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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-02 21:13:42 -0800 |
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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die Radierung - Ein Leitfaden und Ratgeber - -Author: Alois Leopold Seibold - -Illustrator: Alois Leopold Seibold - -Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text - ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist - ~so markiert~. Im Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - -Die Radierung. - -[Illustration: Christnacht - -Original-Radierung von Alois L. Seibold] - - - - - Die Radierung - - Ein Leitfaden und Ratgeber - - von - - Professor Alois Leopold Seibold - - Maler und Radierer in Wien - - Vierte vermehrte und verbesserte Auflage - - Mit 10 Kunstbeilagen und - 16 Abbildungen im Text - - [Illustration] - - Eßlingen a. N. - Paul Neff Verlag (Max Schreiber) - 1922 - - - - -Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N. - - - - -Meinem hochgeschätzten Meister, - -Professor Viktor Jasper in Wien - -in dankbarer Verehrung zugeeignet - - _Alois L. Seibold_ - - - - -Vorwort zur ersten Auflage. - - -Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch zu schreiben, da -war es vor allem der Wunsch, nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise -mitzuteilen, und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem Gebiete -zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch immerhin sein mögen, -doch berufen sein dürften, wo immer nur möglich bei den anfänglichen -Versuchen die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich vor -Entmutigung zu bewahren. - -Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt wird, der Ausdruck -der freischaffenden Künstlerseele ist und mit ihren Mitteln geeignet -und berufen erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden -ihrer Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik an sich auf -Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, deren sich die Hand zum -Niederschreiben des Erschauten, des innerlich Erlebten bedient. - -Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich ist, war mein Bestreben -dahin gerichtet, das rein künstlerische Moment als das leitende -erscheinen zu lassen und den Anfänger an der Hand eines gesichteten -Materiales unmittelbar ins Praktische dieser Kunstweise einzuführen, -ohne ihn erst mit viel theoretischem Ballast zu beschweren. - -Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich schriebe -- der Erste -- über -die Radierung, bedarf wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die -Zahl (allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur auf diesem -Gebiete aufzuweisen hat. - -Im allgemeinen muß ich mich auch an diese halten; denn das Um und Auf -der Radierung ist ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan; -die Methode aber, mit der dem Schüler die Wege zu weisen sind, ist es, -die das Vertrauensamt hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, auf -daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen Weg bezeichne. - -Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist mir umso lieber, da -ich gewiß zu sein glaube, mit dieser meiner bescheidenen Arbeit einer -Kunstweise, welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den -graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und Schätzer geworben zu -haben. - -Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen vergönnt, dann soll es mir -zu ehrender Genugtuung gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum -Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik beigetragen zu -haben. - - Prag, im September 1909. - - =Der Verfasser.= - - - - -Vorwort zur 3. und 4. Auflage. - - -Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not und Verwirrung, die uns -die letzten Jahre gebracht, geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren -sicheren Weg. - -Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am Schönen, können im gesunden -Volke nicht untergraben werden; das sind unverlierbare Schätze, -Quellen, die immer fließen. - - * * * * * - -Nach kaum drei Jahren -- es waren bisher die ärgsten -- ward die dritte -Auflage notwendig, nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist -klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist groß und stolz. - -Und nun zum viertenmal hinaus! - -In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und Schaffenslust! - -Und das Weggeleit ist die verständnisvolle Freundschaft, die dem -Büchlein beschieden ist; möge sie ihm erhalten bleiben! - - Wien, im Juni 1922. - - =Der Verfasser.= - - - - -Inhalt. - - - _Vorwort_ - - Seite - - 1. _Über das Wesen der Radierung_ 1 - - 2. _Vorbereitung zum Arbeiten_ 6 - - ~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung 6 - - ~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes 8 - - ~c~) Das Grundieren der Kupferplatte 11 - - ~d~) Das Anrauchen 15 - - 3. _Das eigentliche Radieren_ 20 - - ~a~) Von der Wahl des Motives 20 - - ~b~) Das Aufbringen der Konturen 21 - - ~c~) Die Radiernadeln 24 - - ~d~) Über die Führung der Nadel 25 - - 4. _Der Ätzprozeß_ 28 - - ~a~) Die Bereitung des Ätzwassers 28 - - ~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen 31 - - ~c~) Die Bereitung von Ätzwachs 34 - - ~d~) Die erste Ätzung 35 - - ~e~) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis) 38 - - ~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme 41 - - ~g~) Das Reinigen der Platte 43 - - 5. _Das Abdrucken von der Platte_ 45 - - ~a~) Über die Bedeutung des Handabdrucks 45 - - ~b~) Das Druckpapier 46 - - ~c~) Die Druckfarbe 48 - - ~d~) Das Einschwärzen der Platte 50 - - ~e~) Der Abdruck 52 - - ~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege 57 - - 6. _Retouche-Arbeiten_ 62 - - 7. _Über Mißerfolge_ 68 - - 8. _Abschleifen der Platte_ 74 - - 9. _Strich und Ton_ 77 - - 10. _Wege und Ziele_ 84 - - 11. _Das fertige Blatt_ 92 - - _Schlußwort_ 94 - - _Alphabetisches Verzeichnis_ 100 - - - - -Kunstbeilagen. - - -Original-Radierungen von Alois L. Seibold. - - I. »Christnacht« Titelbild - - II. »Das Gehölz« S. 40/41 - - III. »Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe - eines mit dem Beinstab - gewonnenen Plattenabzuges S. 56/57 - - IV. »Motiv aus Obersteiermark« S. 60/61 - - V. »Bildnisstudie« S. 68/69 - - VI. »Karlskirche in Wien« S. 80/81 - - VII. »Überfahrt« S. 84/85 - - VIII. »Pieta« S. 88/89 - - IX. »Im Sturm« S. 92/93 - - X. »Der heilige Franziskus« S. 96/97 - - - - -1. Über das Wesen der Radierung. - - -Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von Salpetersäure aufgelöst -wird. Es geht mit ihr eine Verbindung ein, welche in Wasser leicht -löslich ist und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig -steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von Gasbläschen auf. (Giftige -Dämpfe!) - -(3~Cu~+8~HNO~_{3} = 3~Cu~(~NO~_{3})_{2}+4~H~_{2}~O~+2~NO~.) - -Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage der Radierung. Das Kupfer -kommt hierbei in Form von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis -zur feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält nun -einen dünnen säurefesten Überzug von eigens hierzu bereitetem Firnis, -welcher die darunterliegende Kupferfläche vor Zerstörung durch die -Salpetersäure schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener -Form, der sogenannten _Radiernadeln_, wird nun eine Zeichnung in -diesen Firnis geritzt, so daß das Kupfer an den betreffenden Stellen -frei zutage tritt. Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen -ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. Diese rein -künstlerische Tätigkeit nennt man das »_Radieren_«; nach ihr hat die -ganze Technik überhaupt ihren Namen »_Radierung_« erhalten. - -Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, so kann letztere ihre -Wirkung nur an jenen Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet; -es sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den Firnisüberzug -gerissen hat. Diese Striche haben in den meisten Fällen das Kupfer -gar nicht geritzt, sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses -unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und das Niveau der blanken -Kupferplatte wird dadurch an diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung -der Säure aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso -größer, je länger der chemische Prozeß andauert. Diesen Vorgang nennt -man den »_Ätzprozeß_« oder die »_Ätzung_«. Beendet wird dieser Prozeß -dadurch, daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser von der -letzten Spur der Säure befreit wird. Sobald die Platte trocken ist, -wird der Firnis mit Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt -nun, nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, wieder ihre -blanke Oberfläche; aus den Strichen der Zeichnung aber sind infolge -der Wirkung der Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die Platte -gegen das Licht gehalten wird, dunkel von der glänzenden Fläche -abheben. Diese Rinnen nun sind weit verschieden von solchen, welche in -die Platte mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert worden -wären; denn während die auf letzterem Wege erzeugte Furche infolge der -glättenden Wirkung der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche -zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, sondern was sehr -wichtig ist für die resultierende Bildwirkung, eine Aufrauhung der -vertieften Rinne an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche. - -Wird eine also behandelte Kupferplatte mit Kupferdruckschwärze -eingerieben, so füllen sich die vertieften Striche mit Farbe, während -diese über das blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht -allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte abgewischt werden, -in den Strichen sitzt sie fest. - -Also vorbereitet, wird die Platte mit einem Blatt gefeuchteten -Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, belegt; auf dieses kommt -noch ein Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun zwischen zwei -Stahlwalzen[1] unter großem Drucke durchgezogen, so daß das feuchte -Papier mittelst des weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten -Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen des Druckpapieres haftet -die Farbe auf dem Papier und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der -Druck ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser Schärfe, -jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, ein Umstand, der beim -Entwerfen der Zeichnung auf der Platte bereits berücksichtigt werden -muß, wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter Form aus dem -Druck hervorgehen soll. - - [1] In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung. - -Das von der Platte gelieferte Bild heißt _Abzug_, _Druck_ oder zur -Spezifizierung der Art, in der es hergestellt wurde, »_Radierung_«. -Das ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »_Tiefdruckes_«, eine -Bezeichnung für alle diejenigen graphischen Techniken, bei deren -Ausübung die bilderzeugenden Elemente (Striche, Punkte und dergl.) in -die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle Vorrichtung zur -Herstellung aller Arten des Tiefdruckes heißt »_Kupferdruckpresse_«, -das handwerkliche Verfahren: »der _Kupferdruck_«. Den Gegensatz dazu -bildet der »_Hochdruck_«. Obwohl er eigentlich in den Rahmen dieser -Arbeit nicht gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das -vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser Druckart bleiben die -Striche der Zeichnung auf der Platte erhaben, während alles, was weiß -bleiben soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend vertieft -wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche durch kräftiges Reiben mit -Druckfarbe gefüllt, so genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken -des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise ein -Übergehen desselben mit einer Farbwalze, um alle Striche zu schwärzen. - -Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen Tiefdruck und -Hochdruck wieder deutlich: Während beim Tiefdruck das Papier in -die Striche hineingepreßt werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein -einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten Druckstockes das -Abfärben auf das Papier und somit die Bilderzeugung. - -Zur ersten Gattung gehören: der _Kupferstich_, der _Stahlstich_ -in allen seinen Abarten, die _Radierung_ und andere Verfahren, -die jedoch mit unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf -den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) und sich von -künstlerischen Fertigkeiten in den Mitteln wesentlich unterscheiden. -(Zum »_Hochdruck_« gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der -Stempeldruck, die Zinkhochätzung, Autotypie -- Zinkotypie -- u. s. -w.)[2]. - - [2] Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei - Kampmann’s »Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf - das angelegentlichste empfohlen. - - - - -2. Vorbereitung zum Arbeiten. - - -~a~) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung. - -Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine besondere liebe Aufgabe -ist, den Anfänger unmittelbar ins Praktische der Technik einzuführen -und ihn mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer -entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig ist, zu verschonen. -Deshalb auch habe ich es vermieden, mich in langen technologischen -Abhandlungen über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei den -heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich nicht schwer, zu der -einwandfreien Reinheit und Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu -haben. Nun zur Sache!: - -Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die _Kupferplatte_ -anzusehen. Sie wird in größeren Metallhandlungen aus gewalzten -Kupferplatten geschnitten und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt. -Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, sei folgendes erwähnt: - -1. Die Platte soll etwa 1½--3 ~mm~ dick sein. - -2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format ist 13 × 18 ~cm~. -Dem Anfänger ist dringend zu raten, bei seinen ersten Versuchen über -dieses Maß nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte Bequemlichkeit -bei allen folgenden Hantierungen bietet. Bei erlangter Sicherheit -steigert sich von selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal ja -die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage ohnehin nicht mit dem -ersten Versuch erreicht (und auch gar nicht bezweckt) wird. - -3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten schwankt und -beträgt ungefähr 8·7--8·9. Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes -der Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 ~cm~, 3 ~mm~ dick, wiegt also: - - 13 × 18 × 0·3 × 8·9 - 104 - --- - 234 × 0·3 - ---- - 70·2 × 8·9 - ---- - 5616 - 6318 - ------ - 624·78; das sind also 624·78 Gramm. - ======= - -Der Preis des Kupfers schwankt stetig im Handel. Nach obigen Daten und -Kenntnis des Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen -Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun einem geschickten -Kupferschmied oder noch besser einer Plattieranstalt übergeben. Hier -wird die Platte »gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden -nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung der Schräge -soll ungefähr 45° betragen; je dicker die Platte ist, desto flacher -muß diese Neigung sein, damit die Oberwalze beim Drucken die Platte -leicht anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, daß das -Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger Platte zerschnitten wird. -Die Ecken können abgerundet werden. Diese Schräge heißt _Facette_, die -Arbeit: das _Facettieren_. Die Bildfläche soll den feinsten Schliff -- -frei von jeder Spur eines Ritzes -- zeigen, vor allzu spiegelglatter -_Polierung_ ist jedoch zu warnen, da eine solche Fläche für das -spätere Arbeiten zuweilen Ursache von Mißlichkeiten werden kann (siehe -Mißerfolge). - -Hat man die Platte in diesem Zustand, so überzeuge man sich durch -vorsichtiges Auflegen derselben auf eine Spiegelscheibe, von ihrer -wirklichen Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und läßt sie -sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, dann wird dieses -Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, erfolgen. Um sie vor dem -Zerkratztwerden zu schützen, lege man in eine flache Schachtel ein -Flanelltuch und auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten. - -Man bekommt fertig hergerichtete Platten in allen gangbaren Formaten in -größeren Mal- und Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese -Beschaffung aber etwas teurer stellen. - - -~b~) Über die Bereitung des Ätzgrundes. - -Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung dieses wichtigen -Materials gibt, will ich dennoch von ihrer Anführung absehen, um -nicht durch verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit -hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein der Wahl zu überlassen, -wenn ein erprobtes Rezept ihm gutes Gelingen gewährleistet! - -Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen: - - 1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten Säuren; - - 2. leichte Schmelzbarkeit; - - 3. festes Haften an der Metallfläche; - - 4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis nicht - zersplittern, sondern ihn nur glatt durchschneiden. - -Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch Asphalt, die zweite -durch Bienenwachs, die dritte durch Mastix, die vierte durch ganz -homogenes Gefüge des Gemisches. Dieses wird nach folgendem Rezept -bereitet: - -weißes Wachs 3 } Mastix 2 } Gewichtsteile. echter _Syrischer_ Asphalt 4 -} - -Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto härter und -wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, aber auch desto -undurchsichtiger. Deshalb setzt man dort, wo man auf dessen -Durchsichtigkeit Gewicht legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem -Rezept etwa 2 Gewichtsteile.) - -Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, welche ja nicht zu klein -gewählt werden dürfen. Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute -Dienste. Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, jedoch hübsch -abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet werden kann. Eine Zange oder ein -feuchtes Tuch liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe. - -Die runden Körnchen des Mastix werden mit dem zerstoßenen Kolophonium -zuerst geschmolzen; erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für -Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit einem Blechlöffel oder -dergl. bewirkt die vollkommene Mischung. Man darf den Topf auch nicht -aus den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem Rauchen das Gemisch -sofort von der Hitze wegrücken. Das Rauchen ist übrigens schon ein -bedenkliches Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame Behandlung -überhaupt vermieden werden. Diese Masse läßt man nun bei etwa 100° -Celsius abseits stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls -klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. Unter großer Vorsicht -und stetem Umrühren gießt man das Gemisch in einigen Absätzen in den -bereits vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das Ganze bei sehr -mäßiger Hitze noch etwa 5 bis 10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte -Homogenität der Masse ganz sicher erreicht werde. Hierauf gießt man -die flüssige Masse in ein großes Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier -erstarrt sie sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem Wasser -lassen sich diese wie Teig kneten und die Finger fühlen leicht jedes -Knötchen oder Körnchen, welches sich vielleicht noch in der Masse -befindet; alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse entfernt -werden; dann werden aus dem also gereinigten Ätzgrund Walzen oder -Kugeln geformt und erkalten gelassen. - -Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen länglichen Blechbüchsen -aufbewahrt, wie man sie mit diversen Pulvern oder dergl. in den -Geschäften als Verpackung bekommt. - -Man hüte sich die Masse trocken, also außer Wasser zu lange zu kneten, -da sie sonst an der Hand festklebt und diese nur durch energisches -Reiben mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann. - - -~c~) Das Grundieren der Kupferplatte. - -Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist zur Aufnahme des -Ätzgrundes noch nicht geeignet, da sie noch einen Hauch von Fett -besitzt, welcher den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis nicht -zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte Wasser auf, so sehen wir, -daß es wie Quecksilber in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch -ein Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu entfernen, bereiten -wir in einer Schale einen Brei von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton -mit Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch auf der -Platte tüchtig aufgerieben und bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist -dieser Anstrich trocken geworden, so wird er mit einem ganz trockenen, -frischgewaschenen Leinwandlappen von der Platte abgerieben. Die -Schlemmkreide hat alles Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum -Grundieren bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da ihre Unterlassung -später ein Abblättern des Firnisses leicht zur Folge haben könnte. -(Siehe »Über Mißerfolge« Nr. 8, Ursache ~b~). - -[Illustration: Abb. 1. Rost aus starkem Draht ohne Überkreuzungen, -damit die Platte flach darauf liegen kann.] - -Es handelt sich nun darum, den Ätzgrund in feiner Schicht auf die -Platte zu bringen. Man nennt diesen Vorgang das »Aufbringen« des -Ätzgrundes; er wird damit eingeleitet, daß die Platte gleichmäßig und -gelinde über einer Spiritus- oder Gasflamme erhitzt wird. Zum bequemen -Halten der Platte dient eine Beißzange oder eine Feilklobe, welche man -in die Platte festschrauben kann. Gegen das Zerkratzen des Kupfers -schützt eine zwischen den Angriffsstellen angebrachte Einlage von -mehrfach gefaltetem Filtrierpapier oder dickem, weichem Leder. Man kann -sich auch aus sehr starkem Draht einen Rost mit Handhabe machen lassen -(Abb. 1). Die Kupferplatte wird -- Schliff nach oben -- darauf gelegt -und so über die Flamme gehalten. - -Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte zu bewirken, bewege -man sie über der Flamme hin und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers -zu dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; länger darf -man nicht warten, denn das bald eintretende Farbenspiel von Orange, -Karminrot bis Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung und -ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren Platten erzielt man eine -ausreichende Erhitzung, wenn man sie etwa 5 ~cm~ über den Zylinder -einer brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch auf ein sehr -reines Brett gelegt (Schliffläche oben) und mit der Asphaltmasse erst -vorsichtig am Rande hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja -nicht zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre ein sicheres -Zeichen von Überhitzung! In einem solchen Falle muß ein Sinken der -Hitze abgewartet werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der Masse -über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch nicht zu reichlich, ein -vollkommenes Bestreichen der Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig; -man streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei großen Platten -eventuell noch zwischen ihnen ein paar Striche. Der geschmolzene -Ätzgrund wird nun mit der Grundierwalze (Abb. 2) auf der ganzen Fläche -ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende Haut auf dem Kupfer -in gleichmäßiger Feinheit erscheint. - -[Illustration: Abb. 2. Grundierwalze.] - -Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder von etwa 5 ~cm~ Länge -und 3 ~cm~ Durchmesser, welcher mit dünnem, glattem Leder derart -überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). Denselben -Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, doch ist Leder unbedingt -vorzuziehen. Diese Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um ihre -Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei ist darauf zu achten, daß -die Schraubenköpfe ~A~ und ~B~ die Walze daran verhindern müssen, mit -der _Gabel_ in Berührung zu kommen, weil sie sonst stecken bliebe, -wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten tritt. Deshalb muß überhaupt -auch ein genügender Raum beiderseits zwischen Walze und Gabel frei -bleiben. Man erhält Grundierwalzen auch gebrauchsfertig zu kaufen. -(Große Platten erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.) -Ist die Walze neu, so tut man gut daran, sie erst auf irgend einem -heißen Blech mit Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte -zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende Ätzgrund wird nie -davon entfernt, bei kleineren Platten genügt dieser oft allein zum -Grundieren. Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht weggelegt -werden, da sie infolge des noch klebrigen Ätzgrundes überall haften und -Staub und dergl. an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf einen -Gegenstand so, daß die Walze frei in der Luft bleibt. - -[Illustration: Abb. 3. ~ABCD~ Kupferplatte.] - - -~d~) Das Anrauchen. - -Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der Säure geschützt. Der -Metallglanz des Kupfers schimmert jedoch noch durch und würde den -Augen des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja unerträglich -werden. Zur Abhilfe dessen wird die noch warme Platte mittelst einer -Wachsfackel angerußt. Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird sie mit -starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt, jedoch nicht in der -Mitte des Brettes, sondern an einem Ende. (Abb. 3). Das Brett wird nun -derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges hohes Möbelstück gelegt, -daß die Platte nach unten kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer -Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes (Abb. 4). Man kann -auch in den Kasten oben einen Haken einschrauben; dann schiebt man das -Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst beschweren zu müssen. -Aus drei oder vier Wachsstocksträngen wird nun eine Fackel gedreht und -diese angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter der Platte in -entsprechender Entfernung hin- und hergeführt wie ein Anstreichpinsel. -Dabei sind folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen: - - 1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig sein. Zugluft, - Herumgehen anderer Personen in der Nähe der Fackel, - Türenöffnen oder -Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil - man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte Richtung geben - kann. - - 2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf die Platte berühren. - - 3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt werden. - -[Illustration: Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.] - -Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren roten Glanz verliert und -sich schwärzt. Ist dies an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit -vollendet. Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man das Brett mit -der Platte auf den Tisch, so sieht man auf ihr einen braunschwarzen, -matt glänzenden und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten sehr -angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des Anrauchens darf dieser Überzug -nach dem Erkalten nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen, -daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel bringt nämlich den -Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; der Ruß wird durch den weichen -Firnis in beschränkter Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen lassen -sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen abwischen; das darf -selbstverständlich nur auf gänzlich erkalteter Platte geschehen, da die -Firnisschicht im warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt -irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so heißt es die Platte mit -Terpentin abwaschen, entfetten und mit Grundieren und Rauchen von neuem -beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart bleiben dürfte, da hier -Übung die Hauptsache ist; also nicht den Mut verlieren! - -Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige und dabei -säurefeste Substanz (zum Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das -Anrauchen erspart bleibe. - -Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige Mischung dieser -zwei Stoffe schwer möglich ist. Und wenn auch, -- die Graphitstäubchen -rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn diese Körnchen werden -von der Nadel aus dem Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen -Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver verwendete. Eine -starke Lupe wird den Unterschied der Probestriche auf den beiden -Ätzgründen deutlich zeigen. Übrigens ist auch die Dichtheit des -Überzuges durch solche Beimengungen in Frage gestellt. - -Die vollkommen kalte Platte wird wieder in die früher erwähnte -Schachtel mit Flanellboden gelegt, falls sie nicht gleich in Verwendung -genommen wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund in dünner -Schichte nicht unbegrenzt lange seine Festigkeit gegen Säure bewahrt; -er beginnt unter dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern. -Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst kurz vor der Inangriffnahme -der Arbeit zu grundieren und auch während derselben keine allzugroßen -(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen. - -Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, so kann man ihn -dadurch regenerieren, daß man die Platte von unten her gelinde -erhitzt. Dieses neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig -und erspart das neuerliche Grundieren. Daß man diese Prozedur bei -einer bereits angefangenen Arbeit nicht unternehmen darf, ist -selbstverständlich; der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits -radierten Striche wieder schließen. - - - - -3. Das eigentliche Radieren. - - -~a~) Von der Wahl des Motives. - -Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, einen geeigneten Stoff für -seine ersten Versuche zu wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage -etwas verweilen. - -Vor allem Andern muß betont werden, daß die Radierung sich auf den -Strich aufbaut; Tonqualitäten können erst bei einiger Übung angestrebt -werden und erfordern schon eine weitergehende Schulung und Erfahrung. -Das Dankbarste für den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei -einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger und ausdrucksvoller -die Formen, je geschlossener die darin vorkommenden Flächen, desto -besser für die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend ans -Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren wollen!« Bald nach den -ersten Strichen würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und dem -Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. Gewiß hat jeder meiner -lieben Lernbegierigen genug flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen -von selbst geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind recht -dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten und dürften in den -wenigsten Fällen erhebliche Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja -zunächst einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut werden und -beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, denen man das mühevolle und -angestrengte Arbeiten schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt -_vieles_ Radieren, Abwechslung in den Vorlagen zur Tüchtigkeit. - - -~b~) Das Aufbringen der Konturen. - -Wenn wir auch nicht daran denken, unsere Kunstweise zu Kopierzwecken -herabzuwürdigen, so geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch -selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in Feder oder Kreide -ist meistens Vorlage für die Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf -den Ätzgrund mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem Bleistift -wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. Ein Stück weißes, dünnes -Schreibpapier wird auf eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit -weichem Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; nach -vollendeter Arbeit wird das überschüssige, noch am Papier liegende -Rötelpulver abgestaubt, denn es würde sich beim Aufbringen der -Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar machen. Überdies reibt -man das aufgestrichene Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier. -Die Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln befestigt. -Darüber wird die gepauste Zeichnung, Bildseite nach unten, gelegt, -ihre Lage auf der Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an -_einer_ Seite befestigt, damit man beim Pausen immer nachsehen kann. -Das Rötelpapier wird dann zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite -nach unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage nicht genau -fixiert zu werden. Mit einem mittelharten Bleistift, einem Holz- oder -Beingriffel erfolgt nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund. -Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem Grund sichtbar. - -Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund einen mehr oder weniger -dichten Schleier von Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung -undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit einem sehr weichen -Lappen, einem Stückchen Flanell oder Watte leicht wegwischen, die -Zeichnung hält fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage. - -Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann das Pauspapier -erspart werden. Man zeichnet dann die Konturen auf deren Rückseite -durchs Fenster nach. Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren -Gelatineblättern, kann die Pause hergestellt werden. Hier werden die -Konturen nicht gezeichnet, sondern mit scharfer Radiernadel eingeritzt. -Diese geritzte Zeichnung wird dann mit Rötelpulver eingerieben und -blankgewischt. Sodann legt man sie -- Bildseite nach unten -- auf die -grundierte Platte, legt zähes graphitiertes Papier darauf und reibt mit -dem Beinstab kräftig (Abb. 13), oder läßt Platte mit Pause und Papier -durch die Walzen gehen bei schwach gestellter Spannung. Das Resultat -dieses Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen -Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. Wer radieren will, muß -eben ein kundiger Zeichner sein, und dem wird das Pausen gewiß keine -Schwierigkeit bereiten. - -Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch außerordentliche -Genauigkeit aus und sind dann notwendig, wenn eine sehr komplizierte -Zeichnung mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie, -Landkarten und dergl.) - -Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die Platte übertragen und zwar -wie folgt: Man stellt das Bild -- ohne viel Detail -- auf glattem -Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; dabei zeichne man -alles sehr kräftig und präzis, vermeide jede Verschwommenheit und -sehe auf klare Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem Gummi -und etwas Seife reibt man die grundierte Platte ein und beeilt sich, -auf diese noch feuchte Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung -- -Bildseite nach unten -- draufzulegen. Sofort wird damit begonnen, die -Rückseite der Zeichnung mit dem Beinstab (Abb. 13) zu reiben. Dieser -Vorgang liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises Spiegelbild unserer -Vorlage; man kann daran ohne weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei -reiner Linienzeichnung schummert man das Naturpapier vorerst ganz mit -weißer Kreide an und zeichnet mit schwarzer Fettkreide auf diesen -weißlichen Grund. Die Seifen-Gummischicht muß _sehr_ dünn, gleichsam -wie ein Hauch auf der Platte sein. - - -~c~) Die Radiernadeln. - -[Illustration: Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)] - -Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des künstlerischen Teiles -der Radierung ist die Radiernadel. Sie muß aus gutem Stahl und darf -nicht so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken schon -biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste leisten Nähnadeln von -mittlerer Stärke. Sie sind so hart, daß sie eher brechen als sich -biegen und schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. Zwei -solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, genügen für den Anfang -vollkommen. Sie werden in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre -Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche Radiernadel hat dann -das Aussehen eines feingespitzten Bleistiftes, dessen Dicke das Heft -auch nicht übertreffen soll. (Abb. 5.) Wichtig ist, daß die Nadel fest -und ohne zu wackeln oder zu »federn« im Holze sitze. Die Brauchbarkeit -der Spitze prüft man, indem man auf einer anderen Kupferplatte (ein -Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren von Nadel und Ätzwasser) -krumme Linien nach allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne -daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe zur Arbeit -brauchbar; im andern Falle muß die Nadel erst durch Wetzen auf glattem -Holz, Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In Fachgeschäften erhält -man Radiernadeln gebrauchsfertig zu kaufen. - - -~d~) Über die Führung der Nadel. - -Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen Erstlingsarbeiten sich -bloß _einer_ Nadel zu bedienen. Diese sei nicht allzu dünn, damit die -Strichführung nicht kleinlich und zaghaft werde. - -Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse beginnen, damit sie nicht -durch Verwischen verloren gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen -Nadel wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des Kupfers -durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt werden, also nicht -»_gravieren_« wollen, das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure! - -Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu legen, da sie ihn -erwärmen und verwischen würde. Man lege ein Stück Pauspapier unter die -Hand. - -Von den Konturen geht man dann allmählich zu Strichlagen über. Hier -ist Vorsicht geboten. Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des -unerfahrenen Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur Abschätzung der -im angestrebten Bilde beabsichtigten Dunkelheit des Tons. Der Anfänger -ist leicht verleitet, mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien -hineinzuarbeiten, aus dem Radieren wird ein Gravieren, die offene -Strichlage geht verloren und mit ihr die Aussicht auf einen guten -Abdruck. - -Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen Absatz länger -aufhalten, denn hier sind die ersten ernsteren Gefahren zu bestehen, -hier ist die Quelle so manches Mißerfolges zu suchen. - -Der Anfänger bedenke Folgendes: - -Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung sitzen bleiben, von -wo sie mit der Hand oder dem Wischballen nicht herausgewischt werden -kann. Wird also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen eine -ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt die Säure an dieser Stelle -nicht voneinander getrennte, vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein, -der Form der Fläche entsprechend. Der Boden dieser Grube ist aber nicht -fähig, Farbe an sich zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte -einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte zeigt dann an der -betreffenden Stelle einen schmutzigen, flauen Fleck und die Arbeit ist -verdorben. - -Die Strichlagen müssen also offen gehalten bleiben, d. h. es muß dafür -gesorgt werden, daß zwischen den Strichen auch genügend breit der -Ätzgrund bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure nicht nur nach der -Tiefe, sondern selbstredend auch seitlich ätzt; die Folge davon ist -ein Breiterwerden des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend, daß -zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art ihren »Steg« (das ist -die vom Ätzgrund geschützte Fläche zwischen beiden) verlieren können; -man nennt diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der Stege. Solche -Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche Flecke (sogenannte »Nester«). -Will der Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden Stellen -eine feinere Radiernadel neben der stärkeren mit verwenden, so ist -dagegen nichts einzuwenden. Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit -verwechselt werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der Nadel ab, -die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich von der verschiedenen -tiefen Ätzung. Ein haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im -Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober Nadel erzeugter -infolge _schwacher_ Ätzung ganz hell und duftig kommen. Diese -Wechselbeziehungen zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter -des resultierenden Bildes, und schon bei der Anlage der ersten -Strichlagen muß der Radierer sein Endziel klar vor Augen haben, wenn -es ihm mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht ernst ist -und er den Erfolg seiner Mühen nicht dem blinden Zufall überlassen will -mit einem leichtsinnigen »Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt ja der -Genuß, die Freude an dieser edlen Technik, daß sie alle künstlerischen -Intellekte vereint; Geschmack in der Form, in der Raumverteilung und -in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint mit den nun erst zu -erwerbenden technischen Erfahrungen führen dann zur Meisterschaft. - - - - -4. Der Ätzprozeß. - - -~a~) Die Bereitung des Ätzwassers. - -Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von Ätzwässern, doch will ich -auch hier meinem Vorsatz treu bleiben und einfach nur _ein_, allerdings -wohlerprobtes, Rezept anführen, mit dem der Anfänger, wie auch der -Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen wird. - -Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die Salpetersäure. Sie -ist in jeder feineren Drogerie in einwandfreier Reinheit erhältlich -und gewöhnlich 40 -- seltener 42 -- prozentig. Diese konzentrierte -(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr bereitete Ätzwasser -muß unbedingt in Flaschen mit eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten -Säureflaschen) aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk des -Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind zum bequemen, sicheren -Arbeiten sehr wünschenswert. Eine in Kubikzentimeter eingeteilte -zylindrische Glasmensur dient zu den verschiedenen Messungen, welche -zum richtigen Mischen notwendig sind. - -Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; zum Lösen beider -dient abgekochtes oder destilliertes kaltes Wasser. Das Ätzwasser -soll nicht mehr als 17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes -Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung mit der -Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll sich bei mittlerer -Zimmertemperatur nach etwa 30 bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen -belegen. - -Recht bequem ist folgender Vorgang: - -In 100 ~cm~³ reinem (destill.) Wasser werden 2 Gramm chlorsaures -Kali vollständig gelöst. In diese Lösung gießt man sehr langsam nach -und nach im ganzen 100 ~cm~³ konzentrierte Säure. Hierbei tritt eine -Erwärmung des Gemisches ein. Nach dessen Erkalten schüttelt man bei -geschlossener Flasche tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige -Mischung erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und sinkt vor der -gänzlichen Lösung darin unter.) Diese Lösung ist jetzt (genau kennt -der Händler den Prozentgehalt seiner Säure meistens nicht, und die -Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht notwendig) _ungefähr_ -20prozentig, also wahrscheinlich zu stark. Wir gießen nun in die -Glasmensur genau 10 ~cm~³ unseres Ätzwassers und heben mittelst eines -Glasröhrchens einen Tropfen Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte -und entfettete Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung zu bald und -zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu stark. Wir gießen nun etwa 1 ~cm~³ -(destill.) Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst die Probe -wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser auf 10 ~cm~³ ergänzen. Eine -zweite Probe auf Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen -der Energie bekunden. Dies setzt man fort, bis die Flüssigkeit in der -Mensur den gewünschten Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach Zugießen -des 3. ~cm~³ erfolgt, so heißt das: 3 ~cm~³ Wasser zu 10 ~cm~³ Lösung -gibt den gewünschten Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen des Ätzwassers -muß noch Wasser zugegossen werden. Hat man nun 200 ~cm~³ Lösung -angesetzt, so bedarf sie noch 60 ~cm~³ Wasser, um den erwünschten Grad -zu erreichen. - -Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, ist auch angezeigt, wenn -man ein zu schwach geratenes Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu -Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter Säure verstärken -will. - -Statt der Probeplatte kann man sich auch eines blanken Probestreifens -aus Kupferblech bedienen. Man senkt ihn in die mit dem fraglichen -Ätzwasser gefüllte Mensur. - -Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers nicht unumgänglich -notwendig, jedoch als Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit -einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden Wirkung dieser -Substanz sehr angenehm und der Ätzeffekt viel harmonischer ist. -Die Konzentration des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung -erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art berücksichtigt -werden muß. Für besonders tiefe sammetartige Töne erhöhen wir den -Säuregehalt, soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit -des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und duftige Partien bedürfen -hinwiederum eines stark verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß -mit größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt werden, wie -sie bei dünnerem Agens entsprechend verlängert werden muß. - -Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen für Stoffe und dergl. -sehr verderblich werden können, daß die Hände vor Berührung mit -ihr sorgfältig zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges -gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen zu retten sind, -ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen Säure auf ein Tuch, so kann -unverzügliches Übergießen oder reichliches Betupfen mit gesättigter -Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen vor Schaden -bewahren. - - -~b~) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen. - -Es handelt sich nun darum, die radierte Platte für die Ätzung derart -auszurüsten, daß zuverlässig nur die Zeichnung der Wirkung der Säure -ausgesetzt werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, namentlich -die Rückseite davor geschützt sei. Der Mittel hierzu gibt es einige, -sie seien hier der Vollständigkeit wegen alle behandelt. - -1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern noch heute angewendet, -besteht darin, daß man um die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa -daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert, welcher mit der Platte -zusammen eine Art rechteckiger Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa -10--15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich muß vor dem -Eingießen der Säure die Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale -erst sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden. - -2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß man die ganze Platte -(mit Ausnahme des zu ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack -bestreicht. Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, kann -die Ätzung in einer photographischen Schale aus Porzellan oder Glas -geschehen. - -Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast nur Schattenseiten: Ist -schon das Aufmodellieren des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist -das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen des Ätzwassers -in die Flasche aber trotz einer in die Wachsmasse eingedrückten -Ausflußdille geradezu problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die -Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung mit Nadel und -Pinsel weiter bearbeitet werden soll, daß hierauf abermaliges Ätzen und -abermaliges Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da mit der Nadel -und dem Pinsel vielleicht über den weichen klebrigen Wachsrand hinweg -arbeiten, oder gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen und nach -erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung ihn wieder aufmodellieren? - -Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie nichts einzuwenden. In der -Praxis zeigt sich jedoch, daß der Asphaltlack an den Kanten und -Ecken durch Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst wenn der -Anstrich noch so dick wäre. Auf der Rückseite ist derselbe fortwährend -Beschädigungen infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten -»Schadenätzungen« Anlaß geben. - -Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem Ausweg geführt. Hierzu ist -bloß eine stärkere Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 ~cm~ größer -sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem Falle wäre die Platte -13 × 18; dann müßte die Glastafel 16 × 21 ~cm~ messen. - -Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter jede Ecke ein -erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt und die Platte mittelst dieser -Klümpchen an der Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt, -daß _erstens_ die Klümpchen ganz flach gequetscht werden, _zweitens_, -daß die Kupferplatte in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß -ein 1½ ~cm~ breiter Rand freien Glases um die Platte herumläuft. Mit -einem geeigneten Modellierholz werden nun die Fugen zwischen Kupfer und -Glas mit Ätzwachs _wasserdicht_ verschmiert, damit ja kein Ätzwasser -an die Hinterfläche der Kupferplatte gelangen kann. Das gelingt nur, -wenn Kupfer und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit kann -jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese bis an die Bildgrenze) -mit Asphaltlack bestrichen werden. (Abb. 6.) Eine also ausgerüstete -Platte bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern auch -zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch immer bereit zu sein; ein -Zerstören des Schutzüberzuges an den Kanten ist hier ausgeschlossen. -Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur einer einzigen Ätzung zu -tun, so genügt das unter P. 2 beschriebene Verfahren. - -[Illustration: - - -- . -- . -- . ~Platte~ - ////////////// ~Wasserdichter Wachsrand~ - ~G~ ~Glasrand~ - -Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.] - - -~c~) Die Bereitung von Ätzwachs. - -Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund -(siehe Bereitung Seite 7) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs -und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz -erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz -von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht -eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der -Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten. -Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses, -wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und -darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem -Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar -zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder -einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein -geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden. - - -~d~) Die erste Ätzung. - -Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite -nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale -aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da -sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf -das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 ~cm~ -hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden -gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum -vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein -offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu. - -Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis -dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren -und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat. -Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig -radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich -steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis -zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen. -Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der -Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht -aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie -derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann -nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen -gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale -das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist -- -eingeatmet -- gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht -über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die -Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu -halten. - -_J. Roller_ empfiehlt in seinem Buche »_Technik der Radierung_« -(Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da -damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht: -10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser + -2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses -Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder -energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es -wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen. - -Die erste Ätzung kann in 5--10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll -für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit -einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die -Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus -und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen -Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung -abbraust. _Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich_, da in den -feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich -schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt -man durch Andrücken, (_nicht Wischen!_) reiner trockener Leinwand -oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen -Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund -entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat. -Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis -wieder sorgfältig gedeckt (siehe Seite 40). Die Striche werden mit sehr -spitziger Nadel nachradiert. - - -~e~) =Abgestuftes Ätzen= (Pinselfirnis.) - -Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die -Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt, -so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der -Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das -ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte, -in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres -Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten. - -Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen -im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer -und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die -dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der -Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken -weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben; -sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein. -Zur weiteren Behandlung der _trockenen_ Platte bereiten wir uns -»_Deckfirnis_« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger -Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt, -daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern -dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt -ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis« -oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem -kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung -eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser. -Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser -Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln -zusetzen. - -Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in ein Porzellanschälchen -und decken mittelst eines elastischen Pinsels (am besten Marder- -oder Fischpinsel) alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr -zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies die Luft und -das lichte Gemäuer. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß der -Firnis auch wirklich in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte -Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. Nachdem dieser -Pinselfirnis vollkommen getrocknet ist, kommt die Platte zum -zweitenmale in die Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird auch -die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende geführt. Dabei muß der Gang -des Prozesses sorgfältig überwacht werden, damit nicht die auf Seite 27 -schon erwähnten Stege unterfressen werden. Ist der Ätzgrund gut, das -Ätzwasser nicht zu stark und die Zimmertemperatur normal, so wird dies -auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung durch sofortiges -Herausnehmen der Platte und Spülen derselben im Wasser zu unterbrechen. - -Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte gespült und getrocknet -und die weitere Abdeckung mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der -dritten Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten der Säure -ausgesetzt und sind somit am tiefsten geätzt. Es versteht sich von -selbst, daß die Zahl der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers -anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß _nicht_ hinausgehen -wird, ist einleuchtend, denn Kontrastwirkungen gehören eben zu den -dankbarsten Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht. -Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum Wohle seiner Arbeit, -nicht über drei Teilätzungen versteigen. - -Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung beim Abdecken Striche mit -Firnis gedeckt, welche noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach -dem Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; sie sind, da sie -infolge der früheren Ätzung schon vertieft sind, unter dem Firnis ganz -gut sichtbar. Auch fehlerhafte Striche (welche vor der _ersten_ Ätzung -schon richtig gestellt werden müssen) deckt man mit Pinselfirnis, -ebenso alle Verletzungen, welche während des Arbeitens im Firnis -entstanden sind, sowie die freigelegten Probestellen. - -[Illustration: »Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, damit der Firnis sich auf -der Platte nicht in unerwünschter Weise ausbreite und Striche verdecke, -die weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der Pinsel mit Terpentin -oder Seife gründlich gereinigt. - - -~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme. - -Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll sich der Radierer eine klare -Disposition für den Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er -seine Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition ist -hauptsächlich abhängig und bestimmt von der beabsichtigten Bildwirkung. -Diese verlangt oft nach einem dem Gegenstande eigens angepaßten -Arbeitsprogramm, nach welchem allein oft den verschiedentlichen -technischen Schwierigkeiten beizukommen ist. - -Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, dessen dunkle Silhouette -sich in zerrissenen Konturen von lichtem Hintergrunde abhebt. - -Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung das Decken mit -Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken erfordern! In allen solchen -Fällen wird man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar drei -Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt wird. Die Aufmachung -der Platte auf der Glastafel gestaltet ein solches Abwechseln von -Radier- und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen Partien des -Vordergrundes werden zuerst radiert und gleich tief -- jedoch mit -Rücksichtnahme auf die noch folgenden Ätzungen -- geätzt. Über die -geätzten Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt darüber -gegangen werden, da solche Striche den ohnehin tiefen Ton der früher -geätzten Flächen nicht verändern. - -Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel aufgemacht ist, genügt -eine Unterlage aus Pauspapier für die Hand nicht mehr, weil das Papier -an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen uns deshalb ein Bänkchen -aus einem Holzbrettchen und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die -Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so dick sein, daß der -Ätzgrund vom darüberliegenden Brettchen _nicht_ berührt wird. Glasdicke -+ Plattendicke + etwa 3 ~mm~ ergibt die Höhe der Füßchen. Das Bänkchen -muß auch genügend lang sein, damit man es in beliebigen Lagen über -der Platte verwenden kann. Auch muß das Brettchen so stark sein, daß -es nicht vom Gewicht der Hand auf den Ätzgrund niedergedrückt werde. -(Abb. 7.) - -Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und geätzt werden; -dann muß aber zwecks weiterer Arbeit die Platte neu grundiert -werden. Auf dem neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so -komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. Diese kann -selbstverständlich für sich wieder in Teilätzungen behandelt werden, -nur ist in diesem Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach der -ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte Aufmachen auf die -Glastafel lästig und gestaltet den Gang der Arbeit etwas schleppend. - -Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, bietet diese Technik eine -Fülle der Mannigfaltigkeit in der Behandlung, wie sie kaum eine andere -aufzuweisen hat. Deshalb auch wird sie immer mehr der treue Spiegel -der Persönlichkeit des Radierers, denn bei solcher Mannigfaltigkeit der -Ausdrucksmittel ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise in immer -neuer Art aus der Hand des Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt. - -[Illustration: Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.] - - -~g~) Das Reinigen der Platte. - -Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich gespült, getrocknet, -und mit dem Modellierholz langsam und vorsichtig von der Glastafel -abgehoben, dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, denn -das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel zur Folge. Das -Ätzwachs wird, soweit es angeht, abgenommen und in die Vorratdose -zurückgestrichen. Die Platte selbst wird, auf einem Brette liegend, -mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. Hierzu eignet sich ein Bausch -von Zeitungspapier. Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die -Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem ganz reinen Lappen -(am besten aus Leinwand oder Baumwolle) solange gescheuert, bis die -letzte Spur von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. Solange der -weiße Lappen sich noch schwärzt, muß gescheuert werden. Ein Zeichen der -gründlich erfolgten Reinigung ist es, wenn die radierten Striche in -hellrotem Kupferglanz schimmern. - -Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs nicht zu entfernen; eine -zweite Glastafel, darübergelegt, schützt das Wachs vor Staub und uns -selbst vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen sich in -einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz bequem aufbewahren. - - - - -5. Das Abdrucken von der Platte. - - -~a~) Über die Bedeutung des Handabdruckes. - -Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger -dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte -Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der -Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht -an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter -Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst -unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen -Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt -der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen -Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger -reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so -viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren -Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und -beherrschen lernt. - -Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das -geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: _Wir -dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen -mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung -führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse -hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind._ (Siehe -sämtliche Kunstbeilagen.) - -Unsre erste Sorge richtet sich auf - - -~b~) Das Druckpapier. - -Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein. - -Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen; -um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es -auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie -»Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre -Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. -Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr -licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik -Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch -»Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes -Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von -Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten -Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht. - -Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der -Kupferplatte entspricht. Es soll um ein _Beträchtliches_ größer sein -als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand. - -Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem -Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht -aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben -könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und -wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann -überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto -länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere -badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man -mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier, -dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei -Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen _mehrere_ Filtrierblätter ab. -Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig -gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig -verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und -beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart -und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten, -welches ein wenig _kleiner_ als die Kupferplatte sein muß. Dann -werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das -Japanpapier kommt sodann in _trockenem_ Zustand zwischen die feuchten -Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier; -sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern. - - [3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein. - -Bretter aus Holz dürfen zum Pressen _nicht_ verwendet werden, weil -sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man -zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech -überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den -zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten. - -Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß -seine matte, _glanzlose_ Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und -zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man -trockene Filtrierblätter ein. - -Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der -Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier -mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden. - - -~c~) Die Druckfarbe. - -Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten -»Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht -allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede -Farbenhandlung -- in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu -haben sein; deshalb halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung -hier einzugehen: - -Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu -nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und -Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet. -Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der -Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa -die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings -innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß -die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt -man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit. -Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz -(Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht -allzurötlichen Braun vorzieht. - -Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der -Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe -beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich -von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche -füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng« -oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine -Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt. -Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und -wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt. - - -~d~) Das Einschwärzen der Platte. - -[Illustration: Abb. 8. Der Druckballen (der untere Teil im -Längsschnitt.)] - -Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf -ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas -Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit -dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der -Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit -dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und -dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist. -Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her: - -Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8 ~cm~) -wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule -oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und -so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz -zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle -Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibe spannt man -nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder -(Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in -vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses -Druckballens zeigt Abb. 8, die Anwendung Abb. 9. - -[Illustration: Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)] - -Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit -die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht, -dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen -blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu; -sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen. Besonders -reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den -Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr -sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses -Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann -umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu -erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es -besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten -Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie -man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an -den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten -werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt -diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild -vollends klar sichtbar ist. - -[Illustration: Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.] - -(Nicht für Anfänger!) - - -~e~) Der Abdruck. - -Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem sauberen Lappen an -den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte -Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker -Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach -oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden -Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung -wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier -wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit -Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte gelegt, indem -man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt. -Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus -dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von -den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze -beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker -Pappe geschnitten, in den die Platte _locker_ hineinpaßt, dessen -ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2 ~mm~ größer sind als die -Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das -Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11). - -[Illustration: - - ~ABCD~ ~Rahmenausschnitt u. Plattengrösse~ - //////// ~Spannrahmen~ - -- -- -- ~Druckpapier~ - -Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.] - -Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres -von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt -wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar -aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten -Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte. -Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher -die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat. - -[Illustration: - - ~A~ - ~B~ = ~Arbeitsbrett~ - ########### ~Druckplatte~ - -- -- -- -- ~Druckpapier~ - ~R~________ ~Reibpapier~ - /////////// ~Spannrahmen~ - -Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)] - -Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck, von 2 ~cm~ : 1 ~cm~ -Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, -damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im -Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz -denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein. - -Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach -an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer -Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens -derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben -muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in -die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt -Abb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der -Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen -weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts -nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel -dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend -verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier -nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die -Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert -auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch -ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo -nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle -Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier -erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim -Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch -Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen -muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte -der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres -mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn -man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht. - -[Illustration: Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.] - -Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite -gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an -der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in -die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte -streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon -der beste sein, aber das, _was_ erreicht wurde, wird, so mangelhaft es -auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen -aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen -beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des -Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht -zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu -dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig, -oder zu kräftig --?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten -wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier -heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von -fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist -- -wer möcht’ es leugnen?! - -[Illustration: »Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold - -Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges] - -Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und -zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die -Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine -kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann -leicht und ohne zu reißen abheben. - - -~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege. - -Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich -lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die -Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht -werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht -nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren -Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage -von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für -Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. Abb. 14. Das -Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen -des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen -besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die -Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem -Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine -dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke -Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für -verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird -von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4] - - [4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem - Holze hergestellten Walzen. - -Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte, -die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit -dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr -nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer -Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere -Tischblatt nimmt dasselbe auf. - -[Illustration: - - ================== ~A~ ~Auflagetuch~ - ~D~ -- -- -- -- -- ~D~ ~Druckpapier~ - ###################### ~Druckplatte~ - ~L~ |============| ~B~ ~Auflagebrett~ - ~T~_1 ---- ~T~_2 ~Tischblätter~ - -Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.] - -Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung -in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können -wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen -Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird, -kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man -erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit -dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker -gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt -sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton, -der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird. - -Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den -Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir -ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der -Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische -Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln -und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner -bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn -wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte -überdies zu »_bemalen_«, bevor wir sie abdrucken? - -Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit, -Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu -bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers -versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen --- womöglich noch in verschiedenen Farben -- um über die Kargheit, -über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung -des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der -Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen -will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf -den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse -einer reinen Technik zu unterscheiden wissen. - -[Illustration: »Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois -L. Seibold] - -Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen -Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist. -200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im stande sein. -Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem -Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen -langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das -Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge. - -Ein »Aufätzen«[5] der Platte bringt nicht selten eine Störung der -harmonischen Tonwirkung mit sich. - - [5] d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte. - -Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen -Verstählung der Platte hinweg. - -Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer -niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung -und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken. - -Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege -ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen; -bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche -Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe. - -In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu -fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen, -daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt -wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie -der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die -intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne -Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist -der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze. - - - - -6. Retouche-Arbeiten. - - -Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin gebracht haben, einen in -allen Strichen scharfen Abdruck zu erzielen, haben wir Gelegenheit, -uns von dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich -wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität der einzelnen -Flächen zu richten haben: Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu -seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen Striche zu -scharf hervor; hier wieder hat eine Ätzung vielleicht noch gar nicht -gegriffen, und die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist -dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff genug zum Nachdenken, -teils über die Ursachen, teils über die Art einer allfälligen Abhilfe. -Ohne Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in zwei große -Gruppen teilen können: »Entweder es wurde zu tief oder zu wenig geätzt.« - -Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine Art Nachradieren, indem -wir die Platte von neuem mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe -von der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen mit siedendem -Wasser (besser noch Sodalösung oder Ätzlauge) gereinigt werden. Das -Grundieren ist jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. Es -muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf der erhitzten Platte in -alle Ritzen eindringe, sonst würde an solch’ mangelhaft grundierten -Stellen die Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb erhitze -man die Platte von unten her ein wenig, damit der Ätzgrund schmilzt -und in die Striche vollends einsinken kann. _Geraucht_ wird die Platte -nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. Solche Platten -grundiert man am besten mittelst des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie -folgt hergestellt: Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann abseits -vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, daß das Gemisch im -kalten Zustand leichtflüssig bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem -Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange kräftig geschüttelt. -Zum Auftragen dieses Firnisses dient ein breiter flacher Haarpinsel. -Nach dem Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten etwas, damit der -Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. Dieser Ätzgrund kann auch auf der -blanken, neuen Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig -wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. Aufgetragen wird er immer -auf der kalten Platte; bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben -verschwindet jede allfällige, durch schlechte Pinselführung entstandene -Streifung des Aufstriches. - -Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf aufmerksam gemacht -werden, daß sie mit allem künstlerischen Takt und zielbewußt -vorgenommen werden muß. Oft genügt das Herausholen einer brillanten -Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende Tonmassen mit einer -verbindenden Strichlage zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja -nur ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere Abdrücke -hergestellt, so kann man mittelst Feder oder schwarzen Stifts an ihnen -versuchsweise eine oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst -wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte Drucke geben dann -wieder Vorlagen für die weitere Behandlung der Platte ab. - -[Illustration: Abb. 15. Schneidefeder.] - -Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen Radiernadel ist es -oft schwer, die Richtung der beabsichtigten Striche beizubehalten, -weil sie von den geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte, -Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu diesem Zweck die -Anwendung der sogenannten »photographischen Beschneidefeder«, welche -in allen photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat die -Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und wird in einem Federstiele -steckend in einfachster Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie -die Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, dessen -Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche wieder in eine Spitze -auslaufen. (Abb. 15). Die aus sehr hartem Stahl bestehende Feder -erzeugt, steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht nur -den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, eine Eigenschaft, die, -wenn es sich um saftige Tiefen handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist -noch, daß die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, in der -Ebene des Schildchens liegen muß, da die Feder sonst nicht schneidet, -sondern kratzt. - -Ist das Nachradieren vollendet, so wird die Ätzung wieder in der -bereits beschriebenen Weise durchgeführt. Um den Fortschritt der -Arbeit auf der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich von -jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl reiner Abzüge zu nehmen -und sie eventuell mit bezüglichen Notizen versehen in einer Mappe -aufzubewahren. Eine solche Sammlung von Abdrücken, in der auch nicht -die am ärgsten mißlungene Platte fehlen darf, hat soviel Lehrreiches -für den Radierer, sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang -bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein ernstes, zielbewußtes -Streben zur Meisterschaft gelangt. - -Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, wenn zu tief geätzt -wurde, wenn also Stellen, welche duftig beabsichtigt waren, im Abzug -zu derb, zu kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses Mißgeschick -meistens, wenn er, die Wirkung des Ätzwassers unterschätzend, lichte -und zarte Partien zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht -dadurch gut machen, daß man die benachbarten dunklen Stellen durch -Nachradieren und Nachätzen verstärkt und somit den Kontrast zu heben -sucht, dann muß die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden. -Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft sich einen solchen -von außerordentlicher Härte, indem man eine prismatische Feile mit -dreieckigem Querschnitt einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag -übergibt, die Flächen am vorderen Ende in sanfter Schwingung derart -zu schleifen, daß sie mit den drei Kanten zusammen in eine Spitze -auslaufen. Kanten und Spitze müssen abgerundet und das Instrument in -seinem geschwungenen Teile noch überdies feinst poliert werden. - -Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen Stellen auspoliert. -Durch den Druck des Polierstahles werden die Stege zwischen den -Furchen geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge der -Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann im Abdruck dünner und -duftiger, weil die scharfen Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich -gehalten, jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des Polierstahles ist -umso energischer, je steiler man eine seiner Kanten über die Platte -führt. Zum Schluß soll jedoch immer mit der _Fläche_ des Werkzeugs -poliert werden, um etwaige feine Streifen, welche während des Arbeitens -entstanden sein mögen, auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren, -den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. Außer Gebrauch muß der -Polierstahl vor Feuchtigkeit sorgfältigst bewahrt werden; vor allen -Verletzungen ist das polierte Ende in einer Scheide aus dickem Leder -geschützt. - -Sollten beim Polieren auf der Platte graue Streifen entstanden sein, -so putzt man mit etwas Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem -man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten Lappen reibt und -trocken nachwischt. Nach einer solchen Behandlung muß die Bildfläche -mit Terpentin noch gründlich gereinigt werden. - -Nach allen derartigen Prozeduren holen wir uns durch Abdrücke Auskunft -über das Gelingen des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen durch -den interessanten Vergleich der im Bilde deutlich wiedergegebenen -Plattenzustände. - -Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja schließlich zu dem einen -Ziele führen: unsre Erfahrung und Technik derart vervollkommnet zu -haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit _auf einen Wurf_ zu Ende zu -führen. - - - - -7. Über Mißerfolge. - - -Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten; -ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes -Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis -abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten -bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten -Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in -chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den -einzelnen Arbeitsphasen einstellen. - -[Illustration: »Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - - -Beim Grundieren. - - 1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz - wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden - wollen. - - Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer - Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen - verbrannt. - - Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches - Grundieren bei gelinder Hitze. - - 2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen - schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche - zurück. - - Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug. - - Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder - Spirituslampe. - - 3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften - Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der - tiefbraunen, matten Oberfläche. - - Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte - gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen. - - Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches - Grundieren und Rauchen. - - -Beim Radieren. - - 4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an - den Rändern. - - Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur - überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund. - - Abhilfe: - - ~a~) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des - Handbänkchens. - - ~b~) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder - jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.) - - 5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel. - - Ursache: - - ~a~) Zuviel Asphalt im Ätzgrund; - - ~b~) Platte war nicht gut entfettet; - - ~c~) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt. - - ~d~) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder - beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3). - - Abhilfe: - - für ~a~) Zusatz von Wachs und Mastix; - - für ~b~) Selbstverständlich; - - für ~c~) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix - zusetzen; - - für ~d~) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der - ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt - und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden. - Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man - die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen - Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit - Deckfirnis wieder schließen. - - -Beim Ätzen. - - 6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher - Glätte der Platte vor). - - Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft - gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer - Kälte (im Winter). - - Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt - oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.) - - 7. _Heftiges Aufschäumen_ der Platte hat zur - - Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben. - - Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit - Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch - unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet - werden. - - 8. _Abblättern des Ätzgrundes_ (Begleiterscheinung des in 7. - Angeführten). - - Ursache: - - ~a~) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit; - - ~b~) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure - zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den - schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum - Abschwimmen bringen kann. - - ~c~) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen). - - Abhilfe: - - für ~a~) (siehe in 7.) - - für ~b~) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11). - - für ~c~) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches - Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß - das Abblättern nicht schon zu arg geworden. - - -Beim Drucken. - - 9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem - Beinstab nicht auf’s Papier. - - Ursache: - - ~a~) Das Papier ist zu trocken; - - ~b~) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt; - - ~c~) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es - saugt nicht. - - Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn - es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des - Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe). - - Abhilfe: - - für ~a~) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet - zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die - Druckversuche wieder aufgenommen; - - für ~b~) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige - Druckfarbe; - - für ~c~) Selbstverständlich. - - 10. Der Druck zerfließt und wird klecksig. - - Ursache: Zu nasses Druckpapier. - - Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen - aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener - geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den - gefeuchteten Vorrat. - - 11. An _flauen Flecken_ und blinden Stellen, deren Ursachen - auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der - Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine - - Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch - nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für - den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen - einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen - werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von - der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als - Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben. - -Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das -Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen. - - - - -8. Abschleifen der Platte. - - -Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch eingeleitet werden, -soll die ganze Prozedur nicht allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei -kleineren Platten ist es am besten, wenn man die ganze Arbeit mit -einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem Hieb abfeilt; das geht -sehr rasch und schadet der Platte bei geschickter Hantierung nicht. -Die Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen, damit man -sie bequem handhaben kann. Bei richtiger Führung der Feile ist eine -vom Feilenhieb herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers nicht -zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten würden zum Ausfeilen -sehr langer Feilen bedürfen; hier arbeitet man besser mit dem -Schabeisen. Man beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile -(siehe Seite 67) kauft und sie in der schon beschriebenen Weise vom -Messerschmied schleifen läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit -abgerundeten, sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff ist nicht -notwendig, ebensowenig ein Polieren des Werkzeuges. Mit den Kanten -dieses Instrumentes wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht -vergessen werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft und dergl.) -auch zu bearbeiten, da sonst die Platte ungleich dick aus der Arbeit -hervorgehen würde. Ist die letzte Spur der Striche von der Platte -verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens mit Blaustein[6] -begonnen. Es ist dies ein in jeder Werkzeughandlung erhältlicher -Stein von prismatischer Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet, -muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese Forderung meist -nicht, sie müssen erst auf einer anderen, harten Fläche ausgearbeitet -werden. Beabsichtigt man im Anfang eine energischere Wirkung, so kann -der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver angewendet werden. -Schleift man die Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die -separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig. Das Schleifen -mit Bimsstein und Blaustein geschieht auf einem starken Brett -mit reichlichem Zuguß von Wasser parallel den Kanten der Platte. -Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung und die Glätte -kann bis zu einem recht hohen Grade getrieben werden; dabei muß die -Platte fleißig gespült werden, damit man das gänzliche Verschwinden -sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher beobachten kann. Der Blaustein -wird seiner Längsachse parallel über die Platte geführt und zwar mit -einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich wird die Platte endgültig -gespült und abgetrocknet. - - [6] Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen - Karborundstein von statten. - -Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun dieselbe -- im rechten -Winkel zur letzten Schliffrichtung -- mit einer Bürste aus feinem -Stahldraht (erhältlich in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (Abb. 16). - -Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet werden. Die Glätte der -Platte steigert sich nun zusehends und kann durch die Anwendung des -flachgehaltenen Polierstahles noch gehoben werden; er wird in einer zu -sich stets parallelbleibenden, eventuell einer zweiten dazu senkrechten -Richtung über die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst -dichte Strichlage. - -[Illustration: Abb. 16. Stahldrahtbürste.] - -Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem man die Platte -mittelst eines mit Filz überspannten Brettchens, einer sogenannten -Filzfeile, unter Anwendung von Globuspasta[7] poliert. - - [7] In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus Öl mit - Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver. - -Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf aber behufs Aufbringen -des Ätzgrundes noch einer auf Seite 11 beschriebenen gründlichen -Entfettung. - -Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit nicht verrichten kann, -der lasse seine Kupferplatte bei einem Messerschmied oder in einer -Plattier-Anstalt blank schleifen. - - - - -9. Strich und Ton. - - -So sehr auch zugegeben werden muß, daß unsere Technik in ihrer -bisher beschriebenen Ausübung geeignet erscheint, dem Künstler ein -Ausdrucksmittel zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes vor dem -Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich heute nicht mehr die -Nadel allein das ganze Rüstzeug des Radierers. - -Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude seine Fortschritte -mit der Nadel begrüßen und es wäre falsch, wollte man behaupten, daß -der Nadel allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck der -Stimmungen versagt seien. - -Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen überstanden hat, wird -mit seiner Nadel einer beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem -er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre Wirkung seinem Empfinden -entspricht, und darin liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er -die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art der kalten Nadel -Furchen schneidend über die Fläche, bald läßt er sie, steilgehalten, in -Punktreihen, statt in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen. -Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in Ton zu arbeiten, denn -eine gekreuzte Strichlage wird bei springend geführter Nadel nicht -störend empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes malerisch, also -farbig Empfindenden. - -Denn wenn auch -- technisch -- eine Arbeit mit der Nadel rein in -Konturen denkbar ist, die Ziele der Radierung liegen doch fernab von -trockenem Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in Strichlagen. - -Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden Könnens begrüßt hat, -empfindet er in der Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn -verlangt. Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu Gebote stehen, -die Kupferfläche derart zu bearbeiten, daß uns der Abdruck nicht als -Skelett der Zeichnung allein, sondern den verbindenden Ton grauer -Flächen bringt. - -In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach sammetartig homogenem Ton. -So dicht auch die Strichlage hier gehalten werden kann, immer und -namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen den notwendigen -Stegen, die die Striche trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen, -die sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken können. Bei -Flächen von schmälerer Gestalt hilft man sich bisweilen mit der -»springenden Nadel«, wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt. -Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste. Größere Flächen -werden mittelst Beizemitteln getont. Zu solchen Beizemitteln zählt -die Schwefelmilch, ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie -vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem Brei verrieben und -auf die zu tonende Fläche aufgetragen. Das Auftragen kann mit einem -Haarpinsel erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich die Wirkung, -wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme auf die Begrenzung der zu -tonenden Fläche, den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um den -Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden Stelle verreibt. Bei -Flächen von bestimmter Begrenzung arbeitet man am besten mit einem -Papierwischer (Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize besteht in -einer infolge schwacher Ätzung erzielten feinen Aufrauhung der allzu -glatten Stellen des Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß diese -Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt werden. - -Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als eine ergänzende -Nacharbeit des Hauptvorganges aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur -entsprechend nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau einer -Radierung, wesentlich zu verändern. - -Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen Mitteln der Ätzkunst -aus. Ihre Anwendung bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter -des Werkes, und von ihrer zielbewußten, taktvollen Anwendung hängt der -künstlerische Wert einer Arbeit vornehmlich ab. - -Hier möchte ich der Meinung entgegentreten, daß maschinelle Mittel bei -einer Radierung von der Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch -seien.« - -Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist auf getontem -Naturpapier gearbeitet, die Lichter in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr: -die Farbe des Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt. -- -Und dieser Farbenton des Papiers, ist er vielleicht nicht auch ein -maschinelles Mittel, das dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer -Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch? Wenn nicht, -dann wird auch der Radierung ein solches Mittel nicht verwehrt werden -dürfen, wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht. Freilich -muß künstlerischer Geschmack bei einer solchen Arbeit Pate gestanden -sein, freilich muß der Radierer schon lange _vor_ Beginn seiner Arbeit -über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein, soll das Ende vom -wohlüberlegten und trefflich disponierten Anfang, von zielbewußtem -Aufbau uns erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen -Verquickung der beiden Begriffe: Strich und Ton. Eine Radierung kann -gewiß auf den Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv, -welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine Arbeit auch auf die -Wirkung des Tones berechnet sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung -oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In der Mitte der beiden -Extreme jedoch steht die Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende -Zusammenwirken von Strich und Ton berechnet ist; sei es, daß der -Ton die Zeichnung als eine Art graue Lasur überzieht, oder, daß ein -hauptsächlich in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel -bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben wird. -- Welche -Fülle von Wegen zum Ziele! - -[Illustration: Karlskirche in Wien - -Original-Radierung von Alois Seibold] - -Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel, welche uns gestatten, -über die Platte einen gleichmäßigen Ton von verschiedener Textur -auszubreiten. Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je nach der -Entstehungsart des erzielten Effektes. Bei der Radierung in unserem -Sinne beschränkten sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine -zweckmäßige Behandlung des auf der Platte befindlichen Ätzgrundes. - -Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten besteht darin, daß man auf -die grundierte, heißgehaltene Platte mittelst eines Siebes Steinsalz -streut. Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund kleben -und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte in der geschmolzenen -Firnisschicht bis auf das blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte -gelangt nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen werden hierin -ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht feine Löcher zurück, welche -bis aufs Kupfer reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die blanke -Platte gewähren. (»Aquatinta«). - -Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier, welches in der Art, wie wir -unsre Probedrucke herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte Platte -gedrückt wird. (Abb. 13). Die scharfkantigen Körnchen durchlöchern in -zahllosen Stichen den Ätzgrund und legen das Kupfer für die Ätzung -bloß. - -Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit der Stahldrahtbürste. -(Abb. 16). - -Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt und mit einer -gestielten feinen Stahldrahtbürste (siehe Abb. 16) sachte geschlagen, -wobei die Kupferplatte mit der linken Hand fortwährend zu drehen ist, -damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die Verletzungen des Ätzgrundes -haben nämlich die Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter -Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken Hand soll also das -Vorherrschen einer gewissen Richtung der Strichelchen verhüten. - -Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell noch vor der Ätzung -auch mit der Nadel bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich -vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«). -Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis erlaubt dann noch einen Reichtum -an Tonstärken zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses Maß -nicht überschritten werden, damit der Reiz der Kontraste dadurch nicht -verschleiert werde. - -Das fertige Blatt wird von manchem Radierer noch weiter »bearbeitet«. -Die noch weiche, verwischbare Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen -Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert, -um so etwas wie »_Ton_« zu erzielen; doch nicht genug damit: Mit -dem Radiergummi werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken -- -hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von der Schönheit dieser -Technik? Dem Laien, der in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht -eingeweiht, ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter mit -Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene selbst um eines groben -Effektes willen die Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung -einer Technik arbeitet, die in ihren _echten_ Mitteln ohnehin so -unerschöpflich reich und schön ist, so ist dies ein bedauernswerter, -von vielen Kunsthändlern protegierter Tiefstand, dem der Einzelne durch -konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten kann und muß. - - - - -10. Wege und Ziele. - - -Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten kann, das haben wir bei -verschiedenen Gelegenheiten ersehen können, und je mehr der Radierer -mit ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen zu machen sucht, -desto vielverzweigter sieht er die Wege sich auftun, die zum Ziele -führen. - -Vor allem ist es das _Wie_, mit welchem wir ringen in heißem Bemühen. -Grundfalsch wäre es, wollte ich wähnen, erschöpfend über diese -Technik geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter der -Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie sind eben der treue Spiegel der -Persönlichkeit. - -Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren war, dem es zukam, -Kunstwerke größeren Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu -machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen und es mußte so sein; -was sollte auch dort ein persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine -Aufgabe zu erfüllen, die heute der photographischen Kamera zufällt! -Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten und seine Art hinter der -Aufgabe verbergen. Es lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so -willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit ihren Mitteln, die -dazu berufen sind, eine ganz eigene Sprache zu reden, eine Sprache, die -dem Künstler aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis knüpft sich -der Aufschwung der modernen Radierung; sie wurde Selbstzweck und jeder -Strich, früher vom Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird zum -Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht, das uns aber der Seele -des Künstlers, seinem Empfinden nachfühlen läßt. - -[Illustration: »Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen, wer die Hände über dem -Kopf zusammenschlagen, wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht, -einer Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder zum Radieren -benutzt oder mit den scharfen Kanten einer abgebrochenen Nadel -arbeitet? Nimmer kann ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik -mehr wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat, wird seinen Weg -finden, wenn ernstes Streben ihn beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht -gesagt sein, daß der Anfänger sich sobald als möglich nach einer recht -»originellen« Ausdrucksweise umsehen soll; das wäre erbärmlicher -Manierismus, weitab von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie -sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste Aufgabe sein soll. -Ohne äußeres Hinzutun wird die künstlerische Ader sich regen und der -Hand, ihr unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite. Denn -bei fast keiner anderen Technik kann das Inhaltliche so unabhängig von -manueller Fertigkeit zu uns sprechen als bei der Radierung. - -Und das Inhaltliche ist es auch, welches der ganzen Technik Seele -verleihen soll; denn wie hier die Ausdrucksform vom _rein Malerischen_ -beherrscht werden muß, so ist das _Erzählende_ das Impuls gebende -Moment für das _Inhaltliche_. - -Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer auch die größten Grübler -waren, vom Forschergeiste Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf bis -zu unserer Modernsten einem. - -Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich noch einmal mit, und -jemehr er nach Ausdruck ringt, umso lieber wird ihm diese trotzige, -spröde Technik, die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger -neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen einer neuen -Ausdrucksmöglichkeit lohnt. - -Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da nicht noch alles zu -denken, zu überlegen! Schon beim Grundieren fragen wir uns: »Was für -Druckfarbe? Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon beim ersten Strich -allen diesen Faktoren Rechnung zu tragen und die Arbeit dem Endzweck -anzupassen! Wie anders muß gearbeitet werden für getontes als für -weißes Papier, für warmtonige als für kühlwirkende Druckfarbe! - -Man versuche es nur einmal, eine für weißes Papier berechnete Platte -auf farbiggetontem abzudrucken oder umgekehrt! - -Und doch ist das Wie noch nicht allein der Endzweck, das Ziel! Was -dem Pinsel oft versagt bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln, -das wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das offenbart sich -in der Lapidarschrift der Nadel mit überzeugender Kraft und Wärme. -Menschenbeobachtung, dieses hehre Problem, es zeigt uns stets neue -Ziele; und wieder ist es die Radierung, die das _Momentane_ des -Erschauten festzuhalten berufen ist. Und wenn nun auch die Hand des -Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute zu bilden, wenn -das weichere Naturell des Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer -fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit dem Künstler auf uns -wirken, wenn wir uns in die Anschauung solcher Blätter versenken. - -Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit auf den Weg geben und wie -ich glaube, wird mir jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »_Nie -soll das Radieren eine Kopierarbeit sein, nie sollen die Mittel ihrer -Sprache einer andern als ihrer eigenen Sache dienen!_« Ich habe den -Anfänger vor dem Kopieren von Photographien gewarnt, (siehe Seite 20), -es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten Abstufungen in den -Tonstärken ist sie wirklich nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten -des Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit, zumal er den Ton, -auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut ist, in ein System von Strichen -bringen müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei den ersten -Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren würde. - -Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu einem Kunstwerk, aus einer -_Anschauung_ entspringen kann, das Denken an die Bewältigung mit dem -_Material_ ist doch erst das eigentlich Schöpferische. - - * * * * * - -_Schönheit in der Natur -- Schönheit des Materials -- es sind zwei -Welten; sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk, das ist »Kunst«, und -daß mit dem geeigneten Material der erschöpfende Ausdruck für den -Impuls gefunden werde._ Ist es nicht denkbar, daß ein an und für sich -herrliches Motiv, -- sei es landschaftlicher oder figuraler Art --, zur -bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten und Strengen trotz -meisterhafter Technik nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm -versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger Formatwahl -verfehlt! Es gibt Motive, die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum -köstlichen Juwel werden können, und die auf großem Format all’ ihren -Reiz verlieren würden. Aber mehr noch als dieses bestimmt die _Wahl des -Materials_ das Schicksal des Werkes. - -Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet sich gleich gut für eine -Durchführung in Aquarell, in Holzschnitt, für eine Radierung oder für -ein Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus der Schluß, daß -er nicht ohne Überlegung an sein Werk gehen darf. Linienschönheit, -Tonschönheit, das sind die Mittel, mit denen die Radierung arbeitet. -Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck, wenn sie im Motiv, in der Idee, -Verwandtes findet und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren -Einheit erheben kann. - -[Illustration: Pieta - -Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Dann wird neben der Idee auch das Material zu uns sprechen wie eine -lebendige Sprache. Dann genießen wir nicht als Nebensache den feinen, -matten Strich, den beruhigenden Ton und -- nicht zuletzt auch den -Reiz des eigenartigen Glanzes, den die Metallfläche dem Druckpapier -verleiht --, die Freude am schönen Material. - -Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht wie von selbst die -Frage nach der zulässigen Größe einer Radierung. - -Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen, deren eine Bildkante -fast einen Meter erreicht! Sind solche Riesenformate -- Bravourarbeiten --- künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte Ton der Druckfarbe -geeignet, in solchen Dimensionen zu wirken? Das geheimnisvolle -Weben, dem nachzugehen vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung -von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von einem Werk dieser -Technik zurücktritt -- und zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal -80 × 100 ~cm~ mißt. Wenn wir eine Radierung betrachten, dann wollen wir -in dem Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes, lesen all’ das, was -der Künstler mit der Nadel ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei -war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust; und Strich für -Strich mitfühlen, was da geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude -vibrierenden Hand! - -Dabei wollen wir aber doch auch nicht den steten Überblick über das -Ganze missen; ergeben sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die -Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der Bildgröße nicht von -selbst? -- - -Ein Ölgemälde 30 × 40 ~cm~ nennen wir ein »Bildchen«. Eine Radierung -von derselben Bildgröße nennen wir ein »großes Blatt« -- wie -kommt das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung in bescheidenen -Dimensionen fesselnd, wuchtig und kraftstrotzend wirken kann und eine -Riesenradierung daneben schlaff und leer? - -Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht, seine Vorzüge und -Schwächen, dem wird es nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt, -vor denen es versagen oder doch zum mindesten die Eigenart einbüßen muß. - - * * * * * - -Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der Arbeit auf -Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen. - -Dem Anfänger muß neben der Schulung der Technik an sich auch -diejenige des Auges angelegen sein. Es muß sich an die Wirkungen der -verschiedenen Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande sein, -scharf zu urteilen und Gutes von Unbrauchbarem -- wie doch beides der -Werdegang des Radierers notwendig mit sich bringt -- zu scheiden. -Solches wird bei kontrastreichem Vortrag besser als bei einer mehr -flachen Ausdrucksweise erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein -soll, daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung -aufweisen muß, ist wohl einleuchtend; denn eine schleierige -Wirkung kann ja gegebenenfalls zur beabsichtigten Stimmung gerade -erforderlich sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher schreiben -möchte -- oder nichts --; Hier hört das Lehren auf, hier tritt das -künstlerisch-schöpferische Empfinden in sein unantastbares Recht. - - - - -11. Das fertige Blatt. - - -Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den für die -Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. Angesichts dessen ist es -auch von hohem Interesse, über die Aufmachung der Blätter im Klaren -zu sein, denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen einer -Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier Regeln aufzustellen -oder dem Leser gar Formeln an die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, -Bildgröße und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte ich -in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten Geschmack meiner lieben -Leser appellieren, und ich fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das -Bild klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze Platte für das -Bild benutzt, das hängt vom Geschmack des Radierers ab, auf alle Fälle -macht ein bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr gediegenen -Eindruck, da ja das Druckpapier mit seinem eingepreßten Plattenrand -eine vornehme Umrahmung dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich -stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn breite Ränder um -die Radierung tragen zur edlen Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier -kann klein gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen Karton mit -den zwei oberen Ecken aufkaschiert. Japanpapier ist so dünn, daß es -einer festen Unterlage bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder -Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein recht breiter Rand -um den Druck erhalten werde. Das Papier wird mit Stärkekleister ganz -bestrichen (doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck daraufgelegt -und mit Filtrierpapier oder einem reinen Handtuch bedeckt. Obendrauf -kommt irgend ein starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen -kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr fest auf der Unterlage. -Dieser Vorgang entfällt bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt -Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder Zeichen des Radierers -kann am unteren Bildrand, natürlich in Spiegelschrift, radiert und -geätzt werden. Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus Karton -schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß der gepreßte Platten-Rand -des Abzuges sichtbar bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff _hinter_ -diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche Aufmachung hebt das -Ansehen einer Radierung außerordentlich. - -[Illustration: »Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold] - -Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am besten zarte Rähmchen, welche -entweder ein sehr flaches oder noch besser gar kein Relief haben. -Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen Leisten wirken sehr -vornehm. - -Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten dann noch einen Aufdruck -unterhalb des Bildes, welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung -»Originalradierung von N. N.« enthält. - - - - -Schlußwort. - - -Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so möchte ich mir die Freude -nicht versagen, dies Büchlein mit dem Bewußtsein zu beschließen, -in so mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu frischer -Kunstbetätigung. - -Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich ins Praktische der -Technik einzuführen, damit der erziehliche Wert des Selbsterprobens dem -Lernenden so bald als möglich zu gute komme. - -Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses Buches die Lehre -von etwas bereits Bestehendem und kann, ohne das Wesen des Ganzen -anzutasten, nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern -aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. Was ich aber als -wesentlich bei der Radierung erblicke, das sind in noch viel höherem -Maße als Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, -wert der besonderen Aufmerksamkeit des Lernenden, der nicht nur in -technischem Können es zur Meisterschaft bringen sondern auch mit -künstlerischem Takte sich der errungenen Ausdrucksweise bedienen will. - -Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch die beabsichtigte -Hinweglassung der Aufzählung und Beschreibung der vielen anderen -Sticharten dem Buche nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese -entweder mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. die -Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst usw.), da dort das -Vertiefen der bilderzeugenden Elemente auf mechanischem Wege geschieht, -oder wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen Arten -der »Aquatinta« (im Absatz »_Strich und Ton_« ist das Prinzip einer -solchen Aquatintatechnik, nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, -gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die Crayon- und -Korntechniken doch für den freischaffenden Künstler nicht gerade den -Königsweg bedeuten, da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung -ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden. - -Von alledem sei bloß die »_kalte Nadel_« oder »Schneidenadel« erwähnt, -da sie ein wertvolles Mittel bei Retouche und Nacharbeit der geätzten -Platte ist. - -Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche jedoch nicht kegelförmig -sondern schneidig geschliffen ist. Die photographische Schneidefeder -leistet auch hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen -Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und ermöglicht, in zarten -Strichlagen geführt, duftige lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, -daß die kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter ergibt als -die Ätzung, daß also ihre Anwendung vorsichtig und sparsam erfolgen -muß, damit der Gesamtcharakter der Arbeit dadurch nichts von seiner -harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder (kalte Nadel) erzeugt -neben den feinen Furchen auf der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, -die sogenannten »Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, wenn man mit -der Fingerspitze über die Platte streicht. An diesen Graten würde -beim Abziehen die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige -Stellen verursachen. Deshalb muß man diese Grate vor dem Einschwärzen -mit dem Schabstahl abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur -Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst nicht entfernen, -sondern nur umlegen und die Furchen dadurch wieder schließen würde. - - * * * * * - -Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht willkommen sein, die -Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten mit billigeren Mitteln -betreiben zu können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet die im -Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. Ihre Bearbeitung -unterscheidet sich nicht von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser -muß für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein sehr gutes -Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich wie folgt her: In eine -_gesättigte_ Kochsalzlösung gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt -gut durch und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke Probestreifen -aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er soll sich nach etwa einer Minute -mit sehr kleinen Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen -Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers. Verdünnt wird -dann grundsätzlich mit gesättigter Kochsalzlösung, nicht mit reinem -Wasser. Diese Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche auf -Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die Flasche, daß sich stets -ein ungelöster Rest davon im Wasser unten befindet). - -[Illustration: Der heilige Franziskus - -Original-Radierung von Alois Seibold] - -Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten des Probestreifens feine -glitzernde Fäden in der Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser -bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche Blasenbildung -auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer für Zink und solche für Kupfer in -Mischung zu bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers läßt ja -nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser wird gelb und soll -doch durch eine Aufschrift gekennzeichnet werden, da es sich von neuen, -ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet. - -Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung des Abdruckens mit -einfachen Mitteln meinen lieben Lesern vorzuführen, denn, wenn wir -das Drucken mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in diesen -Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber gefunden, Ratgeber, -die stets zur Hand sind, wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit -begleiten bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende Hin- und -Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten auf die Abzüge usw. ist -nicht besonders angenehm; hat aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn -nicht, dann spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, -- -vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann muß erwogen werden: Es sind -Probedrucke, für welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet werden -soll! - -Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung einer nicht gar -zu kleinen Handwalzenpresse; namentlich dann, wenn man beabsichtigt, -selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den engeren Verkehr -zu drucken. Man ist durchaus nicht an große Firmen gebunden, ein -vertrauenswürdiger, intelligenter Maschinenschlosser wird eine solche -Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell und den zwei Tischblättern -mit gewiß geringeren Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen -wissen; nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der oberen -Achsenlager nicht vergessen werden. - -Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit erzeugt die -Pressenfabrik Gärdtner & Knopp in Wien. - - * * * * * - -Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt mir nur noch dem Wunsche -Ausdruck zu geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch sei, -allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein treuer Ratgeber bei ihren -ersten Versuchen werde, sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand -des Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit möge ihm nicht zum -Vorwurf gemacht werden, denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, -nur anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, die ihren Fleiß -dieser edlen Technik widmen und im Lernen, im Fortschreiten deren -berufene Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen. - - - - -Alphabetisches Verzeichnis. - - - Abblättern des Ätzgrundes 12, 71 - - Abdecken mit Pinselfirnis 38, 82 - - Abfärben der Rauchschicht 18 - - Abgestuftes Ätzen 38, 82 - - Abschleifen der Platte 74 - - Anrauchen der Platte (Abb. 3 und 4) 15 - - Aquatinta 81, 95 - - Arbeitsprogramme 41 - - Asphalt 9 - - Asphaltlack 32, 33, 63 - - Ätzdamm 31 - - Ätzgruben-»Nester« 27 - - Ätzgrund, dessen Eigenschaften 8 - - Ätzprozeß 2, 28 - - Ätzschalen 32, 35 - - Ätzwachs 34 - - Ätzwasser für Kupfer 28, 37 - - Ätzwasser für Zink 96 - - Aufätzen 61 - - Aufpausen der Zeichnung 21 - - Aufbewahren von Ätzgrund 11 - - Aufbewahren von Ätzwachs 35 - - Aufbewahren von Druckfarbe 49 - - Aufbewahren von Pinselfirnis 39 - - Aufbewahren der Platten 8, 19 - - Aufbewahren des Polierstahls 67 - - Aufbringen des Ätzgrundes 12, 62 - - Aufbringen der Konturen 21 - - Auflagetuch (Abb. 14) 59 - - Aufmachen des fertigen Bildes 93 - - Ausprobieren des Ätzwassers 30, 97 - - - Beinstab (Abb. 13) 22, 56, 81 - - Beißzange 12 - - Beizemittel 78 - - Bequeme Plattengröße 6 - - Bienenwachs 9, 35 - - Bildgröße 89, 92 - - Bimsstein 75 - - Blasenbildung 36, 71 - - Blattrand und Blattgröße 92 - - Blaustein 75 - - Böttchers Ätzwasser 37 - - Brennöl 35 - - - Chlorsaures Kali 29, 37 - - - Deckfirnis 38, 70, 82 - - Druck 45 - - Druckballen (Abb. 8 und 9) 50, 51 - - Drucken (maschinelles) 57 - - Druckfarbe 48 - - Druckpapier 46 - - Duplikatplatten 61 - - - Einleiten der Ätzung 35 - - Einschwärzen der Platte (Abb. 9) 50 - - Engelrot 76 - - Entfetten 11 - - - Facette, Facettieren 8 - - Farbkissen 4 - - Feilklobe 12 - - Fetthauch auf der Platte 11 - - Fettrötel 21 - - Filtrierpapier 37, 46, 47, 72 - - Filzfeile 76 - - Fisch- oder Marderpinsel 39 - - »Flammen« 78 - - Flanelltuch 8, 19, 58 - - Flecken im Abdruck (blinde F.) 27, 73 - - Flüssiger Ätzgrund 63 - - Führung der Nadel 25, 65 - - Führung des Beinstabes (Abb. 13) 56 - - Führung des Druckballens (Abb. 9) 51 - - - Gänsefeder 36 - - Gasentwicklung (schädliche) 36 - - Glasmensur 29 - - Glastafelmethode (Abb. 6) 33 - - Globuspasta 67, 76 - - Graphische Künste 5 - - Graphit 18, 56 - - Grate 96 - - Gravieren 25 - - Griffel zum Pausen 22 - - Grundieren 11, 68 - - Grundierwalze (Abb. 2) 14 - - - Handabzug 45 - - Handbänkchen (Abb. 7) 43 - - Handwalzenpresse 98 - - Herrichten und Prüfen der Nadeln 24 - - Hochdruck 4, 61 - - - Japanpapier 47, 93 - - - Kalte Nadel 95 - - Kampmann: »Die graphischen Künste« 5 - - Karborundstein 75 - - Klecksige Abzüge 72 - - Kochsalz 96 - - Kolophonium 9 - - Körnchen und Knötchen im Ätzgrund 10 - - Kupferdruckfarbe 48 - - Kupferdruckfirnis 49 - - Kupferdruckpapier 46 - - Kupferplatte 6 - - - Leinöl 49 - - - Manierismus 85 - - Marder- oder Fischpinsel 39 - - Maschinelles Drucken (Abb. 14) 57 - - Maschinelle Tonungsmittel 79 - - Mastix 9, 70 - - Mißerfolge 68 - - Modellierholz 33 - - - Nadelführung 25, 64 - - Nadel (Herrichten und Prüfen) 24 - - »Nester« = Ätzgruben 27 - - - Offenhalten der Strichlagen 26 - - - Papprahmen (Abb. 11 und 12) 54 - - Pausen 21 - - Photographie 20, 87 - - Photographische Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95 - - Pinselfirnis 38, 70, 82 - - Plattenrost mit Handhabe (Abb. 1) 12 - - Plattieranstalt 7, 76 - - Polieren 8, 66 - - Polierpasta 78 - - Polierstahl 66 - - Probedrucke 65, 67 - - - Radiernadel (Abb. 5) 24 - - Reinigen der Platte 43 - - Retouche-Arbeiten 62 - - Rezept für Ätzgrund 8 - - Rezept für Ätzwachs 34 - - Rezept für Ätzwasser 28 - - Rezept für Deckfirnis 38 - - Rezept für Druckfarbe 48 - - Rost mit Handhabe (Abb. 1) 12 - - - Salpetersäure 28 - - Salzsäure 37, 96 - - Säureflaschen 28 - - Schabeisen 74 - - Schadenätzungen 33, 63 - - Schlemmkreide 11 - - Schlichtfeile 74 - - Schmierseife 49 - - Schmirgelpapier 81 - - Schneidefeder (Abb. 15) 64, 95 - - Schräge -- Facette 8 - - Schreibfeder 85 - - Schwefelmilch 78 - - Sodalösung 31 - - Spachtel (Abb. 10) 52 - - »Springende Nadel« 77, 78 - - Stahldrahtbürste (Abb. 16) 76, 82 - - Steinsalzmethode 81 - - Strichlagen 26 - - Strich und Ton 77 - - - Teilätzungen 38, 40, 82 - - Terpentin 38, 44 - - Terpentinessenz 38 - - Tiefdruck 3 - - Tonen beim Drucken 61 - - Tonungsmittel (auf der Platte) 79, 81 - - - Überhitzen der Platte 13 - - Unschlitt 35 - - Unterfressen der Stege 27, 71 - - Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit 27 - - - Verstählen 62 - - Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes 10 - - Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte 16 - - Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren 31 - - - Wachsfackel 16 - - Wahl des Motivs 20 - - Walze -- Grundierwalze (Abb. 2) 14 - - Walzendruck 58 - - Walzenpresse 59, 99 - - Wasserdichter Ätzdamm 31 - - Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel 34 - - Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und - Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes 27 - - Weißer Ton 11 - - Wischer 59 - - - Zahl der erreichbaren Abzüge 61 - - Zahl der Teilätzungen 40 - - Zeitungspapier 44 - - Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) 8, 18 - - - - -Raum für Bemerkungen. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE RADIERUNG *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. 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General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Die Radierung</span>, by Alois Leopold Seibold</p> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Die Radierung</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Ein Leitfaden und Ratgeber</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Alois Leopold Seibold</p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Illustrator: Alois Leopold Seibold</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: August 12, 2022 [eBook #68735]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DIE RADIERUNG</span> ***</div> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>. -</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Die Radierung.</p> -</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="plate01"> - <img class="w100" src="images/illu-004.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Christnacht<br /> -Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<div class="chapter"> -<h1>Die Radierung</h1> - -<p class="center">Ein Leitfaden und Ratgeber</p> - -<p class="center smaller">von</p> - -<p class="h2">Professor Alois Leopold Seibold</p> - -<p class="center">Maler und Radierer in Wien</p> - -<p class="center">Vierte vermehrte und verbesserte Auflage</p> - -<p class="center smaller">Mit 10 Kunstbeilagen und<br /> -16 Abbildungen im Text</p> - -<div class="figcenter" id="illu-005"> - <img src="images/illu-005.jpg" alt="Dekoration" /> -</div> - -<p class="center p2"><b>Eßlingen a. N.</b><br /> -Paul Neff Verlag (Max Schreiber)<br /> -1922 -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="center smaller p2">Druck von Wilh. Langguth, Eßlingen a. N.</p> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="center">Meinem hochgeschätzten Meister,</p> - -<p class="h2">Professor Viktor Jasper in Wien</p> - -<p class="center">in dankbarer Verehrung zugeeignet</p> - -<p class="right p2"> -<em class="gesperrt">Alois L. Seibold</em> -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> -</div> -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_ersten_Auflage">Vorwort zur ersten Auflage.</h2> -</div> - -<p class="drop">Als ich den Entschluß faßte, das vorliegende Buch -zu schreiben, da war es vor allem der Wunsch, -nachstrebenden Jüngern diese Kunstweise mitzuteilen, -und namentlich die eigenen Erfahrungen auf diesem -Gebiete zu verwerten, welche, so bescheiden sie auch -immerhin sein mögen, doch berufen sein dürften, wo -immer nur möglich bei den anfänglichen Versuchen -die Lernbegierigen vor Schaden und vornehmlich -vor Entmutigung zu bewahren.</p> - -<p>Da die Radierung, wie sie heute wieder gepflegt -wird, der Ausdruck der freischaffenden Künstlerseele -ist und mit ihren Mitteln geeignet und berufen -erscheint, das persönliche, dichterische Empfinden ihrer -Pfleger in Formen zu kleiden, so hört die Technik -an sich auf Selbstzweck zu sein; sie wird zur Schrift, -deren sich die Hand zum Niederschreiben des Erschauten, -des innerlich Erlebten bedient.</p> - -<p>Soweit dies im Rahmen eines Lehrbuches tunlich -ist, war mein Bestreben dahin gerichtet, das -rein künstlerische Moment als das leitende erscheinen -zu lassen und den Anfänger an der Hand eines -gesichteten Materiales unmittelbar ins Praktische dieser -Kunstweise einzuführen, ohne ihn erst mit viel theoretischem -Ballast zu beschweren.</p> - -<p>Daß es mir nicht beikommt zu wähnen, ich -schriebe – der Erste – über die Radierung, bedarf -wohl keiner Versicherung, denn stattlich ist die Zahl -(allerdings) älterer Lehrbücher, die die Fachliteratur -auf diesem Gebiete aufzuweisen hat.</p> - -<p>Im allgemeinen muß ich mich auch an diese -halten; denn das Um und Auf der Radierung ist -ja immer dasselbe und mit ein paar Worten abgetan; -die Methode aber, mit der dem Schüler die -Wege zu weisen sind, ist es, die das Vertrauensamt -hat, den Anfänger und sein Lernen zu leiten, -auf daß Fortschritt und nicht Verwirrung seinen -Weg bezeichne.</p> - -<p>Dieser Gewissensaufgabe mich zu unterziehen ist -mir umso lieber, da ich gewiß zu sein glaube, mit -dieser meiner bescheidenen Arbeit einer Kunstweise, -welche zu den edelsten, ausdrucksfähigsten unter den -graphischen gehört, neue Freunde, Pfleger und -Schätzer geworben zu haben.</p> - -<p>Ist mir dies mit meinen Zeilen zu erreichen -vergönnt, dann soll es mir zu ehrender Genugtuung -gereichen, mein Scherflein zur Pflege und zum -Verständnis dieser edlen, echt künstlerischen Technik -beigetragen zu haben.</p> - -<p class="noind p2"> -Prag, im September 1909. -</p> - -<p class="mright"> -<b>Der Verfasser.</b><br /> -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_3_und_4_Auflage">Vorwort zur 3. und 4. Auflage.</h2> -</div> - -<p>Trotz aller Stürme, trotz aller Umwälzung, Not -und Verwirrung, die uns die letzten Jahre gebracht, -geht deutsche Kulturarbeit unbeirrt ihren sicheren Weg.</p> - -<p>Lernbegierde, Schaffenslust, die Freude am -Schönen, können im gesunden Volke nicht untergraben -werden; das sind unverlierbare Schätze, -Quellen, die immer fließen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Nach kaum drei Jahren – es waren bisher -die ärgsten – ward die dritte Auflage notwendig, -nach weiteren zweien die vierte! Das Zeichen ist -klein, aber der Schluß, der daraus zu ziehen, ist -groß und stolz.</p> - -<p>Und nun zum viertenmal hinaus!</p> - -<p>In fleißige Hände, in Stuben voll Lern- und -Schaffenslust!</p> - -<p>Und das Weggeleit ist die verständnisvolle -Freundschaft, die dem Büchlein beschieden ist; möge -sie ihm erhalten bleiben!</p> - -<p class="noind p2"> -Wien, im Juni 1922. -</p> - -<p class="right"> -<b>Der Verfasser.</b> -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Inhalt">Inhalt.</h2> -</div> - -<table> -<tr> -<td></td><td><em class="gesperrt">Vorwort</em></td><td></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td></td><td class="tdr">Seite</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">1.</td><td><em class="gesperrt">Über das Wesen der Radierung</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap01">1</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">2.</td><td><em class="gesperrt">Vorbereitung zum Arbeiten</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap02">6</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung</td> - <td class="tdr"><a href="#sec02a">6</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Über die Bereitung des Ätzgrundes</td> - <td class="tdr"><a href="#sec02b">8</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Das Grundieren der Kupferplatte</td> - <td class="tdr"><a href="#sec02c">11</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Das Anrauchen</td> - <td class="tdr"><a href="#sec02d">15</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">3.</td><td><em class="gesperrt">Das eigentliche Radieren</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap03">20</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Von der Wahl des Motives</td> - <td class="tdr"><a href="#sec03a">20</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Das Aufbringen der Konturen</td> - <td class="tdr"><a href="#sec03b">21</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Radiernadeln</td> - <td class="tdr"><a href="#sec03c">24</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Über die Führung der Nadel</td> - <td class="tdr"><a href="#sec03d">25</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">4.</td><td><em class="gesperrt">Der Ätzprozeß</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap04">28</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Die Bereitung des Ätzwassers</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04a">28</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04b">31</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Bereitung von Ätzwachs</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04c">34</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Die erste Ätzung</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04d">35</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">e</em>) Abgestuftes Ätzen (Pinselfirnis)</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04e">38</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">f</em>) Über verschiedene Arbeitsprogramme</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04f">41</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">g</em>) Das Reinigen der Platte</td> - <td class="tdr"><a href="#sec04g">43</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">5.</td><td><em class="gesperrt">Das Abdrucken von der Platte</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap05">45</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">a</em>) Über die Bedeutung des Handabdrucks</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05a">45</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">b</em>) Das Druckpapier</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05b">46</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">c</em>) Die Druckfarbe</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05c">48</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">d</em>) Das Einschwärzen der Platte</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05d">50</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">e</em>) Der Abdruck</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05e">52</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="antiqua">f</em>) Das Drucken auf maschinellem Wege</td> - <td class="tdr"><a href="#sec05f">57</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">6.</td><td><em class="gesperrt">Retouche-Arbeiten</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap06">62</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">7.</td><td><em class="gesperrt">Über Mißerfolge</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap07">68</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">8.</td><td><em class="gesperrt">Abschleifen der Platte</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap08">74</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">9.</td><td><em class="gesperrt">Strich und Ton</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap09">77</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">10.</td><td><em class="gesperrt">Wege und Ziele</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap10">84</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">11.</td><td><em class="gesperrt">Das fertige Blatt</em></td> - <td class="tdr"><a href="#chap11">92</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="gesperrt">Schlußwort</em></td> - <td class="tdr"><a href="#Schlu_wort">94</a></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td><em class="gesperrt">Alphabetisches Verzeichnis</em></td> - <td class="tdr"><a href="#Alphabetisches_Verzeichnis">100</a></td> -</tr> -</table> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Kunstbeilagen">Kunstbeilagen.</h2> -</div> - -<p class="center smaller">Original-Radierungen von Alois L. Seibold.</p> - -<table> -<tr> -<td class="tdr tdt">I.</td><td>»Christnacht«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate01">Titelbild</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">II.</td><td>»Das Gehölz«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate02">S. 40/41</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">III.</td><td>»Alter Winkel in Olmütz«, Wiedergabe -eines mit dem Beinstab -gewonnenen Plattenabzuges</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate03">S. 56/57</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">IV.</td><td>»Motiv aus Obersteiermark«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate04">S. 60/61</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">V.</td><td>»Bildnisstudie«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate05">S. 68/69</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">VI.</td><td>»Karlskirche in Wien«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate06">S. 80/81</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">VII.</td><td>»Überfahrt«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate07">S. 84/85</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">VIII.</td><td>»Pieta«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate08">S. 88/89</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">IX.</td><td>»Im Sturm«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate09">S. 92/93</a></td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr tdt">X.</td><td>»Der heilige Franziskus«</td> - <td class="tdr tdb"><a href="#plate10">S. 96/97</a></td> -</tr> -</table> - -<div class="figcenter" id="illu-014"> - <img src="images/illu-014.jpg" alt="Dekoration" /> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[1]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap01">1. Über das Wesen der Radierung.</h2> -</div> - -<p>Es ist eine bekannte Tatsache, daß Kupfer von -Salpetersäure aufgelöst wird. Es geht mit ihr eine -Verbindung ein, welche in Wasser leicht löslich ist -und dieses blaugrün färbt (Kupfernitrat). Gleichzeitig -steigt freiwerdendes Stickoxyd in Form von -Gasbläschen auf. (Giftige Dämpfe!)</p> - -<p class="center">(3<em class="antiqua">Cu</em>+8<em class="antiqua">HNO</em><sub>3</sub> = 3<em class="antiqua">Cu</em>(<em class="antiqua">NO</em><sub>3</sub>)<sub>2</sub>+4<em class="antiqua">H</em><sub>2</sub><em class="antiqua">O</em>+2<em class="antiqua">NO</em>.) -</p> - -<p>Dieser chemische Vorgang bildet die Grundlage -der Radierung. Das Kupfer kommt hierbei in Form -von Platten in Verwendung, deren Oberfläche bis zur -feinsten Glätte geebnet ist. Diese feine Oberfläche erhält -nun einen dünnen säurefesten Überzug von eigens -hierzu bereitetem Firnis, welcher die darunterliegende -Kupferfläche vor Zerstörung durch die Salpetersäure -schützt. Mittelst feiner Stahlstifte von verschiedener -Form, der sogenannten <em class="gesperrt">Radiernadeln</em>, wird nun -eine Zeichnung in diesen Firnis geritzt, so daß das -Kupfer an den betreffenden Stellen frei zutage tritt. -Etwaige Schattengebungen werden in Strichlagen -ausgeführt, ähnlich denen einer Federzeichnung. -Diese rein künstlerische Tätigkeit nennt man das -»<em class="gesperrt">Radieren</em>«; nach ihr hat die ganze Technik -überhaupt ihren Namen »<em class="gesperrt">Radierung</em>« erhalten.</p> - -<p>Wird diese Zeichnung mit Salpetersäure behandelt, -so kann letztere ihre Wirkung nur an jenen -Stellen ausüben, wo sie blankes Kupfer findet; es<span class="pagenum" id="Seite_2">[2]</span> -sind dies die Striche, welche die Radiernadel in den -Firnisüberzug gerissen hat. Diese Striche haben in -den meisten Fällen das Kupfer gar nicht geritzt, -sondern es nur bloßgelegt. Jetzt löst sich dieses -unter der Einwirkung der Salpetersäure auf, und -das Niveau der blanken Kupferplatte wird dadurch an -diesen Stellen vertieft; da die Einwirkung der Säure -aber kontinuierlich ist, so wird diese Vertiefung umso -größer, je länger der chemische Prozeß andauert. -Diesen Vorgang nennt man den »<em class="gesperrt">Ätzprozeß</em>« oder -die »<em class="gesperrt">Ätzung</em>«. Beendet wird dieser Prozeß dadurch, -daß die Platte durch kräftiges Abbrausen mit Wasser -von der letzten Spur der Säure befreit wird. -Sobald die Platte trocken ist, wird der Firnis mit -Terpentin heruntergewaschen. Die Platte zeigt nun, -nachdem sie mit trockenen Lappen gereinigt wurde, -wieder ihre blanke Oberfläche; aus den Strichen -der Zeichnung aber sind infolge der Wirkung der -Säure feine Rinnen geworden, die sich, wenn die -Platte gegen das Licht gehalten wird, dunkel von -der glänzenden Fläche abheben. Diese Rinnen nun -sind weit verschieden von solchen, welche in die Platte -mittelst einer Nadel etwa eingeritzt oder eingraviert -worden wären; denn während die auf letzterem -Wege erzeugte Furche infolge der glättenden Wirkung -der Nadel eine dem entsprechend glatte Innenfläche -zeigt, bewirkt die Ätzung nicht nur eine Vertiefung, -sondern was sehr wichtig ist für die resultierende -Bildwirkung, eine Aufrauhung der vertieften Rinne -an ihren Wandungen und ihrer Bodenfläche.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[3]</span></p> - -<p>Wird eine also behandelte Kupferplatte mit -Kupferdruckschwärze eingerieben, so füllen sich die -vertieften Striche mit Farbe, während diese über das -blank gebliebene Kupfer hinweggleitet. Mit nicht -allzuweichem, reinem Lappen kann sie von der Platte -abgewischt werden, in den Strichen sitzt sie fest.</p> - -<p>Also vorbereitet, wird die Platte mit einem -Blatt gefeuchteten Papiers, dem sogenannten Kupferdruckpapier, -belegt; auf dieses kommt noch ein -Filztuch. Platte, Papier und Tuch werden nun -zwischen zwei Stahlwalzen<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> unter großem Drucke -durchgezogen, so daß das feuchte Papier mittelst des -weichen Auflagetuches in die mit Farbe gefüllten -Striche der Platte gepreßt wird. Beim Abziehen -des Druckpapieres haftet die Farbe auf dem Papier -und trocknet nach einiger Zeit darauf ein. Der Druck -ist fertig und zeigt die ganze Zeichnung in tadelloser -Schärfe, jedoch, wie ja leicht einzusehen, verkehrt, -ein Umstand, der beim Entwerfen der Zeichnung -auf der Platte bereits berücksichtigt werden muß, -wenn das beabsichtigte Bild nicht in seitenverkehrter -Form aus dem Druck hervorgehen soll.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> In früherer Zeit waren solche aus hartem Holz in Verwendung.</p> -</div> -</div> - -<p>Das von der Platte gelieferte Bild heißt -<em class="gesperrt">Abzug</em>, <em class="gesperrt">Druck</em> oder zur Spezifizierung der Art, -in der es hergestellt wurde, »<em class="gesperrt">Radierung</em>«. Das -ganze Verfahren gehört zu der Gattung des »<em class="gesperrt">Tiefdruckes</em>«, -eine Bezeichnung für alle diejenigen<span class="pagenum" id="Seite_4">[4]</span> -graphischen Techniken, bei deren Ausübung die bilderzeugenden -Elemente (Striche, Punkte und dergl.) -in die Arbeitsfläche vertieft werden. Die maschinelle -Vorrichtung zur Herstellung aller Arten des Tiefdruckes -heißt »<em class="gesperrt">Kupferdruckpresse</em>«, das handwerkliche -Verfahren: »der <em class="gesperrt">Kupferdruck</em>«. Den -Gegensatz dazu bildet der »<em class="gesperrt">Hochdruck</em>«. Obwohl -er eigentlich in den Rahmen dieser Arbeit nicht -gehört, so diene dessen Beschreibung doch dazu, das -vorhin Gesagte noch näher zu erklären. Bei dieser -Druckart bleiben die Striche der Zeichnung auf der -Platte erhaben, während alles, was weiß bleiben -soll, unter das Niveau der Arbeitsfläche bedeutend -vertieft wird. Werden beim Tiefdruck alle Striche -durch kräftiges Reiben mit Druckfarbe gefüllt, so -genügt beim Hochdruck ein einmaliges Andrücken -des Druckstockes auf ein ebenes Farbkissen, beziehungsweise -ein Übergehen desselben mit einer Farbwalze, -um alle Striche zu schwärzen.</p> - -<p>Beim Drucken zeigt sich der Unterschied zwischen -Tiefdruck und Hochdruck wieder deutlich: Während -beim Tiefdruck das Papier in die Striche hineingepreßt -werden muß, bewirkt beim Hochdruck ein -einmaliges, starkes Andrücken des eingeschwärzten -Druckstockes das Abfärben auf das Papier und somit -die Bilderzeugung.</p> - -<p>Zur ersten Gattung gehören: der <em class="gesperrt">Kupferstich</em>, -der <em class="gesperrt">Stahlstich</em> in allen seinen Abarten, die <em class="gesperrt">Radierung</em> -und andere Verfahren, die jedoch mit -unserer Aufgabe nichts zu tun haben, da sie auf<span class="pagenum" id="Seite_5">[5]</span> -den Mitteln der Photographie beruhen (Heliogravure) -und sich von künstlerischen Fertigkeiten in den -Mitteln wesentlich unterscheiden. (Zum »<em class="gesperrt">Hochdruck</em>« -gehören der Holzschnitt, der Linolschnitt, der Stempeldruck, -die Zinkhochätzung, Autotypie – Zinkotypie – -u. s. w.)<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Allen Lesern, die sich auch dafür interessieren, sei Kampmann’s -»Die Graphischen Künste« im Verlage Göschen auf das -angelegentlichste empfohlen.</p> -</div> -</div> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_6">[6]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap02">2. Vorbereitung zum Arbeiten.</h2> -</div> - -<h3 id="sec02a"><em class="antiqua">a</em>) Die Kupferplatte und ihre Zurichtung.</h3> - -<p>Gleich hier will ich bemerken, daß es mir eine -besondere liebe Aufgabe ist, den Anfänger unmittelbar -ins Praktische der Technik einzuführen und ihn -mit allem theoretischen Ballast, soweit er nur immer -entbehrlich und nicht zum Verständnis notwendig -ist, zu verschonen. Deshalb auch habe ich es vermieden, -mich in langen technologischen Abhandlungen -über die einzelnen Materialien zu ergehen, denn bei -den heutigen merkantilen Verhältnissen ist es wirklich -nicht schwer, zu der einwandfreien Reinheit und -Güte des vom Handel Gebotenen Vertrauen zu haben. -Nun zur Sache!:</p> - -<p>Als erste Anschaffung für den Anfänger ist die -<em class="gesperrt">Kupferplatte</em> anzusehen. Sie wird in größeren -Metallhandlungen aus gewalzten Kupferplatten geschnitten -und ihr Preis nach ihrem Gewichte bestimmt. -Um den Anfänger gleich hier zu orientieren, -sei folgendes erwähnt:</p> - -<p>1. Die Platte soll etwa 1½–3 <em class="antiqua">mm</em> dick sein.</p> - -<p>2. Ein handliches aber schon ansehnliches Format -ist 13 × 18 <em class="antiqua">cm</em>. Dem Anfänger ist dringend zu -raten, bei seinen ersten Versuchen über dieses Maß -nicht hinaus zu gehen, da es ihm die größte<span class="pagenum" id="Seite_7">[7]</span> -Bequemlichkeit bei allen folgenden Hantierungen -bietet. Bei erlangter Sicherheit steigert sich von -selbst das Bedürfnis nach größeren Platten, zumal -ja die Brauchbarkeit der Arbeit für größere Auflage -ohnehin nicht mit dem ersten Versuch erreicht (und -auch gar nicht bezweckt) wird.</p> - -<p>3. Das spezifische Gewicht von gewalzten Kupferplatten -schwankt und beträgt ungefähr 8·7–8·9. -Es dient zur Vorausbestimmung des Gewichtes der -Platte. Eine Platte im Format 13 × 18 <em class="antiqua">cm</em>, -3 <em class="antiqua">mm</em> dick, wiegt also:</p> - -<p class="noind"> -<span class="m2">13 × 18 × 0·3 × 8·9</span><br /> -<span class="m2 bb">104</span><br /> -<span class="m2 bb">234</span> × 0·3<br /> -<span class="m1 bb">70·2</span> × 8·9<br /> -<span>5616</span><br /> -<span class="m1 bb">6318</span><br /> -<span class="bb2">624·78</span>; das sind also 624·78 Gramm. -</p> - -<p>Der Preis des Kupfers schwankt stetig im -Handel. Nach obigen Daten und Kenntnis des -Kilopreises läßt sich der Preis der gewünschten rohen -Platte annähernd bestimmen. Diese Platte wird nun -einem geschickten Kupferschmied oder noch besser einer -Plattieranstalt übergeben. Hier wird die Platte -»gestreckt«, d. h. eben gehämmert. Die Kanten werden -nach der Bildfläche zu leicht abgeschrägt. Die Neigung -der Schräge soll ungefähr 45° betragen; je dicker -die Platte ist, desto flacher muß diese Neigung sein,<span class="pagenum" id="Seite_8">[8]</span> -damit die Oberwalze beim Drucken die Platte leicht -anlaufen kann; auch wird dadurch die Gefahr beseitigt, -daß das Drucktuch zwischen Walze und steilkantiger -Platte zerschnitten wird. Die Ecken können -abgerundet werden. Diese Schräge heißt <em class="gesperrt">Facette</em>, -die Arbeit: das <em class="gesperrt">Facettieren</em>. Die Bildfläche -soll den feinsten Schliff – frei von jeder Spur -eines Ritzes – zeigen, vor allzu spiegelglatter <em class="gesperrt">Polierung</em> -ist jedoch zu warnen, da eine solche -Fläche für das spätere Arbeiten zuweilen Ursache -von Mißlichkeiten werden kann (siehe Mißerfolge).</p> - -<p>Hat man die Platte in diesem Zustand, so -überzeuge man sich durch vorsichtiges Auflegen derselben -auf eine Spiegelscheibe, von ihrer wirklichen -Ebenheit. Man hebt sie an einer Kante etwas und -läßt sie sachte zurückfallen; ist die Schliffläche eben, -dann wird dieses Zurückfallen lautlos, ohne Klappern, -erfolgen. Um sie vor dem Zerkratztwerden zu schützen, -lege man in eine flache Schachtel ein Flanelltuch und -auf dieses die Platte mit der Schliffläche nach unten.</p> - -<p>Man bekommt fertig hergerichtete Platten in -allen gangbaren Formaten in größeren Mal- und -Zeichengeräte-Handlungen; vielleicht wird sich diese -Beschaffung aber etwas teurer stellen.</p> - -<h3 id="sec02b"><em class="antiqua">b</em>) Über die Bereitung des Ätzgrundes.</h3> - -<p>Obwohl es viele erprobte Rezepte für die Bereitung -dieses wichtigen Materials gibt, will ich -dennoch von ihrer Anführung absehen, um nicht durch<span class="pagenum" id="Seite_9">[9]</span> -verschiedene Mischungsverhältnisse eine Unsicherheit -hervorzurufen, denn: wozu den Anfänger der Pein -der Wahl zu überlassen, wenn ein erprobtes Rezept -ihm gutes Gelingen gewährleistet!</p> - -<p>Der Ätzgrund muß folgende Eigenschaften besitzen:</p> - -<div class="hang"> -<p>1. dauernde Festigkeit gegenüber verdünnten -Säuren;</p> - -<p>2. leichte Schmelzbarkeit;</p> - -<p>3. festes Haften an der Metallfläche;</p> - -<p>4. Geschmeidigkeit: die Nadel darf den Firnis -nicht zersplittern, sondern ihn nur glatt -durchschneiden.</p> -</div> - -<p>Die erste Eigenschaft wird ihm besonders durch -Asphalt, die zweite durch Bienenwachs, die dritte -durch Mastix, die vierte durch ganz homogenes Gefüge -des Gemisches. Dieses wird nach folgendem -Rezept bereitet:</p> - -<table> -<tr> -<td class="tdr">weißes Wachs 3</td><td rowspan="3" class="bt br bb"> </td><td rowspan="3">Gewichtsteile</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">Mastix 2</td> -</tr> -<tr> -<td class="tdr">echter <em class="gesperrt">Syrischer</em> Asphalt 4</td> -</tr> -</table> - -<p>Je mehr Asphalt in der Mischung ist, desto -härter und wiederstandsfähiger wird der Ätzgrund, -aber auch desto undurchsichtiger. Deshalb setzt man -dort, wo man auf dessen Durchsichtigkeit Gewicht -legt, noch etwas Kolophonium zu. (In unserem -Rezept etwa 2 Gewichtsteile.)</p> - -<p>Zur Mischung sind zwei Gefäße erforderlich, -welche ja nicht zu klein gewählt werden dürfen. -Zwei emaillierte Blechtöpfe leisten recht gute Dienste.<span class="pagenum" id="Seite_10">[10]</span> -Das Schmelzen geschieht auf dem Küchenherde, -jedoch hübsch abseits, damit ohne Gefahr gearbeitet -werden kann. Eine Zange oder ein feuchtes Tuch -liegt bereit zum Anfassen der heißen Töpfe.</p> - -<p>Die runden Körnchen des Mastix werden mit -dem zerstoßenen Kolophonium zuerst geschmolzen; -erst dann wird das Bienenwachs Stückchen für -Stückchen zugesetzt. Fortwährendes Umrühren mit -einem Blechlöffel oder dergl. bewirkt die vollkommene -Mischung. Man darf den Topf auch nicht aus -den Augen lassen und muß bei etwa beginnendem -Rauchen das Gemisch sofort von der Hitze wegrücken. -Das Rauchen ist übrigens schon ein bedenkliches -Zeichen von Überhitzung und soll durch wachsame -Behandlung überhaupt vermieden werden. Diese -Masse läßt man nun bei etwa 100° Celsius abseits -stehen und schmilzt im zweiten Gefäß den ebenfalls -klein gestoßenen Asphalt bis zu leichtem Fluß. -Unter großer Vorsicht und stetem Umrühren gießt -man das Gemisch in einigen Absätzen in den bereits -vom Feuer weggezogenen Asphalt und erhält das -Ganze bei sehr mäßiger Hitze noch etwa 5 bis -10 Minuten in Fluß, damit die gewünschte Homogenität -der Masse ganz sicher erreicht werde. -Hierauf gießt man die flüssige Masse in ein großes -Gefäß mit reinem kalten Wasser; hier erstarrt sie -sofort zu unregelmäßigen Klumpen. In lauwarmem -Wasser lassen sich diese wie Teig kneten und die -Finger fühlen leicht jedes Knötchen oder Körnchen, -welches sich vielleicht noch in der Masse befindet;<span class="pagenum" id="Seite_11">[11]</span> -alle diese Verunreinigungen müssen aus der Masse -entfernt werden; dann werden aus dem also gereinigten -Ätzgrund Walzen oder Kugeln geformt -und erkalten gelassen.</p> - -<p>Dieser Vorrat wird zweckmäßig in einfachen -länglichen Blechbüchsen aufbewahrt, wie man sie -mit diversen Pulvern oder dergl. in den Geschäften -als Verpackung bekommt.</p> - -<p>Man hüte sich die Masse trocken, also außer -Wasser zu lange zu kneten, da sie sonst an der -Hand festklebt und diese nur durch energisches Reiben -mit Terpentin wieder rein gemacht werden kann.</p> - -<h3 id="sec02c"><em class="antiqua">c</em>) Das Grundieren der Kupferplatte.</h3> - -<p>Die Platte, wie wir sie in Händen haben, ist -zur Aufnahme des Ätzgrundes noch nicht geeignet, -da sie noch einen Hauch von Fett besitzt, welcher -den innigen Kontakt zwischen Kupfer und Firnis -nicht zulassen würde; gießen wir auf unsre Platte -Wasser auf, so sehen wir, daß es wie Quecksilber -in Kugeln abfließt, ein Zeichen, daß sich noch ein -Fetthauch auf der Platte befindet. Um diesen zu -entfernen, bereiten wir in einer Schale einen Brei -von feiner Schlemmkreide oder weißem Ton mit -Wasser. Dieser dicke Brei wird mit einem Leinwandbausch -auf der Platte tüchtig aufgerieben und -bei einiger Hitze rasch getrocknet. Ist dieser Anstrich -trocken geworden, so wird er mit einem ganz<span class="pagenum" id="Seite_12">[12]</span> -trockenen, frischgewaschenen Leinwandlappen von der -Platte abgerieben. Die Schlemmkreide hat alles -Fett aufgesaugt und die Platte ist jetzt zum Grundieren -bereit. Diese Prozedur ist notwendig, da -ihre Unterlassung später ein Abblättern des Firnisses -leicht zur Folge haben könnte. (Siehe »Über -Mißerfolge« Nr. 8, Ursache <em class="antiqua">b</em>).</p> - -<div class="figright illowp40" id="fig01"> - <img class="w100" src="images/illu-026.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1. Rost aus -starkem Draht ohne -Überkreuzungen, damit -die Platte flach darauf -liegen kann.</div> -</div> - -<p>Es handelt sich nun darum, -den Ätzgrund in feiner -Schicht auf die Platte zu -bringen. Man nennt diesen -Vorgang das »Aufbringen« -des Ätzgrundes; er wird -damit eingeleitet, daß die -Platte gleichmäßig und gelinde -über einer Spiritus- -oder Gasflamme erhitzt -wird. Zum bequemen Halten -der Platte dient eine -Beißzange oder eine Feilklobe, -welche man in die -Platte festschrauben kann. -Gegen das Zerkratzen des -Kupfers schützt eine zwischen -den Angriffsstellen angebrachte -Einlage von mehrfach -gefaltetem Filtrierpapier -oder dickem, weichem Leder. -Man kann sich auch aus sehr starkem Draht einen -Rost mit Handhabe machen lassen (<a href="#fig01">Abb. 1</a>). Die<span class="pagenum" id="Seite_13">[13]</span> -Kupferplatte wird – Schliff nach oben – darauf -gelegt und so über die Flamme gehalten.</p> - -<p>Um eine gleichmäßige Erhitzung der Kupferplatte -zu bewirken, bewege man sie über der Flamme hin -und her. Wenn das helle Rosa des Kupfers zu -dunkeln beginnt, ist die Platte reichlich erhitzt; -länger darf man nicht warten, denn das bald eintretende -Farbenspiel von Orange, Karminrot bis -Violett und Blau wäre ein Zeichen von Überhitzung -und ist unbedingt zu vermeiden. Bei kleineren -Platten erzielt man eine ausreichende Erhitzung, -wenn man sie etwa 5 <em class="antiqua">cm</em> über den Zylinder einer -brennenden Lampe hält. Jetzt wird die Platte rasch -auf ein sehr reines Brett gelegt (Schliffläche oben) -und mit der Asphaltmasse erst vorsichtig am Rande -hin gestrichen; sie schmilzt sofort, darf aber ja nicht -zu rauchen oder gar zu zischen beginnen, das wäre -ein sicheres Zeichen von Überhitzung! In einem -solchen Falle muß ein Sinken der Hitze abgewartet -werden. Ist alles in Ordnung, so wird mit der -Masse über die Mitte der Platte hingestrichen, jedoch -nicht zu reichlich, ein vollkommenes Bestreichen der -Platte mit Ätzgrund ist nicht notwendig; man -streicht etwa die beiden Diagonalen auf und bei -großen Platten eventuell noch zwischen ihnen ein -paar Striche. Der geschmolzene Ätzgrund wird nun -mit der Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) auf der ganzen -Fläche ausgewalzt, bis er wie eine dünne durchscheinende -Haut auf dem Kupfer in gleichmäßiger -Feinheit erscheint.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_14">[14]</span></p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig02"> - <img class="w100" src="images/illu-028.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2. Grundierwalze.</div> -</div> - -<p>Die Grundierwalze besteht aus einem Holzzylinder -von etwa 5 <em class="antiqua">cm</em> Länge und 3 <em class="antiqua">cm</em> Durchmesser, -welcher mit dünnem, glattem Leder derart -überzogen ist, daß die Naht unmerklich ist (Taschnerarbeit). -Denselben Zweck erfüllt auch Goldschlägerhäutchen, -doch ist Leder unbedingt vorzuziehen. Diese -Walze erhält eine Handhabe, in welcher sie um -ihre Achse äußerst leicht drehbar sein muß. Dabei -ist darauf zu achten, daß die Schraubenköpfe <em class="antiqua">A</em> -und <em class="antiqua">B</em> die Walze daran verhindern müssen, mit der -<em class="gesperrt">Gabel</em> in Berührung zu kommen, weil sie sonst -stecken bliebe, wenn etwas Ätzgrund über die Walzenkanten -tritt. Deshalb muß überhaupt auch ein genügender -Raum beiderseits zwischen Walze und -Gabel frei bleiben. Man erhält Grundierwalzen -auch gebrauchsfertig zu kaufen. (Große Platten -erfordern selbstverständlich auch große Grundierwalzen.) -Ist die Walze neu, so tut man gut -daran, sie erst auf irgend einem heißen Blech mit -Ätzgrund einzuwalzen und dann erst auf der Platte -zu verwenden. Der auf der Walze stets haftende<span class="pagenum" id="Seite_15">[15]</span> -Ätzgrund wird nie davon entfernt, bei kleineren -Platten genügt dieser oft allein zum Grundieren. -Gleich nach dem Gebrauch darf die Walze nicht -weggelegt werden, da sie infolge des noch klebrigen -Ätzgrundes überall haften und Staub und dergl. -an ihr hängen bliebe; man legt die Handhabe auf -einen Gegenstand so, daß die Walze frei in der -Luft bleibt.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig03"> - <img class="w100" src="images/illu-029.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3. <em class="antiqua">ABCD</em> Kupferplatte.</div> -</div> - -<h3 id="sec02d"><em class="antiqua">d</em>) Das Anrauchen.</h3> - -<p>Die Platte ist nun bereits vor Einwirkung der -Säure geschützt. Der Metallglanz des Kupfers -schimmert jedoch noch durch und würde den Augen<span class="pagenum" id="Seite_16">[16]</span> -des Radierers beim Arbeiten sehr unangenehm, ja -unerträglich werden. Zur Abhilfe dessen wird die -noch warme Platte mittelst einer Wachsfackel angerußt. -Auf das Brett, auf dem sie liegt, wird -sie mit starken Reißnägeln (2 an jeder Ecke) befestigt, -jedoch nicht in der Mitte des Brettes, sondern -an einem Ende. (<a href="#fig03">Abb. 3</a>). Das Brett wird -nun derart auf einen Kasten oder auf ein sonstiges -hohes Möbelstück gelegt, daß die Platte nach unten -kommt und frei in die Luft ragt; ein schwerer -Gegenstand verhindert das Herunterfallen des Brettes -(<a href="#fig04">Abb. 4</a>). Man kann auch in den Kasten oben -einen Haken einschrauben; dann schiebt man das -Brett bei Bedarf einfach darunter, ohne es erst -beschweren zu müssen. Aus drei oder vier Wachsstocksträngen -wird nun eine Fackel gedreht und diese -angezündet. Sie beginnt zu rußen und wird unter -der Platte in entsprechender Entfernung hin- und -hergeführt wie ein Anstreichpinsel. Dabei sind -folgende Vorsichtsmaßregeln zu treffen:</p> - -<div class="hang"> - -<p>1. Die Luft im Zimmer muß absolut ruhig -sein. Zugluft, Herumgehen anderer Personen -in der Nähe der Fackel, Türenöffnen oder --Schließen ist unbedingt zu vermeiden, weil -man der Rauchsäule dann nicht die gewünschte -Richtung geben kann.</p> - -<p>2. Nur der Ruß, nicht aber die Flamme darf -die Platte berühren.</p> - -<p>3. An einer Stelle darf nicht lange verweilt -werden.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_17">[17]</span></p> - -<div class="figcenter illowp60" id="fig04"> - <img class="w100" src="images/illu-031.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4. Anrauchen der grundierten Kupferplatte.</div> -</div> - -<p>Bald wird man bemerken, daß die Platte ihren -roten Glanz verliert und sich schwärzt. Ist dies -an allen Stellen erfolgt, so ist die Arbeit vollendet. -Sie erfordert viel Geduld und Übung. Legt man -das Brett mit der Platte auf den Tisch, so sieht -man auf ihr einen braunschwarzen, matt glänzenden -und undurchsichtigen Ton, auf dem das Arbeiten -sehr angenehm ist. Bei richtigem Vorgang des<span class="pagenum" id="Seite_18">[18]</span> -Anrauchens darf dieser Überzug nach dem Erkalten -nicht im Geringsten abfärben, das wäre ein Zeichen, -daß zuviel gerußt wurde. Die Flamme der Fackel -bringt nämlich den Ätzgrund neuerdings zum Schmelzen; -der Ruß wird durch den weichen Firnis in beschränkter -Menge gebunden. Matte, überrußte Stellen -lassen sich vom Firnis mit einem sehr weichen Lappen -abwischen; das darf selbstverständlich nur auf gänzlich -erkalteter Platte geschehen, da die Firnisschicht im -warmen Zustand sehr leicht verletzlich ist. Mißlingt -irgend etwas in einer dieser Arbeitsphasen, so -heißt es die Platte mit Terpentin abwaschen, entfetten -und mit Grundieren und Rauchen von neuem -beginnen, was wohl kaum einem Anfänger erspart -bleiben dürfte, da hier Übung die Hauptsache ist; -also nicht den Mut verlieren!</p> - -<p>Es wird oft geraten, dem Ätzgrund eine undurchsichtige -und dabei säurefeste Substanz (zum -Beispiel Graphitpulver) beizumengen, damit das -Anrauchen erspart bleibe.</p> - -<p>Dagegen möchte ich einwenden, daß eine gleichmäßige -Mischung dieser zwei Stoffe schwer möglich -ist. Und wenn auch, – die Graphitstäubchen -rauben dem Ätzgrund seine Geschmeidigkeit, denn -diese Körnchen werden von der Nadel aus dem -Ätzgrund gerissen und verursachen einen ruppigen -Strich, auch wenn man noch so feines Graphitpulver -verwendete. Eine starke Lupe wird den -Unterschied der Probestriche auf den beiden Ätzgründen -deutlich zeigen. Übrigens ist auch die<span class="pagenum" id="Seite_19">[19]</span> -Dichtheit des Überzuges durch solche Beimengungen -in Frage gestellt.</p> - -<p>Die vollkommen kalte Platte wird wieder in -die früher erwähnte Schachtel mit Flanellboden gelegt, -falls sie nicht gleich in Verwendung genommen -wird. Es ist noch zu beachten, daß der Ätzgrund -in dünner Schichte nicht unbegrenzt lange seine -Festigkeit gegen Säure bewahrt; er beginnt unter -dem Einfluß der Atmosphäre allmählich zu verwittern. -Deshalb ist es angezeigt, die Platte erst -kurz vor der Inangriffnahme der Arbeit zu grundieren -und auch während derselben keine allzugroßen -(wochenlangen) Pausen eintreten zu lassen.</p> - -<p>Ist der Ätzgrund nicht gar zu alt auf der Platte, -so kann man ihn dadurch regenerieren, daß man -die Platte von unten her gelinde erhitzt. Dieses -neuerliche Anschmelzen macht ihn wieder gebrauchsfähig -und erspart das neuerliche Grundieren. Daß -man diese Prozedur bei einer bereits angefangenen -Arbeit nicht unternehmen darf, ist selbstverständlich; -der geschmolzene Ätzgrund würde ja die bereits -radierten Striche wieder schließen.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_20">[20]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap03">3. Das eigentliche Radieren.</h2> -</div> - -<h3 id="sec03a"><em class="antiqua">a</em>) Von der Wahl des Motives.</h3> - -<p>Für den Anfänger ist es keine leichte Sache, -einen geeigneten Stoff für seine ersten Versuche zu -wählen; deshalb wollen wir bei dieser Frage etwas -verweilen.</p> - -<p>Vor allem Andern muß betont werden, daß -die Radierung sich auf den Strich aufbaut; Tonqualitäten -können erst bei einiger Übung angestrebt -werden und erfordern schon eine weitergehende -Schulung und Erfahrung. Das Dankbarste für -den Anfänger ist die Landschaft. Das Motiv sei -einfach und zeige kräftige Kontraste. Je mächtiger -und ausdrucksvoller die Formen, je geschlossener -die darin vorkommenden Flächen, desto besser für -die ersten Versuche. Eines sei dem Anfänger dringend -ans Herz gelegt: »Nur ja keine Photographie kopieren -wollen!« Bald nach den ersten Strichen -würde Ratlosigkeit und Entmutigung eintreten und -dem Lernenden die Freude an der Arbeit vergällen. -Gewiß hat jeder meiner lieben Lernbegierigen genug -flotte Federskizzen oder Kreidezeichnungen von selbst -geschauten Landschaften in seiner Mappe, sie sind -recht dankbare Vorlagen für unsre ersten Arbeiten -und dürften in den wenigsten Fällen erhebliche<span class="pagenum" id="Seite_21">[21]</span> -Schwierigkeiten bereiten. Wir wollen ja zunächst -einmal bloß mit Nadel und Ätzwasser recht vertraut -werden und beabsichtigen keine Bilder zu schaffen, -denen man das mühevolle und angestrengte Arbeiten -schon beim ersten Blick anmerkt. Dafür aber führt -<em class="gesperrt">vieles</em> Radieren, Abwechslung in den Vorlagen -zur Tüchtigkeit.</p> - -<h3 id="sec03b"><em class="antiqua">b</em>) Das Aufbringen der Konturen.</h3> - -<p>Wenn wir auch nicht daran denken, unsere -Kunstweise zu Kopierzwecken herabzuwürdigen, so -geschieht das Entwerfen der ersten Anlage doch -selten auf der grundierten Platte. Eine Studie in -Feder oder Kreide ist meistens Vorlage für die -Arbeit und ihre Hauptumrisse werden auf den Ätzgrund -mittelst Pause übertragen. Mit mittelweichem -Bleistift wird sie auf starkem Pauspapier hergestellt. -Ein Stück weißes, dünnes Schreibpapier wird auf -eine harte, glatte Unterlage gelegt und mit weichem -Fettrötel (oder Schneiderkreide) gleichmäßig übergangen; -nach vollendeter Arbeit wird das überschüssige, -noch am Papier liegende Rötelpulver abgestaubt, -denn es würde sich beim Aufbringen der -Zeichnung auf die Platte unangenehm bemerkbar -machen. Überdies reibt man das aufgestrichene -Pulver mit dem Handballen fest an’s Papier. Die -Kupferplatte wird zunächst auf einem Brett mit Nägeln -befestigt. Darüber wird die gepauste Zeichnung,<span class="pagenum" id="Seite_22">[22]</span> -Bildseite nach unten, gelegt, ihre Lage auf der -Platte genau eingestellt und mit Reißnägeln an -<em class="gesperrt">einer</em> Seite befestigt, damit man beim Pausen -immer nachsehen kann. Das Rötelpapier wird dann -zwischen Platte und Pause, bestrichene Seite nach -unten, eingeschoben; es braucht ja in seiner Lage -nicht genau fixiert zu werden. Mit einem mittelharten -Bleistift, einem Holz- oder Beingriffel erfolgt -nun das Aufpausen der Konturen auf den Ätzgrund. -Sie sind nach vollendeter Arbeit licht auf dunklem -Grund sichtbar.</p> - -<p>Das bestrichene Papier läßt auf dem Ätzgrund -einen mehr oder weniger dichten Schleier von -Farbenpulver zurück, der die gepauste Zeichnung -undeutlich macht. Dieser Schleier läßt sich mit -einem sehr weichen Lappen, einem Stückchen Flanell -oder Watte leicht wegwischen, die Zeichnung hält -fest am Ätzgrund und tritt dann ganz klar zutage.</p> - -<p>Braucht man die Vorlage nicht zu schonen, so kann -das Pauspapier erspart werden. Man zeichnet dann -die Konturen auf deren Rückseite durchs Fenster nach. -Auch auf Gelatinefolien, dünnen glasklaren Gelatineblättern, -kann die Pause hergestellt werden. Hier -werden die Konturen nicht gezeichnet, sondern mit -scharfer Radiernadel eingeritzt. Diese geritzte Zeichnung -wird dann mit Rötelpulver eingerieben und -blankgewischt. Sodann legt man sie – Bildseite -nach unten – auf die grundierte Platte, legt zähes -graphitiertes Papier darauf und reibt mit dem -Beinstab kräftig (<a href="#fig13">Abb. 13</a>), oder läßt Platte mit<span class="pagenum" id="Seite_23">[23]</span> -Pause und Papier durch die Walzen gehen bei -schwach gestellter Spannung. Das Resultat dieses -Verfahrens unterscheidet sich von dem des erstbeschriebenen -Vorgangs nur durch seine Kostspieligkeit. -Wer radieren will, muß eben ein kundiger Zeichner -sein, und dem wird das Pausen gewiß keine -Schwierigkeit bereiten.</p> - -<p>Gelatinepausen zeichnen sich allerdings durch -außerordentliche Genauigkeit aus und sind dann -notwendig, wenn eine sehr komplizierte Zeichnung -mit größter Präzision übertragen werden soll. (Faksimilie, -Landkarten und dergl.)</p> - -<p>Man kann eine Zeichnung auch direkt auf die -Platte übertragen und zwar wie folgt: Man stellt -das Bild – ohne viel Detail – auf glattem -Naturpapier mit schwarzer und weißer Kreide her; -dabei zeichne man alles sehr kräftig und präzis, -vermeide jede Verschwommenheit und sehe auf klare -Linienführung. Mit einem Gemisch von arabischem -Gummi und etwas Seife reibt man die grundierte -Platte ein und beeilt sich, auf diese noch feuchte -Emulsion die soeben beschriebene Zeichnung – -Bildseite nach unten – draufzulegen. Sofort wird -damit begonnen, die Rückseite der Zeichnung mit -dem Beinstab (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) zu reiben. Dieser Vorgang -liefert auf dem Ätzgrund ein sehr präzises -Spiegelbild unserer Vorlage; man kann daran ohne -weiteres mit dem Radieren beginnen. Bei reiner -Linienzeichnung schummert man das Naturpapier -vorerst ganz mit weißer Kreide an und zeichnet<span class="pagenum" id="Seite_24">[24]</span> -mit schwarzer Fettkreide auf diesen weißlichen Grund. -Die Seifen-Gummischicht muß <em class="gesperrt">sehr</em> dünn, gleichsam -wie ein Hauch auf der Platte sein.</p> - -<h3 id="sec03c"><em class="antiqua">c</em>) Die Radiernadeln.</h3> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig05"> - <img class="w100" src="images/illu-038.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5. Die Radiernadel (Längsschnitt.)</div> -</div> - -<p>Das wichtigste Werkzeug zur Ausführung des -künstlerischen Teiles der Radierung ist die Radiernadel. -Sie muß aus gutem Stahl und darf nicht -so dünn sein, daß sie sich bei schwachem Aufdrücken -schon biegen läßt. Unbestritten vorzügliche Dienste -leisten Nähnadeln von mittlerer Stärke. Sie sind -so hart, daß sie eher brechen als sich biegen und -schneiden gegebenenfalls auch ins Kupfer sehr gut ein. -Zwei solche Nadeln, eine feinere und eine stärkere, -genügen für den Anfang vollkommen. Sie werden -in Hefte aus hartem Holz gefaßt, sodaß nur ihre -Spitzen aus demselben hervorsehen. Eine solche -Radiernadel hat dann das Aussehen eines feingespitzten -Bleistiftes, dessen Dicke das Heft auch nicht -übertreffen soll. (<a href="#fig05">Abb. 5.</a>) Wichtig ist, daß die -Nadel fest und ohne zu wackeln oder zu »federn« -im Holze sitze. Die Brauchbarkeit der Spitze prüft -man, indem man auf einer anderen Kupferplatte -(ein Abfall von Kupferblech genügt zum Probieren -von Nadel und Ätzwasser) krumme Linien nach<span class="pagenum" id="Seite_25">[25]</span> -allen Richtungen hin zeichnet; gelingt dies, ohne -daß die Nadel stecken bleibt oder scharrt, so ist dieselbe -zur Arbeit brauchbar; im andern Falle muß -die Nadel erst durch Wetzen auf glattem Holz, -Leder oder Pappe dahin gebracht werden. In -Fachgeschäften erhält man Radiernadeln gebrauchsfertig -zu kaufen.</p> - -<h3 id="sec03d"><em class="antiqua">d</em>) Über die Führung der Nadel.</h3> - -<p>Für den Anfänger ist es ratsam, bei seinen -Erstlingsarbeiten sich bloß <em class="gesperrt">einer</em> Nadel zu bedienen. -Diese sei nicht allzu dünn, damit die Strichführung -nicht kleinlich und zaghaft werde.</p> - -<p>Man kann mit der Durchzeichnung der Umrisse -beginnen, damit sie nicht durch Verwischen verloren -gehen. Ein leichter Druck der steilgehaltenen Nadel -wird den Ätzgrund sicher bis zur Bloßlegung des -Kupfers durchschneiden; mehr soll auch gar nicht angestrebt -werden, also nicht »<em class="gesperrt">gravieren</em>« wollen, -das Vertiefen der Striche besorgt schon die Säure!</p> - -<p>Man vermeide es, die Hand auf den Ätzgrund zu -legen, da sie ihn erwärmen und verwischen würde. -Man lege ein Stück Pauspapier unter die Hand.</p> - -<p>Von den Konturen geht man dann allmählich -zu Strichlagen über. Hier ist Vorsicht geboten. -Die radierte Zeichnung gibt dem Auge des unerfahrenen -Radierers fast gar keine Anhaltspunkte zur -Abschätzung der im angestrebten Bilde beabsichtigten -Dunkelheit des Tons. Der Anfänger ist leicht verleitet,<span class="pagenum" id="Seite_26">[26]</span> -mit allzu großer Kraft in die Schattenpartien hineinzuarbeiten, -aus dem Radieren wird ein Gravieren, -die offene Strichlage geht verloren und mit ihr die -Aussicht auf einen guten Abdruck.</p> - -<p>Nicht umsonst möchte ich mich bei diesem wichtigen -Absatz länger aufhalten, denn hier sind die -ersten ernsteren Gefahren zu bestehen, hier ist die -Quelle so manches Mißerfolges zu suchen.</p> - -<p id="Seite_26_9">Der Anfänger bedenke Folgendes:</p> - -<p>Druckfarbe kann nur in einer schmalen Vertiefung -sitzen bleiben, von wo sie mit der Hand oder dem -Wischballen nicht herausgewischt werden kann. Wird -also infolge zu dichter und gekreuzter Strichlagen -eine ganze Fläche vom Ätzgrund befreit, so frißt -die Säure an dieser Stelle nicht voneinander getrennte, -vertiefte Furchen, sondern eine Grube ein, -der Form der Fläche entsprechend. Der Boden -dieser Grube ist aber nicht fähig, Farbe an sich -zu halten, dieselbe wird beim Abziehen der Platte -einfach weggewischt. Ein Abzug von dieser Platte -zeigt dann an der betreffenden Stelle einen schmutzigen, -flauen Fleck und die Arbeit ist verdorben.</p> - -<p>Die Strichlagen müssen also offen gehalten -bleiben, d. h. es muß dafür gesorgt werden, daß -zwischen den Strichen auch genügend breit der Ätzgrund -bleibt; denn Erfahrung ist, daß die Säure -nicht nur nach der Tiefe, sondern selbstredend auch -seitlich ätzt; die Folge davon ist ein Breiterwerden -des radierten Strichs. Es ist nun einleuchtend, -daß zwei allzu nahestehende Striche auf diese Art<span class="pagenum" id="Seite_27">[27]</span> -ihren »Steg« (das ist die vom Ätzgrund geschützte -Fläche zwischen beiden) verlieren können; man nennt -diese Erscheinung das »Unterfressenwerden« der -Stege. Solche Stellen bilden im Abdrucke unerfreuliche -Flecke (sogenannte »Nester«). Will der -Anfänger schon jetzt an besonders zart zu gebenden -Stellen eine feinere Radiernadel neben der stärkeren -mit verwenden, so ist dagegen nichts einzuwenden. -Nur darf nicht Zartheit mit Helligkeit verwechselt -werden. Die Zartheit hängt von der Feinheit der -Nadel ab, die Tonverschiedenheiten aber fast ausschließlich -von der verschiedenen tiefen Ätzung. Ein -haardünner Strich kann infolge tiefer Ätzung im -Bilde sehr dunkel sein, hingegen aber ein mit grober -Nadel erzeugter infolge <em class="gesperrt">schwacher</em> Ätzung ganz -hell und duftig kommen. Diese Wechselbeziehungen -zwischen Nadel und Ätzwasser bestimmen den Charakter -des resultierenden Bildes, und schon bei der -Anlage der ersten Strichlagen muß der Radierer -sein Endziel klar vor Augen haben, wenn es ihm -mit der Erreichung seiner künstlerischen Endabsicht -ernst ist und er den Erfolg seiner Mühen nicht -dem blinden Zufall überlassen will mit einem leichtsinnigen -»Wird’s wie’s wird!« Denn darin liegt -ja der Genuß, die Freude an dieser edlen Technik, -daß sie alle künstlerischen Intellekte vereint; Geschmack -in der Form, in der Raumverteilung und -in der Verteilung der Tonqualitäten, diese vereint -mit den nun erst zu erwerbenden technischen Erfahrungen -führen dann zur Meisterschaft.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_28">[28]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap04">4. Der Ätzprozeß.</h2> -</div> - -<h3 id="sec04a"><em class="antiqua">a</em>) Die Bereitung des Ätzwassers.</h3> - -<p>Es gibt viele gute Rezepte zur Bereitung von -Ätzwässern, doch will ich auch hier meinem Vorsatz -treu bleiben und einfach nur <em class="gesperrt">ein</em>, allerdings wohlerprobtes, -Rezept anführen, mit dem der Anfänger, -wie auch der Fortgeschrittene für alle Fälle auskommen -wird.</p> - -<p>Den Hauptbestandteil des Ätzwassers bildet die -Salpetersäure. Sie ist in jeder feineren Drogerie -in einwandfreier Reinheit erhältlich und gewöhnlich -40 – seltener 42 – prozentig. Diese konzentrierte -(rauchende) Salpetersäure sowie auch das aus ihr -bereitete Ätzwasser muß unbedingt in Flaschen mit -eingeschliffenem Glasstöpsel (sogenannten Säureflaschen) -aufbewahrt werden. Aufschriften mit Vermerk -des Prozentgehaltes des Flascheninhalts sind -zum bequemen, sicheren Arbeiten sehr wünschenswert. -Eine in Kubikzentimeter eingeteilte zylindrische Glasmensur -dient zu den verschiedenen Messungen, welche -zum richtigen Mischen notwendig sind.</p> - -<p>Einen zweiten Bestandteil bildet chlorsaures Kali; -zum Lösen beider dient abgekochtes oder destilliertes -kaltes Wasser. Das Ätzwasser soll nicht mehr als -17 bis 18% Salpetersäure enthalten; ein blankes<span class="pagenum" id="Seite_29">[29]</span> -Kupferblech (unsere Probeplatte) darf bei Berührung -mit der Lösung nicht sofort aufschäumen, sondern soll -sich bei mittlerer Zimmertemperatur nach etwa 30 -bis 60 Sekunden langsam mit Bläschen belegen.</p> - -<p>Recht bequem ist folgender Vorgang:</p> - -<p>In 100 <em class="antiqua">cm</em>³ reinem (destill.) Wasser werden -2 Gramm chlorsaures Kali vollständig gelöst. In -diese Lösung gießt man sehr langsam nach und nach -im ganzen 100 <em class="antiqua">cm</em>³ konzentrierte Säure. Hierbei -tritt eine Erwärmung des Gemisches ein. Nach -dessen Erkalten schüttelt man bei geschlossener Flasche -tüchtig um, damit eine recht gleichmäßige Mischung -erfolgt. (Die Säure ist schwerer als Wasser und -sinkt vor der gänzlichen Lösung darin unter.) Diese -Lösung ist jetzt (genau kennt der Händler den Prozentgehalt -seiner Säure meistens nicht, und die -Anschaffung eines Aräometers ist durchaus nicht -notwendig) <em class="gesperrt">ungefähr</em> 20prozentig, also wahrscheinlich -zu stark. Wir gießen nun in die Glasmensur -genau 10 <em class="antiqua">cm</em>³ unseres Ätzwassers und -heben mittelst eines Glasröhrchens einen Tropfen -Ätzwasser daraus auf die blank gescheuerte und entfettete -Probeplatte. Erfolgt nun die Blasenbildung -zu bald und zu heftig, dann ist das Ätzwasser zu -stark. Wir gießen nun etwa 1 <em class="antiqua">cm</em>³ (destill.) -Wasser in die Mensur nach, müssen aber vorerst -die Probe wieder mit dem zu prüfenden Ätzwasser -auf 10 <em class="antiqua">cm</em>³ ergänzen. Eine zweite Probe auf -Kupfer an einer andern Stelle wird schon ein Abnehmen -der Energie bekunden. Dies setzt man<span class="pagenum" id="Seite_30">[30]</span> -fort, bis die Flüssigkeit in der Mensur den gewünschten -Grad erreicht hat. Wäre dies z. B. nach -Zugießen des 3. <em class="antiqua">cm</em>³ erfolgt, so heißt das: -3 <em class="antiqua">cm</em>³ Wasser zu 10 <em class="antiqua">cm</em>³ Lösung gibt den gewünschten -Grad oder: 3 Zehntel vom Volumen -des Ätzwassers muß noch Wasser zugegossen werden. -Hat man nun 200 <em class="antiqua">cm</em>³ Lösung angesetzt, so bedarf -sie noch 60 <em class="antiqua">cm</em>³ Wasser, um den erwünschten -Grad zu erreichen.</p> - -<p>Derselbe Vorgang, nur entsprechend verändert, -ist auch angezeigt, wenn man ein zu schwach geratenes -Ätzwasser, bei dem es fast gar nicht zu -Blasen kommen will, durch Zugießen von konzentrierter -Säure verstärken will.</p> - -<p>Statt der Probeplatte kann man sich auch eines -blanken Probestreifens aus Kupferblech bedienen. -Man senkt ihn in die mit dem fraglichen Ätzwasser -gefüllte Mensur.</p> - -<p>Das chlorsaure Kali ist zur Bereitung des Ätzwassers -nicht unumgänglich notwendig, jedoch als -Zusatz sehr anzuempfehlen, da das Arbeiten mit -einem solchen Ätzwasser infolge der ausgleichenden -Wirkung dieser Substanz sehr angenehm und der -Ätzeffekt viel harmonischer ist. Die Konzentration -des Ätzwassers hat auf den Charakter der Ätzung -erheblichen Einfluß, was bei Arbeiten ernsterer Art -berücksichtigt werden muß. Für besonders tiefe -sammetartige Töne erhöhen wir den Säuregehalt, -soweit dies mit Rücksicht auf die Widerstandsfähigkeit -des Ätzgrundes zulässig erscheint. Zarte und<span class="pagenum" id="Seite_31">[31]</span> -duftige Partien bedürfen hinwiederum eines stark -verdünnten Ätzwassers; selbstverständlich muß mit -größerem Prozentgehalt die Ätzdauer bedeutend verkürzt -werden, wie sie bei dünnerem Agens entsprechend -verlängert werden muß.</p> - -<p>Daß Salpetersäure sowie auch ihre Lösungen -für Stoffe und dergl. sehr verderblich werden können, -daß die Hände vor Berührung mit ihr sorgfältig -zu hüten, im andern Falle aber durch sofortiges -gründliches Waschen vor schmerzhaften Verätzungen -zu retten sind, ist wohl allbekannt. Fällt ein Tropfen -Säure auf ein Tuch, so kann unverzügliches Übergießen -oder reichliches Betupfen mit gesättigter -Sodalösung (Waschsoda) unter sonst günstigen Umständen -vor Schaden bewahren.</p> - -<h3 id="sec04b"><em class="antiqua">b</em>) Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.</h3> - -<p>Es handelt sich nun darum, die radierte Platte -für die Ätzung derart auszurüsten, daß zuverlässig -nur die Zeichnung der Wirkung der Säure ausgesetzt -werde, alles übrige, bloßliegende Kupfer aber, -namentlich die Rückseite davor geschützt sei. Der -Mittel hierzu gibt es einige, sie seien hier der -Vollständigkeit wegen alle behandelt.</p> - -<p>1. Das älteste Verfahren, von vielen Meistern -noch heute angewendet, besteht darin, daß man um -die Zeichnung herum auf der Platte einen etwa -daumenbreiten Damm aus Ätzwachs aufmodelliert,<span class="pagenum" id="Seite_32">[32]</span> -welcher mit der Platte zusammen eine Art rechteckiger -Schale bildet, in der das Ätzwasser etwa -10–15 Millimeter hoch stehen kann. Selbstverständlich -muß vor dem Eingießen der Säure die -Wasserdichtheit dieser improvisierten Schale erst -sorgfältig mit gewöhnlichem Wasser erprobt werden.</p> - -<p>2. Ein anderes Verfahren besteht darin, daß -man die ganze Platte (mit Ausnahme des zu -ätzenden Bildes) mit säurefestem Asphaltlack bestreicht. -Nachdem dieser Anstrich vollkommen trocken geworden, -kann die Ätzung in einer photographischen Schale -aus Porzellan oder Glas geschehen.</p> - -<p>Das unter 1. beschriebene Verfahren hat fast -nur Schattenseiten: Ist schon das Aufmodellieren -des Wachsdammes keine angenehme Arbeit, so ist -das Ätzen selbst äußerst unbehaglich, das Zurückgießen -des Ätzwassers in die Flasche aber trotz einer -in die Wachsmasse eingedrückten Ausflußdille geradezu -problematisch. Ferner ist zu bedenken, daß die -Platte (wie später beschrieben), nach der ersten Ätzung -mit Nadel und Pinsel weiter bearbeitet werden soll, -daß hierauf abermaliges Ätzen und abermaliges -Arbeiten am Bilde erfolgen kann. Soll man da -mit der Nadel und dem Pinsel vielleicht über den -weichen klebrigen Wachsrand hinweg arbeiten, oder -gar nach jedesmaliger Ätzung denselben abräumen -und nach erfolgter Arbeit behufs neuerlicher Ätzung -ihn wieder aufmodellieren?</p> - -<p>Gegen das 2. Verfahren ist in der Theorie -nichts einzuwenden. In der Praxis zeigt sich jedoch,<span class="pagenum" id="Seite_33">[33]</span> -daß der Asphaltlack an den Kanten und Ecken durch -Anfassen mit den Händen weggewischt wird, selbst -wenn der Anstrich noch so dick wäre. Auf der -Rückseite ist derselbe fortwährend Beschädigungen -infolge Aufliegens ausgesetzt, welche zu unerwünschten -»Schadenätzungen« Anlaß geben.</p> - -<p>Diese Mißlichkeiten haben mich zu folgendem -Ausweg geführt. Hierzu ist bloß eine stärkere -Glastafel nötig, deren Kanten um etwa 3 <em class="antiqua">cm</em> größer -sein müssen als die der Kupferplatte. In unserem -Falle wäre die Platte 13 × 18; dann müßte die -Glastafel 16 × 21 <em class="antiqua">cm</em> messen.</p> - -<p>Auf der Rückseite der Kupferplatte wird unter -jede Ecke ein erbsengroßes Stück Ätzwachs geklebt -und die Platte mittelst dieser Klümpchen an der -Glastafel derart durch Drücken und Schieben befestigt, -daß <em class="gesperrt">erstens</em> die Klümpchen ganz flach -gequetscht werden, <em class="gesperrt">zweitens</em>, daß die Kupferplatte -in der Glastafel konzentrisch liegt; d. h. daß ein -1½ <em class="antiqua">cm</em> breiter Rand freien Glases um die Platte -herumläuft. Mit einem geeigneten Modellierholz -werden nun die Fugen zwischen Kupfer und Glas -mit Ätzwachs <em class="gesperrt">wasserdicht</em> verschmiert, damit ja -kein Ätzwasser an die Hinterfläche der Kupferplatte -gelangen kann. Das gelingt nur, wenn Kupfer -und Glas vollkommen trocken sind. Zur Sicherheit -kann jetzt Glasrand, Wachsrand und Platte (diese -bis an die Bildgrenze) mit Asphaltlack bestrichen -werden. (<a href="#fig06">Abb. 6.</a>) Eine also ausgerüstete Platte -bietet die Bequemlichkeit, nicht nur zum Ätzen, sondern<span class="pagenum" id="Seite_34">[34]</span> -auch zu etwaiger Handbearbeitung auf dem Tisch -immer bereit zu sein; ein Zerstören des Schutzüberzuges -an den Kanten ist hier ausgeschlossen. -Hat man es bei einer Arbeit überhaupt mit nur -einer einzigen Ätzung zu tun, so genügt das unter -P. 2 beschriebene Verfahren.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="fig06"> - <img class="w100" src="images/illu-048.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6. Die Ausrüstung der Platte zum Ätzen.</div> -</div> - -<h3 id="sec04c"><em class="antiqua">c</em>) Die Bereitung von Ätzwachs.</h3> - -<p>Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges -Quantum schwarzen Ätzgrund (siehe Bereitung <a href="#Seite_7">Seite 7</a>)<span class="pagenum" id="Seite_35">[35]</span> -bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs und Unschlitt -hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht -mehr ganz erstarrt, sondern die Konsistenz von -Modellierton behält. Ein Zusatz von Brennöl ist -vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht -eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung -der Methode mit der Glastafel braucht man übrigens -nicht viel von dieser Masse zu bereiten. Am besten -schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des -Ätzwachses, wenn man es in eine hölzerne oder -blecherne Salbendose eingießt und darin erstarren -läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit -dem Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, -namentlich im Sommer, gar zu weich und klebrig -sein, so setze man ihm, indem man es wieder einschmilzt, -noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber -wieder allein geschmolzen und dann erst mit der -andern Masse gemischt werden.</p> - -<h3 id="sec04d"><em class="antiqua">d</em>) Die erste Ätzung.</h3> - -<p>Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte -Platte, Bildseite nach oben, in eine der -Größe entsprechende photographische Schale aus Glas -oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp -sein, da sonst das Herausnehmen der Platte aus -dem Ätzbade schwierig ist. Auf das radierte Bild -gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 <em class="antiqua">cm</em> -hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich<span class="pagenum" id="Seite_36">[36]</span> -entwickelnden gesundheitsschädigenden Gases soll das -Ätzen nicht in einem Wohnraum vorgenommen werden. -Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man -ein offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.</p> - -<p>Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man -bemerken, daß die bis dahin rotgoldschimmernden -Striche der Zeichnung an Glanz verlieren und weiß -werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen -hat. Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung -zuerst an den kräftig radierten Stellen, -also meistens in den Schattenpartien. Allmählich -steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien -in Bläschen. Bis zu diesem Zeitpunkt muß die -Platte unbedingt im Ätzbade verweilen. Mit einer -Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen -von der Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung -von denselben nicht aufgehalten werde. Hat man -eine recht tiefe Schale, so neigt man sie derart, daß -die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn -dann nach einigen Augenblicken die Bläschen von -den radierten Strichen gänzlich verschwunden sind, -läßt man durch Wagrechtstellen der Schale das Ätzwasser -wieder über die Platte. Das sich entwickelnde -Gas ist – eingeatmet – gesundheitsschädlich; -längeres Verweilen mit dem Gesicht über der Schale -ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, -die Schale mit einer größeren Glastafel während -der Ätzungen bedeckt zu halten.</p> - -<p><em class="gesperrt">J. Roller</em> empfiehlt in seinem Buche »<em class="gesperrt">Technik -der Radierung</em>« (Wien, Hartleben) u. a. das<span class="pagenum" id="Seite_37">[37]</span> -Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da damit der Ätzprozeß ohne -schädliche Gasentwicklung vor sich geht: 10 Gewichtsteile -rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser -+ 2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. -Mir kommt jedoch dieses Ätzwasser ein wenig zu -schwach, also langsam wirkend und minder energisch -vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch -ist es wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.</p> - -<p>Die erste Ätzung kann in 5–10 Minuten beendet -sein. Ihre Wirkung soll für die lichtesten und -zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit -einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen -hebt man nun die Platte, bei der Glaskante fassend, -empor, nimmt sie vollends heraus und spült sie -sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem -großen Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder -sie unter der Wasserleitung abbraust. <em class="gesperrt">Ausgiebiges -Spülen der Platte ist unerläßlich</em>, da in -den feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure -sitzen bleiben und sich schädlich bemerkbar machen -kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt man -durch Andrücken, (<em class="gesperrt">nicht Wischen!</em>) reiner trockener -Leinwand oder eines Filtrierpapiers. Man kann -jetzt an einer minder wichtigen Stelle, am besten -an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund -entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung -genügend tief gegriffen hat. Soll weitergeätzt -werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis -wieder sorgfältig gedeckt (siehe <a href="#Seite_40">Seite 40</a>). -Die Striche werden mit sehr spitziger Nadel nachradiert.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_38">[38]</span></p> - -<h3 id="sec04e"><em class="antiqua">e</em>) Abgestuftes Ätzen <span class="nobold">(Pinselfirnis.)</span></h3> - -<p>Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle -gleich tief. Da nun die Dunkelheit des Striches -im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt, -so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß -alle Striche der Zeichnung im fertigen Druck die -gleiche Intensität haben werden. Das ist aber -nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von -unsrer Platte, in ihrem jetzigen Zustand, würde ein -eintöniges, flaues und mageres Aussehen haben, -Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.</p> - -<p>Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine -Landschaft mit geschlossen im Ton wirkenden Laubmassen, -Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer -und bewölktem Himmel, so ergeben sich für -uns drei Tonwerte: Die dunkle Laubmasse (und -vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der Mittelton -des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit -den Flecken weißen Gemäuers. Die erste Ätzung -geschieht wie vorhin beschrieben; sie muß der Helligkeit -des Gewölkes und des Gemäuers angemessen -sein. Zur weiteren Behandlung der <em class="gesperrt">trockenen</em> -Platte bereiten wir uns »<em class="gesperrt">Deckfirnis</em>« auf folgende -Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger Hitze -geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz -zugesetzt, daß dieser Firnis in kaltem Zustand -nicht mehr stockt, sondern dickflüssig bleibt. Ein -geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt ein<span class="pagenum" id="Seite_39">[39]</span> -rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke -»Pinselfirnis« oder »Deckfirnis« wird in einem -Fläschchen, gut verkorkt, an einem kühlen Orte in -Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine -Stockung eintreten, so stellt man das Fläschchen -eine Weile in warmes Wasser. Der Firnis hält -sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei -dieser Gelegenheit kann man auch noch Terpentin -unter kräftigem Schütteln zusetzen.</p> - -<p>Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in -ein Porzellanschälchen und decken mittelst eines -elastischen Pinsels (am besten Marder- oder Fischpinsel) -alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr -zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies -die Luft und das lichte Gemäuer. Es muß dafür -Sorge getragen werden, daß der Firnis auch wirklich -in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte -Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. -Nachdem dieser Pinselfirnis vollkommen getrocknet -ist, kommt die Platte zum zweitenmale in die -Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird -auch die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende -geführt. Dabei muß der Gang des Prozesses sorgfältig -überwacht werden, damit nicht die auf <a href="#Seite_27">Seite 27</a> -schon erwähnten Stege unterfressen werden. -Ist der Ätzgrund gut, das Ätzwasser nicht zu stark -und die Zimmertemperatur normal, so wird dies -auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung -durch sofortiges Herausnehmen der Platte und Spülen -derselben im Wasser zu unterbrechen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_40">[40]</span></p> - -<p>Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte -gespült und getrocknet und die weitere Abdeckung -mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der dritten -Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten -der Säure ausgesetzt und sind somit am tiefsten -geätzt. Es versteht sich von selbst, daß die Zahl -der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers -anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß -<em class="gesperrt">nicht</em> hinausgehen wird, ist einleuchtend, denn -Kontrastwirkungen gehören eben zu den dankbarsten -Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht. -Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum -Wohle seiner Arbeit, nicht über drei Teilätzungen -versteigen.</p> - -<p>Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung -beim Abdecken Striche mit Firnis gedeckt, welche -noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach dem -Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; -sie sind, da sie infolge der früheren Ätzung schon -vertieft sind, unter dem Firnis ganz gut sichtbar. -Auch fehlerhafte Striche (welche vor der <em class="gesperrt">ersten</em> -Ätzung schon richtig gestellt werden müssen) deckt -man mit Pinselfirnis, ebenso alle Verletzungen, -welche während des Arbeitens im Firnis entstanden -sind, sowie die freigelegten Probestellen.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="plate02"> - <img class="w100" src="images/illu-055.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<p>Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, -damit der Firnis sich auf der Platte nicht in unerwünschter -Weise ausbreite und Striche verdecke, die -weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der -Pinsel mit Terpentin oder Seife gründlich gereinigt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_41">[41]</span></p> - -<h3 id="sec04f"><em class="antiqua">f</em>) Über verschiedene Arbeitsprogramme.</h3> - -<p>Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll -sich der Radierer eine klare Disposition für den -Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er seine -Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition -ist hauptsächlich abhängig und bestimmt von -der beabsichtigten Bildwirkung. Diese verlangt oft nach -einem dem Gegenstande eigens angepaßten Arbeitsprogramm, -nach welchem allein oft den verschiedentlichen -technischen Schwierigkeiten beizukommen ist.</p> - -<p>Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, -dessen dunkle Silhouette sich in zerrissenen Konturen -von lichtem Hintergrunde abhebt.</p> - -<p>Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung -das Decken mit Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken -erfordern! In allen solchen Fällen wird -man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar -drei Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt -wird. Die Aufmachung der Platte auf der Glastafel -gestaltet ein solches Abwechseln von Radier- -und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen -Partien des Vordergrundes werden zuerst radiert -und gleich tief – jedoch mit Rücksichtnahme auf die -noch folgenden Ätzungen – geätzt. Über die geätzten -Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt -darüber gegangen werden, da solche Striche -den ohnehin tiefen Ton der früher geätzten Flächen -nicht verändern.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_42">[42]</span></p> - -<p>Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel -aufgemacht ist, genügt eine Unterlage aus Pauspapier -für die Hand nicht mehr, weil das Papier -an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen -uns deshalb ein Bänkchen aus einem Holzbrettchen -und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die -Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so -dick sein, daß der Ätzgrund vom darüberliegenden -Brettchen <em class="gesperrt">nicht</em> berührt wird. Glasdicke + Plattendicke -+ etwa 3 <em class="antiqua">mm</em> ergibt die Höhe der Füßchen. -Das Bänkchen muß auch genügend lang sein, damit -man es in beliebigen Lagen über der Platte verwenden -kann. Auch muß das Brettchen so stark -sein, daß es nicht vom Gewicht der Hand auf den -Ätzgrund niedergedrückt werde. (<a href="#fig07">Abb. 7.</a>)</p> - -<p>Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und -geätzt werden; dann muß aber zwecks weiterer -Arbeit die Platte neu grundiert werden. Auf dem -neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so -komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. -Diese kann selbstverständlich für sich wieder -in Teilätzungen behandelt werden, nur ist in diesem -Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach -der ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte -Aufmachen auf die Glastafel lästig und gestaltet -den Gang der Arbeit etwas schleppend.</p> - -<p>Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, -bietet diese Technik eine Fülle der Mannigfaltigkeit -in der Behandlung, wie sie kaum eine andere aufzuweisen -hat. Deshalb auch wird sie immer mehr<span class="pagenum" id="Seite_43">[43]</span> -der treue Spiegel der Persönlichkeit des Radierers, -denn bei solcher Mannigfaltigkeit der Ausdrucksmittel -ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise -in immer neuer Art aus der Hand des -Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig07"> - <img class="w100" src="images/illu-059.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.</div> -</div> - -<h3 id="sec04g"><em class="antiqua">g</em>) Das Reinigen der Platte.</h3> - -<p>Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich -gespült, getrocknet, und mit dem Modellierholz -langsam und vorsichtig von der Glastafel abgehoben, -dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, -denn das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel -zur Folge. Das Ätzwachs wird, soweit es -angeht, abgenommen und in die Vorratdose zurückgestrichen. -Die Platte selbst wird, auf einem Brette<span class="pagenum" id="Seite_44">[44]</span> -liegend, mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. -Hierzu eignet sich ein Bausch von Zeitungspapier. -Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die -Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem -ganz reinen Lappen (am besten aus Leinwand oder -Baumwolle) solange gescheuert, bis die letzte Spur -von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. -Solange der weiße Lappen sich noch schwärzt, muß -gescheuert werden. Ein Zeichen der gründlich erfolgten -Reinigung ist es, wenn die radierten Striche -in hellrotem Kupferglanz schimmern.</p> - -<p>Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs -nicht zu entfernen; eine zweite Glastafel, darübergelegt, -schützt das Wachs vor Staub und uns selbst -vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen -sich in einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz -bequem aufbewahren.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_45">[45]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap05">5. Das Abdrucken von der Platte.</h2> -</div> - -<h3 id="sec05a"><em class="antiqua">a</em>) Über die Bedeutung des Handabdruckes.</h3> - -<p>Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, -möchte ich dem Anfänger dringend ans Herz legen, -diese Disziplin nicht auf die leichte Achsel zu nehmen. -Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von -der Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert -viel Übung und steht an Schwierigkeit dem bisher -Gelernten nicht nach, ja kann es unter Umständen -noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser -Kunst unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden -und Freuden der ganzen Technik so recht vertraut -werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt der -Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem -wohlgelungenen Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht -auch ausgestandenen Ärger reichlich auf. Die -Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so -viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, -Faktoren, deren Zusammenwirken man erst durch -fortwährendes Üben erkennen und beherrschen lernt.</p> - -<p>Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, -das geeignet ist, das nun zu Erlernende -um seinen Wert zu bringen: <em class="gesperrt">Wir dürfen von -unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes -Surrogat für einen mittelst Walzenpresse<span class="pagenum" id="Seite_46">[46]</span> -gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung -und Übung führen zu Resultaten, -die den Vergleich mit einem aus -der Presse hervorgegangenen Blatte -wohl auszuhalten im stande sind.</em> (Siehe -sämtliche Kunstbeilagen.)</p> - -<p>Unsre erste Sorge richtet sich auf</p> - -<h3 id="sec05b"><em class="antiqua">b</em>) Das Druckpapier.</h3> - -<p>Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen -sein.</p> - -<p>Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte -eindrücken lassen; um die in diesen Furchen -sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es auch saugfähig -genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster -Linie »Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. -Für unsre Zwecke ist jedoch jedes -gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet. Auch -Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind -die sehr licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere -der Papierfabrik Eichmann & Comp. in Arnau. -Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch »Kohlenskizzenpapier« -genannt. Für Probedrucke eignet sich -feuchtes Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es -beim Probedruck nicht von Belang ist, empfiehlt sich -doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten Papiers, -da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.</p> - -<p>Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, -deren Format dem der Kupferplatte entspricht. Es soll<span class="pagenum" id="Seite_47">[47]</span> -um ein <em class="gesperrt">Beträchtliches</em> größer sein als die Platte. -Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.</p> - -<p>Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man -einige Zeit in reinem Wasser liegen.<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a> Dabei ist -Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht aneinander -kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken -bleiben könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln -zuerst durch’s Wasser und wischt die entstehenden -Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann -überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das -Papier, desto länger muß es sich im Wasser befinden; -sehr starke und feste Papiere badet man in -warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte -legt man mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, -darauf ein nasses Druckpapier, dann zwei Filtrierblätter, -dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei -Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen <em class="gesperrt">mehrere</em> -Filtrierblätter ab. Mit einer Holzwalze (Teigwalze) -wird jetzt die ganze Lage kräftig gewalzt, damit sich -die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig verteile. -Schließlich legt man eine Glasplatte oben -drauf und beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. -Japanpapier ist sehr zart und darf nicht -so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten, -welches ein wenig <em class="gesperrt">kleiner</em> als die Kupferplatte -sein muß. Dann werden nasse und trockene -Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das Japanpapier -kommt sodann in <em class="gesperrt">trockenem</em> Zustand<span class="pagenum" id="Seite_48">[48]</span> -zwischen die feuchten Filtrierblätter. Diese müssen -stets größer sein als das Druckpapier; sie sollen -das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.</p> -</div> -</div> - -<p>Bretter aus Holz dürfen zum Pressen <em class="gesperrt">nicht</em> -verwendet werden, weil sie sich infolge der Feuchtigkeit -werfen würden. Wohl aber kann man zwei -Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder -Aluminiumblech überziehen; das Arbeiten mit ihnen -ist angenehmer als das mit den zerbrechlichen Glas- -oder schweren Steinplatten.</p> - -<p>Am andern Tage ist das Papier meist schon zum -Drucken geeignet. Es muß seine matte, <em class="gesperrt">glanzlose</em> -Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und zur Verwendung -noch nicht tauglich. In einem solchen -Falle lege man trockene Filtrierblätter ein.</p> - -<p>Das Papier verliert nur sehr langsam von -seiner Feuchtigkeit unter der Presse; eventuell können -beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier mit -dem Schwamm nachgefeuchtet werden.</p> - -<h3 id="sec05c"><em class="antiqua">c</em>) Die Druckfarbe.</h3> - -<p>Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen -Firnisfarbe, der sogenannten »Kupferdruckfarbe«. -Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht allzuschwierig -und stellt sich recht billig. Es führt sie -nicht jede Farbenhandlung – in kleineren Städten -wird sie überhaupt nicht zu haben sein; deshalb<span class="pagenum" id="Seite_49">[49]</span> -halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung -hier einzugehen:</p> - -<p>Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich -eine spezielle Farbe zu nennen) Kasslerbraun, ein -Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und Kupferdruckfirnis -mittelst eines Spachtels zu einem Teig -verarbeitet. Das Verreiben geschieht mittelst eines -Stein- oder Glasläufers, bis der Brei recht glatt -ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa -die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt -und neuerdings innig verrieben. Die Farbe -darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß die Konsistenz -einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls -verreibt man noch etwas trockenes Farbenpulver bis -zur gewünschten Festigkeit. Bei dieser Gelegenheit -kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz (Pulverfarbe) -zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz -dem vielleicht allzurötlichen Braun vorzieht.</p> - -<p>Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den -Zweck, das Haften der Ölfarbe am feuchten Papier -zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe beim Einschwärzen -nicht zäh über die Kupferplatte, sondern -läßt sich von den blanken Stellen glatt wegwischen, -während sie die Striche füllt. Die Druckfarbe ist, -wie der Fachausdruck lautet: »streng« oder »kurz«. -Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine -Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem -Deckel eingefüllt. Kupferdruckfarbe ist in Tuben -oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und wird in -Geschäften für Malerrequisiten geführt.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_50">[50]</span></p> - -<h3 id="sec05d"><em class="antiqua">d</em>) Das Einschwärzen der Platte.</h3> - -<div class="figright illowp50" id="fig08"> - <img class="w100" src="images/illu-066.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8. Der Druckballen<br /> -(der untere Teil im Längsschnitt.)</div> -</div> - -<p>Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas -angewärmt und auf ein Brett gelegt. Mit einem -schmalen Spachtel nimmt man etwas Kupferdruckfarbe -auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird -sie mit dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. -Auf der Bildfläche der Kupferplatte verreibt man -ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit dem -Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung -weiterschiebt und dabei auch tüchtig niederdrückt, bis -die ganze Platte schwarz ist. Einen solchen Ballen -stellt man sich auf folgende Weise her:</p> - -<p>Auf einer kreisförmigen, -dicken -Holzscheibe -(Durchmesser etwa -8 <em class="antiqua">cm</em>) wird -im Mittelpunkte -ein zylindrisches -Holzstück, (eine -lange Spule oder -dergl.) befestigt; -dann wird ein -Säckchen mit -Wolle gefüllt und -so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung -auf das Holz zu liegen kommt, während die -andere Seite des Säckchens eine pralle Halbkugelfläche -bildet. Über das Säckchen und die Scheibe<span class="pagenum" id="Seite_51">[51]</span> -spannt man nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, -schwarzes Chevreauxleder (Glanzseite außen) und -bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in -vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. -Den Durchschnitt dieses Druckballens zeigt <a href="#fig08">Abb. 8</a>, -die Anwendung <a href="#fig09">Abb. 9</a>.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="fig09"> - <img class="w100" src="images/illu-067.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)</div> -</div> - -<p>Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen -werden, damit die Farbe alle Furchen -auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht, dann -wird die Platte unter leichtem Druck mit einem -trockenen Lappen blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke -eignen sich am besten dazu; sehr brauchbar -sind die Reste von alten Spitzenvorhängen.<span class="pagenum" id="Seite_52">[52]</span> -Besonders reine Drucke erzielt man, wenn man nach -erfolgtem Blankwischen den Handballen in Schlemmkreide -taucht und die Platte damit noch sehr sanft -überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, -so wird dieses Abwischen meist zu viel Farbe von -der Platte wegnehmen. Es müßte dann umso -kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um -den Erfolg zu erzielen, den der gewaltige Druck -der Stahlwalzen bringt. Da ist es besser, die Farbe -von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten -Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in -ähnlicher Weise wie man Paletten reinigt (<a href="#fig10">Abb. 10</a>). -Die Schneide muß ganz gerade und an den Ecken -abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht -steil gehalten werden! Jeder Zug geschieht mit -erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt diese -Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das -schwarze Bild vollends klar sichtbar ist.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig10"> - <img class="w100" src="images/illu-068.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.</div> -</div> - -<p>(Nicht für Anfänger!)</p> - -<h3 id="sec05e"><em class="antiqua">e</em>) Der Abdruck.</h3> - -<p>Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem<span class="pagenum" id="Seite_53">[53]</span> -sauberen Lappen an den Kanten bis scharf an die -Bildränder geputzt, um die letzte Spur von Farbe -davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker -Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte -(Bildseite nach oben!) Das gefeuchtete Druckpapier -wird vorerst mit einer milden Borstenbürste -auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung -wird die Papierfläche für die Druckfarbe -empfänglicher. Das Papier wird dann mit der -gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit -Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte<span class="pagenum" id="Seite_54">[54]</span> -gelegt, indem man es an zwei diagonalliegenden -Ecken anfaßt und langsam niedersenkt. Man faßt -das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen -mit zwei aus dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten -Blättchen an, damit es von den Fingern nicht -durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze beschmutzt -werde. Vorher schon wurde ein Rahmen -aus starker Pappe geschnitten, in den die Platte -<em class="gesperrt">locker</em> hineinpaßt, dessen ausgeschnittene Rechteckseiten -also um 2 <em class="antiqua">mm</em> größer sind als die Plattenkanten. -Der Rand des Rahmens muß sehr breit -sein; er soll das Druckpapier ganz verdecken. (<a href="#fig11">Abb. 11</a>).</p> - -<div class="figcenter illowp70" id="fig11"> - <img class="w100" src="images/illu-069.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.</div> -</div> - -<p>Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier -gelegt, daß letzteres von der untenliegenden Platte -in den Ausschnitt des ersteren gepreßt wird. (<a href="#fig12">Abb. 12</a>). -Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar -aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt -sehr zähen, glatten Packpapiers gelegt, welches viel -größer sein muß als die Kupferplatte. Zur folgenden -Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, -welcher die Form und Größe einer rechteckig gegossenen -Siegellackstange hat.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig12"> - <img class="w100" src="images/illu-070.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)</div> -</div> - -<p>Der Querschnitt dieses Stabes ist ein Rechteck,<span class="pagenum" id="Seite_55">[55]</span> -von 2 <em class="antiqua">cm</em> : 1 <em class="antiqua">cm</em> Seitenlänge. Am Ende des -Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet, damit -das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. -Im Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem -Beingriff ganz denselben Dienst; nur müssen die -Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.</p> - -<p>Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende -Reibpapier flach an, während wir mit dem -Beinstab in der rechten parallel zu einer Plattenkante -in engem Zickzack über das freie Rechteck des -Rahmens derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. -Dieses Reiben muß mit Nachdruck -erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in -die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die -Handhabung zeigt <a href="#fig13">Abb. 13</a>. Sorgfältig zu achten -ist darauf, daß kein Streifen von der Reibung verschont -bleibe; also recht langsam mit den einzelnen -Strichen weiterrücken! Am besten gelingt die Sache -wie folgt: Erst von rechts nach links reiben, dann -ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel dazu -wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit -wird stehend verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. -Ist das Druckpapier nicht zu stark, so -sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in -die Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder -dicken Papieren schimmert auch die Druckfarbe durch. -So unmerklich fast diese Erscheinung auch ist, so -dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht -irgendwo nachzureiben ist; man kann dann -mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle Teile<span class="pagenum" id="Seite_56">[56]</span> -des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. -Japanpapier erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, -das Bild erscheint beim Reiben auf -der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. -Auch Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige -Behandlung. Im allgemeinen muß umso kräftiger -gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte -der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, -so kann letzteres mit Graphit besser gleitend gemacht -werden. Es genügt vollkommen, wenn man -das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.</p> - -<div class="figcenter illowp80" id="fig13"> - <img class="w100" src="images/illu-072.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.</div> -</div> - -<p>Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst -das Reibpapier beiseite gelegt, dann der Papprahmen -abgehoben. Wir sehen das Papier fest an<span class="pagenum" id="Seite_57">[57]</span> -der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir -es an einer Ecke in die Höhe, indem wir dafür -Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte streift, -und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht -auch schon der beste sein, aber das, <em class="gesperrt">was</em> erreicht -wurde, wird, so mangelhaft es auch immerhin ausgefallen -sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen -aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier -das Gelingen beeinflussen! Gewiß wird der, welcher -sich vor dem Abziehen des Druckpapieres noch einmal -fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht -zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe -nicht vielleicht zu dünn, oder zu steif gewesen?; -habe ich zu lang gerieben, zu wenig, oder zu -kräftig –?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten -wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr -zu wünschen übrig lasse! Hier heißt’s eben »Erfahrung -sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur -von fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren -zu erwarten ist – wer möcht’ es leugnen?!</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="plate03"> - <img class="w100" src="images/illu-073.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold<br /> -Wiedergabe eines mit dem Beinstab -gewonnenen Plattenabzuges</div> -</div> - -<p>Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht -von der Platte will und zu fasern oder gar zu reißen -droht. In diesem Falle legt man die Druckplatte samt -dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet -eine kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt -sich der Druck dann leicht und ohne zu reißen abheben.</p> - -<h3 id="sec05f"><em class="antiqua">f</em>) Das Drucken auf maschinellem Wege.</h3> - -<p>Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren -beschränkt sich lediglich auf ein Arbeiten<span class="pagenum" id="Seite_58">[58]</span> -im stillen Kämmerlein, und wenn auch die Fertigkeit -des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade -gebracht werden kann, daß das Erzeugnis der Hand -dem des Walzendruckes nicht nachsteht und in allen -Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren Kreis -von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere -Auflage von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten -nicht rationell. Für Massenauflage bedienen -wir uns der Kupferdruckpresse. <a href="#fig14">Abb. 14.</a> Das -Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß -hier das Anpressen des Druckpapieres an die eingeschwärzte -Platte von zwei Walzen besorgt wird. -Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, -und die Achsenlager der oberen Walze sind nicht -in fester Verbindung mit dem Tragrahmen, sondern -verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine dicke -Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen -eine sehr starke Federung. Mittelst Stellschrauben -läßt sich diese obere Walze für verschiedene Spannungen -einstellen. Die obere der beiden Walzen -wird von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung -in Bewegung gesetzt.<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a></p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem -Holze hergestellten Walzen.</p> -</div> -</div> - -<p>Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine -sehr starke Eisenplatte, die zur Aufnahme von -Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit -dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte -Druckpapier auf ihr nicht Rostflecken verursache. -Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer Spannung<span class="pagenum" id="Seite_59">[59]</span> -der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, -das andere Tischblatt nimmt dasselbe auf.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig14"> - <img class="w100" src="images/illu-077.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.</div> -</div> - -<p>Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das -Ansehen einer Radierung in gewissem Maße zu -heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon -können wir selbst die Wirkung des resultierenden -Bildes verändern. Zu solchen Mitteln gehört das -»Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird, -kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als -Überzug erhalten. Man erreicht dies durch Überwischen -der bereits »reingewischten« Platte mit dem -Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen -mit dem locker gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung -einer derartigen Behandlung zeigt sich im Abdruck -als ein die Härten der Strichlagen verbindender -Ton, der namentlich bei Drucken auf weißem Papier -angenehm empfunden wird.</p> - -<p>Hier gilt eben auch der goldene Satz von der -Ehrlichkeit in den Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen<span class="pagenum" id="Seite_60">[60]</span> -beseelen soll. Darum lernen wir ja mit -zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den -Mitteln der Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, -daß sie unsre künstlerische Endabsicht klar wiedergebe. -Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln -und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen -ist nach meiner bescheidenen Meinung keine reine -Technik mehr. Oder sollen wir, wenn wir mit -Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen -die Platte überdies zu »<em class="gesperrt">bemalen</em>«, bevor -wir sie abdrucken?</p> - -<p>Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte -blankgewischt, damit, Druckfarbe als mehr oder -minder tiefen Farbenton auf die Platte zu bringen. -Dort wo das technische Können oder die Geduld -des Radierers versagt, muß der Drucker nachhelfen -und Töne auf die Platte bringen – womöglich -noch in verschiedenen Farben – um über die Kargheit, -über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. -Das ist Verwilderung des Stiles, die sich in letzter -Zeit namentlich auf dem Gebiete der Radierung -breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien -verblüffen will. Ein Auge, das im Genießen von -Radierungen geschult ist, wird auf den ersten Blick -diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse -einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="plate04"> - <img class="w100" src="images/illu-079.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung -von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<p>Zum Technischen muß noch erwähnt werden, -daß die Zahl der möglichen Abdrücke von einer -Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist. 200 Abdrücke -wird gewiß jede Platte zu liefern im stande<span class="pagenum" id="Seite_61">[61]</span> -sein. Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 -bis 400 von noch gutem Ansehen. Die Ätzung schleift -sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen langsam ab -und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien -und das Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.</p> - -<p>Ein »Aufätzen«<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a> der Platte bringt nicht selten -eine Störung der harmonischen Tonwirkung mit sich.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.</p> -</div> -</div> - -<p>Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst -der galvanischen Verstählung der Platte hinweg.</p> - -<p>Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf -das Kupfer niedergeschlagenem Eisen schützt die -Platte vor allzufrüher Abnützung und gestattet eine -Auflage von etwa 2000 Abdrücken.</p> - -<p>Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf -galvanoplastischem Wege ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung -der Auflage von Radierungen; bei dem heutigen -Stande der galvanoplastischen Technik sind solche -Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.</p> - -<p>In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden -sein, in geradezu fabrikmäßiger Weise vervielfältigt -zu werden. Ich möchte sogar meinen, -daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein -wenig heruntergedrückt wird, denn es wird sich nie -vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie der Auflage -Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern -fehlen. Die intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, -die jeder einzelne Abzug verlangt, ist nicht gut -vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist der Holzschnitt, -die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[62]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap06">6. Retouche-Arbeiten.</h2> -</div> - -<p>Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin -gebracht haben, einen in allen Strichen scharfen Abdruck -zu erzielen, haben wir Gelegenheit, uns von -dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich -wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität -der einzelnen Flächen zu richten haben: -Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu -seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen -Striche zu scharf hervor; hier wieder hat -eine Ätzung vielleicht noch gar nicht gegriffen, und -die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist -dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff -genug zum Nachdenken, teils über die Ursachen, -teils über die Art einer allfälligen Abhilfe. Ohne -Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in -zwei große Gruppen teilen können: »Entweder es -wurde zu tief oder zu wenig geätzt.«</p> - -<p>Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine -Art Nachradieren, indem wir die Platte von neuem -mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe von -der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen -mit siedendem Wasser (besser noch Sodalösung oder -Ätzlauge) gereinigt werden. Das Grundieren ist -jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. -Es muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf<span class="pagenum" id="Seite_63">[63]</span> -der erhitzten Platte in alle Ritzen eindringe, sonst -würde an solch’ mangelhaft grundierten Stellen die -Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb -erhitze man die Platte von unten her ein wenig, -damit der Ätzgrund schmilzt und in die Striche vollends -einsinken kann. <em class="gesperrt">Geraucht</em> wird die Platte -nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. -Solche Platten grundiert man am besten mittelst -des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie folgt hergestellt: -Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann -abseits vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, -daß das Gemisch im kalten Zustand leichtflüssig -bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem -Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange -kräftig geschüttelt. Zum Auftragen dieses Firnisses -dient ein breiter flacher Haarpinsel. Nach dem -Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten -etwas, damit der Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. -Dieser Ätzgrund kann auch auf der blanken, neuen -Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig -wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. -Aufgetragen wird er immer auf der kalten Platte; -bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben verschwindet -jede allfällige, durch schlechte Pinselführung -entstandene Streifung des Aufstriches.</p> - -<p>Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf -aufmerksam gemacht werden, daß sie mit allem -künstlerischen Takt und zielbewußt vorgenommen -werden muß. Oft genügt das Herausholen einer -brillanten Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende<span class="pagenum" id="Seite_64">[64]</span> -Tonmassen mit einer verbindenden Strichlage -zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja nur -ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere -Abdrücke hergestellt, so kann man mittelst Feder -oder schwarzen Stifts an ihnen versuchsweise eine -oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst -wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte -Drucke geben dann wieder Vorlagen für die weitere -Behandlung der Platte ab.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig15"> - <img class="w100" src="images/illu-084.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 15. Schneidefeder.</div> -</div> - -<p>Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen -Radiernadel ist es oft schwer, die Richtung der beabsichtigten -Striche beizubehalten, weil sie von den -geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte, -Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu -diesem Zweck die Anwendung der sogenannten »photographischen -Beschneidefeder«, welche in allen -photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat -die Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und -wird in einem Federstiele steckend in einfachster -Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie die -Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, -dessen Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche<span class="pagenum" id="Seite_65">[65]</span> -wieder in eine Spitze auslaufen. (<a href="#fig15">Abb. 15</a>). Die -aus sehr hartem Stahl bestehende Feder erzeugt, -steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht -nur den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, -eine Eigenschaft, die, wenn es sich um saftige Tiefen -handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist noch, daß -die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, -in der Ebene des Schildchens liegen muß, da die -Feder sonst nicht schneidet, sondern kratzt.</p> - -<p>Ist das Nachradieren vollendet, so wird die -Ätzung wieder in der bereits beschriebenen Weise -durchgeführt. Um den Fortschritt der Arbeit auf -der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich -von jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl -reiner Abzüge zu nehmen und sie eventuell mit bezüglichen -Notizen versehen in einer Mappe aufzubewahren. -Eine solche Sammlung von Abdrücken, -in der auch nicht die am ärgsten mißlungene Platte -fehlen darf, hat soviel Lehrreiches für den Radierer, -sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang -bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein -ernstes, zielbewußtes Streben zur Meisterschaft gelangt.</p> - -<p>Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, -wenn zu tief geätzt wurde, wenn also Stellen, welche -duftig beabsichtigt waren, im Abzug zu derb, zu -kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses -Mißgeschick meistens, wenn er, die Wirkung des -Ätzwassers unterschätzend, lichte und zarte Partien -zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht dadurch -gut machen, daß man die benachbarten dunklen<span class="pagenum" id="Seite_66">[66]</span> -Stellen durch Nachradieren und Nachätzen verstärkt -und somit den Kontrast zu heben sucht, dann muß -die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden. -Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft -sich einen solchen von außerordentlicher Härte, indem -man eine prismatische Feile mit dreieckigem Querschnitt -einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag -übergibt, die Flächen am vorderen Ende in -sanfter Schwingung derart zu schleifen, daß sie mit -den drei Kanten zusammen in eine Spitze auslaufen. -Kanten und Spitze müssen abgerundet und das -Instrument in seinem geschwungenen Teile noch -überdies feinst poliert werden.</p> - -<p>Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen -Stellen auspoliert. Durch den Druck des -Polierstahles werden die Stege zwischen den Furchen -geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge -der Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann -im Abdruck dünner und duftiger, weil die scharfen -Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich gehalten, -jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des -Polierstahles ist umso energischer, je steiler man -eine seiner Kanten über die Platte führt. Zum -Schluß soll jedoch immer mit der <em class="gesperrt">Fläche</em> des -Werkzeugs poliert werden, um etwaige feine Streifen, -welche während des Arbeitens entstanden sein mögen, -auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren, -den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. -Außer Gebrauch muß der Polierstahl vor Feuchtigkeit -sorgfältigst bewahrt werden; vor allen Verletzungen<span class="pagenum" id="Seite_67">[67]</span> -ist das polierte Ende in einer Scheide -aus dickem Leder geschützt.</p> - -<p>Sollten beim Polieren auf der Platte graue -Streifen entstanden sein, so putzt man mit etwas -Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem -man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten -Lappen reibt und trocken nachwischt. Nach -einer solchen Behandlung muß die Bildfläche mit -Terpentin noch gründlich gereinigt werden.</p> - -<p>Nach allen derartigen Prozeduren holen wir -uns durch Abdrücke Auskunft über das Gelingen -des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen -durch den interessanten Vergleich der im Bilde -deutlich wiedergegebenen Plattenzustände.</p> - -<p>Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja -schließlich zu dem einen Ziele führen: unsre Erfahrung -und Technik derart vervollkommnet zu -haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit <em class="gesperrt">auf -einen Wurf</em> zu Ende zu führen.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_68">[68]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap07">7. Über Mißerfolge.</h2> -</div> - -<p>Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut -der Technik gelten; ich fühle mich daher auch -bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes Ganzes -zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis -abzuschließen, da es ja einen Führer -durch all’ die Fährlichkeiten bilden soll, welche dem -Anfänger in den Weg treten. Zur leichten Orientierung -finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate -in chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich -eben in den einzelnen Arbeitsphasen einstellen.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="plate05"> - <img class="w100" src="images/illu-089.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<h3>Beim Grundieren.</h3> - -<div class="hang2"> - -<p>1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, -welche trotz wiederholter Behandlung mit -der Walze nicht verschwinden wollen.</p> - -<p>Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden -auf zu heißer Platte aufgetragen, der -Firnis ist an diesen Stellen verbrannt.</p> - -<p>Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und -neuerliches Grundieren bei gelinder Hitze.</p> - -<p>2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt -sich beim Drehen schwer los und läßt -den Ätzgrund mit rauher Oberfläche zurück.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_69">[69]</span></p> - -<p>Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr -heiß genug.</p> - -<p>Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst -Gas- oder Spirituslampe.</p> - -<p>3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte -trotz sanften Abwischens mit Watte eine -schmutziggraue statt der tiefbraunen, matten -Oberfläche.</p> - -<p>Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen -die Platte gestreift oder ist dem Firnis -mindestens zu nahe gekommen.</p> - -<p>Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches -Grundieren und Rauchen.</p> -</div> - -<h3>Beim Radieren.</h3> - -<div class="hang2"> - -<p>4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, -namentlich an den Rändern.</p> - -<p>Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur -überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt -im Ätzgrund.</p> - -<p>Abhilfe:</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, -Anwendung des Handbänkchens.</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt -und Ätzgrund wieder jeden einzeln -schmelzen und dann mischen und kneten.)</p> - -<p>5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter -der Nadel.</p> - -<p>Ursache:</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Platte war nicht gut entfettet;</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_70">[70]</span></p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht -homogen gemischt.</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">d</em>) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine -zu heiße Platte oder beim Anrauchen -verbrannt (siehe bei 3).</p> - -<p>Abhilfe:</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) Zusatz von Wachs und Mastix;</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Selbstverständlich;</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix zusetzen;</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">d</em>) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes -auf der ganzen Bildfläche -verbreitet, dann muß dieser entfernt -und die Platte neuerlich grundiert -und geraucht werden. Handelt es -sich jedoch um einzelne Stellen, so -kann man die schlechten Partien mit -einem kantig geschliffenen Beinstäbchen -wegschaben und die offenen Stellen -mit Deckfirnis wieder schließen.</p> -</div> - -<h3>Beim Ätzen.</h3> - -<div class="hang2"> - -<p>6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt -bei allzuhoher Glätte der Platte vor).</p> - -<p>Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und -oft gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht -bei zu großer Kälte (im Winter).</p> - -<p>Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem -gemischt oder reine Säure zugegossen (siehe -<a href="#Seite_29">Seite 29</a>.)</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_71">[71]</span></p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Heftiges Aufschäumen</em> der Platte -hat zur</p> - -<p>Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur -desselben.</p> - -<p>Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser -oder mit Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. -Die Arbeit kann durch unverzügliches Zugießen -von reinem Wasser noch gerettet -werden.</p> - -<p>8. <em class="gesperrt">Abblättern des Ätzgrundes</em> (Begleiterscheinung -des in 7. Angeführten).</p> - -<p>Ursache:</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Mangelhafte Entfettung der Platte, so -daß die Säure zwischen Firnisschicht -und Platte eindringen und den schützenden -Firnis infolge Bläschenbildung sprengen -und zum Abschwimmen bringen kann.</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).</p> - -<p>Abhilfe:</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) (siehe in 7.)</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Gründliches Entfetten der Platte -(siehe <a href="#Seite_11">Seite 11</a>).</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Auch hier läßt sich die Arbeit durch -unverzügliches Zugießen von reinem -Wasser noch retten, vorausgesetzt, -daß das Abblättern nicht schon zu -arg geworden.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_72">[72]</span></p> - -<h3>Beim Drucken.</h3> - -<div class="hang2"> - -<p>9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens -mit dem Beinstab nicht auf’s Papier.</p> - -<p>Ursache:</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">a</em>) Das Papier ist zu trocken;</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">b</em>) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife -beigemischt;</p> - -<p class="m3"><em class="antiqua">c</em>) Das Papier eignet sich überhaupt nicht -zum Kupferdruck; es saugt nicht.</p> - -<p class="m3i">Ist kräftig genug gerieben worden, -so muß sich am Papier, wenn es auch -weiß geblieben, deutlich das Strichrelief -des Bildes zeigen (Untersuchung -mit der Lupe).</p> - -<p>Abhilfe:</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">a</em>) Einige Blätter Filtrierpapier werden -frisch gefeuchtet zwischen den Vorrat -eingelegt; einen Tag später -werden die Druckversuche wieder -aufgenommen;</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">b</em>) Einarbeiten von Schmierseife in die -vorrätige Druckfarbe;</p> - -<p class="m3">für <em class="antiqua">c</em>) Selbstverständlich.</p> - -<p>10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.</p> - -<p>Ursache: Zu nasses Druckpapier.</p> - -<p>Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen -aussetzen, bis das Papier unter -der Presse etwas trockener geworden. Oder -Einlegen von trockenem Filtrierpapier in -den gefeuchteten Vorrat.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_73">[73]</span></p> - -<p>11. An <em class="gesperrt">flauen Flecken</em> und blinden Stellen, -deren Ursachen auf <a href="#Seite_26_9">S. 26, Z. 9</a> von oben, -erläutert wurden, ist nicht der Abdruck, -sondern das Radieren und Ätzen schuld. -Eine</p> - -<p>Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht -oder doch nicht mit befriedigendem Erfolg -geschaffen werden. Für den Anfänger ist -hier Abschleifen der Platte und Beginnen -einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur -soll nicht vergessen werden, sich vorher -noch einige scharfe reine Abzüge von der -verdorbenen Platte zu nehmen, um solche -Drucke als Anhaltspunkte für das weitere -Arbeiten bereit zu haben.</p> -</div> - -<p>Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß -genommen, über das Abschleifen der Platte im folgenden -Abschnitt eingehend zu sprechen.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_74">[74]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap08">8. Abschleifen der Platte.</h2> -</div> - -<p>Die erste Bearbeitung der Platte muß energisch -eingeleitet werden, soll die ganze Prozedur nicht -allzuviel Zeit in Anspruch nehmen. Bei kleineren -Platten ist es am besten, wenn man die ganze -Arbeit mit einer breiten Schlichtfeile von mittelfeinem -Hieb abfeilt; das geht sehr rasch und schadet -der Platte bei geschickter Hantierung nicht. Die -Länge der Feile muß die Platte beträchtlich überragen, -damit man sie bequem handhaben kann. -Bei richtiger Führung der Feile ist eine vom Feilenhieb -herrührende Riefung der Oberfläche des Kupfers -nicht zu befürchten. Ätzungen auf größeren Platten -würden zum Ausfeilen sehr langer Feilen bedürfen; -hier arbeitet man besser mit dem Schabeisen. Man -beschafft es sich, indem man wieder eine Dreikantfeile -(siehe <a href="#Seite_67">Seite 67</a>) kauft und sie in der schon -beschriebenen Weise vom Messerschmied schleifen -läßt, jedoch nicht wie beim Polierstahl mit abgerundeten, -sondern mit scharfen Kanten. Hohlschliff -ist nicht notwendig, ebensowenig ein Polieren des -Werkzeuges. Mit den Kanten dieses Instrumentes -wird die Ätzung ausgeschabt, jedoch darf nicht vergessen -werden, große glatte Stellen (z. B. die Luft -und dergl.) auch zu bearbeiten, da sonst die Platte -ungleich dick aus der Arbeit hervorgehen würde. -Ist die letzte Spur der Striche von der Platte<span class="pagenum" id="Seite_75">[75]</span> -verschwunden, so wird die Arbeit des Schleifens -mit Blaustein<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a> begonnen. Es ist dies ein in jeder -Werkzeughandlung erhältlicher Stein von prismatischer -Form, die eine Fläche, mit der man arbeitet, -muß absolut eben sein. Neue Steine erfüllen diese -Forderung meist nicht, sie müssen erst auf einer -anderen, harten Fläche ausgearbeitet werden. Beabsichtigt -man im Anfang eine energischere Wirkung, -so kann der Blaustein erst mit feinem Bimssteinpulver -angewendet werden. Schleift man die -Kupferplatte jedoch mit Bimsstein vor, so ist die -separate Anschaffung von Bimssteinpulver überflüssig. -Das Schleifen mit Bimsstein und Blaustein geschieht -auf einem starken Brett mit reichlichem Zuguß -von Wasser parallel den Kanten der Platte. -Schließlich kommt der Blaustein allein zur Anwendung -und die Glätte kann bis zu einem recht -hohen Grade getrieben werden; dabei muß die Platte -fleißig gespült werden, damit man das gänzliche -Verschwinden sämtlicher Ritzen und Kratzer sicher -beobachten kann. Der Blaustein wird seiner Längsachse -parallel über die Platte geführt und -zwar mit einer seiner beiden Breitseiten. Schließlich -wird die Platte endgültig gespült und abgetrocknet.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Am schnellsten geht diese Arbeit mit einem prismatischen -Karborundstein von statten.</p> -</div> -</div> - -<p>Auf einer anderen, trockenen Unterlage wird nun -dieselbe – im rechten Winkel zur letzten Schliffrichtung -– mit einer Bürste aus feinem Stahldraht (erhältlich -in Eisenhandlungen) weiterbearbeitet. (<a href="#fig16">Abb. 16</a>).</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_76">[76]</span></p> - -<p>Auch zu den Diagonalen parallel kann gebürstet -werden. Die Glätte der Platte steigert sich nun -zusehends und kann durch die Anwendung des flachgehaltenen -Polierstahles noch gehoben werden; er -wird in einer zu sich stets parallelbleibenden, eventuell -einer zweiten dazu senkrechten Richtung über -die Platte geführt und hinterläßt darauf eine äußerst -dichte Strichlage.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="fig16"> - <img class="w100" src="images/illu-098.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 16. Stahldrahtbürste.</div> -</div> - -<p>Endlich werden auch diese Striche getilgt, indem -man die Platte mittelst eines mit Filz überspannten -Brettchens, einer sogenannten Filzfeile, unter Anwendung -von Globuspasta<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a> poliert.</p> - -<div class="footnotes"> -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a> In Ermanglung dieser tut es wohl auch eine Pasta aus -Öl mit Engelrot, Kohlenpulver oder Schieferpulver.</p> -</div> -</div> - -<p>Die Platte ist zu neuer Arbeit bereit, bedarf -aber behufs Aufbringen des Ätzgrundes noch einer -auf <a href="#Seite_11">Seite 11</a> beschriebenen gründlichen Entfettung.</p> - -<p>Wer aus irgend einem Grunde diese Arbeit -nicht verrichten kann, der lasse seine Kupferplatte -bei einem Messerschmied oder in einer Plattier-Anstalt -blank schleifen.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_77">[77]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap09">9. Strich und Ton.</h2> -</div> - -<p>So sehr auch zugegeben werden muß, daß -unsere Technik in ihrer bisher beschriebenen Ausübung -geeignet erscheint, dem Künstler ein Ausdrucksmittel -zu sein, das ihm gestattet, sein Innerstes -vor dem Beschauer aufzutun, so ist doch und namentlich -heute nicht mehr die Nadel allein das ganze -Rüstzeug des Radierers.</p> - -<p>Freilich, der Anfänger wird mit verdienter Freude -seine Fortschritte mit der Nadel begrüßen und es -wäre falsch, wollte man behaupten, daß der Nadel -allein höhere künstlerische Wirkungen und der Ausdruck -der Stimmungen versagt seien.</p> - -<p>Schon der Anfänger, wenn er das erste Herzklopfen -überstanden hat, wird mit seiner Nadel einer -beabsichtigten Wirkung beizukommen suchen, indem -er ihre Handhabung solange verändert, bis ihre -Wirkung seinem Empfinden entspricht, und darin -liegt schon soviel Persönlichkeit! Bald führt er -die Nadel, namentlich die Beschneidfeder, nach Art -der kalten Nadel Furchen schneidend über die Fläche, -bald läßt er sie, steilgehalten, in Punktreihen, statt -in kontinuierlichem Strich über das Kupfer springen. -Hierin hat er schon ein Mittel in der Hand, in -Ton zu arbeiten, denn eine gekreuzte Strichlage -wird bei springend geführter Nadel nicht störend<span class="pagenum" id="Seite_78">[78]</span> -empfunden. Und Ton ist ja das Endziel jedes -malerisch, also farbig Empfindenden.</p> - -<p>Denn wenn auch – technisch – eine Arbeit -mit der Nadel rein in Konturen denkbar ist, die -Ziele der Radierung liegen doch fernab von trockenem -Zeichnen in Umrissen und magerem Schatten in -Strichlagen.</p> - -<p>Wenn der Anfänger die ersten Beweise steigenden -Könnens begrüßt hat, empfindet er in der -Ausdrucksweise eine Lücke, die auszufüllen ihn verlangt. -Zahllos schier sind die Mittel, die uns zu -Gebote stehen, die Kupferfläche derart zu bearbeiten, -daß uns der Abdruck nicht als Skelett der Zeichnung -allein, sondern den verbindenden Ton grauer -Flächen bringt.</p> - -<p>In den Tiefen zuerst verlangt es uns nach -sammetartig homogenem Ton. So dicht auch die -Strichlage hier gehalten werden kann, immer und -namentlich bei Flächen größerer Ausdehnung entsprechen -den notwendigen Stegen, die die Striche -trennen müssen, im Abdrucke lichten Stellen, die -sogenannten Flammen, die oft recht störend wirken -können. Bei Flächen von schmälerer Gestalt hilft -man sich bisweilen mit der »springenden Nadel«, -wenn man diese mit tüchtigem Nachdruck führt. -Auch die Schneidefeder leistet vorzügliche Dienste. -Größere Flächen werden mittelst Beizemitteln getont. -Zu solchen Beizemitteln zählt die Schwefelmilch, -ein lichtgelbes feines Mehl, welches jede Drogerie -vorrätig hat. Dieses Mehl wird mit Öl zu einem<span class="pagenum" id="Seite_79">[79]</span> -Brei verrieben und auf die zu tonende Fläche aufgetragen. -Das Auftragen kann mit einem Haarpinsel -erfolgen; rascher und intensiver zeigt sich -die Wirkung, wenn man, mit sorgfältiger Achtnahme -auf die Begrenzung der zu tonenden Fläche, -den Brei mit einem Leinwandfleckchen, welches um -den Zeigefinger gespannt ist, auf der betreffenden -Stelle verreibt. Bei Flächen von bestimmter Begrenzung -arbeitet man am besten mit einem Papierwischer -(Kreidewischer). Die Wirkung dieser Beize -besteht in einer infolge schwacher Ätzung erzielten -feinen Aufrauhung der allzu glatten Stellen des -Kupfers. Sofort nach erreichter Wirkung muß -diese Beize mit reinem Öl vom Kupfer entfernt -werden.</p> - -<p>Alle solche Beizmittel sind eigentlich nur als -eine ergänzende Nacharbeit des Hauptvorganges -aufzufassen, denn sie sind ihrer Natur entsprechend -nicht dazu angetan, den Gesamtcharakter, den Aufbau -einer Radierung, wesentlich zu verändern.</p> - -<p>Anders sieht es mit den sogenannten maschinellen -Mitteln der Ätzkunst aus. Ihre Anwendung -bestimmt von vornherein die Stimmung, den Charakter -des Werkes, und von ihrer zielbewußten, -taktvollen Anwendung hängt der künstlerische Wert -einer Arbeit vornehmlich ab.</p> - -<p>Hier möchte ich der Meinung entgegentreten, -daß maschinelle Mittel bei einer Radierung von der -Hand zu weisen wären, »weil sie unkünstlerisch seien.«</p> - -<p>Ein Beispiel: Ein Porträt, eine Landschaft, ist<span class="pagenum" id="Seite_80">[80]</span> -auf getontem Naturpapier gearbeitet, die Lichter -in Weiß aufgesetzt. Ja noch mehr: die Farbe des -Papiers ist sogar der Stimmung des Bildes angepaßt. -– Und dieser Farbenton des Papiers, ist -er vielleicht nicht auch ein maschinelles Mittel, das -dem Künstler fertig zu Gebote steht? Und ihrer -Anwendung wegen vielleicht das Beginnen unkünstlerisch? -Wenn nicht, dann wird auch der Radierung -ein solches Mittel nicht verwehrt werden dürfen, -wenn es die Ausdrucksfähigkeit der Technik erhöht. -Freilich muß künstlerischer Geschmack bei einer -solchen Arbeit Pate gestanden sein, freilich muß -der Radierer schon lange <em class="gesperrt">vor</em> Beginn seiner Arbeit -über die Anwendung seiner Mittel im Klaren sein, -soll das Ende vom wohlüberlegten und trefflich -disponierten Anfang, von zielbewußtem Aufbau uns -erzählen! Dieses Ziel besteht eben in der harmonischen -Verquickung der beiden Begriffe: Strich -und Ton. Eine Radierung kann gewiß auf den -Strich allein aufgebaut sein; dann ist es ein Motiv, -welches des Tons nicht bedarf. Ebenso kann eine -Arbeit auch auf die Wirkung des Tones berechnet -sein. (Man denke nur an eine Nebelstimmung -oder eine trübe Winterlandschaft und dgl.) In -der Mitte der beiden Extreme jedoch steht die -Arbeit, welche auf das gegenseitig ergänzende Zusammenwirken -von Strich und Ton berechnet ist; -sei es, daß der Ton die Zeichnung als eine Art -graue Lasur überzieht, oder, daß ein hauptsächlich -in Tonqualitäten wirkendes Bild mittelst der Nadel<span class="pagenum" id="Seite_81">[81]</span> -bloß an markanten Stellen in seiner Wirkung gehoben -wird. – Welche Fülle von Wegen zum Ziele!</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="plate06"> - <img class="w100" src="images/illu-103.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Karlskirche in Wien<br /> -Original-Radierung von Alois Seibold</div> -</div> - -<p>Unter maschinellen Mitteln verstehen wir Mittel, -welche uns gestatten, über die Platte einen gleichmäßigen -Ton von verschiedener Textur auszubreiten. -Die Elemente können Punkte oder Striche sein, je -nach der Entstehungsart des erzielten Effektes. -Bei der Radierung in unserem Sinne beschränkten -sich die dazu erforderlichen Arbeiten auf eine zweckmäßige -Behandlung des auf der Platte befindlichen -Ätzgrundes.</p> - -<p>Eine der ältesten Arten in Ton zu arbeiten -besteht darin, daß man auf die grundierte, heißgehaltene -Platte mittelst eines Siebes Steinsalz streut. -Die feinen Körnchen bleiben am weichen Ätzgrund -kleben und sinken bei weiterer Erhitzung der Platte -in der geschmolzenen Firnisschicht bis auf das -blanke Kupfer. Die wieder erkaltete Platte gelangt -nun in ein Gefäß mit Wasser. Die Salzkörnchen -werden hierin ausgelaugt und lassen in der Firnisschicht -feine Löcher zurück, welche bis aufs Kupfer -reichen und dem Ätzwasser später Zutritt auf die -blanke Platte gewähren. (»Aquatinta«).</p> - -<p>Eine ähnliche Wirkung hat Schmirgelpapier, -welches in der Art, wie wir unsre Probedrucke -herstellen, mit dem Beinstab an die grundierte -Platte gedrückt wird. (<a href="#fig13">Abb. 13</a>). Die scharfkantigen -Körnchen durchlöchern in zahllosen Stichen -den Ätzgrund und legen das Kupfer für die -Ätzung bloß.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_82">[82]</span></p> - -<p>Wohl noch wenig bekannt ist das Tonen mit -der Stahldrahtbürste. (<a href="#fig16">Abb. 16</a>).</p> - -<p>Die grundierte, kalte Platte wird auf den Tisch gelegt -und mit einer gestielten feinen Stahldrahtbürste -(siehe <a href="#fig16">Abb. 16</a>) sachte geschlagen, wobei die Kupferplatte -mit der linken Hand fortwährend zu drehen -ist, damit die Wirkung gleichmäßig erfolge. Die -Verletzungen des Ätzgrundes haben nämlich die -Form zarter kurzer Strichelchen von bestimmter -Richtung. Das Drehen der Platte mit der linken -Hand soll also das Vorherrschen einer gewissen -Richtung der Strichelchen verhüten.</p> - -<p>Eine derart behandelte Platte kann nun eventuell -noch vor der Ätzung auch mit der Nadel -bearbeitet werden. Lichter sind selbstverständlich -vorher mit Pinselfirnis zu decken (sogenannte »Reservagemethode«). -Abgestuftes Ätzen mittelst Deckfirnis -erlaubt dann noch einen Reichtum an Tonstärken -zu entwickeln, doch soll auch hier ein gewisses -Maß nicht überschritten werden, damit der Reiz -der Kontraste dadurch nicht verschleiert werde.</p> - -<p>Das fertige Blatt wird von manchem Radierer -noch weiter »bearbeitet«. Die noch weiche, verwischbare -Druckfarbe wird mit Wischern an gewissen -Stellen vertrieben, verwischt, die Striche auseinandergeschmiert, -um so etwas wie »<em class="gesperrt">Ton</em>« zu erzielen; -doch nicht genug damit: Mit dem Radiergummi -werden auf dem fertigen Blatt lichte Wolken -– hervorgezaubert. Was bleibt da noch übrig von -der Schönheit dieser Technik? Dem Laien, der<span class="pagenum" id="Seite_83">[83]</span> -in die Geheimnisse dieser Kunstweise nicht eingeweiht, -ist es nicht zur Last zu legen, daß solche Blätter -mit Erfolg kursieren können. Wenn aber der Berufene -selbst um eines groben Effektes willen die -Reinheit des Stiles hingibt und an der Verwilderung -einer Technik arbeitet, die in ihren <em class="gesperrt">echten</em> -Mitteln ohnehin so unerschöpflich reich und schön -ist, so ist dies ein bedauernswerter, von vielen Kunsthändlern -protegierter Tiefstand, dem der Einzelne -durch konsequente Pflege des reinen Stiles entgegenarbeiten -kann und muß.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_84">[84]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap10">10. Wege und Ziele.</h2> -</div> - -<p>Wie mannigfaltig sich das Arbeiten gestalten -kann, das haben wir bei verschiedenen Gelegenheiten -ersehen können, und je mehr der Radierer mit -ernstem Fleiß alle Ausdrucksweisen sich zu eigen -zu machen sucht, desto vielverzweigter sieht er die -Wege sich auftun, die zum Ziele führen.</p> - -<p>Vor allem ist es das <em class="gesperrt">Wie</em>, mit welchem wir -ringen in heißem Bemühen. Grundfalsch wäre es, -wollte ich wähnen, erschöpfend über diese Technik -geschrieben zu haben, denn verschieden wie die Gesichter -der Menschen sind die Ausdrucksweisen, sie -sind eben der treue Spiegel der Persönlichkeit.</p> - -<p>Als die Radierung noch ein Reproduktionsverfahren -war, dem es zukam, Kunstwerke größeren -Stiles einem weiteren Publikum zugänglich zu -machen, da lag ihre Ausübung in strengen Normen -und es mußte so sein; was sollte auch dort ein -persönlicher Ausdruck, wo es galt, eine Aufgabe zu -erfüllen, die heute der photographischen Kamera -zufällt! Da mußte der Radierer selbstlos zurücktreten -und seine Art hinter der Aufgabe verbergen. Es -lag viel Handwerkliches in dieser Kunst, die so -willig war, fremdes Licht leuchten zu lassen mit -ihren Mitteln, die dazu berufen sind, eine ganz eigene -Sprache zu reden, eine Sprache, die dem Künstler<span class="pagenum" id="Seite_85">[85]</span> -aus dem Herzen kommt. An diese Erkenntnis -knüpft sich der Aufschwung der modernen Radierung; -sie wurde Selbstzweck und jeder Strich, früher vom -Zwange einer notwendigen Norm dirigiert, er wird -zum Wort, zum trotzigen, eigensinnigen vielleicht, -das uns aber der Seele des Künstlers, seinem -Empfinden nachfühlen läßt.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="plate07"> - <img class="w100" src="images/illu-109.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Überfahrt«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<p>Wer wollte da noch von Arbeitsregeln sprechen, -wer die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, -wenn er erfährt, daß der Meister vielleicht, einer -Empfindung folgend, die gewöhnliche Schreibfeder -zum Radieren benutzt oder mit den scharfen Kanten -einer abgebrochenen Nadel arbeitet? Nimmer kann -ein Lehrbuch über irgend eine Kunsttechnik mehr -wollen als »Gehen lehren«; der es gelernt hat, -wird seinen Weg finden, wenn ernstes Streben ihn -beseelt. Es soll ja damit gewiß nicht gesagt sein, -daß der Anfänger sich sobald als möglich nach -einer recht »originellen« Ausdrucksweise umsehen -soll; das wäre erbärmlicher Manierismus, weitab -von jener Liebe zur Natur, die darzustellen, wie -sie sich in unsrer Seele spiegelt, unsere höchste -Aufgabe sein soll. Ohne äußeres Hinzutun wird -die künstlerische Ader sich regen und der Hand, ihr -unbewußt, Gesetze diktieren, nach denen sie arbeite. -Denn bei fast keiner anderen Technik kann das -Inhaltliche so unabhängig von manueller Fertigkeit -zu uns sprechen als bei der Radierung.</p> - -<p>Und das Inhaltliche ist es auch, welches der -ganzen Technik Seele verleihen soll; denn wie hier<span class="pagenum" id="Seite_86">[86]</span> -die Ausdrucksform vom <em class="gesperrt">rein Malerischen</em> beherrscht -werden muß, so ist das <em class="gesperrt">Erzählende</em> das -Impuls gebende Moment für das <em class="gesperrt">Inhaltliche</em>.</p> - -<p>Kein Zufall ist es, daß unsre größten Radierer -auch die größten Grübler waren, vom Forschergeiste -Dürers, vom Altmeister Rembrandt herauf -bis zu unserer Modernsten einem.</p> - -<p>Und soviel auch errungen, jeder macht’s für sich -noch einmal mit, und jemehr er nach Ausdruck ringt, -umso lieber wird ihm diese trotzige, spröde Technik, -die sich ihre Geheimnisse von jedem ihrer Pfleger -neu abringen läßt und dies mit so manchem Goldkörnchen -einer neuen Ausdrucksmöglichkeit lohnt.</p> - -<p>Wenn die Arbeit disponiert, was gibt es da -nicht noch alles zu denken, zu überlegen! Schon -beim Grundieren fragen wir uns: »Was für Druckfarbe? -Was für Papierfarbe?« Da heißt’s schon -beim ersten Strich allen diesen Faktoren Rechnung -zu tragen und die Arbeit dem Endzweck anzupassen! -Wie anders muß gearbeitet werden für getontes -als für weißes Papier, für warmtonige als für -kühlwirkende Druckfarbe!</p> - -<p>Man versuche es nur einmal, eine für weißes -Papier berechnete Platte auf farbiggetontem abzudrucken -oder umgekehrt!</p> - -<p>Und doch ist das Wie noch nicht allein der -Endzweck, das Ziel! Was dem Pinsel oft versagt -bleibt zu bilden mit seinen reichen Mitteln, das -wird auf der Kupferplatte zu reinem Erguß, das -offenbart sich in der Lapidarschrift der Nadel mit<span class="pagenum" id="Seite_87">[87]</span> -überzeugender Kraft und Wärme. Menschenbeobachtung, -dieses hehre Problem, es zeigt uns stets -neue Ziele; und wieder ist es die Radierung, die -das <em class="gesperrt">Momentane</em> des Erschauten festzuhalten berufen -ist. Und wenn nun auch die Hand des -Einen mit plebeischer Derbheit zugreift, das Erschaute -zu bilden, wenn das weichere Naturell des -Andern mildere Töne anzuschlagen weiß, immer -fühlen wir den Reiz eines intimeren Verkehrs mit -dem Künstler auf uns wirken, wenn wir uns in -die Anschauung solcher Blätter versenken.</p> - -<p>Eines möchte ich auch gern dem Lernenden mit -auf den Weg geben und wie ich glaube, wird mir -jeder künstlerisch Empfindende zustimmen: »<em class="gesperrt">Nie -soll das Radieren eine Kopierarbeit -sein, nie sollen die Mittel ihrer Sprache -einer andern als ihrer eigenen Sache -dienen!</em>« Ich habe den Anfänger vor dem Kopieren -von Photographien gewarnt, (siehe <a href="#Seite_20">Seite 20</a>), -es hat seine triftigen Gründe: Mit ihren ungezählten -Abstufungen in den Tonstärken ist sie wirklich -nicht geeignet, Klarheit in das Arbeiten des -Anfängers zu bringen; ihn verwirrt die Vielheit, -zumal er den Ton, auf den ja jedes Lichtbild aufgebaut -ist, in ein System von Strichen bringen -müßte, eine Sache, die die Schwierigkeiten, die bei -den ersten Versuchen zu überwinden sind, nur vermehren -würde.</p> - -<p>Denn wenn auch die Bildidee, der Impuls zu -einem Kunstwerk, aus einer <em class="gesperrt">Anschauung</em> entspringen<span class="pagenum" id="Seite_88">[88]</span> -kann, das Denken an die Bewältigung -mit dem <em class="gesperrt">Material</em> ist doch erst das eigentlich -Schöpferische.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><em class="gesperrt">Schönheit in der Natur – Schönheit -des Materials – es sind zwei Welten; -sie zusammenzwingen in ein Menschenwerk, -das ist »Kunst«, und daß mit dem geeigneten -Material der erschöpfende Ausdruck -für den Impuls gefunden werde.</em> Ist es -nicht denkbar, daß ein an und für sich herrliches -Motiv, – sei es landschaftlicher oder figuraler Art –, -zur bitteren Enttäuschung des mit sich selbst Gerechten -und Strengen trotz meisterhafter Technik -nicht jene Erfüllung bringt, die er sich von ihm -versprach? Wie oft ist ein Werk allein wegen unrichtiger -Formatwahl verfehlt! Es gibt Motive, -die durchgeführt in kleinen Dimensionen zum köstlichen -Juwel werden können, und die auf großem -Format all’ ihren Reiz verlieren würden. Aber -mehr noch als dieses bestimmt die <em class="gesperrt">Wahl des -Materials</em> das Schicksal des Werkes.</p> - -<p>Nicht jedes Motiv, nicht jede Bildidee eignet -sich gleich gut für eine Durchführung in Aquarell, -in Holzschnitt, für eine Radierung oder für ein -Ölgemälde. Für den Radierer ergibt sich daraus -der Schluß, daß er nicht ohne Überlegung an sein -Werk gehen darf. Linienschönheit, Tonschönheit, -das sind die Mittel, mit denen die Radierung -arbeitet. Sie wird zum erschöpfenden Ausdruck,<span class="pagenum" id="Seite_89">[89]</span> -wenn sie im Motiv, in der Idee, Verwandtes findet -und dieses mit ihren Mitteln also zu einer höheren -Einheit erheben kann.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="plate08"> - <img class="w100" src="images/illu-115.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Pieta<br /> -Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<p>Dann wird neben der Idee auch das Material -zu uns sprechen wie eine lebendige Sprache. Dann -genießen wir nicht als Nebensache den feinen, -matten Strich, den beruhigenden Ton und – nicht -zuletzt auch den Reiz des eigenartigen Glanzes, -den die Metallfläche dem Druckpapier verleiht –, -die Freude am schönen Material.</p> - -<p>Beantwortet sich aus diesen Betrachtungen nicht -wie von selbst die Frage nach der zulässigen Größe -einer Radierung.</p> - -<p>Man sieht in Ausstellungen hie und da Radierungen, -deren eine Bildkante fast einen Meter -erreicht! Sind solche Riesenformate – Bravourarbeiten -– künstlerisch gerechtfertigt? Ist der zarte -Ton der Druckfarbe geeignet, in solchen Dimensionen -zu wirken? Das geheimnisvolle Weben, dem nachzugehen -vielleicht den Hauptreiz bei der Betrachtung -von Radierungen bildet, erstirbt, wenn man von -einem Werk dieser Technik zurücktritt – und -zurücktreten muß man, wenn ein Bild einmal -80 × 100 <em class="antiqua">cm</em> mißt. Wenn wir eine -Radierung betrachten, dann wollen wir in dem -Blatte lesen, im wahrsten Sinne des Wortes, -lesen all’ das, was der Künstler mit der Nadel -ins Metall geschrieben, lesen, wie ihm dabei -war, alle Leidenschaftlichkeit, alle Schaffenslust; -und Strich für Strich mitfühlen, was da<span class="pagenum" id="Seite_90">[90]</span> -geschrieben steht von einer in Arbeitsfreude vibrierenden -Hand!</p> - -<p>Dabei wollen wir aber doch auch nicht den -steten Überblick über das Ganze missen; ergeben -sich da bei Rücksichtnahme auf den Bau und die -Fähigkeiten des menschlichen Auges die Grenzen der -Bildgröße nicht von selbst? –</p> - -<p>Ein Ölgemälde 30 × 40 <em class="antiqua">cm</em> nennen wir ein -»Bildchen«. Eine Radierung von derselben Bildgröße -nennen wir ein »großes Blatt« – wie kommt -das? Oder wie kommt das, daß eine Radierung -in bescheidenen Dimensionen fesselnd, wuchtig und -kraftstrotzend wirken kann und eine Riesenradierung -daneben schlaff und leer?</p> - -<p>Wer sein Material kennt, dessen Schönheit versteht, -seine Vorzüge und Schwächen, dem wird es -nicht widerfahren, daß er es an Aufgaben zwingt, -vor denen es versagen oder doch zum mindesten -die Eigenart einbüßen muß.</p> - -<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div> - -<p>Ich habe an früheren Stellen empfohlen, bei der -Arbeit auf Kontrastwirkungen Bedacht zu nehmen.</p> - -<p>Dem Anfänger muß neben der Schulung der -Technik an sich auch diejenige des Auges angelegen -sein. Es muß sich an die Wirkungen der verschiedenen -Materialmöglichkeiten gewöhnen, soll es imstande -sein, scharf zu urteilen und Gutes von -Unbrauchbarem – wie doch beides der Werdegang<span class="pagenum" id="Seite_91">[91]</span> -des Radierers notwendig mit sich bringt – zu -scheiden. Solches wird bei kontrastreichem Vortrag -besser als bei einer mehr flachen Ausdrucksweise -erreicht. Daß damit nicht etwa gesagt sein soll, -daß eine Radierung unter allen Umständen Kontrastwirkung -aufweisen muß, ist wohl einleuchtend; -denn eine schleierige Wirkung kann ja gegebenenfalls -zur beabsichtigten Stimmung gerade erforderlich -sein. Doch das sind Dinge, über die man Bücher -schreiben möchte – oder nichts –; Hier hört das -Lehren auf, hier tritt das künstlerisch-schöpferische -Empfinden in sein unantastbares Recht.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_92">[92]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="chap11">11. Das fertige Blatt.</h2> -</div> - -<p>Endzweck einer geätzten Platte ist und bleibt: den -für die Öffentlichkeit bestimmten Abdruck zu liefern. -Angesichts dessen ist es auch von hohem Interesse, -über die Aufmachung der Blätter im Klaren zu sein, -denn ein geschmackvolles Äußeres hebt das Ansehen -einer Radierung ganz beträchtlich. Weit entfernt, hier -Regeln aufzustellen oder dem Leser gar Formeln an -die Hand zu geben, nach denen Blattgröße, Bildgröße -und Plattengröße mathematisch festzulegen sind, möchte -ich in solchen Fragen mit Vertrauen an den guten -Geschmack meiner lieben Leser appellieren, und ich -fürchte nicht, fehlzugehen. Ob man nun das Bild -klein in die Mitte der Platte setzt, oder die ganze -Platte für das Bild benutzt, das hängt vom Geschmack -des Radierers ab, auf alle Fälle macht ein -bis knapp an die Facette radiertes Bild einen sehr -gediegenen Eindruck, da ja das Druckpapier mit -seinem eingepreßten Plattenrand eine vornehme Umrahmung -dazu abgibt. Ist das Papier selbst ziemlich -stark, so wählen wir sein Format recht groß, denn -breite Ränder um die Radierung tragen zur edlen -Wirkung viel bei. Zartes Druckpapier kann klein -gehalten werden, das Bild wird dann auf weißen -Karton mit den zwei oberen Ecken aufkaschiert. -Japanpapier ist so dünn, daß es einer festen Unterlage<span class="pagenum" id="Seite_93">[93]</span> -bedarf. Aus weißem, starkem Papier oder -Karton werden große Blätter geschnitten, damit ein -recht breiter Rand um den Druck erhalten werde. -Das Papier wird mit Stärkekleister ganz bestrichen -(doch nicht allzunaß); dann wird der Japandruck -daraufgelegt und mit Filtrierpapier oder einem reinen -Handtuch bedeckt. Obendrauf kommt irgend ein -starkes Papier; sodann wird mit einem Leinwandballen -kräftig gerieben; das Bild haftet dann sehr -fest auf der Unterlage. Dieser Vorgang entfällt -bei Anwendung der Walzenpresse; dort erfolgt -Drucken und Aufkaschieren gleichzeitig. Name oder -Zeichen des Radierers kann am unteren Bildrand, -natürlich in Spiegelschrift, radiert und geätzt werden. -Schließlich kann man einen breiten Rahmen aus -Karton schneiden, dessen Öffnung so groß ist, daß -der gepreßte Platten-Rand des Abzuges sichtbar -bleibt, wenn man das Bild mit Klebestoff <em class="gesperrt">hinter</em> -diesen Karton mit zwei Ecken befestigt. Eine solche -Aufmachung hebt das Ansehen einer Radierung -außerordentlich.</p> - -<div class="figcenter illowp100" id="plate09"> - <img class="w100" src="images/illu-121.jpg" alt="" /> - <div class="caption">»Im Sturm«, Original-Radierung von Alois L. Seibold</div> -</div> - -<p>Zum Aufmachen an der Wand eignen sich am -besten zarte Rähmchen, welche entweder ein sehr -flaches oder noch besser gar kein Relief haben. -Rähmchen aus halbrunden oder ganz flachen, schmalen -Leisten wirken sehr vornehm.</p> - -<p>Die zum Verlag bestimmten Blätter erhalten -dann noch einen Aufdruck unterhalb des Bildes, -welcher den Titel desselben sowie die Bemerkung -»Originalradierung von N. N.« enthält.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_94">[94]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Schlu_wort">Schlußwort.</h2> -</div> - -<p>Wenn ich mich nun vom Leser verabschiede, so -möchte ich mir die Freude nicht versagen, dies Büchlein -mit dem Bewußtsein zu beschließen, in so -mancher schaffensfrohen Brust angeregt zu haben zu -frischer Kunstbetätigung.</p> - -<p>Mein Bestreben ging dahin, den Anfänger gleich -ins Praktische der Technik einzuführen, damit der -erziehliche Wert des Selbsterprobens dem Lernenden -so bald als möglich zu gute komme.</p> - -<p>Wie schon erwähnt, ist das Inhaltliche dieses -Buches die Lehre von etwas bereits Bestehendem -und kann, ohne das Wesen des Ganzen anzutasten, -nicht abweichen von den bereits bekannten Lehrbüchern -aus älterer und neuerer Zeit über dieses Gebiet. -Was ich aber als wesentlich bei der Radierung erblicke, -das sind in noch viel höherem Maße als -Virtuosität in der Technik: rein künstlerische Momente, -wert der besonderen Aufmerksamkeit des -Lernenden, der nicht nur in technischem Können es -zur Meisterschaft bringen sondern auch mit künstlerischem -Takte sich der errungenen Ausdrucksweise -bedienen will.</p> - -<p>Von diesem Standpunkte aus beurteilt wird auch -die beabsichtigte Hinweglassung der Aufzählung und -Beschreibung der vielen anderen Sticharten dem Buche<span class="pagenum" id="Seite_95">[95]</span> -nicht als Mangel vorzuwerfen sein, da diese entweder -mit der Ätzkunst nichts zu tun haben (wie z. B. -die Grabsticheltechnik, die Linienmanier, die Schabkunst -usw.), da dort das Vertiefen der bilderzeugenden -Elemente auf mechanischem Wege geschieht, oder -wenn sie auf Ätzung beruhen wie z. B. die verschiedenen -Arten der »Aquatinta« (im Absatz »<em class="gesperrt">Strich -und Ton</em>« ist das Prinzip einer solchen Aquatintatechnik, -nämlich derjenigen mittelst Steinsalzpulver, -gelegentlich erörtert), die Reservagenmethoden, die -Crayon- und Korntechniken doch für den freischaffenden -Künstler nicht gerade den Königsweg bedeuten, -da bei ihnen meistens feine, minutiöse Ausführung -ihren Wert und ihren Selbstzweck bilden.</p> - -<p>Von alledem sei bloß die »<em class="gesperrt">kalte Nadel</em>« oder -»Schneidenadel« erwähnt, da sie ein wertvolles Mittel -bei Retouche und Nacharbeit der geätzten Platte ist.</p> - -<p>Dieses Werkzeug ist eine Radiernadel, welche -jedoch nicht kegelförmig sondern schneidig geschliffen -ist. Die photographische Schneidefeder leistet auch -hierin vorzügliche Dienste. Sie wird auf der fertigen -Ätzung, auf blankem Kupfer verwendet und -ermöglicht, in zarten Strichlagen geführt, duftige -lasurartige Töne. Zu bedenken ist hierbei, daß die -kalte Nadel einen ganz anderen Strich-Charakter -ergibt als die Ätzung, daß also ihre Anwendung -vorsichtig und sparsam erfolgen muß, damit der Gesamtcharakter -der Arbeit dadurch nichts von seiner -harmonischen Wirkung einbüße. Die Schneidefeder -(kalte Nadel) erzeugt neben den feinen Furchen auf<span class="pagenum" id="Seite_96">[96]</span> -der Kupferplatte auch aufstehende Kanten, die sogenannten -»Grate«. Man fühlt sie leicht heraus, -wenn man mit der Fingerspitze über die Platte -streicht. An diesen Graten würde beim Abziehen -die Druckfarbe hängen bleiben und im Abzug klecksartige -Stellen verursachen. Deshalb muß man diese -Grate vor dem Einschwärzen mit dem Schabstahl -abnehmen. Nur darf man diesen nicht senkrecht zur -Strichrichtung der Grate führen, da man sie sonst -nicht entfernen, sondern nur umlegen und die Furchen -dadurch wieder schließen würde.</p> - -<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div> - -<p>Manchen meiner lieben Leser wird es vielleicht -willkommen sein, die Radierung, wenigstens die Anfänger-Arbeiten -mit billigeren Mitteln betreiben zu -können. Einen solchen wirklich guten Ersatz bietet -die im Vergleich zur Kupferplatte viel billigere Zinkplatte. -Ihre Bearbeitung unterscheidet sich nicht -von der der Kupferplatte. Nur das Ätzwasser muß -für Zink bedeutend schwächer sein als für Kupfer. Ein -sehr gutes Ätzwasser für Zinkplatten stellt man sich -wie folgt her: In eine <em class="gesperrt">gesättigte</em> Kochsalzlösung -gießt man gewöhnliche Salzsäure, schüttelt gut durch -und nimmt davon in die Eprouvette. Der blanke -Probestreifen aus Zinkblech wird hineingesenkt. Er -soll sich nach etwa einer Minute mit sehr kleinen -Bläschen belegen. Das rasche Entstehen von großen -Blasen ist ein Zeichen eines zu starken Ätzwassers.<span class="pagenum" id="Seite_97">[97]</span> -Verdünnt wird dann grundsätzlich mit gesättigter -Kochsalzlösung, nicht mit reinem Wasser. Diese -Kochsalzlösung hält man in einer großen Flasche -auf Vorrat. (Man schüttet soviel Kochsalz in die -Flasche, daß sich stets ein ungelöster Rest davon -im Wasser unten befindet).</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="plate10"> - <img class="w100" src="images/illu-127.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Der heilige Franziskus<br /> -Original-Radierung von Alois Seibold</div> -</div> - -<p>Wenn man bemerkt, daß sich von den Kanten -des Probestreifens feine glitzernde Fäden in der -Eprouvette niedersenken, dann ist das Ätzwasser -bereits stark genug, auch wenn noch keine deutliche -Blasenbildung auftritt. Man vermeide es, Ätzwässer -für Zink und solche für Kupfer in Mischung zu -bringen. Die blaue Färbung des Kupferätzwassers -läßt ja nicht leicht Verwechslungen zu. Das Zinkätzwasser -wird gelb und soll doch durch eine Aufschrift -gekennzeichnet werden, da es sich von neuen, -ungebrauchten Ätzwässern nicht merklich unterscheidet.</p> - -<p>Ungemein wichtig erschien mir, die Erörterung -des Abdruckens mit einfachen Mitteln meinen lieben -Lesern vorzuführen, denn, wenn wir das Drucken -mit dem Beinstab beherrschen, dann haben wir in -diesen Produkten zuverlässige, nimmerversagende Ratgeber -gefunden, Ratgeber, die stets zur Hand sind, -wenn man ihrer bedarf und eine Arbeit begleiten -bis zu ihrer Vollendung. Schon das fortwährende -Hin- und Widerlaufen zum Kupferdrucker, das Warten -auf die Abzüge usw. ist nicht besonders angenehm; hat -aber jeder Ort einen Kupferdrucker? wenn nicht, dann -spielt sich die Sache obendrein auch noch per Post ab, -– vom Kostenpunkt ganz abgesehen! Und dann<span class="pagenum" id="Seite_98">[98]</span> -muß erwogen werden: Es sind Probedrucke, für -welche all die Müh’, Zeit und Kosten verwendet -werden soll!</p> - -<p>Allerdings sehr empfehlenswert ist die Anschaffung -einer nicht gar zu kleinen Handwalzenpresse; -namentlich dann, wenn man beabsichtigt, -selbst auch eine kleine Auflage von Abzügen für den -engeren Verkehr zu drucken. Man ist durchaus -nicht an große Firmen gebunden, ein vertrauenswürdiger, -intelligenter Maschinenschlosser wird eine -solche Walzenpresse mit Bessemerwalzen samt Gestell -und den zwei Tischblättern mit gewiß geringeren -Kosten und ganz exakter Leistung herzustellen wissen; -nur darf die Federung und die Verstellbarkeit der -oberen Achsenlager nicht vergessen werden.</p> - -<p>Handwalzenpressen von sehr hoher Leistungsfähigkeit -erzeugt die Pressenfabrik Gärdtner & Knopp -in Wien.</p> - -<div class="tb"><sup>*</sup><sub>*</sub><sup>*</sup></div> - -<p>Am Ende meiner Ausführungen angelangt erübrigt -mir nur noch dem Wunsche Ausdruck zu -geben, daß das Büchlein, so anspruchslos es auch -sei, allen denen, die sich ihm anvertrauen, ein -treuer Ratgeber bei ihren ersten Versuchen werde, -sowie, daß es auch nicht sobald aus der Hand des -Fortgeschrittenen gelegt werde. Seine Knappheit -möge ihm nicht zum Vorwurf gemacht werden,<span class="pagenum" id="Seite_99">[99]</span> -denn nicht umfassen soll es und erschöpfen, nur -anregen, nur die Wege zeigen will es den Lernenden, -die ihren Fleiß dieser edlen Technik widmen -und im Lernen, im Fortschreiten deren berufene -Pfleger, ihre eifrigen Schätzer werden wollen.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_100">[100]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Alphabetisches_Verzeichnis">Alphabetisches Verzeichnis.</h2> -</div> - -<ul class="index"> -<li class="ifrst">Abblättern des Ätzgrundes <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li> - -<li class="indx">Abdecken mit Pinselfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Abfärben der Rauchschicht <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx">Abgestuftes Ätzen <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Abschleifen der Platte <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx">Anrauchen der Platte (<a href="#fig03">Abb. 3</a> und <a href="#fig04">4</a>) <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx">Aquatinta <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li> - -<li class="indx">Arbeitsprogramme <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx">Asphalt <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">Asphaltlack <a href="#Seite_32">32</a>, <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_63">63</a></li> - -<li class="indx">Ätzdamm <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx">Ätzgruben-»Nester« <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx">Ätzgrund, dessen Eigenschaften <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx">Ätzprozeß <a href="#Seite_2">2</a>, <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx">Ätzschalen <a href="#Seite_32">32</a>, <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Ätzwachs <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx">Ätzwasser für Kupfer <a href="#Seite_28">28</a>, <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx">Ätzwasser für Zink <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">Aufätzen <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx">Aufpausen der Zeichnung <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx">Aufbewahren von Ätzgrund <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx">Aufbewahren von Ätzwachs <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Aufbewahren von Druckfarbe <a href="#Seite_49">49</a></li> - -<li class="indx">Aufbewahren von Pinselfirnis <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">Aufbewahren der Platten <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_19">19</a></li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_101">[101]</span>Aufbewahren des Polierstahls <a href="#Seite_67">67</a></li> - -<li class="indx">Aufbringen des Ätzgrundes <a href="#Seite_12">12</a>, <a href="#Seite_62">62</a></li> - -<li class="indx">Aufbringen der Konturen <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx">Auflagetuch (<a href="#fig14">Abb. 14</a>) <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx">Aufmachen des fertigen Bildes <a href="#Seite_93">93</a></li> - -<li class="indx">Ausprobieren des Ätzwassers <a href="#Seite_30">30</a>, <a href="#Seite_97">97</a></li> - -<li class="ifrst">Beinstab (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) <a href="#Seite_22">22</a>, <a href="#Seite_56">56</a>, <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx">Beißzange <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx">Beizemittel <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">Bequeme Plattengröße <a href="#Seite_6">6</a></li> - -<li class="indx">Bienenwachs <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Bildgröße <a href="#Seite_89">89</a>, <a href="#Seite_92">92</a></li> - -<li class="indx">Bimsstein <a href="#Seite_75">75</a></li> - -<li class="indx">Blasenbildung <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li> - -<li class="indx">Blattrand und Blattgröße <a href="#Seite_92">92</a></li> - -<li class="indx">Blaustein <a href="#Seite_75">75</a></li> - -<li class="indx">Böttchers Ätzwasser <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx">Brennöl <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="ifrst">Chlorsaures Kali <a href="#Seite_29">29</a>, <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="ifrst">Deckfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_70">70</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Druck <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="indx">Druckballen (<a href="#fig08">Abb. 8</a> und <a href="#fig09">9</a>) <a href="#Seite_50">50</a>, <a href="#Seite_51">51</a></li> - -<li class="indx">Drucken (maschinelles) <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx">Druckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx">Druckpapier <a href="#Seite_46">46</a></li> - -<li class="indx">Duplikatplatten <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="ifrst">Einleiten der Ätzung <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Einschwärzen der Platte (<a href="#fig09">Abb. 9</a>) <a href="#Seite_50">50</a></li> - -<li class="indx">Engelrot <a href="#Seite_76">76</a></li> - -<li class="indx">Entfetten <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="ifrst">Facette, Facettieren <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx">Farbkissen <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_102">[102]</span>Feilklobe <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx">Fetthauch auf der Platte <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx">Fettrötel <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx">Filtrierpapier <a href="#Seite_37">37</a>, <a href="#Seite_46">46</a>, <a href="#Seite_47">47</a>, <a href="#Seite_72">72</a></li> - -<li class="indx">Filzfeile <a href="#Seite_76">76</a></li> - -<li class="indx">Fisch- oder Marderpinsel <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">»Flammen« <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">Flanelltuch <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_19">19</a>, <a href="#Seite_58">58</a></li> - -<li class="indx">Flecken im Abdruck (blinde F.) <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">Flüssiger Ätzgrund <a href="#Seite_63">63</a></li> - -<li class="indx">Führung der Nadel <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_65">65</a></li> - -<li class="indx">Führung des Beinstabes (<a href="#fig13">Abb. 13</a>) <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx">Führung des Druckballens (<a href="#fig09">Abb. 9</a>) <a href="#Seite_51">51</a></li> - -<li class="ifrst">Gänsefeder <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx">Gasentwicklung (schädliche) <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx">Glasmensur <a href="#Seite_29">29</a></li> - -<li class="indx">Glastafelmethode (<a href="#fig06">Abb. 6</a>) <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx">Globuspasta <a href="#Seite_67">67</a>, <a href="#Seite_76">76</a></li> - -<li class="indx">Graphische Künste <a href="#Seite_5">5</a></li> - -<li class="indx">Graphit <a href="#Seite_18">18</a>, <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx">Grate <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">Gravieren <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx">Griffel zum Pausen <a href="#Seite_22">22</a></li> - -<li class="indx">Grundieren <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx">Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) <a href="#Seite_14">14</a></li> - -<li class="ifrst">Handabzug <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="indx">Handbänkchen (<a href="#fig07">Abb. 7</a>) <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx">Handwalzenpresse <a href="#Seite_98">98</a></li> - -<li class="indx">Herrichten und Prüfen der Nadeln <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx">Hochdruck <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="ifrst">Japanpapier <a href="#Seite_47">47</a>, <a href="#Seite_93">93</a></li> - -<li class="ifrst">Kalte Nadel <a href="#Seite_95">95</a></li> - -<li class="indx">Kampmann: »Die graphischen Künste« <a href="#Seite_5">5</a></li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_103">[103]</span>Karborundstein <a href="#Seite_75">75</a></li> - -<li class="indx">Klecksige Abzüge <a href="#Seite_72">72</a></li> - -<li class="indx">Kochsalz <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">Kolophonium <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">Körnchen und Knötchen im Ätzgrund <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx">Kupferdruckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx">Kupferdruckfirnis <a href="#Seite_49">49</a></li> - -<li class="indx">Kupferdruckpapier <a href="#Seite_46">46</a></li> - -<li class="indx">Kupferplatte <a href="#Seite_6">6</a></li> - -<li class="ifrst">Leinöl <a href="#Seite_49">49</a></li> - -<li class="ifrst">Manierismus <a href="#Seite_85">85</a></li> - -<li class="indx">Marder- oder Fischpinsel <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx">Maschinelles Drucken (<a href="#fig14">Abb. 14</a>) <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx">Maschinelle Tonungsmittel <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx">Mastix <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_70">70</a></li> - -<li class="indx">Mißerfolge <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx">Modellierholz <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="ifrst">Nadelführung <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_64">64</a></li> - -<li class="indx">Nadel (Herrichten und Prüfen) <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx">»Nester« = Ätzgruben <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="ifrst">Offenhalten der Strichlagen <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="ifrst">Papprahmen (<a href="#fig11">Abb. 11</a> und <a href="#fig12">12</a>) <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx">Pausen <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx">Photographie <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_87">87</a></li> - -<li class="indx">Photographische Schneidefeder (<a href="#fig15">Abb. 15</a>) <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li> - -<li class="indx">Pinselfirnis <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_70">70</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Plattenrost mit Handhabe (<a href="#fig01">Abb. 1</a>) <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx">Plattieranstalt <a href="#Seite_7">7</a>, <a href="#Seite_76">76</a></li> - -<li class="indx">Polieren <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_66">66</a></li> - -<li class="indx">Polierpasta <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">Polierstahl <a href="#Seite_66">66</a></li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_104">[104]</span>Probedrucke <a href="#Seite_65">65</a>, <a href="#Seite_67">67</a></li> - -<li class="ifrst">Radiernadel (<a href="#fig05">Abb. 5</a>) <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx">Reinigen der Platte <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx">Retouche-Arbeiten <a href="#Seite_62">62</a></li> - -<li class="indx">Rezept für Ätzgrund <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx">Rezept für Ätzwachs <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx">Rezept für Ätzwasser <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx">Rezept für Deckfirnis <a href="#Seite_38">38</a></li> - -<li class="indx">Rezept für Druckfarbe <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx">Rost mit Handhabe (<a href="#fig01">Abb. 1</a>) <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="ifrst">Salpetersäure <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx">Salzsäure <a href="#Seite_37">37</a>, <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">Säureflaschen <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx">Schabeisen <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx">Schadenätzungen <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_63">63</a></li> - -<li class="indx">Schlemmkreide <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx">Schlichtfeile <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx">Schmierseife <a href="#Seite_49">49</a></li> - -<li class="indx">Schmirgelpapier <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx">Schneidefeder (<a href="#fig15">Abb. 15</a>) <a href="#Seite_64">64</a>, <a href="#Seite_95">95</a></li> - -<li class="indx">Schräge – Facette <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx">Schreibfeder <a href="#Seite_85">85</a></li> - -<li class="indx">Schwefelmilch <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">Sodalösung <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx">Spachtel (<a href="#fig10">Abb. 10</a>) <a href="#Seite_52">52</a></li> - -<li class="indx">»Springende Nadel« <a href="#Seite_77">77</a>, <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">Stahldrahtbürste (<a href="#fig16">Abb. 16</a>) <a href="#Seite_76">76</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Steinsalzmethode <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx">Strichlagen <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx">Strich und Ton <a href="#Seite_77">77</a></li> - -<li class="ifrst">Teilätzungen <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_40">40</a>, <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">Terpentin <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_44">44</a></li> - -<li class="indx">Terpentinessenz <a href="#Seite_38">38</a></li> - -<li class="indx"><span class="pagenum" id="Seite_105">[105]</span>Tiefdruck <a href="#Seite_3">3</a></li> - -<li class="indx">Tonen beim Drucken <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx">Tonungsmittel (auf der Platte) <a href="#Seite_79">79</a>, <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="ifrst">Überhitzen der Platte <a href="#Seite_13">13</a></li> - -<li class="indx">Unschlitt <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx">Unterfressen der Stege <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_71">71</a></li> - -<li class="indx">Unterschied zwischen Zartheit und Helligkeit <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="ifrst">Verstählen <a href="#Seite_62">62</a></li> - -<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln bei Bereitung des Ätzgrundes <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln beim Anrauchen der Platte <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx">Vorsichtsmaßregeln beim Hantieren mit Säuren <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="ifrst">Wachsfackel <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx">Wahl des Motivs <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx">Walze – Grundierwalze (<a href="#fig02">Abb. 2</a>) <a href="#Seite_14">14</a></li> - -<li class="indx">Walzendruck <a href="#Seite_58">58</a></li> - -<li class="indx">Walzenpresse <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_99">99</a></li> - -<li class="indx">Wasserdichter Ätzdamm <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx">Wasserdichtes Aufmachen der Platte auf die Glastafel <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx">Wechselbeziehungen zwischen Nadelstärke, Ätzwasserstärke und Ätzdauer; ihr Einfluß auf den Charakter des Bildes <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx">Weißer Ton <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx">Wischer <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="ifrst">Zahl der erreichbaren Abzüge <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx">Zahl der Teilätzungen <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx">Zeitungspapier <a href="#Seite_44">44</a></li> - -<li class="indx">Zerkratzen der Platten und des Ätzgrundes (Schutzmittel) <a href="#Seite_8">8</a>, <a href="#Seite_18">18</a></li> -</ul> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_106">[106]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Raum_fuer_Bemerkungen">Raum für Bemerkungen.</h2> -</div> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="transnote chapter" id="tnextra"> -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> -<p> -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -Die wiederholten Seiten »Raum für Bemerkungen« wurden entfernt. -</p> -</div> -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DIE RADIERUNG</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. 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The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work -on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the -phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: -</div> - -<blockquote> - <div style='display:block; margin:1em 0'> - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most - other parts of the world at no cost and with almost no restrictions - whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms - of the Project Gutenberg License included with this eBook or online - at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. 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Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg™ License. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format -other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg™ website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain -Vanilla ASCII” or other form. 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If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68735-h/images/cover.jpg b/old/68735-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7432916..0000000 --- a/old/68735-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68735-h/images/illu-004.jpg b/old/68735-h/images/illu-004.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 2a94fc4..0000000 --- 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