätzung in einer photographischen Schale
-aus Porzellan oder Glas geschehen.</p>
-
-<p>Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast
-nur Schattenseiten: Ist schon das Aufmodellieren
-des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist
-das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen
-des Ätzwassers in die Flasche aber trotz einer
-in die Wachsmasse eingedrückten Ausflußdille geradezu
-problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die
-Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung
-mit Nadel und Pinsel weiter bearbeitet werden soll,
-daß hierauf abermaliges Ätzen und abermaliges
-Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da
-mit der Nadel und dem Pinsel vielleicht über den
-weichen klebrigen Wachsrand hinweg arbeiten, oder
-gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen
-und nach erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung
-ihn wieder aufmodellieren?</p>
-
-<p>Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie
-nichts einzuwenden. In der Praxis zeigt sich jedoch,<span class="pagenum" id="Seite_33">[33]</span>
-daß der Asphaltlack an den Kanten und Ecken durch
-Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst
-wenn der Anstrich noch so dick wäre. Auf der
-Rückseite ist derselbe fortwährend Beschädigungen
-infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten
-»Schadenätzungen« Anlaß geben.</p>
-
-<p>Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem
-Ausweg geführt. Hierzu ist bloß eine stärkere
-Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 <em class="antiqua">cm</em> größer
-sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem
-Falle wäre die Platte 13 × 18; dann müßte die
-Glastafel 16 × 21 <em class="antiqua">cm</em> messen.</p>
-
-<p>Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter
-jede Ecke ein erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt
-und die Platte mittelst dieser Klümpchen an der
-Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt,
-daß <em class="gesperrt">erstens</em> die Klümpchen ganz flach
-gequetscht werden, <em class="gesperrt">zweitens</em>, daß die Kupferplatte
-in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß ein
-1½ <em class="antiqua">cm</em> breiter Rand freien Glases um die Platte
-herumläuft. Mit einem geeigneten Modellierholz
-werden nun die Fugen zwischen Kupfer und Glas
-mit Ätzwachs <em class="gesperrt">wasserdicht</em> verschmiert, damit ja
-kein Ätzwasser an die Hinterfläche der Kupferplatte
-gelangen kann. Das gelingt nur, wenn Kupfer
-und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit
-kann jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese
-bis an die Bildgrenze) mit Asphaltlack bestrichen
-werden. (<a href="#fig06">Abb. 6.</a>) Eine also ausgerüstete Platte
-bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern<span class="pagenum" id="Seite_34">[34]</span>
-auch zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch
-immer bereit zu sein; ein Zerstören des Schutzüberzuges
-an den Kanten ist hier ausgeschlossen.
-Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur
-einer einzigen Ätzung zu tun, so genügt das unter
-P. 2 beschriebene Verfahren.</p>
-
-<div class="figcenter illowp80" id="fig06">
- <img class="w100" src="images/illu-048.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.</div>
-</div>
-
-<h3 id="sec04c"><em class="antiqua">c</em>) Die Bereitung von Ätzwachs.</h3>
-
-<p>Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges
-Quantum schwarzen Ätzgrund (siehe Bereitung <a href="#Seite_7">Seite 7</a>)<span class="pagenum" id="Seite_35">[35]</span>
-bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs und Unschlitt
-hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht
-mehr ganz erstarrt, sondern die Konsistenz von
-Modellierton behält. Ein Zusatz von Brennöl ist
-vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht
-eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung
-der Methode mit der Glastafel braucht man übrigens
-nicht viel von dieser Masse zu bereiten. Am besten
-schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des
-Ätzwachses, wenn man es in eine hölzerne oder
-blecherne Salbendose eingießt und darin erstarren
-läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit
-dem Modellierholz heraus. Sollte das Wachs,
-namentlich im Sommer, gar zu weich und klebrig
-sein, so setze man ihm, indem man es wieder einschmilzt,
-noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber
-wieder allein geschmolzen und dann erst mit der
-andern Masse gemischt werden.</p>
-
-<h3 id="sec04d"><em class="antiqua">d</em>) Die erste Ätzung.</h3>
-
-<p>Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte
-Platte, Bildseite nach oben, in eine der
-Größe entsprechende photographische Schale aus Glas
-oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp
-sein, da sonst das Herausnehmen der Platte aus
-dem Ätzbade schwierig ist. Auf das radierte Bild
-gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 <em class="antiqua">cm</em>
-hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich<span class="pagenum" id="Seite_36">[36]</span>
-entwickelnden gesundheitsschädigenden Gases soll das
-Ätzen nicht in einem Wohnraum vorgenommen werden.
-Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man
-ein offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.</p>
-
-<p>Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man
-bemerken, daß die bis dahin rotgoldschimmernden
-Striche der Zeichnung an Glanz verlieren und weiß
-werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen
-hat. Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung
-zuerst an den kräftig radierten Stellen,
-also meistens in den Schattenpartien. Allmählich
-steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien
-in Bläschen. Bis zu diesem Zeitpunkt muß die
-Platte unbedingt im Ätzbade verweilen. Mit einer
-Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen
-von der Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung
-von denselben nicht aufgehalten werde. Hat man
-eine recht tiefe Schale, so neigt man sie derart, daß
-die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn
-dann nach einigen Augenblicken die Bläschen von
-den radierten Strichen gänzlich verschwunden sind,
-läßt man durch Wagrechtstellen der Schale das Ätzwasser
-wieder über die Platte. Das sich entwickelnde
-Gas ist – eingeatmet – gesundheitsschädlich;
-längeres Verweilen mit dem Gesicht über der Schale
-ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb,
-die Schale mit einer größeren Glastafel während
-der Ätzungen bedeckt zu halten.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">J. Roller</em> empfiehlt in seinem Buche »<em class="gesperrt">Technik
-der Radierung</em>« (Wien, Hartleben) u. a. das<span class="pagenum" id="Seite_37">[37]</span>
-Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da damit der Ätzprozeß ohne
-schädliche Gasentwicklung vor sich geht: 10 Gewichtsteile
-rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser
-+ 2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali.
-Mir kommt jedoch dieses Ätzwasser ein wenig zu
-schwach, also langsam wirkend und minder energisch
-vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch
-ist es wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.</p>
-
-<p>Die erste Ätzung kann in 5–10 Minuten beendet
-sein. Ihre Wirkung soll für die lichtesten und
-zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit
-einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen
-hebt man nun die Platte, bei der Glaskante fassend,
-empor, nimmt sie vollends heraus und spült sie
-sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem
-großen Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder
-sie unter der Wasserleitung abbraust. <em class="gesperrt">Ausgiebiges
-Spülen der Platte ist unerläßlich</em>, da in
-den feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure
-sitzen bleiben und sich schädlich bemerkbar machen
-kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt man
-durch Andrücken, (<em class="gesperrt">nicht Wischen!</em>) reiner trockener
-Leinwand oder eines Filtrierpapiers. Man kann
-jetzt an einer minder wichtigen Stelle, am besten
-an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund
-entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung
-genügend tief gegriffen hat. Soll weitergeätzt
-werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis
-wieder sorgfältig gedeckt (siehe <a href="#Seite_40">Seite 40</a>).
-Die Striche werden mit sehr spitziger Nadel nachradiert.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_38">[38]</span></p>
-
-<h3 id="sec04e"><em class="antiqua">e</em>) Abgestuftes Ätzen <span class="nobold">(Pinselfirnis.)</span></h3>
-
-<p>Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle
-gleich tief. Da nun die Dunkelheit des Striches
-im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt,
-so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß
-alle Striche der Zeichnung im fertigen Druck die
-gleiche Intensität haben werden. Das ist aber
-nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von
-unsrer Platte, in ihrem jetzigen Zustand, würde ein
-eintöniges, flaues und mageres Aussehen haben,
-Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.</p>
-
-<p>Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine
-Landschaft mit geschlossen im Ton wirkenden Laubmassen,
-Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer
-und bewölktem Himmel, so ergeben sich für
-uns drei Tonwerte: Die dunkle Laubmasse (und
-vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der Mittelton
-des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit
-den Flecken weißen Gemäuers. Die erste Ätzung
-geschieht wie vorhin beschrieben; sie muß der Helligkeit
-des Gewölkes und des Gemäuers angemessen
-sein. Zur weiteren Behandlung der <em class="gesperrt">trockenen</em>
-Platte bereiten wir uns »<em class="gesperrt">Deckfirnis</em>« auf folgende
-Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger Hitze
-geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz
-zugesetzt, daß dieser Firnis in kaltem Zustand
-nicht mehr stockt, sondern dickflüssig bleibt. Ein
-geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt ein<span class="pagenum" id="Seite_39">[39]</span>
-rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke
-»Pinselfirnis« oder »Deckfirnis« wird in einem
-Fläschchen, gut verkorkt, an einem kühlen Orte in
-Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine
-Stockung eintreten, so stellt man das Fläschchen
-eine Weile in warmes Wasser. Der Firnis hält
-sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei
-dieser Gelegenheit kann man auch noch Terpentin
-unter kräftigem Schütteln zusetzen.</p>
-
-<p>Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in
-ein Porzellanschälchen und decken mittelst eines
-elastischen Pinsels (am besten Marder- oder Fischpinsel)
-alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr
-zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies
-die Luft und das lichte Gemäuer. Es muß dafür
-Sorge getragen werden, daß der Firnis auch wirklich
-in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte
-Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden.
-Nachdem dieser Pinselfirnis vollkommen getrocknet
-ist, kommt die Platte zum zweitenmale in die
-Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird
-auch die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende
-geführt. Dabei muß der Gang des Prozesses sorgfältig
-überwacht werden, damit nicht die auf <a href="#Seite_27">Seite 27</a>
-schon erwähnten Stege unterfressen werden.
-Ist der Ätzgrund gut, das Ätzwasser nicht zu stark
-und die Zimmertemperatur normal, so wird dies
-auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung
-durch sofortiges Herausnehmen der Platte und Spülen
-derselben im Wasser zu unterbrechen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_40">[40]</span></p>
-
-<p>Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte
-gespült und getrocknet und die weitere Abdeckung
-mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der dritten
-Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten
-der Säure ausgesetzt und sind somit am tiefsten
-geätzt. Es versteht sich von selbst, daß die Zahl
-der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers
-anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß
-<em class="gesperrt">nicht</em> hinausgehen wird, ist einleuchtend, denn
-Kontrastwirkungen gehören eben zu den dankbarsten
-Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht.
-Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum
-Wohle seiner Arbeit, nicht über drei Teilätzungen
-versteigen.</p>
-
-<p>Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung
-beim Abdecken Striche mit Firnis gedeckt, welche
-noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach dem
-Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert;
-sie sind, da sie infolge der früheren Ätzung schon
-vertieft sind, unter dem Firnis ganz gut sichtbar.
-Auch fehlerhafte Striche (welche vor der <em class="gesperrt">ersten</em>
-Ätzung schon richtig gestellt werden müssen) deckt
-man mit Pinselfirnis, ebenso alle Verletzungen,
-welche während des Arbeitens im Firnis entstanden
-sind, sowie die freigelegten Probestellen.</p>
-
-<div class="figcenter illowp50" id="plate02">
- <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden,
-damit der Firnis sich auf der Platte nicht in unerwünschter
-Weise ausbreite und Striche verdecke, die
-weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der
-Pinsel mit Terpentin oder Seife gründlich gereinigt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_41">[41]</span></p>
-
-<h3 id="sec04f"><em class="antiqua">f</em>) Über verschiedene Arbeitsprogramme.</h3>
-
-<p>Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll
-sich der Radierer eine klare Disposition für den
-Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er seine
-Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition
-ist hauptsächlich abhängig und bestimmt von
-der beabsichtigten Bildwirkung. Diese verlangt oft nach
-einem dem Gegenstande eigens angepaßten Arbeitsprogramm,
-nach welchem allein oft den verschiedentlichen
-technischen Schwierigkeiten beizukommen ist.</p>
-
-<p>Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum,
-dessen dunkle Silhouette sich in zerrissenen Konturen
-von lichtem Hintergrunde abhebt.</p>
-
-<p>Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung
-das Decken mit Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken
-erfordern! In allen solchen Fällen wird
-man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar
-drei Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt
-wird. Die Aufmachung der Platte auf der Glastafel
-gestaltet ein solches Abwechseln von Radier-
-und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen
-Partien des Vordergrundes werden zuerst radiert
-und gleich tief – jedoch mit Rücksichtnahme auf die
-noch folgenden Ätzungen – geätzt. Über die geätzten
-Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt
-darüber gegangen werden, da solche Striche
-den ohnehin tiefen Ton der früher geätzten Flächen
-nicht verändern.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_42">[42]</span></p>
-
-<p>Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel
-aufgemacht ist, genügt eine Unterlage aus Pauspapier
-für die Hand nicht mehr, weil das Papier
-an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen
-uns deshalb ein Bänkchen aus einem Holzbrettchen
-und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die
-Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so
-dick sein, daß der Ätzgrund vom darüberliegenden
-Brettchen <em class="gesperrt">nicht</em> berührt wird. Glasdicke + Plattendicke
-+ etwa 3 <em class="antiqua">mm</em> ergibt die Höhe der Füßchen.
-Das Bänkchen muß auch genügend lang sein, damit
-man es in beliebigen Lagen über der Platte verwenden
-kann. Auch muß das Brettchen so stark
-sein, daß es nicht vom Gewicht der Hand auf den
-Ätzgrund niedergedrückt werde. (<a href="#fig07">Abb. 7.</a>)</p>
-
-<p>Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und
-geätzt werden; dann muß aber zwecks weiterer
-Arbeit die Platte neu grundiert werden. Auf dem
-neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so
-komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten.
-Diese kann selbstverständlich für sich wieder
-in Teilätzungen behandelt werden, nur ist in diesem
-Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach
-der ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte
-Aufmachen auf die Glastafel lästig und gestaltet
-den Gang der Arbeit etwas schleppend.</p>
-
-<p>Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist,
-bietet diese Technik eine Fülle der Mannigfaltigkeit
-in der Behandlung, wie sie kaum eine andere aufzuweisen
-hat. Deshalb auch wird sie immer mehr<span class="pagenum" id="Seite_43">[43]</span>
-der treue Spiegel der Persönlichkeit des Radierers,
-denn bei solcher Mannigfaltigkeit der Ausdrucksmittel
-ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise
-in immer neuer Art aus der Hand des
-Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig07">
- <img class="w100" src="images/illu-059.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.</div>
-</div>
-
-<h3 id="sec04g"><em class="antiqua">g</em>) Das Reinigen der Platte.</h3>
-
-<p>Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich
-gespült, getrocknet, und mit dem Modellierholz
-langsam und vorsichtig von der Glastafel abgehoben,
-dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen,
-denn das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel
-zur Folge. Das Ätzwachs wird, soweit es
-angeht, abgenommen und in die Vorratdose zurückgestrichen.
-Die Platte selbst wird, auf einem Brette<span class="pagenum" id="Seite_44">[44]</span>
-liegend, mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit.
-Hierzu eignet sich ein Bausch von Zeitungspapier.
-Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die
-Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem
-ganz reinen Lappen (am besten aus Leinwand oder
-Baumwolle) solange gescheuert, bis die letzte Spur
-von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint.
-Solange der weiße Lappen sich noch schwärzt, muß
-gescheuert werden. Ein Zeichen der gründlich erfolgten
-Reinigung ist es, wenn die radierten Striche
-in hellrotem Kupferglanz schimmern.</p>
-
-<p>Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs
-nicht zu entfernen; eine zweite Glastafel, darübergelegt,
-schützt das Wachs vor Staub und uns selbst
-vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen
-sich in einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz
-bequem aufbewahren.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_45">[45]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap05">5. Das Abdrucken von der Platte.</h2>
-</div>
-
-<h3 id="sec05a"><em class="antiqua">a</em>) Über die Bedeutung des Handabdruckes.</h3>
-
-<p>Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe,
-möchte ich dem Anfänger dringend ans Herz legen,
-diese Disziplin nicht auf die leichte Achsel zu nehmen.
-Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von
-der Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert
-viel Übung und steht an Schwierigkeit dem bisher
-Gelernten nicht nach, ja kann es unter Umständen
-noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser
-Kunst unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden
-und Freuden der ganzen Technik so recht vertraut
-werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt der
-Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem
-wohlgelungenen Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht
-auch ausgestandenen Ärger reichlich auf. Die
-Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so
-viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen,
-Faktoren, deren Zusammenwirken man erst durch
-fortwährendes Üben erkennen und beherrschen lernt.</p>
-
-<p>Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten,
-das geeignet ist, das nun zu Erlernende
-um seinen Wert zu bringen: <em class="gesperrt">Wir dürfen von
-unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes
-Surrogat für einen mittelst Walzenpresse<span class="pagenum" id="Seite_46">[46]</span>
-gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung
-und Übung führen zu Resultaten,
-die den Vergleich mit einem aus
-der Presse hervorgegangenen Blatte
-wohl auszuhalten im stande sind.</em> (Siehe
-sämtliche Kunstbeilagen.)</p>
-
-<p>Unsre erste Sorge richtet sich auf</p>
-
-<h3 id="sec05b"><em class="antiqua">b</em>) Das Druckpapier.</h3>
-
-<p>Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen
-sein.</p>
-
-<p>Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte
-eindrücken lassen; um die in diesen Furchen
-sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es auch saugfähig
-genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster
-Linie »Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«.
-Für unsre Zwecke ist jedoch jedes
-gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. Auch
-Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind
-die sehr licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere
-der Papierfabrik Eichmann &amp; Comp. in Arnau.
-Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch »Kohlenskizzenpapier«
-genannt. Für Probedrucke eignet sich
-feuchtes Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es
-beim Probedruck nicht von Belang ist, empfiehlt sich
-doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten Papiers,
-da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.</p>
-
-<p>Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten,
-deren Format dem der Kupferplatte entspricht. Es soll<span class="pagenum" id="Seite_47">[47]</span>
-um ein <em class="gesperrt">Beträchtliches</em> größer sein als die Platte.
-Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.</p>
-
-<p>Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man
-einige Zeit in reinem Wasser liegen.<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> Dabei ist
-Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht aneinander
-kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken
-bleiben könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln
-zuerst durch’s Wasser und wischt die entstehenden
-Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann
-überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das
-Papier, desto länger muß es sich im Wasser befinden;
-sehr starke und feste Papiere badet man in
-warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte
-legt man mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres,
-darauf ein nasses Druckpapier, dann zwei Filtrierblätter,
-dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei
-Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen <em class="gesperrt">mehrere</em>
-Filtrierblätter ab. Mit einer Holzwalze (Teigwalze)
-wird jetzt die ganze Lage kräftig gewalzt, damit sich
-die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig verteile.
-Schließlich legt man eine Glasplatte oben
-drauf und beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht.
-Japanpapier ist sehr zart und darf nicht
-so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten,
-welches ein wenig <em class="gesperrt">kleiner</em> als die Kupferplatte
-sein muß. Dann werden nasse und trockene
-Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das Japanpapier
-kommt sodann in <em class="gesperrt">trockenem</em> Zustand<span class="pagenum" id="Seite_48">[48]</span>
-zwischen die feuchten Filtrierblätter. Diese müssen
-stets größer sein als das Druckpapier; sie sollen
-das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Bretter aus Holz dürfen zum Pressen <em class="gesperrt">nicht</em>
-verwendet werden, weil sie sich infolge der Feuchtigkeit
-werfen würden. Wohl aber kann man zwei
-Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder
-Aluminiumblech überziehen; das Arbeiten mit ihnen
-ist angenehmer als das mit den zerbrechlichen Glas-
-oder schweren Steinplatten.</p>
-
-<p>Am andern Tage ist das Papier meist schon zum
-Drucken geeignet. Es muß seine matte, <em class="gesperrt">glanzlose</em>
-Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und zur Verwendung
-noch nicht tauglich. In einem solchen
-Falle lege man trockene Filtrierblätter ein.</p>
-
-<p>Das Papier verliert nur sehr langsam von
-seiner Feuchtigkeit unter der Presse; eventuell können
-beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier mit
-dem Schwamm nachgefeuchtet werden.</p>
-
-<h3 id="sec05c"><em class="antiqua">c</em>) Die Druckfarbe.</h3>
-
-<p>Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen
-Firnisfarbe, der sogenannten »Kupferdruckfarbe«.
-Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht allzuschwierig
-und stellt sich recht billig. Es führt sie
-nicht jede Farbenhandlung – in kleineren Städten
-wird sie überhaupt nicht zu haben sein; deshalb<span class="pagenum" id="Seite_49">[49]</span>
-halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung
-hier einzugehen:</p>
-
-<p>Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich
-eine spezielle Farbe zu nennen) Kasslerbraun, ein
-Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und Kupferdruckfirnis
-mittelst eines Spachtels zu einem Teig
-verarbeitet. Das Verreiben geschieht mittelst eines
-Stein- oder Glasläufers, bis der Brei recht glatt
-ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa
-die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt
-und neuerdings innig verrieben. Die Farbe
-darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß die Konsistenz
-einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls
-verreibt man noch etwas trockenes Farbenpulver bis
-zur gewünschten Festigkeit. Bei dieser Gelegenheit
-kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz (Pulverfarbe)
-zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz
-dem vielleicht allzurötlichen Braun vorzieht.</p>
-
-<p>Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den
-Zweck, das Haften der Ölfarbe am feuchten Papier
-zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe beim Einschwärzen
-nicht zäh über die Kupferplatte, sondern
-läßt sich von den blanken Stellen glatt wegwischen,
-während sie die Striche füllt. Die Druckfarbe ist,
-wie der Fachausdruck lautet: »streng« oder »kurz«.
-Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine
-Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem
-Deckel eingefüllt. Kupferdruckfarbe ist in Tuben
-oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und wird in
-Geschäften für Malerrequisiten geführt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_50">[50]</span></p>
-
-<h3 id="sec05d"><em class="antiqua">d</em>) Das Einschwärzen der Platte.</h3>
-
-<div class="figright illowp50" id="fig08">
- <img class="w100" src="images/illu-066.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 8. Der Druckballen<br />
-(der untere Teil im Längsschnitt.)</div>
-</div>
-
-<p>Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas
-angewärmt und auf ein Brett gelegt. Mit einem
-schmalen Spachtel nimmt man etwas Kupferdruckfarbe
-auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird
-sie mit dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt.
-Auf der Bildfläche der Kupferplatte verreibt man
-ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit dem
-Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung
-weiterschiebt und dabei auch tüchtig niederdrückt, bis
-die ganze Platte schwarz ist. Einen solchen Ballen
-stellt man sich auf folgende Weise her:</p>
-
-<p>Auf einer kreisförmigen,
-dicken
-Holzscheibe
-(Durchmesser etwa
-8 <em class="antiqua">cm</em>) wird
-im Mittelpunkte
-ein zylindrisches
-Holzstück, (eine
-lange Spule oder
-dergl.) befestigt;
-dann wird ein
-Säckchen mit
-Wolle gefüllt und
-so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung
-auf das Holz zu liegen kommt, während die
-andere Seite des Säckchens eine pralle Halbkugelfläche
-bildet. Über das Säckchen und die Scheibe<span class="pagenum" id="Seite_51">[51]</span>
-spannt man nun sehr straff ein Stück geschmeidiges,
-schwarzes Chevreauxleder (Glanzseite außen) und
-bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in
-vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe.
-Den Durchschnitt dieses Druckballens zeigt <a href="#fig08">Abb. 8</a>,
-die Anwendung <a href="#fig09">Abb. 9</a>.</p>
-
-<div class="figcenter illowp80" id="fig09">
- <img class="w100" src="images/illu-067.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)</div>
-</div>
-
-<p>Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen
-werden, damit die Farbe alle Furchen
-auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht, dann
-wird die Platte unter leichtem Druck mit einem
-trockenen Lappen blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke
-eignen sich am besten dazu; sehr brauchbar
-sind die Reste von alten Spitzenvorhängen.<span class="pagenum" id="Seite_52">[52]</span>
-Besonders reine Drucke erzielt man, wenn man nach
-erfolgtem Blankwischen den Handballen in Schlemmkreide
-taucht und die Platte damit noch sehr sanft
-überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt,
-so wird dieses Abwischen meist zu viel Farbe von
-der Platte wegnehmen. Es müßte dann umso
-kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um
-den Erfolg zu erzielen, den der gewaltige Druck
-der Stahlwalzen bringt. Da ist es besser, die Farbe
-von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten
-Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in
-ähnlicher Weise wie man Paletten reinigt (<a href="#fig10">Abb. 10</a>).
-Die Schneide muß ganz gerade und an den Ecken
-abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht
-steil gehalten werden! Jeder Zug geschieht mit
-erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt diese
-Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das
-schwarze Bild vollends klar sichtbar ist.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig10">
- <img class="w100" src="images/illu-068.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.</div>
-</div>
-
-<p>(Nicht für Anfänger!)</p>
-
-<h3 id="sec05e"><em class="antiqua">e</em>) Der Abdruck.</h3>
-
-<p>Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem<span class="pagenum" id="Seite_53">[53]</span>
-sauberen Lappen an den Kanten bis scharf an die
-Bildränder geputzt, um die letzte Spur von Farbe
-davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker
-Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte
-(Bildseite nach oben!) Das gefeuchtete Druckpapier
-wird vorerst mit einer milden Borstenbürste
-auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung
-wird die Papierfläche für die Druckfarbe
-empfänglicher. Das Papier wird dann mit der
-gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit
-Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte<span class="pagenum" id="Seite_54">[54]</span>
-gelegt, indem man es an zwei diagonalliegenden
-Ecken anfaßt und langsam niedersenkt. Man faßt
-das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen
-mit zwei aus dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten
-Blättchen an, damit es von den Fingern nicht
-durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze beschmutzt
-werde. Vorher schon wurde ein Rahmen
-aus starker Pappe geschnitten, in den die Platte
-<em class="gesperrt">locker</em> hineinpaßt, dessen ausgeschnittene Rechteckseiten
-also um 2 <em class="antiqua">mm</em> größer sind als die Plattenkanten.
-Der Rand des Rahmens muß sehr breit
-sein; er soll das Druckpapier ganz verdecken. (<a href="#fig11">Abb. 11</a>).</p>
-
-<div class="figcenter illowp70" id="fig11">
- <img class="w100" src="images/illu-069.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.</div>
-</div>
-
-<p>Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier
-gelegt, daß letzteres von der untenliegenden Platte
-in den Ausschnitt des ersteren gepreßt wird. (<a href="#fig12">Abb. 12</a>).
-Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar
-aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt
-sehr zähen, glatten Packpapiers gelegt, welches viel
-größer sein muß als die Kupferplatte. Zur folgenden
-Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes,
-welcher die Form und Größe einer rechteckig gegossenen
-Siegellackstange hat.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig12">
- <img class="w100" src="images/illu-070.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)</div>
-</div>
-
-<p>Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck,<span class="pagenum" id="Seite_55">[55]</span>
-von 2 <em class="antiqua">cm</em> : 1 <em class="antiqua">cm</em> Seitenlänge. Am Ende des
-Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, damit
-das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde.
-Im Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem
-Beingriff ganz denselben Dienst; nur müssen die
-Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.</p>
-
-<p>Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende
-Reibpapier flach an, während wir mit dem
-Beinstab in der rechten parallel zu einer Plattenkante
-in engem Zickzack über das freie Rechteck des
-Rahmens derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen.
-Dieses Reiben muß mit Nachdruck
-erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in
-die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die
-Handhabung zeigt <a href="#fig13">Abb. 13</a>. Sorgfältig zu achten
-ist darauf, daß kein Streifen von der Reibung verschont
-bleibe; also recht langsam mit den einzelnen
-Strichen weiterrücken! Am besten gelingt die Sache
-wie folgt: Erst von rechts nach links reiben, dann
-ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel dazu
-wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit
-wird stehend verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit.
-Ist das Druckpapier nicht zu stark, so
-sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in
-die Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder
-dicken Papieren schimmert auch die Druckfarbe durch.
-So unmerklich fast diese Erscheinung auch ist, so
-dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht
-irgendwo nachzureiben ist; man kann dann
-mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle Teile<span class="pagenum" id="Seite_56">[56]</span>
-des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden.
-Japanpapier erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung,
-das Bild erscheint beim Reiben auf
-der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail.
-Auch Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige
-Behandlung. Im allgemeinen muß umso kräftiger
-gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte
-der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen,
-so kann letzteres mit Graphit besser gleitend gemacht
-werden. Es genügt vollkommen, wenn man
-das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.</p>
-
-<div class="figcenter illowp80" id="fig13">
- <img class="w100" src="images/illu-072.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.</div>
-</div>
-
-<p>Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst
-das Reibpapier beiseite gelegt, dann der Papprahmen
-abgehoben. Wir sehen das Papier fest an<span class="pagenum" id="Seite_57">[57]</span>
-der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir
-es an einer Ecke in die Höhe, indem wir dafür
-Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte streift,
-und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht
-auch schon der beste sein, aber das, <em class="gesperrt">was</em> erreicht
-wurde, wird, so mangelhaft es auch immerhin ausgefallen
-sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen
-aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier
-das Gelingen beeinflussen! Gewiß wird der, welcher
-sich vor dem Abziehen des Druckpapieres noch einmal
-fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht
-zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe
-nicht vielleicht zu dünn, oder zu steif gewesen?;
-habe ich zu lang gerieben, zu wenig, oder zu
-kräftig –?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten
-wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr
-zu wünschen übrig lasse! Hier heißt’s eben »Erfahrung
-sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur
-von fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren
-zu erwarten ist – wer möcht’ es leugnen?!</p>
-
-<div class="figcenter illowp50" id="plate03">
- <img class="w100" src="images/illu-073.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold<br />
-Wiedergabe eines mit dem Beinstab
-gewonnenen Plattenabzuges</div>
-</div>
-
-<p>Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht
-von der Platte will und zu fasern oder gar zu reißen
-droht. In diesem Falle legt man die Druckplatte samt
-dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet
-eine kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt
-sich der Druck dann leicht und ohne zu reißen abheben.</p>
-
-<h3 id="sec05f"><em class="antiqua">f</em>) Das Drucken auf maschinellem Wege.</h3>
-
-<p>Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren
-beschränkt sich lediglich auf ein Arbeiten<span class="pagenum" id="Seite_58">[58]</span>
-im stillen Kämmerlein, und wenn auch die Fertigkeit
-des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade
-gebracht werden kann, daß das Erzeugnis der Hand
-dem des Walzendruckes nicht nachsteht und in allen
-Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren Kreis
-von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere
-Auflage von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten
-nicht rationell. Für Massenauflage bedienen
-wir uns der Kupferdruckpresse. <a href="#fig14">Abb. 14.</a> Das
-Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß
-hier das Anpressen des Druckpapieres an die eingeschwärzte
-Platte von zwei Walzen besorgt wird.
-Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl,
-und die Achsenlager der oberen Walze sind nicht
-in fester Verbindung mit dem Tragrahmen, sondern
-verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine dicke
-Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen
-eine sehr starke Federung. Mittelst Stellschrauben
-läßt sich diese obere Walze für verschiedene Spannungen
-einstellen. Die obere der beiden Walzen
-wird von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung
-in Bewegung gesetzt.<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem
-Holze hergestellten Walzen.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine
-sehr starke Eisenplatte, die zur Aufnahme von
-Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit
-dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte
-Druckpapier auf ihr nicht Rostflecken verursache.
-Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer Spannung<span class="pagenum" id="Seite_59">[59]</span>
-der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes,
-das andere Tischblatt nimmt dasselbe auf.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig14">
- <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.</div>
-</div>
-
-<p>Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das
-Ansehen einer Radierung in gewissem Maße zu
-heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon
-können wir selbst die Wirkung des resultierenden
-Bildes verändern. Zu solchen Mitteln gehört das
-»Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird,
-kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als
-Überzug erhalten. Man erreicht dies durch Überwischen
-der bereits »reingewischten« Platte mit dem
-Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen
-mit dem locker gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung
-einer derartigen Behandlung zeigt sich im Abdruck
-als ein die Härten der Strichlagen verbindender
-Ton, der namentlich bei Drucken auf weißem Papier
-angenehm empfunden wird.</p>
-
-<p>Hier gilt eben auch der goldene Satz von der
-Ehrlichkeit in den Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen<span class="pagenum" id="Seite_60">[60]</span>
-beseelen soll. Darum lernen wir ja mit
-zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den
-Mitteln der Ätzkunst in einen Zustand zu bringen,
-daß sie unsre künstlerische Endabsicht klar wiedergebe.
-Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln
-und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen
-ist nach meiner bescheidenen Meinung keine reine
-Technik mehr. Oder sollen wir, wenn wir mit
-Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen
-die Platte überdies zu »<em class="gesperrt">bemalen</em>«, bevor
-wir sie abdrucken?</p>
-
-<p>Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte
-blankgewischt, damit, Druckfarbe als mehr oder
-minder tiefen Farbenton auf die Platte zu bringen.
-Dort wo das technische Können oder die Geduld
-des Radierers versagt, muß der Drucker nachhelfen
-und Töne auf die Platte bringen – womöglich
-noch in verschiedenen Farben – um über die Kargheit,
-über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen.
-Das ist Verwilderung des Stiles, die sich in letzter
-Zeit namentlich auf dem Gebiete der Radierung
-breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien
-verblüffen will. Ein Auge, das im Genießen von
-Radierungen geschult ist, wird auf den ersten Blick
-diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse
-einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.</p>
-
-<div class="figcenter illowp50" id="plate04">
- <img class="w100" src="images/illu-079.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung
-von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Zum Technischen muß noch erwähnt werden,
-daß die Zahl der möglichen Abdrücke von einer
-Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist. 200 Abdrücke
-wird gewiß jede Platte zu liefern im stande<span class="pagenum" id="Seite_61">[61]</span>
-sein. Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300
-bis 400 von noch gutem Ansehen. Die Ätzung schleift
-sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen langsam ab
-und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien
-und das Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.</p>
-
-<p>Ein »Aufätzen«<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a> der Platte bringt nicht selten
-eine Störung der harmonischen Tonwirkung mit sich.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst
-der galvanischen Verstählung der Platte hinweg.</p>
-
-<p>Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf
-das Kupfer niedergeschlagenem Eisen schützt die
-Platte vor allzufrüher Abnützung und gestattet eine
-Auflage von etwa 2000 Abdrücken.</p>
-
-<p>Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf
-galvanoplastischem Wege ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung
-der Auflage von Radierungen; bei dem heutigen
-Stande der galvanoplastischen Technik sind solche
-Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.</p>
-
-<p>In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden
-sein, in geradezu fabrikmäßiger Weise vervielfältigt
-zu werden. Ich möchte sogar meinen,
-daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein
-wenig heruntergedrückt wird, denn es wird sich nie
-vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie der Auflage
-Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern
-fehlen. Die intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung,
-die jeder einzelne Abzug verlangt, ist nicht gut
-vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist der Holzschnitt,
-die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[62]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap06">6. Retouche-Arbeiten.</h2>
-</div>
-
-<p>Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin
-gebracht haben, einen in allen Strichen scharfen Abdruck
-zu erzielen, haben wir Gelegenheit, uns von
-dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich
-wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität
-der einzelnen Flächen zu richten haben:
-Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu
-seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen
-Striche zu scharf hervor; hier wieder hat
-eine Ätzung vielleicht noch gar nicht gegriffen, und
-die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist
-dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff
-genug zum Nachdenken, teils über die Ursachen,
-teils über die Art einer allfälligen Abhilfe. Ohne
-Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in
-zwei große Gruppen teilen können: »Entweder es
-wurde zu tief oder zu wenig geätzt.«</p>
-
-<p>Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine
-Art Nachradieren, indem wir die Platte von neuem
-mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe von
-der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen
-mit siedendem Wasser (besser noch Sodalösung oder
-Ätzlauge) gereinigt werden. Das Grundieren ist
-jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte.
-Es muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf<span class="pagenum" id="Seite_63">[63]</span>
-der erhitzten Platte in alle Ritzen eindringe, sonst
-würde an solch’ mangelhaft grundierten Stellen die
-Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb
-erhitze man die Platte von unten her ein wenig,
-damit der Ätzgrund schmilzt und in die Striche vollends
-einsinken kann. <em class="gesperrt">Geraucht</em> wird die Platte
-nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß.
-Solche Platten grundiert man am besten mittelst
-des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie folgt hergestellt:
-Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann
-abseits vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt,
-daß das Gemisch im kalten Zustand leichtflüssig
-bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem
-Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange
-kräftig geschüttelt. Zum Auftragen dieses Firnisses
-dient ein breiter flacher Haarpinsel. Nach dem
-Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten
-etwas, damit der Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle.
-Dieser Ätzgrund kann auch auf der blanken, neuen
-Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig
-wie der gewalzte und erspart das Anrauchen.
-Aufgetragen wird er immer auf der kalten Platte;
-bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben verschwindet
-jede allfällige, durch schlechte Pinselführung
-entstandene Streifung des Aufstriches.</p>
-
-<p>Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf
-aufmerksam gemacht werden, daß sie mit allem
-künstlerischen Takt und zielbewußt vorgenommen
-werden muß. Oft genügt das Herausholen einer
-brillanten Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende<span class="pagenum" id="Seite_64">[64]</span>
-Tonmassen mit einer verbindenden Strichlage
-zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja nur
-ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere
-Abdrücke hergestellt, so kann man mittelst Feder
-oder schwarzen Stifts an ihnen versuchsweise eine
-oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst
-wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte
-Drucke geben dann wieder Vorlagen für die weitere
-Behandlung der Platte ab.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig15">
- <img class="w100" src="images/illu-084.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 15. Schneidefeder.</div>
-</div>
-
-<p>Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen
-Radiernadel ist es oft schwer, die Richtung der beabsichtigten
-Striche beizubehalten, weil sie von den
-geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte,
-Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu
-diesem Zweck die Anwendung der sogenannten »photographischen
-Beschneidefeder«, welche in allen
-photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat
-die Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und
-wird in einem Federstiele steckend in einfachster
-Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie die
-Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen,
-dessen Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche<span class="pagenum" id="Seite_65">[65]</span>
-wieder in eine Spitze auslaufen. (<a href="#fig15">Abb. 15</a>). Die
-aus sehr hartem Stahl bestehende Feder erzeugt,
-steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht
-nur den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden,
-eine Eigenschaft, die, wenn es sich um saftige Tiefen
-handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist noch, daß
-die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt,
-in der Ebene des Schildchens liegen muß, da die
-Feder sonst nicht schneidet, sondern kratzt.</p>
-
-<p>Ist das Nachradieren vollendet, so wird die
-Ätzung wieder in der bereits beschriebenen Weise
-durchgeführt. Um den Fortschritt der Arbeit auf
-der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich
-von jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl
-reiner Abzüge zu nehmen und sie eventuell mit bezüglichen
-Notizen versehen in einer Mappe aufzubewahren.
-Eine solche Sammlung von Abdrücken,
-in der auch nicht die am ärgsten mißlungene Platte
-fehlen darf, hat soviel Lehrreiches für den Radierer,
-sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang
-bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein
-ernstes, zielbewußtes Streben zur Meisterschaft gelangt.</p>
-
-<p>Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann,
-wenn zu tief geätzt wurde, wenn also Stellen, welche
-duftig beabsichtigt waren, im Abzug zu derb, zu
-kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses
-Mißgeschick meistens, wenn er, die Wirkung des
-Ätzwassers unterschätzend, lichte und zarte Partien
-zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht dadurch
-gut machen, daß man die benachbarten dunklen<span class="pagenum" id="Seite_66">[66]</span>
-Stellen durch Nachradieren und Nachätzen verstärkt
-und somit den Kontrast zu heben sucht, dann muß
-die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden.
-Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft
-sich einen solchen von außerordentlicher Härte, indem
-man eine prismatische Feile mit dreieckigem Querschnitt
-einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag
-übergibt, die Flächen am vorderen Ende in
-sanfter Schwingung derart zu schleifen, daß sie mit
-den drei Kanten zusammen in eine Spitze auslaufen.
-Kanten und Spitze müssen abgerundet und das
-Instrument in seinem geschwungenen Teile noch
-überdies feinst poliert werden.</p>
-
-<p>Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen
-Stellen auspoliert. Durch den Druck des
-Polierstahles werden die Stege zwischen den Furchen
-geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge
-der Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann
-im Abdruck dünner und duftiger, weil die scharfen
-Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich gehalten,
-jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des
-Polierstahles ist umso energischer, je steiler man
-eine seiner Kanten über die Platte führt. Zum
-Schluß soll jedoch immer mit der <em class="gesperrt">Fläche</em> des
-Werkzeugs poliert werden, um etwaige feine Streifen,
-welche während des Arbeitens entstanden sein mögen,
-auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren,
-den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten.
-Außer Gebrauch muß der Polierstahl vor Feuchtigkeit
-sorgfältigst bewahrt werden; vor allen Verletzungen<span class="pagenum" id="Seite_67">[67]</span>
-ist das polierte Ende in einer Scheide
-aus dickem Leder geschützt.</p>
-
-<p>Sollten beim Polieren auf der Platte graue
-Streifen entstanden sein, so putzt man mit etwas
-Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem
-man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten
-Lappen reibt und trocken nachwischt. Nach
-einer solchen Behandlung muß die Bildfläche mit
-Terpentin noch gründlich gereinigt werden.</p>
-
-<p>Nach allen derartigen Prozeduren holen wir
-uns durch Abdrücke Auskunft über das Gelingen
-des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen
-durch den interessanten Vergleich der im Bilde
-deutlich wiedergegebenen Plattenzustände.</p>
-
-<p>Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja
-schließlich zu dem einen Ziele führen: unsre Erfahrung
-und Technik derart vervollkommnet zu
-haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit <em class="gesperrt">auf
-einen Wurf</em> zu Ende zu führen.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_68">[68]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap07">7. Über Mißerfolge.</h2>
-</div>
-
-<p>Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut
-der Technik gelten; ich fühle mich daher auch
-bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes Ganzes
-zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis
-abzuschließen, da es ja einen Führer
-durch all’ die Fährlichkeiten bilden soll, welche dem
-Anfänger in den Weg treten. Zur leichten Orientierung
-finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate
-in chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich
-eben in den einzelnen Arbeitsphasen einstellen.</p>
-
-<div class="figcenter illowp50" id="plate05">
- <img class="w100" src="images/illu-089.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<h3>Beim Grundieren.</h3>
-
-<div class="hang2">
-
-<p>1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen,
-welche trotz wiederholter Behandlung mit
-der Walze nicht verschwinden wollen.</p>
-
-<p>Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden
-auf zu heißer Platte aufgetragen, der
-Firnis ist an diesen Stellen verbrannt.</p>
-
-<p>Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und
-neuerliches Grundieren bei gelinder Hitze.</p>
-
-<p>2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt
-sich beim Drehen schwer los und läßt
-den Ätzgrund mit rauher Oberfläche zurück.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_69">[69]</span></p>
-
-<p>Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr
-heiß genug.</p>
-
-<p>Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst
-Gas- oder Spirituslampe.</p>
-
-<p>3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte
-trotz sanften Abwischens mit Watte eine
-schmutziggraue statt der tiefbraunen, matten
-Oberfläche.</p>
-
-<p>Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen
-die Platte gestreift oder ist dem Firnis
-mindestens zu nahe gekommen.</p>
-
-<p>Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches
-Grundieren und Rauchen.</p>
-</div>
-
-<h3>Beim Radieren.</h3>
-
-<div class="hang2">
-
-<p>4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand,
-namentlich an den Rändern.</p>
-
-<p>Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur
-überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt
-im Ätzgrund.</p>
-
-<p>Abhilfe:</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier,
-Anwendung des Handbänkchens.</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt
-und Ätzgrund wieder jeden einzeln
-schmelzen und dann mischen und kneten.)</p>
-
-<p>5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter
-der Nadel.</p>
-
-<p>Ursache:</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Platte war nicht gut entfettet;</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_70">[70]</span></p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht
-homogen gemischt.</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">d</em>) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine
-zu heiße Platte oder beim Anrauchen
-verbrannt (siehe bei 3).</p>
-
-<p>Abhilfe:</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) Zusatz von Wachs und Mastix;</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Selbstverständlich;</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix zusetzen;</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">d</em>) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes
-auf der ganzen Bildfläche
-verbreitet, dann muß dieser entfernt
-und die Platte neuerlich grundiert
-und geraucht werden. Handelt es
-sich jedoch um einzelne Stellen, so
-kann man die schlechten Partien mit
-einem kantig geschliffenen Beinstäbchen
-wegschaben und die offenen Stellen
-mit Deckfirnis wieder schließen.</p>
-</div>
-
-<h3>Beim Ätzen.</h3>
-
-<div class="hang2">
-
-<p>6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt
-bei allzuhoher Glätte der Platte vor).</p>
-
-<p>Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und
-oft gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht
-bei zu großer Kälte (im Winter).</p>
-
-<p>Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem
-gemischt oder reine Säure zugegossen (siehe
-<a href="#Seite_29">Seite 29</a>.)</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_71">[71]</span></p>
-
-<p>7. <em class="gesperrt">Heftiges Aufschäumen</em> der Platte
-hat zur</p>
-
-<p>Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur
-desselben.</p>
-
-<p>Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser
-oder mit Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen.
-Die Arbeit kann durch unverzügliches Zugießen
-von reinem Wasser noch gerettet
-werden.</p>
-
-<p>8. <em class="gesperrt">Abblättern des Ätzgrundes</em> (Begleiterscheinung
-des in 7. Angeführten).</p>
-
-<p>Ursache:</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Mangelhafte Entfettung der Platte, so
-daß die Säure zwischen Firnisschicht
-und Platte eindringen und den schützenden
-Firnis infolge Bläschenbildung sprengen
-und zum Abschwimmen bringen kann.</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).</p>
-
-<p>Abhilfe:</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) (siehe in 7.)</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Gründliches Entfetten der Platte
-(siehe <a href="#Seite_11">Seite 11</a>).</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Auch hier läßt sich die Arbeit durch
-unverzügliches Zugießen von reinem
-Wasser noch retten, vorausgesetzt,
-daß das Abblättern nicht schon zu
-arg geworden.</p>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_72">[72]</span></p>
-
-<h3>Beim Drucken.</h3>
-
-<div class="hang2">
-
-<p>9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens
-mit dem Beinstab nicht auf’s Papier.</p>
-
-<p>Ursache:</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Das Papier ist zu trocken;</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife
-beigemischt;</p>
-
-<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Das Papier eignet sich überhaupt nicht
-zum Kupferdruck; es saugt nicht.</p>
-
-<p class="m3i">Ist kräftig genug gerieben worden,
-so muß sich am Papier, wenn es auch
-weiß geblieben, deutlich das Strichrelief
-des Bildes zeigen (Untersuchung
-mit der Lupe).</p>
-
-<p>Abhilfe:</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) Einige Blätter Filtrierpapier werden
-frisch gefeuchtet zwischen den Vorrat
-eingelegt; einen Tag später
-werden die Druckversuche wieder
-aufgenommen;</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Einarbeiten von Schmierseife in die
-vorrätige Druckfarbe;</p>
-
-<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Selbstverständlich.</p>
-
-<p>10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.</p>
-
-<p>Ursache: Zu nasses Druckpapier.</p>
-
-<p>Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen
-aussetzen, bis das Papier unter
-der Presse etwas trockener geworden. Oder
-Einlegen von trockenem Filtrierpapier in
-den gefeuchteten Vorrat.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_73">[73]</span></p>
-
-<p>11. An <em class="gesperrt">flauen Flecken</em> und blinden Stellen,
-deren Ursachen auf <a href="#Seite_26_9">S. 26, Z. 9</a> von oben,
-erläutert wurden, ist nicht der Abdruck,
-sondern das Radieren und Ätzen schuld.
-Eine</p>
-
-<p>Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht
-oder doch nicht mit befriedigendem Erfolg
-geschaffen werden. Für den Anfänger ist
-hier Abschleifen der Platte und Beginnen
-einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur
-soll nicht vergessen werden, sich vorher
-noch einige scharfe reine Abzüge von der
-verdorbenen Platte zu nehmen, um solche
-Drucke als Anhaltspunkte für das weitere
-Arbeiten bereit zu haben.</p>
-</div>
-
-<p>Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß
-genommen, über das Abschleifen der Platte im folgenden
-Abschnitt eingehend zu sprechen.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_74">[74]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap08">8. Abschleifen der Platte.</h2>
-</div>
-
-<p>Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch
-eingeleitet werden, soll die ganze Prozedur nicht
-allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei kleineren
-Platten ist es am besten, wenn man die ganze
-Arbeit mit einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem
-Hieb abfeilt; das geht sehr rasch und schadet
-der Platte bei geschickter Hantierung nicht. Die
-Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen,
-damit man sie bequem handhaben kann.
-Bei richtiger Führung der Feile ist eine vom Feilenhieb
-herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers
-nicht zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten
-würden zum Ausfeilen sehr langer Feilen bedürfen;
-hier arbeitet man besser mit dem Schabeisen. Man
-beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile
-(siehe <a href="#Seite_67">Seite 67</a>) kauft und sie in der schon
-beschriebenen Weise vom Messerschmied schleifen
-läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit abgerundeten,
-sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff
-ist nicht notwendig, ebensowenig ein Polieren des
-Werkzeuges. Mit den Kanten dieses Instrumentes
-wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht vergessen
-werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft
-und dergl.) auch zu bearbeiten, da sonst die Platte
-ungleich dick aus der Arbeit hervorgehen würde.
-Ist die letzte Spur der Striche von der Platte<span class="pagenum" id="Seite_75">[75]</span>
-verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens
-mit Blaustein<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a> begonnen. Es ist dies ein in jeder
-Werkzeughandlung erhältlicher Stein von prismatischer
-Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet,
-muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese
-Forderung meist nicht, sie müssen erst auf einer
-anderen, harten Fläche ausgearbeitet werden. Beabsichtigt
-man im Anfang eine energischere Wirkung,
-so kann der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver
-angewendet werden. Schleift man die
-Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die
-separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig.
-Das Schleifen mit Bimsstein und Blaustein geschieht
-auf einem starken Brett mit reichlichem Zuguß
-von Wasser parallel den Kanten der Platte.
-Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung
-und die Glätte kann bis zu einem recht
-hohen Grade getrieben werden; dabei muß die Platte
-fleißig gespült werden, damit man das gänzliche
-Verschwinden sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher
-beobachten kann. Der Blaustein wird seiner Längsachse
-parallel über die Platte geführt und
-zwar mit einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich
-wird die Platte endgültig gespült und abgetrocknet.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen
-Karborundstein von statten.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun
-dieselbe – im rechten Winkel zur letzten Schliffrichtung
-– mit einer Bürste aus feinem Stahldraht (erhältlich
-in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (<a href="#fig16">Abb. 16</a>).</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_76">[76]</span></p>
-
-<p>Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet
-werden. Die Glätte der Platte steigert sich nun
-zusehends und kann durch die Anwendung des flachgehaltenen
-Polierstahles noch gehoben werden; er
-wird in einer zu sich stets parallelbleibenden, eventuell
-einer zweiten dazu senkrechten Richtung über
-die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst
-dichte Strichlage.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="fig16">
- <img class="w100" src="images/illu-098.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Abb. 16. Stahldrahtbürste.</div>
-</div>
-
-<p>Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem
-man die Platte mittelst eines mit Filz überspannten
-Brettchens, einer sogenannten Filzfeile, unter Anwendung
-von Globuspasta<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a> poliert.</p>
-
-<div class="footnotes">
-<div class="footnote">
-
-<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a> In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus
-Öl mit Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver.</p>
-</div>
-</div>
-
-<p>Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf
-aber behufs Aufbringen des Ätzgrundes noch einer
-auf <a href="#Seite_11">Seite 11</a> beschriebenen gründlichen Entfettung.</p>
-
-<p>Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit
-nicht verrichten kann, der lasse seine Kupferplatte
-bei einem Messerschmied oder in einer Plattier-Anstalt
-blank schleifen.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_77">[77]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap09">9. Strich und Ton.</h2>
-</div>
-
-<p>So sehr auch zugegeben werden muß, daß
-unsere Technik in ihrer bisher beschriebenen Ausübung
-geeignet erscheint, dem Künstler ein Ausdrucksmittel
-zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes
-vor dem Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich
-heute nicht mehr die Nadel allein das ganze
-Rüstzeug des Radierers.</p>
-
-<p>Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude
-seine Fortschritte mit der Nadel begrüßen und es
-wäre falsch, wollte man behaupten, daß der Nadel
-allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck
-der Stimmungen versagt seien.</p>
-
-<p>Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen
-überstanden hat, wird mit seiner Nadel einer
-beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem
-er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre
-Wirkung seinem Empfinden entspricht, und darin
-liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er
-die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art
-der kalten Nadel Furchen schneidend über die Fläche,
-bald läßt er sie, steilgehalten, in Punktreihen, statt
-in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen.
-Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in
-Ton zu arbeiten, denn eine gekreuzte Strichlage
-wird bei springend geführter Nadel nicht störend<span class="pagenum" id="Seite_78">[78]</span>
-empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes
-malerisch, also farbig Empfindenden.</p>
-
-<p>Denn wenn auch – technisch – eine Arbeit
-mit der Nadel rein in Konturen denkbar ist, die
-Ziele der Radierung liegen doch fernab von trockenem
-Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in
-Strichlagen.</p>
-
-<p>Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden
-Könnens begrüßt hat, empfindet er in der
-Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn verlangt.
-Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu
-Gebote stehen, die Kupferfläche derart zu bearbeiten,
-daß uns der Abdruck nicht als Skelett der Zeichnung
-allein, sondern den verbindenden Ton grauer
-Flächen bringt.</p>
-
-<p>In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach
-sammetartig homogenem Ton. So dicht auch die
-Strichlage hier gehalten werden kann, immer und
-namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen
-den notwendigen Stegen, die die Striche
-trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen, die
-sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken
-können. Bei Flächen von schmälerer Gestalt hilft
-man sich bisweilen mit der »springenden Nadel«,
-wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt.
-Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste.
-Größere Flächen werden mittelst Beizemitteln getont.
-Zu solchen Beizemitteln zählt die Schwefelmilch,
-ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie
-vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem<span class="pagenum" id="Seite_79">[79]</span>
-Brei verrieben und auf die zu tonende Fläche aufgetragen.
-Das Auftragen kann mit einem Haarpinsel
-erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich
-die Wirkung, wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme
-auf die Begrenzung der zu tonenden Fläche,
-den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um
-den Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden
-Stelle verreibt. Bei Flächen von bestimmter Begrenzung
-arbeitet man am besten mit einem Papierwischer
-(Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize
-besteht in einer infolge schwacher Ätzung erzielten
-feinen Aufrauhung der allzu glatten Stellen des
-Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß
-diese Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt
-werden.</p>
-
-<p>Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als
-eine ergänzende Nacharbeit des Hauptvorganges
-aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur entsprechend
-nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau
-einer Radierung, wesentlich zu verändern.</p>
-
-<p>Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen
-Mitteln der Ätzkunst aus. Ihre Anwendung
-bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter
-des Werkes, und von ihrer zielbewußten,
-taktvollen Anwendung hängt der künstlerische Wert
-einer Arbeit vornehmlich ab.</p>
-
-<p>Hier möchte ich der Meinung entgegentreten,
-daß maschinelle Mittel bei einer Radierung von der
-Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch seien.«</p>
-
-<p>Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist<span class="pagenum" id="Seite_80">[80]</span>
-auf getontem Naturpapier gearbeitet, die Lichter
-in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr: die Farbe des
-Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt.
-– Und dieser Farbenton des Papiers, ist
-er vielleicht nicht auch ein maschinelles Mittel, das
-dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer
-Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch?
-Wenn nicht, dann wird auch der Radierung
-ein solches Mittel nicht verwehrt werden dürfen,
-wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht.
-Freilich muß künstlerischer Geschmack bei einer
-solchen Arbeit Pate gestanden sein, freilich muß
-der Radierer schon lange <em class="gesperrt">vor</em> Beginn seiner Arbeit
-über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein,
-soll das Ende vom wohlüberlegten und trefflich
-disponierten Anfang, von zielbewußtem Aufbau uns
-erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen
-Verquickung der beiden Begriffe: Strich
-und Ton. Eine Radierung kann gewiß auf den
-Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv,
-welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine
-Arbeit auch auf die Wirkung des Tones berechnet
-sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung
-oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In
-der Mitte der beiden Extreme jedoch steht die
-Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende Zusammenwirken
-von Strich und Ton berechnet ist;
-sei es, daß der Ton die Zeichnung als eine Art
-graue Lasur überzieht, oder, daß ein hauptsächlich
-in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel<span class="pagenum" id="Seite_81">[81]</span>
-bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben
-wird. – Welche Fülle von Wegen zum Ziele!</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="plate06">
- <img class="w100" src="images/illu-103.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Karlskirche in Wien<br />
-Original-Radierung von Alois Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel,
-welche uns gestatten, über die Platte einen gleichmäßigen
-Ton von verschiedener Textur auszubreiten.
-Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je
-nach der Entstehungsart des erzielten Effektes.
-Bei der Radierung in unserem Sinne beschränkten
-sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine zweckmäßige
-Behandlung des auf der Platte befindlichen
-Ätzgrundes.</p>
-
-<p>Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten
-besteht darin, daß man auf die grundierte, heißgehaltene
-Platte mittelst eines Siebes Steinsalz streut.
-Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund
-kleben und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte
-in der geschmolzenen Firnisschicht bis auf das
-blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte gelangt
-nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen
-werden hierin ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht
-feine Löcher zurück, welche bis aufs Kupfer
-reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die
-blanke Platte gewähren. (»Aquatinta«).</p>
-
-<p>Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier,
-welches in der Art, wie wir unsre Probedrucke
-herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte
-Platte gedrückt wird. (<a href="#fig13">Abb. 13</a>). Die scharfkantigen
-Körnchen durchlöchern in zahllosen Stichen
-den Ätzgrund und legen das Kupfer für die
-Ätzung bloß.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_82">[82]</span></p>
-
-<p>Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit
-der Stahldrahtbürste. (<a href="#fig16">Abb. 16</a>).</p>
-
-<p>Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt
-und mit einer gestielten feinen Stahldrahtbürste
-(siehe <a href="#fig16">Abb. 16</a>) sachte geschlagen, wobei die Kupferplatte
-mit der linken Hand fortwährend zu drehen
-ist, damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die
-Verletzungen des Ätzgrundes haben nämlich die
-Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter
-Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken
-Hand soll also das Vorherrschen einer gewissen
-Richtung der Strichelchen verhüten.</p>
-
-<p>Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell
-noch vor der Ätzung auch mit der Nadel
-bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich
-vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«).
-Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis
-erlaubt dann noch einen Reichtum an Tonstärken
-zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses
-Maß nicht überschritten werden, damit der Reiz
-der Kontraste dadurch nicht verschleiert werde.</p>
-
-<p>Das fertige Blatt wird von manchem Radierer
-noch weiter »bearbeitet«. Die noch weiche, verwischbare
-Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen
-Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert,
-um so etwas wie »<em class="gesperrt">Ton</em>« zu erzielen;
-doch nicht genug damit: Mit dem Radiergummi
-werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken
-– hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von
-der Schönheit dieser Technik? Dem Laien, der<span class="pagenum" id="Seite_83">[83]</span>
-in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht eingeweiht,
-ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter
-mit Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene
-selbst um eines groben Effektes willen die
-Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung
-einer Technik arbeitet, die in ihren <em class="gesperrt">echten</em>
-Mitteln ohnehin so unerschöpflich reich und schön
-ist, so ist dies ein bedauernswerter, von vielen Kunsthändlern
-protegierter Tiefstand, dem der Einzelne
-durch konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten
-kann und muß.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_84">[84]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap10">10. Wege und Ziele.</h2>
-</div>
-
-<p>Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten
-kann, das haben wir bei verschiedenen Gelegenheiten
-ersehen können, und je mehr der Radierer mit
-ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen
-zu machen sucht, desto vielverzweigter sieht er die
-Wege sich auftun, die zum Ziele führen.</p>
-
-<p>Vor allem ist es das <em class="gesperrt">Wie</em>, mit welchem wir
-ringen in heißem Bemühen. Grundfalsch wäre es,
-wollte ich wähnen, erschöpfend über diese Technik
-geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter
-der Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie
-sind eben der treue Spiegel der Persönlichkeit.</p>
-
-<p>Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren
-war, dem es zukam, Kunstwerke größeren
-Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu
-machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen
-und es mußte so sein; was sollte auch dort ein
-persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine Aufgabe zu
-erfüllen, die heute der photographischen Kamera
-zufällt! Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten
-und seine Art hinter der Aufgabe verbergen. Es
-lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so
-willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit
-ihren Mitteln, die dazu berufen sind, eine ganz eigene
-Sprache zu reden, eine Sprache, die dem Künstler<span class="pagenum" id="Seite_85">[85]</span>
-aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis
-knüpft sich der Aufschwung der modernen Radierung;
-sie wurde Selbstzweck und jeder Strich, früher vom
-Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird
-zum Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht,
-das uns aber der Seele des Künstlers, seinem
-Empfinden nachfühlen läßt.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="plate07">
- <img class="w100" src="images/illu-109.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen,
-wer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen,
-wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht, einer
-Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder
-zum Radieren benutzt oder mit den scharfen Kanten
-einer abgebrochenen Nadel arbeitet? Nimmer kann
-ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik mehr
-wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat,
-wird seinen Weg finden, wenn ernstes Streben ihn
-beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht gesagt sein,
-daß der Anfänger sich sobald als möglich nach
-einer recht »originellen« Ausdrucksweise umsehen
-soll; das wäre erbärmlicher Manierismus, weitab
-von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie
-sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste
-Aufgabe sein soll. Ohne äußeres Hinzutun wird
-die künstlerische Ader sich regen und der Hand, ihr
-unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite.
-Denn bei fast keiner anderen Technik kann das
-Inhaltliche so unabhängig von manueller Fertigkeit
-zu uns sprechen als bei der Radierung.</p>
-
-<p>Und das Inhaltliche ist es auch, welches der
-ganzen Technik Seele verleihen soll; denn wie hier<span class="pagenum" id="Seite_86">[86]</span>
-die Ausdrucksform vom <em class="gesperrt">rein Malerischen</em> beherrscht
-werden muß, so ist das <em class="gesperrt">Erzählende</em> das
-Impuls gebende Moment für das <em class="gesperrt">Inhaltliche</em>.</p>
-
-<p>Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer
-auch die größten Grübler waren, vom Forschergeiste
-Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf
-bis zu unserer Modernsten einem.</p>
-
-<p>Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich
-noch einmal mit, und jemehr er nach Ausdruck ringt,
-umso lieber wird ihm diese trotzige, spröde Technik,
-die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger
-neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen
-einer neuen Ausdrucksmöglichkeit lohnt.</p>
-
-<p>Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da
-nicht noch alles zu denken, zu überlegen! Schon
-beim Grundieren fragen wir uns: »Was für Druckfarbe?
-Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon
-beim ersten Strich allen diesen Faktoren Rechnung
-zu tragen und die Arbeit dem Endzweck anzupassen!
-Wie anders muß gearbeitet werden für getontes
-als für weißes Papier, für warmtonige als für
-kühlwirkende Druckfarbe!</p>
-
-<p>Man versuche es nur einmal, eine für weißes
-Papier berechnete Platte auf farbiggetontem abzudrucken
-oder umgekehrt!</p>
-
-<p>Und doch ist das Wie noch nicht allein der
-Endzweck, das Ziel! Was dem Pinsel oft versagt
-bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln, das
-wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das
-offenbart sich in der Lapidarschrift der Nadel mit<span class="pagenum" id="Seite_87">[87]</span>
-überzeugender Kraft und Wärme. Menschenbeobachtung,
-dieses hehre Problem, es zeigt uns stets
-neue Ziele; und wieder ist es die Radierung, die
-das <em class="gesperrt">Momentane</em> des Erschauten festzuhalten berufen
-ist. Und wenn nun auch die Hand des
-Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute
-zu bilden, wenn das weichere Naturell des
-Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer
-fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit
-dem Künstler auf uns wirken, wenn wir uns in
-die Anschauung solcher Blätter versenken.</p>
-
-<p>Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit
-auf den Weg geben und wie ich glaube, wird mir
-jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »<em class="gesperrt">Nie
-soll das Radieren eine Kopierarbeit
-sein, nie sollen die Mittel ihrer Sprache
-einer andern als ihrer eigenen Sache
-dienen!</em>« Ich habe den Anfänger vor dem Kopieren
-von Photographien gewarnt, (siehe <a href="#Seite_20">Seite 20</a>),
-es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten
-Abstufungen in den Tonstärken ist sie wirklich
-nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten des
-Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit,
-zumal er den Ton, auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut
-ist, in ein System von Strichen bringen
-müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei
-den ersten Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren
-würde.</p>
-
-<p>Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu
-einem Kunstwerk, aus einer <em class="gesperrt">Anschauung</em> entspringen<span class="pagenum" id="Seite_88">[88]</span>
-kann, das Denken an die Bewältigung
-mit dem <em class="gesperrt">Material</em> ist doch erst das eigentlich
-Schöpferische.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p><em class="gesperrt">Schönheit in der Natur – Schönheit
-des Materials – es sind zwei Welten;
-sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk,
-das ist »Kunst«, und daß mit dem geeigneten
-Material der erschöpfende Ausdruck
-für den Impuls gefunden werde.</em> Ist es
-nicht denkbar, daß ein an und für sich herrliches
-Motiv, – sei es landschaftlicher oder figuraler Art –,
-zur bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten
-und Strengen trotz meisterhafter Technik
-nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm
-versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger
-Formatwahl verfehlt! Es gibt Motive,
-die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum köstlichen
-Juwel werden können, und die auf großem
-Format all’ ihren Reiz verlieren würden. Aber
-mehr noch als dieses bestimmt die <em class="gesperrt">Wahl des
-Materials</em> das Schicksal des Werkes.</p>
-
-<p>Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet
-sich gleich gut für eine Durchführung in Aquarell,
-in Holzschnitt, für eine Radierung oder für ein
-Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus
-der Schluß, daß er nicht ohne Überlegung an sein
-Werk gehen darf. Linienschönheit, Tonschönheit,
-das sind die Mittel, mit denen die Radierung
-arbeitet. Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck,<span class="pagenum" id="Seite_89">[89]</span>
-wenn sie im Motiv, in der Idee, Verwandtes findet
-und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren
-Einheit erheben kann.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="plate08">
- <img class="w100" src="images/illu-115.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Pieta<br />
-Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Dann wird neben der Idee auch das Material
-zu uns sprechen wie eine lebendige Sprache. Dann
-genießen wir nicht als Nebensache den feinen,
-matten Strich, den beruhigenden Ton und – nicht
-zuletzt auch den Reiz des eigenartigen Glanzes,
-den die Metallfläche dem Druckpapier verleiht –,
-die Freude am schönen Material.</p>
-
-<p>Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht
-wie von selbst die Frage nach der zulässigen Größe
-einer Radierung.</p>
-
-<p>Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen,
-deren eine Bildkante fast einen Meter
-erreicht! Sind solche Riesenformate – Bravourarbeiten
-– künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte
-Ton der Druckfarbe geeignet, in solchen Dimensionen
-zu wirken? Das geheimnisvolle Weben, dem nachzugehen
-vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung
-von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von
-einem Werk dieser Technik zurücktritt – und
-zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal
-80 × 100 <em class="antiqua">cm</em> mißt. Wenn wir eine
-Radierung betrachten, dann wollen wir in dem
-Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes,
-lesen all’ das, was der Künstler mit der Nadel
-ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei
-war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust;
-und Strich für Strich mitfühlen, was da<span class="pagenum" id="Seite_90">[90]</span>
-geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude vibrierenden
-Hand!</p>
-
-<p>Dabei wollen wir aber doch auch nicht den
-steten Überblick über das Ganze missen; ergeben
-sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die
-Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der
-Bildgröße nicht von selbst? –</p>
-
-<p>Ein Ölgemälde 30 × 40 <em class="antiqua">cm</em> nennen wir ein
-»Bildchen«. Eine Radierung von derselben Bildgröße
-nennen wir ein »großes Blatt« – wie kommt
-das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung
-in bescheidenen Dimensionen fesselnd, wuchtig und
-kraftstrotzend wirken kann und eine Riesenradierung
-daneben schlaff und leer?</p>
-
-<p>Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht,
-seine Vorzüge und Schwächen, dem wird es
-nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt,
-vor denen es versagen oder doch zum mindesten
-die Eigenart einbüßen muß.</p>
-
-<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div>
-
-<p>Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der
-Arbeit auf Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen.</p>
-
-<p>Dem Anfänger muß neben der Schulung der
-Technik an sich auch diejenige des Auges angelegen
-sein. Es muß sich an die Wirkungen der verschiedenen
-Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande
-sein, scharf zu urteilen und Gutes von
-Unbrauchbarem – wie doch beides der Werdegang<span class="pagenum" id="Seite_91">[91]</span>
-des Radierers notwendig mit sich bringt – zu
-scheiden. Solches wird bei kontrastreichem Vortrag
-besser als bei einer mehr flachen Ausdrucksweise
-erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein soll,
-daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung
-aufweisen muß, ist wohl einleuchtend;
-denn eine schleierige Wirkung kann ja gegebenenfalls
-zur beabsichtigten Stimmung gerade erforderlich
-sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher
-schreiben möchte – oder nichts –; Hier hört das
-Lehren auf, hier tritt das künstlerisch-schöpferische
-Empfinden in sein unantastbares Recht.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_92">[92]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="chap11">11. Das fertige Blatt.</h2>
-</div>
-
-<p>Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den
-für die Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern.
-Angesichts dessen ist es auch von hohem Interesse,
-über die Aufmachung der Blätter im Klaren zu sein,
-denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen
-einer Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier
-Regeln aufzustellen oder dem Leser gar Formeln an
-die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, Bildgröße
-und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte
-ich in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten
-Geschmack meiner lieben Leser appellieren, und ich
-fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das Bild
-klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze
-Platte für das Bild benutzt, das hängt vom Geschmack
-des Radierers ab, auf alle Fälle macht ein
-bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr
-gediegenen Eindruck, da ja das Druckpapier mit
-seinem eingepreßten Plattenrand eine vornehme Umrahmung
-dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich
-stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn
-breite Ränder um die Radierung tragen zur edlen
-Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier kann klein
-gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen
-Karton mit den zwei oberen Ecken aufkaschiert.
-Japanpapier ist so dünn, daß es einer festen Unterlage<span class="pagenum" id="Seite_93">[93]</span>
-bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder
-Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein
-recht breiter Rand um den Druck erhalten werde.
-Das Papier wird mit Stärkekleister ganz bestrichen
-(doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck
-daraufgelegt und mit Filtrierpapier oder einem reinen
-Handtuch bedeckt. Obendrauf kommt irgend ein
-starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen
-kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr
-fest auf der Unterlage. Dieser Vorgang entfällt
-bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt
-Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder
-Zeichen des Radierers kann am unteren Bildrand,
-natürlich in Spiegelschrift, radiert und geätzt werden.
-Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus
-Karton schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß
-der gepreßte Platten-Rand des Abzuges sichtbar
-bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff <em class="gesperrt">hinter</em>
-diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche
-Aufmachung hebt das Ansehen einer Radierung
-außerordentlich.</p>
-
-<div class="figcenter illowp100" id="plate09">
- <img class="w100" src="images/illu-121.jpg" alt="" />
- <div class="caption">»Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am
-besten zarte Rähmchen, welche entweder ein sehr
-flaches oder noch besser gar kein Relief haben.
-Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen
-Leisten wirken sehr vornehm.</p>
-
-<p>Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten
-dann noch einen Aufdruck unterhalb des Bildes,
-welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung
-»Originalradierung von N. N.« enthält.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_94">[94]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Schlu_wort">Schlußwort.</h2>
-</div>
-
-<p>Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so
-möchte ich mir die Freude nicht versagen, dies Büchlein
-mit dem Bewußtsein zu beschließen, in so
-mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu
-frischer Kunstbetätigung.</p>
-
-<p>Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich
-ins Praktische der Technik einzuführen, damit der
-erziehliche Wert des Selbsterprobens dem Lernenden
-so bald als möglich zu gute komme.</p>
-
-<p>Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses
-Buches die Lehre von etwas bereits Bestehendem
-und kann, ohne das Wesen des Ganzen anzutasten,
-nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern
-aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet.
-Was ich aber als wesentlich bei der Radierung erblicke,
-das sind in noch viel höherem Maße als
-Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente,
-wert der besonderen Aufmerksamkeit des
-Lernenden, der nicht nur in technischem Können es
-zur Meisterschaft bringen sondern auch mit künstlerischem
-Takte sich der errungenen Ausdrucksweise
-bedienen will.</p>
-
-<p>Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch
-die beabsichtigte Hinweglassung der Aufzählung und
-Beschreibung der vielen anderen Sticharten dem Buche<span class="pagenum" id="Seite_95">[95]</span>
-nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese entweder
-mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B.
-die Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst
-usw.), da dort das Vertiefen der bilderzeugenden
-Elemente auf mechanischem Wege geschieht, oder
-wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen
-Arten der »Aquatinta« (im Absatz »<em class="gesperrt">Strich
-und Ton</em>« ist das Prinzip einer solchen Aquatintatechnik,
-nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver,
-gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die
-Crayon- und Korntechniken doch für den freischaffenden
-Künstler nicht gerade den Königsweg bedeuten,
-da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung
-ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.</p>
-
-<p>Von alledem sei bloß die »<em class="gesperrt">kalte Nadel</em>« oder
-»Schneidenadel« erwähnt, da sie ein wertvolles Mittel
-bei Retouche und Nacharbeit der geätzten Platte ist.</p>
-
-<p>Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche
-jedoch nicht kegelförmig sondern schneidig geschliffen
-ist. Die photographische Schneidefeder leistet auch
-hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen
-Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und
-ermöglicht, in zarten Strichlagen geführt, duftige
-lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, daß die
-kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter
-ergibt als die Ätzung, daß also ihre Anwendung
-vorsichtig und sparsam erfolgen muß, damit der Gesamtcharakter
-der Arbeit dadurch nichts von seiner
-harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder
-(kalte Nadel) erzeugt neben den feinen Furchen auf<span class="pagenum" id="Seite_96">[96]</span>
-der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, die sogenannten
-»Grate«. Man fühlt sie leicht heraus,
-wenn man mit der Fingerspitze über die Platte
-streicht. An diesen Graten würde beim Abziehen
-die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige
-Stellen verursachen. Deshalb muß man diese
-Grate vor dem Einschwärzen mit dem Schabstahl
-abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur
-Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst
-nicht entfernen, sondern nur umlegen und die Furchen
-dadurch wieder schließen würde.</p>
-
-<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div>
-
-<p>Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht
-willkommen sein, die Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten
-mit billigeren Mitteln betreiben zu
-können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet
-die im Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte.
-Ihre Bearbeitung unterscheidet sich nicht
-von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser muß
-für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein
-sehr gutes Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich
-wie folgt her: In eine <em class="gesperrt">gesättigte</em> Kochsalzlösung
-gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt gut durch
-und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke
-Probestreifen aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er
-soll sich nach etwa einer Minute mit sehr kleinen
-Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen
-Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers.<span class="pagenum" id="Seite_97">[97]</span>
-Verdünnt wird dann grundsätzlich mit gesättigter
-Kochsalzlösung, nicht mit reinem Wasser. Diese
-Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche
-auf Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die
-Flasche, daß sich stets ein ungelöster Rest davon
-im Wasser unten befindet).</p>
-
-<div class="figcenter illowp50" id="plate10">
- <img class="w100" src="images/illu-127.jpg" alt="" />
- <div class="caption">Der heilige Franziskus<br />
-Original-Radierung von Alois Seibold</div>
-</div>
-
-<p>Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten
-des Probestreifens feine glitzernde Fäden in der
-Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser
-bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche
-Blasenbildung auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer
-für Zink und solche für Kupfer in Mischung zu
-bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers
-läßt ja nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser
-wird gelb und soll doch durch eine Aufschrift
-gekennzeichnet werden, da es sich von neuen,
-ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.</p>
-
-<p>Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung
-des Abdruckens mit einfachen Mitteln meinen lieben
-Lesern vorzuführen, denn, wenn wir das Drucken
-mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in
-diesen Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber
-gefunden, Ratgeber, die stets zur Hand sind,
-wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit begleiten
-bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende
-Hin- und Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten
-auf die Abzüge usw. ist nicht besonders angenehm; hat
-aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn nicht, dann
-spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab,
-– vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann<span class="pagenum" id="Seite_98">[98]</span>
-muß erwogen werden: Es sind Probedrucke, für
-welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet
-werden soll!</p>
-
-<p>Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung
-einer nicht gar zu kleinen Handwalzenpresse;
-namentlich dann, wenn man beabsichtigt,
-selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den
-engeren Verkehr zu drucken. Man ist durchaus
-nicht an große Firmen gebunden, ein vertrauenswürdiger,
-intelligenter Maschinenschlosser wird eine
-solche Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell
-und den zwei Tischblättern mit gewiß geringeren
-Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen wissen;
-nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der
-oberen Achsenlager nicht vergessen werden.</p>
-
-<p>Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit
-erzeugt die Pressenfabrik Gärdtner &amp; Knopp
-in Wien.</p>
-
-<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div>
-
-<p>Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt
-mir nur noch dem Wunsche Ausdruck zu
-geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch
-sei, allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein
-treuer Ratgeber bei ihren ersten Versuchen werde,
-sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand des
-Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit
-möge ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden,<span class="pagenum" id="Seite_99">[99]</span>
-denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, nur
-anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden,
-die ihren Fleiß dieser edlen Technik widmen
-und im Lernen, im Fortschreiten deren berufene
-Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.</p>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_100">[100]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Alphabetisches_Verzeichnis">Alphabetisches Verzeichnis.</h2>
-</div>
-
-<ul class="index">
-<li class="ifrst">Abblättern des Ätzgrundes <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li>
-
-<li class="indx">Abdecken mit Pinselfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Abfärben der Rauchschicht <a href="#Seite_18">18</a></li>
-
-<li class="indx">Abgestuftes Ätzen <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Abschleifen der Platte <a href="#Seite_74">74</a></li>
-
-<li class="indx">Anrauchen der Platte (<a href="#fig03">Abb. 3</a> und <a href="#fig04">4</a>) <a href="#Seite_15">15</a></li>
-
-<li class="indx">Aquatinta <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li>
-
-<li class="indx">Arbeitsprogramme <a href="#Seite_41">41</a></li>
-
-<li class="indx">Asphalt <a href="#Seite_9">9</a></li>
-
-<li class="indx">Asphaltlack <a href="#Seite_32">32</a>, <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_63">63</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzdamm <a href="#Seite_31">31</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzgruben-»Nester« <a href="#Seite_27">27</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzgrund, dessen Eigenschaften <a href="#Seite_8">8</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzprozeß <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_28">28</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzschalen <a href="#Seite_32">32</a>, <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzwachs <a href="#Seite_34">34</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzwasser für Kupfer <a href="#Seite_28">28</a>, <a href="#Seite_37">37</a></li>
-
-<li class="indx">Ätzwasser für Zink <a href="#Seite_96">96</a></li>
-
-<li class="indx">Aufätzen <a href="#Seite_61">61</a></li>
-
-<li class="indx">Aufpausen der Zeichnung <a href="#Seite_21">21</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbewahren von Ätzgrund <a href="#Seite_11">11</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbewahren von Ätzwachs <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbewahren von Druckfarbe <a href="#Seite_49">49</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbewahren von Pinselfirnis <a href="#Seite_39">39</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbewahren der Platten <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_19">19</a></li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_101">[101]</span>Aufbewahren des Polierstahls <a href="#Seite_67">67</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbringen des Ätzgrundes <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_62">62</a></li>
-
-<li class="indx">Aufbringen der Konturen <a href="#Seite_21">21</a></li>
-
-<li class="indx">Auflagetuch (<a href="#fig14">Abb. 14</a>) <a href="#Seite_59">59</a></li>
-
-<li class="indx">Aufmachen des fertigen Bildes <a href="#Seite_93">93</a></li>
-
-<li class="indx">Ausprobieren des Ätzwassers <a href="#Seite_30">30</a>, <a href="#Seite_97">97</a></li>
-
-<li class="ifrst">Beinstab (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) <a href="#Seite_22">22</a>, <a href="#Seite_56">56</a>, <a href="#Seite_81">81</a></li>
-
-<li class="indx">Beißzange <a href="#Seite_12">12</a></li>
-
-<li class="indx">Beizemittel <a href="#Seite_78">78</a></li>
-
-<li class="indx">Bequeme Plattengröße <a href="#Seite_6">6</a></li>
-
-<li class="indx">Bienenwachs <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="indx">Bildgröße <a href="#Seite_89">89</a>, <a href="#Seite_92">92</a></li>
-
-<li class="indx">Bimsstein <a href="#Seite_75">75</a></li>
-
-<li class="indx">Blasenbildung <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li>
-
-<li class="indx">Blattrand und Blattgröße <a href="#Seite_92">92</a></li>
-
-<li class="indx">Blaustein <a href="#Seite_75">75</a></li>
-
-<li class="indx">Böttchers Ätzwasser <a href="#Seite_37">37</a></li>
-
-<li class="indx">Brennöl <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="ifrst">Chlorsaures Kali <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_37">37</a></li>
-
-<li class="ifrst">Deckfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_70">70</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Druck <a href="#Seite_45">45</a></li>
-
-<li class="indx">Druckballen (<a href="#fig08">Abb. 8</a> und <a href="#fig09">9</a>) <a href="#Seite_50">50</a>, <a href="#Seite_51">51</a></li>
-
-<li class="indx">Drucken (maschinelles) <a href="#Seite_57">57</a></li>
-
-<li class="indx">Druckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li>
-
-<li class="indx">Druckpapier <a href="#Seite_46">46</a></li>
-
-<li class="indx">Duplikatplatten <a href="#Seite_61">61</a></li>
-
-<li class="ifrst">Einleiten der Ätzung <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="indx">Einschwärzen der Platte (<a href="#fig09">Abb. 9</a>) <a href="#Seite_50">50</a></li>
-
-<li class="indx">Engelrot <a href="#Seite_76">76</a></li>
-
-<li class="indx">Entfetten <a href="#Seite_11">11</a></li>
-
-<li class="ifrst">Facette, Facettieren <a href="#Seite_8">8</a></li>
-
-<li class="indx">Farbkissen <a href="#Seite_4">4</a></li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_102">[102]</span>Feilklobe <a href="#Seite_12">12</a></li>
-
-<li class="indx">Fetthauch auf der Platte <a href="#Seite_11">11</a></li>
-
-<li class="indx">Fettrötel <a href="#Seite_21">21</a></li>
-
-<li class="indx">Filtrierpapier <a href="#Seite_37">37</a>, <a href="#Seite_46">46</a>, <a href="#Seite_47">47</a>, <a href="#Seite_72">72</a></li>
-
-<li class="indx">Filzfeile <a href="#Seite_76">76</a></li>
-
-<li class="indx">Fisch- oder Marderpinsel <a href="#Seite_39">39</a></li>
-
-<li class="indx">»Flammen« <a href="#Seite_78">78</a></li>
-
-<li class="indx">Flanelltuch <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_19">19</a>, <a href="#Seite_58">58</a></li>
-
-<li class="indx">Flecken im Abdruck (blinde F.) <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_73">73</a></li>
-
-<li class="indx">Flüssiger Ätzgrund <a href="#Seite_63">63</a></li>
-
-<li class="indx">Führung der Nadel <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_65">65</a></li>
-
-<li class="indx">Führung des Beinstabes (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) <a href="#Seite_56">56</a></li>
-
-<li class="indx">Führung des Druckballens (<a href="#fig09">Abb. 9</a>) <a href="#Seite_51">51</a></li>
-
-<li class="ifrst">Gänsefeder <a href="#Seite_36">36</a></li>
-
-<li class="indx">Gasentwicklung (schädliche) <a href="#Seite_36">36</a></li>
-
-<li class="indx">Glasmensur <a href="#Seite_29">29</a></li>
-
-<li class="indx">Glastafelmethode (<a href="#fig06">Abb. 6</a>) <a href="#Seite_33">33</a></li>
-
-<li class="indx">Globuspasta <a href="#Seite_67">67</a>, <a href="#Seite_76">76</a></li>
-
-<li class="indx">Graphische Künste <a href="#Seite_5">5</a></li>
-
-<li class="indx">Graphit <a href="#Seite_18">18</a>, <a href="#Seite_56">56</a></li>
-
-<li class="indx">Grate <a href="#Seite_96">96</a></li>
-
-<li class="indx">Gravieren <a href="#Seite_25">25</a></li>
-
-<li class="indx">Griffel zum Pausen <a href="#Seite_22">22</a></li>
-
-<li class="indx">Grundieren <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_68">68</a></li>
-
-<li class="indx">Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) <a href="#Seite_14">14</a></li>
-
-<li class="ifrst">Handabzug <a href="#Seite_45">45</a></li>
-
-<li class="indx">Handbänkchen (<a href="#fig07">Abb. 7</a>) <a href="#Seite_43">43</a></li>
-
-<li class="indx">Handwalzenpresse <a href="#Seite_98">98</a></li>
-
-<li class="indx">Herrichten und Prüfen der Nadeln <a href="#Seite_24">24</a></li>
-
-<li class="indx">Hochdruck <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_61">61</a></li>
-
-<li class="ifrst">Japanpapier <a href="#Seite_47">47</a>, <a href="#Seite_93">93</a></li>
-
-<li class="ifrst">Kalte Nadel <a href="#Seite_95">95</a></li>
-
-<li class="indx">Kampmann: »Die graphischen Künste« <a href="#Seite_5">5</a></li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_103">[103]</span>Karborundstein <a href="#Seite_75">75</a></li>
-
-<li class="indx">Klecksige Abzüge <a href="#Seite_72">72</a></li>
-
-<li class="indx">Kochsalz <a href="#Seite_96">96</a></li>
-
-<li class="indx">Kolophonium <a href="#Seite_9">9</a></li>
-
-<li class="indx">Körnchen und Knötchen im Ätzgrund <a href="#Seite_10">10</a></li>
-
-<li class="indx">Kupferdruckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li>
-
-<li class="indx">Kupferdruckfirnis <a href="#Seite_49">49</a></li>
-
-<li class="indx">Kupferdruckpapier <a href="#Seite_46">46</a></li>
-
-<li class="indx">Kupferplatte <a href="#Seite_6">6</a></li>
-
-<li class="ifrst">Leinöl <a href="#Seite_49">49</a></li>
-
-<li class="ifrst">Manierismus <a href="#Seite_85">85</a></li>
-
-<li class="indx">Marder- oder Fischpinsel <a href="#Seite_39">39</a></li>
-
-<li class="indx">Maschinelles Drucken (<a href="#fig14">Abb. 14</a>) <a href="#Seite_57">57</a></li>
-
-<li class="indx">Maschinelle Tonungsmittel <a href="#Seite_79">79</a></li>
-
-<li class="indx">Mastix <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_70">70</a></li>
-
-<li class="indx">Mißerfolge <a href="#Seite_68">68</a></li>
-
-<li class="indx">Modellierholz <a href="#Seite_33">33</a></li>
-
-<li class="ifrst">Nadelführung <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_64">64</a></li>
-
-<li class="indx">Nadel (Herrichten und Prüfen) <a href="#Seite_24">24</a></li>
-
-<li class="indx">»Nester« = Ätzgruben <a href="#Seite_27">27</a></li>
-
-<li class="ifrst">Offenhalten der Strichlagen <a href="#Seite_26">26</a></li>
-
-<li class="ifrst">Papprahmen (<a href="#fig11">Abb. 11</a> und <a href="#fig12">12</a>) <a href="#Seite_54">54</a></li>
-
-<li class="indx">Pausen <a href="#Seite_21">21</a></li>
-
-<li class="indx">Photographie <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_87">87</a></li>
-
-<li class="indx">Photographische Schneidefeder (<a href="#fig15">Abb. 15</a>) <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li>
-
-<li class="indx">Pinselfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_70">70</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Plattenrost mit Handhabe (<a href="#fig01">Abb. 1</a>) <a href="#Seite_12">12</a></li>
-
-<li class="indx">Plattieranstalt <a href="#Seite_7">7</a>, <a href="#Seite_76">76</a></li>
-
-<li class="indx">Polieren <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_66">66</a></li>
-
-<li class="indx">Polierpasta <a href="#Seite_78">78</a></li>
-
-<li class="indx">Polierstahl <a href="#Seite_66">66</a></li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_104">[104]</span>Probedrucke <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_67">67</a></li>
-
-<li class="ifrst">Radiernadel (<a href="#fig05">Abb. 5</a>) <a href="#Seite_24">24</a></li>
-
-<li class="indx">Reinigen der Platte <a href="#Seite_43">43</a></li>
-
-<li class="indx">Retouche-Arbeiten <a href="#Seite_62">62</a></li>
-
-<li class="indx">Rezept für Ätzgrund <a href="#Seite_8">8</a></li>
-
-<li class="indx">Rezept für Ätzwachs <a href="#Seite_34">34</a></li>
-
-<li class="indx">Rezept für Ätzwasser <a href="#Seite_28">28</a></li>
-
-<li class="indx">Rezept für Deckfirnis <a href="#Seite_38">38</a></li>
-
-<li class="indx">Rezept für Druckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li>
-
-<li class="indx">Rost mit Handhabe (<a href="#fig01">Abb. 1</a>) <a href="#Seite_12">12</a></li>
-
-<li class="ifrst">Salpetersäure <a href="#Seite_28">28</a></li>
-
-<li class="indx">Salzsäure <a href="#Seite_37">37</a>, <a href="#Seite_96">96</a></li>
-
-<li class="indx">Säureflaschen <a href="#Seite_28">28</a></li>
-
-<li class="indx">Schabeisen <a href="#Seite_74">74</a></li>
-
-<li class="indx">Schadenätzungen <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_63">63</a></li>
-
-<li class="indx">Schlemmkreide <a href="#Seite_11">11</a></li>
-
-<li class="indx">Schlichtfeile <a href="#Seite_74">74</a></li>
-
-<li class="indx">Schmierseife <a href="#Seite_49">49</a></li>
-
-<li class="indx">Schmirgelpapier <a href="#Seite_81">81</a></li>
-
-<li class="indx">Schneidefeder (<a href="#fig15">Abb. 15</a>) <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li>
-
-<li class="indx">Schräge – Facette <a href="#Seite_8">8</a></li>
-
-<li class="indx">Schreibfeder <a href="#Seite_85">85</a></li>
-
-<li class="indx">Schwefelmilch <a href="#Seite_78">78</a></li>
-
-<li class="indx">Sodalösung <a href="#Seite_31">31</a></li>
-
-<li class="indx">Spachtel (<a href="#fig10">Abb. 10</a>) <a href="#Seite_52">52</a></li>
-
-<li class="indx">»Springende Nadel« <a href="#Seite_77">77</a>, <a href="#Seite_78">78</a></li>
-
-<li class="indx">Stahldrahtbürste (<a href="#fig16">Abb. 16</a>) <a href="#Seite_76">76</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Steinsalzmethode <a href="#Seite_81">81</a></li>
-
-<li class="indx">Strichlagen <a href="#Seite_26">26</a></li>
-
-<li class="indx">Strich und Ton <a href="#Seite_77">77</a></li>
-
-<li class="ifrst">Teilätzungen <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_40">40</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li>
-
-<li class="indx">Terpentin <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_44">44</a></li>
-
-<li class="indx">Terpentinessenz <a href="#Seite_38">38</a></li>
-
-<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_105">[105]</span>Tiefdruck <a href="#Seite_3">3</a></li>
-
-<li class="indx">Tonen beim Drucken <a href="#Seite_61">61</a></li>
-
-<li class="indx">Tonungsmittel (auf der Platte) <a href="#Seite_79">79</a>, <a href="#Seite_81">81</a></li>
-
-<li class="ifrst">Überhitzen der Platte <a href="#Seite_13">13</a></li>
-
-<li class="indx">Unschlitt <a href="#Seite_35">35</a></li>
-
-<li class="indx">Unterfressen der Stege <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li>
-
-<li class="indx">Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit <a href="#Seite_27">27</a></li>
-
-<li class="ifrst">Verstählen <a href="#Seite_62">62</a></li>
-
-<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes <a href="#Seite_10">10</a></li>
-
-<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte <a href="#Seite_16">16</a></li>
-
-<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren <a href="#Seite_31">31</a></li>
-
-<li class="ifrst">Wachsfackel <a href="#Seite_16">16</a></li>
-
-<li class="indx">Wahl des Motivs <a href="#Seite_20">20</a></li>
-
-<li class="indx">Walze – Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) <a href="#Seite_14">14</a></li>
-
-<li class="indx">Walzendruck <a href="#Seite_58">58</a></li>
-
-<li class="indx">Walzenpresse <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_99">99</a></li>
-
-<li class="indx">Wasserdichter Ätzdamm <a href="#Seite_31">31</a></li>
-
-<li class="indx">Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel <a href="#Seite_34">34</a></li>
-
-<li class="indx">Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes <a href="#Seite_27">27</a></li>
-
-<li class="indx">Weißer Ton <a href="#Seite_11">11</a></li>
-
-<li class="indx">Wischer <a href="#Seite_59">59</a></li>
-
-<li class="ifrst">Zahl der erreichbaren Abzüge <a href="#Seite_61">61</a></li>
-
-<li class="indx">Zahl der Teilätzungen <a href="#Seite_40">40</a></li>
-
-<li class="indx">Zeitungspapier <a href="#Seite_44">44</a></li>
-
-<li class="indx">Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_18">18</a></li>
-</ul>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="chapter">
-<p><span class="pagenum" id="Seite_106">[106]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Raum_fuer_Bemerkungen">Raum für Bemerkungen.</h2>
-</div>
-<hr class="chap x-ebookmaker-drop" />
-
-<div class="transnote chapter" id="tnextra">
-<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p>
-<p>
-Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-Die wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt.
-</p>
-</div>
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-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DIE RADIERUNG</span> ***</div>
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